Home
  By Author [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Title [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Language
all Classics books content using ISYS

Download this book: [ ASCII | HTML | PDF ]

Look for this book on Amazon


We have new books nearly every day.
If you would like a news letter once a week or once a month
fill out this form and we will give you a summary of the books for that week or month by email.

Title: Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848
Author: Junghuhn, Franz
Language: German
As this book started as an ASCII text book there are no pictures available.
Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848" ***

This book is indexed by ISYS Web Indexing system to allow the reader find any word or number within the document.



produced from scanned images of public domain material


  Rückreise von Java nach Europa
  mit der
  sogenannten englischen Überlandpost
  im September und October 1848

  von

  Franz Junghuhn

  Aus dem Holländischen übertragen
  von
  J. K. Haßkarl.


  Mit 4 Ansichten und 2 Karten.

       *       *       *       *       *

  Leipzig,
  Arnoldische Buchhandlung.
  1852.



Vorwort.


Anfangs war es nicht meine Absicht, diese Reise zu veröffentlichen,
besonders weil andere Arbeiten mich sehr beschäftigten. Ich hatte jedoch
das Meiste ~auf der Reise~ (von Java bis Holland) ~selbst~ schon
niedergeschrieben, und Freunde, welche dieses Manuscript lasen oder
denen ich einzelne Erlebnisse von der Reise erzählte, munterten mich
kräftig auf, mich doch der kleinen Mühe zu unterziehen, meine
Aufzeichnungen zu einem Ganzen zu vereinigen, wo es nöthig war, weiter
auszuarbeiten und bekannt zu machen, -- welchem Rathe ich endlich
folgte.

Dies möge zur Erklärung des ~späten~ Erscheinens dieser Beschreibung
dienen.

~Leyden~ im Januar 1851.

                                                  #Der Verfasser.#



Inhalt.


                                                       Seite

  _I._   Von Java bis in die Nähe der Insel Socotora       1

  _II._  Von Arabien bis Alexandrien                      71

  _III._ Von Egypten bis nach Holland                    167



_I._

Von Java bis in die Nähe der Insel Socotora.


Meine Gesundheit war zerrüttet und die Kräfte meines Körpers waren nach
einem 13jährigen Aufenthalte auf Java und Sumatra geschwächt. -- Ich
litt an den Folgen der so viele Jahre lang nicht mehr unterbrochenen
Einwirkung einer größern Hitze, der nur wenige nordische Naturen auf die
Dauer widerstehen können. -- Wohl reiste ich noch in Krawang, mit
geologischen Untersuchungen beschäftigt, mußte aber oft (erschöpft) die
höhern, kühlern Gebirgsgegenden aufsuchen, um dem glühenden Klima nicht
zu unterliegen.

Der letzte Berggipfel, den ich, durch solche Gründe veranlaßt, den 17.
Juni 1848 erstieg, war der Gunung-Tangkuban Pra. Meine Hütte stand auf
dem höchsten Punkte seiner südlichen Kratermauer, der sich 6030 par. Fuß
über das Meer erhebt und eine mittlere Temperatur genießt von ohngefähr
56° F., während in den Tiefländern am nördlichen Fuße des Gebirges die
mittlere Wärme 81,5° beträgt. In der kühlen Luft dieser Region kehrte
wieder etwas Willenskraft in die Seele zurück, die mit dem Körper
ebenfalls erschlafft und in Gleichgültigkeit versunken war. Die
Ermahnungen von Freunden, die mich in meiner Einsiedelei besuchten,
trugen dazu bei, mich in meinem Vorhaben zu bestärken, und so gedieh
endlich mein Entschluß zur Reise, das Land des ewigen Sommers ein Paar
Jahre lang zu verlassen und in das Vaterland zurückzukehren, das den
eisigen Polen so viele Grade näher liegt.

Hier auf dem Kraterrande des Vulkans war es auch, wo ich die Zeitungen
aus Europa empfing, die in der Mitte des Juni mit der Landmail nach
Batavia gebracht waren. -- Revolution in Paris, kaum geahnt und schon
beendigt, -- Republik ausgerufen, -- ~Louis Philipp~ entflohn! -- dieser
vorsichtige König, den alle Welt so fest auf seinem Throne
glaubte. -- Dies waren die Nachrichten, die auf das Unerwartetste, ganz
mährchenhaft, vermeldet wurden und die alle Gemüther auch auf Java in
die ängstlichste Spannung versetzten. Es glich die Aufregung der Völker,
dadurch veranlaßt, der electromagnetischen Kraft, die sich mit
unsichtbarer Schnelle durch die halbe Welt fortpflanzt. -- Dazu kamen
später noch die Nachrichten aus Bali, -- Reformbewegungen, politische
Demonstrationen zu Batavia, -- ungewöhnliche Witterungserscheinungen,
 -- Höhenrauch, -- Regen, -- Überströmungen, -- Erdbeben! -- vulkanische
Ausbrüche, -- ein erwarteter Komet allhier -- und dort in Europa Aufruhr
und Krieg; -- -- so waren die Nachrichten, die zu dieser Zeit auf uns
einstürmten und die, wenn auch nicht alle erfreulicher Art, denn doch
geeignet waren, auch das erschlaffteste Gemüth aus seiner Lethargie zu
erwecken.

Die Auspicien einer Reise also zu dieser Zeit nach Europa waren nicht
günstig. Ich war aber krank und bedurfte als Heilmittel der Kälte. Meine
Abreise ward daher beschlossen und mein Gesuch um Erlaubniß abgesandt an
die hohe Regierung zu Batavia, in deren Auftrag ich reiste.

Ehe ich den Berggipfel und die schönen Wäldchen, die ihn umgrünen,
verließ, sah ich noch einmal nieder in das weite Kesselthal des
Kraters, dessen Grund 800 Fuß tief zu meinen Füßen lag und ließ dann
meinen Blick über den jenseitigen (weniger hohen) Kraterrand hinweg- und
hinabgleiten in das ferne Land von Krawang, das 6000 Fuß tiefer lag und
das sich mit dem ewigen Grün seiner Felder und Wälder bis an's Meer
hinzog. So glatt und blinkend, wie ein silberner Spiegel lag dies stille
javanische Meer vor uns da, während die Morgensonne mit ihren ersten
Strahlen hinter den fernen Kegeln Tj[)e]rimai und Tampomas hervorblickte
und mit dem Lichtglanze, der sie umgab, einen goldenen Hintergrund
bildete, auf welchem sich die dunkeln Gestalten dieser hohen Berge
deutlich abzeichneten; -- sie vergoldete dann noch manche andre
Bergspitzen und goß ihren Schein aus über das weite grüne Land, in
welchem Tausende von Menschen und Thieren zu neuem Leben erwachten.

Es war ein Bild schöner und majestätischer Ruhe, vergleichbar mit dem
menschlichen Gemüthe, das in ~Frieden~ lebt. Dicht zu unsern Füßen aber
lag der weite, wüste Schlund des Kraters und dieser erinnerte an die
Leidenschaften der Menschen, wenn diese in Wuth ausbrechen, sich selbst
und ihre Werke zerstörend. Zwar lag auch dieser Mund des Vulkans jetzt
in tiefer Stille da, -- auf der Kraterwand zu unsrer Linken lächelte
lieblich der erste Sonnenschein und ließ grell den Schatten erkennen von
einigen Falken, die langsam und friedlich über den weiten Raum
hinüberschwebten. -- Nichts als das Echo hallte wieder, wenn man
hinabrief oder einen Stein in die Tiefe warf, -- sonst war Alles
still; -- aber die Kahlheit der Felsen, die Hunderte von Fußen hoch
emporstarren, -- die hingestreckten Wälder und schwarzgebrannten
Baumstämme des äußern Gehänges, -- die bleiche Farbe der Asche, wovon
Alles überschüttet war, -- die Abwesenheit von aller Vegetation im
Innern, -- der völlig nackte Grund, aus dem man bei genauerer
Betrachtung doch noch Dämpfe emporsteigen sah, -- dies Alles rief dem
Reisenden warnend zu: »Traue dieser Ruhe des Kraters nicht, denn sie
gleicht mit der schönen belebten Natur umher ganz dem menschlichen
Gemüthe und dem Leben der Völker, das leicht durch Leidenschaften
getrieben wird, sein eignes Glück zu vernichten, -- aber so wie die
Waldung rund um den Krater nur so lange blüht und grünt, bis ein neuer
Ausbruch aus dem Schlunde kommt, der Alles wieder verwüstet und, was in
langen Jahren allmählig wuchs, oft in einer Nacht zerstört.«

Dennoch konnte ich diesen Berggipfel nicht verlassen ohne ein
wehmüthiges Gefühl. Sind doch diese Kraterthäler die schönsten auf Java
und von allen Landschaften der Insel am reichsten an malerischer
Abwechselung, -- tritt doch das Starre, Nackte der Felsen, das Kolossale
der Dimensionen daselbst in den anziehendsten Contrast mit dem
umgebenden Grün, -- sind doch die niedrigen Alpenbäumchen, die dort
wachsen, die lieblichsten der Insel, die fast immer mit den schönsten
farbigen Blüthen geschmückt sind, -- ist doch die Luft auf diesen Höhen
so rein, so kühl, genießt man doch von dort die herrlichste Aussicht
rundum über das weite, tiefe Land, -- ist das Innere der Krater doch so
einsam, so ungestört, so beschützt vor allen Winden, -- lächeln die
Seen, die in vielen derselben liegen, den Reisenden doch so freundlich,
so friedsam an, -- und giebt ihnen der Gedanke an die gewaltsamen,
vernichtenden Kräfte, die ~unter~ ihnen in der Tiefe schlummern, doch
einen so eigenthümlich bangen Reiz, daß man unwillkührlich gemahnt wird
an den Wechsel des Schicksals im Leben der Menschen und an die
Vergänglichkeit alles irdischen Glücks, -- und hatte mich doch eine
lange Reihe von Jahren mit allen diesen Kratern auf Java so vertraut
gemacht, daß sie mir lieb geworden waren, wie eine zweite Heimath! --

Erinnerungen und Gefühle dieser Art fesselten mich an den Ort und ich
saß (von Thibaudiabäumchen überwölbt) ~noch~ am Kraterrande, als meine
javanischen Begleiter den Gipfel schon verlassen hatten und am Gehänge
hinabeilten. Ich warf noch einen Blick hinab und rundum -- und folgte
ihnen. Doch war es mir unmöglich von diesem Berge (dem letzten, den ich
vor meiner Rückkehr nach Europa ersteigen sollte,) Abschied zu nehmen
und ihm das »Lebt wohl, ihr Berge!« -- zuzurufen, ohne den heimlichen,
aber innigen Wunsch zu empfinden: »~auf Wiedersehn~.«

Diese Hoffnung auf Wiedersehn tröstete mich auch, als ich, kaum erquickt
von der größeren Kühle dieser Region, wieder herab in das tiefere Land
stieg und dem heißen Batavia zueilte.

       *       *       *       *       *

Ich kann nicht unterlassen, der wohlwollenden Rücksicht hier zu
gedenken, welche die Regierung auf meine geschwächte Gesundheit nahm,
nicht nur, um mir den erbetenen Urlaub nach Europa zu bewilligen,
sondern auch um meine Abreise in ein kälteres Klima zu beschleunigen.
Besonders verpflichtet bin ich Sr. Excellenz dem Hrn. Generalgouverneur
J. J. ~Rochussen~, der mich sehr liebreich behandelte und mich beim
Abschied mit den herzlichsten Wünschen entließ.

Dennoch verzögerte sich meine Abreise bis gegen Ende August und dieser
fast zweimonatliche Aufenthalt in dem heißen Klima von Batavia wirkte
noch mehr erschlaffend auf meine geschwächte Gesundheit. -- Erst mit dem
Kriegsdampfer ~Etna~, den der erste Lieutenant ~Eschauzier~ commandirte,
war es mir vergönnt, nach Singapure zu gehn, von wo die mit der Landmail
aus Europa angekommenen Briefe abzuholen und andere dahin gerichteten zu
überbringen waren.[1]

Endlich, in dem Nachmittag des 27. August konnte ich Batavia verlassen
und begab mich an Bord des ~Etna~ in Begleitung meines Freundes und
Collegen _Dr._ ~Schwaner~, der erst vor Kurzem von seinen weiten Reisen
auf Borneo zurückgekehrt war und zur Ausarbeitung seiner Karten noch
einige Zeit auf Java zu bleiben gedachte.[2] -- Den folgenden Morgen
sollte das Dampfschiff die Rhede verlassen. Dieser Gedanke stärkte mich
verbunden mit der Einwirkung der kühlen Seeluft, die ich des Abends auf
dem Verdecke genoß und nun erst fing ich an, mich zu freuen, denn erst
nun konnte ich die Schwierigkeiten, die sich meiner Abreise
entgegengestellt hatten, für überwunden achten und die Hoffnung hegen,
dem Vaterlande ~sicher~ zuzueilen.

Wir verließen am 28. August 1848 früh die Rhede von Batavia. Die
Wasserfläche war todtstill, -- sie glich einem glänzenden Spiegel und
die Schiffe, die unbeweglich darauf lagen, glichen den Häusern einer
Stadt; auf dem einen Schiffe wurde gesungen, auf dem andern getrommelt
und gepfiffen, -- und auf noch andern ertönte, den Rhythmus der
täglichen Verrichtungen der Seeleute abmessend, die Schiffsglocke, deren
Klang weit über die glatte Fläche hinscholl. _Falco pondicerianus_
umkreiste die Masten noch eben so, wie vor 13 Jahren, als ich den Busen
voll geschwellter Erwartungen, erhoben durch unbegrenzte Hoffnung hier
ankam, -- die Physiognomie der Küste mit ihren weißen und rothen
Häusern, die durch das Grün hindurchschimmerten, war noch ganz
dieselbe, -- auch der Zuckerhut des Gunung-Panggerango blickte aus
blauer Ferne noch eben so, wie damals, über die untern dunstreichen
Luftschichten herab, -- die ganze Natur war die alte, unveränderlich
getreu in allen ihren Nüancen, -- -- nur ~ich~ war nicht mehr derselbe,
ich in meiner Denkweise, in meiner Empfänglichkeit für die Eindrücke der
Außenwelt war ein Andrer geworden und sah nun kalt, erregungslos und
gleichgültig auf dieselbe Welt herab, die mich vor 13 Jahren, als ihr
Antlitz für mich noch ein ganz fremdes war, so lebhaft erregte, so
unwiderstehlich anzog und zur Erforschung ihrer Eigenthümlichkeiten
entflammte.

Außer der Schwächung des Körpers durch die anhaltende Hitze und den
verlornen Reiz der Neuheit nach allmählig genauer gewordener
Bekanntschaft mit der tropischen Natur, ist es, glaube ich, vor Allem
der ~Mangel an Abwechselung~ in den Jahreszeiten und in den
Erscheinungen des Luftkreises, -- es ist die zwischen den Tropen
ununterbrochene Dauer des Sommers, es ist das ewige Grün, das den Geist
der Europäer auf Java zuletzt erschlafft und in Gleichgültigkeit gegen
die Schönheiten javanischer Natur versinken läßt. -- Man verlangt
endlich nach Veränderungen, von welcher Art auch, man hat Bedürfniß nach
etwas Neuem. Eben so sehnsüchtig, wie ich vor 13 Jahren nach dem üppigen
Grün der tropischen Wälder verlangte, so sehnte ich mich jetzt nach
einer kahlen Winterlandschaft, -- ich verlangte nach ~Eis~, nach
~Schnee~.

Unser Schiff setzte sich um 6-3/4 Uhr des Morgens in Bewegung, -- das
eiserne Dampfboot ~Onrust~[3] fuhr vor uns hin und die befreundete
Küste trat immer mehr zurück. -- Ich hatte gestern von meinen
Bekannten ziemlich gleichgültig Abschied genommen, -- jetzt erst, nun
ich unwiderruflich von ihnen getrennt war, nun ich mich mit jeder
Minute weiter von ihnen entfernte, bemächtigte sich meiner ein
Gefühl, das mich zu ihnen zurückzog, -- eine lebhaftere Theilnahme
erwachte, -- meine Gedanken kehrten zu ihnen zurück, zu den Bewohnern
dieses Landes, die mir durch einen vieljährigen Umgang lieb geworden
waren und ich bedauerte nun mit einem reuigen Gefühl, gestern in
meiner Gemüthserschlaffung, in dem Scheintode aller herzlichen
Gefühle, ihnen nicht wärmer die Hand gedrückt zu haben!

Den 28sten hatten wir bei stets heiterem Wetter eine stille,
kleinwellige See und wenig Wind. -- Außer den vielen kleinen Inseln der
Rhede von Batavia und denen, die von der Rhede an nach Norden zu
regellos zerstreut vorkommen, sahen wir die sogenannten
~Tausend-Inseln~, die zwei-, drei-, ja vierfach hinter einander
gruppirt, einen von Süd nach Nord ausgedehnten kleinen Archipel bilden,
an dessen Ostseite wir vorüberfuhren. Sie blieben also links liegen, die
nächsten etwa drei bis vier englische Meilen entfernt. (Ihre Lage: der
Lampongspitze gegenüber, doch dem Meridian von Batavia näher, als dem
von Bantam.) Der sogenannte »Süd- und Nordwächter« bezeichnen ihre
Grenzen der Längenausdehnung nach. Sie gleichen vollkommen den Inseln
der Rhede und allen übrigen, die wir in diesem Meere sahen, -- die
größten haben drei bis fünf englische Meilen, die kleinste eine
Viertelmeile im Durchmesser; sie sind ~flach~, mit Wald bedeckt. Jede
Insel ist nur ~ein~ Wald. -- ~Kein~ kahles Fleckchen. Die nähern lassen
zwischen ihrer grünen Waldung und dem glänzendblauen Meere noch einen
weißen Küstenstreifen erkennen.

Ihre Zahl ist etwa 40-45. Sie sind eine rechte _terra incognita_, noch
nicht aufgenommen, denn die Schiffe fahren in weiter Entfernung nur um
sie herum, weil die Untiefen, Klippen, -- Korallenbänke, womit die
Inseln untermeerisch verbunden sind, alle Annäherung verbieten. Nur
Räuberfahrzeuge besuchten sie früher. Sie liegen regellos zerstreut und
sind wahrscheinlich nur einzelne Punkte ~einer einzigen~ großen
Korallenbank, -- nämlich ~die~ Punkte derselben, die (einige Fuß) ~über~
den Meeresspiegel hervorragen. -- Ob die Korallen auf Tertiärschichten
ruhen? -- auf einer submarinen Erhebungslinie, die der Ostküste von
Sumatra (den Lampong's) parallel läuft?

Vom »Nordwächter,« der im Nachmittag des 28sten noch sichtbar war, sahen
wir keine Inseln mehr; wir durchschnitten nun vom 28sten Abends an die
Nacht durch, nord-nord-westwärts den langen Raum zwischen diesen
nördlichsten der Tausend-Inseln und der Insel Lucipara, die am südlichen
Eingang der Straße Bangka liegt; -- als der Abend fiel, wurden zwei
verschiedenfarbige Laternen an den Masten aufgehängt, die eine mit
rothem Glas und rothem Lichtschein hinten am Fockmaste und die andere
mit grünlich-gelbem Lichte vorn am großen Maste (das Zeichen der
Dampfschiffe bei Nacht).

Die Nacht war hell und windstill, -- die See kleinwellig.

Den 29sten des Morgens um 7-1/2 Uhr bei ganz heiterem Wetter kam uns die
Lucipara-Insel zu Gesicht und etwas später erschien als ein langer
dunkler Streifen auch die flache, niedrige Küste von Sumatra. Wir
dampften zwischen beiden hindurch. Lucipara, die rechts liegen blieb,
war eben so flach und waldig, wie die vorigen Inseln und hatte in ihrer
Mitte einen kleinen kegelförmigen Höcker. Ihr Durchmesser beträgt nach
den Seekarten 1-1/2--2 engl. Meilen. --

Schon um 7 Uhr fing das Wasser an sich immer grünlich-heller zu färben.
Um 8 Uhr waren wir noch 7 engl. Meilen von der Küste entfernt und
erblickten vorn, im Eingang der Straße Bangka, sieben (größere und
kleinere) Schiffe, die dem Meere ein recht belebtes Ansehen gaben. Als
wir uns der Richtung: West von Lucipara-Insel und Ost von
Lucipara-Spitze (Sumatra's) näherten, fingen wir an zu peilen und
unsern Cours Nord-West bei 4-1/2--5 Faden Wasser in Nord-Nord-West zu
verwandeln. Wir näherten uns also mehr der Küste von Sumatra, die
deutlicher wurde und sich als niedriges, flaches, sumpfiges Land
darstellte, mit Waldung bedeckt.

Wie eine Mauer stieg der Waldsaum dieser Küste von Sumatra empor und
erhob sich gewöhnlich in einer doppelten Terrasse, zweimal hinter
einander. 1º Man unterschied einen vordern niedrigen Waldstreifen, der
wahrscheinlich aus Rhizophoren bestand und sich wandartig aus dem Meere
erhob, -- 2º einen hintern höheren Wald, der eben so mauerartig und
scharf begrenzt war und der hier und da, wo der erstere fehlte, bis an's
Meer vorgerückt erschien und dann unmittelbar aus dem Wasser
aufstieg. -- In diesen Waldmassen bildeten die Bachmündungen schmale
Klüfte und erschienen wie schroff hindurchgehauene Straßen oder
scharfbegrenzte Kanäle. Ein röthlich-schmutziger Strand war vor diesem
Waldsaume kaum zu erkennen. -- Wir kamen mehren Schiffen nahe vorbei und
waren nur 2--3 engl. Meilen von der Küste Sumatra's entfernt.

Um 11 Uhr befanden wir uns der ersten vorspringenden Ecke Sumatra's
(_het eerste punt_ der holl. Seekarten) gegenüber, deren Waldung aus
mäßig hohen Bäumen zusammengesetzt war und mit einer scharfen Grenze wie
eine Mauer endete; -- wir konnten die weißlichen, schlanken und geraden
Stämme deutlich unterscheiden; -- der Strand machte sich durch eine
trübe schlammig-braune Färbung des Wassers kenntlich, die bis weit vom
Lande ab in die See hinaus reichte. Auch Bangka wurde in größerer
Ausdehnung sichtbar und stellte sich als ein flaches oder doch sehr
niedrig-hügeliges Land dar.

Von 1 Uhr an kam uns der höchste Berg Parmasan auf Bangka zu Gesicht und
bildete einen langgedehnten, convex-buckligen Wulst, der in der
Richtung von Süd-West nach Süd-Ost seine größte Längenerstreckung zu
haben schien. Weil sich sein Gehänge Absatzweise erhebt, so glaubt man,
daß er aus mehren, in der angegebenen Richtung hintereinander liegenden
Bergen bestehe, von denen der mittelste der höchste ist. Wir schätzten
diesen auf 2--2-1/2 tausend Fuß. -- Seitwärts, sowohl zur Linken als zur
Rechten, dieses Bergzuges war Alles, was wir sahen, nur niedriges Land,
das eine eben solche flache Waldküste bildete, wie das gegenüber
liegende Sumatra. Während der Himmel über der letzteren Insel, die, so
weit man hier sehen konnte, flach ist, heiter war, so lag über dem
gebirgigen Bangka eine düstere Wolkendecke ausgestreckt und die Berge
erschienen in einem dunkeln Blau, das Meerwasser war aber grünlich-hell
(s. Fig. 1, Gunung-Parmasan). -- Indem wir durch die Straße von Bangka
weiter dampften, die an ihrer schmalsten Stelle, gegenüber _het eerste
punt_ nur 5, übrigens aber 7--10 engl. Meilen breit ist, kamen uns
Erscheinungen entgegen, die schon Columbus als Beweise nahe liegender
großer Flußmündungen betrachtet hatte, nämlich eine Menge treibendes
Holz und Bambus; -- zugleich rückte uns mit dem gedrehten Winde, der nun
aus Norden blies, die schwarze Luft immer näher und bald fing ein
Gewitterregen an herabzuströmen, der mit starkem Nordwind bis 3 Uhr
anhielt.

Auf unserer Weiterfahrt durch die Straße blieb der Anblick der flachen
Küste von Sumatra und der ebenfalls flachen, nur hier und da mit
niedrigen Bergzügen oder Hügeln bedeckten Küste von Bangka bis gegen
Abend derselbe, und es fing schon an zu dämmern, als uns zuerst der Berg
Manumbing sichtbar wurde, an dessen Fuße Muntok, die Hauptstadt
Bangka's, liegt. -- Es war schon völlig Nacht, als wir uns der Küste
näherten, und es mußten drei Kanonenschüsse hintereinander gelöst
werden, um den Bewohnern Muntok's zum Signal zu dienen. Alsbald,
nachdem die Schüsse gefallen waren, wurden drei helle Lichter an der
Küste sichtbar, die unserm Schiffe die Richtung des zu befolgenden
Courses vorschrieben und die uns auch bald darauf auf der Rhede von
Muntok willkommen hießen, wo wir um 9 Uhr ankerten.

Als am 30. August auf eine helle Nacht, in welcher ein starker Landwind
geweht hatte, ein gleich heitrer Morgen folgte, lagen wir südwärts von
Muntok und erblickten den langen, waldigen Berg Manumbing nun in voller
Klarheit im Norden (s. Fig. 2). -- Dann dampften wir noch näher und
legten der Stadt gerade gegenüber in Süd-Süd-West an (s. Fig. 2). --
Außer dem Manumbing und den Vorbergen und Hügeln, die sich ihm auf
beiden Seiten anreihen und die in einer Linie von Nord-Ost nach Süd-West
zu liegen scheinen, ist alles Andere, was man von Bangka sieht,
niedriges Land; -- es ist aber keine Ebene, viel weniger eine
Alluvialfläche, sondern es erhebt sich in den mehrsten Gegenden schon
von der Küste an oder in geringer Entfernung von dieser und steigt
50--100 Fuß steil empor, um sich dann in kleine Platten auszubreiten.
Auf einer solchen Platte liegt die _Benteng_ (Schanze, s. Fig.
3), -- von welcher herab ein weißes Haus mit seinem rothen
Dache, -- wahrscheinlich die Commandantenwohnung -- weit in die Ferne
schimmert. -- Am Fuße dieses Festungsberges, zur Linken desselben, liegt
die Stadt, die dermaßen im Gebüsch von Fruchtbäumen verborgen ist, daß
man nur einige dem Strande näher liegende Häuser und Hütten derselben
gewahr wird; und auch diese sind noch mit Gebüsch umgeben und von
Kokospalmen überragt. Nur zwei größere (** auf Fig. 3) von ihnen sind
weiß mit rothen Dächern (wahrscheinlich Packhäuser), die übrigen sind
graue, oder schmutzig-bräunliche Bambushütten der Eingebornen, die
auf dem gelblich-falben Sande zerstreut stehen. Alles Andere ist
waldig-grün.

[Illustration: _¡Fig. 1.¡_

_¡Insel Bangka, Gunung Parmasan, W.S.W Seite (um 2 Uhr)¡_]

[Illustration: _¡Fig. 2.¡_

_¡Insel Bangka, Gunung Manumbing (S. Seite)¡_]

[Illustration: _¡Fig. 3.¡_

_¡Insel Bangka, Muntok¡_]

[Illustration: _¡Fig. 4.¡_

 _¡Berg auf der Insel Bintang (S. Seite)¡_]

[Illustration: _¡Fig. 5.¡_

_¡Berg auf der Insel Bintang (S.W. Seite)¡_]

[Illustration: _¡Fig. 6.¡_

_¡Goldberg auf der N. Küste Sumatras¡_]

Nur in manchen Gegenden, wie im Süden des Berges auf Fig. 2, ist dem
Hügellande ein flacher Strand von etwas größerer Breite vorgelagert;
dieser ist dann gewöhnlich mit Rhizophoren bedeckt, die sich
zungenförmig in's Meer hinausziehn und deren dunkele Stämme, da sie sich
grell auf dem weißlichen Sandboden abzeichnen, man schon aus großer
Weite in See unterscheiden kann.

Nachdem der Zweck unseres Anlegens auf Muntok erfüllt, nämlich die
Postpackete abgegeben und ein für Palembang bestimmter Offizier an's
Land gesetzt war, -- setzten wir um 8-1/2 Uhr die Cylinder unsrer
Dampfmaschine wieder in Bewegung, schifften um die scharfbegrenzte,
spitze Landecke herum, welche in West-Nord-West von Bangka in's Meer
ragt und fuhren dann nach Norden weiter. Wir kamen so nahe an der Küste
vorbei, daß wir Baumstämme, Felsen, Alles mit bloßen Augen deutlich
unterscheiden konnten. Es zieht sich von jener Spitze ein verflachter,
~weißlich~-falber Strand nach Norden und eine Menge rauher, wie
angefressener Klippen von ~schwärzlicher~ Farbe ragen, bald einzeln,
bald zu ganzen Kämmen, aus diesem Sande hervor, mit dessen Farbe sie
einen grellen Contrast bilden; sie vereinigen sich hier und da zu
kleinen Wänden und Felspartien und verschwinden dann unter dem Grün von
struppigen, nicht hohen Wäldern, die Alles, was vom Lande sichtbar ist,
bedecken und in denen man, an ihrem pyramidalen, tannenartigen Wuchse
viele Casuarinen (_Cas. equisetifolia L. = Tj[)e]mara laut_) bald
einzeln, bald zu ganzen Gruppen gewahr wird. -- Ähnliche schwarze
Klippen tauchen auch noch links aus dem Spiegel des Meeres auf.

Auch noch weiter nord- und nord-ost-wärts von Muntok behielt die Küste
von Bangka, so lange wir sie sehen konnten, diese Beschaffenheit und
ging einwärts in Landschaften über, die weder ebene Flächen, -- noch mit
eigentlichen Bergen besetzt waren, sondern die ein 30, 40--100 Fuß
hohes, verflachtes Hügelland von felsiger, wenig fruchtbarer Oberfläche
zu bilden schienen.

Von Sumatra war nichts zu sehen; der Manumbingberg, convex von Form wie
ein gekrümmter Katzenrücken, trat, je mehr wir nach Norden avancirten,
immer weiter unter den Horizont zurück -- und kaum war die letzte
Nordspitze Bangka's aus dem Gesicht verschwunden, als das anfangende
stärkere Schwanken unseres Schiffes uns verkündete, daß wir uns auf
freierem Meere, weiter von Landtheilen entfernt, befanden.

So heiter der Morgen gewesen war, so düster war die Wolkendecke, die den
ganzen Tag lang alles Blau des Himmels vor unsern Blicken verbarg und
die oft einen feinen Regen herabströmen ließ. Auch folgte eine eben so
trübe Nacht auf den trüben Tag, während wir unter stetem, sehr starkem
Schwanken des Schiffes unsern Cours nach Norden verfolgten. Das starke
Schwanken des Schiffes bei gleichzeitiger Windstille scheint sich aus
der Lage der See zu erklären, die wir durchschifften. Diese steht
nämlich nach Nord-West hin offen bis weit in die chinesische See hinein
und die Wogen aus dieser See, in der es vielleicht stürmte oder gestürmt
hatte, rollten, in Beziehung auf den Cours unseres Schiffes, in fast
querer Richtung zu uns heran.

Was die Form der höheren Berge auf Bangka betrifft, so würde man schon
aus dieser Form, auch ohne eine nähere Kunde vom geologischen Bau der
Insel zu besitzen, mit Wahrscheinlichkeit ableiten können, daß es weder
trachytische Berge, die sich fast immer kegelförmig vorthun, viel
weniger Vulkane sind, -- noch auch erhobene Theile einer sedimentären
Formation, weil die letztern sich immer als langgezogene Ränder
darstellen oder als Ketten, die auf der einen Seite breit sind, sanft
ansteigen und dann auf der andern Seite, vom höchsten Rande an,
plötzlich fallen. Die Berge Bangka's sind aber breite, stumpfe Wülste
und bestehen wahrscheinlich aus granitischen Gesteinen oder
Porphyrarten, während das tiefe Land zwischen ihnen von granitischen und
quarzigen Schuttmassen, Felsentrümmern (mit dem Zinnerz) erfüllt ist.

Wahrscheinlich hat Bangka seinen Zinnreichthum (im Diluvialboden, aus
dem das Erz ausgewaschen wird) mit dem nahen Biliton, so wie mit vielen
Gegenden der Halbinsel Malaka (den Staaten Kalantan, Pahang, Perak,
Salangore) und einigen östlichen Landschaften von Sumatra (Tana Hualu,
nord-westwärts von Bila, Asahan, vielleicht auch Delhi) gemein.


Literatur über Bangka:

     _J. ~Crawfurd~, History of the Indian Archipelago. Edinburg, 1820._

     _~Court~, Exposition of the relations of the British Gouvernment
     with the Sultan and State Palembang._

     _v. ~Siebold~, Voyage au Japon. t. 1, p. 17--60_ (mitgetheilter
     Berichte über Bangka und seine Zinnminen).

     _Dr._ ~Epp~, Schilderungen aus Ostindien's Archipel. Heidelberg,
     1841.

     _Dr. P. ~Bleeker~, Bijdragen tot de kennis von de statistiek der
     bevolking von Banka en Biliton. In Tijdschr. voor Nêêrl. Indië
     Jaarg. 1850. afl. 11. p. 348 etc._

     Verschiedene andere zerstreute Berichte über Bangka in derselben
     Zeitschrift (_voor Nêêrl. Indië_) Jahrgang _V_, 2, 392, -- _VI_, 2,
     49, -- _VIII_, 4, 125 (wo auch eine Karte der Insel mitgetheilt
     wird, welches die beste und ausführlichste der bis jetzt
     erschienenen ist), -- _IX_, 1, 117. -- Das ~Hauptwerk~ aber ist:

     _~Thomas Horsfield~, Verslag aangaande het eiland Banka. In
     Tijdschr. voor Nêêrl. Indië. Jaarg. 1850. p. 192 etc._ --
     (Übersetzt aus: _The Journal of the Indian Archipelago and Eastern
     Asia._ 1848.) -- Ein vortreffliches Werk, obgleich mehr in
     politischer und administrativer Beziehung, ist auch: _H. M.
     ~Lange~, Het eiland Banka en sijne aangelegenheden. d'
     Hertogenbosch_ 1850. Mit einer vom Verfasser zusammengestellten
     Karte der Insel, welche ~dieselbe~ ist, die bereits (wie so eben
     bemerkt) in der Zeitschr. für Niederländisch Indien. _VIII, afler._
     4 mitgetheilt wurde.

       *       *       *       *       *

Nach _Dr._ ~Bleeker~ betrug die Gesammtbevölkerung zufolge einer
Zählung, die gegen Ende von 1848 bewerkstelligt worden war, 41,246 Köpfe
über die ganze Ausdehnung (223 geogr. Quadratmeilen) von Bangka, oder
185 auf eine Quadratmeile, während diese Zahl auf Java 4000 auf einer
Quadratmeile beträgt.

Ein eben so trüber, regniger Himmel wie gestern begleitete den 31.
August unsre Fahrt auf der Ostseite der Insel Linga vorbei nach Bintang.
Wir sahen kein Land vor 8-1/2 Uhr, zu welcher Zeit uns zuerst die
kleinen Inseln zu Gesicht kamen, welche dem Südende der größern Insel
Bintang Rio vorgelagert sind. Die äußerste kleinere davon (Burean) und
dieser zur Linken eine noch kleinere sind bloße Bergscheitel, die aus
dem Meere auftauchen. Sie sind wie alle andern dieser Gruppe, mäßig
hoch, ohne eigentliche Kegel zu bilden. -- Indem wir unsern Cours nach
West zu Nord nahmen, nämlich zwischen der Insel Batang (deren Küste wir
nicht sehen konnten) und Bintang, der letztern viel näher, hindurch, so
blieben die bintang'schen Vorinseln uns zur Rechten liegen.

Der Hauptinsel näher kommend, fuhren wir nach 1 Uhr zwischen der Insel
Alligator und 5 kleinen Inselgipfeln hindurch, -- sahen uns bald darauf
fast auf allen Seiten, rundumher von convexen, flachhügligen Inseln
umgeben, die nur mit einer struppigen, häufig unterbrochenen Waldung
bedeckt waren und durch deren Pflanzendecke überall eine röthliche
Bodenart hindurchschimmerte, und warfen um 2 Uhr auf der Rhede von
Bintang Rio nämlich süd-westwärts vom Fort und süd- zu westwärts von dem
Berge von Bintang Anker. Dieser einzige hohe Berg der Insel blickte aus
Nord zu Ost über die Mitte der Insel Pulu Patingit (Marsinsel der
Seekarten) zu uns herüber, deren östlicher Strand mit den kahlen Hütten
eines Dorfes bedeckt war (s. Fig. 4.). --

Einige englische Meilen von uns in Nord-Ost, auf einem verflachten,
niedrigen Bergwulste lag das Fort von Rio, das wir an seinem
Flaggenstock und der weißen Farbe seiner Ringmauer erkannten.[4] Der
flache Berg, worauf es lag, war mehr bräunlich als grün und eben so kahl
wie dieser, kaum hier und da mit etwas struppiger Waldung bedeckt
erschienen auch die andern Theile der Insel Rio links und rechts vom
Fort, die sich als ein niedriges (nach Schätzung nur 2--300 Fuß hohes),
nicht flaches, sondern in weiten Abständen ~welliges~ (sanft erhobenes
und gesenktes) mageres Land darstellten. -- So weit man sehen konnte,
war die Insel aus solchen langhingezogenen, flach-convexen Landwülsten
zusammengesetzt, aus deren magerer Erddecke der nackte Grund an vielen
Orten röthlich, selbst bolusroth, hindurchschien, und wo man an der
Küste Waldung sah, war diese mit Casuarinen vermengt, struppig. Am
kahlsten, magersten sah die Patingit-Insel aus.

Wir dachten an die luxuriösen, feuchten, schattigen, kein Fleckchen
unbedeckt lassenden Waldungen Java's, -- an den ~vulkanischen~ Boden,
der diese trägt und glaubten schon hieraus, so wie aus der äußern
Landform von Bintang auf eine ganz andere geologische Zusammensetzung
dieser ~kahlen~ Inseln, wenigstens auf die Abwesenheit von Trachyt und
von Lava, also auf den Mangel an leicht verwitterndem, den Boden mit
Kali speisendem Feldspath schließen zu können. Auch auf Java in den
wenigen Gegenden, wo vulkanische Producte fehlen z. B. in manchen
Districten Sukapura's, herrscht eine ähnliche Baumleerheit des Bodens
und Alang-Gras vertritt die Stelle der Wälder.

Nachdem ein angekommenes Boot das Postpacket für Rio von uns in Empfang
genommen hatte, setzten wir um 2-1/2 Uhr unsere Reise nach West zu Nord
fort, ließen das Westende der Patingit-Insel zur Rechten liegen und
erblickten neue flache (oder nur niedrighüglige) Inselküsten, die uns
bald wieder auf ~allen~ Seiten umgaben. Manche waren so niedrig und
flach, daß sie kaum aus dem Wasser hervorragten, z. B. Pulu Sori,
Terkoli, -- sie waren wenig mehr als Sandbänke, auf deren ~weißlichem~
Grunde sich sparsames Gebüsch mit einzelnen Casuarinen erhob. Das linke
Ende der letztgenannten Insel lag uns um 3-1/4 Uhr gegenüber in Nord-Ost
und in derselben Richtung erschien im Hintergrunde der Bintang-Bai die
linke Ecke × des Gipfels vom gleichnamigen Berge (s. Fig. 5. -- × ist
der sogenannte kleine Bintang-Berg).

Der Waldreichthum der Küsten von Inseln, die wir nun sahen, nahm
allmählig zu, je weiter wir nach Nord-West steuerten. Wir befanden uns
um 4 Uhr dem Süd-Ostende von Loboan besar gegenüber, aus deren
Pflanzendecke zunächst über dem Meere hier und da auch noch ein rother
Boden hindurchschimmerte, -- und sahen ringsherum fast überall nur
Küsten mit ~hohem~ Wald.

Wir näherten uns nämlich dem Ausgange der Straße, welche von Süd nach
Nord zwischen der westlichen oder links liegenden Insel Batang und der
östlichen oder rechts liegenden Insel Bintang hindurch führt, und welche
kaum 3 geographische Minuten breit ist. Kleine Inseln liegen hier vor
den Küsten der größern und vor den kleinen liegen noch kleinere und alle
zusammen mit ihren schmalen, oft nur flußähnlichen, geschlängelten und
einander durchkreuzenden Durchgängen bilden ein so geheimnißvolles, kaum
zu entwirrendes Labyrinth von Kanälen zwischen düstern und einander so
sehr gleichenden, menschenleeren Waldküsten, daß die Eingebornen von
andern benachbarten Inseln selbst, wenn sie durch diese Straßen schiffen
oder rudern, Signale an den Ufern setzen oder an hohen Bäumen befestigen
müssen, um sich nicht zu verirren und eine Insel wieder zu erkennen!

So fuhren wir zwischen den Waldinseln auf stiller See wie zwischen den
beiderseitigen Ufern eines breiten Flusses dahin und kamen besonders der
Küste von Bintang (auf unsrer Ostseite) oft bis auf einen Gewehrschuß
nahe, so daß wir alle Bäume zählen konnten, die sich einwärts von dem
bräunlich-falben Strande erhoben. Casuarinen waren auch unter diesen
nicht selten.

Erst gegen halb sechs Uhr wurde die Straße breiter, die seitlichen
Küsten traten mehr und mehr zurück, und bald hatten wir in der
Abenddämmerung weiter nach West-Nord-West dampfend, den Genuß, die
Süd-Ostecke der malaischen Halbinsel als ein mäßig hohes Land vor uns
auftauchen zu sehen. Wir hatten also die südlichste Spitze des großen
asiatischen Continents vor uns und begrüßten den Anblick von Kap
Remunia.[5]

Es war ein schöner stiller Abend. Die See war so ruhig wie der Spiegel
eines Binnensees und die Luft war warm, doch eher angenehm als drückend.
Die Natur um uns her zwischen diesen Wäldern war friedlich; sie dämmerte
in ~menschenleerer~ Stille. Das Meer erweiterte sich allmählig wieder
und wir fuhren im Halblichte dahin, das die Sterne und die Mondessichel
aus dem klaren Azur des tropischen Himmels auf uns herabgossen und das
zwischen ~diesen~ Umgebungen doppelt zauberisch war.

Indem wir durch den narcotischen Reiz der Abendlandschaft
unwiderstehlich hingerissen nach den Sternen dort ~oben~ blickten und
unser Schiff Etna nach West-Nord-West zu immer weiter dampfte, -- da
erschienen auch eine Menge Sterne tief am Horizont, -- mehr und mehr
solcher leuchtender Punkte tauchten vor uns auf, -- bald bildeten sie
eine lange Reihe von Lichtern neben einander, -- dunkele Körper, wie der
Rumpf großer Schiffe zeichneten sich in Umriß von ihnen ab, -- die Scene
belebte sich, -- Menschenfleiß mit seinen Werken fing an die waldigen
und wässerigen Öden zu ersetzen -- und auf unserm Schiff erscholl das
Commando: -- «_halve kracht_,» -- «_stop_,» -- «_laat vallen het
anker!_» -- -- Es war 9 Uhr und wir hatten die Anker auf der Rhede vor
der Stadt Singapur geworfen, deren Lage in einem Halbmond entlang des
Strandes nur jene lange Reihe von Lichtern bezeichnete.

Wir waren am 1sten September schon früh munter an Bord und standen auf
dem Verdeck, um den Anbruch des Tages zu erwarten. Es war Neugierde,
endlich selbst einmal die berühmte Stadt zu sehen, die sich seit 1819 in
so kurzer Zeit zum Hauptstapelplatz des Handels zwischen Britisch Indien
und China erhoben hatte, welche uns so frühzeitig weckte.

Es dauerte nicht lange, -- die Schöpfung von Sir St. Raffles lag vor
uns in Nord-West, und die aufgehende Sonne warf ihre ersten Strahlen
auf das zierlich-schöne Bild der Stadt, die, in ihrer ganzen
halbmondförmigen Ausdehnung nach uns ihre Front zukehrte. Wir sahen
fast lauter zweistöckige Häuser, von denen einige weiß, andere
gelblich angestrichen waren; -- hübsche Wohngebäude mit Balconen oder
Estraden, die auf Säulen ruhn, -- kleine zierliche Paläste, -- zwei
Kirchen mit kleinen Thürmchen, -- Packhäuser mit Bogengängen
dichtgedrängt, -- reihten sich an einander und bildeten eine lang
hingedehnte Gruppe, die sich unmittelbar auf dem halbmondförmigen
Strande zu erheben schien. Dazwischen blickte einiges, doch sparsames
Grün von Frucht- und Zierbäumen hervor und sanft gerundete Hügel
erhoben sich im Hintergrunde, von denen viele ebenfalls mit Gebäuden
bedeckt waren; dazu gehört namentlich der nächste gerundete Hügel
nord-westwärts hinter der Stadt, die er beherrscht, -- _Government-hill_
genannt, weil er die Wohnung des Gouverneurs mit dem Telegraphen trägt.

Von den schattig-kühlen Fruchtbäumen java'scher Dörfer und den Tausenden
von Kokospalmen, deren Wipfel dort aus den Gewölben der Laubbäume
hervorragt, war Nichts zu sehen, die Pflanzennatur in und um Singapur
war kahler, baumleerer; aber eben darum hatte der Ort ein viel mehr
städtisches, europäisches Ansehen, als das fast überall in
Fruchtbaumwaldungen versteckte Batavia.

Bald kamen eine Menge Kähne (_tambangan's_) zu uns herangerudert und
umschwärmten unser Schiff mit wiederholten, laut ausgeschrienen
Anerbietungen, um die Passagiere und unsere Bagage an's Land zu bringen.
Einige wurden von Malaien gerudert, andere, die kein Steuer hatten, von
Chinesen und in diesen saß jederzeit nur ~ein~ Ruderer, -- die mehrsten
aber wurden von Kalinganesen und Bengalesen regiert und diese waren es
auch, die es an Zudringlichkeit allen Andern zuvorthaten. -- Sie kamen
an Bord, warfen, ohne viel zu fragen, Stücke Bagage, deren sie habhaft
werden konnten, in ihre Böte und waren dann, wenn sie glaubten, den
Passagier in ihrer Gewalt zu haben, unverschämt genug, einen Dollar
(spanische Matte) für die kurze Überfahrt zu fordern, die nur einige
Minuten dauert und nicht mehr als einen halben, höchstens einen Gulden
kostet.

An's Land gestiegen und auf der schmalen, etwa 10 Fuß über dem Meere
liegenden Küstenfläche angekommen, befindet man sich unmittelbar
gegenüber dem «_London Hôtel_,» das aus zwei hübschen Gebäuden
nebeneinander (zu zwei Vertiefungen) besteht und etwa 2--300 Fuß von der
Küste entfernt liegt. -- Da hier fast alle Reisende, die mit
Landmailschiffen ankommen, einzukehren pflegen, so ist es besonders
während der Zeit, zu welcher diese Schiffe auf der Rhede liegen, als
auch in der Zwischenzeit der Ankunft zweier einander ablösender,
correspondirender Schiffe, von Passagieren überfüllt. (Diese Bemerkung
gilt auch von allen andern Hotels zwischen hier und Alexandrien.) Das
Logis, worin begriffen ist ein Zimmer mit einem guten Bett und sehr
schlechter Bedienung, Kost an _table d'hôte_, nämlich Frühstück um 9,
_Tiffet_ um 12, _Diner_ um 4-1/2 Uhr, -- kostete hier täglich 3 Dollar.

Ich blieb acht Tage (vom 1sten bis mit 8ten September) zu Singapur,
nämlich in Erwartung des Dampfschiffes, das die Reise von China über
Singapur bis Ceylon zu vollbringen bestimmt war. Es war der _Landmail
Steamer Braganza_ und wurde täglich erwartet. -- Den 5ten kam ein
Dampfschiff der Landmail von Ceylon an und brachte auch die für
Niederländisch Indien bestimmten, etwa in ein Dutzend Kisten gepackten
Zeitungen und Briefe mit. Nachdem diese vom Etna in Empfang genommen
waren, fuhr dieser den 7ten Sept. des Morgens früh wieder ab, um nach
Batavia zurückzukehren und ich sagte den Offizieren (den Herren de Jong
und de Graaf) für die freundliche Bewirthung an Bord, ein dankbares
Lebewohl. -- Erst den 8ten Sept. Vormittags kam die Braganza von Kanton
an.

Wenn man als Fremder durch die Straßen von Singapur wandelt, so ist man
verwundert, fast keine andern Farben zu erblicken, als das bleiche
~Gelb~ der Häuser (die zweistöckig und meistens eng an einander gebaut
sind) und das ~Bolusroth~ der Straßen, deren Staub auch an den
gelblichen Wänden der Gebäude sichtbar wird. Nur hier und da wird das
Auge erquickt von dem Grün lebender Hecken von Schlingpflanzen, die oft
bis zur zweiten Etage der Häuser hinanreichen. -- Übrigens hat Alles ein
mehr europäisches, städtisches Ansehen, als in den Küstenplätzen von
Java.

Am rechten Ufer des schlammigen Flusses von Singapur (süd- und
süd-westwärts von der übrigen Stadt) liegen außer den Packhäusern und
den Bureaux der europäischen Kaufleute, hauptsächlich die eng
aneinandergedrängten Wohnungen der ~Chinesen~ (chinesischer _Kampong_),
die vielleicht den größten Theil der eigentlichen Stadt einnehmen, von
denen aber viele ein sehr verfallenes Ansehn haben.

Eines Besuches werth sind außerdem: der prächtig verzierte chinesische
Tempel, -- der Tempel der Hindu's und der _Government-hill_, von dessen
flachgerundetem Scheitel man eine belehrende und schöne Aussicht über
Rhede und Stadt und über die angrenzenden Gegenden des Innern der Insel
genießt. -- Von den Ruinen auf der Nord-Westseite dieses Berges, die
nach Crawfurd aus den Zeiten abstammen sollen, in welchen der König Sri
Iskander Shah (in der ersten Hälfte des 13ten Jahrhunderts[6]) über
Singapur regierte, sind wenig mehr als noch einige Terrassen und
Sandsteinblöcke zu sehen, ohne Inschriften und ohne Sculptur.

So weit man vom Scheitel des _Government-hill_ sehen kann, besteht das
Innere der Insel aus bald mehr gerundeten, bald flacher ausgebreiteten
1-1/2--3 Hundert Fuß hohen Hügeln, die sich einer an den andern reihen
und dadurch ein wellenförmiges, labyrinthisch-unebenes Ganzes bilden,
das einwärts, in größerer Entfernung von der Stadt auch waldiger wird,
auf dessen näher gelegenen Anhöhen aber man noch eine Menge kleiner, oft
zierlicher, europäischer Wohnungen, hier und da zerstreut, erblickt.
Diese nähern Theile der Insel sind ziemlich kahl, weder mit
Anpflanzungen, noch mit eigentlichen Wäldern bedeckt, sondern nur mit
Graswuchs und vereinzeltem Gebüsch bekleidet. Wie bekannt, wird auf
Singapur, so wie auf den benachbarten Inseln (Bintang, Rio u. a.)
besonders der ~Gambir~-strauch (_Nauclea Gambir_, _Unkara_ der Malaier)
cultivirt, wovon das mit dem _Siri_- (_Betel_-) Blatt gekaute, bittere
Gummiharz _Gambir_ kommt (in Europa mehr noch unter dem Namen _Terra
japonica_, _Catechu_ bekannt); aber auch von diesem Culturgewächs habe
ich in der Nähe der Stadt nichts gesehen.

Die Wege in und in der Nähe der Stadt sind gut und bestehen aus klein
geschlagenem, fein und festgestampftem Thoneisenstein, der
bräunlich-roth und gepulvert fast roth aussieht; das allgemein
gebräuchliche Transportmittel sind Palankin's, die auf vier Rädern
ruhn, von einem Pferd gezogen werden und einen Dollar täglich kosten.
Der stets bengalische Fuhrmann «_Zeis_» sitzt auf keinem Wolkenthrone,
wie Zeus, nicht einmal auf einem Bocke (denn einen solchen hat das
Fuhrwerk nicht) sondern läuft ~neben~ her und hört nicht, wenn ihm der
eingeschlossene Reisende zuruft, still zu halten. -- Er bringt seine
Pflegebefohlenen daher, _nolens volens_, ohne Anhalten an die einmal
angegebene ~letzte~ (endliche) Bestimmung der Fahrt. Diese ringsum
geschlossenen, viereckigen Kasten stehn weit hinter den eleganten, mit
ledernen Niederschlägen versehenen und von zwei Pferden gezogenen
Miethwagen Batavia's zurück, in denen man schneller und bequemer reist.

Von öffentlichen Vergnügungs- und Versammlungsorten Singapur's weiß ich
nichts zu sagen, ich glaube auch nicht, daß es deren giebt, oder man
müßte die Spielhäuser der Chinesen dahin rechnen, -- die Kegelbahn der
deutschen Kaufleute (deren Zahl hier 13 beträgt) -- und die
Regimentsmusik der Sipoy's, die sich jeden Freitag, des Abends von 5-1/2
bis 7-1/2 Uhr, auf dem offenen Platze zwischen dem Strande und dem
_London Hôtel_ hören läßt. Da sowohl der erste als der letzte Tag meines
Aufenthaltes auf Singapur ein Freitag war (der 1ste und 8te Sept.) so
hatte ich zweimal Gelegenheit diese Musik zu hören. -- Die Sipoy's mit
ihren schwarzbraunen Gesichtern, ihrer weißen Kleidung und rothen Kragen
kommen um die bestimmte Zeit, schaaren sich im Kreis und spielen von
einem deutschen Kapellmeister in Civilkleidung dirigirt, meistens alte
beliebte Stücke, Märsche, Symphonien, die sie gut ausführen, wenigstens
ungleich besser, als die Chöre java'scher Musikanten, denen man hier und
da auf Java das Spielen europäischer Instrumente gelehrt hat.

Dieses ist auf Singapur der Ort und die Zeit, wo die gebildete (schöne
und nichtschöne) Welt zusammenkommt, -- zu Fuß, zu Pferd oder in
Palankin's, deren Pferd dann, so lange die Musik dauert, ausgespannt
wird, -- wo Kaufleute und Freunde einander treffen, wo Bekanntschaften
mit Fremden angeknüpft und wo auch wohl noch zartere _Rendez-vous_
gehalten werden. Wenn nach Untergang der Sonne die Dunkelheit zu sehr
zugenommen hat (um die ~Noten~ sehn zu können) -- dann wird bei
Laternenlicht gespielt, und es ist ein eigenthümlich angenehmes
Schauspiel zu sehen, wie in der erfrischenden Abendkühle, bei
Sternenlicht oben, und Laternenschein unten, -- Menschen der
verschiedensten Art durch einander wimmeln, wie Privatpersonen, Beamte,
Offiziere, elegante Damen, Kaufmänner und Seeleute in buntem Gewühl den
engen Kreis der Musici umfluthen oder sich in Gruppen rund um den
schönen Inhalt (in seidnen Gewändern) mancher Palankin's schaaren -- und
wie um diese europäische elegante Welt weiter außen noch Hunderte von
Chinesen, Bengalesen, Arabern, Javanen und Malaien herumziehn, alle
vergnügt und still genießend, -- während die harmonischen Klänge der
Musik im weiten Concertsaale verhallen, den keine andren Wände als
Himmel und Meer verengen.

Den ~geologischen Bau~ der Insel habe ich nur in den Gegenden kennen
gelernt, welche dem Strande am nächsten liegen und welche ich bis zu 5
engl. Meilen Abstand von der Küste nach West- und Nord-West durchkreuzt
habe. In diesen flachhügligen Gegenden der Insel habe ich nur
sedimentäre, unter verschiedenen Winkeln, oft steil, einfallende
Schichten gefunden, nämlich von Mergeln, von Thon, von Sandsteinen und
auch von gröbern Conglomeraten. Vorherrschend ist hier ein fester,
meistens feiner, quarziger, weißer, zuweilen auch rother, nämlich durch
Eisenoxyd gefärbter und verkitteter ~Sandstein~, aus dem auch
hauptsächlich der _Government-hill_ hinter der Stadt besteht. Zwischen
solchen Schichten kommen häufig sehr mächtige Lagen von ~Thoneisenstein~
vor, der unter andern auf der Nordseite des genannten Berges in Tagebau
gebrochen und in Stückchen zerschlagen zur Belegung und Ausbesserung der
Wege benutzt wird. Nachdem er auf diesen Wegen allmählig fein gestampft
und gefahren ist, wird er zu einer ziemlich festen, harten Masse. -- Der
Boden in der kleinen Bucht, die sich südwärts vom genannten Berge in's
Land hineinzieht, und die zwischen sumpfigen Ufern der Fluß durchströmt,
ist Alluvialgrund. -- Nach Colebrooke sollen diese Schichten einer
~Secundär~formation angehören. Er theilt keine Versteinerungen daraus
mit. Ich habe zwar auch keine darin finden können, da aber die
sedimentären Bildungen, die ich auf Sumatra (in den Batta-Landen, also
ziemlich in derselben Breite mit Singapur) kenne, eben so wie die
kohlenhaltenden auf Borneo ~tertiäre~ sind und da die große neptunische
Formation auf Java, aus der ich viele ~Hunderte~ versteinerte Conchylien
und andere Thiere gesammelt habe,[7] ebenfalls eine ~tertiäre~ ist, so
habe ich Ursache zu vermuthen, daß auch die Gesteinschichten von
Singapur und dessen nachbarlichen Inseln keinem ältern, als dem
~Tertiär~gebirge angehören, zumal da sie in petrographischer Hinsicht
der java'schen Formation in manchen Gegenden vollkommen gleichen. -- Es
scheint, daß ältere als tertiäre Gebirgsformationen erst weiter in
Norden (in der malaischen Halbinsel und in Britisch Indien) vorkommen,
wo auch größere Massen von Granit- und Syenitgebirgen auftreten, welche
auf Java nur in vereinzelten und sehr beschränkten Punkten (der obersten
Spitze von Gängen) bis zur jetzigen Oberfläche des Landes gelangt sind.

Wer etwas mehr über Singapur zu wissen wünscht, der lese außer vielen
Aufsätzen verschiedener Art im _Singapore Chronicle_ und der _Hist. of
the Indian Archip._ von J. Crawfurd, dessen _Descr. and History of
Singapore_, in seinem _Journal of an Embassy to the Courts of Siam and
Cochinchina, 1828, Ch. XIV, p. 529 etc._ --, dann (über die
Naturbeschaffenheit überhaupt) _G. ~Finlayson~, Journal of the Mission
to Siam and Hué, London 1826, 8, p. 78 etc._ --, und (über die
geologische Beschaffenheit in's Besondre) _H. T. ~Colebrooke~, Notice
respecting the Rocks of the Island of Penang and Singapore_, in den
_Transact. of the Geol. Soc. Sec. Ser. 1822, 4. vol. I, p. 165
etc._ -- Auch kommen in den _Transact. of the Royal Asiatic Society_,
z. B. im Anhang zu _vol. I_, Nachrichten über das Klima vor. -- Ferner
_~Newbold~, Political and statistical account of the British settlements
in the straits of Malacca 1839_. -- Nach dem _Singapore Chronicle_
betrug die Population in 1841: 35,400 Seelen, wovon die Hälfte Chinesen
waren.

Nachdem ich meine Bagage schon am Morgen früh auf die Braganza befördert
hatte, begab ich mich am 9ten Sept. um die Mittagsstunde selbst an Bord
dieses Dampfers und verließ Singapur mit der Überzeugung, daß es sowohl
in Schönheit der Natur, als in Größe und Pracht der Menschenwerke eben
so weit hinter Batavia zurücksteht, als es von letztgenannter Stadt an
Regsamkeit menschlichen Verkehrs und Treibens übertroffen wird. Nur die
häufige Ankunft von Dampfschiffen, seitdem die Landpost besteht und die
Druckpresse mögen hiervon eine Ausnahme machen. Doch war der Eindruck,
den das freundliche Städtchen in mir hinterließ, ein recht
angenehmer, -- auch hatte ich von verschiedenen Kaufleuten, besonders
von Herrn ~Rautenberg~ daselbst, eine sehr hülfreiche, gefällige
Behandlung genossen und es war mit einem Gefühle aufrichtiger
Erkenntlichkeit, als ich meinen neuen Freunden Lebewohl! sagte.

An Bord des Schiffes bekümmerte sich um mich eben so wenig Jemand, als
dies in der Stadt Singapur ~oder~ im Hotel bei meiner Ankunft daselbst
der Fall gewesen war, -- keinem Menschen fiel es ein, nach meinem Paß
oder nach meinem Namen zu fragen, -- ~diese~ Waare galt hier
nicht, -- ein Jeder war ~scheinbar~ vollkommen frei; -- die Matrosen
packten meine Kisten auf, ohne erst zu fragen: von wem -- von wo -- oder
wohin? -- sie warfen dieselben ohne Weiteres in den Schiffsraum und erst
als das Schiff schon in Bewegung und auf der Abreise begriffen war,
wurden den Passagieren ihre Hütten (_Cabin's_[8]) angewiesen und ihnen
die Quittungen für die zu Singapur (im _Landmail-office_) bezahlten
Passagegelder abgefordert. Also -- Geld ~allein~ war hier ein gültiger
Paß. -- Ein andres Dampfschiff, dessen Verdeck vollgepfropft von
Menschen war, kam eben an, fast in demselben Augenblicke, als wir die
Rhede (es war um 2-1/4 Uhr) verließen. Die Kühle der See und der
Luftzug, dem wir durch das schnelle Dahingleiten unseres Kieles durch
die Wogen bloßgestellt waren, that uns wohl, denn die Sonne brannte warm
und es war heiteres Wetter, eben solches, als an allen vorigen Tagen
meines Aufenthaltes zu Singapur geherrscht hatte. Nur den 6ten Sept. von
4 Uhr des Morgens an hatte ein stürmischer West-Süd-Westwind geweht,
welcher Regengestöber vor sich hertrieb, sich aber schon um die
Mittagsstunde wieder legte.

Ich warf noch einen letzten Blick auf die freundliche Stadt, die
perspectivisch kleiner wurde, -- ich dachte an die Veränderungen in der
Schifffahrt seit der Zeit, als im Jahre 1160 unter Turi Buwana die Insel
Singapur zuerst bevölkert wurde, und -- ließ mich dahin führen durch
den, nur von unsern Schiffsrädern bewegten Spiegel der See, dessen weite
Flächen mit ihren Inseln für mich (und vielleicht auch noch für Andre)
eine _terra incognita_ waren.


Einschaltung.

Ehe ich weiter erzähle, will ich hier eine Übersicht der Passagekosten
für die Reise mit der englischen Landmail in 1848 folgen lassen, die
vielleicht manchem Leser erwünscht ist. -- Von Batavia bis Singapur kann
man nur gelegentlich mit einem Segelschiff gelangen oder durch
Begünstigung des Kommandanten der Indischen Seemacht mit einem
Kriegsdampfer der Kolonialen (_Nêêrlandsch-Indischen_) Marine, der
zwischen dem 26sten und 28sten eines jeden Monats zur Überbringung und
Abholung der Packete für die Landmail die Reise nach Singapur und zurück
macht. Natürlich wird auf Kriegsschiffen keine Passage bezahlt. Auch
kann man nur durch Begünstigung der Offiziere Platz nehmen an deren
Tafel, wofür der Begünstigte 5 Fl. per Tag in die Menagekasse einzahlt.
Die Reise nach Singapur dauert gewöhnlich 4 Tage.

Wenn man von Singapur direkt nach England (Southampton) Passage nimmt,
so werden 71 Pfund, nämlich die Hälfte der ganzen Fracht vorausbezahlt.
Will man sich nicht bis England verbinden, so ist der Frachtpreis höher
und kann nur bis Suez und von dort wieder bis Alexandrien bezahlt
werden. -- Nach dem Tarif sind 300 Pf. Bagage frei, von welcher kein
Stück schwerer als 80 Pf. sein darf, jede 100 Pf. mehr sollen mit 3 Pf.
St. bezahlt werden; ich habe jedoch nicht gesehen, daß Kisten der
Passagiere jemals gewogen wurden und ich hatte mehr als 500 Pf. bei mir,
ohne daß sich Jemand darum bekümmerte.

Was das coursive Geld betrifft, so waren damals auf Batavia silberne
Gulden nicht zu bekommen und die Recepisse waren außerhalb Java nicht
gewillt. Guineen (_Sovereing's_) waren auch nicht oder nur sehr wenige
zu haben. Deßhalb hatte ich zu Batavia Willem's d'or eingekauft, das
Stück für 12-1/2 Gulden Recepis und Dukaten, das Stück für 7 Guld.
Recepis. -- Dieses holländische Goldgeld (sonst auf der ganzen Reise für
den vollen europäischen Werth beliebt,) wurde aber am _Landmail-office_
zu Singapur nicht angenommen und mußte bei Chinesen umgewechselt werden,
der Dukaten für 2,25 und der Willem's d'or für 3,80 Dollar.

  =========================================================================
               ~Reise.~                   |     ~Passagekosten~
  (Unter Passage wird auch jederzeit      |   für Passagiere erster Klasse.
  die Beköstigung mit verstanden, sowohl  |--------------------------------
  an Bord der Seeschiffe als durch die    | _Pound_   |         | In holl.
  Wüste und an Bord der Flußdampfschiffe  |_Sterling._| Dollars.| silb. Fl.
  auf dem Nil.)                           |           |         | nach
                                          |           |         | europ.
                                          |           |         | Cours
  =========================================================================
  Von Singapur bis England (Southampton)  |           |         |
  die Reise durch Egypten                 |           |         |
  mitgerechnet                            |    142    |  681,60 |    1704
                                          |           |         |
  Von Singapur bis Suez                   |    105    |  506,00 |    1260
                                          |           |         |
  Von Suez bis Alexandrien. (Man          |_en 8 Sh._ |         |
  kann nach Belieben in Cairo bleiben     |           |         |
  und die Ankunft einer folgenden oder    |           |         |
  nachfolgenden Mail abwarten; das        |           |         |
  bezahlte Passagebillet bis Alexandrien  |           |         |
  bleibt so lange gültig.)                |     12    |   57,60 |     144
                                          |           |         |
  Von Alexandrien bis Triest (wo 1848     |           |         |
  keine Quarantaine gehalten wurde.       |           |         |
  Mit österreich. Lloyd'sdampfern)        |     18    |   86,40 |     216
                                          |           |         |
  Von Alexandrien bis Marseille (wo       |           |         |
  zehn Tage Quarantaine gehalten          |           |         |
  wurde) 580 Francs                       |     23    |  111,00 |     249
                                          |           |         |
  Von Alexandrien bis Southampton,        |_en 4 Sh._ |         |
  (wo keine Quarant. gehalten wurde)      |     40    |  192,00 |     480
                                          |           |         |
  Also von Singapur bis Triest            |           |         |    1620

Was den Aufenthalt in den Zwischenstationen betrifft, so bezahlt man in
den ersten Hotels für Logis und Kost per Tag zu

    ~Batavia~ 5 Gulden, -- für einen Miethwagen halbtäglich 3 Gulden.

    ~Singapur~ 3 Dollar, -- für einen Miethwagen täglich einen Dollar.
    Wenn man von Batavia kommt, so muß man wenigstens 3, oft 8 Tage auf
    das Dampfschiff aus China warten.

    ~Pulu Penang~, der Aufenthalt dauert selten länger als 12 Stunden.

    ~Point de Galle~, gewöhnlich nur 6--12 Stunden.

    ~Aden~, gewöhnlich nur 12 Stunden, wie auf den vorigen Stationen,
    nicht länger als nöthig ist, um Kohlen einzunehmen.

    ~Suez~, 4--12 Stunden.

    ~Cairo~, in Hotel d'Orient 10 Francs, ein Wagen für nur eine Fahrt
    15, ein Bad 3 Francs, ein gesattelter Esel einige Sous. Wenn man,
    ohne in Egypten zu bleiben, nach Alexandrien durchreisen will, so
    dauert der Aufenthalt 1--1-1/2 Tage.

    ~Alexandrien~, Aufenthalt 1/2--1 Tag.

    ~Malta~, 2 Tage.

    ~Gibraltar~, 3--4 Stunden. (Auf den Schiffen und in den Poststationen
    der Landmail ist unter Kost auch Wein und Bier begriffen, -- in
    den Hotels nicht.)

       *       *       *       *       *

Unser Cours ging von der Rhede von Singapur aus zuerst nach
Süd-Süd-West. -- Wir fuhren ganz nahe an den kleinen (und oft sehr
kleinen) Inseln vorbei, die in Süden von Singapur liegen und kamen ihnen
zuweilen so nahe, daß man sie mit einem Büchsenschuß hätte erreichen
können; sie alle hatten eine hüglige Beschaffenheit und waren mit vielen
Bergschlipfen an den steilen Ufergehängen und hier und da mit einem
hellern (gelblich-falben) sandigen Küstensaume versehen, auch waren
alle, wenn auch nur dürftig bewaldet. -- Die Stadt in Norden und die
Küste von Malaka hinter ihr (in Nord-Ost), trat immer weiter zurück und
verschwand vor unsern Augen hinter den vordern Inseln, sobald wir
west-süd-westlich steuerten; nun lagen auch links von uns ferne Ufer,
auf der rechten Seite aber traten in frappanter Nähe immer neue Inseln
zum Vorschein, die alle aus niedrigen Hügeln, kleinen Bergzügen oder aus
flach gewordenem Hügelland bestanden, während manche nur ~ein~ einziger
Hügel waren.

Die kahlen Erdschlipfe an den steilern Ufergehängen zogen meine
Aufmerksamkeit auf sich, sie schimmerten bräunlich hell durch die
dürftige Vegetation, durch die Sträucher und struppigen Bäume, die auf
dem Grasgrunde zerstreut standen und erinnerten mich an die helle Farbe
der Gesteine unsrer java'schen Tertiärformation.

Abends dampften wir west-nord-westwärts und näherten uns immer mehr der
Insel Kerman, die links vor uns lag und die viel gebirgig-höher, als
andere, war, die wir seit unsrer Abreise von Java gesehen hatten; zur
Rechten zog sich eine niedrige, flache Waldküste in unabsehbarer Länge
hin, es war der Küstensaum der malai'schen Halbinsel, die unserm in die
Ferne schweifenden Auge hier nur ~ein~, zwar langgezogenes, aber doch
isolirtes Gebirge vorzuzeigen hatte.

Also -- ~unaufhörlich~ waren uns seit unsrer Abreise von Batavia
~Inseln~ erschienen, größere, kleinere und kleinste, -- alle waren nur
~ein~ Wald, unbewohnt und ihrer Natur nach unbekannt; -- doch sind alle
nur ein kleiner Theil des Indischen Archipels, und der Indische Archipel
selbst ist nur ein kleiner Theil der Erde; -- wie groß ist nicht auf
derselben das Feld der Entdeckungen! -- wie viel Jahrtausende werden
wohl vergehen, bis diese den Forschungen der Naturkundigen und
Geographen ~nichts~ Unbekanntes mehr zu bieten hat?

Wir befanden uns am 10ten Sept. des Morgens früh der Küste von Malaka
gegenüber, welcher auch wieder eine Menge kleiner und kleinste Inseln
vorlagen, von denen keine flach, sondern die meisten mäßig hoch und
einige selbst sehr hoch und steil waren, -- auf dem Festlande selbst
erschienen zwei, zwar isolirte, aber nicht kegelförmige Gebirge, von
denen das eine südliche um 6-1/2 Uhr nord-nord-ostwärts, nämlich zur
Rechten vor uns lag, während wir west-nord-westwärts dampften, -- das
andere, weiter vorn gelegene aber in Nord-West. -- Ich schätzte ihre
Höhe auf 6000 Fuß. -- Sie schienen durch ein flaches niedriges Land von
einander getrennt zu sein, dem kleine isolirte Hügel sowohl als ganze
Hügelzüge ein unebenes, gebirgig-höckeriges Vorkommen gaben, nicht
unähnlich vielen Maulwurfshügeln, die man auf einer niedrigen Fläche
umher zerstreut. -- Links, auf der Seite von Sumatra war kein Land
sichtbar.

Um 7-1/2 Uhr, (unser Cours war Nord-West zu West) befanden wir uns
gerade gegenüber jener Weltberühmten Stadt, die in 1511 der
portugiesische Seeheld ~Albuquerque~ eroberte, die 1-1/2 Jahrhunderte
später (in 1660) den siegreichen holländischen Waffen anheimfiel und die
in 1825 von den Niederländern an die Briten abgetreten wurde,[9] ich
meine die einst prächtige, üppige, große, nun aber Glanzverblichene und
halbverlassene ~Malaka~,[10] die uns freilich unsichtbar war, die aber
in der Richtung zwischen den genannten zwei Gebirgen und dem südlichen
viel näher nord-ost- zu nordwärts von uns, an der flachen Küste liegen
mußte; -- später wurden zwischen 8 und 10 Uhr, mehre eigentliche
Berg~ketten~ tief im Innern des Landes in wegschmelzender Bläue
sichtbar. Um 9 Uhr kamen wir bei einer Landecke vorbei, die aus einem
mäßig hohen Gebirgsrücken gebildet, weit zu uns in's Meer
hinausragte, -- und dann, während wir immer weiter nach Nord-West
dampften, wurde die Küste, die stets mit Waldung bedeckt blieb, wieder
niedrig und flach.

Um 3 Uhr Nachmittags war uns diese Waldküste ganz nahe und deutlich
sichtbar, sie zeigte nur ~einen~ isolirten, kegelförmigen Hügel, dem wir
um 4 Uhr (mit nord-west- zu westlichem Cours) quer gegenüber lagen,
links und rechts aber von diesem Hügel war Alles flach. -- Gegen Abend
waren wir einem vorspringenden Theile von ganz flachem niedrigem Lande
nahe gekommen, das von Zwischenräumen und eindringenden Meeresarmen
durchbrochen war und das wir deßhalb zunächst aus ~Inseln~
zusammengesetzt wähnten, welche der eben so flachen Küste der
malai'schen Halbinsel hier vorgelagert waren.

Am 11ten Sept. des Morgens früh erblickten wir links vor uns eine kleine
Hochinsel mit steilen Ufern, rechts mehre hohe Inseln und vorn nach der
rechten Hand noch mehre Gebirge und Gebirgszüge der Halbinsel selbst,
die sich in duftiger Bläue verloren.

Seit unsrer Abreise aus dem Freihafen von _Rafflesia_ (ich meine die
Stadt, gegründet vom Entdecker jener Riesenblüthe, welche der Botaniker
~Robert Brown~ ihm zu Ehren _Rafflesia_ nannte,) war keine Stunde
vergangen, in welcher wir nicht wenigstens ~ein~ Schiff gesehen hätten,
ja Einmal waren uns ein halbes Dutzend davon zugleich erschienen, alle
mit schwellenden Segeln, die durch die Straße von Malaka fuhren, »durch
diesen uralten Durchgang maritimer Civilisation«.[11] Ich glaube, daß
verhältnißmäßig manche Landstraßen in Europa weniger belebt sind von
Fuhrwerken, als dieses häufig besuchte Fahrwasser von Britisch Indien
nach China von Schiffen.

So begegneten wir um 10 Uhr wieder einer Fregatte, die in gerade
entgegengesetzter, in Beziehung auf uns querer Richtung steuerte, die
nämlich nach West zu Süd segelte, während wir nach Nord zu West
dampften; sie kreuzte also unsere Fahrt und brachte uns die große
Geschwindigkeit, womit ein Dampfschiff sich bewegt, recht handgreiflich
vor die Augen, so daß wir das Schiff nach einer Viertelstunde eben so
weit fast noch auf demselben Flecke hinter uns sahen, als wir es zuerst
vor uns erblickt hatten.

Auf der malai'schen Halbinsel nahmen wir rechts und vorn in blauer Ferne
abgebrochene Gebirgsketten wahr, die einen ungleichen, gezackten Saum
hatten und zwischen ihnen sahen wir Räume, in denen keine Berge lagen.

Wir hatten den ganzen heutigen Tag mehr oder weniger einen nördlichen
Cours beigehalten und erblickten um 3 Uhr, vor uns in Norden, den
ungleichen, mit Wolken bedeckten Saum einer hochgebirgigen Insel, die
unsere Schiffsleute als Insel (Pulu) Penang begrüßten und zu deren Seite
sich auch die (ebenfalls gebirgige) Küste der malai'schen Halbinsel
darstellte.

Wir rückten weiter nach Norden vor, die Inseln schwammen uns näher und
näher, sie wurden deutlicher und tauchten immer höher aus dem Meere
auf, -- wir zweifelten aber ihren Hafen heute noch zu erreichen; denn
wir befanden uns erst einer süd-westlichen Vorinsel von Pulu Penang
gegenüber, als schon die Sonne gesunken war und der volle Mond nun an
ihrer Statt den stillen Spiegel des Meeres beleuchtete, dessen Farbe
schon seit 5 Uhr immer grünlicher, heller geworden war. Wir fuhren in
der Richtung nach Norden so nahe an den Inseln, die zur Linken liegen
blieben, vorbei, daß man ihre felsig-steil aus dem Ocean emporstrebenden
Ufer mit einem Steinwurfe hätte erreichen können. -- Unser Blick haftete
auf diesen sonderbar gestalteten Land- und Bergkörpern, die zwischen dem
hellern Hintergrunde des Himmels und dem spiegelnden Vordergrunde des
Meeres, wie düstre Gespenster dalagen. Obgleich der Mond sein
Zauberlicht in wunderbarer Klarheit auf sie herabgoß, so konnten wir
doch nicht viel mehr, als die schroffen Umrisse dieser Inseln erkennen,
über deren wandartigen Felsgestaden, die etwas heller vom Mond
beleuchtet waren, sich oben die ganz schwarze Kappe düstrer Waldungen
hinzog.

So dampften wir langsam dahin, -- wir fuhren einem weiten Zwischenraume
zwischen zwei Inseln und darauf einem langhingezogenen Gebirgslande, die
beide zur Linken liegen blieben, vorbei, ließen aber, weil unsere
Offiziere die natürlichen Signale der Ufer nicht mehr zu erkennen
vermochten, um 7 Uhr die Anker fallen. -- Ein Paar Kanonenschüsse, die
wir thaten, verhallten unbeantwortet auf der Wasserfläche.

Da lagen wir nun einsam, ohne die geringste Bewegung, in einer,
wenigstens uns Passagieren unbekannten Bucht des Oceans. -- Der
Mondschein war so hell wie der Tag, -- die See war spiegelglatt, -- und
eben so wenig, wie sich ein Lüftchen regte in der Atmosphäre, eben so
wenig rührte sich ein Wassertropfen in dem wie erstarrten Meere. Wir
glaubten ringsum oder doch auf mehren Seiten von Bergesufern umgeben zu
sein; wir setzten daher eine Schaluppe aus, die in weiten Kreislinien
um das Schiff herumfuhr, um die Tiefe zu sondiren, und das sanfte
Dahingleiten dieser Schaluppe war die einzige Bewegung, -- die einzige
Spur von Leben, die weit umher im Wasser- und Luftraume zu entdecken
war.

Obgleich das Meer wegen seiner geringern Tiefe an sich selbst schon
grünlich und hell gefärbt war und außerdem noch der hellste Mondschein
von seinem Spiegel zurückgestrahlt wurde, so leuchtete das Wasser doch
bei jedem Ruderschlage und verbreitete ein höchst eigenthümliches,
grünliches Licht. -- Aber Alles war todtstill um uns her, -- wie
ausgestorben, und wir hätten glauben können, uns auf einem unbewohnten,
fernen Planeten zu befinden; -- weder an nahen, noch an fernen Küsten
war ein Lichtchen sichtbar, -- kein Vogel schrie, -- kein Laut eines
andern Thieres war vernehmbar; -- dort vor uns lag das dunkle starre
Land: ein lang hingezogener Rücken, -- hier der Silberspiegel des
Meeres, und oben stand der goldne Mond am tiefen, schweigsamen Himmel.

Die ganze Natur schlief und war bedeckt mit einem Schleier von so
friedsamer, so schöner und so erhabner Ruhe, -- daß ich mit Worten eben
so wenig im Stande bin, den Zauber, den sie athmete, auszudrücken, als
Einer, welcher der Noten unkundig ist, den harmonischen Klang einer
schönen Musik zu beschreiben vermag.

Nach einigen Stunden angestellter Untersuchungen war es dem Führer
unsres Schiffes gelungen, sich zu orientiren; -- wir lagen noch 12 oder
13 englische Meilen südwärts von dem Orte unserer nächsten Bestimmung
entfernt, setzten uns zwischen 9 und 10 Uhr wieder in Bewegung und
warfen noch vor Mitternacht unsre Anker auf der Rhede der Hauptstadt von
Pulu Penang.

Weil die Matrosen gleich vom Augenblick unsrer Ankunft an auf der Rhede
beschäftigt waren, einen neuen Vorrath von Steinkohlen einzunehmen, die
in schon bereit liegenden Prauen von Penang angebracht wurden, so war
das Schiff die ganze Nacht hindurch so voll Lärm und voll Thätigkeit,
daß die Erscheinung jenes einschläfernden Magnetiseurs, der kein
Geräusch liebt, bis spät in den Morgen von unserm Lager abgehalten
wurde.

Die Sonne war daher schon längst aufgegangen, als ich am 12ten Sept.
erwachte und -- neugierig auf das Verdeck eilte. Aber die Überraschung
war desto größer.

Da lachte mir unerwartet der allerfreundlichste Anblick eines schönen
Städtchens entgegen, das westwärts vom Schiff in frappanter Nähe vor mir
lag. Buschiges Grün um- und überschattete seine Gebäude und der bunte
Farbenschmelz der Häuser, hellerleuchtet von der Sonne, malte sich in
schroffem Contraste ab auf dem dunklen Hintergrunde des Waldgebirges,
das zu einer imposanten Höhe emporstieg. -- Es war seit meiner Abreise
von Java das Erstemal wieder, daß ich eine gebirgig-großartige und
zugleich schöne Natur in der Nähe erblickte.

Der unterste Streifen des Landes war ein kahler Sandstrand von heller,
bräunlich-grauer Farbe, -- dieser erhob sich zu einer etwa 10 Fuß hohen
Fläche, auf welcher man rechts das Fort und links die hellfarbigen
Gebäude der Stadt erblickte, die sich ungleich bebuschter, grüner, von
viel zahlreichern Fruchtbäumen und Gruppen von Kokospalmen beschattet,
als die von Singapur, darthaten.

Und jenseits der Stadt sah man gegen das steile Gehänge der Gebirgskette
an, die Penang von Süd nach Nord durchzieht und die fast den ganzen
Körper der Insel bildet. Da wir die schmale Zwischenfläche nicht sehen
konnten, so schien es, als erhöbe sie sich unmittelbar hinter der Stadt.
Ihre waldig-düstre Front stellte sich den Blicken in ihrer ganzen
Ausdehnung dar und man konnte deutlich die Schlangenlinien von zwei
Wegen unterscheiden, die an ihr hinanführten. Der nördlicher liegende
dieser Wege endete etwa in der halben Höhe der Wand an einem kleinen
Gebäude, das den Gipfel eines Vorberges oder einer vorspringenden Rippe
bedeckte, und das, an seiner weißen Farbe auf dem dunklen Waldesteppich
deutlich erkennbar, wie ein kleines Schloß von seiner Höh'
herabschaute; -- der zweite Weg schlängelte sich in der Richtung hinter
der Stadt hinan und konnte mit den Augen verfolgt werden bis dicht unter
den höchsten Saum des Gebirges, wo man auf einem Vorsprunge ein Häuschen
erblickte. Über diesem Häuschen sah man auf dem höchsten Saume (der
Firste der Kette) selbst zwischen noch mehren Gebäuden den Telegraph und
die Stange mit der britischen Flagge, welche hier 2000 Fuß hoch, und
weit hinaus in's Meer nach Ost und West sichtbar, in den Lüften
flatterte.

Von dieser Höhe herab, die von allen Seiten frei und nirgends von einer
andern dominirt ist, muß die Aussicht über das Gebirge, die Stadt und
die ganze Insel hinweg, bis weit in die malai'sche Halbinsel hinein,
oder in die Malakastraße hinaus, großartig sein.

Aber auch von unten erblickt, mit Augen, die hinauf sehen, gewähren
diese luftig-hohen Menschensitze einen romantischen, schönen
Anblick. -- Wenn ich die Physiognomie eines Flachlandes oder niedrigen
Hügellandes mit: -- »unbefriedigend, endlos, nirgends fesselnd,
wegschmelzend, -- Gemüthabstumpfend«, -- bezeichnen möchte, so sind
dagegen: -- »erhaben, anziehend, aufmunternd, Hoffnungerweckend und doch
auch wieder Sehnsuchtstillend, beruhigend, -- heimisch« -- die Worte,
die einigermaßen den Eindruck schildern, den jede große Gebirgsnatur
(wenigstens in mir) hervorruft. Dies war auch hier der Fall, mein Auge
wandte sich ungern vom Panorama ab und ich fühlte gewissermaßen: »nur im
Hochgebirge kann ich glücklich sein.«

Obgleich ich den obersten Kamm der Bergkette von Pulu Penang, die nur
einfach ist,[12] mehrmals mit Wolken umhüllt sah, so konnte ich seine
Höhe doch nicht für mehr als 2000 par. Fuß halten, weil auf dem höchsten
Punkte neben den Gebäuden noch Kokospalmen wuchsen, die man von der
Rhede aus eben so deutlich zu erkennen vermochte, wie die einzelnen
Wölbungen der Waldbäume auf der Firste überhaupt, -- und weil es bekannt
ist, daß sich rund um die Gipfel von Bergen, welche isolirt im Meere
liegen und mit Waldung bedeckt sind, schon in geringerer Höhe
Niederschläge bilden und Wolken bilden. Die große Steilheit des Gehänges
aber, bei großer Schmalheit der Küstenfläche, (der bedeutende
Gesichtswinkel, unter dem sich der Kamm des Gebirges darstellt,) ist
Ursache, daß man den Bergsaum für höher und entfernter hält.

Außer einigen hellgrünen, wahrscheinlich bebauten Flecken, durch die der
bräunliche Boden hindurchschimmerte, nämlich da, wo die Waldung gefällt
war, -- außer noch einigen andern, bräunlich-hellen Streifen, die man in
den Klüften, Bachrinnen, besonders des nördlichen Theils der Kette
bemerkte, und die wahrscheinlich von stattgehabten Bergschlipfen
verursacht waren, -- und außer dem langen, schmalen Strahle eines
Wasserfalles (Gießbaches) in derselben Gegend, war das dunkle Waldgrün
der Hauptkette nirgends unterbrochen.

So war die Aussicht, die sich uns von unserm Schiffe aus auf der
~West~seite darbot. Wir lagen der Insel am nächsten und zählten noch 20
größere und etwa eben so viel kleinere Schiffe, die weiter ostwärts auf
der Rhede zerstreut lagen.

Auf dieser ~Ost~seite erblickten wir die niedrige, flache Küste der
malai'schen Halbinsel, nämlich des Staates Queda, dessen König einen
kleinen, etwa 12 Stunden langen und ein Paar Stunden breiten Saum der
Küstenfläche, nämlich den Theil derselben, welcher der Insel Penang
gerade gegenüber liegt, an die Briten abgetreten hat. -- Obgleich viel
weiter von uns entfernt als Penang, lag diese Küste doch nahe genug, um
auf dem hellgefärbten, wahrscheinlich sandigen Strande die Casuarinen
deutlich von andern Bäumen unterscheiden zu können, namentlich von den
Kokospalmen, welche wie in regelmäßigen Reihen gepflanzt erschienen und,
ganze Wälder bildend, sich unabsehbar lang am Strande hinzogen.

So weit unser Blick der Küste entlang reichte, war das Land flach und
niedrig, wahrscheinlich alluvial, und erst in einer Entfernung von der
Küste, die wir auf 10--20 englische Meilen schätzten, waren Hügelzüge
sichtbar, hinter denen sich, noch weiter im Innern, etwa 20--30 engl.
Meilen entfernt, größere Bergketten erhoben. Auch einige hohe,
~isolirte~ Berge, die übrigens nicht kegelförmig und also wahrscheinlich
auch keine Vulkane waren, stellten sich unsern Blicken dar, ein näherer
in Osten und ein fernerer mehr nordwärts, die bis in die Wolken
reichten.

Nach eingezogenen Berichten soll dieser, den Briten unterworfene
Küstenstrich, der Penang zunächst gegenüberliegt, (und der auch wohl
~Wellesleyland~ genannt wird,) besonders gut bebaut und fruchtbar sein
und außer Kokospalmen und andern Fruchtbäumen, besonders viel ~Pfeffer~
produciren; wir konnten jedoch der Entfernung wegen keine bewohnten
Plätze, keine Hütten an seinem Gestade erkennen.

Die zutrauliche Nähe der Stadt von Pulu Penang aber, die auf unsrer
Westseite lag, munterte uns zu einem Besuche auf.

Ich setzte mich in einen der kleinen Kähne, deren Führer (theils
Chinesen, theils Bengalesen) sich anboten, die Passagiere für einen
halben Gulden an's nahe Land zu bringen.

Als ich in meinem Kahne dahin glitt, fing -- lauter ~Kanonendonner~ an,
meine Ankunft zu begrüßen.

Von ~zwölf Salutschüssen~ erbebte die Luft, während ich mich dem
Hafenkopfe näherte.

(Ich befürchte, daß mich einige Leser hier verdacht halten werden, meine
Reiseerzählung mit figurativem Kanonendonner ausgeschmückt zu
haben, -- ich kann aber in ~Ernst~ versichern, daß mir meine Ohren von
den Schüssen dröhnten; denn die sechs Kanonen, womit geschossen wurde,
standen ganz dicht am Strande, unter der Mauer der Festung, in deren
Nähe ich landen mußte. -- -- Um aber allen möglichen Zweifeln und
ungläubigem Kopfschütteln vorzubeugen, will ich lieber folgende
Erklärung ablegen. Ich bin nämlich der Meinung, daß auf der Rhede und in
der Stadt Pulu Penang Niemand war, der jene Ehrenschüsse auf ~mich~
bezogen hätte, -- am allerwenigsten war ~ich~ einer von denen, die das
thaten, ich vermuthete vielmehr, daß die 12 Pfund Pulver zu Ehren des
Gouverneurs von Singapur verschossen worden sind, welcher sich (in einer
etwas bessern Schaluppe, wie ich) gerade zu der Zeit an Bord eines
kleinen Dampfers begab, der bald darauf _via_ Singapur, die Rhede von
Penang verließ.)

Ich ~kam doch aber unter Kanonendonner an~, -- stieg die steinernen
Treppen des Hafenkopfes hinauf und zögerte nicht, mir so schnell wie
möglich einen Palankin[13] zu miethen, um in der kurzen Zeit, die mir
bis zur festgesetzten Abreise unseres Dampfers um 10 Uhr übrig blieb,
noch so viel wie möglich von der Stadt und ihren Umgebungen zu sehen.
(Denn, Leser! glaube mir, ich war weit entfernt, zu befürchten, daß man
bei meiner Rückkehr an Bord Salutschüsse für mich thun würde, -- ich war
sogar nahe daran zu vermuthen, daß das Schiff sich die Freiheit nehmen
würde, um 10 Uhr 0 Minuten ~ohne mich~ abzureisen, wenn ich mich um 9
Uhr 59 Minuten noch nicht an Bord befände.) Ich lebte hier sehr frei,
also auch sehr glücklich, denn Niemanden fiel es ein, mich zu belästigen
und Notiz von mir zu nehmen, außer dem Chines vom Kahne und dem Zeis vom
Palankin, die bezahlt sein wollten.

So viel ich von Penang gesehen oder durch Andre vernommen habe, ist die
Fläche, deren östliches (an die See grenzendes) Ende Stadt und Fort
trägt, die einzige Ebene auf der ganzen Insel. Sie besitzt von der Stadt
an nach Westen bis zum Fuße der Berge ihre größte Breite von etwa zwei
englischen Meilen, nimmt aber in Norden und in Süden der Stadt sehr
schnell an Breite ab. Sie hat nämlich fast die Form einer halben
Scheibe, deren größte Rundung nach Osten in's Meer vorspringt, deren
Basis aber dem Fuße der Bergkette angeheftet ist, so daß sich dieser Fuß
in den übrigen Gegenden der Insel (nordwärts und südwärts von dieser
vorgelagerten Fläche) ~unmittelbar~ und ohne Küstensaum aus dem Meere
erhebt. Wie der Kamm der Kette, so streckt auch der Fuß (die Küste der
Insel) im Allgemeinen von Süd nach Nord. -- Die Fläche scheint
vorzüglich aus einem hellen, bräunlich-grauen Sandgrunde zu bestehen und
erhebt sich von der Stadt an (wo ihre Höhe 10 Fuß betragen mag,) sehr
allmählig und unmerklich nach dem Fuße der Berge.

Die Stadt ist bedeutend kleiner als Singapur, hat aber viel Ähnlichkeit
mit dieser. In dem größten Theile derselben, besonders in dem, in
welchem die Inländer (Nichteuropäer) wohnen, sind die Häuser eben so eng
an einander gebaut, reihenförmig und bilden eben solche gerade Straßen,
die sich kreuzen, wie in Singapur.

Viele von den Häusern, und diese scheinen die ältern, zuerst erbauten zu
sein, in denen jetzt die ärmern Menschen wohnen, haben eine offene
Vorhalle zwischen viereckigen Säulen von Stein, welche den vordern
(vorspringenden) Theil des obern Stockes tragen. Auf den Säulen ruhen
nämlich quere Balken und auf diesen Balken ruht das Mauerwerk des obern
Stockes, gerade so wie es in einem großen Theile vom chinesischen
Kampong in Singapur der Fall ist. Und eben so wie dort, sind auch hier
zu Penang viele von diesen Querbalken in der Mitte schon gesenkt,
concav, den Einsturz drohend, ja man sieht, eben so wie in Singapur,
ganze Straßen, welche diese _facies hippocratica_ haben und doch noch
bewohnt sind.

Die Wege in und in den Umgebungen der Stadt sind gut, hart und eben,
nämlich mit Meeressand (Korallensand) belegt, der eine bräunlich-hellgraue
Farbe hat.

Der schönste Theil der Stadt aber ist der, welcher von der Küste am
weitesten absteht und die Wohnungen der (wohlhabendern) Europäer
enthält. Diese Wohnungen nämlich liegen mehr vereinzelt und zwischen
Gebüsch zerstreut und viele davon sind eine Zierde der kleinen,
umgrünten Plätze, in deren Mitte sie sich erheben. Auch einige kleine
Kirchen zeichnen sich auf solchen Plätzen aus. Die Zahl der Fruchtbäume,
die sich zwischen diesen Wohnungen oder Villen emporwölben, ist viel
größer, -- das Ganze ist viel belaubter, schattiger als zu Singapur und
das schöne Grün der Bäume, das mit dem hellen Sandboden lebhaft
absticht, giebt den Häuschen oder kleinen Palästen, die darin zerstreut
liegen, ein viel wohnlicheres, lieblicheres, einladenderes Ansehn, wie
dort. Auch bemerkt man, besonders an Wegen und Plätzen viele Casuarinen
unter den Bäumen.

Die kleinen Tempel der Chinesen, Bengalesen und andern Indischen
Nationen, nebst den M[)e]sigit's (Moskee'n) der Malaien und Araber, in
denen Mahomed für den ~einzig~ wahren Propheten gilt, -- sieht man hier
in nachbarlicher Eintracht zusammenstehn mit den Kirchen des Kreuzes. --

Nachdem ich die Stadt genugsam durchkreuzt und im, beiläufig gesagt,
sehr kleinen, kneipenartigen Hotel eine Tasse schlechten Kaffee
getrunken hatte, der aber, weil es am Lande war, mir und andern besser
schmeckte, als der gute Kaffee bei uns an Bord, warf ich mich wieder in
die Arme des Zeis vom Palankin, der mich zum Hafenkopfe, und des Kee's
(Chinesen) vom Kahne, der mich an Bord brachte, wo ich eben noch zur
rechten Zeit ankam, um die Spazierfahrt nach Europa mitzumachen.

Wir verließen die Rhede präcis um 10 Uhr (den 12ten September) des
Vormittags, gerade in dem Augenblicke, als ein Regenschauer vor der
Bergkette von Penang vorbeizog, während ringsum der heiterste
Sonnenschein glänzte, und fuhren nord- zu west-wärts zwischen Pulu
Penang und der Küste von Queda, natürlich der erstern viel näher, dahin.
Eine Viertelstunde später veränderten wir unsern Cours nach
Nord-Nord-West und erblickten nun von der Nordseite her den ~flachen~
Theil der Insel, den wir nun seiner Breite nach sahen und der sich von
hier aus nur wie ~ein~ einziger Wald von Kokospalmen darthat, von der
Küste an reichend bis dicht an den Fuß des Gebirges.

Als wir in dem grünlichen, untiefen Wasser der Malakastraße noch weiter
nach Norden gekommen waren, sahen wir die von vielen Kokospalmen
beschatteten Hütten eines Dorfes auf dem Strande stehn, welcher sich
schnell und steil zum Gebirge erhob. Die Wälder, welche dieses bedecken,
waren über dem Dorfe beträchtliche Strecken weit gelichtet und mit
Bäumen (vielleicht Muskatbäumen oder Pfefferstauden) in regelmäßigen
Reihen bepflanzt und in diesen gelichteten Gegenden des Gebirges war es,
wo wir eine Menge von Felsblöcken zu erkennen vermochten, die, von zum
Theil kolossaler Größe, am Gehänge herum zerstreut lagen und die in
einer weißlichen oder hellgrauen Farbe schimmerten. -- Auf der
malai'schen Halbinsel sahen wir ferne Gebirgsketten, die bis in die
Wolken reichten; ja diese Ketten, die später scheinbar zu isolirten
Bergen wurden, (weil die wenigen hohen Theile derselben, je weiter wir
uns von ihnen entfernten, immer weiter unter dem Meere verschwanden,)
waren, wenn auch nur schwach und tief im Horizonte, auch des Abends um 6
Uhr noch sichtbar, als wir uns schon in der Entfernung von beinahe einem
Längegrade von der Mitte von Penang und gewiß von 1-3/4 Graden von den
Bergen der Halbinsel selbst befanden. Ihre Höhe muß hiernach sehr
bedeutend sein und ~wenigstens~ 9000 Fuß betragen. Das vor ihnen
liegende Küstenland Queda's aber schien eine Breite von 30--40 engl.
Meilen zu haben und flach oder doch nur niedrig zu sein.

Es war zwischen 12 und 1 Uhr, als wir um das Nordende von Penang
herumbogen und nun mit ~west~lichem Cours in das immer dunkler werdende
Meer hineindampften. In demselben Maße, in welchem wir uns von ihr
entfernten, tauchte die Betelnußinsel[14] tiefer unter den
Horizont, -- ihr Ufersaum war schon um 1-1/2 Uhr nicht mehr
sichtbar, -- ihre Bergkette wurde niedriger, konnte aber deßhalb, in
ihrer Gesammtausdehnung, desto deutlicher übersehen werden.

Diese westliche (oceanische, pelagische) Seite von Pulu Penang, die der
Stadt mit ihrem Hafen entgegengesetzt ist, stellt sich schon den bloßen
Augen weit steiler als die östliche oder Landseite dar, sie steigt fast
ohne Strand unmittelbar aus dem Meere und ist, nach eingezogenen
Berichten, vom Meere aus unzugänglich, ohne Ankerplatz und fast ganz
unbewohnt. (In Vergleich mit dem niedrig-hügligen Singapur ist Penang in
der That hochgebirgig zu nennen.)

Sie wurde immer blässer und blässer, sank immer tiefer unter den
Horizont, -- und um 6 Uhr des Abends, als die Mondesscheibe schon 20°
hoch am östlichen Himmel stand, war sie nur noch mit guten Augen an dem
Saume des Meeres wie ein schwaches Wölkchen zu erkennen.

Wir fuhren die ganze Nacht bei hellem Mondschein nach West zu Nord durch
eine ~spiegelglatte~ See, in welcher unser Schiff wohl eine engl. Meile
weit, eine schnurgerade Fahrt zurückließ, wie eine Straße oder
Eisenbahn, die perspectivisch kleiner wurde. In der Mitte war die Bahn
concav, aber glatt -- zu beiden Seiten der Mitte war ein convexer, von
den großen Wellen der Räder gehobener und bewegter Rand; -- dann kam an
der äußern Seite dieser Wellenlinien ein breiterer, von ganz kleinen,
spitzen und dicht an einander gedrängten Wellen bewegter Streifen -- und
endlich zu den Seiten dieses letzterern lag die todtstille, wie polirte
Oberfläche des Meeres.

Als uns nun wieder der Ocean umfluthete und auf allen Seiten nur noch
eine einförmige Wasserfläche lag, auf deren Spiegel das Auge vergebens
nach einiger Abwechselung suchte, -- da erwachte das freundliche und
doch so großartige Bild von Pulu-Penang, so wie wir es von der Rhede aus
gesehen hatten, mit erneuerter Lebendigkeit in unsrer Phantasie. Der
langhingezogene Gebirgsrücken, der sich steil erhebt und dessen
ungleichhoher Saum bis in die Wolken reicht, -- die hellfarbigen,
(meistens weiß übertünchten) Gebäude der Stadt, hinter denen das waldige
Berggehänge, wie ein dunkelgrüner Teppich ausgespannt ist, -- die Wege,
die in Zickzacklinien an der steilen Böschung hinanführen, die weißen
Gemäuer, welche vom Gipfel eines Vorgebirges, wie ein altes Schloß
herabschauen, -- die Signal- und Flaggenstange nebst den Gebäuden,
welche aus der düstren Waldung des ~hochobersten~ Rückens jäh auf die
Rhede herabblicken und auf die Schiffe, die so nahe an ihrem Fuße
ankern, -- -- dies voral waren die Hauptzüge, welche unsrer Erinnerung
noch lange eingedrückt blieben.

Weitere Nachrichten über Pulu-Penang findet man in den oben bei Singapur
angeführten Werken von _~Crawfurd~_, (_Journal_), _~Finlayson~_
(_Journal, p. 23 etc._), _~Colebrooke~_ (_Notice_), _~Newbold~_
(_Account_) und _T. ~Ward~_, _short sketch of the geology of Pulo Penang
etc._ -- in _Asiat. Research. Calcutta, 1833. vol. XVIII, p. 149 etc._

Aus diesen Werken entlehne ich die folgenden allgemeinen Notizen.

In 1783 kam die Insel zuerst in Privatbesitz des Capitains bei der
britischen Marine, ~Ligt~, der sie vom König von Queda als Brautschatz
einer Prinzessin erhielt, welche er heirathete; in 1786 wurde die Insel
Eigenthum der englischen Krone. -- Sie ist 16 engl. Meilen lang und etwa
halb so breit. Die Bergkette, die mit ihren Abhängen und Vorgebirgen den
größten Theil der Insel ausmacht, besteht aus ~Granit~, der oft in
Syenit übergeht, und erhebt sich in ihren höchsten Punkten zu einer
(bloß geschätzten[15]) Höhe von 23--2500 engl. Fuß. -- Der Boden ist im
Allgemeinen dürr, felsig, und weder zum Anlegen von Sawah's, noch zum
Anpflanzen von Zuckerrohr, sehr gut, aber zur Kultur des Muskatnußbaumes
und noch mehr des ~Pfeffers~ geeignet, der zweimal jährlich reiche Ernte
giebt, die von Chinesen besorgt wird. Reis wird aus Bengalen und aus dem
gegenüberliegenden Queda eingeführt. Die Hochwaldung, welche die Berge
bedeckt und von vielen Affen bevölkert ist, zeichnet sich durch
säulenförmige Stämme aus. Die Einwohner sind Malaien, Buginesen,
Batta's, Chinesen, Siamesen, Bengalesen, Malabarer, Coromandelesen,
Araber, Perser, Europäer; ihre Zahl belief sich, den der Insel Penang
gegenüberliegenden Küstenstrich mitgerechnet, im J. 1844 zufolge dem
_Singapore Chronicle_ auf 91,700 Seelen, wovon die größte Zahl Malaien
waren. Werth der Ausfuhr (nach Crawfurd) betrug in 1825: 5-1/2 Million
Dollar; die Einnahmen waren 200,000 und die Ausgaben fast doppelt so
viel. In 1836 betrugen diese Größen nach Newbold in Siccaropoijen[16]:
6,578,013 (Ausfuhr), -- 190,859 (Einnahme), -- und 54,740 (Ausgaben).

Den 13ten Sept. war unser Cours bei heitrem Wetter und spiegelglatter
See erst West zu Nord und später West-Nord-West. -- Wir fuhren also in
der Richtung nach der Nord-West-Spitze von Sumatra und erblickten zuerst
gegen Abend zu unsrer Linken, nämlich in Süden, eine Bergkette auf der
Insel Sumatra, und zwar diejenige, worin der sogenannte
~Elephantenberg~ liegt, die aber so blaß waren, daß man sie kaum zu
erkennen vermochte.

Wir hatten uns bis dahin auf unsrer Fahrt durch die Straße von Malaka
des heitersten Wetters erfreut, nur am 10ten war es trübe gewesen und
öfters feiner Regen gefallen, doch war es windstill geblieben, -- am
Abend des heutigen Tages (den 13ten Sept.) aber trat ein stürmischer
West-Süd-West-Wind mit Regen ein, der die ganze Nacht anhielt und unsrer
Fahrt also fast gerade entgegengesetzt war. Das Wetter änderte sich also
zur Zeit, als wir der Insel Sumatra näher kamen.

Erst am Morgen des 14ten Sept. (unser Cours war West, gegen den Wind)
konnten wir zu unsrer Linken die Bergketten auf Sumatra deutlich sehen,
obgleich sie sich nur in blasser Ferne darstellten und der Küstensaum
unter dem Horizonte blieb. Besonders ein Berg, den wir des Morgens um
6-1/2 Uhr in Süden sahen (s. Fig. 6), zeichnete sich durch seine
Kegelform aus; es war der sogenannte ~Goldberg~, der zwischen Pedir und
Atjin liegt. Weiter westwärts von diesem erschien noch ein andrer, hoher
Berg, der drei, halb in den Wolken verborgene Gipfel hatte und mit dem
vorigen durch ein mäßig hohes Zwischenland verbunden war, -- und noch
weiter nach Westen zu erhob sich eine lange, aber sehr ungleich hohe
Kette, die viel näher als jene beiden Berge lag, also auch deutlicher,
dunkler war, und deren höhere Punkte ebenfalls in die Wolken reichten.

Dies war Alles, was uns von Sumatra (Atjin) sichtbar wurde, und es war
zugleich das ~letzte~ Land des Indischen Archipels, in dem ich nun 12
Jahre lang gelebt und gereist hatte, das wir erblickten. -- Wie die
Berge mehr und mehr dahin schwanden in blasse Ferne, erwachte lebhaft in
mir die Erinnerung an die Batta-Länder, die dort hinter jenen Bergen
liegen und in denen ich zwei der kräftigsten von jenen 12 Jahren meines
Lebens zugebracht hatte, unter Menschen, die zwar in gewissen Fällen
nach ihrem Gesetz Cannibalen, aber sonst gut und treu sind. Ich dachte
an die schönen, romantischen Thäler und Berge von Angkola, -- an das
Plateau von Tobah, auf dem man, mitten unter dem Äquator in einer Luft,
so kühl, wie in Europa lebt, -- an die Fichtenwälder von Tobah und
Hurung, durch die der Wind dort säuselt, -- ich dachte an den Hochgenuß
einer ~freien~ Existenz in schöner, erhabener, reicher Natur, -- ich
dachte an die Abentheuer und wechselnden Schicksale, die ich dort, unter
dem guten Volke, erlebt hatte, -- und die Berge verschwanden, für mich
vielleicht für immer, -- sie tauchten unter in's Meer, und das Schiff
fuhr dahin, -- um mich in andre Länder und unter andre Völker zu
bringen, bei denen man wenigstens (wenn man seine Abgaben richtig
bezahlt,) der Gefahr ~aufgegessen~ zu werden, nicht ausgesetzt sein
wird.

       *       *       *       *       *

~Den 21sten Sept. Abends.~ -- Wir haben nun vom 14ten Sept. an bis jetzt
acht Tage zugebracht mit dem Durchschiffen der indischen See, südwärts
vom Golf von Bengalen, um den Raum zwischen Sumatra und Ceylon
zurückzulegen. Unser Cours war fast fortwährend rein westlich und der
Wind blies anhaltend aus West-Süd-West; er war ~gewöhnlich~ nur
mäßig-heftig, -- verstärkte sich aber ~sehr oft~ auf eine stürmische Art
und war dann jederzeit von Regenschauern begleitet, die von vorn und
links schief über das Verdeck hinwegstrichen, aber wie der stürmische
Wind selbst, nur von ~kurzer~ Dauer waren; -- der Himmel war meistens
trübe, gleichmäßig bewölkt und nur selten von einem blauen Fenster
unterbrochen. Die See ging hohl, das Schiff schwankte stark und alle
Luken auf der Windseite mußten geschlossen werden, weil häufige Seen
(Wellenspitzen) hinter dem Räderkasten herauf auf das Verdeck schlugen
und bis zum Steuerruder spritzten.

Nur an drei von diesen acht Tagen (den 16ten, 20sten und 21sten) hatten
wir ziemlich gutes, heitres Wetter gehabt, ohne Regenschauer. Den 20sten
um 10 Uhr wurde unser westlicher Cours verändert in einen
west-süd-westlichen und der Rauch unsers Dampfers, der bis jetzt schief
nach hinten und rechts geflogen war, strich nun als langer schwarzer
Streif gerade nach hinten. Auf dem einförmigen Meere, wo andere
Gegenstände der Beobachtung fehlen, achtet man gern auf solche
Besonderheiten, wie gewöhnlich und häufig sie auch sind. -- Den 21sten
von 12 Uhr an begannen wir mit west-nord-westlichem Cours zu fahren;
auch der Wind war seit dem vorigen (20sten) Abend von 8 Uhr an weniger
beständig und blies erst aus West, dann aus West zu Süd, West-Süd-West
und zuletzt selbst aus Süd-West. -- Wir glaubten am 21sten Abends uns
nahe bei Ceylon zu befinden, blickten oft nach West und Nord-West,
konnten aber noch kein Land sehen, was uns nicht wenig besorgt machte.
Das Dampfschiff nämlich, das die Passagiere von Ceylon bis Suez bringen
muß, darf seiner Instruction zu Folge nicht länger zu Point de Galle
warten, als bis zum 22sten Abends 6 Uhr und ~muß~ dann abreisen, auch
wenn das Schiff von China und Singapur noch nicht angekommen ist. -- Wir
hatten aber die ganze Zeit über seit dem 13ten Abends Wind,
Wellenschlag, Strömung -- Alles gegen uns und waren nur langsam vorwärts
gekommen.

Wir waren während dieser Zeit zwei Schiffen begegnet, dem einen am 19ten
des Morgens früh, dem zweiten am 20sten um 2 Uhr; dieses letztere
kreuzte mit vollen Segeln unsere Fahrt und ging wahrscheinlich von
Calcutta nach dem Kap der guten Hoffnung. Außerdem hatten wir in unserm
Gesichts- und Wirkungskreise nichts Fremdartiges erlebt, keine
Veränderung war vorgefallen.[17] -- Nur am 14ten Vormittags, als wir uns
noch gegenüber der Nordspitze von Sumatra befanden, hatten wir den
ängstlichen Anblick, ein Geschöpf, das nicht zu einem Wasserbewohner
geschaffen war, eine Zeit lang mit den Wellen ringen zu sehen, wir
glaubten in Todesfurcht. Ein chinesischer Matros nämlich war über Bord
gefallen, der Korkring wurde ihm nachgeworfen, den er auch schwimmend
erreichte und faßte, -- und in aller Eile wurde die hintere Schaluppe
herabgelassen; aber obgleich die Maschine augenblicklich gestoppt wurde,
so war das Schiff in seiner schnellen Fahrt doch schon so weit
vorausgegangen, daß wir den Schwimmenden nicht mehr sehen konnten, der
gewiß 3/4 englische Meile von uns entfernt war, als ihn die Schaluppe
fand und aus dem ziemlich bewegten Meere auffischte. -- Als nach einem
halbstündigen Aufenthalte der Mann wieder an Bord gebracht wurde, ging
er ganz gleichgültig an seine Arbeit und Niemand bekümmerte sich um ihn.

Endlich! -- den 22sten Sept., des Morgens früh, erblickten wir das Land
des Zimmtes, der Elephanten, Perlen und Edelgesteine, -- nämlich das
seit zwei Tagen schon von uns ersehnte Taprobane der Alten,[18] die
~Insel Ceylon~ der Neueren, die sich in blasser Ferne vor uns zur
Rechten als ein mäßig hohes Land hinzog, das einen fast ebnen, nur wenig
gekerbten Saum hatte. -- Unser Cours war West und der Wind wie an den
vorigen Tagen West-Süd-West, von 8 Uhr an aber West.

Die Küste schien sich von Nord-Ost nach Süd-West hinzuziehn, denn wir
rückten, westwärts steuernd, dem Lande allmählig näher und sahen erst an
einigen Stellen und bald überall den weißen Saum der Brandung. Um 7-1/2
Uhr segelten wir einer vorspringenden Ecke vorbei und konnten nun erst
das Land deutlich unterscheiden, das sehr niedrig war und aus
ausgebreiteten (verflachten) Hügelzügen zu bestehen schien, auf deren
Saume man den Umriß der einzelnen Bäume wohl zu unterscheiden vermochte.
Wir waren etwa drei englische Meilen von der Küste entfernt und
bewunderten vor Allem die ausgedehnten Wälder der Kokospalme, die das
Gestade bedeckten.

[Illustration: Fischerboot]

Wir fuhren um 8 Uhr zwischen einer Menge von kleinen Fischerböten
hindurch, die von sehr eigenthümlicher Bauart, nämlich sehr schmal,
dabei aber sehr hoch (der innere Raum sehr tief) waren, so daß die drei
Mann, die sich in einem jeden befanden, mehr als zur Hälfte darin
verborgen blieben, sich aber kaum umdrehen konnten, ohngefähr so, als
wenn sie in einer Straßenrinne (schmalen Wasserleitung) gestanden
hätten. -- So waren alle Kähne der Singalesen gebaut, die wir auf der
Südküste von Ceylon sahen und sie waren nur auf einer Seite mit einem
balancirenden Bambusrohr versehen. -- Um diese Zeit (8 Uhr) befanden wir
uns einem hohen Vorsprunge gegenüber, welcher eine weite Bucht, deren
Ostecke wir um 7-1/2 Uhr gesehen hatten, in Westen begränzte, -- der
oben mit kurzer Waldung bedeckt, plattenartig ausgebreitet war und sich
dann als ein steiles, mauerähnliches Felsgehänge in's Meer herabsenkte.
Die Farbe der Felsen war ein helles, gelbliches Braunroth; sie bestanden
vielleicht aus Sandstein.

Ferner kamen wir auf der Weiterfahrt nach Westen, während uns immer
mehre von den so eben beschriebenen Kähnen begegneten, noch einer Menge
solcher Buchten und vorspringenden Ecken vorbei und befanden uns
demzufolge bald in einer Entfernung von drei, bald von sechs engl.
Meilen von der Küste, die wir, weil der Himmel bewölkt und der Horizont
dunstig war, im Hintergrunde der Buchten nur undeutlich zu unterscheiden
vermochten. -- Von 9-1/2 Uhr an war der nächste sichtbare Theil des
Landes ein niedriger, flacher Küstensaum, der sich einwärts zu
ausgebreiteten Hügeln erhob, ~ein mehr verflachtes, als wellenförmiges
Hügelland~ bildend, das hier und da, wo der Küstensaum fehlte, auch bis
zum Meere selbst vorgeschoben war. Dieses flache Gestade nebst den
Gehängen des angränzenden Hügellandes sahen wir (wie überhaupt schon
seit 7-1/2 Uhr alle andern Theile der Küste) mit ungemein ausgedehnten
Kokoswäldern bedeckt, die ununterbrochen bis Point de Galle gleichsam
nur einen einzigen Palmenwald bildeten, der ganzen Küste entlang, so
weit man sehen konnte.

Wir veränderten unsern Cours um 10-1/2 Uhr, parallel mit der Richtung
der Küste, nach West-Nord-West, bekamen aber erst um 12 Uhr vorn zu
unsrer Rechten die Stadt Point de Galle zu Gesicht, von deren Gebäuden
wir nur einen säulenförmigen Leuchtthurm und die Giebel der Häuser
sahen, so weit sie aus grünem Gebüsch und aus einer Ringmauer, welche
die Stadt umgiebt, emporragten, oder so weit die dunstvollen untern
Schichten der Atmosphäre in zweifelhaftem Schimmerlicht sie zu erkennen
erlaubten. Die Bucht diesseits der Stadt, in welche wir einlaufen
mußten, ist von zwei vorspringenden Felsenecken begränzt, die einander
von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost gegenüber liegen. Auf der
west-nord-westlichen Felsecke steht die Stadt, -- die ost-süd-östliche
Felsecke ist das Ende eines langen, ausgebreiteten Hügelrückens, der
1--200 Fuß hoch sein mag und sich an manchen Stellen, 20--30 Fuß hohe
Wände bildend, felsig-steil in's Meer herabsenkt, in den übrigen
Gegenden aber durch einen hellgelblichen Sandstrand vom Meere getrennt
ist. Nordwärts geht diese ost-süd-östliche Hügelecke in ein ganz
niedriges, flaches Küstenland über, das nicht nur die Bai auf den
übrigen Seiten, sondern auch die Stadt auf der innern Seite umgiebt, so
daß der erhabne Grund, worauf diese liegt, dadurch von allen andern
Hügeln abgeschnitten und in eine isolirte Felsinsel verwandelt wird, die
auf drei Seiten vom Meere und auf der vierten von flachem Alluvialboden
begränzt ist.

Wir wendeten um 12-3/4 Uhr unser Schiff direct nach Norden und fuhren
durch den engen Eingang zwischen zwei Schwimmern, die das von Klippen
freie, schmale Fahrwasser anzeigten, hindurch in die stille, tiefe Bucht
hinein; zur Rechten blieb jenes Felskap, -- zur Linken der Fels mit dem
Leuchtthurm und die Stadt Point de Galle (oder _Punto Galle_), die nun
in voller Klarheit, nahe vor uns lag. Schwärzliche Felsen, vom weißen
Schaume der Brandung bespritzt, starren jäh und rauh aus dem Meere empor
und tragen die Ringmauern der ~festen~ Stadt, über welche, eng
zusammengruppirt, die rothen und weißen Giebel und Zinnen der Häuser
herüberblicken, vermengt mit dem Gebüsch von Fruchtbäumen, deren schönes
Grün sich freundlich auf den starren Fels und das Meer, das ihn
umschäumt, herunter neigt.

Dieser Menschensitz, diese Hauptfestung Süd-Ceylon's unter den
Niederländern seit 1642, -- als wir ihn so erblickten, gleichsam im
Bewußtsein von unbesorgter Sicherheit innerhalb seines Gemäuers,
 -- freundlich, grün, auf starrem Fels im Meere und auf drei Seiten von
der Brandung umtobt, gewährte einen äußerst romantischen,
alterthümlichen Anblick und erinnerte mich an manche Stadt in Europa
aus den Zeiten des Mittelalters, die ich seit so langen Jahren nicht
mehr gesehen hatte.

Wir ließen um 1 Uhr, der Stadt ostwärts gegenüber, die Anker fallen und
lagen nun zwischen dieser und dem großen Dampfschiff ~Bentinck~,
demselben, das von Calcutta angekommen war und schon zwei Tage lang auf
unsre Ankunft allhier gewartet hatte. Da dessen Abreise von hier, _via_
Aden, noch vor Eintritt des Abends festgesetzt war, so blieben uns zu
einem Besuche der Stadt nur die wenigen Stunden übrig, welche die
Schiffe nöthig hatten, um die Bagage von Bord der ~Braganza~ herüber an
Bord des ~Bentinck~ zu befördern, was ohne Zuthun der Passagiere
geschah. Rathsam war es aber und dafür wurde es auch von allen
Passagieren gehalten, die ~kleinen~ Stücke der Bagage, die man jederzeit
nöthig hat, beim Übersteigen auf das neue Schiff, was in Kähnen der
Inländer geschieht, die man bezahlt, selbst mit zu nehmen, weil sie
sonst leicht mit in den Schiffsraum, in das allgemeine Magazin der Güter
geworfen werden oder aus dem Haufen der Hunderte von Packeten und Kisten
nicht so leicht wieder herauszufinden sind. Es könnte also wohl
geschehen, daß man darauf warten müßte. Doch verloren geht nicht leicht
ein Stück.

Ich setzte mich also in einen singalesischen Kahn und fuhr -- aber,
halt, das ging so schnell nicht; denn viele Dutzende von solchen größern
und kleinern Kähnen umwimmelten das Schiff und ihre Führer stritten sich
um die Ehre, einen Passagier für 1/2--1 Gulden an's Land zu bringen. Es
war ein ohrbetäubendes Geschrei von Stimmen, die sich mit einander
verwirrten, eben so wie die Kähne, die mit ihren Seitenstangen oder
Segeln in Wirrwarr geriethen und man lief große Gefahr, bei dem
Überspringen von dem einen in den andern ein Bein zu brechen, in's
Wasser zu fallen oder zwischen den Kähnen, die aneinander stießen,
zerquetscht zu werden. Um meine geringe Person stritten sich, so laut,
daß mir die Ohren davon dröhnten, wenigstens fünf Kahnführer, die mein
Malai'sch eben so wenig verstanden, wie ich ihr Singalesisch und ich
achtete mich glücklich, als die Bataille so weit beendigt war, daß ich
aus den Händen von Fünfen endlich in die von ~Einem~ kam, welcher
siegestrunken Besitz von mir nahm und unter herausfordernden Mienen
gegen die Andern, die ihm Verwünschungen nachschrien und
nachgesticulirten, mit mir eiligst der Stadt zuruderte.

Am Ufer angekommen, sahen wir Hunderte von neuen Plagegeistern auf dem
Hafenkopf bereit stehen, um uns Fremdlinge zu empfangen. Es waren
eingeborne (singalesische) und fremde (besonders bengalische) Kaufleute,
meistens arme Lumpen oder Straßenbuben, deren jeder etwas in der Hand
oder in einem Sacke hielt, um es dem Reisenden zu verkaufen oder besser
gesagt, aufzudringen. Daß dies mit einem lauten Concert durch einander
kreischender Stimmen begleitet war, versteht sich von selbst. Sie
drückten dem Reisenden ihre Waaren mit Gewalt in die Hand, -- verlangten
dann ungeheure Preise dafür, z. B. für einen kleinen Bambusköcher 5, für
ein Stück Quarz oder Jaspis, das sie in dem ersten besten Bache
aufgelesen hatten, 10 Gulden, und weigerten sich, wenn der Reisende den
Preis zu hoch fand, hartnäckig, ihre Waare wieder anzunehmen, verfolgten
ihn vielmehr unter lautem Geschrei, Schritt für Schritt. Ich sah
Passagiere, die von 20 dergleichen Schreiern begleitet waren. Ich war so
glücklich, mit einer Eskorte von bloß sechs abzukommen, die mir auf
meiner Rundreise durch die Straßen der Stadt, als getreue Trabanten, auf
dem Fuße folgten und bald von der linken, bald von der rechten Seite,
etwas zu kaufen vorhielten, in welchem Geschäft sie eine
bewundernswürdige Ausdauer an den Tag legten. Ich kaufte ihnen endlich
etwas ab, z. B. Onyxe, fossile Elephantenzähne (von _Elephas
primigenius_), die sie auf der einen Seite geschliffen und polirt
hatten, und hoffte mich dadurch, wenigstens von einem Theile derselben,
zu befreien; aber, -- wie irrte ich mich! Kaum hatten die Andern, welche
durch die Straßen schlenderten, gesehen, daß ich nachgiebig, d. i.
überwindlich war, als sie zu ganzen Truppen herbeiströmten und sich
meine Satellitenschaar dadurch wenigstens um das Zehnfache
vermehrte, -- so daß ich nahe daran war, diese Kaufleute für eine eben
so stabile Plage der Reisenden in den Städten, -- wie die kleinen
Springblutegel[19] in den Wäldern Ceylon's zu halten.

Man schreitet von der Land- d. i. Nordseite her unter hohen, gewölbten
Thoröffnungen durch die alten Backsteinmauern und Wälle der Festung, und
gelangt in's Innere der Stadt, deren Straßen vom höchsten Punkte des
Hügelwulstes, auf welchem sie erbaut ist, sich am stärksten nach Süden,
der See zu, herabsenken. -- Sie enthält keinerlei ausgezeichnete Gebäude
und die mehrsten Häuser sind klein, einstöckig und fast alle von Stein.
Ich habe wenig Leben oder Verkehr, auch keine großen Kaufläden oder
Packhäuser bemerkt und glaubte hieraus schließen zu dürfen, daß Punto
Galle seine alte Größe als Handelsstadt verloren und nur erst seit der
Einrichtung der Landmail, als Station für die Schiffe zwischen Indien
und Arabien, eine erneuerte Wichtigkeit erhalten habe. Die Stadt scheint
zum Theil auf Gneiß von grauer Farbe, zum Theil auf weißem Korallenfels
erbaut, und liegt an der Südküste von Ceylon unter 6° 1' nördl. Breite
und 80° 10' östl. Länge von Greenw.

Interessanter als das Innere der Stadt, war mir der Anblick der flachen
Gegenden der Insel, welche die Stadt nord- und nord-ost-wärts begränzen
und mit einer allerüppigsten (angepflanzten) Vegetation bedeckt
waren. -- Von Hochwaldung sah ich zwar nirgends eine Spur, aber -- das
Gehänge der Hügel und noch mehr das flache Gestade rund um die Bai und
die Stadt waren mit ungeheuern Waldungen der Kokospalme bedeckt, die man
nicht übersehen konnte. -- Welche dichte Zusammengruppirung von
schlanken, säulenförmigen Stämmen, -- welche dunkle Schatten zwischen
den 70--100 Fuß hohen Säulchen, tief unter den rauschenden
Wedeln, -- welche an ~Urwald~ gleichende Wildniß von ~Palmen~, -- welche
Verwirrung von in allen Richtungen durch einander geworfenen,
senkrechten, überhängenden und ganz niedergestreckten Stämmen! -- -- ich
mußte gestehen, daß ein solcher Kokoswald, eine solche ununterbrochene,
Tagereisen weit reichende Ausdehnung von dicht gedrängten Palmen auf
Sumatra und Java ~nicht~ anzutreffen ist. -- Wahrscheinlich ist die
sandige Beschaffenheit der Gestade und die Quarznatur des Sandes, bei
gleich günstigen Verhältnissen eines gleichmäßig warmen, nicht zu
feuchten Klima's, ein Hauptbedingniß zu ihrem üppigern Gedeihen.

Als ich von der ~Braganza~, welche ich nach meiner Rückkehr aus der
Stadt noch einmal besucht hatte, an Bord des ~Bentinck~ angekommen war,
war mir etwa so zu Muthe, wie Jemandem, der aus einer Provinzialstadt in
eine Kapitale wie Paris oder London eingetreten ist. Dieser
_Landmail-steamer_, befehligt vom Capt. A. ~Kellock~, ist einer der
größten, welchen die _Peninsular and Oriental Steam Navigation Compagny_
besitzt, er mißt 1800 Tonnen, hat 520 Pferdekraft und nur noch einer
(der »~Hindustan~«, commandirt von Capt. S. ~Lewis~) kommt ihm an Größe
gleich.

Als ich dem Gewühl sich einander durchkreuzender Interessen entkommen
war und, zur Ruhe gelangt, auf dem Hinterdeck des Lord Bentinck saß,
kostete es mir Mühe, mich an die Überzeugung zu gewöhnen, daß ich mich
auf dem Verdeck eines ~Schiffes~ befand, -- so lang und breit dehnte
sich die reinliche Bretterfläche vor mir aus, die durch ihren Reichthum
an verschiedenartigen Gegenständen dem darauf Spazierenden Abwechselung
und Zerstreuung gewährte, -- die zum Theil mit Zelten überspannt, und
mit Bänken und Stühlen besetzt war. Nur auf dem Vorderdeck, in der Nähe
des Bugspriet, und sonst nirgends im Schiff, durfte geraucht werden. Ein
Neuling lief Gefahr, in den drei Vertiefungen des Innern, die man auf
eleganten, theils geraden, theils wendelförmigen Treppen hinabstieg,
sich zu verirren, wenn er in den langen Gängen zwischen den Zimmern
herumschritt; denn die Anzahl dieser Zimmer (_Cabin's_) war groß genug,
um Jedem der 100 Passagiere erster Klasse, die sich an Bord befanden,
einen besondern Schlafplatz zu verschaffen, außer den Offizieren, dem
Schiffsvolke und den Passagieren zweiter Klasse. In den mehrsten Cabin's
wohnten zwei, in manchen drei, vier, in wenigen nur ein Passagier, je
nachdem die Cabin's mehr oder weniger Schlafplätze enthielten (deren
wenigstens zwei ~über~ einander angebracht waren). Sie waren mit guten
Matrazen, Spiegeln, Waschtafeln und Zubehör, Bänken, Stühlen und andern
Bequemlichkeiten versehen und Bettzeug und Handtücher wurden fleißig
gewechselt. Trink- und Waschwasser wurde in Überfluß gereicht und an
einem Badezimmer, einem Regenbade, das nach geöffnetem Krahne aus einer
siebartigen Öffnung der Decke herabträufelte, fehlte es nicht, leider
aber auch nicht an Kakerlaken (_Blatta orientalis_), die, wie es
scheint, eine allgemeine Plage aller Schiffe in den Tropengegenden sind.
In den dunkeln Räumen der Hütten, zwischen den Brettern, waren diese
zollgroßen, schnelllaufenden Thierchen nur allzu häufig und man konnte
sie nur auf kurze Zeit von seinem Lager mit _Eau de Cologne_ vertreiben.
Ich würde jedem Reisenden anrathen, auch der Kühlung wegen sich mit
einem recht großen Vorrath dieses destillirten Wassers zu versehen.
Übrigens war die Hitze im Innern des Schiffes erträglich, da zweckmäßig
angebrachte Ventilatoren für Abkühlung und frische Luft sorgten. -- Das
Installiren verschiedener Reisenden in ~ein~ Zimmer wurde stets mit
Discretion verrichtet, und gewöhnlich blieb es den Passagieren selbst
überlassen, sich mit einander zu verständigen und ihre Stubengefährten
nach eignem Geschmack zu wählen. Es war Einer an Bord, mit dem ~Niemand~
zusammenwohnen wollte, und dieser erhielt ein Zimmer allein. -- Um 8 und
12 Uhr zur Zeit des Frühstücks und Tiffets wurde Kaffee, Thee, mit
Eiern, Brot, kalten Speisen etc. gereicht und um 4 Uhr zum Diner
geläutet. Abends wieder Thee. Der Speisesaal war elegant, mit drei
langen Tafeln versehen, an denen alle Passagiere (der ersten Klasse)
Platz hatten, mit Spiegeln und Gemälden decorirt, so daß man, an der
Tafel sitzend, zwischen solchen Umgebungen ganz vergaß, sich auf dem
Meere, an Bord eines Schiffes zu befinden, zumal, da von dem Arbeiten
der Maschine und dem Brausen der Räder nichts zu hören oder zu fühlen
war. Das Schiff glitt seiner Größe wegen, von Ceylon bis Suez, so
gleichmäßig dahin, daß auf dem Verdeck auch nicht das geringste
Schwanken zu verspüren war und man erst über Bord blicken mußte, um sich
zu überzeugen, daß sich das Schiff fortbewege. Schafe, Schweine, Kälber,
Rinder, Tauben, Hühner, Enten, Gänse, Truthähne etc. befanden sich,
nicht etwa wie in der Arche Noäh in bloß einem Paar, sondern in ganzen
Heerden und Schaaren bei uns an Bord und versahen die Tafel, Tag für
Tag, mit mannigfach zubereiteten Fleischspeisen von alle den genannten
Arten und an frischem Brot und Gemüse fehlte es nicht, so daß ich im
Ernst versichern kann, noch nie eine so überflüssig, ich möchte sagen,
so ~massiv~ (besonders mit Fleischspeisen) besetzte Tafel gesehen zu
haben. Das Buffet war mit englischem Bier (_pale ale_) und allen Arten
von Weinen versehen, die ein Jeder _ad libitum_ trank. Nur der
Champagner machte hiervon eine Ausnahme und wurde von den Passagieren
nicht gefragt, sondern nach jeder Mahlzeit in einer bestimmten Anzahl
Flaschen ~gereicht~. Auch das Dessert war vorzüglich und überhaupt ließ
die Beköstigung, wie die ganze Einrichtung an Bord, nach der Meinung
Aller, Nichts zu wünschen übrig. Zur Unterhaltung der Passagiere war
eine Bibliothek, die besonders Reisebeschreibungen enthielt, nebst
andern Zerstreuungsmitteln, Spielen etc. im allgemeinen Versammlungs-
und Speisesaal vorhanden. Unter den Reisenden waren etwa sechs Damen,
von denen die Engländerinnen sehr zurückgezogen und steif, fast
holländisch, -- die Französinnen aber freundlich und gesprächig waren
und nebst einigen Kindern viel zur angenehmen Unterhaltung beitrugen.

Wir lichteten am 20sten Sept. des Abends die Anker, waren um 7 Uhr flott
und fuhren zwischen zwei leuchtenden Feuern (großen Fackeln) hindurch,
die man an der Stelle jener zwei schwimmenden Kugeln, in Kähnen
angesteckt hatte, um uns den Weg in's Fahrwasser mitten zwischen den
Klippen hindurch zu zeigen. So wie den Tag über die Luft bewölkt gewesen
war, ob es gleich nicht geregnet hatte, so war auch die Nacht dunkel,
und kein Himmelslicht war sichtbar.

So dampften wir nun wieder, nach kurzem Aufenthalte auf trockenem Boden,
in das _altum mare_ hinaus. Die Lichter, die auf den Schiffen und in den
Gebäuden brannten, traten immer weiter zurück, aber erst spät am Abend
verschwand das Feuer des Leuchtthurms.

       *       *       *       *       *

Von den vielen über Ceylon erschienenen Werken und in Zeitschriften
zerstreuten Aufsätzen, mögen hier nur folgende ~allgemeinere~ genannt
sein.

     _~Rob. Knox~, Historical Relation of the Island of Ceylon. London,
     1817. 4._

     _~Jan. Cordiner~, Description of Ceylon. London, 1807. 4._

     _~Montgomery Martin~, History of the British Colonies. London,
     1834._ Das Hauptwerk aber ist:

     _~J. Davy~, Account of the Interior of Ceylon etc. London, 1821.
     4. -- ~J. Davy~, On the Mineralogy of Ceylon in Transact. of the
     Geol. Soc. vol. V, p. II, p. 311 etc._

     _Major ~Forbes~, Eleven years in Ceylon comprising sketches of the
     field sports and Natural History of that colony and an account of
     its History and antiquities. 2 vol. 8. London, 1840._

Ceylon wurde bekanntlich in 1505 von den Portugiesen entdeckt, die
jedoch erst seit 1536 in vollständigen Besitz der Insel (der Küste)
gelangten und in 1658 (aus Point de Galle bereits in 1642) wieder von
den ~Niederländern~ daraus vertrieben wurden. Diese letztern besaßen die
Insel bis 1796, in welchem Jahre sie an die Englisch-Ostindische
Compagnie überging.

Die Insel wird von Davy mineralogisch reich, aber geologisch arm genannt
und soll vorherrschend aus sogenannten primitiven Gebirgsarten, ~Gneiß~
und Granit, bestehen, die sehr einförmig verbreitet und in vielen
Gegenden von sehr mächtigen ~Quarz~gängen durchsetzt sind. Außerdem
zeichnen sich diejenigen Felsberge aus, in denen die berühmten, großen
Salpeterhöhlen der Insel liegen und die aus Dolomit[20] bestehen sollen.
Die primitiven Gebirge sind aber auch von sehr ausgebreiteten
~Sandstein~bänken umlagert, deren geologische Stellung, in Beziehung auf
die Formation, der sie angehören, und auf die fossilen Reste, die sie
umschließen, unbekannt ist. An den Gestaden kommt jüngster
Meeressandstein vor, nebst Kalkbänken (Korallenkalk?) und außerdem
Alluvialboden.

Sehr bezeichnend und allgemein verbreitet auf Ceylon aber sind
~Trümmerbildungen~, Lager von zerstörten Felsarten, die in den Thälern
und Flußbetten als Gerölle vorkommen. Und diese Trümmergesteine im
Diluviallande sind es, welche den Reichthum Ceylon's an ~Edelsteinen~
enthalten, an allen Arten der ~Quarz~gattung (Onyx, Amethyst etc.),
 -- an Turmalin, Topas, Granat, Zircon, Rubin (Sapphir, Spinell) u. a.,
die daher vorzugsweise in Flußbetten gefunden werden. Ebenso Eisenerze.
 -- Meeressalz wird in Lachen an den Küsten reichlich gewonnen.

Vorherrschende ~Quarz~trümmer und ~Quarz~sand sind für viele Gegenden
von Ceylon bezeichnend und bedingen die Production der feineren Arten
von Zimmt. -- Regen fällt auf Ceylon fast das ganze Jahr hindurch
gleichmäßig vertheilt und unabhängig von den Mussonwinden, die vom Mai
bis Anfang November (während bei nördlicher Declination der Sonne die
Temperatur von Asien größer ist, als die des Ocean's) aus ~Süd-West~ und
von November bis März (während bei südlicher Declination die Wärme des
Ocean's und Südafrika's größer ist, als die Asien's) aus ~Nord-Ost~
wehen.

Eine große Plage für den Menschen haben die Gebirgswälder Ceylon's mit
denen Java's, Sumatra's, Dekan's und Hinter-Indien's gemein, nämlich die
kleinen Springblutegel (_Hirudo ceylanica ¡Blainville¡, dict. des sc. nat.
t. 47, p. 271_), die nebst den Mosquiten auf Java und besonders auf Sumatra
mich oftmals mehr der Verzweiflung nahe brachten, als alle Elephanten,
Tiger, Rhinocerosse, wilde Stiere und andre große Thiere der Wildniß
zusammengenommen zu thun im Stande waren. Man lese hierüber beliebig nach
_J. ~Davy~, l. c., p. 102, tab. II, fig. 4. -- ~Leschenault de la Tour~,
Relation abregée d'un voyage aux Indes Orient., im Mém. du Museum d'hist.
nat. Paris, 1822. t. X. p. 268._

       *       *       *       *       *

Den 23sten Sept. Wir hatten auf unsrer heutigen Fahrt durch das indische
Meer trübes Wetter und öfteren feinen Regen. -- Unser Cours war West zu
Nord und der Wind blies aus West-Süd-West bis zu Süd-West. --

Des Abends wurde der Wind stärker, der Himmel wurde heiter, alle Sterne
funkelten -- und nun bot uns das Meer ein wundervolles Schauspiel!

Der Mond schien auf die Wasserfläche herab, auf welcher wir Nichts
würden haben unterscheiden können, wenn nicht der Schaum, und ~nur~ der
Schaum hell und weiß wie Schnee gewesen wäre. Das ganze Meer sah
~pechschwarz~ aus, war aber bedeckt von unzähligen, weiß-leuchtenden
Streifen, wie mit erhellten Kähnen oder länglichen Laternen, die darauf
schwammen und die nach dem Horizonte zu an das nächtliche Bild einer
großen Stadt mit ihren Lichtern erinnerte, wenn man diese von einer
Rhede aus erblickt. -- Also Millionen streifenförmiger, ~schnee~heller
Fackeln, die auf einem pechschwarzen Meere schwammen -- welcher Anblick!

Vorn am Bugspriet flogen Wolken von Lichtschaum halb kreisend, zur
Seite -- und am Ruderkasten war das schäumende Wasser so hell, daß ein
Lichtschein aus dem Meere heraufgeworfen wurde und die eine Seite des
Bootes, das zur Seite des Schiffes hing, erhellte, gleichsam als wenn der
Mondschein aus den Wellen heraufschiene, -- aber außer dem Schaume
leuchtete ~Nichts~ und nirgends konnte man helle Körper, nirgends Funken
entdecken, die man in andern Nächten oftmals durch das Wasser blitzen
sieht; -- hinter den Räderkasten, zur Seite des Schiffes glühte ein
~schnee~weißes Feuer, ein Feuer, das nur wenig in's Grünlich-Blaue
überging, etwa so, wenn man ein helles Licht durch eine Eisscholle scheinen
läßt, -- von da kräuselte das bewegte Wasser in Ringen und Streifen weiter,
vereinigte sich hinter dem Schiff mit dem der andern Seite und bildete dann
noch weit, weit hinaus hinter unserm Dampfer, der schnell vorwärts eilte,
einen langen, so hell wie Schnee glänzenden, aber von vielen pechschwarzen
Flecken unterbrochenen Schweif -- gleichsam eine Milchstraße, deren
Sternenschimmer von schwarzen, leeren Räumen, durch welche man in die
unendliche Tiefe hinaus oder hinab blickt, unterbrochen ist, -- und rund um
diesen Schweif hinter dem Schiffe und dem Lichtsaum zur Seite desselben,
umgaukelten und umflimmerten uns noch, bis an den fernsten Horizont jene
Millionen von schwimmenden Laternen! -- Es war unbeschreiblich schön und
eigenthümlich.

So fuhren wir die ganze Nacht lang dahin durch ein Meer von Licht, das
seinen anfänglichen schneeweißen, nur wenig in's Eisgrüne übergehenden
Schein gegen Mitternacht in einen weiß-gelblichen veränderte.

Diese Erscheinung des weißleuchtenden Schaumes wiederholte sich nur noch
Einmal in der folgenden Nacht (von dem 24sten zum 25sten) nach 12 Uhr,
aber nicht so lebhaft, wie den 23sten und wurde nachher von uns nicht
mehr gesehn.

Wir schifften nun vom 25sten Sept. an noch neun Tage lang durch das
indische Meer und kamen erst in der Nacht vom 3ten October, also nach
einer Fahrt von elf vollen Tagen und sechs Stunden seit unserer Abfahrt
von Point de Galle auf der Rhede von Aden an. Unser Cours war während
dieser Zeit bis nach Aden fast anhaltend West zu Nord, -- der Wind war
Anfangs West und West-Nord-West und erst seit dem 29sten, als wir uns
dem Zwischenraume zwischen Arabien und der Insel Socotora näherten,
vorherrschend Süd-Süd-West oder Süd-West, er wurde aber immer schwächer,
je näher wir dem Lande kamen, -- das Meer immer stiller,
spiegelglatter, -- das Wetter heitrer, ich möchte sagen
~egyptischer~, -- die Wärme aber auch immer drückender. Im rothen Meere
war unser Cours bis Suez fast anhaltend Nord-Nord-West, auch herrschten
dort nord-westliche, sehr schwache, Winde vor. -- Je näher wir der Küste
von Arabien kamen, um so mehr verschwanden auch die kleinsten Wölkchen
aus der Luft, und der feine Regenschauer am 23sten war die letzte
atmosphärische Feuchtigkeit, die wir auf dieser Reise sahen. Von diesem
Tage an sah ich in der indischen See, zu Aden, auf dem rothen Meere und
in Egypten dreißig Tage lang keinen Regentropfen mehr, kein Wölkchen
mehr am stets heitern Himmel und erst am 24sten October, als ich im
mittelländischen Meere war, sah ich wieder Wolken, die sich in einer
langen Reihe an den Gebirgszügen der Insel Candia, dem alten Kreta, bei
übrigens heitrer Luft, gelagert hatten.

Unser Schiff glitt auf dem indischen und rothen Meere so gleichmäßig,
so gestadig dahin, daß man, auf der Mitte des Verdeckes sitzend oder
stehend, nicht mehr glaubte, sich auf einem schwimmenden Körper zu
befinden; das Schiff schien fest zu liegen. -- Aber noch nirgends, und
am allerwenigsten unter dem Äquator (auf Sumatra, Java), hatte ich eine
so drückende Hitze ausgestanden, so ohne alle Erfrischung und Abkühlung,
als unter diesen nördlichen Breiten vom 15ten bis zum 30sten Grade auf
dem ~rothen Meere~.

Nach diesen, meist klimatographischen Bemerkungen, die ich
vorausgeschickt habe, weil sie für die weite Landstrecke von Socotora
bis Alexandria von ~allgemeiner~ Gültigkeit sind, verfolgen wir unsre
Reise und kehren auf unser Schiff zurück.

Wir hatten auf dieser Fahrt seit dem 22sten Sept., an welchem Tage wir
Ceylon verließen, um nach Arabien zu schiffen, kein Land mehr erblickt,
und bekamen zuerst wieder etwas Festes, Trocknes zu sehen, als am 3ten
October, des Mittags um 1 Uhr die Insel Socotora vor uns aus dem Meere
auftauchte.


Fußnoten:

[1] Diese Überfahrt wird Beamten und andern Personen, die dazu empfohlen
sind, vom Commandanten der Seemacht natürlich gratis zugestanden, so daß
die Passagiere, denen die Offiziere erlauben, an ihrer Tafel Theil zu
nehmen, nur 5 Fl. täglich in die Kasse der Menage zu zahlen
haben. -- Ich fand an Bord eine trefflich bestellte Tafel und von den
Herren Offizieren die liebreichste und zuvorkommendste Behandlung.

[2] Leider ist derselbe -- ein Deutscher, der seine Ausbildung auf der
Universität Bonn genossen -- im Laufe des vorigen Jahres gestorben.

                                                 ~Anm. des Übers.~

[3] Nach der kleinen Insel auf der Rhede von Batavia so benannt, auf
welcher ein Marineetablissement eingerichtet ist. Onrust bedeutet
Unruhe.

[4] Man vergl. Fig. 20, die Abbildung der Insel Pontjang kitjil in der
Bai von Tapanuli.

[5] Gewöhnlich, doch fälschlich Romania genannt.

[6] Zufolge malaischer Chroniken giebt Crawfurd an, daß malaische
Auswandrer aus Menangk[)e]bo auf Sumatra unter Turi Buwana in 1160 den
neuen Staat Udjung Tana und dessen Hauptstadt Singapur (von den
Sanskritwörtern _Singa_ ~Löwe~ und _Pura_ ~Stadt~) gründeten. Der letzte
König, der sich nicht zum Islam bekehren wollte, war Sri Iskander Shah.
Er wurde von dem Kaiser von Modjopaït auf Java bekriegt, in 1253 von
Singapur vertrieben und soll darauf Malaka gestiftet haben. Seit 1253
war Singapur eine Wildniß oder nur der Aufenthalt von Seeräubern (_orang
laut_) bis es sich in 1819 durch Raffles zu seiner jetzigen Größe erhob.

[7] Man sehe diese Sammlungen im Reichs-Museum für Naturgeschichte zu
Leyden.

[8] In manchen _Cabin's_ war nur eine, in manchen waren 4, in den
meisten aber waren zwei Schlafstellen und wo mehre waren, befanden sich
stets zwei übereinander. Es war ein Schiff von 800 Tonnen Last und 80
Pferdekraft.

[9] Nachdem sie schon vor dieser Zeit zweimal, wenn auch nur für kurze
Zeit, im Besitz der Briten gewesen war, nämlich das erste mal in 1795
bis zum Frieden von Amiens, und das zweite mal während des
Continentalkrieges bis 1814.

[10] _Malaka_ (sunda'sch) und _Kamlaka_ (java'sch) ist auf Java der Name
des Bäumchens _Emblica officinalis ¡Gärtn¡_.

[11] Wie C. Ritter sie nennt (Asien _IV_, 1, _p._ 42).

[12] Wenn ~Ward~ u. A. von drei Bergketten sprechen, welche von Süd nach
Nord durch die Insel streichen sollen, so können mit zweien davon nur
Vorgebirge oder Vorgebirgszüge gemeint sein, die eigentlich nur schief
ausgebreitete Rippen der (einzigen) Hauptkette sind. Eine solche,
weniger hohe Vorkette ist unter andern die, worauf wir jene Villa
erblickten.

[13] Einrichtung und Preis der Palankin's ist eben so wie zu Singapur.

[14] _Pulu_: ~Insel~; _Penang_ (_Poön-Penang_ d. i. Baum-Penang) ist der
malai'sche Name der überall in den Dörfern Indien's gepflanzten Palme:
_Areca communis_, welche die beim Betel-(Siri-)kauen gebräuchlichen
Nüsse liefert, also _Pulu-Penang_ eigentlich Betelnußbaum-Insel, von den
Engländern auch Prinz Wales-Insel genannt.

[15] Oder nach dem Siedepunkt des Wassers bestimmte Höhe. -- Wir sahen
am 12ten Abends den Saum der Kette nur in der Entfernung von 47 bis
höchstens 49 geographischen Minuten noch deutlich; hiernach kann er
nicht höher als ~höchstens~ 2000 par. Fuß sein (2121 engl.), weil
bekanntlich (wegen der Rundung der Erde) 2000 Fuß hohe Gegenstände nur
49-1/5 Minuten (12,30 Meilen) weit sichtbar sind.

[16] 1000 Siccaropijen = 1333 holl. Gulden.

[17] Verirrte Landvögel, die einen Ruhepunkt suchen auf dem Schiff und
ermüdet vom Fliegen, sich leicht mit den Händen fangen lassen, sind eine
den Seefahrern gewiß sehr gewöhnliche Erscheinung.

[18] Der Zeitgenossen Alexander's des Großen, Ptolemäus, nach ihm Strabo
etc.

[19] _Hirudo ceylanica ¡Blainv.¡_ (s. unt.)

[20] Auf Java wird Salpeter aus der Erde bereitet, welche den Boden der
Höhlen in tertiären Kalksteinbänken bedeckt. Diese Erde ist aber mit dem
Miste der Fledermäuse vermengt, die schaarenweis in den Höhlen wohnen.



_II._

Von Arabien bis Alexandrien.


Wir befanden uns der östlichsten Spitze von Socotora um 1-1/2 Uhr am
3ten October gegenüber. Wir fuhren bei west- zu nördlichem Cours an der
Nordseite der Insel vorbei, die also zur Linken liegen blieb. Ihre
Spitze stieg zackig-ausgesägt aus dem Meere empor, ging dann aber bald
in den geraden Saum eines langhingezogenen Bergrückens über, der sich in
der Richtung nach Norden wandartig steil herabsenkte. Die obern drei
Viertheile dieser steilen nördlichen Böschung waren dunkel- und das
untere Viertheil weißlich-, hellgefärbt, doch so, daß sich sowohl von
dem obern Theile dunkle Streifen, die das Meeresufer nicht erreichten,
herab-, als auch von dem untern Theile weißliche Streifen hinaufzogen,
die sich bis zum Saume ausstreckten.

Indem wir zwischen 2 und 3 Uhr näher kamen, entfaltete sich diese
verschiedene Beschaffenheit der Insel, die wir anfangs nur der Farbe
nach hatten unterscheiden können, immer deutlicher vor unsern Blicken
und wir erkannten allmählig, daß der dunkle obere Theil aus nackten
Felsmassen und der helle untere nur aus losem Sand bestand. Der erste,
der gewiß drei Viertel des Raumes einnahm, war umbragrau, mit einer
schwachen rostbräunlichen Nüance und der letzte, der nur ein Viertel
des uns sichtbaren Raumes betrug, war weißgrau von Farbe, in's Gelbliche
spielend. ~Alles~, was wir sahen, war vollkommen kahl, von aller
Vegetation entblößt und hatte in seiner dunkel- und weißgestreiften
Färbung, seiner eingerissenen Beschaffenheit, ein sonderbares, ödes,
trauriges Ansehn, -- mir um so fremder, da ich 13 Jahre lang
ununterbrochen in der allerüppigsten Natur geweilt hatte, in einem
Lande, wo alle Felsen, wo die Kraterschlünde selbst bewaldet
sind! -- Hier aber, auf dieser Insel, schien alles organische Leben
erstorben zu sein, -- todt und starr lag sie da -- das Gesicht der
~Wüste~ blickte uns an.

Der obere Saum der Bergmasse schien ohngefähr 1000 Fuß hoch zu liegen.
Er zog sich in einer geraden, ungekerbten Linie hin und senkte sich nach
Norden bis auf die halbe Höhe der ganzen Insel oder noch tiefer, steil
wie eine Mauer herab. Diese Mauer bildet mehr oder weniger deutliche
Vorsprünge und ist offenbar der Bruchrand eines einseitig erhobenen
neptunischen Gebirges, dessen parallele, oft horizontale oder nur
schwach geneigte, zuweilen auch etwas gebogene Schichtung wir deutlich
zu erkennen vermochten. Die Schichten, die von Ost nach West streichen,
fallen also wahrscheinlich nach Süden ein, so daß das Gebirge von seinem
höchsten Saume an eine nach Süden geneigte Platte bilden wird, ähnlich,
wie das Gebirge und eine Küstengegend am rothen Meere, das wir in Fig.
14 abgebildet haben. Obgleich die am meisten vorherrschende Farbe der
Felswände graubraun (umbrabraun) ist, so kommen doch auch sowohl große
weißliche Flecke, als auch deutlich begränzte parallele weiße Streifen
dazwischen vor, die wahrscheinlich Bänke von Kalk oder hellgefärbten
Mergeln oder Thonen sind und zwischen den übrigen dunkleren Schichten
liegen. Das Eigenthümlichste dieses Landes aber sind die hellgefärbten
Sandmassen, welche, durch ihre Bedeckung die Schichten oft ganz
unsichtbar machend, an den Felswänden anliegen. Sie entspringen oftmals
schon ganz oben am Saume als schmale, hervorstehende Leisten, laufen
Stützen gleich herab, werden nach unten zu immer breiter und vereinigen
sich zuletzt zu einem großen Ganzen, das als ein weißliches, sanft
gesenktes Vorland -- dünenartig -- und abwechselnd bald nur den fünften,
bald den vierten, bald den dritten Theil der gesammten Inselhöhe
einnehmend, zwischen dem Meeresufer und dem Fuße der Felswand liegt.
Sehr ähnlich sind viele Küstentheile der Halbinsel Sinai gestaltet, wie
in Fig. 13 abgebildet ist.

Der einspringende, weiter einwärtsliegende Raum der Felswände läuft
demgemäß zwischen den breiter werdenden Sandrippen schmal nach unten zu
und davon kommt es, daß man aus der Ferne dunkle Streifen sieht, die
nach unten, -- und helle, die nach oben schmäler werden. -- Beim Anblick
dieser ungeheuren Sandmassen, die den Fuß der Mauer bedecken und sich
noch, als Leisten, hoch bis zu ihrem Saume hinanziehen, entstand bei mir
die Frage: ist dieser Sand angeschwemmt oder ~angeweht~? -- wie können
durch Ausspülung von Wasser solche Rippen gebildet werden in einem
Lande, wo es fast niemals regnet? -- gehört ihre Entstehung einer
vorhistorischen -- der Diluvialperiode -- an? oder kann ihre Bildung der
Wirkung des Windes allein zugeschrieben werden?

Da die Nordküste von Socotora im Allgemeinen nach West-Nord-West
gerichtet ist und unser Cours West zu Nord war, so kamen wir allmählig
näher und vermochten den geschichteten Bau der Insel immer deutlicher zu
erkennen. Zuweilen war der obere Theil der Mauer fast ganz aus weißen
Felsmassen zusammengesetzt, die deutlich untergeschichtet und hier und
da abgebrochen, von vertikalen Spalten durchzogen waren, -- die Farbe
der Hauptmassen blieb aber bräunlich-grau. Manche Theile der Wände waren
in ihrer Kahlheit, in ihrer queren Schichtung, mit Vorsprüngen, worauf
Schutt und Sand liegt und in ihren Stützen von Sand, die sich an ihrem
Fuße ausbreiten, gewissen ~Kratermauern~ Java's so täuschend ähnlich,
daß, wären jene kreis- oder halbkreisförmig gewesen, man beide hätte
verwechseln können. Und doch ist die Bildung beider gewiß auf eine sehr
verschiedene Art vor sich gegangen, jener durch Wasser, dieser durch
Feuer, -- bei jenen wurde der Sand den Wänden angeschwemmt oder
angeweht, bei diesen regnete er herab aus der Luft, nachdem ihn
Kraterschlünde ausgespien hatten.

Zwischen 3 und 4 Uhr kamen wir einer Gegend vorbei, wo sich
Zwischenräume zwischen den Bergmassen oder Ketten befanden, die also aus
verschiedenen Abtheilungen oder Gruppen bestehen. Hier lagen kleine
Buchten und wir blickten in das Innere der Insel, nämlich in Thäler und
Thalgründe hinein, die sich tief und flach zwischen den Gebirgen
hinzogen und die in ihrem gekrümmten Laufe in geheimnißvoller Ferne vor
unsern Blicken verschwanden. Wir glaubten auf dem flachen Boden des
einen einige Dattelpalmen zu erkennen, übrigens aber waren sie eben so
kahl, wie die Bergwände, die sie umgaben. -- Nur Einmal (um 3-3/4 Uhr)
meinten wir einige krüppelige Sträucher zu sehen, die sich wie
vereinzelte schwärzliche Punkte auf dem hellern Sandgrunde vorthaten.
Wir befanden uns nämlich einer flach-convexen Strandgegend gegenüber,
die aus Sand aufgebaut war und sich als niedrige Vorterrasse bis zum
Fuße einer Bergkette hinzog. Diese Kette war viel höher, als alle
zeither gesehenen und hatte auch eine ganz andere äußere Beschaffenheit,
sie war kahl wie jene, erhob sich aber viel klüftig-durchfurchter,
zackiger, wilder und endete in einem gezähnt-zerrissenen
Kamm, -- bestand also wahrscheinlich nicht aus geschichteten
(neptunischen) Gesteinen, sondern aus plutonischen oder vulkanischen
Massen. Von der Sandterrasse, die ihrem Fuße vorgelagert ist, zogen sich
an mehren Stellen streifenförmige Partien an der schroffen Bergwand bis
zu einer großen Höhe hinan; diese oft sehr breiten Sandstreifen waren
~ganz glatt~, ~kahl~, sie waren, wie der übrige Sand hellgefärbt und
riefen, -- so wie sie da, scharfbegränzt, zwischen dunklern Umgebungen
der Felsen lagen, -- das Bild von ~Gletschern~, die sich von den Jöchen
der Alpen herabziehn, lebhaft in unsre Erinnerung zurück.

Um 4 Uhr waren wir einer vorspringenden Landecke bis auf ein Paar
englische Meilen nahe gekommen, von hier an aber trat die Küste zurück
und bildete eine große weite Bucht, deren jenseitigen (westlichen) Ecken
wir uns erst um 7 Uhr gegenüber befanden, als die Dunkelheit der
fallenden Nacht schon nicht mehr erlaubte, das Gestade deutlich zu
erkennen. Nirgends konnten wir Feuer am Ufer entdecken, so wie wir
überhaupt nirgends einige Spuren von Bewohntsein auf dieser nördlichen
Seite der Insel, der wir entlang gefahren waren, hatten bemerken können.
Doch sollen die innern, des Wassers nicht ganz ermangelnden und nicht
ganz von Pflanzenwuchs entblößten Thäler der Insel von einer geringen
Anzahl arabischer Familien bewohnt sein.

Was die ~Literatur~ betrifft, so habe ich über Socotora Nichts finden
können, außer ein Paar dürftigen Stellen in C. ~Ritter's~ Erdkunde, nach
Nachrichten in _J. ~de Barros~ Asia_. -- ~Ritter~ beklagt sich (a. a. O.
_I_, _p._ 123) über die so dürftigen Mittheilungen, was diese Gegenden
betrifft, obgleich (wie er hinzufügt) »Socotora, wegen des Schutzes vor
den Nordwinden, oft das Winterquartier portugiesischer Flotten in
diesen Gewässern war.« -- Die gegenüberliegende Küste von Afrika, von
Magadoro an nordwärts bis zum Kap Guardafu, mehr als 100 geographische
Meilen weit, wird als »wüst, ohne Menschen und unbekannt« bezeichnet. An
einer andern Stelle (Asien _IV_, 1, _p._ 443) heißt es: »Schon nach
~Arrian's~ _Periplus_« (330 vor Chr.) »ließen sich Fremdlinge aus
Indien, nebst Arabern und Griechen, um den Gewürzhandel nach Egypten und
Äthiopien zu betreiben, auch Reis, Musselin und Schildkrötenschaalen zu
bringen, auf der Insel Dioscorides, d. i. Socotora nieder, die dem
_promontorium aromatum_ vorliegt.« -- »~Vasco da Gama~ fand diese Indier
bei seiner ersten Umschiffung Südafrika's zu Melinde, was nicht fern von
Socotora liegt, wo er sie Bancani nennt.« -- »~Edrisi~ (1150) nennt
Socotora berühmt durch seine Aloë.« (Asien _VIII_, _p._ 262, 264.)

Bald war die wüste Insel mit ihren Bergen nur noch ein Schattenriß und
verschwand endlich ganz in der Nacht, während wir in der Finsterniß
dahin dampften. Die See war unbewegt und das Meerwasser war dunkel, mit
Ausnahme einzelner runder Stellen, die einen schwachen Lichtschein von
sich gaben und mit Ausnahme von kleinen Körpern, die hier und da mit
großer Schnelle, gleichsam zuckend, durch das Wasser fuhren und in
schlangenförmigen oder gezackten Linien ein ~hell~ leuchtendes Licht
verbreiteten. So oft diese Körper, wahrscheinlich Fische, sich bewegten,
so oft glaubte man ~Blitze~ in der Tiefe des Meeres aufzucken zu sehen
und wenn diese Blitze, wie oft geschah, in Millionenzahl auf Einmal
aufflammten, so gewährten sie in der That, da Alles umher so dunkel war,
ein prachtvolles Schauspiel.

Erst um 11 Uhr wurden zu ~unsrer Rechten~ wieder Gestalten sichtbar, die
dunkler waren, als der nächtliche Himmel; wir hatten uns der gebirgigen
Küste Arabien's genähert, der wir nun entlang fuhren, -- einzelne
Lichter wurden am Abhange dieses gebirgigen Landes sichtbar, -- nachher
sahen wir auch Schiffe mit Lichtern und um 12 Uhr des Nachts ließen wir
unsre Anker fallen.

Als wir den folgenden Morgen (4ten October) erwachten und uns auf das
Verdeck begaben, bemerkten wir, daß wir auf allen Seiten von Land
umgeben waren und uns in einer rundum geschlossenen Bucht befanden. Wir
lagen in der westlichen Bai[21] der kleinen Halbinsel Aden, der
sogenannten Back-Bai vor Anker.

Ich verweise den Leser in Beziehung auf die folgende Beschreibung von Aden
auf die kleine Kartenskizze Fig. 16, die, was die Größenverhältnisse
betrifft, freilich nur figurativ ist, die außerdem aber dem Leser über die
Positionsverhältnisse von Aden im Allgemeinen und über die Configuration
seiner Berge in's Besondere ein getreues, richtiges Bild verschaffen wird.

Die Umgebung dieser geräumigen Meeresbucht war die folgende. Den Eingang
in die Bucht sahen wir von unserm Schiff in West zu Nord. -- Rechts von
diesem Eingange erhob sich eine gebirgige Halbinsel Dschebel Hasan, die
wir in West-Nord-West erblickten und die sehr steil zu einem scharfen,
rauhen, spitzigausgezackten Kamme emporstieg. Sie soll aus Granit
bestehen und zwei Stunden lang sein. Ihre obere felsige Region erschien
dunkelgefärbt, umbragrau und ihre unteren Gegenden, die ohne Zweifel aus
Sand bestehen, gelblich-hell. Manche ihrer Berggruppen und zackigen
Felspartien waren durch geneigte Sandflächen (geglättete Sandgehänge)
von einander getrennt. Sie gingen einwärts (rechts) in ein flaches,
niedriges Land über, das die Bucht, in der wir lagen, in einem weiten
Halbkreise auf der Nord- und Ostseite unsers Schiffes umgab, und stellte
sich wie ein in's Meer hinaus- und der Westecke von Aden
entgegengeschobenes Vorgebirge dieses flachen Landes dar, das eine
Sandwüste zu sein schien, auf der wir nirgends eine Spur von Bergen oder
Hügeln bemerken konnten. Die Halbinsel Dschebel Hasan ist demgemäß nur
ein isolirt aus dem Sande hervorragender Felskamm. Ihre Lage scheint
nord-westwärts in Beziehung zur äußersten Westecke Aden's zu sein.

Je einförmiger, flacher dieses nördliche Ufer der Bai war, desto
gebirgiger stellt sich das ~Süd~ufer derselben, nämlich die ~Nordseite
der Halbinsel Aden~ dar, der wir, in einer kleinen Einbiegung der Bai,
so nahe lagen, daß wir den Menschen, die auf dem Lande waren, zurufen
konnten. -- Hier erhoben sich in frappanter Nähe die Gebirgsketten und
stiegen kühn und steil zu den schwindlichsten Höhen empor. Sie schlossen
unsere Aussicht von Ost bis West-Nord-West und endigten sich dort jener
zuerst genannten Halbinsel gegenüber in die westlichste Felsecke von
Aden: Ras Marbut, doch so, daß zwischen beiden ein geräumiger Kanal
übrig bleibt, der Eingang in diese für sehr sicher gehaltene Bucht.

Besser als eine Beschreibung wird vielleicht die von mir entworfene
Ansicht (obgleich sie nur eine flüchtige Skizze ist,) im Stande sein,
den Leser mit der Physiognomie dieser Berge bekannt zu machen. Er wird
dadurch zugleich ein Bild erhalten von dem landschaftlichen Charakter
des westlichen Theils vom Südgestade Arabien's überhaupt, wovon diese
Berge nur ein kleiner, den übrigen vollkommen ähnlicher Theil sind. Man
werfe daher einen Blick auf Fig. 17.

[Illustration: _Fig. 17._     _Lith. Anst. v. J. G. Bach, Leipzig._]

Hier wird das Auge zuerst getroffen durch den Anblick eines Gebäudes,
das die Aufmerksamkeit um so mehr auf sich zieht, weil es fast das
einzige ist, das man in dieser wüsten Gegend gewahr wird. Wir sahen es
von Bord unsres Schiffes in Süd-Süd-Ost. -- Einsam liegt das Häuschen da
am Gestade, in der stillen Bucht, die muldenförmig nach innen
ansteigt, -- halbversteckt zwischen den Bergen, die sich schroff und
kühn auf allen Seiten emporthürmen. Ihre Wände steigen glatt, nur von
oben nach unten von kleinen parallelen Furchen durchzogen, steil wie
eine Mauer empor und endigen sich hoch oben in einen Kamm, der den
Thalbewohnern den Anblick des Himmelslichtes noch lange nach dessen
Aufgange verbirgt und lange, finstere Schatten in die Klüfte wirft. Der
Saum hat eine eingerissene, höckrige, gekerbte Beschaffenheit, hebt und
senkt sich in den wildesten, regellosesten Formen und malt sich in
schroffen Umrissen, zackig-durchklüftet, wie eine Säge am Blau des
Himmels ab. Hinter den vordern Bergzügen, die lauter schmale, an ihren
Seiten wandartig steile Jöche sind, thürmen sich in der Ferne noch
höhere Jöche, noch wüster und rauher als die vorigen empor, -- aber, so
unbesteigbar sie dem Auge erscheinen, so verkündet doch ein hoch in die
Lüfte hingepflanztes Signal, -- ein für die christliche Menschheit so
bedeutungsvolles Zeichen, -- ein ~Kreuz~, das von der höchsten Zacke des
höchsten Joches »Schamshan« herab auf die Rhede blickt, daß menschliche
Wißbegierde sich auch zu diesen unwirthbaren Höhen einen Zugang
verschaffte. -- Die Meereshöhe dieses Punktes soll 1660 par. Fuß
betragen.

Nur auf dem unmittelbar an's Meer gränzenden Saume des schmalen Gestades
bemerkt man sandige Stellen, die wie jene sandigen Theile der zuerst
genannten kleinen Halbinsel gelblich hellgefärbt sind. Alles andere bis
hoch hinauf auf die Firsten der Berge liegt in einer einförmigen,
düstern Schminke da, nämlich in einer ~schwärzlichen~, ~grau-braunen~
(umbrabraunen) Farbe, die nirgends von einer verschiedenen Nüance
abgewechselt wird und die den unwirthbaren, gleichsam bangen,
furchteinflößenden Anblick der Gegend noch düstrer macht. -- Vergebens
sucht das Auge nach einem Baume, vergebens nach einem Strauche; kein
Grashalm, kein einziges grünes Fleckchen ist weit und breit zu
entdecken. Dunkel, umbragrau düstert Alles umher. Nur nackte, kahle
Felswände, wohin er sich wendet, blicken den Reisenden an und die
furchtbar zerrissene Zackenform der Bergkämme blickt drohend auf ihn
nieder. Sähe man das Häuschen nicht, das dort aus seiner stillen Bucht
im Kesselthale freundlich hervorblickt, -- wäre der blaue, heimathliche
Himmel nicht, der über diesem Gebirgschaos herablächelt, so könnte man
glauben, sich auf einem fremden, verwüsteten Planeten zu befinden.

Wenigstens in mir brachte der Anblick Aden's den Eindruck hervor, der
ich solche eingerissene Bergform, -- solch' öde Wüstennatur zum ersten
Mal anschaute. -- Alles vegetabilische Leben schien von hier verbannt zu
sein und Nichts war vorhanden, was mich an die reiche Pflanzenwelt von
Java, in deren Wäldern ich so viele Jahre lang geweilt hatte, hätte
erinnern können. Ich befand mich hier in einer Natur, die jener in
~schroffem~ Contraste gegenüber stand. Nur ~ein~ Wesen zeigte sich, das
mich an Java erinnerte, als wenn es mich auf der Reise von dort hierher
begleitet hätte, -- ein thierisches Geschöpf nämlich, -- ein Vogel.
_Falco pondicerianus_ flog, hier wie dort, in Kreisen um das Schiff.

Da der Führer unsres Schiffes bekannt gemacht hatte, daß wir wegen
einiger kleinen wünschenswerthen Reparaturen und des nothwendigen
Einnehmens eines neuen Vorraths von Steinkohlen, nicht vor 8 Uhr des
folgenden Morgens weiter reisen würden, so begab ich mich, um von
diesem Aufenthalte so viel als möglich Nutzen zu ziehen, den 4ten
October früh an's Land, um den heutigen Tag nebst dem folgenden Morgen
zum Durchstreifen der Halbinsel in verschiedenen Richtungen und zu
geologischen Untersuchungen derselben zu benutzen. Weil man überall
natürliche und oft sehr schöne Entblößungen der Felsen findet, so war
der geologische Theil der Untersuchungen leicht, und stand in gar keinem
Verhältniß zu den Schwierigkeiten, die sich der Erforschung vom innern
Bau des Landes auf Java entgegenstellen.

Ich begab mich in dem Kahne eines Somali[22] (eines Abyssiniers aus dem
Arabien südwärts gegenüberliegenden Lande Somali), der schöne
Gesichtszüge, aber dünne Waden hatte, an's nahe Land und wanderte, nur
mit einem tüchtigen geologischen Hammer und einigen Thermometern
bewaffnet, über die schmale Strandfläche hin, dem Hotel zu, das in
geringer Entfernung von der Küste im hintern Theile der Sandfläche lag,
da, wo diese anfängt, sich schon etwas zu erheben, um in die
muldenförmigen Thalgründe zwischen den Bergjöchen emporzusteigen.

Dutzende von arabischen Buben drängten sich zu mir heran und wollten
durchaus nicht erlauben, daß ich zu Fuß ginge, zumal da ein jeder einen
gesattelten Esel am Zaume führte. Sie priesen die guten Eigenschaften
und den ruhigen Gang ihrer Thiere um die Wette und waren so besorgt um
meine Bequemlichkeit, -- obgleich das Hotel kaum 200 Fuß weit von uns
entfernt lag, -- daß ich mich bald zwischen lauter Eseln eingeklemmt sah
und meine Thermometer Gefahr liefen, zu brechen. Erst nachdem ich mit
einem von ihnen (zum Behufe eines Ausflugs in die Insel) für ein Paar
Gulden einen wechselseitigen Contract geschlossen hatte, zogen die
übrigen -- (Esel) ab.

Westwärts vom Hotel, dem Meere zunächst, lehnen sich die großen
Kohlenmagazine dem Fuße der Berge an, nämlich viereckige offene Räume,
in denen die Kohlen hoch auf einander gestapelt sind. Sonst sieht man
hier Nichts von Menschenhand Gemachtes. Ich nahm mein Absteigequartier
im Hotel, das, wenn ich nicht irre, außer dem Speisesaale 30 luftige,
mehr oder weniger geräumige Zimmer enthält. Es ist nur zum Theil aus
Stein erbaut, dem größern Theile nach aus Bambus, Schilf und
Dattelblättern zusammengezimmert und wird von einem Parsen gehalten.
Außer den sehr willkommenen, periodischen Gästen, die mit den
Landmailschiffen kommen und deren Zahl nicht groß ist, wird es noch von
vielen unwillkommenen, stationären Gästen, nämlich Ratten bewohnt. Die
Tafel (für die erstern) war weniger gut besetzt, als dies an Bord der
Fall war, denn da Aden selbst nicht das Geringste producirt, so müssen
alle Lebensmittel theils mit Schiffen, theils auf Kameelen aus fern
gelegenen Gegenden hier angeführt werden. -- Mein erster Ausflug galt
dem von hier entferntesten, östlichsten Theile der Halbinsel, wo sich,
ein Stündchen Wegs von hier, die auf alten Ruinen wieder neu errichtete
Stadt befindet. Da noch viele andere Passagiere vom Schiff dieselbe
Absicht hatten, die Stadt zu besuchen, so waren die vielen Esel, deren
leitende Nebengeister vor dem Hotel ungeduldig auf angenehme Befrachtung
harrten, binnen Kurzem alle besetzt. Wir bedauerten einige schöne, zarte
Damen, die so gütig waren, uns ihre Gesellschaft zu schenken und die
ebenfalls mit diesem langgeöhrten Transportmittel vorlieb nehmen mußten,
dem einzigen nämlich, das man außer seinen eigenen Füßen hier haben
konnte. Die Sättel auf den in Arabien sehr geehrten Thieren waren
ungemein hoch, aber sehr lose angeschnallt und wackelten unerbaulich hin
und her. Sobald unsere Karavane vollständig beritten oder besser gesagt
beeselt war, zogen wir auf der neuen Straße, welche die Engländer auf
dem schmalen Raume zwischen dem Meere und dem Fuße der Berge angelegt
und oft durch hervorragende Felsecken hindurchgehauen haben, dahin und
umschrieben einen weiten Halbkreis rund um den Fuß des Gebirges, erst
nach Nord-Ost, dann nach Ost und endlich nach Süd. -- Ein jeder Esel
hatte einen leitenden Geist oder Maschinist, der, mit einem tüchtigen
Stocke in der Hand, hinter ihm herging. Wenn nun die vierfüßigen
Unterthanen zuweilen etwas schläfrig wurden und »Eile mit Weile« in
Ausübung brachten, so schlugen die zweibeinigen Maschinisten auf's
Locomotiv hinten auf, das dann gewöhnlich einen vertikalen Sprung mit
den Hinterbeinen machte, während es mit den Vorderbeinen plötzlich
stille stund. Die Reiter wippten dann, oder richtiger, ~wurden~ in die
Höhe gewippt, einen halben bis einen Fuß hoch, und wurden dadurch wider
Willen an die Erdbeben erinnert, die ohne Zweifel einmal an diesen
Felsen gerüttelt und geschüttelt und eben dadurch die Gebirge so
zerstückelt hatten, wie sie jetzt sind. Man konnte solchen vertikalen
Stößen um so weniger widerstehen, je unerwarteter sie kamen und die
Folge davon war, daß manche schlechten Reiter herabplumpsten in den Sand
und -- mit Ausnahme der schönen Reiterinnen, die bei diesen Exercitien
»das Unterste zu oberst« jederzeit viele Beweise der zärtlichsten
Theilnahme empfingen, -- von den Übrigen ausgelacht wurden. Manche
blieben, wenn sie durch solche Stöße das Gleichgewicht verloren hatten,
auf der Seite schweben und Andre, die sich an den Sattel hatten fest
halten wollen, der sich aber nach den Gesetzen der Schwere herumdrehte,
kamen unter den Bauch der Esel zu hängen, die dann, durch diese
verkehrte Art zu reiten, außer Fassung gebracht, wie vom Teufel besessen
davon galoppirten. Die Nebengeister der Esel liefen dann, unter einem
lauten Halloh, was sie laufen konnten, hinter drein, das arme Opfer,
das in einer so »schwebenden Pein« hing und das vielleicht schon an das
tragische Schicksal eines ~Mazeppa~ dachte, schrie, was es schreien
konnte und -- die Andern lachten. Doch lief die Pilgerfahrt glücklicher
Weise ohne Halsbrechen und ohne andre Beschwerden, als Hitze, Sand- und
Staubwolken ab.

Erst von da an, wo sich die Straße am Ostfuße eines Joches ganz nach
Süd-Ost und Süd gedreht hat, fängt sie an, am Gebirge hinanzusteigen und
nähert sich immer mehr einer schmalen, tief durch den Kamm eines Joches
hindurchgehauenen Kluft. Die Bergwand, welche sich hier zur Rechten,
nämlich auf der ~West~seite des Weges erhebt und welche in der Richtung
nach Osten in die, hier geschlossene[23] Bai herabschaut, ehe man jene
Kluft erreicht hat, -- zeichnet sich durch eine Menge großer Löcher,
oder ~buchtartiger Höhlungen~ aus, die nicht deutlich in Reihen liegen,
sondern ziemlich regellos an der Wand zerstreut vorkommen. Sie ähneln
den Aushöhlungen, die an manchen Küsten durch die Brandung des Meeres
verursacht werden, liegen aber 1--300 Fuß über dem Niveau des Meeres und
sind vielleicht (?) durch Kunst ausgehauene Cisternen (Tank's), die zu
Wasserbehältern dienten und bestimmt waren, das hier so selten fallende
Regenwasser aufzufangen.

Je höher man steigt und je mehr man sich der angedeuteten Kluft durch
den Bergrand nähert, um so mehr wird man mit Bewunderung erfüllt über
die ungeheuern Festungsbauten, welche die Engländer hier angelegt haben.
Schon diese Befestigungswerke rufen in dem Reisenden die Ahndung hervor,
daß er sich dem ~einzigen~ Zugange zu einer auf allen Seiten von der
Natur durch unübersteigliche Felsjöche befestigten Stadt nähere. Da, wo
diese Felsjöche eine Lücke, die Möglichkeit eines Zugangs ließen, da
sieht man diese Zugänge verstopft durch Bastionen und gewaltige Mauern,
welche daselbst errichtet sind und erblickt solche Mauern in Höhen von
mehren Hundert Fuß an den steilsten Wänden, wie angeklebt, oder auf den
höchsten Bergkämmen, wie aufgewachsen.

Die Kluft, der wir näher treten, ist ein durch die Kunst noch um 25--30
Fuß tiefer gemachter Einschnitt in die Felsen an einer Stelle, wo schon
die Natur eine Kerbe im Kamme eines Joches gebildet hatte. -- Feste
Mauern engen den Weg zu beiden Seiten ein, der zu ihr hinanführt, und
eine gewaltige Batterie, die sich auf der Ost- d. i. linken Seite, wenn
man von außen (von Norden) kommt, auf terrassenförmig höher steigendem
Gemäuer erhebt, vertheidigt den Eingang. Die hindurchgebrochene Kluft
selbst ist zu einem festen, überwölbten Thore umgestaltet, und durch
dieses Thor, -- durch diesen ~einzigen Zugangspaß von der Nordseite her
zur Stadt~, -- muß der erstaunte Reisende hindurchschreiten, wenn er zum
Orte Aden gelangen will, zu einer Stadt, die von Natur schon fester als
Gibraltar ist. Die Flur (oder die Sohle) des Thores mag 400 Fuß hoch
über dem Meere liegen. -- Sobald wir hindurchgeschritten waren, blickten
wir in ein Kesselthal hinab, in dessen Umfange sich fast auf allen
Seiten steile Bergwände herumzogen und beinahe eine Kreislinie bildeten,
wodurch der kleine Thalgrund gewissermaßen vor den Blicken aller Welt
verborgen gehalten wird. -- Sein ziemlich flacher Grund mochte 300 Fuß
tiefer, als der Paß durch den Bergrand, den wir auf der Nordseite des
Kessels überschritten hatten, also etwa 100 Fuß über dem Meere liegen
und eine englische Meile im Durchmesser haben. Nur auf seiner Ostseite,
wo er sich zum Ufer der östlichen (Aden-) Bai hinabsenkt, waren keine
umringenden Berge vorhanden. Dort war der Rand des Thalgrundes wenig,
und theilweis gar nicht erhöht.[24]

Aus diesem Thalgrunde, so recht im Innersten der Gebirge versteckt, die
ihn unzugänglich machen, blickte mit ihren Ruinen, neuen Gebäuden,
Hütten, Krambuden und Kasernen die ~Stadt Aden~ zu uns herauf, die wir
besuchen wollten. -- Wir stiegen auf dem Schlangenpfade der Straße hinab
und wanderten bald zwischen Ruinen von alten, bald zwischen Bruchstücken
von neu aufgerichteten Häusern, bald zwischen Menschen, die beschäftigt
waren, mit Hülfe von Lastthieren Wasser aus tiefen Brunnen zu schöpfen
und Mörtel zu neuen Bauten damit anzumengen und bald zwischen Arbeitern,
die alte Brunnen aufräumten oder neue gruben, dahin und gelangten so in
die Straßen der Stadt, die wir durchschlenderten.

So wie aber die Stadt und der ganze Kessel, in dem sie lag, von oben,
vom Paßthore herabgesehen, wohl einen öden, doch keinen freundlichen
Anblick gewährt hatte, so sah auch ihr Inneres durchaus nicht einladend
aus. Auch hier war nirgends ein grünes Fleckchen zu entdecken, viel
weniger ein Baum, Alles war kahl und wüst, -- man sah nur Sand,
Gebirgsschutt oder nackten Fels. Die Bewohner, deren Anzahl, außer der
Garnison und einigen europäischen und armenischen Kaufleuten, auf 7000
angegeben wurde, bestehn aus Abyssiniern (Somali), Juden, und
hauptsächlich aus Arabern, welche alle drei verschiedene Abtheilungen
der Stadt bewohnen. Die meisten Häuser waren niedrig, nur aus
Bambusrohr, Schilf, aus dem Holze und den Blättern der Dattelpalme
aufgerichtet, auch mit den Blättern dieser Palme, mit Schilf und Matten
gedeckt, und oben platt; nur wenige, worin vorzugsweise Juden wohnten,
waren, doch nur roh, von Stein gebaut. Ich sah nur wenige bessere und
zweistöckige Gebäude, in denen englische, armenische und chinesische
Kaufleute wohnten; die übrigen waren niedrig, unregelmäßig und die
Straßen zwischen ihnen schmutzig. Hier lag Kehricht in Haufen umher,
dort standen getrocknete Fische zu Kauf, hier wurden Kuchen in Öl
gebacken, dort standen Körbe voll Datteln, die zum Theil schon halb in
Gährung übergegangen waren, zur Schau, -- und, außer dem Geruche, den
diese Herrlichkeiten aushauchten, sorgten die Myriaden von Fliegen, die
davon angelockt, in den engen Gassen herumschwirrten, dafür, daß die
Reisenden daselbst nicht länger, als nöthig war, verweilten.

Wir besahen einige von den gegrabenen tiefen Brunnen, die in großer
Anzahl im Umfange des Thalkessels, am Fuße der Berge, besonders auf der
West- und Süd-Westseite liegen, da, wo diese Berge am höchsten sind. Die
meisten waren in Gereibsel- (Conglomerat-) und Tuffmassen, wenige in
compakten Fels ausgegraben und 30--40 Fuß tief. Sie liefern ein
vorzügliches Trinkwasser, das übrigens auch das einzige Wasser ist,
welches die Bewohner der Halbinsel besitzen. Nachdem wir die Stadt
durchkreuzt und einige Erfrischungen zu uns genommen hatten, trennte ich
mich von meinen Begleitern und machte nun Ausflüge zu Fuß in
verschiedenen Richtungen durch die Gebirge, während jene auf ihren Eseln
in's Hotel am Ufer der Back-Bai zurückkehrten. Ich will jedoch die
Beobachtungen, die ich über die topographischen und geologischen
Verhältnisse Aden's auf diesem, so wie auf spätern Zügen machte, welche
ich an diesem Tage durch die östlichen und mittlern, und am folgenden
Morgen vom Hotel aus durch die westlichen Gegenden der Insel unternahm,
in ~ein~ gedrängtes Bild zusammenfassen.

Alle Berge, die ich sah, hatten aus einiger Ferne erblickt, überall
dasselbe schwärzlich-grau-braune (umbrabraune) Kolorit und waren überall
gleich nackt, ohne eine Spur von Verwitterungskrusten, ohne den
geringsten Anflug von Flechten. Sie waren gewöhnlich vom Fuße an, bis
zur Hälfte ihrer Höhe in Schutthalden (Gebirgsschutt, Gereibsel)
verborgen, ja die weniger steilen Gehänge waren bis zu drei Viertel der
Höhe hinan mit Gereibsel überstreuet, so daß nur die obersten Jöche als
~compaktes~, nicht zertrümmertes Gestein hervortraten. Ihrer Gestalt
nach waren es sehr schmale, aber lang hingezogene Ketten oder große
Rippen, die sehr steile, oft mauerartige Seitenwände hatten und sich
oben in einen noch schmälern, meistens ganz scharf zulaufenden,
höckrigen, gekerbten, oder scharf eingerissenen, ja oft auf das
Wunderbarste ausgezackten und spitzgezähnelten Kamm (Firste, Gräte)
endeten. Sie stellten sich dar als auf das Gewaltsamste zerrissen und
zerklüftet und strebten ungemein kühn und zackig-rauh empor. Die Firsten
der meisten sind gewiß unübersteiglich und unbeklimmbar.

Was die Lage und Verbindung dieser Jöche betrifft, so streicht ein
höchstes, centrales Joch, das die Araber ~Dschebel~ (Berg) ~Schamshan~
nennen, von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost durch die Halbinsel und von
diesem Hauptjoche laufen Querzweige oder Seitenrippen, die übrigens eben
so gestaltet und in der ersten Hälfte ihrer Erstreckung nicht viel
weniger hoch sind, nach dem Meere aus, indem sie sich allmählig tiefer
senken. Ihre Anzahl nimmt durch Spaltung, durch das Auftreten neuer
Schluchten zwischen ihnen nach der Meeresküste hin zu, und so entsteht
ein merkwürdiges, auf den ersten Anblick labyrinthisches Gegitter von
schroffen Bergleisten und engen Schluchten zwischen ihnen, von denen die
meisten in ihrem Grunde eben so schmal sind, wie die Bergrippen auf
ihrer Firste. Nur einige von diesen Schluchten haben einen mehr
muldenförmig-gerundeten Grund und breiten sich in ihrer untersten
Gegend zu kleinen Sandflächen aus, die vorn an's Meer gränzen und kleine
sandige Buchten zwischen den Bergrippen bilden. Die größte und fast
kreisförmig gestaltete dieser Buchten ist das Kesselthal, worin die
Stadt Aden liegt, begränzt auf der Süd- und Westseite durch die
auslaufenden Rippen des Dschebel Schamshan und auf der Nordseite durch
ein kleineres Joch, das auch weniger hoch ist, aber mit einer Rippe des
Schamshan auf der Nord-Westseite des Thales ununterbrochen
zusammenhängt. Über die Kerbe, den tiefsten Punkt zwischen beiden führt
der uns bekannte Paß. Auf der Ostseite, der Insel Sira gegenüber, steht
die Bucht offen und senkt sich steil zum Meere herab, auf ihrer
Westseite aber erheben sich die höchsten Zacken des Schamshan, die man
auch von der Back-Bai aus sehen kann (s. × auf Fig. 17). So bilden Jöche
und Nebenjöche (mit Zwischenklüften) die ganze Halbinsel. Viele ragen
mit ihren Enden, die sich steil hinabsenken, oft weit in's Meer hinaus
und bestimmen dadurch die elliptische, in vielen Zacken vorspringende
Form von Aden's Küstensaume. Der größte Durchmesser der Halbinsel von
Ost-Süd-Ost nach West-Nord-West beträgt ohngefähr 1-1/2 Stunden. Die
höchste Spitze des Schamshan soll 1660 Fuß hoch sein.

In einer Richtung, die der Streichungslinie des Hauptjoches von
West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost fast entgegengesetzt ist, nämlich in
Nord-Ost, ist die Halbinsel mit dem Festlande von Arabien durch einen
schmalen Isthmus verbunden, der, wie das angränzende Festland selbst,
ganz niedrig, flach, sandig ist und nur aus zertrümmerten Korallen und
Muscheln besteht. Wäre dieser Isthmus nicht, so würde das Gebirge von
Aden eine ~vollkommen isolirte Berginsel~ sein.

Die steilen Abstürze, welche die meisten Rippen seewärts bilden, bieten
dem Geologen schöne Entblößungen an. Ich habe deren besonders auf der
Nord- und Nord-Westseite untersucht. Wegen der Kahlheit und dem Mangel
bedeckender Erdschichten bietet aber auch das Innere der Halbinsel, in
den Thalklüften, an den steilen, mauerartigen Gehängen der Jöche (da, wo
diese in keinen Schuttmassen, Felsbruchstücken verborgen sind) fast
überall eine reiche Gelegenheit dar, die geologische Structur zu
erkennen.

Ich habe keine andern Gesteine, als Lava-Arten, nämlich trachytische,
doleritische, basaltische Gesteine, nebst Trümmerbildungen derselben
Steinart (Conglomerate) und Tuffe gefunden. Die Halbinsel ist also ganz
vulkanisch zusammengesetzt und die Trümmerbildungen, die theils
Gluthbrezzien, theils unter Wasser abgesetzte oder als Schlamm geströmte
Gereibsel- und Tuffbänke sind, nehmen keinen geringen Antheil an dieser
Zusammensetzung. Am massigsten kommt trachytisches Gestein vor in den
mittlern Jöchen der Halbinsel, wo es leistenartig, oben schmäler
werdend, als mächtiges Ganggestein emporragt. Die trachytischen sowohl,
als die basaltischen Laven, welche man findet, sind bald dicht, bald mit
wenigen, aber großen Blasenräumen versehen und diese sind bald leer,
bald mit Kalkspath, Quarz, selbst Gypsspath ausgefüllt und verwandeln
die Felsart alsdann in einen vulkanischen Mandelstein, bald sind sie
ganz bimssteinartig porös. -- Was zu Aden meine Aufmerksamkeit am
meisten auf sich zog, da ich es auf Java zwar häufig in neptunischen
Gebirgen, aber nie in ~vulkanischen~ Bergen gesehen habe, waren
vertikale, bald gerade, bald im Zickzack verlaufende Gesteingänge,
welche durch die übrigen Massen von Nord-Ost nach Süd-West
hindurchsetzten, also fast in einer queren Richtung zur
Hauptstreichungslinie des Schamshan verliefen. Sie bestanden bald aus
trachytischem, porphyrähnlichem Gestein, bald aus Lava von einer mehr
dichten, basaltischen Beschaffenheit und ragten hier und da, gewöhnlich
aus losem Material (Reibungsconglomerat) als gewaltige Felsmauern oder
Kämme hervor; ich bin daher geneigt, zu glauben, daß jene steil
ansteigenden, oben zackig-geendeten Trachytleisten oder Rippen der
Halbinsel auch weiter nichts, als solche, sehr massive, vertikale
Gesteingänge sind. -- Mehr im ~Umfange~ der Halbinsel, also am ~Fuße~
der Rippen, besonders auf der West-Nord-Westseite kommen ähnliche
Steinarten in mehr ausgebreiteter, plattenartiger Form vor, nämlich als
Lavabänke, die parallel über einander liegen und bald gleichmäßig nach
außen, nach dem Meere zu geneigt, übrigens platt, bald gewölbeartig
gebogen sind, in welchem letztern Falle dann ihr vertikaler Durchschnitt
(die senkrechte Wand, die sie an der Küste bilden), ein zwiebelartiges
Ansehn erhält. Die schönsten Entblößungen dieser bankförmig über
einander gelagerten Gesteinmassen sah ich am Ufer der Back-Bai,
besonders auf der Nord-Westseite der Halbinsel, in der Nähe des Eingangs
in die Bai. Hier haben sie eine Mächtigkeit bald nur von 3, bald von 15
Fuß und wechseln sehr oft mit lockern Gereibsel- (Conglomerat-) und
Tuffschichten ab, zum Beweise, daß sie 1) wie die spaltenfallenden Gänge
und Bergleisten selbst, zu verschiedenen Malen und in verschiedenen
Perioden, aber alle in tertiären oder vortertiären, nicht in
historischen Zeiten ~unter dem Meere~ gebildet, theils als submarine
Lavaströme ergossen, theils aus dem Wasser, als Trümmer-, Schlamm- und
Tuffbildungen abgesetzt wurden, 2) daß sie eine ältere geschichtete (in
Bänke gesonderte) Bildung sind, als jene vertikalen, meist trachytischen
Gesteingänge, von denen sie durchbrochen und mit emporgehoben
wurden. -- Die meisten bankförmigen Gesteine, die ich sah, bestanden aus
schwärzlicher, basaltischer Lava.

An manchen Stellen war diese Lava dünnschiefrig, abgesondert, in den
mehrsten Gegenden aber in parallele Unterabtheilungen (Unterbänke)
getheilt; diese waren zuweilen in verschiedenen Richtungen
halbkreisförmig gebogen, -- an manchen Stellen, wo das Gereibsel unter
diesen Bögen fehlte, wo es weggewaschen oder weggekrümelt war, bildeten
sie überhängende Buchten oder Gewölbe, unter denen Grotten übrig
blieben, geräumig genug, um eine Anzahl Menschen zu befassen. An einigen
Stellen liefen die Biegungen der plattenförmigen Abtheilungen dieser
Lava sogar ~ganz kreisförmig zusammen~ und bildeten dann eine
~ausgezeichnet-kuglige, concentrisch-schaalige Absonderung~. An vielen
Stellen war diese Lava in allen möglichen, oft queren Richtungen, sowohl
von dünnen Adern, als auch dickern Massen von ~Gypsspath~ durchzogen;
auch fand ich Gereibselmassen, Steintrümmer, die durch dieses Mineral
hier und da brezzienartig zusammengebacken waren.

Ihre so ungemein zerrissene, zackig-zerstückelte Beschaffenheit hat die
Halbinsel wahrscheinlich erhalten durch die Wirkung der Meeresfluthen,
so lange sie noch unter dem Meere lag, aus dem sie ~allmählig~, in
häufig wiederholten absatzweisen Hebungen emporstieg. Dadurch mußten die
Conglomeratbildungen, die zwischen den senkrechten Gesteingängen lagen,
da wo sie nicht von plattenförmig ausgebreiteten Lavamassen bedeckt und
dadurch vor den Wogen geschützt waren, besonders leicht zerstört werden
und dadurch wurde vielleicht die große Tiefe der Schluchten und die
schroff hervorragende Leistenform der Berge zwischen ihnen bedingt oder
vermehrt. In den Gegenden der Halbinsel, wo der innere Bau des Landes
aus der vorhin bezeichneten bankförmigen (platten oder gebogenen)
Absonderung besteht, was besonders im äußern Umfange der Insel der Fall
ist, da ist die äußere Form der Berge flach oder wulstig, man sieht
gleichmäßigere und sanfter gesenkte Gehänge. Auf dem verflachten
Scheitel eines solchen Bergwulstes im west-nord-westlichsten Ende der
Halbinsel haben die Briten ein kleines Fort erbaut, das dem Eingange in
die Back-Bai, den es beherrscht, gegenüber liegt. Man kann dieses Fort
auf einem bequemen, neu angelegten Wege besuchen, der vom Hotel, dem
Landungsplatze aus, in entgegengesetzter Richtung, als jener zur Stadt
führende, nämlich nach West leitet. Er läuft hart am Fuße der Berge
zwischen diesem und dem Meere hin und schmiegt sich allen Unebenheiten
der Küste an, die bald in Zacken hervorragt, bald in kleinen sandigen
Buchten einspringt. Nach einer halbstündigen Erstreckung vom Hotel
steigt er, um das Fort zu erreichen, hinan am Berggehänge, auf welchem
sich die englischen Offiziere aus Holz, Bambus, Schilf und
Dattelpalmblättern mehre luftige Wohnungen erbaut haben. Selbst kleine
Gärtchen für Blumen und Gemüse haben sie versucht, in der Umgebung ihrer
Schilfhäuser anzulegen und haben die fruchtbare Erde, die dazu nöthig
war, Tagereisen weit aus entfernten Gegenden Arabiens kommen lassen.
Denn der steinige Boden ist auf der ganzen Halbinsel überall so
vollkommen nackt, daß man nirgends die Spur einer Verwitterungskruste
findet und nicht einmal den Thallus einer Flechte auf den Felsen
antrifft. -- Doch habe ich auf meinen Ausflügen eine Anzahl kleiner
Sträucher und Halbsträucher gefunden, für deren besondere Organisation
dieser Boden gedeihlich scheint und die wild in losem Sande oder in
Felsspalten wuchsen. Sie waren nicht höher wie 1/2-2, höchstens 3 Fuß
hoch und bestanden aus 6 verschiedenen Arten, worunter ich eine
stachelige _Acacia_, -- eine halbstrauchartige _Reseda_, -- _Capparis
spinosa_, -- und eine _Euphorbia_ erkannte.

In den Bergschluchten sollen sich viele Füchse von grauer Farbe und
selbst einzelne Hyänen aufhalten. Ich habe von thierischen Bewohnern
außer einem Raubvogel (_Falco pondicerianus_) nur Ratten und zahme Esel
gesehen.

Es schien mir nicht unwichtig, einige Beweisstücke über das vom
geologischen Baue Aden's Mitgetheilte zu besitzen. Zu diesem Behufe
schlug ich von den verschiedenen Felsarten Stücke ab, von denen ich
jedoch nur eine Anzahl der am meisten bezeichnenden, vorherrschenden und
auch von diesen nur ~kleine~ Exemplare habe mitbringen können.[25] Diese
habe ich unter den folgenden Bezeichnungen und Nummern im
naturhistorischen Museum zu Leyden deponirt.

~Aden Nr. 1~. Ein porphyrartiges Gestein. Eine gleichförmige
Felsitgrundmasse, die nur dem bewaffneten Auge sehr feinkörnig
erscheint, eben von Bruch, blaß-röthlich von Farbe, enthält vereinzelte,
matte, wenig glänzende Feldspathkrystalle, die dem bloßen Auge wie
unregelmäßige, eine Linie große weiße Flecke erscheinen, nebst vielen,
kleinen, durch die ganze Gesteinmasse zerstreuten Magneteisentheilchen,
die aber nur zum Theil mit der Loupe in Gestalt sehr kleiner Körnchen,
auch kleiner Adern sichtbar sind. In noch kleinern, kaum mit der Loupe
sichtbaren Theilchen kommt Eisenkies darin vor. Die ganze Gesteinmasse
funkt zum Theil am Stahl. -- Von einem der senkrechten Gesteingänge, im
nord-östlichen Theile der Insel, unweit vom befestigten Thore auf dem
Rande des Kesselthals. -- ~Aden Nr. 2~. Eine braunrothe Lava-Art. Eine
dem bloßen Auge gleichförmige, nur unter der Loupe feinkörnige
Grundmasse enthält vereinzelte glasige Feldspathkrystalle und ist von
vielen engen Blasenräumen durchzogen, aber fest und compakt, weil die
Gesteinmasse zwischen den Poren viel dichter ist, als diese weit
sind. -- Von Rippen des Schamshan. -- ~Aden Nr. 3.~ Graues, im Bruche
blättrig-splittriges, gleichförmiges, dichtes, mehr phonolith- als
trachytartiges Felsitgestein, hier und da mit einem vereinzelten
Ryakolithkrystall, oft in Platten brechend. -- Dieses, so wie alle
Gesteine Aden's sind sehr unscheinbar. -- ~Aden Nr. 4.~ Dem vorigen
gleichendes, nur noch dichteres, schwärzliches, basaltisches Gestein; in
plattenförmige Stücke brechend, und auf den Absonderungsflächen mit
dünnen Lagen von dichtem schwefelsaurem Kalk (Gyps) überzogen. Diese
letztere Substanz ist nebst kohlensaurem Kalk für Aden sehr bezeichnend
und kommt nicht nur in dieser, sondern in ~allen~ Felsarten der
Halbinsel in Menge vor. Beinahe alle diese Felsen sind nämlich von
vielen, meist sehr gedrängten, feinen, dem bloßen Auge oft gar nicht
sichtbaren Rissen (Absonderungsspalten) durchzogen, und diese Risse sind
mit papierdünnen oder höchstens eine Viertellinie dicken Schichten
theils von kohlensaurem, meistens aber von schwefelsaurem Kalk erfüllt,
der sich in Gestalt dünner Blättchen leicht vom Gestein ablösen läßt. In
Folge von diesen (zum Theil mit Kalk ausgefüllten) vielen Rissen
schilfern die Felsen außerordentlich leicht ab, es lösen sich Theile von
ihrer Oberfläche und die Schutthalden am Fuße der Felswände werden
größer. -- ~Aden Nr. 5.~ Poröse Lava, die ihrer Structur nach der Nr. 2
vollkommen gleich, nur grau von Farbe ist. -- ~Aden Nr. 6.~ Schwarze,
von sehr kleinen, zahlreichen Blasenräumen durchzogene, ganz poröse,
aber harte, feste und schwere Lava. -- ~Aden Nr. 7.~ Dergleichen mit
viel größern Blasenräumen durchzogene Lava. -- ~Aden Nr. 8.~ Dergleichen
Lava mit sehr großen, weniger gedrängten, nach ~einer~ horizontalen
Richtung verlängerten Blasenräumen. -- Nr. 6, 7 und 8 gehen durch
Zwischenformen in einander über und bestehn aus einem und demselben,
gleichförmigen, basaltischen Lavateige, in welchem auch das bewaffnete
Auge fast keine Bestandtheile zu erkennen vermag. -- Im nord-westlichen
Theile der Insel, am Ufer der Back-Bai. -- ~Aden Nr. 9.~ Hellgraue, fast
weißliche, mit Alaun durchdrungene, unter der Loupe körnige
Feldspathmasse, mit vielen kleinen, unregelmäßigen, zersetzten
Hornblendekörnern, ohne Magneteisen. Es ist ein bröckliges, fast
sandsteinartiges, innig mit Alaun durchdrungenes, von Gewicht schweres
Agglomerat von Feldspath- und zersetzten Hornblendekrystallen. -- ~Aden
Nr. 10~, _a_ und _b_. Mehr oder weniger gebleichte Feldspathlaven, die
wahrscheinlich lange Zeit der Einwirkung saurer Dämpfe bloßgestellt
waren. _a._ Mit sehr vielen kleinen Krystallen von Magneteisen; viele
von diesen sind sehr klein, nur unter der Loupe sichtbar und bilden hier
und da auf den Absonderungsflächen ganze Anflüge, die dem bloßen Auge
nur als schwarze, pulverige Flecke erscheinen. -- Dieses Gestein giebt
sich zu erkennen als identisch mit Nr. 1, nur in etwas verändertem,
gebleichtem Zustande. -- Schwefelbeschlag ist selten. _b._ Ohne
Magneteisen; aus Feldspath und Quarzkörnern mit veränderter zersetzter
Hornblende bestehend, innig und stark mit Alaun durchdrungen,
ungleichförmig, körnig, gesprickelt, oft gestreift. Schwefelbeschlag
hier und da. -- ~Aden Nr. 11.~ Rothbraune, gleichförmige, dichte
Felsitgrundmasse, hier und da mit einem Schwefelanflug und auf den
Absonderungsflächen des zerspaltenen Gesteins mit dünnen,
lamellenartigen, leicht abschilfernden Überzügen von kohlensaurem Kalk.
An einigen Stellen befindet sich in dieser Felsart eine 1/2--2 Linie
dicke Schicht von Thoneisenstein, die sich als eine gerade
hindurchlaufende schwarze Ader darstellt. -- ~Aden Nr. 12.~ Eine tuff-
und brezzienartige Lava. Sie besteht aus dünnen, lamellenartigen,
parallelen, horizontal hingezogenen, oft auch wellenförmig gebogenen
~Streifen~ einer feinkörnigen, schwärzlich-grauen Lava, die von einander
getrennt sind durch eine Zwischensubstanz von weniger hartem, heller
gefärbtem, gelblich-grauem Tuff, -- und erscheint dadurch in
horizontaler Richtung abwechselnd hell und dunkel gestreift. -- War
diese merkwürdige Lava ein vulkanischer, glühender Schlammstrom, durch
den sich wirkliche geschmolzene Gesteinmassen hindurchzogen, ergossen
unter sehr starkem Druck? -- In den nord-westlichen Gegenden, am Ufer
der Back-Bai. -- ~Aden Nr. 13.~ Quarz und Chalcedon. Kommt bald an der
Oberfläche in 1/4--1 Zoll dicken Überzügen, oft traubig gestaltet, bald
im Innern der Laven, die Blasenräume und Spalten derselben ausfüllend,
vor. -- ~Aden Nr. 14.~ Gypsspath. (Blättriger schwefelsaurer Kalk.
Marienglas.) Bald die Spalten und Blasenräume der Laven füllend, bald
die Felsmassen in 1/2--2 Zoll dicken Adern durchsetzend. -- Ufer des
nord-westlichen Theiles der Insel an der Back-Bai.

Was die Literatur über Aden betrifft, so sind die Hauptwerke unter den
neuern Schriften nach ~Carl Ritter~ die folgenden: _R. ~Forster~, Short
Topographical Description of the Cape of Aden_; mit einer Karte; (in den
_Proceedings of the Bombay Geogr. Soc. May 1839. 8._) -- _Capt. S. B.
~Haines~_ (welcher damals Gouverneur von Aden war) _Memoir of the South
and East Coasts of Arab._ (im _Journ. of the Lond. Royal Geogr. Soc.
1839. vol. IX_). -- _~Fr. Burr~, Sketch of the Geology of Aden_ (in
_Transact. of the Geolog. Soc. of London, Sec. Ser. vol. VI. P. 2.
London, 1842_). -- _J. P. ~Malcolmson~, Account of Aden_ (im _Journ. of
the Roy. Asiat. Soc. of. Gr. Britain. and Ireland. London, 1845, Nr.
XVI, p. 1_).

Außer den ältern Werken seit der Römer Zeiten und außer mehr
vereinzelten Berichten bei neuern Reisenden, sind es besonders die hier
angegebenen Schriften, aus denen ~Carl Ritter~ geschöpft hat. Seine
Arbeit über Bab el Mandeb, Aden u. s. w. (Erdkunde _XII_, _p._ 664--707)
ist so gründlich und umfassend, daß wenigstens für unsern Zweck kein
erneuertes Studium der Quellen nöthig schien. Auch konnte ich mir nur
die Abhandlung von ~Burr~ und ~Malcolmson~ verschaffen, die ich nachlas.
Es sei mir daher erlaubt, nach diesen beiden Autoren und nach der
allgemeinen Bearbeitung von ~Ritter~ Dasjenige hier einzuschalten, was
ich in der kurzen Zeit eines Tages nicht selbst erfahren oder nicht
selbst beobachten konnte.

Die Stadt Aden (auf der Ostseite der Halbinsel) war schon in den ältesten
Zeiten als ein berühmter Seehafen und Handelstapelplatz bekannt. Sie kommt
unter dem Namen Athana bei ~Plinius~ vor, -- Madoce bei ~Ptolemäus~, und
ist der Hafenort _Arabia felix_ des Periplus. Sie wurde wahrscheinlich
schon bei der ~Salomon~'schen Ophirfahrt besucht 670 vor Chr. und auf der
Periplusfahrt (des ~Pseudo-Arrian~) 330 v. Chr. -- Unter Kaiser
~Constantinus~ in der Mitte des 4ten Jahrhunderts nach Chr. wurde eine
Kirche zu Aden gebaut, und außer den Römern besuchten indische und
chinesische Kaufleute häufig den berühmten Ort. -- ~Edrisi~ erwähnt ihrer
in 1150. Als ~Marco Polo~ in 1293 und ~Ebn Batuta~ in 1328 sich daselbst
befanden, war sie noch der große, berühmte Markt für arabische Pferde und
indische Gewürze. Im J. 1513 war Aden noch sehr blühend und so fest, daß
~Albuquerque~ mit seiner Flotte auf die Eroberung derselben Verzicht
leisten mußte. In 1538 aber wurde Aden von den Türken unter ~Suleiman~ _I._
erobert und von Türken bewohnt und beherrscht bis 1630. -- Theils durch
diese Türkenherrschaft, -- theils durch die veränderte Richtung des
indischen Handels rund um die Südspitze von Afrika, -- theils auch durch
die geringe Civilisation und die Raubsucht der arabischen Stämme, welche
sich in 1705 von ~Jemen~ losrissen und sich unter eignen, unabhängigen
Sultanen in Besitz von Aden setzten, versank das alte Emporium immer mehr
in Ruin; sein Reichthum und Glanz verschwand dermaßen, daß in 1839 die
ganze Halbinsel nur noch 1000 Einwohner hatte, lauter arme Araber, die in
elenden Hütten wohnten.

Die Denkmäler, welche die verschiedenen frühern Bewohner Aden's seit den
Zeiten von ~Constantinus~ im Jahre 350 nach Chr. und noch mehr seit der
Türkenherrschaft von 1538 bis 1630 hinterlassen hatten, fielen immer
mehr in Schutt. Zu diesen Ruinen gehören unter andern eine kolossale
Wasserleitung aus Backsteinen, die über den Isthmus drei Stunden weit
in's Innere von Arabien führt, zu einem nun auch versiegten
Brunnen; -- ferner das Mausoleum des Sheikh ~Idris~, -- große in Fels
gehauene oder gemauerte Wasserbehälter und eine Menge sehr tiefer
Brunnenschächte in den Umgebungen der Stadt, -- Mauern von
Gebäuden, -- Kunststraßen, -- Treppen, -- Grabmäler, Befestigungswerke
u. s. w.

In 1839 unterhandelten die Engländer über die Abtretung der Halbinsel
mit dem damaligen Sultan des ~Abd-Ali~-Stammes, zu dessen Herrschaft sie
gehörte und der sieben Stunden nord-westwärts von Aden in der
Binnenstadt Lahedsch (oder Ladsch) residirte; da dieser Sultan aber die
geschlossenen Contracte treulos brach, so wurde Aden mit Gewalt der
Waffen eingenommen. -- Nicht nur als Station für die Dampfschiffe der
sogenannten Landmail zwischen Indien und Egypten, sondern auch als
Festung, -- als zweites Gibraltar, -- in der Nähe des Eingangs zum
rothen Meere und Hafen und Stapelplatz überhaupt zwischen Indien und
Arabien, dessen Kaffeeausfuhr man hoffen durfte, von Mochha allmählig
hierher zu ziehen, war sein Besitz für die Engländer von Wichtigkeit. --
Seit der Zeit nun hat die Halbinsel eine gänzliche und schnelle
Umgestaltung erlitten, -- kolossale Festungswerke sind gleichsam aus den
Felsen herausgewachsen, -- die Eintausend halbzerlumpten Einwohner sind
schon auf 20,000 gestiegen, worunter 12--13,000 Araber, 3-1/2 Tausend
Truppen und die übrigen fremde Nationen, -- die Brunnen sind wieder
aufgeräumt worden, -- eine Menge Gebäude, Hotel's, Kasernen sind
errichtet, und so hat Aden allerdings die Aussicht, binnen noch einigen
Jahren zu seinem alten Glanze nicht nur wiedergekehrt zu sein, sondern
diesen noch zu übertreffen. Bis jetzt kostet es aber den Engländern
jährlich 90,000 Pfund, ohne etwas aufzubringen.

Erst seit dieser Zeit (1839) ist Aden besonders durch die Arbeiten vom
Capitain Ingenieur R. ~Forster~ und dem Arzte ~Malcolmson~, was seine
topographischen und physikalischen Verhältnisse betrifft, genauer
bekannt geworden. -- Die Stadt liegt unter 12° 46' nördl. Br. und 45°
10' östl. Länge von Greenwich und die höchste Zacke des Schamshan erhebt
sich nach Messungen von ~Haines~ 1666 par. Fuß hoch.

Was das ~Klima~ dieses Landes betrifft, so theilen die genannten
Beobachter das Folgende darüber mit, dem ich einige von mir selbst
gemachte Beobachtungen hinzufügen will.

~Der heiße~ oder Süd-West-Musson herrscht von April bis October. Der
Wind, der sich aber durchgehends des Nachts legt, treibt oft Staubwolken
von den Bergen herab und in diesen steigt die Hitze auf 104° Fahrh. Oft
wehen auch stürmische Nordwinde, die wegen der großen Hitze und den
Staubwolken, die sie anbringen, eine der Hauptplagen für die Bewohner
Aden's sind.

~Der kalt~e oder Nord-Ost-Musson herrscht von October bis März. Während
dieser weht, ist die Luft feucht und die Felswände schwitzen alsdann,
nach ~Malcolmson~, häufig »alkalische Salze« aus. Dies scheint ein
Irrthum zu sein. Ich habe außer Alaun keine Spur von im Wasser
auflöslichen Salzen in Aden finden können, wohl aber sehr häufig
~Kalkerde~, die in dünnen Überzügen auf den Absonderungsflächen, die
meistens nur papierdünnen Risse der Felsen ausfüllend, vorkam. Es war in
den meisten Fällen ~schwefelsaurer Kalk~ (Gyps), zuweilen aber auch
kohlensaurer Kalk, der hier und da, in den Blasenräumen und größern
Spalten der Felsen, auch in reichlichern Massen auftrat.[26]

Doch fallen nur zuweilen in November, Januar und Februar Regenschauer
von kurzer Dauer. Das ganze übrige Jahr hindurch ist die Luft trocken
und der Himmel sehr heiter. In den kalten Monaten beträgt nach
~Malcolmson~ die größte Wärme über Tag und die größte Abkühlung des
Nachts 86 und 64° Fahrh. Während meines Aufenthaltes war in der Bucht,
wo das Hotel steht, die Differenz zwischen Tag- und Nachttemperatur noch
größer und betrug 29 Grade; am 4ten October nämlich des Mittags zwischen
2 und 3 Uhr war die Wärme im Schatten 95 und am 5ten des Morgens kurz
vor Sonnenaufgang 66° Fahrh. -- Diese große Abkühlung des Nachts, die
gewöhnlich, so trocken auch die Luft sein mag, wenn es windstille ist,
starken Thau zur Folge hat, war für das Gefühl empfindlicher, als die
Hitze des Mittags und brachte Frösteln hervor. Auch blieb das
Badewasser, das aus einem gegrabenen Brunnen hinter dem Gebäude
geschöpft wurde und seines bittern Geschmackes wegen, vielleicht weil es
_Sulphas Magnesiae_ aufgelöst enthielt, untrinkbar war, bis in die
Mittagsstunden empfindlich kühl. Daß übrigens die organische
Empfänglichkeit für Wärme (das Gefühl derselben) ein sehr betrügerischer
Thermometer ist, leuchtete mir sehr deutlich zu Aden ein; denn die 95
Grade Luftwärme, die ich hier in dieser trockenen, arabischen Luft
athmete, kamen mir weniger drückend, weniger heiß vor, wie die ~feuchte~
Luft zu Batavia, wenn diese auch nur 84 oder 82° warm ward.

So wie es nur höchst selten regnet, so ist auch kein Bach, keine Pfütze,
kein Tropfen Wasser auf der Oberfläche der Halbinsel zu finden. Nur in
künstlich gegrabenen Brunnen (cylindrischen Brunnenschächten), deren
mittlere Tiefe 40 Fuß beträgt, sammelt sich ein nicht nur trinkbares,
sondern auch vortreffliches Wasser an. Solche, an ihrer obern Öffnung
mit einer niedrigen Mauer umgebene Brunnen findet man im Kesselthale und
dessen Umgebungen 350 an der Zahl. Von diesen sind die meisten ~alte~,
schon in einer frühern Zeit, von frühern Bewohnern Aden's gegrabene
Brunnen, welche von den Briten seit 1839 nur wieder aufgeräumt wurden.
Sie liegen sämmtlich am Fuße der hohen Bergjöche und sind, wie ich
gesehen habe, mehr in Gereibsel-, als in compakten Felsmassen
ausgegraben. Ihren Reichthum an Wasser, der das ganze Jahr hindurch
unveränderlich ist, doch nie über ein gewisses Niveau in den Brunnen
steigt, hält ~Malcolmson~ in einem so trockenen Lande, wie dieses, nur
durch Zufluß in unterirdischen, heberförmigen Gängen aus dem gebirgigen
Innern Arabien's und durch hydrostatischen Druck für erklärbar, auf
gleiche Art, wie die Bildung artesischer Brunnen möglich ist. Ohne die
Anwesenheit dieses Brunnenwassers würde Aden unbewohnbar sein, denn die
gegrabenen Schächte in den Strandgegenden liefern nur Brakwasser.

Ich lasse die Hypothese von Tagereisen weitem, unterirdischem Zufluß
dahin gestellt sein und bemerke nur Folgendes.

Da über Tag die Hitze sehr groß ist, so steigen aus dem Meere, das die
Halbinsel auf allen Seiten umfluthet, viele Dünste auf, da aber die
Abkühlung des Nachts wieder desto stärker ist und oft einen Unterschied
von 30° mit dem Maximum der Tageswärme bildet, so fällt jede Nacht ein
starker Thau, der durch die Gereibselmassen, die einen großen Theil der
Halbinsel bilden und die durch die zerspaltenen Felsen hindurchsickern
und sich in ~der~ Tiefe, in welcher er auf ~un~durchklüftete Felslagen
stößt, zu Wasser anhäufen muß. Dazu kommt noch, daß, nach ~Malcolmson's~
eignem Bericht, die Luft von October bis März, während des
Nord-Ost-Musson's, feucht ist, daß die Berggipfel alsdann oft in Wolken
gehüllt sind, ja, daß es in den Monaten November, Januar und Februar
zuweilen regnet. -- Es entsteht nun die Frage, ob diese atmosphärische
Feuchtigkeit, die in einer Ausdehnung von 1-1/2 Stunden lang und 3/4
Stunden oder mehr breit, auf zum Theil 1660 Fuß hohen Gebirgen
niedergeschlagen wird, allein nicht hinreichend geachtet werden kann, um
jene Brunnen, die in dem tiefsten Innern der Insel, -- dem
Kesselthale -- liegen, mit Wasser zu speisen? -- und ob sich das stets
gleiche Niveau dieser Brunnen nicht sehr natürlich erkläre dadurch, daß
sie, ~oberhalb~ einer undurchdringlichen Felssohle, etwa einer Lavabank
(bis auf welche sie reichen), alle mit einander in Verbindung stehen,
weil sie sich in einem lockern Sand- und Gereibselboden befinden, der
vom Wasser wie ein Sieb durchdringbar ist? --

Was den ~geologischen Bau~ von Aden betrifft, so stimmen über die
Zusammensetzung der Insel aus vulkanischen Gesteinen die Beobachtungen
der englischen Forscher mit den meinigen überein. -- Das Kesselthal
aber, worin die Stadt liegt, wird von ihnen ~ein erloschener Krater~ und
die ganze Halbinsel ~ein ehemaliger, submariner Vulkan~
genannt, -- eine Ansicht, womit ich mich nicht vereinigen kann. Jener
Thalgrund hat allerdings eine Trog- oder Kesselform und die Gehänge, die
ihn umringen, sind an vielen Seiten, besonders auf der Westseite,
wandartig steil; aber 1) bilden die Bergjöche, denen diese Wände
angehören, nach außen zu, auf ihrer vom Kesselthale abgewendeten Seite
eben so steile Wände; 2) andre, vom Thale entfernte Jöche auf Aden sind
eben so steil und mauerartig; 3) nicht nur die benachbarte kleine
Halbinsel Hasan, die dem Eingange der Back-Bai gegenüber liegt, sondern
auch manche Bergjöche auf der Insel Socotora und fast alle Bergketten,
die ich auf den Küsten von Arabien gesehen habe, haben vollkommen
dieselbe schmale, auf ihrem Kamme ausgezackt-zerrissene und an den
Seiten wandartig steile Form, wodurch man sie als plutonisch-vulkanische
Gebilde, die gangförmig aus der Erde stiegen, auf den ersten Blick von
den Flötz- oder geschichteten Gebirgsmassen unterscheiden kann. Jene
bilden aufrecht stehende zackige Kämme, diese liegende Bänke oder
Schollen. Man vergleiche die Figuren 11, 12, 15 und 16 mit 13 und 14,
auf welchen dieser Unterschied in die Augen fällt. 4) Die Inseln des
rothen Meeres, die ganz in der Nähe liegen und die ~bestimmt~ Vulkane
sind, haben eine ganz andere, kegelförmige und geglättete Gestalt. Siehe
Fig. 7, 8, 9 und 10. 5) In andern Welttheilen habe ich freilich keine
Krater gesehen, aber auf Java und Sumatra ein halbes Hundert. So groß
die Verschiedenheit dieser auch ist, man möge nun einige davon als
Erhebungs- oder, wie ich thue, ~alle~ als Ausbruchskrater betrachten, so
stimmen sie doch sämmtlich darin überein, daß die Gesteinschichten, bald
feste Lava, bald lockere Gereibselmassen, aus denen ihre Umgebung
besteht, von allen Seiten her nach einem idealen Mittelpunkte zu
ansteigen und sich dann plötzlich endigen und eben dadurch den Krater,
nämlich die Kreismauer des Kesselthales bilden, das man Krater nennt.
Die abgebrochenen Köpfe erkennt man dann an der Mauer als quere,
parallele, oft treppenartig vorspringende Streifen oder Bänder. Von
einer solchen Bauart habe ich an den Wänden, welche das Kesselthal von
Aden umringen, keine Spur gesehen. Ich sah nur leistenförmige Bergkämme,
Jöche, die, als senkrecht emporgestiegene Gebirgsgänge, von ~beiden~
Seiten steil sind, die sich hier und da gitterartig verzweigen und durch
ihre Aneinanderreihung unter andern ein trogförmiges Thal -- das Thal
von Aden -- umschließen.

Auch hat ~Malcolmson~ wohl nicht daran gedacht, daß seine Hypothese über
den Zufluß des Wassers auf unterirdischen Wegen aus den Tagereisen weit
entfernten Gebirgen Jemen's oder Hadhramaut's, um die Brunnen im
Kesselthale mit Wasser zu versehen, eine Unmöglichkeit sein würde, wenn
der Grund, worauf die Stadt Aden steht, der Kraterboden eines ehemaligen
Vulkans wäre!

Ich erkletterte am 5ten früh, um Abschied von der wüsten Halbinsel zu
nehmen, noch eines ihrer höchsten Jöche. Ich übersah von dort den
größten Theil der Gebirge in ihrer ganzen schauderhaften Wildheit.
Übrigens, so imposant sie sich auch darstellten, so sind sie in der That
doch nur winzig klein in Vergleich mit den Dimensionen der meisten Berge
auf den Sunda-Inseln und es schien mir, daß es der gänzliche Mangel von
höhern Bergen in der Umgegend, nebst der völligen Abwesenheit von Bäumen
(also jeden Maßstabes zur Beurtheilung) war, der ihre Höhe Eindruck
weckend machte. Denn wenn man nur 12 Rasamalabäume[27] von Java an den
steilen Wänden übereinander stellte, so würde der oberste von diesen
schon höher sein, als die höchste Zacke des Schamshan. Ja, so
respectabel die Gebirgsmasse zwischen den beiden Meeresbusen in Ost und
West aussah, so wahr ist es doch, daß man die ganze Halbinsel Aden, mit
Allem, was sie trägt, in manche von den Kratern Java's, z. B. in den
Kratern des Berges Raon oder des T[)e]ngg[)e]r bequem würde
hineinstecken und darin verbergen können, ohne daß auch nur die Spitze
ihres höchsten Gipfels Schamshan daraus hervorragte! -- Hat doch der
Boden des Kraters vom Gunung-T[)e]ngg[)e]r auf Java eine geograph. Meile
im Durchmesser und ist von einer 1000--1700 Fuß hohen Ringmauer
umzogen, -- und ist der des Gunung-Raon doch über 2000 Fuß tief,[28]
während der größte Durchmesser der Halbinsel Aden von Ost-Süd-Ost nach
West-Nord-West nach ~Forster~ nur 1--1-1/2 Stunden beträgt! --

Ich sagte der wüsten Halbinsel Lebewohl und zwar gern; denn neben ihr
stiegen jene herrlichen Gebirge Java's in meiner Phantasie empor, als
wollten sie fragen, wo in der Welt findet man eine so großartige und
doch so wunderschöne, grünende und ewig blühende Natur, als bei
uns? -- Die Antwort war: vielleicht nirgends, ~hier~ aber den Gegensatz.

Wir lichteten am 5ten October des Morgens um 8 Uhr die Anker, richteten
unsern Cours nach West-Süd-West und dampften zwischen der Westspitze von
Aden (Ras Marbut), auf welcher jenes detachirte Fort steht, in Süden und
der gebirgigen Halbinsel (Dschebel Hasan) in Norden, zum Eingange der
Back-Bai hinaus. Wir ließen dieses Halbinsel-Gebirge also zur Rechten
liegen und erblickten bald darauf, weiter westwärts, noch ein ähnliches,
aber kleineres felsiges Vorgebirge (Ras Amran), das sich eben so isolirt
aus flachen, sandigen Umgebungen erhob und sahen dann, indem wir in
einem Abstande von drei bis vier englischen Meilen der Küste Arabien's
entlang fuhren, nichts, wie das ~falbe~ Kolorit eines niedrigen, flachen
Sandgestades, dessen Einförmigkeit wir nur um 1-1/2 Uhr durch einige
isolirte Hügel unterbrochen fanden, die nur an ihren Gipfeln dunkler,
als der Sand gefärbt waren, wahrscheinlich weil nur diese aus den
bedeckenden Sandmassen hervorragten. Dann kam wieder flaches Sandland,
das jedoch etwas höher lag, als die vorige Sandebene und etwa, wie uns
schien, 50 Fuß hoch liegen mochte, -- und erst um 2 Uhr, zur Zeit, als
wir unsern west-süd-westlichen Cours in west-halb-nördlichen
veränderten, stellten sich auf der Küste, die stets auf unsrer (rechten)
Nordseite liegen blieb, wieder Gebirge unsern Blicken dar. Es waren
langgezogene Felsenketten, Dschebel Khoran u. A., von derselben
umbragrauen Farbe und demselben zackig-rauhen Saume, wie alle, die wir
bis jetzt auf Socotora und in Arabien gesehen hatten. Hinter den
vordern, küstennächsten Zügen erhoben sich noch mehre höhere Ketten,
die, immer blässer werdend, tiefer im Innern des Landes lagen, sich
jedoch nicht sehr weit von der Küste zu entfernen schienen, mit welcher
sie alle parallel, von Ost nach West strichen.

Dieser Theil Arabien's ist also keine ~flache~ Wüste, kein einförmiges
Flachland, sondern ein gestaltenreiches Land mit Gebirgszügen und mehr
oder weniger hohen Zwischenthälern und Zwischenflächen, ein Land, das,
hätte es vegetabilisches Leben, zu den schönsten gehören
könnte; -- aber, so wie es daliegt, von aller Dammerde, von allem
Pflanzenwuchse entblößt, in den Gebirgen nur nackter Fels und in den
Ebenen nur nackter Sand, von keinem Grashalm geschmückt, kann man es nur
eine traurige Einöde nennen.

Wenn man nach den Ursachen der Kahlheit des Landes und der Trockenheit
der ewig heitern Luft forscht, -- nach zwei Erscheinungen, die ohne
Zweifel einen gegenseitigen Einfluß auf einander ausüben, so entsteht
die Frage, welche von beiden ist die Ursache der andern, welche war die
~erst~ vorhandene Erscheinung und welche ist die Folge, die Wirkung von
dieser? -- eine Frage, die nur auf den ersten Blick schwer zu
beantworten scheint, übrigens der Lösung fähig ist. Denn, ~wenn~ der
Boden mit fruchtbaren Erdschichten und Wäldern, die auf diesem ruhn,
bedeckt wäre, so könnte die Luft so trocken nicht sein, es würden sich
Wolken bilden, Regen würde fallen, und Bäche würden das Land
durchströmen; -- und ~wenn~ jeden Tag erquickende Regen in die
Sandwüsten von Arabien und Afrika herabfielen, so würde der nackte Sand
und Fels bald verwittern und sich allmählig mit Wäldern
schmücken. -- Also muß die Nacktheit des Bodens die zuerst vorhandene
Erscheinung gewesen sein, obgleich es nicht zu verkennen ist, daß die
~dadurch einmal bedingte~ Trockenheit der Luft den Boden, vielleicht
noch für Tausende von Jahren, -- verurtheilt, in dem Zustande, worin er
ist, zu verbleiben.

Da man selbst in den Wüsten Egypten's fossile Baumstämme von großer
Dicke, also den Beweis des ehemaligen Vorhandenseins von Wäldern findet,
so ist es offenbar, daß diese Gegenden von Arabien und Afrika erst durch
irgend eine Naturrevolution ihrer Pflanzendecke beraubt und in
Sandwüsten verwandelt wurden, deren Erhitzung nun, durch aufsteigende
vertikale Luftströme, alles vorüberziehende Gewölk verscheucht.

Um 3 Uhr traten in weiterer Entfernung von diesen Küstenketten innere,
tiefer im Lande gelegene Ketten hervor, -- die Küstenkette aber
~endigte~ sich und das zunächst an's Meer gränzende Land wurde nun
wieder eine flache Sandwüste, die mehre englische Meilen breit zu sein
schien und die in manchen Gegenden mit einzelnen dunkeln Tüpfelchen
besetzt war. Ob dies Sträucher waren? -- Um 4 Uhr aber, -- während wir
fortwährend an der Küste hin nach West dampften, -- erhob sich wieder
ein niedriger, auf seinem Kamme, wie gewöhnlich, ausgezackter Bergzug,
der der Küste näher lag und etwa nur eine englische Meile von ihr
entfernt sein mochte, und hinter dem vordern blieben, wie seit 2 Uhr der
Fall gewesen war, die innern Züge sichtbar in doppelten, ja drei- und
vierfachen Reihen, die alle von Ost nach West strichen. Erst der
fallende Abend entzog uns den wechselnden Anblick dieser abgebrochenen,
am Gestade bald verschwindenden, bald wieder auftretenden, doch im
Innern stets sichtbar bleibenden, uns also bald näher, bald ferner
liegenden, gleichsam alternirenden Parallelketten.

Wir sahen Nichts vom letzten, westlichsten Kap und Gebirge der Südküste
Arabien's, eben so wenig, als von der Insel Perim, die in der Straße
liegt, -- denn wir dampften ~im Dunkeln~ durch den so berüchtigten
Eingang in's rothe Meer, den unser Schiffsführer übrigens doch nicht für
so sehr gefährlich halten mochte, da er es wagte, mitten in der Nacht
durch »das Thor der Trauer«, durch »die Pforte der Gefahr« ~Bab el
Mandeb~[29] zu schiffen! -- Kaum die näher liegenden Küstenberge und
Inseln vermochten wir als schwarze Schattenrisse zu erkennen. -- Auch
von der Stadt Mochha, an der wir vorbeikamen, sahen wir Nichts. --

Als am folgenden Morgen (6ten October) der Tag zu grauen anfing, lag die
gebirgige Küste Arabien's zu unsrer Rechten, ostwärts von uns, in
undeutlicher Ferne, -- links aber, in Westen, lagen in großer Nähe eine
Menge großer, kleiner und sehr kleiner, meist kegelförmiger Inseln, die
»Harnish Islands«,[30] deren meisten wir schon vorbeigesegelt waren, da
wir sie hinter uns erblickten. Wir dampften nach Norden.

Kurz vor 7 Uhr befanden wir uns dem südlichen Ende einer größern Insel,
Dschebel Zoogur (¿dsh-b-l l-gh-w-r¿), unter 14° n. Br. gegenüber, die zu
unsrer Linken liegen blieb (s. Fig. 7). -- Wir brauchten mehr als eine
halbe Stunde Zeit, um an der östlichen Seite der Insel vorbei zu
dampfen. Ihre Länge konnte mehr als eine Stunde betragen. Sie war mäßig
hoch und unterschied sich von allen Gebirgen, die wir auf dem Festlande
von Arabien, so wie auf Socotora gesehen hatten, durch ihren zwar
ungleich hohen, aber nicht ausgezackten Saum und durch die auffallend
glatte Oberfläche ihrer Böschung, die sich auch ungleich sanfter, als
die der Bergketten auf Aden herabsenkte. Übrigens war ihre umbragraue
Farbe dieselbe, wie die der früher gesehenen Berge und war nur an
einzelnen Stellen mit etwas Bräunlich-roth oder mit einem hellern Grau
nüancirt. Nur vereinzelt in einigen Gegenden des Strandes bemerkt man
gelbliche, falbe Sandstreifen. -- Sie mußte offenbar ein ~Vulkan~ sein
und die Gleichmäßigkeit ihrer Seitengehänge durch Überschütten mit Sand
oder Überströmen mit Lava erhalten haben. Ein kleiner Kegel erhob sich
auf ihrem linken Saume; er war glatt und dunkler gefärbt, als der
Abhang, der sich vor ihm hinzog; außerdem aber sahen wir noch einen
andern stumpf-abgestutzten, konischen Hügel, der mitten auf dem Gehänge
der Berginsel auftauchte und der nebst dem vorigen nichts Andres, als
ein seitlich aufgeworfener ~Eruptionskegel~ sein kann. Man sah, wie
die Lava- oder Trümmerströme vom höher gelegenen Rande der Insel herab-
und so recht um diesen Kegel herumgeflossen waren (vergleiche Fig. 7).
Vegetation konnten wir nirgends entdecken.

[Illustration: _¡Fig. 7.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 8.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 9.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 10.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 11.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 12.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 13.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 14.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 15.¡_]

[Illustration: _¡Fig. 16.¡_]

       *       *       *       *       *

Am Nordende dieser größern lagen vier kleinere Inseln. Eine »High
Island« direkt in Norden und drei neben einander »Aboo Eyle Islands«
(auf der oben genannten Karte) in Nord-Ost derselben. -- Diesen letztern
kamen wir um 7-1/2 Uhr so nahe vorbei, daß wir einen Stein darauf hätten
werfen können. Es waren kolossale Felsen, die ohne eine Spur von Strand,
mit mauerartigen Wänden, ~senkrecht~ aus dem Meere emporstiegen und sich
oben in eine quer-abgestutzte Plattform endigten. Sie waren vollkommen
kahl. Ihre Farbe war, abweichend von allen zeither gesehenen Bergen und
Inseln, ein gelbliches ~Weiß~, das besonders auf ihrem Scheitel
vorherrschte und sich von da an den Wänden herabzog, wo es mit einem
hellen, gelblich-röthlichen ~Braun~ melirt war. Hier und da ging das
Weiß in eine dunkle Schattirung über, etwa so, als wenn es angeraucht
und von Kohlendampf geschwärzt worden wäre. -- So gewährten diese
Felsen, die wie Thürme, wie alte Schlösser da im Wasser standen, mit der
weißen Farbe ihrer obern Gegenden, besonders ihrer Scheitelflächen,
einen sonderbaren Anblick, boten uns aber auch zu gleicher Zeit die
Erklärung ihrer bleichen Schminke an. Denn, auf dem Weiß der Felsen
malten sich die Gestalten von einer großen Menge schwarzer Seevögel ab,
die nur auf der untern Fläche der Flügel, dem Bauche und dem Schnabel
weiß gefärbt waren und die das Gestein, worauf sie nisteten, ohne
Zweifel durch ihren Koth so weiß übertüncht hatten. Hunderttausende
dieser Vögel saßen auf den Inseln oder flogen um sie herum und ungeheure
Schwärme derselben umflatterten auch unser Schiff, das, schnell dahin
brausend, seine Rauchsäule an den Felswänden streifen ließ. --

Seit dieser Zeit, 7-1/2 Uhr, sahen wir bis in den Nachmittag kein Land
und fuhren durch einen Theil des rothen Meeres, wo im Bereiche unsres
Gesichtskreises keine Inseln lagen.

Erst um 3 Uhr erschienen vorn, vor unserm Schiff, in der Ferne wieder
Gestalten von Land, die aus dem Meere auftauchten und diese Gestalten
waren von der Art, daß sie meine Aufmerksamkeit in hohem Maße erweckten.
Es waren inselförmige Vulkane, deren Anblick mir um so willkommner war,
je sehnlicher ich wünschte, auch einige Vulkane in andern Weltgegenden
kennen zu lernen, nachdem ich deren auf der Insel Java so viele
untersucht hatte.

Ich legte daher Bleistift und Papier zurecht, um beim Näherkommen sie
alle abzeichnen zu können. Die Profilzeichnungen, die ich davon
entwarf, theile ich dem Leser mit und glaube dies mit der Versicherung
thun zu können, daß ungeachtet des beweglichen Standpunktes, auf dem
Schiffe, von wo aus sie genommen werden mußten, diese Profile, mit
einiger Übung, ~schnell~, -- ehe die Berge dem vorbeieilenden Schiffe
wieder eine andre Seite zukehren und dadurch ihre Form verändern
konnten, -- gemacht, in ihren Umrissen getreu und genau sind. Wir
fuhren mit nord-nord-westlichem Cours an ihrer Ostseite vorbei, die
Inseln also blieben zu unsrer Linken liegen. Das erste Profil, Fig. 8,
wurde um 3-1/2 Uhr gezeichnet, als der Kegel Nr. 1 west-süd-westwärts
von uns lag und die übrigen Kegel und Felsinseln Nr. 2 bis Nr. 10,
West bis Nord-West von unserm Schiffe, die Lage und den Abstand von
einander hatten, welche ich auf der Figur dargestellt habe. Man sieht
daher von Nr. 1 die Ost-Nord-Ost- und von den folgenden die Ost-,
Ost-Süd-Ost- und Süd-Ostseiten. -- Wahrscheinlich ist Nr. 1 eine
kleine, abgesonderte Insel auf der Süd-Westseite der größern
Sebair-Inseln, -- Zebayer Islands, (¿z-b-r¿) auf ~Moresby's~
Karte, -- welcher letztern die Kegel 2, 3 u. 4 angehören. Den Namen
von 5 konnte ich nicht erfahren. Nr. 6, 7, 8 und 9 aber sind ohne
Zweifel die Gruppe von Inseln, welche auf der genannten Karte unter
den Namen Low-, Saddle-, Table- und Rugged-Insel verzeichnet stehn,
und der Table-peak ist wahrscheinlich unser 8, -- Rugged-Island unser
9 -- Haycock-Island unser 10. -- Sie liegen unter 15° 1' bis 15° 10'
nördl. Breite, der arabischen Küste viel näher, als der
egyptischen. -- Diejenigen Leser, welche in vulkanischen Ländern nicht
unbekannt sind, werden hier auf den ersten Blick erkennen, daß die
kleinen Kegel, welche man auf Fig. 8 erblickt und wovon einige
isolirte Inseln für sich selbst bilden, während andre sich zu zwei
oder drei in eine gemeinschaftliche Insel zusammenschaaren, daß diese
Kegel ~echte Vulkane~, wenn auch zum Theil nur die aus dem Meere
hervorragenden obersten Spitzen oder Kraterränder von größern, unter
dem Wasser verborgenen, vulkanischen Kegeln sind.

Sie unterscheiden sich von den Vulkanen Java's durch die
~schnurgeraden~, wie mit einem Lineale hingezogenen Linien ihrer Umrisse
(die Linien, welche das Profil ihrer körperlichen Gestalt
ausdrücken), -- durch die ~scharfen~ Ecken, worin diese Linien, z. B.
die Linie des abgestutzten Gipfels und die Seitenlinien zusammenlaufen
und durch die ~glatte~ Beschaffenheit ihrer Gehänge, an denen sich von
der Hälfte ihrer Höhe an nur ganz kleine, feine Furchen herabziehn,
während die Gipfel vollkommen glatt sind. -- Eigenthümlich ist die
schiefe Gipfellinie von Nr. 1 und Nr. 10 auf Fig. 8 und von Nr. 9 auf
Fig. 10, die man dennoch durch den geringen Grad ihrer Neigung deutlich
vom eigentlichen ~Gehänge~, das unter einem größern Winkel fällt,
unterscheiden kann, -- und eigenthümlich geformt ist auch der ~Fuß~
dieser Kegel. Denn nachdem sich das Gehänge derselben anfangs mäßig
steil und ~gleichmäßig~ bis nahe an's Meer herabzog, so endigt es sich
in einer gewissen, doch nicht bedeutenden Höhe über dem Meeresspiegel
plötzlich und stürzt sich von diesem Punkte an, indem es glatte Mauern
bildet, ~völlig senkrecht~ hinab. Nirgends sieht man an den
Seitengehängen der Kegel hervortretende Rippen, noch Zwischenklüfte
(sogenannte Baranko's) zwischen solchen Rippen. In dieser
Regelmäßigkeit, ich möchte sagen, geometrischen Schärfe oder
Bestimmtheit ihrer Form, die das Resultat ist von ~allein~ herrschenden
und hier nicht, wie auf Java, durch die Wirkung von Regenwasser
gestörten vulkanischen Kräften, bieten sie einen höchst
merkwürdigen -- scharfeckigen -- Anblick dar, der durch die gänzliche
Abwesenheit von Pflanzenwuchs noch bizarrer wird. Sie machen uns mit der
reinen, ~nackten~ Form vulkanischer Ausbruchskegel bekannt, so wie sich
diese durch Überströmen von Lava oder Überschütten mit Sand, von einem
Mittelpunkt aus, gestalten müssen, da, wo die ausspülende, furchende und
mannichfach umgestaltende Kraft des Regenwassers fehlt. -- Im Kolorit
unterscheiden sie sich nicht von den früher gesehenen Bergen Arabien's,
sie sind, wie diese, umbragrau, öde und kahl. -- Es ist offenbar, daß
die queren oder schiefen Gipfellinien der Kegel Nr. 1, 2 und 3 die
Ränder von eben so vielen Kratern sind, welche dahinter liegen und noch
augenscheinlicher ist dies bei Nr. 5 der Fall.

Um 3-3/4 Uhr kamen wir bei einer ganz kleinen und platten Felsinsel
vorbei, deren Oberfläche kaum zwei Fuß über dem Wasser lag, so daß ich
sie anfangs für ein schwimmendes Floß hielt. Des Nachts hätten wir sie
unmöglich sehen können.

Um 4-1/4 Uhr waren wir, indem wir nord-nord-westwärts dahin dampften,
den Inseln Nr. 6, 7 und 8 näher gekommen, die in Fig. 8 um 3-1/2 Uhr
abgebildet wurden, welche wir nun aber in einer veränderten Richtung,
nämlich so erblickten, wie ich sie in Fig. 9 dargestellt habe; -- und
noch etwas später, um 4-1/2 Uhr, erblickten wir die Insel Nr. 9, die
viel weiter entfernt lag, als 7 und 8, so wie sie in Fig. 10 abgebildet
ist. Die Sonne stand hinter den Inseln, deren von uns gesehene Ostseite
also sehr dunkel war und sich scharf am Himmel abzeichnete.

Diese drei so sonderbar gestalteten, fast rhombischen Felsinseln 7, 8
und 9, die unzugänglich-steil, wie Mauern aus dem Meere emportauchen,
haben eine solche gegenseitige Stellung, daß, wenn man sie durch Linien
verbindet, ein Dreieck entsteht und Nr. 8, der Table-peak, am weitesten
nach Osten, in der Ostecke des Dreiecks, liegt. -- Nr. 9,
»Rugged-Island« nebst den übrigen, liegen westlicher. Diejenigen ihrer
Seiten, welche von der Mitte dieses Dreiecks abgewendet sind, ihre
Außengehänge, fallen etwas sanfter, ihre innern, der Mitte des Dreiecks
zugekehrten Seiten aber stürzen sich mauerartig steil, fast ganz
senkrecht in's Meer hinab und bilden mehr oder weniger halbkreisförmige
(concave) Wände, die einander entgegenblicken (vergl. die innere Wand ×
von Nr. 7 auf Fig. 9). Sie scheinen also die höchsten, aus dem Meere
hervorragenden Zacken der Kratermauer eines großen Vulkan's zu sein. Der
innere Meeresraum, der zwischen ihnen bleibt, mag vier oder fünf
englische Meilen im Durchmesser haben, während der Abstand der drei
Bruchstücke (Inseln) von einander von ungleicher Länge ist, doch von Nr.
7 und von Nr. 8 bis zu Nr. 9 nicht weniger, als zwei bis drei englische
Meilen betragen kann.

Ich glaubte in diesen drei Felsinseln einen sehr ausgebreiteten, noch
halb unter dem Meere verborgen liegenden, zur Zeit nicht thätigen
Ausbruchskrater zu erkennen, eine ähnliche Erscheinung, wie die Insel
Santorin im griechischen Archipel, obgleich diese als »Erhebungskrater«
beschrieben wird. Nachher kamen wir noch mehren Felsen vorbei, -- ganz
kleinen Bergspitzen, die aus dem Meere ragten, -- bis die fallende Nacht
ihren Vorhang vor der Schaubühne des heutigen Tages fallen ließ.

Nur ~ein~ Gegenstand machte sich auch im Dunkel der Nacht bemerkbar und
malte sich schwarz auf dem heitern Sternenhimmel ab, nämlich die
Rauchsäule eines ~dampfenden~ Vulkans! -- der zu unsrer Rechten liegen
blieb. Es war der schon den Alten bekannte Dschebel ~Tair~[31] (die
_insula exusta_ des Periplus vom rothen Meere), aus dessen Krater der
Pascha von Egypten seinen Bedarf von Schwefel holen läßt. Alle die
vorigen vulkanischen Kegel, die wir im rothen Meere gesehen hatten,
schienen erloschen zu sein, wenigstens ~zur Zeit~ nicht zu dampfen,
obgleich die Schiffsoffiziere behaupteten, auf frühern Reisen aus einem
von ~ihnen~ hervorwirbelnde Dampfsäulen bemerkt zu haben. Auf jeden Fall
beweist das Vorkommen dieser Kegel, welche in Gruppen, mehr oder weniger
reihenförmig dem Busen des rothen Meeres, d. i. der tiefen Erdspalte,
welche von diesem ausgefüllt wird, entsteigen, den großen Antheil, den
in einer neuern geologischen Zeit vulkanische Kräfte an der Bildung und
Umbildung der angränzenden Länder, von Aden an über den Sinai hinaus bis
zum todten Meere, genommen haben.[32]

Der Vulkan Tair, in der Nacht vom 6ten zum 7ten October, war die letzte
Insel, die wir im rothen Meere sahen.

Vom Morgen des 7ten October an bis zum Abend des 10ten, also vier volle
Tage lang, erblickten wir auf unsrer Fahrt durch den Golf in seiner
Längenausdehnung nach Nord-Nord-West zu kein Land, keine Küste, keine
Insel mehr. Wir sahen Nichts, wie einen heitern Himmel, eine
spiegelglatte See und standen eine drückende Hitze aus, die nur selten
durch ein schwaches Windchen etwas gemäßigt wurde. Kein Fisch, viel
weniger ein Seekameel (Naqua el Bahr[33]), ließ sich sehen, um uns
einige Abwechselung zu verschaffen und vergebens blickten wir während
dieser langen Fahrt von der Verschanzung unsres Schiffes herab wohl zu
hundert Malen nach allen Seiten hin auf's Meer, in der Hoffnung,
irgendwo eine Spur von der rothen Alge zu entdecken, welcher der
arabische Meerbusen wahrscheinlich seinen Namen, »~rothes Meer~«, zu
verdanken hat. Doch wir sahen nur immer ~bläuliches~ Wasser.

Während dieser Golf in der Bibel nur unter dem Namen Bahr Suph
(algenreiches Meer) vorkommt, so hieß er bei den Griechen und Römern
bekanntlich schon seit ~Herodot's~ Zeiten _mare erythraeum_, unter
welchem Namen gewöhnlich auch die Theile des indischen Meeres mit
inbegriffen wurden, welche die Südküste von Arabien bespülen, ohne daß
man den eigentlichen Ursprung dieser Benennung kannte. Denn erst
Ehrenberg[34] beobachtete im December 1823, als er sich am Süd-West-Fuße
des Sinai in der kleinen Bai von Tor befand, eine Erscheinung, die im
Stande war, über jenen Namen und die Berechtigung des Meeres zum Tragen
dieses Namens, ein helles Licht zu verbreiten. Er sah nämlich den
Meerbusen auf beträchtliche Strecken weit ~roth~ oder röthlich gefärbt
und fand durch angestellte Untersuchung, daß diese Färbung des Wassers
verursacht wurde durch eine mit dem bloßen Auge kaum unterscheidbare und
auf der weißen Leinwand, durch welche das Wasser geseihet wurde, nur in
Gestalt des feinsten Pulvers oder der dünnsten Härchen hängenbleibenden
~Alge~, die in Millionen und abermal Millionenzahl anwesend sein mußte,
da sie als ein so kleiner Körper so ausgedehnte Stellen des Meeres roth
zu färben vermochte. Es war eine Oscillatorie (gegliederte Fäden, zu
einzelnen Bündeln zusammengruppirt), die er deßhalb _Trichodesmium
erythraeum_ nannte (a. a. O.). -- Zum zweiten Male wurde, nach der
Mittheilung von M. C. ~Montagne~[35], die Erscheinung, und zwar in einem
noch viel ausgezeichnetern Grade, beobachtet von M. ~Evenor Dupont~, als
dieser im Juli 1843 auf einem _Landmail-steamer_ von Bab el Mandeb nach
Suez reiste. Er brachte den färbenden Gegenstand, die Oscillatorie, mit,
so wie sie auf einem weißen Taschentuche kleben geblieben war, nachdem
er das Meerwasser hindurchgeseihet hatte, so daß sich ~Montagne~ durch
Untersuchung von der Identität derselben mit _Trichodesmium erythraeum
¡Ehrenb.¡_ überzeugen konnte. Es war ebenfalls im nördlichen Theile des
arabischen Meerbusens, dem Golf von Suez, wo ~Dupont~ die Erscheinung
beobachtete, und hier sah er das Meer in einer räumlichen Ausdehnung,
die nach seiner Berechnung 85-1/4 Lieues oder 256 engl. Meilen betrug,
nämlich 32 Stunden, also mehr als einen ganzen Tag lang, während der
schnell fortgesetzten Fahrt des Dampfschiffes, ~ununterbrochen
rothgefärbt~. -- Wir, auf unsrer Fahrt, sahen uns vergebens nach einer
ähnlichen Erscheinung um; es ist aber wahrscheinlich, daß sie seit den
ältesten Zeiten ~zuweilen~ beobachtet worden ist und die Veranlassung zu
dem Namen «_mare erythraeum_» (rothes Meer) gegeben hat.

       *       *       *       *       *

Erst am 10ten October, um 6 Uhr des Abends, als wir bereits dem immer
schmäler zulaufenden nord-westlichen Ende des rothen Meeres, der Bucht von
Suez, nahe gekommen waren und der Wind etwas frischer aus Nord-West zu
wehen anfing, bekamen wir, auf unsrer linken Seite, wieder Land zu Gesicht,
nämlich Gebirgsketten von Oberegypten, die sich in blauer Ferne hinzogen
und einen eben solchen, eingerissenen, zackig-gezähnten Kamm hatten, wie
alle Bergketten, die wir vorher in Arabien gesehen hatten. Die Sonne war so
eben hinter diesen Ketten untergegangen; vor den Bergen zog sich der
stahlblaue, glänzende Spiegel des Meeres hin, -- dann kam, in der Aussicht,
die wir hatten, aufwärts ein bräunlich-heller Dunst, welcher den Fuß und
die untere Hälfte der Bergketten umnebelte, und dieser hellere Dunst ging
über in ein Bergblau, das nach dem ausgezackten Saume der Ketten zu immer
dunkler und deutlicher wurde. Wie mit dunkelblauer Farbe auf Goldpapier
gemalt, zogen sich die Zacken und Nadeln dieses Bergkammes in einer langen
Reihe am Horizonte hin. Denn hinter dem Bergsaume lag ein wunderschönes
Abendroth, das von kleinen goldnen und und feuerfarbnen Wölkchen
durchflammt und durchflickert war, und dieses Abendroth floß nach oben zu
in den hell blauen Schmelz des reinsten Äthers über. -- Der Farbentöne in
diesem Gemälde waren nur wenige, aber der Glanz und die Reinheit der
Farben war prachtvoll, -- vielleicht der trocknen Luft und Landschaft
eigenthümlich, -- egyptisch.

Am folgenden Morgen, 11ten October, früh befanden wir uns schon ~in~ der
schmalen Bucht von Suez und erblickten Land zu beiden Seiten, nämlich links
in der Morgensonne, bräunlich-gelb und hell, die Bergketten Egypten's und
rechts, noch in tiefem Schatten liegend und bräunlich-dunkel, den Berg
~Sinai~ -- ~Horeb's Höhen~! Dieses Sinai-Gebirge, oder besser, diese
Bergketten, wovon nur ein kleiner Theil, Sinai und Horeb, oder Dschebel
Musa, d. i. Mose-Berg, genannt wird, zogen sich in mehren alternirenden
Reihen unabsehbar weit hinter einander hin und hatten einen eben solchen
gezähnten, zackig-zerfressenen Saum, wie alle früher von uns gesehenen.
Obgleich wir keinen Küstensaum an ihrem Fuße zu erkennen vermochten, also
weiter von ihnen entfernt waren, so erschienen sie doch doppelt so hoch,
als die egyptischen Bergketten zu unsrer Linken in Westen, die uns
näher lagen und vor denen sich ein flaches, sandiges Vorland, eine
Küstenterrasse, hinzog. -- Fig. 15 stellt einen Theil der Bergketten auf
der Halbinsel Sinai, in der ausgezackten Form ihres Saumes ~getreu~
nachgeahmt, dar. -- Schon seit gestern Abend war es merkbar kühler geworden
und jetzt wehte aus einer Richtung, die unserm Cours direkt entgegengesetzt
war, nämlich aus Nord-Nord-West, also vom mittelländischen Meere her, ein
ziemlich starker Wind, der wenigstens in Vergleich mit der Backofengluth,
die wir an den vorhergehenden Tagen und erst gestern noch ausgestanden
hatten, ~kalt~ zu nennen war. Freudig begrüßten wir diesen kühlen, ich
möchte sagen, europäischen Wind, als das Zeichen unsrer baldigen Erlösung
aus dem glühenden Tropenklima und unsrer Annäherung an das Vaterland.

Um 7-1/2 Uhr befanden wir uns einem Theil der Küste, auf der Halbinsel
Sinai, gegenüber, der wandartig steil emporstieg und ein sonderbares,
zackig-geschupptes Ansehn hatte, so wie ich es in Fig. 12 dargestellt
habe. Alle Schuppen liefen nach oben spitz zu und vereinigten sich in
eine Anzahl ähnlich gestalteter, nur größerer Hauptabtheilungen oder
Hauptschuppen, zwischen denen kluftförmige, tiefe Zwischenräume,
zurückspringende Theile der Wand lagen, und diese Hauptabtheilungen
liefen auf dem gezähnten Kamme der Wand in die höchsten Spitzen aus. Die
Küstenberge der Sinai-Halbinsel aber, die später, nord-westwärts, auf
diese folgten, wurden niedriger; sie gestalteten sich um 9 und 10 Uhr,
wie in Fig. 13 abgebildet ist und stellten uns die eigenthümliche
Configuration ~neptunischer~ Gebirge, im Gegensatz zu jenen
plutonisch-vulkanischen, die man in Fig. 12 erblickt, recht anschaulich
vor. Denn sie bildeten nun (Fig. 13) einen ebenen, nicht ausgezackten,
nur sanft gehobenen oder gesenkten Saum; sie waren oben dunkel gefärbt,
unten aber, und mehr als zur Hälfte hinan, mit Sand überschüttet, der
eine helle, gelblich-bräunliche Farbe hatte, glatt von Oberfläche war
und sich auch noch an den Wänden selbst, in nach oben zu schmäler
werdenden Rippen, hinanzog. Offenbar bestanden diese so geformten
Gebirge (Fig. 13, 14) aus ~geschichtetem~ Gestein, sie waren entweder
horizontal-liegende oder nur sanft einfallende Flötzbildungen, die
seewärts steil abgebrochene, jedoch nicht so hohe, bis zur halben Höhe
herauf mit Sand überschüttete und von diesem Sand geglättete, Wände
bildeten.

Und ~nur~ solche neptunische Berg~platten~, die sich auf den ersten
Blick von jenen plutonischen Fels~kämmen~ unterschieden, sahen wir nun
noch, besonders an den Küsten der östlichen Seite, der Sinai-Halbinsel,
im Verlaufe des heutigen Tages, während wir nord-nord-westwärts immer
tiefer hinein in den Golf von Suez dampften und während uns ein immer
stärkerer Wind entgegenblies, nämlich die kühlere Luft, welche vom
mittelländischen Meere zuströmte, um die luftverdünnteren Räume entlang
den arabischen Küsten auszufüllen.

Die beiderseitigen Küsten traten immer näher zusammen, der Golf wurde
schmäler, die Gebirge niedriger und der Sand fing immer mehr an
vorzuherrschen. Die Bergplatten, die wir um 2 Uhr auf der egyptischen
Seite erblickten, waren deutlich terrassirt, bestanden also aus
geschichteten Massen, die sich nach dem Ufer des Meerbusens zu in mehren
Absätzen herabsenkten. Auch auf der Halbinsel rechts waren die
Bergmassen deutlich geschichtet und viel heller gefärbt, selbst
~weißlich~, -- jedoch wahrscheinlich nur deßhalb, weil die dunklern
Abhänge der Berge auf der linken Seite schon im Schatten lagen. -- Um 4
Uhr bemerkten wir auf der linken Seite einen weiten, flachen
Zwischenraum zwischen den Gebirgen, dann aber nordwärts von diesem erhob
sich wieder ein höherer sargartiger Rücken. Auf der rechten (Sinai-)
Seite trat nur hier und da noch eine geschichtete Gebirgsscholle, wie
Fig. 14, bis zum Meere hervor und senkte sich dann schroff, mauergleich,
zum Gestade herab, in allen übrigen Gegenden sah das Auge nun nichts
mehr, wie Sandflächen oder niedrige, weit ausgebreitete Sandrücken, die
in ihrer licht-falben Schminke, von aller Vegetation entblößt, glatt,
kahl, einförmig und öde dalagen. -- Einige von den gestreiften,
geschichteten Wänden der Bergplatten waren bis oben hinauf mit Sand
überschüttet, andere nur bis zu drei Viertel oder, wie Fig. 14, nur bis
zur Hälfte und dann waren sie durch ihre dunklere Farbe und gestreifte
Beschaffenheit schon aus der Ferne von der geglätteten Oberfläche der
Sandmassen zu unterscheiden.

So sahen wir fast Nichts mehr wie Sand, -- dürren Sand, der durch seine
helle Farbe, da, wo ihn die Sonne beschien, die Augen blendete und die
Frage hervorrief: ist ~das~ der gefeierte Anblick Arabien's? -- sieht so
Egypten aus?

Um 7-1/2 Uhr des Abends (den 11ten October) wurde die Küste auf der
rechten, östlichen Seite noch niedriger, flacher, -- auf der linken,
egyptischen Seite aber sahen wir vor uns noch eine, nämlich die letzte,
nördlichste von jenen Landplatten, die von West, oder Süd-West, her
schief ansteigen, in's Meer vorspringen und sich dann, nach Osten zu
steil, terrassenförmig hinabsenken.

Eine halbe Stunde später ließen wir im nördlichsten Theile der Bucht
unsern Anker fallen, direkt in Süden der Landenge von Suez; wir waren
aber noch drei englische Meilen vom Ufer, das die gleichnamige Stadt
trägt, entfernt, weil der untiefe Korallengrund des Meeres allen größern
Schiffen die weitere Annäherung verbietet.

Ich habe bis jetzt bei den verschiedenen Ländern und Gegenden, die ich
auf dieser Reise Gelegenheit hatte, zu besuchen, die ~Literatur~
angegeben, so weit mir diese bekannt geworden war. -- Ich that dies zur
Bequemlichkeit derjenigen Leser, welche sich über diese Länder, an denen
ich gewissermaßen nur vorübergestreift bin, gründlicher zu unterrichten
wünschen möchten, und brachte ihnen deßhalb die durch den Druck bekannt
gemachten ~hauptsächlichsten~ Werke, die von diesen Ländern handeln,
kürzlich in Erinnerung. -- Wollte ich aber eben so in Beziehung auf
Arabien und Egypten handeln, so könnte ich einen halben Bogen voll
schreiben, allein mit den Titeln der Werke, welche über diese viel
bereisten, besser als Indien bekannten, Europa nahe liegenden Gegenden
des Erdballs in englischer, französischer und deutscher Sprache
erschienen sind.

Befinden wir uns doch hier auf dem klassischen Boden, den, außer noch
frühern Reisenden, von 1763--1845, so viele tüchtige Forscher
durchkreuzt haben, -- in einem Lande, das der Schauplatz der
Untersuchungen war eines ~Niebuhr~, ~Seetzen~, ~Burckhardt~, ~Rüppell~,
~Ehrenberg und Hemprich~, ~Laborde~, ~Wellstedt~, ~Schubert~,
~Robinson~, ~Russegger~, ~Lepsius~! -- und das noch jährlich viele
Reisende durchkreuzen, die zum Theil nur zu ihrem Vergnügen den Sinai
ersteigen oder aus Egypten bis nach Nubien vordringen.

Ich will mich daher von Suez an auf die kurze Erzählung meiner Reise
beschränken und nur die Erscheinungen, die ich selbst beobachtete, so
wie sie flüchtig an mir vorüber flogen, mittheilen.

Ich setzte mich bald nach unsrer Ankunft in einen kleinen Kahn, den zwei
Araber fortruderten. Das Meer war bis auf meilenweite Entfernungen vom
Ufer so seicht, daß ich im Mondschein überall den weißen Korallengrund
sehn und nachher selbst mit meinem Spazierstocke auf den Meeresboden
aufstoßen konnte.

Wir kamen dann auch erst eine gute Stunde später an's Land, -- der
Anblick aber, der sich mir daselbst, in der Nacht vom 11ten zum 12ten
October, darbot, war so höchst eigenthümlich, so bizarr, die ganze Scene
war so spukhaft und so voll romantischer Contraste, -- daß sie nimmer
wieder aus meiner Erinnerung verschwinden wird.

Mein Kahnführer setzte mich an einem großen, zweistöckigen Gebäude ab,
das noch zwei Flügel hatte und dessen Hauptfront an's Meer gränzte; hier
stieg ich auf breiten Treppen hinan zu einer überdeckten Galerie und
gelangte aus dieser durch einen Thoreingang in den innern, viereckigen
Hofraum des ~Hotel's von Suez~, das seiner Form nach eher einem Kloster,
als einem Gasthause glich. Hier war Alles voll Leben und
Menschengewimmel. -- Wir waren fast anderthalbhundert Passagiere, die
wir uns ~aus~schifften und aus Indien im Hotel ankamen, -- 160 andere
aber, aus Europa angekommene, warteten schon im Hotel und standen
reisefertig da, oder waren mit dem Einpacken ihrer Güter und dem Ordnen
ihrer Koffer beschäftigt, um sich auf dem ~Bentinck~ ~ein~zuschiffen und
~nach~ Indien zu gehen. Also, außer den Dienern des Hotels, den
Officianten, Gepäckbesorgern, Lastträgern, Kahnführern, wimmelten und
flutheten hier mehr als 300 Reisende, deren Interessen sich regelrecht
durchkreuzten, weil die eine Hälfte derselben gerade dahin wollte, wo
die andere herkam, durch einander. Dazu kam noch, daß die Cholera, die
in Cairo aufgehört hatte zu wüthen, hier noch täglich ihre Opfer fraß
und daß ein Jeder verlangte, ~so schnell wie möglich~ von hier
wegzukommen, nämlich anderthalbhundert vom Hotel auf's Schiff und
anderthalbhundert, so schnell wie möglich, vom Schiffe in's Hotel und
aus dem Hotel nach Cairo. Hier hatte Keiner Lust, zu bleiben, ein Jeder
hatte Eile, das Wachtwort aller war nur »für sich selbst zu sorgen,« und
so sah man in dem engen Raume des Hotels das Schauspiel von
anderthalbhundert Doppel-Interessen, die mit einander in Conflict
geriethen. So zahlreich die Zimmer des Hotels auch waren, so hatte die
erste Hälfte der Reisenden, die nach Indien verlangten, doch bereits
alle vorhandenen Räume in Beschlag genommen; ja, wenn noch leere Zimmer
vorhanden gewesen wären, so würde es an Dienern gefehlt haben, um sie
dem Reisenden anzuweisen, da das Personal dieser letztern der
Dienerschaft weit überlegen war. Man mußte ~selbst~ suchen und nehmen,
was man haben wollte. Wenn die Passagiere eine Räuberbande gewesen
wären, so hätten sie das Hotel nebst der ganzen Stadt Suez bequem
ausplündern können. Als ich in den weiten Corridoren des Gebäudes
herumschritt, dessen weiße Gemäuer von dem Mondschein hell beleuchtet
waren, traf ich wirklich leere Zimmer an, die von den Reisenden, die
sich auf's Schiff begeben hatten, schon verlassen waren. In einigen
brannten auf Waschtafeln, oft mitten zwischen Bettvorhängen, noch
Kerzen, welche der vorige Bewohner in der Eile vergessen hatte,
auszulöschen, und in andern lagen zwischen nur halb erloschenen, noch
glimmenden Kerzen die Betten auf der Flur. -- Malerische
Unordnung! -- In dem allgemeinen Gelag- oder Speisezimmer, das in der
untern Etage war, konnte man Wein, Bier, Milch, Kaffee, Thee, Bouillon,
Brot u. dergl. erhalten, aber hier war das Gedränge derjenigen, die
anderwärts keinen Platz hatten finden können, so groß, daß sich ein
Jeder selbst nehmen mußte, was er haben wollte, und daß die Kränklichen
oder Müden der Passagiere froh waren, in irgend einer Ecke noch eine
unbesetzte Bank oder einen Stuhl anzutreffen, um daselbst ausruhn zu
können. Draußen, im Freien, war es empfindlich kalt und man hörte viele
von denen mit den Zähnen klappern, die aus Indien gekommen waren.

In demselben Gebäude befand sich das Bureau der Landmail-Beamten, wo
diejenigen Reisenden, die, wie ich, nicht bis England Passage genommen
hatten und deßhalb nur bis Suez hatten bezahlen können, sich für 12 Pf.
Sterling mit einem Passagescheine bis nach Alexandrien versehen mußten.
Auch hier war das Gedränge groß und die Bänke im Vorzimmer waren mit
Reisenden besetzt, die sich sitzend oder liegend einige Ruhe zu
verschaffen suchten. -- In dem kahlen Sandgrunde des Hofraumes lagen
Kisten und Waarenballen in wilder Unordnung umher und außerhalb des
Gebäudes lagen sie nach dem Strande zu in ganzen Bergen auf einander
gestapelt.

Der Transport der Reisenden durch die Wüste geschieht von hier in
zweirädrigen Wagen, in deren jedem sechs Mann Platz haben. Damit sich
die Zahl der Reisenden in den kleinen Stationen, die in der Wüste
liegen, nicht zu sehr anhäufe, so werden jedes Mal nur vier Wagen
zugleich befördert und die verschiedenen Züge oder Transporte, deren
Zahl sich nach der Zahl der Reisenden regelt, folgen einander in
Zwischenzeiten von 1-1/2--2 Stunden. Die, welche Passage bis England
genommen haben, haben den Vorrang und von den übrigen werden Diejenigen
zuerst befördert, die sich am Bureau von Suez zuerst gemeldet haben und
sich zuerst in die Liste haben einschreiben lassen. Da ich zu keinen von
beiden gehörte, so wurde mir mitgetheilt, daß ich unter die Zahl
derjenigen Reisenden eingeschrieben sei, die mit dem Transporte um 4 Uhr
von Suez abreisen würden.

Ich hätte also Zeit genug gehabt, einiger Nachtruhe zu pflegen. Da aber
vor der Abreise der früher angekommenen Gäste auf's Schiff keine Zimmer
mit frischen Betten zu bekommen waren, und das Ausruhn auf Bänken oder
aneinander gesetzten Stühlen, dem sich manche überließen, mir nicht
behagte, so zog ich es vor, dem Gewühle des Hotels zu entfliehen und
ungeachtet der Kälte und der Cholera, meine Zeit auf Spaziergänge durch
die Stadt zu verwenden.

So glühend die Hitze ist, welche die Sonnenstrahlen über Tag auf der
Oberfläche von Sand und Fels hervorrufen, so groß ist die Abkühlung der
starren Wüste des Nachts. Die Kälte war daher empfindlich und ich
bedauerte, meine leichte, indische Kleidung nicht sogleich mit wärmerer,
europäischer Bedeckung verwechseln zu können. Der Mond schien so hell
durch die heitre Wüstenluft herab, daß auch im Schatten der Mauern alle
Gegenstände deutlich sichtbar waren. Die Todtenstille, in welcher die
Stadt dalag, machte einen tiefen Eindruck auf mich, der ich so eben erst
das lärmerische, von Leben wimmelnde Gasthaus verlassen hatte. Ich sah
auf dem Kai und in den benachbarten Straßen Hunderte von plumpen Massen
liegen, die mit den Mauern der Gebäude und dem Sande, woraus der Boden
bestand, so vollkommen ein und dieselbe fahlgraue Farbe hatten, daß ich
sie für Felsblöcke oder große Waarensäcke hielt. Zwischen ihnen waren
hier und da pyramidenförmige oder längliche Gestalten von völlig weißer
Farbe sichtbar, die wie Gespenster und schweigsam wie diese, hin- und
herschlichen. -- Alles war still. -- Man konnte kein Athmen, kein
Geräusch hören, und erst als ich mich mitten unter jenen plumpen
»Felsblöcken« oder »Säcken« befand und als lange, gebogene Körper, wie
krumme Baumstämme, mir zur Seite und höher, als ich selber war,
emporragten, da erkannte ich erst, daß jene schleichenden Gestalten
Beduinen mit ihren weißen Mänteln waren, aus deren Kappe oben ein
schwarzer Bart und zwei funkelnde Augen hervorguckten, -- und ich
erschrak fast, als einer von jenen lang emporgereckten Körpern an seiner
Spitze anfing, sich langsam zu bewegen und mir -- einen ~Kopf~ zudrehte,
mit Augen darin und einem käuenden Gebiß -- -- --; ich schritt zwischen
~Kameelen~, dem Bilde der Geduld, dahin. Diese Thiere, Dromedare oder
einbucklige Kameele,[36] lagen in der That eben so unbeweglich wie
Felsblöcke im Sande hingestreckt, und der einzige Theil ihres Körpers,
an dem man zuweilen eine leise Bewegung spüren konnte, war der Kopf, den
sie langsam zur Seite drehten, wenn ein Araber oder ein fremder
Reisender vorüberschlich. Man hätte dann diesen so unverhältnißmäßig
kleinen Kopf, wenn er sich auf dem ungeheuer langen Halse nach einer
Seite zu bewegte und sich ~allein~ bewegte, während kein andres Glied
des Körpers Zeichen von Bewegung gab, leicht für einen ganz andern
Gegenstand, für ein Thier an und für sich selbst, oder auch für eine
Windfahne halten können.

Ich wandelte durch die engen Straßen zwischen den Häusern dahin, die
schmutzig-grau oder bräunlich, wie der Sand des Bodens, sind, platt von
oben, kahl und einförmig an ihren Wänden, die aber durch ihre kleinen,
sehr vereinzelten, regellos angebrachten und dann noch gewöhnlich mit
Gitterwerk geschlossenen Fensteröffnungen ein fremdes, geheimnißvolles
Vorkommen erhalten. Manche Gassen sind so eng, daß nicht zwei Menschen
neben einander gehen können. Die Häuser sahen aus, wie aus der Wüste
herausgewachsene Erd- oder Felsstücke, von kubisch-plattgedrückter Form
und ihre Vereinigung zu einem Ganzen glich einer platten Bergmasse,
durch welche man schmale, sich regellos durchkreuzende Gassen
hindurchgehauen hat. Alles war kahl und staubig. Nur hier und da blickte
aus dem innern Hofraume, deren ein jedes größere Haus einen hat, eine
Dattelpalme hervor und in dem Hintergrunde einer schmalen Gasse machte
sich zuweilen die weiße, unheimliche Gestalt eines Beduinen kenntlich,
die schnell hinter der Ecke verschwand. Sonst war Alles einförmig und
bewegungslos. -- Nackte äußere Wände der Häuser, mit kleinen
vergitterten Gucklöchern, -- viereckige innere Hofräume, nach welchen
die Fensteröffnungen hingerichtet sind, -- Cisternen in diesen
Höfen, -- hier und da die Minaret's einer Moskee, ähnlich den
cylindrischen Schornsteinen europäischer Fabriken, -- platte
Dächer -- Alkoran und -- Harem! -- das sind hier unzertrennliche Sachen.

Auf meinem Spaziergange durch dieses Chaos, diesen regellosen und
schmutzigen Schutthaufen von Mauern, (als solcher erscheint die Stadt dem
Reisenden auf den ersten Blick) -- empfanden auch meine Geruchsnerven den
bündigen und anhaltenden Beweis, daß das Wort ~schmutzig~ kein unverdientes
Prädikat von Suez sei. Denn Kothhaufen und todte Ratten waren aller Ecken
zu sehen, halb verfaulte Kadaver von Eseln lagen hier und da umher, sogar
ein todtes Kameel zwang mich zur Rückkehr aus einer von den engen Gassen,
die es ganz versperrte, -- vielleicht lagen auch menschliche Leichen, die
an der Cholera gestorben waren, noch unbegraben in den Häusern, oder nur
lose verscharrt unter dem Sande, -- und ein gräulicher, allerwidrigster,
~süß-fauler~ Gestank erfüllte, als ein nicht unpassender Duft für das
Heimathland der ~Pest~, -- weit und breit alle Räume der Stadt.

Doch hatte die Landschaft und Stadt mit der eigenthümlichen Bauart ihrer
Häuser, mit ihren Kameel- und Beduinengestalten, ihren regellos
aufgehäuften Transportwaaren und Kisten und eben so regellos
umhergestellten zweirädrigen Karren, und mit ihrem klosterartig
abgesonderten Hotel, worin mehr als 300 Fremdlinge durch einander
wogten, -- so wie sie da lag bei nächtlicher Weile, hell vom Mond
beschienen, -- einen, wo nicht schönen, doch desto eigenthümlichern
Reiz.

Für unsere Bagage brauchten wir nicht zu sorgen; diese wurde ohne unser
Zuthun an's Land geschafft und auf Kameelen durch die Wüste
transportirt. In den Wagen aber, während der Reise durch die Wüste, war
es den Passagieren nicht erlaubt, mehr als ein ganz ~kleines~ Päckchen,
so viel nämlich ein Jeder unter der Bank zwischen seinen Füßen verbergen
konnte, bei sich zu behalten, und ich war froh, daß mir meine
Wagengefährten zugestanden, mein Barometer mitzunehmen. Die Wagen, die
sich auf zwei Rädern bewegen, sind auf allen Seiten mit Fenstern
versehen, die man nach Belieben aufschieben oder schließen kann und
haben in ihrem Innern für sechs Reisende Platz, enthalten nämlich zwei
seitliche Bänke, auf deren jeder drei Personen, also einander gegenüber,
Gesicht gegen Gesicht, zu sitzen kommen, -- die Räume sind aber so eng,
daß man des Gepäcks wegen, wovon ein Jeder gern so viel wie möglich
mitnimmt, sehr gedrängt sitzt. Die Thüröffnung befindet sich also auf
der hintern Seite, zu welcher man auf einer Art von Treppe hinansteigt.

Endlich war der größte Theil der Nacht verflossen und die Zeit unsrer
Erlösung aus Suez rückte heran. Ich glaube, es war der dritte Transport,
mit dem ich befördert wurde und der aus vier Wagen bestand. Es war 4 Uhr
in dem Morgen des 12ten October, als wir das öde Suez verließen und von
Staubwolken umhüllt, hinein in die noch ödere Wüste rollten. Einem jeden
Wagen wurden vier tüchtige arabische Pferde vorgespannt, und diese
flogen mit uns in vollem Galopp dahin.

  »Todt und starr liegt die Wüste hingestreckt, wie die nackte Felsrinde
   eines verödeten Planeten«.[37] --

Dies würde eine passende Inschrift sein für die Pfeiler des offenen
Thores von Suez, durch welches man in die Wüste hineinfährt. Denn je
mehr der Tag graute, desto deutlicher und abschreckender zeigte sich die
Wüste in ihrer ganzen, traurigen Öde. Sie bestand bald nur aus feinem,
beweglichen Sande, in welchen die Räder tief einschnitten, dann keuchten
die Pferde, -- bald aus gröberm oder mit Steingereibsel vermengtem
Sand, -- bald herrschte das Steingereibsel (kleine Felstrümmer, meistens
abgerundet, in der Form von Geschieben, die hier und da bis zu einem Fuß
Dicke anwuchsen,) vor, dann rollten die Wagen leichter darüber hin und
flogen nur zuweilen, wenn die Räder auf einen der größern Steine
stießen, einen kleinen Fuß hoch oder anderthalb in die Höhe, um uns
durch einen zeitig angebrachten sanften Stoß vor zu großer Schläfrigkeit
zu bewahren; -- bald war die Wüste vollkommen horizontal, -- bald
wellenförmig gehoben und gesenkt, ja hier und da hüglig,
dünenartig, -- aber überall war sie gleich dürr.

Kahl, nackt, öde, todt, starr, aller Dammerde entblößt, allen
Pflanzenwuchses beraubt, ohne Wasser, ohne Bewegung, ohne Leben, voll
Sand, voll Staub, glühend heiß, verschmachtend, einförmig, unendlich,
ermüdend für's Auge, trostlos für's Herz! -- ~das~ ist die Wüste.

Unsre Reise dauerte von Suez bis Cairo 15-1/2 Stunden; da hiervon aber
3-1/2 Stunden Halt abgezogen werden müssen, so hatten wir zum Durchfahren
der Wüste, das in der Richtung fast genau von Ost nach West und jederzeit
im vollen Galopp geschah, nur 12 Stunden nöthig. Ist nun das ganze Traject
100 engl. Meilen lang, so legten wir 8 solcher Meilen in einer Stunde
zurück. In Abständen von 5--6 engl. Meilen waren durch die ganze
Wüste bis nach Cairo Pferdeställe nebst Wohnungen für die Aufseher
erbaut, -- Stationen, wo die Pferde gewechselt wurden. Diese standen mit
Geschirr und allem angethan jederzeit schon bereit, wenn wir ankamen. Es
läuft nämlich in der Richtung des Weges eine Linie von Telegraphen durch
die Wüste, auf kleinen Thürmen angebracht, die öfters auf Erhöhungen des
Bodens stehen, da, wo sich deren finden und deren äußerste Punkte Suez und
Cairo sind.[38] Der Hauptdienst dieser Telegraphen ist, die Ankunft der
Schiffe zu Suez und der Transporte von Reisenden durch die Wüste, hin und
her, zu melden. Aber nur an drei Stationen, wo sich kleine Gasthäuser,
Absteigequartiere (Pasanggrahan's würde man auf Java sagen), befinden,
wurde für längere Zeit Halt gemacht, nämlich von 8--9, von 12--1-1/2 und
von 5--6 Uhr, und hier hatte ich Gelegenheit, den unersättlich-musterhaften
Appetit der Engländer zu bewundern, die an allen diesen Orten tüchtig aßen
und tranken. Die Tafeln waren bei der Ankunft der Transporte schon gedeckt
und mit dem Auftragen der Speisen wurde nur so lange gewartet, als die
Reisenden in kleinen Nebenzimmern, wo Waschtafeln standen, beschäftigt
waren, sich Gesicht und Hände vom Staube zu reinigen und das Haupt
abzukühlen. Die Speisen bestanden hauptsächlich aus Suppe, Reis, Hühner-
und Schöpsenfleisch, das auf verschiedene Art zubereitet war, auch waren
Kartoffeln, Gemüse, Brot und Zwieback vorhanden und den Bier- und
Weinflaschen wurde fleißig zugesprochen. Nach Tisch wurde Kaffee gereicht,
gewöhnlich in kleinen Nebenzimmern, welche die Überschrift: »Rauchkammer«,
trugen. Andere Nebenzimmer waren mit Betten versehen zur Bequemlichkeit der
kränklichen Reisenden oder der Damen, die etwa wünschen möchten,
auszuruhen. Auch muß ich ~Mehmed Ali~, der es eigentlich war, welcher uns
zufolge seines mit der Compagnie geschlossenen Contractes hier bewirthete,
die Gerechtigkeit widerfahren lassen, und bezeugen, daß wir in seinen
Hotels in der Wüste besser aßen und tranken, wie in dem ersten Gasthofe zu
Cairo, obgleich alle Bedürfnisse, das Wasser nicht ausgenommen, aus weit
entfernten Gegenden hierher geschafft werden müssen. Die Hotels, die nur
ein Stockwerk hatten, waren aus Stein, gewöhnlich auf plattenförmig
erhöhten Räumen erbaut und waren auch an der größern Höhe, die sie selbst
hatten, schon aus der Ferne von den Pferdeställen zu unterscheiden, die
ihnen zur Seite standen. Alle Gebäude waren aber, wie überhaupt in Egypten,
platt von oben und glichen ihrer Form nach viereckigen Kasten. Das größte
unter ihnen war das Hotel, in welchem wir von 12--1-1/2 Uhr unsre
Hauptmahlzeit hielten und das sich auf einem 12 Fuß hohen Plafond erhob.
Man mußte auf Treppen hinaufschreiten und genoß aus der Vorgallerie eine
freie Aussicht über die angränzenden Räume der Wüste. Außer diesen kleinen
Poststationen, an denen ohngefähr alle drei Viertelstunden zum Wechseln der
Pferde Halt gemacht wurde, bot uns die Wüste auch noch einige andere
Abwechselung dar. Ein eigentlicher Weg, eine Spur von Rädern oder
Kameeltritten war freilich nirgends zu sehen und selbst die Steinhaufen
oder Pyramiden, welche in manchen sehr gleichförmigen Gegenden der Wüste in
gewissen Abständen angehäuft worden waren, um die Richtung des Weges zu
bezeichnen, waren zum Theil wieder vom Sande verweht und überschüttet.
Dasselbe war der Fall mit den gefallenen Kameelen, die wir häufig sahen und
die bald noch frische Kadaver waren, bald abgenagte Gerippe, die nur halb
aus dem Sande hervorragten. Aber die vielen Karavanen und beladenen
Kameelheerden, an denen wir öfters vorbeiflogen, gaben der Wüste, zu dieser
Zeit der Land-Transporte, doch ein gewisses belebtes Ansehen. -- Auch unsre
Kutscher verschafften sich selbst und uns durch den Wettstreit, den sie mit
einander im Schnellfahren hielten, einige Belustigung, -- bald hielten
unsre Wagen lange Zeit mit einander gleichen Schritt und flogen alle vier
in stätigem Tempo neben einander dahin durch den weiten Raum, bald rannte
uns der eine voraus und war einige Minuten später am fernen Saume der Wüste
nur noch an den Staubwolken erkennbar, die ihn begleiteten, -- bald
verschwand ein anderer hinter uns, der im Sande stecken blieb und uns
erst später wieder einholte; -- ~zwei~ Erscheinungen aber waren es
hauptsächlich, die mehr, als die eben genannten, meine Aufmerksamkeit auf
sich zogen, und mehr, als alles Andre, dazu beitrugen, das Bild der Wüste
in meiner Phantasie unauslöschbar zu machen.

Auf der so einförmigen, gestaltlosen Oberfläche der Wüste fielen alle
Gegenstände, welche die Gleichförmigkeit in Etwas unterbrachen, -- ein
Stein, der ein wenig größer war, als die andern, -- ein Gerippe, auf die
man an andern Localitäten kaum geachtet haben würde, -- sogleich in die
Augen; der Mangel aller andern Gegenstände aber, die zu Anhaltpunkten,
zur Vergleichung bei der Beurtheilung hätten dienen können, war die
Ursache, daß man hinsichtlich der Schätzung der Größe so wohl, als der
Entfernung solcher Körper, die man sah, in die größten Irrthümer
verfiel. Schon mehrmals waren wir an Sandabhängen vorbeigekommen, und
hatten auf dem Rande dieser abschüssigen Stellen ziemlich große Körper
gesehn, die fast in gleichen Abständen von einander dastanden, ohne daß
wir die Natur derselben kannten. -- Auch um 12 Uhr, als wir in der
Hauptstation auf der Hälfte des Weges, also in der Mitte der Wüste,
angekommen waren, sahen wir auf dem Rande eines erhöhten Sandwulstes
nicht weit vom Hause eben solche Körper wieder hingepflanzt. Sie standen
da, wie in einer Reihe neben einander und ihre Zahl betrug meistens 50.
Wir vermochten nicht zu erkennen, ob es Menschen waren (Beduinen), die
da standen, oder Schafe oder Sträucher oder Felsblöcke; -- das Letztere
war noch das Wahrscheinlichste, denn sie waren ganz unbeweglich und
graubraun von Farbe, wie Alles umher. Sie standen aber in so
regelmäßigen Abständen, wie man Felsen selten sieht und waren alle von
vollkommen gleicher Größe. Es war ganz unmöglich, diese Größe zu
beurtheilen, und zu sagen, ob sie drei oder zehn Fuß groß waren oder
noch mehr und eben so unmöglich war es uns, mit dem bloßen Auge zu
ermessen, ob sie sich in der Entfernung von nur 100 oder von 1000 Fuß
oder mehr von uns befanden.

Ich beschloß, mir Sicherheit zu verschaffen und ging darauf los. Als ich
näher gekommen war, so unterschied ich zu meinem nicht geringen
Erstaunen die regelmäßige Form von ungeheuer großen Raubvögeln, die,
wie es schien, ausgestopft und vom Besitzer des Hotels zum Trocknen
dahingestellt waren, -- denn auch kein einziger davon ließ auch nur die
geringste Bewegung spüren; sie standen alle da in gleichen Abständen von
einander, sie hatten alle eine vollkommen gleiche Stellung und waren mit
ihrem Vordertheile dem Abhange zugekehrt; ich kam ihnen bis auf 25 Fuß
nahe, aber -- wie erschrak ich! -- als nun plötzlich diese ungeheuren
Vögel, alle auf Einmal, wie auf Einen Schlag, aufflogen und -- dahin
sausten durch die Wüste, in der sie sich auf einen andern Sandhügel, in
derselben Stellung, wie vorher, und eben so unbeweglich wieder
niederließen. -- Es war der gemeine große Wüstengeier, _Vultur fulvus_,
der sich besonders vom Fleische der gefallenen Kameele nährt, sich daher
gern in der Nähe der Karavanenstraßen aufhält und diese von seinem
Standpunkte, nämlich den Sandhügeln herab, überblickt, in einer der
Straße stets zugekehrten Stellung.

       *       *       *       *       *

Die zweite Erscheinung, die eben so eigenthümlich, wie die Geier und die
Kameele, zur Wüste gehört, war die sogenannte Luftspiegelung, _mirage_,
Sehrab der Araber. -- Ihr Sichtbarwerden ist abhängig vom Grade der
Erhitzung der Wüste durch die Sonne, sie ist daher zur Zeit der größten
Hitze von 12 bis 2 Uhr am lebhaftesten, wird nicht vor 8 Uhr des Morgens
sichtbar und verschwindet allmählig wieder gegen 5 Uhr des Abends. Wir
hatten daher Gelegenheit, uns fast einen ganzen Tag lang an diesem
optischen Phänomen zu belustigen, das der Wüste einen merkwürdigen,
zauberhaften Reiz verlieh. Wir sahen es zuweilen nur an einer, meistens
aber an zwei bis drei, ja fünf und mehr Stellen auf verschiedenen Seiten
zugleich, -- wenn es an der einen von diesen Stellen verschwand, so
erschien es an einer andern Stelle wieder, wie hingezaubert, und so
dauerte das Spiel den ganzen Tag lang, -- des Mittags aber am schönsten
und häufigsten -- fort, indem es die öde Sandwüste in eine Steppe voll
von Seen, Wassertümpeln und schlängelnden Flüssen verwandelte. Manche
Stellen der Wüste nämlich, die vorher, wie alles Andre rundum, in ihrer
bräunlich-gelben, matten Farbe dagelegen hatten, fingen, wenn wir uns
ihnen bis zu einer ~gewissen~ Entfernung genähert hatten, an, zu
glänzen -- sie wurden gleichsam, so ~schien~ es, in einen Spiegel
verwandelt, der die Farbe und das Licht des Himmels bläulich-weiß
zurückstrahlte und dadurch das Bild einer Wasserfläche hervorrief; er
war aber so blinkend, wie diese, -- am Saum zitternd und dadurch den
Wellenschlag so täuschend nachahmend, daß wir oft anfingen, zu zweifeln,
ob wir nicht das wirkliche Wasser kleiner Seen vor uns erblickten. Weil
nämlich der Saum der erhitzten Wüste im aufsteigenden Luftstrome
wellenförmig zitterte und die Gränzlinie, die er mit dem scheinbaren See
bildete, dadurch zerrissen wurde, so veranlaßte er durch seine
Spiegelung im Pseudo-Wasser das Sichtbarwerden von länglichen Gestalten,
wie von Palmenstämmen, die man am Ufer zu sehen glaubte -- oder das
spiegelnde, umgekehrte Bild wirklicher in der Nähe liegender Felsblöcke
oder andrer Unebenheiten in der Wüste wurde verlängert. -- Diese
spiegelnden Wasserflächen hatten meistens eine längliche, streifenartige
Form, zuweilen waren sie auch rundlich, manchmal wie Flußarme
geschlängelt und eben so verschieden, wie in ihrer Form, waren sie auch
ihrer Größe nach und wuchsen von kleinen Tümpeln bis zu ansehnlichen
Seen an. Oft sah man sie mitten in der Wüste, dann waren sie an allen
Seiten von dunkler gefärbten, matten Ufern umgeben und sie schienen in
sanften Vertiefungen der Wüste zu liegen; am häufigsten aber zeigten sie
sich in der Nähe des Randes oder im Rande selbst der Wüste und dann floß
ihr jenseitiger Rand ununterscheidbar mit der Helle des Himmels, dessen
Farbe sie hatten, zusammen.

Meine Begleiter und ich, wir wurden denn auch den ganzen Tag lang nicht
müde, diese Erscheinung, die der starren Fläche ein gewisses Leben, eine
gewisse Bewegung verlieh, zu betrachten und zu bewundern. Schon oft
hatten wir geglaubt, wirkliches Wasser zu sehn und waren getäuscht
worden. Dennoch geschah es zuweilen bei unsrer Ankunft an einer Station,
wenn wir einen neuen See vor uns erblickten, daß verschiedene Engländer
mit andern ihrer Landsleute um mehre Pf. Sterling wetteten: ~Diesmal~
wirkliches Wasser vor sich zu haben. Da lag, wie es schien, in einer
sanften und muldenförmigen Vertiefung der Wüste -- ein schöner
blinkender See, sein Wasser bewegte sich zitternd in sanften Wellen und
von seinem Ufer zogen sich ebenfalls lange Gegenstände -- zitternd und
sich spiegelnd -- herab in's wogende Wasser, gerade so, wie man es an
wirklichen Seen bemerkt, über deren Spiegel ein sanfter Wind
hinwegstreicht. Die Täuschung war so vollkommen, daß ich wohl hätte
mitwetten mögen, wenn ich von der Unmöglichkeit von vorhandenem Wasser
in dieser Erdgegend nicht so sehr überzeugt gewesen wäre. Viele der
Passagiere glaubten es aber steif und fest und schritten, um die Wette
zu gewinnen und dabei zugleich ein erfrischendes Bad im Wasser zu
nehmen, muthig darauf los. Aber als wir uns dem Phänomen bis auf einen
~gewissen~ Abstand genähert hatten, so wurde es zuerst schmäler,
streifenförmiger und dann ~verschwand~ es, und zwar ziemlich schnell,
vor unsern Blicken. Seespiegel, Wellenschlag, Ufer, Alles verschwand,
wie auf einen Zauberschlag und von der muldenförmigen Vertiefung, die
wir zu erblicken geglaubt hatten, blieb nichts zurück, wie die matte
Sandwüste, die an der Stelle eben so flach und gleichförmig war, wie
überall. -- Was uns am meisten ärgerte, war, daß wir nicht einmal die
Entfernung zu bestimmen vermochten, in welcher von unsrem Standpunkte
aus gerechnet, die Erscheinung sichtbar wurde und wieder verschwand, daß
wir also auch nicht die Stelle bestimmen konnten, wo die scheinbare
Spiegelung Statt gefunden hatte, aus dem einfachen Grunde, weil diese
keine Spur hinterließ und weil es den luftigen Seen nicht beliebte, mit
ihrem Vorhandensein so lange zu warten, bis wir an ihren Ufern
angekommen waren. Unsre Schätzung der Abstände, in welchen wir diese
scheinbaren Wasserspiegel vor uns liegen sahen, auf ein bis zwei, ja
drei und mehr englische Meilen war daher gewiß auch sehr betrügerisch.

Nachdem ich diese sogenannte Luftspiegelung gesehen und ~so oft~ sie
sich zeigte, mit immer erneuerter Bewunderung betrachtet hatte, so mußte
ich gestehen, daß doch auch die ~Wüste~ ihre Schönheiten besaß.

Auch der Abend, nachdem er gefallen war, nachdem sich schon ein
zweifelhaftes Dämmerlicht über den Sandocean verbreitet hatte,
bestätigte dies. -- Wir befanden uns in der vorletzten Post-Station, als
uns einige Passagiere, die draußen standen, zuriefen, daß wir hinaus
in's Freie kommen möchten, weil ein wundervolles Schauspiel sichtbar
werde. -- Draußen angekommen und auf einem Sandhügel postirt, -- da
sahen wir eine ungeheuer große Kugel -- sie war oben halb fleischroth,
halb isabellfarben, -- wir glaubten, daß es ein Luftballon sei, den man
in ein bis zwei engl. Meilen Entfernung von uns in der Sandfläche
aufsteigen ließ, -- und wir hatten einige Zeit nöthig, um uns zu
überzeugen, daß das, was wir sahen, -- der ~volle Mond~ war, der sich
langsam -- wie ein ungeheures Gespenst über den Saum der
bräunlich-falben Wüste erhob. -- Er schien so ungeheuer groß, daß wir
hätten glauben mögen, sein Durchmesser betrage mehr, wie gewöhnlich,
was natürlich nicht der Fall war und so erhielten wir einen neuen,
schlagenden Beweis, wie trügerisch alle Schätzungen über die
Verhältnisse von Größe und Entfernung der Gegenstände in einer
Wüstenfläche sind, die sich einförmig und kahl nach allen Seiten
ausstreckt. --

Ich habe jene Erscheinung, wie gewöhnlich zu geschehen pflegt,
Luftspiegelung genannt; sie gehört aber in der That der Lehre von der
irdischen Strahlenbrechung an und ist am gründlichsten von Biot
erklärt.[39] -- Da, wie bekannt, Flüssigkeiten von verschiedener
Dichtigkeit ein verschiedenes Brechungsvermögen besitzen, so hat Biot
alle Erscheinungen auf mathematische Art erklärt durch die Abweichung
der Lichtstrahlen, welche vom Gegenstande zum Auge gelangen, von der
geraden Bahn, wodurch nach optischen Gesetzen eine Verrückung des
gesehenen Bildes herbeigeführt werden muß. Über dem Wüstenboden aber,
den die Sonne bescheint, sind die über einander gelagerten Luftschichten
in verschiedenen Graden erhitzt, haben also auch eine ungleiche
Dichtigkeit und ein ungleiches Brechungsvermögen der Lichtstrahlen.
Diese letztern werden krumme Bahnen (Trajectorien nach Biot) in ihrem
Laufe durch diese Luftschichten beschreiben, und da die Dichtigkeit der
Luft ~unten~, wo sie am stärksten erhitzt ist, am schwächsten ist, nach
~oben~ aber zunimmt, so entsteht von dem Gegenstande, -- nämlich dem
untern Theile des Himmels, der ~auf~ dem Wüstenrande zu ruhen
scheint, -- bis zum Auge eine nach unten gekrümmte Trajection und das
Auge sieht ein doppeltes Bild: 1) das Bild, das durch dieselbe
Luftschicht von gleicher Dichtheit in gerader Richtung vom Gegenstande
zum Auge geht, also den wirklichen untern Theil des Himmels und 2) das
Bild von diesem Theile des Himmels, das, in verkehrter Stellung, durch
die gekrümmte Linie zum Auge gelangt und ~unter~ dem Wüstenrande oder in
der Wüste selbst zu liegen scheint, wo es die Gestalt einer Wasserfläche
hervorbringt, in welchem Wasser sich dann auf gleiche Weise das vom
Wüstenrande entstandene, verkehrte Bild zu spiegeln scheint.

Die Steine, die in den verschiedenen Gegenden der Wüste, bald mehr, bald
weniger zahlreich mit dem Sande vermengt waren oder auf dem Sande
zerstreut lagen, waren meistens abgeplattet-kuglige, zwei bis vier Zoll
dicke Geschiebe von Quarz, Feuerstein, Hornstein, Achat. Unter ihnen
herrschte besonders ein gelblich-bräunlicher in Achat und Onyx
übergehender Hornstein vor (s. ~Suez Nr.~ 1 im Museum zu Leyden), der
sich durch concentrisch-rund um den Mittelpunkt laufende, abwechselnd
hellere und dunklere bandförmige Streifen auszeichnet.

Der letzte, westlichste Theil des »Thales der Verirrungen«,[40] den wir
durchschnitten, war viel unebner, wellenförmig-hügliger, als alle
frühern, doch senkte er sich im Allgemeinen zum tiefer liegenden
Nilthale herab. Er blieb in seiner Beschaffenheit den vorigen gleich,
nämlich eben so kahl wie diese -- und erst als wir diese nord-östliche
Vorstadt von Cairo hindurch gefahren waren und aus dem Wirrwarr von
elenden aus Erde gebauten Hütten (eigentlicher Höhlen), woraus diese
besteht, in's Frankenquartier der Stadt, wo größere Wohnungen standen,
gekommen waren, da sahen wir, zum ersten Male seit 22 Tagen, seitdem wir
Ceylon verlassen hatten, wieder süßes Wasser, -- ~wirkliches~
Wasser! -- und erblickten zur Seite des gegrabenen Kanals, den dieses
Wasser erfüllte, zum ersten Male wieder Bäume, -- grüne Bäume! -- Wir
befanden uns im fruchtbaren Thale des Nil und hielten um 7-1/2 Uhr des
Abends (am 12ten October) vor dem Oriental-Hotel in Cairo still (siehe
Fig. 18).

Ich hielt mich vom 12ten October an bis in den Abend des 21sten, also
neun Tage lang in der Hauptstadt von Egypten, der Residenz des
Pascha-Vicekönig's, auf, unterlasse es aber, mich in eine vollständige
Beschreibung von Cairo einzulassen, da es, so ziemlich in allen
Sprachen, schon genug beschrieben ist.

Jedem Passagier mit der Landpost ist die Freiheit gelassen, die Reise
entweder sogleich nach Alexandrien fortzusetzen oder eine Zeit lang hier
zu bleiben und einen der folgenden Transporte, die von Bombay aller 14
Tage anzukommen pflegen, abzuwarten und dann mit den Passagieren dieser
spätern Transporte seine Weiterreise, auf kleinen Dampfschiffen den Nil
herab, nach Alexandrien zu verfolgen. Die Passagescheine bleiben so
lange gültig. Das Gepäck der Reisenden, das ohne deren Bemühung von Suez
nach Cairo auf Kameelen angebracht wird, bleibt dann so lange in den
Packhäusern zu Bulak deponirt. In diesem Dorfe, welches eine Stunde von
Cairo entfernt, am östlichen, rechten Nilufer liegt, fand ich schon am
Abend des folgenden Tages meine Kisten, zu denen mir der Zugang auf das
Bereitwilligste gestattet wurde, um Bedürfnisse, die ich nöthig hatte,
herauszunehmen.

[Illustration: _Fig. 18._     _Lith. Anst. v. J. G. Bach, Leipzig._]

Wenn man das platte Dach des Hotels betritt oder den Berg der Citadelle,
den höchsten Punkt in ganz Cairo, -- oder das Minaret einer Moskee
ersteigt und sich auf die Gallerie, die rund um diese Thürmchen läuft,
begiebt, so kann man einen großen Theil der Stadt und von der Citadelle
aus sogar ~ganz~ Cairo mit seinen Umgebungen, -- dem angränzenden
Nilthale in Westen bis Norden, und der Wüste in Osten und Nord-Osten, --
überschauen. Man sieht dann über ein Chaos von niedrigen, doch meist
zweistöckigen, oben platten Häusern hin, die viereckigen Kasten mit
dunklen Löchern, den Fensteröffnungen, gleichen und die eine eben so
schmutzig-braune Farbe haben, wie die angränzende Wüste. Viele davon
sind nur aus Erde (Nilschlamm) erbaut und als einst vor 20 Jahren ein
Regenschauer fiel, was hier eine große Seltenheit ist, so lief die halbe
Stadt große Gefahr, in Schutt zu versinken, nämlich in Wasser aufgelöst
zu werden und die Bewohner flüchteten aus ihren Häusern. Nur hier und da
schimmert ein besseres, weiß angestrichenes Haus aus dem Wirrwarr der
übrigen hervor oder erhebt eine aus Stein erbaute Moskee ihre Minaret's.
Das größte Privathaus in der ganzen Stadt ist das Hotel (Fig. 18), in
dem wir abgestiegen sind. Es liegt im nord-östlichen Theile der Stadt
und hat die Aussicht über die Gartenanlagen des Platzes Esbekieh, an die
es gränzt. Dies ist der öffentliche Spaziergang der Bewohner von Cairo,
wo sich die Türken des Abends unter den Bäumen mit Lautenspiel und
Kaffeetrinken belustigen. Man erblickt daher hier das Grün von Bäumen
und Sträuchern, fühlt aber auch den Nachtheil, den die Nähe des Wassers,
der gegrabenen Kanäle, welche Esbekieh umzingeln, hat, nämlich Schwärme
von Mosquiten, die auch im Innern des Gasthofes nicht fehlen. In allen
übrigen Theilen der Stadt ist nirgends einiges Grün zu entdecken, außer
den mehr grauen als grünen Wedeln der Dattelpalmen, die hier und da sehr
vereinzelt über die Mauern hervorragen. Der Anblick über das Ganze, so
wie es daliegt im blendend hellen Scheine der Sonne, wenn man es von
einer Anhöhe herab beschaut, ist denn auch mehr eigenthümlich als
schön. -- Und wenn man sich in das Innere der Stadt begiebt und die
engen Gassen durchwandert, die gewissermaßen nur Spalten zwischen den
Häusermassen sind und deren Bewohner ihren Nachbarn gegenüber die Hand
zureichen können, so stößt man auf den buntesten Wirrwarr, den man
irgendwo erblicken kann. Man sieht die engen Kanäle (Gassen)
vollgepfropft von Arabern, Türken, Griechen, Kopten, Juden,
Malthesern, Franzosen, alle in ihrer Nationaltracht durch einander
fluthend. -- Kaufleute mit Datteln und andern Herrlichkeiten und
Dutzende berittener Esel drängen sich durch's Gewühl hindurch, das an
den schmalsten Stellen oft ganz in's Stocken geräth, so daß man weder
vorwärts, noch rückwärts kann, -- und wenn dann noch ein Kameel mit
seiner Last ankommt, das ~auch~ hindurch will, ob es gleich den ganzen
Raum der Gasse beinahe allein einnimmt, über deren Gewimmel es mit
seinem riesenmäßigen Halse hoch hinwegschaut, so läuft man große Gefahr,
zerquetscht oder zertreten zu werden. -- Dessenungeachtet, als ob die
Gassen nicht schon an und für sich selbst eng genug wären, erblickt man
überall die Kaufwaaren in Ballen, Körben, Kisten, auf Tafeln und
Gestellen vor den Thüren zur Schau ausgestellt.

Ihrem Verlaufe nach bilden die Gassen das größte Labyrinth, das man sich
denken kann, sie drehen sich zu hundert Malen, -- rechteckig -- in den
verschiedensten Richtungen hin und her, -- bald werden sie breiter, bald
wieder schmäler, -- bald machen sie endlose winklige Gänge und kommen
dann wieder auf denselben Punkt zurück -- oder sie theilen sich in zwei
bis drei Gassen und diese endigen sich, nachdem sie die wunderbarsten
Biegungen, jederzeit in rechten Winkeln, gemacht haben, blind, so daß
der Reisende, nach viertelstündigem Wandern keinen Ausweg findend,
wieder zurückkehren muß, -- und daß ein Wegweiser durch die Stadt einem
jeden Fremden, der nicht in der Irre herumlaufen will, unentbehrlich
ist. Das schmutzigste Quartier mit den allerschmälsten, oft ganz
überbauten Gassen, mit den wunderlichsten Schlupfwinkeln und schiefen
Häusern, die den Einsturz drohen, ist das der Juden und aus diesen
Gründen wohl besehenswerth. -- Manche Theile der Stadt, wo die Häuser
theils eingefallen, theils, zum Breitermachen der Straßen, eingerissen
sind, liegen ganz in Schutt. -- Etwas besser schon ist das Quartier der
Kopten, noch besser das der Franken (europäischer Christen), deren
größte Zahl hier in Cairo Franzosen sind. Unter diesen findet man
besonders Krämer, Schenkwirthe, Halter von Billard- und Kaffeehäusern,
Kleiderkünstler, Professoren der Haarschneidekunst und Buchhändler.
Viele Franzosen befinden sich im Dienste des Pascha als Offiziere oder
Beamte und tragen alsdann das gewöhnliche egyptisch-griechische Kostüm,
dessen Kopfbedeckung eine rothe Kappe mit einer großen Troddel von
blauer Seide ist.

Das Hotel d'Orient, in dem Theile des Frankenquartiers gelegen, der an
den schon oben genannten Spaziergarten gränzt, ist ein geräumiges,
vierflügeliges, rund um einen innern, viereckigen Hofraum laufendes
Gebäude von drei Etagen, das luftige und reinliche Zimmer enthält. Auch
findet man daselbst eine Anstalt, um warme und kalte Bäder zu
gebrauchen, für deren jedes man drei Franken bezahlt, -- ein
Lesekabinet -- einen großen Speisesaal, aber eine schlecht besetzte
Tafel, auf welcher die Hauptspeisen Hühner- und Hammelfleisch, nebst in
stinkendem Fett gedämpftem Reis waren. Die Kost war überhaupt sehr
schmal und stand, nach meinem Geschmacke, ~unter~ der inländischen Kost
der Javaner. Der Gastwirth war ein Franzose (_Coulomb, frères_). Der
tägliche Preis für Kost und Wohnung betrug 10 Francs (8 Schilling oder 4
indische Rupien), für eine Fahrt mit dem Wagen, wenn diese auch noch so
kurze Zeit dauerte, bezahlte man 15 Francs (12 Schilling oder 6 Rupien)
und für einen Dragoman, einen Türken oder Griechen, der Französisch
versteht und als Dolmetscher oder Wegweiser dient, 5 Francs (4
Schilling oder 2 Rupien) täglich. Ein Dutzend Stück Wäsche kostet 2-1/2
Francs.[41] Spottwohlfeil aber waren die ~Esel~, die denn auch zu dem
gewöhnlichsten Transportmittel in der Stadt und deren Umgebung dienen
und die mit eben solchen dicken, unbehülflichen Sätteln, wie zu Aden,
angethan, gewöhnlich zu Dutzenden auf dem Platze vor dem Hotel bereit
standen.

Die zu Cairo ansässigen, europäischen Herren, die ich kennen lernte,
hatten fast alle mehr oder weniger inländische Gewohnheiten angenommen,
sie saßen nicht auf Stühlen, sondern auf niedrigen, breiten Ottomanen,
manche auf türkische Art mit untergeschlagenen Beinen, -- und rauchten
aus langen türkischen Pfeifen, die, von einem Diener schon angesteckt
und dampfend, auch uns Gästen angeboten wurden. Manche hielten auch
ihren Harem und blieben Christen, wie zuvor. Bei solchen Besuchen hatte
ich Gelegenheit, in Erfahrung zu bringen, daß die Wohnungen im Innern
doch gewöhnlich viel besser eingerichtet, -- reinlicher, wohnlicher,
zierlicher und schöner meublirt waren, als man nach ihrem äußern, kahlen
und schmutzigen Ansehn hätte erwarten sollen. Die meisten und fast alle
von den größern Gebäuden waren vierflügelig und umschlossen einen innern
Hofraum, in dessen Mitte sich, oft von einem Paar Bäumen beschattet, ein
Brunnen (Cisterne) befand. Um diesen, allen neugierigen Blicken von
außen völlig unzugänglichen, Hofraum liefen, wenigstens auf der obern
Etage, zierliche offene Galerien herum, in denen sich die Fenster der
Zimmer öffneten, während die Außenseite der Häuser nach den Straßen zu
nur aus kahlen Wänden bestand. Hier und da sah man auch Luxus, -- Fluren
und Galeriesäulen waren oft von Marmor und der Boden vieler Zimmer war
getäfelt.

Eine dankbare Erinnerung für zuvorkommende Gefälligkeiten, die ich
genoß, knüpft sich an die Namen: ~de Champion~ (östr. Consul), ~Annibal
Petracchi~, ~Leop. de Rossetti~ (Spanier), _Dr._ ~Bruner-Bey~, ein
Bayer, _Dr._ ~Gaëtani-Bey~, ein Spanier, war Leibarzt von ~Mehmed Ali~
und _Dr._ ~Klot-Bey~, ein Franzose, von ~Ibrahim Pascha~.

Die hauptsächlichsten Sehenswürdigkeiten Cairo's und seiner Umgegend
sind: verschiedene schöne Moskee'n, die ein jeder gute Christ besuchen
darf, wenn er nur seine Schuhe im Vorportale ausziehn will, -- die
sogenannten Gräber der Khalifen, -- die Gräber der Mammeluken, -- einige
Wasserleitungen auf hohen Bögen, -- der Nilmesser auf der Insel
(Geziret) el Rudah, Alt-Cairo gegenüber, -- die weitläufigen
Gartenanlagen und der Palast von Chabra (Schubra), wo ~Ibrahim Pascha~
wohnt, am Ufer des Nil zwischen Bulak und Alt-Cairo, -- der Obelisk von
Mataria (oder Matarieh), nord-ost-wärts ein Paar Stunden von der Stadt,
an der Karavanenstraße nach Suez, wo die Ruinen von Heliopolis
liegen, -- der sogenannte versteinerte Wald, nämlich verkieselte
(dicotyledonische) Baumstämme, der Tertiärformation angehörig, in einer
drei Stunden von der Stadt entfernten Gegend der Wüste. -- Ich will
jedoch nur zwei Gegenstände einigermaßen näher hervorheben, die
Citadelle und die Pyramiden.

Die Citadelle liegt am süd-östlichen Ende der Stadt auf einem mehre
hundert Fuß hohen Felsberge, der sich auf drei Seiten isolirt aus der
Fläche erhebt. Nur in Süd-Ost hängt er durch einen etwas tiefern
Einschnitt mit dem letzten ziemlich schroff gesenkten Nord- oder
Nord-West-Ende des Gebirges zusammen, das den Nil in seinem Laufe auf
der Ostseite begleitet und das wegen der steilen, mauerartigen Senkung,
die es auf der rechten Seite, nach dem Nilthale zu, bildet, von Cairo
an, Tagereisen weit den Namen Dschebel Mokattam (steile Felswand)
trägt. Außer den sehr alterthümlichen Festungswerken selbst, den
Kasernen und einigen tiefern Brunnen, ist die neue prachtvolle, sehr
hoch gewölbte Moskee sehenswerth, welche ~Mehmed Ali~ auf dem höchsten
Scheitel des Bergs, im Innern der Festung, hat erbauen lassen, und
außerdem die Wohnung von ~Mehmed Ali~ selbst, die sehr bescheiden ist
und in keinem Verhältniß steht zu dem, wenn auch von außen nicht
schönen, Palaste seines Harem's, der sich ebenfalls, nebst noch andern
Wohnungen oder Palästen, in der Festung befindet. ~Ibrahim Pascha~
regierte damals schon, ~Mehmed Ali~ hatte abgedankt und galt für
~blödsinnig~. Man sah ihn in einem Zweispänner oft in der Stadt
spazieren fahren und die Umstehenden höflich grüßen. Seine Diener
machten keine Schwierigkeiten, mich während einer solchen Abwesenheit
ihres Herrn in seinem Palaste herumzuführen, der nur ein einstöckiges,
ziemlich niedriges Haus war. Selbst in sein Schlafgemach wurde ich
gebracht. Die Zimmer sehen ziemlich gut aus, doch war die Pracht, die
man erblickte, für einen König von Egypten -- den Nachfolger einer
~Kleopatra~ -- nicht groß. Sie waren übrigens bequem eingerichtet und
auf türkische Art mit niedrigen, breiten Bänken versehen, die an den
Wänden rund um das ganze Zimmer liefen. Ein Überfluß von seidenen Kissen
bedeckte diese Bänke. Auch ein Billard war in einem der Zimmer
vorhanden. Mehr, als die Besichtigung dieser Gebäude aber, belohnt den
Reisenden die Aussicht, die er von der Citadelle, diesem höchsten Punkte
der Gegend, aus gewahrt, für die Mühe der Besteigung. Wenn ich nicht
irre, so ist das Telegraphenthürmchen der höchste Punkt des
Festungsberges. Man sieht von dort weit über die Stadt hin, in die Wüste
hinein, nach Ost und Nord-Ost, wo man mit dem Fernrohr, in der Nähe von
Heliopolis, den zweiten Telegraphenthurm erblickt; im Westen liegt das
Nilthal, von dem ich aber nur einen bräunlichen Wasserspiegel sah, der
sich weit nach Norden in das Delta hineinzog. Es war die Zeit der
Überströmung und schon in einer Entfernung von 3/4--1 engl. Meile vom
westlichen Theile der Stadt fing der Wasserspiegel an, der den ganzen
Raum erfüllte bis an den gegenüberliegenden Wüstenrand, worauf sich in
West-Süd-West von der Citadelle, zwei schräg hinter einander stehende,
spitze Hügel erhoben, die, wenn man sie einmal gesehen hat, nie wieder
aus der Erinnerung verschwinden. Es waren die beiden Pyramiden von
Gizeh, die ich erblickte. Bis zum Fuße des erhöhten Wüstenrandes, auf
dem sie stehn, war das ganze Nilthal nur ~eine~ Wasserfläche, ein
bräunlich-gelber Spiegel, auf dem eine Anzahl langer, streifenförmiger
Inseln zu schwimmen schienen. Dies waren die Dörfer, -- und die
vereinzelten Dattelpalmen, die sich auf diesen Landstreifen, neben oder
in den Dörfern, erhoben, waren das einzige Grün, das man in der
Landschaft sah, so weit das Auge reichte. Nackter, falber Sand und ein
an Farbe diesem fast gleicher, gelblich-trüber Wasserspiegel war fast
Alles, was ich von dem so gefeierten Egypten sah. Die ganze Landschaft
war kahl und so weit das Auge reichte, jene Dattelpalmen ausgenommen,
die in streifenförmigen Reihen aus dem Wasser hervorragten, ohne Grün.
Aber je einförmiger der ganze Umkreis war, desto deutlicher fielen die
Pyramiden in's Auge und blickten als Denkmäler, die der Vergänglichkeit
trotzen, von ihrem Wüstenrande so stolz über den neun englische Meilen
weiten Raum[42] herüber, daß, mit ihnen verglichen, die Inseln im Wasser
und die Gebäude der Stadt in ein kleinliches Nichts versanken und man
sich leicht in der Schätzung der Entfernung irrte. -- Sie sind der
Gegenstand, auf dem das Auge des Fremden zuerst haftet, da man sie
nicht nur überall vom Nilufer aus, sondern auch vom Dache eines jeden
höhern Gebäudes in Cairo erblickt. Man hält sie anfangs für kleiner, als
sie sind, weil man die Entfernung zu gering anschlägt und weil alle
andern hohen Gegenstände, die zur Vergleichung dienen könnten, in der
Landschaft fehlen.

Um die Kolosse in der Nähe zu betrachten, begab ich mich am 15ten
October des Nachts um 3-1/2 Uhr in Begleitung eines Dragoman auf die
Reise. Wir setzten uns auf unsre Esel und ritten durch die engen Straßen
der Stadt, von denen nur ~eine~ belebt und mit einer Art von
Kronleuchtern beleuchtet war, die von quer über die Straße ausgespannten
Tauen herabhingen. Es wurde hier eine Hochzeit gefeiert, es wurde
geschmaust und gespielt. Alle andern Straßen waren einsam und
todtenstill. Der Mond aber schien so hell gegen die kahlen Mauern der
oft klosterartigen Gebäude an, daß es auch in den schmalsten Gassen hell
genug war, um ohne Straucheln fortkommen zu können.

Wir erreichten nach einem halbstündigen Ritt durch die Stadt, die in
einem tiefen Schlummer lag, das Thor Bab el Seydeh, wo uns
augenblicklich eine Wache entgegentrat.

Wie sich in dem Mährchen von Tausend und eine Nacht die Thore
bezauberter Burgen öffnen, sobald der Glückliche, der das Geheimniß
kennt, das rechte Wort ausgesprochen hat, so geschah es auch hier. Ich
sprach nur leise das Wort ~Derbiel Gamiez~ (dessen Bedeutung ich gar
nicht kannte), -- und die Pforte Bab el Seydeh flog knarrend in ihren
Angeln vor mir auf. Die Wache trat respectvoll zur Seite und wir
schritten zum Thore der Stadt hinaus. Es war nämlich das Wachtwort, das
ich vom Befehlshaber der Citadelle erhalten hatte, und das ich dem
commandirenden Offizier der Thorwache ganz leise in's Ohr flüstern
mußte.

Wir verfolgten nun unsren Weg auf sandigem Grunde zwischen Gartenmauern
und anderm Gemäuer, ritten durch den Thordurchbruch unter einer sehr
hohen und schmalen Wasserleitung hin, die nur von sehr schmalen, nicht
bis zum Grunde reichenden Öffnungen, wie von hohen Bogenfenstern
durchbrochen war und setzten unsre Reise dann von Neuem in Winkeln hin
und her, zwischen den kahlen Mauern von Gärten fort, über welche, im
Mondlichte glänzend, hier und da der Wipfel einer vereinzelten
Dattelpalme herüberblickte. Die Wasserleitung ist die Ruine eines sehr
alten Werkes, das aber auch jetzt noch dient, um die Citadelle mit
Nilwasser zu versehn und sich fast 3000 Meter weit von West nach Ost
hinzieht.

Wir kamen ein Viertel vor 5 Uhr am rechten Nilufer an, im Flecken Masr
el Antikah, gewöhnlich Alt-Cairo genannt, und suchten uns eine von den
vielen Barken aus, die am Ufer lagen. Wir befanden uns oberhalb,
südwärts, von der sogenannten Herodes-Insel, Geziret el Rudah, die mit
den Gärten und Gebäuden des ~Ibrahim Pascha~ bedeckt ist und auf ihrer
Südspitze den Nilmesser trägt. Hier schifften wir uns mit unsern zwei
Eseln ein und kamen nach viertelstündigem Rudern über den daselbst etwa
drei Viertel engl. Meilen breiten Nil im Dorf el Gizeh an, am linken
Ufer, das wegen seiner höhern Lage eben so wenig, wie das rechte, in
dieser Gegend überschwemmt war. Wir vertauschten die Barke nun wieder
mit unsern Eseln, kamen durch ein Campement von Cavalleristen, die in
niedrigen Zelten wohnten oder ganz im Freien auf dem Sande umherlagen,
neben ihren Pferden, welche mit Sätteln und Allem angethan, ebenfalls in
freier Luft campirten, nämlich auf türkische Art mit den Füßen
angebunden waren an kurzen Pfählen, die im Sande staken. Wir ritten
dann auf schmalen, oft sehr schlammigen Dämmen hin zwischen Feldern, die
unter Wasser standen, bis nach 5-1/2 Uhr die mehr und mehr vom Wasser
eingeengten Dämme zwangen, wieder eine Barke zu besteigen und unsre
Reise bald in tiefen, schlangenförmigen Kanälen zwischen fruchtbaren
Feldern von Reis und Mais, die nur zum Theil überschwemmt waren, -- bald
in dem untiefen Wasser über die inundirten Felder selbst fortzusetzen.
Um 6-1/2 Uhr kamen wir rudernd zwischen zwei Dörfern mit viereckigen
Steinhäusern hindurch, Thormes und Saft, von deren Straßen viele ganz
unter Wasser standen, eben so wie die Dattelpalmen, wovon hier ganze
Wälder zu sehen waren. Ihre Stämme, die man in Beziehung zur Kleinheit
des Baumes dick nennen konnte, ragten wie graue Säulen empor und waren
ganz vom Wasser umfluthet. Ihre Wipfel aber, die mit goldgelben
Fruchttrauben überladen waren, blickten freundlich auf den Spiegel des
Wassers herab, gleichsam dankbar für den fruchtbaren Schlamm, den dieses
Wasser auf dem Boden absetzt. -- An andern Stellen, wo das Wasser schon
wieder abgezogen war, sah man die Stämme auf dem Schlamme selbst sich
erheben, der eine ganz ebne, gelblich-braune Oberfläche bildete. Indem
wir so bei nächtlicher Weile unsre Wasserfahrt fortsetzten und uns den
westlichen Gegenden des Nilthales mehr und mehr näherten, wurden die
überschwemmten Gegenden immer größer, flossen mehr und mehr zusammen, so
daß wir bald nur einen meilenweiten ~See~ vor uns erblickten, in dem die
Dörfer und die Landstreifen, auf welchen Dattelpalmen standen, nur noch
isolirte Inselchen bildeten. An allen diesen über das Wasser
hervorragenden Stellen war grünes Gras und das Grün der Dattelpalmen
sichtbar, außerdem aber sah man ringsherum nichts, wie den Spiegel des
bräunlich-gelben Wassers, das bis an den Fuß der Wüstenterrasse, weit
von hier in West und Süd-West, reichte. -- Zwischen den inselförmigen
Dörfern, die durch Erdwälle vor der Überströmung geschützt waren und den
schmalen Landstreifen und Dämmen, die hier und da ein bis zwei Fuß hoch
aus dem Wasser hervorragten, war die Strömung so stark, daß wir oft
vergebens ankämpften und unsre Barke mehr als einmal Gefahr lief,
umgeworfen zu werden oder zu scheitern.

[Illustration: _Fig. 19._     _Lith. Anst. v. J. G. Bach, Leipzig._]

In der Ferne sahen wir den breiten Bergrücken, der die Wasserfläche auf
der Westseite begränzt; er erhob sich wie eine Stufe, die oben flach und
ausgebreitet ist und von seinem Rande in Süd-West blickten die Pyramiden
herab. Sie erschienen in ihrem nächtlichen Kleide schwärzlich-grau von
Farbe, mit Ausnahme der einen Seite, die, vom Monde beschienen, hellgrau
war und weit in die Ferne schimmerte.

Wir kamen näher, sie wurden größer. Als endlich die Sonne über der Wüste
aufgegangen war und ihre ersten Strahlen auf die Steinkolosse warf, da
fing die eine Seite derselben an, in einem gelblich-falben Lichte zu
erglühen, während die andere Seite noch in tiefem schwärzlich-braunen
Schatten lag, -- und diese Licht- und Schattenseiten standen so grell
einander gegenüber, sie waren durch so scharfe Gränzlinien von einander
getrennt und eben so grell, mit eben so scharf gezogenen Linien, von dem
hellen Blau des heitren Himmels hinter ihnen abgeschnitten, daß wir
anfingen, außer von der Heiterkeit des egyptischen Himmels, allmählig
auch von der Größe der Pyramiden eine richtigere Vermuthung zu
bekommen. -- Sie warfen zwei unabsehbar lange schwarze Schlagschatten
hinter sich hinaus, zwischen denen der Sonnenschein, indem er zwischen
den beiden Pyramiden hindurch auf die Wüstenplatte fiel, einen schmalen
Streif bildete.

Man werfe einen Blick auf die kleine Ansicht Fig. 19, welche die
Pyramiden so darstellt, wie ich sie zwischen 7 und 7-1/4 Uhr in Süd-West
erblickte, ehe wir das Dorf Kafrah erreichten. Sie lagen etwa noch drei
englische Meilen von uns entfernt. Ich habe mich bemüht, die scheinbaren
Größenverhältnisse, das Grelle der Beleuchtung und das eigenthümliche
Kolorit sowohl der Pyramiden und des Wüstenrandes, als auch des
Nilwassers so getreu wie möglich nachzuahmen. Man sieht, daß mit nur
geringen Nüancen fast alles falb, bräunlich-gelb ist und daß nur
Dattelgrün und Himmelsbläue einige Verschiedenheit von Farbe in die
Scene bringen.[43]

Der Mangel aller Verzierungen, die einfache Form der Denkmäler, so wie
auch der einförmig-flache Charakter des umringenden Landes, wo man
vergebens nach Gegenständen zur Vergleichung sucht, bringen in der
Beurtheilung der Größenverhältnisse der Pyramiden eine ungemeine
Täuschung hervor. Man hält sie für viel kleiner, als sie wirklich sind,
glaubt, daß sie viel näher liegen und kann sich nur mit Mühe überreden,
daß diese plumpen Körper höher, als der Dom von Antwerpen sein sollen.
Sie scheinen dem Reisenden anfangs nur 70--100 Fuß hoch zu sein und es
ist einige Zeit dazu nöthig, bis der Eindruck ihrer Größe seine volle
Höhe erreicht hat.

[Illustration: _Fig. 20._     _Lith. Anst. v. J. G. Bach, Leipzig._]

Erst als wir näher kamen, als unten am Strande, am Fuße der Terrasse,
worauf oben die Pyramiden standen, Menschen sichtbar wurden, -- als wir
diese Menschen nebst den Kühen, die sie vor sich her trieben, nur wie
kleine schwarze Punkte zu erblicken vermochten, die sich dem Strande
entlang bewegten, und als auch die Dattelpalmen, obgleich sie uns doch
so viel näher lagen, noch so winzig klein blieben, während man schon am
Saume der Pyramiden den Treppenbau und die einzelnen Steine zu erkennen
vermochte, -- da fingen sie an, uns durch ihre einfache Größe zu
imponiren! -- Wie kolossal, dachten wir, müssen diese Steinwürfel sein!
Und hätten wir den Dom von Antwerpen neben die Pyramiden setzen können,
wie würden wir erst über die ungeheuren Massen gestaunt haben! (Höhe der
Pyramiden 450 Fuß, des Doms in Antwerpen 443-1/2 und des Münsters in
Straßburg 437-1/2 par. Maaß.)

Wir landeten um 7-1/2 Uhr nord-nord-ostwärts von den Pyramiden im
kleinen Dorfe Kafrah, das nur aus ganz niedrigen, viereckigen Erdhäusern
bestand und durch einen ebenfalls aus Erde, Nil-Schlamm, aufgeworfenen
Ringwall vor der Überströmung gesichert war. Es lag also als Insel, ohne
alles Grün, ohne eine einzige Palme, mitten im Wasser. Wir bewunderten
die schönen blendendweißen Zähne der Männer, die sämmtlich in lange
weiße Mäntel gekleidet waren und in Menge aus ihren Hütten kamen, um uns
zu sehn. Sie waren höflich und brachten ihre sehr friedsame
Beschäftigung mit heraus, nämlich drehende Spindeln, die von der Hand
eines Jeden an langen Fäden herabhingen. Sie spannen Baumwolle und
fuhren damit so fleißig fort, als wenn sie keinen Augenblick von ihrer
Zeit zu verlieren hätten. Womit sich ihre Damen beschäftigten, ist mir
nicht bekannt, denn diese blieben unsichtbar.

Indem wir von Kafrah weiter durch die Wasserfläche fuhren, sahen wir
noch viele Dörfer, die alle eine und dieselbe Physiognomie hatten,
nämlich viereckige, platte, bald nur aus Erde gebaute, bald steinerne
und dann gewöhnlich weiß angestrichene Häuser mit dunkeln
Fensterlöchern, -- nebst Dattelpalmen, die um sie herum standen und die
sich auch zuweilen mit ihren geraden Stämmchen waldähnlich am Ufer
zusammendrängten. -- Alle waren Inseln in einem See und zogen sich immer
kleiner, streifenförmiger werdend, bis fern an den Fuß der
Wüstenterrasse hinter einander hin.

Wir erreichten diese ein Viertel nach 8 Uhr und stiegen -- nach einer
bald zu Wasser, bald zu Esel, bald zu Fuß fortgesetzten Fahrt von 4-3/4
Stunden -- am Ufer unterhalb der Pyramiden an's Land.

Das Felsgehänge, das hier vor uns lag, ist von der Wüste her
größtentheils mit Sand überschüttet und in Rippen von Sand verwandelt,
die, nach unten breiter werdend, sich vom Rande der Terrasse herabziehn.
In den obern Gegenden des Gehänges aber sind zwischen den Rippen hier
und da die Felswände entblößt und hier öffnen sich an mehren Stellen
eine Menge kleiner, viereckiger in den Fels gehauener Kammern, die
~Katakomben~, die aber ihres Inhaltes -- der Mumien -- gewiß schon seit
langer Zeit beraubt waren. Das Gestein, das in horizontalen Bänken
liegt, ist ein bleicher, gelblich-weißgrauer, mürber, grober, sehr
ungleichförmiger, leicht zerbröckelnder, tertiärer Kalkstein, der fast
ganz aus zusammengebackenen fossilen Seethieren, Balanen, Korallen,
Muscheln, besonders Nummuliten zusammengesetzt ist (Nummulitenkalk).
Siehe Pyramiden Nr. 1 im Leyd. Reichs-Museum. Aus demselben Stein
gehauen liegen hier ungeheure, würfelförmige Blöcke, die fast die Höhe
eines Menschen haben, auf einander gethürmt; sie bilden einen Damm, der
von Ost nach West aus dem Nilthal hinauf zu dem Theile der Wand führt,
wo sich die Katakomben befinden. Weiter aufwärts ist auch er mit Sand
überschüttet.

Wir kamen nach viertelstündigem Klimmen um 8-1/2 Uhr oben am Rande der
Wüstenplatte an und sahen nun die östlichste der Pyramiden von Gizeh,
die ~Pyramide von Cheops~, in geringer Entfernung von uns. Eine Menge
Araber waren uns aus den benachbarten Dörfern des Nilthales gefolgt,
Alte und Junge, deren Jeder etwas verdienen wollte. Einige boten sich
an, mich beim Ersteigen der Pyramiden zu unterstützen, -- andere trugen
Fackeln, um diese beim Besuche des Innern der Pyramiden anzuzünden,
andere hatten Trinkwasser in Flaschen und Krügen mitgenommen; -- alle
aber wollten sie für die Hülfe, die sie dem Reisenden aufdrangen, so
theuer, wie möglich, bezahlt sein.

Ich besuchte zuerst das Innere und erkletterte nachher den Gipfel der
östlichsten Pyramide, welche für die höchste in Egypten gilt und 450
par. Fuß hoch ist. Ich enthalte mich jedoch einer Beschreibung dieses
durch den Besuch großer Alterthumsforscher so bekannt gewordenen
Monuments. Mein Zweck konnte nur sein, den Leser mit der ~äußern
Physiognomie des Landes~ überhaupt und dieser Denkmäler in's Besondere
bekannt zu machen. Man klettert über Haufen von Sand und zerbrochenen
Steintrümmern etwa bis ein Fünftel der Höhe hinan, wo sich in der
nord-östlichen Wand der Pyramide der Eingang zum Innern befindet. Über
diesem Eingange war in bunten Farben die Hieroglyphenschrift zu lesen,
die R. ~Lepsius~ nach seiner Ersteigung der Pyramide (am 15ten October
1842) hier hat einhauen lassen, zum Beweise, daß dem Scharfsinn
wissenschaftlicher Forschung auch die Entzifferung der räthselhaftesten
Zeichen möglich ist, deren mystische Unauflösbarkeit zum Sprüchwort
geworden war.

Beim Besuche des Innern muß man in sehr gebückter Stellung in einem
langen, engen und kanalartigen Gange, dessen vier Wände aus geglätteten,
polirten Steinplatten bestehen, hinabsteigen oder besser, hinabrutschen,
denn der Kanal führt sehr steil und schnurgerade abwärts, und muß
nachher auf einem ähnlichen glatten Grunde, auf dem es schwer ist,
festen Fuß zu fassen, fast eben so hoch wieder hinaufklimmen und über
mehre gefährliche Stellen auf schmalen Vorsprüngen hinwegklettern, um
beim trüben Scheine der Fackeln den innern viereckigen Raum zu
erreichen, der die Größe eines mäßigen Zimmers hat. Hier steht ein
länglich-viereckiger Sarkophag, ohne Deckstück, einer Badewanne ähnlich,
der aus ~einem~ Stücke desselben Gesteins gearbeitet ist, womit die
vormals polirten Wände umher belegt sind, -- nämlich aus einem schönen,
großkrystallinischen Granit, der, außer röthlichem Feldspath und weißem
Quarz, viel schwarze Hornblende und keinen Glimmer enthält, also
syenitartig ist (s. Museum in Leyden, Pyramiden Nr. 4[44]). -- Überall
sieht man die deutlichsten Spuren, daß sich frühere Reisende Stücke von
diesem Gestein abgehämmert haben, das schon vor drei- bis viertausend
Jahren einmal von der Hand des Menschen bearbeitet wurde, -- und ich
nahm mir dieselbe Freiheit.

Ich bin zweifelhaft, ob ich das Besuchen des Innern der Pyramiden oder
das Ersteigen ihrer Spitze für schwieriger halten soll; letzteres
verlangt mehr Kraftentwickelung, das erstere aber ist beschwerlicher, da
es zum Theil in gebückter Stellung geschehen muß, im Rauche der Fackeln
und zwischen Beduinen. Diese bemühen sich allerdings, es dem Reisenden
so ~leicht~ wie möglich zu machen und ihn deswegen von aller unnöthigen
~Last~ zu befreien, z. B. von seinen Taschentüchern, die sie ihm mit
dem, was sie sonst noch kriegen können, hinten aus seiner Tasche
ziehn, -- aber als Fremder, -- gänzlich Unbekannter, in so einsamen
abgelegenen Räumen unter einigen Dutzend Banditen zu athmen, kam mir
unsichrer vor, als 200 Fuß hoch in der Luft an der schroffen Wand der
Pyramiden zu kleben.

Als ich in dieser Höhe angekommen war und mich ermüdet auf einem der
schmalen Vorsprünge niederkauerte, als ich von da an der steilen Wand
200 Fuß tief hinabschaute und das weite Nilthal mit seinen Inseln nebst
der Wüste so ~tief unter~ mir erblickte und -- ~über~ mir noch 250 Fuß
hoch zur obern Hälfte der Pyramide, die ich noch zu ersteigen hatte,
hinansah, -- da erst steigerte sich das Bewußtsein der Größe von diesen
Denkmälern menschlicher Kunst zur ~Empfindung~ und es war ganz
unwillkührlich, daß sich ein Gefühl der Bewunderung, des ~Staunens~
meiner bemächtigte.

Diese Empfindung spannte mich an, meinen Vorsatz zum Erklettern der
Spitze nicht aufzugeben, so gefährlich und so schwindel-erregend dieses
Geschäft auch war. Die würfelförmigen Steinblöcke, aus denen die
Pyramiden emporgethürmt sind, waren derselbe mürbe, mit dem Hammer
leicht zertrümmerbare Nummulitenkalk (Pyramide Nr. 1, Reichs-Museum),
dessen ich schon oben gedachte. Die Blöcke waren drei bis vier Fuß hoch
und darüber; sie waren treppenartig an einander gereiht, so daß man
stets von einer Stufe auf die andre klettern mußte. Da aber die
Vorsprünge nur schmal und oft nur zwei Fuß breit waren, die Wand der
nächsten Stufe sich aber oftmals so hoch erhob, als die Größe eines
Menschen beträgt, so würde es unmöglich gewesen sein, sie ohne Leitern
zu erklettern, wenn das Gestein an vielen Stellen nicht wäre zerfressen
gewesen und Lücken geformt hätte, die in den vormals scharfen Rand der
Treppen einschnitten, -- ihn rauh, uneben und dadurch zugänglich
machten. Oft mußte ich 25--50 Fuß weit auf den schmalen Vorsprüngen in
einer horizontalen Richtung hinschreiten, bis ich eine zugängliche
Stelle, Lücke, des Randes antraf, durch welche ich auf die höher
liegende nächste Stufe gelangen konnte. Auch dieses würde nicht möglich
gewesen sein ohne Hülfe der Führer, welche die zugänglichen Stellen
kannten und mich im Zickzack hin und her von der einen Stufe auf die
andre immer höher hinaufbrachten, bis auf die 450 Fuß hohe abgestutzte,
zertrümmerte Spitze der Pyramide, wo ich noch Zeichen vom Besuche des
Herrn ~Lepsius~ fand, wahrscheinlich dem letzten, welcher diesem Denkmal
geworden.

Das Eigenthümliche, zwar weniger Schöne, aber ungemein Großartige der
Aussicht, die sich von diesem[45] Standpunkte aus darbot, will ich nicht
versuchen zu beschreiben; denn ich befürchte, daß mir dies eben so wenig
gelingen würde, als mir die Entzifferung der Hieroglyphen gelang, die
man am Fuße der Pyramide eingegraben sieht. -- Zur Seite sah man nach
Süd-West, West und Nord-West weit in die starre Wüste hinein, nach Süd
reichte der Blick aufwärts im Nilthale bis jenseits der Pyramiden von
Sakara über Memphis hinaus, -- und nach Nord und Nord-Ost blickte man
weit in das überschwemmte Delta hinein, über Cairo hinweg bis zu den
Ruinen von Heliopolis.

Der Gedanke, auf der Spitze eines Monuments zu stehen, das sowohl das
~größte~ und höchste in der Welt ist, als auch das ~älteste~, -- dessen
Gründung und Bestimmung in ein mystisches Dunkel gehüllt bleibt, -- das
aber drei bis vier Jahrtausende an sich vorüberfliegen sah, -- und von
diesem Denkmal herabzublicken auf ein durch Natur sowohl, als
Menschenbildung so merkwürdiges, räthselhaftes Land, das die Wiege war
uralter Wissenschaft und Kunst und das seit den Zeiten der Pharaonen bis
zu dem Helden von der Schlacht an den Pyramiden, der Schauplatz war so
mancher welthistorischen Begebenheit, -- dieser Gedanke gab der
Aussicht, die ich genoß, einen ganz eigenen, träumerischen Reiz, dem ich
mich noch länger würde überlassen haben, wenn nicht der kalte Nordwind,
der über die Spitze der Pyramide unsanft hinwegpfiff, mich an das
Herabsteigen gemahnt hätte.

Ich kam mit zerrissenen Kleidern, doch unzerbrochenen Gliedern, wieder
am Fuße der Pyramide an und stieg von da an einer andern, mehr südlich
gelegenen Stelle des Wüstenrandes in's Nilthal hinab; ich nahm diesen
Umweg, um den großen Sphinx zu besuchen, der eigentlich nur ein stehen
gebliebenes Stück ist von der Felswand selbst. Man hat diese ringsherum
auf die Art ausgebrochen, daß allein der Theil davon stehen geblieben
ist, welcher durch weitere Bearbeitung die Gestalt erhalten hat, die
schon sein Name anzeigt. Ich erkannte deutlich die horizontalen Streifen
der verschiedenen Schichten, woraus die ursprüngliche Felswand
bestand, -- das Gebild aber war so kolossal groß, daß ich anfangs von
der hintern Seite nichts sah, wie einen unförmlichen Felsthurm und mich
auf der Seite des Nilthales, der Ostseite, in eine gewisse Entfernung
begeben mußte, um die Züge der Figur zu erkennen, die dann um so
frappanter hervortraten, je weiter ich mich davon entfernte.

Von da trat ich meine Rückreise nach Cairo an; die Reise nach den
Pyramiden kostete: zwei Esel 4, -- eine Barke 2, -- zwei Araber, die bei
der Ersteigung der Pyramide behülflich waren 4, -- zwei andere, die
Fackeln und Trinkwasser lieferten 2, -- zusammen 12 Schilling.

Nachdem in der Nacht vom 20sten bis 21sten October der Transport der
Passagiere von Bombay angekommen war, mit dem ich beschlossen hatte,
meine Reise fortzusetzen, begab ich mich am 21sten gegen Abend um 5 Uhr
nach Bulak und schiffte mich auf dem kleinen Flußdampfschiffe ein, das
diesmal nur 35 Passagiere nach Alexandrien zu bringen hatte.

Von hier schien sich bis zum Fuße des Wüstenrandes nur ~eine~
Wasserfläche auszudehnen, die voll von Inseln mit Dattelpalmen war. Ich
warf noch einen letzten Blick auf die Pyramiden, die sich auf dem
Wüstenrande erhoben und die im falben Grau der Abenddämmerung, 9--10
engl. Meilen weit, zu uns auf die ~Transitroad~ herüberblickten, -- und
überließ mich dann, nachdem unsre Dampfmaschine um 6-1/4 Uhr in Bewegung
gesetzt war, der Zeit und dem Strome, die beide unaufhaltsam
dahinflutheten. Wir trieben, oder besser, ~flogen~, von inländischen,
arabischen, Lootsen geleitet, pfeilschnell den reißenden Strom hinab,
der nirgends ein Ufer mehr hatte, da die ganze nun immer breiter
werdende überschwemmte Fläche des Delta's nur ~ein~ Wasserspiegel war.
Bald hüllte die fallende Nacht alle Gegenstände in ihren grauen Flor und
wir mußten die Lokalkenntniß des Lootsen bewundern, der, ungeachtet der
weit und breit überschwemmten Ufer und, wie es schien, des Mangels aller
sichtbaren Marken, dennoch das mit unglaublicher Schnelligkeit dahin
fliegende Schiff im Fahrwasser zu halten wußte.

Wir schifften im westlichen Arme des Nils, der bei ~Rosette~ mündet,
hinab und kamen um 4-1/2 Uhr des Nachts oder besser des Morgens am
22sten zu Atféneh, oder Atfieh, an, in der Nähe der großen Stadt Fuah,
wo wir mit unsrer Bagage in noch kleinern Barken übergeschifft wurden.
Denn wir lagen hier am Eingange des schmalen künstlichen Kanales, durch
den wir nun bis Alexandrien weiter gebracht werden mußten. -- Die
Mündung des Kanals liegt nur noch 3-1/2 geogr. Meilen von Rosette
entfernt, und 1° 15' nördlicher, als Bulak, bis zu welchem Orte der
gradlinigte Abstand 19 geographische[46] Meilen, die vielen großen
Krümmungen des Nil aber mit in Anschlag gebracht, gewiß das Doppelte
beträgt. Wir hatten also ganz Unter-Egypten (das ganze Delta) von Cairo
bis in die Nähe des mittelländischen Meeres in weniger als einer Nacht
durchschifft.

Es war 5-1/2 Uhr, als uns ein kleines, seiner Form nach von den übrigen
abweichend gebautes Schiff, das ~nur~ eine Dampfmaschine mit Schrauben
enthielt, an's Schlepptau nahm, um uns durch den engen Kanal zu ziehen,
der für die Bewegungen eines Dampfschiffes von größerm Umfang zu klein
gewesen sein würde. -- Der Kanal macht von hier einen großen Umweg und
geht erst wieder rückwärts in einem halbkreisförmigen Bogen nach Süden,
um die niedrigen, zum Theil unter Wasser stehenden Umgebungen des See's
Etku herum, ehe er sich west-nord-westwärts nach Alexandrien richtet.

Ich muß hier ausdrücklich bemerken, daß am Bord der kleinen, schmalen
Flußdampfboote von Cairo bis Atféneh und in den noch kleinern Barken von da
bis Alexandrien an kein Schlafen zu denken war, weil 1) der Schiffsraum so
vollgepfropft von Reisenden war, daß man froh sein mußte, einen Sitzplatz
an einem Tische erhalten zu können und 2) auch keine andern Räume, viel
weniger Betten vorhanden waren. Essen und Trinken wurde oft gereicht oder,
besser gesagt, die Tafel war die ganze Nacht hindurch gedeckt, aber auf
egyptische Art; wenigstens ich dachte dabei immer an Pharao's magere Kühe,
deren Fleisch vielleicht noch besser würde gewesen sein, als die
Herrlichkeiten, die hier aufgetischt wurden: dünner Thee, schwacher Kaffee,
Reis mit stinkendem Fett angerührt, harter Schiffszwieback, magere, halb
gargekochte oder gebratene Hühner, -- das war so ziemlich Alles. Die
Engländer aßen von diesen Leckerbissen mit musterhaftem Appetit und hielten
sich auch hier, wie überall, streng abgesondert von andern Nationen, als
wenn sie alle nicht britischen Menschen für Ketzer oder alle andern Völker
 -- Franzosen, -- Spanier, -- Holländer ganz unwürdig ihres Umganges
hielten, -- eine, wie mich dünkt, nicht sehr liebenswürdige, aber von
ausgezeichnetem Eigendünkel zeugende Eigenschaft. Die Franzosen betrugen
sich viel mehr als Weltmänner und legten offenbar eine viel feinere,
gewandtere Bildung an den Tag, als jene, auf ihre -- angelsächsische oder
normännische -- Nationalität stolzen Söhne Old-England's. Die Römer, bis
_anno_ 1 nach Christus und noch etwas später, waren eben so hochmüthig und
dachten, das «_civis romanus sum_» aussprechend, nicht an ihren
Fall. -- Was ist aus ihrem Reiche geworden? u. s. w.

       *       *       *       *       *

Als am 22sten October der Tag graute, waren wir noch im Kanale und
sahen uns von einer erbärmlich-öden Landschaft umgeben, denn wir
erblickten Nichts, wie braune Erdufer und Dämme, die hier und da mit
einer ebenfalls aus ~brauner Erde~ erbauten Hütte bedeckt waren. Manche
dieser Hütten waren viereckig, andere hemisphärisch von Gestalt. Sie
waren nur mit ~einer~ kleinen Öffnung, nämlich der Thüre, versehen und
schwerlich hoch genug, daß die Beduinen, die aus den Löchern
hervorkrochen -- lauter schmutzige, zerlumpte Gestalten, -- aufrecht im
Innern stehen konnten. Man hätte sie aus der Ferne für Bienenkörbe
halten können, denen sie ihrer Form nach glichen, wenn sie nicht ein
wenig größer gewesen wären.

Zu beiden Seiten des Dammes, der nur selten die Spuren von Pflanzenwuchs
trug, sahen wir weite kahle Flächen, die bald trocken und sandig oder
noch mit feuchtem, braunem Schlamm bedeckt, bald, jedoch sehr untief,
oft nur einige Zoll hoch, mit Wasser überschwemmt waren. Es gehörten
diese Gegenden dem fast ganz trocken liegenden See Mariut (Mareotis) in
Süd-West und dem See Etku, so wie später dem See Abukir, beide in
Norden, an, von denen der letztgenannte auch fast ganz ausgetrocknet
war. Die beiden letztern blieben also zur Rechten, der erste zur Linken
liegen, während wir im engen Kanale von unserer kleinen Dampfmaschine
dahingezogen wurden. Etwas Häßlicheres kann man nicht sehen, als diese
ganz horizontalen Schlammflächen oder untiefen Wasserlachen, durch die
der braune Boden überall hindurchschimmert und die, so weit das Auge
reicht, auch nicht die geringste Abwechselung darbieten. Kaum, daß hier
und da ein Vogel darin herumwadet. Die Luftspiegelung allein war es,
welche der Landschaft einigen Reiz verlieh und hier war es in der That
schwer, zu unterscheiden, wo man wirkliches Wasser oder wo nur den
Schein von Wasser sah.

       *       *       *       *       *

Der Erdwall des Kanals ging endlich in Mauerwerk über und es erschienen
wieder Dattelpalmen in Gärten, die mit Mauern umgeben waren. Diese
lehnten sich einem niedrigen Hügelrücken an, der sich von Süd-West nach
Nord-Ost in weite Ferne hinzog. Wir sahen nämlich den schmalen, erhöhten
Landstreifen vor uns, der zwischen den überschwemmten Flächen Egypten's
und dem mittelländischen Meere als Bollwerk daliegt, -- wir erblickten
immer mehr und mehr Spuren menschlicher Kunst, -- Gebäude, Pflanzungen,
 -- und kamen um 11-3/4 Uhr zu ~Alexandrien~ an, das auf einem in's Meer
hinausragenden Felskap dieses Bergstreifens erbaut ist.

Wir konnten von dem Ende des Kanals, wo unsre Barke anlegte, die
Wanderung in die Stadt nach Belieben auf Eseln machen oder auch eine Art
von Omnibus besteigen, die sich zu dem Behufe eingefunden hatten. Auch
unser Gepäck wurde auf Eseln oder Kameelen in die Stadt gebracht, die
viel größere palastähnliche Gebäude, zahlreichere Gasthöfe enthält, und
als viel besuchter Hafenort, als der Sitz der fremden Gesandten, -- als
Wohnplatz vieler europäischer Kaufleute, auch ein ungleich mehr
europäisches Ansehn hat, wie Cairo. Die Umgebungen der Stadt sind aber
viel weniger schön, viel öder und einförmiger und bieten, außer einigen
Obelisken und andern Ruinen, dem Reisenden weniger Sehenswerthes an, als
die erstgenannte Stadt.


Fußnoten:

[21] In Beziehung auf Aden selbst kann sie richtiger die ~nördliche~
genannt werden, da der größte Theil der Halbinsel im Süden derselben
liegt, in Beziehung auf die Aden-Bai aber (auf der Ostseite der
Halbinsel) die westliche; s. Fig. 16.

[22] Oder Sumali, Somauli, deren einige Hundert zu Aden wohnen.

[23] Hier endigt sich nämlich die westliche oder Back-Bai an dem
Isthmus, der die Halbinsel mit Arabien verbindet.

[24] Dem steilen Ufergehänge, in das er sich hier zum westlichen Gestade
der Aden-Bai herabsenkt, liegt ganz nahe (in Osten) die kleine, hohe
Insel Sira vor.

[25] Beim Einsteigen in die Wagen zu Suez war ich gezwungen, den größten
Theil der gesammelten Steine wegzuwerfen, weil (aus Mangel an Platz)
sich meine Reisegenossen über das viele Gepäck beschwerten.

[26] Es wurden diese Körper zu Leyden einer genauen chemischen Prüfung
unterworfen, so daß über die Richtigkeit der Bestimmung kein Zweifel
bestehen kann.

[27] _Liquidambar Altinghiana._

[28] Man sehe _»Java, deszelfs gedaante, bekleeding en inwendige
structuur.« Amsterdam, 1851. D. 2, p. 812 en 908_. (Von diesem Werke
kommt in demselben Verlage, wie diese Rückreise, eine deutsche Ausgabe
nach der eben begonnenen zweiten holländ. Auflage heraus, in welcher
jedoch bis jetzt die Beschreibung der erwähnten Krater noch nicht
erschienen ist.) J. K. H.

[29] Das Vorstehende ist die Bedeutung dieses arabischen Wortes.

[30] Groß Harnish- (¿[h.]-r-n-b-n¿), klein Harnish-Insel und andre auf
der Karte des rothen Meeres von R. ~Moresby~ (_Chart of the Red Sea etc.
Surveyed in the years 1830--1833 by Capt. T. Elwon et Lieut. H. N.
Pinching, and completed in 1833 and 1834 by Commander R. Moresby and
Lieut. G. Carless, Indian Navy_).

[31] ~Tar~ bei ~Ritter~ und »_Jibbel Tir_, _Teer_ oder _Teir_«, 900 Fuß
hoher stets thätiger Vulkan bei ~Moresby~ a. a. O., -- unter 15° 32 bis
33' nördlicher Breite, der arabischen Küste viel näher, als der
egyptischen.

[32] Ich bedaure, beim Niederschreiben Dieses, das Werk von T. E.
~Gumprecht~, »Die vulkanische Thätigkeit auf dem Festlande von Afrika,
in Arabien und auf den Inseln des rothen Meeres (Berlin, 1849),« und
über die Bergsysteme dieser Länder überhaupt, die Schriften von
~Russegger~ nicht haben vergleichen zu können.

[33] So nennen die Araber die große Seekuh (Dugong) _Halicore
tabernaculi ¡Rueppell¡_, die dem rothen Meere eigenthümlich ist. Sie
soll in den nördlichen Theilen des rothen Meeres nicht selten sein und
unter andern oft an den Ufern der Insel (Giziret) el Tirahn gesehen
werden, die vor dem Eingange des Golfes von Akaba liegt.

[34] Siehe ~Poggendorf's~ Annalen der Physik und Chemie, _XVIII_, _p_.
504.

[35] Siehe dessen »_Mémoire sur le phénomène de la coloration des eaux
de la mer rouge_,« in den _Annales des sc. nat. 3. ser., botanique.
Paris, 1844. T. I, p. 332_, u. s. w.

[36] Das baktrische oder zweibucklige Kameel Ost-Asiens wird in Egypten
nicht gesehen.

[37] ~A. von Humboldt~, Ansichten der Natur.

[38] Auch auf der andern Seite von Cairo ist die Telegraphenlinie durch
das Delta bis nach Alexandrien fortgesetzt.

[39]_Recherches sur les Réfractions extraordinaires, qui ont lieu près
de l'horizont. Paris, 1810. 4._

[40] Dies ist einer von den Namen, welche der Küstenstrich zwischen Suez
und Cairo bei den Arabern führt.

[41] Ein Schilling gilt 4-1/2 egyptische Piaster oder 36 Para (ein
Piaster 8 Para).

[42] So viel beträgt ohngefähr die Entfernung von der Citadelle bis zu
den Pyramiden von Gizeh.

[43] Man vergleiche hiermit Fig. 20. -- Dies Bildchen stellt die kleine
Insel (_Pulu_) Pontjang kitjil in der Tapanuli-Bai auf der Westküste von
Sumatra vor, welche lange Zeit der Hauptplatz der Gouvernementsbesitzungen
in den Batta-Ländern war. Ich habe diese Ansicht noch hinzugefügt, um den
ungeheuren Contrast zwischen der unfruchtbaren Dürre der egyptischen
Landschaft und dem üppigsten Pflanzenwuchse der Sunda-Inseln recht
augenfällig zu machen; denn hier findet man kein einziges Fleckchen des
Bodens, welches nicht mit Bäumen oder Sträuchern bedeckt ist. Die Gebäude
dieser Insel liegen unter dem Schatten hoch aufgeschossener Kokospalmen und
anderer Fruchtbäume verborgen, während die Bergketten von Sumatra im
Hintergrunde mit dem dunklen Grün der Urwälder bekleidet sind, die sich wie
ein einziger Wald weit und breit dahinziehen. -- Hier sieht man den
feuchten Boden fast eben so mit grünen Blättern bedeckt, wie dort mit
trocknen Sandkörnern.

[44] Pyramide Nr. 2 = Dolerit von schwärzlicher Farbe und Nr. 3 =
feinkörniger Syenit, sind von behauenen Blöcken, die am Fuße der kleinen
Pyramiden, neben der größern, herumliegen.

[45] Über dem Nilthale war dieser Punkt wahrscheinlich 650 Fuß hoch.

[46] Wovon 15 auf einen Äquatorgrad gehen.



_III._

Von Egypten bis nach Holland.


Ich hatte zu Alexandrien die Wahl, meine Reise nach Europa mit einem
englischen, französischen oder deutschen Dampfschiffe nach Southampton,
Marseille oder Triest fortzusetzen; ich wählte den letztern Weg und
schiffte mich den folgenden Tag (23sten October) um 2 Uhr am Bord der
~Germania~ ein. Es war nämlich das Schiff Nr. _XXV._ von der
~österreichischen~ Dampfschifffahrts-Gesellschaft: Lloyd. Das Schiff war
vortrefflich eingerichtet, selbst prachtvoll und übertraf sowohl an
Glanz, als an Bequemlichkeit die englischen, auf denen ich von Singapur
bis Suez gefahren war. Die Tafel war ausgezeichnet, die Offiziere und
übrigen Schiffsleute waren höflich, zuvorkommend, -- leider aber fehlte
es an Gesellschaft; denn außer einem jungen Italiener war ich der
einzige Passagier, der sich nach ~Germania~ hatte wagen wollen! -- Ein
Dutzend Engländer hatten allerdings wohl Lust gehabt, die Reise durch
Deutschland zu machen, sich aber durch die Furcht, zwischen
Windischgrätz und der deutschen Nation in die Klemme zu gerathen, davon
abschrecken lassen. -- Eine solche Aussicht war für mich freilich auch
nicht sehr einladend, aber ~heiligere~ Pflichten und Gefühle zogen mich
dorthin und stählten meinen Vorsatz, ungeachtet der Gefahr, durch
politische Wirren aufgehalten zu werden.

Den 24sten durch das mittelländische Meer nach Nord-West dampfend, sahen
wir kein Land; -- den 25sten früh aber waren wir der Insel Candia (dem
alten Kreta) gegenüber, deren hohe Gebirgszüge fast den ganzen Tag
sichtbar blieben. Ihr eingerissenes durchschluchtetes Gehänge stieg
steil aus dem Meere empor und erhob sich zu einem schroffen Kamm, der
weißlich in die Ferne schimmerte, während das Ganze ein mehr
grau-falbes, kahles, sehr steriles Ansehn hatte. Wir blieben stets zu
weit vom Lande entfernt, um den Küstensaum erblicken zu können, sahen
daher nichts, wie diese schroff durchfurchte, bleiche Gebirgskette, die
sich Tagereisen weit auszudehnen schien. -- Theils auf dem höchsten
Kamme der Kette selbst, theils mehr unter diesem, sahen wir einen
streifenförmigen Zug von geballten Wolken hängen, der so lang wie die
Kette selbst war und unbeweglich starr am Gehänge gelagert blieb,
während sich der ganze übrige Himmel durch eine vollkommene Heiterkeit
auszeichnete. Dies waren die ersten Wolken, die ich seit meiner Abreise
von Ceylon wiedersah.

Am Morgen des folgenden Tages (den 26sten October) war es der südliche
Theil von Morea (der Pelopones), dessen mäßig hohe, in vielen Reihen
hinter einander liegende Gebirgszüge wir zu unserer Rechten erblickten
und am fernen Horizont zur Linken zeigten geballte Wolkenlagen, bei
übrigens heitrem Himmel, das Vorhandensein von Land an der Stelle an,
nämlich von Calabrien, über dessen Gebirge sie sich verdichtet hatten.

Wir fuhren zwischen 10 und 11 Uhr vor dem Meerbusen von Arkadien hin,
dessen mäßig hohe Bergzüge zur Rechten sichtbar waren und näherten uns der
Straße zwischen dem nördlichen Theile von Morea und der ionischen Insel
Zante, deren Südküste als steile Mauer von bleicher Farbe aus dem Meere
emporstieg. Wir schifften nun durch ~klassische~ Gewässer und sahen den
klassischen Boden von Griechenland, von dessen alter Größe aber leider nur
Ruinen zurückgeblieben sind und hier und da ein Name, der wie ein
verlorener Schall aus dem romantisch-schönen Alterthume heraufklingt.
Zwischen 1--2 Uhr hatten wir die Hauptstadt der Insel Zante zur Linken. Wir
sahen ein Chaos weißlicher, viereckiger Häuser am steilen Südfuße eines
Berges liegen, an dessen Gehänge -- amphitheatralisch über einander
erbaut -- sich noch viele Gebäude hinanzogen, während vom Scheitel des
Berges selbst die Mauern der Festung niederschauten, welche die Stadt
beherrscht. Nach Norden verlängert sich dieser Festungsberg in einen
Rücken, der sich allmählig tiefer senkt und noch mit vielen weißen Gebäuden
bedeckt ist, die aus dem Gebüsche der Oliven und anderer pyramidaler
(cypressenartiger) Bäumchen hervorschimmern. Dazwischen sieht man auf
geebneten Terrassen auch gelbe Streifen, die wahrscheinlich reifes Getreide
sind und hinter den vordern Bergen ragt noch eine fernere, höhere Bergkette
empor.

Aber viel höher als diese und in ihren Umrissen noch mehr an die Form
von Kegelbergen erinnernd, sind die Gebirge der Insel Cephalonia, die
uns, vorn zur Linken, allmählig näher rückte, je weiter wir zwischen den
ionischen Inseln und dem Eingange zu dem Meerbusen von Corinth (dem Golf
von Lepanto) dahin dampfend nach Norden kamen. Es war von 3-1/2--5 Uhr,
als wir dieser Insel auf der Ost- (Nord-Ost-) Seite vorbeifuhren. Ihre
doppelten Bergzüge stiegen zu einer imposanten Höhe empor und die
weißlichen Häuser und dunklen Bäume erschienen ihren bräunlichen
Böschungen wie angeklebt. Sie lagen schon im Schatten der hinter ihnen
stehenden Sonne und blickten düster und steil auf uns herab. -- Wir
hätten zwischen 5--6 Uhr glauben können, uns in einem Gebirgssee zu
befinden, denn wir waren ringsherum auf allen Seiten von hohen
gebirgigen Ländern eingeschlossen, -- hinten und zur Linken lag
Cephalonia, links und vorn Ithaka, rechts die kleine Insel Atako, hinter
ihr die viel höheren Gebirge von Griechenland (Akarnanien) und vorn, die
Aussicht schließend, die Insel Leucadia (Sta Maura). Es war ein
malerischer, schöner Anblick. Auf unserer linken Seite, wo die Gebirge
im Schatten lagen, war alles bräunlich dunkel und an den Gehängen von
Ithaka wechselten viereckige, bräunliche (kahle) und dunkle (begrünte)
Felder mit einander ab, -- aber auf unserer rechten Seite, in Ost,
lächelte auf dem Berggehänge noch der helle Schein der immer tiefer
sinkenden Sonne und hier konnten wir die Olivenwälder deutlich erkennen,
die dem hellern (hellfalben oder bräunlich-grauen) Grunde ein grün
beflecktes und betüpfeltes Ansehn gaben. Und es schien uns, daß Alles
Waldige, Dunkle, das wir, selten in zusammenhängenden, größern Flecken,
sondern meistens nur in mehr oder weniger gedrängten, runden Tüpfelchen
(Punkten) auf den ionischen Inseln sahen, stets Olivenbäume waren. Der
Boden dazwischen schien eine helle Farbe zu haben und gelblich,
bräunlich-grau oder hellbraun zu sein; da, wo sich Wege befanden,
erkannte man diese als weiße, gerade oder geschlängelte Linien, die sich
an den Wänden hinzogen.

Die kleine Insel Atako, die uns um 5-1/2 Uhr gerade rechts gegenüber
lag, erhob sich steil als eine hellfarbige Felsmauer aus dem Meere und
bildete dann einen gerundeten Bergwulst, der waldbetüpfelt war, und noch
mehr so betüpfelt zeigte sich Ithaka zu unserer Linken. Wir sahen um 6
Uhr noch die weißlichen Häuser eines Dorfes, das dem Berggehänge der
letztgenannten Insel angebaut war und kamen ihm so nahe vorbei, daß eine
Anzahl von gelblich gefärbten Windmühlen, die theils am Abhange, theils
oben auf der Firste des Bergrückens ihre großen Flügel herumdrehten,
einen recht sonderbaren, bizarren Effect auf uns hervorbrachten, die wir
in schneller Fahrt dahinschifften.

Das nördliche Ende von Ithaka, hinter dem sich Cephalonia eben so weit
nach Norden fortsetzt, lag uns um 7 Uhr zur Linken, während wir zwischen
den Inseln hinaus nach Westen steuerten; zur Rechten hatten wir das
Südende von Leucadia; das Meer wurde nun wieder weiter, die Ufer traten
zurück und entzogen sich bald in der Dämmerung der fallenden Nacht
gänzlich unsern Blicken. Das Wetter war fortwährend heiter, die Luft
still.

Erfreulicher noch, als der Anblick der obengenannten Insel von mehr
europäischer Physiognomie, war für mich der Eindruck der ~größern Kühle,
die sich nun erst~, am Abend des heutigen Tages, ~recht deutlich fühlbar
machte~; -- das Abendroth war weniger farbig, als ich es zwischen den
Wendekreisen zu erblicken gewohnt war, -- es sah gleichsam ~frostiger~
aus und es war mit innigem Behagen, daß ich die wohlthätige
vaterländische Luft athmete!

Ich hatte nun seit meiner Abreise aus Ostindien, von Java auf der
Südseite des Äquators bis hierher 45 Breitengrade durchschnitten und
Gegenden durchreist, deren Naturphysiognomie mit der Annäherung an den
Pol sich mehr und mehr veränderte. Es waren besonders ~drei~
Kulturgewächse, die ich in dieser Ausdehnung des Erdballes gesehen
hatte, wo sie eben so eigenthümlich für die Physiognomie des Landes
auftreten, als sie für die Bewohner desselben von unentbehrlicher
Wichtigkeit sind: die schlanken ~Kokospalmen~ in Indien, wovon ich noch
auf der Südküste von Ceylon ganze Wälder sah, -- die ~Dattelpalmen~ in
Arabien und Egypten -- und die kleinen graugrünen ~Olivenbäume~, nebst
den Reben in Süd-Europa. -- Die Kälte nimmt von jenen bis zu diesen
allmählig zu, die Üppigkeit der Natur nimmt ab und in gleichem Maaße
erheben sich stolzer die Werke von Menschenhand. -- Errichtete ~Kreuze~
und ~Kapellen~ blicken bedeutungsvoll nieder von den bebauten
Höhen, -- und anstatt der üppigen Urwälder Indien's treten ~Kirchen~ und
~Kirchthürme~ auf mit Glocken, gleichsam um uns den nahen Eintritt zu
verkündigen in eine vierte noch nördlicher liegende Zone von
Kulturbäumen, -- ich meine die Obstgärten der heimathlichen ~Äpfel und
Birnen~.

Auf unserer Weiterreise durch's adriatische Meer sahen wir den folgenden
Tag (27sten October) das hochgebirgige Land der Türkei (Epirus und
Albanien), das aber oft in weiter Entfernung vor unsern Blicken
verschwand und auch den 28sten waren die viel weniger hohen Bergzüge an
der Küste von Dalmatien sichtbar. Wir erblickten von der großen Menge
Inseln, welche dieser Küste vorliegen, des Morgens früh zuerst Busi und
St. Andrea, die zur Linken und die größere Insel Lissa, die zur Rechten
liegen blieb, während wir zwischen beiden hindurchfuhren.

Als ich am Morgen dieses Tages die Sonne anstatt, wie seit einem Dutzend
Jahren immer, um 6 Uhr, erst um 7 Uhr aufgehn sah, als ich den Himmel,
der seit meiner Abreise von Ceylon stets heiter geblieben war, zum
ersten Male wieder voll von grauen Wolken erblickte und dabei die immer
mehr zunehmende Kühle der Luft empfand, -- kam es mir vor, als wenn
Alles, was mich umgab, Luft, Wasser und Land, die Sterne des Himmels
nicht ausgenommen, anfinge zu sprechen und mir in einer stummen, aber
allerverständlichsten Sprache zuzurufen, daß ich mich nun an der andern
Hälfte des Erdballes befände, fern, fern vom Äquator. -- Besonders das
späte Aufgehn der Sonne, das, die größere Annäherung an den Pol kund
gebend, im nördlichen Theile des adriatischen Meeres immer mehr auffiel,
war es, das einen tiefen, nicht leicht zu beschreibenden Eindruck auf
mich machte.

Doch sollte ich auch hier etwas sehen, das mich lebhaft an Java
erinnerte. Es waren die Berge Dalmatien's, die von des Morgens an bis in
den Mittag sichtbar waren. Sie sahen dem java'schen »Tausend-Gebirge«
(Gunung-Sewu), das auf der Südküste zwischen Jogiak[)e]rta und Patjitan
liegt, so außerordentlich ähnlich, daß ein Ei dem andern nicht besser
gleichen kann und daß ich mich sehr irren würde, wenn beide nicht auch
ganz und gar dieselbe petrographische Zusammensetzung hätten, nämlich
aus Kalkstein bestehn. So viel ich weiß, ist in Dalmatien die
Juraformation verbreitet. Jene auf Java aber sind tertiärer, dichter
Kalkstein, ganz von Höhlen durchzogen. Und so wie diese sind auch die
Berge Dalmatien's ihrer Form nach lauter isolirte, hemisphärische Hügel
und Hügelwellen, zu Tausenden neben einander liegend, alle abgerundet
und durch mehr oder weniger hohe Zwischenräume mit einander zu einem
Ganzen verbunden, gleich runden Höckern, Warzen auf der Oberfläche eines
Körpers. Hier und da senkten sie sich in eine schroffe Küstenmauer
herab. Sie lagen in einer bräunlich-fahlen, olivenfarbenen Schminke
da. -- Von den Bergzügen Italien's bekamen wir auf unsrer Reise durch
das adriatische Meer nichts zu sehen, weil unser Cours der ~östlichen~
Küste entlang ging.

Ein trüber, bewölkter Himmel hatte uns gestern schon in die Nähe der
Küsten von Europa eingeführt und ein echtes, europäisches Regenwetter
bewillkommnete uns am Morgen des 29sten October daselbst. Es war der
erste Regen wieder seit Ceylon, den wir beobachteten. Weil in der feinen
Regenluft alle Signale an den Ufern unsichtbar waren, so hatten wir uns
schon in der Nacht genöthigt gesehen, uns vor Anker zu legen und es war
schon 7 Uhr vorbei, als wir unser Schiff wieder in Bewegung setzten.

Wir befanden uns um 8 Uhr dem Leuchtthurm auf Cap Salvore (Punta di
Salvore) gegenüber, -- es war ein flach convexes Land, olivenfarbig mit
Bäumen, Dörfern und einzelnen Gebäuden besetzt, -- darauf folgte eine
tiefe Bucht, worin mehre große Schiffe lagen, -- dann kam ein zweites
Cap mit der Stadt Pirano, die am Fuße und Abhange des vorspringenden
Gebirges lag, -- der Anblick des Landes und der Wohnungen, die es
bedeckten, wurde immer europäischer -- dann kamen wir einer zweiten
Bucht vorbei, in deren Hintergrunde die Stadt Capo d'Istria lag, -- wir
näherten uns also immer mehr dem nord-östlichen Ende des Meerbusens
zwischen dem Flachlande von Venedig und der Halbinsel Istrien -- und
ließen um 9-1/2 Uhr unsre Anker fallen auf der Rhede von ~Triest~.

Da lag die prächtige Stadt. Ihre weißen Häuser und Paläste erhoben sich
im Amphitheater, bis zur Citadelle hinauf, das eine über dem andern und
erschienen dem olivengrünen Gebirge wie angeklebt. Noch hoch am Gehänge
ragten stolze Kirchen und Klöster empor und kleine Villen zogen sich
hinan bis dicht unter den Saum der lang hingestreckten Kette, die steil
und schroff auf die Schiffe an ihrem Fuße herabsah. -- Dieses stolze,
doch freundliche Bild traf unser Auge!

Es war Sonntag -- und das Erste, was unser Ohr vernahm, -- seit 13
Jahren zum ersten Male wieder -- war ~Glockengeläute~! -- ein so
feierliches Getön aus allen Kirchen und Kapellen der Stadt, -- ein so
harmonischer Klang, der an sich schon mächtig, ahnungsvoll und zur
Andacht stimmend, mich an die Jahre meiner Kindheit erinnerte, und mich
mit einer Wonne, einer Wehmuth erfüllte, die ich nicht abzuwehren
vermochte. -- Glückliche Jahre des Glaubens, -- des unbedingten
Glaubens an die ~Heiligkeit~, die sich mit diesem Geläute verband!

Es bannte mich denn auch jetzt noch durch seinen Zauber und hielt mich
gefesselt an die Verschanzung des Schiffes, wo ich still-lauschend, mich
noch länger den Eindrücken dieser Glockentöne würde überlassen haben,
wenn die Welt nicht so voll von Contrasten wäre, und wenn nicht die
~Douanen~ mich aus meiner Träumerei geweckt hätten.

Diese kamen unsre Koffer zu untersuchen, die wir öffnen mußten. Sie
waren jedoch sehr höflich und bescheiden und ließen selbst einige Kisten
Cigaren (sonst scharf verbotene Waare in Österreich) passiren, da wir
ihnen den Beweis lieferten, daß sie nur für den täglichen Gebrauch
bestimmt seien. Auch die Gesundheitsbeamten, die gekommen waren, sich
nach unserm Wohlbefinden zu erkundigen, fanden es gut, daß wir keine
Pest aus Egypten, sondern nur Cigaren aus Manilla mitgebracht hatten,
die sie schmackhaft fanden.

Ich stieg nun in einer christlichen Schaluppe an's Land gegen
christliche Bezahlung und nahm meinen Einzug in ein großes drei- oder
vierstöckiges Hotel, das gewiß erst seit kurzer Zeit den Namen Hotel
~National~ führte, den es, wenn ich nicht irre, jetzt (1851) ~nicht~
mehr führen wird.

Dreimal täglich, um 10, 3 und 9 Uhr geht von Triest ein ~kaiserlicher~
Postwagen ab, der die Reise nach Laibach in 12 Stunden zurücklegt. Der
Preis für einen Passagier mit 40 Pfund Bagage ist 7 Fl. 52 Kr. und für
jede 100 Pfund Bagage mehr 2 Fl. 40 Kr. (nämlich österreichische Gulden,
deren 8 auf 10 holländische gehen). Von Laibach nach Salzburg geht nur
jeden Dienstag und Sonnabend, um 1 Uhr des Mittags ein Postwagen ab. An
der Eisenbahn, die, um den Karst zu vermeiden, von Triest einen weiten
Umweg nach West machen muß (erst am Strande hin, dann über Monfalcone,
Görz und Idria nach Laibach), wurde damals noch gearbeitet. Erst eine
Tagereise weit, auf der andern (Nord-Ost-) Seite von Laibach, war sie
vollendet und lief von Cilli bis Wien.

Ich ging den 31sten um 10 Uhr mit der Post von Triest weg. Das steile
Berggehänge, an dessen süd-westlichem Fuße die Stadt liegt, zieht sich
von Süd-Ost nach Nord-West der Küste entlang hin. Die Straße fängt
gleich auf der Nordseite hinter der Stadt an emporzusteigen und windet
sich bald in Schlangen-, bald in Zickzacklinien an diesem Berggehänge
hinan, das bis hoch hinauf in Terrassen und Gärten umgeschaffen und mit
Gartenhäusern geziert ist, die auf diesen Terrassen stehn. Es ist der
seewärts gekehrte Abfall des ~Karst~plateau's und trägt auf seinem
untersten Gehänge und Fuße die Stadt.

Hier war Alles noch grün, die Matten waren mit Gras bedeckt, aber die
Weinranken in den Gärten und auf den Terrassen, die Aprikosen- und
andern Fruchtbäume, die dort standen, fingen doch schon an, sich zu
entfärben, -- denn der entblätternde Hauch des Herbstes nahte heran. Wir
sahen eine Menge kleiner Steinbrüche zur Seite des Weges, in denen
einige wenige Arbeiter beschäftigt waren. Man erkannte hier, daß das
Gebirge vorherrschend aus einem seinen, hellgrauen Sandstein (höher oben
aus Kalk) bestand, der in 1/2--3 Fuß dicken, gewöhnlich stark geneigten,
geraden, zuweilen aber auch wellenförmig gebogenen Schichten vorkam.

Wir kamen um 11-1/2 Uhr auf dem mehr als 1000 Fuß hohen Rande der
Bergwand an.[47] Die Aussicht, die wir hier genossen, über das stolze
~Triest~ mit seinen Palästen und Gartenanlagen, der Rhede mit ihren
Schiffen und über das Meer west-süd-westwärts, in der Richtung nach
Venedig zu, war entzückend. Die Stadt lag im Süden von diesem höchsten
Punkte des Weges. -- Nach der andern Seite zu, nach Nord und Nord-West,
ging der Rand nur sanft gesenkt in das unebene Plateau des Karstgebirges
über. Plateau mag es im Allgemeinen genannt werden. Es ist eine rauhe,
wellenförmig unebene Gebirgsfläche, in welcher häufig ~weißgraue~
Kalkfelsen hervortreten und die überhaupt ein wüstes, felsig-rauhes
Ansehn hat. Hier und da sieht man horizontale oder nur sehr sanft
geneigte Felsplatten (Bänke), deren steil abgebrochene treppenförmige
Ränder mehr oder weniger kubisch zerspalten sind. Besonders aber
zeichnet sich dieses Gebirgsland aus durch die vielen kleinen, bald
flach convexen oder kesselförmigen, bald mehr hemisphärischen, bald
trichterförmig tiefen und steilen Senkungen, die man überall in der
Oberfläche antrifft. Manche dieser Senkungen sind im Grunde flach oder
nur sanft vertieft, mit fruchtbarer Erde bedeckt, mit Gemüse, mit Wein
oder andern Fruchtbäumen bepflanzt, -- andere, die sich schroffer
hinablassen, gleichen mit den weißgrauen Felswänden, die sie umgeben,
kleinen Kratern, alle aber haben sie große Ähnlichkeit mit den
kesselförmigen Vertiefungen im Kalkgebirge Gunung-Sewu auf Java und
scheinen entstanden zu sein durch den Einsturz der Gewölbe von Höhlen,
die sich unter ihnen befanden.

Diese Übereinstimmung zwischen zwei zu verschiedenen geologischen
Formationen gehörenden Gebirgen ist bemerkenswerth. Doch fehlen dem
Karstplateau (das aus Jurakalk besteht) jene Tausende von hemisphärischen
Hügeln, womit die Oberfläche des -- tertiären -- Gunung-Sewu auf Java
besetzt ist. -- Diese rauhe Gebirgsplatte war nur mit einer spärlichen
Vegetation bedeckt, -- nämlich mit Gebüsch und mit kleinen Bäumen, unter
denen eine 10--20 Fuß hohe Eiche (_Quercus Cerris ¡L.¡_) am häufigsten
war. Die baumartige Haide (_Erica arborea ¡L.¡_) war nicht selten. Hier und
da kamen liebliche Grasplätze zwischen diesen niedrigen Bäumen oder
zwischen den kahlen Felsplatten und Felshöckern vor und von Zeit zu Zeit
traf man ein Dörfchen oder ein kleines Gehöfte an.

Erst später, von 12 oder 1 Uhr an, ebnete sich die Gegend, die grünen
Triften dehnten sich mehr und mehr aus, die fruchtbaren Felder, die
Gärten nahmen an Umfang zu, -- die ~Wein~hecken wurden zahlreicher und
die hübschen Dörfer häufiger, welche gute, steinerne Häuser hatten.
Gewöhnlich lagen diese mehr bebauten Gegenden in sanften Vertiefungen,
flachen Mulden der Bergplatte, in denen sich vorzugsweise die fruchtbare
Erde schien angehäuft zu haben und diese kleinen Kesselthäler der Platte
zwischen den Anhöhen, die übrigens nicht mehr so vorherrschend felsig
waren, als in der Nähe von Triest, waren reich bebaut. Mein Auge weilte
mit Entzücken auf diesen sanften Thalgründen, die den Reisenden um so
freundlicher anlächelten, je starrer, felsiger oft die nächste Umgebung
ist. Außer den wildwachsenden Bäumen, namentlich den Eichengebüschen und
den überall häufig angepflanzten Reben sah ich hier zum ersten Male
wieder ~Kirschen~- und ~Äpfelbäume~! -- O, wie schön kamen sie mir vor,
als ich sie nach einer 14jährigen Trennung zum ersten Male wiedersah und
als ich ihnen im Stillen zurief: seid mir gegrüßt ihr alten vertrauten
Gestalten, -- denn mit Euch fängt meine ~Heimath~ an. -- Daß ihre
Blätter schon anfingen, sich zu entfärben, daß der nordische Herbst aus
vielen schon zum Theil entlaubten Gebüschen hervorguckte, -- das gab
ihnen einen desto größern Reiz. Denn ich konnte ihren Anblick gleichsam
nur genießen, indem sie ~entflohen~, -- die Zeit war kurz, -- der Winter
nahte. -- Später erschienen Hagebutten (_Rosa canina_) u. s. w.
Willkomm! -- _Evonymus europaeus_ trat auf, mit dessen Früchten ich als
Kind die Rothkehlchen gefüttert hatte, -- Brombeeren (_Rubus_-Arten)
erschienen und ich rief ihnen zu: Ihr alten Bekannten, von Herzen
willkommen!

Der Leser wird vielleicht lächeln, wie diese so wenig geachteten,
europäischen Sträucher mich so zu entzücken vermochten, -- und doch kann
ich im Ernste versichern, daß ich nie in meinem Leben eine größere
Freude empfunden habe, wie damals, als ich die stummen Gefährten meiner
Jugend seit so langer Zeit zum ersten Male wiedersah.

Die Formen von Berg und Thal wurden immer sanfter, die Felder immer
größer und schöner, die grünen Triften immer ausgedehnter und die
Heerden zahlreicher, die auf ihnen weideten. Liebliche Dörfer mit weißen
Mauern und rothen Dächern sah man in den Gründen und braune schon halb
entblätterte Eichenwälder auf den Höhen. Wir näherten uns immer mehr, in
der Richtung nach Nord-Ost, den so fruchtbaren, schönen Gegenden des
mittlern ~Krain~, den sogenannten Julischen Alpen.

Um 3 Uhr wurde im Dorfe Prewald Halt gemacht und zu Mittag gespeist. Das
Essen war gut und kräftig und hätte die Tafel mancher großen Hotels
einer Hauptstadt beschämen können. Ein hoher kahler Felsberg von
weißlicher Farbe steigt in der Nähe des Dorfes empor. -- Später kamen
wir durch Adelsberg, befanden uns also in der Nähe der berühmten
Adelsberger Höhle und des noch berühmtern Zirknitzer See's, die wir aber
leider wegen Mangel an Zeit und wegen des feinen Regens, der schon seit
3 Uhr anhaltend bis spät in die Nacht herabrieselte, nicht besuchen
konnten.

Wir kamen eine halbe Stunde vor Mitternacht in ~Laibach~ an. Ich
verweilte in dieser Hauptstadt des nördlichen Krain bis zum 4ten
November. Sie liegt zwischen den Zügen der Julischen Alpen in dem
ausgedehnten flachen Thalgrunde der Sau, von schönen, grünen
Wiesenflächen und fruchtbaren Feldern umgeben. Die ganze Gegend ist
schön, romantisch und durch viele Naturmerkwürdigkeiten ausgezeichnet.
Ich überließ mich dem Genuß, den mir der Anblick gewährte der grünen
Wiesenflächen, die man nirgends zwischen den Tropen sieht, -- der
Thalgründe, die sich zwischen Bergzügen dahin schlängeln, -- der
Dörfchen und einzelnen Mühlen, die sie hier und da bedecken, -- der
Tannen- und Fichtenwälder, womit die Höhen begränzt sind, -- der
Schlösser und alten Ruinen, die von manchen dieser Höhen
herabblicken, -- und der glänzenden Schneegipfel der Karnischen Alpen in
der Ferne! -- Denn alles dieses, -- die ganze Natur ja, war etwas Neues,
wenigstens seit lange nicht mehr Gesehenes für mich.

Ich lernte zu Schiska bei Laibach Herrn F. J. ~Schmidt~ kennen, der ein
genauer Kenner der Insecten, besonders aber der Land- und
Süßwasser-Conchylien von Krain ist und vortreffliche Sammlungen über
diese Zweige der Naturgeschichte besitzt. Er war auf das Zuvorkommendste
bereit, mich mit den Eigenthümlichkeiten von Stadt und Land bekannt zu
machen. Überhaupt kann ich nicht nachlassen, der freundlichen,
leutseligen Behandlung zu gedenken, die ich in den Theilen Österreich's,
durch die ich reiste, bei Vornehm und Gering erfuhr. Die Hotels stehen
an musterhafter Reinlichkeit den holländischen nicht nach. Die Bewohner
sind größtentheils Slaven, die deutsch sprechen und slavisch denken. Der
kurz dauernde Schwindel nach nationalen Vereinigungen, der 1847 und 48
die Völker ergriffen zu haben schien, hatte auch in vielen Bewohnern
Österreich's den Wunsch nach einem volksthümlichen ~Slavenstaate~
erregt. Von Sympathie für Deutschland war bei ihnen keine Spur zu
bemerken.

Auf meiner Reise von Laibach nach ~Salzburg~ vom 4ten bis 6ten November,
im Allgemeinen in einer nord-westlichen Richtung, kam ich über die Züge
erst der Karnischen, dann der Norischen Alpen. Während im schönen Thale
der Sau bei Laibach noch Alles grün war, genoß ich auf den Pässen über
diese Alpen mehr Eis und Schnee, als mir lieb war, zumal da auch am 5ten
sich plötzlich die Witterung verändert hatte und arge Kälte eingetreten
war.

Ich ging von Laibach den 4ten November um 1 Uhr mit dem Postwagen weg.
Die schöne, bebaute Fläche von Laibach, in deren Mitte das alte Schloß
von seinem Berge herabschaute, verschmälerte sich nach Nord-West in ein
schönes Wiesenthal, von der Sau durchströmt, und in diesem Thale fuhren
wir stromaufwärts, -- Dörfern und Städten vorbei, zwischen Anhöhen, die
überall mit Nadelwaldungen gekrönt waren, dahin. Je weiter wir kamen, je
höher wir stiegen, desto romantischer, desto schöner wurde Berg und
Thal. -- Wir kamen während der Nacht in Schneegestöber über die Jöche
der Karnischen Alpen, die zwischen dem Thale der Sau und Drau liegen und
fuhren am Morgen des 5ten schon in letztgenanntem Thale stromaufwärts,
das ein breiter, flacher mit Dörfern und Städten bedeckter Wiesengrund
ist. Nadelwälder standen auf den Jöchen und den Gehängen zu beiden
Seiten. Die rechte Kette, die zu den Norischen Alpen gehört, war viel
höher und bis zu zwei Drittel herab mit Schnee bedeckt. Der Contrast
dieses Schnee's mit dem Dunkel der Tannen und dem schönen Wiesengrün des
Thales war imposant. Bis zum Städtchen Spital führt die Straße im Thale
der Drau zwischen den Karnischen und Norischen Alpen aufwärts, hier aber
verläßt sie das Thal und läuft auf der linken (nördlichen) Thalseite
hinan, um die Norischen Alpen zu überklimmen und jenseits derselben in
das Thal der Salza herabzusteigen und in diesem Thale dann weiter bis
Salzburg zu gelangen.

Wir speisten zu Mittag zwischen 12--1 Uhr im Städtchen Spittal, das auf
einer dreieckigen Bergmasse liegt zwischen den zusammenmündenden
Bergströmen Drau und Lieser und stiegen von da anfangs noch der
Lieserkluft folgend, immer höher und höher das Gebirg hinan, das mit
Nadelholzwäldern und oben mit Schnee bedeckt war, aus welchem die Tannen
grün und die entfärbten Lärchenbäume gelblich hervorschimmerten. Bald
hemmte das immer dichter werdende Schneegestöber nebst der fallenden
Nacht alle Aussicht.

Wir blieben in der Nacht vom 5ten bis 6ten November auf dem höchsten
Passe, dem ~Tauerpasse~, dieser Alpen im Schnee stecken, der hier
~ellenhoch~ lag, während es noch fortwährend schneite. Dabei war es so
furchtbar kalt, daß eine Flasche mit Wasser, die ich zu mir in den Wagen
genommen hatte, durch und durch gefroren war. -- Ich weiß nicht genau,
wie hoch dieser Paß ist, er gehört aber dem Joche der Norischen Alpen
an, in welchem sich weiter westwärts der Großglockner (von 11,982
pariser Fuß Höhe) erhebt. Das Dorf Tauern liegt 4800 Fuß und das Taurer
Joch 6546 Fuß hoch; wahrscheinlich hat der Paß die letztgenannte Höhe.

Ich hatte vor zwei Monaten auf der Rhede von Batavia, als die Hitze so
drückend war, nach Eis, nach Schnee verlangt, -- mein Wunsch war nun
erfüllt, erfüllt zum Übermaaß! -- wie man sich denken kann, -- denn die
Kälte kam zu plötzlich, der Übergang zu schnell, -- so lag ich in meine
Decken gehüllt im Wagen und -- fror. Auf der einen Seite gähnte uns ein
tiefer Abgrund an, der sich ~unter~ uns in eine schmale enge Schlucht
hinabstürzte, und auf der andern Seite hing eine himmelhohe Felswand
~über~ uns, während keine Spur der Straße mehr zu sehen war. Alles war
verweht und es mußten aus einem nahen Dorfe eine Anzahl Bauern entboten
werden, um den Schnee von den gefährlichsten Stellen hinwegzuschaufeln.
Dann setzten wir unsere Reise fort.

Bei dieser Gelegenheit lernte ich die äußerst gutherzige, gewillige und
behülfsame Art dieser Bergbewohner kennen: es sind durch und durch gute
Menschen. Sie sprachen ein Kauderwelsch, das Deutsch sein sollte, das
ich aber eben so wenig verstand, als die Sprache der Singalesen auf
Ceylon, die vielleicht noch leichter zu erlernen sein würde, als dieser
Norische Alpendialekt, der keine Regeln hat.

Den 6ten November ging unsre Reise immer noch zwischen Schneegebirgen
mit grünen Tannen und gelben Lärchen (deren Blätter schon erstorben und
entfärbt waren) in Schlangenlinien oder im Zickzack an schroffen
Gehängen, oder in dem schmalen düstern Grunde von Thalspalten dahin, wo
neben dem brausenden Strome der Weg in Felsen ausgehauen war, die zu
beiden Seiten viele hundert Fuß sich erhoben. Oft sah man die
pyramidalen Gestalten der Tannenwaldungen auch an den steilsten Wänden
kleben.

In einer solchen tiefen Thalspalte fließt auch die Salza (oder Salzach),
die sich immer tiefer zwischen den Bergen herabschlängelt und endlich
ihre Gebirgsschlucht verläßt, um durch die schöne, nur noch 1408 Fuß
hohe Fläche der alten _Colonia Hadriana_ (_Juvavia_) zu strömen. Wir
folgten ihrem Laufe und kamen im Geburtsorte Mozart's, dem Sterbeorte M.
Haydn's, um 8 Uhr des Abends an.

Das Erste, was ich hier vernahm, war etwas, das man in Deutschland
selten hört, -- ein schönes Glockenspiel nämlich, das sich auf dem
Residenzpalaste hören ließ, und das zum Andenken an einen _anno_ 1703
mit der holländisch-ostindischen Compagnie abgeschlossenen
Handelsvertrag hier errichtet wurde.

Ich wohnte auch noch denselben Abend einem Concerte steyermärkischer
Sänger und Sängerinnen bei, die lauter Volkslieder im Volksdialekte
sangen, -- aber in so lieblichen, so reinen, harmonischen Tönen, wie man
sie nur hier im Tyroler Alpenlande hören kann.

Und als ich beim Nachhausegehn über den Michaelisplatz kam und das
Denkmal Mozart's erblickte, -- da schien es mir, daß die Bildsäule eines
Meisters der Tonkunst nirgends passender errichtet sein könne, als hier,
an einem Orte, in der Mitte eines Volkes, wo, wenn auch nicht in dem
Maaße, wie der Componist des Don Juan, fast ein Jeder als Tonkünstler
oder als Sänger geboren wird.

Ich begab mich am 9ten November mit dem Postwagen von Salzburg nach
München, -- eine Reise, die durch flache Gegenden in 14 Stunden
zurückgelegt wird.

Hier höre ich mit meiner Erzählung auf, denn hier fangen die Eisenbahnen
~an~ (die erste, die ich sah), die von hier an das Land durchkreuzen und
sich, mit einer geringen Unterbrechung am Rhein, auch bis in das Herz
der ~Niederlande~ fortsetzen.

Hier nehme ich Abschied vom Leser, denn ich befinde mich nun mitten in
Europa, das den meisten Lesern dieses, wo nicht Allen, gewiß besser
bekannt ist, als mir.

       *       *       *       *       *

Allerdings war es anfangs meine Absicht, auch die Bemerkungen, die ich
auf meiner Reise durch Deutschland und die Niederlande in mein Tagebuch
eintrug, mitzutheilen und aus den letztern einen vierten Abschnitt der
Reise: »von Lobith bis zum weißen Thore in Leyden«, zu bilden. Da aber
keine neuen, weder geographische, noch geologische Bemerkungen in
Holland zu machen sind, so hätte ich, um den Leser zu unterhalten, Land
und Volk schildern, hätte also von einem Gegenstande sprechen müssen,
den der Leser besser kennt, als ich, weil er selbst einen Theil davon
ausmacht, während ich nur seit kurzer Zeit und nur ein vorübergehender
Bestandtheil davon bin. -- Hätte ich mich mit der Beschreibung der
Niederlande, also gewissermaßen mit den Lesern beschäftigen wollen, so
würde ich oftmals in den Fall gekommen sein, mein Urtheil nicht nur über
nationale, sondern auch über persönliche Verhältnisse zu fällen, was,
wie mich dünkt, doch manchmal ein undankbares Geschäft würde gewesen
sein.

Allerdings glaube ich, daß das niederländische Volk, als Nation, wie sie
dasteht, achtungswerther ist, wie manche seiner größern Nachbarn, sowohl
auf der Ostseite des Rheines, als westwärts von der Mosel, wo man ~gar~
nicht mehr weiß, was man will. Wohl habe ich viele höchst achtungswerthe
Personen hier kennen gelernt; da ich aber nicht Willens bin,
Schmeicheleien zu sagen gegen meine Überzeugung, so würde ich auch
vielleicht manchmal Veranlassung gefunden haben, zu gestehen, daß mir
das Eine oder das Andere weniger gut gefiele.

Diejenigen z. B. des Volkes, die ~keine~ Pedanten sind, würden es mir
gewiß nicht übel nehmen, wenn ich meinte, daß es unter den Professoren
eine Menge steifer, abgeschmackter Pedanten giebt; -- oder diejenigen,
welche zu den wahrhaft aufgeklärten freisinnigen Menschen gehören,
würden nicht bös auf mich sein, wenn ich erzählte, daß ich, mit Ausnahme
der Bewohner in Krain, von der Sundastraße an bis zum Y bei Amsterdam
keine Menschen angetroffen habe, die so bigott sind, als ~manche~
Bewohner von Holland, besonders eine gewisse Klasse in Leyden, bei denen
Frömmelei und Heuchelei sich paart; -- eben so wenig würden die braven
Gelehrten und Naturforscher aufgebracht gegen mich sein, wenn ich
behauptete, ~hier~ einen ~Botanicus~ zu kennen, welcher die Wissenschaft
nur als Deckmantel persönlichen Eigennutzes und Großthuns gebraucht und
in wissenschaftlichen Unterschleifen und Lügen eine ausgezeichnete Übung
besitzt; -- auch die Liebenswürdigen unter dem schönen Geschlechte,
welche freundliche Anmuth mit Bildung paaren, würden es gewiß nicht auf
sich deuten, wenn ich sagte, daß von den Leyden'schen Damen doch ein
großer Theil außerordentlich steif, kalt, hoffärtig, zu sehr mit sich
selbst und der Etiquette eingenommen sei; mit einem Worte, ~viel~
Dünkel besitze, bei wenig Herz, -- und eben so wenig würden sich die
echt freisinnigen Männer, die Niederland zur Ehre gereichen, darüber
ärgern, wenn ich erzählte, daß ich, ungeachtet der freisinnigsten
Constitution, die das Land besitzt, kaum irgendwo so hagestolze
Aristokraten, die auf ihre Geburt und Andre, die auf ihre Geldsäcke
pochen, angetroffen habe, wie hier und da in Holland; -- -- -- wie nun
aber, wenn sich unter den Lesern Dieses wirklich einige Pedanten, fromme
Heuchler, Betschwestern, wissenschaftliche Lügner und Sophisten,
hoffärtige Xantippen, aristokratische Hagestolze, Geldwölfe, deren
Beutel schwerer wiegt, als ihr Kopf, u. s. w. befinden möchten? -- Wie
dann? -- Würden diese mir auch so leicht durch die Finger sehen, wenn
ich mich unterstanden hätte, so etwas, wie hier oben steht, von ihnen zu
behaupten?

Der Herr, der in die Nieren der Könige und der Bettler schaut, bewahre
mich vor ihrem Zorn! -- Ich will lieber stillschweigen. -- Weiß ich
doch, daß die Gutgesinnten, die Freisinnigen, Aufgeklärten, Wissenschaft
und Kunst Befördernden des Volkes unter beiden Geschlechtern, -- und
deren Zahl ist überwiegend, -- mich verstehn; bin ich doch überzeugt,
daß ~diese~ nicht verlangen, gelobt zu werden und mir auch gewiß nicht
zürnen, wenn ich mich enthalte, die Andern zu tadeln und dieses Geschäft
lieber solchen Leuten überlasse, die nichts Besseres zu thun haben.

                     Lieber Leser! Lebe wohl!

  ~Leyden~ im Januar 1851.

                                                    #Der Verfasser.#


Fußnoten:

[47] Der höchste Punkt des Karstgebirges beträgt 1486 par. Fuß.



Anmerkungen zur Transkription:


Das Original ist in Fraktur gesetzt.

Im Original in _Antiqua_ gesetzter Text wurde mit _ markiert.

Im Original ~gesperrt~ gesetzter Text wurde mit ~ markiert.

Im Original #fett# gesetzter Text wurde mit # markiert.

Im Original ¡kursiv¡ gesetzter Text wurde mit ¡ markiert.

Im Original ¿arabisch¿ gesetzter Text wurde mit ¿ markiert.

Im Original als Gipfelkreuz gezeigtes Zeichen wurde im Text
mit × ersetzt.

Doppelte Anführungsstriche wurden durch » (unten) und « (oben) ersetzt.

Auf Seite 20 werden holländische Aussprüche mit französischen Guillemets
« und » umgeben, diese werden auch für verschiedene andere Ausdrücke
innehalb des Textes verwendet, wie beispielsweise auf Seite 22, 164...

Abbildungen wurden aus der Mitte von Absätzen zum Ende derselben
verschoben.

Brüche werden folgendermassen dargestellt: ½ wird zu 1/2 und
2¼ wird zu 2-1/4.

Diakritische Zeichen in diesem Text werden folgendermassen dargestellt
(x ist in diesem Fall der im Text betroffene Buchstabe):

  Brevis (u-förmiges Symbol) über Buchstaben: [)x]

  1 Punkt unter Buchstaben: [x.]

  Makron (Querstrich) über Buchstaben: [=x]


Die 3 arabischen Ausdrücke in diesem Text wurden getreu dem Original
dargestellt; sie sind allerdings aus heutiger Sicht potentiell
fehlerhaft und würden in modernerem Arabisch folgendermassen
geschrieben:

  Text auf Seite 110: ¿Dshabal Zuqr¿

  Text auf Seite 113: ¿Dshaz[=i]rat Zubair¿

  Text in Fußnote 30: ¿[H.]arn[=i]sh¿


Das Format der Abbildungsunterschriften wurde vereinheitlicht.

Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.


Beibehalten wurde:

Böte an einige Stellen statt Boote

  Ebn Batuta (Seite 98) statt Ibn Battuta

  Evonymus europaeus (Seite 178) statt Euonymus europaeus

  Krawang (Seiten 2 und 3) statt dem korrekten Namen Karawang
  (in Indonesien)

  Lieut. G. Carless (Fußnote 30) statt Lieut. T. G. Carless

  Pelopones (Seite 168) statt Peloponnes

  Peninsular and Oriental Steam Navigation Compagny (Seite 61) statt
  Peninsular and Oriental Steam Navigation Company


Einige Ausdrücke wurden in beiden Schreibweisen übernommen:

  Alexandria (Seite 70) und Alexandrien (verschiedene Seiten 21fach)

  an einander (Seiten 21, 23, 45, 48 und 159) und aneinander (Seiten 23
  und 59)

  an kam (Seite 10) und ankam (Seiten 6 und 46)

  Ansehen (Seiten 9, 21, 23 und 134) und Ansehn (Seiten 23, 46, 72, 91,
  121, 146, 166, 168, 170 und 177)

  begrenzen, begrenzte und ähnliche Varianten und begränzen, begränzte
  und ähnliche Varianten (verschiedene Seiten)

  bestehen (Seiten 15, 24, 44, 55, 65, 74, 77 und 158, Fußnote 26) und
  bestehn (Seiten 86, 96 und 173)

  bräunlich-dunkel (Seite 120) und bräunlich dunkel (Seite 170)

  Commandanten (Fußnote 1) und Kommandanten (Seite 30)

  das erste mal (Fußnote 9) und das Erstemal (Seite 39)

  direct (Seite 57) und direkt (Seiten 30, 110, 120 und 123)

  dunkle (Seiten 38, 41, 61, 71, 73, 111 und 170) und dunkele (Seiten 13
  und 20)

  dunkeln (Seiten 3, 11, 62, 109 und 156) und dunklen (Seiten 39, 40,
  143, 154 und 169)

  dunkleren (Seite 72) und dunklern (Seiten 75 und 122)

  dunkelgefärbt (Seite 77) und dunkel gefärbt (Seite 121)

  düster (Seiten 14 und 169) und düstrer (Seiten 37 und 80)

  düstren (Seite 49) und düstern (Seiten 19, 79 und 183)

  düstere (Seite 11) und düstre (Seite 37)

  eigenen (Seiten 82 und 161) und eignen (Seite 99)

  erhabner (Seite 38) und erhabener (Seite 52)

  flach convexen (Seite 177) und flach-convexen (Seiten 17 und 74)

  gesehen (verschiedene Seiten 26fach) und gesehn (Seiten 68 und 135)

  größeren (Seite 5) und größern (verschiedene Seiten 21fach)

  Gunung-Parmasan (Seite 11) und Gunung Parmasan (Fig. 1)

  heitrem (Seiten 50 und 168) und heiterem (Seiten 8 und 9)

  heitres (Seite 53) und heiteres (Seite 30)

  hell gefärbt (Seite 38) und hellgefärbt (Seiten 71, 75 und 79)

  hinter einander (Seiten 8, 10, 120, 149, 156 und 168) und hintereinander
  (Seiten 11 und 12)

  höhern (Seiten 1, 105, 150 und 151) und höheren (Seiten 10, 14 und 170)

  Kesselthals (Seite 94) und Kesselthales (Seite 105)

  Kommandanten (Seite 30) und Commandanten (Fußnote 1)

  lang hingezogene (Seite 88) und langhingezogene (Seite 49)

  Maaße (Seiten 172 und 184) und Maße (Seite 47 und 112)

  malaischen (Seiten 19 und 27) und malai'schen (Seiten 33, 35,
  36, 42 und 47)

  malaische (Fußnote 6) und malai'sche (Seite 40 und Fußnote 14)

  Meerbusens (Seiten 118, 122 und 174), Meerbusen (Seiten 117, 118,
  168 und 169) und Meeresbusen (Seite 105)

  neuern (Seiten 97, 98 und 116) und Neueren (Seite 54)

  Nil-Schlamm (Seite 155) und Nilschlamm (Seite 143)

  oben genannten (Seiten 111 und 145) und obengenannten (Seite 171)

  Postationen (Seiten 32 und 134) und Post-Station (Seite 139)

  Pulu-Penang (Seiten 47 und 49) und Pulu Penang (Seiten 32, 36, 38,
  43, 46 und 48)

  sehen (verschiedene Seiten 35fach) und sehn (Seiten 26, 124, 138 und 155)

  seidenen (Seite 148) und seidnen (Seite 26)

  Siccaropoijen (Seite 50) und Siccaropijen (Fußnote 16)

  Singapure, Singapur und Singapore (verschiedene Seiten

  stehen (Seiten 13, 59, 103, 132, 160, 161, 164 und 180) und stehn
  (Seiten 25, 47, 113, 149 und 176)

  Sumatras (Fig. 6) und Sumatra's (Seiten 10 und 66)

  todtstill (Seiten 6 und 38) und todtenstill (Seite 150)

  todtstille (Seite 48) und Todtenstille (Seite 127)

  ungeheuern (Seiten 61 und 84) und ungeheuren (Seiten 73, 136,
  154 und 155)

  unseres (Seiten 13, 14, 29 und 44) und unsers (Seiten 53 und 78)

  unteren (Seite 77) und untern (Seiten 7, 56, 71, 111, 126, 140 und 141)

  ziehen (Seite 159) und ziehn (Seiten 81, 100 und 163)


Folgende offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert:

  geändert wurde
           "Farbe seiner Ringmauer erkannten. Der flache"
        in "Farbe seiner Ringmauer erkannten.[4] Der flache"
           (Seite 17, Fußnotenanker zugesetzt)

  geändert wurde
           "«_stop_,» -- _laat vallen het anker!_»"
        in "«_stop_,» -- «_laat vallen het anker!_»" (Seite 20)

  geändert wurde
           "nächste gerundete Hügel nordwestwärts hinter der"
        in "nächste gerundete Hügel nord-westwärts hinter der" (Seite 21)

  geändert wurde
           "bezahlte Passagegelder abgefordert."
        in "bezahlten Passagegelder abgefordert." (Seite 29)

  geändert wurde
           "der Kolonialen (_Neêrlandsch-Indischen_) Marine, der"
        in "der Kolonialen (_Nêêrlandsch-Indischen_) Marine, der"
           (Seite 30)

  geändert wurde
           "an Bord der Flußdampfschiffe auf dem Nil."
        in "an Bord der Flußdampfschiffe auf dem Nil.)" (Seite 31 Tabelle)

  geändert wurde
           "deren Wandartigen Felsgestaden, die"
        in "deren wandartigen Felsgestaden, die" (Seite 37)

  geändert wurde
           "Reihenförmig und bilden eben solche"
        in "reihenförmig und bilden eben solche" (Seite 45)

  geändert wurde
           "augenblicklich gestopft wurde, so"
        in "augenblicklich gestoppt wurde, so" (Seite 54)

  geändert wurde
           "bis Pointe de Galle gleichsam"
        in "bis Point de Galle gleichsam" (Seite 56)

  geändert wurde
           "in manchen drei, vier in wenigen"
        in "in manchen drei, vier, in wenigen" (Seite 62)

  geändert wurde
           "Seite des Botes, das"
        in "Seite des Bootes, das" (Seite 67)

  geändert wurde
           "einer Fahrt von eilf vollen Tagen"
        in "einer Fahrt von elf vollen Tagen" (Seite 68)

  geändert wurde
           "Punkte anf dem hellern Sandgrunde"
        in "Punkte auf dem hellern Sandgrunde" (Seite 74)

  geändert wurde
           "Vasco de Gama"
        in "Vasco da Gama" (Seite 76)

  geändert wurde
           "»~Edrisi~ (1150) nennt Socotora berühmt durch seine Aloë."
        in "»~Edrisi~ (1150) nennt Socotora berühmt durch seine Aloë.«"
           (Seite 76)

  geändert wurde
           "Lage scheint nord-west-wärts in Beziehung"
        in "Lage scheint nord-westwärts in Beziehung" (Seite 78)

  geändert wurde
           "schlechten Reiter herabplumpten in den Sand"
        in "schlechten Reiter herabplumpsten in den Sand" (Seite 83)

  geändert wurde
           "(umbra-braune) Kolorit und waren"
        in "(umbrabraune) Kolorit und waren" (Seite 88)

  geändert wurde
           "bald sind sie ganz bimsteinartig porös."
        in "bald sind sie ganz bimssteinartig porös." (Seite 90)

  geändert wurde
           "aus Holz, Bambus Schilf und Dattelpalmblättern"
        in "aus Holz, Bambus, Schilf und Dattelpalmblättern" (Seite 93)

  geändert wurde
           "ich eine stacheligte _Acacia_,"
        in "ich eine stachelige _Acacia_," (Seite 93)

  geändert wurde
           "Journ. of the Roy. Asiat. Soc. of. Gr. Britan. and Ireland."
        in "Journ. of the Roy. Asiat. Soc. of. Gr. Britain. and Ireland."
          (Seite 97)

  geändert wurde
           "und ~Malcomson~ verschaffen, die ich"
        in "und ~Malcolmson~ verschaffen, die ich" (Seite 98)

  geändert wurde
           "nach ~Malcomson's~ eignem Bericht, die"
        in "nach ~Malcolmson's~ eignem Bericht, die" (Seite 103)

  geändert wurde
           "diese atmospärische Feuchtigkeit, die"
        in "diese atmosphärische Feuchtigkeit, die" (Seite 103)

  geändert wurde
           "welche war die ~ers~t vorhandene Erscheinung"
        in "welche war die ~erst~ vorhandene Erscheinung" (Seite 108)

  geändert wurde
           "unter 14° n. Br. gegegenüber, die zu unsrer"
        in "unter 14° n. Br. gegenüber, die zu unsrer" (Seite 110)

  geändert wurde
           "gegegenüber, die zu unsrer"
        in "gegenüber, die zu unsrer" (Seite 110)

  geändert wurde
           "vor den Bergen zogen sich der stahlblaue,"
        in "vor den Bergen zog sich der stahlblaue," (Seite 119)

  geändert wurde
           "und so sahe man in dem engen"
        in "und so sah man in dem engen" (Seite 125)

  geändert wurde
           "beladenen Kameelheerden, denen wir öfters vorbeiflogen, gaben"
        in "beladenen Kameelheerden, an denen wir öfters vorbeiflogen,
           gaben" (Seite 134)

  geändert wurde
           "Schon mehrmals waren wir Sandabhängen vorbeigekommen,"
        in "Schon mehrmals waren wir an Sandabhängen vorbeigekommen,"
          (Seite 135)

  geändert wurde
           "wenig, wie das rechte in dieser Gegend"
        in "wenig, wie das rechte, in dieser Gegend" (Seite 151)

  geändert wurde
           "Trinkwasser lieferten, 2, -- zusammen"
        in "Trinkwasser lieferten 2, -- zusammen" (Seite 161)

  geändert wurde
           "als weiße, grade oder geschlängelte"
        in "als weiße, gerade oder geschlängelte" (Seite 170)

  geändert wurde
           "Uhr grade rechts gegenüber"
        in "Uhr gerade rechts gegenüber" (Seite 170)

  geändert wurde
           "Bintang Rio nämlich südwestwärts vom Fort und"
        in "Bintang Rio nämlich süd-westwärts vom Fort und" (Seite 170)

  geändert wurde
           "Das nördliche Ende von Ithaca, hinter"
        in "Das nördliche Ende von Ithaka, hinter" (Seite 171)

  geändert wurde
          "den Namen Hotel ~national~ führte, den"
       in "den Namen Hotel ~National~ führte, den" (Seite 175)

  geändert wurde
           "stark geneigten, graden, zuweilen aber"
        in "stark geneigten, geraden, zuweilen aber" (Seite 176)

  geändert wurde
           "im Städtchen Spital, das auf einer dreieckigen Bergmasse liegt
           zwischen den zusammenmündenden Bergströmen Drau und Liesa und"
        in "im Städtchen Spittal, das auf einer dreieckigen Bergmasse liegt
           zwischen den zusammenmündenden Bergströmen Drau und Lieser und"
          (Seite 181)

  geändert wurde
           "noch der Liesakluft folgend, immer"
        in "noch der Lieserkluft folgend, immer" (Seite 182)

  geändert wurde
           "Insel Bangka. Muntok"
        in "Insel Bangka, Muntok" (Fig. 3)

  geändert wurde
           "by Kapt. T. Elwon et Lieut. H."
        in "by Capt. T. Elwon et Lieut. H." (Fußnote 30)

  geändert wurde
           "~Ritter~ und »_Jibbel Tir_, _Teer_ oder _Teir_, 900 Fuß"
        in "~Ritter~ und »_Jibbel Tir_, _Teer_ oder _Teir_«, 900 Fuß"
           (Fußnote 32)

  geändert wurde
           "Ein Schilling gilt 4-1/2 egyptische Piaster oder 26 Para
           (ein Piaster 8 Para)."
        in "Ein Schilling gilt 4-1/2 egyptische Piaster oder 36 Para
           (ein Piaster 8 Para)." (Fußnote 41)





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Rückreise von Java nach Europa mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848" ***

Doctrine Publishing Corporation provides digitized public domain materials.
Public domain books belong to the public and we are merely their custodians.
This effort is time consuming and expensive, so in order to keep providing
this resource, we have taken steps to prevent abuse by commercial parties,
including placing technical restrictions on automated querying.

We also ask that you:

+ Make non-commercial use of the files We designed Doctrine Publishing
Corporation's ISYS search for use by individuals, and we request that you
use these files for personal, non-commercial purposes.

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort
to Doctrine Publishing's system: If you are conducting research on machine
translation, optical character recognition or other areas where access to a
large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the use of
public domain materials for these purposes and may be able to help.

+ Keep it legal -  Whatever your use, remember that you are responsible for
ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just because
we believe a book is in the public domain for users in the United States,
that the work is also in the public domain for users in other countries.
Whether a book is still in copyright varies from country to country, and we
can't offer guidance on whether any specific use of any specific book is
allowed. Please do not assume that a book's appearance in Doctrine Publishing
ISYS search  means it can be used in any manner anywhere in the world.
Copyright infringement liability can be quite severe.

About ISYS® Search Software
Established in 1988, ISYS Search Software is a global supplier of enterprise
search solutions for business and government.  The company's award-winning
software suite offers a broad range of search, navigation and discovery
solutions for desktop search, intranet search, SharePoint search and embedded
search applications.  ISYS has been deployed by thousands of organizations
operating in a variety of industries, including government, legal, law
enforcement, financial services, healthcare and recruitment.



Home