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Title: Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs - Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde
Author: Musil, Robert
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs - Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde" ***

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MACHS***


BEITRAG ZUR BEURTEILUNG DER LEHREN MACHS

Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde

Genehmigt von der Philosophischen Fakultät
der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin

von

ROBERT MUSIL

Aus Klagenfurt (Kärnten).



Tag der Promotion: 14. März 1908.



Referenten:

%Professor Dr. Paul Stumpf,%
%Professor Dr. Alois Riehl.%


Dissertationenverlag ~Carl Arnold~, Berlin-Wilmersdorf,
Hohenzollerndamm 3.
Preussische Strasse 8.



Abkürzung der zitierten Buchtitel.


  E. d. A.    Die Geschichte und die Wurzel des Satzes der Erhaltung
              der Arbeit (Prag 1872).

  W. L.       Die Prinzipien der Wärmelehre. 2. Aufl. Leipzig 1900.

  P. V.       Populärwissenschaftliche Vorlesungen. 3. Aufl. Leipzig 1903.

  A. d. E.    Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des
              Physischen zum Psychischen. 4. Aufl. Jena 1903.

  M.          Die Mechanik in ihrer Entwicklung. 5. Aufl. Leipzig 1904.

  E. u. J.    Erkenntnis und Irrtum.



Einleitung.

1. Stellung der Aufgabe.


Das Wort des Naturforschers wiegt schwer, wo immer heute
erkenntnistheoretische oder metaphysische Fragen von einer exakten
Philosophie geprüft werden. Die Zeiten sind vorbei, wo das Bild der Welt
in Urzeugung dem Haupte des Philosophen entsprang. Die Philosophie sucht
heute ihr Verhältnis zu der in so weitem Bereiche aufgedeckten
Gesetzlichkeit der Natur, ihre Stellungnahme zu dem alten Suchen nach
einer richtigen Fassung des Substanzbegriffes und des Begriffs der
Kausalität, zu den Beziehungen zwischen Psychischem und Physischem usw.
mit Berücksichtigung aller Mittel und Ergebnisse der exakten Forschung
neu zu gestalten.

Man kann daraus ermessen, was es bedeutet, wenn nun gerade ein
Naturforscher mit der Behauptung auftritt, daß in diesem Streben nach
philosophischer Orientierung -- (wenigstens in der Gestalt, die es
meistens annimmt) -- trotz seines Anschlusses an die Naturwissenschaft
fast ebenso viele Verkehrtheiten wie philosophische Fragestellungen
liegen, und dies ungefähr durch folgende Thesen erhärtet, die eine Wand
zwischen der Naturwissenschaft aufzurichten streben, welche die
Philosophen meist ihren Untersuchungen zugrunde legen, und der
Naturwissenschaft, die wirklich existiert.

1. Alle Naturwissenschaft beschreibt bloß das Geschehene, statt es zu
erklären. Zumal sind Naturgesetze nichts weiter als tabellarische
Beschreibungen der Tatsachen bezw. mathematische Symbole, die solchen
Tabellen äquivalent sind, und naturwissenschaftliche Theorien nichts als
Zusammenhänge, in die wir solche Tabellen untereinander setzen;
unter dem Gesichtspunkt der Erklärung nichts als umfassendere
Unverständlichkeiten anstelle speziellerer. Weder das einzelne Gesetz
noch die Theorie sagt mehr als auch die Kenntnis der zugrundeliegenden
Erfahrungen für sich schon sagen würde.

2. Wie es überhaupt keine Erklärungen gibt, so gibt es insbesondere
keine kausalen. Gäbe es selbst kausale Zusammenhänge, so würde man mit
ihrer Hilfe bestenfalls doch nur eine Verkettung der Ereignisse
konstatieren, ohne in die Gründe dieser Verkettung blicken zu können.
Ueberdies zeigt aber die exakte Naturforschung, daß es selbst kausale
Zusammenhänge nicht gibt. Das Suchen nach solchen war in früheren
Entwicklungsstadien der Naturwissenschaft aufgenötigt worden, heute hat
sie sich bis auf wertlose und hinderliche Reste davon frei gemacht. Ihr
wirkliches Ziel ist die Aufstellung funktionaler Beziehungen, welche
nicht eine Tatsache als die Ursache einer anderen hinstellen, sondern
lediglich die Berechnung einer Tatsache aus einer anderen gestatten,
welches Verhältnis durchaus umkehrbar ist.

3. Mit der Kausalität fällt auch ein wesentlicher Teil der Bedeutung der
Ding- bezw. Substanzbegriffe dahin, und die philosophische Hoffnung, aus
Substanzbegriffen vermittelst der kausalen Beziehungen zwischen den
Dingen die Welt der Erfahrung aufzuklären, wird durch den Wegfall der
Kausalrelation gewissermaßen mitten entzwei geschnitten.

Aber auch an und für sich sind die Substanzbegriffe der Vernichtung
verfallen. Denn was sich von Substanzen aussagen ließe, wäre nur ihr
gesetzliches Verhalten; die Gesetze, die dieses ausdrücken sollen, haben
sich aber zu lediglich funktionalen Beschreibungen entwickelt, zu dem
Ausdruck viel allgemeinerer Beziehungen, aus denen die Substanzbegriffe
wie gegenstandslos gewordene Zwischensubstitutionen ausgefallen sind.

4. Indem so die Wissenschaft sich von den früher in ihr gesuchten Zielen
abgewendet hat, entbehrt sie doch keineswegs letzter Gesichtspunkte.
Alles bisherige wird verständlich und alle falschen Voraussetzungen
schwinden, sobald man in der Wissenschaft nicht mehr als ein im Kampf
ums Dasein notwendig gewordenes Mittel zur Beherrschung der Tatsachen
sieht, d. h. sie dem Entwicklungsgedanken unterstellt. Alle ihre
Gesetze, Begriffe und Theorien erscheinen dann als ökonomische
Hilfsmittel, uns mit unserer Umgebung in ein praktisch hinreichendes
Verhältnis zu setzen. Versteht man diesen ihren Zweck, so versteht man
alles, was es an ihrer Existenz überhaupt zu verstehen gibt.

5. Diese Auffassung leistet überdies unschätzbare Dienste, indem sie das
verzweifelte Problem des Verhältnisses zwischen Psychischem und
Physischem als sinnlos ergibt. Die Vorstellungen von einer Welt der
Körper und einer geistigen Welt sind instinktiv entstanden und sind
für eine primitive Orientierung auch von praktischem Werte. Als
wissenschaftliche Vorstellungen darf man sie aber nicht höher bewerten
als andere und darf ihren Zweck nur in ihrer Eignung zu ökonomischer
Orientierung suchen. Erfüllen sie diesen nicht mehr, wie jetzt, wo sie
zu dem Stande der Wissenschaft nicht mehr passen und so zu einer Quelle
der Verwirrungen werden, ist es eine methodische Forderung, sie fallen
zu lassen.

6. Dies wird durch die Erkenntnis ermöglicht, daß die funktionalen
Beziehungen, die den Gleichungen der Naturwissenschaft zugrunde liegen,
ohnedies schon Beziehungen zwischen Empfindungen seien, oder wie Mach
dies, um jeden dualistischen Anklang zu vermeiden, nennt, zwischen
Elementen.

Ein Zusammenhang von Elementen, wie Rot, Grün, Druck, Bewegung, liegt
unseren Vorstellungen von Körpern zugrunde, und nur ein anderer, weit
präziserer und fruchtbarerer, aber zwischen prinzipiell ebensolchen
Elementen bestehender Zusammenhang ist es, der durch die Naturgesetze
ausgedrückt wird.

Unsere wissenschaftliche Orientierung in der Außenwelt besteht also in
nichts anderem als in dem Aufsuchen von Gleichungen zwischen Elementen.
Dies ist somit das aus der hochentwickelten Physik abstrahierte Ideal
der Erkenntnis.

Dann kann aber auch die Psychologie, soferne sie wissenschaftliche
Festigkeit anstrebt, nur nach der Aufstellung funktionaler Beziehungen
trachten, und ihr Substanzbegriff, das Ich, die Seele, fällt dabei
ebenso für die wissenschaftliche Bearbeitung weg, wie es mit dem Begriff
einer physischen Substanz geschah. Nun sieht Mach als die psychischen
Grund-Elemente, in deren funktionaler Abhängigkeit voneinander das
wissenschaftliche Bild des Seelenlebens erfaßt wird, die Empfindungen
an. Empfindungen waren aber auch die Elemente des physischen Geschehens:
also zeigt sich, daß Physik und Psychologie ein und dasselbe Objekt
haben.

Das überhaupt Gegebene sind somit Elemente in mannigfachen Zusammenhängen;
indem man auf bestimmte dieser Zusammenhänge achtet, treibt man Physik,
indem man auf andere achtet, Psychologie, -- das ist aber lediglich ein
Unterschied in der Betrachtungsweise, und ein solcher bringt so wenig
eine Kluft zwischen Physischem und Psychischem mit sich, wie etwa eine
Kluft zwischen den Reaktionen eines Gases besteht, wenn sie sich, je nach
dem beachteten Zusammenhange, bald durch das Boyle'sche, bald durch das
Mariotte-Gay-Lussac'sche Gesetz ausdrücken lassen.

Auf diesem Punkte hört für eine zu voller geistiger Freiheit gelangte
und kritisch scharfe Methodologie der Dualismus auf, als Problem zu
existieren, und alle seine Schwierigkeiten erweisen sich als Folgen des
unberechtigten Festhaltens an einer primitiven, überholten Fragestellung.

Wir haben hiermit in freier Wiedergabe die bezeichnendsten Leitsätze aus
den Schriften des Physikers Ernst Mach dargestellt. Man sieht schon aus
dieser vorläufigen Zusammenstellung, daß einzelne Bestandteile dieser
Lehre nicht neu sind. Sie finden ihre Verwandtschaft in älteren
Schriften sensualistischer und positivistischer Richtung, zumal in den
Arbeiten von Condillac und Comte, und bei der Behandlung des Kausal- und
Substanzproblems wird man an den Einfluß von Hume erinnert. Das
Kennzeichnendste, der Schlüssel zu dem Uebrigen und zugleich das der
historischen Situation nach Irritierendste ist aber die, sich auf die
genauere Einheit berufende, starke Betonung des methodologischen
Standpunktes und die damit zusammenhängende Behauptung, daß Mach mit
allen seinen Konsequenzen, so einschneidend sie sind, rein und lediglich
auf dem gesicherten Boden der exakten Naturwissenschaft bleibe: »Ich
wünsche nur in der Physik einen Standpunkt einzunehmen, den man nicht
sofort verlassen muß, wenn man in das Gebiet einer anderen Wissenschaft
hinüber blickt«,[1] heißt es an einer Stelle.

Nun ist ja auch diese Berufung auf die Naturwissenschaft sowohl wie die
Beschränkung der Erkenntnis auf den Zusammenhang der »Erscheinungen« ein
Charakteristikum der positivistischen Philosophie seit Comtes Tagen.
Aber teils schon zur Zeit, als Comtes Hauptwerk erschien (1830--42),
teils wenig später, wirkten Faraday, R. Mayer, Joule, Rankine, Clausius,
W. Thomson, Krönig, Grassmann, Redtenbacher u. a., deren Ziel ein ganz
anderes als das von Comte gesteckte war, und auch heute scheint die
Mehrzahl der Physiker nicht vom Positivismus durchdrungen zu sein. (Ein
Beweis hierfür ist der Widerstand, den Machs Ansichten gerade auch in
diesen Kreisen fanden.) So blieb der Positivismus trotz gelegentlicher
Exkurse stets eine mehr philosophische Angelegenheit, und die
erkenntnistheoretische Erörterung des Verhältnisses von Subjekt und
Objekt blieb seine Hauptfrage, die Verwerfung alles Extramentalen seine
Grundposition bis auf Avenarius, Laas, Schuppe, Rehmke und die anderen
gleichgerichteten Forscher unserer Tage.

Dadurch aber ist unser Interesse an Mach bestimmt. Denn er, heute wohl
der Vertreter des Positivismus, der in die breitesten Kreise wirkt, ist
zugleich derjenige, der wirklich (und zwar als Forscher von Bedeutung)
von der Naturwissenschaft herkommt, und der -- ein Alleingänger (denn
das Fühlungsuchen mit der geistigen Verwandtschaft ist spät und spärlich
in seinen Werken), dem die Anregungen zu seinen Gedanken hauptsächlich
aus seiner Spezialwissenschaft erwachsen sind, -- als der erste mit der
Behauptung Ernst machte, daß seine (positivistischen) Ueberzeugungen nur
durch Uebertragung der in der Naturwissenschaft bewährten Anschauungen
gewonnen und nichts als ein Ergebnis der Entwicklung der exakten
Forschung seien. Damit löst Mach in seiner Person das ein, was vor ihm,
mehr oder weniger, nur behauptet wurde, und gibt dadurch Gelegenheit,
dieses blendendste und lockendste Versprechen des Positivismus, daß
nämlich nur die Rückständigkeit der Philosophen verkenne, wie sehr die
exakte, fruchtbare Wissenschaft längst schon in den Bahnen der
positivistischen Philosophie gehe, auf seine Haltbarkeit zu prüfen.

Es wird also unsere Aufgabe sein, uns zu überzeugen, ob Mach zu seinen
Behauptungen tatsächlich in logischer Folge von einer richtigen oder
wenigstens widerspruchslosen Auffassung der Naturwissenschaft aus
gelangt. Dadurch wird gleichzeitig die beunruhigende Erscheinung
aufgeklärt, daß ein Naturforscher der an der Naturwissenschaft Halt
suchenden gegenwärtigen Philosophie so gänzlich abweisend entgegentritt,
daß er mit Bezugnahme auf deren wichtigste Positionen sagen kann: »Ihre
(vorliegender Schrift) Tendenz ist vielmehr eine aufklärende oder, um es
noch deutlicher zu sagen, eine antimetaphysische«[2] und: »Ich habe
getrachtet, eine alte, abgestandene Philosophie aus der Naturwissenschaft
zu entfernen«[3].

Eines besonderen Umstandes ist noch zu erwähnen: Machs
erkenntnistheoretische und selbst die eigentlichen metaphysischen
Ausführungen sind in seinen Schriften nicht in strengem methodischen
Gefüge gegeben, sondern tragen einen aphoristischen Charakter und sind
mitunter, wie in den Schriften über Mechanik und Wärmelehre, auch bloß
gelegentlich eingestreut. Daraus erwächst in erster Linie die Forderung
einer systematischen Herauslösung und Zusammenfassung der zu einander
gehörenden Gedanken, und ich möchte betonen, daß ich damit auch schon
das wesentlichste unserer eigentlichen Aufgabe für geleistet erachte, da
ja dann die Begründungszusammenhänge offen liegen und einen ganz anderen
Einblick in ihre Tragfähigkeit gestatten, als es möglich ist, solange
die einzelnen Gedanken, von einander isoliert, das gewissermaßen
verantwortungslose Leben des Aphorismus führen.

Ein anderes Ziel aber als dieses einer möglichst genauen Einsicht in die
innere Festigkeit der Machschen Darlegungen wird hier nicht angestrebt.
Wollte man statt der Stringenz ihrer Begründung die Richtigkeit der
Resultate selbst erwägen, so wäre dazu eine erkenntnistheoretische
Arbeit auf weit umfassenderer Grundlage nötig. Zu einer solchen soll
diese Schrift nur ein Beitrag sein, der sich nach Tunlichkeit aller
Stellungnahme dort enthält, wo eine solche die Begründung durch
persönliche Ansichten erfordern würde, und sich darauf beschränkt, in
immanenter Kritik nachzuweisen, daß in den Darlegungen Machs, trotz
ihrer zahlreichen Vorzüge, doch so viele Widersprüche oder wenigstens
Unklarheiten enthalten sind, daß es nicht möglich ist, ihnen eine
entscheidende Bedeutung zuzuerkennen.


Fußnoten:

[1] A. d. E. 2. Aufl. 21 u. ähnl.: »Diese Auffassung wird dem temporären
Gesamtwissen am ökonomischsten gerecht; eine Philosophie für die
Ewigkeit will sie nicht sein«, a. a. O. 23. »Ob es mir jemals gelingen
wird, den Philosophen meine Grundgedanken plausibel zu machen, muß ich
dahingestellt sein lassen. Bei aller Hochachtung vor der riesigen
Geistesarbeit der Philosophen aller Zeiten ist mir dies zunächst auch
weniger wichtig. Aufrichtig und lebhaft wünschte ich aber eine
Verständigung mit den Naturforschern, und diese halte ich auch für
erreichbar. Ich möchte denselben nur zu bedenken geben, daß meine
Auffassung alle metaphysischen Fragen ausschaltet, gleichgültig ob sie
nur als gegenwärtig nicht lösbar oder überhaupt und für immer als
sinnlos angesehen werden«. A. d. E. 287. »... Es soll hiermit keine
neue Philosophie, keine neue Metaphysik geschaffen, sondern einem
augenblicklichen Streben der positiven Wissenschaften nach gegenseitigem
Anschluß entsprochen werden«. A. d. E. 259. »Es gibt vor allem keine
Machsche Philosophie, sondern höchstens eine naturwissenschaftliche
Methodologie und Erkenntnispsychologie, und beide sind wie alle
naturwissenschaftlichen Theorien vorläufige, unvollkommene Versuche. Für
eine Philosophie, die man mit Hilfe fremder Zutaten aus diesen
konstruieren kann, bin ich nicht verantwortlich«. E. u. J. Vorwort.
»Meine Darlegungen gehen stets von physikalischen Einzelheiten aus und
erheben sich von da zu allgemeineren Erwägungen«. E. u. J. 141.

[2] M. 1. Aufl. Vorwort.

[3] E. u. J. Vorwort.



2. Die erkenntnispsychologische und ökonomische Betrachtungsweise.


Der aphoristische Charakter von Machs Schriften bringt mit sich, daß
manche seiner Aussprüche, je nach dem Zusammenhang, in den man sie
stellt, verschieden zu beurteilen sind, so daß manchmal dieselben
Aeußerungen unter verschiedenen Gesichtspunkten analysiert werden
müssen.

Wir beginnen mit dem in der Einleitung unter 4) erwähnten Gesichtspunkte
Machs, die Wissenschaft als eine Erscheinung ökonomischer Anpassung
anzusehen, welcher Gesichtspunkt überdies eng mit einer
erkenntnispsychologischen Betrachtungsweise zusammenhängt.

Diese Art, die Erkenntnis zu betrachten, ist wichtig; sie gibt Machs
Ausführungen gewissermaßen von vornherein einen scharfen Reiz; sie berührt
sich auch mit bekannten skeptischen Strömungen der neueren Zeit und ist
durch all dies geeignet, zu allererst den Blick auf sich zu ziehen und
festzuhalten. Es ist daher für uns von Wichtigkeit, festzustellen, ob ihre
erkenntnistheoretische Bedeutung dem entspricht, und ich glaube, es läßt
sich ohne weiteres sehen, daß dies nicht der Fall ist. Man kann dann sehr
wohl mit großem Interesse Machs eigentümliche, plastische und belebende
Art, das Werden und Wesen der Naturwissenschaft zu betrachten, verfolgen,
ohne sich versucht zu fühlen, anzunehmen, daß mit dieser Auffassung schon
irgendwie gegen die Ergebnisse der von Mach bekämpften Erkenntnistheorie
und Metaphysik entschieden sei; mit anderen Worten: die Erfolge einer
biologisch-psychologischen Betrachtungsweise beweisen gar nichts für das
Uebrige.

Grundlegend für diese Betrachtungsweise ist die Annahme, -- eben die
wir noch in weiteren Zusammenhängen untersuchen werden, -- daß nur die
Kenntnis der Tatsachen für den Physiker Wert habe, daß sie das
wesentliche Ziel seiner Wissenschaft ausmache und alles übrige nur ein
intellektueller Umweg zu ihrer Gewinnung und Darstellung sei.[4] So
heißt es: »Wenn uns alle einzelnen Tatsachen unmittelbar zugänglich
wären, so wie wir nach der Kenntnis derselben verlangen, so wäre nie
eine Wissenschaft entstanden. Nur weil das Gedächtnis des Einzelnen ein
beschränktes ist, muß das Material geordnet werden.«[5] Diese Ordnung
ist das Ziel der Wissenschaft.[6] Ursprünglich ist dieses Ziel rein
praktisch im Laufe der Entwicklung erwachsen dann auch spezifisch
theoretische Interessen, doch lassen auch sie sich auf praktische
reduzieren und als ein bloßer Umweg zu deren Erreichung auffassen. »Wir
können jedes wissenschaftliche Interesse als ein mittelbares biologisches
Interesse auffassen«, heißt es an einer anderen Stelle.[7]

Dieses starke Betonen der praktischen Aufgabe der Wissenschaft ergibt sich
dabei als eine direkte Folge dessen, daß Mach die Wissenschaft, wie
überhaupt die ganze Tätigkeit des Menschen, unter den Gesichtspunkt der
Selbsterhaltung[8] stellt, nicht anders wie die des niedersten Organismus:
»Die gesamten Lebensvorgänge des Individuums sind Reaktionen im Interesse
der Lebenserhaltung, und die Wandlungen im Vorstellungsleben sind nur
ein Teil der ersteren.«[9] Wendet man aber einmal den allgemeinen
Entwicklungsgedanken auf die Wissenschaft an,[10] so folgt daraus von
selbst, daß die Wissenschaft unter die Gesichtspunkte der Kontinuität und
der Oekonomie gehört, da diese beiden ja integrierende Bestandteile der
Entwicklungslehre sind; andererseits ist die Anwendbarkeit dieser
Gesichtspunkte auf das Denken selbst wieder rückwirkend ein Beweis für die
Berechtigung, die Entwicklungslehre hier hereinzuziehen.

Was das erstere betrifft, ist es für die Entwicklungslehre
charakteristisch, daß sie die Eigenschaften und Reaktionen der Lebewesen
aus einer selektiven Anpassung an die Vorgänge in der Umgebungswelt heraus
zu begreifen sucht. Dabei erweist es sich als eine Erfahrungstatsache, daß
diese Anpassung kontinuierlich und ökonomisch erfolgt, d. h. daß einmal
vorhandene Eigenschaften unter neuen Lebensbedingungen nicht einfach
abgeworfen und durch andere ersetzt werden, sondern vielmehr einer
allmählichen Umbildung unterliegen, welche sich zudem, ökonomischer Weise,
nicht weiter erstreckt, als unbedingt nötig ist.[11] Was aber das Zweite
betrifft, so ist zu sagen, daß Machs Arbeit fast in ihrer Gesamtheit
gerade dafür einen Nachweis zu liefern trachtet, daß diese zuletzt
entwickelten Konsequenzen der Entwicklungslehre sich bei Betrachtung des
wissenschaftlichen Denkens und seines Werdens tatsächlich erfüllt finden.

Das Wichtigste lautet zusammengefaßt:

1. Das Bewußtseinsleben hat schon seiner Entstehung nach die Rolle eines
ökonomischen Instruments: Fordert nämlich die Selbsterhaltung die
Anpassung der Reaktionen eines Lebewesens an die Vorgänge der Außenwelt,
so kommt es bei einer gewissen Kompliziertheit der Lebensbedingungen
dahin, daß die Mannigfaltigkeit des Tatsächlichen weit größer wird, als
die Zahl der biologisch wichtigen Reaktionen, so daß ohne Berücksichtigung
noch bestehender Unterschiede auf eine ganze Gruppe bloß verwandter
Tatsachen in einer Weise reagiert wird; reicht diese undifferenzierte
Reaktion für die praktischen Bedürfnisse eben noch hin, so trägt der ganze
Vorgang den Charakter der Sparsamkeit und Oekonomie. Dem Bilde dieses
Vorganges entsprechen aber die ersten Anfänge des Begriffslebens. Es
beginnt damit, daß die Tatsachen »gleicher Reaktion« unter eine
Vorstellung gefaßt werden, mit einem Zeichen verknüpft werden, wobei das
Bewußtsein den Typus eines nicht sehr vollkommenen physikalischen
Apparates trägt, der auf die Vorgänge der Außenwelt nur in einem
beschränkten Spielraum und nach wenigen Richtungen antwortet.[12]

2. Das Bewußtsein trägt auch seiner weiteren Funktion nach den Charakter
eines ökonomischen Instruments: denn hat es einmal einen gewissen
Bestand an Vorstellungen erworben und treten ihm dann neue Tatsachen
entgegen, so bildet es nicht auch neue Vorstellungen aus, sondern paßt
die bereits vorhandenen den neuen Aufgaben an. Und zwar bildet es sie
dabei mit einem möglichst geringen Aufwande um, indem es die
ursprünglichen Gedanken auch weiterhin festhält und nur um ein
Mindestmaß modifiziert, so viel gerade nötig ist, um auch den neuen
Anforderungen gerecht zu werden. Ein solches Verhalten nennt Mach dem
Prinzip der Kontinuität oder auch der Permanenz und zureichenden
Differenzierung entsprechend.[13]

Dabei unterscheidet Mach: a) die Anpassung der Gedanken an die Tatsachen,
von der bisher die Rede war; er spricht von ihr speziell als von einem
Abbilden und Vorbilden der Tatsachen in Gedanken. Denn diese ermöglicht
uns erst die hinreichende Anpassung, das erhaltungsgemäße Verhältnis zur
Umgebung; »um uns mit unserer Umgebung in irgend ein Verhältnis zu setzen,
bedürfen wir eben eines Weltbildes,« sagt Mach.[14] b) Die Anpassung der
Gedanken aneinander: »Die Vorstellungen passen sich zwar den Tatsachen so
an, daß sie ein den biologischen Bedürfnissen entsprechendes, hinreichend
genaues Abbild der ersteren darstellen,«[15] aber »natürlich reicht die
Genauigkeit der Abbildung nicht weiter als die augenblicklichen Interessen
und Umstände es forderten, unter welchen dieselbe stattfand. Da aber diese
Interessen und Umstände von Fall zu Fall wechseln, so stimmen die
Anpassungsergebnisse verschiedener Umstände nicht genau untereinander
überein. Das biologische Interesse treibt nun wieder zur Korrektur
verschiedener Abbildungsergebnisse durcheinander, zu dem bestmöglichsten
Ausgleich der Abweichungen.«[16] Anpassung der Gedanken aneinander ist also
die weitere Aufgabe, welche das Denken zu seiner vollen Befriedigung lösen
muß, und auch, »diese Forderung wird erfüllt durch Vereinigung des
Prinzips der Permanenz mit jenem der zureichenden Differenzierung der
Vorstellungen.«[17]

3. Ist das bisher skizzierte Verhalten im allgemeinen der Typus des
menschlichen Denkens, so muß daraus schon die Anwendbarkeit der
Prinzipien der Oekonomie und der Kontinuität auch auf die Wissenschaft
folgen. Trotzdem wird Mach nicht müde, gerade diesen wichtigsten Punkt
durch immer wiederholte Hinweise zu stützen, von denen wir einige
charakteristische Beispiele wiedergeben wollen.

a) Auch das wissenschaftliche Denken zeigt den Typus der Oekonomie und der
Kontinuität. So denkt sich Newton die Planeten als geworfene Körper und
modifiziert bloß die konstante Schwere zur von der Entfernung abhängigen
Gravitation;[18] Fourier bildet eine Theorie der Wärmeströmung aus, indem
er eine Theorie der Saitenschwingungen für seine Zwecke modifiziert; seiner
Theorie wird dann eine Theorie der Diffusion nachgebildet usw.[19] So hatte
man die Vorstellung einer geradlinigen Fortpflanzung des Lichtes
angenommen, als man die Beugung und Brechung entdeckte; man hielt die
ursprüngliche Vorstellung fest und erweiterte sie durch die Annahme eines
Brechungsexponenten; diese wiederum mußte man durch die Annahme besondern,
daß für jede Farbe ein eigner Brechungsexponent nötig sei. So wußte man,
daß Licht zu Licht gefügt die Helligkeit vergrößere, als man plötzlich
einen Fall der Verdunkelung bemerkte usw. »Schließlich erkennt man aber in
der überwältigenden Mannigfaltigkeit der Lichterscheinungen überall die
Tatsache der räumlichen und zeitlichen Periodizität des Lichtes und dessen
von dem Stoffe und der Periode abhängige Fortpflanzungsgeschwindigkeit.
Dieses Ziel, ein Gebiet mit dem geringsten Aufwand zu überschauen und alle
Tatsachen durch einen Gedankenprozeß nachzubilden, kann mit vollem Recht
ein ökonomisches genannt werden.«[20] Ueberhaupt entspricht das
wissenschaftliche Fortschreiten durch Hypothesenbildung in seiner
Gesamtheit dem Typus der Kontinuität und ist ökonomisch. Denn Hypothesen
werden zunächst immer aus dem augenblicklichen Vorrat an bekannten
Erfahrungen hergenommen, ihre deduktiven Folgen werden dann mit der neuen
Tatsache verglichen und endlich wird die Hypothese dem Ergebnis dieses
Vergleiches entsprechend modifiziert.[21]

b) Alle Hilfsmittel der Naturforschung dienen ihrer Oekonomie. Vor allem
die mathematischen, deren Fruchtbarkeit »auf der größten Sparsamkeit der
Denkoperationen« beruht.[22] Aber auch alle heuristischen Methoden. Ihre
Grundmethode ist die der Veränderung.[23] »Die Methode der Veränderung
führt uns gleichartige Fälle von Tatsachen vor, welche teilweise
gemeinschaftliche, teilweise verschiedene Bestandteile enthalten. Nur bei
der Vergleichung verschiedener Fälle der Lichtbrechung mit wechselnden
Einfallswinkeln kann das Gemeinsame, die Konstanz des Brechungsexponenten
hervortreten, und nur bei Vergleichung der Brechung verschiedener Farben
kann auch der Unterschied, die Ungleichheit der Brechungsexponenten die
Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die durch die Veränderung bedingte
Vergleichung leitet die Aufmerksamkeit zu den höchsten Abstraktionen und
zu den feinsten Distinktionen zugleich.«[24] Dadurch, daß die
Vergleichung[25] den Kern alles induktiven Verfahrens[26], zumal den des
Experimentes bildet, arbeitet diese ganze Methodik auf Kontinuität hin,
denn die Vergleichung bezweckt ja nur, das Neue als aus den, eventuell
modifizierten, Bestandteilen des Alten bestehend zu erkennen, und ist in
demselben Sinne ökonomisch, wie er von der Hypothesenbildung vorhin
konstatiert wurde.

c) Die Resultate der Naturforschung, Begriff, Gesetz, Theorie,
entsprechen der Oekonomie und der Kontinuität. -- Naturgesetze haben
die ökonomische Aufgabe, die Kenntnis bloßer Einzeltatsachen zu
ersparen.[27] Diese müßte man sich in jedem individuellen Falle merken,
das Gesetz verknüpft typische Fälle durch einen Gedanken. Wenn gewisse
Bedingungen gegeben sind, ist die Erwartung durch das Gesetz geregelt
und eingeschränkt[28], das Gesetz fungiert als ein Schema, in das man
nur die speziellen Bedingungen einzusetzen braucht; indem man ein Gesetz
als den Spezialfall eines allgemeineren Gesetzes erkennt, ersetzt man
ein Schema durch ein noch umfassenderes;[29] indem man sich nur ein
solches zu merken braucht, ist das Gedächtnis entlastet und hat eine
Anweisung, die ganze Mannigfaltigkeit speziellerer Gesetze und einzelner
Tatsachen daraus abzuleiten. Und was vom Gesetze gesagt ist, gilt auch
vom Begriff. Der naturwissenschaftlich präzisierte Begriff enthält
fertige Arbeit ökonomisch in sich verdichtet,[30] in seine Definition
werden die in Betracht kommenden Merkmale aufgenommen, und da sie
gesetzlich aneinandergeknüpft sind, genügt die Angabe eines einzigen von
diagnostischer Bedeutung, um den ganzen Komplex zu repräsentieren; man
kann also sagen: »Alle physikalischen Gesetze und Begriffe sind gekürzte
Anweisungen, die oft selbst wieder andere Anweisungen eingeschlossen
enthalten, auf ökonomisch geordnete, zum Gebrauch bereit liegende
Erfahrungen,«[31] und die ganze »rätselhafte Macht der Wissenschaft«
liegt in dieser ökonomischen Ordnung.[32]

Gleichzeitig entsprechen diese Gebilde aber auch dem Bedürfnis der
Permanenz. Denn in ihnen, -- in den beständigen Gesetzen und Gleichungen
wie in den festen Merkmalen des Begriffs, -- sucht das Denken die
Vorstellungen zu erfassen, die bei allem Wandel im einzelnen bleibend
festgehalten werden können und ohne die die Veränderung zusammenhanglos
und unfaßbar wäre.[33]

~Stellungnahme~: Soweit wir ohne Vermengung mit speziellen Gedankengängen,
die später gesondert untersucht werden sollen, zu diesen Ausführungen
Stellung nehmen können, ist folgendes zu sagen:

Eine solche entwicklungsgeschichtliche, erkenntnispsychologische und
denkökonomische Betrachtungsweise kann in erkenntnistheoretischer
Hinsicht indifferent oder skeptisch sein. Ich nenne sie indifferent,
solange sie bloß eine Betrachtungsweise neben der eigentlich
erkenntnistheoretischen Untersuchung der Gründe und Kriterien der
Erkenntnis sein will; ich würde sie skeptisch nennen, sobald
behauptet wird, daß diese zweite Untersuchung aus irgend einem Grunde
undurchführbar sei und was Erkenntnis ist, nur nach ökonomischen
Gesichtspunkten oder aus biologischen und psychologischen Gründen
entschieden werden könne. In dem bisherigen liegen nun Keime zu beiden
Auffassungen:

a) Zur Indifferenz der Prinzipien; was schon daraus hervorgeht, daß man
diesen anregenden Betrachtungen zustimmen kann, wenn man dadurch auch
die Aufgaben der Erkenntnistheorie nicht für erledigt, vielleicht nicht
einmal für berührt ansieht. Der Unterschied läßt sich schon durch die
Fragestellung ausdrücken. Soweit man derartiges nämlich in solcher
Allgemeinheit überhaupt wird sagen wollen, ist zuzugeben, daß alles
Denken, richtiges und falsches, Urteil und Vorurteil, psychologisch
nach dem Prinzip der Kontinuität verläuft, wenn nicht besondere
Umstände dies hindern. Die Fragen aber, wann ein Gedankenverlauf als
kontinuierlich anzusehen sei oder unter welchen äußeren und inneren
Umständen es zu einer kontinuierlichen Gedankenentwicklung komme, und
die Frage, wann das Resultat eines Gedankenablaufes, gleichgültig ob
dieser kontinuierlich oder diskontinuierlich (also auch ökonomisch oder
nicht ökonomisch) sich entwickelt habe, als richtig anzuerkennen sei,
drücken so viele innere Verschiedenheiten aus, daß die Annahme, es seien
dies zwei einander gewissermaßen kreuzende, gegeneinander indifferente
Fragestellungen, gewiß als möglich zugestanden werden muß. Dann hat aber
auch die Einsicht, daß Naturgesetze gut sind, um das Gedächtnis von der
Kenntnis einzelner Tatsachen zu entlasten, und naturwissenschaftliche
Begriffe dem gleichen Zweck dienen, nichts mit der Frage zu tun, wie
solche Gesetze und Begriffe, um diesen Zweck auch wirklich zu erfüllen,
gebildet sein müssen oder welche Dignität bezw. Adäquatheit ihnen in
Anbetracht der sie fundierenden Tatsachen zukommt. Und ebenso ist der
Umstand, daß solche Gesetze überdies untereinander zusammenhängen, zwar
gewiß von praktischem Werte und seine Ausnützung ökonomisch, die Fragen
aber, wie es sich etwa mit dem Verhältnis der Sicherheiten solcher in
einem Klimax stehender Gesetze zueinander verhalte, oder welche realen
Beziehungen zugrunde liegen mögen, wenn zwischen zwei sonst getrennten
Tatsachengruppen eine Aehnlichkeit der Gesetze besteht, die es erlaubt,
sie unter allgemeine, gemeinsame Gleichungen zu fassen (etwa Licht,
Elektrizität und Magnetismus), diese Fragen sind, gleichgültig ob und
wie man sie für beantwortbar hält, natürlich nicht damit erledigt,
daß man sagt, die Tatsache, daß wir Naturgesetze in theoretische
Zusammenhänge einordnen können, sei angenehm. Dasselbe gilt aber auch
für die Begriffe des Dings, der Kausalität, der Kraft u. dgl. Entweder
ist ihre Bildung durch die Tatsachen gefordert oder die Tatsachen
widerstreiten ihr, bezw. man fragt, ob sich das eine oder das andre
erweisen lasse; aber unabhängig davon und vor der Beantwortung dieser
Frage wird man sich über die instinktive Entstehung und den ökonomisch
orientierenden Wert dieser Begriffe einigen können.

b) Doch es findet auch eine radikalere, skeptische Auffassung
Anhaltspunkte. Betrachtet man etwa das Prinzip der Permanenz, so sagt es
nämlich, daß gewisse instinktive Urannahmen ursprünglich gegeben sind[34],
die dann den Tatsachenkenntnissen mit einem Minimum von Modifikation
angepasst werden. So werden wir hören, daß die Bewegungstheorie der Wärme
wie die stoffliche Auffassung der Elektrizität nur einem historischen
Zufall den Schein von Berechtigung verdanken, auf den sich ihre Existenz
gründet. Aber auch die gar nicht bildlich hypothetischen, sondern rein
begrifflichen, quantitativen Darstellungen sind, weil sie sich aus der
Differenzierung bereits vorgebildeter Vorstellungen entwickelt haben,
durch ihre Vorbilder gefärbt.[35] Ja man kann hinzufügen, daß mitunter der
Entwicklungsgang einer ganzen Disziplin, wenn ein verhältnismäßig
geringfügiger historischer Umstand nicht gewesen wäre, einen anderen Weg
genommen hätte, daß man zu ganz anderen Begriffen und Begriffssystemen
gelangt wäre[36] u. dgl., so daß, so betrachtet, selbst die exaktesten
Begriffsbildungen »zufällig und konventionell« erscheinen.

Und man könnte sich nun einem solchen Nachweise gegenüber, -- und ich
habe keinen Grund, an seiner Richtigkeit zu zweifeln, -- versucht
fühlen, von der Wissenschaft recht skeptisch zu denken und auch die
Prinzipien mit dieser Auffassung in Zusammenhang zu bringen. Es ist ja
nahegelegt: wenn die Gebilde der Wissenschaft in ihrem Werden von
psychologischen, individuellen Einflüssen und Zufälligkeiten abhängig
sind und wenn selbst der durch die Tatsachen gegebene Faktor der
Anpassung je nach der zufälligen Konstellation (d. h. je nach den
Tatsachen und Seiten der Tatsachen, die gerade für die Vergleichung zur
Verfügung stehen) die Entwicklung in voneinander ganz verschiedene
Richtungen lenken kann[37], es ist nahegelegt, daß dann das Produkt
solcher Anpassung, die Wissenschaft, nichts sei, das etwa nur so und
nicht anders sein könnte. Vielmehr läßt die Anpassung, ohne daß sie
deswegen schon ihren praktischen Zweck zu verfehlen brauchte,
erfahrungsgemäß ihren Ergebnissen einen gewissen Spielraum; ist nun all
das, was unser Naturwissen ausmacht, bloß ein solches Anpassungsprodukt,
dann ist es nichts eindeutig Bestimmtes, vielmehr nur ein, lediglich
historisch verständliches, Ergebnis neben anderen möglichen; dies aber
könnte man in Widerspruch mit der gewöhnlichen Meinung zu setzen
versuchen, die von den Ergebnissen der Naturwissenschaft Wahrheit
verlangt, d. h. eben jene sachlich (in gewissen genau zu präzisierenden
Hinsichten) mit objektiver Notwendigkeit begründete eindeutige
Bestimmtheit, die hier geleugnet wird. Für eine solche Auffassung gäbe
es dann keine feste, sozusagen absolute Wahrheit, sondern nur eine in
dem Sinne relative, daß irgend eine Meinung gerade als so wahr zu gelten
hat, als sie ihren Zweck, praktisch hinreichend zu orientieren, erfüllt.
Mit anderen Worten: es gibt überhaupt keine Wahrheit im eigentlichen
Sinne, sondern nur eine praktische, erhaltungsförderliche Konvention.

Für diese skeptische Interpretation ist nun in erster Linie der
Umstand anzuführen, daß Mach von einem Buche H. Kleinpeters, »Die
Erkenntnistheorie der Naturforschung der Gegenwart«, sagt, daß dieses eine
Darstellung sei, der er in allem Wesentlichen zustimmen könne[38], wobei
dieses Buch in seinen allgemein erkenntnistheoretischen Darlegungen voll
von Gedankengängen ist, wie wir sie zuletzt skizziert haben[39]. Wollte
man diese Zustimmung Machs aber vielleicht noch als eine Voreiligkeit
deuten, so muß doch gesagt werden, daß auch in seinen eigenen Schriften
viele Aeußerungen nach dieser radikalen Richtung neigen oder mindestens
zweifelhaft sind.[40] Eine solche Auffassung ist also keineswegs eine
freie Phantasie über mögliche Interpretationen der Machschen Prinzipien,
sondern bleibt ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Für beide hier skizzierten Auffassungen finden sich also nicht nur
Anhaltspunkte, sondern auch Belegstellen. Von unserer Aufgabe aus ist
dann aber folgendes zu sagen: Wir wollen wissen, welche Fähigkeit diesen
Erörterungen zukommt, speziellen Einschränkungen, die Mach an der
induktiven Erkenntnis vollzieht, eine allgemeine Grundlage zu bieten.
Die indifferente Interpretation kommt dafür ihrer Natur nach überhaupt
nicht in Betracht. An der skeptischen Interpretation interessiert uns
aber nicht, ihre Existenz oder Möglichkeit der Existenz als Machsche
Meinung, sondern lediglich die Frage, ob sie dem Späteren wirklich als
Grundlage oder nur als Hintergrund dienen kann, mit anderen Worten, ob
die allgemeinen erkenntnistheoretischen Gesichtspunkte selbst so
begründet sind, daß die skeptische Haltung in speziellen Fällen einfach
aus ihnen gefolgert werden kann, oder nicht.

Ueber diese Frage besteht aber gar kein Zweifel.

Denn erstens müßten die Prinzipien, sollten sie für sich schon
entscheidend sein, in scharfer Zuspitzung auf diesen Zweck formuliert
und ihre Tragweite genau abgegrenzt sein; in konsolidierter Weise wäre
zu zeigen, daß sie hinreichen, um eine wenigstens praktisch genügende
Induktion zu sichern, und endlich wären Gründe beizubringen, die jede
andere, auf ein höheres Erkenntnisideal gerichtete Induktionstheorie
ausschließen.[41] Von einer solchen allgemeinen Untersuchung findet sich
aber in Machs Schriften durchaus nichts. Die Belegstellen, die da sind,
zeigen nur, daß Mach in gewissen Fällen geneigt ist, seine Prinzipien
erkenntnistheoretisch aggressiv zu verwenden, -- z. B. wo er sagt, daß
die Frage, ob man die physikalischen Erscheinungen auf Dinge und deren
Beziehungen zurückführe oder nicht, lediglich nach der dadurch
gewährleisteten Oekonomie zu entscheiden sei, wobei es dann für gewisse
Probleme von ihm für zweckmäßiger befunden wird, dies nicht zu
tun, -- sie zeigen nicht, worin die Berechtigung dazu liegt.
(Beziehungsweise, wo sie sich diese nachzuweisen bemühen, stützen sie
sich auf spezielle Gründe, die in jedem einzelnen Fall für sich zu
erwägen sind.) Solange aber nicht die ausschließliche Berechtigung der
ökonomischen, biologischen Beurteilung nachgewiesen ist, bleibt jede
Berufung auf sie gegenüber anderen methodischen Gründen belanglos und es
entstehen Irrtümer, wo so geschlossen wird, als ob sie allein in
Betracht käme, während allgemein nachgewiesen nur ist, daß sie auch in
Betracht kommt.

Zweitens zeigt sich überdies, daß die Prinzipien für sich allein
nicht hinreichen, um auch nur den von Mach selbst geforderten Grad
wissenschaftlicher Festigkeit zu erzielen, und daß andererseits, wenn
man von diesem ausgeht und die Prinzipien auf ihn hin interpretiert,
ihre ganze vermeintlich skeptische Bedeutung zerfließt, so daß die
Stellen, die uns zu ihrer Erwähnung zwangen, als isolierte Widersprüche
zurückbleiben.

Einerseits sagt Mach, daß jede Entwicklung eines wissenschaftlichen
Gedankens, soferne sie kontinuierlich erfolgt, auch ökonomisch sei.
Andererseits sagt er aber selbst, daß man bei gleichem Grade von
Kontinuität doch zu ganz verschiedenen Resultaten gelangen könne, so
daß er selbst verlangt, daß des weiteren erst zwischen Resultaten
verschiedener Anpassungen ein bestmöglichster Ausgleich geschaffen
werden müsse.[42] Dann ist aber die bloße Kontinuität und die bloß durch
sie verbürgte Oekonomie auch für ihn nicht schon entscheidend, und wo
dies dennoch solchen Anschein hätte, geriete er in Widersprüche mit
sich selbst. Denn er will mit seiner Erkenntnistheorie, so zeigt er
wiederholt, durchaus keinem erkenntnistheoretischen Nihilismus das Wort
reden. »Alle wertvollen Gesichtspunkte der Einzelwissenschaften bleiben
erhalten«, heißt es ausdrücklich an einer Stelle,[43] und wo immer man
eine seiner eigenen fachwissenschaftlichen Arbeiten aufschlägt, überall
zeigt er sich selbst um jene feste eindeutige Bestimmtheit bemüht, die
durch alles mögliche hinreichend verbürgt werden kann, nur nicht durch
die bloße Kontinuität, denn kontinuierlich entwickeln sich, wie er
selbst zugibt, Erkenntnis wie Irrtum.[44] Und während zugestandenermaßen
diese Kontinuität keine eindeutig bestimmende Forderung ist, verlangt
Mach von der Wissenschaft ausdrücklich gerade Eindeutigkeit[45], und an
einer Stelle wird diese Eindeutigkeit geradezu als Ziel der
kontinuierlichen Anpassung bezeichnet.[46]

Beachtet man dies, so findet man nun allerdings eine dementsprechende
Einschränkung in das Prinzip der Kontinuität durch die Forderung der
»zureichenden« Differenzierung aufgenommen. Sie ist jetzt das eigentlich
bestimmende Moment, eine Anpassung, die nicht zureichend ist, ist
keine Anpassung, und dadurch erscheint zwischen Machs Ansichten die
Einstimmigkeit wieder hergestellt. Aber was bedeutet die Betonung dieses
»zureichend«? Sie kann sagen wollen, wie wir es ja auch gehört haben,
daß die Anpassung niemals genauer erfolgt als gerade notwendig ist, das
heißt aber nichts anderes als daß in den induktiven Wissenschaften die
Erkenntnis gewissermaßen von unten herauf erarbeitet werden muß, daß,
was heute als wahr gilt, morgen als ein Irrtum eingesehen werden kann,
daß die Induktion der Erkenntnis sozusagen nur asymptotisch zustrebt;
aber dies ist eine allgemein zugestandene Tatsache und hängt durchaus
nicht spezifisch mit der biogenetischen Betrachtung zusammen. Nun bemüht
sich die gewöhnliche Induktionstheorie des weiteren, festzustellen, was
wenigstens augenblicklich als zureichend zu gelten hat. Aber auch hierin
stimmen die Konsequenzen der Machschen Anpassungsprinzipien mit ihr
überein. Denn nach Mach ist eine Anpassung doch nur dann zureichend,
wenn sie gestattet, die Tatsache nachzubilden und vorzubilden, d. h.
wenn zwischen den Intentionen des Denkens und den Tatsachen, auf die sie
sich beziehen, Widerspruchslosigkeit herrscht. Nichts anderes als solche
Uebereinstimmung verlangt aber auch die gewöhnliche Anschauung. Und
ebenso könnte die -- als ideale Grenze zu betrachtende -- schlechthin
zureichende Anpassung nur die sein, welche überhaupt nie auf
Widersprüche führt, welche allen in ihren Bereich fallenden bekannten
und neu entdeckten Tatsachen entspricht, -- das ist aber wiederum
nichts anderes als was man in der gewöhnlichen Terminologie eine
Wahrheit oder eine Erkenntnis nennt. Und nur eine solche Anpassung ist
auch schlechtweg ökonomisch, denn jede andere muß vor gewissen Fällen
versagen, unzureichend sein, das Denken irre leiten, also unökonomisch
werden. Dabei ist dann das Kriterium der Oekonomie überdies erst das
sekundäre, denn erst muß man wissen, ob eine Annahme mit der gesamten
Erfahrung übereinstimmt, d. h. aber nichts anderes, als wissen, ob sie
wahr ist, und dann erst kann man sagen, daß sie auch vorbehaltlos
ökonomisch ist. Damit ist aber alle gegensätzliche Bedeutung gegenüber
der gewöhnlichen Induktionstheorie aufgegeben.

Was dann noch von jener zweiten über die bloße Kontinuität
hinausgehenden Rolle der Oekonomie bleibt, ist vollends nichts
Spezifisches von gewöhnlichen Auffassungen Unterscheidendes. Die
Anpassung der Gedanken an die Tatsachen braucht nicht nur in einer Weise
zu erfolgen, verschiedene Menschen führen sie verschieden aus. Aber »wir
werden diese verschiedenen wissenschaftlichen Versuche miteinander
vergleichen können und den einen ökonomischer finden als den anderen.
Die Oekonomie wird uns dabei einen wertvollen orientierenden
Gesichtspunkt bieten, nach dem wir unser wissenschaftliches Tun
einrichten.«[47] So liefert die Gaußsche Dioptrik ein Beispiel
von Oekonomie gegenüber der bloßen wiederholten Anwendung des
Sinussatzes.[48] Erst die vollständigste einfachste Beschreibung nennt
Mach in diesem Sinne ökonomisch, das ist der Zustand, wenn es gelungen
ist, die geringste Zahl einfacher unabhängiger Urteile zu finden, aus
welchen sich alle übrigen als logische Folge ergeben.[49] Denn es gilt
nicht nur, wie er sagt, »daß jedes Erkennen des noch Unbekannten und
Neuen als Kombination des Altbekannten, jede Enthüllung des scheinbar
Verschiedenartigen als eines Gleichartigen, als eine angenehme
Entlastung empfunden wird«[50], sondern auch jede Verminderung der
zureichenden Zahl der leitenden Gedanken, jede organische Ordnung
der letzteren nach dem Prinzip der Permanenz und zureichenden
Differenzierung[51], so daß das Oekonomisieren, Harmonisieren,
Organisieren der Gedanken, welches wir als ein biologisches Bedürfnis
fühlen, weit über die Forderung der logischen Widerspruchslosigkeit
hinausgeht[52], und andererseits bedeutet jede vermeintliche
Inkongruenz, jede Unvollständigkeit, jede logische Differenz
oder Abundanz der beschreibenden Gedanken einen Verlust, ist
unökonomisch.[53] Dies ist aber, -- soweit es nicht bloß eine
Bestätigung des vor diesem erörterten Gedankenganges ist, -- nichts als
ein Hinweis auf die Tatsache, daß jenseits von wahr und falsch noch ein
Spielraum bleibt, in dem sich die Unterschiede von einfachen und
schwerfälligen, klaren und undurchsichtigen theoretischen Gebilden
bewegen und ähnliche, die man mit Vorteil anwendet.[54]

Dann aber reduzieren sich die Konsequenzen der Machschen Prinzipien,
auf Grund des Gebrauches, den er selbst von ihnen macht, ihrer
sachlichen Tragweite nach auf die gewöhnlichen Anschauungen, und ihr
spezifischer Wert ist kein eigener erkenntnisbegründender, sondern ein
post festum illustrierender. Und in diesem Sinne sagt Mach selbst: »Ich
bin als Naturforscher gewöhnt, die Untersuchung an Spezielles
anzuknüpfen ... und von diesem zum Allgemeineren aufzusteigen. Diese
Gewohnheit befolgte ich auch bei der Untersuchung der Entwicklung der
physikalischen Erkenntnis. Ich mußte mich schon deshalb so verhalten,
weil eine allgemeine Theorie der Theorie für mich eine zu schwierige
Aufgabe war... So richtete ich also meine Aufmerksamkeit auf
Einzelerscheinungen: Anpassung der Gedanken an die Tatsachen,
Anpassung der Gedanken aneinander, Denkökonomie, Vergleichung,
Gedankenexperiment, Beständigkeit und Kontinuität des Denkens usw.
Hierbei war es mir förderlich und ernüchternd zugleich, das vulgäre
Denken und die ganze Wissenschaft als eine biologische und organische
Erscheinung zu betrachten, wobei denn auch das logische Denken als ein
idealer Grenzfall angesehen wurde. Daß man an beiden Enden anfangen
kann, zu untersuchen, will ich keinen Augenblick bezweifeln. Schon
hieraus kann man sehen, daß ich zwischen psychologischen und logischen
Fragen wohl zu unterscheiden weiß, wie ich dies übrigens jedem zutraue,
der das Bedürfnis fühlt, logische Prozesse auch psychologisch zu
beleuchten. Schwerlich wird mir aber auch derjenige vorwerfen dürfen,
daß ich den Unterschied zwischen natürlichem, blindem und logischem
Denken nivellieren will, der sich einmal genau auch nur die logische
Analyse der Newtonschen Aufstellungen in meiner Mechanik angesehen hat.
Wenn auch die logische Analyse aller Wissenschaften schon vollständig
fertig vor uns läge, so bliebe die biologisch-psychologische
Untersuchung ihres Werdens ... noch immer ein Bedürfnis, was nicht
ausschließen würde, daß man diese letztere Untersuchung wieder logisch
analysiert«.[55]

Damit sagt Mach aber alles, was auch wir im Prinzip über diesen
Gegenstand gesagt wissen wünschen, und wir können nochmals feststellen,
daß mit den Prinzipien nichts für das Folgende bewiesen ist. Wo dies
dennoch bei Mach durchblickt, fehlt erstens die sachliche Begründung und
zweitens gerät er dort in Widersprüche, mit eigenen Aussprüchen und mit
den Konsequenzen wichtiger Bestandstücke seiner Aufstellungen.


Fußnoten:

[4] Vgl. A. D. E. 245.

[5] E. d. A. 31.

[6] Vgl. E. u. J. 83, 164/165; A. d. E. 244; M. 7.

[7] E. u. J. 443 Vgl. E. u. J. 229; A. d. E. 246; M. 210.

[8] W. L. 365.

[9] E. u. J. 107, 110. Vgl. dazu P. V. 218/219: »Am besten werden die
bescheidenen Anfänge der Wissenschaft uns deren einfaches sich stets
gleichbleibendes Wesen enthüllen. Halb bewußt und unwillkürlich erwirbt
der Mensch seine ersten Naturerkenntnisse, indem er instinktiv die
Tatsachen in Gedanken nachbildet und vorbildet, indem er die trägere
Erfahrung durch den schnelleren beweglichen Gedanken ergänzt, zunächst
nur zu seinem materiellen Vorteile. Er konstruiert wie das Tier zum
Geräusch im Gestrüpp den Feind, den er fürchtet, zur Schale den Kern der
Frucht, welchen er sucht, nicht anders als wir zur Spektrallinie den
Stoff, zur Reibung des Glases den elektrischen Funken in Gedanken
vorbilden. Diese ersten psychischen Funktionen wurzeln in der Oekonomie
des Organismus nicht minder fest als Bewegung und Verdauung. Diese
ersten Erkenntnisakte bilden auch heute noch die stärkste Grundlage
alles wissenschaftlichen Denkens.« Vgl. auch: E. u. J. 2, 58, 182 f,
229, 257; W. L. 120, 365, 386; A. d. E. 41, 246.

[10] »Die Erkenntnis ist eine Aeußerung der organischen Natur und der
allgemeine Zug der Entwicklung und Umbildung muß auch an den Gedanken
hervortreten.« P. V. 247, auch W. L. 382.

[11] So wachsen dem im Wasser lebenden Säuger keine neuen Extremitäten,
sondern seine alten bilden sich um. P. V. 256; W. L. 388.

[12] E. u. J. 126, 134/135. Dieser ökonomischen Rolle der begrifflichen
Klassifikation läßt sich die mit ihr zusammenhängende Entstehung von
Sprache und Schrift und deren Arbeit sparendes Funktionieren anreihen.
»So wie der deutlich unterscheidbare Lockruf, Warnungsruf, Angriffsruf
der Herdentiere ein unwillkürlich entstandenes Zeichen für eine
übereinstimmende gemeinsame Beobachtung oder Tätigkeit trotz der
Mannigfaltigkeit des Anlasses ist, sind auch die Worte nur Zeichen für
allgemein bekannte, gemeinsam beobachtbare und beobachtete Tatsachen.«
IV 265/266. Vgl. P. V. 220/221, 226; W. L. 119, 396, 412, 414; M. 522.

[13] E. u. J. 110, 134, 162, 298; A. d. E. 41, 248; P. V. 74/75, 245; M.
139, 531; W. L. 380, 381.

[14] W. L. 394.

[15] E. u. J. 162.

[16] E. u. J. 162.

[17] E. u. J. 3.

[18] P. V. 253/254.

[19] P. V. 276 f.

  Vgl. zu [18] und [19] E. u. J. 162--179.

[20] P. V. 223/224, vgl. E. u. J. 190, 162--179, speziell 171--174, 263
f, 99, 230, 282--298, spez. 284, 257; A. d. E. 249, 255; M. 27, 139,
196; W. L. 151, 385 ff, 402; P. V. 226, 253/254.

[21] Vgl. E. u. J. 243 f, 313; P. V. 256. Vgl. auch E. u. J. 109; P. V.
256; W. L. 387.

[22] P. V. 224; M. 526 f.

[23] P. V. 257 f; E. u. J. 180, 185 f., 188; W. L. 388.

[24] P. V. 258.

[25] Durch eine Vergleichung wird natürlich auch die vorhin erwähnte
Hypothesenbildung eingeleitet und getragen. Aber nicht nur dies:
schon dem elementaren Urteile und seiner Mitteilung liegt ein
Vergleichungsvorgang zugrunde (W. L. 396, 397; A. d. E. 248/249; P. V.
266; E. u. J. 240; M. 5, 6) und andererseits terminieren gerade wieder
die höchstentwickelten Stadien der Wissenschaft in Gebilden, deren Nerv
die Vergleichung ist, nämlich in mächtig ausgespannten Analogien (E. u.
J. 217--229). So ist es die Vergleichung, welche .. »das mächtigste
innere Lebenselement der Wissenschaft darstellt«, und man könnte im
Hinblick darauf geradezu von »vergleichender Physik« sprechen. (P. V.
266, vgl. W. L. 396--406).

[26] »In der Tat lassen sich die mannigfaltigen von J. St. Mill
aufgezählten Methoden der Naturforschung .. als Formen ... der Methode
der Veränderung erkennen«, heißt es P. V. 257.

[27] P. V. 222; M. 68, 131, 147; E. u. J. 201/202.

[28] E. u. J. 441.

[29] M. 315, 382, 507, 520, 530.

[30] P. V. 226, 279; E. u. J. 112, 127; W. L. 417/418; M. 192.

[31] P. V. 232/233.

[32] P. V. 226.

[33] M. 549.

[34] »Die wichtigsten Fortschritte haben sich stets ergeben, wenn es
gelang, instinktiv längst Erkanntes in mitteilbare Form zu bringen«. P.
V. 220. Vgl. P. V. 218/219; M. 180, 210.

[35] Vgl. zu diesem Hervorgehen der Theorien aus einander das Bsp. P. V.
276 f.

[36] Vgl. M. 272/273, 28.

[37] Ueber den Einfluß des Zufalls vgl. W. L. 440--444. Speziell über
die Bedeutung des zufälligen Umstandes, daß die Coulombsche Drehwage vor
dem Thermometer von Ries konstruiert wurde. Vgl. P. V. 198 f.; W. L. 322
f; E. d. A.

[38] E. u. J. Vorwort.

[39] Nur einige Beispiele: Was Erkenntnis ist, bedarf einer unserer
Willkür unterliegenden Festsetzung a. a. O. 5. Es gibt keine absolute,
unbedingte Erkenntnis, sondern nur eine relative a. a. O. 6. Es ist
»durch die Logik« klar, daß keine Behauptung unbedingte Gültigkeit haben
kann a. a. O. 7. Subjektive Ueberzeugung nicht objektive Gewißheit ist
das einzig erreichbare Ziel aller Wissenschaft a. a. O. 9 usw., usw.

[40] Man vergleiche etwa A. d. E. 30: »Kein Standpunkt hat eine absolute
bleibende Geltung. Jeder ist nur wichtig für einen bestimmten Zweck«.
Oder E. u. J. 114: »Nur der Erfolg entscheidet zwischen Erkenntnis und
Irrtum«. Man vgl. auch A. d. E. 257/258 und P. V. 235. Im übrigen finden
sich namentlich dort, wo es den Ersatz der Dingvorstellung durch die
Elemententheorie gilt, stark skeptische Stellen. Solche werden wir aber
erst an dem ihnen im systematischen Zusammenhange zukommenden Orte
erörtern, woselbst wir ihren Sinn viel genauer werden präzisieren können
als hier.

[41] Betrachtet man, was eigentlich aus der Seite 21--23 angeführten
Ueberlegung folgt, so ist es in Wirklichkeit nicht mehr als daß
die -- durch ökonomische und biologische Notwendigkeit geleitete --
tatsächliche Entwicklung je nach Umständen zu verschiedenen Zielen
führt. Vergegenwärtigt man sich dies, so folgt schon daraus, daß die
angeknüpfte skeptische Wendung unmotiviert ist. Denn die tatsächliche
Entwicklung kann gewiß verschieden ausfallen; daran besteht gar kein
Zweifel; da nun aber der Begriff einer zu richtigen Resultaten führenden
Entwicklung ein davon gänzlich verschiedener ist, so besagt gegen ihn
die ganze Ueberlegung garnichts. Erst die Behauptung, daß auch solche
Resultate, die sonst als einander widerstreitende gelten, dennoch
gleichberechtigt sind, würde eine Einschränkung bedeuten und, wenn dies
bloß durch die Berufung auf die je nach den Umständen verschiedene
tatsächliche Entwicklung gestützt würde, die Voraussetzung einschließen,
daß man bei Beurteilung der Wissenschaft nicht mehr tun könne als das
tatsächlich Gewordene zu verstehen zu trachten und über andere Kriterien
nicht verfüge. Dieser Nachweis ist es aber, den wir hier vermissen.

[42] E. u. J. 162.

[43] A. d. E. 285.

[44] So bieten gerade die von Mach bekämpften Bilderhypothesen der
mechanischen Physik Beispiele von der Kontinuität entsprechender
Gedankenübertragung, vgl. P. V. 187, 203; M. 562; W. L. 316, f. (an
einer Stelle M. 532 wird dem allerdings auch widersprochen, indem die
Atomistik als ein Verstoß gegen die Forderung der Kontinuität bezeichnet
wird, doch zeigt dies nur die innere Unsicherheit dieses Prinzips). Und
auch sonst erweist sich manchmal die Permanenz gewohnter Vorstellungen
dem wissenschaftlichen Fortschritt hinderlich; vgl. P. V. 167, 257, 269,
271; W. L. 21, 36/37.

[45] Vgl. W. L. 452/453; E. u. J. 446, 449/450.

[46] A. d. E. 48.

[47] W. L. 393/394.

[48] W. L. 394; M. 530.

[49] E. u. J. 176.

[50] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391.

[51] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391.

[52] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391.

[53] E. u. J. 282.

[54] Vgl. E. u. J. 446, wo ausdrücklich vorerst Eindeutigkeit und dann
erst ökonomische Ordnung gefordert wird.

[55] M. 537. Vgl. auch E. u. J. 282: »So allgemein und wenig bestimmt
diese Charakteristik (ergänze durch Oekonomie usw.) der Forschung auch
erscheinen mag, dürfte sie mehr zum Verständnis der Tätigkeit des
Forschers beitragen, als speziellere, dafür aber einseitigere
Beschreibungen dieser Tätigkeit«.



3. Die Stellungnahme gegen die mechanische Physik, Kritik einzelner
physikalischer Begriffe.


»Meine Darlegungen gehen stets von physikalischen Einzelheiten aus und
erheben sich von da zu allgemeineren Erwägungen«, sagt Mach[56], und da
wir im vorigen Abschnitt gesehen haben, daß von den allgemeinen
Erörterungen keine Klärung der Frage zu erhoffen ist, ob und inwiefern
die Naturerkenntnis bedeutenderen Einschränkungen unterliegt, als
gewöhnlich angenommen wird, wollen auch wir den Weg vom Einzelnen aus
einschlagen. Denn wenn sich auch aus der allgemeinen Betrachtung des
Wissens als eines Anpassungsprodukts keine Einschränkungen des
Wissensbereiches, weder seiner Extensität noch seiner Intensität nach,
ableiten ließen, so bleibt doch noch das Umgekehrte möglich, nämlich daß
die im einzelnen an der Naturwissenschaft vollzogenen Einschränkungen
den Gesichtspunkten der allgemeinen Betrachtung einen bis zu gewissem,
eventuell hohem, Grade skeptischen Sinn verleihen.

Es sind zwei Gedankengänge, die wir in dieser Hinsicht zuerst besprechen
wollen, Machs Stellungnahme gegen die sogenannte mechanische Physik
und seine Kritik an einzelnen physikalischen Begriffen: Diese auf
mechanischen Grundlagen fußenden Theorien und diese Begriffe haben nach
Mach keinen selbständigen Wert, keinen Erklärungswert; sie sind nur da
als an sich gewissermaßen gleichgültige, ökonomische Repräsentanten der
Tatsachen, wie dies schon im bisherigen angedeutet wurde. Im Gegensatz
nun sowohl zu der Auffassung, die in den Hypothesen der mechanischen
Physik das hinter den Erscheinungen[57] liegende wahre Geschehen zu
erschließen hofft, wie zu den (davon unabhängigen) Bemühungen, durch
fortschreitende Verschärfung der aus den Erscheinungen entnommenen
Begriffe, die wahre Struktur dieses Geschehens zu erfassen, bedeutet
dies eine Einschränkung des Erkenntnisideals in dem Sinne, daß etwas,
das bisher als Zweck galt, zum bloßen Mittel herabgesetzt wird. Die
Theorie, das Begriffssystem sind nicht mehr Endzwecke der Forschung,
sondern nur Mittel zur Beherrschung der Tatsachen; und indem jede
darüber hinausgehende Funktion als unmöglich und widerspruchsvoll
nachgewiesen wird, erhält die Behauptung, daß es sich in der Wissenschaft
nur um ein ökonomisches Verhältnis zu den Tatsachen handle und mehr
nicht möglich sei, einen spezifischen Sinn.

Newton trennte das Ergebnis der analytischen Untersuchung der
Erscheinungen, das ist das, was aus den als sicher festgestellten
Tatsachen mit Gewißheit gefolgert werden kann, von den Hypothesen, die
zur Erklärung der Erscheinungen dienen, ohne aber selbst bewiesen zu
sein. In diesem Sinne galt ihm die verkehrt quadratische terrestrischen
Falls mit den kosmischen Bewegungen als Schwerebeschleunigung und die
Uebereinstimmung des Ergebnis der analytischen Untersuchung, die Frage,
wie die dabei unterlegte Fernwirkung näher erklärt werden könnte, als
Hypothese und Gegenstand bloßer Spekulation.[58] »Es genügt, daß die
Schwere existiere,« sagt er, »daß sie nach den von uns dargelegten
Gesetzen wirke und daß sie alle Bewegungen der Himmelskörper und des
Meeres zu erklären imstande sei ... ich habe noch nicht dahin gelangen
können, aus den Erscheinungen den Grund dieser Eigenschaft der Schwere
abzuleiten und Hypothesen erdenke ich nicht.«[59] Wo er aber dennoch
Hypothesen erdenkt, wie seine Emissionstheorie, da entschuldigt er seine
willkürlichen Annahmen damit, daß seine Entdeckungen von der Theorie
unbeeinflußt bleiben und daß er selbst kein Interesse habe, über das
Wesen der Erscheinung zu entscheiden, daß er selbst seine Theorie nur
als bequemes Hilfsmittel zu Erklärung annehme, aber nicht als
Wirklichkeitlehre.[60]

Es ist schwer zu sagen, ob dieses Newton'sche hypotheses non fingo
bloß ein methodisches Streben nach Abgrenzung der sicheren Ziele
physikalisch-analytischer Forschung von den ungewissen Ergebnissen der
darauf weiter bauenden physikalisch-philosophischen Ueberlegungen
bedeuten soll, -- das wäre eine dem damaligen Stande des Wissens
entsprechende Grenzlinie, die sich aber im Laufe der Entwicklung
immerhin bis zur Einbeziehung der >Hypothesen< in das Bewiesene
erweitern könnte, -- oder ob es die Hypothesen ein für allemal auf einen
untergeordneten Platz verweisen will.[61] Sei dem jedoch wie immer,
schon sein berühmter Zeitgenosse Huygens dachte ganz anders über den
Wert der Hypothesen und die von diesem ausgedrückte Auffassung ist es,
die fast in der ganzen Folgezeit herrscht. »Man darf nicht zweifeln, daß
das Licht aus der Bewegung irgend eines Stoffes besteht, denn sei es,
daß man seine Entstehung betrachtet, so findet man, daß es hier auf
Erden vorzüglich durch Feuer und Flamme erzeugt wird, welche ohne
Zweifel Körper in heftiger Bewegung enthalten, weil sie mehrere der
härtesten Körper auflösen und schmelzen; sei es, daß man dessen
Wirkungen betrachtet, so sieht man, daß das durch Hohlspiegel gesammelte
Licht die Fähigkeit hat, wie Feuer zu brennen, d. h. daß es die Teile
der Körper trennt, was sicherlich Bewegung andeutet, wenigstens in der
wahren Philosophie, welche alle natürlichen Wirkungen auf mechanische
Ursachen zurückführt. Denn das muß nach meiner Meinung geschehen, wenn
man nicht jede Hoffnung, etwas in der Physik zu begreifen, aufgeben
will,« schrieb er in seinem Traité de la lumière[62] und tatsächlich
blieb das damit gesetzte Ziel einer »wahren Philosophie« auf lange
Zeit hinaus für alle bestimmend, die nach einem »Begreifen« der
Naturerscheinungen strebten.[63] Das ganze 18. und der größere Teil des
19. Jahrhunderts zeigt die meisten der hervorragenden Physiker mit der
gedanklichen Durchbildung solcher hinter den Erscheinungen liegender
Vorgänge beschäftigt, die diese erklären sollen. Als Grundvorstellungen
dienten dazu Kraft, Bewegung und Materie, letztere in den verschiedenen
Gestalten der erst für wägbar gehaltenen, später als inponderabel
erkannten Fluida, in den mannigfachen Formen, die der Atomistik und der
Kontinuitätshypothese entsprachen, als Weltäther u. dgl.

Aber eben die große Zahl dieser von einander verschiedenen Theorien
erschütterte die Glaubwürdigkeit der einzelnen. Zudem zeigt sich, wenn
man den Kampf dieser Gedanken miteinander betrachtet, die bemerkenswerte
Tatsache, daß die unterliegenden viel seltener durch den Nachweis ihrer
Unmöglichkeit zugrunde gingen, als daß sie bloß deswegen fallen gelassen
wurden, weil sich andere Vorstellungen besser als sie zu der vor allen
Dingen angestrebten mathematischen Durchbildung eigneten. Außerdem
litten aber auch die übrig gebliebenen Theorien daran, daß sie vor den
stets neu hinzukommenden Tatsachen immer komplizierter gerieten und
dennoch nicht imstande waren, alle diese Tatsachen hinreichend zu
erklären. Dadurch wurden einerseits die auf solche Theorien gesetzten
Hoffnungen herabgestimmt und damit der Blick für ihrer aller
fundamentale Schwäche, die eigene Ungeklärtheit der in ihnen zur
Erklärung des Uebrigen dienenden Begriffe von Kraft, Materie und
Bewegung, geschärft, andererseits lag es nahe, indem man rückblickend
die mathematische Durchbildbarkeit als das historisch ausschlaggebende
Motiv erkannte, statt des Erklärungswertes einzig das durch sie ja
tatsächlich repräsentierte ökonomische Moment als maßgebend gelten zu
lassen. Auf diese Weise endeten dann die so zuversichtlich aufgetretenen
Bestrebungen früherer Zeiten in der sehr kühlen Haltung der jetzigen.
Für sie ist Maxwells Beispiel charakteristisch, der, obwohl er selbst
noch einer der größten Förderer der wissenschaftlichen Durchbildung
mechanischer Hypothesen war, dennoch bereits die dabei benutzten
anschaulichen Vorstellungen nur mehr als bloße Bilder betrachtet wissen
wollte, und noch prägnanter drückt dies Hertz aus, indem er die allein
noch bleibende Funktion der Hypothesen ausdrücklich in der Forderung
begrenzte, daß sie nicht mehr als anschauliche Bilder der Tatsachen zu
sein brauchen, die dadurch, daß auch die Folgen dieser Bilder Bilder der
Folgen der Tatsachen sind, eine einheitliche Darstellung der letzteren
gestatten.

Ganz im Sinne dieser allgemeinen Entwicklung und historisch mitunter
ihre Gründe zu rechnen ist das, was Mach zu diesem Gegenstande sagt.
Allerdings finden sich bei ihm nicht viele ausschließlich gegen die
Bilderhypothesen gerichtete Ausführungen, weil dies für ihn, der, wie
wir sehen werden, direkt die diesen Theorien zugrunde gelegten
physikalischen Begriffe angreift, eigentlich garnicht notwendig ist, mit
der Erschütterung der Grundlagen fällt auch das darauf Gebaute dahin.
Unter diesem Gesichtspunkte erhalten eine Reihe mehr gelegentlicher
Ausfälle[64] erst den richtigen Hintergrund, seine übrigen Ausführungen
lassen sich sachlich aber folgendermaßen gruppieren: Das Wichtigste ist
wohl der an mehreren Stellen gegebene Nachweis, daß ein und dieselbe
Gruppe von Tatsachen sich gleich gut durch verschiedene, eventuell
einander widersprechende bildlich-hypothetische Voraussetzungen erklären
lasse, so daß zwischen solchen Hypothesen eigentlich garnicht auf wahr
und falsch entschieden werden kann.[65] Dadurch hat man aber ihnen
gegenüber völlige Freiheit, und so schließt Mach an den gegebenen
Nachweis die Forderung, daß man sich bei der Wahl der Hypothesen
tatsächlich nur von ihrer Zweckdienlichkeit (für eine Beschreibung der
Erscheinungen) leiten lasse, zumal ja die beliebten Modelle der
mechanischen Physik, auch wo andere garnicht mit ihnen in Konkurrenz
stehen, dennoch nicht das Geringste für das Verständnis der Erscheinungen
leisten.[66]

Dies vorausgeschickt, lassen sich die allgemeinen Ausführungen Machs
über Wesen und Art der Bilderhypothesen ohne weiteres verstehen. Mach
gebraucht für sie auch den Ausdruck »indirekte Beschreibung« und eine
solche ist nach ihm dann gegeben, wenn man sagt, »die Tatsache A
verhalte sich nicht in einem einzelnen Merkmal, sondern in vielen oder
allen Stücken wie eine bereits bekannte Tatsache B«, man beruft sich
dabei »gewissermaßen auf eine bereits anderwärts gegebene oder auch erst
genauer auszuführende« Beschreibung.[67] So sagt man, das Licht verhalte
sich wie eine Wellenbewegung oder elektrische Schwingung, der Magnet wie
mit gravitierenden Flüssigkeiten beladen u. dgl.[68] Ihrem Wesen nach
sind dies also Analogien, da ja dabei »in Gedanken an die Stelle einer
Tatsache A doch immer eine andere einfachere oder geläufigere B gesetzt
wird, welche die erstere gedanklich in gewisser Beziehung vertreten
kann, aber eben weil sie eine andere ist, in anderer Beziehung doch
wieder gewiß nicht vertreten kann«.[69] Darin liegt nun einerseits der
Vorzug, andererseits die Gefahr dieser Hypothesen. Entschiedene Vorzüge
liegen bezüglich der Darstellung in der ermöglichten Einheitlichkeit der
Auffassung, bezüglich des induktiven Vorschreitens in dem heuristischen
Werte. »Welche Erleichterung muß es gewähren, wenn man einfach sagen
kann, eine in Betracht gezogene Tatsache A verhalte sich in vielen oder
allen Stücken wie eine bereits bekannte Tatsache B. Statt eines
einzelnen Zuges von Aehnlichkeit tritt uns ein ganzes System von Zügen,
eine wohlbekannte Physiognomie entgegen, durch welche die neue Tatsache
uns plötzlich zu einer wohl vertrauten wird. Ja die Idee kann mehr
bieten, als wir in der neuen Tatsache augenblicklich noch sehen, sie
kann dieselbe erweitern und bereichern mit Zügen, welche erst zu suchen
wir veranlaßt werden und die sich oft wirklich finden. Diese Rapidität
der Wissenserweiterung ist es, welche der Theorie einen quantitativen
Vorzug vor der einfachen Beobachtung gibt«.[70] Andererseits liegt aber
gerade darin, daß zwei Gruppen von Tatsachen als im Wesen identisch
ausgesprochen werden, während sie nachweislich nur in Analogie stehen,
auch eine Gefahr. So heißt es bei Mach: »Außer den Elementen, welche zur
Darstellung der Tatsache, aus der eine Hypothese geschöpft ist,
unerläßlich sind, enthält dieselbe immer oder doch gewöhnlich noch
andere, die zu dieser Darstellung nicht notwendig sind. Denn die
Hypothese wird nach einer Analogie gebildet, deren Aehnlichkeits- und
Differenzpunkte unvollständig bekannt sind, da ja sonst nichts mehr
daran zu erforschen wäre. Die Lichtlehre spricht z. B. von Wellen,
während nur die Periodizität zum Verständnis der Tatsachen notwendig
ist. Diese über die Notwendigkeit hinausgehenden accessorischen Elemente
sind es, welche in der Wechselwirkung von Denken und Erfahrung von der
Umwandlung ergriffen werden. Dieselben werden allmählig ausgeschieden
und durch notwendige Elemente ersetzt.«[71] »Wird nun darauf, wie es
leicht geschieht, nicht genug geachtet«,[72] das heißt vertraut man zu
sehr der Hypothese und läßt sie widersprechenden Tatsachen gegenüber
nicht bereitwillig genug fallen, »so kann die fruchtbarste Theorie
gelegentlich auch ein Hemmnis der Forschung werden«[73] und wird dies
auch tatsächlich in einer Reihe historischer Fälle.[74]

Hält man sich aber von solchen Fehlern frei, so kommt im Laufe der
historischen Entwicklung von selbst das zustande, was Mach die »teils
... sich selbst befestigende, verschärfende, teils sich selbst
zerstörende«[75] Funktion der Hypothesen nennt, das heißt von den
verschiedenen einander ablösenden Hypothesen bleibt nur das übrig, worin
sie übereinstimmen, das Wesentliche, das ist aber der von jeder
Bildlichkeit befreite begriffliche Ausdruck der Tatsachen,[76] denn
alles was darüber hinausgeht, läuft, wie wir gehört haben, Gefahr, mit
neuen Tatsachen in Widerspruch zu geraten. Einige Beispiele mögen diesen
Umwandlungsprozeß erläutern: Stehen zwei gleichartige Körper in
Wärmeaustausch, so gilt die Beziehung, daß das Produkt der Masse und des
Temperaturverlustes bezw. Gewinnes bei jedem das gleiche ist. Dies gab
Black den Anstoß, die Wärme als ein Fluidum zu betrachten; im Laufe der
Entwicklung mußte diese stoffliche Vorstellung aber wieder bis auf einen
bleibenden Rest fallen gelassen werden, und dieser Rest ist nichts
anderes als die vorerwähnte Beziehung.[77] Ebenso ging Carnot bei
Betrachtung seines Kreisprozesses von der Black'schen Stoffvorstellung
aus, sein Resultat hat sich aber unabhängig davon erhalten.[78] Ebenso
erhielt sich der Gedanke, daß die farbigen Lichter unabhängige,
unveränderliche, beständige Komponenten des weißen Lichtes sind, wie
dies Newton gefunden hatte, was er aber in Gedanken hinzutat, die
stoffliche Auffassung, fiel wieder davon ab.[79] Aber auch von der
Huygens'schen Undulationstheorie des Lichtes bleibt, wie wir schon
gehört haben, eigentlich nichts über als daß »die periodischen
Eigenschaften des Lichtstrahls sich wie geometrisch summierbare Strecken
in einem zweidimensionalen Raume verhalten«.[80] Und ebenso »haben sich
die Eigenschaften des Aethers, des lichtfortpflanzenden Raumes, der sich
teilweise wie eine Flüssigkeit, teilweise aber wieder wie ein starrer
Körper verhält, nach und nach begrifflich bestimmt«.[81]

Eine solche lediglich begriffliche Fassung der Tatsachen, die nichts
Unwesentliches mehr enthält, nennt Mach eine direkte Beschreibung.[82]
Hat man einmal den zu ihr strebenden Zug der Entwicklung erfaßt, so
empfiehlt es sich überhaupt, sobald man der heuristischen Dienste der
Hypothese entbehren kann, stets die indirekte Beschreibung durch eine
direkte zu ersetzen.[83] »Wenn der Geometer die Form einer Kurve
erfassen will, so zerlegt er sie zuvor in kleine, geradlinige Elemente.
Er weiß aber wohl, daß dieselben nur ein vorübergehendes willkürliches
Mittel sind, stückweise zu erfassen, was auf einmal nicht gelingen
will. Ist das Gesetz der Kurve gefunden, denkt er nicht mehr an ihre
Elemente. So würde es auch der Naturwissenschaft nicht ziemen, in ihren
selbstgeschaffenen veränderlichen ökonomischen Mitteln ... Realitäten
hinter den Erscheinungen zu sehen ... mit dem Wachsen der intelektuellen
Erziehung an ihrem Stoff, verläßt die Naturwissenschaft das Mosaikspiel
mit Steinchen und sucht die Grenzen und Formen des Bettes zu erfassen,
in welchem der lebendige Strom der Erscheinungen fließt. Den
sparsamsten, einfachsten begrifflichen Ausdruck der Tatsachen
erkennt sie als ihr Ziel«.[84] Freilich bleibt, zumal an den großen
theoretischen Zusammenhängen, eine gewisse Färbung durch die
ursprünglichen Bilder zurück. Betont man aber mit hinreichender Schärfe,
daß das Wesen solcher Theorie doch nur auf Analogien beruht, so birgt
dies keine Gefahr. Man stellt genau fest, worin das Bild begrifflich[85]
mit der Tatsache übereinstimmt[86] und worin nicht, wodurch man bewahrt
bleibt, es für etwas Wirkliches zu halten.[87] So gebraucht, wird
dann die Analogie sogar zu einem vorzüglichen Mittel, heterogene
Tatsachengebiete durch eine einheitliche Auffassung zu bewältigen, und
weist den Weg, auf dem sich eine allgemeine Phänomenologie entwickeln
kann. In der geforderten begrifflichen Präzisierung vereinigt sie das
Wesen der direkten Beschreibung mit den Erleichterungen der
Bildlichkeit.[88]

Für uns ist das Wichtigste an diesen Ausführungen, daß sie uns scharf
betont eine Bedeutung des Oekonomieprinzips (bezw. des der Kontinuität)
erkennen lassen. Was eingangs erwähnt wurde, ist nun deutlich geworden,
Mach hält das ursprüngliche Ziel der mechanischen Physik sowohl für
unerreichbar wie für zwecklos, so daß von ihren theoretischen Gebilden
tatsächlich nur deren ökonomische Eignung für eine Darstellung der
Erscheinungen von Wert bleibt und in Betracht kommt. Als selbstverständlich
ist dabei vorausgesetzt, daß die Hypothesen in ihren Konsequenzen mit den
Tatsachen übereinstimmen müssen, und dies wird natürlich nicht
nach dem Gesichtspunkt der Oekonomie sondern nach den normalen
erkenntnistheoretischen Kriterien entschieden, darüber hinaus bleibt aber
die Oekonomie das einzig Maßgebliche und darin liegt älteren Auffassungen
gegenüber eine erhebliche Einengung des Erkenntnisideals. Dabei ist Machs
Standpunkt wohl der heute allgemein vorherrschende und wenn auch vielleicht
bezüglich der mechanischen Physik damit noch nicht das letzte Wort
gesprochen ist, so ist die ganze Angelegenheit doch so beziehungsreich, daß
wir im Rahmen unserer Aufgabe nicht weiter zu ihr Stellung nehmen können,
und steht derzeit so sehr zu Machs Gunsten, daß wir dies einfach anerkennen
wollen.

Wir gehen daher zum zweiten Teil unserer Aufgabe über, zur Besprechung
der von Mach an einzelnen physikalischen Begriffen geübten Kritik. Ueber
ihre Bedeutung sind einige Worte vorherzuschicken: Mach spricht, wie wir
gesehen haben, von indirekter Beschreibung und von direkter. Manchmal
wird dabei die direkte Beschreibung der indirekten als eine begriffliche
entgegengesetzt;[89] das ist mißverständlich, denn begrifflich sind
selbstverständlich beide; der Ton liegt bei der direkten Beschreibung
vielmehr darauf, daß sie die einfachste begriffliche Beschreibung ist,
d. h. eine, die keine unwesentlichen Zutaten mehr enthält. Unter
unwesentlichen, accessorischen Zutaten sind dabei aber solche gemeint,
welche durch die Erfahrung nicht gewährleistet sind, daher der
Erfahrung möglicherweise auch widersprechen können. Und deswegen trifft
man den Sinn dieser Unterscheidung am genauesten, wenn man sie auf die
Entgegensetzung des tatsächlich Konstatierbaren als Inhalt der direkten
Beschreibung zu dem bloß hypothetisch Zugrundegelegten oder nach
Analogie als unbewiesenes Plus Hinzugedachten bezieht, das den Inhalt
der indirekten Beschreibung ergänzt. Dabei liegt die Bedeutung der
Unterscheidung noch gänzlich in der Beweisbarkeit auf Seiten der
direkten Beschreibung; es deutet hier noch gar nichts darauf hin, daß
Tatsachen etwa nur in der Bedeutung sinnlich wahrnehmbarer Realitäten
den Inhalt einer direkten Beschreibung ausmachen sollen, ja im Gegenteil
ausdrücklich wird auch die exakte Konstatierung einer Analogie (man
erinnere sich deren wiedergebener Definition!) als Gegenstand direkter
Beschreibung bezeichnet,[90] z. B. der, daß sich die Planeten wie Körper
verhalten, die an einem Faden von bestimmter Spannung geschwungen
werden.[91] Unter Tatsache ist hier also einfach jede gesicherte
Erkenntnis zu verstehen und unter direkter Beschreibung eine Aussage,
deren Bedeutung in nichts über das tatsächlich Gewährleistete hinausgeht.

Hier aber setzt jetzt ein zweiter Gedankengang ein und verlegt den
Schwerpunkt um einiges mehr in das direkt Sinnlich-Anschauliche. Was
nämlich so gemeinhin als tatsächlich konstatiert erachtet wird, hat nach
Mach in vielen Fällen keinen Anspruch darauf. Auch die direkte, von
hypothetischen Grundlagen frei begriffliche Beschreibung der Tatsachen
ist an sich noch nicht das, was er die einfache oder einfachste
begriffliche Beschreibung nennt; für letztere müssen vielmehr auch noch
die verwendeten naturwissenschaftlichen Begriffe bestimmten Forderungen
genügen. Man denke etwa an das seit Hume aktuelle Problem der
Kausalität; als tatsächlich erwiesen gilt für diesen nur die
zeitlich-räumliche Verknüpfung gewisser Ereignisse, die Notwendigkeit
dieser Verknüpfung und was sonst noch zur Bedeutung der Kausalität
gehört, ist nach ihm bloß hinzugedacht. Diesen Humeschen Standpunkt
nimmt nun Mach auch gegenüber anderen physikalischen Begriffen ein; so
sind Masse, Energie, Trägheit zu nennen, Raum, Zeit, Bewegung,
Temperatur, Wärmemenge u. a. Sie alle enthalten ihrer üblichen Bedeutung
nach mehr als empirisch zu belegen ist; der Grund dazu liegt in
historischen, psychologischen und ökonomischen Motiven. Will man aber
mit solchen Begriffen ein Bild der Welt aufbauen, das richtig sein soll,
so muß man dieses unbewiesene Plus davon fernhalten. Diese Scheidung
führt Mach an einer Reihe von Beispielen durch und die Ergebnisse, zu
denen er gelangt, wollen wir nun in Kürze wiedergeben.

Es sind in den folgenden Beispielen stets zwei Punkte, auf die sich
Machs Augenmerk richtet, erstens die Konstatierung der tatsächlichen
Grundlagen der untersuchten Begriffe, zweitens der Nachweis, daß jedes
Ueberschreiten dieser Grundlagen und jedes Argumentieren aus den
Produkten solcher Ueberschreitung zu Unklarheiten führt.[92]

So besteht bei dem Gesetze von der Erhaltung der Energie die tatsächliche
Grundlage in der Beobachtung, daß es unmöglich ist, Arbeit aus nichts zu
schaffen, m. a. W. daß die mannigfachsten physikalischen Zustandsänderungen
durch mechanische Arbeit hervorgebracht werden und dort, wo sie wieder
vollständig rückgängig gemacht werden können, den zu ihrer Erzeugung
notwendig gewesenen Arbeitsbetrag wieder zurückliefern.[93] Die
Verwandelbarkeit der Energie in verschiedene Formen besagt aber nicht mehr
als solche Aequivalenz; daß man die Beobachtung überdies dahin deutet, ein
unzerstörbares Etwas -- die Energie -- bleibe dabei im Grunde erhalten und
ändere nur die Form seiner Aeußerung, diese substantielle Interpretation,
entspricht lediglich einem Bedürfnis unseres Denkens nach Stabilität der
Auffassung, sie wird an die Tatsachen von uns herangebracht, die sich ihr
zwar fügen, sie aber nicht als notwendig verlangen.[94] Und nicht einmal
die Möglichkeit der Interpretation darf man hoch bewerten; die sie
gewährleistende Tatsache der Aequivalenz hängt ganz von zweckentsprechender
Wahl der Maßbegriffe für die neben der Arbeit in Betracht kommenden
physikalischen Zustandsgrößen ab; würde man gewisse Größen anders messen
(was nur historisch bedingt erscheint), so wäre nicht einmal diese
Aequivalenz vorhanden und jeder Anhalt fehlte.[95]

Ganz ähnliches gilt aber von dem Begriffe der Wärmemenge; für gewisse
verschwindende thermische Reaktionen treten Aequivalente auf,[96] d. h.
wiederum nur solche, die sich als äquivalent auffassen lassen --, dies ist
das Tatsächliche, für eine substantielle Interpretation desselben fehlt
aber die notwendige Grundlage so sehr[97] wie für die entgegenstehende
kinetische; beide sind also von der einfachen Wiedergabe des Tatsächlichen
fernzuhalten. Um hierin klar zu sein, muß vor allem der Temperaturbegriff
sicher gestellt werden, dessen mißverständliche Auffassung vielfach die
Quelle nutzloser Ueberlegungen wurde. Dies wendet sich[98] gegen alles
Suchen nach einem »natürlichen« Temperaturmaß, nach einer »wirklichen«
Temperatur, für die die abgelesene nur ein unvollkommener Ausdruck sei, und
betont, daß das Maß des Wärmezustandes eines Körpers -- d. i. dessen an die
Wärmeempfindung geknüpftes physikalisches Verhalten -- durch irgend eine
thermoskopische Methode nur ein konventionelles ist, so daß Schlüsse
daraus nur unter diesem Vorbehalt zu ziehen sind, wenn sie nicht auf
Sinnlosigkeiten führen sollen.[99]

Von größter Wichtigkeit ist ferner die Klarstellung der Begriffe von
Raum, Zeit und Bewegung. Sie alle sind nach Mach durch die Erfahrung nur
in der Bedeutung von Relationen gesichert. Ob eine Bewegung gleichförmig
sei, kann nur in Bezug auf eine andere beurteilt werden, die Frage, ob
sie an sich gleichförmig sei, hat daher keinen Sinn.[100] Newtons
Versuch, zwischen absoluter und relativer Bewegung durch das Auftreten,
bezw. Fehlen von Fliehkräften zu entscheiden,[101] ist hinfällig, da er
doch nur zwischen zwei Gruppen relativer Bewegungen trennt.[102] Da
somit auch jedes dynamische Kriterium hinwegfällt und rein phoronomisch
ohnedies keine absolute Orientierung möglich ist, bleibt für die
Erfahrung nur relative Bewegung gegeben.[103]

Damit ist aber auch dem Begriff eines absoluten Raumes der Boden
entzogen. Denn für ihn wird zugegeben (Newton), daß in der Erfahrung nur
relative Lagen gegeben seien, und bloß aus den dynamischen Unterschieden
der Bewegung wird die Notwendigkeit gefolgert, einen absoluten Raum
als Korrelat der wirklichen Bewegung anzunehmen. Da Mach aber diese
Unterschiede für hinfällig ansieht, finden sich in der Erfahrung keine
Anhaltspunkte für den Begriff eines absoluten Raums; stellt man ihn
dennoch auf, so überschreitet man damit die Grenzen der Erfahrung.[104]

Dasselbe gilt aber auch von der Zeit. Auch sie schied Newton in eine
relative und eine absolute, wobei ihm die relative als das nicht ganz
genaue Maß (Stunde, Tag, Jahr) der absoluten, wahren oder mathematischen
Zeit galt, die in den physikalischen Gleichungen auftritt. Mach wendet
dagegen ein, daß die tatsächliche, physikalische Grundlage des
Zeitbegriffs einzig dies sei, daß sich die Umstände eines Dinges A mit
denen eines anderen Dinges B ändern und von diesen abhängig sind; so
bedeutet beispielsweise, daß die Schwingungen eines Pendels in der Zeit
vor sich gehen, nichts anderes als daß die Exkursion des Pendels von der
Lage der Erde abhängig sei.[105] Die Veränderungen der Dinge an der Zeit
schlechthin zu messen, ist man aber völlig außer Stande.[106] Ebenso
kann aber auch eine absolute Zeit -- unabhängig von jeder Veränderung --
an nichts gemessen werden, ihre Vorstellung hat daher keinen
wissenschaftlichen Wert.[107] Eine absolute Bewegung, ein absoluter
Raum, eine absolute Zeit sind bloße Gedankendinge, die in der Erfahrung
nicht nachgewiesen werden können. Operiert man mit solchen Begriffen, so
überschreitet man die Grenzen der Erfahrung, was unstatthaft ist und
zudem sinnlos, weil man nichts über diese transempirischen Dinge
auszusagen vermag.[108]

Wichtig für das Spätere ist noch Machs Haltung gegenüber den Begriffen
der Masse und Trägheit. Entgegen der Newtonschen, eng mit dem Begriff
Substanz zusammenhängenden Definition der Masse als Menge der Materie,
weist Mach nach, daß die Bedeutung dieses Begriffes durchaus nicht aus
einer solchen Vorstellung zu gewinnen ist, sondern nur aus gewissen
experimentellen Erfahrungen.[109] Es läßt sich nur sagen, daß man dann
einem Körper die Masse m zuschreibt, wenn er einem als Einheit
angenommenen Vergleichskörper unter bestimmten Umständen die m-fache
Beschleunigung erteilt als er von ihm erfährt,[110] und daß dann
erfahrungsgemäß zwei Körper, die sich im Verhältnis zu einem dritten als
von gleicher Masse erweisen, dies auch in ihrem gegenseitigen und in
ihrem Verhalten zu anderen Körpern tun.[111] »In einem solchen
Massenbegriff liegt keine Theorie, die Quantität der Materie ist
unnötig, er enthält bloß die scharfe Fixierung einer Tatsache«;[112]
ȟber die Anerkennung dieser Tatsache ist aber nicht hinauszukommen ohne
in Unklarheiten zu verfallen«,[113] heißt es bei Mach. Auf diesen selben
Kreis von Erfahrungen reduziert sich aber auch die ganze Bedeutung des
Trägheitsgesetzes.[114] Es sagt nicht mehr, als daß es Beschleunigungen
sind, die Körper unter gewissen von der Experimentalphysik anzugebenden
Umständen aneinander bestimmen,[115] daß, wenn diese Umstände fehlen,
auch die Beschleunigungen ausbleiben[116] und daß beides gilt, nicht nur
wenn man die Beschleunigungen irdischer Körper relativ gegen die Erde
beurteilt, sondern auch wenn man das Verhalten der Erde gegen die fernen
Himmelskörper beachtet.[117] Dabei ist nach dem Früheren selbstverständlich
überall nur von Relativbeschleunigungen die Rede.[118]

Diese Darlegungen bilden, obwohl in dem hier vorgezeichneten Rahmen
ihrer Wiedergabe nur wenig Raum gegeben werden konnte, vielleicht den
bedeutendsten Teil von Machs Leistungen. So interessant sie aber auch
sind und so sehr sie mitten in heute noch lebhaft in den beteiligten
Fachkreisen umstrittene Fragen führen, wir haben es nur mit ihrer
erkenntnistheoretischen Bedeutung zu tun und dieser gegenüber ist die
Stellungnahme kurz und klar vorgezeichnet.

Was ist nachgewiesen? Nachgewiesen ist, daß gewisse physikalische
Begriffe den maßgeblichen Teil ihres Inhalts nur durch die Erfahrung
erhalten, und dies ist eine Selbstverständlichkeit. Selbstverständlich
ist dann auch, daß die Definition eines solchen Begriffs »eine Summe
von Erfahrungen konzentriert in sich enthält«[119], und daß »alle
physikalischen Begriffe gekürzte Anweisungen, die oft selbst wieder
andere Anweisungen eingeschlossen enthalten, auf ökonomisch geordnete,
zum Gebrauch bereitliegende Erfahrungen«[120] sind. Nachgewiesen ist
ferner, daß faktisch vorliegende Versuche, bestimmten physikalischen
Begriffen eine Bedeutung zu sichern, die zwar auch aus den Erfahrungen
gefolgert sein soll (und in diesem Sinne als deren Repräsentant gelten
kann), die aber nicht bloß die Erfahrungen ausdrückt, sondern eben auch
das aus diesen Erschlossene (welches wie der absolute Raum selbst
durchaus nicht in die unmittelbare sinnliche Erfahrung zu fallen
braucht) fehlschlugen.[121]

Was strebt dieser Nachweis aber an? Und da ist zu sagen: Zunächst kann
er bloß mit der Forderung zusammenwirken, daß man nach voreiligen
Versuchen sich mit den Begriffsbildungen einstweilen wieder möglichst
eng an die Erfahrung anschließe, sich möglichst wenig über die durch sie
gegebene sichere Basis erhebe. Eine solche Besonnenheit kann niemals
schaden und unter Umständen kann sie auch zur methodischen Forderung
werden. Wir werden im späteren sehen, daß dies tatsächlich sich mit
bemerkenswerten Tendenzen der modernen Physik berührt. Diese strebt
unter der Nachwirkung von Erfahrungen, deren einige in diesem Abschnitt
schon erwähnt wurden, danach, ihren Betrieb tunlichst vor den
Unsicherheiten der an ihre Resultate angrenzenden Metaphysik zu
sichern, indem sie möglichst scharf das, was von ihren Begriffen rein
physikalisch in Betracht kommt, von allem übrigen abscheidet und sich
nur auf ersteres konzentriert. Wir werden über die Schranken dieser
Tendenz noch zu sprechen haben, hier sei festgestellt, daß ihr bei Mach
auch nur der Schluß aus dem Bisherigen auf derzeit gebotene Vorsicht
entspräche. Es müßte heißen, Erklärungen durch Hypothesen schlugen fehl,
Ansätze zu Begriffssystemen, die sich über das unmittelbar Erfahrene
erheben wollten, brachen zusammen, es bleibt uns daher nichts übrig, als
unsere Begriffe einstweilen möglichst naiv empirisch zu gestalten. Ihre
ökonomische Repräsentanz der Erfahrungen ist der einzige Dienst, den wir
jetzt schon mit Sicherheit von ihnen beanspruchen können. -- Damit wäre
auch für uns die Angelegenheit Mach gegenüber erledigt.[122]

Aber dies ist nicht die einzige Tendenz der gebrachten Ausführungen. Aus
dem Zusammenhange des Ganzen, aus den Folgerungen, die Mach, wie wir
sehen werden, aus ihr zieht, ergibt sich ein zweiter Sinn seiner Kritik
mit Gewißheit, dahin zielend, daß es überhaupt nicht möglich sei,
etwas aus den Erfahrungen zu erschließen (und einen entsprechenden
physikalischen Begriff sinnvoll zu bilden), das nicht selbst unmittelbar
sinnlich erfahrbar ist. Und nur dies kann, wie gesagt, die mögliche
Interpretation seiner Ausführungen sein, wenn man diese in Zusammenhang
mit dem breiten Zuge seines Denkens betrachten will, der von vielen
Seiten her in jenen Sensualismus mündet, für den nur die sinnlichen
Erscheinungen das Reale sind und für den alle wissenschaftlichen
Begriffe nur dazu da sind um zwischen ihnen zu orientieren, ohne irgend
etwas mehr besagen zu können.[123]

Dies aber wiederum ist nicht das Bewiesene, selbst wenn man den Umfang des
letzteren mit noch so großer Konzilianz festsetzt. Denn Schwierigkeiten und
tatsächliche Fehlschläge sind noch keine Unmöglichkeiten, auf Grund
reiferer Erfahrungen könnten dieselben Versuche wieder aufgenommen und zum
Ziele geführt werden. So bleibt man in der Akustik ja auch nicht bei den
Tönen stehen, sondern erschließt die sie erregenden Schwingungen und
überall wo ein solches Ueberschreiten der unmittelbaren Erfahrung
einwandfrei begründet werden kann, wird es auch statthaft sein,
gleichgültig ob das Erschlossene wie die Schwingungen tönender Körper, in
anderer Hinsicht wieder anschaulich gemacht werden kann oder nicht.[124]
Der Ratschlag, bloß weil bisher Versuche fehlschlugen, einfach auch alle
künftigen für sinnlos zu erklären, ist wissenschaftlich nicht berechtigt.

Denn darüber muß man sich klar sein, daß das danach noch Zurückbleibende
etwas Unzureichendes ist. Man betrachte etwa die bloß nach den Tatsachen
gegebene Definition der Masse; die Masse ist in ihr freilich etwas, das
nur in Relation zu anderen Körpern sich äußert, aber diese anderen
Körper können wechseln und das Verhalten des untersuchten Körpers
bleibt doch so, daß ihm stets dieselbe Masse zuzuschreiben ist. Ist
diese individuelle Masse dann dem untersuchten Körper oder den
Vergleichskörpern eigentümlich? Ich möchte diese Frage, die in den
Bereich des Substanzbegriffes gehört, nicht so einfach beantworten; aber
aufwerfen wollte ich sie, denn, wie immer die Antwort ausfällt, das ist
klar, daß die Reaktion, die man unter der Bedeutung »von der Masse X«
befaßt, enger mit dem Körper zusammenhängt, an dem sie stets gefunden
wird, als mit den Vergleichskörpern, die dabei nur in einem beliebigen,
nicht in einem individuellen Exemplar vorhanden zu sein brauchen; dann
liegt aber auch in den Erfahrungen, auf die sich Mach beruft, zumindest
schon der Anstoß zur Bildung eines Eigenschaftsbegriffes. Und ein ganz
ähnlicher Fall ist bei Raum und Zeit gegeben. Weil man verschiedene
Vergleichskörper benutzen kann, sagt Mach, und dadurch von dem einzelnen
unabhängig ist, scheinen Raum und Zeit etwas Besonderes zu sein; darin
liegt ein Fehler, denn unabhängig von Vergleichskörpern kann räumliches
und zeitliches Verhalten nicht beurteilt werden und man weiß auch nicht,
wie es in solchem Falle ausfiele.[125] Aber auch dem gegenüber gilt das
Gleiche wie vorhin: gerade der Umstand, daß trotz verschiedener
Vergleichskörper (gemeint ist, daß man beispielsweise die Zeit an einer
Uhr, nach dem Drehungswinkel der Erde, nach einem Temperaturabfall usw.
beurteilen könne) von dem gleichen räumlichen oder zeitlichen Verhalten
gesprochen werden kann, spricht auch dafür, daß dieses Verhalten etwas
von den Vergleichskörpern Unabhängiges ist.[126] (Daß aber bei völliger
Abwesenheit anderer Körper das ursprüngliche Verhalten nicht mehr
vorausgesetzt werden dürfe, gehört überhaupt nicht hierher sondern zur
Besprechung der induktiven Methodik ganz im allgemeinen.) Und so steht
es auch in anderen Fällen.

Dann sind aber überall Impulse zum Weiterschreiten tatsächlich vorhanden
und was Mach verlangt, wäre einfach ein Ignorieren derselben und als
letztes Resultat etwas höchst Unbefriedigendes. Es könnte ja sein, daß
so etwas bei genauer Einsicht hingenommen werden müßte, aber man wird
dies niemandem zumuten, wenn nicht zwingende Gründe vorhanden sind
oder -- wenn als Ersatz eine andere, die Schwierigkeiten ausschaltende
erkenntnistheoretische Haltung zu Gebote steht. Gerade dies ist aber
Machs Fall; die Auffassung, daß es sich um einen allgemeinen,
wechselseitigen Zusammenhang der Erscheinungen handle, der nirgends fest
sondern da und dort nur fester als anderswo ist, spielt hier bereits
herein, die Hoffnung, unter Berücksichtigung dieses Umstandes trotzdem
ein in sich gefestigtes Erkenntnisideal aufstellen zu können, die
Aussicht, daß von diesem aus gesehen ein Bedürfnis, in den vorhin
angedeuteten Richtungen weiter zu schreiten, überhaupt fehlen werde, u. a.

Damit hat sich dann aber das Gesamtverhältnis umgekehrt: die geübte
Kritik macht solche Anschauungen nicht in dem Sinne notwendig, daß sie
irgendwie aus ihr schon folgen würden, sondern vielmehr in dem Sinn, daß
die Kritik sie notwendig hat, wenn ihr Resultat ein definitives sein
soll. Und wir können auch am Schlusse dieses Abschnittes sagen: kommen
anderswoher noch Argumente für die Mach eigentümlichen Positionen, so
können die hier besprochenen Ausführungen ihre Tragweite vergrößern,
einen selbständigen, entscheidenden Beweiswert haben sie aber nicht.


Fußnoten:

[56] E. u. J. 141. Vgl. M. 537.

[57] Das Wort »Erscheinung« soll hier und bis auf weiteres noch
keineswegs wie in seiner prägnanten Bedeutung für »Sinnesinhalt«
gebraucht werden, sondern steht hier nur in dem Sinne, in dem man
zwischen physikalischen und chemischen oder elektrischen und
magnetischen Erscheinungen unterscheidet, meint also die der
wissenschaftlichen Bearbeitung zugrundegelegten Beobachtungsergebnisse.

[58] E. u. J. 235.

[59] F. Rosenberger, Die Geschichte der Physik in Grundzügen,
Braunschweig 1882, II. 236/237. Vgl. M. Kap. II. 3; E. u. J. 233.

[60] Rosenberger a. a. O. II. 201; E. u. J. 235.

[61] Für letzteres spricht beispielsweise das schärfere Wort: hypotheses
pro nihilo sunt habendae (vgl. E. u. J. a. a. O.), für ersteres seine
Gedanken im Briefwechsel mit Bentley (vgl. E. u. J. 234; M. 200), der
Umstand, daß schon seine direkten Schüler die actio in distans zu einer
Eigenschaft der Materie stempelten (vgl. Rosenberger a. a. O. II, 237),
die »erschütternde Beschränktheit«, mit der er die Undulationstheorie
bekämpfte (vgl. P. V. 255), was doch auch schließen läßt, daß ihm die
Emissionstheorie mehr als eine bloße Anschauungshilfe war u. dgl. mehr.

[62] Vgl. P. V. 185.

[63] Uebrigens war dem auch schon vor Huygens und Newton so. Die
Vorstellung magnetischer Fluida kam durch Gilbert (1540--1603) auf und
selbst Galilei bediente sich in gewissen Fällen Aristotelischer und
atomistischer Vorstellungen. (Vgl. Rosenberger a. a. O. II, 32 und E.
Goldbeck, Galileis Atomistik, Bibl. mathem. 3. Folge Bd. III, Heft 1).

[64] Man vgl. etwa: E. u. J. 104, wo sich Mach über den »Hexensabbat«
von Atomen, Ionen, Elektronen, Wirbeln, Stoffen usw. lustig macht, A. d.
E. 242, wo es als ein Gewinn bezeichnet wird, daß sich der Forscher
von den herkömmlichen intelektuellen Mitteln der Physik nicht mehr
imponieren läßt, A. d. E. 261, wo aus der Erkenntnis der psychologischen
Genesis solcher Vorstellungen auf deren nur relativen Wert geschlossen
wird, W. L. 317, wo sie als sehr künstlich bezeichnet werden, u. a. m.

[65] Hauptsächlich bezieht sich dies auf die Theorie, daß die Wärme in
ihrem Wesen Bewegung sei, statt, wie man früher annahm, ein Stoff. Mach
weist nach, daß die Gründe, auf die sich diese Entscheidung stützt, nicht
hinreichend sind. Ihre scheinbare Berechtigung beruht nur auf dem
zufälligen Umstande, daß bei Festsetzung des Mengenmaßes der Wärme gerade
das gewählt wurde, was später als Arbeitswert wichtig wurde; dadurch
verschwindet nun freilich Wärmemenge bei gewissen (arbeitsleistenden)
Prozessen, man darf daraus aber nicht, wie es geschieht, schließen, daß die
Wärme kein Stoff sein könne, weil ihre Menge nicht konstant bleibt, da ja
die Existenz dieser Erscheinung von der Wahl des Mengenmaßes abhängt und
diese eine lediglich historisch bedingte ist. Mach erläutert dies noch
durch Hinweis auf ähnliche Verhältnisse in der Elektrizitätslehre, wo man
ebenso gut zu zwei entgegengesetzten Resultaten über die Natur des Agens
gelangen kann, und schließlich zeigt er, wie man auch auf Grund der heute
gegebenen Situation selbst in der Wärmelehre noch zu einer stofflichen
Auffassung zurückkehren könnte. Aber freilich scheint ihm dies nicht
zwingender als es schon J. Black einstens in folgenden Worten ausdrückte:
»Eine geschickte Anwendung gewisser Bedingungen wird fast jede Hypothese
mit den Erscheinungen übereinstimmend machen: Dies ist der Einbildungskraft
angenehm, aber vergrößert unsere Kenntnisse nicht«. -- Vgl. E. d. A.; P. V.
196--201; W. L. 321--324, 179 f.

[66] In der Fortsetzung des S. 39 Anm. 2 wiedergegebenen Gedankenganges
heißt es: »Es ist vollständig gleichgültig und hat nicht den geringsten
wissenschaftlichen Wert, ob wir uns die Wärme als einen Stoff denken
oder nicht. Allein nehmen wir einen Augenblick an, alle physikalischen
Vorgänge ließen sich auf Molekularbewegungen zurückführen. Was tun wir
damit? Wir nehmen damit an, daß Dinge, die nie gesehen, nie getastet
werden können, die überhaupt nur in unserer Phantasie und unserem
Verstande existieren, daß diese nur mit den Eigenschaften und
Beziehungen des Tastbaren behaftet sein können. Wir legen dem Gedachten
die Beschränkungen des Gesehenen und Getasteten auf. Warum stellen wir
uns aber die Molekularvorgänge nicht musikalisch vor? Wirklich könnte es
sogar Vorteile bieten, die chemischen Vorgänge in einem mehr als
dreidimensionalen Raum zu denken. Die Resultate lassen sich also auch
ohne mechanische Theorie festhalten, letztere ist also nicht notwendig,
häufig sogar hindernd«. Vgl. P. V. 189: »Wissen wir denn im Grunde
genommen mehr davon, warum ein Körper einen Ort verläßt und an einem
anderen auftaucht, als wieso ein kalter Körper warm wird?« und das W. L.
215/216 bei der Besprechung der Leistungen Carnots Gesagte.

[67] P. V. 268; vgl. E. u. J. 231 f.

[68] P. V. 268; vgl. E. u. J. 231 f.

[69] P. V. 269.

[70] P. V. 267 ff. Neben diesem heuristischen Werte hat die Hypothese,
wie oben erwähnt, auch den Vorzug der Einheitlichkeit in der
Darstellung. »Darin, daß diese Vorstellung alle nach und nach durch
mühsame Beobachtung gefundenen Tatsachen anschaulich und wie von selbst
reproduziert, liegt ihr Vorteil und ihr wissenschaftlicher Wert«, heißt
es P. V. 141. Vgl. zu beiden Funktionen auch: P. V. 138; E. u. J. 223
ff, 229--247; W. L. 123, 318. Speziell mechanische Bilderhypothesen
bieten den Vorteil, daß sie sehr geläufige und theoretisch bereits gut
durchgearbeitete Vorstellungen heranziehen. P. V. 187, 203; M. 552; W.
L. 316 f.

[71] E. u. J. 241 f.

[72] P. V. 269; P. V. 257.

[73] P. V. 269; P. V. 257.

[74] So kann Huygens, in der Analogie mit dem Schall befangen, die
Polarisation nicht verstehen (P. V. 269) -- die Nachfolger Blacks werden
durch die Wärmestoffvorstellung an einer fruchtbaren Würdigung der
Tatsache gehindert, daß Wärme durch Reibung erzeugt wird (P. V. 167,
271) -- Dalton belastet seine Arbeiten mit fragwürdigen hypothetischen
Vorstellungen (W. L. 21, 36/37) u. a. m.

[75] E. u. J. 223 f.

[76] P. V. 275, 267; E. u. J. 244/245.

[77] P. V. 272, 196/197; W. L. 185/186, 193.

[78] P. V. 192.

[79] E. u. J. 267.

[80] E. u. J. 244.

[81] E. u. J. 244/245.

[82] P. V. 267; E. u. J. 244/245 »Die Auffassungen, welche sich so
ergeben haben, sind keine Hypothesen mehr, sondern Forderungen der
Denkbarkeit der Tatsachen, Ergebnisse der analytischen Untersuchung. Wir
können an denselben als sicher feststellen, auch wenn wir gar keine
Analogie dafür finden...«

[83] P. V. 275.

[84] P. V. 235/236.

[85] Die Uebereinstimmung braucht nicht in wahrnehmbaren Merkmalen zu
bestehen, sie kann auch begrifflich sein, in einer Uebereinstimmung
begrifflicher Beziehungen bestehen. Mach definiert die Analogie als eine
Beziehung von Begriffssystemen, in welcher sowohl die Verschiedenheit je
zweier homologer Begriffe als auch die Uebereinstimmung in den logischen
Verhältnissen je zweier homologer Begriffspaare zum klaren Bewußtsein
kommt. E. u. J. 217, 218; P. V. 277.

[86] E. u. J. 246.

[87] E. u. J. 227.

[88] Vgl. P. V. 277; E. u. J. 226/227.

[89] So P. V. 267, 275; E. u. J. 244/245.

[90] So P. V. 277; E. u. J. 226/227.

[91] E. u. J. 312; A. d. E. 263.

[92] Die diesbezüglichen Ausführungen finden sich in den
naturwissenschaftlichen Schriften, aus deren Zusammenhang sie nicht ohne
Entstellung einzeln herausgelöst werden können. Als Ergänzung der in der
Folge gebrachten Verweise vergleiche man daher: Beim Begriff der Energie
E. d. A.; W. L. besonders 315--347, doch finden sich wichtige Hinweise
auch im übrigen Text; M., besonders Kap. III; P. V. besonders XII. Für
die Begriffe Masse, Trägheit, Raum, Zeit, Bewegung M., besonders Kapitel
II, für den Begriff der Temperatur und der Wärmemenge W. L., besonders
39--58, 153--195 und 211 bis 347. Für die Grundbegriffe der Elektrostatik
P. V. XI und XII.

[93] W. L. 315/316; E. d. A.; P. V. 208--214.

[94] W. L. 321.

[95] P. V. 205, 213; W. L. 340. Vgl. S. 39, Anm. 2.

[96] W. L. 343.

[97] Vgl. den schon mehrfach erwähnten Nachweis W. L. 321 bis 324,
ferner W. L. 335; P. V. 196 ff.

[98] W. L. 39 ff.

[99] W. L. 46, 48, 63.

[100] M. 238. So bedeutet der Begriff: Beschleunigung von 9.81 Met./Sek.^2
eines freifallenden Körpers, daß seine Geschwindigkeit gegen den
Erdmittelpunkt auf 9.81 Met. größer ist, wenn die Erde 1/86.400 ihrer
Umdrehung mehr vollführt hat, was selbst wieder nur durch ihre Beziehung
zu anderen Himmelskörpern erkannt werden kann.

[101] M. 242/243.

[102] M. 252 f. nämlich zwischen Bewegungen relativ gegen die Fixsterne
und Bewegungen relativ gegen andere Körper bei Ruhe gegen die Fixsterne.

[103] M. 243/244.

[104] M. 243.

[105] M. 237.

[106] M. 238.

[107] M. 238.

[108] M. 243/244.

[109] M. 230--270.

[110] M. 231.

[111] M. 233.

[112] M. 232.

[113] M. 236.

[114] M. 143, 247, ff. Hierzu ist zu bemerken, daß Versuche bestehen, in
dem Satz der Trägheit ein a priori deduzierbares Naturgesetz zu sehen.
Dem gegenüber verweist Mach M. 143 darauf, daß man mit demselben Schein
von Berechtigung auch das Gegenteil des Trägheitsgesetzes folgern könne,
so lange man sich etwa nur auf das allgemeine »cessante causa cessat
effectus« stützt; es kommt eben nur darauf an, was man als effectus
ansieht, Geschwindigkeit oder Beschleunigung. Wir erwähnen dies
gleichzeitig wegen der später zu besprechenden Behauptung der Nutzlosigkeit
kausaler Betrachtungen in der Physik.

[115] M. 268.

[116] M. 140.

[117] M. 247 d. i. das Verhalten im scheinbar absoluten Raum.

[118] M. 250 f.

[119] E. u. J. 112.

[120] P. V. 232/233. Weitere Ausführungen werden wir erst nach
Besprechung von Machs Haltung zu einer Anzahl weiterer wichtiger
naturwissenschaftlicher Begriffe bringen.

[121] Wobei wir billigerweise diesen Nachweis als gelungen behandeln,
weil wir auf seine Kritik nicht eingehen können; es sei jedoch erwähnt,
daß die fachliche Diskussion seines Gegenstandes durchaus noch nicht für
abgeschlossen gelten kann.

[122] Tatsächlich heißt es bei Mach in diesem Sinne: »Wollen wir der
Methode treu bleiben, welche die bedeutendsten Naturforscher zu ihren
großen Erfolgen geführt hat, so beschränken wir unsere Physik auf den
Ausdruck des Tatsächlichen, ohne hinter diesem, wo nichts Faßbares und
Prüfbares liegt, Hypothesen aufzubauen. Wir haben dann einfach den
wirklichen Zusammenhang der Massenbewegungen, Temperaturänderungen,
Aenderungen der Werte der Potentialfunktion, chemischen Aenderungen zu
ermitteln, ohne uns unter diesen Elementen anderes zu denken als
mittelbar oder unmittelbar durch Beobachtung gegebene physikalische
Merkmale oder Charakteristiken«. M. 541.

[123] Vgl. damit auch S. 40 Anm. 1, wo die Bemühungen der mechanischen
Physik dadurch diskreditiert werden, daß die von ihr zugrundegelegten
Vorgänge nicht wahrgenommen werden können.

[124] Es führt dies freilich auf die Frage, wann etwas als aus der
Erfahrung einwandfrei erschlossen gelten darf, die hier noch nicht
behandelt werden kann. Hier sei bemerkt, daß Mach in diesem Punkte nicht
konsequent ist. So finden sich Stellen, wo sogar der von uns zum
Beispiel gewählte Schluß auf das Schwingen tönender Körper nur als
praktisch gerechtfertigt nicht als sachlich einwandfrei begründet
hingestellt wird (Vgl. M. 531/532). Wir werden aber bei weiterer
Betrachtung der aus Machs Schriften folgenden Induktionslehre sehen, daß
diese Haltung in Widerspruch zu ihr steht; auch wird sich aus ihr ganz
allgemein die Notwendigkeit und Berechtigung ergeben, die unmittelbare
Erfahrung zu überschreiten.

[125] M. 237, 238, 244.

[126] Man vergl. A. d. E. 274: »Wenn wir den Temperaturüberschuß
durch den Fallraum bestimmt denken, so ist die Abhängigkeit keine
unmittelbare. Die Abhängigkeit ist aber ebenfalls keine unmittelbare,
wenn wir den Temperaturüberschuß durch den Drehungswinkel der Erde
bestimmt setzen. Denn niemand wird glauben, daß noch dieselben
Temperaturwerte auf dieselben Winkelwerte entfallen würden, wenn die
Erde etwa durch einen Stoß ihre Rotationsgeschwindigkeit ändern würde«.
Gerade aus solchen Betrachtungen scheint mir aber doch zu folgen, daß
unsere Aufstellungen bloß provisorische sind, welche auf teilweiser
Unkenntnis gewisser maßgebender, uns unzugänglicher unabhängiger
Variablen beruhen. -- Merkwürdigerweise folgere nicht nur ich dies,
sondern a. a. O. auch Mach; bei ihm ist aber diese Einsicht nicht mit
der Behauptung vereinbar, daß dann trotzdem jeder Versuch, diese
»provisorische«, unvollständige Erfahrung zu überschreiten, sinnlos sei.
Vgl. auch M. 261.



4. Die Polemik gegen den Begriff der Kausalität; sein Ersatz durch den
Funktionsbegriff.


Die Angriffe des vorigen Abschnitts richteten sich gegen bestimmte
theoretische Gebilde, der, den wir jetzt darzustellen beginnen, ist
geeignet, diese Ziele des wissenschaftlichen Denkens insgesamt in der
Wurzel zu entwerten. In der Tat geschieht dies, sobald die Hoffnung auf
eine kausale Erklärung fallen gelassen werden muß, da diese es ist, der
Begriffssystem und Theorie dienen, wenigstens nach der Auffassung der
meisten. Wir berufen uns auf das Zeugnis von Helmholtz: der Grundsatz,
daß jede Veränderung in der Natur eine zureichende Ursache haben müsse,
nötigt uns nach ihm, die unbekannten Ursachen der Vorgänge aus ihren
sichtbaren Wirkungen zu erschließen. Dabei können »die nächsten
Ursachen, welche wir den Naturerscheinungen unterlegen, selbst
unveränderlich sein oder veränderlich; im letzteren Falle nötigt uns
derselbe Grundsatz, nach anderen Ursachen wiederum dieser Veränderung zu
suchen usw., bis wir zuletzt zu letzten Ursachen gekommen sind, welche
nach einem unveränderlichen Gesetz wirken, welche folglich zu jeder Zeit
unter denselben äußeren Verhältnissen dieselbe Wirkung hervorbringen.
Das endliche Ziel der Naturwissenschaften ist also, die letzten
unveränderlichen Ursachen der Vorgänge in der Natur aufzufinden.«[127]

Dieses Ziel erklärt Mach für unerreichbar und unsachgemäß. Die ihn
bewegenden Gründe sind mannigfach und zu ihrer Aufklärung sollen sie im
folgenden nach den wichtigsten Gesichtspunkten zusammengefaßt werden.

1. Das Helmholtz'sche Ideal kausaler Analyse erstrebt das Aufsuchen letzter
Ursachen, welchen unter denselben Umständen mit eindeutiger Gesetzlichkeit
die gleichen Wirkungen folgen; dies setzt voraus, daß solche Ursachen
überhaupt vorhanden sind, oder, um es mit Fechners Worten zu sagen, daß
tatsächlich in gewissen Fällen überall und zu allen Zeiten, insoweit
dieselben Umstände wiederkehren, auch derselbe Erfolg wiederkehrt, und
soweit nicht dieselben Umstände wiederkehren, auch nicht derselbe Erfolg
wiederkehrt.[128] -- Dagegen wendet nun Mach ein, daß die vorausgesetzten
gleichen Erfolge unter gleichen Umständen überhaupt nur in der Abstraktion
existieren, d. h. nur bei Vernachlässigung anderer Seiten der Tatsachen,
während in der Wirklichkeit genaue Wiederholungen gleicher Fälle nicht zu
finden sind. »Wenn wir von Ursache und Wirkung sprechen,« heißt es[129],
»so heben wir willkürlich jene Momente heraus, auf deren Zusammenhang wir
bei Nachbildung einer Tatsache in der für uns wichtigen Richtung zu achten
haben. In der Natur gibt es keine Ursache und keine Wirkung. Die Natur ist
nur einmal da. Wiederholungen gleicher Fälle, in welchen A immer mit B
verknüpft wäre, also gleiche Erfolge unter gleichen Umständen, also das
Wesentliche des Zusammenhanges von Ursache und Wirkung, existieren nur in
der Abstraktion, die wir zum Zweck der Nachbildung der Tatsachen
vornehmen.«

Die eigentliche Bedeutung dieses Einwandes greift tief in die Machsche
Erkenntnistheorie ein, denn wenn dieser Einwand Recht hat, dann gibt es
»in der Natur« nicht nur kein Kausalgesetz, sondern überhaupt kein
Gesetz, da ja jedes Naturgesetz auf den Ausdruck beständiger Verknüpfung
zielt. Wie es damit steht, zumal die Rolle, die Mach dabei der Abstraktion
zuweist, können wir aber erst an späterer Stelle erörtern.

2. Eine Teilbedeutung dieses Einwandes liegt jedoch schon in der
Behauptung, daß die Rede von Ursache und Wirkung deswegen auf ungenauer
Beobachtung beruhe, weil eine genauere Analyse die sogenannte Ursache
stets nur als ein Komplement eines die sogenannte Wirkung bestimmenden
Komplexes von Tatsachen erweist. Je nachdem man diesen oder jenen
Bestandteil des Komplexes beachtet oder übersehen hat, ist das fragliche
Komplement sehr verschieden.[130] Als Beispiel diene die Erwärmung eines
Körpers durch Bestrahlung von der Sonne. Die Erwärmung folgt auf die
Bestrahlung; letztere ist daher Ursache, erstere Wirkung. Analysiert man
aber genauer, so sind auch Zwischenmedium und Umgebung als auf die
Erwärmung des Körpers Einfluß habend in Rechnung zu stellen; die
Bestrahlung durch die Sonne ist also gar nicht die vollständige Ursache
der Erwärmung des Körpers, sie ist nur ein Komplement derselben.

3. Statt der einfachen Verknüpfung besteht also eine sehr komplizierte,
eine ganze Mannigfaltigkeit von Beziehungen. Die Beziehung zwischen Sonne
und Körper kann faktisch nicht isoliert werden; das Medium und die
umgebenden Körper bestimmen gleichfalls Aenderungen an dem betrachteten
und empfangen ihrerseits wieder solche von ihm; gleichzeitig stehen sie
aber überdies in ähnlichen mit hereinspielenden Beziehungen zu einer
Unzahl anderer Körper.[131] Das gleiche gilt, wenn zwei Körper in
Wärmeaustausch durch Leitung stehen[132] oder im Falle gegeneinander
gravitierender Massen.[133] Auch hier ist, wenn man nur zwei gravitierende
Massen oder zwei wärmeaustauschende Körper für sich betrachtet, die
Geschwindigkeitsänderung der einen die Ursache der Geschwindigkeitsänderung
der anderen und umgekehrt, die Temperaturänderung des einen Ursache der
Temperaturänderung des anderen und umgekehrt. Sowie man aber den stets
vorhandenen Einfluß anderer Massen und Körper berücksichtigt, hört zwar
die Umkehrbarkeit auf, aber auch die Einfachheit der Beziehung. Selbst in
den einfachsten Fällen erhält man dann ein System simultaner
Differentialgleichungen.[134]

4. Die Beziehungen, auf die man durch solche exakte Behandlung geführt
wird, sind im Gegensatz zu den Charakteristiken der kausalen Relation
umkehrbar und drücken keine Succession aus. So in dem eben erwähnten
Beispiele, wenn man nur die unmittelbare Beziehung zweier Massen oder
Körper berücksichtigt; sie wird durch eine Gleichung ausgedrückt und
jedes Element ergibt sich als Funktion des anderen. Ursache und Wirkung
wären in solchem Falle vertauschbar, also gar nicht als Ursache und
Wirkung charakterisiert.[135] Wohl sagt man, tritt einer Masse A eine
Masse B gegenüber, so folgt hierauf eine Bewegung von A gegen B hin,
dies ist aber ungenau, und genauer betrachtet zeigt sich, daß Massen A B
C D aneinander gegenseitig Beschleunigungen bestimmen, welche also mit
der Setzung der Massen zugleich gegeben sind.[136] Ebenso wären in dem
Beispiel der Bestrahlung eines Körpers durch die Sonne die Aenderungen
simultan und einander gegenseitig bestimmend, wenn die beiden in
unmittelbarer Wechselwirkung stünden, die Temperaturänderung des Körpers
könnte dann auch umgekehrt als Ursache der Temperaturänderung der Sonne
angesehen werden.[137] Ebenso läßt sich scheinbar die einem Gase
zugeführte Wärme als die Ursache seiner Spannkraft ansehen, in exakter
Beleuchtung sind aber beide Variablen einer Zustandsgleichung und die
Aenderung der einen Variablen bedingt so gut die Aenderung der anderen
wie umgekehrt.[138] Mach faßt dies in den Worten zusammen: »Betrachtet
man die physikalischen Vorgänge genau und im Einzelnen, so scheint es,
daß man alle unmittelbaren Abhängigkeiten als gegenseitige und simultane
ansehen kann. Für die vulgären Begriffe Ursache und Wirkung gilt das
gerade Gegenteil, weil sie eben in ganz unanalysierten Fällen vielfach
vermittelter Abhängigkeit Anwendung finden«.[139] Und er illustriert
dies im Anschluß daran noch an den Beispielen eines Schusses und der
Wahrnehmung eines leuchtenden Objektes. Zwischen Explosion und
Einschlagen des Projektils, zwischen Leuchten und Lichtempfindung liegen
in beiden Fällen Zwischenglieder, Ketten von vermittelter Abhängigkeit.
»Der getroffene Körper restituiert nicht die Arbeit des Pulvers, die
empfindende Netzhaut nicht das Licht; beide sind nur Glieder der Kette
der Abhängigkeiten, die sich auf anderen Wegen fortsetzen, als sie
eingeführt worden sind. Der Körper liefert etwa fliegende Sprengstücke,
der Wahrnehmende greift vielleicht nach dem leuchtenden Objekt. Der
ganze Vorgang braucht nicht deshalb momentan und umkehrbar zu sein, weil
er sich auf eine vielfache Kette simultaner und umkehrbarer
Abhängigkeiten gründet.«

Sieht man von der vollen Tragweite des an erster Stelle erhobenen
Einwandes vorläufig ab, so fällt das Bleibende unter das Schlagwort:
Ersatz der kausalen Darstellung durch eine funktionale.

»In den höher entwickelten Naturwissenschaften wird der Gebrauch der
Begriffe Ursache und Wirkung immer mehr eingeschränkt, immer seltener.
Es hat dies seinen guten Grund darin, daß diese Begriffe nur sehr
vorläufig und unvollständig einen Sachverhalt bezeichnen, daß ihnen die
Schärfe mangelt... Sobald es gelingt, die Elemente der Ereignisse durch
meßbare Größen zu charakterisieren, was bei Räumlichem und Zeitlichem
sich unmittelbar, bei anderen sinnlichen Elementen[140] aber doch auf
Umwegen ergibt, läßt sich die Abhängigkeit der Elemente von einander
durch den Funktionsbegriff viel vollständiger und präziser darstellen,
als durch so wenig bestimmte Begriffe wie Ursache und Wirkung.[141] Dies
gilt nicht nur dann, wenn mehr als zwei Elemente in unmittelbarer
Abhängigkeit,[142] sondern noch viel mehr, wenn die betrachteten
Elemente nicht in unmittelbarer sondern in mittelbarer, durch mehrfache
Ketten von Elementen vermittelter Abhängigkeit stehen. Die Physik mit
ihren Gleichungen macht dieses Verhältnis deutlicher, als es Worte tun
können.«[143] In diesen Worten Machs drückt sich das Ergebnis der
erhobenen Einwände aus; kausale sind unvollständig analysierte,
vollständig analysierte sind funktionale Beziehungen.

Fragt man weiter, was eigentlich funktionale Beziehungen seien, so ist
die Antwort, wie wir gehört haben: solche, welche die quantitative
gegenseitige Abhängigkeit der meßbaren Bestimmungsstücke der
Erscheinungen voneinander ausdrücken, und zur Erläuterung wird auf die
Gleichungen der Physik verwiesen. Betrachten wir nun eine solche, etwa
die zwischen Druck und Volumen bei einem vollkommenen Gase konstanter
Temperatur bestehende, so enthält sie in der Tat nichts von Succession,
also auch nichts von Kausalität. Statt zu sagen: Die Tatsache B folgt
auf die Tatsache A und aus der Tatsache A, ermöglicht eine solche
Gleichung nur, die Tatsache B aus der Tatsache A zu berechnen, d. h. aus
der funktionalen Beziehung und der metrischen Charakteristik der einen
Tatsache folgt die Charakteristik der anderen und umgekehrt, denn im
allgemeinen ist dann ebenso B mögliche Prämisse für die Berechnung von
A. In diesem Sinne sind dann funktionale Beziehungen, wie wir gehört
haben, gegenseitig und simultan und drücken nichts als die Abhängigkeit
»der begrifflichen Bestimmungselemente einer Tatsache einfach in dem
rein logischen Sinne« aus, »wie dies der Mathematiker, etwa Geometer
tut«.[144]

Ohne hier noch auf sein Verhältnis zur Kausalität einzugehen, ist nun die
weite Geltung ohne weiteres zuzugestehen, die dem von Mach dergestalt
hervorgehobenen Funktionsbegriff zukommt. In der Tat zeigt sie jede
physikalische Gleichung. Dem vorhin als Beispiel herangezogenen Boyle'schen
Gesetz könnte noch der Vorwurf gemacht werden, daß es überhaupt keine
kausale Verknüpfung ausdrücke, sondern auch nach der gewöhnlichen
Auffassung eine simultane der Koexistenz, aber auch Gesetze wie die
Richmann'sche Mischungsregel, wie das Galilei'sche Fall- oder das
Kepler'sche Brechungsgesetz, ja selbst so spezifisch kausal interpretierte
Gleichungen, wie die von Newton zur Erklärung der Planetenbahnen für die
Gravitation aufgestellte,[145] lassen sich in funktionalem Sinne auffassen.
Zumal aber scheint die in der Physik immer mehr in den Vordergrund tretende
Darstellung durch Differentialgleichungen in diese Richtung zu drängen.
Denn wie immer man im übrigen über den Sinn dieser Darstellungsweise denke,
eines ist nicht zu übersehen: ihre große Abstraktheit und ihre -- doch sei
dies durchaus nicht absprechend gesagt -- metaphysische Unbekümmertheit.
Wenn in früheren Darstellungen etwa Kraftgesetze eine beherrschende
Stellung einnahmen, die sich durch individuelle Konstanten der beteiligten
Körper zu den jeweiligen Wirkungen spezialisierten und so die einzelnen
Erscheinungen erklären ließen, so schien dies eine sehr direkte Beziehung
auf die Wirklichkeit zu haben und metaphysische Folgerungen unmittelbar
nahe zu legen. Diese Distanz hat sich heute entschieden vergrößert. Die
alten Kraftgesetze u. dgl. erscheinen heute meist nur als sehr spezielle
Fälle allgemeinerer Gesetze und diese allgemeinen, vielfach durch
Systeme von Differentialgleichungen ausgedrückten Gesetze haben wieder
gewissermaßen eine viel geringere metaphysische Berührungsfläche. Denn sie
hängen in unmittelbarer Sichtlichkeit eigentlich nur an einem Punkte mit
der Wirklichkeit zusammen, nämlich dadurch, daß ihre Konsequenzen mit ihr
übereinstimmen; so bedeutende Physiker wie Kirchhoff und Hertz gestanden
ihnen keine andere Bedeutung zu, und jedenfalls ist die Versuchung, ihren
eigenen begrifflichen Inhalt außer in diese indirekte auch noch darüber
hinaus in direkte Beziehung zur Wirklichkeit zu setzen, geringer als bei
älteren Theorien, denn sie bieten weit weniger Anhaltspunkte dazu, -- man
denke beispielsweise an das Strömen jenes Vektors, der als das Produkt
einer Kraft mit einer stofflichen Konstante charakterisiert wird und eine
der fundamentalsten Vorstellungen der Elektrizitätslehre bildet. Was
~zunächst~ übrig bleibt, ist dann aber wirklich nichts als ihre Eignung zur
Darstellung der Erscheinungen, die sie in weitem Umfange miteinander
verknüpfen, und zwar wieder nur so, daß sie ohne etwas von Succession u.
dgl. zu enthalten, lediglich die Berechnung ermöglichen, also gleichfalls
unter den erörterten Begriff des funktionalen Zusammenhanges fallen. Die
Berufung auf sie fehlt denn auch nicht bei Mach.[146]

Für ihn und für das Verständnis seiner Darlegungen ist diese Sachlage aber
von größter Bedeutung, ich möchte sogar behaupten, daß ihr in dem Gefüge
seiner Gedanken eine ganz zentrale Stellung zukommt. Denn in ihr findet
zunächst der erörterte Gesichtspunkt der Oekonomie seinen stärksten und
eigentlichen Halt: Hertz hatte, entgegen der früheren Gepflogenheit,
einzelne Sätze (z. B. Kraftgesetze, Erhaltungsgesetze u. dgl.) teils
axiomatisch, teils als Ausdruck fundamentaler Erfahrungen voranzustellen
und das Uebrige aus ihnen abzuleiten, -- die Aufmerksamkeit auf den darin
liegenden Selbstbetrug gelenkt, der dann entsteht, wenn man glaubt, den an
sich nur durch ein paar Fundamentalversuche gestützten Grundgleichungen
komme eine andere Dignität zu als die durch die Richtigkeit der aus ihnen
deduktiblen speziellen Erfahrungssätze gewährleistete; er empfahl, die
grundlegenden Gleichungen (und heute sind es die erwähnten differentiellen
Ausdrücke), wenn man sie einmal besitze, nicht weiter abzuleiten, sondern
einfach hinzunehmen und bloß in ihrer Fähigkeit zur Darstellung der
Tatsachen ihre Berechtigung zu sehen: hält man dies mit ihrem vorhin
erwähnten abstrakten, nicht unmittelbar auf die Wirklichkeit bezogenen
begrifflichen Gehalte zusammen, so hat man hierin den gesuchten Kern des
Oekonomieprinzips. Denn konstatierten wir früher bloß, daß die ökonomische
Betrachtung neben anderen auch ins Spiel komme und daß es auch eine Aufgabe
der Wissenschaft sei, »Erfahrungen zu ersetzen oder zu ersparen durch
Nachbildung und Vorbildung der Tatsachen in Gedanken«,[147] so ist durch
das zuletzt Gehörte ein »nur« an die Stelle des »auch« gerückt; funktionale
Beziehungen gestatten nur die logische Bestimmung »der Abhängigkeit der
Merkmale der Tatsachen voneinander«,[148] und die sie einschließenden
allgemeinsten Gleichungen sind nichts als »gekürzte Anweisungen auf
ökonomisch geordnete Erfahrungen«;[149] »die Nachbildung ist Ziel und Zweck
der Physik, die Atome, Kräfte, Gesetze hingegen sind nur die Mittel, welche
uns jene Nachbildung erleichtern, ihr Wert reicht nur so weit als ihre
Hilfe«.[150] Das heißt: jede andere Rolle ist mit ihrer heutigen subtilen
Durchbildung unverträglich.[151]

Denn auch die im vorigen Abschnitt dargestellte Begriffskritik (und
durch sie wiederum die Oekonomie) verschärft sich durch diese
Situation. -- Naturwissenschaftliche Begriffe schöpfen ihren Gehalt aus
der Erfahrung, aus den durch die Erfahrung gegebenen Gesetzlichkeiten.
Man spricht zwar von Masse, Kraft, von Wärmezustand u. dgl., »darunter
ist aber nichts anderes zu verstehen, als die Gesamtheit des
erfahrungsgemäß zu erwartenden Verhaltens. Man gibt dem einen Namen oder
verknüpft ein Bild damit, aber mehr als eine Repräsentation der
bekannten Vorgänge leistet das nicht. Man kann daraus nichts ableiten
oder folgern, was die Erfahrung nicht gelehrt hätte«.[152] So sagt Mach,
und ohne weiteres war ihm zuzugeben, daß in einer Erfahrungswissenschaft
die Orientierung der Begriffe in erster Linie sich nach diesen
Grundlagen zu richten habe; nicht bewiesen fanden wir aber, daß damit
alles zu Ende sein müsse, daß die Bedeutung der Begriffe nur in einem
schlichten Hinweis auf die repräsentierten Erfahrungen bestände, ja im
Gegenteil, wir fanden diese Forderung unhaltbar, wenn sie nicht noch
anderweitig gestützt werde. Nun aber erwächst ihr aus dem zuletzt
Gehörten tatsächlich eine solche Stütze:

Von seiner Definition der Masse sagt Mach[153], sie soll »die Abhängigkeit
der Erscheinungen voneinander ermitteln und alle metaphysischen
Unklarheiten beseitigen, ohne darum weniger zu leisten als irgend eine
andere bisher übliche Definition«, und ganz dasselbe gilt von denen der
anderen Begriffe. Diese Abhängigkeit der Erscheinungen voneinander ist nun
aber die funktionale. Und ihr fehlt, nach Mach, überhaupt jene Tendenz,
über die bloße Beschreibung der Erscheinungen hinauszugehen, die wir am
Ende des vorigen Abschnitts gegen ihn anführen konnten. Denn drücken die
Gleichungen nichts als eine Verknüpfung aus, die die Berechnung gewisser
Merkmale der Erscheinungen aus anderen gestattet, und liegen die
Definitionen der Begriffe in diesen Gleichungen, so ist scheinbar auch ihre
Bedeutung damit abgeschlossen, daß sie eine solche Verknüpfung der
Erscheinungen ausdrücken oder ihr dienen.

Besonders hervorzuheben ist dies für die Begriffe der Kraft und des
Dings, denn auf den zu Kraftbegriffen verfeinerten Eigenschaften der
Dinge beruht ja deren kausales Wirken; fallen diese dahin, lösen sie
sich in die Repräsentation funktionaler Beziehungen auf, die zudem mehr
enthalten, schärfer Gefaßtes enthalten als sie, die dieses nur
unvollständig zusammenfassen und auf einer primitiveren Stufe des
Wissens gebildet wurden, so ist der Bildung von kausalen Relationen
gleichzeitig der Boden entzogen und der Zweck genommen. -- Und Mach
zögert natürlich durchaus nicht, seine Anschauung auch auf diese
Begriffe zu übertragen.

Schon im ursprünglichen (mechanischen) Sinne ist die Kraft einfach als
beschleunigungsbestimmender Umstand zu definieren[154], mit den
unbekannten Ursachen der Naturvorgänge hat dieser Begriff nichts zu
schaffen, er bedeutet nichts in den Vorgängen Verborgenes, sondern einen
meßbaren tatsächlichen Bewegungsumstand, das Produkt aus Masse und
Beschleunigung.[155] Ein Körper übt auf einen anderen eine Kraft aus,
heißt nichts anderes als daß der zweite Körper sofort eine gewisse
Beschleunigung gegen den ersten zeigt, sobald er diesem gegenübertritt;
der Begriff der Kraft drückt also nichts als eine gewisse Beständigkeit
der Verbindung aus.[156] (Und die übrigen Kraftbegriffe sind nur
Uebertragungen des ursprünglichen.)

Eine solche Beständigkeit der Verbindung macht aber auch den ganzen Kern
des Substanzbegriffes aus; das bedingungslos Beständige nennen wir
Substanz.[157] Nun gibt es aber eine wirklich bedingungslose Beständigkeit
nicht, sondern alle vorkommenden Fälle von Beständigkeit sind
Beständigkeiten der Verbindung oder Beziehung.[158] Wenn es beispielsweise
heißt, derselbe Körper, welcher mit Chlor Kochsalz erzeugt, bildet mit
Schwefelsäure Glaubersalz, so bedeutet dies eine Beständigkeit des
Zusammenhanges oder der Abhängigkeit gewisser Reaktionen voneinander; eine
Klasse von Objekten A gibt die Reaktionen a b c, weitere Beobachtung lehrt
etwa noch die Reaktionen d e f kennen; wenn es sich nun zeigt, daß a b c
das Objekt A für sich allein eindeutig charakterisieren und ebenso d e f
dasselbe Objekt eindeutig charakterisieren, so ist damit die Verbindung der
Reaktionen a b c mit den Reaktionen d e f an dem Objekt festgestellt.[159]
Diese »Beständigkeiten der Verbindung der Reaktionen aber, welche die
physikalischen Sätze darlegen, sind die höchste Substanzialität, welche die
Forschung bisher enthüllen konnte«;[160] »wenn eine Gleichung erfüllt ist,
so liegt hierin eine erweiterte, verallgemeinerte substanzielle Auffassung.
Es kommt im allgemeinen wenig darauf an, ob wir die Gleichungen der Physik
als den Ausdruck von Substanzen (Gesetzen oder Kräften) ansehen, jedenfalls
drücken sie funktionale Abhängigkeiten aus«.[161]

Dies ist also der naturwissenschaftlich verfeinerte Substanzbegriff;
in ihm findet der gewöhnliche Dingbegriff erst seine gedankliche
Durchbildung, und das Resultat gilt daher rückwirkend auch für diesen.
Drückt also schon der wissenschaftliche Substanzbegriff keine wirkliche
Beständigkeit aus, keine eigentlich substantielle, -- d. h. ist die von
ihm ausgedrückte nur die Beständigkeit einer Gruppe von funktionellen
Abhängigkeiten, von Reaktionen, die da und dann auftreten, und keine
Beständigkeit einer räumlich-zeitlich individuierten Einheit[162],
so gilt dies selbstverständlich noch viel mehr von dem vulgären
Dingbegriff. Auch er drückt nur eine relative Beständigkeit aus. Es gibt
in der Natur kein unveränderliches Ding; das Ding ist eine Abstraktion,
ein Symbol für einen relativ stabilen Komplex, von dessen dennoch
bestehender Veränderlichkeit abstrahiert wird[163]; in Wahrheit
verschwindet bald dieses, bald jenes Glied, erscheint verändert und
kehrt eigentlich in voller Gleichheit niemals wieder, und nur weil der
Uebergang stetig erfolgt, weil die Summe der beständigen Glieder in
jedem Augenblick die der veränderlichen überwiegt, kann man glauben, daß
auch bei Ausscheidung aller noch etwas übrig bliebe, und so zu dem
Gedanken einer von ihren Merkmalen verschiedenen Substanz, eines Dinges
an sich kommen.[164]

So gilt also, was wir im vorigen Abschnitt hörten, »alle physikalischen
Begriffe sind gekürzte Anweisungen, die oft selbst wieder andere
Anweisungen eingeschlossen enthalten, auf ökonomisch geordnete, zum
Gebrauch bereit liegende Erfahrungen«,[165] auch hier, und wenn es
einmal hier im Sinne von »bloßer Oekonomie« gilt, so infolge der
gekennzeichneten Bedeutung dieser Angriffsstelle überhaupt.[166]

Verstärkt wird dies noch dadurch, daß auch die Gleichungen, auf denen die
Begriffsbildung ruht, nur etwas relativ Abgeschlossenes darstellen, wie
sich zeigt, wenn man ihre Bedeutung auflöst. Zunächst indem man dies für
die in ihnen auftretenden substanziellen Konstanten tut. »Die Gleichung
pv/T = konst.«, sagt Mach, »gilt für einen gasförmigen Körper von
unveränderlicher Masse, für welchen Druck, Volumen und Temperatur für alle
Teile denselben Wert haben, und nur bei hinreichender Entfernung von
den Bedingungen der Verflüssigung. Die Beschränkung, welche im
Berechnungsgesetz sin¿a¿/sin¿b¿ = n liegt, wird weiter eingeengt durch die
Beziehung auf ein bestimmtes Paar von homogenen Stoffen, auf eine bestimmte
Temperatur, auf eine bestimmte Dichte oder einen gewissen Druck, auf das
Fehlen jeder magnetischen und elektrischen Potentialdifferenz innerhalb
dieser Stoffe. Wenn wir ein physikalisches Gesetz auf einen bestimmten
Stoff beziehen, so bedeutet dies, daß das Gesetz für einen Raum gelten
soll, in welchem noch die bekannten Reaktionen dieses Stoffes nachweisbar
sind. Diese ergänzenden Bestimmungen werden gewöhnlich durch den bloßen
Namen des Stoffes gedeckt und verdeckt. Die physikalischen Gesetze, welche
für den leeren Raum gelten, beziehen sich eben auch nur auf bestimmte Werte
der elektrischen und magnetischen Konstanten usw.; durch Anwendung
eines Satzes auf einen Stoff führen wir weitere Bestimmungen
(Bedingungsgleichungen) ein, gerade so, als wenn wir von einem
geometrischen Satz sagen, daß derselbe für ein Dreieck, für ein
Parallelogramm oder für einen Rhombus gilt.«[167]

Sodann -- in gleichfalls schon erörtertem Sinne -- für die Kräfte. »Es
liegt im Sinne der Galilei-Newtonschen Mechanik«, heißt es, die
früheren Ausführungen ergänzend, »alle Verbindungen durch Kräfte ersetzt
zu denken, welche die von den Verbindungen geforderten Bewegungen
bestimmen. Man kann sich also auch umgekehrt vorstellen[168], daß alles,
was uns als Kraft erscheint, von einer Verbindung herrührt. Bedenkt man
nun, daß in beiden Fällen, ob Kräfte oder Verbindungen vorausgesetzt
werden, die tatsächliche Abhängigkeit der Massenbewegungen voneinander
für jede augenblickliche Konformation des Systems durch lineare
Differentialgleichungen zwischen den Coordinaten der Massen gegeben ist,
so kann man das Bestehen letzterer Gleichungen als das Wesentliche
ansehen.«[169]

Die heutige Physik strebt also danach, jede Erscheinung als Funktion
anderer Erscheinungen und gewisser Raum- und Zeitlagen darzustellen.[170]
Nun haben wir aber gehört, daß Raum und Zeit selbst wieder nur Begriffe für
einen gewissen Zusammenhang von Erscheinungen sind; die Schwingungen eines
Pendels beispielsweise gehen dann in der Zeit vor sich, wenn dessen
Exkursion von der Lage der Erde abhängt[171], die Zeitmessung läuft also
hier auf eine Winkel- oder Bogenmessung hinaus.[172] Denkt man sich nun den
Verlauf verschiedener Tatsachen durch Gleichungen dargestellt, welche die
Zeit enthalten, so kann aus ihnen die Zeit eliminiert (und etwa ein
Temperaturüberschuß bei solcher Elimination durch den Fallraum bestimmt)
werden; die Erscheinungen stellen sich dann einfach als abhängig
voneinander dar[173]; die besondere Betonung von Raum und Zeit ist also
überhaupt überflüssig, da Raum und Zeitbeziehungen wieder nur auf
Abhängigkeiten der Erscheinungen hinauslaufen.[174]

Dadurch verweisen die Gleichungen der Physik aber auf einen ganz
allgemeinen Zusammenhang. Denn eine Funktion der Zeit sein, heißt dann
nur, von bestimmten Raumlagen abhängen, und alle Raumlagen sind
Funktionen der Zeit, heißt: für das Weltall hängen alle Raumlagen
voneinander ab; da aber die Raumlagen nur an den Zuständen erkannt
werden können, können wir auch sagen, alle Zustände hängen voneinander
ab.[175] In unseren Zeitvorstellungen drückt sich also der tiefgehendste
und allgemeinste Zusammenhang der Dinge aus[176], ebenso aber auch in
den räumlichen Vorstellungen, denn jede Bewegung eines Körpers K ist
eine Beziehung zu anderen Körpern A B C ...[177] und schon, wenn man
sagt, ein Körper behalte seine Richtung und Geschwindigkeit im Raume
bei, liegt darin eine Anweisung auf Beachtung der ganzen Welt.[178]

Fassen wir zusammen: Wir haben bereits zugegeben, daß der Funktionsbegriff
das eigentliche Vehikel der modernen Physik ist; wir gestanden zu, daß das
Fundament der Begriffe in der Erfahrung gesucht werden müsse, daß die
Gleichungen, die diese Erfahrungen beschreiben, in erster Linie funktional
sind, und wir können uns nicht dagegen verschließen, daß Kraft, Ding,
Kausalität in der wissenschaftlichen Darstellung stark in den Hintergrund
treten oder, wenigstens ihrer ursprünglichen Form nach, aus ihr
verschwinden.

Allein was bedeutet dies? -- Man kann solche Begriffe nicht gut
vermeiden, zumindest verhindert dies die Umständlichkeit einer anderen
Ausdrucksweise; auch Mach bedient sich ihrer für den »Hand- und
Hausgebrauch«.[179] Andererseits liegen diese Begriffe nicht nur in der
physikalischen, sondern auch in der philosophischen Interessensphäre.
Von den ungleichen Erfolgen beider Wissenschaften ganz abgesehen, drängt
daher schon das methodische Interesse nach einer Scheidung der Anteile.
Es ist also ganz natürlich, daß der Physiker strebt, das von ihm
Erreichte vor philosophischen Ueberraschungen zu sichern, seine Gesetze,
Kräfte, stofflichen Konstanten usw. von ihrer weiteren philosophischen
Verarbeitung und Fundierung unabhängig zu machen. Das natürliche Mittel
dazu ist eine scharfe Abgrenzung. Etwa so, daß man sagt: Mag dieses X
zuletzt sein, was es wolle, für mich, den Physiker, ist es nur das, als
was es in meinen Gleichungen fungiert. --

Dieses Streben ist alt. Schon Newton gebraucht in seinem Sinne das Wort
Kraft nur für die unbekannte Ursache bekannter Vorgänge; weiter geht er
nicht; er will mit dieser Begriffsbildung jedoch nicht der Diskussion
vorgreifen, sondern nur die bisher erhaltenen Resultate so fixieren, daß
sie für sich bestehen bleiben, gleichgültig, welche Fundamente ihnen
späterhin noch unterlegt werden. Ebenso schreibt Fechner: Kraft ist der
Physik überhaupt weiter nichts als ein Hilfsausdruck zur Darstellung der
Gesetze des Gleichgewichts und der Bewegung, welche beim Gegenüber von
Materie und Materie gelten; nichts als das Gesetz kennt der Physiker von
der Kraft, durch nichts sonst weiß er sie zu charakterisieren. Und aus
der letzten Zeit ist Kirchhoff zu nennen, der, ermüdet von dem
unfruchtbaren Streit über Kraft und Materie, ihre Natur, ihr
gegenseitiges Verhältnis u. dgl., diese Fragen von der Mechanik (ihrem
Mutterboden) dadurch ausschloß, daß er als die Aufgabe dieser
Wissenschaft die einfachste unzweideutigste Beschreibung der Bewegungen
der Körper hinstellte und das Wort Kraft statt für eine metaphysische
Bewegungsursache lediglich als Namen für gewisse algebraische Ausdrücke
gebrauchte, die bei der Beschreibung der Bewegungen ständig vorkommen.
In dieselbe Richtung fällt dann die Hertzsche Darstellung der Mechanik,
z. T. die energetische Behandlungsweise der Physik, die Maxwellsche
Elektrizitätstheorie u. a.

Allein so sehr dies für Mach zu sprechen scheint und obwohl er sich nicht
nur auf die modernen Darstellungsweisen beruft, sondern sogar auf direkte
Aussprüche von Kirchhoff und anderen Physikern[180], so ist dies alles
tatsächlich doch noch sehr von seinen Bestrebungen zu unterscheiden. Denn
wenn man sagt: ich als Physiker kann mich mit diesem Gegenstande nur in
dieser Bedeutung befassen, so ist das bloß eine Wandlung der Aufgabe, aber
noch keine der Sache, es schließt andere Interessen keineswegs aus, das
Betonen des spezifisch physikalischen Standpunkts enthält durchaus noch
keine »antimetaphysische« Tendenz.

Damit kommen wir aber auf das eigentlich Entscheidende, auf das
Spezifische der Machschen Position, auf das, was nicht mehr der modernen
Physik schlechtweg, sondern speziell nur ihm eigentümlich ist. Er sagt,
die besprochenen Begriffe verschwinden nicht nur von der Oberfläche,
sondern sie fallen überhaupt aus; sie sind auf Grund der Sachlage sowohl
unmöglich als auch überflüssig, denn das wissenschaftliche Weltbild ist
auch ohne sie vollständig in sich geschlossen.

Das alles soll in den funktionalen Gleichungen liegen. Aber, fragen wir
uns, was ist ihnen denn eigentlich zu entnehmen? Sie zielen auf die
Berechnung gewisser Merkmale auseinander; Mach wendet dies so, daß diese
Abhängigkeit nur als logische erscheint, daß statt der Ursache nur die
Rolle des Erkenntnisgrundes bleibt. Aber dies ist eine unvollständige
Betrachtungsweise. Denn selbstverständlich entspricht auch der in einer
funktionalen Gleichung ausgedrückten Verknüpfung eine reale Abhängigkeit
in der Natur, und wenn es gelingt, die Begriffe Kraft, Substanz, Kausalität
u. dgl. auf Grund solcher funktionaler Gleichungen auszugestalten, so wird
für diese Begriffe das gleiche gelten. Dabei tut es gar nichts zur Sache,
ob diese Begriffe in den speziellen historischen Formen, die Mach angreift,
unhaltbar sind oder nicht, denn wir haben es hier nicht mit den Resultaten
spezieller Bemühungen zu tun, sondern mit deren Existenzberechtigung
überhaupt, und man muß zudem bedenken, daß diese Begriffe sehr
wandlungsfähig sind und ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist.

Aus diesem Grunde ist auch der Gedanke, dem wir bei Besprechung des
Substanzbegriffes begegneten, daß diesem in der Natur keine wirkliche
Beständigkeit entspreche, nicht entscheidend. Denn wenn wir den Inhalt
dieses Einwandes prüfen, so kommt er darauf hinaus, daß das vom
Substanzbegriff mit den modernen Mitteln Festgestellte nicht das
Verharren einer zeitlich-räumlich individuierten Einheit, sondern das
einer »Gruppe« funktioneller Abhängigkeiten sei, die als Reaktionen »da
und dann« auftreten; es besteht aber gar keine Nötigung (zumindest weist
Mach keine nach), den philosophischen Substanzbegriff gerade auf die von
ihm angegriffene Form festzulegen. Ist dadurch allein schon dem Angriff
die Spitze genommen, so schwindet seine Berechtigung noch weiter durch
die Ueberlegung, daß ja schon in jener Beständigkeit der Reaktionen, von
der Mach selbst spricht, ein Hinweis auf ein Beharrendes und in der
ständigen Zusammengehörigkeit und Wechselbeziehung einer Gruppe von
Gleichungen ein Hinweis auf ein die durch sie ausgedrückten Beziehungen
einigendes reales Moment liegt, um so mehr, wenn man, wie Mach, das
Wesen der Gleichungen in einer Nachbildung der Tatsachen erblickt.
Gleichgültig, wie dieses korrespondierende Reale bei genauerer
erkenntnistheoretischer Analyse der ganzen Beziehung zu denken sein
wird, darf man es also auch schon jetzt nicht vernachlässigen, ohne
einfach eine Frage unberücksichtigt zu lassen, deren Stellung durch die
Tatsachen gefordert ist.

Und das gleiche gilt für den zweiten angegriffenen Fundamentalbegriff,
den der Kausalität; auch auf ihn wird man schon durch die Tatsachen
selbst verwiesen. Beispielsweise ist durch die betreffende Gleichung
rein funktional ein gewisser Arbeitsbetrag an einen bestimmten
Wärmebetrag geknüpft; daneben gilt aber auch, was sich allerdings nicht
in der Gleichung ausdrückt, wohl aber zu ihrer Diskussion gehört, daß
etwa Reibung Wärme erzeugt, Wärme aber nicht -- bezw. nur auf einem ganz
anderen, indirekten Wege -- Reibung. Die Voraussetzung, daß sich alle
solchen einsinnigen, gerichteten Zusammenhänge in simultane, invertible
auflösen lassen, ist vorläufig Zukunftsmusik, aber auch wenn der genau
erforschte Zusammenhang so sein sollte, wie es Mach in dem Beispiel des
Schusses voraussetzt, so würde dies noch nicht ausschließen, daß kausale
Relationen zwischen Gliedern solcher Prozesse bestehen, die eben nicht
unmittelbar benachbart sind. Das ist Sache der Durchbildung der
Kausalität. Mach selbst erwähnt die Tatsache, daß, wenn zwei
physikalische Größen zusammenhängen, wohl der Aenderung der einen eine
der anderen entsprechen könne, daß dies aber nicht immer auch umgekehrt
der Fall sein müsse.[181] Wertänderungen physikalischer Größen finden
unter Umständen nur in einem bestimmten Sinne statt. »Von den beiden
analytischen Möglichkeiten ist nur die eine wirklich. Ein metaphysisches
Problem brauchen wir hierin nicht zu sehen,« sagt Mach.[182] Aber
zweifellos liegt in der Tatsache, daß hier nur die eine analytische
Möglichkeit wirklich ist, in anderen Fällen aber beide einen
physikalischen Sinn haben, etwas, das über die bloß funktionale
Abhängigkeit hinausweist.[183] Eine tatsächliche Grundlage der so
einfach ausgemerzten Begriffe ist also jedenfalls doch vorhanden. Und
diese tatsächliche Grundlage ist es, die Mach nirgends genügend in
Rechnung stellt. Er behandelt die Gleichungen lediglich als rechnerische
Hilfen, als denkökonomische Mittel, die »nur logische« Abhängigkeit
behandelt er, wie wir im nächsten Abschnitt noch deutlicher sehen
werden, wie eine willkürliche. Dann freilich erscheinen auch die auf
solchen Gleichungen ruhenden Begriffe ohne sachliche Unterlage,
gleichsam nur als fliegende Stützen, die man aufstellt und abbricht, wo
es einem gut erscheint. Aber das ist eine Ueberspannung der Sachlage.

Oder sollte der Hinweis auf den allgemeinen Zusammenhang sie retten? Alle
Zustände hängen voneinander ab, haben wir gehört. Ohnedies setzen die
Begriffe die Gleichungen, die Gleichungen aber die Begriffe voraus. Liegt
es da nicht nahe, daß beides nur Provisorien sind, daß wir mit beiden
nichts tun, als gewisse dennoch nicht völlig loslösbare Momente aus dem
allgemeinen Zusammenhang herauszugreifen?[184] In der Tat ist dies der
Sinn; eine Art ¿pantarei¿. Er spielte schon in den vorigen Abschnitt
hinein, wir haben aber dort schon und in der Folge hervorgehoben, daß
in dem allgemeinen Flusse der Erscheinungen gleichfalls sehr
bestimmte Anhaltspunkte zur Bildung gewisser -- sehr wohl »durch
die Erfahrungen kontrollierbarer«[185], weil auf ihnen als Grundlage
aufgebauter -- Begriffe liegen. Um im Herakliteischen Gleichnis zu
bleiben: der Fluß der Erscheinungen zeigt gewisse Eigentümlichkeiten der
Strömung, die die Annahme fester, richtunggebender Gefüge erschließen
lassen, auch wenn diese nicht unmittelbar sichtbar sind. Dem entgegen
betont Mach Anhaltspunkte, die auf eine immer weitere Auflösung
hinweisen. Aber man kann es wenden, wie man will, berücksichtigt man die
Schwierigkeiten, auf die wir bei jedem Schritt dieses Weges Machs
verweisen konnten, und die stets übrig gebliebenen Möglichkeiten des
Andersseins, so ergeben sich aus seinen Ausführungen wohl Einwände,
Direktiven, Anhaltspunkte, aber keine stringenten Nachweise.

Andrerseits mußten auch wir uns in dem gegebenen Rahmen mit Hinweisen
und Andeutungen begnügen. Alles in Allem stehen sich daher hier zwei
Ansichten gegenüber. Beide glauben sich nach den Erfahrungen zu richten,
aber die eine weist nach links, die andere nach rechts. Auf eine
Widerlegung Machs durch Ausbau der entgegenstehenden Ansicht müssen wir
verzichten, denn wir wollen hier weder mit eigenen Untersuchungen
einsetzen, noch auch uns bloß auf fremde berufen, die Mach vielleicht
gar nicht anerkennt. Also bleibt uns nur übrig nachzuprüfen, ob die
Machsche Anschauungsweise zumindest in sich selbst genügend gefestigt
und in wenigstens widerspruchsfreier Weise ausgebaut sei.

Daß dem nicht so ist, werden wir durch noch eingehendere Betrachtung im
nächsten Abschnitt feststellen können.


Fußnoten:

[127] Ueber die Erhaltung der Kraft 1847.

[128] Vgl. E. u. J. 272.

[129] M. 524, vgl. P. V. 228.

[130] E. u. J. 272.

[131] A. d. E. 75.

[132] E. u. J. 273.

[133] A. d. E. 74; E. u. J. 273.

[134] E. u. J. 273/274.

[135] E. u. J. 273/274.

[136] A. d. E. 74. Man denke an die früher wiedergegebene Definition der
Masse.

[137] A. d. E. 75.

[138] M. 524.

[139] E. u. J. 274/275. Vgl. A. d. E. 74.

[140] Von dem hier schon mitsprechenden Phänomenalismus ist vorläufig
noch abzusehen. Man substituiere: sobald es gelingt, die elementaren
Bestimmungsstücke der Ereignisse begrifflich durch meßbare Größen zu
charakterisieren. In der Tat werden wir sehen, daß bei Machs Behauptung
eines funktionalen Zusammenhanges zwischen Elementen nur diese Bedeutung
möglich, wenn auch nicht stets von ihm gemeint ist.

[141] »Darin liegt für mich der Vorzug des Funktionsbegriffs vor dem
Ursachenbegriff, daß ersterer zur Schärfe drängt und daß demselben die
Unvollständigkeit, Unbestimmtheit und Einseitigkeit des letzteren nicht
anhaftet. Der Begriff Ursache ist in der Tat ein primitiver vorläufiger
Notbehelf«, heißt es A. d. E. 75. Vgl. P. V. 281; W. L. 435/436; E. u. J.
273, 277.

[142] Ein Beispiel hierzu E. u. J. 133.

[143] E. u. J. 273. Vgl. zu den Vorzügen des Funktionsbegriffs und zu
seiner Stellung als tatsächliches Resultat der wissenschaftlichen
Entwicklung noch: A. d. E. 74--78, 80, 262--264; E. d. A. 35 f; M. 282 f.

[144] P. V. 281; W. L. 435/436; A. d. E. 74.

[145] A. d. E. 262--264.

[146] Vgl. E. u. J. 273/274; A. d. E. 262/264; M. 282 f.

[147] M. 521.

[148] E. u. J. 3.

[149] P. V. 232/233.

[150] A. d. E. 245.

[151] Natürlich soll hierdurch nur Machs Standpunkt verständlich gemacht
werden, eine persönliche Stellungnahme liegt in diesen Ausführungen nicht.

[152] W. L. 436/437, vgl. W. L. 379.

[153] M. 232.

[154] M. 139 f.

[155] M. 270 f.

[156] A. d. E. 259. Vgl. M. 84; E. u. J. 104; W. L. 400.

[157] A. d. E. 256.

[158] A. d. E. 258.

[159] E. u. J. 133 f.

[160] E. u. J. 134.

[161] E. u. J. 277.

[162] »Der Physiker, welcher einen Körper sich biegen, ausdehnen,
schmelzen und verdampfen sieht, zerlegt ihn in kleinere bleibende Teile,
der Chemiker spaltet ihn in Elemente. Allein auch ein solches Element, wie
das Natrium, ist nicht unveränderlich. Aus der weichen, silberglänzenden
Masse wird bei Erwärmung eine flüssige, die bei größerer Hitze unter
Luftabschluß in einen vor der Natriumlampe violetten Dampf sich verwandelt
und bei weiterer Erwärmung selbst mit gelbem Lichte glüht. Der Dampf kann
sich kondensieren, und das weiße Metall ist wieder da. Ja, sogar nachdem
das Metall, auf Wasser gelegt, in Natriumhydroxid übergegangen, können bei
geeigneter Behandlung die gänzlich verschwundenen Eigenschaften wieder zum
Vorschein kommen, wie ein Körper, der bei der Bewegung eine Zeitlang
hinter einer Säule verborgen war, wieder sichtbar werden kann. Es ist nun
ohne Zweifel sehr zweckmäßig, den Namen und Gedanken für eine Gruppe von
Eigenschaften, wo dieselben hervortreten können, stets bereit zu halten.
Mehr als ein ökonomisch abkürzendes Symbol für alle jene Erscheinungen ist
aber dieser Name und Gedanke nicht.« P. V. 231.

[163] M. 523.

[164] P. V. 229.

[165] P. V. 232.

[166] Um das Bild zu vervollständigen, seien hier noch einige an
verschiedene Begriffe anknüpfende Ausführungen wiedergegeben: daß der
Begriff »Beschleunigung eines freifallenden Körpers von 9:81 Met./Sek.^2«
bedeutet, daß die Geschwindigkeit des Körpers gegen den Erdmittelpunkt um
9:81 Met. größer ist, wenn die Erde 1/86400 ihrer Umdrehung mehr vollführt
hat (P. V. 232--233), haben wir bereits gehört. Von dem gleichfalls schon
erwähnten Begriffe Natrium ist zu sagen, daß er nur dann auf einen Körper
mit Bestimmtheit angewendet werden kann, wenn dieser wachsweich,
schneidbar, auf der Schnittfläche silberglänzend, bald anlaufend, auf
Wasser schwimmend und das letztere rasch zersetzend, vom spezifischen
Gewichte 0:972, entzündet mit gelber Flamme brennend, vom Atomgewicht 23
usw. gefunden wird. Ebenso wird unter den Begriff »Walfisch« ein Tier
subsumiert, das äußerlich die Fischform zeigt, eingehend anatomisch
untersucht aber doppelten Kreislauf, Lungenatmung und alle übrigen
Klassencharaktere der Säuger aufweist. Ebenso subsumiert der Physiker
unter dem Begriff elektromagnetische Stromstärke Eins den galvanischen
Strom, welcher bei der magnetischen Horizontalkompente H=O:2 durch einen
im magnetischen Meridian aufgestellten kreisförmigen Draht vom Radius
31:41 cm geleitet, die im Mittelpunkt desselben aufgehängte Magnetnadel um
45° aus dem Meridian ablenkt. Dies setzt noch eine Reihe von Operationen
zur Bestimmung von H als ausgeführt voraus. (W. L. 417/418). Und weil auch
Sauerstoff ein Begriff ist, der nicht durch eine anschauliche Vorstellung,
sondern nur durch eine Definition, die eine Summe von Erfahrungen
konzentriert, enthält, erschöpft wird und dasselbe von allen anderen
physikalischen Begriffen gilt (E. u. J. 112), so läßt sich sagen, daß der
Begriff nichts als eine Anweisung ist, eine Vorstellung von bestimmten
Eigenschaften herzustellen (W. L. 419). In seine Definition werden die
Reaktionen aufgenommen, welche zur Bestimmung des Begriffes hinreichen;
andere Reaktionen, von denen es schon bekannt ist, daß sie an die in der
Definition enthaltenen unabänderlich gebunden sind, braucht man nicht
besonders anzuführen (E. u. J. 127). Charakteristisch für den Begriff ist
dann das Ergebnis der durch die Definition vorgezeichneten prüfenden oder
konstruktiven, manuellen oder intellektuellen Reaktionen; so ist es
elektrisch ein Körper, der auf bestimmte Reaktionen bestimmte sinnliche
Merkmale zeigt, Kupfer ein Körper, dessen blaugrüne Lösung in verdünnter
Schwefelsäure bei bestimmter Behandlung ein bestimmtes Verhalten zeigt,
usw. (W. L. 419--421.) Nur allmählig und nacheinander können aber diese
Reaktionen und die oft komplizierten Tätigkeiten, durch welche sie
hervorgerufen werden, hervortreten. »Ob ein mechanisches System einen
Gleichgewichts- oder Bewegungsfall vorstellt, kann nur durch eine
komplizierte Tätigkeit entschieden werden. Wer aber das Bewußtsein hat,
daß er die genannte Prüfung jederzeit korrekt ausführen kann, der weiß,
daß der Gleichgewichtsfall mit der Summe Null (der virtuellen Arbeit), der
dynamische Fall mit einer positiven Summe auf diese Prüfung reagiert, der
besitzt den Begriff Arbeit und kann durch denselben den statischen vom
dynamischen Fall unterscheiden. So läßt sich jeder physikalische oder
chemische Begriff darlegen. Das Objekt entspricht dem Begriff, wenn es auf
Ausführung einer Prüfung die erwartete Reaktion gibt. Die Prüfung kann je
nach den Umständen im bloßen Beschauen oder in einer verwickelten
physischen oder technischen Operation, die hierauf erfolgende Reaktion in
einer einfachen Sinnesempfindung oder in einem komplizierten Vorgang
bestehen.« (E. u. J. 131/132.)

[167] E. u. J. 445.

[168] Wie dies in der Hertzschen Mechanik geschieht.

[169] M. 282 f.

[170] E. d. A. 35; M. 547.

[171] M. 237.

[172] A. d. E. 267 f.

[173] A. d. E. 273. Vgl. P. V. 233; E. u. J. 426 f; E. d. A. 57.

[174] M. 547 f.

[175] E. d. A. 57.

[176] M. 238.

[177] M. 244.

[178] M. 247. Vgl. M. 249.

[179] A. d. E. 258.

[180] z. B. E. u. J. 282.

[181] M. 548.

[182] A. d. E. 275.

[183] Vgl. auch P. V. 234.

[184] Vgl. E. u. J. 435; M. 524.

[185] A. d. E. Vorwort.



5. Ergänzung der Bedeutung des Begriffs »funktionale Verknüpfung« durch
Leugnung der Naturnotwendigkeit. Die Elemententheorie. Endgültige
Widersprüche.


Wir gelangten im vorigen Abschnitt zu der Ansicht, daß Mach die
funktionale Verknüpfung ausschließlich unter dem Gesichtspunkt von
Erkenntnisgrund und -Folge betrachtet und zudem übersieht, daß auch eine
logische Verknüpfung nur dann einen Erkenntnisgrund abgeben kann, wenn
sie durch eine sachliche Grundlage gerechtfertigt ist.

Wir werden diese Interpretation, die uns zum Verständnis der Machschen
Haltung notwendig schien, nun weiter untersuchen und werden sehen, daß
sie tatsächlich zutrifft.

Man höre zunächst folgende Ausführungen, die die im vorigen Abschnitt
bereits wiedergegebenen über Kausalität ergänzen: Mach knüpft dabei an
Humes Satz an, daß der Grund aller kausalen Urteile nur in einer
gewohnheitsmäßigen Erwartung liege. Er fügt dem hinzu, daß wir daher
auch je nach den Umständen über die Verknüpfung zweier Tatsachen sehr
verschieden urteilen: manchmal denken wir kaum an ihre Möglichkeit,
manchmal stehen wir geradezu unter einem psychischen Zwang, erscheint
sie uns notwendig. Und er interpretiert dies so: es erscheint z. B. eine
bestimmte Wurfbahn mit Notwendigkeit an die Anfangsgeschwindigkeit und
-Richtung geknüpft. In der Tat nun ist der Vorgang damit gegeben, wenn
er den bekannten phoronomischen Gesetzen entspricht; dann wird die
gerichtete Anfangsgeschwindigkeit zum Erkenntnisgrund, aus dem sich die
Bahnelemente als logisch notwendige Folge ergeben. Diese logische
Notwendigkeit fühlt man nun freilich, man muß aber auch daran denken,
daß sie nur unter der angegebenen Bedingung besteht und daß deren
Erfülltsein einfach durch die Erfahrung gegeben ist, ohne im geringsten
auf einer Notwendigkeit zu beruhen.[186]

Man kann schon hieraus entnehmen, wie ausschließlich Mach bloß die
Notwendigkeit der logischen Abfolge hervorhebt und eine andere gar nicht
gelten läßt. Und ebenso heißt es an anderen Stellen: »Wenn ich finde, daß
eine physikalische Tatsache sich so verhält wie meine Rechnung oder meine
Konstruktion, so kann ich nicht zugleich das Gegenteil annehmen. Ich muß
also den physikalischen Erfolg mit derselben Sicherheit erwarten, mit
welcher ich das Ergebnis der Rechnung oder Konstruktion als richtig
ansehe. Diese logische Notwendigkeit ist aber selbstredend wohl zu
unterscheiden von der Notwendigkeit der Voraussetzung des Parallelismus
zwischen der physikalischen Tatsache und der Rechnung, welche letztere
stets auf einer gewöhnlichen sinnlichen Erfahrung beruht. Auf der Uebung
die Vorstellung der Tatsachen mit jener ihres allseitigen Verhaltens fest
zu verbinden, beruht die starke Erwartung eines bekannten Erfolges, der dem
Naturforscher wie eine Notwendigkeit erscheint. So bildet sich das heraus,
was man gewöhnlich als Gefühl für die Kausalität bezeichnet.«[187] Ferner:
»Der physikalische Tatsachenkomplex ist einfach oder läßt sich wenigstens
in vielen Fällen durch das Experiment so einfach gestalten, daß die
unmittelbaren Zusammenhänge sichtbar werden. Haben wir uns nun durch
genügende Beschäftigung mit diesem Gebiete Begriffe von der Art dieser
Zusammenhänge erworben, die wir für den Tatsachen allgemein entsprechend
halten, so müssen wir mit logischer Notwendigkeit erwarten, daß auch jede
vorkommende Einzeltatsache diesen Begriffen entspricht. Hierin liegt aber
keine Naturnotwendigkeit. Das ist das »kausale« Verständnis.«[188] Endlich
wird aber direkt gesagt: »Es gibt nur die logische Notwendigkeit: wenn der
Tatsache A gewisse Eigenschaften zukommen, so kann ich nicht zugleich davon
absehen. Daß sie ihr aber zukommen, ist einfach eine Erfahrungstatsache.
Eine physikalische Notwendigkeit existiert nicht.«[189]

Sucht man die Bedeutung dieser Aussprüche zu fassen, so kann daher gar
kein Zweifel herrschen, daß Mach -- wie schon erwähnt -- für eine
Notwendigkeit nur die logische hält und daß er in dieser überdies
anscheinend nur eine psychologische sieht, denn, heißt es, wenn man
finde, daß A das Verhalten B zeige, daß A B sei usw., so könne man
nicht zugleich davon absehen, müsse man mit Notwendigkeit erwarten
u. dgl.[190] Weniger klar ist es, was Mach eigentlich zu dieser
Einschränkung und zu dieser Verwechslung bewegt und welchen Sinn er
selbst damit verbindet.

Wir betrachten daher zunächst einen ergänzenden Gedankengang, dessen Kern
etwa folgender ist: »Erklären heißt Zurückführen komplizierter Tatsachen
auf möglichst wenige und einfache. Diese einfachsten Tatsachen sind an sich
immer unverständlich, d. h. nicht weiter zerlegbar, z. B. die, daß
eine Masse einer anderen eine Acceleration erteilt. Es ist nun nur
eine ökonomische Frage und eine Frage des Geschmacks, bei welchen
Unverständlichkeiten man stehen bleiben will. Man täuscht sich gewöhnlich
darin, daß man meint, Unverständliches auf Verständliches zurückzuführen.
Allein das Verstehen besteht eben im Zerlegen. Man führt ungewöhnliche
Unverständlichkeiten auf gewöhnliche Unverständlichkeiten zurück. Man
gelangt schließlich immer zu Sätzen von der Form, wenn A ist, ist B, also
Sätzen, die aus der Anschauung folgen müssen, die also nicht weiter
verständlich sind.«[191] Das heißt also, eine Erklärung, ein Verstehen, ist
nichts als ein Zurückführen auf Bekanntes, ein Zerlegen in Einfaches. »Es
handelt sich immer nur darum, in allen Tatsachen dieselben Elemente zu
erkennen, oder, wenn man will, in einer Tatsache die Elemente einer
anderen, schon bekannten wiederzufinden,«[192] sagt Mach, denn, »wenn wir
ein Gebiet von Tatsachen zum erstenmal überschauen, erscheint es uns
mannigfaltig, ungleichförmig, verworren und widerspruchsvoll. Es gelingt
zunächst nur, jede einzelne Tatsache ohne Zusammenhang mit den übrigen
festzuhalten. Das Gebiet ist uns, wie wir sagen, unklar. Nach und nach
finden wir die einfachen, sich gleich bleibenden Elemente der Mosaike, aus
welchen sich das ganze Gebiet in Gedanken zusammensetzen läßt. Sind wir nun
soweit gelangt, überall in der Mannigfaltigkeit dieselben Tatsachen wieder
zu erkennen, so fühlen wir uns in diesem Gebiete nicht mehr fremd, wir
überschauen es ohne Anstrengung, es ist für uns erklärt.«[193] Denn in der
Tat halten wir einen »Vorgang für erklärt, wenn es uns gelingt, in
demselben bekannte einfache Vorgänge zu erblicken;«[194] »wird einmal die
Erfahrung« die »Tatsachen klargelegt und die Wissenschaft sie ökonomisch
übersichtlich geordnet haben, dann ist nicht zu zweifeln, daß wir sie auch
verstehen werden; denn ein anderes Verstehen als Beherrschung des
Tatsächlichen in Gedanken hat es nie gegeben. Die Wissenschaft schafft
nicht eine Tatsache aus der anderen, sie ordnet aber die bekannten.«[195]
Mach stützt sich dabei auf naturwissenschaftliche Beispiele, deren einige
wir nun wiedergeben, um zu sehen, in welcher Hinsicht er dies tun kann:
Archimedes leitete seinen allgemeinen Hebelsatz (Gleichheit des Produktes
von Last und Hebelarm beiderseits des Aufhängepunktes als charakteristisch
für den Gleichgewichtsfall) aus dem von ihm als selbstverständlich
hingestellten Satze ab, daß gleich schwere Größen in gleicher Entfernung
vom Unterstützungspunkte wirkend im Gleichgewicht sein müssen. Er hält also
tatsächlich den Fall für erklärt, »wenn es gelingt, in demselben bekannte
einfachere Vorgänge zu erblicken«.[196] In Wirklichkeit ist aber auch der
einfache Satz nicht selbstverständlich, denn um ihn anzunehmen, muß man
schon eine Menge von Voraussetzungen machen, wie daß die Stellung des
Beschauers, Vorgänge in der Nachbarschaft u. dgl. keinen Einfluß üben.[197]
Er ist also tatsächlich nur der Ausdruck einer Erfahrung, und die Erklärung
mit seiner Hilfe erscheint als eine Reduktion auf eine bekannte, aber an
sich ebenso uneinsichtige Tatsache, wie es die abgeleitete ist. Ebenso
steht es aber auch selbst mit den umfassendsten Gesetzen, die die Deduktion
ganzer Erfahrungsgebiete gestatten, wie etwa dem Prinzip der virtuellen
Verschiebungen. Es läßt sich nachweisen, daß auch diese nicht mehr
enthalten als die Anerkennung irgend einer fundamentalen Tatsache, hier
z. B. der, daß bestimmte Naturvorgänge von selbst nur in einem und nicht im
entgegengesetzten Sinn ablaufen[198], speziell daß schwere Körper sich von
selbst nur abwärts bewegen.[199] Des Beispiels der Erklärung der
Planetenbewegungen durch das Gravitationsgesetz gedachten wir schon früher,
es gehört aber auch hieher. Zu erklären sind die durch Kepler beschriebenen
Bahnen der Planeten. Newton denkt sich ihre Bewegung so, wie wenn sie an
einem Faden kreisen würden; da die Rechnung dann die dazu nötige
Fadenspannung ergibt, kann er konstatieren, daß sich die Planeten so
bewegen wie schwere Körper, die man an einem Faden von bestimmter Spannung
umschwingt, daß also die irdische Schwere auch auf sie Anwendung
findet.[200] Ersetzt man nun die Fadenspannung durch die Voraussetzung der
bloßen Spannung bezw. Anziehung zwischen den einzelnen Massenteilchen, wie
sie durch die bekannte Formel für die Größe der Gravitation ausgedrückt
wird, so ändert sich dadurch nichts an dem Charakter des ganzen
Zusammenhanges als der Konstatierung einer Tatsache, genauer als der
generellen Beschreibung einer Tatsache in den Elementen.[201]

Mach bemerkt ferner zu solchen Beispielen: »Der Beweis der Richtigkeit
einer neuen Regel kann dadurch erbracht werden, daß diese Regel oft
angewandt, mit der Erfahrung verglichen und unter den verschiedensten
Umständen erprobt wird. Dieser Prozeß vollzieht sich im Lauf der Zeit
von selbst. Der Entdecker wünscht aber rascher zum Ziel zu kommen.
Er vergleicht das Ergebnis seiner Regel mit allen ihm geläufigen
Erfahrungen, mit allen älteren bereits vielfach erprobten Regeln, und
sieht nach, ob er auf keinen Widerspruch stößt. Archimedes beweist in
der angedeuteten Art sein Hebelgesetz, Stevin sein Gesetz des schiefen
Druckes, Daniel Bernoulli das Kräfteparallelogramm, Lagrange das Prinzip
der virtuellen Verschiebungen. Nur Galilei ist sich bei letzterem Satz
vollkommen klar darüber, daß seine neue Beobachtung und Bemerkung jeder
anderen älteren ebenbürtig sei, daß sie aus derselben Erfahrungsquelle
stamme. Er versucht gar keinen Beweis. Es ist ganz in der Ordnung, daß
bei Gelegenheit einer neuen Entdeckung alle Mittel herangezogen werden,
welche zur Prüfung einer neuen Regel dienen können. Wenn aber die Regel
nach Verlauf einer entsprechenden Zeit genügend oft direkt erprobt
worden ist, geziemt es der Wissenschaft zu erkennen, daß ein anderer
Beweis ganz unnötig geworden ist, daß es keinen Sinn hat, eine Regel für
mehr gesichert zu halten, indem man sie auf andere stützt, welche (nur
etwas früher) auf ganz demselben Wege der Beobachtung gewonnen worden
sind, daß eine besonnene und erprobte Beobachtung so gut ist als
eine andere.... In der Tat führt diese Sucht, zu beweisen, in der
Wissenschaft zu einer falschen und verkehrten Strenge. Einige Sätze
werden für sicherer gehalten und als die notwendige und unanfechtbare
Grundlage anderer angesehen, während ihnen nur der gleiche oder zuweilen
sogar nur ein geringerer Grad der Sicherheit zukommt. Eben die
Klarlegung des Grades der Sicherheit, welchen die strenge Wissenschaft
anstrebt, wird hierbei nicht erreicht.«[202] »Wie kann nun,« fragt sich
Mach weiter, »der Eindruck entstehen, daß eine Erklärung mehr leistet
als eine Beschreibung? Wenn ich zeige, daß ein Vorgang A sich so verhält
wie ein anderer mir besser vertrauter B, so wird mir A hiermit noch
vertrauter, ebenso wenn ich zeige, daß A aus der Folge oder dem
Nebeneinander der mir bereits bekannten B C D besteht.[203] Hiermit ist
aber nur ein Tatsächliches durch ein anderes Tatsächliches, eine
Beschreibung durch andere und vielleicht schon besser bekannte
Beschreibungen ersetzt. Die Sache kann mir dadurch geläufiger werden, es
kann sich dadurch eine Vereinfachung ergeben, im Wesen derselben tritt
aber keine Aenderung ein. Fragen wir, wann uns eine Tatsache klar ist,
so müssen wir sagen, dann, wenn wir dieselbe durch recht einfache, uns
geläufige Gedankenoperationen nachbilden können.«[204]

Wir wollen nun gleich ohne Unterbrechung einen dritten Gedankengang
anreihen, der mit den bisherigen zusammengehört; Mach betrachtet die
Naturgesetze als bloße Tabellen einzelner Tatsachen, Ableitungsregeln,
Herstellungsregeln, kompendiöse Anweisungen für das Gedächtnis. Eine
Reihe markanter Aeußerungen möge dies deutlich machen:

»Wenn uns alle Tatsachen unmittelbar zugänglich wären, so wie wir nach
Kenntnis derselben verlangen, so wäre nie eine Wissenschaft entstanden.
Weil das Gedächtnis des Einzelnen ein beschränktes ist, muß das Material
geordnet werden. Dies geschieht durch eine Ableitungsregel. Diese
ersetzt die riesige Tabelle. Sie (»diese Ableitungsregel, diese Formel,
dieses Gesetz«) hat nun nicht im mindesten mehr sachlichen Wert als die
einzelnen Tatsachen zusammen. Ihr Wert liegt bloß in der Bequemlichkeit
des Gebrauchs, ist ein ökonomischer.«[205] Und ganz ähnlich sind die
folgenden Ausführungen: »Wenn ein Anatom, die übereinstimmenden und
unterscheidenden Merkmale der Tiere aufsuchend, zu einer immer feineren
Klassifikation gelangt, so sind die einzelnen Tatsachen, welche die
letzten Glieder des Systems darstellen, doch so verschieden, daß
dieselben einzeln gemerkt werden müssen. Die Physik hingegen zeigt uns
ganze große Gebiete qualitativ gleichartiger Tatsachen, die sich nur
durch die Zahl der gleichen Teile, in welche deren Merkmale zerlegbar
sind, also nur quantitativ unterscheiden. Hier ist die Klassifikation
eine so einfache Aufgabe, daß sie als solche meist gar nicht zum
Bewußtsein kommt und selbst bei unendlich feinen Abstufungen, bei einem
Kontinuum von Tatsachen, liegt das Zahlensystem im voraus bereit,
beliebig zu folgen. Die koordinierten Tatsachen sind hier sehr ähnlich
und verwandt, ebenso deren Beschreibungen, welche in einer Bestimmung
der Maßzahlen gewisser Merkmale mittels geläufiger Rechnungsoperationen,
d. i. Ableitungsprozessen bestehen. Hier kann also das Gemeinsame aller
Beschreibungen gefunden, damit eine zusammenfassende Beschreibung oder
eine Herstellungsregel für alle Einzelbeschreibungen angegeben werden,
die wir eben das Gesetz nennen.«[206] »Isolierten Tatsachen gegenüber
bleibt nichts übrig, als dieselben einfach im Gedächtnis zu behalten.
Kennt man jedoch ganze Gruppen von untereinander verwandten Tatsachen
von der Art, daß die beiden zusammengehörigen Merkmale A und B derselben
je eine Reihe bilden, deren Glieder sich nur durch die Zahl der gleichen
Teile unterscheiden, in welche sich dieselben zerlegen lassen, so kann
man eine bequemere Uebersicht und gedankliche Darstellung gewinnen.
Sowohl die Einfallswinkel (A) als auch die Brechungswinkel (B) einer
Reihe von einfallenden Strahlen, sowohl die Temperaturüberschüsse (A)
als die Temperaturverluste per Minute (B) abkühlender Körper lassen sich
in gleiche Teile zerlegen, und jedem Glied der Reihe A ist ein Glied
der Reihe B zugeordnet. Eine systematisch geordnete Tabelle kann nun die
Uebersicht erleichtern, das Gedächtnis unterstützen oder vertreten.
Hier beginnt die quantitative Forschung, welche, wie man sieht,
ein Spezialfall der qualitativen Untersuchung ist, der nur auf
Tatsachenreihen von einer besonderen Art der Verwandtschaft anwendbar
ist. Eine neue Erleichterung tritt ein, wenn die ganze Tabelle durch
eine kompendiöse Herstellungsregel ersetzt werden kann, wenn man z. B.
sagen kann: Multipliziere den Temperaturüberschuß des abkühlenden
Körpers mit dem Koeffizienten µ, so erhältst du den Temperaturverlust
µ.µ per Minute.«[207] »Es ist schon bemerkt worden, daß quantitative
wissenschaftliche Aufstellungen als einfachere und zugleich umfassendere
Spezialfälle qualitativer Aufstellungen anzusehen sind. Zink gibt in
verdünnter Schwefelsäure eine farblose, Eisen eine blaßblaugrüne, Kupfer
eine blaue Lösung, Platin gar keine. Ist ein Glas in einem mit Manometer
und Thermometer versehenen Gefäß eingeschlossen, so finde ich für
verschiedene Thermometeranzeigen verschiedene Manometerstände. Auch
hier habe ich zunächst eine Reihe verschiedener Fälle, die jedoch
untereinander große Aehnlichkeit haben und sich nur durch die Zahl der
Längeneinheiten der Manometersäule unterscheiden. Trage ich in einer
Tabelle zu jedem Thermometerstand den Manometerstand ein, so folge ich
eigentlich nur dem Schema bei obiger chemischer Aufstellung. Allein ich
habe schon den Vorteil, daß die Thermometer- und Manometerstände je eine
Reihe bilden, deren Glieder ich durch Anwendung des Zahlensystems ohne
neue Erfindung in beliebig feiner Weise unterscheiden kann. Ein weiterer
Blick lehrt mich, daß die einzelnen in der Tabelle dargestellten Fälle
untereinander die große Aehnlichkeit zeigen, daß jeder Manometerstand
aus dem Thermometerstand durch eine einfache Zähloperation gewonnen
werden kann, daß diese Operation für alle Fälle in der Art übereinstimmt,
daß demnach die ganze Tabelle durch eine zusammenfassende Herstellungsregel
derselben: p = p_{0}(1+t)/273 ersetzt und überflüssig gemacht werden
kann. U. s. w.«[208] »Bei höher entwickelten Wissenschaften gelingt es,
die Nachbildungsanweisungen für sehr viele Tatsachen in einen einzigen
Ausdruck zu fassen. Statt z. B. die verschiedenen vorkommenden Fälle der
Lichtbrechung uns einzeln zu merken, können wir alle vorkommenden sofort
nachbilden oder vorbilden, wenn wir wissen, daß der einfallende, der
gebrochene Strahl und das Loth in einer Ebene liegen und sin¿a¿/sin¿b¿ = n
ist. Wir haben dann statt der unzähligen Brechungsfälle bei verschiedenen
Stoffkombinationen und Einfallswinkeln nur diese Anweisung und die Werte
derselben zu merken, was viel leichter angeht. Die ökonomische Tendenz ist
hier unverkennbar. In der Natur gibt es auch kein Brechungsgesetz, sondern
nur verschiedene Fälle der Brechung. Das Brechungsgesetz ist eine
zusammenfassende konzentrierte Nachbildungsanweisung für uns, und zwar
nur bezüglich der geometrischen Seite der Tatsache.«[209] Von der
Herstellungsregel oder Anweisung wird aber überdies noch bemerkt: »Das
praktische Bedürfnis erfordert eine geläufige und sichere Anwendung der
wissenschaftlichen Aufstellungen. Diese wird gefördert, indem man neue
Beziehungen auf bereits bekannte zurückführt. Weist man aus praktischen
Gründen darauf hin, daß eine Tatsache A sich so verhält wie eine uns
geläufigere B, so kann letztere auch eine persönliche Tätigkeit, eine
Rechnungsoperation oder geometrische Konstruktion sein. Die Fallräume
verhalten sich wie die Zahlen, die wir durch Quadrieren der Zeitmaßzahlen
erhalten, die Temperaturen von Mischungen wie arithmetische Mittel usw.
Je geläufiger uns solche Operationen und je einfacher sie sind, desto mehr
sind wir befriedigt, desto geringer ist das Bedürfnis nach weiterer
Aufklärung, desto besser verstehen wir die Aufstellung. Die ganze Eigenart,
Sicherheit und Geläufigkeit arithmetischer Operationen überträgt sich
auf die Kenntnis der durch dieselben dargestellten Tatsachen.«[210]

Ueberblicken wir nun diese drei zueinander gehörigen Gruppen von
Gedanken; wir haben sie mit Absicht ausführlich wiedergegeben, denn
erstens sind sie von größter Bedeutung für das ganze System, dessen
erkenntnistheoretische Grundlagen durch sie vollendet werden müssen.
Zweitens lag uns daran, einfach durch sie selbst zu zeigen, daß es ihnen
dazu an Klarheit und Geschlossenheit gebricht.

Klar ist eigentlich nur das eine, was wir schon längst gesehen haben, daß
sich überall die psychologische Betrachtungsweise vordrängt. Es wird von
dem »Fühlen« einer Notwendigkeit gesprochen, von gewohnheitsmäßigen,
starken »Erwartungen«, von denen man »nicht absehen« könne, als Erklärung
wird ein Zerlegen in Bekanntes betrachtet, weil wir dann nicht mehr
»überrascht«, »erstaunt« seien, weil wir dann mit herabgeminderter
Anstrengung das betr. Gebiet »überschauen« können, klar wird eine Tatsache
genannt, die durch recht einfache und geläufige Gedankenoperationen
nachgebildet werden kann, ein Beweis wird nur als ein Aequivalent für
wiederholte Akte direkter Erprobung betrachtet u. dgl. Und vom Naturgesetz
wird eigentlich nur das algebraische Symbol, die Ableitungsregel, die
Nachbildungsanweisung, »die wir eben das Gesetz nennen«, betrachtet.

Nun ist die psychologische Betrachtung all dieser Gegenstände ja sicher
statthaft, und was Mach darüber sagt, daß man eben auch von dieser Seite
mit einer Untersuchung einsetzen könne[211], ist ohne weiteres zuzugeben.
Es fragt sich aber, ob dies auch hier der Sinn ist? Und keinesfalls ist er
dies, wenigstens nicht der, den der Zusammenhang erfordert. Denn wir wollen
und müssen ja erfahren, warum es ~nur~ logische (= psychologischer)
Notwendigkeit, ~nur~ Ordnen statt Erklären, ~nur~ Tabellen für uns statt
Gesetzen für die Sache geben kann; einzig und allein der Nachweis solcher
Ausschließlichkeit kann für uns von Bedeutung sein, während es ganz
irrelevant bleibt, ob neben dem sachlich notwendigen Zusammenhange auch
noch eine subjektive Seite und Funktion der Naturwissenschaft ins Spiel
kommt. Ueberlegt man sich dies, so ist aus den gehörten Ausführungen zwar
auch nicht ohne weiteres ein bestimmter Sinn zu entnehmen, wohl aber kommen
nur folgende Bedeutungen in Betracht:

1. Können sie sagen wollen, daß es in der Natur nichts unserem Begriffe von
Notwendigkeit (zu ergänzen: der nur der inneren Wahrnehmung eigen und daher
ein logischer, bezw. psychologischer ist) Adäquates gibt. Das würde heißen,
wir sehen zwar in der Natur Verknüpfungen, die so regelmäßig sind, als ob
sie notwendig wären, aber eine weitere Einsicht in diese Naturnotwendigkeit
fehlt uns, jedes Verstehenwollen ist sinnlos, zumal jedes durch
Uebertragung des aus dem Innenleben gewonnenen Begriffs der Notwendigkeit.
Steht man einmal auf dem Standpunkt, nur diesen als Notwendigkeit zu
bezeichnen, so läßt sich wohl sagen, daß es in der Natur etwas gibt, das in
gewisser Hinsicht wie Notwendigkeit aussieht, aber nicht, daß es
Notwendigkeit ist. -- Verträglich mit dieser Interpretation wäre die
Auflösung der kausalen Beziehungen in funktionale, wodurch die
Kausalrelation gewissermaßen veräußerlicht wird, weil wiederum die
funktionale Verknüpfung nichts ist als unser mathematisches in Beziehung
Setzen, dem in der Natur zwar etwas, aber nichts Adäquates entsprechen muß.
Ebenso würde vom Gesetz die Auffassung hieher gehören, daß es nicht mehr
besagt als die Tatsachen »zusammengenommen«, daß es nur die Tatsachen
wiedergibt, in dem Sinne etwa gemeint, daß es nichts jenseits, über den
Tatsachen Stehendes ist, das diese lenkt, aus dem ihnen Notwendigkeit
zufließt,[212] oder daß auch nur irgendwie unserem Verständnis näher stünde
als diese. Worauf es dann auch zurückkäme, daß das Erklären von Tatsachen
durch Gesetze und das Ableiten von Gesetzen aus allgemeineren lediglich
Erfahrungen zu einander in Beziehung setzt, die an sich gleich
unverständlich sind.

2. Kann sich die Behauptung, daß es Notwendigkeit nur im Gebiet des
Logischen gebe, bloß auf den Grad der Sicherheit beziehen und besagen,
daß wir einer wirklichen Notwendigkeit in der Natur nicht ~gewiß~ sind,
weil unsere Annahmen dort, als durch Induktion gewonnene, Irrtümern
unterworfen sind. So heißt es: »Die Uebereinstimmung der Begriffe
untereinander ist eine logisch notwendige Forderung, und diese logische
Notwendigkeit ist auch die einzige, die wir kennen. Der Glaube an eine
Naturnotwendigkeit entsteht nur, wo unsere Begriffe der Natur
hinreichend angepaßt sind, um Folgerung und Tatsache in Uebereinstimmung
zu halten. Die Annahme einer genügenden Anpassung unserer Begriffe kann
aber jeden Augenblick durch die Erfahrung widerlegt werden.«[213]

3. Es könnte der Sinn auch dahin zielen, daß die Naturvorgänge, genau
betrachtet, gesetzlos und regellos seien und nur bis zu einem gewissen
(für praktische Bedürfnisse eben hinreichenden) Grade den Anschein des
Gegenteils haben.

Der nächste Schritt muß nun der sein, unter diesen möglichen
Interpretationen, jene auszulesen, die auch in Hinsicht auf den
systematischen Zusammenhang des Ganzen in Betracht kommen, während die
anderen als gleichgültig ausscheiden. Diese Charakteristik bietet auf
Grund des reichlichen Materials, das wir kennen gelernt haben, keine
großen Schwierigkeiten.

Zunächst läßt sich von 1) und 2) ohne weiteres feststellen, daß sie für
sich allein keine Bedeutung für das Ganze haben. Denn daß man der
Naturnotwendigkeit gewissermaßen nicht von innen beikommen kann,
sondern nur von außen, daß man nicht die Notwendigkeit sondern nur die
Regelmäßigkeit wahrnimmt und auch diese nicht mit Evidenz sondern nur
mit einer steigerbaren Wahrscheinlichkeit, das ist natürlich eine
Eigentümlichkeit jeder empirischen Wissenschaft, die nicht wegzuleugnen
ist, aber auch nie geleugnet wird. Würde Mach aber nur dieses
meinen, so müßten wir als folgenschwere Irrtümer alle jene gehörten
Aeußerungen bezeichnen, die mit direkten Worten sagen, daß es eine
Naturnotwendigkeit überhaupt nicht gebe; Mach würde da aus dem
Umstande, daß im zweiten Fall die Notwendigkeit anders erfaßt wird,
schließen, daß sie überhaupt keine Notwendigkeit sei. (Davon ganz
abgesehen, daß er eine in diesen Gegensatz zur Naturnotwendigkeit
gesetzte logische nicht als psychologische interpretieren dürfte, ohne
einen Zirkel zu begehen, weil eine psychologische Notwendigkeit eben
doch nur wieder als eine Naturnotwendigkeit gedacht werden kann.)
Wollen wir diese schärferen Aeußerungen daher nicht als mißverständlich
betrachten, so kommen eben auch nur die schärferen Interpretationen ins
Spiel. Wir haben also nur die Wahl: entweder sind die Ausführungen
Machs unklar, in ihrem Kern aber ganz zahm, ganz einig mit der
gewöhnlichen Meinung oder es kommen nur die schärferen Interpretationen
in Betracht. Die Entscheidung kann aber in Hinsicht auf die ganze
bisherige Haltung nicht zweifelhaft sein, wenn man deren Abweichungen
von der Norm zusammenfaßt.

Denn was war das Ergebnis des dritten Abschnitts? Wir erwogen zwei
Möglichkeiten für die Bedeutung der in ihm wiedergebenen Begriffskritik.
Eine vorsichtig abmahnende, die von der naturwissenschaftlichen
Begriffsbildung nur einen möglichst engen und naiven Anschluß an die
erfahrbaren Tatsachen fordert, und eine radikalere, die es überhaupt für
unmöglich erklärt, sich über die sinnfälligen Erfahrungen zu erheben,
etwas zu erschließen, das nicht selbst unmittelbar sinnlich erfahrbar
wäre. Mit Rücksicht auf den ganzen Zusammenhang, besonders wegen des
noch zu besprechenden Sensualismus, sagten wir damals, sei nur die
zweite Bedeutung als Machs Meinung in Anspruch zu nehmen. Wir hoben aber
gleichzeitig hervor, daß ihr von dieser Seite her auch erst die
hinreichende Begründung kommen müsse, zumal blieb der Nachweis
einzufordern, daß die Erfahrung zwar in wissenschaftlich vollkommen
befriedigender Form aber dennoch so gefaßt werden könne, daß das von
Mach bekämpfte begriffliche Transcendieren des Wahrnehmbaren vermieden
wird. -- Im vierten Abschnitt lernten wir dann die Bedeutung des
funktionalen Zusammenhangs kennen. Wir sahen, daß die funktionale
Verknüpfung in erster Linie als eine rechnerische, d. h. als eine der
Berechnung quantitativer Merkmale dienende gilt, daß es also nahe liegt,
(wenn auch noch nicht berechtigt ist), sie nur als eine ökonomische zu
betrachten. Man muß letzteres aber tun, wenn sie Beziehung zu dem
Vorherigen haben und dieses stützen soll. Denn nur dann läßt sich mit
einigem Anschein von Recht behaupten, daß weil die Begriffe auf
funktionalen Gleichungen ruhen und ihr Inhalt durch die Erfahrungen
erschöpft wird, die sich in diesen Gleichungen ausdrücken, dieser Inhalt
nichts sei als ein ökonomisches, zusammenfassendes Symbol für die
Berechenbarkeit bestimmter Erfahrungen auseinander; nachweislich dürfte
in der exakten Wissenschaft nur diese rechnerische Seite der Verknüpfung
vorhanden sein, damit in den wissenschaftlichen Begriffen nichts liege,
daß noch nach einer anderen Seite suchen hieße, nur unter dieser
Voraussetzung könnte die Berufung auf die exakte Forschung teilweise
wenigstens dem Vorangegangenen ein Fundament liefern.

Aber natürlich ist dem nicht schon dadurch genug geschehen, daß der alte
zweigliedrige Kausalbegriff »einer Dosis Ursache folgt eine Dosis
Wirkung«[214] fällt oder daß das Rechnerische in den Vordergrund tritt,
sondern nur dadurch, daß den in den Gleichungen ausgesprochenen
Beziehungen überhaupt keine Naturnotwendigkeit zugrunde liegt. Denn
solange die Gleichungen tatsächliche gesetzliche Beziehungen ausdrücken
(allerdings würde man normalerweise voraussetzen, daß sie auch nur dann
die Berechenbarkeit gewährleisten), weisen sie auf reale notwendige
Verknüpfungen, und den Begriffen, die in dem von ihnen beschriebenen
Verhalten wurzeln, bleibt die Möglichkeit realer Bedeutung. Es würde
hier also in der ganzen Argumentation ein Loch klaffen, wenn die
Naturnotwendigkeit nicht geleugnet würde.

Und in der Tat stießen wir dann ja auf eine Polemik gegen die
Notwendigkeit, und mehr noch als bestimmte darauf bezügliche Stellen nötigt
uns also der ganze Zusammenhang, sie in diesem Sinne aufzufassen. Denn auch
das Interesse an der Zersetzung des Kraft- und Substanzbegriffes wird dann
verständlich, weil der Gedanke an eine Naturnotwendigkeit nicht zu umgehen
ist, solange man an Substanzen mit fest zugeeigneten Kräften glaubt, da
dies ohne die Annahme realer Notwendigkeit keinen Sinn hätte. Und endlich
ordnet sich nun erst auch jener erste Einwand gegen die Kausalität, die
Natur sei nur einmal da, Wiederholungen gleicher Fälle kenne sie nicht, in
das Uebrige ein, den wir im vorigen Abschnitt unerörtert ließen, weil wir
erkannten, daß sich sein Sinn nicht nur gegen die Kausalität richtet,
sondern schlechtweg alles Naturgesetzliche und Naturnotwendige
untergräbt.[215] Wir sehen also tatsächlich, daß sich das Ganze auf die
dritte der von uns zur Erwägung gestellten Interpretationen zuspitzt. Diese
ist daher nicht nur notwendig um gewisse Aeusserungen nicht als
Uebertreibungen erscheinen zu lassen, wie wir dies vordem zeigten, sondern
auch um das ganze Gefüge der Machschen Gedanken nicht in belanglose und,
wie man dann wohl sagen dürfte, unvorsichtige Aeußerungen zerfallen zu
lassen. Umgekehrt werden wir nun aber auch mit Recht alles darauf ankommen
lassen dürfen, ob sie die Probe besteht oder nicht.

Nun gibt es doch aber offenbar in der Natur wenigstens den Anschein von
Notwendigkeit und Gesetz, nämlich unverbrüchliche Regelmäßigkeiten; sie
sind das, aus dem man das Vorhandensein einer Naturgesetzlichkeit
ableitet, auch dann wenn man über diese außer der Wahrscheinlichkeit
ihres Daseins nichts aussagen zu können glaubt. Wie Mach sich dazu
verhält, ist daher von größter Bedeutung.

Er sagt: »Unsere Naturwissenschaft besteht in dem begrifflichen
quantitativen Ausdruck der Tatsachen«.[216] Es ist aber »jeder
naturwissenschaftliche Satz ein ~Abstraktum~, welches die Wiederholung
gleichartiger Fälle zur Voraussetzung hat«,[217] denn »wenn wir die
Tatsachen in Gedanken nachbilden, so bilden wir niemals die Tatsachen
überhaupt nach, sondern nur nach jener Seite, welche für uns wichtig ist;
unsere Nachbildungen sind immer Abstraktionen[218] »weil eine Regel, welche
aus der Beobachtung von Tatsachen gewonnen wird, nicht die ganze Tatsache
in ihrer unerschöpflichen Mannigfaltigkeit fassen, sondern nur eine Skizze
der Tatsache geben kann, einseitig dasjenige hervorhebend, was für den
technischen oder wissenschaftlichen Zweck wichtig ist. So hat man z. B. am
Hebel zuerst die Gewichte und Arme, dann die statischen Momente usw.,
endlich die Gewichte und die Zugrichtungen in Bezug auf die Axe als
gleichgewichtsbestimmende Umstände ins Auge gefaßt, und demnach die
Gleichgewichtsregeln gebildet.«[219] Mit anderen Worten: »Die
fortschreitende Verschärfung der Naturgesetze, die zunehmende Einschränkung
der Erwartung entspricht einer genaueren Anpassung der Gedanken an die
Tatsachen. Eine vollkommene Anpassung an jede individuelle, künftig
auftretende, unberechenbare Tatsache ist natürlich unmöglich. Die
vielfache, möglichst allgemeine Anwendbarkeit der Naturgesetze auf konkrete
tatsächliche Fälle wird nur möglich durch Abstraktion,[220] durch
Vereinfachung, Schematisierung, Idealisierung der Tatsachen, durch
gedankliche Zerlegung derselben in solche einfache Elemente, daß aus diesen
die gegebenen Tatsachen mit zureichender Genauigkeit sich wieder gedanklich
aufbauen und zusammensetzen lassen. Solche elementare idealisierte
Tatsachenelemente, wie sie in Wirklichkeit nie in Vollkommenheit
angetroffen werden, sind die gleichförmige und die gleichförmig
beschleunigte Massenbewegung, die stationäre (unveränderliche) thermische
und elektrische Strömung und die Strömung von gleichmäßig wachsender und
abnehmender Stärke usw. Aus solchen Elementen läßt sich aber jede beliebig
variable Bewegung und Strömung beliebig genau zusammengesetzt denken, und
der Anwendung der Naturgesetze zugänglich machen. Dies geschieht in den
Differentialgleichungen der Physik. Unsere Naturgesetze bestehen also aus
einer Reihe für die Anwendung bereit liegender für diesen Gebrauch
zweckmäßig gewählter Lehrsätze. Die Naturwissenschaft kann aufgefaßt werden
als eine Art Instrumentensammlung zur gedanklichen Ergänzung irgend welcher
teilweise vorliegender Tatsachen oder zur möglichsten Einschränkung unserer
Erwartung in künftig sich darbietenden Fällen.«[221]

Der wichtige, in diesen Ausführungen neu hinzukommende Gedanke, ist der,
daß das idealisierende und daher fiktive Moment an den Naturgesetzen betont
wird. Unsere Naturgesetze werden durch Abstraktion gewonnen, sagt Mach,
durch Absehen von der vollen Mannigfaltigkeit der Tatsachen, nur durch
Idealisierung der Tatsachen gelingt es uns, Gesetzlichkeit zu finden. »Alle
allgemeinen physikalischen Begriffe und Gesetze, der Begriff des Strahls,
die dioptrischen Gesetze, das Mariotte'sche Gesetz usw. werden durch
Idealisierung gewonnen. Sie nehmen dadurch jene einfache und zugleich
allgemeine, wenig bestimmte Gestalt an, welche es ermöglicht, eine
beliebige auch komplizierte Tatsache durch synthetische Kombination dieser
Begriffe und Gesetze zu rekonstruieren, d. h. sie zu verstehen. Solche
Idealisierungen sind bei den Carnot'schen Betrachtungen der absolut
nichtleitende Körper, die volle Temperaturgleichheit der sich berührenden
Körper, die nicht umkehrbaren Prozesse, bei Kirchhoff der absolut schwarze
Körper usw.«[222]

Ist dem aber so, wird das Gesetz nur durch idealisierende Fiktion
gefunden, so hat es, folgert Mach weiter, zwar die Wiederholung gleicher
Ereignisse unter gleichen Umständen zur Voraussetzung, weil es aber
ein bloßes Abstraktum ist, existiert auch diese vorausgesetzte
Regelmäßigkeit nicht in der Natur sondern nur in der Abstraktion, im
idealisierten Schema.

Und damit sind wir nun tatsächlich bei dem Mißverständnis angelangt, auf
das sich die ganze Leugnung der Naturnotwendigkeit gründet; Notwendigkeit,
schließt Mach, findet sich nur in der Abhängigkeit unserer Begriffe von
einander, in unseren Vorstellungen von Gesetz u. dgl., diese sind aber
durch Idealisierung gewonnen, also wird in die Natur die Notwendigkeit
auch nur fiktiv hineingetragen. »Für den wissenschaftlichen Gebrauch«, sagt
Mach, »muß die gedankliche Nachbildung der sinnlichen Erlebnisse noch
begrifflich geformt werden. ~Nur so~ können sie benützt werden, um zu einer
durch eine begriffliche Maßreaktion charakterisierten Eigenschaft durch
eine begriffliche Rechenkonstruktion die davon abhängige Eigenschaft der
Tatsache zu finden, die teilweise gegebene zu ergänzen. Dieses Formen
geschieht durch Idealisierung«,[223] denn »nur unser schematisches
Nachbilden erzeugt gleiche Fälle, nur in diesem existiert also die
Abhängigkeit gewisser Merkmale voneinander«.[224] Dieser eindeutig
bestimmten Abhängigkeit, heißt es weiter, entspricht »nur eine Theorie,
welche die immer komplizierten und durch mannigfache Nebenumstände
beeinflußten Tatsachen der Beobachtung ~einfacher~ und ~genauer~ darstellt,
als dies durch die Beobachtung eigentlich verbürgt werden kann«.[225] Nur
dadurch »wird die mathematische Physik zu einer deduktiven exakten
Wissenschaft, daß sie die Erfahrungsobjekte durch schematisierende,
idealisierende Begriffe darstellt«.[226] Denn das genaue Verhältnis ergibt
sich nur durch Idealisierung und »erscheint nur als eine Hypothese, durch
deren Aufgeben die einzelnen Tatsachen der Erfahrung sofort in logischen
Widerspruch geraten würden. Nun erst können wir die Tatsachen mit exakten
Begriffen operierend selbsttätig rekonstruieren, wissenschaftlich,
logisch beherrschen. Der Hebel und die schiefe Ebene sind gerade so
selbstgeschaffene Idealobjekte der Mechanik, wie die Dreiecke Idealobjekte
der Geometrie sind. Diese Objekte allein können den logischen Forderungen
vollkommen genügen, welche wir ihnen aufgelegt haben. Der physische Hebel
genügt ihnen nur so weit als er sich dem idealen nähert«.[227] Mit anderen
Worten: »die logischen Deduktionen aus unseren Begriffen bleiben aufrecht,
solange wir diese Begriffe festhalten«,[228] aber »die Tatsachen sind nicht
genötigt, sich nach unseren Gedanken zu richten«;[229] es richten sich bloß
»unsere Gedanken, unsere Erwartungen nach anderen Gedanken, nach den
Begriffen nämlich, welche wir uns von den Tatsachen gebildet haben. Nehmen
wir an, daß eine Tatsache genau unseren einfachen, idealen Begriffen
entspricht, so wird in Uebereinstimmung hiermit unsere Erwartung auch genau
bestimmt sein. Ein naturwissenschaftlicher Satz hat immer nur den
hypothetischen Sinn: Wenn die Tatsache A genau den Begriffen M entspricht,
so entspricht die Folge B genau den Begriffen N, so genau als A den M, so
genau entspricht B den N. Die absolute Exaktheit, die vollkommen genaue,
eindeutige Bestimmung der Folgen einer Voraussetzung besteht in der
Naturwissenschaft nicht in der sinnlichen Wirklichkeit, sondern nur in der
Theorie«.[230]

Dies sind die Ausführungen, auf denen die Leugnung der Naturnotwendigkeit
ruht und auf die sich alles Uebrige zuspitzt. Wir nannten sie
mißverständlich. Bevor wir jedoch daraus die Konsequenzen ziehen und von
neuem in die Kritik eintreten, ist es notwendig noch einen letzten Gedanken
zu berücksichtigen: den Machschen Sensualismus, die Elemententheorie.

Diese Analyse der Empfindungen (nach Machs Benennung) oder Elemententheorie
(wie wir mit Bezug auf einen ihrer wichtigsten Begriffe kurz sagen
können) würde ein Kapitel für sich erfordern, wollte man auf alle
Zweifelhaftigkeiten eingehen, die ihr anhaften. Wir haben jedoch schon in
der Einleitung unsere Aufgabe beschränkt und auf den wichtigsten Punkt
konzentriert, auf den Zusammenhang nämlich, der, nach Machs Behauptung,
seine Anschauungen als Konsequenzen der exakten Forschung rechtfertigen
soll. Diesen Zusammenhang haben wir in seinen wichtigsten Teilen bereits
kennen gelernt, er ergibt eine eigentümliche erkenntnistheoretische Haltung
und Mach sagt selbst im Vorwort zur Analyse der Empfindungen ganz dem
entsprechend: »Nicht eine Lösung aller Fragen, sondern eine
erkenntnistheoretische Wendung wird hier versucht«.

Diese erkenntnistheoretische Wendung, mit der wir es, als vermeintlichem
Ergebnis der bisherigen Untersuchungen, bei der Elemententheorie zu tun
haben, ist aber die, daß in Konsequenz des Idealisierenden, Fiktiven in der
Naturwissenschaft die den Gesetzen zugrundeliegende reale Notwendigkeit
geleugnet und Gesetz wie Theorie bloß als ein Instrumentarium[231]
betrachtet wird, dessem fiktiven Gehalt keine Eigenbedeutung zukommt,
sondern nur die eines Hilfsmittels zur Herstellung eines übersichtlichen
Tatsacheninventars.[232] Dies also, obwohl wir näher darüber erst später
reden wollen, muß jetzt schon festgelegt werden, und wir werden sehen, daß
sich das Wichtigste aus der Analyse der Empfindungen tatsächlich darauf
zurückführen läßt. Andererseits ist jedoch auch darauf zu verweisen, daß
die Auflösung in Elemente selbst wieder ein weiterer Schritt zu diesem
erkenntnistheoretischen Endbilde ist, denn bisher haben wir zwar gesehen,
daß die Substanzbegriffe aus der wissenschaftlichen Behandlung
ausgeschieden werden, solange man aber an Psychisches und Physisches, an
eine Innenwelt und eine Außenwelt glaubt, kann diese Operation kein
definitives Resultat ergeben, weil dabei ja sozusagen der Krankheitserreger
im wissenschaftlichen Organismus zurückgeblieben ist.

Wenn man nun unter dem Gesichtspunkt dieser Vorbemerkung die Analyse der
Empfindungen betrachtet, so findet man, von Nebensächlichem[233]
abgesehen, drei Hauptgruppen zusammengehörender Gedanken:

Erstens sprechen die Ergebnisse der Naturwissenschaft ohnedies nur von
Zusammenhängen von Empfindungen, die Welt ist also eine Welt der
Empfindungen.

Was diesen Gedanken betrifft, genügt Folgendes, um ihn zu illustrieren: Wir
wissen, daß die Physik eine Erfahrungs-, eine Tatsachenwissenschaft ist,
oder wie Mach sagt: »die einzig unmittelbare Quelle naturwissenschaftlicher
Erkenntnis ist die sinnliche Wahrnehmung«;[234] die Interpretation selbst
der abstraktesten Gleichung führt gleichfalls auf solche Wahrnehmungen, auf
Sinnlich-Anschauliches als ihre Grundlage, oder wie Mach sagt:
»alle Rechnungen, Konstruktionen usw. sind nur Zwischenmittel
diese Anschaulichkeit zu erreichen«.[235] Nun ist zwischen einer
Erfahrungswissenschaft und einer Wissenschaft von Empfindungen allerdings
noch ein gewaltiger Unterschied, aber Mach glaubt ihn dadurch überbrücken
zu können, daß er schließt: Gleichungen beruhen auf Messungen, Messungen
reduziert man auf Grundmaße, gewöhnlich Länge, Masse und Zeit, Masse und
Zeit kommen aber, wie wir gehört haben, auf Längemessungen hinaus. »Demnach
ist die Längemessung die Grundlage für alle Messungen. Allein den bloßen
Raum messen wir nicht, wir brauchen einen körperlichen Maßstab, womit das
ganze System mannigfaltiger Empfindungen eingeführt ist. Obschon also die
Gleichungen nur räumliche Maßzahlen enthalten, sind dieselben auch nur das
ordnende Prinzip, das uns anweist, aus welchen Gliedern in der Reihe der
sinnlichen Elemente wir unser Weltbild zusammenzusetzen haben«.[236] M. a.
W.: »Die Naturgesetze sind Gleichungen zwischen den meßbaren Elementen der
Erscheinungen«[237], ein »quantitatives Regulativ« der sinnlichen
Vorstellung.[238]

In erster Linie, denke ich, wird man dem einwenden, daß dieses
»quantitative Regulativ« sich nur in höchst indirekter Weise auf
sinnliche Vorstellungen bezieht. Denn das eine ist klar, daß die
Elemente, von denen in den Gleichungen der Physik die Rede ist, zunächst
keine sinnlichen sondern begriffliche Elemente sind. Von keinen anderen
als solchen war bisher die Rede, mit keinen anderen würde sich auch
das Bisherige vertragen, -- man denke bloß daran, daß einzelne
Bestimmungsstücke der Gleichungen ja idealisiert und fiktiv gefunden
wurden, also in der sinnlichen Wirklichkeit gar nicht angetroffen werden
können, -- und endlich spricht ja Mach selbst ausdrücklich von
Begriffen. »Für den wissenschaftlichen Gebrauch muß die gedankliche
Nachbildung der sinnlichen Erlebnisse noch begrifflich geformt
werden«,[239] heißt es und »für den Physiker sind Begriffe die
Bauanweisung«.[240]

Sollen danach also die ursprünglichen Aeußerungen noch aufrecht erhalten
bleiben, so muß den Begriffen selbst eine Vermittlerrolle zugedacht
sein. Und in der Tat meint Mach: Der Physiker operiert immer mit
Empfindungen, denn diese liegen seinen Begriffen zu Grunde. Jede
experimentelle Anordnung durch die wir zu einem Gesetz gelangen oder auf
deren Beschreibung die Definition eines Begriffes ruht,[241] »gründet
sich auf eine fast unabsehbare Reihe von Sinnesempfindungen,
insbesondere, wenn noch die Justierung der Apparate in Betracht gezogen
wird, welche der Bestimmung vorausgehen muß. Also bedeutet ein
physikalischer Begriff nur eine bestimmte Art des Zusammenhanges
sinnlicher Elemente.«[242] Daß dennoch nicht direkt davon die Rede ist,
erklärt Mach so: »die Naturwissenschaft lehrt uns die stärksten
Zusammenhänge von Gruppen von Elementen kennen. Auf die einzelnen
Bestandteile dieser Gruppen dürfen wir vorerst nicht zu viel achten,
wenn wir ein faßbares Ganzes behalten wollen. Die Physik gibt, weil ihr
dies leichter wird, statt der Gleichungen zwischen den Urvariablen,
Gleichungen zwischen Funktionen derselben. Die psychologische
Physiologie lehrt von dem Körper das Sichtbare, Hörbare, Tastbare
absondern, das Sichtbare löst die Physiologie weiter in Licht- und
Raumempfindungen, erstere wieder in die Farben, letztere ebenfalls in
ihre Bestandteile; die Geräusche löst sie in Klänge, diese in Töne auf
usw. Ohne Zweifel kann diese Analyse noch sehr viel weiter geführt
werden, als es schon geschehen ist. Es wird schließlich sogar möglich
sein, das Gemeinsame, welches sehr abstrakten und doch bestimmten
logischen Handlungen von gleicher Form zugrunde liegt, ebenfalls
aufzuweisen. Die Physiologie wird uns mit einem Worte die eigentlichen
realen Elemente der Welt aufschließen.«[243] Natürlich muß man dem
hinzufügen, daß diese »Ueberlegung nur ein Ideal weisen« kann, »dessen
annähernde allmähliche Verwirklichung der Forschung der Zukunft
vorbehalten bleibt. Die Ermittlung der direkten Abhängigkeit der
Elemente voneinander,« sagt Mach, »ist eine Aufgabe von solcher
Komplikation, daß sie nicht auf einmal gelöst werden kann;«[244] die
Richtung, in welcher die Aufklärung durch eine lange und mühevolle
Untersuchung zu erwarten ist, kann natürlich nur vermutet werden.
Das Resultat antizipieren, oder es gar in die gegenwärtigen
wissenschaftlichen Untersuchungen einmischen zu wollen, hieße
»Mythologie statt Wissenschaft treiben.«[245]

Auf diese Gedanken reduziert sich dann auch die zweite Gruppe von
Einwänden, die wir daher gleich anschließen wollen. Was uns von den Körpern
gegeben ist, sagt Mach, sind (nach gewöhnlicher Redeweise) die
Empfindungen, die sie in uns auslösen, also Sinnesinhalte, »Farben, Töne,
Wärme, Drücke, Räume, Zeiten usw., in mannigfaltiger Weise miteinander
verknüpft.«[246] Wie kommen wir nun von da zur Annahme von Dingen? Die
Antwort ist: weil wir ein Bedürfnis nach einheitlicher Zusammenfassung
haben[247] und weil diesem der Umstand entgegenkommt, daß »in dem Gewoge
der Empfindungen die Summe der bleibenden Glieder gegenüber den
veränderlichen, namentlich wenn wir auf die Stetigkeit des Ueberganges
achten, immer so groß ist, daß sie uns zur Anerkennung des Körpers als
desselben genügend erscheint,«[248] »das relativ Feste und Beständige tritt
hervor, prägt sich ein, drückt sich in der Sprache aus.«[249] Glaubt man
aber deswegen, daß hinter den Erscheinungen wirklich ein »bleibender Kern«,
ein Ding liege, von dem die Erscheinungen »bewirkt«[250] werden, so begeht
man den Fehler, die subjektive Willkürlichkeit der Repräsentation zu
übersehen und letztere objektiv zu hypostasieren,[251] m. a. W. die
Beständigkeit für absolut zu erklären, während sie in Wirklichkeit doch
bloß relativ ist und eben nur hinreichend, um eine subjektive
Vereinheitlichung, nicht aber auch eine objektive Einheit zu begründen.
Die Beständigkeit des betreffenden Empfindungskomplexes ist ferner an
gewisse Bedingungen gebunden (an unser Verhalten und an Beziehungen zur
Umgebung) und auch deswegen nur eine relative; weil man aber diese
Bedingungen stets in der Hand hat, weil sie leicht realisierbar sind,
beachtet man sie nicht immer und hält den Körper als Repräsentanten des
Elementenkomplexes für stets vorhanden;[252] ja man tut dies sogar in
Fällen, wo der Wille zur Realisierung der Bedingungen nicht mehr allein
genügt oder wo die volle Realisierung der Sinnfälligkeit überhaupt
unmöglich ist.[253] Vermeidet man aber diesen Fehler, so kann man nur
umgekehrt sagen, daß Körper oder Dinge abkürzende Gedankensymbole für
Gruppen von Empfindungen sind, Symbole, die außerhalb unseres Denkens nicht
existieren[254], denn mit dem Wegfall der Empfindungen verlieren überdies
die hinzugedachten Kerne allen Inhalt[255]; »nicht die Dinge, sondern was
wir gewöhnlich Empfindungen nennen, sind eigentliche Elemente der
Welt«[256], »nicht die Körper erzeugen Empfindungen, sondern
Elementenkomplexe bilden die Körper«[257] und als letztes Ergebnis:
»Die Empfindungen verschiedener Sinne eines Menschen, sowie die
Sinnesempfindungen verschiedener Menschen sind gesetzlich voneinander
abhängig. Darin besteht die Materie.«[258]

Es ist nicht nötig, viel über diese Argumentation zu sagen; der Schein
von Berechtigung, der ihr -- allerdings weniger in dieser nüchternen
Zusammenstellung als in der fließend und wie selbstverständlich
erzählenden Darstellung Machs -- anhaftet, rührt nur daher, daß diese
Ausführungen sich auf einer primitiven, vorläufigen, durchaus
ungeklärten Basis bewegen. Was heißt ein Bündel, ein Komplex, ein
gesetzlicher Zusammenhang von Empfindungen? Das sind Vorstellungen, die,
bevor sie erwogen werden können, erst wissenschaftlich präzisiert werden
müssen. Doch dies eben weist uns auch auf den Zusammenhang: das
wissenschaftlich genau gefaßte Verhalten der Dinge liegt in den
Gesetzen, und wir fanden dies ja gerade durch Mach hervorgehoben;
dadurch reduziert sich dann die ganze Frage auf die frühere, inwiefern
die Naturgesetze Gesetze zwischen Empfindungen seien; nur dort, wo man
schärfer zupacken kann, kann auch sie ihre Erledigung finden. Und nur
der indirekte Weg über die Vermittlerstellung des Begriffs kann dafür in
Betracht kommen, denn sollte Mach das Wesen der Substanz in einem
anderen gesetzlichen Zusammenhange der Empfindungen verschiedener Sinne
und verschiedener Menschen sehen als in diesem, so blieben wohl erst die
Gesetze der äußeren Natur zu zeigen, die direkt sich auf Empfindungen
beziehen; die gewöhnlichen physikalischen Gesetze sind es nicht und
können auch nicht von Mach dafür ausgegeben werden, ohne daß er in den
unlösbarsten Widerspruch mit den Seite 107 erwähnten sonstigen
Konsequenzen seiner Haltung geriete.

Es bleibt uns dann noch eine dritte Gruppe von Einwänden, dahin zielend,
daß die Trennung zwischen eigenen und fremden Empfindungen wie die
zwischen Empfindung und Empfundenem als irreführend beseitigt wird,
wonach es nur mehr einerlei »Elemente« gibt, die an sich weder der
Innenwelt noch der Außenwelt angehören.

Nehmen wir an, die Naturgesetze seien nur ein quantitatives Regulativ
der sinnlichen Vorstellungen, sie wiesen uns an, aus welchen dieser und
in welcher Kombination wir bestimmte Tatsachen nachzubilden hätten. Dann
sind Rot, Grün, Ausdehnung, Druck usw. die Elemente der Außenwelt,
sofern sie wahrgenommen wird. Immerhin scheidet die gewöhnliche
Auffassung auch dann noch zwischen dieser sinnlichen Gelegenheit der
Elemente und ihrer (ev. unerkennbaren) von den subjektiven Bedingungen
der Wahrnehmung unabhängigen Natur. Diese Scheidung bekämpft Mach, nach
ihm sind Rot, Ausgedehnt u. dgl. sozusagen schon die Elemente an sich,
und ihre vermeintliche Doppelstellung zwischen Physischem und
Psychischem beruht nur auf einem Wechsel und einer Verwechslung der
Perspektive.

Er sagt: Nennen wir diese Elemente A B C ...; ein besonderer Teil davon
bildet unseren Leib und wird mit K L M ... bezeichnet; endlich sind noch
als ¿a b g¿ .. die eigentlichen psychischen Elemente, Stimmungen,
Erinnerungsbilder, Gefühle, Willen[259] u. dgl. zu bezeichnen. Von ihnen
wird nun zunächst vorausgesetzt, daß sie von Vorstellungen nicht
wesentlich verschieden seien[260]. Dann sind also die ¿a b g¿ ...
dasselbe wie die K L M.. und A B C ... Nun hängt K L M sowohl mit ¿a b
g¿ ... wie mit A B C ... enger zusammen als diese untereinander, denn
unsere psychischen Vorgänge beeinflussen die Vorgänge in der Außenwelt
nicht direkt, wohl aber sind sie von Nervenprozessen, also Veränderungen
in K L M ... abhängig; und ebenso hängt A B C ... mit K L M ...
zusammen, denn es zeigt sich, »daß verschiedene A B C ... an
verschiedene K L M ... gebunden sind«; z. B. erscheint ein Körper dem
rechten Auge anders als dem linken, bei geschlossenen Augen gar nicht u.
dgl.[261] Was gegeben ist, sind also einerlei Elemente in verschiedenen
Verhältnissen der Abhängigkeit. Auf deren Verschiedenheit beruht aber
einzig und allein der ganze Dualismus. Achtet man auf K L M ... nicht
und betrachtet nur den Zusammenhang der A B C ..., so treibt man
Physik, achtet man auf den Zusammenhang mit K L M ... so treibt man
Psychologie und darf A B C ... als Empfindungen bezeichnen.[262] Sofern
man alle A B C .. in diesen Zusammenhang bringen kann, können alle
Elemente als Empfindungen gelten und das Ich, das sich aus den
Empfindungen aufbaut[263], kann die ganze Welt umfassen.[264]
»Jedenfalls aber ist für uns wichtig, zu erkennen, daß es bei allen
Fragen, die hier vernünftigerweise gestellt werden können, auf die
Berücksichtigung verschiedener Grundvariablen und verschiedener
Abhängigkeitsverhältnisse ankommt. An dem Tatsächlichen, an den
Funktionalbeziehungen wird nichts geändert, ob wir alles Gegebene als
Bewußtseinsinhalt oder aber teilweise oder ganz als physikalisch
ansehen.«[265] Wie steht es nun aber mit den Empfindungen, die wir doch
auch bei anderen Menschen voraussetzen? Sie sind, meint Mach, von uns
nach Analogie hinzugedacht[266], sind funktional hinzugedacht[267],
weil uns das Verhalten der anderen Menschen erst dadurch vertraut
wird[268]. »Die Vorstellungen von dem Bewußtseinsinhalt unserer
Mitmenschen spielen für uns die Rolle von Zwischensubstitutionen, durch
welche uns das Verhalten der Mitmenschen, die Funktionalbeziehung von K
L M ... zu A B C ..., soweit dasselbe für sich allein (physikalisch)
unaufgeklärt bliebe, verständlich wird.«[269]

Wir haben jetzt in ziemlicher Vollständigkeit das Material beisammen und
können nun auch unsere Bemühungen, die in ihm liegenden Widersprüche und
Irrtümer aufzuzeigen, zu Ende führen. Bisher hatte uns unser Weg von der
Forderung des Nachweises, daß die Erfahrung in wissenschaftlich
befriedigender Weise und dennoch ohne Transcendieren des Wahrnehmbaren
gefaßt werden könne, zu der Interpretation der funktionalen Verknüpfung als
einer nur ökonomisch-rechnerischen geführt, von dieser Interpretation zur
Leugnung einer Naturnotwendigkeit, von dort einerseits zur Rolle der
Idealisierung und der Abstraktion, die ihr -- wie wir dort vorweg
sagten -- mißverständlich zugrunde gelegt wird, andererseits zur Auffassung
der Wissenschaft als eines bloß ökonomischen Instrumentariums und
Inventars, die aus der Leugnung der Naturnotwendigkeit erfolgt.

An dieser Stelle schalteten wir die Elemententheorie ein; was ist nun ihr
Ergebnis? -- Es blieben uns zwei Gedankengänge. In dem einen glaubte Mach
den Unterschied zwischen einer auf Grund von Wahrnehmungen aufgebauten
Wissenschaft und einer Wissenschaft von Wahrnehmungsinhalten dadurch
überbrückt, daß die Naturgesetze in ihren letzten Konsequenzen ordnende
Prinzipien sind, die uns anweisen, aus welchen sinnlichen Vorstellungen wir
unser Weltbild zusammensetzen sollen, Gleichungen zwischen den meßbaren
Elementen der Erscheinungen, quantitative Regulative der sinnlichen
Vorstellung. Ist dies der Fall, dann wäre die ganze Wissenschaft nur zu
einer Vermittlung zwischen den Erscheinungen berufen, würde in dieser
Aufgabe wurzeln und wäre in ihr abgeschlossen; sollte sich vielleicht auch
da und dort auf diesem Wege ein Hinausgehen der Bedeutung über das
Wahrnehmbare nicht vermeiden lassen, so würde es doch gewissermaßen nicht
zur Sache gehören, sondern nur eine dem algorithmischen Symbol anhaftende
Mitbedeutung sein. Wir zeigten aber, daß diese Behauptung nur indirekt
genommen werden dürfe, weil die in den Gesetzen auftretenden Elemente nicht
sinnliche, sondern begriffliche sind, was auch von Mach zugegeben wird. Die
Vermittlerrolle suchten wir daher bei der Auffassung des Begriffs und
stießen dabei auf Machs Erklärung, daß zwar die heutige Physik, weil ihr
dies leichter falle, nicht Gleichungen zwischen den Urvariablen, sondern
solche zwischen Größen gebe, die bereits deren Funktionen sind, die
Begriffe aber dennoch nur eine bestimmte Art des Zusammenhanges sinnlicher
Elemente bedeuten.

Ganz abgesehen davon, daß Mach (vgl. S. 108) den strengen Beweis dieser
Behauptungen einer zukünftigen Wissenschaft vorbehält und selbst nur
jene nicht eigentlich diskutablen Aphorismen vorbringt, die wiederum wir
bis zur wissenschaftlichen Präzisierung zurückstellen mußten, ergeben
sich gegen seine Behauptung aber auch sofort prinzipielle Bedenken. Denn
daß jeder empirische Begriff auf Wahrnehmung beruht, haben wir zwar
zugegeben, daß dies nun aber auf einmal gleichbedeutend mit einem
Zusammenhang von Sinnesinhalten sein soll, ist eine Unterschiebung. Denn
obzwar natürlich die Wahrnehmungen in Sinnesinhalten bestehen und
Wahrnehmungen zu den Begriffen führen, sozusagen also auch zu einem
Begriffe zusammengefaßt werden, so bedeutet der Begriff doch etwas
anderes als eine Zusammenfassung von Wahrnehmungen, wie man erkennt,
wenn man seine Bedeutung entfaltet. Schreibe ich einem Körper die
Eigenschaft ¿a¿, beispielsweise Masse, zu, wenn er das wissenschaftlich
fixierte Verhalten ¿a¿ zeigt, so kann ich dies natürlich nur tun, weil
¿a¿ da und dort wahrgenommen wurde, aber ich kann es nicht minder auch
nur deswegen tun, weil ¿a¿ selbst von seinem Wahrgenommenwerden
unabhängig ist, weil der Wechsel der wahrnehmenden Person gar nichts an
ihm ändert u. dgl. So wenigstens nach der herrschenden Ansicht, davon
ganz abgesehen, daß Wahrnehmungen, die auf den gleichen Gegenstand
bezogen werden, immer noch nicht gleiche Inhalte voraussetzen.

Doch soll eben diese Auffassung durch die letzte Gruppe von Argumenten
als irrtümlich hingestellt werden. Die Unterscheidung zwischen der
sinnlichen Gegebenheit der Elemente (den Elementen sofern und wie sie
wahrgenommen werden) und der Natur dieser Elemente als Gegenstände,
unabhängig von den subjektiven Bedingungen der Wahrnehmung, ist falsch;
warum? Weil sie nur auf einem Wechsel der Untersuchungsrichtung beruht,
hieß es, und auf Unterschieden der funktionalen In-Verbindung-Setzung.
Die Elemente sind nur einmal da und sind weder physisch noch psychisch,
nur in Bezug auf andere Elemente sind sie bald das eine, bald das
andere. Daß man sie dann aber in Relation zu Teilen des eigenen Körpers
psychisch, in Relationen zu fremden Körpern physisch nennt, ist ganz
gleichgültig, unter Umständen sogar irreführend, jedenfalls aber
unnötig, denn das berechtigte wissenschaftliche Interesse ist damit
erschöpft, daß man erfährt, wie sie sich in beiden Fällen verhalten,
welche Art funktionaler Abhängigkeit bestehe u. dgl.

Es fragt sich nun, ob der phänomenale Dualismus wirklich, wie Mach
meint, dem positiv Gegebenen nur so äußerlich angeheftet sei, oder ob
er nicht doch notwendig darin liegt? Eines ist sicher, ist eine
Erfahrungstatsache: die Elemente A B .., von denen Mach spricht, sind
immer an das Vorhandensein von K L M gebunden, denn wo es beispielsweise
keine Netzhaut gibt, dort gibt es auch keine Farbe, oder diese Farbe
dürfte kein Mach'sches Element, müßte etwas hinter dem Inhalt sein.
Würde man dann Elemente A B .. in Abhängigkeit von Elementen D E ..
untersuchen, so dürfte man also nicht von K L M .. abstrahieren, jede
physikalische Untersuchung bliebe eine psychologische. Mach selbst gibt
an, daß die ursprünglichen Gleichungen die Form F (A B .. K L ..) = 0
haben.[270] Welche Möglichkeiten gibt es nun, von K L .. abzusehen? Es
wäre verständlich von irgend einem skeptischen Gesichtspunkte aus, hier
käme der der Oekonomie in Betracht, der die Tatsachen nach seinem
Gutdünken ordnet, statt die ihnen immanente Ordnung abzulesen, oder
zweitens wäre es erlaubt, wenn man die Unabhängigkeit der A B C ..,
bezw. die Einflußlosigkeit der K L M .. nach den Forderungen der
Gesetzesinduktion beweisen könnte. Im ersten Falle käme es, wie erwähnt,
auf die Oekonomie hinaus und weiter den ganzen Ableitungsgang durch bis
zu jener Leugnung realer Notwendigkeit, bei der wir stehen blieben. Der
zweite Teil aber wäre einfach der Beweis dafür, daß die A B .., die
physikalischen Elemente, untereinander in gesetzlichen Beziehungen
stehen, notwendig miteinander verknüpft sind, unabhängig von ihrem
Charakter als Inhalte, der ja mit dem ausgeschalteten K L .. wegfällt.

Ganz genau so liegt es aber auch mit dem Hinzudenken von Sinnesempfindungen
bei anderen Menschen; denn Mach sagt, wie wir gehört haben, daß man sie
nach Analogie hinzudenke, so wie man zur eigenen Empfindung den
neurologischen Prozeß hinzudenkt, an einer anderen Stelle[271] vergleicht
er es sogar mit dem Schlusse auf eine derzeit nicht beobachtete Eigenschaft
eines stromdurchflossenen Leiters, wenn man an diesem sonst alle
zugehörigen Eigenschaften beobachtet hat. -- Liegen diese Fälle aber
parallel, dann besteht kein Zweifel, daß man entweder ein psychisches Leben
der anderen Menschen mit wissenschaftlicher Bestimmtheit annehmen muß oder
daß man diese Bestimmtheit auch in ganz einwandfrei anerkannten Fällen der
Gesetzesinduktion leugnet. Wir haben also hier tatsächlich wieder die
gleiche Alternative: entweder führt sich Mach selbst ad absurdum oder das
Argument fließt in die bisherigen ein.

Was aber endlich die Rede von dem verschiedenen Feld anlangt, auf dem
der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Vorstellung beruhen soll, so
sagt Mach, daß dies im Grunde nichts anderes heiße, als daß das
betreffende Element mit verschiedenen anderen verknüpft sei; nun muß man
entweder ausgesprochen nur-psychische Elemente ¿a b g¿ darunter annehmen
(wie etwa die Funktionen der modernen Psychologie), durch die sich das
eine Feld von andern unterscheidet, da in den A B .., so zahlreich sie
auch miteinander verknüpft sein mögen, dieser Unterschied nicht liegt,
oder man darf den Unterschied nicht in dem Verknüpften, sondern muß ihn
in der Art der Verknüpfung suchen. Im ersten Fall ist natürlich weiteher
dem Dualismus eine Grundlage geschaffen als dem Mach'schen Monismus;
Unterschiede in der Art der Verknüpfung aber führen, da sie ja doch
nur so weit in Betracht kommen als sie gesetzlich sind, auf eine
verschiedene gesetzliche Struktur der Gebiete des Psychischen und des
Physischen und damit abermals zu einer Trennung beider, oder aber sie
werden ignoriert und dann haben wir es wieder mit dem alten Standpunkt
zu tun.

So führen also auch die Grundgedanken der Analyse der Empfindungen
entweder auf Widersprüche oder zu jenem Punkt, zu dem wir auch alles
andere zurückführen konnten und mit dessen Besprechung wir unsere
Aufgabe beschließen dürfen.

Wir kamen zu der Annahme, daß Mach eine Notwendigkeit in der Natur
leugne und sich über sie hinwegsetze. Ausdrückliche Worte sprechen dafür
und der Sinn des Ganzen, der gliedweise Aufbau verlangte es so, in dem
Maße, daß das System überhaupt in eine Reihe von Widersprüchen zerfiele,
wenn man den verschiedenen Gedanken diese einheitliche Orientierung
entzöge.

Und nun genügt es, darauf zu verweisen, daß gerade dieser zusammenhaltende
Gedanke Mach in den schärfsten Widerspruch gegen sich selbst versetzt, in
den Widerspruch gegen sich als Forscher. »In der Tat ist die Absicht ein
Gebiet zu erforschen nur mit der Annahme der Erforschbarkeit desselben
vereinbar. Diese setzt aber Beständigkeiten voraus, denn was sonst sollte
durch die Forschung ermittelt werden«.[272] Dies sind Worte Machs und wir
lassen ihnen, wegen der Wichtigkeit dieses Punktes eine Reihe ähnlicher
folgen: »Daß die Abhängigkeit eine feste sei, setzen wir vernünftigerweise
voraus, wenn wir an die Erforschung gehen. Die bisherige Erfahrung hat uns
diese Voraussetzung an die Hand gegeben, und jeder neue Forschungserfolg
bestärkt uns in derselben«.[273] »Beschrieben, begrifflich in Gedanken
nachgebildet kann nur werden, was gleichförmig, gesetzmäßig ist«.[274] »Wir
haben mit dem Postulat der Gleichförmigkeit der Natur keinen Fehlgriff
getan, wenn auch bei der Unerschöpflichkeit der Erfahrung die absolute
Anwendbarkeit sich nie wird dartun lassen und wie jedes wissenschaftliche
Hilfsmittel immer ein Ideal bleiben wird«.[275] »Daß wir mit Hilfe eines
Gesetzes prophezeien können, beweist die hinreichende Gleichförmigkeit
unserer Umgebung«.[276] »Ich bin überzeugt, daß in der Natur nur das und
soviel geschieht, als geschehen kann, und daß dies nur auf eine Weise
geschehen kann.«[277] »Die genauere quantitative Forschung zielt auf
möglichst vollständige Bestimmtheit, auf eindeutige Bestimmtheit«.[278]
»Die eindeutige Bestimmtheit gewisser uns wichtiger Eigenschaften von
Tatsachen durch andere leichter zugängliche wird in den wissenschaftlichen
Aufstellungen angestrebt«.[279] »Während der Forschung ist jeder Forscher
notwendig Determinist. Dies ist auch dann der Fall, wenn er mit bloßen
Wahrscheinlichkeiten zu tun hat. Die Sätze der Wahrscheinlichkeitsrechnung
gelten nur dann, wenn Zufälligkeiten durch Komplikation verdeckte
Regelmäßigkeiten sind.«[280]

Dies alles sind Aussprüche Machs und sie sagen deutlich, daß Mach,
wenigstens an diesen Stellen, feste, gesetzliche, das sind aber
notwendige, Beziehungen in der Natur voraussetzt und in wünschenswertem
Maße für erforschbar hält. Nun ist es möglich, daß in diesen Stellen
eine Entgleisung liegt, dann trifft der Vorwurf aber auch zahlreiche
andere, die wir hier nicht ausdrücklich anführten, wo Mach eine
Gleichförmigkeit, Regelmäßigkeit, Erforschbarkeit, eindeutige
Bestimmbarkeit und Vorhersage der Tatsachen mit gleicher Deutlichkeit
anerkennt. Und abgesehen von der Größe dieser Widersprüche würde
außerdem dem ganzen Gebäude der Schlußstein fehlen. Denn wir konnten
wohl die Leugnung der Notwendigkeit mit der Tatsache in Zusammenhang
bringen, daß die Naturgesetze in einer idealisierenden Weise begrifflich
gefaßt werden, der Nachweis aber, daß wegen dieses Umstandes hinter den
Gesetzen keine Notwendigkeit stehen ~könne~, wurde uns nicht gegeben.
Und ebensowenig jener zweite, gleich dringend erforderliche, daß man
auch dann noch zu einer erkenntnistheoretischen Haltung gelangen könnte,
die mit den Ergebnissen und Forderungen der exakten Forschung im
Einklang bleibt, wenn man wirklich (was im Gegebenen ja nicht der Fall
ist) die Leugnung der Naturnotwendigkeit in allen ihren Konsequenzen
durchführen würde.

Die zweite Möglichkeit ist aber die, daß man gerade die zuletzt gehörten
Aussprüche und die ihnen verwandten für die Machs wahrer Meinung
entsprechenden hält, wonach also die Leugnung der Naturnotwendigkeit nur
auf einem Mißverständnis beruhen könnte.

Und tatsächlich scheint hierbei ein solches unterlaufen zu sein. Denn was
Mach zur Unterstützung hervorhob, war der Umstand, daß die genaue von den
Gesetzen ~ausgesprochene~ Abhängigkeit nur zwischen den begrifflich
intendierten Gegenständen besteht und daß diese Gegenstände idealisierte
sind, die so nicht in der Wahrnehmungswelt existieren. Aber man mag dies
daher auch eine Fiktion nennen, so darf man diese doch nicht für
willkürlich ansehen. Denn sie ist in der Erfahrung fundiert. »Die Erfahrung
muß zunächst lehren, welche Abhängigkeit der Erscheinungen von einander
besteht, und nur die Erfahrung kann das lehren«,[281] und »unsere Begriffe
sind in der Tat selbstgemachte, jedoch darum noch nicht ganz willkürlich
gemachte«,[282] sagt Mach selbst. Die Erfahrung nun lehrt das
Bestehen ungeheurer Regelmäßigkeiten mit Deutlichkeit erkennen. Diese
Regelmäßigkeit, die uns zu allererst auf eine Notwendigkeit schließen
läßt, liegt also in den Tatsachen. Und sie wird natürlich nicht durch eine
Idealisierung aus diesen weggeschafft, ja wenn man, was hier nicht
geschehen kann, den Induktionsvorgang genau analysiert, sieht man, daß sie
sogar jedem Schritte dieser Idealisierung zugrundeliegt; die Idealisierung
ist in den Tatsachen motiviert. Daher ist es aber auch irrtümlich, zu
sagen, die Notwendigkeit werde erst durch die Idealisierung in die
Tatsachen hineingetragen. Denn die Notwendigkeit, von der man das sagen
könnte, diese nur zwischen den idealisierten Begriffen bestehende, die Mach
daher eine bloß logische nennt, diese hypothetische, mit den unerfüllbaren
Vordersätzen: wenn es ein vollkommenes Gas gibt, eine reibungslose
Flüssigkeit u. dgl. -- die setzt freilich vorerst eine Idealisierung
voraus, die ist aber auch nicht die eigentliche Notwendigkeit, ja sie ist
überhaupt nur Notwendigkeit, wenn es zuerst jene andere gibt, die in den
Tatsachen liegt, selbst wenn wir mit unseren Mitteln an deren wahre
Struktur nie ganz herankommen sollten.

Woher immer die Leugnung der Naturnotwendigkeit aber gekommen sein möge,
wird sie, wie wir hier als zweite Möglichkeit annahmen, von Mach fallen
gelassen, so verlieren wieder alle früher dargestellten Anschauungen die
Berechtigung ihres spezifischen Charakters; das Gesetz ist dann nicht
bloß eine Tabelle, die rechnerische Abhängigkeit kann gegen die sie
fundierende reale zurücktreten, die ökonomische Erfahrung gegen die
Erforschung, der theoretische Zusammenhang kann mehr sein als eine bloße
Ordnungsbeziehung, auf Grund der voneinander verschiedenen Typen
physikalischer und psychologischer Gesetze treten Empfindung und Gesetz
wieder auseinander, mit dieser Abtrennung von Dingen, die untereinander
in gesetzlicher Abhängigkeit stehen, ist wieder eine Möglichkeit für die
Kausalität geschaffen usw. und Machs darauf bezügliche Ausführungen
wären mißverständlich und irreführend.

Ob aber so oder so, ob man sich an die Anerkennung der Notwendigkeit halte
oder an die Anschauungen, die zu ihrer Leugnung führen müssen, beide Male
kommt man auf einen Widerstreit in Machs eigenen Anschauungen. Welche
Wendungen immer die berührten Probleme daher noch nehmen mögen, eine
eindeutige Lösung, einen voll befriedigenden Standpunkt für künftige
Lösungen hat Mach nicht aufgezeigt. Freilich gilt dies nur bezüglich der
letzten metaphysischen und erkenntnistheoretischen Resultate, wie sie hier
erwogen wurden. Im Einzelnen sind die Schriften Machs, wie ja allgemein
anerkannt ist, voll der glänzendsten Ausführungen und fruchtbarsten
Anregungen, deren Betrachtung aber nicht mehr in den Rahmen unserer Aufgabe
fällt.


Fußnoten:

[186] W. L. 432 ff.

[187] W. L. 457.

[188] A. d. E. 72.

[189] W. L. 437.

[190] Man vgl. »Was wir Ursache und Wirkung nennen, sind hervorstechende
Merkmale einer Erfahrung, die für unsere Gedankennachbildung wichtig
sind. Ihre Bedeutung blaßt ab und geht auf andere neue Merkmale über,
sobald eine Erfahrung geläufig wird. Tritt uns die Verbindung solcher
Merkmale mit dem Eindruck der Notwendigkeit entgegen, so liegt dies nur
daran, daß uns die Einschaltung längst gekannter Zwischenglieder, die
also eine höhere Autorität für uns haben, oft gelungen ist«. (P. V.
227/228.)

»Ist uns eine Tatsache geläufig geworden, so bedürfen wir dieser
Heraushebung der zusammenhängenden Merkmale nicht mehr, wir machen uns
nicht mehr auf das Neue, Auffallende aufmerksam, wir sprechen nicht mehr
von Ursache und Wirkung. Die Wärme ist die Ursache der Spannkraft des
Dampfes. Ist uns das Verhältnis geläufig geworden, so stellen wir uns
den Dampf gleich mit der zu seiner Temperatur gehörigen Spannkraft vor.
Die Säure ist die Ursache der Rötung der Lackmustinktur. Später aber
gehört diese Rötung unter die Eigenschaften der Säure«. (M 524.)

[191] E. d. A. 31/32.

[192] M. 367.

[193] P. V. 223. Aehnlich M. 6: »In der Mannigfaltigkeit der
Naturvorgänge erscheint manches gewöhnlich, anderes ungewöhnlich,
verwirrend, überraschend, ja sogar dem Gewöhnlichen widersprechend. Hat
man es dahin gebracht, überall dieselben wenigen einfachen Elemente zu
bemerken, die sich in gewohnter Weise zusammenfügen, so treten uns diese
als etwas Bekanntes entgegen, wir sind nicht mehr überrascht, es ist uns
nichts mehr an den Erscheinungen fremd und neu, wir fühlen uns in
denselben zu Hause, sie sind für uns nicht mehr verwirrend, sondern
erklärt.«

[194] M. 16.

[195] P. V. 239/240.

[196] M. 16.

[197] M. 12.

[198] M. 77.

[199] M. 75.

[200] E. u. J. 312.

[201] A. d. E. 263. Vgl. W. L. 435.

[202] M. 80--82.

[203] »Ein naturwissenschaftlicher Satz«, heißt es an anderer Stelle, »ist
wie jeder geometrische stets von der Form, >wenn M ist, so ist N<;
wobei sowohl M wie N ein mehr oder minder komplizierter Komplex von
Erscheinungsmerkmalen sein kann, wovon also einer den anderen bestimmt. Ein
solcher Satz kann sich sowohl unmittelbar durch Beobachtungen, als auch
mittelbar durch Vergleichung schon bekannter Beobachtungen ergeben. Der
Satz »wenn M ist, ist N« kann aus Sätzen, welche bereits bekannten
Tatsachen entsprechen, durch eine Reihe von Zwischensätzen abgeleitet oder
erklärt werden. So erklärt Galilei das Schweben sehr schweren Staubes im
Wasser und in der Luft aus dem langsamen Fallen wegen des großen
Widerstandes infolge der feinen Verteilung. Huygens leitet die
Pendelbewegung vollständig aus Galileis mechanischen Grundsätzen ab« usw.
(E. u. J. 262). Ein anderes Beispiel: »Arago findet, daß eine rotierende
Kupferscheibe (A) eine Magnetnadel mitbewegt (B). Durch Faradays spätere
Entdeckung, nach welcher in relativ gegen den Magnet bewegten Leiterteilen
Ströme entstehen, welche (nach Oerstedt) auf ersteren Kräfte ausüben, die
(nach Lenz) der erzeugenden Bewegung entgegenwirken, werden zwischen A und
B neue Elemente (C) eingeschaltet. Der Zusammenhang von A und B wird durch
C, welches übrigens Aufstellungen derselben Art enthält, erklärt. Wäre C
vorher nicht nur teilweise, sondern ganz bekannt gewesen, so hätte die
Deduktion zur Entdeckung des Zusammenhangs von A und B geführt.«
(W. L. 450.) Woraus nebstbei auch geschlossen wird, daß sich der
»Entdeckungsvorgang« durch Deduktion nicht wesentlich von dem durch
Induktion unterscheide. (W. L. 449.)

[204] W. L. 437. An anderen Stellen wieder wird besonders hervorgehoben,
daß eine Erklärung dann als gelungen anzusehen sei, ein Problem dann
nicht mehr existiere, wenn man die richtigen Seiten der Tatsachen
beachte, die eine einfache, einheitliche Auffassung ermöglichen. So
heißt es: »Die Bewegung einzelner schwerer Körper ist uns bald geläufig.
Wenn aber ein leichterer Körper durch einen schwereren etwa an einer
Rolle in die Höhe gezogen wird, so lernen wir auch die Beziehung
mehrerer Körper und deren Gewicht achten. Kommen etwa Erfahrungen am
ungleicharmigen Hebel oder anderen Maschinen hinzu, so treiben uns diese
nicht nur auf die Gewichte, sondern auch auf die gleichzeitigen
Verschiebungsgrößen im Sinne der Schwere, bezw. auf das Produkt der
Maßzahlen beider, d. i. auf die Arbeit zu achten. Geworfene schwere
Körper können bald sinken, bald steigen. Die ältere, aristotelische
Physik betrachtet diese Fälle als verschieden. Galilei achtet auf die
Beschleunigung der Bewegung, wodurch alle diese Fälle gleichartig und
gleich leicht verständlich werden.« (E. u. J. 264/265.) Oder: »Wir sehen
z. B. einmal ganz gegen unsere Gewohnheit, daß an einem Hebel oder
Wellrad eine große Last durch eine kleine gehoben wird. Wir suchen nach
dem differenzierenden Moment, welches uns die sinnliche Tatsache nicht
unmittelbar zu bieten vermag. Erst wenn wir, verschiedene ähnliche
Tatsachen vergleichend, den Einfluß der Gewichte und der Hebelarme
bemerkt, und uns selbsttätig zu den abstrakten Begriffen Moment oder
Arbeit erhoben haben, ist das Problem gelöst. Das Moment oder die Arbeit
ist das differenzierende Element. Ist die Beobachtung des Momentes oder
der Arbeit zur Denkgewohnheit geworden, so existiert das Problem nicht
mehr«. (A. d. E. 249.) Und an anderer Stelle: »Wir sehen einen aufwärts
geworfenen Körper. Derselbe steigt auf. Warum sucht er nun seinen Ort
nicht? Warum nimmt die Geschwindigkeit seiner >gewaltsamen< Bewegung ab,
während jene des >natürlichen< Falles zunimmt? Indem Galilei beiden
Tatsachen aufmerksam folgt, sieht er in beiden Fällen dieselbe
Geschwindigkeitszunahme gegen die Erde. Hiermit löst sich das Problem.
Also nicht ein Ort sondern eine Beschleunigung gegen die Erde ist den
Körpern angewiesen. Die neue Denkgewohnheit festhaltend, sieht Newton
auch den Mond und die Planeten ähnlich geworfenen Körpern sich bewegen,
aber doch mit Eigenschaften, welche ihn nötigen, diese Denkgewohnheit
abermals etwas abzuändern. Die Weltkörper oder vielmehr deren Teile
halten keine konstante Beschleunigung gegeneinander ein, sie ziehen sich
an im verkehrt quadratischen Verhältnisse der Entfernungen und im
direkten der Massen. Diese Vorstellung, welche jene der irdischen
schweren Körper als besondern Fall enthält, ist nun schon sehr
verschieden von der ursprünglichen. Dieser Umwandlungsprozeß besteht
darin, daß einerseits bald neue übereinstimmende Merkmale anscheinend
verschiedener Tatsachen gefunden werden und daß andererseits wieder
unterscheidende Merkmale bisher nicht unterschiedener Tatsachen bemerkt
werden. Hierdurch wird es möglich, einerseits ein stets wachsendes
Tatsachengebiet mit einer homogenen Denkgewohnheit zu umfassen, und
andererseits den Unterschieden der Tatsachen des Gebietes durch
Variationen der Denkgewohnheit zu entsprechen. Die betrachtete
Entwicklung ist nur ein besonderer Fall eines allgemein verbreiteten
biologischen Prozesses«. (W. L. 385 f.).

[205] E. d. A. 31.

[206] P. V. 282/283.

[207] W. L. 121.

[208] W. L. 458 f.

[209] M. 526.

[210] W. L. 454/455. Vgl. A. d. E. 261; M. 533; W. L. 119, 363.

[211] Vgl. S. 31/32 dieser Schrift.

[212] Zu 2) »Man spricht oft von Naturgesetzen. Was bedeutet dieser
Ausdruck? Gewöhnlich wird man der Meinung begegnen, die Naturgesetze
seien Regeln, nach welchen die Vorgänge in der Natur sich richten
müssen, ähnlich den bürgerlichen Gesetzen. Einen Unterschied pflegt man
darin zu sehen, daß die letzteren auch übertreten werden können, während
man Abweichungen der Naturvorgänge von ersteren für unmöglich hält.
Diese Auffassung wird aber erschüttert durch die Ueberlegung, daß wir ja
nur aus den Naturvorgängen selbst die Naturgesetze ablesen, abstrahieren
und daß wir hierbei vor Irrtümern durchaus nicht gesichert sind.« (E. u.
J. 441.)

[213] M. 280. Vgl. auch E. u. J. 140: »Die logischen Deduktionen aus
unseren Begriffen bleiben aufrecht, solange wir diese Begriffe
festhalten; die Begriffe selbst müssen aber stets einer Korrektur durch
die Tatsachen gewärtig sein.«

[214] A. d. E. 73.

[215] Vgl. Machs eigene Worte: »Unsere Naturwissenschaft besteht
in dem begrifflichen quantitativen Ausdruck der Tatsachen. Die
Nachbildungsanweisungen sind die Naturgesetze. In der Ueberzeugung, daß
solche Nachbildungsanweisungen überhaupt möglich sind, liegt das
Kausalgesetz«. M. 547.

[216] M. 547.

[217] M. 549.

[218] M. 523.

[219] M. 79. Vgl.: »In der Regel ist eine besondere Seite oder
Eigenschaft der Tatsache von praktischem Interesse. Auf diese
Eigenschaft beschränkt sich die Untersuchung. Tatsachen, welche in
dieser übereinstimmen, werden als gleich oder gleichartig, welche sich
in derselben unterscheiden, als verschieden behandelt. Das praktische
Bedürfnis treibt also zur Abstraktion«. (W. L. 452.) »Die maßgebende
Rolle der Abstraktion bei der Forschung liegt auf der Hand. Es ist weder
möglich, alle Einzelheiten einer Erscheinung zu beachten, noch hätte
dies einen gesunden Sinn. Wir beachten eben die Umstände, die für uns
ein Interesse haben und diejenigen, von welchen erstere abhängig zu sein
scheinen. Die erste Aufgabe, die sich dem Forscher darbietet, ist es
also, durch Vergleichung verschiedener Fälle alles, wovon die
Untersuchung unabhängig scheint, als für den vorliegenden Zweck
nebensächlich oder gleichgültig auszusondern. In der Tat ergeben sich
die wichtigsten Entdeckungen durch diesen Prozeß der Abstraktion.«(E. u.
J. 135).

[220] »In dem ökonomischen Schematisieren der Wissenschaft liegt« also
»die Stärke oder auch der Mangel derselben. Die Tatsachen werden immer
mit einem Opfer an Vollständigkeit dargestellt, nicht genauer, als dies
unseren augenblicklichen Bedürfnissen entspricht.« (P. V. 235).

[221] E. u. J. 447.

[222] E. u. J. 189. Ebenda: »Ein wichtiger Vorgang besteht darin, daß man
einen oder mehrere Umstände, welche quantitativ auf ein Ergebnis Einfluß
haben, in Gedanken quantitativ vermindert und schließlich zum Verschwinden
bringt, so daß die übrigen Umstände als allein maßgebend angesehen werden.
Es ist dieser Prozeß physisch oft nicht durchführbar und man kann denselben
daher als Idealisierung oder Abstraktion bezeichnen. Indem man sich den
Bewegungswiderstand eines auf horizontaler Bahn angestoßenen Körpers oder
die Verzögerung eines auf wenig geneigter schiefer Ebene aufsteigenden
Körpers bis zum Verschwinden abnehmend denkt, kommt man zu der Vorstellung
des ohne Widerstand gleichförmig bewegten Körpers. In Wirklichkeit kann
dieser Fall nicht dargestellt werden.« Vgl. M. 306: »Der Fall der Ruhe ist
nur ein sehr seltener, nie vollkommen eintretender, speziell der Fall der
Bewegung: Wenn wir aber mit Gleichgewichtsfällen uns befassen, so handelt
es sich um eine schematische Nachbildung der mechanischen Tatsachen in
Gedanken. Wir sehen dann von diesen Störungen, Verschiebungen, Verbiegungen
und Erzitterungen, welche uns nicht weiter interessieren, absichtlich ab.«

W. L. 454/455: »Ein weiteres Mittel (ergänze: der geläufigen Anwendung
wissenschaftlicher Aufstellungen) besteht in dem Vereinfachen,
Schematisieren der Tatsachen, d. h. in der Darstellung durch Bilder,
welche nur die wichtigen Züge enthalten, in welchen alles die
Aufmerksamkeit Ablenkende, Ueberflüssige fehlt. So denken wir uns den
Planeten als einen Punkt, die Bahn des elektrischen Stromes als eine
Linie.« Vgl. auch: E. u. J. 137 und 384.

[223] M. 133.

[224] P. V. 228, vgl. A. d. E. 262.

[225] E. u. J. 449.

[226] E. u. J. 402, vgl. W. L. 456.

[227] M. 33. Der Vergleich mit der Geometrie führt auch sonst
zu charakteristischen Aeußerungen. Vgl. E. u. J. 376: »Die
physikalisch-metrischen Erfahrungen werden wie alle Erfahrungen, welche
die Grundlage einer experimentellen Wissenschaft bilden, begrifflich
idealisiert. Das Bedürfnis, die Tatsachen durch einfache, durchsichtige,
logisch leicht zu beherrschende Begriffe darzustellen, führt hierzu. Es
gibt einen absolut starren, räumlich ganz unveränderlichen Körper, eine
vollkommene Gerade, eine absolute Ebene so wenig, als es ein vollkommenes
Gas, eine vollkommene Flüssigkeit gibt. Dennoch operieren wir lieber und
leichter mit diesen Begriffen als mit anderen, welche genauer den
Eigenschaften der Objekte entsprechen und nehmen dafür nachträglich auf
Abweichungen Rücksicht. Die theoretische Geometrie braucht diese
Abweichungen überhaupt nicht zu beachten, indem sie eben Objekte
voraussetzt, welche die Bedingungen der Theorie vollkommen erfüllen, wie
die theoretische Physik.«

E. u. J. 407: »Die geometrische Theorie ist wie jene der Physik
einfacher und genauer, als dies durch die Erfahrung mit ihren zufälligen
Störungen eigentlich verbürgt werden kann«.

[228] E. u. J. 140.

[229] Vgl. A. d. E. 260.

[230] E. u. J. 447/448. Vgl. E. u. J. 302/303.

[231] Vgl. Vorliegende Schrift S. 106.

[232] W. L. 461/462.

[233] Unter den Gedanken, welche nach Mach sonst noch zur Elemententheorie
leiten, wollen wir jedoch zwei anmerken: einerseits sind es Schwierigkeiten
im Gefolge der dualistischen Auffassung, auf die er sich stützt,
hauptsächlich die Aussichtslosigkeit, Empfindungen aus Atombewegungen der
nervösen Substanz zu erklären, andererseits ist es die in der Wissenschaft
tatsächlich vorhandene Tendenz der einzelnen Disciplinen zu einheitlichem
Zusammenschluß. Man denke an Optik, Elektrizitätslehre und Magnetismus, an
die physikalische Chemie, die physiologische Psychologie u. dgl.; es liegt
nahe nach Vorstellungen zu suchen, welche diese Gebiete einheitlich
umspannen. »Dem Physiker,« sagt Mach, »genügt vielleicht noch der Gedanke
einer starren Materie ... der Physiologe, bezw. der Psychologe vermag mit
solchem Ding gar nichts anzufangen. Wer aber an den Zusammenschluß der
Wissenschaften zu einem Ganzen denkt, muß nach einer Vorstellung suchen,
die er auf allen Gebieten festhalten kann. Wenn wir nun die ganze
materielle Welt in Elemente auflösen, welche zugleich auch Elemente der
psychischen Welt sind, die als letztere gewöhnlich Empfindungen heißen,
wenn wir ferner die Erforschung der Verbindung, des Zusammenhanges, der
gegenseitigen Abhängigkeit dieser gleichartigen Elemente aller Gebiete als
die einzige Aufgabe der Wissenschaft ansehen, so können wir mit Grund
erwarten, auf dieser Vorstellung einen einheitlichen monistischen Bau
aufzuführen und den leidigen verwirrenden Dualismus loszuwerden. Indem man
die Materie als das absolut Beständige und Unveränderliche ansieht,
zerstört man ja in der Tat den Zusammenhang zwischen Physik und
Psychologie... Wenn es sich aber um die Verbindung von Nachbargebieten von
eigenartigem Entwicklungsgang handelt, so kann dieselbe nicht mit Hilfe der
beschränkteren Begriffe eines engen Spezialgebietes vollzogen werden. Hier
müssen durch allgemeinere Erwägungen für das weitere Gebiet ausreichende
Begriffe geschaffen werden. A. d. E. 242/243. Vgl. zu beiden Gedanken u. a.
A. d. E. 1. 23--26, 36, 37, 46, 188, 257, 258, 283; E. u. J. 3, 234, 451;
P. V. 237, 241, 285; M. 504.

Beide Gruppen von Einwänden, so berücksichtigungswert die Schwierigkeiten
auch sind, die in ihnen berührt werden, kommen, besonders im Hinblick auf
die zahlreichen, verschiedenen und unabgeschlossenen Lösungsversuche dieses
Problems, als beweiskräftig natürlich nicht in Betracht.

[234] W. L. 396. Vgl. A. d. E. 245, 246.

[235] A. d. E. 255, 268.

[236] A. d. E. 267/268. Vgl. P. V. 235: »In Wirklichkeit handelt es sich
immer um die Ableitung eines Erscheinungsteils aus einem anderen. Unsere
Vorstellungen müssen sich dabei direkt auf Empfindungen stützen. Wir
nennen dies messen«.

[237] M. 547; P. V. 234.

[238] A. d. E. 246.

[239] M. 547.

[240] W. L. 404. Vgl u. a.: P. V. 220, 235, 236; A. d. E. 253, 255, 263;
M. 133, 505, 504; E. u. J. 126, 139, 311.

[241] »Ein solches naturwissenschaftliches Begriffswort hat den Zweck,
an die Verbindung aller in der Definition bezeichneten Reaktionen des
definierten Objekts zu erinnern und diese Erinnerungen wie an einem
Faden ins Bewußtsein zu ziehen. Natürlich kann jede Definition wieder
Begriffe enthalten, so daß erst die letzten, untersten begrifflichen
Bausteine in sinnfällige Reaktionen als deren Merkmale aufgelöst werden
können«. E. u. J. 127.

[242] A. d. E. 35--37.

[243] P. V. 240/241; A. d. E. 23 f.

[244] E. u. J. 14.

[245] M. 504/505.

[246] A. d. E. 1/2.

[247] M. 523.

[248] P. V. 229.

[249] A. d. E. 2.

[250] A. d. E. 9/10.

[251] A. d. E. 5.

[252] A. d. E. 256.

[253] A. d. E. 256.

[254] P. V. 229.

[255] A. d. E. 10.

[256] M. 523; Vgl. A. d. E. 23.

[257] A. d. E. 23 ff.

[258] A. d. E. 258.

[259] A. d. E. 1/2.

[260] Mach setzt voraus, daß Gefühle und Wille sich aus Spuren von
Empfindungen aufbauen (A. d. E. 11, 17, 82; E. u. J. 9.), auch daß
Gefühle diffus lokalisierte Empfindungen seien (E. u. J. 18 ff). »Sollte
man«, meint er aber, »mit einer Art dieser Elemente durchaus nicht das
Auskommen finden, so werden eben mehrere statuiert werden« (A. d. E. 17.).

[261] A. d. E. 8.

[262] z. B. Physikalischer Zusammenhang: eine weiße Kugel fällt auf eine
Glocke, es klingt, die Kugel wird gelb vor der Natrium-, rot vor der
Lithiumlampe. Psychologischer Zusammenhang: die Kugel wird gelb bei
Hinnehmen von Santonin, verdoppelt sich beim Seitwärtsdrücken des
Bulbus, verschwindet beim Schließen beider Augen. -- Eine Farbe ist also
ein physikalisches Objekt, wenn wir auf ihre Abhängigkeit von anderen
Farben, Wärmen, Räumen usw. achten, in ihrer Abhängigkeit von der
Netzhaut eine Empfindung. Nur die Untersuchungsrichtung hat gewechselt;
es hängt nur von der funktionalen Abhängigkeit, in der sie stehen, ab,
ob die Elemente physikalische Objekte oder Empfindungen sind. A. d. E.
11/14. Nur die verschiedene Art der Verbindung läßt die ¿a b¿ in einem
anderen »Feld« erscheinen als die A B .. »die Elemente A oder ¿a¿
erscheinen in einem verschiedenen Feld, heißt nun, wenn man auf den
Grund geht, nichts anderes, als daß sie mit verschiedenen anderen
Elementen verknüpft sind«. Daher soll nun der Unterschied zwischen
Wahrnehmung und Vorstellung desselben Gegenstandes kommen. A. d. E. 16.
Vgl. A. d. E. 26 ff, 35 f, 42--46, 241.

[263] Für das Ich gilt dasselbe wie für die Körper. Es ist nicht das
Primäre, sondern wird von den Empfindungen gebildet, auf die es dann
allerdings auch reagiert. Ich empfinde Grün, heißt nur, daß das Element
Grün in einem gewissen Komplex von anderen Elementen (Empfindungen,
Erinnerungen) vorkommt. »Wenn ich aufhöre Grün zu empfinden, wenn ich
sterbe, so kommen die Elemente nicht mehr in der gewohnten Gesellschaft
vor. Damit ist alles gesagt. Nur eine ideelle, denkökonomische, keine
reelle Einheit hat aufgehört zu existieren.« A. d. E. 19, 21.

[264] E. u. J. 9.

[265] A. d. E. 29. Es ist zu bemerken, daß diese Erforschung des
funktionalen Zusammenhanges nach Mach die einzige mögliche Ergründung
der Wirklichkeit ist. A. d. E. 23 ff, 29/30; E. u. J. 10/11.

[266] A. d. E. 11--14: Eine starke Analogie nebst einem praktischen
Bedürfnis zwingt uns, nach Mach, auch an fremde Menschen und Tierleiber
Erinnerungen, Befürchtungen, Willen u. dgl. geknüpft zu denken. Ferner
nötigt mich das Verhalten anderer Menschen, anzunehmen, daß mein Leib
und die übrigen Körper für sie unmittelbar vorhanden sind, meine
Erinnerungen, Wünsche usw. für sie Gegenstand eines unwiderstehlichen
Analogieschlusses sind. Wenn wir den Einfluß unseres Leibes auf unsere
Empfindungen untersuchen, ergänzen wir eine beobachtete Tatsache durch
Analogie, ebenso wenn wir aus der Beobachtung fremder Menschen auf deren
Empfindungen schließen. Im ersteren Fall ist die Ergänzung physikalisch
(Nervenprozeß) und daher geläufiger, ein prinzipieller Unterschied
besteht aber nicht.

E. u. J. 6 wird die Gesamtheit des für alle im Raum unmittelbar
Vorhandenen als das Physische, das nur Einem Gegebene von den Anderen
nach Analogie Erschlossene als das Psychische bezeichnet.

A. d. E. 26 ff.: Die Elemente A B .. erscheinen unmittelbar räumlich
außerhalb der Elemente K L .. Durch Absehen von der Abhängigkeit der A B
.. von dem sich immer ähnlich wiederholenden Komplex K L .. erscheint
die Welt der Dinge unabhängig vom Ich. Durch Beachten der Eigenschaften
von K L .. und seines Zusammenhanges mit ¿a b g¿ .. bildet sich der
Gedanke des Ich. Ferner verhalten sich andere Körper K' L' .., K" L" ..
usw. so, daß ihr Verhalten im Gegensatz zu dem von A B .. erst vertraut
wird, wenn man den ¿a b g¿ .. analoge ¿a b g¿ .. an sie gebunden denkt.
Man ergänzt die Empfindungen der Mitmenschen nach Analogie, es ist aber
unnötig und irreführend, den Empfindungen deswegen eine von A B C .. K L
M .. verschiedene Natur zuzuschreiben.

A. d. E. 35: Man kann einen nervösen Prozeß rein physikalisch
(physiologisch) verfolgen. Man sieht das Verhalten des betreffenden
Lebewesens aber viel besser voraus, d. h. versteht es besser, wenn man
ihm Empfindungen, Erinnerungen usw. zuschreibt. Man ergänzt dabei das,
was man beobachtet, durch etwas, das man nicht im Gebiet der eigenen
Empfindungen antrifft. Dieser Gegensatz erscheint nun sehr schroff, ist
es aber nicht. Denn erstens ergänzt der Physiker überhaupt häufig
Komplexe von Empfindungen durch augenblicklich nicht beobachtete
Elemente nach Analogie, z. B. stellt er sich den Mond greifbar, schwer,
träg vor. Tut also täglich dasselbe, was hier so befremdend erscheint.
Zweitens verschwindet die Schroffheit durch folgende Betrachtung. Das
Blatt einer Pflanze: Sein Grün (A) ist verbunden mit einer optischen
Raumempfindung (B), einer Tastempfindung (C) und mit der Sichtbarkeit
einer Quelle farblosen Lichtes (D). Tritt das Gelb (E) der Natriumflamme
anstelle von D, so geht das Grün des Blattes in Braun (F) über.
Behandelt man das Blatt mit Alkohol, »eine Operation, die ebenfalls
durch sinnliche Elemente darstellbar ist«, so geht das Grün A in Weiß
(G) über. Das sind physikalische Beobachtungen. Nun ist A auch mit einem
Prozeß meiner Netzhaut verknüpft. Diesen kann ich nun physikalisch in
Elemente Y X Z .. auflösen, indem ich die Ergebnisse der Untersuchung am
fremden Auge nach Analogie übertrage. Nun ist A in seiner Abhängigkeit
von B C D E .. ein physikalisches Element, in seiner Abhängigkeit von Y
X Z .. eine Empfindung und kann auch als psychisches Element aufgefaßt
werden. »Das Grün (A) an sich wird aber in seiner Natur nicht geändert,
ob wir unsere Aufmerksamkeit auf die eine oder auf die andere Form der
Abhängigkeit richten«.

[267] A. d. E 22.

[268] A. d. E. 26 f.

[269] A. d. E. 29.

[270] A. d. E. 269.

[271] A. d. E. 27.

[272] E. u. J. 277.

[273] E. u. J. 28.

[274] M. 6.

[275] E. u. J. 450/451.

[276] P. V. 250.

[277] W. L. 393.

[278] E. u. J. 446; E. u. J. 449/450.

[279] W. L. 454.

[280] E. u. J. 277/278.

[281] M. 293.

[282] M. 280.



Lebenslauf.


Geboren am 6. November 1880 zu Klagenfurt in Kärnten, katholisch,
absolvierte der Gefertigte die k. u. k. Militär-Oberrealschule zu Mähr.
Weißkirchen im Jahre 1897, studierte hierauf in den Jahren 1897 bis 1901
als ordentlicher Hörer an der k. k. technischen Hochschule in Brünn, legte
1899 die erste, 1901 die zweite Staatsprüfung aus dem Maschinenbaufache ab.

Nach Ableistung seines Militärdienstes war er durch ein Jahr im
maschinentechnischen Laboratorium der königl. württemberg. technischen
Hochschule in Stuttgart wissenschaftlich tätig.

Seit November 1903 ist er an hiesiger Universität als ordentlicher Hörer
immatrikuliert und legte im Jahre 1904 am k. k. Ersten deutschen
Gymnasium in Brünn die Maturitätsprüfung ab.

Die Promotionsprüfung bestand er am 27. Februar 1908.



      *      *      *      *      *      *



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   Doppelte Anführungsstriche wurden durch » (unten) und « (oben) ersetzt.

   Einfache Anführungsstriche wurden durch > (unten) und < (oben) ersetzt.

   Brüche werden folgendermassen dargestellt: ½ wird zu 1/2 und 2¼
   wird zu 2-1/4.

   Exponenten werden folgendermassen dargestellt: x² wird zu x^2.

   Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
   lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.

   Normalerweise wird in diesem Text die Abkürzung usw. verwendet, die
   Variante U. s. w. von Seite 91 wurde aufgrund des Zitates wie Original
   gesetzt dargestellt.

   ä, ö und ü werden zu Beginn eines Wortes bei Großschreibung desselben
   zu Ae, Oe und Ue.

   Beibehalten wurde bezw. (13 fach auf verschiedenen Seiten).

   Einige Ausdrücke wurden in beiden Schreibweisen übernommen:

   Anpassungsprodukts (Seite 33) und Produktes (Seite 84)

   Auesserungen (Seite 98) und Aeußerungen (Seiten 12, 25, 88, 95, 98,
   107 und Fußnote 227)

   bereit liegende (Seite 20), bereit liegender (Seite 100) und
   bereitliegende (Seite 51)

   besonderen (Seiten 11 und 90) und besondern (Seiten 18 und 87)

   Disziplin (Seite 23) und Disciplinen (Fußnote 233)

   eigener (Seite 31) und eigner (Seite 18)

   gar nicht (Seiten 23, 59, 79, 80, 89, 107 und 112) und garnicht
   (Seiten 37 und 38)

   gar nichts (Seiten 13, 45, 105 und 117) und garnichts (Seite 26)

   Gebrauches (Seite 31) und Gebrauchs (Seite 88)

   hieher (Seiten 84 und 93) und hierher (Seite 55)

   intellektuellen (Seite 70) und intelektuellen (Seite 45 und
   Fußnote 64)

   Mach'schen (Seite 119) und Machschen (Seiten 12, 25, 29, 31, 75,
   80, 98 und 104), Mach'sches (Seite 118) und Machsche (Seiten 26,
   58, 79 und Fußnote 1)

   soferne (Seiten 8 und 27) und sofern (Seiten 111, 113 und 117)

   Standpunktes (Seite 75) und Standpunktes (Seite 9)

   von einander (Seiten 12, 36, 61, 101 und 122) und voneinander
   (16fach verschiedene Seiten)

   zu einander (Seiten 12 und 94) und zueinander (Seiten 22 und 92)

   zugrundeliegt (Seite 123) und zugrunde liegt (Seite 108)


   Die Zeichensetzung in den Zitaten wurde egalisiert, gleichzeitig
   wurden verschiedene Formen von Abkürzungen und volle Formen innerhalb
   eines Zitates beibehalten wie beispielsweise spez. und speziell.


   Folgende offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert:

   geändert wurde "Stellung der Aufgabe."
               in "1. Stellung der Aufgabe."
              (Seite 5)

   geändert wurde "naturwissenschaftliche Theorieen nichts als"
               in "naturwissenschaftliche Theorien nichts als"
              (Seite 6)

   geändert wurde "wichtig; sie giebt Machs Ausführungen"
               in "wichtig; sie gibt Machs Ausführungen"
              (Seite 13)

   geändert wurde "Wesen der Naturwissenscahft zu"
               in "Wesen der Naturwissenschaft zu"
              (Seite 13)

   geändert wurde "Erfolge einer biologisch-psychologischen
                   Betrachtungsewise beweisen"
               in "Erfolge einer biologisch-psychologischen
                   Betrachtungsweise beweisen"
              (Seite 13)

   geändert wurde "»Die Vorstellungen passen sich zwar den Tatsachen
                   so an, daß sie ein den biologischen Bedürfnissen
                   entsprechendes, hinreichend genaues Abbild der
                   ersteren darstellen,"
               in "»Die Vorstellungen passen sich zwar den Tatsachen so
                   an, daß sie ein den biologischen Bedürfnissen
                   entsprechendes, hinreichend genaues Abbild der
                   ersteren darstellen,«"
              (Seite 17)

   geändert wurde "welche das Denken zu seiner vollen Befriedigung lösen
                   muß,[4] und auch, »diese Forderung wird erfüllt durch
                   Vereinigung des Prinzips der Permanenz mit jenem der
                   zureichenden Differenzierung der Vorstellungen.«[17]"
               in "welche das Denken zu seiner vollen Befriedigung lösen
                   muß, und auch, »diese Forderung wird erfüllt durch
                   Vereinigung des Prinzips der Permanenz mit jenem der
                   zureichenden Differenzierung der Vorstellungen.«[17]"
              (Seite 17)

   geändert wurde "Vorstellung fest und erweitert sie durch die"
               in "Vorstellung fest und erweiterte sie durch die"
              (Seite 18)

   geändert wurde "aufgenommen, und da sie gestzlich aneinandergeknüpft
                   sind, genügt"
               in "aufgenommen, und da sie gesetzlich aneinandergeknüpft
                   sind, genügt"
              (Seite 20)

   geändert wurde "entwicklungsgeschichtliche, erkenntnispsycholgische
                   und denkökonomische Betrachtungsweise"
               in "entwicklungsgeschichtliche, erkenntnispsychologische
                   und denkökonomische Betrachtungsweise"
              (Seite 21)

   geändert wurde "man frägt, ob sich das"
               in "man fragt, ob sich das"
              (Seite 23)

   geändert wurde "man diese Zustimung Machs aber"
               in "man diese Zustimmung Machs aber"
              (Seite 25)

   geändert wurde "unser wissenschaftliches Tun einrichten.[47] So liefert"
               in "unser wissenschaftliches Tun einrichten.«[47]
                   So liefert"
              (Seite 30)

   geändert wurde "er sagt, daß jedes Erkennen des noch Unbekannten und
                   Neuen als Kombination des Altbekannten, jede Enthüllung
                   des scheinbar Verschiedenartigen als eines
                   Gleichartigen, als eine angenehme Entlastung
                   empfunden wird«"
               in "er sagt, »daß jedes Erkennen des noch Unbekannten und
                   Neuen als Kombination des Altbekannten, jede Enthüllung
                   des scheinbar Verschiedenartigen als eines
                   Gleichartigen, als eine angenehme Entlastung
                   empfunden wird«"
              (Seite 30)

   geändert wurde "zureichenden Differenzierung«[51], so daß das
                   Oekonomisieren, Harmonisieren, Organisieren der
                   Gedanken, welches wir als ein biologisches Bedürfnis
                   fühlen, weit über die Forderung der logischen
                   Widerspruchslosigkeit hinausgeht«[52], und andererseits
                   bedeutet"
               in "zureichenden Differenzierung[51], so daß das
                   Oekonomisieren, Harmonisieren, Organisieren der
                   Gedanken, welches wir als ein biologisches Bedürfnis
                   fühlen, weit über die Forderung der logischen
                   Widerspruchslosigkeit hinausgeht[52], und andererseits
                   bedeutet"
              (Seite 30)

   geändert wurde "beschreibenden Gedanken einen Verlust, ist
                   unökonomisch.«"
               in "beschreibenden Gedanken einen Verlust, ist
                   unökonomisch."
              (Seite 31)

   geändert wurde "ähnliche, die man mit Vorteil anwendet.[54]."
               in "ähnliche, die man mit Vorteil anwendet.[54]"
              (Seite 31)

   geändert wurde "die gewöhnlichen Anschaungen, und ihr"
               in "die gewöhnlichen Anschauungen, und ihr"
              (Seite 31)

   geändert wurde "und in wiefern die Naturerkenntnis bedeutenderen"
               in "und inwiefern die Naturerkenntnis bedeutenderen"
              (Seite 33)

   geändert wurde "keinen selbständigen Wert, keinen Erklärungsewrt;
                   sie sind nur da"
               in "keinen selbständigen Wert, keinen Erklärungswert;
                   sie sind nur da"
              (Seite 33)

   geändert wurde "der mechanischen Physik das hinter den Erscheinugen"
               in "der mechanischen Physik das hinter den Erscheinungen"
              (Seite 33)

   geändert wurde "zur Einbeziehung der >Hypothesen« in das"
               in "zur Einbeziehung der >Hypothesen< in das"
              (Seite 35)

   geändert wurde "so zuversichtlich aufgetretenenen Bestrebungen"
               in "so zuversichtlich aufgetretenen Bestrebungen"
              (Seite 37)

   geändert wurde "Entwicklung und historisch mit unter ihre Gründe zu
                   rechnen"
               in "Entwicklung und historisch mitunter ihre Gründe zu
                   rechnen"
              (Seite 37)

   geändert wurde "Voraussetzungen erklären lasse, sodaß zwischen solchen"
               in "Voraussetzungen erklären lasse, so daß zwischen solchen"
              (Seite 38)

   geändert wurde "Differenzpunkte unvollständig bekant sind, da"
               in "Differenzpunkte unvollständig bekannt sind, da"
              (Seite 40)

   geändert wurde "die Form einer Kurve erfaßen will, so zerlegt"
               in "die Form einer Kurve erfassen will, so zerlegt"
              (Seite 42)

   geändert wurde "bewältigen, und weisst den Weg, auf dem"
               in "bewältigen, und weist den Weg, auf dem"
              (Seite 43)

   geändert wurde "sei, kann nur inbezug auf eine andere"
               in "sei, kann nur in Bezug auf eine andere"
              (Seite 48)

   geändert wurde "gleichförmig sei, hat daher keinen Sinn[99] Newtons
                   Versuch, zwischen"
               in "gleichförmig sei, hat daher keinen Sinn.[99] Newtons
                   Versuch, zwischen"
              (Seite 48)

   geändert wurde "konventionelles ist, so dass Schlüsse daraus"
               in "konventionelles ist, so daß Schlüsse daraus"
              (Seite 48)

   geändert wurde "Da Mach aber diese Unterchiede für hinfällig"
               in "Da Mach aber diese Unterschiede für hinfällig"
              (Seite 49)

   geändert wurde "auch die ganze Bedeutung des Trägheitsgestzes."
               in "auch die ganze Bedeutung des Trägheitsgesetzes."
              (Seite 50)

   geändert wurde "und daß kann erfahrungsgemäß zwei Körper, die"
               in "und daß dann erfahrungsgemäß zwei Körper, die"
              (Seite 50)

   geändert wurde "und dass »alle physikalischen Begriffe"
               in "und daß »alle physikalischen Begriffe"
              (Seite 51)

   geändert wurde "induktiven Methodik ganz im allgemeinen). Und so"
               in "induktiven Methodik ganz im allgemeinen.) Und so"
              (Seite 55)

   geändert wurde "Körpers, sie ist nur ein Komplement derselben.[1]"
               in "Körpers, sie ist nur ein Komplement derselben."
              (Seite 59)

   geändert wurde "und Wirkung charakterisiert[134] Wohl sagt"
               in "und Wirkung charakterisiert.[134] Wohl sagt"
              (Seite 59)

   geändert wurde "Beleuchtung sind aber beide Variable einer
                   Zustandsgleichung"
               in "Beleuchtung sind aber beide Variablen einer
                   Zustandsgleichung"
              (Seite 60)

   geändert wurde "weil sie eben in ganz unalysierten Fällen vielfach
                   vermittelter Abhängigkeit"
               in "weil sie eben in ganz unanalysierten Fällen vielfach
                   vermittelter Abhängigkeit"
              (Seite 60)

   geändert wurde "nicht nur dann, wenn mehr als zwei Elemente in unmittel
                   betrachteten Elemente nicht in unmittelbarer sondern in
                   barer Abhängigkeit,[142] sondern noch viel mehr, wenn
                   die mittelbarer, durch mehrfache Ketten von Elementen
                   vermittelter"
               in "nicht nur dann, wenn mehr als zwei Elemente in
                   unmittelbarer Abhängigkeit,[142] sondern noch viel mehr,
                   wenn die betrachteten Elemente nicht in unmittelbarer
                   sondern in mittelbarer, durch mehrfache Ketten von
                   Elementen vermittelter"
               (Seite 62)

   geändert wurde "Dem vorhin als Beispiel angezogenen Boyle'schen Gesetz
                   könnte noch der Entwurf gemacht werden, daß es überhaupt
                   keine kausale Verknüpfung ausdrücke, sondern"
               in "Dem vorhin als Beispiel herangezogenen Boyle'schen
                   Gesetz könnte noch der Vorwurf gemacht werden, daß es
                   überhaupt keine kausale Verknüpfung ausdrücke, sondern"
              (Seite 63)

   geändert wurde "eine ganz zentrale Stelung zukommt. Denn"
               in "eine ganz zentrale Stellung zukommt. Denn"
              (Seite 64)

   geändert wurde "in weitem Umfange mit einander verknüpfen, und zwar"
               in "in weitem Umfange miteinander verknüpfen, und zwar"
              (Seite 64)

   geändert wurde "Bestimmung »der Abhängigkeit der Merkmale der Tatsachen
                   voneinander«,[148], und"
               in "Bestimmung »der Abhängigkeit der Merkmale der Tatsachen
                   voneinander«,[148] und"
              (Seite 65)

   geändert wurde "der Tatsachen ihre Berechtigung zu sehn: hält man"
               in "der Tatsachen ihre Berechtigung zu sehen: hält man"
              (Seite 65)

   geändert wurde "einen meßbaren tatsächlichen Beewgungsumstand, das
                   Produkt"
               in "einen meßbaren tatsächlichen Bewegungsumstand, das
                   Produkt"
              (Seite 67)

   geändert wurde der Fußnotenmarker "4"
              in den relevanten Fußnotenmarker "166"
             (Seite 70)

   geändert wurde "statt für eine metaphysiche Bewegungsursache lediglich"
               in "statt für eine metaphysische Bewegungsursache lediglich"
              (Seite 74)

   geändert wurde "Sätzen, die aus der Anschaung folgen"
               in "Sätzen, die aus der Anschauung folgen"
              (Seite 82)

   geändert wurde "Elemente der Mosaik, aus welchen"
               in "Elemente der Mosaike, aus welchen"
              (Seite 83)

   geändert wurde "Denn in der Tat halten wir einen Vorgang für erklärt,
                   wenn es uns gelingt, in demselben bekannte einfache
                   Vorgänge zu erblicken;«"
               in "Denn in der Tat halten wir einen »Vorgang für erklärt,
                   wenn es uns gelingt, in demselben bekannte einfache
                   Vorgänge zu erblicken;«"
              (Seite 83)

   geändert wurde "3 Es könnte der Sinn auch"
               in "3. Es könnte der Sinn auch"
              (Seite 95)

   geändert wurde "Naturnotwendigkeit gedacht werden kann). Wollen wir
                   diese"
               in "Naturnotwendigkeit gedacht werden kann.) Wollen wir
                   diese"
              (Seite 95)

   geändert wurde "Zusammenhang des Ganzen inbetracht kommen, während"
               in "Zusammenhang des Ganzen in Betracht kommen, während"
              (Seite 95)

   geändert wurde "die schärferen Interpretationen inbetracht.
                   Die Entscheidung"
               in "die schärferen Interpretationen in Betracht.
                   Die Entscheidung"
              (Seite 96)

   geändert wurde "über die sinnfäligen Erfahrungen zu"
               in "über die sinnfälligen Erfahrungen zu"
              (Seite 96)

   geändert wurde "nach einer anderer Seite suchen hieße, nur unter"
               in "nach einer anderen Seite suchen hieße, nur unter"
              (Seite 97)

   geändert wurde "Erwägung gestellten Interpretationen zuspizt. Diese
                   ist daher"
               in "Erwägung gestellten Interpretationen zuspitzt. Diese
                   ist daher"
              (Seite 98)

   geändert wurde "aber >jeder naturwissenschaftliche Satz ein
                   ~Abstraktum~, welches die Wiederholung gleichartiger
                   Fälle zur Voraussetzung hat«,"
               in "aber »jeder naturwissenschaftliche Satz ein
                   ~Abstraktum~, welches die Wiederholung gleichartiger
                   Fälle zur Voraussetzung hat«,"
               (Seite 98)

   geändert wurde "Verschärfung der Naturgesetze die zunehmende
                   Einschränkung"
               in "Verschärfung der Naturgesetze, die zunehmende
                   Einschränkung"
              (Seite 99)

   geändert wurde "Gesetze, der Begriff des Strahls die dioptrischen
                   Gesetze, das"
               in "Gesetze, der Begriff des Strahls, die dioptrischen
                   Gesetze, das"
              (Seite 100)

   geändert wurde "einer durch eine begrifflichen Maßreaktion
                   charakterisierten"
               in "einer durch eine begriffliche Maßreaktion
                   charakterisierten"
              (Seite 102)

   geändert wurde "der Erscheinungen«[236] ein »quantitatives Regulativ«
                   der"
               in "der Erscheinungen«[236], ein »quantitatives Regulativ«
                   der"
               (Seite 107)

   geändert wurde "in der sinnlichen Wirklickheit gar nicht angetroffen"
               in "in der sinnlichen Wirklichkeit gar nicht angetroffen"
              (Seite 107)

   geändert wurde "Art des Zusamenhanges sinnlicher"
               in "Art des Zusammenhanges sinnlicher"
              (Seite 108)

   geändert wurde "wenn noch die Iustierung der Apparate in Betracht"
               in "wenn noch die Justierung der Apparate in Betracht"
              (Seite 108)

   geändert wurde "wollen, hieße Mythologie statt Wissenschaft treiben.«"
               in "wollen, hieße »Mythologie statt Wissenschaft treiben.«"
              (Seite 109)

   geändert wurde "das relativ Feste und Beständige tritt hervor, prägt
                   sich ein, drückt sich in der Sprache aus.«"
               in "»das relativ Feste und Beständige tritt hervor, prägt
                   sich ein, drückt sich in der Sprache aus.«"
              (Seite 109)

   geändert wurde "Kerne allen Inhalt[255]); »nicht die Dinge, sondern
                   was wir"
               in "Kerne allen Inhalt[255]; »nicht die Dinge, sondern
                   was wir" (Seite 110)

   geändert wurde "zielend, daß die Trennung zwsichen eigenen und"
               in "zielend, daß die Trennung zwischen eigenen und"
              (Seite 111)

   geändert wurde "die Naturgestze seien nur ein quantitatives Regulativ"
               in "die Naturgesetze seien nur ein quantitatives Regulativ"
              (Seite 111)

   geändert wurde "zusammen als diese untereinander[3], denn unsere"
               in "zusammen als diese untereinander, denn unsere"
              (Seite 112)

   geändert wurde "kann, können alleElemente als Empfindungen gelten"
               in "kann, können alle Elemente als Empfindungen gelten"
              (Seite 113)

   geändert wurde "von dieser Interpretaion zur Leugnung einer
                   Naturnotwendigkeit,"
               in "von dieser Interpretation zur Leugnung einer
                   Naturnotwendigkeit,"
              (Seite 115)

   geändert wurde "Relationen zu fremden Körpern physich nennt, ist"
               in "Relationen zu fremden Körpern physisch nennt, ist"
              (Seite 117)

   geändert wurde "Person gar nichts an ihm ändert u, dgl. So"
               in "Person gar nichts an ihm ändert u. dgl. So"
              (Seite 117)

   geändert wurde "noch psychisch, nur in bezug auf andere Elemente"
               in "noch psychisch, nur in Bezug auf andere Elemente"
              (Seite 117)

   geändert wurde "auf eine Weise geschehen kann.« [277] »Die genauere"
               in "auf eine Weise geschehen kann.«[277] »Die genauere"
              (Seite 121)

   geändert wurde "zielt auf möglichst vollständige Bstimmtheit, auf
                   eindeutige"
               in "zielt auf möglichst vollständige Bestimmtheit, auf
                   eindeutige"
              (Seite 121)

   geändert wurde "ja nicht der Fal ist) die Leugnung"
               in "ja nicht der Fall ist) die Leugnung"
              (Seite 122)

   geändert wurde "darum noch nicht ganz wilkürlich"
               in "darum noch nicht ganz willkürlich"
              (Seite 122)

   geändert wurde "Naturnotwendigkeit aber gekomen sein"
               in "Naturnotwendigkeit aber gekommen sein"
              (Seite 123)

   geändert wurde "E. u. J. 443 Vgl. E. u. J. 229; A. d. E. 246; m. 210."
               in "E. u. J. 443 Vgl. E. u. J. 229; A. d. E. 246; M. 210."
              (Fußnote 8)

   geändert wurde "deutlich unterscheidbare Lockruf Warnungsruf,
                   Angriffsruf der Herdentiere in unwillkürlich
                   entstandenes Zeichen"
               in "deutlich unterscheidbare Lockruf, Warnungsruf,
                   Angriffsruf der Herdentiere ein unwillkürlich
                   entstandenes Zeichen"
              (Fußnote 12)

   geändert wurde "in mächtig ausgespannten Analogieen (E. u. J. 217--229).
                   So ist es die Vergleichung, welche .. mächtigste
                   innere Lebenselement der Wissenschaft darstellt«,
                   und man könnte"
               in "in mächtig ausgespannten Analogien (E. u. J. 217--229).
                   So ist es die Vergleichung, welche .. »das mächtigste
                   innere Lebenselement der Wissenschaft darstellt«,
                   und man könnte"
              (Fußnote 25)

   geändert wurde "E. u. J. 114. »Nur der Erfolg entscheidet zwischen
                   Erkenntnis und Irrtum«. Man"
               in "E. u. J. 114: »Nur der Erfolg entscheidet zwischen
                   Erkenntnis und Irrtum«. Man"
              (Fußnote 40)

   geändert wurde "zeigt dies nur, die innere Unsicherheit"
               in "zeigt dies nur die innere Unsicherheit"
              (Fußnote 40)

   geändert wurde "bei Beurteilung der Wisenschaft nicht mehr"
               in "bei Beurteilung der Wissenschaft nicht mehr"
              (Fußnote 41)

   Zugefügt wurden "[51] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391.
                    [52] E. u. J. 174; vgl. W. L. 391."
              (Fußnoten 51 und 52)

   geändert wurde "F. Rosenberger, die Geschichte der Physik"
               in "F. Rosenberger, Die Geschichte der Physik"
              (Fußnote 59)

   geändert wurde "Goldbeck, Galileis Atomstik, Bibl. mathem. 3."
               in "Goldbeck, Galileis Atomistik, Bibl. mathem. 3."
              (Fußnote 63)

   geändert wurde "von Atomen, Jonen, Elektronen, Wirbeln"
               in "von Atomen, Ionen, Elektronen, Wirbeln"
              (Fußnote 64)

   geändert wurde "Beschleunigung von 9.81 Met./Sek. eines freifallenden"
               in "Beschleunigung von 9.81 Met./Sek.^2 eines freifallenden"
              (Fußnote 100)

   geändert wurde "gewisser maßgebender, uns unzulänglicher unabhängig
                   Variablen beruhen."
               in "gewisser maßgebender, uns unzugänglicher unabhängiger
                   Variablen beruhen."
              (Fußnote 126)

   geändert wurde "Eigenschaften, wo dieselben hervorteten können,
                   stets bereit"
               in "Eigenschaften, wo dieselben hervortreten können,
                  stets bereit"
              (Fußnote 162)

   geändert wurde "Begriff »Beschleunigung eines freifallenden Körpers
                   von 9:81 Met./Sek.« bedeutet, daß"
               in "Begriff »Beschleunigung eines freifallenden Körpers
                   von 9:81 Met./Sek.^2« bedeutet, daß"
              (Fußnote 166)

   geändert wurden verschiedene Zeilenanordnungen in Fußnote 166

   geändert wurde "oder in einer verwickelten physichen oder technischen
                   Operation, die"
               in "oder in einer verwickelten physischen oder technischen
                   Operation, die"
              (Fußnote 166)

   geändert wurde "Ist uns eine Tatsache geläufig geworden, so"
               in "»Ist uns eine Tatsache geläufig geworden, so"
              (Fußnote 190)

   geändert wurde "nicht mehr verwirrend, sondern erklärt«."
               in "nicht mehr verwirrend, sondern erklärt.«"
              (Fußnote 193)

   geändert wurde "keine konstante Beschleunigung gegen einander ein, sie"
               in "keine konstante Beschleunigung gegeneinander ein, sie"
              (Fußnote 204)

   geändert wurde "Die neue Denkgewohnheit feshaltend, sieht Newton"
               in "Die neue Denkgewohnheit festhaltend, sieht Newton"
              (Fußnote 205)

   geändert wurde "Irrtümern durchaus nicht gesichert sind«.
                  (E. u. J. 441)."
              in "Irrtümern durchaus nicht gesichert sind.«
                 (E. u. J. 441.)"
             (Fußnote 212)

   geändert wurde "alles, wovon das Untersuchung unabhängig scheint, als
                   für den vorliegenden Zweck nebensächlich oder
                   gleichgültig auszusondern. In der Tat ergeben sich die
                   wichtigsten Entdeckungen durch diesen Prozeß der
                   Abstraktion«. (E. u. J. 135.)."
               in "alles, wovon die Untersuchung unabhängig scheint, als
                   für den vorliegenden Zweck nebensächlich oder
                   gleichgültig auszusondern. In der Tat ergeben sich die
                   wichtigsten Entdeckungen durch diesen Prozeß der
                   Abstraktion.« (E. u. J. 135)."
              (Fußnote 219)

   geändert wurde "unseren augenblicklichen Bedürfnissen entspricht«.
                   (P. V. 235.)."
               in "unseren augenblicklichen Bedürfnissen entspricht.«
                   (P. V. 235)."
              (Fußnote 220)

   geändert wurde "vollkommenes Gas, eine volkommene Flüssigkeit"
               in "vollkommenes Gas, eine vollkommene Flüssigkeit"
              (Fußnote 227)

   geändert wurde "erfüllen, wie die theoretische Physik."
               in "erfüllen, wie die theoretische Physik.«"
              (Fußnote 229)

   geändert wurde "mit verschiedenen anderen Elementen verknüpf sind"
               in "mit verschiedenen anderen Elementen verknüpft sind"
              (Fußnote 262)

   geändert wurde "beim Seitwärtsdrücken des Bulbus verschwindet
                   beim Schließen"
               in "beim Seitwärtsdrücken des Bulbus, verschwindet
                   beim Schließen"
              (Fußnote 262)

   geändert wurde "Nur eine ideelle, denkökonomische, keine relle
                   Einheit hat"
               in "Nur eine ideelle, denkökonomische, keine reelle
                   Einheit hat"
              (Fußnote 263)





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs - Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde" ***

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