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Title: Lexikon baltischer Künstler
Author: Various
Language: German
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*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Lexikon baltischer Künstler" ***

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  ##################################################################
                     Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand des 1908 erschienenen ‚Lexikons
balischer Künstler‘ so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben.
Einzelne Satzzeichen wurden sinngemäß korrigiert bzw. ergänzt,
insbesondere gilt dies für Punkte nach Ordinalzahlen. Literaturzitate
sind nicht konsistent formatiert; abgesehen von Datumsangaben wurde in
dieser Ausgabe kein Versuch einer Harmonisierung unternommen. Es wurden
lediglich die zum Verständnis notwendigen Ergänzungen und Korrekturen
eingebracht.

Einzelne Wörter und Eigennamen existieren in abweichenden Schreibweisen
nebeneinander (z.B. ‚Epithaph‘/‚Epitaph‘; ‚de Kügelchen‘/‚de
Kugelchen‘/‚de Kügelgen‘); dies wurde nicht verändert. Ungewöhnliche
Schreibweisen (z.B. ‚Finland‘ für ‚Finnland‘ oder ‚belegenen‘ für
‚gelegenen‘) wurden beibehalten, wenn sie im Text mehrmals auftreten.
Umlaute in Großbuchstaben wurden teilweise umschrieben (Ae, Oe, Ue)
oder ausgeschrieben (Ä, Ö, Ü); auch hier wurde keine Vereinheitlichung
durchgeführt.

Die im Abschnitt ‚Nachträge und Berichtigungen‘ aufgeführten Änderungen
wurden bereits in den Text mit aufgenommen; darüberhinaus wurden die
folgenden Korrekturen durchgeführt:

    S. ii (Vorwort): ‚anderer russischen‘ → ‚anderer russischer‘
    S. 7: ‚Mormor‘ → ‚Marmor‘
    S. 12: ‚Gesandschaftshotel‘ → ‚Gesandtschaftshotel‘
    S. 22: ‚Schwangheimer Wald‘ → ‚Schwanheimer Wald‘
    S. 23: ‚piuxit‘ → ‚pinxit‘
    S. 38: ‚gegesunden‘ → ‚gesunden‘; ‚Tischer bei Reval‘ →
      ‚Fischer bei Reval‘
    S. 40: ‚Maria und Johannis‘ → ‚Maria und Johannes‘
    S. 44: ‚Eweiterungsbau‘ → ‚Erweiterungsbau‘
    S. 45: ‚S.‘ eingefügt.; ‚das‘ am Satzende wurde entfernt (ebenso
      beim folgenden Satz; ‚Zeichnen- und Malkurse‘ → ‚Zeichen- und
      Malkurse‘
    S. 47: ‚künstleriche‘ → ‚künstlerische‘
    S. 49: ‚Leipig‘ → ‚Leipzig‘
    S. 53: ‚Schrifsteller‘ → ‚Schriftsteller‘
    S. 54: ‚Sizilische Reise‘ → ‚Sizilianische Reise‘
    S. 57: ‚wiederspiegelt‘ → ‚widerspiegelt‘
    S. 59: ‚Jubiläumsaustellung‘ → ‚Jubiläumsausstellung‘; ‚Dorsat‘
      → ‚Dorpat‘
    S. 60: ‚Neumaun‘ → ‚Neumann‘
    S. 63: ‚Privotdozent‘ → ‚Privatdozent‘
    S. 70: ‚BaronCampenhausen‘ → ‚Baron Campenhausen‘
    S. 72: ‚Osterreich‘ → ‚Oesterreich‘; ‚Autobiograpie‘ →
      ‚Autobiographie‘
    S. 74: ‚Jkonostasis‘ → ‚Ikonostasis‘
    S. 79: ‚imeritiert‘ → ‚emeritiert‘
    S. 88: ‚ bischhöfl.‘ → ‚ bischöfl.‘
    S. 90: ‚Beschreibnng‘ → ‚Beschreibung‘
    S. 91: ‚Bürgermeistes‘ → ‚Bürgermeisters‘
    S. 93: ‚graviés a l’aquatinta‚ → ‚graviés à l’aquatinta‘
    S. 97: ‚Zu den Hauptwerken L’‘ → ‚Zu den Hauptwerken L’s‘
    S. 101: ‚Villa Sirgle‘ → ‚Villa Siegle‘; ‚Schloss Kokenhusen
      Welches‘ → ‚Schloss Kokenhusen, welches‘
    S. 113: ‚Neumark in der Oberpfalz‘ → ‚Neumarkt in der Oberpfalz‘;
      ‚mit einer jährlichen Gehalt‘ → ‚mit einem jährlichen Gehalt‘
    S. 114: ‚1864 ihm das Amt‘ → ‚1864 wurde ihm das Amt‘
    S. 116: ‚in Rigaschen Privatbes.‘ → ‚in Rigaschem Privatbes.‘
    S. 119: ‚Baltische Monatschsr.‘ → ‚Baltische Monatsschr.‘;
      ‚dreier estländischen Maler‘ → ‚dreier estländischer Maler‘
    S. 132: ‚Manheim‘: unklar, ob es sich um die Stadt Mannheim
      (Baden-Württemberg) oder tatsächlich um Manheim (heute Stadtteil
      von Kerpen, Nordrhein-Westfalen) handelt. Daher wurde diese Stelle
      so belassen.
    S. 133: ‚Kavaleristen‘ → ‚Kavalleristen‘
    S. 134: ‚Geg.‘ → ‚Geb.‘
    S. 138: ‚Jrisdruck‘ → ‚Irisdruck‘
    S. 139: ‚Jahrhrh.‘ → ‚Jahrh.‘
    S. 143: ‚Stadbl.‘ → ‚Stadtbl.‘
    S. 151: ‚ses collaborateur‘ → ‚ses collaborateurs‘; ‚besitzt vom
      ihm‘ → ‚besitzt von ihm‘
    S. 161: ‚19. Jahr.‘ → ‚19. Jahrh.‘
    S. 168: ‚Bilhauer‘ → ‚Bildhauer‘
    S. 169: ‚Nº 39‘: könnte heißen: ‚S. 39‘, wurde aber so belassen.
    S. 171: ‚besuchte er Akademie‘ → ‚besuchte er die Akademie‘; ‚des
      Prof. die E. v. Gebhardt‘ → ‚des Prof. E. v. Gebhardt‘

Die folgenden von der Normalschrift abweichenden Schriftschnitte werden
durch Sonderzeichen hervorgehoben:

  kursiv:     _Unterstriche_
  Fettdruck:  =Gleichheitszeichen=
  gesperrt:   ~Tilden~

  ##################################################################



                      LEXIKON BALTISCHER KÜNSTLER

                             HERAUSGEGEBEN

                                  VON

                          DR. WILHELM NEUMANN

                                 RIGA

                     VERLAG VON JONCK & POLIEWSKY

                                 1908



         BUCHDRUCKEREI DES RIGAER TAGEBLATTS · PAUL KERKOVIUS



                      LEXIKON BALTISCHER KÜNSTLER



VORWORT


Die Grundlage zu dem vorliegenden Lexikon gaben die Vorarbeiten des
im Jahre 1898 verstorbenen Malers Julius Döring, die, nach seinem
Tode in den Besitz der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und
Kunst übergegangen, von dieser dem Herausgeber zur Verfügung gestellt
wurden. Dörings mühevolle Arbeit hatte vornehmlich darin bestanden,
die Tageszeitungen und Zeitschriften des Landes, von den ältesten bis
auf die neusten, durchzusehen und gelegentlich in ihnen auftauchende
Nachrichten über baltische Künstler zu exzerpieren und zu sammeln. Als
langjährigem Sekretär der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und
Kunst stand ihm auch handschriftliches Material zu Gebote, das von ihm
ebenso mit vielem Fleiss für diesen Zweck durchgesehen worden ist. Der
Tod verhinderte ihn an der weiteren Vervollständigung und endgültigen
Bearbeitung seines Materials. Mochte dieses immerhin noch viele Lücken
aufweisen, vielfach auch mit Nebensächlichem überladen sein, Döring
hatte mit ihm doch ein Fundament geschaffen, auf dem sich weiter bauen
liess. Zur Vervollständigung des von ihm Übernommenen war zunächst die
vorhandene Fachliteratur, namentlich die russische, heranzuziehen, die
Döring entweder nicht gekannt hat, oder ihm nicht zugänglich gewesen
ist; in erster Linie die „Sammlung von Materialien zu einer Geschichte
der Kaiserlichen Akademie der Künste zu St. Petersburg in den ersten
hundert Jahren ihres Bestehens“ (Сборникъ матеріаловъ для Императорской
Академіи Художествъ за сто лѣтъ ея существованія. СПБ. 1866), die nach
aktenmässigem Material von P. N. Perow in vier Bänden zusammengestellt
bis zum Jahre 1866 reicht und 1887 von A. E. Jundolow mit einem
Registerbande versehen wurde. Ferner die umfangreichen Publikationen
von D. A. Rowinsky über russische Porträts und seine Verzeichnisse
russischer Stecher (Подробный словарь русскихъ граверовъ. СПБ. 1895)
und schliesslich das Werk von F. I. Bulgakow „Unsere Künstler auf
den akademischen Ausstellungen der letzten 25 Jahre“ (Наши художники
на академнческихъ выставкахъ порлѣдняго 25-ти лѣтія. СПБ. 1890),
das sich allerdings in seinen biographischen Angaben meistens auf
das angeführte Werk der Akademie stützt. Ferner die Arbeiten anderer
russischer Kunstschriftsteller, wie namentlich des verdienstvollen N.
P. Sobko. Manche wertvolle Vervollständigung und Berichtigung ergab
die von mir im Herbst 1901 unternommene Durchsicht der Matrikel der
Dresdner Akademie, die für die baltische Künstlerschaft der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts fast ausschliesslich den Ausgangspunkt
ihrer Studien bildete. Von deutschen Werken konnten ausser den älteren
Lexikonausgaben das fleissige Werk Friedrichs v. Bötticher „Malerwerke
des 19. Jahrhunderts“ oft mit Erfolg benutzt werden.

Das vorliegende Lexikon beschränkt sich nicht allein auf die in
den baltischen Provinzen geborenen Künstler, es sind auch solche
Künstler in ihm aufgenommen, die aus dem Auslande einwandernd, hier
längere oder kürzere Zeit tätig waren, also nicht baltische Künstler
im engsten Sinne des Wortes sind. Es konnte das aber mit um so mehr
Berechtigung geschehen, als die Kunst in den Ostseeprovinzen bis
zum Ende des 18. Jahrhunderts mit geringen Ausnahmen von deutschen
zuwandernden Künstlern geübt wurde, von denen zwar manche in ihre
Heimat zurückkehrten, viele aber auch im Lande blieben. Auch einzelne
Kunstdilettanten haben Aufnahme gefunden, jedoch nur solche, deren
Arbeiten, wenn sie auch nicht immer auf der Höhe der Vollendung
stehen, doch eine gewisse Bedeutung innerhalb der Kunstgeschichte des
Landes nicht abgesprochen werden kann. Auf die Aufnahme baltischer
Goldschmiede in das Lexikon ist verzichtet, weil diese bereits
vom Verfasser eine eigne Bearbeitung in den Sitzungsberichten der
Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen
Russlands (Jahrgang 1904, auch in Sonderdruck erschienen) gefunden
haben. Leider ist von einigen z. Z. lebenden Künstlern dem mehrfach an
sie ergangenen Ansuchen um Mitteilung biographischen Materials keine
Folge gegeben, wodurch einige beklagenswerte Lücken entstanden sind.

Auf die Wiedergabe vollständiger Oeuvreverzeichnisse ist im
allgemeinen verzichtet. Nur in einzelnen Fällen, namentlich wo
es sich um graphische Arbeiten älterer Künstler handelt, ist
möglichste Vollständigkeit angestrebt worden. Im übrigen ist auf die
vorzüglichsten und zugänglichsten Werke der betreffenden Künstler
hingewiesen.

Ein Hauptgewicht ist auf eine möglichst genaue Angabe der sehr
zerstreuten Literatur gelegt worden, so weit eine solche zu erreichen
war. Wo bereits grössere Monographien über einzelne Künstler vorhanden
sind, ist dagegen nur auf diese verwiesen.

Der mannigfachsten Beihülfe habe ich mich auch bei dieser Arbeit zu
erfreuen gehabt. Ausser den wertvollen Mitteilungen, die ich meinem
verstorbenen Freunde Dr. Anton Buchholtz und Herrn Schulinspektor a.
D. L. Arbusow verdanke, ist mir namentlich von Herrn Stadtbibliothekar
cand. hist. N. Busch in Riga und Herrn Archivassistenten G. v. Törne in
Reval viele freundliche Unterstützung zuteil geworden, für die ich auch
an dieser Stelle ihnen nochmals meinen Dank aussprechen möchte.

Der Druck des Lexikons wurde ermöglicht durch die Munifizenz der
Kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst, der Gesellschaft
für Geschichte und Altertumskunde der Ostseeprovinzen Russlands, der
estländischen literärischen Gesellschaft und der gelehrten estnischen
Gesellschaft zu Dorpat, wofür der Herausgeber diesen Gesellschaften
seinen ehrerbietigen Dank darbringt.

N.

~Riga~, im Oktober 1908.



A


=Ackermann=, .... Bildhauer. Von 1684 bis 1696 in Reval nachweisbar.
Beim Dombrande 1684 verlor er seine gesamte Habe. 1689 lieferte er die
Kanzel für die Kirche zu Merjama. 1690 verkaufte er eine für die Kirche
zu Karusen bestimmte Kanzel nach Wesenberg. 1695/96 lieferte er den
Altar für die Domkirche zu Reval, 1696 die Kanzel für die Kirche zu
Karusen.

    Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval.
    II. S. 42. -- Akten des estländ. Gouv.-Arch. 165a, 161b, 168, 349.

=Adamson=, ~Amandus Heinrich~. Bildhauer. Geb. 31. Oktober 1855 zu
Hunkas bei Baltischport als Sohn eines Schiffskapitäns schwedischer
Abstammung, fand 1872, nachdem er in Reval die Kreisschule besucht
und hier bereits durch kleine in Holz geschnitzte Figuren die
Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte, durch die Vermittlung des Grafen
Lütke Aufnahme in die Petersburger Kunstakademie, die er als Schüler
des Professors von Bock bis 1879 besuchte. Mehrere Aufträge, die ihm
nach seinem Abgange von der Akademie zuflossen und das Honorar für
ein wohlgelungenes Porträt des Kaisers Alexander III. ermöglichten
ihm einen längeren Studienaufenthalt in Paris, von dem er 1891 nach
Petersburg zurückkehrte. Zu seinen hervorragendsten Arbeiten gehören:
der Tod des Hyazinth, die Leukothea, die Wellen, Meeresrauschen, das
Erwachen der Erde im Frühling, der befreite Genius und der Sieg der
Wahrheit, von denen er die beiden letztgenannten im Auftrage des
Finanzministeriums für die Ausstellung in Nishni-Nowgorod 1895 schuf.
Von seinen Porträtreliefs werden gerühmt die des Malers Köler-Viliandi,
des Generaladjutanten v. Richter und des Papstes Leo XIII. Einzelne
seiner kleineren Arbeiten sind von der Kaiserl. Porzellan-Manufaktur
in Petersburg in Bisquitmasse ausgeführt, wie der letzte Seufzer eines
untergehenden Schiffes, der Wellenkuss, Damon. In Reval von ihm das
Russalka-Denkmal. Von ihm auch eine Anzahl Holzschnitzereien.

    W. Neumann. Baltische Maler u. Bildhauer des 19. Jahrh., S. 93-95.

=Aken=, ~Johann~. Historienmaler. Er führte im Jahre 1667 die acht
Lünettenbilder (biblische Darstellungen) im Ratssaale zu Reval
aus, zum Teil unter Benutzung Rembrandtscher Radierungen und von
Stichen nach Rubensschen Werken. Ueber den Maler ist nichts Näheres
bekannt, obgleich die Familie Aken, oder v. Aken, seit 1552 in Reval
nachgewiesen werden kann.

    Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler Revals II. S. 189
    ff.

=Andre=, ~Dietrich Ernst~ (er selbst bezeichnete sich auch lat. Theod.
Ernst Andreae Curonus). Porträt- und Historienmaler. Geb. um 1680 in
Mitau als Sohn eines wohlhabenden Pächters, ging, nachdem er eine
gute Vorbildung erhalten hatte, zu wissenschaftlichem Studium nach
Königsberg, wurde hier aber Schüler des Malers und Kunsthändlers Justus
van Bentum († 1727). Mit diesem kam er nach Braunschweig und hier durch
die Vermittlung eines Kunstliebhabers, namens Richter, in die Dienste
des Herzogs August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel. Nach den
Daten auf seinen im Museum zu Braunschweig erhaltenen Zeichnungen ist
er dort in den Jahren 1717-1719 tätig gewesen. Der Herzog gewährte
ihm die Mittel zu weiterer Ausbildung in Italien. Andre ging zunächst
nach Holland, dann nach England, wo er sich verheiratete, und zog 1724
nach Paris, wo er in dürftigen Verhältnissen nach 1730 gestorben sein
soll. Die Galerie zu Braunschweig besitzt sein Selbstbildnis, eine
Anbetung der Weisen und eine grosse Anzahl seiner Handzeichnungen. In
der Galerie des Schlosses Salzdahlum befanden sich: eine Anbetung der
Hirten, eine sterbende Kleopatra und das Bildnis des Galerieinspektors
Busch. Im „grauen Hof“ zu Braunschweig malte er vier Plafonds und für
die Andreaskirche daselbst eine Kreuzigung Christi. Ein Bild, „das neue
Jerusalem“, von ihm für den ihm befreundeten Pfarrer der Andreaskirche,
Michaelis, gemalt, kam später nach Berlin. Im Mus. zu Mitau von ihm
eine allegorische Darstellung (opfernde Muse).

    C. H. v. Heineken, Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen.
    Leipzig 1769. II. S. 15. -- Allgem. deutsche Biographie III. S.
    641. -- Lessings Werke, herausg. von Boxberger in Kürschners
    Nat. Lit. Bd. 14. S. 51. Sitzungsberichte d. Kurl. Ges. f. Lit.
    u. Kunst. 1830, 3. Sept. -- E. Flechsig im Allg. Lex. d. bild.
    Künstler von Thieme und Becker. I. S. 444. Kunstbeilage des Rigaer
    Tageblatts, 1908 Nº 3, mit Portr.

=Aschenkampf=, ~Alfred Emil~. Architekt in Riga. Geb. 18. März 1858
in Libau; Absolvent des Rigaschen Polytechnikums, liess sich 1892
in Riga nieder. Von ihm: Haus Jaunsem, Suworowstr. 21 (1896); Haus
Hanskinewitsch, Zaunstrasse auf Hagensberg (1897); Villa Junker,
Kalnezeemsche Str. (1898); Haus Kolpakow, Taubenstr. (1898); Haus
Chomse, Kaufstrasse (1899); Haus Matwejeff, Alexanderstr. 151 (1900);
Haus Grosset, Weberstr. in Gemeinschaft mit M. Scherwinsky (1900).



B


=Baar=, ~Oskar Alexander Johann~. Architekt in Riga. Geb. 4. Oktober
1848 zu Doblen in Kurland, besuchte das Polytechnikum in Riga und
1873/74 die Bauakademie in Berlin. Von 1875 bis 1878 Stadtarchitekt
in Mitau, 1878-1885 Baurevident in Riga. Von ihm die neue Synagoge
und das Haus Lacroix in Mitau, die russische Votivkapelle auf der
Zementfabrik zu Poderaa bei Riga und mehrere Privathäuser in Riga.

=Baehr=, ~Johann Karl~. Porträt- und Historienmaler. Geb. 18. August
1801 in Riga; gest. in Dresden 29. September 1869. Sohn des Kaufmanns
Johann Ulrich B. in Riga und Enkel des Erbauers der Frauenkirche
in Dresden Georg B., war zum Kaufmannsstande bestimmt, konnte aber
1823 seinem Wunsche Maler zu werden folgen. Er bezog die Akademie
in Dresden, wurde aber später Schüler des Prof. Matthäi. Nach einem
Besuch Italiens, wo er in lebhaftem Verkehr mit Thorwaldsen und J.
A. Koch lebte, kehrte er 1829 nach Riga zurück, siedelte aber 1832
wieder nach Dresden über. Nach einem zweiten Besuche Italiens, wurde
er 1843 als Lehrer an die Akademie berufen und 1846 zum Professor
ernannt. Neben der Kunst beschäftigte sich Baehr in seinen letzten
Lebensjahren auch mit wissenschaftlichen Arbeiten. Er gab heraus:
Mitteilungen aus dem magnetischen Schlafleben der Somnambule Auguste
K. in Dresden (1843); die Gräber der Liven, ein Beitrag zur nordischen
Altertumskunde und Geschichte mit 21 von ihm gezeichneten, von Willard
lithograph. Tafeln (1850); der animalische Magnetismus und die
experimentierenden Naturwissenschaften (1850); Vorträge über Dantes
göttliche Komödie in ihrer Anordnung nach Raum und Zeit etc. (1852);
die natürliche Reihenfolge der Elemente und zusammengesetzten Körper
als Resultat der Beobachtung ihrer dynamischen Wirkung 1862, (auch
in französischer Uebersetzung erschienen); Vorträge über Newtons
und Goethes Farbenlehre. Zu seinen Hauptwerken gehören: Das Porträt
des Malers C. D. Friedrich 1836, Iwan dem Schrecklichen verkünden
finnische Zauberer den nahen Tod 1850, beide in der Dresdner Gal. Das
Porträt Ludwig Richters; Virgil und Dante vor der Stadt des Dis, beide
im Besitze der Nachkommen in Dresden; die Wiedertäufer in Münster,
Besitzer Geh. Finanzrat v. Berlepsch in Dresden; eine Wiederholung des
Bildes in der Kunsthütte zu Chemnitz (lith. von Fr. Hanfstängl qu.
Fol. 1840); Christus am Kreuz mit den beiden Marien, Maria Magdalene,
Petrus und Johannes in der Kirche zu Zschoppau in Sachsen; eine
kleinere Wiederholung in der Frauenkirche zu Dresden. In baltischem
Bes. befinden sich: Christus predigend am See Genezareth 1833, in der
Domkirche zu Riga; alte Römerin im Mus. zu Riga; Olevano 1834, im Mus.
zu Mitau; Porträt des javaschen Prinzen Rahden Saleh ben Jagya im Mus.
zu Riga (Gal. Brederlo); der barmherzige Samariter 1855, Grablegung
Christi, Bes. Familie Stauwe, Riga; der Tod des Franz v. Sikkingen
1865, Bes. v. Kyber, Riga. Ausser mehreren Bildnissen in Rigaschem
Privatbes. schuf er einen segnenden Christus als Altarbild für die
Kirche zu Niederbartau in Kurland; den ungläubigen Thomas, Altarbild
in der Kirche zu Dubena.

Raczynsky, Gesch. d. modern. Kunst III. -- Schorns Kunstblatt 1837
S. 332. -- Meyer, Künstlerlex. -- Nagler, Monogr. I. Nº 2286. --
Bötticher, Malerwerke des 19. Jahrh. Nachträge zu Bd. 1. -- W. Neumann,
Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 53-55. -- Kat. der Ausstellung
Dresdener Maler 1800-1850, Dresden 1908.

=Baltzer=, ~Johann Joachim~. Maler. Geb. 1776 in Riga, gest. daselbst
1. Januar 1814, besuchte das Lyceum in Riga und wandte sich der
Malerei zu, doch lässt sich nicht nachweisen, wo er seine Studien
gemacht hat. Bekannt von ihm sind die folgenden Arbeiten: Bildnis
eines in Riga lebenden, damals 106 Jahre alten Persers, der zu Räscht
in Westpersien geboren, als fünfjähriger Knabe nach Riga gebracht und
hier nach russischem Ritus Fedor Gawrilow getauft worden war; gem. 1812
(damals im Bes. des Pastors prim. am Dom M. Thiel). -- Engelskopf,
wahrscheinlich der seinen Pfeil schärfende Amor nach R. Mengs, dat.
1791, im 2. Sammelbande des J. J. Voss im Museum zu Riga. -- Porträt
des Malers W. Baron Budberg; gest. v. Rosmäsler, Leipzig. -- Die Ruinen
des Sommergartens in Riga, Zeichnung, gest. von J. H. Klockow 1813
(auch farbig). -- Brand der rigaschen Vorstädte 1812, Aquar. (aus dem
Besitz des Mannrichters v. Gersdorf 1892 von der Pernauschen hist.
Gesellschaft erworben).

=Bantelmann=, ~Johann David~. Architekt. Geb. 23. März 1769 zu Linden
bei Hannover; gest. 5. Oktober 1833 in Reval, bekleidete in Reval das
Amt des Gouvernementsarchitekten und baute als solcher einzelne Teile
des Schlosses um. Auch der Umbau der aus dem Mittelalter stammenden
ehemaligen Kirche des Cisterzienser-Nonnenklosters in Reval zur
russischen Kirche ist von ihm.

=Baranoff=, ~Nikolai v.~ Porträt- und Historienmaler. Geb. 1. Mai
1808 zu Wätz, Kirchspiel Turgel in Estland, als jüngster Sohn des
Oberstleutnants Joachim v. B., gest. zu Weissenstein in Estland 6.
August 1863. Wurde seit seinem zehnten Lebensjahre, da er taubstumm
war, in der Wach’schen Taubstummenanstalt in Berlin erzogen und fand
hier schon Förderung seines keimenden Talents. Er studierte in München
und Wien. Nach längerem Aufenthalt in Rom liess er sich in Petersburg
nieder und lebte später in Weissenstein. Seit 1859 freier Künstler der
Petersburger Akad. Von ihm viele Bildnisse russischer Schauspieler
und Schauspielerinnen, mehrere Heiligenbilder für katholische und
orthodoxe Kirchen in Petersburg. Das Altargemälde für die luth. Kirche
in Weissenstein. Ein Selbstporträt und Porträts seiner beiden Söhne
(Familienbesitz). Mehrere Genrebilder. Ein bärtiger Greisenkopf im
städt. Museum zu Riga.

    Raczynski, Gesch. d. neueren deutschen Kunst III, 27. -- Mitteilg.
    von Frau M. v. Baranoff, Weissenstein.

=Barisien= (Parisien), ~Friedrich Hartmann~. Porträtmaler. Geb. 13.
Februar 1724 zu Koburg; gest. 19. August 1796 in Mitau. War der
Sohn eines Schmiedemeisters, dessen Vater angeblich als königlicher
Architekt in Paris tätig war, von dort aber eines Vergehens wegen
flüchtig wurde und sich als französischer Emigrant unter dem Namen
Parisius oder Parisien in Koburg niederliess. B. anfangs zum Handwerk
bestimmt, empfing seine künstlerische Ausbildung in Dresden und folgte
1750 der Aufforderung eines russischen Grossen nach Astrachan. Ende
1767 kam er nach Riga und trat 1770 als Hofmaler in die Dienste des
Herzogs Peter von Kurland. 1786 erteilte ihm die Akademie in Petersburg
den Rang eines akademischen Künstlers. Eine Jugendarbeit, das Porträt
des Grafen Johann Christian v. Hennicke in der Kirche zu Wiederau bei
Pegau in Sachsen. Seine Söhne Hartmann Johann, geb. 1770 zu Mitau,
† 20. Dezember 1845, und Friedr. Gottlieb, geb. 7. Dezember 1776, †
13. Dezember 1848 zu Grösen in Kurland, haben sich in Kurland als
Zeichenlehrer, mehr aber als geschickte Musiker (Orgel) Anerkennung
erworben. -- Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählen: Portr. der
Frau Katharina v. Bismarck, Stifterin des Katharinenstifts in Mitau,
1775 gem. (Bes. Katharinenstift, Mitau). -- Portr. des Kronprinzen
Friedrich Wilhelm v. Preussen, 1780. (Dem Prinzen gelegentlich eines
am 20. Oktober 1780 im Schlosse zu Mitau stattgefundenen Festspiels
überreicht.) -- Portr. des Herzogs Peter v. Kurland. 1781 gem. (Bes.
Gymnasium zu Mitau.) -- Portr. des herzogl. kurl. Landhofmeisters Ernst
Johann v. Kloppmann, 1784 gem. -- Port. der 102 Jahre alten Christine
Link (Frau eines rigaschen Brandmeisters, geb. 1684 zu Stockholm, †
1792 in Riga) mit einem dem Erlöschen nahen Licht in der Hand. (Kam in
den Bes. der Akad. in Petersburg, die dem Künstler dafür den Rang eines
akad. Künstlers erteilte. Eine Wiederholung von B.’s Hand soll sich in
der Sammlung des Oberpastors Dr. v. Bergmann in Riga befunden haben.)
-- Portr. des Rechtsanwalts Georg Peter Dreiling und dessen Gattin,
1786 gem. (Bes. Dommus. Riga.) -- Portr. des Hofrats Christian Anton
v. Tottien, um 1787 gem. (Bes. Mus. Mitau.) -- Portr. des Generals
Johann von der Recke, 1791 gem. gest. von J. F. Martin in Stockholm,
1792. -- Portr. des Generalsuperintendenten Christ. David Lenz, gem.
1770 gest. von J. F. Martin, 1793. 4^o. -- Portr. des Professors der
Beredsamkeit an der Dorpater Universität Johann Nikolaus Tiling, gem.
1793 gest. von J. F. Martin 1794. -- Portr. des Generalgouverneurs
Peter von der Pahlen, gem. 1794 gest. von J. F. Martin, 1794. -- Portr.
des Grafen Peter Ludwig von der Pahlen, gem. 1794 gest. von J. F.
Martin, Stockholm, 1794. (Bes. Dommus. Riga, in zwei Exemplaren). --
Portr. des Justizrats Chr. Ludwig Tetsch. -- Portr. des Landhofmeisters
Ernst Johann Taube. -- Portr. des Arztes Dr. Joh. Wilhelm Lieb.
(Bes. Mus. Mitau.) -- Portr. einer unbekannten Dame. -- Portr. des
Rigaschen Packhausinspektors Nikolaus Wurm. -- Portr. des Hofrats
Balthasar v. Bergmann. (Bes. Dommus. Riga.) -- Portr. des Oberpastors
Liborius v. Bergmann (Bes. Generalarzt Dr. v. Bergmann, † Berlin.)
-- Portr. des Mitauer Ratsherrn (?) Tesch und dessen Gattin (Bes.
Stadtbibliothekar Dr. A. Buchholtz, Berlin.) -- Deckengemälde in
drei Zimmern des herzoglichen Schlosses in Mitau, (1859 bei einer
„Restaurierung“ beseitigt.) -- Deckengemälde in zehn Zimmern des ehem.
herzogl. Schlosses zu Ruhenthal und im Schlosse Friedrichslust werden
B. zugeschrieben.

    Sitzgsber. der Kurl. Gesellsch. f. Lit. und Kunst 1866, S. 34, II.
    Abdruck S. 111. -- Rigasche Stadtblätter 1820, S. 20. -- Rigasche
    Anzeigen 1768, XXXIV St. -- Kirchenbuch der Trinitatiskirche zu
    Mitau.

=Barnickel=, (Parnickel), ~Johann Christoph~. Architekt. Gest. 1746 in
Mitau und vor 1740 schon als „Hochfürstlich Kurländischer Baudirektor“
nachweisbar. Auf einer Karte von Kurland, die im Jahre 1747 von Homanns
Erben herausgegeben wurde, nennt er sich „Premier architecte de
Courlande“.

    Jul. Döring.

=Barth=, ~Wilhelm~. Landschaftsmaler. Hielt sich, aus Berlin kommend,
zwischen 1809 und 1815 in Riga und an verschiedenen Orten der
Ostseeprovinzen auf mit dem Malen von Landschaften in Öl und Gouache
beschäftigt. Am 19. Dezember 1810 bietet er durch eine Anzeige in den
Rigaschen Stadtblättern 45 Landschaften in drei verschiedenen Grössen
zum Kauf an: 7 Ansichten aus Riga, (darunter eine Ansicht von Riga und
der Dünabrücke im Schmucke der Jubiläumsfeier von 1810), 10 Ansichten
von Kremon, Treiden, Segewold und Wenden; 7 Ansichten aus Ronneburg, 4
aus Karlsruhe, 4 aus Drobbusch und 7 vom Gute Plönen in Kurland. Sieben
dieser Bilder sind aus dem ehemaligen Himselschen Mus. in das Dommus.
zu Riga übergegangen. Eine Ansicht von Ronneburg von der Nordseite,
und eine Ansicht von Plönen in Kurland, 1810 gem. im Bes. des Mus. der
gelehrten estnischen Ges. in Dorpat.

    Rigasche Stadtbl. 1816, S. 195.

=Baumann=, ~Alexander Johann Friedrich~. Architekt. Geb. 29. April
1835 in Wilkenhof bei Lemsal als Sohn eines Lotsen lettischer
Nationalität; gest. 19. März 1891 zu Riga. Er machte seine Studien auf
der Petersburger Akademie und liess sich in Riga als Architekt nieder.
Zu seinen grösseren Arbeiten gehören: Das Schützenhaus in Riga; das
Haus des Gewerbevereins, 1870 vollendet; das Alexandergymnasium; das
Bezirksgerichtsgebäude; die Häuser Kerkovius an der Esplanade und
Hammer am Thronfolgerboulevard.

    Ztg. f. Stadt und Land, 1872 Nº 157; 1876 Nº 150. -- Rigasche
    Stadtbl. 1864. S. 146. -- Rigaer Almanach 1866, 1870 und 1871. --
    Rigasche Ztg. 1869 Nº 105; 1877 Nº 72.

=Baumann=, ~Alexander~. Bildhauer. Geb. 12. April 1850 in Reval. Trat
1864 in die Dresdner Kunstakademie und im Wintersemester 1868/69 in das
Atelier des Prof. Schilling. 1872 kehrte er nach Petersburg zurück, wo
er z. Z. als Lehrer an der Stieglitzschen Kunstschule wirkt. Von ihm:
Hirtenknabe mit Hund, nach Uhlands Sonntagslied, 1870. (Kl. silb. Med.
der Dresdner Akad. Bes. Mus. zu Reval); Tancred segnet die sterbende
Chlorinde, 1871. (Kl. gold. Med. der Dresdner Akad. Ein Gypsabguss war
1873 in der Petersburger Akad. ausgestellt, die ihn dafür zum akad.
Künstler I. Grades ernannte). Prunkschild. 1872. (Gr. gold. Med. der
Dresdner Akad.). Die Porträts des A. J. Krusenstiern und des Prof. C.
E. v. Baer, Reliefs in Medaillonform. (Bes. Mus. zu Reval.) Die Büste
eines Knaben (Gahlenbeck) in Marmor. Wandbrunnen. (Städtisches Mus.
Riga.)

=Baumann=, ~Johann Heinrich~. Tiermaler. Geb. 29. Januar, (9. Febr.)
1753 in Mitau als Sohn des kurl. Generalsuperintendenten Joachim B.,
gest. 7. Juli 1832 auf dem Rigaschen Stadtgute Klein-Jungfernhof;
begraben auf dem Kirchhofe zu Kattlekaln bei Riga. Er besuchte von
1773-1776 die Universität zu Erfurt, gab aber das Studium auf und wurde
Schüler des Tiermalers Jakob Samuel Beck (1715-1778). In die Heimat
zurückgekehrt übte er berufsmässig die Tiermalerei und ein von ihm
erhaltenes Einnahmebuch ergibt, dass er 1713 Bilder gemalt hat, die er
für 4-12 Taler das Stück verkaufte. Er hat sich häufig wiederholt und
wurde nicht müde seine gelungensten Bilder immer wieder zu kopieren.
Zugleich war er leidenschaftlicher Jäger und fand neben seiner
Jagdliebhaberei und seiner Kunstausübung doch noch die Zeit sich auch
literärisch zu beschäftigen. Er gab eine Sammlung von Jagdanekdoten und
auch mehrere Erzählungen in lettischer Sprache heraus. Sein Porträt von
Baron Korff gemalt, von ihm für seine Freunde häufig kopiert, wurde
von Ferd. Schäfer 1820 in Petersburg lithographiert. Es trägt die
Unterschrift: vir carus amicis, arte peritus.

    Allgem. Schriftsteller- u. Gelehrten-Lexikon der Provinzen Liv-,
    Est- und Kurland. I S. 80. -- Jul. Eckardt: die baltischen
    Provinzen Russlands S. 238-244. -- Rigasche Ztg. 1864 Nº 95; 1866
    Nº 266; 1877 Nº 11 Beilage, Bechreibung der Baumann-Ausstellung,
    1877 v. Rigaschen K. V. arrangiert. -- Rigasche Stadtbl. 1821. S.
    150.

=Baumgarten=, ~Gottfried Christoph~. Porträtmaler und Zeichner. Geb.
7. Nov. 1777. Bildete sich in Dresden und hörte Vortrage über Malerei
in Jena. Er kam um 1802 als Miniaturmaler nach Riga, wurde 1803 in
Bauske getraut und 1804 als Zeichenlehrer an die Domschule berufen.
24. Oktober 1812 nahm er seinen Abschied. Von ihm: Füchse in einen
Hühnerhof einbrechend, bez. Baumgarten... 1807, in Privatbes. in
Mitau; 43 in Aquar. ausgeführte Porträts von Mitgliedern der Rig.
„Horngesellschaft“ im Jahre 1811, (in einem Sammelbande im Bes. der
Ges. „Hüon“ in Riga).

    Zur Gesch. d. Domschule in Riga. 1841 S. 19. -- L. Arbusow, Auszüge
    aus den Bauskeschen Kirchenbüchern, abgedr. in den Sitzungsber. der
    Gesellsch. f. Lit. u. Kunst. 1888 S. 28. -- Rigasche Nachrichten.
    1802.

=Becker=, ~Johann Gottlieb~. Porträtmaler aus Königsberg i. Pr. lebte
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ist vorübergehend in
Kurland und Livland tätig gewesen. Von ihm: Portr. der Frau J. v. d.
Howen, geb. v. Witten. (ehemals im Bes. des Generals v. Witten († 1889)
in Mitau.) -- Portr. des Oberpastors zu S. Petri in Riga Immanuel
Justus v. Essen, gem. 1756, gest. von J. C. G. Fritsch 1763 vor Göz’s
Kanzelreden Teil X. Auf diesem Bilde unterzeichnet er sich als pictor
ad academ. Regiomonti Prussiae. -- Portr. des Hofrats Schwander in
Mitau. (Bes. Mus. Mitau). Reproduktion in Lichtdruck in „Elise v. der
Recke“, herausgeg. v. P. Rachel.

    J. Bernoulli, Reisen durch Brandenburg, Preussen usw. T. III, S. 73
    u. 251.

=Beggrow=, ~Alexander~. Marinemaler. Geb. 17. Dezember 1841 in
Petersburg als Sohn des Malers Karl B. wurde im Petersburger
Marine-Ingenieurkorps erzogen und beschäftigte sich schon während
seiner Dienstzeit in der Flotte mit Zeichnen und Malen. 1866-1868
begleitete er den Grossfürsten Alexei Alexandrowitsch auf dessen Reise
um die Welt, die ihm vielfach Gelegenheit gab seine Kunst zu üben. 1870
trat er als freier Zuhörer in die Petersburger Akademie und arbeitete
1871-1874 bei Prof. Bogoljubow und im Atelier Bonnat’s in Paris. 1883
verliess er den Flottendienst und wurde Maler des Marineministeriums.
Seit 1898 Akademiker. Die Mehrzahl seiner Arbeiten befindet sich in
Petersburg.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 150-152.

=Beggrow=, ~Johann~. Kupferstecher und Lithograph. Geb. 2. Dezember
1793 in Riga; gest. 1877 in Petersburg. Machte seine Studien in
Petersburg, wo er Schüler des Kupferstechers Cardelli war. Er ist
der Begründer der ersten lithographischen Anstalt in Petersburg. --
Zu seinen bedeutenderen Arbeiten gehören: Einnahme von Polotzk. --
Schlacht bei Klein-Jaroslaw. -- Flucht der Franzosen aus Moskau.
-- Einnahme von Wjäsma. -- Sieg über Marschall Victor; gest. unter
Aufsicht von Cardelli nach Domenico Scotti. 1812. -- Zwei Stiche zu
dem Werke: Reise in Persien 1812-1813 von Drouville, 1819. -- Das
Porträt Potemkins. Er gab von 1845-1850 eine Zeichenlehre heraus mit
lithographischen Beilagen.

    D. A. Rowinsky, Подробный словарь русских граверовъ XVI-XIX вв.
    Petersburg 1895.

=Beggrow=, ~Karl Johann~. Maler und Lithograph. Geb. 15. Februar 1799
in Riga; gest. 12. Februar 1875 in Petersburg. Bruder des vorigen und
Vater des Alexander B. Er besuchte die Akademie in Petersburg und
war Schüler von M. Worobjew. Nach Beendigung seiner Studien diente er
als „gelehrter Lithograph“ im Generalstabe und wurde 1832 für eine
perspektivische Ansicht des Michaelpalais zum Akademiker ernannt. Seine
auf den Stein gezeichneten Arbeiten wurden grösstenteils von seinem
Bruder Johann vervielfältigt. 1828 zeichnete er die von Desarnod nach
der Natur aufgenommenen „Erinnerungen aus dem Türkenkriege“ auf den
Stein. Es sind die Blätter: Ansicht von Varna, aufgenommen aus der
Position des Generals Biström. Erstürmung der Bastion von Varna. --
Ansicht von Varna, aufgenommen aus dem Lager der Garde. -- Te-Deum,
gesungen im Lager des Grafen Woronzow, nach der Uebergabe von Varna.
(Die Blätter, 0,44 br. und 0,31 hoch, wurden bei Hellbach gedruckt.)
Von seinen anderen Arbeiten sind zu nennen: Das Porträt des Kaisers
Nikolaus zu Pferde auf der Insel Jelagin, 1832. -- Ein aus einem Torweg
hervorstürzender Hund fällt ein Pferd an; bez. Beggrow; lithogr. de
Beggrow. Persp. Nevs. Nr. 25. -- Album Littographique pour l’année 1820
offrant des Etudes progressives pour apprendre à dessiner les paysages
par C. Beggrow. 3 Lieferungen von je 6 Blättern, zum Teil bez. C.
Beggrow. -- Ansichten von Petersburg und Umgegend, 1822. Herausgegeben
von der Gesellschaft zur Förderung der Künste. Fol. 44 Blätter dieser
Sammlung lithogr. von C. B. -- Ansicht des Generalstabsgebäudes mit dem
Porträt der Kaiserin Maria Fedorowna. -- Drei Seeschlachten. Lithogr.
-- Volksbilder zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meer. 30
lithogr. und aquarell. Tafeln in 3 Bänden mit Text in russischer und
grusinischer Sprache. 4^o. -- Ansicht von Tiflis. Grosses Blatt in
Lithogr. -- Kaiser Alexander II. als Kind in Husarenuniform. -- Porträt
des J. A. Dmitrewsky. Brustb. Februar 1822; bez. Charl. Beggrow. --
Eine Ansicht von Reval. -- Vues de St. Petersbourg et environs. Auf den
Stein gez. von Beggrow. Herausgegeben von H. Prevost. -- Porträt des K.
N. Batuschew, 1824.

    A. Rowinsky. Подробный словарь usw. -- Revalsche wöchentliche
    Nachrichten 1829. S. 362, 391.

=Behrends=, ~Gottfried Christoph~. Maler. Geb. 4. Oktober 1778 zu
Göttingen; gest. 15. Dezember 1839 in Riga. Lebte seit dem Jahre
1809 in Riga als Porträtmaler, wurde 1810 Zeichenlehrer an der
Navigationsschule und 1812 als Nachfolger von Baumgarten (s. d.) an
die Domschule berufen. Er lieferte u. a. die Illustrationen zu dem
Drümpelmannschen Werke „Flora und Tierreich“.

    Rigasche Stadtbl. 1824 S. 15, 1825 S. 283, 1839 S. 448.

=Benson= (~Bendzon~, ~Bentzsohn~), ~Andreas~ (sein eigentlicher Name
scheint „Linde“ gewesen zu sein) war herzoglicher „Hoff-Mahler“ in
Mitau; gest. Anfang Januar 1731.

    Kirchenbuch der Trinitatiskirche zu Mitau (J. Döring).

=Bentzien= (~Benzin~), ~Johann Heinr.~, d. Ä. Maler. Geb. zwischen 1650
und 1660 in Mitau (?), lebte in Mitau als „Conterfeier“, wo er noch um
1704 nachgewiesen werden kann. Er trieb zugleich einen Gewürzhandel.
Sein Schwiegersohn war der Maler Johann Andreas Leuttner. Auch sein
Sohn Johann Heinrich wird als Maler genannt.

    Merkbuch des Malers J. A. Leuttner. Mspt. im Museum zu Mitau (J.
    Döring).

=Berckholtz=, ~Alexandra v.~ Malerin. Geb. 14./26. August 1821 als
Tochter des Rigaschen Grosskaufmannes Gabriel Leonhard v. B.; gest.
4./16. März 1899 in München. Sie verliess mit ihren Eltern 1825
Riga und erhielt die ersten Anregungen zum Kunststudium auf Reisen
in Italien und Frankreich. Unter der Anleitung von R. Lauchert,
Winterhalter, Descoudres und Canon in Karlsruhe bildete sie sich
zur Porträtmalerin aus und lebte seit 1865 in München, wo besonders
Liezenmayer, Therese Hegg und der Stillebenmaler Adam Kunz auf sie
einwirkten. Die meisten ihrer Porträts finden sich in Privatbesitz;
erst in den letzten Jahren ihres Lebens wandte sie sich dem Stilleben
zu.

    Rigasche Stadtbl. 1844. S. 372 ff. -- Rigaer Tageblatt 1899 Nº 62
    (Nekrolog, Nachdruck aus der Münchener Allg. Ztg.).

=Berendhoff=, ~Rudolf~. Genre- und Porträtmaler. Geb. 4. August
1827 in der Nähe von Reval. Von ihm: Der Weg zum Leben. Biblische
Szenen. Lith. mit estnischem Text. Druck von C. Dines. 1862. Fol. --
Die Alexandersäule in Petersburg mit estnischem Text für die Ztg.
Postimees. 1865. Lith. von Th. Stellkowsky. -- Die estnische Braut
(Bes. Mus. Reval).

=Berg=, ~Alois~. Architekt. Geb. 11. Januar 1842 in Mitau; gest.
daselbst 1. November 1885. Besuchte von 1855-1862 die Bauschule
in Petersburg und wurde als Architektgehilfe der Kurländischen
Baukommission beigeordnet. Von 1864-1875 Architekt des Dörptschen
Lehrbezirks; 1875 jüngerer Architekt der Bauabteilung der Kurl.
Gouvernementsregierung; seit 1879 Gouvernementsarchitekt. Von
ihm der Umbau des Alexandergymnasiums in Reval, der Ausbau des
Dörptschen Elementarlehrer-Seminars und der Ausbau des ehemaligen
Deutsch-Ordenschlosses zu Windau 1875/76.

    Kurl. Gouvernem.-Ztg. 1875, Nº 50. (J. Döring.)

=Bergen=, ~Heinrich von~. Bildhauer. Stand in den Diensten des Kaisers
Peter I. von Russland und nennt sich in einem Schreiben an den
Rigaschen Rat v. 7. Jan. 1723 „Ihre Kayserl. Maytt Hoffbildhauer wohnet
auf Catharinendahl“. Er schuf hier vermutlich die Bildhauerarbeiten an
dem kleinen Schlosse und den Wasserwerken, die der Kaiser für seine
Gemahlin in Katharinenthal bei Reval herrichten liess. 1731-1733
verfertigte er in Riga den Orgelprospekt der Petrikirche, wofür er 233
Thlr. Alb. erhielt.

    Akten des Rigaschen Rats: Briefe von innerhalb Landes 1707-1729.
    Rigasche Stadtbl. 1834, S. 80; 1848, S. 237.

=Berkholz=, ~Elisabeth~. Geb. 9. Dezember 1860 in Riga. Tochter des
Ratsherrn Aug. B. Erlangte ihre künstlerische Ausbildung unter Lossow
in München. Sie hat sich vorherrschend der Porträtmalerei zugewandt.
Von ihr das Portr. des weil. Präsidenten der Rigaschen Gesellsch. f.
Gesch. und Altertumskunde Dr. Georg Berkholz. (Bes. Dom-Mus. Riga). --
Portr. des ehem. Präsidenten der literär. praktischen Bürgerverbindung
in Riga Alfred Hillner (Bes. die Verbindung).

=Berlitz=, ~Johann Georg~. Baumeister. Kam um 1800 aus Berlin nach
Kurland, um den Bau des Schlosses Katzdangen auszuführen. Ausser diesem
erbaute er das Schloss zu Elley 1806-1810, das Schloss zu Durben
1820-1821, leitete den Umbau des Schlosses Blieden 1835-1836 und den
der Villa Medem bei Mitau.

    Mitausche Ztg. 1804 Nº 69. -- v. Schlippenbach: Malerische
    Wanderungen durch Kurland S. 337. (Jul. Döring.)

=Berner=, ~Anna Louise v.~ Miniaturmalerin. Getauft 24. Mai 1795
in Mitau; Tochter des Kommissionsrats Joh. Fried. v. B.; gest. in
Neapel um 1868. Sie war eine Schülerin des Malers Dominikus Oechs in
Mitau, bildete sich weiter in Italien und verheiratete sich in Neapel
mit dem Advokaten Catalano. Das Mitauer Museum besitzt von ihr ein
Miniaturportr. ihrer Schwester, 1831.

    (Jul. Döring).

=Bernewitz=, ~Karl~. Bildhauer. Geb. 17. Mai 1858 zu Blieden in
Kurland. Siedelte 1871 mit seinen Eltern nach Wenden über und besuchte
die Vorschule des Polytechnikums zu Riga. Sein Talent für die Plastik
fand die erste Ausbildung durch den Bildhauer Aug. L. Volz (s. d.) in
Riga. 1881 trat er in die Berliner Akademie und wurde in der Folge
Schüler und Gehülfe des Professors Reinh. Begas, an dessen letzten
grösseren monumentalen Arbeiten er mehrfach teilgenommen hat. Während
seines Aufenthalts in Berlin war B. vielfach auch für die Berliner
Kgl. Porzellanmanufaktur und auf kunstgewerblichem Gebiet tätig. 1904
folgte er einem Ruf als Lehrer an die Kunstschule zu Cassel; 1908 zum
Professor ernannt. Von seinen Arbeiten seien genannt: Der grollende
Achill. (Bronze). -- Achill im Streit mit Agamemnon. -- Büste des
Reinhold Patkul. -- Der trauernde Achill. (Bronze in halber Lebensgr.)
Diese bis 1885 geschaffen. Grabdenkmal des Justizrats Prinker in
Konstantinopel; 1885. -- Sich liebkosende Kinder, Terrakotta. (Städt.
Mus. Riga). -- Die kleine Eitelkeit, Terrakotta. -- Denkmalstatue des
Rigaschen Bischofs Albert, des Gründers der Stadt, im Domfriedhof
zu Riga. In Kupfer getrieben 1895. Baldachin und Unterbau nach den
Entwürfen von Dr. W. Neumann. -- Tauben fütterndes Mädchen; getönte
Marmorgruppe. Abb. in Kunst für Alle, XI, S. 8 und in Baltische Maler
und Bildhauer des 19. Jahrh. Bes. Städt. Museum Riga. -- Der Schreck.
Vergoldete Bronze; Bes. Dr. W. Neumann, Riga. -- Der Pantoffelheld,
Bronze. -- Empire, Bronze. -- Eine Quadriga für das Denkmal des
Kaisers Wilhelm I. in Berlin. (Im Modell vollendet März 1896). --
Der Bücherwurm, Brunnenfigur für Cassel. -- Giebelgruppe am neuen
Akademiegebäude zu Cassel.

    W. Neumann: Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh., S. 95-96.
    -- Kunst f. Alle VII, S. 75.

=Bernhardt=, ~Rudolf v.~ Architekt. Geb. 20. Mai 1819 in Reval; gest.
3. Aug. 1887 in Dorpat. Diente nach Absolvierung des Gymnasiums kurze
Zeit in der estländischen Gouvernements-Bauverwaltung und trat dann
in die Toll’sche Architektenschule in Petersburg, bezog aber 1837
die dortige Bauschule, zu deren Direktor er 1873 ernannt wurde. Er
verwaltete dieses Amt bis zu seiner 1886 wegen Krankheit erfolgten
Verabschiedung. B. gehörte zu den hervorragendsten Baukünstlern s. Z.
und erwarb sich besonderen Ruf durch seine Studien zur Graphostatik.
Er gehörte der internationalen Kommission an, die Ende der siebenziger
Jahre zur Untersuchung der Standfestigkeit der Kuppel der Peterskirche
in Rom zusammentrat. Zu seinen bedeutendsten Bauten gehören: die
Karlskirche zu Reval, in Gemeinschaft mit dem Architekten O. Hippius
ausgeführt, interessant durch ihre geniale Überdeckung der Vierung; das
evang. Hospital in Petersburg; das preussische Gesandtschaftshotel in
Petersburg.

    Inland 1858, S. 480; Rigasche Ztg. 1873 Nº 188; 1886 Nº 87; 1887
    Nº 177.

=Bernhardt=, ~Erwin~. Architekt. Geb. 3. Januar 1852 in Petersburg.
Sohn des Vorigen. Studierte von 1868-74 Architektur an der Petersburger
Bauschule (jetzt Institut der Zivilingenieure) und trat 1874 in
den Staatsdienst bei der estländ. Gouvernementsregierung, erhielt
1877 das Diplom eines Ingenieur-Architekten und bekleidete bis 1907
das Amt eines estländischen Gouvernementsingenieurs. Von ihm das
Bezirksgerichtsgebäude; das Ausstellungsgebäude des estländischen
landwirtschaftlichen Vereins; das Konzertetablissement „Bellevue“ in
Katharinenthal bei Reval; die Restaurierung der Lehmpforte, des Turmes
der Nikolaikirche, der Olaikirche in Reval und der Schlosskirche in
Hapsal. Er erbaute die russischen Kirchen in Felks, Klein-Lechtigal
und Jörden, die luth. Kirchen zu Jörden und Haggers, die Grabkapelle
zu Etz, das herrschaftliche Wohnhaus auf Gut Kollo, die Wohn- und
Fabrikgebäude der Aktiengesellschaft „A. M. Luther“ und „Volta“ und
mehrere Privathäuser in Reval.

    Nach Autobiographie.

=Bernstamm=, ~Leopold Bernhard~. Bildhauer. Geb. 20. April 1859 in
Riga; kam als 13jähriger Knabe in das Atelier des Prof. D. Jensen in
Petersburg und besuchte die Zeichenschule der Kaiserl. Gesellschaft
zur Förderung der Künste. 1873 trat er in die Kunstakademie als
freier Zuhörer ein, erwarb sich hier mehrere Auszeichnungen durch
eine Reihe trefflich gelungener Porträtbüsten und begab sich 1884 zu
weiterem Studium nach Italien, wo er in Florenz unter Professor Rivalti
arbeitete. Von hier zog er nach Rom und stellte hier seine Arbeiten
aus. 1885 hielt er sich in Paris auf, arbeitete unter Mercier und
erlangte durch seine Porträts in kurzer Zeit einen solchen Ruf, dass
ihm das Amt eines directeur artistique des Museums Grévin angetragen
wurde. Er nahm die Berufung an und hatte Gelegenheit eine grosse Anzahl
von Porträtbüsten zu schaffen, unter denen die von Ardan, Barte, Légôt,
Rechembert, Samari, Chevreuil, Sardou, Déroulède, Lorence, Cabanel,
Durant, Falguierre, Mercier, Albert Wolf, Halévi, Renan, Flobert,
Coppé, Claressi und Zola als die vorzüglichsten genannt werden. -- Von
ihm ausserdem die Büsten des Schriftstellers Grigorowitsch (1881),
die Rubinsteins für das Konservatorium in Moskau (1882), Wisins für
das Alexandertheater in Petersburg (1882). Die Büste des Gelehrten K.
Brandt für das zoologische Mus. der Akad. der Wissenschaften. -- Die
Büsten des Schriftstellers Dostojewski, des Prinzen Peter v. Oldenburg,
A. Potechin, A. Ostrowsky, I. Gontscharow, I. Polonsky und M. Saltikow
(1882 und 1883) u. a. Ferner von ihm: Au pilori (Eine Ehebrecherin am
Schandpfahl). (Paris, 1887.) -- Der Henker mit dem Haupte Johannes des
Täufers (Paris, 1888). -- Der erste Pfeil (Paris 1889) und das Denkmal
des Lustspieldichters Eduard Pailleron im Monceau-Park zu Paris. 1905.

    Rigasche Ztg. 1881 Nº 52; 1885 Nº 50, 53 und 107; 1886 Nº 52, 173
    und 254; 1887 Nº 30. Наши художники I., S. 37 ff.

=Berthing=, ~Otto~. Porträt- und Historienmaler. Geb. 25. Dezember 1817
zu Alt-Schwaneburg in Livland; gest. angeblich 1885 in Jalta. Wurde
nach dem Besuch des Gymnasiums in Dorpat 1835 Schüler des Malers R.
Schwede (s. d.) in Petersburg, nahm 1840 das Amt eines Zeichenlehrers
am Katharinäum in Riga an und ging nach zehnjähriger Verwaltung dieses
Amts im Jahre 1850 auf die Antwerpener Akad., wo er Schüler von
Wappers wurde und den Unterricht von Dijkmann und Verschaeren genoss.
Nach einer Studienreise durch Deutschland kehrte er 1852 nach Riga
zurück, ging 1856 nach Paris, 1859 nach Italien und liess sich dann in
Odessa nieder. 1862 zog er wieder nach Paris zurück, erlebte dort die
Belagerung von 1870 und den Aufstand der Kommune und arbeitete dort
noch 1873. -- Von seinen Arbeiten sind, ausser einigen Bildnissen,
mehrere Genrebilder, wie der Liebesantrag, eine Weinkellerszene und
der Wasserkarl (eine in den dreissiger Jahren des 19. Jahrh. sehr
bekannte Rigasche Strassenfigur, lith. von Hauswald in Riga) bekannt
geworden.

    Rigasche Stadtbl. 1843, S. 120; 1852, S. 416; 1855, S. 19; 1858, S.
    304; 1859, S. 147; Inland 1845, S. 606; 1851, S. 273; 1858, S. 634;
    Rigasche Ztg. 1872 Nº 16; Наши художники I, S. 39.

=Bertschy=, ~Paul Max~. Architekt. Geb. 1. Januar 1840 zu Straussberg
bei Berlin, empfing seine künstlerische Ausbildung im Auslande und
arbeitete dann in den Ateliers mehrerer namhafter Architekten des
In- und Auslandes. Von 1871-1902 Stadtarchitekt in Libau. Von ihm
wurden ausgeführt: die kathol. Kirche zu Rakischki, 1868-70; die
Kirche zu Sesswegen in Livland, geweiht 14. November 1879; die St.
Annenkirche in Libau, 1892-93; das Styntzi’sche Mausoleum in Libau;
das Nikolaigymnasium 1883-1884; das Bezirksgerichtsgebäude; das
Friedensgerichtsgebäude; das Mädchenhospiz; das Stadtkrankenhaus; das
städtische Gefängnis; das Kurhaus zu Libau 1871-75, und eine grosse
Anzahl Villen und Wohngebäude in und um Libau.

    Rigasche Stadtbl. 1865, Nº 12; Rigasche Ztg. 1879 Nº 275; Mitausche
    Ztg. 1890 Nº 59, 1892 Nº 47, 1893 Nº 101; Libausche Ztg. 1884 Nº
    265, 1892 Nº 27; Libauscher Kalender 1876.

=Bielenstein=, ~Siegfried Alexander~. Maler. Geb. 27. Februar 1869
zu Doblen in Kurland, Sohn des Pastors Dr. Aug B., bezog 1891 die
Kunstschule in Leipzig, siedelte aber 1893 nach Weimar über, wo er
Schüler des Tiermalers Prof. Brendel wurde. Nach dessen Tode schloss
er sich an Prof. Sartorio an und widmete sich gleichzeitig unter Prof.
Thedi der Porträtmalerei. Seit 1897 in Riga tätig.

=Bienemann=, ~Eduard William~. Porträt- und Historienmaler. Geb. 10.
September 1795 in Libau; gest. 15. Februar 1842 in Petersburg. Erhielt
die ersten Kunstunterweisungen von der kunstverständigen Gattin des
Bürgermeisters Neumann in Libau, Anna Benigna N. geb. Vahrenhorst;
bezog im Sommer 1815 die Dresdner Akademie, wo er Schüler Hartmanns
wurde und ging im August 1817 mit mehreren Studiengenossen nach
Italien. In Rom konnte er im März 1819 dem Kaiser Alexander I. mehrere
seiner Gemälde vorstellen, von denen dieser zwei erwarb. 1822 kehrte
er nach Libau zurück, veranstaltete im Mitauer Mus. eine Ausstellung
seiner Arbeiten (17. Juni 1822) und nahm dann seinen Wohnsitz in
Moskau, seit 1829 in Petersburg. 1819 Mitgl. der Akademie St. Lukas zu
Rom und Florenz. Dezember 1836 Akademiker der Petersburger Akademie.
Von ihm eine Heilige Familie, eine Madonna mit Kind (nach Raffael) vom
Kaiser Alexander I. erworben. Die heilige Ursula (Bes. Mus. Mitau). Das
Portr. seiner Eltern (des Kommerzienrats Friedr. Georg B. und dessen
Gattin Susanna geb. Kunstmann), 1828 gem. (Familienbes. Stuttgart.)
Portr. des Gelehrten G. Fischer v. Waldheim; gest. von Wright.

    Nach Mitteilungen von Dr. Fr. Bienemann jun. aus einer
    Familienchronik. Rigasche Stadtbl. 1822, S. 467. -- Sitzgsber.
    der Kurländ. Ges. für Lit. und K. 1819, 16. März und 5. November.
    -- Baltische Monatsschrift, Bd. 27: Ein Bürgerhaus aus der
    Grossvaterzeit. -- Gedichte v. Ludolf Schley. Libau 1834 III, S.
    38 und 1859, S. 381. -- Jul. Schnorr v. Carolsfeld: Briefe aus
    Italien. Gotha 1886 I, Brief 36.

=Bilenberg=, ~Joh. C.~ Stempelschneider und Medailleur. Wurde am 21.
September 1705 vom Rigaschen Rat angestellt. Ein rigascher Dukaten von
1707, die letzte Münze dieser Art, die die Stadt hat prägen lassen,
trägt seinen Namenszug J. C. B. in Ligatur.

    Monetaria, Rigasches äusseres Ratsarchiv. V.

=Bindenschu=, ~Ruppert~. Baumeister. Gest. in Riga 1698, stammte aus
Strassburg i. E. und kam um 1670 nach Riga, wo er Gehilfe des „Bau-
und Kunstmeisters“ Josten (s. d.) wurde. Nach Jostens Abgang (1675)
übertrug der Rat ihm dessen Amt. Er setzte den von Josten begonnenen
Neubau des Turmes der Petrikirche fort, der am 21. Mai 1677 durch
den Andressen-Frankschen Mordbrand unterbrochen wurde. B. wurde mit
der Bearbeitung eines neuen Turmbauprojekts betraut. Er stellte drei
Entwürfe vor, von denen der zur Ausführung genehmigte erhalten ist. Am
10. Mai 1690 wurde der Bau des Turmes von ihm vollendet. Dieser brannte
1721 ab, wurde aber in denselben Formen wieder aufgeführt.

    Rigasche Stadtbl. 1840, S. 141. -- A. Buchholz in den Sitzgsber.
    der Gesellschaft f. Gesch. und Altertumskunde 1891, S. 48. ff.
    -- W. Neumann: das mittelalterliche Riga. Berlin 1892, S. 37. --
    Nottbeck und Neumann: Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval.
    II, S. 65.

=Blaschewitz=, ~Johann Ferdinand~. Landschaftsmaler. Geb. 3. April
1804 in Mitau; gest. 22. Aug. 1866 in Riga, wurde Schüler des Malers
Dominikus Oechs und ging 1829 nach Dresden, wo er bis 1834 Schüler des
Prof. Dahl war. Von Dresden begab er sich zu weiterer Ausbildung nach
München, besuchte Tyrol und kam 1837 nach Mitau zurück, liess sich aber
im folgenden Jahre in Riga nieder. Sein künstlerischer Nachlass ging
durch Kauf in den Besitz des Mitauer Museums über.

    Archiv des Mitauer Gymnasiums (2). -- Sitzgsber. der kurländ.
    Gesellsch. für L. und K. 1866. (J. Döring).

=Blome=, ~Daniel~. Maler. Lebte in Reval und führte 1624 die Szenen aus
dem Leben Christi an der von Bugislav v. Rosen gestifteten Kanzel in
der Nikolaikirche aus. Auf dem Bilde der Ausgiessung des heil. Geistes
liest man: anno domini 1624. Daniel Blome.

Es hat mehrere Maler des Namens Blome, Blom, Blum in Reval gegeben:
1619 Georg Bluhm, 1637 Pawel Blum und Hans Blum.

    Revaler Stadtarchiv. Katalog B. F. VI 33. -- Nottbeck und Neumann:
    Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval II, S. 79.

=Bloss=, ~Friedrich~. Porzellanmaler. Geb. 1800 in Naumburg; gest.
im Oktober 1860 auf Hagensberg bei Riga. Er kam im August 1821 aus
Naumburg, wo er angeblich eine eigne Porzellanfabrik besessen hatte,
nach Riga und lieferte zierliche Malereien auf Tassen, Vasen, Tellern,
Pfeifenköpfen usw., namentlich Ansichten aus Riga, Wenden, Treyden
und Segewold, auch Brustbilder, mythologische und scherzhafte Szenen.
1824 zeichnete er eine Ansicht von Riga auf den Stein, die bei A. L.
Lindroth gedruckt wurde (Kat. der kult.-hist A. in Riga, 1883 Nº 561).
Das Dommuseum besitzt von ihm einen mit scherzhaften Darstellungen
bemalten Pfeifenkopf, dessen Ausführung nach ihm auch zwei bemalte
Tassen mit Ansichten von Riga zugeschrieben werden könnten.

    Rigasche Stadtbl. 1821, S. 245; 1824, S. 198; 1829, S. 66; 1860, S.
    368. Ztg. für Stadt und Land 1877 Nº 257.

=Blumenfeld=, ~Samuel Isaak~. Schreibkünstler. Geb. 1770 in Mitau
(ebräischer Konfession); gest. daselbst 13. Aug. 1826, bereiste fast
ganz Europa und erntete für seine Kunstfertigkeit vielfache Anerkennung.

    Inland 1851, S. 564. -- Hamburger Ztg. 1825 v. 4. September. --
    Kurl. Amts- und Ostseeprov.-Blatt. 1826 Nº 37. -- Intelligenzblatt
    1826 Nº 69. (J. Döring.)

=Boas=, ~Martin~. Baumeister. Geb. im Oktober 1698; gest. Anfang Juni
1738 in Mitau. Bekleidete das Amt eines „Hochfürstlichen Baumeisters“
in Mitau.

    Kirchenbuch der Trinitatiskirche in Mitau. (J. Döring.)

=Bochmann=, ~Alexander Heinrich Gregor~. Maler. Geb. 1. Juni 1850 auf
dem Gute Nehat in Estland, erhielt den ersten Kunstunterricht auf dem
Gymnasium zu Reval durch den Maler Th. Sprengel (s. d.) und trat 1868,
ausgerüstet mit dem Revaler Schillerstipendium, in die Düsseldorfer
Akademie. 1871 eröffnete er in Düsseldorf sein eigenes Atelier.
Studienreisen führten ihn wiederholt nach Holland, Belgien und in seine
baltische Heimat, die ihm vorzugsweise die Stoffe zu seinen Gemälden
liefert. Er lebt in Düsseldorf. Seit 1895 Professor. Von seinen sehr
gesuchten Gemälden nennen wir: Krug in Estland. 1873. -- Estnische
Bauern zum Markt ziehend. 1870. -- Sonntag vor der Kirche in Estland.
1874. (Abb. in „Über Land und Meer“ 1888.) -- Pferdemarkt in Estland.
-- Heimkehrende Landleute in Estland (Bes. Kunsthalle, Hamburg.) --
Werft in Südholland. 1878. (Bes. National-Gal. Berlin, Kat. Nº 447.) --
Am alten Fischmarkt bei Reval. 1886. (Abb. in Kunst für Alle V, Heft
9.) -- Holländisches Strandbild (Bes. Pinakothek, München). -- Rast am
Kruge, Motiv aus Estland. (Bes. Dresdner Gal., Abb. im Katalog.) --
Der Bettler. 1897. (Abb. in Kunst für Alle XII, S. 217.) -- Abend in
einem estländischen Dorfe (Abb. in Kunst für Alle XIII, S. 338.) --
Holländischer Strand. (Bes. Baron E. Girard de Soucanton-Reval.)

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh., S. 131-133

=Bock=, ~Alexander v.~ Bildhauer. Geb. 7. Juni 1829 zu Röstfer
bei Dorpat; gest. 17. August 1895 in Petersburg. Trat 1850 in die
Petersburger Akademie, nachdem er ein Jahr zuvor den Unterricht des
Bildhauers Peter Clodt von Jürgensburg genossen hatte, und absolvierte
diese im Jahre 1856 mit der gr. gold. Med., die ihm für sein Relief
„die Kreuzigung Christi“ zuerkannt wurde. Als Pensionär der Akademie
ging er darauf zu weiterer Ausbildung nach Rom und wurde für die beiden
hier von ihm ausgeführten Figuren Amor und Psyche zum Akademiker
befördert. Gleichzeitig erhielt er seine Ernennung zum Professor und
die Berufung zum Nachfolger des verstorbenen Professors Pimenow an
die Akademie. Während seiner mehr als dreissigjährigen Tätigkeit an
der Akademie ist er der Lehrer der bedeutendsten russischen Bildhauer
geworden. Von ihm: Die Kreuzigung Christi. Basrelief, 1857. --
Psyche in Verzweiflung, 1864. (Erworben von Sr. Maj. dem Kaiser v.
Russland. Abb. in наши художники S. 51). -- Amor mit Schmetterling,
1864. -- Das Denkmal des Feldmarschalls Paskewitsch-Eriwansky in
Warschau, 1869. (Abb. in наши художники S. 49). -- Das Denkmal des
Admirals Greigh, 1867. -- Das Urteil Salomos, an der Fassade des
Petersburger Gerichtshofs. (Abb. in W. Neumann: Baltische Maler und
Bildhauer). -- Büste des Bildhauers Peter Clodt v. Jürgensburg, 1870.
-- Kreuzigungsgruppe 1874. -- Das Denkmal des Dichters Puschkin,
Konkurrenzskizze 1874, 3. Preis. -- Die Gruppe der Minerva, die
Künste beschützend auf der Kuppel des Akademiegebäudes in Petersburg,
1875. In Bronze ausgeführt 1882. Konkurrenzarb. I. Preis. (Abb. in
наши художники und W. Neumanns: Baltische Maler und Bildhauer). --
Die Büste des Malers Karl Timoleon v. Neff, 1877. (Bes. Akad. in
Petersburg. Gypsabguss im städt. Museum zu Riga). -- Die Fontäne für
den oberen Garten in Peterhof, die Entführung der Europa durch Jupiter.
Konkurrenzarb. I. Preis, 1877. -- Frauenkopf, Marmor, 1878. (Abb.
in наши художники S. 50. Bes. Akad. Petersbg). -- Kolossalbüste der
Kaiserin Katharina II. 1880. (Erworben von der Akad. in Petersburg).
-- Büste der Frau N. -- Bacchant, 1881. (Abb. in Balt. Maler und
Bildhauer). -- Amor in der Fuchsfalle, 1881. (Bes. Sr. Maj. d. Kaiser.
Abb. in наши художники S. 50). -- Büste der Frau Sophie Menter. --
Büste des Professors K. E. v. Baer, 1882. -- Statue Christi 1884, für
die Katharinenkirche zu Petersburg. -- Die Statue des Komponisten
Glinka in Smolensk, 1885. (Abb. in Balt. Maler und Bildhauer). -- Venus
und Amor, 1889. (Bes. Akad. in Petersburg. Abb. in наши художники S.
51.) -- Die kleine Fischerin. -- Amphitrite. (Abb. in наши художники
S. 51). -- Das Echo. -- Büste des Akademikers L. v. Schrenck (letzte
Arbeit).

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer, S. 83-86.

=Bock=, ~Boris v.~ Architekt. Geb. 28. März 1857 auf dem Gute Ninigal
bei Fellin, absolvierte 1882 das Studium der Architektur am Rigaschen
Polytechnikum. Nach mehrjähriger Tätigkeit beim Bau der Pleskau-Rigaer
und der Dünaburg-Witebsker Bahn liess er sich 1895 in Pernau als
freipraktizierender Architekt nieder, übernahm aber 1898 das Amt eines
Baurevidenten in Riga und seit 1900 das des jüngeren Stadtarchitekten
daselbst.

=Bockslaff=, ~Karl Ludwig Nikolai~. Geb. 9. Mai 1823 in Mitau; gest.
18. Febr. 1888 in Riga, widmete sich dem Kaufmannsstande, verfolgte
aber daneben auch künstlerische Interessen. In der Mitte der
siebenziger Jahre veranlasste er die ersten Restaurierungsversuche am
Kreuzgange des Domklosters zu Riga. Seit 1870 legte er eine Sammlung
malerischer Aufnahmen aus den baltischen Provinzen und Finnland an, die
in 6 Foliobänden im Bes. der Familie erhalten ist.

=Bockslaff=, ~Wilhelm Ludwig Nikolai~. Architekt. Geb. 12. Oktober 1858
in Riga. Sohn des Vorigen. Absolvierte das Studium der Architektur am
Rigaschen Polytechnikum. Beteiligte sich als Gehilfe des Professors
J. Koch (s. d.) beim Bau der livländ. adel. Güterkreditsozietät und
der Lutherkirche in Riga. Erbaute u. a. die Seitenkapelle der kathol.
Kirche in der Schlosstrasse zu Riga, das Herrenhaus auf dem Gute
Neu-Mocken in Kurland, die Häuser Siesenberg (Kalkstrasse) und Hansen
(Alexanderstr.), das Haus des englischen Klubs, an der Schlosstrasse,
den Erweiterungsbau der grossen Gilde, die Kommerzschule auf der
Esplanade in Riga und leitete die Wiederherstellungsarbeiten an der St.
Johanniskirche zu Dorpat und der St. Jakobikirche in Riga.

=Bodecker=, ~Berendt~. Bildhauer. Lebte um die Wende des 17.
Jahrhunderts in Riga. Im Jahre 1604 schuf er im Auftrage der St.
Johannisgilde eine grosse in der Domkirche sich befindende Gedenktafel
in Form eines reich geschmückten Epitaphs.

    Aeltermannsbuch der St. Johannisgilde in Riga (nach C. Mettig).

=Bodenehr=, ~Gabriel~. Maler und Kupferstecher. Geb. 1664, gest. 1758
in Augsburg. Von ihm eine Ansicht von Riga mit den Vorstädten und
den projektierten Wällen um 1700, aus: Die Mächte Europas oder die
merkwürdigsten Städte, Festungen, Häfen etc. Nº 142 aus einer Folge von
200 Blättern 8^o. Im Jahre 1726 sollte er im Auftrage des Rigaschen
Rats ein Porträt des Kaisers Peter I. malen, doch wurde der Auftrag
später dem Maler Johann Jul. Müller (s. d.) zuteil. Dass er sich in
Livland aufgehalten hätte, ist nicht wahrscheinlich.

=Bodenstädt=, ~Johann Dietrich~. Porträtmaler im ersten Viertel des
18. Jahrhunderts in Mitau. Er wird als „Conterfeyer“ aus Hannover
bezeichnet und war aus Finnland nach Mitau gekommen, wo er sich
verheiratete und am 4. Oktober 1714 seinen Sohn Georg Gottfried taufen
liess.

    Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche zu Mitau. (J. Döring).

=Boltho v. Hohenbach=, ~Alma Willy~. (s. Klot.)

=Borchert=, ~Bernhard Christian~. Maler und Illustrator. Geb. 1.
Dezember 1863 in Riga, trat 1883 in die Akademie zu Petersburg, erhielt
hier 1885 für ein Bild Judith mit dem Haupte des Holofernes die silb.
Medaille und 1886 für sein Bild aus dem Leben des Wladimir Monomach
eine Geldprämie. Um dieselbe Zeit wurde er Mitarbeiter an verschiedenen
in deutscher und in russischer Sprache erscheinenden illustrierten
Journalen: Задушевное слово, Всемірная иллюстрація, Gnom und Pipifax.
1892/93 war er für einen Privatmann in Magdeburg beschäftigt, ging
von dort auf kurze Zeit nach München und unternahm dann eine grössere
Studienreise in den Kaukasus. B., der seine Sujets mit Vorliebe der
Märchenwelt und dem Frauenkreise entnimmt, hat sich namentlich durch
seine meisterhafte Beherrschung der Pastelltechnik einen weiten Ruf
erworben. In den letzten Jahren als Lehrer an der Rigaschen Kunstschule
tätig und wiederholt auf Studienreisen in Frankreich. Von seinen
zahlreichen Werken nennen wir: Griechischer Flötenbläser. -- Wandernde
Tataren. -- Persischer Teppichhändler (in Rigaschem Privatbes.). --
Froschkönig. -- Morgentau. -- Moornixe. -- Abendsonne. -- Deutsche
Ordensritter durch einen Wald reitend. -- Panischer Schrecken. --
Betendes Mädchen. -- Wunderblume. -- Im Paradiese. -- Der Kuss. -- Für
die baltische Jugendschrift lieferte B. in den Jahren 1897-1900 den
grössten Teil der Illustrationen.

=Borchert=, ~Eva~, s. ~Schweinfurth~, ~Eva Margarethe~.

=Borsow=, ~Alexander Nikolaus v.~ Landschaftsmaler. Geb. 1854 zu
Marzen in Livland, gest. 30. Januar 1895 in Riga. Erhielt den ersten
Kunstunterricht in Riga und bezog 1879 die Düsseldorfer Akademie. Er
errichtete sich in Düsseldorf ein Atelier, kehrte aber 1893 nach Riga
zurück, wo er sein Leben in kümmerlichen Verhältnissen beschloss. Von
seinen Arbeiten sind hervorzuheben: Am Stintsee. -- Tannenwald an der
Ostsee. -- Nach Sonnenuntergang. -- Blick auf die Ostsee. -- Abend an
der Düna bei Stockmannshof. (Bes. Städt. Museum in Riga).

    Rigasche Ztg. 1881 Nº 25; 1882 Nº 238, Nº 243, Nº 248; 1884 Nº 12
    u. Nº 136. Dünaztg. 1892 Nº 121; 1893 Nº 230.

=Bosse=, ~Anton Georg~. Geschickter Kunstdilettant. Geb. 7. März 1792
in Livland; gest. 29. April 1860. Studierte von 1812-1814 Theologie
in Dorpat und übte sich unter K. A. Senff gleichzeitig im Zeichnen
und Malen, wurde 1815 zum Prediger in Dickeln (Livl.) ordiniert und
1819 nach Wohlfahrt (Propstei Walk) versetzt. 1856 emeritiert. Seine
bedeutendste Arbeit ist das Altargemälde mit der Auferstehung Christi
in der 1821 geweihten Kirche zu Wohlfahrt; ausserdem hat er mit vielem
Geschick viele seiner Gemeindeglieder porträtiert, deren Bildnisse im
Wohlfahrtschen Kirchenarchiv aufbewahrt werden.

    Rigasche Stadtbl. 1821 S. 426.

=Bosse=, ~Eduard Georg~. Maler. Geb. 25. Jan. 1810 in Riga als ältester
Sohn des Malers Ernst Gotth. B.; gest. 3. April (22. März) 1859 in
Florenz. Erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater und besuchte
seit 5. X. 1825 die Dresdner Akad., die er jedoch schon Michaelis 1827
wieder verliess, um sich einem anderen Studium zuzuwenden. 1830-1833
widmete er sich in Dorpat dem Studium der Nationalökonomie, wandte sich
dann aber wieder der Malerei zu. Er besuchte England und Schottland,
lebte dann in London als viel beschäftigter Maler und siedelte 1858
nach einem kurzen Aufenthalt in Paris nach Florenz über.

=Bosse=, ~Ernst Gotthilf~. Porträt- und Historienmaler. Geb. 4. Aug.
1785 in Riga; gest. 15. (27.) Nov. 1862 in Florenz. Er war von seinem
Vater, dem städtischen Wagemeister, zum Kaufmannsstande bestimmt worden
und hatte bereits eine Handlung begründet, als er sich entschloss
sich der Kunst zuzuwenden. Er wurde zunächst Schüler von K. A. Senff
in Dorpat, zog dann nach Petersburg, ging aber schon nach kurzer Zeit
(1814) nach Dresden, wo er Schüler von Grassi wurde, begleitete auch
diesen, der zum Studiendirektor der sächsischen Pensionäre in Rom
ernannt worden war, dorthin. Als anerkannter Künstler kehrte er 1820 zu
kurzem Aufenthalt nach Riga zurück, begab sich dann nach Petersburg,
wo ihm der Auftrag wurde, Kopien nach den berühmtesten italienischen
Meistern für die kaiserlichen Sammlungen anzufertigen. Zur Ausführung
dieses Auftrages reiste er 1822 nach Dresden und später nach Florenz.
Die von ihm 1832 nach Petersburg geschickten (fünf) Kopien wurden von
den Professoren der dortigen Kunstakademie einer vernichtenden Kritik
unterzogen und der Auftrag für weitere Arbeiten scheint infolgedessen
zurückgezogen worden zu sein. Selbständiges hat B. wenig geschaffen,
sich vielmehr auf die Wiedergabe von Werken der italienischen
Renaissancemeister beschränkt, die er meistens en miniature kopierte.
Seine Porträts erfreuten sich des Beifalls seiner Zeitgenossen. Er
wurde Ehrenmitglied der Akad. zu St. Lukas in Rom, Professor und
Mitglied der Akademie zu Florenz und Ehrenmitglied der Akademie zu
Parma. Von ihm: Der Entwurf zu der 1810 geprägten Jubiläumsmedaille
zur Erinnerung an die hundertjährige Vereinigung der balt. Provinzen
mit Russland. -- Madonna nach C. Maratta, 1817 in Dresden gem. (Bes.
Familie Hollander, Riga). -- Die Transfiguration nach Raffael, 1819
in Rom gem. auf Bestellung der Administration der Rigaer Domkirche.
Nach der Restaurierung des Chors seit 1898 in der Südkapelle am Turm
aufgestellt. -- Portr. der Fürstin Pauline Borghese, 1819 in Rom
gem. -- Der Violinspieler nach Sebast. del Piombo. -- Modesta und
Vanitas. -- Sybilla und heil. Cäcilie nach Dominichino. -- Danaë
nach Tizian. -- Madonna nach Raffael. (Miniaturen in Rom gem.) --
Fornarina nach Sebast. del Piombo. -- Madonna nach Raffael. -- Portr.
Raffaels. (Miniaturen in Florenz gem.) -- Heilige Familie nach
Raffael. -- Heilige Familie nach Tizian. (Miniaturen in Neapel gem.)
-- Weibliches Bildnis, Kniest. (Bes. Fam. Pychlau, Riga.) -- Portr.
der Frau Anna Gert. Wöhrmann, geb. Ebel. Stifterin des Wöhrmannschen
Parks in Riga. (Bes. städt. Mus. Riga). -- Portr. des Mineralogen E.
M. Ulprecht. -- Portr. des Daniel Kleeberg. (Aus der Stadtbibliothek
in d. Bes. des städt. Mus. Riga.) -- Selbstporträt. (Bes. Frau v.
Hörschelmann, Riga. Abb. in balt. Maler und Bildhauer). -- Portr. des
Kaufmanns Krüger. (Bes. K. V. Riga). -- Portr. des Ältermannes der
Schwarzhäuptergesellschaft Renny. Kniest. (Bes. Ges. der Schwarzh.
Riga). -- Portr. der Kaiserin Elisabeth, gem. 1822. -- Portr. der
Gemahlin des Künstlers Wilhelmine, geb. Dänemark, gem. 1824. -- Portr.
des Kaisers Nikolaus I. -- Karikaturen auf Napoleon und den Rückzug
seiner Armee aus Russland. 145 Blätter in verschiedenen Formaten, zum
Teil von Bosse, zum Teil von ihm in Gemeinschaft mit Michael Terebenjew
ausgeführt. (Sammlung der Gesellschaft f. Gesch. u. Altertumskunde,
Riga) --

    W. Neumann. Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 30-32.

=Bosse=, ~Harald Julius~. Architekt. Geb. 17. Sept. 1812 in Petersburg;
gest. 10. März (26. Febr.) 1894 in Dresden, zweiter Sohn des Malers
Ernst Gotth. B. Bildete sich auf der Dresdner Bauschule, dann unter Fr.
Moller in Darmstadt und war 1829-1832 beim Bau des Theaters in Mainz
beschäftigt. 1833 zog er nach Petersburg und erwarb sich auf Grund
seines Attestats von Moller und des von ihm eingereichten Projekts
einer Villa den Rang eines freien Künstlers der Architektur. 1854 Prof.
der Akad. Mitgl. der acad. des beaux arts in Paris und Petersb. Zu
seinen bedeutendsten Bauten gehören: Die Börse in Riga. (Grundstein 3.
VI. 1852, voll. 1856). -- Die deutsche reformierte Kirche in Petersb.;
abgebrannt 1873. Nach dem Brande von Prof. D. Grimm neu erbaut.
-- Das Landhaus d. Grafen Schuwalow bei Petersb. -- Die Villa des
Grossfürsten Michael bei Petersb. -- Haus Buturlin in Petersb. -- Die
Grabkapelle des Grafen Kotschubey und dessen Wohnhaus in Petersb. --
Die Villa der Grossfürstin Nikolai in Snamenskaja bei Petersb. -- Die
griechisch-orthodoxe Kirche in Dresden. 1872.

    Rigasche Stadtbl. 1833 S. 193. Rigaer Almanach 1861. Rigasche Ztg.
    1874 Nº 126, 1884 Nº 242. Inland 1851 S. 951, 1854 S. 865, 1859
    S. 933. -- Зодчій (Der Baumeister) 1894. S. 91 ff. mit Portr.

=Bräutigam=, ~Johann Heinrich~. Dekorationsmaler. Geb. 1791, gest.
28. Sept. 1858 in Riga. Wurde 1820 als Dekorationsmaler am Rigaschen
Stadttheater angestellt und bekleidete das Amt bis zum Jahre 1825,
ausserdem ein zweites Mal von 1837-1841. Im Jahre 1828 stellte er
in Riga ein Kosmorama aus, das allmählig durch neue Bilder ergänzt,
schließlich 19 Stücke umfasste, die zum Teil nach Stichen, zum Teil
von ihm nach der Natur gemalt waren. 1829 und 1833 stellte er ein
Diorama aus mit einer Darstellung des Thuner Sees. Ein von ihm gemalter
Theatervorhang mit einer Ansicht Rigas mit der Flossbrücke wurde am 10.
Sept. 1830 zum ersten Mal benutzt.

    Rigasche Stadtbl. 1814 S. 4; 1828 S. 31, 43, 111, 137-139; 1829 S.
    4, 52, 413; 1830 S. 192, 290; 1833 S. 4; 1858 S. 324.

=Bredow=, ~Albert~. Landschafts- u. Theatermaler. Stammte aus
Deutschland und lebte von 1852-1855 als Dekorationsmaler in Riga,
später in Reval und soll dann nach Moskau gezogen sein. Er stellte
im Jahre 1868 in der Kunstakad. in Petersb. aus: Sechs Motive aus
dem Schwanheimer Walde bei Frankfurt a. M. Sieben Motive aus dem
Taunusgebirge, Treppe bei Burg Kronberg, Bauernhaus in Kronberg,
Katholische Kirche in Kronberg, Bauernhaus in Pargalowo, Russisches
Dorf, Ruine Königstein, Schloss Falkenstein, Ruine Falkenstein,
Katholische Kirche.

    Наши художники I. S. 57. M. Rudolph, Rigasches Theater- und
    Tonkünstlerlexikon.

=Breitkreutz=, ~Christian Friedrich~. Architekt. Geb. 1791;
begraben in Riga 16. März 1820, bekleidete in Riga das Amt eines
Gouvernementsarchitekten.

    Rigasche Stadtbl. 1818 S. 128; 1820 S. 68.

=Brotze=, ~Johann Christoph~. Gelehrter. Geb. 12. Sept. 1742 in
Görlitz; gest. 4. Aug. 1823 in Riga. Studierte in Leipzig, dann in
Wittenberg und promovierte daselbst zum Dr. phil. 1768 folgte er einem
Rufe nach Livland, wurde 1769 Subrektor und 1783 Konrektor am Lyceum
zu Riga. 1815 legte er sein Amt nieder. B. hat sich um die Erforschung
der livländ. Geschichte unvergängliche Verdienste erworben. Zu seinen
bedeutendsten Arbeiten gehört die aus 10 Foliobänden bestehende
„Sammlung verschiedener Livländischer Monumente, Prospekte, Münzen,
Wappen u. dergl.“ mit gegen 2000 zum grössten Teil von ihm selbst
gezeichneten Abbildungen im Bes. d. Stadtbibliothek zu Riga.

    Autobiographie in A. Albanus Einladung zur feierlichen
    Amtsniederlegung des Oberlehrers J. C. Brotze usw. Riga. 1815. --
    Allgem. Schriftsteller- u. Gelehrtenlexikon der Prov. Liv-, Est- u.
    Kurland. I. S. 277.

=Brussen=, ~Daniel~. Maler. Geb. um 1598, begraben 31. März 1684 auf
dem deutschen Kirchhofe zu Bauske. Von ihm eine Kreuzigung und ein
Abendmahl in der Kirche zu Funkenhof (übermalt).

    L. Arbusow in den Sitzungsber. d. Kurl. Ges. f. Lit. u. Kunst 1888
    S. 23 ff.

=Brusseen=, C.... Maler. Auf einem Oelgemälde, das die Stadt Riga
von der Mitauschen Vorstadt gesehen darstellt, findet sich die
Bezeichnung: C. Brusseen pinxit a. 1776 (Bes. Frau Emma Bernstorff,
Riga). Autotypie abgedruckt in einem Aufsatz von A. B(erkhol)z „zum
50. Jahrestage der Abtragung der Rigaschen Festungswerke“, Beilage zum
Rigaer Tageblatt Nr. 265, 1907.

    Rigasche Ztg. 1878 Nº 229; Kat. d. kultur-hist. Ausst. 1883 Nº 547.

=Budberg=, ~Woldemar Dietrich v.~ (gen. ~Böninghausen~). Geschickter
Dilettant. Geb. 8. Oktober 1740 auf dem Gute Klein-Roop (Livl.);
gest. 3. Juli 1784 in Walk. Kam, nachdem er seine Erziehung in Riga
vollendet hatte, 1757 nach Königsberg, wo der berühmte Kunstphilosoph
Joh. Nikolaus Meinhard sein Mentor wurde, der ihn auf einer Reise
durch Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien begleitete. In der
Malerei wurde Adam Friedr. Oeser in Leipzig sein Lehrer, der sein
Talent mit begeisterten Worten pries. Nach seiner Rückkehr lebte er auf
seinem Gute Strasdenhof bei Riga, seit 1783, nach seiner Erwählung zum
Kreismarschall in Walk. Auf Veranlassung seiner Freunde L. Bergmann,
Lindner und Meinhard wurde auf ihn eine Medaille geschlagen. Von ihm
24 in Sepia gezeichnete Studienköpfe v. 1780, je 6 auf 4 Quartblättern
im 2. Bande der Sammlung J. J. Voss, städt. Museum, Riga. -- Eine
Ansicht von Gravenheyde am Jägelsee. 1780 (Bes. Dr. E. v. Rautenfels,
Riga). -- Ein Selbstporträt. -- Küchenszene (Bes. Baronin A. Budberg,
Magnushof). -- Ein Porträt des Barons Balthasar Campenhausen, † 1758.
-- Ein Porträt des Oberpastors Dr. Liborius v. Bergmann, Rotstift
(Stadtbibliothek, reproduziert in Bd. 42 der berühmten Kunststätten
von A. Seemann, Leipzig). -- Der Entwurf zu dem allegorischen Bilde,
die sog. Bombe Peters des Grossen, 1786; ausgeführt im ehemaligen
Bibliotheksaale, jetzt Konfirmandensaale des Domklosters zu Riga, von
Alex. Heydtmann. -- Das Titelblatt zum livl. Adresskalender v. 1784.
Original in der Handzeichnungen-Sammlung des Jak. Joh. Voss im Bes.
des städt. Museums zu Riga. Gest. von D. Berger. -- Ruine am Wasser,
Tuschzeichn. in derselben Sammlung.

    Livona 1812 S. 155, 161. -- Rigasche Stadtbl. 1821 Nº 27. --
    Lebensbeschreibung in der Monatsschr. für Geist und Herz. Bd. 3. v.
    Lib. Bergmann. -- Allg. Schriftsteller- u. Gelehrtenlexikon I S.
    294 ff. -- W. Neumann: Führer durch die Domkirche. S. 23.

=Budberg=, ~Karl Woldemar v.~, gen. ~Böninghausen~. Geb. 28. Juli 1777
zu Strasdenhof bei Riga; gest. 23. Februar 1842. Diente anfänglich in
der Garde, nahm aber 1797 als Kornet seinen Abschied, studierte von
1798-1802 in Jena Jurisprudenz und wandte sich dann in Dresden der
Malerei zu. 1810 zum Dr. phil. promoviert; Präses des livl. evang.
Konsistoriums. Von seinen Arbeiten waren 1842 in Riga ausgestellt:
Ansicht von Ermes. -- Motiv aus der Umgebung von Adseln. -- Zwei
Winterlandschaften. -- Zwei Studienköpfe.

    Allg. Schriftsteller- und Gelehrtenlexikon, Nachtrag S. 99. --
    Rigasche Stadtbl. 1842 S. 114 ff.

=Budewitz=, ~Georg~. Aus Mitau, besuchte die Petersburger Akademie,
die ihm 7. VII. 1859 für ein in Aquarell ausgeführtes Porträt den Rang
eines freien Künstlers verlieh. Lebte von 1860-1869 in Mitau und zog
wieder nach Petersburg.

    (J. Döring).

=Budkowsky=, G... D... Maler und Lithograph. Arbeitete 1840 in der
Mühe’schen lithographischen Anstalt in Riga und ist hier bis um 1850
nachweisbar. Er ging nach Deutschland und später nach Italien. Von ihm:
Das Porträt des Oberpastors am Dom und Konsistorialrats D. G. Bergmann.
Lith. nach G. R. Karing. 1840. -- Das Porträt des Pastors an der
Jesuskirche David Wendt. Lith. 1841. -- Das Porträt eines jugendlichen
jüdischen Händlers. Bez. G. D. Budkowski, Baldon 1850. -- Denkergruppe.
-- In die Welt hinausgestossen. -- Egerlandschaft. -- Zwei weibliche
Bildnisse. -- Selbstporträt.

    Rigasche Stadtbl. 1840 S. 386. -- Rigasche Ztg. 1871 Nº 25 und 26;
    1875 Nº 116.

=Bülow= (~Bülau~), ~Leonhard~. Genre- und Porträtmaler. Geb. 1819 in
Riga; gest. 1892 in Moskau. Besuchte die Düsseldorfer Akad. bis 1842,
kam dann nach Riga zurück und lebte hier bis 1856. Seit dieser Zeit
führte er ein Wanderleben, bis er schliesslich Moskau zu dauerndem
Aufenthalt wählte. -- Von seinen Arbeiten sind zu nennen: Ariadne auf
Naxos. -- Weiblicher Kopf. -- Zwei Greisenköpfe. -- Ein Selbstporträt.
1842 (Bes. städt. Museum, Riga). -- Josephs Traumdeutung. -- Das
Porträt des Landmarschalls Christian v. Stein († 1856) (Bes. Dom-Mus.
Riga). --

    Rigasche Stadtbl. 1845 S. 380. -- Ztg. f. Stadt u. Land 1877 Nº 213
    u. 221. -- Rigasche Ztg. 1879 Nº. 28.

=Büttner=, ~Georg Heinrich~. Zeichner und Porträtmaler. Geb. 20. Juli
1799 in Mitau; gest. 4. Dezember 1879 in Riga. Erhielt den ersten
Kunstunterricht von dem Kupferstecher Sam. Kütner (s. d.) in Mitau und
ging 1819 zu weiterer Ausbildung nach Dresden. Hier zeigten sich bei
ihm Anzeichen von Geistesgestörtheit. Auf Veranlassung der Dichterin
Wilhelmine v. Chézy wurde er auf den Sonnenstein gebracht, doch schon
nach einem Jahr als geheilt entlassen. 1822 lebte er als Porträtmaler
und Zeichner in Mitau, zog aber 1824 nach Riga, wo ihn ein zweiter
Krankheitsfall traf, der aber auch schnell wieder vorüberging, bis im
Jahre 1865 völlige Geistesumnachtung eintrat. Ausser verschiedenen
Kopien nach alten Meistern von ihm: Das Porträt des Rigaschen
Theaterdirektors J. Hoffmann, lith. v. Wildt. fol. -- Das Porträt
der Gemahlin des Oberpastors zu S. Jakob in Riga, Maria Henriette
Grawe, geb. Lenz (1791-1877), gem. 1828. -- Das Porträt des Rigaschen
Ratsherrn Joh. Heinr. Hollander, gem. 1840. Aquar. (Bes. Oberlehrer B.
Hollander, Riga).

=Buhr=, gen. ~Bunding~, ~Johann Nikolaus~. Maler. Geb. 28. Oktober
1820 in Riga; gest. daselbst im März 1874. Machte seine ersten Studien
unter der Leitung des von 1830-1836 in Riga lebenden Berliner Malers
Anton Kessner und ging 1838 nach Berlin, wo er Schüler von Karl Wach
wurde. Eines Augenleidens wegen musste er seine Studien unterbrechen,
ging aber nach seiner Herstellung wieder nach Berlin und blieb dort bis
1848. Nach Riga zurückgekehrt erteilte er Unterricht.

    Rigasche Stadtbl. 1873 S. 24; 1874 S. 96.

=Buschmann=, ~Hermann Ulrich~. Maler. Geb. 31. Juli 1824 zu
Kasimirswahl im Kirchspiel Subbath in Kurland. Bildete sich mit
Unterstützung des Besitzers von Baltensee Baron Karl v. Budberg zum
Maler aus. Von ihm das Altarbild der luth. Kirche zu Illuxt in Kurland
(Nach Döring Kopie nach Reni). Bekannt geworden ist ausser diesem eine
Grablegung und eine 1860 gemalte Auferstehung.

    Inland. 1849 S. 357. -- Rigasche Stadtbl. 1853, 3. Dezember.



C


=Calpus=, ~Hermann~. Porträtmaler. Angeblich aus Reval stammend.
Besuchte die Petersburger Akademie, erhielt 1858 den Rang eines freien
Künstlers, 1859 den eines Künstlers I. Grades. 1876 erteilte er
Zeichenunterricht in der Annenschule zu Petersburg. Bekannt von ihm
sind mehrere Porträts.

    Наши художники I. S. 164 ff.

=Candat=, ~Paul~. Maler. Geb. 11. Dezember 1873 in Livland. Begann
seine künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule zu Nürnberg,
kam 1896 in die Münchener Akad. und wurde Schüler des Professors Raupp.
Lebt in München.

=Cassel=, ~Richard~. Maler. Begraben in Narva 17. Juni 1707. Er
verfertigte im Jahre 1704 die „Illuminationes“ zur Einzugsfeier des
Kaisers Peters I. (Laut Ratsprotokoll der Stadt Narva vom 21. Januar
1705 wird dem „Contrafeyer“ R. C. vom Magistrat angesagt, künftig nicht
mehr einen Degen an der Seite zu tragen, da ihm solches als Bürger
nicht zustünde).

    Narvasche Ratsprotokolle 1704, 1705. -- Kirchenbuch der Narvaschen
    deutschen Gemeinde (H. v. Brüningk).

=Clar=, R.... Kupferstecher. Hatte seine Studien in Berlin gemacht
und kam um 1818 nach Riga, lebte vorübergehend auch in Dorpat und
zog später nach Petersburg, wo er eine grosse Tätigkeit, namentlich
im Porträtstich entwickelte. Von ihm: Kaiser Alexander I. mit dem
Könige und der Königin von Preussen am Sarge Friedrichs d. Gr.
nach Meyer. -- Die Profilporträts des Kaisers Alexander I., des
Grossfürsten Konstantin Pawlowitsch, des Königs und der Königin von
Preussen in einem Quadrat nach H. Smith. -- Die Begegnung Alexanders
I. mit Napoleon in Tilsit nach Schumann. -- Die Porträts des Generals
Benningsen und des Grafen Walmoden-Gimborn nach J. G. Mansfeldt.
-- Kotzebues Tod. -- Peter I. und Fürst Golitzin nach der Einnahme
von Schlüsselburg. -- Der Tod des Generals Moreau nach Tonelli. --
Das Porträt des Grafen Rostopschin nach L. de St. Aubin. -- Das
Porträt Peters I. nach Kimpfel. -- Von den von Clar in Deutschland
angefertigten Stichen nennt Rowinsky die Porträts Hardenbergs,
Friedrichs August v. Sachsen, Joh. Gottfr. Sommel, und den grossen
Maskenball in Berlin.

    D. A. Rowinsky, Подробный словарь usw. IV.

=Clara= (~Klara~), ~August Philipp~. Kupferstecher. Geb. 11. Mai
1790; gest. in Petersburg. Er studierte von 1811, II-1815 in Dorpat
Philosophie und war zugleich Schüler des Professors K. A. Senff.
Längere Zeit bekleidete er das Amt eines Zeichenlehrers am Gymnasium
und an der Kreisschule in Dorpat und folgte dann einem Ruf nach
Petersburg als Hofkupferstecher und Hofgraveur. Von ihm: Die Ansichten
der Universitätsgebäude in Dorpat. Aquat. 1821 (vergl. Sitzgsber. der
gelehrten estnischen Gesellsch. 1894 S. 141 und 142). -- Quistenthal
bei Dorpat. -- Sechs Ansichten aus Pawlowsk nach Zeichnungen des
Dichters W. Joukoffsky. -- Vier Aquatintablätter nach Zeichnungen von
M. Worobjew für das Werk: Die heiligen Stätten in Jerusalem. -- Zwei
Vignetten zu den Balladen von W. Joukoffsky (Petersburg 1831).

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer. S. 47.

=Clark=, ~John~. Zeichner und Maler. Geb. 19. September 1830 in Riga,
gest. 1905 das., verbrachte einen Teil seiner Jugend in England, kam
1847 nach Riga zurück und wurde Schüler des Malers Julius Siegmund. Zu
weiterer Ausbildung ging er dann nach Karlsruhe, wo er unter Lessing
und Schirmer arbeitete. 1863 übernahm er in Riga das Amt eines Lehrers
für Freihandzeichnen am Polytechnikum zu Riga. Freies Mitglied der
Akad. zu Petersburg. Seit 1897 Adj. Professor.

    Rigasche Stadtbl. 1863 S. 294; 1873 S. 123. -- Rigasche Ztg. 1872
    Nº 30; 1880 Nº 4. -- Ztg. f. Stadt u. Land 1872, 6. Febr.

=Claus=, ~Karl~. Porträtmaler aus Reval, wahrscheinlich der Sohn des am
6. Dezember 1724 in Danzig geb. Malers Michael Ludwig Claus, der am 23.
Juni 1773 in Reval starb. Von ihm das Porträt der Witwe des estländ.
Vizegouverneurs Cadeus, Louise geb. Clodt v. Jürgensburg in der Gal.
des Schlosses Kolzen in Livland.

=Clemens=, ~Konstantin~. Maler. Geb. 15. Dezember 1819 in Bauske, gest.
um 1848 in Petersburg. Von seiner Hand gibt es in kurländ. Privatbesitz
einige Bildnisse in Kreide u. Pastell.

=Clodt v. Jürgensburg=, ~Gustav Johann Heinrich~. Porträtmaler. Geb.
1776; gest. 1839. Lebte in den dreissiger Jahren des 19. Jahrh. in
Libau, wo er Zeichenunterricht erteilte. Später hielt er sich auf der
Insel Ösel auf. Von ihm sind mehrere Porträts bekannt, darunter das des
Tiermalers Joh. Heinr. Baumann; lith. v. F. Schäfer.

    Inland 1855 S. 261. -- Rigasche Stadtbl. 1821 S. 150.

=Clodt v. Jürgensburg=, ~Konstantin~. Geschickter Zeichner. Geb.
18. Juli 1807; gest. 3. November 1879. Diente als General-Major der
Fussartillerie in Petersburg. Er hat das Verdienst die Kunst des
Holzschnittes mit Erfolg unter russischen Künstlern befördert zu haben.
Auch mit der Photographie und ihrer Vervollkommnung beschäftigte
er sich und wurde am 12. September 1859 dafür mit dem Titel eines
Photographen der Kaiserl. Akademie der Künste ausgezeichnet.

    D. A. Rowinsky. Подробный словарь. -- Magazin des Auslandes 1845 S.
    92. -- Rigasche Stadtbl. 1844 S. 364.

=Clodt v. Jürgensburg=, ~Michael Baron~. Landschaftsmaler. Geb. 1832
in Petersburg als Sohn des Generalmajors Konstantin C. v. J., trat
1851 in die Petersburger Akademie, erwarb sich die üblichen Medaillen,
erhielt 1858 für ein „Motiv aus Segewold“ den Künstlergrad I und ging
als Pensionär der Akademie ins Ausland. Er besuchte die Schweiz und
Frankreich (Normandie), kehrte aber schon 1861 nach Russland zurück,
um hier Landschaftsstudien zu treiben. Für seine Bilder „Das Aatal bei
Segewold“ und „Nacht in der Normandie“ wurde er 1862 zum Akademiker und
1864 für ein Landschaftsbild aus dem Oreler Gouvernement zum Professor
ernannt. 1872 wurde er Vorstand der Klasse für Landschaftsmalerei an
der Akademie. Von seinen zahlreichen Arbeiten nennen wir: Motiv von
der Insel Walaam, 1857 gem. (Bes. Gal. Soldatenko, Petersburg. Abb.
in наши художники S. 190). -- Drei Normannische Landschaften, 1888.
(Bes. Konsul N. Koch, Reval). -- Das Aatal bei Treyden, 1861. (Bes.
Kokorew, Petersburg). -- Motiv aus dem Oreler Gouvernement, 1865.
(Bes. Charin, Charkow). -- Herbsttag, 1867. (Bes. Gal. Tretjakow,
Moskau). -- Sonnenuntergang, 1868. (Bes. Gal. Tretjakow, Moskau).
-- Eichen. (Bes. Mus. Rumjänzew). -- Kühe im Sumpf. (Bes. Fürst
Paskewitsch). -- Rückkehr vom Felde, 1868. (Erworben von Baschmakow).
-- Weg im Birkenwalde. (Bes. Graf Strogonow). -- Herbst. (Bes. G.
Frenkel, Warschau). -- Herde im Wasser. (Bes. Grossfürst Nikolai
Nikolajewitsch). -- Fichtenwäldchen. (Bes. Fürst Kotschubei). --
Abendmotiv aus dem Tulaschen Gouvernement. (Bes. Gladin, Petersburg).
-- Am Pfluge, 1873. (Bes. Fürst Paskewitsch. Abb. in наши художники
S. 90, radiert vom Künstler). Birkenwäldchen. (Bes. Oestreich,
Petersburg). -- Wäldchen am Fluss, (Bes. Gisiko, Petersburg). --
Dorf mit heimkehrender Herde, (Bes. Gisiko, Petersburg). -- Wäldchen
mit Kuhherde, 1888. (Bes. O. Gregory, Reval). -- Waldferne, 1878.
(Bes. Gal. Tretjakow, Moskau). -- Die Wolga bei Simbirsk, 1882. (Bes.
Grossfürst Wladimir Alexandrowitsch).

    Rigasche Ztg. 1873, 24. u. 28. März. -- Dioskuren 1868 S. 57. --
    Наши художники I S. 189.

=Clodt v. Jürgensburg=, ~Michael Baron~. Genremaler und Radierer.
Geb. 17. Septemb. 1835 als Sohn des Bildhauers Peter C. v. J. in
Petersburg. Er erhielt den ersten Kunstunterricht von dem Maler A.
Agin und trat 1852 in die Petersburger Akad., wo er Schüler des
Prof. Markow wurde. Zu weiterer Ausbildung ging er 1855 nach Paris
und erhielt 1860 für ein von dort der Akad. zugesandtes Bild die kl.
gold. Med., 1861 die gr. gold. Med. und 1863 ein Reisestipendium
für drei Jahre. Von Paris ging er nach München, wo er sich an den
Tiermaler Friedrich Voltz anschloss, und gleichzeitig in den Ateliers
von Piloty und Kaulbach arbeitete. 1865 kehrte er nach Petersburg
zurück, und erhielt hier ein weiteres Stipendium zu Studienreisen im
Reich. Er besuchte Moskau, Wladimir, Nischni-Nowgorod und das Oreler
Gouvernement und beschäftigte sich vielfach mit der Aufnahme von
Kunstgegenständen in Kirchen und öffentlichen Gebäuden. Die Früchte
dieser Studien trugen ihm den Rang eines Akademikers ein und zugleich
einen Teil der Pension, die sein Vater bis zu seinem Tode bezogen
hatte. Clodt gehört zu den ersten russischen Künstlern, die sich der
Malerradierung zuwandten. Sein Lehrer in der Kunst des Radierens
war A. J. Somow. Er lebt in Petersburg. Von seinen Gemälden seien
genannt: Der kranke Musikant, 1859. (Bes. Gal. Tretjakow, Moskau.)
-- Der letzte Frühling, 1861; erworb. v. d. Gal. Tretjakow. -- In
der Schneiderwerkstatt eines Franziskanerklosters, 1865; erworb. v.
A. Beggrow. -- Der heil. Franziskus, gem. f. das Franziskanerkloster
in München. -- Schneidernder Mönch, 1868. (Bes. Galerie Soldatenko).
-- Die Gratulation bei der Wöchnerin, 1865 gem. Der Künstler erhielt
dafür den ersten Preis der Gesellsch. z. Förderung der Künste. -- Der
Antiquar, 1870. Geldprämie der Akad. Auch vom Künstler lithogr. --
Drei Juden, 1870, s. Radierung Nº 9. Auch vom Künstler lithogr. für
das von Ilin herausg. Werk Худож. Автографъ 1870. -- Die Wöchnerin,
1872. (Bes. Wargunin, Petersb.) -- Auf der schwarzen Bank. Szene aus
einer estländischen Landkirche. 1872 von d. Akad. erworb. Abb. in Наши
художн. I S. 318. -- Jäger auf dem Anstande. -- Der Scherenschleifer.
-- Auf der „Datsche“ 1873. Diese Bilder sind auch vom Künstler radiert;
s. Nº 16-18. -- Die Soldaten kommen; gem. 1874 (Ausgest. im K.-V. Riga,
1875). -- Vor der Abreise; gem. 1878. (Bes. Gal. Tretjakow, Moskau.)


~Radierungen.~

1) Das Innere des Zimmers Peters d. Grossen in Monplaisir, 1861. 2)
Kopf eines Mannes und einer Frau, 1861. 3) Brustbild eines Mönchs,
1861. 4-5) Ein Schmied bei der Arbeit. Kornernte. Beide Darstellungen
auf einer Tafel nach Charles Emile Jacque, bez. M. Klodt. fec. 1863. 6)
Seni vor Wallensteins Leiche; bez. М. Клодтъ. 1866. 7) Junge Dame mit
Hut und Muff (unvollendet); bez. М. К. 1870. 8) Alte Frau am Fenster
Wäsche zusammenlegend; bez. М. Клодтъ, Грав. 1870. 9) Drei Juden;
bez. М. П. Клодтъ. Sc. und noch einmal auf einem Fass: М. К. 1870.
10) Kopf des Seni (wie Nº 6); bez. М. К. Sc. 1870. 11) Kapuziner am
Fenster; bez. М. П. Клодтъ 1870. 12) Ecke in einem Hühnerstall; bez.
М. Клодтъ. 1870. 13) Der Antiquar; bez. съ Карт. М. 1870 г. М. П.
Клодтъ. 1870 (unvollendet). 14) Genreszene; bez. М. П. Клодтъ. 1870.
15) Peter I. in seinem Zimmer in Saardam; bez. М. Клодтъ 1872. Beilage
zum Album: Памяти Петра Велиаго Спб. 1872. 16) Jäger auf dem Anstande;
bez. М. Клодтъ 1872. Beilage zum Вѣстник изящи, искусствъ, herausgeg.
v. Somow. 1887. Kleine Wiederholung im Kat. d. Aust. v. 1873; bez.
M. K. inv. aqua f. 18) Der Drechsler; bez. 1873. K. M. aquaf. -- Auf
der Datsche; bez. M. K. inv et aqua f. Im illustr. Kat. d. A. aust.
v. 1873. 19) Titelbild des Albums russischer Radierer; bez. М. Клодтъ
del et sculp. 20) Eine Dame einen Brief schreibend; bez. M. K. 1874.
Im Oval, Crayonmanier. 21) Die Kassiererin; bez. М. Клодтъ f. 1874.
(Darunter ein russischer Vers) 22) Der Satte. Ein katholischer Mönch
eingeschlafen in der Ecke eines Gemachs; bez. М. Клодтъ. del. et. sc.
1874. Vom Künstler 1875 zum Besten der von der Missernte Betroffenen
gestiftet. 23) Mönch in der Kapuze; bez. МК. Клодтъ f. 24) Dasselbe
Sujet mit der Bezeichn. М. Клодтъ. 1888. Beilage zum Вѣстн. изящн.
иск. 1889. 25) Betender Jude; bez. М. Клодтъ. 1888. Beilage zu dems.
Werk 1888. 26) Der Bildhauer P. Clodt ausruhend; bez. М. Клодтъ 1889.
Beilage zum Вѣстн. изящн. иск. 1890.

    Dioskuren 1866 S. 51, 307; 1867 S. 360. -- Rigasche Ztg. 1873 24.
    u. 28. März. -- Наши художн. 1. S. 188 ff. -- D. A. Rowinsky:
    Подробн. словарь etc.


=Clodt v. Jürgensburg=, ~Peter Jakob~. Bildhauer. Geb. 24. Mai 1805 in
Petersburg; gest. 6. November 1867 auf dem Gute Chalala in Finnland.
Er erhielt seine Erziehung in der Militärschule zu Omsk, kam 1822,
nach dem Tode seines Vaters, des Generals Karl C. v. J. aus Omsk
nach Petersburg, trat hier in die Artillerieschule und wurde 1826
Fähnrich in der Garde-Artillerie, beschäftigte sich aber schon damals
in seiner vom Dienste freien Zeit mit Zeichnen und Holzschnitzerei,
wobei besonders die Darstellung des Pferdes sein Lieblingsthema
bildete. Durch ein in Holz geschnitztes russisches Bauerngespann, das
er dem Knaben eines befreundeten Hauses geschenkt und dadurch die
Aufmerksamkeit einiger Kunstkenner auf sich gezogen hatte, ferner durch
ein Paar in Holz geschnitzter Pferde, die er während der Lagerzeit
in Krasnoje-Sselo ausgeführt hatte und in die Hände der Grossfürsten
Michael und Nikolai Nikolajewitsch gekommen waren, wurde sein Talent
bekannt. Auch der Kaiser Nikolaus I. wurde auf ihn aufmerksam,
erteilte ihm kleine Aufträge und beurlaubte ihn zur Vollendung seiner
künstlerischen Ausbildung aus dem Militärdienste. Er besuchte darauf
die Akademie in Petersburg, wurde 1833 zum Akademiker und 1838 zum
Professor ernannt und gleichzeitig mit der Leitung der Skulpturklasse
der Akademie und mit der Direktion des Giesshauses betraut. 1848 zum
ord. Professor befördert. Mitglied der Akademie zu St. Lukas in Rom
1852; der Berliner und der Pariser Akademien 1853. Seine Pferdemodelle,
die sich durch ihre getreue Beobachtung des Tieres auszeichnen, sind
in den meisten Akademien zu finden. Sein künstlerischer Nachlass wurde
1871 von seinem Sohne der Akad. in Petersburg überwiesen. Er schuf:
Die Quadriga auf der Narvaschen Triumphpforte in Petersburg 1832/33.
-- Die Gruppen der Pferdebändiger. Von Kaiser Nikolaus 1842 dem Könige
von Preussen geschenkt und in Berlin vor dem Schloss aufgestellt.
1843 wurde eine Wiederholung der Gruppe für die Anitschkowbrücke in
Petersburg ausgeführt; (aufgestellt 1850). Eine zweite Wiederholung
machte der Kaiser 1846 dem Könige von Neapel zum Geschenk; in Neapel
aufgestellt auf der Piazza del Re. -- Den Bronzelöwen für das
Grabmal des Generals Karl v. Bistram. -- Das Giebelrelief für das
Stallhofgebäude des Grossfürsten Konstantin. (39 Menschen und 33
Pferde). 1846. -- Das Relief: Der heil. Georg zu Pferde, im Georgensaal
des Kremls zu Moskau, 1846. -- Die Kreuztragung und die Grablegung
für die Isaakskirche in Petersburg, 1846. -- Eine Bronzebüste des
Kaisers Nikolaus I., 1851. -- Das Denkmal des heil. Wladimir in Kiew.
Im Guss vollendet 1853. -- Das Denkmal des Fabeldichters Krjilow,
im Sommergarten zu Petersburg, 1855 aufgestellt. -- Das Denkmal der
Kaiserin Katharina II. für die Kolonisten im Saratowschen Gouvernement.
-- Das Denkmal des Hetmans Platow, für die Stadt Nowo-Tscherkask,
nach einem Modell des Akademikers Tokarew. -- Die Reiterstatue des
Kaisers Nikolaus I. auf dem Platze bei der blauen Brücke, 1856-1859.
(Der Sockel nach dem Entwurf des Architekten Montferrand; die Reliefs
an demselben vom Bildhauer Robert Salemann aus Reval). -- Die
Kolossalstatue Luthers für den Grafen Meyendorff; aufgestellt auf dem
Gute Kegel bei Reval; enthüllt 21. Oktober 1862. -- Die Modelle zu den
Sandsteinskulpturen am Äussern der Erlöserkirche zu Moskau, 1862.

    Magazin für die Lit. des Auslandes 1845 S. 91. -- Die Dioskuren
    1868 S. 176 ff. -- Schorns Kunstblatt 1843 S. 244, 294, 304; 1844
    S. 19, 300, 303; 1851 S. 160; 1856 S. 292. -- W. Neumann: Baltische
    Maler und Bildhauer, S. 77-79.



D


=Dahlen=, ~Friedrich Statius v.~ Baumeister und Stadtingenieur in Riga.
Er erhielt 1686 vom Rat zu Riga den Auftrag zur Anfertigung eines
Entwurfs zum Neubau des Turmes der Petrikirche. Nach seinem Entwurf,
den er am 7. Juni desselben Jahres einreichte, sollte der Turm „mit
einer Kuppel und 8 Kandicht“ ausgeführt werden. Der schon nach diesem
Plane in Ausführung begriffene Bau fand aber bei der Bürgerschaft
keinen Anklang und auf Beschluss einer Ratssitzung, die am 2. Aug. 1688
unter Hinzuziehung der Ältestenbanken beider Gilden stattfand, wurde
der Weiterbau eingestellt und der Baumeister Ruppert Bindenschu (s. d.)
mit der Bearbeitung eines neuen Projekts beauftragt.

    A. Buchholtz in den Sitzgsber. d. Gesellsch. f. Gesch. und
    Altertumskunde 1891 S. 48 ff. -- W. Neumann: das mittelalterliche
    Riga. Berlin 1892.

=Dahlsteen=, A..... Porträtmaler; lebte um die Mitte des 18.
Jahrhunderts in Riga. Von ihm ein Porträt von Anna Katharina Hollander
geb. Poorten.

=Dannenberg=, ~Alice~. Malerin. Geb. 4. April 1861 zu Annenhof in
Kurland, besuchte die Jung-Stillingsche Zeichen- und Malschule in Riga
und ging zu weiterer Ausbildung 1886 nach Karlsruhe, wo sie unter Prof.
Kanoldt arbeitete, dann nach Bern, wo sie von 1887-1891 die Kunstschule
besuchte. In Genf besuchte sie die Ecole des beaux arts und arbeitete
dann in Paris unter Leitung von R. Collin, Olivier, Merson und Mucha.
Neben der Genremalerei hat sie sich auch der graphischen Kunst
zugewandt.

=Dannenhauer=, (~Tannenhauer~).... Porträtmaler. Malte in Riga (1726?)
ein Porträt des Kaisers Peters I. für das Schwarzhäupterhaus; er wurde
später kaiserl. Hofmaler in Petersburg.

=Darbes=, ~Joseph Friedrich August~. Porträtmaler. Geb. 1747 in Hamburg
(Dänischer Nationalität); gest. 25. Juni 1810 in Berlin. Er hatte seine
Ausbildung in der Akademie in Kopenhagen unter dem Kupferstecher Joh.
Martin Preissler und K. G. Pilo erhalten, bereiste dann Deutschland,
Holland und Frankreich und kam 1775 nach Petersburg, wo er längere Zeit
am Hofe tätig war. Auch in Kurland und in Riga ist er vorübergehend
tätig gewesen. (Zwei im Mus. zu Mitau aufbewahrte von ihm von Berlin
aus an den Hofrat v. Offenburg gerichtete Briefe v. 23. Septbr. 1787
u. 25. Febr. 1788 bestätigen seinen Aufenthalt in Kurland). Mehrere
Porträts seiner Hand im Bes. des Grafen Lieven aus der Zeit von
1783-1784. In Riga sind von ihm nachweisbar: Ein Portr. der Frau Mary
Hay, geb. Cramp. -- Ein Portr. der Frau Gertrud v. Krüger, geb. Barber.
-- Ein Portr. des Rigaschen Ratsherrn Johann Heinrich Hast und dessen
Gattin Katharina Elisabeth, geb. Baumgarten. -- Das Portr. d. Anna
Elisabeth Hollander, geb. Hast, Bes. Oberlehrer B. Hollander, Riga. --
Das Portr. d. Schwarzhäupterältermannes Jobson, gem. 1784; (Bes. Ges.
d. Schwarzhäupter, Riga). -- Das Portr. des Pastors Aug. Wilh. Hupel,
gest. v. C. Kohl, fol.

=Daugull=, ~August~. Holzschneider. Geb. 1. Jan. 1830 in Dorpat; gest.
8. Nov. 1899 in Petersburg. War Anfangs Schüler des Malers L. v.
Maydell und besuchte dann als freier Zuhörer die Petersburger Akademie,
die ihm 1858 den Rang eines freien Künstlers erteilte für ein von ihm
in Holz geschnittenes Porträt des Kaisers Alexander und einen Kopf
nach Rembrandt. Daugull gehörte zu den beliebtesten Xylographen der
Hauptstadt. Zu seinen hervorragenderen Arbeiten gehören: Die Porträts
des Kaisers Peters I. 1875 u. der Kaiserin Katharina II. -- Ein
Porträt Luthers nach Cranach, 1883. -- Die Alexandersäule in Petersb.
qu. 8^o. Als Vignette f. d. Ztg. Postimees. -- Eine Anzahl Porträts,
grösstenteils nach W. Timm. Ferner Ansichten von Gebäuden, Gegenden,
Vignetten etc. für die Zeitschriften: Die nordische Biene, Русская
иллюстрація u. a. (Sammlung des Dr. A. Buchholtz in d. Bibliothek der
Ges. f. Gesch. u. Altertumskunde in Riga). -- Kaiser Alexander II mit
seiner Suite; gez. v. F. Teichel u. K. Brosch. Holzsch. Gr. fol. in
Всем. иллюстрація 1869 S. 73.

    Inland 1859 S. 459. -- Rigasche Ztg. 1883 Nº 293. -- Наши
    художники I S. 133.

=Denffer=, ~Dietrich Peter~, gen. Jansen. Maler. Lebte in der ersten
Hälfte des 18. Jahrh. in Mitau als „Herzoglich Kurländischer Hofmaler“.
Bis 1755 nachweisbar. Von ihm das Porträt des russischen Gesandten am
Warschauer Hof Grafen Hermann Keyserling; gem. 1739, (Bes. Mus. Mitau).

    Jahrbuch für Genealogie, Heraldik u. Sphragistik, 1898. S. 125.

=Deutsch=, ~Rudolf Friedrich von~. Historienmaler. Geb. 27. Okt. 1835
in Moskau als Sohn des Dr. med. Staatsr. v. D., trat 1856 in die
Dresd. Akad. und ging 1860 nach Darmstadt, wo er unter Prof. Hoffmann
arbeitete, lebte 1863-66 in Italien, bereiste Belgien und England und
liess sich dann in Berlin nieder. Zu seinen Hauptwerken zählen Kartons
u. Federzeichnungen mythologischen Inhalts; eine siegreiche Germania;
Trost in Tönen; Penelope und die Entführung der Helena (Nat. Gal.
Berlin). Weniger gerühmt sind seine Genrebilder.

    H. W. Singer. Allgem. Künstler-Lexikon.

=Deutsch=, ~Karl Ferdinand~. Lithograph. Geb. 1806; gest. 23. Juni 1881
in Riga. Er gründete 1841 eine lithographische Anstalt, die noch heute
besteht (Firma A. Grosset), aus der eine grosse Anzahl bemerkenswerter
Arbeiten hervorgingen. Von diesen seien genannt: Ansicht von Riga von
der Dünaseite, 1841. -- Der kleine Violinspieler nach Fendi. Orig.
in der Gal. Brederlo, städt. Museum in Riga. -- Der Komiker Lehmann
in 12 seiner versch. Rollen nach H. Schlichting, 1841. -- Die russ.
Nationalhymne als kalligraphisches Bild, entw. von Ferd. Hess jun.,
1842. -- Portr. des Dr. C. Napiersky nach G. W. Rosenberg, 1842. --
Porträt des Generalgouverneurs M. von der Pahlen nach G. W. Rosenberg.
-- Porträt des Reinh. v. Patkul nach dem Original im Museum zu Mitau. --
Das baltische Lieder- und Sängerfest nach H. Schlichting. -- Porträt
des Oberlehrers am Rigaschen Gymnasium Dr. Alex. Theod. Sverdsjö. --
Porträt des Ratsherrn Carl Jakob Bergengrün. Farbige Lith. -- Porträt
des orthodoxen Bischofs Philaret, fol. -- Porträt des Barons Carl
Friedr. v. Schoultz-Ascheraden. -- Porträt des Missionars C. H. Hahn.
-- Porträt des livländ. Gouverneurs Georg Friedr. Fölckersam, farb.
Lith. -- Porträt des Aeltermannes gr. Gilde in Riga, Robert Sigism.
Hafferberg. -- Porträt des Weinhändlers Dan. Ludw. Jäger, farb. Lith.
-- Porträt des Woldemar Pierson v. Balmadis. -- Porträt der Frau
Oberst Sophia Therese v. Rehbinder, geb. v. Butzkowsky. -- Porträt des
Generalmajors v. Wakulsky. -- Porträt des Rigaschen Ratsherrn Dav. v.
Wilcken. -- Porträt der Gemahlin desselben Johanna, geb. v. Zimmermann.

=Dietze=, ~Otto~. Architekt. Geb. 25. Dezember n. St. 1832 in Chemnitz;
gest. 4. Oktober 1890 in Riga. Absolvierte die Chemnitzer Bauschule und
kam um 1859 nach Riga, wo er bei der Abtragung der Wälle Beschäftigung
fand. 1863 übernahm er das Amt eines Stadtarchitekten in Mitau, gab
es aber 1872 wieder auf und liess sich in Riga nieder. Von ihm sind
ausgeführt: Das Pastorat der lettischen Gemeinde an der Peterstr. in
Mitau, 1864. -- Umbau der Kirche zu Pankelhof und neuer Turm derselben,
1865. -- Umbau der Kirchen zu Goldingen und Libau, 1866. -- Rathaus in
Goldingen 1868. -- Synagoge in Mitau, 1868. -- Das Bahnhofsgebäude in
Mitau. -- Brücke über die Windau bei Goldingen 1874 vollendet. -- Das
eigne Wohnhaus in Mitau (wurde 1874 verkauft).

    Rigasche Stadtbl. 1861 Nº 7. -- Rigascher Almanach 1871 S. IX. --
    Rigasche Ztg. 1868 Nº 19. -- Ztg. für Stadt und Land. 1873 Nº 9.

=Dörbeck=, ~Franz Burchard~. Zeichner und Kupferstecher. Geb. 10.
Februar 1799 in Fellin; gest. daselbst 20. September 1835. Kam 15
Jahre alt nach Petersburg, wo er Schüler des Kupferstechers Friedrich
Neyer wurde und 1817 eine Stellung als Graveur in der Expedition der
Staatspapiere erhielt. 1820 verlor er hier nach kaum sechswöchentlicher
Ehe seine junge Gattin und siedelte infolgedessen nach Riga über,
wo er sich durch kleine Arbeiten, wie Visitenkartenstechen und
ähnliches kümmerlich durchbrachte. 1823 zog er nach Berlin und
fand dort die Unterstützung des Kunsthändlers Gropius. Durch seine
lithographierten, flüchtig, aber charakteristisch hingeworfenen Szenen
aus dem Berliner Volks- und Strassenleben machte er seinen Namen
schnell bekannt. Durch sie wurde er der Begründer des humoristischen
Genres in der deutschen Kunst. Zunehmende Kränklichkeit veranlasste
ihn zur Rückreise nach Fellin, wo er bald nach seiner Ankunft starb.
-- Von seinen bisher bekanntgewordenen Arbeiten nennen wir: Porträt
des estnischen Dichters Christ. Jaak Petersohn. 8^o. -- Das eigene
Porträt, rad. nach Mäklenburg; 4^o. -- Porträt des Rittmeisters der
Rigaschen blauen und grünen Bürgergarde Th. Heinr. v. Schröder, rad.
nach Mäklenburg; 4^o. -- Porträts Calvins, Körners und Luthers, rad.
kl. 4^o. -- Titelvignetten zur römischen und preussischen Geschichte
nach Zeichnungen von Joh. Martin Geisler. -- Zwei Blätter zu der von
Drouville herausgegeb. Reise durch Persien: Bildnis des Nestorianischen
Bischofs, bez. 23. gravé par B. Dörbeck; der reguläre Kanonier, bez.
Dörbeck sc. -- 16 kolorierte Radierungen Berliner Strassenfiguren.
-- Berliner Witze; Szenen aus dem Berliner Volksleben, farb.
Lithogr. 4^o herausg. von Gebrüder Gropius im Diorama, Georgen- und
Universitätsstrassen-Ecke in Berlin. Neu verlegt unter dem Titel:
Berliner Humor vor 50 Jahren von Mitscher und Röstell, Berlin. --
Album academicum. Bildliche Darstellungen aus dem Studentenleben. 1.
Lief. 4^o; 14 lith. und illumin. Blätter, 1832. Verl. von Bechtolt und
Hartge, Berlin. -- Wintermode für 1831. Herr und Dame in lächerlichen
Anzügen, farb. Lith. 4^o. -- Zwei Blatt: Vor und während der Toilette,
farb. Lith. qu. 8^o. -- Humoristische Badeszene in der Umgegend
Berlins, farb. Lith. 4^o. -- Wie du mir, so ich dir. Ankleideszenen.
Zwei Darstellungen auf einem Blatt. Kl. qu. fol. -- Bockkneipe,
Jubiläumsblatt für eine Schneidergesellschaft. Kl. qu. fol. -- Zwei
Blatt: Mariulf schickt Ihnen einen dummen Jungen. Kammergerichtsbote.
Letzteres Blatt farb. 4^o. -- Hallescher Stiefelknechtgalopp. 13
Darstellungen mit Musik auf einem Blatt. gr. fol. 1832 (sehr selten).
-- Die Zeit ändert viel. Die Verkaufsbuden vor dem Prinzessinnenpalais
unter den Linden. qu. fol. -- Messvorstellungen 2 Blatt 4^o u. qu. fol.
-- Berliner Currende. 4^o. Kremser. Farb. Lith. kl. qu. fol. -- Wie die
Berliner nach Stralau gehen. Gruppe vom Stralauer Fischzug. kl. qu.
fol. -- Porträt eines Cholera-Präservativ-Mannes nach Saphir. Spottbild
auf die Cholerafurcht. -- Stiftungsfest des Vereins Berliner Künstler,
1838. Federzeichnung 4^o. Kupferstich-Kab. Berlin.

    A. Hagen: die deutsche Kunst im 19. Jahrhundert. Berlin 1857 S.
    438. -- Franz Kugler: Museum. Blätter für bild. Kunst, Jahrg. 3.
    1835 S. 351-352. -- W. Neumann: Balt. Maler u. Bildhauer. S. 49-51.
    -- Kunstbeilage des „Rigaer Tageblatt“ 1908 Nº 21 u. 22. Johannes
    Trojan, Berliner Altväterisches, in Kunst u. Künstler VI, S. 224 ff.

=Döring=, ~Julius~. Porträt- und Historienmaler. Geb. 19./31. August
1818 in Dresden; gest. 26. September 1898 in Mitau. Besuchte in
seiner Vaterstadt von 1830 ab die Mittwochs- und Sonnabendsstunden
der Akademie und wurde 1838 Schüler von Bendemann. Im Sommer 1844
unternahm er eine Studienreise durch Süddeutschland und einen Teil
von Oberitalien, um farbige Trachtenbilder aufzunehmen für das von
dem Dichter und Geschichtsschreiber Eduard Duller herausgeg. Werk
„Geschichte des deutschen Volks“ (Leipzig, 3. Aufl. 1846). Im Juni
1845 folgte D. einer Aufforderung der Staatsrätin J. v. Klein zu
einer Reise nach Kurland; er nahm dabei seinen Weg durch die Provinz
Posen und hatte hier Gelegenheit zu mehrfachen Porträtausführungen.
Erst im Dezember traf er in Mitau ein. Obgleich die Zeit seines
Aufenthalts in Kurland nur auf zwei Jahre von ihm festgesetzt worden
war, veranlassten ihn doch die mancherlei Aufträge, die ihm zuteil
wurden, zu längerem Bleiben und führten endlich zu dem Entschluss sich
völlig in Mitau sesshaft zu machen. 1859 wurde er zum Zeichenlehrer am
Mitauer Gymnasium ernannt, welchem Amt er 31 Jahre vorgestanden hat;
daneben erteilte er Privatunterricht. Die kurländische Gesellschaft
f. Lit. u. Kunst erwählte ihn 1865 zu ihrem Bibliothekar und
Schriftführer; beide Aemter hat er bis zum 30. Juni 1893 bekleidet.
Auch hat sich D. sowohl auf dem Gebiete der heimischen Archäologie
wie auf dem der Kunstforschung eifrig betätigt. Seiner Vorarbeiten
für das vorliegende Lexikon ist im Vorwort eingehend gedacht. In den
Jahren 1852, 1885 und 1889 unternahm er grössere Reisen nach Italien,
Griechenland und Palästina. Sein Werk gibt D. auf 1106 Porträts aller
Art, 23 Altargemälde und 3 historische Bilder an. Unter diesen hebt
er hervor: Mehrere Porträts für die gräfl. Bernstorffsche Familie in
Düben bei Leipzig, gem. 1839. -- Wie Huldbrand seine Frau aus dem
verrufenen Wald geleitet. Szene aus der Undine, gem. 1840 (Bes. Dr.
Granickau, Mitau). -- Der heil. Jakobus. Altargem. für die Kirche zu
Myslowa in Polen, 1844. -- Porträt zweier Kinder des Generalkonsuls v.
Wöhrmann in Riga, 1849. -- Der auferstandene Christus. Altargem. für
die Kirche zu Assern, 1853. -- Porträt des griech. orthod. Erzbischofs
von Riga Platon, Kniestück, 1859. -- Porträt des Präsidenten Samson
v. Himmelstjerna. Zeich. durch Lithogr. vervielfältigt 1859. --
Himmelfahrt Christi. Altargem. für die Kirche zu Sessau, 1860. --
Christus am Kreuz. Altargem. für die Kirche zu Bauske, 1860. --
Christus auf dem Meere. Altargem. für die Kirche zu Borstein, 1861.
-- Christus am Kreuz. Altargem. für die Kirche zu Ellern, 1861. --
Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. Altargem. für die Kirche zu
Ekau, 1862. -- Ecce homo. Altargem. für die Kirche zu Neuenburg, 1863.
-- Die Sixtina nach Raffael für die kathol. Kirche zu Mitau, 1863. --
Der heil. Antonius. Giebelbild über dem Bogen des Einganges zur kathol.
Kirche in Mitau, 1864. -- Christus am Kreuz mit Maria-Magdalena.
Altargem. für die Kirche zu Baldohn, 1865. -- Christus am Kreuz mit
Maria und Johannes. Altargem. für die Armenkirche zu St. Johann in
Mitau, 1865. -- Porträt des Staatsrats Dr. K. Bursy, 1865 (Bes. Mus.
Mitau). -- Christus am Kreuz. Kopie nach dem Bilde des Prof. K. Jäger
in der Kirche zu Frauenburg in Kurl. Altargem. für die Kirche zu
Annenhof, 1866. -- Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. Altargem.
für die Kirche zu Saucken, 1867. -- Der heil. Joseph mit Maria und
dem Christkind, für die kathol. Kirche in Mitau, 1868. -- Christus am
Kreuz. Altargem. für die Kirche zu Holmhof an der Aa, 1871. -- Die
Enthauptung Konradins von Hohenstaufen. Vollendet 1871 (Bes. Mus.
Mitau). -- Bootfahrt auf der Aa; der Künstler und seine Familie,
1872 (in Privatbes. in Dresden). -- Porträt seiner Gattin, 1872 (in
Privatbes. in Dresden). -- Christus am Kreuz mit Maria und Johannes.
Altargem. für die Kirche zu Bauske, 1880. -- Der heil. Matthäus.
Kolossalbild für die kathol. Kirche zu Nowomiasto in Litauen. 1880. --
Christus Brot und Wein segnend. Altargem. für die Kirche zu Sallgaln,
1883. Darüber als Oberbild: Ein Engel, nach einem Motiv von Anna Maria
Ellenrieder. -- Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. Altargem. für
die Kirche zu Hofzumberge, 1888. -- Porträt des kurl. Gouverneurs v.
Lilienfeld, 1888 (Bes. Museum Mitau). -- Porträt des Herzogs Gotthard
Kettler. Vergrösserte Kopie nach einem alten Bilde, 1888 (Bes. v.
Nolcken, Allatzkiwi). -- Porträt des livl. Staatsmannes Reinh. v.
Patkul. Kopie nach einem Bilde im Mus. zu Mitau (Bes. Ritterhaus,
Riga. Eine zweite Wiederholung im Dommus. Riga). -- Christus am Kreuz.
Altargem. für die Kirche zu Szeymel, Litauen, 1890. -- Christus am
Kreuz. Altargem. für die Kirche zu Zohden, 1891. -- Porträt des
Gouvern.-Prokureurs v. Klein und dessen Gemahlin Julie (Bes. Frau v.
Bach, Mitau).

Nach seinen Porträts wurden von D. Schabert in Mitau lithographiert:
Porträt des Hrn. A. v. Beitler, 1847, lith. 1848. -- Porträt des
Generals d. Kav. Graf Kreutz, 1850, lith. 1851. -- Porträt des
Oberhofgerichtsrats Gust. Joh. Baron Lieven, 1847, lith. 1851. --
Porträt des Pastors Friedr. Ed. Neander, 1850, lith. 1850. -- Porträt
des Generalsuperintendenten Karl Ludwig Wilpert, 1848, lith. 1848. --
Porträt des Dr. med. Lichtenstein, lith. von H. Schabert. -- Porträt
des Hrn. Otto von Mirbach, nach Zeichn. von Döring, lith. v. H.
Schabert. -- Porträt des Pastors der reform. Kirche zu Mitau Herm.
Wilh. Cruse, 1849, lith. im Kgl. lithogr. Institut in Berlin.

    Nach Autobiographie.

=Dorn=, ~Johann Christoph~. Geb. 1671. Vielbeschäftigter Baumeister
aus Königsberg, wurde im Jahre 1742 vom Rat der Stadt Libau zur
Erbauung der Trinitatiskirche daselbst berufen, wozu er die Pläne
wahrscheinlich in Königsberg angefertigt hatte. Er traf am 8. März
1742 in Libau ein, am 12. März begann der Fundamentbau und am 19. Juni
wurde der Grundstein gelegt. Vollendet wurde die Kirche, die zu den
interessantesten Spätrenaissancebauten der Provinzen gehört, im Jahre
1748.

    Tetsch, Kirchengesch. II, 350 ff. Mspt. im Museum Mitau.

=Dorner=, ~Johann Konrad~. Porträt- und Historienmaler. Geb. 15. August
1809 zu Egg bei Bregenz am Bodensee; gest. 30. Juni 1866 in Rom, kam
1828 nach München auf die Akademie und wurde Schüler von Cornelius
und Schnorr, beteiligte sich auch unter jenem an den Arbeiten in der
Ludwigskirche. Veranlasst durch Baron Alfred Lüdinghausen-Wolff kam
er 1835 nach Mitau. 1839 ging er nach Wilna, kehrte aber 1840 nach
Mitau zurück und verheiratete sich hier im nächsten Jahre. 1843 zog er
nach Petersburg, wo er vorübergehend an der malerischen Ausstattung
der Isaakskirche beschäftigt war, und für die Kaiserliche Familie
mehrere Porträts ausführte. Die Petersburger Akademie ernannte ihn am
25. September 1852 zum Akademiker. Seit dem Jahre 1853 nahm er seinen
Aufenthalt in Rom. Von seinen bedeutenderen während seines Aufenthalts
in Kurland gemalten Bildern nennen wir: Mädchen am Meeresstrand; in
Mitau gem. -- Portr. der Gräfin Medem geb. v. Löwenstern als Kind, 1836
gem. -- Portr. des Hrn Otto v. Löwenstern, 1836 gem. (Bes. Graf Medem,
Stockmannshof). -- Gretchen am Spinnrad. (Bes. v. Schöpping, Grünhof).
-- Portr. seiner Gemahlin Karoline geb. Reter, in Mitau gem. -- Portr.
des Fräuleins Marie v. Rönne, Kniestück, in griechischem Kostüm; in
Mitau gem. -- Portr. einer Frau v. Rönne, in Mitau gem. -- Porträt des
Reichsgrafen L. v. Medem. (Bes. Graf Medem, Stockmannshof). -- Heilige
Familie. (Bes. Baron Ropp-Bixten in Kurland). -- Thisbe. (Aus dem Bes.
des Hrn Alexis v. Schöpping 1871 in den des Hrn v. Hahn-Rokischen
übergegangen). -- Für die Grossfürstin Maria v. Russland malte er in
Rom „Die Unterredung des heil. Augustin mit seiner Mutter Monica“ und
eine heilige Familie. -- Eine von Woldemar v. Mohrenschild ausgeführte
Kopie des von ihm über dem Eingange zum protestantischen Kirchhofe in
Rom gemalten Friedensengels befand sich 1871 auf einer Kunstausstellung
in Dorpat.

    Inland 1853 S. 765. Augsburger Allgem. Zeitung 1866 Nº 207. --
    Singer, Künstlerlexikon.

=Dreiling=, ~Franz v.~ Maler. Sohn des Rigaschen Kaufmanns Dietrich
v. D.; gest. 20. Oktober 1678. Seinen Bildern nach muss er von einem
holländischen Künstler ausgebildet worden sein. Er lebte später als
Kaufmann in Riga, wurde 1664 Dockmann und 1666 Aeltester der gr. Gilde.
Von ihm die Porträts seines Vaters Dietr. v. D. († 30. X. 1637) und
seiner Mutter Katharina, geb. Fuchs († 1651). Beide Bilder befanden
sich früher im Himselschen Museum in Riga, jetzt im Dom-Museum. --
Desgleichen eine Landschaft mit Ruinen eines Grabmals an einem Teich;
auf Holz gem. bez. rechts unten: Frans Dreiling Diedrich Sohn fecit
A. 1653. -- Ein Porträt in der Sammlung der Gesellschaft Prussia in
Königsberg.

=Dücker=, ~Eugen Gustav~. Landschaftsmaler. Geb. 29. Jan. (10.
Febr.) 1841 zu Arensburg auf der Insel Oesel, erhielt den ersten
Zeichenunterricht von dem Maler Fr. S. Stern und kam 1858 nach
Petersburg, wo er sich anfangs unter Prof. Jensen der Bildhauerkunst
widmete, sich aber dann auf der Akademie der Landschaftsmalerei
zuwandte. 1863 errang er sich die gr. gold. Medaille und zugleich ein
sechsjähriges Reisestipendium. Er ging zunächst nach Karlsruhe, wo er
sich an Lessing anschloss, dann nach München und 1864 nach Düsseldorf.
Hier wurde er 1872 als Nachfolger von Osw. Achenbach an die Akademie
berufen und ist nach einem zeitweiligen Rücktritt seit dem Herbst 1874
als Akademieprofessor tätig. 1873 ernannte ihn auch die Petersburger
Akademie zum Professor. Als Vertreter eines gesunden Realismus wurde
er zu einem Bahnbrecher der modernen Richtung der Landschaftsmalerei.
Aus der Fülle seiner Schöpfungen, die sich zum grössten Teile in
Privatbesitz befinden, heben wir hervor: Nach dem Regen, 1865 gem.
(Bes. Akademie der Künste, Petersburg. Abb. in наши художники S. 144).
-- Meeresufer, 1865 gem. (Bes. Galerie Botkin, Petersburg). -- Motiv
von der Insel Rügen, 1870 gem. (Bes. Städt. Museum, Königsberg). --
Wäldchen, 1870 gem. (Bes. Gesellschaft zur Förderung der Künste,
Petersburg). -- Motiv von der Insel Nargen bei Reval. (Bes. Grossfürst
Wladimir Alexandrowitsch). -- Motiv vom Ostseestrande; eine Barke
wird von fünf Pferden ans Land gezogen. (Bes. Galerie Dresden). --
Hohe Ufer, 1872 gem. (Bes. Grossfürst Wladimir Alexandrowitsch).
-- Sonnenuntergang an der Ostsee, 1876 gem. (Bes. Städt. Museum,
Königsberg). -- Mönchgut auf Rügen mit der Bucht bei aufgehendem
Mond. (Bes. Nationalgal. Berlin, erworb. 1878. Abb. im Kat). -- Am
frühen Morgen, Harzlandschaft, 1871 gem. (Bes. Fürst Carolath-Beuthen,
Berlin). Rügenscher Strand. (Bes. Museum, Hannover). -- Nordseestrand
mit Schiffswrack. (Bes. Museum Breslau). -- Idylle am Meeresstrande,
1885 gem. (Bes. Stadtgalerie, Düsseldorf). -- Motiv von Arkona auf
Rügen. (Bes. Nationalgalerie, Berlin). -- Sonnenaufgang auf Rügen, 1887
gem. (Bes. Kgl. Galerie, Dresden). -- Oktoberabend. (Bes. R. Mosse,
Berlin). -- Flut, 1888 gem. (Bes. Nationalgalerie, Berlin). -- Marine,
Oktoberabend, 1888 gem. (Bes. R. Mosse, Berlin). -- Fischer bei Reval.
(Bes. Museum Reval). Sonnenuntergang an der Ostsee, 1908 gem. (Bes.
städt. Museum in Riga). -- Radierungen: Kornernte qu. fol. (Album für
vervielf. Kunst). -- An der Küste, 4^o. (Originalradierung Düsseldorfer
Künstler, Heft I). -- Herbstlandschaft. (Originalradierung Düsseldorfer
Künstler Heft II).

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer. S. 148-150.

=Dücker=, ~Marie~. Malerin. Geb. 13. Juli 1847 in Arensburg auf der
Insel Oesel. Schwester und Schülerin des Vorigen; hat sich durch
vorzügliche Blumenmalereien bekannt gemacht. Sie lebt z. Z. in Pernau.



E


=Echtler=, ~Eduard~. Porträtmaler. Er stammte aus Wien und liess sich
1847 in Riga nieder, wo er sich mit Porträtieren und dem Kopieren
von Gemälden beschäftigte. 1850 arbeitete er in Petersburg und zog
1861 nach Riga zurück, wo er ein photographisches Atelier errichtete.
Von ihm das Porträt des Pastors Karl Leberecht Borckmann; lith. v.
M. Bergmann, fol. und das Porträt des Hrn. L. v. Cube im Jagdkostüm,
Kniestück, 1849. -- Ein Brustbild desselben, 1849. -- Eine Ansicht
von Riga von der Dünaseite in Aquarell ausgeführt, dem eine photogr.
Aufnahme von ihm zur Grundlage diente, wurde chromolithographisch von
E. Winckelmann & Söhne in Berlin vervielfältigt; verlegt von A. Hauff,
Buchhandlung in Riga, 1862, qu. fol.

    Inland, 1849. S. 794.

=Eggink=, ~Johann Leberecht~. Porträt- und Historienmaler. Geb. 26.
November 1787 auf dem Gute Pewicken in Kurland; gest. 7. März 1867 in
Mitau, studierte vom September 1811 bis Oktober 1812 Philosophie an der
Universität Dorpat, vertauschte dann aber das wissenschaftliche Studium
mit dem der Malerei. Von 1813 bis 1814 besuchte er die Zeichenklassen
der Petersburger Akademie, ging dann nach Deutschland, wo er in Berlin
und Dresden arbeitete, und dann nach Wien, wo er auf längere Zeit in
die Akademie trat. Mit dem Maler G. Hippius aus Estland zog er 1816
nach Rom. (Die Skizzenbücher seiner italienischen Studienzeit befinden
sich im Museum zu Mitau). Eine ihm von Kaiser Alexander I. gelegentlich
des Kongresses in Verona (1822) gewährte fünfjährige Pension, setzte
ihn in den Stand bis zum Jahre 1828 in Italien zu bleiben. Im Herbst
dieses Jahres begab er sich nach Petersburg. Die Akademie erteilte ihm
den Rang eines akademischen Künstlers und vom Oktober 1830 bis 1831
bekleidete er das Amt eines Zeichners für militärische Kostüme in der
Zeichenkammer des Grossfürsten Michael Pawlowitsch. Dann aber trieb es
ihn in die Heimat zurück. 1837 übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers
am Gymnasium zu Mitau, als Nachfolger des Malers Dominikus Oechs,
das er bis zum Jahre 1858 inne gehabt hat. Er war korrespondierendes
Mitglied der Akademie von S. Lucca in Rom und wurde 25. September 1834
von der Petersburger Akademie zum Akademiker befördert. Angeblich
war sein Name Eggink ein Pseudonym für v. Knigge. Es haben sich die
folgenden Arbeiten von ihm nachweisen lassen: 1-6) Eboli bei Pästum.
-- Heilige Familie (Kopie). -- Vermählung der heil. Katharina nach
Correggio. -- Ruhende Venus nach Tizian. -- Heilige Familie. --
Versch. Miniaturen. (In Rom gem. und dort 1819 ausgestellt). -- 7) Die
Religionswahl Wladimirs I. im Jahre 988, gem. 1822. (Bes. Eremitage,
Petersburg). -- 8) Kaiser Alexander I. hebt 1817 die Leibeigenschaft
in den Ostseeprovinzen auf. In Rom gem. 1824. (Bes. Baron Paul v.
Hahn-Asuppen in Kurland). -- 9) Der Sieg des Alexander Newski über
die Schweden im Jahre 1240. In Rom gem. 1824. Kolorierte Skizze im
Museum zu Mitau. -- 10) Einzug Alexander Newskis in Pleskau i. J.
1242. In Rom gem. 1824. Kolorierte Skizze im Museum zu Mitau. -- 11)
Tod des Marquis Posa, 1824. -- 12) Odysseus und Nausikaa, 1824. (Bes.
Museum, Mitau. Abb. in W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer). --
13) Die Landung Julius Cäsars in Albion. (In engl. Privatbesitz). --
14) Die Kumäische Sybille. (In kurländ. Privatbesitz). -- 15) Junges
Mädchen aus Albano, 1824. (Bes. A. v. Simolin, Gross-Dselden). -- 16)
Römerin vor dem Spiegel, 1824. (In russ. Privatbesitz. Eine Kopie
im Museum zu Mitau). -- 17) Grablegung Christi nach Raffael. In Rom
gem. 1820. (Von Kaiser Alexander I. der Kunstakademie in Petersburg
übergeben, am 3. Dezember 1824 von der Eremitage übernommen). --
18) Eine Sammlung von 17 Miniaturen (Miniaturen-Kab. der Eremitage,
Petersburg). -- 19) Grablegung nach Garofalo in Miniatur. (Kam in
Kaiserl. Besitz). -- 20) Danae nach Tizian. (Die Bilder 7-20 sind
von E. in Italien bis 1828 gem.) -- 21) Porträt des Fabeldichters
Krylow, 1835. (Bes. Kunstakademie, Petersburg). -- 22) Christus am
Oelberge, Altargemälde für die Essern-Grösensche Kirche in Kurland,
1842. -- 23) Landmädchen aus Nemi. -- 24) Landmädchen aus Genzano. --
25) Porträt des Generalsuperintendenten v. Richter. -- 26) Porträt
des Pastors Katterfeldt sen., Neuhausen in Kurland. -- 27) Petrus
auf dem Meere, gem. 1843. Altargemälde für die Trinitatiskirche in
Mitau. -- 28) Christkind nach Thorwaldsen, Altargemälde für die Kirche
zu Grobin. -- 29) Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes.
Altargemälde für die Kirche zu Neuhausen in Kurland. -- 30) Christus
am Oelberge, Altargemälde für die Kirche zu Salenen in Kurland. --
31) Dasselbe für die Kirche in Dünaburg, 1846 gem. -- 32) Christus am
Kreuz, Altargemälde für die Kirche zu Assiten in Kurland. -- 33) Das
Abendmahl, nach L. da Vinci, Altargemälde für die Kirche zu Jakobstadt.
-- 34) Christi Himmelfahrt, Altargemälde für die Kirche zu Sonnaxt in
Kurland. -- 35) Christus am Kreuz, für den Betsaal des Gefängnisses
zu Mitau. -- 36, 37) Der reuige Petrus und Johannes der Prediger; in
der Kirche zu Windau über der Sakristeitür. -- 38) Porträt des Pastors
v. Pauffler in Windau. (Bes. lutherische Kirche daselbst). -- 39, 40)
Selbstporträt und Porträt seiner Gemahlin, 1845 gem. (Bes. Museum zu
Mitau). -- 41-44) Rückkehr von der Ernte bei Neapel. Felsenkloster zu
Subiaco. Brunnen bei Olevano. Mädchen aus Frascati. -- 45, 46) Porträt
des Prof. Magnus Georg v. Paucker. (Original in Petersburg, Kopie von
J. Döring im Museum zu Mitau). Porträt der Gemahlin desselben, geb.
Trotta v. Treyden. -- 47) Die Kaskatellen bei Tivoli. -- 48) Sturm
auf dem Meere. -- 49) Mondscheinlandschaft. -- 50) Interieur. -- 51)
Porträt des Rigaschen Theaterdirektors Johann Hoffman. (Lith. v. D.
Schabert). -- 52) Porträt der Gemahlin desselben, Katharina geb.
Krainz. -- 53) Porträt des Sängers und Schauspielers am Rigaer Theater
Carl Günther. (Lith. von D. Schabert). (Nº 51-53 für die von Salzmann
projektierte Herausgabe der Bildnisse Rigascher Schauspieler). --
54) Porträt des Freiherrn Joh. Friedr. Recke, gem. 1842. (Bes. Museum
Mitau). -- 55) Porträt des Staatsrats A. v. Neumann. -- 56) Porträt
des livländischen Gouvernements-Postmeisters Fr. v. Jung-Stilling,
(1794-1853). Auf den Stein gezeichnet von E. Hau, gedruckt bei F.
Schlater. -- 57) Porträt, Kopie, der Brüder Gotthard und Magnus v.
Nolcken; ermordet in Mitau am 10. August 1615. (Nach dem Original im
Bes. des Museums. Lith. von F. Schabert, 4^o.) -- 58) Porträt des
Generalmajors v. Klinger mit der Leyer im Arm. Gest. v. Rosmäsler,
4^o. -- 59) Porträt des kurl. Medizinalinspektors K. G. H. F. Bursy.
Zeichn., darnach lith. von D. Schabert. -- 60) Porträt der Frau von
Paucker, 1838. (Bes. Schulinspektor a. D., L. Arbusow, Riga).

    W. Neumann. Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrhunderts. S.
    28-29.

=Ehmcke=, ~Karl Heinrich~. Architekt. Geb. 30. November 1852 in Riga,
studierte von 1873, I-74, II an der Universität Dorpat und trat dann
in das Rigasche Polytechnikum, das er 1878 absolvierte, worauf er noch
ein Jahr die Berliner Bauakademie besuchte. Er liess sich 1880 in Riga
als freipraktizierender Architekt nieder und übernahm 1892 das Amt
des Architekten des Rigaer Hypothekenvereins. Von ihm mehrere grosse
Wohnhausbauten, in Riga.

    Nach Autobiographie.

=Eichwald=, ~Rudolf~. Maler. Geb. 16. November 1816 zu Grösen in Kurl.;
gest. im Sommer 1838 in Dresden. War Schüler der Dresdner Akademie.

=Engelhardt=, ~Hermann Baron v.~ Genremaler. Geb. 1. März 1853 zu
Würken in Livland. Ging 1871 nach Düsseldorf, trat aber 1872 in die
Münchener Akademie ein und wurde Schüler des Prof. Löftz. Bildete sich
später unter Wagner und W. Lindenschmit. Lebt in München. Zu seinen
bekanntesten Arbeiten gehört der in verschiedene Museen zerstreute
Zyklus von drei Gemälden: Die Schwestern. Das städt. Museum zu Riga
besitzt von ihm eine betende Nonne.

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 134-135.

=Engelhardt=, ~Reinhold v.~ Maler. Geb. 24. Juli 1809 zu Sahlen in
Livl., trat 1837 in die Dresdner Akademie und bildete sich später in
München.

=Engelhardt=, ~Robert v.~ Landschaftsmaler. Geb. 25. November 1862 auf
dem Gute Foelk in Livland, trat 1879 in die Düsseldorfer Akademie. 1894
war von ihm in Riga eine Waldstudie ausgestellt.

=Erke=, ~Jakob Ludolf~. Kupferstecher. Geb. 1796 in Dorpat; gest. 2.
November 1845 in Petersburg. Ueber seine Tätigkeit in Petersburg s. D.
A. Rowinsky: Подробный словарь русских граверовъ.

=Essen=, ~Paul v.~ Ingenieur und Architekt. Er stand als Oberleutenant
in schwedischen Diensten und entwarf die Pläne zum Rathause in Dorpat,
dessen Bau 1684 begonnen und im August 1693 vollendet wurde.

    Inland. 1862 S. 793.

=Everdt=, ~Matthias~. Porträtmaler in Riga. Wird im Jahre 1633 als in
die Rigasche Bürgerschaft aufgenommen bezeichnet.

    Quartalbuch 1613-1633. S. 175.

=Exner=, ~Johann Gottfried~. Bildhauer. Angeblich aus Weissenstein
stammend, wurde am 18. November 1821 in Reval als Bürger aufgenommen;
gest. 1874. Er schuf von 1834-1840 die Marmorkanzel und den Marmoraltar
der Olaikirche zu Reval nach deren Brande von 1820, nach Entwürfen
von F. L. v. Maydell. Gleichfalls nach einem Maydellschen Entwurfe
arbeitete er das Grabdenkmal des Oberpastors Hörschelmann auf dem
Kirchhofe zu Moik bei Reval, 1835. Dekorative Arbeiten von ihm in
Schloss Fall in Estland.

    Inland 1886 S. 468, S. 779 ff. -- G. v. Hansen, Die Kirchen u.
    ehemaligen Klöster Revals, 1885 S. 22. -- Sein Porträt im Bes. des
    estländischen Provinzialmus. zu Reval.

=Eyman=, ~Marie~. Malerin. Geb. 29. März 1857 in Mitau, war anfänglich
Schülerin des Malers Jul. Döring in Mitau und bildete sich von
1892-1895 auf der Damenakad. des Künstlerinnenvereins in München.



F


=Fabiansohn=, ~Heinrich~, aus der Nähe von Wesenberg gebürtig, besuchte
die Petersburger Akad. und wurde 16. April 1859 zum Kandidaten auf den
Rang eines Akademikers erwählt. Es gibt von ihm gut gemalte Porträts
(Stadthaupt Hahn in Narva, Pastor Hunnius in Maholm). Die Kirche zu
Maholm in Estland besitzt von ihm ein Altargemälde: der sterbende
Christus. Auch Tierbilder wurden von ihm erwähnt.

=Fatt=, ~Johann Peter~. Porträtmaler und Silhouetteur. Lebte zu Ende
des 18. Jahrhunderts in Riga und scheinbar abwechselnd in Mitau. Das
Porträt eines Unbekannten bez. J. P. Fatt pinx 1791 befindet sich im
Bes. d. Herausgebers.

    Mitausche Ztg. 1790 S. 52.

=Faujaert=, S... Porträtmaler. Ein Gemälde vom ehemaligen Epithaph
des Rigaschen Ratsherrn Johann Kocken von Grünbladt († 1656), das
diesen und seine Familie zu den Füssen des Gekreuzigten darstellt,
trägt rechts unten die Bezeichnung: S. Faujaert. fec. Das Epithaph
wurde 1653 beim Eingang in den Chor der Domkirche am rechten Pfeiler
angebracht (Bes. Dom-Mus. Riga).

=Fechhelm=, ~Karl Traugott~. Architektur- und Dekorationsmaler. Geb.
1748 in Dresden; gest. in Riga 1819. Jüngster Bruder der Maler Karl
Friedrich F. (geb. 1725 in Dresden, † 1785 in Berlin, Dekorations- und
Freskomaler), Christian Friedrich Gottlieb F. (geb. 1732 in Dresden,
seit 1765 Lehrer an der Kunstakad. in Dresden, gest das. 1819) und
Georg Friedrich F. (geb. 1740, seit 1788 Mitgl. der Akad. in Berlin, †
Ende des 18. Jahrh.). Wahrscheinlich war er Schüler seiner in Berlin
ansässigen Brüder und trieb dort die Theater- und Dekorationsmalerei,
als er im Jahre 1797 nach Riga berufen wurde. Hier führte er als
erste Arbeit die Dekorationen zur Zauberflöte aus. Ob er dauernd am
Theater angestellt war, lässt sich nicht erweisen; als Landschafts-
und Architekturmaler hat er eine grosse Tätigkeit entfaltet. Von ihm
sind folgende Arbeiten bekannt: Ansicht Rigas von der Dünaseite, 1811
gem. -- Drei Gemälde, den Brand der Vorstädte Rigas am 11. und 12.
Juli 1812 darstellend, wurden am 12. X. 1812 vom ehem. Himselschen
Mus. in Riga erworben. -- Ansicht der Vorstädte nach dem Brande; am 2.
V. 1814 vom ehem. Himselschen Mus. erworben. -- Ansicht Rigas von der
Dünaseite, 1815 gem. Darnach farb. Lith. v. Jac. Geisser. fol. -- Drei
Ansichten des Marktplatzes in Riga, 1816 gem. (Bes. Dom-Mus. Riga).
-- Eine Ansicht des Rathausplatzes, farb. Lith. v. Jac. Geisser. fol.
-- Ansicht der Gegend von Kronenberg in der livländischen Schweiz.
Nach einer Skizze von Joh. W. Krause (s. d.). -- Der Schlossplatz in
Riga zur Zeit der Einweihung der Siegessäule, 1818 gem. (Bes. Dom-Mus.
Riga). -- Der Paradeplatz an der Jakobsstrasse vor dem Zeughause, 1819
auf Bestellung des Himselschen Mus. gem. (Bes. Dom-Mus. Riga). -- Vier
Landschaften aus der livländ. Schweiz, gem. für den Ratsherrn Kolb in
Libau. -- Motiv aus Venedig nach Canaletto (Bes. Dr. Behr, Mitau).
-- Der Canale grande (Bes. Kunstverein Riga). -- Rigaer Zitadelle,
Dekoration für eine Festvorstellung. -- Fünf Ansichten aus Berlin aus
dem Ende des 18. Jahrhunderts in der Art des Canaletto gemalt; 1906 vom
städt. Museum zu Riga dem märkischen Mus. in Berlin überlassen.

    Rigasche Stadtbl. 1816 S. 195 u. 196; 1866 S. 334. -- Libausches
    Wochenblatt 1840 Nº 69. -- Rigaer Theater- u. Tonkünstlerlexikon
    S. 58 u. 279.

=Fedders=, ~Julius Woldemar~. Landschaftsmaler. Geb. 7. Juni 1838
zu Kokenhusen in Livland, kam 1856 nach Petersburg auf die Akad.
und absolvierte sie 1862 mit drei Preismedaillen; ausserdem war ihm
von der Kaiserin für ein Aquarell ein Diamantring als Ehrengeschenk
verliehen worden. Er übernahm nach seinem Abgange von der Akademie
das Amt eines Zeichenlehrers an der Realschule zu Mitau, gab es aber
1875 auf, um in Düsseldorf weitere Studien zu machen. 1876 lebte er
in Petersburg und übernahm in der Folge das Amt eines Zeichenlehrers
am Volkslehrer-Seminar zu Bielgorod im Kurskischen Gouvernement. 1880
wurde er zum Akademiker befördert; 1893 zum Professor ernannt. Seit
1874 Mitgl. der Akademie zu London. Lebt z. Z. in Njeschin. Seine
zahlreichen Landschaften befinden sich grösstenteils in Privatbesitz.
Das städt. Mus. zu Riga besitzt von ihm eine Strandpartie von Orro.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 157-159.

=Feldmann=, ~Alexander Wilhelm v.~ Militäringenieur und Architekt.
Geb. 26. Mai 1790 in Reval; gest. 31. August 1861 in Petersburg, wurde
am 31. August 1827 auf Befehl des Kaisers Nikolaus I. zum Oberleiter
der Wiederherstellungsarbeiten an der 1820 abgebrannten Olaikirche in
Reval ernannt und stand dem Bau bis seiner am 9. Mai 1831 erfolgten
Versetzung nach Petersburg vor. Er lebte später als Ingenieur-General
und General-Adjutant in Petersburg.

    Inland 1836 S. 467 u. 469. -- G. v. Hansen, Gesch. der Kirchen u.
    ehemaligen Klöster Revals. 1885 S. 22. -- Nottbeck u. Neumann,
    Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval. 1899 II. S. 106.

=Felsko=, ~Johann Daniel~. Architekt. Geb. 18. Oktober 1813 in Riga;
gest. 24. September 1902. Besuchte von 1835-1840 die Kunstakad. zu
Kopenhagen und wurde mit einer silb. Preismed. ausgezeichnet. Am
6. September 1843 berief ihn der Rigasche Rat zum Adjunkten des
damaligen Stadtbaumeisters Grän, doch musste er merkwürdigerweise
seine Befähigung zuvor durch ein Examen vor einer aus Maurer- und
Zimmermeistern bestehenden Kommission dartun. Am 27. Mai 1844
bestätigte ihn der Rat im Amte eines „Stadtarchitekten“. Seine
Ernennung zum Stadtarchitekten, als des ersten akademisch gebildeten
Künstlers in diesem Amt, ist für die Entwicklung der Baukunst in Riga
von nachhaltigem Einfluss gewesen. Am 1. April 1879 legte er sein Amt
nieder. 1851 ernannte ihn die Petersburger Akad. zum freien Künstler;
1900 wählte ihn der Rigasche Architektenverein zum Ehrenmitgliede.
Zu seinen bedeutendsten Arbeiten gehören: Das Stadtwaisenhaus in der
Kalkstrasse in Riga, 1845-1846. Durch den Stadtarch. Schmaehling 1890
zur Stadtsparkasse umgebaut. -- Der Erweiterungsbau des Rathauses,
1848-1850. -- Die Martinskirche in Riga-Hagensberg, 1851/52. Seit 1887
durch Arch. H. Scheel erweitert und umgebaut. -- Die St. Annenkirche
in Pinkenhof bei Riga, 1853/54. -- Die anglikanische Kirche in Riga,
1857-1859. -- Turm der St. Johanniskirche in Riga, 1860. -- Das Haus
der St. Johannisgilde; begonnen 1863. -- Die St. Gertrudkirche,
1864-1866. -- Das Stadtgymnasium, 1865-1868. -- Das Stadtkrankenhaus,
1870 begonnen, später vergrössert; publiz. in der Erbkamschen Bauztg.
1876. -- Das Restaurationsgebäude im Wöhrmannschen Park, 1872. -- Das
Sadownikowsche Armenasyl in Riga, 1874-1876. -- Die Trinitatiskirche
auf Alexandershöhe, 1876-1878. -- Die Stadtrealschule (früher
Bürgerschule), 1876-1879. -- Neubau des Aktienhauses in Dubbeln bei
Riga 1878 nach dem Brande des 1848 von ihm erbauten.

    Rigasche Stadtbl. 1841 S. 331, 354 u. ff.; 1845 S. 132 ff.; 1853 S.
    199; 1854 S. 479; 1859 S. 272; 1864 S. 274; 1865 S. 265 ff; 1868 S.
    199; 1874 S. 244 a. 245. -- Inland 1843 S. 345; 1848 S. 582; 1851
    S. 934; 1855 S. 9. - Rigasche Ztg. 1873 Nº 302; 1874 Nº 143; 1877
    Nº 216; 1878 Nº 149; 1879 Nº 151; 1885 Nº 102 u. 103. -- Rigaer
    Almanach 1863; 1867 S. X; 1868 S. III. IX; 1880 S. 45 u. 62. --
    Neue Ztg. f. Stadt u. Land 1878 Nº 265. Dünaztg. 1892 Nº 162.

=Felsko=, ~Karl Johann~. Architekt. Geb. 5. Mai 1844; Sohn des Vorigen.
Bildete sich anfangs unter Leitung seines Vaters, der ihn auch
gleichzeitig in die Praxis einführte und besuchte dann seit 1863 die
Bauschule zu Siegen in Westfalen. 1865-66 im Bureau der Architekten
von der Hude u. Hennicke in Berlin tätig, besuchte er gleichzeitig
die Vorlesungen an der Bauakademie daselbst und setzte dann seine
Studien an der Kunstakad. in Petersburg fort, die er 1868 mit dem
Diplom eines freien Künstlers absolvierte. Seit jener Zeit in Riga als
freipraktizierender Architekt tätig; versah zeitweilig das Amt eines
Lehrers an der Gewerbeschule und von 1872-1882 das eines Assistenten am
Polytechnikum in Riga. Von ihm ausser zahlreichen Privatwohnhäusern:
Das neue Waisenhaus in Riga (Preisgekrönter Konkurrenzentwurf; in
Gemeinschaft mit K. Neuburger ausgeführt). -- Das Haus des Kurländ.
Hypothekenvereins in Mitau. -- Das Haus des Reyerstifts. -- Das Haus des
Gewerbevereins.

    Nach Autobiographie.

=Felsko=, ~Oskar Eduard Daniel~. Maler. Bruder des Vorigen. Geb.
17. Juni 1848 in Riga, war zum Studium der Pharmazie bestimmt, gab
dieses jedoch früh auf, um sich auf der Petersburger Akad. mit dem der
Skulptur zu beschäftigen, doch vertauschte er auch dieses nach kurzer
Zeit mit dem der Malerei auf der Düsseldorfer Akad. 1879 richtete er
in Riga Zeichen- und Malkurse für Damen ein und übernahm 1880 das Amt
eines Konservators der städtischen Galerie. Von 1884-1891 war er als
Lehrer für Freihandzeichnen am Polytechnikum tätig; seit 1891 als
Lehrer und Porträtmaler in Mitau. Im Hause der grossen Gilde von ihm
das Porträt des Aeltermanns Zander 1896, in der Börse zu Riga das
Porträt des Kommerzienrats R. Kerkovius.

    Rigasche Ztg. 1879 Nº 198; 1880 Nº 116; 1881 Nº 25 und 234; 1883 Nº
    253; 1884 Nº 99; 1888 Nº 250. -- Dünaztg. 1891 Nº 268. -- Mitauer
    Ztg. 1895 Nº 4. -- Rigaer Kirchenbl. 1881 Nº 52.

=Feuereisen=, ~Johanna~ (~Jenny~). Malerin. Geb. 8. März 1873 in
Dorpat, erhielt den ersten Kunstunterricht in Dorpat, bildete sich
dann auf der königl. Kunstschule in Berlin und unter Franz Lippisch
in Charlottenburg. Arbeiten von ihr waren 1899 im Verein Berliner
Künstler, 1900 bei Schulte in Berlin, 1908 im städtischen Museum in
Riga ausgestellt.

    Nach Autobiographie.

=Fielitz=, ~Ida~. Malerin. Geb. 1847 (?) in Riga, bildete sich seit
1871 in München und seit 1880 in Paris. Einige ihrer Arbeiten wurden
von der Münchener Akademie als Musterleistungen angekauft. Sie hat auch
radiert. Von 1891-1893 lebte sie in Mitau und Riga, seit jener Zeit in
Paris. Das Rigasche Museum besitzt von ihr das Porträt ihrer Mutter.

    Rigasche Zeitung 1878 Nº 11 u. 31; 1888 Nº 206, 212. Dünazeitung
    1891 Nº 54. Mitauer Zeitung 1890 Nº 87, 1893 Nº 75.

=Fontebasso=, ~Francesco~. Maler und Radierer. Geb. 1709 zu Venedig;
gest. 1769. Er war ein Schüler des Malers Sebastiano Ricci, wurde 1761
an den Petersburger Hof berufen und laut Kontrakt von 1762 als Lehrer
der Perspektive an der Akademie angestellt, doch scheint er dem Amt
nur kurze Zeit vorgestanden zu haben, denn schon in demselben Jahre
ist er in den herzogl. Schlössern in Kurland mit der Ausführung von
Deckengemälden und Surporten beschäftigt.

    v. der Recke: Gesch. des Schlosses in Mitau in Monum. Livon.
    antiqu. II. Kunstzeitschrift Старые Годы (Alte Zeiten) I, S. 384.

=Forler=, ~Johann Christmann~. Baumeister, bekleidete um die Mitte des
18. Jahrhunderts das Amt eines „Hochfürstlichen Schlossbaumeisters“ in
Mitau.

    Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche zu Mitau beim Jahre 1740. (J.
    Döring).

=Franke=, C. Theatermaler. War mit seinem Sohn (?) zwischen 1855 und
1878 als Dekorationsmaler am Rigaschen Stadttheater beschäftigt. 1880
malte er Dekorationen zum neuen Theater im Schirkenhöfschen Saale.

    Rigaer Theater- und Tonkünstlerlexikon. S. 65.

=Franken=, ~Helene v.~ (geb. Köber). Malerin. Geb. 19. März 1825,
erhielt den ersten Unterricht von den Malern Eggink und Döring und seit
1847 von Röthing in Dresden, später von Paul v. Franken, mit dem sie
sich 1851 vermählte. Mit ihrem Gemahl lebte sie anfangs in Mitau, dann
in Petersburg und schliesslich in Tiflis. Hier trennten sich die Gatten
und sie übernahm das Amt einer Zeichenlehrerin. 1884 kehrte sie nach
Deutschland zurück. Von ihr ausser einigen Genrebildern: Das Porträt
des Fürsten Lieven. (Bes. Baron A. Bruiningk, Dorpat), und das Porträt
des weil. Oberhofgerichts-Advokaten C. v. Neumann. (Bes. Stadtrat v.
Neumann, Mitau).

    (J. Döring).

=Freytag-Loringhoven=, ~Mathilde v.~ Malerin und Radiererin. Geb. 30.
Oktober 1860 in Kopenhagen, machte ihre ersten Studien unter dem Maler
Wilhelm Strygowsky in Danzig und bildete sich weiter an der Weimarer
Kunstschule, wo der Landschaftsmaler K. Buchholz, Graf Kalkreuth
und Professor Max Thedy ihre Lehrer wurden. Viele künstlerische
Anregung auf dem Gebiet der Radierung verdankt sie ausserdem dem
Landschaftsmaler Baron Gleichen-Russwurm.

    Nach Autobiographie.

=Fritz=, ~Johann Ludwig~. Historienmaler. Geb. 26. April 1811 in Riga;
gest. 1852 in Rom, kam 1833 auf die Dresdner Akademie und genoss
daneben den Unterricht des Professors J. C. Roessler. 1837 ging er
nach München und zog von dort nach Rom. Von ihm: Abschied des Tobias
von seinen Eltern, 1837. (Entwurf in Tusche dazu im städtischen Museum
zu Riga). -- Die vier Jahreszeiten, gem. 1838. -- Ganymed vom Adler
des Zeus zum Olymp getragen. -- Der junge Tobias mit dem Engel. --
Die Propheten und Patriarchen. Gruppe aus dem Karton von Cornelius
(Bes. Stadtgalerie, Riga; von ihm in Gemeinschaft mit Th. Rickmann
ausgeführt).

    Rigasche Stadtblätter 1838 S. 244; 1839 S. 3 ff. u. 201; 1868 S.
    326.



G


=Gabler=, ~Christoph August~. Architekt. Geb. 6. Juni 1820 in Reval;
gest. 6. März 1884 daselbst. Zögling der Petersburger Akademie, wurde
1838 mit der silb. Medaille ausgezeichnet und 1839 mit dem Range
eines freien Künstlers als Pensionär des Wegebaukorps entlassen. 1844
zum Hilfsarchitekten bei der estländischen Gouvernements-Baubehörde
ernannt; 1859 zum Gouvernementsarchitekten befördert. Sein Hauptwerk
ist die Johanniskirche in Reval.

    Inland 1844 S. 404; 1859 S. 440. G. v. Hansen: Die Kirchen und
    ehem. Klöster Revals, 1885 S. 80. Industrieztg. 1877 Nº 2. Anzeiger
    für Libau und Umgegend 1885 Nº 4.

=Gaehtgens=, ~Ernst Hermann~. Maler. Geb. 5. Oktober 1872 in Nauditten
bei Doblen in Kurl., trat in die Kunstschule in Berlin und nach
Ablegung des Zeichenlehrerexamens in die dortige Kunstakad. Er malt
Bildnisse und Genrebilder und hat mehrere farbige Steinzeichnungen
geschaffen. Tätig in Mitau.

=Gahlnbäck=, ~Johann Leopold~. Architekt und Architekturmaler. Geb. 21.
Oktober 1855 im Pastorat Pyha in Estland, absolvierte 1879 die Akad.
in Petersburg und bereiste zu weiterer Ausbildung Italien, Frankreich
und Holland. 1885-1890 als Gehilfe des Prof. Messmacher beim Bau des
Museums der Baron Stieglitzschen Zeichenschule in Petersburg. Zur
Zeit Lehrer an diesem Institut. Zu seinen grösseren Bauten gehören:
Das Greisenheim der evangel. Gemeinde in Petersburg. -- Das Asyl
und Diakonissenhaus der reform. Gemeinde daselbst. -- Das evang.
Kinderheim. -- Die Schule der reform. Gemeinden und das Haus Kriwzoff
in Petersburg.

    Nach Autobiographie.

=Gavél=, ~Charlotte Margarethe Elisabeth v.~ Genremalerin. Geb. 16.
Februar 1833 in Livland; gest. 28./16. November 1894 in München.
Empfing ihre künstlerische Ausbildung in München und war Mitgl. der
dortigen Künstlergenossenschaft. Es gibt von ihr mehrere Genrebilder.

=Gebhardt=, ~Franz Karl Eduard v.~ Historienmaler. Geb. 13. Juni 1838
im Pastorat St. Johannes in Estland als Sohn des dortigen Pastors,
kam nach dem Besuch der Domschule zu Reval 1855 auf die Petersburger
Akad., verliess diese aber schon 1858, um die Kunstschule in Karlsruhe
zu besuchen, in die er nach einer Reise durch Holland und Belgien,
und nach einem Studienaufenthalte in Tirol, eintrat. Aber schon 1860
siedelte er nach Düsseldorf über, wo er Schüler von Wilh. Sohn wurde,
mit dem ihn bald warme Freundschaft verband. Von Düsseldorf aus
unternahm er wiederholt Reisen durch Deutschland, die Niederlande,
Frankreich und Oberitalien. Am 11. März 1874 wurde er an die Stelle von
Th. Hildebrandt in das Lehrerkollegium der Düsseldorfer Akad. berufen
und neben Röthing mit der Leitung der mittleren Malklasse betraut; 1875
erhielt er die Ernennung zum Professor. Gebhardts ausserordentliche
Bedeutung liegt in der Art seiner künstlerischen Auffassung der
biblischen Geschichte, als deren vornehmster Interpret er angesehen
werden kann. Abweichend von der traditionellen Heiligenmalerei und
von jener hyperrealistischen der Schule Vernets lässt er in seinen
religiösen Bildern die Menschen seiner Umgebung in die Erscheinung
treten und kleidet sie in die Tracht der Reformationszeit, um auch
dadurch an jene grosse Zeit zu erinnern. Schwungvolle Komposition,
tiefe geistige Auffassung und ein blühendes Kolorit, das sich zuweilen
an Dürer und die grossen Vlamen des 16. Jahrhunderts anlehnt, zeichnen
seine Werke aus. Gebhardt ist Mitgl. der Akademien zu Berlin, München
und Wien. Besitzer der kl. gold. Med. Berlin 1872; der Med. der
Wiener Welt-Ausstellung 1873; der Med. II München 1879; der gold.
Erzherzog Karl-Ludwig-Med. Wien 1879; der gr. gold. Med. Berlin 1881;
des Preisdiploms der Dresdner Aquar. A. 1887; Inhaber verschiedener
Orden und stimmfähiger Ritter des preuss. Ordens pour le merite für
Wissenschaft und Kunst, 1890. Von Gebhardts Werken seien hier genannt:


I. ~Oelgemälde.~

Selbstporträt aus der Jugendzeit (Bes. Dom-Mus. Riga). -- Christi
Einzug in Jerusalem, 1863 (Bes. Fabrikbes. J. Ruhr, Euskirchen). --
Auferweckung von Jairi Töchterlein, 1864 (Bes. J. Ruhr, Euskirchen).
Rad. von A. Neumann, Zeitschr. für bild. Kunst, 1872. -- Der arme
Lazarus, 1865 (Nach Kalifornien verkauft). -- Kreuzigung Christi, 1866
(Bes. Domkirche zu Reval). -- Aus der Reformationszeit, 1868 (Berlin
Privatbes.). -- Ecce homo, 1870 (Bes. Luché Bauer, Berlin). -- Das
letzte Abendmahl, 1870 (Bes. National-Gal. Berlin, 1872). Rad. v.
W. Unger, Zeitschr. für bild. Kunst, 1874. Kunsthist. Bilderbogen,
Holzsch. Nº 283. -- Christus am Kreuz, 1873 (Bes. Kunsthalle, Hamburg).
-- Porträt des Hn. Pieper, Düsseldorf, 1873. -- Zwei Gelehrte, 1874
(Bes. E. Botkin, Moskau). Unter dem Titel: „Joh. Müller Regiomontanus
erklärt dem Nürnberger Mathematiker Bernh. Walter die Bedeutung des
Pendels“ im Daheim, 1876. -- Porträt des Bürgermeisters Wortmann in
Düsseldorf, 1874 (Im Bes. des Dargestellten). -- Religionsgespräch,
1875 (Bes. Ferd. Reichenheim, Berlin). -- Junges Ehepaar am Fenster,
1875 (Privatbes., Hamburg). -- Die Jünger von Emmaus, 1876 (Bes.
Alex. v. Harder, Karlsruhe). -- Heimführung (Bes. die Erben des
Barons Alex. v. Uexküll-Heimar. Abb. im Daheim, 1882). -- Aus dem
Reformationszeitalter. Ein Reformator seine Gedanken niederschreibend,
wobei ihm seine Frau über die Schulter blickt, 1877 (Bes. städt. Mus.,
Leipzig). -- Ein kleiner Christuskopf, 1877 (Bes. Kaufmann Hollmann,
Hamburg). -- Christuskopf, 1878 (Bes. Kirche zu Lauckwitz bei Berlin).
-- Christuskopf, 1878 (Bes. E. Schulte, Düsseldorf). -- Altdeutsche
Hausfrau, 1878 (Bes. E. Schulte, Düsseldorf). -- Mutterglück (Bes. H.
Sthamer, Hamburg). -- Porträt des Barons Schilling auf Jürgensburg,
Estland, 1879. -- Porträt des Barons Gustav Gideon Schilling,
1879 (Bes. Baron Georg Schilling, Petersburg). -- Porträt des
Fabrikbesitzers K. Pönsgen, Düsseldorf, 1879. -- Christi Himmelfahrt,
1881 (Bes. National-Gal., Berlin, angekauft 1881. Holzschn. in d.
Zeitschr. für bild. Kunst, 1882; Abb. im Daheim, 1882. Rad. von Fr.
Boettcher). -- Christus auf dem Meere wandelnd, erhebt den versinkenden
Petrus. Altargem. für die Kirche zu Ziegenhals. Abb. im Daheim, 1881.
-- Die Klosterschüler, 1882. Abb. im Daheim, 1884 und in Kunst für
Alle, 1887. -- Pietà, 1883 (Bes. Kgl.-Gal., Dresden, angekauft 1884).
-- Christus am Kreuz. Altargem. der luth. Kirche zu Joachimstal bei
Narva. -- Bei der Arbeit (Abb. im Daheim, 1886). -- Christus mit
dem Kelch (Privatbes., Liegnitz). -- Die alte Stadtverfassung. --
Porträt des Pastors Huhn in Reval (Bes. Olaikirche, Reval). -- Der
ungläubige Thomas, 1889 (Abb. Kunst für Alle, 1890. Bes. Kunsthalle
in Düsseldorf). -- Christi Darstellung vor dem Volk. Skizze (Bes.
Kunsthalle, Düsseldorf; Geschenk des Künstlers), 1890. -- Christus
in Bethanien, 1891 (Bes. Gal. zu Bremen). -- Die Wandgemälde im
Kloster zu Loccum, 1891 vollendet. -- Der reiche Jüngling, 1892 (Bes.
Düsseldorfer Kunsthalle). -- Bergpredigt, 1893 (Bes. Louis Weddigen,
Wiesbaden). -- Jakob mit dem Engel ringend, 1894 (Bes. Gal., Dresden).
-- Jesus zwischen den Schriftgelehrten im Tempel, 1893. -- Die Heilung
des Gichtbrüchigen, 1894 (Bes. Mus. Breslau). -- Die Auferweckung
des Lazarus, 1896. -- Die Jünger in Emmaus, 1897. -- Die Verklärung
Christi, 1897 (Altargem. für die Kirche zu Kokenhusen in Livland). --
Elias in der Wüste, 1898. -- Christus und Nikodemus, 1898. -- Verba
Magistri, 1900 (Bes. Geheimr. Prof. Dr. O. Jäger, Berlin). -- Die
Wandgemälde in der Friedenskirche zu Düsseldorf, vollendet 1906. --
Christus auf dem Meere, 1901 (Mus. zu Essen). -- Eine Streitfrage, 1902
(Privatbes. in Frankfurt a/M.). -- Johannes im Kerker, 1907. -- Tod des
Lazarus, 1908 (Bes. Prof. Oeder, Düsseldorf; Orig. Skizze im Bes. von
Dr. W. Neumann, Riga). -- Der verlorene Sohn, 1907. -- Der Tod Mosis
(Bes. Kunsthändler G. Paffrath, Düsseldorf). -- Christus bei Maria und
Martha, 1908.


II. ~Oelgemälde und Studien in balt. Privatbesitz.~

Jugendporträt Gebhardts (Bes. Dr. W. Neumann, Riga). --
Kreuzigungsgruppe, Skizze (Bes. Frau Betty Hippius zu Neu-Harm). --
Porträt der Frau Konsistorialrat Minna v. Gebhardt (Bes. Propst v.
Gebhardt zu St. Johannis in Estland †. Das Original im Besitz des
Künstlers). -- Wiederholung des Porträts des Barons Gideon v. Schilling
(Bes. Baron Georg Schilling auf Jürgensburg in Estland. Die Skizze zum
Porträt im Besitz des Barons Otto v. Schilling zu Kook). -- Porträt
der Baronin Henriette v. Schilling, geb. Baronesse Stackelberg (Bes.
Baron Georg Schilling, Jürgensburg). -- Porträt der Baronin Margarethe
Schilling, geb. Gräfin Wartensleben (Bes. Baron Georg Schilling,
Jürgensburg). -- Wiederholung des Porträts des Pastors Huhn, gemalt für
dessen Witwe. -- Porträt des Oberpastors Gebhardt zu St. Nikolai in
Reval nach einem Porträt des Malers Lehmann. -- Mehrere Jugendarbeiten
bei Propst v. Gebhardt, dem Bruder des Künstlers, † in St. Johannis in
Estland. -- Verschiedene Studienköpfe im Besitz der Maler G. v. Rosen
und Th. Kraus, Riga. -- Ein Maler in seinem Atelier eine Frau mit ihrem
Kind malend (Bleistiftzeichnung im Besitz von Dr. W. Neumann, Riga).

    Adolf Rosenberg: E. v. Gebhardt. Künstlermonographien herausg.
    von H. Knackfuss, Bd. XXXVIII, 1899. -- W. Neumann, in der Balt.
    Monatsschr. Bd. 45, in Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh.
    und im Jahrbuch der baltischen Kunst 1908. -- Dr. Hermann Board in
    der „Woche“ Nº 24, 1908 ders. in der Zeitschrift „Die Kunst“ 1908
    S. 433 ff. -- F. Schaarschmidt in der „Kunst für Alle“ Bd. II, Heft
    13; III, 9; V, 2; VII, 18; VIII, 21 u. 22; IX, 3; XI, 18; XIII 17
    u. 24; XIV, 18; XVI, 5; XVII, 9 u. 24; XXII, 14 u. 24; XXIII, 4. --
    Vergl. auch Zeitschrift für bildende Kunst, 1908.

=Gehlhaar=, ~Theodor~. Geschickter Dilettant. Geb. 1805 in Lemsal;
gest. daselbst 1871, studierte Pharmazie in Dorpat und übernahm nach
dem Tode seines Vaters dessen Apotheke. Sein nicht unbedeutendes
Zeichentalent wurde durch die Maler Schwede und den Lithographen
F. Schlater weitergebildet und namentlich als geschickter
Steinzeichner hat G. sich Verdienste erworben. Von seinen Arbeiten
sind hervorzuheben: Die Kegelbahn. -- Der Leseabend mit Porträts
damals bekannter Persönlichkeiten. -- Ansicht von Reval vom Wege
der Zuckerfabrik gesehen. Aquat. qu. fol. 1825. -- Porträt eines
Frl. Johanna v. Hübbenet. -- Schottischer Knabe mit Hund. -- Mehrere
Miniaturporträts auf Elfenbein. -- Zehn Lithographien nach den von K.
v. Kügelgen und Johannes Hau aufgenommenen Revaler Ansichten, die von
G. Eggers in Reval herausgegeben unter dem Titel: Collection des XII
vues gravées à l’aquatinta, 1828 erschienen. -- Fünf Ansichten von
Reval in farbigen Lithographien 1850, qu. 8^o. -- Ansicht von Reval.
Lith. von Tempeltey, Druck von Delius, Berlin. Gr. qu. fol. -- Szenen
aus dem estnischen Bauernleben, lith. v. Schlater, qu. 8^o (5 Blatt).

=Geiger=, ~Pauline~, geb. v. Schultz. Malerin. Geb. 21. April 1851
in Petersburg, erhielt ihre künstlerische Ausbildung anfänglich in
Dresden, dann in Paris unter Labrichon und schliesslich in Venedig
unter Eugen v. Blaas. Sie lebt in Venedig. Von ihr u. a: Am Brunnen;
Venetianischer Crevettenhändler.

=Gerling=, ~Johanna~, aus Riga, zeichnet 1823 das Porträt des Grafen L.
A. Mellin; lith. v. Lindroth in Riga.

    v. Recke und Napierski: Baltisches Schriftstellerlexikon, III, 199.

=Gern=, ~Alexander Otto~. Holzschneider aus Dorpat gebürtig, wurde
dort Schüler des Malers L. v. Maydell, der um 1840 eine xylographische
Anstalt angelegt hatte. 1859 arbeitete G. in der Kretschmarschen
Anstalt in Leipzig. Von ihm: Diverse Holzschnitte nach v. Maydellschen
Zeichnungen: Christuskopf. -- Das Universitätsgebäude in Dorpat. -- Die
Marienkirche daselbst. Die beiden letzten als Beilage zum estnischen
Kalender von 1840 und 1841.

    Inland 1850 S. 336; 1859 S. 459.

=Gerstfeldt=, ~Katharina v.~ Malerin. Geb. 4. September 1873 in
Livland, erhielt ihre Ausbildung in der Schule zur Förderung der
Künste in Petersburg und kopierte in der Eremitage viel nach alten
Meistern (Velasquez, Rembrandt, Rubens). Seit 1898 Lehrerin an der
Jung-Stillingschen Zeichen- und Malschule in Riga. Sie hat sich auch
auf kunstgewerblichem Gebiet betätigt.

=Gesse=.... Maler. Seit 1738 in Narva nachweisbar; gest. daselbst
1766 oder 1768. Er malte für die deutsche evangelische Kirche in
Narva: König David und der Prophet Nathan, 1738. -- Christus einen
Gichtbrüchigen heilend. -- Christus am Kreuz zwischen Maria und
Johannes.

    J. Bernoulli’s Reisen III S. 290. -- Hupel’s topographische
    Nachrichten von Liv- und Estland. Riga 1774, 1777.

=Giese=, ~Karl~. Architekt. Gebürtig aus Livland, wurde auf Ansuchen
seiner Eltern am 18. Januar 1798 als Schüler in die Petersburger Akad.
aufgenommen und in der Baukunst ausgebildet. 28. VIII. 1809 silb. Med.
Am 1. Oktober 1809 wurden Giese und Thon (der spätere Prof. der Akad.)
als Gehilfen des Kaiserl. Kabinettsarchitekten Stassow angestellt.

=Glandorf=, ~Lambert~. Maler. Lebte um 1560 in Reval, wo er das
schöne Epithaph der am 11. September 1560 im Kampfe gegen die Russen
gefallenen Schwarzhäupter malte (Reval, Schwarzhäupterhaus. Teilweise
abgeb. in F. Amelungs baltisch. kulturhist. Atlas. Beschreibung in
Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval II. S.
208).

=Goebel=, ~Friedrich~. Lithograph in Dorpat. Von ihm lithograph.
Blätter zu einer Reise in die Steppen des südlichen Russlands. Dorpat
1837. 4^o. 18 Tafeln mit einer Karte.

=Gottfriedt=, ~Johann Daniel~. Baumeister. Geb. 1768 zu Dömitz in
Mecklenburg-Schwerin; gest. 14. Juli 1831 in Riga an der Cholera,
kam 1789 nach Riga und arbeitete anfangs unter der Leitung des
Stadtbaumeisters Christoph Haberlandt. 1812 war er beim Wiederaufbau
der Rigaschen Vorstädte beschäftigt und errichtete in der Folge
mehrere grosse Gebäude im Innern der Stadt. Unter diesen sind ausser
verschiedenen Wohngebäuden zu nennen: Der Ausbau des Flügels am
Rigaschen Schlosse mit den Kaiserl. Zimmern. -- Die Einrichtung des
Observatoriums daselbst. -- Die Gebäude im Kaiserlichen Garten. --
Das grosse Packhaus am Jakobsplatz, die Ressource in Riga und die
Fleischscharren in der Scharrenstrasse; auch die zu Ehren des Kaisers
Alexander I. 1815 von der Stadt errichtete Triumphpforte ist sein Werk.

    Rigasche Stadtbl. 1815 S. 238; 1823 S. 185; 1831 S. 348.

=Gottlob=, ~Ernst~. Porträt- und Landschaftsmaler. Geb. 1744 in Glogau;
1789 in Leipzig noch am Leben, war Schüler von Oeser und machte sich
durch seine Bildnisse einen geachteten Namen. Er hat mehrere Jahre
in Kurland verbracht. Von ihm: Das Porträt des Mitauschen Professors
Johann Benjamin Koppe (Bes. Mus. Mitau. Sein Porträt ausserdem vor
Bergers Magazin für Prediger V. St. 5; auch mehrmals besonders gest.).
-- Das Porträt des Rektors der Rigaschen Domschule Dr. Gottlieb
Schlegel, gem. 1772 (Bes. Dom-Mus., Riga). -- Eine Landschaft mit
Brücke, Aquar., bez. E. Gottlob, Leipzig 1786 (in dem Album des Joh.
Jak. Voss im städt. Mus. zu Riga).

=Grabbe=, ~Arthur v.~ Architekt. Geb. 1839 in Kurland gest. 22. Mai
1871 in Petersburg, besuchte die Akad. der Künste und wurde 12. 1. 1862
für den Entwurf zu einem Lustschloss zum freien Künstler ernannt. In
Riga baute er das Haus der Kinderbewahranstalt (voll. 1868).

    Rigasche Ztg. 1871 Nº 118.

=Graefenstein=, G... Stempelschneider und Medailleur in Mitau
1762-1764. Das Mitauer Museum besitzt von ihm 11 Stempel.

    Nagler, Monogrammisten II S. 947 (J. Döring).

=Gräff=, ~Anton~ (?) Stuckateur. Stammte aus Deutschland und war seit
1763 unter der Oberleitung des Architekten Rastrelli mit der Ausführung
der Stuckverzierungen in den herzoglich kurländischen Schlössern zu
Ruhenthal und Mitau beschäftigt.

    v. d. Recke, Gesch. d. Schlosses zu Mitau in Mon. Livon antiq. --
    Sitzungsber. der kurl. Ges. für Lit. und Kunst 1877 S. 40, 43. --
    L. Arbusow, Auszüge aus den Bauskeschen Kirchenbüchern, ebenda,
    1888 S. 28.

=Grass=, ~Karl Gotthard~. Landschaftsmaler. Geb. 8. Oktober 1767 im
Pastorat Serben in Livland; gest. 22. Juli (3. Aug.) 1814 in Rom,
studierte, nach Absolvierung des Rigaschen Lyzeums (1786) Theologie
und versuchte schon während seiner Studienzeit seine künstlerische
Veranlagung durch Zeichnen nach der Natur auszubilden. Seine
dichterische Begabung brachte ihn in Verkehr mit Schiller, mit dem er
bis zu dessen Tode einen Briefwechsel unterhielt. Nach einer durch
Deutschland und die Schweiz unternommenen Reise kehrte er 1790 nach
Riga zurück, setzte hier seine künstlerischen Studien fort und erteilte
auch Unterricht im Zeichnen. 1796 wurde er zum Prediger in Sunzel
ordiniert, doch veranlasste ihn die unerwidert gebliebene Neigung
zu einer jungen Dame einen Urlaub nachzusuchen und ins Ausland zu
gehen. Er ging nach Zürich und entschloss sich hier nach schweren
inneren Kämpfen zur Aufgabe des Predigeramts. Im Hause des Dichters
J. G. v. Salis lebend, widmete er sich wieder der Dichtkunst und
seiner Lieblingsmuse, der Malerei, auch unterhielt er einen lebhaften
Briefwechsel mit Schiller, dem Maler und Altertumsforscher Heinr.
Meyer und mit Konrad Gessner. 1801 begab er sich nach Paris, um sich
in der Kunst ernstlich auszubilden, doch vertrieben ihn von dort die
unerquicklichen politischen Zustände. Er kehrte nach Zürich zurück,
lebte dort bis 1803 und ging dann nach Italien. Mit dem Schriftsteller
Ph. Jos. Rehfues und den Architekten C. Fr. Schinkel und Steinmeier
aus Berlin unternahm er eine Reise durch Sizilien, die er später sehr
anziehend beschrieben und illustriert hat. Im Herbst 1805 liess er
sich in Rom nieder. Seine literarischen Arbeiten sind verzeichnet im
allgem. balt. Schriftsteller- und Gelehrtenlexikon III. S. 89 ff. --
Von seinen künstlerischen Arbeiten führen wir an: Zeichnungen vom
Rheinfall. In Kupfer gest. von J. H. Meyer zu seinem Werk: Fragmente
von Wanderungen in der Schweiz. Zürich, 1797. -- Küstenlandschaft von
Taormina. -- Wasserfall von Carracci am Aetna. -- Konkordientempel bei
Girgenti. -- Das Tal St. Angelo di Brolo im Frühling (Ausgest. 1809
in Rom auf dem Kapitol; dort erworben von dem Rigaschen Handelsherrn
G. W. v. Schröder, der sie dem Himselschen Mus. vermachte; jetzt im
städt. Mus. zu Riga). -- Italienische Landschaft (Bes. Staatsrat v.
Grass, Riga). -- Aus der Villa des Mäcenas in Rom. Sepiastudie (Bes.
städt. Mus. zu Riga). -- Zwei Ansichten vom Aetna, 1811 in Rom gem.
für Joh. Friedr. Cotta in Tübingen. -- Das Theater von Taormina, gem.
für den Schriftsteller v. Rehfues. -- Schweizer-Landschaft (Bes. A.
Koch, Dorpat). -- Selbstporträt. Pastell (Bes. städt. Mus. zu Riga).
-- Zeichnungen zu dem von ihm herausgeg. Werke: Sizilianische Reise
oder Auszüge aus dem Tagebuche eines Landschaftsmalers, in Kupfer gest.
von Chr. Fr. Duttenhofer. Stuttgart und Tübingen, 1815. -- Zwei kleine
Landschaften kamen in den Bes. des Kollegienrats v. Blanckenhagen auf
Lemburg in Livl. -- Zwölf Aquar. nach Ludw. Hess im Bes. der Familie v.
Stackelberg, Livland. -- Eine Gouachelandschaft: Der Lungersee nach L.
Hess im Bes. des Landrats v. Richter auf Waimel, Livl. -- Sizilianische
Landschaft, 1810 im Bes. eines Hn. Auer in Ulm. Die Farbenskizze dazu
im Bes. des Hn. v. Blanckenhagen auf Drobbusch in Livland.

Ein Porträt des Künstlers von einem Maler Richter aus Zittau, 1790
gem., besass Kollegienrat Prof. J. W. Krause in Dorpat. -- Im Besitze
desselben auch eine grosse Sammlung von Landschaftsstudien in Sepia und
Tusche, meist Studien aus der Schweiz. -- Ein 1808 von Georg Dillis
gemaltes Porträt des Künstlers kam durch Professor C. Morgenstern 1810
in den Besitz der Familie.

    Allgem. balt. Schriftsteller- und Gelehrtenlex. III. S. 88 ff. --
    Ztg. für Lit. und Kunst. Nº 3 vom 20. Januar 1812. -- Biographie
    von G. Tilemann in Livonas Blumenkranz 1818 S. 179 ff. -- Desgl. in
    „die balt. Provinzen Russlands“ von Jul. Eckardt, 1868. -- Rigasche
    Biographien III S. 108 ff. -- Wöchentliche Unterhaltungen 1806 S.
    125. -- C. Morgenstern, Dörptische Beiträge III S. 125-131. --
    Baltisches Dichterbuch S. 361. -- A. v. Wolzogen, Aus Schinkels
    Nachlass I S. 107 ff. -- W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer
    des 19. Jahrh. S. 17 ff. -- Derselbe in der Kunstbeilage des Rigaer
    Tageblatts 1908 Nº 11-13.

=Graubitz=, ~Jakob Ortlof~. Maler. Er stammte aus Giessen und kam um
1665 nach Goldingen in Kurland, wo er am 22. Dezember desselben Jahres
den Bürgereid leistete und am Hofe des in Goldingen residierenden
Herzogs Friedrich Kasimir von Kurland als Hofmaler beschäftigt wurde.
Gest. vor 1697.

    Eintrag seines Sohnes, des späteren Kaufmannes Christoffer Carl
    G. in ein 1636 angelegtes Stammbuch des Sebast. Besser, (in der
    Bibliothek der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde):
    Mein vatter war ausz der stat Giessen gebirttig und war seiner
    Kunst nach ein mahler, war auch vom seeligen hertzog Casimir alsz
    hoffmahler verschrieben (am Rande: Anno 1665 verschrieben ausz
    Giessen) in Goldingen gewohnet und da auch in der pest gestorben.
    -- Goldingensches Kirchenbuch (N. Busch).

=Grosewsky=, ~Theodor Robert~, Dr. phil. Landschaftsmaler. Geb. 1. Mai
1823 zu Annenburg in Kurland; gest. 2. März 1866 in Moskau, studierte
1842-44 in Dorpat und promovierte in Jena. 1855 wurde er Schüler des
Landschaftsmalers K. Millner in München. Mehr als Maler hat er als
Dichter Anerkennung gefunden.

    Baltisches Dichterbuch S. 363.

=Grün=, ~Moritz~. Genremaler. Geb. 1868 in Reval, besuchte von
1888-1890 die Münchener Akademie und 1890-1893 die Akademie in Paris.
1894 ging er nach Amerika und wurde 1895 von der brasilianischen
Regierung an die Akademie zu Bahia berufen.

    Dünazeitung 1895 Nº 154, 158 u. 220. Mitausche Zeitung 1895 Nº 55.

=Grüner=, ~Wilhelm~. Landschafts- u. Architekturmaler. Geb. 19.
Oktober 1823 in Riga; gest. 18. April 1892 in Petersburg. Er besuchte
die Petersburger Akademie als freier Zuhörer und nahm dann einen
eineinhalbjährigen Aufenthalt in Paris. Ende der sechziger Jahre
begleitete er den General Loris-Melnikow auf einer Reise nach Aegypten
und Palästina, um für diesen eine Folge von Bildern der heiligen
Stätten zu malen. Von ihm: Kirche der Geburt Christi in Bethlehem. --
Kirche der Schwestern von Zion. -- Kapelle über dem Grabe Christi. --
Golgatha. -- Der Stein der Salbung. -- Innere Ansicht der Kapelle des
heil. Grabes. -- Die Höhle der Geburt Christi. (Sämtlich Aquar.). --
Die Gromowsche Sommervilla. -- Zwei Ansichten von Oranienbaum. -- Drei
Ansichten vom Südufer der Krim. -- Ansicht von Orianda in der Krim. --
Zwei Ansichten von Livadia, Aquar. -- Christus in Gethsemane. Atlargem.
für die Jesuskirche in Riga (1880 vom Künstler geschenkt). -- Ansicht
von Jerusalem. -- Innere Ansicht der Kirche der Geburt Christ. -- Der
Garten zu Gethsemane. -- Innere Ansicht der Kirche auf Golgatha. --
Das heilige Grab. -- Die alte Wand vom Richterstuhl des Pilatus in der
Kirche der Schwestern von Zion. -- Der Stein der Salbung. -- Kirche
der Geburt Christi in Bethlehem. -- Porträt des Professors der Malerei
Primazzi, Aquar. in Konstantinopel gem. -- Das städt. Museum in Riga
besitzt von ihm das Porträt einer Dame vor dem Theater in Aquarell.

    Rigasche Zeitung 1880 Nº. 270. Наши художники I S. 126.

=Gruenewaldt=, ~Nikolai Gerhard v.~ Landschaftsmaler. Geb. 7. Mai
1853 auf Ramelshof in Livland, absolvierte in Riga das Studium der
Ingenieurwissenschaften, wandte sich aber 1884 der Landschaftsmalerei
unter Prof. Alb. Kappis an der Stuttgarter Kunstschule zu. 1896 stellt
er in Riga aus. Mühle bei Beigersheim -- Vorfrühling am Neckar.

    Das geistige Deutschland I, S. 250 -- Rigasche Zeitung 1881 Nº 277.
    -- Dünazeitung 1895 Nº 240 u. 252.

=Grünfeldt=, ~Alexander Heinrich Johann~. Maler aus Livland, gehörte
in den fünfziger Jahren zu den Hospitanten der Petersburger Akademie
und wurde 21. Juni 1852 für ein Porträt eines alten Mannes zum freien
Künstler befördert.

=Grummel=, (~Krummel~), ~Johann~. Bildhauer. Lebte um die Mitte des
17. Jahrhunderts als „Fürstlicher Bildhauer“ in Mitau; dort urkundlich
nachweisbar vom 6. Mai 1662 bis 11. Mai 1677, in welchem Jahre er sich
zum zweiten Male verheiratete.

    Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche in Mitau (J. Döring).

=Grun=, (~Gruhn~), ~Sebastian~. Maler. Geb. um 1690; gest. 26. Januar
1772 in Mitau. Wird als Porträtmaler (Contrafeyer) aufgeführt.

    Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche in Mitau (J. Döring).

=Grune=, ~Johann Samuel Benediktus~. Maler. Geb. um 1782 in Eisleben;
gest. 3. Dezember 1848 in Blieden in Kurland, empfing seine
künstlerische Ausbildung in Berlin, bereiste dann Deutschland und
Oberitalien und kam 1800 nach Kurland. 1808 lebte er in Zierau, später
im Hause des Fürsten Lieven in Blieden, mit dessen Familie er sich für
einige Jahre nach Petersburg begab. Von 1824 bis 1834 hielt er sich
in Senten auf, später in Grenzhof und Blieden. Sein Nachlass kam zum
grössten Teil in den Besitz seines Freundes, des Arztes Dr. K. Bursy
und befindet sich jetzt nebst vielen Briefen von ihm im Museum zu
Mitau. Es gibt viele Bildnisse von ihm, die in einer eignen flotten Art
gemalt sind. Zu seinen grössten Arbeiten zählen: Lasset die Kindlein
zu mir kommen. Altargemälde für die Kirche zu Talsen in Kurland, 1876
ersetzt durch eine Himmelfahrt Christi von Schönherr in Dresden. --
Das Altargemälde für die Kirche zu Bersteln in Kurland, 1843 gem.
1861 ersetzt durch ein Gemälde von J. Döring. -- Das Abendmahl; gem.
im Auftrage des Fürsten Lieven; aus Blieden gestohlen. -- Porträt
des blinden lettischen Naturdichters Indrik aus Appriken; gest. in
Punktiermanier v. Arndt.

    U. v. Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland, Riga und
    Leipzig 1809 S.383. -- Inland 1844 S. 92; 1854 S. 756. -- D. A.
    Rowinsky: Подробн. словарь IV S. 187.

=Grusdin=, ~Artemii Michailowitsch~. Porträt- und Genremaler. Geb. 1825
in Riga als Sohn eines Arbeiters; gest. daselbst 8. Februar 1891, kam
zu einem Stubenmaler in die Lehre, bildete sich aber als Autodidakt
im Porträtmalen aus. Von 1850-1856 lebte er in Mitau, dann längere
Zeit in Goldingen mit Porträtieren beschäftigt. Mit dem bei diesen
Arbeiten gewonnenen Verdienste ging er im Herbst 1858 nach München, wo
er bis 1864 die Akademie besuchte. Er kehrte nach Riga zurück, verfiel
aber bald in Trübsinn. Die meisten seiner Arbeiten befinden sich in
Privatbesitz. Von ihm: Die Ankläger der durch Daniel verteidigten
Susanna werden in Ketten gelegt, 1862 in München gem. -- Ein Porträt
des Kaisers Alexander II. 1868 für das Zeughaus der Stadtgarde gem.
-- Christus in Gethsemane, Altargemälde für die Kirche zu Warklany
in Poln.-Livland (1879 gem.). -- Der Weihnachtsmarkt in Riga (Bes.
Gesellschaft der Schwarzhäupter in Riga). -- Porträt der Sängerin
Caroselli. -- Römisches Mädchen, Kopie nach A. Rizzoni (Bes. städt.
Museum in Riga). -- Ansicht der alten Gildenhäuser, des Rathausplatzes
und der ehemaligen Sandpforte in Riga (1884 gem. für den Konferenzsaal
des Rathauses in Riga). -- In seinem Nachlasse befand sich ein Album
mit vielen kleinen sauber gemalten Oelbildern, deren Inhalt jedoch den
geistigen Zustand des Künstlers während der letzten Jahre seines Lebens
widerspiegelt.

    Rigasche Zeitung 1869 Nº 20. -- Zeitung für Stadt und Land 1879 Nº
    207. -- Наши художники I S. 126.

=Gussewitsch=, ~Nikolai v.~ Architekt. Gest. 17. Mai 1873 in Mitau.
Er kam 1862 nach Absolvierung der Petersburger Bauschule nach Mitau
und wurde dort als jüngerer Architekt bei der Gouvernementsregierung
angestellt. In Mitau führte er aus das Haus Gley 1865, die russische
Kapelle auf dem Paradeplatze in Mitau 1868 und die Kirche zu Dalbingen
bei Mitau 1869.

    (J. Döring.)

=Gyllenschmidt=, ~Karl Otto~. Zeichner, stammte aus einer
schwedischen Familie, trat in russische Kriegsdienste und nahm nach
seiner Verwundung bei Zorndorf seinen Abschied. Er wandte sich dem
Kunststudium zu, zeichnete anfangs im Generalstabe unter Leitung des
Generals v. Stoffel, bildete sich dann weiter und wurde namentlich
durch baltische Gelehrte gefördert, besonders durch Gadebusch,
Brasch, Hupel und Ewers. Er bereiste die baltischen Provinzen und
fertigte 241 Blatt Zeichnungen, Ansichten von Landschaften, Städten,
Merkwürdigkeiten usw. aus Liv-, Est- und Kurland, die er mit einem Text
versehen herauszugeben gedachte. Der Text hat sich im Bes. der Gelehrt.
estnischen Gesellschaft erhalten; die Zeichnungen scheinen verloren zu
sein.

    R. Hausmann, Sitzungsber. d. Gelehrten estn. Gesellsch. 1895 S. 113
    ff.



H


=Haag=, ~Georg~. Porträtmaler. Geb. 1808 zu Hatzenweiler in
Württemberg; gest. 21. August 1882 in München. Er trat 1829 in die
Münchener Akad. und arbeitete unter H. M. von Hess. 1840 bereiste er
Russland und setzte 1845 seine Studien in München in der von Jos.
Bernhardt begründeten Kunstschule fort. 1847 kam er zum zweiten Male
nach Petersburg, war Anfang 1849 in Reval und 1851 in Riga, wo er
sich neben dem Porträtmalen mit der Erteilung von Zeichenunterricht
beschäftigte. Im Herbst 1852 ging er nach Deutschland zurück, kam aber
in der Folge wieder nach Riga und hielt sich hier bis 1861 auf. Die
Gal. des Schlosses Koltzen in Livland besitzt von ihm ein Porträt der
Lola Montez und das eines Tiroler Bauern.

    Inland 1857 S. 315. -- Rigasche Ztg. 1882 Nº 226.

=Haaren=, ~Franz Baron v.~ Bildhauer. Geb. 11. November 1856 in
Johannenhof bei Bauske; gest. 18. Februar (2. März) 1879 in Stuttgart,
war Schüler von Donndorf. Bekannt sind von ihm: Das Porträt seines
Vaters. -- Porträt des Hn. K. v. Löwis of Menar. -- Porträt des
Leipziger Prof. d. Musik G. J. Becker (Basreliefs in Medaillenform.
Riga Jub. A. 1901. Bes. K. von Löwis of Menar, Riga).

=Haberland=, ~Christoph~. Baumeister. Getauft am 6. Januar 1750
in Riga; gest. daselbst 7. April 1803. Nachdem er praktisch das
Maurerhandwerk erlernt hatte, ging er auf die Wanderschaft und scheint
hauptsächlich in Berlin und Dresden künstlerischen Studien obgelegen
zu haben. Am 30. Januar 1778 machte er sein Meisterexamen und wurde
am 13. Mai desselben Jahres vom Rigaschen Rate zum Adjunkten des
Stadtwerkmeisters ernannt. Seine spätere Ernennung zum Stadtbau-
und Werkmeister lässt sich urkundlich nicht belegen. H. gehörte zu
den bedeutendsten Architekten s. Z. im Lande. Zu seinen vornehmsten
Bauten gehören: Der Ausbau der Stadtbibliothek über dem Ostflügel
des Domkreuzganges in Riga, 1778-1783 erbaut, mit prächtigem Saal
(jetzt Konfirmandensaal der Domgemeinde). -- Das Wohnhaus des ehem.
Grosskaufmanns Joh. Sam. Hollander (gr. Pferdestr. 28). -- Umbau des
Gefängnisses zum Polizeihause (jetzt Hotel London, Kalkstr. 11). --
Wohnhaus des weil. Ratsherrn Seb. Heinr. Kruse, in der Altstadt. --
Wohnhaus des Bürgers Arn. Senger (gr. Pferdestr. 14). -- Das eigne Haus
des Meisters (gr. Schmiedestr. 4; jetzt mit dem Hause der Gesellsch.
Ulei verschmolzen, aber in der Fassade erhalten). -- Das Wohnhaus
des Grosskaufmanns Conrad Heinr. v. Sengbusch, ursprünglich für den
Zinngiesser Joh. Hayen begonnen, der den angefangenen Bau 1793 an v. S.
verkaufte, v. S. übertrug H. die Ausführung (gr. Jungfernstr. 3, jetzt
A. G. Ruhtenberg). -- Die luth. Rundkirche in Kattlekaln bei Riga, 1791
begonnen. -- Zugeschrieben wird ihm der Entwurf für die Marmorkanzel
der Petrikirche; sie wurde in Carrara ausgeführt und am 1. Advent 1794
geweiht; eine Stiftung der Frau Gertrud von der Horst.

    Nach einem Manuskr. von Dr. Anton Buchholtz, Riga †.

=Hagen=, ~Alexander~. Maler. Geb. 17. Februar 1827 auf dem Gute
Klein-Wrangelshof in Livl. Sohn des Malers Aug. Matth. H., gest. in
Peru, erhielt seine erste Ausbildung von seinem Vater und ging dann zu
weiterer Ausbildung nach München. 1855 zog er nach Rom, lebte 1856/57
in Paris und begleitete dann den bayrischen Gesandten Dr. M. Wegner auf
einer Forschungsreise durch Südamerika, von der er im Herbst 1859 nach
Deutschland zurückkehrte. Nach kurzem Aufenthalt in Deutschland ging
er wieder nach Peru, wo er durch Porträtmalen mehrere Jahre sich und
seine Familie erhalten haben soll. Sein tüchtig gemaltes Selbstporträt
befand sich 1901 auf der Rigaschen Jubiläumsausstellung.

=Hagen=, ~August Matthias~. Landschaftsmaler und Kupferstecher;
Vater des Vorigen. Geb. 12. Februar 1794 auf dem Gute Wiezeemhof im
Kirchspiel Trikaten; gest. 20. November 1878 in Dorpat, wurde Schüler
des Kupferstechers C. A. Senff und ging 1821 ins Ausland, wo er sich in
München und Passau, dann in Tirol und der Schweiz weiter bildete. 1825
wurde er Lehrer des Zeichnens am Gymnasium und an der Töchterschule
in Dorpat und folgte 1838 seinem Lehrer Senff als Zeichenlehrer an
der Universität im Amte. 3. August 1837 ernannte ihn die Petersburger
Akademie zum freien Künstler. Seine Haupttätigkeit lag auf dem Gebiete
der graphischen Künste. Wir nennen von seinen Arbeiten: Sechs Ansichten
des Universitätsgebäudes in Dorpat, 1827-1828, Aquatinta. qu. fol. --
Ansicht von Dorpat vom Dom aus gesehen. Sternwarte der Universität
Dorpat, 1839. Auf den Stein gez. von F. Stern, gedr. von G. F. Schlater
-- Die Erziehungsanstalt zu Birkenruh bei Wenden, 1839; lith. von G. F.
Schlater. qu. fol. -- Der Marktplatz zu Wenden; nach H. E. Hartmann auf
den Stein gez.; lith. von Schlater. qu. 8^o -- Der Prahm in Segewold,
1841, lith. v. Schlater. qu. fol. -- Malerische Ansichten aus Livland,
lith. v. Schlater. qu. fol. -- Der lange Hermann (Turm am Schloss zu
Reval); in Holz geschnitten v. Schmidt im v. Maydellschen Atelier. --
17 Blatt Tierstudien. Atlas zur Tierveredlungskunde, herausgegeben von
J. F. L. Schmalz, lith. v. Winckelmann & Söhne, Berlin, qu. fol. --
„Sachte Karo!“ Jagdszene, lith. v. Schlater. qu. fol. -- Die Ruinen von
Schloss Wenden (Bes. K. V. Riga; auch als Aquatintastich erschienen).
-- Der Königssee zu Berchtesgaden (Bes. v. Köhler, Dorpat). --
Wasserfall bei Galling im Salzburgischen (Bes. Prof. Walter). --
Einzelne Landschaften gingen in Kaiserlichen Besitz über; sie wurden
von dem Dichter Joukoffsky für die Kaiserin erworben. Eine grosse
Anzahl landschaftlicher Studien aus Finnland und Estland befindet sich
im Besitz der Gelehrt. estn. Gesellschaft.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer S. 47-49.

=Hagen=, (Hagen-Schwarz) ~Julie Wilhelmine~. Porträt- und Genremalerin.
Geb. 15. Oktbr. 1824 auf dem Gute Klein-Wrangelshof bei Dorpat, gest.
7. Oktbr. 1902 in Dorpat; Tochter des Vorigen. Sie machte ihre ersten
Studien unter der Leitung des Vaters und beschäftigte sich zunächst
mit Blumenmalerei. Ihre weitere Ausbildung empfing sie dann in Dresden
unter Friedr. Gonne; auch kopierte sie nach Rembrandt und van Dyck.
1848 wandte sie sich nach München, arbeitete zunächst unter Jos.
Bernhardt, dann unter Moritz Rugendas. Von München ging sie nach Rom
und erhielt hier durch Vermittlung der Herzogin Marie v. Leuchtenberg,
der damaligen Präsidentin der Petersburger Akademie ein Stipendium für
drei Jahre. 1854 kehrte sie nach Dorpat zurück und begleitete sechs
Monate später ihren Gemahl, den Professor Ludw. Schwarz auf seinen
wissenschaftlichen Reisen nach Sibirien. 1858 zurückgekehrt, wurde sie
nach einer Ausstellung ihrer Gemälde in Petersburg von der Akademie zum
Akademiker ernannt unter dem Namen Hagen-Schwarz. Von 1872-1898 hat die
Künstlerin gegen 500 Porträts gemalt, von denen nur wenige öffentlich
bekannt geworden sind.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 104-105.

=Hagen=, ~Ferdinand v.~ Architekt Geb. 5. Dezember 1849 in Reval,
besuchte die Zivilingenieurschule Kaiser Nikolai I. in Petersburg,
wurde 1883 Gouvernementsarchitekt in Nowotscherkask und übernahm
1886 das Amt des Stadtarchitekten in Jekaterinoslaw, das er 1891
krankheitshalber aufgeben musste. Nach seiner Wiederherstellung
verwaltete er von 1893-1899 das Amt des Gouvernementsingenieurs
in Orenburg und lebt jetzt in Petersburg. Zu seinen bedeutenderen
Bauausführungen gehören: Das Donsche Museum in Nowotscherkask 1884
(I. Preis); das Zirkusgebäude daselbst, mehrere russische Kirchen
im Dongebiet, mehrere Militärbauten, das Realgymnasium, mehrere
Wohngebäude in Jekaterinoslaw, die russ. Kapelle in Losowaja zur
Erinnerung an die Errettung der Kaiserlichen Familie bei Borki am
17. Oktober 1888, das Hotel Eliasberg und die Rettungsstation für
Schiffbrüchige am Dnjepr bei Jekaterinoslaw.

    Nach Autobiographie.

=Hagen=, ~Julius August v.~ Architekt. Geb. 29. Juni 1829 in Reval,
Oheim des Vorigen, trat 1847 in die Bauschule des Ministeriums
des Wegebaues (jetzt Zivilingenieurinst.), absolvierte sie
1852 mit dem Diplom ersten Grades und trat in den Dienst der
livländischen Gouvernements-Bau- u. Wegekommission, wurde 1875 zum
Gouvernementsarchitekten befördert und verliess 1901 den Staatsdienst.
Von 1887 bis 1904 Dozent am Rigaschen Polytechnikum für Baugesetzgebung
und Bauanschläge; seit 1898 Baurevident des städtischen Bauamts. Als
Inspektor der Arbeiten zur Abtragung der Festungswälle Rigas war er in
den Jahren 1857-1863 den Generalgouverneuren Fürst Suworow und Baron
Lieven attachiert. H. hat die vielfachen Umbauten im Ordensschloss,
die dieses zur Aufnahme der Staatsbehörden dienstbar machen sollten,
geleitet, in Riga mehrere Privatgebäude, in Pernau das Kronsgymnasium
ausgeführt und sich namentlich an der Sammlung und Einführung der
Rigaschen Bauordnung verdienstvoll beteiligt. H. ist Ehrenmitglied des
Rigaschen Architekten- und des Rigaschen technischen Vereins.

=Haken=, ~Hildegard v.~ Malerin. Geb. 7. April 1873 in Riga, besuchte
von 1896-1898 die Jung-Stillingsche Zeichen- und Malschule in Riga
und empfing ihre weitere Ausbildung im Berliner Künstlerinnen-Verein.
Gleichzeitig war sie Schülerin der Blumenmalerin Kath. Klein und
arbeitete seit 1899 ab im Atelier der Frau v. Sivers. Sie lebt z. Z. in
Berlin.

    Nach Autobiographie.

=Hardenack=, ~Paul v.~ Architekt. Geb. 4. März 1819 in Riga, als Sohn
eines Zollbeamten, gest. daselbst 1879; erhielt seine Ausbildung in
Petersburg auf der Bauschule des Ministeriums des Wegebaues, jetzt
Zivilingenieurinstitut, wurde 1844 Architektsgehilfe und 1858 Architekt
der livländischen Gouvernementsregierung. 1863 wurde er auf Kosten
der Regierung ins Ausland geschickt, um Studien zu Gefängnisbauten
in Deutschland, Frankreich, Belgien und in der Schweiz zu machen.
Krankheitshalber verliess er 1875 den Staatsdienst. Zu seinen
bedeutendsten Bauten gehört die grosse Synagoge in Riga, 1871 vollendet.

    Nach Familiennachrichten.

=Hartmann=, ~Hermann Eduard~. Maler und Holzschneider. Geb. 20.
Juli 1817 in Dorpat; gest. daselbst 26. Dezember 1880. Seine erste
Ausbildung erhielt er von Aug. M. Hagen. 1836 ging er zu weiterer
Ausbildung nach Düsseldorf, später nach München. Von 1841-1844
bekleidete er das Amt eines Zeichenlehrers an der Landesschule
zu Birkenruh und liess sich 1845 in Dorpat nieder, wo er sich
vorherrschend mit dem Holzschnitt beschäftigte. Mehrere seiner
Holzschnitte erschienen in der estnischen Zeitschrift Postimees, im
estnischen Volkskalender und in der lettischen Zeitschrift Pasaule. Er
hat auch mehrere Porträts gemalt. Seit dem Dezember 1860 bekleidete
er das Amt des Konservators am Museum der Gelehrten estnischen
Gesellschaft und war gleichzeitig in verschiedenen Kommunalämtern
tätig. Von seinen Arbeiten seien genannt: Zeichnung des Marktplatzes
zu Wenden, 1844. Auf den Stein gezeichnet von A. M. Hagen; gedruckt
bei Schlater für Briefbogen. -- Ansicht von Riga von der Dünaseite,
1856. Holzschnitt für den estnischen Volkskalender von 1858; auch auf
Briefbogen. -- Trachten der Pleskau’schen Esten, 1859; Holzschnitt. --
Abbildungen Dorpater Studenten; Holzschnitt, von Chr. J. Petersohn mit
Versen versehen. -- Schloss Neuhausen bei Johannisfeuerbeleuchtung.
Nach der Natur gezeichnet und in Holz geschnitten 1859. -- Schloss
Neuhausen; Holzschnitt 1859. -- Ansicht von Narva mit estnischer
Ueberschrift: Narwalin, auf einem fliegenden Bande; Holzschnitt in
einem länglichen Achteck. -- Ansicht von Walk, 1856 in Form einer
Vignette mit Renaissanceumrahmungen; Holzschnitt. -- Der Wasserfall der
Narowa; kleiner Holzschnitt. -- Ansicht von Riga mit der Flossbrücke;
kleiner, oben bogenförmiger Holzschnitt. -- Portal der Johanniskirche
in Dorpat; kleiner Holzschnitt. -- Dreizehn Ansichten aus Dorpat;
kleine Holzschnitte. -- Porträt des Professors Martin Asmuss. Lith. von
Sternberg, gedr. von F. Schlater 4^o. -- Porträt desselben. Gez. von H.
C. Hartmann, lith. von F. Hanfstängl, Dresden. -- Porträt des Pastors
Eduard Philipp Körber († 1850). -- Porträt von A. W. Hollander, nach
A. Pezold auf den Stein gez. von Hartmann, gedr. bei Schlater, 4^o.
-- Porträt des Pastors der estnischen Gemeinde zu Dorpat Karl Heinr.
Konst. Gehewe; Holzschnittsilhouette nach Dr. Panck. -- Porträt des
Oberlehrers der Geschichte am Gymnasium zu Dorpat Gustav Moritz Santo;
Holzschnittsilhouette nach Dr. Panck.

    Sitzungsberichte der Gelehrten estnischen Gesellschaft 1880. --
    Inland 1855 S. 604.

=Hartmann=, ~Wolfgang~. Kupferstecher. Um die Mitte des 17.
Jahrhunderts in Riga tätig. Von ihm: Porträt des schwedischen
Generalgouverneurs von Livland Grafen Gustav Horn, 1652. Die
Originalplatte im Dom-Mus. zu Riga. Davon Abdrücke aus neuerer Zeit.
-- Porträt des Rigaschen Ratsherrn Laurenz Zimmermann, etwa um 1652.
Originalplatte im Dom-Mus. zu Riga. -- Porträt des Dompastors Matthias
Reland, 1653. -- Porträt des Rigaschen Bürgermeisters Melchior Fuchs,
1654.

=Hase=, ~Peter~. Maler in Riga um die Mitte des 15. Jahrh. Er malte
1460 eine Tafel für den Altar der Losträger in der Petrikirche mit den
Patronen der Gilden und erhielt dafür 50 Mark rigisch.

    (C. Mettig.)

=Hasselblatt=, ~Adolf~. Bildhauer und Landschaftsmaler. Geb. 19. Juni
1823 im Pastorat Roethel in Estland; gest. 7. August 1896 in Winnenden
i. W., kam nach Petersburg in eine Gypsgiesserei und hier in Berührung
mit verschiedenen Künstlern. Ende der vierziger Jahre besuchte er
die Petersburger Akad. und absolvierte sie mit der gr. silb. Med. Er
beteiligte sich an den ornamentalen Arbeiten für die Isaakskirche in
Petersburg, nahm aber später das Amt eines Zeichenlehrers in Wiborg
an. Um sich in der Landschaftsmalerei auszubilden begab er sich von
hier nach Düsseldorf und besuchte darauf Italien. Seine Ansicht es
als Künstler zu keiner Bedeutung bringen zu können, veranlasste ihn
schliesslich zur Aufgabe des Berufs. Die Mehrzahl seiner Arbeiten
befindet sich im Familienbes. Das Mus. zu Reval besitzt von ihm eine
finnländische Landschaft.

    Nach Familiennachrichten (Jul. Hasselblatt-Norden).

=Hau=, ~Eduard~. Porträt- und Perspektivmaler. Geb. 16. Juli 1807 in
Reval, als Sohn des Malers Johannes H., gest. in Petersburg. Nachdem er
den Unterricht seines Vaters genossen hatte, bezog er 1830 die Akad. in
Dresden, verliess diese aber schon nach zwei Jahren, um sich mit der
Schriftstellerin Nelly Strieker in Altenburg zu vermählen. 1836 kam er
nach Dorpat und begann hier ein grosses Porträtwerk: die Bildnisse der
Universitätsprofessoren, die in gr. fol. seit 1837, von F. Schlater
lithogr. in 6 Heften erschienen. Zu Beginn der vierziger Jahre zog
er nach Petersburg und wurde hier von der Akad. 1854 für ein das
Treppenhaus der Eremitage darstellendes Bild zum Akademiker ernannt.
Er wandte sich jetzt ganz der Interieurmalerei zu und schuf eine Folge
von Ansichten aus den Zimmern der Kaiserl. Schlösser, besonders aus
dem Winterpalais und aus Gatschina. Die Sammlung von Porträts der
Professoren an der Kaiserlichen Universität Dorpat umfasst folgende
Bildnisse: Heft 1: Fr. Busch, C. C. Ulmann, C. G. v. Bröcker, W. F.
Clossius, A. v. Reutz. -- Heft 2 und 3: C. F. Otto, F. G. v. Bunge, J.
F. Erdmann, G. F. v. Sahmen, P. Walter, A. Hueck, N. Pirogoff, G. B.
Jäsche, W. Struwe, H. M. Jakobi. -- Heft 4 und 5: C. A. v. Madai, A.
W. Volckmann, F. G. Bidder, F. Göbel, C. Morgenstern, F. Schmalz, F.
Parrot, C. L. Blum, C. F. Neue, H. von Köhler (Privatdozent). -- Heft
6: A. v. Bunge, F. D. Friedländer, F. Kruse, M. Rosberg, C. A. Senff.
-- Ferner von ihm: Porträt des Prof. F. G. von Bunge in kl. fol. --
Porträt des Generalleutenants F. v. Driesen, lith. nach dem Original v.
Rosenberg 1839, gedr. v. F. Schlater. -- Porträt des Oberlehrers Dr.
Aug. Carlblom. Lith. kl. fol. -- Porträt des Pastors H. W. Cruse in
Mitau. Lith. kl. fol. -- Porträt des Oberpastors zu St. Olai in Reval
Chr. Gottl. Mayer. Lith. v. Schlater, kl. fol.

    Inland 1837 S. 212 und 792; 1838 S. 528 und 830; 1839 S. 159; 1854
    S 866. -- W. Neumann, Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 100.

=Hau=, ~Johannes~. Landschaftsmaler. Geb. 30. März 1771 in Flensburg;
gest. 22. Juli 1838 in Reval, Vater des Vorigen, kam in jugendlichen
Jahren nach Reval und erwarb sich hier in kurzer Zeit einen Ruf als
geschickter Landschafter. 1828 gab er mit Karl v. Kügelgen eine
Sammlung Revaler Ansichten heraus unter dem Titel: „Collection de XII
vues gravées à l’aquatinta“. Dieselbe Sammlung erschien später in
Lithographien von Th. Gelhaar im Verlage von G. Eggers in Reval. --
Eine Ansicht des Brandes der Olaikirche, 1820 (Zeichn.) befand sich im
Bes. des Admirals von Proffen. -- Eine Ansicht von Reval (Gouache),
1901 im Rigaer Kunsthandel.

    Revaler wöchentl. Nachrichten 1823 S. 905 und 939. -- G. v. Hansen,
    Die Kirchen und ehem. Klöster Revals III. Aufl. S. 51. -- W.
    Neumann, Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 76 u. 99.

=Hau=, ~Woldemar~. Porträtmaler. Geb. 4. Februar 1816 in Reval als
Sohn des Vorigen und Stiefbruder von Eduard H.; gest. 11. März 1895
in Petersburg. Er erhielt seine Vorbildung durch den Maler Karl
Ferd. v. Kügelgen und lenkte durch ein tüchtig gemaltes Porträt des
Revaler Militärgouverneurs, Admirals Grafen Ferd. v. Lütke (1832)
die Aufmerksamkeit der Gräfin Baranoff, einer Hofdame, auf sich, die
ihn dem Prof. Alex. Sauerweid empfahl. Durch Sauerweids Vermittlung
wurde er Schüler der Akad., absolvierte sie und begab sich 1838 nach
Deutschland und Italien. 1840 nach Petersburg zurückgekehrt, wurde er
zum Hofmaler ernannt und 1849 für ein Porträt der Grossfürstin Maria
Nikolajewna, Herzogin von Leuchtenberg, von der Akad. zum Akademiker
befördert. Die Mitglieder der Kaiserlichen Familie von Nikolaus I. bis
auf Alexander III. hat er wiederholt gemalt. Zu seinen bedeutendsten
Arbeiten gehört die aus ca. 200 Miniaturporträts bestehende Sammlung
von Bildnissen der Veteranen des Ismailowschen Garde-Reg. und der
Leibgarde zu Pferde für den Kaiser Nikolaus I., zu dessen 50jährigem
Jubiläum als Chef dieser Regimenter. 1838 malte er die Miniaturporträts
des Herzogs Wilhelm v. Nassau und dessen Gemahlin. Sein Bild, den
Kaiser Nikolaus I. auf dem Sterbebette darstellend, wurde von Feldt
lith. 1870 musste er seine Tätigkeit wegen geschwächter Sehkraft
einstellen. Sein Werk wird über 1000 Nummern geschätzt. Die literär.
Ges. in Reval besitzt von ihm das Porträt des Dr. Ferd. Wiedemann,
Gründers der Gesellsch., das Gymnasium das Porträt des Direktors L.
Gahlnbäck.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer S. 99-100.

=Hauswald=, ~Karl Friedrich~. Lithograph. Gründete um 1829 eine
lithogr. Anstalt in einem Hause der Kaufstrasse in Riga, dessen äussere
Ansicht mit einer Empfehlung der Anstalt von ihm lithographiert wurde.
1835 wurde er „Gouvernements-Lithograph“ und 1838 suchte er bei der
Akad. der Künste in Petersburg auf Grund vorgelegter Arbeiten um die
Erteilung eines akademischen Grades nach, doch wurde sein Gesuch 4. 1.
1839 abgelehnt. Er erblindete in den letzten Jahren seines Lebens. Von
ihm: die Ansichten des ehemals Loss’schen Hauses in der Kaufstrasse, um
1830. -- Sechs Ansichten von Riga; lith. nach G. C. Scharlow, 1830 in
einem Heft erschienen. -- Porträt des Rigaschen Bürgermeisters J. J.
Rolssen; lith. nach D. Jantzen, 1833. -- Malerische Ansichten aus Riga
und Umgebung. 12 Blatt in 2 Heften qu. fol., lith. nach D. Jantzen,
1835. -- Zwei Ansichten von Riga mit der Dünabrücke. -- Altar der
Petrikirche. -- Grundriss und Fassade des Gouvernements-Gymnasiums.
Lith. -- Porträt Luthers, ganze Figur. Lith. -- Der „Wasserkarl“;
lith. nach O. Berthing, 1835. -- Ansicht von Pleskodahl; lith. nach
einer Zeichnung v. C. S. (C. v. Sengbusch). -- Ansicht des Kurhauses
in Kemmern bei Riga, als Umschlag zu der Broschüre: Kurze Darstellung
des Badeorts Kemmern in Livland, 1838. Lith. Unterschr.: Bad Kemmer
(sic). -- Ansicht von Dorpat nach einem Aquatinta von C. Senff,
1806. -- Steinzeichnung nach einem Entwurf von Thorwaldsen zu einem
Erinnerungsdenkmal der Verbindung der Ostseeprovinzen mit Russland seit
1710. Abgedruckt im Inland 1836.

    Rigasche Stadtbl. 1830 S. 371; 1833 S. 318; 1835 S. 366 und 404;
    1837 S. 244; 1840 S. 310. -- Inland 1836 S. 57 ff.

=Hay=, ~Johann Eduard~. Porträtmaler. Geb. 1815 in Riga; gest. 1841 in
Genua. Er war von seinem Vater zum Kaufmannsstande bestimmt, durfte
aber schliesslich seinem Wunsche, die Künstlerlaufbahn zu beschreiten,
folgen. Seine Vorbildung erhielt er von dem Maler L. Bülow, ging
dann nach Düsseldorf, wo er Schüler von Prof. A. Schroeter wurde und
nach dreieinhalbjährigem Aufenthalt nach Italien, wo er in Genua der
Schwindsucht erlag. Das städt. Museum besitzt von ihm das Porträt
seines ersten Lehrers.

=Hefftler=, ~Karl Eduard~. Landschaftsmaler. Geb. 26. April 1853
in Reval, trat 1876 in die Petersburger Kunstakad. zum Studium der
Architektur und absolvierte sie 1880 mit dem Range eines freien
Künstlers. Sein Talent für malerische Darstellung von Architekturen
wurde Veranlassung, dass er sich der Malerei zuwandte und speziell
der Aquarellmalerei, die er in Deutschland, Oesterreich, Frankreich
und Italien studierte. Er lebt in Petersburg, wo er, bis eintretende
Kränklichkeit ihn am Schaffen zu hindern begann, zu den vorzüglichsten
Aquarellisten gehörte.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 164-166.

=Heintz=, ~Tobias~. Kunsttischler. Geb. um 1590, befand sich 1617
als „Hoftischler“ in herzogl. kurländischen Diensten. Von ihm ein
reich ausgestattetes mit vier biblischen Szenen und seinem Porträt in
Intarsia geschmücktes Betpult, das er 1617 für die Trinitatiskirche
schuf, jetzt im Mus. zu Mitau. Vermutlich sind von ihm auch die
Brüstungen der östlichen Emporen in dieser Kirche, inschriftlich von
1616.

    Sitzungsber. der kurl. Ges. für Lit. und Kunst 1868 S. 228. --
    W. Neumann, Grundriss einer Gesch. der bild. Künste und des
    Kunstgewerbes in Liv-, Est- und Kurland 1887 S. 161.

=Hellwig=, ~Friedrich~. Theatermaler. Geb. 1832 in Bremen; gest.
1898 in Wien, erhielt seine Ausbildung im Atelier des Hoftheaters zu
Oldenburg, wurde dann Schüler von Joh. Mühldorfer in Mannheim und
1863 dessen Nachfolger. Im Herbst 1866 kam er nach Riga, wo seine
erste grössere Arbeit die Herstellung der Dekorationen zur Oper Oberon
war, der bald die Dekorationen zur Afrikanerin folgten. 1870 ging er
nach Nürnberg, kehrte aber 1878 nach Riga zurück und blieb hier bis
zu seiner Pensionierung (Mai 1890). Zu seinen bedeutendsten Arbeiten
während dieses zweiten Aufenthalts in Riga gehören die Dekorationen
zu Gounods Faust. In Privatbes. von ihm mehrere ansprechend gemalte
Landschaften.

    Neue Ztg. für Stadt und Land 1880 Nº 29. -- Dünaztg. 1892 vom 20.
    Juni (2. Juli). -- Rigaer Theater- und Tonkünstlerlexikon S. 91.

=Hembsen=, (~Hemssen~, ~Hemessen~) ~Hans v.~ Maler. Geb. im letzten
Viertel des 16. Jahrhunderts in Lübeck; gest. in Reval vor 1673,
erlernte die Kunst bei dem Lübecker Maler Philipp Röseler, arbeitete
dann in Königsberg und Danzig, und richtete am 15. März 1616 an den
Lübecker Rat ein Gesuch um Zulassung als Freimeister, das aber auf
Grund einer Supplik der Amtsmeister abgeschlagen wurde. Am 26. April
1625 wiederholte er sein Gesuch unter gleichzeitiger Vorzeigung eines
Gemäldes, das eine Ansicht des Audienzsaales im Lübecker Rathause vor
seiner Erneuerung im Jahre 1573 und als Staffage eine Sitzung des
Obergerichts darstellt (jetzt in der Hörkammer des Lübecker Rathauses).
Dieses zweite Gesuch wurde mit gewissen Einschränkungen genehmigt. 1635
malte er das Epitaph des 1634 verst. Lübecker Bürgermeisters Lorenz
Müller mit dem Porträt des Verstorbenen und mit Darstellungen der
Kreuzigung und der Auferstehung Christi (Marienkirche zu Lübeck). Seit
1637 ist er in Reval nachweisbar, wo er ebenfalls schwere Kämpfe mit
den Amtsmeistern durchzumachen hat. Werke sind ihm hier mit Sicherheit
nicht nachzuweisen.

    P. Hasse in d. Zeitschr. d. Vereins f. Lübeckische Gesch. u.
    Altertumskunde. -- Ders. Aus der Gesch. d. Lübecker Malerei von
    1550-1700, Lübeck 1900 mit Abb. v. J. Nöhring. -- W. Neumann in d.
    Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Altertumskunde, Riga 1898
    S. 52.

=Hembsen=, ~Albrecht v.~ Maler. Geb. in Lübeck um 1625; gest. in
Reval an der Pest 1657. Er kam mit seinem Vater Hans um 1637 nach
Reval und erlernte unter seiner Leitung die Kunst der Malerei. Es
wird von ihm berichtet, dass er viele Porträts, namentlich adeliger
Personen, gemalt habe. Er übernahm in der Folge die Geschäftsführung
für die Witwe des Malers Peter Wicherts in Reval und malte ein Jahr
und 20 Wochen an den Tafeln für die Kanzel (wahrscheinlich für die
1684 durch Brand zerstörte Kanzel der Domkirche); auch das Epitaph des
Obersten Rechenberg, vermutlich auch 1684 durch den Brand der Domkirche
zerstört, wurde von ihm gemalt.

    W. Neumann in d. Sitzungsber. der Gesellsch. f. Gesch. u.
    Altertumskunde, Riga 1898 S. 54 ff.

=Herrle=, ~Karl~, aus München, arbeitete von 1870-1872 als
Dekorationsmaler am Rigaschen Stadttheater, wo zu seinen bedeutendsten
Arbeiten die Dekorationen zu den Meistersingern gehören. Er war auch
ein geschickter Landschaftsmaler und stellte wiederholt in Riga aus.
Man hat von ihm Ansichten aus dem alten Riga und aus Treyden.

    Rigasche Ztg. 1871 Nº 47; 1874 Nº 51. -- Rigaer Theater- u.
    Tonkünstlerlexikon S. 94.

=Hess=, ~Friedrich Wilhelm~. Architekt. Geb. 1822; gest. 23. Mai 1877
in Riga, war in Petersburg Schüler des Prof. H. Bosse und wurde 1851
von der Akad. zum freien Künstler ernannt. Seit 1852 war er in Riga
beim Bau der Börse und neben dem Architekten H. Scheel auch beim Bau
des Stadttheaters beschäftigt. Zu seinen selbständigen grösseren
Bauausführungen gehören in Riga die Häuser de Chey und Minus. Von
1857-1860 erbaute er das Schloss Kolzen in Livland.

    Inland 1851 S. 934. -- Ztg. f. Stadt u. Land 1877 Nº 119 u. 121. --
    Rigasche Ztg. 1877 Nº 116 Beilage. -- Rigasche Industrieztg. 1877
    Nº 2.

=Hess=, ~Karl Gotthard~. Lithograph. Geb. 1818; gest. 1867 in Riga,
lebte anfangs in Petersburg und machte sich 1859 in Riga ansässig. Von
ihm: Ansicht von Riga vom Wöhrmannschen Park aus nach Abtragung der
Wälle. -- Riga mit der Dünabrücke, umgeben von 26 kleinen Ansichten der
bedeutendsten Gebäude 1863.

    Inland 1859 S. 687. -- Rigasche Stadtbl. 1859 S. 291; 1862 S. 402;
    1867 S. 114.

=Heubel=, ~Alexander~. Historienmaler. Geb. 9. April 1813 in Lemsal;
gest. 22. Jan. 1847 in Riga. Das Talent des Knaben hatte die
Aufmerksamkeit eines Dorpater Studenten, des nachmaligen Predigers an
der St. Annenkirche zu Mitau, Wilhelm Pantenius, erregt und diesen
veranlasst ihn in den Wissenschaften zu unterrichten. 1829 kam H. nach
Riga und genoss hier den Unterricht des Malers G. H. Büttner. Mit dem
Maler Joh. Karl Bähr zog er im Herbst 1832 nach Dresden, um in die
dortige Akad. einzutreten, ging aber 1834 nach Düsseldorf, wo er sich
an Bendemann anschloss. 1841 begab er sich mit seinem Studiengenossen
Ludw. Haach nach Rom, von wo er, schon kränkelnd, 1845 in die Heimat
zurückkehrte. Ausser verschiedenen Bildnissen sind von ihm bekannt:
Moses, unterstützt von Aron und Hur, den Sieg über die Amalekiter
erflehend, 1837 (Bes. Gal. Brederlo, Riga). -- Hiob und seine Freunde
(In Düsseldorf gem. kam in den Bes. des Senators Jähnisch, Hamburg.
Die Farbenskizze in der Brederloschen Galerie). -- Kopf eines alten
Mannes, Studie, (Bes. Gal. Brederlo, Riga). -- Heilige Familie (Kam
in den Bes. des Apothekers Heubel in Dorpat; die Farbenskizze in der
Gal. Brederlo). -- Italienerin aus Albano und Flucht nach Aegypten (Vom
Rigaschen Kunstverein 1877 aus dem Besitz des Hofgerichtspräsidenten
E. v. Sivers erworben). -- Die drei Männer im feurigen Ofen (1841-1844
in Rom im Auftrage der Kaiserin v. Russland gem., jetzt im Schlosse
zu Ropscha. Farbenskizze in der Gal. Brederlo. Karton im Bes. des
Staatsrats E. Krüger, Mitau). -- Portr. des Malers Theobald Reinhold,
Freiherrn v. Oër. 1844 in Dresden gem. -- Christus auf Wolken
schwebend, Altargem. für die St. Jakobikirche in Riga, 1845 gem. --
Selbstbildnis, in Rom gem. (Im Familienbes., Charkow). -- Selbstbildnis
1846 gem. (Bes. Gal. Brederlo, Riga). -- Selbstbildnis (Bes. Städt.
Museum, Riga aus dem Bes. des Hn. M. v. Tunzelmann -- Adlerflug). --
Von ihm die Entwürfe zu den Figuren der Charitas und der Mildtätigkeit
am ehemaligen Waisenhause (jetzt Stadtsparkasse) in Riga 1846.

    Rigasche Biographien II S. 135. -- W. Müller v. Königswinter,
    Düsseldorfer Künstler. -- W. Neumann, Baltische Maler u. Bildhauer
    des 19. Jahrh. S. 51-53.

=Heubel=, ~August Gotthilf~. Holzschnitzer und Kunsttischler. Geb. 17.
Dezember 1760 zu Zedenik in der Ukermark; gest. 24. Mai 1846 in Walk,
Vater des Vorigen, kam um 1780 nach Riga, liess sich 1810 in Lemsal
nieder und zog 1829 nach Dorpat. Von ihm haben sich einige vortrefflich
stilisierte Altäre erhalten, wie der Altar in der Kirche zu Lemsal
(1785), Altar und Kanzel in der Kirche zu Wangasch (Kirchspiel
Rodenpois) 1790, Altar der Domkirche zu Riga 1817 nach einem Entwurf
des Prof. Krause in Dorpat. (Dieser wurde 1895 abgebrochen, die Figuren
des Moses und Johannes wurden bei der Neuaufstellung des Altarbildes
in der Südkapelle am Turm, wieder verwendet.) -- Ein Teebrett in
Mosaikarbeit mit einer Darstellung des Schwurs auf dem Rütli, erwähnt
von Seume in „Mein Sommer 1805“, scheint von Heubel angefertigt worden
zu sein.

    Inland 1842 S. 312; 1847 S. 657 ff. -- Rigasche Stadtbl. 1821
    S. 212. -- 10. und 11. Rechenschaftsbericht der Rigaschen
    Dombauabteilung 1894 und 1895 S. 74.

=Heydenreich=, ~Detlaus v.~ Architekt. Geb. 24. Oktober 1818 in
Riga; gest. 2. November 1896 in Petersburg, besuchte von 1834-1839
die Petersburger Akad. um Architektur zu studieren. 1844 wurde
er zum Akademiker befördert. Er diente im Ressort der Wege- und
Wasserkommunikationen.

    Inland 1851 S. 134.

=Heydtmann=, ~Alexander Wilhelm~. Maler. Geb. um 1750 auf dem Gute
Salven in Kurland; gest. in Riga, erlernte das Malerhandwerk und
bildete sich auf Reisen weiter aus. 8. 1. 1773 wurde er Meister des
Rigaschen Maleramts und 18. 1. 1773 Rigascher Bürger. Von 1787-1795
war er Aeltermann des Rigaschen Maleramts. Von ihm ein grosses
Wandbild, die sog. Bombe Peters des Gr. im ehemaligen Hauptsaal der
Stadtbibliothek, dem jetzigen Konfirmandensaale der Domkirche, 1786 von
ihm nach einem Entwurf des Barons Woldemar von Budberg ausgeführt.

    Protokolle des Rigaschen Kämmereigerichts Bd. 29 S. 209-10. --
    Publica des Rigaschen Rats Bd. 178 S. 324. -- W. Neumann, Führer
    durch die Rigasche Domkirche, 1897 S. 23.

=Heyne=, ~Arthur~. Maler. Geb. 8. Oktober 1876 in Mitau, besuchte
1895 die Kunstschule in Weimar und ging nach dreijährigem Aufenthalt
daselbst nach München.

=Hilbig=, ~Gustav Ferdinand Alexander~. Architekt. Geb. 24. Oktober
1822 in Breslau; gest. 8. Februar 1887 in Riga, besuchte die Königl.
Kunst- und Bauhandwerkschule zu Breslau, dann das Gewerbe-Institut
zu Berlin und schliesslich die dortige Bauakad. Von 1846-1852 war er
unter Stüler beim Bau des neuen Museums in Berlin tätig und wurde
nach Ablegung des Lehrerexamens 1851 als Lehrer an die neugegründete
Provinzial-Gewerbeschule zu Krefeld berufen. Im April 1863 folgte er
einem Rufe als Professor an das Polytechnikum zu Riga. -- Zu seinen
bedeutendsten Bauausführungen gehören: die Gewerbeschule in Krefeld,
das Polytechnikum in Riga, die Schiffsspeicher in Mühlgraben, das
Maschinengebäude des Rigaschen Wasserwerks, das chemische Laboratorium
des Polytechnikums (jetzt umgebaut) und die Paulskirche in Riga.

=Hilbig=, ~Hermann Otto~. Architekt. Geb. 8. Mai (26. April) 1860 in
Krefeld, Sohn des Vorigen, studierte von 1877-1881 Architektur am
Rigaschen Polytechnikum und 1882/83 an der technischen Hochschule
in Berlin, wurde 1884 Assistent am Rigaschen Polytechnikum und war
von 1886-1893 Dozent für Bauwissenschaft an demselben. Seit seiner
Niederlegung des Lehramts lebt er in Riga als freipraktizierender
Architekt. Von ihm die luth. Kirche zu Bilderlingshof am Rigaschen
Strande, der Ausbau des „Sandturmes“ (ehemaliger Befestigungsturm)
zum Konventsquartier für die Studentenkorporation Rubonia, die
Wohnhäuser Schilling (gr. Sandstr. 20), v. Haken (gr. Sandstr. 32), v.
Ertzdorff-Kupfer (Ecke d. Kaisergarten- und Elisabethstr.), das eigne
Wohnhaus (Basteiboulevard 9), mehrere Sommervillen in Oger bei Riga.

    Nach Autobiographie.

=Hiller=, Porzellanmaler, lebte während der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts in Riga. 1838 berichtet das Inland über von ihm
ausgestellte Porzellanmalereien. Auf der Kunstausstellung von 1842
befanden sich von ihm: Eine Vase mit dem Bilde „Pilger in der Wüste“
nach H. Stilke (in der Gal. Raczynski, Berlin), vermutlich nach der
Lithogr. v. Sprick; mehrere Tassen mit Rigaschen Ansichten und mit
Porträts.

    Inland 1838 S. 459.

=Hindorf=, ~Alfred~. Geb. zu Laiden in Kurland am 12. Mai 1824, trat
1844 als Pionier in die preussische Armee, in der er 36 Jahre diente.
1863 wurde ihm die Oberleitung des Ausbaues der Burg Hohenzollern
übertragen. 1877 mit dem Rang eines Generalmajors verabschiedet,
liess er sich in Charlottenburg nieder. Von ihm: Sommermorgen auf
dem Faulhorn im Mus. Richartz-Walraff in Köln. -- Rügenscher Strand.
-- Einzug des Königs Wilhelm und des Kronprinzen an der Spitze der
schlesischen Truppen in Breslau am 18. September 1866, begrüsst
durch Oberbürgermeister Hobrecht, 1882. Schles. Mus., Breslau. --
Kriegsszenen aus dem Feldzuge von 1866. Farb. Lithogr. in qu. fol.

    S. v. Bötticher, Malerwerke des 19. Jahrh.

=Hintze=, ~Benedikt~. Baumeister. Erbaute vom 19. Juli 1636 bis 1.
August 1638 die Jesuskirche in Riga, die etwa 20 Jahre später abbrannte.

    Rigascher Almanach 1875. -- W. Busch, Gesch. d. Jesuskirche zu Riga.

=Hippius=, ~Gustav Adolf~. Porträtmaler. Geb. 1. März 1792 im Pastorat
Nissy in Estland; gest. 24. September 1856 in Reval; begraben in
Haggers. Er erhielt den ersten Kunstunterricht durch den Maler E.
Höppner in Reval und konnte dann an dem Unterrichte des Malers S.
Walther teilnehmen, den der Dichter Aug. v. Kotzebue für seine
Kinder aus Deutschland hatte kommen lassen und der auch den jungen
Ignatius, den Sohn des Propstes Ignatius in Haggers, in der Kunst
unterrichtete. Zu weiterer Ausbildung ging H. 1812 ins Ausland und
trat nach vorübergehendem Aufenthalt in Berlin, Dresden und Prag in
die Wiener Akad. Von hier zog er 1817 mit dem Kurländer Eggink nach
Rom, wo er im Overbeck-Cornelius’schen Künstlerkreise bald zu den
beliebtesten Persönlichkeiten gehörte. Auf der Heimreise seinen Weg
durch die Schweiz nehmend, machte er in Iverdun die Bekanntschaft
des greisen Pestalozzi, dessen Porträt er zeichnete (später von ihm
lithogr. vervielfältigt). 1820 liess er sich in Petersburg nieder, wo
er den Unterricht an mehreren höheren Unterrichtsanstalten übernahm
und gleichzeitig als Porträtist viel beschäftigt war. 1850 zog er sich
nach Reval zurück. -- Ausser einer Anzahl tüchtiger Porträts gehört
zu seinen bedeutendsten Arbeiten das lithographierte Porträtwerk: les
Contemporains, das seit 1822 in 8 Heften in gr. fol. erschien. Heft
I. Metropolit Michael. -- Minister Graf W. P. Kotschubei. -- Baron
A. G. Strogonow. -- Dichter J. A. Krylow. -- Bildhauer J. J. Martos.
Heft II. -- Fürst P. W. Lapuchin. -- Fürst N. G. Repnin. Graf M. M.
Speransky. -- Präses der Kunstakademie A. J. Olenin. -- Dichter W. A.
Joukoffsky. Heft III. -- Erzbischof Sestrenzewitsch. -- General Graf
Arakschejew. -- Graf Capodistria. -- Akademiker F. J. Schubert. --
Professor A. E. Jegorow. Heft IV. -- Fürst A. N. Golitzin, Minister
der Volksaufklärung. -- Geheimrat J. J. Dimitrew. -- Vizeadmiral A.
S. Schischkow. -- Staatssekretär für Finnland Graf Rehbinder. --
Akademiker Krug. Heft V. -- Finanzminister Graf Gurjew. -- Marquis
Paulucci. -- Graf Sobolewsky. -- Generalstabsarzt Rehmann. -- Hofmaler
Karl v. Kügelgen. Heft VI. -- Herzog Alexander von Württemberg. --
Fürst Dimetrius Golitzin. -- Baron Campenhausen. -- Graf Uwarow.
-- Bortnjansky. Heft VII. -- Fürst Lobanow-Rostowsky. -- Admiral
Mordwinow. -- A. Balaschew. -- Vizeadmiral Greigh. -- Historiker
Karamsin. Heft VIII. -- Graf Miloradowitsch. -- Staatssekretär Kikin.
-- Generalgouverneur von Archangelsk Minitzky. -- A. S. Puschkin. -- A.
J. Krusenstern. Ergänzungsblätter. -- Graf Nesselrode. -- Graf Kankrin.
-- Prof. N. J. Bulgakow. -- Akademiker Fischer. -- Schebujew. -- Er
gab heraus: Le jeune dessinateur, cour d’études progressives à l’usage
des écoles. 4 Hefte mit 32 Bl. Vorlagen. -- Elemente der Zeichenkunst.
66 Bl. Vorlagen. -- Blumenvorlagen 24 Bl. - Grundlagen einer Theorie
der Zeichenkunst. Petersburg und Leipzig, 1842 (wurde ins Russische
übertragen). -- Kunstschulen, 1850.

    Inland 1842 S. 260; 1847 S. 707; 1850 S. 460, 712 u. ff.; 1852
    S. 724; 1856 S. 105. -- Rigasche Stadtbl. 1822 S. 161, 476. --
    Kunstblatt 1857 S. 250. -- Ostseeprovinzenblatt 1823 Nº 28. --
    Baltische Monatsschrift Bd. 36 S. 30-49 und 107-130. -- W. Neumann,
    Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 21-23.

=Hippius=, ~Otto Pius~. Architekt. Geb. 5. Mai 1826 in Petersburg;
gest. 29. August 1883 zu Pargola, Sohn des Vorigen. Er erhielt seine
fachmännische Ausbildung auf dem Polytechnikum zu Karlsruhe, das er
1849, mit der goldenen Medaille ausgezeichnet, absolvierte und besuchte
darauf die Petersburger Kunstakademie. 1863 wurde er zum Akademiker
ernannt und 1879 für seinen Konkurrenzentwurf zu einem Berliner
Dom zum Professor befördert. H. hat sich manche Verdienste um die
Gestaltung des protestantischen Kirchenbaues erworben. Neben seiner
künstlerischen Tätigkeit wirkte er auch als Lehrer an verschiedenen
Anstalten in Petersburg, so an der Stieglitzschen Zentral-Zeichenschule
und als Dozent für Literaturgeschichte an der Bauschule. Von ihm die
Kirchen zu Schemacha, die Karlskirche zu Reval (1870 geweiht) und die
Michaelskirche zu Narva (1886 vollendet), die Gebäude der Gasanstalt in
Petersburg, Schloss Sagnitz für den Grafen Berg, die Entwürfe zu dem
evangelischen Hospital in Petersburg (in Wien auf der Welt-Ausstellung
1873 mit der gold. Medaille prämiiert). Er veröffentlichte: „Darf der
Berliner Dom ein Kuppelbau sein?“ 1871.

    Inland 1850 S. 711; 1851 S. 934. -- Rigasche Zeitung 1869 Nº 293;
    1871 Nº 295; 1873 Nº 188; 1883 Nº 204. -- Zeitung für Stadt und
    Land 1879 Nº 204. -- Rigasche Industriezeitung 1877 Nº 2.

=Hoeflinger=, ~Louis~, Lithograph, aus Hessen gebürtig, erwarb 1857
die Schlatersche lithographische Anstalt in Reval und verlegte sie im
nächsten Jahre nach Dorpat. Er beschäftigte sich auch mit Photographie.
Aus seiner Anstalt gingen hervor: Ansicht von Dorpat vom Rosengarten
aus. -- Farbige Ansicht von Dorpat (mit 14 Platten gedruckt). --
Album von Dorpat und Umgegend, 20 Blatt, 1860 erschienen, teils nach
Zeichnungen von Iwansohn, in Irisdruck ausgeführt in Berlin, qu. fol.
-- Kommersbild der Curonia, II. Sem. 1857 nach Iwansohn. -- Zehn
Ansichten von Dorpat auf Briefbogen. -- Plan der katholischen Kirche
in Dorpat 1861. -- Zwei Ansichten aus Fellin: Schlossruine und Ansicht
der Stadt, qu. 8^o. -- Porträt des Lehrers Isidor de Friou, Lith. in
4^o. -- Porträt des Livländers Reinh. Patkul im Oval mit faksimilierter
Unterschrift, Lith. 8^o. -- Kalender für 1859 mit lith. Ansichten aus
Riga, Reval, Pernau. -- Ansicht von Narva nach N. Schmor, 1857, 4^o. --
Schlossruine zu Hapsal (auch farbig) für Briefbogen.

    Inland 1857 S. 365; 1858 S. 347; 1860 S. 797. -- Sitzungsbericht
    der Gelehrt. estn. Gesellschaft 1861 S. 42.

=Hofmann=, Bild- und Tapetenwirker lebte im 17. Jahrhundert in Mitau.

    Mirbach, Kurische Briefe II S. 255 (J. Döring).

=Hoffmann=, ~Julius~. Geb. 1803 in Riga; gest, 1841 (?) in Rom,
besuchte die Petersburger Akademie und ging mit seinem Studiengenossen
Bruni, dem späteren Professor der Akademie um 1830 nach Rom. Eine
Kopie der Grablegung nach Caravaggio und eine Kopie des Parnasses von
Raffael wurden der Akademie überwiesen. -- Im Besitz des Hn. v. Firks
auf Wandsen befanden sich zwei Porträts, 1833 in Rom gem. und eine
italienische Landschaft, die Tassoeiche. Ein männliches Porträt war
1842 auf der Kunst-Ausstellung in Riga.

=Hoffmann=, ~Oskar~. Maler und Radierer. Geb. 24. Januar 1851 in
Dorpat, trat 1871 in die Düsseldorfer Akademie und arbeitete unter
E. Dücker. 1878 gründete er ein eignes Atelier, zog aber 1884 nach
Petersburg. Die heimatliche Landschaft und die estnische Bevölkerung
bilden in der Mehrzahl die Gegenstände seiner ansprechenden Gemälde.
Das städt. Museum zu Riga besitzt von ihm: Estnische Bauern bei der
Kartoffelernte. Von seinen Radierungen nennen wir: Estnische Bauern
in Unterhaltung, Orig.-Radierungen Düsseldorfer Künstler, Heft III.
1879. -- Estnischer Bauernhof mit einem korbflechtenden Manne und
zwei Kindern. Orig.-Radierungen Düsseldorfer Künstler, Heft V. --
Livländische Landschaft, bez. Osc. H. fc. 1880 in „Kunst und Leben“
herausg. v. Bodenstedt 1881, III. -- Fischer mit Kindern; bez. Osc.
H. fc. 1881. Graphische Künste, 1884. -- Livländische Landschaft
(Heiligensee) bez. umgekehrt. 88 cf. H. sc., im Вѣстникъ изящ.
искусствъ 1887. -- Este; bez. Оск. Г. fc. 83, daselbst.

=Hoffmann=, ~Otto~. Architekt. Geb. 23. September 1866 im Pastorat
Maria-Magdalenen in Estland, besuchte zunächst die Stieglitzsche
Zeichenschule in Petersburg und studierte von 1886-1892 Architektur
am Rigaschen Polytechnikum. Er wurde 1894 Assistent am Polytechnikum
für darst. Geometrie und Baukonstruktionslehre und ging dann
zu Studienzwecken nach Deutschland, Oesterreich, Italien und
Frankreich. 1896 Adj. Professor für Bauwissenschaften am Rigaschen
Polytechnikum; z. Z. ord. Professor und stellvertr. Direktor. Er
erbaute die Taubstummenanstalt in Riga, erhielt 1898 den 2. Preis
bei der Konkurrenz um den Bau der Marien-Diakonissenanstalt in
Riga und wurde mit der Ausführung des Projekts betraut. 1898-1902
leitete er den Ergänzungsbau des Rigaschen Polytechnikums nach den
Plänen des Professors J. Koch und führte von 1900-1901 den Umbau des
Polytechnikums aus.

    Nach Autobiographie.

=Holst=, ~Matthias v.~ Architekt. Geb. 4. Oktober 1839 in Fellin als
Sohn des dortigen Pastors Valentin v. H., gest. im April 1905 in
Berlin; studierte bis 1881 am Polytechnikum zu Hannover, dann in Zürich
Architektur und arbeitete unter Leins in Stuttgart und unter Ferstel in
Wien. 1866 liess er sich in Riga nieder und übernahm zeitweilig das
Amt eines städtischen Baurevidenten. 1876 siedelte er nach Berlin über,
wo er mehrere grosse Bauten, z. T. in Gemeinschaft mit dem Professor
Karl Zaar, ausführte. Von seinen hiesigen Bauten sind zu nennen: Die
Peter-Paulskirche in Fellin, die Türme der Kirchen zu Paistel und
Kallist, die Hochbauten der Riga-Mitauer Eisenbahn und drei grössere
Wohngebäude in Riga, (Nº 9 am Nikolaiboulevard (eignes Haus), Nº 21
am Thronfolgerboulevard, Nº 1 in der Ingenieurstr.), an denen er den
Rohziegelbau architektonisch durchzubilden bemüht war.

    Nach Autobiographie.

=Hoppe=, ~Ferdinand Theodor~. Marine- und Landschaftsmaler. Geb. 23.
Februar 1848 in Dorpat; gest. 2. Dezember (18. November) 1890 in
Düsseldorf, wurde Schüler der Düsseldorfer Akademie und von E. Dücker,
dem er in seinen Arbeiten zuweilen nahe kommt. Motive vom Ostseestrande
und von der Insel Rügen sind vorherrschend Gegenstand seiner Bilder.
Einzelne von ihnen in baltischem Privatbesitz.

    Rigasche Zeitung 1870 Nº 273; 1872 Nº 138; 1876 Nº 170; 1877 Nº 9;
    1880 Nº 226; 1881 Nº 197; 1882 Nº 74. -- Dünazeitung 1890 Nº 271.
    -- W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 153.

=Hoppe=, ~Friedrich~. Porträtmaler. Geb. 28. März 1838 in Riga,
wurde Schüler des Malers O. Berthing und begab sich 1856 zu weiterer
Ausbildung nach Antwerpen. Mittellosigkeit zwang ihn schon nach
zweijährigem Aufenthalt nach Riga zurückzukehren, wo er durch
Porträtmalen und Unterrichterteilen sich fortzubringen suchte. Ostern
1860 nahm er das Amt eines Zeichenlehrers an der Kreisschule in Mitau
an. 1862 zog er nach München.

    Rigasche Ztg. 1858 Nº 179; 1859 Nº 32; 1873 Nº 168; 1874 Nº 51.

=Hoppenditzel=, ~Niklas~. Fürstlicher Baumeister in Mitau; ist als
solcher vom Ende des 17. Jahrhunderts bis zum Jahre 1711 nachweisbar.

    Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche zu Mitau (J. Döring).

=Hostein=, ~Eduard v.~ Zeichnete in den zwanziger Jahren des 19. Jahrh.
eine Reihe von Ansichten aus Reval und dessen Umgebung, die Jean Victor
Adam mit Staffage versah, bei Lemourer in Paris lithographiert und
von dem Kunsthändler Domenico Avanzo in Reval herausgegeben wurden.
Sie stellen dar: Das kaiserliche Lustschloss in Katharinental. -- Den
Eingang in den Garten von Katharinental. -- Die Rückseite des Domes.
-- Reval von der Petersburger Strasse aus. -- Die grosse Strandpforte.
-- Die Ruinen des Brigittenklosters. -- Aussicht auf Kosch. -- Reval
von der Dorpater Strasse aus. -- Blick auf die Stadt vom Steenbockschen
Hause aus. -- Schloss Fall. -- Reval von der Kappelschen Strasse
aus. -- Die Lehmpforte zu Reval. -- Ansicht des Katharinentals vom
Laaksberge her. -- Ansicht von Worms.

=Hueber=, Porträtmaler aus Tyrol, wahrscheinlich der Malerfamilie
dieses Namens zu Imst in Tyrol angehörend, hielt sich vom Beginn der
vierziger Jahre bis etwa 1850 oder 1852 in Riga und Dorpat auf, wo er
eine grosse Anzahl von Bildnissen hinterlassen hat. Mehrere Bilder
seiner Hand besass der Konsul v. Wöhrmann in Riga.

    Rigasche Stadtbl. 1845 S. 380.

=Huhn=, ~Karl Theodor~. Historien- und Genremaler. Geb. 1. Dezember
1830 in Sissegal in Livland als Sohn des dortigen Schullehrers und
Organisten; gest. 16/28. Januar 1877 zu Davos in der Schweiz. Sein früh
sich zeigendes Talent veranlasste einen Kunstfreund, den Besitzer des
Gutes Serbigal, v. Wulf, ihm die Möglichkeit zu weiterer Ausbildung zu
gewähren. Er kam nach Petersburg und fand in dem Maler Wilhelm Pape,
in dessen Hause er wohnte, seinen ersten Lehrer. 1852 trat er in die
Akad., absolvierte sie mit der gr. gold. Medaille und dem Anrecht auf
ein mehrjähriges Auslandsstipendium, doch kam er erst 1863 dazu von
diesem Vorrecht Gebrauch zu machen. Er ging zunächst nach Deutschland,
dann zu längerem Aufenthalt nach Paris und bereiste Frankreich,
Spanien, Belgien und Holland. 1868 wurde er zum Akademiker ernannt und
1870 als Professor an die Petersburger Akad. berufen. Ein zunehmendes
Kehlkopfleiden zwang ihn seit 1874 seinen Aufenthalt im Süden zu
nehmen. Ausser einer Anzahl Porträts, hat er eine Reihe s. Z. Aufsehen
erregender Bilder des historischen Genres geschaffen, auch vier Blätter
radiert und zwei lithographiert. Von seinen bedeutenderen Gemälden
seien genannt: Olympische Spiele; gem. 1860 (gold. Med. S. Petersburger
Akad.). -- Sophie, die Tochter Witows auf der Hochzeit Wassilis; gem.
1861 (gold. Med. I der Petersburger Akad. Erworb. v. Medwednikow,
Moskau). -- Ikonostasis der Pokrowkirche zu Jelabug im Wjätkaschen
Gouvernement, 1862 in Gemeinschaft mit W. Wereschtschagin gem. --
Porträt der Schriftstellerin Markowitsch. (Paris 1863). -- Anbruch der
Bartholomäusnacht, 1868 gem. (Im Mus. Alexanders III. in Petersburg.
Eine Aquarellwiederholung in Bes. d. Akad. Auch vom Künstler radiert).
-- Szene aus der Bartholomäusnacht, 1870 gem. (Bes. K. Soldatenko.
Abb. in наши художн. S. 130 u. in W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh.
d. 19 Jahrh). -- Italienerin, gem. 1870 (Bes. Grossfürst Wladimir
Alexandrowitsch). -- Kinder mit jungen Katzen am Herd, gem. 1872.
(In Kaiserl. Bes.). -- Das kranke Kind. (Bes. Wargunin, Petersburg.
Abb. in наши художн. S. 131). -- Zigeunerin mit dem Tambourin
Münzen auffangend. Aquar. 1870. (In Kaiserl. Besitz). -- Plafond im
Treppenhause des Anitschkow-Palais in Petersburg, 1873. -- Verkündigung
Mariä, 1874. (In Kaiserl. Bes.). -- Lagernde Italienerin, 1874. (Bes.
Sasikow, Petersburg). -- Die Kartenlegerin. (Bes. Konsul A. Heimann,
Riga). -- Die Odaliske. (Abb. in наши художн. S. 131). -- Studienkopf.
(Bes. Baron Girard, Reval). -- Normännische Bauernstube, Skizze.
(Im Städt. Mus. zu Riga). -- Das Pastorat Sissegal bei aufziehendem
Gewitter. (Privatbes.). -- Die Höckerin, Frauentrachten in Livland.
(Bes. Dr. W. Neumann, Riga). Huhn beteiligte sich neben W. Timm an der
Illustrierung des Paulyschen Werks: Les peuples de la Russie mit 61
Chromolith. gr. fol.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 111-114.



I


=Ignatius=, ~Otto Friedrich~. Historienmaler. Geb. 17. April 1794 im
Pastorat Haggers in Estland; gest. 26. August 1824 in Petersburg.
Sein erster Lehrer war der Maler Sigism. Walther, den der auf dem
benachbarten Gute Schwarzen wohnende Dichter Aug. v. Kotzebue für seine
Kinder hatte kommen lassen und an dessen Unterweisungen sowohl Ignatius
als Hippius teilnahmen. Dann besuchte er die Petersburger Kunstakad.,
verliess diese aber schon nach kaum zwei Jahren, um seine weitere
Ausbildung im Auslande zu suchen. Er ging zunächst nach Berlin, wo er
zu dem Bildhauer Gottfr. Schadow in Beziehungen trat, dessen Tochter
Adelheid er später heiratete. Von Berlin wandte er sich nach Wien. 1817
wanderte er mit seinem Studiengenossen A. Pezold nach Rom und trat hier
zu Overbeck, Cornelius, Veith, Schnorr und Ludw. Richter in intimen
Verkehr; besonders mit Overbeck verband ihn bald enge Freundschaft, um
so mehr als sich seine Kunstanschauungen mit denen Overbecks völlig
deckten. 1819 kehrte er in die Heimat zurück und begab sich dann nach
Petersburg, wo er nach kurzer Zeit zum Hofmaler ernannt und von der
Kaiserl. Familie mit grossen Aufträgen betraut wurde. Den Tod seiner
jungen Gemahlin, mit der er kaum ein Jahr verheiratet war, verwand
seine zart angelegte Natur nicht. Ein Jahr nach ihrem Hingange trugen
die Freunde auch ihn zu Grabe. I. hat sich mit vielem Geschick auch als
Dichter und Komponist betätigt. Sein poetischer Nachlass findet sich
zum Teil abgedruckt in der Zeitschrift Estona, I. Jahrg. 1838. Seine
Hauptarbeit, die Ausmalung der Kaiserl. Loge in der Kirche zu Zarskoje
Sselo, vollendete nach seinem Tode G. A. Hippius.

    Petersburger Zeitung, herausg. v. Oldekop 1825, Bd. 17 u. 18. --
    Estona I S. 23: Tagebuch seiner Reise nach Italien. -- Dörptsche
    Beiträge 1816 S. 492 ff. -- Baltische Monatsschrift Bd. 36, S. 708
    ff.; Bd. 37, S. 30-49 u. 107-130. -- W. Neumann, Baltische Maler
    und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 23-26.

=Iwansohn=, ~Eduard~, aus Dorpat gebürtig, kam 1858 als Zeichner in
die lithogr. Anstalt von L. Höflinger in Dorpat und arbeitete zugleich
für die dortige Gesellschaft der Naturforscher, durch die er Mittel
zu weiterer Ausbildung erhielt. 1860 und 1861 hielt er sich zu
Studienzwecken im Auslande auf. Von ihm: Das Kommersbild der Curonia;
lith. von Höflinger. -- Mehrere Blätter zu dem Album von Dorpat und
Umgebung; herausg. 1860 v. L. Höflinger. -- Porträt Konstantins v.
Knorring auf Kamby. Lith. kl. fol. -- Porträt des Landmarschalls Gustav
Baron Nolcken. Lith. kl. fol. -- Porträt eines Unbekannten. Lith. 4^o.

    Inland 1860 S. 798. -- Sitzungsber. der Naturforscher-Gesellsch. in
    Dorpat 1861 S. 429, 453, 462.

=Iversen=, ~Johann Hermann~. Maler. Geb. 8. Oktober 1791; gest. 10.
Oktober 1840 in Petersburg, studierte von 1810-1815 Nationalökonomie
an der Universität Dorpat und genoss zugleich den Unterricht des
Kupferstechers C. A. Senff. Er wandte sich schliesslich ganz der
Kunst zu, hat aber fast ausschliesslich als Lehrer gewirkt, so
am pädagogischen Hauptinstitut, dem dritten Gymnasium und dem
Katharinenstift in Petersburg. Bekannt sind von ihm Blumenstücke in
Pastell.

    Nach Familiennachrichten.

=Jacob=, ~der Snytker~. Rigascher Bildschnitzer in der zweiten Hälfte
des 15. Jahrhunderts. Von ihm wurden Schnitzarbeiten im Ratsweinkeller
ausgeführt, auch wurde um 1470 die Rolandssäule von ihm gemacht.

    Ausgabebuch der Stadt von 1405-1474 (Anton Buchholtz).

=Jantzen=, ~D(avid)~. Porträt- und Landschaftszeichner und Lithograph,
in Riga in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Von
ihm: Das Porträt des Bürgermeisters J. J. Rolssen; lith. von Hauswald
in Riga. -- Zwölf Blatt „Malerische Ansichten aus Riga und Umgebung“.
Lith. v. Hauswald. Qu. fol. Erschienen 1835 in zwei Heften, enthaltend:
Ansicht von Bolderaa, Riga mit der Dünabrücke, Schlossplatz, Krautabend
in Riga, die von Peter dem Gr. gepflanzte Ulme im Kaiserl. Garten,
Wöhrmanns Park, der Börsenplatz, die Petrikirche, das Hungerkummerfest,
das Innere der Domkirche, Bienenhof bei Riga, Partie aus Ebels Garten.

    Rigasche Stadtbl. 1833 S. 318; 1835 S. 368, 404.

=Jensen=, ~Severin~. Architekt, ein Däne von Geburt, trat 1772 in die
Dienste des Herzogs Peter von Kurland. Sein Hauptwerk ist das schöne
Gymnasium illustre in Mitau, das der Herzog in den Jahren 1773-1775
von ihm errichten liess. Zu vermuten ist, dass auch die Ausbauten der
herzoglichen Schlösser zu Schwethof und Würzau von ihm herrühren.
Nach der Abdankung des Herzogs trat er in russische Dienste als
kurländischer Gouvernementsarchitekt, gab das Amt aber 1803 auf und
ging nach Italien, wo er am Schlossbau zu Caserta beschäftigt gewesen
sein soll.

    Wöchentliche Unterhaltungen Bd. IV (1806) S. 399. Schlippenbach,
    Malerische Wanderungen durch Kurland, 1809 S. 416 ff. --
    Sitzungsber. der Kurl. Ges. für Lit. und Kunst, 1877 S. 43. --
    Brief des Herzogs Peter von Kurland im Mus. zu Mitau (J. Döring).

=Johann=, Maler, kommt in der zweiten Hälfte des 15. und im ersten
Viertel des 16. Jahrhunderts in Rigaschen Quellen vor. Er scheint
identisch mit dem Maler Johann von der Lynen, der 1466 und 1467 im
Rigaschen Rathause malt.

    (Anton Buchholtz.)

=Jonstein=, ~Peter~, als Jonsten von Kaiser Peter I. von Russland
baronisiert, war Kaiserl. Baumeister in Riga, wo er vermutlich das
Kaiserliche Palais erbaute. Er starb um 1725.

    Sitzungsber. der Gesellsch. für Gesch. und Altertumskunde 1898 S.
    110 ff. -- Rigasche Stadtbl. 1847 S. 302.

=Jordan=, ~Friedrich Ernst v.~ Ingenieur-Kapitän, war unter dem
Ingenieur-Obersten E. v. Seidlitz vom 9. Mai 1831 ab als dessen Gehilfe
bei den Wiederherstellungsarbeiten der 1820 abgebrannten Olaikirche in
Reval beschäftigt.

    G. v. Hansen, die Kirchen und ehem. Klöster Revals S. 22. --
    Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval. II
    S. 102.

=Jordan=, ~Wilhelmine~. Malerin. Geb. 3. Mai 1821 in Reval; gest.
daselbst 7. April 1895, war Schülerin des Malers S. Walther und bildete
sich weiter in Dresden unter W. Juncker. Noch in späteren Jahren
unternahm sie Studienreisen und beschäftigte sich in Rom unter Broschi.
Sie hat grösstenteils Porträts gemalt.

    Nach Familiennachrichten.

=Josten=, ~Jakob~. Baumeister, stammte aus Holland und war 1662 aus
Danzig nach Riga gekommen, um als städtischer „Kunstmeister“ den Bau
der Wasserleitung zu übernehmen. Nach dem Einsturze des Turmes der
Petrikirche (1666) übertrug ihm der Rat die Wiederherstellungsarbeiten.
1671 wurde er neben dem Adjunkten des Stadtingenieurs Mag. Johannes
Schwenburg und dem Baumeister Heinrich Henicke vom Rat zu einer
Konkurrenz zur Erlangung geeigneter Entwürfe für die neue Turmfassade
aufgefordert, aus der er als Sieger hervorging. Im Mai 1675 nahm er
seinen Abschied, um nach Danzig zurückzukehren. An seine Stelle trat
sein von ihm dem Rate empfohlener Gehilfe Ruppert Bindenschu.

    A. Buchholtz in Sitzungsber. der Gesellsch. für Gesch. und
    Altertumskunde 1891 S. 48 ff. -- W. Neumann, das mittelalterliche
    Riga. Berlin 1892 S. 35.

=Juncker=, ~Wilhelm Karl~. Porträt- und Genremaler. Geb. 8. Juli
1820 in Wenden; gest. 17./30. April 1901 in Dresden. Früh verwaist,
wurde er zu einem Stubenmaler in die Lehre getan, doch stellte seine
Begabung für das Porträtieren ihn bald auf eigne Füsse. 1843 trat er
in die Dresdner Akad. ein und bildete sich, nach deren Absolvierung in
Antwerpen, worauf er sich in Dresden niederliess. Er hat eine grosse
Anzahl Porträts, auch mehrere anziehende, grösstenteils dem Frauen-
und Kinderleben entnommene Genrebilder, sowie einige kirchliche Gemälde
geschaffen. Wir nennen: Porträt der jugendlichen Elise von der Recke,
Kopie nach Anton Graff, 1847 gem. (Bes. Mus. zu Mitau). -- Porträt des
Historienmalers Prof. K. Baehr (Familienbes., Dresden). -- Christus am
Kreuz mit Maria und Magdalena, Altargem. für die Kirche zu Ronneburg in
Livland, 1858 gem. -- Bettelnde Kinder. -- Die kleine Kunstfreundin. --
Die lauschende Mutter. -- Heiligenbilder für die griech. orthod. Kirche
in Dresden. -- Bildnis eines jungen Mädchens in Renaissancekostüm
(Vom Künstler 1884 der Rigaschen Stadtgal. geschenkt). -- Eislauf auf
dem Teich des grossen Gartens in Dresden (Nach Amerika verkauft). --
Aufbruch zur und Rückkehr von der Jagd, Wandgemälde im Schlosse des
Hn. v. Arnim, auf Kitzscher bei Borna in Sachsen (Originalskizzen im
Bes. v. Dr. W. Neumann, Riga). -- Christus am Kreuz, Altargem. für
die Kirche zu Linden in Kurland. 1887. -- Porträt der Königin Auguste
Amalia v. Sachsen; lith. v. K. Fischer. -- Mehrere Handzeichnungen im
städt. Museum zu Riga.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 68-69.

=Jung-Stilling=, ~Elise v.~ Malerin. Geb. 9. August 1829 in Mitau
als Tochter des Landpostmeisters v. J.; gest. 10. Juli 1904 in
Peterskapelle bei Riga, wurde von J. Döring in die Kunst eingeführt,
setzte seit 1852 ihre Studien im Atelier von Professor A. Ehrhardt in
Dresden fort und arbeitete später unter Liezenmayer in München. 1863
übernahm sie das Amt einer Zeichenlehrerin an der Stadttöchterschule
und gründete 1873 die heute in den Besitz der Stadt als städtische
Kunstschule übergegangene Jung-Stillingsche Zeichen- und Malschule in
Riga. Von ihr das schöne Porträt des Landrats Hamilkar von Fölkersahm,
lith. von H. Hanfstängl 1856. Im Jahre 1908 liess der Rigasche
Kunstverein eine Medaille auf sie prägen.



K


=Kaff= (~Kaffen~), ~Johann~. Kupferstecher; wird am Ausgang des 17.
Jahrhunderts als herzogl. kurländischer „Hofkupferstecher“ aufgeführt
in einem Verzeichnis der Deputate der herzogl. Hofbeamten. 1684 wird er
gelegentlich der Huldigung genannt.

    Inland 1840 S. 614, 615. -- Jahrbuch f. Gen. Herald. und Sphrag.
    1894 S. 161 Anmerk. 16.

=Kahl= (~Soukowsky~), ~Karl~. Landschaftsmaler. Geb. 1873 in Riga,
trat 1892 in die Düsseldorfer Akad. und arbeitete unter Lauenstein,
Kampf und P. Janssen. Er wandte sich später nach München und Karlsruhe,
bereiste Holland und Belgien und ging dann nach Paris, kehrte von dort
nach Düsseldorf zurück und lebt seit 1898 in Witebsk. Wir nennen von
seinen Bildern: Herbstgold. -- Regentag. -- Lange Schatten.

=Kally=, ~Gottlob~. Holzschneider, arbeitete im Atelier des Malers
Ludw. v. Maydell in Dorpat. Unter den Holzschnitten, die Maydell 1842
zur Kunstausstellung nach Riga gegeben hatte, befanden sich ausser
denen von A. Gern und M. Michelson auch Holzschnitte von ihm. Als
Frucht eines längeren Aufenthaltes in Dresden ist ein Holzschnitt nach
einem Bilde von G. Reni in der Dresdner Gal. anzusehen, der sich 1871
auf der Kunstausstellung in Dorpat befand. K. erhielt 26. September
1847 den Rang eines freien Künstlers. W. Juncker malte in Dresden sein
Porträt.

    Inland 1848 Nº. 5. -- Сборникъ матер. д. исторіи Имп. Акад худ. за
    100 лѣтъ.

=Kalpus=, ~Hermann~, s. ~Calpus~.

=Karing=, ~Georg Rudolf~. Maler. Geb. 1807 in Riga; gest. daselbst 9.
Juli 1858, war Schüler des Malers W. Hensel in Berlin und liess sich
1840 in Riga nieder, wo er Unterricht im Zeichnen und Malen erteilte.
Neben dem historischen Genre beschäftigte er sich hauptsächlich mit
Porträtieren. Von seinen Bildern erwähnen wir: Heinrich dem Vogler
wird die Kaiserkrone dargebracht, 1837 in Berlin gem. Die Farbenskizze
in der Gal. Brederlo, Riga. -- Peter der Gr. als Schiffszimmermann
in Saardam, gem. 1838 als Konkurrenzbild um den Demidowpreis der
Petersburger Akad. K. erhielt den Preis nicht; ihm fehlte eine Stimme.
-- Porträt des Oberpastors D. G. von Bergmann, 1839; lith. v. G. v.
Budkowsky, 1840. -- Porträt des Aeltermannes der St. Johannisgilde in
Riga Joh. Jak. Wiesemann. -- Altargemälde für die Kirche zu Sissegal,
1846.

    Rigasche Stadtbl. 1839 S. 6, 233 ff.; 1840 S. 30, 386; 1846 S. 368;
    1858 S. 142, 234, 259. -- Inland 1858 S. 606.

=Kelberg=, ~Alexander Otto~. Maler. Geb. 10. September 1815 in Reval;
gest.? trat 1835 in die Dresdner Akademie und verliess sie 1837, um
nach Düsseldorf zu gehen. 1843-1846 war er Zeichenlehrer am Gymnasium
in Reval.

=Kellar=, ~James~. Maler. Geb. 1750 in London; gest. 1810 in Riga,
war der Sohn eines englischen Obersten, studierte in Oxford,
bereiste Frankreich und Italien und widmete sich in Rom der Malerei.
Vorübergehend nahm er Militärdienste, diente auf Minoria, Madras und
in Amerika und kam 1783 nach Riga, wo er sich wieder mit Malerei und
hauptsächlich mit Miniaturmalerei zu beschäftigen begann. 1785 ging er
nach Petersburg und wurde hier 1788 von der Akad. zum akad. Künstler
ernannt. Er kehrte in demselben Jahre nach Riga zurück und übernahm
hier 1793 das Amt eines Zeichenlehrers an der Domschule. 1804 wurde er
in gleicher Eigenschaft am Gymnasium beschäftigt und 1809 emeritiert.

    Programm der Rigaschen Domschule: Gesch. des Rigaschen Gymnasiums
    1829.

=Kellner=, ~Johann Friedrich~, lebte in der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts in Reval und wird als „Conterfeyer“ gerühmt; mehr als 30
Jahre stand er an der Spitze des Maleramts daselbst.

    Revaler Ratsarchiv. Akte B. f. VI. 33.

=Kelterborn=, ~Adolf~. Porträtmaler, stammte aus Stettin. Er hatte
seine Studien in Königsberg und Berlin gemacht und hielt sich seit
der Mitte der vierziger Jahre bis 1859 mit geringen Unterbrechungen
in Kurland, grösstenteils in Goldingen auf. Ausser einer Anzahl von
Bildnissen ist ein Bild „Schlitten fahrende Kinder“ von ihm bekannt.

    (J. Döring.)

=Kessner=, ~August~. Maler, arbeitete 1826 in Berlin und hielt sich
von 1830 bis Anfang 1838 in Riga auf, abwechselnd auch in Petersburg,
mit Porträt- und Genremalerei sich beschäftigend. 1841 lebte er in
Raschwitz bei Leipzig. Die Gesellschaft der Schwarzhäupter in Riga
besitzt von ihm ein Porträt des Kaisers Alexander I zu Pferde (Kopie
nach Gérard). In der Brederloschen Gal. (städt. Mus.) zu Riga sein
Selbstporträt und ein Porträt des Kaisers Alexander I nach dem Stich
von Seliwanow. Anderes in Privatbes.

    Rigasche Ztg 1838 Nº 30. -- H. W. Singer: Künstlerlexikon.

=Kiepert=, ~Hermann August Moritz~. Historien- u. Porträtmaler. Geb.
1828 in Königsberg i. Pr.; gest. 21. Dezember 1887 in Mitau, war in
Königsberg Schüler von L. Rosenfelder, dem ersten Direktor der dortigen
Malerakad. und studierte von 1852-56 in Düsseldorf. 1858 liess er sich
in Mitau nieder und gründete hier in der Folge ein photographisches
Atelier, das er aber 1872 aufgab, um zunächst nach Riga, dann nach
Petersburg überzusiedeln. Hier beschäftigte er sich ebenfalls mit
Photographie und wurde für ein lebensgrosses Porträt des Grossfürsten
Thronfolgers mit einem Brillantring ausgezeichnet. Durch Kränklichkeit
gezwungen kehrte er nach Mitau zurück. Von ihm sind mehrere Porträts
bekannt; ausserdem: Mignon, Tod der Kleopatra und einige Altargemälde.

    J. Döring.

=Kirstein=, ~Edith~. Bildhauerin. Geb. 24. August 1881 in Sagnitz in
Livl., war anfänglich Schülerin des Malers F. Moritz, widmete sich dann
der Bildhauerkunst unter Prof. Ludw. Menzel in Berlin. Von ihr zwei
Büsten auf der Jub. Ausstellung 1901 in Riga.

=Klara=, ~August Philipp~, s. ~Clara~.

=Kleist=, ~Emma v.~ Malerin. Geb. 29. Mai 1840 auf dem Gute Lemsern
in Kurl.; gest. 17. Juli 1892 in Riga, empfing ihre erste Ausbildung
von Jul. Döring in Mitau, dann unter K. A. Poorten und O. Pölchau
in Riga. Zu weiterer Ausbildung ging sie 1880 nach Berlin, München
und Dresden. Sie unterrichtete später an verschiedenen weiblichen
Unterrichtsanstalten in Riga. Ausser mehreren Landschaften von ihr das
Altargemälde der Kirche zu Kerklingen in Kurland.

    Nach Familiennachrichten.

=Klemm=, ~K. W.~ Geschickter Dilettant. Er lebte zu Anfang des 19.
Jahrhunderts als Gouvernementsrentmeister in Mitau und zeichnete
viele Porträts, namentlich nach älteren Gemälden. Die meisten seiner
Zeichnungen wurden von Joh. August Rosmäsler (1753-1783) in Leipzig
in Kupfer gestochen. Es gibt von ihm folgende Arbeiten: Porträt des
Herzogs Jakob von Kurland. -- Porträt der Herzogin Louise Charlotte von
Kurland. -- Porträt des Staatsmannes Theod. Reinkingk. Bez. K. W. Klemm
p. Rosmaesler sc. 8^o. (In Albers Nord. Almanach für das Jahr 1806). --
Porträt des Herzogs Gotthard von Kurland. -- Porträt der Herzogin Anna
von Kurland. -- Porträt des Rigaschen Bürgermeisters Joh. Christoph
Schwarz. Bez. Klemm pinx. Rosmäsler fec. 8^o. (In Albers Nord. Almanach
für das Jahr 1807). -- Porträt des Herzogs Friedrich von Kurland. --
Porträt des Herzogs Wilhelm von Kurland. Bez. K. Klemm p. Rosmäsler sc.
8^o. (Im Nord. Almanach für das Jahr 1809). -- Ansicht von Doblen in
Kurland. Bez. C. W. Klemm del. J. P. Veith sculps.

=Klever=, ~Julius v.~ Geb. 31. Januar 1850 in Dorpat, trat 1867 in die
Petersburger Akademie um Architektur zu studieren, wandte sich aber
schon im nächsten Jahre unter Prof. Worobjew der Landschaftsmalerei zu.
Er erwarb sich in kurzer Zeit mehrere Med. und wurde 1876 für sein Bild
„Frühling in Russland“ zum akadem. Künstler I. Gr. ernannt. 1878 wurde
er zum Akademiker und 1881 zum Professor befördert. Zurzeit in Berlin
tätig. K. gehört zu den fruchtbarsten Landschaftsmalern der russischen
Schule. Von seinen Gemälden heben wir hervor: Herbstwald, 1874 (Bes.
Gal. Tretjakoff, Moskau). -- Dorflandschaft im Oreler Gouvern. im
Winter (Bes. Fürstin Imeritinski). -- Verlassener Park in Marienburg,
Livl. (Bes. Terechtschenko, Kiew). -- Motiv von der Insel Nargen
bei Abendbeleuchtung (Bes. Semenow, Petersburg). -- Im russischen
Tannenwald, Winterlandschaft bei Sonnenuntergang (Bes. Grossfürst
Nikolai Michailowitsch). -- Rotkäppchen im Walde (Abb. im Daheim 1886.
In Kaiserl. Bes.). -- Stilleben im Walde, 1883 (Bes. Grossfürst Nikolai
Michailowitsch). -- Welke Blätter; Motiv aus einem Park in Dorpat.
Radiert von B. Mannsfeldt in Lützows Zeitschrift für bildende Kunst,
1884 (Bes. Baron E. Girard de Soucanton, Reval). -- Verlassener Park,
1883 gem. (Bes. der Vorige). -- Illumination des Kremls in Moskau zur
Krönung des Kaisers Alexander III; in Gemeinschaft mit O. Hoffmann (In
Kaiserl. Bes.). -- Weg über einen Sumpf in Finnland (Bes. Dr. Botkin,
Petersburg). -- Fischerdorf am Peipussee im Winter, 1885 gem. (Abb. in
Kunst für Alle, Oktob. 1886. Bes. Akad., Petersburg). -- Winterabend in
einem Fischerdorfe in der Umgebung von Petersburg (Bes. Baron Girard de
Soucanton, Reval). -- Schnepfenstrich, Farbenskizze und Original (Bes.
Konsul N. Koch, Reval). -- Strandlandschaft (Bes. Frau Baronin Girard
Reval). -- Die Haberssche Bucht (Bes. Baron Girard, Reval). -- Motiv
aus Rocca al mare bei Reval. -- Blick auf Reval von Rocca al mare aus
(Bes. Baron Girard, Reval). -- Dorf im Schnee bei Sonnenuntergang (Bes.
Frau H. v. Nottbeck, Reval). -- Das Wasserfest auf der Düna zur Feier
des 700 jähr. Bestehens der Stadt Riga im Jahre 1901. (Bes. Städt. Mus.
Riga).

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer. S. 161-163.

=Klingstedt=, ~Karl Gustav~. Miniaturmaler. Geb. 1657 in Riga; gest.
1734 in Paris, trat mit 15 Jahren in schwedische Kriegsdienste und
diente von 1677 ab im französischen Heere. 1689 nahm er seinen
Abschied, um sich der Malerei zuzuwenden. Er malte hauptsächlich
Miniaturen auf Elfenbein in chinesischer Tusche, mit Vorliebe aber
freie Szenen auf Tabaksdosen. Der franz. Minister Kardinal Guill.
Dubois, der dem alternden Künstler eine Pension gewährte, nannte ihn
den „Raffael der Tabaksdosen“. Von ihm: Venus auf dem Meere wandelnd.
-- Triumph der Galathea. Radiert v. Bernhard Picart. -- Mönch eine
Nonne züchtigend. Oelgem. (Befand sich in der Sammlung des Schlosses
Kolzen in Livland, soll angeblich zerstört worden sein). -- Porträt
Peters I. in Paris gem. für Lord Heresford; darnach ein Bild des
Kaisers im Brit. Mus. zu London. -- Susanna im Bade. 1891 auf der
Auktion Spitzer versteigert.

    Füessli, Allgem. Künstlerlex. Ausg. v. 1763 (nach l’Advocat:
    Dictionaire historique portatif, Basle 1758). -- W. Becker und
    Görling, Kunst und Künstler des 18. Jahrh. -- D. A. Rowinsky,
    Подробн. словарь русск. гравиров. портретовъ IV. S. 681.

=Klint=, ~Cyriakus~. Zinngiesser und Graveur. Geb. 1502; gest. 1592,
war ein Schüler des als Dichter bekannten Rigaschen Zinngiessers
Burchard Waldis. Von ihm im Dom-Museum zu Riga ein aus Zinn gefertigtes
Turmknopfkästchen der St. Petrikirche vom Jahre 1578. Neben hübsch
empfundenen biblischen Darstellungen sind von ihm verschiedene
Wappen und Inschriften auf die Flächen graviert. Bez. mit den
Anfangsbuchstaben seines Namens C. K. und dem Datum: M. CCCCC. LXXVIII
DEN II IVLIVS.

=Klockow=, ~Johann Heinrich~. Kupferstecher und Lithograph. Geb. 18.
Oktober 1774 in Riga; gest. daselbst 6. Dezember 1823. Wo er seine
Studien gemacht hat, lässt sich nicht nachweisen. Nach dem Tode
seines Vaters im Jahre 1801 übernahm er dessen Buchbindereigeschäft
und übte daneben seine Kunst. Auch als geschickter Holzschneider hat
er sich gezeigt. Von ihm gibt es eine Reihe von Kalenderumschlägen
und Illustrationen zu Rigaschen Kalendern, die teils von ihm in
Holz geschnitten, teils lithographisch hergestellt sind. Die in Holz
geschnittenen Illustrationen stellen dar: Das Porträt Peters I., eine
Ansicht der Beschiessung Rigas und Abbildungen der Medaillen, die
1710 auf die Eroberung der Stadt geprägt wurden (Kalender für 1817).
Ferner: Ansicht der Jesuskirche in Riga, die Alexander-Newsky-Kirche,
das Kaiserl. Gymnasium zu Riga, das Ritterhaus zu Riga, das Lusthaus im
Kaiserl. Garten. Altona bei Riga. Birkenruh bei Wenden. Heinrichshof
bei Riga. -- Lithographien zu gleichem Zweck: Die Gertrudkirche vor
dem Brande von 1812. Die Nikolaikirche in der Moskauer Vorstadt. Das
Schloss zu Riga. Das Katharinäum. Eine Partie aus dem Wöhrmannschen
Garten. Wöhrmanns Park. Der Sommergarten in Riga. Ausserdem: Die Ruinen
des Sommergartens in Riga nach dem Brande von 1812. In Kupfer gest.
nach Joh. Joach. Baltzer. -- Die 1782 zum Empfang des Grossfürsten Paul
Petrowitsch errichtete Ehrenpforte. (Lithogr.). Porträt des Bischofs
Dr. C. Chr. Ulmann (Lithogr.).

    Rigasche Biographien v. J. G. F. Riga 1881 S. 103. -- Rigasche
    Stadtbl. 1816 S. 369.

=Klose=, ~Edmund~. Porzellanmaler in Riga. Geb. 1847; gest. daselbst im
Dezember 1885.

=Klot=, ~Alma Willy v.~ Landschaftsmalerin. Geb. 27. Dezember 1858
in Livland, vermählt seit 1889 mit Hugo Boltho v. Hohenbach, bildete
sich in Dresden und Karlsruhe. Von ihr sind mehrere stimmungsvolle
Landschaften bekannt.

=Klünder=, ~Alexander Julius~. Porträtmaler. Geb. 8. Febr. 1802 in
Estland; gest. 27. Dezember 1874 in Reval, studierte von 1823-1826
Nationalökonomie an der Universität Dorpat und wurde Schüler des
Kupferstechers C. A. Senff. 1834 ernannte ihn die Petersburger
Akad. zum freien Künstler und am 8. VII. 1841 zum Akademiker für
das Miniaturbild eines die Balalaika spielenden Bauern. Vom Kaiser
Alexander II. und vom König von Sachsen wurde er durch die Verleihung
je eines Brillantringes ausgezeichnet. Von ihm: die Porträts der
Professoren der Universität Dorpat. 30 Bl. in kl. fol. Lith. von
Helbach in Reval, 1827-1828. Das Werk wurde seit 1827 lieferungsweise
herausgegeben und erschien in Dorpat und Riga in der Hartmannschen,
in Mitau in der Steffenhagenschen, in Reval in der Bornwasserschen
Buchhandlung. -- Portr. des Superintendenten Chr. Gottl. Mayer in
Reval, 1828 lith. -- Portr. des Arztes Dr. Alex. Theod. v. Winkler,
Reval, 1828 lith. -- Portr. des Dorpater Polizeimeisters Gessinsky,
lith.

=Knebusch=, ~Karl v.~ Maler. Geb. 1775 zu Holmhof in Kurland; gest.
1821 in Mitau, stand anfänglich im Militärdienst und widmete sich
dann in Petersburg der Malerei. Er wurde 1805 Zeichenlehrer an der
Kreisschule in Mitau. Von ihm ein Tierbild, Kampf eines krimischen
Hundes mit einer Dogge, 1814 gem.; es kam 1821 in das Mus. zu Mitau.

    J. Döring.

=Knoth=, ~Martin~. Baumeister. Lebte in der zweiten Hälfte des 17.
Jahrh. als „Kirchenbaumeister“ in Mitau; gest. daselbst 1687. Erwähnt
im Kirchenbuch der Trinitatiskirche zu Mitau 25. III. 1685 u. 2. V.
1687.

    J. Döring.

=Knüpfer=, ~Rudolf Otto~. Architekt. Geb. 20. Febr. 1831 zu
Klein-Marien in Estland; gest. 10. Juli 1900 in Reval, trat 1845 in
die Bauschule zu Petersburg und absolvierte sie 1852. Von 1860-1878
bekleidete er das Amt des estländischen Gouvernementsarchitekten und
zeitweilig auch das des Revaler Stadtarchitekten. Er nahm später
das Amt des Gouvernementsingenieurs ein und wurde 1893 zum wirkl.
Staatsrat mit dem Prädikat Exzellenz befördert. Zu seinen bedeutenderen
Bauausführungen gehören: Der Wiederaufbau des abgebrannten Theaters in
Reval, 1859-1860. -- Die Karlskirche in Reval, 1862-1870, ausgef. nach
den Entwürfen von O. P. Hippius. -- Die Gasanstalt und die Markthalle
vor der Lehmpforte in Reval, 1873. -- Die Zentralstation der Freiw.
Feuerwehr in Reval 1871-1873. -- Die luther. Kirchen in Narva und
Hungerburg. -- Die Petrikirche in Dorpat, 1884 geweiht.

    Rigasche Stadtbl. 1860 S. 355. -- Rigasche Ztg. 1870 v. 29. Dzbr.;
    1873 Nº 63; 1884 Nº 219. -- Rigaer Tagebl. 1900 v. 13. Juli.

=Koch=, ~Johann~ (~Hans~). Architekt. Geb. 23. Aug. (4. Septbr.) 1850
in Emeth, Kreis Eger (Böhmen) trat 1867 in die technische Hochschule
in Prag, wo er anfangs Ingenieurwissenschaften studierte, dann aber
zum Studium der Architektur übertrat, das er am Polytechnikum und
der Kunstakademie in München bis 1872 fortsetzte. 1872 siedelte er
nach Wien über, wo er, während er seiner Militärpflicht genügte,
die Vorlesungen der Professoren Fr. v. Schmidt und Th. v. Hansen
besuchte. 1873 trat er in die Praxis, kam 1874 nach Prag, wo er an der
Universität Vorträge von O. v. Benndorf über klassische Archäologie
hörte und 1875 das Amt eines Assistenten für Baukunst an der
technischen Hochschule übernahm. Neben einer umfangreichen praktischen
Beschäftigung und neben der Beteiligung an grösseren Konkurrenzen
(Kurort Slanik in Rumänien, I. Preis; Museum in Riga, III. Preis;
Museum für Prag, I. Preis) hielt er Vorlesungen und Vorträge, und wurde
1881 zum Dozenten, 1883 zum Professor der Baukunst an der technischen
Hochschule in Prag ernannt. 1884 folgte er einem Rufe als Professor
an das Polytechnikum in Riga, wo er seit jener Zeit mit dem grössten
Erfolge, sowohl als Lehrer, wie als ausübender Architekt gewirkt und
sich überhaupt um das Aufblühen der Baukunst grosse Verdienste erworben
hat. Von ihm wurden erbaut: Das Gebäude der adeligen Kredit-Sozietät
in Riga, 1886-1889. -- Die Lutherkirche zu Thorensberg bei Riga,
1888-1891. -- Das Haus des Bankiers Schwartz an der Esplanade in Riga.
-- Das Landhaus des Hn. v. Transehe in Neu-Schwaneburg. Zum Teil nach
seinen Entwürfen wurden von seinen ehemaligen Schülern ausgeführt: Die
Kaiserl. Reichsbank in Riga (ausgef. v. A. Reinberg); die kathol. S.
Albertuskirche (ausgef. von W. Bockslaff); das chemische Institut des
Polytechnikums (ausgef. von O. Hoffmann).

=Köber=, ~Helene~. (s. Helene v. Franken).

=Köler=, ~Johann~, (nannte sich später Köler-Viliandi). Historien- und
Porträtmaler. Geb. 24. Februar 1826 auf dem Gute Wastemois bei Fellin;
gest. 10. April 1899 in Petersburg. Er war estnischer Nationalität,
erhielt aber eine deutsche Erziehung und wurde Lehrling des
Stubenmalers Faber in Wenden. 1846 kam er nach Petersburg, wo er sich
anfänglich mit Schildermalen beschäftigte, bis es ihm mit Unterstützung
seines Bruders gelang Zutritt zur Akademie zu erlangen. 1848 wurde er
Schüler des Prof. Markow, errang sich 1857 die gr. gold. Med. und ging
als Pensionär der Akademie nach Rom, wo er bis 1862 blieb. Nach seiner
Rückkehr wurde er Lehrer am Institut der Gesellsch. zur Förderung der
Künste und erhielt 1867 seine Ernennung zum Professor, nachdem er
bereits 1861 zum Akademiker befördert worden war. K. beteiligte sich
lebhaft an der estnisch-nationalen Bewegung; speziell mit seinem Namen
verknüpft ist die verunglückte Gründung einer estnischen Kolonie in
der Krim, die ihn des grössten Teiles seines Vermögens beraubte. In
den letzten Jahren seines Lebens arbeitete er wenig und lebte fast
vergessen in Petersburg. Seine Haupttätigkeit lag auf dem Gebiete des
Porträts und zahlreich sind seine Bildnisse der Mitglieder des Kaiserl.
Hauses und des Hofes. Von seinen kirchlichen Malereien sind zu nennen:
Christus am Kreuz, in der Akademie zu Petersburg (Wiederholungen in
der schwedischen Kirche zu Petersburg und in der Kirche zu Wenden
(Livland)) und das Fresko am Chorgewölbe der Karlskirche zu Reval.

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 106-108.

=König=, ~Erich~. Architekt. Wird in einem Schreiben des Herzogs Jakob
von Kurland an ihn, dat. v. 13. März 1641 „wohlbestallter Architekt“
genannt. Weiteres hat bisher über ihn noch nicht ermittelt werden
können.

    Sitzungsber. d. Kurl. Gesellsch. f. Lit. u. Kunst 1894 S. 12.

=König=, ~Wilhelm Leopold~. Lithograph. Geb. 1810; gest. 5. September
1855 in Riga. Von ihm eine Jagdgesellschaft mit vielen Porträts nach
Schwendowsky, 1846. Lith. gr. qu. fol.

    Rigasche Stadtbl. 1846 S. 241 -- Inland 1855 S. 643.

=Kohseler=, ~Hans~. Baumeister. Er stammte aus Kulmbach in Baiern,
wurde 1649 nach Reval berufen, um den durch Blitzschlag zerstörten Turm
der Olaikirche wieder aufzubauen. Der Rat von Reval erteilte ihm am 31.
Dezember 1651 ein ehrendes Zeugnis. Von Reval begab er sich nach Narva.

    Nottbeck u. Neumann, Gesch. u. Kunstdenkmäler der Stadt Reval. II.
    S. 102.

=Kolb=, ~Alexander~. Architekt und Architekturmaler. Geb. 1819 in
Libau; gest. 26. Dezember 1887 in Petersburg, trat in die Petersburger
Akad., die er 1842 absolvierte und ging dann zu weiterem Studium ins
Ausland. Die Akad. erteilte ihm die nachgesuchte Erlaubnis Griechenland
und Frankreich besuchen zu dürfen. 1849 befand er sich in Spanien. Von
Granada aus richtete er an die Akad. das Gesuch als Konkurrenzarbeit
auf den Rang eines Akademikers eine Aufnahme der Alhambra einreichen
zu dürfen, was ihm laut Konseilbeschluss vom 22. Septbr. bewilligt
wurde. Im Septbr. 1854 stellte er der Akad. zwei von ihm gemalte
Bilder vor, eine Innenansicht der Capella palatina in Palermo und eine
Ansicht der Blaschennoi-Kirche in Moskau und bewarb sich darauf um
den Rang eines Professors. Er bekleidete das Amt eines Architekten im
Kriegsministerium. Sein Sohn Alexander K. wandte sich der Malerei zu.

    Rigasche Ztg. 1887 Nº 300.

=Konczewsky=, ~Johann Hermann~. Porträtmaler in Riga. Geb. 1789 in
Riga; gest. daselbst im Mai 1836.

    Rigasche Stadtbl. 1836 S. 176.

=Kosakowsky=, ~Johann Heinrich~. Landschaftsmaler. Geb. 22. Oktober
1853 in Reval; gest. 11. April 1894 daselbst, erhielt die erste
künstlerische Anleitung von dem Maler Sprengel in Reval und trat 1873
in die Petersburger Akad. 1883 liess er sich in Reval nieder. Im
städt. Museum zu Riga von ihm eine Ansicht vom estländischen Strande
und mehrere Handzeichnungen. Das Mus. zu Reval besitzt von ihm ein
aufsteigendes Gewitter am Strande bei Wainopäh, 1887 gemalt. Anderes in
Revaler Privatbesitz.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 156-157.

=Kotzebue=, ~Alexander v.~ Schlachtenmaler. Geb. 9. Juni 1815 in
Königsberg i. Pr. als jüngster Sohn des Dichters Aug. v. K. und
dessen dritter Gemahlin verw. Wilhelmine Friederike v. Kursel, geb.
v. Krusenstern; gest. zu München 24. Februar 1889. Er erhielt seine
Erziehung im Kadettenhause zu Petersburg und diente bereits als
Offizier in der Garde, als er sich entschloss der Militärkarriere zu
entsagen und Künstler zu werden. 1837 trat er in die Akademie ein
und wurde Schüler von Sauerweid. 1845 wurde ihm für sein Bild „Die
Erstürmung von Warschau im Jahre 1831“ die gr. gold. Med. zuteil und
zugleich erhielt er mehrere Aufträge vom Kaiser Nikolaus, zu deren
Ausführung er Ende 1846 nach Deutschland reiste. Von Königsberg aus
besuchte er die Schlachtfelder des siebenjährigen Krieges, bereiste
dann Belgien und Holland und liess sich 1849 in München nieder. Um die
ihm aufgetragenen Feldzüge Suworows in Italien und in der Schweiz in
Gemälden wiederzugeben, unternahm er 1858 neue Studienreisen dorthin.
Im April desselben Jahres wurde er zum Professor befördert. K. war
russischer Hofmaler und Ehrenmitglied der Münchener Akad. Von seinen
grossen Schlachtenbildern seien hier genannt: Erstürmung von Warschau
im Jahre 1831; gem. 1844 für die Familie des verst. Generals v. Toll;
jetzt in Kaiserl. Bes. -- Die Erstürmung von Schlüsselburg, 1702 (In
Kaiserl. Bes.). -- Die Schlacht bei Zorndorf. -- Peter I. gründet
Petersburg im Jahre 1703 (Bes. Maximilianeum, München). -- Episode aus
der Schlacht an der Trebia, Juni 1799. Vollendet 1858. -- Suworows
Uebergang über den Panixer Pass, Oktober 1799; gem. 1859. -- Nach
der Schlacht bei Pultawa, 1709. Das grösste Bild des Künstlers (Bes.
Eremitage, Petersb. Abb. in наши художн. I. S. 206). -- Die Einnahme
von Narva unter Peter I. 1704. Voll. 1866 (Abb. in Pechts Gesch.
der Münchener Kunst im 19. Jahrh. In Holz geschn. von Weber für die
Всемірн. иллюстр. 1869 S. 328/29). -- Die Kapitulation der Stadt Riga,
1868 gem. (Abb. in наши художн. I S. 207 und in W. Neumann, Riga und
Reval, Bd. 42 Berühmte Kunststätten, auch in grossen Photographien
verbreitet). -- Zug der russischen Armee über die Teufelsbrücke
(Abb. in наши художн. I. S. 206). -- Uebergang der Russen über den
Bottnischen Meerbusen im Jahre 1808. -- Gefecht der Russen beim Dorfe
Lessnoje mit den Schweden (Im Museum Alexanders III., Petersburg). --
Avantgardengefecht bei Karlstula in Finnland, während des russischen
Krieges 1809.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 61-63.

=Kraus=, ~Franz Gerhard~. Bildhauer. Geb. 25. März 1871 im Pastorat
Neugut in Kurland, erhielt die ersten künstlerischen Anregungen durch
den älteren Bruder und trat 1892 in die Stieglitzsche Zeichenschule in
Petersburg, die er 1897 als Stipendiat verliess. In Berlin arbeitete
er unter Karl Bernewitz und ging dann nach Paris, wo er im Atelier
des Bildhauers l’Hommeau tätig war. K. hat seine Tätigkeit fast
ausschliesslich dem Kunstgewerbe zugewandt.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 97-99.

=Kraus=, ~Theodor~. Maler. Geb. 10. Dezember 1866; älterer Bruder des
Vorigen, studierte anfänglich Theologie, folgte aber schliesslich
seiner Neigung zur Kunst und wurde Schüler der Berliner Akad., wo er
sich namentlich an Jos. Scheurenberg anschloss. K. ist vornehmlich
als Porträtmaler geschätzt und hat sich durch seine von feinem Humor
verschönten Gelegenheitsskizzen viele Freunde erworben.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 141-142.

=Krause=, ~Johann Wilhelm~. Baumeister. Geb. 19. Juni (1. Juli) 1757
in Niederschlesien; gest. 10. August 1828 in Dorpat. Er besuchte das
Gymnasium in Brieg und wurde darauf Schüler des Stadtbaumeisters zu
Zittau. Um sich der Theologie zu widmen bezog er die Universität
Leipzig, gab aber auch dieses Studium nach drei Jahren auf und trat in
das Anhaltinische Artilleriekorps, mit dem er nach Amerika ging. 1787
kam er nach Livland als Hauslehrer des Grafen Mellin, zog 1797 nach
Dorpat und wurde bei der Neubegründung der Universität zum Professor
der Oekonomie und der Baukunst berufen. Von ihm: Die Zeichnungen zu
den Gebäuden der Universität. Von C. A. Senff in Aquatinta gest. für
die Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Universität, 1827 fol. --
Der Umbau des Chores der ehemaligen bischöfl. Peter-Paulkathedrale
zu Dorpat zur Universitätsbibliothek. -- Der Entwurf zum Altar der
Domkirche in Riga. Ausgeführt von A. G. Heubel. Abgebrochen 1895.
-- Eine Ansicht von Marienburg in Livl. gez. 3./X. 1791. Lith.
fol. gewidmet dem Edukationsrat J. W. C. Friebe. -- Ein Plan vom
„Pilliskaln“ (Burgberg) unter dem Gute Smilten (zum 9 und 10 Stück der
nord. Miscell. In Kupfer gest. v. J. G. Klinger Nürnb(erg), 1794). --
Eine farbige Skizze: Die Weisheit mit dem Ariadnefaden, im Skizzenbuch
des J. J. Voss im städt. Mus. zu Riga.

    Rigasche Stadtbl. 1821 S. 212. -- Provinzialbl. 1828, liter.
    Beiträge S. 69 ff. -- Inland 1848 S. 307, Anmerkung. -- Dorpater
    Kalender 1873 S. 143. -- Rigaer Tagebl. 1895 Nº 118-128. Aus den
    Aufzeichnungen eines livländischen Hofmeisters vom Ende des vorigen
    Jahrhunderts.

=Krause=, ~Friedrich~. Lithograph. Geb. zu Barby im Regierungsbezirk
Magdeburg um 1785; gest. 1831 in Mitau an der Cholera. Er hatte anfangs
Pharmazie studiert, wandte sich dann der Kunst zu und gründete um 1820
eine lithographische Anstalt in Mitau. Er lithographierte die von K.
J. R. Minckeldé gezeichneten (14) kurländischen Ansichten. Ausserdem
von ihm ein Selbstportr. bez. Fr. Krause se ips. del. et lapide inc.
1831, und das I. Heft des Kurländischen Bildersaals, eine Sammlung von
Bildnissen nach G. F. Schlater, 1826.

    Allgem. Deutsche Ztg. für Russland 1824 Nº 36.

=Krause=, ~W.~ Unbekannter Zeichner. Von ihm die Bildnisse Dorpater
Studenten, Profilbildnisse, für die Landsleute gezeichnet. Lith. von
W. Krüger 1837. 109 Blätter in 8^o (Darunter einige Porträts doppelt
und in verschiedenen Stellungen, oder grösser dargestellt). Die Namen
sämtlicher Dargestellten enthält der Katalog des Mus. der Gelehrten
estn. Gesellsch., abgedruckt in den Verhandlungen der Gesellsch. Bd.
VI, 3. u. 4. Heft, 1871.

=Kretschmann=, ~Friedrich~. Lithograph in Riga im ersten Viertel des
19. Jahrh. Von ihm eine Ansicht von Dorpat in Umrissen nach C. A. Senff
(selten).

=Krestlingk=, ~Johann Gottl. Friedr.~ Lithograph, gründete um 1824
eine lithographische Anstalt in Riga, aus welcher eine Anzahl
anerkennenswerter Arbeiten hervorging. In den vierziger Jahren ging die
Anstalt ein und K. begab sich nach Südrussland. Von ihm: Die Porträts
des Marquis Paulucci; der Schauspielerin Friederike Feddersen, geb.
Lange; des Grafen Mellin; eines Herrn v. Rennenkampf und das Porträt
Luthers. -- Zwei Ansichten von Riga, links und rechts von der Brücke,
1824. fol. -- Riga vom Lämmerberge aus gesehen. -- Ansicht von Riga
4^o. -- Zwei Blatt landschaftliche Zeichnungen. -- Eine Ansicht vom
Schlossplatz in Riga mit der Siegessäule, qu. fol. -- Ausser diesen
grösseren Arbeiten erschienen bei ihm: Stickmuster nach Zeichnungen
von Katharine Walter, 2 Jahrgänge. Desgleichen 1 Heft Stickmuster
nach Hacke, Faksimiles von Luthers Briefen und von Handschriften
russ. Regenten, ein Adresskalender mit Plan von Riga (April 1826),
Musikalische Hefte u. a. Auch eine in Gouache ausgeführte Ansicht von
Kamenni Ostrow in Petersburg ist von ihm bekannt.

    Rigasche Stadtbl. 1825 S. 272; 1826 S. 30 u. 105; 1844 S. 23.

=Kriek=, (~Kryk~) ~Johann Peter~. Architekt, hatte in Hamburg
seine Vorbildung erhalten und bekleidete 1813 das Amt des
Gouvernementsarchitekten in Mitau. Er erbaute 1822 die Jesuskirche in
Riga, hat auch mehrere Privatgebäude in Riga ausgeführt. Er zog später
ganz nach Riga und soll hier in kümmerlichen Verhältnissen vor 1841
gestorben sein.

    Rigasche Stadtbl. 1841 S. 231.

=Kronwald=, ~Karl~. Lithograph in der Plates’schen Anstalt in Riga um
1871. Von ihm: Brand der Trödelmarkthalle und der Wallmühle am 24.
August 1871. -- Brand der Schiffe William Ettiles und Desiré und der 39
Strusen im Rigaer Hafen am 2. Juli 1871.

=Krüdener=, ~Doris v.~ Bildhauerin der Gegenwart, hat sich durch eine
Kopie nach Donatello und mehrere wohl gelungene Porträtbüsten (A. v.
Öttingen, Hans Schmidt) bekannt gemacht.

=Krüger=, ~Christian Joseph~. Medailleur u. Bildschnitzer. Geb. 1759 zu
Dresden; gest. das. 1814. Schüler von Hutin und G. Knöfler, kam 1783
nach Livland und versah von 1790-1793 das Amt eines Zeichenlehrers an
der Rigaer Domschule. Er ging nach Dresden zurück und wurde Münzgraveur
seiner Vaterstadt. Von ihm: Venus den Amor mit einer Rute züchtigend.
-- Merkur einen Knaben unterrichtend. -- Verschleierte Frau mit
einem Sieb(?) in der Hand. In Ton gebrannt. (Aus dem Nachlass des
Bürgermeisters E. Hollander ins Ausland verkauft). -- Die Medaille auf
den Generalsuperintendenten von Livland Christian David Lenz 1792.

=Krüger=, ~Karl Ferdinand Wilhelm~. Porträtmaler. Geb. um 1810 in
Berlin, wahrscheinlich ein Sohn des Joh. Friedr. August K., dem
gegenüber er als „junior“ bezeichnet wurde, hielt sich von 1856-1860
in Riga auf. Das Beuth-Schinkel-Mus. in Berlin besitzt von ihm ein
Portr. Schinkels in Pastell; ein Portr. Mos. Mendelsohns im Kabinett
der Handzeichnungen zu Dresden. Hier schuf er: Ein Portr. der Sängerin
Johanna Hoffmann 1857. -- Strusenrussen. -- Lettische Holzsäger,
damals im Bes. eines (Hn. v. Reussner). -- Ein Selbstbildnis. --
Ein Portr. des Generalgouverneurs Fürsten Alex. Suworow-Rimniksky.
(Lith. von F. Jentzen. Druck v. d. Kgl. lith. Inst. in Berlin). -- Ein
Portr. des Dr. jur. Ludwig Cube. (Lith. von dems.). -- Ein Portr. des
Generalgouverneurs E. Golowin. (Lith. von H. Mitreuter). -- Ein Portr.
des Barons Budberg-Bönninghausen (Lith. v. F. Jentzen).

    Rigasche Ztg. 1857 Nº 288. -- Inland 1857 S. 846.

=Krüger=, ~Woldemar Friedrich~. Maler. Geb. 21. Dezember 1807 zu Kawa
in Livl.; gest. 24. Dezember 1893 in Dorpat, kam achtjährig nach Dorpat
und wurde in der Folge mit dem späteren Kunstforscher Karl Eduard v.
Liphart auf dem Gute Ratshof gemeinsam erzogen. Er wurde Schüler des
Kupferstechers C. A. Senff und begab sich 1830 zu weiterer Ausbildung
nach München, wo Jos. Ant. Rhomberg sein Lehrer wurde; auch begann
er hier sich mit der Lithographie zu beschäftigen. 1833 zog er mit
seinem Freunde Liphart nach Italien, wo er in Rom zu Thorwaldsen,
Overbeck und Anton Koch in nähere Beziehungen trat. 1835 kehrte er
nach Dorpat zurück und legte hier eine lithographische Anstalt an, die
aber schon 1839 in den Besitz von F. Schlater überging. Er erteilte
Zeichenunterricht an der höheren Töchterschule, wurde 1845 von der
Petersburger Akad. zum freien Künstler ernannt und unternahm 1847
eine zweite Studienreise nach Belgien und Holland. 1854 wurde er
zum Zeichenlehrer an die Universität berufen; auch erteilte er von
1854-1859 den Zeichenunterricht am Gymnasium. 1857 zum Akademiker
befördert. Von ihm mehrere Landschaften in Privatbesitz, auch mehrere
Porträts. Von seinen graphischen Arbeiten nennen wir: Illustrationen zu
dem Werke von C. F. Ledebour: Icones plantarum florae Altaicae 1828.
-- Studentenporträts (ca. 60) gez. u. lith. -- Portr. des Professors
Erdmann, gez. u. lith. -- Ansichten von Dorpat, 6 Blatt, Aquatinta,
(Domberg, Domruine, Dombrücke, Sternwarte, Klinik, Anatomikum). --
Atlas zu dem Werke des Astronomen F. G. W. Struwe: Beschreibung der
.... Breitengradmessung in den Ostseeprovinzen etc.

    „Aus Dorpats vergangenen Tagen“ in d. Petersbgr. Deutschen Ztg.
    1898 211-214. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S.
    72-74.

=Kruss=, ~Niclas~. Maler, wird 1679-1689 als „fürstlicher Hoffmahler“
in Mitau erwähnt.

    Kirchenbuch der Trinitatiskirche zu Mitau. (Jul. Döring).

=Kügelgen=, ~Franz Gerhard v.~ Porträt- und Historienmaler. Geb. 6.
Februar 1772 zu Bacharach am Rh.; ermordet 27. März 1820 in der Nähe
von Loschwitz bei Dresden, besuchte mit seinem Zwillingsbruder das
Jesuitenkollegium in Bonn, wurde 1789 Schüler des Landschaftsmalers
Januarius Zick in Koblenz, dann des Mengsschülers Christoph Fesel in
Würzburg und ging im Mai 1791 mit Unterstützung des Kurfürsten von
Köln, Erzherzog Franz v. Oesterreich, nach Italien. 1793 hörte die
Unterstützung infolge der französischen Invasion auf. Im Februar 1795
verliess er Rom, ging zunächst nach München und auf Einladung seines
Freundes Joh. Georg Schwartz, des späteren Rigaschen Bürgermeisters,
nach Riga, wohin ihm im nächsten Jahre sein Bruder folgte. Sie lebten
hier bis 1799 und begaben sich dann nach einem Aufenthalte in Reval
nach Petersburg. Beide Brüder verheirateten sich mit Töchtern des
Barons Zoege v. Manteuffel auf Harms in Estland. 1803 verliess K.
Petersburg, lebte ein Jahr lang auf dem Gute seines Schwiegervaters
und liess sich dann, nach einem Besuche seiner Vaterstadt und nach
einem Aufenthalte in Paris in Dresden nieder. 1804 Akademiker der
Petersburger und ord. Mitgl. der Berliner Akad.; 1806 Mitgl. der
Petersburger Akad.; 1811 Ehrenmitgl. der Dresdner Akad. 1814 a. o.
Professor, 1819 ord. Professor derselben. Von seinen in Livland
ausgeführten Gemälden lassen sich nachweisen: Ein männliches und ein
weibliches Bildnis (Bes. v. Klein, Riga). -- Das Portr. des Rigaschen
Bürgermeisters Adam Hinrich Schwartz d. J. (Bes. Staatsr. W. Schwartz,
Riga). -- Das Portr. des Ältesten A. G. Schwartz (Bes. Staatsr. W.
Schwartz, Riga). -- Ein Selbstportr. gem. 1807. (Bes. Staatsr. W.
Schwartz, Riga). Lith. v. Gerdt Hardorff, Hamburg. Ein Selbstportr.
(Kopie?) im Bes. des Hn. O. v. Löwenstern, Kokenhusen. -- Die Spieler
an der Pharobank mit Porträts, darunter Selbstportr. (Bes. Staatsr.
W. Schwartz). -- Portr. der Frau Karoline Sophie v. Blanckenhagen,
geb. Stöver (Bes. städt. Museum, Riga). -- Portr. des Bürgermeisters
Joh. Chr. Schwartz. Aquar. (Bes. Staatsr. W. Schwartz). -- Portr. des
Rektors der Universität Dorpat Dr. G. Fr. Parrot (Bes. Universität
Dorpat. Lith. v. P. Smirnow, Petersburg). -- Portr. des Pastors Eduard
Pohrt zu Trikaten; Portr. der Gemahlin desselben. Aquar. -- Männliches
und weibliches Bildnis. (Bes. Baron B. von Uexküll). -- Portr. des
Prof. C. Morgenstern, 1809 gem. (Bes. Universität Dorpat). -- Portr.
der Gräfin Kath. Sievers (Bes. Graf Gustav Sievers, Wenden). -- Die
Jungfrau von Orleans; Karl VII; Agnes Sorel; Ossian (Miniaturen, Bes.
Graf Medem-Elley). -- Porträts des Hn. W. J. O. Zoege v. Manteuffel
und dessen Gemahlin, Schwiegereltern des Künstlers (Auf dem Gute
Meyris, Estl.). -- Portr. des Generals Grafen von der Pahlen; Portr.
der Gräfin Borch mit ihrem Kinde (Kniestück); Portr. der Generalin
v. Meyendorff mit ihren Kindern (Kniestück); Portr. der Generalin
Benkendorf (ganze Figur), in Petersburg gem. -- Portr. des Grafen
Jacob v. Sievers (gest. von James Walker in Petersburg). -- Portr. des
Musikers J. F. Latrobe. Auch in Miniatur ausgeführt (Bes. Staatsr. W.
Schwartz, Riga). -- Portr. des Kaiserl. Leibarztes Stoffregen. -- Die
Nacht, Schlaf und Tod in den Armen haltend. Pastell 1803 gem. -- Portr.
des Kaisers Alexander I. von Russland (Bes. Universität Dorpat). Ein
anderes Exemplar im Ritterhause zu Reval. -- Der verwundete Adonis,
1806 gem. (Bes. v. Klein, Riga. Eine kleine Wiederholung auf einer mit
Pergament überzogenen Eisenplatte, 1807 gem. angeblich im Besitz des
Barons von Korff auf Kreuzburg). -- Der geblendete Belisar und sein
Führer während eines Gewitters, 1807 gem. (Bes. Graf Medem, Elley).
-- David vor Saul die Harfe spielend, 1807 gem. (Bes. Graf Medem,
Elley. Eine Wiederholung erwarb der Kunsthändler Arnold in Dresden;
gest. von C. F. Stoelzel.) -- Portr. der Frau Elise v. der Recke, 1812
gem. (Bes. Gräfl. Medemsche Familie, Kurland. Eine Kopie im Schloss
Löbichau in Sachsen, Altenburg.) -- Portr. der Baronin Barbara Juliane
v. Krüdener, geb. Baronesse Vietinghof mit ihrer Tochter. (Bes. v.
Moeller, Sommerpahlen). -- St. Michael den Satan stürzend, 1814
voll. (Bes. v. Klein, Riga). -- Porträt des Konsistorialrats Dr. K.
Fr. Senff in Halle; gest. v. C. A. Senff, Dorpat 1830. -- Christus,
Moses und Mohamed. Lebensgrosse Brustbilder; 1807 gem. (Bes. Graf
Medem, Elley. Eine Wiederholung in veränderter Stellung, 1809 gem. im
Mus. zu Leipzig). -- Zwei kleine Madonnen, 1808 gem. (Bes. v. Klein,
Riga). (Zwei andere ähnliche Bildchen in der Sammlung des Grafen
Medem in Mitau). -- Portr. Goethes, Brustb. 1808 in Weimar gem. (Bes.
Universität Dorpat, von K’s Witwe erworben. Gest. v. C. Hess fol.).
-- Portr. Goethes vom Jahre 1810 in Wiederholung, jetzt im Bes. der
Frau Maria v. Dehn auf dem Gute Kiekel bei Jewe in Estland. -- Portr.
Wielands, Brustb. 1808 gem. (Bes. Universität Dorpat; erworb. von K’s
Witwe. Gest. v. N. Schenker, fol.). -- Portr. Herders, Brustb. 1808
gem. nach früheren Bildern und nach der Totenmaske. (Bes. Universität
Dorpat; erworb. von der Witwe K’s. Gest. v. Anderloni, fol.). -- Portr.
eines Unbekannten. (Bes. städt. Museum Riga, aus der Sammlung von v.
Transehe).

    F. Ch. A. Hasse, Das Leben Gerhards v. Kügelgen, Leipzig 1824.
    -- Erinnerungen eines alten Mannes (Wilh. v. Kügelgen) herausg.
    v. Ph. Nathusius, 1870 (17. Aufl. 1896). -- Hagen, die Deutsche
    Kunst I. S. 851 ff. -- Konstantin v. Kügelgen, Gerhard v. Kügelgen
    als Porträt- und Historienmaler, Leipzig 1901. -- Marie Helene v.
    Kügelgen, ein Lebensbild in Briefen Leipzig 1900.

=Kügelgen=, ~Karl Ferdinand~. Landschaftsmaler. Geb. 6. Februar 1772
zu Bacharach a. Rh.; gest. 7. März 1835 in Reval. Zwillingsbruder des
Vorigen. Er erhielt die gleiche Erziehung wie sein Bruder, wandte
sich aber in Rom der Landschaftsmalerei zu. 1796 folgte er seinem
Bruder nach Riga und zog mit ihm nach Petersburg. Hier erwarb er sich
die Gunst des Kaisers Paul, der ihm ein Jahrgehalt aussetzte; auch
Kaiser Alexander I. beehrte den Künstler wiederholt mit Aufträgen
und bewilligte ihm 1803 und 1806 die Mittel zu Studienreisen in
die Krim. 1818 bereiste er Finnland zu Studienzwecken. Mehrere
Jahre lebte er auf dem Gute des ihm befreundeten Edelmannes Slobin
an der Wolga, dann abwechselnd in Petersburg und auf seinem Gute
Kurküll in Estland, oder auf den Besitzungen seines Schwagers Zoege
v. Manteuffel. K. war Kaiserl. Kabinettmaler; seit 1804 Mitgl. der
Berliner Akad. und seit 26. VIII. 1804 Akademiker der Petersburger
Akademie. Von seinen zahlreichen Arbeiten nennen wir: Dreissig
Landschaftsbilder aus der Krim, 1816 von K. dem Kaiser überreicht.
Diese und 60 Sepiazeichnungen, Ansichten aus Taurien wurden im Kaiserl.
Schloss zu Kamenni Ostrow aufgestellt. -- Livl. Landschaft (Befand
sich im Bes. seines Sohnes Karl von K. in Dorpat). -- Italienische
Landschaft. -- Mondscheinlandschaft (Bes. Universität, Dorpat). --
Arkadische Landschaft (Bes. G. Zoege v. Manteuffel). -- Landschaften
mit biblischer Staffage (der verlorene Sohn; der barmherzige Samariter;
die drei Engel bei Abraham; die Auffindung Mosis; die heil. Familie;
der Versucher) und viele andere in Petersbgr. Privatbes. Einige
italienische Landschaften kamen in den Bes. des Lord Bristol. -- An
Zeichnungen und Studien, die grösstenteils von ihm in Sepia ausgeführt
wurden, sind bekannt: 240 Blatt Ansichten aus der Krim. -- 55 Skizzen
aus Finnland (erworben von Kaiser Alexander I.) -- Das städt. Museum zu
Riga besitzt von ihm zwei römische Studien. -- An Vervielfältigungen
gab K. heraus: Vier Ansichten aus der Krim. Dessiné d’après nature
par C. Kugelchen. Lith. par Sophie S. -- 16 Ansichten aus der Krim in
2 Ausgaben zu je 8 Blatt: Huit vues de la Crimée, dessinées d’après
nature et lithographieés par C. de Kügelchen. -- 15 Ansichten aus
Finnland: Vues pittoresques de la Finlande, dediées à sa Majesté
l’Imperatrice Elisabeth Alexiewna par C. de Kügelgen. -- 12 Ansichten
von Reval und Umgebung, 1828 in Gemeinschaft mit dem Maler Johannes
Hau herausgeg. unter dem Titel: Collection de XII vues, graviés à
l’aquatinta usw. Eine Wiederholung in Lithogr., von Th. Gelhaar
erschien bei G. Eggers in Reval. -- Etudes des arbres, dessinées sur
pierre par C. Kugelgen, St. Peterbourg. Lithographie du Ministère des
affaires étrangères (Se vend chez A. Pluchart). Prix 10 Rbl. fol. 6
Blätter. 1819 in Schwarzkreidemanier.

    Ausser der bei G. v. Kügelgen angeführten Literatur s. a.
    Kunstblatt 1817 Nº 10. -- Rigasche Stadtbl. 1822 S. 319; 1866 S.
    265 ff. -- Inland 1838 S. 218; 1851 S. 269. -- Ostseeprovinzenblatt
    1823 Nº 14. -- Revalsche wöchentl. Nachrichten 1825 S. 778/79 und
    815. -- Dörptische Beiträge I. S. 206 ff., III, S. 242 ff.

=Kügelgen=, ~Konstantin v.~ Landschaftsmaler. Geb. 6. Januar 1810 im
Saratowschen Gouvernem. auf der Besitzung des Herrn v. Slobin, als Sohn
des Karl Ferd. v. K. und dessen Gattin Emilie Zoege v. Manteuffel;
gest. 28. April 1880 in Dorpat, erhielt die erste Anleitung in der
Kunst von seinem Vater und trat dann in die Petersburger Kunstakad.
Auf Kaiserlichen Befehl wurde er 1831 von der Akademie auf vier
Jahre zu weiterer Ausbildung ins Ausland geschickt. Nach einem
Aufenthalte in Italien liess er sich in Dresden nieder, nahm 1840 das
Amt eines Zeichenlehrers am Gouvernements-Gymnasium in Reval an, gab
dieses jedoch bald wieder auf, um sich auf sein Gut Nömme bei Reval
zurückzuziehen. 1851 konkurrierte er durch eine Bilderausstellung in
der Aula der Universität Dorpat mit den Malern Krüger, Schlichting,
Hartmann und Schlater um das Amt des Universitätszeichenlehrers, für
das Krüger gewählt wurde. 1856 verkaufte er sein Gut, zog nach Dorpat
und nahm das Amt eines Zeichenlehrers am Gymnasium an. Von ihm mehrere
Landschaften in Privatbes.

    Inland 1838 S. 218; 1840 S. 796; 1854 S. 815; 1856 S. 286;
    1859 S. 378; 1860 S. 90, 272; 1861 S. 82. -- Rigasche Stadtbl.
    1866 S. 265 ff. -- Neue Ztg. f. Stadt u. Land 1880 Nº 102. --
    Familiennachrichten. - W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des
    19. Jahrh. S. 75-76.

=Kügelgen=, ~Wilhelm Georg Alexander~. Historienmaler. Geb. 20.
November 1802 in Petersburg, Sohn des Malers Gerhard v. K.; gest. in
Bernburg 25. Mai 1867, erhielt den ersten Kunstunterricht von seinem
Vater und trat 1818 in die Dresdner Akad., wo er 1820 Schüler von
Hartmann wurde. 1827 kam er nach Estland und lebte vorübergehend in
Petersburg. 1830 zog er nach Dresden zurück und siedelte 1834 nach
Bernburg über, wo er zum Professor und herzogl. Hofmaler ernannt wurde.
1846 weilte er neun Monate in Petersburg, um den Maler Neff bei der
Herstellung der Kartons für die Ausschmückung der Isaakskirche zu
unterstützen. 1853 ernannte ihn der Herzog von Anhalt-Bernburg zum
Kammerherrn. Die Olaikirche zu Reval besitzt von ihm ein Altargemälde,
Christus am Kreuz, 1830 gem. Er gab heraus: Drei Vorlesungen über
Kunst, Bremen 1842, und schrieb: „Jugenderinnerungen eines alten
Mannes“, herausg. v. P. Nathusius, 1870. In 17. Auflage erschienen 1896.

=Kügelgen=, ~Sally v.~ Porträt- und Historienmalerin. Geb. 19.
Februar 1860 in Dorpat als jüngste Tochter des Malers Konstantin
v. K. aus seiner dritten Ehe mit Baronesse Antonie v. Maydell (aus
dem Hause Maydell), lebt in Rom. Ihre erste Lehrerin war Frau Julie
Hagen-Schwarz, dann absolvierte sie die Schule der Gesellschaft zur
Förderung der Künste in Petersburg und besuchte von 1880-85 die
Petersburger Akademie als freie Zuhörerin. Von ihr mehrere Porträts und
kirchliche Malereien.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 146-147.

=Küntler=, ~David~, Baumeister, lebte am Ende des 17. Jahrh. in Narva.
Von ihm wurde der Bau der ersten festen Brücke auf Steinpfeilern über
die Narowa ausgeführt. Gleichzeitig oder wenig später erbaute er auf
Kosten narvascher und ausländischer Kaufleute die Börse in Narva (Das
Gebäude dient jetzt anderen Zwecken).

    H. J. Hansen, Geschichte der Stadt Narva. Dorpat 1858 S. 129.

=Kütner=, ~Samuel Gottlieb~. Kupferstecher. Geb. 13. Januar 1747 zu
Wendisch-Ossig in der Ober-Lausitz; gest. 29. August 1828 in Mitau,
machte seine Studien unter Joh. Friedr. Bause in Leipzig und wurde
1775 als Zeichenlehrer an das akademische Gymnasium in Mitau berufen.
1782 folgte er einer Aufforderung des Königs Stanislaus August von
Polen, um dessen von Bacciarelli gemaltes Bildnis in Kupfer zu
stechen, wofür er von diesem 1784 mit einem Brillantring und der gold.
Medaille „Merentibus“ ausgezeichnet wurde. Auch Kaiser Alexander I.
zeichnete den Künstler auf Fürsprache des damaligen Akademiepräsidenten
Grafen Strogonow mehrfach aus. Die Akademie zu Bologna ernannte ihn
1785 zum Ehrenmitgliede. Wegen Altersschwäche wurde er am 20. Juni
1824 pensioniert. Von ihm: Mutter und Kind nach Cipriani. -- Der
kleine Naturforscher nach Wille. -- Holländisches Mädchen in einer
Pelzjacke nach G. Dou, 1773 (Das Orig. befand sich früher in den
Wincklerschen Kabinetten in Leipzig). -- Porträt des Joh. Sebast. Bach
nach Hausmann, Leipzig 1774 (Die Kupferplatte im Museum zu Mitau).
-- Die Apfelschälerin nach G. Dou (Das Orig. ehemals in der Herzogl.
Kurländ. Sammlung, 1778). -- Porträt des Professors der Philos. Joh.
Aug. Starck, 1779. -- Porträt des Professors Bernh. Euler nach Darbes,
1780. -- Porträt des Herzogs Peter von Kurland, 1781. -- Porträt des
Königs Stanislaus August von Polen nach Bacciarelli, 1784. -- Porträt
der Gebrüder Franziskus und Kasimir Rzewusky nach Maroni (1772 in Rom
gem.). -- Porträt des Kaisers Paul I. (unvollendet geblieben). --
Ein Teil der 54 Kupfertafeln zum Wappenbuch des Kurländischen Adels,
herausg. v. Joh. Eberhard Neimbts, Mitau 1794, 4^o (Den anderen Teil
der Platten stach K’s Schüler Joh. Gottfr. Scheffner).

    Mitausche Polit. Zeitung 1781 St. 12 u. 13. -- Intelligenzblatt des
    Journals des Luxus und der Mode 1787 Nº 3. -- Provinzialblatt für
    Kur-, Liv- und Estland 1828 S. 155-156. -- Joh. Bernoullis Reisen
    etc. III S. 245. -- Rigasche Stadtbl. 1892 S. 78. -- Sitzgsber. d.
    Kurl. Gesellsch. f. Lit. u. Kunst 1889 S. 101. -- K. Dannenberg,
    Zur Gesch. u. Statistik des Gymnasiums in Mitau 1875 S. 8.

=Kyber=, ~Wilhelmine~. Blumenmalerin. Geb. 1. Februar 1801 in Riga,
Schwägerin des Historienmalers K. Bähr; gest. in Dresden. Bildete sich
in Dresden unter der Blumenmalerin Friederike Friedrich. Das städtische
Museum zu Riga besitzt von ihr ein Stilleben, 1842 gem.

    Rigasche Stadtbl. 1845 S. 354; 1859 S. 142.



L


=Laengning=, ~Jakob~. Porträtmaler, lebte im letzten Viertel des 18.
Jahrh. in Kurland, wo er auf verschiedenen Gütern mit Porträtmalen
und Bilderrestaurieren beschäftigt war. Auf dem Gute Kalleten in
Kurland befindet sich ein Bild des Gerhard Nolde, dessen Rückseite
(nach J. Döring) die Inschrift trägt: _Auf Sorgfältiges Anordnen Sr.
Hochwohlgeborn H. Haubt-man Von Nold Seind Gegenwärtige 3 Portraits,
die Hochdesselben Hause Intressant aus der fast gänzlichen Ruine wieder
Hehrgestellt. Beendigt Anno 1778 d. 12. Febr. Jacob Laengning._ Von ihm
ausserdem bekannt: Ein Porträt des siebenjährigen Ludwig Kühtz, gem.
Juni 1775 (war 1805-1833 Pastor in Ugahlen in Kurland. Das Bild kam
1883 in den Besitz des Mus. zu Mitau). -- Die Porträts des Hn. U. G.
v. Behr auf Schleck und dessen Gemahlin, geb. Nolde; bez. 3. Dezember
1775. -- Porträt eines Herrn in reichem roten Kostüm mit dem Bande des
Andreasordens (Bes. Maler E. Tode, Riga). -- Porträt des Kaisers Paul,
1771 (Bes. Prov. Museum, Reval).

=Laksmann=, ~Johann~. Zeichner. Geb. 1851 in Ruhenthal (Kurl.); gest.
17. April 1885 in Riga, bildete sich zu einem geschickten Zeichner aus
und wurde 1883 diplomierter Zeichenlehrer an der Gewerbeschule in Riga.
Von ihm die Adresse der livländischen Letten zum Regierungsjubiläum
des Kaisers Alexander II. (19. Februar 1880) und ein Gedenkblatt
zum lettischen Sängerfest in Riga 1880; in Buntdruck (17 Platten)
ausgeführt von der Sieslackschen lithogr. Anstalt in Mitau.

    Rigasche Ztg. 1880 Nº 37 Beilage; 1880 Nº 201 Beilage; 1883 Nº 253;
    1885 Nº 87.

=Landesen=, ~Bertha v.~ Malerin. Geb. 27. Juli 1868; besuchte 1893/4
die Kunstschule in Berlin, trat 1895 in die Akademie der Künste zu St.
Petersburg, die sie im Jahre 1900 absolvierte, und arbeitete dann zwei
Jahre im Atelier des Professors Repin. Sie hat sich vorherrschend mit
Porträtmalerei beschäftigt.

=Launitz=, ~Eduard Nikolaus Karl~, ~Schmidt von der~. Bildhauer.
Geb. 23. November 1797 als Sohn des Pastors, späteren Propstes Joh.
Magn. L. zu Grobin in Kurl.; gest. in Frankfurt a. M. 30. November
(12. Dezember) 1869, kam 12 Jahre alt in die Erziehungsanstalt des
Prof. Hundeiker zu Vechelde bei Braunschweig, nach deren Absolvierung
er die Universität Göttingen zum Studium der Jurisprudenz bezog. Im
Hause des Professors J. D. Fiorillo hatte er Gelegenheit sich mit
kunstwissenschaftlichen Studien zu beschäftigen und ein Besuch der
Dresdner Galerie brachte seinen Entschluss sich der Kunst zu widmen zur
Reife. 1816 ging er nach Rom, wo Thorwaldsen ihn in seine Schülerzahl
aufnahm. Um die Statue, des sich die Sandalen anlegenden Merkur an
die Fürstin Golitzin abzuliefern, begab er sich nach Petersburg und
empfing hier den Auftrag zu den Denkmälern für die Generale Kutusow und
Barclay de Tolly, die 1826/27 vor der Kasanschen Kirche aufgestellt
wurden. 1829 verliess er Rom, um sich in die Heimat zu begeben, liess
sich aber auf Zureden seiner Freunde in Frankfurt a. M. nieder,
das nun der Schauplatz seiner reichsten künstlerischen Tätigkeit
werden sollte. Er hielt dort Vorlesungen im Städelschen Institut,
auf Wunsch Schadows seit 1837 auch an der Düsseldorfer Akad. 1838
begleitete er den Grossfürsten Thronfolger ~Alexander~ nach Italien.
L. hat sich auch um das Kunstgewerbe Verdienste erworben und sich
auch literärisch nicht ohne Erfolg beschäftigt. 1869 wurde er ord.
Mitgl. der Berliner Akad. Sein Bruder Alexander bildete sich in Rom
ebenfalls zum Bildhauer aus. Er ging 1829 nach Nordamerika. Bekannt
ist von diesem nur das Brustbild eines Sohnes seines Bruders, wovon
ein Gipsabguss 1829 in das Mus. zu Mitau kam. Zu den Hauptwerken
L’s. gehören: Die Büste von Justus Möser, 1820 auf Bestellung des
Königs Ludwig von Baiern für die Walhalla bei Regensburg gefertigt.
-- Der Tod seines Bruders, des Adjutanten Georg v. der Launitz in
der Schlacht bei Leipzig. Bronze in der Kirche zu Grobin in Kurl.
(Gipsabguss im Mus. zu Mitau). -- Grabmonument Lisakowitz. Hautrelief.
-- Nymphe (für den Fürsten Baratinsky gearb.). -- Erato. (Erworben
v. J. v. Krause auf Weisstropp bei Dresden). -- Merkur. (Für die
Fürstin Golitzin in Petersburg. Gipsabguss im Mus. zu Mitau). -- Die
Kolossalstatuen der Generale Barclay de Tolly u. Kutusow. Bronze.
Vor der Kasanschen Kirche in Petersburg. 1826/27 vollendet. -- Zwei
Porträtbüsten, im Auftrage des Kaisers Nikolai I. -- Porträtstatue
der Herzogin Dorothea von Kurland, geb. Gräfin Medem. Um 1834 in der
Villa Medem bei Mitau aufgestellt; seit 1863 auf dem Familiengute Elley
bei Mitau. -- Marmorbüste des Grossfürsten-Thronfolgers Alexander,
1838 in Rom ausgeführt. -- Bronze-Denkmal Guiollet auf der Promenade
in Frankfurt a/M. -- Reliefs und allegorische Darstellungen für
das Theater daselbst. -- Grabmonumente: Für die Familie Regay in
Genua; Martens u. Gontard in Frankfurt a/M. -- Statuen des Land- und
des Seehandels und der Australia für die Börse in Frankfurt a/M.
(Die übrigen Personifikationen der Weltteile sind von Zwerger u.
Wendelstadt). -- Zwei lebensgrosse Pagengestalten als Fackelträger
für das Treppenhaus des Bankiers Mumm in Frankfurt a/M. -- Statue
des Feldmarschalls Grafen Leiningen-Westerburg. (Galvanoplastisch
in Kupfer ausgeführt). -- Festdekoration zur 400 jährigen Feier
der Erfindung der Buchdruckerkunst in Frankfurt a/M. -- Das
Gutenberg-Fust-Schöffer-Denkmal auf dem Rossmarkte in Frankfurt a/M.
1857 vollendet. -- Racestudien. (15 Büsten). -- Denkmal des Anatomen S.
Th. v. Sömmering in Frankfurt a/M. 1866 vollendet.

L. gab heraus: Die Anatomie der Gewandung. -- Wandtafeln zur
Veranschaulichung antiken Lebens und antiker Kunst (Nach seinem Tode
1870 in Kassel erschienen).

    Allgem. deutsche Biographie Bd. 18 S. 54. -- Balt. Monatsschr.
    VIII. S. 483. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19.
    Jahrh. S. 34-38. -- Ein Bild des Launitzschen Ateliers in Frankfurt
    von M. Oppenheim im Städelschen Mus. Kat. Nº 426.

=Launitz=, ~Robert Eberhard Schmidt von der~. Bildhauer. Geb. 4.
November 1806 in Riga als Sohn des Pastors und späteren Grobinschen
Propstes Dr. Christ. Friedr. v. d. L.; gest. 13. Dezember 1870 in
New-York. Neffe des Vorigen. Zum Militärdienst bestimmt, besuchte er
seit dem 15. Lebensjahre eine Militärschule, wurde aber gelegentlich
eines Besuches im väterlichen Hause von seinem zufällig anwesenden
Onkel (1822), der die künstlerische Veranlagung seines Neffen erkannte,
bestimmt sich der Kunst zu widmen. Er ging darauf nach Rom, wo er
ebenfalls Schüler von Thorwaldsen wurde. 1827 siedelte er nach Amerika
über, wo er ein Atelier eröffnete und gleichzeitig mit einem John
Frazee ein Geschäft zur Anfertigung von Grabsteinen und Grabmonumenten
gründete. 1833 wurde er Mitglied der National Academy of design in
New-York. Unter dem Titel: Designs for Monuments and Headstones
veröffentlichte er eine Anzahl von Entwürfen zu Grabsteinen und kleinen
Grabdenkmälern. Von ihm: Das Pulaski-Monument in Savannah (Georgia).
-- Das Monument der Feuerwehr in Greenwood-Cemetery (New-York). -- Das
Wilder-Monument in Louisville (Kentucky). -- Das Monument des Obersten
R. M. Johanson in Francfort (Kentucky). Das Kentucky-Military-Monument,
lebensgr. Gruppe von 3 Figuren. -- Die allegorischen 15 Fuss hohen
Figuren an der Fassade der Parkbank in New-York. -- Denkmal des
Generals Thomas in Troy, New-York. In Gestalt eines Sarkophags
ausgeführt.

    Rigasche Stadtbl. 1872 S. 13. -- Rigasche Ztg. 1873 Nº 120. --
    Ztschr. für bild. Kunst 1872 S. 270. -- Rigaer Tagebl. 1897 Nº 246.
    -- W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer. S. 38.

=Lebedew=, ~Michael~. Landschaftsmaler. Geb. 1815 in Dorpat als Sohn
eines armen Schuhmachers; gest. 19/31. Juli 1837 in Neapel an der
Cholera. Er kam als Knabe in die Petersburger Akademie und wurde Schüler
des ebenfalls jung verstorbenen Prof. Tschredin. Seine angegriffene
Gesundheit bewog den Conseil der Akademie ihn nach Italien zu schicken,
wo er trotz seiner Jugend bald zu den anerkanntesten Künstlern
zählte. Vor seiner Abreise hatte er auf der akad. Kunstausstellung in
Petersburg (1836) drei Ansichten aus Petersburg ausgestellt, mit denen
er, wie sein Meister, eine neue Aera der Landschaftsmalerei einleitete.
1833 war er für eine Landschaft am Ladogasee zum Pensionär auf Kosten
des Kaiserl. Kabinetts bestimmt und mit dem Range eines freien
Künstlers ausgezeichnet worden.

    St. Petersburger Ztg. 1837 Nº 180. -- Inland 1837 S. 567. -- R.
    Muther, Gesch. d. Malerei des 19. Jahrh. III S. 353.

=Lehmann=, ~Moritz~. Theaterdekorationsmaler. Geb. 1819 in Dresden;
gest. 28. August 1877 in Pest. Er hatte seine Ausbildung in Dresden
empfangen, war dort für die Hofbühne beschäftigt und wurde 1850 zum
Hofdekorateur ernannt. 1861 übernahm er die Direktion des Karltheaters
in Wien und kam, als dieses Unternehmen missglückte, 1863 als
Theatermaler nach Riga. 1865 befand er sich in Leipzig und die von
ihm in Riga begonnenen Dekorationen wurden von seinem Schüler Gilbert
vollendet.

    Rigasche Ztg. 1863 Nº 235; 1877 Nº 204, 208. -- Ztg. f. Stadt und
    Land 1877 Nº 204. -- Rigaer Theater- und Tonkünstlerlexikon S.
    136/37.

=Leuttner= (~Läuttner~), ~Johann Andreas~. Porträtmaler. Geb.
im März 1678; gest. 23. April 1745 in Mitau, war der Sohn eines
„Posamentierischen Kaufhändlers“, stand anfänglich in schwedischen
Militärdiensten und liess sich später in Mitau als „Conterfaier“ nieder.

    Kirchenbuch der reform. Kirche zu Mitau (J. Döring).

=Leuttner=, ~Christopher Ferdinand~. Maler. Geb. 14. Dezember 1722 in
Mitau; gest. daselbst 22. November 1788. Sohn des Vorigen. Wo er seine
Ausbildung erhalten hat, ist unbekannt. 1764 wird er Bürger und als
ein „ehrsamer kunsterfahrener Mahler“ bezeichnet. Seine schriftlichen
Aufzeichnungen, sein sog. Merkbuch, bewahrt das Museum zu Mitau. Er
malte neben unterschiedlichen Heiligenbildern die Altargemälde für die
katholische Kirche zu Skaisgirren in Litauen (1767) und für die Kirche
zu Szagarn (1775). Im Album des Rigaschen Apothekers Jakob Johann Voss
von ihm eine auf ein Kartenblatt gemalte Allegorie der Musik (Museum,
Riga).

    Sitzgsbr. der Gesellsch. f. Lit. u. Kunst 1869 II. Aufl. S. 377.

=Lindblohm=, ~Louis Theodor~. Maler. Geb. 27. November 1860 in Tula
in Russland, (sein Vater stammte aus Windau) erhielt seine Erziehung
in Riga, dem Geburtsorte seiner Mutter, und hier auch den ersten
Kunstunterricht von dem Maler G. v. Lischewitz, der ihm auch riet
sich, bei seiner besonderen Begabung für die Darstellung der Tiere,
der Jagdmalerei zuzuwenden. Er bezog 1878 die Kunstschule in Weimar
und war hier fünf Jahre Schüler des Tiermalers A. Brendel, dann auch
von M. Thedy. Nach einem kurzen Aufenthalt in Düsseldorf liess er sich
in Weimar nieder, wo seine Jagdbilder, in denen er namentlich die
Darstellung der Elche und Rehe bevorzugt, gesucht sind. Einige seiner
Arbeiten in baltischem Privatbesitz.

=Linde=,~ Andreas~. s. Benson.

=Linde=, ~Johann Heinrich~. Porträtmaler und Lithograph, war ein
Schüler und Nachahmer des Anton Graff in Dresden. Er arbeitete im
ersten Viertel des 19. Jahrh. in Riga, wo er ein Atelier in der
Schlosstrasse besass. Von ihm: Ein Porträt des Rigaschen Ratsherren
Joh Heinr. Niemann. Lithgr. 1822. -- Ein Porträt des Rigaschen
Bürgermeisters Aug. Wilh. Barclay de Tolly. Lith. 1824 fol. -- Ein
Porträt des Oberpastors der St. Jakobikirche zu Riga K. L. Grave. Lith.
1825. -- Von ihm wahrscheinlich auch die Portraits des Schauspielers
Konrad Heinrich Loofe (1749-1828) und dessen Gattin Eleonore Sophie,
geb. Schmalfeldt (1763-1812), denen die Porträts des Apothekers J.
J. Voss und dessen Gattin von Graff (Museum Nº 63, 64) sichtlich zum
Vorbild gedient haben.

=Lindenberg=, ~Max~. Bildhauer. Geb. 13. November 1873 in Riga, wurde
Schüler des Bildhauers Aug. Voltz in Riga und genoss zugleich den
Unterricht des Malers v. Rosen. Zu weiterer Ausbildung ging er nach
Berlin, wo er u. a. im Atelier von Bieber tätig war. Er hat sich
durch einige Salonfiguren gut eingeführt; (Gladiator, Mädchenkopf);
neuerdings auf kunstgewerblichem Gebiet tätig.

=Liphart=, ~Ernst Friedrich v.~ Maler und Radierer. Geb. 24. August
1847 in Ratshof bei Dorpat als Sohn des bekannten Kunstforschers Karl
Eduard v. L. Lebt z. Z. in Petersburg. Sein erster Lehrer war der
Jugendfreund seines Vaters, der Universitätszeichenlehrer Woldemar
Krüger. 1863 siedelte der Knabe mit seinen Eltern nach Florenz über,
wo er unter der Anleitung seines Vaters seine Studien selbständig
fortsetzte. Durch den Maler Stöckler, einen Schüler Passinis, wurde er
auf die Aquarellmalerei gewiesen und erhielt mannigfache Anregung durch
Franz Lenbach, der 1865 im Auftrage des Grafen Schack nach Florenz
gekommen war. Mit Lenbach ging L. 1866 nach Spanien und arbeitete mit
diesem gemeinschaftlich für die Schacksche Galerie. 1868 kehrte er nach
Florenz zurück, wo ihm bald grössere Aufträge zuflossen, namentlich
von dem Fürsten Alexander Lieven aus Fockenhof in Kurland, mit dem er
1873 Paris besuchte. Die Schätze des Louvre und der angenehme Verkehr,
den er hier fand, veranlassten ihn hier seinen bleibenden Wohnsitz
zu nehmen. Vorübergehend weilte er 1874 und 1875 in der Heimat. 1886
kam er nach Petersburg, um eine Kaiserliche Bestellung selbst zu
überbringen und nahm seit jener Zeit, da das nordische feuchte Klima
seiner Gesundheit zuträglicher erschien, hier seinen Wohnsitz. Für die
Galerie des Grafen Schack in München (jetzt Eigentum des deutschen
Kaisers) malte L. 9 Kopien nach Velasquez, Murillo, Raffael, Giorgione
und Tizian. -- Im Marmorpalais zu Petersburg mehrere Deckenmalereien;
im Palais des Grossfürsten Alexei Alexandrowitsch (†) von ihm
dekorative Wandbilder, Deckengemälde auch in der Villa der Grossfürstin
Maria Nikolajewna in Quarto bei Florenz, und in der Villa Siegle
in Stuttgart. Zahlreich sind die von Liphart gemalten und radierten
Bildnisse.

    K. Krüger in der balt. Monatsschr. Jahrg. 41 S. 47-49. -- W.
    Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 126-131.

=Lischewitz=, ~Georg v.~ Porträt- und Historienmaler. Geb. 1809 in
Riga; gest. daselbst 23. November 1887, Schüler der Dresdner Akademie
von 1829-1833, dann von Cornelius in München. Nach längerem Aufenthalt
daselbst ging er auf zwei Jahre nach Italien und kehrte dann in die
Heimat zurück. Die Petersburger Akad. ernannte ihn zum akad. Künstler.
Von ihm sind mehrere Porträts und ein Altargemälde in der Kirche zu
Windau (1835) bekannt.

    Rigasche Stadtbl. 1836 S. 211; 1853 S. 204; 1859 S. 144. --
    Anzeiger für Libau und Umgegend 1887 Nr. 275. W. Neumann, Balt.
    Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 175.

=Lithen=, ~Johann~. Zeichner. Er stammte wahrscheinlich aus Schweden
und hielt sich um die Wende des 17. Jahrh. in Livland auf, wo er
eine Reihe von Szenen der Kämpfe Karls XII. zeichnete, die in der
Lebensbeschreibung des Königs von S(amuel) F(aber) erschienen. Seine
Unterschrift tragen nur vier dieser Kupfern, doch sind auch die übrigen
augenscheinlich von seiner Hand. In Band 1 des gen. Werks: Prospekt
der Neumündischen Attaque .... 1700 .. den 12. Marty ..... Die Königl.
Schwedische Bombardirung der Festung Dünamünde ... 1701 ... d. 21/11
December bez. Joh. Lithen del. (Zwei Bilder auf einer Platte). In
Band 2: Prospekt der Stadt Riga von jenseit der Düna, da der General
Lieut. Flemming mit den Saxischen troupen zu berennen kam. A^o 1699 d.
12. Febr. .......... Prospekt der Stadt Riga von Lifländischer seiten
unter bloquirung des Königs von Polen. A^o 1701. Joh. Lithen del ad
vivum. (Zwei Bilder auf einer Platte). -- Prospekt von der Glorieuse
Descente und Action, welche Ihro Königl. May. von Schweden König Carl
XII Anno 1701 den 9. July bei Riga über die Düna gegen die Sächsischen
vorgenommen .... Johann Lithen ad vivum del. -- Plan wie auch Prospekt
von dem Schloss Kokenhusen, welches von dem König von Polen, mit dessen
Sächsischer Armée im Monat Septemb: 1700 berennet und bombardiret,
beschossen wie auch Miniret worden, da es endlich durch Accord
übergegangen. Johann Lithén Delineavit.

=Löwis of Menar=, ~Andreas~. Kupferstecher und Radierer (Dilettant).
Geb. 27. Dezember 1777 zu Wannamois in der Wiek; gest. 16. September
1839 zu Kaipen in Livl., diente von 1794-1797 im russischen Militär,
ging 1801 ins Ausland, studierte in Jena und Heidelberg und widmete
sich in Schwetzingen zwei Jahre dem Studium der Forstwissenschaft.
1808 kehrte er nach Livland zurück, wurde 1811 Sekretär der livl.
gemeinnützigen und ökonomischen Sozietät und beschäftigte sich neben
seiner Berufstätigkeit mit Zeichnen und Kupferstechen, worin angeblich
der Kupferstecher C. A. Senff sein Lehrer gewesen sein soll. Seine
ersten Versuche datieren aus dem Jahre 1819. Auch schriftstellerisch
hat L. sich betätigt. Von ihm: Bauernhütte. -- Bauernhütte mit zwei
Figuren. -- Bergsee. -- Desgl. -- Haus mit Baum. -- Brücke über einen
Wasserfall (Erstlingsarbeiten, die nicht für die Oeffentlichkeit
bestimmt waren). -- Schloss Neuhausen (das farbige Original in der
livl. Ritterschaftsbibliothek). -- Schloss Ronneburg. -- Schloss
Kokenhusen. Veröffentlicht in Band 1 und 2 des Inländischen Museums,
herausgeg. v. C. E. Raupach, Dorpat 1820/21. 8^o.

Hafen von Latakieh (Laodicea ad mare). -- Das St. Chrysostomuskloster
auf Cypern. -- Bufavento auf Cypern. -- Mamum Kalessi bei Cyzicus.
-- Ruinen der Wasserleitung bei Parium. -- Castro auf Samothrake.
-- Kloster Lawra auf dem Berge Athos. -- Lemnos. -- Hierapolis
(Pambuck-Kalessi). -- Assem Kalessi (Jassus). -- Nach Aufnahmen von
Otto Friedrich v. Richter zu dem Werke: Wallfahrten im Morgenlande.
Nach Richters Tagebüchern und Briefen dargestellt von J. P. G. Ewers.
Berlin 1822. 8^o.

Schloss Wenden. -- Dasselbe in grösserem Masstabe. -- Schloss Ronneburg
(in zwei Grössen). -- Schloss Kokenhusen. -- Dasselbe in anderer
Darstellung. -- Schloss Ringen. -- Der innere Hof der Burg Treiden.
-- Marienburg in Livl. -- Helmet. -- Neuhausen (Stiche zu dem von ihm
herausg. Werke: Denkmäler aus der Vorzeit Liv- und Estlands. Heft 1
Riga und Dorpat 1821. Heft 2 ibid. 1827. 4^o. Zum zweiten Heft schrieb
den Text J. G. D. Schweder).

Unveröffentlichte Stiche, z. T. für die Fortsetzung der „Denkmäler“
bestimmt: Neuhausen -- Ronneburg -- Das Aatal mit Burg Treyden --
Das Brigittenkloster bei Reval. -- Kloster Padis in Estland. -- Die
Domruine zu Dorpat.

Landschaften: Quistental bei Dorpat. -- Wohnhaus in Panten. --
Herberge in Panten (oder Lehlen). -- Die Eiche des Thutergesindes
beim Gute Lehlen. -- Bauernbadestube in Üllenorm bei Dorpat. --
Altlivländischer Burgberg. -- Parklandschaft. -- Haus hinter einer
Anhöhe. -- Dasselbe in grösserem Format. -- Haus mit zerstörtem Dach an
einem Teich (vielleicht Motiv aus Panten). -- Kreuz am Meeresstrande,
nach dem Müllerschen Roman „Kraft der Weihe“. -- Haus mit Ausbau. --
Wassermühle. -- Haus im Mondschein. -- Ein Weib zu Pferde, neben ihr
ein Mann mit einem Hunde; im Hintergrunde ein Schloss. -- Drei Linden
in Panten. -- Wassermühle. (Ein Teil der Platten, im Bes. des Hn.
Ritterschaftsbibliothekars C. v. Löwis in Riga).

    Allgem. Schriftsteller- und Gelehrtenlex. der Prov. Liv-, Est-
    und Kurland. -- K. L. Blum, Ein Bild aus den Ostseeprovinzen oder
    Andreas v. Löwis of Menar. Berlin 1846.

=Londicer=, ~Ernst Wilhelm~. Maler. Geb. um 1655 in Reval als Sohn
des aus Schottland stammenden Kommandanten von Reval Georg L.; gest.
vor dem 9. November 1697, wahrscheinlich an der Pest. Er sollte sich
wissenschaftlichem Studium widmen, wie er gelegentlich in einem
Schreiben an den Revaler Rat mitteilte, wandte sich aber der Kunst
zu, die er, allem Anschein nach, in Deutschland und Holland gelernt
hat. Zu Beginn der achtziger Jahre ist er wieder in Reval nachweisbar,
erhält hier viele Aufträge und wird zum Maler der estländischen
Ritterschaft ernannt. Sein Porträt von P. Schenck in Schwarzkunst
ausgeführt, trägt die Unterschrift: Ernest. Guilel. Londicer. Nob.
Ord. pr. Eston. Equestr. Pictor. Von ihm: Das Portr. des livl.
Generalsuperintendenten Mag. Joh. Fischer, gem. 1686. (Bes. Dommus.
Riga. Auch in Kupfer gest. 1693). -- Das Portr. des grossen Kurfürsten
(Bes. Schwarzhäuptergesellsch. Reval). -- Nach ihm gestochen ist das
Titelblatt der 1695 in Rudolstadt gedruckten livl. Chronik des Pastors
Christ. Kelch; gest. v. Jacob v. Sandrart. -- Desgl. das Portr. des
Revalschen Superintendenten Mag. Joach. Salemann. -- Die Domkirche zu
Reval besass von ihm ein Abendmahl und eine Kreuzigung, 1695/96 gem.
Sie wurden 1881 durch eine Kreuzigung von E. v. Gebhardt ersetzt.
-- Die Portrs. der schwedischen Gouverneure Bengt Horn und Andreas
Torstensohn werden, als von ihm gemalt, in einem seiner Schreiben an
den Revaler Rat genannt.

    W. Neumann, Ernst Wilhelm Londicer. Ein Revaler Maler des 17.
    Jahrh. Revaler Beobachter 1895 Nº 198 und 199. In beschränkter
    Zahl mit Portr. des Malers auch als Separatabdruck erschienen. --
    Derselbe: Kunstbeilage des Rigaer Tageblatts 1908 Nº 3 S. 10 ff.,
    mit Abbildungen.

=Loudon=, ~Elise Baronesse v.~ Malerin. Geb. 11. Januar 1852 in der
Nähe von Mitau, von 1867-1870 Schülerin des Malers Jul. Döring in
Mitau, trat nach einem Besuche Deutschlands, Italiens und Frankreichs
1883 als freie Zuhörerin in die Petersburger Akad. und ging 1887
nach Paris, wo sie Schülerin von J. Lefèvre und Boulanger wurde,
gleichzeitig auch unter Bogoljubow arbeitete. Im Herbst 1888 liess sie
sich in Petersburg nieder, zog aber bald nach Florenz, das sie seit
jener Zeit zu ihrem ständigen Wohnsitz erkoren hat und wo sie neben
künstlerischen auch kunstwissenschaftlichen Arbeiten obliegt. Sie hat
sich eingehend mit dem Studium und der Rekonstruktion der Fresken des
Andrea del Sarto beschäftigt u. mehrere tüchtige Porträts gemalt.

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 144-146.

=Lynen=, ~Johann von der~. Maler. Gest. um 1522, vielleicht identisch
mit dem Maler ~Johann~ (der lange her Johann) s. d. Er malte 1466/67
ein Marienbild für das Rathaus in Riga, wofür er 11 Mark Rig. erhielt.
1470/71 erhält er für die malerische Ausstattung einer „Scheibe“ für
die St. Petrikirche zu Riga 4 Mk. Rig. Nach den Rigaschen Erbebüchern
erwarb Joh. v. d. L. am 14. XII. 1509 ein Haus in der „schohstrate“
(jetzt Scheunenstr.). Er ist vor dem 15. September 1522 gest., denn an
diesem Tage verkauft der Bürgermeister Wilh. Tideken als Vormund seines
nachgelassenen Sohnes Lorenz das von ihm erworbene Haus.

    Kämmereibuch und Erbebuch der Stadt Riga II. 218.



M


=Maas=, ~Johann~. Architekt. Geb. 1825 in Petersburg; gest. 1892
in Jaroslaw, war Schüler der Petersburger Akad. und bekleidete v.
1857-1865 die Stelle eines Architekten der Schulen des Dorpater
Lehrbezirks. 1863 Akademiker. Seit 1877 Gouvernementsarchitekt
in Jaroslaw. Von ihm der Umbau der früheren Kreisschule in der
Palaisstrasse in Riga 1860-62. Die luth. Kirche zu Tschorna bei Dorpat;
Grundstein 5. V. 1877.

    Inland 1851 S. 934; 1860 S. 452; 1863 S. 845. -- Rigasche Ztg. 1877
    Nº 110. -- Dünaztg. 1892 Nº 167.

=Maddaus=, ~Johann Karl Ludwig~. Maler. Geb. 1820 in Hamburg; gest.
1878 in Riga, kam zu Beginn der vierziger Jahre nach Riga, wo er
sich mit Porträtmalen und Unterricht erteilen beschäftigte. Er wurde
Zeichenlehrer an der zweiten Rigaschen Kreisschule und bekleidete das
Amt bis zum 25. VII. 1877. Von seinen Porträts nennen wir: Das Portr.
des Schauspielers und Sängers am Rigaschen Theater Carl Günther in
der Rolle des fliegenden Holländers. 1843 auf d. Stein gez. -- Das
Portr. des Generalsuperintendenten v. Klot. Lith. fol. -- Portr. der
Gemahlin des Generals Karl v. Manderstjerna. Lith. fol. -- Portr. des
Oberpastors M. D. Taube in Riga 1851 mit Faksimile. Lith. fol.

    Inland 1843 S. 400; 1852 S. 245; 1856 S. 437, 615. -- Rigasche
    Stadtbl. 1842 S. 380. -- Neue Ztg. f. Stadt und Land 1877 Nº 188;
    1878 Nº 186.

=Mäklenburg= (~Mäkelburg~) .... Miniatur- und Porträtmaler, hielt
sich in den zwanziger Jahren des 19. Jahrh. in Riga und Mitau auf,
wo er als Porträtmaler und Zeichenlehrer tätig war. Von ihm: Portr.
der Frau v. Manteuffel, geb. v. Hahn-Postenden. (Miniatur 1820). --
Portr. der Schauspielerin am Rigaschen Theater Friederike Feddersen,
geb. Lange (Miniatur 1821). -- Portr. des Rittmeisters der Rigaschen
blauen und grünen Bürgergarde Theodor Heinr. v. Schröder, 1821 (gest.
v. B. Dörbeck). -- Portr. des Schauspielers Fr. Wilh. Barlow als
van Dyck 1824. -- Portr. des Joh. Hermann Zigra, lith. -- Portr.
des Domschullehrers J. D. Sandt. (Stich v. 1824). -- Portr. des
Schauspielers Heinr. Aug. Porsch. (Auch in Lith. erschienen). --
Porträt des Malers Franz Burchard Dörbeck. Gest. v. B. Dörbeck.

    Rigasche Stadtbl. 1821 S. 94; 1823 S. 319; 1824 S. 127. -- Inland
    1836 S. 121.

=Maibach=, ~Karl Ludwig~. Landschaftsmaler. Geb. 20. September 1833
in Altenhof, Kirchspiel Haljal in Estland; gest. 1886 in Petersburg
war 1853-59 Schüler der Petersburger Akad., ging dann ins Ausland
und bereiste längere Zeit Deutschland, die Schweiz und Italien. In
Genf förderte ihn A. Calame, später François Diday. Durch Vermittlung
der Grossfürstin Helene Pawlowna wurde ihm seit 1866 eine jährliche
Unterstützung zuteil. Er siedelte nach München über, arbeitete hier
unter K. Millner und kehrte 1874 nach Petersburg zurück. 1876 akad.
Künstler. Mehrere seiner Arbeiten in baltischem Privatbesitz.

=Marquard=, ~Michael~. Bildhauer. Lebte zu Anfang des 18. Jahrh. in
Windau, wo er Gehilfe des herzogl. Bildhauers Nicolaus Söffrentz d. Ä.
gewesen zu sein scheint, dessen Tochter Anna Catrin er am 14. 2. 1701
heiratet.

    W. Neumann, Der herzogl. kurl. Bildhauer Niclas Söffrentz. Rigasche
    Stadtbl. 1895 Nº 8 und Sitzgsber. d. Gesellsch. f. Gesch. u.
    Altertumskunde 1896 S. 149 ff.

=Martin=, ~Henry~. Dekorationsmaler, gebürtig aus Hannover. War,
nachdem er in Hannover, Koburg und München seine Studien gemacht hatte
und darauf in Hannover, Bayreuth und Berlin (Hofoper) tätig gewesen
war, von 1892-96 Dekorationsmaler am Rigaschen Stadttheater.

    Dünaztg. 1892 Nº 143; 1894 Nº 15 und 267.

=Maydell=, ~Friedrich Ludwig v.~ Maler und Kupferstecher. Geb. 29.
November 1795 auf dem Gute Stenhusen in Estl.; gest. 6. September
1846 in Reval, wurde von 1804-1810 in Neuwied a. Rh. erzogen und trat
1812 als Fähnrich in die russisch-deutsche Legion. Er machte die
Befreiungskriege mit und nahm 1820 seinen Abschied, um auf Wunsch
seines Vaters die Universität Dorpat zum Studium der Jurisprudenz
zu beziehen. Neben seinen Studien begann er unter C. A. Senff sich
auch mit der Kunst zu beschäftigen. Schon nach zwei Jahren gab er
das Rechtsstudium auf, um sich im Auslande zum Künstler auszubilden.
Nach einjährigem Aufenthalte in Stuttgart zog er nach Rom, wo er zu
Overbeck, Cornelius, Schnorr, dem Architekten W. Stier und besonders
zu Ludw. Richter in freundschaftliche Beziehungen trat. 1827 kehrte
er nach Livland zurück und liess sich 1829 in Dorpat nieder. Durch
die Umstände gezwungen sah er sich genötigt auf allen möglichen
Kunstgebieten seine Kräfte zu versuchen: er illustrierte, malte, schuf
Bildhauerwerke und trieb in Metall. Ein besonderes Verdienst erwarb
er sich durch die Begründung eines Ateliers für den Holzschnitt: --
Von ihm: David als Hirtenknabe die Laute spielend. Federzeichn. --
Wanderer Rom erblickend. Orig. Rad. qu. fol. (Aus dem Nachlasse Ludw.
Richters auf der Kunst-Aukt. v. Zahn und Jaensch, Dresden 17. V. 1886).
-- Die Kirche Christi. -- Gleichnis vom verlorenen Sohn. Kupferst.
-- Illustrationen zum Hohen Liede Salamonis. In Holz geschnitten von
A. Gern, kl. fol. Die Orig. wurden auf Empfehlung des Dichters W.
Joukoffsky von der Kaiserin Alexandra erworben. -- Illustrationen
zum Märchen Zar Berendei von Joukoffsky -- Entwürfe zu Fresken für
das Palais der Grossfürstin Alexandra Nikolajewna nach der Erzählung
Joukoffskys von den zwölf schlafenden Jungfrauen, 1840. -- Illustration
zur „Zigeunerin“ von Puschkin. -- Zehn Illustrationen und 30 Initialen
zur Erzählung „Nal und Damajanti“ von Joukoffsky, 1843 vollendet.
-- Illustrationen zur Jungfrau von Orleans, 15 Blatt in Sepia für
die Uebersetzung von Joukoffsky. -- 19 Zeichnungen und 1 Titelbild
zu Joukoffskys Uebersetzung der Undine von Fouqué. Umrisstiche in
8^o. Petersburg 1837. -- Fünf Holzschnitte zu den Nordischen Sagen
von C. Russwurm, 1842. -- Umrisstiche zur livländischen Geschichte;
auf 50 Blätter angelegt, wovon jedoch nur 22 erschienen. 13
Kupferdruckplatten erhalten im Bes. der Gelehrt. estn. Gesellsch. --
Zwei Illustrationen zu Krylows Fabeln. Lithogr. -- Die nächtliche
Heerschau. Radierung zur Uebersetzung des Gedichts des Freiherrn v.
Zedlitz durch W. Joukoffsky. -- Christuskopf mit der Umschrift: Ich
bin der Weg usw. 4^o, Holzschnitt (Bes. Gelehrte estn. Gesellsch.). --
Das Universitätsgebäude und die Marienkirche in Dorpat. Holzschnitte.
Kalenderbeilagen für 1840 und 1841 (Nº 16-18 geschn. v. A. Gern). --
Umrisszeichnungen zur Sage von Wannemuine; desgl. zu Koit und Ämmerik
(Bes. Gel. estn. Gesellsch.). -- Entwürfe zum Altar der Olaikirche in
Reval. In Marmor und Bronze ausgeführt von Demut und Malinowsky in
Petersburg. -- Entwurf zu Kelch und Patene für die Laurentiuskirche
in Arensburg; ausgeführt von Goldschmied Nowack in Dorpat 1836. --
Entwurf zum Grabmal des Pastors Hörschelmann auf dem Kirchhofe zu Moik,
ausgeführt von J. G. Exner. -- Christus am Kreuz. Altargem. für die
Kirche zu Rujen in Livl. 1837. -- Christus die Schlange zertretend.
Altargem. für die Kirche zu Pölwe bei Werro, 1842. -- Christus am
Oelberge. Altargem. für die Kirche zu Saara bei Pernau, 1842. -- Der
auferstandene Christus. Altargem. für die Kirche zu Neuhausen bei Werro
(Nach M’s Tode vollendet von W. Krüger). -- Sieben Porträtbüsten,
davon die des Prof. Ewers in Marmor (Bes. Universitätsbibliothek,
Dorpat). -- Büste des Kupferstechers C. A. Senff. Terracotta in
Familienbesitz. -- In Silber getriebener Bibeleinband (Bes. Domkirche
in Reval). -- Maydell gab heraus: „Anweisung für die ersten Anfänger
im Schraffieren“. Verl. v. C. A. Kluge, Dorpat 1837 mit 80 Vorlagen
lithogr. von F. Schlater. -- Zeichenlehre nach dem natürlichen Gange
der Auffassung entwickelt für Anfänger und Kinder. 24 Vorlageblätter,
lithogr. von F. Schlater, 1841. 8^o.

    W. Neumann in Rigasche Stadtbl. 1897 S. 32-35. -- Ders. Balt. Maler
    und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 39-41.

=Mehlbart=, ~Harry Edmund Reinhold~. Architekt. Geb. 1. Juli 1864 in
Riga, absolvierte das Polytechnikum in Riga und liess sich darauf als
freipraktizierender Architekt daselbst nieder. Seit 1900 Rigascher
Baurevident. Seit 1906 Präses des Rigaschen Architektenvereins. Von
ihm sind ausgeführt: das Haus Bärenfeldt, gr. Bischofsstr. 8; Haus
Lee, Romanowstr. 29; Wohn- und Geschäftshaus Kause, kl. Jakobsstr.
3; Villa Minuth in Oger bei Riga; Haus Baron Mirbach, Ecke Romanow-
und Suworowstr.; Villa Koch, Glockenstr. auf Hagensberg; Villa Minuth
in Bilderlingshof am Rigaschen Strande; die luth. Kirche zu Smela im
Gouvern. Kiew; das Baptistenbethaus an der Matthäistr. in Riga; das
eigne Wohnhaus, Säulenstr. 18. Ferner von ihm die innere Ausstattung
des Konventsquartiers der Korporation Rubonia und der Rigaschen
Börsenbank.

    Nach Autobiographie.

=Meinerts=, ~Christoph~. Baumeister, wird am 14. Februar 1735 als
Rigascher Stadtbau-, Kunst- und Strommeister vereidigt.

=Mester=, ~Alexander Christoph Samuel~. Landschaftsmaler. Geb. 1816
oder 1818 in Dorpat; gest. daselbst 1845, genoss den Unterricht des
Landschaftsmalers Aug. M. Hagen und bildete sich angeblich im Auslande
weiter. Er wurde von seinen Zeitgenossen als geschickter Aquarellist
gerühmt.

    Inland 1839 S. 75; 1840 S. 427. -- Aus Dorpats vergangenen Tagen.
    Biograph. Skizzen v. K. Krüger in der Petersburger Ztg. 1898 Nº
    211-214. -- W. Neumann: Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 74.

=Mewes=, ~Karl Friedrich~. Zeichner. Geb. 1797 in Reval, gest. daselbst
1872, besuchte die Petersburger Akademie als freier Zuhörer und wurde
Schüler des Hofmalers O. Ignatius bis 1824. Er gründete 1825 in Reval
einen Kunsthandel und übernahm 1845 das Amt eines Zeichenlehrers
an der Kreisschule, seit 1855-1866 in gleicher Eigenschaft am
Gouvernementsgymnasium. Er gab heraus Vorlegeblätter zum Zeichnen für
den ersten Unterricht, 1849.

    Inland 1847 S. 354; 1855 S. 368; 1860 S. 800. -- Revaler
    wöchentliche Nachrichten 1825 S. 842; 1826 S. 217, 250, 380, 407
    u. 483. -- Ztg. für Stadt und Land 1872 Nº 192 u. 204. -- G. v.
    Hansen, Geschichtsblätter usw. Reval 1881.

=Meyer=, ~Cordt~. Maler des 17. Jahrh. in Riga, gest. nach 1702. Ihm
wurde im Jahre 1679 die Ausmalung der St. Petrikirche übertragen,
wo er u. a. die „Passions-Historien“ malen sollte. Am 17. Juli 1689
vereinbarte die Administration der Domkirche mit ihm eine grössere
Arbeit, die darin bestand, die 20 Gewölbe der Kirche, den Chor,
den Singechor usw. „nach dem vorgezeigten Abriss“ zu malen. Diese
Gewölbmalereien wurden 1815 übertüncht, bei den Restaurierungsarbeiten
im Jahre 1895 zum Teil wieder aufgedeckt und die Reste zeichnerisch
aufgenommen (Im Archiv des Dombaubureaus). Der von ihm in der Domkirche
erworbene Grabstein mit einer älteren gotischen Inschrift und einer
zweiten: Cordt Meier | und seinen erben | erptlich | anno 1698, liegt
seit 1893 im Westflügel des Domkreuzganges. M. war Ältermann des
Rigaschen Maleramts.

    N. Busch im Rechenschaftsber. d. Dombauabteilung 1894/95 S. 29 ff.
    u. S. 66 ff. -- Kirchengerichts-Protokolle d. St. Petrikirche vom
    14. Mai 1723. W. Neumann: Das mittelalterliche Riga. Berlin 1892 S.
    35.

=Meyer=, ~Kunz~. Maler. Geb. 3. Juli 1859 in Mitau als Sohn des
Redakteurs der St. Petersburger Zeitung erhielt seine künstlerische
Ausbildung in München unter Strähuber, Raab und W. Lindenschmit, hielt
sich 1885 und 1886 in Italien auf und unterstützte nach seiner Rückkehr
Lindenschmit bei der Ausmalung des Rathauses in Kaufbeuren. 1891/92
war er Mitarbeiter A. Fitgers in Bremen und Oldenburg. Er lebte bis
September 1908 in München; zurzeit in Amerika tätig. Von ihm ausser
einer Anzahl tüchtiger Genrebilder mehrere religiöse Malereien wie:
Judas Ischarioth (Abb. in „Kunst unserer Zeit“ und in W. Neumann: Balt.
Maler und Bildhauer des 19. Jahrh.; Illustr. Ztg. 1895). -- Madonna
mit Christus an der Schlosskirche zu Oberbronn. -- Altargemälde für
die Kirchen zu Dietfurth und Walddorf. M. lieferte Illustrationen zu
Paul Heyse’s: Villa Falconieri; Rich. Voss: La Madonna del divino
amore; Emil Erll’s: Liebesmärchen; M. Haushofer’s: Geschichten zwischen
Diesseits und Jenseits; Rud. Baumbach’s: Zlatarog; M. G. Zimmermann’s:
Tante Eulalias Romfahrt; Busse’s: Traum; G. Hoffmann’s: Bozener Märchen
und Ostseemärchen.

    Das geistige Deutschland I S. 462/63. -- W. Neumann, Balt. Maler
    und Bildh. des 19. Jahrh. S. 136-137.

=Michelson=, ~Michael Alexander~. Landschaftsmaler. Geb. 2. Juni
1815 in Riga; gest. daselbst 16. November 1899, erhielt den ersten
Unterricht von J. K. Baehr, der nach seinem ersten Besuche Italiens
1829 nach Riga zurückgekehrt war, besuchte bis Oktober 1837 die
Dresdner Akademie und liess sich darauf in Riga nieder. 1847
ernannte ihn die Petersburger Akademie zum akademischen Künstler. In
demselben Jahre übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers am Rigaschen
Gouvernementsgymnasium, das er bis zum Jahre 1891 bekleidete. Die
Mehrzahl seiner Arbeiten befindet sich in Privatbesitz. Ein Aquarell
von ihm, das Aatal, erschien in Farbendruck im Verlage von N. Kymmel,
Riga.

    Rigasche Ztg. 1885 Nº 13; 1887 Nº 96. -- Dünaztg. 1891 Nº 189. --
    Inland 1854 S. 27; 1861 S. 785. -- Rigasche Stadtbl. 1845 S. 312;
    1855 S. 19; 1859 S. 143. -- Zur Gesch. d. Gouvernementsgymnasiums
    in Riga S. 13.

=Michelson=, ~Nathanael~. Holzschneider. Geb. 27. Oktober 1848 in Riga;
gest. 1873 in Dresden durch Selbstmord, erlernte die Holzschneidekunst
in Mitau und trat 1872 in die Dresdner Akad., wo er 1873 Schüler des
Prof. Hugo Bürkner wurde.

=Michelssen=, M.... Holzschneider, arbeitete im Atelier des Malers
Ludwig v. Maydell. Er stellte 1842 zwei seiner Arbeiten in Riga aus.

=Minckeldé=, ~Karl Jakob Reinhold~. Maler und Zeichner. Geb. 1. Juli
1790 in Goldingen; gest. 18. April 1858 in Hasenpoth in Kurland, trat
1812 in die Universität Dorpat, wo er bis 1815 als stud. phil. Schüler
des Kupferstechers C. A. Senff war. 1817-22 war er Zeichenlehrer an
der St. Annenschule und an der Trinitatis-Töchterschule zu Mitau; von
1825-1848 Zeichenlehrer an der höheren Töchterschule daselbst. Von ihm:
Kurländische Ansichten, lithogr. von Fr. Krause: Altschwangen, Amboten,
Doblen (in zwei Ansichten), Ekau, Klein-Gramsden, Goldingen, Mitau,
Remten, Schwethof, Tuckum, Windau, Zabeln, Zennhof, Hoff zum Berge,
Mesothen, Elley, Talsen und Libau (Die ersten vier Blätter erschienen
1823 in Mitau).

    Inland 1837 S. 170.

=Miram=, ~Lucie~ (s. Sänger, Lucie v.).

=Moeller=, ~Otto Friedrich Theodor v~. Historienmaler. Geb. 30. Mai
1812 in Kronstadt als Sohn des Marineministers Admiral O. v. M.; gest.
in Petersburg 21. Juli 1874, wurde 1817 dem Marinekorps zugeteilt,
trat 1829 als Fähnrich in das Semenowsche Garderegiment, avancierte
zum Adjutanten des Kommandierenden des Gardekorps und benutzte seine
freie Zeit zu Studien in der Kunstakad. 1830 machte er den polnischen
Feldzug mit und malte nach seiner Rückkehr sein erstes grösseres Bild
„die Schlacht bei Ostrolenko“, das vom Kaiser Nikolaus erworben wurde.
1835 nahm er seinen Abschied, trat in die Akad. und wurde Schüler des
damals gefeierten Brülow. 1839 zog er nach Rom, wo er 1840 das seinen
Ruf begründende Bild „der Kuss“ malte, wofür ihn die Akad., die ihm
bereits 13. I. 1840 die gr. gold. Med. zuerkannt hatte, zum Akademiker
ernannte und ausserdem noch durch ein besonderes Belobigungsschreiben
auszeichnete. Bei einem zweiten Besuche Italiens, 1847, trat er in
Rom zu Overbeck in nähere Beziehungen und unterwarf sich fast völlig
dessen Einfluss. Für sein Bild „Johannes predigt auf Patmos den
Bacchusdienern“ erhielt er 1857 den Professorrang, eine Geldbelohnung
von 10,000 Rbl. und den Wladimirorden. 1856 erwarb er das Gut Sall
auf der Insel Ösel, wo sich eine umfangreiche Sammlung seiner Bilder,
Studien und Skizzen befindet. Von seinen Gemälden nennen wir: Alceste
führt Herkules aus dem Schattenreich, 1835. -- Familienporträt, 1837.
-- Portr. der Frau Murawjew und ihrer Kinder. -- Der Kuss, 1840 in
Rom gem. (Erworb. v. Kaiser Nikolaus I., gestoch. von Simon Sacharow,
1843). -- Die Nixe, nach der Ballade v. Puschkin „der Eremit“, 1841.
Vom Künstler dem akad. Mus. in Petersburg geschenkt. -- Die Braut
mit dem Ring. -- Tatjana einen Brief an Onegin sendend, nach der
Dichtung von Puschkin (Erworb. von der Kaiserin Alexandra). -- Das für
die kranke Mutter betende Kind (Erworb. von derselben). -- Die drei
Mädchen. -- Johannes predigt auf Patmos den Bacchusdienern, 1855 in Rom
vollend. (Im Museum Alexanders III in Petersburg). -- Die Aussetzung
Mosis 1862. -- Die Vision des Alexander Newsky vor der Schlacht an der
Newa. -- Die Gesandtschaft des Papstes Innocenz an Alexander Newsky
(Für die Erlöserkirche in Moskau). -- Alexander Newsky in der Schlacht
an der Newa gegen die Schweden, 1864/65 gem. für den Alexandersaal
im Kreml zu Moskau. -- Judith, gem. 1870. -- Die Kreuzigung Christi.
Altargem. für die Kirche zu Wendau in Livl., 1871 gem. -- Die
Kreuztragung, nach dem Karton v. Brülow gem. für die Isaakskirche in
Petersburg. (Im Museum Alexanders III. in Petersburg).

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. des 19. Jahrh. S. 59-61.
    -- „Wanderungen durch Oesels Vergangenheit u. Gegenwart“ im
    Arensburger Wochenblatt 1876 Nº 76.

=Moeller=, ~Reinhold v.~ Maler. Geb. 30. März 1847 zu Sommerpahlen
in Livl., studierte anfänglich an der Universität Dorpat, dann von
1867-70 in München Zoologie, wandte sich dann aber der Kunst zu. Er
besuchte bis 1875 die Münchener Akad., wo er Schüler von Straehuber
und Wagner war. Bis 1880 arbeitete er unter Prof. Baisch, unternahm
dann grosse Reisen, die ihn nach Algier, Griechenland, Palästina,
England und Holland führten und liess sich 1892 in Dorpat nieder. Von
ihm: Landschaft mit Weiden bei Abendbeleuchtung. -- Landschaft bei
heranziehendem Gewitter. -- Küste bei Dover. -- Strand bei Katwyk,
Holland. -- Am Kanal, Motiv aus Holland. (Bes. Stadtgal. Riga). --
Heringsschiffe in der Brandung. (Abb. im Universum XIII. und Daheim
1888). -- Sturm am Strande von Mereküll in Estl. -- Frühlingsmorgen am
Chiemsee. -- Sturm, Motiv bei Jaffa. -- Die grosse Sphinx von Gizeh bei
Kairo.

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 159-161.

=Mös=, Miniaturmaler, lebte von 1770-1776 in Riga.

    Rigasche Anzeigen 1777 v. 2. Januar S. 6.

=Mohrenschildt=, ~Hugo Oskar v.~ Maler. Geb. 8. Juli 1818 im Kirchspiel
St. Matthäi, als Sohn des Kreisgerichtsassessors Gideon Reinhold von
M.; gest. 24. Dezember 1899 in Rom, besuchte die Petersburger Akademie
als freier Zuhörer und wurde 10. XI. 1860 für eine Landschaft „aus den
Sabinerbergen“ zum freien Künstler ernannt. Er liess sich in Rom nieder.

    Inland 1857 S. 19 und 315.

=Mohrenschildt=, ~Robert Wilhelm~. Maler. Geb. 1792, Sohn des Joh.
Heinr. v. M. auf Jöggis und Hattoküll; gest. 9. Dezember 1849, bildete
sich ebenfalls zum Maler aus.

=Mohrenschildt=, ~Woldemar Andreas Konstantin~. Maler. Geb. 3.
Juni (Juli ?) 1823 als Sohn des Berend Aug. v. M., studierte
Ingenieurwissenschaften an der Hauptingenieurschule in Petersburg,
wurde 1846 Ingenieur-Leutnant, besuchte darauf die Petersburger
Kunstakad. als freier Zuhörer und wurde am 25. IX. 1850 für sein Bild
„Antiochus von Syrien auf dem Krankenbette“ mit der gr. silb. Med.
ausgezeichnet. 1854 wurde ihm für eine Verkündigung der Hirten die
gold. Med. zuteil. Er ging dann nach Rom, trat hier zum Katholizismus
über und lebte später in der Nähe von Lindau am Bodensee. Ausser den
genannten Bildern sind von ihm bekannt geworden: Der Tod des heil.
Sebastian, 1851. -- Noah segnet Sem und Japhet, Skizze 1852. -- Portr.
eines Herrn von Löwenstern 1853. -- Kosma Minin und die Nishegorodsker
Bürger bitten den kranken Fürsten Posharski die Führung des Heeres zur
Vertreibung des Feindes zu übernehmen, Skizze 1854. -- Pilgerinnen
(Bes. M. Baron Stackelberg, Dorpat).

=Moritz=, ~Friedrich~. Maler. Geb. 25. Juni 1866 in Jewe in Estl.,
studierte 1885/86 Physik an der Dorpater Universität, besuchte seit
1887 die Akad. in Petersburg, ging 1890 nach Düsseldorf, wo er unter
Prof. Arthur Kampf arbeitete und dann nach München, wo Prof. K. Marr
sein Lehrer wurde. Nach einer Studienreise durch Italien und Frankreich
liess er sich in Petersburg nieder, siedelte aber 1896 nach Riga über,
wo er 1897 das Amt eines Lehrers für Freihandzeichnen am Polytechnikum
übernahm. Seit 1905 in Berlin ansässig. M. ist hauptsächlich als
Porträtmaler tätig.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. d. 19. Jahrh. S. 140-141.

=Mühe=, ~Heinr. August Theodor~. Maler u. Lithograph. Geb. 1794 in
Braunschweig; gest. im Februar 1845 in Riga, kam um 1820 nach Riga,
begründete hier eine lithographische Anstalt und übernahm 1830 das Amt
eines Zeichenlehrers an der Lutherschule. Von ihm sind mehrere lithogr.
Arbeiten bekannt.

    Rigasche Stadtblätter 1825, 21. Juli; 1830 S. 299; 1841 S. 304;
    1844 S. 23, 84; 1845 S. 47.

=Müller=, (~gen. Müller von Riga~) ~Johann Jakob~. Landschaftsmaler.
Geb. 7. März 1765 in Riga; gest. 21. September 1831 in Stuttgart,
studierte in Jena, Göttingen und Erlangen Theologie, gab aber 1790,
obgleich er bereits zum Pastor ordiniert worden war, den Beruf auf und
wandte sich der Malerei unter der Leitung Chr. Klengels zu. Mit diesem
ging er nach Rom und blieb dort bis 1797, wo er sich namentlich nach
Claude Lorrain bildete. Er kehrte nach Deutschland zurück und liess
sich in Stuttgart nieder, wurde hier Lehrer an der Kunstschule und
am Gymnasium, ging mit einer Unterstützung des Kaisers Alexanders I.
nochmals nach Italien und wurde Hofmaler des Königs von Würtemberg.
Sein künstlerischer Nachlass kam in die Hände des Bildhauers Wilh.
Braun. Von ihm: Die Grotte des Neptun bei Tivoli; in Rom gem. --
Sorrent (Bes. Königl. Gemäldegal. Stuttgart). -- Die Ruinen Pompejis
mit Aussicht auf den Vesuv und die Insel Ischia. (Kam in den Bes. d.
Königs Ludwig I. v. Baiern). -- Abendlandschaft. Gegend v. Salerno.
(Bes. Königl. Gemäldegal. Stuttgart). -- Das Lauterbrunner Tal. --
Via mala. -- Der Reichenbachfall in der Schweiz (Nach dem Tode des
Künstlers von Dörr in Heilbronn vollendet). -- Bildnisse des Vaters
und der Mutter des Künstlers, sowie ein Selbstportr. im Bes. seiner
Grossnichte Frau Pauline Zinserling, geb. Müller, Riga. Einige seiner
Bilder kamen in Kaiserl. Bes. nach Petersburg, andere befinden sich in
dem Königl. Bairischen Schlosse zu Tegernsee.

    W. Neumann, Baltische Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 15-17.

=Müller=, ~Johann Julius~. Rigascher Porträtmaler in der ersten Hälfte
des 18. Jahrh. Für das Rathaus zu Riga malte er das Bild des Königs
Karls XII. von Schweden. 1726 wird ihm der Auftrag zuteil die Porträts
des Kaisers Peter I. und das der Kaiserin Katharina I. zu malen.
Wegen einiger Kostümschwierigkeiten beim Bilde der Kaiserin soll beim
Gouverneur Repnin angefragt werden. Ein Frauenporträt (Frau des 1748
verstorbenen Goldschmiedes Christopher Dey in Riga) im Besitz des
städt. Museums in Riga könnte ihm zugeschrieben werden.

    A. Buchholtz. Mitteilungen aus d. livl. Gesch. XV. S. 196.

=Müller=, ~Jakob Benjamin~. Theatermaler. Geb. 1719 in Dresden, war
Schüler von J. B. Grone und bildete sich auf verschiedenen Reisen
weiter. Er wurde nach Petersburg berufen und hier von Baron Vietinghof,
dem Begründer des Rigaschen Theaters für Riga gewonnen, wo er nach
kurzer Zeit starb. Von ihm einige Federzeichnungen in dem Album des J.
J. Voss im städt. Museum zu Riga und in dem v. Offenbergschen Album im
Mitauer Museum.

=Müller=, ~Johann Jakob~. Porträt- und Miniaturmaler, lebte zu Ende
des 18. Jahrh. in Riga (auf Klüversholm); er malte Porträts in Oel und
Aquarell, gab Unterricht im Zeichnen und malte auch Miniaturen für
Dosen, Bracelets usw.

    Rigasche Anzeigen 1794 S. 213.

=Müller=, ~Karl Theodor~. Architekt. Geb. 30. Dezember 1817 in Reval;
gest. 14. November 1891 in Petersburg, wurde Schüler der Petersburger
Akademie, erwarb sich die üblichen Schülermedaillen und wurde 1863
Akademiker.

=Munck=, ~Bartholomäus~, Porträtmaler, wurde 1772 Meister des Rigaschen
Maleramts und lebte noch zu Anfang des 19. Jahrh. in Riga. Von ihm: Das
Portr. des Dr. Gottl. Schlegel, Rektors der Domschule zu Riga, gem.
1763. -- Das Portr. des Dr. med. Ambrosius Bergmann, gem. 1767 (beide
im Dom-Museum zu Riga). -- Das Portr. des Grafen George Brown, gem.
1788; gestoch. v. Joh. Em. Mansfeld in Wien. -- Das Portr. des Heinr.
Berend v. Rautenfeld, gem. 1772. -- Portr. der Katharina Hedw. v.
Kryger, gem. 1775. -- Portr. des Franz Wilh. Christ. v. der Recke auf
Neuenburg und dessen Gemahlin (um 1805).

=Murrer=, ~Franziskus~. Arzt und Ingenieur. Geb. 12. April 1609 zu
Neumarkt in der Oberpfalz; gest. 1681 in Riga, studierte Medizin und
schloss sich 1633 der Gesandtschaft an, die Herzog Friedrich III. von
Holstein-Gottorp unter der Führung des Gelehrten Adam Olearius nach
Persien schickte. 1640 kam er nach Riga, wo er anfänglich als Arzt
lebte, später auf Zureden seines Schwiegervaters, des schwedischen
General-Quartiermeisters v. Rodenberg, sich der Baukunst widmete.
Eine Professur an der Dorpater Universität lehnte er ab, ebenso eine
Berufung in den Staatsdienst nach Ingermannland, dagegen beschäftigte
er sich mit dem Fortifikationswesen und übernahm 1649 auf Anerbieten
des Rigaschen Rats das Amt eines Stadtingenieurs. Von ihm stammt der
grossartige Entwurf zur Befestigung Rigas vom Jahre 1650. Das Original
im Bes. des städtischen Feldmessamts.

    Rigasche Ztg. 1879 Nº 32: Ein rigascher Stadtingenieur des
    17. Jahrh. von Alex. Buchholtz. Darnach in W. Neumann, Das
    mittelalterliche Riga S. 9, Anm. 14.



N


=Napiersky=, ~Gottfried Jakob Ferdinand~. Maler. Geb. 17. September
1790 in Riga; gest. daselbst 7. August 1828, besuchte die Akademien in
Berlin und Dresden, machte die Befreiungskriege in der Hanseatischen
Legion mit und kehrte 1814 nach Riga zurück. Von ihm: Bauernszenen
(Aquar.). -- Synagoge (Aquar.) Städt. Museum Riga. -- Portr. des
Kunsttischlers und Holzbildhauers Aug. Gotth. Heubel und dessen Gattin.
Miniaturen (Bes. Frau Julie Heubel, Dorpat).

    Rigasche Stadtbl. 1815 S. 353 ff.

=Neff=, ~Karl Timoleon v.~ Porträt- und Historienmaler. Geb. 2.
Oktober 1805 auf dem Gute Mödders in Estl.; gest. 24. Dezember 1876
in Petersburg, kam im September 1824 bereits mit tüchtiger Vorbildung
auf die Dresdner Akad., ging aber nach kurzem Aufenthalt nach Rom
und war 1827 wieder in Petersburg, wo er sich, obwohl widerwillig,
mit Porträtieren beschäftigen musste. Seine Bildnisse begründeten
seinen Ruf. Für mehrere Porträts von Mitgliedern der Kaiserl. Familie
wurde er 1831 zum Hofmaler ernannt mit einem jährlichen Gehalt von
3000 Rbl. 1835 ging er zum zweitenmal nach Rom und blieb dort bis
Mitte 1837. Nach Petersburg zurückgekehrt wurde er mit Aufträgen
fast überschüttet. 1839 ernannte ihn die Akad. für ein Bild in der
kleinen Kirche des Winterpalastes zum Akademiker. Von einer dritten
Romfahrt wurde er 1843 zurückberufen, um die malerische Ausstattung
der Isaakskirche zu übernehmen. Die Ausführung der Arbeiten begann
nach zweijährigen Vorstudien. 1849 wurde er zum Professor ernannt und
1855 als Lehrer an die Akad. berufen; 1864 wurde ihm das Amt eines
Konservators der Eremitage übertragen. Bis zu seiner Berufung als
Lehrer lebte er grösstenteils auf seinem Gute Piera bei Wesenberg.
1861 kaufte er auch das Gut Mönkenhof in Estl., wo er sich ein
schlossartiges Gebäude errichtete, das er, wie das Wohnhaus zu Piera,
mit Kunstschätzen aller Art, grösstenteils mit eigenhändigen Kopien
nach italienischen Renaissancemeistern und mit Skulpturen schmückte.
Von seinen Hauptwerken nennen wir: Das Bildnis der Kaiserin Alexandra
Feodorowna, geb. Prinzessin Charlotte v. Preussen. (Im Schloss Berlin).
-- Der Engel der Auferstehung. Gest. in Aquatinta v. J. C. Manigaud.
Oval. Roy. fol. (Bes. M. v. Grünwaldt). -- Pendant zum Engel des
Gebets mit Rauchfass und Kerze. Gest. von dems. (Im Kaiserl. Bes.).
-- Der Engel des Todes (Im Kaiserl. Bes.). -- Christus, Maria und die
vier Evangelisten für die Kirche des Semenowschen Leibgarderegiments,
1842. -- Bilder russischer Heiliger auf Goldgrund an der Ikonostasis
der russ. Kapelle zu Wiesbaden, 1855. -- Neapolitanische Wäscherinnen
in einer Grotte. -- Junges Mädchen in einer Grotte (Im Mus. Kaisers
Alexander III. Petersburg). -- Italienerin auf einem Balkon. (Im Mus.
zu Moskau). -- Die Heiligenbilder am unteren Teile der Ikonostasis in
der Isaakskirche zu Petersburg, neuerdings nach diesen Gemälden im
Mosaik ausgeführt. -- Die Erhöhung des Kreuzes; Christus im Grabe.
(Einzelbilder in der Isaakskirche in Petersburg; später in Mosaik
ausgeführt). -- Christus die Kinder segnend; St. Maria. (In der Kirche
der Akad. zu Petersburg). -- Die 33 Gemälde der Ikonostasis der griech.
Kapelle zu Nizza. -- Die Gemälde der Ikonostasis der griech. Kapelle
der Herzogin v. Edinburgh in London. -- Die 31 Gemälde der Ikonostasis
der Erlöserkirche zu Moskau.

    M. v. Grünwaldt (Tochter der Künstlers), Skizzen u. Bilder aus
    dem Leben Carl Timoleons v. Neff. Als Manusk. gedr. Darmstadt
    1887. -- Th. Bulgarin, der Maler Neff u. seine Arbeiten in der
    Isaakskathedrale in Petersburg. -- W. Neumann, Baltische Maler und
    Bildhauer des 19. Jahrh. S. 56-59.

=Neubuhr= (~Niebur~), ~Paul~. Maler, begraben d. 26. September 1662,
stand in Diensten des Herzogs Jakob v. Kurland und wird im Kirchenbuche
der Trinitatiskirche zu Mitau als „Mahler Ihrer Fürstl. Durchlaucht“
bezeichnet.

    (J. Döring.)

=Neuburger=, ~Karl David~. Baumeister. Geb. 1844 zu Siegen in
Westfalen; gest. 12. Mai 1897 in Riga, absolvierte die Bauschule seiner
Heimatstadt, arbeitete dann in Berlin unter dem Architekten Dietze und
kam 1864 nach Riga als Gehilfe in das Bureau des Stadtarchitekten J. D.
Felsko, nach dessen Rücktritt vom Amte er sich mit der Ausführung von
Privatbauten beschäftigte. Nach seinen Plänen sind in Riga erbaut: das
Geschäftshaus von O. Jaksch an der Schaalstr. (1901/2 neu erbaut von
K. Felsko); das Wohnhaus O. Jaksch am Todlebenboulevard; das Kaufhaus
Schmidt am Rathausplatz; das Wohnhaus Stritzky an der Nikolaistr.; das
städtische Waisenhaus (preisgekrönter Entwurf in Gemeinschaft mit K.
Felsko); die Kirchhofskapelle auf den vereinigten Friedhöfen in Riga;
das Pfarrgebäude der Domkirche.

=Neuhausen=, ~Johann Dietrich~. Bildhauer in Dorpat zu Ende des 17.
Jahrhunderts.

    F. K. Gadebusch, Livl. Jahrbücher III, 3, S. 684.

=Neumann=, ~Anna Benigna~, geb. ~Vahrenhorst~, Gemahlin des
Bürgermeisters N. in Libau, stammte aus einer angesehenen libauschen
Familie und starb im Juni 1807 in Dresden. Sie hatte ihre Ausbildung in
Dresden empfangen und kopierte viel in der dortigen Galerie. Einzelne
ihrer Arbeiten kamen in den Bes. des Mitauer Mus. (Magdalene nach
Battoni, Ecce homo nach G. Reni, Christuskopf nach A. Carracci). Auch
zwei ihrer Landschaften werden in zeitgenössischen Nachrichten erwähnt:
Meeresufer bei Mondbeleuchtung und Tells Kapelle bei Morgenbeleuchtung.

    Gedicht von Schlippenbach in den mitauschen wöchentlichen
    Unterhaltungen 1807 Bd. 6. S. 128. -- Allgem. deutsche Ztg. für
    Russland 1819 Nº 145. (J. Döring.)

=Neumann=, ~Heinrich Benjamin~. Maler und Bildhauer. Geb. um 1734,
lebte als „kunsterfahrener Kunstmaler und Bildhauer“ in Goldingen; wird
1798/99 in den Revisionslisten für Kurland unter den verzeichneten
Exemten aufgeführt und als 64 Jahr alt bezeichnet.

    Kirchenbuch der Trinitatiskirche in Mitau. -- Goldingensches
    Stammbuch (Tagesanzeiger für Libau 1889, Nº 289 J. Döring). --
    Revisionslisten für Kurland (Kopie in der Bibliothek der Gesellsch.
    für Gesch. und Altertumskunde N. Busch).

=Neumann=, ~Johann Samuel~. Porträtmaler in Riga. Geb. 1800; gest. 20.
Mai 1831 an der Cholera.

    Rigasche Stadtbl. 1831 S. 179.

=Niländer=, ~Konstantin~. Maler. Geb. 27. Februar 1848 in Waetz bei
Wesenberg, Schüler der Münchener Akademie; besuchte Frankreich und
Italien und ist z. Z. als Zeichenlehrer in Riga tätig.



O


=Oechs=, ~Joseph Dominikus~. Porträt- und Miniaturmaler. Geb. 11. März
1775 zu Erbach bei Ehnigen in Würtemberg; gest. 13. Februar 1836 in
Mitau, wurde 1788 Schüler seines älteren Bruders Anton in Regensburg
und seit 1795 Schüler des Porzellanmalers Karl Frost in Nürnberg; er
beschäftigte sich ausserdem mit Porträtieren en miniature und konnte
mit dem Erlös aus diesen Arbeiten 1798 eine Reise zu seiner weiteren
Ausbildung bestreiten. Nach einem Aufenthalte in Bamberg, Arnstadt
und in Erfurt, wo der Maler Bollermann sich seiner annahm, kam er
1803 nach Dresden und arbeitete unter Klengel. 1804 folgte er der
Aufforderung des Barons v. Kleist nach Kurland zu kommen und liess
sich in Mitau nieder. Um sich in der Blumenmalerei zu vervollkommnen,
wurde er 1808 Schüler von K. A. Senff in Dorpat und ging dann nach
Petersburg, kam aber schon Ende 1809 nach Mitau zurück, wo er sich
neben Porträtmalen mit Unterrichterteilen beschäftigte. 1824 nahm er
das Amt eines Zeichenlehrers am Gymnasium in Mitau an. Von ihm: Karl I.
von England nach dem Lely’schen Bilde in der Dresdner Gal., gem. 1803
(Bes. Mus. Mitau). -- Kopf eines Alten nach Nogari, in der Dresdner
Gal., 1803 (Bes. Mus. Mitau). -- Portr. der Prinzessin Dorothea von
Kurland (Miniat.). -- Portr. des Grafen Otto v. Stackelberg (Miniat.).
-- Portr. des Staatsrats Piattoli (Min.). -- Monument mit dem
Medaillonportr. des 1800 gestorbenen Georg Chr. v. Kleist; gest. von
Wachsmann, Berlin 4^o. -- Portr. des Grafen Medem und dessen Gemahlin.
-- „Eulenböck“ nach J. L. Tiecks Novelle „die Gemälde“ (1847 v. dem
Kammerherrn v. Simolin auf Gross-Dselden erworben). -- Lachende Kinder.
Min. 1810 (Bes. Mus. Mitau). -- Portr. des Staatsrats J. Fr. v. Recke,
1822. Kniest. (Bes. Mus. Mitau). -- Portr. des Predigers Prof. K. W.
Kruse in Mitau, 1823. Kniest. (Bes. Mus. Mitau), lith. v. F. Schabert,
Mitau. -- Die Heilung des Blindgeborenen, Altargem. für die Kirche zu
Kreuzburg, 1829. Die Farbenskizze, 1828 datiert, befand sich 1853 im
Bes. des Hn. Alex. Malzewsky in Mitau. -- Sechszehn kleine Bildnisse
der kurländischen Herzöge und deren Gemahlinnen. Kopien nach älteren
Bildern u. Stichen; inbezug auf Aehnlichkeit nicht zuverlässig (Bes.
Mus. Mitau). -- Der trinkende Schäfer nach Michiel Sweerts; Orig. in
der Gal. Brederlo, Riga. -- Männliches Bildnis. -- Bettlerfamilie.
-- Bildnis der Königin Maria di Medici, nach dem Dresdner Bilde. --
Lachendes Mädchen nach Ch. Hutin, nach dem Orig. der Dresdner Gal. --
Bildnis des Malers Raphael Mengs nach dessen Selbstportr. (Pastell) in
der Dresdner Gal. -- Die beiden Söhne Rubens nach dem Dresdner Bilde
(Miniaturen). -- König Salomo (Bes. Baron Lüdinghausen-Wolff,
Jungfernhof). -- Männliches u. weibliches Bildnis (Bes. Baron E. v. der
Brüggen). -- Porträt des Malers Anton Graff, nach dem Dresdner Orig.
(Miniat. in Rigaschem Privatbes.). -- Portr. des Prof. Groschke und
dessen Gemahlin (Bes. Baronin Haaren, Duhren). -- Vier Familienportr.
Pastelle (Bes. Baronin Bistram, Meschneeken). -- Portr. des J. M.
Peters-Steffenhagen (Bes. Heinr. Schaack-Steffenhagen). -- Zwei Portr.
der Gattin des Künstlers. Selbstportr. (Bes. Frl. Doris Oechs, Mitau).
-- Zwei Kopien nach v. Dyck (Bes. Fr. Schiemann, Mitau). -- Portr. des
Aeltermannes gr. Gilde Georg Konrad Wiggert, 1818; lith. von T. H.
Rickmann 1832. -- Miniaturbild der Katharina Julie Pflugradt, als Braut
des Aeltesten gr. Gilde Dav. Pohrt, gem. 1796. -- Portr. des Direktors
am hist. Mus. in Dresden Joh. Konst. Kraukling. -- Interessante
Skizzenbücher von Oechs befanden sich um 1895 im Bes. der Familie des
Stadtsekretärs Friedenthal in Mitau.

    Archiv für christl. Kunst. Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins
    etc. 1893 S. 86. -- Inland 1844 S. 475.

=Oettinger=, ~Johann Friedrich v.~ Ingenieur und Architekt, stand als
Ingenieur-Oberstleutnant in russischen Diensten und wurde 1749 vom Rat
der Stadt Riga mit dem Bau des neuen Rathauses betraut (beg. 26. Mai
1750, voll. 11. Oktober 1765). Von ihm auch der Bau des Wohnhauses des
Joh. Heinr. Hollander (jetzt Kamarin) an der Ecke der Herrenstrasse und
des Rathausplatzes.

=Osten-Sacken=, ~August Friedrich Heinrich von der~. Porträtmaler. Geb.
auf der Insel Oesel, besuchte von 1837-1841 die Dresdner Akademie,
lebte dann in Petersburg, später auf Oesel. Viele seiner Porträts auf
Oeselschen Landgütern.



P


=Panck=, ~Johann Ernst v.~ Dr. med. Geschickter Dilettant. Geb. 27.
März 1805; gest. 5. Oktober 1891 in Dorpat, studierte Medizin in seiner
Vaterstadt und beschäftigte sich in seinen Mussestunden mit Zeichnen
und Silhouettenschneiden, worin er es zu besonderer Geschicklichkeit
brachte. Die Gelehrte estnische Gesellschaft besitzt von ihm eine
grosse Anzahl seiner Silhouetten aus der Zeit von 1850-69. Auch in der
Nachbildung von Früchten in Wachs zeigte er ein seltenes Talent.

=Pape=, ~Wilhelm Georg~. Maler und Zeichner. Geb. 12. Januar 1806
in Riga; gest. 3. Dezember 1875 in Petersburg, wurde Schüler
des Kupferstechers K. A. Senff in Dorpat, besuchte dann die
Akademie in Petersburg und arbeitete lange Zeit als Zeichner für
naturgeschichtliche Gegenstände an der Akademie der Wissenschaften
daselbst, gab auch Unterricht an der Petrischule. 14. X. 1833 erteilte
ihm die Akademie den Rang eines freien Künstlers. Mehrere seiner
Arbeiten im Besitz des Rigaschen Naturforschervereins. Ein sauber
ausgeführtes Tierbild, weidende Schafe, und ein Angler, im städt.
Museum zu Riga.

    Rigaer Stadtbl. 1832 S. 16. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh.
    des 19. Jahrh. S. 112 u. 175.

=Passer=, ~Arent~ (~Arnolt~). Bildhauer, lebte im letzten Viertel des
16. Jahrh. in Reval. Auf Befehl des Königs Johann III. von Schweden
führte er um 1590 das prachtvolle Grabdenkmal des schwedischen
Feldherrn Pontus de la Gardie und dessen Gemahlin Sophia Gyllenhelm im
Dom zu Reval aus.

    Historiskt Bibliotek, utgiffet af Carl Silverstolpe II S. 207. --
    Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval II
    S. 43 u. 118.

=Paterson= (~Padderson~, ~Pattersen~), ~Benjamin~. Maler. Geb. zu
Warland in Schweden 1751, ist seit 1784 in Riga nachweisbar und wird
1842 als verstorben bezeichnet. Von ihm: Russisches Zweigespann mit
Schlitten. Tuschzeichnung in einem Sammelbande v. Joh. Jak. Voss,
städt. Museum zu Riga.

=Pehkschen=, ~Konstantin~. Architekt. Geb. 24. Februar 1859 in Riga.
Schüler des Rigaschen Polytechnikums, in Riga ansässig, hat besonders
auf dem Gebiete des Wohnhausbaues eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet.

=Peterson= .... Bildhauer, aus Braunschweig gebürtig; gest. 1778
in Mitau, wurde um 1770 in Mitau als Hofbildhauer angestellt. Von ihm
befand sich 1778 eine Marmorbüste des Majors Fink v. Finkenstein im
Saale der Freimaurergesellsch. zu Mitau.

    Joh. Bernouillis Reisen III S. 242.

=Peterson=, ~Matthias~. Maler. Geb. 16. Januar 1636 in Schleswig; gest
11. Dezember 1714 in Kandau, diente anfänglich in der schwedischen
Armee und wurde dann Schüler des Porträtmalers Reiter in Libau. Er
soll ein beliebter Porträtmaler gewesen sein und durch seine Kunst ein
ansehnliches Vermögen erworben haben.

    Handschrifl. Biographie, verfasst v. seinem Sohne Matthias P.
    (1711-1723 Pastor in Irben in Kurland) im Museum zu Mitau. (J.
    Döring).

=Petersson=, ~Karl Leonhard~. Maler. Geb. 16. Juli 1836 in Wenden; gest
20. Januar 1908 in Petersburg. Er war 1847 und 1848 Schüler des Malers
K. Schultz in Riga und besuchte dann die Petersburger Akademie als
freier Zuhörer. Seit 1872-1899 Zeichenlehrer an der Katharinenschule in
Petersburg.

    Inland 1857 S. 315. -- Rigasche Ztg. 1868 Nº 298. -- Revaler
    Beobachter v. 23. Jan. 1908.

=Pezold=, ~August Georg Wilhelm~. Maler. Geb. 25. Juli 1794 in
Wesenberg; gest. 28. Februar 1859 in Petersburg, erhielt nach dem
frühen Tode seines Vaters seine Erziehung im gräflich Rehbinderschen
Hause in Uddrich, studierte von 1812-14 an der Universität Dorpat
Medizin, dann Humanoria und Historie und wandte sich schliesslich der
Kunst zu. 1814 zog er mit Otto Ignatius nach Deutschland, besuchte
die Akademien zu Berlin und Wien und ging 1817 nach Rom. Nach einem
Aufenthalte in Paris und London kehrte er 1821 in die Heimat zurück,
siedelte aber 1825 nach Petersburg über. Da er auch hier wenig ihm
zusagende Beschäftigung fand, kehrte er in die Heimat zurück, lebte
abwechselnd in Riga, Wenden, Fellin und Dorpat, zog dann aber aufs neue
nach Petersburg, wo er als Zeichenlehrer an höheren Bildungsanstalten,
wie am pädagogischen Hauptinstitut, der Universität und am
Marineinstitut mit Erfolg gewirkt hat. Von ihm eine grosse Anzahl
Bildnisse und viele, grösstenteils in Aquarell ausgeführte Studien aus
dem estnischen Volksleben. Solche namentlich im Dommuseum zu Riga.
Mehrere seiner Handzeichnungen im städt. Museum zu Riga.

    Baltische Monatsschr. Bd. 36 und 37: Aus den Wandertagen dreier
    estländischer Maler. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19.
    Jahrh. S. 26-27.

=Pezold=, ~Leopold v~. Geb. 6. Juli 1832 in Fellin als Sohn des
Vorigen; gest. 9/22. April 1907 in Karlsruhe. Er studierte von 1851-56
Theologie u. Geschichte an der Universität Dorpat, lebte bis 1858
als Hauslehrer in Reval und ging dann, um sich der Kunst zu widmen,
nach Karlsruhe, von dort nach Düsseldorf und 1860 nach Italien.
Nach Reval zurückgekehrt beschäftigte er sich neben der Malerei mit
Schriftstellerei, übernahm vorübergehend die Redaktion der Revalschen
Zeitung, folgte 1871 einem Rufe nach Riga zur Übernahme der Redaktion
der Rigaschen Zeitung, legte aber 1879 das Amt nieder, um sich nach
Karlsruhe zurückzuziehen, wo er als Lehrer der Kunstgeschichte und
Kostümkunde an mehreren Kunstanstalten wirkte und auch literärisch
tätig war. Von seinen Arbeiten heben wir hervor: Hausgottesdienst in
Estland, gem. 1863. (Bes. Museum Reval). - Der Maigraf. Szene aus
einem mittelalterlichen Revaler Volksfest, gem. 1869. (Bes. grosse
Gilde, Reval). -- Wie des Winters Leid vertrieben wird. Fries in leicht
kolorier. Bleistiftzeichnung im Weinkeller „das süsse Loch“ im Hause
der gross. Gilde in Reval. -- Schlacht der Schwertritter unter Konrad
v. Meyendorpe gegen die Littauer, 1205. (Bes. Baron Meyendorff-Ocht).

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. d. 19. Jahrh. S. 122-124.

=Pfandzelt=, ~Lukas Konrad~. Maler. Geb. 1716 in Ulm; gest. 1786 in
Petersburg, erlernte bei verschiedenen deutschen Meistern die Malerei.
Kam 1739 nach Reval, ging dann nach Petersburg, wo er in Kaiserliche
Dienste trat und vielfach als Bilderrestaurator tätig war. Von ihm: Das
Portr. des Admirals Peter v. Sivers (1674-1740), 1755 nach dem Tode des
Admirals gem. (Bes. F. v. Sivers, Euseküll). -- Porträt eines Feldherrn
(in der Gal. des Hn. v. Stackelberg zu Fähna in Estland).

    Füessli, Künstlerlex. S. 497. -- Joh. Bernouilli’s Reisen IV. S.
    123, 130; V. S. 29 ff.

=Pflug=, ~Robert August~. Architekt. Geb. 1. Mai 1832 in Petersburg;
gest. 30. November 1885 in Riga, machte seine Studien von 1846-50 im
technologischen Institut, dann auf der Petersburger Kunstakad. und
begab sich 1860 zu Studienzwecken nach Deutschland und Italien. 1862
beteiligte er sich an der Konkurrenz um den Neubau des Ritterhauses
in Riga, erhielt den ersten Preis und siedelte zur Ausführung des
Baues nach Riga über, wo er sich für die Dauer seines Lebens ansässig
machte und eine reiche künstlerische Tätigkeit entfaltete. Von ihm
sind ausgeführt: Das Ritterhaus in Riga (in Gemeinschaft mit den
Architekten A. Baumann u. O. v. Sivers; erweitert u. umgebaut 1902/3
durch W. Neumann). -- Das Schützenhaus in Riga (in Gemeinschaft mit
A. Baumann). -- Die orthodoxen Kirchen zu Jungfernhof, Alt-Salis und
Kalzenau in Livland. -- Die orthodoxe Kirche des heil. Pokrow in Riga.
-- Die russische Kathedrale in Riga, 1882 vollendet; mehrere Wohnhäuser
und Villen in und bei Riga.

    Rigascher Almanach 1866. -- Rigasche Ztg. 1873 v. 8. Dezember; 1884
    Nº 252, 262; 1885 Nº 279. -- Rigasche Stadtbl. 1872 S. 25.

=Pistohlkors=, ~Otto Friedrich v.~ Dilettant. Geb. 1781 in Reval;
gest. daselbst 1846, war Militär, verlor das rechte Bein und wurde
pensioniert, worauf er sich mit der Malerei zu beschäftigen begann.
Die Galerie des Schlosses Koltzen in Livland besitzt von ihm 27
Stücke, grösstenteils Genre und Landschaft. Zwei Kriegsszenen von
ihm waren 1871 in Riga ausgestellt. -- Auch ~Alexander~ v. P. geb.
13. IV. 1820 in Oranienbaum bei Petersburg; gest. 10. August 1850 in
Reval, ebenfalls anfangs in Militärdiensten, beschäftigte sich mit
Porträtmalerei.

    Nach dem Kat. der Gal. zu Koltzen.

=Plawneek=, ~Selma~, geb. 21. Dezember 1882 in Riga, besuchte die
städtische Kunstschule und absolvierte sie 1893 mit dem Diplom einer
Zeichenlehrerin. Sie hat sich durch charakteristische Darstellungen
aus dem Volksleben und durch anmutig gegebene Märchenillustrationen,
die sie gern in einer dem alten Holzschnitt nahekommenden Weise
vervielfältigt, bekannt gemacht.

=Poelchau=, ~Harald Oskar Georg~. Bildhauer und Maler. Geb. 28.
Februar 1835 in Riga; gest. daselbst 9. Mai 1882, studierte von
1856-1858 in Dorpat Mathematik und Chemie, ging dann nach Berlin, wo
er sich anfangs mit dem Studium der Architektur, dann mit dem der
Bildhauerkunst beschäftigte. Er setzte seine Studien in Karlsruhe
unter Cauer fort, musste aber wegen Lähmung eines Armes der Skulptur
entsagen, ging darauf nach Weimar, um sich in der Malerei auszubilden
und wurde Schüler von Friedr. Preller. 1868 kam er nach Riga zurück,
wo er als Direktor der Gewerbeschule eine einflussreiche Tätigkeit
entwickelte. Das städt. Mus. zu Riga besitzt mehrere seiner Aquarelle
und Landschaftsstudien.

    Rigasche Ztg. 1871 Nº 26 (Feuilleton); 1873 Nº 34; 1874 Nº 8; 1877
    Nº 28; 1880 Nº 34 (Beilage); 1882 Nº 105. -- Dioskuren 1868 S. 65.
    -- Rigasche Stadtbl. 1869 S. 300; 1873 S. 23; 1874 S. 66. -- Balt.
    Monatschr. 1882 S. 645.

=Poorten=, ~Julius Alexander~. Geb. 27. August 1843 in Riga, besuchte
von 1861-64 die Dresdner Akademie.

=Poorten=, ~Karl August~. Maler. Geb. 14. März 1817 in Riga; gest.
daselbst 7. Mai 1880, war für den Kaufmannsstand bestimmt, beschäftigte
sich aber in seinen Mussestunden mit Zeichnen und Malen. Er besuchte
die Akademie in Düsseldorf, wurde Schüler von Heinr. Mücke und Karl
Sohn, ging zu weiterem Studium nach München, dann nach Dresden und
kehrte 1853 nach Riga zurück. Ausser mehreren Porträts und Landschaften
von ihm die Illustrationen zu den „40 Fabeln“, herausg. vom Bruder des
Künstlers, Julius P. 1850.

    Rigasche Ztg. 1865 Nº 64; 1866 Nº 53; 1871 Nº 25; 1880 Nº 105, Nº
    242. -- Rigasche Stadtbl. 1855, 3. Nov. 1860 S. 441; 1865 S. 98. --
    Inland 1851 S. 88.

=Purvit=, ~Wilhelm Karl~. Landschaftsmaler. Geb. 20. Februar 1872
zu Jürgensburg in Livl., Schüler der Petersburger Akademie und des
Professors A. Kuindschi. Für sein Bild „die letzten Sonnenstrahlen“
wurde er zum Künstler I. Gr. befördert und ihm gleichzeitig ein
Reisestipendium für das Ausland gewährt. Er besuchte Deutschland,
Frankreich, Italien und Oesterreich und nahm nach seiner Rückkehr
seinen Wohnsitz in Riga. Seit 1906 Lehrer an der Domschule zu Reval.
Die Mehrzahl seiner Werke in Privatbesitz. Das städt. Museum in Riga
besitzt von ihm: Motiv aus dem Kaiserlichen Garten; Abenddämmerung und
Feldeinsamkeit. Ausserdem von ihm daselbst drei Lünettengemälde im
Vestibule: Ansicht aus Mitau, die Ruine von Kokenhusen und Kurländische
Landschaft.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 169-170.



R


=Rabin=, ~Nikolaus~. Maler aus Lübeck, ist 1665 in Bauske in Kurl.
nachweisbar, wo er mit Diedrich v. Zeitz aus Hamburg (s. d.) ein
Gemälde für die Kirche ausführt.

=Rahden=, ~Karl Friedrich Ludwig~ Freiherr v. Porträtmaler. Getauft
3. September 1789 zu Neu-Pommusch in Litauen; gest. 1858 zu Landeck
in Schlesien, erhielt die erste Unterweisung im Malen von seinem
Vater Christoph Reinhold v. R., der in preussischen Militärdiensten
gestanden, sich später in Littauen angekauft hatte und ein bedeutendes
Talent besessen haben soll. Wo er seine weitere Ausbildung empfangen
hat ist nicht nachzuweisen. Er verbrachte die grösste Zeit seines
Lebens in Strehlen bei Breslau. Bekannt sind von ihm einige Miniaturen
und Porträts in Familienbesitz. Ein reichhaltiges Skizzenbuch im Bes.
des Freiherrn A. v. Rahden-Maihof.

    Nach Familiennachrichten.

=Rastrelli=, ~Conte Bartolomeo Francesco~. Architekt. Geb. 1700;
gest. 1771 in Petersburg, war ein Sohn des aus Italien stammenden
Bildhauers und Erzgiessers Carlo Bartolomeo R. Dieser wurde im Jahre
1715 in Paris mit seinem Sohne von dem Agenten des Kaisers Peter,
Jean Lefort, für den Kaiserl. Dienst gewonnen. Der junge R. erhielt
zunächst den Unterricht seines Vaters und setzte seine Studien von
1725-1730 in Frankreich und Italien fort. Nach seiner Rückkehr wurde
er durch die Kaiserin Anna für den Hof beschäftigt und in der Folge
mit den Entwürfen zum Bau des Winterpalastes betraut. 1735 oder 1736
übertrug ihm Graf Ernst Johann Biron, der spätere Herzog von Kurland
den Bau des Schlosses Ruhenthal und 1738 auch den Bau des herzoglichen
Residenzschlosses in Mitau. Von 1736-1740, dann von 1764-1768 lebte R.
in Mitau mit der Ausführung der herzogl. Bauten beschäftigt, die durch
die Verbannung des Herzogs nach Sibirien lange unterbrochen waren.
In Petersburg erbaute R. ausser dem älteren Kaiserl. Winterpalais,
das in den Jahren 1735-39 ausgeführt wurde, das Anitschkowpalais, die
Paläste Strogonow, Menschikow, Woronzow, (jetzt Pagenkorps), Bobrinsky
(jetzt Erziehungsanstalt), Scheremetjew u. a. Von 1753-1762 führte er
den Bau des jetzigen Winterpalais aus. Ferner erbaute er das Kaiserl.
Lustschloss zu Peterhof, sowie das kleine Palais zu Zarskoje-Sselo.
Zu seinen bedeutendsten kirchlichen Bauten gehört das Smolnakloster
in Petersburg, dessen Vollendung er nicht mehr erlebte. Es wurde erst
unter Kaiser Nikolaus I. von dem Architekten W. P. Stassow vollendet.
Ausser diesem wurden nach seinen Entwürfen ausgeführt die Andreaskirche
zu Kiew, die Kirche der Wladimirschen Mutter Gottes in Petersburg, die
Kirche des Troizo-Sergijewschen Klosters zu Strelna u. a.

    Sitzungsber. der Kurl. Gesellsch. f. Lit. u. Kunst 1877 S. 37 ff.
    -- W. Neumann: Die beiden Rastrelli, in der Kunstbeilage des Rigaer
    Tageblatts 1907 Nº 18-20. -- Les Tresors d’art en Russie 1908.
    -- W. Weselowsky im энциклопедическ. словарь. -- И. Божеряновъ,
    Невскій проспект 1703-1903. -- Зодчій 1876. Старые годы I S. 410 ff.

=Rasumichin=, ~Peter Iwanowitsch~. Zeichner und Lithograph. Geb. 1812
in Reval; gest. 1848 in Petersburg (?), diente im russischen Heere
und war 1838 Adjutant des Generals Kleinmichel. Er soll sich an der
Petersburger Akad. gebildet haben. Von ihm lithographiert: Die Porträts
des Generals Grafen Benckendorf und des Grafen Talioni, 1839. -- Die
letzten Tage von Pompeji, nach dem Bilde von Brülow (Sehr selten).

    Inland 1838 S. 218 ff. -- D. A. Rowinsky, словарь гравир. портр.
    IV. S. 724.

=Rathaus=, ~Karl~. Architekt. Geb. 1804 in Breslau (?), besuchte
die Berliner Bauakad. und wurde 1839 von dem Fürsten Dolgoruki zur
Uebernahme von Arbeiten am Schlossbau in Bialostok berufen. 1851 wurde
ihm in Dorpat das Amt des Universitätsarchitekten und das eines Lehrers
der Baukunst an der Universität übertragen. Er erbaute von 1856-1859
die Universitätskirche und wurde 1869 auf sein Gesuch aus dem Dienste
entlassen.

    Inland 1856 S. 581; 1859 S. 378; 1860 S. 100, 101; 1861 S. 110;
    1863 S. 496. -- Buchholtziana, Rigaer Stadtbibliothek.

=Raud=, ~Christian~. Maler. Geb. 10. Oktober 1865 in Wesenberg in
Estl., war anfangs Lehrer in Dorpat und Petersburg und hatte erst vom
26. Jahre ab die Möglichkeit seinem Wunsche zu folgen sich zum Maler
auszubilden. Er besuchte von 1892-97 die Petersburger Akad. und ging
dann zu weiterer Ausbildung nach Deutschland. R. hat sich mit Vorliebe
ernsten Darstellungen aus dem Volksleben zugewandt.

~W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 139.~

=Raud=, ~Paul~. Maler. Geb. 11. Oktober 1865, Zwillingsbruder des
Vorigen, besuchte von 1888-94 die Düsseldorfer Akad. und hat sich
vornehmlich mit Porträtmalerei beschäftigt.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 140.

=Reibnitz=, ~Alexandra v.~, verehel. Röttgers. Malerin. Geb. 7. Februar
1857, war Schülerin des Malers J. Döring und bildete sich weiter auf
der Petersburger Akad. Neben mehreren Landschaften sind auch einige
Figurenbilder von ihr bekannt geworden.

    Dünaztg. 1892 Nº 121 und 124.

=Reichardt=, ~Helene~. Malerin. Geb. 16. November 1853 in Riga,
anfänglich Schülerin v. J. Siegmund in Riga, von 1876-85 der
Petersburger Akad., bildete sich im Auslande weiter aus. Tätig in
Petersburg. Das städt. Mus. zu Riga besitzt von ihr das Bildnis einer
alten Livin.

=Reinberg=, ~August~. Architekt. Geb. 15. März 1860 in Riga; gest. das.
am 17. Juli 1908, von 1877-81 Schüler des Rigaschen Polytechnikums,
erwarb sich 1883 und 1884 zwei Künstlergrade der Petersburger Akad.
und unternahm 1884-1885 Studienreisen durch Italien, Frankreich und
Deutschland. Bis 1890 Assistent am Rigaschen Polytechnikum. Von 1890-99
als Privatarchitekt in Petersburg tätig, siedelte dann wieder nach Riga
über, wo ihm der Bau des zweiten Stadttheaters (nach seinem mit dem
1. Preise gekrönten Konkurrenzentwurf) und die Ausführung des Baues
der Reichsbank übertragen wurden. Er erbaute die Landesirrenanstalt in
Stackeln, mehrere Privatgebäude und Villen, darunter auch sein eignes
Wohnhaus.

    Rigasche Rundschau (Illustr. Beilage Nº 8 vom Aug. 1901). --
    Nekrologe in der Dünazeitung und der Rigaschen Rundschau vom 19.
    Juli 1908.

=Reindel=, ~Anton~. Zeichner und Miniaturmaler, kam 1783 nach Riga
als Zeichenlehrer. Er hatte seine Ausbildung in Dresden empfangen und
namentlich viel nach italienischen Meistern kopiert. Eine Landschaft
mit antiken Ruinen am Wasser befindet sich im ersten Sammelbande des
Joh. Jak. Voss im städt. Mus. zu Riga; das Porträt eines jungen Mannes
in Pelzmütze und Pelzmantel, leichtgetönte Bleistiftskizze auf blauem
Papier dat. 1785 im 2. Bande derselben Sammlung.

    G. Merkel, Darstellungen und Charakteristiken aus meinem Leben S.
    94.

=Reissner=, ~Martin Andreas~. Landschaftsmaler. Geb. 1798; gest. 1862
in Dorpat. Ueber seinen Studiengang hat sich nichts ermitteln lassen.
Er liess sich 1819 in Riga nieder und unternahm von hier grössere
Reisen, die ihn in die Schweiz, nach Italien und nach Amerika führten.
Aus Amerika kehrte er 1861 nach Riga zurück. Im Besitz des Rigaer
Kunstvereins befindet sich eine Ansicht des Niagarafalles. Er lieferte
auch Entwürfe zu Theaterdekorationen.

    Rigasche Stadtbl. 1819 S. 68; 1826 S. 119; 1843 S. 284.

=Reiter=, ~Andreas~. Maler und „Conterfaier“ in Libau im letzten
Viertel des 17. Jahrh. Er wird 1680 als Lehrer des Malers Matthias
Peterson (s. d.) genannt.

=Reutern=, ~Gerhard Wilhelm v.~ Maler u. Radierer. Geb. 6. Juli 1794
auf dem Gute Rösthof bei Walk; gest. 22. März 1865 in Frankfurt a. M.,
hatte nach Absolvierung der Petrischule in Petersburg die Universität
Dorpat bezogen und widmete sich unter C. A. Senff dem Kunststudium.
1811 trat er als Junker in das Alexandrische Husarenregiment, in dem
sein älterer Bruder Christoph als Eskadronschef diente. Im Herbst
1812 wurde er als Kornet in das Leib-Garde-Husarenregiment versetzt
und nahm, zum Leutnant avanciert, an den Schlachten bei Dresden, Kulm
und Leipzig teil. Durch einen Schuss in die Schulter verlor er am 16.
Oktober 1813 bei Leipzig den rechten Arm. Nach seiner Wiederherstellung
wurde er Adjutant des Generals Barclay de Tolly und nahm an den
Feldzügen von 1815 und an der Einnahme von Paris teil. 1819 erhielt er
den erbetenen Abschied als Garde-Rittmeister. Um seine angegriffene
Gesundheit wieder herzustellen, zugleich auch, um seine mit der linken
Hand unternommenen Kunststudien wieder aufzunehmen, begab er sich nach
Deutschland. In Weimar erneuerte er die Bekanntschaft Goethes, der in
seinen mit der linken Hand ausgeführten Zeichnungen und Aquarellen
sein bedeutendes Talent erkannte und ihm riet sich ganz der Malerei
zu widmen. Nach einer Erholungsreise durch die Schweiz und Italien
begann er sich ernstlich mit dem Kunststudium zu beschäftigen. In
Bern genoss er zunächst den Unterricht des Malers G. Lory, später,
nach einer zweiten Reise nach Italien, in Cassel den Unterricht
des Landschaftsmalers Ludw. Grimm und des Prof. Rhoden. Nach einem
vorübergehenden Aufenthalte in Wetzlar und Giessen, zog er 1835,
bewogen durch den Bildhauer Eduard v. d. Launitz nach Düsseldorf, um
sich unter der Leitung Schadows weiter auszubilden. 1837 wurde er auf
Empfehlung des Dichters W. Joukoffsky, seines späteren Schwiegersohnes,
zum Maler der Kaiserlichen Familie ernannt. 1844 siedelte er nach
Frankfurt a. M. über und schuf hier die bedeutendsten seiner Arbeiten.
Er hat eine grosse Anzahl Porträts in Aquarell ausgeführt, darunter
das Goethes, des Dichters W. Joukoffsky u. des Malers G. Lory, wozu
dieser selbst die Landschaft malte. Von seinen Oelgemälden heben wir
hervor: Mädchen mit Schmuckkästchen. -- Der indolente Page, 1836. (Im
Bes. des Grossfürsten Michael Nikolajewitsch). -- Ein Greis, der einer
jungen Bäuerin mit einem Kind auf dem Arme, aus der Bibel vorliest,
1839. (Bes. Grossfürst Sergei Alexandrowitsch). -- Der heil. Georg.
(Marmorpalais). -- Junge Bäuerin mit schlafendem Kind. (Winterpalais.
Lithogr. v. Schertle). -- Das Opfer Abrahams. (Museum Alexanders III.
in Petersburg). -- Studienkopf zum Abraham (in der Gal. des Schlosses
Koltzen). -- Die Strumpfwirkerin, 1853. (In der Kaiserl. Farm in
Alexandria). -- Garten im Berner Oberlande, 1857. (Kaiserl. Farm in
Alexandria). -- Die heil. Familie, 1858. (Daselbst).

Er radierte: Ansicht von Cassel. Bez. G. v. R. Erster Versuch. Cassel
28. März 1827. -- Studie mit dem schlafenden Hund. (19. Mai ?). --
Studie mit dem Jäger. (7. XII. 1828). -- Tyroler Sennerbub. (20. XI.
1828). -- Die beiden Eichen. (1828). Kirchenruine in Bacharach a. Rh.
(28. XI. 1828). -- Kopf eines Kalbes. (1828). -- Kopf einer Ziege und
eines Schafs. (1828). -- Zwei Ziegen. (1828). -- Zwei Füchse und ein
Hase. (Das schönste Blatt des Meisters, 1828). -- Geschossener Rehbock.
(1828). -- Ziegenböcklein. -- Eichenbusch. 1829.

Nach ihm lithographiert von Georg Koch in Cassel: An der Schwalm.
Bilder aus dem hessischen Volksleben. Heft 1 mit 5 Blatt. 1855. -- Heft
2 mit 4 Blatt. 1855. -- Heft 3 mit 4 Blatt. 1859.

    A. Andresen, Maler-Radierer d. 19. Jahrh. 1869. III. S. 222-227.

    Gerhard v. Reutern, Ein Lebensbild, dargestellt von seinen Kindern
    und als Manuskript gedruckt zur 100 jährigen Gedächtnisfeier seines
    Geburtstages. Petersburg 1894. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh.
    d. 19. Jahrh. S. 42-47.

=Reutern=, ~Christoph v.~ Maler. Geb. 29. Juni (n. St.) 1839 in
Düsseldorf, als Sohn des Vorigen, gest. daselbst 6. Jan. 1859; begraben
in Frankfurt a. M., war anfangs Schüler seines Vaters, dann des
Professors Steinle in Frankfurt und besuchte schliesslich die Akademie
zu Düsseldorf. Ein Portr. seines Vaters von ihm befand sich 1901 auf
der Jubiläums-Ausstellung in Riga.

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 46.

=Reuther=, ~Gertrud Elisabeth~, geb. ~Germann~. Malerin. Geb. 1788
in Libau; gest. 17/29. Oktober 1845 in Rom, erlernte die Malerei in
Dresden, wo sie drei Jahre unter dem Graffschüler Prof. T. L. Pochmann
arbeitete und nach alten Meistern kopierte. Sie lebte einige Jahre in
Moskau und zog von dort nach Rom.

    Inland 1846 S. 127. -- Allgem. deutsche Ztg. f. Russland 1823 Nº
    148 u. Nº 295. -- Für Haus und Familie 1897 22. III.

=Rickmann=, ~Theodor Heinrich~. Maler. Geb. 21. Mai 1810 in Riga;
gest. 18/30. Mai 1848 in Dresden, besuchte vorübergehend die Münchener
Akademie und arbeitete unter Schnorr v. Carolsfeld und A. Zimmermann,
ohne jedoch seine Ausbildung vollenden zu können. Nach seiner
Rückkehr erteilte er in Riga Zeichenunterricht und schuf eine Reihe
interessanter Darstellungen aus dem Rigaschen Volksleben, die von
Hanfstängl in Dresden lithographiert wurden. Die Petersburger Akademie
verlieh ihm 1846 das Diplom eines Zeichenlehrers für Kreisschulen. Um
seine Ausbildung zu vollenden ging er 1847 nach Dresden, wurde hier
aber irrsinnig und endete durch Selbstmord. Von ihm: Ein Gedenkblatt
an den Friedensschluss zwischen Russland und der Türkei, 1829. -- Ein
Türke legt vor einem gepanzerten Ritter die Waffen nieder. Lith. qu.
fol. mit franz. Unterschrift. -- Portr. des türkischen Gesandten in
Petersburg Halel Pascha. Lith. fol. 1830. -- Portr. des Aeltermannes
G. K. Wiggert. Lith. nach D. Oechs, 1832. -- Szenen aus dem Rigaschen
Volksleben, 1842 Aquar. Lith. von Fr. Hanfstängl in Dresden, qu.
fol. (die Originale z. T. im Besitz des Dommuseums in Riga). -- Das
Schweizerhaus in Treyden. Lith. von Hanfstängl, kl. fol.

=Rizzoni=, ~Alexander~. Maler. Geb. 23. Januar 1836 in Riga; gest.
16/29. April 1902 in Rom, war der zweite Sohn des aus Bologna
gebürtigen Antonio R., der als Soldat in französischen Diensten,
während des Napoleonischen Feldzuges in Russland, nach Riga verschlagen
worden war und sich hier ansässig gemacht hatte. R. erhielt den
ersten Kunstunterricht von seinem älteren Bruder Paul, trat 1852 in
die Petersburger Akademie und wurde Schüler des Prof. Willewald. 1857
erhielt er die silb. Med. II für mehrere Bleistiftporträts, darunter
das des Tiermalers Schwabe, und für sein Bild „Die Schenke“. 1858
unternahm er eine Studienreise nach Frankreich und Italien und besuchte
1860 Spanien und Belgien. Sein Bild „Zwangsversteigerung in einem
livländischen Dorfe“ brachte ihm 1862 die gr. gold. Med. der Akademie
und ein sechsjähriges Reisestipendium ein, womit er nach Paris und
Rom ging. In Rom wandte er sich hauptsächlich Darstellungen aus dem
Leben der Prälaten und Mönche und aus dem Leben des Volkes zu, die
er meistens in kleinem Format in der Art der holländischen Feinmaler
ausführte. 1866 kehrte er aus Italien zurück, wurde zum Akademiker
befördert und ihm seine Staatspension auf drei Jahre verlängert. Seit
seiner Ernennung zum Professor, im Jahre 1868, lebte er in Rom. Von
seinen Bildern erwähnen wir: Zwangsversteigerung in einem livl. Dorfe,
1862 (Gal. Soldatenko, Moskau). -- Versöhnungsfest in einer Rigaschen
Synagoge (Bes. Graf Uwarow; Abb. in наши художники II S. 124). --
Taberne in Rom; ein Priester speist an einem Tische und unterhält sich
mit einem Bauern. Abb. in наши художники II S. 123. (Bes. Kunstakad.
Petersburg). -- Inneres der Sakristei des Klosters Chatreux in Rom
(Eigentum d. Kaiserl. Hauses). -- Inneres des Laboratoriums einer
Dorfapotheke (Bes. Gal. Botkin). -- Ankunft eines Kardinals im Kloster
St. Anufrio in Rom (Bes. Graf Stenbock, Petersburg). -- Im Refektorium
des Kapuzinerklosters in Rom (Bes. Gal. Soldatenko, Moskau). -- Osteria
in Rom. Abb. in наши художники II S. 123. -- Dilettanten-Quartett
(Bes. Gal. Tretjakoff, Moskau. Abb. in наши художники II S. 125). --
Talmud lesende Juden. Abb. in наши художники II S. 129 (Bes. Gal.
Tretjakoff, Moskau). -- Römische Osteria. Abb. in наши художники II
S. 124 (Bes. Kunst-Verein Riga). -- Kardinalskollegium, Abb. in наши
художники II S. 126 (Bes. Gal. Botkin). -- Der Altertumsfreund (Bes.
Gal. Soldatenko, Moskau). -- Kardinal die Kirche verlassend (Bes. Gal.
Soldatenko). -- Der Kunstliebhaber; ein alter Herr in Rokokotracht
ein Bild betrachtend. Abb. in наши художники II S. 127 (Privatbesitz,
Petersburg). -- Kardinal und Abbé im Gespräch (Bes. Stadtgal. Riga.
Abb. in наши художники II S. 126).

    Baltische Ztg. 1873 S. 103. -- Rigasche Ztg. 1873 Nº 188; 1877
    Nº 263 1878 Nº 113; 1880 Nº 242; 1882 Nº 204; 1883 Nº 211. -- W.
    Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 114-115.

=Rizzoni=, ~Eduard~. Maler. Geb. 24. Juni 1833; gest. Mai 1903, Bruder
des Vorigen, besuchte die Kunstakademie in Petersburg und erhielt 1855
den Rang eines freien Künstlers. Seit 1882 Restaurator der städt.
Gemäldegal. in Riga.

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 116.

=Rizzoni=, ~Paul~. Maler. Geb. 20. Oktober 1823; ältester Bruder der
Vorigen, trat 1839 in die Petersburger Akademie, wo Sauerweid und
Markow seine Lehrer waren. Er errang sich die üblichen Medaillen.
1845 die gr. gold. Med. und mit dieser ein Reisestipendium. Nach
einem Besuch Deutschlands, Hollands und Belgiens kehrte er 1850 nach
Petersburg zurück und begab sich zu Studienzwecken in den Süden
Russlands. 1853 Akademiker. Er lebt in Petersburg. Von ihm: Die
Gemüsehändlerin, 1842 (Erworben von Kaiser Nikolaus I.). -- Ein Jude
einen Soldaten im Würfelspiel betrügend, 1845 (Bes. Gal. Brederlo,
Riga). -- Auf dem Petersburger Trödelmarkt, 1847. -- Rauchstube in
einem Brüsseler Wirtshause (Kgl. Gemäldesammlung in Stuttgart).

    Inland 1851 S. 30. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19.
    Jahrh. S. 115-116.

=Rockstuhl=, ~Christoph Jakob~. Miniaturmaler und Silhouetteur. Geb. in
Kurland um 1760, war Schüler des Kupferstechers Sam. Kütner und ging
zu weiterer Ausbildung nach Dresden, musste das Studium aber seiner
Kurzsichtigkeit wegen aufgeben. Zurückgekehrt beschäftigte er sich mit
Porträtieren und Silhouettieren. Von 1785-88 lebte er in Warschau und
ging von dort nach Berlin, um sich in der Pastellmalerei weiter zu
bilden. 1807 ist er in Bauske, 1808 in Mitau nachweisbar. Von ihm eine
sauber in Tusche ausgeführte Landschaft in dem Sammelbande des J. J.
Voss im städt. Museum zu Riga.

=Rockstuhl=, ~Ernst Peter~. Porträtmaler und Silhouetteur. Geb. 1764
wahrscheinlich in Warschau; gest. 4. Mai 1824 in Petersburg, empfing
seine Ausbildung vermutlich in seinem Geburtsorte. Um 1785 kam er nach
Mitau, lebte vorübergehend auch in Riga und zog 1804 nach Petersburg,
wo er mehrfach für den Hof beschäftigt war. Ausser Miniaturen malte
er Silhouettenporträts, die er nicht selten mit einem gezeichneten
landschaftlichen Hintergrund verband. Sein Sohn Alois R. wurde 1864
zum Prof. der Petersburger Akad. ernannt. Von ihm: Das Porträt Otto’s
v. Löwenstern, der von der Jagd heimkehrend seine Gattin begrüsst, die
in einer Landschaft sitzend ein Kind auf dem Schosse hält. -- Portr.
der Knaben Karl und Otto von Löwenstern mit ihrer Wärterin. Beide
Bilder gem. 1785. Die Figuren als Silhouetten (Bes. Theod. Reichsgraf
von Medem auf Stockmannshof). -- Portr. des Kaisers Alexander I. --
Portr. des Kaisers Nikolaus I. -- Portr. der Kaiserin Elisabeth. --
Portr. der Königin der Niederlande Anna. -- Portr. der Grossfürstin
Maria Pawlowna, Grossherzogin von Sachsen-Weimar (Miniaturen im Bes.
der Gräfin Lambsdorf auf Rinseln, Kurl.). -- Portr. des Fürsten Fabian
v. d. Osten-Sacken, 1814. Gest. v. Cardelli. -- Portr. des Generals
Sacken als Gouverneur von Paris auf einer Tabaksdose (1900 in Rigaschem
Privatbesitz).

    Mitauer Ztg. 1785 St. 16; 1803 v. 29. Oktbr.; 1804 v. 16. Juni. --
    D. A. Rowinsky, словарь гравир. портретовъ. IV. S. 279.

=Römer=, ~Paul~. Maler. Geb. 1834 in Riga, wurde 1850 Schüler der
Petersburger Akademie und erwarb sich 1870 die gold. Med. für sein Bild
„die Beichte“. 1876 wurde er als Zeichenlehrer am Gymnasium in Wilna
angestellt.

    Наши художники II. S. 118.

=Rönne=, ~Alexander Baron v.~ Geb. 1854 zu Senten in Kurland; gest.
1896, war von 1873-79 Schüler der Münchener Akad. Von ihm mehrere
Porträts in kurl. Familienbesitz und die Altarbilder in den Kirchen zu
Rengenhof und Windau.

    Rigasche Ztg. 1885 Nº 217; 1888 Nº 284.

=Rötscher=, ~Maximilian Wolfgang Amadeus~. Architekt. Geb. 23. Juni
1837 n. St. zu Bromberg in Preussen, Sohn des als Shakespeareforschers
bekannt gewordenen Prof. Dr. Heinr. Theod. R.; gest. 27. Dezember
1885 in Dorpat, absolvierte in Berlin die Bauakademie, und kam 1861
nach Livland. Er lebte anfangs in Neuhausen bei Werro, übernahm 1865
das Amt des Stadtarchitekten in Dorpat und bekleidete von 1873-77
das des Universitätsarchitekten und des Dozenten für Baukunde an der
Universität. Von ihm die Tonhalle des Handwerkervereins in Dorpat u. a.

    Rigasche Ztg. 1874 Nº 125; 1875 Nº 148.

=Romandini=, ~Luigi~. Maler. Wurde von dem Herzoge Peter v. Kurland
nach Mitau berufen, um die Deckenmalereien im Schlosse Friedrichslust
auszuführen. Eine aquarellierte Fassade des Schlosses von ihm befindet
sich in dem Sammelbande des J. J. Voss im städt. Museum zu Riga.

=Rosée=, (~eigentlich Rohsit~), ~Johann Stanislaus~. Porträtmaler.
Geb. in der Nähe von Wolmar; gest. 1898 in Riga, bildete sich mit
Unterstützung der Besitzerin von Palzmar, Frl. v. Kahlen, in der
Petersburger Akad. und ging 1856 zu weiteren Studien nach München, wo
er zwei Jahre Schüler des Bildnismalers Kurt Herrmann war. Seine vielen
Porträts tragen meistens einen etwas handwerklichen Charakter.

    Rigasche Ztg. 1858 Nº 127; 1859 Nº 16; 1868 Nº 248.

=Rosen=, ~Paul Gerhard Baron v.~ Landschaftsmaler. Geb. 27. September
1856 in Wesenberg, besuchte von 1874-78 die Petersburger Akad., wo er
anfangs Architektur studierte, sich dann aber der Malerei zuwandte.
1883 begab er sich nach Düsseldorf und war bis 1886 Schüler des Prof.
E. Dücker. Nach verschiedenen Studienreisen liess er sich 1891 in
Riga nieder, wo er seit 1905 als Direktor der städtischen Kunstschule
und als Dozent am Polytechnikum tätig ist. R. ist vor Allem als
Aquarellist geschätzt. Das Museum zu Riga besitzt von ihm sein Gemälde
„Frühlingswasser“ und Aquarelle; auch führte er in drei Lünetten des
Obervestibüls im Museum gemeinschaftlich mit W. Purvit dekorative
Malereien aus: Ansicht von Riga, Ansicht von Reval und Partie vom
estländischen Strande.

=Rosenberg=, ~Gustav Wilhelm~. Porträtmaler. Geb. 9. März 1809 in
Libau; gest. im Juli 1873 in Riga, erhielt seine künstlerische
Vorbildung zunächst durch den Maler Gustav Clodt v. Jürgensburg,
besuchte von 1828-35 die Akad. zu Kopenhagen und dann die Petersburger
Akad., die ihm 23. III. 1837 den Rang eines freien Künstlers verlieh.
1839 wurde er Zeichenlehrer am Katharinäum in Riga, 1840 auch an
der Domschule und an der 2. Kreisschule. Inhaber der silb. Med. am
Danebrogbande von der Kopenhagener Akad. Eine Anzahl seiner Porträts
ist durch Lithographie vervielfältigt. Er veröffentlichte: „Beitrag
zu einer Theorie des Zeichenunterrichts als Zweiges öffentlicher
Schulbildung,“ Einladungsschrift zum Examen in der Domschule zu Riga,
20. Dezember 1846.

    Rigasche Stadtbl. 1840 v. 3. April. -- Inland, 1842 S. 50; 1845 S.
    51.

=Rosenthal=, ~Jan~. Maler. Geb. 6. März 1866 in Frauenburg in Kurland,
trat als Hospitant in die Petersburger Akad. und erhielt nach
sechsjährigem Studium für sein Bild „lettische Bauern aus der Kirche
kommend“ den Rang eines Künstlers I. Gr. Seine weitere Ausbildung hat
R. in München gefunden. Tätig in Riga. Ausser einer grossen Anzahl
Porträts von ihm: Wäscherinnen; Frühlingslied; Versuchung u. a.
Das städt. Mus. besitzt von ihm: Heimkehr vom Felde. Im Dommuseum
ein Porträt des Dr. Anton Buchholtz, im Stadthause ein Porträt des
Stadthaupts Ludwig Kerkovius.

=Rotari=, ~Pietro Conte dei~. Maler und Radierer. Geb. 1707 in
Verona; gest. 1764 in Petersburg, war Schüler von A. Ballestra, dann
von Trevisani in Rom und von Solimena in Neapel, kam 1756 an den
Petersburger Hof und wurde viel vom Herzog Ernst Biron v. Kurland
beschäftigt, in dessen Schloss zu Mitau er mehrere Deckengemälde und
Surporten ausführte.

=Rudolf=, ~Elsbeth~. Malerin. Geb. 26. April 1861 in Walk, machte ihre
Studien 1891-93 in Dresden unter Leitung des Porträtmalers Franz Kops,
dann unter P. Nauen in München, lebte darauf längere Zeit in England
und arbeitete 1888 und 1889 wieder in München unter A. Azbe. Sie lebt
in Dorpat. Von ihr mehrere Porträts.

=Ruckteschel=, ~Eugen v.~ Maler. Geb. 28. November 1850 in Simferopol,
widmete sich dem Marinedienst und verliess ihn wieder im Jahre
1885, infolge eines Kniebruchs, als Kapitän 2. Kl. Seine natürliche
Begabung für die Malerei veranlasste ihn sich jetzt ernstlich mit
ihr zu beschäftigen. Er zog nach München, wo er die Weinholdtsche
Zeichenschule und dann die Malschulen von Jakobides, Bock und
Gracholsky besuchte. Nach einem Aufenthalte in Paris ging er nach
Italien und lebt jetzt in Florenz. Er malt Stilleben, Porträts u. a.

=Ruetz=, ~Hedwig~, Malerin, geb. 29. Mai 1879 in Riga, machte
ihre ersten Studien unter G. v. Rosen in Riga, besuchte dann die
Malerinnenschule in Karlsruhe unter K. Ritter, und arbeitete nach einem
vorübergehenden Aufenthalt in der Heimat unter H. v. Habermann in
München. Tätig in Berlin. Von ihr mehrere Porträts und Landschaften.

=Rumeschottel=, ~Johann~. Mittelalterlicher Baumeister aus Rostock,
wurde zu Beginn des 15. Jahrh. vom Rigaschen Rat nach Riga berufen, um
den Neubau der St. Petrikirche auszuführen. Er erbaute in den Jahren
1408 und 1409 den Chor der Kirche bis zu den Transeptpfeilern. Erst
1466 wurde der Bau fortgesetzt, doch nicht nach seinem Entwurf.

    W. Neumann, Das mittelalterliche Riga, Berlin 1892 S. 33 ff.



S


=Saenger=, ~Lucie v.~, verehel. Miram. Malerin. Geb. 1. Dezember 1862
auf dem Gute Kürbis bei Lemsal, erhielt ihre künstlerische Ausbildung
zunächst in der Jung-Stillingschen Zeichenschule in Riga, dann von
1882-87 in München unter Lossow. Von ihr mehrere Porträts im Dommuseum
und in Rigaschem Privatbesitz. Einige ihrer Stilleben waren mehrfach
auf Rigaschen Ausstellungen zu sehen.

=Salemann=, ~Robert Johann~. Bildhauer. Geb. 16. Juni 1813 als Sohn
des Justizbürgermeisters S. in Reval; gest. 12. September 1874 in
Petersburg, war von 1833 bis zum Frühjahr 1836 Schüler der Dresdner
Akademie unter Rietschel, trat dann in die Petersburger Akademie,
ging aber schon 1838 nach Deutschland zurück, wo er in München
zweiundeinhalb Jahr unter Schwanthaler arbeitete. Nach einem längeren
Aufenthalte in Rom kehrte er 1842 nach Petersburg zurück und wurde hier
für eine Porträtbüste des stellv. Rektors Melnikow 1843 zum freien
Künstler ernannt. Salemann gehört neben Clodt v. Jürgensburg zu den
bedeutendsten Meistern der damaligen Petersburger Bildhauerschule. Für
seine im Verein mit Clodt am Denkmal des Kaisers Nikolaus ausgeführten
Arbeiten wurde er zum Akademiker und 1868 zum Professor ernannt. Von
seinen Arbeiten nennen wir: Statue des Kaisers Peter I., 1841 in
München gearb. (Museum Alexander III., Petersburg). -- Die Stadtgöttin
von Kiew, 1843 in Rom ausgef. (Akad. Petersburg). -- Büste des Rektors
A. Melnikow, 1843. -- Kreuztragung; Erscheinung der Engel bei den
Hirten; Der bethlehemitische Kindermord (Basreliefs in den Nischen
unter dem Südportal der Isaakskirche in Petersburg). -- Die Kraft;
Die Weisheit; Die Gerechtigkeit; Der Glaube (allegor. Figuren am
Denkmal des Kaisers Nikolaus I. in Petersburg). -- Kaiser Nikolaus I.
verleiht dem Grafen Speransky den Andreasorden für die Uebergabe der
Gesetzsammlung (Basrelief am Nikolaidenkmal in Petersburg). -- Die
Ornamentation des Denkmalunterbaues führte S. von 1856-1858 aus. -- Zar
Michael Feodorowitsch; Minin und Fürst Posharsky; Der heil. Wladimir
und die Götzendiener; Dimetrius Donskoi mit den besiegten Mongolen
(Einzelgruppen am Denkmal des 1000jährigen Bestehens Russlands in
Nishni-Nowgorod, 1862 vollendet). -- Marmorfigur des Kaisers Nikolaus
I., nach einem Modell des Prof. Pimenow für den Kaiserl. Sommersitz
in Alexandria, 1867 ausgef. -- Büste des General-Gouverneurs Fürsten
Suworow. -- Studie nach einem Tiger in nat. Gr. -- Schlafendes Kind für
ein Grabdenkmal in Dorpat. -- Büste des Generals Wiskowatow-Schnering.
-- Büste des Grafen Armfeldt. -- Büste des Dr. Arndt. -- Statuen der
Apostel Petrus und Paulus für die katholische Kirche zu Reval. --
Engelpaar als Leuchterträger für dieselbe Kirche. -- Zwei heraldische
Figuren für den grossen Saal des Hauses der gr. Gilde in Riga. Nach
seinem Modell in Holz geschnitzt.

    Dioskuren 1866 S. 204, 235; 1867 S. 197; 1868 S. 65, 326. -- Наши
    художники I S. 151 ff. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer d.
    19. Jahrh. S. 79-80.

=Salemann=, ~Hugo~. Bildhauer. Geb. 1859 in Petersburg, Sohn des
Vorigen, wurde 1877 Schüler der Petersburger Akad. und erhielt 1883
die kleine gold. Med. für seine Statuengruppe „Orest von den Furien
verfolgt“; 1884 die gr. gold. Med. für das Relief „Kampf der Giganten
gegen den Olymp“. 1885 wurde ihm ein vierjähriges Reisestipendium zum
Besuche Italiens zuteil. 4./XI. 1889 Akademiker. Im Museum Alexanders
III. in Petersburg von ihm: Cimbern. -- Charon die Seelen der
Abgeschiedenen über den Styx fahrend (abgebildet in наши художники I S.
151).

    Rigasche Ztg. 1884 Nº 60. -- Наши художники I S. 152. -- W.
    Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 80.

=Sanftleben=, ~Benjamin~, wird 1710 und 1739 in Mitau als Porträtmaler
(Conterfeyer) genannt.

    Kirchenbuch der Trinitatiskirche (Jul. Döring).

=Sarrin=, ~Richard~. Maler, Radierer und Lithograph. Geb. 15. Juni
1869 auf dem Gute Kegeln in Livland, trat 1887 in die Stieglitzsche
Zeichenschule in Petersburg und absolvierte sie 1895 mit einem
Stipendium zu mehrjährigem Aufenthalte im Auslande. Er arbeitete
zunächst unter Alex. Zick in Berlin, dann in München unter Prof. Rud.
Seitz und wurde darauf Meisterschüler von Prof. W. Unger in Wien.
Seine der Schule eingesandten Arbeiten veranlassten das Direktorium
sein Stipendium auf 1-1/2 Jahre zu verlängern mit der Bedingung zu
weiterer Ausbildung nach Paris zu gehen. Von hier wurde er nach
Petersburg berufen, um die Leitung der Kunstabteilung in der Expedition
der Staatspapiere zu übernehmen. -- S. kultiviert mit Vorliebe die
Darstellung des Märchens und hat namentlich auf dem Gebiete der
Original-Lithographie anerkennenswerte Arbeiten geliefert.

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. 172-174.

=Sartori=, ~Jakob Friedrich~. Miniaturmaler. Geb. 22. Juli 1758 zu
Ludwigsburg in Würtemberg; gest. 22. Dezember 1830 in Windau, studierte
anfänglich an der Universität Tübingen, wandte sich aber frühzeitig der
Kunst zu, die er in Ludwigsburg, später in Manheim erlernte. Um 1790
kam er nach Kurland und begründete in Kandau eine Privatlehranstalt,
nahm aber 1805 das Amt eines Zeichenlehrers an der Kreisschule in
Windau an, erteilte auch Unterricht in der Kalligraphie, Geographie
und Geometrie. 1817 war er stellvertretender Schulinspektor und wurde
1820 in diesem Amt für Windau und Pilten bestätigt. Krankheitshalber
legte er Ende 1828 das Amt nieder. Von ihm: Das Porträt des Piltenschen
Präsidenten Herm. Friedr. v. Behr auf Edwahlen, gem. 1794 auf Elfenbein
(Mus. Mitau). -- Portr. des Herrn v. Behr auf Popen in Kurl., 1795 gem.
-- Portr. des Prof. Meyenberg (Dom-Mus. Riga).

=Sass=, ~Oswald Baron v.~ Porträt- und Genremaler. Geb. 27. Mai 1856
in Arensburg auf Ösel, Sohn des Landrats Karl Baron S. auf Sandel,
erhielt die erste Anleitung von dem Prof. Otto v. Moeller und bezog
1876 die Düsseldorfer Akad., wo er unter den Professoren Andr. Müller
und Heinr. Lauenstein arbeitete. Seine Absicht auf der Petersburger
Akad. seine Studien fortzusetzen, wurde durch eintretende Krankheit
verhindert. Erst 1881 konnte er seine Studien wieder aufnehmen, ging
nun aber nach München, arbeitete dort unter Alois Gabl und Otto Seitz
und war 1884-87 Meisterschüler von Prof. Liezenmayer. Nach einem
vorübergehenden Aufenthalt in Charkow war er von 1894-98 als Lehrer an
der Jung-Stillingschen Mal- und Zeichenschule in Riga tätig. Lebt z. Z.
in Arensburg auf Oesel. Von ihm: Totenwache, 1890 (Städt. Mus. Riga).
-- Madonna, 1890. -- Estnische Fischerstube, 1891 (Bes. Prof. Th.
Grönberg, Riga) etc.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. d. 19. Jahrh. S. 135-136.

=Sauerweid=, ~Gottlob Alexander~. Schlachtenmaler und Radierer. Geb.
19. Februar 1783 in Kurland; gest. 25. Oktober 1844 in Petersburg,
bildete sich auf der Dresdner Akad. und erregte hier durch seine
geschickten radierten Darstellungen aus dem Kriegsleben die
Aufmerksamkeit des Kaisers Alexander I., der ihn 1814 nach Petersburg
als Lehrer der Kaiserl. Kinder berief. 1831 wurde er stellvertretend
als Professor der Tier- und Schlachtenmalerei an der Akad. angestellt
und 1836 zum ordentlichen Professor ernannt. S. war der erste
bedeutende Schlachtenmaler der Akad., hat aber weniger durch seine
Malereien als durch seine Radierungen und Zeichnungen, in denen die
Darstellung des Pferdes das Hauptmotiv bildet, seinen Ruhm erworben.
Einige wenige Gemälde von ihm befinden sich in kurländischem Besitz,
die Mehrzahl im Winterpalais in Petersburg. Von seinen graphischen
Arbeiten nennen wir: Die Kgl. Sächsische Armee nach der neuen
Organisation von 1810. 31 Blatt mit der Hand kolorierte Stiche in 4^o,
im Verlage von Heinr. Rittner in Dresden erschienen. -- Die Uniformen
der Kgl. Westfälischen Armee um 1810; fol. 19 unbezeichnete Tafeln
in kolor. Kupferstich. -- Dresdens Not und Rettung im Jahre 1813.
20 Radierungen in 4^o, in einzelnen Exemplaren auch koloriert (Von
dieser Ausgabe gibt es Nachstiche, die jedoch die Originale nicht
erreichen). -- Dreissig Blätter für Pferdezeichner und Schlachtenmaler.
Verlegt v. E. Arnold in Dresden. -- Verschiedene kleine Stiche: Ein
russischer Kurier in einem Dreigespann. -- Sächsischer Kurier. --
Kosaken töten ein gestürztes Pferd. -- Ein Kosak vom Rücken gesehen.
-- Baschkir und Kosak von der Wolga. -- Kalmück und Kosak vom Ural. --
Ein Kosak durchsticht mit der Pike einen Janitscharen. -- Fouragiere.
-- Drei Kavalleristen. -- Verschiedene Szenen aus dem Jahre 1813.
-- Verschiedenes Militär. -- Ansicht auf Paris von Meudon aus (Bez.
Sauerweid fecit. Drèsde chez Erneste Arnold ci-devant Rittner). --
Fürst Golenitschew-Kutusow mit seiner Suite, rechts General Benningsen,
der ihm eine Mitteilung macht (Bez. Sauerweid del. et. sc). -- Kaiser
Alexander I. und Graf Platow auf der Parade in Hydepark in London.
Grosser Stich in Aquatinta-, Radier- und Punktiermanier, 1815.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 32-34.

=Sauerweid=, ~Nikolaus~. Porträt- u. Schlachtenmaler, Sohn des Vorigen.
Geb. 1836 in Petersburg; gest. daselbst 1866, bildete sich früh unter
der Leitung seines Vaters und trat in den fünfziger Jahren in die
Akademie, erwarb sich in schneller Folge die Schülermedaillen, wurde
1859 zum freien Künstler und bereits 1860 zum Akademiker befördert.
Ausser einigen Porträts von ihm mehrere Schlachtenbilder.

    Inland. 1854 S. 865. -- Наши художники I S. 153.

=Schabert=, ~Ernst David~. Zeichner und Lithograph. Geb. 17. Februar
1796 in Mitau; gest. daselbst 24. Februar 1853, studierte von 1817-1820
Philosophie in Dorpat und war gleichzeitig Schüler des Kupferstechers
Prof. K. A. Senff. Er liess sich in seiner Vaterstadt nieder,
beschäftigte sich mit Miniaturmalerei und vertrat 1823 den erkrankten
Zeichenlehrer des Gymnasiums S. Kütner, trat auch später für dessen
Nachfolger D. Oechs ein. Er begründete in Mitau eine lithographische
Anstalt, aus der eine Anzahl tüchtiger Arbeiten hervorgingen, und
vereinigte diese später mit einem Atelier für Daguerrotypie. Von ihm:
Kurländischer Bildersaal. Eine Sammlung von Bildnissen, lith. von
Fr. Krause. Heft 1. 1826. -- Portr. des Rigaschen Theaterdirektors.
Joh. Hoffmann u. dessen Gattin Katharina, geb. Krainz. -- Portr. des
Sängers u. Schauspielers am Rigaschen Theater C. Günther. -- Portr.
der Sängerin Karoline Pollert. Lith. nach Eggink für die von Salzmann
projektierte Herausgabe von Bildnissen Rigascher Schauspieler. --
Das Kurländische Wappenbuch. 4 Bände, 1847. -- Portr. des Predigers
Joh. Georg Wilh. v. Raison zu Gross-Autz. Lith. fol. -- Portr.
des Dr. med. Joh. Gottl. Fleischer in Mitau. Lith. fol. -- Portr.
der Gemahlin des Kammerherrn v. Schoeppingk, geb. Gräfin Medem.
Lith. -- Portr. des Generals Pantenius. Lith. fol. 1846. -- Portr.
des Generalsuperintendenten Wilpert. Lith. 1848. -- Ausser diesen
lithographierte er viele Porträts nach Zeichnungen von Oechs, Döring u.
a.

    Rigasche Stadtbl. 1830 S. 411; 1839 S. 127, 202. -- Inland 1845 S.
    562; 1846 S. 740; 1848 S. 1017.

=Schabert=, ~Eduard Anton~. Lithograph. Geb. 7. April 1826 in Mitau als
Sohn des Vorigen; gest. 7. September 1854 daselbst, war Schüler seines
Vaters und übernahm nach dessen Tode die Leitung der lithographischen
Anstalt.

    Inland 1854 S. 640.

=Scharlow=, ~G. C.~ Zeichner und Lithograph, war in den zwanziger und
noch im Anfang der dreissiger Jahre des 19. Jahrh. in Riga tätig. Von
ihm: Portr. des Schauspielers am Rigaschen Theater Aug. Heinr. Porsch
(† in Riga 1823), lith. nach dem Gemälde von Mäklenburg. -- Portr. des
Rigaschen Superintendenten Karl Gottl. Sonntag. Lith. nach einem Aquar.
von F. C. Tielker, 1828. -- Portr. des Violinvirtuosen und späteren
Inspektors der Kaiserl. Oper in Petersburg Louis Maurer. -- Rigasche
Ansichten: Riga von der Mitauer Vorstadt aus gesehen. -- Der Markt- und
Börsenplatz in Riga von der Ressource aus gesehen. -- Der Schlossplatz
mit der Siegessäule. -- Riga vom Lagerplatz (Lämmerberg) aus gesehen.
-- Landhaus des Rittmeisters v. Schröder und die Marienmühle. -- Der
Wöhrmannsche Park. (Als erstes Heft 1830 von der Hauswaldschen Lithogr.
herausgeg. Ein Probeblatt mit der Ansicht des Marktplatzes in Riga
erschien 1829).

    Rigasche Stadtbl. 1828 S. 305; 1829 S. 161; 1830 S. 371. --
    Provinzialbl. 1828 Nº 36, S. 148.

=Scheel=, ~Heinrich Karl~. Architekt. Geb. 5/17. Mai 1829 in Hamburg,
erlernte zunächst praktisch unter der Leitung seines Vaters, des
Architekten und Maurermeisters Daniel Dietrich Sch. das Maurerhandwerk
und besuchte in den Wintermonaten die Zeichenschule des Prof.
Fersenfeldt. Eine Besuchsreise führte ihn 1846 nach Petersburg und
der inzwischen erfolgte Tod seines Vaters bestimmte ihn in die
Petersburger Akad. als freier Zuhörer einzutreten. Er wurde Schüler
des Prof. Thon, errang sich 2 silb. Med. und 1852 den Grad eines
akadem. Künstlers, arbeitete dann unter Prof. Bohnstedt und kam 1853
zur Ausführung des von Prof. K. Beyne entworfenen Hauses der grossen
Gilde nach Riga. 1860 übernahm er in Gemeinschaft mit dem Architekten
Hess die Bauleitung des von Prof. Bohnstedt für Riga entworfenen
Stadttheaters und führte daneben eine grosse Anzahl von öffentlichen
und Privatgebäuden aus. 1862 Akademiker. Von seinen bedeutenderen
Bauausführungen nennen wir: Das jetzige v. Transehe’sche (früher
Kruth’sche) Haus, Thronfolgerboulevard 7. -- Das ehemals Krüger’sche
Haus, Alexanderboulevard 2. -- Das Interimstheater (nach dem Brande des
Stadttheaters im Jahre 1882). -- Die Börsenbank. -- Das Seemannshaus.
-- Mehrere russische Kirchen in Liv-, Est- u. Kurland. -- Die
reformierte Kirche zu Birsen in Litauen, (1867). -- Die luth. Kirche
in Sophienhof bei Preetz in Holstein, (1873). -- Das Bethaus der luth.
Gemeinde in Kemmern, (1895). -- Das Elektrizitätswerk der russ. Allg.
Elekt. Ges. Union.

=Scheffner=, ~Johann Gottfried~. Kupferstecher. Geb. 1765 in Mitau als
Sohn eines Zimmermanns; gest. daselbst 18. Dezember 1825, besuchte
die Stadtschule in Mitau und fertigte als Schüler der oberen Klasse
einen Globus für den Herzog von Kurland, wodurch er sich dessen Gunst
erwarb und von diesem die Mittel zu weiterer Ausbildung erhielt. (Ein
anderer von ihm angefertigter Globus befand sich 1808 im Himselschen
Mus. zu Riga). Vom Juli 1784 ab besuchte er das Gymnasium in Mitau und
genoss den Unterricht des Kupferstechers S. Kütner. Er studierte dann
in Jena, Wittenberg und Halle und folgte 1795 einem Rufe als Professor
und Lehrer des Zeichnens an das Kölnische Gymnasium in Berlin. 1797
übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers an der Universität Leipzig,
1804 kehrte er nach Kurland zurück, versah von 1806-1817 das Amt
eines Zeichenlehrers an der Kreisschule in Libau und lebte seit 1817
als Kupferstecher in Mitau, bis der Verlust des Augenlichts seiner
Tätigkeit ein Ziel setzte. Von ihm: Portr. Friedrichs des Gr. In
Berlin gestoch. -- Portr. der Herzogin Dorothea v. Kurland nach I. H.
Schroeder. (Der Stich ist vom Künstler dem Herzog gewidmet). Berlin
1793. -- Portr. des Schauspielers G. Kaselitz nach Krüger. Berlin
1794. -- Die Portrs. des Kaisers Peter I., der Kaiserin Elisabeth
Petrowna, der Kaiserin Katharina II., des Kaisers Alexander I. u.
der Grossfürstin Maria Pawlowna. (Für das Werk: Abrégé historique et
chronologique des règnes de tous les Souverains de la Russie par M.
d. L. Leipzig 1806. 8^o). -- Portr. des Generals Loudon (?) -- Portr.
des Buchdruckers Joh. Fr. Steffenhagen in Mitau nach C. C. Krauckling.
Mitau 1822. -- Ein Teil der 54 Tafeln für das von J. E. Neimbts
herausgegebene „Wappenbuch des Kurländischen Adels“ Mitau 1793. 4^o.
(Den andern Teil der Tafeln stach sein Lehrer S. Kütner).

    Mitauer Ztg. 1795 St. 49. -- A. D. Rowinsky словарь грав. портр. IV
    S. 758.

=Scheffner=, ~Karl Heinrich Ferdinand~. Maler. Geb. 7. April 1805 in
Libau als Sohn des Vorigen; gest. im Juni 1865 in Riga (Hagensberg.),
studierte 1827-29 in Dorpat und war Schüler des Kupferstechers K. A.
Senff. Er lebte später als Zeichenlehrer in Riga.

    Rigasche Stadtbl. 1859 S. 144. Album acad.

=Scherwinsky=, ~Max~. Architekt. Geb. 1/13. November 1859 in Tilsit,
studierte nach Absolvierung der Bauschule zu Buxtehude Architektur an
der technischen Hochschule zu Stuttgart und kam 1880 nach Riga, wo
er im Jahre 1881 ein Lehramt an der Rigaer Gewerbeschule übernahm,
zu deren Direktor er 1888 ernannt wurde. S. hat sich durch die
Förderung des Kunstgewerbes besonders verdient gemacht und ist auch auf
baukünstlerischem Gebiet wiederholt tätig gewesen. Nach seinen Plänen
wurden u. a. die Ausstellungsgebäude der Rigaschen Gewerbeausstellung
von 1883 und die der Jubiläumsausstellung von 1901 erbaut. Er gab
heraus: Die Rigaer Jubiläumsausstellung 1901 in Bild und Wort. Riga
1902.

    Illustr. Beilage zur Rigaschen Rundschau. Aug. 1901.

=Schiemann=, ~Wilhelm Friedrich~. Geschickter Dilettant. Geb. in
Kurland 1759; gest. in Paris 1824, war Kanzleibeamter in Mitau,
beschäftigte sich aber viel mit Architektur, über die er auch
geschrieben hat, und mit Landschaftsmalerei. Er reiste viel und lebte
seit 1809 in Paris. Von ihm: Eine kleine Landschaft, 1790. -- Das
Bildnis eines jungen Mädchens, 1792, in enkaustischer Manier gem.
1827 im Mus. zu Mitau. -- Die Aussicht in das Haslital, Sepia. (Im v.
Offenbergschen Album. Mus. Mitau.)

    (Jul. Döring.)

=Schiffner=, ~Gottlieb~. Porträt- u. Landschaftsmaler. Geb. 1755 in
Grosschönau bei Zittau in Sachsen; gest. in Dresden 1795, Schüler der
Dresdner Akad. und des Prof. Schenau. Zu Anfang der achtziger Jahre
des 18. Jahrh. lebte er in Warschau und kam 1785 nach Mitau, wo er
einige tüchtige Bildnisse und mehrere Landschaften in der Art des Chr.
Wilh. Dietricy malte. 16. IX. 1787 wurde er Mitglied der Petersburger
Kunstakad. 1788 kehrte er nach Dresden zurück. Er soll auch mehrere
kleine Landschaften radiert haben. Von ihm: Ein Portr. des Herzogs
Peter von Kurland. -- Portr. des Pastors C. D. Wehrt zu Gross-Autz.
-- Portr. der Elisabeth Concordia von der Recke, geb. v. Kupfer.
(Bes. Mus. Mitau). -- Monduntergang. -- Mondscheinlandschaft. (Bes.
Graf Medem, Elley). -- Morgen. -- Mittag. Zwei Landschaften mit Vieh.
1787 und 1788 gem. (Bes. Baron Lüdinghausen-Wolff, Jungfernhof). --
Das Portr. des Königs Stanislaus August v. Polen. (Dem Mitauer Mus.
geschenkt vom Grafen Raczynski). -- Das Portr. des Reichsgrafen Joh.
Friedr. v. Medem, Vaters der Elise von der Recke. (Bes. Graf Medem,
Elley). -- Kinder mit einer Ziege in einer Landschaft. Aquarellierte
Federzeichnung, 1786. (Album des Jak. Joh. Voss im städt. Mus. zu
Riga). -- Junge Jüdin in einer Landschaft. Bleistiftzeichnung,
1787. (Im Album des H. v. Offenberg, Mus. Mitau). -- Landschaft mit
Viehherde, in der Art des N. Berchem. (Bes. v. Bach, Mitau).

=Schilling=, ~Karoline~, geb. Senff. Malerin. Geb. 1801 als älteste
Tochter des Kupferstechers, spätern Professors an der Universität
Dorpat K. A. Senff, verheiratete sich 1827 mit Georg Gustav Schilling,
Pastor zu Schwaneburg und Aahof; gest. 20. Mai 1840, bildete sich unter
Leitung ihres Vaters zu einer geschickten Blumenmalerin aus.

    W. Neumann, Karl Aug. Senff. Reval 1895 S. 34 Anmerk.

=Schirmeister=, ~Jakob Christian~. Baumeister, wird 1755 als
„Herzoglich kurländischer Baudirekteur“ bezeichnet. 1766 trat er als
Kunst- u. Strommeister in die Dienste der Stadt Riga, wobei ihm das
Recht zugestanden wurde den Titel eines „Baudirekteurs“ weiterzuführen.
Im Museum zu Mitau von ihm 12 Blatt Zeichnungen in 4^o. Entwürfe zu
einem herzogl. Wohnhause auf dem Gute Grenzhof.

    (Jul. Döring.)

=Schlater=, ~Georg Friedrich~. Maler und Lithograph. Geb. 1804 in
Tilsit; gest. 14. April 1870 in Dorpat. Er hatte die Stubenmalerei
erlernt und kam jung nach Riga, zog aber um 1835 nach Dorpat, wo er
sich als „Puppenmaler“ niederliess, d. h. er malte auf Pappe Figuren
und Kulissen für Puppentheater, die Tiere der Arche Noäh und anderes
Spielzeug für Kinder. Unermüdlicher Fleiss und stetige Uebung brachten
ihn aber rasch vorwärts, so dass er 1837 das Amt eines Zeichenlehrers
an der Töchterschule in Dorpat übernehmen konnte. Bereits im folgenden
Jahre vertauschte er dieses Amt mit dem eines Zeichenlehrers am
Gymnasium und am Veterinärinstitut. Er hatte sich inzwischen eingehend
mit der Lithographie beschäftigt, begründete 1837 eine lithographische
Anstalt und war der Erste, der die Umgegend Dorpats in Bildern
veröffentlichte. 1838 machte er die ersten Versuche mit mehrfarbigem
Steindruck. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten gehören die Illustrationen
zu dem Prachtwerk des Professors Pirogow über chirurgische Anatomie,
wofür der Verfasser ihm ein ehrendes Denkmal in der Vorrede setzte und
ihm die gold. Med. am Stanislausbande verliehen wurde. 1852 erteilte
ihm die Petersburger Akademie den Rang eines freien Künstlers für
sein Oelgemälde „Die Ueberfahrt nach Annenhof bei Dorpat“. In seinen
letzten Lebensjahren beschäftigte ihn neben der Lithographie auch
die Photographie. Von seinen Arbeiten nennen wir in chronologischer
Ordnung: Malerische Ansichten von Dorpat und dessen Umgebung nach der
Natur gez. u. lith. 4 Hefte à 10 Blatt; qu. 8^o, 1837 u. 1838. --
52 Tafeln in fol. zur chirurgischen Anatomie von Pirogow, 1838. --
Die Lehr- und Erziehungsanstalt zu Birkenruh bei Wenden nach A. M.
Hagen, 1839. Lith. qu. fol. -- Ansicht von Dorpat von der Revalschen
Seite, umgeben von 14 kleinen Ansichten: Domtempel; Domruine; alte
Dombrücke; Knochenhäuschen; Techelfer; Quelle zu Camby; Tempel im
alten Mussegarten; Sternwarte; steinerne Brücke; Sadjerw und Kukulin;
Anatomikum; Universitätsgebäude; Marktplatz und Ansicht der Stadt
von der Badestelle aus. Höhe 450, Breite 525 mm. -- Zeichenvorlagen:
Heft 1: Figuren zum Nachzeichnen, 6 Blatt; Heft 2: Vorlagen zum
Landschaftszeichnen, 24 Blatt, lith. von Hagen, Hartmann und Schlater.
-- Die steinerne Brücke in Dorpat. Lith. qu. fol. -- Das malerische
Dorpat. 10 Lieferungen à 5 Blatt. Lith. gr. fol. 1852 u. 1853. -- Elf
kleine Ansichten aus Dorpat in Tondruck, wiederholt nach den oben
genannten. -- Die Sternwarte in Dorpat. Lith. nach einer Zeichnung von
A. Hagen. -- Album von Dorpat und Umgebung, 1860 qu. fol., enthaltend
einen Plan der Stadt, 14 Ansichten aus Dorpat, 6 aus Ratshof, Mollatz,
Heiligensee und Treyden in Irisdruck (In Berlin angefertigt). -- Der
Prahm bei Segewold. Lith. nach A. Hagen, 1841 Qu. fol. -- Ansichten
aus Reval: Die Stadt vom Meer her gesehen; die Neustadt bei Reval;
das Kaiserl. Lustschloss Katharinenthal; das Birgittenkloster bei
Reval, qu. fol. Diese Ansichten aus Reval wurden neben anderen von E.
Hostein mit einigen Abänderungen in der Staffage (diese meistens von A.
Victor) nachgezeichnet, in Paris von Lemercier farbig lithographiert,
bei Teosari et Co. in Paris gedruckt und in Reval bei D. Avanzo
verlegt. -- Ein Teil des Marktplatzes in Dorpat. Erster Farbendruck. --
Oeselsche Bauerntrachten, gem., auf Stein gez. u. in Farben gedruckt,
1852 qu. fol. (Hans vom Gute Tarwast nach A. Pezold. Tondruck 8^o;
Karl aus dem Tunri-Gesinde des Gutes Tarwast und Eva aus Oberpahlen;
estnische Bauerngestalten in ganzen Figuren. Lith. 8^o). -- Malerische
Ansichten aus Livland nach A. Hagen. -- Schloss Lais, Lith. --
Illustrationen zum Epos Kalewipoeg. -- Portr. des Rektors mag. der
Universität Haffner. Pastell. 1844 (Bes. Gel. estn. Gesellsch.). --
Portr. des Oberpastors Bienemann in Dorpat nach W. Wider. Lith. fol.
1846. -- Portr. des Rigaschen wortführenden Bürgermeisters Joh. Heinr.
v. Rolssen. Lith. nach G. Schlichting. -- Portr. des Badstubenbesitzers
G. A. Lockenberg in Dorpat (eine in damaligen Studentenkreisen bekannte
Persönlichkeit) gem. u. lith. fol. -- Portr. des Prof. emer. Reichert.
Lith. 1847. -- Portr. des Privatdozenten Dr. H. Assmuss, 1848 gem. u.
lith. -- Portr. des Kaufmanns Reinhold in Dorpat. Lith. fol. 1849. --
Portr. des livl. Landrats Baron Karl Axel Christ. v. Bruiningk. Lith.
fol. -- Portr. desselben, mit seiner Gemahlin. Lith. -- Portr. des
Direktors der Erziehungsanstalt in Birkenruh Dr. A. W. Hollander, nach
dem Gemälde von A. Pezold. -- Portr. des Prof. d. Theol. Th. Harnack,
1849. -- Portr. des Prof. E. Siller. -- Portr. des Pastors Valentin
Holst in Fellin. Gez. u. lith. 1851. -- Aussicht von der Ueberfahrt
nach Annenhof bei Dorpat, Oelgem. Konkurrenzarbeit, eingereicht vom
Künstler bei der Akad. in Petersburg zur Erlangung des Künstlergrades,
1852. -- Partie aus dem Park in Weimar. Aquar. -- Festsitzung in
der Aula der Universität am 12. Dezember 1852. Lith. fol. -- Portr.
des Prof. Christ. Ph. Kayser. -- Portr. des Prof. Joh. Karl Friedr.
Keil. -- Sechs Aquarelle, die Kalewidenstätten darstellend: Das
Kalewidenlager bei Allatzkiwi; der Granitblock daselbst; der Kopabach
unter Sarenhof; das Kalewidenlager bei Linota unter Terrastfer; das
Lager bei Ihafer unter Luhdendorf. -- Desgl. Oelgem. auf Pappe,
darstellend Kalewidensteine: Der Stuhl des Kalewipoeg zwischen Eks und
Kukulin; der Steinblock am Ufer des Sadjerwsees (Bes. Gelehrt. estn.
Gesellsch.).

    Inland 1838 S. 477 u. 716; 1839 S. 9 ff.; 1840 S. 426; 1844 S. 828;
    1846 S. 104; 1849 S. 312 u. 360; 1850 S. 368; 1852 S. 56; 1853 S.
    58, 117 ff., 811, 838 u. 931; 1856 S. 424; 1860 S. 758. -- Rigasche
    Stadtbl. 1829 S. 172; 1852, 20. Novbr. Rigasche Ztg. 1870 Nr. 91.
    -- W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 153.

=Schlater=, ~Alexander Georg~. Landschaftsmaler. Geb. 1834 in Dorpat
Sohn des Vorigen; gest. 12. Juni 1879 in Düsseldorf, erhielt den
ersten Kunstunterricht von seinem Vater und besuchte von 1853-59
die Petersburger Akademie, worauf er sich in Reval niederliess, wo
er vorübergehend als Zeichenlehrer an der Domschule tätig war. 1869
erhielt er die Ernennung zum freien Künstler und 1872 zog er nach
Düsseldorf. Die Mehrzahl seiner Landschaftsbilder befindet sich in
Privatbesitz in Reval.

    Rigasche Ztg. 1868 Nº 9; 1875 Nº 73; 1878 Nº 64; 1879 Nº 128. --
    Наши художники II S. 267. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer
    d. 19. Jahrh. S. 153.

=Schlegelmilch=, ~Johann Friedrich~. Steinmetz und Graveur, stammte
aus Suhl in Thüringen und wurde am 1. April 1804 Revaler Bürger. 1825
verfertigte er die Grabdenkmäler des Naturforschers Prof. Cuvier in
Paris und des Philosophen Prof. F. G. Hegel in Berlin.

    Revalsche wöchentl. Nachrichten 1825 S. 686 und 755.

=Schlichting=, ~Ernst Hermann~. Porträt- und Genremaler. Geb. 5.
Mai 1812 in Reval; gest. 8. Mai 1890 in Dresden, erhielt den ersten
Kunstunterricht von dem Kupferstecher K. A. Senff in Dorpat, besuchte
dann die Petersburger Akad. und begab sich von hier zu weiterer
Ausbildung nach Dresden. 1839 kehrte er aus dem Auslande zurück, liess
sich zunächst in Dorpat nieder, zog dann nach Riga und wählte gegen
Ende der vierziger Jahre Reval zum Wohnsitz, wo er seit Oktober 1850
das Amt eines Zeichenlehrers an der Ritter- und Domschule versah.
1845 war er für sein Bild „der Leiermann“ zum freien Künstler der
Petersburger Akad. ernannt worden. -- Auch seine Schwester ~Wilhelmine
S.~, † 1888 in Dresden, war Malerin. Von seinen Arbeiten nennen
wir: Der Geburtstagtisch, 1841 (städt. Mus. Riga). -- Portr. des
Komikers Roderich Lehmann (1837-41 am Rigaschen Theater) in zwölf
seiner Hauptrollen als Einfassung, 1841, lith. v. F. Deutsch, fol.
-- 14 Portrs. der bedeutendsten damaligen Rigaschen Schauspieler
auf einem Blatt, Aquar. 1843, lith. von Hanfstängl in Dresden. --
Portr. des Oberpastors zu St. Jakob in Riga C. L. Grave; nach dem
Tode aufgenommen, lith. v. F. Schlater. -- Portr. des Rigaschen
wortführenden Bürgermeisters Joh. Joach. Rolssen, lith. v. F. Schlater.
-- Portr. des Ratsherrn Aug. Heinr. Hollander, 1841 (Bes. Oberlehrer
Staatsrat B. Hollander, Riga). -- Panorama von Reval, von Katharinental
aus aufgenommen 1850. Lith. schwarz und farbig. Verlag von J. F. Kopp.
-- Ansicht der feindlichen Flotte auf der Revaler Reede mit mehreren
Porträts im Vordergrunde, 1854. lith. -- Die ehemalige Süsternpforte
in Reval (Prov. Mus. in Reval). -- Die Auswanderer, Skizze (Stadt,
Mus. Riga). -- Trachten der Schweden an der Küste Estlands und auf der
Insel Runö. Farbendr. v. Winckelmann und Sohn, Berlin, zu dem Werke
„Eibefolke“ von C. Russwurm, Leipzig 1854.

    Inland 1841 S. 417 und 844; 1843 S. 401; 1850 S. 715; 1853 S. 32;
    1854 S. 815; 1855 S. 241; 1857 S. 315. -- Rigasche Stadtbl. 1859
    S. 159. -- Rigasche Ztg. 1868 Nº 9. -- Revalsche wöchentliche
    Nachrichten 1850 Nº 31. -- Album der estländ. Ritter- und Domschule
    1859. -- Beiträge zur Gesch. der estländ. Ritter- und Domschule
    1869. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S.
    63-85.

=Schlippenbach=, ~Paul Freiherr v.~ Geb. 20. April 1869 in Olai bei
Mitau, wurde in Deutschland erzogen und studierte Jurisprudenz, ging
aber, obgleich er bereits das Staatsexamen abgelegt und den Grad eines
Dr. jur. erlangt hatte, 1895 zum Studium der Malerei über. Er wurde
Schüler des Jean Paul Laurens (acad. Julien) in Paris, arbeitete dann
unter Whistler und lebt jetzt in Dresden, wo er zu den Mitgliedern der
Kunstgenossenschaft gehört.

=Schmaeling=, ~Reinhold~. Architekt, geb. 1. November 1840 in
Riga, besuchte das Petersburger technologische Institut, um sich
zum Maschineningenieur auszubilden, trat aber später auf Anraten
des Tiermalers Alex. Schwabe in die Petersburger Kunstakad. zum
Studium der Architektur, die er 1868 mit der grossen goldenen
Medaille ausgezeichnet verliess, womit zugleich ein vierjähriges
Reisestipendium verbunden war. Er besuchte zunächst Deutschland, dann
auf zwei Jahre Italien und wurde nach seiner Rückkehr zum Akademiker
befördert. Anfangs im Departement der Apanagen angestellt, widmete
er sich von 1877 ab der Privatpraxis und folgte 1879 dem Ruf zur
Uebernahme des Amts eines Stadtarchitekten in seiner Vaterstadt, wo
er eine umfangreiche Bautätigkeit entfaltete. Zu seinen Hauptwerken
gehören: eine Anzahl grösserer Schulhausbauten, das Haus der
russischen Gesellschaft „Ulei“, das Polizeiverwaltungsgebäude, die
vier Feuerwehrdepôts, das Haus der Kommerzbank, das Armitsteadsche
Kinderhospital, die städtische Schlachthausanlage, die
Erweiterungsbauten des Stadtkrankenhauses, mehrere Wohngebäude u. a.

Auch sein Sohn ~Alexander Sch.~, geb. 22. Juni 1877, hat die Kunstakad.
in Petersburg absolviert und sich in Riga als Architekt niedergelassen.
Von ihm mehrere Wohngebäude.

=Schöne=, ~Johann Benjamin~. Maler. Geb. 1771; gest. 15. Januar 1813 in
Mitau, wird 1805 als „Kunstmahler“ aufgeführt.

    Mitausche Ztg. 1805 Nº 22 (Jul. Döring).

=Schorer=, ~Leonhard~. Porträtmaler. Geb. 1715 in Königsberg i. Pr.,
begraben 20. April 1777 in Mitau, war bereits um 1734 in seiner
Vaterstadt als Porträtmaler tätig und kam 1748 nach Kurland, wo er
namentlich am herzoglichen Hofe tätig war. Von ihm: Das Portr. des
kurl. Staatsrats Th. Ludwig Lau. Bez. pinx. Regimonti 1734. Gestoch.
v. C. Fritzsch (Hofgraveur des Herzogs v. Schleswig-Holstein),
Hamburg 1735. -- Portr. des kurl. Geh. Tribunalrats Christ. Georg v.
Ziegenhorn, gem. 1775 (Bes. Mus. Mitau). -- Portr. des Herzogs Karl
von Kurland, gem. um 1759 (Bes. Mus. Mitau). -- Portr. des kurl.
Superintendenten Christ. Huhn, gem. 1765. Gest. von J. W. Schleuen in
Berlin. -- Portr. des herzogl kurl. Mundschenken Joh. David Brederlo,
1765 (Bes. Gal. Brederlo, Riga). -- Portr. des Herzogs Ernst Joh. v.
Kurland, gem. 1767 (Bes. Buchdruckereibesitzer Steffenhagen, Mitau).
-- Portr. des Rentmeisters Voigt, gem. 1777 (Mus. Mitau). -- Portr.
des kurl. Generalsuperintendenten Joachim Baumann und dessen Gemahlin
Charlotte, geb. Stavenhagen (Bes. Ältester gr. Gilde W. Kerkovius,
Riga). -- Portr. des kurländischen Landhofmeisters Heinr. Christ. v.
Offenberg, 1696-1781 (Bes. Mus. zu Mitau). -- Portr. des Hauptmanns zu
Kandau Eberhard Christoph Phil. v. Hahn, 1765 gem. (Bes. v. Hahn).

    Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche in Mitau. -- Autogramme des
    Mitauschen Mus. III. S. 25. -- Brief des Malers Schiffner sen. (J.
    Döring).

=Schrenck=, ~Hermann v.~ Landschaftsmaler und Radierer. Geb. 20.
Juni 1847 in Dorpat; gest. 7/19. Januar 1897 in Bonn, studierte von
1866-68 Chemie an der Universität Dorpat, wandte sich in Weimar der
Malerei zu, wo er Schüler des Grafen Kalkreuth d. Ä. wurde. Seine
Arbeiten bewegen sich in der Mehrzahl in der Darstellung des Meeres
und des Meergestades. Von ihm: Abend bei Göhren. -- Ostsee bei Rügen.
-- Pommersche Küste bei Mondschein. -- Brandung an der Küste von
Bornholm. -- Die meisten seiner Bilder und Studien in Familienbesitz.
-- Radierungen: Die alte Flossbrücke in Riga; gr. qu. fol. --
Westfälischer Gutshof; 8^o. -- Westfälische Dorfstrasse; qu. 8^o. --
Brandung an der Bornholmschen Küste; qu. fol. -- Mühlenwehr; 8^o. --
Das Geburtshaus des Künstlers am Embach in Dorpat; 8^o. -- Heiligensee;
qu. 8^o -- Westfälischer Wald; qu. fol.

    Rigaer Tageblatt v. 23. Juni 1890, 6/18. Mai 1893 und 22. Jan.
    1897. -- Deutsche Petersburger Ztg. v. 7. März 1890. -- Baltische
    Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 155-156.

=Schuch=, ~August Friedrich~. Maler und Lithograph. Geb. 1792 in
Estland; gest. 1850 in Petersburg, studierte von 1811-13 in Dorpat
und widmete sich unter dem Kupferstecher K. A. Senff der Kunst. Er
arbeitete anfangs in Dorpat, dann in Reval, später in Petersburg. Von
ihm: Acht Ansichten der Universitätsgebäude in Dorpat. Lith. Herausg.
in 2 Heften 1820. -- Ein Ansicht von Reval 1818/19. Aquatinta. --
Portr. des Kaisers Alexander I. 1816. -- Baltische Ansichten (Burgen
und verschiedene mittelalterliche Gebäude), 8 Hefte zu je 6 Blättern.
Lith. gedr. in der lith. Anstalt von P. v. Helmersen in Petersburg,
1823. -- Portr. des Professors L. Ewers. Lith. fol.

    Album acad. -- Inland 1853 S. 117. -- Revalsche wöchentl.
    Nachrichten 1823 S. 264/5 und 304. -- K. Morgenstern, Dörptische
    Beitrage etc. 1816 S. 492 ff.

=Schule=, F.... Porträtmaler. Geb. 1795 in Leipzig, wahrscheinlich ein
Sohn des Kupferstechers Georg Christian S. (geb. 1764 in Kopenhagen,
gest. 1816 in Leipzig), hielt sich längere Zeit in Russland auf und kam
im Herbst 1845 nach Mitau, wo er eine Anzahl Porträts hinterlassen hat.
Um 1848 ging er nach Leipzig zurück.

    (Jul. Döring.)

=Schulz=, ~Karl Anton~. Lithograph. Geb. 1831 in Frankfurt a. M.;
gest. 26. Juni 1884 in Riga, lebte anfangs in Dorpat, wo er 1858 eine
lithogr. Anstalt errichtete. Er beschäftigte sich u. a. mit Versuchen
die Photographie auf Stein zu übertragen. Seine Resultate stellte er
der Akademie der Wissenschaften in Petersburg zur Prüfung vor, die
jedoch das Verfahren als nicht völlig gelöst bezeichnete. (Sitzg. d.
physiko-mathem. Kl. Bd. I S. 28-32). 1881 siedelte er nach Riga über,
wo er ein photographisches Atelier und eine Kunstdruckanstalt ins Leben
rief. Von ihm: Stammbaum der Romanowschen Dynastie von 1613-1866 mit
Bildnissen der Herrscher in Tondruck, 1866. -- Plan von Riga. Lith.
1867. -- Ansicht von Dorpat aus dem Ressourcegarten, umgeben von 11
kleineren Ansichten aus Dorpat. Farbendruck, qu. fol. -- Portr. des Dr.
Czymanowsky. -- Portr. des Barons C. v. Bruiningk. Lith. kl. fol. --
Kalender für das Jahr 1862 mit Ansichten aus Dorpat. Lith. -- Ansicht
von Dorpat. Lith. kl. qu. fol. -- Bildnis des Studenten Weiner im
Sarge. Lith. 4^o.

    Rigasche Stadtbl. 1866 S. 327. -- Inland 1858 S. 185; 1860 S. 432
    und 757. -- Mitausche Ztg. 1881 Nº 52.

=Schultz=, ~Emma v.~ Genre- und Porträtmalerin. Tochter des ehemaligen
Kommandanten von Dünamünde bei Riga; gest. Mai 1882 in Berlin, machte
ihre Studien in Düsseldorf und seit 1869 in Berlin, wo sie Schülerin
von Prof. Fr. Kraus war. Ihre Bilder stellen in der Mehrzahl Szenen
aus der modernen Gesellschaft dar. Von ihr: Interessante Lektüre.
-- Im Atelier der Malerin. -- Russische Gefangene ihre Wache zum
Spiel verleitend. -- Atelierszene. Zwei Herren betrachten ein
auf einer Staffelei stehendes Bild. -- Die Kondolenzvisite. Ein
Artillerieoffizier einer jungen Dame gegenüber u. a.

    Zeitschr. f. bild. Kunst. (Kunstchronik.) 1866. -- Rigasche
    Stadtbl. 1866 S. 419 und 481; 1872 S. 373. -- Rigasche Ztg. 1866
    Nº 298 (Feuilleton) -- Gegenwart 1872 Nº 39. (J. H. Kugler.)

=Schultz=, ~Theodor Gottfried~. Architekt, bekleidete zu Beginn des
19. Jahrh. das Amt eines Stadtbaumeisters in Riga. Das Dommuseum in
Riga besitzt von ihm eine Anzahl von Zeichnungen öffentlicher Gebäude
der Stadt. Er trat später als kurländischer Gouvernementsarchitekt in
den Staatsdienst und versah dieses Amt bis zum September 1846. Von ihm
stammt ein Entwurf zum Umbau der Trinitatiskirche in Riga vom Jahre
1838; auch erbaute er in Mitau die Armen- oder St. Johanniskirche,
deren Grundstein am 31. März 1845 gelegt wurde.

=Schultz=, ~Johann Ludwig~. Landschafts- und Porträtmaler. Ist in
Riga von 1812-1830 nachweisbar und zog dann nach Petersburg. Von ihm:
Die Rigaschen Vorstädte vor dem Brande von 1812 (ehemals im Bes.
des Himselschen Museums, jetzt im Dommus. zu Riga). -- Portr. des
Kronsbuchdruckers Jul. Konrad Daniel Müller, gem. 1823 (Bes. Dommus.
Riga). -- Portr. des Rigaschen Oberpastors Dr. Liborius v. Bergmann,
1823. Lith. nach dem Stich von K. W. Seeliger. -- Portr. des Dr. R.
Bidder. Lith. 1825. -- Portr. des Rigaschen Oberpastors Albanus. Lith.
1830. -- Portr. des Rigaschen Generalgouverneurs Marquis Paulucci.
Lith. von J. F. Krestling.

    Rigasche Stadtbl. 1823 S. 16; 1825 S. 138; 1828 S. 306; 1830 S. 135.

=Schultz=, ~Karl Johann Stephan~. Genremaler. Geb. 4. September 1823
in Riga; gest. 3. Juni 1859 in Mitau, erhielt den ersten Unterricht
von dem Zeichenlehrer G. W. Langewitz und trat dann als Lehrling in
die lithographische Anstalt von F. Hauswald in Riga. 1843 konnte er
durch private Unterstützung gefördert für kurze Zeit die Petersburger
Akademie besuchen, musste unzureichender Mittel wegen das Studium
aber schon nach einem Jahr wieder aufgeben und durch Porträtieren
seinen Unterhalt zu erwerben suchen. Erst 1845 gelang es ihm die Akad.
in Dresden zu beziehen. Er blieb hier bis 1847, lebte dann in Riga,
Archangel und Petersburg, besuchte 1851 die Akademie in Antwerpen und
liess sich nach einem Besuche Frankreichs und Italiens in Riga nieder.
1856 ernannte ihn die Petersburger Akademie zum Akademiker und 1858
übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers am Mitauschen Gymnasium und an
der neu errichteten Realschule. -- Sch. bevorzugte das humoristische
Genre. Von seinen Arbeiten nennen wir: Die Werbung. Ein Tischlergeselle
hält um die Hand der Meistertochter an (Dafür zum Akademiker ernannt).
-- Der Veteran von 1812. -- Werbeszene aus dem dreissigjähr. Kriege. --
Knaben mit einem Ziegenbock. -- Der Zahnarzt ohne Diplom. -- Vorteil
der breiten Leinwand. -- Nachteil der schmalen Leinwand (Aquarelle). --
Der widerspenstige Bauernknabe (Bes. Gal. Schloss Koltzen, Livl.). --
Das städt. Museum in Riga besitzt von ihm ein weibliches Bildnis und
einen Studienkopf nach einem Knaben.

    Inland 1859 S. 550. -- Rigasche Stadtbl. 1849 7. Juli; 1853 S. 65;
    1859 S. 149. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh.
    S. 65-66.

=Schultz=, ~Pauline v.~, s. Geiger.

=Schultz=, ~Samuel Benjamin~. Graveur und Xylograph. Geb. 1787;
begraben in Riga 7. März 1825. Er war anfangs in der Häckerschen
Druckerei in Riga, seit 1812 in der „Felddruckerei“ (Müllersche
Druckerei) angestellt. Er schrieb: „Erfindung, ein simples Papier durch
künstliche Gravierung und durch gewöhnlichen Bücherdruck unnachahmlich
zu machen und vor aller Fälschung sicher zu stellen“ (Rigasche
Stadtblätter 1820 Nº 5). Von ihm die Bildnisse Luthers und der
Katharina Lutherin, geb. v. Bora, in Holzschnitt 1817. Für den Besitzer
der Felddruckerei Müller ausgeführt, 8^o.

    Rigasche Stadtbl. 1817 S. 100; 1819 S. 55; 1821 S. 88. -- Rigasche
    öffentliche Anzeigen 1819 Nº 7.

=Schuhmacher=, ~Karl Jakob~. Porträtmaler. Geb. 1786 in Riga; gest.
daselbst im Februar 1824.

=Schwabe=, ~Alexander~. Tiermaler. Geb. 14. September 1818 in Riga;
gest. 30. Mai 1872 in Reval, wurde 1838 Schüler des Professors A.
Sauerweid in Petersburg. Seine äusserst naturwahren Darstellungen aus
dem Tierleben trugen ihm wiederholt Auszeichnungen ein, und eine für
den erkrankten Sauerweid ausgeführte und in kurzer Zeit vollendete
Arbeit, eine Darstellung des Kaisers und der Kaiserl. Suite zu Pferde,
wurde Anlass, dass ihm vom Hofe eine reiche Anzahl von Aufträgen
zuteil wurde. Er wurde Hofmaler, 1847 Akademiker und 1861 Professor
für Tiermalerei an der Akad. Die Mehrzahl seiner Werke, namentlich
Jagdszenen, befindet sich in Kaiserl. Besitz.

    Dünaztg. 1899. Nº 72. -- Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S.
    100-101.

=Schwank=, ~Wilhelmine~. Malerin. Geb. 2. August 1844 in Wolmar,
besuchte die Zeichenschule in Petersburg und bildete sich weiter unter
Prof. Kriebel in Dresden. Sie siedelte von dort nach Düsseldorf über,
besuchte 1885 Italien und liess sich dann in Altenburg nieder, wo sie
als Lehrerin und Porträtmalerin wirkt.

=Schwarz=, ~Otto Gottlieb~. Zeichner und Lithograph, stammte aus Werro
und scheint seine ersten Studien in Petersburg gemacht zu haben; er kam
1828 nach Riga. Von ihm ein Portr. der preussischen Hofschauspielerin
Frl. Bauer in Lith. Für die Kosmoramen des Theatermalers Bräutigam
malte er eine Krönung des Kaisers Alexander I. nach einem Pariser
Steindruck; auch für den Viedertschen Theateralmanach fertigte er 1829
eine Lithographie, die aber durch die Schuld des Druckers verunglückte.

    Rigasche Stadtbl. 1828 S. 306; 1829 S. 4, 58.

=Schwede=, ~Theodor Konstantin~. Landschaftsmaler, Schüler der
Petersburger Akad. 1847 freier Künstler. Er wirkte als Zeichenlehrer
in Petersburg. Von ihm: Darstellungen von Volkssagen, 1848. -- Schloss
Koltzen, gem. 1868. (Bes. Gal. Koltzen, Livl.).

=Schwede=, ~Robert Konstantin~. Porträtmaler. Geb. 6. Dezember 1806
auf dem Gute Moiseküll in Livl.; gest. 28. Juli 1871 auf dem Gute
Gräfenfeld bei Lemsal, Vetter des Vorigen, Schüler der Petersburger
Akad. und des Professors C. T. Neff; seit 1847 freier Künstler. Er
gehörte in Petersburg bald zu den beliebtesten Porträtmalern. 1852
erwarb er das Gut Dannenberg in Kurland und verbrachte die Wintermonate
in Riga. 1865 liess er sich, nachdem er sein Gut verkauft hatte, ganz
in Riga nieder und beschäftigte sich auch mit Landschaftsmalerei. Viele
seiner Porträts sind in Lithographie vervielfältigt. Wir nennen von
ihnen: Das Portr. des Gouverneurs G. Fr. v. Fölkersahm. Lith. von F.
Deutsch, 1843, gr. fol. -- Das Portr. der Frau Katharine v. Sengbusch
(Familienbes. Riga; lith. v. C. Fischer, Druck v. W. Korn, Berlin
fol.). Portr. des Hofkapellmeisters Heinr. Dorn; (lith. v. Unte, Druck
v. L. Zöllner, Berlin, fol.). -- Portr. des Medizinalinspektors Dr.
Ludw. Dyrsen; (lith. von Sachs & Co., Berlin, fol.). -- Portr. des
Professors K. Fr. Chr. Dyrsen; lith. in Berlin. -- Portr. des M. v.
Essen; (lith. in 100 Exemplaren.) Das städt. Museum besitzt von ihm ein
Damenbildnis.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. d. 19. Jahrh. S. 66-67.

=Schweinfurth=, ~Ernst~. Landschaftsmaler. Geb. zu Karlsruhe 1818;
gest. 24. Oktober 1877 in Rom, Vetter des aus Riga gebürtigen
Afrikareisenden Schw., Schüler von K. Frommel in Karlsruhe und
der Münchener Akademie; lebte in München im Freundeskreise des
Grafen Schack und später in Rom. In seiner Heimat hat er sich nur
vorübergehend aufgehalten. Im städt. Museum zu Riga von ihm eine
Campagnalandschaft. In Karlsruhe eine Ansicht der Bucht von Cattaro; in
der Schack-Gal. in München eine Landschaft bei Cerveti und Kreuzgang im
Lateran.

    Rigasche Ztg. 1877 Nº 254; 1880 Nº 242; 1881 Nº 43. -- Mitausche
    Ztg. 1877 Nº 46.

=Schweinfurth=, ~Eva Margarethe~, ~verehel. Borchert~. Malerin. Geb.
8. Mai 1878, erhielt seit dem 11. Jahre künstlerischen Unterricht und
trat 1895 in die Jung-Stillingsche Kunstschule in Riga. 1898 ging sie
nach Paris, wo sie sich unter R. Collin bildete und siedelte dann nach
München über. Hier entstanden mehrere allegorische Studien, wie: Der
Sturm, Einsamkeit, der Tod, das Lied u. a., auch machte sie hier ihre
ersten Versuche im Radieren und in der Lithographie. Neuerdings hat
sich die Künstlerin der Pastelltechnik und dem Porträt zugewandt.

=Schwenburg=, ~Johannes~. Baumeister des 17. Jahrh. Über seine
Herkunft ist nur bekannt, dass er aus Kurland stammte. 1666 wurde „der
Magister J. Schwenburg“ vom Rigaschen Rat als Adjunkt des alternden
Stadtingenieurs Franziskus Murrer angestellt. Er lieferte im Auftrage
des Rats mehrere Entwürfe zum Turm und der Westfassade der Petrikirche
in Riga.

    Sitzungsber. der Gesellsch. f. Gesch. und Alterstumskunde 1891 S.
    48 ff. -- W. Neumann, Das mittelalterliche Riga. S. 35.

=Schwencke=, ~Gottlieb~. Porträtmaler, lebte von 1794 bis 1820 in
Mitau; gest. in München 1821. Im Museum zu Mitau von ihm: Das Portr.
des Mitauschen Oberhofgerichtspräsidenten Heinr. v. Offenberg.

    (Jul. Döring.)

=Schwendowsky=, ~F.~ Maler. Von ihm das grosse Bild einer rigaschen
Jagdgesellschaft mit vielen Porträts, darunter das des Gouverneurs
Golowin. Oktober 1846. lith. v. W. König, Riga; qu. fol. Seltenes Blatt.

    Rigasche Stadtbl. 1846 S. 241. -- Inland 1846 S. 810.

=Seeliger=, ~Karl Wilhelm~. Maler und Kupferstecher. Geb. 1766 in
Berlin; gest. 28. August 1821 in Petersburg, machte seine Studien in
Berlin und kam gegen Ende des 18. Jahrh. nach Riga, von wo er später
nach Petersburg übersiedelte. 1806 ernannte ihn die Petersburger
Akademie zu ihrem Mitgliede für die von ihm ausgeführten Stiche der
Porträts des Eugen Bulgar und der Gräfin Praskovia Scheremetjew. Er
scheint auch später wieder in Riga vorübergehend tätig gewesen zu
sein. Von ihm: Ein Portr. des Kaisers Alexander I. nach Gerh. v.
Kügelgen. Kupferstich 1801. -- Das Portr. des Rigaschen Oberpastors Dr.
Liborius v. Bergmann, 1821. (Pastell im Bes. des Stadtbibliothekars
Dr. Arend Buchholtz in Berlin). Darnach in Kupfer gestoch. Der Stich
ist vom Künstler der Rigaschen Gemeinde gewidmet; lith. nach dem
Stich von J. L. Schultz, 1823. -- Portr. des Oberlehrers am Rigaschen
Gymnasium Dr. Joh. Christ. Brotze. (Pastell im Bes. der Stadtbibliothek
zu Riga). Darnach lithogr. -- Portr. des Staatsrats Joh. Phil. v.
Weisse, Direktors der Peter-Paulschule in Petersburg. Kupferstich
darnach vom Künstler der St. Petrigemeinde in Riga gewidmet. --
Allegorie zur Erinnerung an die Thronbesteigung Alexanders I. Gez.
und in Kupfer gest. -- Portr. des Kammerherrn N. P. Scheremetjew,
1805. Stich nach dem Gem. v. Argunow d. Ält. -- Portr. der Gräfin
Praskovia Scheremetjew, Gemahlin des Vorigen, 1806. -- Portr. des
Eugen Bulgar. Kupferstich 1806. -- Portr. des Kurators der Moskauer
Universität Michael Murawjew. Gem. und in Kupfer gest. 1806. Die Platte
befand sich im Bes. von D. A. Rowinsky in Petersburg. -- Portr. des
Feldmarschalls Golonitschew-Kutusow. (Kreidemanier). -- Portr. des
Generals Fürsten Witgenstein im Profil. (Kreidemanier). -- Portr.
des Ambrosius Podobedow und des M. N. Murawjew. -- Ein Portr. des
Schauspielers P(orsch) in der Rolle des Hamlet und Mädchen mit Satyr
(werden von Nagler aufgeführt). -- Die Entführung der Dejanira nach
Tizian. Schabkunstblatt, qu. fol. -- Die gelinde Strafe, Amor züchtigt
ein junges Mädchen. Nach Pietro Libery. Schabk. qu. fol.

    D. A. Rowinsky, словарь грав. порт. IV. 669 u. Beilagen 238, 315
    und 595. -- Kat. der Kult. hist. Ausst. Riga 1883 Nº 1118 und 1122.

=Seidlitz=, ~Ernst Johann v.~ Ingenieur. Geb. 9. Februar 1789
(wahrscheinlich) in Reval; gest. 15. Februar 1859 in Petersburg,
besuchte die Domschule in Reval, studierte Ingenieurwissenschaften
und Architektur und diente 1807 als Ingenieuroffizier in Narva. Von
1825-1837 lebte er in Reval und wurde im Mai 1831 als Oberst in
Gemeinschaft mit dem Ingenieur Friedr. Ernst Jordan (s. d.) mit den
Wiederherstellungsarbeiten an der 1820 abgebrannten Olaikirche betraut.
Von Reval wurde er nach Kiew versetzt, 1844 nach Orenburg beordert und
1851 als Generalmajor nach Petersburg berufen.

    (W. v. Seidlitz, Dresden).

=Senff=, ~Karl August~. Maler und Kupferstecher. Geb. 12. März 1770
zu Kreypau bei Merseburg als Sohn des dortigen Pastors, späteren
Konsistorialrats in Halle Dr. theol. Karl Friedr. S.; gest. 2. Januar
1838 in Dorpat, war zum Studium der Medizin bestimmt, ging jedoch nach
Leipzig auf die Kunstschule, von wo er 1795 nach Dresden zog und hier
durch Anton Graff und Leberecht Vogel weitere Förderung empfing. 1802
nahm er einen Ruf als „Lehrer der Zeichenkunst und Kupferstecherei“
an die neugegründete Universität Dorpat an. Er traf im Herbst 1803
in Dorpat ein und hat dort eine äusserst fruchtbare Tätigkeit auf
dem Gebiete der graphischen Kunst und der Pastellmalerei, die er
meisterhaft übte, entwickelt. Die Mehrzahl der älteren bedeutenderen
baltischen Künstler zählt zu seinen Schülern. Am 26. Januar 1818 wurde
er zum a. o. Professor ernannt. Von ihm:

    ~Porträts in Kupferstich und Lithographie.~

Port. des Kunstgelehrten Joh. Joach. Winckelmann nach Raph. Mengs.
Titelblatt zu K. Morgenstern: Johann Winckelmann. Eine Rede usw.
Leipzig 1805. 4^o. -- Portr. eines Kindes, angeblich einer Gräfin
Lieven. 4^o. -- Portr. des Kurators der Universität Dorpat Generalmajor
v. Klinger, nach E. G. Bosse, gr. fol. -- Portr. des Grafen J. Sievers.
1809 nach I. Grassi. Titelblatt zu Fr. E. Rambach: Vorlesung am
Geburtsfeste Sr. Maj. des Kaisers usw. fol. -- Portr. des Freiherrn
Wold. Dietr. v. Budberg. 1812. Zu dessen Lebensbeschr. in Livona I S.
155-164. 8^o. -- Portr. des Ministers des Innern Kosodawlew. 1813. fol.
-- Portr. des Predigers der reform. Kirche in Riga Dr. G. Collins.
1814. Titelbild zu den v. K. L. Grave herausgegeb. Gedichten Collins.
8^o. -- Portr. des Generals Grafen Witgenstein. 1815. roy. fol. --
Portr. des Generalgouverneurs Marquis Ph. Paulucci. 1815. fol. --
Portr. des Superintendenten Dr. K. G. Sonntag. 1815. fol. -- Portr.
des Akademikers A. C. Lehrberg nach einer Büste von Martos. 1816. fol.
-- Portr. des Generalfeldmarschalls Fürsten Barclay de Tolly, nach Ch.
G. Vernet. 1817. fol. -- Portr. des Orientalisten Otto Fr. v. Richter.
1817. Titelbild zu dessen v. J. Ph. G. Ewers herausg. „Wanderungen
im Morgenlande“. 4^o. -- Portr. des Vaters des Künstlers nach G. v.
Kügelgen. 1830. fol. -- Portr. eines Arztes (Lincke?) Silhouette,
Radierung. qu. 8^o. -- Portr. Silhouette des Oberlehrers am Rigaschen
Gymnasium Dr. Joh. Chr. Brotze. Titelbild zur Grabrede auf Brotze.
1825. 8^o. -- Portr. des Prof. Dr. F. v. Erdmann. Lith. 1823. gr. fol.
-- Portr. des Prof. Lorenz v. Ewers. Lith. 1823. -- Von den Ports.
Witgensteins und Barclay’s de Tolly gibt es Wiederholungen in 12^o, des
ersteren in der Livona, des andern in Livona’s Blumenkranz.

    ~Genre- und Landschaft.~

    a) ~Radierungen.~

Landschaft mit Ruine, bez. „Seinem guten Vater widmet diesen ersten
Versuch Carl August Senff“. Rechts bez.: Senff del. links; d. 26. Juli
1789, 12^o. -- Ideallandschaft mit Wasserfall und antiken Figuren nach
Chr. Aug. Günther, qu. 8^o. -- Baumlandschaft mit Bauernhaus nach F.
v. Kobell, qu. 8^o. -- Die Hirschmühle, schlesische Landschaft, qu.
8^o. -- Rudera Mileti; Rudera templi Apollinis Didymaei. Illustrationen
zur Dissertation des späteren Professors der Kameral-, Finanz- u.
Handelswissenschaft in Dorpat F. E. Rambach: de Mileto ejusque
Coloniis. Halae 1790, 12^o. -- Landschaft mit Kirche und Bauernhaus
nach G. Chr. Schule, 8^o. -- Die Ruheländer Brudereichen; das Badehaus
zu Salisburg, 1813 nach E. M. Ulprecht für die „Livona“, 12^o. --
Ansicht aus Ebels Garten (Wöhrmannscher Park) in Riga; die Teufelshöhle
im Park zu Hinzenberg, 1815 nach E. M. Ulprecht; die Hofschule zu
Ronneburg, 1815, 12^o; für „Livonas Blumenkranz“.

    b) ~Aquatinta.~

Kosakenzug nach Karl Ad. Heinr. Hess, dem Umrisstich von Stölzel
nachgestochen, qu. fol. -- Die beiden Knaben (Prinz Otto Victor von
Schönburg-Waldenburg und dessen Bruder Prinz Alfred) nach Chr. L. Vogel
(Dresdner Gal. Kat. Nº 2189) qu. fol. -- Das Kind mit dem Vogelbauer;
das spielende Kind nach Chr. L. Vogel um 1800, fol. -- Kinderporträt
nach demselben, fol. -- Landschaft mit Holzbrücke zwischen den
Felsenufern eines Flusses, 8^o. -- Italienische Ideallandschaft, 8^o.
-- Gartenhaus, architektonisches Blatt nach G. F. Thormeyer, kl. fol.
-- Gebirgslandschaft mit Wasserfall und Brücke, fol. -- Die Höhle zu
Liebenstein (sächs. Schweiz) bei Fackelbeleuchtung nach Wilh. Thierry,
qu. 4^o. -- Acht Ansichten aus dem Garten zu Machern bei Leipzig
nach Joh. Gottfr. Klinsky für die Beschreibung des Gartens von F. W.
Glasewald, qu. fol. -- Burgruine in einem Felsental, 8^o. -- Drei
Landschaften aus Peterhof nach Skizzen des Dichters W. Joukoffsky,
1820 kl. 8^o. -- Grundriss der Reste des Theaters zu Bosra und Plan
des Tempels zu Salamen; Theater im Schloss zu Bosra; Tempel zu
Salamen; Reste des Thrones der jüdischen Prinzessin zu Bosra; Detail
der Säulenordnungen am Thron der Prinzessin. Nach O. F. v. Richter in
dessen „Wanderungen im Morgenlande“, herausg. von J. Ewers, qu. fol.
-- Ansicht von Dorpat nach einem 1803 angefertigten Gouachegemälde,
1875 noch in Familienbesitz. Kolor. Stich, der Baronin Karoline v.
Löwenwolde, geb. v. Meyendorff gewidmet, gr. qu. fol. -- Ausblick
vom Senffschen Garten, um 1820, 4^o. -- Antike Ruine mit Jägern,
1822 qu. 8^o. -- Antike Burgruine mit Viehherde, 1822 qu. 8^o. --
Ruinen eines gewölbten dreischiffigen unterirdischen Raumes, 1822 qu.
8^o. -- Neunzehn Tafeln, die Baulichkeiten der Universität Dorpat
darstellend, 1827 nach W. Krause in der Festschrift zum 25 jährigen
Jubiläum der Universität, gr. fol. -- Das Schwarzhäupterhaus in Riga
nach J. Chr. Brotze, 8^o. Titelblatt zur Gesch. d. Schwarzhäupter
von G. T. Tielemann, Riga 1831. -- Zwei Hefte mit 25 Kupfertafeln:
Vorzeichnungen für Anfänger, nebst Text, fol. 4^o. -- Drei Hefte mit
24 Tafeln: Baum- und Blumenstudien, fol. Heft 2 in 4^o (Die Entwürfe
dazu, teils farbig, teils in Tusche oder Sepia ausgeführt in der
Universitätsbibliothek zu Dorpat). -- Zwei Hefte mit 18 Tafeln:
Vorzeichnungen für Anfänger im Landschaftszeichnen. Mit Text, fol.
-- Geometrische Zeichenlehre. Ein Schulbuch für die Schulen der
Ostseeprovinzen. 70 Tafeln in 4^o. 167 Seiten Text in 8^o, 1828.

    ~Vervielfältigungen nach seinen Zeichnungen.~

Partie aus den englischen Anlagen in Leipzig, gestoch. v. Grünler
1792, qu. 8^o. -- Titelbild zu einer Ausgabe lateinischer Klassiker,
gestoch. v. dems. 1793, 8^o. -- Portr. des F. C. Laukhard, gestoch. v.
J. G. Schmidt, Dresden 1793, 8^o. -- Der Abschied der Tochter, gestoch.
v. C. Schule, 1793, 12^o. -- Bauerntanz, gestoch. v. Grünler, 12^o.
-- Der weinende Knabe, gestoch. v. dems. 12^o. -- Zwölf verschiedene
Städteansichten und Volkstrachten zu einem Reisewerke, gestoch. v.
dems, 12^o. -- Sechzehn Zeichnungen aus dem Kinder- und Tierleben
zu einer Herausgabe von Fabeln. Rad. v. Sam. Gränicher, 12^o. --
Estnischer Bauer auf dem Markte, rad. v. Jul. Senff, 4^o. -- Portr. des
Prof. G. F. Parrot, lith. v. W. Krüger, fol. -- Portr. des Prof. J. Fr.
L. Schmalz, lith. v. Schabert, 1832, fol. -- Portr. des Dr. Karl Ed.
Senff, lith. v. Schlater, fol. -- Diplom für die Mitglieder des sächs.
Weinbauvereins in Aquatinta ausgeführt, qu. fol.

    W. Neumann, Karl August Senff. Ein baltischer Kupferstecher. Reval
    1895. -- Balt. Monatsschr. Bd. 38 S. 91 ff. -- K. Morgenstern,
    Dörptische Beiträge für Freunde der Philosophie usw. Bd. 1 S. 206,
    Bd. 3 S. 492 ff. -- Rigasche Stadtblätter 1815 Nº 23; 1816 S. 415;
    1817 S. 225. -- Inland 1836 S. 37 u. 38. -- D. A. Rowinsky: словарь
    грав. порт. IV. S. 669/70.

=Senff=, ~Karl Julius~. Maler und Architekt. Geb. 11. Dezember 1804
in Dorpat, Sohn des Vorigen, gest. auf einer Studienreise in Mailand
19. April 1832, studierte von 1823-27 an der Universität Dorpat und
genoss daneben den Unterricht seines Vaters. Als Student verfasste er
ein Lehrbuch der Perspektive für Landschaftsmaler zum Selbststudium,
(erschienen 1825). Seine preisgekrönte Arbeit: „Systematische
Darstellung der Hauptsätze der Geometrie im Raume“, wurde auf Kosten
der Universität gedruckt. Zu weiterer Ausbildung begab er sich ins
Ausland, promovierte 1830 in Jena und studierte dann in Prag und Wien
Architektur, worauf er in Begleitung seines Onkels, des Malers Karl
Adolf Senff (des jüngsten Bruders von Karl August S.) Italien bereiste.
Auf der Rückreise erkrankte er und wurde bewusstlos nach Mailand
gebracht. Er war zum Professor der Architektur an der Universität
Dorpat designiert. Von ihm: Estnischer Bauer auf dem Dorpater Markt.
Radierung nach einer Zeichnung des Vaters. -- Portr. eines jungen
Mannes in Kürassieruniform, 1828. Lith. fol. -- Portr. des Professors
N. Lobry, 1828. Lith. 4^o. -- Zehn Illustrationen in Aquatinta zu
seinem Werk: Die Domkirche zu St. Veit in Prag. Berlin 1831, fol.

    W. Neumann, Karl Aug. Senff, Reval 1895 S. 37, 38. -- Balt.
    Monatsschr. Bd. 38 S. 91 ff.

=Senff=, ~Karoline~ (s. Schilling).

=Sidaw= (~Sydau~), ~Christian~. Porträtmaler. Geb. 16. August 1682
in Mitau, wahrscheinlich als Sohn eines gleichnamigen herzogl.
„Cantzelisten“; nachweisbar noch 1758. Ausser einigen anderen
Bildnissen besitzt das Museum in Mitau von ihm ein Selbstporträt, das
ihn im Alter zwischen 50 und 60 Jahren darstellt. Auf der Rückseite in
alter Schrift: Christian Sidaw natus a^o 1682, 16. August.

    Sitzgsber. der Kurl. Gesellschaft f. Lit. u. Kunst. 1888 S. 19 ff.;
    1890 S. 38.

=Sidaw= (~Sydow~), ~Ferdinand Wilhelm~. Maler. Geb. 1721, Sohn
des Vorigen; gest. 19. April 1770 in Mitau, erlernte die Malerei
wahrscheinlich unter seinem Vater. Von ihm ausser mehreren Bildnissen
eine Darstellung der Gruft im alten herzogl. Schlosse zu Mitau 1738,
und ein Kurländisches Wappenbuch, bez. F. W. Sydow Pictor. (Bes. Mus.
Mitau).

    Kirchenbuch der reform. Gemeinde in Mitau. (Jul. Döring).

    NB. Ein Silhouetteur Sydow oder Sideau empfiehlt sich 1786 in der
    Mitauschen Ztg. (St. 6) dem Publikum zur Anfertigung der „beliebten
    Familienstücke und Landschaften im Schatten, auch Silhouetten in
    einem neuen Geschmack“. Er lebte 1782 und 1783 in Petersburg, wo
    er eine grosse Anzahl Silhouetten von Personen des Kaiserl. Hofes
    ausführte. Eine grosse Sammlung solcher Silhouetten erwarb in
    Petersburg Baron Dr. Asch († 1807); sie kam nach seinem Tode in den
    Besitz der Göttinger Universität. Mehrere Silhouetten Sydows finden
    sich abgebildet in dem Werk: La Cour de l’impératrice Catherine II
    ses collaborateurs et son entourage (französ. u. russ. Text.) s. D.
    A. Rowinsky: словарь грав. порт. IV. S. 734.

=Siebenbrodt=... wird als fürstlicher Bildhauer am 18. April 1766 in
Mitau beerdigt. Kirchenbuchnachrichten.

    (Jul. Döring).

=Siegmund=, ~Julius Gottfried~. Porträt- und Genremaler. Geb. 1. Juli
1828 in Riga, Schüler des Malers Otto Berthing, der Dresdner Akademie
und von 1847-1850 der Kunstschule zu Leipzig. Von 1850-56 lebte er
in Riga, ging dann nochmals zu Studienzwecken nach Antwerpen, wo er
unter J. van Lerius und unter de Keyser arbeitete, besuchte dann Paris
und im Frühling 1858 München. Im Herbst desselben Jahres ging er nach
Rom. 1859 liess er sich in Petersburg nieder, doch kehrte er nach
dreijährigem Aufenthalt daselbst nach Riga zurück, wo er lange zu den
beliebtesten Porträtmalern gehörte und auch heute noch tätig ist. Das
städt. Museum zu Riga besitzt von ihm ein Genrebildchen: Knaben auf der
Vogeljagd in einem Dachbodenfenster. Im Dommuseum zu Riga sind viele
seiner Bildnisse.

    Inland 1856 S. 564. -- Rigasche Stadtbl. 1859 S. 147; 1871 S. 344.
    -- Rigasche Ztg. 1868 Nº 110, 232; 1870 Nº 105; 1871 Nº 26; 1872 Nº
    98; 1873 Nº 12; 1875 Nº 213; 1877 Nº 27; 1878 Nº 80, 132; 1883 Nº
    202. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 70-71.

=Sivers=, ~Otto Reinhold August~. Architekt. Geb. 13. Juni 1836 in
Bischofshof bei Dorpat als ältester Sohn des Malers P. F. v. Sivers;
gest. 9. Oktober 1905. Absolvent des Instituts der Zivilingenieure. Er
wurde bei der Rigaschen Gouvernementsbauverwaltung beschäftigt und 1862
nach Reval versetzt. 1866 schied er aus dem Staatsdienst und übernahm
das Amt eines Architekten der livländischen Ritterschaft, von dem er
im Jahre 1900 zurücktrat. Er erbaute das ehem. Landesgymnasium zu
Birkenruh bei Wenden, die Kapelle auf dem St. Jakobikirchhofe in Riga
und mehrere herrschaftliche Wohnhäuser auf dem Lande.

=Sivers=, ~Peter Felix v.~ Porträtmaler. Geb. 12. März 1807 auf dem
Gute Euseküll; gest. 10. März 1853 in Wiborg in Finland, diente
anfangs im Narvaschen Husarenregiment, nahm aber 1830 seinen Abschied,
um seinen künstlerischen Neigungen ungestörter folgen zu können. Doch
erst 1845 gelang es ihm ernstlich an seine Ausbildung zu gehen. Er
besuchte die Düsseldorfer, dann die Dresdner Akad. und schloss seine
Studien in Antwerpen ab. Seit dem Herbst 1849 liess er sich in Dorpat
nieder, wo er eine grosse Rührigkeit als Porträtmaler entfaltete.

    Inland 1849 S. 130. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer d. 19.
    Jahrh. S. 67-68.

=Söffrens=, ~Nikolaus d. Ä.~ Bildhauer, seit 1656 in Windau als
herzoglicher Bildhauer nachweisbar; gest. um 1694 in Windau. Er wurde
hauptsächlich als Schnitzer von Gallionbildern beschäftigt.

    W. Neumann, die kurländischen Bildhauer Nikolaus Söffrens, Vater
    und Sohn. Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Gesch. und Altertumskunde
    Riga, 1896. -- Derselbe in: Rigasche Stadtbl. 1895 Nº 8.

=Söffrens=, ~Nikolaus d. J.~ Bildhauer. Geb. 4. Juni 1662 in Windau als
Sohn des Vorigen; gest. 5. August 1710 daselbst an der Pest, erlernte
die Kunst bei seinem Vater und wird sich auf Reisen weitergebildet
haben. Mit 22 Jahren trat er als Gehilfe des Vaters in die Dienste des
Herzogs Jakob von Kurland und rückte nach dem Tode des Vaters in dessen
Stelle ein. Als seine Hauptarbeiten sind bekannt: Der geschnitzte Altar
der St. Annenkirche zu Libau, inschriftl. 1697 von ihm angefertigt. --
Altar und Kanzel der Kirche zu Landsen in Kurland, 1701 vollendet.

=Spörer=, ~Eduard~. Landschaftsmaler. Geb. 12. Juni 1841 in Reval;
gest 10/22. November 1898 in Düsseldorf, besuchte von 1859-1868 die
Petersburger Akad. und zog 1870 nach Düsseldorf. Von hier unternahm er
Studienreisen nach Rügen, besuchte Paris und bereiste die Bretagne und
die Normandie. Besonders durch seine Bilder aus der Bretagne erregte er
Aufmerksamkeit. In den neunziger Jahren machte er Studien auf der Insel
Jersey, dann auch in der Schweiz, im Rhonetal und am Niederrhein. Das
städt. Mus. zu Riga besitzt von ihm eine Ansicht von der normannischen
Küste. Im Wallraf-Richartz-Mus. zu Köln ebenfalls ein Bild von der
normannischen Küste.

    Dünaztg. 1892 Nº 260; 1899 Nº 61. -- Kunst f. Alle XIV. S.
    109. -- Наши художники II S. 267. -- W. Neumann, Balt. Maler u.
    Bildhauer des 19. Jahrh. 154-155.

=Spörer=, ~Ludwig~. Architekt. Bruder des Vorigen, wurde auf der
Petersburger Akad. ausgebildet und verliess dieselbe 1864 mit der
grossen gold. Med. als Pensionär. Von seinen Reisestudien hatte er 1888
eine Ansicht aus Pompeji, den Tempel zu Pästum und die Hagia Sophia in
Aquar. ausgestellt.

=Spohr=, ~Friedrich Wilhelm~. Maler. Geb. 18. März 1797 in Riga; gest.
daselbst 28. September 1877, bildete sich auf den Akademien zu München
und Dresden bis um 1839. Seit jener Zeit lebte er in Riga, erteilte
auch seit 1867 den Unterricht im Zeichnen an verschiedenen Instituten.
Ihm wurde der Titel eines Professors der Zeichenkunst verliehen. Er
malte Porträts und Landschaften.

    Rigasche Stadtblätter 1824 S. 374; 1838 S. 370; 1841 S. 321. --
    Rigasche Ztg. 1880 Nº 242. -- Ztg. f. Stadt und Land 1877 Nº 36.

=Sprengel=, ~Theodor Albert~. Maler. Geb. 30/18. September 1832 zu
Wallershausen bei Duderstädt am Harz; gest. zu Reval 21. Juni 1900,
war 1850 Schüler der Dresdner Akad., 1852 in Düsseldorf Schüler von
Th. Hildebrand. 1856 folgte er einer Aufforderung nach Finland als
Zeichenlehrer der Behmschen Erziehungsanstalt in Wiborg und übernahm,
nachdem er das Examen zur Erlangung des Grades eines freien Künstlers
bei der Petersburger Kunstakad. abgelegt hatte am 1. August 1866 das
Amt eines Zeichenlehrers am Revalschen Gouvernementsgymnasium. Neben
seiner Berufstätigkeit -- er unterrichtete auch an anderen Instituten
-- war er literärisch tätig. Er veröffentlichte kleine Novellen, meist
Übersetzungen aus dem Schwedischen, und verschiedene Gedichte. Die
Dichtung „Wilde Blüten“ gibt Schilderungen aus seinem Leben. Ausser
mehreren Bildnissen von ihm: Der Empfang des ersten lutherischen
Predigers in Reval durch den Rat der Stadt; 1869 gem. Im kleinen Saal
der Börsenhalle in Reval.

    G. v. Hansen, Geschichtsblätter des Revaler
    Gouvernements-Gymnasiums. Reval 1881 S. 241. -- Rigasche Ztg. 1868
    Nº 9; 1869 Nº 73. -- Revaler Beobachter 1900 Nº 139.

=Spring=, ~Alphons~. Maler. Geb. 18/30. Mai 1843 in Libau, besuchte von
1860-61 die Stieglitz’sche Zeichenschule und bis 1870 die Akademie in
Petersburg, erwarb sich hier 4 silb. Med. und 1870 den Künstlergrad. Er
zog dann nach München, wo er längere Zeit Schüler von W. Diez war und
gründete 1874 sein eignes Atelier. Von ihm eine Reihe, oft mit leisem
Humor gefärbter Genrebilder wie „der alte Geschirrdoktor,“ die neue
Hymne, in der Rumpelkammer, das neue Modell u. a. Im städt. Mus. zu Riga
von ihm „der alte Bootsmann“.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 124-126.

=Staal=, ~Bruno Gideon v.~ Architekt. Geb. 14. März 1850 auf dem
Gute Müntenhof in Estland; gest. 23. März 1898 in Dünaburg (Dwinsk)
Gouvern. Witebsk, Absolvent des Polytechnikums in Riga. Von ihm mehrere
Privatgebäude in Dünaburg, und die katholische Kirche in Uschwalden,
Gouvern. Witebsk.

=Stackelberg=, ~Otto Magnus Freiherr v.~ Maler und Archäolog. Geb.
25. Juli 1787 in Reval; gest. 27. März 1837 in Petersburg, wurde
nach dem frühen Tode des Vaters von seiner Mutter erzogen und von
dieser für die diplomatische Laufbahn bestimmt. Den durch die reichen
Kupferstichsammlungen und Bilderschätze des Hauses geweckten Kunstsinn
des Knaben suchte die Mutter zu fördern durch den Maler Neuss, den sie
aus Deutschland berief. 1801 wurde der Knabe dem Pädagogium in Halle
übergeben und bereits 1803 bezog er die Universität Göttingen, blieb
hier jedoch nicht lange, sondern unternahm mit zweien seiner Brüder
eine Reise durch die Schweiz und Oberitalien, worauf er in Dresden sich
mit dem Studium der Malerei zu beschäftigen begann. Auf Wunsch seiner
Mutter kehrte er in die Heimat zurück, um die Universität in Moskau zu
beziehen, ging aber 1806 wieder nach Göttingen, wo er zwei Jahre lang
juristische, staatswissenschaftliche und philosophische Vorlesungen
hörte und bei Fiorillo Archäologie und Kunstgeschichte studierte. Um
sich mit der Malerei zu beschäftigen ging er 1808 nach Dresden, und
nach kurzem Aufenthalt von hier mit dem Archäologen Heinrich Tölke nach
Rom, wo er während seines zweijährigen Aufenthalts zu Thorwaldsen,
Anton Koch, den Dr. Dr. Brönstedt und Koës aus Dänemark, dem
Architekten Haller v. Hallerstein und dem Landschaftsmaler Linkh aus
Canstadt in intime Beziehungen trat. Mit den vier letzteren unternahm
er 1810 seine Reise nach Griechenland zum Studium der klassischen
Kunst. Er weilte dort sieben Jahre und nahm dort an den Ausgrabungen
des Apollotempels zu Phigaleia und der berühmten Aeginetengruppe den
regsten Anteil. Nach einem kürzeren Aufenthalt in der Heimat ging er
wieder nach Rom, lebte dann in Paris und London und liess sich endlich
in Dresden nieder. Eine ihm von der Göttinger Universität angebotene
Professur lehnte er ab. 1835 folgte er dem Kaiserlichen Befehl, der
allen russischen Untertanen vorschrieb in die Heimat zurückzukehren,
doch den des nordischen Klimas Ungewohnten ereilte nach kurzer Zeit
der Tod. Die Sammlungen Stackelbergs, so weit sie nicht in Dresden
veräussert wurden, befinden sich als Fideikommiss der Familie
Stackelberg auf dem Gute Fähna in Estland, darunter ein Teil seiner
vortrefflichen Zeichnungen zu seinen Werken. Von diesen erschienen:
Trachten und Gebräuche der Neugriechen. Rom 1825. I. Abteilg. 30
Taf., die II. Abteilg, sollte 20 Tafeln enthalten, jedoch wurden nur
10 vollendet und 1835 bei Reimer in Berlin herausgegeben. -- Der
Apollotempel zu Bassae in Arkadien, 1826. Mit 31 Kupfertafeln und 147
Seiten Text. -- Die ältesten Denkmäler der Malerei, oder Wandgemälde
aus den Hypogäen von Corneto. Mit 35 Steindrucken, Tübingen. -- Die
Gräber der Hellenen, Berlin 1837. 80 Kupfertafeln mit Text.

    Otto Magnus v. Stackelberg, Schilderung seines Lebens und seiner
    Reisen in Italien und Griechenland. Nach den Tagebüchern und
    Briefen zusammengestellt von N. v. Stackelberg. Mit einer Vorrede
    von Kuno Fischer, Heidelberg 1862, 8^o. -- Prof. L. Stieda in den
    Sitzgsber. der Gel. estn. Ges. zu Dorpat, 1882. -- Otto M. v.
    Stackelberg als Mensch, Künstler und Gelehrter. Eine biographische
    Skizze von C. Hoheisel, in d. Balt. Monatsschr. VIII. S. 385 ff.
    (Auch als Sonderabdr.). -- Revalsche Zeitg. 1869.

=Starck=, ~Karl Konstantin~. Bildhauer. Geb. 18. Februar (2. März) 1866
in Riga; jüngster Sohn des weil. Pastors der St. Martinskirche, widmete
sich dem Studium der Bildhauerkunst an der Kunstschule zu Stuttgart
unter den Prof. Grünewaldt und Donndorf. 1887 setzte er seine Studien
in Berlin fort und wurde schliesslich Meisterschüler von Prof. E.
Begas. Tätig in Berlin. Von ihm: Flötenbläser. -- Christusfigur, 1893;
Standbild an der Lutherkirche in Berlin. -- Unsere Hoffnung. Grabmal
für Stuttgart, 1895. -- Die Statuen der Weisheit, der Gerechtigkeit,
der Königstreue und der Beredsamkeit für die Treppenhalle des neuen
Abgeordnetenhauses in Berlin. -- Träumerei. Angekauft vom Staat für
die Pariser Weltausst. 1900. Die Ausführung in Bronze erwarb die
Nationalgal. in Berlin. -- Medaille zur Jahrhundertwende. -- Medaille
zur Rigaer Jubiläums-Ausstellung. -- Statuen und Reliefs für das
preussische Herrenhaus in Berlin. -- Gartenbaumedaille, Industrie,
Viktoria, Minerva (Medaillen, Bes. O. Oertel, Berlin). -- Flora.
Porträt der Gemahlin des Künstlers. Bacchus und Hebe. Merkur und Ruhm.
Malerei und Kunstgewerbe. Architektur und Plastik. (Plaquettes).

Der ältere Bruder des Künstlers ~Johannes Adolf Robert~ St. geb.
1862, besass ebenfalls grosse Kunstbegabung. Seiner Kränklichkeit
wegen konnte er nur den Zeichenkursus an der Kunstschule in Stuttgart
absolvieren. Er starb 21. Juni (3. Juli) 1885. Bekannt sind von ihm ein
Christuskopf, Weihnachtsengel, Christus und Ahasverus (in zwei Bildern)
Medea, Psyche.

    Kunst f. Alle XIV, S. 317. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer
    d. 19. Jahrh. S. 96-97.

=Stavenhagen=, ~Wilhelm Siegfried~. Bildhauer und Zeichner. Geb. 27.
September 1814 in Goldingen; gest. 8. Januar 1881 in Mitau, konnte
nach Überwindung mancher Schwierigkeiten 1834 in die Petersburger
Akad. treten, hatte aber das Unglück zu erkranken. Nach seiner
Wiederherstellung ergriff er den Beruf eines Geometers, wurde aber
wieder von einem Augenleiden befallen, das ihn zwang in Deutschland
Heilung zu suchen. In Frankfurt a. M. riet ihm der Bildhauer Eduard
Schmidt v. d. Launitz sich der Skulptur zu widmen und nahm ihn als
Schüler bei sich auf. Von 1847-1849 war er Schüler der Münchener Akad.
Er kehrte dann in die Heimat zurück, nahm 1850 seinen Wohnsitz in Mitau
und begann hier während der Sommermonate die Vorarbeiten zu seinem
grossen Werk, das seinen Namen in allen Provinzen populär gemacht hat,
dem „Album baltischer Ansichten“. (3 Bände mit je 30 Stahlstichen v. G.
G. Lange in Darmstadt und Text v. versch. Verfassern, vollständig 1866
ersch.). Die Bildhauerei gab er früh auf. Von seinen Skulpturen seien
genannt: Die Büste seines achtzigjährigen Vaters. 1850. -- Die Büste
des Grafen Heinr. Dietr. Wilh. Kayserling auf Kabillen, † 1850. -- Die
Büste des kurländischen Landesbevollmächtigten Theod. v. Hahn (1850)
und die des kurländ. Gouverneurs Ch. v. Brevern (1852).

    Inland 1851 S. 655; 1857 S. 428. -- Rigasche Ztg. 1881 Nº 8. --
    Goldinger Anzeiger 1881 Nº 2. -- Mitausche Ztg. 1881 Nº 5. -- W.
    Neumann, Balt. Maler und Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 80-82.

=Stegemann=, ~Magnus Friedrich~. Maler. Geb. 1. März 1785 in Dorpat;
gest. 27. Januar 1861 zu Wenden, studierte von 1804-8 an der
Universität Dorpat und widmete sich unter K. A. Senff der Kunst. 1812
übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers am Gouvernementsgymnasium in
Riga, das er bis 1847 inne hatte. Er liess sich später in Werro nieder.
Von ihm u. a. das Portr. des Dichters K. Petersen, 1811. Lith. von C.
Walther, 1823. Das Dommuseum zu Riga besitzt von ihm ein Porträt des
Kunstgärtners I. H. Zigra.

    Rigasche Stadtbl. 1837 18. August; 1840 S. 115; 1842 S. 17; 1847 S.
    202; 1853 S. 300; 1855 S. 309. -- Inland 1842 Nº 2; 1861 Nº 96.
    -- Zur Geschichte des Gouvernements-Gymnasiums in Riga S. 13.

=Stegmann=, ~Ulrich Ewald~. Maler. Lebte im letzten Viertel des 18.
Jahrh. in Mitau. Er wird genannt in der „Beschreibung der grossen
Illumination in Mitau am 19. November 1779“ (Mitauer Mus.
Manuskriptsamlg. Nr. 1317 S. 4). Eine Mondscheinlandschaft von ihm soll
sich im Besitz des Malers M. A. Michelsohn in Riga befunden haben.

    Mitauer Ztg. 1787 v. 27. April. 24 Stück. (J. Döring).

=Stempel=, ~Sophie Angelika v.~ Malerin. Geb. 13. Mai 1827, Tochter des
kurländ. Oberburggrafen Gideon v. St. war von 1845-54 Schülerin des
Malers Jul. Döring in Mitau, trat 1856 in das Damenatelier des Prof.
Ehrhardt in Dresden und arbeitete gleichzeitig unter dem Landschafter
Rob. Kummer. Sie lebt abwechselnd in der Heimat und in Dresden. Von
ihr: Betendes Kind. -- Die Marien am Grabe. Altargem. f. d. Kirche zu
Jakobstadt. 1883 in Dresden gem. usw.

    J. Döring.

=Stenbock=, ~Graf Magnus v.~ Maler. Geb. 1806 in Reval; gest. 1836
in Düsseldorf, ging 1826 zum Studium der Kunst nach Dresden, später
nach Düsseldorf, wo er sich an Lessing anschloss, und dann nach
Italien. Die meisten seiner Bilder, Studien und Skizzen befinden sich
in Familienbesitz, einige kamen in den Besitz des Königs Friedrich
Wilhelm IV., der als Kronprinz dem Künstler nahegetreten war. Auch
der Konsul Bethmann besass eine Anzahl Arbeiten seiner Hand. Eine
Räuberfamilie (kam in den Besitz des Prinzen August v. Preussen). --
Betendes Mädchen. 1835 (wurde angekauft v. Kunstverein für Rheinland
und Westfalen). -- Landsknechte in ihrem Lager bedroht. 1836, im Mus.
zu Danzig. -- Wegelagerer aus dem 30 jähr. Kriege. Letztes Bild des
Künstlers; war 1838 in Reval ausgestellt.

    Inland 1838 S. 219. -- W. Müller v. Königswinter, Düsseldorfer
    Künstler der letzten 25 Jahre. 1854 S. 195.

=Stern=, ~Friedrich Siegmund~. Zeichner und Lithograph. Geb. 1803
in Livland; gest. 10. Mai 1889 in Riga, Schüler der Kunstakad. in
Petersburg, erhielt 31. VIII. 1838 den Rang eines freien Künstlers.
Er liess sich in Dorpat nieder, wo er anfänglich im Atelier Fr. L.
v. Maydells tätig war, aber beschäftigte sich vorherrschend mit der
Lithographie. 1841 übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers an der
adeligen Kreisschule in Arensburg. Seit 1861 war er auch an dem aus der
Kreisschule hervorgegangenen Progymnasium tätig. Von ihm: Ansichten
aus der Livländischen Schweiz: Ruine der Katharinenkirche zu Wenden.
Schloss Treyden, 1833. Lith. von F. Schlater. 4^o. -- Ansicht von
Werro. Lith. gr. fol. 1838 in Riga ausgest. -- Zwei Ansichten aus
Arensburg: Adelige Kreisschule und Marktplatz. Lith. qu. 8^o. -- Vier
Ansichten aus Arensburg: Ritterhaus, Marktplatz, bischöfliches Haus,
Festung. Lith. 1859 qu. 8^o. -- Die Trachten der 12 Kirchspiele
des Oeselschen Kreises. Farb. Lith. in gr. 8^o (a-b. Anseküll; c-f.
Jama; g. Karris; h-i. Kielkond; k-l. Mohn; m-p. Mustel; q-r. Pyha).
Erschienen 1858-1864.

    Inland 1838 S. 460; 1840 S. 427; 1841 S. 254; 1844 S. 500; 1847 S.
    352; 1853 S. 118; 1859 S. 459, 525; 1861 S. 187.

=Stever=, ~Gustav Kurt~. Historien- und Genremaler. Geb. 16. Mai 1823
in Riga; gest. 6/18. März 1877 in Düsseldorf, bezog 1847 die Kunstakad.
in Berlin, ging 1850 nach Stockholm, um Bildnisse für den Hof und die
Universität Upsala zu malen. Von Stockholm wandte er sich nach Paris,
wo er Schüler von Couture wurde. Nach Deutschland zurückgekehrt,
lebte er längere Zeit auf dem Gute Basthorst des Grafen Schack,
hauptsächlich für den Schweriner Hof beschäftigt und liess sich dann
in Hamburg nieder. 1865 ging er nach Düsseldorf, um die Kartons zu den
Glasmalereien im Chor der Klosterkirche zu Dobbertin und für die neue
Paulskirche in Schwerin zu entwerfen. Langjährige Krankheit verhinderte
ihn an der Vollendung vieler seiner Arbeiten. Von ihm: König David und
Abisag. -- Ermordung des Wendenkönigs Gottschalk am Altar der Kirche
zu Lenzen. (Im Mus. zu Schwerin). -- Eine Auferstehung Christi in der
Johanneskirche zu Bremen. -- Jan Gossaert malt sein schlafendes Kind
etc. Er erhielt den Professortitel und war Komtur des Mecklenburgischen
Hausordens. (Sein Vater Heinrich Kurt St., geb. 14. Oktober 1789 in
Rostock; gest. 21. April 1827 in Riga, war Professor der Jurisprudenz
in Dorpat und lebte seit 1820 als Advokat in Riga).

    Rigasche Ztg. 1877 Nº 59, 61. -- Katalog der Schweriner Galerie.

=Storno=, ~Johann Rudolf~. Kaiserl. Hofmaler in Wien in der zweiten
Hälfte des 17. Jahrh., begleitete 1661 und 1662 den Kaiserlichen
Gesandten Freiherrn Mayer v. Mayerberg nach Moskau und fertigte zu
dessen Beschreibung dieser Reise 131 Blatt Zeichnungen, die sich jetzt
im Besitz der Königl. Bibliothek zu Dresden befinden. Die ersten acht
Blätter enthalten 16 Ansichten aus Kur- und Livland. Auf Veranlassung
des russischen Reichskanzlers N. P. Rumjänzew wurden die Blätter in
Dresden kopiert und in Lithographie mit einem Kommentar von Fr. v.
Adelung herausgegeben unter dem Titel: Augustin Freiherr v. Mayerberg
und seine Reise nach Russland usw. Petersburg 1827.

    Balt. Schriftstellerlexikon III. S. 222/23. -- Manuskriptsammlung
    des Mitauer Mus. Nº 240 S. 104 und 105. (J. Döring).

=Strauss=, ~Helene Julie Marie~. Malerin. Geb. 1834 in Mitau, Schülerin
von E. D. Schabert, seit 1851 von Jul. Döring und seit 1866 der
Dresdner Akad., wo sie unter M. Kitscher arbeitete und in der Galerie
kopierte. 1872 erteilte ihr die Petersburger Akad. einen Künstlergrad.
Von ihr mehrere Porträts.

    J. Döring.

=Stryk=, ~Wilhelm v.~ Architekt. Geb. 24. Januar 1864 in Dorpat,
besuchte das Polytechnikum in Riga, studierte dann im Auslande und
wurde Lehrer an der Bauschule in Höxter. Seit 1896 Professor am
Polytechnikum in Riga. Zu seinen grösseren Bauausführungen gehören die
Markthallen zu Reval und die Filialkirche der St. Gertrudgemeinde in
Riga.

=Sturm=, (~Stürmer~) ~Michael~. Maler, malte im Jahre 1679 das Bildnis
Karls XI. von Schweden für den Rigaschen Rat, der mit ihm einen
Kontrakt schloss, worin dem Rat das Recht zugestanden wird das Bild
zurückzuweisen, wenn es ihm nicht gefallen sollte. Sturm wird übrigens
als ein braver Künstler bezeichnet, der auch bei den besten Künstlern
Stockholms gearbeitet habe.

=Swalberch=, (~Swalbart~) ~Heinrich~. Baumeister, wird als Erbauer des
Klosters der heil. Birgitta bei Reval genannt, begonnen 1407, geweiht
1436. S. trat als frater in den Klosterverband.

    Nottbeck u. Neumann, Gesch. u. Kunstdenkmäler der Stadt Reval II S.
    130.



T


=Teuffel=, ~Jürgen~. Baumeister und Steinmetz. Geb. im ersten Viertel
des 17. Jahrh. in Lübeck, stand in Diensten des Lübecker Rats und wurde
auf Ansuchen des Rigaschen Rats am 28. Aug. 1666 nach Riga beurlaubt,
um beim Neubau des eingestürzten Turmes der Petrikirche behilflich
zu sein. Er wird bereits im folgenden Jahre seinen Verpflichtungen
entbunden und wendet sich nach Narva, wo Nachkommen von ihm 1736 und
1769 genannt werden.

    Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alt. 1891 S. 50 ff. -- W.
    Neumann. Das mittelalterliche Riga S. 34 ff.

=Thum=, ~Heinrich~. Kupferstecher, lebte im ersten Viertel des 17.
Jahrh. in Riga, wo er von 1602 bis 1622 nachweisbar ist. Er war
vielfach für die Offizin des ersten Rigaschen Buchdruckers Niclas
Mollyn beschäftigt. Von ihm: Vor- und Rückseite eines Titelblatts zu
einem Mollynschen Druck v. J. 1602 4^o bez. Heinricus Thum. sculp. Auf
der Rückseite das grosse Wappen des Königs v. Polen Sigismund III. --
Exlibris mit dem Wappen der Familie zur Horst, v. J. 1604 fol. bez.
Heinr. Thum scul. Ein Abdruck vom J. 1805 nach der jetzt verlorenen
Originalplatte im Dommus. zu Riga. -- Exlibris mit den Wappen der
Familien vom Hoff, Schoninck, Warnecken und Greuter. Enthalten in
einem Manusk. des Rigaschen Rechts v. J. 1567. Bez. links unten:
Heinr. Thum inven: et fc., rechts: Riga 1605 (?) -- Ihm zuzuschreiben
ist der grosse Stich einer Ansicht der Stadt Riga v. J. 1612, der
bisher nur in einem nicht völlig erhaltenen Exemplar bekannt ist, im
Dommus. zu Riga. Photogr. Reprod. dess. im Katal. d. kult. hist. A.
in Riga 1883 u. in W. Neumann, das mittelalt. Riga. Berlin 1892. --
Desgl. ein in Kupfer gestochener Plan von Riga mit der Überschrift:
Adumbratio obsidionis Civitatis Rigen: etc. erschienen als Beilage zu
einem Mollynschen Druck, betitelt: De expugnatione Civitatis Rigensis
Livoniae Metropolis, etc. 1622. 4^o.

    Arend Buchholtz, Geschichte der Buchdruckerkunst in Riga.

=Tielker=, ~Johann Friedrich~. Maler und Kupferstecher. Geb. 13. Juni
1763 in Braunschweig; gest. 11. August 1832, war anfangs Silhouetteur,
dann Miniaturmaler und am Darmstädter Hofe, später am Berliner Hofe
beschäftigt. In der Folge legte er sich auf die Landschaftsmalerei,
den Aquatintastich und schliesslich auf die Herstellung von Panoramen.
1808 kam er nach Kurland und nahm angeblich den Maler Eggink (s.
d.) mit sich auf seinen Reisen durch Russland, wo seine Panoramen
von Petersburg und Moskau grossen Beifall fanden. Mit dem Panorama
von Petersburg machte er eine Gesandtschaftsreise nach China mit.
Von seinen Porträts ist die Mehrzahl von seinem Bruder Franz Karl
gestochen, der besonders die Schwarzkunstmanier mit Erfolg übte.
T. lebte längere Zeit in Petersburg und ist 1828 noch in Riga
nachweisbar. Von ihm: Das Portr. des livl. Gouvern. Prokureurs G.
Petersen. Pastell, 1810. (Dommus. Riga). -- Grosse Ansicht von Riga.
(Vue panoramique etc.) vor 1812. In Aquat. von Prof. Frick. Vom
Künstler seinen Freunden in Riga gewidmet. -- Portr. des Fürsten
W. S. Golitzin. -- Portr. des J. Th. Krusenstern. -- Portr. des
Prof. I. A. Fessler. (Stiche). Portr. des Kapitäns A. Krusenstern,
gest. von F. Tielker als Schwarzkunstblatt. -- Portr. des livl.
Generalsuperintendenten Dr. K. G. Sonntag. Pastell, 1828. (Dommus.
Riga). Lith. v. G. C. Scharlow. -- Portr. des Dichters C. F. Petersen.
Pastell. (Dommus. Riga.)

    Rigasche Stadtblätter 1821 S. 265, 292; 1828 S. 305. --
    Provinzialblatt 1828 Nº 36 S. 148. -- D. A. Rowinsky IV.
    Подробн. словарь русских граверовъ.

=Tiesenhausen=, ~Baronesse Nadeshda v.~ Geb. 1868, hat ihre Studien an
der Akademie in Florenz gemacht, die sie 1892 absolvierte. Sie lebt in
Italien und hat mehrfach italienische Ausstellungen beschickt. 1894
Bronze Med. Florenz, desgl. 1898 Barcelona und silb. Med. Turin. Neben
ihrem Hauptfach der Porträtmalerei beschäftigt sie sich mit Vorliebe
auf kunstgewerblichem Gebiet.

=Tiesenhausen=, ~Baron Paul v.~ Maler. Geb. 10. Januar 1837 auf dem
Gute Itfer in Estland; gest. 12/24. November 1876 in München, war
Militär und nahm an dem Krimfeldzuge teil. Nach dem erbetenen Abschiede
zog er im Herbst 1859 nach München, wo er anfangs Schüler von K.
Millner, dann (1869) von A. Lier wurde. Er hat sich vorherrschend
mit der Marinemalerei beschäftigt. Viele seiner Bilder in balt.
Privatbesitz. Das städt. Museum zu Riga besitzt von ihm zwei Marinen
und eine Landschaft.

    Rigasche Ztg. 1870 Nº 35, 120, 170; 1876 Nº 270. -- W. Neumann,
    Balt. Maler und Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 152-153.

=Timm=, ~Ernst~. Architekt. Geb. 27. November 1819 in Riga; gest. 1867
in Mariapol in Südrussland, Bruder des Malers Joh. Adolf T., studierte
von 1838-42 in München und setzte seine Studien dann in Petersburg
fort. Er war grösstenteils im südlichen Russland tätig.

=Timm=, ~Georg Wilhelm~. Maler. Geb. 9. Juni 1820 in Riga als Sohn des
Bürgermeisters Fried. T.; gest. 26. März (7. April) 1895 in Berlin,
bezog 1835 die Kunstakad. in Petersburg als freier Zuhörer und schloss
sich an den Schlachtenmaler A. Sauerweid an. Nachdem er durch mehrere
militärische Darstellungen sich den Künstlerrang und die gr. silb.
Med. erworben hatte, trat er 1843 eine Studienreise nach Frankreich
an und wurde Schüler von Horace Vernet, mit dem er eine Studienreise
nach Algier unternahm. 1846 kehrte er nach Petersburg zurück. Er
beschäftigte sich anfangs mit Illustrationsarbeiten und gründete nach
einer zweiten Reise nach Frankreich und einer Studienfahrt in den
Kaukasus in Petersburg ein illustriertes Kunstblatt, das von 1851-62
unter dem Titel „Русскій художественный листокъ“ unter Beigabe vieler
seiner Lithographien erschien, auch war er vielfach im Allerhöchsten
Auftrage tätig. Ein durch angestrengtes Arbeiten eingetretenes
Augenleiden veranlasste ihn 1862 nach Berlin überzusiedeln. Hier begann
er sich mit der Malerei auf Porzellan und Fayence zu beschäftigen
und es gelang ihm auf diesem Gebiet viel Neues und Interessantes zu
schaffen. 1855 war er von der Petersburger Akademie zum Akademiker
ernannt worden. Kaiser Wilhelm I. erteilte ihm den Rang eines
Professors. Eine reiche Anzahl seiner Studien, viele Aquarelle und
Gemälde im Besitz des städtischen Museums zu Riga.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 101-102.
    Derselbe in „Rigaer Tageblatt“ 1906, Nº 296. (Auch als
    Separatabdruck ersch.).

=Timm=, ~Johann Adolf~. Maler. Geb. 14. Juli 1825 in Riga, Sohn des
Kaufmannes Joh. Ulrich T., Vetter des Vorigen; gest. 11. Juni 1899
in Riga, war zum Kaufmann bestimmt, trat aber im Oktober 1846 in die
Dresdner Akad. 1854 liess er sich in Mitau als Porträtmaler nieder,
ging aber 1863 zu weiterer Ausbildung nach München, wo er Studien zu
grossen Historienbildern machte, die zum Schmucke des Treppenhauses
im Gebäude der Grossen Gilde in Riga bestimmt waren. Eintretende
Geistesumnachtung führte ihn ins Irrenhaus. Von ihm: Das Portr. des
Oberpastors am Rigaschen Dom W. Hillner. Lithogr. -- Die Niederlage der
Schwertbrüder durch die Litauer. -- Sieg des Grossfürsten Alexander
Newski über den Deutschen Orden am 5. April 1242. (Skizzen zu den
Treppenhausgemälden der Grossen Gilde in Riga. Photogr. im Bes. der
Stadtbibliothek, Riga).

    Inland 1854 S. 653. -- Rigasche Stadtbl. 1873 S. 65. --
    Kurländische Gouvernements Ztg. 1854 Nº 75. -- Rigasche Ztg. 1871
    Nº 40. -- Rigaer Tagebl. 1899 Nº 130. -- W. Neumann, Balt. Maler u.
    Bildh. v. 19. Jahrh. S. 102.

=Tode=, ~Ernst Friedrich~. Maler. Geb. 28. Mai 1858 in Pargola bei
Petersburg, widmete sich anfangs dem Studium der Architektur im
Polytechnikum zu Riga, wandte sich dann aber in München unter Otto
Seitz der Malerei zu. Von 1885-87 lebte er in Charkow als Porträtmaler
und ging dann zu weiterer Ausbildung nach Düsseldorf. Von 1891-96
wirkte er als Lehrer an der Rigaschen Kunstgewerbeschule. 1895 gründete
er eine Glasmalereianstalt, die sich aus bescheidenen Anfängen in
überraschend kurzer Zeit unter seiner Leitung zu einem hervorragenden
Kunstinstitut aufgeschwungen hat. Zu den bedeutendsten Arbeiten der
Anstalt gehören: Die Fenster der Sakristei der Petrikirche in Riga,
die Altarfenster der katholischen Katharinenkirche in Petersburg, die
Fenster der reformierten Kirche daselbst, die Altarfenster in der
Kirche der Chevalier-Garde daselbst, die Apsidenfenster in der Synagoge
in Kiew, die Fenster im Chor der St. Johanneskirche in Riga und die
grossen Transeptfenster im Dom zu Riga. Auch mehrere monumentale
Arbeiten für Privatbauten in Riga, Moskau und Odessa sind aus der
Anstalt hervorgegangen.

    W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 136, 142.



U


=Ulprecht=, ~Ernst Markus~. Dilettant. Geb. 28. November 1770; gest.
2. Dezember 1831 in Dorpat, war ein Stiefsohn des Professors Joh.
Chr. Brotze und besass wie dieser ein bedeutendes Zeichentalent. Er
studierte in Dorpat, wurde später Konservator des Naturalien-Kabinetts
der Universität und hielt Vorlesungen über Mineralogie. Er hat
viele hübsche Ansichten livländischer und finnländischer Gegenden
gezeichnet, davon mehrere von K. A. Senff und J. A. Darnstedt in Kupfer
gestochen und zum Teil in der „Livona“ und in „Livona’s Blumenkranz“
veröffentlicht sind.

    Rigasche Stadtbl. 1831 S. 401. -- Dörptische Beiträge I. 206 ff.

=Ungern-Sternberg=, ~Alexander Freiherr v.~ Maler und Schriftsteller.
Geb. 10. April 1806 auf dem Gute Noistfer bei Reval; gest. 24. August
1868, auf dem Gute Dannenwalde bei Stargard in Mecklenburg-Strelitz;
studierte von 1826-30 in Dorpat und ging dann nach Petersburg, wo
sein hervorragendes Zeichentalent die Aufmerksamkeit der Kaiserin
erregte, die ihm zu seiner weiteren Ausbildung eine Unterstützung
angedeihen liess. Er widmete sich in Dresden der Malerei und trat hier
zu Ludwig Tieck in nahe Beziehungen. Während seines Studienaufenthalts
in Stuttgart wurde er mit Gustav Schwab bekannt und durch diesen mit
Cotta, auch zu Lenau trat er in ein freundschaftliches Verhältnis. Seit
dieser Zeit gab er sich ganz der Schriftstellerei hin und schrieb unter
dem Pseudonym A. v. Sternberg.

    Baltisches Dichterbuch, herausg. v. J. E. v. Grotthuss.

=Ungern-Sternberg=, ~Johann Karl Emanuel Freiherr v.~ Geb. 23.
Januar 1773 auf dem auf der Halbinsel Nucken bei Hapsal belegenen
Gute Paschlepp; gest. 30. März 1830 in Reval, zeigte schon als Knabe
eine bedeutende künstlerische Veranlagung, die namentlich durch
seinen Lehrer Renatus Frühauf im Erziehungsinstitut zu Barby a. d.
Elbe eifrig gefördert wurde. Trotzdem wählte er die juristische
Laufbahn und bekleidete in der Folge verschiedene Ämter im Dienste
der estländischen Ritterschaft, beschäftigte sich aber in seinen
Mussestunden mit Zeichnen und Malen und erteilte selbst Unterricht im
Zeichnen an der Ritter- und Domschule in Reval. Erst 1806 entschloss
er sich dazu sich ausschliesslich mit der Kunst zu beschäftigen. Er
begab sich nach Dresden und trat in das Atelier des Professors T. L.
Pochmann und arbeitete zugleich unter der Leitung des Professors J.
D. Schubert. Er kehrte dann nach Estland zurück, wo er mehrfache
Porträtaufträge ausführte. Ein Versuch sich in Petersburg ein
ausgiebigeres Tätigkeitsfeld zu verschaffen misslang ihm. 1810
unternahm er eine grössere Reise durch die baltischen Provinzen, um
Studien zur Herausgabe einer Sammlung baltischer Ansichten zu machen,
auch beschäftigte er sich mit der heimischen Kunstarchäologie durch
Zeichnen von Wappen, Siegeln, Grabsteinen usw., geriet dabei jedoch
in bedrängte Umstände, so dass er sich genötigt sah, das ihm von der
estländischen Ritterschaft angetragene Amt eines Kurators der Revaler
Domschule anzunehmen. Ein Versuch, die Bildnisse Dorpater Professoren
in Lithographie herauszugeben, schlug fehl durch die Schuld des
Druckers. Nur wenige dieser Bildnisse kamen in die Oeffentlichkeit und
zwar die der Professoren Jäsche, Dabelow, Deutsch, Lenz und Osann.
Ebenso verunglückte die Lithographie einer Innenansicht der Olaikirche
nach dem Brande von 1820, von der nur 20 Exemplare in den Handel kamen.

    H. Neuss in der Estona 1830 S. 179, 184 und 192. -- Balt.
    Monatsschrift XL. S. 335. Die dort mitgeteilte Erzählung von dem
    Bilde der Seeschlacht zwischen Russen und Schweden auf der Revaler
    Reede ist apokryph.

=Ungern-Sternberg=, ~Peter Georg Franz v.~ Malerdilettant. Geb.
15. Juli 1785; gest. 12. Januar 1868, studierte von 1802-5
Kriegswissenschaften in Dorpat und trat dann in die russische Armee,
nahm aber als Stabsrittmeister seinen Abschied, um sich der Malerei
zu widmen. Man kennt von ihm mehrere Porträts und Kopien nach alten
Meistern.

    C. Russwurm, Nachrichten über die Familie Ungern-Sternberg II S.
    11, 153.

=Unverhau=, ~Martha~. Malerin. Geb. 1. November 1868 in Mitau, empfing
den ersten Unterricht in der Jung-Stillingschen Zeichenschule in Riga,
arbeitete dann in Berlin unter W. Döring und Ludw. Dettmann. 1894
setzte sie ihre Studien in München unter Ludw. Herterich fort und
arbeitete später noch unter Schmied-Reutle und Friedr. Fehr. Tätig in
Mitau.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 176.

=Urbanowicz=, ~Christophor v.~ Malerdilettant. Geb. 25. Februar
1785 zu Berken in Kurland; gest. im März 1839 in Mitau, diente als
Artillerieoffizier in der russischen Armee, beschäftigte sich nach
seiner Entlassung aus dem Militärdienste mit der Porträtmalerei und
wirkte als Lehrer des Zeichnens und der Mathematik an verschiedenen
Orten des Landes. Das Mitauer Museum besitzt von ihm ein grosses
Manuskript, betitelt „der mathematische Kartonzeichner“.

    Biographie von Pastor Friedr. Wilhelm Wagner in Nerft. Manusk. im
    Mus. zu Mitau. (Jul. Döring.)



V


=Vegesack=, ~Anna v.~ Malerin; lebte um die Mitte des 18. Jahrh. in
Riga; gest. vor 1779. Der Berliner Akademiker Joh. Bernoulli rühmt in
seiner Reisebeschreibung (VI S. 16) ein von ihr gemaltes livländisches
Wappenbuch. (s. a. Gadebusch, Bibliothek, Art. Vegesack).

=Viertelshauser=. Maler; ist in Kurland um 1750 nachweisbar. Es
gibt von ihm Jagdstücke und Stilleben.

    (Jul. Döring.)

=Villebois=, ~Franz Karl v.~ Bildhauer. Geb. 19. Juni 1836
in Livland; gest. 30. Januar 1890 in Dorpat, studierte von 1856-59
an der Universität Dorpat, wandte sich dann aber, trotz mancher sich
ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten der Kunst zu. 1868 Schüler
der Münchener Akademie und von M. v. Widnmann. Von 1874-80 lebte er
in Dresden, dann in Dorpat. Sein Hauptwerk ist: Der Flussgott; in
München mit einem Preise gekrönt; in Bronze gegossen von Bierling in
Dresden. Erworben von Frau v. Grünwaldt, geb. Gräfin Medem und von
ihr der Universität Dorpat übergeben. Die auf dem Domberge in Dorpat
aufgestellte Gruppe wurde von ruchlosen Händen verstümmelt, was ihre
Beseitigung und darauf die Rückforderung durch die Stifterin zur Folge
hatte.

    Rigasche Ztg. 1873 Nº 227; 1875 Nº 114; 1876 Nº 44; 1879 Nº 265;
    1881 Nº 211, 212 und 215. -- Ztg. f. Stadt und Land 1875 Nº 253,
    293. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S.
    86-87.

=Volz=, ~August Franz Leberecht~. Bildhauer. Geb. 27.
Februar 1851 in Magdeburg, wurde dort Schüler des Bildhauers Habs
und kam dann nach Berlin, wo er unter Alb. Wolff arbeitete und die
Akademie besuchte. Unter der Oberleitung des Baurats Ende beteiligte
er sich an der dekorativen Ausstattung mehrerer grösserer Berliner
Monumentalbauten und kam 1875 nach Riga, wo er die plastischen Arbeiten
des von Ende entworfenen Pfab’schen Hauses in der Suworowstrasse
ausführte. Seit jener Zeit ist er in Riga ansässig. -- Neben der
Ausführung von plastischen Arbeiten für Fassaden und Innendekorationen
hat V. mehrere Reliefporträts, monumentale Grabdenkmäler und
Salonfiguren (diese für die Ausführung in Bronze) geschaffen. Von ihm
auch der Nymphenbrunnen vor dem Theater, der Rolandbrunnen auf dem
Marktplatze und der Ritterbrunnen auf dem Basteiplatze. Die beiden
letzten nach Entwürfen von W. Neumann.

=Vowsak=, (Vousack Vawgesack) ~Johann~. Maler in Reval; gest.
um 1500, malt 1489 für die Nikolaikirche ein Madonnenbild, wofür ihm
530 Mark bezahlt werden. Am 27. Februar 1501 trägt der Bischof Johann
v. Oesel den Vormündern der Kinder des verstorbenen Malers auf, das
diesem für ein zu malendes Bild vorausbezahlte Geld zurückzuerstatten.

    Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval II
    S. 63. Balt. Urkundenbuch II, 2.



W


=Waeber=, ~Hermann Friedrich~. Dilettant. Geb. 1761 zu
Edwahlen in Kurland; gest. 1833, studierte Theologie und wurde
Hauslehrer. Er war ein guter Zeichner, der ebensowohl Landschaftliches
wie Figürliches zum Vorwande nahm. Am gelungensten sind seine
aquarellierten Ansichten kurländischer Schlösser und Burgruinen
(Doblen 1793, Edwahlen 1802, Kandau, Goldingen, Tuckum, Zabeln 1804,
Alschwangen, Hofzumberge 1806, Neuenburg 1809, Windau, Dondangen 1814,
Amboten 1818). Sein künstlerischer Nachlass kam in den Besitz des
Mitauer Museums.

    Sitzgsber. d. Kurl. Gesellsch. f. Lit. u. Kunst. 1870 S. 41. (Jul.
    Döring.)

=Wagner=, ~Johann Friedrich~. Zeichner. Geb. um 1753 in
Freiberg i. S., wird 1798/99 in einer Exemtenliste für Kurland als
„Zeichenmeister“ aufgeführt. Seine Töchter Maria Agathe, geb. 1783,
und Karoline Elisabeth, geb. um 1790, empfehlen sich um 1805 dem
Publikum zum „Unterrichte im Zeichnen, sowohl en miniature, wie auch in
Pastellfarben usw.“

    Mitausche Anzeigen 1805. 31 Stk. S. 292. (Jul. Döring.)

=Wahl=, ~Alexander Amandus v.~ Bildhauer und Maler, geb. 10.
Dezember 1839 in der Nähe von Dorpat; gest. 19. November (2. Dezember)
1903 in München. Von 1858-61 Schüler der Petersburger Kunstakademie
und des P. Clodt v. Jürgensburg, ging dann nach München, wo er 1866
seine Ausbildung vollendete. Nach Reisen durch Deutschland, Italien
und Griechenland während der Jahre 1866-68 liess er sich in München
nieder. Von der hohen Kunst wandte er sich bald den Darstellungen aus
der Tierwelt zu, auch stellte er mit grosser Geschicklichkeit kleine
Genreszenen aus dem Leben der Tscherkessen dar, die zum Teil in Bronze
gegossen sind. Ein körperliches Leiden zwang ihn zum Aufgeben der
Bildhauerei und liess ihn zur Malerei greifen und auch auf diesem
Gebiet ist er nicht ohne Anerkennung geblieben. Von seinen Gemälden hat
besonders das Bild „Zu spät“, das einen alten Geizhals an der Leiche
seiner Tochter darstellt, Aufsehen erregt. Abbild. in der „Kunst für
Alle“ II S. 232, in der Illustr. Leipziger Ztg. 1886, in Meisterwerke
der Holzschneidekunst Bd. IX. -- Ausserdem von ihm: Brotneid, das
Geheimnis u. a.

    Rigasche Ztg. 1868 Nº 268; 1881 Nº 181; 1887 Nº 258. -- W.
    Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer des 19. Jahrh. S. 90-91.

=Wahl=, ~Anna v.~ Malerin. Geb. 14. Februar 1861 in
Petersburg, Tochter des Dorpater Professors der Chirurgie, besuchte
anfänglich die Petersburger Akademie und setzte ihre Studien in Paris
unter Courtois und Collin fort, arbeitete dann unter dem Hofmaler
Grafen Zichy in Petersburg und 1888 in Berlin in den Aktklassen unter
Skarbina und Klein. Sie lebt in Berlin und abwechselnd in Dorpat.
Besonders durch ihre frisch aufgefassten Szenen aus dem Kinderleben
und durch wirkungsvoll entworfene Plakate hat A. v. W. sich bekannt
gemacht. Von ihren illustrierten Kinderbüchern nennen wir: Im
Morgenschein, 1887 im Verlag von Karow, Dorpat. -- Stimmungsbilder
1893, Verlag v. Grote, Berlin. -- Zeichnungen von Gnomen und Elfen in
dem Werke: „Aus vereinten Kräften“, 1895. -- Illustrationen zu einem
Märchen im Besitz der deutschen Kaiserin.

    Das geistige Deutschland I S. 724/25. -- W. Neumann, Balt. Maler
    und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 147-148.

=Walter=, ~Johann~. Maler. Geb. 22. Januar 1869 in Mitau als
Sohn des dim. Ratsherrn Theodor W., Schüler der Petersburger Akademie
und der Professoren A. D. Kiwschenko und W. E. Makowsky. Von ihm eine
Anzahl Porträts und mehrere Landschaften in balt. Privatbesitz. Zurzeit
in Deutschland tätig.

=Walter=, ~Susanna~. Malerin. Geb. 1874 in Dorpat; erhielt
von 1891-95 den ersten Kunstunterricht in ihrer Heimat und legte darauf
ihr Examen als Zeichenlehrerin an der Kgl. Kunstschule in Berlin ab.
Sie genoss dann noch den Unterricht der Frau C. Krüger und Sivers,
sowie der Maler W. Leistikow und Fr. Stahl und lebt seit 1897 als
Zeichen- und Mallehrerin in Riga.

=Walther=, ~Johann Heinrich Bartholomäus~. Baumeister in
Dorpat im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Er entwarf die Pläne
zum Bau des Rathauses daselbst, dessen Grundstein am 2. Juni 1782
gelegt wurde. Vollendet wurde der Bau 1789.

    Inland 1862 S. 792.

=Walther=, ~Karl Siegmund~. Maler. Geb. 25. Juli 1783 in
Dresden; gest. auf dem Gute Kay in Estland 1867, Schüler der Dresdner
Akademie, anfangs unter Toskani, seit 1802 unter Prof. Schubert.
Infolge einer Aufforderung des Dichters Aug. v. Kotzebue kam er 1809
nach Estland auf dessen Gut Schwarzen als Zeichenlehrer der Kinder
Kotzebues, war später in dem von dem Pastor Ignatius in Haggers
eingerichteten Pensionat als Zeichenlehrer tätig und übernahm 1815
das Amt eines Zeichenlehrers an der Ritter- und Domschule in Reval.
1850 wurde er pensioniert und lebte seit jener Zeit auf dem seiner
verheirateten Tochter gehörenden Gute Kay. Die Mehrzahl seiner Arbeiten
gehört in das Gebiet der religiösen Malerei (Altargemälde in Reval, in
Arensburg auf Oesel und in Ampel). Doch hat er auch einige Porträts
gemalt und einige Zeichnungen zur lithographischen Vervielfältigung
geliefert, wie die Ruinen der Olaikirche zu Reval nach dem Brande
von 1820, ein Porträt Ifflands 1821. Ein Porträt Luthers (fälschlich
angegeben nach Dürer statt nach Cranach) u. a.

    Inland 1836 S. 465; 1837 S. 12 u. 14; 1838 S. 630; 1847 S. 354,
    1850 S. 459 u. 521; 1857 S. 315. -- Rigasche Stadtbl. 1820 S. 291;
    1836 S. 261; 1859 S. 159. -- Dörptische Beiträge I S. 206/7.

=Weckler=, ~Georg~. Mosaikmaler. Geb. 1800 in Riga (in den
Akten der Petersburger Akademie wird er als Kurländer bezeichnet).
Gest. nach 1842, erregte durch sein in Mosaik ausgeführtes Bild „der
verlorene Sohn“ (1821) die Aufmerksamkeit der Kaiserin Elisabeth und
wurde auf Befehl des Kaisers Nikolaus für andere von ihm ausgeführte
Arbeiten der Akademie als „Mosaikmeister“ zugezählt. 1834 erhielt er
ein Reisestipendium, um sich in Italien weiterzubilden. Für die von ihm
in Mosaik ausgeführte Transfiguration Raffaels verlieh ihm der Papst
eine goldene Medaille und der Kaiser ein Geschenk von 25.000 Rbl. sowie
eine Pension. 1838 wurde er zum Akademiker befördert und ihm 1842 die
Leitung der Anstalt zur Ausführung der Mosaiken für die Isaakskirche
in Petersburg übertragen. Ausser den genannten Arbeiten sind von ihm
bekannt Reproduktionen nach Paulus Potter und nach Hondekoeter, sowie
die Mosaiken im Schlosse Jelagin und in der Isaakskirche.

=Wedekind= (Wendekin), ~Johann Heinrich~. Porträtmaler aus
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, lebte vermutlich anfangs in
Reval, später in Narva, wo Kaiser Peter I. bei ihm mehrere Porträts
bestellte. Seit 1720 ist er in Petersburg ansässig und wird vielfach
vom Hofe beschäftigt. Die Kaiserin Anna Iwanowna liess ihm 100 Rbl.
für vier Porträts von Personen der Kaiserlichen Familie auszahlen. Die
Akademie der Wissenschaften zahlte ihm 12 Rbl. für ein Porträt Peters
I. und bestimmte ihm auf sein Versprechen auch die anderen Herrscher
zu malen, für jedes Bild 12 Rbl. Im Hause der Schwarzhäupter in Riga
befindet sich eines seiner frühesten Bilder, ein Reiterporträt Karls
XII. von Schweden mit der Unterschrift: I. H. Wendekin, Rigae pinxit,
habitans Revaliae.

    A. D. Rowinsky. Подробн. словарь русск. гравир. портренвъ IV. S.
    634.

=Weizenberg=, ~August~. Bildhauer. Geb. 25. März 1837 auf
dem Gute Erastfer in Estland, erlernte das Tischlerhandwerk und zog
1862 zu weiterer Ausbildung in seinem Fach nach Deutschland, arbeitete
kurze Zeit in Frankfurt a. M. und ging dann nach Berlin, wo er neben
der Tischlerei sich mit Holzschnitzerei beschäftigte und sich im
Zeichnen übte. Sein entschiedenes Talent verschaffte ihm schliesslich
Zutritt zur Akademie daselbst, doch war er gezwungen, sich seinen
Unterhalt als Handwerker zu erwerben. Eine kleine Unterstützung aus
dem Villeboisschen Legat gab ihm die Möglichkeit, seine Studien auf
der Petersburger Akademie und von 1870-73 auf der Münchener Akademie
fortzusetzen. Nach einem vorübergehenden Aufenthalt in Wien begab er
sich nach Rom, wo er sich bis zum Jahre 1890 aufhielt. Seit jener Zeit
lebt er wieder in Petersburg. Die Zahl seiner Arbeiten ist recht gross.
Das städt. Mus. in Riga besitzt von ihm die Büste des Afrikareisenden
Dr. Schweinfurth, eine Barrabasbüste und die Figur der Ämarik
(estn.-Abendröte) in Marmor. Andere seiner Arbeiten in Reval, wie die
Lindanisse, der gefesselte Christus u. a.

    Rigasche Ztg. 1868 Nº 169; 1881 Nº 207 u. 213; 1887 Nº 161. --
    Ztg. f. Stadt u. Land 1876 Nº 234; 1880 Nº 223 -- Düna-Ztg. 1896
    Nº 285. -- Rigaer Montagsblatt 1878 Nº 28. -- Neue Ztg. f. Stadt
    u. Land 1878 Nº 166. -- Mitausche Ztg. 1897, 12. April. -- L.
    Goertz: Sitzgsber. der Gelehrt. estn. Gesellsch. 1897 S. 100 ff. --
    W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 88-90.


=Wenig=, ~Karl Gottlieb~. Maler. Geb. 14. Februar 1830 in
Reval; gest. 1902 in Petersburg. Sohn des Musikers und Organisten der
Nikolaikirche Gottl. Friedr. W. Schüler der Petersburger Akademie von
1844-53 und des Prof. Bruni. Als Pensionär der Akademie ging er auf
sechs Jahre nach Italien, wurde 1860 Akademiker, 1869 Adjunktprofessor
und 1888 ord. Professor an der Petersburger Kunstakademie. Von ihm
im Rumjänzew-Museum in Moskau: Die Engel verkünden Lot den Untergang
der Stadt Sodom, 1862. -- Kreuzigung, in der Nikolaikirche zu Reval.
-- Iwan der Grausame und seine Amme, in der Sammlung der Akademie zu
Petersburg (Abb. in наши художники I S. 77). -- Die Eroberung von
Kasan -- Lachendes russisches Mädchen, im Museum Alexanders III. in
Petersburg.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 108-111.

=Wenig=, ~Johann Gottfried~. Maler. Geb. 18. Juli 1835 in
Reval, Bruder des Vorigen; gest. in Petersburg, besuchte wie sein
Bruder die Petersburger Akademie und wurde 1863 zum Künstler II.
Grades befördert, nachdem er bereits im September 1860 für sein
Konkurrenzbild die kleine gold. Med. erhalten hatte und zur Konkurrenz
auf den Rompreis zugelassen war. Offenbar in der Absicht den Zudrang
zu den Konkurrenzen auf die gr. gold. Medaille abzuschwächen, waren
seine Arbeit und die Arbeiten mehrerer seiner Studiengenossen nur mit
einer Geldprämie ausgezeichnet worden. Ein von den jungen Künstlern
erhobener energischer Protest hatte nur deren Relegierung zur Folge.
Von ihm ausser mehreren Porträts: Olympische Spiele, 1860 gem. -- Die
Grossfürstin Sophie Witowna entreisst dem Fürsten Wasili den Gürtel auf
der Hochzeit Wasili II. -- Zar Peter und der Zarewitsch Joan werden von
ihrer Mutter den Strelitzen gezeigt.

    Наши художники I. S. 77. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d.
    19. Jahrh. S. 111.

=Werner=, ~Heinrich~, der Jüngere. Maler, lebte in Reval
gegen Ende des 17. Jahrh. Er kam aus England zurück, malte in Reval
„Conterfeyten und Stücke,“ wofür er 1697 vom Maleramt als Bönhase
verklagt wurde.

    Revaler Stadtarchiv, Beschwerdeschriften, Archiv-Kat. B. f. VI. 33.


=Wichmann=, ~Daniel Ernst~. Baumeister, wurde am 28. Oktober
1698 als Rigascher Stadtbau-, Kunst- und Strommeister vereidigt.
1714 machte er Aufnahmen sämtlicher am Wall zwischen der ehemaligen
Sandpforte und dem Riesing belegenen Häuser.

=Wieder=, (~Wider~) ~Wilhelm~. Maler. Geb. 16. Februar
1818 in Stepnitz (Pommern); gest. 15. Oktober 1884 in Berlin, war
Schüler von I. S. Otto in Berlin. Er lebte in England, Frankreich und
Belgien und hielt sich 24 Jahre in Rom auf. 1845 kam er nach Livland,
wo er drei Jahre verbrachte. Seit 1873 lebte er in Berlin. Sein
Porträt, von Alex. Kotzebue gezeichnet, befindet sich in Revalschem
Privatbesitz. Hier lassen sich von ihm folgende Arbeiten nachweisen:
Strand bei Reval. -- Aussicht von der hölzernen Brücke in Dorpat bei
Abendbeleuchtung. -- Portr. des Hofrats Amadeus Buraschi; lith. v.
F. Schlater, 1845. -- Portr. des Oberpastors Bienemann; lith. v. F.
Schlater, 1846, gr. fol. -- Portr. des Landrats Reinh. Joh. Ludw. v.
Samson-Himmelstjerna; lith. von F. Deutsch. -- Portr. des Dr. med. G.
Krümmer; lith. v. F. Schlater, kl. fol. -- Portr. des Pastors zu Wolmar
Ferd. Walter; lith. von F. Schlater, fol. -- Portr. des Landrats Carl
Axel Baron Bruiningk. (Kopie im Dommus. Riga).

    Inland 1845 S. 460, 813; 1846 S. 104. -- Deutsches Kunstblatt 1856
    S. 185; 1857 S. 150.

=Winberg=, ~Adolf~. Architekt. Geb. 1816 in Petersburg;
gest. 26. Mai 1895 in Mitau, besuchte die Bauschule in Petersburg
und wurde 1846 Gehilfe des Gouvernementsarchitekten in Mitau, 1851
Gouvernementsarchitekt und 1879 auch Gouvernementsingenieur. 1893
verabschiedet. Von ihm die Villa Todleben bei Doblen und das Schloss
Fockenhof des Fürsten Lieven.

    Inland 1846 Nº 39; 1851 S. 523; 1855 S. 218; 1851 S. 410. -- Kurl.
    Gouvernements Ztg. 1875 Nº 50. -- Ztg. f. Stadt und Land 1879 Nº
    61. -- Mitausche Ztg. 1895 Nº 42.

=Winkler=, ~Karl Alexander v.~ Landschaftsmaler. Geb. 6.
Juli 1860 in Reval, studierte Philologie an der Universität Dorpat
und hörte daneben die Vorlesungen über Kunst von Prof. Löschke. 1889
wurde er Schüler des Prof. Herm. Eschke in Berlin und arbeitete dann
unter George Wach in Lausanne, unter dessen Leitung er sich der
Aquarellmalerei zuwandte. Mehrfache Studienreisen nach Schweden,
Norwegen, Deutschland und Italien boten W. den Stoff zu seinen
stimmungsvollen Aquarellen. Im städtischen Mus. zu Riga von ihm eine
Ansicht des Marcellustheaters in Rom nach dem Regen.

    W. Neumann, Balt. Maler und Kupferstecher des 19. Jahrh. S. 168-169.

=Wippermann=, ~Johann Peter~. Theatermaler. Geb. 1775; gest.
im April 1817 in Riga, kam 1809 an das Rigasche Stadttheater als
Dekorationsmaler, trat gelegentlich auch als Schauspieler auf. Gerühmt
wurde seine Dekoration zur Oper Titus.

    Kurl. Provinzialblatt 1810 Nº 1 S. 7. -- Rigasche Stadtbl. 1817 S.
    144. -- Rigaer Theater- und Tonkünstler-Lexikon 1890 S. 267.

=Wistinghausen=, ~Alexandrine v.~ Landschaftsmalerin. Geb.
1850 in Reval, studierte unter Prof. v. Klever in Petersburg und war
dann Schülerin von O. de Champeaure in Paris. Von ihr: Reval bei
Abendstimmung. -- Motiv aus der Umgegend von Paris. -- Parkmotiv aus
Paris. -- Marine aus Venedig. -- Motiv aus Nervi. -- Waldmotiv aus
Fontainebleau u. a.

=Witte=, ~Johann de~. Architekt. Geb. 17/29. Oktober 1790
in Riga; gest. im August 1854 in Charkow, erhielt seine Ausbildung in
der Ingenieurschule und in der Akademie in Petersburg, nahm am Kriege
von 1812 teil, baute das Militärhospital in Riga, leitete den Umbau
des (Ordens) Schlosses daselbst, baute die luth. Kirche zu Windau und
erwarb sich grosses Verdienst durch die Errichtung des Badeorts Kemmern.

    Allgem. Künstlerlexikon v. H. W. Singer unter De Witte I S. 340.

=Wrangel=, ~Baronesse Helene v.~ Malerin. Geb. 21. Juni
1837 in Nowgorod als Tochter des Generals der Kavallerie Baron Karl
v. W. aus dem Hause Tolks, gest. 3. November 1906 in Petersburg,
erhielt den ersten Kunstunterricht im elterlichen Hause und den ersten
Malunterricht von dem Akademiker Sherwood in Moskau. In Petersburg
arbeitete sie unter Premazzi und Schistjakow. 1870 verlieh ihr die
Akademie den Rang eines freien Künstlers und ernannte sie 1874 zum
freien Mitglied. Ihre Darstellungen bewegen sich grösstenteils in der
Schilderung des bäuerlichen und des Tierlebens. Das städt. Museum zu
Riga besitzt von ihr: Pferde auf einer Waldweide; Unterricht im Pflügen
(kam 1884 in kaiserl. Besitz).

=Wrangel=, ~Baron Nils~ (~Nikolaus~) ~Wilhelm v.~
Maler. Geb. 28. Juli 1800; gest. 1870 in München, trat 1822 als
Kornet in das Warschauer Gardehusarenregiment, nahm aber schon nach
fünf Jahren seinen Abschied, um sich der Kunst zu widmen. Im Oktober
1828 trat er in die Dresdner Akademie, besuchte dann München, Rom und
Neapel und liess sich 1836 in Petersburg nieder. 1857 waren auf einer
Ausstellung in Reval von ihm ein Selbstbildnis, ein Zimmerinterieur und
zwei Nachtbilder.

    Inland 1837 S. 14; 1857 S. 316.



Z


=Zeitz=, ~Dietrich v.~ Maler. Geb. in Hamburg; gest. um 1714
in Bauske, kam 1663 nach Bauske und führte hier 1665 in Gemeinschaft
mit dem Maler Nikolaus Rabin ein Oelgemälde für die dortige Kirche
aus. Er machte sich in Bauske ansässig, wurde 1677 fürstlicher
Amtsschreiber, 1682 Stadtältermann, bekleidete 1702 und 1703 das
Amt eines Gerichtsvogts und seit 1706 das eines Bürgermeisters von
Bauske. Das von ihm gemalte Bild, eine symbolische Darstellung, trägt
die Inschrift: _Nicolaus Rabin aus Lübeck und Diedrich von Zeitz aus
Hamburg, beide der Mahler Kunst gefliszen verfertigt und verehret
1665 im Monat Juli._ Ihm zuzuschreiben sind einige mit Malereien
ausgestattete Epitaphe in der Kirche zu Bauske, z. B. das Vickesche,
das Brunowsche u. a.

    L. Arbusow, Auszüge aus Bauskeschen Kirchenbüchern, abgedr. in den
    Sitzgsber. d. Kurl. Gesellsch. f. Lit. u. Kunst 1888 S. 25 ff. --
    Vergl. auch Sitzgsber. 1886 S. 35.

=Zimmermann=, ~Alexander~. Geschickter Graveur und Zeichner
in Riga, geb. daselbst 1835; gest. 14. November 1896.

=Zirkwitz=, ~Rudolf Heinrich~. Architekt. Geb. 17. März 1857
im Gouvernement Warschau, Absolvent des Rigaschen Polytechnikums.
Zu seinen bedeutenderen Bauausführungen gehören: Das eigne Wohnhaus
an der Elisabethstrasse in Riga. -- Die Häuser von Transehe und von
Maydell daselbst. -- Das Schloss Koltzen in Livland (Umbau). -- Das
Herrenhaus zu Idseln in Livland. -- Die Kuranlagen in Neubad. -- Das
Haus Trautmann in der Weberstrasse. -- Das Wohnhaus Fellinerstrasse 7
in Riga.

    Nach Autobiographie.

=Zöge von Manteuffel=, ~Otto~. Maler. Geb. 10. April 1822
in Reval; gest. daselbst 15. Mai 1889, wurde 1840 Schüler des Malers
Wilhelm v. Kügelgen in Ballenstädt und besuchte von 1841-45 die
Düsseldorfer Akademie. Von 1846-51 lebte er abwechselnd in Reval und
in Petersburg und unterstützte hier den Maler K. T. v. Neff bei der
malerischen Ausschmückung der Isaakskirche. Studienhalber hielt er
sich längere Zeit im Charkowschen Gouvernement auf. Von ihm mehrere
Porträts, einige Landschaften und die Altargemälde der Kirchen zu
Fellin und Jegelecht.

    Gesch. der Familie Zöge v. Manteuffel herausg. v. Hermann Zöge v.
    Manteuffel und E. v. Nottbeck, Reval 1894 S. 99. -- W. Neumann,
    Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 103-104.

=Zur Mühlen=, ~Rudolf Julius v.~ Maler. Geb. 24. April 1845
in Arrohof in Livl., war von 1866-69 Schüler der Dresdner Akademie und
arbeitete von 1869-70 in der Malklasse der Antwerpener Akademie unter
van Lerius. Von 1871-75 besuchte er die Akademie in München und trat
1876 in die Malklasse des Prof. E. v. Gebhardt in Düsseldorf. Seit
dem Herbst 1877 ist er in Dorpat ansässig. Von ihm: Partie am Strande
bei Baltischport. -- Morgen am Revalschen Strande. -- Der segnende
Christus. Altargem. f. d. Kirche zu Kemmern. -- Die Erneuerung des
Schutz- und Trutzbündnisses zwischen der Bürgerschaft Dorpats und
der Stiftsritterschaft im Jahre 1520 (im Besitz der Grossen Gilde zu
Dorpat.) u. a.

    W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 133-134.



Nachträge und Berichtigungen.


    Zur Literatur über ~Andre~, Dietrich Ernst, ist hinzuzufügen:
        Kunstbeilage des Rigaer Tageblatts, 1908 Nº 3, mit Portr.
    Seite  3  Zeile  2 von unten lies Rigaschem.
      „    4    „    9  „    „     „  1859 statt 1895.
      „   29    „   24  „    „     „  Crayonmanier.
      „   30    „   19  „  oben    „  Triumphpforte.
      „   31    „    8  „    „     „  1688 statt 1868.
      „   33    „    2  „    „     „  Patkul statt Pakul.
    Zur Literatur über ~Dörbeck~, Franz Burchard, ist auf Seite 34
        hinzuzufügen: Johannes Trojan, Berliner Altväterisches, in Kunst
        u. Künstler VI, S. 224 ff.
    Seite 41  Zeile  6 von oben ist hinter dem Worte Kopie ein Komma zu
        setzen.
      „   41   „    16  „    „  lies der statt das.
      „   48   „    17  „    „  ist hinter dem Worte „siedelte“ das Wort
        „er“ einzuschalten.
    Seite 64  Zeile 10 von oben lies Tätigkeit.
      „   65    „   19  „    „    „  Intarsia.
      „   65    „   21  „    „    „  Brüstungen.
      „   66    „    3  „  unten  „  Kolzen statt Kalpen.
      „   67    „    8  „    „    „  der Charitas.
      „   74    „   12  „  oben   „  16/28. Januar.
      „   80    „   11  „    „  fehlt hinter dem Worte Kinder das
        Anführungszeichen.
      „   90    „   16  „    „  lies Mitreuter.
      „   96    „    9  „    „    „  _Laengning_.
      „   98    „   14  „ unten ist hinter 19/31. Juli die Jahreszahl
        1837 zu setzen.
      „  116    „   14  „    „   ist die Jahreszahl 1845 zu streichen.
      „  124    „    9  „    „   ist zu lesen Giessen.
      „  128 sind die Jahreszahlen der angeführten Literatur zu
        ~Rockstuhl~, Ernst Peter, zu lesen: Mitauer Ztg. 1785, 1803 u.
        1804 statt 1715, 1103 u. 1104. desgl. zu ~Römer~, Paul, S. 118
        statt 111.
      „  139  Zeile  3 von oben  ist hinter gem. ein Komma zu setzen.
      „  139    „    8  „    „   lies Kalewipoeg.
      „  139    „   18  „    „   ist hinter Christ ein Punkt zu setzen.
      „  139    „   21  „  unten lies des.
      „  141 ist zum Artikel Schmaeling, Alexander, nachzutragen: geb.
        22. Juni 1877.
      „  146  Zeile  3 von oben  lies Dyrsen.
      „  148    „    6  „  unten lies de Tolly.
      „  153    „    3  „    „   ist hinter dem Worte Rumpelkammer ein
        Komma zu setzen.
      „  156  Zeile 15 von unten ist vor Nº 1317 das Wort
        Manuskriptsamlg. zu setzen.
      „  157    „   20  „    „   lies Kirchspiele.





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