Home
  By Author [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Title [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Language
all Classics books content using ISYS

Download this book: [ ASCII | HTML | PDF ]

Look for this book on Amazon


We have new books nearly every day.
If you would like a news letter once a week or once a month
fill out this form and we will give you a summary of the books for that week or month by email.

Title: Das Marien-Leben
Author: Rilke, Rainer Maria, 1875-1926
Language: German
As this book started as an ASCII text book there are no pictures available.
Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Das Marien-Leben" ***

This book is indexed by ISYS Web Indexing system to allow the reader find any word or number within the document.



 Rainer Maria Rilke


 Das Marien-Leben


 [Illustration]

     [Griechich: zalên endothen echôn]

        *       *       *       *       *

 Im Insel-Verlag zu Leipzig



 Duino, Januar 1912



   _Heinrich Vogeler_
   dankbar
   für alten und neuen Anlaß
   zu diesen Versen


        *       *       *       *       *



  Inhalt


  Geburt Mariä                                7

  Die Darstellung Mariä im Tempel             8

  Mariä Verkündigung                         10

  Mariä Heimsuchung                          11

  Argwohn Josephs                            12

  Verkündigung über den Hirten               13

  Geburt Christi                             15

  Rast auf der Flucht in Ägypten             16

  Von der Hochzeit zu Kana                   17

  Vor der Passion                            19

  Pietà                                      20

  Stillung Mariä mit dem Auferstandenen      21

  Vom Tode Mariä (Drei Stücke)               22


         *       *       *       *       *



  Geburt Mariä


  O was muß es die Engel gekostet haben,
  nicht aufzusingen plötzlich, wie man aufweint,
  da sie doch wußten: in dieser Nacht wird dem Knaben
  die Mutter geboren, dem Einen, der bald erscheint.

  Schwingend verschwiegen sie sich und zeigten die Richtung,
  wo, allein, das Gehöft lag des Joachim,
  ach, sie fühlten in sich und im Raum die reine Verdichtung,
  aber es durfte keiner nieder zu ihm.

  Denn die beiden waren schon so außer sich vor Getue.
  Eine Nachbarin kam und klugte und wußte nicht wie,
  und der Alte, vorsichtig, ging und verhielt das Gemuhe
  einer dunkelen Kuh. Denn so war es noch nie.



  Die Darstellung Mariä im Tempel


  Um zu begreifen, wie sie damals war,
  mußt du dich erst an eine Stelle rufen,
  wo Säulen in dir wirken; wo du Stufen
  nachfühlen kannst; wo Bogen voll Gefahr
  den Abgrund eines Raumes überbrücken,
  der in dir blieb, weil er aus solchen Stücken
  getürmt war, daß du sie nicht mehr aus dir
  ausheben kannst: du rissest dich denn ein.
  Bist du so weit, ist alles in dir Stein,
  Wand, Aufgang, Durchblick, Wölbung --, so probier,
  den großen Vorhang, den du vor dir hast,
  ein wenig wegzuzerrn mit beiden Händen:
  Da glänzt es von ganz hohen Gegenständen
  und übertrifft dir Atem und Getast.
  Hinauf, hinab, Palast steht auf Palast,
  Geländer strömen breiter aus Geländern
  und tauchen oben auf an solchen Rändern,
  daß dich, wie du sie siehst, der Schwindel faßt.
  Dabei macht ein Gewölk aus Räucherständern
  die Nähe trüb; aber das Fernste zielt
  in dich hinein mit seinen graden Strahlen --,
  und wenn jetzt Schein aus klaren Flammenschalen
  auf langsam nahenden Gewändern spielt:
  wie hältst du's aus?

  Sie aber kam und hob
  den Blick, um dieses alles anzuschauen.
  (Ein Kind, ein kleines Mädchen zwischen Frauen.)
  Dann stieg sie ruhig, voller Selbstvertrauen,
  dem Aufwand zu, der sich verwöhnt verschob:
  So sehr war alles, was die Menschen bauen,
  schon überwogen von dem Lob

  in ihrem Herzen. Von der Lust
  sich hinzugeben an die innern Zeichen:
  Die Eltern meinten, sie hinaufzureichen,
  der Drohende mit der Juwelenbrust
  empfing sie scheinbar: Doch sie ging durch alle,
  klein wie sie war, aus jeder Hand hinaus
  und in ihr Los, das, höher als die Halle,
  schon fertig war, und schwerer als das Haus.



  Mariä Verkündigung


  Nicht daß ein Engel eintrat (das erkenn),
  erschreckte sie. So wenig andre, wenn
  ein Sonnenstrahl oder der Mond bei Nacht
  in ihrem Zimmer sich zu schaffen macht,
  auffahren --, pflegte sie an der Gestalt,
  in der ein Engel ging, sich zu entrüsten;
  sie ahnte kaum, daß dieser Aufenthalt
  mühsam für Engel ist. (O wenn wir wüßten,
  wie rein sie war. Hat eine Hirschkuh nicht,
  die, liegend, einmal sie im Wald eräugte,
  sich so in sie versehn, daß sich in ihr,
  ganz ohne Paarigen, das Einhorn zeugte,
  das Tier aus Licht, das reine Tier --.)
  Nicht, daß er eintrat, aber daß er dicht,
  der Engel, eines Jünglings Angesicht
  so zu ihr neigte, daß sein Blick und der,
  mit dem sie aufsah, so zusammenschlugen,
  als wäre draußen plötzlich alles leer
  und, was Millionen schauten, trieben, trugen,
  hineingedrängt in sie: nur sie und er;
  Schaun und Geschautes, Aug und Augenweide
  sonst nirgends als an dieser Stelle --: sieh,
  dieses erschreckt. Und sie erschraken beide.

  Dann sang der Engel seine Melodie.



  Mariä Heimsuchung


  Noch erging sie's leicht im Anbeginne,
  doch im Steigen manchmal ward sie schon
  ihres wunderbaren Leibes inne, --
  und dann stand sie, atmend, auf den hohn

  Judenbergen. Aber nicht das Land,
  ihre Fülle war um sie gebreitet;
  gehend fühlte sie: man überschreitet
  nie die Größe, die sie jetzt empfand.

  Und es drängte sie, die Hand zu legen
  auf den andern Leib, der weiter war.
  Und die Frauen schwankten sich entgegen
  und berührten sich Gewand und Haar.

  Jede, voll von ihrem Heiligtume,
  schützte sich mit der Gevatterin.
  Ach der Heiland in ihr war noch Blume,
  doch den Täufer in dem Schoß der Muhme
  riß die Freude schon zum Hüpfen hin.



  Argwohn Josephs


  Und der Engel sprach und gab sich Müh
  an dem Mann, der seine Fäuste ballte:
  aber siehst du nicht an jeder Falte,
  daß sie kühl ist wie die Gottesfrüh.

  Doch der andre sah ihn finster an,
  murmelnd nur: Was hat sie so verwandelt?
  Doch da schrie der Engel: Zimmermann,
  merkst du's noch nicht, daß der Herrgott handelt?

  Weil du Bretter machst, in deinem Stolze,
  willst du wirklich den zur Rede stelln,
  der bescheiden aus dem gleichen Holze
  Blätter treiben macht und Knospen schwelln?

  Er begriff. Und wie er jetzt die Blicke,
  recht erschrocken, zu dem Engel hob
  war der fort. Da schob er seine dicke
  Mütze langsam ab. Dann sang er lob.



  Verkündigung über den Hirten


  Seht auf, ihr Männer. Männer dort am Feuer,
  die ihr den grenzenlosen Himmel kennt,
  Sterndeuter, hierher! Seht, ich bin ein neuer
  steigender Stern. Mein ganzes Wesen brennt
  und strahlt so stark und ist so ungeheuer
  voll Licht, daß mir das tiefe Firmament
  nicht mehr genügt. Laßt meinen Glanz hinein
  in euer Dasein: o, die dunklen Blicke,
  die dunklen Herzen, nächtige Geschicke,
  die euch erfüllen. Hirten, wie allein
  bin ich in euch. Auf einmal wird mir Raum.
  Stauntet ihr nicht: der große Brotfruchtbaum
  warf einen Schatten. Ja, das kam von mir.
  Ihr Unerschrockenen, o wüßtet ihr,
  wie jetzt auf eurem schauenden Gesichte
  die Zukunft scheint. In diesem starken Lichte
  wird viel geschehen. Euch vertrau ich's, denn
  ihr seid verschwiegen; euch Gradgläubigen
  redet hier alles. Glut und Regen spricht,
  der Vögel Zug, der Wind und was ihr seid,
  keins überwiegt und wächst zur Eitelkeit
  sich mästend an. Ihr haltet nicht
  die Dinge auf im Zwischenraum der Brust,
  um sie zu quälen. So wie seine Lust
  durch einen Engel strömt, so treibt durch euch
  das Irdische. Und wenn ein Dorngesträuch
  aufflammte plötzlich, dürfte noch aus ihm
  der Ewige euch rufen, Cherubim,
  wenn sie geruhten neben eurer Herde
  einherzuschreiten, wunderten euch nicht:
  ihr stürztet euch auf euer Angesicht,
  betetet an und nenntet dies die Erde.

  Doch dieses war. Nun soll ein Neues sein,
  von dem der Erdkreis ringender sich weitet.
  Was ist ein Dörnicht uns: Gott fühlt sich ein
  in einer Jungfrau Schoß. Ich bin der Schein
  von ihrer Innigkeit, der euch geleitet.



  Geburt Christi


  Hättest du der Einfalt nicht, wie sollte
  dir geschehn, was jetzt die Nacht erhellt?
  Sieh, der Gott, der über Völkern grollte,
  macht sich mild und kommt in dir zur Welt.

  Hast du dir ihn größer vorgestellt?

  Was ist Größe? Quer durch alle Maße,
  die er durchstreicht, geht sein grades Los.
  Selbst ein Stern hat keine solche Straße.
  Siehst du, diese Könige sind groß,

  und sie schleppen dir vor deinen Schoß

  Schätze, die sie für die größten halten,
  und du staunst vielleicht bei dieser Gift --:
  aber schau in deines Tuches Falten,
  wie er jetzt schon alles übertrifft.

  Aller Amber, den man weit verschifft,

  jeder Goldschmuck und das Luftgewürze,
  das sich trübend in die Sinne streut:
  alles dieses war von rascher Kürze,
  und am Ende hat man es bereut.

  Aber (du wirst sehen): Er erfreut.



  Rast auf der Flucht in Ägypten


  Diese, die noch eben atemlos
  flohen mitten aus dem Kindermorden:
  o, wie waren sie unmerklich groß
  über ihrer Wanderschaft geworden.

  Kaum noch daß im scheuen Rückwärtsschauen
  ihres Schreckens Not zergangen war,
  und schon brachten sie auf ihrem grauen
  Maultier ganze Städte in Gefahr;

  denn sowie sie, klein im großen Land,
  -- fast ein Nichts -- den starken Tempeln nahten,
  platzten alle Götzen wie verraten
  und verloren völlig den Verstand.

  Ist es denkbar, daß von ihrem Gange
  alles so verzweifelt sich erbost?
  und sie wurden vor sich selber bange,
  nur das Kind war namenlos getrost.

  Immerhin, sie mußten sich darüber
  eine Weile setzen. Doch da ging --
  sieh: der Baum, der still sie überhing,
  wie ein Dienender zu ihnen über:

  er verneigte sich. Derselbe Baum,
  dessen Kränze toten Pharaonen
  für das Ewige die Stirnen schonen,
  neigte sich. Er fühlte neue Kronen
  blühen. Und sie saßen wie im Traum.



  Von der Hochzeit zu Kana


  Konnte sie denn anders, als auf ihn
  stolz sein, der ihr Schlichtestes verschönte?
  War nicht selbst die hohe, großgewöhnte
  Nacht wie außer sich, da er erschien?

  Ging nicht auch, daß er sich einst verloren,
  unerhört zu seiner Glorie aus?
  Hatten nicht die Weisesten die Ohren
  mit dem Mund vertauscht? Und war das Haus

  nicht wie neu von seiner Stimme? Ach
  sicher hatte sie zu hundert Malen
  ihre Freude an ihm auszustrahlen
  sich verwehrt. Sie ging ihm staunend nach.

  Aber da bei jenem Hochzeitsfeste,
  als es unversehns an Wein gebrach, --
  sah sie hin und bat um eine Geste
  und begriff nicht, daß er widersprach.

  Und dann tat er's. Sie verstand es später,
  wie sie ihn in seinen Weg gedrängt:
  denn jetzt war er wirklich Wundertäter,
  und das ganze Opfer war verhängt,

  unaufhaltsam. Ja, es stand geschrieben.
  Aber war es damals schon bereit?
  Sie: sie hatte es herbeigetrieben
  in der Blindheit ihrer Eitelkeit.

  An dem Tisch voll Früchten und Gemüsen
  freute sie sich mit und sah nicht ein,
  daß das Wasser ihrer Tränendrüsen
  Blut geworden war mit diesem Wein.



  Vor der Passion


  O hast du dies gewollt, du hättest nicht
  durch eines Weibes Leib entspringen dürfen:
  Heilande muß man in den Bergen schürfen,
  wo man das Harte aus dem Harten bricht.

  Tut dir's nicht selber leid, dein liebes Tal
  so zu verwüsten? Siehe meine Schwäche;
  ich habe nichts als Milch- und Tränenbäche,
  und du warst immer in der Überzahl.

  Mit solchem Aufwand wardst du mir verheißen.
  Was tratst du nicht gleich wild aus mir hinaus?
  Wenn du nur Tiger brauchst, dich zu zerreißen,
  warum erzog man mich im Frauenhaus,

  ein weiches reines Kleid für dich zu weben,
  darin nicht einmal die geringste Spur
  von Naht dich drückt --: so war mein ganzes Leben
  und jetzt verkehrst du plötzlich die Natur.



  Pietà


  Jetzt wird mein Elend voll, und namenlos
  erfüllt es mich. Ich starre wie des Steins
  Inneres starrt.
  Hart wie ich bin, weiß ich nur Eins:
  Du wurdest groß --
  .... und wurdest groß,
  um als zu großer Schmerz
  ganz über meines Herzens Fassung
  hinauszustehn.
  Jetzt liegst du quer durch meinen Schoß,
  jetzt kann ich dich nicht mehr
  gebären.



  Stillung Mariä mit dem Auferstandenen


  Was sie damals empfanden: ist es nicht
  vor allen Geheimnissen süß
  und immer noch irdisch:
  da er, ein wenig blaß noch vom Grab,
  erleichtert zu ihr trat:
  an allen Stellen erstanden.
  O zu ihr zuerst. Wie waren sie da
  unaussprechlich in Heilung.
  Ja sie heilten, das war's. Sie hatten nicht nötig,
  sich stark zu berühren.
  Er legte ihr eine Sekunde
  kaum seine nächstens
  ewige Hand an die frauliche Schulter.
  Und sie begannen
  still wie die Bäume im Frühling,
  unendlich zugleich,
  diese Jahreszeit
  ihres äußersten Umgangs.



  Vom Tode Mariä

  (Drei Stücke)


  1

  Derselbe große Engel, welcher einst
  ihr der Gebärung Botschaft niederbrachte,
  stand da, abwartend daß sie ihn beachte,
  und sprach: Jetzt wird es Zeit, daß du erscheinst.
  Und sie erschrak wie damals und erwies
  sich wieder als die Magd, ihn tief bejahend.
  Er aber strahlte, und unendlich nahend,
  schwand er wie in ihr Angesicht -- und hieß
  die weithin ausgegangenen Bekehrer
  zusammenkommen in das Haus am Hang,
  das Haus des Abendmahls. Sie kamen schwerer
  und traten bange ein: Da lag, entlang
  die schmale Bettstatt, die in Untergang
  und Auserwählung rätselhaft Getauchte,
  ganz unversehrt, wie eine Ungebrauchte,
  und achtete auf englischen Gesang.
  Nun da sie alle hinter ihren Kerzen
  abwarten sah, riß sie vom Übermaß
  der Stimmen sich und schenkte noch von Herzen
  die beiden Kleider fort, die sie besaß,
  und hob ihr Antlitz auf zu dem und dem ...
  (o Ursprung namenloser Tränen-Bäche).

  Sie aber legte sich in ihre Schwäche
  und zog die Himmel an Jerusalem
  so nah heran, daß ihre Seele nur,
  austretend, sich ein wenig strecken mußte:
  schon hob er sie, der alles von ihr wußte,
  hinein in ihre göttliche Natur.


  2

  Wer hat bedacht, daß bis zu ihrem Kommen
  der viele Himmel unvollständig war?
  Der Auferstandne hatte Platz genommen,
  doch neben ihm, durch vierundzwanzig Jahr,
  war leer der Sitz. Und sie begannen schon
  sich an die reine Lücke zu gewöhnen,
  die wie verheilt war, denn mit seinem schönen
  Hinüberscheinen füllte sie der Sohn.

  So ging auch sie, die in die Himmel trat,
  nicht auf ihn zu, so sehr es sie verlangte;
  dort war kein Platz, nur Er war dort und prangte
  mit einer Strahlung, die ihr wehe tat.
  Doch da sie jetzt, die rührende Gestalt,
  sich zu den neuen Seligen gesellte
  und unauffällig, licht zu licht, sich stellte,
  da brach aus ihrem Sein ein Hinterhalt
  von solchem Glanz, daß der von ihr erhellte
  Engel geblendet aufschrie: Wer ist die?
  Ein Staunen war. Dann sahn sie alle, wie
  Gott-Vater oben unsern Herrn verhielt,
  so daß, von milder Dämmerung umspielt,
  die leere Stelle wie ein wenig Leid
  sich zeigte, eine Spur von Einsamkeit,
  wie etwas, was er noch ertrug, ein Rest
  irdischer Zeit, ein trockenes Gebrest --.
  Man sah nach ihr: sie schaute ängstlich hin,
  weit vorgeneigt, als fühlte sie: ich bin
  sein längster Schmerz --: und stürzte plötzlich vor.
  Die Engel aber nahmen sie zu sich
  und stützten sie und sangen seliglich
  und trugen sie das letzte Stück empor.


  3

  Doch vor dem Apostel Thomas, der
  kam da es zu spät war, trat der schnelle
  längst darauf gefaßte Engel her
  und befahl an der Begräbnisstelle:

  Dräng den Stein beiseite. Willst du wissen,
  wo die ist, die dir das Herz bewegt:
  Sieh: sie ward wie ein Lavendelkissen
  eine Weile da hineingelegt,

  daß die Erde künftig nach ihr rieche
  in den Falten wie ein feines Tuch.
  Alles Tote (fühlst du), alles Sieche
  ist betäubt von ihrem Wohlgeruch.

  Schau den Leinwand: wo ist eine Bleiche,
  wo er blendend wird und geht nicht ein?
  Dieses Licht aus dieser reinen Leiche
  war ihm klärender als Sonnenschein.

  Staunst du nicht, wie sanft sie ihm entging?
  Fast als wär sie's noch, nichts ist verschoben.
  Doch die Himmel sind erschüttert oben:
  Mann, knie hin und sieh mir nach und sing.



  41. bis 50. Tausend
  Druck der Offizin W. Drugulin, Leipzig



  Anmerkung zur Transkription:

  Das Inhaltsverzeichnis befindet sich im Original
  am Ende des Buches und wurde an den Anfang verschoben.





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Das Marien-Leben" ***

Doctrine Publishing Corporation provides digitized public domain materials.
Public domain books belong to the public and we are merely their custodians.
This effort is time consuming and expensive, so in order to keep providing
this resource, we have taken steps to prevent abuse by commercial parties,
including placing technical restrictions on automated querying.

We also ask that you:

+ Make non-commercial use of the files We designed Doctrine Publishing
Corporation's ISYS search for use by individuals, and we request that you
use these files for personal, non-commercial purposes.

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort
to Doctrine Publishing's system: If you are conducting research on machine
translation, optical character recognition or other areas where access to a
large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the use of
public domain materials for these purposes and may be able to help.

+ Keep it legal -  Whatever your use, remember that you are responsible for
ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just because
we believe a book is in the public domain for users in the United States,
that the work is also in the public domain for users in other countries.
Whether a book is still in copyright varies from country to country, and we
can't offer guidance on whether any specific use of any specific book is
allowed. Please do not assume that a book's appearance in Doctrine Publishing
ISYS search  means it can be used in any manner anywhere in the world.
Copyright infringement liability can be quite severe.

About ISYS® Search Software
Established in 1988, ISYS Search Software is a global supplier of enterprise
search solutions for business and government.  The company's award-winning
software suite offers a broad range of search, navigation and discovery
solutions for desktop search, intranet search, SharePoint search and embedded
search applications.  ISYS has been deployed by thousands of organizations
operating in a variety of industries, including government, legal, law
enforcement, financial services, healthcare and recruitment.



Home