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Title: Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden
Author: Baader, Bernhard [Editor]
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden" ***

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Neugesammelte Volkssagen

aus dem Lande Baden

und den

angrenzenden Gegenden.


Von

Bernhard Baader.


Zugleich als Nachtrag zu des Verfassers Werke: Volkssagen aus dem
Lande Baden &c.


Karlsruhe.

A. Geßner'sche Buchhandlung.

1859.



Vorbericht.


Zu meinen »Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden«
(Karlsruhe 1851) erscheint hier ein Nachtrag. Darin gebe ich mit
gewissenhafter Treue wieder Sagen, die ich bis auf eine dem Volksmunde
entnommen habe, und füge mehrere im Hauptwerke vorzunehmende
Berichtigungen bei. Gerne hätte ich einen förmlichen zweiten Theil
geliefert, aber bei meinem vorgerückten Alter war ich dazu außer Stande,
und ich überlasse nun rüstigeren Kräften, aus unserem sagenreichen Lande
weitere Schätze zu Tage zu fördern.

Karlsruhe, den 15. September 1858.

                                                     _Bernhard Baader._



Inhaltsverzeichniß.


                                                                   Seite

    1. Die Eisschreiber                                                1

    2. Poppele beschenkt Arme                                          1

    3. Kirschen in Geld verwandelt                                     2

    4. Teufelsritze                                                    3

    5. Das beschirmte Kruzifix                                         3

    6. Spukgeist bei Ruchenschwand                                     3

    7. Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres                             4

    8. Mildthätiges Männlein                                           4

    9. Schatz gehoben                                                  5

   10. Hostie vor Entheiligung bewahrt                                 6

   11. Die Basler Silberglocke                                         7

   12. Wie der Teufel in einen Mann kommt                              7

   13. Geist gebannt                                                   7

   14. Die Burg Rötteln                                                9

   15. Die Häfnet-Jungfrau                                             9

   16. Erdleute                                                       10

   17. Reiter mit Geisfüßen                                           12

   18. Zigeuner                                                       13

   19. Zaubermelkerei                                                 14

   20. Fronfastenweiber                                               15

   21. Brennende Männer                                               15

   22. Goldtinktur                                                    16

   23. Geist unter der Hölzlesbrücke                                  16

   24. Heiligkeit des Sonnabends                                      16

   25. Scherben werden zu Goldstücken                                 17

   26. Sitzenkirch                                                    17

   27. Die Sausenburg                                                 17

   28. Kraft des Wolfssegens                                          20

   29. Kind von Gold                                                  21

   30. Kreuz zu St. Trutbert                                          22

   31. Geld in Asche verwandelt                                       22

   32. Brandkorn wird zu Gelde                                        22

   33. Messen nachgeholt                                              23

   34. Weiße Jungfrau                                                 24

   35. Geist nieset                                                   25

   36. Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb                          26

   37. Geistige Nonne                                                 26

   38. Geld sonnt sich                                                27

   39. Geldmännlein                                                   27

   40. Todter von Erde und Wasser ausgeworfen                         28

   41. Todtenvorschau                                                 29

   42. Hexe als Hase                                                  29

   43. Die Grüninger Kapelle                                          30

   44. Der Schatz im Ambringer Grunde                                 31

   45. Kirchenverhöhnung bestraft                                     32

   46. Die Tafel bei Kirchhofen                                       32

   47. Das Brunnenbecken zu St. Ulrich                                33

   48. Das Huttenweiblein                                             34

   49. Der heilige Bernhard zu Freiburg                               35

   50. Pferde schauen zum Speicher hinaus                             36

   51. St. Martin bei Oberried                                        37

   52. Schützen-Klaus                                                 38

   53. Teufel helfen am Bau der Eisenbahn                             38

   54. Des Schwarzenberger's Bekehrung                                38

   55. Forelle am Kandelfelsen                                        39

   56. Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's                40

   57. Der Ahornbauer                                                 41

   58. Der Blindensee will ausbrechen                                 41

   59. Zum todten Hund                                                42

   60. Messen angelobt                                                42

   61. Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf                    43

   62. Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten                       44

   63. Mordthat offenbart                                             45

   64. Wunderbarer Hirsch                                             46

   65. Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier                    47

   66. Das Grabenthier                                                47

   67. Gespenstiges Thier                                             47

   68. Feenweg                                                        48

   69. Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach             49

   70. Verwunschener Schüler                                          50

   71. Geist erlöst                                                   50

   72. Die lange Ell                                                  51

   73. Der Teufel kommt um die Beute                                  51

   74. Reden bringt um den Schatz                                     52

   75. Feiertags-Entheiligung bestraft                                52

   76. Schatz und Spuk auf der Schauenburg                            53

   77. Teufelsstein                                                   53

   78. St. Antonius bei Oberachern                                    54

   79. Hohinrot's Erbauung                                            55

   80. Brigitte                                                       55

   81. Wunderquelle                                                   57

   82. Vergeltung                                                     57

   83. Gotteslästerung bestraft                                       58

   84. Kröten in Geld verwandelt                                      58

   85. Schatz versinkt beim Fluchen                                   58

   86. Bestrafte Sakramentschänder                                    59

   87. Stole schützt vor dem höllischen Feuer                         59

   88. Mariabild zu Steinbach                                         61

   89. Meisterschuß                                                   62

   90. Bund mit dem Teufel                                            62

   91. Geist vertragen                                                64

   92. Lichtenthals Erbauung                                          65

   93. Erdweiblein                                                    66

   94. Fordere den Teufel nicht heraus                                67

   95. Seefrauen                                                      67

   96. Forbachs ältestes Haus                                         69

   97. Verwünschung                                                   69

   98. Der Wolfsstein                                                 70

   99. Knorr                                                          70

  100. Der Grafensprung                                               72

  101. Erdweiblein                                                    72

  102. Schatz bei Gernsbach                                           73

  103. Der Bildstock am Hördtelstein                                  74

  104. Schätze bei Michelbach                                         75

  105. Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn                      76

  106. Steine in Geld verwandelt                                      77

  107. Der Rötterer Berg bei Rastatt                                  77

  108. Steinbild in Sulzbach                                          78

  109. Doppelmord wegen eines halben Kreuzers                         79

  110. Messe nachgeholt                                               79

  111. Burgstadel                                                     80

  112. Spielleute beim Hexentanz                                      82

  113. Der Jungfernsprung bei Dahn                                    83

  114. Schatz gehoben                                                 84

  115. Die Schlorpengasse                                             84

  116. Laß die Todten ruhen                                           85

  117. Todesvorzeichen                                                85

  118. Schuhwechsel                                                   86

  119. Todesvorzeichen                                                86

  120. Der Thurmberg bei Durlach                                      87

  121. Schatz ausgeliefert                                            89

  122. Der Feuerschläger                                              90

  123. Königsbach                                                     90

  124. Nachgeholte Wallfahrt                                          92

  125. Geist zu Weingarten                                            93

  126. Marienburg                                                     93

  127. Reden bringt um den Schatz                                     94

  128. Wie Bruchsal um den Eichelberg kam                             95

  129. Muttergottesröslein                                            96

  130. Hexenkuchen                                                    96

  131. Tochter dem Teufel verschrieben                                97

  132. Gespenstige Rathsversammlung                                  100

  133. Meerweiblein                                                  100

  134. Zauberarbeit                                                  102

  135. Raubmörder geht um                                            102

  136. Einem Todten gehört ein Licht                                 103

  137. Ladung vor Gottes Gericht                                     104

  138. Schatzhöhle bei Waldangelloch                                 104

  139. Fahrsamenbesitzer und Banner                                  105

  140. Schatz bei Sinsheim                                           108

  141. Fußstapfe im Stein                                            108

  142. Vorzeichen reicher Weinernte                                  108

  143. Der wilde Jäger                                               109

  144. Geisterlärm verhindert Waldfrevel                             109

  145. Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht            110

  146. Boxberg's Name                                                110

  147. Dosten und Johanniskraut schützt vor dem Teufel               110

  148. Hexe verunglückt                                              111

  149. Hexenstein                                                    111

  150. Hexe als Gans                                                 112

  151. Goldene Kugel                                                 112

  152. Hexe als Löwe                                                 113

  153. Heiligenfrevel bestraft                                       113

  154. Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt                            114

  155. Der Radstein                                                  114



1.

Die Eisschreiber.


Als in einem kalten Winter der Bodensee zugefroren war, schrieben die
Konstanzer dies Ereigniß, um es der Nachwelt kund zu thun, in die
Eisdecke des Sees ein, die mit dem kommenden Frühjahr wieder zu Wasser
wurde.



2.

Poppele beschenkt Arme.


In der Gegend von Hohenkrähen kamen zwei wandernde Handwerksbursche zu
einer Kegelbahn, auf welcher der Spukgeist Poppele, der ihnen unbekannt
war, allein Kegel schob.

Er lud sie ein, um Geld mitzuspielen, was sie auch, trotz ihrer wenigen
Kreuzer, darum thaten, weil er lauter Goldstücke einsetzte. Nicht lange,
so hatten die Bursche ihre Baarschaft verspielt. Um sie darüber zu
trösten, schenkte er jedem einen Kegel. Der eine schnallte den seinigen
sich auf's Felleisen, der andere aber warf den ihm gehörenden in's Gras
weg, sobald sie dem Poppele aus dem Gesicht waren. Nach einer Weile
wurde dem erstern das Felleisen so schwer, daß er durch seinen Gefährten
nachsehen ließ, und siehe, der Kegel glänzte und war von gediegenem
Golde. Unverweilt lief nun der andere Bursche auf den Platz zurück, wo
er den Kegel hingeworfen, und sah ihn auch noch daliegen; aber als er
ihn aufheben wollte, erhielt er von Poppele, der plötzlich dastand, eine
tüchtige Ohrfeige, wobei derselbe sprach: »Den Kegel lässest Du liegen;
Du hast ihn gehabt, warum hast Du ihn nicht behalten!«

Eine hochschwangere Frau von Schlatt bedachte unterm Grasen, daß sie bei
ihrer Armuth und ihres Mannes Trunksucht im Wochenbett keine Labung
haben werde, und that den Wunsch: der Geist Poppele möge ihr helfen. Da
kam er, als Jäger, und fragte, was sie wolle. Nachdem sie ihm ihre Lage
geschildert hatte, bat sie ihn um ein Fäßlein guten Weines. Er ließ sie
gleich ein leeres von Haus herholen und füllte es dann aus einem andern,
indem er sagte: »Den Wein laß Dir schmecken, und Du brauchst nicht damit
zu sparen; aber Deinem Mann darfst Du keinen Tropfen geben!« Die Frau
machte es so und schenkte auch andern Armen von dem Weine, der im
Fäßlein kein Ende nahm. Nachdem sie den Bitten ihres Mannes, ihm auch
von dem Wein zu geben, lange widerstanden hatte, erlaubte sie ihm
endlich, sich ein Krüglein voll zu holen; allein als er den Hahn des
Fäßleins aufdrehen wollte, stand Poppele plötzlich da und gab ihm eine
derbe Ohrfeige, mit den Worten: »Der Wein ist nicht für Dich, Du
Verschwender! sondern für Deine Frau, die aber jetzt auch keinen mehr
hat.« Das Fäßlein war nun leer und auf immer versiegt.



3.

Kirschen in Geld verwandelt.


Im Gemeindewaschhaus zu Stühlingen sah einmal eine Frau einen Haufen
schöner Kirschen in einer Ecke liegen. Sie steckte davon ein Paar
Handvoll für ihre Kinder ein, aber als sie sie daheim herauszog, waren
sie in Dreibätzner verwandelt. Schnell begab sich die Frau in das
Waschhaus zurück; allein sie fand dort weder Kirschen mehr, noch
Geldstücke.



4.

Teufelsritze.


Am Vorabend von Nikolaus vermummten sich in Dittishausen zwölf Bursche
als Pelznikel und gingen umher in die Häuser. Als sie auf die Wohnung
eines gottseligen Mannes zukamen, bemerkte derselbe, daß es dreizehn
seyen; in seiner Stube waren es dann nur zwölf und nachher auf der
Straße abermals dreizehn. Dieses kam ihm so verdächtig vor, daß er sie
an's Haus zurück rief und alle mit Weihwasser besprengte. Da fuhr der
dreizehnte mit fürchterlichem Gebrülle davon in die Lüfte. Hierbei
kratzte er in den Giebel des Nachbarhauses mehrere zollbreite,
bogenförmige Ritze, welche durch den Verputz bis in den Stein gehen und
nicht mehr vertilgt werden können.



5.

Das beschirmte Kruzifix.


Über dem Haupteingang der St. Blasier Kirche steht ein ehernes Kreuz mit
vergoldetem Heiland. Dasselbe wollte die weltliche Regierung, als sie in
den Besitz des Klosters kam, herunter nehmen lassen; allein es war nicht
von der Stelle zu bringen, und der Arbeiter fiel herab und brach das
Bein. Auf dieses ist man von der Wegnahme des Kruzifixes abgestanden.



6.

Spukgeist bei Ruchenschwand.


Franz Oberst zu Ruchenschwand erzählte:

Wenn ich beim Heimgehen von Oberalpfen nach dem Abendgeläute auf den
Steg kam, fiel ich jedesmal hinunter in den Graben und hörte dabei einen
Unsichtbaren meinen Namen rufen. Dann sah ich eines Sonntags, wo ich
später als sonst zurückging, im Wald einen Schimmel allein umherlaufen.
Nachdem ich ihm lange nachgejagt, fing ich ihn und ritt auf ihm unserm
Orte zu, wohin er mir zu gehören schien. Aber in der Nähe des Grabens
warf mich das Pferd plötzlich ab, verwandelte sich in ein schwarzes,
zottiges Thier, und sprang in eine benachbarte Grube. Nun wußte ich, wer
am Stege so oft mich gefoppt, und hütete mich fortan, nach der
Abendglocke diesen Weg zu machen.



7.

Vorzeichen eines fruchtbaren Jahres.


Am Feste des heiligen Fridolin wird dessen Haupt zu Säckingen in
Prozession umhergetragen. Ist da diese Reliquie schwer, so wird das Jahr
ein fruchtbares.



8.

Mildthätiges Männlein.


Auf einem gewissen Berge der obern Rheingegend weidete ein Schäfer
seine Heerde, und eben wollte er sein kärgliches Mittagsmahl verzehren,
als er ein altes Männlein am Stabe auf sich zukommen sah. Dasselbe
grüßte ihn und nahm seine Einladung, mitzuessen, an. Während sie
beisammen saßen, erkundigte sich das Männlein nach des Schäfers
Verhältnissen, und als es gehört, daß er viele Kinder und kein Vermögen
habe, hieß es ihn, ihm folgen. Sie gingen nun auf dem Berge fort und
gelangten zu einer großen, glatten Felswand, in welcher eine steinerne
Thüre und über derselben ein rundes Loch war. Aus diesem holte das
Männlein einen Schlüssel hervor, schloß damit die Thüre auf und trat
nebst seinem Begleiter durch sie in eine Felsenkammer, worin zwei Kisten
und auf einem runden Steintische eine Flasche standen. Auf Geheiß seines
Führers schlug der Schäfer die Deckel der Kisten in die Höhe, deren eine
mit Silber-, die andere mit Goldmünzen angefüllt war. »Nimm Dir nur«,
sprach das Männlein, »von dem Gelde, so viel du willst; die Flasche aber
mußt du stehen lassen, denn sie enthält die Goldtinktur!« Ohne zu
säumen, pfropfte der Schäfer alle seine Taschen mit Goldstücken voll und
folgte dann dem Männlein wieder aus der Kammer, welches deren Thüre
zuschloß, den Schlüssel in das Loch legte und nach wenigen Schritten
verschwand. In großer Freude brachte der Schäfer das Geld nach Hause,
sparte es aber nicht, weil er dachte, sich leicht wieder anderes zu
verschaffen. Als er nun keines mehr hatte, trat er getrost den Weg nach
dem Felsen an, dessen Aussehen und Lage im Angesicht dreier Kirchthürme
er sich wohl gemerkt hatte. Trotz alles Umhersuchens auf dem Berge
konnte er aber weder den Felsen, noch die Stelle, von wo drei
Kirchthürme zu sehen, wieder auffinden.



9.

Schatz gehoben.


Im Walde bei Brugg zeigte sich öfters unter einer Weißhasel ein
nächtliches Lichtlein. Daraus schloß eine Frau, daß dort ein Schatz
vergraben sey, und nahm sich vor, ihn zu heben. In dieser Absicht ging
sie mit ihren beiden Söhnen nach verrichtetem Gebet um Mitternacht
dahin. Sie hatten brennende Kerzen, Palmen und eine Ruthe von einer
Weißhasel bei sich, was Alles geweiht war. Nachdem sie eine Weile dort
gegraben, stießen sie im Boden auf einen schwarzen Hund, welcher auf
einer eisernen Kiste saß. Er hatte feurige Augen und knurrte
unaufhörlich. Ohne sich hierdurch schrecken zu lassen, schlugen sie mit
der Ruthe so lange auf ihn, bis er sich in die Erde verkroch. Alsdann
hoben sie die Kiste ungestört heraus und brachten sie nach Hause, wo sie
dieselbe ganz mit altem Silbergelde gefüllt fanden.



10.

Hostie vor Entheiligung bewahrt.


Ein Mann in Brig, welcher für sehr fromm galt, verschied, nachdem er
von einem der dortigen Jesuiten die Sterbsakramente empfangen hatte. In
der Nacht nach seiner Beerdigung klopften um zwölf Uhr zwei schöne
Jünglinge an die Pforte des Kollegiums und verlangten den Jesuiten, der
die leere Hostienkapsel mitnehmen solle. Derselbe kam und wurde von
ihnen nach Glis, wohin Brig eingepfarrt ist, auf den Kirchhof geführt.
Dort öffneten sie das Grab und den Sarg des Mannes; letzterer richtete
sich in die Höhe und machte den Mund auf, worin die heilige Hostie noch
unversehrt auf der Zunge lag. Von dieser nahm der Pater, auf Geheiß
seiner Führer, die Hostie in die Kapsel, worauf der Todte mit verzerrtem
Gesicht in den Sarg zurücksank. Nachdem die Jünglinge das Grab wieder
zugescharrt hatten, geleiteten sie den Jesuiten bis an die Pforte des
Kollegiums, wo sie vor seinen Augen verschwanden. Da erkannte er, daß es
zwei Engel waren. Bald nachher stellte sich heraus, daß der Verstorbene
ein sündhaftes Leben geführt habe und seine Frömmigkeit nur Heuchelei
gewesen sey.



11.

Die Basler Silberglocke.


Zur ersten Zwinglischen Predigt im Münster zu Basel sollte mit der
alten, hochgeweihten Silberglocke geläutet werden; aber beim ersten Zuge
fiel sie aus dem Thurm in den Rhein hinab. Man weiß die Stelle, wo sie
liegt, und hat schon mehrmals versucht, sie herauszuziehen; es wird
jedoch erst dann gelingen, wenn das Münster wieder eine katholische
Kirche ist.



12.

Wie der Teufel in einen Mann kommt.


Auf dem Dinkelberg ward aus einer Besessenen der böse Geist getrieben,
wobei er um die Erlaubniß bat, in einen Grashalm zu fahren. Nachdem er
sie vom Priester erhalten hatte, sprach er: »So, nun wohne ich in
vierzehn Tagen wieder in einem Menschen«. »Wie so?« fragte der
Geistliche, und darauf antwortete der Teufel: »Der Grashalm, in welchen
ich fahre, wird einer Kuh zu fressen gegeben; dadurch komme ich in sie
und mit ihrer ungeseihten Milch in einen Mann, der von derselben aus dem
Melkkübel trinkt«. Wirklich war in vierzehn Tagen der Mann, welcher in
einer andern Gegend wohnte, vom bösen Geiste besessen.



13.

Geist gebannt.


In einem Haus auf dem Dinkelberg spukte der verstorbene Eigenthümer so
arg, daß die Bewohner beschlossen, ihn fortzuschaffen. Zu diesem Zweck
ließen sie nacheinander einige Geistliche kommen; aber keiner derselben
vermochte über das Gespenst Herr zu werden. Endlich ward ein Priester
von ausgezeichneter Frömmigkeit berufen, zu welchem der Geist gleich
sagte: »Was willst Du mit mir, hast Du nicht auch einmal, beim
Vorbeigehen an einem Rübenacker, eine Rübe herausgezogen?« »Ja, das habe
ich gethan,« antwortete der Geistliche, »aber weißt Du nicht, daß ich
nur die eine Hälfte aß und in die andere, welche ich zurückließ, einen
Groschen steckte und damit die ganze Rübe übergenug bezahlte?« Auf
dieses mußte das Gespenst schweigen und dann, auf des Priesters
Beschwörung, sich in eine Flasche begeben. Dieselbe wurde nun zugedeckt
und von einem rüstigen Mann in einem neuen Reff nach dem Feldberg, dem
Bestimmungsort des Geistes, getragen. Unterwegs durfte der Mann nicht
rückwärts sehen, keinen Schritt zurückgehen und das Reff nicht
abstellen, obgleich die Flasche von Schritt zu Schritt schwerer wurde.
Als er anfing, den Feldberg zu besteigen, rief hinter ihm eine Stimme:
»He, ihr geht ja fehl, wenn ihr auf den Feldberg wollt, so müßt ihr den
andern Weg einschlagen!« Betroffen schaute er um, und erblickte Niemand;
aber im Augenblick war die Flasche weg und wieder in dem Hause. Auf's
Neue mußte er sie von dort forttragen, diesmal jedoch machte er Alles
recht und gelangte, von seiner Last fast erdrückt, auf den Gipfel des
Feldbergs, wo das Gespenst zu bleiben gezwungen war. Auf diesen Berg
sind noch viele Geister gebannt, welche nach Kreuzerhöhung Nachts das
Vieh in den dortigen Ställen so arg plagen, daß die Hirten um diese Zeit
mit ihren Heerden den Berg verlassen müssen.



14.

Die Burg Rötteln.


Auf diesem verfallenen Bergschloß liegt viel Geld vergraben, bei dem ein
Fräulein in weißem Kleid und Schleier umgeht. Am Tage sitzt sie öfters
auf der Burgbrücke und spinnt, oder sie lustwandelt in der Umgebung des
Schlosses. Von da hat sie einmal Kindern vergebens gewinkt, zu ihr zu
kommen. Beim Mondschein wurde schon ein Unsichtbarer gehört, der, wie
unter einer Last keuchend, nach der Burg ging. In dieser erscheinen in
manchen Nächten gespenstige Lichter, auch schwebt zuweilen aus dem nahen
Wald eine einsame Flamme herbei und fährt an der steilen Mauer hinauf
und zu einem Erkerfenster hinein. Auf dem Burghof hat schon ein Mann
eine mannsdicke, baumlange Schlange in der Sonne liegen sehen, und in
früherer Zeit sind manchmal Nachts feurige Drachen von dem Schloß nach
der Chrischonakapelle oder von dieser nach jenem geflogen. Daselbst
befindet sich ein Kegelspiel, welches derjenige, der es fortnimmt, nicht
behalten kann, sondern wieder herbringen muß. Was man in den
Felsenkeller thut, wird in der Nacht von unbekannter Gewalt
herausgeworfen. Von der Burg geht ein unterirdischer Gang, unter dem
Wiesenfluß hinweg, in das Brombacher Schlößlein; er ist aber gegenwärtig
großen Theils verschüttet.



15.

Die Häfnet-Jungfrau.


In dem Schlößlein zu Steinen wohnten vor Zeiten die Zwingherren der
Gegend. Die Tochter eines von ihnen war so hoffärtig, daß sie nicht auf
der bloßen Erde in die Kirche gehen wollte und darum sich stets vom
Schlößlein bis zum Kirchhof, ja über denselben bis zum Gotteshaus einen
Dielenweg legen ließ, der mit Tuch oder Taffet bedeckt werden mußte. Als
sie gestorben und beerdigt war, stand der Sarg in der nächsten Frühe
außen an der Kirchhofmauer, und eben so die zwei folgenden Morgen,
nachdem er jedesmal wieder auf dem Gottesacker eingegraben worden war.
Auf dieses lud man den Sarg auf einen zweirädrigen Wagen, spannte an
letztern zwei junge, schwarze Stiere, welche noch kein Joch getragen,
und ließ sie laufen, wohin sie wollten. Stracks gingen sie auf den
Häfnetbuck, wo sie, im unwegsamen Wald, an einer Quelle stehen blieben.
Hier nun verscharrte man den Sarg, wo er auch im Boden blieb; das
Fräulein aber geht daselbst um, und die Quelle heißt wegen ihr der
_Jungfernbrunnen_. Bei Sonnenaufgang wäscht und kämmt sie sich daran;
aber auch Vorübergehende, die schmutzig und ungestrehlt waren, hat sie
schon in dem Brunnen gewaltsam gereinigt und mit derben Strichen
gekämmt. Beim Schlößlein zeigt sie sich ebenfalls und pflegt dort im
Bach ihr Weißzeug zu waschen[1].

  [1] Wie man sieht, sind in Hebel's Gedicht »Die Häfnet-Jungfrau« die
  Hauptzüge der Sage beibehalten.



16.

Erdleute.


Als in der Höhle bei Hasel noch Erdleute wohnten, kamen sie nicht
allein in dieses Dorf, sondern auch in die andern Orte der Umgegend. Die
Erdweiblein brachten den Leuten von ihrem frisch gebackenen Kuchen,
wiegten in Abwesenheit der Mütter die kleinen Kinder, fanden Abends mit
ihren Rädern sich in den Spinnstuben ein, blieben aber nie länger, als
bis zehn Uhr, weil sonst, wie sie sagten, ihr Herr sie zanke. Auch
halfen sie und die Erdmännlein Hanf schleißen, das Vieh pflegen (welches
dabei vorzüglich gedieh), die Frucht schneiden und in Garben binden.
Hierbei sprang einmal einem der Männlein ein Knebel so heftig an den
Kopf, daß es ein klägliches Geschrei erhob. Auf dieses liefen alle
Erdleute aus der Nähe herbei und fragten, was geschehen sey; aber als
sie es erfahren, gingen sie mit den Worten: »Selber than, selber han«
wieder auseinander. Bei Hausen hatten sie eine kleine Höhle, die das
_Erdmännleinsloch_ hieß, und in die dortige Hammerschmiede kamen oft
Nachts solche Männlein und arbeiteten wacker mit.

Ein anderes Erdmännlein pflegte bei Nacht in der Wehrer Mühle, wenn der
Müller schlief, für ihn zu mahlen. Weil es immer so schlecht gekleidet
war, ließ er ihm heimlich einen neuen Anzug machen, legte ihn Abends auf
den Mühlstein und dann sich oben an eine Speicheröffnung, um das
Männlein zu beobachten. Als dasselbe kam und die Kleider sah, zog es sie
sogleich an, ging darauf hinweg und betrat die Mühle niemals wieder.

Für ihre Dienstleistungen begehrten die Erdleute nur hie und da Obst
oder reinlich bereiteten Kuchen. Wo sie hinkamen, brachten sie Glück und
Segen; durch Fluchen aber wurden sie augenblicklich vertrieben.

In dem Thälchen zwischen Wehr und Hasel war ein Erdloch, worin ein Mann
einen Dachs vermuthete. Er ließ seinen Hund hinein und hielt einen
offenen Sack hart an dasselbe. Nicht lange, so sprang etwas in den Sack,
welchen der Mann sogleich zuband und, ihn auf den Rücken nehmend, davon
ging. Plötzlich rief in der Nähe ein Erdmännlein: »Krachöhrle! wo bist
du?« »Auf dem Buckel, im Sack!« antwortete aus diesem eine Stimme und
belehrte so den Mann, daß er, statt eines Dachses, ein Erdmännlein
gefangen habe, welches er dann ungesäumt in Freiheit setzte.



17.

Reiter mit Geisfüßen.


Ein Mann aus Zell erzählte. »Als ich in einer Winternacht auf dem
Heimwege in der Hausener Hammerschmiede eingesprochen hatte, hörte ich
nach 11 Uhr einen Reiter herankommen, in dem ich einen Begleiter zu
finden hoffte. Ich machte die Thüre auf und sah im Scheine des
Schmiedfeuers draußen einen Rappen vorbei schreiten, welcher seinen
jenseits neben ihm gehenden Reiter fast ganz verdeckte. Nur so viel
konnte ich wahrnehmen, daß derselbe Ziegenfüße habe. Neugierig folgte
ich ihm bald und war, da er sehr langsam ritt, in Kurzem nicht mehr weit
von ihm. Plötzlich stürzte er mit seinem Pferde links in den
Straßengraben.

Erschrocken rief ich ihm zu, ob ich ihm helfen solle, erhielt jedoch
keine Antwort, und im Graben war Alles mausstille. Da machte ich mich
weiter; aber bald hörte ich den Reiter mir nachsprengen. Um ihn im
Vorüberreiten zu betrachten, blieb ich stehen, allein da hielt auch er,
bis ich wieder fortging. Eben so machte er es, als ich bei der
Ziegelhütte ihn erwartete. An der Zeller Kapelle stellte ich mich zum
dritten Male auf, um ihn beschauen zu können; aber sobald er in ihre
Nähe kam, warf er schnell sein Pferd herum und jagte das Thal hinunter,
daß die Funken umher stoben. Jetzt wußte ich, daß der Reiter ein böser
Geist sey, welchen das Gotteshäuslein davon scheuchte.«



18.

Zigeuner.


Es mag hundert Jahre her seyn, daß im obern Wiesenthal eine Sippschaft
von fünf Zigeunern sich umher trieb. Sie besuchten besonders die
einsamen Höfe und ernährten sich mit Wahrsagen, Betteln und Stehlen.
Dies Letzte erleichterten sie sich dadurch, daß die Einen mit einem
Tonwerkzeug die Leute in die Stube lockten, und während sie ihren Marsch
spielten, welcher lautete:

  »Tummelt euch drin,
  Tummelt euch draus!«

konnten die Andern in Küche und Keller ungestört einpacken.

Eines Nachmittags begehrte das Zigeunerweib von einer Bäuerin Milch, und
als dieselbe antwortete, sie habe keine, sprach das Weib im Fortgehen:
»So sollt ihr auch keine haben!«

Beim Melken am Abend erhielt die Bäuerin von ihren sämmtlichen Kühen
keinen Tropfen Milch. Wegen all dieses Unfugs ließ endlich die Obrigkeit
die Zigeuner in Zell einsetzen und verurtheilte sie zum Tode.

Unter starker Bedeckung wurden sie aus dem Gefängniß geführt, um zum
Hochgericht zu gehen; allein kaum hatten sie die bloße Erde betreten, so
waren sie verschwunden. Durch eine weit verbreitete Streife fing man sie
zwar wieder ein; aber als man sie hinrichten wollte, ging es gerade wie
das vorige Mal. Hierdurch sicher gemacht, ließen die Zigeuner nach
einiger Zeit sich wieder in der Gegend sehen, und da sie ihr früheres
Unwesen fortsetzten, wurden sie von Neuem festgenommen. Damit sie jedoch
nicht auch diesmal der verdienten Strafe entgehen möchten, ließ man sie
nicht mehr die blose Erde betreten, sondern brachte sie über eine Brücke
aus dem Gefängniß auf den Sünderkarren, und ebenso von diesem auf das
Blutgerüst. Weil unter ihnen eine Jungfrau von außerordentlicher
Schönheit war, ließ die Obrigkeit ausrufen: Wenn Jemand das Mädchen
heirathen wolle, so solle er vortreten und sie in Empfang nehmen; es
würden ihr dann Leben und Freiheit geschenkt. Nicht ohne Hoffnung sah
die Jungfrau sich nach einem Retter um; aber aus Furcht vor ihrer
Heidenkunst meldete sich Keiner, und so ward sie, mit den vier andern
Zigeunern, enthauptet. Die Wiese, auf welcher dies geschehen, wird davon
noch heute die _Heidenmatte_ genannt.



19.

Zaubermelkerei.


Ein Steinhauer aus Zell erzählte: »Ehe ich Meister war, schaffte ich
eines Winters in einer Steingrube bei Rheinfelden. Neben mir arbeitete
ein Geselle, der, wenn er Durst hatte, seinen Spitzhammer in den
Gerüstbalken schlug, auf dem sein Arbeitsstein lag, sodann aus dem
Stiele des Hammers Milch in seinen Filzhut molk und daraus nach
Herzenslust trank. Als er mir auch einmal zu trinken anbot, dankte ich,
weil ich nicht wisse, was das für Milch sey, und darauf erwiderte er:
'Dies ist gewöhnliche Kuhmilch; der Bauer, welchem die Kuh gehört, weiß
aber nicht, warum sie ihm so wenig Milch gibt, und noch weniger, daß er
mich, einen Steinhauer, zum Melker hat.'«



20.

Fronfastenweiber.


In Zell hatte ein Adelsberger Mann für seine niedergekommene Frau ein
Fäßlein guten Weins gekauft, und wollte es in der Nacht heimtragen.
Unterwegs sah er aus der Ferne einige Frauen herbeikommen, die er an
ihren weißen Schleiern für Fronfastenweiber erkannte. Schnell verbarg er
das Fäßlein in den Weggraben und sich selbst eine Strecke davon hinter
eine Staude. Als die Weiber zu dem Fäßlein kamen, lagerten sie sich um
dasselbe, tranken lustig daraus und entfernten sich erst nach einer
guten Weile. Betrübt ging nun der Mann zu dem Fäßlein, welches er halb
ausgetrunken wähnte; allein beim Aufladen fand er es nur wenig leichter
geworden. Zu Hause zapfte er lange Zeit daraus, und als es gar nicht
leer werden wollte, schaute er endlich hinein: da war nichts mehr darin.
Ohne das Hineinsehen wäre aber das Fäßlein niemals leer geworden.



21.

Brennende Männer.


Auf den Matten und Äckern des Wiesenthales erscheinen in manchen
Nächten _brennende Mannen_, die bei ihren Lebzeiten durch Versetzung der
Marksteine ihre Grundstücke betrügerisch vergrößert haben. Mit
Blitzesschnelle fahren sie von einem Ort zum andern, springen den
Leuten, die etwas tragen, darauf, und lassen sich mit fortschleppen.
Einem Bauer von Freiatzenbach, welcher mit einem Sacke Mehl aus der
Zeller Mühle heimging, setzte sich ein solches Gespenst auf den Sack und
ließ sich, immer schwerer werdend, bis an dessen Hausthüre tragen. Als
dieselbe auf des Bauers Klopfen von seiner Frau geöffnet worden, rief
letztere aus: »Was Teufels hast du denn auf dem Sacke?« Da verließ das
Gespenst den Bauer, welcher wohl gemerkt hatte, daß er außer dem Mehle
noch einen brennenden Mann auf dem Rücken habe.



22.

Goldtinktur.


Vor sechszig Jahren lebte in Käsern ein Mann, welcher die Goldtinktur
aus Amerika mitgebracht hatte. Er arbeitete nichts, lag Tag und Nacht in
den Wirthshäusern und spielte um Goldstücke, die sein gewöhnliches Geld
waren. Wenn er solches bedurfte, kaufte er auf dem Werke zu Hausen
Eisenstäbchen, verwandelte sie durch Bestreichung mit der Tinktur in
Gold und ließ sich daraus in Basel Münzen schlagen.



23.

Geist unter der Hölzlesbrücke.


Unter dieser Brücke muß eine Vierthälerin als nächtlicher Geist waschen,
weil sie bei ihren Lebzeiten es oft Sonntag Vormittags gethan hat.
Leute, welche sie neckten, wurden schon von ihr in's Wasser getaucht und
tüchtig gewaschen und gestrehlt.



24.

Heiligkeit des Sonnabends.


Wenn früher die Bergleute Samstag Abends in den Gruben der Kanderner
Gegend arbeiteten, so kam stets das dortige Bergmännlein und verjagte
sie.



25.

Scherben werden zu Goldstücken.


Ein Holzhauer von Egerten, welcher unweit der versunkenen Stadt Nebenau
im Wald arbeitete, sah am Mittag ein Mädchen mit einem Korbe auf dem
Kopfe herbeikommen. In der Meinung, es sey eine Bekannte, die ihren in
der Nähe beschäftigten Leuten das Essen bringe, rief er ihr mit Namen,
und sogleich ließ sie den Korb fallen und lief von dannen. Voll
Verwunderung ging er zu dem Korbe, fand aber nichts, als zerbrochenes
Porzellangeschirr. Von diesem steckte er für seine Kinder viele
Stücklein ein, die, als er sie zu Hause herauszog, lauter Goldmünzen
waren. Sogleich eilte er in den Wald, um die übrigen Scherben zu holen;
allein dieselben waren nicht mehr vorhanden.



26.

Sitzenkirch.


Als die drei jungen Ritter von Kaltenbach in's Kloster gingen, fragte
sie ihre Schwester, was sie nun machen solle. »Sitz in d'Kirch und
bete!« erhielt sie von ihnen zur Antwort. Auf dieses stiftete das
Fräulein im benachbarten Thale ein Frauenkloster und nahm darin den
Schleier. Wegen der Rede ihrer Brüder gab sie dem Gotteshaus den Namen
_Sitzenkirch_, der auch auf das Dorf, welches später dort entstanden,
übergegangen ist.



27.

Die Sausenburg.


Diese Burg, gewöhnlich das Sausenharder Schloß genannt, liegt auf einem
waldigen Berge und ist nicht mehr bewohnbar. Von ihr haben unterirdische
Gänge nach Bürgeln und den Klöstern zu Sitzenkirch und in der Neuenbürg
sich gezogen. Bei Nacht schweben in ihr blaue Lichter umher, und da, wo
sie erlöschen, liegen Schätze vergraben. Auch eine weiße Jungfrau mit
einem Bund Schlüssel spukt daselbst, welche schön singt und an dem
Brünnlein unterhalb des Schlosses sich zu waschen und zu kämmen pflegt.
Manchmal geht sie nach der Neuenbürg und von da nach Bürgeln. Bei dem
Burggärtlein begegnete sie eines Tages einem Mann aus Sitzenkirch und
sagte ihm, seine Haare seyen nicht gekämmt, er solle heimgehen und
dieselben strehlen, was er auch eilig that.

Einem andern Mann, der Nachts zwischen elf und zwölf unterm Schloß
vorbeifuhr, rief sie dreimal: »Komm herauf!« und da er ihr nicht folgte,
jammerte sie: daß erst in hundert Jahren ein Kind geboren werde, welches
wieder sie erlösen könne.

Als sie einst in der Frühe von einem Kanderner Jungen, welcher bei der
Burg Vieh hütete, Brod begehrte, erhielt sie von ihm zur Antwort, er
habe keines. Hätte er »Helf Dir Gott« zu ihr gesagt, so hätte er ihre
Erlösung bewirkt.

Am Morgen des Charfreitags kam sie auf dem Schlosse zu einem Burschen
aus Vogelbach und bot ihm eine große Schachtel dar, mit den Worten:
»Nimm sie hin, dann machest Du mich und Dich glücklich!« Ohne die
Schachtel zu nehmen, ergriff der Bursche die Flucht, worauf er die
Jungfrau klagen hörte, daß sie nun noch lange, lange leiden müsse.

Ein anderes Mal sahen Vorübergehende, daß die weiße Jungfrau die
Schachtel aus einem Burgfenster heraushielt; aber als sie hingingen,
verschwanden Jungfrau und Schachtel. Andern Vorbeigehenden sind von ihr
kleinere Schachteln voll Geld zugeworfen worden. Buben, welche ihr den
Weg verunreinigten, hat sie ihren Bund Schlüssel um die Köpfe
geschlagen, und andere Knaben, die ihr Übles nachredeten, haben von
unsichtbaren Händen Ohrfeigen bekommen.

In einer Nacht gruben vier Männer auf einem Platze des Schlosses
stillschweigend nach einer Kiste voll Geld und es gelang ihnen, sie in
einiger Tiefe aufzufinden. Hierauf stiegen zwei hinab und banden an die
Kiste ein Seil, woran die beiden andern dieselbe heraufzuziehen
begannen. Plötzlich bemerkte der eine, daß über ihnen ein Mühlstein an
einem Bindfaden hing, und ein Männlein, das auf dem Steine saß, mit
einer Scheere nach dem Faden fuhr, um ihn zu durchschneiden. »Halt, der
Mühlstein fällt herunter!« rief der Mann im Schrecken, und sogleich
waren Kiste, Mühlstein und Männlein verschwunden.

An einer andern Stelle sah ein Knabe ein Häuflein glühender Kohlen,
worum auch schwarze lagen. Von den letztern steckte er mehrere ein und
fand sie zu Hause in Geld verwandelt.

Ebenso wurden Spreuer, die ein Vogelbacher Bube von einem Haufen in der
Burg wegnahm, in seiner Tasche zu Goldstücken.

Während ihre Ziegen unter dem Schlosse weideten, gingen einige Jungen
auf dasselbe, wo sie eine Menge schöner, bunter Schneckenhäuslein
umherliegen sahen. Als sie davon einsteckten, rief eine Stimme: »Jaget
die Geisen aus dem Haber!« Sogleich liefen die Knaben zu den Ziegen, die
aber ihren Weideplatz nicht verlassen hatten. Auch war weit und breit
Niemand, von dem der Ruf hätte herrühren können. Zu Hause fanden die
Buben die Schneckenhäuslein in Münzen verwandelt, auf der Burg aber,
wohin sie gleich wieder eilten, kein einziges mehr.

Vor neun Jahren kam am Engel zu Sitzenkirch ein Basler Herr mit seinen
erwachsenen Kindern, einem Sohn und einer Tochter, angefahren und fragte
unverweilt nach einem Knaben, der sie auf die Sausenburg führe. Mit
demselben gingen sie dann hinauf, wobei sie selbst eine Schachtel
trugen, die sie mitgebracht hatten. Oben angekommen, knieeten die Drei
von Basel zum Gebet nieder und ließen nachher aus der Schachtel ein
Eichhörnchen laufen. Hierauf begaben sie sich in den Engel zurück und
fuhren, nachdem sie eine Flasche Wein getrunken, wieder hinweg. Diese
Geschichte verursachte in der Gegend viel Gerede. Manche sagten, das
Eichhörnchen sey die weiße Jungfrau gewesen, die der Basler in seiner
Gewalt gehabt und wieder freigelassen habe; Andere dagegen erklärten
dasselbe für einen Hausgeist, welcher in diese Gestalt beschworen und
auf das Schloß gebannt worden sey.



28.

Kraft des Wolfssegens.


Als in den Waldungen der Sirnitz noch Wölfe hausten, pflegte ein
Schafhirt, welcher dort seine Heerde weidete, täglich beim Austreiben
unterm freien Himmel niederzuknieen und den Wolfssegen zu beten. In
Folge dessen ließen die Wölfe nicht allein die Schafe unangefochten,
sondern sie mischten sich sogar unter sie und thaten mit ihnen ganz
freundlich. Wenn der Hirt sie fort haben wollte, so durfte er nur mit
seiner Peitsche knallen: sie liefen dann ungesäumt weg und kamen an
demselben Tage nicht wieder. Für ihr gutes Verhalten mußte ihnen jedoch
aus der Heerde ein Opfer überlassen werden. Dazu bestimmte der Schäfer
eine junge Ziege, die er mit einer Schafglocke behängte und seiner
Heerde zugesellte. Als sie hübsch groß und fett geworden, sah eines
Tages ein Wolf, der neben ihr saß, bald sie mit gierigen, bald den
Hirten mit bittenden Augen an. »So nimm sie denn!« dachte dieser bei
sich, und im Augenblick faßte der Wolf die Ziege, erwürgte sie und,
nachdem er dreimal mit ihr im Kreis herumgesprungen, warf er sie auf
seinen Rücken und jagte dem Wald zu. Alle andern Wölfe rannten ihm nach,
und als sie tief im Gehölz waren, theilten sie getreulich unter sich ihr
Opfer.



29.

Kind von Gold.


Am Mittag wollte ein Bursch, der einsam auf dem Limberg Geißen hütete,
sich auf einen Steinhaufen zum Essen setzen, da sah er auf demselben ein
kleines Kind liegen, welches ganz von Gold war. Voll Freude hob er es
auf, wickelte es in seine Jacke und trieb dann sein Vieh heimwärts.
Nicht lange, so blieben einige Geißen zurück, er legte seinen Fund ab
und holte sie schleunig herbei. Nun wollte er das Kind wieder nehmen,
aber obgleich Niemand auf den Platz gekommen, war es verschwunden.

Nach der Aussage einer Münsterthaler Frau, die sich des Erdspiegels
bedient, liegt das goldene Kind jetzt im Limberg; es wird aber noch von
einem gefunden, welcher eine weiße Wolljacke anhat.



30.

Kreuz zu St. Trutbert.


In St. Trutbert ist ein silbernes Kreuz, beiläufig zwei Schuh hoch, das
auf der einen Seite den gekreuzigten, auf der andern den weltrichtenden
Heiland zeigt, und einen Kreuzpartikel einschließt. Dasselbe nahmen
einmal die Gläubiger des Klosters weg, um sich bezahlt zu machen; allein
sie konnten es nur bis Kropbach, durchaus nicht weiter, bringen. Auf
Dieses gaben sie es dem Kloster zurück und erließen demselben seine
ganze Schuld.



31.

Geld in Asche verwandelt.


Im Münsterthal stieß einst ein Mädchen beim Graben auf einen Hafen voll
Silbermünzen. Ungesäumt trug sie ihn heim, fand aber dort, statt des
Geldes, lauter Asche darin. Hätte sie, gleich bei Findung der Münzen,
etwas Geweihtes darauf gelegt, so würden sich dieselben nicht mehr haben
verwandeln können.



32.

Brandkorn wird zu Gelde.


In einem Hungerjahr kamen zwei arme Kinder, ein Mädchen und sein
Bruder, aus dem Münsterthal zu einem reichen Bauer und baten ihn um
Brod. Barsch abgewiesen, warteten sie vor dem Hause, bis das Tischtuch
zum Fenster hinaus ausgeschüttelt wurde, wo sie dann die Bröslein
auflasen und verzehrten. Hierauf gingen sie in die Scheuer, worin
gedroschen ward, und suchten die Brandkörner zusammen, um sie ihren
Eltern zu bringen. Auf dem Heimweg wurde dem Mädchen die Schürze und dem
Buben die Kappe, worin sie das Brandkorn trugen, sehr schwer, und als
sie sie zu Hause ausleerten, fiel zu ihrer und ihrer Eltern großen
Freude lauter Geld heraus. Nachdem der reiche Bauer dies erfahren hatte,
ließ er die übrigen Brandkörner auch sammeln und aufbewahren; allein
dieselben wollten sich nicht in Geldstücke verwandeln.



33.

Messen nachgeholt.


Zu Staufen schlief einmal ein Knabe unter dem Abendgottesdienst ein und
wurde beim Zuschließen der Kirche nicht bemerkt. Er erwachte erst in
Mitte der Nacht und sah am Altar einen Geistlichen im Meßgewand, der ihm
winkte, hinzukommen. Unerschrocken ging der Bube zu ihm und diente, auf
dessen Begehren, ihm Messe. Als sie zu Ende war, sagte der Priester dem
Knaben, er solle morgen um dieselbe Zeit sich wieder hier einfinden. In
der Frühe vom Küster aus der Kirche gelassen, offenbarte der Bube das
Geschehene alsbald dem Pfarrer, der ihm rieth, dem Begehren des Geistes
in Allem zu willfahren, demselben jedoch, wenn er sich bedanke, nicht
die Hand, sondern den rechten Rockflügel zu reichen. Diesem folgend,
diente der Knabe in der nächsten Nacht dem Priester abermals Messe und,
auf dessen Bestellung, auch in der dritten Nacht. Nachdem das letzte
Evangelium gelesen war, sprach der Geist zu dem Buben Folgendes: »Aus
meinem Leben her war ich noch schuldig, drei Messen zu lesen, und ich
konnte nicht zur ewigen Ruhe gelangen, bis ich sie abgehalten. Durch
Dich ist mir dieses nun möglich geworden; ich danke Dir dafür und gehe
jetzt ein in die Seligkeit, wohin Du mir bald folgen wirst.« Hierauf
legte er seine Hand auf den Rockflügel, welchen der Knabe ihm hinhielt,
und verschwand. In den Rock hatte sich die Hand schwarz eingebrannt,
weßhalb er, als Merkwürdigkeit, in der Kirche aufbewahrt wurde. Der Bube
war fortan stets in sich gekehrt und bereitete sich zu seinem Tode,
welcher auch in kurzer Zeit erfolgte.



34.

Weiße Jungfrau.


Vor sechszig Jahren sah ein Bube vom Rothenhof, als er zum ersten Male
mit dem Vieh in den dortigen Bergwald fuhr, auf dem Troge des
Tränkbrunnens eine weiße Jungfrau sitzen, die ihm hinwinkte. Erschrocken
eilte er auf den Weideplatz zu den andern Hirtenknaben und erzählte
ihnen, was ihm begegnet. Sie sagten ihm, die weiße Jungfrau sey schon
oft da gesehen worden, und wenn sie ihm wieder winke, solle er nur zu
ihr gehen. Am andern Tage that er dies und wurde von ihr mit folgenden
Worten angeredet. »Du kannst mich aus diesem Gebirge befreien, in
welchem ich schon zweihundert Jahre umgehe, und mir zum Himmel
verhelfen. Komm' heute Nacht um zwölf Uhr wieder hierher, dann wirst Du
von mir erfahren, was Du zu meiner Erlösung zu thun hast!« Nach diesem
war sie verschwunden. Zur bestimmten Zeit kam der Bube zu dem Brunnen,
auf dessen Trog der Geist wieder saß und sprach: »Geh' jetzt dort in den
Wald und hole mir den goldenen Kelch her, den Du unter einer großen
Tanne finden wirst. Es geschieht Dir kein Leid; Du darfst aber weder ein
Wort sprechen, noch Dich durch etwas irren oder schrecken lassen. Habe
ich den Kelch, dann fülle ich ihn hier am Brunnen, trinke ihn aus und
bin erlöst.« Gutes Muthes machte sich der Knabe auf den Weg und kam
richtig zur Tanne, worunter der Kelch sich befand. Da hörte er in der
Luft ein Gesause; er blickte empor und sah über sich einen großen
Mühlstein[2] an einem dünnen Faden hängen, welcher sich schnell
herumdrehte und auf ihn herabzustürzen drohte. Voll Schrecken stieß er
einen Schrei aus und floh über Hals und Kopf zum Brunnen zurück. »Nun
ist es um meine Erlösung geschehen!« klagte die Jungfrau, »und ich muß
wieder warten, bis die kleine Tanne hier zu einem Sägbaum geworden und
aus seinen frisch geschnittenen Brettern eine Wiege für ein neugeborenes
Kind gemacht ist. Wenn dasselbe dann Dein jetziges Alter erreicht hat,
so wird es mich von meinem Leiden befreien.« Hierauf verschwand die
Jungfrau, welche in der Folge wieder öfters am Brunnen gesehen worden
ist.

  [2] Andere sagen: ein gewaltiges Schwert.



35.

Geist nieset.


Drei Männer aus Krotzingen gingen einst Nachts von Staufen nach Hause.
Im Hohlweg hörten sie zweimal stark niesen; »Helf' Gott!« sagte jedesmal
der eine, aber als es zum dritten Male nieste, sprach er: »Wenn Dir Gott
nicht hilft, so helfe Dir der Teufel!« Da rief eine klägliche Stimme:
»Hättest Du noch einmal 'helf' Gott' gesagt, so wäre ich jetzt erlöst,
nun aber bin ich ewig verdammt!« und verhallte dann in Jammertönen[3].

  [3] Der Schluß dieser Sage ist eben so ungewöhnlich, als unkatholisch.



36.

Der Hunnenfürst mit dem goldenen Kalb.


Bei einem Einfall in Deutschland kamen die Hunnen nach Schlatt,
zerstörten das Frauenkloster bei dem Heilbrunnen und den größten Theil
des Dorfes. Zwischen diesem und dem Rheine trafen sie das Heer der
Deutschen und erlitten eine völlige Niederlage. Ihr Fürst fiel in der
Schlacht; er wurde von ihnen in einen goldenen Sarg gelegt, den ein
silberner und letzteren ein hölzerner umschloß, und mit seinen Schätzen
und einem lebensgroßen goldenen Götzenkalb drei Stunden von der
Hochstraße beerdigt. Über dem Grabe errichteten sie einen mächtigen
Hügel und rechts und links, in geringen Entfernungen, je einen kleinern,
damit die Feinde nicht wissen sollten, wo der Fürst begraben sey. Noch
immer ist dieser mit allen den Kostbarkeiten unaufgefunden. Auf dem
Schlachtfelde läßt in manchen Nächten Kampfgeschrei und Waffengetös
unsichtbarer Streiter sich hören[4].

  [4] Diese Erzählung ist genauer, als die unter Nr. 41 des Hauptwerkes
  mitgetheilte.



37.

Geistige Nonne.


Die Stifterin des ehemaligen Klosters der Lazaristinnen zu Schlatt
erscheint noch dort in manchen Nächten. In ihrer Ordenstracht, mit
goldglänzenden Schuhen, geht sie schweigend, die Hände übereinander
gelegt, von dem Platze des Klosters durch das Herrengäßlein in die
Herrenreben. Wer ihr über seine _rechte_ Schulter nachschaut, dem
verschwindet sie sogleich, wer es aber über die _linke_ thut, der sieht
sie bis in die erwähnten Reben.



38.

Geld sonnt sich.


Während der Mittagsruhe sahen einmal die Steinbrecher von Biengen auf
dem nahen Schlatter Rebberg einen schimmernden Haufen liegen. »Heute ist
der erste März, da sonnen sich die Schätze,« sprach einer von ihnen und
eilte nach dem Berge. Dort fand er nur thönerne Scherben und nahm einige
zu seinen Genossen mit. Diese zerschlugen sie in kleine Stücke, deren er
etliche einsteckte, um sie seinem Meister zu zeigen. Als er dies am
nächsten Morgen thun wollte, fand er statt ihrer zerschlagene
Silbermünzen, auf dem Berg aber, wohin er sogleich lief, keine Scherben
mehr und keine Geldstücke.



39.

Geldmännlein.


In Hausen an der Möhlin hatte eine Frau ein sogenanntes Geldmännlein.
Dies war eine lebende Kröte, welche sie in einer Schachtel aufbewahrte,
täglich in einem Glase Rothwein badete und dann dasselbe austrank. Jeden
Abend legte sie einen Thaler zu der Kröte in die Schachtel, und am
andern Morgen konnte sie stets zwei solcher Geldstücke herausnehmen.
Nachdem sie so sich genug Vermögen gesammelt, suchte sie das
Geldmännlein zu verschenken, allein sie brachte es nicht an und starb
endlich, ohne es los geworden zu seyn. Da füllte sich gleich das Haus
mit schwarzen Katzen, deren eine bei dem Leichnam sitzen blieb, bis er
begraben wurde. Auch nachdem dies geschehen war, tobten die Katzen in
dem Hause umher, und da sie auf keine Weise hinaus gebracht werden
konnten, ward es von seinen Bewohnern verlassen. Viele Jahre stand es
leer, endlich wurde es ganz neu hergestellt, und seitdem sind die Katzen
daraus verschwunden.



40.

Todter von Erde und Wasser ausgeworfen.


Ein Geizhals in Munzingen hatte viel Geld zusammengescharrt und der
Gemeinde Felder und Gerechtsamen wiederrechtlich entzogen. Nach seinem
Tode litt ihn die Erde nicht in sich, sondern stieß allnächtlich den
Sarg aus dem Grabe. Ebenso wenig duldete ihn das Wasser; denn als man
die Todtenlade durch den Bach in den Rhein flößen wollte, warf jener sie
alsbald an das Ufer.

Auf dieses wandte man sich an einen frommen Priester, welcher dann den
Geist des Verstorbenen herbei beschwur. Derselbe erschien in Gestalt
eines kleinen Schweines; er ward in einen Kasten gesperrt und auf einen
vierspännigen Wagen geladen. Mit diesem mußte nun so lange im Land
umhergefahren werden, bis ein dazu bestimmter namhafter Geldbetrag
verbraucht war. Nur Nachts durfte die Fahrt geschehen, wobei der Wagen
oft so schwer wurde, daß die Pferde ihn kaum fortbrachten. Bergab hatte
er Vorspann, bergauf den Hemmschuh nöthig. Seinen Führern war auferlegt,
daß Geld möglichst bald auszugeben. Zu dem Ende kehrten sie in jedem
Wirthshause ein, bezahlten die kleinste Dienstleistung, durften aber nie
mehr geben, als gefordert wurde. Dem Schweine ward täglich Fressen
vorgesetzt, und es auch stets von ihm verzehrt. Nachdem das Geld
verbraucht war, fuhr der Wagen wie jeder andere, und kehrte nach Hause
zurück. Daselbst ließ der Priester den Geist wieder frei und den Sarg
mit dem Leichnam in das Grab legen. In diesem konnte er nun bleiben, da
auch von des Verstorbenen Erben der Gemeinde ihr entzogenes Eigenthum
zurückgegeben worden war.



41.

Todtenvorschau.


Ein Nachtwächter in Ober-Rimsingen pflegte allnächtlich, wenn er beim
Ausrufen der Stunden an die Kirche kam, knieend ein Vaterunser zu beten.
Während dessen sah er stets diejenigen Ortsbewohner, welchen binnen
vierzehn Tagen der Tod bevorstand, auf den Plätzen des Kirchhofs knieen,
wo sie nachher begraben wurden.



42.

Hexe als Hase.


Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war Joseph Klingler herrschaftlicher
Jäger in Ober-Rimsingen und als trefflicher Schütze bekannt. Eines Tages
sah er auf dem Felde einen Hasen sorglos in seine Nähe kommen, er schoß
auf ihn, bekam von seinem Gewehr einen heftigen Stoß, und der Hase
hüpfte unverletzt von dannen.

Nachdem ihm dies noch einige Mal begegnet, wandte er sich an die
Kapuziner in Staufen. Von denselben erhielt er eine kleine Ladung
geweihten Pulvers mit der Weisung, dazu nur solche Schrote zu nehmen,
die nicht tödten könnten. Er that es, und als bald nachher der Hase
wieder gegen ihn kam, schoß er auf ihn, ohne vom Gewehr gestoßen zu
werden. Da floh derselbe im schnellsten Laufe nach dem Dorfe, und als
der ihm nacheilende Jäger auch dahin kam, hörte er, daß der Arzt zu der
Frau des Vogtes geholt werde, die einen Schrotschuß empfangen habe.
Jetzt wußte er, wer der Hase gewesen, welchen er fortan nicht wieder zu
Gesicht bekam.



43.

Die Grüninger Kapelle.


Im Jahr 1807 mußte dieses Kirchlein nach dem Willen der Herrschaft und
des Pfarrers eingehen. Dieser und der Verwalter hoben selbst das
Altarblatt weg, und letzterer rief den Arbeitern, welche sich scheuten,
die Gelübdebilder abzunehmen, höhnisch zu: »Werft die Kerle herunter,
daß sie die Beine brechen!« Am folgenden Tage wollte er, in Hausen an
der Möhlin, eine Leiter hinaufsteigen, aber auf der zweiten Sprosse
glitt er aus und brach den einen Fuß so stark, daß derselbe nach der
Heilung, wie ein Thierfuß aussah. Auch der Pfarrer wurde alsbald von
einer anhaltenden Krankheit heimgesucht. Nachdem er zwei Jahre vergebens
alle Mittel gegen sie angewendet, bat er eines Sonntags die versammelte
Gemeinde, ihm die Kapelle wiederherstellen zu helfen, da er es allein
nicht vermöge. Mit Freude ward diese Hilfe geleistet; bald stand das
Kirchlein schöner da, als zuvor, und am Tage der Einweihung war die
Krankheit des Pfarrers auf immer verschwunden.

Einige Zeit nachher zeigte sich in mehreren Nächten das Innere der
Kapelle von wunderbarem Glanz erleuchtet. Zwei Rheinwächter sahen beim
Heimgehen diese Erhellung und beschlossen, in das Kirchlein zu schauen.
Zu dem Ende ließ sich der eine vom andern zu einem Fenster emporheben;
aber kaum hatte er hineingeblickt, so verlangte er voll Schrecken wieder
hinab. Auf die Frage: was er in der Kapelle gesehen habe -- antwortete
er nur: »Schaut selbst!« und am dritten Tage war er eine Leiche.



44.

Der Schatz im Ambringer Grunde.


Auf dem _Schloßberg_ im Ambringer Grunde stand vor Zeiten eine
stattliche Burg, und in der Nähe war ein dazu gehörendes Bergwerk.
Dasselbe lieferte an Gold und Silber so reiche Ausbeute, daß die
Burgherren in einem unterirdischen Gewölbe große Schätze aufhäufen
konnten. Darunter befanden sich neun silberne Kegel und drei goldene
Kugeln, womit die Bergleute an Festtagen, nach der Vesper, zu spielen
pflegten. Der Schlüssel des Gewölbes war von Gold und hing auf dem Altar
der Schloßkirche, an dem goldenen Standbilde ihres Schutzheiligen
Martin. Eine halbe Stunde von der Burg wohnte in einer Waldklause, an
dem Ursprung der Felsenquelle, ein Einsiedler Namens Heini, welcher auf
dem Schlosse gut bekannt war. Plötzlich wurde dieses in der Nacht von
Feinden angegriffen und nach kurzer Gegenwehr eingenommen. Während sie
darin raubten, alle Bewohner ermordeten und es den Flammen Preis gaben,
gelang es dem Einsiedler, das Standbild des heiligen Martin nebst dem
goldenen Schlüssel zu retten. In das Gewölbe kamen die Feinde nicht, und
noch jetzt liegen alle die Reichthümer darin, wobei ein schwarzer Riese
und ein zottiger Bär Wache halten. Auch Bruder Heini, der mit dem
Standbild und Schlüssel bei dem _Eselbrunnen_, in tiefer Bergschlucht,
begraben ist, muß als Geist die Schätze hüten. Wie bei seinen Lebzeiten
geht er Mittags an der Quelle auf und ab, indem er aus einem Buche
betet. Wenn man ihm ruft, bleibt er stehen, aber ohne umzuschauen.

Einen Mann aus dem Münsterthal führte er eines Abends in die verfallene
Burg und darin in einen unterirdischen Gang, der vorn, in der Mitte und
hinten eine eiserne Pforte hatte. Die letzte derselben war eine
Gitterthüre, und alle drei wurden von dem Einsiedler mit dem goldenen
Schlüssel aufgemacht. Alsdann kamen sie in das Gewölbe, wo der Mann alle
die Reichthümer betrachten, aber nichts davon mitnehmen durfte. Beim
Herausgehen schloß Heini die Pforten wieder zu und außerhalb der Burg
schied er von dem Manne.

Das Bergwerk ist längst eingegangen, und von ihm nichts mehr übrig, als
ein halb verschütteter Schacht.



45.

Kirchenverhöhnung bestraft.


Als die Schweden Kirchhofen angezündet hatten und dann weiter zogen,
wandte sich einer ihrer Anführer auf dem Pferde halb um und rief, auf
die Kirche zeigend: »Seht doch, wie das Geißhaus brennt!« In dieser
Stellung erstarrte er und war trotz aller Bemühungen nicht daraus zu
bringen. Da gelobte er, auf seine Kosten die Kirche so wiederherzustellen,
wie sie gewesen, wenn ihm geholfen würde. Auf dieses hörte die Erstarrung
auf, und er säumte dann nicht, sein Gelübde in Erfüllung zu bringen.



46.

Die Tafel bei Kirchhofen.


Als einst Nachts der Felsenmüller von Ehrenstetten mit vollem Geldgurt
heim ging, ward er im Walde bei Kirchhofen von drei raubsüchtigen Bauern
angefallen. In demselben Augenblick fing sein Hund in der über eine
Stunde entfernten Mühle so an zu rasen, daß die Knechte ihn von der
Kette losmachen mußten. Stracks rannte er nun seinem Herrn zu Hilfe, riß
zwei der Bauern nieder und jagte den dritten in die Flucht. Wegen dieser
wunderbaren Errettung ließ der Müller auf dem Platz eine Tafel
errichten, worauf das Auge Gottes abgebildet ist, mit der Unterschrift:

    »Gott ist überall zugegen, wie in offenen Landen, so in düstern
    Wäldern.«

Die Tafel ist noch an dem Orte, und er wird wegen ihr der _Tafelplatz_
genannt.



47.

Das Brunnenbecken zu St. Ulrich.

(Abweichung von Nr. 46 des Hauptwerks.)


Um den Stein zu diesem Troge seinem Kloster zu verschaffen, schloß der
heilige Ulrich mit dem Teufel folgenden Vertrag ab. Er wolle eine Messe
lesen, und der Böse unterdessen den Felsen vom Meeresgrund herholen;
treffe er damit vor Ende der Messe ein, so erhalte er als Lohn Ulrich's
Seele, komme er aber später an, dann müsse er den Stein umsonst
abliefern. Die Messe las darauf der Heilige so, daß er nur ihre
Haupttheile, Aufopferung, Wandlung und Kommunion, verrichtete, alles
Übrige aber wegließ, und daher fertig war, als der Teufel mit dem Felsen
auf dem nahen Winterberg anlangte. Sich überlistet erkennend, liest der
Böse zornig den Stein in den Klostergarten hinabrollen. Wo er ihn
angefaßt, hatten seine Krallen tiefe Eindrücke gemacht, die noch jetzt
an der Brunnenschale zu sehen sind[5].

  [5] Diese Sage ist ebenso ungegründet, als die unter Nr. 46 des
  Hauptwerkes.



48.

Das Huttenweiblein.


Eine Bäuerin von Sölden pflegte Sonn- und Feiertags mit Holzhippe und
Hutte[6] auf den waldigen Schönberg zu gehen und Holz zu lesen. Wegen
dieser Entheiligung muß sie, seit ihrem Tode, auf dem Berg und in dessen
Umgegend spuken und wird, weil sie eine Hutte trägt, das
_Huttenweiblein_ genannt. Sie ist alt und klein, stützt sich auf einen
Stock und hat ein Strohhütlein auf; ihre Jacke und Handschuhe sind mit
Pelz besetzt, der eine ihrer Strümpfe ist weiß, der andere roth.
Übrigens kann sie sich in viele andere Gestalten, von Menschen und
Thieren, verwandeln. Häufig schreit sie: »Hu, hu, hu!« manchmal aber,
besonders wenn sie in den Kronen der Tannen sitzt, singt sie:

  »Heute strick ich,
  Morgen näh ich!«

In ihrer Hutte hat man schon Farnkraut wahrgenommen; auch trägt sie
öfters darin Leseholz, das unbewacht im Wald aufgehäufelt liegt, zum
Verdruß der Eigenthümer hinweg.

Einer Frau aus Freiburg, die, ehe sie in die Frühmesse ging, im
Sternwald Himbeeren sammelte, begegnete das Huttenweiblein und sagte zu
ihr: »Hättest Du keine guten Gedanken gehabt, so wollte ich Dich
gezeichnet haben!«

Zu einer andern Frau kam es, zwischen Ebringen und Sölden, und fragte
sie: »Kätherle! wo willst Du hin?« Auf dieses wußte die Frau, welche
nicht Katharina hieß, gar nicht mehr, wo sie war, und fand sich erst
wieder zurecht, nachdem sie stundenlang den Wald durchirrt hatte.

Eines Abends traf ein Geflügelhändler, der nach Pfaffenweiler heim
wollte, bei Kirchhofen ein schönes Reh, welches das Huttenweiblein war.
Auf sein Locken kam es herbei und ließ sich von ihm streicheln. »Das ist
etwas in die Küche!« dachte er bei sich und wollte ihm eine Schnur um
den Hals binden; aber da ward es so riesenhaft, daß er voll Schrecken
davon lief. Die ganze Nacht rannte er in der Irre umher und erkannte
erst am Morgen, daß er auf der Eschholzmatte bei Freiburg sich befinde.

Ein Mann, der Nachts durch den Bitterswald ging, rief spottend:
»Huttenweiblein, komm und trage mich! hu, hu, hu!« Schnell, wie der
Wind, war dasselbe da, packte und trug ihn auf die Todtnauer Höhe und
stellte ihn so tief in den Sumpf, daß er nur mit vieler Mühe sich wieder
heraus helfen konnte.

Andere Männer, welche im Feld bei Pfaffenweiler das Geschrei des
Weibleins spottweise nachmachten, bekamen von ihr solche Ohrfeigen, daß
einigen die Hüte von den Köpfen flogen, andere aber sogar zu Boden
fielen.

In den Ortschaften, die um den Schönberg liegen, pflegt man die Kinder
mit dem Huttenweiblein fürchten zu machen.

  [6] Köze.



49.

Der heilige Bernhard zu Freiburg.


Auf seiner Reise nach Konstanz kehrte der heilige Bernhard zu Freiburg,
im obern Eckhause der Kaiser- und Münstergasse, ein. In der Stube,
welche er da bewohnte, gibt es seitdem keine Mäuse mehr.



50.

Pferde schauen zum Speicher hinaus.


Die Frau aus dem jetzt Stutz'schen Hause am Münsterplatz zu Freiburg
war, mit reichem Geschmeide geschmückt, begraben worden. Der Bediente
und die Köchin, welche eine Liebschaft mit einander hatten, beschlossen,
die Kleinode zu entwenden, damit sie genug Geld bekämen, um sich zu
heirathen. Zu dem Ende schlichen sie tief in der Nacht auf den Kirchhof
und öffneten Grab und Sarg ihrer Herrin. Da kam diese, welche nur
scheintodt gewesen, zu sich und richtete sich in die Höhe. Entsetzt
flohen der Bediente und die Köchin nach Hause, sagten aber niemand etwas
von dem Vorfall. Bald nachher schellte die Frau an der Hausthüre, ihr
Mann machte das Fenster auf und fragte:

»Wer ist draus?«

»Die Frau aus dem Haus«, antwortete sie.

»Die ist todt und begraben«, erwiderte er, und darauf sie:

»So gewiß bin ich es, als unsere Schimmel zum Speicherloch heraussehen.«

Kaum hatte sie dies gesagt, so trappten die beiden Pferde die Treppen
hinauf auf den Speicher und schauten zur Giebelöffnung hinaus. Da ließ
der Mann seine Frau eilig herein, voll Freude, daß sie noch lebe. Weil
der Bediente und die Köchin fürchteten, sie seyen auf dem Kirchhof von
ihrer Gebieterin erkannt worden, thaten sie vor ihrem Herrn einen
Fußfall und bekannten ihr Vergehen. Statt sie zu bestrafen, dankte er
ihnen für die Wiedererlangung seiner Frau und beschenkte sie so
reichlich, daß sie sich heirathen konnten. Auch ließ er zum ewigen
Andenken die Schimmel in Holz nachbilden und innen an die Giebelöffnung
stellen, die seitdem nicht zugemauert werden kann. Seine Frau lebte noch
sieben Jahre, sprach aber wenig und lachte gar nicht mehr; dagegen
betete sie viel und spann und wirkte ein großes leinenes Tuch für das
Münster. Dasselbe brachte sie gerade fertig. Es ist aus _einem_ Stück,
mit Bildern aus dem Leben des Heilands geziert, und wird noch heutiges
Tags als Fastentuch gebraucht.



51.

St. Martin bei Oberried.

Aus amtlichen Verhandlungen.


In dem Goldberg bei Oberried war vor Zeiten eine reiche Goldgrube,
Sankt Martin genannt. Darin lag, hinter einer silbernen Thüre, ein
Standbild dieses Heiligen verborgen, welches von lauterm Gold und
dreihundert Mark schwer war. Noch im Jahr 1521 wurde der Bau betrieben,
aber bald nachher wegen des hereinbrechenden Krieges eingestellt. Die
Bergleute schlossen jedoch die Grube mit einer eisenbeschlagenen Thüre
und schütteten dieselbe mit Erde und Steinen zu. Hierdurch gelang es
ihnen, das Bergwerk den Augen der Feinde zu entziehen, die sich mit der
Plünderung und Verbrennung der Poch- und Schmelzgebäude begnügen mußten.
Kaum war es wieder ruhiger geworden, so kam die Pest und raffte die
Bergleute weg oder scheuchte sie in entfernte Gegenden. In Folge dessen
blieb die Grube uneröffnet, und mit der Zeit ist sie immer mehr in
Vergessenheit gerathen.



52.

Schützen-Klaus.


Der Schützen-Klaus war Jäger im Bezirke von St. Peter. Aus übertriebener
Sorgsamkeit für den Wald verbot er den Leuten, Geisen zu halten. Um zu
sehen, ob sie es befolgten, ging er Nachts an die Häuser und mäckerte
wie eine Ziege. Wenn nun Geisen darin waren, so erwiderten sie sein
Gemäcker, und er nahm dann die Leute in Strafe. Da sprachen dieselben
die Verwünschung aus: er möge bis zum jüngsten Tage so mäckernd umgehen.
Seit seinem Tode spukt er nun im Jagdanzuge, zwei Hunde an der Kette
führend und häufig mäckernd, in seinem Bezirke. Nach der Abendglocke hat
er Viele schon irre geführt, oder mit Steinen geworfen; und als Andere,
um ihn zu verspotten, zu mäckern anfingen, war er im Augenblick da und
schleuderte sie den Bergabhang hinunter.



53.

Teufel helfen am Bau der Eisenbahn.


Als im Jahr 1844 die Eisenbahn bei Zähringen gebaut ward, sahen zwei
unschuldige Kinder, während des Mittagessens der Arbeiter, zwei Teufel
mit Geisfüßen und Hörnern emsig an der Bahn schaffen. Sogleich holten
sie einige Arbeiter herbei; allein dieselben konnten die bösen Geister
nicht wahrnehmen.



54.

Des Schwarzenberger's Bekehrung.


Auf die schöne Tochter seines Bauers vom Wahlhof hatte der Ritter von
Schwarzenberg sein lüsternes Auge geworfen. Er verlangte sie in seinen
Dienst; aber ihr Vater, obgleich er die Härte seines Herrn kannte, ließ
sie nicht dahin. Da drohte ihm der Ritter, ihn vom Hofgut zu jagen, wenn
er nicht dessen großen und vollsten Kirschbaum fällen und, die Pferde an
die Krone gespannt, auf das Schwarzenberger Schloß schleifen würde, ohne
eine einzige all der reifen Kirschen zu verletzen. Ohne Hoffnung, dies
zu vollführen, ging der Bauer zu dem Baume, wo ein altes Männlein zu ihm
kam und ihn fragte, warum er so betrübt sey. Nachdem es die Ursache
erfahren, versprach es, ihm zu helfen. Stracks hieb es den Baum auf's
geschickteste um, rief aus dem Wald drei Kohlrappen herbei, die es an
die Krone des Baums spannte, und trieb sie dann, in Begleitung des
Bauers, nach dem hoch und steil gelegenen Bergschloß. Als der
Schwarzenberger sie dort ankommen und keine einzige Kirsche verletzt
sah, war er höchlich erstaunt; das Männlein aber sprach zu ihm: »Weißt
Du, wer den Kirschbaum hierher gezogen hat? Der erste Rappe ist Dein
Vater, der zweite Dein Großvater und der dritte Dein Urgroßvater[7],
welche die Bedrückung ihrer Unterthanen jetzt in der Hölle büßen, und
Dir geht es einst eben so, wenn Du nicht von Deinen Sünden ablässest!«
Da ergriff den Ritter die Furcht des Herrn, er that Buße und führte
fortan ein gottgefälliges Leben.

  [7] Andere sagen, es seyen _sechs_ Rappen und diese die _sechs_
  nächsten Vorfahren des Schwarzenberger's gewesen.



55.

Forelle am Kandelfelsen.


Als eines Abends auf dem Kandel zwei Buben vom dortigen Hofe das Vieh
zusammentrieben, sah der eine, unten am Kandelfelsen, eine Lache und
darin eine große, goldschimmernde Forelle. Er rief seinen Gefährten
herbei und wadete in das Wasser, um den Fisch zu fangen; allein er fand
ihn an der Kette eines Lotteisens hängen, das im Felsen stack, und
konnte ihn nicht los bringen. Sie fuhren nun mit dem Vieh heim und
erzählten ihrem Herrn das Geschehene, worauf sie gleich mit ihm zum
Felsen zurück mußten, wo aber weder Lache, noch Forelle, noch Lotteisen
mehr zu sehen waren. Im folgenden Jahre nahmen jedoch die Buben die
Lache mit der angeketteten Forelle abermals wahr, und im dritten und
letzten ihres Aufenthalts auf dem Hofe nochmals; stets fanden sie den
Fisch größer und glänzender geworden, aber alle ihre Bemühungen, ihn los
zu machen, waren vergebens.

Drei Jahre nachher wurde von Holzhauern auf dem Kandelfelsen ein
beschriebenes Pergament gefunden, welches die erwähnten Vorgänge
umständlich erzählte und sagte, daß, wenn die Forelle ihr Ziel erreiche,
sie mit dem Lotteisen den Felsen herausreiße und dadurch den See im
Innern des Berges auf das Elzthal loslasse. Das Pergament brachten die
Holzhauer nach Waldkirch, wo man es bei Erbauung der jetzigen Kirche in
deren Grundstein legte.



56.

Die Namen Gutach's, Bleibach's und Simonswald's.


Zu der ersten Äbtissin des Waldkircher Fräuleinstifts kamen drei Brüder
und baten, sich in ihrem öden Gebiete ansiedeln zu dürfen. Sie erlaubte
ihnen, sich die Plätze selbst zu wählen. An einer hübschen Stelle sprach
der Eine: »Hier ist's gut!« und baute sich da an. Wegen dieser Rede
erhielt der Ort den Namen _Gutach_. Der zweite fand jenseits des Baches
einen Platz, der ihm wohl gefiel, und sagte. »Hier bleib' ich!« Davon
wurde der Ort _Bleibach_ genannt. Der dritte endlich, welcher Simon
hieß, siedelte sich in einem Walde an, und seitdem trägt dieser den
Namen _Simonswald_.



57.

Der Ahornbauer.


Als ein Mann von Simonswald wegen Zauberei verbrannt werden sollte,
sprach er. »So gewiß bin ich unschuldig, als bei meinem Haus ein
Ahornbaum wachsen wird.« Gleich nach der Hinrichtung kam auch bei dem
Haus ein Ahorn hervor, und seitdem ist dort immer ein solcher Baum; denn
wenn man den einen umhaut, wächst unverzüglich ein anderer nach. Von dem
Baum hat der Hofbesitzer den Namen _Ahornbauer_ erhalten.



58.

Der Blindensee will ausbrechen.


Vor langer Zeit drohte dieser Bergsee bei dem Triberger Wasserfall
auszubrechen, und das dortige Thal zu überschwemmen. Da kam die Mutter
Gottes und spannte vor die Öffnung ein Netz von Fäden, wodurch das
Wasser, wie durch einen Damm, zurückgehalten ward. Jedes Jahr aber
verfault einer der Fäden, und wenn endlich alle verwest sind, dann
bricht der See heraus und überfluthet das ganze Thal. Dies geschieht am
Bartholomäustag, an welchem in Triberg Jahrmarkt gehalten wird.



59.

Zum todten Hund.


In die Wohnstube eines Schwarzwälderhofs schlug der Blitz und fuhr durch
einen Tisch, worauf ein kleines Kind schlief; dasselbe ließ er
unversehrt, tödtete aber einen Hund, der, gerade unter dem Kind, auf dem
Stubenboden lag. Von diesem Vorgang wird der Hof »zum todten Hund«
genannt.



60.

Messen angelobt.


Als im Jahr 1796 die Neufranken verheerend gegen Ettenheimweiler zogen,
gelobte die Pächterin eines benachbarten Hofes, fünfzig Messen lesen zu
lassen, wenn ihr Haus von der Grausamkeit dieser Feinde verschont
bliebe. Letzteres geschah, zur allgemeinen Verwunderung; die Frau
unterließ jedoch, ihr Gelübde zu erfüllen, und ohne dasselbe Jemand
offenbart zu haben, starb sie nach drei Jahren in Ettenheimweiler. Als
ihre dort verheirathete Tochter, nach Verfluß von ebenso viel Jahren,
Nachmittags auf dem Fuchsberg die Reben schnitt, erschien ihr plötzlich
eine Frau mit grauem Gesicht und grauem Kleid und sprach: »Du mußt mich
erlösen!« Vor Schrecken fiel jene in Ohnmacht; als sie daraus erwachte,
war die graue Gestalt verschwunden. Dieselbe kam aber, einige Tage
nachher, am Morgen zu ihr in die Küche und sagte, sie sey ihre Mutter,
und um sie zu erlösen, solle die Tochter von Haus zu Haus so viel Geld
zusammenbetteln, daß davon die fünfzig Messen gelesen und vierundzwanzig
Kreuzer der Magd bezahlt werden konnten, der sie, bei ihren Lebzeiten,
drei Batzen am Lohne abgezogen habe. Hierauf verschwand sie, die Tochter
aber eilte zu ihrem Mann und erzählte ihm, was ihr begegnet. Um ihr das
Betteln zu ersparen, wollte er selbst das Geld hergeben, was auch der
Pfarrer, den sie darüber um Rath fragten, für genügend erklärte. Ehe
jedoch der Mann das Geld beisammen hatte, erschien seiner Frau ihre
Mutter wieder in der Küche und sprach drohend: »Willst Du Alles thun,
was ich Dir geheißen habe, oder willst Du meinen Zorn fühlen!« Voll
Angst versprach die Frau, zu gehorchen, machte sich auch alsbald auf den
Weg und bettelte von Haus zu Haus bis gegen Freiburg hinauf. In vierzehn
Tagen hatte sie das Geld beisammen; damit bezahlte sie die Magd und ließ
in den benachbarten Klöstern die fünfzig Messen abhalten. In der Nacht
nach Lesung der letzten Messe kam die Mutter, in glänzend weißer
Gestalt, zu dem Mann und der Frau in die Schlafstube, sagte für ihre
Erlösung Dank und legte, um diesen zu bezeugen, ihre rechte Hand auf
eine Flegelruthe, die, nach ihrem Begehren, ihre Tochter ihr hinhielt.
Da brannten sich ihre fünf Finger hinein, und sie verschwand. Die
Flegelruthe wird noch jetzt in dem Hause aufbewahrt.



61.

Das Kruzifix zwischen Ettenheim und Altdorf.


Ein frommer Jüngling in Ettenheim wollte sich auf den Wunsch seiner
Eltern verheirathen; er schwankte aber zwischen zwei gleich braven
Mädchen, deren eines zu Straßburg, das andere zu Freiburg wohnte. In
dieser Ungewißheit betete er eines Tages in der Messe inbrünstig um
Erleuchtung, und da kam ihm in den Sinn: er solle sich auf eines seiner
Pferde setzen und es laufen lassen, wohin es wolle; denn es bringe ihn
an den Wohnort desjenigen der beiden Mädchen, welches ihm von Gott zur
Frau bestimmt sey. Nachdem er aufgesessen, schlug das Pferd von selbst
den Weg gegen Altdorf ein, daß er dachte, es gehe nach Straßburg; aber
plötzlich springt es von diesem Weg ab und über die benachbarten Felder
auf die Landstraße nach Freiburg, wo es den Jüngling glücklich
hinbringt. Derselbe heirathete nun das dortige Mädchen, und er lebte mit
ihr so glücklich, daß er zum Danke an der Stelle, wo das Pferd den Weg
nach Straßburg verlassen, ein steinernes Kruzifix errichtete, welches
das _Kreuz zum guten Rathe_ genannt wird[8].

  [8] An dem Kruzifix ist folgende Inschrift:

            =ChrIste IesV bonI ConsILII Dator MIserere nobIs.=
                                =D. O. M.=
  =Piorum consiliorum inspiratori benignissimo crucem hanc in debitae
  gratitudinis pignus erexit Franc. Valentini Satori et Annae Mariae
  Neumayer P. M. relicta progenies 1763.=



62.

Spinne nicht in der Nacht vor Fronfasten.


In der Nacht vor Fronfasten spann eine Frau zu Orschweier noch nach elf
Uhr. Da kam die Fronfastenfrau zur Thüre herein und legte ihr ein
Dutzend Spulen hin, mit den Worten: »Alle diese Spulen mußt Du bis zwölf
Uhr vollgesponnen haben, wo ich sie wieder holen werde!« Nicht lange war
sie weggegangen, so lief die Frau, welche sich nicht zu helfen wußte,
zum Pfarrer, und fragte ihn, was sie machen solle. Er rieth ihr, um jede
Spule drei Fäden im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen
Geistes zu spinnen, was sie auch that und Schlag zwölf Uhr fertig war.
Als gleich darauf die Fronfastenfrau die Spulen abholte, sprach sie: »Du
hast wohl gethan, den Rath des Schwarzrocks zu befolgen; denn sonst
solltest Du gesehen haben, was ich mit Dir gemacht hätte!« Nach dieser
Rede entfernte sie sich.



63.

Mordthat offenbart.


Zu Ottenheim hatte ein armes Mädchen mit einem vermöglichen Burschen,
der Soldat war, Bekanntschaft und wurde in Folge davon schwanger.
Dessenungeachtet bewarb er sich bald darauf um eine reiche
Bauerstochter, und weil er befürchtete, daß jenes Mädchen ihm hinderlich
sey, beschloß er, es aus dem Wege zu räumen. In dieser Absicht ging er
Samstag Nachts mit einer Schaufel in den Wald, wo er in einem
abgelegenen Schlag eine tiefe Grube machte. Am andern Nachmittag lud er
das Mädchen zu einem Gange dahin ein, und als sie dort waren, sagte er
ihr: sie solle Reue und Leid erwecken; denn sie müsse jetzt sterben.
Flehentlich bat sie ihn, ihrer und seines Kindes zu schonen, sie wolle
gern in die weite Welt hinaus, um ihn an der reichen Heirath nicht zu
hindern; aber Alles war vergebens, und er gewährte ihr nur noch so viel
Zeit, um drei Vaterunser zu beten. Als sie damit fertig war, sprach sie
zu ihm: »Das sage ich Dir, wenn Du mich umbringst, wird mein Blut Dich
verrathen!« Hierüber lachend, tödtete er sie mit mehreren Stichen und
verscharrte sie in die Grube. Bald nachher begab er sich auf einige
Jahre zu seiner Fahne, während welcher Zeit der Wald in Gemeindewiesen
umgewandelt ward. Nachdem der Bursch im Heere ausgedient hatte, ließ er
sich in Ottenheim nieder und heirathete die reiche Bauerstochter. Einst
mußte er die Gemeindewiesen mähen helfen, wobei er gerade auf die Grube
zu stehen kam. Beim ersten Hieb, welchen er in's Gras that, wurde die
Sense voll Blut; erschrocken wischte er es ab und verließ gleich die
Stelle. Zu Hause entdeckte er seiner Frau den Vorfall und die Ermordung
des Mädchens. Einige Zeit nachher gerieth er mit ihr in Hader und
brachte sie durch Stockschläge so in Harnisch, daß sie auf die Straße
lief und laut die Mordthat verkündete. Er ward darauf festgenommen und,
nachdem er Alles eingestanden, mit dem Schwerte hingerichtet. Die
Gebeine des Mädchens fand man noch in der Grube und brachte sie auf den
Gottesacker.



64.

Wunderbarer Hirsch.


Ein frommer Einsiedler des Bruderthals pflegte alle Morgen nach dem
Kloster Schuttern oder, wenn Mönche von da sich in Heiligenzell
aufhielten, nach diesem zur Kirche zu gehen. Abends trat er den Rückweg
an, auf dem sich, wenn es dunkel war, am Anfang des Waldes ein Hirsch zu
ihm gesellte, welcher ein Licht zwischen den Hörnern hatte und ihm bis
zu seiner Klause leuchtete. Einmal war der Weg vom Regen so schlüpferig,
daß der Waldbruder aus einem Weinberg einen Rebpfahl nahm, um sich im
Gehen darauf zu stützen. Als er in den Wald kam, war kein Hirsch da, und
er mußte im Finstern nach Hause tappen. Auch an den zwei folgenden Tagen
ließ der Hirsch sich nicht sehen. Da erinnerte der Einsiedler sich des
Rebpfahles, that ihn dahin, woher er ihn genommen, und hierauf fand der
Hirsch sich wieder ein und leuchtete ihm wie zuvor.



65.

Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier.


Vor etlichen Jahrhunderten verirrte sich Nachts ein Wanderer im wilden
Walde. Geängstigt durch die vielen Schlangen und Kröten, welche darin
hausten, that er das Gelübde: wenn er unbeschädigt hinaus in einen Ort
käme, wolle er auf dessen Gottesacker ein Kruzifix stiften. Da ertönte
in der Ferne eine Glocke; er ging dem Schalle zu und gelangte glücklich
nach Oberweier, wo Nachts um zwei Uhr geläutet zu werden pflegte.

Ungesäumt ließ er nun ein steinernes Kruzifix verfertigen und es auf den
dortigen Kirchhof setzen, welchem es noch gegenwärtig zur Zierde dient.

Am Fuße des Kreuzes sind der Name des Stifters (Jakob Erim) und allerlei
Schlangen und Kröten eingehauen.



66.

Das Grabenthier.


Zu Gengenbach spukt Nachts ein mächtiges schwarzes Thier mit feurigen
Augen, welche so groß wie kleine Pflugräder sind. Es geht vorzüglich im
ausgetrockneten Stadtgraben um, und wird deßwegen das _Grabenthier_
genannt.



67.

Gespenstiges Thier.


Ein Mädchen von Bergach war zu Gengenbach in der Christmette gewesen
und wollte Nachts zwischen ein und zwei Uhr wieder heimgehen. An der
Kinzig kam ein Thier, so groß wie ein Metzgerhund, ihr entgegen, das
einen abscheulichen Gestank verbreitete. Sie ergriff die Flucht, ward
aber von dem Thiere verfolgt, wobei dasselbe ein garstiges Geschrei
ausstieß und allmählig so groß wurde wie ein Ochse. Bis zum Haigeracher
Bache gejagt, sprang das Mädchen hinüber und kam dadurch in Sicherheit,
weil das Thier den Bach nicht überschreiten durfte.



68.

Feenweg.


Als noch auf das Bergschloß Staufenberg blos ein Fußpfad führte, wohnte
dort ein reicher Freiherr, der nur ein einziges Kind, eine schöne
Tochter, hatte. Um sie bewarben sich viele Edle; aber er wollte sie nur
Demjenigen geben, der ihm in einer Stunde einen guten Fahrweg auf die
Burg herstelle. Betrübt über die Unerfüllbarkeit dieser Bedingung,
wandelte ein junger Ritter am waldigen Fuße des Schloßbergs, und da
begegnete ihm die dortige Fee Melusine. Sie fragte ihn, warum er so
traurig sey, und als sie es erfahren hatte, bestellte sie ihn gegen
Mitternacht wieder her, wo ihm geholfen werden würde. Nachdem er zur
bestimmten Zeit sich eingefunden, hieß ihn die Fee die Herstellung des
verlangten Weges getrost beginnen; er that es und merkte bald, daß eine
Menge Unsichtbarer ihm Hilfe leiste. In einer Stunde war der Fahrweg zum
Schlosse fertig und voll Freude und Hoffnung ritt der Ritter auf seinem
Schimmel hinauf. Gleichwohl ward ihm das Fräulein von ihrem Vater
verweigert, und er dadurch so empört, daß er denselben erschlug und in
den tiefen Burgbrunnen hinabwarf.



69.

Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach.


Vor etwa fünfzig Jahren kam ein österreichischer Geistlicher nach
Durbach und miethete sich eine Wohnung. Nachdem er mit mehreren Männern
aus dem Orte bekannt geworden war, eröffnete er ihnen, daß auf dem alten
Schlosse ein großer Schatz vergraben sey, den sie mit ihm heben und
theilen sollten. Gerne willigten die Männer ein und gingen mit ihm
mehrere Nächte auf das alte Schloß, wo sie, nach seiner Anleitung,
gewisse Gebete verrichteten. In der letzten Nacht wurde von einem
Priester aus der Gegend, welchen der Geistliche auch für die Sache
gewonnen hatte, eine Zwangsmesse gelesen, worin dieser den Diener
machte. Kaum war sie zu Ende, so erhob sich aus dem Boden ein großer
Haufe glänzenden Geldes, das die Männer schweigend aus den mit vier
Rappen bespannten Wagen eines von ihnen luden und damit nach dessen Haus
fuhren. Als sie darin waren, vergaß einer, daß vor der Vertheilung des
Schatzes kein Wort gesprochen werden dürfe, und rief: »Jetzt haben wir
das Geld, jetzt sind wir reich!« Da lag im Augenblick, statt des
Schatzes, ein Haufe Sand auf dem Wagen und der österreichische
Geistliche war auf immer verschwunden.

                   *       *       *       *       *

Aus dem alten Schlosse fährt um Mitternacht eine gespenstige Kutsche,
die mit sechs Rappen oder Schimmeln bespannt ist und von einem grauen
Mann gelenkt wird.



70.

Verwunschener Schüler.


Eines Sonntags, unterm Hochamt, kam im Stollenwald zu einem Knaben ein
verwunschener Schüler und fragte ihn, was er da mache. »Ich will
Vogelnester ausnehmen,« erwiderte treuherzig der Bube und darauf der
andere: »Geh du mit mir, und nimm dir aus jeder Kiste, die ich aufmache,
eine Handvoll Geld, aber nicht mehr, und ohne ein Wort dabei zu reden!«
Unbedenklich folgte ihm der Knabe auf das alte Schloß, wo der Schüler
aus einem Büschel Moosfarn einen Schlüssel holte und damit auf dem Boden
eine unter Laub versteckte Steinthüre aufschloß. Durch dieselbe stiegen
sie hinab und kamen nacheinander in drei mit Kostbarkeiten angefüllte
Gewölbe. In dem ersten öffnete der Schüler eine Kiste voll Silbergeld,
im zweiten, nach Herabjagung eines schwarzen Pudels, eine voll
Goldstücke, und im dritten eine voll Kupfermünzen. Aus jeder nahm sich
der Bube schweigend eine Handvoll und folgte dann seinem Führer in's
Freie zurück. Letzterer schloß nun die Steinthüre zu, legte den
Schlüssel wieder in den Büschel und verließ den Knaben. Als dieser das
Geld heimgebracht und erzählt hatte, wie er dazu gekommen, mußte er mit
seinem Vater gleich wieder auf das alte Schloß; allein dort konnte er
weder Büschel, noch Schlüssel, noch Steinthüre mehr auffinden.



71.

Geist erlöst.


Nach dem Tode eines Schappbacher Hofbauers ließ sich Nachts in seinem
Bergwald ein Licht sehen, welches an einem Gränzstein hin und her
schwebte. Einst ging ein berauschter Metzger aus dem Orte mit einem Kalb
spät an dem Berg vorüber und als er das Licht erblickte, rief er ihm zu.
»Komm herunter und leuchte mir, da droben hilfst du mir nichts!«
Augenblicklich war dasselbe bei ihm und brachte ihn und das Kalb im Nu
hinauf zu dem Gränzstein. »Drehe den Stein!« sagte das Licht zu dem
nüchtern gewordenen Metzger. »Das werde ich nicht können,« erwiderte er,
und darauf jenes: »Es geht schon, versuche es nur!« Als er es that,
konnte er den Stein ganz leicht bis in eine gewisse Richtung wenden.
»So, jetzt bin ich erlöst!« sprach dann das Licht und verschwand. Zu
Hause zeigte der Metzger die Sache an, und bei der Untersuchung stellte
sich heraus, daß der Hofbauer bei seinen Lebzeiten dem Gränzstein eine
falsche Richtung gegeben, und dadurch ein Stück des anstoßenden fremden
Waldes sich verschafft hatte, welches nun dem rechtmäßigen Eigenthümer
zurückgegeben wurde.



72.

Die lange Ell.


In den Straßen von Oppenau geht Nachts eine gespenstige Frau, in der
Ortstracht, um. Sie ist so hoch, daß sie in den zweiten Stock der Häuser
sieht, und wird die _lange Ell_ genannt. Frauen, welche noch spät in der
Nacht häusliche Geschäfte verrichteten, hat sie schon ermahnt, dieselben
künftig früher zu besorgen.



73.

Der Teufel kommt um die Beute.


In einer Stube zu Oppenau verrichteten Nachts zwischen elf und zwölf
drei Männer das Christoffelsgebet. Da kam der Teufel, brachte ihnen
einen Zuber voll Geld und sprach: »Wer zuletzt hinaus geht, der ist
mein!« In der Angst wußten die Männer nicht, was sie thun sollten:
endlich lief einer zum Pfarrer und erzählte ihm das Geschehene. Darauf
holte derselbe die Monstranz mit dem Allerheiligsten und begleitete den
Mann zu den zwei andern. Auf sein Geheiß verließen dann die drei mit ihm
die Stube, er ging hinter ihnen und rückwärts, die Monstranz in den
Händen, so, daß der Heiland der Letzte war. Hierdurch kam der Teufel um
seine Beute; er nahm aber auch den Zuber voll Geld wieder mit hinweg.



74.

Reden bringt um den Schatz.


Um den Schatz zu heben, welcher am Hohenrain bei Lautenbach vergraben
ist, ließen zwei Bursche Mittags in diesem Dorf eine Zwingmesse lesen.
Während derselben hackten sie stillschweigend auf dem Platz über dem
Schatze ein wenig Erde weg, steckten zwei Weidenruthen hin, und von
selbst hob sich die Kiste voll Geld aus dem Boden. Als sie darnach
langten, kam einer, der ganz mit Kochlöffeln behängt war, den Berg
herunter, bei dessen Erblickung der eine Bursch dem andern zuflüsterte:
»Sage nur nichts!« Da versank die Kiste dröhnend in die Tiefe, und der
mit den Kochlöffeln war wie weggeblasen. Daß die Hebung des Schatzes
mißlungen sey, merkte der Priester sogleich in der Zwingmesse.



75.

Feiertags-Entheiligung bestraft.


An Maria-Geburt 1843 heimste ein Mann zu Oberkirch ohne Noth sein
Grummet ein, worauf er äußerte, jetzt sey es vor dem Wetter gesichert.
Zur Strafe dafür schlug in der folgenden Nacht der Blitz in sein Haus
und verbrannte dasselbe mit allem Futter und Vieh, das darin war.



76.

Schatz und Spuk auf der Schauenburg.


Auf dem verfallenen Bergschlosse Schauenburg liegt ein Geldschatz
vergraben, bei dem alle sieben Jahre eine weiße Frau sich zeigt. Einst
in der Nacht rief sie den Schweinhirten von Loh, welcher mit einem Bunde
Holz am Schlosse vorbeiging, mit seinem Taufnamen Ciriak, und als er
darauf stehen blieb, bat sie ihn, ihr aus dem benachbarten Brunnen einen
Trunk Wasser zu holen; durch denselben werde sie erlöst und er dann Herr
des Schatzes. »Ich habe kein Geschirr zum Schöpfen,« erwiderte der
einfältige Mensch, und darauf die Frau: »So nimm deinen Schuh dazu!«
Jetzt erst bemerkte der Hirt, daß sie auf der Brust einen schwarzen
Flecken habe, und nun weigerte er sich, ihre Bitte zu erfüllen. Da
entfernte sich die Frau unter fürchterlichem Krachen, und er wurde, ohne
zu wissen wie, in einen hohen Tannenstamm gesetzt, der sich plötzlich zu
einer Gabel gespaltet hatte. Weil er sich nicht heraushelfen konnte,
erhob er ein großes Geschrei; aber erst am Morgen ward er von
herbeikommenden Holzhauern gehört und aus seiner Klemme befreit.



77.

Teufelsstein.

(Abweichungen von Nr. 129 des Hauptwerks.)


1) Kaum war das Wendelinskirchlein bei Meisenbühl und Nußbach fertig,
so wollte der böse Feind es zusammenwerfen. Zu dem Ende lud er, mit
Hülfe der andern Teufel, den größten der _zwölf Steine_ sich auf, und
begab sich damit allein auf den Berg über der Kapelle. Als er von ihr
noch etwas entfernt war, fing es darin an zu läuten, und da mußte er den
Felsen fallen lassen, welchen er nachher nicht wieder aufheben konnte.

2) Um die Kapelle zu zertrümmern, biß der Satan den Felsen vom Berg ab
und ging damit auf sie los. Im _Erbsengarten_ begegnete ihm ein altes
Männlein, das unser Heiland war, und fragte ihn, was er vorhabe. »Den
Schweinstall da unten will ich mit dem Stein zusammenwerfen,« antwortete
er, indem er auf das Kirchlein wies. Das Männlein redete ihm zu, vorerst
seine Last abzulegen und auszuruhen, was er auch befolgte. Nach einiger
Zeit wollte er den Felsen wieder aufheben; aber da war derselbe so weich
geworden, daß sich seine Krallen darein drückten, und er mit ihm der
Kapelle nicht mehr schaden konnte.

3) Als der Teufel den Stein auf das Kirchlein werfen wollte, erschien
der Erzengel Gabriel, und durch dessen Macht wurde der Stein so heiß,
daß er schmolz und für den Bösen unbrauchbar ward.



78.

St. Antonius bei Oberachern.


Als einst die Schweine von Oberachern im nahen Bergwald weideten,
wühlten sie ein kleines hölzernes Standbild des heiligen Antonius von
Padua aus dem Boden. Dasselbe stellten die Hirtenbuben an einen dortigen
Eichstamm und machten ein Dach von geflochtenen Weiden darüber. Bald
leuchtete das Bild mit Wundern, und mit der Andacht nahmen die Opfer so
zu, daß auf dem Platz eine stattliche Kapelle erbaut werden konnte. Sie
trägt den Namen des Heiligen, und auf ihrem Hochaltar ist das Gnadenbild
aufgestellt.



79.

Hohinrot's Erbauung.


Der Sohn aus der Burg Rodeck und die Tochter aus der Burg Altwindeck
wollten einander ehelichen; es fiel ihnen aber schwer, sich von ihren
Eltern zu trennen. Sie suchten deßwegen auf dem Gebirge nach einem
Platze, von welchem sie beide Burgen sehen könnten. Mit vieler Mühe
fanden sie einen solchen und ließen dort für sich das Schloß Hohinrot
erbauen, aus dessen Fenstern sie dann ihren Eltern fleißig zuwinkten.



80.

Brigitte.


Ein Ritter von Hohinrot hatte eine Frau, Namens _Brigitte_, von der die
Burg auch das _Brigittenschloß_ heißt. Sie war eben so fromm, als
mildthätig, besuchte und pflegte die Kranken der umliegenden
Ortschaften, entband die Wöchnerinnen und schenkte den Armen so viel sie
vermochte. Als sie einst denselben einen Korb voll Essen bringen wollte,
begegnete ihr ihr Mann, der das viele Verschenken nicht leiden konnte.
»Was hast Du in dem Korbe?« fragte er, und erhielt die Antwort: »Rosen.«
Da hob er den Deckel auf, und sieh! der Korb war mit den schönsten Rosen
angefüllt.

So gut auch Brigitte war, und obgleich sie dem Ritter zwei schöne
Knäblein geboren hatte, verstieß er sie doch von sich und ihren Kindern,
und nahm eine seiner Mägde zum Kebsweib. Gott ergeben wanderte die arme
Frau in das Niederland und diente dort als Magd zwanzig Jahre. Nach
deren Ablauf zog sie auf den Breitenbrunner Hof, eine halbe Stunde von
Hohinrot, wohin sie jeden Samstag mit den andern Bettelleuten ging, um
Almosen zu holen. Dasselbe wurde von ihrem ältesten Sohne ausgetheilt,
dem ihr inständiges Benehmen so auffiel, daß er seinem Vater davon Kunde
gab. Bei ihrer nächsten Anwesenheit ließ dieser sie herbeirufen; allein
er erkannte seine Frau nicht mehr, wohl aber den Trauring an ihrem
Finger. »Von wem habt ihr diesen Ring bekommen?« fragte er sie und
erhielt zur Antwort: »Den habt ihr mir bei unserer Trauung gegeben.« Da
ergriff den Ritter Schmerz und Reue, er bat seine Gattin, wieder seine
Hausfrau zu werden, er wolle die Magd und die Kinder, welche er mit
derselben erzeugt, aus dem Schloß entfernen und reichlich für deren
Zukunft sorgen. Gern erfüllte Brigitte seine Bitte, und setzte dann, von
den Ihrigen unterstützt, ihre Wohlthätigkeit und Andacht fort. Die
Unwissenden im Glauben zu belehren, war ihr ein Hauptanliegen,
namentlich bekehrte sie eine Sippschaft Heiden, die im Land
umhergezogen, aber von ihr in die Burg aufgenommen worden waren. Jeden
Tag begab sie sich in die Sasbacher Kirche, wohin vom Schloß ein
unterirdischer Gang, wie auch über den Schelsberg und Vogelsberg ein
Fußpfad führte. Letztern ging einst Brigitte und ließ bei jedem Schritt
einen Kronenthaler fallen, damit er in einen Fahrweg umgewandelt werden
könne. Die erwähnte Kirche wurde von ihr mit Geschenken überhäuft, wozu
besonders die große Glocke gehört, welche ihren Namen trägt. Als sie
einmal diesem Gotteshause zuging, fingen dessen Glocken von selbst an zu
läuten. Der Meßner eilte auf den Thurm, und bei Erblickung der nahenden
Burgfrau rief er: »Die närrische Brigitte kommt!« Da stürzte er zum
Fenster hinaus und brach das Genick, und eine Stimme vom Himmel sprach:
»Sie ist heilig!« Seit der Zeit hat dieses wunderbare Geläute stets
Brigittens Gang von der Banngrenze bis zur Kirche begleitet. Gegen sich
ward die fromme Frau immer strenger. Sie kleidete sich ganz gering, in
selbst gefertigte Zeuge, und nährte sich zuletzt nur mit der Milch einer
Ziege. Endlich starb sie eines seligen Todes, wobei in der ganzen Gegend
die Glocken von selbst läuteten, und wurde, von Jung und Alt begleitet
und beweint, in dem Sasbacher Gotteshause beigesetzt. Die bekehrten
Heiden waren auch bei dem Trauerzug und verließen gleich nachher das
Schloß, in dessen Überbleibseln ihre Wohnung, das _Heidenstüblein_, noch
gegenwärtig gezeigt wird.



81.

Wunderquelle.


Am Markustage 1854 war an dem _Wolkenkreuz_ zu Neusatzeck ein Altar
errichtet. Als der Pfarrer bei dem Bittgang daselbst das Gebet
verrichtete, ward ihm so schwach, daß er aufhören mußte und nach einigen
Schritten vor sich hinfiel. Hierbei berührte das Versehkreuz, welches
er, um damit den Segen zu geben, auf der Brust hängen hatte, den Boden,
und sogleich entsprang dort eine Quelle, die gegen vielerlei Übel sich
heilsam erweist.



82.

Vergeltung.


Einem Kruzifix bei Ottersweier hieb einmal ein Reiter der Neufranken
mit seinem Säbel einen Arm ab. Da fiel ihm der Arm, womit er den Hieb
geführt, augenblicklich vom Leibe.



83.

Gotteslästerung bestraft.


Der Herbst 1833 lieferte im Bühlerthal einen ziemlich geringen Wein. Als
ein dortiger Hofbauer denselben im Rebstockwirthshaus versucht hatte,
schüttete er das Übrige im Glase einem dahängenden Kruzifix in's Gesicht
mit den Worten: »Warum lässest Du ihn nicht besser wachsen, sauf' ihn
selbst!« Sogleich ward er auf beiden Augen blind und blieb es auch sein
Leben lang.



84.

Kröten in Geld verwandelt.


Ein Mann von Bühl sah eines Tages im Wald eine Menge kleiner Kröten auf
einem Haufen liegen. Um einen Spaß zu machen, füllte er sie in einen
Sack und leerte ihn in der Nacht in seines Nachbars Wohnstube. Als
dieser am Morgen hineinkam, fand er den Boden mit Goldstücken und
Kronenthalern bedeckt, welche sich zuzueignen er nicht säumte. Bald
nachher erzählte er es dem Manne, worauf derselbe erklärte, daß er ihm
das Geld verdanke und es mit ihm theilen müsse. Als jener Letzteres
verweigerte, klagte der Mann bei Amte, und dieses erkannte dann das
Geld, als einen gefundenen Schatz, der Herrschaft zu.



85.

Schatz versinkt beim Fluchen.


Im Walde bei Bühl sah ein Mann ein Häuflein glühender Kohlen liegen und
hob etliche nach einander auf, um seine Pfeife anzubrennen. Da keine
zündete, fing er zuletzt an zu fluchen, und sogleich versank das
Häuflein in den Boden. Jetzt erkannte er zu spät, daß die Kohlen ein
Schatz waren.



86.

Bestrafte Sakramentschänder.


In einem Dorfe bei Bühl wurde vor Kurzem ein wandernder Handwerksbursche
Nachts so krank, daß er den Wirth der Herberge bitten ließ, ihm den
Pfarrer zu rufen. Dies hörten zwei Hochschüler, welche noch in der
Wirthsstube saßen, und beredeten den Wirth, mit ihnen einen Spaß
auszuführen. Nachdem sie ihr Aussehen verändert, ließen sie sich vom
Wirthe als Pfarrer und Meßner dem Handwerksburschen vorstellen. Dieser
beichtete dann dem vermeinten Pfarrer und erhielt von ihm das Abendmahl,
welches eine weiße Rübenscheibe war. Als die Drei nachher vom Kranken
weggingen, schwebte er auf der Treppe in weißer Gestalt neben ihnen her,
worauf der Wirth in dessen Kammer zurückeilte. Er fand ihn todt und, bei
seiner Rückkunft in die Wirthsstube, die beiden Hochschüler erstarrt und
kohlschwarz dastehen. In dieser Weise sind sie noch dort; die Stube ist
verschlossen und ihr Betreten Jedermann untersagt.



87.

Stole schützt vor dem höllischen Feuer.


Von der Abtei Schwarzach kaufte kurz vor ihrer Aufhebung ein dortiger
Bauer ein Stück Feld und Wald, versäumte aber, sich für die Zahlung
einen Schein geben zu lassen. Nach einigen Jahren forderte die
Herrschaft, welcher das Kloster zugefallen, von ihm den Kaufschilling,
und da er dessen Entrichtung nicht beweisen konnte, ward er verurtheilt,
ihn nochmals zu erlegen.

Als er, voll Verdruß über diesen Spruch, von Rheinbischofsheim
zurückging, begegnete er im Wald einem Jäger, von dem er um die Ursache
seines Unmuths befragt wurde. Auf die Antwort: er könne ihm doch nicht
helfen, erwiderte derselbe, daß er wohl es vermöge, und erfuhr dann die
ganze Sache. »Du sollst einen Schein für die Zahlung bekommen, wenn du
thust, was ich von dir verlange,« sprach der Jäger, und darauf der
Andere: »Ja, sofern es mir an Leib und Seele keinen Schaden bringt.«
Ungesäumt nahm nun der Jäger den Mann auf die Schultern und trug ihn
windschnell zu einem großen Schlosse, wo er ihn absetzte und zu ihm
sagte: »Geh' hinein! hinter der dritten Thüre wirst du den Mönch finden,
mit dem du den Kauf abgeschlossen hast; begehre von ihm den Schein, und
wenn du ihn empfangen, so ziehe den Dreien, welche an dem Tische sitzen,
die Stolen ab und lege sie auf diesen; alsdann mache dich fort, aber
unterstehe dich nicht, einen Blick zurück zu thun!« Ohne Bedenken ging
der Bauer in das Schloß und fand in dem bezeichneten Gemach den
verstorbenen Mönch, welcher mit zwei abgeschiedenen Geistlichen seiner
Bekanntschaft an einem Tische Karten spielte. Auf die Bitte des Mannes
um den Schein pfiff er Einen herbei, von dem er sich Schreibzeug bringen
ließ, schrieb den Schein und gab ihn dem Bauer. Nach diesem nahm
letzterer den drei Geistlichen die Stolen ab, legte sie auf den Tisch
und ging hinweg. Unter der Thüre schaute er um und sah, daß an den
Geistlichen hohe Flammen emporschlugen. Als er draußen zu dem Jäger kam,
sprach derselbe: »Du hast umgeschaut und deßhalb verdient, daß ich dich
etliche Tage da in der Hölle ließe; weil du aber sonst deine Sache recht
gemacht, will ich dir die Strafe schenken!« Hierauf nahm er ihn wieder
auf die Achseln und trug ihn windschnell an die Stelle zurück, wo er ihn
früher aufgeladen. Den Schein zeigte der Mann beim Amte
Rheinbischofsheim vor und wurde nunmehr von der nochmaligen Zahlung
freigesprochen.



88.

Mariabild zu Steinbach.


In einem ungebrauchten Stalle zu Ottenhofen ertönte einstmals
lieblicher Gesang aus dem Boden. Der Hauseigenthümer grub auf dem Platze
nach, fand ein hölzernes Standbild, welches die seeligste Jungfrau mit
dem Jesuskindlein vorstellte. Beim Graben hatte der Kopf Marias den Riß
bekommen, welcher noch vorhanden ist. Nachdem hinter dem Stalle, im
Garten, ein hölzernes Kapellchen errichtet war, wurde das Bild
hineingestellt und nachher viel besucht und reichlich beschenkt. Weil
diese Andacht keine Genehmigung hatte, so ließ der Pfarrer zu Steinbach,
wohin Ottenhofen gehört, in einer Nacht das Bild durch einen Mann in
seine Kirche holen; allein in der Frühe stand es wieder im Kapellchen,
und eben so am folgenden Morgen, nachdem es in der Nacht zuvor, wie das
erste Mal, fortgenommen worden war. Hierauf holten es die Steinbacher in
feierlichem Bittgang in ihre Kirche und stellten es am Schwibbogen des
Chors auf, wo es denn auch blieb und fortfuhr, mit Gnaden zu leuchten.
Ungeachtet dessen ließ ein späterer Pfarrer, zum Ärger der Gemeinde, das
Bild hinten hin, unter den Glockenturm, setzen. Da sah man das Innere
der Kirche, mehrere Nächte nach einander, hell erleuchtet, und als eines
Tages Leute vor dem Bilde beteten, fiel plötzlich eine brennende Kerze,
die dort aufgesteckt war, in zwei Hälften gespaltet herunter. Auf dieses
wurde das Bild wieder an seinen vorigen Platz gestellt, wo es noch steht
und mit großem Vertrauen verehrt wird.



89.

Meisterschuß.


Als im Jahre 1796 eine Kriegsschaar Neufranken auf der Landstraße von
Scheuern gegen Baden rückte, ritt der Oberst mit seinem Feldgehülfen und
seinem Bedienten an der Spitze. Auf einmal pfeift eine Büchsenkugel vom
Berge herab und streckt alle Drei todt darnieder. Der Schuß geschah aus
großer Entfernung von einem österreichischen Scharfschützen, der darauf
über das Gebirge sich davon machte. Seitwärts des Platzes, wo die Drei
gefallen, wurden sie beerdigt und ihre Gräber mit drei niedern
Steinkreuzen bezeichnet.



90.

Bund mit dem Teufel.


Ein Müller in Baden sollte seine baufällige Mühle herstellen lassen,
allein er hatte dazu keine Mittel. Hierüber betrübt, stand er eines
Morgens unter seiner Hausthüre, da kam ein fremder Mann in reicher
Kleidung zu ihm und fragte ihn, was ihm fehle. Als der Fremde es
erfahren hatte, versprach er, dem Müller Geld zu verschaffen und führte
ihn in der dritten Nacht in das Gewölbe des alten Schlosses. Dort holte
er ein Gebund Schlüssel hinter einem Felsen hervor und machte damit an
der Wand eine Eisenpforte auf, durch die sie in einen Saal und durch
eine zweite solche Thüre in ein kleineres Gewölbe kamen, worin eine
eiserne Kiste stand. Diese öffnete der Mann auch mit den Schlüsseln und
hieß dann den Müller von dem Silbergeld, womit sie gefüllt war, so viel
nehmen, als er tragen könne. Gierig füllte derselbe den Sack, welchen er
mitgebracht hatte; alsdann schloß der Mann die Kiste und beim Weggehen
die Thüren wieder zu, legte die Schlüssel hinter den Felsen und
begleitete, ohne viel zu reden, den Müller bis zu dessen Hause. Ohne
Säumen ließ nun dieser seine Mühle niederreißen und eine neue bauen;
aber lange ehe sie fertig, war das Geld ausgegeben. Da ging er in der
Nacht mit dem Sacke wieder auf das alte Schloß, fand richtig hinter dem
Felsen die Schlüssel und gelangte mittelst ihrer in das kleine Gewölbe,
wo er auf der Kiste einen schwarzen Pudel liegen sah. Nicht ohne Zagen
hieß er ihn heruntergehen, was derselbe auch gleich that und damit
verschwand. Hierauf machte der Müller die Kiste auf, nahm daraus so viel
Geld, als in den Sack ging und verschloß sie wieder. Während dessen war
die Gewölbthüre zugefahren und als er fortgehen wollte, konnte er sie,
trotz aller Anstrengung, nicht mehr aufbringen. Erschöpft und voll Angst
setzte er endlich sich nieder, da öffnete sich plötzlich die Thüre, und
herein trat ein stattlicher Jäger. Grimmig fuhr dieser ihn an, daß er
ihm so viel Geld habe stehlen wollen, und drohte, ihn in Stücke zu
reißen, wenn er nicht gleich sich verbindlich mache, ihm nach 15 Jahren
seine Seele zu überlassen. Obschon der Müller nun wußte, daß er es mit
dem Teufel zu thun habe, so schrieb er doch in seiner Noth den Vertrag
nieder, worauf er mit dem Sacke voll Geld heim gehen durfte. Eifrig
betrieb er nun den Fortbau der Mühle, während dessen er wenig seines
Vertrags mit dem Bösen gedachte. Später aber machte ihm derselbe mehr
Unruhe und, als 10 Jahre um waren, solche Angst, daß er halbe Tage in
der Kapuzinerkirche mit ausgespannten Armen betete. Dieses fiel im
Kloster auf und bewog den Guardian, ihn um die Ursache seines Kummers zu
fragen. Lange wollte er mit der Sprache nicht heraus; endlich aber
erzählte er, wie er in des Teufels Schlinge gerathen. Da rieth ihm der
Guardian, zu ihm in's Kloster zu ziehen und ein strenges Bußleben zu
führen, was er auch bis zu dem Tage that, an welchem seine Frist ablief.
Nachdem er an demselben gebeichtet und kommuniziert hatte, nahmen ihn
die Kapuziner an dem Hochaltar in ihre Mitte und erwarteten den Bösen.
Zur bestimmten Stunde kam auch dieser an die Kirchthüre und forderte die
Auslieferung des Müllers; der Guardian aber erklärte ihm, daß er an
demselben keinen Theil mehr habe, und beschwor ihn, die Handschrift
herauszugeben. So sehr der Teufel auch widerstrebte, so mußte er endlich
doch sie zur Thüre hineinwerfen, worauf er mit grimmigem Gebrüll
davonfuhr. Nach diesem blieb der Müller noch drei Jahre im Kloster, und
als er dann in die Welt zurückkehrte, setzte er das gottselige Leben
fort bis an sein Ende.



91.

Geist vertragen.


Vor etwa hundert Jahren starb in Baden ein Wirth und spukte darauf in
seinem Keller, wo er an die Fässer klopfte und andern Lärm machte. Um
ihn los zu werden, ließ seine Frau einen frommen Pater aus dem
Kapuzinerkloster kommen, der von ihr ein Stück Kölsch begehrte und mit
demselben und zwei brennenden Kerzen nach der Abendglocke in den Keller
ging, worin der Geist schon umher polterte. Unbeirrt durch dessen
Gebrüll, vollbrachte der Pater die Beschwörung, ließ dann von dem
Hausknecht, welcher oben an der Kellertreppe hatte warten müssen, den
zusammengerollten Zeug hinauftragen und sagte ihm, er solle denselben
auf die Teufelskanzel bringen. Der Knecht verweigerte jedoch, seinen
Herrn aus dem Hause zu tragen, und schlug dazu einen Mann von Selbach
vor, der, ohne zu wissen, was vorgehe, im Haus übernachte und beim
Heimgehen ohnehin zur Teufelskanzel komme. Gegen das angebotene
Trinkgeld übernahm der Mann gerne das Geschäft, aber statt den Kölsch am
bestimmten Orte abzuladen, brachte er ihn seiner Frau als einen Fund,
welchen er unterwegs gemacht habe. Voll Freude rollte sie den Zeug
auseinander, da hüpfte eine große Kröte heraus und unter den Ofen, wo
sie noch heute sitzt, in der Nacht ächzet und durch kein Mittel wieder
fortgeschafft werden kann.



92.

Lichtenthals Erbauung.


Anfänglich wollte man das Kloster Lichtenthal am sonnigen Schafsberg
erbauen, da, wo jetzt das Pächterhaus steht; allein in der Nacht wurden
die Steine und das Holz durch die Engel hinweg und zum winterlichen
Leusberg getragen. Das Gleiche geschah in den zwei folgenden Nächten,
nachdem die Baustoffe jedesmal an den Schafsberg zurückgeschafft worden
waren. Nunmehr baute man das Kloster auf dem vom Himmel bezeichneten
Platze, wo es auch noch heute steht und in geistlicher Schönheit
fortblüht. Über ihm wurde neuerlich, in einigen Adventsnächten,
stundenlang in der Luft beten gehört.



93.

Erdweiblein.


In dem _Küchenfelsen_ zu Oberbeuren hatten ehemals schöne Erdweiblein
ihre Wohnung und Küche, und von der letztern schreibt sich sein Name
her. Diese Weiblein lud einst die Frau des Hauses, zu welchem der Felsen
gehörte, mit den Worten ein:

  »Kommet her, ihr Armen,
  Esset auch von dem Warmen!«

worauf sie zu ihr gingen und sich den vorgesetzten frischen
Zwiebelkuchen trefflich schmecken ließen. Von nun an standen sie mit den
Leuten dieses Hauses in freundschaftlichem Verkehre. Aus dem Teig,
welchen dieselben Abends eingelegt, bucken sie ihnen in der Nacht das
Brod, und zur Arbeit auf dem benachbarten Acker brachten sie ihnen aus
ihrer eigenen Küche Essen. Die silbernen Geschirre, worin dieses
enthalten war, sowie die dazu gehörenden Silberbestecke mußten jedoch
von den Leuten wieder auf den Acker gestellt werden, von wo die Weiblein
sie dann zurückholten.

Einmal aber behielt der Knecht eine der Gabeln für sich zurück, und auf
dieses ließen die Weiblein sich nicht mehr blicken; obwohl man den Rauch
ihrer Küche noch manchmal aufsteigen sah.

Nach der Aussage eines verfahrenen Schülers liegen in dem Felsen große
Reichthümer verschlossen, und er versicherte, denselben mit drei
Rosmarinstengeln öffnen zu können.

Abweichend erzählen Andere so:

Um sich gegen die Erdweiblein erkenntlich zu zeigen, ließen die Leute
des Hauses für sie neue Hemden machen, und legten dieselben Abends auf
die Backmulde. Als die Weiblein der Hemden ansichtig wurden, gingen sie,
ohne sie zu berühren, sogleich hinweg und ließen nie sich wiedersehen.



94.

Fordere den Teufel nicht heraus.


Einst gingen zwei Beurener Männer, spät in der Nacht, von Gernsbach
heim. Unterwegs zieht der jüngere seine drei Messer hervor, fährt damit
wild in der Luft umher und ruft: »Heute wollte ich es mit drei Teufeln
aufnehmen!« Als sie an die verrufene Stelle »Müllenbild« kommen, sagt
er, wohin deutend, zum ältern: »Sieh, dort stehen drei!« Derselbe kann
niemand erschauen, gleich darauf aber sieht er, daß sein Begleiter von
ihm weg und, ellenhoch über dem Boden schwebend, gegen Gernsbach
zurückschießt. Eilends läuft er ihm nach, vermag aber nicht, ihn
einzuholen und ruft endlich: »Geh in Gottes Namen, ich kann dir nicht
mehr helfen!« Auf dieses steht der andere, am ganzen Leibe zitternd,
rückwärts von ihm, im Straßengraben. Nachdem er sich etwas erholt hat,
spricht er: »Die Drei waren gehörnte Teufel, welche mich packten und
fortschleppten und dabei zerkratzten, zerschlugen und so würgten, daß
ich keinen Laut ausstoßen konnte; um vor ihnen sicher zu seyn, will ich
nächstens zur Beicht gehen, was ich seit drei Jahren nicht mehr gethan
habe.«



95.

Seefrauen.


Einem Forbacher Holzhauer, welcher beim Herrenwieser See beschäftigt
war, brachte ein Weiblein aus demselben Monate lang das Mittagsessen; er
sollte aber, wie sie ihm gleich Anfangs gesagt, es niemand offenbaren.
Seiner Frau fiel endlich auf, daß er das Essen, welches sie ihm mitgab,
meistens zurückbrachte, und sie fragte ihn so lange und dringend um die
Ursache, bis er ihr dieselbe entdeckte. Als er am andern Tage wieder
beim See arbeitete, kam das Weiblein mit zwei Gebund Stroh und sagte,
daß sie ihm, weil er die Sache ausgeplaudert, kein Essen mehr bringe,
ihm jedoch zum Abschiede noch die zwei Bunde Stroh schenke, die er
sorgfältig bewahren solle. Hierauf ging sie nach dem See zurück. Trotz
ihrer Ermahnung, warf der Mann auf dem Heimwege das Stroh weg; ein
Hälmchen aber blieb ihm am Ärmel hängen, das er zu Hause in Gold
verwandelt fand. Eilig begab er sich nun auf den Platz, wo er das Stroh
hingeworfen, allein da war nichts mehr zu finden.

Einst holte ein Seeweiblein die Forbacher Hebamme, um einer Frau im See
bei deren Niederkunft beizustehen. Als sie an ihn kamen, schlug das
Weiblein mit einer Ruthe hinein, worauf das Wasser sich theilte, und sie
trockenen Fußes, eine Treppe hinab, in schöne Gemächer gelangten. In
einem derselben lag die Frau, und mit Hilfe der Wehmutter wurde sie
glücklich entbunden. Zum Lohn erhielt die Hebamme ein Bündel Haberstroh,
welches sie, noch im See, verächtlich wegwarf. An ihrem Schuh blieb aber
ein Halm hängen, und als sie aus dem Wasser war, fand sie ihn in eitel
Gold verwandelt. Nun bereute sie zu spät, das Bündel weggeworfen zu
haben.

An hohen Festen pflegten Seejungfrauen nach Forbach in die Kirche, und
an Fastnacht und Kirchweihe in das Löwenwirthshaus zum Tanze zu kommen.
Sie waren zart und schön, wie aus Milch und Blut, hatten die Tracht der
Schwarzwälderinnen und Röslein auf den Strohhüten. Um zehn Uhr des
Abends mußten sie stets zu Hause seyn, und darum gingen sie immer früh
vom Tanzboden weg. Einmal aber verspätete sich eine von ihnen, welche
eine Liebschaft mit einem Forbacher Burschen hatte, und als er sie zum
See begleitete, bat sie ihn, am Ufer zu warten, wenn sie in's Wasser
gestiegen sey. Werde dieses dann milchweiß, so habe sie kein Leid
erfahren; werde es aber blutig, so sey sie, wegen ihrer Verspätung,
umgebracht worden, und er solle eiligst entfliehen, sonst koste es auch
ihm das Leben. Nicht lange hatte der Bursch gewartet, so sah er im See
Blut emporsteigen und ergriff schleunig die Flucht. Nachher sind keine
Seejungfrauen mehr nach Forbach gekommen.



96.

Forbachs ältestes Haus.


Zur Zeit, wo die Gegend von Forbach noch eine Wildniß war, stand darin
einsam der _Schramberger Hof_, von dem jetzt allein der Keller übrig
ist. Als der Hofbauer einen Sohn bekam, ließ er ihn erst nach acht
Jahren in Rothenfels taufen, wofür er dem Pfarrer ein Kalb mitbrachte.



97.

Verwünschung.


Ein Mann von Forbach wollte aus seiner Bergscheuer bei der _Wolfsgrube_
Heu holen und traf dort einen ausgeschriebenen Wilderer. Derselbe bat
ihn, ihm Brod herzubringen, was der Mann auch versprach und ihn da
warten hieß. Statt Brodes brachte er aber Bewaffnete mit und nahm den
Wilderer gefangen. Für dessen Einlieferung erhielt er beim Oberamt
zwanzig Gulden Blutgeld auf rothes Tuch ausgezahlt. Ehe der Wilderer
hingerichtet wurde, sprach er zu dem Manne: »Weil du mich so schändlich
verrathen hast, sollst du nicht mehr die Sonne anschauen!« Diese
Verwünschung ging sogleich in Erfüllung, und der Mann mußte bis zu
seinem Tode stets unter sich sehen.



98.

Der Wolfsstein.


Auf dem Happersberge ward einmal ein weidender Ochse von einem Wolf
angefallen. Er nahm ihn aber auf die Hörner und drückte ihn so lange an
einen Felsen, bis er (der Wolf) todt war. Seit dieser Zeit wird der
Felsen der _Wolfsstein_ genannt.



99.

Knorr.


Bei seinen Lebzeiten war Knorr Zollbeamter im badischen Murgthal, wo er
einen hohen Zoll auf die Frucht legte und dadurch die Leute schwer
bedrückte. Zur Strafe hierfür muß er seit seinem Tode, ohne Hoffnung auf
Erlösung, daselbst umgehen, besonders zu Gernsbach in seinem Hause, in
der daran stoßenden Mistgasse und auf der dortigen Murgbrücke. Er zeigt
sich nur in fruchtbaren Jahren, vom Abendgeläute bis zur Frühglocke,
aber in allerlei Gestalten, namentlich als Jäger, altes Weib mit langen,
herabhängenden Haaren, Bär, Stier, Pferd, Esel, Kalb, großer, schwarzer
Hund mit mächtigen Feueraugen, Schwein, Bock, weiße Ziege, Schaf, Katze,
Gans, große Schlange und Wergbund. Die Leute zu foppen, ist seine
Gewohnheit, daher man am besten thut, wenn man ihn trifft,
stillschweigend an ihm vorbeizugehen, damit er keine Gewalt über einen
bekomme.

Eine Gernsbacher Frau, der er sich als Esel über einen Waldpfad legte,
wollte ihn schimpfend mit dem Fuße wegstoßen; da sprang er ihr auf den
Rücken und ließ sich bis an die Stadt tragen.

Ebenso mußte ihn ein Mann aus Forbach, welchem er sich als Kalb
aufsetzte, bis unter die Dachtraufe seines Hauses schleppen.

Auch in Hilpertsau, Obertsroth, auf der Gernsbacher Brücke, hat er sich
schon als Schaf oder Hund von spät Heimgehenden huckeln lassen.

Auf einem Brücklein zwischen Staufenberg und Gernsbach packte einmal ein
Mann ein einzelnes Schwein auf; aber plötzlich stand er im Wasser, und
das Schwein, welches der Knorr gewesen, war verschwunden.

Beim Heimgehen nach dem Ausrufen sah einst der Weißenbacher Nachtwächter
am Pfarrhaus ein Gebund Werg liegen, das er aufhob und unter seinen Rock
stecken wollte. Da bemerkte er, daß das Werg ein Paar Augen bekomme, und
der Knorr sey, weßhalb er es eilig hinwegwarf.

Als ein solches Gebund hat Knorr auch auf der Hilpertsauer Brücke sich
sehen lassen und vor Darübergehenden hin und her gewälzt. An dieser
Brücke stand früher ein kleines Haus, welches das _Knorrhäuslein_
genannt wurde.

Wenn er als Katze erscheint, rollt er sich zuweilen den Leuten unter die
Füße, daß sie über ihn fallen, und auch in andern Thiergestalten legt
oder stellt er sich ihnen häufig in den Weg, und wenn sie ihm
ausweichen, ist er öfters gleich wieder hart vor ihnen.

Vor manchen ist er schon im Zickzack hergelaufen; viele sind von ihm
irregeführt, mehrere beohrfeigt und andere mit Gewalt in die Murg
gestellt worden.



100.

Der Grafensprung.

(Abweichung von Nr. 160 des Hauptwerkes.)


Auf der Burg Neueberstein waren einmal drei Grafen und Brüder, welche
über die Theilung ihrer Güter lange nicht einig werden konnten. Endlich
kamen sie überein, daß derjenige von ihnen sie alle erhalten solle, der
den steilen Abhang des Schloßbergs gegen die Murg drei Mal hinauf und
herab reiten werde. Der Jüngste unternahm es zuerst und gelangte zwei
Mal glücklich hinauf und herunter; beim dritten Aufritt aber stürzte er
mit dem Pferd in die Tiefe und brach das Genick. Hierdurch abgeschreckt,
verglichen sich die beiden andern in brüderlicher Weise; auch nahmen
sie, zum immerwährenden Andenken, in ihr Wappen drei Männer auf, deren
einer ohne Kopf ist. Von dem Vorgange trägt der Abhang den Namen
_Grafenries_ oder _Grafensprung_.



101.

Erdweiblein.


Die _Erdweibleinshöhle_ im kleinen Lautenfelsen trägt diesen Namen wegen
der Erdweiblein, welche vordem darin wohnten. Zwei von ihnen, holdselige
Mädchen, pflegten Abends mit ihren Spindeln nach Lautenbach in die
Spinnstube und, wenn Tanz war, auch zu diesem zu kommen. Stets aber
gingen sie vor Mitternacht weg, weil sie über dieselbe nicht ausbleiben
durften. Einst, beim Fortgehen, wurden sie von einem Anwesenden gefragt,
was sie in ihren hinaufgebundenen Schürzen hätten, worauf die eine
antwortete:

  »Hättest Du mich eher gefragt,
  Hätte ich Dir es gesagt.«

Von Tag zu Tag gewannen die Bursche die beiden Mädchen lieber, und
einmal, beim Tanze, vermochten sie sie, bis nach Mitternacht zu bleiben.
Als dieselben darauf heim wollten, baten sie die Bursche, sie zu
begleiten und am Felsen zu warten, wenn sie hineingegangen. Fließe dann
Blut aus ihm, so seyen sie, wegen ihrer Verspätung, umgebracht worden;
komme aber Milch heraus, so hätten sie kein Leid erfahren. Nicht lange
waren sie im Felsen, so quoll Blut daraus; und nachher sind keine
Erdweiblein mehr in Lautenbach gesehen worden.

Andere erzählen: die Erdjungfrauen seyen allein heimgegangen; sie hätten
aber ein Messer zurückgelassen und gesagt, wenn sie, wegen ihres
Verspätens, getödtet würden, so werde das Messer blutig werden, und
dieses sey auch geschehen.



102.

Schatz bei Gernsbach.


Dem Taglöhner eines Gernsbacher Gutsbesitzers träumte drei Nächte
nacheinander: er solle auf einem gewissen Acker seines Herrn, im Bezirk
_Entensee_, zackern und die Mäuse, die dabei zum Vorschein kämen,
unbeschrieen todtschlagen und sorgfältig bewahren; denn sie seyen
Silbermünzen. Am Morgen darauf wurde er vom Gutsbesitzer, der von dem
Traume nichts wußte, beauftragt, den erwähnten Acker zu pflügen. Um
dabei die Ochsen zu leiten, nahm er einen Buben mit, dem er befahl,
während der ganzen Arbeit nichts zu reden. Beim Zackern kamen eine Menge
Mäuse aus dem Boden und sprangen dem Manne nach; er schlug sie
stillschweigend todt, legte sie auf einen Haufen und deckte etwas
darüber. Auf einmal merkte er, daß die Pflugschaar in etwas stecke, und
als er nachsah, fand er sie im Ringe eines Kessels, der ganz voll Geld
war. Über das öftere Halten ungeduldig, rief jetzt der Bube dem
Taglöhner, fortzumachen, und da sank der Kessel dröhnend in die Tiefe.
Nachdem der Mann den Buben wegen des Rufens tüchtig gezankt hatte,
schaute er nach dem Haufen Mäuse, und siehe, sie waren zu lauter
silbernen Geldstücken geworden.

In zwei Jahren, am ersten März, Vormittags zwischen zehn und elf Uhr,
sahen die Leute, welche dem Acker gegenüber wohnten, auf dem Platze, wo
der Kessel versunken, etwas Glänzendes liegen. Beim zweiten Mal dachte
der Mann, es sey ein Schatz und ging stillschweigend darauf zu; aber
unterwegs wurde er von einer Frau gefragt, wo er hin wolle, und im
Augenblick war das Glänzende verschwunden.



103.

Der Bildstock am Hördtelstein.


Ehe die jetzige Landstraße durch das Murgthal gemacht war, zog mitten
an der flußbespülten Felswand des Hördtelsteins ein Fußpfad hin. Damals
fuhr ein Mühlknecht von Ottenau, um Frucht zu holen, nach Hördten und
schlief auf dem Wagen ein. Am Hördtelstein schlug das Pferd, statt auf
dem Fahrweg zu bleiben, den erwähnten Fußpfad ein und kam glücklich über
den Felsen. Als der Mühlknecht gleich darauf erwachte, erkannte er, wie
wunderbar er mit seinem Gefährt erhalten worden sey. Zum Danke dafür
ließ er an der Stelle einen steinernen Bildstock errichten, auf dem ein
kleines Kruzifix ausgehauen ist.



104.

Schätze bei Michelbach.


Auf einer Wiese steht ein großer Nußbaum, welcher vom Wind schon zwei
Mal mit der Wurzel ausgerissen worden ist, jedes Mal aber sich selbst
wieder aufgerichtet und im Boden festgestellt hat, weil, noch aus der
Heidenzeit, Geld unter ihm vergraben liegt.

Auch da, wo das Bergschloß gestanden, ist ein Schatz verborgen, und es
zeigt sich dort eine Schlange, die einen goldenen Ring mit drei
Schlüsseln um den Hals hat.

Auf der Klotzwiese gehen drei weiße Jungfrauen um, die öfters
wunderschön singen und am angrenzenden Bache waschen. Eines Tages riefen
sie einen vorübergehenden Mann von Sulzbach zu sich und sagten ihm, er
könne sie erlösen und den großen Schatz, welchen sie hüten müßten,
gewinnen, wenn er sie in den Gestalten, worin sie ihm erscheinen würden,
küßte, wobei er nichts zu befürchten habe. Nachdem er sich bereit
erklärt, ward er von ihnen zu einem Felsen des nahen Münzbergs geführt,
an welchem er jetzt zum ersten Mal eine Thüre erblickte. Durch dieselbe
kamen sie in ein Gewölbe, worin drei Kisten standen, auf deren jeder ein
schwarzer Hund lag. Auf Geheiß der Jungfrauen sprangen die Hunde herab,
und jene öffneten die Kisten, deren eine mit Kupfer, die zweite mit
Silber, die dritte mit Gold gefüllt war. Nach diesem standen, statt der
Jungfrauen, eine Kröte, eine Schlange und ein Drache da. Den zwei
erstern gab der Mann je einen Kuß; den Drachen aber vermochte er nicht
zu küssen, sondern fiel in Ohnmacht. Als er wieder zu sich kam, lag er
außen, beim Felsen, die Jungfrauen standen traurig um ihn und sagten
ihm, sie müßten jetzt wieder warten, bis aus einem Kirschkern, welchen
ein Vogel am Münzberg fallen lasse, ein Baum geworden und aus diesem
eine Wiege für ein neugebornes Kind gemacht sey; dieses Kind erst könne,
wenn es erwachsen, sie erlösen. Hierauf verschwanden sie. Der Mann
gelangte mit Mühe nach Hause und starb in drei Tagen.



105.

Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn.


1) Aus dem Lindenbaum, an dessen Fuß die Moosalb entspringt, ertönte
einst lieblicher Gesang. Man suchte nach und fand in dem Stamme ein
anmuthiges Mariahilfsbild. Nachdem nun noch, nächtlicher Weile, auf
einen nahe gelegenen Platz überirdisches Feuer gefahren war, erbaute man
auf demselben eine Kapelle und setzte darin das Bild zur Verehrung aus.
Alsbald leuchtete es mit Wundern, und auch das Holz der Linde und das
Wasser der Quelle erwiesen sich gegen verschiedene Übel heilkräftig.

2) Mit einem schwer beladenen Wagen Holz fuhr ein Mann den schroffen
Mahlberg hinunter. An der jähsten Wegstelle brachen die Radsperren, und
nun rollte der Wagen, mit Pferden und Mann, unaufhaltsam abwärts. In
dieser großen Noth rief letzterer: »O Maria hilf!« und augenblicklich
stand das Fuhrwerk auf dem steilen Abhange still. Wegen dieses Wunders
ward im Thale eine Mariahilfskapelle erbaut, zu welcher bald von nah und
fern Pilgerfahrten geschahen[9].

  [9] Keine der beiden Erzählungen findet sich in den Moosbronner
  Pfarrschriften.



106.

Steine in Geld verwandelt.


Ein Niederbühler Bube sah einst an der Wassergrube, welche das
_Glockenloch_ heißt, kleine Steine aufgehäuft liegen und warf etliche so
darüber, daß sie auf der Oberfläche dahin hüpften. Sobald sie das Wasser
berührten, schimmerten sie wie Silber. Er füllte deßwegen seine Kappe
mit Steinen von dem Haufen, und als er dieselben zu Hause ausleerte,
fand er sie zu werthvollen Silbermünzen geworden. In Begleitung seines
Vaters eilte er sogleich zu dem Glockenloch, konnte aber den Steinhaufen
nicht mehr entdecken. Sie nahmen nun ähnliche Steinchen von da mit;
allein dieselben wollten sich nicht in Geld verwandeln.



107.

Der Rötterer Berg bei Rastatt.

(Zu Nr. 170 des Hauptwerkes.)


Dieser Berg war schon Nachts von spukhaftem Schein umgeben. Einst brach
ein Mann sich dort eine Blume ab und fand sie zu Hause in einen goldenen
Schlüssel verwandelt.

Ein anderes Mal bemerkten vorbeigehende Burschen am Berg eine Menge
Kröten. Der Dummste steckte einige zu sich, und als er sie daheim
hervorzog, waren sie zu eitel Gold geworden.

Zwei Knaben und Brüder von Rastatt, welche im Wald Holz gelesen hatten,
sahen beim Heimgehen das weiße Fräulein an der Schuhuhütte stehen und
ihnen winken, zu ihr zu kommen. Der ältere wagte es, wurde von ihr in
die Hütte geführt und mit einem Sack voll Geld beschenkt. Kaum hatte er
ihn mit Mühe zu seinem in der Nähe wartenden Bruder gebracht, so kam ein
Mann aus der Rheinau, der von einer benachbarten Wiese alles mit
angesehen, und wollte ihnen den Sack mit Gewalt wegnehmen. Auf ihr
Geschrei trat jedoch der alterthümlich gekleidete Jäger hinter der
Schuhuhütte hervor, schlug sein Gewehr auf den Mann an und jagte ihn
dadurch in die Flucht. Alsdann half er den Knaben, den Sack forttragen,
bis zufällig ein Wagen herbeikam. Dem Führer desselben gab der Jäger ein
großes Trinkgeld, damit er die Buben nebst dem Sacke nach Hause fahre,
und empfahl ihm, es ja gut zu besorgen. Überdies blieb er (aber nur dem
ältern Knaben sichtbar) so lange bei dem Fuhrwerk, bis die Buben mit dem
Gelde bei ihren hocherfreuten Eltern waren. Der Mann aus der Rheinau
starb, in Folge des Schreckens, nach drei Tagen.



108.

Steinbild in Sulzbach[10].


Auf dem _Freihof_ zu Sulzbach hat vor Zeiten ein Schloß gestanden, das
von einem adeligen Geschlecht bewohnt worden ist. Von diesem waren
zuletzt nur Bruder und Schwester übrig; sie zeugten miteinander ein Kind
und wurden deshalb enthauptet. An dem Sulzbacher Kelterhaus war früher
ein Stein eingemauert, worauf die beiden Geschwister, ohne Köpfe, und
das Kind ausgehauen waren.

  [10] Im Amt Ettlingen.



109.

Doppelmord wegen eines halben Kreuzers.


Zwei wandernde Metzgergesellen bettelten in einem Hause zu Ettlingen und
erhielten einen Kreuzer. Denselben wollte der Empfänger für sich
behalten, der andere machte aber auf die Hälfte Anspruch. Hierüber
geriethen sie mit einander in Streit, der eine zog ein langes Messer,
der andere eine Hippe[11] hervor, sie fielen sich an und tödteten sich
gegenseitig. Dies geschah am Ende der Stadt, Schöllbronn zu, und es
stehen deßhalb am dortigen Wege zwei niedere Steinkreuze, auf deren
einem eine Hippe, auf dem andern ein Messer eingehauen ist.

  [11] Winzermesser.



110.

Messe nachgeholt.


Eines Abends ward in die Ettlinger Kirche zufällig ein Schulbube
eingeschlossen, der während der Betstunde darin eingeschlafen war. Tief
in der Nacht erwachte er; am Altare brannten die Lichter und an dessen
Fuß stand ein Priester allein und begann die Messe. Nachdem er das
=Introibo= gesprochen, schaute er auf beide Seiten, ob nicht ein Diener
da sey, der ihm antworte, und als er keinen erblickte, machte er das
Buch auf dem Altare zu und ging mit dem Kelch wieder in die Sakristei.
Augenblicklich erloschen die Lichter von selbst, und den Knaben befiel
eine solche Angst, daß er zur Thüre eilte, und als er sie verschlossen
fand, um Hilfe rief. Dies hörte der vorübergehende Nachtwächter; er
holte den Meßner und derselbe ließ den Buben aus der Kirche und führte
ihn am Morgen zum Pfarrer. Nachdem dieser sich Alles hatte erzählen
lassen, unterrichtete er den Knaben im Meßdienen und sagte ihm hierauf,
was er zu thun habe. Vor Mitternacht begaben sich dann Beide in die
Kirche, wo nach einer Weile die Altarkerzen sich von selbst entzündeten
und wieder der Priester aus der Sakristei kam und sich anschickte, Messe
zu lesen. Ungesäumt trat nun der Bube hinzu und diente ihm; aber nach
der Messe ging nicht er, sondern der Pfarrer mit in die Sakristei. Dort
von letzterem befragt, warum er im Grabe keine Ruhe habe, antwortete der
Priester: »Als ich starb, war ich noch eine Messe schuldig, und um sie
nachholen zu können, habe ich viele, viele Jahre auf einen Diener
gewartet. Jetzt ist sie abgehalten, und ich gehe zu Gott, bei dem ich
Deiner und des Knaben nicht vergessen werde!« Nach diesen Worten
verschwand er.



111.

Burgstadel.

(Zu Nr. 186 des Hauptwerkes.)


Die Frau des Wattmüllers erblickte eines Tages auf dem Platze, wo das
Schloß gestanden, einen offenen Keller, den sie vorher nie gesehen
hatte. Sie stieg dessen Treppe hinab und bemerkte unten drei Kisten mit
Geld. Eilends ging sie weg, um ihren Mann zu holen; aber als sie mit
demselben zurückkam, war der Keller verschwunden.

Bei dem Burgstadel war einem Mann ein Schwein verlaufen. Mit einer
Gerte, die er sich aus einer Haselstaude schnitt, suchte er es im
Gebüsche, wobei er zufällig mit ihr die Bergwand berührte. Da öffnete
sich diese und zeigte ein Gewölbe, worin das weiß gekleidete Fräulein
und verschiedene Kisten waren. Auf einer der letztern lag ein Hund mit
einem Bund Schlüssel im Maule. Nachdem der Mann eingetreten, nahm das
Fräulein die Schlüssel und machte damit die Kisten auf, welche voll Geld
und Kostbarkeiten waren. »Nimm Dir davon, so viel Du willst,« sprach sie
zu ihm, »aber vergiß das Beste nicht!« Ohne Säumen warf er die Gerte weg
und packte von den Schätzen ein, so viel er fortbringen konnte. Als er
damit im Freien war, schaute er nach dem Gewölbe um; aber da war der
Berg wieder zu, und er erkannte nun, daß er das »Beste«, nämlich die
Haselgerte, zurückgelassen habe.

Bei Tagesanbruch sah einmal der Knecht aus der Sägmühle das Fräulein an
der Alb einen Kübel füllen und ihn auf den Berg tragen. Er erzählte es
seinem Herrn, auf dessen Rath er am andern Morgen abermals an den Fluß
ging und das Fräulein, welches wieder Wasser holte, fragte, was sie da
mache. Sie erwiderte ihm, er möge ihren Kübel nehmen und ihr damit auf
den Burgstadel folgen, was er auch ohne viel Bedenken that. Oben traten
sie durch eine Höhle in das Schloß, worin viele Kisten und ein Faß
standen, bei dem ein Hund auf einem Lotterbette lag. Nachdem das
Fräulein den Kübel in das Faß ausgeleert hatte, sagte sie zu dem Knecht,
er würde sie erlösen und alle die Schätze in den Kisten bekommen, wenn
er den Frosch, worein sie sich verwandle, trotz des heftigen, aber
unschädlichen Gebells des Hundes, dreimal mit der Hand um das Faß trüge.
Beim ersten Gang um dieses bellte der Hund stark, beim zweiten noch
stärker, beim dritten aber so fürchterlich, daß der Knecht den Frosch
fallen ließ. Da war es um die Erlösung geschehen, und es erschien ein
alter Mann und führte den Knecht zum Berge hinaus.

Als einst ein Schäfer beim Weiden oberhalb der Kalbenklamm ein Stücklein
blies, kam das Fräulein und sagte ihm, er solle mit ihr gehen, seine
Heerde werde unterdessen bestens gehütet. Auf dieses folgte er ihr und
ward an einen Platz voll Schlüsselblumen geführt, deren er eine
abbrechen und auf den Burgstadel mitnehmen mußte. Dort war eine Thüre
sichtbar, welche er auf seiner Führerin Geheiß mit der Blume wie mit
einem Schlüssel aufschloß. Sie gingen hinein und kamen zu drei Kisten,
auf deren einer ein schwarzer Pudel lag. »Öffne die Kisten mit der
Blume«, sprach das Fräulein zu ihrem Begleiter, »und nimm daraus, so
viel Du willst, aber vergiß das Beste nicht!« Nachdem der Hund herab
gesprungen war, schloß der Schäfer mit der Blume die Kisten auf und fand
sie mit Schafzähnen gefüllt. Ohne große Freude steckte er damit seine
Taschen voll und trat dann, die Blume zurücklassend, allein den Rückweg
an. Kaum war er aus dem Berge, so rief ihm eine Stimme klagend nach: »Du
hast das Beste vergessen!« Seine Heerde traf er schön beisammen und
vergaß über ihr die mitgenommenen Schafzähne. Erst am nächsten Morgen
dachte er wieder an dieselben; aber statt ihrer fand er in seinen
Taschen lauter Goldstücke. Sogleich eilte er auf den Burgstadel; allein
er sah die Thüre nicht mehr und merkte nun, daß unter dem »Besten« die
Schlüsselblume verstanden war, mit der er immer wieder in den Berg und
zu dem Golde hätte gelangen können.



112.

Spielleute beim Hexentanz.


Drei Spielleute kamen Nachts beim Heimgehen von einer Kirchweihe zu
einem hell erleuchteten Waldschloß, woraus lustiger Tanz erscholl. Um
noch etwas zu verdienen, gingen sie hinein und in einen Saal des obern
Stockes, worin eine Menge Weiber zu einer Gellflöte tanzten. Diese blies
Einer, welcher auf dem Tische stand; die Spielleute stellten sich zu ihm
hinauf und geigten wacker mit. Während dessen nahm der Baßstreicher
einen goldenen und einen silbernen Becher vom Tische und steckte sie in
die Tasche. Als sie im besten Fiedeln waren, schlug es zwölf und im Nu
verschwand Alles, und die Drei waren allein im Dunkeln. Wie sie merkten,
saßen sie auf einem Baume; einer von ihnen sprang hinab und brach das
Genick. Auf dieses blieben die zwei Andern oben, bis es Tag wurde, wo
sie sich auf einer hohen Tanne sitzen sahen, von welcher sie nur mit
Mühe hinab kamen. Als der Baßgeiger nach seinen eingesteckten Bechern
schaute, waren es eitel Kühklauen.



113.

Der Jungfernsprung bei Dahn.

(Abweichung von Nr. 198 des Hauptwerkes.)


Auf einer waldigen Höhe bei Dahn ward einst ein unschuldiges Mädchen,
welches einsam Kräuter sammelte, von einem geilen Jäger angefallen. Sie
entsprang ihm und floh, von ihm verfolgt, bis vor auf die steile
Felsenwand, die die Höhe gegen das Thal bildet. Da sie keinen andern
Ausweg hatte, that sie in Gottes Namen den Sprung in die Tiefe, wobei
sie sich nur den kleinen Finger[12] verstauchte. Auf dem Platze, wohin
sie gesprungen, sprudelte gleich eine klare Quelle hervor. Die
Felsenwand erhielt von der Begebenheit den Namen _Jungfernsprung_, und
es ward ein hölzernes Kreuz darauf gesetzt.

  [12] Statt des kleinen Fingers nennen Manche hier und in Nr. 198 des
  Hauptwerkes die kleine Zehe, und Andere den kleinen Finger _und_ die
  kleine Zehe.



114.

Schatz gehoben.


Auf dem Wingertsberge bei Annweiler brannte früher ein nächtliches
blaues Licht, das bald größer, bald kleiner wurde. Einmal kam ein Mann
aus dem Orte, welcher spät in der Nacht nach Hause fuhr, in die Nähe des
Lichtes; da ging er schweigend hin, deckte seinen Mantel darauf und
setzte dann seinen Heimweg fort. Am nächsten Morgen um fünf Uhr war er
wieder auf dem Berge, und als er seinen Mantel aufhob, lag ein Schatz
Geld darunter, den er unangefochten sich zueignete. Seit dieser Zeit
wird das Licht nicht mehr gesehen.



115.

Die Schlorpengasse.


Noch im vorigen Jahrhundert trieben sich zwischen Basel und Frankfurt
vierzigtausend Betteljuden, Männer, Weiber und Kinder, heimathlos umher.
Bei Karlsruhe hatten sie in dem Wald südlich von der Stadt ihren
Lagerplatz, wo sie häufig aus dort blühendem Holler und zusammen
gebetteltem Mehl und Schmalz sich Hollerküchlein bereiteten, endlich
wurde ihnen von der Karlsruher Judenschaft ein Haus in der
Rüppurrerthorstraße zur Herberge hergerichtet und nun schlorpten
(schlarften) sie bei Tag und Nacht hinein und heraus. Davon erhielt die
Straße auch den Namen _Schlorpengasse_, welchen sie aber jetzt, wo die
Herberge nicht mehr besteht, beinahe wieder verloren hat.



116.

Laß die Todten ruhen.


Eine reiche Wittwe in Karlsruhe hatte eine einzige Tochter, die sie,
weil dieselbe eben so schön, als verständig war, über die Maßen liebte.
In der Blüthe der Jahre starb das Mädchen, und die Mutter war darüber
ganz untröstlich. Täglich brachte sie mehrere Stunden auf dem Kirchhofe
zu und weinte und klagte an der Gruft ihres Kindes. Als sie einst in der
Frühe wieder dort saß und jammerte, rief ihr die Stimme ihrer Tochter
aus der Gruft zu: »Mutter, laß mich doch ruhen!« Da verließ die Frau
erschüttert den Friedhof und suchte, zur Beruhigung der Verstorbenen,
über ihren Schmerz Meister zu werden.



117.

Todesvorzeichen.


Im Herbste 1851 verkündete zu Karlsruhe eine durchziehende Zigeunerin,
im nächsten Frühjahr entstehe im Lande große Trauer. Ein Stadtwächter
wollte sie deßhalb verhaften, sie sagte ihm aber, so gewiß gehe ihre
Verkündigung in Erfüllung, als er neun Kreuzer bei sich habe, und da er
nachsah, hatte er gerade so viel in seinem Beutel. Den Winter darauf
erkrankte der Großherzog Leopold im Karlsruher Schlosse, wo alsbald die
_weiße Frau_ sich dreimal sehen ließ. Einige Zeit nachher fingen die
Glocken der Stadtkirche mitten in der Nacht von selbst an zu läuten, und
als der Großherzog es erfuhr, sprach er: »Das war mein Grabgeläute!«
Wirklich starb er auch am 24. April 1852 zum Leidwesen des ganzen
Landes, und wurde dann in der fürstlichen Gruft unter der Stadtkirche
beigesetzt.



118.

Schuhwechsel.


Einem Manne aus Au, der Nachts von Durlach heimging, setzte sich bei der
Ruhebank der gespenstige Kapuziner, welcher dort umgeht, auf den Rücken
und ließ sich bis in dessen Haus tragen. Als der Mann, unter der Last
keuchend, die Stiege hinaufkam, rief ihm seine Frau zu, er solle seine
Schuhe gegen einander wechseln. Er that es, und sogleich fiel ihm der
Kapuziner vom Rücken und polterte gleich einem rollenden Fasse die
Treppe hinunter.



119.

Todesvorzeichen.


Am Abend vor Allerheiligen 1831 waren ein Glaser und ein anderer Bürger
aus Durlach mit einer Fuhr Wein, den sie in der Bruchsaler Gegend
gekauft, auf dem Weg nach ihrem Orte. Der Mond schien hell, und die zwei
Männer gingen weit hinter dem Fuhrwerk her. Als sie zwischen 8 und 9 Uhr
in die Nähe von Untergrombach kamen, sahen sie über dem Straßengraben
einen Reiter, der im Schritte neben ihnen herritt und, wie sein Pferd,
einen Federbusch auf dem Kopfe hatte. In der Meinung, es sey Einer, der
sie foppen wolle, sprang der Glaser hin und versetzte ihm einen
Stockstreich; allein er traf einen Erlenbaum, und Reiter und Roß waren
verschwunden. Nicht ohne Grauen begaben sich die Männer zu ihrem
Weinwagen, und bald bemerkten sie und der Fuhrmann, wieder jenseits am
Graben, eine einspännige Kutsche, worin ein Geharnischter mit Helmfedern
saß, und deren Pferd, gleich einem Leichenroß, einen Federbusch trug,
und von einem daneben gehenden Mann geführt wurde. Statt dieser Kutsche
zeigte sich später eine zweispännige; der Geharnischte saß auch darin,
und die Pferde hatten ebenfalls Federbüsche und Führer. Bis an die
Steige oberhalb Weingarten's begleitete die Kutsche die Weinfuhr; dort
aber war sie plötzlich weg und ließ auch nachher sich nicht mehr sehen.
Zwei Tage darauf wurde der Glaser krank. Er sagte gleich, daß die
Erscheinungen seinen bevorstehenden Tod bedeutet hätten, und wirklich
erfolgte derselbe auch nach weitern neunzehn Tagen.



120.

Der Thurmberg bei Durlach.

(Zu Nr. 215 des Hauptwerkes.)


Eines Tages kam auf diesem Berge zu zwei Männern eine weiß gekleidete
Frau und gab jedem stillschweigend einen Blumenstrauß. Sie dankten ihr,
und als sie darauf anfing zu weinen, fragten sie um die Ursache. »Hättet
ihr mir nicht gedankt«, antwortete sie, »dann wäre ich jetzt erlöst, so
aber bin ich es nicht!« Nach diesen Worten verschwand sie.

Ein reisender Handwerksbursch, welchen sein Weg über den Berg führte,
legte sich daselbst ermüdet nieder und schlief ein. Durch ein Streichen
über sein Gesicht ward er geweckt, und vor ihm stand die weiße Jungfrau
und fragte ihn, ob er arm sey. Nachdem er es bejaht hatte, hielt sie ihm
ihr Gebund Schlüssel hin, mit den Worten: »Wähle einen der Schlüssel,
und wenn Du den rechten erräthst, so ist Dir und mir geholfen!« Auf
seine Bitte, ihm den rechten zu zeigen, erwiderte sie, daß sie selbst
denselben nicht kenne. Er suchte nun einen Schlüssel aus, allein als sie
ihn aus dem Gebund ziehen wollte, wählte er einen andern, darauf nahm
sie diesen heraus und steckte ihn in das Schlüsselloch einer Thüre, die
daselbst in den Berg führte, aber erst jetzt sichtbar wurde. Trotz aller
Anstrengung konnte die Jungfrau die Thüre nicht aufschließen, worauf sie
traurig sagte: »Es ist der rechte Schlüssel nicht!« und im Nu, nebst der
Thüre, verschwunden war.

Der Burgbrunnen steht mit einem wasserreichen See in unterirdischer
Verbindung, daher er immer gleich stark fließet. Bei ihm ging vormals
ein Gang in den Berg, welcher mit einer eisernen Thüre verschlossen war.
Auf derselben sah, Nachmittags um halb 4 Uhr, ein dort arbeitender Mann
einen Vogel sitzen, der sich gutwillig von ihm fangen ließ. Er that ihn
in sein Sacktuch, legte es nebenhin in's Gras und seine Jacke darauf.
Nach einer halben Stunde sah er wieder nach dem Vogel; aber da war
derselbe weg, obgleich Jacke und Sacktuch unverrückt gewesen. Nun
erkannte der Mann, daß er es mit keinem wirklichen Vogel zu thun gehabt
habe.

Drei andern Männern kam kurz vor dem Abendgeläute, als sie die
Bergtreppchen hinunter gingen, ein Unbekannter mit einem Stock entgegen,
welcher ihren Gruß nicht erwiderte und, da sie ihn genauer betrachteten,
Geisfüße hatte.

Im Advent hat man schon, um Mitternacht, eine Geisterprozession vom Berg
herunter in die katholische Kirche im Durlacher Schlosse gehen sehen.

Auf dem Heimweg von Söllingen hörte ein Durlacher Metzger, bei
einbrechender Nacht, auf dem Thurmberg Kegel schieben. Weil er dieses
Spiel sehr liebte, band er das Kalb, welches er mitführte, an einen Baum
und begab sich auf den Berg. Daselbst kegelten mehrere unbekannte
Männer, allein sie hatten Niemand zum Aufsetzen. Unaufgefordert übernahm
dies der Metzger; aber nach einiger Zeit ward ihm, bei dem steten
Schweigen der Männer, so unheimlich, daß er davon lief. Da wurde ihm
eine der Kugeln nachgeworfen, die hart an ihm vorbei rollte und am Berge
liegen blieb. Ohne sie aufzuheben, eilte er zu dem Kalb und brachte es
nach Hause. Bald jedoch wurmte es ihn, daß er die Kugel nicht
mitgenommen habe, welche, als er sie in aller Frühe aufsuchte, noch am
nämlichen Platze lag. Mit Freude entdeckte er, daß sie von Silber sey,
und kaufte sich damit ein Stück Feld, das die _Silbergrube_ benannt
wurde.

Eines Abends sahen Buben bei dem Wächterhäuschen eine Menge gelber
Blechlein aufgehäuft liegen. Einer von ihnen steckte ein Dutzend
derselben ein, und als er sie daheim herauszog, waren es goldene
Elfguldenstücke geworden.



121.

Schatz ausgeliefert.


In einem Hause beim Pforzheimer Roßwehr war eines Abends die Frau
allein in der Stube. Da rief ihr die Stimme eines Unsichtbaren herein:
sie solle in den Keller gehen, den Hafen mit Eiern, der dort auf einem
gewissen Platze stehe, holen und den Schatz auch die Armen genießen
lassen. Sogleich begab sich die Frau in den Keller, fand an der
bezeichneten Stelle den Hafen mit Eiern und nahm ihn mit sich. Am
nächsten Morgen waren die Eier zu Gold geworden, wovon die Frau und ihr
Mann den Armen reichlich mittheilten.



122.

Der Feuerschläger.


Im Walde bei Eisingen geht Nachts und Mittags ein riesenhafter schwarzer
Mann um, der mit einem Feuerzeug Funken, so groß wie Sterne, schlägt und
der Feuerschläger genannt wird. Häufig steht er bei einer gewissen Eiche
am Saume des Waldes; häufig auch führt er die Leute irre. Unter der
Eiche sahen Nachts ein vorübergehender Schornsteinfeger und sein Gesell
einen Haufen glühender Kohlen liegen. Trotz der Abmahnung seines
Meisters ging der Gesell hin und wollte von den Kohlen nehmen; aber da
bekam er von unsichtbarer Hand eine solche Ohrfeige, daß er eilig sich
zurück begab.



123.

Königsbach.


Dieses Dorf hat seinen Namen daher, daß auf dem dortigen Berg ein König
wohnte, und an jenes Fuße ein Bach entspringt. Der König trieb arge
Wegelagerei, und um darüber zu täuschen, wo er und seine Mannen seien,
legten sie ihren Rossen die Hufeisen verkehrt auf. Weil seine Burg das
einzige steinerne Haus im Orte war, wurde der Berg, worauf sie stand,
der _Steinhausberg_ genannt. Übrigens war Königsbach damals so groß, daß
es siebenhundert Bürger zählte. Im Schwedenkrieg kamen dieselben auf
sieben herunter, welche, als der Friede verkündet ward, im
Adlerwirthshaus zusammen kamen und mit einer Geige aufspielten. Um ihr
Feld wieder einzusäen, mußten sie den Samen weit herkommen lassen; denn
sieben Jahre lang hatten die Schweden alle Frucht im ganzen Land
abgeschnitten.

Aus der Burg, von welcher jetzt wenig mehr übrig ist, führte ein
unterirdischer Gang zu dem Schlosse in den Brachenthaler Wiesen. Als
einst Mittags an der Stelle, wo dasselbe gestanden hatte, ein Bauer
zackerte, brach sein Pferd mit einem Fuße in den Boden. Beim
Herausziehen hing eine lange Goldkette daran, die aber, als der Bauer
das Pferd fluchend antrieb, augenblicklich versank.

Auf der Burg liegt, bei einem Nußbaum, ein großer Schatz in einem tiefen
Brunnen, der mit einer steinernen Platte zugedeckt ist. Dahin wandeln
öfters aus der Ortskirche zwei gespenstige Fräulein in weißen Schleiern
und Gewändern mit Schlüsselbunden, und verschwinden auf der Steinplatte.
Auch die Geister von Kapuzinern und ein nächtliches Licht lassen sich im
Burgraume sehen.

In ein dortiges Gewölbe schaute eines Sonntag Mittags ein Mann durch ein
Mauerloch und gewahrte eine Kiste, auf welcher ein Hund mit feurigen
Augen lag. Als er den Kopf zurückziehen wollte, war derselbe so
geschwollen, daß, um ihn herauszubringen, das Loch erweitert werden
mußte. Nachher wurde das Gewölbe durchsucht, aber weder Kiste, noch Hund
gefunden.

Durch einen zickzackigen Gang kam einmal ein Lehrjunge in den
Burgkeller; er entfloh jedoch, als er darin einige Hunde auf Truhen
sitzen sah. In dem Keller poltert es zuweilen, wie wenn Küfer an Fässer
klopfen.

Ein anderer Bube erblickte auf dem Berg einen Hafen voll gelber
Schneckenhäuschen. Er steckte eines davon ein und fand es später in
einen goldenen Knopf von der Größe einer Doppelkarlin verwandelt.

Ebenda zeigte sich, Mittags um 12 Uhr, einem dritten Knaben ein Hafen
mit Goldkäfern. Sogleich lief er damit nach Hause, und siehe, die Käfer
waren zu Goldmünzen geworden.

Die Magd eines Hauses, das unten am Berge liegt, war Morgens auf ihn
gegangen, um Futter zu holen, aber über dem Geschäft ermüdet
eingeschlafen. Als sie erwachte, schlug es 11 Uhr, und plötzlich sah sie
vor sich einen Haufen alten Geldes liegen. Stillschweigend wollte sie
ihn in ihre Schürze thun, da rief ihr ihre Frau aus dem Fenster, sie
möge doch endlich heimkommen, und alsbald versank das Geld in den Boden.

Im Burgraum hängt an manchen Mittagen feine weiße Wäsche, von der man
nicht weiß, wo sie herkommt; und in der Christnacht hat einmal, von halb
11 bis 12 Uhr, der ganze Berg in spukhaftem Feuer gestanden.



124.

Nachgeholte Wallfahrt.


Ein Mann in Weingarten hatte gelobt: von da ein hölzernes Kreuz von
dreiunddreißig Pfund über den Engelsberg nach Walldürn zu tragen; dabei
auf jeder der vielen Staffeln des Engelsbergs ein »Vaterunser« und
»Gegrüßet sey'st du Maria« zu beten, und in Walldürn ein Amt halten zu
lassen; er war aber gestorben, ohne dieses Gelübde erfüllt zu haben.
Gleich nach seinem Tode erschien er seiner ledigen, armen Tochter und
bat sie, das, was er gelobt, für ihn zu thun, wobei ihre vier
Geschwister ihr behilflich seyn würden. Gerne auch ließen dieselben das
Kreuz machen und begleiteten ihre Schwester auf der Wallfahrt. Als sie
den Engelsberg zu besteigen begannen, stürzte ein unsichtbarer Teufel
das Mädchen mehrmals nieder, worauf ihre Geschwister sie nebst dem
Kreuze von Staffel zu Staffel hinauftrugen. In Walldürn angekommen,
opferte sie das Kreuz in die Kirche und ließ nachher das Amt halten.
Unter diesem erschien ihr ihr Vater in glänzend weißer Gestalt und
dankte für seine Erlösung. Alsdann legte er seine Hand auf die ihre,
welche sie mit einem Tuch bedeckt hatte, und verschwand. Wo seine Hand
gelegen, war deren Abbild schwarz in das Tuch gebrannt.



125.

Geist zu Weingarten.


Auf dem Thurmberg in Weingarten geht am Ostersonntag, Mittags zwischen
elf und zwölf, ein Mann in seinem ehemaligen Wingert um und lies't
Rebschnitzel auf, weil er es bei seinen Lebzeiten einmal ebenso gemacht
hat. Einst beredete ihn ein Bube, der ihn nicht kannte, über die
Entheiligung des Feiertags, und da warf der Geist eine Hand voll
Rebschnitzel gegen ihn, welche lauter Feuer waren.



126.

Marienburg.


Auf einem Berge bei Obergrombach liegt das Schloß Marienburg. Als in der
Gegend die verheerende Bräunkrankheit herrschte, wurde, wenn Jemand
starb, auf dem hohen Schloßthurm eine kleine Glocke geläutet, die
deßhalb das _Bräunglöcklein_ hieß.

Von der Burg haben unterirdische Gänge nach Obergrombach, in das
Frauenkloster bei Helmsheim und in das Schloß in den _Steinhaufen_
geführt; sie sind aber jetzt, wie die Burg selbst, größtentheils
verfallen. In dieser hat man schon Mittags zwischen elf und zwölf
Geister kegeln hören, und Nachts zeigt sich daselbst ein sternförmiges
Licht und eine schneeweiße Frau, welche nur auf der großen Zehe einen
schwarzen Flecken hat.

Ebenda und im benachbarten Burgwingert geht ein ehemaliger Aufseher der
Schloßkelter um, welcher sich an derselben erhängt hat. Er wird der
_Kelterhännsle_ genannt und pflegt manchmal nach den Vorübergehenden mit
Erdschollen zu werfen.

Einst ließ sich ein Bursch in das tiefe Gewölbe an einem Seil hinab.
Darin sah er große Fässer herumliegen und einen Mann regungslos an einem
Tische sitzen. Nachdem er ihn vergebens angeredet hatte, berührte er
ihn, und da fiel derselbe als Staub auseinander. Ebenso fielen die
Fässer, als sie angefaßt wurden, in Stücke. Der Wein war darin, durch
die Länge der Zeit, ganz eingetrocknet.

Ein anderes Mal gruben Nachts drei Männer stillschweigend nach der Kiste
voll Geld, die unter dem großen Thurme verborgen liegt. Endlich stießen
sie auf dieselbe, und da sprach einer von ihnen: »Jetzt sind wir
darauf!« Bei diesen Worten versank die Kiste dröhnend in die Tiefe, und
die Männer hatten das leere Nachsehen.



127.

Reden bringt um den Schatz.


In den sogenannten _Steinhaufen_ bei Obergrombach hat vor Zeiten ein
Schloß gestanden, und es liegt dort eine Kiste voll Geld im Boden. Nach
derselben grub in einer Nacht ein Mann, und schon erblickte er ihren
Deckel, als ein Pudel herbeikam und sich anschickte, darauf zu kacken.
»Gehst du fort!« rief der Mann ihm zu, und augenblicklich waren Kiste
und Pudel verschwunden.



128.

Wie Bruchsal um den Eichelberg kam.


Von ihrem Fürstbischofe hatte die Stadt Bruchsal einen namhaften
Geldbetrag entlehnt, und ihm dafür den schön bewaldeten Eichelberg
versetzt. Dabei war bedungen worden, daß, wenn die Rückzahlung nicht in
einer bestimmten Zeit an den Fürsten selbst geschähe, das Pfand ihm
anheimfalle. Als die Frist sich ihrem Ende nahte, verreiste der Bischof,
und kehrte erst nach ihrem Ablaufe zurück. Er erklärte nun den
Eichelberg für sein Eigentum, aber die Bruchsaler, welche am letzten
Tage der Frist ihre Schuld hatten abtragen wollen, erhoben dagegen beim
Kaiser eine Klage. Von demselben erhielten sie ein günstiges Urtheil,
das mit goldenen Buchstaben geschrieben war. Trotz dessen wollte der
Fürst den Eichelberg behalten, und in dieser Absicht lud er die zwölf
Rathsherren von Bruchsal zu sich auf das Obergrombacher Schloß. Nachdem
er sie köstlich bewirthet hatte, bestürmte er sie mit Bitten und
Drohungen, eine Urkunde zu unterschreiben, die ihm den erwähnten Berg
überlasse; allein standhaft verweigerten es alle. Auf dieses ließ er sie
in den Burghof führen und, in seiner Gegenwart, ihrer elf, einen nach
dem andern, durch den Scharfrichter enthaupten. Hierbei floß das Blut,
wie ein Bach, den Schloßberg hinunter. Als die Reihe an den zwölften
Rathsherrn kam, fragte der Bischof den Scharfrichter, wie ihm das
Kopfabschlagen gefalle. »Wenn's Krautköpfe oder Weidenstümpfe wären, die
wieder ausschlagen, gefiele es mir schon; so aber gefällt es mir nicht!«
gab derselbe zur Antwort. Hierdurch ward der Fürst bewogen, den
Rathsherrn zu begnadigen; er ließ ihm aber das kaiserliche Urtheil
abnehmen, welches derselbe bei sich auf der Brust trug. Nachdem der
Rathsherr nach Bruchsal zurückgekommen war, verkündete er das Geschehene
und regte dadurch Alles zur Rache auf. Es wurde verabredet, daß, wenn
der Bischof bei seiner nächsten Durchreise auf die Salbrücke komme, mit
der Glocke des dortigen Kirchleins die bewaffnete Bürgerschaft zusammen
gerufen werde, um sich seiner zu bemächtigen. Dies hinterbrachte ein
Verräther dem Fürsten, der darauf, in der Nacht vor seiner Durchreise,
den Schwengel der Glocke heimlich herausnehmen und dafür einen
Fuchsschwanz hineinhängen ließ. Als er dann über die Brücke fuhr, wollte
man eilig in dem Kirchlein läuten; aber die Glocke mit dem Fuchsschwanz
tönte nicht, und so kam der Bischof unangefochten durch die Stadt. Den
Eichelberg hat diese, bis auf den heutigen Tag, nicht zurück
bekommen.[13]

  [13] Keiner der Bruchsaler Fürstbischöfe hat den Eichelberg auf solche
  Weise an sich gebracht.



129.

Muttergottesröslein.


Die heilige Jungfrau pflegte die Windeln des Jesuskindes an Sträuchen
wilder Rosen zum Trocknen aufzuhängen. Davon erhielten diese Stauden und
alle von ihnen abstammende einen lieblichen Geruch, und ihre Blumen den
Namen _Muttergottesröslein_.



130.

Hexenkuchen.


Am Tage der Gochsheimer Kirchweihe rief einmal eine dortige Frau, die
allgemein für eine Hexe galt, ein kleines Mädchen zu sich und schenkte
ihm ein Stück schönen, weißen Kuchens. Ohne davon zu essen, nahm das
Kind den Kuchen mit nach Hause, wo seine Mutter, als sie erfahren, woher
er komme, ihn gleich in die Küchenkammer verschloß. Am andern Morgen
fand sie, statt seiner, ein Stück groben Schwarzbrods, worin eine Menge
Menschenhaare eingebacken war.



131.

Tochter dem Teufel verschrieben.


Betrübt über den Zerfall seines Vermögens ging ein Müller in den
Wald, wo er einem fremden Mann begegnete. Derselbe fragte ihn um die
Ursache seiner Traurigkeit, und als er sie erfahren hatte, versprach er
dem Müller eine Menge Geld, wenn dieser ihm dasjenige verschreibe, was
jetzt hinter der Mühle sey. In der Meinung, dies sey der Staub, welcher
beim Mahlen dahin zu fliegen pflegte, ging der Müller den Vertrag ein
und unterschrieb ihn mit seinem Blute. Er erhielt hierauf das Geld,
brachte es heim und erzählte seiner Frau, wie er dazu gekommen. Da
erfuhr er von ihr, daß er seine Tochter dem Teufel verschrieben habe,
die damals hinter der Mühle die Körner aus dem Staub gelesen, um daraus
das Essen zu bereiten. Sie waren nun sehr betrübt, beschlossen aber,
ihrer Tochter nichts zu sagen. In der Nacht kam der Böse zur Mühle und
klopfte an die Thüre; die Tochter öffnete, weil sie aber, als ein
frommes Mädchen, beim Schlafengehen sich in den drei höchsten Namen mit
Weihwasser besprengt hatte, konnte der Teufel sie nicht mit fortnehmen,
sondern stieß sie zurück. Ebenso ging es in der folgenden Nacht, worauf
der Müller, auf Befehl des Bösen, das Weihwasser hinwegschaffen mußte.
In Ermangelung dessen segnete sich das Mädchen am dritten Abend mit dem
am Fenster angelaufenen Wasser und bewirkte dadurch, daß der Teufel, als
er in der Nacht kam, ihr wieder nichts anhaben konnte. Am nächsten
Morgen erzählte sie ihren Eltern, was ihr in den drei Nächten begegnet,
worauf dieselben ihr Alles offenbarten. Da legte sie ihre Hand auf einen
Klotz und hieb sie sich mit dem Beile ab, nachher ließ sie die andere
Hand sich auch abschlagen und überließ beide dem Teufel, worauf
dieselben sogleich verschwanden. Alsdann ging sie auf und davon, betete
fleißig und bekreuzte sich dabei mit ihren Armen. Sie kam in einen
schönen Garten bei einem fürstlichen Schlosse, in welchem sie zur
Stillung ihres Hungers einige Äpfel mit dem Munde aufhob und verzehrte.
Weil ihre Wunden noch bluteten, entdeckte der Fürst ihre Spur, und
nachdem er derselben an zwei Tagen vergebens nachgegangen war, fand er
am dritten in der Frühe mittelst seines Hundes das Mädchen in einem
Busche, wo sie ruhig schlief. Sie gefiel ihm so wohl, daß er sie
heirathete, wodurch sie aber nicht hoffärtig ward, sondern stets
demüthig und fromm blieb. Nach einiger Zeit mußte er in den Krieg;
während seiner Abwesenheit gebar sie ihm Zwillingsknaben und ließ es ihm
schreiben. Der Bote, welcher den Brief überbringen sollte, schlief
unterwegs an einem Waldbrunnen ein, da kam der Böse und vertauschte den
Brief mit einem andern, worin unter dem Namen der Hofherren die
abscheulichsten Dinge über die Fürstin gemeldet wurden. Der Fürst
schrieb zurück, man solle, bis er heimkomme, seine Frau mit der
seitherigen Ehrerbietung behandeln; aber als der Bote auf dem Rückweg
abermals an dem Brunnen eingeschlafen war, nahm ihm der Teufel wieder
das Schreiben und steckte ihm ein anderes zu, worin den Hofherren
befohlen wurde, die Fürstin mit ihren Kindern unverzüglich auszutreiben.
Dieses ward vollzogen und ihr dabei das eine Kind auf die Brust, das
andere auf den Rücken gebunden. Vor Durst schmachtend, kam sie zu dem
Brunnen, konnte aber wegen ihrer an sie gebundenen Kinder sich nicht
niederbücken, um zu trinken. Da rief sie Gott um Hilfe an und alsbald
trat ein Mann zu ihr, band ihr die Kinder los und hieß sie ihre Arme auf
den Klotz legen, der plötzlich mit ihren abgehauenen Händen vor ihr
stand. Sie that es und der Mann heilte ihr die Hände so gut an, daß sie
dieselben gleich gebrauchen konnte. Nachdem sie in eine Wildniß
gekommen, worin kein Obdach zu finden war, betete sie um ein solches,
und siehe! auf einmal stand ein Hüttlein mit Geräth und Lebensmitteln
da. Dankbar bezog sie es mit ihren Kindern und führte ein frommes
Einsiedlerleben. So oft ihr die Nahrungsmittel ausgingen, erhielt sie
auf ihr Gebet stets neue. Als so Jahre verflossen waren, kam eines
Abends zu dem Hüttlein ein Mann und bat um Nachtlager. Da sie nur _ein_
Bett hatte, mußte sie ihn auf der Bank schlafen lassen. In der Nacht
hörte er, wie die Kinder zu einander sagten: wenn sie nur ihren Vater
sehen würden; er befragte darüber am Morgen die Frau und erfuhr von ihr,
wie sie verstoßen worden sey. »Wenn ihr keine Hände hättet, würde ich
euch für meine unschuldig verbannte Frau halten, die ich seit meiner
Rückkunft aus dem Kriege schon jahrelang suche,« erwiderte er, und
darauf erzählte sie ihm, wie sie ihre Hände wieder erhalten habe, und
zeigte, daß sie angeheilt seyen. Da erkannten sie einander zu ihrer und
ihrer Kinder großen Freude. Der Fürst beschloß, ihr Einsiedlerleben zu
theilen; auf das Gebet seiner Frau stand statt der kleinen Hütte eine
größere mit mehr Geräth und Nahrungsvorrath da, in welcher sie Gott
dienten bis zu ihrem seligen Ende.



132.

Gespenstige Rathsversammlung.


In einer Spinnstube zu Eppingen wurde spät in der Nacht die Frage
aufgeworfen: wer wohl den Muth habe, jetzt in das alte, verrufene
Rathhaus zu gehen. Ein Mädchen erbot sich dazu und nahm eine Ruthe und
eine schwarze Katze mit. Als sie in den Rathssaal kam, saßen darin zwölf
gespenstige Rathsherren um den Tisch, welche zu ihr sprachen: »Hättest
du die Ruthe und die schwarze Katze nicht bei dir, so wollten wir dir
etwas Anderes sagen!« Voll Schrecken entfloh das Mädchen und starb noch
in derselben Nacht.



133.

Meerweiblein.


Eine Viertelstunde von Waldangelloch entspringt eine frische Duelle,
die von dem Holderbusch, der früher bei ihr stand, _Holderbrunnen_
heißt. In deren Umgebung pflegte eine arme, alte Frau das Futter für
ihre Kuh zu suchen, mit dem sie eines Abends erst um 9 Uhr, als es schon
lange Nacht war, nach Hause kam. Hierwegen befragt, erwiderte sie nur,
sie sey bei guten Freundinnen gewesen, welche sie erst heute habe kennen
lernen. Eine ähnliche Antwort gab sie auch an den folgenden Tagen, wo
sie ebenfalls erst zur erwähnten Stunde heimkehrte. Endlich schlichen
ihr einige Leute nach, sahen sie mit zwei fremden, schönen Mädchen bei
dem Holderbusche stehen und letztere, als sie sich näherten, in dem
Brunnen verschwinden. Auf dieses ward die Frau noch mehr mit Fragen über
die Mädchen bestürmt und gebeten, dieselben in ihr Haus mitzubringen,
worauf sie erwiderte: »Meine Freundinnen leben unter der Erde, und ich
werde, wie sie wünschen, bald mit ihnen hinabgehen; in mein Haus kommen
sie schwerlich, jedoch will ich versuchen, sie dazu zu bereden.« Dieses
gelang ihr: am bestimmten Abend kamen die beiden Mädchen, ohne daß sie
von der Frau abgeholt wurden, oder im Orte sich nach deren Haus
erkundigten, zu ihr in die Spinnstube. Jede brachte ein brennendes
Laternchen, eine Kunkel und Hanf mit; sie waren gekleidet wie die
Dorfmädchen, hatten aber Gürtel und weiße Schürzen an. Während des
Spinnens scherzten und lachten sie mit den anwesenden Mädchen und
Burschen, erzählten, daß es bei ihnen wie auf der Erde sey, und nahmen
nichts als Obst und Brod an. Schlag neun Uhr zündeten sie ihre Laternen
an und gingen, trotz alles Bittens, länger da zu bleiben, mit dem
Versprechen fort, am nächsten Abend wieder zu kommen. Dasselbe erfüllten
sie und fanden fortan dreiundzwanzig Tage lang jeden Abend, wenn es
dunkel war, sich ein. Ihr Betragen blieb stets das gleiche; nur knüpfte
die eine mit einem der Burschen eine Liebschaft an. Ihm allein erlaubten
sie, beim Heimgehen sie halbwegs zu begleiten; bis zum Brunnen hätte er
nur dann mitgedurft, wenn er Willens gewesen wäre, sich auch hinein zu
begeben. Letzteres zu thun, konnte er erst auf vieles Zureden seiner
Geliebten sich entschließen. Als sie an die Quelle kamen, wollten die
Mädchen, daß zuerst die eine, dann er und nachher die andere sich
hinunter ließe, er aber begehrte, der Letzte zu seyn. Auf dieses
schnallte ihm seine Geliebte ihren Gürtel um, indem sie ihm versicherte,
daß er durch ihn vor dem Naßwerden geschützt sey, dann stieg sie und
nachher ihre Gefährtin in den Brunnen hinab; aber der Bursch wagte
nicht, ihnen zu folgen, sondern blieb an der Quelle stehen. Auf einmal
ward deren Wasser blutroth, worauf er eilig den Gürtel hineinwarf, weil
er dachte, daß derselbe nicht hätte zurückbleiben sollen. Die Mädchen,
welches Meerweiblein waren, sind nachher niemals wieder gesehen worden.



134.

Zauberarbeit.


Ein Schuster zu Waldangelloch hatte gewettet, er allein werde vom Morgen
bis zum Abend ein Paar Stiefel und ein paar Schuhe machen. Auf sein
Verlangen schlossen ihn seine Gegner in seine Werkstätte ein, in die sie
nach einigen Stunden durch das Schlüsselloch schauten. Da sahen sie den
Schuhmacher müßig sitzen, vier unbekannte Männer aber emsig arbeiten.
Schnell drangen sie hinein, fanden aber statt dieser Männer nichts, als
vier Mücken unter vier Fingerhüten. Sie ließen darauf den Schuster
wieder allein, und am Abend hatte er die Stiefel und Schuhe fertig und
damit die Wette gewonnen.



135.

Raubmörder geht um.


Als einst eine Kriegsschaar Neufranken in Waldangelloch übernachtete,
kam einer derselben, welcher viel geplündertes Geld bei sich hatte, in
das Haus eines habsüchtigen Mannes zu liegen. Dieser bemerkte das Geld,
bettete den Soldaten auf den Speicher und brachte ihn mit dessen eigenem
Säbel im Schlafe um. Alsdann nahm er die Füße des Leichnams unter den
Arm und schleifte ihn in den Keller, wo er ihn mit Kleidung und Säbel
vergrub. Nachdem er noch jede Blutspur vertilgt hatte, meldete er in der
Frühe dem Obersten, der Soldat sey in der Nacht ausgerissen und habe ihm
zuvor das Haus so verunreinigt, daß viele Stellen hätten aufgewaschen
werden müssen. Da der Oberst im Begriff stand, mit seinen Leuten
abzuziehen, so unterließ er es, die Sache näher zu untersuchen. Auf
diese Art behielt der Mann seinen Raub, welchen er auch viele Jahre, bis
zu seinem Tode, genoß. Gleich nach diesem fing er an, Nachts in dem
Hause zu spuken, wobei er den Ermordeten, dessen Füße unterm Arme, vom
Speicher in den Keller schleifte. Den Kopf des Soldaten hörte man auf
jeder Stufe aufschlagen. Vergebens wendeten die Bewohner des Hauses alle
Mittel an, den Geist hinauszubringen; endlich ließen sie es niederreißen
und auf dem Platze ein neues bauen, das denn von dem Spuke befreit
blieb. Bei dem Bauen waren die Gebeine und der Säbel des Neufranken im
Keller ausgegraben worden.



136.

Einem Todten gehört ein Licht.


Zu Waldangelloch ließen einmal die Männer, welche bei einem
Verstorbenen wachten, ihn in der Kammer dunkel liegen während sie in der
Nebenstube Karten spielten. Da rief in der Kammer eine Stimme dreimal:
»Einem Todten gehört ein Licht!« Erschrocken eilten die Männer hinein,
fanden aber Niemand, als den Verstorbenen ohne Lebenszeichen. Nunmehr
hüteten sie sich, denselben ohne Licht zu lassen.



137.

Ladung vor Gottes Gericht.


Wenn ein Mensch einen andern vor Gottes Gericht geladen hat, so muß
derjenige von ihnen, welcher zuerst gestorben, so lange zwischen Himmel
und Erde schweben, bis der andere nachkommt. Dies geschieht binnen sechs
Wochen und Beide gehen dann mit einander vor des Ewigen Richterstuhl.
Daß dem so sey, hat sich in neuerer Zeit wieder in Waldangelloch
erwiesen. Dort war ein Küfer von einem Zimmermann um Vieles betrogen
worden, und da er kein Recht finden konnte, lud er denselben vor Gottes
Gericht. Der Zimmermann lachte zwar darüber, und selbst nach dem bald
erfolgten Tode des Küfers hatte er bei seiner kräftigen Gesundheit keine
Furcht; aber in der vierten Woche darauf ward er plötzlich krank und
starb nach einigen Tagen.



138.

Schatzhöhle bei Waldangelloch.


Ein etwas blödsinniger Bube von Waldangelloch, welcher auf den Wiesen
am Schülzert Vieh hütete, schlenderte in diesen Bergwald. Er kam an eine
Höhle, ging hinein und stand vor einer Kiste, auf der ein schwarzer
Pudel lag. »Herunter!« sagte der Bube zu dem Hund, und nachdem derselbe
gutwillig herabgesprungen, hob er den Deckel der Kiste auf, die mit
funkelndem Silbergeld gefüllt war. Davon nahm er sich eine Handvoll,
schloß dann die Kiste und gleich war der Hund wieder darauf. Noch
etliche Tage machte der Bube es so, bis sein Geld zu Hause entdeckt und
er gezwungen wurde, zu sagen, wo er es her habe. Da mußte er mit einigen
Männern in den Schülzert, um ihnen die Höhle zu zeigen; aber nun konnte
er dieselbe nicht mehr auffinden.



139.

Fahrsamenbesitzer und Banner.


Beiläufig vor vierzig Jahren diente ein Eschelbacher Bursch als
Bauernknecht in Waldangelloch, welcher vom Teufel sich Fahrsamen
verschafft hatte und daher fahren konnte, wie und wohin er wollte. Oft
jagte er mit schwer beladenem Wagen und vier Pferden steile Bergabhänge
hinab, und wenn dabei das Gefährt auch ganz auf die Seite hing, so
stürzte es doch niemals um. Einst kam er mit einem Wagen Frucht in die
Scheuer, und da er Niemand fand, ihm zum Abladen zu helfen, fuhr er die
senkrechte Leiter hinauf auf die Obertenne und warf dort die Frucht ab.
Während dessen kam der Bauer in die Scheuer, aber als er das Fuhrwerk
oben sah, eilte er schweigend hinaus. Nach beendigtem Geschäft fuhr der
Knecht wieder die Leiter hinunter, ging zu seinem Herrn und sagte ihm:
»Das war ein Glück, daß ihr in der Scheuer kein Wort gesprochen habt,
sonst wäre ich mit Wagen und Pferden hinabgefallen.«

Auf die Bitte eines Freundes, ihm auch Fahrsamen zu verschaffen, begab
sich der Bursch, um 11 Uhr in der Christnacht, mit ihm auf einen
Kreuzweg. Dort machte er auf dem Boden einen Kreis, stellte sich mit dem
Andern hinein und ermahnte ihn, ja keinen Laut von sich zu geben, es
möge kommen, was da wolle. Hierauf zog er ein Büchlein hervor und fing
an, stille darin zu lesen. Gegen halb 12 Uhr hörten sie ein Getöse wie
vom wilden Heer durch die Lüfte ziehen, jedoch ohne etwas zu sehen, oder
sich dadurch irren zu lassen. Nach diesem drohte ein Mühlstein, an einem
dünnen Faden hängend, auf sie herabzustürzen; aber er störte sie ebenso
wenig, als eine heran rasselnde vierspännige Kutsche, deren Führer sie
vergebens um die Entfernung nach dem nächsten Orte fragte. Als dieselbe
schon eine Weile davon gejagt war, kam einer in einer großen
Holzschüssel mühsam herbeigerutscht und sprach zu ihnen: »Kann ich die
Kutsche noch einholen?« Da mußte der Freund des Burschen laut lachen,
und sogleich erhielt er von letzterem eine derbe Ohrfeige, mit den
Worten: »Dummkopf! jetzt hast Du Dich durch dein Gelächter um den
Fahrsamen gebracht.«

                   *       *       *       *       *

Eben dieser Knecht verstand sich auch meisterlich auf das Bannen. Eines
Sonnabends besuchte er mit einem Waldangellocher ein Mädchen im
Engelwirthshaus zu Menzingen, wo er zwölf Bursche aus dem Ort antraf.
Dieselben schlichen nach und nach davon, woraus der Waldangellocher
merkte, daß sie ihm und seinem Gefährten draußen auflauern wollten. Als
er es diesem entdeckte, beruhigte ihn derselbe, und ging erst um 11 Uhr
mit ihm hinweg. Eine Viertelstunde von Menzingen fanden sie alle die
Bursche, mit Äxten, Mistgabeln, Prügeln bewaffnet, regungslos, in
verschiedenen Stellungen, am Wege stehen. Auf Zureden des Eschelbachers
betrachtete dessen Begleiter die Gebannten ganz in der Nähe, wobei er
vergebens versuchte, einem derselben die Tabakspfeife aus dem Munde zu
ziehen. Nach Verfluß einer halben Stunde setzten sie ihren Weg fort, und
als sie nicht mehr weit von Waldangelloch waren, sagte der Knecht zu dem
Andern, eben habe er die Bursche von dem Banne befreit. Bei seinen
nachherigen Besuchen in Menzingen blieb er von Jung und Alt
unangefochten.

Zufällig hatte er einst sein Zauberbüchlein bei einem Bekannten liegen
lassen, der es in die Hände bekam und durchblätterte. Das Meiste konnte
er nicht verstehen; ein Bannspruch aber war ihm deutlich, und er las ihn
ab, um ihn an einem Mann zu versuchen, welchen er an einen
Zwetschgenbaum sich lehnen sah. Alsbald erstarrte der Mann und mußte so
neun volle Stunden bleiben, da der andere den Bann nicht wieder zu lösen
vermochte. Zum Glücke kam der Knecht, um sein Büchlein zu suchen, und
als er den Vorgang erfahren, las er den Spruch von hinten nach vorn her
und befreite dadurch den Mann, der, wenn dies nicht noch vor
Sonnenuntergang geschehen wäre, in Asche würde zerfallen seyn.

                   *       *       *       *       *

Als der Eschelbacher sich schon lange in seinem Geburtsort
niedergelassen hatte, mahlte er einmal Nachts mit einem Mann aus
Waldangelloch in der Michelfelder Mühle. Da kamen einige Ratten herbei,
blieben aber, zur großen Verwunderung des Mannes, gleich regungslos
sitzen und ließen sich von ihm anrühren. Auf die Bitte des
herzugekommenen Müllers bannte der Eschelbacher noch mehrere Ratten, und
nachdem er sie in das Wasser geworfen hatte, sagte jener zu ihm, er
wolle ihm jedes Vierteljahr einen Zentner Mehl geben, wenn er dafür die
Mühle von den Ratten jeweils säubere. »Nein, das thue ich nicht«,
erwiderte der Eschelbacher, »denn ich habe einst ein Reh gestellt, und
dasselbe hat darauf so heftig geweint und mich so kläglich angeschaut,
daß ich es gleich wieder frei ließ und mir vornahm, kein Thier mehr zu
bannen. Heute habe ich zwar dem Mann da einen Spaß machen wollen, aber
sonst gebe ich mich nicht mehr mit solchen unrechten Dingen ab.«



140.

Schatz bei Sinsheim.


Vor vierzig Jahren sah eine Frau von Sinsheim, als sie im Wald auf den
_drei Buckeln_ graste, vier dünne Eisenketten im Viereck aus dem Boden
hervorstehen, welche sie trotz alles Ziehens nicht herausbrachte. Bei
ihrer Heimkunft erzählte sie es, worauf gleich vier Männer mit ihr
hinausgingen und auf dem Platze noch die Ketten vorfanden. Sie gruben
daselbst nach, und während die Frau sich etwas entfernt hatte, um wieder
zu grasen, stießen sie auf eine volle Kiste, die an den Ketten befestigt
war und auf der ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen saß.
Stillschweigend zogen sie sie an den Ketten heraus; da kam gerade die
Frau zurück, und beim Anblick des Hundes, der den Rachen aufsperrte,
schrie sie: »O Jesus!« Im Nu versanken Kiste, Ketten und Pudel und sind
weder von der Frau, noch von den Männern je wieder gesehen worden.



141.

Fußstapfe im Stein.

(Zu Nr. 353 des Hauptwerkes.)


Auf dem großen Söller des Heidelberger Schlosses ist in einer
Steinplatte eine ziemlich tiefe Fußstapfe. Sie wurde von einem Ritter
bei der nächtlichen Entführung einer Pfalzgrafentochter eingedrückt, als
er, diese auf dem Arme tragend, aus einem Giebelfenster glücklich
herabsprang.



142.

Vorzeichen reicher Weinernte.


Wenn es zu Weinheim einen guten Herbst gibt, sieht man in der
Johannisnacht den verstorbenen Freiherrn v. Bonn auf einem Schimmel, von
seinem Schloß in Birkenau bis zum Bonnhof, in der Weschnitz reiten.



143.

Der wilde Jäger.


Über die Gegend von Schlossau im Odenwald fährt zuweilen Nachts der
wilde Jäger, mit großem Jagdgetöse, durch die Luft hin. Wer dann im
Freien ist und ihn heran kommen hört, der muß ihm ausweichen, oder sich
mit dem Gesicht auf den Boden legen, sonst wird er (wie es schon
geschehen) vom wilden Jäger mit dessen Jagdnetz gefangen, fortgenommen
und in einem fremden Land zur Erde gesetzt.



144.

Geisterlärm verhindert Waldfrevel.


In einer Winternacht, um 1 Uhr, ging ein Mann von Schlossau in den
fürstlichen Wald des Rothenbergs, um sich einen Stamm zu Fackeln zu
holen. Eben setzte er die Axt an eine junge Buche, als plötzlich um ihn
her solch fürchterliches Jagdgetöse ausbrach, daß er erschrocken inne
hielt und umher schaute. Nichts war zu erblicken, und allmählig
entfernte sich der Lärm und verhallte. Nun wollte der Mann wieder den
Baum fällen; allein abermals ward er durch das um ihn entstehende
Jagdgetöse daran verhindert. Auf gleiche Weise ging es zum dritten Male.
Da merkte er endlich, daß er den Frevel unterlassen solle, und trat
ungesäumt den Heimweg an.



145.

Die Schefflenzer erwerben im Waidach das Jagdrecht.


In dem Waidachwald wurde einst ein durchreisender deutscher Kaiser von
Räubern angefallen. Auf seinen Hilferuf kamen Männer aus den drei Orten
Schefflenz, welche in dem Walde wilderten, schleunig herbei und trieben
die Räuber in die Flucht. Zum Danke verlieh der Kaiser den drei Orten
das alleinige Jagdrecht im Waidach auf ewige Zeiten.



146.

Boxberg's Name.


Ehe Boxberg diesen Namen führte, ward es einmal so lange belagert, bis
es keine Lebensmittel mehr hatte. Da ließ ein kluger Schneider sich in
eine Bockshaut nähen und schritt dann, auf allen Vieren, auf der
Stadtmauer hin und her. Als die Feinde das stattliche Thier sahen,
ließen sie ihre Hoffnung, den Ort bald auszuhungern, fahren und hoben
die Belagerung auf. Zum Danke für die glückliche Errettung legte das
Städtlein sich den Namen _Boxberg_ auf ewige Zeiten bei.



147.

Dosten und Johanniskraut schützt vor dem Teufel.


In Werbach kam einst ein sechsjähriges Mädchen von seiner Pathe heim
und sagte seiner Mutter, es habe von jener erlernt, Mäuse und Gewitter
zu machen. Da untersagte sie ihm strenge, je wieder hin zu gehen, und
nähte ihm Dosten und Johanniskraut in die Kleider. Trotz des Verbots
schlich das Kind wieder zu der Pathe und wurde von ihr in den Keller
geführt, wo der Teufel auf es paßte. Beim Anblick des Mädchens rief er
aber aus:

  »Dosten und Johanniskraut
  Verführt mir meine Braut!«

Denn wegen der eingenähten Kräuter hatte er über das Kind keine Gewalt
mehr.



148.

Hexe verunglückt.


Ein Bauernknecht zu Werbach wurde mehrere Nächte im Bett von etwas so
gedrückt und geplagt, daß er stets am Morgen ganz erschöpft war. Als er
es seinen Hausgenossen klagte, rieth ihm die Bäuerin: er solle in der
nächsten Nacht sich im Bett ein Messer mit der Spitze auf die Brust und
auf dasselbe einen hölzernen Teller setzen. Arglos wollte es der Bursche
so machen; allein auf das Zureden seines Mitknechts that er den Teller
unter das Messer und richtete des letztern Spitze in die Höhe. Gegen
Mitternacht warf sich wieder etwas auf ihn; es war, wie sich gleich
nachher zeigte, die Bäuerin selbst, welche sich dabei in das Messer
gestürzt und getödtet hatte. Nun erkannte er, daß sie, eine Hexe, ihn
seither so geplagt habe, und daß er jetzt, wenn er ihren Rath befolgt
hätte, statt ihrer todt gestochen wäre.



149.

Hexenstein.


Auf dem Berge _Lindhelle_ bei Gamburg versammeln sich in der
Walpurgisnacht die Hexen und tanzen auf einem Felsen, welcher davon der
_Hexenstein_ genannt wird.



150.

Hexe als Gans.


Vor mehreren Jahren sah der Nachtwächter zu Wertheim, Nachts um zwei,
neben sich eine Gans auf der Straße laufen. Er fing sie und nahm sie mit
in die Wachstube, wo er sie unter die Bank sperrte. Am Morgen lag, statt
der Gans, eine Wertheimer Frau da, die, wie sich nun zeigte, mit Recht
schon für eine Hexe gegolten hatte.



151.

Goldene Kugel.


Die elfjährige Angelika Brand in Freudenberg erzählte:

»Am dreizehnten August dieses Jahres[14], einem Sonntage, ging ich,
Nachmittags gegen drei Uhr, mit zwei Gespielinnen und einem kleineren
Buben auf das hiesige wüste Bergschloß. Beim viereckigen Thurme setzten
wir uns nieder, und auf einmal kam, etwa fünfzehn Schritte von uns, eine
glänzende Goldkugel aus dem Boden, die größer als eine Kegelkugel war.
Sie wälzte sich langsam her und blieb vor unsern Füßen liegen. Wir
Mädchen sahen sie deutlich; der Bube aber konnte sie nicht erschauen,
obgleich wir mit Fingern auf sie hinwiesen. Da wir aus Angst anfingen,
zu schreien, rollte die Kugel wieder langsam zurück und versank auf dem
Platze, wo sie hervorgekommen war.«

  [14] 1854.



152.

Hexe als Löwe.


Als einst in Aschaffenburg die Leichenfrau um Mitternacht von einer
Verstorbenen heimging, sah sie, in einer engen Gasse, einen
fürchterlichen Löwen mit aufgesperrtem Rachen herankommen. Sie hielt das
geweihte Kreuz, welches sie Nachts mitzunehmen pflegte, ihm entgegen;
allein er sprang auf sie los, worauf sie ihm das Kreuz in den Rachen
stieß. Da verwandelte sich der Löwe in ein altes, nacktes Weibsbild, das
auf allen Vieren lief und hinten, statt des Schwanzes, einen Kochlöffel
hatte.



153.

Heiligenfrevel bestraft.


Im Jahre 1848 machten die Hammelburger in einer Scheuer einen Strohmann
mit einem Stabe in der Hand, trugen ihn unter dem Spottgeschrei: »Das
ist der Papst!« durch die Straßen und verbrannten ihn zuletzt vor dem
Thore. Fünf Jahre nachher verkündete eine durchziehende Zigeunerin:
zwischen Ostern und Pfingsten des folgenden Jahres werde die Stadt an
allen vier Ecken brennen. Deßwegen vor den Landrichter geführt, sagte
sie ihm: so gewiß werde ihre Vorhersagung wahr, als er sechsunddreißig
Kreuzer bei sich habe. Da er nachsah, hatte er auch gerade so viel Geld
in dem Beutel. In der bezeichneten Frist brach dann in derselben Scheuer
und am gleichen Tage, wo der Strohmann gemacht worden war, eine
Feuersbrunst aus, die fast ganz Hammelburg in Asche legte und so dessen
Heiligenfrevel schrecklich bestrafte.



154.

Wie Ochsenfurt sein Wappen erhielt.


Als einst ein vornehmer Herr in Ochsenfurt einfuhr, stand am Thore ein
Ochs, der gerade seinen Koth fallen ließ. Hierüber erzürnt, ließ der
Herr das Thier der Breite nach mitten entzwei hauen, und veranlaßte
dadurch, daß die Vorderhälfte eines Ochsen das Wappen der Stadt wurde.



155.

Der Radstein.


Ein Bamberger Wagner war die Wette eingegangen: er wolle vom Aufgange
bis zum Untergange der Sonne einen Baum fällen, daraus ein Rad ohne Reif
machen und es noch bis Würzburg rollen. Schon hatte er mit dem so
gefertigten Rade das Kloster Ebrach zurückgelegt, aber zwischen diesem
und Breitbach fiel er vor Erschöpfung nieder und starb, während das Rad
noch eine Strecke allein fortrollte und dann zersprang. An der Stelle,
wo der Wagner umgefallen, steht ein Stein mit einem ausgehauenen Rade,
welcher der _Radstein_ genannt wird.



Berichtigungen.

Hauptwerk.


  Seite VI (im Inhaltsverzeichniß) Zeile 1 von unten lese man Sonnabends,
                                   statt Sonntags.

  S.  15 Z. 18  von oben lese man  ruchtbar, statt ruchbar.

  "   33 "   4   "   "     "   "   Kuchenacker, statt Kuchengarten.

  "   74 "   8   "  unt.   "   "   d'Mauren, statt Mauren.

  "  147 "   5 u. 6. v. u. "   "   Mariabild, statt Vesperbild.

  "  155 "  12  von oben   "   "   Schaubhut, statt (des provinziellen)
                                   Schabhut.

  "  174 "  12 u. 13 v. o. "   "   Burgstadel, statt Platz des Burgstadels.

  "  193 "   6  von unt.   "   "   Namen, statt Nachen.

  "  229 "   7   "    "    "   "   Schaubhut, statt Schabhut.

  "  241 "   6   "  oben   "   "   Beherbergung, statt Beherbung.

  "  242 "   2   "  unt.   "   "   Gold, statt Geld.

  "  351 "   1   "  oben   "   "   Leuten, statt Leute.

  "  373 "  19 u. 20 v. o. "   "   das Michelskirchlein auf der Höhe,
                                   das zuerst gebaut wurde, statt:
                                   das Michelskirchlein, das auf der
                                   Höhe zuerst gebaut wurde.

Wie man sieht, betreffen diese Berichtigungen weniger Druckversehen, als
Irrungen beim Sammeln und Schreiben der Sagen.

                                                     _Baader._



[Anmerkungen zur Transkription:

Im Original gesperrt gesetzter Text ist _so_ gekennzeichnet.
Im Original in Antiqua gesetzter Text ist =so= gekennzeichnet.

Die Umlaute Ae, Oe und Ue wurden durch Ä, Ö und Ü ersetzt.

Offensichtliche Druckfehler und Inkonsistenzen wurden korrigiert,
die Schreibweise aber sonst wie im Original belassen.]





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