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Title: Die Sebalduskirche in Nürnberg
Author: Hoffmann, Wilhelm Friedrich
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Die Sebalduskirche in Nürnberg" ***

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[Illustration: TAFEL I. Ansicht des Ostchores.]



                     DIE SEBALDUSKIRCHE IN NÜRNBERG

                         IHRE BAUGESCHICHTE UND
                           IHRE KUNSTDENKMALE

                                   VON

                       FRIEDRICH WILHELM HOFFMANN

                      ÜBERARBEITET UND ERGÄNZT VON

                 TH. HAMPE, E. MUMMENHOFF, JOS. SCHMITZ

            MIT 15 TAFELN, ZUM TEIL NACH DEN UNTER PROFESSOR
             DR. v. HAUBERRISSER GEFERTIGTEN PLANZEICHNUNGEN
                       UND 144 ABBILDUNGEN IM TEXT

           MIT UNTERSTÜTZUNG                   HERAUSGEGEBEN
                  DER                          VOM VEREIN FÜR
             STADTGEMEINDE                     GESCHICHTE DER
               NÜRNBERG                        STADT NÜRNBERG

                                  WIEN
                      VERLAG VON GERLACH & WIEDLING
                                  1912

                   DRUCK VON FRIEDRICH JASPER IN WIEN.



                                Vorwort.


Im Frühjahr 1897 faßte der Ausschuß des Vereines für Geschichte der
Stadt Nürnberg auf Anregung seines Vorstandes den wichtigen Beschluß,
aus Anlaß des herannahenden Abschlusses des großen Unternehmens der
Wiederinstandsetzung der St. Sebaldkirche in Nürnberg eine umfassende,
reich illustrierte Geschichte dieses herrlichen Bauwerkes gleichsam
zum Abschluß des Restaurationswerkes herauszugeben. Es sollte den
Mitgliedern des Vereines und allen Freunden Nürnberger Kunst und
Geschichte in Wort und Bild die Entstehung und Entwicklung des
ehrwürdigen Gotteshauses mit seinen zahllosen Kunstschätzen eingehend
geschildert und ein zuverlässiger Bericht über seine Wiedererneuerung
durch die lebende Generation gegeben werden, so wie zehn Jahre vorher
der Verein aus Anlaß des teilweisen Umbaues und der Erweiterung des
Nürnberger Rathauses durch den unvergeßlichen August v. Essenwein und
seinen getreuen Mitarbeiter, den städtischen Architekten und jetzigen
Baurat Heinrich Wallraff, eine reich illustrierte, vom Stadtarchivar
Ernst Mummenhoff verfaßte Geschichte des wichtigsten Profanbauwerkes der
Stadt, des Rathauses, mit finanzieller Unterstützung der städtischen
Kollegien herausgegeben hatte. Gleichwie diese schöne Publikation dem
Verein allenthalben Ehre und Anerkennung eingetragen hatte, hoffte
der Ausschuß sich ein Verdienst zu erwerben, wenn er auch das große
Unternehmen der Restauration der St. Sebaldkirche nicht unbeachtet
vorübergehen lassen, sondern nach besten Kräften zum Ruhme der um
sie am meisten verdienten Männer, des vortrefflichen Kirchenrates
Friedrich Michahelles und der Restauratoren Prof. Georg v. Hauberrisser
und Professor Joseph Schmitz, beitragen würde. In der Tat fand auch
dieser Gedanke überall Anklang. Aber niemand ahnte damals, welchen
Schwierigkeiten seine Durchführung begegnen und wie viel Zeit vergehen
würde, bis diese Geschichte der St. Sebaldkirche das Licht der Welt
erblicken würde.

Wohl wissend, daß seine eigenen Kräfte zur Durchführung eines so großen
Unternehmens nicht ausreichen würden, bemühte sich der Verein vor allem,
sich auch in diesem Falle des Einverständnisses und der materiellen
Unterstützung der städtischen Kollegien zu versichern. Bereitwillig
und in dankenswerter Liberalität wurde der Bitte des Vereines von
seiten der städtischen Kollegien entsprochen. Im Oktober 1897 wurde
dem Vorstand die erfreuliche Mitteilung, daß die städtischen Kollegien
beschlossen hätten, dem Verein zur Herausgabe eines illustrierten
Prachtwerks über die St. Sebaldkirche für jedes der Jahre 1898, 1899 und
1900 einen Zuschuß von 1500 Mark aus der Stadtkasse unter bestimmten
Voraussetzungen zu bewilligen.

Eine zur Bearbeitung des Textes geeignete wissenschaftliche Kraft wurde
in der Person eines jüngeren Kunsthistorikers gewonnen, der, frei über
seine Zeit verfügend, seine ganze Kraft der Aufgabe widmen konnte, des
Dr. Friedrich Hoffmann in München. Nach dem mit ihm abgeschlossenen
Vertrage sollte das Werk nach drei Jahren im Manuskript druckfertig
vorliegen.

Allein durch eine ganze Reihe widriger, hier nicht näher zu erörternder
Umstände wurde die programmäßige Fertigstellung des Werkes um Jahre
verzögert. Besonders hinderlich stand der Förderung der Arbeit
entgegen, daß Dr. =Hoffmann= nicht, wie man doch hätte erwarten müssen,
seinen Wohnsitz in Nürnberg nahm, wo er in beständiger Fühlung mit
dem Bauwerke selbst und dem bauleitendem Architekten sowie unter der
Aufsicht der niedergesetzten Kommission viel eher seine Aufgabe hätte
bewältigen können, sondern in München blieb. Ein weiteres Haupthindernis
eines rüstigen Fortschreitens der Arbeit war die Annahme einer
Assistentenstelle am bayrischen Nationalmuseum durch Dr. =Hoffmann= im
Jahre 1898, infolgedessen er nur einen verhältnismäßig geringen Teil
seiner Zeit und Kraft auf die übernommene umfassende Aufgabe verwenden
konnte.

Da die Fortführung der Arbeit nach und nach immer mehr ins Stocken
geriet und schließlich sogar das Erscheinen des Werkes in Frage gestellt
wurde, sah sich der Vereinsausschuß gezwungen, von dem ihm vertraglich
eingeräumten Rechte, die Vollendung des Werkes selbst in die Hand
zu nehmen, Gebrauch zu machen, und übertrug im September 1909 die
Durchführung der erforderlichen Abänderungs- und Ergänzungsarbeiten
einer aus den Herren Direktor Dr. =Hampe=, Archivrat Dr. =Mummenhoff=
und Professor =Schmitz= bestehenden Subkommission, die schon seither
die Arbeit vom kunsthistorischen, historischen und architektonischen
Standpunkte aus einer eingehenden und sorgfältigen Prüfung unterzogen
hatte.

Das Werk wurde jetzt nochmals durchgeprüft, und es war dann keine
geringe Arbeit und Mühe, welche die Abänderung des Textes, die
Ausmerzung der Irrtümer und Mängel, die teilweise völlige Umgestaltung
ganzer Partien und die mannigfachen Ergänzungen, zumal des Inventars,
welch letztere schwierige und zeitraubende Arbeit die Herren Direktor
=Hampe= und Professor =Schmitz= ausschließlich auf sich nahmen, endlich
die gänzliche Umarbeitung des Urkunden- und Regestenteiles erforderten.
Gern wären die Überarbeiter in den Änderungen und Ergänzungen noch
weiter gegangen, aber sie hielten sich dazu nur im äußersten Notfall
für berechtigt und wollten noch tiefere Eingriffe in die Arbeit des
eigentlichen Verfassers vermeiden. Vor allem auch mußten sie auf die
Beibringung weiteren Quellenmateriales verzichten, und so wird sich
denn in Zukunft noch so manches zur Geschichte der Sebalduskirche
beischaffen lassen, das der Verfasser nicht gebracht hat. Aber alles zu
geben, was oft in ganz versteckten Quellen ruht, ist wohl ein Ding der
Unmöglichkeit, zumal bei einem Werke, das auf Jahrhunderte zurückgeht.

Trotz so vieler Hindernisse, die sich dem Werke in den Weg stellten,
und trotz aller Widrigkeiten, die oft alle Hoffnung auf das endliche
Zustandekommen schwinden ließen, liegt es nun doch, wenn auch erst nach
jahrelanger Verzögerung, in einer Gestalt vor, die hohen Anforderungen
genügen dürfte. Auch hier darf man wohl sagen, wenn man das Werk und
seine schöne, ja glänzende Ausstattung durch die bewährte Firma Gerlach
& Wiedling ins Auge faßt: Ende gut, alles gut!

Freuen wir uns deshalb, daß es dem opferwilligen Zusammenwirken einer
Reihe von berufenen Kräften endlich gelungen ist, ein der herrlichen
St. Sebaldkirche würdiges Buch zustande zu bringen.

In Dankbarkeit sei zunächst der städtischen Kollegien gedacht, die
durch Gewährung einer bedeutenden finanziellen Unterstützung erst
das Zustandekommen des Werkes ermöglichten. Besonderer Dank gebührt
ferner dem ersten Direktor am Germanischen Museum, Herrn Dr. v.
=Bezold=, der als Vertreter der Kommission zunächst dem Bearbeiter
als sachverständiger Berater beigegeben war, in welcher Funktion er
dann durch den damaligen Konservator am Germanischen Museum und
nunmehrigen Direktor des Bayrischen Nationalmuseums in München,
Herrn Dr. =Stegmann=, in dankenswerter Weise abgelöst wurde, ferner
den Verwaltungen der Archive, Bibliotheken und Anstalten, welche
bereitwilligst dem Bearbeiter die einschlägigen Materialien zur
Verfügung stellten, und nicht minder der Verwaltung des vereinigten
protestantischen Kirchenvermögens wie dem kgl. Pfarramt St. Sebald,
welche vielen und oft einschneidenden Wünschen des Vereines, wie z. B.
der Bitte um Gestattung von Nachgrabungen in der Kirche, unbedenklich
Rechnung trugen und so das Unternehmen ganz wesentlich förderten,
endlich all den Gönnern, die durch ihre freiwilligen Beiträge die Kosten
der Aufgrabungen deckten. Prof. Dr. Georg Ritter v. =Hauberrisser= in
München hat sich das besondere Verdienst erworben, daß er die während
der Restaurierung gefertigten Pläne und Werkzeichnungen zur Verfügung
stellte, um ihre Vervielfältigung für das Buch zu ermöglichen. Prof.
Jos. =Schmitz= hat dem Werke in allen Stadien seines Entstehens sein
tatkräftiges Interesse zugewandt, die so wichtigen Ausgrabungen
geleitet, den Bearbeiter vielfach beraten und auf die Auswahl und
Vervielfältigungsart der Illustrationen Einfluß geübt.

Dem Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg ist es endlich auch
gelungen, in der Firma =Gerlach & Wiedling=, Buch-, Kunst- und
Musikalienverlag in Wien, Verleger zu finden, die bereit waren, dem
Druck und der künstlerischen Ausstattung des Werkes diejenige Sorgfalt
angedeihen zu lassen, die ihren längst anerkannten Ruf begründet hat.

Noch eines Mannes müssen wir in Wehmut gedenken, der viele Jahre
hindurch dem Werke seine Kraft und Fürsorge widmete und dessen
unermüdlicher Beharrlichkeit und nie nachlassender Geduld es gelang,
dasselbe, wenn es ins Stocken geraten, wieder flott zu machen, und
der, als gar sein Erscheinen in Frage gestellt war, als ein bewährter
Steuermann doch alles wieder zum Besten lenkte, des langjährigen ersten
Vorstandes des Vereines Dr. Georg Freiherrn v. =Kreß=. Leider sehen
seine Augen das vollendete Werk nicht mehr, um dessen Zustandekommen er
sich so große Verdienste erworben hat. Wir aber müssen es immer wieder
rückhaltslos anerkennen, daß er, hier wie sonst, um alles und jedes
besorgt und bemüht, seine ganze Kraft einsetzte, um dem Vereine zu
dienen und das gesteckte Ziel zu erreichen.

So möge denn das Buch hinausgehen und nicht nur den Ruhm der
kunstsinnigen Vorfahren verkünden, die einst die Vaterstadt mit dem
herrlichen Bauwerk der St. Sebaldkirche schmückten, sondern auch den des
lebenden Geschlechtes, das den Mut besaß, rechtzeitig seinem Verfall
Einhalt zu tun und den Nachkommen den Besitz der hohen ethischen,
kulturellen und künstlerischen Werte, die das ehrwürdige Baudenkmal
darstellt und umschließt, auf Jahrhunderte hinaus zu sichern.

     =Nürnberg=, im Januar 1912.
                                                 $Dr. Ernst Mummenhoff$,
                                                    1. Vorsitzender.



                           Inhaltsverzeichnis.


                                                                   Seite
  Einleitung                                                          11

    I. Der romanische Bau, etwa 1225-1273                             13

   II. Die gotische Bauperiode                                        39
       1. Die Erweiterung der Seitenschiffe und die Umbauten am
          Querschiff und Westchor. 1309-1361                          39
       2. Der Ostchor. 1361-1379                                      48
       3. Der Umbau der Türme. 1345, 1481-1484, 1489, 1490            67

  III. Die Restaurierungen der Kirche                                 75
       1. Die Restaurierungen der Kirche bis zur Neuzeit              75
       2. Das Restaurierungswerk der Neuzeit. 1888-1906               79
       3. Bericht der Bauleitung über die Wiederherstellung des
          Äußern. 1888-1904                                           85
       4. Bericht der Bauleitung über die Instandsetzung des
          Innern. 1903-1906                                          104
       5. Nachtrag vom 15. Januar 1912                               127

   IV. Das Inventar der Kirche                                       129
       1. Altäre und Kanzel                                          129
       2. Die Plastik                                                138
          A. Die Plastik am Außenbau                                 140
          B. Die Plastik im Innern                                   153
       3. Die Gemälde                                                168
       4. Die Glasgemälde                                            177
       5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken 187
       6. Altargeräte, Wandteppiche, Paramente                       196
       7. Sammlung alter Skulpturen- und Baureste. -- Büchersammlung 206

  Urkundliche Beilagen                                               213

  Anmerkungen                                                        226

  Chronologische Übersicht                                           234

  Verzeichnis der Abbildungen                                        243

  Verzeichnis der Personen, Orte und wichtigsten Sachen              246



                               Einleitung.


An Stelle der jetzigen Pfarrkirche St. Sebald in Nürnberg stand
ursprünglich eine Kapelle, dem hl. Petrus geweiht. Ein urkundlicher
Beleg kann hierfür nicht beigebracht werden, allein die älteren
Chroniken berichten hiervon in übereinstimmender Weise und andererseits
spricht für die Wahrheit jener Behauptung der Umstand, daß der Bau
von St. Sebald erst dem 13. Jahrhundert seine Entstehung verdankt,
während Nürnberg schon zu Beginn des 12. Jahrhunderts den Rang einer
Stadt besaß, und daß man in der späteren Pfarrkirche zur Aufnahme von
Reliquien des hl. Petrus und zum Zweck seiner besonderen Verehrung durch
Anlage eines eigenen Westchors einen entsprechenden Raum schuf. Denn so
jung auch Nürnberg im Verhältnis zu anderen hervorragenden deutschen
Städten des Mittelalters war, in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts
war es schon ein ansehnlicher Ort; hatte doch der fränkische Kaiser
Heinrich III. (1039-1056)[1] -- wenn auch nur vorübergehend -- den Markt
von Fürth dorthin verlegt und er sowie sein Nachfolger Nürnberg mehrmals
zum Aufenthalt erwählt. Selbstverständlich besaß die Gemeinde in jener
Zeit zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse ein Gotteshaus.
Dieses Gotteshaus war aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine Kapelle;
von einem größeren Kirchenbau würden in Gestalt von Mauerresten oder
handschriftlichen Nachrichten noch Zeugen zu finden sein. Aber auch
nicht zu klein wird man sich jene Kapelle vorstellen dürfen. Trotz der
raschen Entwicklung Nürnbergs und der starken Zunahme seiner Bevölkerung
im Laufe des 12. Jahrhunderts hatte die Kapelle genügt. Obschon nun die
hohe Verehrung des hl. Sebald in Nürnberg uns bereits für den Beginn der
siebziger Jahre des 11. Jahrhunderts bezeugt ist, verstrich doch noch
über ein Jahrhundert, bis man zur Erbauung eines ihm besonders geweihten
Gotteshauses schritt. Die alte Kapelle blieb dem hl. Petrus zubenannt.

Von dem Aussehen der Kapelle ist nichts bekannt. Auch nichts von
der Zeit ihrer Gründung. Auffällig will aber der Name des Heiligen
erscheinen, dem sie geweiht war; er kann vielleicht über die Zeit der
Erbauung Aufschluß geben. Wie eben erwähnt, fanden Reliquien des
hl. Petrus auch in der Sebalduskirche eine Unterkunftstätte, der
Westchor wurde hierzu ausersehen, und, wie im I. Kapitel dargelegt
wird, steht die doppelchörige Anlage von St. Sebald im engsten
Zusammenhang mit dem Bau des Bamberger Domes. Auch in Bamberg ist der
Westchor dem hl. Petrus geweiht, während der eigentliche Schutzpatron,
dem der Ostchor eingeräumt ist, nicht Petrus, sondern Georg heißt.
Dasselbe gilt beinahe von allen Kirchenbauten in Bayern und Schwaben,
welche, um das Jahr 1000 gegründet, mit dem Dom von Bamberg in naher
Verwandtschaft stehen: den Ausgangspunkt bildet Augsburg, es folgen
St. Emmeram und Obermünster in Regensburg, von wo aus durch Vermittlung
des Kaisers Heinrich II., des ehemaligen Herzogs von Bayern, Bamberg
beeinflußt worden ist. Die basilikale Anlage, bei welcher der
Schwerpunkt nach Westen verlegt ist, wird direkt auf die Petersbasilika
in Rom zurückgeführt. Nur scheint diese Epoche der Baukunst, zu deren
wichtigen Vertretern auch Mainz (978-1009) und Worms (996-1016)
zählen, mehr den Charakter einer Mode zu tragen als den einer für die
Folgezeit wichtigen Entwicklungsstufe. Der Bau von Westchören oder
gar westlichen Querhäusern wurde bald wieder aufgegeben und damit kam
auch sonderbarerweise die Verehrung des Schutzpatrons von Rom wieder
in Wegfall. Denselben noch nicht genügend bekannten Gründen, welchen
jene befremdliche Abart von der Tradition des Bauwesens ihre Entstehung
verdankt, wird man auch die Gründung der Kapelle St. Peter zuschreiben
dürfen. Hier muß noch darauf hingewiesen werden, daß die Mutterkirche
dieser Kapelle und der späteren Sebalduskirche, die Pfarrkirche zu
Poppenreuth, ebenfalls dem hl. Petrus geweiht ist.

Der Platz, auf dem die Peterskapelle stand, wird sich ungefähr mit dem
des Westchors der jetzigen Sebalduskirche gedeckt haben. Die Stelle
bedeutete nach ihrer früheren Beschaffenheit, wie sich jetzt unschwer
erkennen läßt, gegenüber dem östlich, südlich und westlich angrenzenden
Gelände eine Erhebung, welche nach Osten nur wenig, nach Süden und
Westen steiler abfiel. Nach Norden hatte die Erhebung Anschluß an den
mit der Burg bekrönten Kegel, sie bildete gleichsam den südlichen in
das sandige und sumpfige Nordufer der Pegnitz vorgeschobenen Ausläufer
des Burgberges. An dem gegen den Fluß sich neigenden Südabhang der Burg
siedelte sich nach und nach die Stadt an, vermied jedoch den weichen
Boden der Pegnitzufer; die Kapelle St. Peter war somit eine Zeit lang
der das Südende der Ansiedlung bezeichnende Punkt und lag ungefähr in
der Mitte dieser Grenze an dem Knotenpunkte der alten Handelsstraßen.

[Illustration: TAFEL II. Grundrisse und Details des romanischen Baues.]



                                   I.

                   Der romanische Bau, etwa 1225-1273.


Am 1. Oktober des Jahres 1256 erteilte Bischof Heinrich von Bamberg
einen Ablaß allen jenen Christgläubigen, welche die Pfarrkirche St.
Sebald zu Nürnberg am Tag ihrer Einweihung und an den Tagen ihrer
Patrone St. Peter und Paul und St. Sebald besuchen und Almosen spenden
würden.

Dies ist im wesentlichen der Inhalt der für die ältere Baugeschichte von
St. Sebald wichtigsten Urkunde.[I]

  [I] Siehe Beilage 2.

Aus dem Text des in lateinischer Sprache abgefaßten Ablaßbriefes ist
auf den ersten Blick nicht ersichtlich, was der Ausdruck »Tag der
Einweihung«: _dies dedicationis_ bedeuten soll. Handelt es sich hier um
die Einweihungsfeier selbst oder um die Wiederkehr des Einweihungstages?
In letzterem Falle würde die Einweihung der Kirche schon =vor= dem 1.
Oktober 1256 -- sei es nun unmittelbar oder ein oder mehrere Jahre
vorher -- stattgefunden haben und die Kirche als eine zu jenem Zeitpunkt
vollendete oder wenigstens in einem ihrer Hauptteile vollendete zu
betrachten sein. In ersterem Falle wäre die Einweihung der Kirche
erst =nach= dem 1. Oktober 1256, und zwar bald nach diesem Termin
anzusetzen.[2]

Der Inhalt unserer Urkunde ist in einfacher, schlichter Form
vorgetragen. Der Bischof von Bamberg entbietet zunächst allen
Christgläubigen, welche von dieser Ablaßeröffnung Kenntnis erhalten,
seinen Gruß, spricht dann von dem Wert werktätiger Liebe und kündigt
allen denen, welche die Kirche St. Sebald an den eingangs erwähnten drei
Tagen besuchen und Almosen spenden, einen Nachlaß ihrer Sündenstrafen
an. Der Inhalt ist überaus kurz und bündig. Es fehlt jegliche
Zutat, welche als charakteristisches Kennzeichen dieser Urkunde zum
Unterschiede von anderen, gewöhnlichen Ablaßurkunden gedeutet werden
könnte. Demnach scheint es keine Urkunde zu sein, die aus Anlaß der
feierlichen Einweihung der Kirche ausgefertigt wurde, ja es darf
als ziemlich sicher gelten, daß mit dem _dies dedicationis_ der
alljährlich wiederkehrende Kirchweihtag gemeint ist. Denn es müßte doch
andernfalls vom Bau oder dessen Vollendung die Rede sein, oder es wären
Feierlichkeiten erwähnt, die gelegentlich der Einweihung abgehalten
werden, oder es wären die geistlichen Würdenträger aufgezählt, welche
der Feier beiwohnen. Kein Wort verlautet von alledem. Oder man müßte
doch erwarten, daß der Tag der Einweihung besonders hervorgehoben wird;
im Gegenteil, abgesehen davon, daß er überhaupt nur allein genannt sein
sollte, wird er aufgeführt im Verein mit zwei anderen Tagen, und es wird
ihm gewissermaßen die gleiche Bedeutung wie diesen zuerkannt.

Außerdem spricht für eine gewöhnliche Ablaßurkunde noch der Umstand,
daß mit den beiden Tagen St. Peter und Paul und St. Sebald nicht nur
die ersten auf das Datum der Urkunde folgenden Heiligentage gemeint
sein können, sondern auch die des übernächsten Jahres und der folgenden
Jahre mitinbegriffen sein müssen. Denn ein bestimmtes Jahr ist nicht
bezeichnet. Und dann wäre es doch sehr auffällig, daß man, falls es
sich in der Urkunde um die Feier der Einweihung handeln sollte, gerade
jene beiden Tage, so enge sie auch mit der Kirchengeschichte von
St. Sebald verknüpft sind, gewählt hätte, obwohl zwischen ihnen und dem
Datum der Urkunde ein Zeitraum von mindestens drei Vierteljahren (vom
1. Oktober bis 29. Juni, beziehungsweise 19. August) liegt. Und was für
jene beiden Tage gilt, muß auch für den _dies dedicationis_ in Anspruch
genommen werden: derselbe ist hier soviel wie »der stets wiederkehrende
Kirchweihtag«.

Für die Baugeschichte von St. Sebald ergibt sich somit aus den
bisherigen Erörterungen: Als der Bischof von Bamberg am 1. Oktober 1256
jenen Ablaß für die Kirche St. Sebald ankündigte, war die Kirche bereits
eingeweiht und dem Gottesdienst übergeben.

Das gewonnene Ergebnis muß nun aber nicht unbedingt so gedeutet werden,
als wäre der ältere Bau in allen seinen Teilen vollendet gewesen; es ist
sehr wohl möglich, daß der Bau damals nur in einem seiner Hauptteile
fertig war, in welchem vorerst provisorisch bis zur Vollendung des
ganzen Bauwerkes Gottesdienst abgehalten wurde. Bekanntlich zog sich
im Mittelalter die Vollendung von Kirchenbauten oft sehr lange hin,
die größeren Bauten nahmen stets Jahrzehnte in Anspruch, mußten, wenn
die Mittel ausgingen, längere Unterbrechungen erleiden, und so kam es
häufig, daß man, um dem religiösen Bedürfnis der Gemeinde zu genügen,
den zuerst in Angriff genommenen und am weitesten gediehenen Bauteil --
in der Regel war es der Ostchor -- für sich einweihte und Gottesdienst
darin abhielt. St. Sebald war im Jahre 1256 offenbar in dem gleichen
oder wenigstens in einem ähnlichen Zustande.[II]

  [II] Dr. Hoffmann ist zwar der Ansicht, daß die Nennung der =beiden=
       Patrone der Kirche in der Urkunde vom 1. Oktober 1256 die
       Fertigstellung der =beiden= ihnen geweihten =Chöre=, also auch
       des Westchores, bereits voraussetze, somit der Tenor der Urkunde
       gegen die oben geltend gemachte Auffassung spreche. Die mit
       der Überarbeitung des Manuskriptes betraute Kommission konnte
       sich indessen dieser Ansicht um so weniger anschließen, als
       der Ablaßbrief vom 17. August 1274 deutlich von einer am 9.
       September 1273 stattgehabten Einweihung von Chor und Altar der
       Sebalduskirche berichtet. Dieses Datum (1273) mit baulichen
       Veränderungen anderer Art, die eine neue Weihe notwendig gemacht
       hätten, in Zusammenhang zu bringen, wie es Dr. Hoffmann wollte,
       schien der Kommission nicht angängig. Die das Innere der Kirche
       wenig berührenden baulichen Veränderungen, die Dr. Hoffmann
       im Auge hatte, nämlich der Ausbruch größerer Fenster und eine
       mutmaßliche Veränderung der Dachform beim Westchor, boten zu
       einer Neueinweihung sicherlich keine Veranlassung.

An Stelle der Kirche St. Sebald stand zuvor eine Kapelle, welche ebenso
wie ihre Mutterkirche, die Pfarrkirche in dem nordwestlich von Nürnberg
gelegenen, eine Stunde entfernten Poppenreuth, dem hl. Petrus geweiht
war.[3] Vom hl. Petrus wurden in jener Kapelle zweifellos Reliquien
aufbewahrt und verehrt. Mit der Zeit fand in Nürnberg auch der
hl. Sebald Verehrung, ja er machte bald dem hl. Petrus im Kult
bedeutende Konkurrenz. Auch von ihm besaß man Reliquien. Bei dem
stattlichen Neubau nun, welcher an die Stelle des bescheidenen
Kirchleins treten sollte, mußten beide Heilige die entsprechende
Berücksichtigung finden, und so entschloß man sich, für die neue Kirche
die doppelchörige Anlage zu wählen, um den Ostchor dem hl. Sebald, den
Westchor den Heiligen Petrus und Paulus weihen zu können.

Wenn nun, wie anzunehmen ist, jene alte Peterskapelle sich an der Stelle
des heutigen Westchores erhob und schwerlich abgebrochen wurde, bevor
durch Erbauung und Einweihung des Hauptteiles der neuen Kirche Ersatz
für die alte Kultstätte geschaffen war, so wird es verständlich, daß
mit dem Baue des Westchores kaum vor dem Jahre 1256 begonnen worden
sein kann. Über die Zeit seiner Vollendung unterrichtet uns ein uns
erhaltener Ablaßbrief vom 17. August 1274, in dem Bischof Berthold von
Bamberg allen jenen Gläubigen Ablaß gewährt, die sich am Kirchweihtage
jenes Jahres der Pfarrkirche des hl. Sebald zu Nürnberg, deren Chor und
Altar er am 9. September 1273 geweiht habe, christlich vorbereitet nahen
und daselbst ihre Almosen spenden würden.[III] Von dem gleichen Tage
ist auch ein Ablaßbrief Bischof Bertholds für die Maria Magdalenakirche
des Klaraklosters zu Nürnberg datiert, die nach dieser Urkunde einen
Tag nach der Konsekration des Westchores der Sebalduskirche, nämlich
am 10. September 1273 eingeweiht worden war. Die uns heute noch
erhaltenen romanischen Teile dieser späterhin vielfach umgebauten
Klarakirche zeigen mit den Architekturformen der Sebalduskirche so nahe
Verwandtschaft, daß auf die Tätigkeit der gleichen Werkleute bei beiden
Bauten mit voller Sicherheit geschlossen werden darf.

  [III] Siehe Beilage 4.

In der nördlichen Hälfte des von Mauern umgrenzten Gebietes der Stadt
Nürnberg, nahezu in der Mitte zwischen Burg und Pegnitz, erhebt sich
der vornehme Bau der Pfarrkirche von St. Sebald. Mit dem mächtigen
Ostchor und den überschlanken spitzen Türmen beherrscht er einen großen
Teil der Stadt, ja er ist eines jener Bauwerke, welche dem Stadtbild
sein charakteristisches Gepräge verleihen. Denn so reich auch Nürnberg
ist an hochragenden Kirchen, Türmen und steilen Giebeln, die Burg, St.
Sebald und St. Lorenz sind diejenigen Bauwerke, welche auch auf weite
Entfernung hin die dominierende Rolle spielen und besonders nach Osten
oder Westen der alten Reichsstadt eine geradezu prächtige Silhouette
verleihen.

Der Bau von St. Sebald ist ein Werk des Mittelalters, und zwar ein
Werk mehrerer Jahrhunderte. Die oberen Teile der Türme sind Zeugen der
spätesten Gotik, die Seitenschiffe und vor allen Dingen der stattliche
Ostchor -- abgesehen von den Mauern des westlichen Joches -- entstammen
dem 14. Jahrhundert und die übrigen Teile des Baues, insbesondere das
Mittelschiff, die unteren Turmgeschosse und der Westchor, sind Werke des
13. Jahrhunderts. Die dem 13. Jahrhundert angehörenden Bauteile sind als
die Überreste einer ehemals einheitlichen Kirche anzusehen (Taf. II und
III).

Wir beschränken uns im folgenden auf diese älteren Bauteile und
versuchen eine vollständige Rekonstruktion der früheren Kirche.[4]

Der Westchor ist intakt geblieben bis auf die drei mittleren
spitzbogigen Fenster der polygonen Apsis, welche in späterer Zeit
ausgebrochen wurden an Stelle von rundbogigen Fenstern mit ebensolchen
Oberfenstern, wie sie sich noch neben den Türmen in der Nord- und
Südwand der Apsis unverändert erhalten haben.

Das Dach des Westchores wurde später erhöht, und zwar zu gleicher Zeit,
als auch das Dach und damit der Giebel des Mittelschiffes erhöht wurde.
Unter dem Dach des Westchores kann man sowohl den Ansatz des früheren
Westchordaches als auch das Dachgesims des Mittelschiffwestgiebels und
den darunter hinlaufenden Rundbogenfries erkennen.

Von den Türmen gehören die vier unteren Stockwerke zum alten Bau. Das
nächstfolgende Stockwerk enthält beim nördlichen Turm zwar auch älteres
Mauerwerk und Teile eines Rundbogenfrieses, wurde jedoch vielleicht
schon im 14., wahrscheinlich aber erst zu Ende des 15. Jahrhunderts mit
teilweiser Verwendung des bisherigen Mauerwerkes und des Frieses erhöht.
Es ist anzunehmen, daß das fünfte Stockwerk des nördlichen Turmes etwa
die Höhe des nächst unteren Stockwerkes gehabt hat und zugleich das
letzte Stockwerk war. Aus vierseitigen Helmen von mittlerer Höhe werden
die Turmdächer bestanden haben.

Das Mittelschiff ist, abgesehen von der schon erwähnten Abänderung des
Daches und der Giebel, völlig unverändert geblieben.

Die jetzigen Seitenschiffe stammen, wie bereits hervorgehoben, aus dem
14. Jahrhundert. Ausdehnung und Gestalt der älteren Seitenschiffe lassen
sich ziemlich genau bestimmen.

An der östlichen Mauer des nördlichen wie des südlichen Turmes sind
Spuren eines früheren Dachgesimses wahrzunehmen, welches in der Höhe der
Fensterbänke des Mittelschiffes beginnt und bedeutend steiler verläuft
als das jetzige Dach. Die gleichen Spuren finden sich auch am anderen
Ende der Seitenschiffe, nämlich an der Westwand des jetzigen Ostchores
oder ehemaligen Querschiffes vor. Nur sind weder hier noch dort die
unteren Enden der Gesimse sichtbar, da sie durch das Gewölbmauerwerk
der später erhöhten und erweiterten Seitenschiffe verdeckt werden.
Dagegen ist das Kaffgesims an den beiden westlichen Strebepfeilern des
Querhauses noch erhalten.

Den notwendigen Aufschluß über die Breite der alten Seitenschiffe bieten
erst im Innern der Kirche die die Turmhallen von den Seitenschiffen
trennenden Scheidbögen und noch zuverlässiger die über den Scheidbögen
sichtbaren Ansätze des alten Seitenschiffgewölbes. Demnach hatten die
Seitenschiffe nahezu die Breite der Türme und das Verhältnis der lichten
Weite der Seitenschiffe zu der des Mittelschiffes war 4 : 7.

Über den Seitenschiffen waren zur Mittelschiffshochwand je zwei
Strebebögen gespannt, wie die Spuren zwischen den drei mittleren
Fenstern des Mittelschiffes auf jeder Seite heute noch beweisen. Beim
Umbau der Seitenschiffe wurden die Strebebögen entfernt.

Die Wände des westlichen Joches des jetzigen Ostchores mit den Diensten
und zum großen Teil den Strebepfeilern sind Bestandteile eines
ehemaligen Querschiffes. Dasselbe war aus drei gewölbten Quadraten,
jedes in Mittelschiffbreite, zusammengesetzt. Die Höhe des Querschiffes
entsprach der des Mittelschiffes. Die mittleren Dienste und Streben an
den Giebelwänden des Querschiffes finden darin ihre Erklärung, daß von
den vierteiligen Gewölben die seitlichen oder äußeren Gewölbviertel
in den Kreuzarmen in zwei Achtelfelder geteilt waren. In den beiden
nördlichen Jochen des Querschiffes befanden sich kreisförmige Fenster,
von deren Umrahmung heute noch im Innern der Kirche mehrere Werkstücke
sichtbar sind.

Im übrigen ergibt der Bau über die Gestalt der alten Ostpartie keine
Anhaltspunkte. Hier konnte nur durch Nachgrabungen Aufschluß erlangt
werden.

Auf Anregung von verschiedenen Seiten und mit Genehmigung der Verwaltung
des vereinigten protestantischen Kirchenvermögens unterzog sich der
Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg dieser anerkennenswerten
Aufgabe, indem er im November 1899 auf eigene Kosten die erforderlichen
Nachgrabungen unter der Leitung von Prof. Schmitz vornehmen ließ. Im
dritten mittleren Joch des jetzigen Ostchores, von Westen gerechnet, und
zugleich im zweiten südlichen Joch desselben wurde mit der Wegnahme der
Bodenplatten und dem Ausheben des Grundes begonnen. Man stieß gleich in
den ersten Tagen hier wie dort auf das Mauerwerk des alten Ostchores
und führte nun die Nachgrabungen einseitig, nämlich auf der in Angriff
genommenen Südhälfte des Chores, durch, mit Recht eine symmetrische
Anlage des alten Ostchores voraussetzend. Im Verlauf von 14 Tagen waren
die Nachgrabungen beendet (Abb. 1).

[Illustration: Abb. 1. Modell (von oben gesehen) der ausgegrabenen
Ostchorkrypta.]

[Illustration: Abb. 2. Innenansicht gegen Osten.]

Nach dem Ergebnis derselben hat sich an das Vierungsquadrat des
alten Querschiffes, welchem ungefähr das erste mittlere Joch des
jetzigen Ostchores entspricht, östlich ein ebenso großes Chorquadrat
und an dieses eine halbrunde Apsis in der Breite des Chorquadrates
angeschlossen; und unmittelbar an die beiden Querarme kleinere,
ebenfalls halbrunde Seitenapsiden. Der Chor, und zwar nicht nur Apsis
und Chorquadrat, sondern auch die Vierung, ist um mindestens zehn Stufen
über das Niveau der Kirche erhöht gewesen, und unter ihm hat sich eine
zweischiffige, in drei Konchen endigende Krypta hingezogen. Das Gewölbe
der Krypta, acht vierteilige Kreuzrippengewölbe, wurde in der Mitte von
vier freistehenden Säulen und einer Wandsäule und an den Seitenwänden
von zehn Diensten oder Wandsäulen getragen; das Gewölbe im Chorabschluß
der Krypta bestand aus drei radial gestellten Kappen. Zugänglich war die
Krypta durch zwei aus den Kreuzarmen und durch zwei aus dem Mittelschiff
herabführenden Treppen von je acht Stufen. Auf den Chor werden
wahrscheinlich zwei Zugänge von den Kreuzarmen neben den Kryptatreppen
geführt haben; ein Zugang auf den Chor vom Mittelschiff aus hat nicht
bestanden, da zwischen den beiden Mittelschiffstreppen, welche in die
Krypta führten, ein Altar stand, über welchem sich an der Chorbrüstung
die Kanzel befand. Nach den Querhausarmen zu wird der Chor durch eine
Brüstung abgeschlossen gewesen sein.

Der in allgemeinen Umrissen soeben rekonstruierte ältere Bau von
St. Sebald war eine doppelchörige, kreuzförmige Pfeilerbasilika. Das
Langhaus bestand aus drei Schiffen, welche durch je fünf Scheidbögen
voneinander getrennt waren.

Das Querschiff lag im Osten des Baues. Dieses, ein daran anschließendes
Chorquadrat und drei vermutlich halbrunde Chornischen bildeten die
Ostpartie.

Der Westchor schließt polygon ab und zwar mit fünf Seiten des Achteckes,
das in diesem Falle jedoch nicht regulär gebildet ist. Ein Rechteck
verbindet Westapsis mit Mittelschiff. Dieses Rechteck ist von einem
Turmpaar flankiert.

Jeder der beiden Chöre ist, beziehungsweise war mit einer Krypta
versehen. Während die des Westchores nur Apsis und das vorliegende
Rechteck umfaßt, erstreckte sich die östliche über Apsis, Chorquadrat
und Vierung. Da jede der beiden Krypten eine Erhöhung des über
ihr liegenden Bodens bedingte, so war hiermit zugleich auch die
Ausdehnung der Chöre festgelegt; und war schon durch die Anlage des
Querschiffes im Osten dem Ostchor eine bevorzugte Stellung gegenüber
dem Westchor eingeräumt, so wurde derselben durch die Ungleichheit der
Bodenausdehnung der Chöre noch mehr Nachdruck verliehen. Andererseits
ergab sich für den Ostchor durch die Krypta notwendigerweise eine
Spaltung. Denn dadurch, daß auch der Boden des Vierungsquadrates erhöht
und mit zum Chor einbezogen wurde, nahm man ihn aus dem Querschiff
heraus und löste so die beiden Kreuzarme voneinander los. Dieselben
waren also nicht mehr vom Mittelschiff aus, sondern eigentlich nur von
den Seitenschiffen aus zugänglich und erhielten mit ihren Apsiden als
Nebenchöre sowohl eine in sich abgeschlossene selbständige als auch dem
Hauptchor gegenüber untergeordnete Stellung. Hatten so die Seitenschiffe
an Bedeutung nichts eingebüßt, so gilt dies um so mehr für das
Mittelschiff. Denn abgesehen davon, daß das an und für sich schon kurz
geratene Langhaus durch das Vorhandensein eines Westchores im Innern
an Ausdehnung verloren hat, wird die Bedeutung des Mittelschiffes noch
mehr dadurch beeinträchtigt, daß es zum Verzicht auf das Vierungsquadrat
gezwungen wurde, worauf es doch -- und dies liegt im Wesen der
kreuzförmigen Basilika begründet -- denselben Anspruch hätte wie das
Querschiff.

=Das Gewölbe.= Der ganze Bau war eingewölbt. Die noch vorhandenen
Gewölbe bestehen durchgehends aus Bruchsteinen in starker Mörtelbettung,
wobei häufig ein leichter Tuffstein der fränkischen Schweiz zur
Verwendung gekommen ist.

Die bei der Wölbung angewandte Gattung ist die des Kreuzgewölbes mit
profilierten Rippen.

In den Seitenschiffen erhob sich die Wölbung über nahezu quadratischen
Grundrissen. Im Mittelschiff dagegen, das bei größerer Breite
ebensoviele Joche zählt wie die Seitenschiffe, haben die einzelnen
Gewölbefelder rechteckige Form. Es ist also nicht das sogenannte
gebundene, bei romanischen Bauten übliche System, bei welchem je zwei
Seitenschiffjoche einem Mittelschiffjoch entsprechen, zur Anwendung
gelangt, sondern das bei gotischen Bauten angewandte einfache System mit
durchlaufenden Jochen.

Gurte und Rippen sind spitzbogig, erstere wenig gestelzt. Die Gewölbe
haben leichte Busung mit fast horizontaler Scheitellinie.

Während die Gewölbe des Mittelschiffes selbst vierteilig sind, was auch
bei den Turmhallen und den Seitenschiffen der Fall ist oder doch war, so
zeigen die anderen, sowohl die noch vorhandenen wie zum Teil die noch
rekonstruierbaren Gewölbe eine hiervon verschiedene Form.

Das Gewölbe des Westchorrechteckes ist sechsteilig.

Das Gewölbe der polygonen Westapsis selbst hat fünf, d. h. ebensoviele
Kappen, wie der Chor Seiten hat, und noch einen Zwickel am Gurtbogen, so
daß der Schlußstein den Gurtbogen nicht berührt.

Das Gewölbe über den beiden Querschiffarmen war eine Mischung von vier-
und sechsteiligem Gewölbe. Denn die noch vorhandenen seitlichen Mauern
weisen in der Mitte außen einen Strebepfeiler und entsprechend an der
Innenseite einen Dienst auf, was darauf schließen läßt, daß die beiden
seitlichen Gewölbeviertel nochmals geteilt waren, und zwar, wie die
Spuren an der Innenwand erkennen lassen, in zwei Kappen mit niedrigeren
Schildbögen und infolgedessen mit steileren Scheiteln wie die übrigen
ungeteilten Viertel der Kreuzarmgewölbe.

Ob das Ostchorquadrat vierteilig oder sechsteilig eingewölbt war, läßt
sich nicht mehr entscheiden, da die Nachgrabung Anhaltspunkte nicht
gab und auch nicht geben konnte. Selbst wenn bei den Nachgrabungen die
unteren Mauerteile des Chorquadrates ohne Pilastervorlagen und Dienste
aufgefunden worden wären, wäre ein sechsteiliges Gewölbe noch nicht
ausgeschlossen. Denn es hätten sehr wohl, wie es an den erhaltenen
Bauteilen häufig der Fall ist, die für die mittleren Querrippen
bestimmten Dienste nicht ganz herabgeführt sein, sondern in halber Höhe
auf Konsolen ruhen können.

Die drei östlichen Apsiden hatten wahrscheinlich Halbkuppeln.

=System des Aufbaues und Hochwandgliederung.= Der ganze Bau ist ein
Werksteinbau, jedoch mit der Einschränkung, daß die Mauer stets aus zwei
Werksteinwänden besteht, deren Zwischenraum mit Bruchsteinmauerwerk
ausgefüllt ist: die gewöhnliche Bauart des Mittelalters.

[Illustration: TAFEL III. Ansicht und Schnitte des romanischen Baues.]

Die Gewölbgurte werden von Halbpfeilern mit vorgelagerten
Dreiviertelsäulen oder Diensten getragen (Abb. 2). An die Halbpfeiler
schließen sich auch seitlich Halbsäulen an, welche zur Aufnahme der
Diagonalrippen bestimmt sind. Am Querschiff werden die Gewölbträger
außen durch Strebepfeiler unterstützt. Dagegen fehlen die Strebepfeiler
am Westchor, während wiederum an den Türmen Streben angebracht sind.
Am Mittelschiff scheint durch je zwei Strebebögen Ersatz für die
Strebepfeiler geschaffen worden zu sein, um dem etwaigen Schub des
hohen Gewölbes nach außen Widerstand zu leisten. Ist hierbei nicht
zu verkennen, daß der Baumeister von St. Sebald den Anlauf zu einer
den wirkenden Kräften entsprechenden organischen Gliederung des
Baues genommen hat, so muß andererseits auf die Inkonsequenz bei der
Durchführung der gewollten Gliederung hingewiesen werden und zwar in
Anbetracht der Stärke der Mittelschiffsjochmauern. Dieselben sollten
eigentlich nur als Füllmauerwerk funktionieren, weshalb Mauern von
bedeutend geringerer Stärke den gleichen Zweck erfüllt hätten. Nur bei
den Bogenfeldern des Lichtgadens ist ein Versuch zur Entlastung des
Mauerwerkes gemacht worden, indem dasselbe im Innern zurücktritt und die
Schildbögen auf kleinen, an die Halbpfeiler angelehnten Säulchen ruhen.

[Illustration: Abb. 3. Innenansicht gegen den Westchor.]

[Illustration: Abb. 4. Triforien im Mittelschiff.]

Was die Gliederung der Mittelschiffhochwand betrifft (Abb. 3), so
ist durch die Einführung des schmalen durchlaufenden Joches jeder
Pfeiler Hauptpfeiler geworden und so eine enge Aneinanderreihung der
Gewölbstützen ermöglicht. Die auf diese Weise schlank gewordenen
Proportionen des Längsschnittes korrespondieren mit der starken
Höhenentwicklung des Querschnittes. Einen wohltuenden Gegensatz zur
starken vertikalen Gliederung bildet die dreigeschossige Anlage des
Aufrisses. Die Arkaden werden durch Einsprünge abgestuft; die so
entstandenen rechtwinkeligen Vorlagen ruhen auf Halbsäulen, welche
aber ihrerseits von Konsolen getragen werden, so daß den Pfeilern die
quadrate Grundrißform bleibt. Die Mauerfläche zwischen den Arkaden und
dem Lichtgaden ist belebt durch ein über die Bögen hinlaufendes Gesims
und darüber durch eine Galerie, welche nach Art des französischen
Triforiums aus der Mauerdicke ausgespart ist (Abb. 4). Die Bogenfelder
des Lichtgadens sind, wie vorhin erwähnt, gegliedert und mit
Rundbogenfenstern durchbrochen, so daß sich das Streben geltend macht,
den an und für sich schweren, kräftigen Bau nach oben zu leichter
erscheinen zu lassen.

Ebenso wie die Fenster der Mittelschiffhochwand und die älteren Fenster
des Westchores -- zweifellos waren sämtliche Fenster rundbogig -- sind
auch die beiden einzigen erhaltenen Portale, die jetzigen Portale der
Turmhallen, rundbogig, während Gewölbe und Arkaden spitzbogig gestaltet
sind, was ein charakteristisches Merkmal für die Bauzeit der Kirche
bildet.

Die Wände des westlichen Vorchores sind belebt durch je einen
zweiteiligen loggienartigen Durchbruch nach den Turmhallen. Beide
Doppelfenster wurden gelegentlich der letzten Restaurierung wieder
bloßgelegt. An der nördlichen Wand hat sich durch Untersuchungen
herausgestellt, daß das ehemalige Doppelfenster in späterer Zeit
gründlich verändert wurde. Die Fenster hatten den Zweck, vom Westchor
aus die Turmhallen zu erhellen.

Der fünfteilige Westchor erhält sein Licht durch ebensoviele Fenster
mit Oberfenstern. Die Wände unterhalb der größeren Fenster sind mit
Kleeblattblendarkaden gegliedert.

[Illustration: Abb. 5. Partie aus dem Engelschor.]

Über dem Westchor befindet sich ein Obergeschoß, Engelschor genannt
(Abb. 5). Denn die Wölbung des eigentlichen Chores erreicht nicht die
Höhe des Mittelschiffes und der ausgesparte Raum mit dem gleichen
Grundriß wie der untere dem hl. Petrus geweihte Chor ist auch analog
diesem eingewölbt. Der Engelschor erhält sein Licht durch drei Fenster
von gleicher Größe und Gestalt wie die oberen Fenster des Peterschores
und durch zwei Rundfenster. Er hat die Bedeutung einer Empore. Die
Sockelwände sind gleichfalls mit Kleeblattblendbögen gegliedert. Im
übrigen ist Architektur und Dekoration reicher wie die des unteren
Chores. Die Ausführung macht einen unfertigen Eindruck. Eine Brüstung
mit halbrundem Erker in der Mitte schließt die Empore gegen das Schiff
ab.

Von den Wänden der Querschiffarme sind die westlichen Mauern über den
Seitenschiffen von je zwei rundbogigen Fenstern durchbrochen.

Über die Gliederung der Wände des Ostchores würden sich nur Vermutungen
aufstellen lassen.

=Der Außenbau.= War es bei der bisherigen Beschreibung des Baues
notwendig, stets die rekonstruierten Bauteile in Berücksichtigung zu
ziehen, so gilt dies in nicht geringerem Grade von der Beschreibung des
Außenbaues, insbesondere in bezug auf die Gesamtwirkung desselben.

Die Behandlung der Außenseite des Baues ist im allgemeinen sehr
einfach. Der Bogenfries ist fast der einzige Schmuck.[5] Er läuft am
Mittelschiff unter dem Dach hin, an den Türmen ziert er die einzelnen
Stockwerkgesimse und außerdem hat ihn noch der Westchor aufzuweisen.
Wahrscheinlich wird er auch Querschiff, Seitenschiffe und die Ostpartie
geschmückt haben. An den Türmen tritt anstatt des einfachen ein mit
Laubwerk reich ornamentierter Bogenfries auf. Die Wände sind glatt
behandelt bis auf eine schlichte Gliederung der polygonen Westchorapsis
durch Dienste an den Eckkanten, welche oben in Kapitäle endigen und
anfangs wohl fünf Giebel mit runden, viereckig geblendeten Fenstern,
wie sie noch die äußeren Seiten aufweisen, getragen haben dürften.
Möglicherweise waren Ostchor und Seitenschiffe mit Lisenen belebt. Man
scheint eben bei der dekorativen Gliederung mehr Nachdruck auf den
Innenbau gelegt zu haben.

Die Haupteingänge befanden sich, wie mit ziemlicher Gewißheit
angenommen werden darf, an den beiden Seitenschiffen, wohl zwischen
den Strebebögen. Diese Portale wurden beim Umbau der Seitenschiffe an
die Türme transferiert. Ob die Turmhallen von Anfang an mit Eingängen
versehen waren, kann nicht zuverlässig behauptet werden.[6] Kleinere
Portale führten vermutlich an Stelle des späteren Brautportales und des
Dreikönigsportales in das Querhaus.

Bei der Baumasse, als Ganzes betrachtet, lag der Schwerpunkt auf der
Ostpartie. Gleichwohl ist eine starke Hervorhebung der Westpartie mit
dem Turmpaar (Abb. 6) nicht zu leugnen, wenn auch auf eine Fassade im
richtigen Sinne des Wortes wegen des Chores verzichtet werden mußte.
Andererseits darf nicht vergessen werden, daß der Gedanke, die Ostpartie
mehr zu betonen, fast auf den Grundplan beschränkt geblieben ist, da am
Ostchor wahrscheinlich weder Türme noch Kuppel vorhanden waren, so daß
im Hochbau die vertikale Entfaltung eigentlich nur in der Westpartie zum
präzisen Ausdruck kommt.

Kurz geraten in der Anlage ist das Langhaus mit seinen nur fünf schmalen
Jochen. Ost- und Westpartie sind einander dadurch ziemlich nahe gerückt,
eine enge Gruppierung der Baumassen war die Folge. So bescheiden die
Außenarchitektur im einzelnen auch ist, im ganzen muß die geschlossene
Komposition eine malerische Wirkung geübt haben.

=Einzelglieder und Dekoration.= Das reiche Formenspiel des Innenbaues
bietet eine malerische Verteilung und Abwechslung von Licht und
Schatten. In der Verwendung von Säulen und Säulchen, Halbsäulen,
Bögen und Blendbögen ist nicht gespart; dabei gibt sich das Bestreben
kund, die struktiven Glieder den dekorativen zu substituieren. Von
statuarischer Plastik der romanischen Kirche haben sich keine Reste
erhalten. Die Bogenfelder der nicht mehr existierenden oder der später
umgebauten, beziehungsweise versetzten Portale hatten vielleicht
Reliefplastik aufzuweisen. Die Dekoration war nur in beschränktem Maße
polychrom, wie die Feststellungen bei der letzten Restaurierung bewiesen
haben. Möglicherweise war der Ostchor mit größeren Wandmalereien
ausgestattet. Im Langhaus genossen in der Hauptsache die Schlußsteine
und einige Kapitäle die Vorteile des Farbenkleides. Anspruch auf
romanischen Ursprung können aber nur die im Westchor vorgefundenen
Farbenreste erheben, wonach eine Anzahl von Halbsäulenvorlagen oder
Diensten an ihren Schäften nach rheinischer Art im Schieferton, die
Rippen und Gurte mit weißem und grauem Steinmuster und die Gewölbekappen
mit kleinem Steinfugenschnitt bemalt waren. Auch einzelne Gesimse
zeigten eine dunkelgraue Färbung. Glasmalerei ist wahrscheinlich auch
vertreten gewesen.

Der =Pfeiler= (Abb. 7) funktioniert im Innern der Kirche als
freistehende Stütze der Hochwand und steht mit dieser in naher
struktiver wie formaler Beziehung. Er ist quadratisch im Grundriß
und hat im Seitenschiff eine Pfeilervorlage, an jeder Seite eine
Halbsäulenvorlage. Die Ecken sind mit Rundstäben versehen. Der Sockel
fehlt. Im Mittelschiff ruhen die Halbsäulenvorlagen auf Konsolen oder
setzen auch trichterförmig am Pfeiler an. Durch die Halbsäulenvorlagen
an den Schiffsseiten ist eine enge organische Verbindung zwischen
Pfeiler und Gewölbeträger hergestellt. Das Gesims wird an den vier
Seiten ringsum geführt, sogar um die Vorlagen, dort die Deckplatten der
Halbsäulenkapitäle bildend.

[Illustration: Abb. 6. Westansicht vor der Restaurierung.]

Die =Säule= ist meist als Halbsäule mit dem Pfeiler oder der
Pfeilervorlage verbunden und trägt als solche Gurte und Rippen. Sie
stützt auch leichtere Lasten, und hier mehr in dekorativer als in
konstruktiver Verbindung, so an den Kleeblattblendbögen, an den
Schildbögen, an den Arkadenvorlagen. Freistehend findet sie sich nur
in der Triforien- oder Zwerggalerie und im Engelschor vor. Als reines
Zierglied steht sie an den Wandungen der Westportale. Die Behandlung
des Schaftes ist glatt, die Form zylindrisch, ohne Schwellung und ohne
Verjüngung, an der Triforiengalerie auch achteckig. Im Westchor, wo die
Säule, als Dreiviertelsäule an die Wand angelehnt, die Gewölberippen
trägt, ist ihr Schaft mit einem scharf profilierten Ring in der
Mitte umgürtet. Ebenso an den beiden noch vorhandenen westlichen
Vierungspfeilern.

Die =Kapitäle= (Abb. 8, 9, 10, 11, 12) gruppieren sich in
Knospenkapitäle und solche mit Blattornament, beziehungsweise in Kelch-
und Würfelkapitäle. Der Kern des Knospenkapitäls ist die Kelchform, die
Behandlung des Reliefs zum großen Teil eine mehr zeichnende, abgesehen
natürlich von den Knospen, welche zuweilen über den Rand der Deckplatte
vortreten. Bei den Blattornamentkapitälen geht die Kelchform in die des
Würfels über infolge plastischer Behandlung der Blätter; dabei zeigt
sich eine Vorliebe für das bandförmige Blattornament, indem Stengel
und Ranken wie gestickte Bänder gearbeitet, die Blätter gleichsam mit
Schnüren von Perlen oder Edelsteinen besetzt sind. Eine freiere zum Teil
phantastische Behandlung weisen nur die Kapitäle in der Triforiengalerie
auf, wo auch die Würfelform mehr Anwendung gefunden hat. Häufig
vertreten hier Fratzen die Stelle von Kapitälen.

Die =Basen=, von der bei romanischen Bauten üblichen attischen Art,
sind nicht mehr starr und hoch, sondern biegsam und zeigen bereits die
flache, gedrückte Gestalt, welche dem Druck elastisch nachgegeben hat
und mit dem unteren Wulst über den Rand des Sockels hinausgedrängt
worden ist. Manche Basen weisen Eckknollen auf.

Unter den =Konsolen= (Abb. 13, 14) sind die am häufigsten vorkommenden
die Hornkonsolen, in welche die für die Diagonalrippen bestimmten
seitlichen Halbsäulenvorlagen oder Dienste unmittelbar über dem Gesims
der Arkadenpfeiler endigen. Sie sind meist glatt behandelt, die Spitze
nach außen gebogen. Einige tragen auch schlichtes Blattornament. Die
Gurtdienste im Mittelschiff werden zuweilen von hockenden bärtigen
Gestalten gestützt. Die übrigen Konsolen haben einfache Form, in einen
schaftartigen Rundbogenfries gehüllt.

Von den =Türen= kommen nur die jetzigen beiden West- oder Turmportale
(Abb. 15, 16, 17, 18) in Betracht. Dieselben treten mit ihrem
verschrägten Gewände und ihrem bogenförmigen Abschluß als Umrahmung
vor die Fläche der Turmmauer vor. Gewände und Bogenleibung sind durch
drei rechtwinkelige Einsprünge aufgelöst. In den Winkeln stehen zu
beiden Seiten je drei Säulen, welche mehrfach profilierte Bögen tragen.
Plastischer Schmuck ist nur an den Kapitälen vorhanden, und zwar sind
dieselben an der einen Seite als Knospenkapitäle, auf der anderen
Seite als Blattornamentkapitäle unterschieden. Die Bogenfelder ruhen
auf Pfeilern auf, welche aber mit den flankierenden Säulen nur das
bekrönende Gesims gemein haben. Durch die beiden Turmportale hat die
Westseite nachträglich die Bedeutung einer Fassade gewonnnen.

=Bisheriges Ergebnis.= Die im Vorausgehenden gegebene Beschreibung
des Baues führt zu dem Ergebnis, daß die ältere Kirche St. Sebald im
großen und ganzen ein der romanischen Stilart angehöriger Bau ist. Es
haben allerdings die drei gotischen Grundelemente: der Spitzbogen, der
Strebebogen und das einfache System bereits Eingang gefunden. Allein
diese Anleihen haben nicht den Organismus des Gliederbaues völlig
durchdrungen, sie sind nicht durchweg zu konstruktiver Notwendigkeit
geworden. Hat man doch beim späteren Umbau der Seitenschiffe den
Überfluß der Strebebögen erkannt und ihre Beseitigung herbeigeführt.
Auch der Eindruck des Innern, wo erst das einfache System dem Beschauer
sichtbar wird, ist trotz der reichen Hochwandgliederung und trotz der
starken Höhenentwicklung nicht der eines gotischen Baues. Der Bau ist in
seinem innersten Kern romanisch. Den romanischen Charakter bestätigen
auch die Ornamente.

=Stilkritik.= Die erste Periode der Nürnberger Bau- und Kunstgeschichte
fällt in das 12. Jahrhundert. Die ehemalige Schottenkirche St. Egidien
mit der Euchariuskapelle und die Doppelkapelle auf der Burg sind ihre
Repräsentanten. Die Egidienkirche brannte 1696 ab. Nur Abbildungen
aus der Zeit vor und unmittelbar nach der Brandkatastrophe haben uns
ein Bild der romanischen, in gotischer Zeit mehrfach umgebauten und
erweiterten Klosterkirche überliefert, allein sie genügen nicht,
um genau Konstruktion oder gar Ornamentik erkennen zu lassen.
Wir wissen nur, daß die Kirche eine dreischiffige Basilika mit
östlichem Querschiff, westlichen Türmen und Vorhalle war; vielleicht
eine Säulenbasilika, in welcher die Seitenschiffe gewölbt, das
Mittelschiff dagegen flach gedeckt war. Mit ziemlicher Sicherheit
aber wird man annehmen können, daß die Kirche des um 1140 von Kaiser
Konrad III. gestifteten und mit Regensburger, teilweise auch mit
Würzburger Schottenmönchen besetzten Klosters auch in der Bauweise
als Schottenkirche gekennzeichnet und mit St. Jakob in Regensburg eng
verwandt war. Deutlich ist der Einfluß der Schotten an der Doppelkapelle
auf der Burg, der Margareten- und Kaiserkapelle (etwa 1170 bis etwa
1180). Weniger in der Gewölbekonstruktion, als besonders durch Gestalt
und Ornamentik der Kapitäle und durch die Anlage des Oratoriums mit
den kurzen, gedrungenen Säulen wird man sofort an die Regensburger
Schottenkirche erinnert. Dagegen deutet die gegen Ende des 12.
Jahrhunderts erbaute Euchariuskapelle mit ihren Rippengewölben und den
hohen, reich profilierten Sockeln, Basen und Kämpfern auf Bamberg.

[Illustration: Abb. 7. Ansicht vom südlichen Seitenschiff gegen Norden.]

Von wie hoher Bedeutung auch für die Kunstgeschichte Nürnbergs in der
zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Beziehungen zu Regensburg
gewesen sind, eine =Nürnberger Bauschule= scheint sich aus jener nicht
allzu umfangreichen, im wesentlichen auf die beiden ersterwähnten
Kirchen beschränkten Bautätigkeit nicht entwickelt zu haben. Es ist
anzunehmen, daß die Bauleute für die Doppelkapelle auf der Burg und für
die Egidienkirche von auswärts, das heißt von Regensburg, gekommen waren
und nach Vollendung der Bauten wieder weitergezogen sind, also weder aus
der Bevölkerung Nürnbergs hervorgegangen sind, noch sich in Nürnberg
dauernd angesiedelt haben.

[Illustration: Abb. 8. Kapitäl der Dienste im Mittelschiff.]

Mit der Wende zum 13. Jahrhundert war auf einige Jahrzehnte eine
Stockung im Bauleben Nürnbergs eingetreten, bis sich mit der
Niederlassung der Bettelorden, vor allem aber mit dem Bau von St.
Sebald eine um so regere Tätigkeit entfaltete. So kam es, daß sich an
die von den Schotten angewendete Bauweise keine Tradition knüpfte und
man die technischen Vorteile und die dekorative Eigenart, welche jene
mitgebracht, völlig vergaß. Und als das Bedürfnis nach einem größeren
Gotteshaus wach wurde, war in Nürnberg ein gänzlicher Mangel an
geschulten Baumeistern wie Steinmetzen, welche einen umfassenden Auftrag
hätten übernehmen und durchführen können. Dazu handelte es sich jetzt
nicht mehr um eine Kirche für einen geschlossenen Orden, sondern um die
Kirche für eine Pfarrgemeinde. Stand bereits die zum Egidienkloster
gehörige Euchariuskapelle unter dem Einfluß des Bamberger Domes, so war
es ganz natürlich, daß die unterbrochenen Beziehungen zu dem erst 1237
vollendeten Dom wieder aufgenommen wurden, um so mehr als Bamberg die
Diözesanhauptstadt von Nürnberg war.

=St. Sebald und der Dom zu Bamberg.= Bei der Gründung der Diözese
Bamberg durch Kaiser Heinrich II. im Jahre 1007 wurde der neue Sprengel
gegen den von Eichstätt mit dem Laufe der Pegnitz abgegrenzt. Was also
vom jetzigen Stadtgebiet Nürnbergs nördlich dieses Flusses lag, gehörte
zu Bamberg, was dagegen auf der anderen Seite lag, zählte vorerst zu
Eichstätt. Dieses Verhältnis scheint jedoch nicht lange bestanden zu
haben, denn schon 1162 wird die Kapelle zum Heiligen Grab, an deren
Stelle sich jetzt die Pfarrkirche St. Lorenz erhebt, als zu Fürth
eingepfarrt erwähnt, und Fürth gehörte damals zur Diözese Bamberg. Im
13. Jahrhundert kommt also für Nürnberg als Diözesanhauptstadt nur
Bamberg in Betracht.

Im ersten Drittel dieses Jahrhunderts entwickelte sich in Bamberg im
Anschluß an den Dombau ein reges Kunstleben. Der unter Kaiser Heinrich
II. erbaute, 1081 abgebrannte, unter Bischof Otto dem Heiligen wieder
aufgebaute und 1185 abermals durch eine Feuersbrunst zerstörte Dom
wurde gleich nach dem Brande von neuem aufgebaut. Begonnen wurde mit
der Ostpartie. Nach Vollendung derselben vor 1202 trat eine kurze
Unterbrechung ein. Man ging nun energisch an die Vollendung des ganzen
Baues. Auf die provisorische Einweihung von 1232 folgte am 6. Mai
1237 die letzte und endgültige.[7] Es ist ganz natürlich, daß bei dem
Bau eines Gotteshauses von den Dimensionen des Bamberger Domes, der
noch dazu in verhältnismäßig kurzer Zeit zur Ausführung gelangte und
infolgedessen eine zahlreich besetzte Bauhütte erforderte, sich eine
eigene Bauschule heranbildete, die im Bedarfsfalle imstande war, auch
nach auswärts Parliere und Steinmetzen abzugeben. Was liegt da näher,
als daß die Nürnberger Pfarrgemeinde, als man nach einem monumentalen,
nur mit dem Aufgebot gediegener und geschulter Kräfte zu erbauenden
Gotteshaus verlangte, zur Dombauschule der Diözesanhauptstadt in engste
Beziehungen trat.

[Illustration: Abb. 9. Romanisches Kapitäl mit Blatt- und Bandornament.]

[Illustration: Abb. 10. Romanisches Kapitäl mit Blatt- und Bandornament.]

[Illustration: Abb. 11. Gotisches Kapitäl im Seitenschiff.]

Wir fassen zunächst die beiden Grundrisse, beziehungsweise
Plandispositionen ins Auge.

Beim Bamberger Dom ist die Plandisposition des alten Heinrichsbaues --
doppelchörige Basilika mit westlichem Querschiff -- beibehalten worden.
Es kann daher weder in der doppelchörigen Anlage, noch im westlichen
Querschiff eine auf Rechnung des Neubaues kommende Besonderheit
erblickt werden, es ist vielmehr auf andere ähnliche Beispiele, nämlich
einerseits auf die Dome von Mainz (erster Bau 978-1009) und Worms
(996-1016), andererseits auf die schwäbisch-bayerischen Bauten, so auf
den Dom von Augsburg (994 bis 1006), auf Obermünster (1010 und 1020)
und St. Emmeram in Regensburg (1002 und 1020), unter deren Einfluß der
Heinrichsbau des Bamberger Domes zweifelsohne stand, zu verweisen.[8]
Das Schwergewicht bei der Anlage einer Kirche nach Westen zu verlegen,
wurde, wenn nicht ähnliche zwingende Gründe vorhanden waren, von jener
Zeit ab vermieden. Um so auffälliger muß es erscheinen, daß bei dem Bau
einer Kirche wie St. Sebald, der von Grund aus einen Neubau bildet, zwar
nicht das Hauptgewicht auf den Westchor verlegt, aber doch demselben
eine dem Ostchor beinahe gleichkommende Bedeutung zuteil wird, ja daß
überhaupt ein Westchor noch Anklang findet. Denn spätere doppelchörige
Anlagen sind nicht bekannt.

[Illustration: Abb. 12. Romanisches Kapitäl mit Knollenornament.]

Wie schon erwähnt, stand zuvor an Stelle der Kirche St. Sebald eine
Kapelle. Dieselbe war von Anfang an dem hl. Petrus geweiht und bewahrte
Reliquien von ihm. Im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts fand
allmählich auch der hl. Sebald Verehrung, er wurde bald zum Stadtpatron
erhoben, ohne daß auf die Verehrung des hl. Petrus verzichtet worden
wäre. Auch vom hl. Sebald waren Reliquien vorhanden. Es mußte daher,
als man eine Gemeindekirche größerer Ausdehnung als Ersatz für die
kleine Kapelle erbauen wollte, gleich von vornherein auf beide Heilige
Rücksicht genommen werden. So blieb nichts anderes übrig, als den
Grundriß einer doppelchörigen Kirche zu wählen, und hierzu bot der
Bamberger Dom das geeignetste Vorbild. Man begnügte sich aber nicht mit
der bloßen Kopie, sondern ging in einer Hinsicht sehr selbstständig vor.
Beim Bamberger Dom liegt, weil die Plandisposition des Heinrichsbaues
beibehalten wurde, das Querhaus im Westen. Vom 11. Jahrhundert an jedoch
wurden überall nicht nur doppelchörige Anlagen soviel wie möglich
vermieden, sondern auch die Kirchen regelmäßig nach Osten angelegt.
Infolgedessen ist der Grundriß von St. Sebald gegenüber dem Bamberger
Grundriß in der Himmelsrichtung gerade umgekehrt. Und da im Laufe des
12. Jahrhunderts der hl. Sebald Stadtpatron geworden war, nach welchem
auch die Kirche benannt werden sollte, so wurde seiner Verehrung der
größere Ostchor eingeräumt, während dem hl. Petrus der kleinere Westchor
zufiel.[9]

[Illustration: Abb. 13. Romanische Hornkonsole.]

[Illustration: Abb. 14. Romanische Konsole.]

Eine weitere Selbständigkeit liegt in dem Mangel eines zweiten
Turmpaares am Querschiffe von St. Sebald, welches dafür zwei Apsiden als
Nebenchöre hat.

Dagegen spricht wieder deutlich für die enge Verwandtschaft, daß bei den
östlichen Apsiden der Kirche St. Sebald genau wie bei der Ostapsis des
Bamberger Domes die halbrunde Form gewählt, während hier wie dort der
Westchor polygon abgeschlossen wurde.

Abgesehen von dieser Ähnlichkeit im Grundriß haben die beiden Westchöre
auch fast den gleichen Aufbau, wenn wir die durch den Unterschied der
Größenverhältnisse gegebenen Abweichungen außer acht lassen. Außen:
Mangel an Strebepfeilern, Abtrennung eines oberen Stockwerkes mit
Oberfenstern durch ein kräftiges Gesims, an den Ecken Dienste, welche
nicht bis zum Dachgesims reichen; ein Unterschied besteht in den hier
runden, dort spitzbogigen Fenstern und darin, daß bei St. Sebald auch
das untere Stockwerk Oberfenster hat. Innen: sechsteilige Gewölbe in den
Rechtecken, Dienste mit Schaftringen und Kleeblattblendarkaden an den
Wänden der Apsis.

Sowohl hier wie dort ist die Außenwand des Mittelschiffes so schlicht
wie möglich behandelt. Wandgliederung fehlt. Die Anzahl der Fenster
stimmt überein, es trifft auf jedes Joch ein Fenster. Die Fenster
sind bei beiden Bauten rundbogig, mit glatten Wandungen, und sitzen
unmittelbar auf dem Ansatz der Seitenschiffdächer auf. Ein ebenfalls
übereinstimmender Rundbogenfries, welcher sich unter dem Dachgesims
hinzieht, bildet den einzigen Schmuck der Hochwand.

Ferner ist im Außenbau der Ansatz der Chornische, beziehungsweise
des Chordaches an den Mittelschiffgiebel der gleiche (bei St. Sebald
im Westen, beim Dom zu Bamberg im Osten), und ebenfalls belebt der
eben erwähnte Rundbogenfries die Giebellinie. Übrigens hat aller
Wahrscheinlichkeit nach beim Bamberger wie beim Nürnberger Westchor der
Abschluß in einem Kranz von Giebeln mit Giebeldächern bestanden, wie die
Endigungen der Eckdienste beweisen; zum mindesten war eine derartige
Bekrönung bei beiden Apsiden geplant wie an rheinischen Bauten des
Übergangsstiles.

Sonst fällt von den Übereinstimmungen am Außenbau noch der an den beiden
Westapsiden unter dem das untere vom oberen Stockwerk trennenden Gesims
sich hinziehende Rundbogenfries auf, der auch auf die flankierenden
Türme übergreift und dessen Bogenansätze von blattwerkgeschmückten
Konsolen getragen werden.

In allen übrigen Punkten kommt beim Außenbau der Unterschied zwischen
der reich ausgestatteten Bischofskirche und der einfachen, schlichten
Pfarrkirche zum Ausdruck.

Bezüglich der Einzelglieder und der Dekoration im Innern der beiden
Kirchen kann nur eine teilweise Übereinstimmung festgestellt werden:
die Kleeblattblendarkaden im Westchor (bei Bamberg auch an den
Westchorschranken)[10] in der Anlage sowohl wie in der Detailbildung,
Abschluß der Dienste in halber Höhe durch stützende Konsolen, auch
Hornkonsolen (bei Bamberg nur im Westchor, bei St. Sebald durchgehends)
und Abrundung der Scheidbögenkanten in Wulste.

Zum Schlusse sei noch betont, daß sämtliche Steinmetzzeichen von St.
Sebald sich unter den zahlreichen Zeichen des Bamberger Domes vorfinden.

Durch diese Nebeneinanderstellung wird die von der Kunstgeschichte
ausgesprochene Vermutung, daß die Kirche St. Sebald in ihrer ersten,
durch spätere An- und Umbauten noch nicht erweiterten Gestalt durch den
Bamberger Dom wesentlich beeinflußt ist, vollauf bestätigt. Es gilt dies
in erster Linie von der Plandisposition, in zweiter Linie vom Außenbau.
Was vom Dom zu Bamberg aus dessen erster Bauperiode vor und kurz nach
1200 auf die Kirche St. Sebald übertragen wurde, ist die doppelchörige
Anlage und die Idee, die Chorapsis mit zwei Türmen zu flankieren. Beides
wurde in selbständiger und eigenartiger Weise vom Baumeister von St.
Sebald verwertet. Alle übrigen Übereinstimmungen der beiden Bauten gehen
auf die zweite Bauperiode des Bamberger Domes zurück, welche die Zeit
vom Ende des zweiten Jahrzehnts bis 1237 umfaßt. Und da die Nürnberger
Steinmetzzeichen nur am westlichen, der zweiten Bauperiode angehörenden
Teil des Bamberger Domes vorkommen, so steht fest, daß die zweite
Bamberger Bauperiode und die erste Hälfte der Nürnberger Bauzeit durch
keinen größeren Zeitraum getrennt sein können.

Es erübrigt nun beide Bauwerke auf ihre =Verschiedenheiten und
Abweichungen= zu untersuchen.

Technik und Konstruktion der Gewölbe ist bei beiden Kirchen so ziemlich
die gleiche: Bruchsteingewölbe in reicher Mörtelbettung, spitzbogige
Kreuzrippengewölbe mit schwacher Busung und nahezu horizontalem
Scheitel. Allein die angewandten Systeme sind grundverschieden: beim Dom
zu Bamberg das gebundene, bei St. Sebald das einfache System.

Ferner ist bei St. Sebald an einigen Stellen der Versuch gemacht worden,
durch Stützwerk eine Verringerung der Mauerstärke herbeizuführen und
so den Gliederbau mehr zu betonen: an den Türmen und am Querschiff
durch Strebepfeiler, am Mittelschiff sogar durch Strebebögen. Am Dom zu
Bamberg fehlt -- abgesehen von den beiden Stützpfeilern an den Osttürmen
aus dem Jahre 1274 -- jede Strebe; es entspricht fast durchwegs die
Mauerstärke der Stärke der alten Grundmauer, so daß Strebepfeiler oder
Strebebögen auch überflüssig waren.

Was die Maßverhältnisse und die Raumwirkung anlangt, so macht
sich am Bamberger Dom im Querschnitt ein Streben nach imposanter
Breitenentwicklung geltend. Die Höhe des Mittelschiffes verhält sich
zu dessen lichter Weite wie 2 : 1. Anders bei St. Sebald. Hier ist
bei einem Verhältnis von 3 : 1 eine ganz bedeutende Höhenentwicklung
festzustellen.[11]

Im engsten Zusammenhang mit den Unterschieden im Querschnitt stehen
die in der Hochwandgliederung. Der breiten Anlage im Querschnitt beim
Dom zu Bamberg entspricht im Mittelschiff die breite Wandfläche eines
Joches, welche sich über zwei Arkadenbögen erhebt und um so breiter
erscheint, weil sie vom Gesims bis zum Fenster völlig leer geblieben,
d. h. weil jede Gliederung streng vermieden ist. Bei St. Sebald
entspricht der Höhenentwicklung des Mittelschiffes die schmale Bildung
einer Jochwand, die schon dadurch schlank erscheint, daß sie sich bei
enger Aneinanderreihung der Stützen nur über =einer= Arkade erhebt und
außerdem durch Belebung mit einer Triforiengalerie und Gliederung des
Lichtgadens kurzweiliger wirkt.

Der Gesamteindruck des Außenbaues ist beim Bamberger Dom bedingt --
und zwar für den in spätromanischer Zeit errichteten Hochbau nicht in
der günstigsten Weise -- durch die vom alten Heinrichsbau beibehaltene
Anlage. Der ganze Bau ist langgestreckt und so scheinen gegenüber der
leeren Mittelschiffhochwand die mehr oder minder reich behandelte Ost-
und Westpartie in einem losen Zusammenhang zu stehen. Grundverschieden
hiervon ist der Gesamteindruck des Außenbaues von St. Sebald, oder
besser gesagt, wird er gewesen sein. Starke Anklänge an Bamberg hat
eigentlich nur die Westpartie. Das Gesamtbild jedoch bietet eine ganz
andere Massenwirkung und Silhouette. Vor allen Dingen fehlt ein zweites
Turmpaar. Die Ostpartie mit den drei Apsiden ist Bamberg gegenüber ein
neues, jedenfalls selbständiges Motiv. Und dann, dies dürfte wohl der
Hauptunterschied sein, stellt St. Sebald von den Fundamenten an einen
einheitlichen Bau dar, der auch nach außen hin die charakteristischen
Merkmale des spätromanischen oder Übergangsstiles zur Schau trägt:
die Entfernung vom östlichen Querschiff zu den Westtürmen ist im
Verhältnis zu Bamberg eine überaus kurze, was bei der gleichen Anzahl
von Mittelschiffjochen in der Verschiedenheit der Systeme liegt, die
Baumassen sind demnach eng zusammengruppiert, und diese Wirkung wird
noch verstärkt durch Strebepfeiler und Strebebögen.

Ein nicht gerade wesentlicher Unterschied ist an den Westchören zwischen
den spitzbogigen Bamberger und rundbogigen Nürnberger Fenstern zu
verzeichnen.

Diese mannigfachen, teilweise schwerwiegenden Unterschiede der beiden
Kirchen lehren, daß St. Sebald in vielen Punkten noch auf andere Bauten
zurückgehen muß. Die kunstgeschichtliche Bedeutung des Bamberger
Domes liegt vor allen Dingen in der eigenartigen Verschmelzung
fremder Einflüsse, die nicht nur verschiedenen lokalen, sondern auch
verschiedenen zeitlichen Ursprunges sind. Fällt die Anlage unter
den Einfluß Regensburgs im Anfang des 11. Jahrhunderts, so zählt
anderseits der Hochbau zu den bedeutendsten Schöpfungen des deutschen
Übergangsstiles, wobei der Außenbau des Ostchores vom Ende des 12.
Jahrhunderts stark an die Ostpartie des Mainzer Domes und an andere
rheinische Bauten erinnert; und während einzelne Bauglieder des
Westchores aus dem zweiten und dritten Zehnt des folgenden Jahrhunderts
der Ebracher Schule angehören, weisen die Einwölbung des Westchores und
der Ausbau der Westtürme aus den dreißiger Jahren desselben Jahrhunderts
auf Nordfrankreich, speziell auf Laon. Es ist ganz klar, daß von einem
derartigen Bauwerk mit so vielen stilistischen Verschiedenheiten nur
verhältnismäßig wenige Einzelheiten auf den Bau von St. Sebald übergehen
konnten: ein Teil der Plandisposition, die Anlage des Westchores und
Teile am Außenbau. Und dann war eben bei St. Sebald die Einführung
zeitgemäßer Neuerungen möglich, weil nicht, wie beim Bamberger Dom,
alte Grund- und Hochmauern einen Zwang auf die Gestaltung des neuen
Hochbaues ausübten. Da nun bis zum damaligen Zeitpunkt eine Bauschule
in Nürnberg nicht bestanden hat, so müssen jenen Neuerungen, welche
St. Sebald gegenüber Bamberg aufzuweisen hat, andere verwandtschaftliche
Beziehungen zugrunde liegen.

=St. Sebald und die Klosterkirche zu Ebrach.= Die Entwicklung der
Baukunst in der romanischen Epoche wurde vorzugsweise in den großen
Städten gefördert, welche Bischofssitze waren. Man braucht da nur an
die Städte Mainz, Speyer oder Köln zu erinnern und man kennt sofort die
Bedeutung ihrer romanischen Bauwerke und den Einfluß derselben auf die
ganze Entwicklung.

Daneben machte sich aber eine Bewegung geltend, deren Einfluß nicht
geringer als jener geschätzt werden darf. Es ist die Bewegung, welche
durch die Bauschulen des Benediktiner- und des Zisterzienser-Ordens
hervorgerufen wurde.[12] Ja, der Einfluß derselben ist in gewisser
Hinsicht von weit höherer Bedeutung für die Kunstgeschichte als der der
Dombauschulen; denn dieser war selten über ein eng begrenztes Gebiet,
meist nicht über die Grenzen der Diözese hinausgegangen, der Einfluß
jener Ordensbauschulen war aber nie lokal beschränkt, er erstreckte sich
weithin nach allen Richtungen in die verschiedensten Länder, er darf
mitunter geradezu als international betrachtet werden. Und waren es dort
die Kirchen und Dome, welche von ihrer Zentral- oder Metropolitankirche
Neuerungen empfingen und mit größerer oder geringerer Modulation in
sich aufnahmen, so waren es hier die Kirchen des Landes, gewöhnlich die
Klosterkirchen, denen -- natürlich ebenfalls in lokaler Anpassung -- das
charakteristische Gepräge der entsprechenden Ordensbauschule aufgedrückt
wurde.

Im 11. Jahrhundert hatte unter den Ordensbauschulen der
Benediktinerorden die der Kluniazenser die Oberhand, im 12. Jahrhundert
wurden dieselben von den Hirsauern abgelöst, und im letzten Drittel des
12. und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte der Orden der
Zisterzienser, neben dem sich auch die Prämonstratenser geltend machten,
die weiteste Verbreitung.

Zwischen Würzburg und Bamberg, näher bei letzterer Stadt, liegt
mitten in den stattlichen Nadel- und Laubwaldungen des Steigerwaldes
im Quellgebiet der mittleren Ebrach das nach diesem Bache benannte
Zisterzienserkloster. Es liegt -- was die Zisterzienser bei neuen
Klostergründungen stets im Auge behielten -- in sich abgeschlossen,
abseits von allen Verkehrswegen, gleichweit vom Main, von der Rednitz
und von der Heerstraße Nürnberg-Würzburg entfernt.

Das Kloster wurde im Jahre 1126 gegründet.[13] Der Besitz hatte bald
bedeutenden Umfang gewonnen teils durch Schenkungen, teils durch Ankauf
von Gütern, teils durch den Fleiß der Mönche in der Kultivierung der
umliegenden Waldungen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts mußte bereits
der Frage einer Erweiterung der Ökonomiegebäude wie der Kirche näher
getreten werden. Was die Kirche anlangt, so entschloß man sich zu
einem vollständigen Neubau, und zwar zu einem Bau von beträchtlichen
Dimensionen, der an und für sich schon einen Rückschluß auf die damalige
zahlreiche Besetzung und den Reichtum des Klosters zuläßt.

Bald nach 1200 wurde der Bau begonnen, eine dreischiffige
Pfeilerbasilika mit dem nach Schema Cisteaux II gebildeten Chorabschluß,
nämlich einer einfachen geradlinigen Kapellenreihe an der Ostseite
des Querschiffes und einer doppelten um den ebenfalls geradlinig
abschließenden Chor. Die Wölbung besteht aus Kreuzrippengewölben in dem
System des durchlaufenden Joches. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere
der Kirche im Stile der Zeit derartig umgestaltet, daß die romanischen
Details nicht mehr zu erkennen, ja größtenteils überhaupt nicht mehr
sichtbar sind. Doch steht fest, daß eine Triforiengalerie nicht
vorhanden war. Die Hauptbauperiode fällt in das erste Drittel des 13.
Jahrhunderts; die Vollendungsarbeiten zogen sich in die Länge, erst 1285
fand die Einweihung der Kirche statt.

Dagegen hat sich eine an die Nordseite des Querschiffes der Kirche
angebaute Kapelle, die Michelskapelle, bis auf den heutigen Tag
unverändert erhalten. Sie wurde ebenfalls zu Beginn des 13. Jahrhunderts
in Angriff genommen, 1207 schon fand die Einweihung der Kapelle und
dreier Altäre statt. Dieser Epoche gehört der größere Teil der Kapelle
an, nämlich der mit sieben Stufen über das Niveau der übrigen Kapelle
erhöhte Chor einschließlich Querschiff mit vier Wölbungsquadraten und
das anstoßende Quadrat der unteren Kapelle. Die beiden westlichen
Rechtecke mit den sechsteiligen Gewölben wurden erst im folgenden
Jahrzehnt angefügt. Hier in dieser Kapelle haben Architekturglieder und
Ornamente die reichste Verwendung gefunden, hier finden sich wieder
Kleeblattblendbögen und Hornkonsolen, welche in der allgemeinen Form
sowohl wie in der Detailbearbeitung stark an den Dom zu Bamberg und an
St. Sebald in Nürnberg erinnern. Und wenn wir uns vergegenwärtigen, wie
damals die Zisterzienser mit ihren Mönchen und Laienbrüdern sich häufig
auch an anderen Kirchenbauten, welche im Auftrage von Pfarrgemeinden
oder weltlichen Geistlichen errichtet wurden, rege beteiligten, so liegt
die Vermutung sehr nahe, daß zwischen dem Bau der Klosterkirche in
Ebrach und den zeitlich mit ihm übereinstimmenden Bauten in Bamberg und
Nürnberg enge Beziehungen bestanden haben.

Die Vermutung wird in erster Linie durch den Umstand bestätigt, daß
sämtliche Steinmetzzeichen am alten Bau von St. Sebald nicht nur am Dom
zu Bamberg, sondern auch mit noch etlichen Zeichen dieses Baues wieder
an der Klosterkirche in Ebrach angetroffen werden. Es steht somit fest,
daß eine Anzahl ein und derselben Steinmetzen an allen drei Kirchen
tätig waren. War diese wandernde Kolonie an dem einen Bau fertig, so zog
sie zum anderen Bau, um dort ihre Tätigkeit von neuem aufzunehmen.

Der Anzahl der Zeichen nach zu schließen waren von den Steinmetzen,
die am Bau der Klosterkirche Ebrach arbeiteten, mehr am Dom zu Bamberg
tätig als an der Kirche St. Sebald. Trotzdem war den Ebrachern an der
Nürnberger Pfarrkirche ein größeres Arbeitsfeld eingeräumt als dort.
Was am Bamberger Dom direkt auf Ebracher Einfluß zurückgeht, ist der
Westchor bis zum Dachgesims, beziehungsweise bis zu den Gewölbeanfängen
im Innern und das Nordportal des Querhauses mit den Kleeblattblendbögen;
ferner die Schranken des Westchores.[14] Der Dom war eben in seinen
Hauptteilen: Ostchor mit Türmen, Langhaus und Querschiff, bereits
vollendet oder wenigstens der Vollendung nahe, als man in Ebrach die
Neubauten aufzuführen begann. Beim Weiterbau am Bamberger Dom mußte die
einmal gegebene Disposition beibehalten werden, und so hatten sich die
Ebracher den Anordnungen der Dombauleitung unterzuordnen. Anders bei
St. Sebald. Hier konnte sich die Tätigkeit der Ebracher viel
einflußreicher gestalten, weil man überhaupt erst zu bauen anfing,
als die Ebracher kamen. Hier konnten also die von den Ebrachern in
ihr Bauprogramm aufgenommenen Neuerungen volle Verwertung finden.
Und so finden sich bei St. Sebald nicht nur dekorative Glieder, wie
kleeblattförmige Blendnischen oder Hornkonsolen vor, welche auf eine
nahe Verwandtschaft mit Ebrach hinweisen, sondern auch Konstruktion
und System, d. h. fast alles, worin St. Sebald mit Bamberg nicht
übereinstimmt, bilden ein Produkt der engen Beziehungen.

Wir sehen nämlich in Ebrach, und zwar zunächst in der Klosterkirche
selbst, vor allem das einfache System mit durchlaufendem Joch wieder,
die rechteckigen Gewölbefelder im Mittelschiff und infolgedessen im
Längsschnitt der Mittelschiffjoche eine bedeutende Höhenentwicklung
(Bamberg 2 : 1, Ebrach 3 : 1); ferner eine im Gegensatz zu Bamberg große
Entfernung der Gewölbkämpferlinie von den Arkadenbögen, Vorlagen in
den Arkadenbögen, von Säulen getragen, nicht vollständige Herabführung
der Mittelschiffdienste im Gegensatz zu den Seitenschiffdiensten und
schließlich am Außenbau Strebepfeiler. Ebenfalls ist der Rundbogen in
den Fenstern, der Spitzbogen in den Arkaden und im Gewölbe vertreten.
In der Michelskapelle und zwar in deren jüngerem Teil kehren das
sechsteilige Gewölbe, Verringerung der Mauerstärke des Lichtgadens und
Aufsitzen des Schildbogens auf kleinen Säulen, außerdem nahverwandte
Formen an den Halbsäulenkonsolen und an den Kapitälen wieder.

[Illustration: Abb. 15. Portal am südlichen Turm.]

Die soeben festgestellten Übereinstimmungen zwischen St. Sebald und
der Ebracher Klosterkirche sind architektonische Elemente, welche dem
Bamberger Dombau völlig fern liegen, und zum weitaus größten Teil
konstruktiver Natur, in der Hauptsache: das Strebesystem und das System
des einfachen Joches. Wir fragen uns nun: wie kamen bei Ebrach zu Anfang
des 13. Jahrhunderts diese wesentlichen Elemente gotischen Stiles in die
spätromanische Baukunst Ostfrankens?

Bekanntlich war Frankreich das Kulturland des Mittelalters. Am meisten
hatte Deutschland im 13. Jahrhundert den Einfluß Frankreichs im gesamten
Bereich der Kultur zu verspüren und nicht zum mindesten in der Baukunst.
Mit dem 13. Jahrhundert hatte die Gotik in ihrem Geburtslande Frankreich
den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht, und von dieser Zeit an datiert
ihre Einführung nach Deutschland, und zwar in der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts die Einführung der entwickelten Gotik, in der ersten Hälfte
die Einführung einzelner Elemente dieses Stiles. Und die Einführung
einzelner gotischer Elemente wurde von dem weit verbreiteten Orden der
Zisterzienser besorgt.

Gewiß fand in Ebrach auch nach Vollendung des 1126 gegründeten Klosters
die Baukunst durch die Mönche und Laienbrüder weiterhin Pflege.
Erweiterungen der Klosteranlage, welche durch den rasch anwachsenden
Reichtum bedingt wurden, und Aufträge in der Umgegend werden genügend
Arbeit zugeführt haben. Als jedoch das Kloster zu Beginn des 13.
Jahrhunderts beschloß, einen bedeutenden Neubau dem Zeitcharakter
entsprechend aufzuführen, da reichten die vorhandenen bau- und
kunstverständigen Mitglieder des Ordens nicht aus, man bedurfte eines
bedeutenden Zuwachses neuer Kräfte, insbesondere eines entsprechend
geschulten Bauleiters. Es blieb daher nichts anderes übrig, als sich an
das Mutterkloster zu wenden und sich von dort eine Anzahl von Konversen
samt Baumeister, Parlieren und Steinmetzen kommen zu lassen. Nur auf
diese Weise erklärt sich das plötzliche Auftauchen französischer
Bauweise in Ostfranken, zumal in Ebrach.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts waren für die Zisterzienser nicht mehr
die fünf burgundischen Hauptkirchen die allein ausschlaggebenden Bauten.
Dieselben waren im wesentlichen nunmehr Vorbilder in der Anlage. In
allen übrigen Punkten kam jetzt die burgundische Schule überhaupt,
also nicht nur die der Zisterzienser speziell, als Ausgangspunkt für
neuere Bestrebungen in Betracht, und hier nahmen den ersten Platz die
beiden im östlichen oder Niederburgund gelegenen Bauten, die gegen 1200
vollendete Kathedrale von Langres und die um 1220 erbaute mächtige
Vorhalle von Cluny ein. Von da aus scheinen die beiden Hauptelemente
der französischen Frühgotik, das einfache Wölbungssystem und die
Verstrebung, bis nach Ostfranken und nach Nürnberg vorgedrungen zu sein.
Auffällig ist nur, daß die dort einen Hauptteil der Hochwandgliederung
bildende Triforiengalerie und der Strebebogen in Ebrach keinen Eingang
fanden, um so mehr, als die Zisterzienser doch stets ein lebhaftes
Streben nach Zweckmäßigkeit im Konstruktiven bekundeten. Nach dieser
Richtung also kann Ebrach für St. Sebald nur eine vermittelnde Rolle
gespielt haben und nicht selbst Vorbild gewesen sein.

[Illustration: Abb. 16.]

[Illustration: Abb. 17.]

[Illustration: Abb. 18. Romanisches Portal am südlichen Turme.]

Jedoch ist ein anderer Weg der Einführung nicht ausgeschlossen. Die
Einwölbung des Bamberger Westchores ist ein Werk französischer Frühgotik
aus den dreißiger Jahren des 13. Jahrhunderts und hat mit Ebracher
Baukunst, als deren Werk oben der übrige Teil des Westchores bezeichnet
wurde, nicht das geringste gemein. Im Gegenteil weisen verschiedene
Spuren darauf hin, daß die Einwölbung von dem nämlichen Meister geleitet
wurde, nach dessen Plänen auch die Westtürme ihre charakteristische
Gestalt erhielten. Die beiden Westtürme wurden nach dem Muster der Türme
der Kathedrale von Laon gebaut, und diese, das letzte bedeutendste
Bauwerk der nordfranzösischen Frühgotik, dessen Vollendung in die
Zeit vor 1226 fällt, scheint denselben Anteil an St. Sebald wie die
Kathedrale von Langres und die Vorhalle von Cluny zu haben. Ein
bestimmtes Ergebnis dürfte natürlich erst durch eine eingehende, die
erwähnten Punkte besonders berücksichtigende örtliche Untersuchung jener
Bauten zu erzielen sein. Vorerst jedoch hat die Vermutung viel für sich,
es gingen die nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Bamberg
und Laon zuletzt auch auf eine Vermittlung von Ebrach zurück und liege
so für die Einführung französisch-frühgotischer Elemente in St. Sebald
eine durch Ebrach bewirkte Verschmelzung von Einflüssen der beiden
angrenzenden Gegenden Burgund und Champagne zugrunde. --

Bamberg und Ebrach teilen sich in ihre Ansprüche auf die Gestaltung der
Kirche St. Sebald. Konstruktion und System fallen Ebrach, Plananlage
und Außenbau Bamberg, Ornamentik und Dekoration beiden zu. Man sollte
glauben, daß die Wage sich dorthin, von wo Konstruktion und System
entlehnt wurden, neigen müsse. Keineswegs. Der Baumeister von St.
Sebald hat nie vergessen, daß er eine Pfarrkirche und nicht eine
Klosterkirche zu bauen hatte. Das Programm der Zisterzienser lautete
auf Verzicht von Krypten, St. Sebald birgt deren zwei, und eine reiche
Verwendung plastisch-dekorativer Details wird noch durch die ebenfalls
von den Zisterziensern verschmähte Polychromie besonders hervorgehoben.
Durch die Kreuzung zweier so grundverschiedener Einflüsse wie die
von Bamberg und Ebrach zählt St. Sebald nicht zu den gewöhnlichen
Durchschnittsbauten des deutschen Übergangsstiles, sondern nimmt eine
besondere Stellung ein. Freilich mußte darunter der einheitliche
Charakter des Baues leiden. Einheitlich ist das Innere, einheitlich
scheint auch der Außenbau, wenn wir von den Strebebögen absehen, gewesen
zu sein; aber nach Ansicht des Außenbaues vermutet man beim Eintritt
in das Innere nie und nimmer französische Frühgotik. Außenbau und
Innenbau decken sich nicht. Und eben weil der Baumeister eine organische
Verschmelzung beider nicht oder vielmehr noch nicht erreicht hat, muß
der Bau den spätromanischen Bauten und darf nicht den frühgotischen
Bauten eingereiht werden. Es hat sich in Deutschland nirgends aus der
Vereinigung des spätromanischen Stiles mit französischen frühgotischen
Elementen eine eigene Gotik herausgebildet. Die Gotik mußte als fertiges
Ganzes von Frankreich herüber gebracht werden; erst dann konnte man in
Deutschland gotisch bauen.

[Illustration: TAFEL IV. Das Brauttor.]



                                   II.

                        Die gotische Bauperiode.

   1. Die Erweiterung der Seitenschiffe und die Umbauten am Querschiff
                        und Westchor. 1309-1361.


Am 14. Februar des Jahres 1309 erschien Friedrich Holzschuher,
Gotteshauspfleger von St. Sebald, vor dem Schultheißen Siegfried von
Kammerstein und den Schöffen der Stadt, um im Auftrage des Rats den
Verkauf eines zum Kirchenvermögen der Sebaldkirche gehörigen Hauses
»vor der badstuben bi dem fleischpenken« an Herdegen Holzschuher und
dessen Erben verbriefen zu lassen. In der vom Gericht ausgefertigten
Kaufsurkunde ist der Zweck der Veräußerung jenes Hauses bei den
Fleischbänken ausdrücklich angegeben: »sw[.a] daz wer durch des
neuen poues wegen an sante Sebol[t]s kirchen, daz man den dest baz
m[.o]cht volbringen an den apseiten«.[IV]

  [IV] Siehe Beilage 18.

In der Literatur ist gewöhnlich als Grund für diese Bauveränderung der
schlechte Zustand der Seitenschiffe bezeichnet, ja es wird sogar eine
gefahrdrohende Baufälligkeit als unmittelbarer Anlaß vermutet.[15]
Es ist nicht ersichtlich, wie vom ganzen romanischen Bau gerade die
Seitenschiffe hätten schadhaft werden sollen, während alles übrige
völlig intakt geblieben wäre.

Noch immer war damals die Sebaldkirche wie zur Zeit ihrer Gründung
die einzige Pfarrkirche von Nürnberg. Denn soweit auch der für den
südlichen Sprengel der Stadt bestimmte, im letzten Drittel des 13.
Jahrhunderts begonnene Bau von St. Lorenz gediehen sein mochte, er
scheint zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch nicht dem Gottesdienst
übergeben worden zu sein. Zudem hatte sich Nürnberg im 13. Jahrhundert
gewaltig entwickelt. Schon vor Mitte desselben wurde mit der zweiten
Ummauerung begonnen, welche nicht nur das bisherige befestigte Gebiet
zwischen Burg und Pegnitz westlich und östlich vergrößerte, sondern
auch einen beträchtlichen südlich der Pegnitz gelegenen Teil mit in
das Stadtbild hereinnahm. Die Mauerzüge sind heute noch deutlich zu
erkennen, der Weiße Turm und der Laufer Schlagturm sind Überreste dieser
Befestigung.[16] Der Rückschluß auf den Zuwachs der Bevölkerung und
Pfarrgemeinde läßt die Notwendigkeit einer Erweiterung der Pfarrkirche
deutlich erkennen.

Der Wortlaut der Urkunde steht dieser Annahme nicht entgegen. Denn von
dem Zweck des Umbaues ist gar nicht die Rede. Es heißt schlechthin:
wegen des neuen Baues bei St. Sebald ist der Hausverkauf notwendig
geworden. Die Vermutung liegt nahe, daß der Bau, als der Verkauf jenes
Anwesens durchgeführt wurde, schon seit einiger Zeit im Gange war
und daß die nun gewonnenen Geldmittel zu einer reicheren Ausstattung
des Baues verwendet werden sollten: daß man ihn desto besser möchte
vollbringen.

=Anlage.= Die um 1309 durchgeführte Erweiterung der Seitenschiffe (Abb.
19) besteht vor allem darin, daß die Mauer derselben bis auf die Breite
des Querschiffes hinausgeschoben worden ist. Der Raumgewinn ist ein ganz
bedeutender, denn die Bodenfläche der jetzigen Seitenschiffe beträgt
fast das Doppelte der alten. In vertikaler Richtung hat man ebenfalls an
Raum gewonnen, denn durch die größere Breite ist naturgemäß ein höheres
Gewölbe bedingt worden.[17] Eine besondere Schwierigkeit hat sich dem
Neubau nicht in den Weg gestellt. Zu erwägen war nur, was mit den beiden
Paaren von Strebebögen, welche die mittlere Gewölbepartie des Langhauses
stützten, anzufangen sei. Man hatte bei der kräftigen Konstruktion des
romanischen Mauerwerkes wahrscheinlich bald die Entbehrlichkeit dieser
Bögen erkannt und sie ohne jeglichen Ersatz beseitigt. Bedenken machte
ferner die Lösung der Dachfrage. Die Erhöhung des Gewölbes brachte
auch eine Erhöhung des Daches mit sich, wollte man für den Dachstuhl
die für den Wasserablauf günstige und zur damaligen Zeit beliebte
steile Form wählen. Allein man fürchtete eine Einbuße an Licht, weil
die Fenster der Hochwand in ihrem unteren Drittel hätten zugedeckt
werden müssen, und entschied sich beim nördlichen Seitenschiff für
Kapellen- oder Giebeldächer, von welchen jedes einem Gewölbe entsprach.
Um eine Benützung der romanischen Triforien während des Gottesdienstes
auch weiterhin zu ermöglichen, wurden Treppenläufe innerhalb der
Gewölbetrichter angelegt. Der First der Kapellendächer lief wagerecht,
berührte also die Hochwandfenster nur an ihrer Sohle, und zwischen den
Dächern lagen schräg nach außen dreieckförmige Dachzwickel, deren Rinnen
neben den neuen Strebepfeilern in Wasserspeier endeten. Beim südlichen
Seitenschiff sind die Kapellendächer nicht nachzuweisen. Hier scheint
ein Pultdach, welches in die Mittelschiffenster einschnitt, vorhanden
gewesen zu sein.

=Gewölbe.= Das vierteilige Kreuzgewölbe ist auch bei dem Neubau
beibehalten worden, ebenso die Höhe der äußeren Kämpferlinie. Es ist ein
Rippengewölbe ohne Stelzung und mit wagerechtem Scheitel. Die Stärke
der Gurte unterscheidet sich nicht von der Stärke der Rippen; selbst
in der Profilierung ist nur ein kleiner Unterschied bemerkbar: während
dort auf Sockel und Hohlkehle eine ebenfalls gekehlte Rippe aufgesetzt
ist, folgt hier ein herzförmiger Stab. Die Schlußsteine zeigen überaus
reichen und anziehenden, teils figuralen, teils ornamentalen plastischen
Schmuck. Die Wandpfeiler sind rund, gleichsam als Halbsäulen gedacht.
Die Kapitäle gliedern sich in zwei Hälften: die untere hat zwei Kränze
übereinander, die obere zwischen zwei polygonen Plinten einen Laubkranz.

=Fassade.= Durch die zur Stütze der Gewölbe erforderlichen Strebepfeiler
ist die Fassade der Seitenschiffe von selbst gegliedert. Vier Jochwände
sind mit Fenstern durchbrochen, eine, und zwar beiderseits die zweite
von den Türmen an gerechnet, enthält ein Portal, dessen Körper vor die
Mauerflucht bis auf die Tiefe der Strebepfeiler heraustritt. Über dem
Portalkörper ist in der Mauer ein kleineres Fenster. Ein belebendes
Moment bilden beim nördlichen Seitenschiff die Wimperge über den
Fenstern und die den horizontalen Mauerabschluß bekrönende Galerie, so
daß mit den Fialen der Streben ein abwechslungsreiches Bild entsteht.
Im übrigen hat die Mauer der Fassade die an gotischen Bauten übliche
Gliederung.

=Strebepfeiler.= Der zweifach abgestufte Mauersockel setzt sich auch
um die Strebepfeiler fort. Ebenso das Kaffgesims. In halber Höhe
beginnt die bis zum Schluß sich steigernde architektonische Belebung,
welche zunächst darin besteht, daß sich an den drei Seiten ebensoviele
Giebelgesimse mit Krabben und Kreuzblumen anlehnen. Über denselben ein
Zinnenkranz. Der obere Teil endigt mit je einem mit Kreuzblumen und
Krabben geschmückten Giebel, darunter zweiteiliges Blendmaßwerk. Den
Abschluß bildet eine krabbengezierte Pyramide mit Kreuzblume.

[Illustration: Abb. 19. Querschnitt durch das Mittelschiff und die
Seitenschiffe.]

Bei den Strebepfeilern, welche die Portale flankieren, treten die oberen
Teile zurück. Der dadurch ausgesparte Raum an der Vorderseite ist zur
Aufnahme von Statuen bestimmt, wie die Baldachine andeuten. Es soll
damit wahrscheinlich eine einheitliche Komposition dieser Wand als
Portalwand betont sein.

=Fenster.= Die Breite der Fenster ist ungleich. Das Fenster in der
letzten an das Querhaus anstoßenden Jochwand mußte mit Rücksicht auf den
in das neue Mauerwerk mit hereingenommenen romanischen Strebepfeiler
schmäler ausfallen als die übrigen. Hingegen wurde das Fenster in
der an die Türme anstoßenden Jochwand mit Absicht breiter gestaltet,
nämlich um mehr Licht in dem dunkeln Winkel bei den Türmen zu
gewinnen. Daß dieses Fenster erst später seine jetzige Breite erhalten
hätte, ist bei der genauen Übereinstimmung der Profilierung seiner
Leibung nicht möglich. Überall ist die Leibung durch zwei Hohlkehlen
gegliedert, welche durch einen im Profil birnförmigen Stab geschieden
sind, während die äußere Kante ein Rundstab begleitet. Auch die
Maßverhältnisse stimmen überein. Während die beiden östlichen Fenster
Drei- und Vierteilung mit je drei Gruppierungen aufweisen, sind jedoch
die Maßwerke der westlichen Fenster mehrfach gruppiert bei teilweiser
Verwendung von halbrunden Bögen anstatt der Spitzbögen (Abb. 21 und a,
b, c).

=Ornamente.= Beim nördlichen Seitenschiff ist die Galerie des Daches
eine Neuschöpfung der letzten Restaurierung, zu der nur spärliche
Anhaltspunkte vorhanden waren. Im Gegensatze hierzu bedurfte die Galerie
des Portales nur einer Ergänzung; sie ist durch fünf freistehende und
zwei Wandpfosten geteilt, welche schlichtes Maßwerk einschließen. Beim
südlichen Seitenschiff fehlen sowohl die Wimperge über den Fenstern wie
die abschließende Galerie.

=Portale.= Die beiden Portale sind bis auf die Galerie, welche am Portal
des südlichen Seitenschiffes (Abb. 20) fehlt, vollständig gleich in
der Anlage. Das Gewände ist in je vier Abstufungen aufgelöst, deren
Kanten durch Stäbe gegliedert sind und in deren Ecken ebensoviele
Säulen stehen. Die Säulen bestehen aus je vier Einzelsäulen, sind also
gleichsam Säulenbündel. Dieselbe Gliederung setzt sich in Basis und
Kapitäl fort. Die Basen ruhen auf Würfelsockeln und diese ihrerseits auf
einem glatten Postament. Die trichterförmig sich erweiternden Kapitäle
haben bald figürlichen, bald ornamentalen Schmuck; ihre Platten sind
durch eine Hohlkehle gegliedert und bilden das Hauptgesims. Der Bogen
hat eine dem Gewände entsprechende Gliederung.

=Mauerwerk.= Das Mauerwerk der Fassademauer besteht aus Werksteinen, das
der Gewölbe aus Bruchsteinen in Mörtelbettung.

Der eben in seinen Einzelheiten beschriebene Bau der Seitenschiffe von
St. Sebald gehört nach der stilistischen Seite noch in die Periode der
Hochgotik. Er weist in der ganzen Anlage, in der Verteilung der Massen,
in den Proportionen, in der Art der Ausschmückung, in der Ornamentik
selbst alle Vorzüge derselben auf.

Der Meister, dessen Persönlichkeit festzustellen uns bis jetzt nicht
gelungen ist, stammte zweifellos aus einer der ersten damaligen
Schulen, und zwar aus einer Schule, in welcher die Gotik nicht mehr als
französische Anleihe, sondern bereits als deutsches Eigentum behandelt
wurde.

Vielleicht kann ein in den ersten noch romanischen Strebepfeiler
der ehemaligen nördlichen Querschiffwand nachträglich eingesetztes
männliches Bildnis als Porträt dieses Meisters angesprochen werden.

[Illustration: TAFEL V. Grundriß der Sebalduskirche.]

=Stilkritische Würdigung.= Die bau- und kunstgeschichtlichen Beziehungen
der Seitenschiffe zur allgemeinen Entwicklung nachzuweisen, ist nicht
leicht. Daß bei den günstigen Maßverhältnissen, bei dem Reichtum des
Aufbaues und bei der künstlerischen Ausführung der belebenden Ornamente
ein Zusammenhang mit einer einflußreichen Bauschule Deutschlands
bestanden hat, versteht sich ja von selbst. Allein die vermittelnden
Bindeglieder fehlen, welche an den Ausgangspunkt führen. Zweifellos
würden die Bauten der vier Bettelorden, die sich seit den zwanziger
Jahren des 13. Jahrhunderts in Nürnberg ansiedelten, imstande sein,
Aufschluß zu geben -- wenn sie noch beständen. Erhalten ist nur die
Barfüßerkirche, aber durch den Umbau im 17. Jahrhundert so verändert,
daß ihr ursprüngliches Aussehen vollständig verschwunden ist. Auch
mit den auf uns gekommenen Abbildungen der Bettelordenkirchen, meist
Stichen des 17. und 18. Jahrhunderts, ist nichts anzufangen, sie sind
in der Darstellungsweise zu sehr von dem Stilcharakter ihrer Zeit
beeinflußt, als daß sie für eine kunstgeschichtliche Untersuchung in
dieser Hinsicht in Frage kommen könnten. Freilich hatten die Kirchen
der Bettelorden der Ordensregel entsprechend nirgends eine reichere
Ausführung aufzuweisen, sodaß sie für eine direkte Beeinflussung
stattlicher Pfarrkirchen überhaupt nicht von Belang sind. Nur indirekt
können sie durch Grundrißanlage und Konstruktion des Aufbaues
Fingerzeige bei Vergleichung bedeutender Bauten geben, was aber in dem
vorliegenden Falle aus dem angeführten Grunde nicht mehr möglich ist.

[Illustration: Abb. 20. Portal am südlichen Seitenschiff.]

Eine weitere Vermittlerrolle ist der Schwesterkirche St. Lorenz
zugefallen, deren Erbauung in den siebziger Jahren des 13.
Jahrhunderts begonnen hat. Auch sie hat wie St. Sebald später mehrere
durchgreifende Veränderungen erfahren: 1403 eine Erweiterung der
Seitenschiffe, 1439-1477 den Bau des neuen Chores. Mit der Erweiterung
der Seitenschiffe im Jahre 1403 fielen die alten Mauern und die neuen
wurden in die Flucht der Querschiffmauern hinausgerückt. Was vom
Mauerkörper der alten Seitenschiffe noch besteht, zeigt indessen eine
so nahe Verwandtschaft mit den Seitenschiffen von St. Sebald, daß der
Gedanke, es sei der gleiche Meister an beiden Bauten tätig gewesen, sich
unwillkürlich aufdrängt. War es doch wohl auch das Nächstliegende, zu
den baulichen Veränderungen, die St. Sebald in dieser Epoche erfuhr,
Werkleute der eben im Bau begriffenen neuen Pfarrkirche heranzuziehen.
Der alte Bau von St. Lorenz seinerseits deutet in stilistischer
Hinsicht auf die Schule von Freiburg. Die Bauzeit deckt sich ungefähr
mit der des Langhauses vom Freiburger Münster und dehnt sich noch über
dieselbe aus. Vor allem erinnert der ganze innere Aufbau an Freiburg,
nur mit dem Unterschiede, daß die bei beiden bereits vorhandenen
Reduktionserscheinungen an der Kirche St. Lorenz noch um einen Grad
stärker eingegriffen haben: die Hochwand ist durch den Mangel des die
vorausgegangene Epoche auszeichnenden Triforiums wieder eine wirkliche
Mauer geworden, die Fensteröffnungen sind verringert. Die Säulenbündeln
ähnlichen Pfeiler sind nahe verwandt. An den Kapitälen fehlt bei St.
Lorenz fast durchgehends schon das Laubwerk. Die Raumwirkung ist hier
günstig, während bei Freiburg die Rücksichtnahme auf ältere Bauteile
die Raumverhältnisse wesentlich beeinträchtigt hat. In der Anlage
der Fassade geht St. Lorenz auf das Straßburger Münster zurück, wie
überhaupt bei den Wechselbeziehungen zwischen Freiburg und Straßburg die
Einflüsse einer dieser Schulen stets mit denen der anderen gemischt sind.

Obwohl die Erweiterung der Seitenschiffe bei St. Sebald erst im
Beginn des 14. Jahrhunderts in Angriff genommen wurde, sind hier die
Reduktionserscheinungen relativ gering. So nehmen die Fenster die
ganze Wandfläche ein, der ornamentale Schmuck ist noch reich. Dieser,
die Pfeilerbildung, insbesondere die für Figuren bestimmten Nischen
und Baldachine an den Pfeilern gemahnen an Freiburg. Dagegen wird die
Frage der Herkunft der Fensterwimperge mit Freiburg nicht gelöst. Die
Schönheit, welche in der fortlaufenden Abwechslung der bekrönenden
Strebepfeilerfialen, Wimperge und Galerien liegt, hatte man im 13.
Jahrhundert zu würdigen gewußt. Von Frankreich ausgehend, verbreitete
sich dieses Motiv rasch über Deutschland. Alle bedeutenderen Bauten
sind damit geziert. Zu den Reduktionserscheinungen im 14. Jahrhundert
zählt auch der Verzicht auf die Wimperge, nur die Galerien wurden neben
den Fialen beibehalten. Es ist anzunehmen, daß, wie bei St. Lorenz die
ganze Anlage auf Freiburg und nur die Fassade auf Straßburg zurückgeht,
so bei St. Sebald die Wimperge ebenfalls mittelbar oder unmittelbar
eine Entlehnung vom Straßburger Münster bedeuten, wo sich dieselben
nicht nur über Portalen und einzelnen Fenstern der Fassade, sondern
im Verein mit Fialen und Galerien an den Seitenschiffen finden. Die
Wölbung hinwiederum ist der im Freiburger Münster eng verwandt, hier
wie dort Gewölbe mit wagerechtem Scheitel, während bei den Gewölben des
Straßburger Münsters Busung und konkave Scheitellinien anzutreffen sind.

[Illustration: Abb. 21 a-d. Fenster-Maßwerke der Seitenschiffe.]

[Illustration: Abb. 22 und 22a. Brauttor.]

Der romanische Bau von St. Sebald war, so viele gotische Elemente
er auch in sich aufgenommen hatte, in seinem Kern nur wenig berührt
worden. Mit dem Umbau der Seitenschiffe dagegen hatte die Gotik in
ihrer reifsten Form Ausdruck erhalten. Der gewaltige Umschwung, der
sich während der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der deutschen
Baukunst vollzogen hatte, ist aus diesem Gegensatz deutlich zu erkennen:
Anfangs- und Endstadium stehen nebeneinander. Dort der Ausgang einer
Epoche mit deutlichen Anzeichen des neuen Stiles, hier bereits ein
fertiges Produkt desselben; die Zwischenstufen fehlen. Allein so sehr
beim romanischen Bau die importierten Elemente auf den Schauplatz
hinweisen, auf welchem der gotische Stil zur Entwicklung gebracht worden
ist, von französischer Gotik ist bei den Seitenschiffen nichts mehr zu
finden. Hier gehört die Epoche der Rezeption der französischen Gotik auf
deutschem Boden schon zur Vergangenheit, hier hat die Gotik deutsches
Bürgerrecht erworben. Die Seitenschiffe stehen aber auch schon hart an
der Grenze, jenseits welcher man zu reduzieren begonnen hat. Sie sind
eine Schöpfung der Hochgotik mit allen Vorzügen derselben. Sie sind das
Beste, was die gotische Baukunst in Nürnberg geschaffen hat.

=Die Fensterausbrüche im Querschiff und Westchor.= Die der Kirche durch
die breiten neuen Fenster der Seitenschiffe zugeführte Lichtmenge war
bedeutend und mußte den Wunsch erwecken, auch an anderen Wänden der
Kirche die romanischen Fenster durch Ausbrüche zu verbreitern, um
so mehr, als in bezug auf größere Lichtfülle die in der Vollendung
begriffene St. Lorenzkirche zur Nacheiferung aufforderte. So sehen
wir denn weiterhin an Stelle der romanischen Kreisfenster in den
Querschiffwänden breite vierteilige Maßwerkfenster entstehen, von denen
die Kämpferkapitäle jetzt noch vorhanden sind und zeigen, daß beim
späteren Ostchorbau nur eine Verlängerung der schon vorhandenen Fenster
stattgefunden hat.

Aus dem gleichen Bedürfnisse erwuchs schließlich auch die Umwandlung der
romanischen Fenster in den drei mittleren Feldern des Westchores, die
bis dahin, wie die noch vorhandenen seitlichen Fenster ausweisen, aus je
zwei Öffnungen bestanden, in zweiteilige gotische Maßwerkfenster. Über
die genauere zeitliche Reihenfolge dieser Fensterausbrüche läßt sich
völlig Sicheres nicht feststellen.

Auf diese Weise hatte also der romanische Bau eine ganz veränderte
Beleuchtung, nämlich die heute noch vorhandene, erhalten. Die
ursprünglich gedämpfte und feierliche Lichtwirkung, die in den Schiffen
und Chören der romanischen Kirche geherrscht hat, können wir uns nur
mehr in der Vorstellung vergegenwärtigen.

Einen eigentümlichen Reiz muß in dieser Zwischenperiode die ganze
Erscheinung der Kirche, namentlich das romanische Querschiff mit seinen
gotischen Maßwerkfenstern, geboten haben.

=Die neuen Portale am Querschiff.= Im Zusammenhang mit diesen baulichen
Veränderungen ist hier schließlich noch die Anlage zweier neuer Portale
an den ersten Querschiffjochen zu erwähnen, die offenbar bereits dieser
Bauperiode der Kirche angehört: das =Brautportal= (Taf. IV und Abb. 22
und 22a) im östlichen Joch des nördlichen Querschiffarmes zwischen
den romanischen Strebepfeilern, zeigt ein reich profiliertes Gewände,
innerhalb dessen die Statuen der klugen und törichten Jungfrauen auf
Konsolen unter Baldachinen aufgestellt sind. Nach oben schließt das
Portal mit einem Spitzbogen und darüber horizontal in rechtwinkeliger
Form ab. In der Spitze des Bogens ist das Brustbild des segnenden
Heilands, zu beiden Seiten sind die Statuen Adam und Eva angebracht. Das
jetzt leere Tympanonfeld kann ehemals eine Skulptur, vielleicht aber
auch nur ein Maßwerk enthalten haben.

Eine wirkungsvolle Zutat, die aber einen Teil der früheren Anlage
verdeckt, erhielt das Portal ein paar Dezennien später durch den Vorbau
eines reich ausgebildeten durchbrochenen Maßwerkes, neben dem zwei
Statuen -- rechts der hl. Sebald und links Maria mit dem Christuskinde
-- auf Konsolen und unter Baldachinen ihren Platz fanden.

Am südlichen Querschiffarme, ebenfalls zwischen den romanischen
Strebepfeilern des westlichen Joches, wurde das =Dreikönigsportal=
angelegt. In einfacherer Weise als beim Brauttor zeigt das Portal ein
reich profiliertes Gewände und als Abschluß einen Spitzbogen, in dessen
Tympanonfeld heute eine nach dem Innern der Kirche hin gerichtete
Holzskulptur (Epitaphium der sel. Ebnerin) angebracht ist. Nach außen
wurde zwischen den Strebepfeilern durch den Einbau eines Gewölbes mit
profilierten Rippen eine Vorhalle geschaffen, an deren Wänden in Nischen
auf vier Konsolen Maria mit dem Christuskinde und je einer der drei
Weisen mit ihren Geschenken als Rundfiguren angebracht sind.


                       2. Der Ostchor. 1361-1379.

Der im Jahre 1309 begonnene Umbau der Seitenschiffe konnte, wenn auch
die Kirche ungefähr 100 qm an Flächenraum gewann, nicht als eigentlicher
Erweiterungsbau gelten. Es waren eben nur die Seitenschiffe, welche bei
dem Besuch der Kirche während des Hauptgottesdienstes wenig in Frage
kommen, erweitert worden, Mittelschiff und Chor waren geblieben, wie sie
in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts angelegt waren.

Auf die Dauer genügte demnach die Kirche St. Sebald ihrer immer mehr
anwachsenden Gemeinde nicht. Wir wissen ja, daß die Stadtgrenze in der
zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit jenem Mauerzug bestimmt wurde,
welcher im heutigen Stadtbild am Weißen Turm und dem Laufer Schlagturm
noch deutlich zu erkennen ist, und daß noch vor der Mitte des folgenden
Jahrhunderts diese Grenze auf den jetzigen Stadtgraben hinaus verlegt
wurde, was doch in Anbetracht der kurzen Zeit zweifellos auf eine rasche
Bevölkerungszunahme der Stadt und insbesondere der Pfarrei St. Sebald
schließen läßt.[18][19]

Angesichts dieses starken Bevölkerungszuwachses konnte auch die in den
Jahren 1355-1361 auf dem Markt erbaute Kapelle zu Unserer Lieben Frau
keine Entlastung für die Kirche St. Sebald bedeuten.

Mitbestimmend für die notwendige Erweiterung der Kirche St. Sebald war
wesentlich folgender Punkt.

Mit der Zunahme der Bevölkerung war auch Nürnbergs politische und
kulturelle Bedeutung gestiegen.

[Illustration: TAFEL VI. Längenschnitt der Sebalduskirche.]

Die außerordentlich günstige zentrale Lage des Ortes, seine Stellung
als bevorzugte Reichsstadt, in der sich die deutschen Könige und
Kaiser oft und lange aufhielten und die sie durch bedeutende Handels-
und sonstige Privilegien auf alle Weise förderten, die große Gunst
und Liebe, die besonders die beiden Kaiser Ludwig der Bayer und Karl
IV. der Stadt angedeihen ließen, dann aber, und das war nicht weniger
wichtig, die unerschöpfliche Arbeitskraft und Arbeitslust seiner
Bevölkerung sowie die Intelligenz und der Unternehmungsgeist seiner
Geschlechter und der übrigen bedeutenden Kaufmannschaft, hatte das
Wachstum und die Blüte Nürnbergs so mächtig gefördert, daß es bereits
um die Mitte des 14. Jahrhunderts in sonst kaum beobachteter rascher
Entwicklung sich eine weltgeschichtliche Bedeutung errungen hatte. Es
ist richtig, die Entwicklung Nürnbergs auf allen Gebieten, dem des
Handels und der Gewerbe, der Kunst und der Wissenschaft, tritt zu keiner
Zeit so deutlich und herrlich in die Erscheinung wie gegen Ende des
15. und im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, wo eine auserlesene
Schar hervorragender, ja einziger Kräfte auf dem Gebiete des Gewerbes,
insbesondere des Kunstgewerbes in Nürnberg wirkten und, man möchte
sagen, die Fürsten im Reiche der Kunst und des Kunsthandwerkes dieser
einzigen Stadt ihren Glanz durch Jahrhunderte verliehen. Aber einen
ersten bedeutenden Höhepunkt erreichte das Kunstleben der Stadt,
entsprechend der bedeutenden Entwicklung, die das Gemeinwesen sowohl als
auch die handelspolitische Bedeutung der Stadt genommen hatte, schon
in der glanzvollen Epoche der gotischen Kirchenbauten. Da kann es denn
nicht wundernehmen, daß man, als das Bedürfnis einer Erweiterung der
Hauptpfarrkirche immer dringender hervortrat, an Stelle des Ostchors,
für dessen Stilcharakter man kein Verständnis mehr hatte, und der auch
den gesteigerten Ansprüchen viel zu bescheiden, ja armselig erscheinen
mochte, einen stattlichen, dem modernen Geschmack angepaßten Neubau
erstehen ließ.

Ende der fünfziger Jahre wurde bereits für den Neubau zu sammeln
begonnen, wie zwei Ablaßurkunden vom 23. Februar und 21. September
des Jahres 1358 beweisen.[20] 1360 wurde ein am Friedhof von St.
Sebald gelegenes und dem Egidienkloster gehöriges Haus gegen ein
zum Kirchenvermögen von St. Sebald gehöriges Anwesen umgetauscht,
was wohl nur daraus verständlich wird, daß jenes Haus hart an der
Friedhofmauer, in nächster Nähe des alten Ostchores lag und behufs
Niederlegen von der Kirchenverwaltung von St. Sebald erworben werden
mußte.[21] Im Sommer 1361 nahm man den Neubau in Angriff.[22] Daß
Geld stets vonnöten war, besagt unter anderem der 1362 zur Förderung
des Neubaues erteilte Ablaß.[23] Im Frühjahr 1364 war der Bau bereits
weit vorgeschritten; der Pfarrer Albrecht Krauter, der sich um den
Neubau seiner Kirche sehr verdient gemacht hat, stellte der Stadt einen
Revers über die Nichterweiterung des Friedhofes aus, obwohl das Areal
desselben durch den Neubau an Flächenraum erheblich eingebüßt hatte.[24]
Eine Unterbrechung des Gottesdienstes scheint während des Baues nicht
stattgefunden zu haben. So wurden bis zum Jahre 1365 Pfründen gestiftet
und bestätigt, darunter 1364 eine Pfründe für den in der südlichen
Seitenapsis stehenden St. Stephansaltar.[25] Vom Oktober 1365[26] bis
zum Juli 1370[27] allerdings schweigen die urkundlichen Nachrichten, und
erst in den folgenden Jahren hören wir wieder von Stiftungen für Altäre
und zwar in erster Linie für Altäre, die ihren Standort im neuen Ostchor
erhielten. Schon 1370 scheint der Neubau den Anschluß an die alte Kirche
erreicht zu haben und auch eingewölbt gewesen zu sein, so daß die bisher
in den drei Ostapsiden des romanischen Chores befindlichen Altäre nun
neue Aufstellung finden konnten.[28] In der Zwischenzeit von 1365-1370
wurde der Hauptgottesdienst wahrscheinlich im Mittelschiff oder im
Westchor abgehalten.

Von besonderem Interesse erscheinen zwei Urkunden, vom 3. Juli 1370 und
vom 10. Juli 1379[29], nach deren Inhalt die Ostkrypta nicht, wie man
annehmen könnte, beim Neubau eingefüllt worden wäre, sondern einstweilen
noch fortbestanden hätte. Beide Schriftstücke, von welchen das erste
die Bestätigung der Stiftung einer Pfründe für den Marienaltar enthält,
das andere von einem Ablaß des Kardinals Pileus für den gleichen Altar
handelt, bezeichnen ausdrücklich den Standort dieses Altares als in der
Krypta befindlich. Diese Bezeichnung des Standortes muß indessen sehr
auffällig erscheinen und ist nur schwer zu erklären, da ein Fortbestehen
der Ostkrypta nach Vollendung des Neubaues technisch unmöglich war.

War schon im Jahre 1370 der Bau im Innern soweit vorgeschritten, daß der
Gottesdienst in demselben aufgenommen werden konnte, so ging auch das
Äußere rasch seiner Vollendung entgegen. Wie aus zwei im Stadtarchiv
Nürnberg aufbewahrten Urkunden vom 15. Oktober und 20. Dezember des
Jahres 1372[30] ersichtlich ist, war nämlich um diese Zeit der Außenbau
vollendet und aller Wahrscheinlichkeit nach auch das Gerüst beseitigt,
denn es wurden den ehemaligen Pächtern der Brotbänke am alten Ostchor
nun neue Brotbänke an den Pfeilern des neuen Chores überlassen. Was den
endgültigen Abschluß des ganzen Unternehmens noch hinausschob, wird wohl
der Umstand gewesen sein, daß entweder verschiedene auf die Ausstattung
und Einrichtung der Kirche abzielende Aufträge noch nicht erfüllt waren
oder daß es nach dieser Richtung überhaupt an Auftraggebern und Stiftern
eine Zeitlang gefehlt hat. Noch am 5. Juni 1379 erteilte der Kardinal
Pileus einen Ablaß, weil die vorhandenen Mittel zur Vollendung der
Kirche nicht ausreichten.[31] Am Sonntag nach Bartholomäus des Jahres
1379 endlich fand die feierliche Einweihung des neuen Ostchores statt,
welcher im ganzen 24000 Goldgulden kostete.[32]

So war in verhältnismäßig kurzer Zeit -- besonders wenn wir die Jahre
1361-1372 ins Auge fassen -- ein mächtiges und herrliches Bauwerk
geschaffen worden. Es läßt diese Tatsache wohl einen Rückschluß zu auf
den Eifer, mit dem das Unternehmen begonnen und durchgeführt worden war,
aber auch auf die Wohlhabenheit der Bürger, welche das Unternehmen nie
hatte ins Stocken geraten lassen, was im Mittelalter, wo fast niemals
ein größeres Bauwerk nach dem ursprünglichen Plane in wenigen Jahren zur
Vollendung gelangte, zu den Seltenheiten gehörte.

                    *       *       *       *       *

=Baubeschreibung.= Der Ostchor von St. Sebald ist ein dreischiffiger
Hallenbau mit Chorumgang. Unregelmäßigkeiten und Verschiebungen in
der Grundrißbildung (Taf. V), wovon eingehend bei dem Abschnitt über
Stilkritik die Rede sein wird, hatten zur Folge, daß die Anlage mit
drei ungefähr gleich breiten Schiffen, wie sie im westlichen Joch, wo
der Chor an das Langhaus anstößt, gegeben war, nicht genau durchgeführt
werden konnte. Gleichwohl ist die quadratische Form der Gewölbefelder im
allgemeinen beibehalten worden, so daß fast immer die Breite der Schiffe
so ziemlich der Größe der Pfeilerabstände entspricht.

Der Abschluß des Binnenchores wird von drei Seiten des Achteckes
gebildet. Im Chorumgang, dessen Außenwand aus sieben Seiten des
Sechzehneckes besteht[33], wechseln vier dreieckige Felder mit drei
rechteckigen Feldern ab. Das Gewölbe wird von zehn freistehenden
Pfeilern getragen, dem Schub des Gewölbes nach außen begegnet die Wand
mit 18 Strebepfeilern, an der Westwand entsprechen den Innenpfeilern
zwei romanische Vierungspfeiler und an den Außenecken stehen zwei kleine
Strebepfeiler.

Das verwendete Baumaterial ist rötlichgrauer Sandstein von ziemlich
weicher Beschaffenheit aus den westlichen Ausläufern des Jura, für
Steinmetz- und Bildhauerarbeiten vorzüglich geeignet, jedoch von
geringer Widerstandskraft gegen die Unbilden der Witterung.

Für die Anlage des neuen Ostchores war die Breite des romanischen
Querhauses maßgebend, von welchem verschiedene Teile mit in den Neubau
aufgenommen wurden. Die Westwand und die beiden Seitenwände wurden
mit ihren Pfeilern, Strebepfeilern und Diensten beibehalten. Dagegen
wurden die östlichen romanischen Vierungspfeiler durch neue freistehende
Pfeiler und die entsprechenden Strebepfeiler mit ihren Diensten
ebenfalls durch neue ersetzt.

Zu den Anbauten und Nebenbauten gehören zwei Sakristeien: die größere
an der Nordwand zwischen dem dritten und vierten Strebepfeiler,
ein zweistöckiger Bau in rechteckiger Grundrißform, das untere
Geschoß mit zweiteiligem Gewölbe, und die kleinere gegenüber an der
Südwand, ebensolang, aber nur halb so breit wie die andere Sakristei
und nur eingeschossig. Die südliche Sakristei war ursprünglich die
Pankratiuskapelle. An die beiden Sakristeien schließt sich westlich
je eine Kapelle an, zwischen zwei Pfeilern durch Einziehung derselben
eingebaut; die nördliche derselben, von der Nürnberger Patrizierfamilie
der Pfinzing gestiftet, wurde später durch Umbau in eine Empore
verwandelt und führt jetzt den Namen Magistratschor, die südliche ist
die Pömerkapelle.

[Illustration: Abb. 23. Ostchor. Innenansicht.]

Zwischen den beiden ersten Strebepfeilern an der Nordwand wie an der
Südwand, also hart neben den beiden eben erwähnten Kapellen, führen
die zwei schon früher vorhandenen Portale in den Chor, nördlich das
Brautportal oder die »Ehtür« und südlich das Dreikönigsportal. Die
östlich der südlichen Sakristei befindliche kleine Türe, die sogenannte
Schautüre, bestand damals noch nicht.[34] Die einzelnen Wandabteilungen
werden von schlanken, gleich langen Fenstern durchbrochen; nur die
Fenster in einigen westlichen Traveen, insbesondere das über der
nördlichen Sakristei, haben eine Kürzung erfahren müssen.

=Querschnitt und Aufriß= (Taf. VI). Das Prinzip der Hallenkirche
erfordert, wenn es rein zum Ausdruck kommen soll, bei den drei
parallelen Schiffen nicht nur gleiche Spannweite, sondern auch gleiche
Höhe. Letzterem Erfordernis ist am Ostchor von St. Sebald durchweg
Rechnung getragen, und es konnte dies, eben weil die Schiffe so ziemlich
gleiche Spannung haben, leicht geschehen; es war demnach weder eine
schlanke, noch eine gedrückte Bildung der Wölbungslinien notwendig, und
so mußten auch die Kämpfer, beziehungsweise Gewölbeanfänger gleiche
Höhe erhalten. Ungleichheiten entstanden nur im östlichen Teile des
Chores, wo zwar die Breiten der Wandabteilungen mit den Pfeilerabständen
ungefähr übereinstimmen, aber beide nicht mit der Spannweite des
Umganges. Gleiche Scheitelhöhe einerseits und gleiche Kämpferhöhe
andererseits ist jedoch auch hier beibehalten worden, weshalb die
Wölbungslinien das einemal eine gedrücktere, das anderemal eine spitzere
Form annehmen. Eine kleine Unregelmäßigkeit hat sich ferner noch beim
Ansatz des Gewölbes an die stehengebliebenen Wände, Pfeiler und Dienste
des romanischen Querhauses ergeben. Es wurden nämlich die westlichen
Vierungspfeiler mit ihren Diensten sowie die übrigen Dienste vollständig
in den Neubau aufgenommen, also einschließlich der Kapitäle, nur an
den beiden Pfeilern wurden die vorkragenden Gesimse weggeschlagen, was
aber konstruktiv ohne Belang ist. Erst von den romanischen Kapitälen an
beginnen die gotischen Gurt-, Rippen- und Schildbögen, oder richtiger
gesagt: =schon= von den romanischen Kapitälen an; denn da das neue
Gewölbe -- nicht nur die Scheitel, sondern auch die Gewölbeanfänger --
etwa 1·50 m höher liegt als das alte, so mußten die neuen Gewölbteile
über den romanischen Stützen um diese Entfernung gestelzt werden. Dabei
wurde für den ersten nördlichen Scheidbogen die Breite des romanischen
Vierungspfeilers beibehalten, da dessen Breite der Stärke der übrigen
Scheidbögen zufälliger Weise entsprach, die Breite des anderen Pfeilers
dagegen mußte, weil derselbe bedeutend stärker, verkleinert werden.

Die Wahl gleicher Höhe sowohl wie gleicher Spannweite der Schiffe
brachte außerdem noch ein günstiges Verhältnis für die Stabilität
des Baues mit sich. Der Schub der mittleren Gewölbe wird auf
diese Weise naturgemäß durch die seitlichen völlig aufgehoben,
so daß die Außenmauern und ihre Strebepfeiler nur dem Schub der
Seitenschiffsgewölbe Widerstand zu leisten haben. Außenmauern und
Strebepfeiler hätten somit auf ihre geringste Stärke reduziert werden
können, ebenso die Innenpfeiler, welche ja nur unter senkrechter
Belastung stehen. Allein eine solche Reduzierung hätte für den Bestand
des Bauwerkes gefahrdrohend sein müssen. Man wollte den ganzen Chor mit
seinen drei Schiffen und seinem Umgang, wie es damals bei Hallenbauten
üblich war, unter ein einziges Dach bringen, und ein solches Dach mußte
bei den riesigen Dimensionen schon durch sein eigenes Gewicht, dann aber
vor allem durch den Winddruck, den es auszuhalten, und die Schneemasse,
die es zu tragen hatte, den Gewölbebau ganz beträchtlich belasten. Und
so unterblieb die theoretisch zulässige Reduzierung von Pfeiler- und
Wandstärke auf das Mindestmaß.

[Illustration: Abb. 24. Innenansicht vom Ostchor gegen Nordosten.]

Die schlanken Innenpfeiler (Abb. 23) zeigen bereits ausgesprochenen
spätgotischen Charakter: ihr Horizontalschnitt besteht aus einem
regulären Achteck mit vier angelegten kreisrunden Diensten. Der
Pfeilersockel hat die erweiterte Form des Pfeilers, mit dem Unterschied,
daß der achteckige Grundriß an den Diagonalseiten zu einem rechteckigen
ergänzt ist. Den Übergang vom Sockel zum Pfeiler stellt eine einmalige
wellenförmige Abstufung mit zwei kleinen Hohlkehlringen, bei den Ecken
eine pyramidenförmige dreiteilige Abstufung her. Kapitäle fehlen. Der
Übergang von der Stütze zur Last sollte unmittelbar sein. Doch wurde es
unterlassen, den Grundriß des Gewölbanfängers in Übereinstimmung mit dem
Pfeilergrundriß zu bringen oder umgekehrt. Denn der Pfeiler hätte, wenn
Dienst mit Rippe oder Gurt, Scheidbogen mit einem Teile des Pfeilerkerns
selbst sich hätten decken sollen, eine achteckige Grundrißform haben
müssen, indem die beiden in der Querachse liegenden Seiten mit je drei
Diensten für je einen Gurt und zwei Rippen ausgerüstet gewesen wären;
die beiden in der Längsachse liegenden Seiten würden den Scheidbögen
entsprochen haben. So aber -- bei einem achteckigen Pfeiler mit vier
Diensten an den vier Hauptseiten -- mußten die seitlich einmündenden
drei Rippen, einschließlich eines Gurtes, enger zusammengefaßt werden
und sich auf einen einzigen Dienst beschränken, während die übrigen
zwei Dienste mit den anschließenden Teilen des Pfeilers in die gänzlich
anders profilierten Scheidbögen übergehen. Aber auch die Rippenprofile
sind wesentlich verschieden von der runden Form der Dienste, so daß das
Gesamtbild des Gewölbanfängers keineswegs mit der Form des Pfeilers
übereinstimmt. Gleichwohl wird dadurch, daß sich die einzelnen Rippen
und Bögen nur allmählich im Pfeiler verlieren, im Beschauer die Meinung
erweckt, als wenn sich der Übergang vom Pfeiler zum Gewölbe in weitem,
unmerklichem Fluß vollziehen würde.

Das in Anwendung gebrachte Gewölbesystem ist das einfache Kreuzgewölbe
über quadratischem Grundriß. Der Gewölbescheitel liegt nahezu
horizontal, auch in den beiden äußeren Gewölbevierteln der ersten
Seitenschiffsjoche, welche wegen des vorhandenen romanischen
Mitteldienstes geteilt wurden. Es steht demnach auch die Wandfläche
als solche nur unter senkrechter Belastung. Rippen, Gurte, Schildbögen
sind unter sich gleich stark und in gleicher Weise profiliert, die
Schlußsteine sind kreisrund und führen die Profilierung der Rippen fort.
Das Profil der Scheidbögen zeigt zwischen zwei tief einschneidenden
Hohlkehlen einen polygonalen Vorsprung.

Bei der Einwölbung der rechteckigen und dreieckigen Felder des
Chorumgangs hatten sich Besonderheiten nicht ergeben. Ebensowenig
bei der Einwölbung des Binnenchorabschlusses, indem zu den drei
gleich großen Achteckseiten die beiden anstoßenden etwas größeren
Pfeilerabstände hereingenommen wurden, so daß die Lösung der
Wölbungsfrage in der einfachsten Weise geschehen konnte.

Das Material des Kappengemäuers ist Bruchstein in Mörtelbettung.

Dieselbe Einfachheit, mit der Grundriß und Aufriß, beziehungsweise
Querschnitt durchgebildet sind, zeigt sich auch bei der Gliederung der
Innenwand (Abb. 24). Die bereits gegebene Teilung wurde ohne eigentliche
Zutat belassen. Die senkrechte Teilung in einzelne Wandflächen
besorgen die Wandpfeiler, oder, besser gesagt, die Fortsetzungen der
Wölbungsgurte, welche aber nicht besonders auffällig aus der Wand
heraustreten, denn sie haben nicht nur die Profilierung der Rippen,
sondern auch deren Stärke behalten. Etwa 4 m über dem Boden beginnen
die Fensteröffnungen und ziehen sich hoch hinauf bis an das Gewölbe.
Diese starke Betonung des Vertikalen wird nur unterbrochen durch ein
in der Nähe und in Verbindung mit den Fensterbänken horizontal um den
Chor herumlaufendes Gesims, das jedoch an den Mauerdiensten absetzt.
Als einziger Schmuck wurden zu beiden Seiten der Fenster für noch zu
stiftende Statuen Konsolen und reich gestaltete Baldachine angebracht
(Abb. 25).

[Illustration: Abb. 25. Baldachin im Ostchor.]

In der Profilierung der Fensterleibungen wechseln mehrere Hohlkehlen,
Rundstäbe und Stege miteinander ab. Charakteristisch ist außer der
Betonung einer größeren Hohlkehle die Anfügung des Rundstabes, der mit
einem Doppelpolster auf einem kanellierten stabförmigen Sockel aufsitzt.

Die Anwendung der Polychromie war nur spärlich. Trotzdem war der
Eindruck des Innenraumes auf den Beschauer ein malerischer. Die
Kirche war von Anfang an getüncht, so daß die scharfe Wirkung, welche
die nackte Steinarchitektur ausgeübt hätte, wesentlich gemildert
erschien. Ungemein wohltuend wirkten dann die einzelnen bemalten
Stellen, gleichsam Farbflecke im Gesamtbilde der Architektur. Die
Leibungen der Fenster waren mit roter Steinfarbe gestrichen, mit
einfachem Strichmuster waren die Gewölbrippen belebt, bunte Fassung
mit reichlicher Verwendung von Gold zeigten nur die Schlußsteine. Die
farbige Ausschmückung der Chorwände unterhalb der Fensterbank und auch
der Baldachine war dem Wohltätigkeitssinn der Patrizier und anderer
reicher Familien überlassen, ebenso wie die Ausfüllung der großen
Fensterflächen mit Glasmalereien.

Der Eindruck des Innenraumes an und für sich, des Raumbildes selbst,
ist ein überaus günstiger. Schon in der Beleuchtung des Raumes liegt
eine Reihe von Vorzügen. Dadurch, daß sämtliche Schiffe gleiche Höhe
haben, verteilt sich das Licht gleichmäßig auf den ganzen Raum, es
entsteht nirgends eine finstere Ecke. Gesteigert wird diese Wirkung noch
durch den Umstand, daß fast sämtliche Fenster mit Glasmalereien bis zur
halben Höhe ausgestattet sind, beziehungsweise bei der 1379 erfolgten
Einweihung ausgestattet waren, so daß die Beleuchtung den Gewölben
zu verstärkt, nach unten gedämpft wird und daß andererseits die tief
herabgezogenen Seitenfenster weniger stören.

Der Charakter des Hallenbaues kommt voll und ganz zum Ausdruck. Die
Verzichtleistung auf ein Querschiff und somit auf die Kreuzform
überhaupt, der in die Breite gehende Aufbau bei verhältnismäßig kurzer
Längenausdehnung des Ganzen haben zur Erreichung des Hallenprinzips den
größten Teil beigetragen. Die breite Anlage, der kühne Aufbau kommt erst
recht zur Geltung, wenn man von dem romanischen Langhaus in den neuen
Chor übertritt. Ein gewisses beengendes Gefühl, das einen in den fest
geschlossenen Schiffen -- die gotischen Seitenschiffe nicht ausgenommen
-- überkommt, schwindet mit einemmal, man atmet auf und glaubt in freier
Luft zu sein.

Welch gewaltiger Unterschied liegt da zwischen dem Bauwerk der ersten
Hälfte des 13. Jahrhunderts und dem der zweiten Hälfte des 14.
Jahrhunderts! Ruhen dort die Vorzüge in der Darstellung und in der bis
zu einem gewissen Grade konsequenten Durchführung des =Organischen=,
so breitet hier die =Raumkunst= ihre gesamten Vorteile in mächtiger
Entfaltung aus. So verhältnismäßig kurz der dazwischenliegende
Zeitraum auch ist, aus dem älteren Bau kann der Neubau nicht erklärt
werden; man glaubt vor einem Rätsel zu stehen. Denn der im Anfange
des 14. Jahrhunderts erfolgte Umbau der Seitenschiffe des romanischen
Langhauses gibt, obwohl er mit ein Glied in der Entwicklungskette
bildet, keinen Aufschluß und kann auch keinen geben, da das basilikale
System beibehalten worden ist und daher die Seitenschiffe wegen ihrer
untergeordneten Bedeutung nicht in Frage kommen können.

Das Innere des Ostchores zeichnet sich aber auch noch durch besondere
Vornehmheit in der Gesamtwirkung aus, ganz im Gegensatz zu der
Nüchternheit der spätgotischen Hallenkirchen. Es ist dies vor
allem einem überaus fein gestimmten Proportionsgefühl des Erbauers
zuzuschreiben. Zudem zeigte sich derselbe auch frei von dem Streben nach
der in der Spätzeit so beliebten Kontrastwirkung und hat kleinliche
Details streng vermieden. Bei dem Gebrauch des dekorativen Elementes hat
er sich eine weise Beschränkung auferlegt.

                    *       *       *       *       *

Die Struktur des Außenbaues (Taf. VII, VIII, IX) ist analog der
Gestaltung der Innenwand an sich wenig reich an Gliederung. Es wechseln
die schlanken Strebepfeiler mit den fast ebensolangen Fenstern ab, also
in der Hauptsache ebenfalls Betonung des Vertikalen. In Vereinigung mit
den Fensterbänken zieht sich ein kräftiges Gesims um den ganzen Chor
herum, die Streben mitinbegriffen, und als zweite Horizontallinie kann
die auf der Chormauer aufsitzende Galeriebrüstung betrachtet werden.
So einfach, ja man möchte sagen, so primitiv die Gliederung des durch
die Hallenanlage bedingten Außenbaues ist, schwerfällig kann derselbe
keineswegs genannt werden. Denn mit der Wahl von sieben Seiten des
Sechzehnecks für den Chorabschluß wurde eine enge Aneinanderreihung der
Streben erzielt, so daß die verhältnismäßig schmalen Fenster nahezu
die ganze Zwischenwand einnehmen und somit das Mauerwerk wesentlich
auf den konstruktiven Bedarf reduziert wird. Und auch Eintönigkeit und
Einförmigkeit, die eine natürliche Folge im Außenbau einer solchen
Anlage hätten sein müssen, sind durch Gliederung im einzelnen und durch
reichen Aufwand an Dekoration gänzlich vermieden worden.

Eine Gliederung des Mauerwerks unterhalb des in Fensterhöhe sich
herumziehenden Gesimses ist unterlassen worden; nur ein schlichter
Sockel, wie am übrigen Bau wellenförmig mit der Mauer verbunden, ist zu
erwähnen. Erst von dem Hauptgesims ab beginnt die Architektur lebendig
zu werden. Die sich verjüngenden Strebepfeiler sind in drei Stockwerke
abgeteilt, wobei die markierenden feinen Gesimse auch auf die zwischen
Pfeiler und Fenster als Rest verbliebenen Wandstreifen übergreifen.
Die einzelnen Absätze nun sind mit einer Fülle von Blendwerk, jedoch
in klarer Disposition, ausgestattet. Die Blendnischen der unteren
Stockwerke enthalten zur Aufnahme von Statuen Baldachine (Abb. 27 und
a, b) und Konsolen, welch letztere, bald auf Säulen ruhend, bald nur
in die Wand eingelassen, ornamentalen und figürlichen Schmuck zeigen;
neben den Fenstern sind, entsprechend dem Pfeiler, zu demselben Zweck
Postamente, auf dem Hauptgesims stehend, und hohe, bis an das nächste
Pfeilerstockwerk hinaufragende Baldachine angebracht. Das Blendwerk des
zweiten Stockwerkes setzt sich auch auf die Wand bis an die Fenster hin
fort; dagegen fehlen hier Konsolen und Baldachine. Vorne ist dieses
Stockwerk dreieckig gestaltet, die Nischen der beiden Dreiecksseiten
enthalten wiederum kleine Postamente und Baldachine; über dem Dreieck
erhebt sich eine mit Krabben und Kreuzblume geschmückte Fiale bis über
die Hälfte des nächsten Stockwerkes, dessen Blendwerkgliederung infolge
des geringeren Umfanges wesentlich vereinfacht ist.

[Illustration: TAFEL VII. Grundrißentwicklung der Strebepfeiler am
Ostchor.]

[Illustration: TAFEL VIII. Ansicht eines Ostchorjoches.]

[Illustration: TAFEL IX. Seitenansicht und Schnitt eines Strebepfeilers
am Ostchor.]

Die Profilierung der Fensterleibungen ist ähnlich der an der Innenwand
und wird hauptsächlich durch eine größere Hohlkehle bestimmt. Das
Maßwerk der Fenster hat noch keine komplizierten Formen und erinnert
meist an die Zeit der Hochgotik. Die vier Teile, in welche die Fenster
durch einen stärkeren Mittel- und zwei schwächere Seitenpfosten geteilt
sind, schließen einzeln mit Spitzbögen ab, welche wiederum paarweise
zusammengefaßt sind, und die Füllung in diesen beiden Spitzbögen bilden
gewöhnlich Dreipässe. Nur in den Fenstern des ehemals romanischen
Querhauses, die durch Verlängerung der dort schon bestandenen gotischen
Fenster entstanden sind, ist die Bildung der Maßwerkfüllung eine
freiere, weniger zum Gesamtorganismus passende, es tritt sogar die
Fischblase auf.

Über den Fenstern ragen Wimperge, in Kreuzblumen endigend und mit
Laubbossen auf den Kanten, empor; sie sitzen seitlich auf hohen, bis zur
Fensterbank hinabreichenden Rundstäben auf und überschneiden oben die
zinnenbekrönte, an ihrem Fuß mit Ranken und Blattwerkfries geschmückte
Galerie. Ein weiteres, die Gesamtarchitektur belebendes Moment sind die
mit Blendwerk, Krabben und Kreuzblumen ausgestatteten Fialen auf den
Strebepfeilern.

So ist es gelungen, durch Gliederung im einzelnen wie durch reiche,
aber immer maßvolle Entfaltung ornamentalen Schmuckes den Mangel an
Gliederung des Ganzen zu ersetzen. Und außerdem ist mit dem von der
Chorgalerie, den Fensterwimpergen und Fialen gebildeten prächtigen Kranz
für den Beschauer ein gut Teil des gewaltigen Daches verdeckt.

Die Westwand des romanischen Querhauses, welche schon wegen der
höheren Einwölbung des neuen Ostchores erhöht werden mußte, ist bis
über den First des romanischen Mittelschiffes weitergeführt, jedoch
nicht bis zum First des Chordaches, sondern, vielleicht um weniger
Widerstand gegen Wind und Wetter zu bieten, vielleicht auch nur aus
Sparsamkeitsrücksichten, abgewalmt.[35]

Der Eindruck des Außenbaues auf den Beschauer ist ein mächtiger, um so
mehr, als man beim Anblick unwillkürlich zum Vergleich mit den älteren,
in kleineren Verhältnissen errichteten Bauteilen der Kirche gezwungen
wird. Nur liegt hier die Sache anders als beim Innenbau. Dort wird der
Hauptunterschied mehr in der Breitendimension gefunden, hier mehr in der
Höhendimension.

Ist auch das Mauerwerk des neuen Ostchors nicht bedeutend höher als
die romanische Hochwand, so übt doch das Dach mit seiner mächtigen
Ausdehnung eine geradezu erdrückende Wirkung auf den übrigen Bau aus,
und zwar deswegen, weil die drei Schiffe mit einem einzigen Sattel
überzogen sind. Angenommen, es wäre möglich gewesen, jedem einzelnen
der Chorschiffe, wie es z. B. bei verschiedenen Bauten in Hessen öfters
der Fall ist, eine besondere Bedachung aufzusetzen, so würden diese
einzelnen Dächer ebenso wie das Mauerwerk das romanische Mittelschiff
nur wenig überragt haben. So aber ist der neue Ostchor mitbestimmend für
das Stadtbild geworden, was hundert Jahre später auch bei der Kirche St.
Lorenz der Fall war. In der Silhouette der Stadt, welche mit der Burg
und den beiden Turmpaaren von St. Sebald und St. Lorenz im wesentlichen
gegeben ist, ragen auch die beiden Chorbauten empor; von Westen gesehen,
blicken sie durch die Türme durch, von Süden gesehen gewähren sie den
Anschein, als wäre jede Verbindung zwischen ihnen und ihren Türmen
aufgehoben.

Ein Vergleich des Neubaues mit dem alten Bau drängt sich aber noch
bezüglich der Wirkung der Architektur selbst auf. Der Unterschied
zwischen dem Ostchor und der romanischen Hochwand ist im Außenbau
noch überraschender als im Innenbau. Denn hier fehlt beim romanischen
Bau jegliche Struktur. Aus der glatten Wand mit den fünf rundbogigen
Fenstern ist ein Rückschluß auf die Art der Innenkonstruktion,
beziehungsweise der Einwölbung unmöglich. Doch tritt für den Beschauer
der romanische Teil des Baues zu sehr in den Hintergrund zurück, als daß
er unbedingt zu einem Vergleich mit dem Chor herausfordern würde. Anders
verhält es sich mit den Seitenschiffen. Im Innern werden dieselben trotz
ihrer erheblichen Breite kaum beachtet. Ihr Außenbau jedoch führt eine
beredte Sprache. Seit 1309 begonnen, zeigen sie in der Gliederung der
Architektur wie in der Dekoration den Geist der Hochgotik, voll Feinheit
und Geschmack. Und der Stilcharakter im Außenbau des Ostchores scheint
bei der über ein halbes Jahrhundert betragenden Zeitdifferenz nicht weit
verschieden zu sein: dasselbe Prinzip der Gliederung und Dekoration
hier wie dort, bestehend in Galeriebrüstung und überschneidenden
Fensterwimpergen und Pfeilerfialen.

=Stilkritische Würdigung.= Wir fragen uns nun, welche Stelle nimmt der
Ostchor von St. Sebald in der Bau- und Kunstgeschichte seiner Zeit ein,
in welchen Beziehungen steht dieser Bau zu anderen Hallenbauten und aus
welchen Quellen hat sein Meister geschöpft?

Die Hallenkirche nimmt in der Baugeschichte der Spätgotik einen breiten
Raum ein. Es hatte sich diese Bauart aus dem Grunde fast überall Eingang
verschafft, weil sie dem Zeitgeist am besten entsprach und weil die
in ihrem Wesen begründet liegende Einfachheit im Raum sowohl wie in
der Konstruktion und die daraus sich ergebende größere Sparsamkeit
der Bauausführung ihr den Vorzug vor dem basilikalen Bausystem gaben.
Am meisten wurde die neue Bauart in der deutschen Spätgotik in zwei
ganz verschiedenen Gegenden kultiviert: in Hessen und in Westfalen
einerseits, in Schwaben und in den bayerischen Ländern andererseits.
Dabei hatten sich bald verschiedene Typen gebildet oder es wurden
frühere Typen wieder aufgegriffen und so entstanden Hallenkirchen
mit glattem Schluß der Schiffe, solche mit polygon geschlossenem,
vorgeschobenem Chor und solche mit Chorumgang. Der letztere Typus hatte
sich vornehmlich im nordöstlichen Schwaben, in Bayern und Österreich
eingebürgert, und so scheint auch unser Ostchor von St. Sebald mit in
die Gruppe zu gehören.

Der erste Bau dieser langen Reihe von unter sich mehr oder weniger
verwandten Hallenkirchen war die Heiligkreuzkirche zu Schwäbisch-Gmünd,
erbaut von dem aus Köln gebürtigen Meister Heinrich Parler.[36] Die
Bauzeit dieser Kirche umfaßt nahezu ein Jahrhundert: in den zwanziger
Jahren des 14. Jahrhunderts wurde an Stelle einer romanischen Kirche mit
dem Bau des Langhauses begonnen, 1351 wurde der Neubau des Chores in
Angriff genommen und erst 1414 fand die Einweihung des ganzen Bauwerkes
statt. Aus den letzten Jahren dieser Bauzeit wird die Einwölbung dieses
Langhauses stammen. Das Gewölbe des Chores gehört erst dem Ausgang des
15. Jahrhunderts an.

In der Anlage nun ist die Heiligkreuzkirche in Gmünd eine dreischiffige
Hallenkirche mit Chorumgang und Kapellenkranz. Die Seitenschiffe
sind bedeutend schmäler als das Mittelschiff, im Chor noch mehr als
im Langhaus; die Gewölbfelder im Mittelschiff sind rechteckig, die
in den Seitenschiffen haben fast quadratische Form. Der Abschluß des
Binnenchors ist aus drei Seiten gebildet, welchen im Chorumgang sieben
Seiten entsprechen, so daß in der Mittelachse ein Chorfenster liegt.
Die Strebepfeiler des Chores sind in ihrer unteren Hälfte zur Bildung
von Kapellen eingezogen, welche geradlinig geschlossen sind. Von der
ursprünglich geplanten Wölbung kann nicht viel gesagt werden, doch
soviel scheint sicher, daß die Scheitelhöhe der Gewölbe auch damals
schon in den drei Schiffen einander gleich gedacht war; daraus hätte
sich dann, ebenso wie es jetzt der Fall ist, für das Mittelschiff eine
gedrücktere, für die Seitenschiffe eine schlankere Form der Gewölbe und
eine ungleiche Verteilung der Drucklinien ergeben. Die Gewölbe ruhen auf
Säulen.

Der Bau des Ostchors von St. Sebald, in der Bauzeit mit der Gmünder
Kirche teilweise sogar zusammenfallend, scheint unter dem Einflusse
derselben zu stehen.

Das Prinzip der Hallenkirche ist beim Ostchor von St. Sebald viel
reiner zur Erscheinung gekommen als bei der Heiligkreuzkirche zu
Schwäbisch-Gmünd. Die langgestreckte Ausdehnung hier konnte bei St.
Sebald leicht vermieden werden, da es sich in Wirklichkeit nur um einen
Chor und nicht um eine ganze Kirche handelte, und auch das gleiche Maß
der Schiffsbreiten, wenn auch nicht bei jedem Joch genau eingehalten,
war mit dem Anschluß an die drei Quadrate des romanischen Querschiffes
gegeben. Und infolge der gleichen Höhe der drei Schiffe wird der Schub
der mittleren Gewölbe aufgehoben, die inneren Pfeiler sind nur senkrecht
belastet und den Strebepfeilern außen obliegt lediglich die Aufgabe des
Widerstandes gegen den Gewölbeschub der äußeren Schiffe. Es hat somit
eine in jeder Weise gleichmäßige Gestaltung des Baues bewirkt werden
können, und so sieht der Beschauer im Innern des Chores nach jeder
Richtung hin das gleiche System, wohl das Endziel des Hallenbaues, was
bei der Heiligkreuzkirche in Schwäbisch-Gmünd bei weitem nicht der Fall
ist.

Nun liegt allerdings zwischen der 1326 mit dem Schiffe und 1351 mit
dem Chor begonnenen Heiligkreuzkirche zu Gmünd und dem 1361 begonnenen
Ostchor von St. Sebald der Bau der Nürnberger Liebfrauenkirche. Man
fragt sich unwillkürlich, ob nicht diese Kirche das Bindeglied zwischen
den beiden verwandten Bauten darstellte, d. h. ob denn ohne den Vorgang
der Liebfrauenkirche die Fortschritte am Bau von St. Sebald wohl denkbar
gewesen wären.

Innerhalb der schwäbisch-bayerischen Gruppe, und nur diese kommt hier
in Betracht, ist die Liebfrauenkirche der erste Hallenbau mit gleich
weiten Jochen, in die Länge wie in die Breite gemessen: der Grundriß
besteht aus neun großen Quadraten. Abgesehen von diesem besonderen
Punkte besteht im übrigen eine engere Verwandtschaft dieser Kirche mit
der Heiligkreuzkirche in Gmünd. Es sei hier nur an die gleiche Bildung
der Gewölbestützen in Form zylindrischer Schäfte oder runder Säulen mit
Blattwerkkranz als Kapitäl und vor allem an die Gestaltung der Fassade
erinnert. Die Verschiedenheit im Verhältnis des Mittelschiffes zu den
Seitenschiffen hat aber aller Wahrscheinlichkeit nach darin ihren
Grund, daß in Schwäbisch-Gmünd zum Teil der Grundriß der abgebrochenen
romanischen Kirche, vielleicht auch deren Grundmauern mit in den Neubau
aufgenommen wurden, und daß dem Baumeister die Anlage mit schmäleren
Seitenschiffen gar nicht unwillkommen war wegen der einfachen Lösung
der Frage der Umführung derselben um den Binnenchor, während an der
Nürnberger Frauenkirche, als an einer Hallenkirche mit vorgeschobenem
Chor, ohne Schwierigkeit das Prinzip des gleichen Maßes bei Mittel- und
Seitenschiff zur Durchführung gelangen konnte.

Und dennoch wird man zugeben müssen, daß in der Entwicklung von der
Heiligkreuzkirche in Gmünd zur Sebaldkirche in Nürnberg die Frauenkirche
ein Zwischenglied =nicht= bildet. Denn der einzige übereinstimmende
Punkt bei den zwei Nürnberger Kirchen ist eben das bei Seitenschiffen
und Mittelschiff gleiche Maßverhältnis.

Wie oben bereits angedeutet, hängt beim Ostchor von St. Sebald die
Teilung in drei gleiche Schiffe mit dem Anschluß an das vorhandene,
in den Neubau übernommene romanische Querschiff zusammen. Von dem
romanischen Querschiff wurde beim Neubau verwertet die ganze Westwand
und die beiden Schmalwände. Auf das relativ hohe Gewölbe verzichtete
man, da das neue Gewölbe im ganzen Chor durchweg noch um 1·5 m
höher gelegt werden sollte. Dagegen ließ man die Mitteldienste an
den Seitenwänden bestehen und, um sie nicht ohne Bestimmungszweck
zu lassen, teilte man wie beim romanischen Bau die beiden äußeren
Gewölbeviertel wiederum in je zwei Achtel.

Daß die östlichen Vierungspfeiler neuen Pfeilern weichen mußten,
erscheint selbstverständlich. Jedoch steht, wenn auch bei Errichtung
der neuen Pfeiler das Fundament der alten Pfeiler mitbenutzt wurde, die
Achse des nördlichen Pfeilers außerhalb der Achse des alten.

Bei näherer Betrachtung des Grundrisses findet man zunächst, daß sich
der ganze Chor von Westen nach Osten fortschreitend verbreitert, sowie
ferner, daß seine Achse um einige Grade nach Norden verschoben ist.

Was das Abbiegen der Längsachse anlangt, die man auch bei anderen
mittelalterlichen Kirchen, wenn auch nicht in so starkem Maße,
beobachten kann, so gibt es dafür verschiedene Erklärungsversuche, die
sich auf die Annahme schlechten Baugrundes oder von Mängeln in der
Visierung stützen. Einwandfrei ist jedoch diese Frage bis jetzt noch
nicht gelöst worden.

Die andere Unregelmäßigkeit in der Anlage des neuen Chors mag vielleicht
darin ihren Grund gehabt haben, daß einer allzu großen Ungleichheit
der Gewölbefelder bei dem sich verengernden Chorumgang dadurch
vorgebeugt und zugleich für die am Hochaltar vorzunehmende Kulthandlung
Raum gewonnen wurde. Ebenso beabsichtigt erscheint die allmähliche
Verringerung der Abstände der Mittelpfeiler von Westen nach Osten, die
es bewirkt, daß sich die Zwischenräume zwischen den Abschlußpfeilern des
Binnenchors harmonisch dem Rhythmus der Pfeileranlage einpassen.

Dabei wurden diese offenbaren Unregelmäßigkeiten vom Baumeister von
St. Sebald in so unauffälliger Weise vorgenommen, daß wir, im Innern
der Kirche stehend, von den einzelnen Verschiebungen, Verkürzungen und
sonstigen Unregelmäßigkeiten, ohne vorher darauf aufmerksam gemacht zu
sein, gar nichts wahrnehmen.

Zeigen schon diese Maßnahmen, die sich zum Teil aus der Notwendigkeit
ergaben, eine Choranlage von fortentwickelten Raumabsichten mit der
ganz anders gearteten Raumwirkung der älteren Kirche in Einklang zu
bringen, den Baumeister von St. Sebald als überlegenen Geist, dem wir
ohne Zweifel auch einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der
Baugedanken seiner Zeit zutrauen dürfen, so wird diese Vermutung auch
durch die Betrachtung der Durchbildung des Aufrisses bestätigt.

Wie bereits oben erwähnt, ist es uns bei der Gmünder Kirche nicht
mehr möglich, die vom Meister Heinrich Parler ursprünglich geplante
Wölbung mit Sicherheit zu rekonstruieren; wir wissen nicht, war
ein komplizierteres oder ein einfacheres System gewählt worden.
Mit Bezug auf die, wenn auch in kleineren Verhältnissen gehaltene,
aber mit der Gmünder Kirche noch verwandte Nürnberger Frauenkirche
wäre dort im allgemeinen das vierteilige Kreuzgewölbe, für den
Abschluß des Binnenchores die Verbindung von Kreuz- und Sterngewölbe
anzunehmen. Was nun den Chorumgang anlangt, so wäre die einfachste
Lösung gewiß die: anschließend an die Seitenschiffe zunächst je ein
vierteiliges Kreuzgewölbe mit ungleichen Seiten und Diagonalen, dann
je zwei dreiteilige Gewölbe und zum Schlusse wieder ein vierteiliges
Kreuzgewölbe. Die Stützen der Gewölbe sind runde Säulenschäfte, deren
Kapitäle meist aus zwei Blattwerkkränzen mit polychromer Platte
bestehen. Also von einer organisch-konstruktiven Verbindung von Gewölbe
und Gewölbstütze keine Rede.

Anders bei St. Sebald. Das Wölbungssystem stimmt mit dem an der Gmünder
Kirche eben rekonstruierten so ziemlich überein, bis auf den Chorumgang,
dessen Einwölbung sich hier infolge des für den Binnenchorabschluß
gewählten Achtecks natürlicher gestalten mußte: es wechseln vier
dreieckige Felder mit drei rechteckigen ab. Der Hauptunterschied liegt
jedoch darin, daß hier das Gewölbe nicht auf runden, sondern auf
polygonalen Stützen ruht, d. h. nicht auf Säulen, sondern auf Pfeilern,
und zwar haben diese Pfeiler achteckige Form mit vier vorgelegten
Diensten. Ferner ist der Ansatz des Gewölbes nicht durch ein Kapitäl
markiert, sondern Scheidbögen, Gurtbögen und Rippen wachsen gleichsam
unmittelbar aus den Diensten, zum Teil auch aus dem polygonalen Pfeiler
selbst heraus. In Anbetracht der dem Wesen des Hallenbaues zugrunde
liegenden Tendenz der Vereinfachung alles Konstruktiven bedeuten also
die Pfeiler im Chor von St. Sebald gegenüber den Säulen der Gmünder
Kirche einen Fortschritt in der Entwicklung.

Vorbildlich für die Pfeilerbildung im Ostchor von St. Sebald mag
die Frauenkirche in Eßlingen gewesen sein. Bekanntlich besteht die
Schwäbische Schule des 14. und 15. Jahrhunderts aus zwei Gruppen, von
welchen der einen die Hallenbauten mit Chorumgang, der andern diejenigen
mit vorgeschobenem Chor und einem in der Mitte der Fassade stehenden
Turm angehören. Die erstere Gruppe wird vor allem vertreten durch die
Heiligkreuzkirche in Schwäbisch-Gmünd, die letztere wird repräsentiert
durch Bauten wie die Frauenkirche in Eßlingen und das Ulmer Münster.
Wohl war die Gmünder Kirche zugleich auch der Ausgangspunkt für die
große zumeist auf bayerischem Boden befindliche Gruppe von Hallenbauten,
wie den Kirchen St. Georg in Nördlingen und Dinkelsbühl, St. Lorenz
in Nürnberg, St. Martin in Landshut, der Frauenkirche in München.
Allein bei den engen baugeschichtlichen Beziehungen zwischen den beiden
Schwäbischen Schulen ist es ja ganz natürlich, daß auch Elemente der
zweiten Schule bei Bauten der bayerischen Gruppe Eingang gefunden haben.
So ist z. B. die Fassade der Nürnberger Frauenkirche nicht nur, wie
bereits oben erwähnt, von der Gmünder Kirche, sondern in viel höherem
Grade von der Frauenkirche in Eßlingen beeinflußt.

Was nun die vorbildliche Bedeutung der letztgenannten Kirche für den
Ostchor von St. Sebald in Bezug auf die Pfeilerbildung anlangt, so
sei zunächst darauf hingewiesen, daß zwischen der Gmünder Kirche und
der Eßlinger Frauenkirche trotz Verschiedenheit in der Anlage eine
nahe Verwandtschaft besteht. In die Augen springend ist dieselbe --
abgesehen von der erwähnten Fassadenbildung -- ja nicht. Allein eine
Reihe von gleichen Steinmetzzeichen an beiden Bauten geben einen
unwiderleglichen Beweis hiefür, was man bei der geringen geographischen
Entfernung der beiden Orte und bei dem Umstand, daß das Langhaus der
Gmünder Kirche zum Teil ebenso wie der östliche Teil der Eßlinger
Frauenkirche dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts angehören[37],
ganz selbstverständlich findet. Die Eßlinger Kirche hat wie der Ostchor
von St. Sebald polygone Pfeiler mit vorgelegten Diensten, welche, ohne
von Kapitälen unterbrochen zu werden, unmittelbar in Gurte und Rippen
übergehen, um vierteilige Gewölbe zu tragen. Also auch hier war der
Baumeister bestrebt, gegenüber dem bisher Üblichen eine wesentliche
Vereinfachung eintreten zu lassen. Nur hat, möchten wir hinzufügen, der
Eßlinger Meister eine schönere und auch konstruktiv richtigere Lösung
in der Pfeilerbildung gefunden, während der Baumeister des Ostchores
von St. Sebald, ohne besondere Rücksicht auf das Gewölbesystem, mehr
auf eine gleichmäßige Gestaltung des Grundrisses gesehen hat. Denn dort
gruppieren sich auf den beiden Schiffsseiten eines Pfeilers je drei
Dienste, von welchen sich jeder einzelne als Rippe, beziehungsweise
Gurt fortsetzt und die Arkadenbögen setzen am Pfeilerkern selbst
an, hier dagegen wachsen die Arkadenbögen aus Diensten heraus und
den drei Rippen (zwei Diagonalrippen und eine Gurtrippe) an einer
Schiffsseite steht nur ein einziger Dienst zur Verfügung. Durch den
Ansatz mehrerer mit Hohlkehlen profilierter Rippen an einem Dienst sind
aber ganz neue Bildungen entstanden, wie sie häufig erst an späteren
Bauten, wir erinnern nur an die St. Georgskirche in Dinkelsbühl,
wiederkehren, allerdings dort infolge der im 15. Jahrhundert üblichen
reichen Sterngewölbe in komplizierterer Form. Allein trotz dieser
Unterschiede der Pfeiler im Ostchor von St. Sebald von den Pfeilern
der Eßlinger Frauenkirche erscheint doch die Annahme gerechtfertigt,
daß der Baumeister von St. Sebald die ganze Idee, polygone Pfeiler mit
vorgelegten Diensten zu schaffen und dieselben ohne Kapitäl gleich
direkt ins Gewölbe überzuführen, der Eßlinger Frauenkirche entnommen hat.

Noch in einem anderen Punkte des Aufrisses verrät der Ostchor von
St. Sebald gegenüber der Heiligkreuzkirche in Gmünd einen hohen Grad
von Selbständigkeit; es betrifft dies in der Hauptsache auch mit die
Gestaltung des Außenbaues.

Während an der Gmünder Kirche die Wände des Schiffes lange, bis hinauf
an die Wölbung reichende Fenster aufweisen, sind die Chorwände in zwei
Stockwerke geteilt. Es sind dort nämlich die Strebepfeiler in ihrer
unteren Hälfte eingezogen, oder besser gesagt, die Chorwand ist in ihrer
unteren Hälfte hinausgeschoben, so daß sich um den Chorumgang eine Reihe
von Kapellen gruppiert. Beim Ostchor von St. Sebald dagegen hat man auf
den Kapellenkranz verzichtet und wie beim Langhaus der Gmünder Kirche
-- auch hierin kann die Frauenkirche in Eßlingen anregend mitgewirkt
haben -- hohe, die ganze Länge der einzelnen Wandabteilungen einnehmende
Fenster gewählt. Dies hat zur Folge, daß hier die Beleuchtung des ganzen
Chors viel stärker wird als im Chor der Gmünder Kirche und andererseits,
daß dort die Chorwand eine reichere Gliederung erhält. Der Baumeister
von St. Sebald hat nun unter gleichzeitiger Erhöhung des gewonnenen
Vorteils den entstandenen Nachteil dadurch gemindert, daß er die Breite
der Fenster fast bis an die Strebepfeiler hin ausdehnte und so die
Mauerfläche gleichsam in eine Reihe von Gewölbestützen auflöste. Und
was die Außenansicht allein anlangt, so wurde der Mangel an Gliederung
noch weiter durch eine reiche Ausstattung ersetzt. Von dem in der Höhe
der Fensterbänke sich herumziehenden Gesims an weisen die in drei
Stockwerken sich abstufenden Strebepfeiler, übergreifend auf den kleinen
Rest von Wandfläche, eine Fülle von Schmuck auf, bestehend in vielem
Blendenwerk, Konsolen, Baldachinen und Fialen. Um nun von den mächtigen,
aber monoton wirkenden Chordach soviel wie möglich zu verdecken, hat
der Meister einen bereits an der Gmünder Kirche zum Ausdruck gebrachten
Gedanken wiederholt, indem er auf die Mauer eine Galerie aufsetzte,
welche mit den die Fenster überragenden Wimpergen und den die Pfeiler
bekrönenden Fialen dem Chor ein geradezu prächtiges Aussehen verleiht.

Also auch nach dieser Seite hat es der Baumeister von St. Sebald,
der seine Zugehörigkeit zur Schwäbischen und speziell zur Gmünder
Schule nicht verleugnen kann, aber völlig frei ist von sklavischer
Abhängigkeit, verstanden, den im Wesen der Hallenkirche begründet
liegenden Anforderungen gerecht zu werden. Er hat durch Vereinfachung
und Reduzierung aller konstruktiven Elemente, wodurch zunächst eine
willkommene Sparsamkeit in der Bauausführung erzielt wurde, eine
Vervollkommnung des Prinzips der Hallenkirche erreicht.

=Der Baumeister.= Lebhaftes Interesse erregt nun die Frage: Wer mag
wohl der Schöpfer dieses herrlichen, kunstgeschichtlich so bedeutenden
Bauwerkes gewesen sein? Wie heißt er?

Die Zugehörigkeit des Ostchores von St. Sebald zur Gmünder Schule wurde
im Vorhergehenden sehr wahrscheinlich gemacht. Es hatte sich gezeigt,
daß beide Bauten in den engsten verwandtschaftlichen Beziehungen
zueinander stehen, ja, daß der Hallenbau von St. Sebald ohne den Vorgang
von Schwäbisch-Gmünd vielleicht überhaupt nicht, jedenfalls nicht in
seiner jetzigen Gestalt möglich gewesen wäre. Denn der Ostchor von
St. Sebald weist eine Summe von Erscheinungen auf, welche sich nur
aus dem Bau der Heiligkreuzkirche oder durch Vermittlung desselben
aus anderen Bauten erklären lassen. Dieses Abhängigkeitsverhältnis
wird auch durch das Vorhandensein einer großen Anzahl von gleichen
Steinmetzzeichen an beiden Kirchen bestätigt, woraus mit Sicherheit
folgt, daß eine ganze Gruppe von Steinmetzen von Schwäbisch-Gmünd
nach Nürnberg gezogen ist, um hier an dem Bau von St. Sebald zu
arbeiten. Es befinden sich sogar unter den gleichen Steinmetzzeichen
häufig wiederkehrend solche, welche infolge ihrer gleichen Grundform
einen engeren Zusammenschluß ihrer Träger erkennen lassen, d. h.
welche beweisen, daß ihre Inhaber bei einem und demselben Meister
gelernt haben. Und jenes Meisterzeichen, von welchem diese Zeichen
ihre Variation entlehnt haben, hat sich anscheinend tatsächlich
vorgefunden. Bei der letzten Restaurierung wurde hinter einem Baldachine
eines Ostchorstrebepfeilers ein kleines Erzschild entdeckt, welches
ursprünglich wohl an der Galerie über dem Hauptgesimse befestigt war und
beim Abbruch derselben (1561) heruntergefallen und an diesen verborgenen
Platz gelangt ist. Das Schild (Abb. 26), welches heute im Ostchor an
der südlichen Wand angebracht ist, zeigt im Inneren einen nach unten
offenen rechten Winkel mit darin befindlichem senkrecht gestelltem Kreuz
und hat den Stilcharakter der Erbauungszeit des Chores. Dieses Zeichen
kann nach den gegebenen Umständen wohl als das Zeichen des Baumeisters
angesprochen werden.

[Illustration: Abb. 26. Meisterzeichen (Ostchor).]

Trotz sorgfältiger, mühsamer Untersuchung des Baues der Gmünder
Heiligkreuzkirche, soweit derselbe eben für diesen Zweck zugänglich
war, konnte das Meisterzeichen von St. Sebald dort nicht gefunden
werden. Es ist auch dieser Umstand für die weitere Beweisführung nicht
von besonderem Belang, denn einerseits steht dadurch keineswegs fest,
daß das Zeichen dort überhaupt nicht vorkommt, und andererseits ist es
doch mehr als selbstverständlich, daß an dem Bau, welcher die meisten
Anregungen für die Gestaltung des Ostchores von St. Sebald geboten
hat, ja überhaupt die unerläßliche Vorbedingung für die Existenz des
Nürnberger Hallenbaues war und an welchem die Schüler des Erbauers des
letzteren gearbeitet haben, auch der Meister selbst tätig gewesen sein
muß.

Es liegt somit nahe, in dem Baumeister von St. Sebald einen Angehörigen
der Familie jenes Heinrich Parler, des Erbauers der Gmünder Kirche, zu
vermuten.

Soweit wir die Familie Parler zurückverfolgen können -- die
Kunstwissenschaft hat sich seit längeren Jahren viel mit ihr
beschäftigt --, wird die erste uns bekannte Generation durch Heinrich
Parler vertreten, welcher, aus Köln gebürtig, etwa im dritten
Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts wahrscheinlich infolge einer Berufung
nach Schwäbisch-Gmünd eingewandert ist, um den Bau der dortigen
Heiligkreuzkirche zu leiten.[38] Von seinen Söhnen kommen für uns
zwei in Betracht, nämlich Peter und Heinrich. Peter Parler, 1330
geboren[39], erhielt 1353 als junger, erst 23jähriger Mann von Kaiser
Karl IV. einen Ruf nach Prag zur Übernahme der Vollendung des seit dem
1352 erfolgten Tode des Matthias von Arras unterbrochenen Dombaues.
Peter Parler entfaltete in Prag nicht nur, sondern auch in ganz Böhmen
eine umfassende Tätigkeit, baute die Barbarakirche in Kuttenberg, die
Bartholomäuskirche in Kolin u. a. m. Von seinem Bruder Heinrich Parler
dagegen wissen wir nur aus den Wochenrechnungen des Prager Dombaues, daß
er im Jahre 1378 dort gearbeitet hat. Außerdem wird von verschiedenen
Forschern mit ihm jener Heinrich von Gmünd als identisch bezeichnet,
welcher in den Jahren 1381, 1384 und 1387 als Baumeister des Markgrafen
Jodok von Mähren in Brünn tätig war, ja sogar ein Enrico da Gamodia, vom
11. Dezember 1391 bis zum 29. Mai 1392 in Mailand am Dombau beschäftigt,
wird auf Heinrich, den Bruder des Peter Parler, bezogen.

Wir bemühen uns vorerst nicht, die Identität des Heinrich Parler,
der 1378 in Prag gearbeitet hat, mit den anderen, Heinrich von Gmünd
genannten Personen nachzuweisen, sondern uns interessiert vielmehr
zunächst zu wissen, worin denn die Tätigkeit des jüngeren Heinrich
Parler in den Jahren vor 1378 bestanden hat. Man wird natürlich
annehmen, daß Heinrich nicht nur im Jahre 1378, sondern auch in der
Zeit vorher am Prager Dombau beschäftigt war, zu welchem Zwecke er
wahrscheinlich 1353 mit seinem Bruder oder doch bald nach der Berufung
desselben Schwäbisch-Gmünd verlassen hat. Allein warum werden in den
Prager Dombaurechnungen, welche die Jahre 1372 bis 1378 umfassen, neben
dem Meister Peter Parler alle Steinmetzen und sonstigen Handwerker,
welche am Dom gearbeitet haben, aufgeführt, nur, abgesehen vom Jahre
1378, dieser Heinrich Parler nicht? Weil er, wie wir vermuten, vor
1378 überhaupt nicht in Prag war, sondern -- in Nürnberg den Bau des
Ostchores von St. Sebald geleitet hat.

Und in der Tat, der Zufall hat es gewollt, daß in den Verzeichnissen
Nürnberger Künstler des 14. Jahrhunderts auch der Name eines Heinrich
Parler aus Böhmen der Nachwelt überliefert ist. Im Jahre 1363 wurde
einem Heinrich Beheim Balier zu Nürnberg das Bürger- und Meisterrecht
verliehen und in den folgenden Jahren wird er noch verschiedentlich
genannt.[40] Es fragt sich nun, ob dieser Heinrich Beheim Balier
wirklich kein anderer als der vor 1378 in Prag nicht auffindbare
Heinrich Parler ist.

Wir glauben, daß daran kaum zu zweifeln ist. Zunächst jedoch wird
man den Einwand erheben, daß beide schon deswegen nicht identisch
sein können, weil der Prager Heinrich Parler in den Dombaurechnungen
bereits am 19. September und am 3. Oktober 1378 erwähnt wird, während
die Einweihung des Ostchores von St. Sebald erst am Sonntag nach
Bartholomäi 1379 stattfand. Kann mit diesem Einwand an und für sich
gar nicht bestritten werden, daß Heinrich Parler im Jahre 1379 wieder
nach Nürnberg gezogen wäre, um an der Einweihungsfeier teilzunehmen
-- wir wissen, daß im Mittelalter Baumeister sowohl wie Steinmetze
ihre Arbeitsstätten häufig wechselten --, so ist weiterhin zu betonen,
daß die Anwesenheit des Baumeisters bei der Einweihung seines Werkes
keineswegs erforderlich war. Der Ostchor von St. Sebald war als
Bauwerk, wie wir oben gesehen haben, bereits 1372 in der Hauptsache
vollendet; was die Einweihung hinausschob, war jedenfalls nur die
noch zu leistende Fertigstellung oder Stiftung von Glasmalereien,
Paramenten, Kirchengeräten usw. Der Baumeister hatte somit im Jahre
1372 oder bald nachher seinen Auftrag erledigt, er konnte jetzt andere
Arbeiten übernehmen, und zwar, wie wir vermuten, in Schwäbisch-Gmünd und
Eßlingen, kam vor oder in dem Jahre 1378 wieder nach Nürnberg und wird
dann noch in demselben Jahre wieder zu seinem Bruder nach Prag gewandert
sein, um sich dort an der Weiterführung des Dombaues zu beteiligen.

Man könnte weiterhin auffällig finden, daß der urkundlich in den Prager
Dombaurechnungen erwähnte Heinrich Parler hier Heinrich Beheim Balier
genannt wird. Die verschiedene Form des Wortes oder Namens Parler darf
indessen keinen Anstoß erregen, denn es ist zur Genüge bekannt, daß
im 14. Jahrhundert die Schreibweise der Familiennamen noch keineswegs
fixiert, sondern ganz bedeutenden Schwankungen unterworfen war, so
daß der Name Parler ebensogut durch Parlier, Parlierer, Palier,
Balier ersetzt werden konnte. Aber auffällig erscheint der Zusatz
Beheim. Beheim heißt nichts anderes als Böhmen und bezeichnet, als
Beiname eines Personennamens gebraucht, die Herkunft der betreffenden
Person. Unser Heinrich Balier wird demnach ausdrücklich als aus Böhmen
kommend aufgeführt. Doch werden diese lokalen Beinamen nicht immer
angewendet, in vielen Fällen nur zur Unterscheidung von anderen Personen
gleichen Namens oder zur besonderen Hervorhebung. Es kann also, da zur
Führung eines solchen Beinamens für den Träger von vornherein keine
Verpflichtung bestand, dieselbe Person anderwärts ohne solche lokale
Bezeichnung begegnen, und es dürfte somit mehr als wahrscheinlich sein,
daß Heinrich Beheim Balier in Nürnberg so bezeichnet wurde, weil er zu
der Zeit, als ihm der Bau des neuen Ostchores von St. Sebald übertragen
wurde, aus Böhmen kam.[41] Heinrich Parler scheint nach der Mitte der
fünfziger Jahre nach Prag gezogen zu sein, um bei seinem Bruder, Peter
Parler, am Dombau und anderen Bauten Böhmens mitzuwirken. Und von
Böhmen aus wird man ihn, vielleicht durch Vermittlung Kaiser Karls IV.,
unter dessen Protektion ja die Nürnberger Frauenkirche in den Jahren
1355-1361 erbaut wurde, nach Nürnberg berufen haben. Als Heinrich Parler
in den siebziger Jahren wieder nach Böhmen und Prag zurückkehrte, war
die Führung des Beinamens Beheim, welche in Nürnberg gerechtfertigt
schien, gegenstandslos geworden, und so erscheint der Bruder des Prager
Dombaumeisters in den dortigen Wochenrechnungen nur mehr als Henricus
Parlerius.

Die Identität zwischen dem Nürnberger Heinrich Beheim Balier und dem
Prager Heinrich Parler scheint keinem Zweifel mehr zu unterliegen, der
Erbauer des Ostchores von St. Sebald ist somit ein Bruder des berühmten
Prager Dombaumeisters Peter Parler und ein Sohn des Meisters der
Heiligkreuzkirche in Gmünd, Heinrich Parler.

Wohl aber möchten wir Bedenken tragen, jenen Meister Heinrich von Gmünd,
welcher in den Jahren 1381, 1384 und 1387 urkundlich als Baumeister des
Markgrafen Jodok von Mähren in Brünn erwähnt wird, mit unserem Heinrich
Parler zu identifizieren. Ein Beweis für stilistische Übereinstimmung
der Werke der beiden Meister ist in der Kunstwissenschaft nicht erbracht
worden. Aber abgesehen hiervon, schon die Verschiedenheit der beiden
Namen läßt uns auf Verschiedenheit der Personen schließen; niemals
findet sich bei Heinrich Parler der Zusatz »von Gmünd« und niemals
bei Heinrich von Gmünd der Name Parler. Der Zusatz »von Gmünd« wäre
ja an und für sich erklärlich, ja wir würden diese Bezeichnung, wenn
sie dem Namen Heinrich Parler in den Dombaurechnungen beigegeben wäre,
verständlich finden. Auffällig ist aber, daß die Bezeichnung »von
Gemünd«, während sie hier gänzlich fehlt, erst mit dem Jahre 1384
urkundlich auftritt. Kann somit also die Identität =dieser= beiden
jüngeren Gmünder Meister Heinrich nicht als wahrscheinlich angesehen
werden, so könnte man, zum Teil im Gegensatz zu den Vermutungen der
mit dieser Frage beschäftigten Kunsthistoriker, wohl geneigt sein,
anzunehmen, daß die beiden Heinrich von Gmünd, die zu wiederholten Malen
und an verschiedenen Stellen erwähnt werden, ein und dieselbe Person
bedeuten: der 1381, 1384 und 1387 als Heinrich von Gemunde oder Henricus
de Gemunden lapicida in Brünn aufgeführte Meister wird der nämliche sein
wie der von 1391-1392 ein halbes Jahr lang in Mailand am Dombau tätige
Heinrichus da Gamundia oder Enrico da Gamondia.

Andererseits aber hat die Annahme viel für sich, daß unser Heinrich
Parler, der Erbauer des Ostchores von St. Sebald, auch der Schöpfer
des Schönen Brunnens in Nürnberg gewesen sei, dessen Erbauung man wohl
entgegen der neuerdings von Albert Gümbel aufgestellten Vermutung,
wonach sie bereits in die sechziger Jahre des 14. Jahrhunderts fallen
würde, wieder in die Zeit von 1385 bis 1395 wird setzen müssen.

Die nahe stilistische Verwandtschaft dieses Bauwerks mit dem Ostchore
von St. Sebald, die auch trotz des späteren Formcharakters -- es liegen
ungefähr zwei Jahrzehnte zwischen den beiden Bauten -- anerkannt werden
muß, spricht deutlich genug dafür.

Mit einem Meister Heinrich dem Parlier, dessen Tätigkeit in Nürnberg wir
von 1397 bis zu seinem 1430 erfolgten Tode verfolgen können, ist der
Baumeister des Ostchores von St. Sebald und, wie wir annehmen wollen,
Erbauer des Schönen Brunnens nach den Forschungen Gümbels indessen nicht
zu identifizieren. Unser Meister Heinrich war zwar in den achtziger und
neunziger Jahren noch mannigfach für den Rat tätig, starb aber bereits
zu Anfang des 15. Jahrhunderts. Sein und seiner Familie Jahrtag wurde
im Barfüßerkloster zu Nürnberg am 23. Juni begangen, wie ein Eintrag im
Totenkalender des genannten Klosters bezeugt: F. 9 Calend. (Julii) Obiit
Heinricus Barlierer Lapicida et Kunigundis Uxor et Anna filia, quorum
m(emoria) h(abeatur).[42]

Wir haben noch ein Wort über das Meisterzeichen unseres Heinrich Parler
hinzuzufügen. Bekanntlich hat das Zeichen seines Bruders, des Prager
Dombaumeisters, an dessen Porträtbüste im Triforium des Prager Domes die
Gestalt eines gebrochenen Balkens oder eines Doppelwinkelhakens, also
eine vom Nürnberger Meisterzeichen grundverschiedene Form. War es nun
damals zulässig, daß zwei so nah verwandte Steinmetzmeister besondere,
in gar keiner Beziehung zueinander stehende Zeichen führen konnten?
Gewiß. Denn in der Form eines Steinmetzzeichens kommt nur das Verhältnis
des Schülers zum Lehrer, aber nicht das Verhältnis von Verwandten zum
Ausdruck. Hatte ein Steinmetz ausgelernt, so erhielt er von seinem
Meister das Zeichen, das er dann unverändert beibehielt, ob er nun bei
seinem ersten Meister blieb oder bei anderen Stellung fand oder selbst
Meister wurde. Wir schließen daraus, daß die beiden Brüder Parler bei
ganz verschiedenen Meistern ihre Lehrzeit absolvierten. Wer von den
beiden bei seinem Vater auslernte oder ob überhaupt einer von beiden
seinen Vater zum Lehrmeister hatte, läßt sich nicht mit Bestimmtheit
nachweisen, da das Meisterzeichen des Vaters nicht bekannt ist. Hat
einer von den beiden Brüdern in Gmünd ausgelernt, so scheint es eher
Peter Parler gewesen zu sein. Denn nicht nur die Heiligkreuzkirche in
Gmünd deutet in vielen Punkten auf den Kölner Dom, sondern auch in den
Bauten des Peter Parler, im Prager Dom sowohl wie in den Kirchen von
Kolin und Kuttenberg, spricht sich Kölner und speziell französische
Bauweise aus. Im Ostchor von St. Sebald verrät sich jedoch mehr eine
Verwandtschaft mit der Schwäbischen Schule im allgemeinen, insbesondere
über Gmünd hinaus auch mit Eßlingen. Ja, die feinen Verzweigungen ließen
sich noch weiter verfolgen, sie scheinen über Reutlingen hin nach
Freiburg zu führen, von wo aus eine Reihe von Anregungen schon früher,
nämlich bei Anlaß des Erweiterungsbaues der Seitenschiffe von St. Sebald
und vor allem beim Bau der um die Wende des 13. Jahrhunderts begonnenen
basilikalen Lorenzkirche, über deren Meister wir bisher gar nichts
wissen, bezogen wurden.


          3. Der Umbau der Türme. 1345, 1481-1484, 1489, 1490.

Bereits zum Jahre 1345 berichten uns die Chroniken von baulichen
Veränderungen, die damals an beiden Türmen (Abb. 28) vorgenommen worden
seien. »Item anno domini 1300 und 45 jar«, so berichtet ein Chronist,
»da pauet man den oberen [d. h. nördlichen] turen zu sant Sebolt, da kam
zu dem dach 100 und 4 zentner und 79 lb zins und 37 zentner pleis«[43]
und ferner heißt es: »Auch ist damals der ander turn gegen der Pegnitz
[also der südliche Turm] verändert und dem andern gleich gemacht und zu
dessen bedachung kommen 104 centner zinn und 87 centner blei«.[44]

[Illustration: Abb. 27 und 27a und b. Baldachin am Ostchor.]

Aus diesen chronikalischen Nachrichten geht zweifelsohne hervor, daß
1345 mindestens eine neue Eindeckung der Turmdächer stattgefunden
hat. Ob und inwieweit aber die oberen Stockwerke eine Abänderung oder
Erhöhung schon 1345 erfuhren, ist mit Sicherheit aus diesen Notizen
nicht zu entnehmen, und auch der Baubefund gibt dafür keinerlei
Anhaltspunkte. Wohl wissen wir vom südlichen Turm, daß darin eine
Wächterstube eingerichtet war[45], und ebenso vom nördlichen, daß in
ihm von alters her die Glocken hingen, denn noch ist deutlich durch
den Steinschnitt des Quaderbaues eine ehemals vorhandene breite Öffnung
nachzuweisen, die nur, mit zwei freistehenden Säulen, eine dreiteilige
Arkatur gebildet haben kann. Und irgendwelche weitergehende Schlüsse
läßt auch die offenbar ungenaue Ausdrucksweise der Quellen -- man kann
doch nicht eigentlich von dem »Bau« des oberen Turmes sprechen, wenn
ein solcher fünf Stockwerke hoch bereits bestand -- nicht zu. Auch aus
der Erwähnung nur eines Turmes in urkundlichen Nachrichten vor 1345[46]
möchten wir nicht ohne weiteres folgern, daß einer der beiden Türme den
andern das Stadtbild wesentlich mitbestimmend überragt habe, wenn man
auch die Möglichkeit umfangreicherer Umbauten im Jahre 1345, wie gesagt,
bestehen lassen muß. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht auch hier
meist für ungenaue Ausdrucksweise.

Von dem Abschluß und der Bedachung der Türme der romanischen Kirche bis
zum Jahre 1345 wissen wir demnach so gut wie nichts. Dagegen besitzen
wir über das Aussehen der Helme, die eben im Jahre 1345 aufgesetzt
worden waren, wenigstens ein leidlich zuverlässiges, allerdings nicht
ganz zu deutendes Zeugnis in der Mitteilung des Nürnberger Patriziers
Lazarus Holzschuher aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, in welcher
er die alten Turmdächer der Sebalduskirche, wie sie noch vor 30
Jahren bestanden hätten, mit Zinn weiß gedeckt sein läßt und sie
ihrer Form nach mit »Pfifferlingen« vergleicht.[47] Wahrscheinlich
wollte Holzschuher mit letzterer Bezeichnung nur sagen, daß die alten
Turmhauben pilzförmig gewesen seien. An die eigentliche botanische
Bedeutung des Pfifferlings als des Eierschwammes (cantharellus cibarius)
wird er dabei schwerlich gedacht haben.

Daß nun aber diese möglicherweise schon etwas erhöhten Türme durch die
gewaltige Masse des hohen Ostchores, seitdem dieser 1379 vollendet
worden war, in ihrer bisher das ganze Kirchengebäude beherrschenden
Erscheinung stark beeinträchtigt wurden, ist wohl ohne weiteres klar.
Das Mißverhältnis mußte um so mehr in die Augen fallen, als die
Schwesterkirche von St. Lorenz mit ihren bereits in der ersten Hälfte
des 14. Jahrhunderts vollendeten, in der Anlage nahe verwandten, 80 m
hohen Türmen unwillkürlich zum Vergleich herausforderte.[V]

  [V] Dr. Hoffmann glaubte aus dem Wortlaute der Quellen und dem Befunde
      am Mauerwerk der Türme den Umfang der an den Türmen im Jahre
      1345 vorgenommenen Bauarbeiten genauer bestimmen zu können und
      insbesondere schon für jene Zeit eine erstmalige Erhöhung des
      nördlichen Turmes um zwei Stockwerke annehmen zu müssen. Die
      Überarbeiter seines Manuskriptes vermochten den zur Stütze dieser
      Ansicht beigebrachten Gründen eine genügende Beweiskraft nicht
      zuzuerkennen.

Allein bis zum Jahre 1481 hören wir hinsichtlich der Türme von St.
Sebald lediglich zum Jahre 1361 von einer Neudeckung mit Zinn[48] und
von Ausbesserungen an der Bedachung, die 1447 nötig wurden.[49]

An eine weitere Erhöhung der Türme wagte man sich erst im letzten
Drittel des 15. Jahrhunderts.

Wir geben im nachstehenden zunächst die ausführlichen und gut in die
Geschichte des Turmbaues einführenden Nachrichten Baaders (Beiträge 1,
S. 54 ff.) im Wortlaute wieder:

»Diese (Türme) waren ursprünglich ziemlich nieder, der Rat beschloß
daher im Jahre 1481 die Erhöhung und den Umbau derselben. Die beiden
Kirchenmeister Hans Haller und sein Nachfolger Sebald Schreier,
unter welchem dieser Bau zu Ende geführt wurde, hatten die nächste
Veranlassung dazu gegeben. Weil es aber an Mitteln fehlte, entlehnten
sie für die Kirche mit Bewilligung des Rates 11,853 Pfund 4 Schilling
und 4 Haller aus der Losungsstube (Finanzkammer); die übrigen Kosten
sollten durch milde Beiträge gedeckt werden, die in der Tat auch
reichlich flossen und von allen Ständen in Geld, Geschmeide, Gewand und
unter gar verschiedenen Formen geleistet wurden.

»Nachdem die Stadtwerkmeister und andere Bauverständige die Türme
besichtigt, ihr Gutachten abgegeben und für ihre Mühe Wein, Käse und
Brod erhalten hatten, begann man sogleich mit dem Abbrechen des gegen
die Stadtwage zu gelegenen Turmes [des südlichen Turmes], dessen Stumpf
einstweilen mit Schindeln gedeckt wurde.[50] Hierauf schrieb man dem
Meister Heinrich Kugler, dem Steinmetzen von Nördlingen, daß er kommen
solle, um mit ihm wegen Führung des Baues zu unterhandeln. Am 2.
Dezember 1481 versammelten sich im Hause des Kirchenmeisters Hans Haller
die Herren Ruprecht Haller, Pfleger der Kirche, Niklas Groß der ältere,
Hans Tucher der ältere und Hans Volckamer, der Stadtbaumeister. Auch
Meister Heinrich war erschienen; man kam mit ihm überein, daß er den Bau
führe, wie ihm von den Herren fürgegeben werde, und daß er mit dem Lohne
sich begnüge, den sie ihm zuerkennen werden. Der Kontrakt wurde an
demselben Tage noch abgeschlossen und dem Meister Heinrich 4 fl. Leikauf
gegeben, wovon er die Hälfte seinem Weibe geben soll.

[Illustration: Abb. 28. Westansicht.]

»Die Herstellung der nötigen Gerüste und alles Zimmer- und Dachwerkes
wurde dem Meister Eucharius, dem Stadtzimmermann, übertragen, der zu
diesem Zwecke vom Rat eigens beurlaubt wurde. Im Januar 1482 schickte
man ihn nach Ulm, um den Zug zu besichtigen und kennen zu lernen, den
man am Bau Unser Lieben Frauenkirche dortselbst in Anwendung brachte.
Den Meister Hanns Pinz, Zimmermann zu Ulm, der wahrscheinlich der
Erfinder des Zuges war, nahm Meister Eucharius mit sich nach Nürnberg,
um auch hier den Zug zu dem Bau der Türme anzugeben und einzurichten.
Während der nächsten Jahre herrschte bei diesem Zuge lebhafte Tätigkeit;
dirigiert wurde er von mehreren Zimmergesellen.

»=Turm der Stadtwage gegenüber.= Am 11. März 1482 fing Meister Heinrich
Kugler mit dem Zuhauen und Herrichten der Steine an.[51] Er beschäftigte
20 Steinmetzgesellen und darüber, deren jeder einen Taglohn von
18-20 [Pfennig] und am Ende der Woche ein Badegeld erhielt.[52] Die
Lehrgesellen erhielten des Tages nur 18 [Pfennig]. Der Wochenlohn des
Meisters Heinrich betrug 5 Pfund alt. Am Freitag nach Kiliani (12. Juli)
fing man an zu mauern; an diesem Tage wurden die ersten zwei Steine
auf den Turm gelegt. Die große Anzahl der Arbeiter und der rege Eifer,
der bei dem ganzen Baue herrschte, machten es möglich, daß man schon
am 23. Oktober 1482 den letzten Stein legen konnte und Ende dieses
Monates das Steinwerk des Turmes in der Hauptsache vollendet war. Der
Steinmetzgeselle Hans von Langheim zeichnete sich bei dieser Arbeit
besonders aus; dafür erhielt er aber auch ein besonderes Trinkgeld.

»Während die Steinmetzen an dem Steinwerk des Turmes arbeiteten,
beschäftigte sich Meister Eucharius mit seinen Zimmerleuten an der
Herstellung des Zimmerwerkes und Daches. Am 26. Mai 1483 stellten
sie die ersten Sparren zu der Dachung und Spitze des Turmes auf. Die
Sparren waren 70 Stadtschuh hoch; die Höhe der Stange oder des Spießes
oberhalb der Sparren betrug 20 Stadtschuhe; von dem Ende der Sparren
bis an den Knopf waren 9 Stadtschuhe und 6 Zoll und von dem Knopf bis
an die Fahne 5 Stadtschuhe und 4-1/2 Zoll. Die Zimmergesellen erhielten
20-24 [Pfennig] Taglohn und, wenn sie recht gefährliche Arbeit in der
Höhe verrichteten, noch 4 [Pfennig] Zulage. Am 10. Juni 1483 wurde dem
Turm der Knopf aufgesetzt. Dieser war 2 Stadtschuh und 2-1/2 Zoll hoch
und 8 Stadtschuh und 8 Zoll weit. Verfertigt wurde er durch Niklas
Gnotzhamer und vergoldet durch den Goldschmied Erhard Hupfauf, der 80
Dukaten oder (3 Dukaten zu 4 Goldgulden gerechnet) 106 fl. 5 Pfund und
18 [Pfennig] neu oder 896 Pfund alt dazu verwendete. Ich vermute aber,
diese Summe sei für die Vergoldung beider Turmknöpfe und nicht bloß des
einen verwendet worden. Am 7. Juli wurde die Fahne aufgesteckt; sie war
von Kupferblech, 2 Stadtschuh und 11 Zoll hoch und 3 Stadtschuh und 11
Zoll breit und wog mit dem Eisenwerk 39 Pfund. Gemalt hatte sie der
Meister Ulrich Pildschnitzer, Maler; für das Malen derselben und für
das Anstreichen des Eisenwerkes und der Fenster bei der Schlagglocke
erhielt er 40 Pfund Pfennig alt. Dann ging es an die Herstellung der
Türmerstube, und da kamen die Kleibergesellen, die den Boden, den
kupfernen Ofen und die Fenster mit Lehm verkleibten und verstrichen,
und die Tünchergesellen, die da tünchten und Estrich schlugen; deren
jeder erhielt 24 [Pfennig] Taglohn und am Ende der Woche ein Badgeld.
Die Türmerstube erhielt 8 neue Rahmen. Das Paar kostete 1 Pfund 15
[Pfennig]. In den Rahmen waren 433 neue und 70 alte Fensterscheiben;
hierfür erhielt der Glaser 28 Pfund alt. Der Turm war sohin fertig bis
auf das Decken.

»=Der Turm St. Moritzen-Kapellen gegenüber= (=nördlicher Turm=). Nachdem
der der Stadtwage gegenüber gelegene Kirchturm im Steinwerk fertig
war, kamen am 10. November 1482 Sebald Schreier, Kirchenmeister,
Niklas Groß, Hans Tucher und Hans Volckamer in Ruprecht Hallers, des
Kirchenpflegers, Haus abermals zusammen, um mit Meister Heinrich Kugler
auch wegen Erbauung des anderen Turmes Moritzen-Kapellen gegenüber zu
unterhandeln. Die Bedingungen waren dieselben wie beim ersten Turm;
sie wurden von Meister Heinrich auch ebenso angenommen. Bei dieser
Gelegenheit wurde auch eine Irrung zwischen Meister Heinrich und seinem
Parlierer Ulrich Speidel beigelegt und ausgesprochen, daß Meister
Heinrich Gewalt haben solle, die Steinmetzgesellen aufzunehmen und zu
entlassen, und auch sogar dem Parlierer selbst den Abschied zu geben,
letzteres jedoch nur mit Wissen eines Rates. Der Parlierer erhielt den
Taglohn eines Gesellen, aber alle Quatember noch eine Liebung von 16
Pfund alt. Speidel erkrankte übrigens am Montag nach St. Margareta; am
Pfintztag (Donnerstag) danach war er schon eine Leiche. Er starb an der
Pest, die damals regierte. An seiner Stelle nahm Meister Heinrich den
Hans Karter als Parlierer auf.

»Am 7. April 1483 wurde mit dem Abbrechen des Turmes begonnen; neun
Wochen später, am 16. Juni, konnte man schon den ersten Stein auf das
alte Gemäuer setzen. Nach drei Monaten, am 24. September, war das
Mauerwerk hergestellt. Mit dem Aufstellen des unterdessen hergerichteten
Zimmerwerks begann man am 3. November 1483. Am 5. Dezember wurde sodann
der Knopf und danach auch die Fahne aufgesteckt. Die Stiegen, Portale,
Geländer und Gänge an beiden Türmen wurden während der nächsten drei
Jahre gemacht.

»=Das Decken beider Türme.= Um sie dauerhaft und gut decken zu lassen,
ließ man den Meister Stephan Kaschendorfer von Dresden kommen, damit
er dem Meister Christoph Lilgenweiß Unterricht im Decken erteile.
Nachdem dies geschehen und Meister Stephan für seine Mühe reichlich
belohnt worden, übertrug man am 27. April 1483 das Decken des Turmes der
Wage gegenüber dem Meister Christoph Lilgenweiß, der mit dem nötigen
Zinn, womit die Türme gedeckt wurden, und mit allem Zeug von dem
Kirchenmeister versehen wurde und für das Gießen eines jeden Zentners
Zinn 1 fl. erhielt. Als der Turm im Laufe des Jahres 1483 vollständig
gedeckt war, wurde ihm am 4. März 1484 auch das Decken des mittlerweile
fertig gewordenen Turmes St. Moritzen-Kapellen gegenüber übertragen.
Vor Ablauf des Jahres war auch dieser gedeckt. Man verwendete entweder
Eberstorfer, Löwensteiner oder Seifenzinn; von den beiden ersteren
kostete der Zentner 8 fl., von letzterem 10 fl. Auch englisches Zinn
wurde verwendet. Aber die Arbeit war schlecht geraten und der Guß der
Zinntafeln und Tonnen ungleich; sie zersprangen allenthalben und ließen
den Regen eindringen. Man schrieb die Schuld teils dem Meister Stephan
Kaschendorfer, der über das Gießen und Decken nicht gehörig Aufschluß
gegeben, insbesondere aber dem Meister Christoph Lilgenweiß zu, der
mit Unfleiß, Verwahrlosung und Untreue umgegangen, indem er Zinn beim
Decken abgetragen und entwendet und dieses Material mit Blei vermischt
und geringert und so den Eid verletzt habe, den er bei der Übernahme
der Arbeit geschworen. Der Wert des Zinnes, das er bei dem ersten Turm
abhändig gemacht, betrug 142 fl., bei dem zweiten über 278 fl. Er wurde
deshalb im Jahre 1485 ins Lochgefängnis gelegt und mit ernstlicher Frag
(Tortur) angegriffen. Er bekannte aber nur 56 fl. Als Fürbitten von
Bamberg und anderen Orten bei dem Rat für ihn einkamen und sein Vater,
der Lilgenweiß von Bamberg, und seine Hausfrau Anna die Zahlung obiger
56 fl. verbürgten, ließ man ihn los, weil man damals noch keine Kenntnis
hatte von dem großen Schaden, den er der Kirche zugefügt und der erst
später sichtbar wurde. Als er aber vernahm, daß die Türme wieder ab-
und von neuem gedeckt werden sollen, ergriff er die Flucht, weil er die
Entdeckung seiner großen Untreue befürchtete.

»Am 15. Juli 1489 wurde beschlossen, die Türme durch Meister Ulrich
Hübner, Büchsenmeister von Bamberg, neu decken zu lassen. Zuerst deckte
er den Turm der Wage gegenüber. Das nötige Zinn und was er sonst nötig
hatte, das Werkzeug ausgenommen, erhielt er von dem Kirchenmeister
Sebald Schreier, der ihn für das Gießen eines jeden Zentners und für
das Decken 2 Pfund neuer Haller bezahlte. Die Kosten für das Decken
dieses Turmes betrugen 1406 Pfund und 4 Schilling Haller neuer Währung
oder (den Gulden zu 2 Pfund 1 Schilling 8 Haller neu oder 8 Pfund 10
[Pfennig] alt gerechnet) 674 fl. rhein., 19 Schilling 6 Haller in Gold.
An Zinn und Blei wurden 4907 Pfund verwendet.

»Da die Arbeit des Meisters Ulrich befriedigte, übertrug man ihm im
Jahre 1490 auch das Decken des anderen Turmes, bei welchem sich die
Kosten nur auf 310 Pfund 18 Schilling 8 h. oder 149 fl. 5 Schilling in
Gold beliefen.«

Soweit Baaders Nachrichten, welche aus den Baurechnungen gezogen sind.
Demnach war der 1481 oder richtiger im Frühjahr 1482 begonnene Neubau
einschließlich Bedachung -- abgesehen von der Neudeckung 1489 und 1490
-- im Herbst 1484 vollendet. Kleinere Arbeiten, wie Einrichtung der
Holztreppen, Fertigstellung der Türen, Geländer und Gänge an beiden
Türmen, nahmen noch die Jahre bis 1486, nach anderen bis 1485 in
Anspruch.[53] 1496 sollen die »beiden zierlich durchbrochenen Gänge,
welche man aber 1577 wieder neu bauen mußte, gemacht« worden sein[54],
wofür ein urkundlicher Beleg jedoch nicht bekannt ist. Möglich, daß
durch den 1494 erfolgten Aufzug der Viertelstundenglocke die Galerie
beschädigt oder, um den Aufzug zu bewerkstelligen, absichtlich teilweise
beseitigt wurde, was 1496 eine umfassende Reparatur erfordert hätte.[55]
Jedenfalls hätte es sich dann nur um den südlichen Turm, in dessen
oberem Helmdurchbruch die Glocke aufgehängt wurde, handeln können.

Die Erhöhung der Türme bezog sich hauptsächlich auf den Aufbau neuer
Glockenstuben mit weiten Schallfenstern, die ohne Verjüngung beiderseits
auf die unteren Stockwerke aufgesetzt wurden. Die an jeder Seite der
Türme angebrachten doppelten Schallfenster werden je durch ein weites
und hohes Blendfenster mit drei senkrechten Stäben zusammengefaßt. Die
Spitzbögen der eigentlichen Schallfenster füllt einfaches Maßwerk,
Leibungen und Stäbe der Blende sind in schlichter Weise profiliert. Die
Wände sind vollständig glatt behandelt, es fehlen also auch die Lisenen,
welche am nördlichen Turm bis an das Gesims des sechsten Stockwerkes
hinaufreichen. Unter dem oberen Abschluß dieses Stockwerkes zieht
sich, ohne Abwechslung der Motive, ein Bogenfries hin, dessen Spitzen
Knospenornamente zieren.

Darüber erhebt sich, durch eine aus zwei Hohlkehlen bestehende
Profilierung wenig über die Mauerflucht hervorragend, eine Kranzgalerie
(Abb. 29), in Herzblattmuster durchbrochen gearbeitet. Das siebente,
ebenfalls quadratische aber engere Stockwerk über der Plattform, ist
wiederum glatt behandelt und hat jeweils in der Westseite eine Türe,
durch welche man auf den schmalen Gang gelangt, und außerdem auf jeder
Seite zwei kleine viereckige Fenster. Der obere Teil dieses siebenten
Stockwerkes wurde im südlichen Turm als Wächterwohnung eingerichtet. Ein
Fries, ähnlich dem des sechsten Stockwerkes, schließt das Mauerwerk ab.
Die schlanken Turmhelme setzen viereckig an und gehen durch Teilung der
Kanten und Brechung derselben in ein gleichmäßiges Achteck über; der
südliche Helm ist zweimal durchbrochen, zur Aufnahme der Stundenglocke
unten und der Viertelstundenglocke oben. Knopf und Fahne bekrönen das
Ganze.

Einen Anspruch auf künstlerische Bedeutung können die Türme auch in
ihren neuen Bauteilen nicht erheben. Gerade in den beiden Türmen mit
ihrer einfachen, schlichten Behandlung kommt eben eigentlich so recht
die Einfachheit und zugleich auch Nüchternheit der Nürnberger Gegend zum
Ausdruck. Hier unterscheidet sich die Kirche St. Sebald nur wenig von
den Bauten der Nachbarorte, denn weder das nördliche Bayern, noch das
angrenzende östliche Franken hat Kirchtürme aufzuweisen, welche sich
besonderer Schönheit erfreuen. Am nächsten verwandt mit den Türmen von
St. Sebald ist der Turm der Stadtpfarrkirche in Schwabach.

[Illustration: Abb. 29. Oberer Teil des nördlichen Turms.]

Der Baumeister der neuen Turmteile war Heinrich Kugler von Nördlingen.
Dort hatte er 1480 das Amt eines Kirchenbaumeisters bei St. Georg
übernommen und in der Zeit bis 1494, wo er wegen Krankheit seine Stelle
niederlegen mußte, in der Hauptsache den oberen Teil des mächtigen
Turmes und die Pfeiler im Chore gebaut; die kriegerischen Verwicklungen
der Reichsstadt mit Herzog Georg von Niederbayern-Landshut und
insbesondere die Beurlaubung nach Nürnberg zum Ausbau der Türme von
St. Sebald[56] hinderten ihn, am Bau von St. Georg in dieser Zeit mehr
auszuführen. Übrigens käme für einen kunstkritischen Vergleich doch
eigentlich nur der obere Teil des Nördlinger Turmes in Betracht; allein
aus dem kleinen von Kugler ausgeführten Stück, dem achteckigen Teil über
der zweiten Galerie, lassen sich keine Schlüsse auf die Türme von St.
Sebald ziehen, um so weniger, als Kugler dort genau wie bei St. Sebald
durch die Höhe der vorhandenen Türme für den Weiterbau bereits gebunden
war und außerdem die im Gutachten des früheren Baumeisters Ensinger
gegebenen Direktiven einzuhalten hatte.[57]

Endlich ist für den Bau der Türme noch ein Aufriß in sauberer
Federzeichnung von Interesse, der sich im Archiv der Oberen Pfarrkirche
zu Ingolstadt befindet. Er stellt im Maßstab 1 : 20 den oberen Teil
eines Turmes dar, der im wesentlichen mit den Glockenstuben von St.
Sebald übereinstimmt und mit Wahrscheinlichkeit als ein Werkriß
des Meisters Heinrich Kugler betrachtet werden darf. Die großen
Schallfenster mit ihrer Verblendung stimmen fast genau mit den
ausgeführten Fenstern überein, nur die Strebepfeiler an den Ecken sind
weiter geführt und endigen etwa in der Mitte des sechsten Stockwerks mit
Fialen und Kreuzblumen. Das siebente Stockwerk jedoch ist vollständig
anders geplant. Nur wenig schmäler als das sechste steht es mit diesem
durch ein kräftig profiliertes Gesims in Verbindung und hat erst zu
oberst eine Kranzgalerie, so daß der Turmhelm ohne jede Vermittlung
auf der Plattform aufsitzt, aber ebenfalls einen schmalen Gang
freilassend. Das durchbrochene Motiv der Galerie sowie der Bogenfries
unterhalb derselben, ferner Form, Größe und Anordnung der Fenster der
Türmerwohnung sind die gleichen wie am ausgeführten Bau. Wie dieser
Aufriß in das Archiv der Oberen Pfarrkirche (oder Frauenkirche) zu
Ingolstadt gelangt ist, muß vorerst noch unaufgeklärt bleiben. Da er
sich zwischen den Bauplänen des Ulrich Heydenreich, Baumeisters zu Unser
Schönen Lieben Frauen in Ingolstadt, erhalten hat, kann man vermuten,
daß Heydenreich, als er gegen Ende des Jahrhunderts die schwäbischen
Städte besuchte und ihre Kirchen und insbesondere Türme aufnahm, jenen
Riß von seinem Kollegen Heinrich Kugler geschenkt bekommen und mit nach
Ingolstadt gebracht habe.

Uns aber kann ein Vergleich des Aufrisses mit dem vollendeten Bauwerk
lehren, welche Umänderungen die ursprünglichen Bauabsichten noch während
der Ausführung erfahren haben, ein Einblick in die Tätigkeit des
Architekten, wie er uns, soweit es sich um die Zeiten des Mittelalters
handelt, nur selten möglich ist.

[Illustration: TAFEL X. Innenansicht vom Ostchor gegen das nördliche
Seitenschiff.]



                                  III.

                     Die Restaurierungen der Kirche.

           1. Die Restaurierungen der Kirche bis zur Neuzeit.


Bei einem so umfangreichen Bauwerke wie die Kirche St. Sebald wurden
natürlich im Laufe der Zeit eine Reihe von größeren und kleineren
Reparaturen, namentlich am Außenbau, erforderlich. Verschiedene
Veränderungen sind auch ein Produkt der veränderten Bedürfnisse oder des
veränderten Zeitgeschmackes.

Die erste beglaubigte Restaurierung im Innern wurde 1493 vorgenommen:
»do wart die kirchen zu sant Sebolt geweist und verneut inwendig und
wurd fertig auf sant Seboltz tag«.[58]

Nach der Stärke und Beschaffenheit der Tünche zu schließen, welche
die Wände bis zur letzten Restaurierung überzog, wurde die Ausweißung
öfter wiederholt, möglicherweise auch gelegentlich der Ende der
fünfziger und Anfang der sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts betätigten
Barockausstattung.

»Im Jahre 1515 erlaubte der Rat dem Michel Beheim, der Cramer Kapellen
in St. Sebalds Kirchen am Gewölb und an den Fenstern und Altartafeln
restaurieren zu lassen. Doch durfte er sein Wappen nirgends anbringen
und mußte er die alten Wappen stehen lassen.«[59] Gemeint ist
wahrscheinlich die Pömerkapelle zwischen der südlichen Sakristei und der
Dreikönigstüre.

1657 und in den folgenden Jahren wurde das Innere der Kirche von dem
Tünchermeister Jakob Fuchs nach dem Muster des Bamberger Domes --
Tüncher und Steinmetzen erhielten für die Reise dorthin zusammen 6
fl. -- renoviert, und zwar einschließlich der »damaligen Porkirchen«
(wahrscheinlich der Engelschor) und der beiden Sakristeien. Akkordiert
war die Summe von 900 fl. Über die Art und Weise der Renovierung,
soweit sie die Architektur betrifft, erhalten wir keinen Aufschluß,
auch führt ein Vergleich mit dem Bamberger Dom zu keinem Ergebnis, da
das Innere desselben unter König Ludwig I. von allen späteren Zutaten
»gereinigt« wurde. Nur folgende Angaben aus der erhaltenen Rechnung
sind von Interesse: im Jahre 1657 u. ff. wurde außerdem noch renoviert
(von verschiedenen Meistern) innen in der Kirche ... unter der Kanzel
gepflastert (fl. 1·40), Fledermäuse über dem Gewölbe weggeschafft,
Gemälde »oben an dem Gewölb des Chors« (6 fl.) etc.[60] Aus dem
letzteren Posten geht hervor, daß die Gewölbe des Ostchores, denn nur
dieser kann gemeint sein, mit Malereien wahrscheinlich aus der Zeit der
Erbauung ausgestattet waren. Die letzte Restaurierung hat denn auch eine
reiche Polychromie der Schlußsteine und eine Bemalung der anstoßenden
Rippen aufgedeckt.

Eine besonders umfangreiche Erneuerung erfuhr 1657 die Innenausstattung
der Kirche (Abb. 30). Sie bezog sich vor allem auf die Neuherstellung
von Altären und der Kanzel sowie der beiden Orgelemporen im Querschiff.
Außerdem wurden damals im Mittelschiff in der Höhe der Triforien und im
nördlichen Seitenschiff hölzerne Emporen angebracht. Auf Einzelheiten
dieser Erneuerung wird bei der Behandlung des Inventars zurückzukommen
sein.

Soweit die Nachrichten über die Restaurierungen im Innern.

Bei einigen von den zahlreichen Veränderungen am Außenbau wurde
durch die letzte Restaurierung der ursprüngliche Zustand, so gut es
eben möglich war, wieder hergestellt. So mußten in erster Linie die
beiden Dachwerkanbauten auf den Seitenschiffen an der Westwand des
Ostchores weichen, in welchen die Blasbälge für die beiden 1443 und
1447 errichteten Orgeln auf den Ostchoremporen untergebracht waren. Zur
Zierde des Ganzen hatten diese Anbauten nicht gereicht.

Die älteste Gestalt der gotischen Seitenschiffdächer war die, daß an
ein ziemlich flaches, bis an den unteren Rand der Hochschiffsfenster
heranreichendes Pultdach von den Wimpergen der Seitenschiffe aus
Giebeldächer anstießen. In späterer Zeit waren die Giebeldächer mitsamt
den Wimpergspitzen und der Galerie beseitigt und das Pultdach steiler
gelegt worden, so daß die reiche Dachbildung, die im Verhältnis zu der
mannigfaltigen Gliederung der Wände der Seitenschiffe stand, verloren
ging und die unteren Partien der Hochschiffsfenster zugemauert werden
mußten, was für den Innenraum des Langhauses einen beträchtlichen
Entgang an Licht bedeutete. Dieser Übelstand wurde durch die letzte
Restaurierung infolge Tiefer- oder Flacherlegung des Pultdaches und
Herausnahme der Fenstereinmauerungen behoben. Die Wimpergspitzen und die
Galerie wurden erneuert, Giebel- oder Kapellendächer gelangten jedoch
nicht zur Wiederherstellung.

Nach der Vollendung des Ostchores zählte die Kirche sechs Eingänge:
die zwei romanischen Turmportale, im Westen, je zwei an der Nord- und
an der Südseite, die Anschreibtüre und die Ehtüre, diesen entsprechend
die Schultüre und die Dreikönigstüre. Im Jahre 1480 wurde, aus welchem
Bedürfnis ist nicht bekannt, in der Südwand des Ostchores gegenüber
der Schau unter dem Behaimschen Fenster eine niedrige Türe mit flachem
Bogen und ohne Profilierung des Rahmens, nur mit Abschrägung der
Kanten, ausgebrochen. Drei Stufen führen zu derselben hinauf. Wegen des
gegenüberliegenden öffentlichen Gebäudes wurde sie Schautüre genannt.[61]

Am 20. November 1490 kam in früher Morgenstunde in der Wächterstube
des südlichen Turmes Feuer aus. Einen größeren Umfang scheint dasselbe
nicht angenommen zu haben, denn bauliche Veränderungen, die auf einen
Brandschaden zurückzuführen wären, sind am Turm nicht wahrzunehmen. Es
wird also nur ein Zimmerbrand gewesen sein.[62]

Wie bereits hinlänglich bekannt, mußte die Galerie des Ostchores 1561
wegen Baufälligkeit abgenommen werden. Am 27. Mai nahmen im Auftrag des
Rates der städtische Baumeister Joachim Tetzel und vier Handwerksmeister
eine eingehende Besichtigung des Umganges vor und erstatteten hierüber
in einem ausführlichen Gutachten Bericht (vgl. Beilage 36). Danach sei
die ganze Galerie durch die Einwirkung des Regen- und Schneewassers
gleichsam zerfressen, insbesondere das die Galerie tragende Gesims,
so daß einzelne Stücke, vor allem die ebenfalls stark beschädigten
Wasserspeier, herabzufallen drohten. Eine Ausbesserung, von der man
sich aber nicht viel versprechen könne, würde auf etwa 5000 fl. zu
stehen kommen. Man halte die Abtragung der Galerie, die Deckung des
Umganges mit Dachziegeln und die Anbringung kupferner Dachrinnen für
die geeignetsten Maßnahmen. Dem Antrag entsprechend wurde beschlossen
und gehandelt. Und so verschwanden nach nicht ganz 200jährigem Bestehen
die Galerie, die Wimperge der Fenster, soweit sie den Dachrand
überragten, die Fialen der Strebepfeiler und die vielen Wasserspeier,
welche zusammen eine prächtige Bekrönung des Chores gebildet hatten,
hinter der bei größeren Festlichkeiten, vornehmlich bei Einzügen von
Fürsten, die Stadtpfeifer und -trompeter gar feierlich herabbliesen.
Daß es sich damals nur um die Galerie des Ostchores und nicht auch um
die der Seitenschiffe handelte, ist aus einer Angabe des vorerwähnten
gutachtlichen Berichtes zu schließen, wonach die Länge der Galerie 333
Stadtschuh, also genau dem Umfang des Ostchores entsprechend, abgesehen
von der Westwand desselben, betragen hat.[63]

[Illustration: Abb. 30. Inneres der Sebalduskirche. Ausschnitt aus dem
Kupferstiche von J. A. Graff. 1694.]

In den Jahren 1571 bis 1647 wurden eine Anzahl Reparaturen am südlichen,
dem sogenannten Schlagturm vorgenommen. 1571 fand eine Besichtigung der
Kranzgalerie, die infolge Baufälligkeit das Schicksal der Ostchorgalerie
teilen sollte, statt. Einige Jahre darauf, vielleicht 1577, wurde auf
ein ausführliches fachmännisches Gutachten hin, welches zugleich ein
kurzes Projekt der Restaurierung enthielt und dem ein Plan der Galerie
beigegeben war, dieselbe erneuert, und zwar genau im ursprünglichen
Stilcharakter. Die beabsichtigte Aufsetzung von Kugeln auf den Ecken
des Geländers scheint unterblieben zu sein. Die übrigen Renovierungen
beziehen sich meist auf das ruinös gewordene Zinndach. 1591 wurde der
schlechte Zustand desselben zum ersten Mal festgestellt. 1609, 1613 und
1616 folgten weitere Besichtigungen und Ausbesserungen. Schließlich,
1647, blieb nichts anderes übrig, als eine Neubedachung vorzunehmen,
und da man mit dem Zinn so schlechte Erfahrungen gemacht hatte, wurde
Kupfer gewählt. Seitdem besteht an dem Turmpaar von St. Sebald ein für
das ganze Stadtbild charakteristisch gewordener Farbenkontrast, der
nördliche glatte Turmhelm zeigt sich in dem matten Grau des Zinnes, der
südliche durchbrochene in der grün schimmernden Patina des oxydierten
Kupfers.[64]

Samstag den 3. August 1754 schlug ein »Donnerwetter« in die Kirche
St. Sebald, und zwar ein »Feuer-« und ein »Wasserstrahl«. Der erstere
fuhr durch das Dach des Langhauses »gegen den Milchmarkt über« auf das
darunter befindliche Dach »auf den Boden, wo man in die kleine Orgel
gehet«, und zündete einen Querbalken an. Der Brand wurde sofort bemerkt
und gelöscht. Der »Wasserstrahl« ging durch das Langhaus bei den Türmen,
eine »ziembliche« Anzahl Ziegel erschlagend, auf das Dach direkt über
der Löffelholzkapelle, wo die Türmer Holz und Späne liegen hatten,
und wo er mehrere Dachsparren völlig zerschmetterte. Die entstandenen
Dachöffnungen wurden aus eigener Initiative des Almosenamtes noch am
selbigen Abend mit Ziegeln zugedeckt. Die erforderlichen Ausbesserungen
waren für den Bau selbst nicht von Belang.[65]

Wie beim südlichen Turm so mußte man auch beim nördlichen Turm die
schädlichen Folgen einer schlechten Zinnbedachung erfahren. Hier
bedurfte aber nicht allein die Bedachung, sondern der ganze Dachstuhl
des spitzigen Helmes einer Erneuerung. Für die neue Bedachung wurde
nicht wie 1647 beim anderen Turm Kupfer, sondern wieder Zinn in starker
Vermischung mit Blei gewählt. Die Restaurierung nahm die Jahre 1768 und
1769 in Anspruch und erforderte einen Kostenaufwand von über 5500 fl.
Die Einzelheiten sind aus der Beilage 38 ersichtlich.

1805 wurde die Fahnenstange auf dem südlichen Turm wiederholt
ausgebessert. Die zur Vornahme der geringfügigen Ausbesserung notwendige
Rüstung des Helmes kostete 361 fl. 20 kr.[66]

Die 1647 in Kupfer ausgeführte Neubedachung des südlichen Turmes
wurde 1807 an mehreren Stellen ausgebessert, wobei die abgenommenen
schadhaften Kupferplatten für Reparatur eines Braukessels im
Weizenbierbrauhaus Verwendung fanden.[67]

Aus dem Vorausgehenden ist ersichtlich, daß wesentliche Veränderungen am
Bau von St. Sebald, wie ihn das Mittelalter der späteren oder neueren
Zeit überliefert hat, nicht vorgenommen wurden, obwohl sich schon
früh genug die Wahl weichen Steinmaterials für ornamentale Teile oder
architektonische Zierglieder gerächt hatte. Es darf dieser Umstand
vielleicht als ein Glück bezeichnet werden. Denn spätere Umbauten im
Renaissance-, Barock- oder Rokokostil, wie sie sich so häufig in den
katholisch gebliebenen Gegenden vorfinden, würden, selbst wenn sie zu
den hervorragendsten Leistungen zu zählen wären, nur den Bau seiner
ursprünglichen künstlerischen Feinheiten und einer Reihe kostbarer
historischer Erinnerungen beraubt haben; das mittelalterliche Leben,
das noch aus allen Ecken und Winkeln der Kirche atmet und ein mächtiger
Zeuge der früheren politischen Höhe Nürnbergs ist, wäre zerstört. Der
Gegenwart war es vorbehalten, das schadhaft gewordene Bauwerk durch eine
gründliche Restaurierung in seinem alten Glanze wiederherzustellen.

Wir lassen nun eine Würdigung der 1906 beendeten Restaurierung folgen
nebst den ausführlichen Berichten der Bauleitung.


            2. Das Restaurierungswerk der Neuzeit. 1888-1906.

Die im vorausgehenden Kapitel behandelten, in der Zeit vom 16.
bis zum beginnenden 19. Jahrhundert an der Kirche vorgenommenen
Ausbesserungen, amtlich »Reparaturen« genannt, waren in der Regel
untergeordnete Instandsetzungsarbeiten an schadhaften Stellen des Baues.
Die Architektur als solche blieb unangetastet, wenn sie auch noch so
restaurierungsbedürftig erschien.

So ist die Kirche St. Sebald, zwei kleine Anbauten an der Giebelseite
des Ostchores und die Steilerlegung der Seitenschiffdächer ausgenommen,
in ihrer äußeren Erscheinung in der Gestalt der Spätzeit des 15.
Jahrhunderts fast unverändert auf uns gekommen. Dagegen war der
Erhaltungszustand des Baues der denkbar schlechteste. Bei dem weichen
Steinmaterial, das man für das ganze Mauerwerk und auch für die
feinen Zierglieder der Hoch- und Spätgotik verwendet hatte, konnte
die Zeit bald und ausgiebig mit ihrer Zerstörungsarbeit beginnen, so
daß die Kirche zuletzt, verwildert und verstümmelt, den Anblick einer
Ruine gewährte (Abb. 31). Dazu kam, daß die an dem ursprünglichen
romanischen Baukörper nach und nach vorgenommenen Umbauten jedesmal
einen empfindlichen Eingriff in den konstruktiven Organismus bedeuteten,
der Verschiebungen und Schwächungen der einzelnen Mauerteile zur Folge
haben mußte. Der Zustand des Verfalls war allmählich in ein bedenkliches
Stadium getreten. Eine durchgreifende Wiederherstellung war nicht länger
aufzuschieben.

Die Verwaltung des vereinigten protestantischen Kirchenvermögens,
die Eigentümerin des Bauwerkes, erkannte diese Notwendigkeit und
ging energisch zu Werke. Eine Menge langwieriger Vorarbeiten war zu
erledigen, so daß von dem ersten Entschluß bis zur Inangriffnahme
der Wiederherstellung eine geraume Zeit verstrich. Man war auf
das bereitwillige Entgegenkommen und die emsige Mitarbeit der
verschiedensten Faktoren angewiesen. Denn weder der Umfang und die
Zeitdauer der Restaurierung, noch die Höhe der entstehenden Kosten
konnten trotz Untersuchungen, Gutachten und Voranschlägen genau bestimmt
werden. Insofern aber sah die Kirchenverwaltung dem Zustandekommen des
Unternehmens mit Zuversicht entgegen, als sie wußte, daß hinter ihr ein
auf die Erhaltung seiner historischen Kunstschätze bedachtes Bürgertum
stand, welches dem Aufruf zur Instandsetzung des bedeutenden Baudenkmals
und der dort aufgespeicherten Schätze opferwillig Folge leistete.

[Illustration: Abb. 31. Ostchorpartie vor der Restaurierung.]

Ein eigens für die Restaurierung der Kirche gegründeter Verein machte
sich ausschließlich die Beschaffung der erforderlichen Geldmittel
zur Aufgabe. Von allen Seiten flossen Zuschüsse herbei, wenn auch in
Anbetracht der enormen Ausgaben, welche das Unternehmen verursachte,
zuweilen etwas langsam und in geringen Beträgen. Private Kreise, die
Stadtbehörde, Fürstlichkeiten, voran der Deutsche Kaiser und Bayerns
Regent, und insbesondere die alteingesessenen Patriziergeschlechter der
ehemaligen Reichsstadt hielten mit Unterstützungen nicht zurück.

Das Unternehmen der Restaurierung war vom Schicksal begünstigt.
Schon der Umstand war von unschätzbarem Vorteil, daß man sich an die
Wiederherstellung nicht früher gewagt hat, als es in der Tat geschehen
ist, obwohl der Zustand des Baues von jeher Anlaß genug gewesen wäre.
Ein Menschenalter vorher beispielsweise hätte bei den maßgebenden
Faktoren und ebenso in Künstlerkreisen nicht das gleiche Verständnis für
=alle= Stilperioden des Baues und noch weniger für =alle= Gegenstände
der Inneneinrichtung bestanden. Es wären zweifellos viele Inventarstücke
der Renaissance, des Barock und Rokoko dem damals noch vielfach
angewendeten Purifikationssystem zum Opfer gefallen.

Ein überaus glücklicher Griff wurde in der Wahl der Bauleitung getan.
Die Kirchenverwaltung bestellte als Oberleiter den Professor =Georg
von Hauberrisser= in München, der wiederum seinen Schüler Professor
=Joseph Schmitz= mit der örtlichen Leitung betraute. Beide sind Gotiker
von anerkanntem Ruf. Während der Restaurierung des Außenbaues behielt
Hauberrisser die Oberleitung bei, die Restaurierung des Innern und
des Inventars leitete Schmitz allein. Die beiden Meister huldigten
dem Grundsatz der gleichen Existenzberechtigung sämtlicher Teile des
Baues wie des Inventars, gleichviel ob künstlerische oder historische
Interessen in Frage ständen, und dem anderen Grundsatz: besser zu wenig
als zu viel restaurieren. Mit liebevoller Pietät und peinlicher Sorgfalt
wurden alle Einzelheiten behandelt, und waren Ergänzungen von größerer
Ausdehnung vorzunehmen, so boten die künstlerischen Qualitäten der
Leiter Garantie für zutreffende Form.

Ein allgemein bindendes Programm oder bestimmte, für jeden speziellen
Fall gültige Satzungen wurden nicht aufgestellt. Die Restaurierung
erfolgte in einzelnen Abschnitten und wanderte von Bauteil zu
Bauteil (Abb. 32). Während der Vollendung eines Abschnittes wurde
die Arbeit für den nächstfolgenden vorbereitet. Setzte die folgende
Wiederherstellungsarbeit eine andere Art der Behandlung voraus, so
wurden von der Bauleitung die geeigneten Maßnahmen beraten, die
beschlossenen Absichten dem Bauausschuß der Kirchenverwaltung vorgelegt
und nach den entworfenen Plänen die Ausführung in Angriff genommen.

Mit der Außenrestaurierung des Ostchores wurde der Anfang gemacht; es
folgten die Nordseite, der Westchor und das südliche Seitenschiff.
Die Türme bildeten den Schluß. Um während der Innenrestaurierung den
Gottesdienst nicht auf längere Zeit unterbrechen zu müssen, teilte
man die Kirche in zwei Hälften, welche nacheinander in Arbeit gegeben
wurden. Zugleich mit der Innenrestaurierung des Baues wurde auch die
Renovierung der Inventargegenstände betätigt.

Die äußerliche Schadhaftigkeit der spätromanischen Bauteile war bei
dem Mangel feiner dekorativer Glieder am Außenbau naturgemäß geringer
als die Schadhaftigkeit der gotischen Teile. Der Verwitterung am
meisten ausgesetzt waren hier hauptsächlich die Bogenfriese und
ornamentierten Kapitäle, welche durch getreue Kopien ersetzt wurden.
An den ausgedehnten gotischen Partien fehlten nicht nur Krabben und
Kreuzblumen, sondern auch Wimpergspitzen, Maßwerke, ja ganze Galerien
waren dem Zerstörungswerk zum Opfer gefallen. Spärlich, doch ausreichend
waren die aufgefundenen Überreste zur Ermöglichung zuverlässiger
Rekonstruktion und Ergänzung. Von besonderem Interesse sind in dieser
Beziehung die innerhalb der Mauerkrone des Ostchores aufgefundenen
Reste der früheren Galerie. Die Restaurierung des Baues wurde daher
durchgehends im Stilcharakter der einzelnen Bauteile durchgeführt.
Die wiederholte Aufnahme des alten Baustiles und die Außerachtlassung
neuzeitlicher Ausdrucksformen war ohne weiteres gerechtfertigt.

Auf leergebliebenen Konsolen des Ostchors und nördlichen Seitenschiffes
fanden zahlreiche vom Bildhauer Georg Leistner in Nürnberg gearbeitete
Statuen von Aposteln, Propheten und Kirchenvätern, dazu auch Luthers
und Melanchthons Aufstellung. Sie erfüllen wesentlich einen dekorativen
Zweck und fügen sich in ihrer gotischen Formengebung im allgemeinen gut
der reichen architektonischen Umgebung ein.

Hauptarbeiten am Außenbau waren: Auswechslung der schadhaften Steine,
Ergänzung, beziehungsweise Rekonstruktion der ruinösen oder abgefallenen
Galerien, Pfeilerendigungen und sonstigen Zierglieder, Kopierung
der verwitterten Bildwerke, Neubedachung der beiden Turmhelme und
Flacherlegung der Seitenschiffdächer. Über diese Punkte, wie über
alle Einzelheiten bei der Außen- und Innenrestaurierung, gibt der
nachfolgende ausführliche Bericht der Bauleitung genauen Aufschluß.[68]
Bezüglich der letzterwähnten Arbeit am Außenbau ist hinzuzufügen, daß
von den verschiedenen Gestaltungen, welche den Seitenschiffdächern
im Laufe der Jahrhunderte gegeben worden sind und deren jede für uns
historische Berechtigung hatte: Kapellendach, flaches Pultdach, steiles
Pultdach -- das flache Pultdach als diejenige Form gewählt wurde, welche
sich praktisch als die vorteilhafteste erwies.

Das Steinmaterial des alten Baues besteht beim romanischen Teil aus
grauem, bei den gotischen Bauteilen aus rötlichem Sandstein der
Nürnberger Umgebung von ziemlich grobem Korn. Die Beständigkeit
dieses Materials insbesondere bei Verwendung für dekorative Glieder
und figürliche Darstellungen ist eine sehr geringe, dazu kommen die
schädlichen Einwirkungen des Rußes der modernen Fabrikstadt, die den
Fortschritt der Verwitterung bei einem schon angegriffenen Stein
außerordentlich beschleunigen.

Um derartigen Übelständen für die Zukunft vorzubeugen, wurde bei
allen Ergänzungen und Kopien außer verschiedenen oberfränkischen
Hartsandsteinen meistens der sehr harte wetterbeständige und
quarzitreiche Stein aus den Wendelsteiner Brüchen bei Nürnberg verwendet.

[Illustration: Abb. 32. Westansicht, mit den Gerüstbauten.]

An der Außenarchitektur hatten die späteren Jahrhunderte keine
wesentlichen Neuerungen hinzugefügt. Anders verhielt es sich bei der
Innenarchitektur. Fast jede Epoche hatte ihre Spuren hinterlassen,
bestehend in einer oder mehrmaligen Übertünchung der Gewölbe und Wände.
Es war sofort klar, daß der künstlerische Wert dieser Ausweißungen nicht
auf der gleichen Stufe mit der vornehmen Wirkung des ursprünglichen
Zustandes stehen konnte. Untersuchungen und Proben bestätigten diese
Anschauung. Hiemit war die Grundlage für die Innenrestaurierung gegeben:
auch im Innern war dem Bauwerk sein ehemaliges, dann durch unverständige
Behandlung beeinträchtigtes Aussehen wiederzugeben. Nur wurde der Zweck
durch gerade entgegengesetzte Maßnahmen erreicht: dort hieß es aufbauen,
hier abnehmen.

Nach Entfernung des weißen Kleides der dicken Tünchkruste kamen eine,
wenn auch nicht reiche, so doch überaus geschickt verteilte Polychromie
sowohl beim romanischen Bau wie beim Ostchor und mehrere wertvolle
Wandmalereien des 14. und 15. Jahrhunderts zum Vorschein. Im Westchor
wurden zwei romanische Doppelfenster, welche einst die Turmhallen vom
Chor aus beleuchteten, freigelegt. Zu den erfreulichen Entdeckungen
kam aber zum Schluß eine höchst unangenehme Überraschung, welche die
Innenrestaurierung sehr in die Länge zog. Gelegentlich der Beseitigung
der Farbschichten an den beiden dem Ostchor zunächst stehenden Pfeilern
des Langhauses, welche zu den ehemaligen Vierungspfeilern zählten, mußte
die schlechte Beschaffenheit dieser Hauptstützen und somit ihre geringe
Haltbarkeit festgestellt werden. Bei der außerordentlichen Belastung
dieser konstruktiven Glieder war ihre Auswechslung unter Anwendung
äußerster Vorsicht mit den größten Schwierigkeiten verbunden. Als nicht
minder bedeutend ergaben sich die konstruktiven Arbeiten, welche an der
unteren Ostwand des nördlichen Turmes, in dessen Mauern ursprünglich
Treppenläufe angebracht waren, erforderlich wurden.

Mit der Aufdeckung der alten Polychromie und der Wandmalereien allein
war die Aufgabe der Innenrestaurierung noch nicht gelöst. Es handelte
sich um einen seinem Zweck nicht entfremdeten Bau, um eine noch als
Gotteshaus dienende Kirche, und daraus ergab sich, daß das Innere, d. h.
die bloßgelegten Malereien, Fenster usw. nicht nur durch Konservierung
in einen haltbaren, sondern auch in einen das Auge der Kirchenbesucher
nicht verletzenden Zustand versetzt werde.

Die erforderlichen Instandsetzungen wurden jedoch mit der äußersten
Zurückhaltung und der größten Vorsicht vorgenommen. Bei alten
Inventarstücken wurde unterschieden, ob es sich um Ersatz abgebrochener
kleiner Details oder um Hinzufügung von selbständigen Teilen, z. B. von
Türflügeln u. dgl. handelte. Im ersteren Falle wurde von Ergänzungen oft
ganz abgesehen. Waren die Defekte gar zu störend und war die Ergänzung
nach Vorbildern im Charakter des Originales einwandfrei herzustellen, so
wurde sie dementsprechend vorgenommen. Bei selbständigen neuen Teilen
aber, wie z. B. Türflügeln an Wandnischen oder vor Gemälden, Stuhlwerk,
Anlage eines Wandbrunnens, Vertäfelungen der Sakristei, wurden primitive
Formen ohne Zugehörigkeit zu einem besonderen Stile angewendet, die sich
in die Umgebung ohne Mißklang einfügten, indem sie sich dem wertvollen
historischen Bestande bescheiden unterordneten.

Die Erhaltung des gegenwärtigen Gesamtbestandes galt als Grundprinzip.
Nicht das Verhältnis eines Gegenstandes in seinem Stilcharakter zur
Wirkung der nächsten architektonischen Umgebung, auch nicht der Umstand,
ob der Gegenstand heute noch den ihm zukommenden Zweck erfüllt, war für
seine Erhaltung maßgebend, sondern einzig und allein die Tatsache seines
Vorhandenseins. Bei den scheinbar unbedeutenden Gegenständen fiel das
kirchen- und lokalgeschichtliche Interesse ins Gewicht. Eine besondere
Beachtung wurde auch dem Standort der Gegenstände zugewendet. Gerade bei
denjenigen Inventarstücken, welche ihrem ursprünglichen Zweck entfremdet
sind, ist die Beibehaltung des alten Standortes von großer Wichtigkeit.
Die historische Beziehung zur Kirche, welche meist nur aus dem Standorte
zu erkennen ist, erhebt den Gegenstand über die Bedeutung eines bloßen
Museumsobjektes.

Hervorzuheben ist, daß die Restaurierung der Statuen durch Abnahme
der starken Tünchkruste mit dem Gewinn bunter Fassung und feiner
Modellierung belohnt wurde, und daß bei vielen Werken Feststellungen
bezüglich der Enstehungszeit und Autorschaft gemacht werden konnten.
Die Ergänzungen der Bildhauerarbeiten, die Wiederherstellung der
Faßmalereien und die Renovierung der Wand- und Tafelgemälde wurden
vorgebildeten Kräften anvertraut. Nur zwei Gruppen von Inventarstücken
mußten aus finanziellen Gründen vorerst zurückgestellt werden, die
Wandteppiche und die Glasgemälde.

Den Bestand des Inventars hatte Heideloff wesentlich geschmälert.
Die Mittelschiffemporen, die Kanzel und der Hauptaltar, aus der
Barockzeit stammend, mußten seinen auf Stilreinheit gerichteten
Wiederherstellungsabsichten weichen. Kanzel und Altar wurden durch
Neuschöpfungen im Stile der Spätgotik ersetzt. Mit der Entfernung des
neuen Altars erklärte sich der Bauauschuß einverstanden; man begnügte
sich damit, anstatt des Altaraufsatzes einen der wertvollen Gobelins
hinter der Mensa anzubringen und darüber die Kreuzigungsgruppe von
Veit Stoß aufzustellen. Die reich geschnitzte Kanzel wurde belassen.
Das Fehlen der langen Mittelschiffemporen wird man nicht zu beklagen
brauchen. Denn nach Kupferstichen zu schließen, hatten sie keine
künstlerischen Vorzüge aufzuweisen und standen der von ihnen verdeckten
kunstgeschichtlich interessanten Triforiengalerie jedenfalls bedeutend
nach.

Das Restaurierungswerk im ganzen betrachtet muß eine hervorragende,
in Anbetracht der Qualität eine vorbildliche Tat genannt werden. Mit
weiser, freiwillig auferlegter Zurückhaltung, dem vornehmsten Gebot
der Denkmalpflege, hat die Bauleitung bei Lösung der gestellten
Aufgaben verfahren. Die hier in der Praxis verwirklichten Anschauungen
wird selbst der eifrigste Gegner, wenn er im konkreten Fall
Restaurierungsbedürftigkeit und vollendete Ausführung gegenüberstellt,
als richtig anerkennen müssen.

Die Anhänger der absoluten Stilreinheit sind zwar bis auf einige
Unheilbare, die erfreulicherweise auf die heutige Entwicklung der
Restaurierungsmethode ohne Einfluß sind, ausgestorben. Aber schon
machen sich ernsthafte Bestrebungen geltend, welche unter Hinweis auf
das Verhalten früherer Jahrhunderte gegenüber restaurierungsbedürftigen
Denkmälern einer Ergänzung im Stilcharakter der Gegenwart auch
bei der Außenarchitektur unter allen Umständen das Wort reden. Es
erscheint unverständlich, wie hier das Vorgehen früherer Epochen
als mustergültiges Beispiel empfohlen werden kann. So sehr auch den
Alten gedankt werden muß, daß sie bei dem geringen Verständnis für
vorausgegangene Stilperioden keine Lust verspürten, gegebenen Falls in
der ihnen fremd gewordenen Formensprache Ergänzungen vorzunehmen --
solche Fälle finden sich zwar auch in der Kunstgeschichte, jedoch nur
vereinzelt --, so wenig wird begriffen, warum nun mit einem Male all die
vielen Erfahrungen und gründlichen Kenntnisse, die man sich im Laufe des
vorigen Jahrhunderts auf dem weiten Gebiete des Restaurierungswesens
durch gründliches Studium der eigenartigen mittelalterlichen
Konstruktionsmethoden besonders in der Steinmetztechnik verschafft
hat, beiseite zu legen sind. Man sollte sich vielmehr darüber freuen,
daß solche Erfolge erzielt wurden, und durch Gründung von Schulen für
Fortpflanzung, Vermehrung und weitere Verbreitung der erworbenen
Fähigkeiten Sorge tragen. Angenommen, unsere Zeit wäre in der zweifellos
glücklichen Lage, über eigene Ausdrucksformen in der Kunst zu verfügen,
welche auf gleicher Höhe mit den historisch gewordenen früheren
Stilarten stünden: was wäre mit der Anwendung dieses Stiles z. B. bei
der Restaurierung des Ostchores erreicht worden? Es hätte zunächst
auf die mancherlei aufgefundenen Überreste, welche eine Restauration
der alten Mauerkrone leicht ermöglichten, verzichtet und, um den
ästhetisch unbedingt notwendigen Abschluß herzustellen, eine Bekrönung
oder ein Dachgesims geschaffen werden müssen, welche keineswegs in den
günstigen organischen Zusammenhang mit der Architektur des vorhandenen
Mauerwerkes zu bringen gewesen wäre wie die rekonstruierte Galerie.
Anders freilich würde die Sache liegen, wenn es sich um die Neuschöpfung
eines selbständigen Bauteiles, etwa einer Sakristei, oder um Anschaffung
eines neuen Inventarstückes, eines Altares, gehandelt hätte. Hier müßte
individuelle künstlerische Eigenart zum Ausdruck kommen.[69]

Man vergißt anscheinend auch, daß das Vorgehen früherer Zeiten bei
reparaturbedürftigen Denkmälern große Nachteile hatte. Wurden Bauten
in jeweils modernem Stil ergänzt oder umgebaut, dann ließ man nicht
immer die gebührende Rücksicht walten und entfernte oft mehr, als der
Billigkeit entsprach. Defekte Statuen vollends, auch solche in gutem
Zustande, wurden dem Zeitgeschmack gemäß abgeändert, meist verstümmelt
oder, wenn sie nicht mehr gefallen wollten, vernichtet, defekte Gemälde
wanderten im günstigsten Fall auf den Speicher, gewöhnlich wurden sie
verschleudert oder übermalt, so daß sie in dem einen wie in dem anderen
Fall unrettbar verloren waren. Gewiß keine empfehlenswerten Maßnahmen!

Die Bedeutung als nachahmenswerte Leistung gebührt dem nunmehr fertigen
Werke der Wiederherstellung der Sebalduskirche auch deswegen, weil
sich die Restaurierung nicht nur auf den Bau und die wenigen vom
protestantischen Kultus benötigten Inventargegenstände, sondern auf die
gesamte ungemein reichhaltige Ausstattung erstreckt hat. Wohl selten
wird Gelegenheit geboten, einen Bau von der Stellung der Sebalduskirche
und zugleich eine solche Fülle von Meisterwerken nach pietätvollen
Prinzipien unter berufener Leitung zu restaurieren und unter so
günstigen Umständen die Arbeit zu vollenden. Ein ganz besonderes
Verdienst gebührt hiebei dem kunstsinnigen Pfarrer von St. Sebald,
Kirchenrat Friedrich Michahelles, der die Vollendung des Werkes nicht
mehr erleben sollte. Einen wesentlichen Beitrag zu dem Werke lieferte im
übrigen die Unterstützung des Nürnberger Patriziats. Ist es ihm schon
zu danken, daß in den späteren Jahrhunderten, als der stets wechselnde
Zeitgeschmack, namentlich in den Gegenden des Protestantismus, zu
ungunsten der Kunsterzeugnisse des Mittelalters sich äußerte, in
Nürnberg soviel wie möglich von den Werken der Väter gerettet wurde,
so war es diesmal ebenfalls Lokalpatriotismus im besten Sinne des
Wortes, welcher es, ohne große Opfer zu scheuen, zustande brachte,
die prächtigen Familienstiftungen in ihrer Gesamtheit in altem Glanze
erstehen zu lassen.

Zur Erhaltung der ruinösen Originale, Statuen, Reliefs und der kleineren
Bauglieder, welche durch Kopien ersetzt werden mußten, wurde von der
Bauleitung ein kleines Museum gegründet, welches in der Westkrypta als
Lapidarium und im oberen Stockwerke der großen Sakristei Unterkunft
gefunden hat. Ein anderer Teil der Statuen ist in der Kirche selbst
untergebracht. Im oberen Stockwerke der Sakristei wurden als weitere
Sammlungsgegenstände Modelle, zeichnerische und photographische
Aufnahmen der Kirche in ihrem vorgefundenen Zustand beigefügt. Das
angehäufte und systematisch geordnete Anschauungsmaterial gestattet
einen vortrefflichen Einblick in die Tätigkeit der Bauleitung und
die von ihr angewendeten Grundsätze und Methoden.[70] Über dieses
kleine Museum der Denkmalsplage, wie man es nennen könnte, wird etwas
ausführlicher noch weiter unten zu handeln sein.

Wir lassen nunmehr die Berichte der Bauleitung über die
Wiederherstellungsarbeiten in ihrem Wortlaute folgen.


    3. Bericht der Bauleitung über die Wiederherstellung des Äußeren.
                               1888-1904.

=1888-1889.= Die seit dem Jahre 1882 im Gange befindlichen umfangreichen
Vorarbeiten zur Wiederherstellung der Sebalduskirche waren im Jahre 1888
so weit gediehen, daß die Verwaltung des Vereinigten protestantischen
Kirchenvermögens die Inangriffnahme des Werkes beschließen konnte.

Professor =von Hauberisser= in München sandte daher im Juli dieses
Jahres den Unterzeichneten nach Nürnberg, um die Leitung der baulichen
Arbeiten an Ort und Stelle zu übernehmen. Professor von Hauberisser
selbst traf alle künstlerischen und technischen Dispositionen während
periodischer Besuche in Nürnberg.

Die Kirchenverwaltung wählte aus ihrer Mitte einen =Ausschuß=, der über
alle vorzunehmenden Bauarbeiten beraten und Beschluß fassen sollte.
Es gehörten ihm unter dem Vorsitze des ersten Pfarrers von St. Sebald
Friedr. =Michahelles= folgende Herren an: Fabrikbesitzer von Forster,
Baumeister Goll, Justizrat Hilpert, Schlossermeister Leibold, Ingenieur
Rupprecht und Magistratsrat Tauber.

Für die große, auf lange Jahre hinaus projektierte Unternehmung
erwies sich die Errichtung einer =Bauhütte= als erforderlich, die als
zweistöckiges Fachwerkgebäude neben dem südlichen Turm errichtet wurde
und die Zeichenzimmer enthielt, während ein östlicher Flügelbau die
Steinmetzwerkstätte und Schmiede aufnahm.

Ursprünglich hatte die Absicht bestanden, mit der Wiederherstellung
eines Strebepfeilers am Ostchor zu beginnen. Allein die fortschreitende
Verwitterung der Pfeilerendigungen dort und die Rücksicht auf eine
größere Einheitlichkeit des Betriebes empfahlen, als ersten Bauabschnitt
die Wiederherstellung der =Chorgalerie= und ihrer Pfeilerspitzen in
Arbeit zu nehmen.

Es wurde daher zunächst in der Höhe des Hauptgesimses an den vier
ersten Jochen bei der Brauttüre ein Gerüst und auf der Nordseite der
Sakristei ein gezimmerter Treppenturm aufgestellt. Aus verschiedenen
alten Nachrichten war bekannt, daß die Galerie im Jahre 1561 wegen
Baufälligkeit abgebrochen worden war; an ihrer Stelle hatte man damals
ein schweres steinernes Karniesgesims aufgesetzt und mittelst einer
Aufschiftung das Dach darüber gezogen.

Nun wurde diese Aufschiftung und das Gesims entfernt und letzteres
zur Anlage einer Umfassungsmauer um die Bauhütte benutzt. Beim
Aufbrechen der frei liegenden Mauerkrone fanden sich erfreulicherweise
am 7. November kleine =Reste der ursprünglichen Galerie=, aus deren
Zusammenstellung sowohl die frühere Form der Maßwerkfüllungen wie des
mit Zinnen besetzten Abdeckungsgesimses erkennbar waren (Abb. 33 und
139). In der Hoffnung auf weitere Funde wurde jetzt das bisher nur
bei vier Jochen angebrachte Gerüst um den ganzen Chor geführt, und es
konnten in der Tat auch die verschiedenen Formen, welche im Maßwerk bei
den einzelnen Jochen abwechselten, genau festgestellt werden.

Nach Beendigung der nötigen Aufnahmen und Vermessungen sowie der
Herstellung der Werkzeichnungen für die neuen Bauteile wurde mit der
Steinmetzarbeit begonnen, die für den Umfang der Galerie der Firma
Göschel & Alt, von welcher Joh. Göschel durch seine Arbeiten an der
Frauenkirche und dem Germanischen Nationalmuseum schon viele Erfahrungen
gesammelt hatte, in Akkord gegeben wurde. Es zeigte sich aber, daß für
solche Arbeiten der Regiebetrieb unter Verrechnung der Selbstkosten
seitens des ausführenden Meisters und mit prozentualem Zuschlage einer
Meistergebühr geeigneter ist; daher wurde in der Folge die Akkordarbeit
wieder aufgegeben. Die Werkhütte, die Gerüste und die hauptsächlichsten
Arbeitsgeräte waren ohnehin von der Kirchenverwaltung gestellt worden.
Auch die =Werksteine= wurden von der Bauleitung direkt bezogen. Da der
Stein aus der näheren Umgebung wegen seiner geringen Wetterbeständigkeit
und der Schwierigkeit, guten Kernfelsen zu erhalten, nicht in Frage
kommen konnte, wurde auf Grund einer von Professor Hauberrisser
und einigen Sachverständigen der Kirchenverwaltung ausgeführten
Inspektionsreise ein gelblicher Sandstein von Bayreuth (Buntsandstein
der Triasperiode) und ein rötlicher aus der Kulmbacher Gegend verwendet.

[Illustration: Abb. 33. Die aufgefundenen Reste der ehemaligen Galerie
am Ostchor.]

Hauptgewicht wurde darauf gelegt, daß der Stein rauhes Korn habe, damit
er in der zu erwartenden Patina sich den alten Steinen einfüge und nicht
wie dies z. B. beim Mainsandstein (siehe Frauenkirche) der Fall ist,
durch Beibehaltung seiner Naturfarbe einen zu großen Gegensatz zu seiner
Umgebung bilde.

Für die der Verwitterung sehr ausgesetzten Werkstücke, z. B. die
Maßwerke der Galerie, fand der harte und wetterbeständige =Quarzit= aus
Wendelstein Verwendung.

Mit der Herstellung der Modelle zu den ornamentalen Skulpturen, die in
einer der Bauhütte angefügten Modellkammer zur Ausführung kamen, wurde
der Bildhauer und Lehrer an der Kunstgewerbeschule G. Leistner betraut.

Die Untersuchung der oberen Chormauer führte auch zu einer unliebsamen
Entdeckung.

Aus den Balken, welche, auf der Mauerkrone aufliegend, den Dachstuhl
tragen, waren zu irgend einer Zeit in der Mitte größere Stücke
herausgeschnitten worden, so daß der gewaltige Dachstuhl durch den
radialen Schub die Mauern hinausgedrückt hatte. Schon zeigten sich bei
den Gewölben klaffende Risse. Es war daher notwendig, die Balken wieder
zu ergänzen und mit ihnen bei jedem Joch eiserne Verschlauderungen in
Verbindung zu bringen.

Auch den großen Westgiebel entlang wurden die auf beiden Seiten
ausgewichenen Strebepfeiler durch eine starke Verschlauderung wieder
verbunden.

In der Werkhütte nahmen die Steinmetzarbeiten Winter und Sommer über
einen guten Fortgang, so daß am 14. Oktober 1889 der =erste Stein= zur
Galerie bei der Ecke über dem Brauttor versetzt werden konnte. Die
übrigen Versetzarbeiten wurden bis zum Ende des Jahres fortgesetzt.

=1890.= Die Versetzarbeiten an der =Chorgalerie= wurden durch die
Witterungsverhältnisse so begünstigt, daß selbst den Winter hindurch
keine Unterbrechung stattfand.

Im Februar konnten schon an den ersten Jochen die neuhergestellten
Arbeiten von den Gerüsten befreit werden. Der fahrbare Aufzugskran wurde
jeweilig zu den neuen Arbeitstellen weiter geschoben.

Die Rinnenanlage hinter der Galerie war in solidester Weise unter
Verwendung von starkem Kupfer herzustellen und wurde zum Schutze
mit Holzrosten belegt. Auch die Wasserspeier erhielten eine
Kupferausfütterung.

Entsprechend den äußeren Arbeiten mußte auch der Betrieb in der Hütte
gefördert werden. Dazu erwies sich eine Erweiterung der Bauhütte als
erforderlich, die als ein seitlicher Anbau an der Ostseite der Bauhütte
zur Ausführung kam, so daß etwa 46 Steinmetzen untergebracht werden
konnten.

Da unter den bezogenen Werksteinen viele vorhandener Stiche und gröberer
Toneinsprengungen wegen ausgeschossen werden mußten, wurden verschiedene
Versuche mit neuen Bezugsquellen aus der Gegend von Aschaffenburg und
von Lahr in Baden, und zwar mit wechselndem Erfolg gemacht. Am besten
bewährte sich immer der Wendelsteiner Quarzit, dessen Bearbeitung jedoch
wegen seiner Härte große Kosten verursachte.

Im Juni war die Chorgalerie schon zur Hälfte fertiggestellt.
Professor Hauberrisser war wiederholt zur Besprechung aller baulichen
Dispositionen anwesend; auch fanden zu gleichem Zwecke verschiedene
Sitzungen des Bauausschusses statt. Im November besichtigte
Kultusminister von Müller die Bauarbeiten. Am 4. Dezember konnte in
feierlicher Weise die Aufsetzung des letzten Steines der Galerie beim
westlichen Pfeiler an der Südseite stattfinden. Stadtpfarrer Lotholz
legte als Vorstand der Kirchenverwaltung bei dieser Gelegenheit
eine Urkunde über dem nunmehr vollendeten ersten Bauabschnitt der
Wiederherstellung in den Schlußstein ein.

Die Bauleitung, welche mit ihren zeichnerischen und
Projektierungsarbeiten naturgemäß den Ausführungsarbeiten stets voraus
sein mußte, hatte unterdessen die Aufnahmen der Strebepfeiler am Ostchor
hergestellt und für diese Abwechslungsarbeiten die erforderlichen
Vorarbeiten eingeleitet.

Zimmermeister Steger, der die Gerüstarbeiten bisher ausgeführt hatte,
war in diesem Jahre gestorben. An seiner Stelle wurde Zimmermeister F.
Birkmann mit den weiteren Zimmerarbeiten beauftragt.

=1891.= Bezüglich der Wiederherstellung der =Strebepfeiler am Ostchor=
war ursprünglich geplant, nur einzelne schadhafte Stellen durch
Einsetzen von mehr oder weniger großen »Vierungen« auszubessern. Es
stellte sich jedoch bei näherer Untersuchung eine so starke Verwitterung
aller Profilierungen und Skulpturen heraus, daß bei jedem Pfeiler
ungefähr fünfzig Werkstücke ganz neu ersetzt werden mußten (Abb. 34),
wobei jedesmal 2-1/2-3 m hohe Teile des Pfeilers bis in die eigentliche
Umfassungsmauer hinein auszubrechen waren.

[Illustration: Abb. 34. Ostchorpartie nach der Restaurierung.]

Da hierdurch der Strebepfeiler, der die Gewölbe stützen sollte, jeden
Halt verloren haben würde, so war die Anbringung einer eisernen
Stützkonstruktion erforderlich, zu welcher Direktor Rieppel einen
Entwurf herstellte. Derselbe gedachte zuerst mit einer 10 m hohen
eisernen Stütze vom Straßenniveau aus den oberen Pfeiler abzufangen,
hielt aber dann den Gedanken Professor Hauberrissers fest, den oberen
Pfeiler auf den unteren mittels einer Eisenkonstruktion abzustützen,
welche jedesmal nur die Höhe des erforderlichen Ausbruches hatte.

Die Hütte hatte schon im Anfang des Jahres mit der Bearbeitung der
Werkstücke zu den Pfeilern, und zwar zunächst der großen Kreuzblumen und
Riesen begonnen.

Im Oktober waren alle Vorbereitungen so weit gediehen, daß auf der
Nordseite die Abstützung zum ersten Male aufgestellt werden und die
Auswechslung vor sich gehen konnte. Im Inneren sollte ein Zeiger, der
sich mittels Hebelübersetzung einer Millimeterteilung entlang bewegte,
jede kleinste Veränderung des Mauerwerkes anzeigen.

Mit Steinmetzmeister Göschel war schon im Jahre 1890 ein Vertrag über
die Wiederherstellung eines Pfeilers abgeschlossen, welcher im April auf
vier weitere und im Oktober auf sämtliche Pfeiler ausgedehnt wurde.

Die vielen Abweichungen in den architektonischen Formen sowohl wie
in den Maßverhältnissen der Strebepfeiler wurden bei der Erneuerung
sorfältig festgehalten, wobei auf charakteristische Wiedergabe der
Profilierungen wie der Ornamentation großer Wert gelegt wurde.

Professor Hauberrisser lud den Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg
im April zu einer Besichtigung der Arbeiten in der Bauhütte ein, und im
August stattete die in Nürnberg tagende Hauptversammlung der deutschen
Architekten der Sebalduskirche einen Besuch ab.

[Illustration: Abb. 35. Neuer Verkündigungsengel am Ostchor.]

=1892.= Die Wiederherstellungsarbeiten an den =Ostchorpfeilern= wurden
in diesem Jahre in der Weise fortgeführt, daß zu gleicher Zeit an den
Pfeilern selbst die fertigen Werkstücke unter jedesmaliger Verwendung
der Stützkonstruktion versetzt und in der Hütte für die weiteren Pfeiler
die neuen Werksteine bearbeitet wurden.

Daneben wurden auch die vielen außerordentlich reich durchgebildeten
=Baldachine=, von welchen jeder Pfeiler sieben Stück aufweist, und die
nachträglich leicht versetzt werden konnten, in Arbeit genommen. Als
Steinmaterial kam hiezu der in Obernkirchen bei Bückeburg gebrochene
harte und wetterbeständige, dabei ziemlich feinkörnige Sandstein zur
Verwendung.

An =Statuen= fanden sich unter den Baldachinen im ganzen nur vier vor.
Nämlich auf der Vorderseite zwei Propheten, die stark verwittert waren
und nach erfolgter Ergänzung kopiert wurden, sowie im Osten =Maria=
und =Sebaldus= an einem Joche, welches ursprünglich durch eine vor dem
Fenster angebrachte plastische Darstellung ausgezeichnet gewesen zu
sein scheint. Diese beiden Statuen, welche in Anbetracht ihres guten
Erhaltungszustandes unverändert blieben, zeigen =farbigen Hintergrund=
mit aufgemalten Engelfiguren. Für die unter den übrigen Baldachinen
fehlenden Statuen fertigte Stadtpfarrer Michahelles ein Verzeichnis an,
nach welchem in der unteren Reihe die Hauptpersonen des Alten und in der
oberen Reihe die des Neuen Testamentes zur Darstellung kommen sollten.
Als im November der Kultusminister die Kirche wieder besuchte, waren
auf der Nordseite die Auswechslungsarbeiten an sechs Pfeilern bereits
vorgenommen, jedoch fehlten noch die neuen Baldachine, die sehr viele
Arbeit erforderten.

Da eine Reihe von Familien und Privatpersonen die Stiftung je eines
Pfeilers übernahm, so wurde an jedem Pfeiler eine diesbezügliche
Inschrift oder ein Wappen angebracht, während die wertvollsten =alten
Steinreste= in der Westkrypta zu einem =Lapidarium= vereinigt wurden
(Abb. 139).

Beim Abbruch eines der großen Baldachine auf der Nordostseite fand sich
eingeklemmt in der zwischen Baldachin und Wand befindlichen Spalte ein
kleines Erzgußwappen mit Steinmetzzeichen (Abb. 26). Allem Anscheine
nach ist das Wappen durch Zufall in diese Vertiefung hineingefallen,
nachdem es zuvor an der 1561 abgebrochenen Galerie befestigt war. Bei
dem dargestellten Steinmetzzeichen kann es sich nur um den =Meister des
Ostchores= handeln.

=1893.= Auch das Jahr 1893 wurde durch die umfangreichen Arbeiten an
den Ostchorstrebepfeilern ausgefüllt, ohne daß sie ganz beendigt werden
konnten. Doch ging alles in bester Weise ohne Störung und Unfall von
statten.

Zu den =Statuen= an den Pfeilern fertigte, nachdem Stadtpfarrer
Michahelles sein Verzeichnis auf eine Anregung des Vereins für
Geschichte der Stadt Nürnberg einer Änderung unterzogen hatte, Bildhauer
Leistner die Modelle. Die Ausführung geschah in der Hütte in Kelheimer
und Offenstettener Kalkstein (Abb. 35).

[Illustration: Abb. 36 Konsole mit Ritter an einem nördlichen Pfeiler
des Ostchors.]

[Illustration: Abb. 37. Konsole mit Ritterfräulein an einem nördlichen
Pfeiler des Ostchors.]

Am Ende des Jahres waren bis auf die aus dem nördlichen Sakristeidach
herausragenden Pfeiler die Hauptauswechslungsarbeiten an den
Ostchorstrebepfeilern fertiggestellt. Nur fehlten noch die meisten
Baldachine.

Die Bauleitung hatte sich unterdessen schon seit einiger Zeit mit
den Aufnahmen und Plänen für die Wiederherstellung des =nördlichen
Seitenschiffes= beschäftigt (Abb. 38, 39). Die Untersuchungen ergaben
über die frühere Gestalt interessante Aufschlüsse.[17] Das Seitenschiff
war nämlich ursprünglich mit einer durchbrochenen =Galerie= bekrönt und
mit =Kapellendächern= versehen, d. h. hinter den die einzelnen Joche
abschließenden Giebeln waren Satteldächer angebracht, die an ein das
ganze Seitenschiff überdeckendes Pultdach anstießen. Es wurden sowohl
die Form dieser Dächer wie auch ihre eigenartigen =Entwässerungsanlagen=
nach Entfernung der Backsteinmauerungen aufgefunden. Leider waren diese
Abwässerungen, besonders dem Schnee gegenüber, nicht praktisch. Die
Dächer wurden nach den vorhandenen Spuren bald, wahrscheinlich im 16.
Jahrhundert, abgetragen, und an ihre Stelle trat ein einziges großes
=Pultdach=, das jedoch die Fenster des Mittelschiffes zu drei Vierteln
verdeckte und den inneren Raum stark verdunkelte.

Zu jener Zeit werden wohl auch die Galerie- und Giebelspitzen
ähnlich wie beim Ostchor wegen der auf das mangelhafte Material
zurückzuführenden Baufälligkeit abgetragen worden sein.

Über die Form der Galerie gaben nur mehr Kalkspuren an der östlichen
und westlichen Abbruchstelle Auskunft. Aber ein Hauptgesimsstück,
das den Anstoß an das Wimperggesims zeigte, war neben dem Brauttor
glücklicherweise erhalten geblieben und bildete für die Neuherstellung
wertvolle Anhaltspunkte.

Unterhalb des abgetragenen Daches fanden sich auch bei den beiden
mittleren Mittelschiffpfeilern die Ansätze von ehemaligen romanischen
Strebebögen, die vom Seitenschiff aus das Mittelschiff stützten.

Außerdem beschäftigte die Bauleitung die Anfertigung der Pläne für die
Wiederherstellung des großen =Giebels= und der =Galerie= am Ostchor.

In einer im Dezember stattgehabten Sitzung des Bauausschusses legte
Professor Hauberrisser die Vorschläge für Wiederherstellung der Galerie
des nördlichen Seitenschiffes und Flachlegung des Daches sowie für die
Arbeiten am Westgiebel vor. Eine im März stattgehabte Untersuchung der
=Türme= hatte auch die Baufälligkeit der dortigen Galerie und große
andere Schäden des Mauerwerks wie der Dachstühle dargetan.

=1894.= Während des Winters 1893 auf 1894 und selbst das ganze Frühjahr
hindurch bis in den Sommer hinein war die Hütte mit der Herstellung
der vielen reichen =Baldachine= und =Konsolen= (Abb. 27, 36, 37) am
Ostchor beschäftigt. Sobald die sieben Baldachine je eines Pfeilers
fertiggestellt und versetzt waren, konnten die Gerüste entfernt werden,
und so fiel von Norden nach Süden nach und nach die Hülle von Gerüsten,
die den Ostchor vier Jahre hindurch verdeckt hatte. Ende Juli wurden
die Baldachine und Figuren am letzten Strebepfeiler bei der Schautüre
versetzt. Auch wurden die Abfallrohre bei jedem Pfeiler in Kupfer neu
hergestellt.

In den Monaten April und Mai wurden die zwei aus der nördlichen
Sakristei herausragenden Strebepfeiler ausgewechselt. Hierbei wurden
auch die Giebelabdeckungen erneuert und das Dach, welches die Mauern
bisher überdeckt hatte, tiefer gelegt, so daß die an den alten
Abdeckungen schon vorhandenen inneren Gesimsprofile nun sichtbar sind.
Auch die Rinne und das Abfallrohr wurden in Kupfer neu hergestellt.

[Illustration: Abb. 38. Nördliches Seitenschiff vor der Restaurierung.]

Die weitere Arbeit der Hütte bestand zunächst in der teilweisen
Neuherstellung und Ausbesserung der Wandflächen unterhalb des
Kaffgesimses bis zum Sockel des Ostchores, die durch die früher
eingebauten Kramläden erheblich gelitten hatten.

Hiermit fanden die Arbeiten am Ostchor, da die Restaurierung der
=Portale= auf späterhin verschoben wurde, ihren vorläufigen Abschluß,
und die Hütte begann mit der Anfertigung der Werkstücke für die
Wiederherstellung des =Westgiebels=, und zwar zunächst des nördlichen
Teiles desselben.

Diese Arbeit füllte den Sommer und Herbst aus; es gelang, die
Neuherstellung der =Galerie= (an Stelle der früher vorhandenen
Ziegelbedachung) sowie des =Eingangstürmchens= und die übrigen
Ausbesserungen dortselbst bis auf das Verfugen noch vor Winter zu Ende
zu führen.

Nunmehr nahm die Hütte die Werkstücke für die Galerie sowie die Giebel
und Pfeilerendigungen des nördlichen Seitenschiffes in Arbeit als
Aufgabe für den Winter 1894/95.

[Illustration: Abb. 39. Nordansicht.]

Der =Fachwerkaufbau= für den Sängerchor am nördlichen Seitenschiff war
anfangs des Jahres abgebrochen worden.

Die Bauleitung war während des ganzen Jahres mit den Vorbereitungen für
die vorbeschriebenen Arbeiten der Hütte beschäftigt.

Außerdem wurden, nachdem im August am =nördlichen Turm= in der Höhe
der Glockenstube feste Gerüste aufgeschlagen waren, die nun zugänglich
gewordenen Teile des Turmes, deren große Schadhaftigkeit früher schon
festgestellt worden war, vermessen und zeichnerisch dargestellt.

Mit Steinmetzmeister Göschel war ein neuer Vertrag für die weiteren
Wiederherstellungsarbeiten im März abgeschlossen worden. Das
Steinmaterial wurde seit dem Frühjahr ausschließlich aus den Brüchen von
Wendelstein bezogen.

Im August beschloß der Bauausschuß, sowohl die Lattung wie die
Ziegeldeckung des großen =Ostchordaches= auszubessern und eine Anzahl
neuer Dachfenster anzubringen. Im Innern des Dachbodens wurden auf
allen Balkenlagen bequeme Laufgänge hergerichtet und der Boden selbst
oberhalb der Gewölbe mit einer neuen Bretterung versehen. Die beiden
=Dachendigungen= waren bei dieser Gelegenheit genau nach den vorhandenen
Resten zum Teil erneuert worden.

Am =Schreyerschen Grabmale= (Abb. 69) wurden im Herbst zwei neue
Baldachine an Stelle der alten verwitterten eingesetzt; auch die
Holzdecke dieses Vorbaues und das Kupferdach wurden neu hergestellt.
Im April nahm der Kultusminister von den Arbeiten Einsicht. Um
einen Überblick über die Art der Wiederherstellung in späterer
Zeit zu ermöglichen, richtete die Bauleitung im Laufe des Jahres
in dem unbenutzten Raume oberhalb der nördlichen Sakristei (der
alten Schatzkammer) eine =Sammlung von Modellen, Zeichnungen und
Photographien= ein, welche eine Ergänzung der bereits im Lapidarium
bestehenden Sammlung bildet.

=1895.= Nachdem die Hütte im Winter 1894/1895 einen großen Teil der
für den Ausbau des =nördlichen Seitenschiffes= nötigen Werkstücke
hergestellt hatte, konnte im Frühjahr mit dem Versetzen, und zwar bei
der =Galerie= zunächst dem Brauttor, begonnen werden (Abb. 39).

Von Joch zu Joch wurden Galerie und Pfeiler neu aufgestellt und jedesmal
dahinter der neue Dachstuhl aufgerichtet. Bei dem letzteren war eine
etwas umständliche Konstruktion erforderlich, weil trotz des nunmehr
viel niedrigeren Daches unterhalb desselben der =Durchgang= vom Turm zur
Sängerbühne erhalten werden mußte.

Mit dem =Niedrigerlegen= des Daches wurden endlich die romanischen
=Fenster= des Mittelschiffes wieder frei, wodurch das letztere volles
Licht erhielt und die schöne romanische Architektur im Innern zur
Geltung gelangte.

Ein kleiner Aufenthalt ergab sich im Juli bei der Anschreibtür, weil
die dort erforderliche besonders eingreifende Abbrucharbeit der beiden
Portalpfeiler große Vorsicht bezüglich des Gewölbeschubes erheischte. Es
wurde aller Gefahr durch eine vom Straßenboden aus aufgestellte eiserne
Stützkonstruktion vorgebeugt.

Über die ehemalige Form der Galerie dieses Portales hatten
glücklicherweise ein erhaltenes Gesimsstück und der Maßwerkanschluß
Aufklärung gegeben.

Bis zum Eintritt des Winters wurden von den fünf Jochen vier
fertiggestellt. Zugleich mit den Arbeiten an der Galerie waren auch
die =Maßwerke der Fenster= (Abb. 21) einer gründlichen Ausbesserung zu
unterziehen. Die Gerüste konnten nun bis zur halben Fensterhöhe fallen.

Der Deckung des Daches wurde besondere Sorgfalt zugewendet. Die so
charakteristische =Ziegeldeckung= sollte beibehalten werden, aber bei
der flachen Neigung erwies sich noch ein besonderer Schutz gegen
eindringendes Wasser notwendig. Daher wurde das Dach zuerst mit
verbleitem Eisenblech und hierauf erst mit Ziegeln gedeckt. Die Rinne
wurde ähnlich wie am Ostchor gestaltet und aus Kupfer hergestellt.

Die Anfertigung der am nördlichen Seitenschiff zu erneuernden =Statuen=,
welche nach den alten verwitterten und ergänzten Vorbildern genau
kopiert wurden, übertrug der Bauausschuß zum Teil dem Bildhauer
Leistner, zum Teil dem Steinmetzmeister Göschel. Der Kultusminister
besuchte die Kirche im Januar.

Am 18. Mai erhielt sie den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern und am
30. Juli der beiden ältesten Söhne des Deutschen Kaisers.

Unterdessen hatte sich die Bauleitung mit den Plänen befaßt, welche
zur Umgestaltung, beziehungsweise zum Aufbau des =Treppentürmchens=
am nördlichen Turm erforderlich waren. Daneben wurde die =südliche
Sakristei= in ihrem äußeren Mauerwerk restauriert, der Kamin derselben
verändert und das Dach niedriger gelegt.

In den Bauausschußsitzungen war wiederholt die Frage der Beheizung der
Kirche, zunächst allerdings ohne Ergebnis, besprochen worden.

Als die Versetzarbeiten des Frostes wegen eingestellt werden mußten,
war die Hütte in die Winterarbeit -- Wiederherstellung des letzten
Joches des nördlichen Seitenschiffes, der Wimpergkränze, der beiden
Pfeiler dortselbst und der Baldachine und Konsolen des Seitenschiffes
-- eingetreten. Auch für den nördlichen Turm wurden schon eine Anzahl
Steine bearbeitet. Für das nächste Jahr wurden außer der Beendigung des
nördlichen Seitenschiffes die Arbeiten am =nördlichen Turm= (Abb. 28)
und am =südlichen Westgiebel= in Aussicht genommen.

=1896.= Da in diesem Jahre in Nürnberg die zweite bayerische
=Landesausstellung= stattfand, wurden die Arbeiten am westlichen Joch
sowie die Auswechslung von zwei Mittelteilen der Strebepfeiler zwischen
Brauttor und Anschreibtür und schließlich die Wiederherstellung der
Galerie über der letzteren so beschleunigt, daß beim Besuche des
Prinzregenten =Luitpold= am 13. Mai das nördliche Seitenschiff bis
auf den Magistratschor und das Treppentürmchen am nördlichen Turm von
Gerüsten ganz befreit war.

Nun wurde zunächst das Treppentürmchen ausgebessert und um ein
Stockwerk erhöht zur Ermöglichung eines Austrittes in die Dachrinne
des Seitenschiffes. An Stelle der alten Backsteinpyramide trat ein
steinerner Dachhelm mit Kreuzblume (Abb. 39).

Zugleich wurde im nördlichen Turm der Zugang zum Seitenschiff durch
Anlage neuer Treppen und Fußböden verbessert und der Gang zur
Sängerbühne durch eine Rabitzwand gegen den Dachraum abgeschlossen. Die
Triforien erhielten neue Zugangstreppen.

Unterdessen hatte sich herausgestellt, da die Gerüste am Treppentürmchen
eine genaue Untersuchung ermöglicht hatten, daß der =Turm= zu beiden
Seiten seiner nordwestlichen Strebepfeiler 4-6 m lange und bis zu 5 cm
breite =Risse= aufwies. Hier befanden sich zwei vermauerte, mit
Rundbögen überdeckte ehemalige =Öffnungen=, welche in nordwestlicher
Richtung einen Schub ausübten. Die den letzteren verursachende Belastung
mag vergrößert worden sein durch die Erhöhung des Turmes in der
gotischen Zeit, durch Glockengeläute und Winddruck. Obschon die offenbar
schon alten Risse keine augenblickliche Gefahr mit sich brachten, war
dringend nötig, weiteren Bewegungen Einhalt zu tun.

Es wurde daher eine doppelte =eiserne Verschlauderung= hergestellt, die
das ausgewichene Turmeck umfaßte und im Innern die östliche und südliche
Turmwand als Rückhalt benutzte.

Unterdessen war der sehr ruinöse =Magistratschor= (Abb. 40, 41) bis auf
den Grund abgetragen worden und wurde ganz neu wieder hergestellt mit
neuen Fenstermaßwerken -- die alten fehlten vollständig -- und einer
nach gegebenen Anhaltspunkten erneuerten =Galerie=.

Das Dach hinter der letzteren wurde mit Kupfer gedeckt.

Die Hauptarbeit der Hütte für den Herbst und Winter bildeten die Friese,
Gesimse und Maßwerke der =nördlichen Turmgalerie= (Abb. 29).

Diese Werkstücke waren meist sehr umfangreich, so daß die durch die
Kündigung des Lagerplatzes an der Moritzkapelle hervorgerufene Beengung
des Werkplatzes sehr unangenehm empfunden wurde.

Die =Gerüste= des Turmes waren wiederholt geprüft und zu größerer
Sicherheit möglichst bequem eingerichtet, auch mit Sprachrohr und
elektrischer Glocke versehen worden.

Gegen Ende November wurde mit der Abnahme der alten Galeriemaßwerke
begonnen. Diese sowie die Reste des Magistratschores wurden der Stadt
überlassen und fanden an der Stadtmauer beim Walchtor Aufstellung. Die
meisten =Statuen= am nördlichen Seitenschiff und Brauttor sowie die
überlebensgroße =Thomaschristusstatue= an der nördlichen Sakristei
waren im Laufe des Jahres erneuert worden. Die Anbringung neuer Statuen
=Luthers= und =Melanchthons= an der Anschreibtüre wurde beschlossen,
ihre Herstellung jedoch auf das nächste Jahr verschoben. Auch sollten
die =Epitaphien= und sonstigen =Reliefs= an der Kirchenwand teils
ausgebessert, teils erneuert werden. Beim Eintritt des Winters waren die
Hütte mit Herstellung der noch fehlenden Werkstücke für die Turmgalerie
und die Modelleure mit Ergänzung der Reliefs beschäftigt.

Durch eine neue Kanalisation der Abfallrohre zum Hauptkanal auf der
Nordseite wurde eine Verbesserung des Wasserablaufes hergestellt.

=1897.= Im Frühjahr konnte mit dem Versetzen an der nördlichen
Turmgalerie begonnen werden. Ein Hindernis erwuchs durch eine vorhandene
starke Verschlauderung der alten Gesimsstücke, welche während der
Bauarbeiten in Funktion erhalten werden mußte, anderseits aber die
Auswechselungsarbeiten sehr erschwerte. Es gelang durch eine besondere
Art des Zusammengreifens der neuen Werkstücke die Schwierigkeit zu
überwinden.

Ende Mai konnte schon mit Herstellung der breiten Kupferrinne begonnen
werden. Dann wurden die durchbrochenen Brüstungen versetzt und die
oberen Blattkonsolen der Bogenfriese teilweise erneuert. Im Juli begann
die Abrüstung.

Zugleich mit dem Abrüsten fand eine umfangreiche Auswechselung von
Werkstücken auf den vier Seiten des Turmes von der Galerie abwärts
statt, so daß abgesehen vom Dachhelm der Turm Ende November frei von
Gerüsten war. Die Restauration des Portals wurde, wie die der Portale
überhaupt, auf später verschoben.

Die Bauhütte hatte schon seit dem Frühjahr Werkstücke zum Ausbau der
Südseite des =Querschiffsgiebels= in Arbeit genommen.

Es handelte sich hier um Neuherstellung der Giebelabdeckung, eines
Fensters, der Maßwerkgalerie und der Endigung des romanischen
Strebepfeilers. Im Juli konnte mit dem Versetzen begonnen werden; im
November war der ganze südliche Westgiebel wieder abgerüstet.

Zur Instandsetzung des mit Zinn gedeckten =Dachhelmes des nördlichen
Turmes= wurde bereits im Sommer ein leichtes Gerüst gebaut, da ohne
Gerüst über den Umfang der Ausbesserung kein Urteil gewonnen werden
konnte. Der Zustand erwies sich als so mangelhaft, daß der Bauausschuß
beschloß, die Deckung ganz zu erneuern. Zugleich sprach er sich aus
historischen Gründen für Beibehaltung von =Zinn= als Deckungsmaterial
aus. Dieser Beschluß wurde jedoch nochmals schwankend, als sich
herausstellte, daß eine große Anzahl von Löchern im Zinn auf eine
eigentümliche Art von Korrosion zurückzuführen war, die nach Ansicht
von Sachverständigen durch den Einfluß großer Kälte entsteht und sich
wie eine Infektion auf andere Zinnteile überträgt.

Die Entscheidung der Materialfrage wurde daher bis zum nächsten
Frühjahre verschoben.

Im Oktober wurden die =Glocken= im nördlichen Turme, deren Geläute
während der dortigen Bauarbeiten unterblieb, untersucht und ebenso wie
die Glockenstühle ausgebessert.

Um beim Gerüstabbruch am nördlichen Turm das Holzwerk zur
Wiederverwendung am südlichen Turm leicht transportieren zu können und
für den Arbeitsbetrieb eine bequemere Verbindung zu erhalten, wurden im
Sommer beide Türme durch eine hölzerne Brücke verbunden.

Über die Anlage einer Heizung der Kirche wurde im Bauausschuß im Laufe
des Jahres wiederholt, jedoch ohne Erfolg beraten. Eine weitere Frage
bildete die Restaurierung der wertvollen =Glasmalereien=. Vorderhand
waren jedoch keine Mittel da, um dieser Aufgabe näher zu treten.
Unterdessen hatte die Bauleitung alle Vorarbeiten gefertigt, damit
die Hütte während des Winters die Werkstücke zur Restaurierung des
=südlichen Seitenschiffes= herstellen konnte.

Am südlichen Turm und am Löffelholzchor wurden Gerüste aufgeschlagen
(Abb. 32).

=1898.= Bei den Wiederherstellungsarbeiten am südlichen Seitenschiff
handelte es sich zunächst um die Tieferlegung des Daches und die
Instandsetzung der halbvermauerten Mittelschiffenster, ferner um die
Neuherstellung der nur als Reste vorhandenen Strebepfeilerendungen,
um Ersatz des unförmlichen den Blasbalg der Orgel enthaltenden
Fachwerkaufbaues durch einen kleinen steinernen Aufbau sowie um einen
neuen Steinhelm auf dem Treppentürmchen am Südturm, schließlich um
Restaurierung der Fenstermaßwerke und des Portales.

Der größte Teil dieser Arbeiten konnte im Laufe des Jahres vollendet
werden. Im Frühjahre wurden die Mittelschiffenster ausgebrochen, im Juli
mit dem Aufschlagen des neuen Dachstuhles beim Orgelaufbau begonnen.

Eine Verzögerung trat jedoch ein, als sich herausstellte, daß in
früherer Zeit der Querschiffgiebel der Orgel wegen durch Ausbrüche so
geschwächt worden war, daß mehrere handbreite Risse entstanden waren.
Auch war der Steinverband in bedrohlicher Weise gelockert.

Die dem Absturz nahen Werksteine wurden durch eine Zementbacksteinwand
unterfangen und der ganze Giebel durch zwei miteinander verbundene
horizontale Schlaudern, die vom Mittelschiff bis zur Außenwand
reichten, zusammengehalten. Im August wurde der Blasbalg in dem
neuerrichteten Dachaufbau wieder hergestellt. Auch das Versetzen der
neuen Pfeilerendigungen, Fialen und Riesen war vor Eintritt des Winters
beendet.

In einer Ecke des Südturmes innerhalb des Mauerwerkes fand sich eine
mit Schutt angefüllte =Treppe=, die vom Turm in die Gewölbezwickel des
Mittelschiffes führte.

Zur Neuherstellung der =Dachdeckung= am =nördlichen Turm= hatte der
Bauausschuß sich unterdessen für die Verwendung von reinem Zinn
ausgesprochen. Bei der im Mai begonnenen Abdeckung des alten Zinns
zeigte sich, daß mehrere Hölzer des Dachstuhles angefault waren und
ausgewechselt werden mußten.

Im Juni konnte die neue Holzverschalung aufgebracht werden. Die
Neudeckung des Helmes, welche Flaschnermeister =Orelli= ausführte, war
bis zum Herbst vollendet.

Auch die Wetterfahne hat derselbe nach dem Muster der alten, die
verrostet war, neu hergestellt.

[Illustration: Abb. 40. Pfinzingkapelle vor der Restaurierung.]

[Illustration: Abb. 41. Pfinzingkapelle nach der Restaurierung.]

Das alte Zinn wurde um den Preis von 3700 Mk. verkauft.

Die =nördliche Sakristei= bot, feucht, halbfinster und vielfach
vergittert, einen sehr unangenehmen Aufenthalt. Es wurden daher im März
und April die Fenster verbreitert, die Gitter teilweise entfernt und der
Fußboden ausgehoben und betoniert.

Die Modellkammer war mit der Herstellung von ornamentalen Modellen auch
in diesem Jahre beschäftigt. Daneben wurden in derselben die Statuen der
Jungfrauen vom Brauttor, welche sich bei dieser Gelegenheit als ehemals
=polychromiert= erwiesen, instand gesetzt und eine derselben an Stelle
eines vorhandenen alten Gipsabgusses neu gefertigt.

Dem Bildhauer Leistner wurden die Statuen =Luthers= und =Melanchthons=,
welche das Portal am nördlichen Seitenschiff zieren sollten, in Auftrag
gegeben.

Die Rüstung des Südturmes wurde bis zur Galerie beendet, so daß die
Bauleitung noch vor Jahresschluß mit den Aufnahmen dortselbst beginnen
konnte.

Schließlich sei noch erwähnt, daß innerhalb des Nordturmes größtenteils
neue hölzerne Treppenläufe und unterhalb der Glocken eine Holzabdachung
hergestellt wurde. Im südlichen Seitenschiff erhielten die Triforien
ähnlich wie auf der Nordseite Verbindungstreppen zum Dachraum.

Beim Eintritt des Winters war die Werkhütte, deren Bestand infolge der
mangelnden Mittel verringert worden war, mit den Werksteinen für den
Helm des südlichen =Treppenturmes= beschäftigt.

=1899.= Die vorhandene kleine Anzahl von Steinmetzen fertigte den
Winter über neben den für das =südliche Seitenschiff= noch fehlenden
Werkstücken die Werksteine zur Restaurierung des =Brauttores= (Taf. IV).

[Illustration: Abb. 42. Erneuerte Madonnenstatue am Brautportal.]

Bei letzterem handelte es sich nicht nur um Auswechselung der
beiderseitigen Postamentprofilierungen unter den Jungfrauenstatuen,
sondern auch um Neuherstellung fast aller Baldachine. Auch das
durchbrochene zierliche Maßwerk mußte in seinem Hauptteile erneuert
werden.

Die Statuen =Maria= (Abb. 42) und =Sebaldus= waren schon früher in
Kalkstein erneuert worden und standen zum Versetzen bereit.

Bei der in Verbindung mit der Restaurierung stattfindenden Reinigung
stellte sich heraus, daß der größte Teil des Portales ursprünglich
=polychromiert= war.

Außer an den Jungfrauenstatuen sind die Spuren hauptsächlich an der
Christusfigur und an den Wappen noch sichtbar.

Das steinerne Dach wurde mit Kupferplatten überdeckt, und Ende Juli
wurde nach Entfernung der Gerüste das restaurierte Portal dem Verkehr
wieder übergeben.

Die noch ausstehenden Auswechselungsarbeiten am =südlichen
Seitenschiff=, an den Mittelteilen der Pfeiler, den Fensterbögen und den
Fenstermaßwerken sowie dem Portale nahmen die Arbeit einiger Steinmetzen
bis in den Herbst in Anspruch.

Bei der Reinigung des südlichen Seitenschiffportales fand sich auch hier
eine gut erkennbare, ehemals gewiß glänzende =Polychromie= vor. Selbst
die Säulen waren mit einem bewegten Linienornament geschmückt.

Das Portal erhielt ein neues Kupferdach. Auch die kupfernen Dachrinnen
und der Kehlanschluß am Südturme wurden vervollständigt, so daß im
Herbst das südliche Seitenschiff bis auf die Erneuerung des westlichen
modernen Fenstermaßwerkes und der Kaff- und Sockelgesimse fertiggestellt
war.

Im März konnten schon nach den bis dahin fertiggestellten Zeichnungen
die Steine für die =Galerie des Südturmes= bestellt werden; allein die
Lieferung aus den in einen neuen Besitz übergegangenen Wendelsteiner
Brüchen ging nur sehr langsam von statten. Die Zahl der Steinmetzen war
im Juli auf 25 Mann erhöht worden. Ihre Arbeit bildeten die 78 großen
Werkstücke der 3 Gesimsschichten an der südlichen Turmgalerie, die bis
zum Ende des Jahres nahezu vollendet wurden.

Im Juli wurde das im Nordturm unterhalb der Glocken hergestellte
Holzdach mit Zinn verkleidet. Auf Veranlassung und mit den Mitteln
des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg wurde im November durch
die Bauhütte im Ostchor eine =Nachgrabung= nach den =Fundamenten= der
östlichen Hälfte der alten romanischen Kirchenanlage vorgenommen.

Vor der Türe der südlichen Sakristei gezogene Gräben legten bald die
Grundmauer der südlichen =Querschiffapsis= bloß. Bei der Aufgrabung
zwischen Sebaldusgrab und Hochaltar fanden sich Grundmauern der
=Hauptapsis=, welche die Reste einer Mensa enthielt und den
kleeblattförmigen Abschluß einer zweischiffigen =Krypta= bildete.

Um bei der durch Zeit und Mittel beschränkten Aufgrabung ein möglichst
vollkommenes Ergebnis zu erzielen, wurden die Gräben auf die Südseite
beschränkt, hier aber um so gründlicher hergestellt. Auf diese Weise
konnte die ganze Längsmauer der sich bis zu den Vierungspfeilern
hinziehenden Krypta aufgedeckt werden, wobei auch die aus den Schiffen
hinabführenden =Treppen= sichtbar wurden. Von den Ergebnissen dieser
Aufdeckungen wurden durch die Bauleitung Vermessungen, =Aufzeichnungen=
und ein plastisches Modell hergestellt, welch letzteres in der
Modellsammlung der Kirche seinen Platz fand (Taf. II u. III, Abb. 1).

Die aufgedeckten Mauerteile waren vor dem Zuschütten auf Einladung des
Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg von einer großen Zahl von
Sachverständigen und Interessenten besichtigt worden.

Gegen Ende des Jahres begann die Hütte mit der Herstellung der
durchbrochenen Brüstungsstücke der Galerie für den =Südturm=.

=1900.= Im Frühjahr 1900 konnte mit dem Versetzen der Gesimsstücke und
der Galerie am südlichen Turm begonnen werden. Die Arbeit ließ sich
nur auswechslungsweise vornehmen, wobei die in der Mauer liegenden
vier Schlaudern, die übrigens unter sich nicht verbunden waren, eine
Erschwerung bildeten. Am Turmaufbau oberhalb der Galerie mußten auf
allen vier Seiten eine große Anzahl von Werkstücken, Bogenfriese,
Gesimsstücke, Fenstergewände und auch glatte Quadern wegen der
vorhandenen großen Verwitterung erneuert werden.

Beim kupfernen =Dachhelm=, dessen Blechtafeln von sehr ungleicher Stärke
waren, fand sich der Verband gelockert, das Blech durchlöchert und sehr
beschädigt vor, so daß eine gründliche Reparatur unter Verwendung einer
größeren Anzahl neuer Platten erforderlich wurde; auch der Blitzableiter
und die Wetterfahne kamen zur Ausbesserung.

Am =südlichen Seitenschiff= wurde in das westliche große Fenster ein
neues Maßwerk eingesetzt. Das alte war erst in der Mitte des 19.
Jahrhunderts in Verbindung mit dem Abbruch der damals im Innern der
Kirche befindlichen =Mesnerwohnung= zur Ausführung gelangt, aber in den
unverstandenen Formen der damaligen Zeit. Außerdem wurden in der zweiten
Jahreshälfte nach den unterdessen ausgearbeiteten Plänen die für die
Erneuerung des =Dreikönigschores= erforderlichen Werkstücke in Arbeit
genommen und im Laufe des Jahres zum größten Teil fertig gestellt.

Die Instandsetzung des Kaffgesimses und der Sockelpartien am südlichen
Seitenschiff mußte jedoch, weil diese Wände mit Schuppen, Werksteinen
und Gerüsthölzern verstellt waren, auf spätere Zeit verschoben werden.

Nachforschungen nach einem ehemaligen inneren =Eingang= zur
=Westchorkrypta= hatten keinen Erfolg.

=1901.= Die nächste Aufgabe des Jahres bestand in der Weiterführung der
Arbeiten am =südlichen Turm=.

Es stellten sich -- wie so oft -- die Schäden an den Fenstern der
Glockenstube als viel schlimmer heraus, als bisher angenommen war. Die
freistehenden =Mittelpfeiler der Fensteröffnungen= zeigten sich auf
der Nord- und Westseite vollständig zerrissen, so daß ein Herausnehmen
derselben und ein Ersatz durch neue Pfeiler unabweislich war. Die
Wegnahme einer solchen Stütze in einer Höhe von 40 m über der Erde und
bei den in einem vielhundertjährigen Mauerwerk nicht mit absoluter
Sicherheit festzustellenden Druck- und Schubverhältnissen erforderte
natürlich große Vorsicht.

Nach eingehenden Beratungen auch im Bauausschuß wurde beschlossen,
vor der Herausnahme der Pfeiler die Fensteröffnungen provisorisch zu
vermauern.

Mit Hilfe dieses zwar nicht billigen, jedoch in Hinsicht auf den
Zweck verhältnismäßig einfachen und dabei sicheren Mittels ging die
=Auswechslung= ohne Störung vonstatten, so daß Mitte Juli der letzte
Stein der provisorischen Ausmauerung wieder entfernt werden konnte. Das
nordöstliche =Turmeck=, welches in der Kämpferhöhe des Mittelschiffes
durch die schon früher aufgefundene Treppe in seinem Querschnitt
bedenklich reduziert war, hatte vor diesen Arbeiten an der Glockenstube
durch Ausmauerung die nötige Verstärkung erfahren.

Danach handelte es sich um die Wiederherstellung des oberen Teiles der
beiden =Strebepfeiler= auf der Südseite des Turmes.

Bei dem westlichen dieser Pfeiler befand sich unter einem tief in die
Mauer einbindenden und den oberen Teil des Pfeilers tragenden Baldachine
ein überlebensgroßer =Kruzifixus=, der ebenso wie die Skulpturen an den
Wimpergen der Pfeiler fast bis zur Unkenntlichkeit verwittert war. Der
Kruzifixus wurde daher schon Anfang März heruntergenommen und in der
Hütte erneuert.

Da der Baldachinstein aber unmöglich ohne Gefahr für den oberen Pfeiler
in seiner ganzen Größe herausgebrochen werden konnte, so mußte er
in einzelnen Stücken zum Teil in schwalbenschwanzförmigem Verbande
ausgewechselt werden.

Auch der östliche Pfeiler erwies sich als so schlecht, daß er auf eine
Höhe von 11 m vollständig abzubrechen und zu erneuern war, was besondere
Rücksicht auf guten Verband mit dem Turmmauerwerk erforderte.

Im Oktober waren diese Arbeiten am Turme beendet, so daß die Gerüste,
die auf mehreren durch die Fenster der Glockenstube laufenden Balken
aufruhten, entfernt werden konnten.

Jetzt wurde auch das bisher eingestellte Geläute wieder in Tätigkeit
gesetzt und die feststehende Feuerglocke, die als solche nicht mehr
benutzt wurde, wieder läutbar gemacht.

Unterhalb der Glocken war ebenso wie auf dem Nordturm ein mit Zinn
gedecktes Schutzdach zur Wasserabführung anzubringen.

Die hölzernen Treppenaufgänge im Innern des Turmes wurden verbessert.

Daneben hatte die Hütte anfangs Juni mit den Versetzarbeiten an dem
ganz zu erneuernden =Dreikönigschore= begonnen. Er wurde mit einem
neuen Kupferdach versehen und konnte nach Aufstellung der gleichfalls
erneuerten =Statuen= im August abgerüstet und dem Gebrauch wieder
übergeben werden.

Auch wurde den Sommer über das große Mittelschiffdach nach
vorhergegangener Erneuerung der Lattung unter Ersatz vieler verwitterter
Dachziegel umgedeckt.

Hieran schloß sich die Umdeckung des Daches auf dem Löffelholzchor,
wobei durch eine Umänderung des Dachstuhles zwischen den beiden Türmen
die dortigen Dachanschnitte verbessert wurden. Bei dieser Gelegenheit
fand sich innerhalb des Dachraumes der Giebel zwischen Chor und
Mittelschiff mit einem Bogenfries geschmückt vor, so daß anzunehmen
ist, daß das Chordach früher unterhalb des Giebels anschloß. Rinne,
Abfallrohre und Blitzableiter wurden auf diesen Dächern in Kupfer wieder
erneuert.

Im Mittelschiff wurde auch der Dachstuhl selbst ausgebessert, der Schutt
aus dem Gewölbezwickeln entfernt und der Boden gebrettert.

Eine im April angestellte Untersuchung des =Löffelholzchores= hatte
ergeben, daß im Innern einzelne Steinstücke herunterzufallen drohten,
so daß eine Absperrung für nötig gehalten wurde. Als im November mit
unterdessen aufgestellten Gerüsten genauer untersucht werden konnte,
ergab sich als Ursache eine Anzahl von Bewegungen, die in den fünf
Seiten des Chorabschlusses stattgefunden hatten. Nach Wegnahme des auf
den Gewölben lastenden Schuttes ließen sich vom Hauptgesims bis zum
Erdboden laufende Risse verfolgen, deren Breite bis zu 10 cm betrug.

Eine alte hölzerne Verschlauderung fand sich denn auch auf dem
Engelschor, hatte sich aber als ganz unzureichend erwiesen.

Daher beschloß der Bauausschuß, im Innern eine neue radiale und im
Äußern zwei Ringschlaudern von Eisen anzubringen, jedoch so, daß
dieselben äußerlich nicht sichtbar sein sollten.

Im übrigen waren für die Instandsetzung des Löffelholzchores bereits
eine Anzahl von Werkstücken fertiggestellt. Die Versetzarbeiten sollten
aber erst im nächsten Jahre beginnen.

Von den an der Kirche befindlichen Grabdenkmälern wurden im laufenden
Jahre mehrere erneuert.

Dem Stadtmagistrat wurden eine Anzahl interessanter Steinstücke vom
Dreikönigschor und der südlichen Turmgalerie zur Aufstellung an der
Stadtmauer überlassen.

=1902.= Das neue Jahr wurde in der Hauptsache durch die
Wiederherstellung des =Löffelholzchores= in Anspruch genommen.

Im Innern wurden die Risse gereinigt und ausgemauert sowie eine große
Zahl zersprengter Werkstücke erneuert. Im Frühjahr konnten die Gerüste
wieder entfernt werden, doch blieb die Instandsetzung der unteren
Wandflächen, an denen des Gestühles wegen viele Gesimse abgeschlagen
waren, ebenso wie die des =Engelchores= der späteren Innenrestauration
vorbehalten.

Auch im =Äußern= begannen im Frühjahr die Versetzarbeiten. Trotzdem
viele Werkstücke schon im Winter fertiggestellt waren, konnte die
benötigte Anzahl nicht mehr in diesem Jahre bearbeitet werden.

Während der Versetzarbeiten fand auch die Verlegung der Schlaudern
statt. Zunächst wurden die beiden Ringschlaudern oberhalb und unterhalb
der Engelschorfenster, welche aus einzelnen mit Bolzen verbundenen
Eisengliedern bestanden, in die Mauer eingelegt und mit Steinplatten
verkleidet. Auf der Nord- wie auf der Südseite fanden die Schlaudern
ihren Halt in den starken Turmmauern.

Danach wurde die Radialschlauder in der Fußbodenhöhe des Engelschores
verlegt. Diese, welche aus einzelnen Gabelschlaudern bestand, die
die Ecken des Chores faßten und sich in der Mitte vereinigten, fand
ebenfalls ihren Halt in den Turmmauern.

Die äußere Wiederherstellung des Westchores nahm dann ihren Fortgang
und war bis zum Ende des Jahres bis zur Höhe des ehernen Kruzifixus
fortgeschritten.

Am südlichen Seitenschiff waren noch die Arbeiten vom Kaffgesims ab
zu vollenden. Die Schuppen und Gerüste, welche dies bisher verhindert
hatten, wurden im Juni abgebrochen, so daß auch diese Arbeiten und
daneben die Herstellung neuer kupferner Abfallrohre und einer neuen
Kanalisation zu Ende geführt werden konnten.

In Verbindung damit wurde auch der untere Teil der =Südseite des
südlichen Turmes= in Stand gesetzt. Doch zeigten sich hier wieder
bedenkliche Risse, welche die Anbringung einer größeren (übrigens zum
Teil im Äußeren sichtbaren) Schlauder erforderlich machten; größte
Vorsicht war bei den Auswechslungsarbeiten geboten. Diese Arbeit währte
bis in den Dezember hinein.

Das Relief »Mariä Verkündigung«, bisher am Nordturme, wurde an die
nördliche Sakristei versetzt.

Da nun bald mit der Wiederherstellung des =Innern der Sebalduskirche=
begonnen werden sollte, nahm Professor =von Hauberrisser= mit Rücksicht
auf die hierbei erforderliche ununterbrochene Anwesenheit des leitenden
Architekten Veranlassung, der Kirchenverwaltung vorzuschlagen, den mit
ihm bestehenden Vertrag zu lösen und denselben vom 1. Januar 1903 ab
für alle weiteren Arbeiten mit dem Unterzeichneten abzuschließen, was
geschah.

=1903.= In diesem Jahre fand zunächst die Beendigung der
Auswechslungsarbeiten am unteren Teile des =Westchores= statt, die von
der Höhe des Kaffgesimses an bisher noch zurückgeblieben waren.

Der bestehende =Eingang= in die =Krypta=, dessen reich profilierte
Umrahmung aus dem 19. Jahrhundert stammte, wurde durch Wegmeißeln der
stillosen Profile vereinfacht. Das Gleiche geschah mit der Türe, die
reiche pseudoromanische Bänder aus dünnem Blech zeigte.

Am südlichen sowohl wie am nördlichen Turm harrten noch die =romanischen
Portale= der Restaurierung (Abb. 15, 16, 17, 18). Bei beiden Portalen,
die ohne organische Verbindung mit dem eigentlichen Baukörper der
Kirche sind, waren die Bogensteine nicht eigentlich verwittert, aber
an den Kanten bei den Stoßfugen stark verletzt, die Kapitäle teils
schlecht erneuert, teils fast ganz unkenntlich geworden und auch die
Säulenschäfte in schlechtem Zustand.

Wegen der unterdessen bei der Innenrestaurierung aufgedeckten Schäden am
nördlichen Turm mußte jedoch die Restaurierung des dortigen Portales,
damit der Turm nicht gleichzeitig an mehreren Stellen durch Ausbrüche
geschwächt würde, vorläufig zurückgestellt werden.

Im April wurde mit den Versetzarbeiten am =südlichen Portal= begonnen.
Im November war dasselbe erst vollendet.

Die Hütte war hauptsächlich mit der Innenrestaurierung beschäftigt,
daher waren für die äußeren Arbeiten weniger Steinmetzen tätig als
bisher.

=1904.= Die Aufgabe, welche für das letzte Baujahr der äußeren
Wiederherstellung noch verblieb, bestand in der Restaurierung des
=nördlichen Turmportals= und des unteren rings um die Kirche laufenden
Sockels, der viele Schäden zeigte und in früheren Jahren wohl oft, aber
niemals gründlich ausgebessert worden war.

Die Restaurierung am nördlichen Turmportale wurde im März begonnen
und fand in der gleichen Weise wie am Südturm statt. Sie war im Juni
vollendet.

Dann begannen die Ausbesserungen des Sockels, der besonders am Ostchor
eine große Anzahl neuer Quadern und sorgfältiges Ausstopfen der vielen
ohne Mörtel vorgefundenen Lagerfugen erforderte.

Mit dem Ende des Jahres war auch diese Arbeit beendet und die
=Restaurierung= konnte als abgeschlossen gelten. Die Hütte wurde nunmehr
im ganzen Umfange für die Zwecke der Innenrestaurierung verwendet.

Daher mußte auch die Regulierung der Umgebung der Kirche auf der West-
und Südseite, die besonders einer Verbesserung bedürfte, vorläufig
zurückbleiben.

Die =Bausammlung= der Kirche, zu welcher der Anfang schon im Jahre 1889
durch Aufbewahrung der aufgefundenen Reste der Ostchorgalerie gemacht
worden war, hat im Laufe der Jahre einen ziemlichen Umfang angenommen;
sie enthält nicht nur von fast allen Teilen der Außenfassaden in
einzelnen Stücken die hauptsächlichsten Originalreste, welche für die
Wiederherstellung maßgebend gewesen sind, sondern auch eine große Anzahl
von Modellen und mancherlei Fundstücke.

Die =Hauptpläne= der Restaurierung überwies Professor von Hauberrisser
dem =städtischen Archiv=. Die große Zahl der gefertigten =Detail-
und Werkpläne= sind jedoch gleichfalls der =Sammlung= einverleibt.
Diese selbst ist an zwei getrennten Orten untergebracht: zum Teil in
der Westchorkrypta (Abb. 139), zum anderen Teil im Obergeschoß der
nördlichen Sakristei.

Von den Mitgliedern des =Bauauschusses= war im Laufe der Jahre
Magistratsrat Tauber gestorben und Fabrikbesitzer von Forster und
Ingenieur Rupprecht wegen Wohnungswechsels ausgetreten. Die Lücken
wurden ergänzt durch Kommerzienrat Liebel, an dessen Stelle später
Magistratsrat Häberlein trat, ferner durch Großhändler und kgl.
Handelsrichter Heerdegen und Fabrikbesitzer Thäter.

In der Vorstandschaft der =Kirchenverwaltung= war Stadtpfarrer und Dekan
=Heller= durch Stadtpfarrer =Lotholz= abgelöst worden. Seit dessen
Erkrankung führt Stadtpfarrer =Schiller= den Vorsitz.

Stadtpfarrer Lotholz ist unterdessen gestorben, Kirchenrat Heller
[[gestorben] 1907] steht heute der Restaurierung der Schwesterkirche St.
Lorenz vor.

Für die Beschaffung der =Mittel=, welche abgesehen von drei Lotterien
aus den namhaften Unterstützungen seitens deutscher Fürsten, dann der
Stadt und vieler kunstsinniger Familien und anderer Personen flossen,
war der =Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche= tätig, in
dessen Vorstandschaft Justizrat Freiherr von Kreß, Justizrat Vollhardt
und Kommerzienrat Schwanhäußer die Verwaltung führten unter dem Vorsitze
des Kirchenrates =Michahelles=, =des eifrigsten Freundes und Förderers
des ganzen Wiederherstellungswerkes=.

  =Nürnberg=, den 31. Dezember 1904.      Prof. J. =Schmitz=, Architekt.


      4. Bericht der Bauleitung über die Instandsetzung des Innern.
                               1903-1906.

Bei einem Besuche der Sebalduskirche wird sogleich die
Verschiedenartigkeit der baulichen Anlage ins Auge fallen. Denn die
noch bestehenden Teile der engen =romanischen Basilika= bilden einen
großen Gegensatz zum weiten =gotischen Hallenchor=: es mangelt daher die
Einheitlichkeit der Raumwirkung. Auch in der formalen Detailausbildung
kommt jede der beiden Hauptbauperioden charakteristisch zur Erscheinung,
doch verleiht dies der Kirche neben dem kunstgeschichtlichen Interesse
einen außerordentlichen malerischen Reiz. Erhöht wurde dieser noch
durch die Fülle von wertvollen Kunstwerken, mit denen die folgenden
Jahrhunderte die Kirche schmückten.

Schon die =Gotik= hat ein Dekorationsmotiv ihrer Art in den romanischen
Bau hineingetragen, indem sie, abgesehen von anderem statuarischem
Schmuck, an den Pfeilern des Mittelschiffes unter Baldachinen zwölf
Apostelstatuen anbrachte. Daneben wurde, wie sich im Laufe der
Restauration erwiesen hat, in jener Zeit fast die ganze Kirche an
Wänden und Gewölben mit einer einheitlichen Polychromie versehen, die
an verschiedenen Stellen durch figürliche Darstellungen eine Steigerung
erfuhr.

Das =15. und 16. Jahrhundert= haben sodann eine Reihe weiterer
Schmuckstücke an kostbaren Bildwerken, Epitaphien und
Einrichtungsgegenständen hinzugefügt, welche der Verehrung des
Kirchenpatrons, den gottesdienstlichen Zwecken und dem Gedächtnisse der
Patrizierfamilien, die hier ihre Grabstätten besaßen, ihre Entstehung
verdanken.

[Illustration: TAFEL XI. Romanisches Dienstkapitäl des Mittelschiffes
mit später angesetztem gotischem Baldachin.

Gewölbeschlußstein im Ostchor.]

In der =Barockzeit= ging freilich von der mittelalterlichen Erscheinung
vieles -- unter anderm durch Übertünchung die farbige Wirkung des
Innern -- verloren. Auch die hauptsächlichsten Mobiliarstücke
wurden entfernt. Es entstand ein anderes Bild durch die Errichtung
eines neuen mächtigen Hauptaltares, neuer Seitenaltäre, einer neuen
Kanzel und hölzerner Emporen, welch letztere, zum Teil an den Wänden
des Mittelschiffes angebracht und von den Triforien aus zugänglich, das
Mittelschiff noch mehr einengten und verfinsterten.

[Illustration: TAFEL XII. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff.]

Engelsstatue von der Volckamerschen Verkündigung mit Baldachin und
Konsole.]

C. =Heideloff=, einem Hauptvertreter mittelalterlicher Romantik in der
Architektur des 19. =Jahrhunderts=, blieb es vorbehalten, die Kirche
von barocken Zutaten zu purifizieren, den Hauptaltar und einen Teil
der Emporen zu entfernen und an Stelle des ersteren ein Werk eigener
Erfindung aufzustellen. Bei der Orgel und beim Stuhlwerk schienen
ihm Änderungen unerläßlich. Auch sonst wurde den noch vorhandenen
nachmittelalterlichen Kunstwerken in dieser Zeit eine besondere
Wertschätzung nicht zuteil. Die neugotische Kanzel entstand an Stelle
der barocken als ein gemeinsames Werk von Heideloff und A. Kreling.

Nunmehr sollte im Anschlusse an die 1888-1902 stattgehabte =Restauration
des Äußeren=, die bereits durch Freilegung der Mittelschiffenster
der Kirche eine größere Lichtzufuhr gebracht hatte, auch eine
=Instandsetzung des Innern= der Sebalduskirche erfolgen. Mit der Leitung
derselben betraute die Verwaltung des Vereinigten Protestantischen
Kirchenvermögens auf Empfehlung Prof. von Hauberrissers den
Unterzeichneten und schloß einen diesbezüglichen Vertrag am 12. Dezember
1902 mit ihm.

Niemand war darüber im Zweifel, daß es sich um eine umfangreiche und
mehrjährige Arbeit handle, denn der Zustand der Kirche war ein sehr
bedauernswerter. Die in den letzten Jahrhunderten ganz vernachlässigten
Altäre, Statuen und sonstigen wertvollen Bildwerke waren zum guten
Teil zerbrochen und ihres Schmuckes beraubt. Die Vergoldungen und die
farbigen Gewänder der Statuen fanden sich dick mit weißer Ölfarbe
überstrichen. Wertvolle Holzornamente sowie zierliche Eisenteile
des 15. Jahrhunderts lagen mit Unrat vermengt in offenen Schränken
und Kästen; dazwischen Stoffteile von alten gewebten und gestickten
Paramenten. Schon vor einigen Jahren hatte Kirchenrat Michahelles,
dem die Abstellung solcher Mängel sehr am Herzen lag, durch Prof. von
Hauberrisser einen 4 m breiten neuen Schrank herstellen lassen und in
diesem die vorhandenen kostbaren =Gobelins=, nachdem ein Verzeichnis
derselben angefertigt worden war, unter sicheren Verschluß gebracht. Zur
gleichen Zeit gelang es dem Unterzeichneten noch eben, aus einem zur
Abfuhr bestimmten Schutthaufen ein steinernes =Relief=, die Auferweckung
des Lazarus, dem Anschein nach von Veit Stoß, zu retten.

Die Wände der ganzen Kirche zeigten eine gleichmäßige Tünchung in zwei
Tönen: gelblich und violett. Die Hunderte von =Totenschildern=, welche
die Kirche ehemals schmückten, waren bei einer beim Übergang Nürnbergs
an Bayern stattgehabten »Säuberung« hinausgeschafft und zum Teil den
betreffenden Familien zurückgegeben worden. Daß unter der geschmacklosen
=Tünchung= mittelalterliche Malereien verborgen seien, die der
Auferstehung harrten, mußte jedem mit der mittelalterlichen Kunst
Vertrauten zweifellos scheinen.

So wurde denn am 1. Januar 1903 mit den Arbeiten begonnen und zunächst,
um während der Restaurierung den Gottesdienst möglichst wenig zu
beeinträchtigen, die basilikale westliche Kirchenhälfte vom Ostchor,
in welchem der Gottesdienst stattfinden sollte, durch eine Holzwand
getrennt. Durch das Baugeschäft von G. Goll & Söhne erfolgte sodann die
Einrüstung der Kirche, und zwar des Mittelschiffes und der Seitenschiffe
des Löffelholzchores und der Turmhallen vom Boden bis zum Gewölbe. Von
den =Gemälden= wurden die nachfolgenden zur kgl. Gemäldegalerie nach
Augsburg gesendet, um dort von Konservator A. =Mayer= teils gereinigt
und aufgefrischt, teils restauriert zu werden: Die Flügeltafeln des
=Löffelholzaltares= (des Schreines und der Predella) (Abb. 43), die
drei =Tafelbilder= im Löffelholzchor, die Tafel =Mariä Krönung=,
der =Hallersche Altar=, die =Geburt Christi= (von 1478) und die
=Auferweckung des Lazarus= von Ruprecht oberhalb der Nordtüre. Die
übrigen kleineren Bildwerke und Skulpturen wurden in die Arbeitsräume
der Bauhütte gebracht, während die größeren an Ort und Stelle vorläufig
durch Einpackungen vor dem zu erwartenden Baustaub zu schützen waren.

Nunmehr wurde vorsichtig mit dem Abschaben und Abklopfen der Tünche
begonnen. Schon bald zeigten sich an den Gewölben, und zwar an den
Rippen und Schlußsteinen, Spuren von =Polychromie=, und es dauerte nicht
lange, bis das System der ehemaligen Bemalung des Kircheninnern klar
gestellt werden konnte. Zwei verschiedene Arten der letzteren waren zu
unterscheiden. Eine einfache Quaderbemalung in zwei Tönen (grau und
rot) im Löffelholzchore, dessen Gewölbefelder außerdem einen gemalten
Steinverband aufweisen, sowie die vorgefundene schwärzliche Tönung
einzelner Gesimse und besonders der Säulenschäfte -- ein Anklang an die
Verwendung von Schiefer bei den rheinischen Bauten -- dürfte als noch
zur romanischen Bauperiode gehörig anzusprechen sein. Andererseits muß
die in schwarz, rot, gelb und blau hergestellte Bemalung der Rippen im
Mittel- und Seitenschiff (Taf. IX) und die Polychromie der Statuen und
ihre teppichartigen Hintergründe (Taf. XII) dem 14. und 15. Jahrhundert
zugewiesen werden. Für die vorgefundene Bemalung erscheint der Umstand
bemerkenswert, daß ein einheitliches starres System nicht aufdringlich
zutage tritt; vielmehr bietet eine je nach Gelegenheit und Veranlassung
stattgehabte farbige Ausschmückung einzelner Teile der Kirche ein
ungemein abwechslungsreiches und malerisches Bild.

Erhöht wurde dieser Reiz durch die =figürlichen Wandmalereien=, welche
an verschiedenen Stellen aufgedeckt wurden. Von diesen sei zunächst eine
Figur des =Christophorus= erwähnt, welche in Riesengröße fast die ganze
Wandfläche des südlichen Turmes innerhalb des dortigen Seitenschiffes
bedeckt. Oberhalb derselben zeigen sich =Reste= einer noch früher
vorhanden gewesenen und gut erkennbaren Christophorusdarstellung,
vermischt mit Fragmenten eines ebenfalls an der gleichen Stelle
bestandenen =Veronikatuches= mit dem Christuskopf, welches von Engeln
gehalten wird. An einem südlichen Pfeiler des Mittelschiffes fand sich
ein Gemälde, den =Tod Mariä= darstellend, das ehemals die Rückwand
eines Altares dortselbst gebildet haben dürfte. Darüber Reste von
kleineren Gemälden. An einem anderen Pfeiler beim Dreikönigsportal wurde
ein weiteres Gemälde, die sogenannte =Gregoriusmesse=, aufgedeckt.
An den Brüstungen der Empore im nördlichen Seitenschiff konnten nach
Entfernung einer braunen Farbschicht hübsch gemalte Maßwerke und reiche
=Wappen= der Patrizierfamilien, welche dort heute noch ihren Sitz haben,
bloßgelegt werden.

Mußte auf der einen Seite als Vandalismus empfunden werden, wie
frühere Zeiten einer so kunst- und geschmackvollen Bemalung gegenüber
durch rücksichtslose Übertünchungen verfahren waren, so erforderte
andererseits die Stellung, welche dem nunmehrigen Befunde gegenüber
einzunehmen war, Überlegung und Vorsicht.

Das farbenfreudige Mittelalter hat diese Bemalungen offenbar in
frischer lebhafter Wirkung hergestellt und an dieser keinen Anstoß
genommen, während unser heutiges Farbenempfinden dem gegenüber ein
ganz verändertes ist. Gerade die zarte Wirkung, welche die durch
Tünchung und Wiederaufschabung in ihrer Kraft gedämpften Bemalungen
aufwiesen, bot einen außerordentlichen Reiz, und die Gesamtwirkung war
trotz der verschiedenen Zeiten, aus denen diese stammten, von durchaus
harmonischer Einheitlichkeit. Der Respekt vor der Kunst der Alten
machte außerdem größte =Zurückhaltung= bezüglich etwaiger Erneuerungen
und gleichmäßige Fürsorge für alle alten Funde -- ob sie nun aus dem
Mittelalter oder der Rokokozeit stammten -- zur Pflicht. Unter diesen
Umständen trachtete der Unterzeichnete darnach, die Malereien in ihren
vorhandenen Resten und Spuren auf das gewissenhafteste festzustellen und
die Restaurierung in der alten Technik lediglich auf die Ergänzung der
fehlenden, mit Sicherheit zu bestimmenden Teile zu =beschränken=, wobei
auf die Erhaltung der beschriebenen allgemeinen malerischen Stimmung
sorgfältig Rücksicht genommen werden sollte.

[Illustration: Abb. 43. Löffelholzaltar.]

Zur Ausführung solcher eigenartiger Arbeiten waren geeignete Kräfte in
Nürnberg nicht vorhanden. Es wurde daher der als trefflicher Meister
in seinem Fach bekannte Vergolder und Faßmaler =Franz Ruedorfer=,
beziehungsweise die Firma Barth & Cie. in München, welcher er angehört,
mit diesen Arbeiten betraut. Ruedorfer, der wiederholt selbst anwesend
war, sandte eine Anzahl Gehilfen, die seine Schule genossen hatten und
die sich, teils in Bemalung, teils in Modellieren, Formen und Gießen
geschickt, im Laufe der ganzen Restaurierung als willige Hülfskräfte
erwiesen.

Die Abschabung der Tünche und die an einzelnen Stellen erforderliche
Wegnahme des Verputzes hatte aber außer der Feststellung der alten
Bemalung leider eine im höchsten Grade bedauerliche Entdeckung zur
Folge. Es zeigten sich nämlich bauliche, den Kern des Mauerwerkes
betreffende =Schäden=, welche von niemand bei der Inangriffnahme
der Restaurierung erwartet worden waren. Zunächst war dies beim
=nördlichen Turm= der Fall. Da, wo an der Ostseite des Turmes die später
hinausgerückte Außenwand des nördlichen Seitenschiffes früher angebaut
war, trat das innere Brockenmauerwerk ohne schützende Quaderverblendung
zutage. Die romanischen Mauern bestehen an St. Sebald durchweg aus
einer beiderseitigen Quaderverblendung; deren innerer Zwischenraum mit
zum Teil sehr mangelhaftem Brockenmauerwerk ausgefüllt ist. Es zeigte
sich ferner in dieser Ostmauer des Turmes oberhalb des Spitzbogens
der vermauerte Zugang zu einem =Treppenhause=, welches sich in seiner
ungefähren Lage aus dem Vorhandensein eines kleinen Fensters und
eigenartiger vermauerter Öffnungen im linken Gaden des Turmes annähernd
bestimmen ließ. Da dieses Treppenhaus innerhalb der Mauer lag, so war
diese infolge des mangelnden Verbandes selbst bei einer nachträglichen
Ausmauerung geschwächt und hatte der Belastung nicht standhalten können.
Daher waren zahlreiche bis zu 12 cm breit klaffende Risse entstanden.
Schleuniges Eingreifen tat not, war aber um so schwieriger, als vorerst
keine sichere Kenntnis darüber bestand, ob das Treppenhaus ausgemauert
oder noch hohl war. Einbrüche vorzunehmen, um hierüber Auskunft zu
erhalten, erschien wegen der damit verbundenen Gefahr unmöglich. So
konnte nur mit vorsichtigen Bohrungen und mit in diese eingeführter
künstlicher Beleuchtung des 1·50 m starken =Mauerinnern= festgestellt
werden, daß der Treppenraum mit schlechtem Brockenmauerwerk teils
ausgemauert, teils nur zugeschüttet worden war. Bei den vorhandenen
außerordentlich großen Belastungen ein wenig tröstliches Ergebnis.

Der Arbeitsplan wurde nun, wie folgt, entworfen. Zunächst war der
Spitzbogen zwischen Turm und Seitenschiff mit starken Rundholzstämmen
auszubolzen und darüber eine eiserne Verschlauderung anzubringen, sodann
wurde in die nur mangelhaft zusammenhängende Turmmauer eine Öffnung von
der Größe weniger Backsteine eingebrochen und mit harten Backsteinen in
Zementmörtel wieder vermauert. Durch Wiederholung dieser Arbeit gelang
es, einen horizontalen, etwa 50 cm hohen Streifen von Backsteinmauerwerk
einzubringen, der innerhalb der Mauer etwa wie ein eingesetzter fester
Balken wirken mußte. Solche Streifen wurden in Abständen von 50 cm
sechs untereinander eingebracht, und sodann die noch bestehenden
Zwischenteile durch Quadermauerwerk -- natürlich kam jedesmal nur
ein Quader zur Vermauerung -- ausgewechselt. Hernach gelang es durch
vorsichtige Einbrüche in das Treppenhaus selbst auch hier den größten
Teil des schlechten Mauerwerkes nach und nach durch gutes tragfähiges
Zementmauerwerk zu ersetzen.

Auch in der südlichen Wand des nördlichen Turmes zeigten sich in
der Höhe des Engelchores verschiedene =Treppenläufe= innerhalb der
Mauer, welche nicht vermauert, sondern vollständig hohl waren. Daneben
fanden sich andere, vielleicht zur Aufnahme von Holzbalken bestimmte
verborgene =Höhlungen=, welche den Querschnitt der Mauern verringerten.
Es erwies sich somit, daß die romanischen Türme viele Treppenaufgänge
innerhalb der Mauer besaßen, und daß man beim Aufbau des 75 m hohen
nördlichen Turmes in der gotischen Zeit auf die durch die Hohlräume
geschwächten Mauern unbedenklich weiter gebaut hatte. Den infolgedessen
aufgetretenen Verschiebungen des Mauerwerkes war zum Teil schon bei der
Außenrestaurierung durch starke Verschlauderungen entgegengearbeitet
worden, ohne daß damals jedoch die Ursache schon in ihrem ganzen Umfang
bekannt gewesen wäre.

Beim =südlichen Turm= haben die angestellten Untersuchungen eine beim
gotischen Aufbau vorgenommene Verbesserung des romanischen Unterbaues
ergeben.

So bedauerlich es nun im archäologischen Interesse auch war, so mußte
doch der bestehenden Schäden wegen eine Einmauerung von Pfeilern
und teilweise eine ganze Ausmauerung bei den hohlen Treppenräumen
ausgeführt werden. Übrigens hat in jedem Falle eine genaue geometrische
und, wo dies möglich war, auch photographische Aufnahme des Befundes
stattgefunden.

Als noch ernster erwies sich die Lage bei den beiden =romanischen
Vierungspfeilern=, auf denen die Hauptlasten der Kirchenmauern ruhen.
Während der Abnahme des Verputzes schon fiel ein auf der Westseite des
=nördlichen Pfeilers= angebrachter, aber von der Mauer abgerissener
und nur noch lose anhaftender steinerner Baldachin herab. Es ist als
ein Glück zu betrachten, daß er nicht während des Gottesdienstes auf
die Kirchenbesucher herabgestürzt war. Dieser Pfeiler war im übrigen
auf allen vier Seiten durch und durch zerrissen. Da im Innern nur
schlechtes Brockenmauerwerk zu erwarten war und die großen Mauerlasten
(etwa 620.000 kg) lediglich auf den zerborstenen Außenquadern ruhten,
so mußte schleunige Abhilfe getroffen werden, wenn man nicht mit einer
Katastrophe rechnen wollte, denn der Zusammenbruch des Pfeilers mußte
den Einsturz der nördlichen Hälfte der ganzen Mauerwand und des Giebels
zwischen Ostchor und Basilika sowie der anstoßenden Gewölbe zur Folge
haben.

Die Ursachen, aus denen ein so bedrohlicher Zustand erwachsen war, sind
verschiedener Art. Zunächst ist zu bedenken, daß die Vierungspfeiler
ursprüglich Tragpfeiler einer romanischen Gewölbeanlage waren, die beim
Umbau der Kirche in der gotischen Zeit zum Teil abgebrochen wurde, so
daß sich in der Beanspruchung der Pfeiler eine Verschiebung ergeben
mußte. Damals sind vielleicht schon die ersten Deformationen entstanden.

Der Anbau des Ostchores und des großen Westgiebels desselben brachte
sodann den Pfeilern neue Belastungen, während andererseits durch die
Verbreiterung des Seitenschiffbogens und in der Barockzeit durch
Einbrüche für Balken, Emporen und Stuhlwerk der Querschnitt der Pfeiler
an verschiedenen Stellen weit über das zulässige Maß geschwächt und
der Verband aufgehoben wurde. Ist aber einmal der Zusammenhang eines
Mauerkörpers gelockert, so wird jede weitere Schädigung von um so
schlimmeren Folgen sein. Man kann daher nur staunen über die sorglose
Art, in der besonders die letzten Jahrhunderte das Bauwerk, welches
schon durch die mittelalterlichen Umbauten die Einheitlichkeit der
Konstruktion eingebüßt hatte, vernachlässigt haben.

Der =südliche Pfeiler= erwies sich dem äußeren Anschein nach als in
besserer Verfassung, doch ließen bereits vorhandene Backsteinmauerungen
und Verschlauderungen nichts Gutes vermuten. Immerhin war am meisten
der nördliche Pfeiler gefährdet; auch die Behörden forderten aus
Sicherheitsgründen eine Erneuerung des Pfeilers.

So hatten sich neben den künstlerischen Aufgaben noch Arbeiten ergeben,
die in konstruktiver und technischer Beziehung große Anforderungen
stellten und zudem außerordentliche Geldmittel erheischten. Als ein
schätzbarer Berater der Bauleitung erwies sich bei diesen Arbeiten
der Ingenieur =Otto Weber=, welcher bei der Lösung der mannigfaltigen
technischen Fragen großen Anteil hatte. Aber auch Steinmetzmeister
=Johann Göschel=, stets gewissenhaft und unermüdlich, hat sich den ihm
gestellten Aufgaben auf das beste gewidmet.

Wie sollte der nördliche Pfeiler ausgewechselt werden? Von den wenigen
Beispielen einer solchen =Auswechslung= in der neueren Geschichte der
Technik schien die Auswechslung im Bremer Dom von Interesse. Allein
eine Abstützung aller in Betracht kommenden Gewölbe- und Mauerlasten,
wie sie dort stattgefunden hatte, war hier sowohl wegen der großen Höhe
und Unsicherheit eines Holzgerüstes als auch wegen der Feuersgefahr und
Kosten nicht zu empfehlen, denn die profilierten Bögen boten für die
Abstützungen nur mangelhafte Angriffsflächen und bei einem Holzgerüst
waren Setzungen nicht zu vermeiden. Wurden die Lasten aber etwa durch
Eisenstützen wirklich abgefangen, so ergaben sich für die Fundierung der
letzteren in dem von romanischen Grundmauern durchzogenen, aufgefüllten
Chorboden neue Schwierigkeiten. Aus den Beratungen erwuchs schließlich
der Plan, den ganzen geborstenen Pfeiler mit einer =Armierung= aus
eisernen Trägern ringförmig zu umgeben (Abb. 44 und 45) und innerhalb
dieser Ringe unter Beobachtung der größten Vorsicht einen Quaderstein
nach dem anderen auszuwechseln; dabei sollte auch in den Mauerkern
möglichst tief eingedrungen und dieser durch Ausmauern und Einspritzen
von Zementmörtel verbessert werden.

Der =Bauausschuß=, der von allen Vorgängen unterrichtet war, beschloß,
die Sicherung des Pfeilers durch die beabsichtigte Armierung sofort
vornehmen zu lassen, die Erneuerung selbst aber erst in Verbindung mit
der Restaurierung des Ostchores zu bewirken.

Die baulichen Arbeiten in der Westhälfte der Kirche waren damit noch
nicht erschöpft. Die =Triforien= (Abb. 4) des Mittelschiffes zeigten
sich ursprünglich konstruktiv korrekt zwischen den Tragpfeilern der
Joche angelegt. Sie schwächten zwar die Schildmauern, jedoch an einer
Stelle, wo dies ohne Nachteil geschehen konnte. Die eigentlichen
Tragpfeiler waren massiv und wurden zum Teil durch äußere Strebebögen
gestützt. Bei der im Anfang des 14. Jahrhunderts stattgehabten
Erweiterung der Seitenschiffe wurden die Strebebögen aber abgebrochen,
und als durch die Erhöhung der Gewölbe die Triforien vom Dachboden aus
nicht mehr zugänglich waren, wurden die Tragpfeiler durchlöchert, um
eine Verbindung der einzelnen Triforien untereinander sowohl wie mit den
Gewölbetrichtern zu schaffen. Denn letztere ermöglichten durch hölzerne
Treppen wieder einen schmalen Zugang zu dem höher gelegten Dachboden.
Infolge dieser Durchbrüche war aber die Sicherheit der Konstruktion
des Mittelschiffes wesentlich beeinträchtigt. Noch schlimmer wurde die
Sachlage, als in der Barockzeit hölzerne =Emporen=, deren Balken große
Löcher im Mauerwerk erforderten, aus den Triforien herausgebaut und aus
den letzteren selbst zur Erzielung eines bequemen Zuganges viele Säulen
und Bögen entfernt wurden. Bei dem im 19. Jahrhundert erfolgten Abbruch
dieser Emporen hatte zwar ein Wiedereinsetzen dieser Säulen, aber ohne
jedes Verständnis für die bestehenden Schäden in der sorglosesten
Weise stattgefunden, so daß diese »Restaurierung« nichts als eine
oberflächliche Kaschierung war.

[Illustration: Abb. 44. Modell eines zum Teil armierten Vitrumspfeilers.]

Hier mußte überall in gewissenhafter und gründlicher Art Abhilfe
geschaffen werden. Da außerdem an verschiedenen anderen Stellen der
Kirche, z. B. an der zu einem Schrank mit Fächern aus steinernen Platten
umgewandelten Arkade zwischen Löffelholzchor und nördlichem Turm,
Veränderungen und Ergänzungen am Mauerkörper stattzufinden hatten, so
kann nicht Wunder nehmen, daß über 2000 Werksteine aus Wendelsteiner
Quarzit im Laufe des Jahres eingewechselt oder neu eingesetzt werden
mußten.

An den reizvollen romanischen =Skulpturen=, Konsolen, Kapitälen und
sonstigem Laubwerk wurden die vielfach fehlenden Teile durch freie
Anmodellierung in Masse mit Hilfe von Dübeln wieder neu hergestellt.

Eine Anzahl von rechteckigen Vertiefungen an den Pfeilern des nördlichen
Seitenschiffes, welche ehemals wohl =Bronzetafeln= enthielten und auf
das Vorhandensein von Gräbern dortselbst schließen lassen, wurden in dem
aufgedeckten Zustande belassen. Auch die Reste eines im Löffelholzchor
aufgefundenen romanischen =Steinfußbodens= wurden zu beiden Seiten des
Altares dortselbst wieder verwendet.

Die bis jetzt beschriebenen Arbeiten füllten fast das ganze Jahre 1903
aus; Mitte Oktober waren die Hauptgerüste gefallen und auch der in
seiner Architektur so reich und reizvoll ausgestattete =Engelschor=,
dessen Gewölbekappen wegen der Jahrhunderte lang stattgehabten
Durchfeuchtung größtenteils erneuert werden mußten, fertiggestellt.
Bis auf den tödlichen Sturz eines Tünchergesellen war alles glücklich
vonstatten gegangen. Nun konnten die Gerüste immer weiter entfernt und
mit den Arbeiten an den =Holzgalerien=, =Altären= und =Votivbildern=
begonnen werden. Hier sind besonders zu nennen die steinerne
=Kreuztragung= von Adam Kraft (Abb. 87) sowie die prächtigen Stammtafeln
der Patriziergeschlechter =Löffelholz=, =Ebner= (Abb. 113) und =Pömer=.
An diesen Kunstwerken fanden Ergänzungen vieler abgeschlagener Teile,
Abschaben der weißen Übermalung und die Wiederherstellung der Vergoldung
und Polychromie unter möglichster Schonung des alten Bestandes statt.

[Illustration: Abb. 45. Armierter Vitrumspfeiler während der
Restaurierung.]

Den Hauptteil der figürlichen Plastik in der Westhälfte der Kirche
bilden die an den Mittelschiffpfeilern angebrachten elf =Apostelstatuen=
(Abb. 77 bis 81), welche im ganzen gut erhalten waren. Die Attribute,
die bei einigen fehlten, waren leicht festzustellen und wurden erneuert.
Im Mittelschiff fanden sich ferner auf der Südseite die Statue =Johannes
des Täufers= und auf der Nordseite ein =Thomaschristus=, beide gut
erhalten, im nördlichen Seitenschiff zunächst das Kaiserpaar =Heinrich
und Kunigunde= (Abb. 82 und 83); der Kaiserfigur war das Szepter neu
beizugeben. Ohne Ergänzung konnten sodann die vortreffliche Statue
=Bischof Erhards= (Abb. 84) sowie ein =Thomaschristus= bleiben. Im
südlichen Seitenschiff waren eine =Katharina=, eine =Helena= (Abb. 85)
und eine =Antoniusstatue= vorhanden, bei denen teils Ergänzungen, teils
Erneuerungen der Attribute erforderlich wurden. Für eine =Marienstatue=
mit dem Christuskind, die sich in der südlichen Turmhalle zur Seite
gestellt vorfand, konnte am ersten südwestlichen Mittelschiffpfeiler
der alte Standplatz festgestellt werden. Sie wurde an demselben wieder
aufgestellt und erhielt ein neues Szepter, das Kind einen neuen Arm. Ein
kleiner =Thomaschristus= mit dem Ebnerwappen, der unter der Fülle von
Statuen an diesem Pfeiler erdrückt erschien, wurde in den Löffelholzchor
versetzt. Die =ursprüngliche Polychromie= ließ sich bei allen Statuen
leicht ermitteln und wurde sorgältig wiederhergestellt. In vielen
Fällen, besonders auch bei den teppichartigen, farbigen Hintergründen
konnte sich diese Arbeit auf eine Restaurierung der im ganzen noch gut
erhaltenen Bemalung beschränken.

Auf diese Weise erhielt die bisher weiß getünchte Kirche an Pfeilern
und Wänden einen reichen farbigen Schmuck, zu dem der lichte, etwas
ungleichmäßige Mauerton einen glücklichen Hintergrund bildete.

Noch fehlten jedoch den Pfeilern die ehemals dort angebrachten
zahlreichen und prächtigen =Totenschilde= der Patrizier, welche in
den alten Kupferstichen gewissenhaft dargestellt sind. Kirchenrat
Michahelles richtete eine Anfrage und Bitte an die in Frage
kommenden Familien um Wiederherausgabe dieser Schilde. Der Erfolg
war hocherfreulich. Von der =von Löffelholz=schen Familie wurden 21
Schilde (Abb. 115) überlassen, von den Familien =von Haller= 12 (Abb.
117 und 118), =von Kreß= 7 (Abb. 116), =von Ebner= 4 (Abb. 119) und
=von Harsdorf= 11 Schilde. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden in der
Bauhütte ausgeführt und die Schilde in der Kirche an Pfeilern und Wänden
in Gruppierungen, wie sie möglichst dem früheren Bestande entsprachen,
aufgehängt.

Die Wandmalereien: =Christophorus= (Abb. 46), =Tod Mariä= und
=Gregoriusmesse=, welche aufgedeckt worden waren, wurden durch
Kunstmaler Pfleiderer unter Mithilfe des Konservators Professor
Haggenmiller restauriert und die beiden letzteren mit hölzernen
Schutztürchen versehen. In der südlichen Turmhalle fand ein neues
brunnenartiges Becken mit Wasserleitung seinen Platz.

Der Fußboden aus Wendelsteiner Quarzitplatten war fast ganz zu erneuern;
und auch die =Glasmalereien= erforderten zwar nicht wesentliche
Restaurationen, jedoch kleinere Ausbesserungen und neue Bleifassungen.
In den Fenstern des Löffelholzchores gelangten sechs neue =Bildtafeln=,
von Zettler in München nach Professor Wanderers Entwurf gefertigt, zur
Aufstellung. Daneben wurden teils alte, teils neue Wappen angebracht.
Stifter dieser Fenster sind die Familien von Löffelholz, von Haller, von
Kreß, von Scheurl und von Tucher.

Störend wirkten bis jetzt die =Kirchenbänke=, deren Seitenteile mit
pseudogotischen Verzierungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
versehen waren. Die heutige Denkmalpflege verlangt da, wo nicht etwa an
einem alten Objekt kleine Teile zu ergänzen, sondern wo neue Objekte
zu schafren sind, =neuzeitliche= Formen. Eine gefährliche Aufgabe
in einer so ehrwürdigen Umgebung. Dem Unterzeichneten schien es am
zweckmäßigsten, in solchen Fällen möglichst =indifferente, einfache
Formen= anzuwenden, welche gegenüber den vorhandenen Kunstwerken in den
Hintergrund treten sollten. In dieser Art war schon die Gestaltung des
Wasserbeckens im südlichen Turm und der Holzläden vor der Gregoriusmesse
erfolgt; sie sollte auch für die späteren Arbeiten im Ostchor
(Sakristeivertäfelung und verschiedene Eisenbeschläge) beibehalten
werden. Daher entstanden nun auch an den Bänken neue Seitenteile mit
einem einfachen, schlichten Schneckenabschluß. Andererseits fand
da, wo vorhandene alte Teile dazu Veranlassung gaben, z. B. bei den
mannigfachen eisernen Schranktüren, die Ergänzung im alten Stil und
Charakter statt. Das geschilderte Prinzip wurde nach besten Kräften
durchgeführt; wo eine kleine Abweichung stattfand und eine Neuschöpfung
den Archäologen zu einem Irrtum verleiten könnte, wurde die Jahreszahl
beigefügt.

Ende März konnten die von Konservator Mayer geschickt restaurierten
Gemälde wieder zur Aufstellung gelangen. Bei den =Predellabildern=
des Löffelholzaltares hatte sich unter einer wertlosen Übermalung die
mittelalterliche Darstellung der alten Stifter gefunden. Auch bei den
anderen Bildern war hie und da eine unverständige spätere Übermalung
entfernt worden. Namentlich die alte Vergoldung kam unter einer
überdeckenden stumpfen Farbschicht, z. B. bei den Hintergründen des
Halleraltares, und zwar meist gut erhalten, wieder zum Vorschein.

Die alte barocke =Orgel= auf dem Engelchor erhielt ein neues Orgelwerk,
das eine Erweiterung des Gehäuses nach den beiden Seiten zur Folge hatte
und von Orgelbaumeister Strebel gebaut wurde.

Alle Kunstschreinerarbeiten und die hiebei erforderlichen Schnitzereien
wurden in den Werkstätten der Bauhütte gefertigt. Schließlich ist zu
erwähnen, daß im ersten westlichen Joche des nördlichen Seitenschiffes
eine Reihe von steinernen =Originalstatuen= vom Äußeren der Kirche,
welche im Laufe der Jahre erneuert worden waren, zur Aufstellung
gelangten.

So konnte Ostern 1904 die Restaurierung der =Westhälfte= von St. Sebald
nach 15monatlicher Bauzeit beendet werden; und nachdem der Bauausschuß
die dargelegten Grundzüge für die Wiederherstellung des =Ostchores=
genehmigt hatte, wurde sogleich mit den Arbeiten in diesem begonnen.

                    *       *       *       *       *

[Illustration: Abb. 46. Der heil. Christophorus. Wandgemälde im
südlichen Seitenschiff.]

Zunächst waren auch hier die beweglichen Kunstgegenstände in der
Bauhütte, wo sie restauriert werden sollten, in sichere Verwahrung
zu bringen. Sodann wurden die Bildtafeln: =Maria mit Heiligen= von
Hans von Kulmbach 1513 (Taf. XV), =Ecce homo= aus dem Tucheraltar
von Merian 1659, die =Kreuztragung= von 1485, die =Auferstehung= aus
dem Muffelaltar, das =Paradies= von Kreuzfelder 1603, die Flügel des
=Petrusaltares= mit zwölf Bildern und schließlich die Flügel des
=Annaaltärchens= in die königl. Gemäldegalerie nach Augsburg zur
Restaurierung durch Konservator Mayer gesendet. Zu gleichem Zwecke wurde
eine kleinere Anzahl von Tafelbildern an Kunstmaler Bär übergeben. Dann
war der ganze Ostchor im Innern einzurüsten, um alle Wände, Pfeiler und
Gewölbe zu gleicher Zeit in Angriff nehmen zu können; hernach begann das
Abschaben der Tünche.

Das Ergebnis war im allgemeinen das gleiche wie in der Westhälfte. Es
trat ein gelblicher Grundton der Wände zutage. Die Gewölbekappen, mit
schwarzen Strichen versehen, waren etwas heller. An den =Schlußsteinen=
fand sich die von der Westhälfte her bekannte Polychromie der übrigens
außerordentlich reizvollen Skulpturen und eine ornamentale Bemalung
der =Rippen= in der Nähe des Gewölbeschlusses. Ferner eine rötliche
Tönung der Fensterleibungen. Außerdem waren aber =einzelne Partien= der
plastischen Wanddekoration, z. B. Statuen mit zugehörigen Baldachinen
und Rückwandflächen (Abb. 47), farbig behandelt, je nachdem wohl von
den Patrizierfamilien, welche in den entsprechenden Jochen ihre Gräber
und Totentafeln besaßen, eine Stiftung dazu stattgefunden hatte. Daher
erwiesen sich einzelne Baldachine =reich polychromiert= und vergoldet,
während ihre Nachbarn den =schlichten Steinton= zeigten.

An =Wandmalereien= wurde zunächst eine an die Restaurierung von 1657
erinnernde =Tafel= über dem Kaiserchörlein und ein =Veronikatuch=
dortselbst aufgedeckt, bei welch letzterem die ursprünglich wohl
vorhandenen Engel in die Apostel Petrus und Paulus umgewandelt waren,
ferner figürliche =Fragmente= an der nördlichen und südlichen Sakristei,
im Dreikönigschor und hinter dem Muffelaltar sowie Teppichmuster beim
Tucheraltar und dem südwestlichen Chorpfeiler. Die Restaurierung all
dieser Bildreste beschränkte sich auf das Notwendigste. Es wurde der
archäologische Bestand möglichst erhalten und über ein vorsichtiges
Austupfen der weißen Flecke innerhalb der farbigen Flächen nicht
hinausgegangen. Die Fragmente behielten ihren Charakter als solche bei.

Weitere größere =Wandmalereien= zeigten sich bei den Tucherschen
Chorstühlen. Über dem ersten westlichen Stuhl kam nach Wegnahme des
Kulmbachschen Bildes eine =Kreuzschleppung= von 1473 (Gedächtnis
der Frau Barbara Steinlinger) zutage, von welcher, so schlecht sie
auch erhalten war, ein größerer Teil, eine isometrische Darstellung
der Stadt Jerusalem, von der Wand auf Leinwand abgezogen werden
konnte. Merkwürdigerweise fand sich darunter eine =zweite= frühere
=Kreuzschleppung=, ebenfalls ein Steinlingersches Gedächtnis, allerdings
in noch schlechterem Zustande vor; es gelang jedoch auch hier einige
Teile, hauptsächlich Köpfe, abzuziehen und so zu erhalten.

Als in besserem Zustande erwiesen sich die Wandbilder beim Tucheraltar,
nämlich eine =Pilgerstätte= und mehrere =Heiligenfiguren=. Den
interessantesten Fund bildeten aber die in der Farbe auffallend gut
erhaltenen =Malereien aus der Apostelgeschichte= (Abb. 106), welche
hinter dem Petrusaltar zum Vorschein kamen. Da dieser Altar mit seiner
alten Mensa nicht versetzt werden konnte, so mußten auch hier die
Bilder von der Wand abgezogen werden. Sie wurden auf eine Mörtelschicht
gebracht und hinter dem Muffelaltar aufgestellt. Das gleiche geschah
mit dem erwähnten in Öl gemalten Pilgerbild. Die Restaurierung fast
aller Wandmalereien führte Kunstmaler Pfleiderer aus. Die Abendmahl- und
Ölbergdarstellung hinter dem Tucheraltar, ein Ölgemälde aus dem Jahre
1423 wurde unter Preisgabe einer schlechten Übermalung vom Jahre 1627
durch Konservator =Mayer= restauriert.

Neben so erfreulichen Funden förderte das Abschaben der Tünche aber
auch wieder manche =bauliche Schäden= zutage. Namentlich im romanischen
Mauerwerk, sowohl beim Brauttor wie beim Dreikönigschor, fanden sich
größere =Hohlräume=, die die Tragfähigkeit der Mauer schwächten und
geschlossen werden mußten. Offene Lagerfugen waren an vielen Stellen
zu verdichten. Immerhin waren im Ostchor lange nicht so eingreifende
Schäden vorhanden wie in der Westhälfte, aus welcher eine Hauptaufgabe,
die Erneuerung der jetzt zur Ostchorrestaurierung zugezogenen
=Vierungspfeiler=, noch zu lösen war. Eine Untersuchung der Fundamente
dieser Pfeiler sowie des Baugrundes führte nicht zu Bedenken. Die
Bodenuntersuchung ergab mittelgroben trockenen Sand am Dreikönigsportal
auf 9 m Tiefe, zwischen den Vierungspfeilern auf 4 m und am südlichen
Turm auf 5·7 m, so daß sich für die nach der Tradition stattgehabte
Fundierung des letzteren auf Pfählen keine Bestätigung ergeben hatte.
Es konnte somit die Auswechselung am =nördlichen Pfeiler= nach dem
früher beschriebenen Plane innerhalb der Eisenarmierung beginnen,
nachdem vorher die benachbarten Böden abgebolzt und die auf denselben
lastenden durch Balkenlöcher, große Risse und offene Fugen geschwächten
Mauern instand gesetzt worden waren. Bei den Auswechselungen war größte
Vorsicht erforderlich. Durch Hebelübertragung vergrößernde Zeigertafeln
sollten jede Bewegung anzeigen. Auf Steinmaterial und Mörtelmischung
wurde alle Sorgfalt verwendet und von den notwendigen neuen etwa 300
Quadern, die der Mörtelerhärtung wegen in möglichst großen Abständen
eingesetzt wurden, kam täglich nur ein Stück zur Auswechselung. Trotzdem
trat eines Tages eine Bewegung in der Mittelschiffmauer ein, welche
durch weitere Abbolzungen und Ausmauerungen zur Ruhe gebracht wurde. Der
Zustand des =Pfeilerkernes=, welcher jetzt vollständig erkannt werden
konnte, erwies sich noch schlechter als man vermutet hatte, sodaß keine
der angewendeten Vorsichtsmaßregeln hätte entbehrt werden können. Im
Juli 1905 waren die Arbeiten am nördlichen Pfeiler beendet.[VI]

  [VI] Unterdessen ist über diese baulichen Arbeiten in der »Zeitschrift
       für Bauwesen« 1908, S. 529 ff. eine mit ausführlichen Zeichnungen
       versehene Abhandlung des Architekten Professor =Otto Schulz=
       erschienen.

Nach den gewonnenen Erfahrungen und dem Ergebnis der unterdessen
stattgehabten weiteren Untersuchungen am =südlichen Vierungspfeiler=
ließ sich die vollständige Erneuerung auch dieses Pfeilers, der bereits
im Sommer armiert worden war, nicht umgehen. Es wurde daher ungesäumt
nach der Abnahme der Kanzel und der Herstellung der nötigen Abbolzungen
mit der Auswechselung begonnen, deren Fertigstellung erst im Juni 1906
zu erwarten war. Zugleich fand eine Instandsetzung der ganz zerrissenen
und durch mehrfache Erweiterungen der Orgel in ihrer Stärke verringerten
Westwand statt, welche schon vor einigen Jahren mehrfach verschlaudert
worden war.

Von archäologischem Interesse ist es, daß die beschriebenen baulichen
Ausbesserungen nebenbei zur Entdeckung der Reste von romanischen
=Rundfenstern= im nördlichen Querschiff und von vielen romanischen
=Profil=- und =Zahnschnittsteinen= führten, welch letztere beim
gotischen Umbau in der Giebelwand, auch an einer Stelle in einem
freistehenden Pfeiler, verwendet worden waren. Soweit es möglich war,
wurden solche Steine nicht mehr verputzt, sondern sichtbar belassen.
Unterhalb des Pfinzingchörleins fand sich eine Begräbnisstätte.

Neben diesen eigentlichen Bauarbeiten, deren Tempo aus
Sicherheitsgründen bei den Vierungspfeilern nicht beschleunigt
werden konnte und die infolgedessen zwei Jahre beanspruchten,
nahmen die übrigen Instandsetzungsarbeiten an den dekorativen und
Mobiliargegenständen einen ungestörten Fortgang.

Viele Arbeit verursachten die rings an den Chorwänden angebrachten
steinernen =Baldachine= und =Konsolen=, deren zierliche Einzelheiten
vielfach zertrümmert waren (Abb. 47). Es fehlten größtenteils die
Riesenspitzen, viele Ornamente und die Strebepfeiler. Die zu den
Baldachinen gehörenden Postamente zeigten an den Ecken genau so,
wie dies bei den Postamenten der zweiten Figurenreihe der äußeren
Strebepfeiler der Fall ist, Säulenbasen. Da die Baldachinenden nun
unterhalb eine glatte Fläche ohne abschließendes Glied (Rosette oder
Profil) hatten, so lag bei oberflächlicher Betrachtung der Gedanke
nahe, daß ursprünglich freistehende Säulenschäfte Basis und Baldachin
verbanden, wie dies besonders in der französischen Gotik vorkommt.
Diese auch von Kunsthistorikern ausgesprochene Annahme erwies sich
jedoch als irrig. Denn abgesehen davon, daß in vielen Fällen schmale,
oft dreieckige oder viereckige Postamente zu breiten, vieleckigen
Baldachinen gehören, trifft da, wo Baldachin und Postament in der
Grundform übereinzustimmen scheint, die vom Baldachin aus gefällte
Senkrechte fast nie auf die Basis. Daß die Basen gewissermaßen als
Rückbleibsel des hier vermuteten Entwicklungsganges anzusehen sind, war
nicht zweifelhaft. Schlechte Ergänzungen in Holz aus der Barockzeit
wurden bei der Restaurierung der Baldachine beseitigt, jedoch in der
Sammlung aufbewahrt.

Sodann kam die Restaurierung der großen Anzahl von =Statuen= aus
Holz, Stein und Ton an die Reihe, welche an den Pfeilern und Wänden
des Ostchores angebracht sind. Die =Kreuzigungsgruppe von Veit Stoß=
(Abb. 55, 56, 57), die den bisherigen Heideloffschen Hauptaltar
schmückte, wurde, da dieser nicht mehr aufgestellt werden sollte,
allein oberhalb des Altares angebracht. Bei ihrer Restaurierung kam
unter der Heideloffschen Bronzierung und einer dicken Farbkruste die
alte Polychromie, zum Teil sogar noch sehr gut erhalten, zum Vorschein.
Sehr erfreulich war es auch, als innerhalb des Christuskörpers eine
Papierurkunde gefunden wurde, durch welche die Autorschaft des Veit
Stoß bei dem 1526 geschaffenen Kunstwerke bestätigt wird. Diese Urkunde
befindet sich nach stattgehabter photographischer Aufnahme auch heute
noch an ihrer alten Stelle.

[Illustration: Abb. 47. Statue des Apostels Paulus mit Baldachin und
Konsole im Ostchor.]

Die übrigen =Statuen= im Ostchore sind teilweise von den
Patrizierfamilien an ihren Platz gestiftet und stehen zu den Stiftern
als Patrone in näherer Beziehung; zum anderen Teil sind sie aber ganz
zufällig an ihren Standort gelangt und waren ursprünglich an anderer
Stelle, ja in anderen Kirchen angebracht. Daß man dabei mit den
manchmal vorzüglichen Kunstwerken nicht glimpflich umgegangen ist,
zeigte der ruinöse Zustand der meisten Statuen, denen Hände, Arme und
Füße sowie die beigegebenen Attribute oft abgeschlagen, auch hie und
da willkürlich abgeändert waren. Wenn man, wie es in einer Rechnung
des 17. Jahrhunderts heißt, bei der stattfindenden Restauration dem
Hafner Auftrag erteilte, »die Götzen mit neuen leimenen (aus gebranntem
Ton) Händen zu versehen«, so konnte dies den Wert der Kunstwerke nicht
erhöhen; es waren oft rohe Naturabgüsse, welche weder in der Größe, noch
in der Bewegung zu dem geschändeten Kunstwerk paßten.

Bei der gegenwärtigen Restaurierung wurde der Grundsatz befolgt, da,
wo nach Abnahme späterer Zutaten bei einer wertvollen Figur, über
deren dargestellte Person kein Zweifel bestand, eine künstlerische
Ergänzung einwandfrei erschien, den ästhetischen Genuß durch die
letztere wieder zu ermöglichen. Bei minderwertigen Statuen oder da, wo
durch eine Änderung archäologische Zweifel hätten hervorgerufen werden
können, wurde davon abgesehen. An allen Statuen kamen die ursprüngliche
Polychromie, dazu die Damastmuster der Gewänder zum Vorschein und
fanden sorgfältige Restaurierung, wobei allerdings auch spätere farbige
Übermalungen, welche zum Teil mit alten Nachrichten belegt waren,
beachtet wurden.

Am ersten freistehenden Pfeiler gegen Norden befindet sich eine
außerordentlich schöne =Madonnenstatue=, aus Birnbaumholz geschnitten
(Abb. 97), innerhalb eines Gehäuses, dessen steinerne Konsole und
Baldachin noch vorhanden sind, während die =1519= von Hans von Kulmbach
gemalten Flügel fehlen. Ihre Entdeckung scheint in den Nummern 254 und
255 (Joseph und Zacharias) der alten Pinakothek in München gelungen zu
sein. Die Madonna, unter deren Füßen zwei kleine Engel eine Mondsichel
halten, während zwei andere ihr eine Krone aufs Haupt setzen, trägt auf
beiden Händen das Jesuskind. Diese Statue, welche selbst die späteren
Zeiten von der Übertünchung ausschlossen, zeigte noch die ursprüngliche
Polychromie; die Ergänzung konnte sich auf einen fehlenden Fuß des
Christuskindes beschränken.

Als gröber in der Ausführung erweist sich die am gegenüberstehenden
rechten Pfeiler befindliche allerdings frühere steinerne =Madonna=,
deren hölzernes Christuskind nachträglich, und zwar viel später,
aufgesetzt worden ist. Der bekrönende Baldachin, unten von Stein, im
oberen Aufsatz von Holz, zeigt sehr zierliche Ornamentformen.

Der Befund und die Restaurierung der übrigen Statuen an der Innenseite
der Ostchorwand unter den wiederhergestellten Baldachinen soll
nachstehend, an der Nordseite bei der großen Sakristei beginnend,
beschrieben werden.

Unter dem ersten Baldachine findet sich eine Statue aus Stein, offenbar
der Apostel =Jakobus= der Ältere mit der Pilgertasche. Schon auf einer
Zeichnung des 18. Jahrhunderts ist jedoch auf seiner linken Hand ein
nachträglich aufgesetztes Kirchenmodell zu sehen. Vielleicht wollte man
einen Sebaldus daraus machen. Die heutige Restaurierung beschränkte sich
auf die Ergänzung des Pilgerstabes.

Die hölzerne Statue des =Salvator= mit bewegtem Faltenwurf und
ausdrucksvollem Gesichte erforderte ebenfalls, abgesehen von einer
sorgfältigen Reinigung und Auffrischung der Polychromie, nur geringe
Restaurierung. Die Statue wurde 1657 nach den Tucherschen Rechnungen mit
einem steinernen Jakobus aus dem »Werkhaus in der Carthausen« nach St.
Sebald geschafft. Der in Kupfer getriebene Heiligenschein stammt aus
jener Zeit.

Ähnlich im Charakter, aber noch viel ausdrucksvoller und gewaltiger auch
in dem lebhaft flatternden Faltenwurf, ist die ebenfalls hölzerne Statue
des =Andreas= von =Veit Stoß= (Abb. 89). Ihre Detailbehandlung erwies
sich nach der Abnahme der Tünche sowohl in den realistisch behandelten
faltenreichen Fleischteilen des Greises wie bei den Haaren als so fein,
daß von jeder Übermalung abgesehen und nur eine zarte Lasierung, wie sie
auch ursprünglich vorhanden gewesen zu sein schien, angewendet wurde,
welche der Statue im allgemeinen den Holzcharakter wahrte. Einige Teile
der Füße und Hände waren zu erneuern.

Die nunmehr folgende =Johannisstatue= (Abb. 90) ist von gebranntem Ton
und aus mehreren Stücken mit horizontalen Fugen zusammengesetzt. Sie
stellt den Apostel mit dem Giftkelch in der linken Hand dar, während
die Rechte eine segnende Stellung einnimmt. Beide Hände sowie Teile
der Gewandung waren zu erneuern, wobei vorhandene Reste und eine alte
Aufzeichnung über die ehemalige Stellung Aufschlüsse geben konnten.

Gegenüber steht die derb ausgefallene steinerne Statue =Johannes des
Täufers=. Sie war in mehrere Teile zerbrochen, welche sich jedoch, ohne
daß bedeutende Ergänzungen nötig waren, wieder zusammensetzen ließen.
Diese beiden Johannes zu beiden Seiten des Tucherfensters scheinen den
ersten plastischen Schmuck der Tucherschen Begräbnisstätte gebildet
zu haben, welchem sich dann 1657 die vorbeschriebenen drei Statuen
anschlossen.

Die folgende steinerne kleinere =Apostelstatue=, welche in Größe
und Charakter zu den Aposteln im Mittelschiff paßt, hatte nur eine
linke Hand, die ein Buch trägt. In der rechten Hand trug sie im 17.
Jahrhundert ein mächtiges hölzernes Kreuz, doch war diese willkürliche
Zutat nicht mehr vorhanden. Die Hand wurde ergänzt, ohne daß etwa durch
Zugabe eines Attributs eine bestimmte Person gekennzeichnet worden wäre.
Vermutlich ist die schöne Figur eine Petrusstatue.

Die hinter dem Tucherschen Altar befindliche dritte =Johannesstatue=
(der Apostel) ist von Holz und ohne Zusammenhang mit ihrer Umgebung. Sie
läßt sich auf den ersten Blick als zu einer Kreuzigungsgruppe gehörig
erkennen. Beide Hände fehlten und waren zu erneuern.

Die nächsten beiden Statuen bilden eine Gruppe: =Verkündigung=. Am
Sockel des Engels befindet sich das Starksche, an dem der knienden Maria
das Imhoffsche Wappen. Die Ausbesserung der Polychromie hat sich nur auf
Kleinigkeiten beschränkt, so daß z. B. die Bemalung der Gesichter als
durchaus ursprünglich anzusehen ist. Das Zepter des Engels ist erneuert.

Die beiden kleinen Statuen oberhalb des Sakramentshäuschens sind von
Stein. Die rechts befindliche stand bis jetzt in einer Nische in der
Ecke hinter dem Muffelaltar, während beim Sakramentshäuschen sich die
nicht besonders schöne Tonfigur befand, welche jetzt an der Wand vor dem
Muffelaltar aufgestellt ist. Der Grund für die vorgenommene Umstellung
liegt in der schon bei oberflächlicher Betrachtung erkennbaren
Übereinstimmung der beiden offenbar ein Ehepaar darstellenden Statuen.
Bei der weiblichen Statue waren die Hände verletzt, bei der männlichen
waren die Unterarme vom Hafner ergänzt. Beide machten einen jämmerlichen
Eindruck. Auf ihren Häuptern fanden sich die Spuren ehemals vorhandener
Kronen. Beide Figuren waren an ihrem unteren Ende in Stuck um 25 cm
verlängert. Beim Abnehmen der Stuckmasse traten die alten steinernen
Füße zutage. Die Frage nach den dargestellten Persönlichkeiten schien
sich unter Beachtung aller Umstände (Vorhandensein ähnlicher Statuen
in St. Sebald und St. Lorenz) mit =Heinrich und Kunigunde= beantworten
zu lassen. Daher hat sich der Unterzeichnete bei der Instandsetzung
für eine Ergänzung in diesem Sinne entschlossen. Während die Kaiserin
in die rechte Hand das Zepter erhielt, wurde dem Kaiser das Modell des
Bamberger Doms gegeben (Abb. 48, 49).

[Illustration: Abb. 48. Statue des Kaisers Heinrich vor der
Restaurierung.]

[Illustration: Abb. 49. Statue des Kaisers Heinrich nach der
Restaurierung.]

Das nächste Joch in der Mittelachse der Kirche weist die steinernen
Statuen des =Petrus= und =Paulus= auf, welche geringe Ergänzungen an
den Attributen erforderten. Unterhalb des Paulus ist das Wappen der
Nürnberger Familie Usmer angebracht.

Daneben stehen zwei große hölzerne Statuen, ein =Thomaschristus= und
eine klagende =Maria= (Abb. 91, 92). Unterhalb des ersteren fand sich
auf der Konsole unter dem Verputz das Zeichen des =Veit Stoß=; auf der
Konsole der Maria die Jahreszahl 1495. Die Statuen bilden offenbar mit
den darunter befindlichen Vesperbildern von Veit Stoß (Abb. 95) eine
gemeinsame Gruppe. Beim Thomaschristus fehlte die linke Hand und die
Hälfte eines Fußes, auch bei der Maria waren Ergänzungen erforderlich.
Beide übertüncht vorgefundenen Statuen haben ihren Holzcharakter wieder
erhalten. Bemerkenswert erscheint, daß bei der Maria der über den
linken Arm hängende Gewandzipfel nachträglich angesetzt ist. Nimmt man
denselben weg, so weist die Komposition des Faltenwurfs an dieser Stelle
eine große Leere auf.

Die nun folgenden kleinen Statuen sind ebenfalls von Holz, stammen aber
sowohl wegen ihrer Größe als wegen ihrer flachen Ausdehnung aus einem
der vielen ehemaligen Altäre der Kirche. Sie stellen einen =Papst=
und einen =Bischof= dar; eine genaue Feststellung konnte mangels
weiterer Attribute nicht erfolgen. Erneuerungen bei den Händen und an
den Gewändern waren erforderlich; auch die Pontifikatstäbe wurden neu
beigegeben.

Die folgende Statue hinter dem Muffelaltar zeigt ebenfalls einen nicht
näher feststellbaren =Bischof= und ist von Stein. Sie befand sich bis
jetzt rechts vom Hallerschen Fenster, und an ihrer Stelle war, wie
oben erwähnt, der sogenannte Kaiser Heinrich aufgestellt. Auch bei
der nächsten =Statue aus Ton= (bis jetzt am Sakramentshäuschen an
Stelle Kaiser Heinrichs) läßt sich die dargestellte Persönlichkeit
nicht feststellen. In Haltung und Ausführung macht die Figur keinen
glücklichen Eindruck, jedoch dürfte dies hauptsächlich auf die in
früherer Zeit ergänzten »leimenen« Hände zurückzuführen sein, von deren
Entfernung abgesehen wurde.

Um so interessanter sind die beiden folgenden, wohl auf einen und
denselben Meister zurückzuführenden Statuen =Erasmus= (Abb. 93) und
=Sebaldus=. Der erstere ein Bischof, trägt in der rechten Hand einen
Haspel, das Werkzeug seines Martyriums, und in der linken ein Buch.
Sebaldus, als Pilger dargestellt, trägt ein eigentümliches Kirchenmodell
mit einem Dachreiter. Nachträglich und unorganisch war demselben
ein Turm beigefügt, der bei der Restaurierung weggelassen wurde. Der
abgeschlagene Pilgerstock wurde ergänzt. Erwähnenswert scheint, daß das
Wappen unter dem Erasmus, ursprünglich Haller-Tetzel, durch Übermalung
und Aufsetzen eines Lämmchens zu einem Schürstab-Großischen Wappen
umgeändert ist.

Die nächsten Statuen von Stein, =Maria= (Abb. 94) und =Elisabeth=,
bilden wieder eine Gruppe: die Behaimsche =Heimsuchung=. Bei der
Elisabeth waren beide Hände zu erneuern, im übrigen waren nur einige
Ergänzungen an den Gewändern und bei der Maria Ergänzungen an den Händen
herzustellen.

Hieran schließt sich die Volckamersche =Verkündigung=, zwei große
Statuen von Stein; der Engel, der die fehlenden Hände erhielt, von
denen die linke Hand das Zepter trägt, und Maria, bei welcher ebenfalls
einige, jedoch geringe Ergänzungen vorgenommen werden mußten.

Ferner befinden sich unterhalb des Gesimses noch zwei kleinere Statuen
von Stein: ein Behaimscher =Thomaschristus= und eine =Matrone=,
letztere mit dem Volckamerschen Wappen. Neben derselben konnten betende
Stifterporträts aufgedeckt werden.

Auch die steinernen =Vesperbilder= von =Veit Stoß= (Abb. 95) machten
eine Reihe von Ausbesserungen bei verstümmelten Händen, Gewandteilen
und Schwertern erforderlich. Bei der =Sebaldusstatue= (Abb. 86) am
nördlichen Vierungspfeiler konnte sich die Restaurierung auf eine
Ergänzung des Pilgerstabes beschränken.

Im übrigen ist noch zu erwähnen ein hölzerner kleiner =Thomaschristus=,
der seinen Platz, weil er sich an keiner anderen Stelle geeigneter
anbringen ließ, von jeher auf dem Petrusaltar gefunden hat. Bei dieser
Figur, ebenso wie bei der schönen =Erzstatue Marias= von =Stephan Godl=
(Abb. 98), beschränkte sich die Restauration auf eine Reinigung.

Das =Sakramentshäuschen=, eine Stiftung von Muffel und Groland (Abb.
50), ist in seiner architektonischen Gliederung außerordentlich
zierlich und reich ausgestattet. Leider waren viele Skulpturteile
verloren gegangen oder zertrümmert und daher mannigfache Ergänzungen
erforderlich. Die vollständige Polychromie fand sich nach Entfernung
eines Ölfarbanstriches vor und wurde aufgefrischt. In der Nische, welche
mit dem Standort des Thomaschristus korrespondiert, fehlt die wohl eine
klagende Maria darstellende Statue.

Beim Schrein des =Petrusaltares= (Abb. 53, 54) waren sowohl die
Skulpturen innerhalb des Schreines und die Predella wie auch die nach
Augsburg zur Restauration gesendeten zwölf schönen Flügelbilder mit
brauner Ölfarbe gleichmäßig überstrichen. Beim Abnehmen der letzteren
kam an den Skulpturen die Polychromie in guter Erhaltung zum Vorschein,
so daß z. B. das Glanzgold nur ganz weniger Ausbesserungen bedurfte. Die
Mitra, die von zwei Engeln getragen wurde, fehlt. Leider fanden sich
auch die sicherlich mit wertvollen Malereien geschmückten Predellatüren
nicht mehr vor.

Im Herbst 1905 wurde auch die =nördliche Sakristei= instand
gesetzt. Unter der Tünche zeigte sich bald die alte Polychromie,
welche aufgefrischt wurde. Leider hat die Sakristei, die mit ihrem
durch eine durchbrochene Treppe zugänglichen Obergeschoß und dem
=Kaiserchörlein= eine eigenartige reizvolle Bauanlage bildet, früher
viele störende Umänderungen erfahren. Die Öffnungen der Treppenwand
waren wegen baulicher Mängel vermauert und hätten ohne anderweitige
Stützkonstruktionen nicht geöffnet werden können. Eine Tür führt
jetzt von der Straße in den ehemals abgeschlossenen intimen Raum. Die
=Piscina=, früher von der Sakristei und vom Chor aus benutzbar, ist mit
ihrem Abzugsgraben noch vorhanden, dient aber jetzt, zum Teil vermauert,
als Nische für einen Gasofen. Die alte ehemalige Ofennische wurde an der
Ostwand entdeckt und als Bücherschrank verwendet.

[Illustration: Abb. 50. Sakramentshäuschen im Ostchor.]

An Stelle der kleinen alten Fenster fanden sich auf der Nordseite große
Fenster vor; eine weitere in die östliche =Altarnische= gebrochene
Fensteröffnung nimmt jener alle Stimmung. Andererseits aber hatte die
Sakristei zu diesen Änderungen durch ihre Feuchtigkeit und dumpfe Luft
Veranlassung gegeben. Rekonstruktionen waren also nicht veranlaßt und
die neueren Arbeiten beschränkten sich daher, abgesehen von einigen
nötigen Auswechslungen am Mauerwerk und dem Verdichten vieler offener
Lagerfugen, auf die Herstellung einer Vertäfelung und eine Verbesserung
der Ofenanlage.

Im Chor fanden sich die =Stühle= Hans Tuchers, Sebald Schreyers und
mehrere andere alte Stühle, welche noch in der Mitte des vorigen
Jahrhunderts vorhanden waren, leider nicht mehr vor. Die alten
=Handwerkerstühle= (Abb. 125) erfuhren ebenso wie die =Tucherschen
Renaissancestühle= eine gründliche Reparatur, wobei die an den letzteren
angebrachten zwei kleinen Schnitzereien, =St. Sebald= vom ehemaligen
Schreyer-Stuhl (Abbildung auf dem Titelblatt) und ein =Wappen= vom
Grundherrnstuhl, abgenommen und neben den Hauptaltar versetzt wurden.
Heideloffsche Seitenwangen an verschiedenen alten Stühlen wurden
entfernt und durch einfache, möglichst indifferente Formen ersetzt.

Besonders schwierig gestalteten sich die Arbeiten an den =gotischen
Chorstühlen= (Abb. 121, 122, 123), die sehr reich geschnitzt waren und
jetzt noch Reste von außerordentlich wertvoller figürlicher Plastik
aufweisen. Kein Mobiliargegenstand hatte sich aber, von einzelnen
Statuen abgesehen, in einem so zertrümmerten, zusammengeflickten
und wieder vernachlässigten Zustand gefunden wie diese Stühle.
Zunächst mußten die Originalteile festgestellt werden, dann wurde
eine Instandsetzung vorgenommen, bei der die fehlenden Teile in ihren
Hauptformen in Eichenholz ergänzt, aber nicht im Detail ausgeschnitzt
wurden. Es sollte sich die Restaurierung innerhalb des wiedergewonnenen,
würdigen allgemeinen Eindruckes vom alten Original absondern, so daß
besonders bei den Figuren keinerlei Vermischung mit neueren Zutaten
auftrat.

Das =Sebaldusgrab= wurde, abgesehen von einigen kleinen Ausbesserungen
(Ergänzung von fehlenden silbernen Rosetten), einer sorgfältigen
Reinigung unterzogen.

Die beiden barocken =Seitenaltäre= wurden gründlich instandgesetzt und
ausgebessert, wobei auch die Malereien auf der Rückseite wieder zur
Geltung kamen. War doch sogar das Lorbeerlaub aus Zinn an den Säulen des
Tucheraltares (Abb. 51) in früheren Zeiten in Verlust geraten.

Die in der Augsburger Galerie stattgehabte Restaurierung der wertvollen
=Tafelbilder=, welche im Mai 1906 wieder an ihrem alten Platze
aufgestellt werden konnten, war vom schönsten Erfolge begleitet. Außer
einer sachverständigen Reinigung hat durch die berufene Hand des
Konservators =Mayer= eine Abnahme vieler störender Übermalungen zum
Teil in ziemlichem Umfange stattgefunden, so daß die ursprüngliche
Farbenwirkung in überraschender Weise wieder zur Geltung gelangt ist
(Taf. XV).

Eine der hauptsächlichsten Arbeiten im Ostchor wurde zu Anfang des
Jahres 1906 begonnen: der Umbau der =Hauptorgel=.

Die bisherige Hauptorgel von St. Sebald (Abb. 126) ist eine der ältesten
und wohl auch interessantesten Bayerns. Sie wurde im Jahre 1444 von
Heinrich Traxdorf erbaut und war im Ostchor über dem Trennungsbogen
gegen das südliche Seitenschiff angebracht. Sie bestand außer aus einem
Podium, welches auf einem hölzernen vorgekragten Gewölbe ruhte und in
der Mitte einen kleinen Pfeifenprospekt (sogenanntes Positiv) trug, aus
dem eigentlichen Orgelwerk, das fast die ganze Giebelwand bedeckte und
von einem zierlichen Gehäuse umschlossen war. Der Blasebalgraum befindet
sich hinter der Giebelmauer. Die Verbindung zwischen diesem Raume und
dem Orgelpodium bildet eine schmale Tür in der Giebelwand. Vermutlich
hatte die alte Orgel schon bemalte Flügel, die zum Schutze der Pfeifen
dienten und geöffnet werden konnten. Die =Konsole=, welche die mittlere
Endigung des Holzgewölbes unterhalb der Orgel bildet, hat die Form einer
Teufelsfratze mit beweglichem Kiefer, der während des Orgelspieles
in Bewegung gesetzt werden konnte. Die beiden seitlichen Konsolen
zeigen ein dänisches und ein französisches =Wappen=, die wiederholt
in Verbindung mit dem Kirchenpatron in St. Sebald angewendet worden
sind. Rings um das Orgelpodium fanden sich zwischen den herabhängenden
Maßwerken reizvolle in Holz geschnitzte =Figuren=, darunter zwei Herolde
mit den beiden Nürnberger Wappen. Die übrigen stellen Ritter, Frauen
und Bauern dar und sind zum Teil sehr humorvoll gehalten. Die ganze
Orgel ist aus Eichenholz hergestellt. Zu beiden Seiten waren auf der
Wand teppichartig großzügige =Ornamente= in grünem Ton aufgemalt und
innerhalb derselben =musizierende Engel= dargestellt.

Im Laufe der Jahrhunderte hat die Orgel freilich mannigfache
Veränderungen erfahren und zwar in den Jahren 1572, 1658, 1691 und
1827. Im Jahre 1658 erhielt sie neue Malereien von Daniel Preißler
auf den wohl schon vorhandenen Flügeln, und zwar eine Reihe Porträts
der Pfarrer und Kirchenpfleger, aber auch von Stadtmusikern und ihren
Dirigenten. Die gesteigerten musikalischen Ansprüche hatten wiederholt
Verbesserungen und Erweiterungen des Orgelwerkes zur Folge, so daß
allmählich auch das Gehäuse eingreifenden Veränderungen unterworfen
worden war, wodurch die ursprüngliche Form desselben sehr beeinträchtigt
wurde. Unter Heideloff wurde das Podium nach vorn sowohl wie nach
beiden Seiten bedeutend erweitert, um für einen größeren Sängerchor
Platz zu gewinnen. Die schönen Wandmalereien waren übertüncht und durch
Balkenwerk verbaut worden.

[Illustration: Abb. 51. Partie aus dem Ostchor mit Tucheraltar,
Sakramentshäuschen und Petrusaltar.]

Beim Abbruch der Orgel ergab sich glücklicherweise aus der genauen
Aufnahme und dem Vergleich der einzelnen Teile die Möglichkeit, das
=ursprüngliche Orgelgehäuse= von 1444 mit völliger Sicherheit wieder
herzustellen. Daß aber das vielfach ausgebesserte Orgelwerk den
heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, erscheint begreiflich. Die
Kirchenverwaltung entschied sich daher für Beschaffung eines neuen
Orgelwerkes und billigte auf Grund eines Gutachtens von Hauptprediger
Dr. Geyer den Vorschlag des Unterzeichneten, das alte Gehäuse, von
allen späteren Zutaten befreit, zu verwenden und in Verbindung mit
den Wandmalereien wieder vollständig instandzusetzen. Die Aufgabe,
26 neue Register in dem engen Raum unterzubringen, war nicht leicht,
und ein Hinausschieben des ganzen Gehäuses um 15 cm zur Erlangung
einer größeren Tiefe konnte nicht umgangen werden. Das Orgelwerk
selbst wurde durch Orgelbaumeister =Strebel= gebaut, während sämtliche
Instandsetzungsarbeiten des Gehäuses und das neue Positiv mit den
seitlichen Brüstungen in der Werkstätte der Bauhütte hergestellt wurden.

Auch die =Wandmalereien= zu beiden Seiten der Orgel, die in
überraschender Weise zum Vorschein gekommen waren, erfuhren wieder eine
Erneuerung.

Bei den Veränderungen, sowohl bei den Statuen wie an Reliefs und
sonstigen Skulpturen, welche notwendigerweise vorgenommen werden
mußten, hat in den meisten Fällen vorher eine photographische Aufnahme
stattgefunden, so daß jederzeit Rechenschaft über den früheren Zustand
gegeben werden kann. Die abgenommenen Ergänzungen selbst finden sich
in der =Bausammlung= der Kirche aufbewahrt, die auch die gefertigten
Hilfsmodelle und Pläne enthält. =Sepulkren= fanden sich in den Mensen
der Altäre an verschiedenen Stellen, jedoch in bereits eröffnetem
Zustande; zunächst im Hauptaltar mit einer Konsekrationsurkunde
von 1379, ferner in der Mensa des Halleraltares und der südlichen
Sakristei. Hier waren die Urkunden nur mehr als Reste vorhanden. Noch
schlechter war der Zustand eines Holzkästchens mit vermoderter Einlage
im Petrusaltar; im Tucheraltar fanden sich nur geringe Fragmente. Nach
Feststellung der Urkunden und photographischer Aufnahme der Funde ließ
das Pfarramt die letzteren wieder in ihre Höhlungen einschließen.

Bis zum Juli 1905 war die gefährliche Auswechslung auch des =südlichen
Vierungspfeilers= glücklich beendet, und es konnte nach Entfernung der
Zwischenwände die ganze Kirche dem Gottesdienste wieder übergeben werden.

Bei den mannigfaltigen und auf verschiedenen Gebieten gelegenen
Aufgaben, welche die 3-1/2jährige Wiederherstellung mit sich brachte,
konnte sich der Unterzeichnete der Unterstützung der schon genannten
tüchtigen Mitarbeiter wie auch anderer Fachleute erfreuen.

Das Verhältnis der Bauleitung zur protestantischen =Kirchenverwaltung=,
unter der Vorstandschaft von Stadtpfarrer J. =Schiller=, als der
Bauherrin, und zum Bauausschuß, als deren Vertretung, war ein durchaus
glückliches.

Der =Bauausschuß=, welcher in vielfachen Sitzungen die Berichte und
Vorschläge des Bauleiters entgegennahm, hatte leider mitten in der
Arbeit am 2. Juni 1905 seinen Vorsitzenden, den Hauptförderer der
Wiederherstellung, Kirchenrat F. =Michahelles=, 1. Pfarrer an
St. Sebald, verloren. Um ihn, den allverehrten und liebenswürdigen
Mann, dem die Durchführung des großen Werkes sowohl durch die
unermüdliche Beschaffung der Geldmittel wie durch die sachkundige,
geschickte Leitung =in erster Reihe= zu danken ist, zu ehren, wurde
im südlichen Seitenschiff seine wohlgetroffene Marmorbüste von F.
Zadow (eine Stiftung von Justizrat Hilpert) aufgestellt. Mitglieder
des Bauausschusses waren die Herren Baumeister und Privatier G. Goll,
Magistratsrat H. Häberlein, Großhändler A. Heerdegen, Justizrat D.
Hilpert, Kunstschlosser und Privatier A. Leibold und Fabriksbesitzer J.
Thäter. Nach einer kurzen Verwesung des Vorsitzes durch Pfarrer Wunderer
hatte die Leitung des Bauausschusses Stadtpfarrer Dr. Hagen, 1. Pfarrer
an St. Sebald, übernommen und die Arbeiten nach Kräften gefördert und zu
Ende geführt.

[Illustration: Abb. 52. Ostchor. Ansicht gegen Westen.]

Bei der Beschaffung der Geldmittel stand dem Kirchenrat Michahelles der
=Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche= zur Seite, in dessen
Ausschuß als stellvertretender Vorsitzender Justizrat C. Freiherr von
Kreß, als Schriftführer Justizrat O. Vollhardt und als Schatzmeister
Kommerzienrat C. Schwanhäußer tätig waren.

Die =Mittel= (Taf. XIII) flossen fast vollständig aus freiwilligen
Beiträgen, bei welchen die Patrizierfamilien an erster Stelle standen.
Auch die Kirchenverwaltung unterstützte die Wiederherstellung,
teils durch größere Beiträge, die sie zur Abstellung der Bauschäden
genehmigte, teils zu Zeiten, in denen ein niedriger Kassenstand
vorhanden war, durch Vorschüsse.

Allerdings sind die bei der Inangriffnahme der Restaurierung gestellten
Aufgaben an St. Sebald noch nicht alle gelöst. Die kostbaren =Gobelins=
(Abb. 132 bis 136) befinden sich auch heute noch in einem traurigen
Zustande. Wohl hat die Restaurierung eines kleinen Stückes gewissermaßen
als Probestück durch Frau Irmisch in München stattgefunden und
berechtigt zu der Annahme, daß auch die weiteren Ausbesserungen nicht
wie bisher nur in Paris oder Italien, sondern in Deutschland gemacht
werden können. Allein für diese künstlerische und kostspielige Arbeit
fehlen vollständig die Mittel. Man mußte sich bei der gegenwärtigen
Restaurierung darauf beschränken, die zerrissenen und zerschnittenen
Stücke notdürftig wieder zu verbinden und mit Borten und Futterstoff neu
zu versehen.

Das gleiche gilt bezüglich der wertvollen und prächtigen =Glasmalereien=
im Ostchor (Abb. 107 bis 109), bei denen an vielen Stellen sich von
außen durch die Einwirkungen der Atmosphäre eine dicke undurchsichtige
Kruste gebildet hat, während die Schwarzlotaufmalung im Innern sich so
abgelöst hat, daß sie sich mit dem Finger, wie der Kreidestrich auf
einer Schiefertafel, wegwischen läßt. Baldige Hilfe tut not, wenn diese
unschätzbaren Kunstwerke nicht zugrunde gehen sollen. Andererseits
muß mit größter Vorsicht dabei zu Werke gegangen werden. Vielleicht
verspricht ein neues Verfahren, welches die Hofglasmalerei Zettler
in München gerade mit Rücksicht auf die Glasmalereien von St. Sebald
erprobt hat und das in einer durchsichtigen leichten Überglasung der
einzelnen Glasstücke besteht, zur Konservierung der Malereien gute
Dienste zu leisten.

Die Frage einer Beleuchtung und Beheizung der Kirche ist wiederholt
beraten, jedoch noch keiner Entscheidung entgegengeführt worden.

  =Nürnberg=, den 15. Juli 1906.          Prof. J. =Schmitz=, Architekt.


                    5. Nachtrag vom 15. Januar 1912.

Jedes Gebäude, auch wenn es noch so solid konstruiert ist, verlangt eine
=Instandhaltung= zur Abwehr der regelmäßigen Schäden, die durch Wind
und Wetter sowie durch andere äußere und innere Einflüsse hervorgerufen
werden. Je zierlicher die Formen und je eleganter die Konstruktionen
sind, desto größer ist auch die Gefahr einer Beeinträchtigung. Dazu
kommt die bedauerliche Tatsache, daß infolge der heute den zahlreichen
Kaminen entströmenden schwefeligen Gase besonders die Sandsteine in oft
erschreckender Weise angegriffen werden und verwittern, wovon man sich
in Nürnberg allenthalben überzeugen kann.

Die Verwaltung des Vereinigten protestantischen Kirchenvermögens
hat sich denn auch der Einsicht nicht verschlossen, daß auch zur
Instandhaltung der Sebalduskirche mit einem regelmäßigen Baubetrag
gerechnet werden muß, und bringt mit demselben eine Reihe von kleineren
Reparaturen zur Ausführung. Auf diese Weise wird es hoffentlich
gelingen, nach und nach auch verschiedene Epitaphien am Äußeren der
Kirche, an denen Arbeiten bislang noch nicht vordringlich schienen,
die aber allmählich doch zugrunde gehen werden, vor Verfall zu retten.
Unterdessen ist ein langgehegter Wunsch der Gemeinde in Erfüllung
gegangen: die Kirche hat eine =Heizung= erhalten. Diese, die erste
elektrische Kirchenheizung in Deutschland, hat in weiten Kreisen großes
Interesse hervorgerufen (Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin,
1912, S. 58 f.). Aus Rücksicht auf die zahlreichen Kunstschätze der
Kirche, bei denen eine Schädigung durch periodische Erwärmung des
ganzen Luftraumes befürchtet wurde, entschloß man sich zu einer
Fußschemelheizung, die allgemeine Befriedigung gefunden hat. Als ganz
besonders erfreulich muß dabei hervorgehoben werden, daß die Erscheinung
des Kircheninnern, abgesehen von einigen kleinen nicht störenden
Holzkästchen, nicht die geringste Änderung oder Beeinträchtigung erfuhr.
Sind die Betriebskosten auch vorläufig noch etwas hoch, so besteht doch
die Hoffnung, daß mit einer Verbilligung der elektrischen Kraft in
absehbarer Zeit gerechnet werden kann.

[Illustration: TAFEL XIII. Baukosten der Wiederherstellung der
Sebalduskirche. 1885-1906.

Zusammenstellung der einzelnen Arbeiten.

Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben.

Zusammengestellt bis zum Jahre 1905 von Kirchenrat Michahelles.]

Schwieriger scheint die Frage der =Beleuchtung= der Kirche sich lösen zu
lassen und zwar besonders deshalb, weil die Beschaffung entsprechender,
würdiger Beleuchtungskörper große Mittel erfordert. Auch die
Instandsetzung der kostbaren Glasmalereien ist bis zum Erscheinen dieses
Buches aus dem gleichen Grunde zurückgestellt geblieben.

[Illustration: TAFEL XIV. Sebaldusgrab von Peter Vischer.]



                                   IV.

                        Das Inventar der Kirche.

                          1. Altäre und Kanzel.


Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände der Kirche St. Sebald sind so
zahlreich, daß man ihr die nun bald 400 Jahre währende Zugehörigkeit
zum Protestantismus kaum anmerkt. Wesentlich dem konservativen Sinn
der Nürnberger Patrizierfamilien ist es zu danken, daß die Kirche noch
heute eine stattliche Reihe ansehnlicher Werke birgt. Selbstverständlich
gab es auch Zeiten, wo das Interesse an der Vergangenheit und ihren
Zeugen erlahmte und manches kostbare Stück verloren ging. Die
Kirchenreformation im 16. Jahrhundert hatte die Beseitigung einer großen
Anzahl von Altären verlangt und die nach der Mitte des 17. Jahrhunderts
durchgeführte Neuausstattung im Barockstil kostete ebenfalls mehreren
historisch und vielleicht auch künstlerisch bedeutenden Gegenständen die
Existenz.

Die Veränderung des Inventars wird jeweils bei den einzelnen Gruppen
geschildert.

                    *       *       *       *       *

Die Kirche hatte vor der Reformation =13 Altäre=. Eine Reihe von
geeigneten Plätzen für Altäre war durch die Anlage des Baues gegeben. 3
Ostchornischen, 1 Westchor, 2 Krypten nahmen schon im romanischen Bau 6
Altäre auf, ferner der Platz vor dem Ostchor einen, dann noch einen die
Ostkrypta, zusammmen acht. Dazu kamen im Laufe des 14. Jahrhunderts noch
4 Altäre an den Pfeilern des Schiffes und 1 Altar, welcher den Hochaltar
des Westchores verdrängte.

Die Altäre am Ende des 15. Jahrhunderts waren:

=Sebaldsaltar.= Er war der Hochaltar und befand sich im Ostchor des
romanischen Baues, von 1372 an im neuen Ostchor an Stelle des jetzigen
Hauptaltares. 1379 erneuert und geweiht. Die hierüber ausgestellte
Urkunde wurde bei der letzten Wiederherstellung im Sepulkrum der Mensa
aufgefunden und nebst den gleichfalls vorgefundenen Reliquien wieder
in den Altar eingeschlossen.[VII] Die wohl erhaltene Urkunde hat unter
Auflösung der Abkürzungen folgenden Wortlaut (vgl. Abb. 144 auf S. 212):

     Anno domini millesimo trecentesimo septuagesimo nono dedicatum
     est hoc altare in honore sancti Sewaldi, Fabiani et Sebastiani et
     quatuor doctorum et sancti Eloy et sancti Seuerij per venerabilem
     dominum dominum Lampertum episcopum Bambergensem, qui reliquias
     dictorum sanctorum in dicto altari reclusit indictione secunda
     quinto kalen. septembris eiusdem anni, in quorum testimonium
     sigillum dicti domini praesentibus est appensum.

  [VII] Ebenso wurden im Petrusaltar und im Sakristeialtar nicht mehr mit
        Sicherheit zu entziffernde Urkunden samt Reliquien vorgefunden
        und mit diesen wieder in die betreffenden Altäre eingeschlossen.

Schopperpfründe, gestiftet am 5. Mai 1337 von Albert Schopper, 1360 neu
dotiert durch Friedrich Schopper.

Vorchtelpfründe, gestiftet 1371 von Heinrich Vorchtel, 1425 neu dotiert.

1613 wurde der Altar vom Maler Leonhard Prechtel restauriert. Aus den
Schriftstücken hierüber (im Stadtarchiv Nürnberg) geht hervor, daß der
Altar ein Flügelaltar war, und daß sich auf den Flügeln Malereien auf
Goldgrund befanden. Auf die Predella, die ganz zu erneuern war, malte
Prechtel zwei »Historien«. Siehe den Hauptaltar, S. 134.

[Illustration: Abb. 53. Petrusaltar (geöffnet).]

=Nikolausaltar.= Er stand in der nördlichen Apsis des romanischen
Ostchores, dann im neuen Ostchor im nördlichen Umgang als linker
Seitenaltar. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1659 im Barockstil
errichtete Nikolaus- oder Tucheraltar (siehe S. 134).

Kandelgießerpfründe, 1406 von Hartmann Kandelgießer gestiftet.

=Stephansaltar.= Er stand in der südlichen Seitenapsis des romanischen
Ostchores. Seit 1372 im südlichen Umgang des neuen Ostchores. An seiner
Stelle erhebt sich jetzt der 1663 errichtete Altar (siehe S. 135).
1255 eingeweiht. Ablässe 1448, 1452, 1460, 1479, 1481 und 1487. Drei
Pfründen, die des Heinrich von Tuttenstetten, Pfarrer 1300-1307, welche
1364 bestätigt wurde, die des Paul Muffel, deren Stiftungsjahr unbekannt
ist, und die Pfründe des Ambrosius Stromer von 1509.

[Illustration: Abb. 54. Petrusaltar (geschlossen).]

Der Altar hatte ein auf Holz gemaltes Bild, welches Nikolaus Muffel
zwischen 1436 und 1439 für 200 fl. angeschafft hatte. Er kam, als 1663
der Barockaltar errichtet wurde, in die Lorenzkirche.

=Petersaltar.= Ein Petersaltar stand schon in der alten Peterskapelle.
Wahrscheinlich wurde dieser in die romanische Kirche, und zwar in den
Westchor transferiert. 1274 wurde er durch einen neuen Altar ersetzt.

1303 Ablaß, 1475 Ablaßbestätigung. 1372 wanderte der Altar in den neuen
Ostchor hinter den Hochaltar, an dieselbe Stelle, an welcher jetzt
der Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Altar steht. Über diesen
siehe S. 135. 1378 wird jedoch der Westchor noch Peterschor (neben
Katharinenchor) genannt.

1340 stiftet Otto Kramer von Koburg eine Pfründe, dieselbe wird 1360
bestätigt; 1356 stiftet Adelheid Löhneisen eine Pfründe, 1372 Berthold
Pfinzing. Das Jahr der Stiftung der Movendelpfründe der Dorothea Däschin
ist nicht bekannt.

=Katharinenaltar.= Er stand anfangs in der Westkrypta, von der Mitte des
14. Jahrhunderts an schon im Westchor zusammen mit dem Petersaltar.

Ablaßbestätigung 1298. Ablässe 1341, 1342. Pfründen: Schatzpfründe,
gestiftet von Konrad Schatz, bestätigt 1360; Kandelgießerpfründe,
gestiftet 1386. Siehe den Löffelholzaltar.

=Johannisaltar.= Dem hl. Johannes dem Evangelisten geweiht. Er stand im
Mittelschiff zwischen den zum Chor führenden Stufen (_sub pulpito_ oder
_quae [ara] in medio ecclesiae sancti Sebaldi locata est_).

Ablaß: 1289. Pfründen: Pömerpfründe, gestiftet 1348 von Heinrich Pömer,
und die Fleischmannpfründe, gestiftet von Albert Fleischmann, Pfarrer
von 1397 bis 1444.

Der Johannisaltar scheint 1542 mit den beiden Frauenaltären und dem
Zwölfbotenaltar beseitigt worden zu sein.

=Zwölfbotenaltar.= Den zwölf Aposteln geweiht. Er stand an einem
Schiffspfeiler.

Ablässe 1352 und 1370. Meintaler-Pfründe, 1352 von Konrad Meintaler
gestiftet, 1359 von der Witwe des Stifters neu dotiert.

Er stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts an einem der beiden ersten
Ostchorpfeiler und hatte 1542 dasselbe Schicksal wie die beiden
Frauenaltäre.

=Erhardaltar.= Er stand im Schiff in der nördlichen Pfeilerreihe. Es ist
der jetzige Halleraltar, der zwar noch in der nördlichen Pfeilerreihe
steht, aber nicht mehr am alten Pfeiler, wo bis heute eine Erhardstatue
verblieben ist (vgl. S. 154). Noch im 17. Jahrhundert stand der
Erhardaltar um einen Pfeiler weiter östlich als jetzt. 1336 gestiftet
(siehe Urkunde S. 235).

Ablaß: 1360. Pfründen: Nützelpfründe, Stiftungsjahr unbekannt;
Hallerpfründe, 1358 von Ulrich Haller gestiftet; Dietleinpfründe, 1363
von Hans Dietlein gestiftet. Siehe den Halleraltar, S. 138.

=Kunigundenaltar.= Den Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto geweiht. Er
stand an einem der Schiffspfeiler.

Dietlerpfründe, 1347 gestiftet von der Hensel Dietler; Tesauruspfründe,
1354 oder vor 1354 gestiftet von Konrad Tesaurus [Schatz];
Hallerpfründe, vor 1383 gestiftet von Ulrich Haller, und die
Nützelpfründe, 1389 gestiftet von Elisabeth Haller.

=Bartholomäusaltar.= Den Heiligen Bartholomäus und Pankratius geweiht.
Er stand an einem der Schiffspfeiler.

Ablässe 1460, 1476 und 1477. Pfinzingpfründe, 1435 von Berthold Pfinzing
gestiftet.

=Marien- und Dreikönigsaltar=, gewöhnlich =Frauenaltar= genannt. »Ad
honorem beatae Mariae virginis et trium regum«. In der romanischen und
gotischen Zeit in der Krypta, d. h. in der Ostkrypta, und zwar in der
mittleren Apsis. In der späteren gotischen Zeit ist stets von zwei
Frauenaltären die Rede.

Ablässe 1283, 1284, 1289, 1341 (Wandelkerzen), 1370 und 1379. Vier
Pfründen: Bretheimpfründe, gestiftet von Konrad Bretheim 1358, bestätigt
1359; die Teufelpfründe, gestiftet von Konrad Teufel 1359, bestätigt
1370, neu dotiert von Hans Teufel 1440; die Movendelpfründe des Paul
Volckamer, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und Kolerpfründe,
gestiftet von Elisabeth Koler 1402.

Die beiden Frauenaltäre standen zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den
beiden ersten Säulen des Ostchores, an denen heute noch Marienstatuen
angebracht sind. Sie wurden mit dem gegenüberstehenden Zwölfbotenaltar
und dem dazwischen befindlichen Altar, wahrscheinlich dem Johannesaltar,
auf Beschluß des Rates 1542 beseitigt, weil die Kirchenbesucher den
Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.

=Jakobsaltar.= Den Heiligen Jakobus, Jodokus, Martinus und Christophorus
geweiht. In der Ostkrypta, dem Frauenaltar gegenüber.

1343 gestiftet von Jakob Kramer. Ablässe 1353, 1355 und 1365.
Kramerpfründe, 1381 von Bernhard Kramer gestiftet.

[Illustration: Abb. 55. Abb. 56. Abb. 57. Kreuzigungsgruppe von
Veit Stoß. Über dem Hauptaltar im Ostchor.]

=Allerseelen-Altar.= In der Westkrypta. Ablaßbrief vom 3. Mai 1360, in
dem die Krypta als »ergastulum« (also etwa: Verließ, unterirdischer
Raum) bezeichnet wird. Vgl. Beilage 28.

Im Liber privilegiorum A des Fürstbischofs Lambrecht von Bamberg
(Kreisarchiv Bamberg) findet sich die Abschrift einer Urkunde, nach
welcher 1401 am 23. Mai eine Pfründe auf dem =Georgsaltar= in der Kirche
des hl. Theobald in Nürnberg gestiftet worden ist. Jedenfalls ist
Theobald verschrieben für Sebald, allein ein Georgsaltar in der Kirche
Sankt Sebald ist sonst nirgends belegt.

Die =jetzigen Altäre= der Kirche sind:

Der =Hauptaltar=. Im Ostchor.

An seiner Stelle stand der zur Barockaustattung der Kirche gehörige,
1663 von Georg Wirsching, Schreiner von Neumarkt i. O., errichtete
Hauptaltar als Nachfolger des gotischen, 1379 dem hl. Sebald geweihten
Hochaltares (Abb. 30). Der Barockaltar war 1660 für 1000 fl. in Arbeit
gegeben worden. Nach der Aufstellung wurden 200 fl. nachbezahlt.

An die Stelle dieses Altars trat 1823 ein nach Zeichnungen Karl
Alexander Heideloffs in neugotischem Stil von dem Schreiner Heil und
dem Bildhauer Rotermundt ausgeführter Altarbau, an dem die schon
am Barockaltar angebrachte Gruppe, Christus am Kreuz mit Maria und
Johannes (Abb. 55, 56, 57), lebensgroße, in Holz geschnitzte und
farbig gefaßte Figuren des Veit Stoß und seiner Schule, wieder zur
Verwendung kam. Der Altar ist abgebildet im Sammler für Kunst und
Altertum in Nürnberg, 1. Heft (1824), Tafel zu S. 51. Bei der letzten
Wiederherstellung wurde dieser Heideloffsche Altar entfernt und zwischen
den mittleren Schiffpfeilern auf einem Tragbalken die Kreuzigungsgruppe
wieder angebracht. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gruppe von dem ihr
anhaftenden dicken Ölfarbenüberzug befreit, die ansehnlichen Reste alter
Polychromierung ergänzt und im Innern des Christuskörpers folgende, nur
noch zum Teil leserliche, aber die Autorschaft des Veit Stoß bezeugende
Urkunde gefunden:

                              Ihs Maria
                     Adi 27 Julii 1520 jar
                     ist diser got auff gericht
                     durch Nicklos Wickel zw
                     Nurnberg mit hilff Aug[ustin]
                     -- -- -- -- -- und ist gemacht
                     von Veit Stoss zw Nurnberg
                     kostet -- -- -- -- --.

Die von Stoß herrührende Hauptfigur der Gruppe vom Jahre 1520 soll sich
ursprünglich auf einem zwischen zwei Pfeilern eingespannten Bogen über
dem Sebaldusgrabe befunden haben. Die Provenienz der Seitenfiguren ist
unbekannt. Heideloff ließ durch Bronzierung die alte Fassung der Figuren
zudecken.

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (Nürnberg 1831), S. 34,
bot der Kurfürst von Mainz 1652 durch den Bildhauer Georg Schweigger
dem Rate von Nürnberg 1000 Dukaten für die Gruppe. Vgl. über dieselbe
ferner: Denkmalpflege. 1904, S. 96 und 131.

Die Mensa des Altars ist noch die ursprüngliche mittelalterliche und
enthält die S. 129 (vgl. Abb. 144) erwähnte Urkunde samt den darin
aufgezählten Reliquien.

Der =Tucher=sche oder =Nikolausaltar= (Abb. 51). Im Ostchor, und zwar im
nördlichen Umgang an Stelle des als linker Seitenaltar verwendeten alten
Nikolausaltars (siehe S. 130). 1659 von der Familie Tucher gestiftet.

Der Aufbau besteht aus Rückwand mit Gemälde, zwei flankierenden
Säulen und einem von denselben getragenen Giebel. Architektur wie
Bildhauerarbeit, von welch letzterer hauptsächlich der Christusknabe
auf dem Giebel Erwähnung verdient, stammen von Georg Schweigger. Der
Altar gehörte zur ehemaligen Barockausstattung der Kirche. Altarblatt
mit einem =Ecce homo=, Ölgemälde auf Leinwand von Matthäus Merian dem
Jüngeren. Unter dem Bilde die Inschrift: Er ist umb unser Sünde willen
zerschlagen Esa. 53. Oben das Wappen der Tucher.

[Illustration: Abb. 58. Geburt Christi. Von einem der Flügel des
Löffelholzaltars.]

[Illustration: Abb. 59. Legende des heil. Georg. Von einem der Flügel
des Löffelholzaltars.]

Der =Muffel=sche oder =Stephansaltar=. Im Ostchor, und zwar im südlichen
Umgang an Stelle des als rechter Seitenaltar verwendeten alten
Stephansaltares (siehe S. 131). 1663 von der Familie Muffel gestiftet,
nachdem sein Vorgänger in die Lorenzkirche transferiert worden.

Gegenstück zu dem Tucherschen Altar und mit diesem der hauptsächlichste
Überrest der Barockausstattung der Kirche. Altarblatt mit der
Auferstehung Christi, Ölgemälde auf Leinwand von Johann Franziskus
Ermel. Unter dem Bild die Inschrift: Er ist umb unser Gerechtigkeit
willen wieder auferweckt. Rom. 4. Oben das Wappen der Muffel.

Der =Petrusaltar=. Im Ostchor an der Wand hinter dem Hauptaltar.
Flügelaltar aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts (Abb. 53, 54).

Im Schrein fünf Holzfiguren, nämlich die lebensgroße Gestalt des
thronenden Petrus, zu beiden Seiten zwei Engel und über seinem Haupte
zwei schwebende Engel, welche wahrscheinlich die Tiara trugen. Farbig
gefaßt. Ein durchbrochenes reiches Stabwerk als Baldachin schließt den
Schrein oben ab. An dem feststehenden und an dem beweglichen Flügelpaar
zusammen in Tempera zwölf Szenen aus dem Leben des hl. Petrus, Gemälde
aus der Schule des Wolgemut.

Die Türen der Predella, ursprünglich wohl mit Gemälden geschmückt,
fehlen und sind durch einfache Brettertüren ersetzt. Schon 1572 fand
eine Restaurierung des Altares statt. In seinem jetzigen Zustande geht
er auf die Restaurierung durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg
zurück.

[Illustration: Abb. 60. Halleraltar (geschlossen).]

Ein Gemälde auf Holz mit den Donatoren, dabei die Wappen der Topler,
Haller u. a., früher an der Vorderseite der Mensa, ist jetzt an der Wand
des nördlichen Seitenschiffes neben dem Turm angebracht. Eine an der
rechten Seite der steinernen Mensa mit Eisen beschlagene alte Holztüre
und der Raum, zu dem sie führt, läßt auf eine frühere Aufbewahrung von
größeren Reliquien, eines Heiligenschreines oder dergleichen schließen.

Ein =Wandgemälde mit Darstellungen aus der Apostelgeschichte=, um 1400
(Abb. 106), fand sich bei der letzten Wiederherstellung der Kirche
hinter dem Petrusaltar und ließ sich an eine Wand des südlichen
Chorumganges übertragen. Vergleiche über das Bild Gebhardt, Die Anfänge
der Tafelmalerei in Nürnberg, S. 14 und 20.

Der =Katharinen=- oder =Löffelholzaltar= (Abb. 43, 58, 59). Im Westchor.
Schrein und Predella um 1453, das übrige des Aufbaues im Empirestil vom
Ende des 18. Jahrhunderts.

[Illustration: Abb. 61. Halleraltar (geöffnet).]

Im Schrein zwei in Holz geschnitzte und farbig gefaßte Figurengruppen,
links wird die hl. Katharina gerädert, rechts wird sie enthauptet. Auf
den beiden beweglichen Flügeln vier Gemälde auf Goldgrund, weitere
Darstellungen aus dem Leben der hl. Katharina, innen links die
Disputation mit den Philosophen, rechts die Verbrennung derselben,
außen links die heiligen drei Könige, rechts der hl. Georg. Die
Predellanische, ursprünglich mit Holzskulpturen belebt, ist jetzt leer.
Auf den Türen der Predella innen, ebenfalls auf Goldgrund gemalt,
sechs Halbfiguren, links die Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto,
rechts Christus mit Johannes und Thomas, außen die Familienglieder des
Stifters und zwar links die männlichen mit den Wappen der Löffelholz,
Löffelholz-Dietner und Löffelholz-Stromer-Sachs, rechts die der
weiblichen mit den Wappen der Löffelholz-Züngel, Löffelholz-Kreß und
Löffelholz-Stromer.

Unten an der Predella die Inschrift: »Anno domini m cccc liii an s.
Thomas tag de Aqiin verschied frav Kunigund Wilhelm Loffelholtzin, der
got gnadt.« In dem Innenraum der Mensa fanden sich einige Knochenreste,
eine Gewandspange (?) und kleine ornamentale Bauteile, jetzt im
Lapidarium der Kirche. Am Empireaufsatz das Löffelholzsche Wappen.

Bezüglich der Gemälde siehe Thode, Die Malerschule von Nürnberg,
S. 118 ff. Gebhardt, S. 145 ff.

Der =Halleraltar= (Abb. 60, 61). Im Schiff am zweiten Pfeiler der
nördlichen Arkadenreihe. Es ist der in den Urkunden des Mittelalters
genannte Erhardaltar und stand noch im ersten Drittel des 19.
Jahrhunderts am dritten Pfeiler derselben Reihe (siehe S. 132).
Flügelaltar von etwa 1440-1450. Mittelbild und Innenseiten des
beweglichen Flügelpaares: auf gemustertem Goldgrund Christus am Kreuz
mit Maria und Johannes, links die hl. Barbara, rechts die hl. Katharina.
Der holzgeschnitzte ornamentale obere Abschluß stammt aus der Zeit der
letzten Wiederherstellung.

Auf den Außenseiten des beweglichen Flügelpaares Christus am Ölberg mit
den schlafenden Jüngern, unten die Stifter mit den Wappen der Haller
und Valzner und den Wappen der Haller, Koler und Seckendorf. Auf den
feststehenden Flügeln zwei heilige Bischöfe, bezeichnet als Erhard
(links) und Gori (rechts), vielleicht jedoch Erasmus und Blasius. Vgl.
Thode, Die Malerschule von Nürnberg, Frankfurt 1891; Gebhardt, a. a. O.,
S. 90 ff., hält den Meister des Halleraltars für einen Vorläufer des
Meisters des Tucherschen Altars in der Frauenkirche.

Auf dem Altar die minderwertigen holzgeschnitzten Statuetten einer
Verkündigung, 1470-1480.

Am zweiten südlichen Chorpfeiler noch ein kleiner =Altarschrein= mit
holzgeschnitzter Gruppe der heiligen Sippe. Außen die Verkündigung. Auf
den Innenseiten der Flügel zur Darstellung des Mittelschreines gehörige
Sippenbilder. Der Altar wurde bei der letzten Instandsetzung der Kirche
durch Konservator Andreas Mayer in Augsburg wiederhergestellt.

In den beiden Sakristeien sind noch die mittealterlichen =Mensen=
vorhanden.

                    *       *       *       *       *

Die =Kanzel= am südlichen Eckpfeiler von Ostchor und Mittelschiff. 1859
nach Krelings Entwurf von Bildhauer Lorenz Rotermundt im gotischen Stil
ausgeführt. Reiche Schnitzereien an Stiege, Korpus und Baldachin. Braun
gebeizt, mit reicher Vergoldung der Ornamente. Auf dem Schalldeckel
hohe, bis an das Gewölbe reichende Pyramide; an den fünf Seiten des im
Grundriß achtseitigen Kanzelmantels die Brustbilder Christi und von vier
Aposteln.

In einer Urkunde vom Jahre 1293 wird ein pulpitum erwähnt, das zwischen
den westlichen Vierungspfeilern in der Längsachse seinen Platz hatte
und sich somit auf dem durch die Ostkrypta bedingten, bis an das
Mittelschiff reichenden Hochchor befand. Vor ihm war der Johannesaltar
angebracht.

Von der gotischen Kanzel ist nichts bekannt.

1659 wurde im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche eine
neue Kanzel errichtet, welche der Leipziger Bürger Benedikt Winkler
stiftete und der Schreiner Leonhard Ackermann und der Bildhauer
Georg Schweigger ausführten. Von dieser Kanzel hat sich nur die
Figur eines auferstandenen Christus erhalten, die ehemals über dem
Treppenaufgang angebracht war, auf dem Boden der Nürnberger Königlichen
Kunstgewerbeschule wieder aufgefunden wurde und jetzt in einer Nische
des Löffelholzchors aufgestellt ist.


                               2. Plastik.

=Einleitung.= Der in den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts
vollendete spätromanische Bau der Kirche ist auffälligerweise, abgesehen
von der ornamentalen Behandlung der Kapitäle und einiger Konsolen, ohne
plastischen Schmuck geblieben. Statuen und Reliefs werden nicht nur
aus der Zeit der Erbauung, sondern auch aus der nachfolgenden Zeit bis
zum beginnenden 14. Jahrhundert überall vermißt. Nirgends eine Spur
ehemaliger Befestigung figürlicher Darstellungen und nicht ein einziger
Fund, welcher vom alten Bau herzurühren scheint. Die zum Zweck der
Feststellung des ersten Grundrisses 1899 vorgenommenen Ausgrabungen
waren nach dieser Hinsicht erfolglos. Eine zuverlässige Erklärung des
sonderbaren Umstandes ist nicht möglich.

Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts, im engen Anschluß an die
Erweiterungsbauten der beiden Seitenschiffe von St. Sebald, entfaltete
sich in Nürnberg eine Bildhauerschule und zwar gleich mit emsiger
Tätigkeit, denn eine Menge von Aufträgen wurden ihr zuteil. Zunächst
waren die beiden Seitenschiffportale mit Bogenfeldern und das südliche
mit den Statuen Katharina und Petrus auszustatten, ferner einige Statuen
an den Strebepfeilern des nördlichen Seitenschiffes, die Figuren der
Jungfrauen an der Brauttüre und schließlich im Innern die Statuen
der zwölf Apostel, des Kaisers Heinrich und der Kaiserin Kunigunde
und einige andere Figuren anzubringen. Gewiß ein weites Arbeitsfeld,
welches der Schule Gelegenheit bot, ihr ganzes Können zu zeigen. Die
wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt hatten sich ebenso wie die
politischen sehr zu ihrem Vorteil geändert, und so hielten es die
Patriziergeschlechter der Pfarrgemeinde für eine Ehrenpflicht, zur
reichen Ausstattung der Kirche ausgiebige Beiträge zu leisten.

Was die Qualität der Werke anlangt, so geht die größere Anzahl über die
Mittelmäßigkeit hinaus. Eine Arbeit, die Statue der hl. Katharina (Abb.
137, 138), ist zum Teil von hervorragender Schönheit. Überhaupt ist ein
Streben nach Formenschönheit charakteristisch für die Gestaltung fast
sämtlicher Bildwerke. Gesichtszüge, Haarlocken, Haltung, Draperie, alles
will gefällig erscheinen. Mit jener hl. Katharina zeigt insbesondere
ein Kopf am nördlichen Querschiff, möglicherweise das Bildnis des
Meisters, sowie das Wappen mit dem sogenannten Jungfrauenadler am
gegenüberliegenden Bestelmeyerschen Hause nahe Verwandtschaft. Die
Arbeiten gehören stilistisch noch in die Epoche der Hochgotik und zeigen
ebenso wie der Neubau der Seitenschiffe verwandtschaftliche Beziehungen
zur Freiburger Schule.

Die Lebensfähigkeit der ersten Nürnberger Bildhauerschule währte etwa
ein Menschenalter. Vom Ende der dreißiger Jahre an ging die Führung in
der Plastik von St. Sebald auf die andere Pfarrkirche St. Lorenz über,
es folgten die Frauenkirche und der Schöne Brunnen. An plastischen
Arbeiten aus dieser Zeit hat die Kirche St. Sebald nur zwei, die Statuen
der Heiligen Helena und Antonius im südlichen Seitenschiff, aufzuweisen,
welche mit den Figuren an der Vorhalle der Frauenkirche nahe verwandt
erscheinen.

Mit dem Neubau des Ostchores regte sich in der Plastik von
St. Sebald wieder neues Leben. Nur war der Umfang der Aufträge diesmal
verhältnismäßig gering. Es scheint, daß die unmittelbar vorausgegangenen
Bauten und insbesondere der Ostchorbau selbst an den Opfersinn der
Bürgerschaft zu hohe Anforderungen gestellt hatten. Und dann machte
ein anderes früher in Nürnberg nicht gekanntes Kunstgebiet, das der
Glasmalerei, welches zur Ausstattung der hohen Chorfenster Anlaß gab,
der Plastik bedeutende Konkurrenz.

So kam es, daß von den zahlreichen zur Aufstellung von überlebensgroßen
Statuen geschaffenen Stellen an der Innenseite der Ostchorwand mit ihren
originellen Konsolen und Baldachinen nur zwei mit Statuen, den Aposteln
Petrus und Paulus, besetzt wurden, den einzigen bedeutenderen Vertretern
der figürlichen Plastik dieser Schule. Dagegen fand jetzt das Relief
mehr Ausbreitung dadurch, daß außen an jedem Ostchorstrebepfeiler Tafeln
mit Passionsdarstellungen angebracht werden sollten. Die neue Schule
hat die ihr gestellten Aufgaben mit großem Geschick gelöst. Sie hat es
verstanden, einer derb-kräftigen Art in der Charakteristik der einzelnen
Gestalten beredten Ausdruck zu verleihen und die Begebenheiten
durch klare Disposition anschaulich zu erzählen, und steht damit in
innerster Beziehung zur Nürnberger Bildhauerschule um die Wende des
15. Jahrhunderts, die sich ebenfalls hauptsächlich auf dem Gebiete der
Reliefkunst betätigt hat und diesen beiden Vorzügen mit ihren Weltruf
verdankt.

Zur Schule der Skulpturen am Ostchor zählt auch das überaus eigenartige
Gehäuse des Wandtabernakels im Innern.

Polychrom sind fast alle Schöpfungen der ersten Schule: bei den
Statuen im Innern auch Konsolen und Baldachine, selbst der Hintergrund
ist zuweilen farbig behandelt; die Bogenfelder außen an den
Seitenschiffportalen zeigen Spuren von Farbe und Gold. Bunt behandelt
ist bei den Werken der zweiten Schule nur das Sakramentshäuschen.

Die Bildhauerschulen von St. Sebald in der Frühzeit und aus
den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts repräsentieren die
Hauptentwicklungsstufen der Steinplastik Nürnbergs während des ganzen
Jahrhunderts, in dessen letzten Jahrzehnten nur noch die Tonplastik
eine besondere Blüte erlebt zu haben scheint. Von den Hervorbringungen
dieser Kunst bietet der Ostchor von St. Sebald gleichfalls einige
bemerkenswerte Proben. Es ist von Interesse zu beobachten, wie jene
hauptsächlichsten beiden Schulen, als Anfangs- und Endpunkt einer
fortlaufenden Entwicklung, sich trotz aller Ähnlichkeit diametral
entgegenstehen. Bei der ersten Schule mußten eben eine Reihe von
Anleihen bei einer anderen Schule gemacht werden, welche auf eine große
Vergangenheit zurückblicken konnte. Die Abhängigkeit der Nürnberger
Schule äußerte sich infolgedessen in der Aufnahme eines ihr fremden
Elementes, welches sich nicht einleben wollte. Bei der zweiten Schule
ist von fremdartigen Einflüssen keine Spur mehr, die charakteristischen
Eigenschaften der Nürnberger Bildhauerkunst bis Adam Kraft, vornehmlich
drastische ausdrucksvolle Darstellung, sind hier bereits in die
Erscheinung getreten.

Als Arbeiten der Plastik des 15. Jahrhunderts hat die Kirche mehrere
gefaßte Holzfiguren aufzuweisen, welche ursprünglich die Seitenaltäre
zierten und nach Beseitigung derselben auf die immer noch leeren
Konsolen der Ostchorwand gestellt wurden, und dann eine stattliche
Anzahl von Epitaphien, welche an der Außenseite in der Nähe der
Begräbnisstätten der Stifter eingelassen wurden. Den Höhepunkt in der
Ausstattung des Baues mit Bildwerken bezeichnet das zu Ende gehende
15. und das beginnende 16. Jahrhundert, zu welcher Zeit von den ersten
Meistern der Nürnberger Plastik Werke Aufnahme fanden, die an dem Ruhm
der Kirche mindestens den gleichen Anteil haben wie der Bau selbst.

Eine zusammenfassende Würdigung dieser Werke unterbleibt hier, da
dieselben nicht in Beziehung zur Geschichte des Baues stehen.

Bei dem nun folgenden =Inventar der plastischen Werke=, das sich
auf eine Aufzählung und kurze Erläuterung der einzelnen Skulpturen
beschränkt, werden zunächst die Arbeiten am Äußeren der Kirche und
alsdann die im Innern derselben in fortlaufender Reihenfolge behandelt
werden.


                       A. Die Plastik am Außenbau.

Am Mittelfenster des Westchors die überlebensgroße Erzstatue des
=Christus am Kreuz= (Abb. 62). 1625 gegossen von Johann Wurzelbauer, dem
Sohn des Meisters vom Tugendbrunnen. Ersatz für das von den Gebrüdern
Johann und Georg Starck 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix, welches
zuerst an dem Schwibbogen zwischen Sebalder Pfarrhaus und Moritzkapelle
hing und 1543 nach Abbruch des Bogens an den Westchor von St. Sebald
verbracht wurde. Der Ersatz war wahrscheinlich infolge starker
Verwitterung dieses Kreuzes notwendig. Unten am Kreuz befindet sich eine
Messingtafel mit den Anfangsbuchstaben der Stifter: H S G S und eine
zweite Messingtafel mit der Inschrift:

          Adspicite, o homines! miseranda in imagine Christum,
          Adspicite immiti trajectum pectora ferro,
          Pectora foedatasque manus perfusaque tabe
          Ora cruentatumque caput crinesque revulsos.
          Cernite liventes atro squalore lacertos,
          Cernite eheu! plenos lacrimarum fundite rivos!

     Monumentum hoc, quod prisca Starckiadum pietas dicavit per Johannem
     et Georgium Starckium, fratres, renovatum est MDCXXV.

Bezüglich der Sage von den »Herrgottschwärzern« siehe M. M. Mayer
a. a. O., S. 7.

[Illustration: Abb. 62. Erzkruzifix am Westchor.]

=Epitaph der Ketzel= von 1453. Steinrelief an der Nordseite des
Westchors. Oben bildliche Darstellung: Rettung der Seelen aus dem
Fegefeuer. Darunter Inschrift: »Anno domini Mccccxxxiii iar an sontag
nach Maria geburt starb der erber elter Heinrich Ketzell, dem got
genad.« Darunter das Wappen der Ketzel und die Zeichen ihrer Würde als
Ritter des Heiligen Grabes (Kreuz von vier kleinen Kreuzen umgeben),
als Ritter des »Ordens von der Lilie oder vom Blumentopf« des Ordens
der »Equitum ensiferorum Cypri« (Schwert, von einem S umschlungen) und
als Ritter der hl. Katharina auf dem Berge Sinai (das halbe Rad der hl.
Katharina). Darunter die Inschrift: »Dar nach starb sein sun Heinrich
Ketzell am montag nach der heiligen drei kunig dag M cccc liii iar, dem
got genad.« Dieser Heinrich Ketzel war der erste aus seiner Familie, der
zum Heiligen Grabe zog.

=Epitaph der Pfinzing= von etwa 1480. Steinrelief an der Nordseite des
Westchors. Rechts das Wappen Pfinzing-Kreß, links Pfinzing-Lauffenholz,
zwischen beiden die kleinen Wappen der Pfinzing und der von Plauen. Über
den Wappen Inschrift, welche dahin noch entziffert werden kann, daß ein
Berthold Pfinzing 1357, ein anderer Berthold Pfinzing 1479, ferner ein
Otto und ein Sebald Pfinzing sowie des letzteren Frau Elisabeth, geb.
Mendel, hier begraben wurden. Stark verwittert.

=Epitaph der Maurer= von etwa 1458. Steinrelief an der Nordseite des
Westchors. Christus am Kreuz mit Maria und Johannes nebst den Stiftern.
Darunter das Wappen der Maurer und folgende Inschrift: »Von xps gepurt
xiii^c und lviii iar an sant Ambrosius tag wart Herman Maurer vnd sein
wirtin hie pegraben, des Sebolt Grabners anher. Anno domini xiiii^c
lviii iar starb Sebolt Grabner.« Kopie. Das Original im Lapidarium
der Kirche. Vgl. Redslob in den Mitteilungen aus dem Germanischen
Nationalmuseum 1907, S. 54 (doch mit unrichtiger Jahreszahl 1448).

Am ersten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes ein Steinrelief mit
=Christus am Kreuz, Maria und Johannes=. Darüber die Inschrift: »Anno M
cccclxjjj jar an sant Barbara tag verschied Burckhart Semler, dem got
genedig sey.« Mit den Wappen der Semler und Tetzel. Kopie. Original im
Lapidarium.

An demselben Pfeiler die lebensgroße Statue der hl. =Maria= mit dem
Christuskind und die Statuette des hl. =Christophorus=, Kopien der
Neuzeit. Ebenfalls Kopien sind die drei Konsolen mit den Baldachinen
(eine Konsole war von jeher leer). 1330-1335. Originale der Figuren im
Lapidarium.

Am nördlichen Seitenschiffe zwischen Turm und Portal das =Fuggersche
Epitaph= von 1497. Steinrelief mit dem =Schutzmantelbild Mariä=.
Unter dem Mantel Mariä die Familienglieder des Stifters. Darunter ein
kreisrundes Medaillon mit dem Wappen der Fugger und der Inschrift: »A.
D. 1497 am sontag nach Bartholomei tag starb Peter Fugger von Augsburg,
der hier begraben liegt, dem gott gnädig sey. Amen.« Siehe Edwin
Redslob, a. a. O., S. 57.

Links davon das Hallersche Epitaph. Steinrelief mit =Christus am
Kreuz=, =Maria= und =Johannes=. Links das Wappen der Haller, rechts das
der Paumgartner. Unten knieende Familienglieder des Stifters mit den
Wappen der Haller, Paumgartner und anderer Geschlechter. Um 1420. Stark
verwittert.

[Illustration: Abb. 63. Bogenfeld im Portal des nördlichen Seitenschiffs
mit Darstellungen aus dem Marienleben.]

=Nordportal=, beziehungsweise nördliches Eingangsportal des nördlichen
Seitenschiffes, die sogenannte Anschreibtüre. Bogenfeld mit den
Reliefdarstellungen des =Todes=, =Leichenbegängnisses= und der =Krönung
Mariä= (Abb. 63), durch eine Querleiste getrennt: unten die beiden
erstgenannten, oben die letztgenannte Darstellung. Farbig gefaßt. Um
1310. Von derselben Werkstätte wie das Bogenfeld des Südportales.

Von den =Kapitälen= der acht flankierenden Säulen an der Portalgewandung
sind zwei ornamental bearbeitet. An den übrigen befinden sich kleine
menschliche Gestalten, meist in kniender und betender Stellung gegen
das Bogenfeld gerichtet. Von der gleichen Hand, jedoch ohne Spuren
farbiger Behandlung.

[Illustration: Abb. 64. Statue der Eitelkeit der Welt am nördl.
Seitenschiff. Vorderseite.]

[Illustration: Abb. 65. Statue der Eitelkeit der Welt am nördlichen
Seitenschiff. Rückseite.]

Die zwei Figuren der =Verkündigung= zu beiden Seiten des Portales
stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Dagegen waren die
ursprünglichen Konsolen und die Baldachine, jetzt durch Kopien ersetzt,
aus der Zeit des Portales.

Am nächsten Strebepfeiler die lebensgroße Statue eines Jünglings,
die =Eitelkeit der Welt= darstellend (Abb. 64, 65). Der Rücken ist
entblößt und von Würmern zerfressen; Kröten und Schlangen kriechen
daran. Die Figur wird von der Seite gesehen. Aus der Schule der
Seitenschiffe. Konsole und Baldachin sind Kopien. Etwa 1310-1315. Die
gleiche Vorstellung in einem Liede Walthers von der Vogelweide und dem
größeren Gedichte »Der Welt Lohn« von Konrad von Würzburg ([gestorben]
1287). Unter den Werken der Plastik ist unsere Darstellung mit denen
am Südportal des Domes zu Worms nah verwandt und auch mit denen an den
Münsterkirchen zu Freiburg i. B., Straßburg und Basel zu vergleichen.
Zeitlich stellt sie die letztentstandene dieser Figuren dar (vgl. das
Referat eines Vortrages über diesen Gegenstand von K. Schaefer im
Jahresbericht über das 19. Vereinsjahr des Vereins für Geschichte der
Stadt Nürnberg, 1896, S. 9 ff.).

[Illustration: Abb. 66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal.]

An der Mauer oberhalb des Kaffgesimses ein kleines =Kreuzigungsrelief=:
Der Gekreuzigte mit Maria und Johannes zu seinen beiden Seiten.
Inschrift nicht mehr festzustellen. 14. Jahrhundert. Kopie. Das Original
nicht mehr vorhanden.

Am ersten Ostchorpfeiler neben der Brauttüre ein Relief mit =Christus am
Kreuz=, =Maria= und =Johannes=. Um 1320.

Darunter auf einer Steinleiste =drei Wappen=: zwischen zwei Wappen der
Stromer das Wappen der Haller. Kopie.

An dem gleichen Pfeiler hoch über diesem Kreuzigungsrelief der S. 42
erwähnte =Kopf= (Meisterkopf?).

Die =Brauttüre= oder »Ehetür«. In den Leibungen des Portales
und unmittelbar neben demselben auf Sockeln und Konsolen die
halblebensgroßen =Figuren der fünf klugen= (links) =und der fünf
törichten Jungfrauen= (rechts) (Abb. 66) mit Spuren alter Bemalung. Die
letzte der linksstehenden Figuren stammt aus der Neuzeit.

Die Statuen gehören der Schule des Meisters vom südlichen Portal an,
ebenso die Tierfiguren an den vier Konsolen. Es zeigt sich noch die
Feinheit und der weiche Fluß in der Gewandbehandlung, dagegen bereits
Eintönigkeit in Haltung und Köpfen. Mit Konsolen und Baldachinen aus der
Zeit des Portales, etwa 1315 bis etwa 1320.

Derselben Zeit gehören an zu beiden Seiten des Türbogens die
halblebensgroßen Figuren des Adam und der Eva, die ersten nackten
Gestalten in der Nürnberger statuarischen Plastik, mit den Wappen
der Muffel und Vorchtel und am Scheitel des Bogens das Brustbild des
segnenden =Christus=. In den Zwickelfeldern =Prophetengestalten= in
Relief.

Erst gegen Ende der vierziger Jahre des 14. Jahrhunderts wurde die
Brauttüre durch ein zwischen die beiden Strebepfeiler eingespanntes
=Maßwerk= zu einer Portalhalle umgestaltet.

[Illustration: Abb. 67. Geißelung Christi. Stationsrelief am Ostchor.]

[Illustration: Abb. 68. Kreuztragung. Stationsrelief am Ostchor.]

Die Hauptteile desselben bilden ein Spitzbogen und ein demselben
eingefügter Halbkreisbogen, die äußeren Zwickel des Spitzbogens
sind rechteckig eingerahmt. Die leeren Flächen sind mit zierlichen,
durchbrochen gearbeiteten Ornamenten ausgefüllt und der Halbkreisbogen
unten mit einem ebenfalls zierlichen, durchbrochen gearbeiteten
Bogenfries besetzt. Das Gesims des Spitzbogens ist mit Krabben besetzt.
Weibliche Figuren tragen die Konsolen, auf welchen das Ganze zu ruhen
scheint.

Zu beiden Seiten des Maßwerks zwei dreiviertellebensgroße Figuren, neue
Kopien von Statuen aus der Zeit um 1430: links die hl. =Maria= mit dem
Christuskind, unten das Wappen der Topler, rechts der hl. =Sebald= mit
dem Wappen der Schnöden. Die Originale befinden sich im Innern der
Kirche.

An der Westwand der großen Sakristei die überlebensgroße Statue
eines =Christus mit den Wundmalen=. Christus hält mit der Linken die
Mantelenden und weist mit der Rechten auf die Seitenwunde. An der
Konsole halten zwei menschliche Gestalten das Wappenschild der Rieter.
Mit Konsole und Baldachin aus der Zeit um 1400. Die Figur ist eine
Kopie; das Original befindet sich in der Kirche.

An der Nordseite der Sakristei Darstellung der =Gregoriusmesse=,
daneben ein Relief der =Verkündigung Mariä= mit dem Helmschmuck der
Muffel. Beide Reliefs, von denen das erstere heute durch eine Kopie
ersetzt ist (Original im Lapidarium), befanden sich bis zur letzten
Wiederherstellung der Kirche in der Nähe des Treppentürmchens am
nördlichen Turm.

[Illustration: Abb. 69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches
Begräbnis am Ostchor.]

Links von der Brauttüre um die ganze Sakristei herum die meisten der
sogenannten =Wetzrillen=, über deren Bedeutung sich die Wissenschaft
bisher nicht klar ist. Sie finden sich auch sonst an der Kirche,
namentlich an den Portalen.[VIII]

  [VIII] Über die Wetzrillen an der Sebalduskirche vgl. Otto Schulz in
         der Denkmalspflege. III (1901), S. 651.

An den Pfeilern des Ostchores von der nördlichen bis zur südlichen
Sakristei zehn Reliefdarstellungen aus der =Passion=. Die Enstehungszeit
fällt zusammen mit der Erbauungszeit des Chores, demnach in die
Jahre 1372-1379. Die Reliefs sind -- bis auf eines -- aus gleicher
Schule, aber nicht von gleicher Hand. Rechteckiges Format und gleiche
Größe. Jedes Relief hat einen anderen Patrizier zum Stifter, wie die
beigefügten Wappen erkennen lassen.

Die Darstellungen sind:

1. Einzug in Jerusalem (Kopie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts). --
Wappen der Welser.

2. Abendmahl. Kopie. -- Wappen der Groland.

3. Ölberg. -- Wappen der Geuder. Vom Anfang des 15. Jahrhunderts.

4. Gefangennahme. -- Wappen der Pfinzing.

5. Christus vor Pilatus. -- Wappen der Geuschmid.

6. Geißelung (Abb. 67). -- Wappen der Beheim.

7. Dornenkrönung. -- Wappen der Sachs.

8. Kreuztragung (Abb. 68). -- Wappen der Grundherr.

9. Christus am Kreuz. -- Wappen der Behaim.

10. Auferstehung. -- Unbekanntes Wappen.

Am Ostchor zwischen den beiden Pfeilern mit dem Pfinzingschen und dem
Geuschmidschen Passionsrelief das =Schreyersche Grabmal= (Abb. 69).
Steinrelief von Adam Kraft, vollendet 1492.

Das Relief ist dem Raum zwischen den zwei Strebepfeilern angepaßt, so
daß sich das größere Mittelstück an die Wand und die beiden kleineren
Seitenflügel an die Pfeiler anlehnen. Es füllt die Mauerfläche vom
Sockel bis zum Gesims der Fensterbank und mißt in der Höhe über 2·50
m, in der Länge beinahe 6 m. In der Mitte vor dem Relief eine eiserne,
durchbrochen gearbeitete Laterne als Ewiglichtlampe mit der Jahrzahl
1492. Eine neue kassettierte Holzdecke mit Kupferbedachung schützt das
Ganze vor den Unbilden der Witterung, ein eisernes Gitter schließt nach
außen ab. Von den Baldachinen, die zu beiden Seiten den Abschluß des
Grabmales bilden, ist derjenige rechts erneuert. Original im Lapidarium.

[Illustration: Abb. 70. Konsole mit Mönchen an einem südlichen Pfeiler
des Ostchors.]

Das Relief enthält vier Darstellungen aus der Passion: auf dem rechten
Flügel die Kreuztragung, auf der rechten Hälfte des Mittelteiles die
Heimkehr des Volkes vom Richtplatz, auf der linken Hälfte die Grablegung
und auf dem linken Flügel die Auferstehung. Die einzelnen Szenen
sind nicht streng und auch nicht äußerlich voneinander geschieden,
sie gehen mittels eines reichen landschaftlichen Hintergrundes
unter Anwendung der Perspektive ineinander über. Die Landschaft
steigt fast bis an den oberen Rand empor. Die Hauptfiguren sind
dreiviertellebensgroß. Im Vordergrund unten sind die Familien der
Stifter in verkleinertem Maßstab mit ihren Wappen abgebildet; die
Wappen sind links Schreyer-Kammermeister, Schreyer-Link, Schreyer,
Schreyer-Oertel, Schreyer-Landauer, Schreyer-Marstall, Eyb, Fuchs,
Schreyer und Kammermeister, rechts Landauer-Rothenhahn, Landauer,
..?.., Schlüsselfelder-Landauer, Starck-Landauer, Landauer, wiederum
Landauer und Rothenhahn. Das ganze Relief zeigt Spuren von Bemalung.

Am 11. September 1490 schloß Adam Kraft mit dem Kirchenmeister Sebald
Schreyer und dessen Neffen Matthäus Landauer in Gegenwart zweier Zeugen
behufs Übernahme und Ausführung der Bildhauerarbeit einen detaillierten
Vertrag ab. Siehe Neudörfer, Nachrichten, herausgegeben von Lochner,
1875, S. 16 ff. und A. Gümbel im Repertorium für Kunstwissenschaft. XXV
(1902), S. 360 ff. Es wurde unter anderem die Bestimmung getroffen, daß
nur ein guter, ganzer und »unwetteressiger« Stein, bei Vach (1 Stunde
nördlich von Fürth) oder anderswo gebrochen, zur Verwendung gelangen und
daß die Kosten für die Ausführung 160 fl. nicht übersteigen solllen. Als
Zehrgeld während der Arbeit wurden 50 bis 60 fl. ausgemacht. Am 7. Mai
1492 war das Werk vollendet.

[Illustration: Abb. 71. Darstellung des Jüngsten Gerichtes. Schedelsches
Relief über der Schautüre.]

Das Kraftsche Relief ist von eminent malerisch-dramatischer Wirkung,
die figurenreichste und umfassendste Komposition Krafts (vgl. Lübke,
Geschichte der Plastik. 1880, II, 722). Nach Lochner hätte Kraft nach
einem Gemälde gearbeitet, möglicherweise nach einem Gemälde Wolgemuts,
des Freundes von Sebald Schreyer. Die Behauptung scheint der Wahrheit
zu entsprechen, da die Kraftschen Schöpfungen sonst nicht in solchem
Maße auf malerische Wirkung berechnet sind. Allein der Entwurf für
die Komposition selbst scheint Krafts geistiges Eigentum zu sein. In
der Ausführung ist den Schülern mitunter manches überlassen worden.
Ausführliches bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. Berlin
1897, S. 19 bis 27 und 64.

[Illustration: Abb. 72. Grabrelief der Holzschuher am südlichen
Seitenschiff (Kopie aus der Barockzeit).]

Schon vor 1453 hatten die miteinander verwandten und befreundeten
Familien Schreyer und Landauer ihr Begräbnis an der Stelle des
Kraftschen Denkmals. Unten über dem Grabgewölbe liegen noch zwei
Grabsteine: links der Grabstein des Hans Schreyer ([gestorben] 1437) mit
seinem und den Wappen der Eyb und Fuchs, rechts ein Grabstein mit dem
Wappen der Landauer.

Für das von Sebald Schreyer gestiftete Ewige Licht und für das
Sakramentshäuschen wurde 1493 ein Ablaß gewährt. 1508 wurde der Ablaß
bestätigt.

An den Strebepfeilern des Ostchores waren zwei übereinander liegende
Reihen von =Konsolen und Postamenten= zur Aufnahme zahlreicher Figuren
bestimmt, von denen jedoch nur wenige zur Ausführung gekommen sind.
Der oberen Reihe gehören zwei =Prophetenfiguren= an, die sich in sehr
vergittertem Zustande an einem Strebepfeiler der Nordseite vorfanden
und von denen die eine sich jetzt im Germanischen Museum, die andere im
Lapidarium der Kirche befindet.

Die untere Reihe von Konsolen ist mit allerlei satirischen und anderen
Profandarstellungen, auch naturwahren Tiergestalten usw. in trefflicher
Ausführung geschmückt (Abb. 70). Ein Teil derselben ist erneuert
(Originale im Lapidarium). Dieser unteren Reihe gehört am siebenten
Pfeiler des Ostchores, d. h. an dem Pfeiler, an welchem unten das Relief
der Dornenkrönung angebracht ist, oberhalb des Kaffgesimses auf einem
Sockel die lebensgroße Statue des hl. =Sebald= an sowie am folgenden
Pfeiler die der hl. =Maria=, beide aus der gleichen Zeit wie die
Passionsdarstellungen. Die Figuren sind durch besonders reich gebildete
Baldachine hervorgehoben; ihre Hintergründe zeigen deutliche Spuren
alter Bemalung, von der sich noch Engelsgestalten erkennen lassen.
Ein Sockelstück auf dem Fenstergesims zwischen diesen beiden Figuren
läßt darauf schließen, daß sie ehemals mit einer Mittelfigur zu einer
wirkungsvollen, durch reichen Farbenschmuck ausgezeichneten Gruppe
verreinigt waren.

Die neueste Wiederherstellung der Kirche hat die meisten der
leergebliebenen Postamente mit Propheten, Aposteln und anderen
Heiligengestalten belebt (siehe das Kapitel über die jüngste
Restauration S. 90).

Über der Schautüre das eingerahmte Steinrelief des =Jüngsten Gerichtes=
(Abb. 71). Die Komposition zerfällt in eine obere und untere Hälfte.
Oben thront in der Mitte Christus, zu beiden Seiten sitzen in einem
Bogen auf Wolken die zwölf Apostel. Die ausgesparten Zwickel über
denselben füllen vier schwebende Engel aus, die ursprünglich mit
Posaunen ausgerüstet waren. Zu Füßen Christi knien die fürbittenden
Maria und Johannes, in die untere Hälfte der Komposition reichend.
Diese wird durch eine Inschrifttafel in eine linke und rechte Hälfte
zerlegt: hier werden die Auferstandenen von einem Engel in die
Himmelspforte, welche Petrus hütet, geleitet, dort von einem Ungeheuer
in den Höllenrachen befördert. Über der Inschrifttafel zwischen
Maria und Johannes erheben sich die Toten. Links und rechts von der
Tafel der betende Donator und das Wappen seiner Familie, nämlich
das der Schedel. Die Inschrift lautet: »Anno domini MCCCCLXXXV die
quarta mensis Decembris obiit peritissimvs artivm et medicine doctor
Hermannvs Schedel, physicvs Norinbergensis, qui cvm sva familia hic
in pace qviescit.« Die Gedenktafel ist jedenfalls eine Stiftung des
Hartmann Schedel, des berühmten Herausgebers der nach ihm benannten 1493
erschienenen Weltchronik, zu Ehren seines Sohnes. Die Entstehung dürfte
in die nächsten Jahre nach 1485 fallen.

Auf einem der Grabsteine befindet sich ein Steinmetzzeichen. Die
Komposition ist noch ganz mittelalterlich. Die profilierte Umrahmung ist
erneuert (vgl. Redslob a. a. O. S. 58 ff.).

Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (1831), S. 15, befand
sich früher rechts von diesem Relief eine weitere =Gedenktafel der
Familie Schedel=, nämlich ein eingerahmtes Holztafelgemälde mit der
=Geburt Christi=, darüber in drei Abteilungen die Inschrift: »Hartmannus
Schedel, artium ac utriusque medicine doctor, obiit anno domini m.
d. xiiii die xxviiii mensis Nouembris. Magdalena Schedlin, filia
Antony Haller, obiit Anno domini m. d. v. die xiiii mensis Julii. Anne
Schedlin, filia Alberti Heugeli, obiit anno domini M. cccc xi mensis
Septe[mb]ris.« Das schon zu Mayers Zeit sehr verwaschene Bild war 1888
nicht mehr vorhanden; der Rahmen befindet sich im Lapidarium.

[Illustration: Abb. 73. Bogenfeld im Portal des südlichen
Seitenschiffes.]

An der Kapelle neben der südlichen Sakristei =Kruzifixus zwischen Maria
und Johannes=. Rundfiguren des 14. Jahrhunderts. An der Konsole des
Johannes das Wappen der Groland, unter der Maria das Wappen der Zollner.
Kopien. Die Originale der Maria und des Johannes befinden sich in der
Kirche.

An dem nun folgenden =Dreikönigsportal= die Rundfiguren der heiligen
drei Könige und der Maria mit dem Kinde auf Konsolen. An letzteren die
Wappen der Holzschuher, Muffel und Frey (?). Die Figuren stammen aus
der Zeit des Portales. Die Tympanonfüllung wird durch die Rückseite des
holzgeschnitzten und polychrom behandelten Ebnerschen Reliefs gebildet,
das bei der Beschreibung der Denkmäler des Innern näher behandelt wird.
Es ist nicht unwahrscheinlich, daß das Relief, um es vor den Unbilden
der Witterung zu schützen, umgekehrt worden ist, früher indessen einen
Schmuck des äußeren Portals, das in gleicher Weise polychrom behandelt
ist, bildete.

[Illustration: Abb. 74. Grabrelief der Pömer am südlichen Treppenturme.]

Links vom Dreikönigsportal ein =Ecce homo= mit dem Wappen der Geuschmid.

Zu beiden Seiten des Portals zwei =Bischöfe=. Kopien. Die Originale in
der Kirche.

Am ersten Fenster des Seitenschiffes Doppelrelief: oben =Krönung Mariä=,
unten der =ungläubige Thomas=. Das obere Relief ist alt, das untere
Kopie (Original im Lapidarium).

An der anderen Seite des Fensters ein =Epitaph= der =Holzschuher=,
ursprünglich vielleicht aus der Zeit um 1430. Steinrelief mit dem
thronenden Gott Vater, den Gekreuzigten haltend, in der Mitte, mit den
hl. Johannes dem Täufer, Sebald und Paulus auf der linken und Petrus,
Thomas und Christophorus auf der rechten Seite; vor den Heiligen die
Stifter mit den Wappen der Holzschuher und Pömer links und den Wappen
der Holzschuher und Pfinzing rechts; auf dem steinernen Tragbalken des
Reliefs die Wappen der Holzschuher und Kreß, Holzschuher und Hummel,
Holzschuher und Groland und Holzschuher und Haller. Offenbar Kopie der
Barockzeit (Abb. 72).

An der Wand des nächsten Joches Relief der =Auferweckung des Lazarus=,
durch zwei Säulen dreigeteilt. Nach M. M. Mayer, a. a. O., S. 17, trug
der obere, später in Verlust geratene Teil die Jahreszahl 1520 und das
Wappen der Pömer. Kopie, deren oberer Teil frei ergänzt wurde; Original
des unteren Teiles im Lapidarium (Abb. 140). Vermutlich ein Werk des
Veit Stoß.

An der Stirnseite des nächsten Strebepfeilers ein kleines Relief:
=Christus am Ölberg=. Kopie. Über die Ölbergreliefs an St. Sebald und
die daran erkennbare Stilentwicklung handelt im Zusammenhang E. Redslob
in den Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum 1907, S. 14 ff.

Das von M. M. Mayer S. 17 erwähnte schon damals fast ganz verwitterte
Relief mit dem hl. Sebaldus und zwei anderen Heiligen ist der Zeit zum
Opfer gefallen.

[Illustration: Abb. 75. Grabrelief der Haller am südlichen Turm.]

=Südportal=, beziehungsweise das südliche Eingangsportal des südlichen
Seitenschiffes:

Bogenfeld mit der Reliefdarstellung des =Jüngsten Gerichtes= (Abb.
73). Aus der mit der Erweiterung der Seitenschiffe begründeten
Bildhauerschule. Um 1310. Der Darstellung liegt die in der gotischen
Zeit übliche Komposition zugrunde, sie unterscheidet sich jedoch von
den übrigen Darstellungen des 14. Jahrhunderts noch durch den Mangel
einer sichtlichen Hervorhebung der Horizontalteilung sowie durch das
Vorhandensein des Erzengels Michael als einer stehenden Figur. Das
Relief zeigt ebenso wie die säulenartige Profilierung der Leibungen
Reste alter Bemalung.

Bei dem für die Komposition zur Verfügung stehenden engen Raum konnten
die sonst nirgends fehlenden =Engel mit den Leidenswerkzeugen= nicht
untergebracht werden oder wurden vergessen. Sie erhielten nachträglich
in Gestalt von Statuetten ihren Platz zu beiden Seiten in der
Bogenleibung auf dem Gesims der Kapitäle.

Außerdem steht noch links auf demselben Gesims die Figur des =Abraham
mit den Seligen im Schoß=. Dem Bildhauer schwebte wahrscheinlich
die Komposition des Nordportales am Bamberger Dom, der sogenannten
Fürstenpforte, vor Augen.

Seitlich des Portales die nahezu lebensgroßen Statuen der hl.
=Katharina= (Abb. 137) und des hl. =Petrus=. Beide stammen aus derselben
Schule wie die übrigen Figuren und das Relief des Portales. Die Statue
der hl. Katharina erinnert in ihrem Kostüm und mehr noch in ihrer
vornehmen Haltung und in der Behandlung der Draperie an die Statuen des
13. Jahrhunderts. Der Kopf der Statue (Abb. 138) muß ein Meisterwerk
des 14. Jahrhunderts genannt werden. Der Schöpfer dieser Leistung war
vielleicht der Begründer der ersten Bildhauerschule von St. Sebald.
Kopien. Die Originale in der Kirche.

Konsolen und Baldachine gehören der gleichen Zeit an, die figürlichen
Darstellungen an den =Kapitälen= der Portalleibungen der gleichen Schule.

Am Treppentürmchen des südlichen Turmes ein Hochrelief mit zwei
Darstellungen, oben: =Christus am Ölberg= (vgl. Redslob, a. a. O., S.
15 ff. und daselbst Tafel I), unten: =Christus als Schmerzensmann=, zu
beiden Seiten knien fünf Familienglieder des Stifters, unter diesen
sechs Pömersche Allianzwappen (Abb. 74). Die ganze Tafel, die Spuren
alter Polychromie zeigt und leider stark verwittert ist, ist von einem
kräftig profilierten steinernen Rahmen eingefaßt. Pömersche Stiftung vom
Jahre 1396.

[Illustration: Abb. 76. Türklopfer vom Brauttor.]

Darunter die Inschrift: »Heinrich Pömer der erste alhier starb an St.
Anna tag anno domini m ccc xxxj. Konrat Pömer starb an dem nehsten tag
nach Kunigundis in der fasten anno domini m ccc lxj. Friedereich Pömer
starb an der eilf tavsent meyd obent anno domini m ccc lxxvjj. Fraw
Elspet Jorg Pömerin, her Gotfrid Schoppers tochter, starb am pfinztag
nach Kungundis in der fasten anno domini m ccc lxxxxjjj.« Ferner die
Inschrift: »Steffan Pömer starb am fritag vor Martini anno domini m ccc
lxxxxv. Jorg Pemer starb am pfinstag nach obersten im ccc lxvj iar.«

Nach Mayer, a. a. O., S. 18, sollen Tafel und Inschriften 1797
restauriert worden sein. Die jetzigen Inschriften sind Kopien.

Daneben eine eingerahmte Tafel mit vier Wappenpaaren übereinander. Links
vier Wappen der =Pömer=, rechts von oben nach unten die Wappen der
Rummel, Haller, Schmittmaier-Imhoff und Zollner. Um 1400.

Unter dieser Tafel das Wappenschild der Pömer-Eisvogel. Um 1400.

Am südlichen Turm eine Tafel mit zwei Reliefdarstellungen in einem
mit Rosetten besetzten Rahmen. Die Tafel wird von einem Zinnenkranz
bekrönt (Abb. 75). Oben: =Christus am Ölberg=, dabei die knienden
Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer und Haller.
Unten: Die =Dreifaltigkeit= mit den Heiligen Philipp und Simon, dabei
die knienden Familienglieder des Stifters mit den Wappen der Fütterer,
Haller und Derrer auf der linken und den Wappen der Eglofstein und
Grundherr auf der rechten Seite. Stiftung der Fütterer, und zwar von
zwei verschiedenen Familien dieses Geschlechts. Um 1430.

Im Bogenfeld des südlichen Turmportales das Steinrelief der
=Kreuzauffindung= und Kreuzprobe der =Kaiserin Helena=. Die Heilige
steht in der Mitte der beiden figurenreichen Szenen. Rechts wird das
gefundene Kreuz weggetragen, links wird durch das Kreuz eine totkranke
Frau geheilt. Unten knien rechts und links die Stifter mit ihren
Familien; von den Wappen derselben sind noch die der Groß und Oertel zu
erkennen. Vorzügliche Arbeit um 1510.

Am südlichen Turm neben dem Portal die überlebensgroße Statue des
hl. =Christophorus=. Der Märtyrer, ein Riese von Gestalt, trägt
gesenkten Hauptes auf den Schultern das Christuskind, welches sich am
Kopfe des Heiligen und an dessen baumähnlichen Wanderstab festhält,
und schreitet langsam durch das Wasser. An der Konsole halten zwei
Engel das Schlüsselfeldersche Wappen; dabei die Inschrift: »Heinrich
Schlüsselfelder anno domini M CCCC Xlii.« Das Werk pflegt man
vermutungsweise dem Bildhauer Hans Decker, der 1449 in den Nürnberger
Bürgerbüchern erscheint, zuzuschreiben. Es zeigt früh entwickelten
Naturalismus. Ein mit Kupfer gedecktes Dach schützt die Statue vor den
Unbilden der Witterung.

An der Südwestecke des südlichen Turmes in der Höhe der Glockenstube ein
ziemlich roher, etwa lebensgroßer =Kruzifixus= aus der Zeit um 1400.

Am Löffelholzchor ein kleines =Ölbergrelief=. 14. Jahrhundert.

Außer dieser Steinplastik wäre am Äußeren der Kirche noch einiger
bronzener =Türklopfer= Erwähnung zu tun, dreier prächtiger, den Ring
haltender Löwenköpfe des romanischen Stils an der Brauttüre (Abb. 76),
der Türe des Dreikönigsportales und der des südlichen Seitenschiffes,
eines Türklopfers der Spätrenaissance mit stilisiertem Frauenkopf an der
Tür des nördlichen Seitenschiffes.

[Illustration: Abb. 77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff.]


                       B. Die Plastik im Inneren.

                     1. Die Plastik der Westhälfte.

Die =Apostelstatuen im Mittelschiff= (Abb. 77 bis 81). Dieselben
sind Ausläufer der mit dem Umbau der Seitenschiffe begründeten
Bildhauerschule und zeigen teils noch die Vorteile derselben durch
glückliche Übersetzung der charakteristischen Merkmale ins Monumentale,
teils auch schon deutlich den Verfall der Schule. Sie gehören der Zeit
von etwa 1315 bis 1335 an. Bei der gegenwärtigen Restaurierung wurden
sie sämtlich von der dicken Tünchkruste, mit der eine frühere Zeit
nicht nur die Wände der Kirche, sondern auch die Statuen überzogen
hatte, befreit. Die alte Polychromierung mit reicher Verwendung von Gold
und auch die teppichähnlichen Hintergründe kamen hierbei wieder zum
Vorschein und wurden von kundiger Hand renoviert.

Die Konsolen, welche die Wappen der Nürnberger Familien Ebner,
Schreyer, Tucher, Kreß, Muffel, Knebel, Baumgartner, Neumarkter,
Rieter tragen, haben die Gestalt von Kapitälen teils in schlichter
Profilierung, teils mit reicher Ornamentik. Nur bei einer Konsole an der
südlichen Pfeilerreihe findet sich figürlicher Schmuck: zwei zierliche
Engelsfiguren flankieren einen mit Draperie umrahmten weiblichen Kopf.

An einem der Pfeiler des Mittelschiffes anstatt einer Apostelfigur
die Statue =Johannes des Täufers= aus der gleichen Werkstätte wie die
Apostel.

Ebenfalls als Ausläufer der gleichen Schule sind zu betrachten die
beiden Statuen der heilige =Kaiser Heinrich= und =Kaiserin Kunigunde=
(Abb. 82, 83) im nördlichen Seitenschiff. Um 1330; mit den Wappen der
Stromer aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Zepter der
Kaiserfigur ist neu.

Desgleichen gehört dieser Schule die Statue des hl. Bischofs =Erhard= an
einem Pfeiler der nördlichen Reihe an (Abb 84) (vgl. S. 132). Um 1335.

Hierher sind auch zu zählen als letzte und weniger gute Vertreter dieser
Schule vier Statuen im Ostchor an der Nordwand desselben, nämlich ein
hl. Bischof, ein Jacobus d. Ä. (später abgeändert in Sebald) und ein
Apostel (siehe S. 157-159).

[Illustration: Abb. 81. Statue des Apostels Bartholomäus im
Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 82. Statue der hl. Kunigunde im nördlichen
Seitenschiff.]

Nicht in die Schule der Seitenschiffportale gehört die überlebensgroße
Statue eines =Christus= mit den =Wundmalen= am ersten nördlichen
Pfeiler des Mittelschiffes. Die Behandlung des Nackten ist ziemlich
flach, die der Draperie dagegen erinnert in ihrer Vornehmheit an die
klassizistische Richtung der romanischen Epoche. Mit Konsole und
Baldachin aus der Zeit um 1335. An der Konsole das Wappenschild der
Holzschuher.

=Christus als Schmerzensmann.= Überlebensgroße Steinfigur mit Konsole
und Baldachin. Im nördlichen Seitenschiff am ersten Pfeiler. Nachbildung
des vorigen aus der Zeit um 1380. Mit dem Wappen der Pömer.

=Christus als Schmerzensmann.= Halblebensgroße Steinfigur, früher am
westlichen Pfeiler der südlichen Reihe, jetzt an der Nordwand des
Löffelholzchores, aus der Zeit um 1400. Ohne Sockel und Baldachin. Mit
dem Wappen der Ebner.

Die hl. =Helena= (Abb. 85). Lebensgroße Steinfigur im südlichen
Seitenschiff am ersten Pfeiler. Mit Baldachin aus der Zeit um 1350.
Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, welches zwei Knappen halten, aus
der Zeit um 1320.

Ebenda =Maria mit dem Kinde=, durch Krone und Zepter als Himmelskönigin
charakterisiert. Lebensgroße Steinfigur aus dem 14. Jahrhundert. Das
Zepter ist neu.

Daneben die ebenfalls steinerne Statue der hl. =Katharina=, in der
Gesamtkomposition der früher erwähnten ähnlich, doch roher und von
älterem Typus. 14. Jahrhundert.

Der hl. =Antonius=. Dreiviertellebensgroße Steinfigur im südlichen
Seitenschiff am Turmpfeiler, aus der Zeit um 1350. Baldachin fehlt.
Konsole mit dem Wappenschild der Ebner, gehalten von zwei Knappen, aus
der Zeit um 1320.

An dem letzten nördlichen Pfeiler des Mittelschiffes (zugleich
ehemaliger Vierungspfeiler) gegenüber der Kanzel die Statue des hl.
=Sebald= aus der Zeit um 1390 (Abb. 86). Sebald faßt mit der Rechten den
Pilgerstab und hält mit der Linken das Modell eines gotischen, aus zwei
Stockwerken bestehenden Chores. Stein in farbiger Fassung. Mit Konsole
und Baldachin aus Stein. Die Konsole wird von einem Engel gebildet,
welcher die auf einem Wappenschilde vereinigten, mit der Legende des
Heiligen verknüpften Wappen von Dänemark und Frankreich samt den Wappen
der Mendel, Volckamer und Haller trägt.

[Illustration: Abb. 83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nördl.
Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 85. Statue der hl. Helena im südlichen Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff.]

[Illustration: Abb. 87. Kreuzschleppung von Adam Kraft.]

Am zweiten südlichen Pfeiler des Mittelschiffes ein Steinrelief mit
der =Kreuztragung von Adam Kraft= (Abb. 87) aus dem Jahre 1496.[IX]
Das Relief war früher an der Stadtgrabenmauer am Steig beim Zeug- oder
Kornhaus eingemauert und wurde nach Auflassung des Grabens zu Beginn
des 19. Jahrhunderts in die Kirche St. Sebald verbracht, wo es an der
bezeichneten Stelle als Altaraufsatz dient.

  [IX] Das bei Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit,
       Berlin 1897, S. 79, erwähnte Entstehungsjahr 1506 findet sich
       nirgends belegt. Nach 1500 könnte das Relief auch stilistich
       gar nicht mehr entstanden sein. Es ist mit den Stationen und
       namentlich, was den Hintergrund anlangt, zu nahe mit dem
       Schreyerschen Grabmal verwandt, als daß es zeitlich so weit von
       denselben abgerückt werden dürfte. Auch nach der kostümlichen
       Seite gehört die Darstellung in die neunziger Jahre des 15.
       Jahrhunderts. Es ist somit kein Grund vorhanden, an der
       Richtigkeit der überlieferten Jahrzahl 1496 zu zweifeln.

Komposition wie Ausführung erinnern stark an die Kraftschen Stationen
in der Burgschmietgasse und an das Schreyersche Grabmal am Ostchor der
Kirche. Der obere Teil des Rahmens ist ornamental behandelt. Höhe 2·30,
Breite 1·10 m.

In der Mitte des Westchores ein eherner =Taufkessel= (Abb. 88), etwa um
1410 entstanden. Um den Hals sowohl wie um den Kessel laufen in Reliefs
Arkadenbögen, dort 12, hier 21, mit ebensovielen Figuren: Christus am
Kreuz, Maria, Johannes, Apostel, Propheten und andere Heilige. Die
übrigen Teile sind durch Ringe mehrfach profiliert und mit Weinranken
verziert. Vor dem Hals stehen auf Postamenten, welche mit dem Fuß des
Kessels organisch verbunden sind, in gleichen Zwischenräumen vier
männliche Figuren, mit ihrem Häuptern gleichsam den Kessel stützend, von
denen drei aus einer und derselben Gußform gegossen zu sein scheinen.
Der Innenraum des Halses, der an der Nordseite mit einer Tür versehen
ist, war für Heizung eingerichtet, um das für die Taufe bestimmte Wasser
an Ort und Stelle wärmen zu können.

[Illustration: Abb. 88. Eherner Taufkessel im Löffelholzchor.]

Der Taufkessel hatte dadurch historische Berühmtheit erlangt, daß in
ihm am 11. April 1361 der nachmalige König Wenzel getauft worden sein
und das Taufwasser besudelt haben soll. Dabei kursierte die andere
Erzählung, daß man beim Wärmen des Taufwassers im Pfarrhof bei St.
Sebald mit dem Feuer unvorsichtig umging, so daß der Pfarrhof abbrannte.
Daß der Pfarrhof 1361 abbrannte, ist urkundlich nachweisbar. Beruht
auch jene erste Anekdote auf Wahrheit, so hat es sich damals um den
jetzt nicht mehr vorhandenen =Taufstein= gehandelt, womit dann auch
übereinstimmt, daß das Wasser im Pfarrhof vorgewärmt wurde.

Der Taufkessel verdient weniger wegen der Ausführung des einzelnen als
vielmehr wegen seiner originellen Gesamterscheinung Beachtung. Er ist
das älteste bekannte Denkmal Nürnberger Gießkunst. Sein ursprünglicher
Standort war wie der seines aus Stein gefertigten Vorgängers im Schiff
der Kirche.

1572 wurde der Kessel gereinigt und unter den Fuß eine Steinplatte
gelegt. Der einfach profilierte Holzdeckel stammt aus der Zeit der
Spätrenaissance.

Im östlichen Joch des südlichen Seitenschiffes in einer Nische die Büste
des Pfarrers an St. Sebald Friedrich Michahelles ([gestorben] 1903), von
Fritz Zadow in griechischem Marmor ausgeführt.


                       2. Die Plastik im Ostchor.

Es folgt zunächst die Beschreibung der Statuen an der Ostchorwand, und
zwar derjenigen neben den Fenstern auf den vom Chorbau herrührenden
Konsolen in fortlaufender Reihe von der Brauttüre an.

[Illustration: Abb. 89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Stoß.]

Rechts über der nördlichen Sakristeitüre der Apostel =Jacobus= d. Ä. mit
Pilgerhut, Tasche und Stab, lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der
letzten Ausläufer der mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten
Schule. Die »Renovierung« der Barockzeit hat den Jacobus durch Beigabe
eines Kirchenmodells in einen hl. Sebald verwandelt.

Links vom Mendelschen Fenster =Christus als Weltheiland=, die Weltkugel
in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Holzfigur in der
Art des Veit Stoß. 1657 wurde die Statue »aus dem Werkhaus in der
Karthausen« an den jetzigen Ort verbracht (Rechnungen im Freiherrlich
von Tucherschen Familienarchiv). Aus dieser Zeit stammt der in Kupfer
getriebene Heiligenschein. An der Konsole das Wappen der Tucher.

[Illustration: Abb. 90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor.]

Rechts vom Mendelschen Fenster der hl. =Andreas= mit Kreuz und Buch
(Abb. 89). Überlebensgroße Holzfigur, ohne Zweifel von =Veit Stoß=, in
der Naturfarbe mit leichter Andeutung der Farbe von Lippen und Augen. Um
1495. An der Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Tucherschen Fenster der Apostel =Johannes= (Abb. 90), den
Giftkelch in der Linken, mit der Rechten segnend. Lebensgroße Figur von
gebranntem Ton. Um 1410. Hände und ein Teil der Gewandung sind neu. An
der Konsole das Wappen der Tucher.

Rechts vom Tucherschen Fenster der hl. =Johannes der Täufer= mit Buch
und Lamm in der Linken. Überlebensgroße Steinfigur. Um 1430. An der
Konsole das Wappen der Tucher.

Links vom Fürerschen Fenster ein hl. =Apostel= mit einem Buch in der
Linken. Lebensgroße Steinfigur. Um 1335. Einer der letzten Ausläufer der
mit der Erweiterung der Seitenschiffe gegründeten Schule. Die rechte
Hand ist ergänzt.

Rechts vom Fürerschen Fenster der Apostel =Johannes=. Lebensgroße
Holzfigur. Jedenfalls von einer Kreuzigungsgruppe stammend. Um 1460.

[Illustration: Abb. 91. Thomaschristus von Veit Stoß im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 92. Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor.]

Links und rechts vom Stromerschen Fenster die beiden Holzfiguren einer
=Verkündigung=, links der =Engel= und rechts =Maria=, knieend. Um 1460.
Das Zepter des Engels ist erneuert. Am linken Sockel das Wappen der
Starck, am rechten das der Imhoff.

Zu beiden Seiten des Bambergischen Fensters die fast lebensgroßen
Steinfiguren der Heiligen =Heinrich= (Abb. 48, 49) und =Kunigunde=.
Um 1335. Wiederum letzte Ausläufer der mit der Erweiterung der
Seitenschiffe gegründeten Schule. Die beiden Statuen waren vor der
letzten Restaurierung bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die gefundenen
Spuren berechtigten zur Ergänzung der Figuren als Diözesanheilige. Bei
Heinrich ist das Modell des Bamberger Domes, bei Kunigunde das Zepter
neu.

Zu beiden Seiten des Maximilianfensters die überlebensgroßen
Steinfiguren der Apostel =Paulus= und =Petrus=. Um 1375, aus der
Zeit der Vollendung des Ostchorbaues die einzigen Statuen der
langen Konsolen- und Baldachinreihe. Schule des Meisters des
Sakramentshäuschens. Beide Apostel mit ihren Attributen. Gut erhalten.
An der Konsole der Paulusstatue das Wappen der Usmer.

[Illustration: Abb. 93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 94. Statue der Maria von der Behaimschen
Heimsuchung.]

Zu beiden Seiten des Markgrafenfensters zwei überlebensgroße Holzfiguren
von =Veit Stoß= aus dem Jahre 1495 (an den Konsolen bezeichnet und
datiert). =Christus als Schmerzensmann= und =Maria als Schmerzensmutter=
(Abb. 91, 92). Die Holzfarbe ist beibehalten. An den Plinten wurden
bei der letzten Wiederherstellung der Kirche das Zeichen des Meisters
und die Jahrzahl aufgedeckt. An der Christusstatue sind eine Hand und
ein Fuß ergänzt. An der Statue der Maria ist der über den rechten Arm
geschlagene Gewandzipfel nachträglich, vermutlich von Stoß selbst,
angefügt. Nach den Wappen an den Konsolen stellen sich beide Statuen mit
den später behandelten drei Passionsszenen darunter als eine Stiftung
der Familie Volckamer dar.

Zu beiden Seiten des Pfinzingschen Fensters die unterlebensgroßen
Holzfiguren eines hl. =Papstes= und eines hl. =Bischofs= aus der Zeit
um 1470. Besondere Attribute fehlen. Die Statuen stammen vermutlich von
einem der früheren Altäre der Kirche. Hallersche Stiftungen.

Links vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Steinfigur eines
hl. =Bischofs=. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1335. Wiederum
einer der letzten Ausläufer der mit Erweiterung der Seitenschiffe
gegründeten Schule. Rechte Hand ergänzt. Am Sockel Wappen der Haller.

Rechts vom Hallerschen Fenster die lebensgroße Terrakottafigur eines
=Apostels=. Attribut zur näheren Bestimmung fehlt. Um 1390. Aus der
Schule des Meisters der Tonbildwerke in der Jakobskirche. Ursprünglich
für einen anderen Ort bestimmt. Zuletzt neben dem Bamberger Fenster.
Rechter Fuß und linke Hand in der Barockzeit mangelhaft ergänzt.

Zu beiden Seiten des Schürstabschen Fensters die überlebensgroßen
Holzfiguren des hl. =Erasmus= (Abb. 93) und des hl. =Sebald=. Um 1450.
Gegenstücke, vermutlich von dem gleichen Meister. Attribute zum Teile
ergänzt. Zu den Füßen beider je ein kleines Lamm, außerdem beim
hl. Sebaldus das Wappen der Schürstab-Groß; am Sockel der Erasmusstatue
das Wappen der Haller-Tetzel, umgeändert in ein Wappen der
Schürstab-Groß.

Zu beiden Seiten des Behaimschen Fensters die überlebensgroßen
Steinfiguren einer =Heimsuchung=, die Heiligen =Maria= (Abb. 94) und
=Elisabeth=. Um 1420. Ergänzungen an den Händen der Maria und am Gewand
der Elisabeth; die Hände der Elisabeth sind neu. An jeder Konsole das
Wappen der Behaim.

Zu beiden Seiten des Volckamerschen Fensters die überlebensgroßen
Statuen einer =Verkündigung=, links der =Engel=, rechts =Maria=. Wie
die beiden eben aufgeführten Statuen aus der Zeit um 1420 und aus der
gleichen Schule. Am Engel sind Hände und Zepter neu, an der Maria nur
weniges ergänzt. An jedem Sockel das Wappen der Volckamer.

Verschiedene der erwähnten Konsolen zeigen als figürliche Darstellungen
Fratzen, groteske Tiergestalten usf., die von einem freien Spiel der
Phantasie zeugen.

An der Wand des Bambergischen Fensters ein =Wandtabernakel= (Abb. 50)
aus der Zeit zwischen 1372 und 1379.[X] Der in die Mauer eingelassene
Schrein ist von einem in Relief dargestellten architektonischen Aufbau
umgeben, welcher sich aus Strebewerk und Baldachinen zusammensetzt und
durch eine Reihe von Figuren belebt ist. Der Aufbau ist symmetrisch,
die Figuren korrespondieren. Der Gegenstand der Darstellung ist nicht
historischer, sondern repräsentativer Natur. Unterhalb des Schreines
die Einbalsamierung der Leiche Christi durch Joseph von Arimathia im
Beisein von sechs Jüngern. Zu beiden Seiten dieser Darstellung unter
einem Strebebogen je ein kniender leuchterhaltender Engel; darüber links
der hl. Petrus, rechts der hl. Sebald; über diesen in Baldachingehäusen
sitzend zwei Propheten mit Spruchbändern; in den Zwickeln zwischen der
unteren und mittleren Etage ein Pelikan und eine Löwin mit Jungen. In
den beiden äußeren niedrigeren Bögen unter Maßwerk oben zwei betende
Stifter; über denselben, jedoch ohne organische Verbindung mit ihnen,
zwei Baldachine und von hockenden Gestalten gebildete Konsolen mit
Engeln, welche die Leidenswerkzeuge halten; unmittelbar unterhalb der
Konsolen die Wappen der Stifter, links das der Groland, rechts das der
Muffel. Oberhalb des Schreines die Dreifaltigkeit mit Maria und Johannes
dem Evangelisten; über dieser Gruppe, bereits auf der Fensterbank,
geschützt durch einen dachartigen, von einer Turmspitze gekrönten
Baldachin Christus als Weltrichter mit Maria und Johannes dem Täufer
als Fürbittern. Zu beiden Seiten dieser Komposition rechts Christus als
Schmerzensmann auf einer Konsole mit einer hockenden Prophetengestalt
und unter einem Baldachin, welcher Figur wohl links eine Maria als
Schmerzensmutter entsprach, die jedoch nicht mehr vorhanden ist.
Erhalten haben sich hier nur die ähnlich gebildete Konsole samt
Baldachin.

  [X] Rée (Nürnberg, Berühmte Kunststätten, Nr. 5, 3. Aufl., S. 43, vgl.
      auch S. 61) datiert das Sakramentshäuschen annähernd richtig.
      Daun, a. a. O., S. 10, setzt es an den Anfang des 15. Jahrhunderts
      ohne nähere Begründung, Pückler (Die Nürnberger Bildnerkunst) gar
      erst in die Zeit von 1430 bis 1442. Er erklärt diese Zeitangabe
      nicht nur mit stilistischen Gründen, sondern auch damit, daß in
      den beiden Stiftern Peter Groland und Jakob Muffel dargestellt
      sind, welch letzterer 1442 »anscheinend schon als älterer Mann«
      verschied. Pückler hält nämlich die Heiligenfigur auf der Seite
      mit dem Muffelschen Wappen für Jacobus den Älteren, während
      dieselbe doch als Sebald genau zu erkennen ist. Es sind eben die
      beiden Hauptheiligen der Kirche Petrus und Sebald dargestellt ohne
      weitere Bezugnahme auf die Vornamen der Stifter. -- Übrigens ist
      der Stil der Figuren um 1440 gar nicht mehr möglich.

[Illustration: Abb. 95. Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 96. Ebnerrelief am Dreikönigsportal im Ostchor.]

Das ganze Gehäuse ist farbig gefaßt. Das Eisenbeschläge der Schreintüre
ist ornamental behandelt.

Das Ganze ist, wenn auch in der Ausführung kein hervorragendes
Kunstwerk, in der Komposition eigenartig. Es ist aus derselben
Bildhauerwerkstatt hervorgegangen, wie die Passionsdarstellungen außen
an den Ostchorpfeilern. Stiftung der Familien Groland und Muffel.

1514 hatte sich Propst Melchior Pfinzing vergeblich bemüht, das
Sakramentshäuschen aus der Kirche zu entfernen. In dem Jahre, in welchem
ihm der Rat erlaubte, die Quermauer zwischen der Pfarrkirche und St.
Moritz abzubrechen, wollte er ein neues und größeres Sakramentshäuschen
über dem St. Nikolaus-Altar errichten und hatte schon Mittel hierfür
gesammelt. Allein Jakob Muffel, Jakob und Leonhard Groland als
Nachfolger der Stifter des bisherigen Tabernakels widersprachen mit
Erfolg und ließen das alte herrichten.

Drei Stufen führen zu dem Wandtabernakel empor; ein fünfteiliges
schlichtes Eisengitter schließt das Ganze ab.

Auf dem Petrusaltar steht jetzt die Holzfigur eines =Christus als
Schmerzensmann= aus dem 17. Jahrhundert.

[Illustration: Abb. 97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im
Ostchor.]

Hinter dem Hauptaltar an der Wand des Markgrafenfensters, die ganze
Breite derselben einnehmend, ein Steinrelief mit =drei Passionsszenen=
(Abb. 95) in ebenso vielen gleich großen Feldern von =Veit Stoß= aus dem
Jahre 1499.

Von links nach rechts das Abendmahl, der Ölberg und die Gefangennahme.
Christus und die zwölf Jünger in der Darstellung des Abendmahls sollen
zufolge einer schlecht beglaubigten Tradition Bildnisse der Nürnberger
Ratsherren von 1499 sein.

Auf der Säbelscheide des Türken oder Polen in der Darstellung der
Gefangennahme das Monogramm des Veit Stoß und die Jahreszahl, die in
ihrer Verschnörkelung erst 1863 von einem Maler Alexander Lesser aus
Krakau hier entdeckt wurden. Im ersten Feld ist unten links der Stifter
Paul Volckamer mit seinen beiden Söhnen und dem Familienwappen, im
dritten Felde unten rechts seine beiden Frauen und seine drei Töchter
mit den Wappen der Mendel und Haller in kleinem Maßstab angebracht.

Das Relief ist eine der wenigen Steinarbeiten des Veit Stoß.

Im Ostchor an der Wand zu beiden Seiten der Schautüre zwei Steinfiguren
in Dreiviertellebensgröße mit Konsole und Baldachin. Die Statue links:
=Christus als Schmerzensmann= aus der Zeit der Vollendung des Chorbaues
mit dem Wappen der Behaim, die Statue rechts, eine =weibliche Heilige=
mit Buch, aus der Zeit um 1400 mit dem Wappen der Volckamer.

Im Bogenfeld über der Schultüre (Dreikönigsportal, vgl. oben) ein farbig
gefaßtes Holzrelief, das die von zwei Engeln gekrönte, das Christuskind
säugende =Madonna= (Abb. 96) darstellt. =Ebnersche Stiftung= vom Jahre
1429.

Rechts das Bildnis der Nonne Christine Ebner, Äbtissin des Klosters
Engelthal, und die Inschrift: »Die selig Cristina Ebnerin wart geborn
anno domini M cc lxxvii jar vnd wart lxxix jar alt vnd starb anno domini
mccc lvi an sant Johanes tag zv weinachtn vnd lebet seliglich im orden
zv Engeltal do liegt sie begraben bitte gott für das geschlecht der
Ebner.«

[Illustration: Abb. 98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl.]

Darunter die Bildnisse von fünf Familiengliedern der Ebner mit den
Jahrzahlen 1384 bis 1490 und die Inschrift: »Anno domini M cccc xxix
Am Erichtag nach St. Paulitag do Starb Albrecht Ebner den gott genad.
Anno domini Mcccc xxix Am Lorentzentag Starb Agnes Pömerin Sein Hausfraw
der gott genad.« Dabei die eine Renovierung des Reliefs bezeichnende
Jahreszahl 1656.

Das Relief ist eine der besten Bildhauerarbeiten der damaligen Zeit
(vgl. über dasselbe Redslob, a. a. O., S. 57.)

Am ersten südlichen Chorpfeiler die überlebensgroße Steinfigur einer
=Madonna= aus der Zeit um 1380; das aus Holz geschnitzte Christuskind
ist nachträglich angefügt. Mit Konsole und Baldachin. Maria ist als
Himmelskönigin mit Krone und Zepter dargestellt. Die Behandlung des
nackten Christuskindes, welches einen Granatapfel hält und die Beine
übereinander schlägt, weist auf eine etwa 100 Jahre spätere Entstehung.

An dem ersten nördlichen Chorpfeiler die aus Birnbaumholz geschnitzte
und farbig gefaßte lebensgroße Statue einer =Madonna= mit dem
Christuskind aus der Zeit um 1410 (Abb. 97). Maria hält mit beiden Armen
das nackte Kind, das die Beine übereinander schlägt und mit einem Apfel
spielt. Zwei kleine Engel tragen die Krone und zwei Engel schweben
um die schalenförmige Mondsichel, auf welcher die Himmelskönigin
steht. Eine sternenbesäte Tafel mit großem Strahlenkranze bildet den
Hintergrund. Konsole und Baldachin, in Stein gearbeitet, schließen das
Ganze nach unten und oben ab. Die Statue zählt zu den besten Arbeiten
Nürnbergs im beginnenden 15. Jahrhundert.

Das Bildwerk war ursprünglich als Schrein gedacht, der durch zwei Flügel
geschlossen werden konnte. Es wird vermutet, daß die in der Pinakothek
zu München befindlichen Tafelgemälde des Hans von Kulmbach mit den
Heiligen Joseph und Zacharias die abhanden gekommenen Flügel sind.

Am dritten nördlichen Chorpfeiler die halblebensgroße Erzfigur einer
=Madonna= (Abb. 98), die als ein Werk von =Stephan Godl= erkannt
worden ist. Um 1515. An der hübschen Holzkonsole, die gleichfalls der
Frührenaissance angehört, das verschränkte Wappen der Eseler und der
Propstei von St. Sebald.

Mitten im Ostchor das =Sebaldusgrab=[XI] (Taf. XIV; Abb. 99). Es besteht
aus zwei Hauptteilen: 1. dem zur Aufnahme der Reliquien des hl. Sebald
bestimmten Schrein vom Jahre 1397 und 2. aus dem von Peter Vischer dem
Älteren und seinen fünf Söhnen in den Jahren 1508-1519 in Erz gegossenen
Gehäuse.

  [XI] Über dasselbe vergleiche insbesondere Bergau in Dohme, Kunst und
       Künstler. Bd. II, 2, Leipzig 1858; Lübke, Geschichte der
       Plastik. 1880, II; Bode, Geschichte der deutschen Plastik.
       1885; Autenrieth, Das Sebaldusgrab Peter Vischers, historisch
       und künstlerisch betrachtet. Ansbach 1887; Rée, Nürnberg. S.
       102 ff.; Daun, Adam Kraft und die Künstler seiner Zeit. S. 115
       ff. Zusammenstellung der Literatur über Peter Vischer und auch
       über das Sebaldusgrab findet sich bei Th. Hampe, Nürnberger
       Ratsverlässe. 1904, Bd. I, S. 50 ff. Ganz neuerdings erschien:
       Alexander Mayer, Die Genreplastik an Peter Vischers Sebaldusgrab.
       1911. 2º.

1. =Der Reliquienschrein vom Jahre 1397.= Die Form des Schreines
ist ähnlich der eines länglichen Hauses. Eichenholz, verkleidet mit
Silberblech, welches abwechselnd mit dem reichsstädtischen Wappen und
dem des Schultheißen von Nürnberg in Treibarbeit gemustert ist.[XII] Auf
dem First ein durchbrochen gearbeiteter ornamentaler Fries, welcher zwei
Kreuzblumen auf den Giebeln verbindet.

  [XII] P. J. Rée, a. a. O., S. 65, will das Silberblech des Sarges
        erst 1506 hergestellt sein lassen, und zwar nach dem Vorbilde
        des mit Silberplatten belegten Schreines des 15. Jahrhunderts,
        in welchem in der Spitalkirche zum Heiligen Geist die
        Reichskleinodien aufbewahrt wurden und welcher sich jetzt im
        Germanischen Nationalmuseum befindet. Daran ist gar nicht zu
        denken. Das Verhältnis ist umgekehrt.

1379 wurde der Sebaldusaltar durch einen neuen ersetzt. Auch dieser
wird in der Mensa die Gebeine des Heiligen bewahrt haben. 1397 wurde
für dieselben ein eigener Schrein, eine Art Sarg, beschafft und in
der Mitte des Chores aufgestellt. Anscheinend war auch ein Sockel für
denselben vorhanden. Alle Jahre am Tage des Heiligen (19. August) wurde
der Sarg in feierlicher Prozession in der Kirche herumgetragen. »In
solcher Prozession trugen die Alten Herren des Rates St. Sebaldi Sarg
um, welcher mit Pappenrosen besteckt war, unter demselben schloff das
Volk hin und wieder, dann sie glaubten: es würde ihnen hernach weder
Kopf noch Rücken wehe tun« (Vgl. M. M. Mayer, a. a. O., S. 31). In
zwei Legaten von 1412 und 1415 hatte Klara Geuder zwei Lampen beim
Sebaldusgrab gestiftet.

1461 wurde an dem Sarg ein Einbruch verübt. Seitdem fanden periodische
Besichtigungen der darin enthaltenen Reliquien statt. So 1463, 1482,
1503. Über die 1503 vorgenommene Besichtigung findet sich in einer
Chronik vom Ausgange des 16. Jahrhunderts (Kreisarchiv Nürnberg, Msc.
XIV-1/2, 106) folgender Bericht: »Nachdem auch in gebrauch gewest, St.
Sebalds hailthumb oder gebein bißweilen zu eröffnen und zu besichtigen,
als ist solches a^o 1503, den 22. tag julii auch geschehen; solcher
eröfnung haben beigewohnet die herren älteren des rats, der baumeister,
der probst und kirchenpfleger Sebaldi; die zween loßungschreiber
haben dabei knieen und ein jeder ein brennende wachskerzen halten
müssen; die kirchen ist unterdessen verspert gehalten und ausen mit
einer wacht beleget worden; es ist auch der kürchenmeister außer der
kirchen herumgegangen, ob sich etwan ein unruhe erregen wolt; so große
sorg hat man für St. Sebalds toden-gebain getragen, das ihnen nichts
wiederwärtiges wiederfüre, zu dem man doch damahls die zuversicht
getragen, daß er jederman helfen könnte. Im sarg sein zwo hölzerne
laden gestanden und in jeder zween bündel mit roten zendel eingewickelt
gelegen, die man heraus auf eine darzu bereitete tafel gehebt; in deren
einer sein 18 stück großer, in der andern 91 stück mittelmäsiger und
kleiner gebein, das haupt aber in einen sonderbaren silbern kästlein,
in der gestalt eines brustbilds, verspert gewest, welches man zu hohen
festtägen hat pflegen auf dem altar zu setzen, wigt an silber 35 mark,
ist gemacht worden a^o 1425. Auch ist eine ganze bildnuß St. Sebalds
vorhanden, die man an festtagen an dem sarg aufgerichtet, wigt 21-1/2
mark. Diese besichtigung diß heiligtums ist damals nicht geschehen
gewest seit dem jahr 1482 und derowegen damals für gut angesehen und
decretirt worden, hinfüro diese besichtigung alleweg nach verfliesung
zwanzig jahren fürzunehmen, das heilthumb zu saubern und mit bisam
in neuen zendel einzuwickeln, das ist aber zeit hero gar verblieben,
dieweil mit ausgang der 20 jahr die änderung der religion eingefallen.«

[Illustration: Abb. 99. Detail vom Sebaldusgrab.]

Trotz aller Vorsicht wurde 1506 wieder eingebrochen und gestohlen. Der
Einbruch hatte Reparaturen zur Folge. Vermutlich auf diese Renovierung
bezieht sich die eine der beiden Inschriften, die sich auf der
westlichen Schmalseite am Sockel finden. Sie lautet: »1506 IAR IST
DISER SARCH FERNEIT VOR...« Die andere Inschrift berichtet von einer
Erneuerung im Jahre 1628: »ANNO DNI MDCXXIIX IST DIESER SARCH VERNEVRT
WORDEN.«

2. =Das Gehäuse aus den Jahren= 1508-1519. Höhe 4·30, Länge 2·50 und
Breite 1·40 m. Es setzt sich zusammen aus dem für den Sarg bestimmten
Sockel und der Sockel und Sarg umschließenden Halle.

Die Halle besteht aus drei nebeneinander stehenden Jochen mit
ebensovielen Kuppelgewölben auf acht freistehenden Pfeilern. Halle und
Sockel ruhen auf einer oblongen Fußplatte, welche von 16 Schnecken und
an den Ecken von 4 Delphinen getragen wird. Die Kuppelgewölbe werden
von pyramidenartigen, aus Architekturmotiven komponierten Aufsätzen
überhöht. Dem Sockel des Schreines sind zwischen den Pfeilern Kandelaber
vorgelegt, von welchen schlanke Säulchen bis zu den Scheiteln der
Gewölbebögen reichen. Das Ganze ist mit figürlichem und ornamentalem
Schmuck belebt. An den vier Ecken der Fußplatte vor den Säulen sitzen
griechische und biblische Helden: Herakles und Theseus, Nimrod und
Simson, an der Mitte jeder Seite die Kardinaltugenden Mäßigkeit,
Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit. Die vier Seiten des Sockels
lösen sich in Hallen auf, welche an den beiden Schmalseiten die
Statuetten des Meisters und die des hl. Sebald, an den beiden Langseiten
vier Reliefs mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen, die
wunderbare Füllung des Weinkruges, die Bestrafung eines Spötters, Sebald
an brennenden Eiszapfen sich wärmend und die Heilung eines Blinden,
enthalten. Vor den Eckpfeilern der Halle sind vier Sirenen, auf Säulchen
sitzend, als Leuchterhalter angebracht. In halber Höhe vor den acht
Pfeilern der Halle stehen ebenfalls auf vorgelegten, mit Postamenten
und Kapitälen versehenen Stäben die Statuetten der zwölf Apostel, der
Hauptfigurenschmuck des Sebaldusgrabes; an den stärkeren Eckpfeilern je
zwei, an den übrigen Pfeilern, je ein Apostel, und zwar an der Ostseite
Andreas und Petrus, an der Südseite Johannes, Jakobus der Ältere,
Philipp und Paulus, an der Westseite Judas Thaddäus und Matthias, an
der Nordseite Simon, Bartholomäus, Jakobus der Jüngere und Thomas.
Baldachine beschützen die Apostel. Die Pfeiler setzen sich über dem
Gewölbeansatz fort und tragen die kleinen Statuetten von Propheten und
Kirchenlehrern. Oben auf der mittleren Kuppel steht das Christuskind mit
der Weltkugel, eine Nachbildung des gestohlenen Vischerschen Originales
vom Ausgang des 18. Jahrhunderts. Im übrigen ist das ganze Denkmal
reich mit kleinen figürlichen und ornamentalen Reliefs, mit Putten und
allerlei Tierfiguren ausgestattet.

Nach der stilistischen Seite ist das Sebaldusgrab eine Mischung von
Gotik und Renaissance. Gotisch ist nicht nur die Gesamtanlage, sondern
auch eine Reihe von Architekturteilen, ausgesprochene Renaissance
fast die ganze Detailbehandlung und der figürliche Schmuck. Nach
der gegenständlichen Seite zeigt sich in der Verwertung antiker
mythologischer Gestalten der Einfluß des Humanismus.

In der künstlerischen Behandlung, besonders bei den Reliefs am
Sockel und vor allem bei den Apostelstatuen, ist der italienische,
hauptsächlich der oberitalienische Einfluß unverkennbar. Echt deutsch
ist der Phantasiereichtum. Seiner Originalität verdankt das Denkmal
seinen Weltruf. Es ist die bedeutendste Schöpfung der Renaissance auf
dem Gebiete des Erzgusses.

Das schlichte spätgotische Gitter ist eine Arbeit des Schlossers Jorg
Hames aus der Zeit der Vollendung des Vischerschen Grabmales.

[Illustration: Abb. 100. Gewölbeschlußstein mit der Geburt Christi. Im
nördlichen Seitenschiff.]

[Illustration: Abb. 101. Gewölbeschlußstein mit dem hl. Sebald. In der
nördlichen Sakristei.]

Die Idee, um den Sarg des hl. Sebald eine Halle zu errichten, hatte
bereits der Kirchenpfleger Ruprecht Haller (1474-1489). Er wandte sich
an Peter Vischer und dieser lieferte 1488 einen noch rein gotischen,
jetzt in Wien befindlichen Entwurf, welcher nur in der Gesamtanlage
mit dem später ausgeführten Werke übereinstimmt. Der Plan scheiterte,
wahrscheinlich an Geldmangel. Hallers Nachfolger Paul Volckamer
(1489-1505) und der rührige Sebald Schreyer, Kirchenmeister von
1482-1503, ließen den Plan nicht fallen. Allein erst unter Anton Tucher
und Lazarus Holzschuher im Verein mit Peter Imhoff und Sigmund Fürer
kam endlich die Idee zur Verwirklichung. Im Mai 1507 wurde der Beschluß
gefaßt, Peter Vischer ging sogleich an die Vorarbeiten. Das Messing
wurde von Hans und Andreas Rosner und Sebald Behaim bezogen. Nach
Vollendung des Fundamentes kam 1508 die östliche Hälfte der unteren
Partie, 1509 die westliche Hälfte zur Ausführung. Die entsprechenden
Inschriften lauten: »Ein anfang dvrch mich Peter Vischer 1508« und
»Gemacht von Peter Vischer 1509«. 1512 war die Halle vollendet, wie aus
einer Stelle bei Cochläus, Cosmographia des Pomponius Mela, erschienen
1512, hervorgeht, wo bereits von dem ganzen Kapellenbau die Rede ist.
Die Ausführung des figürlichen Schmuckes zog sich bis Frühjahr 1519
hin. Allein jetzt fehlten die Geldmittel, um Peter Vischer bezahlen
zu können. In kurzer Zeit waren dieselben aufgetrieben, nachdem Anton
Tucher am 17. März einen Aufruf an die leistungsfähigen Bürger erlassen
hatte (abgedruckt bei M. M. Mayer, a. a. O., S. 31 f.). Am 19. Juli
wurde das Grabmal aufgerichtet. Die Inschrift am Rande der Fußplatte
lautet: »Petter Vischer pvrger zv Nurmberg machet das werck mit sein
sunne. vn wurd folbacht im jar 1519 vnd ist allein Got dem Allmechtigen
zu lob vnd Sanct Sebolt dem Himelfürste zv Eren mit hilff frumer leut
vn dem allmossen bezalt.« Das Grabmal hatte ein Gewicht von 157 Ztr.
29 lb. Peter Vischer erhielt als Bezahlung 3145 fl. 16 Schilling,
also für den Zentner 20 fl. Von den angesehenen Bürgerfamilien hatten
Beiträge geleistet Sebald Schreyer und Gesellschaft 117 fl. 12 Heller,
Hans Starck 100 fl., Imhoff und Gesellschaft 60 fl., Sigmund Fürer und
Gesellschaft 80 fl., Hans Tucher der Ältere für sich und seine Brüder 20
fl. und für seine Gattin und deren Verwandtschaft 20-1/2 fl. usw. Siehe
Baader, Beiträge. 1, 53.

Von den Söhnen Peter Vischers des Älteren war Peter der Jüngere
am meisten an der Arbeit beteiligt, der möglicherweise auch der
hauptsächlichste Vermittler des oberitalienischen Einflusses war,
während man eine Beeinflussung durch Vorbilder der römischen Renaissance
wohl auf Peters des jüngeren Bruder, Hermann Vischer, hat zurückführen
wollen. Siehe Seeger, Peter Vischer der Jüngere. Leipzig 1897, S. 73-121.

1520 wurden an dem Sarg Reparaturen vorgenommen. 1628 fand eine
umfassende Renovierung des ganzen Grabmales statt, welche 644 fl. 19
[Schilling] 8 Heller kostete. »1523 wurde St. Sebaldsfest das letztemal
gehalten, und hat zwar der rat wegen St. Sebaldsfest befohlen, den sarch
sambt St. Sebalds gepainen allein zum weihbrunnen aus dem chor, in der
kirchen herumb vnd wider in den chor zu tragen vnd die andern ceremonien
zur vesper mit dem herab und hinauftragen mit den stadtpfeiffern
einzustellen. 1524 hat man wohl St. Sebaldsfest in der kirche gefeiert,
aber den sarch nit mer wie zuuor vmbgetragen.« Die Einstellung der
Prozession hing jedenfalls mit der Einführung der Reformation zusammen.

Besondere Beachtung verdienen endlich unter den Werken der Plastik
noch die =Gewölbeschlußsteine= in den Seitenschiffen und im Ostchor.
Außer einer Anzahl rein ornamental behandelter Schlußsteine finden
wir mehrere, die groteskenartig ein von stilisiertem Blattwerk
umrahmtes Menschenantlitz aufweisen; in den westlichen Jochen des
südlichen Seitenschiffes ferner eine Darstellung der Kreuzigung mit
Maria und Johannes, darüber zwei schwebende Engel und die Symbole der
vier Evangelisten, beim Engel des Matthäus auf den Stirnseiten des
Schlußsteines noch die Löwin und den Pelikan; sodann im nördlichen
Seitenschiff von Osten nach Westen einen bogenschießenden Zentaur,
eine reizvolle als Hochrelief behandelte Geburt Christi (Abb. 100) und
den Agnus Dei; im Mittelschiff des Ostchores St. Sebaldus, eine Gruppe
von vier Wappen (Nürnberger Jungfrauenadler, Reichsschultheißenwappen,
einköpfiger und doppelköpfiger schwarzer Adler) und einen bärtigen Kopf
mit Heiligenschein (Gottvater?); im Chorumgang nördlich wiederum einen
Agnus Dei, südlich eine Madonna in der Glorie und einen Christuskopf.
In der nördlichen Sakristei ist die kleine Statue des hl. Sebaldus als
Schlußstein bemerkenswert (Abb. 101).

Die gesamte Plastik erwies sich gelegentlich der letzten Instandsetzung
der Kirche nach Entfernung mehrfach aufgetragener dicker Tünche als
polychrom behandelt. Von dieser ursprünglichen Polychromierung waren
überall noch so bedeutende Reste erhalten, daß eine Ergänzung derselben,
ein Wiederaufleben der Bildwerke in ihren alten Farben möglich wurde.
Beim Tympanonrelief des nördlichen Seitenschiffportales wurde aus
archäologischen Gründen von jeder Ergänzung der aufgedeckten alten
Polychromie abgesehen; bei einzelnen Skulpturen innerhalb der Kirche,
insbesondere der Verkündigungsgruppe an der Nordseite des Ostchores und
den plastischen Arbeiten des Petrusaltares, erforderten nur unbedeutende
Teile eine geringe Ergänzung.


                             3. Die Gemälde.

Die Tafelmalerei des Mittelaltares ist in der Kirche nicht durch
erstklassige Werke vertreten. Auf diesem Gebiete ist die Sebalduskirche
gegenüber ihrer Nebenbuhlerin, der Kirche St. Lorenz, zu kurz
gekommen. Was sie aufzuweisen hat, sind nur Ableger der in Nürnberg
blühenden Schulen des 15. Jahrhunderts. Um so mehr war die Kirche mit
Wandmalereien, und zwar nicht nur mit Malereien von rein dekorativem
Charakter, sondern mit einer großen Anzahl von in sich abgeschlossenen
figürlichen Darstellungen ausgestattet. Dieselben gehören ebenfalls
meist dem 15. Jahrhundert an und sind, was besonders hervorgehoben zu
werden verdient, häufig in Öl gemalt.

[Illustration: Abb. 102. Verkündigung. Holztafelgemälde im
Löffelholzchor.]

Die Tafelmalerei des 16. Jahrhunderts wird durch eine vorzügliche Arbeit
der Frührenaissance und die des beginnenden 17. Jahrhunderts durch eine
nicht unbedeutende Leistung repräsentiert.

Im Westchor an der Südwand hängen drei gleichgroße Gemälde: die
=Dornenkrönung= mit den Wappen der Löffelholz und Münzmeister (um
1433), die =Geißelung= mit den Wappen der Löffelholz und Hummel (um
1435) und die =Verkündigung= (Abb. 102) mit den Wappen der Löffelholz
und Zollner (um 1448). Die Darstellungen sind auf Goldgrund gemalt.
Auf den Bildern unten die Familienglieder des oder der Stifter. Die
angeführten Datierungen beruhen auf den Forschungen Karl Gebhardts
(a. a. O. S. 86-88), der die Verkündigung dem gleichen Meister
wie das Imhoff-Volckamersche Epitaph mit der Geburt Christi (sieh
unten) zuschreibt und geneigt ist, auch die beiden anderen Stücke,
Dornenkrönung und Geißelung, diesem »Meister der Sebalder Epitaphien«,
wie er ihn nennt, zu geben.

Am ersten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit der
=Krönung Mariä= nach dem Holzschnitte des Marienlebens Dürers von
einem seiner Nachahmer (Abb. 103). Unten am Bild die Familienglieder
des Stifters mit den Wappen der Imhoff, Tetzel, Holzschuher, Tucher,
Löffelholz und Pömer. Um 1525. Imhoffsche Stiftung.

An der entgegengesetzten Seite desselben Pfeilers ein Holztafelgemälde
vom Jahre 1478, eine =Allegorie auf die Geburt Christi= darstellend.
In der Mitte die Anbetung des Christkindes durch Maria, in den Ecken
Moses am feurigen Busch, Aaron mit dem blühenden Stab, Gideon mit dem
Vließ und die Porta clausa des Ezechiel, ferner in den Zwischenräumen
der Pelikan, das Einhorn, der Phönix und der Löwe sowie die vier
Evangelistensymbole. Es ist eine Wiederholung der zum Andenken des
Professors Friedrich Schon ([gestorben] 1464) gestifteten Darstellung
vom Meister des Wolfgangaltares in der Lorenzkirche (Thode, S. 53;
Gebhardt, S. 80 ff.; Redslob in den: Mitteilungen aus dem Germanischen
Nationalmuseum. 1907, S. 24 ff., mit Abb.), nur mit deutschen statt mit
lateinischen Inschriften. Oben am Bild folgende Schrift: »Anno domini
milesimo CCCC vnd in dem lxxviij jare am freitag nach sant Valentins
tag verschied der erbar mann Vlrich Starck der elter dem got gnedig
vnd barmhertzig sei Amen. Vorneurt 1591. 1658.« Starcksche Stiftung
vom Jahre 1478. Infolge der inschriftlich beglaubigten Restaurierungen
schlecht erhalten. Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters
mit den Wappen der Starck-Pirckheimer und Starck-Neudung.

Am zweiten nördlichen Mittelschiffpfeiler ein Holztafelgemälde mit
der =Verkündigung=. Von einem Meister des Überganges, Anfang des 16.
Jahrhunderts. Unten auf dem Bild der Stifter mit seinen Familiengliedern
und die Wappen der Ölhafen und Pfinzing. Stiftung der Ölhafen.

Am zweiten südlichen Mittelschiffpfeiler Holztafelgemälde mit der
=Taufe Christi= und anderen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers.
Unten kniende Angehörige der Örtelschen Familie, dazu rechts das Wappen
der Groß, links das der Örtel, in der Mitte die Inschrift: »Anno 1525
den 21. Julii Starb der Erbar Sigmund Orttell. Verneut An. 74.« Murr
wollte eben dieses Gemälde dem nach dem Zeugnis Neudörfers von Dürer
mit Anerkennung genannten Maler Sebald Baumhauer, der in seinem Alter
Kirchner an St. Sebald war, zuschreiben, doch, wie es scheint, ohne
triftigen Grund.

An der Ostseite des südlichen Vierungspfeilers ein Holztafelgemälde
mit der =Beweinung Christi=. Genaue Kopie nach dem Dürerschen Original
in der Alten Pinakothek zu München, vielleicht von Georg Gärtner
dem Jüngeren ([gestorben] 1654). Wie das Original =Holzschuhersche
Stiftung=.

In den unteren Ecken des Bildes ist der Stifter mit seiner Familie
abgebildet: links das Wappen der Holzschuher-Groland-Müntzer-Gruber(?),
rechts das Wappen der Gruber. Siehe Thausing, Dürer. II. Aufl., I. Bd.,
S. 180 ff.

An der Ostseite des nördlichen Vierungspfeilers gegenüber der Kanzel
ein Ölgemälde auf Holz, das =Jüngste Gericht=, freie Kopie nach dem
sogenannten Kleinen Jüngsten Gericht von Rubens vom Jahre 1628. Mit
Rahmen und einem Aufsatz. =Imhoffsche Stiftung.=

Auf dem Rahmensockel sind auf Holz gemalt die Bildnisse des Stifters,
seiner Ahnherren väterlicherseits mit den Jahrzahlen 1580 und 1628,
Willibald Pirckheimers und seiner Gemahlin und Albrecht Dürers mit der
Inschrift: »Effigies Alberti Düreri A^o 1509«; der Stifter hält eine
Tafel mit einem Spruch über die Vergänglichkeit des Lebens. Diesen
gegenüber Kreszentia, die Gattin Willibald Pirckheimers, kniend, hinter
ihr ihr Gemahl und Albrecht Dürer stehend, letzterer mit einer Tafel,
worauf die Inschrift, der zufolge die Gedenktafel Herrn Willibald Imhoff
dem Älteren und dessen in Gott ruhenden lieben Voreltern von seinem
Sohne Hans Imhoff zu Ehren aufgerichtet worden ist »anno salutis 1.
Januarii 1628«. -- Auf dem Rahmen über dem Gemälde des Jüngsten Gerichts
die Inschrift: »Das Gedechtnuß des Gerechten bleibt im Segen«, auf dem
Rahmen unten zwischen diesem Gemälde und der Votivtafel: »Hans Imhoff
Fundator«.

Der ebenfalls eingerahmte Aufsatz enthält ein Gemälde auf Leinwand:
=Allegorie auf die Vergänglichkeit= (Tod und zwei kräftige Knaben in der
Art des Rubens). Auf dem Rahmen oben: »Memento mori«, unten MDCXXVIII.

Zur Seite des Aufsatzes zwei Pyramiden in Holz geschnitzt, oben das
Wappen der Imhoff.

Die Gemälde sind wahrscheinlich Arbeiten des =Jörg Gärtner des Älteren=
([gestorben] 1640). Über das Verhältnis dieser Stiftungstafel zu der in
der Rochuskapelle von 1624 Ausführliches bei Stegmann, Rochuskapelle.
1885, S. 43 ff.

Im Bogenfelde des nördlichen Seitenschiffportales eine =Auferweckung des
Lazarus=, Holztafelgemälde von =Christian Ruprecht= aus der Mitte des
17. Jahrhunderts. Unten rechts das Wappen der von Wimpfen. Stifter des
Bildes war Johann Friedrich von Wimpfen (hingerichtet zu Nürnberg am 29.
August 1668).

[Illustration: Abb. 103. Krönung der Maria. Holztafelgemälde im
Mittelschiff.]

Am dritten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der hl. =Anna
selbdritt= zwischen den Heiligen Nikolaus und Katharina vom Meister
des Imhoffschen Altares in der Lorenzkirche. Unten auf dem Bild die
Stifterfiguren mit den Wappen der Imhoff und Rothflasch. Von Christian
Baer restauriert. Stiftung Konrad Imhoffs aus dem 2. oder dem Beginn
des 3. Jahrzehnts des 15. Jahrhunderts. Vgl. Gebhardt, Die Anfänge der
Tafelmalerei in Nürnberg, S. 40 ff., wo wesentlich aus diesem Gemälde
die Beeinflussung des Meisters des Imhoffschen Altares durch die Kunst
des Gentile da Fabriano nachzuweisen versucht wird (vgl. über das Bild
auch Redslob, a. a. O. S. 28).

Am zweiten nördlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der
=Kreuztragung= in der Art des Wolgemut. Figurenreiche Darstellung mit
dem an die Altenburg bei Bamberg erinnernden Kalvarienberg nach dem
Stiche der Kreuztragung von Martin Schongauer (Thode, a. a. O. S. 193).
Unten auf dem Bild die Familienglieder des Stifters mit den Wappen der
Ebner, Tucher-Harsdörffer und Tucher-Rieter auf der linken und dem
Wappen der Tucher nebst den Insignien des hl. Grabes auf der rechten
Seite. Stiftung des Hans Tucher ([gestorben] 1491) vom Jahre 1485.

Am dritten südlichen Chorpfeiler ein Holztafelgemälde mit der =Geburt
Christi=. Maria betet vor dem Christuskinde, über welches sich ein Engel
beugt; links kniet Joseph, und von rechts kommen zwei Hirten herbei.
Stark übermalt. Auf der Predella der Stifter mit seinen Familiengliedern
(Frau, vier Söhnen und fünf Töchtern) und die Wappen der Imhoff und
Volckamer. Stiftung Konrad Imhoffs wohl aus dem Jahre 1438, dem
Todesjahre seiner Frau Klara, einer geborenen Volckamer (vgl. Gebhardt,
a. a. O. S. 84 ff.).

An der Wand unterhalb des Mendelfensters, die ganze Breite zwischen den
beiden Pfeilern einnehmend, ein Gemälde auf Holz von Hans Sueß, genannt
=Hans von Kulmbach=, die =Madonna mit Heiligen=. Zum Andenken an Lorenz
Tucher, Propst von St. Lorenz, gestiftet von dessen Stiefbruder Martin
im Jahre 1513 (Tafel XV).

Das Gemälde ist dreiteilig nach Art der gotischen Flügelaltäre, jedoch
als Votivgemälde gestiftet. Im Mittelbild thronend die Madonna mit
dem Christuskind, zwei über ihrem Haupte schwebende Engel halten die
Krone, zu ihren Füßen fünf musizierende Engel, seitlich des Thrones
links die hl. Katharina und rechts die hl. Barbara, hinter derselben
ein Schriftband mit dem Monogramm des Meisters und der Jahrzahl 1513.
Auf dem rechten Feld die Heiligen Johannes der Täufer und Hieronymus,
auf dem linken Feld die Heiligen Petrus und Lorenz, vor letzterem das
Bildnis Lorenz Tuchers, dabei das Wappen der Tucher und eine Tafel mit
folgender Inschrift:

                      D · O · M · ET · SS · V · M ·
                Lavrencivs Tuchervs, ivr · doc · d · lav
              ren · prepo · ratisp · cano · cvstos et vicem
                  tenens · vir bonvs ervditvs integer ·
                    anima deo reddita · ossa in sepvl
                         chro gentilicio sita ·
                  bene valeas et vigila viator qvisqvis
                             es : bulla es ·
            vixit virtvose ann · LV · mens · VII · di · XV ·
           mori · ann · M · D · III · octavo · calend · april
                      sola salvs servire deo : svnt
                            cetera fravdes ·

Die Komposition stammt von einem jetzt in Berlin befindlichen
Entwurfe Dürers vom Jahre 1511; der Entwurf ist ziemlich genau,
wahrscheinlich auf Wunsch des Bestellers, eingehalten, nur statt des
einen musizierenden Engels wurden fünf angebracht. Die venezianische
Renaissancestimmung jedoch, die sich hauptsächlich im Kolorit
ausspricht, ist auf Kulmbachs Lehrer Jacopo de Barbari zurückzuführen.
Das Gemälde gilt in der Kunstgeschichte als eines der besten des
Kulmbach. (Siehe Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei. 1890, S.
375; Koelitz, Hans Sueß von Kulmbach und seine Werke. 1891, S. 54.).

1572 wurde das Bild von Nikolaus Juvenel restauriert, neuerdings
im Auftrage der Freiherrlich von Tucherschen Familie trefflich
wiederhergestellt durch den Konservator Andreas Mayer in Augsburg.

Über der Schautüre ein Holztafelgemälde des =Johann Kreuzfelder=, eines
Schülers des Nikolaus Juvenel, vom Jahre 1603 mit Szenen aus dem =Leben
der ersten Menschen= (Abb. 104). Das Gemälde nimmt die ganze Breite
der Wand mit dem Behaimschen Fenster und den Behaimschen Statuen der
Heimsuchung ein. Die eigentliche Bildfläche ist seitlich abgerundet, die
seitlichen Raumflächen enthalten, ebenfalls in Tafelmalerei, Stammbäume
der Familie Behaim mit Wappen derselben. Am oberen Teil des Rahmens drei
runde Medaillons mit Bildnissen dreier männlicher Mitglieder der Familie
Behaim. Das Bild selbst zeigt in reicher von allerlei Tieren belebter
Landschaft ohne äußerliche Abgrenzung die Erschaffung der Eva, Adam und
Eva im Paradies und die Vertreibung aus demselben. Der niederländische
durch Juvenel vermittelte Einfluß ist unverkennbar; vorzüglich sind die
Akte. Behaimsche Stiftung.

Auf dem unteren Teil des Rahmens: »Gleichwie vor disem Thürlein klein /
Das Endt der Welt in Stain gar fein / Ist abgebild als ist nit geringer
/ Der Welt Anfang durch Malers Finger / Hie fürgestelt das du Mensch
dein Leben / Von Anfang mogst betrachten eben / Wie das du nur seist
Staub und Erden / Zu der du auch mußt wider werden / Drum leb, auch
stirb hie seliglich / So bleibst bei Gott dort ewiglich. Renov. Anno
1774.« Mit dem »Endt der Welt in Stain gar fein« vor der Schautüre ist
das Relief mit dem Jüngsten Gericht gemeint (siehe S. 148). Die 1774
vorgenommene Renovierung war nicht umfassender Natur. Auf den anderen
Teilen des Rahmens: »Paulus, Christophorus, et Fridericus cognomine
Behaim, Fratres, Pauli Fridericique filii et nepotes, ob praeclaram in
successiuo et duodeno ordine maiorum suorum memoriam, picturam hanc
fieri et ceteris familiae suae monumentis affigi curarunt anno reparatae
per Christum salutis humanae M. D. C. III. Patriam beat prudentia.«
Auf dem Rahmen in Holz geschnitzt ein Totenkopf mit einem Schriftband:
»Talis terrenae vitae solet exitus esse.«

[Illustration: Abb. 104. Darstellung des Paradieses. Holztaf.-Gem. von
J. Kreuzfelder.]

[Illustration: Abb. 105. Abendmahl und Ölberg. Wandgemälde im Ostchor.]

Die ganze Gedenktafel wurde 1904 durch Andreas Mayer restauriert.

Rechts vom Eingang zur südlichen Sakristei ein Holztafelgemälde mit
der =Himmelfahrt Mariä= von einem mittelmäßigen Maler der Dürerschen
Gefolgschaft. Im Vordergrunde ein geistlicher Donator mit dem Wappen der
Ölhafen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts.

An der Westwand der kleinen Kapelle neben dem Dreikönigsportal ein
Holztafelgemälde mit figurenreicher =Kreuzigung=. Erste Hälfte des 16.
Jahrhunderts.

Gegenüber am Chorpfeiler ein kleines ehemals zu einem Almosenstock
gehöriges Ölgemälde auf Holz, eine =Brotausteilung= unter Krüppel
und Arme darstellend. Die Unterschrift lautet: »Lege[t] ewer heillig
almüssen jn dissen stock zu enthaltung der armen leydt so burger jn
disser stat werd vnd gostenhof (d. h. in dieser Stadt, Wöhrd und
Gostenhof) sind durch gots willen.« 16. Jahrhundert.

Auch an alten =Wandmalereien= besitzt die Kirche noch eine ansehnliche
Zahl. Die meisten derselben wurden erst bei der letzten großen
Wiederherstellung unter der Tünche aufgefunden und freigelegt. Einige
von ihnen mögen wohl während des 14. und beginnenden 15. Jahrhunderts in
Verbindung mit Mensen Altäre gebildet haben.

Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben dem Bogen zur Turmhalle
die Riesengestalt des hl. =Christophorus=, dazu Angehörige und Wappen
der Familie Ebner-Vetter(?). Die Füße des Heiligen sowie die Baumwurzel
wurden bei der letzten Restaurierung durch Professor Haggenmiller
ergänzt. Dieser Christophorus des 15. Jahrhunderts verdeckt zum größten
Teil die noch gewaltigere Darstellung desselben Heiligen aus dem 14.
Jahrhundert, die ohne Zweifel künstlerisch weit bedeutender war, wie die
oberhalb des späteren Bildes erhaltenen beiden Köpfe noch gut erkennen
lassen. Darüber Spuren einer späteren Darstellung des Veronikatuches.

Beim Dreikönigsportal die =Gregoriusmesse= mit Maria und Johannes dem
Evangelisten. 15. Jahrhundert.

Am dritten südlichen Mittelschiffpfeiler der =Tod Mariä=, frühes 15.
Jahrhundert, dazu Reste dreier älterer Darstellungen aus der Passions-
oder Heiligengeschichte, von denen nur der obere Teil einer =Kreuzigung=
genauer zu erkennen ist.

Im nördlichen Seitenschiffe an der aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts
stammenden hölzernen Empore im Steinton gehaltene =Maßwerkmalereien=,
zwischen denen sich die =Wappen= der Haller, Holzschuher und Stromer
einfügen.

An Wandmalereien sind im Ostchor noch vorhanden:

Über dem Pfinzingchörlein zwei =Prophetengestalten= mit Spruchbändern,
aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Die =Deckenmalereien= im
=Pfinzingchörlein=, Darstellungen des Weltheilands und der vier
Evangelistensymbole, gehören wohl erst dem Ende des 16. Jahrhunderts an.

Am Kaiserchörlein oben eine =Inschrifttafel= mit der auf die
Barockausstattung der Kirche bezüglichen Jahreszahl 1657 und ein
=Veronikatuch=, gehalten von den Aposteln Petrus und Paulus, unter denen
sich die ursprünglichen Engel befinden, aus dem 15. Jahrhundert.

Als die Kulmbachsche Tafel zum Zweck ihrer Wiederherstellung von der
Wand entfernt wurde, fand sich an dieser, die ganze Länge einnehmend,
ein Ölgemälde, die =Kreuztragung Christi= mit der Figur des Herrn in
der Mitte und einem figurenreichen Zuge von Gewappneten und Volk sowie
den klagenden Frauen, der sich aus einem Tore der links beinahe aus der
Vogelschau dargestellten türmereichen Stadt Jerusalem herausbewegt.
Daneben war ganz links die Inschrift zu lesen:

»Anno dni M.CCCC.lxxiij [1473] An vnser lieben frawen abent würtzweyh
verschid frawe barbara karl steilngers [Steinlingers] haußfrawe der got
gnedig....

Darnach Anno dni... an sant valenti... [versch]id karl steinlinger
dem... nad.«

[Illustration: Abb. 106. Darstellungen aus der Apostellegende.
Wandgemälde im Ostchor.]

Die Versuche, die stark abgeblätterte und nur noch lose anhaftende
Ölmalerei von der Wand abzuziehen, mißlangen leider bei den Resten der
eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die
=Darstellung der Stadt Jerusalem= leidlich gut und vollständig erhalten
werden. Vorsichtig auf Leinwand übertragen hat sie jetzt ihren Platz in
der nördlichen Turmhalle gefunden.

Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen Ölgemäldes wurden endlich
noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines künstlerisch bedeutsamen
Freskogemäldes entdeckt, das gleichfalls die =Kreuztragung= zum
Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf
eine Mörteltafel gebracht werden konnten. Völlig unrestauriert sind sie
auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien
der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die
Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen,
daß auch diese ältere Kreuztragung (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eine
Steinlingersche Stiftung war. Unter den übrigen Wappen läßt sich noch
ein Großisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.

An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung
eines =Wallfahrtsortes= mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken
aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund für
eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende
Wandgemälde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mörtelplatte
gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des
Petrusaltars.

An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die
wirkungsvollen Gestalten der hl. =Elisabeth= und des hl. =Martin=, 15.
Jahrhundert.

Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemälde in
Öltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. 105). Links =Abendmahl= und
=Fußwaschung=; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem
Familienwappen, darüber die Inschrift: »Anno dm Mcccclxxlll Jar starb
hanß starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag
dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Hanß Starken wieder verneurt
worden, seines Aldters 79 Jahr.«[XIII] Rechts Christus am =Ölberg=;
unten auf dem Gemälde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit.
Starcksche Stiftung von 1423.

  [XIII] Hans Starck, der 1627 dieses Gemälde restaurieren ließ, ist
         derselbe, der 1625 das hölzerne Kruzifix am Westchor durch einen
         Bronzeguß ersetzte.

Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit übermalt, wurden die Bilder bei der
letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder
instandgesetzt.

An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene,
künstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen
aus der =Apostellegende= (Abb. 106), die dem Anfange des 15.
Jahrhunderts angehören (siehe oben).

Das Gemälde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mörtelplatte
übertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar
angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer
in München. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung
befindet sich in der Bausammlung.

Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemäldes mit der
=Kreuzschleppung=. Links vom Eingang zur südlichen Sakristei und
vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei
=Stifterfiguren= mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem
Hintergrunde, in Ölmalerei ausgeführt.

In der Kapelle neben dem Dreikönigsportal zeigt die Ostwand rechts
einen =Johannes Evangelista= unter Architektur, links eine =weibliche
Heilige=, von der jedoch nur noch der Oberkörper erhalten ist.

An der Hochwand über dem Trennungsbogen zum südlichen Seitenschiff zu
beiden Seiten der Orgel reiches grünes =Rankenornament, dazwischen
musizierende Engel=, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehäuses.

An verschiedenen Wänden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil
hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, =gemalte Wandbehänge=
mit Granatapfel- und anderen Musterungen.

In der farbigen Behandlung der Wände und Gewölbe lassen sich drei
verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt
der Löffelholzchor. Die Wände haben Steinton, die Gurten und Rippen
sind in Quader geteilt, hauptsächlich in roter und grauer Farbe.
Die Kappenflächen sind durch schwarze Linien so geteilt, daß ein
Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgröße vorgetäuscht wird. Die Schäfte
der Zwergsäulchen sind schwarz getönt. Diese letztere Tönung ist auch
im Mittelschiff noch sichtbar. Im übrigen haben aber hier und in dem
Seitenschiffe wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die
Gurten und Rippen hauptsächlich in der Nähe der Schlußsteine farbige
Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung
erhalten. Die Schlußsteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.

Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des
Ostchores auch für den letzteren vorbildlich gewesen zu sein.
Schlußsteine und Rippen sind -- es handelt sich hier um die dritte Art
der Bemalung -- ähnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine
gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an
den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die
Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.


                           4. Die Glasgemälde.

Ähnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem
Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel
geleistet worden zu sein. Kein einziges Stück Glasgemälde aus der
Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des
14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im
romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Maßwerkfenster
umgewandelt wurden, läßt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen
Denkmälern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem
Neubau des Ostchores (1361-1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung
von Glasgemälden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte
die Schmückung der einzelnen Wandabteilungen übernommen, besonders
diejenigen Familien, die ihre Grabgrüfte am Chor, sei es innerhalb, sei
es außerhalb desselben, hatten. Über die Hälfte der Ostchorfenster sind
Erzeugnisse dieser um 1380 tätigen Schule.

Von 1380 an trat eine Pause von über 100 Jahren ein. Die späteren
Glasgemälde sind vereinzelte Stiftungen und hängen nicht mit einer
baulichen Veränderung zusammen. In die Erzeugnisse dieser neuen von
1490 bis 1520 währenden Blütezeit teilen sich jetzt mehrere Kirchen;
insbesondere St. Lorenz mit seinem eben vollendeten Chor hat die
Hauptleistungen der ersten Zeit an sich genommen. Das Bambergische und
das Volckamersche Fenster (datiert 1488) in St. Sebald repräsentieren
die erste noch den spätgotischen Stilcharakter tragende Epoche des
Aufschwungs. Wolfgang Katzheimer ist der Meister. Eine weitere
Entwicklungsphase in der Geschichte der Glasmalerei Nürnbergs bezeichnen
die drei Fenster des berühmten Veit Hirschvogel: das Maximilians-,
Markgrafen- und Pfinzingsche Fenster mit ihren prächtigen Gestalten der
Frührenaissance und mit ihrer den Dürerschen und Kulmbachschen Werken
nahe verwandten Formensprache. Sie zählen unstreitig zu den kostbarsten
Kunstwerken, die die Kirche birgt.

Einen Beleg für die Existenz und künstlerische Bedeutung der Nürnberger
Glasmalerschule noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildet das in seiner
Architekturzeichnung an die Spätrenaissanceformen des Pellerhauses
erinnernde Imhoffsche Fenster.

Die übrigen Fenster der Kirche sind meist nur mit Wappenschilden von
Geschlechtern zum Andenken an verstorbene Angehörige geschmückt. Der
Zweck der Stiftung deckte sich ungefähr mit dem bei den Totentafeln von
Holz.

_Westchor._ Im =ersten Fenster= links =Christus am Kreuz= mit Maria und
Johannes. Darunter die Schrift: »Für uns Er trug vnser Krankheit vnd
lude auf sich unsere schmertzen. Esaiae am LIII Cap.« Ferner Rundscheibe
mit dem Allianzwappen der Stockamer und Groland.

Im =zweiten Fenster= im Maßwerk Wappen der Ayrer, unten zwei
Allianzwappen der Stockamer und Dietherr. -- Die Glasgemälde mit den
Heiligen =Jakobus= und =Bartholomäus= und die beiden Rundscheiben mit
Evangelistensymbolen wurden 1903 nach Entwürfen von Friedrich Wanderer
von Zettler in München ausgeführt.

Im =dritten Fenster St. Lorenz und St. Sebald= sowie drei
Löffelholzische Wappen, alles von Wanderer-Zettler, 1903.

Im =vierten Fenster= Wappen der Unterholzer(?) sowie zwei Allianzwappen
der Dietherr. Dazu =St. Johannes Ev. und St. Egidius= sowie die
Rundscheiben mit Evangelistensymbolen von Wanderer-Zettler, 1903.

Die Heiligen in dem 2., 3. und 4. Fenster stellen die Patrone der
Nürnberger Kirchen dar und wurden von den freiherrlichen Familien der
Kreß und Tucher (2. Fenster), Löffelholz (3. Fenster), Haller und
Scheurl (4. Fenster) gestiftet.

Im =fünften Fenster= Wappen der Löffelholz und zwei Gammersfeldersche
Allianzwappen.

Im =Fenster der südlichen Turmhalle= Wappen der Paumgärtner-Haller.

_Nördliches Seitenchor._ Im =ersten Fenster= oben sechs Allianzwappen
der Nützel.

Im =zweiten Fenster=, dem kleinen Fenster über der Anschreibtüre, die
Wappenschilde der Schlüsselfelder und Allianzwappen der Held.

Im =dritten Fenster= ein hl. =Bischof= und =St. Blasius= mit Konrad und
Wolf Haller von Hallerstein als Donatoren und zwei zugehörigen sowie
zwei weiteren Wappenschilden der Haller.

Im =vierten Fenster= die Heiligen =Sebald und Petrus=, dazwischen zwei
Wappenschilde der Holzschuher. Im Maßwerk eine =Verkündigung Mariä=
und darüber ein Engel mit dem Holzschuherschen Wappen. Alle diese
Glasgemälde wohl aus der gleichen Zeit, eines derselben von 1503 datiert.

Im =fünften Fenster= unten die hl. =Barbara=, darüber das Wappenschild
der Nützel mit der Inschrift: »H. Carl Nützel Ritter Rö. Kay. May. Rath
Starb den 18. Novem 1614.« Oben vier Ölhafensche Allianzwappen.

In dem =Treppenfenster= neben der Querschiff- bzw. Ostchormauer drei
kleine Wappen der Nützel.

Es folgt die Beschreibung der Fenster im Ostchor in fortlaufender Reihe
vom ersten Fenster der Nordwand neben der alten Querschiffmauer an:

_Ostchor._ 1. Das =erste Fenster im Ostchor=. Um 1360. Zweifellos noch
vor Beginn des Ostchorumbaues vollendet. Die Gemälde umfassen die fünf
unteren Reihen. Die Gliederung der architektonischen Umrahmung, noch
mehr der Zusammenhang der einzelnen Darstellungen sind unklar. Von den
letzteren sind nur drei der Sockelreihe ihrem Inhalte nach zu erkennen,
nämlich Christus in der Vorhölle, Grablegung und die Ausgießung des
heiligen Geistes.

[Illustration: Abb. 107. Detail vom Bamberger Fenster.]

Die obere Reihe zeigt unter Baldachinarchitektur links einen
Verkündigungsengel, im zweiten Felde dem Engel zugewendet einen bärtigen
Mann (Verkündigung Johannis?), im dritten Felde einen hackenden Mann,
im vierten eine spinnende Frau, vor ihr eine Wiege mit Kind (Adam und
Eva nach dem Sündenfall?). In der mittleren Reihe links eine gekrönte
Heilige und zwei andere nicht genauer zu deutende Figuren; im zweiten
Feld zwei weibliche Heilige mit dicken Büchern in den Händen; im dritten
und vierten Felde vornehme Gesellschaft im Zeitkostüm, von fraglicher
Bedeutung. Am ganzen Gemälde ist im Laufe der Zeit viel verändert worden.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde Medaillons mit Wappen der
Geuder.

2. Das =Grundherrsche Fenster=. 1372-1379. Das Gemälde umfaßt die
sechs unteren Reihen. Durch Versetzung mehrerer Felder in der
Gesamtkomposition entstellt. Das Fenster muß sich ursprünglich an
anderer Stelle befunden haben und wurde hierher versetzt, als man
das Imhoffsche Fenster, dessen Maßwerkmalereien an ihrer alten
Stelle verblieben, von hier auf die gegenüberliegende südliche Seite
des Ostchors überführte. Die Stifterfiguren der äußeren Felder der
unteren Reihe gehören der spätmittelalterlichen Zeit an. Im übrigen
enthalten die zwei mittleren Felderreihen in achtpaßförmigen Kartuschen
Darstellungen aus der Marienlegende, unten, jetzt in der zweiten Reihe,
die Donatoren, in den äußeren Bahnen Heilige mit Attributen oder
Schriftbändern.

In den freien Teilen des Fensters acht runde Medaillons mit drei
Grundherrschen Wappen und den Wappen der Kreß, Ebner und? (Baumstamm mit
roten Lindenblättern auf silbernem Grunde).

Im Maßwerk, eigentlich zu dem Imhoffschen Fenster gehörend, zwei Engel
mit Blasinstrumenten in Wolken, darüber das Imhoffsche Wappen.
17. Jahrhundert.

In den beiden =Fenstern der Pfinzingempore= 2 größere und 30 kleinere
Rundscheiben mit Pfinzingwappen.

Im Maßwerk des Fensters über der großen Sakristei zwei große
Schreyersche Allianzwappen.

3. Das =Mendelsche Fenster=. 1372-1379.

Das Glasgemälde umfaßt die unteren sechs Reihen und enthält neun
=Darstellungen aus dem Marienleben=. Die dritte und sechste Reihe und
die mittleren Felder der fünften Reihe sind mit Architektur ausgefüllt,
die Sockelfelder weisen viermal das Wappen der Mendel auf.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde bekränzte Wappen der
Tucher aus dem 16. Jahrhundert.

4. Das =Tuchersche Fenster=. 1372-1379.

Es umfaßt sieben Querreihen mit Darstellungen aus der Passion:

    1. Reihe (von unten): Tuchersches Wappen von etwa 1550, der Stifter,
       dessen Frau, dann ein Pfinzingsches Wappen von etwa 1550.

    2. Reihe: =Christus vor Pilatus= (4. Feld), =Dornenkrönung= (1., 2.
       und 3. Feld).

    3. Reihe: =Kreuztragung= (4 Felder).

    4. Reihe: =Christus wird ans Kreuz genagelt= (4 Felder, die, offenbar
       bei einer späteren Reparatur, unrichtig angeordnet wurden).

    5. und 6. Reihe: =Kreuzigung= (8 Felder).

    7. Reihe: =Architekturaufsatz=.

5. Das =Fürersche Fenster=. 1372-1379.

Ursprünglich das Fenster der Geuschmid. Die beiden Fürerschen
Allianzwappen in den mittleren Feldern der zweiten Reihe stammen erst
aus dem 16. Jahrhundert. Sie tragen die Unterschriften »Sigmund [Füerer
der] Ellter...« und »Christann Füerer Anno dm 1325«.

[Illustration: Abb. 108. Detail vom Maximiliansfenster.]

Das Glasgemälde umfaßt sechs Reihen und greift mit der Bekrönung in die
siebente Reihe über. Die Sockelreihe enthält die Wappen der Eysvogel,
Geuschmid, Gruber und Ebner, die übrigen Reihen, abgesehen von den zwei
erwähnten Feldern, 14 =Heilige= und =legendarische Darstellungen=.

Darüber, innerhalb der Butzenverglasung, ein Scheurl-Tuchersches
Allianzwappen mit der Jahreszahl 1480.

6. Das =Stromersche Fenster=. 1372-1379, mit späteren Zutaten aus
verschiedenen Zeiten.

Das alte Glasgemälde umfaßt die Reihen 4 bis 9 und enthält in der
untersten Reihe in den beiden mittleren Feldern zwei Stromersche
Allianzwappen, dazu links ein Pfinzingsches, rechts ein Kolersches
Wappen; in den nächsten vier Reihen 16 Figuren, nämlich zehn =Apostel=
und sechs =Propheten=, alle mit Schriftbändern in den Händen, in der
obersten Reihe einen schlichten architektonischen Abschluß, innerhalb
desselben zwei kleine Engelsfiguren.

Die Reihe 3 wurde um 1500 mit 2 Pfinzingschen Wappen sowie 4
Stromerschen und 2 Kolerschen Allianzwappen in reicher spätgotischer
Ornamentik ausgestattet. In der 2. Reihe außer 3 kleinen Pfinzingschen
Allianzwappenscheiben eine große rechteckige Scheibe mit Kolerschen
Allianzwappen von 1568, von denen die größten von einer um die Mitte
des 19. Jahrhunderts schlecht erneuerten Engelsfigur gehalten werden.
Innerhalb des Rahmens einer Schrifttafel finden sich an Stelle derselben
zwei kleine, feine, offenbar profane Kabinettmalereien roh eingesetzt:
=Begegnung zweier Männer= und eine =allegorische Frauenfigur= (die
Hoffart?).

In der untersten Reihe wiederum 3 kleine Pfinzingsche Allianzwappen (6
Rundscheibchen), ein Wappen des Baumeisters Wolf Jakob Stromer von 1589
und ein Wappen seiner Frau Sabina W. J. Stromerin (einer geb. Scheurl)
von 1582 sowie ein Kolersches Allianzwappen mit der Unterschrift:
»Hieronimus Koler anno 1592«.

7. Das =Bambergische Fenster=. 1501 gemalt von Wolf Katzheimer (Abb. 107).

    Die Glasmalerei bedeckt vier Querreihen:

    1. Reihe (von oben): Vier Bekrönungen nach Art der ornamentalen
       Schnitzereien bei Altaraufsätzen.

    2. Reihe: =Bischof Lambert von Bamberg= 1374, hl. =Kaiser Heinrich=,
       hl. =Kunigunde= und =Bischof Philipp von Bamberg= 1475.

    3. Reihe: Hl. =Bischof= (?), hl. =Petrus=, hl. =Paulus= und
       hl. =Georg=.

    4. Reihe: =Bischof Heinrich von Bamberg= 1487, zwei Wappen von
       Bamberg und =Bischof Veit von Bamberg= 1501.

    Im linken Feld der Sockelreihe: Albrecht Dürer in ganzer Figur von
    C. A. Heideloff.

8. Das =Maximiliansfenster= (Abb. 108). 1514 von Veit Hirschvogel
gemalt. Von Heideloff restauriert. Es befindet sich in der Mitte des
Ostchores, d. h. an der vornehmsten Stelle desselben, sichtbar durch das
Mittelschiff bis zum Westchor.

Das Glasgemälde nimmt, vom Fenstersockel an gerechnet, zehn Reihen ein
und reicht mit dem halbkreisförmigen Aufbau, nach welchem das Ganze
scheinbar als Nische gedacht ist, noch in die elfte Reihe hinüber. In
den beiden unteren Reihen Butzenverglasung zwischen drei Säulen, in
der dritten Reihe eine Rolle mit Inschrift. Die Reihen 4 bis 9 zeigen
abwechselnd zwölf Wappen der Länder des Hauses Habsburg in Deutschland
und Spanien, zwei =fürstliche Ehepaare= und =vier Heilige=, und zwar:

    9. Reihe: Wappen des Königreichs Kroatien, des Erzherzogtums
       Österreich, des Herzogtums Steier und des Herzogtums Brabant.

    8. Reihe: Die Heiligen Jakobus d. Ä., Andreas, Kaiser Heinrich und
       Georg.

    7. Reihe: Wappen des Königreichs Ungarn[XIV], Dalmatiens, Tirols und
       des Herzogtums Kärnten.

    6. Reihe: Wappen des Hauses Habsburg, Kaiser Maximilians I., dessen
       Gemahlin Maria von Burgund[XV] und das Wappen von Burgund.

    5. Reihe: Das vereinigte Wappen von Kastilien, Österreich, Leon,
       Bourbon, Granada und Burgund mit Grafenkrone[XVI], Philipp I. der
       Schöne, König von Spanien, dessen Gemahlin Johanna die
       Wahnsinnige[XVII] und das vereinigte Wappen von Kastilien, Leon,
       Neapel, Sizilien und Granada mit der Königskrone.

    4. Reihe: Wappen des Königreichs Leon, der Grafschaft Granada[XVIII],
       des Königreichs Neapel und des Königreichs Sizilien.

    3. Reihe mit der Inschrifttafel: »Maximilianvs cristianorvm imperator
       ac septem regnorvm rex heresque archidvx avstriae plvrivm evropae
       provinciarvm princeps potentissimvs. f. f.« Darüber die Jahrzahl
       MCCCCCXIIII.

  [XIV] Ungarn war 1514 noch nicht im Besitze des Hauses Habsburg, erst
        seit 1526.

  [XV] Maria von Burgund war bereits 1482 gestorben. Allein die
       spätgotische Tracht (die Kopfbedeckung der Maria ist der Hennin)
       und das daneben befindliche Wappen von Burgund-Österreich lassen
       es als ausgeschlossen erscheinen, daß mit der Dargestellten die
       zweite Gemahlin Maximilians, Bianca Maria Sforza von Mailand,
       gemeint ist. Die Darstellung der ersten Gemahlin, der Mutter des
       in der nächsten Reihe dargestellten Königs Philipp, geschah
       jedenfalls auf besonderen Wunsch des Kaisers.

  [XVI] Die Grafenkrone ist nicht verständlich. Kastilien war damals
        schon lange Königreich. Übrigens trägt das andere vereinigte
        Wappen derselben Reihe, bei welchem Kastilien mit Leon die
        bevorzugte Stelle im linken oberen Feld einnimmt, die
        Königskrone.

  [XVII] Es kann nur der Sohn Maximilians, wenn auch schon seit 1506
         verstorben, und seine Gattin in Frage kommen. Hierfür sprechen
         in erster Linie die beigefügten Wappen, in zweiter Linie der
         Umstand, daß Maximilians Enkel, Philipps Sohn, der nachmalige
         Kaiser Karl V., damals erst 14 Jahre alt und natürlich auch
         nicht verheiratet war. In der Literatur werden die beiden
         fürstlichen Personen gewöhnlich als Karl V. und Isabella
         von Portugal bezeichnet, bei M. M. Mayer sogar als Kaiser
         Maximilian und Gemahlin, während das darüber stehende Paar
         Karl V. und Gemahlin genannt wird.

  [XVIII] Granada war damals Königreich.

Stilistisch interessant durch den Wechsel von Spätgotik und
Frührenaissance: Renaissancekostüm fast bei allen Figuren, gotisches
Kostüm bei der Maria von Burgund, ausgesprochene Renaissance in der
Architektur und in der Majuskelinschrift, dagegen noch vollständig
gotisch der gemusterte Hintergrund bei Wappen und Figuren.

Das Glasgemälde wurde hergestellt im Auftrage des Kaisers Maximilian I.
für den Preis von 200 fl.

[Illustration: Abb. 109. Detail vom Markgrafenfenster.]

9. Das =Markgrafenfenster=[XIX] (Abb. 109). 1515 von Veit Hirschvogel d.
Ä. wahrscheinlich nach einem Entwurf des Hans von Kulmbach gemalt.

  [XIX] Vgl. über das Fenster namentlich Friedrich H. Hofmann, Das
        Markgrafenfenster in St. Sebald zu Nürnberg. Im
        Hohenzollern-Jahrbuch. 1905, S. 67 ff.

Das Gemälde nimmt vom Sockel an neun Fensterreihen ein. Das Ganze ist
als ein architektonischer Aufbau gedacht. Der Sockel in den beiden
untersten Reihen ist durch Fenster und Nische belebt und zeigt eine
Inschrifttafel. Darüber erheben sich sechs Etagen mit durchlaufenden
Wandpfeilern in den äußeren Bahnen; in der obersten Etage ist den
Wandpfeilern je eine Säule vorgelagert, welche zugleich als Stütze für
den reich ornamentierten bekrönenden Giebel und dessen seitliche, Engel
tragende Aufsätze in der letzten Reihe dient. Die mittleren Bahnen der
Reihen 3 bis 8 enthalten 12 figürliche Darstellungen, in den äußeren
Bahnen der Reihen 3 bis 7 sind 10 Wappen angebracht. Figuren und Wappen
sind:

    8. Reihe: Die =Heiligen Maria und Johannes der Täufer=, die
       Schutzpatrone des Hauses Hohenzollern.

    7. Reihe: Wappen von Brandenburg, =Friedrich der Ältere, Markgraf von
       Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach, dessen Gemahlin Sophie von
       Polen=, Wappen von Polen.

    6. Reihe: Wappen des Landes der Kassuben und Wenden, =Markgraf
       Kasimir=, =Markgraf Johann=, nachmals Vizekönig von Valencia,
       Wappen des Landes der Kassuben und Wenden.

    5. Reihe: Wappen von Pommern, =Markgraf Albrecht=, Hochmeister des
       Deutschen Ordens, nachmals Herzog in Preußen, =Markgraf Georg der
       Fromme=, Wappen von Pommern.

    4. Reihe: Wappen des Burggrafen von Nürnberg, =Markgraf Friedrich=,
       Domprobst zu Würzburg, =Markgraf Wilhelm=, nachmals Erzbischof
       von Riga, Wappen von Rügen.

    3. Reihe: Wappen von Hohenzollern, =Markgraf Johann Albrecht=,
       nachmals Erzbischof zu Magdeburg und Bischof von Halberstadt,
       =Markgraf Gumbert=, unkenntliches Wappen.

    2. Reihe mit der Inschrifttafel: »Friderich von gottes gnaden
       marggraff zu Brandenburg zu Stetin Pomern der Cassuben vnd Wenden
       herczog burggraff zu Nürnberg und fürst zu Rügen 1. 5. 15.«

Die acht Markgrafen in den Reihen 6 bis 3 sind die acht Söhne Friedrichs
und seiner Gemahlin Sophie in der Reihenfolge ihres Alters.

In den äußeren Feldern der Sockelreihe befanden sich ursprünglich
zwei Engel, ähnlich den oberen Engeln auf der Bekrönung. 1817 mußten
dieselben zwei schlechten Medaillons mit den Bildnissen Melanchthons und
Luthers weichen.

10. Das =Pfinzingsche Fenster=. 1515 gemalt von Veit Hirschvogel d. Ä.

Es umfaßt acht Querreihen: Architektur mit zwei Stockwerken. Im oberen
Stockwerk =die Heiligen Christoph, Sebald, Maria mit dem Christuskind
und Anna selbdritt=. Im unteren Stockwerk der =Stifter und seine
Gemahlin= mit den Wappen der Pfinzing und Grundherr, darunter knieend
acht Familienangehörige beiderlei Geschlechts mit ebensovielen
Pfinzingschen Wappen. In der untersten Reihe Inschrifttafel: »Siegfridus
Pfinzing sibi suisque MDXV.« Darunter zwei Wappen (Pfinzing-Harsdorf).
Einzelne Stellen, hier und da sogar mit Schriftscheiben, ziemlich
barbarisch geflickt.

11. Das =Hallersche Fenster=. 1372-1379.

Es umfaßt 6 Querreihen:

    1. Reihe (von unten): 4 Hallersche Wappen.

    2. Reihe: =Legende des hl. Georg=.

    3. Reihe: Ein =heiliger Mönch= mit Buch und zangenartigem Gerät,
       =St. Leonhard=, =St. Sebastian= und ein =heiliger Fürst=
       (Hermelinüberwurf) mit Palmwedel und Reichsapfel.

    4. Reihe: Die =Heiligen Katharina=, =Anna selbdritt=, =Ursula= und
       =Elisabeth=.

    5. =Herodes und der betlehemitische Kindermord.=

    6. Reihe: schlichter Architekturaufsatz.

In der 7. Reihe zwei Hallersche Wappen (im 1. und 4. Feld) vom Jahre
1494.

[Illustration: Abb. 110. Fenster über dem südlichen Seitenschiffportal.]

12. Das =Schürstabsche Fenster=. 1372-1379.

Es umfaßt 7 Querreihen:

    1. Reihe (von unten): Lamm Gottes, zum Schürstabschen Wappen gehörig,
       und drei Schürstabsche Allianzwappen.

    2. Reihe: Hl. =Sebald=, ein kniender, den Heiligen verehrender
       =Ritter= mit dem Schürstabwappen und zwei kniende =Frauen= mit
       Stromerschen Wappen und Wappen der Graser (?).

    3. Reihe: =Christus in der Vorhölle= (2 Felder), =der Auferstandene
       erscheint den heiligen Frauen= (2 Felder).

    4. Reihe: Kreuzabnahme oder richtiger =Pietà=; =Grablegung=
       (je 2 Felder).

    5. Reihe: =Himmelfahrt=, =Tod Mariä= (je 2 Felder).

    6. und 7. Reihe: Architektur.

In der 8. Reihe (1. und 4. Feld) zwei Schürstabsche Wappen von 1493,
über jedem das Lamm Gottes.

13. Das =Behaimsche Fenster=. 1372-1379.

Das Glasgemälde umfaßt die sechs unteren Reihen und greift mit der
Bekrönung in die siebente Reihe über. Die mittleren Felder der
Sockelreihe enthalten zwei Behaimsche Allianzwappen, in den Feldern
daneben kniende Familienangehörige mit Behaimschen Allianzwappen. Die
mittleren Bahnen sind kompositionell zusammengefaßt, und zwar sind die
Reihen 2 bis 7 in drei Etagen gegliedert, welche von unten nach oben die
=Verkündigung= (eine starke gelbe Röhre vermittelt den hl. Geist, eine
Taube, vom Munde Gott Vaters dem Ohr der Maria), =Geburt Christi= und
die =Krönung Mariä= zeigen. In den übrigen seitlichen Feldern, abgesehen
von den erwähnten Wappenfeldern, neben der Verkündigung zwei weitere
Anbetende, eine männliche und eine weibliche Figur mit Allianzwappen, zu
den beiden Seiten der Geburt und Krönung vier musizierende Engel.

Im Maßwerk Medaillons mit dem zwei Behaimsche Allianzwappen, je von
einem Engel gehalten, aus dem 16. Jahrhundert.

14. Das =Volckamersche Fenster=. Etwa 1490-1500.

Es umfaßt 6 Querreihen:

    1. Reihe (von oben): Reiche gotische Baldachinarchitektur als
       Bekrönung.

    2. Reihe: Von den Darstellungen, die diese Reihe enthielt, der
       =Verkündigung= und =Geburt=, ist nur mehr je eine Hälfte
       vorhanden, nämlich die Maria von der Verkündigung und der hl.
       Joseph von der Geburt. Sie nehmen die beiden mittleren Felder
       ein. An die Stelle der abhanden gekommenen anderen Hälften wurden
       ein Volckamersches und ein Gärtner-Schürstabsches Wappen in die
       Butzenverglasung der beiden seitlichen Felder eingefügt.

    3. Reihe: =Anbetung der heiligen drei Könige=.

    4. Reihe: =Beschneidung= und =Darstellung im Tempel=.

    5. Reihe: Kniende männliche und weibliche Familienangehörige mit
       Volckamerschen Allianzwappen.

    6. Reihe: In den mittleren Feldern zwei Wappen der Volckamer mit der
       Inschrift: »Anno domini 1488«, zu den Seiten männliche und
       weibliche Anbeterfiguren mit Spruchbändern und den Wappen der
       Stromer, Volckamer (2), Ebner und Schürstab.

15. Das =Imhoffsche Fenster=. Vom Jahre 1601 (links unten in der zweiten
Reihe datiert), die beiden untersten Wappenpaare vom Jahre 1641. Von
Jakob Sprüngli oder Christoph Maurer (1558-1614), ebenfalls einem
geborenen Schweizer.

Das Glasgemälde umfaßt das ganze Fenster. Wirkungsvoller
architektonischer Aufbau in kräftigen Renaissanceformen mit reichen
Zutaten von Puttenfiguren, Festons usw. in den beiden äußeren Bahnen,
oben die allegorischen Figuren Glaube und Liebe; in den beiden mittleren
Bahnen 20 Einzelwappen und Allianzwappen der Imhoff, teils mit
Wappenzier, teils von Kränzen umrahmt. Die zu diesem Fenster gehörigen
Glasmalereien des Maßwerks sind bei der Versetzung des Fensters an
dessen ursprünglichem Ort, nämlich in dem an der Nordseite des Ostchores
gerade gegenüberliegenden Fenster zurückgeblieben (siehe oben).

16. Das =letzte Fenster im Ostchor=. Um 1360. Das Glasgemälde war wie
das im gegenüberstehenden Fenster befindliche wahrscheinlich schon vor
Beginn des Ostchorneubaues vorhanden.

Das Fenster ist entweder eine Paumgärtnersche Stiftung oder eine
Stiftung der Familien Pirckheimer, Paumgärtner und Grabner, deren
Wappen die Sockelreihe aufweist. Was die Komposition anlangt, so sind
die beiden mittleren Bahnen zusammengefaßt und in drei Etagen mit je
drei Feldern abgeteilt, wobei in den jeweiligen Bekrönungen zwei Giebel
mit einem Rundbogen abwechseln; unten die =Anbetung der heiligen drei
Könige=, in der Mitte die =Darbringung im Tempel=, zu beiden Seiten
weibliche Figuren mit Tauben, darüber Propheten, oben der zwölfjährige
=Jesus bei den Schriftgelehrten=, zu beiden Seiten Engel.

_Südliches Seitenschiff._ Im =ersten Fenster= von der alten
Querhausmauer an ein größeres Welsersches Wappen und vier kleinere runde
Welsersche Allianzwappen, bei deren einem das heraldisch rechte Wappen
durch buntes Glas ersetzt ist.

Im =zweiten Fenster= ein größeres Behaimsches, drei kleinere runde
Welsersche und ein ebensolches Ölhafensches Allianzwappen.

Im =dritten Fenster Christus am Kreuz mit Maria und Johannes=, darüber
prächtig stilisiert Helm, Helmdecke und Zimier zu einem jetzt fehlenden
Ölhafenschen Wappen, außerdem vier kleine Rundscheiben mit dem Wappen
der Gutschneider, Koler-Kreß, Ölhafen-Volckamer und Welser-Nützel.

Im =vierten Fenster=, dem kleinen Fenster über dem Südportal, das
Wappenschild der Pömer und ein Spruchband, auf dem M. M. Mayer noch
die jetzt fast verschwundene Inschrift las: »Heinrich Pömer Starb Anno
1331«, darunter zwei Donatoren (bezeichnet als Friedrich und Konrad
Pömer) mit zwei Pömerschen Allianzwappen (Abb. 110).

Im =fünften Fenster= befinden sich jetzt sechs kleine Rundscheiben
mit Allianzwappen der Familien Dietherr, Kreß, Harsdorf, Ölhafen und
Rohleder sowie einem Pömerschen Wappen.


     5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken.

=Gedenktafeln.= Diejenigen Geschlechter, deren Begräbnisstätten in
der Kirche lagen oder welche sich durch hervorragende Stiftungen
ausgezeichnet hatten, besaßen das Recht, große Tafeln mit Verzeichnissen
der Vorfahren zum Andenken an dieselben in der Nähe der gestifteten
Gegenstände aufzuhängen. Die Sitte kam zwar schon zur Zeit der
Spätgotik auf, allein erst mit der um die Mitte des 17. Jahrhunderts
durchgeführten Barockausstattung wurde vielfach Gebrauch davon gemacht.
Die uns erhaltenen Gedenktafeln gehören den Patrizierfamilien Ebner,
Fürer, Holzschuher, Kreß, Löffelholz, Pfinzing, Pömer, Scheurl, Tucher
und Volckamer an.

Der Inhalt der Tafeln hat lediglich familiengeschichtliches Interesse.
Von künstlerischem Wert sind nur einige Tafeln durch reichere Gestaltung
der holzgeschnitzten Rahmen, insbesondere der die Tafeln bekrönenden
Aufsätze und Wappenschilder. Von den der Mitte des 17. Jahrhunderts
angehörigen Gedenktafeln verdienen hervorgehoben zu werden die der
=Löffelholz= im Westchor, die der =Kreß= mit dem Holztafelgemälde des
segnenden Weltheilandes und dem Wappenschilde aus der Rokokozeit (Abb.
111) und die der =Volckamer= im Ostchor vor dem Muffelschen Altar
(Abb. 112); von den ein Jahrhundert jüngeren Tafeln im ausgesprochenen
Rokokostil die der =Ebner= beim nördlichen Turm (Abb. 113), die der
=Holzschuher= im südlichen Seitenschiff und die der =Fürer= im Ostchor
beim Muffelschen Altar. In die Renaissancezeit fällt eine der vielen
=Tucherschen Tafeln=, welche im Ostchor an der Wand des Tucherfensters
hängt (Abb. 114). Sie zeichnet sich dadurch aus, daß in ihrer Mitte
ein aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes Ölgemälde aus Holz
eingelassen ist, darstellend den Tod vor offenem Grabe mit Schriftband:
»Was ir seit, das was ich, vnd was ich bin, das wert ir.«

Auf einer anderen Tucherschen Gedächtnistafel im nördlichen Chorumgang
hinter dem Hochaltar =Christus als Weltenrichter=, auf dem Regenbogen
thronend. 17. Jahrhundert.

=Totenschilder.= Zum Inventar der Kirche zählen nunmehr auch eine große
Anzahl von alten Totenschildern verschiedener Patrizierfamilien. Die
früher in der Kirche aufgehängten Schilder wurden zu Beginn des 19.
Jahrhunderts bis auf das unten erwähnte Stromersche, das auf seinem
alten Platz oberhalb der Stromerschen Empore im nördlichen Seitenschiff
verblieb, den Stiftern zurückgegeben. Wie weit die jetzigen Schilder mit
den früheren identisch sind, dürfte sich schwerlich feststellen lassen.
Von den Totenschildern, von denen manche, insbesondere ein Hallersches,
sowohl nach der künstlerischen wie nach der technischen Seite von
Interesse sind und bei deren Herstellung teilweise mit den einfachsten
Mitteln (Roßhaare, vergoldete Hanfstricke usw.) gearbeitet worden ist,
gehören 21 der =Löffelholz=schen (Abb. 115), 7 der =Kressi=schen (Abb.
116), 12 der =Haller=schen (Abb. 117, 118), 11 der =Harsdörfer=schen,
4 der =Ebner=schen (Abb. 119) (hievon 2 neu) und 1 (siehe oben) der
=Stromer=schen Familie (Abb. 120) an. Sie stammen aus der Zeit vom 14.
bis zum 18. Jahrhundert und hängen im Westchor, im Mittelschiff und im
nördlichen Seitenschiff in der Nähe der Grabstätten der Stifterfamilien.

=Kirchenstühle und anderes Mobiliar.= Das in Eichenholz ziemlich derb
geschnitzte =Chorgestühl= im Mittelschiff des Ostchores zwischen den
Pfeilern stammt aus der Zeit der Vollendung des Chorneubaues zwischen
den Jahren 1372 und 1379 (Abb. 121, 122 und 123). Die Seitenteile
der Stühle sind mit ornamentalen, durchbrochen gearbeiteten und mit
figürlichen Schnitzereien, Propheten, Apostel sowie andere Heilige
und phantastische Tiergestalten darstellend, ausgestattet. An den
Rückwänden der Chorstühle zu beiden Seiten des Altares sind jetzt
zwei runde holzgeschnitzte Medaillons angebracht: links der heilige
Sebald in einem Renaissanceraum, zu seinen beiden Seiten die Wappen
von Dänemark und Frankreich, zu seinen Füßen das Schreyersche Wappen
(vgl. Titelvignette), auf der anderen (rechten) Seite in Hochoval das
Grundherrsche Wappen. Beide Medaillons rühren vermutlich von früheren
Kirchenstühlen (einem Schreyerschen und einem Grundherrschen?) her.

Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben der Turmhalle ein
zweisitziger =Kirchenstuhl= ohne besondere Dekoration, ebenfalls aus
Eichenholz mit zwei eingeschnittenen Wappen der =Haller= (Abb. 124).

Im Löffelholz- oder Westchor ein im frühen Barockstil reichgeschnitzter
=Stuhl= vom Jahre 1627 (Abb. 125).

Ihm gegenüber einfach geschnitzter =Stuhl des Handwerks der Holz- und
Beindrechsler= mit deren Wappen auf vergoldetem Kupfer von 1738.

Im nördlichen Seitenschiff an der Turmwand hübsch ornamentierter =Stuhl=
aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

Neben dem Eingange des nördlichen Seitenschiffes einfach geschnitzter
=Stuhl des Handwerks der Bäcker=. 17. Jahrhundert.

Außerdem noch zwei ganz einfache =Kirchenstühle= in der nördlichen
Turmhalle und beim Eingange des südlichen Seitenschiffes; letzterer mit
reicherem barockem Aufsatz mit den Emblemen des =Schuhmacherhandwerks=.
Ferner mancherlei kräftig geschnitztes Stuhlwerk an den Wänden der
Kirche aus verschiedenen Epochen: an der Südwand des Ostchors einfaches
=gotisches Chorgestühl=, gegenüber an der Nordwand die =Tucherschen
Chorstühle= unter den Gedenktafeln des Tucherschen Geschlechts aus
der Zeit der Spätrenaissance. Der gleichen Zeit gehören auch die
beiden =Tucherschen Paramentenschränke= an, die sich jetzt hinter dem
Altare befinden. Weitere =Chor- und Handwerkerstühle= mit einfach
ausgeschnittenen Stuhlwangen in verschiedenen Teilen der Kirche.

Hinter dem Hochaltar zwei mit Schnitzerei verzierte =Sängerpulte= aus
dem 17. Jahrhundert mit drehbaren Aufsätzen.

Die einfachen =Chorschranken= rühren vermutlich von der Restaurierung um
die Mitte des 17. Jahrhunderts her.

Neben dem Eingange zur südlichen Sakristei und in der Pömerkapelle =je
ein gotisches Wandschränkchen= mit hübscher holzgeschnitzter Tür und den
alten Eisenbeschlägen.

Die =Laienstühle= der Kirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden
bei der letzten Restaurierung derart umgeändert, daß die in plumpen
pseudogotischen Formen gehaltenen Wangen durch einfach ausgeschnittene
Bretter ersetzt und so dem vorhandenen alten Gestühl angepaßt wurden.

[Illustration: Abb. 111. Detail vom Rahmen der Kressischen Totentafel im
Ostchor.]

[Illustration: Abb. 112. Detail vom Rahmen der Volckamerschen Totentafel
im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 113. Rahmen der Ebnerschen Totentafel im nördlichen
Seitenschiff.]

Schließlich sei noch ein =neuer Paramentenschrank= in einfachen
gotischen Formen erwähnt, der von Hauberrisser entworfen wurde und neben
der südlichen Turmwand seinen Platz gefunden hat.

Beim Muffelaltar ist in die Wand eine =Steinplatte= eingelassen, in der
oben in einer kleinen Nische das Erzschildchen eingemauert ist, das
1882 hinter einem Baldachin des Ostchors gefunden wurde. Wie die 1906
angebrachte Inschrifttafel besagt, handelt es sich bei dem Zeichen auf
diesem alten Schildchen offenbar um das Meisterzeichen des bisher noch
unbekannten Erbauers des Ostchors. Vgl. Abb. 26.

Die =eisernen Türen= neben dieser Steinplatte, die als Verschluß von
Wandschränken dienen, sind alt (15. Jahrhundert) und zeichnen sich
durch schön ornamentierte Schloßschilde und geschmackvoll geformte
Griffe aus. Die Wandschränke beim Petrus- und Tucheraltar wurden nach
diesem Muster mit neuen eisernen Türen versehen. Ebenfalls eine Arbeit
der Neuzeit ist der eiserne =Opferstock= im Mittelschiff vor dem
Löffelholz-Chor.

[Illustration: Abb. 114. Details vom Rahmen der Tucherschen Totentafeln.]

[Illustration: Abb. 115. Löffelholzische Totenschilder.]

[Illustration: Abb. 116. Kressisches Totenschild (des Stifters der
Kirche in Kraftshof).]

=Orgeln.= Die =große Orgel= im Ostchor (Abb. 126) wurde 1444 von
Heinrich Traxdorf für 1150 fl. erbaut. Von dem Pfeifenwerke dieser
gotischen Orgel sowie von den im Laufe der Jahrhunderte hinzugekommenen
Registern hat sich nichts erhalten. Bei der letzten Restaurierung (1905)
wurde ein der modernen Orgeltechnik entsprechendes Werk aufgestellt und
zum Teil dem alten Gehäuse eingefügt. Aber auch mit diesem waren im
Laufe der Zeiten bereits verschiedene Veränderungen vorgenommen worden.
Während eine Anzahl urkundlich bezeugter Verbesserungen (1480/81, um
1520, 1572 usw.) sich wesentlich auf das Werk bezogen zu haben scheinen,
das 1691 von Georg Siegmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg o. T.,
erneuert wurde, hatten die Umbauten und Reparaturen von 1658 und 1827
auch bedeutende Umformungen des Gehäuses zur Folge. 1658 wurde die
Orgel der barocken Kirchenausstattung angepaßt, wobei Daniel Preißler
die Flügel mit den Bildnissen der Scholarchen und Geistlichen an der
Kirche und der damaligen Stadtmusiker schmückte. Diese Flügel haben
sich indessen nicht erhalten. Bei der Ausbesserung des Werkes durch den
Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner im Jahre 1827 wurden jene barocken
Teile durch gotisch stilisierte, nach Plänen Heideloffs ausgeführte
Teile ersetzt. Hiebei wurde nicht nur ein neues Positiv angebracht,
sondern auch die Galerie für den Sängerchor nach beiden Seiten hin
erweitert und mit einer hölzernen, mit gotischen Maßwerken versehenen
Brüstung abgeschlossen.

[Illustration: Abb. 117. Hallersche Totenschilder.]

[Illustration: Abb. 118. Hallersches Totenschild.]

Bei der letzten Wiederherstellung der Kirche ließ sich das ursprüngliche
Gehäuse der Orgel noch zum größten Teil aus den späteren Zutaten wieder
herausschälen und bietet sich jetzt wesentlich in seiner alten Gestalt
dem Auge dar. Das in Eichenholz kräftig und wirkungsvoll geschnitzte
alte Gehäuse zeichnet sich durch reichen ornamentalen und figürlichen
Schmuck aus. Es sei dabei einerseits auf die reizvolle und eigenartige
Bildung der Wimperge mit ihren trefflich geschnitzten Krabben und
Kreuzblumen, andererseits auf die figuralen Darstellungen, die sich
in das abschließende Maßwerk der vorkragenden Sängerbühne einfügen,
besonders hingewiesen: nicht nur Adam und Eva, sondern auch Wappenhalter
mit den Nürnberger Wappen und allerlei Gestalten aus dem Volke, Ritter,
Knechte, Bauern usw., finden sich hier in bunter Reihe angebracht. Die
beiden unteren Konsolen tragen wiederum die beiden in Verbindung mit
dem heiligen Sebaldus so oft wiederkehrenden Wappen; am Scheitel des
Gewölbes, gewissermaßen als Schlußstein eine Teufelsfratze mit einer
Zunge aus Leder, einem Bart aus Roßhaaren und einem Unterkiefer, der
heute noch, wie ehedem, durch das Orgelwerk in Bewegung gesetzt wird.

Die Ergänzungen, die bei der letzten Restaurierung nötig wurden,
beschränken sich in der Hauptsache auf die Bretterbrüstung zu beiden
Seiten des gleichfalls neuen Positivs, bei dem indessen einzelne
alte Teile zur Verwendung kommen konnten, und auf die schmalen
Maßwerkfüllungen unterhalb der großen seitlichen Register.

Über die Wandmalerei zu beiden Seiten der Orgel, die mit dieser
inhaltlich in Beziehung steht, ist oben bereits gehandelt worden.

Die =kleine Orgel= im Westchor ist 1732 am 13. Oktober gestiftet von
Konrad Nikolaus Overdik und dessen Gattin Ursula, geb. Ebermayr, »als
Haus Orgel zu Unterhaltung der Andacht bey der heil. Comunion in dem
Chor nach St. Sebald«. Die Geschichte der Orgel ist übrigens bisher
nicht völlig klargestellt. Heute wird sie von einem Muffelschen Wappen
bekrönt, zu dessen beiden Seiten man die Jahreszahl 1776 liest. Auch die
beiden vergoldeten Monogramme auf der Rückseite der Orgel scheinen auf
die Patrizierfamilie Muffel hinzudeuten.

[Illustration: Abb. 119. Ebnersches Totenschild.]

[Illustration: Abb. 120. Stromersches Totenschild.]

[Illustration: Abb. 121. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 122. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]

Sonst ist von Orgeln nur bekannt, daß 1447 eine kleinere Orgel
gestiftet, 1570 aber wieder entfernt wurde. Auch zum Jahre 1517 wird von
der Stiftung einer kleineren Orgel durch Hans Stauber berichtet.[XX] Von
den Silberdrahtziehern soll 1657 eine kleine Orgel gestiftet worden sein.

  [XX] Vgl. Hampe, Nürnberger Ratsverlässe. Bd. 1. Nr. 1101. 1108, 1109.

=Glocken. Im nördlichen Turm:=

1. =Die Betglocke.= Von Johann Weißenburger in Nürnberg 1391 gegossen.

Halsinschrift:

    O REX GLORIE VENI CVM PACE LVCAS MARCVS MATHEVS JOHANNES AVE MARIA
    GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDICTA TV IN MVLIERIBVS ET BENEDICTVS
    FRVCTVS VENTRIS TVI AMEN VITA + INTER NATOS MVLIERVM NON SVRREXIT
    MAIOR IOHANNE BAPTISTA QVI VIAM DOMINO PREPARAVIT IN HEREMO FVIT
    HOMO MISSVS A DEO CVI NOMEN IOHANNES ERAT ORA [P=] NOBIS BTE AG.

Fußinschrift:

    ANNO DOMINI MCCCLXXXXI HEC CAMPANA EST CXXXXVIII CENTENARIIS
    ACTA PER IOHANNEM WYSSENBVRGER IN N[.V]RBERG IN VIGILIA S[=T]I
    LAVRENCII M[=R]IS A DOMINO HEINRICO PREPOSITO DE VESTENBERG GENITO
    CONPARATA REX KASPAR REX BALTHEZAR REX MELCHIOR DEVS [PPI=]CIVS ESTO
    [P=]INTCESSIONEM B[=T]I AVGVSTI +.

[Illustration: Abb. 123. Details von den Chorstühlen im Ostchor.]

[Illustration: Abb. 124. Hallerscher Kirchenstuhl.]

[Illustration: Abb. 125. Kirchenstuhl im Löffelholzchor.]

Höhe (ohne Krone) 1·30 m.

Die Betglocke heißt in den Chroniken wie ihre Vorgängerin auch
»Benedicta«. Im Jahre 1600 sollte die jetzige Betglocke durch eine neue
ersetzt werden. Eine Ausbesserung war jedoch noch möglich. Im Laufe des
18. Jahrhunderts fanden mehrere Reparaturen statt.

Nach Städtechroniken I, 357 wäre die alte Glocke erst 1392 »an unsers
herrn leichnames abent« [12. Juni] geweiht worden.

2. Eine =Glocke= aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

    AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDI. +.

Höhe (ohne Krone): 0·88 m.

3. Eine =Glocke= vom Jahre 1418.

Halsinschrift:

    Anno domini mccccxviii anno gloria patri et filio et spiritvi sancto
    et Mariae +.

Höhe (ohne Krone) 0·65 m.

4. Eine =Glocke= aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

    MATHEVS MARCVS LVCAS IOHANNES MARIA +.

Höhe (ohne Krone): 0·56 m.

Die an zweiter Stelle angeführte Glocke des nördlichen Turmes, deren
Inschrift den Englischen Gruß enthält, dürfte identisch sein mit der
in den Chroniken genannten »Garausglocke«, eine von den beiden kleinen
Glocken desselben Turmes mit dem »Vesperlein«.

[Illustration: Abb. 126. Orgel im Ostchor.]

Im =südlichen Turm=: 1. Die =Chorglocke=. 1324 gegossen.

Halsinschrift:

    ANNO DNI MCCCXXIIII VOX EGO SVM VITE VOCO VOS ORARE VENITE XPO
    REGNAT +.

Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.

2. Die =Sturmglocke=. Aus dem 14. Jahrhundert.

Halsinschrift:

    TITVLVS TRIVMPHALIS NRI SALVATORIS IHC NAZARENVS REX JVDEORVM +.

Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.

3. Die =Stundenglocke=, auch =Schlag- oder Uhrglocke= genannt. Im
unteren Durchbruch des Helms. 1482 von Konrad Glockengießer gegossen.

    Halsinschrift: »sant sebolcz schlach glock pin ich hern ruprecht
    haller hern niclas grosen vnd hern gabriel nvczel den obersten
    haubtlevten gebart ich maister cvnrat glockengisser gos mich anno
    domini 1482 +«.

Höhe (ohne Krone): 1·60 m.

Gotteshauspfleger Ruprecht Haller der Ältere, Hans Tucher der Ältere
und Kirchenmeister Sebald Schreyer hatten mit Meister Konrad dem
Glockengießer vereinbart, daß er für den Zentner der Glocke 10-1/2 fl.
rhein. erhalten und den Zentner der alten gesprungenen Uhrglocke für 8
fl. nehmen solle. Er erhielt 1055 fl. rhein., nach Baader, Beiträge,
I, 61 im ganzen 1380 Pfund 5 Schilling 8 Haller. Die Glocke wurde am
20. Juni 1483 gewogen und hatte ein Gewicht von 100 Zentnern 56 lb.
Näheres bei Baader, ferner in den Städtechroniken, V, 480 ff. und in dem
Manuskript XL, 3 im Stadtarchiv Nürnberg.

[Illustration: Abb. 127. Eisenbeschlag vom Brauttor.]

[Illustration: Abb. 128. Eisenbeschlag vom Brauttor.]

Die Uhrglocke hatte zwei Vorgängerinnen. Die ältere wurde 1383, als der
Turm oberhalb der Sturmglocke einer Ausbesserung bedurfte, ausgebessert
und ist 1396 gesprungen. Die jüngere wurde von Meister Heinrich
Grünwalt noch in dem gleichen Jahre gegossen und hatte ein Gewicht von
64 Zentner 66 lb; sie zersprang am 4. Mai 1482 ebenfalls. Ihre Inschrift
lautete: »Ich Orglogck pin · des · Rats · zu · Nürmberg · eigen · hat
· mich · erzeugt · als man · zalt · nach · Christj · geburt · M^{o}CCC^o
· vnd · in dem · lxxxxvj Jar · in dem · Mayen · hat mich · begabt ·
Heinrich · grünwalt · herr · got · hilff · mir · zu · Dir · +«.

4. Die =Viertelstundenglocke=. Im oberen Durchbruch des Helmes. Laut
Inschrift, welche nur bruchstückweise entziffert werden konnte, 1494 in
Landshut gegossen.[XXI]

  [XXI] Über die Einführung des Viertelstundenschlagwerkes durch Ulrich
        Grundherr vgl. Vereinsmitteilungen. VII, S. 224. -- Zu dem
        Schießen des Jahres 1493 in Landshut, so erfahren wir daselbst
        aus Kunz Has' Gedicht, hatte der Rat Herzog Georg zu Ehren
        die freiwilligen Nürnberger Schützen mit einem roten Kleid
        bedacht. Sie zogen aus unter der Führung des Schützenhauptmanns
        Ulrich Grundherr, eines der sieben Älteren Herren, der das
        Schlagwerk, wahrscheinlich als Preis, mit heimbrachte. Wie aus
        einem Ratsverlaß vom 8. Oktober 1493 hervorgeht, beschloß der
        Rat »ein neues slahglöcklein, das zu einer jeden stund viermaln
        slahe«, gießen und bei St. Sebald aufrichten zu lassen, dann
        beschloß er am 19. Oktober, »ein zimeln [kleine Glocke] 5 oder
        6 zentnern swer... machen ze lassen und oben in sant Sebolts
        turn uber die slagglocken ze henken und zu dem slahen der
        vierteil einer hore zu gebrauchen«... und endlich am 29. Januar
        1494 »ein gut hell slahglocklein von gutem zeug zu bestellen
        und in den turn zu s. Sebald zu henken«. Es wurde demnach 1494
        das neue Viertelschlagwerk, wohl nach Muster des in Landshut
        erschossenen, errichtet.

Höhe (ohne Krone) etwa 0·50 m. Unter dem »Zeigerlein« der Chroniken wird
diese kleine Uhrglocke zu verstehen sein.

Hier mögen schließlich die schönen Kunstschmiedearbeiten an den barocken
Holzportalen Erwähnung finden (Abb. 127 und 128).


                6. Altargeräte, Wandteppiche, Paramente.

Die mit Einführung der Reformation veränderten liturgischen
Verhältnisse ließen einen großen Teil des alten Kirchenschatzes
überflüssig erscheinen. Bei dieser Gelegenheit verschwanden wohl eine
Reihe von kostbaren Paramenten und Altargeräten. Denn daß solche
in Menge vorhanden waren, wird man bei dem auf allen Gebieten der
Kunst und des Kunstgewerbes betätigten Stiftersinn der Nürnberger
Geschlechter ohne weiteres annehmen dürfen. Indessen blieb der gesamte
Kirchenornat, d. h. die Meßgewänder -- also das Überflüssigste bei
Ausübung der neugestalteten Gottesdienste -- ungeteilt erhalten.
Erst 1810 hat in Nürnberg die protestantische Geistlichkeit den
aus der vorreformatorischen Zeit herübergenommenen Kirchenornat
mit dem schwarzen Talare vertauscht. Eine weitere Reduzierung des
Kirchenschatzes wurde schon 1552 vorgenommen; es bezeugt dies ein im
Kreisarchiv Nürnberg aufbewahrter »Bericht wegen derer silberner vnd
guldener clainodien, so in S. Sebalts, Laurenzen vnd vnser frauen
kirchen gewesen a^o 1552 verschmelczt vnd dann das gold vnd silber
verkauft worden.« Auch diesmal blieb der Ornat noch verschont. Dagegen
wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts, sei es aus Mangel an Interesse, sei
es aus Geldverlegenheit, gründlich mit dem Kirchenschatz aufgeräumt und
nur das Allernotwendigste behalten. Selbst der vorgesetzten Behörde ging
dieses Vorgehen zu weit. Das Ende langwieriger, fast fünfmonatlicher
Verhandlungen vom 12. Oktober 1797 bis zum 3. Februar 1798, welche die
Aufsichtsbehörde mit den für die Veräußerungen verantwortlichen Stellen
führte, war eine Rüge, die sich Losungsamt und Rat gefallen lassen
mußten. Damals waren auch die Meßgewänder abhanden gekommen.[XXII]

[Illustration: Abb. 129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit
durchbrochenen Ornamenten.]

  [XXII] In den Akten über diese Verhandlungen ist ein interessantes
         Schriftstück enthalten, eine »Copia Commissions-Decrets an das
         Löbl. Losungsamt d. d. 12. Dez. 1797«. Das Dekret lautet:

         Commissioni subdelegatae ist zu wissen erforderlich, welche
         Objecta seit dem unterm 10^ten Decbr. 1790 ergangenen höchst
         erforderlichen Reichshofraths-Concluso veräußert, welcher modus
         bei der Veräußerung beobachtet, ob der Erlöß noch vorhanden
         oder wozu derselbe verwendet worden, auch ob -- und welche
         annoch weiteres zu veräußern räthlich und thunlich sein mögte?

         Worüber ein löbl. Losung-Amt den ungesäumten Bericht zu
         erstatten, auch, wie sich nunmehr von selbst verstehet, ohne
         Anfrage bei der Kaiserl. Commission und deren ausdrückliche
         Erlaubnis eine weitere Veräußerung nicht vorzunehmen hat!

         =Nürnberg=, den 12. Dezbr. 1797.
                          Von Kaiserl. Subdelegations-Commissions wegen.
                                             =Schrodt=
                               Kaiserl. Subdel. Kommiss. Secretair.

Von den auf uns gelangten =Altargeräten= sind hervorzuheben:

=Meßkelch= mit =Patene= (Abb. 129). Kelchhöhe = 22 cm,
Patenendurchmesser = 16·5 cm. Silber, vergoldet. Um 1500. Fuß
sechspaßförmig mit abgestuftem Rand. Bis herauf zur Mitte der Cuppa mit
durchbrochen gearbeiteten gegossenen Blattwerkornamenten überzogen und
mit Steinen besetzt. An den schmalen freigebliebenen Teilen des Halses
oberhalb und unterhalb des Nodus gravierte Ornamente. Kostbare Arbeit.

=Meßkelch= mit =Patene=. Kelchhöhe = 19·5 cm, Patenendurchmesser =
15·5 cm. Silber, vergoldet. Tuchersche Stiftung vom Jahre 1522. Nodus
mit getriebenen und eingravierten Ornamenten. Fuß sechsblattförmig mit
Horizontalprofilierung. Am Hals oberhalb und unterhalb des Nodus die
Inschriften graviert: JHESUS und MARIA. An der Innenseite des Fußes das
Wappen der Tucher mit der Jahrzahl 1522 graviert. Mit dem Beschauzeichen
Nürnberg, ohne Marke. Siehe Marc Rosenberg, Der Goldschmiede
Merkzeichen, 2. Aufl. 1911. Nr. 3059 o.

=Zwei Kannen.= Höhe je 16 cm. Silber, vergoldet. 1643. Datierung an den
kleinen Wappen am Ende des Griffes. Auf dem Deckel das Nürnberger und
Grundherrsche Wappen. Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg
a. a. O. Nr. 3226 a und b.

=Zwei Kannen.= Höhe je 33 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1658
zum Abendmahlsgebrauch gestiftet von Wolfgang Endter dem älteren. Die
betreffende Inschrift hat folgenden Wortlaut:

»Wolfgang Endter der Elter, Buchhändler alhier übergiebt diese Zwo
kannen sampt einem Kelch Paten, und oblaten schächtelein Zum Gebrauch
des Heiligen Abendmahls, der jüngst verneüerten Kirchen zu S. Sebald mit
Herzlichem wunsch das Gott die reine seligmachende Religion bei uns, bis
an der welt ende unverfälscht erhalten wolle.

                    Gott! Deine Gnad hat mir beschert
                    Was ist zu Danckbarkeit verehrt.
                    Am Palmsonntag im Jahr Christi 1658.«

Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3226 e
und f.

=Abendmahlskelch= mit =Patene=. Kelchhöhe 25·5 cm, Patenendurchmesser
17·5 cm. Silber, vergoldet. Gestiftet von Wolfgang Endter dem Älteren
1658 (siehe oben). Fuß sechsblattförmig mit Horizontalprofilierungen.
Am Nodus und am Fuß Gravierungen: am Nodus Blumenornamente, am Fuß
Engelsköpfe, außerdem Blattfriese und Fruchtkränze. Auf dem Boden des
Kelches eingraviert die Wappen des Stifters und seiner Ehegattin,
gehalten von einem Engel, darüber die Jahrzahl 1658.

Mit dem Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr.
3226 g.

Auf der Rückseite der Patene ist, von einem Kranz umrahmt, das Wappen
des Stifters graviert, auf dem Rande ein Kreuz.

[Illustration: Abb. 130. Sanduhr (ehemals an der Kanzel).]

=Krankenkelch= mit =Patene=. Kelchhöhe 17 cm, Patenendurchmesser 10 cm.
Silber vergoldet. Gestiftet von Joachim Kern und dessen Ehefrau 1675.
Fuß sechsblattförmig. An der Rückseite des Fußrandes die eingravierte
Inschrift: »Joachim Kern und dessen Ehewürthin Catharina 1675.«

Beschauzeichen Augsburg und Marke JV (oder M?).

=Etui= mit =Löffel=. Etuilänge 17 cm, Breite 4·5 cm. Beides Silber,
teilweise vergoldet. Um 1700. An der Seite und am Deckel des Etuis
gepunzte Darstellungen der Leidenswerkzeuge, ferner auf dem Deckel
getriebenes Kruzifix, wovon der rechte Arm fehlt. Darüber in Gravierug
der Hahn.

Beschauzeichen Nürnberg und eine Meistermarke, die sich aus einem I, V
und N zusammenzusetzen scheint.

=Klingelbeutel.= An der Vorderseite die Gruppe Christus am Kreuz
mit Maria Magdalena aus gegossenem und ziseliertem Silber. An der
Rückseite rundes Schild von Silberblech, darauf das Monogramm AMM
(ineinandergestellt) und die Jahrzahl 1723 graviert. Durchmesser des
Schildes 6 cm. Beutel von neuem rotem Samt.

=Hostienbüchse=, rund. Durchmesser 13·5 cm, Höhe 9·5 cm. Silber,
vergoldet. Auf dem Deckel eingraviert das Bild des hl. Sebald und: 'M.
M. W. 1744.'

Beschauzeichen Nürnberg und undeutliche Marke.

=Zwei Abendmahlskelche= mit =Patenen=. Kelchhöhe 28 cm,
Patenendurchmesser 18 cm. Silber, vergoldet. Rokoko. Getriebene
wellenförmige Ornamente an Cuppa, Nodus und Fuß. Fußrand mit
Horizontalprofilierungen. Um 1755.

Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3275 b
und c.

[Illustration: Abb. 131. Leuchterengel (Hauptaltar).]

=Taufbecken= mit =Kanne=. Taufbecken oval 46·5 × 34·5 cm, Kannenhöhe
21 cm. Silber. Um 1755. Mit getriebenem Wellenornament.

Beschauzeichen Nürnberg und Marke. Siehe Rosenberg, a. a. O. Nr. 3204.

=Sanduhr.= (Abb. 130.) Viereckiger Behälter mit vier Uhren: 1/4, 2/4,
3/4 und 4/4. Gehäuse 32 × 26 cm. Silber. Mit zwei Holzschuherschen
Wappen. Oben und unten:

                      »17 Fr. M. M. M. H. v. H. 81«
                      und »17 Fr R. H. H. v. H. 81«.

Die Ornamente gegossen und ziseliert, das übrige getrieben. 1906 auf der
Historischen Ausstellung der Stadt Nürnberg, vgl. Katalog Nr. 166.

=Kanne=, den beiden 1658 von W. Endter gestifteten Kannen nachgebildet.
H. 34 cm. Silber, vergoldet. Laut Inschrift 1838 gestiftet von Therese
Rohrmann, Witwe des Kaufmanns und Marktadjunkten Georg Peter Rohrmann.
Vorne Spruch Joh. XV, 5.

Beschauzeichen Nürnberg und Marke G (?).

Ferner befinden sich in der südlichen Sakristei noch zwei kleine alte
=Messingleuchter= ohne künstlerische Bedeutung.

=In der nördlichen Sakristei=:

=Zwei Altarleuchter.= H. 76·5 cm. Silber. Modern gotisch um 1830. Basis
sechseckig, auf sechs Drachen ruhend. Schutzteller mit Zinnen, von
Krabben getragen.

=Auf dem Hauptaltar=:

=Altarkruzifix.= H. 1·28 m. Der Kruzifixus aus Silber gegossen und
ziseliert, Kreuz und Sockel Holz. Um 1700. Vorzügliche Arbeit.

=Zwei Altarleuchter in Gestalt von Kerzen haltenden Engeln= (Abb. 131).
Höhe der Figuren ohne Leuchter und Flügel 39·0 und 39·5 cm. Gegossen,
massives Silber, vergoldet. Auf jedem das Volckamersche Wappen. Kostbare
Arbeiten aus der Zeit um 1490.

Zwei Paare gedrechselter und ein Paar zum Teil gedrechselter, zum Teil
gegossener =Messingleuchter=; das letztere Paar aus der Barockzeit.

=Auf den Rückwänden zu den Seiten des Hauptaltares= zwei holzgeschnitzte
und bemalte, insbesondere reich vergoldete knieende =leuchtertragende
Engel= auf Postamenten, der eine eine vortreffliche Arbeit aus der Zeit
um 1500, der andere (rechts vom Hochaltar) eine moderne Kopie von jenem
im Gegensinne.

=Auf dem Löffelholzaltar=:

=Altarkruzifix.= H. 1·31 m. Der Kruzifixus aus gegossenem und
ziseliertem Silber, Kreuz und Sockel Holz mit reichem Silberbeschlag, an
der Vorderseite ein sich aus M und W zusammensetzendes Monogramm. Gute
Arbeit aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

=Vier messinggedrehte Leuchter=, darunter zwei gleiche mit
Löffelholzischen Allianzwappen und der Jahreszahl 1696 (auf einem
querovalen Schildchen am Fuße).

=Auf dem Muffelaltar= ein Paar kräftige gedrehte =Messingleuchter=, je
mit dem Muffelschen Wappen am Fuße.

=Auf dem Petrusaltar= ein Paar einfache gedrechselte =Messingleuchter=.

=Auf dem Tucheraltar= ein Paar gedrungene messinggedrechselte =Leuchter=
mit dem Wappen der Schnecken (2 gekreuzte Lanzenspitzen) je an ihrem
Fuße.

=Auf dem Halleraltar= und gegenüber vor der Adam Kraftschen
Kreuzschleppung vier gleiche einfach gedrechselte =Messingleuchter=.

Besonders hervorzuheben ist hier sodann noch die über der Tucherschen
Begräbnisstätte, vor den Gedenktafeln dieses Geschlechtes aufgehängte
=Ewiglichtlampe= aus Messing, deren Körper durchbrochen gearbeitet und
mit schön stilisiertem Blattwerk und drei Tucherschen Wappen reich
graviert ist. Drei groteskenartige weibliche Halbfiguren, ebenfalls aus
Messing gegossen, stellen die Verbindung zwischen dem Körper der Lampe
und dem Gehänge her. 16. Jahrhundert.

Einige hölzerne =Barockkruzifixe und sonstige Altargeräte= sind von
keiner künstlerischen Bedeutung.

=Im Germanischen Nationalmuseum= endlich wird heute aufbewahrt:

Der »=Dilherrsche=« =Pokal=. Vom Jahre 1635 (?). Silber, vergoldet.
H. mit Deckel 47·5 cm. Am Fuß, an der Cuppa und am Deckel getriebene
Blumen- und Rankenornamente, an der Cuppa außerdem noch Engelsköpfe und
in Medaillons drei figürliche Darstellungen des Sündenfalles. Den Hals
bildet die gegossene und ziselierte Figur eines Engels, welcher einen
Totenkopf hält. Auf dem Deckel die Erdkugel mit Schlange, darauf der
auferstandene Christus. Inschriften sind über den ganzen Pokal verteilt.
Der Pokal soll ein Geschenk des Rates der Stadt Nürnberg an den Pfarrer
J. M. Dilherr von St. Sebald sein.

Ausführliche Beschreibung bei Essenwein, Einige Gold- und Silbergefäße
aus dem Schatze im Germanischen Museum. In den »Mitteilungen aus dem
Germanischen Nationalmuseum«. II, 1887, S. 45. Vgl. auch Rosenberg, a.
a. O. Nr. 3188 d.


                              Wandteppiche.

Ein weitaus besseres Schicksal als die Paramente erfuhren die
Wandteppiche, mit denen die Kirche reich ausgestattet war. Außer den
vorhandenen zehn Gobelins existiert noch einer vom Jahre 1477 aus dem
ehemaligen Kirchenbesitz, der auf Umwegen wieder in die Hände der
Stifterfamilien gelangt ist[XXIII]; und noch zwei weitere Stücke dürften
sich im 15. Jahrhundert den übrigen angereiht haben: eine Fortsetzung
der Katharinenlegende und ein Gegenstück zum Sebaldusgobelin.

  [XXIII] Von einem der Teppiche, welche zur Schmückung der Gräber
          vorhanden waren, erzählt Baron Christoph v. Tucher a. a. O. S.
          55: »Die Grabteppiche anlangend findet sich im Salbuch Hans
          VI. Tuchers de A^o 1477, welches in seinem vierten Teil sich
          ebenfalls über die von dem ältesten Tucher auszurichtenden
          Stiftungen verbreitet, am Schluß eine eigenhändige Notiz des
          Besitzers von folgendem Wortlaut:

          »Anno MCCCCLXXVII ad XXVI matzo so haben wir Pertold und Hans
          Tucher senior geprüder und Anthony und Langhans Tucher von
          unser geselschaft gekauft ein grabtebich mit dem englischen
          grus, der kost hott 14 guld. rh. und für das Tucher wappen
          darauf und zu füttern kost 2 gulden. Den thebich soll fürpaß
          albeg der eltist Tucher, der die jartag ausricht, pei seinen
          handen gehalden zu denselben jahrtagen.«

          »Dieser Teppich kam im Jahre 1884 in den Besitz der
          Antiquitätenhändler Rösch und Zimmermann dahier, wo ich
          ihn sah und für meinen Bruder Heinrich [Heinrich Freiherr
          v. Tucher Exzellenz, jetzt K. Bayer. Gesandter in Wien] um
          4000 M kaufte. Dieser ließ ihn in den Werkstätten (fabbrica
          degli arrazzi) des Vatikans unter Cavaliere Centili für 1250
          Lire renovieren und hat mit dem ehrwürdigen Familienmonument
          von wunderbarer Schönheit eine Wand seines Arbeitszimmers
          verkleidet. Heute ist der Teppich unter Kennern gewiß 20.000
          M. wert.«

[Illustration: Abb. 132. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
hl. Sebald.]

[Illustration: Abb. 133. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
hl. Sebald.]

Die Darstellungen sind meist dem Marienleben und den Legenden der
beliebtesten Heiligen der Kirchengemeinde Sebald, Katharina und Helena,
entnommen; ein Wandteppich erzählt vom »Verlorenen Sohn«, einer vom
alten Testament.

Der Entstehungszeit nach zerfallen die Teppiche bis auf einen 1497
gestifteten Gobelin in zwei Hauptgruppen. Zur ersten Gruppe aus dem
Beginne des 15. Jahrhunderts, für welche außer der charakteristischen
Formensprache in der Regel eine stärkere Belebung des Hintergrundes
mit Architektur und Landschaft bezeichnend ist, zählt auch als später
Ausläufer der um 1450 entstandene Mariengobelin. Der zweiten Gruppe nach
der Mitte des 15. Jahrhunderts ist bei klarer Disposition der Figuren
dunkelfarbiger Hintergrund mit ornamental stilisierten Blumen und
Pflanzen eigen.

Über den Entstehungsort ist nichts Bestimmtes bekannt. Er ist jedenfalls
in Nürnberg zu suchen, vermutlich in einem der beiden Frauenklöster St.
Klara und St. Katharina. Auffällig ist, daß nachweisbar drei Teppiche
der zweiten Gruppe allein von den Tuchern gestiftet worden sind.

=Wandteppich mit sieben Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald=
(Abb. 132, 133). Um 1410. Mit Inschrift über den Darstellungen: der
Leichnam des hl. Sebald schlägt einem Mönch, der ihn verhöhnt, ein
Auge aus: »hi... ein münch sant sebolt tod leichna slug [=i] [=e] aug
aus«[XXIV]; einer Frau, welche eine abgebrochene Kerze an der Bahre des
hl. Sebald wieder aufrichtet, springt der zur Buße um den Arm getragene
Ring: »hie pring [=e] fraw sant sebolt kertz[=e] die eise... fiell[=e]
ir ab«; die Leiche des hl. Sebald wird von Ochsen gefahren: »hi zich[=e]
ochs[=e] S sebolt leichn[=a] von popp[=e]reut g[=e] nurberg«; der
vertauschte Käse, welchen eine Frau am Grabe des hl. Sebald opfert,
wird in einen Stein verwandelt: »hie verwexelt fraw [=e] kes der wardt
zu [=e] stain«; Pilger nehmen die sie überfallenden Räuber gefangen mit
nach Rom: »hie fieng[=e] pilger[=e] die rauber und prochtens mit in gen
rom«; die Räuber überfallen die Pilger wiederholt, aber St. Sebald lähmt
sie: »hie wollen sie die pilger beraubt haben do erkrumpt sie«; St.
Sebald erscheint Schiffbrüchigen: »hie wollten leut ertrincken do kam
in S sebolt zu hilf«. Die Reihe der Darstellungen hat sich ursprünglich
noch fortgesetzt. L. 7·28 m, H. 1·01 m. Als Hintergrund Architektur
und Landschaft. Die Darstellungen sind äußerlich nicht getrennt. Mäßig
gut erhalten, doch, insbesondere die braunen Fäden, durch Insekten zum
Teil herausgefressen. Zu diesem Gobelin hat wahrscheinlich einer mit
Darstellungen der Wunder des hl. Sebald vor seinem Tode als Gegenstück
existiert.

  [XXIV] Siehe Cod. lat. 901, f. 118-135 und Cod. lat. 23.877, f. 182 ff.
         der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München.

=Wandteppich mit sechs Darstellungen aus dem Alten Testament.= Um 1410.
Darstellungen: Adam und Eva im Paradies, Vertreibung aus dem Paradies,
Samson bezwingt den Löwen, Samson wird von Delila überlistet, Bathseba
und David, David und Michal(?). Ohne äußerliche Trennung. L. 4·30 m, H.
0·63 m. Hintergrund blau mit Architektur und Landschaft.

=Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der hl. Katharina.=
Um 1420. Die Schrift über den Darstellungen teilweise erhalten. 1.
=Acht Darstellungen=: Wunderbare Erscheinung des Kreuzes: »hi sahen
die heinischen (!) meister ein czeichen am himel«; Opferung von
Weihgeschenken: »dez heiligen creuz daz erten si mit güter«; Geburt der
Katharina: »hi wart sancta katterina geporn«; religiöse Erziehung: »hi
bart si gelert daz si dem kreuczigten got solt din«; Unterricht durch
den Einsiedler: »hie lert si der einsidel daz si xpm...«; Maria mit dem
Jesuskind (Fragment); Taufe der Katharina; mystische Verlobung mit dem
Jesuskind. Die erste Darstellung ist möglicherweise nicht der Anfang des
Ganzen, denn vor der Schrift jener Darstellung finden sich die Worte:
»[St. Cath]erina leb[=e]«. L. 7·43 m, H. (mit Schrift) 0·92 m. 2. =Vier
Darstellungen=: Katharina vor dem Kaiser Maxentius, Disputation mit den
Philosophen, Katharina tröstet die wegen ihrer Bekehrung zum Feuertode
verurteilten Weisen, Katharina wird gegeißelt. Fragment. Schrift fehlt.
L. 4·95 m, H. 0·82 m. Hintergrund blau mit Architektur und Blumen. Die
Darstellungen sind äußerlich getrennt. Gut erhalten, doch das Braun
wiederum zum Teil herausgefressen.

[Illustration: Abb. 134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben.]

=Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch die hl.
Helena.= Rummelsche Stiftung. Um 1420. Darstellungen: Die hl. Helena in
Gegenwart des Kaisers Konstantin und des Gefolges bezeichnet den Platz,
wo gegraben werden soll; von den drei gehobenen Kreuzen wird das Kreuz
Christi an der Wunderwirkung der Auferstehung eines Toten erkannt. Unten
links das Wappen der Rummel, rechts das Wappen der Haller. L. 1·80 m, H.
0·85 m. Hintergrund dunkelblau, mit ornamentierten Zweigen belebt; im
Vordergrund Blumen. Die beiden Szenen sind äußerlich nicht getrennt.

=Wandteppich mit drei Darstellungen aus dem Marienleben= (Abb. 134). Um
1450. Hallersche Stiftung. Links Verkündigung, in der Mitte Heimsuchung,
rechts Geburt Christi. Äußerlich abgeteilt. L. 1·81 m, H. 0·88 m.
Architektur und Landschaft als Hintergrund. Das Allianzwappen der Haller
mit dem der Pfinzing und Schürstab in der mittleren Darstellung. Weniger
gute Arbeit.

=Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Parabel des Verlorenen
Sohnes.= Tuchersche Stiftung. Um 1460. 1. =Fünf Darstellungen=:
Der Jüngling auf schlechtem Lebenswandel (?), er wird von Weibern
fortgejagt, weibliche allegorische Figur mit den Wappen der Tucher und
Stromer, der Jüngling hütet Schweine, er kehrt zurück. L. 3·85 m, H.
0·63 m. 2. =Vier Darstellungen=: Zu Ehren des Wiedergefundenen wird ein
Kalb geschlachtet und ein Festmahl gehalten, der vom Feld heimkehrende
ältere Bruder erkundigt sich bei Zimmerleuten nach dem Vorfall und
weigert sich, an dem Festmahl teilzunehmen. Auf der letzten Darstellung
rechts oben das Tuchersche und unten das Stromersche Wappen. L. 3·14 m,
H. 0·63 m. Hintergrund dunkelblau mit Bäumen und anderen stilisierten
Pflanzen, im Vordergrunde Blumen. Die Darstellungen sind durch Säulen
getrennt. Vorzügliche Arbeit.

[Illustration: Abb. 135. Gobelin mit Darstellung der Geburt Christi,
1495.]

[Illustration: Abb. 136. Mittelstück des Gobelins von 1495.]

=Wandteppich mit zwei Darstellungen der Grablegung einer Heiligen=
(Katharina?). Um 1460. Tuchersche Stiftung. Links: der Leichnam wird
von schwebenden Engeln gebracht; rechts: der Leichnam wird von den
Engeln ins Grab gesenkt. Ohne äußerliche Trennung. L. 1·72 m, H. 0·78 m.
Hintergrund blau mit Blumen und Bäumen. Unten in der Mitte die Wappen
der Tucher und Stromer.

=Wandteppich mit der Darstellung der Geburt Christi und vier Heiligen=
(Abb. 135, 136) über dem Hauptaltar. Laut Inschrift vom Jahre 1497. Die
Darstellung der Geburt Christi mit Anbetung der Hirten und Engel in der
Mitte, seitlich abgeschlossen durch je eine Säule, links die Heiligen
Barbara und Johannes der Täufer, rechts ein heiliger Mönch mit Stock und
Buch und die hl. Katharina. L. 3·04 m, H. 0·85. Als Hintergrund reiche
Landschaft. Starke Verwendung von Gold. Oben rechts die Buchstaben D. S.
Vorzügliche Arbeit. Der Gobelin soll ursprünglich beim Muffelschen Altar
an der Wand gehangen haben.

[Illustration: Abb. 137. Katharinenstatue. Vom Portal des südlichen
Seitenschiffes.]

=Kanzelbekleidung=: L. 3·47 m, H. 1·13 m. Seide. Karmoisin, klein
gemustert. Unten Ornamentstreifen (H. 17 cm) und in der Mitte
Wappenschild (H. 48·5 cm, Br. 45·5 cm) mit Auferstehung Christi.
Applikationsstickerei. Vom Jahre 1643. Auf der Rückseite Pergament
aufgenäht: »Achatius Hilling von Elnbogn Burger vnd Handelsmann in
Nürnberg vnd Sabina deßen Ehew: eine geborne Waldmannin, verehrten auß
Gottseel: Eifer in die Pfarrkirch S: Sebaldi dieße Cantzeldeck, d.
21. Dec: Ao. 1643«. Mit zugehörigem Überhangstreifen aus dem gleichen
Seidenstoff. 3·50 m lang, 0·30 m hoch.

=Kanzelbekleidung=: L. 3·40 m, H. 1 m. Grüner, klein gemusterter
Seidendamast mit grünen Seidenfransen. In der Mitte ein Kruzifixus
in reicher farbiger, zum Teil in Gold gehaltener, sehr erhabener
Applikationsstickerei. 17. Jahrhundert. Hierzu ein Überhangstreifen aus
dem gleichen Seidenstoff, ebenfalls mit Fransen. 3·75 m lang, 0·30 m
hoch.

=Antependium= zum Tucheraltar: L. 2 m, H. 0·80 m. Großes rotes
Rankenornament auf orangefarbenem, klein gemustertem Seidenstoff. 18.
Jahrhundert; wohl italienische Arbeit. Unten rechts ist ein kleines,
altes gesticktes Tucherwappen aufgenäht. Stiftung des Freiherrn Heinrich
von Tucher.

=Antependium= zum Hauptaltar: L. 4·30 m, H. 0·95 m. Roter Seidendamast
mit großem Granatapfelmuster und rotem Fransenbesatz. Italienisch, 19.
Jahrhundert. Links unten das Tuchersche Wappen zwischen den Buchstaben
C und T und die Jahreszahl 1897 in Stickerei. Stiftung des Freiherrn
Christoph von Tucher.

=Antependium= vom Muffelaltar: L. 2·40 m, H. 0·75 m. Schwerer
roter Seidendamast mit Blumenmuster und rotseidenem Fransenbesatz.
Italienisch, 17.-18. Jahrhundert. In der Mitte unten ist ein auf
Pergament gemaltes Muffelsches Allianzwappen mit der Jahreszahl 1704
aufgeklebt.

=Zwei Stücke eines Altarbehanges=: Je 2·50 m lang und 0·80 m hoch.
Buntfarbige Seidenstickerei mit in Wellenlinien angeordneter Musterung
und breiter Borte, die durch stilisiertes Blumen- und Rankenwerk
gemustert ist. Bunte Seidenfransen. 18. Jahrhundert. Hierzu noch ein
Stück der gleichen Borte. 1·85 m lang; 0·30 m breit.

=Antependium am Löffelholzaltar=: L. 2·90 m, H. 0·80 m. Roter Sammet mit
Goldborte. In der Mitte unten ein Löffelholzisches Allianzwappen und die
Jahreszahl 1772 in Stickerei.

=Antependium am Halleraltar=: L. 2 m, H. 0·90 m. Roter verschossener
Seidendamast mit großen Blumen gemustert. In der Mitte unten ein
Allianzwappen und die Jahreszahl 1746 in Stickerei.

=Antependium= an der Mensa unterhalb der Kraftschen Kreuztragung: L.
1·90 m, H. 0·90 m. Ähnlicher verschossener roter Seidendamast mit
Blumengirlanden als Muster. In der Mitte unten die gleichen Wappen, doch
umgestellt, und die Jahreszahl 1743 in Stickerei.

=Antependium am Tucheraltar=: L. 2·30 m, H. 0·85 m. Roter Sammet mit
Goldborte. In der Mitte unten ein Wappen der Tucher in Stickerei. Stoff
und Borte 18. Jahrhundert.

[Illustration: Abb. 138. Kopf der Katharinenstatue vom Portal des
südlichen Seitenschiffes.]

[Illustration: Abb. 139. Lapidarium in der westlichen Krypta.]

=Antependium am Petrusaltar=: L. 3·60 m, H. 1·05 m. Grüngelber,
klein gemusterter Seidendamast mit Fransenbesatz. In der Mitte unten
Endter-Allianzwappen und die Jahreszahl 1753 in Stickerei.

=Antependium am Muffelaltar=: L. 2·30 m, H. 0·85 m. Bordeauxfarbiger,
klein gemusterter Seidendamast mit Fransenbesatz. In der Mitte unten ein
Kressisches Allianzwappen und die Jahreszahl 1753 in Stickerei.

Außer diesen Paramenten werden in der Kirche noch einige Reste von
älteren Damaststoffen und Sammeten sowie Borten aufbewahrt. Zur
Bekleidung des Hauptaltares und der Kanzel außerhalb der Festzeiten
dienen neuere Behänge aus rotem Sammet.


      7. Sammlung alter Skulpturen und Baureste. -- Büchersammlung.

Die Sebalduskirche besitzt eine =Sammlung von alten Skulpturen,
Bauresten und technischen Modellen=, die während der letzten
Wiederherstellung von Prof. Schmitz angelegt wurde und zu ihr in
Beziehung steht. Die Gegenstände sind an drei verschiedenen Orten
untergebracht.

Zunächst beanspruchen unsere Aufmerksamkeit mehrere zum Teil
überlebensgroße Steinfiguren im nördlichen Seitenschiff neben der
Turmhalle. Es befinden sich darunter Sebaldus und Maria vom Brauttor,
Petrus und Katharina (Abb. 137, 138) vom südlichen Seitenschiffportal
sowie andere Statuen aus Stein, die teils wegen ihrer fortgeschrittenen
Verwitterung, teils, weil ihre Verwitterung in Bälde zu befürchten war,
an diesen geschützten Ort verbracht und am Gebäude selbst durch Kopien
ersetzt wurden.

Das Lapidarium in der westlichen Krypta (Abb. 139) enthält sodann eine
große Anzahl originaler Steinreste, welche ebenfalls für die während der
Wiederherstellung erneuerten Bauteile als Vorbilder und Anhaltspunkte
dienten. Aus der romanischen Zeit finden sich Kapitäle, Bogenfriese,
Säulen und andere zum Teil reich skulptierte Werkstücke, aus der
gotischen Zeit eine Reihe von sehr wertvollen Konsolen, Kapitälen,
Baldachinen und anderen architektonischen Details. Daneben sind die
Originale verschiedener erneuerter Epitaphien (darunter die Auferweckung
des Lazarus von Veit Stoß) sowie mehrerer kleinerer Steinfiguren
aufgestellt, auch andere interessante alte Bauteile, als Dachendigungen,
Dachdeckungsmaterialien, der Rest eines romanischen Fußbodens sowie
merkwürdige Probestücke mittelalterlicher Bautechnik wie späterer
Restaurationen.

[Illustration: Abb. 140. Auferweckung des Lazarus. Relief vom südlichen
Seitenschiff (jetzt in der Bausammlung).]

[Illustration: Abb. 141. Übermalter Holzschnitt in einem der Exemplare
des »Liber missalis«, Bamberg 1490.]

[Illustration: Abb. 142. Randverzierung in Miniaturmalerei in einem der
Exemplare des »Liber missalis«, Bamberg 1490.]

Eine Fortsetzung findet diese Sammlung in den im Obergeschoß der
nördlichen Sakristei in Schränken und Vitrinen aufgestellten
Gegenständen. Hier sehen wir zunächst kleinere Fundstücke, u. a. einen
in der Türmerstube aufgefundenen Frauenschuh des 15. Jahrhunderts
(Duplikate desselben besitzen das Germanische Museum und das Bayrische
Nationalmuseum in München), altes Steinwerkzeug sowie sehr wertvolle
Reste von mittelalterlichen Freskomalereien, welche ehemals die Wand
hinter dem Marienbilde Hans von Kulmbachs oberhalb der Tucherschen
Chorstühle schmückten (s. o., S. 176).

Handelt es sich bisher um Originalstücke, so reiht sich diesen nunmehr
im gleichen Raume neben einer Anzahl von Plänen und Photographien
eine Sammlung von künstlerischen und technischen Modellen der letzten
Wiederherstellung an. Die 1899 erfolgte Ausgrabung der Ostchorkrypta
ist in einem Modell anschaulich dargestellt. Von den ausgeführten
schwierigen konstruktiven Arbeiten dieser Zeit geben diese in kleinem
Maßstabe als Studienmodelle sehr sorgfältig gefertigten Darstellungen
ein interessantes und übersichtliches Bild. Da sie für eine Reihe von
Detailfragen der Denkmalpflege die seitens der wiederherstellenden
Architekten gewählte Methode zeigen, so bilden sie gewissermaßen ein
kleines, aber eigenartiges Denkmalpflegemuseum, in dem für andere Fälle
schätzenswerte Erfahrungen aufgehoben sind.

Gelegentlich des Denkmalpflegetages 1905 war die Sammlung in der
Moritzkapelle, die sie ganz ausfüllte, vereinigt und erfreute sich eines
regen Interesses der sachverständigen Teilnehmer. Ein erläuterndes
Schriftchen dazu verfaßte Dr. E. Reicke, Kustos an der Stadtbibliothek
und am städtischen Archiv zu Nürnberg. Druck von J. L. Stich.

[Illustration: Abb. 143. Miniaturmalerei in einem der Exemplare des
»Liber horarum«, Bamberg 1501.]

Erscheint es durchaus veranlaßt, daß sowohl die alten wie die neuen
Teile der beschriebenen Sammlung in der Kirche selbst -- zu der sie in
engster Beziehung stehen -- verbleiben, so muß doch bedauert werden, daß
es an einer Pflege der Sammlung, welche vor allem katalogisiert werden
sollte, fehlt. Es ist zu fürchten, daß die in der Krypta und Sakristei
untergebrachten Gegenstände über kurz oder lang in Verlust geraten oder
verkommen.

                    *       *       *       *       *

Außerdem befindet sich im Besitz der Kirche noch eine $Büchersammlung$
von einigen hundert Bänden, die an vier verschiedenen Orten:
im Pfarrhaus (der größte und wichtigste Teil der eigentlichen
Kirchenbücher), im Muffelschen Altar (auch im wesentlichen
Kirchenbücher, darunter auch einige Bände »Verkündigungen« und
»Kindertüchlein«-Bücher), in der nördlichen Sakristei und in einem
Schrank des kleinen Museums über dieser Sakristei (Sebald Schreyersche
Manuskripte, alte Drucke usw.) aufbewahrt werden.

Die Ehebücher beginnen bei St. Sebald mit dem Jahre 1524, die Taufbücher
1533, die Totenbücher 1547. Die letzteren liegen etwa vom Ende des 17.
Jahrhunderts an größtenteils in zwei Niederschriften vor und ihr Inhalt
wiederholt sich außerdem noch einmal in den Totenbüchern des Königlichen
Kreisarchivs.

Unter den übrigen Handschriften sind von erheblichem historischem
Interesse namentlich noch die Rechnungsbücher, die Sebald Schreyer als
Kirchenmeister von St. Sebald geführt hat. Zwei derselben betiteln sich:
»Einnemen S. Schreyers der zins vnd gült«; das eine reicht von 1482 bis
1491, das andere von 1491 bis 1503. Ein drittes inhaltlich besonders
interessantes Manuskript ist überschrieben: »Rechnung einnemens und
ausgebens S. Schreyers von 1482 jar untz in das 1494 jar«. Es ist ein
Folioband, während jene Schmalfoliobände sind. Alle drei Bücher sind in
Schweinsleder gebunden, mit Granatapfelmusterpressung verziert und mit
Messingecken und hübschen Messingschließen versehen.

Ein Perpamentmanuskript, das die Legende des hl. Sebald enthält,
gepreßter Schweinslederband in 2º mit zwei Ketten, auf der ersten Seite
eine gute, doch etwas verdorbene Miniatur (St. Sebald darstellend),
Ende des 15. Jahrhunderts, sowie ein Buch mit Gebeten und Hymnen, 1534
geschrieben, Klein-2º, sind von geringerer Bedeutung.

Auch unter den Drucken sind die auf Sebald Schreyer zurückgehenden,
d. h. durch eine Stiftung dieses bedeutenden Kunstfreundes an die Kirche
gekommenen die wertvollsten. Es sind ausweislich der kalligraphisch
eingeschriebenen Widmungen:

»Liber missalis«. Bamberg, Johann Sensenschmidt und Heinrich
Petzensteiner, 1490, 2º. Drei auf Pergament gedruckte und mit Initialen
(auf Goldgrund) in Handmalerei (Abb. 141, 142) auf das reichste
geschmückte vortrefflich erhaltene Exemplare. Gleichzeitige gepreßte
braune Ledereinbände mit Messingbeschlägen.

»Liber horarum« (Pars maioris breviarii hyemalis). Bamberg, Joh.
Pfeyl, 1501, 2º. Drei ebensolche Exemplare (Pergamentdrucke) mit
reichem handgemaltem Initialenschmuck (Abb. 143), deren jedes überdies
auf dem Widmungsblatte noch eine treffliche, etwa dreiviertel der
Seite einnehmende Miniaturmalerei aufweist, zweimal Paul Volckamer
als Mitstifter und Sebald Schreyer zu den Seiten des heiligen
Sebald, im dritten Exemplar Sebald Schreyer und seine Frau im Gebet
vor einem geöffneten Flügelaltar knieend, der die Madonna zwischen
den Heiligen Rochus und Sebald einerseits, Lorenz und Sebastian
andererseits und in der Bekrönung den Evangelisten Johannes zeigt.
Gleichzeitige Pergamenteinbände mit gepreßten Mustern und ornamentierten
Messingbeschlägen.

Von den übrigen Drucken seien noch folgende zum großen Teil mit
Holzschnitten geschmückte kurz angeführt:

»Psalterium Romanorum« mit dem Wappen des Kardinals Albrecht von
Brandenburg in Holzschnitt von 1520. O. O., J. (1520) und Dr.
Pergamentdruck in Imperial-2º von prächtigster Erhaltung. Der Einband
von 1655 mit den drei nürnbergischen und dem Imhoffschen Wappen sowie
der Bezeichnung »Bib. Nor.« in Goldpressung und mit Messingbeschlägen.

Die Propheten alle Deutsch. D. Mar. Luth. Wittenberg, Hans Lufft, 1532,
2º.

Dasselbe in der Ausgabe 1536.

Desgleichen in der Ausgabe von 1571.

Biblia. Doct. Mart. Luth. Wittenberg, Hans Lufft, 1571, 2º.

Psalterium Davidis. Noribergae. In officina typographica Valentini
Neuberi. 1583, Klein-8º (drei Exemplare).

Veit Dieterich, Summaria über die ganze Bibel. Nürnberg, Paul Kauffmann,
1597, 2º.

Biblia. Frankfurt a. M., Johann Saur, 1606, 2º.

Biblia. Wittenberg, Zacharias Schürer, 1621, 2º.

Biblia. Lüneburg, Johann und Heinrich Stern, 1656, 2º.

u. s. w.

[Illustration: Abb. 144. Konsekrationsurkunde des Hochaltares von 1379.]

[Illustration: TAFEL XV. Thronende Maria mit Heiligen.]



                          Urkundliche Beilagen.


Die folgenden Urkunden und Urkundenauszüge sind bei der besonderen
Wichtigkeit, die sie vom Standpunkte der historischen und
kunsthistorischen Forschung für die Geschichte der St. Sebaldkirche
beanspruchen dürfen, ausgewählt worden. Je nach Bedeutung und Bedürfnis
sind die einzelnen Stücke entweder in ihrem ganzen Umfange oder im
Auszuge wiedergegeben oder ihr Inhalt nur in aller Kürze hervorgehoben
worden. Die Originale der Urkunden bis zum Jahre 1401 sind sämtlich
im Königlichen Allgemeinen Reichsarchiv zu München aufbewahrt.[XXV]
Von einer ganzen Reihe weiterer Urkunden sind kurze Regesten in der
chronologischen Übersicht (siehe S. 234) gegeben.

  [XXV] Siehe im übrigen den Schluß der Vorrede.

        1.                                     _Nürnberg 1255, Juli 29._

_Bischof H[einricus] von Samland verleiht_ ... omnibus cum debita
devotione venientibus ad dedicationem altaris sancti Stephani siti in
parrochia[XXVI] sancti Sebaldi in Nurenberc penitentibus et confessis
_40 Tage Ablaß der schweren, ein Jahr der läßlichen Sünden und eine
halbe Carina[XXVII] von der ihnen auferlegten Buße._

Datum Nurenberc anno domini 1255 in festo prenotato [sancte Margarete].

_Original-Pergament. -- Siegel abgefallen._

  [XXVI] Statt: in parrochiali ecclesia.

  [XXVII] Carina, carena, quadragena, Buße durch 40tägiges Fasten.

        2.                                   _Nürnberg 1256, Oktober 1._

_Bischof Heinrich von Bamberg verleiht allen Christgläubigen, welche
die Pfarrkirche zu St. Sebald in Nürnberg_ in die dedicacionis -- _am
Kirchweihtage -- und an den Festtagen der Apostel Petrus und Paulus und
des hl. Sebald besuchen und ihre Almosen darreichten, einen Ablaß von 40
Tagen und einer Carrina._

Datum Nurenberc 1256 in die sancti Remigii.

_Original-Pergament. -- Siegel abgefallen._

        3.                                     _Bamberg 1273, August 8._

_Bischof Berthold von Bamberg ermahnt alle Christgläubigen_ -- cum
igitur ecclesia sancti Sebaldi in Nurenberch in vitris et in quibusdam
allis ad suum ornamentum et decorem necessariis defectum paciatur --,
_zum Nachlaß ihrer Sünden für die Herstellung jener Bedürfnisse ihre
hilfreiche Hand darzubieten, und erläßt allen wahrhaft Reumütigen
nach abgelegter Beichte und Darreichung ihres Almosens 40 Tage Ablaß
von den schweren und ein Jahr von den läßlichen Sünden und verleiht
den Pfarrkindern, welche den Gottesdienst daselbst fleißig besuchen,
denselben Ablaß._

Datum apud Babenberch anno domini millesimo ducentesimo septuagesimo
tercio in die beate Afre.

Original-Pergament mit an rotweißer Seidenschnur anhangendem kleinem
Fragment des bischöflichen Siegels.

        4.                                            _1274, August 17._

_Bischof Berthold von Bamberg verleiht, nachdem er am 10. September
1273_ -- hinc est, quod ob dilectionem et precum instanciam honorabilium
virorum Chunradi buttugelarii, Marquardi sculteti et universitatis
civium in Nurenberg in dominico die post nativitatem gloriosissime
virginis Marie consecravimus chorum et altare parrochialis ecclesie
sancti Seboldi -- _Chor und Altar der Pfarrkirche St. Sebald eingeweiht,
allen wahrhaft Reumütigen, welche gebeichtet haben und dort ihre Almosen
am Jahrtage der Einweihung des Chores und des Altares und in den
einzelnen Monaten des Jahres spenden, je 40 Tage Ablaß von den schweren
und ein Jahr von den leichten Sünden und ermahnt die Vorgenannten, von
ihren Gütern_ ad monasterium sancti Sebaldi, _wo ein solcher Ablaß in
jedem Jahre und zu den verschiedenen Zeiten gefunden werde, ihre Almosen
darzureichen._

Datum et actum anno domini 1274 16. kal. sept.

_Original-Pergament mit an gelbvioletter Seidenschnur anhangendem
beschädigtem bischöflichem Siegel._

        5.                                 _Nürnberg 1274, November 22._

_Bischof Leo von Regensburg verleiht allen Christgläubigen, welche
die Kirche St. Sebald in Nürnberg an den Festen der Reinigung, der
Verkündigung, der Himmelfahrt und der Geburt Mariens, am Feste des hl.
Sebald und am Jahrestag der Einweihung_ -- ac in anniversario ipsius
ecclesie -- _in Andacht besuchen und zur Kirchenfabrik mit zerknirschtem
Herzen und nach abgelegter Beichte Beiträge spenden, einen Ablaß von 40
Tagen von den schweren und von 80 Tagen von den läßlichen Sünden nach
vorausgegangenem Konsens des Diözesanbischofs._

Datum Nu^erenberch anno 1274 10. kalend. decembr.

_Original-Pergament mit anhangendem Fragment des bischöflichen Siegels._

        6.                                      _Nürnberg 1275, Mai 24._

_Bischof Heinrich von Trient, kaiserlicher Protonotar, ermahnt, da die
ehrbaren Bürger und das Volk zu Nürnberg die schöne Kirche daselbst
bauen_ -- cum igitur honorabiles viri burgenses et populares opidi
Nurenbergensis ecclesiam ibidem pulchram construant, sicut fide
didicimus oculata -- _alle Christgläubigen, von ihren Gütern zu dem
genannten Werke fromme Almosen zu spenden, und verleiht allen, welche
zerknirschten Herzens und nach abgelegter Beichte zur Kirchenfabrik
Almosen geben, einen Ablaß von 40 Tagen nach Zustimmung des Diözesans._

Datum Nu^orenberg anno domini 1275 in crastino ascensionis domini.

_Original-Pergament mit anhangendem bischöflichem Siegel._

        7.                                  _Bamberg 1283, November 17._

_Bruder Inzilerius vom Orden des hl. Augustinus, Bischof zu Budua,
verleiht_ omnibus corde contritis et confessis, qui cum candelis
accensis in criptam Nurenberg ad altare beate virginis iter suum
direxerint, cum sacerdotes, clerici et scolares constituti ibidem
pernunctiant laudem siue antyphonam de canticis cantant eiusdem gloriose
virginis, _Ablässe von 40 Tagen von den tödlichen und einem Jahr von den
läßlichen Sünden nach erfolgter Zustimmung des Bischofs Berthold von
Bamberg._

Datum in Babenberg anno domini 1283 15. kal. decembr.

_Original-Pergament mit an gelber Wollenschnur anhangendem Siegel._

        8.                                              _Nürnberg 1284._

_Bischof Gottfried von Passau verleiht allen Christgläubigen_,
requirentibus siue visitantibus aut recipientibus qualibet noctium ad
laudem beate virginis seu mane ad missam, _wenn sie reumütig sind und
gebeichtet haben, Ablässe von 40 Tagen von den tödlichen und von einem
Jahr von den läßlichen Sünden, insbesondere aber denen_, qui veniunt
prenotalis temporibus in criptam gloriose virginis Marie ecclesie sancti
Seboldi Nurenbergensis.

Datum ibidem anno domini 1284.

_Original-Pergament. Siegel abgefallen. Nur noch die weißroten Fäden
vorhanden._

        9.                                  _Heilsbronn 1284, April 26._

_Bischof Reinboto von Eichstätt verleiht allen wahrhaft Reumütigen,
die nach abgelegter Beichte an den Marienfesten den Marienaltar_ in
cripta monasterii sancti Sebaldi in Nu^erenberch _in Andacht besuchen,
Ablässe von 40 Tagen von den tödlichen und von 100 von den läßlichen
Sünden, die Zustimmung des Diözesans vorausgesetzt._

Datum apud Halsbrvnne anno domini 1284 6. kaln. maji.

_Original-Pergament mit an grünweißgelber Wollenschnur anhangendem
bischöflichem Siegel._

       10.                                                   _Rom 1290._

_Die Erzbischöfe_ Bonaventura Ragusinus _[Ragusa] und_ Petrus
Arborensis [_Arborea_], _die Bischöfe_ Petronus Larinensis [_Larino_],
Guilhelmus Dignensis [_Digne_], Petrus Tirasonensis [_Tarazona_],
Jacobus Treventinus [_Trivento_], Theobaldus Canensis [_Canossa_],
Guillelmus Callensis [_Cagli_], Marcellinus Turtibulensis [_Tortiboli_],
Waldebrunus Avellonensis [_Avellino_], Egidius Urbinas [_Urbino_],
Romanus Crohensis [_Croja_], Bonus Johannes Esculanus [_Ascoli_]
_verleihen allen Christgläubigen, welche wahrhaft reumütig sind,
gebeichtet haben und an einem der vielen namentlich genannten Festtage
der Kirche St. Sebald_ causa devocionis seu peregrinacionis accesserint
aut qui ad fabricam seu reparationem, luminaria, ornamenta uel ad alia
necessaria dicte ecclesie manus porrexerint adiutrices _oder in der
letzten Not der Kirche von ihrem Vermögen etwas vermachen, Ablässe von
40 Tagen, die Zustimmung des Diözesans vorausgesetzt_.

Datum Rome anno domini 1289[XXVIII] pontificatus domini Nicolai pape
quarti anno tertio.

_Original-Pergament. Von den ursprünglich zwölf anhangenden Siegeln das
zweite abgefallen._

       11.                                                   _Rom 1290._

_Dieselben Erzbischöfe und Bischöfe ohne Guillelmus Callensis verleihen
allen wahrhaft Reumütigen und Beichtenden, welche den Altar der h.
Jungfrau Maria in der Krypta und den des h. Evangelisten Johannes unter
dem Lettner_ (sub pulpito) _in Andacht besuchen und die Messen an diesen
Altären hören und diese an deren Patronatsfesten in Andacht oder auf
der Wallfahrt besuchen usw_. _(wie in der vorhergehenden Urkunde) den
gleichen Ablaß._

Datum Rome anno domini 1289[XXVIII] pontificatus domini Nicolai pape
quarti anno tertio indictione 3^a.

_Original-Pergament mit 13 an rotgelben Seidenschnüren anhangenden, zum
Teil nur mehr fragmentarisch erhaltenen Siegeln._

  [XXVIII] Das dritte Regierungsjahr Papst Nikolaus' IV. reicht vom
           15. Februar 1290 bis zum 15. Februar 1291. Auf das Jahr 1290
           weist auch dasselbe Regierungsjahr Papst Nikolaus' IV. in
           Verbindung mit der Rechnung nach der dritten Indiktion hin.

       12.                                                   _Ulm 1290._

_Bischof Incelerius von Budua bestätigt in Vertretung des Bischofs
von Bamberg einen von sechs Bischöfen zugunsten der Kirche St. Sebald
in Nürnberg erteilten Ablaß und gewährt weitere 40 Tage Ablaß von den
schweren und ein Jahr von den läßlichen Sünden allen Christgläubigen,
welche reumütig und nach abgelegter Beichte ihre Almosen spenden._

Ad ampliorem huius rei certitudinum sigillum nostrum presentibus est
appensum.

_Datum fehlt._

_Original-Pergament mit abhangendem Siegel._

       13.                                   _Bamberg 1291 Dezember 13._

_Bischof Arnold von Bamberg bestätigt sämtliche von katholischen
Bischöfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nürnberg erteilten und zu
erwartenden Ablässe._

Datum Babenberch anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo primo in
die beate Lucie.

_Original-Pergament mit abhangendem Siegel._

       14.                                       _Bamberg 1298, Juli 3._

_Bischof Leopold von Bamberg bestätigt alle von Erzbischöfen und
Bischöfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nürnberg und des Altares
der hl. Katharina in derselben erteilten Ablässe._

Presens scriptum super eo dedimus sigilli nostri robore conmunitum.
Actum et datum Babenberch anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo
V[.I]I quinto non. julii, pontificatus nostri anno secundo.

_Original-Pergament mit anhangendem beschädigtem Siegel._

       15.                                       _Anagni 1299, Oktober._

_Die Bischöfe Landulphus von Brixen, Stephanus von Oppido, Nicolaus
von Capri, Nicolaus von Turibia und Romanus von Croja verleihen allen
wahrhaft Reumütigen, welche nach abgelegter Beichte die Kirche des hl.
Sebald jährlich an namentlich genannten Festtagen in Andacht besuchen
und Almosen spenden_ uel quomodolibet de bonis ipsorum pro fabrica,
luminariis et aliis dicte ecclesie ornamentis dederint uel miserint seu
in extremis legaverint, ac omnibus, qui ter orationem dominicam siue
pater noster supra dicte ecclesie cimiterium et pro animabus mortuorum
Christi fidelium in eo sepultorum devote dixerint, _einen 40tägigen
Ablaß_.

In cuius rei testimonium nostra sigilla duximus presentibus apponenda.
Datum Anagnie anno domini millesimo ducentesimo nonagesimo nono mense
octobris, pontificatus domini Bonifacii pape octaui anno quinto.

_Original-Pergament mit den anhangenden Siegeln der sechs Aussteller._

       16.                                              _1303, Juli 25._

_Bischof Petrus von Basel verleiht allen wahrhaft Reumütigen, die nach
abgelegter Beichte an namentlich genannten Festtagen am St. Petersaltar
im Chor der St. Sebaldkirche das hl. Amt der Messe in Andacht hören_ --
ad altare sancti Petri in choro ecclesie sancti Sebaldi missarum officia
deuote audierint -- _einen 40tägigen Ablaß_.

Datum anno domini 1303 octauo kalendis augusti.

_Original-Pergament mit an rotweißer Seidenschnur anhangendem Siegel des
Ausstellers._

       17.                                 _Nürnberg 1307, November 19._

_Bischof Wulfing von Bamberg bestätigt sämtliche von katholischen
Vätern, Patriarchen, Erzbischöfen und Bischöfen zugunsten der Kirche St.
Sebald in Nürnberg erteilten Ablässe._

Datum Nu^eremberch anno domini 1307. XIII. kalen. decembr.

_Original-Pergament mit anhangendem Siegel des Ausstellers._

       18.                                  _Nürnberg 1309, Februar 14._

_Vor dem Schultheißen Sigfrid vom Kammerstein und den Schöffen zu
Nürnberg verkauft Friedrich Holzschuher, Gotteshauspfleger bei St.
Sebald, ein in Nürnberg bei den Fleischbänken gelegenes, der Kirche St.
Sebald gehöriges Haus an Herdegen Holzschuher._

Ich Sifrit vom Kammerstein, der schultheiz, vnd wir di schepphen
der stat zu Nu^eremberg veriehen vnd tun kunt offenlich an disen
briefe, daz fu^er vns chom in gericht der ersam man her Friederich
Holtschuher, des gotshovs ze sente Sebolt phleger, vnd derzevget, als
recht was, daz er geheizen wer von den purgern, von dem rate vnd von
den schepphen, daz er verkovfen scholt des selben gotshovs gut, sw[a^e]
daz wer, durch des newen powes wegen an sente Sebol[t]s kirchen, daz
man den dest baz m[o^e]cht volbringen an den apseiten. Vnd do er daz
also wol derzevget, do gie dar der selbe her Friederich Holschuher
mit gewaltiger hant, als er geheizen was, vnd gab hern Herdegen dem
Holschuher vnd sinen erben recht vnd redelich ze kovfen daz aigen, daz
des gotschovs ze sente Sebolde was, das da ligt vor der batstuben bi dem
fleischpenken an dem ecke, ze rechtem aigen ze habenne ewichlich. Vnd
des kovfes sind geladen gezevg her Levpolt Holschuher vnd her Albrecht
Ebener. Vnd di sagten auch vf ir ait fu^er vns in gericht, daz her
Friedrich Holschuher hern Herdegen dem Holschuher daz vorgenant aigen
also ze kovfen hete geben im vnd sinen erben ze rechtem aigen ze habenne
ewichlich. Vnd des ze eynem vrkunde, daz sin nicht vergezzen werde vnd
auch also furbaz stete blibe, so ist geben mit vrteil von gericht dirre
brief versigelt mit des schultheizen insigel vnd mit der stat insigel ze
Nu^eremberg, di bede dar an hangent. Des sind gezevg di ersam levte
her Otte Muffel, her Heinrich Eisfogel, her Heinrich Holschuher, her
Heinrich Wigel vnd ander genvg. Der brief ist geben, do man zalt von
gots geburt drevzehenhundert iar vnd in dem nev[n]ten iare an sente
Valentins tag.

_Original-Pergament mit dem Schultheißensiegel und dem Nürnberger
Stadtsiegel._

       19.                                       _Mainz 1310, Januar 4._

_Erzbischof P[etrus] von Mainz verleiht allen wahrhaft Reumütigen,
welche nach abgelegter Beichte an namentlich genannten Festtagen die
Kirche St. Sebald zu Nürnberg in Andacht besuchen und Almosen spenden,
einen 40tägigen Ablaß._

Datum Nurenberg anno domini MCCC decimo pridie non. januarii.

_Original-Pergament mit anhangendem Siegel des Ausstellers._

       20.                                               _Avignon 1324._

_Die Erzbischöfe_ Guillermus Soltaniensis [_Saltania_] _und_ Andreas
Antisbarensis [_Antivari_], _die Bischöfe_ Robertus Connerensis
[_Connor_], Guillermus Sagonensis [_Sagona_], Gregorius Feltrensis
[_Feltre_] et Bellonensis [_Belluna_], Thomas Ythmarensis [_Imeria?_],
Venutus Cathacensis [_Catanzaro_], Johannes Rosquillensis [_Roeskilde_],
Nicolaus Dirivascensis [_?_], Stephanus Lubucensis [_Lebus_],
Franciscus Cenetensis [_Ceneda_], Franciscus Ravellensis [_Ravello_],
Domnius Cathavensis [_Catharensis = Cattaro?_] _verleihen allen wahrhaft
Reumütigen, welche die Kirche St. Sebald an namentlich genannten
Festtagen besuchen oder den Leib Christi und das hl_. _Öl, wenn es
zu den Kranken getragen wird, begleiten oder bei den Exequien und
Leichenbegängnissen in der Kirche oder auf dem Kirchhofe zugegen sind
oder auf dem Sterbebette von ihrem Vermögen der Kirche etwas vermachen
oder beim Abendläuten kniefällig dreimal ein Ave Maria beten_, necnon
qui ad fabricam, luminaria, ornamenta et alia dicte ecclesie necessaria
manus porrexerint adjutrices, _für jedes Mal einen 40tägigen Ablaß_.

In cuius rei testimonium presentes litteras sigillorum nostrorum
iussimus appensione muniri. Datum et actum Auinione anno a nativitate
domini millesimo trecentesimo vicesimo quarto indictione septima, die
[_Lücke_] mensis [_Lücke_] sanctissimi patris et domini nostri Johannis,
diuina prouidencia pape XXij. amen.

_Original-Pergament. Von den 13 Siegeln nur noch 8 an Seidenschnüren
anhangend._

       21.                                          _Rom 1333, März 26._

_Die Bischöfe Jacobus von Metz, Jacobus von Castro_, Benedictus sancte
Prisce _und_ Thomas Lauerienis [_Lavaur?_] _verleihen den gleichen Ablaß
unter denselben Voraussetzungen_.

Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo trecentesimo
tricesimo tertio pontificatus domini Johannis, pape 22., mensis martii
die 26., indiccione prima.

_Original-Pergament. Von den an weißblauen oder weißbraunen
Seidenschnüren anhangenden Siegeln die beiden ersten zerbrochen, die
andern abgefallen._

       22a.                                         _Rom 1336, März 21._

_Die Bischöfe Johannes von Anagni, Jacobus von Castro, Franciscus von
Castellana und_ Thomas Laueriensis [_Lavaur?_] _verleihen auf Bitten des
Konrad_ Cres [_Kreß_] _von Nürnberg den gleichen Ablaß_.

Datum Rome in palaciis nostris anno domini millesimo 36, mense martii,
indictione quarta, pontificatus domini Benedicti 12. pape anno secundo,
mensis martii die 21.

_Mit den anhangenden Siegeln der vier Bischöfe._

       22b.                                              _1338, März 3._

_Bischof Leopold von Bamberg bestätigt unten an der Urkunde den von den
vier Bischöfen erteilten Ablaß._

Datum anno domini 1338, feria secunda ante Kunegundis, beate virginis,
in quadragesima.

_Original-Pergament mit den anhangenden Siegeln des Bischofs Leopold
von Bamberg und der vier ausstellenden Bischöfe, ersteres an einem
Pergamentstreifen, die übrigen drei an blaubraunweißen Seidenlitzen. Die
drei letzteren stark beschädigt._

       23.                                               _1337, Mai 26._

_Die Bischöfe_ Alamannus Luanensis, Petrus Calliensis [_Cagli_],
Johannes Bregerensis [_ob Bracharensis = Braga in Spanien?_], Andreas
Coronensis [_Coron_], Petrus Montismaranus [_Montemarano_], Nicholaus
Nazariensis [_Nazareth_], Vincencius Perensis [_Perri_], Raymundus
Cathaniensis [_Catania_], Sergius Pollensis [_Pola_], Jacobus de
Vallona [_Valanea_], Bernardus Ganensis [_Ganos in Thracien_] _und_
Paulus Fulginensis [_Foligno_] _verleihen den gleichen Ablaß unter
den fast gleichen Voraussetzungen. Es heißt nach der Anführung der
zum Ablaß berechtigenden Feiertage_: causa deuocionis, oracionis aut
peregrinacionis accesserint, seu qui missis, predicacionibus, matutinis,
vesperis aut aliis quibuscumque diuinis officiis ibidem interfuerint aut
corpus Christi etc.

Datum Avinione 26. die mensis maii anno domini 1337 et pontificatus
domini Benedicti, pape XII., anno tertio.

_Original-Pergament mit an grünen Seidenschnüren anhangenden Siegeln,
ursprünglich 12, von denen das erste abgefallen und die übrigen mehr
oder weniger beschädigt sind. Durch Randmalereien verziert. Oben in
der Mitte Christus mit erhobenen Fingern, links davon Petrus, rechts
Paulus, weiter links der hl. Laurentius, Maria mit dem Christuskinde auf
dem Arme, neben ihr ein Betender knieend. Die drei letzten Personen in
ganzer Figur. Unter den Betenden am Rande links ein Bischof (Nikolaus?),
ebenso rechts ein Heiliger mit aufgerafftem Gewande [Johannes Baptista].
Das Ganze in Deckfarben gemalt._

       24.                                          _Rom 1343, April 9._

_Die Bischöfe Raymundus von Rieti, Angelus von Viterbo und Toscanella,
Jacobus von Castellacio und Jacobus von Nepi verleihen auf Bitten des
Nürnberger Bürgers Konrad Cresse den gleichen Ablaß unter den gleichen
Voraussetzungen und Bischof Leopold von Bamberg bestätigt denselben._

Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo 343, indictione
11., mensis aprilis die 9., pontificatus domini Clementis pape VI. anno
eius primo.

_Original-Pergament mit fünf anhangenden Siegeln. Die der ausstellenden
Bischöfe an weißbraunen blaugeränderten Seidenborten, das nachträglich
angehängte Siegel des Bischofs Leopold von Bamberg an einem
Pergamentstreifen._

       25a.                                                  _Rom 1350._

_Die Bischöfe Johannes von Bagnorea, Mannus von Amelia und Nicolaus von
Orti verleihen auf Bitten des Nürnberger Bürgers Sifrid Schürstab den
gleichen Ablaß wie in der Urkunde vom 26. März 1336._

Datum Rome in palatiis nostris anno domini millesimo 350, pontificatus
domini Clementis pape sexti, indictione tertia, mensis [Lücke], anno
eius octavo.

       25b.                                           _1353, August 24._

_Bischof Leopold von Bamberg bestätigt unter obiger Urkunde diesen
Ablaß._

Datum anno domini millesimo 353 in die sancti Bartholomei apostoli.

_Original-Pergament mit den an weißbraunen (ursprünglich weißroten)
Seidenborten anhangenden Siegeln des Bischofs von Bamberg und der drei
italienisnen Bischöfe, von denen das zweite und vierte beschädigt sind._

       26.                                    _Altenburg 1356, Juni 10._

_Bischof Leopold von Bamberg bestätigt alle von Erzbischöfen und
Bischöfen zugunsten der Kirche St. Sebald in Nürnberg und des
Katharinenaltares in derselben erteilten Ablässe._

Actum et datum castro nostro Altenburg anno domini millesimo
trecentesimo quinquagesimo sexto feria sexta proxima ante festum
penthecostes.

_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Ausstellers._

       27.                                 _Altenburg 1358, Februar 23._

_Bischof Leopold von Bamberg verleiht allen wahrhaft Reumütigen, die
nach abgelegter Beichte der Pfarrkirche St. Sebald in Nürnberg_, que
reformacione seu reedificacione indiget necnon in libris, calicibus
ceterisque ecclesiarum ornamentis defectus manifestos patitur nec ipsi
ecclesie pro restauracione predictorum sufficiunt proprie facultates,
nisi deuotorum hominum piis subsidiis adiuuetur, _ihre Almosen spenden,
Liebesgaben darreichen und ihre hilfreiche Hand bieten, 40 Tage
Ablaß der schweren und ein Jahr der läßlichen Sünden und verzeiht_
vota fracta, si ad ea redierint, peccata oblita, si memores fuerint,
confiteantur, offensas patrum et matrum, si absque enormi fuerint
lesione, juramenta non corporaliter, sed ex animi leuitate prestita. _Er
befiehlt den Rektoren der Kirchen und Kapellen, daß sie den Boten von
St. Sebald, der in den Kirchen, Kapellen und den ihnen zustehenden Orten
Almosen heischt, treulich bei ihren Untergebenen fördern und nicht einen
Teil der Almosen von ihm erpressen._

Datum Altenburch anno domini millesimo trecentesimo quinquagesimo
octavo, feria sexta proxima post dominicum inuocavit.

_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Ausstellers._

       28.                                        _Avignon 1360, Mai 3._

_Die Bischöfe_ Raphahel Archadiensis [_Arkadi_], Francisus Lapsacensis
[_Lampsacus_], Girardus Arrigensis [_ob Ariensis, Ario?_], Albertinus
Surmanensis [_Sirmium_], Lazarus Botrociensis [_Butrinto, Vucindro_],
Johannes Veglegensis [_Veglia_], Johannes Agitonensis [_Agadonensis =
Ardferten (Kerry) in Irland_], Andreas Balazensis [_Balezo_], Petrus
Calligencis [_Cagliari_], Intardus Tartopolensis [_Tortiboli_], Avancius
Sanxensis [_?_], Johannes Tarmopolensis [_ob Termolensis, Termulanus
(Termoli)?_], Franciscus Huroensis [_?_], Johannes Curoensis [_?_],
Johannes Carminensis [_Carmium_], Bertoldus Cisopolensis [_Sizebolu_],
Augustinus Salubrensis [_Soliwri_], Philippus Lauadensis [_?_], Ricardus
Naturensis [_Athyra in Thrazien_] _verleihen allen wahrhaft Reumütigen,
die nach abgelegter Beichte an namentlich angeführten Tagen_ ergastulum
uel altare ibidem, quod est consecratum in honore omnium animarum sub
turri in ecclesia sancti Seboldi in Nurenberch _in Andacht besuchen oder
an anderen angeführten Gottesdiensten teilnehmen und besondere Gebete
und fromme Werke verrichten_, necnon, qui ad fabricam dicti ergastuli
seu altaris luminaria, libros, calices seu queuis alia ornamenta manus
porrexerint adiutrices ac qui eidem ergastulo seu altari aurum, argentum
uel aliquid suarum facultatum in suis testamentis uel extra donauerint
seu donari procurauerint et qui pro salubro statu domini episcopi
Babenbergensis et pro Seyfrido Mavrer, ciuis in Nvrenberch, impetratoris
seu prouisoris dicti ergastuli, et qui pro animabus vxoris legitime
et liberum suorum et qui pro Vlrico Weylerio presbytero uel qui missam
huius uel horas canonicas audierit, qui hanc litteram portauerit et
ordinauerit Auinione, _einen 40tägigen Ablaß von den schweren Sünden_.

Datum Avinione anno domini millesimo trecentesimo sexagesima, tertia
die mensis maii, pontificatus domini nostri innocencii, pape sexti anno
octavo.

_Original-Pergament mit 20 anhangenden Siegeln, sämtlich stark
beschädigt. Die Urkunde ist auf den Seiten und oben links und unten
rechts von Weinlaub mit Trauben umrahmt, eine etwas unbeholfene aber
doch charakteristische Malerei. Die erste Zeile_: Uniuersis sancte
matris ecclesie _in verlängerter Schrift, der Buchstabe N in Uniuersis
und die Anfangsbuchstaben S, M, E in roter Farbe ausgeführt, die
Initiale U aber durch eine Maria-Schutz mit den armen Seelen unter ihrem
Mantel ausgefüllt. Zwischen den Worten_ Uniuersis _und_ sancte: _der
hl. Sebald, nach_ sancte: _der hl. Petrus und nach_ matris: _der hl.
Leonhard._

       29.                                      _Altenburg 1360, Mai 6._

_Bischof Leopold von Bamberg gestattet den Umtausch eines Hauses am
Friedhof von St. Sebald im Eigenbesitz des Egidienklosters gegen ein
Haus des Kirchenvermögens St. Sebald bei den Fleischbänken._

Datum Altenburch feria quarta proxima post Walpurgis anno domini
millesimo tricentesimo sexagesimo.

_Original-Pergament mit anhangendem Siegel._

       30.                                          _1360, Dezember 15._

_Papst Innozenz VI. verleiht zugunsten der Pfarrkirche St. Sebald_,
quam venerabilis frater noster Lupoldus, episcopus Bambergensis, et
nonnulli comites, barones et nobiles illarum parcium ac delecti filii
magistri ciuium, consules totaque communitas dicte ville ad honorem dei
et eiusdem confessoris de bonis propriis sollenniter construxisse et
competenter dotasse..... dicuntur, _einen jährlichen Ablaß von einem
Jahr und 40 Tagen an namentlich genannten Festtagen_.

Datum Avinione XVIII. kalendas januarii, pontificatus nostri anno octauo.

_Original-Pergament mit an gelbroten Seidenfäden anhangender päpstlicher
Bulle._

       31.                                             _Altenburg 1362._

_Bischof Leopold von Bamberg verleiht den wahrhaft Reumütigen und
Beichtenden_, qui ad novam structuram parrochialis ecclesie sancti
Sebaldi in N[.u]renberg suas largiti fuerint elemosinas necnon eidem
caritativa subsidia et manum porrexerint adiutricem quique eciam
personaliter laboraverint in eadem, _einen Ablaß von 40 Tagen der
schweren und von einem Jahre der läßlichen Sünden_.

Datum Altenburg anno domini 1360 secundo.

_Original-Pergament mit anhangendem Siegel._

       32.                                    _Nürnberg 1364, April 30._

_Revers des Pfarrers Albert Krauter, den Friedhof von St. Sebald nicht
gegen das Rathaus zu erweitern._

Nouerint vniuersi presencium inspectores, quod ego Albertus dictus
Kravter, plebanus ecclesie parrochialis sancti Sebaldi opidi in
Nuremberg Bambergensis dyocesis. Licet gracia dei ac erogacione
elemosine a piis fidelibus et precipue parrochianorum meorum ac
aliorum incolarum dicti opidi ecclesia mea prefata aucta sit secundum
longitudinem per edificacionem noui kori, inter quem korum et domum
olim Chunradi dicti Zenner, nunc vero Johannis Ebner, est quoddam
spacium siue planicies empta de bonis ecclesie mee predicte et eidem
debita excepto vno spacio vie publice, que ab antiquo in medio
predicte planiciei solita et debita erat esse, et in eadem planicie
cimiterium reuerendi in Christo patris ac domini mei domini... episcopi
Bambergensis ac opidanorum sepedicti opidi consensibus accedentibus
posset augeri. Tamen quod predicta planicies est satis modica, in
quantum pertinet ecclesie mee, et ex opposito est pretorium et domus
multe, in quibus continue sunt habitatores honesti et nonnunquam
principes, duces, barones et nobiles aduene, quibus horror posset
insurgere, si in sepedicta planicie eis tam vicina corpora mortuorum
sepelirentur, nomine mei ac ecclesie mee prefate annui et volui ac
presentibus ordino et volo, vt eadem planicies ad cimiterium non
conuertatur nec dedicetur, sed antiquum cimiterium, quo ad istum
respectum in suis finibus sit et maneat, donec ego vel alter meus
successor et consules opidi antedicti aliter duxerint simul ordinandum.
Volo tamen, quod sepedicta planicies via publica, que per eam transire
ad cimiterium debet, excepta, quo ad proprietatem et omnem vsum ac
comodum, si quod exinde euenire posset, pertineat, prout de iure debet,
ad ecclesiam meam supradictam. Et hec omnia per reuerendum in Christo
patrem ac dominum meum dominum Fridericum, dei gracia dignum episcopum
ecclesie Bambergensis, desidero et exopto confirmari. In quorum
testimonium presentes sigilli mei munimine consignaui. Datum Nuremberg
anno domini millesimo trecentesimo sexagesimo quarto in vigilia
apostolorum beatorum Phylippi et Jacobi.

_Unten oberhalb des Bugs von anderer Hand, aber ziemlich gleichzeitig_:
Consimilem litteram habent ciues sub sigillis pendentibus domini
episcopi et plebani.

_Original-Pergament mit dem anhangenden Siegel des Pfarrers Albert von
St. Sebold [Pfarrsiegel]._

             _Stadtarchiv Nürnberg. Abgedr. Städtechroniken. I, 422 ff._

       33.                                       _Bamberg 1370, Juli 3._

_Bischof Ludwig von Bamberg bestätigt auf Bitte des Berthold Teufel die
von dessen Vater Konrad, Bürger zu Nürnberg, gestiftete Pfründe auf dem
Marienaltar in der Krypta von St. Sebald zu Nürnberg_ -- quoddam altaris
seu prebende beneficium in altari eiusdem beatissime Marie virginis sito
in cripta parrochialis ecclesie sancti Sebaldi -- _und befreit sie von
aller Last weltlicher Gewalt_.

Datum et actum Bamberge anno domini 1370 feria quarta post diem beatorum
Petri et Pauli apostolorum.

_Original-Pergament. Siegel abgefallen._

       34.                                      _Nürnberg 1379, Juni 5._

_Kardinal Pileus verleiht_ -- cum igitur dilectus in Christo magister
fabrice ecclesie sancti Sebaldi Nurembergensis Bambergensis diocesis
totaque communitas ibidem ad ipsam ecclesiam Nurembergensem specialem
gerant deuocionem et affeccionem ipsamque reparare et sustentare,
sicut accepimus, intendant, ad cuius perfeccionem eiusdem ecclesie
non suppetunt facultates sintque ad hoc Christi fidelium suffragia
necessaria et eciam oportuna -- _allen wahrhaft Reumütigen und
Beichtenden, welche die Kirde St. Sebald an besonders genannten
Festtagen besuchen und hilfreiche Hand bieten, Ablässe von einem Jahr
beziehungsweise von 100 Tagen_.

Datum Noremberg dicte diocesis nonis junii pontificatus sanctissimi in
Christo patris et domini nostri domini Vrbani, divina providencia pape
VI., anno secundo.

_Original-Pergament mit an verblichener (ursprünglich roter) Kordel
anhangendem Siegel._

       35.

Pau der türn zu sand Sebolt de anno 1481 in annum 1490.[XXIX]

Erhöhung beder türn Sebaldi. Kirchenmaister Sebolt Schreyer, angefangen
anno domini 1481, volbracht anno domini 1499.[XXX]

  [XXIX] Auf dem Einbanddeckel.

  [XXX] Auf dem Vorsetzblatt.

1481. Item nach dem als man zalt von Cristi unseres lieben herren geburt
vierzehenhundert und im ainundachzigisten jar, in ainem erbern rat
verlassen ist, beide türn des gotzhauß der pfarrkirchen zu sand Sebolt
zuerhöhen vnd zuverneuen, also und daruff sind dieselben mit gepeuen
fürgenommen worden, und wie wol die vor und ee dann Sewolt Schreyer zu
kirchenmaister gesetzt ist und nemlichen bei Hansen Haller, dazumalen
kirchenmaister, zupauen angefengt sind, so ist doch solicher bau durch
und bei dem gemelten Schreyer volbracht und verrechet worden. Demnach
hat er zu jüngst den ganzen pau, als der zu ende kummen ist, zu allen
seinem einnemen und ausgeben in ain rechnung gebracht und gezogen,
alles, wie hernach begriffen ist. Und zu denselben zeiten sind oberst
hauptleut diser stat Nurmberg gewesen her Ruprecht Haller, der alt, zu
der zeit auch oberster pfleger des gemelten goczhaus, her Niclas Groß,
der alt, und her Gabriel Nüczel.

Item demnach und erstlich ist beschriben und verrechnet das einnemen
soliches paus in mainung, so hernach volgt:

Bl. 10': Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als davor
geschriben stat.

  Item aus der losungstuben entlehnet novilb 10.187 [Schilling]  4 hlr. --
  Item aus allerlei zeg gelöst          "     1.057      "      14  "    8
  Item von geschicken und almusen       "       184      "      14  "    2
  Item von der kirchen gelt dar zu
    eingenommen                         "       774      "      12  "    1
             Summa alles einnemens      "    12.204      "       4  "   11

  Bl. 122': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
  beschriben stet.

  Item maister Ekarius, zimmerman     novilb     52 [Schilling] 10 hlr. --
  Item den zimmergesellen ausgeben      "       816      "      16  "   --
  Item maister Hainreichen Kugler,
    steinmeczen                         "       145      "      18  "   --
  Item den parlieren hab ich ausgeben   "        39      "      10  "   --
  Item steinmeczengesellen              "     1.584      "      10  "    2
  Item hantlangern oder taglonern       "       346      "       1  "   --
  Item deckern und iren gesellen        "        47      "       4  "    8
  Item klaibern und iren gesellen       "        11      "       4  "   10
  Item tunchern und iren gesellen       "         6      "       8  "    6
  Item dem kirchner hab ich ausgeben    "        34      "      10  "   --
  Item schreinern                       "        16      "       6  "    2
  Item glasern                          "         7      "       9  "    2
  Item fur den ofen von kupfer          "        60      "       6  "   --
  Item fur den schlot von kupfer        "        34      "      18  "   10
  Item fur die rinnen von kupfer        "        42      "      18  "   --
  Item kandelgiessern                   "         4      "      15  "   10
  Item rotschmiden                      "        17      "      16  "   --
  Item trechslern                       "         1      "      14  "    8
  Item wagnern                          "         4      "       1  "   --
  Item putnern                          "         3      "      10  "   --
  Item segern                           "        15      "      10  "    4
  Item sailern ausgeben                 "       187      "       5  "   10
  Item maister Erharten, schmid         "       138      "      19  "    2
  Item maister Niclasen Greiner,
    schlosser                           "       113      "      19  "    6
  Item maister Lienharten Ochsen,
    schlosser                           "        11      "      17  "   10
  Item maister Matenckhofer,
    schlosser                           "        43      "      18  "   --
  Item maister Peteter, statschmid      "        17      "      16  "    8
  Item Hansen Pulman, hammerschmid      "        69      "       6  "    8
  Item Wilbolten Plancken, eisenmann    "        70      "      15  "    4
  Item Gorgen Köppel, eisenmann         "        36      "      12  "   --
  Item für allerlei ander eisenwerk     "        30      "       1  "    8
  Item schleifern ausgeben              "         2      "       3  "    2
  Item fur pretter                      "       134      "      14  "    2
  Item fur thillen                      "         9      "      12  "    4
  Item fur allerlei holzwerk            "       360      "       2  "    6
  Item fur reuhelbergstein
    [Reuhelberg im Lorenzerwald bei
    Steinbrüchlein]                     "      1012      "       5  "    2
  Item fur kornpergstein
    [bei Kornburg]                      "        14      "      14  "    8
  Item fur ziegelstein                  "        54      "       1  "   10
  Item fur kalk ausgeben                "        57      "       8  "    8
  Item fur parstein [Gips] ausgeben     "        --      "      13  "    8
  Item fur harz ausgeben                "        --      "       8  "   10
  Item fur öl ausgeben                  "         6      "       7  "   --
  Item fur unslit, schmer und schmir    "         2      "       6  "    3
  Item kernern von kot, sand und
    ziegel zu fürn                      "        86      "      14  "   --
  Item fur allerlei uncost              "        32      "       8  "    4
  Item fur voraus und trinkgelt         "        17      "      11  "   10
  Item von turndeckers arbeit zuwegen
    tragen und zufürn                   "        12      "      18  "   10
  Item des turndeckers belonung von
    beiden türn                         "       490      "       4  "   --
  Item fur plei ausgeben                "        12      "      16  "    4
  Item fur zin ausgeben                 "     3.157      "       6  "   10
  Item fur die eisine spieß oder
    spicz ausgeben                      "        25      "      10  "   10
  Item fur die kupferin knöpf           "        55      "      12  "    8
  Item dem goldschmid die knöpf zu
    vergulden                           "       252      "       6  "   --
  Item fur die fannen                   "        12      "       7  "   --
  Item den malern                       "        10      "      11  "    2
  Item fur di orglogken [Schlaguhr]     "     2.221      "       7  "   --
  Item von der orglogken zu fürn und
    zu heben                            "         9      "      19  "   --
  Item fur das schlahwerk ausgeben      "       131      "       4  "   --
  Item fur den wecker der turner
    ausgeben                            "         5      "      17  "   --
             Summa alles ausgebens      "    12.204      "       4  "   11

S. 124: Item die vorgemelt summa ist ausgeben und verpaut worden in
sechs jaren und in jedem derselben jar ausgeben, wie hernach:

  Item im 81. jar ausgeben           novilb     72 [Schilling] 15 hlr. --
  Item im 82. jar ausgeben             "     2.537      "      10  "   10
  Item im 83. jar ausgeben             "     5.680      "      19  "    7
  Item im 84. jar ausgeben             "     3.778      "      15  "    4
  Item im 85. jar ausgeben             "        98      "      17  "    6
  Item im 86. jar ist ausgeben         "        35      "       6  "    8
                             Summa     "    12.204      "       4  "   11

Item zuwissen, das die obgemelt verpaut summa der 12.204 lb. novi 4
[Schilling] 11 hlr. zu gold angeschlagen und 2 lb. novilb 2 [Schilling],
das ist 8 lb. alt 12 [Schilling] fur 1 guldin reinisch landswerung,
inmassen der guldin rinisch zu den selben zeiten golten hat, gerechet,
bringt oder tut 5811 gulden rinisch landswerung und 11 [Schilling] in
gold.

_1489 wird der südliche Turm neu mit Zinn und Blei gedeckt._

Bl. 126': Losungstuben und sunst.

Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als obgeschriben steet,
tut novilb 1406 [Schilling] 4 hlr. --.

Bl. 135': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
geschriben steet.

  Item zu abdecken des zins und pleis  novilb    13 [Schilling] -- hlr. --
  Item gewicht und brob des
    abgedeck[t]en zins                   "        2      "       1  "    2
  Item gewicht des abgedeck[t]en pleis   "       --      "      12  "    8
  Item zimergesellen zu rüsten           "       28      "       1  "    4
  Item zimergesellen abzurusten          "       13      "      14  "    8
  Item holzwerk zu dem gerüst            "       24      "      19  "   --
  Item fur mit rustholz und prettern     "        1      "       3  "   --
  Item allerlei uncost                   "       10      "       1  "   10
  Item neuerkauft zin                    "      963      "       6  "    4
  Item neuerkauft plei                   "       51      "      15  "    6
  Item maister Ulrichs arbait mit
    giessen des zins                     "        7      "      13  "   10
  Item maister Ulrichs arbeit mit
   giessen des pleis                     "        2      "       4  "    8
  Item belonung maister Ulrichs          "      262      "      10  "   --
  Item für nägel ausgeben                "       25      "      --  "   --
             Summa alles ausgebens       "    1.406      "       4  "   --

Item zu wissen, das die obgemelt verpaut summa der 1406 lb. novi 4 hlr.
zu gold angeschlagen und 2 lb. novi 1 [Schilling] 8 hlr., das ist 8 lb.
alt 10 [Pfennig] fur 1 guldin r. landswerung, inmassen der guldin zu
denselben zeiten golten hat, gerechet, bringt und tut 674 guldin rinisch
landswerung 19 [Schilling] 6 hlr. in gold.

_1490 Eindecken des nördlichen Turmes._

Bl. 136': Losungstuben und sunst:

Summa summarum, das ich uberal eingenommen hab, als obgeschriben stet,
tut novilb 312 [Schilling] 10 hlr. --.

Bl. 144': Summa summarum, das ich uberal ausgeben hab, als davor
geschriben stet.

  Item zu abdecken des zins            novilb   12 [Schilling] 10 hlr. --
  Item gewicht und brob des
    abgedeckten zins                     "      --      "       9  "    2
  Item zimmergesellen zu rüsten          "      34      "       4  "    8
  Item zimmergesellen abzurusten         "      13      "       2  "   --
  Item holzwerk zum gerüst und andern    "       3      "       5  "   --
  Item fur mit rüstholz und andern       "       2      "      --  "   --
  Item für nägel ausgeben                "      18      "       7  "    6
  Item schlossern ausgeben               "       3      "      12  "    2
  Item sailern und schreinern
    ausgeben                             "       8      "       6  "   10
  Item allerlei uncost                   "       9      "      10  "    6
  Item maister Ulrichs arbeit mit
    giessen des zins                     "       7      "      19  "    6
  Item maister Ulrichs arbeit mit
  giessen des plei                       "      --      "       1  "    4
  Item belonung maister Ulrichs          "     197      "      10  "   --

             Summa alles ausgebens       "     310      "      18  "    8

_umgewandelt in fl. rhein._: 149 fl. 5 [Schilling] in gold [2 lb. n.
1 [Schilling] 8 hlr (8 lb. alt 10 d) = 1 fl. rh. Landeswähr.].

145^b: Item so die rechnung mit dem tecken beder turn erschaut werden,
so erfindet sich, das Cristof Lilgenweis dem goczhaus am giessen des
zins und tecken der türn mit seiner untreu schaden zugefügt hat, nemlich
am ersten turn am zin bei oder ob 142 guld. rh. und am plei ob 12 fl.
r., ut fo. 128 hievor begriffen.

Wer an dem andern turn ob 278 fl., ut fo. 138 hievor begriffen. Summa
432 fl. rh. ausserhalb des schadens, so auf die gemelten turn gangen
ist, die anderwaid zu decken.

_Obwohl ihn der Rat im Loch gefangen setzte und mit ernstlicher Frage
angriff, benannte er doch nicht mehr als 56 fl. rh. Da man damals von
dem großen Schaden keine Kenntnis hatte, wurde er auf Fürbitte von
Bamberg und anderen Enden ausgelassen, doch sollte er solchen bekannten
Schaden an St. Sebald und 10 fl. an St. Lorenz ausrichten, wofür sein
Vater und Weib Bürge wurden, laut Gerichtsbuch Cons. D. fol. 285 (auch
an dieser Stelle eingetragen). Sabbato post Francisci anno 86._

Item und als aber der obgemelt Lilgenweis gehort und vermerkt hat, daß
der erst turn anderwaid zudecken maister Ulrichen Hubner von Bamberg
verlassen und im entwert worden was, hat er sich vor und ee man den
abgedeckt hat, von hinnen getan, villeicht aus ursachen, das er sich
besorgt hat, so man sein untreu dermaß und so groß erfinden wurd, er
mochte wider angenommen und nach seinem verdienen gefertigt werden.

146^b: Suma was der ganz pau cost hat.

_Die Seiten 146^b-149^b enthalten nur Zusammenstellungen der
vorerwähnten Einnahmen und Ausgaben._

                                             _Kgl. Kreisarchiv Nürnberg._

       36.

Bedenken, welcher gestalt der chor und umbgang uf sant Sebalds kirchen
möcht zu pessern sein.

Actum den 27. maij 1561.

_Kgl. Kreisarchiv Nürnberg. Abgedruckt in den Mitteilungen des Vereines
für Geschichte der Stadt Nürnberg, VIII, 246 ff., wo auch noch zwei
einschlägige Ratsverlässe und der kurze Bericht aus den Annalen des
Ratschreibers Johannes Müllner wiedergegeben sind._

       37.

=Acta die Sebalder-Kirch-Thurn-Reparatur betr. Von a=: 1769 in 1770.

25. März 1768: Relation über den Befund des schadhafften Thurns an der
St. Sebalds Kirch. _Besichtigung des Turmes am 23. März 1768 durch
Scholarch Paul Karl Welser mit dem Stadtalmosenamtspfleger Volckamer,
Bauinspektor Stettner und Almosenamtszimmermeister Schwammbach. Der
Dachstuhl des Helmes war, sowohl »Geschwölle« wie »Legsparren« zum
großen Teil zusammengefault._

_Das Waldamt Laurentii und das Sebaldi werden vom Stadtalmosenamt
ersucht um_

  1. _21. März 1768_   _20 Stämme [Laurentii]_
  2.  _7. April 1768_   _8 Eichen [Laurentii]_
  3.  _2. August 1768_  _3 Eichen je 24 Schuh lang [Sebaldi]_
  4.  _5. Mai 1769_     _4 fichtene Baumstämme 80 Schuh lang Gratsparren_
                        _4 fichtene Baumstämme je 50 Schuh lang, 10 Zoll
                           im Quadrat zu Schiftsssparren [Laurentii]._

1769 Mai 24.: _Das Stadtalmosenamt ersucht_:

Das löbl: Rugs Amt wird hiemit höfl. requirirt, denen Geschwornen
der Flaschnerprofession zu intimiren, daß von denen auf der
Herberg ankommenden und Arbeit suchenden Gesellen dem Flaschner
Grübel Meldung getan werde, um einen tüchtigen Pursch, der zu der
Sebalder-Kirch-Thurn-Reparatur zu gebrauchen ist, aussuchen zu können.

_1769 Juli 19. schießt das Landalmosenamt 1000 fl. vor._

_1769 November 7. schießt das Landalmosenamt 1500 fl. vor._

_Vom Dezemzer 1769 liegt eine Liste vor, enthaltend die Berechnung der
bisherigen Kosten und ein Verzeichnis des verwendeten Baumaterials:_

                               Berechnung

des Sebalder Kirchthurmsbaues vom 24. Octobris 1768 biß 2. Dec. 1769,
sowohl was an Taglohn und Meisterconti, als auch an Baumaterialien
ausgeleget und verbraucht worden ist.

  Denen Zimmerleuten vom 24. October bis 19. November
    1768 für Taglohn                                      fl.   37  23  --
  Vom 3. April 1769 bis 2. Decber 1769 für Taglohn denen
    Zimmerleuten, Flaschner- und Tünchersgesellen samt
    Meistergebühr bezahlt                                  "  1477  11  --
  Dem Meister Schwambach Douceur                           "    11  --  --
  Denen Zimmergesellen und Tünchern Trankgeld              "    10  --  --
  Für 29 Fuhren à 24 kr. dem Kärner                        "    11  36  --
  Dem Wagner für 2 Leitern                                 "     3  --  --
  Dem Seiler für das Seil und Stangen                      "   183  53  --
  Dem Nagler Ruf und Heß für Nägel                         "   168  39  --
  Dem Schlosser Bauer für Arbeit                           "    88  48  --
  Den beeden Waldämtern Laurenzii et Sebaldi für 8 Eichen
    und 20 Stämm, Holzpfandung, Fuhrlohn, Anweis und
    Trankgeld                                              "    67  44   2
  Dem Waldamt Laurenzii für 8 Fiechten zu denen 4 Grad-
    und 4 Schiftsparren Fuhrlon                            "    38  30  --
  Dem Schmid Klöpfel für Arbeit                            "    36  25  --
  Dem Flaschner Griebel für mößinge Haften und Blei zum
    Löten                                                  "   103  47  --
  Dem Orgelmacher Küttelmann für 284 Blatten zu gießen
    à 20 kr                                                "    94  40  --
  An erkauften Zinn, nemlich 3 Centner à 50 fl.,
    2-1/2 Centner à 49 und 14 Centner 47-1/2 lb.
    à 48 fl.= 19 Ct. 97 lb. u. an Geld                     "  1167  32   2
  An erkauften Blei, nemlich 2 Centner à 13 und
    4 Centner 85 lb. à 12-1/2 = 6 Cent. 85 lb. und
    an Geld                                                "    86  37   2
                                                          ----------------
                                                          fl. 3586  46   2
                          Auf zweimal empfangen            "  2500  --  --
                                                          ----------------
                            Mehreres ausgegeben           fl. 1086  46   2

                               Verzeichnus

derjenigen Baumaterialien, welche zum Sebalder Kirchturn verbraucht
worden vom 3. April bis 9. December 1769, als

        An Eichen-Holz

8 Fenster-Benke, 3 dreizöllige Stollen, 3 vierzöllige Stollen, 4
Gesims-Hölzer, 176 Bretten zum zu schallen

        An weichen Holz

16 Stämm Brettenholz, 16 Stämm Riegelholz, 3 zweizöllige Dillen, 1
zweizöllige Dille, 9 Schu lang, 4 Gradsparrn von 69 Schu, 4 Schiftsparrn
von 50 Schuh, 226 Bretter zum Rüsten, 109 Latten zum Rüsten, 4
vierzöllige Stollen.

        An Eisen und Nägeln

122 Klammern von unterschiedlicher Länge, 42 Rund- und halbköpfige
Nägel, 128 Nägel zweierlei Sorten, 25 große Nägel, 20 große Nägel
anderer Gattung, 1200 Bodnägel, 500 Biennägel, 700 Rinneneisen, 6400
Schollennägel, 3600 kleine und große Blattennägel, 30 Stück andere, 172
Läut-Sträng, das Gerüst anzubinden.

_In diesem Verzeichnis sind die Preise nicht eingesetzt._

_Die vorhandenen Mittel von 2500 fl. reichten so nicht aus. Allein das
Stadtalmosenamt hatte selbst nichts, und so wandte es sich durch das
Losungsamt an_ derer Herren Aeltern Hochwohlgebornen Herrlichkeiten
_am 27. Dezember 1769 und legte die oben stehende Liste bei_. _An
dem langsamen Gange der Arbeit sei die Witterung und die_ viele
Zeit erforderliche schwere und vierfache Zusammenfügung der Blatten
_schuld_. _Die_ gänzliche Blattenzuschlagung _müßte bis künftiges
Frühjahr hinausgeschoben werden. Bis jetzt müßten noch 1086 fl. 46 kr.
2 [Schilling] nachbezahlt werden und für die Vollendung der Arbeit
einschließlich von etwa 10 bis 11 Zentner erforderlichen Zinnes wäre
noch ein Kapital von 2000 fl. nötig. Dieser Vorschuß könnte vielleicht
dem_ Land Almosamt oder denen sämtlich geistlichen Aemtern per
repartitionem abgereichet werden.

_Die vorgeschlagene Repartition wurde durch Ratsverlaß vom 9. Januar
1770 genehmigt._

                               Repartitio

  bezahlt den 17. Februar 1770  Löbl. Spital- und Kloster
                                      St. Catharina           fl. 1200·-
  bezahlt den 24. Januar 1770     "   Closter Amt St. Clara    "   900·-
  bezahlt den 3. Februar 1770     "   Landalmoßamt             "  1000·-
                                  "   Stadtalmoßamt            "   400·-
  den 3. Februar 1770 bezahlt     "   Marthaspital             "    25·-
  den 24. Januar 1770 bezahlt     "   Mendel
                                      XII-Brüderstiftung       "   400·-
  bezahlt den 26. Januar          "   Geistl. Güter auf dem
                                      Land                     "   500·-
  d. 24. Jan. 1770 Jobst-Stiftung zalt
  d. 25. D. 1770 St. Peter u. Paul Stift
      zalt
  d. 25. Jan. z. St. Leonh           Vier Siechköbel und
  do. St. Joh. u. Sonder Siechen-St. Sondersiechen à 30 fl.    "   150·-
  1770 d. 24. Jan. zalt              Heil Kreuzstiftung        "    25·-
                                                       -----------------
                                                  Summe       fl. 4600·-

                                                Losungamt
                                          den 18. Januar 1770
                                              _Städt. Archiv Nürnbeg._



                              Anmerkungen.


   [1] Urkunde Kaiser Heinrichs IV. vom 19. Juli 1062, wodurch er den
       Kanonikern zu Bamberg den von seinem Vater an Nürnberg
       übertragenen Markt mit dem Zoll und der Münze an Fürth
       zurückgibt. Mon. Boic. XXIX, Nr. 406.

   [2] Die zuerst von Baader in seinen Beiträgen zur Kunstgeschichte
       Nürnbergs, I (Nördlingen 1860), S. 49, aufgestellte, dann von
       der kunsthistorischen Lokalforschung aufgenommene und von dieser
       in die allgemeine Kunstgeschichte übergegangene Behauptung, die
       Kirche St. Sebald sei 1256 in ihrem Hauptteile fertiggestellt
       und geweiht worden, erweist sich als nicht stichhaltig, da dies
       aus der Ablaßurkunde des Bischofs Heinrich von Bamberg vom 1.
       Oktober 1256 nicht geschlossen werden darf. Vgl. hierüber außer
       Baader insbesondere noch Sighart, Geschichte der bildenden Künste
       im Königreich Bayern, München 1862, S. 235, ferner Schnaase,
       Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter, Düsseldorf
       1872, Bd. III, S. 348, B. Riehl, Kunsthistorische Wanderungen
       in Bayern etc., München und Leipzig 1888, S. 154 und Dehio und
       Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, Stuttgart 1892,
       1, S. 500. Beim Dom zu Bamberg, mit welchem St. Sebald in engem
       baugeschichtlichem Zusammenhang steht, hat man in der Datierung
       einen ähnlichen Fehler begangen und eine Ablaßurkunde von 1274
       dahin gedeutet, als sei zu dieser Zeit noch an der Vollendung
       des Domes gearbeitet worden. Bezüglich der Einweihungsurkunde
       vom 17. August 1274 siehe das folgende Kapitel sowie Beilage
       4. Den Inhalt der Urkunde vom 1. Oktober 1256 gibt Lang, Reg.
       B. III, 83, kurz wieder mit: »Henrici episcopi Babenbergensis
       indulgentiae pro ecclesia parochiali sancti Sebaldi in Nuremberg.
       Dat. die sancti Remigii (1. Oktober)«, spricht demnach nicht von
       einer Einweihung.

   [3] Über die Kapelle St. Peter wurde urkundliches Material nicht
       gefunden. Nur spätere Chroniken berichten von ihr in der
       bekannten sagenhaften Art und abweichend voneinander. Über die
       ehemalige Existenz der Kapelle jedoch -- darin stimmen alle
       Chroniken überein -- besteht kein Zweifel. Möglicherweise hat sie
       an Stelle des jetzigen Peters- oder Westchores gestanden.

   [4] Vgl. Otto Schulz, Die romanischen Bauteile von St. Sebald und ihre
       Instandsetzung, in der Zeitschrift für Bauwesen, Berlin 1908, S.
       529 f., sowie bezüglich der während der letzten Restaurierung
       gemachten baugeschichtlichen Feststellungen: Derselbe, Die
       Wiederherstellung der St. Sebaldkirche in Nürnberg 1888-1905 in
       den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg.
       1905.

   [5] Anderweitiger Schmuck war nur spärlich vertreten. Im Mauerwerk
       des jetzigen Ostchors befinden sich Steine, welche vom
       romanischen Bau stammen. Dieselben zeigen den Zahnschnitt.
       Ein auf dem Dachboden gefundener, jetzt im Lapidarium (ehem.
       Westkrypta) aufbewahrter Stein hat Flechtwerk.

   [6] Für den nachträglichen Anbau der beiden Portale an die Turmhallen
       hat Prof. Schmitz nachfolgende Gründe geltend gemacht: 1. Das
       Mauerwerk der Portale hat einen auffallend weiten Vorsprung vor
       die Mauerflucht der Türme. 2. Der Steinverband zeigt, daß ein
       organischer Zusammenhang zwischen dem Mauerwerk der Portale
       und dem der Türme nicht besteht. 3. Das südliche Portal steht
       nicht in der Achse des alten Seitenschiffes. 4. Die Segmentbögen
       über den Türöffnungen im Innern haben dieselbe Form wie die der
       Portale an den gotischen Seitenschiffen. 5. Die Steinquadern der
       Dachschrägen der Portale haben sich bei der Abnahme anläßlich
       der jetzigen Restaurierung als auf allen Seiten sauber behauen
       erwiesen, was nur damit erklärt werden kann, daß sie von einem
       anderen Bau herrühren. 6. Die Bogenquadern zeigen an den
       Fugenkanten Beschädigungen, welche nicht auf Verwitterung,
       sondern auf einen stattgehabten Abbruch oder Transport deuten. 7.
       Die Profilierung des Dachgesimses ist gotisch. 8. Die Risse im
       Mauerwerk über den Segmentbögen weisen auf ein späteres Einsetzen
       der Portale hin.

   [7] Weese, Die Bamberger Domskulpturen, Straßburg i. E. 1897,
       S. 3 ff., und derselbe in der geschichtlichen Einleitung zu
       Aufleger, Der Dom zu Bamberg, München 1898, hat das einschlägige
       Urkundenmaterial in der Hauptsache zusammengestellt.

   [8] Näheres bei B. Riehl, Kunsthistorische Wanderungen durch Bayern,
       Bayerisch-Schwaben, Franken und die Pfalz, München und Leipzig
       1888, S. 50 ff., S. 65 ff. und S. 147 f., und bei Dehio und
       Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, Stuttgart 1892,
       Bd. I, S. 176 ff.

   [9] Bei den doppelchörigen Anlagen mit westlichem Querschiff, wie sie
       den vorhin erwähnten Bauten, den Domen von Mainz und Worms
       einerseits, dem Augsburger Dom, St. Emmeram und Obermünster zu
       Regensburg und dem Dom zu Bamberg andererseits, eigen sind, war
       der Westchor fast regelmäßig dem hl. Petrus geweiht. Bezüglich
       der Sage des hl. Sebald siehe die ausführliche Wiedergabe der
       Legende bei Reicke, Geschichte der Reichsstadt Nürnberg, Nürnberg
       1896, S. 20 ff.

  [10] Die Kleeblattblendbögen unter den Ostchorfenstern und an den
       Ostchorschranken des Bamberger Domes bleiben hier außer Betracht,
       da sie einer viel früheren Zeit, nämlich dem Bau von 1186-1201,
       angehören.

  [11] Die Maße sind selbstverständlich abgerundet. Genau betragen
       dieselben in Metern ausgedrückt bei Bamberg 24,8 : 12,6 und bei
       Nürnberg 19,75 : 7.

  [12] Dehio und Bezold, a. a. O. 1, 517 ff.

  [13] Siehe Städtechroniken: Nürnberg, Bd. I, S. 320. Verschiedene
       Angaben über die Geschichte des Klosters Ebrach beruhen auf
       freundlicher Mitteilung seitens des kgl. protestantischen
       Pfarrers am Zuchthause Ebrach, Herrn Dr. Jäger, welcher
       inzwischen seine Forschungen über das Kloster in einer
       umfassenden Arbeit niedergelegt hat: Die Klosterkirche zu Ebrach.
       Ein kunst- und kulturgeschichtliches Denkmal aus der Blütezeit
       des Zisterzienserordens. Von Dr. Johannes Jäger. Würzburg 1903,
       Stahelsche Verlagsanstalt.

  [14] Hier muß wiederholt betont werden, daß die Blendarkaden im
       Bamberger Ost- oder Georgenchor nichts mit denen in Ebrach zu tun
       haben, da sie einer früheren Zeit angehören. Es ist somit irrig,
       wenn Weese, Bamberger Domskulpturen, S. 10, sagt, das Innere des
       Georgenchores bilde mit der Michaelskapelle eine Gruppe, in der
       durchgehende Züge nicht zu verkennen seien. Es soll damit nicht
       bestritten werden, daß die ersten Kleeblattblendbögen in Bamberg
       von Zisterziensern vermittelt wurden, nur war eben nicht das
       Ebracher Kloster der Ausgangspunkt.

  [15] So M. M. Mayer, a. a. O. S. 5. Nach ihm hätte Friedrich
       Holzschuher etliche Zinse, von der Kirche an seinen Vater
       Herdegen Holzschuher verkauft, um die baufällige Kirche -- die
       eine (vielleicht nördliche) Seite war baufällig geworden -- mit
       dem Erlös wieder herstellen zu lassen. Auch Baader, Beiträge,
       I, 50, sagt, 1309 hätte eine der beiden Abseiten einzufallen
       gedroht, allein ein edler Bürger, Friedrich Holzschuher, hätte
       sich mehrerer Güter entäußert und mit dem gelösten Geld den
       Baufall gewendet. Baader weiß also nicht einmal, daß Friedrich
       Holzschuher Pfleger bei St. Sebald war und daß er ein Haus,
       dessen Besitzerin die Kirche war, als Gotteshauspfleger
       verkaufte. Baader und Mayer scheinen auf die gleiche Quelle, etwa
       auf eine Chronik, zurückzugehen, da beide von der Baufälllgkeit
       nur =eines= Seitenschiffes wissen. Rée, Nürnberg (in den
       Berühmten Kunststätten, Nr. 5), 3. Aufl. 1907, S. 39 ff. gibt
       bereits richtig die engen Raumverhältnisse als Grund für den
       Umbau an.

  [16] Siehe Mummenhoff, Altnürnberg (Bayerische Bibliothek, Bd. 22).
       Bamberg 1890. S. 71 ff.

  [17] Vgl. M. von Kramer, Die Umbauten am nördlichen Seitenschiff der
       Sebalduskirche zu Nürnberg. In der Zeitschrift für Geschichte der
       Architektur, III. Jahrgang (1909), S. 35 ff.

  [18] Städtechroniken, Bd. I, Einleitung; auch für das Folgende.

  [19] Mummenhoff, Altnürnberg, Bamberg 1890.

  [20] Ablaßurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom 23. Februar
       1358 (nicht 16. Februar, wie in den Städtechroniken, Bd. I, Beil.
       II, zitiert wird) im K. Bayer. Allgem. Reichsarchiv, St. Sebald
       Nr. 79: »... (ecclesia) que reformacione seu reedificacione
       indiget necnon in libris, calicibus ceterisque ecclesiarum
       ornamentis defectus manifestos patitur nec ipsi ecclesie pro
       restauracione predictorum sufficiunt proprie facultates...« --
       Ablaßurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom 21. September
       1358 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 82: »... Cum igitur, sicut
       accepimus, parrochialis ecclesia sancti Sebaldi predicta in
       edificiis et aliis ornamentis ecclesiasticis defectus notabiles
       patiatur nec eidem pro restauracione predictorum proprie
       sufficiunt facultates ...«

  [21] Bischof Leopold von Bamberg gestattet den Umtausch. Urkunde im
       Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 96 vom 6. Mai 1360.

  [22] Städtechroniken, I, 353: »Item in derselben jarzal des kunigs
       gepurt (1361) in demselben sumer da ward sant Seboltz chor
       angefangen« (Chronik bis 1434) und III, 155: »Auch kürzlich
       darnach (nach dem Ausbau und der Bemalung des Rathauses unter
       Ludwig dem Bayern) wart sant Sebolts kor angefangen und etlich
       grunft [=Gruft] abgetan und geebnet, da nun alter steent«
       (Meisterlin). Ferner Städtechroniken IV, 126: »In demselben jar
       (1361) wart sant Seboltz kor angefangen« (Jahrbücher des 15.
       Jahrhunderts). Vgl. auch Städtechroniken, IV, 61, Anm. 3.

  [23] Ablaßurkunde des Bischofs Leopold von Bamberg vom Jahre 1362
       im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 100: »... qui ad novam structuram
       parochialis ecclesie sancti Sebaldi in Nurenberg suas largiti
       fuerint elemosinas necnon eidem caritativa subsidia et manum
       porrexerint adiutricem quique etiam personaliter laboraverint in
       eadem ...«

  [24] Städtechroniken, I, Beil. II, wo die Urkunde, Reichsarchiv,
       St. Sebald Nr. 107, abgedruckt ist. Siehe auch Mummenhoff, Das
       Rathaus in Nürnberg, Nürnberg 1891, S. 12, wo für »im Osten des
       Rathauses« »im Westen des Rathauses« zu lesen ist.

  [25] Urkunde vom 17. Dezember 1364 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 109.

  [26] Urkunde vom 23. Oktober 1365 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr.
       115: Bischof Friedrich von Bamberg bestätigt den für den
       Jakobsaltar präsentierten Vikar Priester Ulrich Kemnater.

  [27] Urkunde vom 3. Juli 1370 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 124, laut
       welcher Bischof Ludwig von Bamberg die Stiftung einer Pfründe
       »in altari eiusdem beatissime Marie virginis =sito in cripta=
       parrochialis ecclesie sancti Sebaldi« bestätigt.

  [28] Siehe die Urkunden im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 125 vom 4. Juli
       1370 (Bestätigung einer Pfründe auf den Zwölfbotenaltar), Nr. 128
       vom 11. Dezember 1371 (»Consens vnd ordinacion der Vörchtelpfrund
       auf Sant Sebalds altar«), Nr. 129 vom 11. Dezember 1371.

  [29] Urkunde im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 152, laut welcher Kardinal
       Pileus einen Ablaß für die Messe des Marienaltares erteilt.

  [30] Urkunde im Stadtarchiv Nürnberg, St. Sebald Nr. 39, 132 vom 20.
       Dezember 1372: Die Witwe Margareta Has erhält für ihre
       abgebrochene Brotbank eine andere an einem Pfeiler des St.
       Sebaldchores unter der Bedingung, den jährlichen Zins wie zuvor
       an die Deutschherren zu entrichten und für den Fall, daß die
       Kirchenverwaltung von St. Sebald oder der Rat die Brotbank
       erwirbt, ihre Rechte für 80 fl. abzutreten. Urkunde ebenda, Nr.
       40, 134, vom 15. Oktober 1372: Die Kirchenpfleger von St. Sebald,
       Michael Grundherr und Heinrich Semler, verpflichten sich, die
       Brotbänke, welche die Pächter für die abgebrochenen Bänke an den
       Pfeilern des Sebalduschores erhielten, wenn notwendig, einzulösen.

  [31] Urkunde im Reichsarchiv, St. Sebald Nr. 146: »Cum igitur
       dilectus in Christo magister fabrice ecclesie sancti Sebaldi in
       Nurenberg Bambergensis diocesis totaque communitas ibidem ad
       ipsam ecclesiam Nurembergensem specialem gerant devocionem et
       affectionem ipsamque reparare et sustentare, sicut accepimus,
       intendant, ad cuius perfectionem eiusdem ecclesie non suppetunt
       facultates, sintque ad hoc Christi fidelium suffragia necessaria
       et etiam oportuna ...« Siehe auch Städtechroniken I, Beil. II.
       Ferner Urkunde vom 18. Juni 1379 im Reichsarchiv, St. Sebald Nr.
       149, laut welcher Kardinal Pileus mehrere Ablässe bestätigt.

  [32] Städtechroniken, I, 354: »Item in derselben jarzal (1379) am
       suntag nach Bartholomei des selben jars da weihet man sant
       Seboltz chor« (Chronik bis 1434), III, 290: »darnach am suntag
       noch Bartolomei (1379) ward der neu kor an sant Sebolts kirchen
       zu Nuremberg geweihet« (Meisterlein). Siehe auch Städtechroniken,
       I, Beil. II. Bezüglich der Baukosten: Städtechroniken, IV, 126:
       »Der (sant Seboltz kor) kostet 24.000 gulden on die suppen«
       (Jahrbücher des 15. Jahrhunderts). Es können natürlich nur
       Goldgulden gemeint sein.

  [33] In verschiedenen Baubeschreibungen der Kirche heißt es: 7 Seiten
       des Vierzehnecks. Infolge der Unregelmäßigkeiten im Chor
       führt eine Nachmessung nicht zu einem bestimmten Ergebnis;
       jedoch spricht die Konstruktion mehr für das Sechzehneck, und
       dem regulären Achteck des Binnenchores kann auch nur dieses
       entsprechen.

  [34] Die Schautüre wurde erst 1480 ausgebrochen: »Item in dem jar
       (1480) da macht man die neu kirchtür zu sant Sebolt gegen dem
       rathaus und hieb pei 14 tagen hindurch.« Städtechron. IV, 361
       (Jahrbücher des 15. Jahrhunderts).

  [35] Hinter der Chorgalerie befand sich rings um das Dach herum ein
       Gang, von dem aus die Stadtpfeifer bei festlichen Gelegenheiten
       spielten: »Und unser pfeifer 3 und 1 pusauner gingen auf sant
       Sebald kor und pfiffen auf 2 ort zu freuden oben umb den gank«
       (1433). Städtechron. II, 24 (Endres Tucher). Ferner: »der stat
       pfeuffer waren auf dem chor sant Sebolt an sant Peter und
       Paulus tag« -- zur Feier des Krönung Sigmunds (in Rom) 1433,
       Städtechron. IV, 19 (Tuchersches Memorialbuch 1386 bis 1454).
       -- Ob sich die Chorgalerie an der Westwand fortgesetzt hat, ist
       zweifelhaft. Wenigstens wurden von der alten Galerie, wenn eine
       solche hier wirklich vorhanden war, Reste nicht aufgefunden.
       Dagegen ist ein Mauerabsatz vorhanden. Es ist noch zu bemerken,
       daß die aufgesetzte gotische Giebelwand bedeutend geringere
       Stärke hat als die alte romanische Querschiffwand.

  [36] Dehio und Bezold, Die kirchliche Baukunst des Abendlandes, II,
       333 f. Max Bach im Repertorium für Kunstwissenschaft, XXIII, S.
       377 ff. -- Bei Dehio und Bezold wird der Bau der ganzen Kirche
       in die Zeit von 1351-1414 gesetzt. Die Inschrift am nördlichen
       Chorportal spricht aber ausdrücklich von der im Jahre 1351
       erfolgten Inangriffnahme des Chorbaues; andererseits besteht
       über die frühere Entstehungszeit des Langhauses kein Zweifel,
       dessen Westportal auf Vergleiche mit Eßlingen, Reutlingen und
       Freiburg hin bestimmt in die zwanziger Jahre des 14. Jahrhunderts
       zu setzen ist. Die Angabe Bachs, daß in den Jahren 1326 und
       1327 Altäre in der Kirche bestanden hätten, beweist für die
       Entstehungszeit des Langhauses nichts, da dieselben auch in dem
       damals noch vorhandenen romanischen Chor gestanden haben können,
       wie ja auch die romanischen Türme an den beiden Langseiten bis zu
       dem 1497 erfolgten Einsturz beibehalten worden sind.

  [37] Das Inventarwerk des Königreichs Württemberg nimmt drei
       Bauperioden an (Band Neckarkreis, S. 183 f.): 1324-1332 der Chor,
       1350-1360 die drei östlichen Schiffjoche und 1400-1420 die drei
       westlichen und der Turmunterbau.

  [38] Vgl. für das Folgende: Neuwirth, Die Wochenrechnungen und der
       Betrieb des Prager Dombaues in den Jahren 1372-1378, Prag 1890,
       und Neuwirth, Peter Parler von Gmünd, Dombaumeister in Prag, und
       seine Familie. Prag 1891.

  [39] Neuwirth gibt in seinen Wochenrechnungen (S. 401) noch das Jahr
       1333 als Geburtsjahr des Peter Parler an, entscheidet sich aber
       in seiner späteren Publikation (Peter Parler und seine Familie)
       für 1330.

  [40] Vgl. vor allem die ausführliche Abhandlung von Albert Gümbel,
       Meister Heinrich der Parlier der Ältere und der Schöne Brunnen,
       im 53. Jahresbericht des Historischen Vereins von Mittelfranken
       (1906). Von besonderem Interesse sind in dieser Abhandlung auch
       die Ausführungen und Nachweise über das Parlieramt, das Amt des
       städtischen Parliers (»der stat parlirer«) im 14. und zu Beginn
       des 15. Jahrhunderts in Nürnberg.

  [41] Es muß hier der Aufsatz von Karstanjen, Zur Verwandtschaft der
       Gmünder und Prager Meister, Repertorium für Kunstwissenssenschaft
       XVI, S. 344 ff., erwähnt werden. Karstanjen selbst sagt, daß
       Heinrich Parler als Angehöriger der Familie Parler auf seinen
       Familiennamen nicht wohl verzichten konnte, und bestreitet daher
       die von Neuwirth behauptete Identität des Heinrich Parler mit
       Heinrich von Gmünd, andererseits aber bezeichnet er ganz gegen
       diese Auffassung einen Johannes von Gmünd und einen Michael
       von Freiburg als Mitglieder der Parlerfamilie. Bezüglich des
       Heinrich Parler, von dem er nicht weiß, wo sein Wirkungskreis vor
       1378 lag, kommt er zu dem Schluß, derselbe gehöre der dritten
       Generation der Parlerfamilie an.

  [42] Vgl. Gümbel, a. a. O. S. 77. Thieme und Beckers Allgemeines
       Künstler-Lexikon, III.

  [43] Chronik bis 1434 (1441). In den Städtechroniken, I, 349. Ferner in
       der Chronik, XIV-1/2 106, Manuskripte 52 des Kreisarchives
       Nürnberg: »Der andere turn an St. Sebalds kirch gegen der vesten
       oder dem pfarrhof ist gebauet worden anno 1345. Ist zu desselben
       bedachung gebraucht worden 104 zentner und 79 lb. zinn und 47
       centner blei«... Die beiden Angaben differieren also nur in der
       Anzahl der verwendeten Zentner Blei.

  [44] Chronik, XIV-1/2, 106, Manuskripte 52 im Kreisarchiv Nürnberg.

  [45] Belege dafür, daß der südliche, also der der Stadt zu gelegene
       Turm, eine Wächterstube hatte, sind u. a.: Octbr. (1377): »lt.
       ded. 1/2 lb. hl. von einem stübel und einem ofen zu pessern uff
       sand Seboldsturn« [= 2 Fl. 50 Kr, in G. oder 2 Fl. in S.] (Ulman
       Stromer in Beilage XI B der Städtechron. I, 261). »It. ded.
       (1388) dem türner uff sant Sebolts turne 2-1/2 [Schilling] hl.
       von dem glokhause zu pezzern, do die orglok in hangt.« »lt. ded.
       ei iterum 8-1/2 [Schilling] hl. von der orgloken zu pezzern.«
       (Ebenda, I, 268/269). Vgl. auch die Urkunde vom 23. Dezember
       1474, Kreisarchiv Nürnberg, S I, L 113, N 17, in welcher der
       Bischof von Bamberg Absolution für die Sebalder Kirche erteilt
       wegen auf dem Turm zwischen den Wächtern verübten Totschlags.

  [46] So heißt es beispielsweise in der Ablaßurkunde vom 3. Mai 1360:
       »... ad ergastulum vel ad altare ibidem, quod est consecratum in
       honore omnium animarum =sub turri= in ecclesia sancti Seboldi in
       Nurenberch ...« Es ist also hier, wie auch anderwärts, nur von
       =einem= Turm die Rede.

  [47] »Wer sant Sebolcz zben türen gesehen hat, ee sie hoher gepaüt
       sein worden, das noch nit dreisig jar lang ist, der hat wol
       gesehen, das sie haüben weis gedegt waren mit zin wie ein
       pfifferling, das ein gute anzeigüng gab ires großen alters«
       Originalhandschrift des Lazarus Holzschuher im Besitze der
       Freiherrl. von Holzschuherschen Familie, Blatt 113^b, in den
       Städtechroniken, I, 349.

  [48] »In demselben jar (1361) wart sant Seboltz kor angefangen. Der
       kostet 24.000 gulden on die suppen. und so ist auf dem untern
       turn 100 und vier zentner zins und 69 lb. und 18 lb. bleis.«
       Jahrbücher des 15. Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV,
       126/7. Nach der Chronik bis 1434 (1441) in den Städtechroniken,
       I, 349 soll es der nördliche Turm gewesen sein.

  [49] »Desselben jahrs (1447) 24 september decket man sant Sebolts turn
       mit zin und machet den vergulten knopf darauf.« Jahrbücher des
       15. Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV, 168.

  [50] Die Angabe ist insofern unrichtig, als der südliche Turm erst im
       kommenden Frühjahr abgebrochen wurde: »Item 1482 nach den
       osterfeirtagen da prach man den untern turn sant Seboltz unterm
       dach ab und prach 12 wochen daran ab.« Jahrbücher des 15.
       Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV, 367. Ferner: »Item
       adi 27. abrill (1482) prach man den turn gegen der wag ab, als
       man die alten stain noch sieht.« Tuchersche Fortsetzung zu den
       Jahrbüchern in den Städtechroniken, V, 476.

  [51] »Des jars (1482) da ward der unter turn zu sant Sebolt oben
       erhöht und gemaurt umb Martini und darnach umb pfingsten unten
       das alt herab gepikt in zwaien körben.« Jahrbücher des 15.
       Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV, 368. »Item 1482 jar warn
       die zwen türn zu sant Sebolt angefangen zu pauen und am 13. tag
       monats marci hub man an zu fahen stain zu hauen und wart von rats
       wegen darzu geben die ped herrn die losunger her Ruprecht Haller
       und her Niclas Groß und Hanns Tucher der elter am Milchmarckt mit
       sampt dem kirchenmaister Sebolt Schreier.« Aus der Tucherschen
       Fortsetzung zu den Jahrbüchern in den Städtechroniken, V, 475.

  [52] Baader folgt, wie bereits Städtechroniken, IV, 475, Anm. 1,
       ausführlich nachgewiesen, den Aufzeichnungen des Kirchenmeisters
       Sebald Schreyer (Kirchenmeister seit 24. September 1482).

  [53] Nach Baader bis 1486, Tuchersche Fortsetzung und Chronik im
       Nürnberger Kreisarchiv XIV-1/2 106, Manuskripte, 1485.

  [54] M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus, Nürnberg 1831, S. 6.

  [55] »Item 1400 und 95 jar da machet man am ersten die virtailorglock
       auf sant Sebolt turn an sant Francißen obent.« Heinrich
       Deichslers Chronik in den Städtechroniken, V, 584, dagegen: »Anno
       1493, hat man auf diesen (untern) thurn ein viertel-stund-glocken
       gehangen,«... Chronik im Nürnberger Kreisarchiv, XIV-1/2, 106:
       Manuskripte 52. Weder die eine noch die andere Jahreszahl ist
       übrigens richtig, es ist vielmehr 1494 zu setzen, wie es auf
       der Glocke selbst steht und durch die Ratsverlässe bestätigt
       wird. Vgl. S. 174, Text und Anmerkung. -- Auch die 1577 erfolgte
       Erneuerung der Gänge bezog sich nach jener Chronik im Kreisarchiv
       nur auf den südlichen Turm.

  [56] S. Christian Mayer, Die Stadt Nördlingen, ihr Leben und ihre
       Kunst im Lichte der Vorzeit, Nördlingen 1876 und 1877, 2, S. 132
       ff. Jedoch mit der Berufung Kuglers nach Nürnberg zum Zweck der
       Vollendung des Augustinerklosters hat Mayer, wie es scheint,
       unrecht. Denn Mayer berichtet ausdrücklich, daß Kugler anfangs
       der achtziger Jahre nach Nürnberg ging und aus dieser Zeit ist
       von einer Vollendung oder sonstigen wichtigeren Bauvornahmen am
       Augustinerkloster nichts bekannt. Die Nachricht dürfte demnach
       auf einem Irrtum, beziehungsweise auf einer Verwechslung beruhen.

  [57] Chr. Mayer, a. a. O. 2, S. 131 f.

  [58] Tuchersche Fortsetzung der Jahrbücher bis 1469 in den
       Städtechroniken, V, 505. Die dort beigefügte Anmerkung lautet:
       In den Band III, 339 ff. angeführten Schreyerschen Handschriften
       der Nürnberger Stadtbibliothek Will. II, 1353, finden sich Blatt
       83-97 nach Geschlechtern geordnet verzeichnet: »Etlich gedechtnuß
       und totten oder leichschilt, so im 1493. jar zu sant Sebolt,
       alß man den core und kirchen hat weißen wollen, gehangen sind,
       die dann Sebolt Schreyer, dazumaln kirchenmeister, hat wegen
       des weißens abnemen lassen und nach dem weißen wider aufzuhohen
       verordnet.«

  [59] Baader, Beiträge, 2, 27.

  [60] Einnahmen und Ausgaben bei der Renovierung der Kirche St. Sebald
       in den Jahren 1657-1664. Ambergersammlung 270 im Stadtarchiv
       Nürnberg. Die meisten Angaben beziehen sich auf das Inventar der
       Kirche.

  [61] »Item in dem jar (1480) da macht man die neu kirchtür zu sant
       Sebolt gegen dem rathaus und hieb pei 14 tagen hindurch.«
       Jahrbücher des 15. Jahrhunderts in den Städtechroniken, IV, 361.
       Die Lage ist hier ungenau angegeben. Hierzu die Anmerkung 3.
       Die Lage ist genauer bezeichnet im Ratsmanual (1480, März 23):
       »Item ein neue tür zu prechen aus dem chor zu s. Sebolt neben
       sant Pangratzen cappell unter der Beheim venster. Her Karl
       Holtschuher, H. Im Hof daz bestellen zu beschehen.« Die kleine,
       noch jetzt vorhandene Pforte (später Schautüre geheißen) ist
       schmucklos. Unverletzt sind die prächtigen Glasmalereien der (an
       den Wappen kenntlichen) Behaimschen Fenster erhalten, während die
       St. Pankratiuskapelle in eine Sakristei verwandelt wurde.

  [62] »Des jars Marie opferung abent smorgens unter der laudas metten,
       da pran es zu sant Sebolt hinten pei den glocken: kom aus in der
       meßnerknecht stublein, im slot.« Heinrich Deichslers Chronik in
       den Städtechroniken, V, 554.

  [63] Ob eine Galerie, wie sie anläßlich der gegenwärtigen Restaurierung
       am Westgiebel des Ostchores angebracht wurde, ursprünglich
       vorhanden war, läßt sich nicht feststellen. Das in Beilage 36
       zitierte Gutachten vom 27. Mai 1561 wurde schon mehrmals in der
       Literatur und sonst veröffentlicht oder behandelt, so in den
       Mitteilungen des Vereines für Geschichte der Stadt Nürnberg,
       8. Heft, 1889, S. 246 ff. Mummenhoff, Die 1561 abgebrochene
       Galerie an der St. Sebalduskirche, in dem von Hauberrisser und
       Essenwein unterzeichneten Gutachten über den gegenwärtigen
       Zustand der St. Sebalduskirche zu Nürnberg und die daraus sich
       ergebenden Arbeiten, Nürnberg 1882, Bibliothek des Germanischen
       Nationalmuseums in Nürnberg, G. 8001, 4º, usw. -- Bezüglich der
       Stadtpfeifer siehe u. a. Städtechron., I, 449 (Chronik bis 1434):
       »lt. ded. 8 lb. 8 [Schilling] hl, das der freuden tanz gekost hat
       und daz man gab umb wein und den pfeifern und mesnern und den
       turnern Sebaldi, als man alle glocken hie in der stat leutet und
       die pfeifer und trometer auf sant Sebalds kirchen pfiffen und man
       freudenfeur machet allumbundumb in der stat«... (Kaiserkrönung
       Sigmunds, 29. Juni 1433) und Städtechroniken, IV, 19 (Tuchersches
       Memorialbuch 1386-1454): »Item 1433 jar am pfingsttag ward kunig
       Sigmund gekrönt zu kaiser zu Rom und man tanzt auf dem markt umb
       das freuden feuer und der stat pfeufer warn auf dem chor sant
       Sebolt an sant Peter und Paulus tag, und des andern tags tanzt
       man auf dem haus« (Rathaus).

  [64] Das einschlägige Material im Stadtarchiv Nürnberg, XL, 19:
       Sebalder Schlag-Thurn. Varia de variis annis, den Sebalder
       Schlagthurn betr. etwa 1550-1616 und XL, 20: Sebalder Schlag
       Thurn, die Reparation des Sebalder Schlagthurns A^o 1647 betr.

       Um 1560: =Den gang auf s. Sebalds turn belangend=:

       Erbar weiser und gonstiger lieber herr paumeister. So der gangk
       zu s. Sewolt widerumb von stainwerk, in massen wie er itzo vor
       augen (und dann der ander auch also ist) gemacht werden, so muß
       man darzu haben 16 stuck von guttem stain, einß 6-1/2 statschuh
       reichlich lang und 3-1/2 statschuh reichlich hoch und 14 stat zol
       dieck, mer 1 st. 2-1/2 statschuh reichlich lang und in gemelter
       hoch und diecke, mer 1 st. 2 statschuh lang auch in erst gemelter
       hoch und diecken. Dieser letzten zweier stuck dorft man nicht
       besteln, sint meines bedunken vor verhanden, und so solicher
       ganng ye von stainwerk, wie obgemelt, gemacht solte werden und
       mit plei außgegoßen und versetzt wurde, so achte ich gentzlich,
       ime solt der schwank nichts mehr than vom leüten, wann ime ist
       eben, als wann ir einen stain one plei auf ein puxen schrauft, so
       pricht er oder zerspringt paldt, also do auch, wann der morther
       oder zeug (wie dann geschehen) auß den fugen kumbt, so muß das
       steinwerck auch prechen, wie dann solichs am andern thurn auch
       schein ist.

                 E. E. W.     W. diener.      Jorg Ungr.

       Ohne Zweifel 1561 oder kurz vorher.

       Auf vorstehendes Schriftstück beziehen sich offenbar die beiden
       in dem Akt befindlichen und mit den Nummern 4 und 5 versehenen
       Zeichnungen. Nr. 4: »Gang auf s. Sebald schlag turn«; etwa
       1 : 10; Zeichnung einer halben Seite des Ganges. Nr. 5:
       Durchschnitt des Ganges mit Maßangabe; etwa 1 : 20; in
       entsprechender Größe liegt dieser Zeichnung die eines
       Geländerquadrates mit Ornament bei. Unter der großen Zeichnung:
       »Item die zwo seiten des gangs auf sant Sebalts schlag durn ein
       jede gegen aufgang und nidergang ist die leng 26 stadtschuh
       weniger 3 zoll. Item die andern zwo seiten gegem mittag und
       miternacht ist ein jede 25 stadtschuh lang weniger 3 zoll«.

       Bei beiden großen Zeichnungen ist auf jedes Eck des Geländers
       eine Kugel von dem Durchmesser der Geländerstärke (= 10")
       gezeichnet.

       1571: Unvollendetes Schriftstück. Cuntz Helzner, Parlier
       und Steinmetz, besichtigt am 5. Januar das »gelen[der]« des
       Schlagturms.

       1591, 4. Sept. Besichtigung des Schlagturmes. Dach über den
       Schlagglocken schlecht infolge des Hereinregnens ist das Gebälk
       angefault. Der Schlot ebenfalls »bußwirdig«.

       M. Mathes Herdegen schlägt das Rüsten und die Ausbesserung des
       Schlotes (abgesehen vom Dach und Gebälk) auf etwa 20 fl. an.

       1609, 13. Mai: Besichtigung des Sebalder Schlagturmes: Die
       Dachbleche oberhalb der Schlagglocke waren sehr löcherich und
       bußwürdig, sodaß durch den eingedrungenen Regen das Gebälk
       angefault war. Auch die drei Sonnenuhren an den drei Seiten
       wurden für schlecht befunden, sie waren »sehr abgewaschen und
       verdunkelt, daß die zal und stunden nicht wol mehr daran zue
       sehen«; es wurde vorgeschlagen, die Uhren mit Ölfarben zu
       »verneuern«.

       Durch Ratsverlaß vom 18. Mai wurde die Ausbesserung des
       Dachstuhles und die Verneuerung der Sonnenuhren mit Ölfarbe
       befohlen.

       1613, 8. Jan.: Ratsverlaß: »Uff das mündlich fürbringen, daß
       ein nagel, damit die knopffstangen an dem einen turn gegen der
       wag zue s. Sebalds kirchen angehefftet gewest, durch die große
       bewegung des winds herab gefallen und zu besorgen, das vielleicht
       gefahr dabei sein möchte, ist bevohlen, dieweil albereit der
       augenschein eingenommen worden, solches mit geringen uncosten ins
       werk zuerichten. Actum freitags den 8. januarii anno 1613.

                                                      Herrn paumeister«.

       Außerdem steht noch am Rand, offenbar auf den Turm bezüglich:
       »welchen der baumeister ampts halber zue underhalten schuldig.«

       Ferner: 1613. »Wegen des gerüsts uffm Sebalter schlagturn:

       Verzeichnus, was für personen vergangenen 11. januarii bis
       uff 16 dito wegen der zweier in der helmstangen ausgefallener
       keil halber uffm Sebalter schlagturn rüsten und dasselb wider
       abbrechen helfen.

       M. Georg Harsch, dachdecker, hat das gerüst gemacht,
          Michel Schwob } deckersgesellen, haben auswendig rüsten helfen,
          Cunz Scheffer }

          Melchior Schuler } zimmergeselln, haben auch auswendig hierzu
                           } geholfen,
          Hainrich Rödl    }

       M. Wolf Seyfert, düncher,
          Hannß Zehenter    } dünchersgesellen, haben sampt iren maister
                            } inwendig hinaus zugelangt.
          Georg Haidenreich }

                              E. E. und H.
                                             underteniger
                                                         David Rupprecht
                                                           anschicker«.

       Schließlich Bericht einer Besichtigung des Daches und Dachstuhles
       des Schlagturmes durch den Baumeister Wolf Jakob Stromer, den
       Anschicker David Rupprecht und 3 Stadtmeister vom 15. Januar. Die
       »seuln« bei der Viertelglocke seien vor der Zeit »auch mit zin
       und plei under einander vermengt gewesen«. In dem langen Bericht
       wird hauptsächlich der schlechte Zustand der Bedachung und des
       Gebälks hervorgehoben und die »elende besserung« gerügt.

       1616, 28. Mai: Ratsverlaß: »Das abgerissene zihen [Zinn] vom
       Sebalder turn widerumb bessern zu lassen.

       Hansen Hegel, Friderich Schwarzpecken und Nicodemum Kraußn,
       alle drei turner auf s. Sebalds turn, soll man ungeachtet ihrer
       entschuldigung ins loch gehen lassen, mit dem eltisten einen
       anfang machen und nachmals auch die andern hinab schaffen und auf
       das abgerissene zihn vom turn zu red halten, sonsten aber, was
       schadhaft worden, fürderlich wider bessern lassen und hinfüro
       monatlich eine besichtigung der türn fürnemen, damit dergleichen
       schad nit mehr geschehe; weil auch die turner so gar geringe
       besoldung haben, soll man bedacht sein, wie inen dieselbe zu
       bessern. Actum erichtags den 28. mai a^o 1616.

                                                    Die herren schöpffen
                                                    herrn paumeister.«

       Dazu Ratsverlaß vom 30. Mai:

       »Hansen Hegel, turner auf s Sebalds turn, auslassen, wie auf
       seiner sag verzeichnet, und dieselbe dem herrn paumeister und
       anschicker fürhalten, auch den augenschein einnemen und, was an
       den fenstern und sonsten zu bessern ist, bessern, auch ihnen ein
       sail, ihr speis und trank daran hinauf zu zihen, geben lassen.
       Actum donnerstags den 30. mai anno 1616.

                                                    Herrn { H. J. Pömer
                                                          { paumeister.«

       1647. Ausführlicher Akt betreffs Restauration des Sebalder
       Schlagturmes. Es handelt sich um Bedachung mit Kupfer, da das
       Zinn 1593, 1613 und 1616 habe ausgebessert werden müssen und nun
       schon wieder der Reparatur bedürfe. Die Verhandlungen beginnen
       mit dem 20. Mai. Ein Überschlag über die Bedachung mit Kupfer
       wurde gefertigt und alles in allem mit 914 fl. 50 kr. berechnet,
       während bei Bedachung mit Zinn 60 Ztr. nötig wären, welche allein
       schon eine Summe von 1380 fl. geben würden (an Kupfer seien
       höchstens 20 Ztr. erforderlich). Dem Akt liegt eine Zeichnung
       des Turmdaches (etwa 1 : 80) bei, auf welcher angegeben ist, wie
       und mit welchem Metall die einzelnen Teile bedacht, wie hoch
       dieselben sind und was nun damit zu geschehen hat. Ferner liegen
       Wagzettel über verkauftes Zinn und angekauftes Kupfer bei.

       Das Jahr 1577, in welchem die Erneuerung der Kranzgalerie
       vorgenommen worden sein soll, findet sich unbeglaubigt bei M. M.
       Mayer, Die Kirche des heiligen Sebaldus, Nürnberg 1831, S. 6:
       1496 wurden die beiden zierlich durchbrochenen Gänge gemacht,
       welche man aber 1577 wieder neu bauen mußte. -- Bezüglich des
       Jahres 1591 siehe auch Stadtarchiv Nürnberg, LXXVIII, 267^b, den
       Ratsverlaß vom 4. Oktober, durch welchen die Ausbesserung der
       Mängel auf St. Sebalds Schlagturm anbefohlen wird. Von den darin
       enthaltenen vier Anordnungen kommt hier die zweite in Betracht:
       »Die fürgebrachten mengel auf s. Sebalds schlagturn, soll man
       mit ehestem bessern und renofieren lassen, ehe grosserer schaden
       geschicht per herr baumeister montags 4. octobris 1591.«

  [65] Aus der »Untertänigen Anzeige« des Almosenamtes an das Bauamt,
       welches die Baupflicht von »solchen Gebäuden« hat und das Weitere
       zu verfügen ersucht wird, vom 4. August 1754. Stadtarchiv
       Nürnberg, Sebalder Kirche: Acta, die Reparatur der Beschädigung
       durch Einschlagen des Blitzes 1754. Ferner Stadtarchiv Nürnberg,
       XL, 18: Sebalder Kirch. Die Reparatur des durch das Wetter
       Einschlagens allda verursachten Schadens 1754 betr. Außerdem
       siehe ebenda den Ratsverlaß vom 5. August an das Bau- und das
       Stadtalmosenamt, welche aufgefordert werden, die Reparatur sobald
       wie möglich vorzunehmen, und den anderen Ratsverlaß vom 5. August
       ähnlichen Inhalts an das Bauamt.

  [66] Kreisarchiv Nürnberg, IV, 12/I, 248. Rentkammer-Akten 45: Akta,
       die Reparatur der Helmstange auf dem Sebalder Kirchturm betr.
       1804 und 1805, enthaltend die amtlichen Vorverhandlungen und
       den auf 299 fl. 20 kr. berechneten Kostenvoranschlag des
       Tünchermeisters Ott. Ferner: Acta, Reparatur des Sebalder
       Kirchturms betr. 1805, mit der Rechnung Otts und XL, 35: Acta,
       die Sebalds Kirche betr. 1805-1807. Im städtischen Archiv unter
       Stadtalmosenamt Nr. 1972 noch ein weiterer Akt dieses Betreffs
       vom Jahre 1805, worin die Rüstung des Turms auf 299 fl. 20 x. und
       die Baumaterialien auf 142 fl. 40 x. veranschlagt werden.

  [67] Kreisarchiv Nürnberg, IV, 12/I, 255. Rentkammer-Akten 45,
       enthaltend: Akta, die Reparatur-Kosten des
       Sebaldus-Kirchen-Daches und eines Braukessels im
       Waizenbierbrauhause betr. vom Jahre 1807.

  [68] Siehe auch Otto Schulz, Die Wiederherstellung der Sebalduskirche in
       Nürnberg 1888-1905. Herausgegeben vom Vereine für Geschichte der
       Stadt Nürnberg. Nürnberg 1905.

  [69] Siehe die Artikel im Fränkischen Kurier über die Restauration der
       St. Sebalduskirche von Gustav von Bezold. 1904, Nr. 183 und 1906,
       Nr. 355.

  [70] Siehe Emil Reicke, Die Sammlung technischer Modelle und Pläne zu
       den Wiederherstellungsarbeiten an der Sebaldus- und Lorenzkirche
       in der Moritzkapelle. Nürnberg 1905.



                        Chronologische Übersicht.


  Um 1230-1273: Erbauung der doppeltürmigen Sebalduskirche.

  1255, 12. Juli: Ablaß für den Stephansaltar.            M. R. A.[XXXI]

  1256, 1. Oktober: Ablaß für die Kirche.                       M. R. A.

  1273, 7. August: Ablaß für die Ausstattung der Kirche.        M. R. A.

  1274, 17. August: Ablaß für die Ausstattung der Kirche.       M. R. A.

  1274, 9. September: Einweihung des Westchores und des Altares in
      derselben zu Ehren des hl. Petrus.                        M. R. A.

  1274, 22. November: Ablaß für die Ausstattung der Kirche.     M. R. A.

  1275, 24(?). März: Ablaß für die Ausstattung der Kirche.      M. R. A.

  1283, 17. November: Ablaß für den Marienaltar in der Krypta.  M. R. A.

  1284, 26 April: Ablaß für den Marienaltar in der Krypta.

  1284 [26. April?]: Ablaß für den Marienaltar in der Krypta.   M. R. A.

  1290: Ablaß für den Marienaltar in der Krypta und für den
      Johannesaltar unter der Kanzel.                           M. R. A.

  1290: Ablaß für das Vermögen, die Reparaturen, den Schmuck und andere
      Bedürfnisse der Kirche.                                   M. R. A.

  Um 1290: Ablaß für die Kirche.                                M. R. A.

  1291, 13. Dezember: Ablaßbestätigung für die Kirche.          M. R. A.

  1293 soll die Kirche ausgeweißt worden sein.           N. K. A.[XXXII]

  1297, 30. Mai: Die Brotbank des Hermann von Stein an der Kirche wird
      dem Kloster Engelthal vermacht.                  N. St. A.[XXXIII]

  1298, 3. Juli: Ablaßbestätigung für den Katharinenaltar.      M. R. A.

  1299, Oktober: Ablaß für das Vermögen und die Ausstattung der Kirche.
                                                                M. R. A.

  1300-1307: Stiftung einer Pfründe für den Stephansaltar durch Pfarrer
      Heinrich von Tuttenstetten.                               N. K. A.

  1303, 25. Juli: Ablaß für den Petersaltar.                    M. R. A.

  1307, 17. November: Ablaß für die Kirche.                     M. R. A.

  1309, 14. Februar: Gotteshauspfleger Friedrich Holzschuher verkauft
      ein der Kirche gehöriges Haus, dessen Erlös für den Neubau der
      Seitenschiffe verwendet wird.                             M. R. A.

  Von 1309 an: Erweiterung der Seitenschiffe.

  1310, 4. Januar: Ablaß für den Bau der Kirche.

  Etwa 1310-1315: Die Steinfigur der »Eitelkeit« am nördlichen
      Seitenschiff.

  Etwa 1315-1320: Brauttüre, Gewände mit den Figuren der Jungfrauen.

  Um 1320: Steinrelief mit der Kreuzigungsgruppe neben der Brauttüre.

  Um 1320: Die Konsole mit dem Wappen der Ebner, welche die Steinfigur
      des hl. Antonius trägt, im südlichen Seitenschiff.

  Um 1320: Die Konsole mit dem Wappen der Ebner, welche die Steinfigur
      der hl. Helena trägt, im südlichen Seitenschiff.

  1324: Ablaß für die Kirche.                                   M. R. A.

  1324 wird die Chorglocke gegossen.                           N. St. A.

  Etwa 1315-1335: Die Steinfigur Johannis des Täufers im Mittelschiff.

  Etwa 1315-1335: Die steinernen Apostelstatuen im Mittelschiff.

  Um 1330: Die Steinfiguren des Kaisers Heinrich und der Kaiserin
      Kunigunde im nördlichen Seitenschiff (Stromersche Stiftung).

  Etwa 1330-1335: Steinfiguren der Madonna und des hl. Christophorus am
      ersten Pfeiler des nördlichen Seitenschiffes. Kopien der Neuzeit.

  1331 (?): Wappen der Pömer mit Inschrift im Fenster über dem südlichen
      Portal des südlichen Seitenschiffes.

  1332-1340 wird das Rathaus bei der Kirche erbaut. Mummenhoff, Rathaus.

  1333, 26. März: Ablaß für die Kirche.                         M. R. A.

  Um 1335: Die Steinfiguren im Ostchor: Jakobus der Ältere neben der
      Brauttüre, ein anderer Apostel neben dem Fürerschen Fenster, Kaiser
      Heinrich und Kaiserin Kunigunde neben dem Bambergischen Fenster und
      ein Bischof neben dem Hallerschen Fenster.

  Um 1335: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen (Holzschuhersche
      Stiftung) im Mittelschiff.

  Um 1335: Die Steinfigur des hl. Erhard im Mittelschiff.

  1336: Stiftung des Erhardaltars.                              N. K. A.

  1336, 21. März: Ablaß für die Kirche.                         M. R. A.

  1336, 26. September: Berthold Pfinzing der Alte verleiht
      Fr. Vorchheimer die Brotbank unter dem Brothaus bei der Kirche.
                                                               N. St. A.

  1337 wird die Schule bei St. Sebald erbaut.            B. N. M.[XXXIV]

  1337, 5. Mai: Stiftung einer Pfründe für den Sebaldusaltar durch
      Albrecht Schopper.                                        M. R. A.

  1337, 26. Mai: Ablaß für die Kirche und den Marienaltar.      M. R. A.

  1338, 4. Oktober: Ditel Hornlein verkauft an Berthold Tucher sein Erbe
      an der Brotbank bei S. Sebalds Kirchhof zwischen der Deutschherren
      und des Hallers Bänken.
                                                               N. St. A.

  1339, 9. Juni: P. Pinzberger verkauft seine Bank, gelegen zwischen
      seiner Mutter und der Deutschherren Bank, an Frau Gayseln.
                                                               N. St. A.

  1340: Stiftung einer Pfründe für den Petersaltar durch Otto Kramer von
      Koburg.                                                   N. K. A.

  Um 1340: Brauttüre, Maßwerkbogen.

  1341: Ablaß für den Katharinenaltar.                          N. K. A.

  1341, 11. Dezember: Stiftung, betreffend Beleuchtung des Frauenaltars
      in der Gruft.                                             M. R. A.

  1342 werden neue Brotläden an der Kirche errichtet.          N. St. A.

  1342: Ablaß für den Katharinenaltar.                          M. R. A.

  1342, 23. April: Stiftung eines Jahrtages bei den Augustinern. Wird der
      Jahrtag nicht gehalten, so fällt der gestiftete Betrag der Kirche
      St. Sebald für ihren Bau zu.                              M. R. A.

  1342, 13. Dezember: Stiftung einer Wandelkerze für den Frauenaltar.
                                                                M. R. A.

  1343, 9. April: Ablaß für die Kirche.                         M. R. A.

  1343, 12. Juli: Jakob Kramer stiftet den Jakobsaltar in der Ecke
      gegenüber dem Frauenaltar.                                M. R. A.

  1344, 18. Januar: Otto von Heydeck vertauscht an den Pfleger der
      S. Sebaldkirche die Kräme am Kirchhof, welche Pfinzingsches Erbe
      sind, und den Gaden unter den Köchen am Kirchhof, welcher das Erbe
      Ulrich Kundorfers ist, gegen vier Häuser an der Schmidgasse.
                                                               N. St. A.

  1347, 6. Februar: Stiftung einer Pfründe für den Kunigundenaltar durch
      Hensel Dietlerin.                                         M. R. A.

  1347, 18. Juli: Das Klarakloster vertauscht an Sankt Sebald einen Gaden
      bei St. Sebalds Kirchhof gegen ein Haus in der Ledergasse.
                                                               N. St. A.

  1348, 19. Februar: Thomas Köchel verkauft sein Erbe an einem Gaden
      unter den Köchen an den Brotbänken an die Pfleger von St. Sebald.
                                                               N. St. A.

  1348, 25. Juni: Stiftung einer Pfründe für den Johannesaltar durch
      Heinrich Pömer.                                           M. R. A.

  1350, 24. August: Ablaß für die Kirche.                       M. R. A.

  Um 1350: Die Steinfigur des hl. Antonius im südlichen Seitenschiff
      (Ebnersche Stiftung).

  Um 1350: Die Steinfigur der hl. Helena im südlichen Seitenschiff
      (Ebnersche Stiftung).

  1352: Ablaß für den Zwölfbotenaltar.                          M. R. A.

  1352, 12. Juli: Gottfried Grafe verkauft seine am Kirchhof von St.
      Sebald gelegene Brotbank, die der Quetrerin und ihrer Erben Erbe
      ist, an Kunrad Pretheim.                                 N. St. A.

  1352, 21. Dezember: Einrichtung der von Konrad Meyrntaler für den
      Zwölfbotenaltar gestifteten Pfründe.                      M. R. A.

  1353: Ablaß für den Jakobsaltar.                              N. K. A.

  1354, November: In einem Testament dieses Datums ist die von Konrad
      Tesaurus für den Katharinenaltar gestiftete Pfründe erwähnt.
                                                                M. R. A.

  1355, 2. Januar: Ablaß für den Jakobsaltar in der Kirche.     M. R. A.

  1355, 6. März: Merkel Rotensteiner gibt das Erbe, das seine Frau an der
      Bank hat, die unter der oberen Brotlaube zunächst dem Huter liegt,
      auf und verleiht dieselbe an Erhard von Heydeck.         N. St. A.

  1355, 5. Juli: Ablaß für den Jakobsaltar in der Kirche.       M. R. A.

  1355, 20. November: Heinrich Grabner stiftet ein Licht in die Kirche
      »vor unsers Herrn Leichnam«.                              M. R. A.

  1356, 10. Juni: Bestätigung der für die Kirche und den Katharinenaltar
      von auswärtigen Bischöfen gewährten Ablässe.              M. R. A.

  1356: Stiftung einer Pfründe für den Petersaltar durch Adelhaid
      Löhneisen.                                                N. K. A.

  1357, 2. (21?) Juni: Dietrich Pfützinger von Rothenburg und seine Frau
      verkaufen an die Pfleger von St. Sebald ihre Rechte an der Kammer
      beim Kirchhof von St. Sebald.                             M. R. A.

  1357, 3. Juni: Kunigund, Witwe des Otto von Forchheim, stiftet ein
      Ewiges Licht vor unseres Herrn Leichnam im Katharinenchor der
      Kirche.                                                   M. R. A.

  1358, 23. Februar: Ablaß für die Kirche, weil sie eines Neubaues
      bedarf.                                                   M. R. A.

  1358, 28. Mai: Konrad Kötzler begibt sich aller Ansprüche auf den Kram,
      den Konrad Praun erkauft.                                N. St. A.

  1358, 21. September: Ablaß für den Bau und die Zier der Kirche.
                                                                M. R. A.

  1358: Stiftung einer Pfründe für den Marienaltar durch Konrad Bretheim
      und seine Ehefrau.                                        N. K. A.

  1358: Stiftung einer Pfründe für den Erhardaltar durch Ulrich Haller.
                                                                N. K. A.

  1359: Stiftung einer Pfründe für den Marienaltar durch Konrad Teufel.
                                                                N. K. A.

  1359, 29. Juni: Bernhard von Neumarkt stiftet u. a. ein Ewiges Licht
      auf das Grab seiner Ahnen vor dem Katharinenchor der Kirche.
                                                                M. R. A.

  1359, 15. Juli: Erneute Dotation der von Konrad Mayentaler für den
      Zwölfbotenaltar gestifteten Pfründe durch die Witwe des Stifters.
                                                                M. R. A.

  1359, 23. August: Kunigunde Kudorferin und ihre Söhne verkaufen ihr
      Erbe unter den Köchen, zunächst an Hermann des Grundherrn Gaden
      gelegen, den Pflegern Heinrich Vörchtel und Seitz Maurer.
                                                               N. St. A.

  1359, 22. Oktober: Bestätigung der von Konrad Bretheim und seiner
      Ehefrau für den Frauenaltar gestifteten Pfründe.
                                                      M. R. A.  N. K. A.

  1359, 31. Oktober: Hermann Koburger verkauft an St. Sebald zwei
      Leibgedinge, die er auf seinen und seines Sohnes Leib, an der
      Brotbank auf St. Sebalds Kirchhof unter der Stiege gelegen, hatte.
                                                               N. St. A.

  1360: Ablaß für den Allerseelenaltar in der Westkrypta.       N. K. A.

  1360 wird die für den Sebaldusaltar gestiftete Schopperpfründe durch
      Friedrich Schopper neu dotiert.                           N. K. A.

  1360: Bestätigung der für den Katharinenaltar durch Konrad Schatz
      gestifteten Pfründe.                                      N. K. A.

  1360 wird St. Sebalds Pfarrhof erbaut.                        N. K. A.

  1360: Ablaß für den Erhardsaltar.                             N. K. A.

  1360, 12. März: Bestätigung der von dem Nürnberger Bürger Otto Kramer
      von Koburg für den Petersaltar gestifteten Pfründe.       M. R. A.

  1360, 3. Mai: Ablaß für die Allerseelengruft und ihren Altar in der
      Kirche.                                                   M. R. A.

  1360, 6. Mai: Der Bischof von Bamberg gestattet den Umtausch eines
      Hauses am Kirchhof von St. Sebald im Besitz des Egidienklosters
      gegen ein Haus in Besitz der Sebalduskirche.              M. R. A.

  1360, 15. Dezember: Ablaß für die Kirche.                     M. R. A.

  Um 1360: Die Glasgemälde in den beiden ersten Fenstern des Ostchors
      nächst den Seitenschiffen.

  1360 wird der alte Chor abgebrochen.                          N. K. A.

  1361, 25. Mai: Das Egidienkloster vertauscht die Eigenschaft zweier
      Häuser, bei dem Rathaus gelegen, gegen ein dieser Kirche gehöriges
      Haus bei den Fleischbänken.                              N. St. A.

  1362: Ablaß für den Bau der Kirche.                           M. R. A.

  1362, 1. Februar: Der von Jakob Haslacher besessene Kram, bei dem Kram
      des Mellwers gelegen, wird dem Konrad Süzzel, dessen Frau Agnes und
      ihren Erben zu Erbrecht übergeben.                       N. St. A.

  1362, 24. September: Dem Hans Ebner fällt des Seitz Weigels Eigen neben
      des Eisvogels Haus am Kirchhof zu St. Sebald zu.         N. St. A.

  1363: Stiftung einer Pfründe für den Erhardsaltar durch Hans Dietlein.
                                                                N. K. A.

  1364: Bestätigung der Tuttenstetterpfründe des Stephansaltars.
                                                                N. K. A.

  1364, 10. März: Ablaß für die Kirche.                         M. R. A.

  1364, 13. Mai: Der Revers des Pfarrers Albrecht Krauter, den Friedhof
      von St. Sebald nicht zu erweitern, wird durch den Bischof von
      Bamberg bestätigt.                                       N. St. A.

  1365: Ablaß für den Jakobsaltar.                              N. K. A.

  1365, 17. April: Aus einem Kaufbrief dieses Datums geht hervor, daß
      der Besitzer des dem Verkaufe unterstellten Hauses und Gartens am
      Sand eine Lampe im Katharinenchor der Kirche vor dem Leichnam
      Christi zu beleuchten hatte.                              M. R. A.

  1369, 10. Februar: Dem Prant Groß wird das Erbrecht an seiner eigenen
      Brotbank, zunächst am Schurstab, übertragen, welches er an Konrad
      den Wolfen und dessen Ehefrau Mechtild und deren Erben verleiht.
                                                               N. St. A.

  1369, 29. September: Pfarrer Albrecht Krauter verzichtet auf alle
      Ansprüche und Forderungen auf den Hof, die Häuser, Stadel und
      Garten vor dem Neuen Tor gelegen, das alles Friedrich Derrers
      Erbe ist.                                                N. St. A.

  1370, 5. Dezember: Die Pfleger Michel Grundherr und Heinrich Semmler
      verleihen das Erbe an einem Haus und Garten an Konrad Eberspeck und
      dessen Frau Gertraud, wofür diese auf St. Kathrein Chor vor unsers
      Herrn Leichnam das Ewige Licht zu unterhalten haben.     N. St. A.

  1370: Bestätigung der von Konrad Teufel für den Marienaltar gestifteten
      Pfründe.                                                  N. K. A.

  1370: Ablaß für den Marienaltar.                              N. K. A.

  1371, 18. Dezember: Stiftung der Heinrich Vörchtelpfründe für den
      Sebaldusaltar.                                            M. R. A.

  1372 wird der Petersaltar vom Westchor in den Umgang des neuen
      Ostchores an seine jetzige Stelle verbracht.              N. K. A.

  1372 wird der Sebaldusaltar aus dem Ostchor des romanischen Baues im
      neuen Ostchor an der Stelle des jetzigen Hauptaltars errichtet.
                                                                N. K. A.

  1372: Stiftung einer Pfründe für den Petersaltar durch Berthold
      Pfinzing.                                                 N. K. A.

  1372, 15. Oktober: Die Pfleger Grundherr und Semler erklären sich
      bereit, die Brotbänke, welche den Leuten zwischen den Pfeilern
      für andere abgebrochene gegeben worden waren, einzulösen, wenn es
      erforderlich oder geraten sein würde.                    N. St. A.

  1372, 20. Dezember: Margaret, des Eberhart Hasen sel. Witwe, erhält für
      ihre abgebrochene Brotbank eine andere an einem Pfeiler des Chores.
                                                               N. St. A.

  Etwa 1372-1379: Acht Fenster mit Glasgemälden im Ostchor, und zwar die
      Fenster der Grundherr, der Mendel, der Tucher, der Fürer, der
      Stromer, der Haller, der Schürstab und der Behaim.

  Um 1375: Wandtabernakel im Ostchor unter dem Bambergischen Fenster,
      Groland-Muffelsche Stiftung.

  Um 1375: Die Steinfiguren der Madonna und des hl. Sebald auf der
      Ostseite des Ostchores.

  Um 1375: Die Steinreliefs mit Passionsdarstellungen an den
      Ostchorpfeilern, gestiftet von verschiedenen Familien.

  Um 1375: Die Steinfigur des Thomas-Christus im Ostchor neben der
      Schautüre, Behaimsche Stiftung.

  Um 1375: Die Steinfiguren der Apostel Petrus und Paulus im Ostchor
      neben dem Maximiliansfenster.

  Um 1375: Das Chorgestühl im Ostchor zwischen den Pfeilern.

  Um 1375: Kirchenstuhl der Haller im südlichen Seitenschiff an der
      Westwand.

  1379 wird der Sebaldusaltar erneuert und geweiht.

  1379, 5. Juni: Ablaß für die Vollendung des Baues der Kirche. M. R. A.

  1379, 18. Juni: Bestätigung von Ablässen.                     M. R. A.

  1379, 10. Juli: Ablaß für den Marienaltar.                    M. R. A.

  1379 wird der Sebaldusaltar durch einen neuen Altar ersetzt.  N. K. A.

  1380, 1. Februar: Ablaß für die Kirche.                       M. R. A.

  Um 1380: Die Steinfigur der Madonna im Ostchor am ersten südlichen
      Pfeiler.

  Um 1380: Die Steinfigur des Thomas-Christus im nördlichen Seitenschiff,
      Pömersche Stiftung.

  Um 1380: Die Steinfigur des Christus mit den Wundmalen im nördlichen
      Seitenschiff. Pömersche Stiftung; Nachbildung des Holzschuherschen
      Christus.

  1381: Stiftung einer Pfründe für den Jakobsaltar durch Bernhard Kramer.
                                                                N. K. A.

  1383: Stiftung einer Pfründe für den Kunigundenaltar durch Ulrich
      Haller.                                                   N. K. A.

  1385, 29. März: Das der Pfründe des Zwölfbotenaltars gehörige Gut zu
      Steinbach wird der Pfründe des Stephansaltars überwiesen.
                                                                M. R. A.

  Um 1385: Die Steinfigur eines Thomas-Christus am Wandtabernakel im
      Ostchor.

  1386: Stiftung der Kandelgießerpfründe des Katharinenaltars.  N. K. A.

  1389, 10. Dezember: Stiftung der Nützelpfründe für den Kunigundenaltar
      durch Elisabeth, Witwe des Heinrich Haller, Schwester des Peter
      Nützel.                                                  N. St. A.

  Um 1390: Steinfigur des hl. Sebald im Mittelschiff mit mehreren Wappen.

  Um 1390: Die Tonfigur eines Apostels im Ostchor neben dem Hallerschen
      Fenster.

  1391 wird die alte Betglocke gegossen.                        M. R. A.

  1391, 11. April: Ablaß für die Kirche.                       N. St. A.

  1392 wird die große Glocke Benedicta geweiht.                 N. K. A.

  1396: Epitaphium der Pömer, Steinrelief am Treppentürmchen des
      südlichen Turms.

  1396 wird die alte Schlagglocke gegossen.                     N. K. A.

  1397 wird der silberne Ring des hl. Sebald gefertigt.         N. K. A.

  Zwischen 1397 und 1444: Stiftung einer Pfründe für den Johannisaltar
      durch Pfarrer Albrecht Fleischmann.                       N. K. A.

  Um 1400: Wappen der Pömer, Steinreliefs am Treppentürmchen des
      südlichen Turmes.

  Um 1400: Die Steinfigur einer weiblichen Heiligen im Ostchor neben der
      Schautüre, Volckamersche Stiftung.

  Um 1400: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen im nördlichen
      Seitenschiff, Ebnersche Stiftung.

  Um 1400: Steinfigur des Christus mit den Wundmalen an der nördlichen
      Sakristei. Kopie der Neuzeit. Rietersche Stiftung.

  1402: Stiftung einer Pfründe für den Marienaltar durch Elisabeth Koler.
                                                                N. K. A.

  1406: Stiftung einer Pfründe für den Nikolaus- (späteren Tucher-)Altar
      durch Hartmann Kandelgießer.                              N. K. A.

  Um 1410: Eherner Taufkessel im Westchor.

  Um 1410: Die Holzfigur der Madonna im Ostchor am ersten nördlichen
      Pfeiler.

  Um 1410: Die Tonfigur des Apostels Johannes im Ostchor neben dem
      Tucherschen Fenster. Tuchersche Stiftung.

  Um 1410: Wandteppich mit Darstellungen aus dem Alten Testament.

  Um 1410: Wandteppich mit Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald.

  1412: Einrichtung von »heimlichen Gemachen«.                  N. K. A.

  1412: Legat der Klara Geuder für die Stiftung einer Lampe am
      Sebaldusgrab.                                             N. K. A.

  1414: Die Häuser am Weinmarkt unter dem Kirchhof dürfen nicht höher
      gebaut werden.                                            N. K. A.

  1415: Zweites Legat der Klara Geuder für die Stiftung einer zweiten
      Lampe beim Sebaldusgrab.                                  N. K. A.

  Um 1420: Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der
      hl. Katharina.

  Um 1420: Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch
      die hl. Helena, Rummelsche Stiftung.

  Um 1420: Zwei Steinfiguren einer Verkündigung im Ostchor neben dem
      Volckamerschen Fenster, Volckamersche Stiftungen.

  Um 1420: Zwei Steinfiguren einer Heimsuchung im Ostchor, neben dem
      Behaimschen Fenster, Behaimsche Stiftungen.

  Um 1420: Epitaph der Haller, Steinrelief am nördlichen Seitenschiff.

  1423: Das Wandgemälde mit dem Abendmahl, der Fußwaschung und dem Ölberg
      im Ostchor hinter dem Tucheraltar, Stiftung des Hans Starck.

  1424: Stiftung für den Stephansaltar.                         N. K. A.

  1425 wird die für den Sebaldusaltar gestiftete Vörchtelpfründe neu
      dotiert.                                                  N. K. A.

  1429: Holzrelief der Madonna im Ostchor über der Schultüre, Ebnersche
      Stiftung.

  Um 1430: Epitaph der Fütterer, Steinrelief am südlichen Turm.

  Um 1430: Die Steinfigur des hl. Johannes des Täufers im Ostchor neben
      dem Tucherschen Fenster, Tuchersche Stiftung.

  Um 1430: Die Steinfiguren der Madonna und des hl. Sebald an der
      Brauttüre. Kopien der Neuzeit.

  Um 1430: Epitaph der Holzschuher, Steinrelief am südlichen
      Seitenschiff.

  Um 1433: Holztafelgemälde mit der Dornenkrönung im Westchor.
      Löffelholzische Stiftung.

  1435: Stiftung einer Pfründe für den Bartholomäusaltar durch Berthold
      Pfinzing.                                                 N. K. A.

  Um 1435: Das Holztafelgemälde der Anna selbdritt im Ostchor, Stiftung
      der Familie Imhoff.

  Um 1435: Holztafelgemälde mit der Geißelung Christi im Westchor.
      Löffelholzische Stiftung.

  Zwischen 1436 und 1439: Stiftung eines Holztafelgemäldes für den
      Stephansaltar durch Nikolaus Muffel.                      N. K. A.

  1440: Die von Konrad Teufel 1359 für den Marienaltar gestiftete Pfründe
      wird durch Hans Teufel neu dotiert.                       N. K. A.

  Etwa 1440-1450: Halleraltar.

  1442: Steinfigur des hl. Christophorus am südlichen Turm, vielleicht
      von Hans Decker.

  1444 wird die große Orgel im Ostchor von Heinrich Traxdorf gebaut und
      die Wand daneben mit Malereien ausgestattet.              N. K. A.

  1444: Stiftung für den Petersaltar.                           N. K. A.

  1445: Stiftung für den Zwölfbotenaltar.                       N. K. A.

  1447 wird eine kleinere Orgel gebaut. 1570 wird dieselbe wieder
      entfernt.                                                 N. K. A.

  1448: Ablaß für den Stephansaltar.                            N. K. A.

  Um 1448: Holztafelgemälde mit der Verkündigung im Westchor.
      Löffelholzische Stiftung.

  1450: Stiftung des Ewigen Lichts über dem Volckamerschen Grab.
                                                                N. K. A.

  Um 1450: Wandteppich mit Darstellungen aus dem Marienleben, Hallersche
      Stiftung.

  Um 1450: Die Holzfiguren des hl. Sebald und des hl. Erasmus im Ostchor
      neben dem Schürstabschen Fenster, Hallersche und Schürstabsche
      Stiftungen.

  Um 1450: Das Holztafelgemälde der Geburt Christi im Ostchor, Stiftung
      der Familie Imhoff.

  1452: Ablaß für den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1452: Stiftung für den Erhardsaltar.                          N. K. A.

  1453: Epitaph der Ketzel, Steinrelief an der Nordseite des Westchors.

  1453: Errichtung von Schrein und Predella des Katharinen- oder
      Löffelholzaltars.

  Um 1455: Die Holzfigur eines leuchtertragenden Engels neben dem
      Hauptaltar im Ostchor.

  1458: Epitaph der Maurer, Steinrelief an der Nordseite des Westchors.

  1460: Ablaß für den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1460: Ablaß für den Bartholomäusaltar.                        N. K. A.

  Um 1460: Wandteppich mit Darstellungen der Grablegung einer Heiligen,
      Tuchersche Stiftung.

  Um 1460: Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Parabel vom
      verlorenen Sohn, Tuchersche Stiftung.

  Um 1460: Zwei Holzfiguren einer »Verkündigung« im Ostchor neben dem
      Stromerschen Fenster, Stiftungen der Familien Starck und Imhoff.

  Um 1460: Die Holzfigur des Apostels Johannes im Ostchor neben dem
      Fürerschen Fenster.

  1461: Diebstahl aus dem Sarg des Sebaldusgrabes.              N. K. A.

  1463: Epitaph der Semler, Steinrelief am ersten Pfeiler des nördlichen
      Seitenschiffes.

  1463: Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes.    N. K. A.

  1464-1466: Mehrere Ablässe für die St. Pankratiuskapelle in der Kirche.
                                                                N. K. A.

  1468: Errichtung von Kasten in der Kirche zur Geldsammlung gegen die
      Hussiten.

  Um 1470: Die Holzfiguren eines hl. Papstes und eines hl. Bischofs im
      Ostchor neben dem Pfinzingschen Fenster, Hallersche Stiftungen.

  1473: Das Wandgemälde mit Kreuzschleppung im Ostchor unter dem Gemälde
      des Hans von Kulmbach, Steinlingersche Stiftung.

  1475: Ablaßbestätigung für den Petersaltar.                   N. K. A.

  1476: Ablaß für den Bartholomäusaltar.                        N. K. A.

  1477: Ablaß für den Bartholomäusaltar.                        N. K. A.

  1477 kaufen Berthold, Hans, Anton und Langhans Tucher einen Grabteppich
      mit der Darstellung des englischen Grußes.          Tucher-Archiv.

  1478: Das Holztafelgemälde der Allegorie auf die Geburt Christi im
      nördlichen Seitenschiff; Stiftung der Familie Starck.

  1479: Ablaß für den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1480: Ausbruch der Schautüre im Ostchor.

  Um 1480 wird die Holzfigur des Christuskindes der Madonnenstatue im
      Ostchor am ersten südlichen Pfeiler angefügt.

  Um 1480: Epitaph der Pfinzing, Steinrelief an der Nordseite des
      Westchors.

  1481: Ablaß für den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1481-1490: Erhöhung der Türme.                                N. K. A.

  1482: Die Brüder Johann und Georg Starck stiften ein hölzernes Kruzifix
      an dem Schwibbogen zwischen dem Sebalder Pfarrhaus und der
      Moritzkapelle.

  1482: Wiederholte Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes.
                                                                N. K. A.

  1482 wird die Uhr- oder Schlagglocke gegossen.               N. St. A.

  1483 wird die Uhr- oder Schlagglocke aufgehängt.             N. St. A.

  1483: Stiftung für den Erhardsaltar.                          N. K. A.

  1485: Das Holztafelgemälde der Kreuzigung im Ostchor, Stiftung des Hans
      Tucher.

  Um 1485: Petersaltar im Ostchor.

  Nach 1485: Epitaph der Schedel, Steinrelief des Jüngsten Gerichts am
      Ostchor über der Schautüre.

  Vor 1487 wird der Petersaltar im Ostchor auf Veranlassung des Nikolaus
      Topler restauriert.

  1487: Ablaß für den Stephansaltar.                            N. K. A.

  1488: Erster Entwurf des Peter Vischer für das Sebaldusgrab.  N. K. A.

  1490, 20. November: Morgens bricht in der Wächterstube des südlichen
      Turmes Feuer aus.

  Um 1490: Zwei Altarleuchter in Gestalt von kerzentragenden Engeln,
      massives Silber.

  Um 1490: Die Holzfigur des Christus als Weltheilandes in der Art des
      Veit Stoß im Ostchor neben dem Mendelschen Fenster, Tuchersche
      Stiftung.

  1492 vollendet Adam Kraft das Schreyersche Grabmal am Ostchor.

  1493 werden in das Schürstabsche Fenster im Ostchor zwei Wappen der
      Schürstab eingesetzt.

  1493 wird die Viertelstundenglocke aufgehängt.                N. K. A.

  1493: Ablaß betreffend das von Sebald Schreyel gestiftete Ewige Licht
      und Sakramentshäuslein.                                   N. K. A.

  1493, 19. August wird die erste beglaubigte Restaurierung der Kirche
      (»geweist und verneut inwendig«) vollendet.

  1495: Die Holzfiguren des Thomas-Christus und der Maria als
      Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor neben dem
      Markgrafenfenster Volckamersche Stiftungen.

  Um 1495: Die Holzfigur des Apostels Andreas, wohl von Veit Stoß, am
      Ostchor neben dem Mendelschen Fenster, Tuchersche Stiftung.

  1496: Steinrelief der Kreuztragung von Adam Kraft im Mittelschiff.

  1497: Epitaph des Peter Fugger von Augsburg, Steinrelief am nördlichen
      Seitenschiff.

  1497: Wandteppich mit der Darstellung der Geburt Christi mit vier
      Heiligen.

  1499: Steinrelief mit drei Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor
      unter dem Markgrafenfenster.

  Um 1500: spätgotischer Prachtkelch mit Patene von vergoldetem Silber.

  1501: Das Bambergische Fenster im Ostchor, gemalt von Wolf Katzheimer.

  1501: Erste Renovierung des von der Familie Starck 1578 gestifteten
      Holztafelgemäldes, Allegorie auf die Geburt Christi, im nördlichen
      Seitenschiff.

  1502: Titelblätter, gemalt zu den von Paul Volckamer und Sebald
      Schreyer 1501 gestifteten Exemplaren des Liber horarum (Bamberg,
      Joh. Pfeyl, 1501).

  1503: Wiederholte Visitation des Bestandes im Sarg des Sebaldusgrabes.
                                                                N. K. A.

  Um 1505: Das Holztafelgemälde der Verkündigung im südlichen
      Seitenschiff, Stiftung der Familie Oelhafen.

  1506: Zweiter Einbruch in den Schrein des Sebaldusgrabes.     N. K. A.

  1508: Bestätigung des 1493 für das Schreyersche Ewige Licht und
      Sakramentshäuschen gewährten Ablasses.                    N. K. A.

  1508-1519: Herstellung des Sebaldusgrabes durch Peter Vischer und seine
      Söhne.

  1509: Stiftung einer Pfründe für den Stephansaltar durch Ambrosius
      Stromer.                                                  N. K. A.

  Um 1510: Steinrelief der Kreuzauffindung und Kreuzprobe der Kaiserin
      Helena im südlichen Turmportal.

  1512: Vollendung des Sebaldusgrabes ohne den figürlichen Schmuck durch
      Peter Vischer.

  1513: Das Holztafelgemälde der Madonna mit Heiligen von Hans von
      Kulmbach im Ostchor, Stiftung des Martin Tucher.

  Um 1513: Stiftung der Tucherschen Familientafel mit dem Bild des Todes
      im Ostchor.

  1514: Das Maximiliansfenster im Ostchor, gemalt von Veit Hirschvogel.
                                                                N. K. A.

  1514 will Probst Melchior Pfinzing das Wandtabernakel im Ostchor durch
      ein größeres Sakramentshäuschen über dem Nikolausaltar ersetzen.

  Um 1515: Die Erzfigur der Madonna von Stephan Godl im Ostchor am
      dritten nördlichen Pfeiler.

  1515 erlaubt der Rat dem Michael Behaim, die Kramerkapelle in der
      Kirche am Gewölbe und an den Fenstern und Altartafeln restaurieren
      zu lassen.

  1515: Das Markgrafenfenster im Ostchor, nach einem Entwurf des Hans von
      Kulmbach gemalt von Veit Hirschvogel.

  1515: Das Pfinzingsche Fenster im Ostchor, gemalt von Veit Hirschvogel.

  1520: Reparaturen am Sarg des Sebaldusgrabes.                 N. K. A.

  1522: Meßkelch mit Patene von vergoldetem Silber, Tuchersche Stiftung.

  1523: Letzte Prozession am Sebaldusfest.                      N. K. A.

  Um 1525: Das Holztafelgemälde der »Krönung Mariä« im Mittelschiff,
      Stiftung der Familie Imhoff.

  1526: Die Kreuzigungsgruppe aus Holz von Veit Stoß im Ostchor.

  1542 werden auf Beschluß des Rates die beiden Frauenaltäre, der
      gegenüberstehende Zwölfbotenaltar und der dazwischen befindliche
      Altar, wahrscheinlich der Johannisaltar, beseitigt, weil die
      Kirchenbesucher den Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.
                                                                N. K. A.

  1543: Das von den Gebrüdern Starck an dem Schwibbogen beim Sebalder
      Pfarrhaus 1482 gestiftete hölzerne Kruzifix wird nach Abbruch des
      Bogens an den Westchor der Kirche verbracht.

  Um 1550: Erneuerung des untersten Teiles des Tucherschen Fensters im
      Ostchor.

  1552 werden Gold- und Silbergeräte des Kirchenschatzes eingeschmolzen.
                                                                N. K. A.

  1561: Ausbesserung des Ostchores und Abnahme seiner schadhaften
      Galerie.                                                  N. K. A.

  1570 wird die 1447 gestiftete kleine Orgel entfernt.          N. K. A.

  1571 wird die Beseitigung der baufälligen Kranzgalerie des südlichen
      Turmes geplant.                                          N. St. A.

  1571: Reparaturen an den Türmen.                             N. St. A.

  1572 wird die große, 1444 von Heinrich Traxdorf erbaute Orgel
      renoviert.                                                N. K. A.

  1572: Renovierung des von Martin Tucher 1513 gestifteten Hans von
      Kulmbachschen Holztafelgemäldes der Madonna mit Heiligen im
      Ostchor durch Nikolaus Juvenel.

  1572 wird der Petersaltar im Ostchor renoviert.               N. K. A.

  1574 werden acht verschiedene Wappen in das Grundherrsche Fenster im
      Ostchor eingesetzt.

  1591: Reparaturen an den Türmen.                              N. K. A.

  1591 wird zum ersten Mal der schlechte Zustand des Zinndaches am
      südlichen Turm festgestellt.                             N. St. A.

  1591: 4. Oktober. Durch Ratsverlaß wird die Ausbesserung auf
      St. Sebalds Schlagturm befohlen.                         N. St. A.

  1593: Ausbesserung des Zinnes am Schlagturm.                 N. St. A.

  1600 wird die neue Betglocke gegossen.                       N. St. A.

  1601: Das Imhoffsche Fenster im Ostchor, gemalt von Jakob Sprüngli oder
      Christoph Maurer.

  1603: Das Holztafelgemälde mit Szenen aus dem Leben der ersten Menschen
      von Johann Kreuzfelder im Ostchor, Stiftung der Familie Behaim.

  1609: Zweite Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
      am südlichen Turm.                                       N. St. A.

  1613: Ausbesserung des Zinns am Schlagturm.                  N. St. A.

  1613: Erneute Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
      am südlichen Turm.                                       N. St. A.

  1613 wird der Sebaldusaltar durch Maler Leonhard Prechtel restauriert.
                                                                N. K. A.

  1614: Wappen der Nützel mit Inschrift, im fünften Fenster des
      nördlichen Seitenschiffes eingesetzt.

  1614: Reparaturen am Sebaldusaltar durch Maler Leonhard Prechtel.
                                                               N. St. A.

  1616: Erneute Besichtigung und Ausbesserung des schadhaften Zinndaches
      am südlichen Turm.                                       N. St. A.

  1616: Ausbesserung des Zinns am Schlagturm.                  N. St. A.

  1625 wird auf Veranlassung des Hans Starck das eherne Kruzifix
      am Westchor von Johann Wurzelbauer, dem Sohne des Meisters vom
      Tugendbrunnen, gegossen als Ersatz für das Starcksche hölzerne
      Kruzifix vom Jahre 1482, welches 1543 an die jetzige Stelle
      transferiert worden war.

  1627: Renovierung der drei von Hans Starck 1423 gestifteten Wandgemälde
      des Abendmahles, der Fußwaschung und des Ölberges im Ostchor auf
      Veranlassung des jüngeren Hans Starck.

  1628: Umfassende Renovierung des ganzen Sebaldusgrabes.       N. K. A.

  1628: Das Holztafelgemälde des Jüngsten Gerichtes im Ostchor, freie
      Kopie nach Rubens, wahrscheinlich von Jörg Gärtner dem Älteren
      ([gestorben] 1648), Stiftung der Familie Imhoff.

  1629: Kirchenstuhl mit reichen Schnitzereien im Westchor.

  1641 werden in das Imhoffsche Fenster im Ostchor zwei Wappenpaare
      eingesetzt.

  1643: Zwei Abendmahlskannen von vergoldetem Silber, Grundherrsche
      Stiftung.

  1643: Seidene Kanzelbekleidung mit Applikationsstickerei, gestiftet von
      Achaz Hilling von Elnbogen und seiner Ehefrau.

  1647: Neubedachung des mit Zinn gedeckten südlichen Turmes mit
      Kupferplatten.                                           N. St. A.

  1647: Restaurierung des Schlagturmes.                        N. St. A.

  1652 läßt der Kurfürst von Mainz durch Bildhauer Georg Schweigger dem
      Rat von Nürnberg 1000 Dukaten für die Kreuzigungsgruppe von Veit
      Stoß im Ostchor bieten.

  Vor 1654: Das Holztafelgemälde mit der Beweinung Christi im Ostchor,
      Kopie nach Dürer, wahrscheinlich von Georg Gärtner dem Jüngeren
      ([gestorben] 1654), Stiftung der Familie Holzschuher.

  1656 wird das von der Familie Ebner 1429 gestiftete Madonnenrelief im
      Ostchore über der Schultüre renoviert.

  1656 und 1657: Unbedeutende Renovierung des Inneren der Kirche und
      Abänderung der Emporkirche (Engelschor).                 N. St. A.

  1657 wird von den Silberdrahtziehern eine kleine Orgel im Ostchor
      gestiftet.

  1657 und folgende Jahre wird die Kirche nach dem Muster des Bamberger
      Domes von Tünchermeister Jakob Fuchs renoviert.          N. St. A.

  1657: Das Wandgemälde einer Inschrifttafel im Ostchor über dem
      Kaiserchörlein.

  1657: Eröffnung der »Geheimen Versperr«.                      N. K. A.

  1657-1664: Renovierung und Barockausstattung der Kirche.     N. St. A.

  1658 wird die große, 1444 von Heinrich Traxdorf erbaute, 1572
      renovierte Orgel im Barockstil umgebaut.                  N. K. A.

  1658: Zweite Renovierung des von der Familie Starck 1478 gestifteten
      Holztafelgemäldes einer Allegorie auf die Geburt Christi im
      nördlichen Seitenschiff.

  1658: Abendmahlskelch mit Patene und zwei Abendmahlskannen von
      vergoldetem Silber, gestiftet von Buchhändler Wolfgang Endter dem
      Älteren.

  1659: Errichtung des neuen Nikolaus- oder Tucheraltars mit dem
      Ecce-Homo-Bild von Merian.                                N. K. A.

  1659 wird im Zusammenhang mit der Barockausstattung der Kirche die neue
      Kanzel errichtet.                                         N. K. A.

  Um 1660: Die Geschlechtertafeln der Löffelholz im Westchor, der Kreß
      und der Volckamer im Ostchor beim Muffelschen Altar.

  Um 1660: Altarkruzifix von massivem Silber mit dem Monogramm M. W.

  1660-1663 erbaut Georg Wirsching den Hauptaltar an Stelle des gotischen
      Hochaltars.                                               N. K. A.

  1663: Errichtung des neuen Stephans- oder Muffelschen Altares. Das Bild
      des alten Altares wird in die Lorenzkirche verbracht.    N. St. A.

  1675: Abendmahlskelch mit Patene von vergoldetem Silber, gestiftet von
      Joachim Kern und dessen Ehefrau.

  1691 wird das Werk der großen Orgel vom Jahre 1444 im Ostchor von Georg
      Sigmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg a. T., erneuert.
                                                                N. K. A.

  1700-1759. Unbedeutende Reparaturen an der Betglocke, dem Vesperlein,
      dem Zeigerlein und der Garausglocke.                     N. St. A.

  Um 1700: Etui mit Löffel von vergoldetem Silber, Altargerät.

  Um 1700: Altarkruzifix von massivem Silber.

  1712: Aus Anlaß der Anwesenheit Karls VI. in Nürnberg wird die
      kaiserliche Küche vor der Kirche aufgeschlagen.          N. St. A.

  1723: Klingelbeutel mit der Gruppe Christus am Kreuz und Maria von
      massivem Silber und mit dem Monogramm M. M.

  1732, 13. Oktober wird die Overdiksche Orgel im Ostchor gestiftet. Sie
      wird später auf den sogenannten Engelschor verbracht.     N. K. A.

  1744: Hostienbüchse von vergoldetem Silber, gestiftet von M. M. W.

  1754, 3. August entsteht durch Blitzschlag auf dem Dachboden über dem
      Westchor Brand.                                          N. St. A.

  1754, 16. September: Ratsverlaß, die der Reparatur bedürftigen
      Bäckerläden bei St. Sebald betreffend.                   N. St. A.

  Um 1755: Taufbecken mit Kanne von Silber.

  Um 1755: Zwei Abendmahlskelche mit Patenen von vergoldetem Silber.

  Um 1755: Die Geschlechtertafeln der Ebner im nördlichen, der
      Holzschuher im südlichen Seitenschiff und der Fürer im Ostchor
      beim Muffelschen Altar.

  1768-1769: Ausbesserung des Dachstuhles des nördlichen Turmes und
      Neubedachung mit Zinnplatten.                            N. St. A.

  1769-1770: Reparaturen an den Türmen.                        N. St. A.

  1774: Renovierung des von der Familie Behaim 1603 gestifteten
      Kreuzfelderschen Holztafelgemäldes mit Szenen aus dem Leben der
      ersten Menschen im Ostchor.

  1781: Sanduhr mit Gehäuse von Silber, Holzschuhersche Stiftung.

  1784-1785: Verhandlungen über Aufführung eines neuen Stockwerks im
      Sebalder Pfarrhof.                                       N. St. A.

  1790: Ausbesserung eines Fensterpfeilers in der Kirche.       N. K. A.

  Um 1790: Umbau des Katharinen- oder Löffelholzaltares.

  1797, 12. Oktober bis 1798, 3. Februar: Verhandlungen, die
      unberechtigte Veräußerung von Kirchengeräten und Meßgewändern
      betreffend.                                               N. K. A.

  1797 soll das 1396 gestiftete Pömersche Epitaph am südlichen
      Treppenturm restauriert worden sein.

  1798: Reparatur der Bet- und Chorglocke.                     N. St. A.

  1798: Reparatur in der Senioratswohnung.                     N. St. A.

  1798: Ofenreparatur in der großen Sakristei.                 N. St. A.

  1800: Reparaturen an den Wappenschilden der Kirche.          N. St. A.

  1800-1806 wird der Musikchor aus der Frauenkirche in die Sebalduskirche
      transferiert.                                             N. K. A.

  1802: Reparatur in der Diakonatswohnung.                      N. K. A.

  1804 und 1805: Reparatur der Helmstangen auf den Kirchtürmen.
                                                                N. K. A.

  1805: Wiederholte Reparatur an der Fahnenstange auf dem südlichen Turm.
                                                               N. St. A.

  1807: Ausbesserung des 1647 gedeckten Kupferdaches am südlichen Turm.
                                                               N. St. A.

  1807: Reparatur des Kirchendaches.                            N. K. A.

  1817 werden in das Markgrafenfenster im Ostchor zwei Medaillons mit den
      Bildnissen Luthers und Melanchthons eingesetzt.

  1823 wird nach den Plänen K. A. Heideloffs ein neuer Hauptaltar an
      Stelle des Barockaltares vom Jahre 1663 errichtet.

  1827 wird das Werk der großen Orgel vom Jahre 1444 im Ostchor wiederum
      repariert durch den Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner und das
      Gehäuse nach den Plänen Heideloffs umgebaut.

  Um 1830: Zwei große Altarleuchter von Silber.

  1838: Abendmahlskanne von vergoldetem Silber, gestiftet von der
      Kaufmannswitwe Therese Rohrmann.

  1859 baut Bildhauer Lorenz Rotermundt nach Krelings Entwurf die Kanzel.

      1888-1906: Umfassende Restaurierung der Kirche und ihres Inventars
      unter Leitung der Architekten G. v. Hauberrisser und J. Schmitz.

  [XXXI] M. R. A. = Münchener Reichsarchiv.

  [XXXII] N. K. A. = Nürnberger Kreisarchiv.

  [XXXIII] N. St. A. = Nürnberger Stadtarchiv.

  [XXXIV] B. N. M. = Bayrisches Nationalmuseum.



                      Verzeichnis der Abbildungen.


                                 Tafeln.

     I. Ansicht des Ostchors gegenüber dem Titelblatt

    II. Grundrisse und Details des romanischen Baues         nach S.  12

   III. Ansicht und Schnitt des romanischen Baues             "   "   20

    IV. Das Brauttor                                          "   "   38

     V. Grundriß der Sebalduskirche                           "   "   42

    VI. Längenschnitt der Sebalduskirche                      "   "   48

   VII. Grundrißentwicklung der Strebepfeiler am Ostchor      "   "   56

  VIII. Ansicht eines Ostchorjoches                           "   "   56

    IX. Seitenansicht und Schnitt eines Strebepfeilers am
        Ostchor                                               "   "   56

     X. Innenansicht vom Ostchor gegen das nördliche
        Seitenschiff                                          "   "   74

    XI. (Farbige Tafel). Romanisches Dienstkapitäl des
        Mittelschiffes mit später angesetztem gotischem
        Baldachin. -- Gewölbeschlußstein im Ostchor           "   "  104

   XII. (Farbige Tafel). Statue des Apostels Johannes im
        Mittelschiff. -- Engelsstatue von der Volckamerschen
        Verkündigung mit Baldachin und Konsole                "   "  104

  XIII. Baukosten der Wiederherstellung der Sebalduskirche
        1885-1906                                             "   "  128

   XIV. Sebaldusgrab von Peter Vischer                        "   "  128

    XV. Thronende Maria mit Heiligentafelgemälde von Hans
        von Kulmbach (Tuchersche Stiftung)                    "   "  212


                            Textabbildungen.

                                                                   Seite

   1. Modell (von oben gesehen) der ausgegrabenen Ostchorkrypta       17

   2. Innenansicht gegen Osten                                        18

   3. Innenansicht gegen den Westchor                                 21

   4. Triforien im Mittelschiff                                       22

   5. Partie aus dem Engelschor                                       23

   6. Westansicht vor der Restaurierung                               25

   7. Ansicht vom südlichen Seitenschiff gegen Norden                 27

   8. Kapitäl der Dienste im Mittelschiff                             28

   9. Romanisches Kapitäl mit Blatt- und Bandornament                 29

   10. Desgleichen                                                    29

   11. Gotisches Kapitäl im Seitenschiff                              29

   12. Romanisches Kapitäl mit Knollenornament                        29

   13. Romanische Hornkonsole                                         30

   14. Romanische Konsole                                             30

   15. Portal am südlichen Turm                                       35

   16., 17., 18. Romanisches Portal am südlichen Turm                 37

   19. Querschnitt durch das Mittelschiff und die Seitenschiffe       41

   20. Portal am südlichen Seitenschiff                               43

   21 _a-d_. Fenstermaßwerke der Seitenschiffe                        45

   22., 22 _a_. Brauttor                                              46

   23. Ostchor. Innenansicht                                          51

   24. Innenansicht vom Ostchor gegen Nordosten                       53

   25. Baldachin im Ostchor                                           55

   26. Meisterzeichen im Ostchor                                      63

   27., 27 _a_, 27 _b_. Baldachin am Ostchor                          67

   28. Westansicht                                                    69

   29. Oberer Teil des nördlichen Turms                               73

   30. Inneres der Sebalduskirche. Ausschnitt aus dem Kupferstiche
       von J. A. Graff 1694                                           77

   31. Ostchorpartie vor der Restaurierung                            80

   32. Westansicht mit den Gerüstbauten                               82

   33. Die aufgefundenen Reste der ehemaligen  Galerie am Ostchor     87

   34. Ostchorpartie nach der Restaurierung                           89

   35. Neuer Verkündungsengel am Ostchor                              90

   36. Konsole mit Ritter an einem nördlichen Pfeiler des Ostchors    91

   37. Konsole mit Ritterfräulein an einem nördlichen Pfeiler des
       Ostchors                                                       91

   38. Nördliches Seitenschiff vor der Restaurierung                  92

   39. Nordansicht                                                    93

   40. Pfinzingkapelle vor der Restaurierung                          98

   41. Pfinzingkapelle nach der Restaurierung                         98

   42. Erneuerte Madonnenstatue am Brautportal                        99

   43. Löffelholzaltar                                               107

   44. Modell eines zum Teil armierten Vitrumspfeilers               111

   45. Armierter Vitrumspfeiler während der Restaurierung            112

   46. Der heil. Christophorus. Wandgemälde im südlichen
       Seitenschiff                                                  114

   47. Statue des Apostels Paulus mit Baldachin und Konsole im
       Ostchor                                                       117

   48. Statue des Kaisers Heinrich vor der Restaurierung             119

   49. Statue des Kaisers Heinrich nach der Restaurierung            119

   50. Sakramentshäuschen im Ostchor                                 121

   51. Partie aus dem Ostchor mit Tucheraltar, Sakramentshäuschen
       und Petrusaltar                                               123

   52. Ostchor. Ansicht gegen Westen                                 125

   53. Petrusaltar (geöffnet)                                        130

   54. Petrusaltar (geschlossen)                                     131

   55., 56., 57. Kreuzigungsgruppe von Veit Stoß. Über dem
       Hauptaltar im Ostchor                                         133

   58. Geburt Christi. Von einem der Flügel des Löffelholzaltars     135

   59. Legende des heil. Georg. Von einem der Flügel des
       Löffelholzaltars                                              135

   60. Halleraltar (geschlossen)                                     136

   61. Halleraltar (geöffnet)                                        137

   62. Erzkruzifix am Westchor                                       141

   63. Bogenfeld im Portal des nördlichen Seitenschiffs mit
       Darstellungen aus dem Marienleben                             142

   64. Statue der Eitelkeit der Welt am nördlichen Seitenschiff.
       Vorderseite                                                   143

   65. Desgleichen. Rückseite                                        143

   66. Eine der klugen Jungfrauen am Brautportal                     143

   67. Geißelung Christi. Stationsrelief am Ostchor                  144

   68. Kreuztragung, Stationsrelief am Ostchor                       144

   69. Passionsszenen von Adam Kraft. Schreyersches Begräbnis am
       Ostchor                                                       145

   70. Konsole mit Mönchen an einem südlichen Pfeiler des Ostchors   147

   71. Darstellung des Jüngsten Gerichts. Schedelsches Relief über
       der Schautüre                                                 147

   72. Grabrelief der Holzschuher am südlichen Seitenschiff (Kopie
       aus der Barockzeit)                                           148

   73. Bogenfeld im Portal des südlichen Seitenschiffes              149

   74. Grabrelief der Pömer am südlichen Treppenturm                 150

   75. Grabrelief der Haller am südlichen Turm                       151

   76. Türklopfer vom Brauttor                                       152

   77. Statue des Apostels Johannes im Mittelschiff                  153

   78. Statue des Apostels Philippus im Mittelschiff                 153

   79. Statue des Apostels Petrus im Mittelschiff                    153

   80. Statue des Apostels Simon im Mittelschiff                     153

   81. Statue des Apostels Bartholomäus im Mittelschiff              154

   82. Statue der hl. Kunigunde im nördlichen Seitenschiff           154

   83. Statue des hl. Kaisers Heinrich im nördlichen Seitenschiff    155

   84. Statue des hl. Erhard im Mittelschiff                         155

   85. Statue der hl. Helena im südlichen Seitenschiff               155

   86. Statue des hl. Sebaldus im Mittelschiff                       155

   87. Kreuzschleppung von Adam Kraft                                156

   88. Eherner Taufkessel im Löffelholzchor                          157

   89. Der Apostel Andreas. Holzstatue von Veit Stoß                 157

   90. Statue Johannes des Evangelisten im Ostchor                   158

   91. Thomaschristus von Veit Stoß im Ostchor                       158

   92. Schmerzensmutter von Veit Stoß im Ostchor                     158

   93. Statue des hl. Erasmus im Ostchor                             159

   94. Statue der Maria von der Behaimschen Heimsuchung              159

   95. Passionsszenen von Veit Stoß im Ostchor                       161

   96. Ebnerrelief am Dreikönigsportal im Ostchor                    161

   97. Madonna in der Glorie. Statue (Birnbaumholz) im Ostchor       162

   98. Bronzestatuette der Maria von Stephan Godl                    163

   99. Detail vom Sebaldusgrab                                       165

  100. Gewölbeschlußstein mit der Geburt Christi. Im nördlichen
       Seitenschiff                                                  167

  101. Gewölbeschlußstein mit dem hl. Sebald. In der nördlichen
       Sakristei                                                     167

  102. Verkündigung. Holztafelgemälde im Löffelholzchor              169

  103. Krönung der Maria. Holztafelgemälde im Mittelschiff           171

  104. Darstellung des Paradieses. Holztafelgemälde von Johann
       Kreuzfelder 1603                                              173

  105. Abendmahl und Ölberg. Wandgemälde im Ostchor                  173

  106. Darstellungen aus der Apostellegende. Wandgemälde im Ostchor  175

  107. Detail vom Bamberger Fenster                                  179

  108. Detail vom Maximiliansfenster                                 181

  109. Detail vom Markgrafenfenster                                  183

  110. Fenster über dem südlichen Seitenschiffportal                 186

  111. Detail vom Rahmen der Kressischen Totentafel im Ostchor       189

  112. Detail vom Rahmen der Volckamerschen Totentafel im Ostchor    190

  113. Rahmen der Ebnerschen Totentafel im nördlichen Seitenschiff   190

  114. Details vom Rahmen der Tucherschen Totentafeln                191

  115. Löffelholzische Totenschilder                                 191

  116. Kressisches Totenschild (des Stifters der Kirche in
       Kraftshof)                                                    191

  117. Hallersche Totenschilder                                      192

  118. Hallersches Totenschild                                       192

  119. Ebnersches Totenschild                                        193

  120. Stromersches Totenschild                                      193

  121., 122. Details von den Chorstühlen im Ostchor                  193

  123. Desgleichen                                                   194

  124. Hallerscher Kirchenstuhl                                      194

  125. Kirchenstuhl im Löffelholzchor                                194

  126. Orgel im Ostchor                                              195

  127., 128. Eisenbeschlag vom Brauttor                              196

  129. Silbervergoldeter gotischer Kelch mit durchbrochenen
       Ornamenten                                                    197

  130. Sanduhr (ehemals an der Kanzel)                               198

  131. Leuchterengel (Hauptaltar)                                    199

  132., 133. Gobelin mit Darstellungen aus der Legende des
       hl. Sebald                                                    201

  134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben                 203

  135. Gobelin mit Darstellung der Geburt Christi, 1495              204

  136. Mittelstück des Gobelins von 1495                             204

  137. Katharinenstatue vom Portal des südlichen Seitenschiffs       205

  138. Kopf der Katharinenstatue vom Portal des südlichen
       Seitenschiffs                                                 207

  139. Lapidarium in der westlichen Krypta                           208

  140. Auferweckung des Lazarus. Relief vom südlichen Seitenschiff
       (jetzt in der Bausammlung)                                    209

  141. Übermalter Holzschnitt in einem der Exemplare des »Liber
       missalis«, Bamberg 1490                                       209

  142. Randverzierung in Miniaturmalerei in einem der Exemplare des
       »Liber missalis«, Bamberg 1490                                210

  143. Miniaturmalerei in einem der Exemplare des »Liber horarum«,
       Bamberg 1501                                                  211

  144. Konsekrationsurkunde des Hochaltars von 1379                  212



         Verzeichnis der Personen, Orte und wichtigsten Sachen.

                     Verfaßt von $Dr. Alfred Graf$.


                                   A.

  Abendmahl (Darstellung) 115, 146, 162, 176, 238, 241.
  Abendmahlskelche 198, 241.
  Abraham (Darstellung) 151.
  Ackermann, Leonhard 138.
  Adam und Eva (Darstellung) 48, 144, 172, 179, 192.
  Alamannus Luanensis, Bischof 217.
  Albertus, Bischof von Sirmium 218.
  Albrecht, Markgraf von Brandenburg 185, 212.
  Allerseelenaltar 134, 236.
  Almosenamt, siehe Landalmosenamt.
  Altarbehänge 206.
  Altargeräte 196 ff., 241.
  Altarleuchter 199, 239, 242.
  Altenburg 171, 218, 219.
  Amelia 218.
  Anagni (Bischof Johannes) 217.
  Andreas, hl. 118, 158, 166, 184, 239.
  -- Bischof von Balezo 218.
  -- -- -- Coron 217.
  -- Erzbischof von Antivari 216.
  Angelus, Bischof von Viterbo und Toscanella 217.
  Anlage, siehe Plandispositionen und Grundrisse.
  Anna, hl. 171, 185, 238.
  Annaaltar 114.
  Anschreibtüre 76, 94, 95, 142, 143.
  Antependien 206, 208.
  Antivari (Bischof Andreas) 216.
  Antonius, hl. 112, 139, 154, 234, 235.
  Apostel (siehe auch ihre einzelnen Namen sowie Apostelgeschichte) 81,
    104, 111, 114, 117, 118, 132, 138, 139, 148, 153, 158, 159, 166, 182,
    188, 234, 235, 237.
  Apostelgeschichte (Darstellung aus der) 115, 136, 137, 176.
  Apsiden 19, 20, 23, 30, 31, 32, 49, 99, 130, 131, 132.
  Arbeitslöhne (siehe auch Baukosten) 70, 71, 72, 75.
  Arborea (Erzbischof Petrus) 215.
  Ardferten in Irland (Bischof Johannes) 218.
  Avignon 219.
  Avio (Bischof Girardus) 218.
  Arkadi (Bischof Raphael) 218.
  Arnold, Bischof von Bamberg 215.
  Aschaffenburg 88.
  Ascoli (Bischof Bonus Johannes) 215.
  Athyra in Thrazien (Bischof Ricardus) 218.
  Auferstehung (Darstellung) 114, 135, 146, 206.
  Auferweckung des Lazarus (Darstellung) 105, 106, 150, 170, 210.
  Augsburg, 11, 29, 105, 114, 120, 122, 136, 138, 142, 172, 198, 227,
    239.
  Augustinerkloster 230.
  Augustinus, Bischof von Soliwri 218.
  Ausgießung des hl. Geistes (Darstellung) 179.
  Avancius Sannensis, Bischof 218.
  Avellino (Bischof Waldebrunus) 215.
  Ayrer (Familie) 178.


                                   B.

  Baden 88.
  Bagnorea (Bischof Johannes) 218.
  Balezo (Bischof Andreas) 218.
  Balier, siehe Behaim, Balier.
  Bamberg 11, 13, 14, 15, 28 ff., 33, 34, 36, 37, 38, 71, 72, 75, 129,
    134, 151, 159, 160, 177, 182, 212 ff., 223, 226, 227, 228, 236, 239,
    241.
  Bambergisches Fenster 182, 239.
  Bär, Christian 114, 171.
  Barbara, hl. 138, 171, 178, 206.
  Barfüßerkloster 42, 66.
  Barth & Cie. 108.
  Bartholomäus, hl. 132, 166, 178.
  Bartholomäusaltar 132, 238, 239.
  Basel 143, 216.
  Bathseba und David (Darstellung) 202.
  Bauamt 233.
  Bauausschuß 86, 88, 94 ff., 100, 102, 104, 110, 113, 124, 126.
  Bauer, Schlosser 224.
  Bauhütte 86, 88.
  Baukosten (siehe auch Arbeiterlöhne) 120 ff., 228, 230, 233.
  Baumaterial, 50, 54, 71, 72, 78, 79, 81, 83, 87, 88, 90, 94, 95, 96,
    97, 98, 108, 111, 113, 122, 147, 222, 224, 230, 233.
  Baumeister (siehe auch Parler) 42, 44, 62, 64, 90.
  Baumgartner, siehe Paumgartner.
  Baumhauer, Sebald 170.
  Bausammlung 85, 90, 94, 100, 103, 104, 116, 124, 137, 141, 142, 144,
    146, 148, 149, 150, 176, 208 ff., 226.
  Bauschulen 28, 32, 33, 36, 42, 61.
  Bayern 11, 58, 61, 74, 105, 122.
  Bayreuth 87.
  Begegnung zweier Männer (Darstellung) 182.
  Behaim, Heinrich, Balier 64, 65.
  -- Familie 120, 146, 160, 162, 172, 177, 186, 187, 234, 242.
  -- Christoph 172.
  -- Friedrich 172.
  -- Michael 75, 240.
  -- Paulus 172.
  -- Sebald 167.
  Behaimsches Fenster 186, 231, 237.
  Beheizung 95, 97, 121, 126, 242.
  Beleuchtung 126.
  Belluna (Bischof Gregorius) 210.
  Benedicta, siehe Betglocke.
  Benedictus, Bischof 217.
  Benediktinerorden 33.
  Bernardus, Bischof von Ganus 217.
  Bernhard von Neumarkt 236.
  Berthold, Bischof von Bamberg 15, 213, 214.
  Bertoldus, Bischof von Sizebolu 218.
  Beschneidung (Darstellung) 186.
  Betglocke (siehe auch Chorglocke) 193, 194, 237, 240, 241, 242.
  Beweinung Christi (Darstellung) 170, 241.
  Bezold, Dr. von 5.
  Bibeldrucke 212.
  Birkmann, F., Zimmermeister 88.
  Bischöfe (Darstellungen von unbekannten) 119, 150, 154, 159, 178,
    182, 235, 239.
  Bittner, Augustin Ferdinand 191, 242.
  Blasbälge 76, 97, 122.
  Blasius, hl. 138, 178.
  Böhmen 63, 64, 65.
  Bonaventura, Erzbischof von Ragusa 215.
  Bonus Johannes, Bischof von Ascoli 215.
  Bourbon 184.
  Brabant 184.
  Braga (Bischof Johannes) 217.
  Brandenburg 185.
  Brautportal (Ehetür) 24, 47, 48, 52, 76, 86, 88, 91, 94, 95, 96, 98,
    99, 115, 139, 143, 144, 146, 153, 157, 208, 234, 235, 238.
  Bremen 110.
  Bretheim, Konrad 132, 236.
  Brixen (Bischof Landulphus) 215.
  Brotausteilung (Darstellung) 174.
  Brotbänke 228, 234 ff.
  Brothaus 235.
  Brotläden 235.
  Brünn 63, 65.
  Büchersammlung 208, 211 ff.
  Bückeburg 90.
  Budua 214, 215.
  Burg 12, 15, 39, 57.
  Burggrafen von Nürnberg 185.
  Burgkapelle 26, 28.
  Burgschmietgasse 156.
  Burgund 36, 38, 184.
  Butrinto (Bischof Lazarus) 218.


                                   C.

  Cagli (Bischof Guillelmus) 215.
  -- (Bischof Petrus) 217.
  Cagliari (Bischof Petrus) 218.
  Canosa (Bischof Theobaldus) 215.
  Capri (Bischof Nikolaus) 215.
  Carmium (Bischof Johannes) 218.
  Castellana (Bischof Franciscus) 217.
  Castro (Bischof Jacobus) 217.
  Catania (Bischof Raymundus) 217.
  Catanzaro (Bischof Venutus) 216.
  Cattaro (Bischof Domnius) 217.
  Ceneda (Bischof Franciscus) 216, 217.
  Champagne 38.
  Chor, siehe Ost- und Westchor.
  Chorgalerie 86, 88, 228, 229.
  Chorglocke (siehe auch Betglocke) 195, 234.
  Chorschranken 189.
  Christophorus hl., 106, 112, 132, 142, 152, 174, 185, 234, 238.
  Christus, siehe Heiland.
  -- erscheint den Frauen (Darstellung) 186.
  -- in der Vorhölle (Darstellung) 179, 186.
  -- vor Pilatus (Darstellung), 146 180.
  Chunradus, buttugelarius 213.
  Cluny 36, 38.
  Connor (Bischof Robertus) 216.
  Coron (Bischof Andreas) 217.
  Cramerkapelle 75.
  Croja (Bischof Romanus) 215.
  Crucifixus, 101, 102, 134, 138, 140, 141, 142, 143, 146, 149, 152, 168,
    178, 187, 190, 198, 200, 206, 239, 240, 241.


                                   D.

  Dalmatien 184.
  Dänemark 156, 188.
  Darbringung im Tempel (Darstellung) 186, 187.
  Däschin, Dorothea 131.
  David und Bathseba (Darstellung) 202.
  -- Michal (Darstellung) 202.
  Decker, Hans 152, 238.
  Deichsler, Heinrich 230, 231.
  Derrer, Familie 152, 236.
  Deutschherren 228.
  Deutschland 36, 38, 42, 44, 47, 126, 182.
  Dieterich, Veit 212.
  Dietherr, Familie 178, 187.
  Dietlein, Hans 132, 236.
  Dietler, Hensel 132, 235.
  Dietner, Familie 137.
  Digne (Bischof Guilhelmus) 215.
  Dilherr, J. U. 200.
  Dilherrscher Pokal 200.
  Dinkelsbühl 61, 62.
  Domnius Cathavensis, Bischof 217.
  Dornenkrönung (Darstellung) 146, 148, 169, 180, 238.
  Dreifaltigkeit (Darstellung) 152, 160.
  Drei Könige, hl. 40, 137, 149, 186, 187, 194.
  Dreikönigsaltar 132.
  Dreikönigschor 100, 101, 102, 114, 115.
  Dreikönigsportal 24, 48, 52, 76, 115, 149, 150, 153, 162, 174, 177.
  Dresden 71.
  Dürer, Albrecht 169, 170, 172, 174, 178, 182, 241.


                                   E.

  Ebermayr, Ursula 192.
  Eberspeck, Familie 236.
  Ebner, Familie 48, 111, 112, 149, 153, 154, 162, 163, 171, 174, 180,
    182, 187, 188, 216, 234, 235, 237, 241.
  -- Albrecht 163, 216.
  -- Christine 162.
  -- Johannes (Hans) 219, 236.
  Ebrach 32, 33, 34, 36, 37, 38, 227.
  Ecce homo (Darstellung) 113, 135, 150, 241.
  Egidienkirche 26, 28.
  Egidienkloster 28, 49, 219, 236.
  Egidius, St. 178.
  -- Bischof von Urbino 215.
  Eglofstein, Familie 152.
  Ehebücher 211.
  Ehetür, siehe Brautportal.
  Eichstätt 28, 214.
  Einbalsamierung (Darstellung) 160.
  Einweihung 13, 226.
  Einzug in Jerusalem (Darstellung) 146.
  Eisvogel, Familie 152, 182, 216, 236.
  Eitel Fritz, Prinz von Preußen 95.
  Eitelkeit der Welt (Darstellung) 143, 234.
  Ekarius 221.
  Elisabeth, hl. 120, 160, 176, 185.
  Endler, Familie 197, 198, 208, 241.
  Engel (Darstellungen) 151, 153, 160, 174, 177, 179, 180, 182, 185,
    186, 238, 239.
  Engelschor 23, 25, 75, 102, 109, 111, 113, 241.
  Engelthal 162, 163, 234.
  Englischer Gruß (Darstellung) 239.
  Enrico da Gamodia 63, 65.
  Ensinger, Baumeister 74.
  Erasmus 119, 120, 138, 160, 238.
  Erhard Bischof 111, 138, 235.
  Erhardaltar, siehe Hallerscher Altar.
  Erhardstatue 132, 154.
  Erhard, Schmiedemeister 221.
  Ermel, Joh. Franciscus 135.
  Eseler, Familie 163.
  Essenwein, 200 231.
  Eßlingen 61, 62, 64, 66, 229.
  Etui mit Löffel 198.
  Eucharius, Stadtzimmermann 70.
  Euchariuskapelle 26, 28.
  Ewiglichtlampe 146, 148.
  Eyb, Familie 146, 148.


                                   F.

  Fabianus 129.
  Feltre (Bischof Gregorius) 216.
  Fenstergitter 98.
  Feuersbrünste 76, 78, 231, 239.
  Fleischbänke 219.
  Fleischmann, Familie 132, 237.
  Foligno (Bischof Paulus) 217.
  v. Forster, Fabriksbesitzer 86, 104.
  Franciscus, Bischof von Castellana 217.
  -- -- -- Ceneda 216.
  -- -- -- Ravello 219.
  -- -- -- Lampsacus 218.
  -- Hurvensis, Bischof 218.
  Franken 74.
  Frankfurt a. M. 212.
  Fränkischer Kurier 233.
  Frankreich 32, 36, 38, 44, 156, 188.
  Frauenaltar 132, 235, 236, 240.
  Frauenschuh aus dem 15. Jahrhundert 210.
  Freiburg i. B. 44, 66, 139, 143, 229.
  Frey, Familie 149.
  Friedhof von St. Sebald 49, 219, 235, 236.
  Friedrich, Bischof von Bamberg 220, 228.
  -- d. Ä., Markgraf von Brandenburg 185.
  -- Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches 207.
  Fuchs, Familie 75, 146, 148, 241.
  Fugger, Familie 142, 234.
  Fürer, Familie 158, 188, 237, 241.
  -- Christian 180.
  Fürer, Sigmund, 167 168, 180.
  Fürersches Fenster 180, 237.
  Fürth 11, 28, 226.
  Fußböden 95, 98, 111, 113, 210.
  Fußwaschung (Darstellung) 176, 238, 241.
  Fütterer, Familie 152, 238.


                                   G.

  Gammersfelder, Familie 178.
  Ganos in Thracien (Bischof Bernardus) 217.
  Garausglocke 195, 241.
  Gärtner, Familie 186.
  -- Georg d. J. 170.
  -- Georg d. Ä. 170, 241.
  Gayselin 235.
  Geburt Christi (Darstellung) 106, 149, 168, 169, 171, 186, 203, 204,
    238, 239, 241.
  Gefangennahme Christi (Darstellung) 146, 162.
  Geißelung Christi (Darstellung) 146, 169, 238.
  Gentili, Cavaliere 200.
  Georg, hl. 11, 137, 182, 185.
  -- Herzog van Niederbayern-Landshut 74, 196.
  -- der Fromme, Markgraf 185.
  Georgsaltar 134.
  Germanisches Nationalmuseum 86, 148, 150, 164, 200, 210, 231.
  Geuder, Familie 146, 180.
  -- Klara 164, 238.
  Geuschmid, Familie 146, 150, 180, 182.
  Geyer, Dr., Hauptprediger 124.
  Girardus Arrigensis, Bischof 218.
  Glasmalereien 24, 55, 64, 84, 97, 113, 126, 139, 177 ff., 231, 236,
    237.
  Glasmalerschule 177, 178.
  Glocke, elektrische 96.
  Glocken und Glockenstube 66, 70, 72, 94, 97, 100, 101, 193 ff., 237,
    240, 241, 242.
  Glockengießer, Konrad 195.
  Gnotzhamer, Niklas 70.
  Gobelins 84, 105, 126, 200, 202, 203 ff.
  Godl, Stephan 120, 163, 240.
  Goll, Baumeister (G. Goll und Söhne) 86, 105, 126.
  Gori, Bischof 138.
  Göschel, Johann 86, 89, 94, 95, 110.
  Göschel & Alt 86.
  Gostenhof 174.
  Gottesdienst 49, 50, 81, 105, 124.
  Gottfried, Bischof von Passau 214.
  Guilhelmus, Bischof von Digne 215.
  -- -- -- Cagli 215.
  Guillermus, Bischof von Sagono 216.
  -- Erzbischof von Saltania 216.
  Grablegung (Darstellung) 179, 186, 204.
  Grabner, Familie 187.
  -- Heinrich 235.
  -- Sebolt 141.
  Grafe, Gottfried 235.
  Granada 184.
  Graser, Familie, 186.
  Gregorius, Bischof von Feltre und Belluno 216.
  Gregoriusmesse (Darstellung) 106, 112, 113, 144, 174.
  Greiner, Niclas 221.
  Griebel (Grübel), Flaschner 224.
  Groland, Familie 120, 146, 149, 150, 161, 170, 178, 237.
  -- Jakob 162.
  -- Leonhard 162.
  -- Peter 160.
  Groß, Familie 120, 152, 160, 170, 176.
  -- Niclas 68, 71, 195, 220, 230.
  -- Franz 236.
  Gruber, Familie 170, 182.
  Grübel (Griebel), Flaschner 224.
  Grundherr, Familie 121, 146, 152, 180, 185, 188, 197, 237, 240, 241.
  -- Michael 228, 236.
  Grundherrsches Fenster 180, 237, 240.
  Grundrisse 29, 30, 50, 54, 60, 61.
  Grünwalt, Heinrich 196.
  Gumbert, Markgraf 185.
  Gutschneider, Familie 187.


                                   H.

  Häberlein, Hans, Magistratsrat 104, 126.
  Habsburg, Haus 182, 184.
  Hagen, Dr., Stadtpfarrer 126.
  Haggenmiller, Professor 112, 174.
  Haidenreich, Georg 232.
  Halberstadt 185.
  Haller, Familie 106, 112, 113, 119, 120, 124, 132, 136, 138, 142, 143,
    150, 152, 156, 159, 160, 162, 174, 178, 185, 188, 189, 200, 203, 206,
    235, 236, 237, 238, 239.
  -- Anton 149.
  -- Elisabeth 132.
  -- Hans 68, 220.
  -- Rupprecht 68, 71, 167, 220, 230.
  -- Ulrich 132, 236.
  Halleraltar (Erhardaltar) 106, 113, 124, 132, 138, 200, 206, 235, 236,
    238, 239.
  Hallersches Fenster 113, 185, 237.
  Handschriften 211.
  Hans von Kulmbach (Hans Sueß) 113, 114, 117, 163, 171, 172, 174, 178,
    184, 210, 239 240.
  Harsch, Georg 232.
  Harsdörffer (Harsdorf) Familie, 112, 171, 185, 187, 188.
  Has, Kunz 196.
  -- Margareta 228, 237.
  Haslacher, Jakob 236.
  Hauberrisser, Georg von, Professor 7, 80, 86, 87, 88, 89, 91, 103,
    104, 105, 190, 231, 242.
  Hauptaltar 134, 162, 199, 206, 208, 237, 241, 242.
  Hauptversammlung der deutschen Architekten 90.
  Heerdegen, R., Handelsrichter 104, 126.
  Hegel, Hans 232.
  Heideloff, Karl Alexander 84, 105, 116, 121, 124, 134, 182, 191, 242.
  Heil, Schreiner 134.
  Heiland (Darstellung) 48, 99, 137, 138, 144, 148, 151, 154, 157, 159,
    160, 162, 174, 188, 217, 237, 239.
  Heilige (Darstellung) 177, 180, 237.
  Heiliggeistkirche 164.
  Heiliggrabkapelle 28.
  Heilsbronn 214.
  Heimsuchung (Darstellung) 120, 160, 203, 238.
  Heinrich, Bischof von Bamberg 13, 14, 182, 213, 226.
  -- Trient 214.
  Heinrich II., Kaiser 11, 28, 111, 119, 132, 137, 139, 154, 159, 182,
    184, 234, 235.
  Heinrich III., Kaiser 11.
  Heinrich IV., Kaiser 226.
  Heinrich von Gmünd 63, 65, 229.
  Held, Familie 178.
  Helena, hl. 112, 139, 152, 202, 203, 234, 235, 238, 240.
  Heller, Karl, Kirchenrat 104.
  Helzner, Cuntz 231.
  Herakles (Darstellung) 166.
  Herdegen, Mathes 231.
  Herodes 185.
  Hess, Nagler 224.
  Hessen 58.
  Heugel, Albert 149.
  Heydeck, Erhard von 235.
  -- Otto von 235.
  Heydenreich, Ulrich 74.
  Hieronymnus, hl. 171.
  Hilling von Elnbogen, Achatius 206, 241.
  Himmelfahrt Christi (Darstellung) 186.
  Himmelfahrt Mariae (Darstellung) 174.
  Hilpert, Justizrat 86, 126.
  Hirsauer Bauschule 33.
  Hirschvogel, Veit 178, 182, 184, 185, 240.
  Hoffart (Darstellung) 182.
  Hoffmann, Dr. 6, 14, 68.
  Hohenzollern, Haus 185.
  Holzschuher, Familie 149, 150, 154, 169, 170, 174, 178, 188, 199, 235,
    237, 238, 241, 242.
  -- Friedrich 39, 216, 227, 234.
  -- Herdegen 39, 216, 227.
  -- Karl 231.
  -- Lazarus, 68 167, 230.
  -- Leopold 216.
  Hornlein, Ditel 235.
  Hostienbüchse, 198 241.
  Hubner (Hübner), Ulrich 72, 223.
  Hupfauf, Erhard 70.
  Hussiten 239.


                                 I (J).

  Jacobus, Bischof von Castelazio 217.
  -- -- -- Castro 217.
  -- -- -- Metz 217.
  -- -- -- Nepi 217.
  -- -- -- Trivento 215.
  -- -- -- Valanea 217.
  Jacopo de Barbari 172.
  Jakobsaltar 132, 228, 235, 236, 237.
  Jakobskirche, 160.
  Jakobus d. Ä. 117, 118, 132, 157, 160, 166, 178, 184, 235.
  Jakobus d. J. 166, 178.
  Jerusalem 115, 176.
  Jesus, siehe Heiland.
  Jesus im Tempel 187.
  Imeria (Erzbischof Thomas) 216.
  Imhoff, Familie 118, 152, 159, 168, 169, 170, 171, 180, 187, 212, 231,
    238, 240, 241.
  -- Hans 170.
  -- Klara 171.
  -- Konrad 171.
  -- Peter,167.
  -- Wilibalt 170.
  Imhoffsches Fenster 180, 187, 240, 241.
  Ingolstadt 74.
  Initialen 212.
  Innozenz VI., Papst 219.
  Intardus, Bischof von Tortiboli 218.
  Inzilerius, Bischof von Budua 214, 215.
  Jodok von Mähren, Markgraf 63, 65.
  Jodokus, hl. 132.
  Johann, Markgraf 185.
  Johann Albrecht, Markgraf 185.
  Johanna die Wahnsinnige 184.
  Johannes, Evangelist 118, 132, 134, 137, 138, 141, 142, 143, 148, 149,
    158, 166, 168, 174, 177, 178, 179, 187, 212, 215, 237, 238.
  -- Agitonensis, Bischof 218.
  -- Bischof von Anagni 217.
  -- -- -- Bagnorea 218.
  -- -- -- Carmium 218.
  -- -- -- Roeskilde 216.
  -- -- -- Veglia 218.
  -- Carvensis, Bischof 218.
  -- Bregivensis, Bischof 217.
  -- Tarmopolensis, Bischof 218.
  Johannes d. Täufer 111, 118, 153, 158, 164, 170, 171, 185, 206, 217,
    234, 238.
  Johannesaltar 132, 138, 234, 235, 237, 240.
  Johannes von Gmünd 229.
  Joseph, hl. 117, 163, 186.
  Irland 218.
  Irmisch 126.
  Isabella von Portugal 184.
  Italien 126.
  Judas Thaddäus 166.
  Jungfrauen, die klugen und törichten (Darstellung) 47, 98, 99, 139,
    143, 234.
  Jungfrauenadler 139.
  Jüngstes Gericht (Darstellung) 148, 149, 151, 170, 172, 239.
  Juvenel, Nikolaus 172, 240.


                                   K.

  Kaiserchor 114, 120, 174, 241.
  Kaiserkapelle 26.
  Kamin 95.
  Kammermeister, Familie 146.
  Kammerstein, Siegfried von 39, 216.
  Kandelgießer, Hartmann 130, 237.
  Kannen 197, 198, 199, 241, 242.
  Kanzel 19, 75, 84, 105, 116, 129, 132, 138, 206, 208, 241, 242.
  Kanzelbekleidung 206, 208, 241.
  Karl IV., Kaiser 48, 63, 65.
  Karl V., Kaiser 184.
  Karl VI., Kaiser 241.
  Kärnten 184.
  Karter, Hans 71.
  Kaschendorfer Stephan, 71.
  Kasimir, Markgraf 185.
  Kassuben 185.
  Kastilien 184.
  Katharina, hl. 112, 137, 138, 139, 141, 151, 154, 171, 185, 202, 203,
    204, 206, 208, 215, 238.
  Katharinenaltar (Löffelholzaltar) 105, 113, 131, 137, 199, 206, 215,
    218, 234, 235, 236, 237, 238, 242.
  Katharinenchor 131, 236.
  Katharinenkloster 202, 225.
  Katzheimer, Wolfgang 178, 182, 239.
  Kauffmann, Familie 212.
  Kauper, Magistratsrat 86.
  Kelheim 90.
  Kemnater, Ulrich 228.
  Kern, Joachim 198, 241.
  -- Katharina 198, 241.
  Kerny in Irland (Bischof Johannes) 218.
  Ketzel, Familie 238.
  -- Heinrich 141.
  Kindermord, Bethlehemitischer (Darstellung) 185.
  Kindertüchleinbücher 211.
  Kirchenbücher 211.
  Kirchengeräte 64, 242.
  Kirchenväter 81.
  Kirchweih, siehe Einweihung.
  Klarakloster 15, 202, 235.
  Klingelbeutel 198, 241.
  Klöpfel, Schmied 224.
  Kluniazenser 33.
  Knebel, Familie 153.
  Koburg 131, 235.
  Koburger, Hermann 236.
  Köchel, Thomas 235.
  Koler, Familie 138, 182, 187.
  -- Elisabeth 132, 237.
  Kolin 63, 66.
  Köln 33, 58, 66.
  Konrad von Würzburg 143.
  Konstantin, Kaiser 203.
  Köppel, Georg 221.
  Kornhaus 156.
  Kötzler, Konrad 236.
  Kraft, Adam 111, 140, 146, 147, 148, 156, 164, 206, 239.
  Krakau 162.
  Kramer Bernhard, 132, 237.
  -- Jakob 132, 235.
  -- Otto 131, 235, 236.
  Kramerkapelle 240.
  Krankenkelch 198.
  Krauß, Nikodemus 232.
  Krauter, Albert (Albrecht) 49, 219, 220, 236.
  Kreisarchiv Nürnberg 164, 196, 211, 223, 229, 230, 233, 234 ff.
  Kreling, A. 105, 138, 242.
  Kreß, Familie 112, 113, 137, 141, 150, 153, 178, 180, 187, 188, 208,
    241.
  -- Konrad 217.
  -- Georg von, Dr., Justizrat 7, 104, 126.
  Kreuzabnahme (Darstellung) 186.
  Kreuzauffindung (Darstellung) 152, 203, 238, 240.
  Kreuzfelder, Johann 114, 172, 240, 242.
  Kreuzigung (Darstellung, siehe auch Crucifixus) 84, 116, 134, 174,
    180, 234, 239, 240, 241.
  Kreuztragung (Darstellung) 111, 114, 115, 146, 156, 171, 174, 176,
    180, 206, 239.
  Kroatien 184.
  Krönung Mariä (Darstellung) 106, 150, 169, 186, 240.
  Kugler, Heinrich 68, 70, 71, 74, 221, 230.
  Kulmbach 87.
  Kundorfer, Ulrich 235.
  Ku(n?)dorferin, Kunigunda 236.
  Kunigunda, hl. 111, 119, 132, 137, 139, 154, 159, 182, 234, 235.
  Kunigundenaltar 132, 235, 237.
  Kunstgewerbeschule 138.
  Küttelmann, Orgelmacher 224.
  Kuttenberg 63, 66.


                                   L.

  Lahr i. B. 88.
  Lamprecht, Fürstbischof von Bamberg 134.
  Lampsacus (Bischof Franciscus) 218.
  Landalmosenamt 78, 225.
  Landauer, Familie 146, 147, 148.
  -- Matthäus 147.
  Landesausstellung, Zweite bayrische 95.
  Landshut 61, 196.
  Landulphus, Bischof von Brixen 215.
  Langheim, Hans von 70.
  Langres 36, 38.
  Laon 32, 38.
  Lapidarium, siehe Bausammlung.
  Larino (Bischof Petronus) 215.
  Laufer Schlagturm 39, 48.
  Lauffenholz, Familie 141.
  Lavaur (Bischof Thomas) 217.
  Lazarus, Bischof von Butrinto (Vucindro) 218.
  Lebus (Bischof Stephanus) 216.
  Ledergasse 235.
  Leibold, A. 86, 126.
  Leipzig 138.
  Leistner, Georg 81, 87, 90, 95, 98.
  Leo, Bischof von Regensburg 214.
  Leon 184.
  Leonhard, hl. 185, 219.
  Leonhard, St. (Siechkobel) 225.
  Leopold, Bischof von Bamberg 215, 217, 218, 219, 227, 228.
  Lesser, Alexander 162.
  Leuchterengel 199.
  Leyser, Georg Sigmund 191, 241.
  Liber horarum 212, 239.
  -- missalis 212.
  Liebel, Kommerzienrat 104.
  Liebfrauenkirche 48, 59, 60, 61, 65, 86, 87, 138, 139, 196, 242.
  Lilgenweiß, Anna 71.
  -- Christoph 71, 223.
  Link, Familie 146.
  Lisenen 24, 72.
  Lochner 147.
  Löffelholz, Familie 105, 111, 112, 113, 131, 137, 169, 178, 188, 199,
    206, 238, 241, 242.
  Löffelholzaltar, siehe Katharinenaltar.
  Löffelholzchor, siehe Westchor.
  Löffelholzkapelle 78.
  Löhneisen, Adelheid 131, 235.
  Lorenz, hl. 172, 212, 217.
  Lorenzkirche, St. 15, 28, 39, 44, 47, 57, 61, 66, 68, 104, 119, 131,
    135, 139, 168, 169, 171, 177, 178, 196, 223, 241.
  Losungsstube 222, 224, 225.
  Lotholz, Stadtpfarrer 88, 104.
  Ludwig, Bischof von Bamberg 220, 228.
  Ludwig der Bayer, Kaiser 48, 228.
  Ludwig I., König von Bayern 75.
  Ludwig, Prinz von Bayern 95.
  Luitpold, Prinzregent von Bayern 80, 95.
  Luther, Martin 81, 96, 98, 185, 212, 242.


                                   M.

  Magdeburg 185.
  Magistratschor 52, 95, 96.
  Mailand 63, 65, 184.
  Main 33.
  Mainz 12, 29, 32, 33, 134, 216, 227, 241.
  Malschule 168.
  Mannus, Bischof von Amelia 218.
  Manuskripte, siehe Handschriften.
  Marcellinus, Bischof von Tortiboli 215.
  Margaretenkapelle 26.
  Maria, hl. 48, 90, 99, 112, 113, 117, 119, 120, 132, 134, 138, 141,
    142, 143, 144, 148, 149, 154, 159, 160, 161, 162, 163, 168, 171, 174,
    178, 180, 185, 187, 202, 208, 210, 212, 215, 217, 234, 237, 238, 239,
    240, 241.
  Marienaltar 49, 132, 220, 228, 234, 235, 236, 237.
  Marienleben (Darstellungen) 142, 180, 202, 203, 238.
  Maria Magdalena 198.
  -- Magdalenenkirche 15.
  -- von Burgund 184.
  Markgrafenfenster 159, 162, 178, 184, 240, 242.
  Markt 48.
  Marquardus, scultetus 214.
  Marstall, Familie 146.
  Marthaspital 225.
  Martinus, hl. 132, 176.
  Matenckhofer, Schlossermeister 221.
  Matrone (Statue) 120, 177.
  Matthias von Arras 63.
  Mauern (Mauerwerk) 20, 22, 31, 36, 42, 56, 57, 79, 89, 95, 108, 109,
    177, 226.
  Maurer, Familie 141, 238.
  -- Christoph, 187 240.
  -- Seyfried (Seitz) 218, 236.
  Mayentaler (Meyrntaler), Konrad 235, 236.
  Maxentius, Kaiser 203.
  Maximilian I., Kaiser 182, 184.
  Maximilianfenster 178, 182, 184, 240.
  Mayer, A., Konservator 105, 113, 114, 115, 122, 136, 138, 172, 174,
    176.
  Meintaler, Konrad 132.
  Meisterlin 228.
  Mela, Pomponius 167.
  Melanchthon 81 96, 98, 185.
  Mendel, Familie 156 162, 180, 237.
  --  Elisabeth 141.
  Mendelsches Fenster 180 237.
  Mendelsche Zwölfbrüderstiftung 225.
  Merian 114, 135, 241.
  Mesnerwohnung 100.
  Meßgewänder 242.
  Messingleuchter 199, 200.
  Meßkelche 197, 240.
  Metz (Bischof Jacobus) 217.
  Meyrntaler, siehe Mayentaler.
  Michael, Erzengel (Darstellung) 151.
  Michael von Freiburg 229.
  Michahelles, Friedrich, Kirchenrat 85, 86, 90, 104, 105, 112, 124, 126,
    157.
  Milchmarkt 230.
  Miniaturmalerei 211, 212.
  Modellsammlung, siehe Bausammlung.
  Montemarano (Bischof Petrus) 217.
  Moritzkapelle 140, 162, 210, 233.
  Muffel, Familie 120, 135, 144, 153, 160, 161, 176, 188, 192, 193, 200,
    206, 237.
  -- Jakob 160, 162.
  -- Nikolaus 131, 238.
  -- Otte 216.
  -- Paul 131.
  Muffelaltar (Stephansaltar) 49, 114, 115, 118, 119, 131, 135, 189, 190,
    200, 206, 208, 211, 213, 234, 236, 237, 238, 239, 240, 241.
  Müller, v., Kultusminister 88, 90, 94, 95.
  Müllner, Johannes, Ratschreiber 223.
  München 61, 80, 86, 108, 113, 117, 126, 163, 170, 176, 178, 210.
  Müntzer, Familie 170.
  Münzmeister, Familie 169.


                                   N.

  Nachgrabungen 16, 17, 20, 99, 100, 139.
  Nazareth (Bischof Nikolaus) 217.
  Neapel 184.
  Nepi (Bischof Jacobus) 217.
  Neudörfer 147, 170.
  Neudung, Familie 170.
  Neumarkt i. O. 134.
  Neumarkter, Familie 153.
  Nikolaus, Bischof von Capri 215.
  -- -- -- Orti 218.
  -- -- -- Turibia 215.
  -- Zivivascensis, Bischof 216.
  -- Bischof von Nazareth 217.
  Nikolaus, hl. 171, 217.
  Nikolaus IV., Papst 215.
  Nikolausaltar, siehe Tucheraltar.
  Nimrod (Darstellung) 166.
  Nördlingen 61, 68, 74, 230.
  Nürnberg, Architektonisches Gesamtbild 15, 57.
  -- Bauschule 28, 32, 63, 64, 74.
  -- Bildhauerschule 139, 140.
  -- Entwicklung 11, 39, 48, 49, 105.
  -- Ratsherren 162.
  -- Teppichindustrie 202.
  -- Wappen 122, 168, 192, 212.
  -- Urkunden 13, 213 ff.
  -- Zoll und Münze 226.
  Nützel, Familie 132, 178, 179, 187, 240.
  --  Gabriel 195, 220.
  --  Peter 237.


                                   O.

  Oberfranken 81.
  Oberkirchen bei Bückeburg 90.
  Ochs, Lienhart 221.
  Oertel, Familie 146, 152, 170.
  Offenstetten 90.
  Ölberg (Darstellung) 115, 138, 146, 150, 151, 152, 162, 176, 238, 247.
  Ölhafen, Familie 170, 174, 178, 187, 239.
  Opferstock 191.
  Oppido (Bischof Stephanus) 215.
  Orelli 97.
  Orgeln 76, 97, 105, 113, 116, 122, 124, 177, 191, 192, 193, 238, 240,
    241, 242.
  Orti (Bischof Nikolaus) 228.
  Ortlieb, Familie 177.
  Österreich 184.
  Ostfranken 36.
  Ott, Tünchermeister 233.
  Otto, hl. 132, 137.
  Otto von Forchheim 236.
  Overdik, Konrad Nikolaus 192, 241.


                                   P.

  Pankratius, hl. 132.
  Pankratiuskapelle 52, 231, 239.
  Papststatue 119, 159, 239.
  Paradies (Darstellung) 114.
  Paramente 64, 196, 200, 206 ff.
  Paramentenschrank 190.
  Paris 126.
  Parler (siehe auch Balier), Heinrich d. Ä. 58, 60, 63, 65, 66, 229.
  -- Heinrich d. J. 63, 64, 65, 66, 68, 70, 71, 90.
  -- Peter 63, 64, 65, 66, 229.
  Passau 214.
  Pässe 57.
  Passionsdarstellungen 139, 146, 162, 174, 180, 237, 239.
  Patina 87.
  Paulus (Apostel) 13, 114, 119, 139, 159, 166, 174, 182, 217, 237.
  Paulus, Bischof von Foligno 217.
  Paumgartner (Baumgartner), Familie 142, 153, 178, 187.
  Pegnitz (Fluß) 12, 15, 28, 39.
  Pellerhaus 178.
  Perri (Bischof Vincencius) 217.
  Peter, Schmiedemeister 221.
  Peterschor, siehe Westchor.
  Peterskapelle 12, 14, 29, 131, 226.
  Petronus, Bischof von Larino 215.
  Petrus (Apostel) 11, 12, 13, 14, 23, 29, 30, 114, 118, 119, 135, 139,
    151, 159, 160, 166, 172, 174, 178, 182, 208, 217, 219, 227, 237.
  Petrusaltar 114, 115, 120, 124, 129, 131, 135, 136, 162, 168, 176,
    190, 200, 208, 216, 234, 235-240.
  Petrus, Bischof von Cagli 217.
  -- -- -- Cagliari 217.
  -- -- -- Basel 216.
  -- -- -- Montemarano 217.
  -- -- -- Tarazona 215.
  -- Erzbischof von Arborea 215.
  -- -- -- Mainz 216.
  Petzensteiner, Heinrich 212.
  Pfeil, Johann 212.
  Pfinzing, Familie 132, 141, 146, 150, 170, 180, 182, 185, 188, 203,
    239.
  -- Berthold 131, 141, 235, 237, 238.
  -- Elisabeth 141.
  -- Melchior 161, 240.
  -- Otto 141.
  -- Sebald 141.
  -- Siegfried 185.
  Pfinzingchor 116, 174.
  Pfinzingempore 180.
  Pfingzingsche Fenster 178, 185, 240.
  Pfleiderer 112, 115, 176.
  Pfründen 130, 131, 132, 134.
  Pfützinger, Dietrich 235.
  Philipp, hl. 152, 166.
  Philipp, Bischof von Bamberg 182.
  Philipp der Schöne 184.
  Philippus Lavadensis, Bischof 218.
  Pildschnitzer, Ulrich 70.
  Pileus, Kardinal 49, 50, 220, 228.
  Pilgerstätte (Darstellung) 115.
  Pinakothek in München 117, 163, 170.
  Pinz, Hans 70.
  Pinzberger, P. 235.
  Pirkheimer, Familie 170, 187.
  Plandispositionen 29, 30, 31, 32, 38, 104.
  Planck, Wilbolt 221.
  Plauen, v., Familie 141.
  Pola (Bischof Sergius) 217.
  Polen 185.
  Pömer, Familie 111, 132, 150, 152, 154, 169, 188, 232, 234, 237, 242.
  -- Agnes 163.
  -- Elspet 152.
  -- Friedrich 152, 187.
  -- Heinrich 132, 151, 187, 235.
  -- Jorg 152.
  -- Konrad 187.
  -- Steffan 152.
  Pömerkapelle 52, 75.
  Pommern 185.
  Poppenreuth 12, 14.
  Porkirche 75.
  Prag 63, 64, 65, 66, 229.
  Prämonstratenser 33.
  Praun, Konrad 236.
  Prechtel, Leonhard 130, 240.
  Preißler, Daniel 122, 191.
  Pretheim, Konrad 235, 236.
  Propheten 81, 90, 144, 148, 166, 182, 188.
  Psalterium Davidis 212.
  -- Romanorum 212.
  Pulman, Hans 221.


                                   Q.

  Quetrerin 235.


                                   R.

  Ragusa (Erzbischof Bonaventura) 215.
  Raphael, Bischof von Arkadi 218.
  Rathaus 219, 228, 231, 235.
  Ravello (Bischof Franciscus) 217.
  Raymundus, Bischof von Catania 217.
  -- Bischof von Rieti 217.
  Rednitz 33.
  Regensburg 11, 26, 28, 29, 32, 214, 227.
  Reichsarchiv München 213, 227, 228, 234.
  Reichskleinodien 164.
  Reinbotus, Bischof von Eichstätt 214.
  Reliquien 14, 29, 30, 129, 134, 136, 163, 164.
  Reliquienschrein (Sebaldusgrab) 164, 166.
  Rettung aus dem Fegefeuer (Darstellung) 141.
  Reutlingen 66, 229.
  Ricardus, Bischof von Asthyra 218.
  Rieppel, Direktor 89.
  Rieter, Familie 153, 171, 237.
  Rieti (Bischof von Raymundus) 217.
  Riga 185.
  Robertus, Bischof von Connor 216.
  Rochus, hl. 212.
  Rochuskapelle 170.
  Rödl, Heinrich 232.
  Roeskilde (Bischof Johannes) 216.
  Rohleder, Familie 187.
  Rohrmann, Therese und Georg Peter 199, 242.
  Rom 12, 215, 217, 218, 229, 231.
  Romanus, Bischof von Croja 215.
  Rösch, Antiquitätenhändler 200.
  Rosner, Andreas und Hans 167.
  Rotensteiner, Merkel 235.
  Rotermundt, Lorenz 134, 138, 242.
  Rothenburg o. T. 191, 241.
  Rothenhahn, Familie 146, 147.
  Rothflasch, Familie 171.
  Rubens 170, 241.
  Ruedorfer, Franz 108.
  Ruf, Nagler 224.
  Rügen 185.
  Rummel, Familie 150, 152, 169, 203, 238.
  Rupprecht, David 232.
  -- Ingenieur 86, 104.
  Ruprecht 106.


                                   S.

  Sachs, Familie 137, 146.
  Sagona (Bischof Guillermus) 216.
  Sakramentshäuschen 118, 119, 120, 140, 148, 159, 160, 162, 239, 240.
  Saltania (Erzbischof Guillermus) 216.
  Salvator (Darstellung) 118.
  Samson (Darstellung) 166.
  -- bezwingt den Löwen (Darstellung) 202.
  -- wird von Delila überlistet (Darstellung) 202.
  Sanduhr 199, 242.
  Sängerbühne 94, 95, 124, 192.
  Sängerpulte 189.
  Saur, Johann 212.
  Schatz, Konrad 131, 132, 236.
  Schautüre 52, 76, 92, 162, 172, 228, 231, 239.
  Schedel, Familie 149, 239.
  -- Anne, Hermann, Hartmann und Magdalena 149.
  Scheffer, Cunz 231.
  Scheurl, Familie 113, 178, 182, 188.
  Schiller, Julius, Stadtpfarrer 104, 124.
  Schlagglocke, siehe Stundenglocke.
  Schlagturm 78.
  Schlüsselfelder, Familie 147, 152, 178.
  Schmidgasse 235.
  Schmittmaier 152.
  Schmitz, Joseph, Professor 80, 104, 105, 124, 126, 208, 226, 242.
  Schnöd, Familie 144.
  Schon, Friedrich, Professor 169.
  Schöner Brunnen 65, 139, 229.
  Schongauer, Martin 171.
  Schopper, Albrecht 130, 235.
  -- Friedrich 236.
  -- Gotfried 152.
  Schränke 210.
  Schreier, Familie 146, 147, 148, 153, 156, 180, 188, 230, 239.
  -- Sebald 68, 71, 72, 121, 147, 148, 167, 195, 211, 220.
  Schreiersches Grabmal 94, 146, 156, 239.
  Schrodt 197.
  Schwabach 74.
  Schwaben 11, 58, 61, 66, 74.
  Schwäbisch-Gmünd 58, 66.
  Schwammbach, Almosenamtszimmermeister 223, 224.
  Schwanhäuser, Kommerzienrat 104, 126.
  Schwarzpeckh, Friedrich 232.
  Schweigger, Georg 134, 135, 138, 241.
  Schwab, Michel 232.
  Schule bei St. Sebald 235.
  Schuler, Melchior 232.
  Schultüre 76, 162, 241.
  Schürer, Zacharias 212.
  Schürstab, Familie 120, 160, 186, 187, 203, 236, 237, 238, 239.
  -- Sifrid 218.
  Schürstabfenster 186, 237, 239.
  Sebald, hl. 11, 13, 14, 29, 30, 48, 90, 99, 119, 120, 121, 122, 129,
    134, 144, 148, 154, 156, 157, 160, 163, 164, 166, 167, 178, 185,
    188, 192, 198, 202, 208, 212, 219, 237, 238.
  Sebald, St., Pfarrei, Kirchenverwaltung 39, 48, 49, 80, 81, 85, 86,
    87, 88, 103, 104, 124, 126, 140, 156, 163, 186, 211, 219, 220, 228,
    236, 242.
  Sebaldsfriedhof, St., siehe Friedhof von St. Sebald.
  Sebaldusaltar 129, 130, 164, 228, 235, 236, 237, 238, 240.
  Sebaldusgrab 99, 122, 134, 163 ff., 238, 239, 240, 241.
  Sebastian, hl. 129, 185, 212.
  Seckendorf, Familie 138.
  Semler, Familie 142, 237, 238.
  -- Burckhart 142.
  -- Heinrich 228, 236.
  Sepulkren 124, 129.
  Sergius, Bischof von Pola 217.
  Seyfart, Wolf 232.
  Siechköbel 225.
  Sigmund 229, 231.
  Simon, hl. 152, 166.
  Simson, siehe Samson.
  Sippe, hl. 138.
  Sirmium (Bischof Albertinus) 218.
  Sizebolu (Bischof Bertoldus) 218.
  Sizilien 184.
  Soliwri (Bischof Augustinus) 218.
  Sonnenuhren 232.
  Sophie von Polen 185.
  Spanien 182, 217.
  Speidel, Ulrich 71.
  Speyer 33.
  Sprachrohr 96.
  Sprüngli, Jakob 187, 240.
  Stadtalmosenamt 223, 224, 225, 232.
  Stadtarchiv 50, 104, 130, 195, 211, 220, 225, 228, 230, 231, 233, 234.
  Stadtgraben 39, 48, 96, 102, 156.
  Starckius, Johannes und Georgius 141.
  Stark, Familie 118, 147, 159.
  -- Hans 168, 170, 176, 238, 239, 240, 241.
  -- Ulrich 169, 170, 176.
  Stauber, Hans 193.
  Steger, Zimmermeister 88.
  Stegmann 7.
  Steier 184.
  Steigerwald 33.
  Stein, Hermann von 234.
  Steinbach 237.
  Steinlinger, Familie 239.
  -- Barbara 115, 176.
  -- Karl 176.
  Steinmetzzeichen 31, 34, 63, 66, 90, 149, 190.
  Stephansaltar, siehe Muffelaltar.
  Stephanus, Bischof von Lebus 216.
  -- -- -- Oppido 215.
  Stern, Heinrich und Johann 212.
  Stettin 185.
  Stettner, Bauinspektor 223.
  Stich 211.
  Stockamer, Familie 178.
  Stoß, Veit 84, 105, 116, 118, 119, 120, 134, 150, 157, 158, 159, 162,
    210, 239, 240, 241.
  Straßburg 44, 47, 143.
  Strebel 113, 124.
  Stromer, Familie 137, 143, 154, 174, 182, 186, 187, 188, 203, 204,
    234, 237.
  -- Ambrosius 131, 240.
  -- Jakob 232.
  -- Ulmann 229.
  -- Wolf 232.
  Stromersches Fenster 182, 237.
  Stundenglocke (Schlag- oder Uhrglocke) 195, 229, 237, 239.
  Sturmglocke 195.
  Sueß, Hans, siehe Hans von Kulmbach.
  Sündenfall (Darstellung) 200.
  Süzzel, Konrad 236.


                                   T.

  Tarazona (Bischof Petrus) 215.
  Tauber, Magistratsrat 104.
  Taufbecken 199, 241.
  Taufbücher 211.
  Taufe Christi (Darstellung) 170.
  Taufkessel 156, 157, 237.
  Taufstein, 156, 157.
  Termoli (Bischof Johannes) 218.
  Tesaurus (Schatz), Konrad 132, 235.
  Teufel, Berthold 220.
  -- Hans 132, 236, 238.
  -- Konrad 220.
  Tetzel, Familie 120, 142, 160, 169.
  -- Joachim 76.
  Thäter, Fabrikbesitzer 104, 126.
  Theobald, hl. 134.
  Theobaldus, Bischof von Canosa 215.
  Theseus 166.
  Thomas (Apostel) 137, 150, 166.
  -- Bischof von Imeria 216.
  Thomas-Christusstatue 96, 111, 112, 119, 120, 237, 239.
  Thomas Laueriensis, Bischof 217.
  Thracien 217, 218.
  Tirol 184.
  Tod Mariä (Darstellung) 106, 112, 174, 186.
  Topler, Familie 136, 144.
  -- Nikolaus 239.
  Tortiboli (Bischof Marcellinus) 215.
  -- (Bischof Intardus) 218.
  Toscanella (Bischof Angelus) 217.
  Totenbücher 211.
  Totenschilder 105, 112, 114, 188.
  Traxdorf, Heinrich 122, 191, 238, 240, 241.
  Trient 214.
  Trivento (Bischof Jacobus) 215.
  Tucher, Familie 113, 118, 134, 135, 153, 157, 158, 169, 171, 172, 178,
    180, 182, 188, 189, 197, 202, 203, 204, 206, 210, 229, 230, 231, 237,
    238, 239, 240.
  -- Anton 167, 239.
  -- Berthold 235, 239.
  -- Christoph, Freiherr v. 200.
  -- Endres 228.
  -- Hans 68, 71, 121, 168, 195, 230, 239.
  -- Heinrich, Freiherr v. 206.
  -- Langhans 239.
  -- Lorenz 171, 172.
  -- Martin 171, 240.
  Tucheraltar (Nikolausaltar) 113, 114, 115, 122, 124, 130, 134, 135,
    162, 176, 191, 200, 206, 237, 241.
  Tucherfenster 118, 180, 237, 240.
  Tuchersches Familienfenster 157, 158.
  Tugendbrunnen 240.
  Turibia (Bischof Nicolaus) 215.
  Türklopfer 152, 153.
  Türmerstube siehe Wächterstube.
  Tuttenstetten, Heinrich v. 131, 234, 236.


                                   U.

  Uhrglocke, siehe Stundenglocke.
  Ulrich, Flaschnermeister 222, 223.
  Ulm 61, 70.
  Unger, Jorg 231.
  Unterholzer, Familie 178.
  Urban VI., Papst 220.
  Urbino (Bischof Egidius) 215.
  Urkunden 213 ff.
  Ursula, hl. 185.
  Usmer 119, 159.


                                   V.

  Vach 147.
  Valanea (Bischof Jacobus) 217.
  Valencia 185.
  Valzner, Familie 138.
  Veglia (Bischof Johannes) 218.
  Veit, Bischof von Bamberg 182.
  Venutus, Bischof von Catanzaro 216.
  Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche 104, 126.
  -- für Geschichte der Stadt Nürnberg 5, 7, 16, 89, 90, 99, 100, 143,
    196, 223, 226, 231, 233.
  Vergänglichkeit (Darstellung) 170.
  Verkündigung (Darstellung) 102, 118, 120, 138, 143, 144, 158, 160,
    168, 169, 170, 186, 203, 211, 238, 239.
  Verlorene Sohn (Darstellung) 202, 203, 204, 238.
  Veronikatuch (Darstellung) 106, 114, 174.
  Vertreibung aus dem Paradies (Darstellung) 202.
  Vesperbilder 120.
  Vesperlein 241.
  Vestenberg, Heinrich von 194.
  Vetter, Familie 174.
  Viertelstundenglocke 196, 230, 232, 239.
  Vincencius, Bischof von Perri 217.
  Vischer, Hermann 168.
  -- Peter d. Ä. 163, 164, 166, 167, 168, 239, 240.
  -- Peter d. J. 168.
  Viterbo (Bischof Angelus) 217.
  Volckamer, Familie 120, 156, 159, 160, 162, 169, 171, 177, 178, 186,
    187, 188, 199, 223, 238, 241.
  -- Hans 68, 71.
  -- Klara 171.
  -- Paul 132, 162, 167, 212, 241.
  Volckamersches Fenster 177, 178, 186, 187.
  Vollhardt, Justizrat 104, 126.
  Vorchheimer, Fr. 235.
  Vorchtel, Familie 144, 228, 238.
  -- Heinrich 130, 236.
  Vucindro (Bischuf Lazarus) 218.


                                   W.

  Wächterstube (Türmerstube) 66, 70, 72, 74, 76, 210, 229.
  Walchtor 96.
  Waldämter 223, 224.
  Waldebrunus, Bischof von Avellino 215.
  Waldmannin, Sabina 206.
  Wallfahrtsort (Darstellung) 176.
  Walther von der Vogelweide 143.
  Wandbrunnen 83.
  Wanderer, Friedrich, Professor 113, 178.
  Wandmalereien 24, 83, 84, 105, 106, 108, 112, 114, 115, 124, 168, 169,
    174 ff., 192, 210, 238, 239, 241.
  Wandschränkchen 189, 190, 191.
  Wandtabernakel 140, 160, 162, 237, 240.
  Wandteppiche 84, 196, 200 ff., 202, 203 ff., 238, 239.
  Weber, Otto 110.
  Weigel, Seitz 236.
  Weinmarkt 238.
  Weißenburger, Johann 193.
  Weiße Turm 39, 48.
  Weizenbierbrauhaus 78, 233.
  Welser, Familie 187.
  -- Paul Karl 223.
  Wendelstein 83, 87, 88, 94, 99, 111, 113.
  Wenden 185.
  Wenzel, König 156.
  Westfalen 57.
  Wetzrillen 146.
  Weylerius, Ulricus 219.
  Wickel, Nikolaus 134.
  Wien 167.
  Wigel, Heinrich 216.
  Wilhelm II., Deutscher Kaiser 80.
  Wilhelm, Markgraf 185.
  Wimpfen, Joh. Friedr. v. 171.
  Winkler, Benedikt 138.
  Wirsching, Georg 134, 241.
  Wittenberg 212.
  Wöhrd 174.
  Wolf, Konrad und Mechtild 236.
  Wolgemut (Michel) 135, 147, 171.
  Worms 12, 29, 143, 227.
  Wulfing, Bischof von Bamberg 216.
  Wunderer, Pfarrer 126.
  Württemberg 229.
  Würzburg 26, 33, 185.
  Wuzelbauer, Johann 240.
  Wyssen, Johannes 194.


                                   Z.

  Zacharias, hl. 117, 163.
  Zadow, F. 126, 157.
  Zehenter, Hans 232.
  Zeigerlein 241.
  Zenner, Chunradus 219.
  Zettler, Hofglasmaler 113, 126, 178.
  Zeughaus 156.
  Zimmermann 200.
  Zisterzienserorden 33, 34, 36, 38, 227.
  Zollner, Familie 149, 152, 169.
  Züngel, Familie 137.
  Zwölfbotenaltar 132, 228, 235, 236, 238, 240.

                    *       *       *       *       *



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