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Title: Reisen in den Philippinen
Author: Jagor, Andreas Fedor
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Reisen in den Philippinen" ***

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zu Berlin are available free of charge for non-commercial
use by all interested parties worldwide.)



                                 REISEN
                                 IN DEN
                              PHILIPPINEN

                                  VON

                                F. JAGOR

              MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN UND EINER KARTE.



                                 BERLIN
                       WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG.
                                 1873.



VORWORT.


Die Reise, von der die folgenden Blätter berichten, wurde in den
Jahren 1859 und 1860 unternommen, durch unvorherzusehende Umstände
aber plötzlich abgebrochen, lange bevor die gesteckten Ziele erreicht
waren. Der Wunsch, das Begonnene später fortzusetzen, ging nicht in
Erfüllung, veranlasste aber zu weiteren Studien, die dem Verfasser
manchen wenig bekannten Stoff lieferten und zugleich zeigten wie
spärlich und ungenau die Nachrichten über jenes schöne Land sind,
besonders über die Provinzen in denen er am längsten verweilte.

Einige werthvolle Mittheilungen vorzüglich über Verwaltung, Steuer- und
Zollwesen verdankt der Verfasser dem spanischen Kolonialministerium,
das ihm bereitwillig die Benutzung seines Archives gestattete;
namentlich war ihm bei Entwurf der Geschichte des Handels, des Tributes
und der Tabakregie eine dort vorgefundene Denkschrift von D. Ormacheo:
Apuntes para la razon general, von Nutzen. Auch die Berliner und
Londoner Bibliotheken lieferten manchen Stoff, der z. Th. mühsam aus
dickleibigen öden Mönchschroniken herausgelesen werden musste. So
häufte sich umfangreiches Material, woraus die nachstehenden Blätter
das Wesentlichste in gedrängter Kürze mittheilen.

Dem eigentlichen Reiseberichte liegen ausführliche an Ort und
Stelle gemachte Aufzeichnungen zu Grunde. Nach einem so langen
Zeitraum erschien es um so nöthiger, sich streng daran zu halten,
da das Gedächtniss gern ihm anvertraute Eindrücke und Erlebnisse zu
farbigen Bildern und interessanten Abenteuern umgestaltet, hier aber
nicht sowohl Unterhaltung als treue Schilderung beabsichtigt wird.

Einiges, besonders aus dem zwanzigsten Kapitel ist bereits in Bastian
und Hartmann's Zeitschrift für Ethnologie mitgetheilt worden.

Den wissenschaftlich werthvollsten Theil des Buches bilden zwei
Abhandlungen, welche der Verfasser der Freundschaft der Herren
Professoren Roth und Virchow verdankt.

Wenige Länder der Welt sind so unbekannt und werden so selten besucht
wie die Philippinen und doch ist keines angenehmer zu bereisen, als
jenes verschwenderisch ausgestattete Inselreich; kaum irgendwo findet
der Naturforscher eine grössere Fülle ungehobener Schätze. Unbemittelte
würden aus dem Verkauf von Sammlungen ihre Reisekosten reichlich
decken.



DRUCKFEHLER.


    Seite 145 Z. 10 v. unten lies: Rayray statt Ragay.
     ,,   173 Z. 15 v. unten lies: Oberleib statt Unterleib.
     ,,   210 Anm. lies: Bd. XXV. 2269 statt 2269.



INHALT.


                                                                   Seite

    Vorrede                                                            V
    Verzeichniss der Bilder                                           XI
    Aussprache der Fremdwörter                                      XIII
    Erklärung häufig vorkommender Fremdwörter                        XIV
    Maasse, Gewichte, Münzen                                         XVI


    Erstes Kapitel.

    Einleitende Bemerkungen.

        Meridiandifferenz, Handelsgebiet der Philippinen, Theilung
        der Erde, erster Anblick Manila's, Erdbeben                    1


    Zweites Kapitel.

        Rhede, Zollwesen, Geschichte des Handels, spanische
        Kolonialpolitik, Reisen der Galeonen                           7


    Drittes Kapitel.

        Manila, Leben in der Stadt und in den Vorstädten,
        Hahnenkämpfe, Trachten der verschiedenen Klassen              18


    Viertes Kapitel.

        Stellung der Europäer und Eingeborenen in englischen,
        holländischen und spanischen Kolonien, Einfluss der
        spanischen Kolonialpolitik auf die Sitten der Eingeborenen,
        Bequemlichkeit des Lebens, Kokospalme, Bambus                 27


    Fünftes Kapitel.

        Geographisches, Meteorologisches, politische Eintheilung,
        Volksmenge, Sprachen                                          39


    Sechstes Kapitel.

        Reise in Bulacan, häufige Feuersbrünste, Fruchtbarkeit,
        Fischfang, Zigarrentaschen, spanische Priester,
        Gastfreiheit, Räubereien                                      45


    Siebentes Kapitel.

        Provinz Laguna, Bancafahrt, Barren des Pasig, See von Bay,
        Maare bei Calauan, Palmenwein, Reisen ohne Diener, Vulkan
        Majaijai, Büffelfahrt                                         55


    Achtes Kapitel.

        Seereise nach Albay, Mariveles, Schifffahrt zwischen den
        Inseln, San-Bernardino-Strasse, Vulkan Bulusan, Legaspi,
        Sorsogon                                                      63


    Neuntes Kapitel.

        Der Vulkan Mayon oder Albay und seine Ausbrüche               69


    Zehntes Kapitel.

        Cacao, Kaffee, Kirchweihfest, Leben in Daraga                 76


    Eilftes Kapitel.

        Reise nach Bulusan und Sorsogon, Strassenbau, Seeräuber       87


    Zwölftes Kapitel.

        Reisen in Süd-Camarines, Gliederung der Provinz, spanische
        Priester, Alkalden und Mandarine                              94


    Dreizehntes Kapitel.

        Reisen in Süd-Camarines, (Fortsetzung), Batu-See, indische
        Priester, Niederlassung von Wilden, Feier der Kreuzbulle,
        Buhi-See, Vulkan Yriga, Ananasfasern, Pfeilgift, Blutegel,
        Solfatare Ygabo, Kieselsprudel von Tibi                      103


    Vierzehntes Kapitel.

        Lebensweise und Sitten der Bicolindier                       118


    Funfzehntes Kapitel.

        Vorgeschichtliche Ueberreste, hoher Werth alter Gefässe,
        Tropfsteinhöhlen im Yamtik, Reisen in Nord-Camarines,
        Bergbau, Gold, Bleiglanz, Rothblei, Kupfer, Hüttenprozess
        der Ygorroten, essbare Vogelnester                           133


    Sechszehntes Kapitel.

        Reise längs der Küste von Camarines, Andringen des Meeres,
        zerstörter Palmenwald, Pasacao, schlechte Strassen           152


    Siebenzehntes Kapitel.

        Der Ysarog und seine Bewohner                                161


    Achtzehntes Kapitel.

        Ersteigung des Yriga und des Mazaraga, See- und
        Strassenräuber, Wasserpflanzen von Berlin nach den
        Philippinen, mein Diener Pepe                                176


    Neunzehntes Kapitel.

        Reisen in Samar, Wetter, Beamtenwahl, Nordküste,
        Catbalogan, Flattermakis, Schlangenbändiger,
        Tertiärversteinerungen, Stromschnellen des Loquilocun,
        Gespensterthier                                              185


    Zwanzigstes Kapitel.

        Reisen in Samar, Fortsetzung, Südsee-Insulaner durch
        Stürme verschlagen, Todtenhöhlen und Leichenbestattung
        der alten Bisayer, Krokodile, Ignazbohne, Kokosöl            203


    Einundzwanzigstes Kapitel.

        Insel Leyte, Heuschrecken, Solfatare, Schwefelgewinnung,
        Bitosee, Krokodile                                           218


    Zweiundzwanzigstes Kapitel.

        Lebensweise und Sitten der Bisaya-Indier                     227


    Dreiundzwanzigstes Kapitel.

        Die neuen Zollhäfen, Steinkohle in Cebu, Yloilo.
        Aufschwung des Zuckerbaues                                   239


    Vierundzwanzigstes Kapitel.

        Abaca oder Manila-Hanf                                       245


    Fünfundzwanzigstes Kapitel.

        Das Tabakmonopol                                             257


    Sechsundzwanzigstes Kapitel.

        Die Chinesen                                                 271


    Siebenundzwanzigstes Kapitel.

        Kurzer Abriss der Geschichte, Schlussbetrachtungen           280


    ANHANG.

    Kopfsteuer und Frohnden                                          293
    Bürgerliche Einrichtungen                                        298
    Ueber den Bodenkredit                                            303
    Die gemeinnützige Gesellschaft der Landesfreunde                 307
    Einführung der Opium-Regie                                       309
    Beschreibung der Schiffe, Barangay genannt, die bei Ankunft
    der Spanier in Gebrauch waren                                    311
    Das tagalische Vater Unser                                       312
    Das neue Zolldekret                                              312
    Handel mit China vor Ankunft der Spanier                         314
    Handel mit China nach Ankunft der Spanier                        315
    Flächeninhalt der grösseren Inseln des philippinischen
    Archipels                                                        317
    Uebersichtstabelle der meteorologischen Verhältnisse             318
    Uebersicht der Volksmenge, der Ortschaften u. s. w. in den
    Philippinen                                                      320
    Gleichzeitiger Ausbruch dreier Vulkane 1641                      323
    Zusätze und Berichtigungen                                       329
    Abgekürzt zitirte Schriften                                      331
    Ueber die geologische Beschaffenheit der Philippinen von
    J. Roth                                                          333
    Ueber die älteren und neueren Bewohner der Philippinen von
    Rudolf Virchow                                                   335
    Index                                                            378
    Karte des südlichen Theiles von Luzon und benachbarter Inseln.



VERZEICHNISS DER BILDER.


Um den Grad der Genauigkeit der einzelnen Bilder beurtheilen zu können,
ist durch Buchstaben die Art ihrer Herstellung angegeben.


    c    =   Camera lucida,
    p    =   Pause,
    ph   =   Photographie,
    r    =   reduzirt durch Camera lucida oder auf mechanischem Wege.
    t    =   Originalzeichnung eines Tagalen.
    z    =   freie Handzeichnung.


Der erste Buchstabe bezieht sich auf die Originalzeichnung, der
folgende auf die Reproduktion.

                                                                   Seite

    Barre des Pasig, Manila c. r.                                      7
    Lastboot (Casco) t. r.                                            17
    Haus mit Azotea am Pasig z. z.                                    18
    Bambushaus in der Vorstadt Trozo c. r.                            20
    Tagalin ph. r.                                                    24
    Tagalen ph. r.                                                    25
    Elegante t. r.                                                    25
    Kleines tagalisches Mädchen ph. p.                                26
    Leben am Wasser (ph. c. z.) z.                           zu Seite 34
    Bambus z. p.                                                      35
    Verarbeitung des Bambus                                           36
    Floss mit Senknetzen (Salambau) c. r.                             37
    Fischerhütten bei Bulacan z. r.                                   45
    Berg Arayat z. r.                                                 47
    Zubereitung der Zigarrentaschen z.                                48
    Negrita (von Panay) ph. r.                                        51
    Aussicht von Jalajala auf die Insel Talim c. r.                   52
    Vulkan Maquiling von ONO. z.                                      54
    Kirche und Convento, Majaijai c. r.                               58
    Insel Talim mit dem Pik Soson-dalága von Majaijai c. r.           59
    Vulkan Majaijai c. r.                                    zu Seite 61
    Negrito von Mariveles c. r.                                       63
    Tagalin in einer Hängematte z. z.                                 64
    Vulkan Bulusan z. r.                                     zu Seite 66
    Vulkan Mayon c. r.                                       zu Seite 69
    Krater des Mayon z. p.                                            70
    Zigarrentaschen-flechten z. z.                                    84
    Bícol-Naturforscher bei Regenwetter z. r.                         86
    Stamm eines Feigenbaumes bei Bacon c. r.                          88
    Dorfglocke in Camarines z. z.                                     96
    Dorf Batu c. r.                                                  103
    Wilde vom Yriga c. z.                                   zu Seite 106
    Vulkan Yriga von OSO. c. r.                                      110
    Vulkan Yriga von SW. c. r.                                       111
    Vulkan Malinao c. r.                                             114
    Kieselsprudel bei Tibi c. r.                                     114
    Der weisse Kegel c. r.                                           115
    Der rothe Kegel c. r.                                            117
    Pavava, eine Art Karren c. r.                                    118
    Der Pflug (Arado) und seine Bestandtheile c. r.                  120
    Ackergeräth der Bicol-Indier c. r.                               121
    Reismesser z.                                                    121
    Thongefäss aus einer Muschelschicht z.                           134
    Gebirge Bacacay von der Barre von Daet c. r.                     139
    Indierin die Bulaqueña tanzend z. r.                             140
    Kastell gegen Seeräuber c. r.                                    141
    Nester von Collocalia troglodytes c. r.                          143
    Kupferner Kessel c.                                              146
    Gebirge Bacacay vom Tribunal von Labo c. r.                      150
    Der Pik Colasi von der Visita Colasi z. r.                       153
    Der Pik Colasi von der Visita Lalauigan z. r.                    153
    Palmenwald durch die Brandung zerstört z. r.                     155
    Vulkan Ysarog c. r.                                     zu Seite 161
    Glockenturm von Calabanga c. r.                                  164
    Weberin vom Ysarog c. r.                                         166
    Bogen und Pfeile der Ygorroten vom Ysarog c. r.                  169
    Ygorrote vom Ysarog c. p.                                        170
    Ygorroten-Mädchen vom Ysarog c. p.                               171
    Cuadrillero z. z.                                                174
    Schiffahrt durch Sumpf z. z.                                     176
    Mazaraga c. r.                                                   178
    Aussicht vom Mazaraga c. p.                             zu Seite 178
    Spanisch-tagalische Mestizin ph. p.                              184
    Lauang c. r.                                                     187
    Gobernadorcillo und Alguacil t. r.                               189
    Kleines Bisaya-Mädchen z. z.                                     192
    Boot mit Ausriggern c. r.                                        193
    Visita Loquilocun c. r.                                          199
    Felsen im Meer bei Nipa-nipa z. z.                               207
    Särge c. r.                                                      209
    Buyohändlerin t. r.                                              217
    Hafen von Tacloban z. r.                                         218
    Gebirge in Leyte c. r.                                           220
    Hütte im Krater des Kasiboi c. r.                                221
    Hütte auf einem Baum z. z.                                       223
    Bisaya-Indierin z. z.                                            227
    Alte Indierin rauchend t. r.                                     270
    Schiff aus dem 17. Jahrhundert z. z.                             290
    Schädel r. Tafel 1.                                     zu Seite 355
    Schädel r. Tafel 2.                                     zu Seite 375
    Negritos vom nördlichen Luzon ph. p.                    zu Seite 375



AUSSPRACHE DER FREMDWÖRTER.


Die spanischen und einheimischen Wörter, meist Ortsnamen, sind nach
spanischer Weise geschrieben. Die Aussprache ist wie im Deutschen,
mit folgenden Abweichungen:


    spanisch c  vor e und i wie th   englisch, aber schärfer.
       ,,    ch             wie tsch deutsch.
       ,,    g  vor e und i wie ch      ,,
       ,,    gu             wie g       ,,
       ,,    j              wie ch      ,,
       ,,    ll fast        wie j       ,,
       ,,    ñ              wie nj      ,,
       ,,    qu             wie k       ,,
       ,,    s              wie ss      ,,    auch mitten im Wort.
       ,,    v         fast wie b.
       ,,    y  vor Vokalen wie j       ,,
       ,,    y  vor Konsonanten wie i.
       ,,    z  wie c vor e und i.


In den philippinischen Namen ist e von i, o von u kaum zu
unterscheiden.

In mehrsilbigen Wörtern ist der Tonfall meist durch einen Accent
angedeutet worden.



ERKLÄRUNG EINIGER HÄUFIG WIEDERKEHRENDER FREMDWÖRTER.


Abacá = Manila-Hanf, Faser der Musa textilis s. S. 245.

Alkalde, Guvernör einer Provinz s. S. 100 Anm.

Bánca, kleines Boot.

Barangáy, Gruppe von 40 bis 50 Familien unter Verwaltung eines Cabeza
s. S. 292.

Bólo, grosses Waldmesser.

Búyo, ein Stück Arecanuss, eingefasst von einem mit gebranntem Kalk
bestrichenen zusammengerollten Blatt Betelpfeffer s. S. 126 Anm.

Cabéza, Haupt, Häuptling.

Casa reál, Wohnung des Alkalden oder Guvernörs, auch = Tribunal
s. S. 50.

Camóte, süsse Kartoffel, Convolvulus Batatas s. S. 122.

Castíla, werden die Spanier, auch wohl die Europäer im Allgemeinen
genannt.

Cimarrón, in Freiheit lebender Eingeborener s. S. 106.

Convénto, Wohnhaus des Pfarrers, nicht Kloster.

Cuadrilléro, Steuersoldat, Polizeisoldat.

dM. = M.

Estánco, Laden in welchem von der Regierung monopolisirte Artikel
verkauft werden.

Falúa, Feluke.

Gábi, Caladium sp. div. mit essbaren Knollen.

Gobernadorcíllo (Guvernörchen), Dorfschulze s. S. 189.

Guinára, Gewebe von Abacá.

Haciénda, Landgut, die Finanzverwaltung, der Staatsschatz.

Indier, Indios, werden die Eingeborenen im Allgemeinen, besonders
aber die der spanischen Herrschaft unterworfenen im Gegensatz zu den
Cimarronen genannt.

L, Légua Wegstunde, (20 = 1° des Aequators).

£, Pfund Sterling.

M, Meile, (15 = 1° des Aequators).

Polísta, Frohnarbeiter.

Pólos, Frohnden s. S. 292.

Puéblo, Ortschaft.

Principalía, inländischer Adel.

R. C., Reál Cédula, Königliches Handbillet.

R. D., Reál Decréto, vom Suverän selbst unterschrieben.

R. O., Reál Órden, nur vom Minister gezeichnet.

Sáya, Frauenrock von der Hüfte zum Knöchel reichend.

Sm., Seemeile (60 = 1° des Aequators).

Súndang, Waldmesser.

Tápis, ein um den oberen Theil der Saya gewundenes Tuch.

Teniénte, Lieutenant.

Tribunál, auch Casa real genannt, Gemeindehaus.

Tribúto, Kopfsteuer.

Túba, gegohrener Palmensaft.

Visíta, Filial einer Pfarre.



MAASSE, GEWICHTE UND MÜNZEN.


Seit Januar 1862 gelten in den Philippinen die folgenden Maasse,
Gewichte und Münzen.


Längenmaasse:

1 Braza = 1 Doppelvara von Burgos = 1,671 Meter (= 5,3205 Rh.-Fuss)
1 Vara  = 1 Vara (Elle) desgl.    = 0,835 Meter (=   2,66 Rh.-Fuss)
1 pié   = 1 pié (Fuss) desgl.     = 0,278 Meter (=   0,89 Rh.-Fuss).


Wegemaasse:

1 Legua (L.) sehr nahe 20,000 piés = 3 Seemeilen (Sm.) 20 L. =
60 Sm. = 15 geogr. oder deutsche Meilen (M.) = 69 engl. Meilen =
111,1 Kilometer.


Feldmaasse:

1 Quiñon, (spr. Kinión) = 10 Balístas = 100 Loánes = 10,000 Brázas
cuadrádas = 27949,486 Quadrat-Meter = 2,79495 Hektar. 1 Hektar =
3577,833 Brazas cuadrádas = 0,35778 Quiñones = 3,5778 Balistas =
35,778 Loánes.

Die hier zu Grunde gelegte Braza cuadr. ist die von 4 Varas cuadr. de
Burgos. 1 Quiñon = 10,946, also sehr nahe = 11 preuss. Morgen).


Getreidemaasse:

1 Cabán (Caván) = 25 Gántas = 200 Chúpas = 800 Apatánes = 75 Liter =
1,35132 Fanégas de Castilla.

Von 1. Januar 1862 gilt der am 1. Januar 1860 in Manila eingeführte
Caban als gesetzliches Maass für alle Provinzen. Er misst genau 75
Liter oder in Form eines Würfels 422 mm. innerer Seite, oder 5990,96
span. Kubikzoll. (Der Caban von 1859 hatte 80,00919 Liter.)

(1 Ganta = 3 Liter, 1 Preuss. Metze = 3 Quart. 1 Ganta verhält sich
also zu 1 preuss. Metze (= 1/16 Scheffel) genau wie 1 Liter zu 1
Quart. 1 Caban = 1,362 Scheffel. 1 Caban Reis wiegt 128 bis 137
Pf. span. = 59 bis 63 Kilogr.


Flüssigkeitsmaasse:

1 Ganta = 8 Chupa = 3 Liter.

Die Tinája (grosser Thonkrug) ist ein willkürliches Maass und bedeutet
eine Anzahl Gantas, die in jedem Kontrakte besonders bestimmt wird
oder durch Gebrauch feststeht, z. B. 1 Tinája Cocosöl der Laguna =
16 Gantas.


Gewichte:

1 Quintál = 1 Quintál de Castilla = 4 Arróbas = 46,009 Kilogramm.

1 Arroba = 25 Libras (Pfund span.) = 11,502 Kilogr.

1 Libra = 2 Marcos = 0,460 Kilogr. 1 Marco = 8 Onzas = 0,230 Kilogr.

1 Onza = 16 Adarmes = 28,76 Gramm. 1 Adarme = 36 Granos = 1,80 Gramm. 1
Grano = 0,05 Gramm.


Schwere Gewichte.

1 Pico = 10 Chinántas = 100 Cátes = 1600 Tael = 137,500 Libras de
Castilla = 63,262 Kilogr. (1 Tael = 22000 Adarmes = 39,539243 Kilogr.)

Der Píco (Pikul) ist kein festes Gewichtsmaass, er variirt selbst
in China. In Manila hat sich durch den Gebrauch das Verhältniss 1
Píco = 137,5 Libras de Castilla festgestellt. In den chinesischen
Häfen und in Singapore haben die Engländer den Pikul = 133 1/3 Pfund
engl. eingeführt. 1 Píco von Manila = 140 Pf. engl., 1 Pikul (engl.) =
131,4 Libras de Castilla.

1 (Schiffs)-Tonne, früher = 16 Picos (1012 Kilogramm), jetzt = 1000
Kilogr.; dem Maasse nach = 1 Kubikmeter.


Gewicht für edle Metalle:

1 Tael = 10 Mas = 100 Condrín = 754,75 Granos del Marco de Castilla =
37,68 Gramm.


Münzen:

1 span. Dollar ($) = 2 Escúdos (Esc.) = 5 Pesetas = 8 Réales plata
(r.) = 160 Cuartos (cu.) = 100 Centésimos (ce).

Im täglichen Verkehr wird nach Cuartos, im Grosshandel nach Centisimos
gerechnet. Der Escudo ist erst seit 1. Juli 1865 für alle amtlichen
Rechnungen in Spanien und den Kolonien eingeführt, um die spanische
Währung dem Dezimalsystem anzupassen.

(In Spanien wird der Dollar in 20 Reales vellon (rv.) getheilt. 1
Real vellon = 8,5 Cuartos, = 34 Maravedis.)

Die in Manila 1861 errichtete Münze prägt Gold: 4 $, - 2 $, - 1
$-Stücke, Silber: 0,5 $ = 1 Escudo; seit 1866 auch 0,2 $ = 4 rv., --
0,1 $ = 2 rv.

Der Kurs des $ pflegt zwischen 42 und 44 Silbergroschen zu schwanken.

In den spanischen Kolonien bestehn keine Wuchergesetze. Alljährlich
wird in Spanien der gesetzliche Zinsfuss für Fälle, wo kein besonderer
Zins verabredet worden, festgestellt.



ERSTES KAPITEL

EINLEITENDE BEMERKUNGEN

    MERIDIANDIFFERENZ.--HANDELSGEBIET DER PHILIPPINEN.--THEILUNG DER
    ERDE.--ERSTER ANBLICK MANILA'S.--ERDBEBEN.


Wenn es in Madrid Mittag schlägt, so ist es in Manila, der Hauptstadt
der Philippinen, mehr als 8 Uhr Abends, genau 8h 18m 41s; d. h. Manila
liegt 124° 40' 15'' östl. von Madrid (7h 54m 35s von Paris. Conn. des
temps). Wenn früher aber Madrid Neujahr feierte, so war in Manila
erst Sylvester.

Da Magellan, der die Philippinen 1521, bei jener denkwürdigen ersten
Weltumsegelung entdeckte, sich in derselben Richtung um die Erde
bewegte, wie die Sonne in ihrem scheinbaren täglichen Lauf, so hatte er
für jeden Grad, den er weiter nach Westen vordrang, vier Minuten später
Mittag, und als er die Philippinen erreichte, betrug der Unterschied
fast 16 Stunden. Er scheint dies aber nicht bemerkt zu haben, denn
Elcano, der Führer des einzigen geretteten Schiffes, wusste nicht,
als er zum Meridian seiner Abfahrt zurückkehrte, dass er nach der
Schiffsrechnung einen Tag weniger zählen musste, als in dem Hafen, den
er durch fortgesetztes Westwärtsfahren wieder erreicht hatte. [1] [2]

In den Philippinen blieb jener Umstand gleichfalls unberücksichtigt;
deshalb war dort Sylvester, wenn in der übrigen Welt Neujahr begonnen
hatte, und so ging es fort bis Ende 1844, wo man sich, nach eingeholter
Genehmigung des Erzbischofs, entschloss, den Sylvestertag einmal
gänzlich zu überspringen. [3] Seitdem liegen die Philippinen nicht
mehr im fernsten Westen, sondern im fernen Osten, und sind ihrem
Mutterlande um 8 Stunden voraus. Ihr eigentliches Handelsgebiet ist
aber unser ferner Westen; von dort her wurden sie kolonisirt, und
Jahrhunderte lang, bis 1811, hatten sie fast keinen andern Verkehr
mit Europa als mittelbar, durch die jährliche Reise der Nao zwischen
Manila und Acapulco. Nun aber, wo endlich die östlichen Gestade des
stillen Meeres sich bevölkern und mit beispielloser Schnelligkeit
ihrer grossen Zukunft entgegen gehen, werden die Philippinen nicht
länger in ihrer bisherigen Abgeschlossenheit verharren können; denn
für die Westküste Amerika's liegt wohl keine tropische Kolonie Asiens
so günstig; auch für Australien kann ihnen nur in einigen Beziehungen
Niederländisch-Indien den Rang streitig machen. Auf den Handel mit
China dagegen, dessen Stapelplatz anfänglich Manila war, so wie mit
den westlicher, den atlantischen Häfen näher gelegenen Ländern Asiens,
unserm fernen Osten, wird es wohl immer mehr verzichten müssen. [4]

Wenn sich die hier angedeuteten Verhältnisse verwirklichen, so würden
die Philippinen oder wenigstens ihr Handelsgebiet schliesslich doch
in den Bereich der westlichen Erdhälfte fallen, in welche sie die
berühmten spanischen Geographen zu Badajóz verwiesen.

Nach der Bulle Alexanders VI., vom 4. Mai 1493, [5] welche die Erde
durch einen Meridian in zwei Hälften theilte, sollten die auf seiner
östlichen Seite zu entdeckenden heidnischen Länder den Portugiesen, die
auf der westlichen den Spaniern gehören. Die Philippinen konnten daher
von Letzteren nur unter der Voraussetzung in Besitz genommen werden,
dass sie auf der westlichen Hälfte lägen. Die Demarkazionslinie sollte
vom Nord- zum Südpol, 100 Leguas gen Abend und Mittag aller sogenannten
Azoren und Capverdischen Inseln verlaufen. Durch einen am 7. Juni
1494 zwischen Spanien und Portugal zu Tordesillas geschlossenen,
1506 von Julius II. bestätigten Vertrag wurde sie 370 Leguas West
der Capverdischen Inseln gezogen.

Von den damals in Spanien und Portugal gebräuchlichen Leguas wurden 17
1/2 auf einen Grad des Aequators gerechnet, im Parallel der Capverden
betrugen 370 Leguas 21° 55'; nimmt man dazu die Längendifferenz
zwischen der Westspitze dieser Inselgruppe und Cadix = 18° 48', so
erhält man 40° 43' W. und 139° 17' O. von Cadix (rund 47° W. 133°
O. Gr.) als die Grenzen der spanischen Erdhälfte. Aber die zur
damaligen Zeit vorhandenen Mittel waren für solche Ortsbestimmungen
völlig unzureichend.

Die Breite wurde mit unvollkommenen Astrolabien oder hölzernen
Quadranten gemessen und nach sehr mangelhaften Tafeln berechnet;
die Abweichung der Magnetnadel war so gut wie unbekannt, ebenso das
Log. [6] Für brauchbare Längenbestimmungen waren weder die Methoden
noch die Instrumente erfunden. Unter solchen Umständen bewiesen 1524 zu
Badajóz die Spanier den protestirenden Portugiesen, dass die östliche
Grenzlinie die Gangesmündung schnitte, und sprachen sich dadurch den
Besitz der Gewürzinseln zu.

In Wirklichkeit müsste die östliche Grenzlinie 46 1/2° weiter östlich
fallen; d. h. so weit wie von Berlin bis an die Küste von Labrador
oder den kleinen Altai, da im Parallel von Calcutta 46 1/2° = 2575
See-M. Albo's Tagebuch giebt die Längendifferenz der östlichsten
Inseln des Archipels von Cap Fermoso (Magellan's Strasse) auf 106°
30' an, während sie 159° 25' beträgt.

Die durch die Unsicherheit der östlichen Grenzlinie veranlassten
Streitigkeiten zwischen den Spaniern und Portugiesen, welche letztere
früher nach den Gewürzinseln gekommen waren, wurden 1529 durch einen
Vergleich beigelegt, indem Carl V. alle seine angemaassten Anrechte auf
die Molukken für die Summe von 350,000 Dukaten an Portugal abtrat. Die
Philippinen hatten damals keinen Werth.



Von Hongkong nach Manila sind 650 Seemeilen, fast genau S.O., die in
3 bis 4 Tagen von dem Dampfschiff zurückgelegt werden, welches alle
14 Tage die Post-Verbindung zwischen der Kolonie und der übrigen Welt
herstellt. [7]

Ohne diesen kleinen Dampfer würde man in Hongkong, in dessen Hafen
sich die Schiffe aller Nationen drängen, kaum vermuthen können, dass in
so grosser Nähe ein Inselstaat liegt, der durch glückliche Gliederung
und Fruchtbarkeit mehr als irgend ein andrer begünstigt scheint.

Obgleich die Philippinen Spanien gehören, so findet doch zwischen
beiden Ländern fast kein Handel statt. Die Verbindung mit dem
Mutterlande war früher der Art, dass die Ankunft eines Schiffes mit
der spanischen Post durch Tedeum und Glockenläuten für die Vollbringung
einer so gewaltigen Reise gefeiert wurde. Bis Portugal an Spanien fiel,
war den Philippinen der Weg um Afrika verschlossen. Wie es mit der
Ueberlandreise stand, zeigt der Umstand, dass zwei Augustiner, die
1603 dem Könige eine wichtige Botschaft bringen sollten, und daher
den kürzeren Weg über Goa, die Türkei und Italien gewählt hatten,
Madrid erst nach drei Jahren erreichten. [8]

Die bisher den Kaufleuten durch hohe Differenzialzölle aufgezwungene
spanische Flagge beförderte, trotz des Schutzzolles für nationale
Produkte, fast nur ausländische Waaren nach der Kolonie und die
Erzeugnisse der letzteren nach fremden Häfen. Der Verkehr mit Spanien
beschränkte sich auf den Transport von Beamten und Geistlichen und
deren gewohnten Lebensbedürfnissen, namentlich Nahrungsmitteln,
Wein, andren Flüssigkeiten (Caldos) und, einige französische Romane
ausgenommen, entsetzlich geistlosen Büchern: Geschichten von Heiligen
und Aehnlichem.

Die Bay von Manila ist gross genug um alle Flotten Europa's
aufzunehmen; sie gilt für eine der schönsten der Welt. Der Anblick
des Landes entspricht aber, wenn man, wie der Verfasser, gegen Ende
der trocknen Jahreszeit ankommt, durchaus nicht den begeisterten
Schilderungen mancher Reisenden. Das kreisrunde, fünf Provinzen
begrenzende Wasserbecken von fast 120 Seemeilen Umfang ist in der
Gegend Manila's von flachen Ufern umgeben, hinter welchen sich ein eben
so flaches Gestadeland ausbreitet. Die karge Vegetation war von der
Sonne verdorrt, nur einige Bambusbüsche und Arecapalmen, in der Ferne
die blauen Berge von San Mateo unterbrachen die Einförmigkeit. Zur
Regenzeit, wenn unzählige, die Ebene durchschneidende Kanäle aus
ihren Ufern treten, bilden sich grosse zusammenhängende Wasserbecken,
bald darauf verwandelt sich Alles in ein üppig grünendes Reisfeld.

Manila liegt zu beiden Seiten des Pásig. Die eigentliche Stadt von
Mauern und Wällen umschlossen, mit niedrigen Ziegeldächern und einigen
Thürmen, sah 1859 vom Meere aus einer alterthümlichen europäischen
Festung ähnlich. Vier Jahre später wurde sie durch ein Erdbeben zum
grössten Theil zerstört.

Am 3. Juni 1863, als ganz Manila mit den Vorbereitungen zum
Frohnleichnamsfeste beschäftigt war, bebte nach einem Tage drückender
Hitze um 7 Uhr und 31 Minuten Abends plötzlich die Erde, die festesten
Gebäude bewegten sich, die Mauern barsten, die Balken brachen; das
furchtbare Geräusch dauerte eine halbe Minute. Dieser Zeitraum war
hinreichend, um die ganze Stadt in ein Ruinenfeld zu verwandeln,
und hunderte von Einwohnern lebendig zu begraben. Nach einem mir
mitgetheilten Briefe des General-Guvernörs wurden der Palast, die
Kathedrale, die Kasernen und alle öffentlichen Gebäude Manila's völlig
zertrümmert; die wenigen stehen gebliebenen Privathäuser drohten
einzustürzen. Spätere Berichte geben 400 Todte, 2000 Verwundete an
und schätzen den Verlust auf 8 Millionen Doll. 46 öffentliche und
570 Privat-Gebäude waren eingestürzt, 28 öffentliche und 528 private
waren dem Umsturz nahe, alle stehen gebliebenen Häuser mehr oder
weniger beschädigt.

Um dieselbe Zeit fand in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen,
ein 40 Sekunden anhaltendes Erdbeben statt, das viele Gebäude umwarf.

Drei Jahre nach diesem Ereignisse findet der Herzog von Alençon
(Luçon et Mindanao, Paris 1870 S. 38) noch überall dessen Spuren. Drei
Seiten des Hauptplatzes der Stadt, auf denen sich früher der Palast,
die Kathedrale, das Stadthaus erhoben, lagen da als Schutthaufen
mit Gesträuch bewachsen. Alle grossen öffentlichen Gebäude waren
»vorläufig« durch Holzbauten ersetzt, man dachte aber nicht daran,
etwas Bleibendes zu schaffen.

Manila ist sehr häufigen Erdbeben ausgesetzt; am verhängnissvollsten
die von 1601, 1610 (30. Nov.), 1645 (30. Nov.), 1658 (20. Aug.), 1675,
1699, 1796, 1824, 1852, 1863. -- 1645 kamen 600 Personen um [9], nach
Andern sogar 3000, [10] die unter den Trümmern ihrer Häuser begraben
wurden. Von allen öffentlichen Gebäuden blieben nur das Kloster,
die Kirche der Augustiner und die der Jesuiten stehen.

Kleine Erdstösse, welche plötzlich alle Hängelampen in Schwingung
versetzen, finden sehr oft statt und bleiben gewöhnlich unbeachtet. Die
Häuser sind mit Rücksicht auf diesen Umstand nur einstöckig, und der
lockere, vulkanische Tuff, aus dem sie gebaut, mag zur Milderung der
Stösse beitragen. Höchst unzweckmässig aber erscheinen unter solchen
Verhältnissen die schweren Ziegeldächer. Auch in den Provinzen sind
Erdstösse sehr häufig, richten aber, weil die Häuser nur aus Brettern
oder Bambus und Palmenblättern bestehn, gewöhnlich so wenig Schaden
an, dass sie gar nicht erwähnt werden.


    Herr Alexis Perrey giebt in den Mém. de l'Acad. de Dijon 1860
    ein mit grossem Fleiss aus der ihm zugänglichen Literatur
    zusammengestelltes Verzeichniss von Erdbeben, welche die
    Philippinen und besonders Manila heimgesucht haben. Selbst
    über die bedeutenderen sind die Nachrichten sehr spärlich, die
    Daten oft schwankend. Von unerheblicheren sind nur einige wenige
    angeführt, die von zufällig anwesenden wissenschaftlichen Männern
    verzeichnet wurden.

    Ein sehr heftiges fand nach Aduarte (I. 141) 1610 statt. Ich
    lasse die Uebersetzung der betreffenden Stelle abgekürzt folgen,
    da ich es sonst nirgends erwähnt finde:

    Ende November dieses Jahres (1610) am St. Andreas-Tage fand in
    diesen Inseln, von Manila bis an das äusserste Ende der Provinz
    Neu-Segóvia (das ganze nördliche Luzon), eine Entfernung von 200
    Leguas, ein so furchtbares Erdbeben statt, wie man es nie erlebt
    hatte; es that grossen Schaden im ganzen Lande, in der Provinz
    Ilocos begrub es Palmbäume und liess nur die Blattkronen über der
    Erde, Berge wurden durch die Gewalt des Erdbebens gegen einander
    geschoben, viele Gebäude zerstört und Menschen getödtet. Am
    meisten aber wüthete es in Neu-Segóvia, wo es Berge öffnete,
    und neue Wasserbecken aufthat; die Erde spie grosse Haufen
    Sand aus und schwankte der Art, dass die Leute, da sie nicht
    aufrecht stehen konnten, sich auf die Erde setzten und am Boden
    festbanden als wären sie in einem Schiff auf stürmischer See. In
    dem von den Mendayas bewohnten Höhenzuge stürzte ein Berg ein,
    zertrümmerte dabei ein Dorf und erschlug die Bewohner. Ein grosses
    Stück Land am Fluss versank, so dass jetzt da, wo früher Hügel
    meist von ansehnlicher Höhe gestanden, die Oberfläche fast dem
    Wasserspiegel gleich ist. Im Flussbett war die Bewegung so stark,
    dass sich Wellen erhoben wie im Meer oder als ob das Wasser von
    fürchterlichem Winde gepeitscht würde. Die steinernen Gebäude
    litten den meisten Schaden, unsere Kirche und Convento stürzten
    ein ....



ZWEITES KAPITEL

    RHEDE. -- ZOLLWESEN. -- GESCHICHTE DES HANDELS. -- SPANISCHE
    KOLONIALPOLITIK. -- REISEN DER GALEONEN.


Die Zollvisitation und die vielen, von den einheimischen
Subalternbeamten ohne alle Rücksichten nach dem Buchstaben gehandhabten
Förmlichkeiten erschienen dem neu Angekommenen um so lästiger, da er
eben erst in den englischen Freihäfen Ostasiens verkehrt hatte. Auf
die Bürgschaft eines angesehenen Kaufmanns wurde ihm nach 16 Stunden
als eine besondere Gunst die Landung gestattet, jedoch ohne das
kleinste Gepäckstückchen.

Die Rhede ist im S.W. Monsun und zur Zeit der von Stürmen begleiteten
Monsunwechsel unsicher; dann suchen grössere Schiffe in dem 7
SM. entfernten Cavite Schutz; im N.O. Monsun können sie 1/2 L. vom
Lande ankern. Fahrzeuge von weniger als 300 Tonnen gelangen über die
Barre in den Fluss Pásig, wo sie bis zur Brücke, unmittelbar am Ufer,
und bis in die Mitte des Flusses hinein, in dicht gedrängten Reihen
liegen, und durch ihre Anzahl sowohl, wie durch das zwischen ihnen
herrschende rege Treiben von der Lebhaftigkeit des Binnenhandels
zeugen.

In jedem Regenmonsun führt der Pásig der Barre so viel Schlamm zu, dass
dessen Fortschaffung die Thätigkeit der aufgestellten Baggermaschine
wie es scheint vollauf in Anspruch nimmt.

Die geringe Zahl von Schiffen auf der Rhede, besonders fremder Flaggen,
war um so auffallender, als, ausser Manila, kein Hafen des Archipels
mit dem Auslande verkehrte. Allerdings hatten seit 1855 noch drei
andere Häfen diese Berechtigung erhalten (später kam noch ein vierter
dazu), zur Zeit meiner Ankunft, März 1859, war aber noch keiner von
einem fremden Schiffe besucht worden; erst einige Wochen später traf
das erste englische Fahrzeug in Iloílo ein, um Zucker für Australien
zu laden. [11]

Der Grund jener Erscheinung lag zum Theil in der geringen Entwicklung
des Landbaues, trotz der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens,
zum grösseren Theil aber wohl in veralteten, den Verkehr künstlich
beschränkenden Verordnungen. Die Zölle waren an und für sich nicht
sehr hoch: im Allgemeinen 7 Procent vom Werth für Schiffe unter
spanischer Flagge; für fremde Flaggen aber das Doppelte, und wenn
die Waaren spanischen Ursprungs, 3 Proc. für nationale, 8 Proc. für
fremde Flaggen. Letztere konnten daher in der Regel nur mit Ballast
einlaufen. [12] Da aber die Hauptbedürfnisse der Kolonie aus England
und dem Auslande eingeführt wurden, so mussten sie entweder für
spanische Fahrzeuge, welche fast dreifache Fracht berechnen (4-5 statt
1 1/2-2 Pf. Sterl. per Tonne), und nur in grossen Zwischenräumen in
englischen Häfen erscheinen, aufbewahrt, oder in fremden Schiffen
nach Singapore oder Hongkong geschickt werden, wo sie auf spanische
Schiffe umgeladen wurden. Ausserdem wurden selbst von Schiffen in
Ballast, und solchen, die ohne zu löschen oder Fracht einzunehmen,
wieder ausliefen, Tonnengelder erhoben, und wenn ein solches Fahrzeug
auch nur ein Päckchen landete, so wurde es nicht mehr als in Ballast
betrachtet, sondern nach einer viel höheren Taxe besteuert. Ein Schiff
musste also durchaus keine, oder so viel Ladung haben, dass es die
erhöhten Hafengelder decken konnte, was für ausländische wegen der
Differenzialzölle, die einem Verbote gleich wirkten, beinahe unmöglich
war. Fremde Fahrzeuge kamen daher fast immer nur in Ballast, und wenn
sie für einen bestimmten Zweck besonders herbeigerufen wurden.

Die Kolonie exportirt fast nur Rohprodukte, die mit einem Ausfuhrzoll
von 3 Procent belastet waren; für die spanische Flagge betrug er
nur 1 Procent; da aber fast keine Ausfuhr nach Spanien stattfindet,
und spanische Schiffe, wegen ihrer theuren Frachten, vom Weltverkehr
ausgeschlossen sind, so war die Begünstigung für den Handel nur eine
scheinbare. [13] Diese ungeschickten, mit endlosen misstrauischen
Formen gehandhabten Zollgesetze verscheuchten alle frachtsuchenden
Schiffe vom Hafen, so dass Aufträge auf Landeserzeugnisse zuweilen
nicht ausgeführt erden konnten. So gering war der Schiffsverkehr,
dass der Gesammtertrag der hohen Hafengelder nach einem zehnjährigen
Durchschnitt kaum 10,000 Doll. erreichte.

An und für sich ist die Lage Manila's für den Welthandel sehr günstig,
als Zentralpunkt zwischen Japan, China, Anam, den englischen und
holländischen Häfen des Archipels und Australien. [14]

Während des N.O. Monsun, in unseren Wintermonaten, wo die Schiffe
vom indischen Archipel nach China, um einige Deckung zu haben, durch
die Gilolostrasse gehn, müssen sie überdies dicht an Manila vorbei,
und würden dort eine bequeme Station finden; namentlich aber liegen
die Philippinen wie bereits erwähnt, für die Westküste Amerikas
sehr günstig.

Dass das spanische Ultramar-Ministerium diese Verhältnisse richtig
erkennt und ihnen Rechnung trägt, geht aus dem für die Zukunft der
Kolonie so wichtigen Dekret vom 5. April 1869 hervor, das wohl schon
früher erschienen wäre, wenn nicht die durch Schutzzölle verwöhnten
spanischen und kolonialen Schiffsrheder sich hartnäckig gegen eine
Neuerung gesträubt hätten, die ihre bisherigen Privilegien antastet
und sie zu grösserer Rührigkeit zwingt.

Die bemerkenswerthesten Punkte dieser neuen Verordnung sind:
Ermässigung der Differenzialzölle und ihr gänzliches Erlöschen nach
zwei Jahren, Abschaffung aller Ausfuhrzölle und das Verschmelzen
mehrerer lästiger Hafengebühren in einen einzigen Hafenzoll. [15]

Als die Spanier nach den Philippinen kamen, fanden sie die Eingeborenen
mit Seiden- und Baumwollenstoffen bekleidet, die von chinesischen
Schiffen im Austausch gegen Goldstaub, Sapanholz, [16] Holothurien,
essbare Vogelnester und Häute eingeführt wurden. [17] Auch mit Japan,
Cambodia, Siam, [18] den Molukken und dem malayischen Archipel standen
die Inseln in Verkehr; de Barros erwähnt Schiffe von Luzon, die 1511
Malacca besuchten. [19]

Durch die grössere Sicherheit, die mit den Spaniern in's Land kam,
mehr noch durch den von ihnen eröffneten Verkehr mit Amerika und
mittelbar mit Europa, nahm der Handel schnell zu und erstreckte sich
über Vorder-Indien bis an den persischen Meerbusen. Manila wurde zum
Stapelplatz für die Erzeugnisse Ostasiens und befrachtete damit die
Galeonen, die von 1565 an nach Neu-Spanien (zuerst nach Navidad, von
1602 ab nach Acapulco) fuhren und als Rückfracht vorzüglich Silber
brachten. [20] Die Kaufleute in Neu-Spanien und Peru fanden diesen
Handel gleichfalls so vortheilhaft, dass dadurch der Einfuhr aus dem
Mutterlande, dessen Fabrikate gegen die indischen Baumwollen und die
chinesischen Seidenstoffe nicht konkurriren konnten, grosser Abbruch
geschah. Die verwöhnten Monopolisten von Sevilla verlangten daher das
Aufgeben der Kolonie [21], die jährlich beträchtlicher Zuschüsse
bedurfte, das Mutterland in der Ausbeutung der amerikanischen
Besitzungen hinderte, und das Silber aus den Reichen Sr. Majestät
in die Hände der Heiden gelangen liess. Schon der Gründung der
Kolonie hatten sie grosse Hindernisse in den Weg gelegt. [22] Jenes
Verlangen scheiterte aber an dem Ehrgeiz der Krone und am Einfluss
der Geistlichkeit; doch wurde, den damals allgemein gültigen Ansichten
durchaus entsprechend [23], zu Gunsten des Mutterlandes den Kaufleuten
von Peru und Neu-Spanien verboten, Waaren aus China unmittelbar oder
über Manila zu beziehen. Den Bewohnern der Philippinen allein blieb
gestattet, chinesische Waaren in Amerika einzuführen, aber nur bis
zum Werthe von 250,000 Doll. jährlich, die Rückfracht ward auf 500,000
Doll. beschränkt. [24]

Später wurde erstere Summe auf 300,000 Doll. mit entsprechender
Rückfracht erhöht, den Spaniern aber untersagt, China zu besuchen,
so dass sie die Ankunft der Junken abwarten mussten. 1720 endlich
wurden chinesische Stoffe in allen spanischen Besitzungen beider
Welttheile gänzlich verboten. Eine Verordnung von 1734 (mit Zusätzen
von 1769) gestattete den Handel mit China auf's Neue und erhöhte
das Werthmaximum der Fracht nach Acapulco auf 500,000 Doll., die
Rückfracht auf 1,000,000 Doll. Silber.

Nachdem endlich die auf Kosten der Staatskasse erhaltene Nao von
Acapulco ihre Reisen eingestellt (die letzte Galeon verliess Manila
1811 kehrte 1815 von Acapulco zurück), wurde der Handel mit Amerika
durch Kauffahrer betrieben, denen 1820 erlaubt ward, bis zu 750,000
Doll. jährlich aus den Philippinen auszuführen und ausser Acapulco
auch San Blás, Guayaquíl und Calláo anzulaufen. Dieses Zugeständniss
war aber nicht ausreichend, um den Philippinischen Handel für
seine durch den Abfall Mexico's von Spanien erlittenen Verluste zu
entschädigen. Die Besitznahme Manila's durch die Engländer (1762)
hatte die Bewohner mit Gewerbserzeugnissen bekannt gemacht, welche
ihnen die Einfuhren von China und Indien nicht bieten konnten. Um
der Nachfrage zu genügen, wurden Ende 1764 spanische Kriegsschiffe
mit Produkten der spanischen Industrie (Wein, Esswaaren, Hüte, Tuche,
Kurzwaaren und Luxusgegenstände) nach der Kolonie gesandt.

Die an den bequemen Acapulco-Handel gewöhnten Manila-Kaufleute
sträubten sich aber gewaltig gegen diese Neuerung, obgleich sie gute
Geschäfte dabei machten; denn die Krone kaufte die indischen und
chinesischen Waaren für die Rückfracht in Manila doppelt so theuer
als an den Ursprungsorten. 1784 traf das letzte jener Schiffe ein. [25]

Europäischen Fahrzeugen war nach der englischen Invasion streng
verboten, Manila zu besuchen; da dieses aber die indischen Waaren nicht
entbehren mochte und sie nicht durch eigne Schiffe holen konnte, so
wurden sie in englischen und französischen Böden eingeführt, die einen
türkischen Namen und einen indischen Schein-Kapitän erhielten. [26]

1785 erlangte die Compañia de Filipinas das Handelsmonopol zwischen
Spanien und der Kolonie, durfte sich aber nicht in den direkten Verkehr
zwischen Acapulco und Manila mischen. Sie wollte grosse Massen von
Kolonialprodukten, Seide, Indigo, Zimmet, Baumwolle, Pfeffer etc. für
die Ausfuhr erzielen (ähnlich wie es später durch das Kultursystem
in Java geschah); da sie aber nicht über Zwangsarbeit verfügte, so
misslang die plötzliche künstliche Steigerung des Landbaues vollkommen.

Durch ihr falsches System und die Unfähigkeit ihrer Beamten erlitt
sie grosse Verluste (sie zahlte z. B. 13,5 Doll. für den Pico Pfeffer,
der 3-4 Doll. in Sumatra galt).

1789 wurde fremden Schiffen gestattet, Waaren aus China und Indien
einzuführen, aber keine europäischen. 1809 erhielt ein englisches
Handelshaus Erlaubniss, sich in Manila niederzulassen. [27] 1814,
nach dem Friedensschluss mit Frankreich, ward es, unter mehr oder
weniger Beschränkungen, allen Fremden gestattet. [28]

1820 wurde auf 10 Jahre der direkte Handel zwischen den Philippinen und
Spanien freigegeben, ohne Beschränkung für die Produkte der Kolonie,
vorausgesetzt, dass die Erzeugnisse Indiens und China's 50,000
Doll. bei jeder Expedition nicht überstiegen. Von 1834 an, wo das
Privilegium der Philippinischen Kompanie erlosch, ist in Manila der
freie Verkehr mit dem Auslande gestattet, doch zahlten fremde Schiffe
doppelte Zölle. Seit 1855 sind noch vier neue Häfen dem Weltverkehr
geöffnet; 1869 ist der oben erwähnte freisinnige Tarif erlassen worden.

Heute nach drei Jahrhunderten ungestörten Besitzes hat Manila in
jenen Meeren durchaus nicht mehr dieselbe Bedeutung, die es bald
nach Ankunft der Spanier errang. Die Verschliessung Japans und der
indo-chinesischen Reiche, besonders in Folge der Zudringlichkeit und
Anmaassung katholischer Missionäre, [29] der Abfall der Kolonien
an der Westküste Amerika's, vorzüglich aber das lange Festhalten
einer misstrauischen Handels- und Kolonial-Politik bis in die
Gegenwart, während bedeutende Emporien in günstigerer Lage mit
grossartigen Mitteln und nach freisinnigen Grundsätzen in Britisch-
und Niederländisch-Indien entstanden, -- alle diese Umstände haben
dies Ergebniss herbeigeführt und den China-Handel in andere Bahnen
geleitet. Die Ursachen liegen eben so klar zu Tage wie ihre Wirkung,
doch würde man irren, wenn man die befolgte Politik der Kurzsichtigkeit
zuschreiben wollte. Die Spanier hatten bei ihrer Kolonisation zum
Theil religiöse Zwecke im Auge, abgesehen davon fand aber die Krone
in der Verfügung über die äusserst einträglichen Kolonialämter einen
grossen Machtzuwachs. Sie selbst sowohl als ihre Begünstigten hatten
nur die unmittelbare Ausnutzung der Kolonien im Sinne, und weder
die Absicht noch die Kraft, den natürlichen Reichthum der Länder
durch Ackerbau und Handel zu erschliessen. Unzertrennlich von diesem
System war die strenge Ausschliessung der Fremden. [30] Mehr noch
als in Amerika schien es in den abgelegenen Philippinen nöthig, die
Eingeborenen gegen alle Berührung mit dem Auslande abzuschliessen, wenn
die Spanier im ungestörten Besitz der Kolonie bleiben wollten. Bei dem
erleichterten Verkehr der Gegenwart und den Ansprüchen des Welthandels
an die Produktionskraft eines so ausserordentlich fruchtbaren Gebietes
sind aber die früheren Schranken nicht mehr aufrecht zu halten, es
muss daher der kürzlich eingeführte freisinnige Zolltarif als eine
durchaus zeitgemässe Massregel begrüsst werden.



Die mehrfach erwähnten Reisen der Galeonen zwischen Manila und
Acapulco nehmen eine so hervorragende Stelle in der Geschichte der
Philippinen ein und gewähren einen so interessanten Einblick in das
alte Kolonialsystem, dass sie wenigstens in ihren Hauptzügen kurz
geschildert zu werden verdienen.

Zu Morga's Zeit, Ende des 16ten Jahrhunderts, kamen jährlich 30-40
chinesische Junken nach Manila (gewöhnlich im März); Ende Juni ging die
Nao (oder Galeon) nach Acapulco ab. Der Acapulcohandel, dessen Geschäft
sich auf die dazwischen liegenden drei Monate im Jahr beschränkte,
war so gewinnbringend, bequem und sicher, dass die Spanier sich in
keine andere Unternehmungen einlassen mochten.

Da der Raum des einzigen jährlichen Schiffes dem Zudrang durchaus nicht
entsprach, so vertheilte ihn der Guvernör nach seinem Dafürhalten,
und die Begünstigten trieben gewöhnlich nicht selbst Handel, sondern
übertrugen ihre Konzessionen an Kaufleute.

Nach de Guignes [31] wurde der Frachtraum der Nao in 1500 Theile
getheilt, von denen eine grosse Anzahl den Klöstern, der Rest
bevorzugten Personen zufiel. In Wirklichkeit war der amtlich auf
600,000 Doll. beschränkte Werth der Ladung beträchtlich höher, und
diese bestand vorzugsweise in indischen und chinesischen Baumwollen-
und Seidenstoffen (unter andern 50,000 Paar seidene Strümpfe aus
China) und Goldschmuck. Die Rückfracht belief sich auf 2 bis 3
Millionen Dollars.

Alles war bei diesem Handel im Voraus bestimmt: Zahl, Form,
Grösse und Werth der Waarenballen, ja sogar ihr Verkaufspreis. Da
dieser dem doppelten Kostenpreis gleichkam, so entsprach die
Erlaubniss, Waaren für einen gewissen Betrag zu verschiffen, unter
gewöhnlichen Verhältnissen dem Geschenk eines solchen Betrages. Solche
Erlaubnissscheine (Boletas) wurden daher später zum grossen Theil an
Pensionäre, Offizierswittwen und als Gehaltszulagen an Beamte gegeben,
doch durften die also Begünstigten unmittelbar keinen Gebrauch
davon machen, denn zum Acapulcohandel waren nur die Mitglieder des
Consulado (einer Art Handelsgericht) berechtigt, die einen mehrjährigen
Aufenthalt im Lande und 8000 Doll. Kapital nachweisen mussten.

Der Astronom Legentil [32] beschreibt ausführlich die zu seiner Zeit
geltenden Verordnungen und deren Umgehung: die Ladung war auf 1000
Ballen, jeder zu 4 Pack [33] zum Werth von 250 Doll. festgesetzt. Die
Zahl der Ballen durfte nicht überschritten werden, sie enthielten
aber in der Regel mehr als 4 Pack, und ihr Werth überstieg den
vorgeschriebenen so sehr, dass eine Boleta 200-225 Doll. galt. Die
Beamten gaben wohl Acht, dass keine Güter ohne Boleta an Bord
geschmuggelt wurden; die Jagd auf letztere war daher zuweilen so
eifrig, dass Comyn später [34] für das Frachtrecht von Gütern, die
kaum 1000 Doll. werth waren, 500 Doll. bezahlen sah. Die Kaufleute
borgten das Geld für ihre Unternehmungen gewöhnlich von den obras pias,
frommen Stiftungen, welche bis auf die Gegenwart die Stelle von Banken
vertraten. [35] In der frühesten Zeit verliess die Nao Cavite im Juli,
ging mit S.W. Winden nordwärts über den Kalmengürtel hinaus, bis sie
in 38 oder 40° westliche Winde traf. [36] Später war den Schiffen
vorgeschrieben, mit den ersten S.W. Winden Cavite zu verlassen,
längs der Südküste von Luzon durch die San Bernardino-Strasse und
in 13° N.Breite [37] so weit östlich als möglich zu fahren, bis der
N.O. Passat sie zwang, in höheren Breiten N.W. Winde aufzusuchen. Dann
sollten sie, so lange als möglich, die Breite von 30°, [38] statt
wie früher 37° und mehr innehalten. Dem Kapitän war nicht erlaubt,
sogleich weiter nördlich zu gehn, obgleich er dann eine viel
schnellere und sichere Fahrt gehabt und das Gebiet des Regens früher
erreicht hätte. Und doch war namentlich letzteres für ihn von höchster
Wichtigkeit, denn die mit Gütern überfüllten Schiffe hatten nur wenig
Raum für Wasser übrig und waren, obgleich sie 4-600 Mann an Bord zu
haben pflegten, ausdrücklich auf den unterwegs aufzufangenden Regen
angewiesen und zu dem Ende mit besonderen Vorrichtungen von Matten
und Bambusrinnen versehen. [39]

Wegen der Unbeständigkeit der Winde waren die Reisen in so niedrigen
Breiten äusserst beschwerlich und dauerten fünf Monate und darüber. Die
Furcht, das reiche, unbeholfene Schiff den kräftigen, zuweilen
stürmischen Winden höherer Breiten auszusetzen, scheint dieser
Vorschrift zu Grunde gelegen zu haben.

Sobald die Schiffe an die grosse Sargassobank gelangten, schlugen
sie einen südlichen Kurs ein und liefen dann die Südspitze der
Californischen Halbinsel (San Lucas) an, wo Nachrichten und
Erfrischungen für sie bereit gehalten wurden. [40] In der ersten
Zeit aber müssen sie Amerika viel nördlicher, etwa bei Cap Mendocino
erreicht haben und in Sicht der Küste südlich gefahren sein, denn
als Vizcaino 1603 seine Entdeckungsreise von Mexico nach Californien
unternahm, fand er die bedeutenderen Berge und Caps, obgleich sie nie
von Europäern betreten waren, schon benannt, weil sie den Galeonen
als Landmarken gedient hatten. [41]

Die Rückkehr nach den Philippinen war bequem und dauerte nur 40-60
Tage. [42] Das Schiff verliess Acapulco im Februar oder März, lief
südwärts, bis es, gewöhnlich in 10 oder 11° N., den Passat traf,
mit dem es ohne Mühe nach den Ladronen, von da über Samar nach Manila
ging. [43]

Eine Galeon oder Nao maass 1200-1500 Tonnen und führte 50-60 Kanonen,
letztere aber gewöhnlich im Schiffsraum, wenigstens bei der Reise
ostwärts. Auf der Heimkehr, wo es nicht an Platz mangelte, wurden
die Kanonen aufgestellt.

Fray Gaspar (S. 436) erzählt von der Nao Sa. Ana, die Thomas Candish
1586 an der Küste von Californien kaperte und verbrannte: »Die
Unsrigen fuhren so sorglos, dass sie ihre Artillerie als Ballast
mit sich führten ... der Korsar machte eine so glückliche Reise,
dass er in London einlief mit Segeln von chinesischem Damast und
seidenem Tauwerk.«

In Acapulco wurde die Ladung mit 100 Prozent Nutzen verkauft und in
Silber, Cochenille, Quecksilber etc. bezahlt. Der Gesammtwerth der
Rückfracht mochte 2-3 Millionen Doll. betragen [44], wovon 250,000
bis 300,000 Doll. für Rechnung des Königs.

Die Rückkehr des Schiffs in Manila, mit Silberdollars und neuen
Ankömmlingen beladen, war ein grosses Fest für die Kolonie. Ein
beträchtlicher Theil des ohne Anstrengung wie im Spiel gewonnenen
Geldes wurde gewöhnlich schnell verprasst; dann sank Alles wieder in
die gewohnte Leblosigkeit zurück.

Oft aber gingen auch Schiffe verloren, da sie über die Grenzen
der Verordnungen und der Vorsicht, mit grosser Beeinträchtigung
ihrer Seetüchtigkeit beladen und schlecht geführt waren; denn
nicht Fähigkeit, sondern Gunst entschied bei dem Vergeben der sehr
einträglichen Stellen. [45] Mehrere Galeonen fielen englischen und
holländischen Kapern in die Hände. [46] Auch der Gewinn nahm immer mehr
ab, da die Compañia de Filipinas später das Recht erhielt, indische
Baumwollenstoffe, die einen Hauptbestandtheil der Ladung bildeten,
mit 6 Prozent Zoll über Veracruz in Neu-Spanien einzuführen, und
Engländer und Amerikaner diese und andre Waaren einschmuggelten. [47]
Schliesslich sei hier noch erwähnt, dass die spanischen Dollars
durch die Nao über Manila nach China und Hinterindien gelangten,
wo sie noch gegenwärtig Handelsmünze sind.



DRITTES KAPITEL

    MANILA. -- LEBEN IN DER STADT UND IN DEN VORSTÄDTEN. --
    HAHNENKÄMPFE. -- TRACHTEN DER VERSCHIEDENEN KLASSEN.


Die eigentliche Stadt Manila, hauptsächlich von Spaniern, Kreolen
und zu ihnen in unmittelbarer Beziehung stehenden Einheimischen
und Chinesen bewohnt, [48] liegt, von Mauern und breiten Gräben
umschlossen, am linken, südlichen Ufer des Pásig, eine Seite dem Meere
zukehrend; ein heisser, öder Ort, voll Klöster, Stifter, Kasernen,
Regierungsgebäude. Rücksicht auf Sicherheit, nicht auf Annehmlichkeit,
war bei der Gründung maassgebend. Manila erinnert an spanische
Provinzialstädte und ist nach Goa die älteste Stadt in Indien. Die
Fremden wohnen auf der Nordseite des Flusses, in Binóndo, dem Sitz des
Gross- und Kleinhandels, oder in den freundlichen angrenzenden Dörfern,
die ein zusammenhängendes Ganze bilden. Die Gesammtbevölkerung wird,
wohl mit Uebertreibung, auf 200,000 geschätzt. Eine hübsche, alte,
steinerne Brücke von zehn Bogen, in neuer Zeit auch eine eiserne
Hängebrücke, verbinden die beiden Ufer des Flusses. [49]

Zwischen den Bewohnern von Manila und Binóndo findet sehr wenig Verkehr
statt. Das Leben in der eigentlichen Stadt soll nicht angenehm sein:
Stolz, Neid, Stellenjägerei, Kastenhass sind an der Tagesordnung; die
Spanier halten sich für besser als ihre Kreolen, welche wiederum jenen
vorwerfen, dass sie nur in die Kolonie kommen, um sich satt zu essen,
ebenso herrscht Hass und Neid zwischen Weissen und Mestizen. Aehnliche
Verhältnisse bestehn zwar in allen spanischen Kolonien und liegen im
Wesen der spanischen Kolonialpolitik, die immer bestrebt war, die
verschiedenen Rassen und Stände feindlich zu trennen, aus Furcht,
dass ihr Bündniss die Herrschaft des fernen Mutterlandes gefährde. [50]

In Manila aber werden diese Zustände durch den Umstand gesteigert,
dass die Klasse der durch grossen Grundbesitz an das Land gefesselten
Pflanzer bisher fast gänzlich fehlte. Erst jetzt scheint die
steigende Nachfrage nach den Landesprodukten allmälig einen
erfreulichen Umschwung in dieser Beziehung herbeizuführen. Wie
aber der einem Glücksspiel vergleichbare Naohandel, früher die
einzige Quelle des Reichthums, auf die spanische Bevölkerung
wirkte, schildert treffend Murillo Velarde (p. 272): »Die Spanier,
die hierher kommen, betrachten diese Inseln nicht wie eine Heimath,
sondern wie ein Wirthshaus. Heirathen sie, so geschieht es zufällig;
wo giebt es eine Familie, die Generationen überdauerte? .. Der Vater
sammelt Schätze, der Sohn vergeudet, der Enkel bettelt. Die grössten
Kapitalien sind nicht beständiger als die Wogen des Meeres, auf denen
sie sich gründen.«

Auch unter den Ausländern in Binóndo herrscht durchaus nicht so viel
Geselligkeit als in englischen oder holländischen Kolonien, und fast
kein Umgang mit den Spaniern, welche die Fremden beneiden und deren
im Lande gemachten Erwerb fast wie einen an ihnen, den Eigenthümern,
begangenen Raub betrachten. Dabei ist das Leben sehr theuer, theurer
als in Singapore und Batavia. Bei Vielen scheinen die Ausgaben in
grossem Missverhältniss zu ihrem amtlichen Gehalt zu stehn.

Die zum Theil sehr geräumigen Häuser sind düster und hässlich,
mit Rücksicht auf das Klima schlecht ventilirt; statt luftiger
Jalousien schwere Schiebefenster, welche das Licht nicht durch Glas,
sondern durch dünne Austerschalen (Placuna placenta L.) einlassen,
die kaum zwei Zoll im Geviert haben und in Gitterrahmen von zolldicken
Latten sitzen. Das Erdgeschoss ist verständiger Weise, der grossen
Feuchtigkeit wegen, meist unbewohnt, zu Magazinen, Stallungen,
Diensträumen benutzt.

Die anspruchslosen, in ihrer Art zweckmässigen Häuser von Brettern
oder Bambus und Palmenblättern stehn der Feuchtigkeit wegen auf
Pfählen, jedes für sich, der untere Raum gewöhnlich durch ein Gitter
eingefasst, dient als Stall oder Magazin; so war es schon zu Magellan's
Zeiten. Solche Häuser sind ausserordentlich leicht gebaut. Lapérouse
schätzt das Gesammtgewicht mancher mit vollständigem Mobiliar auf
weniger als 200 Pfund.

Fast sämmtliche Häuser, sogar die Hütten der Eingeborenen, haben eine
Azotea, d. h. einen nicht überdachten Raum in gleicher Flucht mit
der Wohnung, der die Stelle von Hof und Balkon vertritt. Die Spanier
scheinen diese hübsche Einrichtung den Mauren entlehnt zu haben; die
Eingeborenen kannten sie aber wohl schon vor Ankunft der Europäer,
denn Morga (Bl. 140) erwähnt bereits dergl. »Batalanes«. In den
Vorstädten ist fast jede Hütte von einem Gärtchen umgeben.

Das Trinkwasser ist mit Ausnahme des in Zisternen gesammelten, sehr
schlecht. Es wird etwas oberhalb der Stadt in flache Kähne geschöpft
und so den Haushaltungen zugeführt. Das Flusswasser ist oft ganz
grün von Conferven, häufig sieht man auch todte Hunde und Katzen
darin treiben, von grossen Pistien wie von Kopfsalat umgeben. In
der trocknen Jahreszeit werden die zahlreichen Kanäle der Vorstädte
stellenweis zu stagnirenden Kloaken, der Stadtgraben bietet bei jeder
Ebbe einen solchen Anblick.

An Gelegenheit zu Vergnügungen ist Manila sehr arm. Während meines
Aufenthalts bestand kein spanisches Theater; tagalische Schauspiele
(Uebersetzungen) wurden zuweilen aufgeführt. Es gab keinen Klub,
keine lesbaren Bücher. Nicht einmal Zeitungsnachrichten belebten die
matte Unterhaltung; denn nachdem die alle vierzehn Tage aus Hongkong
eintreffenden Nachrichten durch die Priesterzensur gesichtet, blieb
zur Speisung der Lokalblätter wenig übrig als Madrider und Pariser
Hofnachrichten. [51] Nur die mit bunter Pracht gefeierten Kirchenfeste
unterbrachen zuweilen die Einförmigkeit.

Das grösste Vergnügen der Eingebornen sind die Hahnenkämpfe, die
mit einer Leidenschaftlichkeit betrieben werden, welche jedem
Fremden sogleich auffallen muss. Fast alle Indier halten sich
Kampfhähne. Viele gehn nie aus, ohne ihren Liebling im Arm zu tragen;
sie zahlen zuweilen 50 Doll. und mehr dafür und überhäufen ihn mit
den zärtlichsten Liebkosungen. Man kann die Sucht für Hahnenkämpfe
wohl ein Nationallaster nennen, doch sollen sie erst durch die
Spanier oder die sie begleitenden Mexicaner eingeführt worden sein;
ebenso das in China zum Nationallaster gewordene Opiumrauchen durch
die Engländer. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass die Malayen die
Sitte in's Land brachten. Im östlichen Theil der Philippinen müssen
zu Pigafetta's Zeiten Hahnenkämpfe unbekannt gewesen sein. Er sah
die ersten Kampfhähne in Paláuan: »Sie haben grosse Hähne, die sie
aus einer Art von Aberglauben nicht essen, sie halten sie aber, um
sie kämpfen zu lassen; es werden dabei Wetten gemacht, deren Ertrag
der Eigenthümer des Siegers erhält.« [52] [53]

Für Europäer ist das Schauspiel in hohem Grade widerwärtig: Der einen
Ring um den Kampfplatz bildende Zuschauerraum ist mit Eingeborenen
überfüllt, die aus allen Poren schwitzen, während ihre Gesichter von
hässlichen Leidenschaften auf's Höchste erregt sind. Die Hähne sind
je mit einem sehr scharfen, sichelförmigen, 3 Zoll langen Messer
bewaffnet, das tiefe Wunden reisst und immer den Tod des einen oder
beider Hähne durch grausame Verletzungen herbeiführt. Ein Hahn,
der aus Feigheit davonläuft, wird lebendig gerupft. Im Verhältniss
zu den Mitteln der Spieler werden unglaublich hohe Summen verwettet.

Dass diese Hahnenkämpfe für ein so sehr zu Müssiggang und
Liederlichkeit geneigtes, nur den Regungen des Augenblicks folgendes
Volk im höchsten Grade entsittlichend wirken, liegt auf der Hand. Der
Lockung, ohne Arbeit Geld zu gewinnen, vermögen sie schwer zu
widerstehn; Viele werden durch die Leidenschaft des Spieles zu
Wucherschulden, Unterschlagungen und Diebstahl verleitet, auch zu
Strassenraub: die Land- und Seeräuberbanden, von denen weiter unten,
sollen zum grossen Theil aus ruinirten Spielern bestehn. [54]

Alle Städte Hinterindiens übertrifft Manila durch angenehme
Frauengestalten, die seine Strassen beleben. Herr Mallat schildert
sie in glühenden Worten. Ein hübsches, phantasiereiches, in der
Lokalfarbe gehaltenes Bild des Strassenlebens findet man auch in den
sehr unterhaltenden Aventures d'un gentil'homme Breton. [55]

Wie viele der hübschesten »India's« von ganz reinem Blute sind, ist
freilich nicht zu ermitteln. Manche sind sehr weiss, nähern sich dem
europäischen Typus und unterscheiden sich dadurch merklich von ihren
Stammesgenossen in den abgelegeneren Provinzen.

Der unmittelbaren Umgebung Manila's fehlt es nicht an schönen Punkten,
ihr Besuch gehört aber nicht zum Ton, da Toilettenschau, nicht
Naturgenuss, Zweck des Spazierengehns ist. In der trockenen Jahreszeit
fahren Abends Alle, die es bezahlen können, auf staubigen Strassen nach
einem kürzlich angelegten Platz am Meer, von 1000 Fuss Breite, 200 Fuss
Länge, wo mehrere Mal in der Woche die recht gute Musik inländischer
Regimenter spielt, und gehen steif auf und ab. Die Spanier stecken alle
in Uniformen oder schwarzen Fracks. Wenn die Glocken zum Abendgebet
(Angelus) läuten, stehn Wagen, Reiter und Fussgänger plötzlich still,
Jedermann entblösst sein Haupt und scheint zu beten.

Derselbe Guvernör, der die Promenade angelegt, hatte auch einen
botanischen Garten geschaffen. Zwar waren die wenigen von ihm dahin
versetzten Pflanzen, auf dem morastigen Boden der vollen Sonnengluth
preisgegeben, schnell wieder zu Grunde gegangen, aber der Platz
war eingezäunt, in Felder getheilt, mit Unkraut bewachsen und hatte
wenigstens einen Namen erhalten, gegenwärtig soll er besser im Stande
sein. [56]

In der Umgegend von Manila sind die Kirchenfeste wohl des Besuchs der
Fremden werth, schon wegen der zahlreichen hübschen Indierinnen und
Mestizinnen, die sich Abends dort einfinden und in ihrem besten Putz
auf den festlich beleuchteten, mit Fahnen und Blumen geschmückten
Strassen spazieren gehn. Sie sind namentlich für den aus den
Malayenländern kommenden eine anmuthige Erscheinung. Die Indierin
ist sehr schön gewachsen, hat üppiges schwarzes Haar, grosse dunkle
Augen; der obere Theil des Körpers ist in inländische, oft kostbare
Stoffe von durchsichtiger Feinheit und tadelloser Weisse gehüllt,
und von der Hüfte abwärts in ein buntstreifiges, weitfaltiges Kleid
(Saya), dessen oberer Theil bis zum Knie durch ein dunkles Tuch,
Tapis, so fest zusammengehalten wird, dass die reichen, bunten Falten
der Saya daraus wie die Blumenblätter einer Granate hervorbrechen,
und die Mädchen nur ganz kurze Schritte machen können, was in
Verbindung mit den niedergeschlagenen Augen ihnen einen sehr sittsamen
Anstrich giebt. An den nackten Füssen tragen sie gestickte Pantoffeln
(Chinelas), so schmal, dass die kleine Zehe, die nicht Platz darin hat,
den Pantoffel von aussen festhalten muss. [57]

Aermere Indierinnen kleiden sich nur in eine Saya und ein sogenanntes
Hemd, so kurz, dass es oft nicht bis zu dieser hinabreicht; in den
östlichen Inseln tragen selbst erwachsene Mädchen und Frauen ausser
einem katholischen Amulet gewöhnlich nur diese zwei Kleidungsstücke,
die namentlich nach dem Bade, bis sie die Sonne wieder getrocknet hat,
fast durchsichtig sind.

Hut, Hose und darüber ein Hemd, beide aus grober Guinára, bilden die
Tracht der ärmeren Männer. Die Hemden der Reicheren sind mitunter
aus sehr theuren inländischen Geweben, von Ananas oder Bananenfasern
mit oder ohne seidene Streifen, auch ganz aus Jusi (chinesische
Floretseide), in welchem Falle sie nicht gewaschen und also nur
einmal getragen werden können. Der Hut, Salacót (ein Kugelsegment
aus inländischem Flechtwerk), dient als Regen- und Sonnenschirm, und
ist zuweilen bis zu beträchtlichem Werthe mit Silber beschlagen. Die
Principalia hat das Vorrecht, eine kurze Jacke über dem Hemde zu
tragen, und ist gewöhnlich auch an ihrer, zuweilen bis an's Drollige
streifenden Würde und ihrem vergilbten, in der Familie forterbenden
Zylinder-Hute kenntlich. Der einheimische Stutzer hat lackirte Schuhe
an den nackten Füssen, lange, enganliegende Hosen, schwarz oder
grellbunt gestreift; darüber ein gefaltetes, gestärktes Hemd von
europäischem Schnitt; auf dem Kopf einen zylindrischen Seidenhut,
in der Hand ein Stöckchen. Recht unanständig sieht es aus, wenn
bei Gala-Mahlzeiten die Dienerschaft in weissen gestärkten Hemden
über den Hosen erscheint, nie sind mir die Hässlichkeiten unserer
europäischen Kleidung mehr aufgefallen als in der Nachäffung durch
den Manila »Elegante«.

Die Mestizinnen kleiden sich wie die Indierinnen, aber ohne Tapis,
an Europäer verheirathete tragen auch Schuhe und Strümpfe. Manche
Mestizinnen sind von grosser Schönheit, ihr Gang hat aber gewöhnlich
etwas Schleppendes, von der Gewohnheit, den Pantoffel zu schleifen. In
der Regel sind sie klug, wirtschaftlich, zu Handelsgeschäften sehr
geschickt, in Unterhaltung aber oft unbeholfen und langweilig. Mangel
an Bildung allein ist wohl nicht die Ursache, denn eine Andalusierin
hat ausser der Doctrina christiana auch nichts gelernt, und ist doch
in ihrer Jugend eines der reizendsten Wesen. Der Grund liegt wohl
eher in der Zwitterstellung der Mestizin: von den weissen Frauen wird
sie hochmüthig zurückgestossen, während sie selbst ihre mütterlichen
Verwandten verläugnet. Ihrem Auftreten fehlt die Sicherheit, der
richtige Takt, den die Süd-Europäerin in allen Lebensverhältnissen
zeigt.

Die Mestizen, besonders die von Chinesen und Tagalinen, bilden den
reichsten, unternehmendsten Theil der einheimischen Bevölkerung;
sie kennen alle guten und schlechten Eigenschaften des Eingeborenen
und beuten sie rücksichtslos für ihre Zwecke aus.



VIERTES KAPITEL

    STELLUNG DER EUROPÄER UND EINGEBORENEN IN ENGLISCHEN, HOLLÄNDISCHEN
    UND SPANISCHEN KOLONIEN. -- EINFLUSS DER SPANISCHEN KOLONIALPOLITIK
    AUF DIE SITTEN DER EINGEBORENEN. BEQUEMLICHKEIT DES LEBENS. --
    KOKOSPALME, BAMBUS.


Ein schottischer Grosshändler, dem ich empfohlen war, bot mir mit so
überzeugender Liebenswürdigkeit sein Haus und seine Gastfreundschaft
an, dass ich nicht umhin konnte sie anzunehmen. Obgleich ich mich
dadurch unter dem Schutz eines der reichsten und geachtetsten Männer
der Stadt befand, verlangten dennoch die Miethskutscher für jede
Fahrt Vorausbezahlung. Dies Misstrauen liess auf die geringe Achtung
schliessen, die die Mehrzahl der hiesigen Europäer den Einheimischen
einflösst. Zahlreiche spätere Beobachtungen bestätigten diese
Vermuthung. Wie anders ist es in Java und Singapore! Die Ursache
lässt sich vielleicht erklären:

Holländer können sich ebensowenig als Engländer in heissen Erdstrichen
akklimatisiren; sie beuten die Länder aus, in denen sie nur
vorübergehend weilen, jene durch Frohnden und Monopole, diese durch
Handel; in beiden Fällen genügen aber wenige, durch die Grösse ihrer
Unternehmungen oder ihre amtliche Stellung durch Reichthum und Bildung
hoch über der Masse der Bevölkerung stehende Individuen. In Java sind
überdies die Europäer der Mehrzahl nach Regierende, die Eingeborenen
Regierte; aber auch in Singapore, wo beide gesetzlich gleichstehn,
wissen sich die wenigen Weissen so entschieden auf der Höhe zu halten,
dass ihnen, wenn auch nicht durch das Gesetz, doch im Verkehr alle
Vorrechte einer höheren Kaste ohne Widerspruch eingeräumt werden. Die
Verschiedenheit der Religion vergrössert die Kluft. Endlich sprechen
dort alle Europäer die Landessprache, während die Eingeborenen die
der Fremden nicht verstehn. Die holländischen Beamten werden schon in
der Heimat in besonderen Schulen für den Dienst in Ostindien erzogen;
die Kunst mit den Eingeborenen umzugehen, die Aufrechthaltung des
»Prestige«, das für das eigentliche Geheimniss der holländischen
Macht gegenüber der zahlreichen einheimischen Bevölkerung gilt,
bildet einen wesentlichen Punkt in ihrer Erziehung. Daher richten
sich die Holländer im Verkehr mit den Eingeborenen, wie sehr sie
diese auch ausbeuten, streng nach den Regeln des herkömmlichen »Adat«
(alter Brauch), verletzen nicht das Ehrgefühl des Inländers und geben
sich auch im Umgang mit einander nicht leicht eine Blösse vor jenem,
für den sie ein verschlossenes Buch bleiben.

In den Philippinen ist es umgekehrt. Mit Ausnahme derjenigen Beamten,
denen das Gesetz oder die bei jedem spanischen Ministerwechsel zum
Durchbruch kommende Aemtergier nur einen beschränkten Aufenhalt
gestattet, kehren wenige Spanier, die einmal die Kolonie betreten,
in ihr Vaterland heim; die Geistlichen dürfen nicht, die meisten der
übrigen können nicht zurück; ein nicht unbeträchtlicher Theil besteht
aus Subalternen, Soldaten und Seeleuten, politischen Verbrechern
und politisch Unbequemen, deren sich das Mutterland entledigt, auch
nicht selten aus Abenteurern, denen die Mittel zur Rückkehr fehlen und
wohl eben so sehr die Lust; denn wie herrlich ist ihr hiesiges Leben
im Vergleich zu dem, welches sie in ihrer Heimat führen müssten. Sie
kommen an ohne Kenntnisse des Landes, ganz unvorbereitet; Manche sind
so faul, dass sie nie die Sprache lernen, selbst wenn sie sich im
Lande verheirathen. Ihre Diener verstehen Spanisch, belauschen die
Gespräche und Handlungen, und kennen alle Geheimnisse ihrer meist
wenig diskreten Herren, während die Eingeborenen diesen ein Räthsel
bleiben, das sie auch schon aus Dünkel nicht zu entziffern versuchen.

Dass die grosse Zahl der hiesigen, ungebildeten, über ihre Mittel
hinaus lebenden Spanier, die alle die Herrn spielen wollen, gleichviel
welche Stellung sie zu Haus einnahmen, das Ansehn der Europäer sehr
beeinträchtigen muss, ist leicht einzusehn. Die relative Stellung
des Indiers kann aber dabei nur gewinnen und schwerlich giebt es
eine Kolonie, in welcher sich die Eingeborenen im Ganzen genommen
behaglicher fühlen als in den Philippinen. Sie haben Religion, Sitten
und Gebräuche ihrer Herren angenommen, und fühlen sich, obwohl diesen
gesetzlich nicht gleichgestellt, doch nicht durch eine hohe Schranke
von ihnen geschieden, wie sie, ganz abgesehn von Java, die schroffe
Zurückhaltung der Engländer zwischen sich und den Eingeborenen aufbaut.

Die gleiche Religion, der gemeinschaftliche Gottesdienst, das
Zusammenleben mit den Einheimischen, Alles trägt dazu bei, den
Europäer dem Indier näher zu bringen, wie auch das Vorhandensein
einer verhältnissmässig sehr zahlreichen Mestizenklasse bezeugt.

Spanier und Portugiesen scheinen in der That die einzigen Europäer,
die in tropischen Ländern Wurzel schlagen, sich mit Eingeborenen auf
die Dauer fruchtbar vermischen können; wobei das Coelibat der Priester
begünstigend mitwirkt. [58]

Den Mangel an Eigenthümlichkeit, der bei den Mestizen aus ihrer
Zwitterstellung hervorzugehn scheint, nimmt man auch an den Indiern
wahr. Stark ausgeprägte nationale Sitten, die man in einem so fernen
Lande wohl erwarten sollte, sucht man vergebens; immer von Neuem
merkt man den Leuten an, dass Alles angelernt und äusserlich ist.

Wie der spanische Katholizismus im Mutterlande die hohe Kultur der
Mauren, in Peru die der Inka's mit Gewalt ausgerottet, so hat er hier,
was etwa an eigenthümlicher Gesittung vorhanden war, ebenso gründlich
zu beseitigen verstanden, indem er sich, um schnell Wurzel schlagen,
den bestehenden Formen und Missbräuchen in fast unglaublicher Weise
anschmiegte. [59]

Die in der Kultur wenig vorgeschrittenen Philippiner nahmen schnell
die Aeusserlichkeiten der fremden Religion an, und zugleich
die Aeusserlichkeiten im Wesen ihrer neuen Herren; die eignen
Sitten lernten sie, als heidnisch und wild, verachten. Jetzt
singen sie andalusische Lieder und tanzen spanische Tänze, aber
wie! Alles äffen sie nach, ohne den Geist zu erfassen, aus dem es
hervorgegangen. Deshalb sind sie selbst und ihre Kunsterzeugnisse
meist langweilig und charakterlos, man möchte sagen unächt, trotz
der auf letztere zuweilen verwendeten grossen Geschicklichkeit und
Geduld. Diese beiden Eigenschaften werden übrigens bei allen wenig
fortgeschrittenen Nationen wahrgenommen; die bewunderte Geduld ist aber
oft nur Verschwendung von Zeit und Mühe, im Missverhältniss zum Zweck;
die grössere Anstelligkeit eine Folge der weniger vorgeschrittenen
Arbeitstheilung.

Betritt man das Haus eines wohlhabenden Eingeborenen, der spanisch
spricht, so empfängt er uns mit denselben Redensarten wie sein Vorbild;
man hat aber dabei immer das Gefühl, dass sie nicht am Platz sind. In
den Ländern, wo die einheimische Bevölkerung ihren alten Sitten treu
geblieben, wird dies nie empfunden; selbst wenn uns nicht mit der
gebührenden Rücksicht begegnet werden sollte, bemerken wir es kaum, da
sich bei ganz verschiedenen gesellschaftlichen Formen, wie bei fremdem
Maass und Gewicht, nicht unmittelbar Vergleiche aufdrängen. -- Während
in Java und namentlich in Borneo und den Molukken die Gegenstände
des täglichen Gebrauchs häufig mit so feinem Gefühl für Form und
Farbe verziert sind, dass sie von unseren Künstlern als Muster der
Ornamentik gerühmt werden und den Beweis liefern, dass die Arbeit
mit Lust und Liebe und innigem Verständniss vollbracht wurde, ist in
den Philippinen von solchem Schönheitssinn wenig wahrzunehmen. Alles
ist Nachahmung oder liederlicher Nothbehelf. Selbst die wegen ihrer
Feinheit so berühmten, mit unglaublicher Geduld und nicht minderem
Geschick ausgeführten Piña-Stickereien sind in der Regel geistlose
Nachahmungen spanischer Muster. Zu ähnlichen Betrachtungen gelangt man
unwillkürlich, wenn man die Kunstprodukte der spanisch-amerikanischen
Völker mit denen der wilden Stämme vergleicht. Das ethnographische
Museum in Berlin bietet dazu Stoff in Fülle.

Die Ruder bestehn in den Philippinen häufig aus einer Bambusstange,
an deren Ende ein Brett mit Rotangstreifen festgebunden ist; bricht
es unterwegs entzwei, um so besser; bis es geflickt ist, muss die
anstrengende Arbeit nothwendig unterbrochen werden.

In Java sind die völlig regendichten Büffelkarren auf das
Mannichfaltigste und Geschmackvollste gemustert. In den Philippinen
wird der dachlose Karren gewöhnlich erst im letzten Augenblick
zusammengeflickt. Soll die Ladung durchaus vor Nässe geschützt werden,
so wirft man ein paar alte Matten darüber, mehr in der Absicht, die
Ansprüche des Castila zu beschwichtigen, als um den Regen abzuhalten.

Engländer und Holländer bleiben Fremdlinge unter den Tropen, sie üben
keinen Einfluss auf die alten Gebräuche, die in der Landesreligion
gipfeln. Die Völker aber, die Spanien durch den Katholizismus
unterworfen, haben alles Ursprüngliche, Volksthümliche verloren; die
fremde Religion ist bei ihnen nicht in's Innere gedrungen, es fehlt
ihnen an moralischem Halt, und wohl kein zufälliges Zusammentreffen
ist es, dass sich alle diese Völker mehr oder weniger kennzeichnen
durch einen gewissen Mangel an Würde, grosse Leichtlebigkeit und
selbst Liederlichkeit.

Abgesehn von diesem Mangel an nationalen Eigenthümlichkeiten und
überlieferten Gebräuchen, deren Vorhandensein vielen Ländern Ostasiens
einen Hauptreiz verleiht, ist der Eingeborne höchst anziehend als
Typus des Menschen unter bequemsten äussern Verhältnissen. Die
Willkürherrschaft der Häuptlinge und die Sklaverei wurden von den
Spaniern bald nach ihrer Ankunft abgeschafft, an Stelle der häufigen
Raubzüge und Kriege trat Ruhe und Sicherheit. Das spanische Regiment
ist in diesen Inseln im Ganzen immer milde gewesen, nicht weil die
Leyes de Indias so sehr wohlwollend, ja fast zärtlich für den Indier
lauten, den sie wie einen Minorennen behandeln, sondern weil die
Ursachen fehlten, die in Spanisch-Amerika trotz derselben Gesetze und
in den Kolonien anderer Völker so grosse Grausamkeiten veranlassten.

Es war ein Glück für die Eingeborenen, dass ihre Inseln keine
Reichthümer an edlen Metallen und kostbaren Gewürzen besassen. Die
voluminösen Produkte des Ackerbau's konnten bei den ehemaligen
Verkehrsverhältnissen keine Ausfuhren bilden; es lohnte daher
nicht, sie nachdrücklich auszubeuten. Die wenigen in der Kolonie
lebenden Spanier fanden im Handel zwischen China und Mexico durch
die Nao (S. 10) ein so bequemes Mittel zum Gelderwerb, dass sie
sich fern hielten von allen wirthschaftlichen Unternehmungen, die
ihren eignen adelshochmüthigen Neigungen wenig entsprachen und die
angestrengte Arbeit der Eingeborenen erfordert hätten. Für Spanien,
dem schon übergrosse Besitzungen in Amerika eine erschöpfende
Menschensteuer auflegten, war es bei der damals so langwierigen,
gefahrvollen Schifffahrt unmöglich, in den Philippinen eine starke,
bewaffnete Macht zu halten. Die durch einige glänzende militärische
Unternehmungen eingeleitete Unterwerfung ward wesentlich durch Mithülfe
der Mönchsorden vollendet, deren Missionäre vorwiegend Klugheit und
Geduld anwenden mussten. So wurden die Philippinen zum grossen Theil
durch Conquista pacifica (Pacifacion, Poblacion) gewonnen.

Die den Eingeborenen aufgelegten Abgaben waren so gering, dass
sie nicht entfernt für den Kolonialhaushalt genügten. Der Ausfall
wurde durch jährliche Zuschüsse aus Mexico gedeckt. An Erpressungen
gewissenloser Beamten hat es freilich nicht gefehlt. Grausamkeiten,
wie in den amerikanischen Bergwerksdistrikten oder in den Fabriken
von Quito werden aber von den Philippinen nicht gemeldet.

Das unbebaute Land ist frei, gehört Jedem, der es urbar machen will,
fällt aber, wenn es zwei Jahre unbenutzt bleibt, wieder an die Krone
zurück. [60] Die einzige Abgabe, die der Indier zahlt, ist eine
Kopfsteuer, Tributo genannt, die ursprünglich vor drei Jahrhunderten
einen Dollar für je zwei Erwachsene betrug, was in einem Lande,
wo Alle früh heirathen und die Geschlechter gleich vertheilt sind,
fast gleichbedeutend mit Familie ist. Allmälig ist der volle Tribut
auf 2 1/16 Doll. erhöht worden. Ein Erwachsener zahlt also 1 1/32
Doll. und zwar vom 16ten bis zum 60sten Lebensjahre, gleichviel ob
Mann oder Frau. Ausserdem hat der Mann 40 Tage Arbeit für öffentliche
Zwecke zu leisten. Diese Frohnden (Pólos y Servicios) zerfallen
in ordentliche und ausserordentliche; jene bestehn in Wacht- und
Botendienst, Reinhalten des Tribunals und anderen leichten Diensten,
diese in Strassenbau und ähnlichen zum Besten des Dorfes oder der
Provinz. Wie wenig aber diese Leistungen ausgenutzt werden, geht wohl
am besten daraus hervor, dass Jedermann sich davon loskaufen kann für
eine Summe, die im höchsten Falle nicht über 3 Doll. beträgt. Frauen
sind von persönlichen Leistungen frei. Die wichtigsten Einzelheiten
über den Tribut sind weiter unten in einem besonderen Kapitel,
vorzüglich nach amtlichen Quellen, die mir im Ultramar-Ministerium
zugänglich waren, kurz zusammengestellt.

In andern Ländern, wo das Klima ebenso milde, der Boden ebenso
ergiebig, wird der Eingeborene von einheimischen Fürsten fast
erdrückt, von Ausländern rücksichtslos ausgebeutet oder vertilgt,
wenn er nicht schon eine höhere Zivilisationsstufe einnimmt. In
diesen abgelegenen, von der Natur so reich ausgestatteten Inseln,
wo der Druck von oben, der innere Trieb und jede äussere Anregung
fehlte, hat sich das behagliche Leben bei geringen Bedürfnissen in
voller Breite entfalten können. Von allen Ländern der Welt mögen die
Philippinen wohl den Anforderungen an ein Schlaraffenland am meisten
entsprechen. Wer das Dolce far niente nur von Neapel her kennt, hat
noch keinen Begriff davon; es gedeiht nur unter Palmen. Die folgenden
Reiseberichte werden Beispiele genug enthalten, um dies zu bekräftigen;
aber schon eine Fahrt auf dem Pásig giebt einen Vorgeschmack des
Lebens im Innern. Niedliche Bretterhäuser und Bambushütten, von
üppigster Laub- und Blüthenfülle umgeben, gruppiren sich malerisch
mit Arecapalmen und hohen gefiederten Bambusen am Ufer. Zuweilen
reichen die Zäune in den Fluss und grenzen Räume zur Entenzucht ab
-- oder zum Baden. Der Saum des Wassers ist von Kähnen, Senknetzen,
Flössen, Fischapparaten und dergleichen eingenommen. Beladene Boote
ziehen den Fluss entlang und kleine Nachen schiessen zwischen Gruppen
von Badenden hindurch von einem Ufer zum andern.

Am Lebhaftesten geht es bei den Tiendas zu, grossen, den javanischen
Warongs entsprechenden Schuppen, deren offene Seite aber dem Fluss,
der Hauptverkehrsstrasse, zugewendet ist. Sie üben eine mächtige
Anziehung auf die vorüberziehenden Schiffer, die dort ausser Speisen
und andern Lebensbedürfnissen gewöhnlich auch müssige Gesellschaft
beiderlei Geschlechts, Hazard-Spiel, Tuba, Betel und Tabak finden.

Zuweilen sieht man einen Indier im Schlafe auf einem grossen Berg von
Kokosnüssen hockend mit der Ebbe den Fluss hinabtreiben. Strandet er,
so erwacht der Schläfer, macht sich mit Hülfe eines langen Bambus
wieder frei und treibt im Halbschlaf mit der Strömung weiter. Durch
einen Schlag mit dem Waldmesser ist es leicht, von der Faserhülle
der Nuss einen schmalen Streifen so weit zu lösen, als nöthig ist,
um sie mit einer andern zu verknüpfen; so wird ein Kranz gebildet, der
die in der Mitte lose aufgethürmten Nüsse umgürtet und zusammenhält.

Wir haben freilich vollkommenere Transportmittel als Errungenschaft
Jahrtausende langer mühevoller Arbeit, hier aber kann der Mensch sehr
Vieles unmittelbar aus den Händen der Natur für seine Zwecke verwenden
und sich durch geringe Mühe verhältnissmässig grosses Behagen schaffen.

Auf der Insel Talim im grossen See von Bay kauften meine Bootleute für
einige Cuartos mehrere Dutzend fast fusslanger Fische; diejenigen,
die sie nicht verzehren mochten, wurden gespalten, gesalzen und auf
dem Dach des Bootes in wenigen Stunden an der Sonne getrocknet. Als
die Fischer ihr beabsichtigtes Frühstück verkauft hatten, bückten sie
sich und füllten ihre Kochtöpfe mit Sumpfmuscheln (Paludina costata
Q. & G.), die sie händevoll vom Boden des flachen Wassers aufnahmen,
indem sie die todten zum Theil fortwarfen.

Fast alle Ortschaften liegen am Wasser. Der Fluss ist eine von der
Natur gegebene, sich selbst erhaltende Strasse, auf welcher Lasten
bis an den Fuss der Berge befördert werden können. An seinem Ufer
und besonders an seiner breiten Mündung erheben sich auf Pfählen die
Hütten der Eingeborenen, Pfahlbauten von unmittelbar ersichtlicher
Zweckmässigkeit. Dort vorzugsweise ist der Sitz des Lebens, weil
es dort am bequemsten ist. Bei jeder Ebbe liefern die Fischreusen
mehr oder weniger reichliche Ausbeute; Weiber und Kinder holen dann,
ohne sich zu bücken, vermittelst ihrer Zehen, mit denen sie greifen
können, Zweischaler aus dem Schlamm, oder sammeln am Strande Krebse,
Seethiere, essbare Algen.

Ein hübscher Anblick ist es, wenn Frauen, Männer und Kinder im
Schatten von Palmen baden und scherzen, Andere ihre Wassergefässe
füllen: geräumige Bambusen, die geschultert, oder Krüge, die auf dem
Kopf getragen werden, und wenn die Knaben auf dem breiten Rücken der
Büffel aufrecht stehend diese jubelnd in's Wasser reiten.

Dort ist es auch wo die Kokospalme am besten gedeiht, die dem
Menschen nicht nur Speise und Trank, sondern auch das gesammte
Material für seine Hütte und allerlei Geräth liefert. Während
sie landeinwärts nur bei grosser Pflege spärlich Früchte trägt,
giebt sie am unmittelbaren Seestrande auf dem schlechtesten Boden
ohne menschliche Bemühung reichen Ertrag. (Im Treibhaus ist sie wohl
noch nie zur Blüte gekommen?). Thomson [61] hebt hervor, dass sie auf
solchem Standorte ihren Stamm gern über das Meer neigt, dessen Fluthen
die herabfallenden Früchte an öde Küsten und niedere Inseln tragen
und diese dadurch zu menschlichen Wohnsitzen geschickt machen. So
mag wohl die Kokospalme einen wesentlichen Antheil an dem maritimen
Vagabundenthum der malayischen und polynesischen Völkerschaften haben.

Neben dem Kokoshain zieht sich ein Saum stammloser Nipapalmen hin, die
nur in brackischem Wasser wachsen [62]; ihre Blätter liefern die besten
Ataps zum Dachdecken. Aus ihrem Saft wird Zucker, Branntwein und Essig
bereitet. Schon Pigafetta fand vor 350 Jahren diese Gewerbe in vollem
Betriebe, sie scheinen auch heut noch auf die Philippinen beschränkt
zu sein. Auch derjenige Pandanus, aus dessen Blättern die weichsten
Matten geflochten werden, entfernt sich nicht weit vom Strande.

Landeinwärts breiten sich Reisfelder aus, die durch jährlich
wiederkehrende Ueberschwemmungen eine Lage fruchtbaren Erdreichs aus
den Bergen erhalten und daher nie gedüngt werden. Der Büffel, das
Lieblingshausthier des Malayen, dasjenige welches er vorzugsweise
zum Feldbau zu benutzen pflegt, zieht diese Orte allen andern
vor; er liebt, sich im Schlamm zu wälzen und ist nicht zur Arbeit
tauglich, wenn er sich nicht häufig baden kann. Aus den Reisfeldern
an den Flussufern neben den Hütten erheben sich fein gefiederte
Bambusbüsche. Wie sehr dies Riesengras zur Bequemlichkeit des Lebens
der Tropenbewohner beiträgt, hat Verfasser in früheren Reiseskizzen
(S. 174) zu schildern versucht. Noch manche interessante Verwendungen
sind ihm seitdem bekannt geworden, deren Beschreibung hier nicht am
Ort wäre. [63] Es sei ihm aber vergönnt, noch nachträglich an einigen
Beispielen deutlich zu machen, mit wie einfachen Mitteln alle jene
vielfältigen Ergebnisse erzielt werden. Die Natur hat diese herrliche
Pflanze, die vielleicht alle andere auch an Schönheit übertrifft,
mit so vielen nützlichen Eigenschaften ausgestattet, und liefert
sie dem Menschen so fertig zum unmittelbaren Gebrauch in die Hand,
dass meist einige kecke Schnitte genügen, um die mannichfaltigsten
Geräthe daraus herzustellen. Der Bambus hat eine, im Verhältniss
zu seiner Leichtigkeit ausserordentlich grosse Festigkeit, bedingt
durch die Röhrenform und die in angemessenen Abständen vorhandenen
Zwischenwände. Wegen des Parallelismus und der Zähigkeit seiner
Fasern ist er sehr vollkommen und leicht spaltbar; gespalten aber,
von ausgezeichneter Biegsamkeit und Elastizität. Dem Reichthum an
Kieselerde verdankt er grosse Dauerbarkeit, und eine harte, glatte,
stets reine Oberfläche, deren Glanz und schöne Farbe im Gebrauch
zunehmen. Von besonderer Wichtigkeit endlich für Völker mit geringen
Verkehrsmitteln ist der Umstand, dass der Bambus in Fülle auf sehr
verschiedenen Standorten, in allen möglichen Dimensionen von wenigen
Millimetern bis zu zehn, fünfzehn Centimetern und mehr, ausnahmsweise
sogar von doppeltem Durchmesser, angetroffen wird, und überdies wegen
seiner unübertrefflichen Flössbarkeit selbst in jenen strassenarmen,
aber wasserreichen Ländern mit grösster Leichtigkeit fortgeschafft
werden kann.

Ein Schlag mit dem Waldmesser reicht gewöhnlich aus, um ein starkes
Rohr zu fällen, entfernt man die dünnen Zwischenwände, so hat man
Röhren, deren Enden in einander geschoben werden können. Durch
einmaliges Spalten erhält man Rinnen, Tröge, Dachziegel; durch
mehrmaliges Latten, die wiederum bis in die feinsten Streifen und
Fäden, zur Anfertigung von Rahmen, Gestellen, Körben, Stricken, Matten
und feinen Geflechten zerlegt werden können. Zwei Schnitte in die
Seite geben ein rundes Loch, in welches ein Halm von entsprechendem
Durchmesser fest eingepasst werden kann (a). Macht man solchem
Ausschnitt gegenüber einen zweiten, so kann ein Halm durchgesteckt
werden (b), auf diese Weise werden Thüren wagerecht oder senkrecht
verschiebbar, oder um eine senkrechte oder wagerechte Axe mit oder
ohne Reibung drehbar, hergestellt.

Zwei tiefere Schnitte gestatten das Rohr in einen Winkel (c) , oder
wenn sie weit genug auseinander, um einen andern Halm zu biegen,
z. B. für Dachfirsten (d), für Gestelle von Stühlen oder Tischen
(e), auf denen dann ein aufgeschlitztes, plattgedrücktes Rohr, statt
eines Brettes oder Bambus-Latten (f) mittelst Stuhlrohr befestigt
werden. Eben so leicht ist es eine längliche schmale Oeffnung
herzustellen zum Einpassen von Latten (g).

Zwei Schnitte genügen beinahe, um eine Gabel oder Zange (h), einen
Haken (i) anzufertigen.

Macht man ein durch Auflegen des Fingers verschliessbares Loch in die
Seite, dicht unter einem Knoten, so erhält man einen Heber und zugleich
ein Filtrum (k), wenn man über das offene Ende ein Läppchen bindet.

Spaltet man ein abgestutztes Rohr bis auf einen Knoten in Streifen, die
man auseinander biegt und mit andern Streifen durchflicht, so erhält
man einen konischen Korb, der unter dem Knoten kurz abgeschnitten
als Tragkorb (l), langgestielt, mit Harz gefüllt als Signalfackel
dient. (m) Steckt man in solche spitzkegelförmige Körbe flachere von
gleichem Umfang, deren Knoten abgeschnitten oder durchstossen sind, so
erhält man Fangkörbe für Krabben und Fische. (n) Spaltet man aber einen
kurz über einem Knoten abgestutzten Halm so, dass nur ein Kranz kurzer
Zähne stehn bleibt, so hat man, wenn man die Scheidewand durchstösst,
einen Erdbohrer (o) und zugleich ein Brunnenrohr und so weiter
und endlos weiter. -- Als Beispiele sinnreicher Bambuskonstruktion
mögen ausser nachstehender, die Zeichnungen zu S. 177. 193. 210 der
Reiseskizzen dienen.

Auch der im Innern reisende Fremde hat täglich neue Gelegenheit, die
Gastfreiheit der Natur in vollen Zügen zu geniessen. Die Luft ist so
gleichmässig warm, dass man mit Ausnahme eines Sonnenhutes und leichter
Schuhe alle Kleider entbehren könnte. Uebernachtet man im Freien, so
ist aus Palmen- oder Farnwedeln in kürzester Zeit eine Hütte gebaut. Im
kleinsten Dörfchen aber befindet sich ein Gemeindehaus (casa real), in
dem man wohnen kann und die nöthigen Lebensbedürfnisse zum Marktpreis
geliefert erhält. Auch ist dort immer eine Anzahl Semanéros (Leute,
die den Wochendienst haben) anwesend und gegen geringen Tagelohn
als Boten oder Träger zur Verfügung des Reisenden. Bei längerem
Verkehr zeigt sich, dass ihr Dienst hauptsächlich in Nichtsthun
besteht. Es ist mir vorgekommen, dass ich einen Mann, der mit den
übrigen Karten spielte und Tuba (frischer oder schwach gegohrener
Palmensaft) trank als Boten senden wollte, dieser sich aber, ohne im
Spiel inne zu halten, damit entschuldigte, dass er Gefangener sei;
so musste denn einer seiner Hüter den unbequemen Gang in der Hitze
machen. Die Gefangenen haben nicht zu klagen. Das einzige Unangenehme
sind die Rotangschläge, die für geringe Vergehn von den Lokalbehörden
freigiebig dutzendweis verordnet werden. Sie scheinen aber auf den
von Jugend auf dagegen abgehärteten Eingeborenen in den meisten Fällen
durchaus keinen andern Eindruck als den des unmittelbaren körperlichen
Schmerzes zu machen. Seine Bekannten stehn häufig um ihn, sehen zu
und fragen scherzend, wie es geschmeckt hat.

Nach längerem Aufenthalt unter den ernsten, schweigsamen, würdevollen,
für ihre Ehre ängstlich besorgten, gegen Vornehmere unterwürfigen
Malayen empfindet man den Gegensatz im Charakter der hiesigen
Eingeborenen, die doch auch wesentlich malayischer Rasse sind, um
so greller. Er scheint eine natürliche Folge der oben skizzirten
spanischen Herrschaft: in Spanisch-Amerika begegnet man ähnlichen
Verhältnissen. Unter ihren einheimischen Häuptlingen mögen sich die
Eingeborenen in Folge der Rangunterschiede und des despotischen Druckes
wenig von den heutigen Malayen in ihrem Wesen unterschieden haben.



FÜNFTES KAPITEL

    GEOGRAPHISCHES. -- METEOROLOGISCHES. -- POLITISCHE EINTHEILUNG. --
    VOLKSMENGE. -- SPRACHEN.


Die Umgebung Manila's, der Pásig und der See von Bay, die jeder
Fremde besucht, sind so oft beschrieben worden, dass ich mich auf
einige kurze Aufzeichnungen über diese Gegenden beschränken und nur
über meine Reisen in den südöstlichen Provinzen Luzóns, Camarines
und Albay und den östlich davon liegenden Inseln Samar und Leyte
ausführlicher berichten werde. Vorher dürfte es angemessen sein,
durch Betrachtung der Karte sich einen Ueberblick der geographischen
Verhältnisse zu verschaffen.

Der philippinische Archipel liegt zwischen Borneo und Formosa und
trennt den nördlichen stillen Ozean von der China-See. Von den
Sulu-Inseln im Süden bis zu den Babuyanes im Norden zieht er sich
durch 14 1/2 Breitengrade, von 5 bis 19 1/2° N., und wenn man die
Bashee-Inseln oder Batanes dazu rechnet, bis 21° N. Aber weder im
Süden noch im Norden reicht die spanische Herrschaft in Wirklichkeit
bis an diese äussersten Grenzen, so wie sie sich auch nicht überall
bis in das Innere der grössern Inseln erstreckt. Von Ost nach West
nehmen die Philippinen 9 Längengrade ein. Zwei Inseln, Luzon mit
2000, Mindanao mit mehr als 1500 quadr. M. Flächenraum sind zusammen
grösser als alle übrigen. Dann folgen der Grösse nach sieben Inseln:
Paláwan, Sámar, Panáy, Mindoro, Leyte, Negros, Cebú, deren erstere
250, letztere etwa 100 quadr. M. misst, Bojól, Masbáte, je halb so
gross; 20 kleinere bemerkenswerthe Inseln und zahllose kleine Eilande,
Felsen und Riffe. [64]

Der Philippinische Inselstaat ist ausserordentlich durch seine Lage
und reiche Gliederung begünstigt. Seine Erstreckung von 5 bis 21°
N., durch 16 Breitengrade gewährt ihm eine Mannichfaltigkeit des
Klima's, welcher sich die niederländisch-indischen Besitzungen, deren
Hauptstreichen west-östlich ist, während sie nur wenige Breitengrade
zu beiden Seiten des Aequators einnehmen, durchaus nicht in solchem
Maasse erfreuen. Die durch die Richtung des Archipels gegebene
Mannichfaltigkeit wird durch seine vertikale Gliederung vergrössert,
so dass die Produkte der heissen und gemässigten Zone, die Palme und
die Fichte, die Ananas, der Weizen und die Kartoffel dort gedeihen.

Die grösseren Inseln enthalten ausser tief in das Land eindringenden
Buchten ausgedehnte Binnenseen und beträchtliche, auf weite Strecken
schiffbare Flüsse; der Archipel ist reich an sicheren Häfen und
unzähligen Zufluchtsorten für Schiffe; ein Umstand aber, der aus
dem Anblick einer Karte nicht ersichtlich wird, und doch eine der
glücklichsten Eigenschaften dieser Inseln ausmacht, ist die endlose
Zahl kleiner Flüsse, die von den Bergen herabströmen und sich,
bevor sie das Meer erreichen, zu breiten Aestuarien erweitern, in
denen Küstenfahrer von geringem Tiefgang bis an den Fuss der Berge
gelangen können um ihre Ladung einzunehmen. Die Fruchtbarkeit des
Bodens ist unübertrefflich, Salz- und Süsswasser wimmelt von Fischen
und Schalthieren, im ganzen Archipel giebt es kaum ein reissendes
Thier. Es scheinen nur zwei Viverren: Miro (Paradoxurus philippinensis
Temm.) und Galong (Viverra tangalunga Gray) vorzukommen. Mehr noch
als an Grösse überragt Luzon alle übrigen Inseln an Bedeutung, und
wohl mag es, wie Crawfurd andeutet, durch Fruchtbarkeit und andre
natürliche Vorzüge die schönste der gesammten Tropenwelt sein.

Der Hauptkörper der Insel Luzon erstreckt sich in wenig gegliederter
Masse als längliches, 25 Meilen breites Viereck von 18° 40' N. bis
zur Bay von Manila (14° 30' N.) und sendet dann einen durch grosse
Seen und tiefe Buchten zerrissenen Ausläufer nach Osten, der westlich
und östlich vom grossen Binnensee von Bay nur durch zwei schmale
Bänder mit der Hauptmasse zusammenhängt. Manche Spuren rezenter
Hebungen deuten an, dass beide Theile früher getrennt waren, zwei
selbstständige Inseln bildeten. Das grosse, nach O. gerichtete Stück,
fast so lang als das nördliche, wird in seiner Mitte, wo von SO. die
tiefe Bucht von Ragay, von NW. die von Sogod einander entgegenstreben,
in zwei fast gleiche Theile zerlegt, so dass man es betrachten kann,
als aus zwei parallel streichenden Halbinseln bestehend, die an
der eben erwähnten Stelle durch eine kaum 3 Meilen breite Landzunge
zusammenhängen. Zwei kleine Flüsschen, die in geringer Entfernung
von einander entspringen und in die entgegengesetzten Buchten münden,
machen die Trennung fast vollständig und bilden zugleich die Grenze
zwischen den Provinzen Tayabas im Westen und Camarines im Osten. Die
westliche dieser Halbinseln wird zum grossen Theil von der Provinz
Tayabas eingenommen. Die grössere östliche zerfällt in die Provinzen
Nord-Camarines, Süd-Camarines und Albay. Erstere ist durch die erwähnte
Grenze von Tayábas, durch eine vom Südrande der Bucht von S. Miguél
östl. zur Küste gezogene Linie von Süd-Camarines getrennt. Den Ostrand
der Halbinsel bildet die Provinz Albay, von Süd-Camarines durch eine
Linie geschieden, die von Donzól an der Südküste, nordwärts über
den Vulkan Mayon, dann mit einem Bogen nach Westen zur Nordküste
läuft. Ein Blick auf die Karte wird diese Verhältnisse klar machen.

In den Philippinen sind zwei Jahreszeiten zu unterscheiden:
eine trockene, eine nasse. Den, den Süd- und -Westwinden offen
liegenden Gebieten bringt der SW.-Monsun in unseren Sommermonaten
die Regenzeit. An den Nord- und -Ostküsten fallen die reichlichsten
Niederschläge in unseren Wintermonaten, während des NO.-Monsuns. Durch
die Zerrissenheit des Landes und die hohen Berge werden diese
allgemeinen Verhältnisse örtlich vielfach verändert. In Manila
dauert die trockene Jahreszeit vom November bis Juni (NO.-Monsun),
die Regenzeit während der übrigen Monate (SW.-Monsun). Am meisten
regnet es im September; März und April sind häufig regenlos, Oktober
bis einschliesslich Februar kühl und trocken (NW.-, N.-, NO.-Winde),
März, April, Mai heiss und trocken (ONO. O. OSO.), Juni bis Ende
September feucht und mässig warm.

Seit einigen Jahren ist in Manila ein meteorologisches Observatorium
unter Leitung der Gesellschaft Jesu errichtet. Nachstehendes ist ein
Auszug aus dem Jahresbericht für 1867 den ich Professor Dove's Güte
verdanke. [65]

Barometer: Der mittlere Stand der Quecksilbersäule betrug 1867:
755,5 Millimeter, (1865: 754,57 Millimeter, 1866: 753,37 Millimeter.)

1867: Der Unterschied zwischen den äussersten Barometerständen
überstieg nicht 13,96 Millimeter, und wäre viel geringer, hätten
nicht Stürme im Juli und September die Quecksilbersäule so sehr
herabgedrückt; die stündlichen Schwankungen betragen nur wenige
Millimeter. --

Täglicher Gang des Barometers: Es steigt in der Frühe bis gegen 9
Uhr, fällt dann bis 3 oder 4 Uhr Nm. und steigt dann wieder bis 9 Uhr
Abends, von wo an es bis zum Morgen fällt. Die beiden Hauptströmungen
der Atmosphäre üben grossen Einfluss auf den Gang des Barometers,
die nördliche macht ihn steigen (Normalhöhe 756mm) die südliche fallen
(Normalhöhe 753mm).

Temperatur. Die Wärme wächst von Januar bis Ende Mai, und nimmt
dann ab bis zum Dezember. Jahresmittel: 27°.9 C. (0°.4 mehr als in
den Vorjahren). -- Die beobachtete höchste Temperatur betrug 37°.7
C. (15. April 3 Uhr Nm.) die niedrigste: 19°.4 (14. Dez. und 30. Jan. 6
Uhr Vm.) -- Unterschied: 18°.3 C.

Grösse der Thermometerschwankungen: Januar 13°.9. -- Februar 14°.2. --
März 15°. -- April 14°.6. -- Mai 11°.1. -- Juni 9°.9. -- Juli 9°. --
August 9°. -- September 10°. -- Oktober 11°.9. -- November 11°.8. --
Dezember 11°.7. Kühlste Monate: November, Dezember, Januar mit
nördlichen Winden. -- Wärmste Monate: April und Mai. Ihre hohe
Temperatur veranlasst den Wechsel des Monsuns von NO. nach SW. Von
Juni bis September kommt die Temperatur der normalen am nächsten, die
Schwankungen sind dann am geringsten wegen der fast ununterbrochenen
Niederschläge und trüben Luft. Täglicher Gang: am kühlsten ist es von
6 bis 7 Uhr Vm., die Wärme steigt langsam, erreicht ihr Maximum gegen
2 bis 3 Uhr Nm., und nimmt dann wieder ab. Während einiger Stunden
der Nacht bleibt die Temperatur fast unverändert, gegen Morgen fällt
sie schnell.

Die Richtung der Winde ist zu allen Jahreszeiten sehr regelmässig,
wenn auch zuweilen lokale Ursachen sie etwas verändern; im Zeitraum
eines Jahres durchlaufen sie die ganze Windrose. Im Januar und Februar
herrschen Nordwinde, im März und April südöstliche Winde, im Mai,
Juni, Juli, August, September südwestliche. Anfang Oktober schwanken
sie zwischen Südost und Südwest, und befestigen sich gegen Ende des
Monats in NO., wo sie während der beiden folgenden Monate ziemlich
beständig bleiben. Die beiden Monsunwechsel finden immer im April oder
Mai und im Oktober statt. Im Allgemeinen halten sich beide Monsune das
Gleichgewicht, in Manila aber, weil es gegen Norden durch hohe Gebirge
geschützt ist, wird der NO. Monsun oft nach SO. und NW. abgelenkt;
aus demselben Grunde bläst der SW. dort auch stärker.

Der Himmel ist gewöhnlich theilweise bedeckt, völlig heitere Tage
sind sehr selten; sie kommen nur von Januar bis April (NO. Monsun) vor.

Regentage: 168. Am häufigsten und stärksten regnet es von Juni
bis Ende Oktober; der Regen fällt dann in Strömen, im Sept. allein
betrug die Regenmenge 1m. 5. d. h. fast dreimal so viel als in Berlin
durchschnittlich in einem Jahre. Im ganzen Jahre 3072,8mm (dies ist
mehr als das Mittel).

Das verdampfte Wasser betrug nur 2307,3mm. In gewöhnlichen Jahren
ist die Verdampfung den Niederschlägen ziemlich gleich (im Laufe des
Jahres nämlich, aber nicht in den einzelnen Monaten).

Die mittlere tägliche Verdunstung war etwa 6,3mm.

Die Monsunwechsel sind oft von furchtbaren Stürmen begleitet, während
eines solchen im September erreichte die Geschwindigkeit des Windes 37
bis 38 Meter in der Sekunde. (Der Bericht des englischen Vize-Konsuls
erwähnt einen Teifun am 27. Sept. 1865, der in Manila grossen Schaden
anrichtete, und 17 Schiffe auf's Land setzte.)



Die Philippinen sind in Provinzen (P.) und Distrikte (D.) eingetheilt,
denen je ein Alcalde mayór 1., 2., 3. Klasse, oder de término, de
ascénso, de entráda, (A1, A2, A3), oder ein Gobernador politico y
militar (G), oder ein Comandante (C) vorsteht. In einigen Provinzen
ist dem G ein A3 beigeordnet. An dieser Eintheilung wird oft geändert.

Die Gesammtbevölkerung wird auf ungefähr 5 Millionen geschätzt.

Trotz des langen Besitzes hat sich die Sprache der Spanier fast
keinen Eingang verschafft. Es herrscht eine grosse Verschiedenheit
von Sprachen und Mundarten, von denen bisáya, tagálo, ilocáno, bícol,
pagasinán, pampángo die verbreitetsten sind.


Insel Luzon.

============+=================+=========================================+=========+=======
  Rang des  |                 |                                         |         |
Verwaltungs-|                 |                                         |         |
            |     Namen.      |          Herrschende Dialekte.          | Seelen- |Pueblo.
 be- | be-  |                 |                                         | zahl.   |
amten|zirks.|                 |                                         |         |
=====+======+=================+=========================================+=========+=======
 G.  |  P.  | Ábra            | ilocano                                 |  34,337 |   5
 A1. |  P.  | Albáy           | bicol                                   | 230,121 |  34
 A2. |  P.  | Bataán          | tagalo, pampango                        |  44,794 |  10
 A1. |  P.  | Batángas        | tagalo                                  | 280,100 |
     |  D.  | Benguét         | igorrote, ilocano pangasinan            |    8465 |
     |  D.  | Bóntoc          | suflin, ilocano, igorrote Bergdialekt   |    7052 |
 A1. |  P.  | Bulacán         | tagalo                                  | 240,341 |  23
 A1. |  P.  | Cagayán         | ibanag, itanes, idayan, gaddan, ilocano,|         |
     |      |                 |   dadaya, apayao, malaneg               |  64,437 |  16
 A2. |  P.  | Camarínes Norte | tagalo, bicol                           |  26,372 |   7
A2(?)|  P.  | Camarínes Sur   | bicol                                   |  81,047 |  31
 A3. |  P.  | Cavíte          | spanisch, tagalo                        | 109,501 |  17
 A1. |  P.  | Ilócos Norte    | ilocano, tinguian                       | 134,767 |  12
 A1. |  P.  | Ilócos Sur      | ilocano                                 | 105,251 |  18
 C.  |  D.  | Infánta         | tagalo                                  |    7813 |   2
 G.  |  P.  | Isabéla         | ibanag, gaddan, tagalo                  |  29,200 |   9
 A1. |  P.  | Lagúna          | tagalo, spanisch                        | 121,251 |  26
     |  D.  | Lepánto         | igorrote, ilocano                       |    8851 |  48
3A1. |  P.  | Manila          | tagalo, spanisch, chinesisch            | 323,683 |  28
 C.  |  D.  | Moróng          | tagalo                                  |  44,239 |  12
 A2. |  P.  | Nueva Écija     | tagalo, pangasinan, pampango, ilocano   |  84,520 |  12
 A3. |  P.  | Nueva Vizcáya   | gaddan, ifugao, ibilao, ilongote        |  32,961 |   8
 A1. |  P.  | Pampánga        | pampango, ilocano                       | 193,423 |  24
 A1. |  P.  | Pangasinán      | pangasinan, ilocano                     | 263,472 |  26
     |  D.  | Pórac           | pampango                                |    6950 |   1
 C.  |  D.  | Príncipe        | tagalo, ilocano, ilongote               |    3609 |   3
     |  D.  | Sáltan          | gaddan                                  |    6640 |
 A2. |  P.  | Tayábas         | tagalo, bicol                           |  93,918 |  17
     |  D.  | Tíagan          | verschiedene igorroten Dialekte         |    5723 |
 G.  |  P.  | Unión           | ilocano                                 |  88,024 |  11
 A2. |  P.  | Zambáles        | zambal, ilocano, aeta, pampanga tagalo, |         |
     |      |                 |   pangasinan                            |  72,936 |  16

Inseln zwischen Luzon und Mindanao.

G a3.|  P.  | Antíque (Panay) | bisaya                                  |  88,874 |  13
G a3.|  P.  | Bojól           | bisaya                                  | 187,327 |   2
 C.  |      | Burías          | bicol                                   |    1786 |   1
G a3.|  P.  | Cápiz (Panay)   | bisaya                                  | 206,288 |  26
G a2.|  P.  | Cebú            | bisaya                                  | 318,715 |  44
G a3 |  P.  | Iloílo (Panay)  | bisaya                                  | 565,500 |  35
G a3.|  P.  | Leíte           | bisaya                                  | 170,591 |  28
     |  D.  | Masbáte, Ticao. | bisaya                                  |  12,457 |   9
 A2. |  P.  | Mindóro         | tagalo                                  |  23,054 |  10
G a3.|  P.  | Négros          | cebuano, panayano, bisaya               | 144,923 |  31
     |  D.  | Romblón         | bisaya                                  |  21,579 |   4
G a3.|  P.  | Sámar           | bisaya                                  | 146,539 |  28

Mindanao.

     |  D.  | Cotabatú        | spanisch, manobo                        |    1103 |   1
G a3.|  D.  | Misámis j       | bisaya                                  |  63,639 |  14
G a3.|  D.  | Surigáo j       |                                         |  24,104 |  12
     |  D.  | Zamboánga j     | mandaya, spanisch                       |    9608 |   2
G a3.|      |                 |                                         |         |
     |  D.  | Daváo           | bisaya                                  |    1537 |

Fernere Inseln.

G a3.|  P.  | Batánes         | ibanag                                  |    8381 |   6
G a3.|  P.  | Calamiánes      | coyuvo, agutaino calamiano              |  17,703 |   5
 G.  |  P.  | (Mariánas)      | chamorro, carolino                      |    5940 |   6
=====+======+=================+=========================================+=========+=======


Vorstehende Tabelle ist im Wesentlichen einem kürzlich erschienenen
kleinen Werke des Herrn Barrantes, General-Sekretärs der Philippinen
entnommen, der Uebersichtlichkeit wegen aber anders geordnet. Obwohl
Herrn B. das beste amtliche Material zur Verfügung stand, darf obigen
Zahlen dennoch kein grosser Werth beigelegt werden, da sie in allen
Stadien ihrer Entstehung mit Fehlern behaftet sind, von denen man in
Europa keine Vorstellung hat.

Beispielsweise führt Herr B. folgende Abweichungen seiner amtlichen
Quellen an: Cavite 115,300 und 65,225; Mindoro 45,630 und 23,054;
Manila 230,443 und 323,683; Capiz 788,947 und 191,818 Seelen.



SECHSTES KAPITEL

    REISE IN BULACAN. -- HÄUFIGE FEUERSBRÜNSTE. -- FRUCHTBARKEIT. --
    FISCHFANG. -- ZIGARRENTASCHEN. -- SPANISCHE PRIESTER. --
    GASTFREIHEIT. -- RÄUBEREIEN.


Mein erster Ausflug ging nach der Provinz Bulacán, am Nordrande der Bay
von Manila. Zwei Stunden braucht der Dampfer bis zur Barre Binuánga,
(nicht Bincanga, -- Coello's Karte) und eine Stunde, um in einem
Arme des Pampánga-Delta's, zwischen flachen Rhizophoren-Ufern,
Bulacán, den Hauptort der Provinz, zu erreichen. Ausser mir war
kein Europäer an Bord, nur Tagalen, Mestizen und wenige Chinesen,
erstere namentlich durch Frauen vertreten, denen vorzugsweise die
Handelsgeschäfte obliegen, weil sie dazu viel geschickter sind als die
Männer. Man sieht daher in der Regel mehr Frauen als Männer auf der
Strasse, und es scheint allgemein angenommen, dass bei den Geburten die
weiblichen überwiegen. Nach den von mir durchgesehenen Kirchenbüchern
ergiebt sich aber, wenigstens für die östlichen Provinzen, eher das
Gegentheil. Am Landungsplatz erwartete uns eine Anzahl Caramáta's,
bunt bemalte, flache, zweirädrige Kasten mit Sonnendach versehn, und
mit zwei Pferden bespannt, von denen die wohlhabenderen Ankömmlinge
schnell nach allen Richtungen entführt werden.

Die Stadt Bulacán hat 11 bis 12,000 Einwohner, war aber einen
Monat zuvor, mit Ausnahme der Kirche und weniger Steinhäuser,
abgebrannt. Alle Leute waren daher beschäftigt sich neue Häuser zu
bauen, die seltsamer-, aber zweckmässigerweise, wie beim Zeichnen,
mit dem Dach begonnen wurden. Lange Reihen Dächer aus Palmenblättern
und Bambus standen bereits fertig am Boden und dienten einstweilen als
Zelte. Dergleichen verheerende Feuersbrünste sind ungemein häufig. Die
mit wenigen Ausnahmen aus Holz und Bambus bestehenden Häuser werden in
der trocknen Jahreszeit völlig ausgedörrt, von der Sonne angeheizt;
mit dem Feuer wird sehr unvorsichtig umgegangen, an Löschanstalten
fehlt es gänzlich. Entsteht ein Brand an einem windigen Tage, so
ist in der Regel das ganze Dorf unrettbar verloren. Während meines
Aufenthalts in Bulacán brannte die Vorstadt S. Miguél bei Manila bis
auf das Haus eines befreundeten Schweizers ab, das seine Rettung nur
dem kräftigen Gebrauch einer Privatspritze und der Mithülfe eines
Bananengärtchens verdankte, deren saftstrotzende Stämme auf einer
Seite den Fortschritt der Flammen hemmten.

Den Weg nach Calumpít, 3 L., legte ich im schönen Wagen eines
Gastfreundes zurück, auf sehr guter Strasse, unter Obstbäumen, Kokos-
und Arecapalmen. Der Anblick dieser fruchtbaren Provinz erinnert an
die reichsten Gebiete Java's, aber die hiesigen Pueblos verrathen
mehr Wohlstand als die dortigen Desas. Die Häuser sind substanzieller;
geräumige Bretterhäuser häufig, selbst Steinhäuser nicht selten, die
in jener Insel fast immer einen Beamten oder inländischen Fürsten
anzeigen. Während aber selbst der arme Javane sein Wohnkörbchen
zierlich flicht, die Strassen des Dorfes mit blühenden Hecken einfasst,
Alles Nettigkeit und Sauberkeit verräth, scheint hier weniger Sinn
dafür vorhanden. Auch fehlt den Dörfern der Alun-alun, jener schöne
sorgfältig gepflegte, von Waringibäumen beschattete Platz. [66]
Die Zahl und Manchfaltigkeit der Fruchtbäume, unter deren Laub die
javanischen Desas ganz verborgen liegen, ist selbst in dieser Provinz,
dem Garten der Philippinen, viel geringer als dort. Abends erreichte
ich Calumpít, als gerade eine hübsche Prozession mit vielen Fahnen
und Fackeln, unter wohlklingendem Gesang sich um die stattliche Kirche
bewegte, bei deren trefflichem Pfarrer Llanos ein Brief aus Madrid mir
die gastlichste Aufnahme verschaffte. Calumpít, ein wohlhabender Ort
von 12,250 E., liegt am Zusammenfluss des von O. kommenden Quíngoa mit
dem Pampánga, in einer sehr fruchtbaren, häufigen Ueberschwemmungen
ausgesetzten Ebene. Im Norden, etwa 6 Leguas NW. erhebt sich der
Arayat, ein hoher isolirter Kegelberg. Von Calumpít gesehn, zeigt sein
westlicher Abhang (a b) 20°, sein östlicher (e f) 25°, die Gipfelplatte
(b c) 4 bis 5° Neigung gegen den Horizont.

Bei Calumpít sah ich einen Chinesen auf eigenthümliche Art Fische
fangen: queer durch das Bett eines Baches, der, fast versiegt,
nur noch einzelne Lachen bildete, war unterhalb einer solchen ein
Gitter enggesteckter Bambusen gezogen, dahinter ein niedriger Damm
errichtet. Mittelst einer langgestielten Wurfschaufel wurde das
stehngebliebene Wasser über den Damm geworfen. Die Schaufel war da, wo
der Stiel ansetzt, durch ein Seil an ein zehn Fuss hohes Bambusgestell
befestigt, dessen Federkraft die Arbeit erleichterte. Sobald die Pfütze
trocken gelegt, grub der Arbeiter ohne Mühe eine grosse Menge Dalags
(Ophiocephalus vagus. Peters.) aus dem Schlamm. Diese durch besondere
Apparate, vielleicht zum Luftathmen, jedenfalls zu längerem Verweilen
im Trocknen befähigten Fische sind in der nassen Jahreszeit in allen
Gräben und Pfützen und auf den Reisfeldern so häufig, dass sie mit
Knitteln todtgeschlagen werden. Bei dem Zurückweichen des Wassers
ziehn auch sie sich zurück, oder bohren sich nach Prof. Semper
tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie bis zum Anfang der
nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die
Nachstellungen des Menschen geschützt, im Winterschlaf zubringen. Der
Fangapparat des Chinesen schien den Gewohnheiten des Fisches wohl
angepasst. Der Umstand, dass nur auf der untern Seite der Wasserlache
ein Gitter gezogen war, und dass die Fische unmittelbar vor demselben
am dichtesten angetroffen wurden, scheint anzudeuten, dass sie auch
noch im Schlamm weiter wandern und sich in dem Maasse als die Bäche
und Gräben austrocknen in die grösseren Wasseransammlungen zurückziehn.

Dem Quíngoa aufwärts, in östlicher Richtung, auf bequemer Strasse
folgend, durch wohlbebautes, üppig fruchtbares Gebiet, an zahlreichen
steinernen Kirchen und Kapellen vorüber, die sich mit den Palmen und
Bambusbüschen zu hübschen Bildern gruppiren, erreichte ich in Pater
Llano's Vierspänner den bedeutenden Ort Balívag, dessen Gewerbfleiss
weit über die Grenzen der Provinz hinaus berühmt ist.

Ich besuchte mehrere Familien und fand überall freundliche
Aufnahme. Die Häuser waren von Brettern (casas de tabla), ruheten auf
Pfählen, fünf Fuss über dem Boden, und bestanden aus einem geräumigen
Wohnzimmer, an welches auf einer Seite die Küche, auf der andern ein
offner Raum, die Azotéa (s. S. 20) stösst; ein hohes luftiges Dach
von Palmenblättern erhob sich darüber, der Eingang war von der Azotéa,
die fast zur Hälfte vom Dach überragt wird. Der Fussboden bestand aus
zollbreiten Holzlatten mit halb so breiten Zwischenräumen. Stühle,
Tische und Bänke, ein Schrank und verschiedene kleine Luxusgegenstände,
Spiegel, eingerahmte getuschte Lithographien waren vorhanden. Die
Sauberkeit der Häuser sowohl als der Zustand der Möbel zeugten von
Ordnung und Wohlstand.

Fast in jedem Hause fand ich Frauen mit Weben von Tápis beschäftigt,
die auf dem Markt von Manila den besten Ruf haben. Es sind schmale,
sehr dicht gewebte 6 Varas lange Seidenzeuge in dunkelbraunen
Farben mit schrägen weissen Streifen. Sie werden über dem Sarong
getragen. (Vergl. S. 24).

Besonders berühmt ist Balívag aber wegen seiner Zigarrentaschen Petáca,
[67] die alle andern an Feinheit übertreffen. Sie bestehen nicht aus
Stroh, sondern aus feinen Streifen spanischen Rohres, und zwar aus
dem untern Ende der Blattstiele einer Calamusart, die angeblich nur
in der Provinz Neu-Écija wächst. Ein Bündel von hundert ausgesuchten
2 Fuss langen fingerdicken Stöcken kostet bis 6 r. Nachdem diese
Stöcke vier bis fünf mal der Länge nach gespalten, entfernt man
das innere Holz, so dass nur die äussere Haut übrig bleibt; die so
erhaltenen dünnen Streifen werden dann aus freier Hand zwischen einem
convexen Porzellanscherben und einem schräg dagegen gestellten Messer
durchgezogen, und schliesslich noch durch zwei schräg gegen einander
stehende Stahlklingen. Die Arbeit verlangt viel Geduld und Uebung;
bei der ersten Handhabung zerbricht durchschnittlich die Hälfte der
Fäden, bei der zweiten gewöhnlich mehr als die Hälfte, so dass kaum 20%
übrig bleiben. Für sehr feine Geflechte ist das Verhältniss noch weit
ungünstiger. Das Flechten geschieht über hölzerne Walzen. Eine Tasche
von mittlerer Feinheit, die an Ort und Stelle 2 Doll. kostet, kann bei
ununterbrochener Arbeit in sechs Tagen vollendet werden. Ausnahmsweise
feine, auf besondere Bestellung für Kenner angefertigt, werden mit
50 Doll. und mehr bezahlt.

Von Balívag den Quíngoa aufwärts verfolgend, kommt man an vielen
Steinbrüchen vorbei, wo in Bänke gesonderter vulkanischer Tuff zu
Bausteinen ausgebeutet wird. Die mit hohen stacheligen Bambusen
besetzten Ufer waren 10 bis 12 Fuss hoch. In der Regenzeit tritt
der Fluss aus und überschwemmt weithin die Ebene, daher die vielen
Klappen grosser Süsswassermuscheln (Corbicula sp.) in der den Tuff
überlagernden Dammerde. Bei Tobóg, einer Visíta, halbwegs zwischen
Balívag und Angat, zeigen sich die ersten Hügel. Ihre flachen
Abhänge sind wie in Java terrassenförmig als Rieselfelder zum Reisbau
eingerichtet. Ausser bei Lúcban habe ich dergleichen Sawas in den
Philippinen nicht wahrgenommen. Viele kleine Zuckerfelder, deren
Produkt aber von den Eigenthümern noch recht ungeschickt verwerthet
wird, zeigen, dass die Vorbedingungen zum schwunghaften Betriebe des
Ackerbaus vorhanden sind. Streckenweis sind Schattendächer über die
Strasse gebaut mit Bänken zum Rasten; ich habe sie nur in dieser
Provinz gefunden. Man könnte sich in einem der dichtbevölkerten,
ertragreichsten Bezirke Java's glauben.

Die Nacht brachte ich in einem Convento zu (so heissen in den
Philippinen die Wohnhäuser der Pfarrer). Es war äussert schmutzig,
der Geistliche, ein Augustiner, voll Bekehrungsgelüste. Ich hatte
ein langes geographisches Verhör zu bestehn über den Unterschied
zwischen Prusia und Rusia, ob das grosse Norimbergo die Hauptstadt
des Granducado oder des Imperio de Rusia sei? erfuhr dass die
Engländer auf dem Punkte stünden in den Schooss der christlichen
Kirche zurückzukehren, die »Andern« dann auch wohl bald nachfolgen
würden, und wurde trotz angelegentlicher Empfehlung des Pfarrers
Llanos recht schlecht aufgenommen. Später bin ich noch einmal zwei
jungen Kapuzinern in die Hände gefallen, die Bekehrungsübungen an mir
vornahmen, mich aber, abgesehn von dieser kleinen Zudringlichkeit,
auf's beste behandelten und verpflegten. Es gab sogar in Wasser
gesottene Gänseleberpastete, die ich an den fettumflossenen Trüffeln
schnell erkannte. Zur Strafe für ihre Zudringlichkeit enthüllte ich
meinen Wirthen nicht die richtige Gebrauchsanweisung, kaufte ihnen
die noch übrigen Blechbüchsen ab, und hatte später das Vergnügen
im Urwald Gänseleberpastete zu essen. Dies sind die beiden einzigen
Fälle, wo ich in solcher Weise belästigt worden, bei einem Aufenthalt
von mehr als anderthalb Jahren.

Der mit einem Pass versehene Reisende ist übrigens durchaus nicht
auf die Gastfreundschaft der Pfarrer angewiesen, wie in manchen
abgelegeneren Gegenden Europa's. Jede Ortschaft, jedes Oertchen, hat
sein Gemeindehaus, Casa real oder Tribunal genannt, in welchem er
wohnen kann und Lebensmittel zum Marktpreis geliefert bekommt, ein
Umstand, der mir bei meinem ersten Ausflüge nicht bekannt war. Der
Reisende ist also in dieser Beziehung völlig unabhängig, wenigstens
in der Theorie; in der Praxis wird er freilich oftmals nicht umhin
können, in den abgelegneren Provinzen, im Convento zu wohnen, denn
der Pater, vielleicht der einzige Weisse auf viele Meilen in der
Runde, lässt sich schwerlich die Gelegenheit entgehn, einen seltenen
Gast einzufangen, ihm das beste Zimmer im Hause zu geben, und alles
aufzubieten, was Küche und Keller zu leisten vermögen. Alles wird
mit so aufrichtiger unverhohlener Freude über den Besuch dargeboten,
dass der Gast durchaus nicht das Gefühl hat, als würde er verpflichtet,
sondern umgekehrt die Ueberzeugung gewinnt, dass er seinem Gastfreunde
Vergnügen macht, wenn er seinen Besuch verlängert. Einmal, als ich
trotz der erhaltenen Einladung des Padre Cura darauf bestand, in's
Tribunal zu gehn, und mich darin eben niedergelassen hatte, erschien
alsbald der Pater mit den Ortsbehörden und dem Musikchor, die wegen
der Vorbereitung zu einem Kirchenfeste im Convento zufällig anwesend
waren, liess mich auf meinem Stuhle sitzend aufheben und mit Musik
und allgemeinem Jubel in sein Haus tragen.

Am folgenden Tage besuchte ich eine NNO. von Angat gelegene Eisenhütte
Kúpang, von zwei mir aufgenöthigten Bewaffneten begleitet, da die
Gegend wegen Räubereien übel berüchtigt war. Nach einer Stunde
in nördlicher Richtung durchfurtheten wir den Banávon, damals ein
schmaler Bach, zwischen vorwiegend plutonischem Gerölle fliessend,
in der Regenzeit ein mehrere hundert Fuss breiter Strom, und
erreichten nach zwei Stunden die Eisenhütte, einen mitten im Walde
gelegenen grossen Schuppen, mit einem Hängeboden an einem Ende, der
dem Unternehmer, einem vor Jahren in Sámar gestrandeten Engländer,
und seiner Frau, einer hübschen Mestizin, zur Wohnung diente. Legte
ich mein Taschentuch, ein Bleistift oder sonst einen Gegenstand
aus der Hand, so wurde er sofort von der Frau eingeschlossen, um
ihn vor der Diebeswuth ihrer Diener zu schützen. Die armen Leute,
deren Unternehmung keinen Erfolg versprach, mussten ein trauriges
Leben führen. Zwei Jahre zuvor drangen 27 Räuber ein, plünderten
alles und warfen die Frau, die mit einer Magd allein im Hause war,
zum Fenster hinaus; sie kam ohne erhebliche Beschädigung davon,
die Magd aber, die vor Angst aus dem Fenster sprang, starb an den
erlittenen Verletzungen. Ohne Mühe gelang es die Räuber, Bergleute
und Bewohner von Angat, einzufangen, sie sassen damals bereits 2
Jahre in Untersuchungshaft.

Ich traf hier eine Negritofamilie, die mit den Leuten der Eisenhütte
in freundlichem Verkehr stand, und Nahrungsmittel gegen Waldprodukte
eintauschte. Der Mann begleitete mich auf die Jagd mit einem Bogen und
zwei Pfeilen bewaffnet, die Pfeile hatten zwei Zoll lange, lanzenartig
geformte eiserne Spitzen, deren eine mit Pfeilgift, einem schwarzen
Harz dick bestrichen war. Die Frauen nahmen Guitarren (tabaua) mit,
genau, wie die der Mintras auf der malayischen Halbinsel: fusslange
Bambusrohre, an welchen Saiten aus gespaltenem Stuhlrohr aufgespannt
waren. Auf nebenstehender Abbildung sind nicht diese Negritos,
von denen ich nur unvollkommene Zeichnungen besitze, sondern weiter
nördlich lebende, nach guten Photographien dargestellt.

Um auf der Rückreise nicht wieder in dem leidigen Convento zu
übernachten, wo mein Diener mit meinen Sachen zurückgeblieben war,
folgte ich dem Rath der freundlichen Leute, spät abzureiten und erst
nach 10 Uhr dort einzutreffen. So konnte ich, da das Pfarrhaus um
10 Uhr verschlossen wird, ohne Anstoss bei einem ihnen befreundeten
reichen Mestizen einkehren. Um halb eilf erreichte ich das gastliche
Haus, und setzte mich zu den muntern Frauen, die gerade am Abendessen
waren. Da erscheint plötzlich auf der Schwelle des Hinterzimmers mein
Pfarrer nebst zwei andren Augustinern, die mit dem Hausherrn Karten
gespielt hatten, und indem sie mich mitschleppten, mein Glück priesen:
»denn wären Sie nur eine Minute später gekommen, so hätten Sie nicht
mehr in das Convento gekonnt.«



SIEBENTES KAPITEL

    PROVINZ LAGUNA. -- BANCAFAHRT. -- BARREN DES PASIG. -- SEE VON
    BAY. -- MAARE BEI CALAUAN. -- PALMENWEIN. -- REISEN OHNE DIENER. --
    VULKAN MAJAIJAI. -- BÜFFELFAHRT.


Meine zweite Reise führte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See
von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehöhlten
Baumstamm mit flach gewölbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so
niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch
jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes
Bambusgitter schützt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm
zum Lager. Jurien de la Gravière vergleicht die Banca treffend mit
einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass
ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt. [68]
Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je
5 r. zusammen 4 1/2 Thaler täglich erhielten, ein hoher Preis für die
trägen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der
Reis, den ein kräftiger Arbeiter täglich verzehrt, kostet selten mehr
als 1 bis 1 1/2 Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige),
die Zuspeise (Wasserthiere und Kräuter) einige Pfennige. Zahlreiche
Dörfer und Tienda's, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn
sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwänden
die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig
das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hülfe der
Nachtwächter, gelang es, sie einzeln aus den Häusern ihrer Freunde zu
holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf
Sandbänken festgesessen, gelangten wir in den von Hügeln und Bergen
umschlossenen See von Bay und erreichten früh morgens Jalajala.

Der Pasig bildet einen natürlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen
der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Süsswassersee von 35
Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna,
Cavite, umgrenzen. Früher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des
Sees gefahren sein [69], jetzt wird es durch Sandbänke verhindert; bei
den Barren von Napíndan und Tagúíg gerathen selbst sehr flache Boote
auf den Grund. [70] Würden die Barren fortgeräumt und die Manila mit
Binondo verbindende steinere Brücke in eine Drehbrücke verwandelt oder
durch einen Kanal umgangen, so könnten Küstenfahrer die Erzeugnisse
der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen,
einnehmen. Der Verkehr würde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken,
die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern
werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt
worden, ist aber nicht zur Ausführung gekommen. Die Versandung des
Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befördert,
deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begünstigt,
da sie eine kleine Abgabe davon erhebt.

Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die östliche der beiden von
N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines
der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug
seiner hübschen Lage in der Nähe Manila's und den phantasiereichen
Schilderungen des früheren Besitzers de la Gironnière. Die Halbinsel
ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljährlich führen
die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und
vergrössern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und
stachligen bis 8' hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand
dient als Büffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder
bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den
dicht bewaldeten Sembrano, den höchsten Berg der Halbinsel begrenzt,
auf den übrigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand
ausgenommen ist das ganze Gebiet hügelig mit Gras und Baumgruppen
bewachsen, ein trefflicher Weideplatz für die ansehnlichen Heerden
(1000 Büffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande
der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs
Bewaffnete, die uns für Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf
die gehoffte Prämie verzichten mussten.

Jalajala gegenüber, am Südrande des Sees von Bay liegt das Dörfchen
Los Baños, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling
benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen
zu Heilzwecken, [71] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer
des See's ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom
flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht
von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden.

NW. von Los Baños liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee,
Dagátan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von
Dagát (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von
den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines,
aber Schaaren von Wasservögeln flogen auf, als ihre Einsamkeit
gestört wurde.

Von Los Baños wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo,
nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde
(bianchetto) gewonnen wird, die geschlämmt in Manila zum Anstrich
dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mühe erlangter
Führer nach einer halben Stunde todtmüde stellte. Die eingezogenen
Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren
mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden. [72]

Auf der Rückfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung
mit wenigen ärmlichen Hütten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald
und Gestrüpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga
(Mädchenbusen), ein Doleritberg mit schön geformter Kuppe. Am Strande
fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit völlig ausgebildeten
Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlüpften.

Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewöhnlich später zur Geltung kommt
als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss
nach dem südlich vom See gelegenen Orte Caláuan zu gehn, der durch den
queer davor liegenden Maquiling geschützt den Einfluss des Regenmonsuns
erst später empfindet. In Caláuan traf ich Herrn v. la Gironnière,
den durch seine haarsträubend erzählten Abenteuer wohlbekannten
»Gentilhomme breton«, seit kurzem aus Europa zurückgekehrt um eine
grosse Zuckerfabrik zu gründen; sein Unternehmen misslang indessen. Das
Haus des seitdem verstorbenen rüstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei
Tracht und Bedürfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl
Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an
dem Geschäft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen
Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft
gelebt hatten.

Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne
Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der
Strasse die nach S. Pablo führt, befindet sich die Llanura de Imúc, ein
von mehrere hundert Fuss hohen Wällen doleritischer Rapilli gebildetes
Kesselthal. Auf grossen Basaltblöcken kann man den Rand erklimmen,
alles übrige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine
verwilderte, vom früheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine
genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen.

Nördlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wänden. Der Boden
ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der
Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu
bilden. Er dürfte daher leicht zu entwässern und urbar zu machen sein.

Südwestlich von diesem Krater, rechts der Strasse von S. Pablo liegt
der Tigui-See: Aus einer Ebene von weisslich grauem Tuff, worin
viele konzentrisch schalige Kugeln von Nussgrösse, erhebt sich ein
kreisrunder Wall mit sanftgeneigtem Abhang nur durch eine schmale Kluft
(in N. b. W.) unterbrochen, die als Zugang dient und an Einstürzen
die losen Rapilli zeigt, aus denen das Ringgebirge besteht. Die Wände
ragen hundert Fuss über den ganz flachen Boden. Queer durch die Mitte
läuft ein Weg OW. und theilt ihn in zwei Hälften, die nördliche ist
mit Kokospalmen und Kulturpflanzen bewachsen, die südliche nimmt
ein See ein, dessen Spiegel zum grössten Theil von Pistien bedeckt
ist. Der Boden besteht aus schwarzen Rapilli.

Vom Tigui-See kehrte ich nach der Hacienda zurück die auf einer 2
Fuss mächtigen Bank vulkanischen Tuffes voll rezenter Blattabdrücke
liegt. Der Zustand der Erhaltung reicht zwar zur Bestimmung der Arten
nicht aus; sie sind aber alle ächt tropisch [73] und können nach
Professor A. Braun sehr wohl denselben Arten angehören, die noch heut
an dieser Stelle wachsen.

SO. davon etwa 1/2 Legua entfernt liegen zwei kleine Maare; der Weg
führt durch vulkanischen Schutt, der auf Tuff lagert; in dem Flussbett
grosse vulkanische Blöcke.

Der erste See Maycap, völlig umwallt, hat nur an seiner NW. Seite eine
künstliche Kluft mit Schleuse zur Speisung eines Kanals; vom Nordrand,
der allein eine freie Aussicht gestattet, liegt die Südspitze des
S. Cristoval N. 73° O. Die gegen 80' hohen Wände erheben sich gen
W. zu dem Hügel Maiba von etwa 500 Fuss. Sie sind, wie bei den andern
Maaren aus Rapilli und Tuff gebildet, und dicht bewachsen.

Daneben liegt ein andres Maar: Palákpakan, von ziemlich gleichem
Umfang und gleicher Struktur (schwarzer Sand und Rapilli), die Wände,
30 bis 100 Fuss hoch. Vom NW-Rand erscheint der S. Cristoval N. 70°
O. Der Wasserspiegel ist leicht zu erreichen, eine grosse Anzahl
Fischapparate ragen daraus hervor.

Gegen 9 Uhr Morgens ritt ich von Caláuan nach Píla, dann NO. nach
Sa. Cruz, auf ebener, breiter, gut unterhaltener Strasse, durch
einen meilenlangen, in Breite einer halben Legua sich den Umrissen
der Laguna anschmiegenden Kokoshain. Diese Palmen werden zum grossen
Theil nicht auf Oel, sondern auf Branntwein ausgebeutet. Man lässt sie
dann keine Früchte tragen, sondern fängt den aus der angeschnittenen
Blüthenknospe quellenden zuckerhaltigen Saft auf, und destillirt sein
Gährungsprodukt. [74] Da der Saft täglich zweimal gesammelt wird, und
die Blüthen unter der Blätterkrone 40 bis 50' über der Erde sitzen,
so sind in dieser Höhe zur Verminderung des beschwerlichen Auf-
und Abkletterns Bambusen paarweis übereinander von einer Palme zur
andern angebracht, auf deren unterer der Arbeiter geht, indem er sich
an der obern festhält.

Der Verkauf des Palmenbranntweins war damals noch Monopol der
Regierung, die ihn im Estanco zusammen mit Zigarren, Stempelpapier
und Ablassscheinen im Einzelnen verkaufte. Die Bereitung geschah
durch Privatleute, der Gesammt-Ertrag musste aber an die Hacienda
abgeliefert werden, die indessen einen so hohen Preis dafür zahlte,
dass den Kontrahenten ansehnlicher Nutzen blieb.

Später traf ich in Camarines einen Spanier, der in Folge eines solchen
Lieferungsvertrages, nach seinen Angaben, bequemen und reichen Gewinn
machen musste. Er hatte Kokospalmen den Stamm zum Mittelpreis von 5
r. gekauft, (gewöhnlich kosten sie wohl mehr, doch sind sie zuweilen
für 2 r. zu haben). 35 Bäume geben im geringsten Falle täglich 36 Quart
Tuba (zuckerhaltigen Saft), aus denen durch Gährung und Destillation
6 Quart Branntwein von vorgeschriebener Stärke erzielt werden. Zur
Bearbeitung genügt ein Mann, der für seine Leistungen die Hälfte
des Ertrages erhält: Die Hacienda bezahlt das Quart Branntwein mit 6
Cuartos. Der Kontrahent erhält also jährlich von 35 Bäumen, die im
Ankauf 21 7/8 Doll. kosten, 360 × 6/2 × 6 cuartos = 40 1/2 Doll.,
nützt also sein Anlagekapital fast zu 200%.

Die Einnahme aus jenem Monopol (Vinos y licores) war im Kolonial-Budget
für 1861 auf 1,622,810 Doll. veranschlagt, ihre Eintreibung aber sehr
schwierig und so unverhältnissmässig kostspielig, dass sie fast den
ganzen Nutzen verschlang. Sie veranlasste Spionage, Reibereien aller
Art, Unterschleife und Bestechungen in grossem Umfange. Das Ausschenken
von Schnaps durch bestallte, mit Prozenten am Verschleiss betheiligte
Beamte beeinträchtigte das Ansehn der Regierung. Ueberdies lähmte
die ungeschickte Steuer einige der wichtigsten Gewerbe des Landes,
nicht nur die Ausbeutung der Palmen im freien Verkehr, sondern auch
die Rohrzuckerbereitung, denn zu Gunsten ihres Monopols hatte die
Regierung den Zuckerfabrikanten verboten aus den Melassen Rum zu
destilliren, weshalb diese so werthlos waren, dass man in Manila
die Pferde damit tränkte. Die Klagen der Zuckerfabrikanten bewogen
endlich die Regierung, die Rumbereitung zu gestatten (Januar 1862),
die Palmenbranntwein-Regie blieb aber bestehn. Die Indier tranken
nun nichts als Rum, so dass man sich gezwungen sah, das ganze Monopol
fallen zu lassen. (Januar 1864.) Seitdem zahlen die Rumfabriken eine
nach der Grösse ihres allgemeinen Betriebes, aber nicht nach der Menge
des Produktes normirte Gewerbesteuer; ausserdem wurde zur Deckung
des Ausfalls ein kleiner Zuschlag zur Kopfsteuer (Recargo s. unten)
eingeführt. Das Branntweintrinken soll seitdem sehr zugenommen
haben, ist übrigens eine alte Gewohnheit. [75] Abgesehn davon ist
die Maassregel vom günstigsten Erfolge begleitet gewesen.

In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385
E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von
Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhüten mit
auffallend üppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem
spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. über Magdalena, wo die
Landschaft bergig wird nach Majaijái, indem sie vor letzterem Ort
(über 9000 E.) auf einer Brücke eine tiefe Schlucht überschreitet,
in welcher stattliche Baumfarne die grössere Meereshöhe (über 600')
andeuten. Das von den Jesuiten erbaute geräumige Convento Majaijái,
ist wegen seiner herrlichen Lage berühmt. Nach NW. dehnt sich der
See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel
Talim mit dem Vulcan Soson-dalága begrenzt. Vom Convento bis zum
See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von
Kokospalmen. Gen Süden wird der Abhang schnell steiler und hebt
sich zu einem mächtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten
zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajáo oder Majaijái, neben
welchem der S. Cristoval mit schöner glockenförmiger Kuppe hervorragt.

Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschäftigt war,
begab ich mich über Lucban an die Ostküste nach Mauban, in tiefen
Tuffschluchten, an Lavablöcken vorüber dem Fuss des Majaijái
folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die
sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih
ziehende Gruppen. [76]

Nach drei Stunden erreicht man Lúcban, einen wohlhabenden Ort
von 13,000 E. im NO. des Majaijái (ein Jahr darauf brannte es
gänzlich ab). Zwar ist der Ackerbau wegen des bergigen Gebietes,
nicht bedeutend, es herrscht aber viel Gewerbfleiss, die Einwohner
flechten feine Hüte aus Blattstreifen der Buripalme (Corypha sp.) und
Pandanusmatten und treiben über Mauban einträglichen Handel mit den
Goldwäschern von Nord-Camarines. Durch die in ihrer ganzen Breite
mit Cement belegten Strassen floss ein klarer Bach in offener Rinne.

Der Weg von Lucban nach Mauban, das in der Bucht von Lamón, der
Insel Alabát gegenüberliegt, führt im engen Thal des Rio Mápon
durch tiefe Schluchten senkrecht gehobener Thone. Bei Lucban sieht
man Reisfelder in Terrassen wie in Java [77], in den Philippinen
eine Seltenheit. Bald betritt man den Wald. Fast alle Bäume sind mit
Aroideen und Kletterfarnen bedeckt, dazwischen Angiopteris, Pandanus,
und einzelne grosse Fächerpalmen (Corypha) mit kronleuchterartiger
Fruchtkrone.

Drei Leguas von Lucban drängt sich der Fluss an einem grossen,
aus prismatischen Säulen bestehenden Felsen vorbei und fliesst dann
durch ein Konglomerat von nussgrossen völlig abgerundeten Geröllen aus
vulkanischem Gestein und weissem marmorartigen Kalk, in welchem Spuren
von Zweischalern und Korallen zu erkennen sind. Weiter flussabwärts
tritt das vulkanische Gerölle zurück, das Konglomerat besteht nur noch
aus Marmorkugeln durch Kalkspath an einander gekittet, es wechsellagert
mit Bänken von Thon und grobkörnigen Tuffen, in denen spärlich schlecht
erhaltene Blatt- und Muschelabdrücke vorkommen; doch gelang es eine
zwar plattgedrückte aber doch noch erkennbare fossile Melania zu
finden. Diese Bänke mögen wohl 500' über dem Meeresspiegel liegen.

Im Dunkeln setzten wir, eine Legua oberhalb Mauban, über den schon
ziemlich breiten Fluss, auf einem elenden durchlöcherten Bambusfloss,
das, mit den Pferden belastet, einen halben Fuss tief einsank und
jenseits in einer Sumpfpfütze strandete.

Wegen des Kirchweihfestes am folgenden Tage war das Tribunal mit
Menschen gefüllt. Die Cabezas trugen, als Zeichen ihrer Würde, ein
kurzes Jäckchen über dem Hemd. An den Wänden standen bunt verzierte
Tische voll Obst und Gebäck, in der Mitte des Saales eine gedeckte
Tafel für 40 Personen.

Ein Europäer, der ohne Bedienten reist, (mein Diener hatte sich mit
einigen Vorschüssen geflüchtet) gilt für einen Landstreicher; ich wurde
daher mit zudringlichen Fragen belästigt, liess sie aber unbeantwortet,
suchte mir, da ich das geforderte Abendbrot nicht erhielt, in der
Küche einige gute Bissen aus den Fleischtöpfen, verzehrte sie von
vielen Zuschauern umgeben, und streckte mich, da ich keinen bessern
Platz fand, auf der Bank an der gedeckten Tafel, die sich zweimal
mit Gästen füllte, zum Schlafen aus. Als ich am folgenden Morgen
erwachte, waren schon wieder so viele Menschen anwesend, dass es mir
nicht möglich war, mich umzukleiden. In schmutzigem Reiseanzuge begab
ich mich zu einem in Pueblo ansässigen Spanier, der mich, sobald mein
Pass das durch meinen Aufzug erschütterte Vertrauen hergestellt, auf
das liebenswürdigste aufnahm. Mein freundlicher Hausherr trieb nicht
unbedeutenden Handel; es lagen zwei englische Schiffe im Hafen, die
er für China mit Moláve, einer dem Teak verwandten Holzart befrachtete.

Auf der Rückkehr besuchte ich, wenig seitwärts vom Wege, zwischen
Mauban und Lucban, einen schönen Wasserfall Butúcan. Auf einer Sohle
von vulkanischem, durch Obsidianmasse verkittetem Tuff, ähnlich
dem seltenen Piperno der Pianura bei Neapel, strömt zwischen dicht
bewachsenen hohen Tuffwänden ein wasserreicher Fluss und stürzt
plötzlich in eine angeblich 360' tiefe Schlucht, in der er weiter
fliesst; die Kluft ist aber so enge, die Vegetation so üppig, dass
man ihm von oben nicht mit den Augen folgen kann. Dieser Wasserfall
hat grosse Aehnlichkeit mit dem am Abhange des Semeru in Java
(s. Reiseskizzen.) Hier, wie dort, bildet ein, über gewaltige
Tuffmassen geflossener Lavastrom eine horizontale Fläche, die
wiederum vom mächtigen Tuffablagerungen bedeckt ist. Der Fluss hat
sich durch diese leicht sein Bett bis auf die harte Lavabank gegraben,
bis an ihr Ende fliesst er zwischen hohen, engen, dicht bewachsenen
Wänden und stürzt dann jäh in die, von ihm selbst ausgewaschene
tiefe Schlucht. Strömender Regen verhinderte mich leider den
schönen Wasserfall zu zeichnen. Im Regen erreichte ich das Convento
von Majaijái und ebenso verliess ich es nach drei Tagen anhaltenden
Regens, da auf Monate hinaus besseres Wetter nicht zu hoffen war. »In
Majaijái dauert die Regenzeit 8 bis 9 Monat, während welcher kaum ein
Tag vergeht, ohne dass es in Strömen giesst« (Estado geogr. S. 150).

Eine Besteigung des Vulkans war unter solchen Umständen nicht
ausführbar. Nach den schriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers von
Majaijái ist der Banajáo am 22. April 1858 von den Herren Roldan und
Montéro, zwei tüchtigen, mit Revision der Seekarte des Archipels
beauftragten spanischen Marine-Offizieren erstiegen und gemessen
worden. Sie peilten von der Spitze die Kathedrale von Manila, den
Vulkan Máyon in Albay, die Insel Políllo und bestimmten den Gipfel zu
7020 Fuss span., die Tiefe des Kraters auf 700'. Der Krater enthielt
früher einen See, der bei dem letzten Ausbruch des Berges, 1730,
durch die in der Südwand entstandene Lücke abfloss. [78]

Auf ausgehungerten Frohnkleppern, unter anhaltendem Regen, durch
tiefaufgeweichten Thonboden watend, wurde Caláuan erreicht; die
Weiterreise nach Manila musste, da in Bay kein Boot zu haben, auf
den folgenden Tag verschoben werden. Am nächsten Morgen waren keine
Pferde zu bekommen, erst Nachmittags erhielt ich einen Karren und
zwei Büffel zur Fahrt nach Sa. Cruz, von wo Abends das Marktschiff
nach Manila abgehn sollte. Ein Büffel war vorgespannt, der andre zur
Ablösung hinten angebunden. Da Büffel No. 1 nicht zieht, No. 2 auf
ebener Strasse als Hemmschuh wirkt, so werden sie gewechselt. Kaum
spürt No. 2 die Last hinter sich, als er sich niederlegt. Durch Schläge
zum Aufstehn bewogen, geht er bedächtig, aber unaufhaltsam in eine nahe
Pfütze, und legt sich darin nieder. Nur mit grosser Mühe gelingt es den
Karren los zu machen und rückwärts wieder auf die Strasse zu schieben,
während die beiden Thiere ein Schlammbad nehmen. Das Gepäck wird von
Neuem aufgeladen, die Büffel wieder in die ursprünglichen Stellen
eingesetzt, der Treiber legt sich mit dem Gewicht seines Körpers in
das Nasenseil des vorgespannten Thieres und zieht. Der Büffel folgt
langsam sammt dem Karren und dem Reservisten. In Pila erhielt ich
ein besseres Gespann, mit dem ich spät Abends bei strömendem Regen
eine Häusergruppe Sa. Cruz gegenüber erreichte. Das Marktschiff
war abgegangen, alle Bemühungen ein Boot zur Ueberfahrt nach dem
Dorf zu erlangen, führten nur zu unverschämten Prellversuchen;
so ging ich denn in das geräumigste der Häuser, das ich von einer
Wittwe und ihrer Tochter bewohnt fand. Nach einigem Zaudern wurde
mein Gesuch um Nachtquartier gewährt, ich liess Oel zur Beleuchtung
und Nahrungsmittel holen, die Frauen brachten einige Verwandte mit,
die bei Zubereitung der Speisen halfen, und als Beschützer im Hause
blieben. Am nächsten Morgen ging ich zwischen muntern Gruppen von
Badenden durch den Fluss nach Sa. Cruz und erhielt dort ein Boot um
über den See nach Pasig, von da nach Manila zu fahren. Gegenwind
zwang uns aber auf der Spitze von Jalajala zu landen, und die vor
Tagesanbruch eintretende Windstille abzuwarten. Zwischen der äussersten
Südspitze und dem Wohnhause sieht man an mehreren Stellen, 15 Fuss
hoch über dem Wasserspiegel, Bänke mariner Muscheln, (hauptsächlich
Tapes virgineus Lin. Phil. und Cerithium moniliferum Kien.) dieselben,
die noch heut an der Meeresküste sehr häufig sind; ein Zeichen dass
auch an dieser Stelle Hebungen des Bodens stattgefunden haben.



ACHTES KAPITEL

    SEEREISE NACH ALBAY. -- MARIVELES. -- SCHIFFFAHRT ZWISCHEN
    DEN INSELN. -- SAN BERNARDINO STRASSE. -- VULKAN BULUSAN. --
    LEGASPI. -- SORSOGON.


Gegen Ende August fuhr ich von Manila nach Albay in einem Schoner,
der Abacá gebracht hatte und in Ballast zurückkehrte. Wir liefen bei
gutem Wetter aus, aber am folgenden Tage mehrten sich die Anzeichen
eines herannahenden Sturmes in sehr bedenklicher Weise, der Kapitän
beschloss umzukehren und in dem kleinen sicheren Hafen von Marivéles,
einer Lücke im Südrand der Halbinsel Bataán, welche die Bay von
Manila westlich begrenzt, Schutz zu suchen. Wir erreichten ihn Nachts
zwei Uhr, nachdem wir vierzehn Stunden vor der Einfahrt gekreuzt
hatten. Hier mussten wir zwei Wochen vor Anker liegen, während es
fast ununterbrochen regnete und draussen stürmte.

Ausflüge auf das Land mussten sich daher auf die unmittelbare Umgegend
beschränken. Leider erfuhr ich erst in den letzten Tagen, dass in
den Bergen eine Niederlassung von Negrito's bestehe, und erst kurz
vor der Abfahrt gelang es mir, einen Mann und eine Frau zu sehen und
zu zeichnen. Die Bevölkerung von Mariveles hat keinen guten Ruf. Das
Oertchen wird fast nur von Schiffern besucht, die dort bei schlechtem
Wetter einlaufen; die müssigen Mannschaften bringen dann die Zeit am
Lande mit Trinken und Spielen zu. Auffallend war die Schönheit und
weisse Farbe vieler jungen Mädchen, offenbar Mischlingen; wenn sie
auch offiziell als Tagalinnen gelten. Dieselbe Erscheinung nimmt man
in vielen Häfen und in der Umgebung von Manila wahr; in Gegenden,
die fast nicht von Spaniern besucht werden, ist die Bevölkerung
dunkler und von reinerer Rasse.

Die Zahl der Schiffe, die hier Zuflucht suchten, stieg auf zehn,
darunter drei Schoner. Ein kleiner Pontin [79] versuchte jeden Morgen
auszulaufen, kaum aber hatte er sich die See draussen angesehen,
als er wieder umkehrte und von den übrigen mit höhnischem Jubel
begrüsst wurde. Der Hunger machte ihn so kühn. Die Mannschaft,
die ihre eigenen Produkte nach Manila gebracht, hatte den Erlös
der Ladung verspielt und war ohne Proviant ausgelaufen, in der
Hoffnung, ihre Heimat schnell wieder zu erreichen, was wohl auch
bei günstigem Winde gelungen wäre. Solche Fälle kommen nicht selten
vor. Mehrere Eingeborne miethen zusammen ein kleines Schiff, laden
ihre Erzeugnisse ein und fahren sie nach Manila zum Verkaufe. Die
Strasse zwischen den Inseln gleicht einem schönen breiten Strom mit
entzückenden Uferlandschaften voll kleiner Niederlassungen. Gegen
Abend finden die Seefahrer das Wetter häufig bedenklich und legen an,
um den Morgen zu erwarten. Die gastliche Küste bietet ihnen Fische,
Krabben, Muscheln in Fülle, häufig auch ungehütete Kokosnüsse; -- ist
sie bewohnt, um so besser. Die Gastfreundschaft zwischen den Indiern
ist sehr gross und umfassender als in Europa. Die Gäste vertheilen
sich in die einzelnen Hütten. Nach gemeinschaftlicher Mahlzeit, bei
der es nicht an Palmwein fehlt, werden die Matten auf den Boden des
Hauses ausgebreitet, die Lampe, eine grosse Schnecke mit Binsendocht,
verlöscht und Alles schläft zusammen. Als ich einmal nach fünftägiger
Fahrt in die Bay von Manila einlief, überholten wir ein Schiffchen,
das aus derselben Gegend wie ich, abgefahren war, um Kokosöl nach
Manila zu bringen und sechs Monat auf seinem Argonautenzuge zugebracht
hatte. Nicht selten wird dann die Ladung in der Hauptstadt verprasst,
wenn es nicht schon unterwegs geschehn.

Als sich der Sturm endlich gelegt, verlassen wir Abends den Hafen von
Mariveles. Vor der Einfahrt liegt eine kleine vulkanische Felseninsel
aus säulenförmig abgesondertem Gestein von ganz auffallender
Aehnlichkeit mit der Cyclopen-Insel bei Trezza (Sizilien). Wie
dort, so auch hier eine spitze Pyramide, daneben ein kleines
flaches Eiland. Wir fahren die Küste von Cavite entlang bis zur
Punta Santiago, der SW. Spitze Luzon's, und wenden dann östlich,
in die schöne Seestrasse ein, die im Norden durch Luzon, im Süden
durch die Bisaya-Inseln begrenzt wird. Mit Sonnenaufgang enthüllt
sich ein herrliches Bild vor unseren Augen. Im Norden erhebt sich
der Vulkan Taal über das Flachland von Batangas, im Süden die dicht
bewaldete Felsen-Küste von Mindoro (anscheinend Kalk) mit ihrem Hafen
Porto Galera, dem eine kleine davor liegende Insel als Wellenbrecher
dient. Dichte Züge von Schiffen, die den Sturm in den Bisaya-Häfen
abgewartet, kommen uns, auf ihrem Wege nach Manila, entgegen.

Denn dies ist die grosse Verkehrsstrasse des Archipels, die sich von
SO. nach NW. erstreckt, und das ganze Jahr fahrbar bleibt, da sie durch
den nach SO. ausgestreckten Arm Luzon's und die in gleicher Richtung
streichende Insel Sámar gegen den Anprall der NO. Stürme und gegen die
aus SW. durch die Bisayas geschützt ist. Die Inseln Mindóro, Panáy,
Negros, Cebú und Bojól folgen auf einander, bilden den südlichen Saum
der Strasse und bieten in ihren Zwischenräumen eben so viele nach
S. geöffnete Queergassen zur Mindoro See, die im W. von Paláuan, im
O. von Mindanao, im S. vom Sulu(Jólo)-Archipel begrenzt wird. Vor das
Ost-Ende lagern sich die Inseln Sámar und Leyte die nur drei schmale
Strassen zum grossen Ozean offen lassen: die Engen von S. Bernardino,
S. Juaníco und Surigáo. Mehrere grössere und unzählige kleine Inseln
liegen innerhalb dieser flüchtig angedeuteten Umrisse.

Zwei grosse Buchten in der Südküste von Batángas bieten den Schiffen
Ankergrund, doch nur geringen Schutz, so dass diese bei schlechtem
Wetter nach Porto Galéra auf der gegenüber liegenden Insel Mindóro
flüchten. Taal, der Haupthafen der Provinz ist mit dem grossen
Binnensee von Taal oder Bombón durch einen nur 1 1/2 Leguas langen
Fluss verbunden, der früher schiffbar, jetzt so verschlämmt ist,
dass nur bei Fluth kleine Schiffe in den See gelangen können. Durch
Ausbaggern des Flüsschens liesse er sich in einen grossen Binnenhafen
verwandeln. Die Provinz Batángas liefert das beste Vieh nach Manila,
und führt Zucker und Kaffee (1865 16,000 Picul) aus.

Auf Luzon steigen Reihen von Bergen auf, deren schöne Umrisse
vulkanischen Ursprung vermuthen lassen. Die südlichen Inseln scheinen
meist aus geschichtetem Gebirge zu bestehn. Sie endigen gewöhnlich in
schroffen, bis an den Rand bewaldeten Klippen. Der weithin sichtbare,
von allen Seiten gleiche, drehrunde Máyon oder Albáy bildet den
Hauptpunkt der Landschaft. Abends erscheint uns auf der südöstlichen
Spitze Luzon's der Bulusán, und alsbald wenden wir nördlich in die
enge San Bernardino Strasse, die Luzon von Samar trennt.

Der Vulkan Bulusán, »der lange erloschen schien, 1852 aber wieder
zu dampfen begann« [80], wiederholt in überraschender Weise die
Formen des Vesuv. Wie dieser zeigt er zwei Spitzen, im Westen eine
glockenförmige Kuppe, den Eruptionskegel; im Osten, als Rest eines
grossen Ringgebirges einen hohen Bergzacken, der dem Monte Somma
entspricht; deutlich erkennt man daran die dem äussern Abhange
parallele Schichtung. Wie beim Vesuv steht der Eruptionskegel im
Mittelpunkte des alten Kraterwalles; der Zwischenraum, der ihn von
der gegenüberliegenden Bergwand trennt, der alte Kraterboden ist
beträchtlich grösser und viel unebener als das Atrio del Cavallo
am Vesuv.

Die Strömung ist in der San Bernardino Strasse so stark, dass
wir zweimal ankern mussten, um nicht zurückzutreiben. Wir hatten
fortwährend vor uns den schönen Vulkan, mit dem Dörfchen Bulusán,
das auf seiner Ostseite in einem Kokoshain hart am Strande liegt. Mit
schwachen unstäten Winden mühsam gegen die Strömung kämpfend, gelangten
wir erst am folgenden Abend nach Legaspi, dem Hafen von Albay.

Der Schiffskapitän war ein Spanier, und hatte sich bemüht die Reise so
schnell als möglich zu machen. Auf der Rückkehr von Leyte fuhr ich mit
einem eingeborenen Kapitän. Da diese Fahrt manche Eigenthümlichkeiten
darbot, so mögen des Vergleichs wegen einige bezeichnende Züge
derselben aus meinem Tagebuch Erwähnung finden: ... Der Kapitän wollte
Gemüse für mich mit nehmen, hat es aber »vergessen«. Er landet auf
einer kleinen Insel und kommt nach einiger Zeit mit einem grossen
Palmenkohl zurück, den er in Abwesenheit des Eigenthümers aus einer
zu dem Zweck gefällten Kokospalme geschält hat.... Ein andrer Theil
der Mannschaft war inzwischen nach einem Dörfchen, an der NW. Spitze
von Leyte gefahren, um Lebensmittel zu kaufen. Anstatt sich im Hafen
von Taclóban, vor der Abfahrt zu verproviantiren, ziehn die Schiffer
meist vor, es in irgend einem Dorf der schmalen Strasse zu thun, wo
es billiger als dort ist, und sie zugleich Gelegenheit haben sich ein
wenig am Lande umher zu treiben. Diese, kaum eine Seemeile breite,
durch dazwischen liegende Inseln stellenweis auf weniger als tausend
Fuss eingeengte San Juanico Strasse ist zwanzig Seemeilen lang;
die Schiffe brauchen aber zuweilen eine Woche um durchzufahren; denn
bei widrigen Winden und Strömungen wird geankert und ebenso Nachts
an schmalen Stellen. Gegen Abend meint unser Kapitän, der Himmel
sähe recht bedenklich aus; er läuft daher in die Bucht von Návo auf
Masbáte. Das Schiff geht vor Anker, er und ein Theil der Mannschaft
gehn an's Land.

Am folgenden Tag war Sonntag, »der Himmel schien schon Nachmittags
recht bedenklich«, auch hatte der Kapitän Einkäufe zu machen. Das
Schiff ankerte vor Magdalena auf Masbáte, wo die Nacht zugebracht
wird. Am Montag fuhren wir mit günstigstem Winde in schneller Fahrt an
Marindúque und der südlich davor liegenden kleinen Felseninsel Elefante
vorbei. Elefante scheint der Rest eines Kraters, hat dieselbe Form
wie der Yriga, ist aber nicht halb so hoch, mit Futtergras bedeckt,
und hat Baumgruppen in den Schluchten. Es sollen tausend Stück
halbwilde Rinder darauf weiden. Ihr Preis ist 4 Doll., Fracht nach
Manila 4 Doll., dortiger Werth 16 Doll. Durch die Schiffer wird viel
Vieh gestohlen, da es fast ohne Aufsicht ist. Mein indischer Kapitän
bedauerte sehr, dass der günstige Wind ihm nicht zu landen gestatte
-- vielleicht war ich ihm im Wege? »Das schöne Vieh! wie gut liessen
sich ein paar Köpfe für das Schiff einthun! Es hat kaum einen Herrn;
die reichen Eigenthümer wissen gar nicht, wie viel sie besitzen,
und der Bestand vermehrt sich fortwährend ohne ihr Zuthun.... Man
steckt sich ein paar Dollar in die Tasche, kommt ein Hirt, so giebt
man ihm einen Dollar, und der arme Mann ist glücklich; kommt Niemand,
um so besser, man kann auch allein fertig werden, ein Schuss oder eine
Wurfschlinge reichen hin«.... Ein Schiff »Luisa« kommt uns entgegen,
es macht ein sonderbares Manöver, bald hören wir lauten Jubel, denn
es ist ihm gelungen einen, von den Fischern von Marinduque auf den
Boden des Meeres hinab gelassenen Fischkasten zu stehlen, indem es
mittelst herabgelassener Haken, das Tau der Boye geschickt zu packen
wusste. Unser Kapitän ist ausser sich vor Neid.

Legaspi ist der Haupthafen der Provinz Albay, weil er inmitten des
Abacágebietes liegt. Seine Rhede ist aber sehr unsicher; in den
Wintermonaten, weil sie den NO. Stürmen offen, nicht zu benutzen.

Der NNO. ist der herrschende Wind an dieser Küste; der SW. ist
kaum zwei Monate, Juni und Juli, beständig. Die stärksten Stürme
finden zwischen Oktober und Januar statt. Sie beginnen meist mit
schwachem Westwind, von Regen begleitet, gehn nach N. oder S., und
erreichen ihre grösste Heftigkeit in NO. oder SO. Nach dem Sturm
tritt gewöhnlich Windstille ein, worauf der Wind des herrschenden
Monsun wieder zur Geltung kommt. Die leicht gebauten, elastischen
Häuser der Gegend widerstehen den Stürmen sehr gut, aber Dächer,
auch schadhafte Häuser werden häufig fortgerissen. Die Schifffahrt
zwischen Manila und Legáspi dauert höchstens von Januar bis Oktober,
während der Herbstmonate hört alle Wasserverbindung auf. Nur die
Briefpost kommt dann ziemlich regelmässig jede Woche an. Schweres
Gepäck kann in dieser Jahreszeit nicht anders befördert werden,
als auf grossem Umwege mit bedeutenden Kosten zur Südküste, von da
zu Schiffe nach Manila. Viel günstiger für die Schifffahrt liegt der
Hafen von Sorsogón, dessen nach Westen offene Bucht durch die quer
davor liegende Insel Bagaláo geschützt ist. Ausser der Sicherheit
hat er den Vortheil der schnelleren, nie unterbrochenen Verbindung
mit der Hauptstadt des Archipels, während die Schiffe von Legáspi,
in den Monaten, wo Schifffahrt überhaupt möglich bei jeder Reise das
östliche Ende Luzon's umkreisen müssen, bei der starken Strömung der
S. Bernardino Strasse, oft ein sehr schwieriges Unternehmen. Kleinere
Schiffe sind dann während sie ankern überdies in grosser Gefahr von
Seeräubern genommen zu werden. Aber Sorsogón hat kein so fruchtbares
Hinterland wie Legáspi.

Ich brachte Empfehlungen an die beiden angesehensten Spanier der
Provinz mit. Sie nahmen mich auf das liebenswürdigste auf, und waren
mir, während der ganzen Dauer meines Aufenthalts in dieser Gegend,
von grösstem Nutzen. Auch hatte ich das Glück hier einen Alkalden
zu treffen, der dem Beamtenstande jedes Landes zur Zierde gereicht
haben würde. Von guter Familie, liebenswürdig im Umgang, ein ächter
Caballero. Um seine Rechtlichkeit zu bezeichnen wurde in Sámar von
ihm gesagt, mit einem Aktenbündel unter dem Arm sei er dort angekommen
und ebenso wieder abgegangen.



NEUNTES KAPITEL

    DER VULKAN MAYON ODER ALBAY UND SEINE AUSBRÜCHE.


Durch Vermittelung meiner spanischen Freunde gelang es mir,
ein bequemes Haus in Darága zu miethen, [81] einem wohlhabenden
Pueblo von beinahe 20,000 E. am SSO. Fuss des Mayon 1 1/2 Leguas von
Legáspi. Dieser Vulkan galt für unersteiglich bis zwei junge Schotten,
Paton und Stewart, im April 1858 das Gegentheil bewiesen. [82] Nach
ihnen waren mehrere Eingeborene oben gewesen, aber kein Europäer.

Ich brach am 25. Sept. Abends auf und übernachtete, auf Herrn Muñoz
Rath, in einer Hütte 1000 Fuss über dem Meere, um am folgenden Morgen
die Besteigung mit frischen Kräften zu beginnen. Aber zahlreiche
Müssiggänger, die bis dahin gefolgt waren, vereitelten durch ihren
Lärm im Biwuak die freundliche Absicht des Rathgebers; nur wenig
erquickt trat ich um 5 Uhr Morgens den Weg an. Der Nachts am Gipfel
wahrzunehmende Feuerschein verschwand mit Tagesanbruch. Nachdem
man einige hundert Fuss weit durch 6' hohes Gras gestiegen, folgt
kurzes Gras auf einer Strecke von etwa tausend Fuss, dann Flechten;
auch diese hören bald auf. Der ganze obere Theil des Berges ist ein
kahler Schutthaufen. So weit das Gras reicht, wachsen Casuarinen; sie
bilden zuerst ein Gehölz, das sich aber nach oben in kleine Gruppen
und einzelne, zwischen gewaltigen Felsblöcken mühsam fortkommende
Bäumchen auflöst. Um Ein Uhr erreichten wir den Gipfel. Er war nach
allen Richtungen von Spalten zerrissen, aus denen heisse schwefligsaure
und Wasser-Dämpfe in solcher Menge drangen, dass wir, um athmen zu
können, Mund und Nase mit Tüchern verbanden.

An einer tiefen breiten Schlucht, wo die Dampfentwickelung besonders
heftig und massig war, machten wir Halt; wahrscheinlich standen
wir am Rande eines Kraters; doch konnte man keine klare Uebersicht
der Verhältnisse erlangen, da die Dichtigkeit der aufsteigenden
Dampfwolken es unmöglich machte die Breite der Klüfte zu übersehn. Die
Kuppe bestand aus etwa zwei Fuss mächtigen Bänken festen Gesteins,
unter einer von schwefliger Säure gebleichten Schlackenkruste. Viele
regellos umherliegende prismatische Blöcke zeigten, dass der Gipfel
früher höher war. Auch wurden einigemale, als starke Windstösse
Lücken in die Dampfwolke rissen, gen Norden mehr als hundert Fuss hohe
Felsenpfeiler sichtbar, die der Verwitterung und dem Ausbruch von 1814
(s. unten) bisher widerstanden hatten.

Später fand ich Gelegenheit den Gipfel durch ein gutes Fernrohr bei
sehr klarem Wetter von Darága aus zu beobachten; es ergab sich dabei,
dass der Nordrand die Südseite überragte. (Vergl. d. Zeichnung.)

An mehreren Stellen, wo die Zersetzung besonders stark gewesen,
waren breite Rinnen ausgewaschen, auf deren Boden sich gelbe und rothe
Salze abgesetzt hatten. Ueber 20' lange, von der Kuppe herabgeglittene
Steinplatten lagen am obern Abhange. Auf der Darága zugekehrten Seite
war ein Lavastrom herabgeflossen, dessen Oberfläche aus so feinen
lockern Schlacken bestand, dass er wie ein Moosteppich aussah. Die
Neigung dieses Stromes betrug über 30°, dennoch hat er unverkennbar
eine zusammenhängende Masse gebildet, es kamen Stücke von 5 bis 6'
Länge vor, in der Regel freilich war durch Verschiebung des darunter
liegenden Schuttes die 6 Zoll starke Lavadecke in kleinere Stücke
zersprungen. An einer Stelle aber, etwa 600' tiefer, wo sich dieselbe
Lava über eine feste Steinplatte ausgebreitet hatte, bildete sie
eine mehr als 40' lange zusammenhängende, nur durch kleine Sprünge
zerborstene Platte von 45° Neigung.

Wir hatten noch nicht zwei Drittel des Abhanges hinter uns, als
es dunkel wurde. In der Hoffnung die Hütte zu erreichen, wo unsere
Lebensmittel zurückgeblieben, irrten wir noch bis gegen 11 Uhr hungrig
und müde zwischen grossen Felsblöcken umher und entschlossen uns
endlich den Morgen zu erwarten. Dies Missgeschick war nicht durch
Mangel an Vorbedacht, sondern durch die Unzuverlässigkeit der Indier
veranlasst. Zwei zum Wasser- und Provianttragen mitgenommene Leute
waren gleich Anfangs verschwunden, ein dritter zur Bewachung unserer
Sachen im Biwuak zurückgelassener »sehr zuverlässiger Mann«, der den
Auftrag hatte, uns bei einbrechender Dunkelheit mit Fackeln entgegen
zu kommen, war schon Vormittags nach Darága zurückgekehrt. Mein
Diener, der eine wollene Decke und einen Schirm für mich trug,
verschwand plötzlich im Dunkeln, als es zu regnen begann, und fand
mich trotz alles Rufens erst am folgenden Morgen wieder. Wir brachten
die regnerische Nacht auf den kahlen Steinen zu, und froren, als
unsere sehr dünnen Hüllen durchnässt waren, zum Zähneklappern. Mit
Sonnenaufgang wurde es sogleich warm, die gute Laune stellte sich bei
Allen wieder ein. Gegen 9 erreichten wir unsere Hütte und erholten
uns nach 29stündigem Fasten.

In den Trabajos y Hechos notables de la Soc. econom. de los Amigos del
pais ist angeführt unter 4. September 1823: »Das Mitglied D. Antonio
Siguenza besuchte den Vulkan von Albay am 11. März und die Gesellschaft
befahl eine Denkmünze zu schlagen um die Thatsache festzustellen und
besagten Siguenza und seine Gefährten zu belohnen.« In der Provinz
Albay aber versichern Alle, dass die beiden Schotten die Ersten waren,
denen es gelang den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen. Eine Besteigung
des Vulkans ist in obiger Notiz allerdings nicht ausdrücklich erwähnt,
die Belohnung lässt es aber vermuthen. Arenas (Memorias 142) sagt:
»Der Mayon ist vom Capt. Siguenza gemessen worden. Vom Krater bis zu
seiner Basis, die sich im Niveau des Meeres befindet, beträgt seine
Höhe 1682 span. Fuss (= 468,66 Meter)« und Seite 143: er habe in
den Akten der Soc. economica gelesen, dass sie eine goldene Medaille
schlagen liess zu Ehren Siguenza's (und seiner Gefährten), der 1823
den Krater des Vulkan's untersucht, doch habe er seine Zweifel gegen
letztere Leistung. Nach den Registern des Franziskanerordens sollen
1592 zwei Mönche, um die Eingeborenen von ihrem Aberglauben in Betreff
des Vulkanes zu heilen, die Ersteigung versucht haben; der erste kam
nicht weit, der zweite, Pater Estevan Solis erreichte zwar nicht den
Gipfel, da drei tiefe Schlünde ihm den Weg versperrten, aber auf die
blosse Erzählung seiner Abenteuer bekehrten sich hundert Eingeborene
zum Christenthum, er starb indessen noch in demselben Jahre »an den
Folgen der mannichfachen Temperaturen« denen er bei Besteigung des
Berges ausgesetzt gewesen.

In manchen Büchern heisst es, der Berg sei beträchtlich hoch, in
andern, auch noch im Estado geografico der Franziskaner von 1855, wo
man die gedankenlose Wiederholung eines so groben Druckfehlers nicht
erwarten sollte, ist zu lesen, dass seine Höhe nach den Messungen
des Capt. Siguenza 1682 Fuss betrage. Die von diesem trefflichen
Hydrographen wirklich ermittelte Höhe habe ich nirgends gefunden. Nach
meinen Barometermessungen beträgt die Meereshöhe der Gipfelplatte,
die aber noch von einzelnen Pfeilern überragt wird, 2374 Meter =
8559 span. Fuss, = 7564 Rh. Fuss.


    Der erste Ausbruch des Mayon oder Albay, den Al. Perrey
    verzeichnet, ist vom Februar 1616: »Anchoras suas 19. Februarij
    ad maximam insulam projecerunt, quae Lucon appellatur, et in qua
    sita est urbs Manila ..... videruntque incredibilis altitudinis
    montem perpetuo igne flagrantem, Albaca nomine, plenum sulphure
    (Nach Spilbergens Reise in Th. de Bry Americae t. XI.) App. p. 26
    Francf. 1620 Fol.«

    Am 23. October 1766 fand ein furchtbarer Ausbruch statt, der die
    Ortschaft Malináo gänzlich zerstörte, und in Cagsáua, Camálig,
    Budiáo, Guinobátan, Polángui und Ligáo grosse Verheerungen
    anrichtete. Nach einem Brief des Alkalden der Provinz (Legentil
    II, S. 14 giebt eine Uebersetzung, Al. Perrey S. 71 einen Auszug
    aus dieser) entzündete sich der Berg am 20. Juli und brannte 6
    Tage lang. Die Flamme hatte zuerst die Gestalt einer Pyramide,
    allmälig wurde sie niedriger, die Spitze erschien entflammt. Vom
    Gipfel ergoss sich nach Osten ein Lavastrom, der 120 Fuss breit zu
    sein schien, und 2 Monate lang beobachtet wurde. Am 23. October
    spie der Vulcan während eines sehr heftigen Sturmes, der gegen 7
    Uhr Abends aus WNW. begann und um 3 Uhr Morgens plötzlich nach
    S. umsprang und dabei alle Hütten des Dorfes zerstörte, eine
    so gewaltige Menge Wasser aus, dass zwischen Tíbog und Albáy
    mehrere Flüsse von 30 Varas Breite entstanden, die mit grosser
    Wasserfülle und Gewalt in das Meer liefen und bei Fluth nicht zu
    durchfurthen waren. . . . »Zwischen Bacacáy und Malináo betrug
    die Breite der Flüsse über 80 Varas. Von Cemálig nach dem Innern
    von Sayaras Provinz Naya, ist das Land so verändert, dass man die
    Strassen nicht wieder erkennt. Malináo ist gänzlich zerstört,
    fast alle Hütten fortgerissen, die Felder sind mit Sandhaufen
    bedeckt; ein Drittel von Cagsáva ist gleichfalls vernichtet,
    der Ueberrest bildet eine Insel oder vielmehr einen von tiefen
    breiten Schluchten umgebenen Berg, durch welche der Strom von Sand
    und Wasser geflossen ist. Dieser Strom hat in Cemálig, Guinobatam,
    Liga und Bolangui noch grössere Verheerungen angerichtet. . . Im
    SW. sind die Palmen und andere Bäume bis an ihre Wipfel begraben
    worden. . . . In Albay wurden 18, in Malináo über 30 Leichname
    gefunden. . . es hat allen Anschein, dass die ungeheuere
    Wassermasse aus dem Innern des Vulkans gekommen ist. . .«

    1800 fand abermals ein verheerender Ausbruch statt, der Berg
    schleuderte viel Steine, Sand und Asche aus (Fr. Aragoneses).

    Der Ausbruch vom 1. Febr. 1814 war aber bei weitem der
    schlimmste. Al. Perrey S. 85 giebt einen Auszug aus der
    Beschreibung eines Augenzeugen. [83] Um 8 Uhr Morgens warf der
    Berg plötzlich eine dicke Säule von Steinen, Sand und Asche aus,
    die sich schnell bis in die höchsten Luftschichten erhob. . . Die
    Seiten des Vulkans verschleierten sich und verschwanden vor
    unsern Blicken. Ein Feuerstrom stürzte vom Berge herab und
    drohte uns zu vernichten. . . Alles floh und suchte die höchsten
    Punkte auf. Das gewaltige Geräusch des Vulkans setzte alles in
    Schrecken. Die Finsterniss nahm zu . . die Fliehenden wurden zum
    Theil von den herabfallenden Steinen erschlagen. . . die Häuser
    gewährten keinen Schutz, da die glühenden Steine sie in Brand
    steckten. So wurden die blühendsten Ortschaften von Camarines
    in Asche gelegt. Gegen 10 Uhr hörte das Herabfallen der grossen
    Steine auf, ein Sandregen trat an die Stelle; um halb zwei Uhr
    liess das Getöse etwas nach, der Himmel klärte sich allmälig
    auf. . Der Boden war mit Leichen und Schwerverwundeten bedeckt, in
    der Kirche von Budiáo waren 200, in einem Hause desselben Ortes 35
    Personen umgekommen. Fünf Ortschaften in Camarines sind gänzlich,
    Albay zum grossen Theil zerstört. Zwölftausend Personen kamen
    um, viele sind schwerverwundet, die Ueberlebenden haben alles
    verloren. Der Anblick des Vulkans ist traurig und schrecklich,
    seine vorher so malerischen, reich bebauten Abhänge sind mit Sand
    bedeckt, furchtbar dürr . . die Schicht von Steinen und Sand ist
    10 bis 12 Varas dick. Wo früher das Dorf Budiáo stand, sind die
    Kokosbäume bis an ihre Wipfel begraben. In den andern Dörfern
    ist die Schicht nicht weniger als eine halbe Elle dick. . . Die
    Spitze des Vulkans hat, so weit ich es beurtheilen kann, über
    120 Fuss an Höhe verloren, an der Südseite entdeckt man eine
    ungeheure Oeffnung; drei andre Mündungen haben sich in geringer
    Entfernung vom Hauptschlunde aufgethan; sie stossen noch Asche
    und Rauch aus . . . die schönsten Ortschaften von Camarines und
    der beste Theil der Provinz sind in eine unfruchtbare Sandwüste
    verwandelt.« -- Im Estado geogr. ist ein Auszug aus der Schrift
    eines andern Augenzeugen, Pater Franc. Tubino, aus Guinobátan
    von 1816 enthalten; es heisst darin: Nach häufigen Erdstössen
    am vorhergehenden Abend und starken Erschütterungen am Morgen
    spie der Berg plötzlich aus seinem Rachen etwas wie Schnee aus,
    das sich pyramidenförmig erhob, und die Gestalt eines schönen
    Federbusches annahm. Da die Sonne hell schien, so gewährte die
    vernichtende Erscheinung verschiedene schöne Anblicke. Der Berg
    war an seinem Fuss schwarz, weiter aufwärts dunkel, in der Mitte
    bunt, oben aschfarben. Während der Betrachtung des Schauspiels
    wurde ein heftiger Erdstoss verspürt, gefolgt von starkem
    Donner. Der Berg fuhr fort Lava mit Gewalt auszustossen, während
    die Wolke, die er bildete, sich allmälig vergrösserte. Die Erde
    wurde verdunkelt, die Luft brannte, man sah aus der Erde Blitze
    und Funken kommen, die sich durchkreuzten und ein furchtbares
    Gewitter bildeten. Darauf folgte unmittelbar ein Regen von
    grossen, brennenden und verbrannten Steinen, die alles was sie
    trafen vernichteten und verbrannten, bald darauf kleinere Steine,
    Sand und Asche. Dies währte über drei Stunden, die Dunkelheit etwa
    fünf. Die Städte Camálig, Cagsáua, Budiáo, die Hälfte von Albáy
    und Guinobátan wurden verbrannt und zerstört. Die Dunkelheit
    verbreitete sich sehr weit -- bis nach Manila und Ilócos, die
    Asche soll, wie einige versichern, bis nach China geflogen,
    der Donner in vielen Theilen des Archipels gehört worden sein.

    1827 brach in Manila (Luzon) ein Vulkan aus, in der Provinz Albay,
    der Ausbruch dauerte bis zum Februar 1828. (A. Perrey S. 93).

    Den Pfarrern der Ortschaften am Fuss des Mayon verdanke ich
    folgende Mittheilungen über die Ausbrüche des Vulkans, deren
    Zeugen sie gewesen sind:

    1834 und 1835. In diesen beiden Jahren war der Berg fast
    ununterbrochen in Thätigkeit. Aschenausbrüche wurden nicht
    wahrgenommen, aber fast jede Nacht sah man glühende Lava
    von der Spitze nach verschiedenen Richtungen in den oberen
    Schluchten herabfliessen. Im Monat Mai 1835 fand ein sehr starker
    Gipfel-Ausbruch statt, mit Aschen- und Steinregen; er begann um 6
    Uhr früh, dauerte aber nicht bis zum Abend; man sah abwechselnd
    graue und weisse Säulen sich vom Gipfel erheben; in den grauen
    Säulen konnte man grosse Steine erkennen, die Erscheinung war
    von starkem Donner begleitet.

    Nach den Ausbrüchen von 1835 blieb der Berg ruhig bis 1845,
    selbst Dampfwolken waren oft mehrere Monate lang nicht
    wahrzunehmen. Nach Capt. Wilkes (U. S. Expl. Exp. V 283) wäre
    zu vermuthen, dass auch 1839 ein Ausbruch statt fand: ... »aber
    viele (Vulkane) rauchten, besonders der im Gebiete von Albay,
    Ysarog genannt. Sein letzter Ausbruch fand 1839 statt, that aber
    wenig Schaden im Verhältniss zu dem von 1814 ... er liegt 150
    Miles SO. von Manila und soll ein vollkommener Kegel sein.« --
    Statt des Ysarog ist hier der Mayon gemeint; die mit gesperrter
    Schrift gedruckten Stellen passen nur auf diesen, der Ysarog
    ist erloschen. Dieselbe Namenverwechselung wiederholt sich noch
    zweifelloser bei Dana. (U. S. Expl. Exp. Geology. 541): »In der
    SO. Ecke (von Luzon) steht der hohe Kegelberg Albay, von den
    Eingeborenen Ysarog genannt.« -- Der fragliche Ausbruch kann wohl
    nur unbedeutend gewesen sein, da die Pfarrer ihn nicht erwähnen.

    Am 21. Januar 1845 verkündete starkes Donnergeräusch einen
    Gipfelausbruch, der indessen nur 10 Minuten währte. Eine
    Viertelstunde darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung, dauerte
    abermals zehn Minuten und trat nach etwa einer Stunde zum dritten
    Mal ein. Um 9 Uhr aber fand mit starkem Getöse ein Aschen-Ausbruch
    statt, der zwei Stunden ohne Unterbrechung anhielt und in dem
    Gebiet SW. vom Berge die Luft verfinsterte. In Darága blieb es
    hell und man konnte die schöne Erscheinung, die in Guinobátan
    Alles in Schrecken setzte, ungefährdet betrachten. Der Ausbruch
    hielt noch einige Tage an, aber schwächer; bei Tage gewahrte man
    eine dunkle Aschensäule, Nachts erschien sie glühend. Auch sah man
    dann glühenden Sand in den Schluchten sich abwärts schieben; dies
    Schauspiel währte eine Woche lang. Zugleich hörte man Nachts ein
    Rauschen wie von einem Sturzbach; bei Tage war nur das Geräusch
    der gegeneinander schlagenden Steine wahrzunehmen. Wegen des
    herrschenden NO.-Windes fiel die Asche in Guinobátan, Ligáo
    und Camálig nieder, wo es bei Tage so finster war, dass man mit
    Laternen auf der Strasse ging. Auf dem Bergabhange überraschte
    Büffel und Rinder kamen um, sonst waren keine Unglücksfälle
    zu beklagen.

    1846 starker Ausbruch an einem Nachmittage. Von Camálig aus (im
    S.) erscheint der ganze Berg in eine Wolke gehüllt, darüber eine
    schwarze Aschensäule. Mehrere Nächte starker Feuerschein am Gipfel.

    1851 zwei Aschenausbrüche, beide unbedeutend, der zweite im Juni.

    1853, 27. Juli (13. Juli nach Estado geogr. S. 318). Grosser
    Ausbruch von zwölf Uhr Mittags bis drei Uhr. Er wird durch
    starkes Donnern, aber ohne Erdstösse eingeleitet. Aus dem Gipfel
    bricht eine hohe Aschensäule hervor, welche die Gestalt eines
    Baumes annimmt; die Dörfer im Umkreise mehrerer Meilen werden
    mit Asche bedeckt. Glühende Steine rollten bis an den Fuss des
    Berges herab und zerstörten mehrere Häuser. 31 Menschen kamen in
    einer Abacápflanzung um (33 nach Estado 318.).

    Ein heftiger Ausbruch soll am 22. März 1855 während eines
    Erdbebens in Manila stattgefunden haben. (A. Perrey S. 105 nach
    einer Mittheilung der Herren Meister und Kluge.)

    Nach Hochstetter (Sitzungsber. Wiener Akad. Bd. 36, S. 131) hat
    der Mayon 1857 so viel Asche ausgeworfen, dass alle Bienen der
    Umgegend getödtet wurden.

    1858 war der Berg fast ununterbrochen thätig, doch fanden keine
    grossen Ausbrüche statt, aber fast alle Nächte sah man am Gipfel
    glühende Lava in den Schluchten. 1859 und 1860 konnte man fast jede
    Nacht bei klarem Wetter einen Feuerschein am Gipfel wahrnehmen,
    Ausbrüche fanden nicht statt.

    Erdbeben sind in dieser Provinz seltener als in Manila und
    gewöhnlich wegen der Bauart der Häuser unschädlich. 1840 und 1846
    fanden zwei bedeutende statt, deren ersteres die Ortschaft Sorsogón
    zum grösseren Theil zertrümmerte. Im Anhang zur engl. Uebersetzung
    von Morga S. 373 wird ein furchtbares Erdbeben angeführt, das am
    19. Oct. 1865 in der Provinz Albay viel Hab und Gut zerstörte,
    wobei die Orte Malináo und Tabáco von der See überschwemmt wurden.

    Nach einer in Nature enthaltenen Notiz aus Manila brach Mitte
    Dezember 1871 der Mayon aus und spie mehrere Wochen lang Rauch,
    Steine und Lava aus.



ZEHNTES KAPITEL

    CACAO. -- KAFFEE. -- KIRCHWEIHFEST. -- LEBEN IN DARAGA.


Ein herabspringender Stein hatte mich auf dem Mayon so erheblich am
Fusse verletzt, dass ich über einen Monat nicht ausgehn konnte. Unter
solchen Umständen war es sehr angenehm eine geräumige bequeme
Wohnung zu haben. Mein Häuschen lag an einem klaren Bach von einem
Garten umgeben, in welchem Kaffee, Cacao, Orangen, Bananen, Papayas
in üppiger Fülle zwischen hohem Unkraut wuchsen. Viele überreife
Cacaofrüchte waren unbenutzt abgefallen, ich liess die reifen sammeln,
rösten und mit gleicher Menge Zucker zu Chocolade verarbeiten, eine
Kunst, die hier in jeder grösseren Haushaltung verstanden wird; denn
Chocolade vertritt bekanntlich bei den Spaniern die Stelle des Thee's
und Kaffee's; auch die Mestizen und bemittelten Eingeborenen machen
starken Gebrauch davon.

Der Cacaobaum stammt aus dem zentralen Amerika, reicht dort von 23°
N. bis 20° S. (von 30° N. bis 30° S. Rappt. Jury XI, 268), gedeiht aber
nur in den heissesten, feuchtesten Erdstrichen. Nach Karsten setzt er
bei einer mittleren Temperatur von unter 23°.3 C. schon keine Frucht
mehr an, von allen Kulturfrüchten verlangt er die grösste Wärmemenge.

In die Philippinen wurde er von Acapulco aus eingeführt, entweder
nach Camarines 1670 durch einen Steuermann, Pedro Brabo de Lagunas,
oder nach Samar, unter Salcédo's Regierung (1663-1668) durch die
Jesuiten. [84] Seitdem hat er sich über einen grossen Theil der Inseln
verbreitet, und, obgleich wohl nie Gegenstand besonderer Pflege, ist
seine Frucht doch von vorzüglicher Beschaffenheit. Der Cacao von Albay
steht, wenn man den im Lande dafür gezahlten Preis als Maassstab gelten
lässt, dem Carácas wenigstens gleich, der in Europa den ersten Rang
behauptet und wegen seines hohen Preises gewöhnlich zu drei Vierteln
mit geringeren Sorten gemischt wird. [85] Man findet aber den Strauch
meist nur in kleinen Gärten, in unmittelbarer Nähe der Häuser, und
so gross ist die Trägheit der Indier, dass sie die Früchte häufig
verfaulen lassen, ohne die köstlichen Saamen zu nutzen, obgleich der
einheimische Cacao höher im Preise steht als der eingeführte. Auf
Cebú und Négros wird etwas mehr gebaut, aber lange nicht ausreichend
für den Bedarf der Kolonie, die das Fehlende gewöhnlich von Ternate
und Mindanao einführt. Den besten Cacao der Philippinen erzeugt
die kleine Insel Maripipi, NW. von Leyte; er ist schwer zu haben,
gewöhnlich schon voraus bestellt, das Liter wird gern mit 1 Dollar
bezahlt; der von Albay gilt 2 bis 2 1/2 Doll. die Ganta (3 Liter).

Der Indier steckt die zum Keimen bestimmten Kerne gewöhnlich einzeln
mit etwas Erde in dütenförmig gefaltete Blätter und hängt sie unter
seinem Dache auf. Sie wachsen schnell und werden, um die Entwicklung
des Unkrauts zu hemmen, in sehr geringen Entfernungen von einander
(6' bis 7') ausgepflanzt. Diesem Verfahren ist es wohl zuzuschreiben,
dass sich die Pflanzen nur zu Sträuchern von 8 bis 10 Fuss Höhe
entwickeln, während sie in ihrem Vaterlande bis 30', manche Arten
selbst 40' hoch werden. (Nach Angabe des Paters von Borongan freilich
kommen auf einer kleinen Insel bei Guiuan ausserordentlich grosse
Cacaobäume vor.) Dennoch soll ein solcher Strauch, der schon im
3ten oder 4ten Jahre die ersten Früchte trägt, vom 5ten oder 6ten
Jahre an volle Ernten von je einer Ganta Cacao geben die, (wie oben
bemerkt), 2 bis 2 1/2 Doll. gilt, und immer Käufer findet. [86] Der
Nutzen einer in vollem Ertrage stehenden Pflanzung muss daher höchst
beträchtlich sein. Trotz dem ist es bisher nicht gelungen den Cacaobaum
im Grossen einzubürgern. Es heisst die ökonomische Gesellschaft habe
eine erhebliche Geldprämie für Jeden ausgesetzt, der eine Pflanzung
von 10,000 tragenden Bäumen aufweisen könnte, nur ein Einziger, der
verdiente Oidor Azoala, soll sie gewonnen, die Pflanzung aber trotz
der gebrachten Opfer wieder aufgegeben haben. (Im Bericht über die
Thätigkeit der Gesellschaft finde ich diese Prämie nicht erwähnt.)

Das Haupthinderniss scheint in den fast alljährlich wiederkehrenden
gewaltigen Stürmen zu liegen, die zuweilen in einem Tage eine
ganze Pflanzung der nicht tief wurzelnden Bäumchen zerstören. 1856
soll ein einziger Taifun mehrere bedeutende Plantagen kurz vor der
Ernte von Grund aus vernichtet und dadurch allgemeine Entmuthigung
hervorgerufen haben. [87] In Folge davon wurde eine Zeitlang die
steuerfreie Einführung von Cacao gestattet und man konnte den von
Guayaquíl für 15 Doll. den Quintál kaufen, während der einheimische
mehr als das doppelte galt.

Der Baum hat auch viel durch feindliche Insekten zu leiden, durch
eine Krankheit deren Ursache unbekannt, [88] und wird, abgesehn von
andern Raubthieren, besonders von Ratten heimgesucht, die zuweilen in
solchen Schaaren einfallen, dass sie in einer Nacht die ganze Ernte
vernichten. Gutgehaltene Cacaopflanzungen werden von amerikanischen
Reisenden als sehr schön geschildert. In den Philippinen, wenigstens
in Ost-Luzon, zeigt der enggepflanzte, vernachlässigte, von Flechten
bedeckte Baum schon früh ein greisenhaftes Ansehn. Seine Lebensdauer
ist kurz. Die zuweilen fast fusslangen ovalen Blätter hängen vereinzelt
an den Zweigen, bilden keine dichte Krone, die Blüthen sind sehr
unscheinbar, nicht grösser als Lindenblüthen, röthlich gelb,
und brechen an langen Stielen einzeln, oder in kleinen Büscheln
unmittelbar aus dem Stamm oder den stärkeren Aesten hervor. Die
Frucht reift in sechs Monaten, wird 5 bis 8'' lang, gleicht einer
sehr warzigen Gurke und ist im reifen Zustand roth oder gelb. Zwei
Spielarten scheinen auf den Philippinen nur gebaut zu werden. [89]
Das Fleisch ist weiss, breiartig weich, schmeckt angenehm säuerlich,
und enthält in fünf Reihen anderthalb bis zwei Dutzend Kerne, die so
gross sind wie Mandeln und wie diese aus zwei Samenlappen und einem
kleinen Keim bestehen, dies sind die Cacaobohnen, geröstet und fein
gerieben geben sie Cacao, dieser mit Zucker und gewöhnlich auch mit
Gewürzen vermischt, Chocolade. Bis vor wenigen Jahren bereitete
fast jede Haushaltung in den Philippinen ihre Chocolade selbst,
nur aus Cacao und Zucker. Indier, die Chocolade geniessen, setzen
oft gerösteten Reis dazu. Jetzt ist in Manila eine Fabrik errichtet,
die Chocolade nach europäischer Art bereitet. Ein beliebter Zusatz
zur Chocolade in den örtlichen Provinzen sind geröstete Pilikerne. [90]

Die Europäer lernten das aus dem Cacao bereitete Getränk zuerst
in Mexico unter dem Namen Chocolatl kennen. [91] Schon zur Zeit
Cortes', eines leidenschaftlichen Chocoladentrinkers, war der Baum
Gegenstand ausgedehnter Kultur. Die Cacaokerne vertraten bei den
Azteken die Stelle des Geldes, Montezúma empfing darin einen Theil
seines Tributes. Bei den alten Mexicanern genossen aber nur die
Reichen den Cacao ungemischt, die andern setzten, wegen des hohen
Werthes der Bohne als Münze, Mais- oder Mandioca-Mehl dazu. Noch
heut dienen in Zentral-Amerika die Cacaobohnen als Scheidemünze,
weil kein Kupfergeld vorhanden ist, die kleinste Silbermünze aber
1/2 Real beträgt. [92] Doch soll es im zentralen Amerika und am
Orinoco noch jetzt undurchdringliche Wälder geben, die fast ganz
aus wilden Cacaobäumen bestehn. [93] Ein Theil ihrer Früchte wird
auch gesammelt, ist aber von sehr geringem Werth. Schon an und für
sich weniger aromatisch als die kultivirten Sorten, können sie nicht
mit Sorgfalt zur rechten Zeit gepflückt und getrocknet werden und
verderben auf dem langen Transport durch die feuchten Wälder.

Bis vor kurzem, als namentlich Franzosen sehr bedeutende Pflanzungen
in Zentral-Amerika anlegten, hatte der Ertrag in den amerikanischen
Produktionsländern seit Aufhebung der Sklaverei fast von Jahr zu Jahr
abgenommen. Obgleich nach F. Engel eine gedeihende Cacaopflanzung bei
geringer Mühe und Auslage mehr Ertrag giebt als jede andre tropische
Kultur, so sind auch dort die Ernten, die überdies erst nach 5 oder
6 Jahren beginnen, wegen der vielen Feinde der Pflanze nicht sicher,
die Kultur eignet sich daher nur für grössere Kapitalisten oder
ganz kleine Bauern, die den Baum in ihren Gärten ziehen. Die grossen
Pflanzungen sind aber nach Aufhebung der Sklaverei meist in Verfall
gekommen und die frei gewordenen Sklaven sind zu unbetriebsam.

In Europa mundete die ursprüngliche Chocolade nicht allgemein;
sie fand erst später durch Zusatz von Zucker grössern Anklang. Das
übertriebene Lob ihrer Verehrer rief den erbitterten Widerspruch
der Gegner des neuen Getränks hervor, auch regten sich bei den
Geistlichen Gewissensskrupel wegen des Gebrauchs des nahrhaften Cacao
als Fastenspeise. Der Streit dauerte bis zum 17. Jahrhundert fort,
wo das Getränk in Spanien zum allgemeinen Bedürfniss wurde. [94] In
Spanien wurde der Cacao 1520 eingeführt, die Chocolade zuerst heimlich
bereitet, wegen des Monopols der Conquistadoren. 1580 war sie dort
schon in allgemeinem Gebrauch, in England aber so unbekannt, dass 1579
ein englischer Kapitän eine weggenommene Ladung als nutzlos verbrannte
(Kottenkamp I., 579). Nach Italien kam sie 1606, nach Frankreich
wahrscheinlich durch Anna von Oesterreich. In London wurde 1657 das
erste Chocoladenhaus eröffnet. Deutschland folgte 1700 nach. [95]

Mit dem Kaffee geht es in den Philippinen beinahe wie mit dem
Cacao. Der Strauch gedeiht vorzüglich, seine Frucht ist von so
ausgezeichnetem Geschmack, dass geringer Manila-Kaffee wie guter Java
bezahlt wird, dennoch ist die Kaffeeproduktion der Philippinen höchst
unbedeutend und verdiente bis vor Kurzem kaum der Erwähnung. Nach
dem Berichte eines Engländers von 1828 [96] war der Kaffeestrauch
vierzig Jahre vorher unbekannt, nur durch wenige Exemplare in
den Gärten Manila's vertreten. Von dort nach Laguna verpflanzt,
vermehrte er sich schnell durch Vermittelung eines kleinen Raubthiers
(Paradoxurus Musanga), das nur die reifsten Früchte nascht und
die harten Kerne (die Kaffeebohnen) unverdaut auswirft. [97] Die
Sociedad economica bemühte sich ihrerseits durch Ertheilung von
Preisen zur Anlage grösserer Kaffeepflanzungen zu ermuntern. 1837
gewährte sie P. de la Gironnière eine Prämie von 1000 Doll., weil er
über 60,000 Kaffeepflanzen im Zustande der zweiten Ernte aufweisen
konnte, und in den folgenden Jahren noch vier Prämien an Andre für
dieselbe Leistung. Aber sobald die Prämien gewonnen waren, liess
man die Pflanzungen wieder verwildern. Daraus scheint hervorzugehn,
dass die Unternehmungen bei den damaligen Marktpreisen und künstlich
gesteigerten Frachten keinen hinreichenden Nutzen gewährten.

Was patriotische Bestrebungen vergeblich versucht, scheint jetzt
die bedeutende Steigerung der Kaffeepreise bei gleichzeitiger
Erleichterung des Verkehrs allmälig zu bewirken: 1856 betrug die
Kaffeeausfuhr nicht über 7000 Picos, 1865: 37,588 P., 1871: 53,370
Picos. Diese Steigerung giebt aber noch nicht das Maass für die Zunahme
der Pflanzungen, da diese in den ersten Jahren nach der Anlage keinen
Ertrag liefern. In Kurzem darf wohl mit Zuversicht eine höhere Ausfuhr
erwartet werden. Aber selbst diese dürfte nicht als Maassstab für die
Leistungsfähigkeit der Kolonie gelten. Erst wenn europäisches Kapital
grössere Pflanzungen an geeigneten Oertlichkeiten hervorruft, werden
die Philippinen den gebührenden Rang unter den Kaffee erzeugenden
Ländern einnehmen.

Den besten Kaffee liefern die Provinzen Lagúna, Batángas und Cavíte,
den schlechtesten Mindanao; letzterer ist in Folge nachlässiger
Behandlung sehr unrein, enthält viele schwarze Bohnen beigemischt. Die
Mindanaobohnen sind gelblichweiss (pale), während die von Lagúna
grünlich und fast um die Hälfte kleiner sind als jene.

Von Kennern wird der Manila-Kaffee sehr hoch geschätzt und stets
entsprechend bezahlt, obgleich er nicht so sauber aussieht als Ceylon
und manche andre sorgfältiger behandelte Sorten. Jedenfalls ist es
bemerkenswerth, dass Frankreich 1865, ausser 105,000 Frcs. Manila-Hanf,
fast nichts als Kaffee aus den Philippinen einführte, davon aber für
1,042,000 Frcs., d. h. mehr als ein Drittel der Gesammternte. [98] In
London wird Manila-Kaffee nicht besonders gewürdigt und nicht besser
als guter Native Ceylon (60 Schillinge pr. Cwt.) bezahlt, [99] weil er
dem englischen Geschmack nicht entspricht; dies ist aber kein Vorwurf
für den Kaffee, wie Jeder, der den englischen Kaffeegeschmack kennt,
einräumen wird.

Einer der Hauptabnehmer wird mit der Zeit wohl Californien werden,
ein vortrefflicher Kunde der für gute Waare gern ermunternde
Preise zahlt. [100] 1868 galt der Kaffee in Manila selbst, mit sehr
geringen Schwankungen 16 Doll. per Pikul [101] (1871: 13 Doll. 50
C.) d. h. nicht viel unter dem Londoner Marktpreise. In Java zahlt
die Regierung den zum Kaffeebau gezwungenen Eingeborenen 9 fl. 20
c. (etwa 3 1/2 Doll. für den Pikul).

Wie unbedeutend die oben angeführte Kaffeeproduktion im Verhältniss
zur Produktionskraft der Kolonie ist, ergiebt sich am besten aus dem
Vergleich mit der Ausfuhr anderer Länder. Nach Scherzer, Fachmännische
Berichte, 71, betrug 1868 die Kaffeeausfuhr von Brasilien 4,262,000
Zoll-Ctr., Java und Sumatra 1,400,058, Ceylon 1,023,455 Zoll-Ctr.

In meinen Reiseskizzen (S. 158) wurde die Abnahme der Kaffeeproduktion
in Java unter dem »Kultursystem,« die Zunahme derselben in Ceylon bei
freier Arbeit hervorgehoben und als Ertrag des Jahres 1858/59 67,500
Tonnen für Java, 35,000 T. für Ceylon angegeben. Beide Ursachen
haben seitdem fortgewirkt und Niederländisch-Indien erzeugte 1866
nur 56,000 T. (in 7 Jahren 11,000 T. weniger), Ceylon 36,000 T. (1000
T. mehr). [102]

Während meines gezwungenen Aufenthalts in Darága brachten mir
die Eingeborenen Muscheln und Käfer zum Kauf und eine Anzahl
meldeten sich um in meinen Dienst zu treten, da sie »Beruf zum
Naturforscher in sich fühlten«. Ich hatte ihrer endlich eine ganze
Küche voll. Täglich gingen sie aus, um Insekten zu sammeln; freilich
waren sie gewöhnlich nicht glücklich, desto munterer ging es aber
bei den Mahlzeiten zu. Fast täglich erhielt ich freundliche Besuche
von benachbarten Spaniern. Auch mehrere eingeborene Würdenträger und
Mestizen besuchten mich, selbst aus grösserer Ferne, nicht sowohl um
mich, als um meinen Hut zu sehn, dessen Ruf sich über die Grenzen
der Provinz verbreitet hatte. Er bestand aus Nito [103], hatte die
landesübliche zweckmässige Pilzform, war aber mit einer Spitze zum
Aufstecken einer kleinen stark leuchtenden Laterne versehn, auf deren
Oellampe, wenn unbenutzt ein dicht schliessender Deckel, wie bei einer
Löthrohrlampe geschraubt wurde, so dass man die Laterne in der Tasche
tragen konnte. Die Einrichtung erwies sich namentlich beim Reiten im
Dunkeln als höchst zweckmässig.

Im benachbarten Puéblo, Tabaco, wurden aus demselben Stoff
Zigarrentaschen geflochten. Sie kommen wohl kaum in den Handel,
und werden nur auf vorherige Bestellung angefertigt. Um ein Dutzend
zu erhalten, muss man sich an ebensoviele Individuen wenden, und es
dauert günstigen Falles mehrere Monate, bis eine Tasche vollendet
wird. Der Stiel des Farn hat die Dicke eines Schwefelholzes, man sucht
möglichst lange Stücke zwischen zwei Blattansätzen aus, spaltet sie in
4 Theile und jedes Viertel durch Aufschlitzen und Zwischenklemmen des
Fingers noch einmal; dann nimmt der Arbeiter ein Messer in die fest
aufliegende linke Hand, den Daumen auf den Rücken, die Schärfe gegen
den Zeigefinger gerichtet, und zieht die Streifen so oft unter der
Klinge durch, bis sie von den innern, weniger zähen Theilen befreit
und hinreichend fein sind, eine viel Geduld und Geschick erfordernde
Arbeit. Geflochten wird über eine zwei Fuss lange zylindrische,
nach unten spitz zulaufende Holzform. In der Mitte der geraden
Endfläche steckt ein Stift um welchen das Geflecht beginnt; ist der
dem Durchmesser der Walze entsprechende Boden der Tasche vollendet, so
wird mittelst eines Stiftes eine kleine Holzscheibe auf den Boden der
Tasche gepresst, die ihn während des Flechtens der Seitenwand festhält.

Meine erste Ausfahrt war zur Kirchweih nach Legáspi, wo die Indier
Abends Theater spielten. Ein aus politischen Gründen verbannter Spanier
hatte die Anordnung übernommen. Zu beiden Seiten der mit Palmenblättern
überdachten Bühne befanden sich erhöhte bedeckte Gallerien für die
Honoratioren; der dem grossen Publikum bestimmte mittlere Raum war
oben offen. Es wurde ein grosses Schauspiel aus der Persergeschichte
gegeben, in spanischer Sprache, mit Fantasiekostümen. Da das Theater an
einer lebhaften Strasse lag, die selbst einen Theil des Zuschauerraumes
bildete, so war der Lärm so gross, dass man nur hin und wieder ein
Wort vernehmen konnte. Die Schauspieler marschirten bei dem Hersagen
ihrer Rollen, deren Sinn sie nicht einmal sprachlich verstanden,
von einer Seite zur andern, indem sie die Arme auf und abbewegten;
am Rande der Bühne angekommen machten sie Kehrt und setzten ihren
Marsch in entgegengesetzter Richtung fort, wie Schiffe, die gegen
den Wind kreuzen; sie verzogen dabei keine Miene, und sprachen,
wie Automaten. Hätte man wenigstens den Text verstehn können, so
wäre der Kontrast desselben mit den maschinenartigen Bewegungen
gewiss drollig gewesen; Lärm, Hitze und Qualm waren aber so gross,
dass wir nur kurze Zeit blieben.

Das Schauspiel sowohl als das ganze Fest trug das Gepräge
der Schlaffheit und Gleichgültigkeit, des unverstanden
Nachgeahmten. Vergleicht man die ausgelassene Fröhlichkeit bei den
Kirchweihen in Europa mit den ausdruckslosen starren Gesichtern der
Indier, so begreift man kaum warum dergleichen Feste mit so grossem
Aufwande von Zeit und Geld gefeiert werden.

Derselbe Mangel an Fröhlichkeit wird von vielen Reisenden in noch
höherem Grade bei den Indianern Amerika's bemerkt und von einigen aus
einer geringeren Entwicklung des Nervensystems erklärt, daher auch der
wunderbare Gleichmuth jener beim Ertragen von Schmerz. Das Gesicht
des Indianers ist nach Tylor [104] so verschieden von dem unsrigen,
dass der Europäer erst nach Jahre langer Uebung seinen Ausdruck
deuten lernt. Beide Ursachen mögen zusammenwirken. Wenn aber auch
lebhafte Aeusserungen der Freude nicht wahrzunehmen waren, so findet
doch der Indier grosses Vergnügen schon an den wochenlang dauernden
Vorbereitungen zur Ausschmückung des Dorfes, noch grösseres bei dem
Feste selbst an den Prozessionen, bei denen jeder in seinem besten Putz
oder den Abzeichen seiner Würde erscheint. Der Kampf um den Vortritt,
um die Ehre eine Fahne zu tragen, erfüllt den also Begünstigten
mit dem höchsten Stolz und erregt den Neid der Uebrigen. Aus allen
nahegelegenen Ortschaften kommt Besuch, ganze Triumphbogen von Bambus
und Laubwerk werden von benachbarten Gemeinden, mit der Inschrift
Obsequio del puéblo de ... mitgebracht und aufgerichtet. Zuweilen
wird auch stark gezecht. Die Filipinos haben Vorliebe für geistige
Getränke; selbst junge Mädchen berauschen sich gelegentlich gern. Für
die Nacht finden die fremden Gäste die entgegenkommendste Aufnahme
in den Häusern des Pueblo. Ueberhaupt strahlt die Gastfreundschaft
bei solchen Gelegenheiten in hellem Licht. Jedes Haus steht Jedem
offen. In den grösseren Ortschaften fehlt es auch nicht an Bällen,
es tanzen aber gewöhnlich nur Spanier und Mestizen mit Mestizinnen;
blos ausnahmsweise wird eine begünstigte Indierin aufgefordert. Unter
sich pflegen die Eingeborenen selten zu tanzen; in Samar sah ich aber
einmal einen nicht ungraziösen, angeblich einheimischen Tanz aufführen,
zu dem »improvisirte« Strophen gesungen wurden: der Tänzer verglich
seine Dame mit einer Rose, und sie erwiderte, er möge sich hüten sie
zu berühren, da sie auch Dornen habe; was im Munde einer Andalusierin
reizend geklungen hätte, bei der Indierin aber nur den Ursprung der
Improvisation verrieth.

Das müssige Leben in Darága gefiel meinen Dienern und ihren zahlreichen
Freunden so gut, dass sie es gern so lange als möglich geniessen
wollten. Sie wählten dazu oft sinnreiche Mittel. Zweimal, als alles
zum Aufbruch für den nächsten Morgen gerüstet war, wurden Nachts
meine Schuhe gestohlen. Ein andermal stahl man mir mein Pferd. Hat ein
Indier eine schwere Last zu befördern, oder einen anstrengenden Ritt zu
machen, so benutzt er dazu gern den wohlgenährten Gaul eines Castila,
und lässt ihn dann ungefüttert laufen, bis ihn jemand auffängt und
in das nächste Tribunal liefert. Dort wird er angebunden und muss
so lange hungern bis ihn sein Herr reklamirt und den angerichteten
Schaden ersetzt. Ich hatte einen Dollar zu zahlen, da mein Pferd,
obgleich es sehr verhungert that, in der Zwischenzeit für einen Dollar
Reis genascht haben sollte.

Kleine Diebstähle kamen sehr häufig vor, werden aber, wie mich ein
freundlicher Gönner eines Abends belehrte, als ich ihm mein Elend
klagte, nur gegen neue Ankömmlinge verübt; lange dort angesessene
Leute, die sich der allgemeinen Achtung erfreun, sind solchen
Ungelegenheiten nicht ausgesetzt. Ich weiss nicht, ob ein schalkhafter
Eingeborener unsere Unterhaltung belauscht hatte, aber am nächsten
Morgen sandte der freundliche Herr, der mir oft aus der Noth geholfen
hatte, zu mir, und liess sich Chocolade, Zwieback und Eier holen,
da man ihm in der Nacht Speisekammer und Hühnerstall ausgeräumt hatte.

Montag und Freitag Abend war Markt in Darága, -- bei gutem Wetter immer
ein hübscher Anblick. Man sah dann die Frauen, die fast ausschliesslich
den Verkauf besorgen, nett und sehr sauber gekleidet, in langen von
Fackeln glitzernden Reihen sitzen, und auf den Abhängen der Berge bei
Fackelschein nach allen Richtungen in ihre Wohnungen zurückkehren. Sie
tragen ihre Waaren, darunter viele selbst gewebte Stoffe von Seide,
Ananas- und Bananen-Fasern, auf dem Kopf; den jüngern fehlt es aber
selten an Liebhabern, die ihnen die Mühe abnehmen.



ELFTES KAPITEL

    REISE NACH BULUSAN UND SORSOGON. -- STRASSENBAU. -- SEERÄUBER.


Während ich in Darága das Zimmer hüten musste, blieb das Wetter fast
ununterbrochen schön und leider waren dies die letzten guten Tage,
auf die ich rechnen konnte, da der NO. Monsun, der Regenbringer für
diesen Theil des Archipels, im Oktober einzusetzen pflegt. Trotz
der vorgeschrittenen Jahreszeit machte ich noch einen Versuch den
Bulusán zu besteigen. Man fährt im Boot nach Bácon, im Busen von
Albáy (7 Leguas östl.), reitet von dort auf guter Strasse nach Gúbat
(3 Leguas) an der Ostküste, dann den Strand entlang, genau S. bis
Bulusán, und, wenn man will, bis Matnóg, dem letzten Dorf an der
Südost-Spitze Luzons. Ein alter erfahrener Indier hatte Boot und
Mannschaft besorgt und zehn Uhr Abends als die günstigste Zeit für
die Abfahrt bestimmt. Als wir aber eben abstossen wollten, rief er
uns zu, es seien vier Seeräuberboote in der Bay gesehn worden. Im Nu
war meine Mannschaft verschwunden, ich blieb allein im Dunkeln. Erst
nach vier Stunden gelang es mir, mit Hülfe eines Spaniers, sie wieder
herbei zu holen und zur Abfahrt zu bewegen. Um 9 Uhr erreichten
wir Bácon, von wo der Weg durch flache Gegend über S. Róque SW. in
einem spitzen Winkel nach Gúbat führt, zu beiden Seiten Reisfelder
mit einzelnen Hütten unter Kokos- und Arecapalmen. Zehn Minuten von
Bácon stehn drei prachtvolle Feigenbäume, die schönsten die ich in den
Philippinen gesehn, einer der Arten angehörend, die sich aus zahllosen
in einander geschlungenen und zusammengewachsenen Luftwurzeln, Stämme
von riesenhaftem Umfange und phantastischer Gliederung aufbauen. Sie
waren bedeckt mit ächten und unächten Parasiten, darunter eine
grosse Zahl blühender Orchideen. Der Boden besteht aus trachytischem
Gerölle. SW. von S. Roque gabelt sich die Strasse, ein Arm führt
S. nach Sorsogon, das wohlgeschützt in der NO. Ecke einer tiefen Bucht
liegt, der andre O. zu S. nach Gúbat. Hinter S. Róque bemerkt man viele
Abacápflanzungen in Waldlichtungen. Der letzte Theil des Weges ist
schlecht und führt über schlüpfrige Thonrücken (verwitterten Trachyt)
mit Gypskrystallen. Von Gúbat läuft die Strasse längs des Strandes. An
vielen Stellen stehn kleine verfallene oder verfallende viereckige
Thürme aus Korallenblöcken, von den Jesuiten zum Schutz gegen die
Moros aufgeführt. Moren werden hier die Seeräuber genannt, weil sie,
wie die ehemaligen Mauren in Spanien, Mohamedaner sind. Sie kommen
aus der Solosee, von Mindanao und der Nord-Westküste von Borneo. Die
Seeräuberei stand zur Zeit meiner Reise noch in voller Blüthe. Erst
Tags vorher hatten Piraten einige Leute fortgeschleppt, die nicht
weit von Gúbat mit Aufstellen einer Fischreuse beschäftigt waren. Dem
Strande parallel und in geringer Entfernung läuft ein Korallenriff,
das im SW. Monsun bei Ebbe stellenweis entblöst wird; zur Zeit aber
staute der NO. Wind die Wogen des stillen Ozeans so hoch an der Küste
auf, dass es nicht sichtbar wurde; es liefert den einen Bestandtheil
des Bodens, der zur Hälfte aus Kalk, und aus vulkanischem Sand
besteht. Die Stürme hatten nebst vielen andern Resten von Seethieren,
auch eine grosse Anzahl Schwämme ans Land geworfen, unter denen eine
unserem Badeschwamme des Mittelmeeres (Spongia officinalis L.) durchaus
ähnliche Art und wohl derselben Gattung angehörend. Sie fühlen sich
eben so weich an, sind dunkelbraun, über faustgross, halbkugelförmig,
nehmen mit derselben Leichtigkeit Wasser an und würden vielleicht einen
Handelsartikel bilden können. Proben davon befinden sich im Berliner
zoologischen Museum. Dem Strande zunächst wachsen verkümmerte Pandanus,
weiter landeinwärts Casuarinen; daran schliesst sich hoher Laubwald,
mit Abacápflanzungen in den häufigen Lichtungen. Die Strasse ist
recht gut; über viele der Flussmündungen führen überdachte, hölzerne
Brücken aus Molave, alle noch wohl erhalten. Von den steinernen Brücken
aber sind die Bogen fast ausnahmslos eingestürzt. Man setzt in einem
Nachen über, das Pferd folgt schwimmend. Ein paar tausend Fuss vor
Bulusán kommt man durch eine, mehrere hundert Fuss tiefe Schlucht
aus weissem Bimsteintuff.

Der Ort wird so selten von Fremden besucht, dass das Tribunal sich mit
Neugierigen füllte, die mich betrachten wollten. Die Frauen hatten
den Ehrenplatz und kauerten in mehreren konzentrischen Linien auf
dem Boden, die Männer drängten sich hinter ihnen. Als ich in einem
von Bambusen nur undicht verschlossenen Schuppen ein Rieselbad nahm,
sah ich plötzlich durch alle Oeffnungen neugierige Augen auf mich
gerichtet; es waren ausschliesslich Frauen, die mich mit der grössten
Neugier betrachteten, sich ihre Bemerkungen mittheilten und durchaus
nicht gestört sein wollten. Ein andres Mal als ich in der Provinz
Laguna im Freien badete, lief eine Anzahl Weiber, alte, junge und
kleine Mädchen herbei, die mir zusahen, während des Ankleidens dicht
um mich hockten, mich aufmerksam besichtigten, und mit den Fingern auf
alle Einzelheiten wiesen, die zu besonderer Besprechung Anlass gaben.

Den letzten Theil des Weges nach Bulusán hatte ich in Sturm und Regen
zurückgelegt; beide nahmen nach kurzer Pause während der Nacht zu,
ein Theil des Tribunals wurde abgedeckt. Am andern Morgen lagen
alle schadhafteren Häuser des Dorfes am Boden, eine grosse Menge
Dächer waren fortgeweht. Fast ohne Unterbrechung, wenn auch nicht
mit gleicher Heftigkeit, dauerte das Wetter während der 3 Tage meines
Aufenthaltes fort; den Vulkan, an dessen Fuss ich mich befand, bekam
ich nicht auf einen Augenblick zu sehn, und da die Sachverständigen
in dieser Jahreszeit gutes Wetter nicht in Aussicht stellen konnten,
wurde die Besteigung auf bessere Zeit verschoben und die Umkehr
beschlossen. Der ehemalige Alkalde Peñeranda soll den Berg etwa
15 Jahre früher bestiegen haben, nachdem angeblich 60 Menschen 2
Monate lang beschäftigt gewesen, einen Weg zum Gipfel zu bahnen; die
Besteigung soll 2 Tage gedauert haben. Der Teniente, ein aufgeweckter
Indier, glaubt aber, dass in der trocknen Jahreszeit 4 Mann in 2
Tagen einen schmalen Pfad öffnen könnten bis nahe zur Spitze, die
nur mit Leitern zu ersteigen sei. Am Tage nach meiner Ankunft traf
der Strassenbau-Inspector und ein Begleiter hier ein, beide bis auf
die Haut durchweht und durchnässt. Der freundliche Alkalde hatte sie
hergesandt zu meiner Unterstützung. Unter den obwaltenden Umständen
mussten sie unverrichteter Sache mit mir umkehren.

Als ich auf der Rückreise kaum in Bacon angekommen, ertönte ein
Böllerschuss und Musiklärm: »Es kommt der Señor Alcalde.« -- Er fuhr in
offenem Wagen, umgeben von einer regellosen Reiterschaar, Eingeborene
und Spanier der Umgegend, erstere in festlich flatternden Hemden und
vergilbten Seidenhüten prangend. Der liebenswürdige Herr nahm mich
in seinem Wagen nach Sorsogon mit, das wir in einer Stunde erreichten.

Die Provinz Albáy hat gute Strassen, sie werden aber schlecht
unterhalten, und müssen, wenn die Unthätigkeit der Verwaltung
fortdauert, allmälig wieder zu Grunde gehn. Der grösste Theil der
steinernen Brücken ist eingestürzt. Statt ihrer muss man eine Furth
oder ein Floss benutzen, oder in einem Nachen übersetzen und die
Pferde schwimmen lassen. Die Strassen wurden in den vierziger Jahren
durch den bereits erwähnten Alkalden Peñeranda, einen ehemaligen
Ingeniör-Offizier angelegt, dem der Ruhm gebührt, den Wohlstand der
Provinz sehr gefördert zu haben, indem er ihre damals unbedeutenden
Mittel mit Umsicht und Eifer zu nützlichen Anlagen verwendete. Er
wachte darüber, dass die schuldigen Frohnden wirklich geleistet oder
in Geld abgelöst wurden, und benutzte letzteres zur Beschaffung
von Werkzeug und Material. Vor ihm bestanden grosse Missbräuche,
indem die der Principalía Verwandten oder Befreundeten keine- oder
Scheinarbeiten verrichteten, und die Ablösungsgelder nicht in die
Gemeindekasse, sondern in die Tasche des Gobernadorcillos flossen,
oft unter Mitwissenschaft und Betheiligung des Alkalden. Auch heut
sind solche Missbräuche ganz allgemein in den Provinzen, wo die
Wachsamkeit des Alkalden es nicht verhindert.

Bei der zahlreichen Bevölkerung und dem grossen Wohlstand, deren sich
die Provinz jetzt erfreut, wäre es ein leichtes die vorhandenen
Strassen zu erhalten und zu vervollständigen. An gutem Willen
fehlte es dem trefflichen damaligen Beamten gewiss nicht, aber ihm
waren die Hände gebunden. Die jetzigen Alkalden bleiben nur 3 Jahr
in einer Provinz (zu Peñerandas Zeit 6 Jahr), ihre Zeit wird fast
gänzlich durch die laufenden amtlichen und richterlichen Geschäfte
in Anspruch genommen; bevor sie ihre Provinz, deren Mittel und
Bedürfnisse einigermaassen kennen lernen, müssen sie dieselbe schon
wieder verlassen; so gross ist das Misstrauen der Regierung in ihre
eigenen Diener. Ihre Macht ist auf das äusserste Maass beschränkt,
sie haben fast keine Initiative. Unternehmen wie das Peñeranda'sche
durchzuführen, wäre heut nicht möglich. Die für Ablösung von Frohnden
eingehenden Gelder, die ausschliesslich zum Nutzen der betreffenden
Provinz verwendet werden sollten [105], müssen nach Manila abgeliefert
werden. Schlägt der Alkalde eine dringend nothwendige Verbesserung
vor, so hat er so viele Berichte, Eingaben, Anschläge einzureichen,
die häufig unbeantwortet bleiben, dass ihm gewöhnlich bald die Lust
zu allen Verbesserungsvorschlägen vergeht. Bedeutende Werke aber,
die grössere Ausgaben erfordern, werden fast ausnahmslos von der
Zentralstelle, als nicht dringend, zurückgewiesen. Der Grund liegt
nicht im bösen Willen der Kolonialregierung, sondern darin, dass
die Caja de Comunidad in Manila fast immer leer ist, da sich die
spanische Regierung in ihrer chronischen Finanznoth das Geld borgt
und nicht im Stande ist es zurückzuzahlen.

Sorsogon hat 1840 bedeutend durch Erdstösse gelitten, die mit
Unterbrechungen 35 Tage lang anhielten. Ihre grösste Heftigkeit
erreichten sie am 21. März. Die Kirchen von Sorsogon und Casigúran
nebst den wenigen Steinhäusern wurden zertrümmert, 17 Menschen kamen
um und 200 wurden verletzt. Das Land senkte sich um 5 Fuss.

Am folgenden Morgen begleitete ich den Alkalden in einer Falúa
mit 14 Rudern nach Casigúran, das genau S. von Sorsogon in der
Südostecke der 2 Leguas breiten Bucht liegt; die Ueberfahrt dauerte
1 1/2 Stunde. Das Wasserbecken ist so still wie ein Binnensee, fast
rings von Bergen umgeben und an der dem Meer geöffneten Westseite
durch die queer davor liegende Insel Bagaláo (nicht Bagatáo, wie
sie Coello nennt), geschützt. Unter der Mannschaft war es sehr laut,
da Jeder sich vor dem Señor Alcalde geltend machen wollte. Bei der
Landung: Böllerschuss, Musik, flatternde Hemden und Fahnen. Die
freundliche Einladung des Herrn T. ihn weiter zu begleiten, lehnte
ich ab, da für mich, ohne amtliche Geschäfte die Reise fast nur aus
Malzeiten, Zwischenmalzeiten und eingeschobenen Chocolates bestand
mit fortwährender Musik, Knallfeuerwerk und andrem Lärm.

Im Jahre 1850 etwa ist an einer heut schon vom Meer verschlungenen
Stelle des Strandes, der so weit ich ihn untersuchen konnte, aus 5 bis
6 Fuss Thon über vulkanischem Sand mit Bimssteinbruchstücken besteht,
Quecksilber gefunden worden. Ein in dieser Gegend des Archipels
gestrandeter Engländer, derselbe, den ich in der Eisenhütte bei Angat
besuchte, hatte begonnen es zu sammeln, und durch Schlämmen des Sandes
etwa 2 Unzen gewonnen. Als aber der inländische Priester erfuhr, dass
Quecksilber Gift sei, schilderte er seinen Pfarrkindern, wie er mir
selbst erzählte, die Gefahren des neuen Erwerbszweiges in so grellen
Farben von der Kanzel herab, dass sie davon abliessen. Seitdem ist nie
wieder eine Spur von Quecksilber entdeckt worden; vielleicht stammte
es von einem zerbrochenen Barometer. Abends waren der Bulúsan in SO.,
der Mayon in NW. auf kurze Zeit sichtbar. Casigúran liegt in einer
geraden Linie mit denselben.

Die Zerstörung der Küsten bei Casigúran ist auffallend gross,
die Berichte darüber sehr abweichend. Nach dem Augenschein und den
mässigsten Angaben zu urtheilen, mag sie doch wohl seit einer Reihe
von Jahren jährlich eine Elle betragen. Im Norden ist die Bucht von
Sorsogon durch einen Bergrücken geschützt, der sich O. von Bacon
plötzlich verflacht, und dadurch dem Nordost eine schmale Gasse nach
dem Winkel der Bucht von Casigúran öffnet, wo zuweilen ein einziger
Sturm sehr bedeutende Verwüstungen in der aus Thon und Sand bestehenden
Küste hervorbringt.

Als ich Abends wieder in Legáspi landete, erfuhr ich, dass der Alarm
wegen der Seeräuber, der meine Abreise verzögert hatte, in der That
begründet war. Aechte Moros waren es freilich wohl nicht, da solche
in jener Jahreszeit nicht in diese Gewässer gelangen können, sondern
Desertöre und Vagabunden aus der Umgegend, die in dieser maritimen
Provinz das Räuberhandwerk lieber zu Wasser als zu Lande treiben. Sie
hatten während meiner Reise eine Anzahl Räubereien verübt und Personen
fortgeschleppt. [106]

Anfang November ist die Jahreszeit der Stürme. Die Schifffahrt zwischen
Albáy und Manila hat völlig aufgehört; selbst von der Südküste wagte
kein Schiff abzugehn. Am 9. läuft aber noch der verloren geglaubte
Casaisái ein; er hat starke Haverei gelitten, den grössten Theil
seiner Ladung über Bord geworfen. Schon zwölf Tage zuvor hatte er
die Strasse von S. Bernardino geklärt, als ein Sturm ihn zwischen
den Inseln Balicuátro zu ankern zwang. Einer der Passagiere, ein neu
angekommener Spanier, bestieg ein mit sieben Matrosen bemanntes Boot,
und fuhr auf vier Pancós zu, die bewegungslos vor der Küste lagen. Er
hielt sie für Fischer, es waren aber Seeräuber. Sie beschossen ihn,
als er weit genug von seinem Schiff war, seine Mannschaft warf sich
in's Wasser, wurde jedoch sammt ihm selbst gefangen genommen. Der
Kapitän fürchtend, dass die Räuber sein Schiff angreifen würden,
kappte das Ankertau, stach trotz des Sturmes wieder in See und entging
nur mit genauer Noth und arg zugerichtet gänzlichem Schiffbruch.

Die Gefangenen werden in der Regel nicht umgebracht, sondern zum Rudern
benutzt. Europäer kommen aber selten mit dem Leben davon, da sie die
grossen Anstrengungen bei spärlichster Kost nicht ertragen. Man nimmt
ihnen die Kleider ab, überlässt sie fast nackt jedem Wetter und giebt
ihnen täglich kaum eine Hand voll Reis zur Beköstigung.



ZWÖLFTES KAPITEL

    REISEN IN SÜD-CAMARINES. -- GLIEDERUNG DER PROVINZ. -- SPANISCHE
    PRIESTER. -- ALKALDEN UND MANDARINE.


In Albáy war vor Januar nicht auf besseres Wetter zu rechnen,
es stürmte und regnete täglich; ich ging daher in die westlich
davon gelegene Provinz Süd-Camarínes, die, durch hohe Berge an
ihrem NO. Rande gegen die herrschenden Winde geschützt, gutes
Wetter hatte. Abgesehn von der in NO. vorliegenden, nur durch eine
vom Ysaróg gebildete Landenge mit Camarínes verbundenen Halbinsel
Caramúan, streicht Camarínes NO. SW. und bildet eine im Mittel zehn
Leguas breite an mehreren Stellen von tiefen Buchten ausgezackte
Halbinsel. In ihrer nordöstlichen Hälfte liegt eine Reihe von
Vulkanen und Trachyt- und Doleritkuppen; der südwestliche Rand
besteht, so weit ich Gelegenheit hatte ihn zu untersuchen, aus Kalk,
anscheinend gehobene Korallenriffe. Zwischen beiden Bergzügen dehnt
sich ein vielfach gewundenes fruchtbares Thal aus, in welchem sich
die von den innern Abhängen herabfliessenden Gewässer sammeln und
einen schiffbaren Fluss, den Bicol, bilden, an welchem sich der Reihe
nach eine Anzahl blühender Ortschaften angesiedelt hat. So reichlich
ist die dem Bicol aus den östlichen Bergen zuströmende Wassermenge,
so gering die Neigung der Thalsohle, die ein fast ununterbrochenes
Reisfeld bildet, dass an vielen Stellen kleine Seen entstehn. Fast
jede Ortschaft hat einen solchen; der bedeutendste ist der Batu-See,
die kleinsten schrumpfen in der trocknen Jahreszeit zu blossen
Wasserpfützen ein. Von Südosten anfangend, liegen in dem nordöstlichen
Streifen die Vulkane Bulusán, Albay, Mazarága, Yriga, Ysaróg und,
jenseits der Bucht von S. Miguel, der Colási, in einer geraden Linie,
wie die ganze Landzunge selbst, von NW. nach SO. streichend. Der
Vulkan Buhi oder Malináo, auch Tikát genannt, tritt in NO. ein
wenig über diese Linie hinaus. Parallel dieser Vulkanenreihe sind
die Ortschaften der Provinz in der Mittellinie geordnet; der südliche
Streifen ist spärlich bewohnt, und sendet in seiner ganzen Erstreckung
nur wenige Bäche in das Thal, was auch dafür zu sprechen scheint,
dass er aus Kalk bestehe. Der vulkanische Bergwall hält, wie erwähnt,
die NO. Winde ab und verdichtet ihre Wasserdämpfe an seinem dem Meere
zugewandten Abhang, so dass der südwestlich davon liegende Theil der
Provinz während des NO. Monsuns trocken ist, während des SW. Monsuns
Regen hat. Die sogenannte trockene Jahreszeit, die für Süd-Camarínes
mit November beginnt, ist aber von häufigen Regenschauern unterbrochen;
verhältnissmässig trocken sind nur die Monate Januar bis Mai. Im Mai
und Juni findet der Monsunwechsel statt, der sich durch starke Gewitter
und Stürme aus SW. verkündet, die zuweilen eine bis zwei Wochen fast
ohne Unterbrechung dauern und von starkem Regenfall begleitet sind. Sie
leiten die eigentliche Regenzeit ein, die bis in den Oktober währt.

Die Strasse führt um den Südostrand der Vulkane Máyon und Mazarága,
über die Ortschaften Camálig, Guinobátan, Ligáo, Oas, Polángui,
die alle in einer geraden Linie SO. NW. an einem Flüsschen, Quínali,
liegen, das nach Aufnahme zahlreicher Bäche bald hinter dem letzten Ort
schiffbar wird. Es stehn dort einige Hütten, die wie der Fluss selbst,
Quínali heissen. Eine ausgenommen, haben alle genannte Ortschaften
über 14,000 Seelen, doch liegen sie meist weniger als eine Legua
von einander entfernt. Die Conventos sind grosse stattliche Gebäude,
die damaligen Curas, grösstentheils ältere Leute, waren im höchsten
Grade gastfrei und liebenswürdig. Bei jedem musste eingekehrt werden,
worauf der Señor Padre anspannen liess und seinen Gast zum nächsten
Amtsbruder fuhr. In Polángui wollte ich ein Boot miethen, um nach dem
See von Batu zu fahren; es war aber keines vorhanden, nur zwei grosse
aus einem Baumstamm gezimmerte Barotos von 80 Fuss Länge lagen da,
mit Reis aus Camarínes beladen. Damit ich nicht aufgehalten werde,
kaufte der Padre den Inhalt des einen Bootes unter der Bedingung des
sofortigen Ausladens, so dass ich Nachmittags meine Reise fortsetzen
konnte.

Steht der Reisende mit dem Cura gut, so kommt er nicht leicht in
Verlegenheit. Ich wollte einmal mit einem Pfarrer eine kleine Reise
gleich nach Tisch antreten, um 11 1/4 Uhr waren alle Vorbereitungen
fertig. Ich äusserte, dass es schade sei, die 3/4 Stunden bis zur
Malzeit zu warten. Gleich darauf schlug es 12; alle Arbeit im Dorfe
hörte auf; wir sowohl als unsere Träger setzten uns zu Tisch; es war
Mittag. Dem Glockenschläger war die Botschaft zugegangen: »Der Señor
Padre liesse ihm sagen, er schliefe gewiss wieder, es müsse längst
12 Uhr sein, denn der Señor Padre habe Hunger.« -- »Il est l'heure,
que Votre Majesté désire.«

Die grosse Mehrzahl der Geistlichen in den östlichen Provinzen von
Luzon und Samar besteht aus Franziskaner-Mönchen (Religiosos menores
descalzos de la regular y mas estrecha observancia de nuestro Santo
Padre San Francisco en las Islas Filipinas de la Santa y Apostolica
Provincia de San Gregorio magno), die in besonderen Seminarien in
Spanien für die Mission in den Kolonien erzogen werden. Früher stand
ihnen frei, nach zehnjährigem Aufenthalt in den Philippinen in ihr
Vaterland zurückzukehren; seitdem aber in Spanien die Mönchsklöster
aufgehoben, ist ihnen dies nicht mehr gestattet, da sie gezwungen sein
würden, dort der Ordensregel zu entsagen und als Rentner zu leben. Sie
wissen, dass sie jetzt ihre Tage in der Kolonie beschliessen müssen
und richten sich danach ein. Bei ihrer Ankunft werden sie gewöhnlich
zu einem Priester in die Provinz gesandt, damit sie die Landessprache
erlernen, erhalten dann zunächst eine kleine, später eine einträgliche
Pfarre, in der sie meist bis an ihr Lebensende verbleiben. Der
grösste Theil dieser Männer ist aus den untersten Volksschichten
hervorgegangen. Zahlreiche, in Spanien vorhandene fromme Stiftungen
machen es dem Armen, der für seinen Sohn nicht die Schule zahlen kann,
möglich, ihn in das Seminar zu schicken, in welchem er ausser dem
besonderen Dienst, zu dem er abgerichtet wird, nichts lernt. Wären die
Mönche von feinerer Bildung, wie ein Theil der englischen Missionäre,
so würden sie wohl ebenso wenig Neigung haben sich unter das Volk zu
mischen und ebenso wenig Einfluss auf dasselbe erlangen wie diese in
der Regel. Die früheren Lebensgewohnheiten der spanischen Mönche,
ihr enger Gesichtskreis befähigen sie ganz besonders dazu, mit den
Eingeborenen zu leben. Gerade dadurch haben sie ihre Macht über
dieselben so fest begründet.

Wenn dergleichen junge Leute eben frisch aus ihrer Pflanzschule
kommen, sind sie unglaublich beschränkt, unwissend, zuweilen auch
ungezogen, voll Dünkel, Ketzerhass und Bekehrungseifer. Allmälig
schleift sich diese rauhe Aussenseite ab; die geachtete Stellung, die
reichlichen Einkünfte, die sie geniessen, machen sie wohlwollend. Der
gesunde Menschenverstand und das Selbstvertrauen, die den niedern
spanischen Volksklassen eigen sind und sich bei Sancho Panza als
Guvernör so ergötzlich offenbaren, haben in dem einflussreichen,
verantwortlichen Posten, den der Cura einnimmt, volle Gelegenheit,
sich geltend zu machen. Sehr häufig ist der Cura der einzige Weisse
im Ort und meilenweit wohnt kein andrer Europäer. Er ist dann nicht
nur Seelsorger, sondern auch Vertreter der Regierung, das Orakel der
Indier, dessen Ausspruch namentlich in Allem, was sich auf Europa
und Zivilisation bezieht, ohne Appell ist; -- in allen wichtigen
Angelegenheiten wird er um Rath gefragt und hat Niemand, bei dem
er sich Rath holen kann. Unter solchen Verhältnissen kommen alle
seine geistigen Fähigkeiten zur vollen Entfaltung. Derselbe Mensch,
der in Spanien hinter dem Pflug hergegangen wäre, führt hier grosse
Unternehmungen aus; ohne technische Bildung, ohne wissenschaftliche
Hülfsmittel baut er Kirchen, Strassen, Brücken. So vorteilhaft aber
auch diese Verhältnisse für die Entwicklung der Fähigkeiten des
Geistlichen sind, so wäre es doch für die Bauten selbst besser, wenn
sie von Fachmännern ausgeführt würden; denn die Brücken stürzen gern
ein, die Kirchen sehn oft wie Schafställe aus, die anspruchsvolleren
haben zuweilen gar tolle Fassaden, und die Strassen verfallen bald
wieder; aber Jeder macht es eben so gut, wie er kann. Fast Allen
liegt das Wohl ihrer Ortschaft am Herzen, wenn auch der Eifer und
die eingeschlagenen Wege, auf denen sie dieses Ziel verfolgen, nach
den Persönlichkeiten sehr verschieden sind. Ich habe in Camarines
und Albáy viel Umgang mit den Curas gehabt und sie ausnahmlos
liebgewonnen. Sie sind in der Regel ohne allen Dünkel und in den
abgelegenen Orten so glücklich, wenn sie einmal Besuch erhalten,
dass sie Alles aufbieten, um ihrem Gast den Aufenthalt so angenehm
als irgend möglich zu machen. Das Leben in einem grossen Convento
hat viel Aehnlichkeit mit dem bei einem Gutsbesitzer im östlichen
Europa. Nichts kann zwangsloser sein. Man lebt so unabhängig wie im
Gasthaus, und manche Gäste betragen sich auch so, als wären sie in
einem solchen. Ich habe einen Subalternbeamten ankommen sehn, der ohne
Weiteres den Mayordomo vor sich beschied, sich ein Zimmer anweisen
liess, sein Essen bestellte und nur beiläufig fragte, ob der Pfarrer,
mit dem er doch nur ganz oberflächlich bekannt war, zu Hause sei.

Häufig wird den Priestern in den Philippinen ihre grosse Liederlichkeit
vorgeworfen; das Convento stecke voll hübscher Mädchen, unter denen
der Cura wie ein Sultan lebe. Auf die eingeborenen Priester mag dies
oft passen; bei den zahlreichen spanischen Pfarrern, deren Gast ich
war, habe ich nicht ein einziges Mal etwas Anstössiges in dieser
Beziehung zu sehn bekommen, die Dienerschaft bestand nur aus Männern
und vielleicht einem oder zwei alten Weibern. Ribadeneyra behauptet
[107]: »Die Indier, welche sehn, wie die Barfüsslermönche ihre
Keuschheit bewahren, sind in ihren Gedanken dahin gekommen, sie nicht
für Menschen zu halten. . . . und obgleich der Teufel sich bemüht hat,
viele, bereits verstorbene, keusche Geistliche zu verführen und auch
solche, die noch leben, indem er sich der Frechheit einiger Indierinnen
als Werkzeug bediente, so sind sie dennoch zur grossen Beschämung der
Indierinnen und Satans siegreich geblieben.« Dieser Autor ist aber sehr
unzuverlässig, sagt er doch (Kap. III. S. 13), die Insel Cebu hiesse
mit anderem Namen Luzon! Jedenfalls passt seine Schilderung nicht
auf die heutigen Zustände. Der junge Geistliche lebt in seiner Pfarre
wie ein Gutsherr früherer Zeit; die Mädchen rechnen es sich für eine
Ehre an, mit ihm umzugehn, die Gelegenheit ist für ihn viel bequemer,
da er durch keine eifersüchtige Frau bewacht wird und als Beichtiger
und geistlicher Rathgeber beliebig mit den Frauen allein zu sein
Gelegenheit hat. [108] Die Beichte muss namentlich eine gefährliche
Klippe für ihn sein. Im Anhange zur tagalischen Grammatik, der in den
für das Publikum käuflichen Exemplaren fehlt, ist zur Bequemlichkeit
des jungen Pfarrers, welcher der Sprache noch nicht mächtig ist, eine
Reihe von Fragen enthalten, die er der Beichtenden vorlegen soll;
mehrere Seiten derselben beziehn sich auf den geschlechtlichen Umgang.

Da die Alkalden nur drei Jahre in einer Provinz bleiben dürfen, die
Landessprache niemals verstehn, durch ihre amtlichen Geschäfte sehr
in Anspruch genommen sind und keine Zeit, gewöhnlich auch keine Lust
haben, die Eigenthümlichkeiten der Provinz, die sie verwalten, kennen
zu lernen, während der Cura in der Mitte seiner Pfarrkinder lebt,
sie genau kennt und auch ihnen gegenüber die Regierung vertritt, so
kommt es, dass er die wirkliche Behörde in seinem Distrikt ist. Die
Stellung der Geistlichen, den Regierungsbeamten gegenüber, spricht
sich auch in den Wohnungen aus. Die »Casas reales« meist klein,
schmucklos, oft baufällig entsprechen nicht dem Range des ersten
Beamten der Provinz; das Convento dagegen ist gewöhnlich ein sehr
geräumiges, stattliches, wohleingerichtetes Gebäude. Früher, als
die Guvernör-Stellen an Abenteurer verkauft wurden, die nur darauf
bedacht waren sich zu bereichern, war der Einfluss der Geistlichen
noch viel grösser als gegenwärtig. [109] Folgende Verordnungen deuten
ihre ehemalige Stellung besser an, als lange Beschreibungen:


    »Obgleich einige frevelhafte Eingriffe (atentados) gerechten Grund
    zum Kapitel X. der Ordonnanzen gegeben haben, worin der Guvernör
    D. P. de Arandia befiehlt, dass die Alkalden und Justizbeamten
    nicht anders als schriftlich mit den Missions-Geistlichen
    verkehren, und sie nicht anders als in Begleitung besuchen sollen,
    so wird dennoch verordnet, dass dies nicht also geschehn soll
    . . . in der Voraussetzung, dass die Kirchenprälaten ihren ganzen
    Eifer aufwenden werden, um ihre Untergebenen innerhalb der Grenzen
    der Mässigung zu halten.« . . »Die Alkalden sollen dafür sorgen,
    dass die Pfarrer und Diener der Religion besagte Gobernadorcillos
    und Justizbeamte mit der nämlichen Achtung behandeln, ohne zu
    gestatten, dass sie dieselben prügeln, züchtigen oder misshandeln
    . . . noch sich bei Tische von ihnen bedienen lassen.« [110]


Die ehemaligen Alkalden, die ohne vorhergehende Uebung in amtlichen
Geschäften, oft ohne Bildung und Kenntnisse und ohne die zu einem
so verantwortlichen einflussreichen Amte erforderlichen geistigen
und moralischen Eigenschaften, ihre Stellen kauften oder sie durch
Gunst erwarben, empfingen vom Staat ein nominelles Gehalt und zahlten
ihm eine Patentsteuer für die Berechtigung Handel zu treiben. Nach
Arenas (S. 444) galt diese Patentsteuer als eine den Alkalden für
Uebertretung des Gesetzes auferlegte Geldstrafe: »denn da ihnen durch
verschiedene Gesetze [111] jede Art Handelsbetrieb untersagt war, so
geruhte S. Majestät dennoch, ihnen die Erlaubniss dazu zu ertheilen.«
[112] Dieser Unfug wurde erst durch R. D. 23. September und 30. Oktober
1844 aufgehoben.

Die Alkalden waren Guvernöre und Richter, Befehlshaber der Truppen und
zugleich die einzigen Händler in ihrer Provinz. [113] Sie kauften in
Manila die Sachen, die in ihrer Provinz gebraucht wurden, gewöhnlich
mit Geld der obras pias; (s. S. 14, Anmerkung 17) denn sie selbst
kamen ohne alles Vermögen nach den Philippinen. Die Indier mussten
dem Alkalden ihre Produkte verkaufen und seine Waaren abnehmen zu
Preisen die er selbst feststellte. [114] Unter solchen Verhältnissen
waren die Priester die Einzigen, welche die Indier gegen diese
Blutsauger schützten, wenn sie nicht, was auch zuweilen vorkam,
mit ihnen gemeinschaftliche Sache machten.

Gegenwärtig sendet die Regierung Rechtskundige als Alkalden in die
Philippinen, die etwas besser besoldet sind, und nicht Handel treiben
dürfen. Ueberhaupt ist die Regierung bemüht den Einfluss der Curas
zu mindern, den der Zivilbehörden zu vermehren, was ihr indessen
nur sehr unvollkommen gelingen wird, wenn sie nicht die Amtsdauer
der Alkalden verlängert und letztere so stellt, dass sie nicht in
Versuchung kommen Nebenverdienste zu machen. [115]

Ich finde in Huc [116] eine Stelle über die Folgen des schnellen
Beamtenwechsels in China, die manche zu beherzigende Winke enthält:


    ... »Weil die Magistratur nicht mehr Personen anvertraut wird,
    die Freunde der Gerechtigkeit sind, sieht man dies ehemals so
    blühende und wohl regierte Reich von Tag zu Tag verfallen und
    einer furchtbaren, vielleicht nahen Auflösung entgegeneilen.

    Wenn wir die Ursachen dieser allgemeinen Zersetzung, dieser
    Verderbniss aufsuchen, die sichtlich alle Klassen der chinesischen
    Gesellschaft auflöst, so glauben wir sie in einer wichtigen
    Abänderung des alten Regierungssystems zu finden, welche die
    Mantschu-Dynastie eingeführt hat. Es wurde bestimmt, dass kein
    Mandarin sein Amt länger als drei Jahre an demselben Ort ausüben
    dürfe, und dass Niemand in seiner eigenen Provinz Beamter sein
    könne. Man erräth leicht den Gedanken, der ein solches Gesetz
    ersann. Sobald die Mantschu-Tartaren sahen, dass sie Herren des
    Reichs waren, erschraken sie über ihre geringe Zahl, die in dieser
    unzähligen Menge von Chinesen wie verloren war ... Das Ansehn,
    welches die hohen Beamten in den Provinzen genossen, konnte ihnen
    grossen Einfluss geben um das Volk aufzureizen ...

    Die Magistratspersonen, die nur einige Jahre auf demselben Posten
    verbleiben dürfen, leben darin wie Fremde, ohne sich um die
    Bedürfnisse der von ihnen regierten Bevölkerung zu kümmern, kein
    einziges Band verknüpft sie mit derselben, ihre ganze Sorge besteht
    darin, so viel Geld als möglich zusammen zu schlagen, um später
    an einem andern Orte dasselbe Geschäft von neuem zu beginnen,
    bis sie endlich in ihre Heimat zurückkehren und ein Vermögen
    geniessen können, das sie nach und nach in den verschiedenen
    Provinzen erpresst haben ... Sie sind ja nur Vorübergehende --
    was schadet es? morgen ziehen sie an das andre Ende des Reichs,
    wo sie das Schreien der von ihnen geplünderten Opfer nicht mehr
    hören... So sind die Mandarinen selbstsüchtig und gegen das
    Gemeinwohl gleichgültig geworden. Der Urgrundsatz der Monarchie ist
    vernichtet, denn der Magistrat ist nicht mehr ein Familienvater,
    der inmitten seiner Kinder lebt, sondern ein Marodör, der
    ankommt, ohne dass man weiss woher, und wieder abzieht, niemand
    weiss wohin? Daher stockt alles ... man sieht nicht mehr,
    wie ehedem, jene grossen Unternehmungen ... Heut wird nicht
    nur nichts Aehnliches ausgeführt, man lässt die Werke früherer
    Dynastien gänzlich verfallen ... Der vorübergehende Mandarin
    sagt sich: Wozu soll ich unternehmen was ich doch nicht vollenden
    kann? warum sollte ich säen, damit ein Andrer ernte? ... Die
    Mandarinen sind niemals mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit
    vertraut. Am häufigsten sehn sie sich plötzlich inmitten einer
    Bevölkerung versetzt, deren Sprache sie nicht verstehn. Wenn
    die Mandarine in ihrem Mandarinat ankommen, so finden sie dort
    fest angesessene Dolmetscher vor, subalterne Beamte, die, weil
    sie mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit vertraut sind, ihre
    Dienste unentbehrlich zu machen wissen; sie sind im Grunde die
    eigentlichen Verwalter.«


In den Philippinen ist letzteres Amt unentbehrlich, da der Alkalde
nie die Landessprache versteht; zum Glück für Spanien muss es in
wichtigen Angelegenheiten der eingeborene Schreiber meist mit dem Cura
theilen, der in vielen Fällen die eigentliche Behörde ist. Er kennt
den Charakter der Insassen, und alle ihre Angelegenheiten, wobei ihm
der intime Verkehr mit den Frauen sehr zu Statten kommt. Wie mir 1867
ein hoher Beamter in Madrid mittheilte, lag damals dem Minister ein
Antrag zur Erwägung vor, wodurch die Beschränkung der Amtsdauer auf
drei Jahre aufgehoben werden sollte. [117] Die ihr zu Grunde liegende
Furcht, dass der Beamte in einer entfernten Provinz zu mächtig, sein
Einfluss dem Mutterlande gefährlich werden könne, passt nicht mehr
in die heutigen Verhältnisse. Die Verkehrserleichterungen haben die
frühere Abgeschlossenheit der fernen Provinzen aufgehoben. Die neuen
Zollgesetze, die wachsende Nachfrage nach Kolonialprodukten, das den
Fremden gewährte Niederlassungsrecht müssen eine bedeutende Steigerung
des Landbaus, des Handels und einen entsprechenden Zuzug von Weissen
und Chinesen zur Folge haben. Dann wird an Stelle jener Bedenken
die Notwendigkeit treten, das Ansehn und den Einfluss der Beamten zu
heben, durch Verminderung ihrer Zahl, sorgfältige Wahl der Personen,
Beförderung nach Fähigkeit und Leistung, angemessene Besoldung und
langen Verbleib in einer Stelle. Voraussichtlich werden besonders
die Beziehungen mit Californien und Australien lebhaft werden. Aus
diesen freien Ländern werden freie Ideen eindringen. Der Wohlstand
der Mestizen wird beträchtlich zunehmen, um so ungeduldiger werden
sie die wirkliche oder eingebildete Zurücksetzung der Regierung,
den Hochmuth ungebildeter Spanier ertragen. Dann wird das Mutterland
ernstlich zu erwägen haben, ob es klug ist, die Kolonie ferner
durch Monopole und Geldentziehungen auszubeuten und einer unnützen,
hungrigen Beamtenschaar preiszugeben. [118] Englische und holländische
Kolonialbeamte werden für ihren schwierigen verantwortlichen Dienst
besonders ausgebildet, erlangen ihre Anstellung durch ein strenges
Examen in der Heimat, und rücken in der Kolonie nur allmälig je nach
ihren Fähigkeiten in die höheren Stellen ein. Wie ganz anders werden
die Philippinen mit Beamten versorgt. Ob es aber Spanien gelingen wird,
einen den neuen Verhältnissen gewachsenen Beamtenstand zu schaffen,
ist schwer vorauszusagen, werden doch in Spanien selbst die Aemter
nicht sowohl durch Befähigung und Verdienst als durch politische
Intriguen erlangt und eingebüsst. [119]



DREIZEHNTES KAPITEL

    REISEN IN SÜD-CAMARINES, FORTSETZUNG. -- BATU-SEE. -- INDISCHE
    PRIESTER. -- NIEDERLASSUNG VON WILDEN. -- FEIER DER KREUZBULLE. --
    BUHI-SEE. -- VULKAN YRIGA. -- ANANASFASERN. -- PFEILGIFT. --
    BLUTEGEL. -- SOLFATARE YGABO. -- KIESELSPRUDEL VON TIBI.


Anderthalb Stunden nach der Abfahrt von Polángui erreichten wir den Ort
Bátu, in der NW. Ecke des gleichnamigen Sees. Die Leute, besonders die
Frauen fielen mir wegen ihrer Hässlichkeit und geringen Reinlichkeit
auf. Obgleich sie unmittelbar am See wohnen und täglich ihr Trinkwasser
daraus schöpfen, scheinen sie nur selten darin zu baden. Die Strassen
des Dorfes sind gleichfalls schmutzig und vernachlässigt, was zum
Theil wohl daran liegt, dass der Geistliche ein Eingeborner ist.

Der Bátu-See nimmt im November, zu Ende des Regenmonsun, einen viel
grösseren Raum ein als in der trockenen Jahreszeit und ist dann,
besonders in der SW. Ecke, weit über seine flachen Ufer getreten. Eine
grosse Menge von Wasserpflanzen wächst an den seichteren Stellen,
namentlich aber ist eine zierliche Alge [120], nicht dicker als
Pferdehaar, aber sehr verästelt und endlos durch einander fortwachsend,
in so ungeheurer Fülle vorhanden, dass sie eine hinreichend starke
Decke bildet, um grosse Wasservögel zu tragen. Zu hunderten gehn
sie darauf spazieren und fressen kleine Fische und Garnelen, welche
zwischen den Maschen dieses Netzwerkes wimmeln und ihnen bequem zur
Beute fallen. Auch von den Eingeborenen werden letztere massenhaft
mit gestielten Netzen aus dem Wasser geschöpft und theils frisch,
theils wie alter Käse durch Fäulniss pikanter gemacht, zum Reis
gegessen. Diese kleinen Krebse sind durchaus nicht auf den Bátu-See
beschränkt. Im Süss- und Brackwasser des philippinischen und indischen
Archipels und hinterindischen Festlandes werden sie (oder verwandte
Arten) in zahllosen Mengen gefangen und bilden gesalzen, gedörrt, in
Salz- oder Gewürzbrühen eingemacht, auch in Form von Pasten wichtige
Nahrungsmittel oder Kondimente. Sie fehlen auf keinem Markte und sind
Gegenstand nicht unbedeutender Ausfuhr nach China. [121] Es gelang mir
nicht von den Wasservögeln zu schiessen, da das dichte Pflanzengewirr
den Nachen nicht hinreichend nahe kommen liess.

Als ich denselben See im Februar wieder besuchte, fand ich sein Wasser
so bedeutend gefallen, dass ringsum ein breiter Saum trocken lag,
der an manchen Stellen über 100' maass. Das Algengewirr war bei dem
allmäligen Zurücktreten des Wassers zu einem dichten, zolldicken, von
der Sonne völlig gebleichten Filzteppich zusammengesunken, der sich
als ein einziges grosses Tuch rings um den Rand des Sees ausspannte
und über die Sträucher fort hing, die bei meinem ersten Besuch unter
Wasser standen. Nie habe ich etwas ähnliches gesehn oder erwähnt
gefunden. Der Stoff, der in Streifen von beliebiger Länge umsonst
zu haben war, erwies sich so vortrefflich zu Flintenpfropfen, zum
Ausstopfen von Vogelbälgen und zum Verpacken, dass ich eine grosse
Menge davon mitnahm. Diesmal war auch die Vogeljagd ergiebig.

Der eingeborene Priester von Bátu klagt sehr über seine Pfarrkinder,
die ihm nichts zu verdienen geben: »Keine Messen Herr; ja dies ist ein
so elendes Nest, dass kaum Todesfälle vorkommen. In D. wo ich Coadjutor
war, hatten wir täglich unsere zwei Beerdigungen zu drei Dollar
das Stück, und Messen zu einem Dollar, mehr als wir lesen konnten;
-- ausserdem Taufen und Trauungen, die doch auch etwas einbringen;
hier aber ist nichts, gar nichts zu verdienen.« Er hatte sich daher
mit Eifer auf den Handel gelegt. Die eingeborenen Geistlichen machen
ihrem Stande in der Regel wenig Ehre. Unglaublich unwissend, sehr
liederlich, nur in den Aeusserlichkeiten ihres Dienstes unterrichtet,
bringen sie einen grossen Theil ihrer Zeit mit Spielen, Trinken und
andern sündhaften Dingen zu. Sie bemühen sich nicht einmal den äussern
Anstand zu wahren, ausgenommen bei der Messe, die sie mit drolliger
Würde lesen, ohne ein Wort davon zu verstehn. Häufig sind Mädchen und
kleine Kinder im Convento, Alles isst mit den Fingern gemeinschaftlich
aus einer Schüssel. Der hiesige Priester stellte mir unaufgefordert
zwei hübsche Mädchen als seine beiden armen Schwestern vor, die er
trotz seiner grossen Dürftigkeit unterhielte; ihre Töchter wurden
aber von den Dienern ohne Scheu Töchter des Cura genannt.

Der Grundsatz der spanischen Kolonialpolitik, eine Kaste durch die
andere in Schranken zu halten, damit keine zu mächtig werde, scheint
die Ursache, warum ein grosser Theil der Pfarrstellen mit Eingeborenen
besetzt wird (angeblich die Hälfte, nach einer gesetzlichen Bestimmung
die ich vergeblich gesucht habe). Die Klugheit dieser Maassregel mag
wohl zweifelhaft erscheinen. Der spanische Cura hat grossen Einfluss
in seiner Gemeinde und bildet vielleicht das einzige feste Band
zwischen der Kolonie und dem Mutterlande; in beiden Punkten gewährt der
einheimische Priester keinen Ersatz; er geniesst gewöhnlich selbst bei
seinen Landsleuten nur wenig Achtung; Anhänglichkeit an Spanien hat er
nicht, namentlich hasst und beneidet er seine spanischen Amtsbrüder,
die ihm die schlechtesten Stellen übrig lassen und ihn verachten.

Von Bátu reitet man auf guter Strasse N. b. O. in einer halben
Stunde im Schritt nach Nábua. Das Land ist flach, zu beiden Seiten
Reisfelder; während aber in Bátu der Reis damals gepflanzt wurde, war
er in Nábua fast reif. Ich habe über diesen auffallenden Umstand keine
genügende Auskunft erhalten können und weiss den dadurch angedeuteten
schroffen klimatischen Unterschied zwischen zwei so nahe gelegenen,
durch keine hohe Bergwand getrennten Orten nicht zu erklären. Die
Menschen sind hässlich und schmutzig und unterscheiden sich darin
merklich von den Tagalen. Nábua (10,875 E.) wird von mehreren kleinen
Flüssen durchschnitten, die aus den Bergen in Osten kommend hier
einen kleinen See bilden, dessen Ausfluss bei Báo durch Aufnahme
von Bächen abermals zu einem See anschwillt und sich dann in den
Bícol ergiesst. Dicht vor der zweiten Brücke in Nábua wendet sich die
Strasse ostwärts und führt in gerader Linie nach Yriga, im Südwesten
des gleichnamigen Vulkanes belegen.

Auf dem Abhange des letzteren besuchte ich eine kleine Niederlassung
heidnischer Eingeborenen. Von den Bewohnern der Ebene werden sie
abwechselnd Ygorroten, Cimarronen, Remontados, Infieles oder Montesinos
(Waldbewohner) genannt, keiner dieser Namen, mit Ausnahme der beiden
letzten passt aber recht auf sie; der erste kommt eigentlich Stämmen
im Norden der Insel zu, die für Mischlinge von Chinesen und Indiern
gelten. [122] Cimarron, französisch Marron, den amerikanischen
Sklavenkolonien entlehnt, bezeichnet dort einen entsprungenen in
Freiheit lebenden Negersklaven, hier einen Eingeborenen, welcher
die Bequemlichkeiten des Dorfes sammt seinen Steuern und Frohnden
gegen die Entbehrungen und die Unabhängigkeit des Lebens in der
Wildniss vertauscht hat. Die Bezeichnung Remontado (remonté) erklärt
sich selbst und ist gleichbedeutend mit Cimarron. Da der Gegensatz
zwischen jenen beiden Zuständen wegen der Milde des Klimas und der
Bedürfnisslosigkeit der Eingeborenen nicht entfernt so gross ist,
als er bei uns sein würde, so kommen solche Rücktritte öfter vor,
als man glauben sollte, gewöhnlich in Folge eines Vergehens oder einer
unbequemen Schuld, zuweilen aus blossem Widerwillen gegen Kopfsteuer
und Frohndienste. Der Indier hat eine ausgesprochene Neigung, sich
aus den Puéblos in die Einsamkeit zurückzuziehn, auf seinem Felde zu
wohnen; und nur dem vereinten Eifer der für die Kopfsteuer haftbaren
Dorfältesten und der Geistlichen, die, abgesehn von andern Interessen,
auch ihre nach der Kopfzahl berechneten Stipendien zu berücksichtigen
haben, gelingt es zu verhindern, dass sich die Puéblos in Visitas,
diese in Ranchos auflösen. Nachdem der Verkehr in andern Ranchos
desselben Berges meine ersten Eindrücke bekräftigt, möchte ich die
unabhängigen Bewohner des Yriga für Mischlinge von Indiern und Negrítos
halten. Die Hautfarbe ist dunkelbraun, nicht schwarz, wohl nicht
dunkler als bei Indianern, die sich der Sonne sehr aussetzen. Einige,
aber durchaus nicht Alle, haben krauses Haar. Während sowohl die in
grösseren Truppen zusammenlebenden Negrítos wie die von mir vereinzelt
bei Angat und Marivéles angetroffenen keinen Ackerbau treiben, fast
ohne Obdach im Freien hausen, sich von spontanen Naturerzeugnissen
nähren [123], wohnen die Halbwilden des Yriga in bequemen Hütten
und bauen verschiedene Knollengewächse und etwas Zuckerrohr. Reine
Negrítos kommen, so weit meine Erkundigungen reichen, in Camarines
nicht vor. Ein zum grossen Theil dicht bevölkertes Gebiet, aus dem sich
die höheren Berge nur in einzelnen Kuppen erheben, dürfte wohl kaum
für ein herumschweifendes Jägerleben ohne Feldbau die erforderlichen
Bedingungen darbieten.

Die wenigen Ranchos des Yriga sind sehr zugänglich, sie stehn im
freundschaftlichsten Verkehr mit den Indiern; andern Falls wären
ihre Bewohner wohl längst ausgerottet. Trotz dieser nachbarlichen
Beziehungen hatten sie doch noch viel von ihrem ursprünglichen
Wesen bewahrt. Die Männer waren nackt bis auf ein Schamband, die
Weiber gleichfalls oder trugen einen Schurz, von der Hüfte bis zum
Knie reichend. [124] In dem grössten Rancho waren die Frauen sehr
dezent, nach Art der Indianerinnen bekleidet. Ihr Hausrath bestand
aus Bambusgeräth, Kokosschalen, einem irdenen Kochtopf, Bogen und
Pfeilen. Bei letzteren, die sehr sorgfältig gearbeitet, war der
Schaft aus Rohr, die Spitze aus einem scharfen Bambusschnitt oder aus
Palmenholz, dreispitzig oder einspitzig; im letzteren Fall war um die
Spitze oft eine spirale Rinne eingeschnitten; zur Schweinejagd werden
vergiftete Pfeile mit eiserner Spitze benutzt. Obgleich die Ygorroten
nicht Christen sind, hatten sie ihre Hütten mit Kreuzen verziert, die
ihnen als Talismane dienen. Wenn sie nichts nützten, meinte eine Alte,
würden die Castilas sie nicht überall anbringen. [125] Die grösste der
von mir besuchten Rancherien stand unter einem Kapitän, der aber nur
wenig Macht hatte. Auf meinen Wunsch rief er einige nackte Bursche
herbei, die müssig auf Baumstämmen hockten. Sie gehorchten ihm erst
nach langen Erörterungen. Kleine Geschenke, messingene Ohrringe
und Kämme für die Frauen, Zigarren für die Männer gewannen leicht
ihre Gunst.

Nach einem vergeblichen Versuch den Yriga von hier aus bis zum Gipfel
zu besteigen, ging ich um seinen Südwestrand nach Buhi im Südwinkel
des Buhi-See's. Zehn Minuten nach der Abreise von Yriga kommt man an
eine Stelle, wo der Boden unter dem Hufschlag hohl klingt. Unzählige
kleine, im Mittel 50 Fuss hohe Hügel erheben sich aus der Ebene. Im
Norden erblickt man den grossen Krater des Yriga, dessen dem See
zugewendete Ostseite eingestürzt ist. Von Yriga her erscheint der
Vulkan als ein geschlossener Kegel. Der See hat etwa 1 1/2 Meilen
Umfang. Die Hügel bestehn an dieser Stelle aus Basalt, bei Buhi aus
grobgeschichteten Rapilli, die Schichten fallen gegen den Yriga ein,
der NW. davon liegt. Von einem der höchsten der Basalthügel betrachtet,
sieht es aus als wären diese kleinen Anhöhen Ueberreste eines grossen
ehemaligen Kraters, der, vielleicht durch Erdbeben zertrümmert, später
durch Erosion in diese zahlreichen kleinen Kuppen umgestaltet wurde.

In Buhi liess der freundliche Pfarrer durch Trommelschlag verkünden,
dass der eben angekommene Fremde allerlei Thiere zu haben wünsche,
Thiere der Erde, der Luft und des Wassers, Thiere der Berge, der
Wälder und Felder, und alles baar bezahlen würde. Es wurden aber von
den zahlreich herbeiströmenden Neugierigen nur Thiere der Häuser und
der Leiber, Schaben, Tausendfüsse und andres Ungeziefer gebracht, die,
nachdem sie zu Einlasskarten gedient, als seltene Waare verwerthet
werden sollten.

Am folgenden Tage sah ich einen bunten Aufzug: Voran die spanische
Fahne, welcher die Dorfpauke, 7×4 Reiter in kurzen Jacken und
flatternden Hemden, ein Dutzend Musikanten und schliesslich
als Hauptfigur der Träger einer rothseidenen Standarte folgten;
eine Ehre, die den Bevorzugten nicht wenig stolz macht und zu einem
Schmaus mit reichlichen Spenden von Kokoswein verpflichtet. Er sass
zu Pferde, affenartig aufgeputzt, auf dem Kopf einen Dreimaster,
der statt goldener Tressen, mit buntem Papier beklebt war, über
dem Frack eine papierene Weiberpelerine, kurze enge gelbe Hosen,
lange weisse Strümpfe und Schuhe. Rock und Hose waren gleichfalls
statt der Tressen mit Papier benäht. Auf ähnliche Weise war das von
zwei Cabezas geführte Pferd verziert. Nachdem der Zug sich durch die
Strassen des Dorfes bewegt, machte er vor der Kirche Halt.

Dieses Fest wird alljährlich gefeiert zum Gedächtniss der von den
Päpsten dem Könige von Spanien gemachten Konzession, die Erträge
der Kreuzbulle für sich zu verwenden. Die spanische Krone besitzt
in Folge davon das Recht, verschiedene Ablässe, auch für schwere
Verbrechen, im Namen des Papstes zu ertheilen. Sie hat dieses Recht
gewissermassen im Grossen erworben und verschleisst ihren Kunden
die Indulte im Wege des Kleinhandels, früher durch die Pfarrer, seit
1851 im Estanco, zugleich mit andern von ihr monopolisirten Artikeln:
Tabak, Branntwein, Loterieloosen, Stempelpapier etc.; jedoch »unter
Mithülfe der Pfarrer«. [126] Ohne letztere würde das Geschäft wohl
wenig abwerfen. Die Einnahmen daraus haben immer sehr geschwankt; sie
betrugen 1819: 15,930 Doll., 1839: 36,390 Doll., und waren für 1860
auf 58,954 veranschlagt; in den beiden Jahren 1844/45 aber stiegen
sie auf 292,115 Doll., weil die Ablassscheine damals den Familien
zwangsweise aufgenöthigt wurden, indem sie von den Barangayhäuptern
»unter Beihülfe und Ueberwachung der Pfarrer und Untersteuerbeamten«,
die dafür, bezüglich, 8% und 5% Prämie erhielten, in die einzelnen
Häuser vertheilt wurden; -- wohl eine der schamlosesten Anwendungen
des Repartimiento Systems. [127]

Der Buhi-See (92 Meter Meereshöhe) ist malerisch schön, fast auf allen
Seiten von über tausend Fuss hohen Bergen umgeben; sein Westrand wird
von dem noch vorhandenen Theil des Yriga-Kraters gebildet. Wie mir
die Pfarrer der umliegenden Ortschaften mittheilten, soll der Vulkan
bis zu Anfang des 17ten Jahrhunderts ein geschlossener Kesselberg
gewesen, und als er bei einem grossen Ausbruch zur Hälfte einstürzte
der See entstanden sein. Uebereinstimmend damit heisst es im Estado
geogr. S. 247 (der wahrscheinlichen Quelle jener Mittheilungen):
Am 4. Januar 1641, einem denkwürdigen Tage, weil zur selben Stunde
alle damals in diesem Archipel bekannten Vulkane ausbrachen, stürzte
in der Provinz Camarínes ein grosser, von Ungläubigen bewohnter Berg
ein, und an seiner Stelle erschien ein schöner See, an welchen die
Bewohner des (damaligen) Dorfes Buhi übersiedelten, weshalb er fortan
Buhi-See genannt ward.

A. Perrey (S. 48) führt einen Ausbruch vom Jahre 1628 in Camarínes an,
der gleichfalls auf jenes Ereigniss bezogen werden könnte:

»1628 bebte die Erde; nach glaubwürdigen Zeugnissen, an einem Tage
vierzehnmal in Camarínes; viele Gebäude stürzten ein, ein grosser Berg
barst und es brach aus demselben eine solche Menge Wasser hervor,
dass in den überschwemmten Gefilden die Bäume ausgerissen, und eine
Stunde vom Meer (die direkte Entfernung zum Meer beträgt 2 1/2 Leguas),
die Ebene ganz mit Wasser bedeckt war.« [128] Sonderbarer Weise aber
stimmt der in einer Note gegebene Originaltext nicht zu A. Perrey's
Uebersetzung. Jener erwähnt nichts vom Hervorbrechen des Wassers
aus dem Berge und sagt im Gegentheil, dass die von der ungeheuren
Gewalt umgestürzten Bäume am Strande auf eine Stunde weit die Stelle
des Meeres einnahmen, so dass auf dieser Strecke kein Wasser zu sehn
war. [129]

Die Angabe im Estado geogr. muss deshalb Misstrauen erregen,
weil in dem amtlichen Bericht über das grosse Erdbeben von 1641
die gleichzeitigen Ausbrüche dreier Vulkane, zweier im Süden des
Archipels, einer in Nord-Luzon ausführlich geschildert werden,
Camarínes aber ganz unerwähnt bleibt. Das Misstrauen wird durch den
Umstand vergrössert, dass derselbe Autor (Nierembergius), dem obige
Angabe über den Ausbruch von 1628 in Camarínes entlehnt ist, in einem
andern Werke einen ausführlichen Bericht über das Ereigniss von 1641
giebt, ohne dabei dieser Provinz zu gedenken. [130] Bei der grossen
Gleichgültigkeit, mit welcher die Mönche Naturereignisse behandeln
(waren doch selbst die am Fuss des Albay wohnenden Pfarrer nicht
einmal über die Daten seiner letzten Ausbrüche einig), ist es nicht
unwahrscheinlich, dass der Ausbruch von 1641, bei welchem in Nord-Luzon
ein Berg einstürzte und ein See an die Stelle trat, im Lauf der Zeit
auf den Yriga übertragen wurde.

Auch von Tambong aus, einer kleinen zu Buhi gehörigen Visita
am Seeufer, glückte es mir diesmal nicht die höchste Spitze
zu erreichen. Wir gelangten Abends auf den südlichen Zacken des
Kraterrandes (1041 Meter nach meiner Bar. Beob.), wo uns eine tiefe
Schlucht am weiteren Vordringen hinderte. Die Ygorroten verliessen
mich, die Indier weigerten sich zu bivuakiren um am folgenden Tage
die Reise fortzusetzen; ich musste umkehren. Spät Abends kamen
wir durch eine Kokospflanzung am Fuss des Berges und fanden Obdach
gegen ein Gewitter bei einer freundlichen Alten, der meine Diener
so viel vorlogen, dass wir trotz unseres Misserfolges, als der
Regen nachgelassen, mit Fackeln nach Tambong geleitet wurden und den
Palmenhain um den kleinen Weiler mit hellstrahlenden Freudenfeuern von
trocknen Kokosblättern zauberhaft schön erleuchtet fanden, zu Ehren der
»Conquistadores del Yriga«. Ich musste die Nacht in Tambong bleiben,
weil die Leute zu zaghaft oder zu faul waren über den bewegten See
zu fahren.

Hier sah ich Ananasfasern für Gewebe bereiten. Den zu diesem Zweck
bestimmten Pflanzen wird gewöhnlich der Fruchttrieb ausgebrochen,
wodurch die Blätter an Länge und Breite beträchtlich zunehmen. Eine
Frau legt ein Brett auf den Boden, darauf ein Ananasblatt, die hohle
Seite nach Oben gekehrt; sie hockt an einem Ende des Brettes, hält
das Blatt mit den Zehen fest, und schabt mit einem Tellerscherben,
nicht mit der scharfen Bruchkante, sondern mit dem stumpfen Rande des
Umfangs die oberste Schicht des Blattes ab, die sich in Fetzen löst;
dadurch wird eine Lage grober Längsfasern entblöst, die Arbeiterin
fährt mit dem Nagel des Daumens darunter, hebt sie auf, zieht sie
in einem zusammenhängenden Streifen ab und schabt abermals bis eine
zweite feine Faserschicht blosgelegt ist; dann dreht sie das Blatt um,
schabt etwa eine Handbreit vom untern Ende der jetzt oben liegenden
Rückseite des Blattes bis zur Faserschicht ab, fasst diese mit der
Hand und zieht sie der ganzen Länge nach auf einmal vom Blattrücken
ab. Nachdem die Fasern gewaschen, um sie von dem noch daran haftenden
Parenchym zu reinigen, trocknet man sie an der Sonne. Später werden
sie mit einem gewöhnlichen Kamm wie Frauenhaar gekämmt, nach ihrer
Feinheit in vier Klassen sortirt, an einander geknüpft und ebenso
behandelt wie Lupifasern. [131] Auf diese rohe Weise gewinnt man
die Fäden für die berühmten Gewebe, Nipis de Piña, die von Kennern
für die feinsten der Welt gehalten werden. Zwei Hemden aus diesem
Stoff sind im Berliner ethnographischen Museum (unter 291 und 292),
feinere Gewebe im Gewerbe-Museum ausgestellt. In den Philippinen,
wo man die Feinheit der Arbeit am besten zu würdigen versteht, sind
reich gestickte Piñakleider mit mehr als 2000 Thaler das Stück bezahlt
worden. [132]

In Buhi, das nicht hinreichend gegen den NO. gedeckt ist, regnete es
fast so viel wie in Darága. Ich hatte mit den Ygorroten ausgemacht,
dass sie einen Pfad durch das hohe Rohr bis zum Gipfel durchschlagen
sollten, es unterblieb aber wegen des anhaltenden Regens, und ich
entschloss mich über den Malinao zu steigen, längs der Küste in mein
Standquartier zurückzukehren und neu ausgerüstet den Bicolfluss bis
Naga hinabzufahren.

Bevor wir uns trennten bereiteten die Ygorroten noch Pfeilgift für
mich, aus zwei Baumrinden, von denen sich Proben unter B. 103 und
B. 104 in der botanischen Sammlung der Berl. Universität befinden. Ich
bekam nur die Rinden zu sehn, weder Blätter noch Blüthen. Die
Bastschicht der Rinde B. 103 wurde zerklopft, ausgedrückt, angefeuchtet
und noch einmal ausgedrückt. Dies geschah mit der blossen Hand, die
aber nicht verletzt sein darf. Der Saft sieht wie dünne Erbsensuppe
aus, er wird in einem Topfscherben über schwachem Feuer eingedampft,
wobei er an den Rändern gerinnt. Das Coagulum löst sich durch
Umrühren wieder in der kochenden Flüssigkeit. Ist diese zu Syrupsdicke
eingedampft, so wird von der innern Oberfläche der Bastschicht B. 104
eine geringe Menge, etwa 1/10 so viel als B. 103, abgeschabt und über
dem Topf ausgedrückt; dieser Saft ist dunkelbraun. Wenn das Gemenge
die Konsistenz einer zähen Salbe hat, so wird es mit einem Span aus
dem Scherben herausgekratzt und in einem mit Asche bestreuten Blatt
aufbewahrt. Zum Vergiften eines Pfeils verwendet man ein Stück von der
Grösse einer Haselnuss, das durch Erwärmen gleichmässig über die breite
eiserne Spitze vertheilt wird. Ein vergifteter Pfeil dient viele Male.

Ende November verliess ich den schönen Buhi-See und fuhr, von seinem
östlichsten Winkel aus, eine kurze Strecke den kleinen Sapafluss hinauf
[133], dessen Anschwemmungen einen beträchtlichen Vorsprung im Umriss
des Sees bilden. Ueber eine feuchte Wiese gelangt man an den Abhang des
Malinao oder Buhi, der schlüpfrige Thon des untern Abhanges geht weiter
oben in vulkanischen Sand über. In dem sehr feuchten Wald wimmelte
es von kleinen Blutegeln; ich hatte sie nie zuvor in solcher Menge
angetroffen. Die Thierchen, ausgestreckt nicht dicker als Zwirnsfäden,
sind ausserordentlich behende, setzen sich an alle Stellen des Körpers
fest, dringen selbst in die Nase, in die Ohren, in die Augenlider und
saugen sich, wenn man sie nicht bemerkt, so voll, dass sie kugelrund
werden und wie kleine Kirschen aussehn. Während sie saugen empfindet
man keinen Schmerz, aber später jucken die angegriffenen Stellen oft
noch tagelang. [134] An einer Stelle bestand der Wald überwiegend aus
Feigenbäumen mit sechs Fuss langen, an dem Stamm und den dickeren
Aesten hängenden Fruchttrauben. Die Früchte von Kirschengrösse
sassen vereinzelt an den sparrigen holzigen Stielen. Zwischen den
Bäumen wucherten kletternde Farne, Aroideen, Orchideen. Nach fast
sechs Stunden erreichten wir um 12 1/2 Uhr die Passhöhe (841 Meter)
und stiegen am östlichen Abhang hinab. Der Wald ist auf der Ostseite
des Berges noch prächtiger als auf der westlichen. Von einer Lichtung
hatten wir eine Aussicht auf das Meer, die Insel Catanduanes und die
Ebene von Tabaco. Mit Sonnenuntergang langten wir in Tibi an, wo ich
mich in dem saubern, von starken Bambusen eingefassten Gefängniss
einquartierte, dem wohnlichsten Raum eines langen Schuppens, der
die Stelle des vor zwei Jahren durch Sturm zerstörten Tribunals
vertrat. Von Tibi hatte ich Gelegenheit den Malinao (auch Buhi und
Takít genannt,) zu zeichnen: der von dieser Seite als ein grosser
Vulkan mit deutlichem Krater erscheint, vom Buhi-See aus ist er als
ein solcher nicht mit voller Sicherheit zu erkennen.

Nicht weit von Tibi, genau NO. vom Malinao, liegt eine schwache
Solfatara, Igabó genannt: in der Mitte einer rings von Bäumen umgebenen
Rasenfläche ist eine kahle Stelle von ovaler Form, nahe hundert Schritt
lang, 70 breit. Der ganze Raum ist mit kopfgrossen und grösseren,
durch Zersetzung abgerundeten Steinen bedeckt, beim Zerschlagen lösen
sich von der Oberfläche dünne konzentrische Schalen, der Kern ist grau
und besteht aus Trachyt. An einigen Stellen sprudelt aus dem Boden
heisses Wasser, das sich zu einem kleinen Bach sammelt, einige Weiber
waren beschäftigt ihre Mahlzeit zu kochen, indem sie mittelst eines
Netzes Caladiumschnitte in das dem Siedepunkt nahe Wasser hingen. An
der untern Fläche einiger Steine war ein wenig Schwefel sublimirt,
von Alaun kaum Spuren wahrnehmbar; in einer Vertiefung hatte sich
Kaolin angesammelt; es wird gelegentlich zum Anstrich benutzt.

Von hier begab ich mich zu den nahegelegenen Sinterquellen
von Naglegbeng. [135] Ich hatte Kalksprudel erwartet, und
fand die prachtvollsten Kieselbildungen, in den manchfaltigsten
Aggregatzuständen, in den verschiedensten Stufen der Ausbildung: flache
Kegel mit zylindrischen Aufsätzen, Stufenpyramiden, runde Becken mit
geripptem Rande, kochende Teiche. Eine von Bäumen entblösste Stelle
zwei bis dreihundert Schritt breit und anderthalb mal so lang, ist,
wenige mit Rasen bewachsene Lücken ausgenommen, mit einer Kruste von
Kieselsinter bedeckt, die zuweilen grosse zusammenhängende Flächen
bildet, gewöhnlich aber durch vertikale Sprünge in fliesenartige
Platten zerborsten ist. An unzähligen Stellen dringt siedend heisses,
kieselsäurehaltiges Wasser aus dem Boden, verbreitet sich über
die Fläche und setzt sowohl durch Erkaltung als durch Verdampfung
allmälig eine Kruste ab, deren Dicke mit der Entfernung vom Mittelpunkt
regelmässig abnimmt; so entsteht mit der Zeit ein sehr flacher Kegel,
mit einem Becken kochenden Wassers in der Mitte. Durch weiteren
Sinterabsatz verengt sich der Zuflusskanal, es läuft weniger Wasser
über, das schon in unmittelbarer Nähe des Beckenrandes verdampft und
in jedem Tropfen ein feines Körnchen Kieselerde absetzt; dadurch wird
nicht nur der obere Theil des Kegels steiler als seine Basis, es bildet
sich auch zuweilen ein zylindrischer Aufsatz, dessen äussere Seite,
weil das Wasser nicht völlig gleichmässig überfliesst, stalaktitisch
gerippt ist. Ist der Kanal soweit verstopft, dass der Zufluss geringer
ist als die Verdampfung, so läuft kein Wasser mehr über den Rand; der
Sinter setzt sich dann bei der allmäligen Abkühlung des Wassers mit
der grössten Gleichmässigkeit am innern Umfang des Beckens ab; in dem
Maasse aber als der Spiegel des Wassers sinkt, hört die Sinterbildung
im oberen Theil des Beckens auf; daher nimmt die innere Wand an Dicke
zu, und wenn der Kanal gänzlich verstopft, alles Wasser verdampft ist,
so bleibt ein glattes drehrundes, wie von Menschenhand ausgemeisseltes,
umgekehrt glockenförmiges Becken zurück. In der Abbildung des weissen
Kegels sind drei Indierinnen auf dem Rande eines solchen stehend
dargestellt, ein noch schönerer Beckenrand ist auf der rechten Kuppe
des rothen Kegels wahrzunehmen. Das Wasser sucht sich nun einen
neuen Ausweg, und bricht an der Stelle hervor, wo es den geringsten
Widerstand findet, ohne den schönen von ihm aufgebauten Kegel zu
zerstören. Solcher Beispiele sind mehrere vorhanden. Bei den grössten
Kegeln aber, die aus einer bedeutenden Wassermasse, einem kleinen
Teiche entstanden, erlangen die Dämpfe, wenn ihr Schlot verstopft ist,
solche Spannkraft, dass sie die oberflächliche Kruste in konzentrisch
strahlige Schollen zersprengen. Das Wasser sprudelt nun reichlich aus
der Mitte hervor und richtet, indem es den Sand unter den Schollen
zusammenschwemmt, diese steil, zuweilen fast senkrecht in die Höhe;
so entstehen ringförmige Stufen, deren horizontale Decke sich erst
allmälig durch neue Absätze aus dem überströmenden Wasser bildet. An
den auf der Zeichnung dargestellten beiden grossen Kegeln, dem
»weissen« und dem »rothen«, sieht man diese Stufenbildung vollendet,
an vielen andern Stellen ist sie im Entstehn. Zuweilen bricht,
nachdem die Stufenpyramide fertig, der Zufluss verstopft ist, das
Wasser auf dem Abhang desselben Kegels aus, dann entsteht ein zweiter
Kegel neben dem ersten auf derselben Basis, die vorstehende Zeichnung
stellt eine solche Bildung im Entstehn dar, die folgende zeigt sie in
der Vollendung. In der Nähe der Kieselbrunnen sieht man Ablagerungen,
weisse, gelbe, rothe, graublaue Thone, in schmalen Bändern wie bunte
Mergel einander überlagern, offenbar Zersetzungsprodukte vulkanischer
Gesteine durch Regen dahingeschwemmt und durch die Oxyde des Eisens
gefärbt. Vielleicht stammen diese Thone von denselben Gesteinen,
aus deren Zersetzung die Kieselerde hervorgegangen, und sind die
letzten festen Ueberreste derselben. Ihre Menge ist aber nur gering,
sie liegen nicht an ihrer ursprünglichen Lagerstätte und würden nur
einen kleinen Theil der ursprünglichen Masse darstellen. Ganz ähnliche
Verhältnisse kommen in Island und in Neuseeland vor, aber sehr viel
mannichfaltiger, schöner, reiner als die Produkte der isländischen
Geyser sind die der Sprudel von Tibi. Es finden sich Lager von
Pflanzen mit einer so feinen Kruste von Kieselsinter überzogen, dass
alle Blattnerven deutlich zu erkennen, die Galvanoplastik könnte nicht
zierlicher arbeiten. An andern Stellen wechsellagern dünne Schichten
undurchsichtig weissen oder sehr schwach röthlichen Sinters mit Bändern
durchsichtigen gelben Opals und Hyaliths. Zuweilen, wo die Kieselerde
lange in gallertartigem Zustande geblieben, haben die durch die zähe
Masse dringenden Gasblasen Reihen dünnwandiger Zellen gebildet, so
dicht und regelmäsig, als wären sie organischen Ursprungs, die Zellen
sind leer oder mit Hyalith erfüllt, der zuweilen in ununterbrochenen
Strahlen die Sintermassen durchdringt. [136] An andren Stellen hat
sich der Sinter in dünnen konzentrischen Schalen um feste Körperchen
abgesetzt und Lager von Erbsenstein gebildet. Ueberraschend schön
wirklich monumental aber ist der wunderbare Aufbau des rothen Kegels,
der schwerlich irgend wo in der Welt seines gleichen haben dürfte.



VIERZEHNTES KAPITEL

    LEBENSWEISE UND SITTEN DER BICOLINDIER.


Bei der zweiten Reise nach Camarínes, die ich im Februar unternahm,
fuhr ich zu Wasser von Polángui über Bátu bis Nága. Der Quináli,
der SO. in den Batusee fliesst, tritt am Nordrande als Bicolfluss
wieder aus, und läuft in NW. Richtung bis zur Bay von S. Miguél. Er
vermittelt einen nicht unbedeutenden Handel zwischen Albáy und
Camarínes, namentlich in Reis, da der in erster Provinz gewonnene
für die in Folge des Abacábau's sehr gestiegene Bevölkerung nicht
ausreicht und Camarínes Ueberfluss davon hat. Der Reis wird in
grossen Kähnen flussaufwärts bis Quináli geschafft und von dort in
Büffelkarren weiter verführt; die Boote gehn leer zurück. Die Breite
des sehr windungsreichen Bicol beträgt in der trocknen Jahreszeit am
Seeausfluss wenig über 60 Fuss und nimmt nur sehr allmälig zu. Die
Vegetation der Ufer bietet ziemliche Abwechslung, besonders anziehend
ist das Thierleben, namentlich das Treiben der zahlreichen Affen
und Wasservögel. Unter letzteren waren Plotus (P. melanogaster)
besonders häufig -- aber schwer zu schiessen. Bewegunglos sitzen
sie auf den Bäumen am Ufer, nur ihr dünner Hals und Kopf ragt wie
eine Baumschlange aus dem Laube hervor. Bei dem Annähern des Bootes
stürzen sie jäh in's Wasser und erst nach vielen Minuten sieht man
den dünnen Hals wieder empor tauchen, weit entfernt von der Stelle,
wo der Vogel verschwunden war. Im Fliegen scheint der Plotus nicht
minder gewandt als im Schwimmen und Tauchen.

Halbwegs zwischen Batu und Bula steht ein Kalkofen; das Gestein, ein
fester, gelblicher Kalk voll Steinkerne von Korallen (Seriatopora? und
unbestimmbaren Zweischalern), kommt aus einem flachen Hügelzug,
zwei Stunden Büffelschritt WSW, anscheinend einem gehobenen
Korallenriff. Weiter stromabwärts wird die Gegend flacher, nur die
grossen Vulkane ragen über die von Reisfeldern eingenommene Ebene.

In Nága, der Hauptstadt von Süd-Camarínes, stieg ich im Tribunal ab,
wurde aber alsbald von dem wegen seiner Gastfreundschaft weit über
die Grenzen seiner Provinz berühmten Administrador in sein Haus geholt
und mit Liebenswürdigkeit und Gefälligkeiten überhäuft. Der allgemein
beliebte Herr setzte alles in Kontribution um meine Sammlungen zu
bereichern, und that was er konnte um mir den Aufenthalt angenehm zu
machen und meine Zwecke zu fördern.

Nága ist die Hauptstadt von Süd-Camarínes, Sitz eines Bischofs und der
Provinzial-Regierung. In amtlichen Dokumenten wird es Nueva-Cáceres
genannt zu Ehren des aus Cáceres gebürtigen General-Kapitäns
D. Fr. de Sande, der 1578 neben dem Indierdorf Nága eine spanische
Stadt gründete. Zu Anfang des 17ten Jahrhunderts zählte sie gegen 100
spanische Einwohner (Morga f. 151), gegenwärtig kaum ein Dutzend. Schon
Murillo Velarde (XIII, 272) bemerkt, dass, im Gegensatz zu Amerika,
von allen in den Philippinen gegründeten Städten, mit Ausnahme
Manila's, nur noch die Skelette, die Namen ohne die Substanz sich
erhalten haben. Der Grund liegt, wie schon mehrfach hervorgehoben,
darin, dass es bis jetzt an Pflanzungen und mithin an eigentlichen
Ansiedlern fehlt. Früher war Nága Hauptstadt des ganzen östlich von
Tayábas gelegenen Theiles von Luzon, der bei zunehmender Bevölkerung in
die drei Provinzen Nord- und Süd-Camarínes und Albáy zerlegt wurde. Die
Grenzen dieser Verwaltungsbezirke sind namentlich zwischen Albáy und
Süd-Camarínes ziemlich willkürlich gezogen, während das Gesammtgebiet,
wie die Karte zeigt, geographisch sehr gut begrenzt ist. Im Verkehr
wird es auch wohl noch gegenwärtig im Zusammenhang Camarínes genannt;
am passendsten könnte man es das Land der Bicol nennen; denn es ist
von einem Volksstamm, den Bicolindiern bewohnt, der sich sowohl durch
seine Sprache, als durch manche Eigentümlichkeiten von seinen Nachbarn,
den Tagalen im Westen und den Bisayern, auf den Inseln im Süden und
Osten unterscheidet.

Die Bicol sind auf das in Rede stehende Gebiet und einige kleine
unmittelbar davor liegende Inseln beschränkt. Ueber ihre Herkunft geben
die umfangreichen, inhaltlosen Geschichten spanischer Mönche keinen
Aufschluss. Morga hält sie für Eingeborene der Insel, dagegen sei durch
Ueberlieferung bekannt, dass die Bewohner von Manila und Umgebung von
vor Zeiten dort eingewanderten Malayen und Bewohnern anderer Inseln
und ferner Provinzen abstammen. [137] So wie ihre Sprache zwischen
der der Tagalen und Bisayer mitten innen steht, so scheinen die Bicols
selbst auch in ihren Fähigkeiten und Sitten einen Uebergang zwischen
beiden zu bilden, den Tagalen körperlich wie geistig im Allgemeinen
nachzustehn, den Bewohnern der östlichen Bisaya-Inseln überlegen zu
sein. Bicol wird nur in beiden Camarínes und Albáy auf Luzon, und
auf den Inseln Masbáte, Burías, Ticáo, Catanduánes und den kleinen
benachbarten Eilanden gesprochen. Am reinsten sprechen es die Bewohner
des Vulkanes Ysaróg und seiner unmittelbaren Umgebung. Von dort gen
Westen nimmt die Bicolsprache immer mehr tagalisch, nach Osten hin
bisaya auf, und geht allmälig, wohl noch ehe sie die Grenzen ihres
ethnographischen Gebietes erreicht, in diese beiden Nachbarsprachen
über. Es dürfte zweckmässig sein, die hervorragendsten Züge in der
Lebensweise der Bicolindier, deren Mehrzahl sie mit den Tagalen und
Bisayern gemein haben, hier an einander zu reihen.

Ein allgemeiner Ueberblick der geographischen Verhältnisse und der
durch sie bedingten Vertheilung der trockenen und nassen Jahreszeiten
ist bereits S. 94 gegeben worden.

Die Aussaat des Reises in Beeten beginnt in Süd-Camarínes im Juni oder
Juli, je nach dem Eintritt der Regenzeit; in künstlich berieselten
Feldern früher, weil die Frucht dann zu einer Zeit reift, wo ihr
Vorrath im Lande gering, ihr Preis hoch ist. Obgleich Rieselfelder
sehr wohl zwei Ernten jährlich liefern könnten, so werden sie doch
nur einmal bestellt. Im August wird umgepflanzt mit handbreiten
Zwischenräumen zwischen den Linien und den einzelnen Pflanzen, vier
Monate später ist der Reis reif. Die Felder werden nie gedüngt und nur
selten gepflügt, gewöhnlich lässt man durch einige Dutzend Büffel das
Unkraut und die Stoppeln in den schon durchweichten Boden eintreten,
der dann nur noch mit einer stachlichten Walze gerollt, oder mit dem
Sorod gelockert wird. Ausser den genannten Ackergeräthschaften, sind
noch die spanische Hacke (Azadón) und ein Rechen von Bambus (Kag-kag)
in Gebrauch. Bei der Ernte geht es eigenthümlich zu. Der Reis, welcher
zuerst reift, wird für 10% geschnitten, d. h. der Arbeiter empfängt für
seine Mühe das 10te Bündel vom Eigenthümer. Um diese Zeit ist der Reis
sehr knapp, oft ist Noth vorhanden und Arbeitskraft billig; je mehr
Felder aber in Reife kommen, um so theurer wird der Schnitterlohn,
er steigt auf 20, 30, 40 selbst 50%, ja die Behörden halten es
zuweilen für nöthig, die Leute durch Körper- und Gefängnissstrafe
zum Ernten zu zwingen, damit nicht ein grosser Theil auf dem Halm
verfaule. Dennoch geht in sehr fruchtbaren Jahren immer ein Theil
der Ernte verloren. Man schneidet den Reis Halm für Halm (wie in
Java), mit einem eigentümlich geformten Messer, oder in Ermangelung
eines solchen, mit der scharfrandigen Klappe einer in den Gräben der
Reisfelder lebenden Muschel [138]; man braucht sich nur zu bücken,
um sie aufzunehmen.

Ein Quiñon bestes Reisland gilt 60-100 Dollars (8 bis 13 Thaler per
Morgen). Am theuersten sind Rieselfelder auf Anhöhen, die nicht wie die
Felder in der Ebene verheerenden Ueberschwemmungen ausgesetzt sind,
und so bewirtschaftet werden können, dass ihre Frucht zur Zeit der
höchsten Preise reift.

Auf vier Topones (1 Topon = 1 Loan) pflanzt man 1 Ganta und erntet 100
Manojos (Bündel), die je 1/2 Ganta Reis geben, also das fünfzigste
Korn. Man darf die alte Ganta von Naga wohl = 1 1/2 Gantas setzen,
dann berechnet sich der Ertrag auf 75 Cabanes per Quiñon, etwa 9 3/4
Scheffel per Morgen, ungefähr soviel wie in Preussen. [139] In Büchern
werden gewöhnlich 250 Cabanes als Ertrag eines Quiñon angegeben,
als Durchschnitt wohl eine Uebertreibung. Die Ergiebigkeit der
Felder ist allerdings eine sehr verschiedene, aber wenn man erwägt,
dass die Aecker in den Philippinen nie gedüngt werden, sondern zur
Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit ausschliesslich auf den durch die
Ueberfluthungen aus den Bergen ihnen zugeführten Schlamm angewiesen
sind, so mögen obige Zahlen dem wirklichen Durchschnitt wohl eher
entsprechen. In Java beträgt in vielen Provinzen die Ernte nur 50
Cabanes per Quiñon, in manchen freilich das Dreifache [140]; in China
bei sorgfältigster Kultur und reichlicher Düngung 180 Cabanes. [141]
Ausser Reis wird Camote (süsse Kartoffel, Convolvulus batatas) gebaut,
die wie Unkraut wuchert, ja sie wird zuweilen sogar angepflanzt,
um auf dem zum Kaffee-, Cacao- oder Abacábau bestimmten Boden das
Unkraut zu vertilgen. Sie breitet sich zu einem dichten Teppich
aus, und ist, da die Ausläufer Wurzel schlagen und Knollen bilden,
eine fast unversiegbare Vorrathskammer für den Besitzer, der das
ganze Jahr hindurch seinen Bedarf dem Felde entnehmen kann. Auch Gabi
(Caladium), Ubi (Dioscorea), Mais und zwei Arum-Arten sind Gegenstände
des Feldbaus.

Nach der Reisernte werden Büffel, Pferde und Rinder auf die Felder
gelassen. Während des Reisbaues bleiben sie in den Gogonales,
Rohrsteppen, die namentlich dort entstehn, wo für den Bau von Bergreis
gelichtete Stellen wieder verlassen werden. Gogo ist der Name eines 7
bis 8' hohen Rohres (Saccharum sp.). Transport findet dann fast nicht
statt, weil während der Regenzeit die Wege nicht benutzbar sind und
das Vieh nichts zu fressen fände. Der Indier füttert sein Vieh nicht;
er lässt es verhungern, wenn es sich nicht selbst erhalten kann. In
der nassen Jahreszeit kommt es nicht selten vor, dass ein Büffel,
während er den Karren zieht, vor Hunger zusammenstürzt. Ein Büffel
kostet 7-10 Dollars, ein Pferd 10-20, eine Kuh 6-8. Sehr schöne Pferde
bezahlt man mit 30-50 Dollars, ausnahmsweise sogar bis 80 Dollar,
doch werden die hiesigen Pferde in Manila nicht geschätzt, weil sie
nicht aushalten; das schlechte Wasser, das schlechte Heu und die
grössere Hitze daselbst, richten sie schnell zu Grunde, sonst würde
es vortheilhaft sein, Pferde in der guten Jahreszeit nach Manila zu
verschiffen, wo sie etwa das Doppelte kosten. Nach Morga (f. 130) gab
es weder Pferde noch Esel auf der Insel, bis die Spanier sie aus China
und Neu-Spanien einführten. [142] Erstere waren klein und bösartig;
auch aus Japan wurden Pferde bezogen, »nicht schnell aber stark mit
grossen Köpfen und dicker Mähne, wie Friesen aussehend«. [143] Die
Pferde vermehrten sich schnell, die im Lande geborenen, meist von
gekreuzter Rasse, schlugen gut ein.

Das Rindvieh ist gewöhnlich in den Händen Einzelner. Es giebt in
Camarínes Individuen, welche 1000 bis 3000 Stück besitzen, in der
Provinz ist es kaum verkäuflich, doch wird es seit einigen Jahren
mit Vortheil nach Manila ausgeführt. Das Rindvieh der Provinz ist
klein aber wohlschmeckend, zur Arbeit wird es nie benutzt, auch die
Kühe werden nicht gemolken. Die Indier ziehen das Büffelfleisch dem
Rindfleisch vor, essen es aber nur an Festtagen, gewöhnlich geniessen
sie nur Fische, Krebsthiere, Muscheln und wilde Kräuter zum Reis.

Die alte, von den Spaniern vor Jahrhunderten eingeführte Rasse von
Schafen hält sich gut und vermehrt sich leicht; die gelegentlich
von Shanghai und Australien gebrachten stehn im Rufe, nicht so gut
auszudauern; sie sollen unfruchtbar sein, gewöhnlich bald sterben. In
Manila ist Hammelfleisch täglich zu haben, im Innern aber, wenigstens
in den östlichen Provinzen fast nie, obgleich die Schafzucht ohne
Schwierigkeit, an manchen Orten mit grossem Vortheil getrieben
werden könnte. Man ist aber zu nachlässig, um die jungen Lämmer zu
hüten, und klagt, dass sie von den Hunden zerrissen werden, wenn
sie frei herumlaufen. Die Schafe scheinen sich schwer akklimatisirt
zu haben. Morga (f. 130) sagt, dass sie viele male aus Neu-Spanien
mitgebracht wurden, sich aber nicht vermehrten, so dass zu seiner
Zeit diese Art von Hausthieren nicht vorhanden war. Schweinefleisch
wird von wohlhabenden Europäern nur dann gegessen, wenn das Schwein
von Jugend auf im Hause erzogen worden ist. Um zu verhüten, dass
es sich herumtreibe, wird es gewöhnlich in einen Bambuskäfig, einen
weitmaschigen zylindrischen Korb, eingeflochten, und geschlachtet,
wenn es denselben ausfüllt. Von den Schweinen der Eingeborenen zu
essen ist zu ekelhaft; die Thiere leben unter dem Abtritt, der in
manchen kleinen Häusern nur aus den Zwischenräumen der aus Bambuslatten
gebildeten Diele besteht und ernähren sich von seinen Abfällen, die
sie gierig verschlingen; häufig sieht man sie im Dorfe herumlaufen,
Kopf und Hals mit den Resten ihrer Malzeit besudelt.


    Crawfurd (338) bemerkt, dass die Namen aller Hausthiere in den
    Philippinen fremden Sprachen angehören. Hund, Schwein, Ziege,
    Büffel, Katze, selbst Huhn und Ente seien malayisch oder javanisch;
    Pferd, Ochs, Schaf, spanisch. Wenn jene Thiere erst von den Malayen
    eingeführt wurden, so waren die Ureinwohner übler daran, als die
    Amerikaner, die doch das Alpaca, Llama und Vicuña hatten. -- Auch
    die Namen der meisten Kulturpflanzen, Reis, Yams, Zuckerrohr,
    Kokos, Indigo seien malayisch, so wie die für Silber, Kupfer,
    Zinn. Von den auf Gewerbe bezüglichen Wörtern sei ein Drittel
    malayisch, von Handelsausdrücken die grosse Mehrzahl; auch die
    Benennungen für Maasse, Gewichte, für den Kalender, soweit ein
    solcher vorhanden, so wie die (sehr entstellten) Zahlwörter, die
    Wörter für Schreiben, Lesen, Sprache, Erzählung. Dagegen ist nur
    eine Minderzahl der Ausdrücke, die sich auf den Krieg beziehn,
    dem malayischen entlehnt.

    Aus den ächt einheimischen Wörtern schliesst Crawfurd auf den
    Grad der Zivilisation, den die Philippiner vor ihrem Verkehr
    mit den Malayen besassen: sie baueten kein Getreide, ihre
    Pflanzenkost bestand in Bataten (?) und Bananen. Sie besassen
    nicht ein Hausthier, kannten Eisen und Gold, aber kein anderes
    Metall, und kleideten sich in selbst gewebte Baumwollen-
    und Abacá-Stoffe. Sie hatten ein eignes phonetisches Alphabet
    erfunden. Ihre Religion bestand im Glauben an gute und böse Geister
    und Hexen, in Beschneidung und etwas Sterndeuterei. Somit waren
    sie den Bewohnern der Südsee voraus durch den Besitz von Gold,
    Eisen und Geweben und standen ihnen nach, indem sie weder Hund,
    Schwein noch Huhn besassen.

    Lässt man die obige nur mit Hülfe mangelhafter sprachlicher Quellen
    entworfene Skizze des vorchristlichen Kulturzustandes gelten und
    vergleicht damit den gegenwärtigen, so ergiebt sich ein grosser
    Fortschritt, den die Philippiner den Spaniern verdanken. Insofern
    er die gesellschaftlichen Verhältnisse betrifft, ist er bereits
    mehrfach im Text hervorgehoben worden. Die Spanier haben das
    Pferd, das Rind, das Schaf, den Mais, den Kaffee, Rohrzucker,
    Cacao, Sesam, Tabak, Indigo, viele Früchte und wohl auch die
    Bataten eingeführt, die sie unter dem Namen Camotli in Mexico
    vorfanden. [144] Daraus scheint die in den Philippinen allgemeine
    Benennung Camote entstanden zu sein, die Crawfurd wohl irrthümlich
    für einheimisch hält. (Wie mir Dr. Witmack mittheilt, neigt man
    neuerdings zu der Ansicht, dass die Batate nicht nur in Amerika,
    sondern auch in Ostindien heimisch sei, da sie im Sanskrit zwei
    Namen habe: Sharkarakanda und Ruktaloo.)

    In den Gewerben, ausgenommen in der Stickerei, im Weben und
    Mattenflechten haben die Eingeborenen nur geringe Fortschritte
    gemacht. Die Handwerke werden hauptsächlich von Chinesen betrieben.


Die Ausfuhr besteht in Reis und Abaca. Die Provinz führt etwa zweimal
so viel Reis aus als sie verzehrt, hauptsächlich nach Albay, das
zum Reisbau weniger geeignet, fast nur Abacá erzeugt. Ein Theil geht
nach Nord-Camarínes, das sehr bergig und wenig fruchtbar ist. Nach
Manila kann der Reis kaum verschifft werden, da eine Landstrasse nach
dem der Hauptstadt nahen Südrande der Provinz nicht vorhanden und der
Wassertransport vom Nordrande und dem ganzen östlichen Theil von Luzon
das Produkt zu sehr vertheuern würde. Die Einfuhr beschränkt sich
auf das Wenige, was chinesische Krämer einführen. Die Händler sind
fast alle Chinesen, sie allein besitzen Läden, in denen namentlich
Kleiderstoffe und Tücher, theils inländischer, theils europäischer
Fabrik, gestickte Frauenpantoffeln und unächte Schmucksachen zu haben
sind. Das Gesammtkapital, welches in diesen Läden steckt, erreicht
gewiss nicht 200,000 Dollar. In den übrigen Pueblos von Camarínes
giebt es keine chinesischen Handelsleute, sie müssen sich also aus
Naga versorgen.

Das Land gehört dem Staat, wird aber einem Jeden, der es bebauen will,
umsonst überlassen; der Niessbrauch geht auf die Kinder über, und
hört nur dann auf, wenn der Boden zwei Jahre lang unbenutzt liegen
bleibt. Es steht dann der Behörde frei, zu Gunsten eines Andern
darüber zu verfügen.

Jede Familie besitzt ihr eignes Haus. Gewöhnlich erbaut es der junge
Ehemann mit Hülfe seiner Freunde. An manchen Orten kostet es nicht
über 4 bis 5 Dollar; zur Noth kann er es auch selbst herstellen,
ohne Auslagen, ohne andres Handwerkzeug als das Waldmesser
(Bolo) und ohne andres Material, als Bambus, spanisches Rohr und
Palmblätter. Dergleichen Häuser, die wegen der Feuchtigkeit immer
auf Pfählen stehn, und oft nur einen einzigen überdachten Raum haben,
in welchem alle Verrichtungen vorgenommen werden, sind Ursache grosser
Liederlichkeit und schmutziger Gewohnheiten; die ganze Familie schläft
darin gemeinschaftlich und jeder Durchreisende ist ein willkommener
Gast. Ein schönes Haus von Brettern für die Familie eines Cabeza
mag gegen 100 Dollar kosten. Das Vermögen einer solchen Familie
an Immobilien, Möbeln, Schmuck u. s. w. (sie müssen jährlich ein
Inventarium einreichen) beläuft sich auf 100 bis 1000 Dollars. Einige
haben sogar über 10,000, der Reichste der ganzen Provinz wird auf
40,000 Dollars geschätzt.

Im Allgemeinen lässt sich behaupten, dass jedes Pueblo seine
Bedürfnisse selbst erzeugt und wenig darüber hervorbringt. Für den
indolenten Indier, namentlich für den der östlichen Provinzen, ist
das Dorf, in dem er geboren worden, die Welt. Er verlässt es nur
unter dringenden Umständen. Uebrigens würde das von der Kopfsteuer
unzertrennliche strenge Passwesen der Reiselust, falls sie vorhanden
wäre, grosse Schwierigkeiten in den Weg legen.

Der Indier isst täglich dreimal: um 7 Uhr Vormittags, 12 und 7 oder
8 Abends; die kräftigsten Arbeiter verzehren bei jeder Malzeit eine
Chupa Reis, gewöhnliche Individuen eine halbe zum Frühstück, eine
zum Mittag, eine halbe zum Abend, zusammen 2 Chupas. Jede Familie
erntet ihren Reisbedarf selbst und bewahrt ihn in Scheuern auf, oder
kauft ihn enthülst auf dem Markt, und dann gewöhnlich nur den Bedarf
eines Tages oder einer Malzeit auf einmal. Der mittlere Einzel-Preis
ist 3 Cuartos für 2 Chupas (14 Chupas del Rey für 1 r.). Für jede
einzelne Malzeit wird der Reisbedarf in einem hölzernen Mörser von
den Frauen gestossen um ihn zu enthülsen -- aus alter Gewohnheit, und
auch wohl aus Furcht, dass der Vorrath sonst zu schnell verschmaust
werden würde. Der Reis wird nur halb gar gekocht. Es scheint, dass
dies überall geschieht, wo er einen wesentlichen Theil der Nahrung
ausmacht; schon in Spanien und Italien ist dies wahrzunehmen. An
Würzen werden Salz und viel spanischer Pfeffer (Capsicum) genossen,
der, ursprünglich aus Amerika eingeführt, überall um die Häuser
wächst. Die Eingeborenen ziehn sogenanntes Steinsalz dem gemeinen
Kochsalz vor; es wird durch Eindampfen von Meerwasser erhalten, das
vorher durch Asche filtrirt worden. Eine Chinanta (12,6 Zoll-Pfund)
kostet 1 1/2 bis 2 r. Der Salzverbrauch ist äusserst gering.

Die Genussmittel des Indiers sind Buyo [145] und Zigarren, eine Zigarre
kostet 1, ein Buyo 0,1 cu. Die Zigarre wird fast nie geraucht, sondern
in Stücke zerschnitten und mit dem Buyo gekaut, auch die Frauen kauen
Buyo und Tabak, aber gewöhnlich sehr mässig, sie färben sich auch
nicht die Zähne schwarz, wie die Malayen, die jungen und hübschen
putzen sich sogar dieselben fleissig mit der Hülle der Arecanuss, deren
parallel und eng neben einander liegende starre Fasern im Queerschnitt
eine vortreffliche Zahnbürste bilden, baden mehrere male täglich, und
übertreffen an Sauberkeit die Mehrzahl der Europäerinnen. Wohl jeder
Indier hält sich einen Kampfhahn; selbst wenn er nichts zu essen hat,
findet er Geld zum Hahnenkampf.

Hausrath: Zum Kochen dient ein irdener Topf für 3-10 cu., beim
Reiskochen wird er mit einem Bananenblatt fest zugebunden, so dass
der Dampf einer sehr geringen Wassermenge hinreicht. Ein anderes
Küchengeräth ist bei Aermeren nicht vorhanden. Reichere haben auch
einige gusseiserne Pfannen, irdene Töpfe und Schüsseln. Der Heerd
besteht in den kleineren Häusern aus einer tragbaren irdenen Pfanne
oder einem flachen Kasten, oft einer alten Zigarrenkiste voll Sand,
mit drei Steinen, welche als Dreifuss dienen; in den grossen Häusern
hat der Heerd die Form einer Bettstelle, die statt einer Matratze mit
Sand oder Asche gefüllt ist. Das Wasser für kleine Haushaltungen wird
in dicken Bambusen geholt und aufbewahrt; Jedermann besitzt ausserdem
in seinem Bolo (Waldmesser) ein Universalinstrument, das er in einer
selbstgefertigten Holzscheide an einer aus Bastfaser nachlässig
zusammengedrehten Schnur um den Leib trägt. Dies und der Reismörser
(ein Holzklotz mit einer entsprechenden Vertiefung) sammt Stösser und
einige Körbe bilden das gesammte Hausgeräth einer ärmeren Familie;
zuweilen findet sich noch eine grosse Schnecke mit Binsendocht als
Lampe. Man schläft auf einer Matte von Pandanus oder Buri (Fächerpalme,
Corypha), wenn eine vorhanden, sonst auf den Bambusspliessen, womit
das Haus gedielt ist. Oel zur Beleuchtung wird von den Armen fast gar
nicht verwendet, sondern Harzfackeln, die je 1-2 Tage dauern und auf
dem Markt für 1/2 cu. verkauft werden.

An Kleidung braucht eine Frau: Camisa de Guinara (kurzes Hemd von
Abacáfasern), ein Patadíon (Rock der von der Hüfte bis zum Knöchel
reicht), ein Tuch, einen Kamm. Ein Stück Guinara zu 1 r. giebt 2
Hemden, die gröbsten Patadíon kosten 3 r., ein Tuch höchstens 1 r.,
Kamm 2 cu, zusammen 4 Realen 12 cu = 24 Sgr. Die Frauen besserer Klasse
tragen Camisa 1 bis 2 r, Patadíon 6 r, Tuch 2-3 r., Kamm 2 cu. Der
Mann trägt Hemd 1 r, Hose 3 r, Hut (Tararura), aus spanischem Rohr,
10 cu, oder Salacot (grosser Regenhut, häufig verziert) wenigstens
2 r, oft mit Silberbeschlag bis zum Werthe von 50 Dollar. Es werden
jährlich wenigstens drei, wohl eher vier Anzüge verbraucht, die Frauen
pflegen aber fast den ganzen Bedarf für die Familie selbst zu weben.

Arbeitslohn: Für den gewöhnlichen Arbeiter 1 r, kein Essen; Arbeitszeit
von 6-12 und von 2-6 Uhr. Die Frauen verrichten in der Regel keine
Feldarbeit, doch pflanzen sie den Reis um und helfen ihn ernten;
in beiden Fällen ist ihr Lohn gleich dem der Männer. Holz- und
Stein-Arbeiter erhalten 1,5 r. per Tag, Kalfaterer 1,75 r.

Ein ziemlich gebräuchlicher Kontrakt bei dem Landbau ist der des
Tercio: der Eigenthümer überlässt das nackte, aber urbar gemachte Land
für den dritten Theil der Ernte. Einzelne Mestizen besitzen viele
Grundstücke, aber selten zusammenhängend, da sie ihnen gewöhnlich
als Schuldpfänder zu einem geringen Theil des Werthes zufallen.

Verdienst einer kleinen Familie: Der Mann verdient täglich 1 r, die
Frau, wenn sie grobe Stoffe webt 1/4 r. und Essen (1 Stück Guinara
kostet 1/2 r. Weberlohn und erfordert 2 Tage Arbeit). Die geschickteste
Weberin feinerer Stoffe erhält für das Stück 12 r. Arbeitslohn; und
vollendet es in einem Monat, der aber wegen der vielen Feiertage
im allerhöchsten Fall gleich 24 Arbeitstagen zu rechnen ist, sie
verdient also 1/2 r. per Tag und Essen. Für das Aneinanderknüpfen
der Ananasfasern zur Piña-Weberei (Sugot genannt) wird nur 1/8 r. und
Essen bezahlt.

In allen Pueblos sind Schulen vorhanden. Der Schullehrer wird von
der Regierung bezahlt, und erhält gewöhnlich 2 Dollars monatlich,
weder Wohnung noch Beköstigung. In grossen Pueblos steigt das Gehalt
auf 3 1/2 Dollars, davon muss aber ein Gehülfe besoldet werden. Die
Schulen stehen unter Aufsicht des Ortsgeistlichen. Es wird Lesen
und Schreiben gelehrt, die Vorschriften sind spanisch. Der Lehrer
soll eigentlich seine Schüler spanisch lehren, er versteht es aber
selbst nicht, andererseits verstehn die spanischen Beamten nicht
die Landessprache, die Priester aber haben keine Neigung an diesen
Zuständen zu ändern, die ihrer Macht sehr förderlich sind. Es können
fast nur solche Indier spanisch, die im Dienst von Europäern gewesen
sind. Gelesen wird in der Landessprache (bicol) zuerst eine Art
religiöser Fibel, später die Doctrina cristiana, das Lesebuch heisst
Casayayan. Durchschnittlich geht die Hälfte aller Kinder in die Schule,
gewöhnlich vom siebenten bis zehnten Jahr, sie lernen etwas lesen,
einige auch ein wenig schreiben, vergessen es aber bald wieder; nur
solche, die später als Schreiber Dienst nehmen, schreiben geläufig und
haben meist eine gute Handschrift. Einige Pfarrer dulden nicht, dass
Knaben und Mädchen dieselbe Schule besuchen, in diesem Fall besolden
sie noch eine besondere Lehrerin mit 1 Dollar monatlich. Rechnen
lernen die Indier sehr schwer, sie nehmen gewöhnlich Muscheln oder
Steine zur Hülfe, die sie in Häufchen legen und dann zählen.

Die Frauen heirathen selten vor dem vierzehnten Jahre, -- zwölf
Jahre ist der gesetzliche Termin. Im Kirchenbuche von Polangui fand
ich eine Trauung (Januar 1837) verzeichnet zwischen einem Indier und
einer Indierin, die den ominösen Namen Hilaria Concepcion führte und
bei Vollziehung der Ehe, wie aus einer Randbemerkung hervorgeht, nur
9 Jahre und 10 Monate alt war. Es kommt vor, dass Leute ungetraut
zusammen leben, weil sie die Kosten der Trauung nicht zahlen
können. Mädchen, die als Geliebte von Europäern Kinder bekommen,
rechnen es sich fast zur Ehre. Noch mehr ist dies der Fall, wenn das
Kind vom Pfarrer ist; der Cura erhält immer seine Kinder, aber unter
angenommenen Namen. In Fällen ehelicher Untreue, die nicht selten
sind, wird die schuldige Frau gewöhnlich geprügelt, der Verführer
geht frei aus; fast nie gelangen Beschwerden an das Gericht. Die
Männer sind meist liederlich. Eine Frau brachte die Geliebte ihres
Mannes durch Zureden zum Geständniss ihrer Schuld, und schnitt ihr
darauf mit einer bereit gehaltenen Scheere das ganze Haupthaar ab;
dies ist das einzige Beispiel von Rache, das in den letzten Jahren
vorgekommen war. Europäerinnen, ja selbst Mestizinnen, lassen sich,
nach Versicherung ihrer Männer, nie mit Indiern ein. Die Frauen
werden im Allgemeinen gut behandelt, verrichten nur leichte Arbeit,
Nähen, Weben, Sticken, Besorgung des Haushalts; alle schwere Arbeit
mit Ausnahme des Reisstampfens fällt den Männern zu. Oeffentliche
Mädchen verkehren mit allen Frauen und verheirathen sich auch oft,
zuweilen bieten Väter ihre Töchter Europäern an, indem sie ein Darlehn
erbitten und die Tochter dafür als Näherin in's Haus bringen.

Fälle von hohem Alter sind unter den Indiern, namentlich in Camarínes
häufig. Das Diario de Manila vom 13. März 1866 berichtet über einen
Alten in Darága (Albay) den ich wohl gekannt habe: Juan Jacob 1744
geboren, 1764 verheirathet, 1845 verwittwet, hat bis 1840 viele
öffentliche Aemter bekleidet, hatte 13 Kinder, von denen 5 leben,
170 direkte Nachkommen, ist mit 122 Jahren noch rüstig, hat gute
Augen und Zähne; -- erhielt sieben mal die letzte Oelung!

Die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes werden sorgfältig
aufbewahrt und unter dem Namen Triaca (Theriacum) als ein besonders
auch gegen den Biss von Schlangen und tollen Hunden wirksames
Universalheilmittel aufbewahrt. Es wird auf die Wunde gelegt und
zugleich eingenommen.

Eine grosse Anzahl Kinder stirbt in den ersten beiden Wochen nach der
Geburt. Es fehlen darüber alle statistischen Daten, aber nach Ansicht
eines der ersten Aerzte in Manila kommt wenigstens ein Viertel um. Die
Ursache soll allein in der grossen Unreinlichkeit und schlechten
Luft liegen, da in den Stuben der Kranken und Wöchnerinnen Thüren
und Fenster so dicht verschlossen werden, dass vor Gestank und Hitze
Gesunde krank werden, Kranke schwer genesen. Früher verstopfte bei
Geburten der Mann alle Oeffnungen des Hauses, damit Patianac nicht
eindringe, ein böser Geist der den Wöchnerinnen Unheil bringt und
die Geburt zu hindern sucht. Der Gebrauch hat sich fort erhalten,
bei Vielen wohl auch der Aberglaube ohne eingestanden zu werden;
wo dieser erloschen, hat man in der Furcht vor Zugluft eine neue
Erklärung für einen alten Brauch gefunden: Beispiele solcher
Anpassungen finden sich bei allen Völkern. Eine sehr verbreitete
Krankheit ist die Krätze, doch soll sie nach Versicherung des bereits
erwähnten Arztes weniger allgemein sein, als Nichtärzte glauben, die
jene Bezeichnung auf Hautausschläge überhaupt anwenden; an solchen
haben die Eingeborenen in Folge schlechter Diät sehr zu leiden,
Bicolindier mehr als Tagalen. [146] Unter gewissen Verhältnissen,
welche die darüber befragten Aerzte nicht genauer zu bestimmen
vermochten, können die Eingeborenen weder Hunger noch Durst ertragen
(davon bin ich mehreremale Zeuge gewesen). Sie sollen, wenn sie in
solchem Zustande gezwungen sind, das Bedürfniss ungestillt vorüber
gehn zu lassen, bedenklich erkranken und oft an den Folgen sterben.

Die krankhafte Sucht des Nachahmens, in Java Sakit-latar genannt,
kommt auch hier vor und heisst Mali-mali. In Java glauben Viele, dass
die Krankheit nur Verstellung sei, weil die angeblich damit Behafteten
es vortheilhaft finden, sich vor neu angekommenen Europäern sehn zu
lassen. Hier aber beobachtete ich ein Beispiel, bei dem wohl keine
Verstellung vorausgesetzt werden konnte; meine Begleiter benutzten
den krankhaften Zustand einer armen Alten, die uns begegnete, um auf
offener Strasse rohe Spässe mit ihr zu treiben. Die Alte ahmte alle
Bewegungen nach, wie von einem unwiderstehlichen Drang getrieben,
und äusserte zugleich ihren lebhaftesten Unwillen über die Leute,
die ihre Schwäche missbrauchten.


    In R. Maak's Reise nach dem Amur (Puteshestie na Amur pg. 83)
    heisst es: »Nicht gerade selten, leiden auch die Maniagrer an einer
    höchst sonderbaren Nervenkrankheit, mit welcher wir schon gründlich
    bekannt waren durch die Beschreibungen vieler Reisenden. [147]
    Man begegnet dieser Krankheit bei der Mehrzahl der wilden Völker
    Sibiriens, so wie auch bei den dort angesiedelten Russen. Im
    Gebiete der Jakuten, wo dieses Leiden sehr häufig vorkommt,
    sind die damit behafteten, sowohl bei den Russen als den Jakuten
    unter dem Namen Emiura bekannt; hier aber (d. h. in dem Theile
    Sibiriens, wo die Maniagri wohnen) werden dergleichen Kranke von
    den Maniagrern »Olon«, von den Argurischen Kosaken »Olgandshi«
    genannt. Die Anfälle der von mir hier besprochenen Krankheit
    bestehn darin, dass ein daran leidender Mensch, wenn er in
    Schrecken oder Bestürzung geräth, unbewusst und oftmals ohne das
    geringste Schamgefühl alles nachahmt, was vor ihm geschieht. Wird
    ein solcher Mensch geärgert, so geräth er in eine Raserei, die
    sich dadurch äussert, dass er ein wildes Geschrei ausstösst, auf
    andre Weise wüthet und sich sogar mit einem Messer oder irgend
    einem andern Gegenstand, der ihm gerade in die Hände fällt, auf
    diejenigen losstürzt, die ihn in diesen Zustand versetzten. Bei den
    Maniagrern leiden vorzugsweise Frauenspersonen an dieser Krankheit,
    besonders sehr alte; übrigens sind mir auch Beispiele von Männern
    bekannt, welche damit behaftet waren. Bemerkenswerth ist, dass
    die von diesem Leiden heimgesuchten Weiber dessen ungeachtet
    kräftig waren, und sich in allen übrigen Beziehungen einer guten
    Gesundheit erfreuten.«


Es ist vielleicht nur ein zufälliges Zusammentreffen, dass in
den Malayenländern Sakit latar und Amok, wenn auch nicht bei
demselben Individuum, doch bei denselben Völkern neben einander
bestehn. Beispiele von Amok scheinen auch in den Philippinen
vorzukommen. [148] Folgenden Bericht finde ich im Diario de Manila
vom 21. Februar 1866: In Cavite drang am 18. Februar ein Soldat vom
8. Regiment in das Haus eines Schullehrers, gerieth mit diesem in
Streit und erstach ihn, mit einem zweiten Dolchstoss tödtet er den Sohn
des Lehrers, stürzt auf die Strasse, ersticht zwei junge Mädchen von
10 bis 12 Jahren, verwundet eine Frau in der Seite, einen neunjährigen
Knaben im Arm, einen Kutscher (tödtlich) im Unterleib, ferner noch eine
Frau, einen Matrosen, drei Soldaten. An seiner Kaserne angekommen,
und von der Schildwache angehalten, stösst er sich selbst den Dolch
in die Brust . . . Leider steht der Fall nicht vereinzelt da . . .

Es ist eine der grössten Beleidigungen über einen schlafenden
Eingeborenen zu schreiten, oder ihn schroff zu wecken. Sie wecken
einander, wenn es durchaus geschehen muss, mit der grössten Rücksicht
und ganz allmälig. [149]

Der Geruchsinn ist bei den Indiern in so hohem Grade entwickelt, dass
sie im Stande sind durch Beriechen der Taschentücher zu erkennen,
welcher Person sie angehören, (Reisesk. pg. 39). Verliebte tauschen
beim Abschied Stücke getragener Wäsche aus, und schlürfen während
der Trennung den Geruch des geliebten Wesens ein, ebenso bei dem
Küssen. [150]



FUNFZEHNTES KAPITEL

    VORGESCHICHTLICHE UEBERRESTE. -- HOHER WERTH ALTER GEFÄSSE. --
    TROPFSTEINHÖHLEN IM YAMTIK. -- REISEN IN NORD-CAMARINES. --
    BERGBAU. -- GOLD. -- BLEIGLANZ. -- ROTHBLEI. -- KUPFER. --
    HÜTTENPROZESS DER YGORROTEN. -- ESSBARE VOGELNESTER.


Von Naga aus besuchte ich den Cura von Libmánan (Ligmanan), der
Dichtertalent und den Ruf eines Naturforschers besass. Er sammelte
und taufte hübsche Käfer und Muscheln, und widmete den zierlichsten
kleine Sonette. Er erzählte mir Folgendes:

1851 wurde beim Anlegen einer Strasse etwas unterhalb Libmánan,
an einer Stelle Poro genannt, 100' vom Fluss entfernt, unter 4'
Dammerde ein Muschellager aufgegraben. Es bestand aus Cyrenen
(C. suborbicularis Busch.) einer zur Familie der Cycladen gehörigen
Gattung von Zweischalern, die nur in warmen Gewässern vorkommt und
namentlich in den brackischen der Philippinen ausserordentlich häufig
ist. Bei dieser Gelegenheit fand man in Tiefen von 1 1/2 bis 3 1/2
Fuss zahlreiche Ueberreste früherer Bewohner: Schädel, Gerippe,
Knochen von Menschen und Thieren, ein Schenkelbein eines Kindes in
einer Spirale von Messingdraht steckend, mehrere Hirschgeweihe, schön
geformte Schüsseln und Gefässe, zum Theil bemalt, wahrscheinlich
chinesischen Ursprungs, gestreifte Armbänder aus einem weichen
gypsartigen kupferrothen Gestein, glänzend, als wären sie gefirnisst
[151]; kleine Messer von Kupfer, aber kein Eisengeräth, mehrere in
der Mitte durchbohrte breite, flache Steine; [152] auch einen Keil
aus verkieseltem Holz in einem gespaltenen Baumstamme steckend. Die
an einer Vertiefung noch deutlich zu erkennende Stelle dürfte,
bei planmässig fortgesetztem Nachgraben, noch manche interessante
Ergebnisse liefern. Was nicht unmittelbar zum Gebrauch geeignet,
wurde an Ort und Stelle vernichtet, das übrige verzettelt. Trotz
aller Bemühungen gelang es mir nur durch die Güte des Herrn Fociños
in Naga, ein kleines Gefäss zu erhalten. An der Mündung des Bígajo,
nicht weit von Libmánan sollen in eben solchem Muschellager ähnliche
Reste früherer Bewohner, und an der Mündung des Pérlos, westlich
von Sítio de Póro, 1840 eine Urne mit einem menschlichen Skelet
gefunden worden sein. Zur Zeit, als ich diese Angaben des Pfarrers
niederschrieb, waren weder ihm noch mir die in Europa bereits seit
einigen Jahren in den Pfahldörfern gemachten Entdeckungen geläufig,
sonst wären diese Aufzeichnungen wohl ausführlicher, vielleicht aber
weniger unbefangen ausgefallen.


    Mr. W. A. Franks, der die Güte hatte das Gefäss zu untersuchen,
    ist geneigt es für chinesisch zu halten und erklärt es für
    sehr alt, ohne jedoch das Alter genauer feststellen zu können
    (ähnlich sprach sich ein gelehrter Chinese der Burlingame'schen
    Gesandtschaft aus). Ihm ist nur ein Stück, nämlich ein von Kämpfer
    aus Japan mitgebrachter, im British Museum befindlicher Krug von
    noch festerer Masse bekannt, dessen Farbe, Glasur und Glasurrisse
    (Craquelés) genau mit dem meinigen übereinstimmen. Nach Kämpfer
    fanden die Japanesen dergleichen Krüge im Meer, und schätzten
    sie sehr hoch um ihren Thee darin aufzubewahren.

    Morga (f. 135) meldet: »Auf dieser Insel Luzon, besonders in
    den Provinzen Manila, Pampánga, Pangasinán und Ylócos finden
    sich bei den Eingeborenen sehr alte Thonkrüge von dunkelbrauner
    Farbe und nicht von gutem Ansehn, einige von mittlerer Grösse,
    und andre kleiner, mit Zeichen und Stempeln. Sie wissen nicht
    anzugeben, woher sie dieselben erhielten noch zu welcher Zeit;
    denn jetzt werden sie nicht mehr gebracht, noch werden sie in den
    Inseln angefertigt; die Japanesen suchen und schätzen dieselben,
    denn sie haben gefunden, dass die Wurzel eines Krautes, welches
    sie Tscha (Thee) nennen und welche heiss getrunken wird als
    grosse Delikatesse und Arznei, bei den Königen und Herren in
    Japan, sich nicht hält und konservirt ausser in diesen Krügen,
    die in ganz Japan so hoch geschätzt werden, dass es die grössten
    Kostbarkeiten ihrer Wohnzimmer und Kabinette sind, und hat ein
    solcher Krug einen hohen Werth und sie belegen sie auswendig mit
    feinem, mit grosser Kunst getriebenem Golde und sie stecken sie
    in Futterale von Brokat, und es giebt Krüge die auf 2000 Tael zu
    11 Realen, geschätzt und verkauft werden . . . Die Eingeborenen
    dieser Inseln verkaufen sie an die Japanesen so hoch sie können,
    und bemühen sich sie zu suchen, dieses Gewinnes halber, obgleich
    jetzt wenige gefunden werden wegen des Eifers, mit dem man sie
    aufgesucht hat.«

    Als Carletti 1597 von den Philippinen nach Japan kam, wurden
    auf Befehl des Guvernörs sämmtliche Personen an Bord sorgfältig
    untersucht und ward ihnen Todesstrafe angedroht, wenn sie zu
    verheimlichen suchten »gewisse irdene Gefässe, die von den
    Philippinen und andern Inseln jenes Meeres gebracht zu werden
    pflegen,« da der König sie alle kaufen wollte . . . »Dergleichen
    Gefässe gelten bis fünf-, sechs- ja bis zehntausend Scudi das
    Stück, während man sie nicht auf einen Giulio (etwa 1/2 Paolo)
    schätzen möchte.« -- 1615 traf Carletti einen als Gesandten von
    Japan nach Rom geschickten Franziskaner, der ihm versicherte,
    er habe einen der Könige von Japan 130,000 Scudi für ein solches
    Gefäss zahlen sehn -- seine Gefährten bestätigten es. -- Auch
    Carletti giebt als Grund des hohen Preises an, »dass sich das Blatt
    Cia oder Thee, dessen Güte mit dem Alter zunähme, in jenen Krügen
    besser konservire als in allen andern Gefässen. Die Japanesen
    erkennen diese Gefässe sogleich an gewissen Schriftzeichen
    und Stempeln. Sie sind sehr alt und sehr selten und kommen
    nur aus Cambodia, Siam, Cochinchina, den Philippinen und andern
    benachbarten Inseln. Nach dem Aussehn würde man sie auf drei oder
    vier Quatrini (ein paar Dreier) schätzen ... es ist durchaus wahr,
    dass der König und die Fürsten jenes Reiches eine sehr grosse
    Zahl dieser Gefässe besitzen und sie als ihren köstlichsten
    Schatz, höher als andere Kostbarkeiten schätzen -- dass sie mit
    deren Besitz prahlen und aus Eitelkeit einander durch die Menge
    derartiger Gefässe die sie besitzen zu überbieten suchen.« [153]

    Auch bei den Dayaks und den Malayen in Borneo werden von vielen
    Reisenden Krüge erwähnt, die aus abergläubischen Ursachen sehr
    übertrieben, zuweilen auf mehrere tausend Dollars geschätzt werden.

    St. John [154] erzählt, dass der Datu von Tamparuli (Borneo) Reis
    im Werth von fast 700 £ für einen Krug hergab, und dass derselbe
    Datu einen zweiten Krug von fast fabelhaftem Werth besässe, dieses
    Gefäss sei etwa zwei Fuss hoch, dunkel olivengrün. Der Datu füllt
    beide Krüge mit Wasser, setzt Kräuter und Blumen dazu, und debitirt
    es an alle Kranke der Umgegend. Der berühmteste Krug in Borneo
    ist aber wohl der des Sultans von Brunei, da er nicht nur alle
    schätzbaren Eigenschaften der übrigen Krüge besitzt, sondern sogar
    sprechen kann. St. John sah ihn nicht, da er immer im Frauengemach
    verwahrt wird; der Sultan, ein glaubwürdiger Mann, erzählte ihm
    aber sehr ernsthaft, dass der Krug in der Nacht vor dem Tode
    seiner ersten Frau kläglich geheult habe und bei bevorstehenden
    Unglücksfällen ähnliche Töne von sich gäbe. St. John ist geneigt
    die räthselhafte Erscheinung aus einer vielleicht eigenthümlichen
    Form der Mündung des Gefässes zu erklären, in welcher die darüber
    hinstreichende Zugluft ähnlich wie bei der Aeolsharfe in tönende
    Schwingungen versetzt wird. Gewöhnlich ist das Gefäss in Goldbrokat
    eingewickelt und wird nur enthüllt, wenn es befragt werden soll,
    daher kommt es vielleicht, dass es nur bei feierlicher Gelegenheit
    spricht. St. John berichtet noch, dass früher sogar die Bisayer dem
    Sultan Geschenke brachten und dafür etwas Wasser aus dem heiligen
    Kruge erhielten um ihre Felder damit zu besprengen und sich dadurch
    reiche Ernten zu sichern. Als man den Sultan fragte, ob er seinen
    Krug wohl um 20,000 £ hergeben würde, antwortete er, dass kein
    Gebot in der Welt ihn veranlassen könne sich davon zu trennen.

    Morga's Beschreibung passt weder auf das Gefäss von Libmánan
    noch auf den Krug des British Museum, eher noch auf ein unserem
    ethnographischen Museum vor Kurzem aus Japan zugegangenes
    Gefäss. Dieses ist aus braunem Thon, unansehnlich, doch von
    gefälliger Form, aus vielen Bruchstücken zusammengekittet, die
    Fugen sind vergoldet und bilden auf dem dunklen Grunde eine Art
    Netzwerk. Wie hoch dergleichen alte Töpfe, selbst einheimischen
    Ursprungs noch heut in Japan geschätzt werden, zeigt das von einem
    Dolmetscher des deutschen Konsulats verfasste Begleitschreiben:
    »Dieses irdene Gefäss wurde in dem Porzellanfabrikorte Tschisuka
    in der Landschaft Odori, im südlichen Idzumi gefunden, und ist
    ein zu den tausend Gräbern gehöriger Gegenstand . . . dasselbe ist
    von Giogiboosat (berühmtem Buddhisten-Priester) angefertigt, und
    nachdem es dem Himmel verehrt, von ihm begraben worden. Nach den
    Ueberlieferungen des Volkes wurde dieser Platz von Grabhügeln mit
    einem Gedenksteine versehn, das ist jetzt tausend und mehr Jahre
    her . . . Ich hielt mich zum Zweck meiner Studien lange Jahre
    in dem Tempel Sookuk jenes Dorfes auf und fand das Gefäss. Ich
    brachte dasselbe dem Oberpriester Shakudjo, der sehr erfreut
    darüber war, und es immer wie ein Kleinod bei sich trug. Als er
    starb, fiel es mir zu, doch konnte ich es nicht finden. Neulich
    nun als Honkai Oberpriester wurde, sah ich es wieder, und es war
    mir, als wäre ich dem Geiste Shokudjos wieder begegnet. Gross war
    meine Erregung und staunend klatschte ich in die Hände, und so
    oft ich das Kleinod betrachte, gedenke ich, dass es ein Zeichen
    ist, dass der Geist Shokudjos in Honkai wieder auflebt. Deshalb
    habe ich die Geschichte dieses Kleinods aufgeschrieben und gut
    gewahrt. Fudji Kuz Dodjin«.

    Freiherr Alexander von Siebold macht mir noch folgende Mittheilung:
    Der Werth, den die Japaner auf derartige Gefässe legen, beruht
    auf deren Verwendung bei den geheimnissvollen Theegesellschaften
    »Cha-no-yu«. Ueber den Ursprung dieser, den Europäern fast noch gar
    nicht bekannten Verbindungen bestehen verschiedene Legenden, ihre
    Hauptblüthezeit aber war unter der Regierung des Kaisers Taikosama,
    der im Jahre 1588 die Gesellschaft der Cha-no-yu zu Kitano bei
    Myako, mit neuen Statuten versehn, wieder einführte. Seine Zwecke
    waren sowohl moralische als politische. In Folge der verheerenden
    Religions- und Bürgerkriege war das ganze Volk entartet und
    verwildert, aller Sinn für Künste und Wissenschaft untergegangen,
    nur die rohe Kraft geachtet, an Stelle der Gesetze herrschte
    das Faustrecht. Der tiefdenkende Taikosama begriff, dass er die
    rohen Gemüther besänftigen, sie wieder an die Künste des Friedens
    gewöhnen müsse, um seinem Lande den Wohlstand, sich und seinen
    Nachkommen die Herrschaft zu sichern. In dieser Absicht rief er
    die Gesellschaft Cha-no-yu auf's Neue in's Leben, versammelte
    die Meister derselben und die Kenner ihrer Gebräuche um sich.

    Der Zweck der Cha-no-yu ist, den Menschen den Einflüssen des ihn
    umgebenden irdischen Treibens zu entziehn, in seinem Innern das
    Gefühl vollkommener Ruhe herzustellen, ihn zur Selbstbetrachtung
    zu stimmen; sämmtliche Gebräuche des Cha-no-yu sind auf dieses
    Ziel gerichtet.

    In luftige reine Gewänder gekleidet, ohne Waffen, versammeln sich
    die Mitglieder der Cha-no-yu um den Hausherrn und werden von ihm,
    nachdem sie einige Zeit im Vorsaale ausgeruht, in einen eigens für
    diese Versammlungen hergerichteten Pavillon geführt. Dieser besteht
    aus den kostbarsten Holzarten, ist aber ohne jeden Schmuck, der die
    Gedanken abziehn könnte, ohne Farbe, ohne Firniss, durch kleine
    mit Pflanzen dichtbewachsene Fenster nur spärlich beleuchtet,
    und so niedrig, dass man darin nicht aufrecht stehn kann. Die
    Gäste betreten das Gemach mit feierlich gemessenen Schritten,
    werden vom Hausherrn nach den vorgeschriebenen Formeln empfangen,
    und setzen sich dann im Halbkreise zu seinen beiden Seiten. Jeder
    Unterschied des Ranges hört auf. Nun werden die alten Gefässe
    unter feierlichen Zeremonien aus ihren kostbaren Umhüllungen
    hervorgeholt, begrüsst und bewundert; mit eben so feierlichen
    genau vorgeschriebenen Formeln wird das Wasser auf dem dazu
    bestimmten Heerde gekocht, der Thee den Gefässen entnommen, und
    in Tassen zubereitet. Der Thee besteht aus den grünen zu Staub
    zerriebenen jungen Blättern des Theestrauchs, und wirkt sehr
    aufregend. Unter tiefem Schweigen wird der Trank genossen, während
    Weihrauch auf dem erhabenen Ehrenplatz »toko« brennt. Nachdem
    sich der Geist gesammelt, beginnt die Unterhaltung, die sich
    aber nur auf abstrakte Gegenstände erstrecken darf (Politik soll
    indessen nicht immer ausgeschlossen bleiben). Der Preis der bei
    diesen Versammlungen verwendeten Gefässe ist sehr bedeutend,
    und stehn letztere im Werthe unseren theuersten Gemälden nicht
    nach. Taikosama belohnte seine Feldherren oftmals mit dergleichen
    alten Gefässen, statt mit Ländereien, wie sonst üblich. Auch nach
    der jüngsten Revolution wurden einige der hervorragendsten Daimios
    (Fürsten) vom Mikado dafür, dass sie ihm zum Thron seiner Ahnen
    verholfen, mit solchen Cha-no-yu-Gefässen belohnt. Die besten, die
    ich gesehn, waren nicht schön, es waren alte, verwitterte, schwarze
    oder dunkelbraune Krüge mit ziemlich breitem Halse zum Aufbewahren
    des Thees, hohe Tassen aus Craquelé-Porzellan oder Steingut zum
    Trinken des Aufgusses, tiefe breite Wasserbehälter, und alte
    verrostete eiserne Kessel mit Ringen zum Wasserkochen, alles
    höchst einfach von Ansehn, aber in die kostbarsten Seidenstoffe
    eingewickelt und in vergoldeten Lackkasten aufbewahrt. Unter den
    Schätzen des Mikado und des Taikun's, auch in einigen Tempeln
    werden unter den höchsten Kostbarkeiten dergleichen alte Gefässe
    mit Dokumenten über ihre Herkunft aufbewahrt.


Von Libmánan besuchte ich den SW. gelegenen Berg Yámtik (Amtik, Hantu)
[155], der aus Kalk besteht und viele Höhlen enthält. Flussaufwärts
6 Stunden W. und eine Stunde SSW. zu Fuss, bringen uns zu der kleinen
von 1000' hohen Kalkbergen umgebenen Visita Bícal, von wo man im Bett
eines Baches auf einer Sintertreppe zu einer kleinen Höhle emporsteigt,
in welcher Schaaren von Fledermäusen und grosse langarmige Spinnen
von der als giftig verrufenen Gattung Phrynus hausen. [156]

Ein dicker, queer über den Weg liegender Baumstamm war von
einer kleinen Ameise seiner ganzen Ausdehnung nach in Zellen
zerfressen. Mehrere Eingeborene wagten gar nicht, die andern nur
schüchtern die Höhle zu betreten, nachdem sie einander die gegen
Calapnitan zu beobachtenden Rücksichten eingeschärft. [157] Eine
der Hauptregeln war, in der Höhle keinen Gegenstand zu nennen, ohne
hinzuzufügen: »Herrn Calapnitan's«, also nicht schlechtweg: Flinte,
Fackel, sondern Herrn C's Flinte, Fackel . . Tausend Schritt davon
liegt eine andre Höhle »San Vicente«, welche dieselben Insekten,
aber eine andre Art Fledermäuse enthält. Beide Höhlen waren nur von
geringer Ausdehnung, in Libmánan hatte man mir aber von einer sehr
grossen Tropfsteinhöhle gesprochen, deren Beschreibung, trotz aller
beigemischten Erdichtungen, wirkliche Anschauung zu Grunde liegen
musste. Die Führer stellten sich unwissend. Erst nach zweitägigem
Herumirren und vielen Erörterungen entschlossen sie sich, da ich
auf meinem Vorhaben bestand, zu dem Wagniss, und geleiteten mich zu
meinem grossen Erstaunen nach Calapnitans Höhle zurück, von welcher
eine enge, durch einen Felsenvorsprung verborgene Spalte in eine der
allerprachtvollsten Tropfsteinhöhlen der Welt führt. Ihr Boden ist
überall fest und bequem zu betreten, meist trocken. Sie läuft in viele
Zweige aus, deren Gesammtlänge wahrscheinlich über eine Meile beträgt,
und machte die Beschreibung, dass sie ganze Reihen von Königssälen
und Kathedralen mit Säulen, Kanzeln und Altären enthalte, nicht zu
Schanden. Knochen oder andre Reste waren darin nicht zu finden. Meine
Absicht später mit Arbeitern zurückzukehren um planmässig nachzugraben
kam nicht zur Ausführung.

Den Gipfel des Berges zu erreichen, auf dem ein See befindlich sein
soll, »wo käme sonst das Wasser her?« gelang mir nicht. Zwei Tage
versuchten wir mit grossen Anstrengungen von verschiedenen Seiten
durch den dichten Wald zu dringen, der Führer, der in Libmánan
dem Cura versichert hatte, den Weg zu wissen, erklärte jetzt das
Gegentheil. Ich liess den bisher Unbelasteten nun zur Strafe einen
Theil des Gepäcks tragen, an der nächsten Wendung des Pfades aber warf
er es ab und entsprang, so dass wir zur Umkehr gezwungen wurden. In
diesen Wäldern sind Hirsche und Wildschweine sehr häufig. Sie bildeten
den Hauptbestandtheil unserer Malzeiten, zu denen sich, im Anfang
unseres Zuges, bis gegen 30 Personen einfanden, die angeblich in
den Zwischenzeiten Schnecken und Insekten mit erfolglosem Eifer für
mich suchten.

Bei meiner Abreise aus Darága hatte ich einen muntern kleinen Jungen
mitgenommen, der »Beruf zum Naturforscher« fühlte. In Libmánan kam er
plötzlich abhanden, mit ihm zugleich ein Bund Schlüssel. Alles Suchen
war vergebens. Er war direkt nach Naga gegangen, hatte sich, durchs
Vorzeigen der entwendeten Schlüssel legitimirt, vom Mayordomo meines
Gastfreundes einen weissen Filzhut ausliefern lassen und war damit
verschwunden. Schon einmal hatte ich ihn, mit dem Hut sich im Spiegel
bewundernd, stehn sehn. Die Versuchung war zu gross für ihn gewesen.

Anfang März hatte ich das Vergnügen den Administrador von Camarínes
und einen spanischen Oberst, die über Daet und Mauban zur Hauptstadt
reisten, nach Nord-Camarínes zu begleiten. Um 5 Nachm. verliessen wir
Butúngan am Bicolfluss, 2 Leguas unterhalb Naga, in einer Falúa von 12
Rudern, mit einem Sechspfünder und zwei Vierpfündern ausgerüstet, von
Bewaffneten begleitet, und erreichten Cabusáo, am Ausfluss des Bícol,
bald nach 6, von wo wir gegen 9 in See gingen. Die Falúa gehörte der
Steuerverwaltung und hatte im Verein mit einer andern, unter dem Befehl
des Alkalden, die Nordküste der Provinz gegen Schmuggler und Seeräuber
zu schützen, die in dieser Jahreszeit in den Schlupfwinkeln der Bay
von San Miguél herum zu liegen pflegen. Zwei ähnliche Kanonenboote
versahn den Dienst an der Südküste der Provinz.

Die Ufer des Bicolflusses sind auf beiden Seiten flach, und dehnen
sich zu weiten Reisfeldern aus; im Osten sieht man gleichzeitig die
schönen Vulkane Mayon, Yriga, Malinao und Ysarog.

Mit Tagesanbruch erreichten wir die Barre von Daet und nach
zweistündigem Marsche die gleichnamige Hauptstadt der Provinz
Nord-Camarínes, wo wir im Hause des Alkalden, eines gebildeten
Navarresen, vortreffliche Aufnahme fanden. -- Nur der zahme Affe,
der auch die Gäste seines Herrn bewillkommnen sollte, wandte ihnen
mit angelernter unhöflicher Geberde den Rücken und ging auf die Thür
zu. Da stellte der Mayordomo einen Spiritusflakon mit einer kleinen
giftlosen Schlange auf die Schwelle, schnell sprang der Affe zurück
und verbarg sich zitternd hinter seinem Herrn.

Abends war Ball, es waren aber keine Tänzer vorhanden, einige
eingeladene Indierinnen sassen im besten Putz schüchtern an einem
Ende des Saales und tanzten mit einander, wenn sie dazu aufgefordert
wurden, ohne von den Spaniern beachtet zu werden, die sich am andern
Ende unterhielten.

Nachdem Festlichkeiten und Regengüsse die Abreise um zwei Tage
verzögert, brachen wir auf und trabten in einer Stunde mit den muthigen
Pferden des Alkalden auf ebener Landstrasse NW. nach Talisáy, in einer
andern Stunde nach Indang, wo Bad und Frühstück bereit standen. Bisher
hatte ich nie in der Provinz ein Badezimmer im Hause eines Spaniers
getroffen; bei Nordeuropäern fehlt es nie. Die Spanier scheinen Bäder
als eine Art Heilmittel zu betrachten, das nur mit Vorsicht gebraucht
werden darf, vielleicht halten es auch jetzt noch Manche für nicht
gut christlich; zur Inquisitionszeit galt bekanntlich häufiges Baden
für ein Kennzeichen der Mohren und war daher durchaus nicht ohne
Gefahr. Nur in Manila machen die am Pasig Wohnenden eine Ausnahme;
dort herrscht bei den Familien die Sitte, oder Unsitte mit den Freunden
des Hauses zusammen in geräumigen Verschlägen Flussbäder zu nehmen.

In Indang endet die Strasse, wir fahren in zwei Kähnen flussabwärts
bis zur Barre, und erwarten an einer, durch die Liebenswürdigkeit des
Alkalden reich besetzten Tafel die von unsern Dienern auf schlechten
Wegen dahin gebrachten Pferde. An der öden Barre erhebt sich, von
zwei oder drei Fischerhütten und eben so vielen Casuarinen umgeben,
ein Kastell gegen die Moros, die zum Glück für dasselbe, selten
so weit westlich gehn, denn es besteht nur aus einer offnen, mit
Palmenblättern gedeckten Hütte, einer Art Sonnenschirm, auf 15' hohen
armdicken Stangen. Die dazu gehörigen Kanonen sollen, der Sicherheit
wegen, vergraben sein. Wir folgen dem Seeufer, das aus kalkigem
Sande besteht und mit einem Teppich kriechender Strandpflanzen in
voller Blüthe überzogen ist. Im Waldrande zur linken, viele blühende
Sträucher und Pandanus mit grossen scharlachrothen Früchten. Nach einer
Stunde überschreiten wir den Fluss Longos auf einer Fähre, und kommen
bald darauf an einen Sporn krystallinischen Gebirges, das uns den Weg
versperrt und als Punta Longos in's Meer ragt. Die Pferde klettern mit
Mühe hinüber, jenseits finden wir die Fluth schon so hoch gestiegen,
dass wir knietief im Wasser reiten. Nach Sonnenuntergang setzen wir
einzeln mit grossem Zeitaufwand in einer elenden Fähre über die breite
Mündung des Pulundága, wo ein angenehmer Waldweg über einen abermals
quer vor uns in's Meer fortsetzenden Bergsporn Malangúit uns in 15
Minuten an die Mündung des Paracáli bringt. Die lange Brücke ist so
schadhaft, dass wir die Pferde vorsichtig, durch weite Zwischenräume
getrennt, hinüber leiten müssen; jenseits liegt der Ort Paracáli,
von wo meine Gefährten die Reise über Mauban nach Manila fortsetzen.

Paracáli und Mambuláo sind zwei, allen Mineralogen wegen der dort
vorkommenden Rothbleierze wohlbekannte Oertlichkeiten. Am folgenden
Morgen kehrte ich nach Lóngos zurück. Es zählt nur wenige elende
Hütten, von Goldwäschern bewohnt, die fast nackt gehn; vielleicht
weil sie den grössten Theil des Tages im Wasser arbeiten: sie sind
aber auch sehr arm.

Der Boden besteht aus Schutt, zersetzten Trümmern krystallinischen
Gesteins, reich an Quarzbruchstücken. Die Arbeiter machen Löcher in den
Boden 2 1/2 Fuss lang, 2 1/2 Fuss breit, bis 30 Fuss tief. 3 Fuss unter
der Oberfläche fängt das Gestein gewöhnlich an, goldhaltig zu werden,
der Gehalt nimmt bis 18 Fuss Tiefe zu und wird dann wieder geringer;
doch sind diese Verhältnisse sehr unzuverlässig, daher viele fruchtlose
Versuche. Das Gestein wird in Körben auf Bambusleitern aus den Löchern
herauf getragen, das Wasser in kleinen Eimern; in der Regenzeit ist
es aber nicht möglich die Löcher wasserfrei zu halten, da sie am
Bergabhang liegen und sich schneller füllen, als sie ausgeschöpft
werden können; der Mangel an Wasserhebevorrichtungen ist auch schuld,
dass die Gruben nicht tiefer gemacht werden.

Das Pochen des goldhaltigen Gesteins geschieht zwischen zwei Steinen,
deren einer als Ambos, der andre als Hammer dient. Jener flach, in
der Mitte etwas vertieft, liegt am Boden, dieser von 4 × 8 × 8 Zoll,
also von etwa 25 Pfund Gewicht ist mit Rotang an der Spitze eines
schlanken Bäumchens befestigt, das schräg in einer Gabel liegt und am
entgegengesetzten Ende im Boden festgemacht ist. Der Arbeiter schnellt
den als Hammer dienenden Stein auf das goldhaltige Gestein und lässt
ihn durch die Federkraft des jungen Baumes wieder in die Höhe fahren.

Eben so roh ist die Vorkehrung zum Zermahlen des gepochten Gesteines:
Aus der Mitte einer kreisförmigen Unterlage -- aus roh behauenen
Steinen, die mit einem Kranz eben solcher Steine eingefasst ist,
erhebt sich ein dicker Pfahl, oben mit einem eisernen Stift versehn,
um welchen ein in der Mitte horizontaler, an beiden Enden abwärts
gebogener Baum drehbar befestigt ist; durch zwei vorgespannte Büffel
in Bewegung gesetzt, schleift er mehrere schwere Steine, die durch
Rotang an ihn fest gebunden sind, im Kreise herum, und mahlt so das mit
Wasser gemischte vorher gepochte Gestein zu feinem Schlamm. (Bei den
mexicanischen Goldwäschern ist dieselbe Vorrichtung unter dem Namen
Rastra in Gebrauch.) Das Auswaschen des Schlammes geschieht durch
Frauen. Sie knieen auf einer Seite einer schmalen bis an den Rand
mit Wasser gefüllten Holzrinne, an deren entgegengesetzter Seite,
jeder Arbeiterin gegenüber, ein schräges nach abwärts geneigtes
Brett befestigt wird; die Rinne ist an diesen Stellen entsprechend
ausgeschnitten, so dass ein sehr dünner Wasserstreifen ununterbrochen
der ganzen Breite nach über das Brett fliesst. Die Arbeiterin vertheilt
den goldhaltigen Schlamm mit der Hand über das am untern Rande mit
einer Querleiste versehene Brett, der leichte Sand wird fortgewaschen,
es bleibt eine dunkle, hauptsächlich aus Eisen-Kiesen und -Erzen
bestehende Schicht zurück, die von Zeit zu Zeit mit einem flachen
Span aufgenommen, bei Seite gelegt, und zum Schluss des Tagewerks
in einer flachen Holzschüssel (batea), zuletzt in einer Kokosschale,
ausgewaschen wird, wobei sich im glücklichen Fall ein feines gelbes
Pulver am Rande zeigt. [158] Bei der letzten Wäsche wird dem Wasser
der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt
darin länger schweben als in blossem Wasser und lässt sich somit
leichter vom Goldpulver trennen. [159]

Es ist noch zu erwähnen, dass der aus den Gruben kommende Schutt am
obern Ende der Wasserrinne gewaschen wird, damit der Sand, der den zum
Pochen bestimmten Steinen anhaftet, sein Gold in der Rinne oder auf dem
Waschbrett absetzen könne. Um das gewonnene Goldpulver zu einem Klumpen
zusammen zu schmelzen, in welcher Form es die Händler kaufen, wird
es in die Schale einer kleinen Herzmuschel (Cardium) gespült und von
einer Handvoll Holzkohlen umgeben, in einen Topfscherben gestellt. Eine
Frau bläst durch ein enges Bambusrohr auf die entzündeten Kohlen;
in einer Minute ist die Arbeit vollendet. [160] Nach vielfältigen
Erkundigungen soll der Ertrag per Kopf durchschnittlich nicht über 1
1/2 r. täglich betragen. Weiter SO. von hier im Berg Malagúit sieht man
die Reste eines zu Grunde gegangenen spanischen Aktienunternehmens,
eine Schutthalde, eine 50' tiefe Grube, ein grosses zerfallenes
Haus und einen 4' breiten 6' hohen Stollen. Das Gebirge besteht aus
sehr zersetztem Gneiss mit Quarzgängen, im Stollen mit Ausnahme der
Quarzbänder fast reine Thonerde mit Sand.

An den Wänden hafteten einige essbare Salanganennester, aber nicht
von derselben Art wie in den Höhlen der Südküste von Java. [161] Die
hiesigen, viel weniger werthvoll als jene, werden nur gelegentlich
für chinesische Händler gesammelt, die das Stück angeblich mit 5
Cents bezahlen. Auch von den die Nester bauenden Vögeln, (Collocalia
troglodytes Gray) gelang es einige zu fangen. [162] Ringsum liegt eine
so grosse Zahl von Indiern bearbeiteter, dann verlassener kleiner
Gruben, halb oder ganz zerfallen, mehr oder weniger bewachsen, dass
man sich mit Vorsicht dazwischen bewegen muss. Einige Gruben werden
noch betrieben, ähnlich wie bei Longos, jedoch mit einigen kleinen
Verbesserungen. Die Gruben sind doppelt so gross als jene, das
Gestein wird mit einer Winde herauf gefördert, einem walzenförmigen
Bambusgerippe, das von einem auf einer höheren Bank sitzenden Jungen
mit den Füssen getreten wird.

Zehn Minuten N. vom Dorf Malagúit liegt ein Berg, in welchem Bleiglanz
und Rothblei gewonnen worden sind. Das Gestein besteht aus sehr
zersetztem glimmerreichem Gneiss. Es ist ein über 100' langer Stollen
vorhanden. Das Gestein scheint sehr arm gewesen zu sein.

Auf der Kuppe dieses selben Hügels, N. 30° W. vom Dorf, sind die
berühmten Rothbleierze gefunden worden. Die Grube war eingestürzt,
vom Regen zugeschwemmt, so dass nur noch eine flache Vertiefung
im Boden zu sehn war; nach langem Suchen gelang es zwischen dem
darauf wachsenden Gestrüpp einige kleine Bruchstücke zu finden, auf
denen noch Chrombleierz deutlich zu erkennen war. Kapitän Sabino,
der ehemalige Gobernadorcillo von Paracáli, ein wohlunterrichteter
Indier, der mich auf Veranlassung des Alkalden begleitete, hatte aber
vor einigen Jahren graben lassen um Probestücke für einen Spekulanten
zu erhalten, der darauf ein neues Aktienunternehmen in Spanien zu
gründen beabsichtigte. Die gefundenen Proben wurden indessen nicht
abgenommen, da Philippinische Bergwerksaktien inzwischen an der
Madrider Börse in Misskredit gerathen waren. Leider war, ausser
einigen kleinen Drusen, nur noch ein Kistchen voll Sand vorhanden,
bestimmt, zerklopft, als bunter Streusand verkauft zu werden. Durch
Aussieben wurde alles Brauchbare gerettet.

Auf diesem Hügel kommt eine besonders schöne Fächerpalme vor; ihr
Stamm ist 30 bis 40' hoch, zylindrisch, dunkelbraun mit 1/4 Zoll
breiten weissen Ringen in Abständen von 4 Zoll; und in gleichen
Zwischenräumen kronenartige Bänder von 2 Zoll langen schwarzen
Stacheln; gegen die Blattkrone geht der Stamm in das reiche Braun
der gebrannten Sienna über.

Von Paracali führt ein trotz des sehr schlechten Weges angenehmer Ritt
abwechselnd am Seestrand und durch schönen Wald in 3 1/2 Stunde nach
Mambuláo, das W. b. N. liegt. Ich steige im Tribunal ab und richte
mich in dem Raum ein, worin die Munition aufbewahrt wird, dem einzigen
verschliessbaren. Zur grössern Sicherheit soll das Pulver in eine
Ecke getragen, mit einer Büffelhaut zugedeckt werden. Es geschieht,
wie ich angeordnet; mein Diener hält dabei ein brennendes Talglicht,
sein Gehülfe eine Pechfackel in der Hand. Als ich den eingeborenen
Priester besuche, werde ich von einem jungen Mädchen freundlich
begrüsst; ich will ihr die Hand geben, sie dankt mit einem Knicks:
»tengo las sarnas« (ich habe die Krätze). Die in den Philippinen sehr
verbreitete Krankheit scheint in dieser Gegend ihren Mittelpunkt zu
haben. Ich glaube kaum hier eine Indierin ohne Krätzflecke gesehn zu
haben. (Vergl. S. 130.)

1/4 Legua NNO. stösst man auf die Ruinen einer andern
Aktienunternehmung, der Ancla de Oro. Schacht und Stollen waren
eingefallen und dicht bewachsen; von den beträchtlichen Gebäuden
standen nur noch wenige dem Einsturz nahe Reste. Ringsum waren Indier
beschäftigt auf ihre Weise einige Goldkörnchen zusammen zu lesen. Das
bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Gestein ist Gneiss, einige tausend
Schritt jenseits steht solcher deutlich krystallinisch an.

1/2 Legua N. b. O. von Mambulao liegt der Bleiberg Diniánan. Auch
hier waren alle Werke eingestürzt, zugeschlämmt, bewachsen. Erst nach
langem Suchen wurden wenige Bruchstücke mit Spuren von Rothbleierz
aufgefunden. Dieser Berg besteht aus Hornblendegestein, an einer
Stelle sehr schöner grosskrystallinischer Hornblendeschiefer.

1 1/2 Legua S. von Mambulao deutet eine flache Bodenvertiefung im
dichten Walde die Stelle einer ehemaligen Kupfergrube an, die 84'
tief gewesen sein soll. Kupfererze finden sich in Luzon an mehreren
Orten. Proben gediegen vorkommenden Kupfers erhielt ich von der Bucht
von Lúyang nördlich der Enseñada de Patág, in Caramúan.

Sehr beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen kommen bei Mancayán,
im Distrikt Lepanto, im Zentralgebirge von Luzon zwischen Cagayán
und Ilócos vor und werden seit Mitte der 50er Jahre von einer
Aktiengesellschaft in Manila ausgebeutet. Das Unternehmen scheint
indessen bis jetzt ziemlich erfolglos. 1867 hatte die Gesellschaft ein
beträchtliches Anlagekapital verausgabt, Schmelzöfen und hydraulische
Betriebsmaschinen errichtet, es war ihr aber bis ganz vor Kurzem
wegen der örtlichen Schwierigkeiten, namentlich des Strassenmangels,
nicht gelungen Kupfer darzustellen. [163]

1869 hörte ich in London, der Betrieb sei ganz aufgegeben worden; nach
den neuesten Nachrichten geht er zwar fort, die Aktionäre haben aber
nie eine Dividende in unserem Sinne erhalten, auch der Abschluss von
1872 ergiebt wieder Verlust oder wie die schönredenden Spanier sagen,
einen dividendo pasivo.

Was den Europäern bisher nicht gelungen zu sein scheint, haben indessen
die wilden Ygorroten, die jenes unwegsame Gebirge bewohnen, schon seit
Jahrhunderten mit Erfolg und in verhältnissmässig grosser Ausdehnung
betrieben und dies ist um so bemerkenswerther als das Metall in jenem
Gebiete fast nur in Form von Kiesen vorkommt, die auch in Europa
nur durch umständliche Verfahren und nicht ohne Zuschlag verwerthet
werden könnten.

Man schätzt das von 1840 bis 1855 durch die Ygorroten in den Handel
gebrachte Kupfer, theils roh, theils verarbeitet, auf jährlich
300 Picos; auch die Ausdehnung der unterirdischen Erdarbeiten und
die bedeutende Menge vorhandener Schlacken deuten auf einen lange
bestehenden beträchtlichen Betrieb.

Die Zeichnung stellt einen von jenen wilden Stämmen angefertigten
kupfernen Kessel dar, der sich im Berliner ethnographischen Museum
befindet. Meyen, der ihn mitgebracht, berichtet, dass er von den
Negritos im Innern der Insel verfertigt sei, und zwar mit Hämmern von
Porphyr, da ihnen das Eisen fehle, in der Sammlung des General-Kapitäns
der Philippinen habe sich noch ein grosser flacher Kessel von 3 1/2
Fuss Durchmesser befunden, der für nur 3 Dollar gekauft worden,
woraus zu schliessen sei, dass das Kupfer im Innern der Insel in
grossen Massen vorkommen müsse, vielleicht sogar gediegen, denn wie
sollten jene ganz rohen ungebildeten Neger die Kunst das Kupfer zu
schmelzen verstehn? Der Ort jener reichen Gruben war dem Guvernör noch
unbekannt, obgleich die von dort kommenden kupfernen Geräthschaften
nach einem amtlichen Berichte desselben Guvernörs (von 1833) schon
seit zwei Jahrhunderten in Manila gebräuchlich waren. Jetzt weiss
man, dass die Kupferschmiede nicht Negritos sondern Ygorroten sind
und zweifelt nicht, dass sie diese Kunst und die viel schwierigere,
metallisches Kupfer aus Kiesen darzustellen, wohl schon lange vor
Ankunft der Spanier übten; wahrscheinlich haben sie dieselbe von den
Chinesen oder Japanesen gelernt. Der Ober-Ingeniör Santos [164] und mit
ihm viele Andere sind der Ansicht, dass jener Volksstamm von Chinesen
oder Japanesen abstamme, von denen er nicht nur seine Gesichtszüge
(mehrere Reisende erwähnen die schiefstehenden Augen der Ygorroten),
seine Götzen und einige seiner Gebräuche, sondern auch die Kunst
Kupfer zu bereiten herleite.

Jedenfalls ist die Thatsache, dass ein wildes, isolirt im Gebirge
lebendes Volk in der Hüttenkunde soweit vorgeschritten sei, von so
grossem Interesse, dass eine Beschreibung ihres Verfahrens nach Santos
(im wesentlichen nur eine Wiederholung einer früheren von Hernandez,
in der Revista minera I. 112.) gewiss willkommen sein wird.


    Das gegenwärtig von der erwähnten Aktiengesellschaft, Sociedad
    minero-metalurgica cantabro-filipina de Mancayan, erworbene
    erzführende Gebiet war bei den Ygorroten in grössere oder kleinere
    Parzellen, je nach der Volkszahl der anliegenden Dorfschaften
    eingetheilt deren Grenzen eifersüchtig gehütet wurden. Das
    Besitzthum eines jeden Dorfes war wiederum unter bestimmte
    Familien vertheilt, weshalb jene Bergdistrikte noch heut den
    Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung des Erzes bedienten
    sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer
    anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen
    erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Fels zu
    zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen
    selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und höhete
    den Boden auf, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme
    der Holzstösse stets die Decke traf. Wegen der Beschaffenheit
    des Gesteines und der Unvollkommenheiten des Verfahrens fanden
    häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze wurden in reiche
    und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres verschmolzen,
    diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung unterworfen,
    wobei nachdem sich ein Theil des Schwefels, Antimons und Arsen's
    verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer und
    Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln an
    der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum grössten Theil
    abgelöst werden konnten. [165]

    Die Oefen oder Schmelzvorrichtungen bestanden aus einer
    runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten 0m[P2: 0m] 30
    Durchmesser bei 0m[P2: 0m] 15 Tiefe. Eine damit in Verbindung
    stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse)
    von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die
    unteren Enden zweier ausgehöhlten Fichtenstämme eingepasst waren,
    in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trocknem Grase oder Federn
    bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten, und die für
    das Schmelzen erforderliche Luft zuführten.

    Wenn die Ygorroten Schwarzkupfer oder gediegen Kupfer erblasen
    hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem
    sie einen Tiegel aus gutem feuerfesten Thon in Gestalt eines Helmes
    aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward , das Metall in Formen
    zu giessen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem der Ofen
    hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18 bis 20 Kg. reichen oder
    gerösteten Erzes, das nach Hernandez wiederholten Versuchen über
    20% Kupfer enthielt, und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich,
    indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse also dem Luftzuge
    ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die
    aus losen zur Höhe von 0m50 übereinander geschichteten Steinen
    bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene
    Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe,
    weisse und oraniengelbe von der theilweisen Verflüchtigung des
    Schwefels Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach
    Verlauf einer Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige
    Säure bildete, und die Hitze den höchsten, bei diesem Verfahren
    möglichen Grad erreicht hatte, das Blasen eingestellt und das
    Produkt herausgenommen wurde. Dies bestand aus einer Schlacke
    oder vielmehr aus den eingetragenen Erzstücken selbst, die wegen
    des Kieselgehaltes des Ganggesteines sich bei der Zersetzung
    des Schwefelmetalls in eine poröse Masse verwandelten (und sich
    nicht verschlacken und kieselsaure Verbindungen eingehn konnten,
    weil es sowohl an Basen als an der erforderlichen Hitze gebrach);
    ferner aus einem sehr unreinen »Stein« von 4 bis 5 Kg. Gewicht
    und etwa 50 bis 60% Kupfergehalt.

    Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12 bis 15 Stunden lang in
    starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein grosser
    Theil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben
    Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und zwar
    ebenfalls so, dass sie sich im Kontakt mit der Luft, die Kohlen
    dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten, nachdem
    sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken ein
    Silikat von Eisen mit Antimon und Spuren von Arsen, einen »Stein«
    von 70 bis 75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben
    abhoben (Konzentrationsstein) indem sie die Abkühlungsflächen
    benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse mehr
    oder weniger entschwefelt war, eine grössere oder geringere Menge
    (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück.

    Die durch diesen zweiten Prozess gewonnenen Konzentrationssteine
    wurden abermals geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte,
    damit sie nicht an einander schmelzen konnten bevor sie das Feuer
    von den Unreinigkeiten befreit hatte.

    Das bei der zweiten Beschickung erhaltene Schwarzkupfer und die
    bei eben dieser Operation niedergeschmolzenen Steine wurden in
    demselben (durch Bruchsteine verengten und mit einem Schmelztiegel
    versehenen) Ofen einer dritten Operation unterworfen, die eine
    Schlacke von kieselsaurem Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte,
    das in Thonformen ausgegossen wurde und in dieser Gestalt
    in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer enthielt 92 bis 94%
    Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre gelbe Farbe
    gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben Metalles, und
    das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche entstandene Oxyd,
    das sich stets bildete trotz der angewandten Vorsichtsmaasregel,
    die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit grünen Zweigen zu
    peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von Kesseln, Pfeifen
    und anderem häuslichen Geräth oder Schmuck dienen sollte, die
    von den Ygorroten mit so grosser Geschicklichkeit und Geduld
    ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozess unterworfen,
    der sich nur dadurch von dem vorhergehenden unterschied, dass
    man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom vermehrte, in
    dem Maasse als der Schmelzprozess sich seinem Ende näherte, was
    die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch Oxydation zur
    Folge hatte. Durch wiederholte Versuche fand Santos, dass selbst
    bei Erzen von 20% mittlerem Gehalt nur 8 bis 10% Schwarzkupfer aus
    der dritten Operation erzielt wurden, so dass also in den Schlacken
    oder porösen Quarzen der ersten Operation 8 bis 12% zurückblieben.


Es war schwierig zur Rückreise nach Paracáli die nöthigen
Transportmittel für mein Gepäck zu erlangen, da die Wege durch
anhaltende Regen so aufgeweicht waren, dass Niemand sein Vieh hergeben
mochte. In Mambuláo ist der Einfluss der westlich angrenzenden
Provinz schon sehr wahrnehmbar: Tagalisch wird fast besser als Bicol
verstanden; unter der Bevölkerung macht sich das tagalische Element
durch hübsche Frauen geltend, die mit ihrer Familie von Lucban und
Mauban hierherkommen um Handel zu treiben. Sie kaufen das Gold auf
und führen dagegen Stoffe und andre Waaren ein. Das gewonnene Gold
ist in der Regel 15 bis 16 karätig; der Strich entscheidet über
den Feingehalt. Die Händler zahlen durchschnittlich für die Unze 11
Dollar, wenn es aber wie gewöhnlich, in geringeren Mengen als eine
Unze feilgeboten wird, nur 10 Dollar [166]; sie wägen mit kleinen
römischen Wagen und stehn nicht im Ruf grosser Rechtlichkeit.

Nord-Camarínes ist spärlich bewohnt, in den Bergbaudistrikten hat
die Bevölkerung abgenommen, seitdem die vielen durch Aktienschwindel
künstlich in's Leben gerufenen Unternehmungen zu Grunde gegangen. Die
Goldwäscher sind meist liederlich und verschuldet, sie hoffen
fortwährend auf reiche Funde, die nur äusserst selten vorkommen
und dann gewöhnlich gleich verprasst werden, daher findet man auch
Champagner und andre Luxusgegenstände in den Läden der sehr ärmlichen
Dörfer.

Malagúit und Matángo sollen in der trocknen Jahreszeit durch einen
ziemlich guten Weg verbunden sein, jetzt trennte eine Schlammpfütze,
in welcher die Pferde bis zum Bauch einsanken, beide Ortschaften.

In Lábo, einem Dörfchen am rechten Ufer des Laboflusses, der
dem gleichnamigen Berge entspringt, wiederholen sich die oben
mehrfach geschilderten Verhältnisse: schnellverschwindende Spuren
der Werke früherer Aktiengesellschaften, dazwischen kleine von
Indiern bearbeitete Gruben. Rothblei ist hier nicht gefunden
worden, aber Gold und besonders »Platina«, das sich aber durch
Besichtigung einiger Proben als Bleiglanz erweist. Der Berg Labo
scheint nach seiner Glockenform und den Geschieben im Flussbett aus
Hornblendetrachyt zu bestehn. 1/2 Legua WSW. durch fusstiefen Schlamm
watend erreichen wir den Berg Dallas, wo ehemals Bleiglanz und Gold
von einer Aktiengesellschaft, jetzt Gold von wenigen Indiern auf die
mehrfach erwähnte Weise gewonnen wurde.

Es gelang mir weder in dieser Provinz noch in Manila näheres über
die Geschichte der vielen verunglückten Bergbauunternehmungen
zu erfahren. So viel aber scheint festzustehn, dass sie nur von
Spekulanten in's Leben gerufen, niemals mit genügenden Mitteln
sachkundig betrieben worden sind und verfallen mussten sobald die
Spekulanten ihre Aktien untergebracht hatten.

Ausser dem wenigen von den Indiern auf so unergiebige Weise gewonnenen
Golde, liefert Nord-Camarínes jetzt kein Metall. Anfänglich erhob
der König von Spanien ein Fünftel, dann einen Zehnten vom Golde,
später hörte die Abgabe auf. Zu Morgas Zeit betrug der Zehnten
durchschnittlich 10,000 Doll. (»denn viel wird verheimlicht«), die
Ausbeute also über 100,000 Doll. Gemelli Carreri (S. 443) erfuhr vom
Guvernör von Manila, dass jährlich 200,000 Doll. Werth an Gold, ohne
Hülfe von Feuer oder Quecksilber gesammelt werde, und dass Paracáli
besonders goldreich sei. Zur Schätzung der gegenwärtigen Erträge fehlen
mir alle Daten. Die auf viele Anfragen erhaltenen Antworten verdienen
keine Erwähnung. Sehr gering sind die Erträge jedenfalls, sowohl
wegen der Unvollkommenheit des Verfahrens, als der Unbeständigkeit der
Arbeit, denn die Indier arbeiten nur, wenn die Noth sie dazu zwingt.

In einem Nachen kehrte ich stromabwärts nach Indang zurück, einem
verhältnissmässig blühenden Ort, mit geringerer Bevölkerung, aber
bedeutenderem Handel als Daet; die Ausfuhr besteht vorzüglich aus
Abaca, die Einfuhr aus Reis.

Nach den Mittheilungen eines alten Schiffers, der viele Jahre lang an
dieser Küste fährt, herrschen dieselben Winde von Daet bis zum Cap
Engaño, der NO. Spitze Luzons: Von Oktober bis März der Nordost,
hier der Regen-Monsun, mit Nordwinden beginnend, die von kurzer
Dauer sind und bald in NO. übergehn; im Januar und Februar treten
Ostwinde ein und beschliessen den Monsun; die stärksten Regen fallen
von Oktober bis Januar, im Oktober kommen zuweilen Taifune vor. Sie
fangen an mit N. oder NO., gehn nach NW. wo sie am heftigsten sind,
dann durch N. und O. zuweilen bis SO. und selbst S. -- März, April,
mitunter auch Anfang Mai wehen Wechselwinde, sie leiten den SW.-Monsun,
die von Regenschauern unterbrochene trockene Jahreszeit ein. Am
trockensten sind April und Mai. Gewitter kommen von Juni bis November,
am häufigsten im August vor. Im SW.-Monsun ist das Meer sehr ruhig,
in der Mitte des NO.-Monsuns hört alle Schifffahrt an der Ostküste
auf. In der Umgegend von Balér wird der Reis im Oktober gesäet,
im März oder April geerntet. Bergreis wird nicht gebaut.



SECHSZEHNTES KAPITEL

    REISE LÄNGS DER KÜSTE VON CAMARINES. -- ANDRINGEN DES MEERES. --
    ZERSTÖRTER PALMENWALD. -- PASACAO. -- SCHLECHTE STRASSEN.


Von Daét sandte ich mein Gepäck in einem Schoner nach Cabusáo und
setzte den Weg dahin zu Fuss, an der Küste, dem Westrande der Bay
von S. Miguél, fort. Wir fuhren in einem Boote über die Flussmündung,
die Pferde folgten schwimmend, wurden aber bald wegen Untauglichkeit
zurückgelassen. An der nächsten Flussmündung Sácavin war das Wasser so
hoch, dass sich die Träger nackt auszogen und das Gepäck auf dem Kopfe
hinübertrugen: in einfacher Jacke und Hose von Kattun fand ich diese
Vorsicht überflüssig; es ist im Gegentheil bei hoher gleichmässiger
Temperatur nach meiner Erfahrung erfrischend und zuträglich in nassen
Kleidern zu gehn, auch spart man dadurch manchen Sprung über Gräben,
manchen Umweg um Pfützen, die man, einmal durchnässt, nicht mehr
fürchtet. Nachdem wir noch acht kleine Flüsse durchwatet, mussten wir
den Strand verlassen und auf steilen schlüpfrigen Waldpfaden den Weg
nach Colási fortsetzen, das gerade in der Mitte des Westrandes der
Bay liegt. Der Seestrand war sehr schön: statt eines einförmigen,
bei Ebbe übelriechenden Rhizophorensaumes, der dort nie fehlt,
wo das Land in's Meer hineinwächst, reichen hier die Wellen an
den Fuss der alten Waldbäume, deren viele unterwaschen sind. Am
bemerkenswerthesten war ein Saum alter stattlicher, mit Orchideen
und andern Epiphyten behangener Barringtonien, prachtvolle Bäume
wenn sie in Blüthe stehn und die 5 Zoll langen rothen Staubfäden mit
goldgelben Antheren wie Quasten von den Zweigen herabhängen; durch ihre
faustgrossen Früchte sind sie dem Fischer zwiefach nützlich, der sie
ihres geringen spezifischen Gewichtes wegen zum Flottiren der Netze,
zerklopft zum Betäuben der Fische verwendet. Die vordersten Bäume
standen schief gegen das Meer geneigt, und sind wohl schon längst
verschlungen, gleich vielen andern, deren Wrack noch aus dem Wasser
hervorragte. Die Zerstörung dieser Küste scheint sehr beträchtlich zu
sein. Unter den kletternden Palmen war eine eigenthümliche Art sehr
häufig, deren armdicker Stamm sich blätterlos am Boden hinschleppte
oder in Bögen über die Aeste hing, und nur an seinem Ende eine
Blattkrone trug. Eine andre, vom Habitus gewöhnlicher Calamus, hatte
Caryota-Blätter. Wildschweine sind hier sehr häufig; ein Jäger bot
uns deren zwei, das Stück zu einem Real an.

Die Richtung der seit der Spitze von Daét NNW. SSO. streichenden
flachen Küste wird hier durch den nach O. hinaus tretenden kleinen
Pik von Colási unterbrochen, der so schnell wachsen soll, dass alle
älteren Leute ihn niedriger gekannt haben wollen. In der Visita Colási,
am Nordabhange des Gebirges, ist das Meer so wild, dass kein Boot sich
halten kann. Die Bewohner treiben zwar Fischfang, ihre Fahrzeuge liegen
aber am Südabhange des Berges, in der geschützten Bucht Lalauígan,
die wir nach dreistündigem Marsche über das Joch erreichten.

Ein hier gemiethetes vierruderiges Baroto wollte uns, da das Wetter
günstig, in zwei Stunden nach Cabusáo, dem Hafen von Naga bringen,
aber der Wind schlug um, es stürmte; durchnässt, nicht ohne Haverei,
flüchteten wir nach Barcelonéta, einer im Drittel der Entfernung
gelegenen Visita. Auch der hier angetroffene einsichtsvolle Teniente
von Colási bestätigte das schnelle Wachsen des kleinen Piks.

Gegen meinen Wunsch den Berg zu besteigen wurden grosse Schwierigkeiten
geltend gemacht; schwerlich könne es in den nächsten Wochen geschehn,
weil Alle mit Vorbereitungen zum Osterfest beschäftigt seien. Da
mich diese Einwendungen nicht überzeugten, so fand sich am nächsten
Morgen ein triftigerer Grund. Inländische Schuhe sind im Schlamm,
namentlich zu Pferde, wohl zu brauchen; beim Bergsteigen aber, auf
rauhem Boden, halten sie nicht einen Tag. Das einzige noch übrige Paar
starker europäischer Schuhe, das ich für besondere Zwecke aufgespart,
hatte mein Bedienter, der nicht gern Berge stieg, verschenkt, weil
er fürchtete sie möchten viel zu schwer für mich sein.

Von Barcelonéta bis Cabusáo behält der Strand denselben Charakter
wie zwischen Daét und Colási. Seine Richtung ist aber NS. Der Boden,
sandiger Thon, ist mit einer dicken Schicht zerbrochener Zweischaler
bedeckt. Der Weg war sehr beschwerlich, da die hohe Fluth uns zwang
zwischen Bäumen und dichtem Unterholz zu klettern. Unterwegs trafen
wir eine unternehmende Familie, die von Daét abgefahren, um Kokosnüsse
nach Naga zu bringen, hier Schiffbruch gelitten hatte. [167] Von 5
Tinajas Oel hatten sie nur eine, die Nüsse aber alle gerettet. Sie
lebten in einer kleinen schnell erbauten Hütte, von Kokosnüssen, Reis,
Fischen und Muscheln, auf günstigen Wind zur Rückkehr wartend. Es giebt
hier eine grosse Manchfaltigkeit von Strandvögeln, aber meine Flinte
ging nicht los, obgleich sie mein Diener, in Aussicht auf die Jagd,
mit besonderer Sorgfalt geputzt hatte; die Ladung konnte, da er beim
Putzen den Ladestock verloren, erst in Cabusáo herausgezogen werden,
wobei sich ergab, dass beide Läufe unten bis über das Zündloch voll
Sand waren.

Das Gestade war noch schöner als am vorigen Tage, namentlich an
einer Stelle, wo die Brandung gegen einen Wald von Fächerpalmen
(Corypha sp.) anprallte. An der dem Meer zugekehrten Seite standen
die Bäume, ihrer Kronen beraubt, in Gruppen oder Reihen, oder lagen
umgestürzt, wie Säulen gewaltiger Tempelruinen (einige derselben
hatten drei Fuss Durchmesser). Der Anblick erinnerte unmittelbar an
Pompeji. Ich konnte mir die Ursache der Kahlheit der Stämme nicht
erklären, bis ich mitten unter den Palmen eine Hütte entdeckte, in
welcher zwei Männer bemüht waren den Wogen in ihrem Zerstörungswerk
zuvor zu kommen, durch Bereitung von Zucker (tunguleh). Zu dem Zweck
wird nach Entfernung der Blätter, da diese Palme terminal blüht, das
obere Ende des Stammes queer abgeschnitten, die Schnittfläche ist
ein wenig (etwa 5°) gegen den Horizont geneigt und nach dem untern
Rand hin zu einer sehr flachen Rinne ausgetieft. Der Saft quillt aus
der ganzen Schnittfläche, mit Ausnahme der durchschnittenen äussern
Blattstiele, sammelt sich in der flachen Rinne und wird von da auf
einem zwei Zoll breiten, vier Zoll langen Stück Bananenblatt in ein
am Stamm hängendes Bambusrohr geleitet. Um den hervorquellenden Saft
gegen Regen zu schützen, ist jeder angezapfte Baum mit einer Kappe
aus einem dütenförmig zusammengebogenen Palmenblatt bedeckt. Der
Saft hat einen schwachen, angenehm aromatischen Beigeschmack von
Karamell. Ein Baum liefert täglich im Durchschnitt vier Bambusen
voll Tuba, die Bambusen haben gegen 3 1/2 Zoll innern Durchmesser,
und sind, wenn sie abgenommen werden, etwa 18 Zoll hoch gefüllt,
dies gäbe etwas über 10 Quart täglich.

Der Ertrag der einzelnen Bäume ist indessen sehr ungleich; er
lässt allmälig nach und hört nach 2, höchstens 3 Monaten gänzlich
und für immer auf [168]; aber das Verhältniss der frisch und vor
längerer Zeit angeschnittenen bleibt dasselbe, mithin auch der
Durchschnittsertrag. Der Saft von 37 Palmen liefert bei jedem
Einsammeln, nachdem er in einer eisernen Pfanne abgedampft,
eine, täglich also vier, wöchentlich 28 gantas oder 2 1/3 tinájas
Zucker, der an Ort und Stelle 2 1/2 Doll. die tinája gilt. Diese,
von den Leuten selbst herrührenden Angaben stellen das Verhältniss
vielleicht etwas ungünstiger dar, als in der Wirklichkeit; doch kann,
nach der Ansicht eines kundigen Mestizen der Unterschied nicht sehr
bedeutend sein. Lässt man obige Zahlen gelten, so würde ein jeder
dieser herrlichen Bäume etwa 1 2/3 Doll., und nach Abrechnung des
Arbeiterlohns (1 r. per Tag) etwa 1 2/3 Thaler geben, freilich nicht
viel, doch mag es zum Troste dienen, dass er ohne die Dazwischenkunft
des Menschen bald der Brandung anheim fiele, und selbst gegen alle
äussern Feinde geschützt, nach einmaligem Fruchttragen verdorren muss.

Cabusáo liegt im Südwinkel der Bucht von S. Miguél, die fast rings
von hohen Bergen umgeben, den Schiffen einen sichern Ankerplatz
gewährt. -- Von hier begab ich mich über Naga an die Südküste. Vier
Leguas von Naga, im Busen von Ragay, am Südrande Luzons, liegt der
kleine, aber tiefe Hafen von Pasacáo. In zwei Stunden erreicht man
zu Wasser die halbwegs liegende Visita Pamplóna, von wo der Weg
zu Lande fortgesetzt wird. Der noch vorhandene Rest der früheren
Strasse befand sich in erbärmlichem Zustande, selbst in der damals
trocknen Jahreszeit kaum passirbar; die Brücken über die vielen kleinen
Gräben waren eingestürzt, an manchen Stellen lagen grosse Steine und
Baumstämme queer über den Weg, die, vor Jahren zum Ausbessern der
Brücken herbeigeschafft, unbenutzt liegen blieben und seitdem die
Strasse sperrten.

In Quitang, zwischen Pamplóna und Pasacáo, wo sich zwei Bäche
zu einem, bei letztem Orte mündenden Flüsschen vereinigen, hatte
ein junger Franzose eine Hacienda gegründet. Er war zufrieden und
hoffnungsvoll, und lobte namentlich den Fleiss und guten Willen seiner
Leute. Ausländer scheinen in der Regel mit den Eingeborenen besser
auszukommen, als Spanier, wohl weil sie weniger Ansprüche machen. Unter
letzteren sind namentlich solche aus den untern Klassen sehr geneigt
ungerechtfertigte Anforderungen zu stellen und bitter zu klagen,
wenn sie nicht für jede Arbeit sofort die nöthigen Hände finden, zu
Lohnsätzen, die dem gesteigerten Werthe der Produkte durchaus nicht
entsprechen. Ginge es nach ihnen, so müssten die Eingeborenen von
Amtswegen gezwungen werden für sie zu arbeiten. [169]

Freilich ist der Indier unabhängiger als der europäische Arbeiter, weil
er bedürfnissloser, und als geborener Grundbesitzer nicht gezwungen
ist, sich als Tagelöhner eines Anderen sein Brod zu erwerben, dennoch
ist es fraglich, ob, in Bezug auf Löhne, irgend eine Kolonie dem
Pflanzer günstigere Verhältnisse darbietet, als die Philippinen. In
Holländisch Indien, wo Privatindustrie durch das Regierungsmonopol
fast ausgeschlossen, erhalten freie Arbeiter 1/3 Gulden, etwas
mehr als 1 r., den üblichen Lohn in den wohlhabenden Provinzen der
Philippinen (in den ärmeren beträgt er nur die Hälfte) und die Javanen
kommen den Filipinos weder an Kraft, noch an Intelligenz und Geschick
gleich. Wie hoch der Tagelohn in allen ehemaligen Sklavenstaaten ist,
ist bekannt. Mauritius und Ceylon müssen um Zucker und Kaffee zu bauen,
fremde Arbeiter mit grossen Unkosten einführen und theuer bezahlen,
und stehn sich dennoch gut dabei.

Von Quitang bis Pasacáo ist der Weg noch schlechter als vorher und
doch ist dies die wichtigste Strasse der Provinz! Bevor man Pasacáo
erreicht, sieht man an den Entblössungen der Kalkwände deutliche
Zeichen, dass sie früher vom Meer bespült wurden. Pasacáo liegt
malerisch am Ende des vom Itulán durchflossenen Thales, welches
sich von Pamplona zwischen bewaldeten Kalkbergen bis an's Meer
erstreckt. Die Ebben sind hier höchst unregelmässig. Von Mittag
bis Abend war kein Unterschied wahrzunehmen, und als die Abnahme
eben sichtbar wurde, stieg die Fluth schon wieder. Unmittelbar
südlich vor der Ortschaft war eine von den Wellen unterwaschene
Bergwand von 2000' Höhe und über 1000' Breite zwei Jahre vorher
herabgerutscht. Der Fels besteht aus einer zähen Kalkbreccie voll
Muschel- und Korallenbruchstücken; ich konnte es aber ohne Schuhe
auf dem scharfen Gestein nicht lange genug aushalten, um es näher
zu untersuchen.

Aus demselben Grunde musste auch von dieser Seite die schon von
Libmánan vergeblich versuchte Besteigung des Yamtik unterbleiben. Statt
dessen fuhr ich in Begleitung des gefälligen französischen Pflanzers
im Boot nordwestlich die Küste entlang. Unser Nachen schwebte über
Korallengärten hin, von prachtvoll gefärbten Fischen umschwärmt. Nach
zwei Stunden erreichten wir eine Höhle im Kalk »Suminabáng«,
so niedrig, dass man sich nur kriechend darin bewegen konnte. Sie
enthielt einige Schwalben und Fledermäuse. Am Flusse Calebáyan,
jenseits der Punta Tanáun schlugen wir in einem einzeln stehenden
Schuppen unser Nachtlager auf. Hier wird das Kalkgebirge durch
einen am linken Ufer des Flüsschens isolirt stehenden Felsen aus
hornblendereichem krystallinischen Gestein unterbrochen, er ist,
ausser an der, dem Wasser zugekehrten Seite, ringsum von Kalk umgeben.

Die umliegenden Berge sollen von Wildschweinen wimmeln: unter dem
Strohdach unserer Hütte, die gelegentlichen Jägern zum Obdach dient,
waren über 150 Unterkiefer als Jagdtrophäen aufgesteckt. Der Ort,
an dem wir uns befanden, erschien wie zur Viehzucht geschaffen,
sanfte mit Futtergras und einzelnen Baumgruppen bewachsen, von Bächen
durchrieselte Abhänge, ziehn sich vom Meere aus in die Höhe und
werden von einer steilen Felsenmauer im Halbkreis eingefasst. Das Vieh
würde dort Gras, Wasser, Schatten und den Schutz einer geschlossenen
Umwallung finden. Längs der Küste hinfahrend, hatten wir eine Reihe
solcher Oertlichkeiten bemerkt, sie sind aber völlig unbenutzt, aus
Mangel an Unternehmungsgeist, und aus Furcht vor Seeräubern. Sobald
unser Abendbrot bereitet war, löschten wir das Feuer sorgsam aus, damit
es den Meerstrolchen nicht als Signal diene, und hielten Nachtwachen.

Am folgenden Morgen wollten wir eine nie zuvor betretene Höhle
besuchen, fanden aber zu unserm Erstaunen keine eigentliche Höhle,
sondern nur eine wenige Fuss tiefe Höhlenpforte; weithin sichtbar, muss
sie den Jägern oft aufgefallen sein, doch hatte sich, wie unsere über
die Täuschung erstaunten Begleiter versicherten, aus abergläubischer
Scheu bisher Niemand hineingewagt.

Wie mehrfach erwähnt, ist die nördliche Küste von Camarínes im
NO. Monsun fast unnahbar, während die durch vorliegende Inseln
gedeckte Südküste immer zugänglich bleibt. Die fruchtbarsten Gebiete
der östlichen Provinzen, die im Sommer ihre Erzeugnisse durch die
nördlichen Häfen ausführen, bleiben im Winter oft Monate lang von
allem Verkehr mit der Hauptstadt abgeschlossen, weil kein Weg über den
schmalen Landstreifen zur Südküste führt. Wie viel die Natur für die
Erleichterung des Verkehrs gethan, wie wenig die Menschen, wird recht
deutlich, wenn man den eben geschilderten Zustand der Strasse nach
Pasacao, in Zusammenhang mit den östlichen Verhältnissen betrachtet,
wie sie die Karte zeigt.

Zwei Flüsse, der eine von NW., der andre von SO. kommend, beide
schiffbar, bevor sie die Grenzen der Provinz erreichen, fliessen
mitten durch dieselbe, in einer, wenn man die Windungen nicht
berücksichtigt, mit den Küsten gleichlaufenden Linie und senden,
nachdem sie zusammengetroffen, ihre Wasser gemeinschaftlich durch den
Aestuar von Cabusáo in die Bay von S. Miguél. Die ganze Provinz wird
also in ihrer Mittellinie von zwei schiffbaren Flüssen durchströmt, die
in Bezug auf den Verkehr nur Einen bilden. Von ihrem Vereinigungspunkt,
an der schmalsten Stelle der Provinz, beträgt die Entfernung bis zur
Südküste nur 3 Leguas.

Der Hafen von Cabusáo im Grunde der Bucht von S. Miguél ist aber im
NO. Monsun nicht zugänglich und hat den Nachtheil nur auf dem grossen
Umwege um den ganzen östlichen Theil Luzons mit Manila zu verkehren. An
der Südküste dagegen liegt der Hafen von Pasacáo, in welchen ein, über
eine Meile weit schiffbares Flüsschen mündet, so dass die Entfernung
zwischen dieser Wasserstrasse und dem nächsten Punkte des Bicolflusses
wenig über eine Meile beträgt. Die 1847 von einem thätigen Alkalden
angelegte, bis 1852 erhaltene, beide Meere verbindende Strasse war
aber zur Zeit meines Besuches so schlecht, dass der Pico Abacá auf
dieser kurzen Strecke in der trocknen Jahrszeit 2 r. Fracht zahlte,
in der nassen aber selbst für den doppelten Preis nicht befördert
werden konnte. [170]

Es liessen sich viele ähnliche Beispiele anführen: 1861 berichtet
der engl. Vize-Konsul, dass in Yloilo der Pico-Zucker um mehr als 2
r. vertheuert wird (so viel als die Fracht von Yloilo nach Manila
beträgt) durch den schlechten Zustand der Strasse zwischen zwei
Dörfern, die nur 1 Legua auseinander liegen.

Wären die Inseln nicht, abgesehn vom Seetransport, so ausserordentlich
begünstigt durch unzählige Flüsse mit schiffbaren Mündungen, so würde
ein noch viel grösserer Theil ihrer Produkte nicht zu verwerthen
sein. Die Eingeborenen haben kein Verlangen nach Strassen, die sie
selbst durch Frohnarbeit bauen, und nachdem sie vollendet, durch
Frohnarbeit erhalten müssen, auch die Lokalbehörden nicht, denn wo
keine Strassen gebaut werden, sind die Frohnden um so leichter für
Privatzwecke zu nützen. Eben so wenig sind die Curas in der Regel der
Anlage von Verkehrswegen günstig, durch welche Handel, Wohlstand und
Aufklärung in's Land dringen, ihre Autorität untergraben wird. Ja
die Regierung selbst begünstigte bis vor Kurzem solche Zustände,
denn schlechte Strassen gehören zum Wesen der alten spanischen
Kolonialpolitik, die immer darauf bedacht war, die einzelnen
Provinzen ihrer grossen überseeischen Besitzungen zu isoliren,
das Gefühl der nationalen Gemeinschaft nicht aufkommen zu lassen,
um sie desto leichter vom fernen Mutterlande aus beherrschen zu können.

In Spanien selbst sieht es übrigens nicht viel besser aus; es fehlt
dort so sehr an Verkehrswegen, dass z. B. die Waaren von Santandér
nach Barcelóna den Seeweg um die ganze iberische Halbinsel dem
direkten, zum Theil mit Eisenbahn versehenen Wege vorziehn. [171]
In Estremadura wurden die Schweine mit Weizen gefüttert (lebendes
Schweinefleisch kann ohne Strassen transportirt werden), während
gleichzeitig die Seehäfen fremdes Getreide einführten. [172] Der Grund
dieser Zustände liegt auch dort weniger in den zerrütteten Finanzen,
als in der Regierungsmaxime, die einzelnen Provinzen zu isoliren.



SIEBENZEHNTES KAPITEL

    DER YSAROG UND SEINE BEWOHNER.


In der Mitte von Camarínes erhebt sich der Ysarog (sprich Issaró),
zwischen den Meerbusen von San Miguél und Lagonóy. Während sein
östlicher Abhang fast das Meer erreicht, ist er gegen Westen durch
einen breiten Streifen fruchtbaren Schwemmlandes von der Bucht von
S. Miguél getrennt. Sein Umfang beträgt wenigstens 12 Leguas, seine
Höhe 1966 Meter. [173] An seiner Basis sehr flach, schwillt er allmälig
zu 16°, weiter oben zu 21° Neigung und wölbt sich, von Westen gesehn,
zu einer flachen, domförmigen Kuppe. Betrachtet man ihn aber von der
Ostseite, so gewahrt man ein durch eine grosse Schlucht zerrissenes
Ringgebirge. Auf Coello's Karte ist diese Schlucht irrthümlich als
von S. nach N. streichend dargestellt; ihre Richtung ist WO. Gerade
vor ihrer Oeffnung liegt, 1/2 Legua S. von Goa, das winzige Dörfchen
Rungus; nach welchem sie benannt wird. Die äusseren Seiten des Berges
und die Trümmer seines grossen Kraters sind mit undurchdringlichem Wald
bedeckt. Von seinen vulkanischen Ausbrüchen meldet die Ueberlieferung
nichts.

Die höheren Abhänge dienen einem kleinen Volksstamme zum Wohnsitz,
der in fast gänzlicher Abgeschlossenheit von den Bewohnern der
Ebene, seine Selbstständigkeit und die Sitten einer früheren Zeit
bewahrt hat. Gelegentlich mögen wohl einzelne Cimarronen (s. S. 106)
zugezogen sein, doch hatte sich kein solcher Fall in der Erinnerung
erhalten. Die Bewohner des Ysaróg werden gewöhnlich, wenn auch
missbräuchlich, Ygorroten genannt, dieser Name ist hier beibehalten,
da ihre Nationalität noch nicht genügend festgestellt ist. Sie selbst
sind überzeugt, dass ihre Vorfahren immer dort gehaust haben. Sie sind
es, die nach dem Urtheil der Pfarrer von Camarínes die Bicolsprache
am reinsten sprechen (s. S. 120). Ihre Sitten und Gebräuche sind in
vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden,
sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen,
welche noch heut bei den Dayaks in Borneo herrschen. [174] Diese
Umstände lassen vermuthen, dass sie der letzte Rest eines Stammes
seien, der seine Unabhängigkeit gegen die spanische Herrschaft und
wahrscheinlich auch gegen die kleinen Tyrannen behauptet hat, die
vor Ankunft der Europäer in der Ebene herrschten. Als Juan de Salcedo
seinen Siegeszug um das nördliche Luzon unternahm (s. unten), fand er
überall an den Flussmündungen seefahrende, unter vielen Häuptlingen
lebende Völkerschaften, die nach kurzem Kampf der höhern Mannszucht
und besseren Bewaffnung der Spanier erlagen oder sich freiwillig
der überlegneren Rasse unterwarfen; es gelang ihm aber nicht, die
unabhängigen Stämme im Innern zu besiegen. Noch heut giebt es solche
auf allen grösseren Inseln der Philippinen-Gruppe.

Aehnliche Zustände findet man vieler Orten im indischen Archipel:
die Handel und Seeraub treibenden Malayen besitzen das Gestade,
dort herrscht auch ihre Sprache; die Eingeborenen sind von ihnen
unterjocht oder in die Wälder gedrängt, deren Unzugänglichkeit ihnen
ein kümmerliches aber unabhängiges Leben sichert. [175]

Um den Widerstand der wilden Stämme zu brechen, verbot die spanische
Regierung ihren Unterthanen bei Strafe von 100 Schlägen und zwei
Jahr Zwangsarbeit, »Handel zu treiben und Umgang zu pflegen mit
den Heiden in den Bergen, die seiner katholischen Majestät keinen
Tribut zahlen; denn wenn diese ihr Gold, Wachs u. s. w. gegen andere
Bedürfnisse austauschen können, so werden sie sich nie bekehren.« [176]
Vielleicht hat gerade dies Gesetz dazu beigetragen, die Wilden, trotz
ihrer geringen Kopfzahl, Jahrhunderte lang vor gänzlicher Ausrottung
zu schützen; denn freier Verkehr zwischen einem Volke auf der Stufe
des Ackerbaus und einem, das hauptsächlich von der Jagd lebt, führt
häufig zur Vernichtung des letzteren.

Dennoch hat die Zahl der Ygorroten des Ysarog sehr abgenommen durch
Todtschlägereien zwischen den einzelnen Ranchos, und durch die
Raubzüge, welche bis vor Kurzem die Steuerbeamten alljährlich im
Interesse des Regierungsmonopols gegen die Tabakfelder der Ygorroten
unternahmen. Einzelne sind auch »pazifizirt« (zu Christenthum und
Tribut bekehrt worden), in welchem Falle sie sich in kleinen Weilern
mit zerstreuten Hütten niederlassen müssen, wo sie gelegentlich
vom Geistlichen des nächsten Ortes besucht werden können. Um ihnen
den Uebertritt zu erleichtern, werden von dergleichen neugewonnenen
Unterthanen eine Zeitlang geringere Steuern erhoben.

Ich hatte die Besteigung des Berges auf den Eintritt der trockenen
Jahreszeit verschoben, erfuhr aber in Naga, dass mein Wunsch dann
kaum ausführbar sein dürfte, weil um diese Zeit die schon erwähnten
Expeditionen gegen die Ranchos des Berges stattzufinden pflegen. Da
die Wilden nicht begreifen konnten, warum sie nicht auf ihrem eigenen
Felde eine ihnen zum Bedürfniss gewordene Pflanze bauen sollten,
so sahen sie in den Cuadrilleros nicht Beamte eines zivilisirten
Staates, sondern Räuber, gegen welche sie sich nach Kräften wehren
mussten, und das Auftreten dieser trug nicht wenig dazu bei, jene
in ihrem Irrthum zu bestärken; denn sie begnügten sich nicht die
Tabakpflanzungen zu zerstören; die Hütten wurden niedergebrannt,
die Fruchtbäume umgehauen, die Felder verwüstet. Solche Raubzüge
gingen nie ohne Blutvergiessen ab und arteten oft in einen kleinen
Krieg aus, der dann von den Bergbewohnern noch lange nachher, auch
gegen ganz unbetheiligte Personen, Indier und Europäer, fortgesetzt
wurde. Anfangs April sollte die diesjährige Expedition stattfinden;
die Ygorroten waren daher in grosser Aufregung und hatten einige Tage
vorher einen jungen wehrlosen Spanier in der Nähe von Mabotobóto, am
Fuss des Berges, ermordet, indem sie ihn mit einem vergifteten Pfeil
zu Boden streckten, und ihm dann noch 21 Wunden mit dem Waldmesser
beibrachten.

Glücklicher Weise traf bald darauf ein Gegenbefehl von Manila ein,
wo man sich allmälig von der Schädlichkeit solcher Gewaltmassregeln
überzeugt zu haben schien. Es war nicht zu zweifeln, dass diese
Nachricht sich schnell unter den Ranchos verbreiten würde und auf den
Rath des Kommandanten, dem sehr gegen seine Neigung die Führung des
Zuges zugefallen sein würde, zögerte ich nicht, die zu erwartende
günstige Stimmung für meine Zwecke zu benutzen. In der neuesten
Zeit hat die Regierung das verständige Mittel ergriffen, den Tabak,
den die Ygorroten freiwillig bauen, nach dem allgemeinen Satze zu
bezahlen und sie wo möglich zur Anlage neuer Felder zu ermuntern,
statt die vorhandenen zu zerstören.

Am nächsten Nachmittag ritt ich von Naga ab. Die Pueblos Mogaráo,
Canáman, Quipáyo und Calabánga folgen in diesem fruchtbaren Gebiet
so dicht auf einander, dass sie eine fast ununterbrochene Reihe
von Häusern mit Gärten bilden. Calabánga liegt 1/2 Legua vom Meer,
zwischen zwei Flussmündungen, deren südlichste 60' breit und tief
genug für grosse Lastboote ist. [177]

Um den Fuss des Ysaróg wendet sich die Strasse NO. dann O. Bald hören
die blühenden Hecken auf; es folgt eine grosse, kahle Ebene, aus der
sich zahlreiche flache Hügel erheben. Hügel und Ebene dienten damals
als Viehweiden: vom August bis Januar sind sie mit Reis bestellt. Nur
hin und wieder sieht man kleine Batatenfelder. Nach vier Stunden
erreichten wir das Dörfchen Maguíring (Manguirin), dessen Kirche,
ein dem Einsturz naher Schuppen, auf einem solchen kahlen Hügel
stand und an ihrer Verwahrlosung erkennen liess, dass der Priester
ein Eingeborener sei.

Dieser Hügel, wie alle übrigen, die ich untersuchte, bestand aus
Schutt vom Ysaróg, mehr oder weniger zersetzten hornblendereichen
Trachyttrümmern, deren Zwischenräume durch rothen Sand ausgefüllt
waren. Die Zahl der Flüsse, die der Ysarog in die Buchten von S. Miguél
und Lagonóy sendet, ist ausserordentlich gross: Auf der Strecke
hinter Maguíring zählte ich in 3/4 Stunden 5 ansehnliche, d. h. über
zwanzig Fuss breite Aestuarien, dann bis Góa noch 26, zusammen 31;
es sind aber mehr, da ich die kleinsten nicht aufzeichnete; und doch
beträgt die Entfernung zwischen Maguíring und Góa, in gerader Linie,
nicht über 3 Meilen. Dies lässt auf die enorme Menge von Wasserdampf
schliessen, mit welcher dieser mächtige Kondensator gespeist wird. Bei
keinem andern Berge ist mir diese Erscheinung in so auffallender
Weise entgegengetreten. Ein sehr bemerkenswerther Umstand ist die
Schnelligkeit, mit welcher die wasserreichen Bäche in Aestuarien
übergehn, die sie befähigen Lastboote, zuweilen selbst Schiffe zu
tragen, in einem Alter, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, wo ihre
auf die spärlichen Niederschläge in nördlichen Breiten angewiesenen
Verwandten kaum die Bedeutung eines Mühlbachs erlangt haben. Diese
Gewässer erscheinen der Breite nach als kleine Flüsse, ihrem Wesen
nach bestehn sie nur aus einem Bache bis zum Fuss des Berges und
einer Flussmündung in der Ebene; der Mittellauf fehlt ihnen.

Die Landschaft gleicht hier dem merkwürdigen, von Junghuhn
beschriebenen Hügelgebiete des Gelungúng [178] in ganz auffallender
Weise; doch ist der Ursprung dieser Anhöhen einigermaassen von dem
der javanischen verschieden, denn letztere verdanken ihre Entstehung
dem Ausbruch von 1822, und schon die grosse, ihnen zugekehrte Lücke
in der Kraterwand des Gelungúng zeigt deutlich, woher die Stoffe
zu ihrem Aufbau kamen; die grössere Kraterschlucht des Ysaróg ist
aber nach O. geöffnet und steht daher zu den zahllosen Hügeln im
Nordwesten des Berges in keiner Beziehung. Hinter Maguíring rücken sie
dichter zusammen, ihre Kuppen werden flacher, ihre Seiten steiler,
sie gehn allmälig in einen sanft geneigten Abhang über, zerrissen
von unzähligen Klüften, auf deren Boden eben so viele Bäche thätig
sind, die eckigen Umrisse dieser kleinen Inseln in jene abgerundeten
Hügel umzuformen. Der dritte Fluss hinter Maguíring ist bedeutender
als die früheren; am sechsten liegt eine grössere Visita, Borobód,
am zehnten die von Ragáy. Die Reisfelder haben mit dem Hügelland
aufgehört: auf dem durch tiefe Rinnen wohldränirten Abhange wachsen
nur wildes Rohr und einzelne Baumgruppen. An vielen Weilern vorüber,
deren Hütten so vereinzelt und versteckt liegen, dass man sie wohl
übersehn kann, gelangten wir um 5 Uhr nach Tagúnton, von wo eine, für
Büffelkarren fahrbare, zum Transport des in der Umgegend gewonnenen
Abaca's dienende Strasse nach Goa führt. In diesem Ort, den wir Abends
erreichten, miethete ich in Folge eines Ruhranfalles ein Häuschen,
in dem ich fast vier Wochen lag, da mir keine andre Heilmittel als
Hunger und Ruhe zur Verfügung standen.

Während dieser Zeit machte ich die Bekanntschaft einiger neu bekehrten
Ygorroten, und gewann ihr Vertrauen, ohne sie wäre es mir später
schwerlich gelungen den Berg zu ersteigen und ihre Stammesgenossen
ungefährdet in ihren Ranchos aufzusuchen. [179] Als ich endlich
Goa verlassen konnte, begleiteten mich meine Freunde zunächst nach
ihrer Niederlassung, wo ich leicht die nöthige Zahl Begleiter fand,
da ich schon vorher empfohlen war und erwartet wurde, um die für mich
gesammelten Thiere und Pflanzen in Empfang zu nehmen.

Am folgenden Morgen wurde die Besteigung begonnen. Schon bevor wir
den ersten Rancho erreichten, konnte ich mich überzeugen, welch
guter Ruf mir vorausging: der Hausherr kam uns entgegen, und führte
uns auf einem engen Pfade zu seiner Hütte, nachdem er die schräg aus
dem Boden ragenden, aber mit Reisig und Blättern geschickt verdeckten
Fusslanzen daraus entfernt hatte. [180] Eine mit Weben beschäftigte
Frau setzte auf meinen Wunsch ihre Arbeit fort. Der Webestuhl war von
der allereinfachsten Art, das obere Ende, der Kettenbaum, der in einem
Stück Bambus besteht, wird an zwei Bäumen oder Pfählen befestigt;
die Weberin sitzt auf dem Boden und hakt in die beiden eingekerbten
Enden einer schmalen Latte, welche die Stelle des Zeugbaums vertritt,
einen hölzernen Bügel, in dessen Wölbung ihr Rücken passt. Indem
sie die Füsse gegen zwei Pflöcke im Boden stemmt und den Rücken
krümmt, spannt sie vermittelst des Bügels das Zeug straff. Statt
des Weberschiffchens dient eine Netznadel, länger als die Breite
des Gewebes, die nur mit Ueberwindung bedeutender Reibung und nicht
immer ohne Kettenfäden zu zerreissen, durchgeschoben werden kann. Eine
messerartig zugeschärfte Latte aus hartem Holz (Caryota) vertritt das
Schlaggestell und wird nach jedesmaligem Anschlag auf die hohe Kante
gestellt. Dann wird der Kamm vorgeschoben, ein Faden durchgesteckt,
festgeschlagen und so fort. Das Gewebe bestand aus Abacáfäden, die
nicht gesponnen, sondern an einander geknüpft werden.

Die von mir betretenen Hütten verdienen keine besondere Beschreibung:
aus Palmenblättern und Bambus zusammengefügt, unterscheiden sie sich
nicht wesentlich von den Wohnungen armer Indier. In der Nähe waren
kleine Felder mit Bataten, Mais, Caladium und Zuckerrohr bepflanzt;
prachtvolle Baumfarne umgaben sie; einer der höchsten, den ich zu dem
Zwecke umhauen liess, maass: Stamm 9m 30, Krone 2m 12, Gesammtlänge
11m 42 (36' 38 Rh.).

Ein junger Bursche machte Musik auf einer Art Laute, Baringbau genannt;
sie bestand aus dem trocknen Schaft einer Scitaminee, die statt der
Sehne (Saite) durch eine dünne Ranke bogenförmig gespannt war. In
der Mitte des Bogens war eine halbe Kokosschale befestigt, die beim
Spielen gegen den Bauch gesetzt wird und als Resonanzboden dient. Die
Saite gab, mit einem Stäbchen geschlagen, einen angenehm summenden
Ton, (Lyra und Plectrum in einfachster Form). Einige begleiteten den
Musiker auf Maultrommeln aus Bambus, genau wie die der Mintras auf
der Malayischen Halbinsel. Ein Andrer spielte auf einer Guitarre,
die er zwar selbst, aber nach einem europäischen Muster gemacht
hatte. Ausser Bogen, Pfeilen und Kochtopf enthielt die Hütte kein
Geräth. Wer Kleider besass, trug sie am Leibe. Die Frauen fand ich so
dezent gekleidet wie christliche Indierinnen, sie trugen überdies ein
Waldmesser. Als ein Zeichen vollkommenen Vertrauens führte man mich
in die wohl verborgenen, durch Fusslanzen vertheidigten Tabakfelder,
die mir sorgfältig gepflegt schienen.

Was ich im Verkehr mit diesen Leuten bisher erfahren hatte und noch
erfuhr, fasse ich kurz zusammen: Sie wohnen auf den höheren Abhängen
des Berges, wohl nie unter 1500', jede Familie für sich. Wie viel
ihrer noch vorhanden sein mögen, ist schwer zu ermitteln, da unter
ihnen nur geringer Verkehr besteht. Auf dem zum Gebiete von Goa
gehörigen Theile des Berges wird ihre Anzahl auf etwa 50 Männer
und 20 Weiber mit Inbegriff der Kinder geschätzt. Vor 20 Jahren war
die Bevölkerung zahlreicher. Ihre Nahrung besteht ausser etwas Gabi
(Caladium), vorzüglich aus Bataten. Auch ein wenig Mais wird gebaut,
etwas Ubi (Dioscorea) und eine geringe Menge Zuckerrohr zum Kauen.

Zur Anlage eines Batatenfeldes wird ein Stück Wald gelichtet, der Boden
mit dem stumpfen Waldmesser gelockert, in diesen werden Knollen oder
Ableger gepflanzt. Schon nach 3 bis 4 Monaten beginnt die Ernte und
dauert ununterbrochen fort, da die auf dem Boden kriechende Pflanze
Wurzeln schlägt und Knollen bildet. Nach 2 Jahren hat aber der Ertrag
so abgenommen, dass man die alten Pflanzen ausreisst, um für neue,
aus den Ausläufern entstandene Ableger Platz zu machen. Das Feld wird
weder gewechselt oder mit andern Früchten bebaut, noch gedüngt. Ein
Stück Land, 50 Brazas lang, 30 breit, genügt für den Unterhalt
einer Familie. Nur in der nassen Jahreszeit versagt zuweilen diese
Hülfsquelle, dann wird Gabi genossen, das auf trocknem und feuchtem
Boden ziemlich gleich gut zu wachsen scheint, aber nicht so lohnend ist
wie Bataten. Die jungen Schösslinge des Gabi werden in Entfernungen von
einer Vara gepflanzt und dürfen, wenn man sie ausgiebig nutzen will,
nicht vor einem Jahre ausgebeutet werden. Jede Familie mag wöchentlich
ein oder zwei Wildschweine erlegen. Hirsche sind selten, doch erhielt
ich ein schönes Geweih; ihr Fell wird nicht benutzt. Zur Jagd dienen
Bogen mit Pfeilen und Lanzen (s. Zeichnung) theils giftfrei theils
vergiftet. Jeder Rancho hält Hunde, die hauptsächlich von Bataten
leben, auch Katzen um die Felder gegen Ratten zu schützen. Einiges
Geflügel ist ebenfalls vorhanden, aber keine Kampfhähne, die in den
Hütten der Indier fast nie fehlen. Hahnenkämpfe sind erst durch die
Spanier in die Philippinen eingeführt worden; die Ysarogbewohner sind
noch frei von dieser Leidenschaft.

Ihre geringen Bedürfnisse an Erzeugnissen einer fortgeschritteneren
Zivilisation erlangen sie durch den Verkauf der freiwilligen
Produkte ihrer Wälder, hauptsächlich Wachs und Harze: Pili [181],
Apnik, Dagiangan (eine Art Copal) und etwas Abacá. Wachs, das wegen
der Kirchenfeierlichkeiten sehr begehrt ist, wird mit 1/2 Dollar
das Katti bezahlt; die Harze gelten durchschnittlich 1/2 Realen die
Chinanta. Der Handel findet auf die Weise statt, dass ein Indier, der
mit den Ygorroten im Verkehr steht, mit diesen einen Lieferungsvertrag
schliesst; die Ygorroten sammeln die Produkte und bringen sie an
einen bestimmten Ort, wo die Indier sie aufnehmen, nachdem sie den
dafür bedungenen Preis niedergelegt haben.

Aerzte, Zauberer oder Leute, denen geheime Kräfte zugetraut werden,
kennt man nicht; jeder hilft sich selbst. Um über ihre religiösen
Ansichten in's Klare zu kommen, würde längerer Verkehr nöthig sein;
sie glauben an einen Gott, oder sagen es wenigstens, wenn sie von
Christen zudringlich befragt werden, auch haben sie dem Katholizismus
manche äusserliche Gebräuche aufs Gerathewohl entlehnt, die sie wie
Zauberformeln anwenden.

Jagd und schwere Arbeit ist Sache des Mannes wie in den Philippinen
allgemein. Die fast allen rohen Völkern eigene, aber auch noch bei
manchen Nationen Europa's (namentlich Basken, Walachen, Portugiesen)
bestehende Sitte, die Frau als Lastthier zu nützen, scheint in den
Philippinen schon zur Zeit der spanischen Entdeckung verschollen
gewesen zu sein; auch bei den Wilden des Ysarog verrichten die Weiber
nur leichte Arbeit und werden gut behandelt. Jede Familie erhält
ihre Greise und Arbeitsunfähigen. -- Als herrschende Krankheiten
wurden mir angegeben Kopfweh und Fieber, als Heilmittel: braun
gerösteter Reis, der gestossen mit Wasser zu Brei angerührt, genossen
wird. Bei starkem Kopfweh macht sich der Leidende Einschnitte in die
Stirn. Rührt die Krankheit davon her, dass jemand erhitzt zu viel
Wasser trank, so trinkt er grosse Mengen warmen Wassers, hatte er
aber in solchem Zustande zu viel Kokoswasser getrunken, so trinkt er
warmes Kokoswasser. Ihre Muskelkraft ist gering; mehr als 50 Pfund
Gewicht vermögen sie nicht eine grössere Strecke weit zu tragen.

Ausser Jagd und Feldbau beschränken sich ihre Gewerbe auf die
Anfertigung ziemlich roher Waffen, wozu sie das Eisen, falls solches
dazu erforderlich, von den Indiern kaufen, und auf die von den Frauen
verfertigten groben Gewebe und Flechtarbeiten. Jeder Familienvater
ist Herrscher in seinem Hause und erkennt über sich keine höhere
Gewalt an. In Fällen von Krieg mit benachbarten Stämmen, oder bei den
Raubzügen der Steuerbeamten, stellt sich der Tapferste an die Spitze,
die andern folgen ihm, so lange sie eben mögen; Wahl eines Anführers
findet nicht statt.

Sie sind meist friedliebend und ehrlich unter einander; doch stehlen
die Faulen zuweilen Feldfrüchte. Wird der Dieb ertappt, so straft
ihn der Bestohlene mit Rotangschlägen, ohne Rache dafür fürchten
zu müssen. Stirbt jemand, so ziehn die nächsten Verwandten aus, um
den Tod durch den Tod irgend eines Andern zu vergelten. Für einen
gestorbenen Mann soll eigentlich ein Mann, für eine Frau eine Frau,
für ein Kind ein Kind erschlagen werden, man pflegt aber das erste
sich zufällig darbietende Opfer zu tödten, ausser wenn es ein Freund
ist. In neuer Zeit soll dieser Brauch immer mehr in Verfall kommen,
da es Männern von einigem Ansehn häufiger als früher gelingt, den
Todesfall als ein unvermeidliches Geschick darzustellen, in welchem
Falle die Verwandten ihn nicht zu sühnen brauchen. Es gelingt dies
namentlich, wenn der Verstorbene eine gleichgültige Person war, stirbt
aber ein geliebtes Kind oder Weib, so wird gewöhnlich auch jetzt noch
Rache dafür genommen. Tödtet ein Mann eine Frau aus einem andern Hause,
so sucht der nächste Verwandte der Erschlagenen eine Frau aus dem Hause
des Mörders zu tödten; dem Mörder thut er nichts. Der Leichnam des als
Todtenopfer Erschlagenen wird nicht verscharrt, auch wird ihm nicht
der Kopf abgeschnitten. Die Familie des Erschlagenen sucht den Tod
am Mörder zu rächen; dies ist das ehrenvollste; ist der Mörder aber
zu stark, so wird zur Vergeltung irgend ein Schwächerer erschlagen,
daher vielleicht die geringe Verhältnisszahl der Frauen.

Vielweiberei ist gestattet, aber selbst die Tapfersten und
Geschicktesten haben fast nie mehr als eine Frau. Ein junger Mann,
der heirathen will, beauftragt seinen Vater mit dem Vater der
Braut den Preis zu verabreden, der in neuer Zeit sehr gestiegen
ist (durchschnittlich 10 Waldmesser zu 4 bis 6 r. und 10 bis
12 Doll. baar). Um eine so hohe Summe durch Verkauf von Wachs,
Harz und Abacá zu beschaffen, braucht der Bräutigam oft zwei
Jahre. Das Brautgeld geht theils an den Vater, theils an die nächsten
Verwandten. Jeder der Letzteren erhält einen gleichen Antheil. Sind
ihrer Viele, so bleibt fast nichts für den Vater übrig, der einen
grossen Schmaus zu geben hat, bei welcher Gelegenheit viel Palmenwein
getrunken wird.

Ein Mann, der gegen ein Mädchen Gewalt braucht, wird von deren Eltern
getödtet. Ist ihm das Mädchen zu Willen gewesen und der Vater erfährt
es, so verabredet er mit jenem einen Tag, an welchem er den Brautschatz
bringen soll; weigert er sich, so wird er von den Verwandten gefangen,
an einen Baum gebunden und mit Rohr gepeitscht. Ehebruch findet
fast nie statt; kommt er dennoch vor, so muss entweder die Frau
den Brautschatz zurückerstatten, wodurch sie frei wird, oder der
Verführer, dem die Frau dann folgt. Der Ehemann hat nicht das Recht,
sie zurückzuhalten, wenn er das Geld annimmt, wohl aber, wenn er
dasselbe ausschlägt. Der letzte Fall soll aber nie vorkommen, da sich
der Mann für dasselbe Geld eine neue Frau kaufen könne.

Nachmittags erreichten wir, 973 Meter über Uacloy, etwa 1134m
Meereshöhe, eine grosse Schlucht »Basira« zwischen hohen, steilen,
bewaldeten Wänden, sie streicht SO. -- NW., ihre Sohle hat 33° Neigung,
besteht aus einer nackten Felsbank und veranlasst nach jedem heftigen
Regen einen Wasserfall, da sie schroff abbricht. Hier wurde biwuakirt;
die Ygorroten bauten in der kürzesten Zeit eine Hütte und waren
ausgelassen munter. Bei Tagesanbruch zeigte das Thermometer 13,9° R.

Der Weg zum Gipfel ist sehr beschwerlich wegen des schlüpfrigen
Thonbodens und des zähen Pflanzengewirres, die letzten 500 Fuss
aber sind unerwartet bequem, denn die sehr steile Spitze ist mit
einem überaus dichten Wuchs von blätterarmen, knorrigen, bemoosten
Thibaudien, Rhododendren und andrem Krüppelholz bestanden, deren
zahlreiche starke Aeste in geringer Höhe über dem Boden und ihm
parallel verlaufend, ein enges sicheres Gitterwerk bilden, auf dem
man, wie auf einer schwach geneigten Leiter emporsteigt. Die Spitze,
die wir erreichten, ist der auf der Zeichnung sichtbare höchste Zacken
der hufeisenförmigen Bergwand, welche die grosse Schlucht von Rungus
im Norden begrenzt. Die Kuppe hat wohl kaum 50 Schritt Durchmesser,
sie ist so dicht mit Bäumen bestanden wie ich ähnliches nie gesehn:
wir hatten nicht Raum zum Stehn. Meine rüstigen Gastfreunde gingen
aber, obgleich ihnen die Arbeit einen Pfad durch den Wald zu schlagen,
grosse Mühe verursacht hatte, sogleich an's Werk, kappten Aeste und
baueten daraus auf den Wipfeln der abgestutzten Bäume eine Warte, von
wo aus ich eine weite Rundsicht und Gelegenheit zu Peilungen gehabt
haben würde, wäre nicht alles in dichten Nebel gehüllt gewesen. Nur
auf Augenblicke erschienen die nächsten Vulkane, die Bucht von
S. Miguel und einige Binnenseen. Gleich nach Sonnenuntergang zeigte
das Thermometer 12°5 R.

Auch am folgenden Morgen blieb es trübe, und als gegen 10 Uhr
die Wolken immer dichter wurden, traten wir den Rückweg an. Ich
wollte die Nacht in einem Rancho zubringen, um am nächsten Tage eine
Solfatara zu besuchen, die eine Tagereise weiter gelegen sein soll;
meine Begleiter waren aber von den Strapazen so angegriffen, dass
sie wenigstens einige Tage Rast verlangten.

Ausser Calamus bemerkte ich keine Palmen auf dem oberen Abhange,
Baumfarne sehr häufig, und eine ausserordentliche Fülle von
Orchideen. An einer Stelle waren alle Bäume in bequemer Höhe mit
blühenden Aërides behangen, man hätte sie mühelos zu tausenden sammeln
können, die schönste Pflanze war eine Medinella, von so weichem Gewebe,
dass es nicht möglich war sie einzulegen.

Eine Viertelstunde NO. von Uacloy sprudelt eine starke kohlensaure
Quelle (28° R.) aus dem Boden und setzt reichlich Kalksinter
ab. Brennende Fackeln verlöschten schnell, und ein mit einer
Zigarrenkiste zugedecktes Huhn starb in wenigen Minuten, beides zum
grössten Erstaunen der Ygorroten, denen diese Erscheinungen bisher
unbekannt geblieben waren.

Meine armen Gastfreunde, die mich nach Uacloy zurückbegleitet hatten,
fühlten sich auch noch am zweiten Rasttage so müde, dass sie zu
keiner Unternehmung tauglich waren. Mit nacktem Kopf und Oberleib
hockten sie sich in die glühende Sonne, um dem Körper die Wärme
wieder zuzuführen, die er durch das Biwuak auf dem Gipfel verloren
hatte; Wein aber mochten sie nicht trinken. Als ich sie endlich am
nächsten Tage verliess, waren wir so gute Freunde geworden, dass man
mir ein gezähmtes Wildschwein zum Geschenk aufnöthigen wollte. Ein
Trupp Männer und Frauen begleiteten mich, bis sie die Dächer von
Maguíring schimmern sahen, worauf sie nach herzlichem Abschiede in
ihre Wälder zurückkehrten.

Die aus Goa mitgenommenen Indier hatten sich bei der Expedition so
faul und mürrisch gezeigt, dass fast die ganze Arbeit einen Pfad
durch den Wald zu schlagen, den Ygorroten zugefallen war; selbst das
Trinkwasser hatten die indischen Träger aus Faulheit fortgeschüttet,
die Ygorroten mussten für unser Biwuak auf dem Gipfel aus ziemlicher
Entfernung frisches holen. Bei allen beschwerlichen Märschen bin ich
immer besser mit Cimarronen, als mit Indiern ausgekommen. Jene fand ich
gefällig, zuverlässig, thätig, ortskundig, während diese gewöhnlich
die entgegengesetzten Eigenschaften zeigten. Es wäre aber ungerecht
daraus auf das beiderseitige Wesen schliessen zu wollen; denn die
Wilden sind im Walde zu Hause, was sie thun, geschieht freiwillig, der
Fremde wird, wenn er ihr Vertrauen besitzt, als Gast behandelt. Die
Indier aber sind gezwungene Begleiter, Polistas, die selbst wenn
man ihnen höheren Tagelohn giebt, von ihrem Standpunkte aus ganz
richtig handeln, wenn sie so wenig als möglich thun. Es ist für sie
durchaus kein Vergnügen, ihr Dorf zu verlassen, um als Gepäckträger
oder Wegbahner anstrengende Märsche in unwegsame Gebiete zu machen,
und unter Entbehrungen im Freien zu kampiren. Für sie, mehr noch als
für den europäischen Bauer, ist Ruhe die angenehmste Erholung. Je
weniger Bequemlichkeit Jemand zu Haus geniesst, um so schwerer
verzichtet er darauf. In Europa kann man dieselbe Beobachtung machen.

Da die Ygorroten, um nicht das Monopol der Hacienda zu beeinträchtigen,
keine Kokospalmen zur Bereitung von Wein, Essig und Branntwein
haben durften, so überreichten sie mir eine Bittschrift, damit
ich ihnen diese Gunst erwirken möchte. Das Dokument ist von einem
indischen Schreiber so drollig konfus verfasst, dass ich es als Probe
philippinischen Kanzleistils mittheile [182]: Es hatte übrigens den
besten Erfolg, da den Bittstellern doppelt so viel bewilligt wurde
als sie erbaten.

Der SW. Monsun dauert in dieser Gegend (Gebiet von Goa) von April
bis Oktober. Der April ist sehr windstill (navegacion de señoras) am
beständigsten sind die SW.-Winde von Juni bis August, am trockensten
März, April, Mai. Der NO.-Monsun herrscht von Oktober bis Ende
Februar. März und Anfang April Wechselwinde, Oktober bis Dezember
ist die Zeit der Stürme: »San Francisco (4. Okt.) bringt schlechtes
Wetter«. Der Reis wird im September gepflanzt, im Februar geerntet.



ACHTZEHNTES KAPITEL

    ERSTEIGUNG DES YRIGA UND DES MAZARAGA. -- SEE- UND
    STRASSENRÄUBER. -- WASSERPFLANZEN VON BERLIN NACH DEN
    PHILIPPINEN. -- MEIN DIENER PEPE.


Vom Ysaróg kehrte ich über Naga und Nábua zum Yriga zurück, den es
mir endlich zu ersteigen gelang.

Der Häuptling der Montesinos hatte täglich Rationen für zweiundzwanzig
Mann erhalten, mit denen er angeblich einen Weg zum Gipfel bahnte. Als
er aber am Abend des dritten Tages selbst nach Yriga kam, um neue
Vorräthe zu holen, da die Arbeit noch einige Zeit erfordere, erklärte
ich, dass ich am folgenden Morgen versuchen würde den Berg zu besteigen
und forderte ihn zum Führen auf. Er willigte ein, verschwand aber
Nachts sammt seinem Begleiter, da die Indier im Tribunal sich das
Vergnügen gemacht hatten, ihnen schwere Strafen in Aussicht zu stellen
falls die Leistung nicht den Arbeitstagen entspräche. Nach vergeblichem
Bemühn um einen andern Führer, verliessen wir Buhi Nachmittags, und
übernachteten im Rancho, wo man uns früher so freundlich aufgenommen
hatte. Die Feuer brannten noch, aber die Bewohner waren bei unserer
Annäherung geflüchtet. Am folgenden Morgen um 6 Uhr begann die
Besteigung. Nachdem wir mit Benutzung der früher von uns gebahnten
Pfade den Wald durchschritten, ging es durch 3 bis 4 Fuss hohes Gras
mit scharfschneidenden Blättern, dann folgte 7 bis 8' hohes Rohr,
vom Habitus unseres Arundo phragmites (es stand aber nicht in Blüthe),
das den ganzen oberen Theil des Berges bis zum Rande einnimmt; nur in
den Schluchten reichten die Bäume hoch hinauf. In den untern Gehängen
waren sie mit Aroideen und Farnen, gegen den Gipfel zu mit Flechten
und Moosen bedeckt. Ich fand hier eine schöne neue eigenthümlich
gestaltete Orchidee. [183] Die Cimarronen hatten etwas Rohr umgehauen,
weiter bahnten wir uns mit Waldmessern den Weg und erreichten schon
um 10 Uhr die Spitze. Es war sehr trübe. Auf einen klaren Abend
oder Morgen hoffend, liess ich eine Hütte bauen, wozu das Rohr sehr
geeignet war. Für sich selbst ein Obdach zu errichten und Brennholz zum
Wachtfeuer herbeizuschaffen, waren die Indier zu faul. Sie kauerten,
um sich zu erwärmen, dicht an einander gedrückt auf dem Boden, assen
kalten Reis und dursteten dazu, da keiner Wasser holen wollte. Von
zwei Wasserträgern, die ich mitgenommen, hatte der Eine sein Wasser
unterwegs »aus Versehn« verschüttet, der Andre es unten ausgegossen,
»weil er geglaubt, dass wir es nicht brauchen würden«.

Ich fand die höchste Spitze des Yriga 1212 Meter, 1120 Meter über
dem Spiegel des Buhi-See's. Von Buhi ging ich nach Bátu.

Der Batu-See (111 Meter Meereshöhe) war seit meinem letzten Besuch
im Februar noch tiefer gesunken, der Algenteppich hatte an Breite
beträchtlich zugenommen, sein oberer Rand war an vielen Stellen
zerfetzt, der untere ging allmälig in einen dicken Wulst faulender
Wasserpflanzen über (Charen, Algen, Pontederien, Valisnerien, Pistien
u. s. w.), der den Wasserspiegel ringsum einfasste und nur durch
einzelne Lücken an das Ufer zu gelangen gestattete. Queer vor der
Mündung des Quinali in den See lag eine Barre von schwarzem Moder, in
welcher einige schmale Wasserrinnen die weichsten Stellen anzeigten. Da
wir mit einem grösseren Boote nicht über die Barre gelangen konnten,
so wurden zwei kleine schmale Nachen durch einen Bambusrost verbunden,
und mit einem Sonnendach versehn. Vermittelst dieser Vorrichtung,
die von 3 kräftigen Büffeln gezogen wurde, während die Mannschaft mit
sichtlichem Behagen und lautem Jubel knietief im schwarzen Schlamm
watend, schieben half, gelangten wir, wie auf einem Schlitten über
das Hinderniss in den Fluss, der bei meinem ersten Besuch an vielen
Stellen die Felder überfluthete, so dass die Hütten der Eingeborenen
wie Schiffe aus dem Wasser ragten und jetzt (im Juni) nicht einmal
sein Bett ausfüllte. Wir mussten daher die Schlittenfahrt bis dicht
vor Quinali fortsetzen.

In Ligáo stieg ich bei einem befreundeten Spanier ab, da seit meinem
letzten Besuch ein grosser Theil der Ortschaft sammt Tribunal und
Convento abgebrannt war. Nachdem die nöthigen Vorbereitungen getroffen,
ging ich Abends nach Barayong, einem kleinen Cimarronen-Rancho, am
Fuss des Mazarága, mit dessen Insassen ich am folgenden Morgen den
Berg bestieg. Auch die Frauen begleiteten uns eine gute Strecke und
erhielten die Gesellschaft in munterer Laune. Unterwegs wurde einem
zu dem Zweck mitgenommenen Indier eine Bambuse voll Wasser zum Tragen
übergeben, er warf sie fort, und lief davon, eine Alte trat für ihn
ein und schleppte das Wasser unverdrossen bis auf den Gipfel. Dieser
Berg war feuchter, als alle die ich je bestiegen, den Semeru in
Java etwa ausgenommen. Auf halbem Wege fand ich einige angefaulte
Rafflesien. [184] Zwei elend aussehende Cimarronenhunde jagten
uns einen jungen Hirsch zu, den einer der Leute durch einen Schlag
mit dem Waldmesser erlegte. Im Drittel der Höhe hörte der Pfad auf,
doch war es nicht schwierig durch den Wald zu gelangen, der mit Rohr
dicht bewachsene obere Theil des Berges verursachte wiederum grosse
Schwierigkeiten. Gegen zwölf erreichten wir die Gipfelplatte, die von
keinem Krater durchbohrt, flach gewölbt, fast horizontal, und dicht mit
Rohr bestanden ist. Ihre Höhe ergab sich = 1354 Meter. In kurzer Zeit
bauten die unermüdlichen Cimarronen eine schöne grosse Rohrhütte: ein
Zimmer für mich und das Gepäck, einen grossen Vorsaal für die Leute,
ein besonderes Haus für die Küche. Leider war das Rohr so nass, dass
es nicht brannte. Um etwas Brennholz zum Reiskochen zu haben, wurden
dicke Aeste aus dem Walde geholt, und ihr verhältnissmässig trockner
Kern mühsam herausgeschält. Die Schwefelhölzer waren so feucht, dass
der Phosphor sich beim Reiben ablöste; auf Löschpapier gesammelt,
mit dem geschwefeltem Ende des Zündholzes geknetet, ward er trocken,
und entzündete sich durch die Reibung. Von anstehendem festem Gestein
war nicht eine Spur zu sehn. Alles, von da ab wo der Pfad aufhörte,
war dicht bewachsen, der Boden mit einer hohen Schicht feuchter
Walderde bedeckt. Der folgende Morgen war hell und gestattete eine
weite Rundsicht, aber noch ehe ich sie fertig gezeichnet, ward es
wieder trübe, und als nach mehrstündigem Warten der Himmel sich mit
dichten Regenwolken bezog, traten wir den Rückweg an.

Auf dem Gipfel schwärmten viele Schmetterlinge umher. Wir konnten
aber nur wenige fangen, da das Gehn zwischen den hohen Rohrstoppeln
für nackte Füsse sehr beschwerlich war: von zwei Paar, aus Manila
bezogenen neuen Schuhen hatten sich, noch ehe ich die Spitze erreichte,
die nur leicht angehefteten Sohlen abgelöst, so dass ich den Weg nach
Ligao barfuss zurücklegen musste.

Am folgenden Tage ging mein spanischer Gastfreund zweimal nach dem
Tribunal, um mir die zur Beförderung meiner Sammlungen nöthigen
Büffelkarren zu verschaffen. Seine höflichen Bitten blieben ohne
Erfolg; dem Befehl des Cura, der den Gobernadorcillo zu sich in's
Haus beschied, wurde sogleich gehorcht. Für spanische Privatleute
haben die einheimischen Behörden in der Regel wenig Rücksichten,
sie begegnen ihnen nicht selten mit deutlicher Geringschätzung. Eine
amtliche Empfehlung des Alkalden ist gewöhnlich wirksam, aber nicht
in allen Provinzen, denn manche Alkalden schaden ihrem Ansehn, indem
sie zur Förderung ihrer persönlichen Interessen die Mithülfe oder
Verschwiegenheit der einheimischen Behörden in Anspruch nehmen.

Ich schoss hier einige Paníkes, grosse Fledermäuse, mit Flügeln
von fast fünf Fuss Spannweite, die im Tagesschlaf an den Aesten
eines Baumes hingen (s. Reisesk. S. 216), darunter zwei Mütter
mit unversehrten säugenden Jungen. Es sah rührend aus, wie sich
die Thierchen fester und fester an den Körper der sterbenden Alten
klammerten und auch noch nach erfolgtem Tode sie zärtlich zu herzen
schienen; der anscheinenden Innigkeit lag aber nur Selbstsucht
zu Grunde, denn als ihr Milchvorrath erschöpft, wurden die Alten
rücksichtslos, wie leere Schläuche behandelt. Sobald die Jungen
abgenommen wurden, frassen sie Bananen und lebten mehrere Tage lang
bis ich sie in Spiritus steckte.

Früh Morgens ritt ich auf dem Gaule des Pfarrers nach Legaspi, und
Abends durch tiefen Schlamm zum Alkalden nach Albay. Wir befanden uns
jetzt (Juni) mitten in der sogenannten trocknen Jahreszeit, es regnet
aber fast täglich. Der Weg zwischen Albay und Legaspi war schlechter
als je. Während meines Besuches ging vom Kommandanten der Falúas an
der Südküste die Meldung ein, dass er zwei Seeräuberboote verfolgte
als plötzlich sechs andre erschienen, um ihm den Rückweg abzuschneiden,
weshalb er schleunig umkehrte. Die Falúas sind zwar stark bemannt, und
mit Kanonen versehn, aber die von den Ortschaften der Küste gestellte
Mannschaft ist gänzlich ungeübt im Gebrauch der Feuerwaffen, und hat
solche Furcht vor den Moros, dass sie, wenn nur die geringste Hoffnung
zur Flucht vorhanden, mit allen Kräften das Land zu erreichen sucht
um davon zu laufen. Die Küstenorte, ohne andre Waffen als hölzerne
Piken, waren den Seeräubern völlig preisgegeben, die in Catanduánes,
Biri, und mehreren kleinen Inseln festen Stand gefasst hatten und
ungestraft Schiffe kaperten oder am Lande Menschen raubten. Fast
täglich wurden neue Räubereien und Mordthaten aus den Stranddörfern
gemeldet. Die während des Raubzuges zum Rudern verwendeten Gefangenen
werden schliesslich als Sklaven verkauft. Bei der Theilung sollen
je zwei dem Dato, der die Schiffe ausgerüstet, einer der Mannschaft
zufallen. [185] Zwar sind die Küstenfahrer in diesen Gewässern
grösstentheils mit Geschützen versehn, doch liegen diese gewöhnlich
im Schiffsraum, da Niemand an Bord damit umzugehn weiss. Sind die
Kanonen auf Deck befestigt, so fehlen die Kugeln oder das Pulver, aber
der Kapitän verspricht es das nächste Mal besser einzurichten. [186]
Der Alkalde berichtete die Thaten der Seeräuber mit jeder Post nach
Manila, wies auf die grossen dem Handel zugefügten Verluste, und auf
die Pflicht der Regierung ihre Unterthanen zu schützen, um so mehr, als
diesen keine Feuerwaffen gestattet sind. [187] Von den Bisaya-Inseln
ertönten dieselben Hülferufe. Die Regierung war aber machtlos gegen das
Uebel. Wurden die Klagen gar zu laut, so sandte sie in die am meisten
heimgesuchten Gewässer ein Dampfboot, das fast nie einen Seeräuber zu
sehn bekam, obgleich diese dicht vor und hinter ihm ihr Wesen trieben.

In der Hauptstadt Samars traf ich später einen Regierungsdampfer,
der seit vierzehn Tagen vergeblich gegen Piraten kreuzte; denn
diese, gewöhnlich schon durch ihre Spione gewarnt, sehn den
Rauch des Dampfbootes früh genug, um mit ihren flachen Kähnen zu
entschlüpfen. Die Offiziere wussten von vornherein, dass ihre Fahrt
schwerlich andern Erfolg haben würde, als den geschädigten Provinzen
zu zeigen, dass ihr Nothschrei nicht unbeachtet blieb. [188]

Es waren indessen damals schon 20 kleine Dampfkanonenboote von geringem
Tiefgang in England bestellt und ihrer Vollendung nahe, sie wurden in
Stücken um das Kap transportirt, die ersten beiden trafen bald darauf
in Manila ein, die übrigen folgten, und es gelang ihnen den Archipel
auf einige Zeit von dieser schweren Plage fast zu befreien [189],
wenigstens von den ächten Moros, die jährlich aus der Solosee meist
von der Insel Tavi-tavi kamen, im Mai nach den Bisayas gelangten,
und dann ihre Raubzüge im Archipel fortsetzten, bis der Wechsel
des Monsun im Oktober oder November sie zur Rückkehr zwang. [190]
In den Philippinen erhielten sie neuen Zuwachs durch Vagabunden,
Desertöre, entlassene Sträflinge, ruinirte Spieler. Aus denselben
Elementen werden auch die Banden von Strassenräubern (Tulisánes)
gespeist, die zuweilen sehr zahlreich auftreten und Streiche von
ausserordentlicher Keckheit ausführen. Nicht lange vor meiner Ankunft
waren sie in eine Vorstadt Manila's eingefallen und hatten in den
Strassen mit dem Militär gekämpft. Ein Theil des letzteren pflegt
regelmässig durch den Dienst gegen Tulisanes in Anspruch genommen zu
werden. Die Räuber sollen in der Regel gegen ihre Opfer nicht grausam
sein, wenn kein Widerstand geleistet wird. [191]

In Legaspi fand ich mehrere Kisten mit Blechfuttern, die mit
der Ueberlandpost nach 16 Monaten, statt nach 7 Wochen, für mich
angekommen waren, da sie von Berlin über Triest versandt, wegen des
italienischen Krieges dort liegen geblieben. Ihr fast ausschliesslich
zum Gebrauch in den Philippinen bestimmter Inhalt war mir jetzt
zum grössten Theil überflüssig. In einer Kiste befanden sich zwei
mit Glasstöpseln verschlossene Fläschchen, die eine mit feuchtem
Kohlenpulver, die andre mit feuchtem Lehm gefüllt, beide enthielten
Samen von Victoria regia und Knollen rother und blauer Nymphäen. Die
in der ersten Flasche waren verdorben -- wie sich erwarten liess;
aber in der mit feuchtem Lehm gefüllten hatten zwei Knollen 1/2 Zoll
lange Keime getrieben und sahen ganz gesund aus. Ich pflanzte sie
sogleich; in einigen Tagen entwickelten sie kräftige Blätter. Eine
dieser schönen, ursprünglich für den Buitenzorger Garten in Java
bestimmten Pflanzen blieb in Legaspi, die andre sandte ich nach
Manila, wo ich sie später in voller Blüthe wieder sah. Im Kohlenpulver
hatten zwei Victoriakerne über einen Zoll lange Wurzeln gemacht,
die aber abgefault, vielleicht auch bei der Zollrevision abgerissen
und dann gefault waren, denn der Hals des Fläschchens war zerbrochen;
das Kohlenpulver sah aus als wäre darin gerührt worden. Ich theilte dem
Inspektor des Berliner botanischen Gartens den glänzenden Erfolg seiner
Verpackungsart mit; er machte eine zweite Sendung direkt nach Java,
die im besten Zustande ankam, so dass nicht nur die Victoria, sondern
auch die von einem afrikanischen Vater und einer asiatischen Mutter
in Berlin erzeugten rothen Teichrosen jetzt die Wasserbecken Java's
(letztere Pflanzen vielleicht auch die der Philippinen) schmücken.

Wegen der anhaltenden Regen benutzte ich zwei Backöfen, um meine
Sammlungen vor dem Einpacken zu trocknen. Mein Diener verbrannte den
grössten Theil, so dass der Rest in einer geräumigen Kiste Platz fand,
die ich für einen Dollar erstand. Leider fehlte der Deckel. Um diesen
zu beschaffen, musste ich zuerst einen Zimmermann, der wegen einer
kleinen Schuld gefangen sass, frei machen, dann Vorschuss geben, um ein
Brett zu kaufen und Vorschuss um das versetzte Handwerkzeug auszulösen;
die endlich begonnene Arbeit wurde mehrere Male unterbrochen, weil
ältere Vorschüsse ungestümer Gläubiger durch Arbeit getilgt werden
mussten. Nach fünf Tagen war der Deckel fertig; er kostete drei Dollar,
hielt aber nicht lange, denn schon in Manila musste er durch einen
neuen ersetzt werden.

In Legaspi fand ich Gelegenheit einen kleinen Schoner nach der Insel
Samar zu benutzen, die SO. von Luzon, jenseits der 3 Leguas breiten
S. Bernardino-Strasse liegt. Im Augenblick der Abreise verliess mich
mein Diener »um ein wenig von den Strapazen auszuruhn« -- zu meinem
grossen Bedauern, -- denn Pepe war gutmüthig, sehr anstellig und immer
guter Laune. Er hatte in seinem Geburtsorte Cavite, wo viele spanische
Soldaten und Seeleute leben, diesen manches abgesehn, und wurde
scherzweis Español de Cavite genannt. Das Herumstreichen von einer
Ortschaft zur andern gefiel ihm sehr, er machte schnell Bekanntschaft,
und wusste sich bei den Frauen beliebt zu machen; denn er besass viele
gesellige Talente, verstand auch Guitarre zu spielen und Büffelkühe
zu melken. Kamen wir in ein Pueblo, wo eine Mestizin oder gar eine
»Landestochter« (Kreolin) wohnte, so requirirte er, wenn es anging,
sogleich eine milchende Büffelkuh, molk sie, brachte der Señora einen
Theil der Milch und hielt, unter dem Vorgeben der Dolmetscher meiner
Gesinnungen zu sein, eine so höfliche wohlgesetzte Rede, pries die
Schönheit und Anmuth der Dame und liess sich mit demüthigster Miene
so ungeheuerliche Reiseabenteuer abfragen, dass Ritter und Knappe
in hellem Glanze strahlten. Das Geschenk war immer willkommen, (und
brachte uns manch Körbchen Orangen ein); denn Büffelmilch ist zur
Chocolade sehr beliebt, es kommt aber, wie es scheint, nur selten
jemand auf den Einfall eine Kuh zu melken. Leider mochte Pepe nicht
Berge steigen, und bekam Bauchweh, wenn er mich begleiten sollte,
oder er verschenkte meine starken Schuhe oder liess sie stehlen; die
einheimischen aber blieben unangetastet; denn er wusste wohl, dass
sie fast nur zum Reiten taugen, woran auch er Freude hatte. In meiner
Gesellschaft arbeitete er schnell und gern, aber allein langweilte
es ihn, er fand überall Freunde, die ihn abhielten; dann liess er bei
dem Abbalgen der Vögel das Fleisch in den Beinen sitzen, so dass sie
verfaulten und fortgeworfen werden mussten. Noch unangenehmer war ihm
das Packen, darum that er es so schnell als möglich, doch nicht immer
mit genügender Sorgfalt, wie einmal, wo er Schuhe, Arsenikseife,
Zeichnungen und Chocolade in ein Tuch zusammenband. Trotz solcher
kleinen Mängel war er mir sehr nützlich und angenehm. Nach einer so
unzivilisirten Insel, wie Samar, ging er aber nicht gern, und als er
gar seinen Lohn für acht Monate auf einmal erhielt, und plötzlich ein
kleiner Kapitalist war, konnte er der Versuchung nicht widerstehn,
ein wenig von den Strapazen auszuruhn.



NEUNZEHNTES KAPITEL

    REISEN IN SAMAR. -- WETTER. -- BEAMTENWAHL. -- NORDKÜSTE. --
    CATBALOGAN. -- FLATTERMAKIS. -- SCHLANGENBÄNDIGER. --
    TERTIÄRVERSTEINERUNGEN. -- STROMSCHNELLEN DES LOQUILOCUN. --
    GESPENSTERTHIER.


Die Insel Sámar, von beinahe rhombischem Umriss, mit wenig ausgezackten
Rändern, erstreckt sich NW.--SO. von 12° 37' bis 10° 54' N., ist im
Mittel 22 M. lang und halb so breit; ihr Flächenraum beträgt über 220
quadr. M. Im Süden wird sie durch die schmale San Juanico-Strasse
von der Insel Leyte getrennt, mit welcher sie früher zu einer Provinz
vereinigt war. Jetzt steht jede Insel unter einem besondern Guvernör.

Von ältern Schriftstellern wird die Insel Tendaya, Ybabáo, auch Achan
und Philippina genannt, später hiess die östliche Seite Ybabáo,
die westliche Sámar, welches jetzt die amtliche Benennung für die
ganze Insel ist; das östliche Gestade wird als die Contracosta
unterschieden. [192]

Der NO. Monsun überwiegt hier, wie an den Ostküsten Luzon's, an
Dauer und Stärke den SW.-Monsun, dessen Gewalt durch die südwestlich
liegenden Inseln gebrochen wird; während die NO. Winde mit ihrer ganzen
Kraft und der Wucht ihrer im grossen Ozean aufgesogenen Wassermasse
gegen die Küsten dieser östlichen Inseln anprallen. Im Oktober treten
zwischen NW. und NO. schwankende, vorherrschend nördliche Winde ein,
Mitte November wird der Nordost beständig und dauert, nur selten
von Nord unterbrochen, bis zum April. Dies ist auch die Regenzeit;
am nassesten sind Dezember und Januar, wo es zuweilen vierzehn Tage
ohne Unterbrechung regnen soll. An der Nordküste bei Láuang dauert die
Regenzeit von Oktober bis Ende Dezember. Januar bis April sind trocken;
Mai, Juni, Juli Regen; August, September trocken. Es giebt also dort
zwei nasse und zwei trockene Jahreszeiten. Von Oktober bis Januar
kommen zuweilen heftige Stürme vor (Baguios = Taifun); sie beginnen
gewöhnlich mit Nordwind, gehen nach Nordwest, von schwachem Regen
begleitet, dann zurück nach N., mit zunehmender Stärke nach NO. und
O., wo sie ihre grösste Gewalt erreichen, und dann mit schwachem
Winde nach Süden übergehen; zuweilen aber drehen sie schnell durch
Ost nach Süd und erlangen erst dort ihre grösste Kraft.

Von Ende März bis Mitte Juni herrschen unbeständige östliche Winde
(NO. O. SO.) mit sehr hoher See an der Ostküste. Der Mai ist gewöhnlich
windstill. Im Mai und Juni häufige Gewitter, welche den SW.-Monsun
einleiten, der in den Monaten Juli, August, September zur Geltung
kommt, aber nie so beständig ist, wie der NO.. Die genannten drei
Monate bilden die trockene Jahreszeit, sie wird aber von häufigen
Gewittern unterbrochen. Es vergeht wohl keine Woche regenlos. In
manchen Jahren findet an jedem Nachmittage ein Gewitter statt. In
dieser Jahreszeit können Schiffe an der Ostküste anlegen; während
des NO.-Monsun ist Schifffahrt dort nicht möglich. Diese allgemeinen
Verhältnisse sind manchen örtlichen Abweichungen, namentlich an
der Süd- und Westküste unterworfen, wo die Regelmässigkeit der
Luftströmungen durch die davor liegenden, bergigen Inseln gestört
wird. Nach dem Estado geogr. 1855 S. 345 tritt alljährlich bei dem
Monsunwechsel, im September oder Oktober eine ausserordentlich
(unter Umständen 60 bis 70 Fuss) hohe Fluth ein, Dolo genannt,
die sich mit furchtbarer Gewalt gegen die Ost- und Südküste wirft,
grossen Schaden anrichtet, aber eine Gezeit nicht überdauert. Das
Klima von Samar und Leyte scheint an den Küsten sehr gesund zu sein
und zu den zuträglichsten des Archipels zu gehören. Ruhr, Durchfall
und Fieber kommen seltener vor als in Luzon; auch Europäer sollen
ihren Anfällen hier weniger ausgesetzt sein als dort.

Samar ist fast nur an seinen Rändern von zivilisirten Indiern bewohnt,
und zwar von Bisayern, die durch Sprache und Sitten etwa in demselben
Grade von den Bicols verschieden sind, wie diese von den Tagalen. Im
Innern fehlen Strassen und Dörfer beinahe gänzlich; es ist mit dichtem
Walde bedeckt und dient unabhängigen Stämmen zum Aufenthalt, die etwas
Ackerbau treiben (Knollengewächse und Bergreis), und die Produkte des
Waldes sammeln, namentlich Harze, Honig und Wachs, woran die Insel
sehr reich ist.

Am 3ten Juli verliesen wir Legáspi, schlichen, durch häufige
Windstillen aufgehalten, am Nordrande von Albáy bis zur Punta Montúfar,
dann an der kleinen Insel Viri vorbei, und erreichten Láuang erst
am 5ten Abends. Das Gebirge von Bácon (Pocdol bei Coello), das mir
auf früheren Reisen durch Nacht oder Nebel verborgen geblieben,
zeigte sich im Vorüberfahren deutlich als ein Kegelberg, daneben
ragte eine sehr schroffe tiefgefurchte Bergwand auf, anscheinend der
Rest eines Ringgebirges. Nachdem der Steuermann, ein alter, aus der
Gegend gebürtiger Indier, der die Reise schon oftmals gemacht, uns
zuerst nach einem falschen Hafen gefahren, setzte er das Schiff auf
der Barre fest, obgleich hinreichend Wasser vorhanden war, um bequem
in den Hafen einzulaufen.

Die Ortschaft Láuang (Láhuan) von mehr als 4500 Einwohnern, liegt
zusammengedrängt auf dem 40 Fuss hohen Südwestrande der gleichnamigen
kleinen Insel, durch einen Arm des Catúbig von Sámar getrennt. Nach
einer verbreiteten Ueberlieferung lag der Ort früher auf Sámar
selbst, inmitten seiner noch heut dort vorhandenen Reisfelder, bis
wiederholte Ueberfälle von Seeräubern die Einwohner bewogen sich
trotz der damit verbundenen Unbequemlichkeiten zu ihrem Schutz auf
der Südkante der steil aus dem Meer emporsteigenden kleinen Insel
anzusiedeln. [193] Diese besteht aus fast horizontalen, 8 bis 12 Zoll
dicken Tuffbänken. Die an der Fluthgrenze von den Wellen fortwährend
benagten Schichten veranlassen die obern Bänke abzubrechen, so dass
die ziemlich gleich dicken, durch vertikale Sprünge zerklüfteten
Schichtenköpfe wie Festungsmauern erscheinen. Die Kirche und das
Convento haben des beschränkten Raumes wegen jeden flachen Absatz
des Felsens in verschiedenen Höhen benutzen, sich der Oertlichkeit
anbequemen müssen und sind daher, wohl ohne Absicht des Erbauers,
ganz malerisch geworden.

Der Ort liegt hübsch, die Häuser sind aber nicht, wie sonst häufig,
von kleinen Gärten umgeben, es herrscht grosser Wassermangel und übler
Geruch. Zwei oder drei spärliche Quellen, fast im Meeresniveau, liefern
ein trübes, brackisches Wasser, mit dem die trägen Leute sich begnügen,
so lange es eben ausreicht. Wohlhabende lassen ihr Wasser von Samar
holen, wozu auch die Aermeren zuweilen durch das Versiegen der Quellen
gezwungen werden. Zum Baden reicht das Quellwasser nicht aus, Seebäder
sind nicht beliebt, die Leute sind daher sehr schmutzig. Ihre Kleidung
ist dieselbe wie in Luzon, die Frauen tragen aber keinen Tapis, sondern
nur Camisa (ein kurzes, die Brüste kaum deckendes Hemd) und Saya, meist
aus grober, störriger Guinara, die hässliche Falten bildet und wenn
nicht schwarz gefärbt, sehr durchscheinend ist. Schmutz und dezentes
Wesen schützen aber mehr als dichte Gewänder. Die Bewohner von Láuang
stehen wohl mit Recht in dem Ruf sehr träge zu sein. Ihr Gewerbfleiss
beschränkt sich fast auf etwas Landbau, selbst der Fischfang wird so
vernachlässigt, dass es häufig an Fischen mangelt. Eigene Schifffahrt
ist kaum vorhanden, obgleich es keine Landstrassen giebt. Der Handel
wird meist durch Schiffer aus Catbalógan betrieben, die den Ueberschuss
der Ernten gegen andere Erzeugnisse eintauschen.

Vom Convento überblickt man einen Theil der Insel Samar, deren
Bergformen die Fortsetzung der flachen Schichtung anzeigen. In der
Mitte der Landschaft ragt in Entfernung einiger Meilen ein in der
Geschichte der Gegend berühmter Tafelberg hervor. Dorthin hatten sich
die Eingeborenen des nahen Dorfs Palápat, nachdem sie ihren Pfarrer,
einen zu lüsternen Jesuitenpater, ermordet, zurückgezogen und Jahre
lang mit den Spaniern Guerillakrieg geführt, bis sie endlich durch
Verrath überwältigt wurden.

Das Innere der Insel ist schwierig zu bereisen, da keine Wege
vorhanden sind; die Küsten werden sehr von Seeräubern heimgesucht. In
den letzten vierzehn Tagen waren mehrere Pontins und vier mit Abacá
beladene Schoner gekapert, die Mannschaft zum Theil grausam ermordet,
ihre Leichname zerstückelt worden, -- eine Abweichung vom Brauch,
denn gewöhnlich werden die Gefangenen während der Dauer des Raubzuges
zum Rudern benutzt und später in den Inseln der Solosee als Sklaven
verkauft. Es war gut, dass wir den Piraten nicht begegnet, denn
obgleich wir vier kleine Kanonen an Bord führten, verstand Niemand
ihre Behandlung. [194]

Der zur Leitung der Wahlen für die Gemeindeämter erwartete Guvernör
sandte, durch Krankheit verhindert, einen Stellvertreter. Da die Wahlen
alljährlich im ganzen Lande nach derselben Vorschrift vollzogen werden,
so mag diese, der ich beiwohnte, als Beispiel beschrieben werden:
Sie findet im Gemeindehaus statt; am Tisch sitzt der Guvernör (oder
sein Vertreter), ihm zur Rechten der Pfarrer, links der Schreiber,
der zugleich Dolmetscher ist. Sämmtliche Cabezas de Barangay, der
Gobernadorcíllo und die es früher gewesen, haben auf Bänken Platz
genommen. Es werden zuerst durch das Loos je 6 von den Cabézas,
und von den Gobernadorcillo's zu Wählern ernannt; der fungirende
Gobernadorcíllo ist der dreizehnte, die Uebrigen verlassen den
Saal. Nachdem der Vorsitzende die Statuten verlesen und die Wähler
zur gewissenhaften Erfüllung ihrer Pflicht ermahnt, treten diese
einzeln an den Tisch und schreiben drei Namen auf einen Zettel. Wer die
meisten Stimmen hat, wird, wenn weder Pfarrer noch Wähler begründeten
Einspruch erheben, sofort zum Gobernadorcíllo für das kommende Jahr
ernannt, vorbehaltlich der Bestätigung der Oberbehörde in Manila,
die wohl immer erfolgt, denn schon der Einfluss des Cura würde eine
missliebige Wahl verhindern. Auf dieselbe Weise findet die Wahl der
übrigen Beamten statt, nachdem zuvor der neue Gobernadorcillo in
den Saal gerufen, damit er etwaige triftige Einwendungen gegen seine
aus der Wahl hervorgehende künftige Beamten machen könne. Die ganze
Handlung ging mit grosser Ruhe und Würde vor sich. [195]

Am folgenden Morgen fuhr ich in Gesellschaft des gefälligen Pfarrers,
dem sich fast alle Knaben des Dorfes anschlossen, in einem grossen Boot
nach Samar über. Von elf kräftigen Gepäckträgern, die der Vertreter des
Guvernörs für mich ausgewählt hatte, bemächtigten sich vier einiger
Kleinigkeiten und eilten damit voraus, drei andere verbargen sich im
Gebüsch, vier waren schon in Láuang davongelaufen. Das Gepäck wurde
auseinandergenommen, unter die zurückgeholten vier Träger und die zum
Vergnügen mitgegangenen kleinen Jungen vertheilt. Wir folgten dem
Seestrand in westlicher Richtung und erreichten sehr verspätet die
nächsten Visitas, wo es dem Cura nach vieler Mühe gelang, die fehlenden
Träger zu ersetzen. Westlich von der Mündung des Pambújan springt
eine Landzunge in's Meer, ein Lieblingsaufenthalt der Seeräuber, da
sie dort im Walde verborgen, den Strand übersehen können, der sich
zu beiden Seiten in weiten Bogen ausdehnt und die einzige Strasse
zwischen Láuang und Catárman bildet. Schon viele Menschen sind hier
geraubt worden und nur mit genauer Noth war der mich bis hierher
begleitende Pater vor einigen Wochen dieser Gefahr entgangen.

Der letzte Theil der Tagereise verlief sehr munter. Ein vorausgesandter
Bote hatte an allen Flussmündungen Kähne stellen lassen; da man in
diesem Gebiet kaum andre Europäer kennt, als Geistliche, so wurde
ich in der Dunkelheit für einen Kapuziner im Reiseanzug gehalten,
die Männer leuchteten mir mit Fackeln bei der Ueberfahrt, die Frauen
drängten sich heran um mir die Hand zu küssen. Ich übernachtete
unterwegs und gelangte am folgenden Tage nach Catárman (Caladman auf
Coellos Karte), einem reinlichen, geräumigen Ort von 6358 Seelen, an
der Mündung des gleichnamigen Flusses. Sechs Pontins aus Catbalógan
lagen dort um Reis für Albáy zu laden. Die Bewohner der Nordküste
sind zu schlechte Seefahrer, um ihre Produkte selbst auszuführen;
sie überlassen es den Leuten aus Catbalógan, die, weil es ihnen an
Reisfeldern mangelt, gezwungen sind, ihre Thätigkeit auf anderen
Gebieten zu entfalten.

Früher mündete der Fluss von Catárman weiter östlich und war sehr
verschlämmt. Im Jahre 1851 bahnte er sich in dem lockeren, aus
Quarzsand und Muscheltrümmern bestehenden Boden nach anhaltendem,
heftigen Regen einen neuen, kürzeren Ausgang zum Meer, den jetzigen
Hafen, in welchem Schiffe von 200 Tonnen unmittelbar am Lande laden
können, zerstörte aber dabei den grössten Theil des Dorfes, auch die
steinerne Kirche und Priesterwohnung. In dem neuen Convento sind zwei
Säle, der eine von 16,2×8,8, der andre von 9×7,6 Schritt Inhalt,
mit Brettern aus einem einzigen Ast eines Dipterocarpus (guiso)
gedielt. Den Schritt = 30 Zoll, die Dicke der Bretter mit Inbegriff
der Abfälle zu einem Zoll angenommen, entspricht dies einem festen
Holzblock, so hoch wie ein Tisch (2 1/2'), ebenso breit und 18' lang,
etwa 110 Cubikfuss. [196] Die Häuser sind von Gärten umgeben, zum Theil
auch nur von Einzäunungen, in denen Unkraut wuchert. Bei dem Neubau
des Dorfes nach der grossen Wasserfluth wurde die Anlage von Gärten
befohlen; es fehlt aber oft der Fleiss, sie zu erhalten. Südlich vom
Dorf dehnen sich Weideplätze aus, mit feinem kurzem Grase bewachsen,
doch ist mit Ausnahme einiger dem Cura gehörenden Rinder und Schafe,
kein Vieh vorhanden.

Immer noch ohne Diener, fuhr ich mit meinem Gepäck in zwei kleinen
Kähnen den Fluss hinauf, an dessen beiden Seiten sich Reisfelder
und Kokoshaine ausbreiten, die aber, durch einen dichten Saum von
Nipapalmen und hohem Rohr verborgen, nur durch gelegentliche Lücken
sichtbar sind. Die zuerst flachen, sandigen Ufer werden allmälig
steiler, bald zeigt sich anstehendes Gestein, feste Bänke von
sandigem Thon, mit seltenen Spuren undeutlicher Versteinerungen. Eine
kleine Muschel [197] hat an der Wassergrenze so zahlreiche Löcher
in die Thonbänke gebohrt, dass diese wie Honigwaben aussehn. Um
12 kochten wir unsern Reis in einer einzeln stehenden Hütte bei
freundlichen Leuten. Die Frauen, die wir in zerlumpten, schwarzen
Guináragewändern überraschten, zogen sich beschämt zurück und
erschienen bald darauf in sauberen bunten Sayas, messingenen Ohrringen
und Schildkrötenkämmen. Als ich ein kleines nacktes Mädchen zeichnete,
nöthigte die Mutter sie ein Hemd anzuziehn. Um 2 bestiegen wir die
Boote wieder, ruderten die ganze Nacht und erreichten um 9 Vormittags
eine kleine Visita, Cobocóbo. Nach Abzug der zweistündigen Mittagsrast
hatten die Leute 24 Stunden ununterbrochen gearbeitet und waren guter
Dinge, wenn auch etwas müde.

Um 2 1/2 Uhr traten wir den Landweg über die Salta Sangley
(Chinesensprung) nach Tragbúcan an, welches in gerader Richtung etwa
eine Meile entfernt, an der Stelle liegt, wo der an der Westküste bei
Punta Hibáton mündende Calbáyot für Nachen schiffbar wird. Mittelst
dieser beiden Flüsse und des kurzen aber beschwerlichen Landwegs
besteht eine Verbindung zwischen den bedeutenden Ortschaften Catárman
an der Nordküste und Calbáyot an der Westküste. Der Landweg, im besten
Falle ein schmaler, von der Sonne nicht beschienener Pfad im dichten
Walde, oft nur eine Richtung, führt über schlüpfrige Thonrücken,
verschwindet in den Schlammpfützen der dazwischen liegenden Niederungen
und läuft zuweilen im Bett der Bäche hin. Die Wasserscheide zwischen
dem Catárman und Calbáyot wird von der genannten Salta Sangley,
einem flachen, aus Thon- und Sandsteinbänken bestehenden, nach
beiden Seiten treppenförmig absteigenden Rücken gebildet, von der
das oben angesammelte Wasser in kleinen Kaskaden herabfällt. An den
schwierigsten Stellen sind rohe Bambusleitern angebracht. Ich zählte 15
Bäche auf der NO. Seite, die den Catárman speisen und etwa ebenso viele
Zuflüsse des Calbáyot auf der SW. Seite. Um 5 Uhr 40 Minuten erreichten
wir den höchsten Punkt der Salta Sangley (etwa 90' Meereshöhe). Um 6
Uhr 30 Minuten einen Fluss, den oberen Lauf des Calbáyot, in dessen
Bett wir wanderten, bis die zunehmende Tiefe uns zwang, im Dunkeln
unsern Weg mühsam durch das Unterholz an seinem Rande zu bahnen;
um 8 Uhr befanden wir uns der Visita Tragbúcan gegenüber.

Der Fluss war hier bereits 6 Fuss tief, ein Nachen nicht
vorhanden. Nach langem Rufen, Bitten und Drohen entschlossen sich
die durch einen Revolverschuss aus dem Schlafe geschreckten Leute ein
Bambusfloss zu bauen, auf dem sie uns und unser Gepäck übersetzten. Das
nur aus wenigen ärmlichen Hütten bestehende Oertchen liegt hübsch,
von bewaldeten Hügeln umgeben, auf einer Sandplatte 50 Fuss über dem
schilfbesäumten Fluss.

Dank der Rührigkeit des mich begleitenden Teniente von Catárman war
in aller Frühe ein Boot herbeigeschafft worden, so dass wir um 7
Uhr die Reise fortsetzen konnten. Die Ufer blieben 20 bis 40 Fuss
hoch. Ausgenommen das Schreien einiger Nashornvögel, die auf den
höchsten Bäumen von Ast zu Ast flatterten, nahmen wir keinen Laut,
keine Spur von Thierleben wahr. Um 11 1/2 Uhr gelangten wir an eine
kleine Visita, Taibágo, um 1 Uhr 35 Minuten an eine ähnliche, Magubáy,
und nach zweistündiger Mittagsrast, um 5 Uhr an eine Stromschnelle, die
wir geschickt, fast ohne Wasser zu schöpfen, hinabglitten. Der bisher
im Mittel 30 Fuss breite, wegen vieler hineingestürzter Baumstämme
schwierig zu befahrende Fluss wird hier doppelt so breit. Gegen 11 Uhr
Nachts erreichten wir das Meer und ruderten bei völliger Windstille
1 Legua weit die Küste entlang nach Calbáyot, dessen Convento eine
herrliche Aussicht auf die davorliegenden Inseln gewährt.

Ein Gewittersturm zwang uns, die Fahrt nach der 7 Leguas entfernten
Hauptstadt Catbalógan (oder Catbalónga) auf den Nachmittag zu
verschieben. Wir fuhren in einem langen, aus einem Baumstamme
gezimmerten, mit Ausriggern versehenen Boote am Strande hin, an welchem
sich eine Reihe niedriger bewaldeter Hügel mit vielen kleinen Visitas
hinzieht, und umschifften mit einbrechender Dunkelheit die Spitze
Napalísan, einen Felsen aus trachytischem Konglomerat, der durch
senkrechte Klüfte mit abgerundeten Kanten in eine Reihe thurmartiger
Vorsprünge gegliedert, 60 Fuss hoch wie eine Ritterburg aus dem Meere
hervorragt. Nachts erreichten wir Catbalógan, die Hauptstadt der Insel
(6000 E.) in der Mitte des Westrandes gelegen, in einer kleinen von
Eilanden und Landzungen malerisch umgebenen Bucht, schwer zugänglich
und dennoch wenig geschützt. -- Nicht Ein Fahrzeug ankerte im Hafen.

Die Häuser, darunter viele von Brettern, sind zierlicher als in
Camarínes, die Leute zwar träge, aber bescheidener, ehrlicher,
gutmüthiger und von reineren Sitten als die Bewohner Süd-Luzon's. Durch
die gefällige Verwendung des Guvernörs erhielt ich schnell eine
geräumige Wohnung und einen Diener, der Spanisch verstand. Auch traf
ich hier einen sehr intelligenten Indier, der sich grosse Fertigkeit in
den verschiedensten Handwerken angeeignet hatte. Mit dem einfachsten
Werkzeug besserte er manches an meinen Instrumenten und Apparaten,
deren Zweck er schnell begriff, zur vollständigen Zufriedenheit aus
und gab viele Proben bedeutender geistiger Fähigkeit.

In Samar sind Flattermakis oder Lemure, Káguang der Bisayer,
Galeopithecus, nicht selten. Die Thiere, von der Grösse einer
Hauskatze, gehören zu den Vierhändern, sind aber, ähnlich wie die
fliegenden Eichhörnchen, mit einer am Halse entspringenden, über
Vorder-, Hinterglieder und Schwanz reichenden Flatterhaut versehn,
vermittelst welcher sie von einem Baum zum andern in einem sehr
stumpfen Winkel gleiten können. [198] Körper und Flatterhaut sind mit
einem sehr zarten kurzen Pelz bekleidet, der dem Chinchilla an Feinheit
und Weiche wohl kaum nachsteht, und deshalb sehr gesucht ist. Während
meiner Anwesenheit trafen zum Geschenk für den Pfarrer sechs lebende
Káguangs ein (drei hellgraue, ein dunkelbrauner, zwei graubraune,
alle mit kleinen weissen unregelmässig vertheilten Flecken), von
denen ich ein Weibchen mit ihrem Jungen erhielt.

Es schien ein harmloses ungeschicktes Thier. Als es von seinen
Fesseln befreit war, blieb es am Boden liegen, alle vier Glieder
von sich gestreckt, die Erde mit dem Bauch berührend und hüpfte dann
in kurzen schwerfälligen Sprüngen, ohne sich dabei emporzurichten,
nach der nächsten Wand, die aus gehobelten Brettern bestand. Dort
angekommen tastete es lange mit den einwärts gebogenen scharfen
Krallen seiner Vorderhände umher, bis ihm endlich die Unmöglichkeit
an jener Stelle emporzuklettern klar geworden. Gelang es ihm in
einer Ecke oder mit Benutzung einer gelegentlichen Spalte, einige
Fuss aufwärts zu klimmen, so fiel es alsbald wieder herab, weil es
die verhältnissmässig sichere Stellung seiner Hinterglieder aufgab,
bevor die Krallen der vorderen festen Halt gefunden hatten; es nahm
aber keinen Schaden, da die Jähheit des Falles durch die schnell
ausgespannte Flughaut gebrochen wurde. Diese mit unerschütterlicher
Beharrlichkeit fortgesetzten Versuche zeigten einen auffallenden
Mangel an Urtheil, das Thier muthete sich viel mehr zu, als es
ausführen konnte; daher blieben seine Bemühungen erfolglos, stets
aber fiel es ohne sich zu verletzen, Dank dem Fallschirm, womit die
Natur es ausgestattet hatte. Wäre der Káguang nicht gewöhnt sich so
ganz und gar auf diese bequeme Vorrichtung zu verlassen, so hätte
er wohl seinen Verstand mehr gebrauchen, seine Kräfte richtiger
beurtheilen gelernt. Das Thier hatte seine fruchtlosen Versuche so
oft wiederholt, dass ich es nicht weiter beachtete, -- nach einiger
Zeit war es verschwunden. Ich fand es in einem dunklen Winkel unter
dem Dache wieder, wo es wahrscheinlich die Nacht erwarten wollte,
um seine Flucht fortzusetzen. Offenbar war es ihm gelungen den
oberen Rand der Bretterwand zu erreichen und zwischen dieser und
der festaufliegenden elastischen Decke aus Bambusgeflecht seinen
Körper durchzuzwängen. Das arme Geschöpf, das ich voreilig für dumm
und ungeschickt gehalten, hatte unter den gegebenen Umständen die
grösstmögliche Geschicklichkeit, Klugheit und Beharrlichkeit gezeigt.

Ein zum Besuch anwesender Padre aus Calbígan versprach mir so viele
Wunder in seinem Gebiet, -- eine Fülle der seltsamsten Thiere, höchst
unzivilisirte Cimarronen, -- dass ich ihn am folgenden Tage auf
seiner Heimreise begleitete. Eine Stunde nach der Abfahrt erreichten
wir die kleine Insel Majáva, die aus steil aufgerichteten Schichten
eines festen, feinkörnigen vulkanischen Tuffes mit kleinen glänzenden
Hornblendekrystallen besteht. Die Insel Buat (Coello's Karte) wird
von unsern Schiffern Tubígan genannt. In 3 Stunden gelangen wir
nach Umáuas, einem Filial von Calbígan. Es liegt 50 Fuss über dem
Meer in einer Bucht, vor welcher sich, wie so oft an dieser Küste,
eine Reihe kleiner malerischer Inseln hinzieht, 4 Leguas genau
S. von Catbalógan. Calbígan aber, das wir gegen Abend erreichten,
liegt von Reisfeldern umgeben 2 Leguas NNO. von Umáuas, 40 Fuss
hoch über dem gleichnamigen Fluss, fast anderthalb Leguas von dessen
Mündung. An den Ufern des Calbígan ist ein Baum mit schön violblauen
Blüthenrispen besonders häufig, er liefert das geschätzteste Bauholz
der Philippinen, das dem Teak gleichgeachtet und wie dieses zu
den Verbenaceen gehört. Sein inländischer Name ist Molave. (Vitex
geniculata Blanco.) [199]

Nach der Versicherung glaubwürdiger Männer soll es in hiesiger Gegend
Schlangenbändiger geben. Sie pfeifen die Schlangen angeblich aus ihren
Schlupfwinkeln herbei, lassen sie nach ihrem Willen sich bewegen oder
innehalten und hantiren sie nach Belieben, ohne von ihnen verletzt
zu werden. Den berühmtesten derselben hatten aber die Seeräuber
vor Kurzem fortgeschleppt, ein zweiter war zu den Cimarronen in
die Berge entwichen, ein dritter, dessen Ruf nicht recht begründet
schien, begleitete mich bei meinen Ausflügen, entsprach aber nicht
den Schilderungen seiner Freunde. Zwei Giftschlangen [200], die
wir unterwegs trafen, fing er, indem er sie geschickt, unmittelbar
hinter dem Kopf packte, so dass sie wehrlos waren, und wenn er
ihnen still zu liegen befahl, so setzte er ihnen zuvor den Fuss
auf den Nacken. Ich verletzte mir auf der Jagd, an einem im Schlamm
verborgenen spitzen Ast, den Fuss so erheblich, dass ich unverrichteter
Sache nach Catbalógan zurückkehren musste. Die Bewohner von Calbígan
gelten für thätiger und umsichtiger als die übrigen der Westküste,
auch ihre Ehrlichkeit wird gerühmt. Ich fand sie sehr anstellig,
das Sammeln und Zubereiten von Pflanzen und Thieren schien ihnen
Freude zu machen, gern hätte ich einen Diener von hier mitgenommen;
sie trennen sich aber so schwer von ihrem Dorf, dass alle Bemühungen
des Pfarrers, einen zur Mitreise zu bewegen, erfolglos blieben.

In geringer Entfernung NW. von Catbalógan gewahrt man bei Ebbe in
weniger als 2 Faden Tiefe einen der üppigsten Korallengärten. Auf
einem bunten Teppich von Kalkpolypen und Schwämmen erheben sich wie
Staudengewächse Gruppen von lederartigen, fingerdicken Stielen, deren
oberes Ende dicht mit Polypen besetzt ist (Sarcophyton pulmo Esp.), die
ihre in den schönsten Farben schillernden Tentakelrosen weit geöffnet
haben, so dass sie wie Blumen in voller Blüthe erscheinen. Sehr grosse
Serpeln strecken aus ihren Kalkröhren zierliche rothe, blaue und gelbe
Fühlerkronen heraus, dazwischen wuchern fein gefiederte Plumularien;
kleine Fische von wunderbar prächtigen Farben tummeln sich in diesen
Nixengärten.

Nachdem Stürme und die Flucht meines Dieners, der das ihm anvertraute
Geld beim Hahnenkampf verspielt hatte, mich einige Tage in der
Hauptstadt aufgehalten, fuhr ich die Bucht hinauf, die sich im S. von
Catbalógan, WO. bis Paránas erstreckt. Der Nordrand derselben besteht
aus NS. streichenden, gleich hohen, regelmässigen, von W. sanft
ansteigenden, nach O. steil abfallenden Erdwogen, die gegen das Meer
scharf abschneiden; 9 kleine Dörfchen liegen an dieser Küste zwischen
Catbalógan und Paránas, sie ziehn sich unter Kokos- und Betelpalmen
in vereinzelten Häusergruppen von den Mulden aus die westlichen,
sanften Abhänge hinauf und endigen, indem sie den Gipfel erreichen,
mit einem kleinen Castillo, das schwerlich Schutz gegen die Seeräuber,
aber fast immer einen hübschen landschaftlichen Punkt gewährt. Vor
dem Südrande der Bucht und nach SW. hin sieht man viele kleine Inseln
und bewaldete Felsen, im Hintergrunde die Berge von Leyte, sich zu
immer wechselnden Veduten verschieben.

Da die Leute bei schwüler Hitze, völliger Windstille und fast
wolkenlosem Himmel beinahe so viel schliefen als ruderten, so
erreichten wir erst Nachmittags Paránas, ein sauberes zwischen 20
und 150 Fuss Meereshöhe an einem Abhang gelegenes Dorf. Die am Meere
senkrechten Wände bestehn aus grauen gegen das Land einfallenden
Thonbänken, und werden überlagert von einer Schicht Muscheltrümmer,
deren Zwischenräume mit Thon ausgefüllt sind; über dieser liegt eine
festere, durch Kalk verkittete Breccie, aus eben solchen Bruchstücken
bestehend. In den Thonbänken finden sich wohlerhaltene Versteinerungen,
in Farbe, Habitus, und Vorkommen manchen deutschen Tertiärbildungen
zum Verwechseln ähnlich; die Breccien sind gleichfalls fossil,
vielleicht auch tertiär; jedenfalls liess sich die Identität der
wenigen darin erkennbaren Cerithien, Pecten und Venus mit lebenden
Arten nicht feststellen. [201]

Am folgenden Morgen fuhr ich nördlich in einem schmalen Kanal
durch einen stinkenden Rhizophorensumpf und setzte dann die Reise
zu Lande nach einem kleinen, im Walde gelegenen Dörfchen Loquilócun
fort. Halbwegs durchfurtheten wir einen 20' breiten, OW. strömenden
Fluss, mit steilen durch Leitern zugänglich gemachten Uferwänden.

Da ich noch immer lahmte (Fusswunden heilen sehr schwer in heissen
Ländern), liess ich mich einen Theil des Weges auf landesübliche Weise
tragen: der Reisende liegt in einer an einem Bambusrahmen befestigten
Hängematte; eine III versinnlicht die Vorrichtung: der mittlere Strich
stellt die Hängematte, der Rest den Rahmen dar, dessen hervorragende
Enden vier rüstige Polistas auf die Schultern nehmen. Etwa alle zehn
Minuten werden die Träger durch andre abgelöst. Zum Schutz gegen
Sonne und Regen ist der Rahmen mit einem leichten Pandanusdach versehn.

Die Wege, die man nach Analogie von Unmensch und Unwetter Unwege nennen
könnte, waren ziemlich so schlecht, wie die bei der Salta-Sangley;
mit Ausnahme des zuweilen bequemen Seestrandes scheinen in Samar keine
bessere vorhanden. Nach 3 Stunden gelangten wir an den Loquilócun,
der von Norden kommend, dort seinen südlichsten Punkt erreicht, dann
NO. dem grossen Ozean zufliesst. Ich fand hier durch die liebenswürdige
Fürsorge des Guvernörs zwei kleine Nachen bereit, die durch je zwei
in den äussersten Spitzen hockende Männer mit bewundernswürdiger
Gewandtheit getrieben zwischen den Baumstämmen und Felsen im Bett des
reissenden Bergstromes durchschlüpften. Unter lautem Jauchzen glitten
beide Kähne einen 1 1/2 Fuss hohen Fall hinab, ohne Wasser zu schöpfen.

Das Dörfchen Loquilócun liegt in drei Häusergruppen auf drei
Hügeln. Die Bewohner waren sehr freundlich, gefällig, bescheiden
und so erfolgreich im Sammeln, dass mein mitgeführter Weingeist
schnell verbraucht war; in Catbalógan konnten meine Boten nur
einige Flaschen auftreiben, und meine eignen Vorräthe waren durch
ungeschickte Zuvorkommenheit eines zu gefälligen Freundes in falscher
Richtung gesandt, und erreichten mich erst nach Monaten wieder;
der in Samar käufliche Palmenwein war zu schwach. Täglich fuhren
ein oder zwei Nachen aus, um für mich zu fischen, doch erhielt ich
nur wenige Individuen, die fast ebenso vielen Arten und Gattungen
angehörten. Wahrscheinlich hat der Missbrauch, die Fische durch
Vergiftung des Wassers zu tödten (es wird hier die zerklopfte Frucht
einer Barringtonia dazu verwendet) den Fluss so fischleer gemacht.

Nach einigen Tagen verliessen wir das Oertchen um 9 Uhr 30 Minuten
Vormittags, enggepackt in zwei kleinen Nachen, und waren, als wir um
1 Uhr 7 Minuten Dini, eine bewohnte Hütte im Walde erreichten, über 40
Stromschnellen von 1 bis 1 1/2 Fuss und mehr Tiefe hinabgestiegen. Die
bedeutendsten derselben haben Namen, die auf der Coelloschen Karte
richtig angegeben sind. Folgendes sind ihre Abstände nach der Uhr:
10 Uhr enge Felsenschlucht, an deren Ende das Wasser mehrere Fuss tief
in ein grösseres Becken stürzt. Die Kähne, die bisher mit wunderbarer
Geschicklichkeit, wie gewandte Pferde zwischen allen Hindernissen
des Flussbettes und über alle Sprudel und Schwellen, fast ohne Wasser
zu schöpfen, geglitten, werden ausgeladen, es bleiben nur 2 Mann in
jedem Nachen zurück, die laut jauchzend hinabschiessen, wobei sich
die Kähne bis an den Rand füllen.

Dem Wasserfall gegenüber war eine Schuttbank angeschwemmt, in welcher
sich, ausser Trümmern des anstehenden Gesteins, sehr abgeschliffene
Gerölle von Porphyr und Jaspis, auch einige Stücke Kohle mit vielem
Schwefelkies fanden, die wohl zur Regenzeit weiter oberhalb in
den Fluss gelangen; ihr Ursprung war den Schiffern unbekannt. --
11 Uhr 56 Minuten bis 12 Uhr: ununterbrochene Reihe von Schnellen,
die mit grösster Gewandtheit, ohne Wasser zu schöpfen, überwunden
wurden. Etwas tiefer, um 12 Uhr 3 Minuten nahmen wir so viel Wasser
ein, dass wir landen und ausschöpfen mussten. Um 12 Uhr 15 Minuten die
Fahrt fortgesetzt, der Fluss war nun durchschnittlich 60 Fuss breit. Im
Waldrande machen sich eine kaum 10' hohe, schlanke Palme durch
ihre Häufigkeit und viele Phalaenopsis durch seltene Blüthenpracht
bemerklich. Weder Vögel noch Affen noch Schlangen wurden wahrgenommen,
doch sollen grosse, bis schenkeldicke Python nicht selten sein.

Um 12 Uhr 36 Minuten gelangten wir an eine der schwierigsten Stellen,
eine Reihe von Schwellen mit vielen aus dem Wasser aufragenden Felsen,
zwischen welchen die in vollem Schuss befindlichen Nachen mit schnellen
Wendungen glücklich durchschlüpfen. Das Wagstück wurde von beiden
Mannschaften mit gleicher Meisterschaft unter äusserster Anspannung
ihrer Kräfte ausgeführt. -- 1 Uhr 17 Minuten Ankunft bei Dini, dem
bedeutendsten Wasserfall der ganzen Strecke. Hier mussten die Kähne
mit Zuhülfenahme der von den hohen Waldbäumen wie Taue herabhängenden
Lianen aus dem Wasser gezogen und über die Felsen geschleppt werden. --
2 Uhr 21 Minuten Fortsetzung der Reise. -- 2 Uhr 28 Minuten bis 2 Uhr
30 Minuten eine unregelmässige, aus vielen Stufen gebildete Treppe
hinabgestiegen, viel Wasser geschöpft. Bisher floss der Loquilócun in
einem Felsenbett mit meist steilen Ufern, zuweilen auf lange Strecken
unter einem dichten Laubgewölbe, von welchem mächtige Ranken und
mehr als Klafter lange zierliche Farne herabhingen. Hier öffnet sich
die Gegend etwas; es zeigen sich flache Hügel mit niedrigem Gebüsch,
im NW. höhere bewaldete Berge. Während der letzten zwei Stunden von
einem Sturzregen begleitet, erreichen wir um 5 Uhr 30 Minuten ein
einzelnes Haus mit freundlichen Leuten, wo Nachtquartier gemacht wird.

Am folgenden Morgen wurde die Fahrt stromabwärts fortgesetzt. Nach
10 Minuten glitten wir den letzten Wasserfall hinunter, zwischen
weissen marmorartigen mit herrlichstem Pflanzenwuchs beladenen
Kalkfelsen. Ganze Aeste voll Phalaenopsis (P. Aphrodite
Reichb. fls.) ragten über den Fluss; wie grosse prächtige
Schmetterlinge schwebten ihre Blüthen über der schäumenden Fluth. Zwei
Stunden später ist der Strom 200' breit geworden und schleicht,
nachdem er von Loquilócun eine 50 Meter hohe Treppe herabgesprungen,
in gemächlichen Windungen durch flaches Schwemmland der Ostküste zu,
ein breites Aestuar bildend, an dessen rechtem Ufer, eine halbe Legua
vom Meer entfernt, die Ortschaft Jubásan oder Paríc (2300 Seelen)
liegt; sie giebt dem untern Lauf des Stromes ihren Namen. Hier
verliessen mich die trefflichen Männer von Loquilócun, um die sehr
beschwerliche Rückfahrt anzutreten.

Durch Sturm aufgehalten konnte ich mich erst am folgenden Tage
nach Túbig (2858 E.), südlich von Paríc, einschiffen. Immer noch
an anstrengenden Märschen verhindert, fuhr ich im Ruderboot die
Küste entlang von Túbig nach Boróngan (7685 E.), bei dessen eben
so intelligentem als gefälligen Pfarrer ich einige Tage verweilte,
und setzte dann die Fahrt nach Guíuan (auch Guiuang, Guiguan) fort,
der bedeutendsten Ortschaft Samars (10781 E.), auf einer schmalen
von der SO. Spitze der Insel ins Meer ragenden Landzunge gelegen.

Dicht am Strande bricht bei letzterem Ort aus fünf bis sechs Oeffnungen
eine wasserreiche, schwach nach Schwefelwasserstoff riechende Quelle
aus, die während der Fluth vom Meer bedeckt, bei Ebbe frei liegt,
so dass sie dann kaum merklich salzig schmeckt. Zur Untersuchung
des Wassers wurde durch Einsenken eines hohen bodenlosen Topfes ein
Brunnen geschaffen und nachdem das Wasser eine halbe Stunde lang
übergeflossen, eine Probe genommen, die leider später abhanden
kam. Wärme des Quellwassers 8 Uhr Vorm.: 27°7., der Luft: 28°7,
des Meerwassers: 31°2 C. Die Quelle dient den Frauen zum Färben
ihrer Sarongs. Die mit dem Absud einer gerbestoffreichen Rinde
getränkten Stoffe (Abacázeuge erhalten zuvor eine Kalkmilchbeize)
werden, nachdem sie an der Sonne getrocknet, bei Ebbe in die Quelle
gelegt, während der Fluth herausgenommen, getrocknet, in Rindenabsud
getaucht und nass wieder in die Quelle gelegt; dies wird drei Tage
lang wiederholt. Das Ergebniss ist ein dauerhaftes, aber hässliches
Dintenschwarz (gallussaures Eisenoxyd).

In Loquilócun und Borongan hatte ich Gelegenheit, zwei lebende
Gespensterthiere [202] zu kaufen. Diese äusserst zierlichen, seltsamen,
zu den Halbaffen gehörenden Thierchen sollen, wie man in Luzon und
Leyte versicherte, nur in Samar vorkommen und ausschliesslich von
Holzkohle leben. Mein erster Mago musste anfänglich etwas hungern, denn
Pflanzenkost verschmähte er, in Bezug auf Insekten war er wählerisch;
lebende Heuschrecken frass er mit grossem Behagen. [203] Es sah
äusserst drollig aus, wie das Thier, wenn es bei Tage gefüttert wurde,
aufrecht stehend, auf seine beiden dünnen Beine und den kahlen Schwanz
gestützt, den grossen kugelrunden, mit gewaltigen gelben Uhuaugen
versehenen Kopf nach allen Richtungen bewegte, wie eine Blendlaterne
auf einem Statif mit Kugelgelenk. Nur allmälig gelang es ihm, seine
Augen auf den dargebotenen Gegenstand richtig einzustellen; hatte es
ihn aber endlich wahrgenommen, so reckte es plötzlich beide Aermchen
seitwärts, etwas nach hinten aus, wie ein Kind, das sich freut, griff
schnell zu, mit Händen und Maul zugleich, und verzehrte bedächtig die
Beute. Bei Tage war der Mago schläfrig, blödsichtig, und wenn man ihn
störte, mürrisch; mit abnehmendem Tageslicht erweiterte sich seine
Pupille, Nachts bewegte er sich lebhaft und behend mit geräuschlosen
schnellen Sprüngen, am liebsten seitwärts. Er wurde bald zahm, starb
aber leider nach einigen Wochen. Das zweite Thierchen am Leben zu
erhalten, gelang mir auch nur kurze Zeit.



ZWANZIGSTES KAPITEL

    REISEN IN SAMAR, FORTSETZUNG. -- SÜDSEE-INSULANER DURCH STÜRME
    VERSCHLAGEN. -- TODTENHÖHLEN UND LEICHENBESTATTUNG DER ALTEN
    BISAYER. -- KROKODILE. -- IGNAZBOHNE. -- KOKOSÖL.


In Guíuan erhielt ich Besuch von Mikronesiern, die seit vierzehn
Tagen beschäftigt waren, bei Sulángan auf der schmalen Landzunge
SO. von Guiuan nach Perlmuscheln zu tauchen, und eigens zu dem Zweck
die gefahrvolle Reise unternommen hatten. [204]

Sie waren aus Uleai (Uliai 7°20 N. 143°57 O. Gr.) in fünf Booten,
jedes mit 9 Mann Besatzung ausgelaufen, jedes Boot enthielt 40 Kürbis
voll Wasser, Kokosnüsse und Bataten. Jeder Mann bekam täglich eine
Kokosnuss und zwei in der Asche der Kokosschalen gebackene Bataten. Sie
fingen einige Fische unterwegs und sammelten Regenwasser auf. Bei
Tage steuerten sie nach der Sonne, Nachts nach den Sternen. Ein Sturm
zerstreute die Boote. Zwei derselben gingen sammt der Mannschaft
vor den Augen der Uebrigen zu Grunde, nur eines, wahrscheinlich das
einzige gerettete, erreichte zwei Wochen nach der Abfahrt Tandag an
der Ostküste von Mindanao. In Tandag blieben die Leute zwei Wochen,
verrichteten Feldarbeit für Tagelohn und fuhren dann nordwärts die
Küste entlang nach Cántilang 8°25' N., Banóuan (bei Coello irrthümlich
Bancuan) 9°1' N., Taganáan 9°25' N., von da nach Surigáo an der
Nordspitze von Mindanáo und dann mit Ostwind in zwei Tagen gerade
aus nach Guíuan. In der deutschen Uebersetzung von Capt. Salmon's
Historie der orientalischen Inseln ... Altona 1733 heisst es Seite 63:


    »Man hat neuerlicher Zeit noch etliche andere Inseln Ostwerts von
    den Philippinischen entdecket und selbigen den Namen der neuen
    Philippinischen beigeleget, weil sie in der Nachbarschaft der alten
    und bereits beschriebenen liegen. Der Pater Clan (Clain) giebet
    in einem Brief aus Manila, welcher den Philosophical transactions
    ist einverleibet worden, folgenden Bericht von denselben: Es
    trug sich zu, als er in der Stadt Guivam auf der Insel Samar war,
    dass er daselbst 29 Palaos (es waren 30, einer starb bald darauf
    in Guiuan) oder Einwohner von gewissen erst neulich entdeckten
    Inseln antraff, welche von den östlichen Winden, welche hier
    vom December bis an den Majum wehen, dahin waren verschlagen
    worden. Sie hatten 70 Tage lang nach ihrem Bericht vor dem Winde
    geseegelt, ohne einiges Land in's Gesicht zu bekommen, bis sie vor
    Guivam angeländet waren. Als sie aus ihrem Vaterlande geseegelt,
    waren ihrer zwey Boote gestopft voll, und mit ihren Weibern und
    Kindern, in allen 35 Seelen gewesen: unterschiedliche aber waren
    von dem unter Weges erlittenen Ungemach crepiret. Als einer von
    Guivam zu ihnen an Bord kommen wolte, wurden sie in eine solche
    Angst gesetzet, dass alle Kerls, die in dem einen Fahrzeug waren,
    mit ihren Weibern und Kindern über Bord sprungen. Wiewohl sie
    doch zuletzt am besten zu seyn befunden in den Hafen einzulaufen,
    so dass sie den 28. Decembris 1696 ans Land kamen. Sie assen
    Cocusnüsse und Wurzeln; welche ihnen mildiglich zugetragen, und
    geschenckt wurden: aber den gekochten Reis, die allgemeine Speise
    der asiatischen Völcker, wollen sie gar nicht einmal kosten. Zwo
    Weiber welche vormals aus denselben Inseln dahin verschlagen waren,
    dieneten ihnen zu Dollmetscherinnen ....

    ... Die Leute des Landes gehen halb nacket und die Männer schildern
    (malen) ihre Leiber mit Flecken und machen allerhand Figuren darauf
    ... So lange sie auf der See waren, lebten sie von Fischen welche
    sie in einer gewissen Art von Fischkörben fiengen, die einen
    weiten Mund hatten, unten aber spitz zuliefen und hinter ihren
    Booten hergeschleppt wurden. Das Regenwasser so sie etwa auffingen
    (oder wie in dem Brief selber stehet, in den Schalen der Cocusnüsse
    aufhuben) diente ihnen zum Getränk. Als sie vor den Pater sollten
    gebracht werden, welchen sie wegen der Hochachtung, die man ihm
    erwiess, für den Gouverneur hielten, färbeten sie ihren Leib ganz
    gelb, welches sie für den grössten Staat halten in welchem sie
    für ansehnlichen Leuten erscheinen können. Im Tauchen sind sie
    sehr erfahren und finden unterweilen Perln in den Muscheln, die
    sie herauf bringen, welche sie aber als unnütze Dinge wegwerfen.«


Eine der wichtigsten Stellen in Pater Clains Brief hat Capt. Salmon
ausgelassen: »Der älteste dieser Fremdlinge war schon einmal an die
Küste der Provinz Caragan auf einer unserer Inseln (Mindanao) geworfen
worden, da er aber nur Ungläubige gefunden hatte, die in den Bergen und
auf dem öden Strande wohnen, war er in sein Vaterland zurückgekehrt.«

In einem Briefe des Pater Cantova an den Pater d'Aubenton,
Agdana (d. h. Agaña, Mariannen) 20. März 1722, der die Carolinen-
und Paláosinseln beschreibt, heisst es: »das vierte Gebiet liegt
westlich. Yap (9° 25' N. 138°1' O. Gr.) [205] welches die Hauptinsel
ist, hat über 40 Leguas Umfang ... Ausser den verschiedenen Wurzeln,
die bei den Eingeborenen der Insel die Stelle des Brodes vertreten,
findet man Bataten, welche sie Camotes nennen und welche sie
von den Philippinen erhalten haben, wie mir einer von unseren
Carolinen-Indiern mittheilt, der von dieser Insel gebürtig ist. Er
erzählt, dass sein Vater, Namens Coorr ... drei seiner Brüder und er
selbst durch den Sturm nach einer der Provinzen in den Philippinen
verschlagen wurden, welche man Bisayas nennt, dass ein Missionär
unserer Gesellschaft (Jesu) sie freundlich aufnahm ... dass sie nach
ihrer Insel zurückkehrend, Samen verschiedener Pflanzen dahin brachten,
unter andern Bataten, die sich so sehr vermehrten, dass sie genug
hatten, um die andern Inseln dieses Archipels damit zu versehn«
... Murillo Velarde (f. 378) erwähnt, dass 1708 einige vom Winde
verschlagene Paláos in Palapag (Nordküste von Samar) ankamen. Ich
hatte später Gelegenheit in Manila eine Gesellschaft von Paláos und
Carolinen-Insulanern zu photographiren, die ein Jahr zuvor durch Stürme
an die Küste von Samar geworfen worden waren. Dies sind, abgesehn von
der freiwilligen Reise, sechs ungesucht sich darbietende Beispiele von
Mikronesiern, die nach den Philippinen verschlagen wurden. Es würde
vielleicht nicht schwer sein noch mehrere aufzufinden, aber wie oft
mögen vor und nach Ankunft der Spanier Fahrzeuge von jenen Inseln in
den Bereich der NO. Stürme gerathen und von diesen unwiderstehlich an
die Ostküsten der Philippinen getrieben worden sein, ohne dass die
Kunde davon aufbewahrt blieb. [206] Wie am Westrande des Archipels
der lange Verkehr mit China, Japan, Hinterindien und später mit
Europa den Typus der Rasse beeinflusst zu haben scheint, so mögen
wohl auch am Ostrande polynesische Beziehungen in ähnlicher Weise
gewirkt haben. Auch der Umstand, dass die Bewohner der Ladronen [207]
und die Bisayer [208] die Kunst besassen ihre Zähne schwarz zu färben,
scheint auf frühen Verkehr der Bisayer und Polynesier zu deuten. [209]

In Guiuan schiffte ich mich auf einem unangenehm schwankenden, offenen,
nur mit einem drei mal drei Fuss grossen Sonnendach versehenen Boote
nach Tacloban, der Hauptstadt von Leyte, ein. Ein Windstoss brachte
uns in einige Gefahr, sonst hatten wir fortwährend Windstille, so
dass die ganze Strecke rudernd zurückgelegt werden musste. Die Fahrt
war für die durch kein Dach geschützte Mannschaft sehr ermüdend
(Wärme in der Sonne 35°R., des Wassers 25°R.) und dauerte 31
Stunden, mit kleinen Unterbrechungen für die Malzeiten; denn die
Leute kürzten freiwillig die Pausen ab, um bald nach Taclóban zu
kommen, das in lebhaftem Verkehr mit Manila steht und für die an
der unzugänglichen Ostküste lebenden Männer den Reiz einer üppigen
Hauptstadt hatte. Es ist fraglich, ob das Meer irgendwo eine Stelle
von so eigenthümlicher Schönheit bespült, als die enge Strasse, die
Samar von Leyte trennt. Nach Westen hin ist sie von steilen Tuffbänken
eingefasst, die keine Mangrove-Sümpfe an ihrem Rande dulden. Dort
tritt der hohe Urwald in seiner ganzen Erhabenheit unmittelbar an den
Strand, nur stellenweis von Kokoshainen unterbrochen, in deren scharf
gezeichneten Schatten einzelne Hütten liegen. Die dem Meer zugekehrten
steileren Hügel und viele kleine Felseninseln sind mit Kastellen
aus Korallenblöcken gekrönt. Am östlichen Eingang der Enge besteht
die Südküste von Samar aus weissem, marmorartigen, wenn auch sehr
jungem Kalk, der an vielen Stellen steile Klippen bildet. [210] Bei
Nipa-Nipa, einem kleinen Weiler 2 Leguas O. von Basey, setzen sie im
Meere fort, in einer Reihe malerischer, über hundert Fuss hoher Felsen,
die oben domförmig abgerundet, dicht bewachsen, an der Basis ringsum
vom Seewasser benagt, wie riesige Pilze aus der Fluth hervorragen. Es
weht über dieser Oertlichkeit ein eigenthümlicher Zauberhauch, dessen
Wirkung auf den eingeborenen Schiffer um so mächtiger sein muss, wenn
er den draussen vom Nordost gepeitschten Wogen glücklich entronnen,
plötzlich diesen geschützten stillen Ort erreicht. Kein Wunder,
dass die fromme Einbildungskraft die Stätte mit Geistern bevölkerte.

In den Höhlen dieser Felsen setzten die alten Pintados die Leichname
ihrer Helden und Aeltesten bei in wohlverschlossenen Särgen, umgeben
von den Gegenständen, die ihnen im Leben am werthvollsten waren. Auch
Sklaven wurden bei ihrem Begräbniss geopfert, damit es ihnen in der
Schattenwelt nicht an Bedienung fehle. [211] Die zahlreichen Särge,
Geräthschaften, Waffen und Geschmeide, welche diese Höhlen enthielten,
waren durch Aberglauben geschützt Jahrhunderte lang unangetastet
geblieben. Kein Nachen wagte vorüber zu fahren, ohne ein aus der
heidnischen Zeit fortgeerbtes religiöses Zeremoniell gegen die
Höhlengeister zu beobachten, die in dem Rufe standen, Unterlassungen
durch Sturm und Schiffbruch zu bestrafen.

Vor etwa 30 Jahren beschloss ein eifriger junger Geistlicher, dem
diese heidnischen Gebräuche ein Gräuel waren, sie mit der Wurzel
auszurotten. In mehreren Booten, wohlausgerüstet mit Kreuzen, Fahnen,
Heiligenbildern und allem beim Austreiben der Teufel bewährten
Apparat, unternahm er den Zug gegen die Geisterfelsen, die unter
Musik, Gebeten und Knallfeuerwerk erklommen wurden. Nachdem zuvor
ein ganzer Eimer voll Weihwasser zur Betäubung der bösen Geister in
die Höhle geschleudert worden, drang der unerschrockene Priester
mit gefälltem Kreuze ein, gefolgt von seinen durch das Beispiel
angefeuerten Getreuen. Ein glänzender Sieg belohnte den wohlangelegten
und muthig ausgeführten Plan; die Särge wurden zertrümmert, die Gefässe
zerschlagen, die Skelete in's Meer geworfen. Mit gleichem Erfolg wurden
die übrigen Höhlen erstürmt. Die Ursache des Aberglaubens ist nun
zwar vernichtet, dieser selbst hat sich aber, wenn auch abgeschwächt,
bis heut erhalten.

Durch den Pfarrer von Basey erfuhr ich später, dass in einem Felsen
noch Ueberreste vorhanden seien, und einige Tage darauf überraschte
mich der liebenswürdige Mann mit mehreren Schädeln und einem
Kindersarg, die er von dort hatte bringen lassen. Trotz des grossen
Ansehens, das er bei seinen Pfarrkindern genoss, hatte er doch seine
ganze Beredsamkeit aufbieten müssen, um die muthigsten zu einem so
kühnen Wagstücke zu bewegen. Ein Boot mit 16 Ruderern bemannt war
zu dem Zweck ausgerüstet worden; mit weniger Mannschaft hatte man
die Reise nicht zu unternehmen gewagt. Während der Heimfahrt brach
ein Gewitter aus; die Schiffer betrachteten es als eine Strafe für
ihren Frevel und nur die Furcht, die Sache noch schlimmer zu machen,
verhinderte sie, Sarg und Schädel in's Meer zu werfen. Zum Glück waren
sie dem Lande nahe und ruderten mit aller Kraft demselben zu. Als
sie angekommen waren, musste ich selbst die Gegenstände aus dem Boote
holen, da kein Eingeborener sie anrühren mochte.

Trotzdem gelang es am folgenden Morgen einige entschlossene Leute zu
finden, die mich nach den Höhlen begleiteten. In den beiden ersten,
die wir untersuchten, fand sich nichts; eine dritte enthielt mehrere
zertrümmerte Särge, einige Schädel, und Scherben von glasirtem,
roh bemalten Steingut, es war aber nicht möglich auch nur zwei
zusammengehörende Stücke zu finden. Ein enges Loch führte aus der
grossen Höhle in einen dunklen, so kleinen Raum, dass man mit der
brennenden Fackel kaum einige Sekunden hintereinander darin verweilen
konnte. Dieser Umstand mag die Ursache gewesen sein, weshalb sich dort
in einem sehr verrotteten, von Bohrwürmern zerfressenen Sarge ein
wohl erhaltenes Skelet befand, oder eher eine Mumie, denn an vielen
Stellen war das Gerippe noch mit ausgetrockneter Muskelfaser und Haut
bekleidet. Es lag auf einer immer noch erkennbaren Pandanusmatte, unter
dem Kopf ein mit Pflanzen ausgestopftes, mit Pandanusmatte überzogenes
Kissen. Auch Reste von gewebten Stoffen waren noch vorhanden. Die Särge
waren von dreierlei Gestalt, ohne alle Verzierungen. Die von der ersten
Form aus vortrefflichem Molave-Holz (s. S. 196) zeigten keine Spur
von Wurmstich oder Vermoderung, während die übrigen bis zum Zerfallen
zerstört waren, die dritte Art, die häufigste, unterschied sich von der
ersten nur durch weniger geschweifte Formen und schlechtes Material.

Kein Märchen hätte eine verzauberte Königsgruft mit einem passenderen
Zugang ausstatten können, als den zur letzten dieser Höhlen: mit
senkrechten Marmorwänden erhebt sich der Felsen aus dem Meer; nur
an einer Stelle gewahrt man die kaum zwei Fuss hohe Oeffnung eines
natürlichen Stollens, durch welchen der Nachen plötzlich in einen
geräumigen, fast kreisrunden, vom Himmel überwölbten Hof gelangt,
dessen vom Meer bedeckten Boden ein Korallengarten schmückt. Die
steilen Wände sind dicht mit Lianen, Farnen und Orchideen behangen,
vermittelst deren man zur Höhle, 60 Fuss über dem Wasserspiegel
emporklimmt. Um die Situation noch märchenhafter zu machen, fanden wir
gleich beim Eintritt in die Grotte auf einem grossen 2 Fuss über den
Boden ragenden Felsblock eine Seeschlange, die uns ruhig anstarrte,
aber getödtet werden musste, weil sie wie alle ächte Seeschlangen
giftig war. Schon zweimal hatte ich dieselbe Art in Felsenritzen
im Trockenen gefunden, wo sie die Ebbe zurückgelassen haben mochte;
auffallend war es aber sie hier in solcher Meereshöhe anzutreffen. --
Jetzt ruht sie, als Platurus fasciatus Daud., im zoologischen Museum
der Berliner Universität.

In Guíuan hatte ich Gelegenheit, vier aus solcher Höhle stammende
reich bemalte chinesische Schüsseln zu kaufen und einen goldenen
Ring zu zeichnen; er bestand aus dünnem Goldblech, das zuerst zu
einer Röhre mit klaffender Naht von der Dicke eines Federkiels,
dann zu einem nicht völlig schliessenden Reifen von Thalergrösse
zusammengebogen war. Die Schüsseln wurden in Manila gestohlen.

Aehnliche Todtenhöhlen befinden sich noch an manchen andern Orten
in dieser Gegend: auf der Insel Andog bei Borongan (bis vor Kurzem
enthielt sie Schädel); auch bei Batinguitan 3 Stunden von Borongan
an den Ufern eines kleinen Baches; bei Guíuan auf der kleinen,
wegen der stürmischen See schwer zugänglichen Insel Monhon. -- Bei
Catúbig sind goldene Geschmeide gefunden, aber in moderne Schmucksachen
umgearbeitet worden. In der ganzen Gegend berühmt ist jedoch eine Höhle
bei Lánang wegen der darin enthaltenen flachgedrückten Riesenschädel
ohne Kopfnähte. [212] [213] Es wird nicht uninteressant sein die
geschilderten Verhältnisse mit den Berichten älterer Schriftsteller
zu vergleichen, weshalb hier einige Auszüge folgen mögen:


    Mas (Informe I. 21) beschreibt ohne Quellenangabe die von den
    alten Bewohnern des Archipels bei der Todtenbestattung befolgten
    Gebräuche: sie balsamirten ihre Todten zuweilen mit aromatischen
    Stoffen ein ... und legten die Vornehmen in eine Kiste, die
    aus einem ausgehöhlten Baumstamme mit gut zugepasstem Deckel
    bestand.... Der Sarg wurde nach dem von dem Verstorbenen vor seinem
    Dahinscheiden ausgesprochenen Willen entweder in den obersten
    Raum des Hauses, wo sie Sachen von Werth verbargen, oder unter
    dem Wohnhause in eine Art Gruft gestellt, die nicht zugedeckt,
    aber mit einem Gitter umgeben wurde; oder in ein abgelegenes Feld,
    oder auf einen erhabenen Ort oder Felsen am Ufer eines Flusses,
    auf dass er von den Frommen verehrt werde. Sie stellten eine
    Wache dabei auf, damit während einer gewissen Zeit kein Boot
    vorüberführe, und der Todte nicht die Lebenden nach sich zöge.

    Nach Gaspar (S. 169.) wurden die Todten in Tücher gewickelt,
    in einen groben, aus einem Holzblock ausgehöhlten Kasten gelegt,
    mit Juwelen und goldenen Ringen und einigen Goldblechen über Mund
    und Augen und unter ihren Häusern mit Mundvorräthen, Schüsseln
    und Näpfen begraben. Auch pflegten sie Sklaven mit den Vornehmsten
    zu bestatten, um letztere in der andern Welt bedienen zu lassen.

    »Ihr Hauptgötzendienst bestand darin, diejenigen ihrer Ahnen,
    die sich am meisten durch Muth und Geist hervorgethan hatten,
    anzubeten und für Götter zu halten.... Sie nannten sie humalagar,
    welches dasselbe ist was man lateinisch Manes nennt.... Die Greise
    selbst starben in dieser Eitelkeit, deshalb wählten sie einen
    ausgezeichneten Ort, wie Einer auf der Insel Leyte, der sich
    am Rand des Meeres beisetzen liess, damit die vorüberfahrenden
    Schiffer ihn als Gott anerkannten und sich ihm empfahlen.«
    (Thévenot Religieux S. 2.)

    »Sie legten sie (die Todten) nicht in die Erde, sondern in
    Särge von sehr hartem unzerstörbaren Holz ... man opferte ihnen
    Sklaven und Sklavinnen, damit es ihnen in der andern Welt nicht
    an Bedienung fehle. Starb eine Person von Bedeutung, so wurde
    dem ganzen Volk Stillschweigen auferlegt, das je nach dem Range
    des Verstorbenen dauerte und unter gewissen Umständen erst dann
    aufhörte, wenn seine Verwandte viele Andre getödtet hatten,
    um den Geist des Todten zu versöhnen.« (ibid. S. 7).

    »Aus diesem Grunde (um als Götter verehrt zu werden) wählten
    die Aeltesten unter ihnen zum Begräbniss einen bemerkenswerthen
    Ort im Gebirge, und besonders auf Vorgebirgen, die in das
    Meer hineinragen, damit sie von den Schiffern verehrt würden.«
    (Gemelli Careri S. 449).


Von Taclóban, das ich des bequemen Tribunals wegen und weil es gut
verproviantirt ist, zum Standquartier wählte, kehrte ich am folgenden
Tage nach Samar zurück, zunächst nach Basey, Taclóban gegenüber. Die
Leute von Basey sind wegen ihrer Trägheit und geringen Begabung
in ganz Samar berüchtigt, sollen sich aber von den Bewohnern von
Taclóban durch Sittenreinheit vortheilhaft auszeichnen. Basey liegt
im Delta des nach ihm benannten Flusses. Wir fuhren einen schmalen
Arm hinauf in den Hauptstrom, der sich mit sehr geringem Gefälle
durch die Ebene windet; daher reicht das brackische Wasser und der
es begleitende Nipapalmensaum mehrere Leguas landeinwärts. Hinter
demselben breiten sich Kokospflanzungen aus, zwischen welchen die aus
dem engen Felsenbett des obern Flusslaufes zuweilen hervorbrechenden
Wasserfluthen (avenídas) grosse Zerstörungen anrichten, wie die
verstümmelten Palmen zeigen, die von ihrem Standort fortgerissen,
mitten aus dem Fluss emporragen. Nach fünfstündigem Rudern gelangten
wir aus dem Flachland in ein enges Thal mit steilen Marmorwänden,
die immer mehr zusammenrücken und höher werden. Sie sind an vielen
Stellen unterwaschen, zerklüftet, übereinandergestürzt, und bilden
mit ihren kahlen Seitenwänden einen schönen Gegensatz zu dem blauen
Himmel, der klaren grünlichen Fluth und den üppigen Lianen, die sich
an allen Unebenheiten wo sie haften können festgesetzt haben und in
langen Guirlanden über die Felsen hängen.

Der Strom wird so reissend und so seicht, dass die Leute aussteigen
und das Boot über das steinige Bett ziehn. Auf diese Weise gelangen
wir durch einen zwölf Fuss hohen, von zwei gegeneinander gestürzten
Felsen gebildeten Spitzbogen in ein ovales stilles Wasserbecken,
rings umgeben von 60 bis 70 Fuss hohen, nach innen einspringenden
Kalkwänden, auf deren oberem Rande ein Ring von Bäumen nur gedämpftes
Sonnenlicht durch dichtes Laub schimmern lässt. Dem niedrigen
Eingangsthor gegenüber erhebt sich eine prachtvolle 50 bis 60 Fuss
hohe, mit Tropfsteinen reich verzierte Felsenpforte, durch welche
man den in Sonne gebadeten oberen Lauf des Flusses noch eine Strecke
weit überblickt. In der linken Wand des ovalen Hofes, 40 Fuss über
dem Wasserspiegel, öffnet sich eine leicht zu ersteigende Höhle von
100 Fuss Länge; sie endet mit einer schmalen Pforte durch die man auf
einen von Tropfsteinen getragenen altanartigen Vorsprung tritt. Von
dort überblickt man sowohl die Landschaft, als den Felsenkessel und
erkennt letzteren als den Rest einer Tropfsteinhöhle deren Decke
eingestürzt ist. Die Schönheit und Eigenthümlichkeit des Orts wird
auch von den Eingeborenen empfunden, er heisst Sogóton (eigentlich
eine Bucht im Meer). In dem sehr harten marmorartigen Kalk waren Spuren
von Zweischalern und Seeigelstacheln in Menge wahrzunehmen, es gelang
aber nicht, bestimmbare Reste herauszuschlagen. Der Fluss liess sich
noch eine kurze Strecke weiter aufwärts verfolgen. In seinem Bett
kommen Gerölle von krystallinischen Talk- und Chloritgesteinen vor.

Mit vieler Mühe wurden einige kleine Fische erlangt; darunter eine
interessante lebendig gebärende neue Art. [214] Eine verwandte
Art (H. fluviatilis Bleeker), die ich zwei Jahre früher in einer
Kalkhöhle auf Nusa Kumbangan bei Java fand, enthielt gleichfalls
lebende Junge. Das zum Fischen verwendete Netz schien der Oertlichkeit,
einem seichten Fluss voll Geschiebe, wohl angepasst: ein feinmaschiges,
länglich viereckiges Netz, mit den langen Seiten an zwei Bambusstangen
befestigt, die unten mit einer Art von Holzschuhen (krummen aufwärts
nach vorn gerichteten Schnäbeln) versehn waren. Der Fischer packt
die obern Enden der Stangen und schiebt das schräg gehaltene Netz vor
sich hin, das mittelst seiner Schnabelschuhe über die Steine gleitet,
während ein Anderer ihm die Fische entgegentreibt.

Am rechten Ufer unterhalb der Höhle kommen 20 Fuss über dem
Wasserspiegel Bänke von fossilen Pectunculus, Tapes, Placuna vor, die
zum Theil kaum an der Zunge haften, also sehr rezent sein müssen. Ich
übernachtete in einer kleinen, schnell erbauten Hütte und versuchte
am folgenden Tage vergeblich flussaufwärts bis an die Grenze des
krystallinischen Gesteins zu gelangen. Nachmittags traten wir die
Rückfahrt nach Basey an, das wir Nachts erreichten.

Basey liegt etwa 50' über dem Meer, auf einer Thonbank, die im Westen
des Orts in einen mehrere hundert Fuss hohen Hügel mit steilen Wänden
übergeht. Ich fand darin in 25 bis 30' Meereshöhe dieselben rezenten
Muschelbänke wie bei der Tropfsteinhöhle Sogóton. Nach den Aussagen
des Cura und Anderer scheint in dieser Gegend eine schnelle Hebung
der Küsten stattzufinden: vor 30 Jahren konnten Schiffe bei Fluth in
3 Faden Wasser am Lande anlegen, jetzt beträgt die Tiefe dort nicht
viel über einen Faden. Dicht vor Basey liegen zwei kleine Inseln,
Genamók und Tapontónan, die gegenwärtig bei tiefster Ebbe durch eine
Sandbank verbunden erscheinen. Noch vor zwanzig Jahren war eine solche
nicht wahrnehmbar. Die Richtigkeit dieser Angaben vorausgesetzt,
wäre zunächst zu ermitteln, wieviel zu diesen Niveauveränderungen
die Strömungen, wieviel vulkanische Hebungen beigetragen haben, die
nach der nahen thätigen Solfatara auf Leyte zu schliessen immerhin
beträchtlich sein mögen.

Im Baseyfluss sollen nach Versicherung des Pfarrers Krokodile von
über 30 Fuss Länge vorkommen, und solche von mehr als 20' häufig
sein. Der gefällige Pater versprach mir eines von wenigstens 24
Fuss, dessen Skelet ich gern mitgenommen hätte, und sandte einige
Leute aus, die im Fangen dieser Thiere so geübt sind, dass sie zu
dem Zweck nach entfernten Orten geholt werden. Ihre Fangvorrichtung,
die ich aber nicht selbst sah, besteht in einem leichten Bambusfloss
mit einem Gerüst, auf welchem mehrere Fuss über dem Wasser ein Hund
oder eine Katze angebunden ist. Längs der Seite des Thieres ist
ein starker eiserner Haken angebracht, der vermittelst Abacáfasern
an dem schwimmenden Bambus befestigt ist. Hat das Krokodil den
Köder und damit zugleich den Haken verschlungen, so bemüht es
sich vergeblich loszukommen; denn die Nachgiebigkeit des Flosses
verhindert das Zerreissen, die eigne Elastizität das Durchbeissen
des Faserbündels. Das Floss dient zugleich als Boye für das gefangene
Thier. Nach Angabe der Jäger hausen die grossen Krokodile entfernt von
menschlichen Wohnungen, am liebsten unter dichtem Gebüsch, in weichem
Sumpf, worin ihr schleppender Bauch Spuren zurücklässt, die sie dem
Kundigen verrathen. Nach einer Woche meldete der Pfarrer, seine Leute
hätten drei Krokodile eingeliefert, deren grösstes aber nur achtzehn
Fuss mässe, er habe keines für mich behalten, da er eines von 30 Fuss
zu erlangen hoffe. Seine Erwartung ging aber nicht in Erfüllung.

In der Umgegend von Basey wächst die im Süden Samar's und wohl noch
auf einigen andern Bisaya-Inseln vorkommende Ignazbohne ganz besonders
häufig. Auf Luzon wird sie nicht angetroffen; vielleicht habe ich
sie ohne meinen Willen dort eingeführt. Ihr Verbreitungsbezirk ist
sehr beschränkt. Meine Bemühungen sie nach dem botanischen Garten von
Buitenzorg zu übersiedeln, blieben erfolglos; einige dazu bestimmte,
während meiner zeitweisen Abwesenheit in Daraga für mich eintreffende
grössere Pflanzen wurden von einem meiner Gönner seinem eignen Garten
einverleibt. Von mir selbst gesammelte, nach Manila gebrachte kamen
später abhanden. Alle Versuche, die über ganz Ostasien als Medikament
verbreiteten Kerne zum Keimen zu bringen, misslingen, weil letztere,
angeblich um sie gegen Verderben zu schützen (vielleicht auch um das
Monopol zu wahren), vor der Versendung gesotten werden.


    Nach Flückinger [215] enthält die kürbisartige Beerenfrucht
    des hochklimmenden Strauches (Ignatia amara L. Strychnos
    Ignatii Berg. Ignatiana philippinica Lour.) bis 24 zollgrosse,
    unregelmässig eiförmige Samen, die Ignatiusbohnen, die wie
    Brechnüsse schmecken, aber noch giftiger sind. In diesen Samen
    wurde 1818 von Pelletier und Caventou das Strychnin entdeckt;
    (später auch in den Brechnüssen). Jene enthalten davon doppelt
    soviel als diese, nämlich 1 1/2%, da sie aber viermal so theuer
    sind, so wird es nur aus letzteren dargestellt.

    In den Philippinen ist die gefährliche Drogue unter dem Namen
    Pepita de Catbalonga in vielen Haushaltungen als gepriesenes
    Heilmittel vorhanden. Schon Gemelli Careri (S. 420) erwähnt es
    und führt 13 verschiedene Verwendungen an. -- Dr. Rosenthal,
    (Synopsis plantarum diaphor. S. 363) sagt: »In Indien hat man
    sie unter dem Namen Papecta gegen Cholera angewendet«. Papecta
    ist wohl ein Schreibfehler; in K. Lall Dey's Indigenous drugs of
    India wird sie Papeeta genannt, was in der englischen Aussprache
    Pepita lautet. Pepita heisst auf Spanisch Fruchtkern. -- Auch als
    Gegenmittel bei Schlangenbiss steht sie in hohem Ruf. Padre Blanco
    (Flora de Filipinas 61) berichtet, er habe ihre sichere Heilkraft
    in dieser Hinsicht mehr als einmal an sich selbst erprobt; doch
    warnt er vor den Gefahren des innerlichen Gebrauchs, der schon
    sehr viele Todesfälle veranlasste. Man solle sie nicht in den
    Mund nehmen, denn verschlucke man den Speichel, so sei der Tod,
    wenn nicht Erbrechen erfolge, unvermeidlich. Der Pfarrer von
    Tabáco trug aber fast immer eine Pepita im Munde. Er hatte 1842,
    um sich gegen die Cholera zu schützen, damit begonnen, von Zeit
    zu Zeit eine Ignazbohne in den Mund zu nehmen, und sich allmälig
    daran gewöhnt. Als ich 1860 mit ihm verkehrte, befand er sich
    wohl und schrieb seine Gesundheit und Rüstigkeit gern jener
    Gewohnheit zu. Nach seiner Mittheilung wurde bei Cholerakranken
    mit Erfolg der wässerige Absud in geringer Menge als Zusatz zum
    Thee, besonders aber, mit Brantwein vermischt, als Einreibung an
    den von Krampf ergriffenen Stellen angewendet.

    Auch Huc (Thibet I. 252) preist den wässerigen Auszug des kouo-kouo
    (Faba Ign. amar.) sowohl für den innerlichen als äusserlichen
    Gebrauch, und bemerkt, dass er in der chinesischen Medizin eine
    grosse Rolle spiele, in keiner Apotheke fehle. Früher galt die
    giftige Drogue (vielleicht auch jetzt noch bei Vielen) für ein
    Zaubermittel; so erzählt Pater Camel [216], die Catbalogan-
    oder Bisaya-Bohne, welche die Indier Igasur oder Mananaog
    (die siegreiche) nennen, werde u. a. als Amulet am Halse
    getragen, schütze gegen Gift, Ansteckung, jederlei Zauber und
    Zaubertrank, ja sogar der leibhaftige Teufel könne dem Träger
    nichts anthun. Besonders wirksam sei sie auch gegen ein Gift, das
    durch Anblasen beigebracht wird, indem sie nicht nur den Träger
    beschütze, sondern denjenigen tödte, der ihm das Gift beibringen
    wolle. Camel führt noch eine Reihe von Wunderthaten auf, die der
    Aberglaube der Ignazbohne zuschreibt.


Auf der südlichen Hälfte des östlichen Küstensaumes, von Boróngan über
Lánang bis Guíuan, sind beträchtliche Kokospflanzungen vorhanden,
die in höchst unvollkommener Weise zur Oelgewinnung genutzt
werden. Von Boróngan und seinen Visitas gehn jährlich 12000 Krüge
Kokosöl nach Manila; die von Menschen und Schweinen verzehrten Nüsse
würden wenigstens zu 8000 Krügen ausreichen. Da 1000 Nüsse 3 1/2 Krug
geben, so liefert die Umgegend von Borangan allein jährlich 6,000,000
Nüsse, wozu, den Durchschnittsertrag zu 50 Nüssen angenommen, 120,000
volltragende Kokospalmen nöthig sind. Die Angabe, dass ihre Zahl in
dem oben erwähnten Gebiete mehrere Millionen betrage, dürfte wohl
übertrieben sein.

Das Oel wird auf sehr rohe Weise dargestellt, indem man den aus der
holzigen Schale der Nuss in groben Spänen herausgeraspelten Kern
der Fäulniss überlässt. Zu Behältern dienen schadhaft gewordene,
im Freien auf Pfählen stehende Kähne, aus deren Spalten das Oel in
darunter gestellte Krüge abtropft. Schliesslich werden die Späne noch
gepresst. Das Verfahren erfordert mehrere Monate Zeit und liefert ein
so schlechtes, dunkelbraunes, dickflüssiges, ranziges Produkt, dass
in Manila der Krug nur 2 1/4 Dollar gilt, während besser bereitetes
6 Dollar kostet. [217]

Seit einiger Zeit hatte ein junger Spanier in Boróngan eine Fabrik
errichtet, um nach einem bessern Verfahren Oel zu bereiten: ein durch
zwei Büffel gedrehter Göpel setzt durch Zahnräder und Treibriemen
eine Anzahl Raspeln in Bewegung. Sie haben etwa die Form eines
Zitronenbohrers und bestehn aus fünf an ihrem Aussenrande gezähnten
eisernen Blättern, die radial am Ende eines eisernen Stieles sitzen
und vorn in eine stumpfe Spitze zusammenlaufen. Das andre Ende des
Stiels geht durch den Mittelpunkt einer Scheibe, die ihm die drehende
Bewegung mittheilt, ragt aber über dieselbe hinaus. Der Arbeiter
ergreift eine halbirte Kokosnuss mit beiden Händen, hält ihre innere
mit dem ölhaltigen Kern gefütterte Wölbung gegen die rotirende Raspel,
die er fest anpresst, indem er mit seiner durch ein gepolstertes Brett
geschützten Brust gegen das hervorragende Ende des Stiels drückt. Die
feinen Späne des Kerns bleiben 12 Stunden in flachen Behältern liegen,
damit sich die Zellenwände theilweise zersetzen. Man presst sie dann
leicht in Handpressen, fängt die aus 1/3 Oel 2/3 Wasser bestehende
Flüssigkeit in Kübeln auf, schöpft nach 6 Stunden das oben schwimmende
Oel ab und erhitzt es in eisernen Pfannen von hundert Liter Inhalt,
bis alles beigemischte Wasser verdampft ist, was zwei bis drei Stunden
erfordert. Um das Oel schnell abzukühlen, damit es sich nicht bräune,
giesst man zwei Eimer voll kalten wasserfreien Oels hinzu und entfernt
schnell das Feuer. Die gepressten Späne werden abermals 6 Stunden
der Luft ausgesetzt, dann unter starkem Druck gepresst. Nachdem beide
Operationen noch zweimal wiederholt worden, hängt man das Geraspel in
Säcken zwischen zwei starke vertikale Bretter und presst es mittelst
Klemmschrauben so viel als möglich aus, indem man es mehrere Male
umschüttelt. Der Rückstand dient als Schweinefutter. Das aus den
Säcken ablaufende Oel ist wasserfrei, daher sehr klar, und wird zum
Abkühlen des zuerst erhaltenen benutzt. [218]

Die Fabrik machte 1500 Tinájas Oel. Sie arbeitete nur 9 Monate. Vom
Dezember bis Februar können wegen der hohen See keine Nüsse zugeführt
werden; Landstrassen sind nicht vorhanden. Es war dem Fabrikanten
nicht gelungen, während dieser Zeit Nüsse aus der nächsten Umgegend
in hinreichender Menge zu erhalten, um ununterbrochen arbeiten zu
können, oder in der guten Jahreszeit Vorräthe für die Wintermonate
zu sammeln, obgleich er den verhältnissmässig hohen Preis von drei
Dollar für das Tausend zahlte.

Indem die Eingeborenen nach der oben beschriebenen Weise Oel machten,
erzielten sie aus 1000 Nüssen 3 1/2 Krug zu 6 r. = 21 r., d. h. 3
r. weniger als ihnen für die rohen Nüsse geboten wurde. Diese vom
Fabrikanten herrührenden Angaben sind vielleicht übertrieben, im
Wesentlichen mögen sie aber doch wohl begründet sein. Wer in den
Philippinen reist, hat oft Gelegenheit solche Verkehrtheiten zu
beobachten. In Daet, Nord-Camarines, kaufte ich 6 Kokosnüsse für 1
cuarto = 960 für 1 Dollar; dies ist dort ihr gewöhnlicher Preis. [219]
Auf meine Frage, weshalb man keine Oelfabrik errichte, erhielt ich zur
Antwort, dass die Nüsse im Einzelnen billiger seien als im Grossen. Im
ersten Falle verkauft der Indier, wenn er Geld braucht; weiss er aber,
dass der Fabrikant, um seinen Betrieb nicht zu unterbrechen, zu Opfern
bereit ist, so beutet er diesen Umstand rücksichtslos für Einmal aus,
ohne daran zu denken, sich eine regelmässige Einnahmequelle zu sichern.

In der Provinz Laguna, wo die Indier aus Zuckerrohr groben braunen
Zucker bereiten, tragen ihn die Frauen Leguas weit nach dem Markte
oder bieten ihn an der Landstrasse in kleinen Broden (Panoche)
gewöhnlich zugleich mit Buyo feil. Jeder Vorübergehende schwatzt mit
der Verkäuferin, wägt die Brode in der Hand, nascht davon und geht
vielleicht ohne zu kaufen weiter. Abends kehrt die Frau mit ihrem
Kram nach Hause zurück, um es am nächsten Tage ebenso zu machen.

Die betreffenden Notizen sind mir verloren gegangen; ich erinnere
mich aber, dass wenigstens in zwei Fällen der Preis des Zuckers in
solchen Broden billiger war als im Pico. Die Regierung ging übrigens
den Indiern damals mit dem Beispiel voran und verkaufte Zigarren
einzeln billiger als im Grossen.

In Europa kann ein Unternehmer meist mit ziemlicher Sicherheit
die Herstellungskosten eines Gegenstandes im Voraus berechnen;
in den Philippinen ist dies nicht immer so leicht. Abgesehn von der
Unzuverlässigkeit der Arbeit wird die Regelmässigkeit in der Lieferung
von Rohstoffen nicht nur durch Trägheit und Launenhaftigkeit, sondern
auch durch Neid und Misstrauen gestört. Die Indier sehen es in der
Regel nicht gern, wenn sich ein Europäer unter ihnen niederlässt, um
mit Erfolg die lokalen Reichthümer auszubeuten, die sie selbst nicht
ausgiebig zu nutzen verstehn. Aehnlich verhalten sich die Kreolen den
Ausländern gegenüber, die ihnen durch Kapital, Geschäftskenntniss und
Thätigkeit gewöhnlich sehr überlegen sind. Ausser dem Neide spielt
auch das Misstrauen eine grosse Rolle, das der Mestize sowohl als
der Castila dem Eingeborenen einflösst. Es kommen noch heut Fälle
genug vor, die dieses Gefühl durchaus rechtfertigen. Früher aber,
als die verkommensten Subjekte Guvernörstellen kaufen konnten und
ihre Provinzen schamlos ausbeuteten, sollen so arge Missbräuche
stattgefunden haben, dass sich das Misstrauen im Laufe der Zeit bei
den Indiern zu einer Art Instinkt ausgebildet hat.



EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    INSEL LEYTE. -- HEUSCHRECKEN. -- SOLFATARA. --
    SCHWEFELGEWINNUNG. -- BITOSEE. -- KROKODILE.


Die Insel Leyte, zwischen 9° 49' und 11° 34' N., und 124° 7' und 125°
9' O. Gr., ist über 25 Meilen lang, fast 12 Meilen breit und hat 170
quadr. M. Flächeninhalt. Von Samar ist sie, wie mehrfach erwähnt,
nur durch die schmale San Juanico-Strasse getrennt. Die Hauptstadt
Taclóban oder Taclóbang liegt am östlichen Eingang dieser Strasse,
hat einen sehr guten Hafen und ununterbrochenen Verkehr mit Manila;
daher ist sie zum Stapelplatz für Leyte, Biliran, Süd- und Ost-Samar
geworden. [220]

Auch der hiesige Guvernör erwies mir viel liebenswürdige
Aufmerksamkeit. Fast ausnahmlos sind mir von meinem Verkehr mit den
spanischen Beamten die angenehmsten Erinnerungen geblieben. Um so
unbefangener konnte ich, wo es mir am Platz schien, über die Missstände
der Verwaltung sprechen.

Am Tage nach meiner Ankunft in Taclóban entstand Nachmittags ein
Geräusch, wie das Brausen eines Wildbachs; die Luft verfinsterte
sich, es schwebte eine grosse Heuschreckenwolke über den Ort. [221]
Ich will die oft beschriebene in allen Erdtheilen sich wesentlich
gleichbleibende Erscheinung nicht noch einmal erzählen und bemerke
nur, dass der über 500 Schritt breite, gegen 50' tiefe Schwarm, dessen
Ende sich im Walde verlor, für nicht sehr bedeutend galt. Er brachte
Munterkeit statt Bestürzung hervor. Alt und Jung war eifrig bemüht mit
Laken, Netzen, Fahnen möglichst viele der leckeren Thiere zu fangen, um
sie wie Dampier erzählt »in einer irdenen Pfanne über Feuer zu rösten,
bis ihre Beine und Flügel abfallen, und ihre Köpfe und Rücken die Farbe
gesottener Krebse annehmen«, in welcher Zubereitung sie ihm geschmeckt
haben. In Birmah gelten sie noch heut bei Hof als Leckerbissen. [222]

Die Heuschrecken sind eine der grössten Plagen der Philippinen
und vernichten zuweilen die Ernte ganzer Provinzen. Die Legislacion
ultramarina IV. 604 enthält ein besonderes Gesetz über die Vertilgung
dieser verheerenden Kerfe. Sobald sie erscheinen, soll die Bevölkerung
der betroffenen Ortschaften in grösster Anzahl unter Leitung der
Behörden zu ihrer Vernichtung ausziehn. Die erprobtesten Mittel
zur Erreichung dieses Zwecks sind in einer amtlichen Vorschrift
enthalten und in der Verordnung, betreffend ausserordentliche
Leistungen bei öffentlichen Nothständen, stehn die Heuschrecken
zwischen den Seeräubern und Feuersbrünsten in der Mitte. Von allen
ersonnenen Mitteln, die sich aber gegen die zuweilen in unglaublicher
Menge erscheinenden verderblichen Thiere in den Philippinen ebenso
unzureichend wie anderwärts erweisen, sei nur eines hier erwähnt:
Am 27. April 1824 beschloss die Sociedad economica den Vogel Martin
(Gracula sp.) einzuführen, »der aus Instinkt Heuschrecken frisst«. Im
Herbst des folgenden Jahres traf die erste Sendung derselben aus China
ein, 1829 eine zweite, 1852 findet sich abermals ein Posten von 1311
Dollar für Martinvögel verausgabt.

Am folgenden Tage fuhr ich mit dem Pater von Dagámi (in Leyte giebt es
Strassen) von Taclóban südlich nach Pálos und Tanáuan, zwei blühenden
Orten an der Ostküste. Kaum 1/2 Legua von letzterem ragt unmittelbar
am Meer aus der bisher ganz flachen sandigen Ebene ein Felsen von
krystallinischem Gestein hervor, graugrüner quarziger Chloritschiefer,
aus dem der unternehmende Pater mit bessern Erfolges würdiger
Beharrlichkeit versucht hatte, Kalk zu brennen. Nach reichlichem
Frühstück im Convento fuhren wir Nachmittags nach Dagami und erst am
folgenden Tage nach Buráuen. [223]

Die Gegend bleibt flach; Kokoshaine und Reisfelder unterbrechen
stellenweis den dichten Wald, das Land ist spärlich bewohnt, die
Menschen scheinen aufgeweckter und sind schöner und reinlicher als
in Samar. Südlich von Buráuen erhebt sich ein Gebirgszug Manacagan,
an dessen jenseitigem Abhang eine grosse Solfatara liegt, die Schwefel
für die Pulverfabrik in Manila und den Handel liefert. Ein spanischer
Seemann begleitete mich. Wir ritten, wo der Weg durch Sumpf führte, auf
Büffeln; der Schritt der Thiere ist nicht unangenehm, aber das Spreizen
der Schenkel auf dem breiten Rücken der riesigen philippinischen Büffel
ermüdend. Eine Viertelstunde hinter Buráuen überschritten wir den
SW. NO. fliessenden 100' breiten Dagúitan, dessen Bett voll grosser
vulkanischer Blöcke liegt, bald darauf einen schmalen Fluss in einem
breiten Bett, einige hundert Schritt weiter einen 150' breiten, beide
letztere, Arme des Buráuen; sie fliessen WO. und münden bei Dulag. Der
zweite Arm war erst im vorigen Jahr bei einer Ueberfluthung entstanden.

Wir übernachteten in einer Hütte am nördlichen Abhang des Manacagan,
welche die Besitzer, als sie uns ankommen sahen, mit Weib und Kind
unaufgefordert geräumt hatten, um anderswo Unterkommen zu suchen. So
erfordert es die Landessitte, wenn der Raum für beide Theile zu
klein ist -- dafür wird keine Entschädigung beansprucht und wohl nur
selten gewährt.

Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und überstiegen um 6 Uhr
30 Minuten auf angenehmem Waldpfade das Joch des aus hornblendereichem
Trachyt bestehenden Manacagan, um 7 Uhr durchfurteten wir zwei kleine
Flüsse, die NW. fliessen und dann in einem Bogen angeblich bei Dulag
die Küste erreichen. Vom Joch aus sieht man im Süden die grosse
weisse Schutthalde des Berges Dánan durch die Bäume schimmern. Um 9
Uhr kamen wir durch den dicht bewaldeten Krater des Kasiboi und weiter
südlich an einige Schuppen, in denen Schwefel ausgeschmolzen wird.

Das aus der Solfatara kommende Rohmaterial wird nach drei Klassen
bezahlt: 1o bereits zu Krusten zusammengeschmolzener Schwefel, 2o
sublimirter, der in seinen Zwischenräumen noch viel Kondensationswasser
enthält, 3o im Thon mehr oder weniger reichlich vertheilter (aus dem
die überwiegende Menge gewonnen wird). Man setzt zum Schwefelthon
Kokosöl,

6 Quart auf 4 Arroben, wirft ihn in flache eiserne Pfannen von 6
Arroben Inhalt und schmilzt unter beständigem Umrühren. Nachdem
der obenaufschwimmende entschwefelte Thon abgeschöpft, wird
neuer Schwefelthon in den Kessel geworfen und so fort. In 2 bis
3 Stunden gewinnt man auf diese Weise aus 24 Arroben Schwefelthon
durchschnittlich etwa 6 Arroben Schwefel, der in hölzerne Kasten
gegossen, zu Blöcken von 3 bis 4 Arroben erstarrt. Die Hälfte des
verwendeten Oeles wird wieder gewonnen, indem man den ölgetränkten
Thon in ein Gestell aus zwei einen spitzen Winkel bildenden engen
Bambusgittern wirft. Das Oel tröpfelt in eine darunter befindliche
geneigte Bambusrinne, und fliesst von da in einen Topf. Der Preis
des Schwefels in Manila schwankt zwischen 1 1/2 und 4 1/2 Dollar
per Pico. Ich sah die mit Thon gefüllten Gestelle, aus denen das
Oel abtropfte, das Verfahren selbst habe ich aber leider nicht mit
angesehn, und weiss nicht zu erklären, weshalb das Oel zugesetzt
wird. Nach einigen im Kleinen, also unter wesentlich andern Bedingungen
und nicht einmal mit demselben Material angestellten Versuchen
scheint es, dass das Oel die Abscheidung des Schwefels beschleunigt,
den Zutritt der Luft zum Schwefel erschwert. Bei den Versuchen war der
im Boden des Tiegels erhaltene Schwefel immer durch Ausscheidung von
Kohle aus dem Oele schwarz gefärbt und würde erst durch Destillation
gereinigt werden müssen. Von einer solchen erwähnten indessen die
Leyter Schwefelschmelzer nichts, auch waren Apparate dazu nicht
vorhanden, ihr Schwefel war von rein gelber Farbe.

Einige hundert Schritte weiter S. fliesst ein von O. kommender, 12'
breiter heisser Bach (50°R.), der an seinen Rändern Kieselsinter
absetzt.

Man folgt einer NS. streichenden Schlucht mit 100 bis 200' hohen
Wänden; der Pflanzenwuchs hört allmälig auf, das Gestein ist
blendendweiss, oder durch sublimirten Schwefel gelb gefärbt. An
zahlreichen Stellen dringen dichte Dampfwolken mit starkem
Schwefelwasserstoffgeruch aus dem Boden, einige tausend Schritt weiter
biegt die Schlucht nach links (O.) um und erweitert sich zugleich an
der Bucht. Hier brechen zahlreiche Kieselsprudel durch den lockeren
von Schwefel durchdrungenen Thonboden. Diese Solfatara muss früher
viel thätiger gewesen sein als gegenwärtig; die durch Zersetzung des
Gesteins von ihr gebildete Schlucht, voll hoher Schutthaufen, mag
gegen 1000' breit und wohl fünfmal so lang sein; am östlichen Ende
ist eine Anzahl kleiner kochender Schlammpfützen vorhanden, und rings
um diese bricht, wenn man den Stock in den durchwühlten Boden stösst,
Wasser und Dampf hervor. An einigen tiefen Stellen, weiter westlich,
sind graue, weisse, rothe und gelbe Thone in schmalen Bändern über
einander geschwemmt; sie sehn wie Keupermergel aus.

Im Süden, dem Joch, das nach Buráuen führt, gerade gegenüber sieht man
in einer Höhle im weissen zersetzten Gestein ein 25' breites Becken,
aus welchem kieselsäurehaltiges inkrustirendes Wasser reichlich
ausfliesst. Die Decke der Höhle ist mit Tropfsteinen behangen, die
mit gediegenem Schwefel überzogen sind oder gänzlich daraus bestehn.

Am oberen Abhange des Berges Dánan, nahe am Gipfel setzt sich so
viel Schwefel aus den Schwefelwasserstoffdämpfen ab, dass er mit
Kokosschalen abgenommen werden kann. In einigen gegen die kühlende
atmosphärische Luft geschützten Spalten schmilzt er zu dicken braunen
Krusten zusammen. Die Solfatara des Dánan liegt genau S. von jener
unten am Ende der Schlucht des Kasiboi. Die nach Auslaugung der
Kieselsäure zurückbleibende Thonerde wird durch den Regen in das
Thal geschwemmt, wo sie eine Ebene bildet, deren grösster Theil
von einem kleinen schwach schwefelsauren See Malaksan (malaksan,
sauer) eingenommen wird. Seinen Spiegel, der wegen der sehr flachen
Ufer, je nach dem Wetter sich merklich verändert, fand ich etwa 500
Schritte lang, 100 breit. Von der Höhe der Solfatara erblickt man
durch eine Kluft genau S. einen etwas grösseren Süsswasser-See von
bewaldeten Bergen umgeben, er heisst Jaruánan. Die Nacht wurde in einem
verfallenden Schuppen an der SO. Ecke des Sees Malaksan zugebracht. Am
folgenden Morgen stiegen wir über das Bergjoch im Süden, dicht neben
der Solfatara des Dánan vorbei, in 1/2 Stunde zum See Jaruánan hinab.

Dieser See, so wie der Malaksan flösst den Eingeborenen wegen der
bedenklichen Nachbarschaft der Solfatara abergläubische Furcht
ein; er war daher angeblich noch von keinem Schiffer, Fischer oder
Schwimmer entweiht und sehr fischreich. Um seine Tiefe messen zu
können, liess ich ein Floss aus Bambus bauen. Als mich aber meine
Begleiter ungefährdet im See schwimmen sahen, sprangen sie alle ohne
Ausnahme hinein und tummelten sich im Wasser mit besonderem Behagen
und grossem Jubel, als wollten sie sich für die lange Zurückhaltung
entschädigen. Das Floss wurde daher erst gegen 3 Uhr fertig. Die
Sondirungen ergaben für den mittleren Theil des Beckens, das am
Südrande etwas steiler als am Nordrande, 13 Brazas = 21,7 Meter Tiefe;
die grösste Länge des Sees beträgt gegen 800 Varas (668 Meter), die
Breite etwa halb so viel. Indem wir Abends bei Fackelschein über den
Bergrücken nach unserm Nachtquartier am sauren See zurückkehrten,
kamen wir an der sehr bescheidenen Wohnung eines Ehepaares vorüber:
drei aus gemeinschaftlichem Stamm auseinander strebende, in gleicher
Höhe abgestutzte Aeste trugen eine Hütte von Bambus und Palmenblättern,
8' im Geviert. Ein Loch im Boden bildete den Eingang, sie war in
Zimmer und Vorzimmer getheilt; vier Bambusstangen trugen oben und
unten eine Bambuslage, erstere diente als Balkon, letztere als Laden,
in dem Betel verkauft wurde.

Am Tage nach meiner Rückkehr in Buráuen fuhr mich ein gefälliger
spanischer Kaufmann durch die mit Reis, Mais und Zuckerrohr bebaute
fruchtbare Ebene von vulkanischem Sand nach Dúlag, das gerade westlich
am Strande des stillen Meeres liegt. Die Entfernung (bei Coello 3
Leguas) beträgt wohl kaum 2 Lg. Von hier erscheint Punta Guíuan,
die Südspitze Samars, wie ein von der Hauptinsel getrenntes Eiland,
und weiter südlich (N. 102,4 bis 103,65 S.) als schmaler Streifen
Jomonjol, die erste Insel des Archipels die Magellan (16. April 1521)
erblickte. In Dúlag stiess mein voriger Begleiter zu uns, um die Reise
nach dem Bitosee mitzumachen. Die Beschaffung der Beförderungsmittel
und des Proviants und mehr noch die rücksichtsvolle Berathung aller
Vorschläge dreier Gleichberechtigter nahm viel Zeit und Geduld in
Anspruch. Schliesslich segelten wir in einem grossen Casco (Lastboot)
südwärts die Küste entlang zur Mündung des Rio Mayo, der nach der Karte
und den eingezogenen Nachrichten aus dem Bitosee herkommen soll. Wir
fuhren in einem Nachen aufwärts, wurden aber an der ersten Hütte
belehrt, dass der See nur auf grossen Umwegen durch sumpfigen Wald zu
erreichen sei. Die Mehrheit beschloss umzukehren. Verschiedene durch
Mangel einheitlicher Leitung herbeigeführte Abenteuer verzögerten
unsere Ankunft in Abúyog bis 11 Uhr Nachts. Wir hatten unterwegs
zuerst einen kleinen Nebenarm des Mayo, dann den Bitofluss
zu überschreiten. Die Entfernung des letztern von Abúyog, auf
Coello's Karte zu gross angegeben, beträgt nach einer Messung des
Gobernadorcillo 1400 Brazas, was wohl richtig sein mag. [224]

Der folgende Tag wurde, da es stark regnete, benutzt, um Erkundigungen
über den Weg zum Bitosee einzuziehn. Wir erhielten sehr abweichende
Angaben über die Entfernung, Alle stimmten aber überein, den Weg dahin
abschreckend zu schildern. Eine beschwerliche Reise von wenigstens
zehn Stunden schien uns das Wahrscheinlichste.

Tags darauf gelangten wir in einer Stunde auf angenehmem Waldwege an
den Bitofluss und fuhren in dort vorgefundenen Nachen flussaufwärts
zwischen flachen, sandigen, mit hohem Rohr und Schilf bestandenen
Ufern. Nach 10 Minuten zwangen uns queer über den Strom gestürzte
Bäume einen Umweg zu Lande zu machen, der uns nach einer halben Stunde
wieder an den Fluss oberhalb der Hindernisse führte. Hier bauten wir
Bambusflösse, auf denen wir, da das Material sehr knapp bemessen, einen
halben Fuss tief eintauchend, in 10 Minuten den See erreichten. Wir
fanden ihn mit grünen Conferven bedeckt; ein Doppelsaum von Pistien
und 6 bis 7' hohen breitblättrigen Riedgräsern fasste ihn ein, in
S. und W. erheben sich niedrige Hügel, von der Mitte erscheint er
fast kreisrund, ringsum Wald. Coello giebt den See viel zu gross an
(4 statt 1 Sm.), seine Entfernung von Abúyog kann nur wenig über
1 Legua betragen. Mit Hülfe einer aus Lianen zusammengeknüpften
Schnur und alliniirter Stäbe fanden wir seine Breite = 585 Brazas =
977 Met. (die breiteste Stelle dürfte wenig über 1000 Met. betragen);
die Länge berechnete sich nach einigen unvollkommenen Peilungen auf
1007 Brazas (1680 Met.), also weniger als 1 Sm. Sondirungen ergaben
ein sanft geneigtes, in der Mitte 8 Braz. (13m.3) tiefes Becken. Gern
hätte ich die Verhältnisse genauer bestimmt, aber Mangel an Zeit,
Unzugänglichkeit des Uferrandes und die elende Beschaffenheit unseres
Flosses erlaubten nur einige rohe Messungen.

Am Strande war keine Spur menschlicher Wohnungen wahrzunehmen, aber
eine Viertelstunde Weges vom Nordrande fanden wir, von tiefem Schlamm
und stacheligen Calamus umgeben, eine bequeme Hütte, deren Insassen
zwar als Cimarronen jedoch in Fülle und mit grösserer Bequemlichkeit
als manche Dorfbewohner lebten. Man nahm uns sehr gut auf, Fische
waren reichlich vorhanden, auch Tomaten und Capsicum, um sie zu würzen,
und Teller von englischem Steingut, um sie zu verzehren.

Die Häufigkeit der Wildschweine hatte die Einsiedler zur Erfindung
einer eigenthümlichen Vorrichtung veranlasst, um selbst im Schlaf
von deren Annäherung unterrichtet und im Dunkeln auf ihre Spur
geleitet zu werden. Ein über tausend Fuss langes aus Bananenstreifen
zusammengeknüpftes Seil schleppt in gerader Linie am Boden hin, das
eine Ende ist an einer mit Wasser gefüllten, über dem Schlafplatz
des Jägers aufgehängten Kokosschale befestigt. Berührt ein Schwein
das Seil, so wird durch den Ruck das Wasser über den Schläfer
ausgeschüttet, den das Seil, indem er es durch die Hand gleiten
lässt, zu seiner Beute führt. Die Hauptbeschäftigung unserer
Wirthe schien der Fischfang zu sein, der so ergiebig ist, dass
die rohesten Vorrichtungen genügten. Nicht einmal ein Nachen war
vorhanden, sondern nur lose zusammengefügte Bambusflösse, auf denen
die Fischer, wie wir auf unserem Floss, halbfusstief einsinkend,
zwischen den Krokodilen umhertrieben, die ich nie in solcher Menge
und in so beträchtlicher Grösse wie in diesem See gesehn habe. Einige
schwammen an der Oberfläche mit ihrem Rücken aus dem Wasser ragend
langsam herum. Auffallend war die völlige Sorglosigkeit, mit welcher
selbst zwei kleine Mädchen angesichts der grossen Ungethüme im Wasser
wateten. Zum Glück scheinen letztere sich mit ihren reichlichen
Fischrationen zu begnügen. Es sollen vier Arten Fische im See
vorkommen, darunter ein Aal; wir erlangten aber nur eine. [225]

Am folgenden Morgen waren unsere einheimischen Begleiter schon in aller
Frühe betrunken. Dies führte zur Entdeckung eines andern Gewerbes der
Einsiedler, das ich jetzt nach Aufhebung des Regierungsmonopols wohl
verrathen darf. Sie destillirten heimlich Palmenbrantwein und trieben
damit einträglichen Handel. Nun begriff ich auch, warum man uns die
Schrecknisse des Weges am Mayofluss und in Abuyog in so lebhaften
Farben geschildert hatte. [226] Wir fuhren auf unsern Flössen bis
zur Stelle zurück, wo wir sie gefunden hatten, eine Strecke von etwa
1500', gingen O. bei N. zu unsern Nachen, durch 16' hohes wildes Rohr
(Saccharum sp.) mit sehr grossen silberweissen Blüthenbüscheln und
fuhren zur Barre, von wo wir nach 1 1/2 stündigem Marsche Abuyog
erreichten. Von dort kehrten wir zu Wasser nach Dulag, zu Lande
nach Buráuen zurück, wo wir Nachts eintrafen, früher als unsere
Pferdeknechte erwartet hatten, weshalb wir sie in unseren Betten
schlafend antrafen.

Bis vor kurzem wurde in dieser Gegend viel Tabak gebaut, und sein
Verkauf unter gewissen Beschränkungen den Bauern gestattet. Neuerdings
war verboten worden den Tabak anders als an die Regierung zu verkaufen,
und zwar zu einem von ihr selbst bestimmten so äusserst niedrigen
Preise, dass der Tabakbau fast ganz aufgehört hatte. Da aber die
Tabakregie bereits Speicher errichtet und Einnehmer angestellt hatte,
so sahen die Eingeweihten richtig voraus, dass demnächst der Zwangsbau
eingeführt werden würde, wie es auf ähnliche Weise an andern Orten
geschehen war. -- Die Ostküste von Leyte soll sich heben, während
an der Westseite das Meer die Küste zerstört, bei Ormog soll es in
6 Jahren um 50 Ellen vorgedrungen sein.



ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    LEBENSWEISE UND SITTEN DER BISAYA-INDIER.


Die Bisayer, wenigstens die Bewohner der Inseln Samar und Leyte
(andre habe ich nicht näher kennen gelernt) gehören Einem Stamme
an. [227] Sie sind körperlich und geistig, in Charakter, Tracht,
Sitten und Gebräuchen so ähnlich, dass meine ursprünglich an
verschiedenen Punkten der beiden Inseln gemachten Aufzeichnungen durch
Ausscheidung der zahlreichen Wiederholungen zu Einer verschmolzen,
die ein vollständigeres Bild und zugleich Gelegenheit giebt, kleine
Verschiedenheiten, wo sie stattfinden, deutlicher hervortreten
zu lassen.

Negritos sind weder in Samar noch in Leyte vorhanden, aber viele
Cimarronen, die keinen Tribut zahlen und nicht in Dörfern, sondern
unabhängig in den Wäldern leben. Ich habe leider keinen persönlichen
Umgang mit ihnen gehabt, und was ich von den christlichen Bewohnern
Samar's über sie erfahren, ist zu unzuverlässig, um wiederholt zu
werden. Sicher scheint es aber, dass alle diese Cimarronen oder
ihre Vorfahren schon mit den Spaniern verkehrt haben, und dass ihre
Religion manche katholische Formeln aufgenommen hat. So pflegen sie
bei dem Reispflanzen, wo sie nach alter Sitte etwas von der Saatfrucht
absondern, um es an den vier Ecken des Feldes als Opfer darzubringen,
gern einige verstümmelte katholische Gebete herzusagen, die sie für
wirksamer zu halten scheinen, als ihre alten heidnischen. Einige
lassen sogar ihre Kinder taufen, da es nichts kostet, erfüllen aber
sonst keine christlichen oder bürgerlichen Pflichten. Sie sind sehr
friedlich, bekriegen einander nicht, haben auch keine vergifteten
Pfeile. Beispiele von Cimarronen, die zum Christenthum und Dorfleben
sammt Tribut und Frohnden übertreten, sind äusserst selten. Umgekehrt
ist auch die Zahl der Indier, welche sich in die Wälder zurückziehn,
um Cimarronen zu werden, sehr unbedeutend, wohl noch geringer
als in Luzon, da die Eingeborenen bei dem leidenschaftlosen, fast
pflanzlichen Leben, das sie führen, nicht leicht in den Fall kommen,
ihr Dorf verlassen zu müssen, das mehr noch als in Luzon für sie die
Welt bedeutet.

Der Reisbau richtet sich nach den Jahreszeiten. An einigen Orten, wo
grössere Felder vorhanden sind, ist der Pflug (arado) und der Sodsod
(hier surod genannt) in Gebrauch; fast allgemein aber lässt man das
Reisfeld in der Regenzeit nur von Büffeln durchtreten. Man säet an der
Westküste im Mai und Juni, pflanzt im Juli und August und erntet von
November bis Januar. Eine Ganta Aussaat giebt zwei, zuweilen drei bis
vier Cabanes (d. h. 50, 75 bis 100 fach). Bei der Hauptstadt Catbalógan
sind nur sehr wenige bewässerte Reisfelder (Tubigan, von Tubig,
Wasser) vorhanden, deren Ertrag für das Bedürfniss nicht ausreicht, das
Fehlende wird aus andern Küstenplätzen der Insel ergänzt; Catbalógan
führt dagegen Abaca, Kokosöl, Wachs, Balate (essbare Holothurien),
getrocknete Fische und Gewebe aus. An der Nord- und Ostküste säet
man von November bis Januar und erntet sechs Monate später. Während
der übrigen sechs Monate dient das Feld als Weide für das Vieh; an
manchen Orten findet auch während dieser Monate, also von Juli bis
Dezember Reisbau, aber auf andern Feldern statt. Von diesem Reis geht
häufig wegen des schlechten Wetters ein grosser Theil verloren.

Käufe von Land kommen nur ausnahmsweise vor; gewöhnlich wird es
durch Urbarmachen, Erbschaft oder als verfallenes Pfand erworben. Bei
Catbalógan war bestes Reisland mit 1 Dollar für eine Ganta Aussaat,
und an der Nordküste bei Láuang ein Feld, das jährlich 100 Cabanes
trägt, mit 30 Dollar bezahlt worden. Rechnet man wie bei Naga, 1
Ganta Aussaat auf 4 Loanes, und 75 Cabanes Ertrag auf 1 Quiñon, so
kostet der Morgen Reisland im ersten Falle 3 1/3 Thaler, im zweiten
3 Thaler. Bei Verpachtungen leiht der Besitzer den nackten Grund und
Boden und empfängt als Zins die Hälfte der Ernte. [228] Der Reisbau
in Leyte ist von dem in Samar nicht verschieden, hat aber abgenommen,
durch die Abacákultur verdrängt, da die Guvernöre als sie noch Handel
treiben durften, die Eingebornen zwangen, einen Theil ihrer Felder
und ihrer Arbeit auf diese zu verwenden. Der Reis zur Ausfuhr wird
gewöhnlich auf dem Halm zu einem vor der Ernte verabredeten Preise
per Caban verkauft. Dergleichen Verträge pflegen selbst im Falle
der Vorausbezahlung pünktlich erfüllt zu werden. Bleibt ein Bauer im
Rückstand, so ist es im Lande allgemein geltender Brauch, dass er dem
Händler bei der nächsten Ernte das Schuldiggebliebene doppelt liefere.

Bergreis (bei Catbalógan wird fast nur solcher gewonnen) erfordert
kein andres Ackergeräth als das Waldmesser, um den Boden etwas
aufzulockern, und einen spitzen Stock, um Löcher in Entfernungen von
6 Zoll zur Aufnahme von je 5 bis 6 Reiskörnern zu machen. Man säet
von Mai bis Juni, jätet zweimal und schneidet nach 5 Monaten Halm
für Halm. Der Schnitter empfängt 1/2 Real Tagelohn und Kost. Der
Ertrag ist 2 bis 3 Cabanes auf eine Ganta oder 50 bis 75 fach. Das
Land kostet nichts, der Arbeitslohn beträgt gegen 5 Realen per Ganta
Aussaat. Nach einer guten Ernte gilt der Caban 4 Realen. Kurz vor der
Ernte steigt der Preis bis auf 1 Dollar, oft viel höher. Der Boden
wird nur ein einziges Mal für trocknen Reis benutzt; nach der Ernte
pflanzt man Camote (Bataten), Abaca und Caladium darauf. Der Bergreis
wird besser bezahlt als Wasserreis, etwa im Verhältniss von 9 zu 8.

Nächst Reis sind die Hauptnahrungsmittel Camote (Convolvulus Batatas),
Ubi (Dioscorea), Gabi (Caladium) Paláuán (ein grosses Arum mit
gefingerten Blättern und geflecktem Stiel). Camote kann das ganze Jahr
gepflanzt werden und reift in 4 Monaten; aber es geschieht gewöhnlich,
wenn der Reisbau vorüber ist, da während desselben wenig Arbeitskräfte
verfügbar sind. Wird der Camotebau beibehalten, so lässt man in der
Regel die alten Pflanzen sich selbst durch ihre Ausläufer vermehren
und nimmt nur die Knollen aus dem Boden. Mehr Ertrag erhält man aber,
wenn man den Boden reinigt und neu pflanzt. Für 1/2 Real erhält man
8 bis 15 Gantas Camote, einen Scheffel etwa für 3 bis 6 Sgr. [229]

Abacá, obgleich davon grosse Pflanzungen vorhanden sind, wurde zur
Zeit meiner Anwesenheit, da der Preis nicht lohnend genug war, fast
gar nicht ausgebeutet.

Tabak wird auch gebaut; er durfte früher im Lande verkauft, muss
jetzt aber an die Hacienda abgeliefert werden.

In Samar und Albay, wahrscheinlich auch in andern Provinzen, wird ein
harziges Oel, Baláo oder Malapájo gewonnen; man erhält es von einem
Dipterocarpus (Apíton), einem der höchsten Bäume des Waldes, indem
man ein breites Loch einen halben Fuss tief in den Stamm schlägt,
es beckenartig aushöhlt und von Zeit zu Zeit, um die verstopften
Zuflusskanäle wieder zu öffnen, Feuer darin anmacht. Das angesammelte
Oel wird täglich ausgeschöpft und ohne weitere Vorbereitung in den
Handel gebracht. Seine interessanteste Verwendung ist zur Konservirung
des Eisens bei dem Schiffbau. Vor dem Einschlagen in Balaoöl getauchte
Nägel sollen, wie glaubwürdige Leute versicherten, noch nach zehn
Jahren völlig rostfrei sein. Hauptsächlich wird Balao als Firniss für
Schiffe benutzt, die sowohl innen als aussen damit angestrichen werden;
es schützt auch die Hölzer gegen Termiten und andre Insekten. Das
Balao wird in Albay, die Tinaja von 10 Gantas zu 4 Realen, (das
Liter zu 8 Pfennig) verkauft; nach Europa scheint es bis jetzt nur
in Proben gekommen zu sein. Zum Schutz der Schiffsböden verwendet
man auch ein Zement aus gebranntem Kalk, Elemiharz und Kokosöl in
solchem Verhältniss gemischt, dass es vor dem Auftragen einen dicken
Schleim bildet. Der Anstrich hält sich ein Jahr. [230] Wachs wird von
den Cimarronen eingetauscht. Ganz Samar liefert jährlich 200 bis 300
Picos, deren Werth 25 bis 50 Dollar per Pico beträgt; in Manila ist
der Preis gewöhnlich 5 bis 10 Dollar höher; doch schwankt er sehr,
da dasselbe Erzeugniss von mehreren andern Lokalitäten und in sehr
unregelmässigen Zwischenräumen einkommt.

Viehzucht ist trotz des üppigen Graswuchses und der Abwesenheit
reissender Thiere fast gar nicht vorhanden. Pferde und Büffel sind
sehr selten und sollen spät, angeblich erst in diesem Jahrhundert,
eingeführt sein. Da es in Samar kaum andre Landstrassen giebt als den
Seestrand und seichte Flussbetten (im Norden von Leyte ist es besser),
so wird der Büffel nur gebraucht, um alljährlich einmal den Boden des
Reisfeldes durchzutreten. Den Rest des Jahres bringt er frei auf der
Weide zu, im Walde oder auf einer kleinen Insel, wenn eine solche in
der Nähe. Nur gelegentlich werden mehrere Büffel vor einen grossen
Baumstamm gespannt, um ihn nach dem Dorfe zu schleifen; ihre Zahl
ist daher äusserst gering. Büffel, welche Reisland gut durchtreten,
werden bis zu 10 Dollar bezahlt. Der Mittelpreis ist 3 Dollar für
einen Büffelstier, 5 bis 6 Dollar für eine Büffelkuh. Rindvieh
wird nur zuweilen bei Festen als Schlachtvieh benutzt, ist in sehr
geringer Menge vorhanden, unter viele Besitzern vertheilt, lebt halb
verwildert in den Bergen. Handel findet darin kaum statt, aber drei
Dollar für Jungvieh, fünf bis sechs Dollar für eine Kuh mag etwa der
Mittelpreis sein. Fast jede Familie besitzt ein Schwein, einige deren
drei bis vier. Ein fettes Schwein kostet sechs bis sieben Dollar,
also mehr als eine Kuh. Rindfleisch wird von vielen Indiern gar
nicht gegessen; bei ihren Schmausereien darf aber Schweinefleisch
nicht fehlen. Auch wird das Schmalz so theuer bezahlt, dass daraus
unter günstigen Verhältnissen von einem fetten Thiere für drei bis
vier Dollar erlöst werden. Schafe und Ziegen gedeihen vorzüglich,
vermehren sich leicht, sind aber auch nur in geringer Zahl vorhanden
und werden fast gar nicht, weder der Wolle noch des Fleisches wegen,
benutzt. Kreolen und Mestizen sind meist zu träge, um selbst Schafe zu
halten, und essen lieber das ganze Jahr täglich Hühnerfleisch. Auch
Shanghai-Schafe, die der Guvernör in Taclóban eingeführt hatte,
gediehen und vermehrten sich sehr gut. Eine Eier legende Henne kostet
1/2 r., ein Hahn dasselbe; ein Kampfhahn bis drei Dollar, oft viel
mehr. Man kauft sechs bis acht Hühner oder 30 Eier für einen Real.

Eine Familie von Vater, Mutter und fünf Kindern braucht täglich nicht
ganz 24 Chupas Palay (Reis mit der Hülse), welcher enthülst ungefähr
12 Chupas giebt und zum Mittelpreise von 4 r. per Caban, etwa 1/2
r. kostet (nach der Ernte zuweilen 3 r. per Caban, vor derselben
10 r., in Albay 20 bis 30 r.); ausserdem 2 bis 3 cu. für Zuspeise
(Fische, Krabben, Kräuter, etc.), die aber gewöhnlich von den Kindern
gesammelt werden, endlich für Oel 2 cu., Buyo 1 cu., Tabak 3 cu. (3
Blatt für 1 cu.); letzterer wird geraucht, nicht gekaut. An Buyo und
Tabak verbraucht eine Frau halb so viel als ein Mann. Buyo und Tabak
wird in Leyte weniger genossen als in Samar.

An Kleidungsstücken verwendet ein Mann jährlich: 4 grobe Hemden von
Guinara zu 1 bis 2 r., 3 bis 4 Hosen zu 1 bis 2 1/2 r., 2 Kopftücher
zu 1 1/2 r. (Hüte werden an der Süd- und Westküste nicht getragen)
und für die Kirchweih gewöhnlich: 1 Paar Schuhe 7 r., 1 feines Hemd 1
Dollar oder mehr, 1 feine Hose 4 r. -- Eine Frau hat 4 bis 6 Camisas
von Guinara zu 1 r., 2 bis 3 Sayas von Guinara zu 3 bis 4 r. und 1
oder 2 gedruckte Kattunsayas aus Europa zu 5 r., 2 Tücher zu 1 1/2 bis
2 r., 1 oder 2 Paar Pantoffeln (Chinelas), um in die Messe zu gehen,
zu 2 r. und mehr nöthig.

Ausserdem besitzen die Frauen fast immer einige feine Camisas zu
wenigstens 6 r., eine Mantilla zum Kirchgang 6 r.; (sie dauert 4
Jahre), einen Kamm, 2 cu. Manche haben auch Unterröcke (nabuas), 2
Stück zu 4 r., Messing-Ohrringe und einen Rosenkranz, Sachen die nur
einmal angeschafft werden. In den ärmeren Ortschaften, in Láuang z. B.,
werden nur im Hause gewebte Guinaras getragen. Dort bedarf ein Mann:
3 Hemden und 3 Hosen, die aus 3 Stück Guinara zu 2 r. geschnitten
werden; einen Salacot (Hut) gewöhnlich eigener Anfertigung, Werth
1/2 r. Eine Frau braucht jährlich: 4 Sayas, Werth 6 r., Camisas,
mit Einschluss einer feineren für das Fest, 8 r. Unterröcke werden
nicht getragen. Die Kleidung der Kinder kann etwa auf die Hälfte der
obigen Preise veranschlagt werden.

Hausrath: Ein Kochtopf -- die Kochtöpfe, aus unglasirtem gebrannten
Thon, werden von den Schiffen aus Manila mitgebracht; ihr Inhalt an
Reiskörnern ist ihr Preis; [231] -- mehrere Bambusrohre; Teller,
7 Stück à 2 bis 5 cu.; ein Carahai (eiserne Pfanne) 3 bis 4 r.;
Kokosschalen statt der Gläser; einige kleine Töpfe, zusammen 1/2 r.;
1 Sundang, 4 bis 6 r., oder Bolo (grösseres Waldmesser) 1 Dollar;
1 Scheere (für die Frauen) 2 r. Der Webestuhl, den jede Haushaltung
selbst aus Bambus zusammenfügt, veranlasst keine baare Auslagen.

Der Tagelohn unter den Eingeborenen beträgt 1/2 r., keine
Beköstigung. Europäer müssen aber immer 1 r. und Kost geben, wenn sie
nicht durch Begünstigung des Gobernadorcillo Polistas zu dem obigen
niedrigen Tagelohn erhalten können, der dann ordnungsmässig in die
Gemeindekasse fliessen soll. Ein Zimmermann verdient 1 bis 2 r.,
die besten 3 r. täglich. Der Arbeitstag ist von 6 bis 12 Mittags und
von 2 bis 6 Uhr Abends.

Fast jedes Dorf hat einen rohen Schmied, der Sundangs und Bolos zu
machen versteht; es müssen aber bei jeder Bestellung das Eisen und
die Kohlen dazu geliefert werden. Andre Metallarbeiten werden nicht
angefertigt. Ausser etwas Schiffbau wird kaum ein andres Gewerbe
betrieben als Weberei; der Webestuhl fehlt fast in keinem Hause. Es
werden Guinara fabrizirt, d. h. Abacázeuge, auch etwas Piña und
gemusterte Seidenstoffe; die Seide dazu wird aus Manila bezogen und
ist chinesischen Ursprungs. Alle diese Gewebe werden in den einzelnen
Häusern gefertigt, eine Fabrik ist nicht vorhanden.

An Orten, wo es an Reis mangelt, fischen die geringeren Leute,
salzen und trocknen die Fische und tauschen dafür Reis ein. In den
Hauptstädten wird gewöhnlich für baares Geld gekauft; im Innern sind
Gewebe und getrocknete Fische sehr gebräuchliche Tauschmittel. Geld ist
dort fast nicht vorhanden. Salz wird durch Abdampfen des Meerwassers
in kleinen eisernen Handpfannen (Carahais) ohne vorherige Verdampfung
an der Sonne gewonnen. Die Schifffahrt zwischen Catbalógan und
Manila dauert von Dezember bis Juli; von Juli bis Dezember liegen die
Schiffe abgetakelt unter Schuppen. Ausserdem findet Küstenschifffahrt
östlich bis Guíuan, nördlich bis Catarman, selten bis Láuang statt. Die
Mannschaft besteht zum Theil aus Einheimischen, zum Theil aus Fremden,
da die Bewohner der Inseln sehr ungern zur See gehen, fast nur
gezwungen ihr Dorf verlassen. Ausser der Küsten- und Flussschifffahrt
besitzt Samar beinahe keine Verkehrsmittel; das Innere ist unwegsam,
Lasten können nur auf der Schulter getragen werden. Ein starker Träger,
der 1 1/2 r. ohne Kost erhält, schleppt 3 Arrobas (75 Pfund span.) 6
Leguas weit in einem Tage, kann aber am folgenden Tage nicht dieselbe
Arbeit verrichten und braucht wenigstens einen Tag Ruhe. 1 1/2 Arrobas
trägt ein kräftiger Mann täglich 6 Leguas weit eine ganze Woche lang.

Märkte finden in Samar und Leyte nicht statt; wer etwas kaufen will,
sucht es in den einzelnen Häusern; auf dieselbe Weise bietet der
Verkäufer seine Waaren an.

Ein Indier, der Geld borgen will, muss reichliches Pfand geben und
den Dollar monatlich mit 1 r. (12 1/2 % pro Monat) verzinsen. Mehr
als 5 Dollar findet er nicht leicht zu borgen, da er gesetzlich nur
bis zu dieser Summe haftbar ist. Im östlichen und nördlichen Samar
sind Handel und Kreditwesen noch weniger entwickelt als im westlichen
Theile der Insel, der in regerem Verkehr mit den übrigen Bewohnern
des Archipels steht. Baares Geld wird dort fast gar nicht geliehen,
sondern nur Waaren zu einem Real per Monat für jeden Dollar des
Werthes. Kann der Schuldner zur festgesetzten Frist nicht zahlen, so
wird ihm häufig eines seiner Kinder genommen, das bis zur Tilgung der
Schuld bei dem Darleiher ohne Lohn für die blosse Beköstigung dienen
muss. Ich habe einen jungen Mann gesehn, der wegen 5 Dollar, die sein
Vater, ein ehemaliger Gobernadorcillo von Paranas, einem Mestizen
in Catbalógan schuldete, 5 Jahre lang umsonst gedient hatte, um die
Schuld zu tilgen, und an der Ostküste ein hübsches junges Mädchen,
das wegen einer väterlichen Schuld von 3 Dollar schon seit 2 Jahren
bei einem Eingeborenen diente, der im Ruf eines Wüstlings stand. Man
zeigte mir in Borongan eine Kokospflanzung von 300 Bäumen; die vor
etwa 20 Jahren wegen einer Schuld von 10 Dollar verpfändet, seitdem
vom Gläubiger wie sein Eigenthum genutzt worden war. Vor einigen
Jahren starb der Schuldner, und es gelang den Kindern desselben nur
mit vieler Mühe, gegen Zahlung der ursprünglichen Schuld das Eigenthum
zurückzuerhalten. Es kommt vor, dass ein Eingeborener von einem andren
2 1/2 Dollar borgt, um sich von den 40 Tagen jährlicher Frohnden
loszukaufen, und dann seinem Gläubiger ein ganzes Jahr lang dient,
weil er nicht im Stande ist, das Geld pünktlich zurückzuzahlen. [232]

Die Bewohner von Samar und Leyte sind träger, nicht so reinlich als die
von Luzon, und scheinen hinter den Bicol eben so sehr zurückzustehn,
als diese hinter den Tagalen. Bei Taclóban, wo lebhafter Verkehr mit
Manila stattfindet, sind diese Eigenschaften weniger ausgesprochen;
die Frauen dort sind angenehm und baden viel. Uebrigens sind
die Bewohner beider Inseln freundlich, gutmüthig, folgsam und
friedfertig. Schimpfreden oder Thätlichkeiten kommen fast nie vor;
wird Einer beleidigt, so verklagt er seinen Gegner im Tribunal. An
der Nord- und Westküste scheint grosse Sittenreinheit zu herrschen,
aber nicht an der Ostküste und in Leyte. Die äusserliche Frömmigkeit
ist überall sehr gross; das haben sie von den Priestern gelernt. Die
Familien sind sehr einig, die Frauen haben grossen Einfluss, verrichten
vorzüglich die häuslichen Geschäfte und sind zum Theil sehr geschickt
im Weben, auf dem Felde fallen ihnen nur die leichteren Arbeiten
zu. Das Ansehen der Eltern und des ältesten Bruders ist sehr gross;
die jüngeren Geschwister wagen nie, diesem zu widersprechen. Frauen
und Kinder werden sehr gut behandelt.

Die Eingeborenen von Leyte haften eben so sehr an dem heimathlichen
Boden wie die von Samar, haben auch keine Lust zur Schifffahrt,
wenn schon die Abneigung dagegen nicht ganz so ausgesprochen ist,
wie bei den Bewohnern von Samar. [233]

Anstalten der Wohlthätigkeit sind auf keiner der beiden Inseln
vorhanden. Jede Familie erhält ihre Armen und Krüppel und behandelt
sie gut. In Catbalógan, der Hauptstadt der Insel, mit 5 bis 6000
Einwohnern, gab es nur 8 Almosenempfänger (in Albay fehlte es nicht
an Bettlern). In Láuang hatte bei einer feierlichen Gelegenheit
ein Spanier ausrufen lassen, dass er Reis unter die Armen vertheilen
wolle; es meldete sich Niemand. Die Ehrlichkeit der Bewohner von Samar
wird sehr gepriesen. Schulden sollen fast immer ohne schriftliche
Dokumente kontrahirt und nie abgeleugnet, wenn auch nicht immer
pünktlich bezahlt werden. Räubereien kommen auf Samar fast nie vor,
Diebstahl höchst selten. Schulen giebt es auch hier in den Pueblos,
sie leisten nicht viel weniger als in Camarínes.

Unter den öffentlichen Vergnügungen stehn die Hahnenkämpfe obenan,
werden aber nicht so leidenschaftlich betrieben wie auf Luzon. An den
Kirchweihfesten wird ein aus dem Spanischen übersetztes Schauspiel,
gewöhnlich religiösen Inhalts aufgeführt, die Kosten werden durch
freiwillige Beiträge der Principalia gedeckt. Die Hauptlaster der
Bevölkerung sind Spiel und Trunksucht; auch Weiber, selbst junge
Mädchen betrinken sich gelegentlich. Bei den Heirathen dauern
die Festlichkeiten, Gesang und Tanz oft mehrere Tage und Nächte
hintereinander, so lange Speisen und Getränke ausreichen. Der Freier
muss im Hause der Brauteltern 2, 3, selbst 5 Jahre dienen, bevor er die
Braut heimführen kann. Durch Geld ist diese Last nicht abzukaufen. Er
speist im Hause der Brauteltern, die den Reis liefern, hat aber die
Zuspeise selbst zu beschaffen. [234] Zu Ende der Dienstzeit baut
er mit Hülfe seiner Verwandten und Freunde das Haus für die neu zu
gründende Familie.

Ehebruch ist häufig, Eifersucht selten und führt nie zu
Gewaltthätigkeiten; der Beleidigte geht mit dem Schuldigen gewöhnlich
zum Pfarrer, der mit einer Strafpredigt für den Einen und Trostworten
für den Anderen Alles wieder in's Geleise bringt. Ehefrauen
sind leichter zugänglich als Mädchen, aber auch diesen wird die
Aussicht auf Verheirathung durch Fehltritte im ledigen Stande kaum
geschmälert. Mädchen unter väterlicher Gewalt werden in der Regel
streng gehalten, schon um die Dienstzeit des Freiers zu verlängern. Der
äussere Schein wird bei den Bisayern noch mehr gewahrt als bei den
Bicols und Tagalen. Auch hier herrscht die irrthümliche Ansicht, dass
die Zahl der Frauen die der Männer übersteige (vergl. S. 45). Mütter
von 12 Jahren kommen vor, aber selten. Frauen gebären 12 bis 13 Kinder;
es sterben indessen viele derselben, und Familien mit mehr als 6 oder
8 Kindern sind äusserst selten.

Es herrscht viel Aberglauben. Ausser dem katholischen Marienbildchen,
das jede Indierin an einer Schnur um den Hals trägt, haben Viele
auch heidnische Amulete. Ich hatte Gelegenheit, ein solches zu
untersuchen, das einem sehr kühnen Verbrecher abgenommen worden
war. Es bestand aus einem Unzenfläschchen, vollgestopft mit feinen,
anscheinend in Oel gebratenen Wurzelfasern, war von den heidnischen
Stämmen bereitet und hatte die Eigenschaft, den Besitzer stark und
muthig zu machen. Die Gefangennehmung des Letztern war sehr schwierig;
sobald ihm aber das Fläschchen entrissen war, gab er allen Widerstand
auf und liess sich binden. Fast in jedem grössern Dorf giebt es eine
oder mehrere Asuán-Familien, die allgemein gefürchtet und gemieden,
wie Ausgestossene behandelt werden und sich nur untereinander
verheirathen können. Sie stehen im Rufe, Menschenfresser zu
sein. Vielleicht stammen sie von solchen ab? -- Der Glaube ist sehr
allgemein und festgewurzelt. Darüber zur Rede gestellt antworteten
alte einsichtsvolle Indier, sie glaubten allerdings nicht, dass die
Asuánen jetzt noch Menschen frässen, aber ohne Zweifel hätten ihre
Vorfahren es gethan. [235]

Alte Legenden, Traditionen, Lieder sollen nicht vorhanden sein. Bei
ihren Tänzen singen sie zwar; es sind aber Improvisationen ohne
Geist, meist obszön. Denkmäler früherer Zivilisation haben sich nicht
erhalten. »Tempel besassen die alten Pintados nicht, jeder machte
sich seine Anitos im Hause selbst, ohne besondere Feierlichkeit.«
(Morga f. 145 v.). Pigafetta (S. 92) erwähnt zwar, dass der König
von Cebu, als er Christ geworden, viele am Seestrande erbaute Tempel
zerstören liess, es mögen indessen wohl nur Bauten sehr vergänglicher
Art gewesen sein. Bei gewissen Gelegenheiten feierten die Bisayer ein
grosses Fest Pandot, bei welchem sie ihre Götter in eigens erbauten
mit Blumen und Lampen geschmückten Laubhütten verehrten. Sie nannten
diese Hütten Simba oder Simbahan (so heissen jetzt die Kirchen)
»und dies ist das einzige, was sie haben, das einer Kirche oder
einem Tempel ähnlich sieht«. (Informe I. 1. 17). Nach Gemelli Careri,
(S. 449) beteten sie auch einige besondere, ihnen von ihren Vorfahren
hinterlassene, von den Bisayern Davata (Divata), von den Tagalen
Anito genannte Götter an [236]; es gab auch einen See-Anito und
einen für das Haus, um die Kinder zu behüten. Unter diese Anitos
wurden ihre Grossväter und Urgrossväter versetzt, die sie in allen
Nöthen anriefen (s. S. 210), zu ihrem Gedächtniss bewahrten sie kleine
hässliche Bildsäulen von Stein, Holz, Gold und Elfenbein, welche sie
Liche oder Laravan nannten. Auch zählten sie zu ihren Göttern Alle,
die durch das Schwert umkamen, vom Blitz getödtet, oder von Krokodilen
gefressen wurden und glaubten, dass ihre Seelen gen Himmel stiegen auf
einem Bogen, den sie Balangas nannten. Pigafetta (S. 92) beschreibt die
von ihm gesehenen Idole folgendermaassen: »Sie sind von Holz, konkav
oder hohl ohne Hintertheile, ihre Arme sind geöffnet, auch die Beine,
die Füsse nach oben gekehrt. Sie haben sehr grosse Gesichter mit vier
gewaltigen Zähnen, Eberstosszähnen ähnlich, und sind ganz bemalt. [237]

Zum Schluss eine kurze Nachricht über die Religion der alten
Bisayer nach Fr. Gaspar (Conq. 169): Den Teufel oder Genius, dem
sie opferten, nannten sie Divata was einen Gegensatz der Gottheit,
einen gegen dieselbe Empörten zu bezeichnen scheint ... die Hölle
nannten sie Solad, den Himmel (in ihrer gebildetsten Sprache) Ologan
... die Seelen der Verstorbenen gehn auf einen Berg in der Provinz
Oton, welcher Medias heisst, wo sie sehr gut bewirthet und bedient
werden. Erschaffung der Welt: Ein Geier schwebt zwischen Wasser und
Himmel, findet keine Stätte, um sich zu setzen, das Wasser steigt
gen Himmel. Der Himmel wird zornig, erschafft Inseln. Der Geier
spaltet einen Bambus, daraus entstehn Mann und Frau, sie zeugen viele
Kinder und treiben sie als ihre Zahl zu gross geworden, mit Schlägen
aus. Einige verbergen sich in der Kammer, dies werden die Datos,
einige in der Küche, das werden die Sklaven, die übrigen gehn die
Treppe hinab und werden das Volk.



DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    DIE NEUEN ZOLLHÄFEN. -- STEINKOHLE IN CEBU. -- YLOILO. --
    AUFSCHWUNG DES ZUCKERBAUES.


1830 wurden versuchsweise sieben neue Häfen geöffnet, wegen grosser
Zolldefraudationen aber bald darauf wieder geschlossen. 1831 Errichtung
eines Zollamtes in Zamboánga, SW. Spitze von Mindanáo. 1855 wurden Suál
im Golf von Lingayen, einer der sichersten Häfen auf der Westküste
Luzon's und Yloílo auf Panay, 1863 Cebú auf der gleichnamigen Insel
für den direkten Verkehr mit dem Auslande geöffnet.

Schon 1635 hatten die Spanier ein Fort in Zamboánga errichtet, das
die Seeräuberzüge gegen die Kolonie zwar nicht ganz verhindern konnte,
sie aber doch sehr einschränkte. [238] Bis 1848 sollen von den Moros
jährlich 800 bis 1500 Personen fortgeschleppt worden sein. [239]
Der Gründung dieses Zollamtes lagen daher mehr politische als
kommerzielle Rücksichten zu Grunde: man wollte den Seeräuberstaaten
der Solosee einen leicht zugänglichen Platz zum Umsatz ihrer Produkte
öffnen. Der Handel ist bis jetzt höchst unbedeutend; die Ausfuhr
besteht hauptsächlich in etwas Kaffee (1871 gegen 6000 Picos), der
wegen seiner nachlässigen Behandlung 30% weniger als Manila-Kaffee
gilt, und in eingesammelten Produkten des Waldes und Wassers
(Wachs, Vogelnester, Schildpatt, Perlen, Perlmutter, und essbare
Holothurien). Dieser Handel wird, so wie der mit Solo nur durch
Chinesen betrieben, welche allein die dafür erforderliche Geduld,
Geschmeidigkeit und Gewandtheit besitzen.

Suál ist besonders für Reisausfuhr wichtig. Sein Fremdhandel wird daher
vom Ausfall der Ernten in Saigon, Birma, China beeinflusst. 1868, wo in
obigen Ländern die Ernten gut ausgefallen, trieb Suál nur Küstenhandel.

Cebú, 34,000 E., Hauptstadt der Insel desselben Namens, Sitz der
Regierung und des Bischofs für die Bisayas, in 48 Stunden von Manila
im Dampfboot zu erreichen, hat eine eben so günstige Lage für den
östlichen Theil der Bisaya-Gruppe, als Yloilo für den westlichen und
wird mehr und mehr zum Stapelplatz seiner Produkte. Von Bojól erhält
es Zucker und Tabak, von Panay Reis, von Leyte und Mindanao Abacá, von
Misámis (Mindanao) Kaffee, Wachs, spanisches Rohr, Perlmutter. Es ist
von Samar 26, von Leyte 7 1/2 von Bojol 4, von Negros 18 M. entfernt.

Die Insel Cebú hat 75 quadr. M. Flächeninhalt, ein hohes Gebirge
durchzieht sie von N. bis Süd und scheidet die Ost- von der
Westseite, ihre Einwohnerzahl wird auf 340,000 geschätzt, 4533 auf die
quadr. M. Die Bewohner sind friedfertig und gefügig, Diebstähle kommen
sehr selten, Räubereien nie vor. Die Gewerbe bestehn in Ackerbau,
Fischerei und Weberei für den eignen Gebrauch. Cebú produzirt Zucker,
Tabak, Mais, Reis u. s. w., in den Bergen auch Kartoffeln, aber
der gewonnene Reis deckt den Bedarf nicht, da nur wenig ebenes Land
vorhanden ist, der fehlende Reis wird von Panay eingeführt.

Die Insel besitzt beträchtliche Kohlenlager, deren nachdrückliche
Ausbeutung jetzt zu erwarten steht, da der Ausfuhrzoll durch Dekret
vom 5. Mai 1869 aufgehoben worden ist. [240] Während in Luzon und
Panay das Land grösstentheils Eigenthum der Bauern, gehört es in
Cebú meist Mestizen und wird von ihnen in ausserordentlich kleinen
Parzellen nach dem Metayer-System verpachtet. Die Grundbesitzer
wissen die Bauern durch wucherische Vorschüsse in Abhängigkeit zu
erhalten; eine der Folgen dieses Missbrauches ist, dass der Ackerbau
auf dieser Insel tiefer steht als in irgend einem andern Theil des
Archipels. [241] Der Gesammtwerth der Ausfuhr 1868 betrug 1,181,050
Dollar, davon 481,127 Dollar Zucker und 378,256 Dollar Abacá nach
England, 112,000 Dollar Abacá nach Amerika, 188,260 Dollar Tabak
nach Spanien. Die Einfuhr fremder Güter findet über Manila statt,
grösstentheils durch Chinesen, die von den fremden Importhäusern in
Manila kaufen. Der Werth dieser Einfuhren betrug 1868 182,522 Dollar,
davon 150,000 Dollar für englische Baumwollenstoffe. Die Gesammteinfuhr
der Insel wurde auf 1,243,582 Dollar, die Lokalausfuhr auf 226,989
Dollar geschätzt. Unter den Einfuhren werden 20 Kisten Bilder, ein
Zeichen des tief gewurzelten Marienkultus, aufgeführt. Früher kauften
die fremden Kaufleute die Ausfuhrprodukte meist durch chinesische
Mestizen auf, jetzt unmittelbar von den Produzenten, welche nun, nach
Wegfall der hohen Maklergebühren, höhere Preise erhalten. Diesem der
Energie der fremden Kaufleute zu dankenden Umstande ist die allmälige
Zunahme des Ackerbaues hauptsächlich zuzuschreiben.

Yloilo ist der wichtigste der neu eröffneten Häfen, Zentralpunkt der
Bisayas, in einer der volkreichsten, betriebsamsten Provinzen. N. Loney
schätzt die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern von Yloilo und
den benachbarten Provinzen auf eine Million Dollar jährlich. Der
Hafen ist ausgezeichnet, völlig geschützt durch eine queer davor
gelagerte Insel. Die Fahrzeuge liegen in zwei Faden Tiefe (bei Ebbe)
unmittelbar am Strande. Wegen der Barre müssen tiefgehende Schiffe
ihre Ladung ausserhalb derselben vervollständigen. Vor Eröffnung
der neuen Häfen waren alle Provinzen gezwungen, ihre für die Ausfuhr
bestimmten Produkte nach Manila zu bringen, und ihre ausländischen
Bedürfnisse von dort zu beziehn, wodurch erstere namentlich wegen
der doppelten Schifffahrts-, Umlade-, Makler- und Lagerkosten sehr
erheblich vertheuert wurden. Aus einem handschriftlichen Bericht
N. Loney's geht hervor, wie günstig die Eröffnung von Yloilo schon
nach so wenigen Jahren auf die davon zunächst betroffenen Provinzen
der Inseln Panay und Negros gewirkt hat.

Die höheren Preise, die für direkt ausgeführten Zucker gezahlt werden
konnten, die Leichtigkeit und Sicherheit des Geschäfts, im Vergleich zu
dem früher von Manila monopolisirten, hatte eine grosse Ausdehnung des
Zuckerbaus zur Folge. Nicht nur in Yloilo, sondern auch in Antíque und
Negros entstanden viele neue Pflanzungen; die alten wurden so viel als
möglich vergrössert. Nicht weniger bedeutend war der Fortschritt in der
Fabrikation. 1857 gab es auf der ganzen Insel nicht eine eiserne Mühle;
bei den vorhandenen hölzernen blieben im Rohr, nachdem es dreimal durch
die Walzen gegangen, 30% Saft zurück. Jetzt verdrängen eiserne, durch
Dampf oder Büffel getriebene Pressen die hölzernen. Ihre Anschaffung
wird unbemittelten, auch eingeborenen Pflanzern sehr erleichtert,
da diese jetzt aus den Niederlagen der englischen Importhäuser auf
Kredit kaufen können. Anstatt der alten chinesischen gusseisernen
Pfannen werden bessere aus Europa eingeführt. Mehrere grosse,
mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgerüstete, durch Dampf
betriebene Fabriken sind entstanden, auch im Feldbau ist reger
Fortschritt bemerkbar. Aus Europa bezogene verbesserte Pflüge,
Karren und Ackergeräthe werden immer häufiger. Diese Veränderungen
zeigen wie wichtig es war, an verschiedenen Punkten des über 200
Meilen ausgedehnten Archipels Verkehrszentren zu schaffen, wo sich
Ausländer niederlassen können. Ohne Letztere und die durch sie
herbeigeführten Krediterleichterungen wäre der schnelle Aufschwung
Yloilo's nicht möglich gewesen, denn die Handelshäuser der Hauptstadt
können ihnen unbekannten Pflanzern in fernen Provinzen nicht anders,
als gegen baar verkaufen. Eine grosse Anzahl Mestizen, die früher
mit in Manila gekauften Manufakturwaaren Handel trieben, vermögen,
seitdem die dortigen fremden Firmen ihre Güter direkt in die Provinz
senden, weder diesen, noch den chinesischen Kleinhändlern gegenüber
zu bestehn, und haben sich zu ihrem und des Landes grossen Vortheil
auf Zuckerbau verlegt. So sind auf Negros bedeutende Pflanzungen
entstanden, die mit Eingeborenen von Yloilo bewirthschaftet werden,
da es auf jener Insel an Händen fehlt.

Ausländer können jetzt gesetzlich Grund und Boden erwerben und
vollgültige Besitztitel erhalten, was bis vor wenigen Jahren nur durch
Umgehung des in diesem Punkt sehr unbestimmt lautenden Gesetzes möglich
war. Das Land wird durch Kauf oder, wenn es noch unbenutzt ist, durch
»Denuncia« erworben. In diesem Falle bezeichnet der Denunziant den
betreffenden einheimischen Behörden das Stück Land, das er bebauen
will, und erhält, falls kein Andrer Anspruch darauf erhebt, einen
Schein darüber ausgestellt, auf dessen Einreichung der Alkalde ohne
andre Kosten als Stempel und Gebühren den Besitztitel ausfertigt.

Manche Mestizen und Eingeborene, denen das nöthige Kapital zum
erfolgreichen Betriebe einer grossen Pflanzung fehlt, verkaufen ihre
urbar gemachten Felder an europäische Kapitalisten und bilden so einen
Vortrab für bemittelte Pflanzer. Die Kolonial-Regierung ist jetzt
aufrichtig geneigt, die Anlage grosser Pflanzungen zu begünstigen.

Es fehlt noch sehr an guten Strassen. Mit der Zunahme des Landbaus
werden sie sich aber vermehren; auch liegen die meisten Zuckerfabriken
in Negros an Flüssen, die hinreichend tief für flache Lastboote
sind. Der Bodenwerth hatte sich in manchen Gegenden seit zehn Jahren
verdoppelt. [242] Diese Ergebnisse sind der durch Ausfuhrfreiheit so
lukrativ gewordenen Zuckerindustrie zuzuschreiben.

Bis 1854 galt der Pico Zucker 1,25 Dollar bis 1,5 Dollar in Yloilo
und selten über 2 Dollar in Manila; 1866: 3,25 Dollar, 1868: 4,75
bis 5 Dollar per Pico in Yloilo. Schon zu 1,75 Dollar in Yloilo ist
das Geschäft lohnend. [243]

Ende 1866 waren auf der Insel Negros allein, ausser zahlreichen
Mestizen, 20 Europäer als Zuckerpflanzer angesiedelt, von denen mehrere
mit Dampfmaschinen und Vacuumpfannen arbeiteten. Der Tagelohn betrug
2,5 Dollar bis 3 Dollar monatlich. Auf einigen Pflanzungen sind
»Acsa« (Antheil) Kontrakte in Gebrauch: der Eigenthümer überlässt
ein Stück Land sammt Zugvieh und Ackergeräth zur Bearbeitung an einen
Eingeborenen, der das gewonnene Rohr in die Mühle zu liefern hat und
einen Theil (gewöhnlich ein Drittel) für sich erhält. In Negros wird
violettes, bei Manila weisses (Otaheiti) Rohr gebaut; der Boden wird
nicht gedüngt. Auf neuem Boden wird das Rohr oft 13 Fuss hoch. Die
grosse Zunahme des Wohlstandes ist auch an den Kleidern ersichtlich;
Stoffe von Piña und Seide werden immer allgemeiner. Die Zunahme von
Luxus ist ein gutes Zeichen: mit den Bedürfnissen wird der Fleiss
steigen.

Wie schon mehrfach erwähnt, scheinen Californien, Japan, China,
Australien die naturgemässen Hauptabnehmer für die Kolonial-Produkte
der Philippinen. Gegenwärtig freilich ist England der beste Kunde,
aber mehr als die Hälfte seiner Rechnung ist für Zucker, in Folge
eigenthümlicher Zollgesetze. Nur ein Viertel etwa der Zuckerernte wird
hinreichend gereinigt, um in Californien und Australien mit den Sorten
von Bengalen, Java, Mauritius konkurriren zu können; die übrigen drei
Viertel müssen sonderbarer Weise die weite Reise nach England machen,
trotz der hohen Fracht und eines Gewichtverlustes auf der Seereise
von 10 bis 12% (durch Auslaufen der Molasse). Gerade seine schlechte
Beschaffenheit empfiehlt den philippinischen Zucker dem englischen
Raffinör, der ihn nur mit 8 Sh. per Cwt. verzollt, während reinerer
10 bis 12 Sh. kostet. [244]

So prämiirt das englische Zollgesetz die schlechte
Zuckerfabrikation. Dasselbe that bis 1862 die Kolonial-Regierung,
indem sie den Fabriken nicht gestattete ihre Molassen zu Rum zu
destilliren (s. S. 58). Man hatte daher wenig Lust, dem Zucker mit
Unkosten einen nicht zu verwerthenden Körper zu entziehn. Unter
normalen Verhältnissen deckt die Rumfabrikation nicht nur die Kosten
der Reinigung, sie liefert auch einen erheblichen Gewinn.



VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    ABACA ODER MANILA-HANF.


Eines der interessantesten Erzeugnisse jener Inseln ist der sogenannte
Manila-Hanf, von den Franzosen, die aber fast keinen Gebrauch davon
machen, wegen des seidenartigen Glanzes Pflanzenseide genannt. Bei
den Eingeborenen heisst die Faser Bandála, im Handel gewöhnlich
Abacá, wie die Pflanze von der sie gewonnen wird. Letztere ist eine
in den Philippinen ursprünglich wild wachsende Banane, auch árbol
de cáñamo (Hanfbaum) genannt, Musa textilis Lin. Sie unterscheidet
sich im allgemeinen Anblick nicht merklich von der essbaren Banane,
M. paradisiaca, einer der allerwichtigsten Kulturpflanzen warmer
Erdstriche, die als beliebte Zierpflanze unserer Treibhäuser Jedermann
bekannt ist. Ob die an andern Orten des indischen Archipels wild
wachsenden Musen (M. troglodytarum, M. sylvestris und andere),
häufig auch M. textilis genannt, derselben Art angehören, ist noch
nicht festgestellt.

Die Musen sind nur krautartige Pflanzen, der scheinbare Stamm besteht
aus Blattstielen von mondsichelförmigem Querschnitt, die einander
umschliessend den dünnen zentralen Blüthenschaft umgeben. Diese
Blattstiele stecken voll Bastfasern und werden deshalb vielfach statt
Bindfadens benutzt, bilden aber keinen Handelsartikel. Als solcher
dienen bis jetzt ausschliesslich die in dem südöstlichen Theil der
Philippinen gewonnenen Abacáfasern.

Besonders geeignet für den Anbau dieser Pflanze sind die Provinzen
Süd-Camarines und Albay, die Inseln Samar und Leyte und die umliegenden
Eilande, auch Cebu; ein Theil des »Cebu-Hanfs« kommt aber von
Mindanao. Auf Negros gedeiht die Bastbanane nur im Süden, nicht im
Norden, und Yloilo, das die meisten Abacá-Gewebe (Guináras) erzeugt,
muss den Rohstoff von den östlicheren Distrikten einführen, da er
auf der Insel Panay nicht gedeiht (In Capiz wächst wohl etwas Abacá,
es ist aber von geringem Werth). Alle Versuche den Abacábau auch in
den westlichen und nördlicheren Provinzen heimisch zu machen -- es
soll an ernstlichen Bemühungen nicht gefehlt haben -- sind bisher
misslungen; die Pflanzen wurden kaum zwei Fuss hoch, ihr Ertrag
deckte die Unkosten nicht. Als Ursache des Fehlschlagens gilt die
dort mehrere Monate dauernde trockne Jahreszeit; in den östlichen
Provinzen fallen das ganze Jahr reichliche Niederschläge.

Der grosse Nutzen, den der Manilahanf seit einigen Jahren den
Produzenten abwirft, ermuthigt aber zu immer neuen Versuchen,
und so wird sich wohl bald zeigen, ob der Abacábau wirklich an sein
bisheriges enges Gebiet gebunden ist, während die essbaren Arten sich
innerhalb der Wendekreise über die ganze Erde verbreitet haben. Auf
den vulkanischen Bergen des westlichen Java wächst eine wilde Musa in
grosser Ueppigkeit, die Regierung hat sie aber nicht zum Gegenstand
nachhaltiger Kulturversuche gemacht, und der Privatunternehmungsgeist
ist dort bis jetzt durch das »Kultursystem« gefesselt. In verschiedenen
Schriften wird angegeben, dass im Norden von Celébes Abacá gewonnen
werde. Bickmore sagt aber ausdrücklich, dass die von den Residenten
mit grosser Anstrengung gemachten Versuche wieder aufgegeben wurden,
weil der Kaffeebau sich lohnender erwies. [245] Guadalupe soll auf
vorhergehende Bestellung Abacá (Fasern von M. textilis?) liefern
können. [246] Pondichery und Guadalupe sollen Abacágewebe und
Französisch-Guiana Stoffe von Fasern essbarer Bananen ausgestellt
haben. [247] [248] Alles dies sind aber nur Versuche.

Nach Royle [249] übertrifft die Abacáfaser den russischen Hanf an
Festigkeit, Leichtigkeit, Tragkraft und Billigkeit, und steht ihm
nur darin nach, dass die daraus gefertigten Taue bei Regenwetter
steif werden, was aber an der Art des Verspinnens liegen und durch
zweckmässige Behandlung zu vermeiden sein soll. [250] In der That
werden diese Uebelstände jetzt z. Th. durch bessere Bereitung des
Rohstoffs in Manila vermittelst geeigneter Maschinen beseitigt. Den
Vortheil grösserer Billigkeit hat das Abacá gegenwärtig nicht mehr,
da die Nachfrage viel schneller zunimmt, als sie befriedigt werden
kann. Während es 1859 in London 22 bis 25 £ per Tonne galt, kostete
es 1868 45 bis 50 £, russischer Hanf 31 £, es war also in 9 Jahren
auf das Doppelte gestiegen.

In Albay werden etwa zwölf Abarten von Bastbananen gebaut, deren
Wahl sich nach der Beschaffenheit des Bodens richtet. Die Kultur
ist äusserst einfach und von den Jahreszeiten unabhängig. Am besten
gerathen die Pflanzungen auf den Abhängen vulkanischer Berge,
woran Albay und Camarines so reich sind, auf Waldlichtungen, in
denen jedoch schattengebende Bäume in Entfernungen von etwa 60 Fuss
stehn bleiben. Auf offenen Flächen gelingen sie weniger, in Sumpfland
gar nicht.

Zur Anlage einer neuen Pflanzung werden gewöhnlich junge Triebe
benutzt, die in solcher Fülle aus der Wurzel sprossen, dass jedes
Individuum bald zu einem Busch wird. Auf gutem Boden lässt man daher
Abstände von wenigstens 10 Fuss zwischen den Pflanzen, auf geringerem
6 Fuss. Die ganze Arbeit beschränkt sich auf gelegentliche Vertilgung
des Unkrautes und Unterholzes während der ersten Zeit; später wuchern
die Pflanzen so üppig, dass sie keine andere neben sich aufkommen
lassen, dann sind auch schattengebende Bäume nicht mehr nöthig,
da die jungen Triebe unter den wedelartigen Blättern der alten
hinreichenden Schutz gegen die Sonnengluth finden. Nur in seltenen
Fällen, bei Uebersiedelung in entfernte Gebiete, werden Pflanzen
aus Samen gezogen. Zu dem Zwecke schneidet man die Früchte ab und
trocknet sie, doch dürfen sie nicht überreif sein, da die Kerne sonst
nicht keimen. Letztere haben die Grösse von Pfefferkörnern (bei den
essbaren Arten sind sie fast bis zum Verschwinden verkümmert). Zwei
Tage vor dem Aussäen werden die Kerne aus der Frucht genommen, über
Nacht in Wasser gelegt, am folgenden Tage im Schatten getrocknet, am
dritten Tage ausgesäet, in zolltiefe Löcher, auf frisch umgegrabenen
hinreichend beschatteten Waldboden, mit 6 Zoll Abstand zwischen den
Pflanzen und Reihen. Nach einem Jahre pflanzt man die dann etwa 2'
hohen Sämlinge um und behandelt sie weiter wie Wurzeltriebe. Während
viele essbare Bananen schon nach einem Jahre Früchte tragen, einige
sogar schon nach 6 Monaten, braucht die Abacá im Durchschnitt 3 Jahre
bis zur Bastreife, wenn sie aus Wurzeltrieben; vier Jahre, wenn sie
aus ein Jahr alten Sämlingen gezogen wird; unter den günstigsten
Verhältnissen 2 Jahre.

Bei der ersten Ernte schneidet man von jedem Busch nur einen Stamm,
später nimmt der Nachwuchs so schnell zu, dass alle paar Monate
geschnitten werden kann; [251] nach einigen Jahren wird die Pflanzung
so dicht, dass es kaum möglich ist, durchzudringen. Am besten ist der
Bast zur Zeit, wo die Blüthe ansetzt, doch wird, wenn die Faser hoch
im Preise steht, dieser Zeitpunkt nicht immer abgewartet.

Pflanzen, die geblüht haben, werden gar nicht ausgebeutet, angeblich
weil ihre Faser zu schwach ist. Eine so zartfühlende Rücksicht für
den unbekannten Konsumenten jenseits des Weltmeers trotz dringender
Nachfrage und mangelnder Aufsicht wäre befremdend. Auch ist kein
Grund ersichtlich, weshalb die Faser schwächer werden sollte durch
den Vorgang der Fruchtbildung, der doch nur zu den Gefässzellen in
Beziehung steht, die Umwandlung ihres Inhalts in lösliche Stoffe
und ihre allmälige Entleerung zur Folge hat, während die Faserzellen
dadurch nicht beeinflusst werden. Diese nehmen im Gegentheil mit dem
Alter der Pflanze an Festigkeit zu; haften aber, weil die entleerten
Zellen, durch Ablagerung harziger Stoffe an einander kleben, so fest
zusammen, dass es nicht möglich sein würde, sie ohne sehr vermehrten
Kraftaufwand und unzerrissen zu gewinnen. So mag die irrige Meinung
entstanden sein. Durch vorheriges Rösten, wie beim Hanf, liessen
sich vielleicht auch die alten Pflanzen verwerthen, jedoch nicht ohne
beträchtliche Erhöhung des Arbeitslohns, der schon jetzt den grössten
Theil der Darstellungskosten ausmacht. [252]

Um den Bast zu erhalten, wird der Stamm dicht über dem Boden
abgeschnitten und von den Blättern und äussern Hüllen befreit; dann
löst man die einzelnen Blattstiele in Streifen ab, macht auf der
innern, konkaven Seite einen Querschnitt durch die Haut und reisst
sie sammt dem daran haftenden fleischigen Theil (dem Parenchym) ab,
so dass nur die äussere Haut möglichst rein zurückbleibt. Oder man
löst den Bast von dem unzertheilten Stamm. Zu dem Zweck macht der
Arbeiter einen schrägen Einschnitt in die Haut am untern Ende des
Stammes, fährt mit dem Messer unter den Zipfel, zieht einen möglichst
breiten Streifen der ganzen Länge nach ab, und wiederholt dies so
lange es lohnt. Dies Verfahren, ausgiebiger, aber zeitraubender als
das zuerst beschriebene und daher nur selten angewendet, heisst:
jagot, jenes: luni. Die Baststreifen werden dann unter einem drei
Zoll hohen, sechs Zoll langen Messer durchgezogen, das mit einem
Ende an einem elastischen Stock so befestigt ist, dass die Klinge
senkrecht über einem geglätteten Block schwebt, und am andern Ende,
dem Griff, mittelst einer an einem Trittbrett angebrachten Schnur
fest aufgedrückt werden kann. Der Arbeiter zieht die mehr oder
weniger gereinigten Bastreifen zwischen Block und Messer durch,
von der Mitte anfangend erst nach der einen, dann nach der andern
Seite. Das Messer darf nicht schartig oder gar sägenförmig gezähnt
sein, wie Padre Blanco angiebt. [253]

In Lohn arbeitend liefern 3 Mann gewöhnlich 25 Pfd. per Tag. Einer
haut den Stamm um, löst die Blätter ab und trägt zu; ein Zweiter,
häufig ein Knabe, bereitet die Streifen, der Dritte zieht sie unter
dem Messer durch. Es kommt vor, dass einzelne Pflanzen bis 2 Pfund
Fasern liefern; der günstigste Durchschnitt beträgt wohl nur selten
ein Pfund, auf schlechtem Boden kaum den sechsten Theil. Der Besitzer
beutet die Pflanzung entweder selbst aus, oder durch Tagelöhner oder,
bei sehr niedrigen Marktpreisen, indem er den Arbeitern die Hälfte
des Ertrages überlässt. In diesem Fall soll ein tüchtiger Arbeiter
einen Pico in der Woche liefern können. Legt man den bei meiner
Anwesenheit ausnahmsweise niedrigen Preis, 16,5 r. für den Pico zu
Grunde, so gewinnt der Arbeiter in 6 Tagen den halben Betrag = 8,25
r., täglich 1,375 r. Der Tagelohn war damals 0,5 r. und Beköstigung =
0,25 r., zusammen 0,75 r.


                                   im Tagelohn:   auf halben Antheil:

Der Arbeiter verdiente also täglich     0,75 r.           1,375 r.
Der Arbeitslohn per Pico betrug        12,6  r.            8,25 r.
Der Nutzen des Pflanzers
nach Abzug des Arbeiterlohns            3,9  r.            8,25 r.


Die Ränder der Blattstiele, die viel feinere Fasern enthalten als
die Mitte, werden in zollbreiten Streifen besonders abgelöst und
mit starkem Druck mehrere Male unter dem Messer durchgezogen. Ihr
Produkt heisst Lúpis, steht hoch im Preise und wird zu feinen
inländischen Geweben benutzt, während die Bandála hauptsächlich zu
Tauwerk dient. [254] Das Lupis wird nach der Feinheit der Fasern in
vier Klassen sortirt (1o Binani, 2o Totogna, 3o Sogotan, 4o Cadaclan)
indem man ein Bündel davon in die linke Hand nimmt, und mit der rechten
die drei ersten Sorten in die Zwischenräume der vier Finger einreiht,
die vierte zwischen Daum und Zeigefinger behält. Diese letztere ist
für sehr feine Gewebe nicht mehr verwendbar, und wird daher häufig
mit der Bandála verkauft. Nachdem die feinen Sorten im Reis-Mörser
gestampft worden, um die Fasern geschmeidiger zu machen, werden diese
einzeln an einander geknüpft und zum Weben verwendet.

Gewöhnlich wird die erste Sorte als Einschlag mit der zweiten
als Kette, die dritte als Kette mit der zweiten als Einschlag
verarbeitet. Dergleichen Gewebe sind fast so schön, wie Ananas-Stoffe
(Nipis de piña), kommen den feinsten Batisten an Feinheit gleich,
sind trotz der vielen kleinen vom Verknüpfen der Fasern herrührenden
Knötchen, die man bei genauerer Beschauung entdeckt, noch klarer,
auch starrer, und haben einen wärmeren gelblichen Ton. [255] In Bezug
auf diese letzten drei Eigenschaften, Klarheit, Starrheit und Farbe,
verhalten sie sich zum Batist etwa wie Pauspapier zu Seidenpapier.

Die Herstellung solcher Stoffe auf sehr unvollkommenen Webstühlen
ist äusserst mühsam, da die nicht gesponnenen, sondern geknoteten
Fasern häufig reissen. Die feinsten Zeuge verlangen einen so grossen
Aufwand von Geschick, Geduld und Zeit, und steigen dadurch so sehr
im Preise, dass sie in Europa der billigen Maschinenarbeit gegenüber
keine Käufer finden würden. Selbst ihr schöner warmer Ton wird ihnen
von den an stark gebläute Wäsche gewohnten Europäerinnen zum Vorwurf
gemacht. Im Lande dagegen werden sie von den reichen Mestizinnen,
welche die Arbeit zu würdigen verstehn, sehr hoch bezahlt.

Die Fasern der innern Blattstiele, die weicher, aber nicht so
stark sind als die der äussern, heissen Tupus und werden mit der
Bandála verkauft, oder zu inländischen Geweben, besonders zu Tapis
benutzt. Auch die Bandála dient zu Geweben, und in dem Theil des
Archipels, wo die Abacákultur einheimisch, besteht oft der ganze Anzug
beider Geschlechter nur aus grober Guinára. Noch gröbere starrere
Zeuge werden für den europäischen Markt bereitet, als Krinoline,
oder zum Fassonniren für Putzmacherinnen.

Schon vor Ankunft der Spanier trugen die Eingeborenen Stoffe von
Abacá. Einen wichtigen Ausfuhrartikel bildet es erst seit einigen
Jahrzehnten. Dies ist zum grossen Theil dem Unternehmungsgeist
zweier amerikanischen Häuser zu danken und wurde nicht ohne viel
Beharrlichkeit und beträchtliche Geldopfer erreicht.

Da die Pflanzen ohne Pflege fortwachsen, und nur die Gewinnung der
Fasern Mühe macht, so scheut der durch die Freigiebigkeit der Natur
gegen Noth geschützte Eingeborene diese Mühe, wenn der Marktpreis
nicht sehr lockend ist. Auf regelmässige Lieferungen wäre bei niedrigen
Preisen kaum zu rechnen, wenn der Leichtsinn der Indier den Händlern
nicht eine Handhabe böte, um sie zur Arbeit anzuhalten: man macht
ihnen Vorschüsse in Waaren oder Geld, die sie durch Lieferungen
von Bandála aus der eigenen Pflanzung oder durch Arbeit in der des
Gläubigers tilgen müssen. [256] So lange das Produkt hoch im Preise
steht, geht alles ziemlich gut, obwohl auch dann durch Unredlichkeit
der Indier, Trägheit, Unwirthschaftlichkeit und Unfähigkeit der nicht
kaufmännisch geschulten Zwischenhändler zuweilen beträchtliche Verluste
vorkommen. Sinkt aber die Waare bedeutend im Preise, so sucht der
Indier auf jede Weise seine dann sehr unbequeme Verpflichtung zu
umgehn; der nach Prozenten berechnete Nutzen der Zwischenhändler
deckt kaum die Zinsen des geborgten Kapitals; dennoch müssen sie
liefern, da sie kein andres Mittel zur Verzinsung ihrer Schuld
besitzen. Dann führen die Indier bittre Klage über die Agenten,
die sie durch Vorschüsse unter wucherischen Bedingungen zu harter
unergiebiger Arbeit zwingen, die Agenten (gewöhnlich Kreolen und
Mestizen) klagen über die schlauen habgierigen Fremden, die sich
nicht entblöden, sie, die Herren der Kolonie, in ihre Schlinge zu
locken um sie zu Grunde zu richten, die schlauen Fremden endlich
verlieren beträchtliche Kapitalien. Nachdem auf solche Weise eine
der bedeutendsten Firmen sehr hohe Summen eingebüsst, soll es den
an diesem Handel vorwiegend betheiligten Amerikanern gelungen
sein dem bisher befolgten Vorschusssystem ein Ende zu machen,
selbst Magazine und Pressen an den Bezugsquellen zu errichten, und
durch ihre Kommis unmittelbar vom Produzenten zu kaufen. Alle früher
dahin zielenden Bestrebungen waren an dem Widerstand der Spanier und
Kreolen gescheitert, denn diese betrachten die Ausbeutung der Kolonie
und besonders den Binnen- und Kleinhandel als ihr ausschliessliches
Recht, sind sehr neidisch auf die »fremden Eindringlinge, die sich
auf ihre Unkosten bereichern« und legen ihnen jedes Hinderniss in den
Weg. Hinge es von diesen Leuten ab, so müssten alle Fremde aus dem
Lande vertrieben, die Chinesen nur als Kulis zugelassen werden. [257]

In derselben Weise werden die Chinesen als tüchtige zuverlässige
Arbeiter von den Indiern gehasst, und alle Versuche, grössere
Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind
bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene
nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung
vertreiben. Auch den Kolonialbehörden wird vorgeworfen, dass sie die
Chinesen nicht wie sie sollten, gegen dergleichen Gewaltthätigkeiten
beschützen. Dass bisher in den Philippinen grössere Unternehmungen in
der Regel nicht glückten, oder wenigstens keinen bedeutenden Nutzen
abwarfen, ist nicht zu bestreiten, und wird von Vielen vornehmlich
jenen Umständen zugeschrieben. Manche freilich erklären die Misserfolge
aus andern Ursachen und versichern, dass die Indier gut arbeiten, wenn
sie pünktlich und angemessen bezahlt werden. Die Regierung scheint
allmälig zu der Einsicht gekommen, dass die natürlichen Hülfsquellen
der Kolonie nicht erschlossen werden können ohne das Kapital und den
Unternehmungsgeist der Ausländer. Sie hinderte daher in neuer Zeit
ihre Niederlassung in der Provinz durchaus nicht. 1869 ist den Fremden
endlich das Niederlassungsrecht durch ein Gesetz zugestanden worden.

Die nächste Zukunft scheint sich für die Abacákultur sehr glänzend
zu gestalten. Seit Beendigung des amerikanischen Krieges, der
ein bedeutendes Fallen im Werthe dieses hauptsächlich in Amerika
verwendeten Produktes zur Folge hatte, sind die Preise fortwährend
im Steigen. Mas (Informe) giebt an, dass 1840 136,034 Picos Abacá zum
Werth von 397,995 Dollar ausgeführt wurden, wonach sich der Werth per
Pico auf 2,9 Dollar berechnet. Der Preis stieg allmälig und hielt
sich zwischen 4 und 5 Dollar; erreichte während des Krimkrieges,
der die Ausfuhr des russischen Hanfs verhinderte, die enorme Höhe
von 9 Dollar, was die Anlage vieler neuen Pflanzungen veranlasste,
deren Produkt, als es nach 3 Jahren bei inzwischen wieder eingetretenen
normalen Verhältnissen auf den Markt kam, die Preise auf 3 1/2 Dollar
herabdrückte, wobei es sich eben noch lohnte, vorhandene Pflanzungen
auszubeuten, nicht aber neue anzulegen. Diese Preise erhielten sich bis
1860, sind seitdem allmälig gestiegen (nur während des amerikanischen
Krieges trat eine Stockung ein), stehn jetzt wieder so hoch wie während
des Krimkrieges, und es scheint keine Aussicht vorhanden, dass sie
fallen werden, so lange den Philippinen kein Konkurrent erwächst. 1866
kostete in Manila der Pico nie weniger als 7 Dollar, was noch 2 Jahre
vorher als Maximum galt, und stieg bis auf 9 1/2 Dollar für ordinäre
Sorten. »Die Produktion hat in manchen Provinzen die äusserste Grenze
erreicht, eine Steigerung derselben ist für das Erste wenigstens
nicht möglich, da die ganze männliche Bevölkerung bereits an der
Kultur betheiligt ist ... ein Beleg dafür, dass reichlicher Lohn die
Faulheit der Eingeborenen zu überwinden vermag«. [258]

Nachstehende Tabelle scheint die Richtigkeit dieser Ansicht zu
bestätigen.


Nach                  1861     1864     1866     1868     1870     1871

Grossbritanien     198,954  226,258   96,000  125,540  131,180  143,498
N.-Amerik. Atlant.
Häfen              158,610  249,106  280,000  294,728  327,728  285,112
Californien           6600     9426            14,200   15,900   22,500
Europa Continent       901     1134               200      244      640
Australien              16     5194            21,144   11,434     6716
Singapore             2648     1932              3646     1202     2992
China                 5531      302                        882     2294
                   =======  =======  =======  =======  =======  =======
Total              273,269  493,352  406,682  460,558  488,560  463,752

                 Balanza    Preuss.  Belg.    Engl.    Marktbericht
                 mercantil. Konsul-  Konsul-  Konsul-  T. H. & Co.
                            Bericht. Bericht. Bericht.


Der Verbrauch im Lande ist in obigen Zahlen nicht enthalten und schwer
zu ermitteln, muss aber sehr bedeutend sein, da die Eingeborenen
ganzer Provinzen in Guinara gekleidet sind; die Gewebe für den Bedarf
der Familie werden aber gewöhnlich im Hause selbst angefertigt.

Als Surrogat für Abacá kommt seit einigen Jahren in zunehmender
Menge Sesal, auch Sesalhanf oder mexicanisches Gras genannt, in den
Handel. Es sieht ungefähr so aus wie Abacá, entbehrt aber den schönen
Seidenglanz, ist schwächer, kostet 5 bis 10 £ per Ton weniger, wird
nur zu Tauwerk verwendet; seine Abfälle sind zur Papierfabrikation
gesucht, als Zusatz zu besserem Papierzeug. Eine Notiz über den
Ursprung dieses Surrogates bringt The Technologist Juli 1865, einen
davon wesentlich abweichenden ausführlichen Aufsatz mit Abbildungen
der U. S. Agricultural Report Washington 1870. Bei der zunehmenden
Wichtigkeit des Stoffes und der Unbekanntschaft, die selbst in
London über seine Herkunft herrscht, dürfte ein kurzer Auszug daraus
willkommen sein. Der Bericht erwähnt die grössere Schönheit der
Abacáfaser, aber nicht ihre grössere Festigkeit. [259]


    Der Sesalhanf, nach dem Ausfuhrhafen Sisal (im NW. der Halbinsel)
    benannt, ist bei weitem das wichtigste Bodenerzeugniss Yucatan's
    und scheint jenes felsige, von der Sonne verbrannte Land zur
    Hervorbringung dieser Fasern besonders geeignet. In Yucatan
    wird die Faser jenequem genannt, auch wohl die Pflanze, aus
    der sie gewonnen wird. Von letzterer sind 7 Arten oder Abarten
    Gegenstand des Anbaus, nur zwei derselben, die erste und siebente,
    kommen auch wild vor. 1o Chelem, wahrscheinlich identisch mit
    Agave angustifolia, sie nimmt den ersten Rang ein. 2o Yaxci
    (spr. yachki, yax = grün, ki = agave), die zweite im Range, sie
    wird nur für feine Gewebe verwendet. 3o sacci (spr. Sakki, sac =
    weiss) die wichtigste, ergiebigste, liefert fast ausschliesslich
    die Fasern für die Ausfuhr, jede Pflanze jährlich 25 Blätter =
    25 Pfd., davon 1 Pfd. reine Faser. 4o Chucumci, ähnlich No. 3,
    aber gröber. 5o babci, die Faser sehr gut, aber die Blätter klein,
    daher nicht ausgiebig. 6o citamci (spr. kitamki, kitam = Schwein)
    weder gut noch ausgiebig. 7o cajun oder cajum, wahrscheinlich
    Fourcroya cubensis, Blätter schmal, 4 bis 5' lang.

    Der Sesalbau wird erst in neuester Zeit schwunghaft betrieben, die
    Gewinnung der Faser aus den Blättern und ihr Verspinnen zu Tauwerk
    geschieht zum Theil schon durch grosse Dampfmaschinen. Vorzugsweise
    aber wird das ganze Gewerbe von den Mayaindianern ausgeübt,
    Abkömmlingen der Tolteken, die es bei ihrer Einwanderung aus Mexico
    mitbrachten, wo es schon lange vor Ankunft der Spanier bestand.

    Der Sesalbau soll jährlich 95% Nutzen abwerfen. Ein Mecate =
    576 quadr. Varas enthält 64 Pflanzen, giebt 64 Pfd. reine Faser,
    Werth 3 Doll. 84 C., nach Abzug der Kosten (1 Doll. 71) 2 Doll. 13
    C. Gewinn. Die Ernten beginnen 4 bis 5 Jahre nach Anlage der
    Pflanzung und halten 50 bis 60 Jahre an.


Da es in tropischen Ländern kaum eine Hütte ohne Bananen giebt, so sind
schon Viele auf den Gedanken gekommen, dass es sehr vortheilhaft sein
würde, die Fasern dieser Pflanzen zu verwerthen, die jetzt gänzlich
verloren gehn und für den blossen Arbeitslohn zu haben wären, denn die
geringe Mühe des Anbaus vergelten die Bananen schon auf's reichlichste
durch ihren Fruchtertrag. [260] Für die Philippinen würde diese
Voraussetzung unter den bestehenden Verhältnissen wohl nicht zutreffen,
da es nicht einmal lohnt den Bast der ächten Abacápflanzen zu gewinnen,
sobald diese Früchte getragen haben. Die Faser der essbaren Arten
wäre doch wohl nur als Papierstoff zu gebrauchen, ihre Gewinnung
würde mehr kosten als die der ächten Bandála (s. S. 248).

Im Sitzungsbericht der Society of Arts, London 11. Mai 1860 wird
eine von F. Burke in Montserrat erfundene Maschine zur Erzielung von
Bananen- und andern endogenen Pflanzenfasern besprochen. Während
frühere Maschinen der Faser parallel wirkten, arbeitet jene queer
gegen dieselben, wodurch sie vorzüglich rein erhalten werden; man
soll damit von der Banane 7 bis 9 % Faserstoff gewinnen. Die Tropical
Fibre Company hatte solche Maschinen nach Demarara, auch nach Java und
andern Orten gesandt in der Absicht, die Fasern der essbaren Bananen
zu Gespinnst und Papierstoff zu verwerthen. Auch lagen bereits Proben
also gewonnener Fasern aus Java vor, deren Werth für den Spinner auf 20
bis 25 £ geschätzt wurde.(?) Es scheinen aber diese vielversprechenden
Versuche noch nirgends zu nachdrücklichem Betriebe geführt zu haben,
wenigstens wird in den mir zu Händen gekommenen Konsularberichten
nichts davon erwähnt. Bei der Bandalagewinnung in den Philippinen
hat sich die Erfindung nicht Eingang verschafft; selbst noch in
seinem neuesten Bericht (Aug. 1869) klagt der englische Konsul, dass
alle bisher von den Ingeniören ersonnenen Maschinen sich als völlig
unbrauchbar erwiesen.

Der Nutzung des Bastes essbarer Bananen steht aber in den Philippinen
auch noch der Umstand entgegen, dass diese Pflanzen dort, nicht wie
an manchen Orten in Amerika, in grossen Gärten, sondern vereinzelt
um die Hütten gezogen werden; die Heranschaffung des Rohmaterials,
der Lokaltransport und die hohe Schiffsfracht würden den doch
immer nur mässig guten Stoff für Europa zu sehr vertheuern,
wenigstens wohl auf 10 £ per Tonne, während Spartogras (Lygaeum
spartum Loeffl.), das seit einigen Jahren in steigender Menge als
Papierstoff eingeführt wird, in London nur 5 £ die Tonne kostet. [261]
Einen andern billigen Papierstoff liefern die Kaffeesäcke aus Jute
(Corchorus capsularis). Sie dienen namentlich zur Darstellung festen
braunen Packpapiers, da es noch nicht gelingen will, die Faser zu
bleichen. Nach P. Symmonds verwenden die Vereinigten Staaten in
neuester Zeit viel Bambus. Ein sehr gutes Zeug soll die Rinde der
Adansonia digitata geben; besondere Beachtung aber verdiene der
Neu-Seeland-Flachs, da sich daraus gefertigtes Papier wegen seiner
grossen Zähigkeit vorzüglich für Werthpapiere eigne.

Es darf indessen nicht übersehen werden, dass die zur Papierbereitung
verwendeten Lumpen von Leinen- und Baumwollenstoffen, die das
vorzüglichste Papier geben, ebenfalls für die blosse Mühe des
Einsammelns zu haben sind, dass sie die Kosten ihrer Herstellung schon
in der Form von Kleiderstoffen gedeckt, und sogar durch die Abnutzung
und durch vieles Waschen eine weitere Zubereitung erhalten haben,
die sie zur Papierbereitung geeigneter macht.

Je mehr übrigens die Papierfabrikation fortschreitet, um so mehr
verdrängen einheimische Holzfasern, namentlich Holz und Stroh,
die schon gegenwärtig recht gute Pasten geben, jeden aus der Ferne
eingeführten Rohstoff. Dass England so viel Sparto bezieht, hat
wohl mit darin seinen Grund, dass es nur sehr wenig Stroh erzeugt,
weil es einen grossen Theil seines Getreidebedarfs in Körnern vom
Auslande empfängt.



FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    DAS TABAKMONOPOL.


Für die Regierung ist der Tabak das wichtigste aller Landesprodukte;
sie hat den Anbau der Pflanze, ihre Verarbeitung und den Debit zum
Gegenstande eines umfassenden, rücksichtslos geübten Monopols gemacht
und zieht daraus einen beträchtlichen Theil ihrer Einkünfte. [262]
Soviel sich auch gegen die Zweckmässigkeit und Moralität mancher
anderer Einnahmequellen des Kolonialbudgets (Kopfsteuer, Spiel- und
Opiumpacht, Handel mit Brantwein und Ablasscheinen) einwenden lässt,
keine ist so gehässig und verderblich wie das Tabakmonopol.

Oftmals ist im Laufe dieser Reiseberichte die Milde der spanischen
Regierung in den Philippinen gerühmt worden; in grellem Widerspruch
damit steht das Verfahren der Tabakregie: Sie nimmt den Bauern ohne
jegliche Entschädigung die Aecker, die sie zum Anbau notwendiger
Nahrungsmittel urbar gemacht hatten, zwingt sie durch harte
Körperstrafen auf dem konfiszirten Eigenthum ein Produkt zu bauen, das
sehr viel Mühe verlangt und unsichere Ernten giebt; sie klassifizirt
die gewonnenen Blätter willkürlich ohne Appell und zahlt dafür im
günstigsten Fall einen von ihr selbst festgestellten nominellen Preis
-- im günstigsten Fall; ein solcher ist aber seit einer Reihe von
Jahren nicht mehr vorgekommen, Spanien bleibt jetzt regelmässig den
unglücklichen Bauern jenen kärglichen Lohn Jahre lang schuldig; die
Regierung prämiirt die Beamten, die von der verarmten Bevölkerung der
Tabakdistrikte höhere Erträge erpressen, und belohnt Denunzianten, die
ihr zum Tabakbau geeignete Felder nachweisen, indem sie die Spione an
Stelle der Eigenthümer in den Besitz der denunzirten Ländereien setzt.

Zur Begründung dieser Anschuldigungen mögen hier einige §§. der in
Kraft bestehenden General-Instruktion [263] und weiter unten einige
Auszüge aus dem amtlichen Berichte des General-Intendanten Agius an
den Kolonial-Minister folgen: [264]


    Kap. XXV. §. 329. Die Zwangskultur in Cagayan, Neu-Vizcaya, Gapan,
    Ygorrotes und Abra bleibt bestehn.

    §. 331. Die General-Direktion der Regie ist ermächtigt, die
    Zwangsarbeit auf andere Provinzen auszudehnen, oder da aufzuheben,
    wo solche eingeführt ist ... sie darf diese Instruktionen ganz
    oder theilweise umändern,

    §. 332 die Preise erhöhen oder herabsetzen.

    §. 337. Ansprüche oder Prozesse, die über den Besitz von
    Tabakländereien vor den gewöhnlichen Gerichten anhängig sind,
    hindern nicht, dass solche Ländereien zum Tabakbau verwendet
    werden, im Gegentheil soll der Besitzer verpflichtet sein, sie
    mit Tabak zu bebauen oder durch einen Stellvertreter bebauen zu
    lassen; geschieht es nicht, so ernennt der Alkalde oder Richter
    einen solchen Stellvertreter.

    §. 351. Die Kollektoren haben »Denuncias« d. h. Anzeigen, dass
    zum Tabakbau fähiges Land brach liege, auch Privatländereien
    betreffend, entgegenzunehmen, und falls der Boden zum Tabakbau
    geeignet ist, den Besitzer zur Bestellung desselben, vorzugsweise
    mit Tabak, aufzufordern. Nach Ablauf einer gewissen Frist wird
    das Land dem Denunzianten übergeben. Durch diese Verfügung geht
    der Besitz dem Eigenthümer zwar nicht verloren, doch verliert er
    auf 3 Jahre alle Rechte und allen Niessbrauch.

    Kap. XXVII. §. 357. Eine Hauptpflicht der Kollektoren ist die
    grösstmögliche Ausdehnung des Tabakbaus auf alle geeigneten
    Ländereien, besonders aber auf den fruchbarsten, zuträglichsten
    Boden. Ländereien, die obgleich zum Tabakbau passend, vorher
    mit Reis oder Korn bestellt waren, sollen so weit thunlich durch
    Waldlichtungen ersetzt werden, um Theuerungen möglichst vorzubeugen
    und das Interesse der Eingeborenen mit dem der Renta in Einklang
    zu bringen.

    §. 361. Damit die Eingeborenen, ohne die Arbeiten, welche der
    Tabak verlangt, zu vernachlässigen, auch die zu ihrem Unterhalt
    nöthigen Feldarbeiten verrichten können, wird die Grösse des von
    je zwei Individuen zu bebauenden Tabaklandes auf 8000 quadr. Varas
    (= 2 1/5 Morgen) festgesetzt.

    §. 362. Durch Alter oder Krankheit Unfähige und Wittwen
    trifft obige Vorschrift nicht, sie sollen sich mit dem Pfarrer
    verständigen, der jedem so viel Arbeit überweisen wird, als
    seine noch vorhandenen Kräfte oder die Zahl der noch kleinen
    Kinder gestatten.

    §. 369. Ein Kollektor, der von seinem Gebiet 1000 Fardos mehr
    als in den früheren Jahren abliefert, erhält für den Ueberschuss
    doppelte Gratifikation; doch nur wenn sich das Verhältniss der
    Blätter I. Klasse zu den übrigen nicht verringert hat.

    §. 370. Desgleichen wenn die Menge im Ganzen nicht abgenommen
    und die der Blätter I. Klasse um 1/3 zugenommen hat.

    Es folgen §§. welche die Gratifikationen der Lokalbehörden regeln.

    §. 379. Alljährlich hat jeder Gobernadorcillo eine vom Pfarrer
    revidirte Liste sämmtlicher Ortsangehöriger beiderlei Geschlechts
    und der Kinder einzureichen, die alt genug sind um auf dem Felde
    zu helfen.

    §. 430. Die Beamten sollen die Einwanderung nach Cagayan und
    Neu-Biscaya fördern und werden sogar angewiesen mit 5 Dollar
    die Schulden solcher Individuen zu bezahlen, die ihre Provinz
    schuldenhalber nicht verlassen dürfen.

    §. 436. »denn da durch Verordnungen des Buen Gobierno bestimmt
    ist, dass ein Indier nicht in Anspruch genommen werden kann für
    eine Summe die 5 Dollar übersteigt, und von einem Darlehn oder
    einer einfachen Schuld herrührt, so kann die Beanspruchung einer
    höheren Summe kein Hinderniss für die Auswanderung sein.«

    §. 437. Die Hacienda bestreitet die Reisekosten und den Unterhalt
    der Einwanderer von Ilocos,

    §. 438. schiesst ihnen die Mittel zur Beschaffung von Vieh,
    Geräth etc. bis zur ersten Ernte vor (obgleich der Indier nur
    für 5 Dollar haftbar ist!).

    §. 439. Solche Vorschüsse sind zwar persönlich, aber das ganze Dorf
    haftet dafür im Falle des Todes oder der Flucht des Schuldners.


Der Tabak (Nicotiana tabacum L.) wurde in die Philippinen, bald nach
Ankunft der Spanier durch Missionäre eingeführt, die den Samen aus
Mexico mitbrachten. [265] Der Boden, das Klima, der Anklang, den sein
Genuss bei den Eingeborenen fand, wirkten zusammen, um ihm schnell
grosse Verbreitung zu verschaffen. Nach dem Tabak von Cuba (und einigen
türkischen Gewächsen) [266] soll er der beste sein und in der Kolonie
behaupten Sachverständige, dass er selbst jenen bald übertreffen würde,
wenn die darauf begründeten Gewerbe frei wären. Dass Güte und Menge des
Produktes unter solchen Umständen beträchtlich zunehmen würden, wird
wohl kein Unbefangener bezweifeln; manche verstockte Beamte behaupten
freilich das Gegentheil. Es kann sich nur um die Frage handeln, bis zu
welchem Grade die an eine solche Maassregel geknüpften Erwartungen in
Erfüllung gehen würden, wobei allerdings nicht übersehen werden darf,
dass gerade die Sachverständigen, vielleicht zu grosse Hoffnungen
an die Abschaffung eines Systems knüpfen, das sie verhindert ihre
Fachkenntniss zu verwerthen.

Thatsache ist aber, dass schon jetzt der heimlich gebaute Tabak,
trotz aller vom verbotenen Betriebe unzertrennlichen Mängel, selbst
von den Regiebeamten ihrem eigenen Fabrikat vorgezogen, von Vielen dem
Habana gleichgeschätzt wird und dass die Regie-Zigarren der Philippinen
in ganz Ostasien die beliebtesten sind. Reiche Kaufleute sogar, für
welche der Preisunterschied nicht in Betracht kommt, ziehen in der
Regel die Manila- den Habana-Zigarren vor.

Nach Agius, (Memoria 1871.) dürfte der philippinische Tabak auf den
europäischen Märkten keinen andern Nebenbuhler haben, als den der
Vuelta abajo von Cuba, und müsste in den Häfen von Asien und Ozeanien
ohne Rivalen dastehen, (weil der Habana auf der langen Reise nach
jenen Ländern an Güte einbüsst), während er jetzt von Jahr zu Jahr
an Ruf verliert.

Wenn es den Manila-Zigarren bisher nicht gelingen wollte, sich in
Europa einzubürgern, so liegt die Schuld daran, dass sie unter dem
Einfluss der Zwangsarbeit und der Insolvenz des Kolonial-Fiscus
immer schlechter werden, während das Produkt anderer Tabakländer,
in Folge der freien Konkurrenz sich verbessert. Ein wenig leidet ihr
Ruf wohl auch durch den sehr verbreiteten irrigen Glauben, dass sie
Opium enthalten.

Wie sehr die Produktion durch Freigebung des Gewerbes zunehmen würde,
zeigt unter anderen das Beispiel von Cuba: Zur Zeit als die Regierung
den Tabak dort monopolisirte, reichten die Ernten nur ein einziges Mal
zur Deckung des innern Bedarfs, während sie gegenwärtig alle Märkte
der Welt versehen. [267] Höchst beachtenswerth in diesem Punkte
ist auch der Ausspruch des General-Kapitäns de la Gándara [268],
in einer Denkschrift die Maassregeln zur Verschärfung des Monopols
vorschlägt: »ginge der Tabakbau an das Privatgewerbe über, so würde
dieses vielleicht in wenigen Jahren dahin gelangen, fast alle Märkte
der Welt zu beherrschen.« Fast sämmtliche Inseln erzeugen Tabak; nach
der Güte des Produktes nehmen die Tabakgebiete folgenden Rang ein:
1o Cagayan und Ysabel, 2o Ygorrotes, 3o Insel Mindanao, 4o Bisayas,
5o Neu-Écija.

Aus R. O. 20. Nov. 1625 (Razon general 11) ist ersichtlich,
dass schon damals der Verkauf von Betel, Palmwein, Tabak
u. s. w. Regierungsmonopol war. Es wurde aber wohl nicht streng
durchgeführt. Das Tabakmonopol in seinem jetzigen Umfang, welches
das ganze Gewerbe von der Aussaat der Pflanze bis zum Verkauf der
fertigen Produkte in die Hände der Regierung legt, ist erst durch den
General-Kapitän José Basco y Bargas eingeführt. R. O. 9. Jan. 1780
(bestätigt durch R. D. 13. Dec. 1781) verfügt, dass die Tabakregie,
so wie in allen spanischen Besitzungen in dieser und jener Welt
(de uno y otro mundo), auch auf die Philippinen ausgedehnt werden soll.

Bis zur Verwaltung dieses sehr eifrigen Guvernörs, zweihundert Jahre
lang, empfing die Kolonie jährlich Zuschüsse aus Neu-Spanien (Situado
de Nueva España). Um die spanischen Finanzen von dieser Last zu
befreien, führte Basco, den damals herrschenden national-ökonomischen
Ansichten entsprechend, die unmittelbare Ausbeutung der natürlichen
Hülfsquellen durch den Staat, ein Vorbild des fünfzig Jahre später
in Java gegründeten »Kultursystems« ein. In den Philippinen waren die
Verhältnisse dafür aber weniger günstig. Abgesehn von der geringeren
Unterwürfigkeit der Bevölkerung, lagen zwei Haupthindernisse im
Widerstand der Priester und im Mangel zuverlässiger Beamten. Von allen
durch Basco künstlich in's Leben gerufenen ländlichen Gewerben hat
sich nur die Indigobereitung als Privatindustrie, der Tabakbau als
Regierungsmonopol erhalten. [269]

Zunächst beschränkte Basco das Monopol auf die unmittelbar um die
Hauptstadt gelegenen Provinzen, in welchen der Tabakbau allen, von
der Regierung nicht besonders dazu ermächtigten und verpflichteten
Personen bei strenger Strafe verboten wurde. [270] In den übrigen
Provinzen blieb der Anbau Jedem gestattet, doch durfte das Produkt
nach Abzug des Selbstverbrauchs nur an die Regierung verkauft werden.

In den Bisayas kauften die Alkalden den Tabak für die Regierung und
lieferten ihn zu vorher festgesetzten Preisen an die k. Fabriken
in Manila; es war ihnen gestattet die Ueberschüsse der k. Kassen
zu diesem Zwecke zu benutzen. Ein schlechteres System hätte kaum
ersonnen werden können: der nur auf seinen Privatvortheil bedachte
Beamte duldete keinen Konkurrenten in seiner Provinz, benutzte seine
amtliche Gewalt, um den Produzenten auf das härteste zu drücken, und
hemmte dadurch die Produktion; die k. Kassen aber erlitten häufige
Verluste durch Bankerotte, da die Alkalden, welche 600 Dollar Gehalt
bezogen, und für die Berechtigung Handel treiben zu dürfen, eine
Patentsteuer von 100 bis 300 Dollar entrichteten, sich, um schnell
reich zu werden, in die gewagtesten Unternehmungen einliessen. Erst
1814 ward diesem Unwesen ein Ende gemacht. Alsbald stiegen auch die
Tabaklieferungen aus den Bisayas, da die Konkurrenz der Privathändler,
denen nun erst thatsächlich der Ankauf zufiel, obgleich ihn das Gesetz
schon seit 1839 gestattete, dem Pflanzer höhere Preise verschaffte,
als ihm die Habsucht des monopolisirenden Alkalden gewährte.

Gegenwärtig gelten im Allgemeinen folgende Bestimmungen, an deren
Einzelheiten aber fortwährend geändert wird: Durch R. D. 5. Sept. 1865
wird der Tabakbau in allen Provinzen gestattet, doch darf der Ertrag
nur an die Regierung zu einem von ihr festgesetzten Preise verkauft
werden. Der Aufkauf geschieht in Luzon und den angrenzenden Inseln nach
Fardos [271] durch Colleccion, d. h. direkt durch die Finanzbeamten,
welche den Bau der Pflanze von der Aussaat an zu leiten haben; in den
Bisayas durch Acopio, indem Regiebeamte den ihnen angebotenen Tabak
vom Bauer oder vom Spekulanten und zwar nach Quintales aufkaufen.

In den Bisayas und in Mindanao ist Jedem erlaubt, Zigarren für seinen
eignen Bedarf selbst zu fabriziren, doch darf er keinen Handel damit
treiben. Dort werden den Tabakbauern auch Vorschüsse gemacht. In Luzon
und den benachbarten Inseln theilt die Regierung Samen und Sämlinge
aus. In Luzon und den Nachbar-Inseln darf auf Land, das zum Tabakbau
geeignet ist, nichts andres als Tabak gepflanzt werden.

Da die Finanzverwaltung den Tabak nicht, wie freie Konkurrenz thun
würde, nach seinem wirklichen Werthe klassifiziren kann, so hat sie
den Ausweg ergriffen, die Preise nach der Blattgrösse festzusetzen;
auch soll die auf Erziehung der Pflanze verwendete Sorgfalt bis zu
einem gewissen Grade die Grösse der Blätter bedingen, die demnach
wenigstens ein Kennzeichen für die sorgsame Behandlung, wenn auch
nicht gerade für die Güte ist. [272]

Wohl weiss man in Madrid, wie sehr das Tabakmonopol das Gedeihen
der Kolonie hemmt, die betroffene Bevölkerung drückt; dennoch sind
bisher die Regierungsmaassregeln darauf gerichtet gewesen, immer
höhere Einnahmen aus dieser bedenklichen Steuerquelle zu erpressen.

R. O. 14. Januar 1866 befiehlt den Tabakbau in den Philippinen
so viel als irgend möglich auszudehnen um dem Bedarf der Kolonie,
des Mutterlandes und der Ausfuhr zu genügen, ohne dass Rücksichten
untergeordneter Art, die einer späteren Lösung vorbehalten bleiben
können, diese unbegrenzte Ausbreitung hemmen oder verzögern. In
der bereits zitirten Memoria schlägt der General-Kapitän »Reformen«
vor, die an die Geschichte der Gans mit den goldenen Eiern erinnern
(Pfropfen neuer Monopole auf die schon bestehenden, Ausbeutung durch
Generalpächter) und glaubt dadurch in weniger als drei Jahren den
Tabakertrag von 182,102 Quintales (Mittel der Jahre 1860/67) auf
600,000 und selbst 800,000 Q. steigern zu können. Einstweilen aber
solle die Regierung, um höhere Preise zu erzielen, ihren Tabak selbst
nach den Konsumtionsländern exportiren und dort verkaufen. Im Jahre
1868 ist dieser Vorschlag wirklich ausgeführt worden, der nach London
gesandte fand einen so guten Markt, dass in Folge davon verordnet
wurde, fortan in Manila keinen Tabak unter 25 Dollar p. Quintal
loszuschlagen. [273] Diese Bestimmung kann sich aber nur auf Tabak
der ersten drei Klassen beziehen, deren relative Menge in dem Maasse
abnimmt, als der Druck auf die Bevölkerung gesteigert wird. Selbst
aus den de la Gándara's Denkschrift beigefügten Tabellen ergiebt sich
dies deutlich: Während die Gesammternte von 1867 (176,018 Quintales)
nicht viel unter dem Mittel der Jahre 1860/67 (182,102 Q.) bleibt,
ist der Tabak I. Klasse von mehr als 13,000 Q. 1862, auf weniger als
5000 Q. 1867, gesunken.

Die IV., V., VI. Klasse, die früher grösstentheils verbrannt wurden,
jetzt aber einen nicht unbeträchtlichen Theil der Gesammternte bilden,
sind im freien Verkehr geradezu unverkäuflich und können nur als
»Geschenk« für Spanien verwendet werden, das alljährlich unter dem
Titel atenciones a la peninsula über 100,000 Zentner empfängt. Wäre
die Kolonie aber nicht gezwungen, die Hälfte der Fracht für ihr
Geschenk zu bezahlen, so würde Spanien genöthigt sein, sich diese
»Aufmerksamkeiten« zu verbitten, denn nach dem Ausspruch des Chefs
der Regie ist jener Tabak grössten Theils von solcher Beschaffenheit,
dass er zu keinem Preise Käufer finden würde, da sein Werth weder die
Unkosten des Zolles noch der Fracht zu decken vermöchte. Dennoch ist
dieser Tabaktribut eine grosse Last für das Kolonialbudget, das trotz
seines Defizits nicht nur den Tabak zu beschaffen, sondern auch die
Verpackung, den Lokaltransport und die Hälfte der Fracht nach Europa
zu tragen hat.

Vom März 1871, der goldenen Zeit, im Fall de la Gándara's Vorschläge
ausgeführt worden, seine Verheissungen in Erfüllung gegangen wären,
liegt ein trefflicher Bericht des General-Intendanten der Hacienda
an den Kolonial-Minister vor (s. S. 258 Anmerkung), der als Chef der
Regie die Schäden dieses Verwaltungszweiges schonungslos aufdeckt,
und auf die schleunige Aufhebung des Monopols dringt. Zunächst
wird auf amtliche Beläge gestützt, der Beweis geführt, dass der
Gewinn am Tabakmonopol viel geringer sei, als gewöhnlich angenommen
wird. Das Mittel sämmtlicher Einnahmen der Tabakregie für die 5 Jahre
1865/69 betrug nach amtlichen Rechnungen 5,367,262 Dollar, (für die
Jahre 1866/70 nur 5,240,935 Dollar) die Ausgaben sind nicht genau
festzustellen, weil darüber keine Berechnungen vorhanden sind, addirt
man aber die im Kolonialbudget aufgeführten betreffenden Ausgaben
zusammen, so erhält man 3,717,322 Dollar, wovon 1,812,250 Dollar
für Ankauf des Rohtabaks. Zu obigen die Tabakregie ausschliesslich
treffenden Ausgaben müssen aber noch verschiedene andere Posten
gerechnet werden, an denen dieser Verwaltungszweig betheiligt ist,
die sogar gänzlich oder zum grössten Theil wegfallen würden, wenn der
Staat das Tabakmonopol aufgäbe. Die Summe der Unkosten muss wenigsten
auf 4 Millionen Dollar veranschlagt werden, so dass dem Staate nur
ein Reingewinn von etwa 1,367,000 Dollar verbliebe, aber selbst auf
diesen ist in Zukunft nicht zu rechnen, denn wenn die Regierung
nicht schleunigst diesen Gewerbebetrieb aufgiebt, so wird sie zu
sehr bedeutenden unabweisbaren Ausgaben gezwungen sein. Namentlich
müssten dann Fabriken und Magazine neu errichtet, oder verbesserte
Maschinen gekauft, die Gehalte bedeutend erhöht, vor Allem aber
Mittel geschafft werden, nicht nur um die enorme Summe von 1,600,000
Dollar zu zahlen, welche die Regierung den Bauern für die Ernten von
1869 und 70 schuldet, sondern auch um die Baarzahlung der künftigen
Ernten sicher zu stellen, »denn dies ist die einzige Möglichkeit,
den Verfall des Tabakbaus in den betreffenden Provinzen in dem Maasse,
als das Elend seiner unglücklichen Bewohner zunimmt, zu verhindern.«

Nachdem Agius nachgewiesen, wie gering in Wirklichkeit jene
Ueberschüsse sind, wegen welcher die Regierung die Zukunft der
Kolonie preisgiebt, schildert er die aus dem Monopol hervorgehenden
Uebelstände, von denen ich hier nur einige in zusammengedrängter
Kürze zur Ergänzung des Eingangs Gesagten anführe:

Die Bevölkerung der Tabakdistrikte, die nach Aufhebung der Regie die
reichste und glücklichste des gesammten Archipels sein würde, befindet
sich im tiefsten Elend. Sie wird grausamer behandelt als die Sklaven
von Cuba, die, wenn auch aus selbstsüchtiger Absicht, gut genährt und
verpflegt werden, während erstere die Produkte der Zwangsarbeit dem
Staate hergeben muss zu einem von ihm willkürlich bestimmten Preise,
einem Preise den er zahlt, wenn die immer schwierige und bedrängte
Lage des Schatzes es gestattet. Häufig fehlt es an Nahrungsmitteln,
da ihr Anbau verboten ist. Die unglückliche Bevölkerung, die keine
andere Mittel besitzt, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen,
ist gezwungen mit ungeheuren Verlusten die Schuldverschreibungen eines
Schuldners zu veräussern, welcher ihm die Frucht der Zwangsarbeit zwar
abkauft, aber nicht bezahlt. Wegen eines so geringfügigen Nutzens
(1 1/3 Million) wird die Bevölkerung der reichsten Provinzen in
furchtbares Elend gestürzt, tiefgehender Hass zwischen Regierten und
Regierenden erzeugt, ununterbrochener Krieg zwischen Behörden und
Unterthanen. Es wird eine höchst gefährliche Klasse von Schmugglern
erzogen, die sich schon jetzt nicht auf blosses Schmuggeln beschränken,
und um die sich bei der ersten Gelegenheit die übrigen Unzufriedenen
wie um einen festen Kern schaaren werden. Die Regiebeamten werden
grober Bestechungen und Betrügereien beschuldigt, die wahr oder
unwahr grosses Aergerniss geben und zunehmende Missachtung der
Kolonialverwaltung sowohl, als des gesammten spanischen Volks
erzeugen. [274]

Dass obige Denkschrift nicht nur geschrieben, sondern auch gedruckt
worden, scheint anzudeuten, dass man sich in Spanien allmälig
auch in weiteren Kreisen von der Unhaltbarkeit des Tabakmonopols
überzeugt. Trotz der vernichtenden Kritik von kompetentester Stelle
ist es aber dennoch fraglich, ob es aufgehoben werden wird, so lange es
auch nur Scheinerträge giebt. Im Kolonialministerium sind die gerügten
Schäden längst bekannt, aber wegen der häufigen Ministerwechsel und
der zunehmenden Geldnoth, welche die Regierenden, so lange sie im
Amte sind, zur rücksichtslosen Ausbeutung aller greifbaren Mittel
zwingt, unterbleiben selbst die dringendsten Reformen, wenn dadurch
augenblickliche Ausfälle entstehn. In Bezug auf das Tabakmonopol
pflegt man sich überdies mit der Hoffnung zu trösten, dass zunehmende
Nachfrage die Preise fortwährend steigern, einige besonders gute Ernten
und günstige Konjunkturen die Kolonialkasse von ihren Verlegenheiten
befreien würden, dann wolle man gern die Tabakregie aufgeben.

Ein Umstand der in haushälterisch verwalteten Staaten zur
Beseitigung, des Monopols treiben würde, in Spanien aber vielleicht
gerade umgekehrt wirkt, ist das zahlreiche Beamtenheer, welches die
Tabakregie erfordert. Der Unzahl von Stellenjägern gegenüber muss es
den jeweiligen Ministern sehr willkommen sein, Gelegenheit zu haben,
ihren Kreaturen einträgliche Posten zu verschaffen, oder unbequeme
Personen auf eine ehrenvolle, für das Mutterland kostenfreie Art zu den
Antipoden senden zu können. (Die Kolonie muss nicht nur die Besoldung,
sondern auch die Kosten für die Hin- und Rückreise tragen.) Jedenfalls
machen sie so reichlichen Gebrauch davon, dass zuweilen in Manila neue
Aemter erfunden werden müssen, um die Ankömmlinge unterzubringen. [275]

Zur Zeit meiner Anwesenheit konnten die k. Fabriken nicht so viel
Zigarren liefern als der Handel verlangte und es trat der sonderbare
Fall ein, dass die Grosshändler, welche die Zigarren in bedeutenden
Posten auf den Regierungs-Auktionen kauften, mehr dafür zahlten, als
dieselben Zigarren, einzeln gekauft, im Estanco kosteten. Um nun zu
verhindern, dass die Kaufleute ihren Bedarf den Estancos entnähmen,
war für diese ein Maximum festgesetzt, das kein Käufer überschreiten
durfte und eine komplizirte Kontrolle mit Spionage hatte darüber zu
wachen, dass Niemand durch verschiedene Boten in verschiedenen Estancos
grössere Mengen zusammenkaufte. Im Fall der Entdeckung konfiszirte
man dem Uebertreter den ganzen Vorrath. Jedem stand frei Zigarren
im Estanco zu kaufen, Niemand aber durfte einem Bekannten eine Kiste
Zigarren zum Kostenpreise ablassen.

Mehrere Spanier, mit denen ich über diese auffallende Maassregel
sprach, billigten sie ganz entschieden, da ihnen sonst die Fremden
alle Zigarren fortholen würden, und sie nicht einmal in ihrer eignen
Kolonie eine preiswürdige Zigarre rauchen könnten. Es war aber,
wie ich später erfuhr, noch ein zweiter, triftigerer Grund für diese
Verordnung vorhanden. Da die Regierung in ihren Kassen die Goldunze
zu 16 Dollar Silber annahm, während sie im Handel weniger galt und
die Silberprämie einmal sogar auf 33 % gestiegen war, da ausserdem
wegen der unzureichenden Menge von Kupfergeld für den kleinen Verkehr,
die Scheidemünze abermals eine Prämie gegen den Silberdollar genoss,
so zwar, dass man bei jedem Einkauf der nicht wenigstens einen halben
Dollar betrug, 5 bis 15 % Abzug erlitt, wenn man einen Dollar gab, so
war es vortheilhaft im Estanco für eine Goldunze Zigarren zu kaufen,
und diese in kleineren Posten, wenn auch zum nominellen Preise des
Estanco wieder zu verkaufen, denn beide Prämien zusammen konnten im
extremen Falle 33 % + 10 % = 43 % betragen. [276]

Eine Beschreibung des Tabakbaues nach eigener Anschauung kann ich
nicht geben; ich lasse einen kurzen Auszug aus der amtlichen Anweisung
(Cartilla agricola) folgen.


    Anweisung wie die Samenbeete anzulegen. Ein geeignetes Stück
    Land wird vierseitig abgegrenzt, zwei oder dreimal gepflügt,
    von Unkraut und Wurzeln gesäubert, etwas abschüssig gemacht,
    mit einem flachen Graben umgeben, durch Abzugsgräben in Beete von
    zwei Fuss Breite getheilt. Die Erde auf demselben muss sehr fein,
    fast zu Pulver zerrieben werden, sonst würde sie mit dem äusserst
    feinen Tabaksamen nicht in innige Berührung kommen. Der Same
    wird gewaschen, zum Ablaufen des Wassers in Tüchern aufgehängt,
    Tags darauf, mit gleicher Menge Asche gemischt, auf die Beete
    gestreut. Von der sorgfältigen Ausführung dieser Arbeit hängt
    der spätere Erfolg ab. Nach einer Woche keimt der Same, die Beete
    müssen sehr rein gehalten, bei trocknem Wetter täglich besprengt,
    durch Decken mit Dornen gegen Geflügel und andre Thiere, durch
    leichte Matten gegen Stürme und starke Regen geschützt werden. Nach
    etwa zwei Monaten haben die fünf bis sechs Zoll hohen Pflanzen
    gewöhnlich vier bis sechs Blätter und werden umgesetzt. Dies
    geschieht, da die Samenbeete im September angelegt werden, Anfang
    oder Mitte November. Eine zweite Aussaat findet am 15. Oktober
    statt, sowohl aus Vorsicht gegen mögliche Misserfolge, als um
    Pflanzen für die Niederungen zu erhalten.

    Von dem für den Tabak zuträglichsten Boden und seiner Bestellung;
    vom Umpflanzen der Sämlinge. Man wähle Boden von mittlerem Korn,
    ziemlich schwer; besonders empfiehlt sich der kalkhaltige, wenn er
    reichlich mit verwesten Pflanzenresten gemischt und nicht weniger
    als zwei Fuss tief ist, denn je tiefer die Wurzel eindringt, um so
    höher erhebt sich die Pflanze. Daher sind in Cagayan diejenigen
    Ländereien für den Tabakbau am besten, die alle Jahre durch die
    Ueberschwemmungen des dortigen grossen Stromes unter Wasser
    gesetzt werden, und alljährlich neue Schichten fruchtbaren
    Schlammes erhalten. Auf solchem Boden angelegte Pflanzungen
    unterscheiden sich daher sehr merklich von höher belegenen,
    nicht also begünstigten. In jenen schiessen die Pflanzen,
    sobald sie Wurzel geschlagen, schnell empor, in diesen wachsen
    sie langsam und erreichen nur mittlere Höhe; dort entwickeln
    sie in Menge grosse starke saftreiche Blätter, die eine reiche
    Ernte versprechen, hier bleiben die Blätter kleiner und wachsen
    spärlich. Aber die Niederungen sind Ueberschwemmungen ausgesetzt,
    besonders im Januar und Februar, selbst noch im März, wenn
    der Tabak schon umgepflanzt und ziemlich hoch geworden ist. In
    solchem Falle ist alles rettungslos verloren, namentlich wenn
    die Ueberschwemmungen zu einer Zeit eintreten, wann es zu spät
    ist neue Pflanzungen anzulegen. Desshalb müssen auch hochgelegene
    Felder bebaut werden, die bei gehöriger Pflege vielleicht denselben
    Ertrag geben würden. Solche Felder sollten im Oktober drei bis
    viermal gepflügt und 2 bis 3 mal geeggt werden. Die Felder in
    den Niederungen können wegen der Ueberschwemmungen nicht vor Ende
    Dezember oder Mitte Januar gepflügt werden, ihre Bearbeitung ist
    dann leicht und einfach. Man wählt nun die stärksten Pflanzen in
    den Saatbeeten aus, und versetzt sie mit Ballen in Entfernungen
    von einer Elle in den zubereiteten Boden.

    Von der auf die Pflanzen zu verwendenden Sorgfalt. Im Osten jeder
    Pflanze ist ein kleiner Schirm aus zwei Erdschollen aufzurichten,
    damit sie gegen die Morgensonne geschützt, den Thau länger
    geniesse. Sorgfältige Vertilgung des Unkrauts, Entfernung der
    wilden Triebe. Besonders gefährlich ist auch ein Wurm der zuweilen
    in Menge erscheint. Kurz vor der Reife sind Regen sehr schädlich,
    denn um diese Zeit ist die Pflanze nicht mehr im Stande, die für
    den Tabak so wesentliche gummiartige Substanz auszuscheiden,
    die in Wasser löslich, ihr durch den Regen entzogen wird. Der
    dem Unwetter preisgegebene Tabak bleibt immer ohne Saft, ohne
    Güte und ist voll weisser Flecke, ein sicheres Zeichen seiner
    schlechten Beschaffenheit. Der Schaden ist um so grösser, je
    näher der Tabak seiner Reife. Die auf den Boden hängenden Blätter
    faulen, und werden entfernt. Ist der Untergrund nicht tief genug,
    so vergilbt eine gut gepflegte Pflanzung und vertrocknet fast. In
    nassen Jahren kommt dies nicht leicht vor, da die Wurzeln dann
    auch in geringer Tiefe hinreichende Feuchtigkeit finden.

    Abschneiden und Behandeln der Blätter im Trockenschuppen. Die
    obersten Blätter reifen zuerst, sie sind dann dunkelgelb und
    spröde. In dem Maasse als sie zeitigen, werden sie geschnitten,
    in Bündel gesammelt, in bedeckten Karren nach den Schuppen
    gebracht. An nassen, selbst an trüben Tagen, wenn die Sonne den
    nächtlichen Thau nicht völlig verdampft, darf nicht geschnitten
    werden. In den Schuppen zieht man die Blätter auf Schnüre oder
    gespaltenes spanisches Rohr mit genügenden Zwischenräumen zum
    Lüften und Trocknen. Die trocknen Blätter werden in Haufen
    gelegt, die nicht zu gross sein dürfen, und öfter umgepackt. Es
    muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass sie sich nicht zu
    sehr erhitzen und zu stark gähren. Diese für die Güte des Tabaks
    äusserst wichtige Behandlung verlangt grosse Aufmerksamkeit und
    Geschicklichkeit und muss so lange fortgesetzt werden, bis die
    Blätter nur noch einen aromatischen Tabakgeruch wahrnehmen lassen.

    Das nöthige Geschick für diese Hantirung ist aber nur durch lange
    Uebung, nicht durch Vorschriften zu erwerben.



SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    DIE CHINESEN.


Es bleibt noch von einem wichtigen Theile der Bevölkerung zu sprechen,
den Chinesen, die wohl bald eine bedeutendere Rolle spielen werden,
da die vom zunehmenden Verkehr geforderte Entwickelung des Landbaues
kaum anders als durch chinesischen Fleiss zu erlangen sein dürfte. Von
jeher ist Manila ein Lieblingsziel chinesischer Einwanderung gewesen,
weder Feindseligkeit der Bevölkerung, noch Bedrückungen und Verbote
seitens der Regierung, ja nicht einmal wiederholte Massenschlächtereien
vermochten sie zu verhindern. Die Lage der Inseln S. O. der zwei
seetüchtigsten Provinzen China's musste schon früh den Verkehr
zwischen beiden Ländern wachrufen, da Schiffe sowohl im S. W. als
N. O. Monsun die Reise in jeder Richtung mit halbem Winde machen
können. In einigen älteren Schriftstellern findet sich sogar die
Angabe, dass die Philippinen einstmals der chinesischen Herrschaft
unterworfen waren [277] und Pater Gaubil (Lettres édifiantes) erwähnt,
dass Joung-lo (Ming Dynastie) eine Flotte von 30,000 Mann hielt, die zu
verschiedenen Zeiten nach Manila ging. Auch die bei Magellan's Ankunft
selbst im äussersten Osten des Archipels vorhandenen, so wie die in den
Grabhöhlen gefundenen Porzellanschüsseln und Thongefässe zeigen, dass
der Handel mit China sich schon lange zuvor bis in die fernsten Inseln
des Archipels erstreckte. Für die junge spanische Kolonie bildete er
die Hauptquelle und, nachdem die Encomiendas aufgehoben (s. folgendes
Kapitel), fast die einzige Quelle des Wohlstandes. Es war zu fürchten,
dass die Junken ihre Frachten den Holländern bringen würden, wenn man
ihnen in Manila Hindernisse in den Weg legte; auch konnte die Kolonie
nicht ohne die Sangleyes bestehn, [278] die alljährlich in grosser
Zahl in den Junken aus China kamen und sich als Krämer, Handwerker,
Gärtner, Fischer über Stadt und Land verbreiteten, denn sie waren
die einzigen geschickten und fleissigen Arbeiter; da die Indier
unter spanischem Priesterregiment sogar manche Gewerbe verlernten,
die sie früher betrieben hatten (Morga).

Trotzdem sind die Spanier von Anfang an bemüht, die Zahl der Chinesen
auf das äusserste Maass zu beschränken; denn damals wie heut wurden
letztere von den Indiern beneidet und gehasst wegen ihrer grossen
Betriebsamkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, wodurch sie schnell reich
wurden; den Geistlichen waren sie ein Gräuel als verstockte Heiden
»deren Umgang die Eingeborenen hinderte, Fortschritte im Christenthum
zu machen«; die Regierung aber fürchtete sie wegen ihres festen
Zusammenhaltens und als Angehörige des grossen Reiches, dessen
bedenkliche Nähe dem kleinen Häuflein Spanier Verderben drohte. [279]
Zum Glück für letztere dachte die damals dem Untergange entgegeneilende
Mingdynastie nicht an Eroberungen, aber selbst die bei ihrem Sturze
frei werdenden bösen Mächte brachten die Kolonie in äusserste Gefahr.

Bei dem Angriff des grossen Seeräubers Limahong 1574 entging sie
nur wie durch ein Wunder der Vernichtung; neues Verderben drohte
ihr bald darauf: 1603 kamen einige Mandarine nach Manila, unter
dem Vorwande sehn zu wollen, ob der Boden bei Cavite wirklich
von Gold sei? Man hielt sie für Spione und schloss aus ihrer
sonderbaren Mission, dass die Chinesen einen Angriff auf die
Kolonie beabsichtigten. Der Erzbischof und die Priester schürten das
Misstrauen gegen die zahlreichen in Manila angesiedelten Chinesen;
Hass und Verdacht wuchsen auf beiden Seiten, beide Theile fürchteten
sich vor einander und rüsteten sich. Die Chinesen griffen zuerst an,
unterlagen aber den vereinten Spaniern, Japanern und Indiern; 23,000,
nach andern 25,000 Chinesen wurden erschlagen oder in die Wildniss
getrieben. Wie diese Metzelei in China aufgenommen worden, geht aus
dem Brief des kaiserlichen Kommissars an den Guvernör von Manila
hervor. Das merkwürdige Dokument zeigt in so überraschender Weise,
wie hohl das grosse Reich damals war, dass ich es am Schlusse des
Kapitels in wörtlicher Uebersetzung mittheile.

Nach der Vertilgung der Chinesen fehlte es in Manila wegen der
Unbetriebsamkeit der Indier an Nahrungsmitteln und allen andern
Lebensbedürfnissen, aber schon 1605 hat die Zahl der Chinesen wieder
so zugenommen, dass ein Gesetz [280] sie auf 6000 beschränkt, »denn
diese reichen aus für die Bebauung des Bodens«; zugleich wird als
Grund ihrer schnellen Zunahme der Eigennutz des General-Kapitäns
gerügt, der für die Erlaubniss zum Verbleib von jedem Chinesen 8
Dollar erhebt. 1639 ist die chinesische Bevölkerung auf 30,000 (nach
Andern auf 40,000) gestiegen, sie revoltiren und werden bis auf 7000
niedergemacht. »Die sonst so gleichgültigen Eingeborenen zeigten den
grössten Eifer beim Todtschlagen der Chinesen, mehr aus Hass gegen
dies betriebsame Volk als aus Liebe zu den Spaniern.« [281]

Schnell füllt die chinesische Einwanderung die entstandene Lücke
wieder aus. 1662 droht der Kolonie aufs neue grosse Gefahr durch den
chinesischen Seeräuber Kog-seng, der über 80 bis 100,000 Mann gebot
und Formosa bereits den Holländern entrissen hatte. Er forderte die
Philippinen zur Unterwerfung auf; sein plötzlicher Tod rettete die
Kolonie und gab zugleich das Zeichen zu einem neuen Wuthausbruch
gegen die in Manila angesiedelten Chinesen; eine grosse Zahl wird
in ihrem Ghetto niedergemetzelt [282], andre vertrieben, einige
stürzen sich vor Schreck in's Wasser, oder erhängen sich; eine
grosse Zahl flüchtet in kleinen Booten nach Formosa [283]. 1709
hat der Neid gegen die Chinesen abermals solche Höhe erreicht, dass
sie der Empörung und besonders des Monopolisirens beschuldigt, mit
Ausnahme der nothwendigsten Handwerker und solcher, die im Dienste
der Regierung stehn, vertrieben werden. Spanische Schriftsteller
preisen die Heilsamkeit dieser Maassregel: »denn unter dem Vorwande
des Ackerbaues treiben die Chinesen Handel, sie sind schlau und
rücksichtslos, werden reich, und schicken ihr Geld nach China; so
betrügen sie die Philippinen jährlich um ungeheure Summen.« Sonnerat
klagt aber, dass Künste und Gewerbe sich nie von diesem Schlage erholt
hätten; zum Glück, fügt er hinzu, kehrten die Chinesen, trotz des
Verbotes, durch Bestechung der Guvernöre und Beamten zurück.

Noch heut werden sie des Monopolisirens beschuldigt, besonders von
den Kreolen, und in der That haben sie durch Fleiss und kaufmännisches
Geschick den Kleinhandel fast ganz an sich gerissen. Der Verkauf der
von Europa eingeführten Waaren ist ausschliesslich in ihren Händen,
den Aufkauf der Kolonialprodukte in den Provinzen für die Ausfuhr
theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen, da bis jetzt
nur diesen letzteren gestattet ist, Schiffe zu halten, um die Produkte
nach Manila zu führen.

1757 erwirkt der Neid der Spanier einen neuen Befehl aus Madrid zur
Vertreibung der Chinesen, 1759 werden die wiederholt ergangenen
Verbannungsdekrete ausgeführt. Da aber das Privatinteresse der
Beamten mit dem der kreolischen Krämer nicht zusammenfällt, so
»strömen die Chinesen bald wieder in unglaublicher Menge herbei«
und machen bei der Invasion der Engländer (1762) gemeinschaftliche
Sache mit diesen. Deshalb befiehlt Señor Anda [284], »dass alle
Chinesen in den philippinischen Inseln aufgehängt werden sollen,
welcher Befehl sehr allgemein ausgeführt wird«. [285] Die letzte
grössere Chinesen-Schlächterei fand 1819 statt, als die Fremden im
Verdacht standen durch Vergiftung der Brunnen die Cholera erzeugt zu
haben; auch der grösste Theil der Europäer fiel damals in Manila der
Volkswuth zum Opfer, die Spanier wurden meist geschont.

Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den
chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des
Eingeborenen stören; daher waren die beschränkenden Gesetze besonders
gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau möchte man Chinesen wohl
zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewöhnlich.

Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila
binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete dürfen in ihrem Parian
einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll
ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die
ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar,
Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen
aber 2, bezüglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden.

1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die
Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen
lässt. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern ausländischen
Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der
General-Kapitän Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzuführen,
indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der
Abgaben verspricht. [286] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand
um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewöhnlich bald
dem Handel zu.

In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen
geschlachtet oder vertrieben; man begnügt sich damit, ihre Thätigkeit
durch drückende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen
Händlern in Pangasinán ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12
bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jährlich für Beschickung
der Wochenmärkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bücher
fortan spanisch zu führen (engl. Kons. Ber. 1869).

Die Chinesen bleiben wie überall, so auch in den Philippinen,
ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie übertreten, ist nur
äusserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen
Rücksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen
sammt ihrer Frau, in Manila zurück. Sehr viele aber gründen Familien,
sind gute Hausväter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten,
fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevölkerung.

Durch den härtesten Lebenskampf in ihrer übervölkerten Heimat erstarkt,
scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfähigkeit
ungeschwächt zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss,
Genügsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rücksichtslosigkeit
in bürgerlichen Geschäften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie
allmälig den Handel an sich. In allen Ländern Hinterindiens verdrängen
sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und
mehr auch ihre europäischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und
erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe.

Die Auswanderung aus dem mit Menschen überfüllten Riesenreich hat
kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie
sich als ein gewaltiger Strom zunächst über die tropischen Länder
des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen,
die Neid oder ohnmächtige Vorsicht ihr entgegenstellen.

Auf dem hinterindischen Festlande, in der Südsee, im indischen
Archipel, in den Südstaaten Amerika's scheinen die Chinesen bestimmt,
mit der Zeit jedes andere Element zu verdrängen, oder fruchtbare
Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrücken.

In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen
begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen
Arbeitern betrieben, da europäische unerfüllbare Ansprüche stellen.

Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser
Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika
knüpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu
werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfähigkeit dieser beiden
grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale
ihre Kräfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch
ihre thatkräftigsten Individuen vertreten. [287] Der Kampf wird mit
Anstrengung aller Kräfte geführt, denn kein anderes Land belohnt
die Arbeit mit so hohen Prämien. Die Bedingungen sind aber nicht
gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg,
die Behörde schützt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tückischen
Morde gesteigerte Misshandlungen des Pöbels, der sie als bescheidene
Arbeiter tödtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung
stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptsächlich
von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingeniöre die
Arbeiter aller anderen Nationalitäten durch Fleiss, Nüchternheit
und gutes Betragen übertrafen; was ihnen etwa an Körperkraft abging,
ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die
einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869
in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch
keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgeführt wurden, und
zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission genügenden
Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie
ausführbar. [288]

Im Gebiete der höchsten geistigen Thätigkeit ist das Uebergewicht
der Europäer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der bürgerlichen
Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben,
scheint der Preis den Chinesen zu gebühren. Auch bis zu uns dürfte
sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit
entbrannten Kampfe früher oder später fühlbar machen und maasslos
wachsenden Ansprüchen Schranken setzen.

Dem amerikanischen Staatsmanne drängt die sich mehrende chinesische
Einwanderung schon gegenwärtig Fragen von höchster sozialer und
politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gänzlich
fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhältnisse
üben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den
andern Bürgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich
mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche
Rückwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die
Zustände in China üben?

Diese Probleme, die hier nur vorübergehend angedeutet werden können,
hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and
Asia London 1870 behandelt.



Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuñia,
Guvernör der Philippinen.


    »An den grossen General-Kapitän von Luzon. Da ich in Erfahrung
    gebracht, dass die Chinesen, die in das Königreich Luzon gingen,
    um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden
    sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tödtungen geforscht
    und den König gebeten, Gerechtigkeit zu üben gegen diejenigen,
    die so grosses Uebel veranlasst, damit künftig Abhülfe geschafft
    werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen
    Jahren, bevor ich als königlicher Kommissar hierher gekommen, ist
    ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit
    Erlaubniss des Königs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen,
    um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er
    fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den König)
    diesen Betrüger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge
    Gerechtigkeit die in China geübt wird.

    Es war zur Zeit des Ex-Vizekönigs und Eunuchen, als Tioneg und
    sein Begleiter Namens Yanglion die erwähnte Unwahrheit sprachen,
    und ich bat später den König, dass er sich alle Papiere in der
    Angelegenheit Tioneg's übersenden und besagten Tioneg sammt den
    Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwähnten
    Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg
    gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den König und sagte,
    dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier
    den Verdacht geschöpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie
    deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht hätten;
    und der König that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten
    Yanglion, indem er befahl ihn zu tödten; und dem Tioneg befahl
    er den Kopf abzuschlagen und in einen Käfig zu stecken, und
    die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine
    Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem König, damit er
    befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer
    andern; nämlich, dass zwei englische Schiffe an diese Küsten von
    Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefährliche Sache
    für China, und dass der König entscheide, was in diesen beiden
    so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir
    an den König, dass er Befehl geben möge, die beiden Chinesen zu
    bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwähnten Dinge dem König
    geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe,
    die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so
    solle man ihnen unverzüglich befehlen, von dort nach Luzon zu
    gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie möchten Schelmen
    und Lügnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzüglich
    die beiden Chinesen umbringen, welche den Engländern den Hafen
    gezeigt hätten, und in allem übrigen, was wir ihm geschrieben,
    wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft
    empfangen, der Vizekönig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt
    diese unsere Botschaften an den Guvernör von Luzon, damit seiner
    Herrlichkeit kund werde die Grösse des Königs von China und des
    Königreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was
    Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernör von Luzon
    wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird,
    welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte;
    und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen,
    welches zur Regierung von China gehört, sind sie damit nicht zu
    Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden,
    und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die
    von Luzon von Hörensagen wohl wissen.

    Im vergangenen Jahre, nachdem wir erfahren, dass wegen der Lüge
    Tioneg's so viele Chinesen in Luzon umgekommen, traten viele
    von uns Mandarinen zusammen, und beschlossen dem König anheim zu
    stellen Rache zu nehmen wegen so vieler Tödtungen; und wir sagten:
    das Land von Luzon ist ein elendes Land von geringer Bedeutung, und
    war vor Alters nur ein Wohnsitz für Teufel und Schlangen und weil
    (seit einigen Jahren bis jetzt) eine so grosse Anzahl Chinesen
    dorthin gegangen, um mit den Castillas zu handeln, hat es sich
    so sehr veredelt, wobei die besagten Sangleyes viel gearbeitet,
    indem sie Mauern aufgeführt, Häuser und Gärten angelegt, und andre
    Dinge von grossem Nutzen für die Castillas; und da dies also ist,
    warum haben die Castillas nicht Rücksicht auf diese Dinge genommen,
    und diese guten Werke mit Dank erkannt, ohne so viele Menschen
    grausam zu tödten? und obgleich wir zwei oder dreimal an den König
    über die besagten Angelegenheiten geschrieben, antwortete er uns,
    da er über die oben erwähnten Dinge zornig war, und sagte: aus
    drei Gründen sei es nicht angemessen Rache zu nehmen, noch Krieg
    zu fuhren gegen Luzon. Der erste Grund, weil die Castillas (seit
    langer Zeit bis jetzt) Freunde der Chinesen sind, und der zweite
    Grund war, weil man nicht wissen könne, ob die Castillas oder die
    Chinesen den Sieg erlangen würden, und der dritte und letzte Grund,
    weil die Leute, welche die Castillas getödtet hatten, schlechtes
    Volk wären und undankbar gegen China, ihre Heimat, ihre Aeltern und
    Verwandten, da sie schon seit so vielen Jahren nicht nach China
    zurückgekehrt, welche Leute, so sagte der König, er wenig achte,
    aus den oben erwähnten Gründen; und er befahl nur dem Vizekönig,
    dem Eunuchen und mir, diesen Brief durch diesen Gesandten zu
    schicken, damit die von Luzon wissen, dass der König von China
    ein grosses Herz hat, grosse Langmuth und viel Barmherzigkeit,
    denn er hat nicht befohlen die von Luzon zu bekriegen, und seine
    Gerechtigkeit tritt wohl zu Tage, da er auch die Lüge Tioneg's
    bestraft hat. Und da die Spanier weise und verständig sind,
    wie kommt es, dass es ihnen nicht leid thut, so viele Menschen
    umgebracht zu haben, und dass sie nicht Reue darüber empfinden und
    milde sind gegen die Chinesen, die übrig geblieben? Denn wenn die
    Castillas Wohlwollen zeigen, und die Chinesen und Sangleyes die
    vom Kriege übrig geblieben, zurückkehren, und das schuldige Geld
    erstattet wird und das Eigenthum, was den Sangleyes fortgenommen
    worden, so wird Freundschaft bestehn zwischen diesem Königreich und
    jenem, und alle Jahre werden Handelsschiffe kommen und wenn nicht,
    so wird der König nicht erlauben, dass Handelsschiffe abgehn, im
    Gegentheil wird er Befehl geben tausend Kriegsschiffe zu bauen,
    mit Soldaten und Verwandten der Getödteten bemannt und mit den
    übrigen Leuten und Königreichen, welche Tribut an China zahlen, und
    sie werden Krieg führen ohne irgend Jemand zu schonen. Und darauf
    wird man das Königreich Luzon an die Leute geben, welche Tribut
    an China zahlen. Der Brief ist geschrieben vom General-Visitadór
    am zwölften des zweiten Monats.«



    Einen denkwürdigen Gegensatz bildet ein etwa gleichzeitiger Brief
    des Herrschers von Japan:

    Brief Daifusama's, des Herrschers von Japan, an den Guvernör Don
    Pedro de Acuña im Jahre 1605. Ich habe von Eurer Herrlichkeit
    zwei (Briefe) erhalten und alle Gaben und Geschenke, entsprechend
    dem Verzeichniss. Unter dem was ich erhalten, war der Wein aus
    Trauben gemacht; ich habe mich daran sehr erfreut. In früheren
    Jahren bat Eure Herrlichkeit, dass sechs Schiffe kommen dürften,
    und im vergangenen Jahre bat sie um vier, welche Bitten ich immer
    gewährte. Das aber erregt mein grosses Missfallen, dass unter
    den vier Schiffen, um die E. H. bittet, eines von Antonio ist,
    welcher die Reise gemacht, ohne dass ich es befohlen; dies war
    eine Sache von grosser Keckheit, und eine Geringschätzung für
    mich. Will E. H. etwa das Schiff, das sie nach Japan senden
    möchte, ohne meine Erlaubniss senden? Abgesehen davon haben
    E. H. und Andre vielemal wegen der Sekten in Japan verhandelt
    und viele Dinge diese betreffend erbeten, welches ich eben so
    wenig gestatten kann; denn dieses Gebiet heisst Xincoco, welches
    bedeutet »den Götzen geweiht«, die seit unsern Vorfahren bis heut
    mit höchsten Lobpreisungen verehrt worden sind, deren Thaten ich
    allein nicht ungeschehn machen und vernichten kann. Weshalb es
    in keiner Weise statthaft ist, dass in Japan Euer Gesetz (Lehre)
    verbreitet und gepredigt werde; und wenn E. H. Freundschaft halten
    will mit diesen Reichen von Japan und mit mir, so thue sie das
    was ich will, und das was mir nicht gefällt, das thue sie niemals.

    Endlich haben mir Viele gesagt, dass viele Japanesen, schlechte,
    verdorbene Menschen, die in jenes Königreich gehn und viele
    Jahre dort bleiben, darauf nach Japan zurückkehren, welches
    meinen grossen Unwillen erregt; und deshalb gestatte E. H. von
    jetzt fortan nicht, dass einer von den Japanesen in dem Schiffe
    mitkomme, welches hierher geht und in den übrigen Dingen wolle
    E. H. mit Ueberlegung und Vorsicht verfahren und solcher Art,
    dass sie fortan nicht mein Missfallen errege.



SIEBENUNDZWANZIGSTES KAPITEL

    KURZER ABRISS DER GESCHICHTE. -- SCHLUSSBETRACHTUNGEN.


Die Philippinen wurden von Magellan am 16. März 1521, dem
S. Lazarus-Tage entdeckt, [289] aber erst 1564, nachdem mehrere
frühere Versuche fehlgeschlagen, gelang es Legaspi, der mit fünf
Schiffen von Neu-Spanien auslief, den Archipel für Philipp II. in
Besitz zu nehmen. Der Entdecker hatte die Inseln nach dem heiligen
Lazarus getauft, dieser Name wurde indessen nicht gebräuchlich; die
Spanier nannten sie hartnäckig die westlichen, islas del poniente
(s. S. 2), die Portugiesen islas del oriente; Legaspi gab ihnen ihren
gegenwärtigen Namen zu Ehren Philipps II., der ihnen seinerseits den
später wieder verschollenen Titel Neu-Castilien beilegte. [290]
Zunächst nahm Legaspi Cebu, dann Panay in Besitz, erst sechs
Jahre später (1571) eroberte er Manila, damals ein von Palissaden
umgebenes Dorf und begann sofort den Bau einer befestigten Stadt. Die
Unterwerfung der übrigen Gebiete geschah so schnell, dass sie bei
Legaspis Tode (Aug. 1572) im Wesentlichen vollendet war. Zahlreiche
wilde Stämme im Innern, die Muhamedaner-Staaten Mindanaos und
der Sulugruppe haben bis heut ihre Unabhängigkeit bewahrt. Der
Charakter der Bevölkerung sowohl als ihre politischen Einrichtungen
begünstigten die Besitznahme. Es gab kein mächtiges Reich, keine alte
Dynastie, keine einflussreiche Priesterkaste zu überwältigen, keine
nationalstolzen Ueberlieferungen zu unterdrücken. Die Eingeborenen
waren Heiden oder seit Kurzem oberflächlich zum Islam bekehrt und
lebten unter vielen kleinen Häuptlingen, die mit grosser Willkür
herrschten, einander befehdeten und leicht überwunden wurden. Eine
solche Gemeinschaft hiess Barangay; sie bildet noch heut, wenn auch
in sehr veränderter Form, die Grundlage der Gemeindeverfassung.

Die Spanier beschränkten die Gewalt der eingeborenen Häuptlinge,
hoben die Sklaverei auf und verwandelten den Erbadel in einen
Dienstadel; sie führten aber alle diese Veränderungen mit Vorsicht,
sehr allmälig aus. [291] Die alten Gebräuche sofern sie nicht
gegen das natürliche Recht verstiessen, blieben zunächst bestehn und
hatten bei Prozessen Gesetzeskraft; in Kriminalsachen galt spanisches
Recht. Heut haben die Cabezas de Barangay ausser dem Titel Don und
der Befreiung von Kopfsteuer und Frohnden keine Vorrechte; sie sind,
abgesehn von Ausnahmen, zu unbesoldeten, aber mit ihrem Privatvermögen
haftbaren Steuereinnehmern geworden, -- eine Maasregel, deren Klugheit
bezweifelt werden mag; denn abgesehn davon, dass sie die Häuptlinge zu
Unterschleifen und Erpressungen verleitet, entfremdet sie der Regierung
eine Klasse von Eingeborenen, die eine Stütze ihrer Macht sein könnte.

Wenn die vorgefundenen Verhältnisse die Eroberung ausserordentlich
erleichterten, so scheinen auch die ersten Guvernöre und ihre
Begleiter, die der Zeit angehörten, wo Spanien reich an Helden war,
sich durch Muth und Klugheit ausgezeichnet zu haben. Legaspi besass
beide Eigenschaften in hohem Grade. Angelockt wurden jene kühnen
Abenteurer, wie in Amerika, durch Privilegien, die ihnen die Krone
gewährte, und durch gehofften, zum Glück für das Land aber nicht
bestätigten Goldreichthum. In Luzon, so meldet Hernando Riquel [292],
sind viele Goldminen, an vielen Orten, die von Spaniern gesehn wurden;
das Erz ist so reichlich, dass ich nicht darüber schreibe, damit ich
nicht in den Verdacht der Uebertreibung komme; aber ich schwöre als
Christ, dass auf dieser Insel mehr Gold ist als Eisen in Biscaya. Von
der Krone erhielten sie keinen Sold, aber das förmliche Recht die
von ihnen eroberten Länder auszubeuten. Einige unternahmen solche
Eroberungszüge für eigene Rechnung, andere waren zur Verfügung des
Guvernörs und wurden von ihm je nach Verdienst mit Kommenden, Aemtern
und Benefizien (Encomiéndas, ofícios y aprovechamiéntos) belohnt.

Die Kommenden wurden anfänglich für drei Generationen gewährt
(in Neu-Spanien für vier), aber sehr bald auf zwei Generationen
beschränkt; denn schon di los Rios [293] hebt dies als eine der
Krone sehr nachtheilige Maassregel hervor, »da sich nur wenige bereit
finden Sr. Majestät zu dienen, indem ihre Enkel in das äusserste Elend
gerathen.« Nach dem Tode des Belehnten fielen die Encomiendas an den
Staat zurück, der Guvernör verfügte von neuem darüber. Das ganze
Land war übrigens gleich Anfangs in Encomiendas getheilt worden,
deren bei Weitem grössten Theil die Krone zur Bestreitung ihrer
Ausgaben behielt. Dergleichen Lehne bestanden in einem mehr oder
weniger grossen Gebiet, dessen Bewohner dem Komthur (Encomendéro)
Tribut zahlen mussten; letzterer wurde aber in Produkten des Landbaues
zu einem vom Lehnsherrn selbst festgesetzten sehr geringen Werth
erhoben und mit grossem Vortheil an die Chinesen verkauft. Auch
begnügten sich die Lehnsherren nicht mit diesen Einnahmen, sondern
hielten die Eingeborenen als Sklaven, bis es durch R. C. und Breve
des Papstes [294] verboten wurde. »Kaffern- und -Negersklaven, welche
die Portugiesen über Indien einführten«, blieben noch gestattet. [295]

Die alten Komthure beuteten ihre Lehne rücksichtslos aus. Schon
vom Interims-Guvernör Labezares (1572-75) meldet Zuniga (S. 115),
dass er die Bisayas besuchte und die Habgier der Encomendéros
zügelte, so dass sie wenigstens während seiner Anwesenheit in ihren
Erpressungen nachliessen. Gegen Ende von Lasánde's Regierung (1575-80)
bricht heftiger Streit zwischen Priestern und Komthuren aus, erstere
predigen gegen die Bedrückungen der letzteren und berichten darüber
an Philipp II., der König befiehlt die Indier zu schützen, da die
Habsucht ihrer Lehnsherren alle Schranken übersteige. Es ward nun
den Eingeborenen freigestellt ihren Tribut in Geld oder in natura
zu entrichten. In Folge dieser wohlmeinenden Verordnung scheinen
Ackerbau und Gewerbfleiss abgenommen zu haben, »da die Indier ohne
Zwang nicht über das äusserste Bedürfniss arbeiten mochten«.

In Kürze mögen hier noch die Thaten Juán's de Salcédo erwähnt werden,
des ausgezeichnetsten jener Conquistadoren. Von seinem Grossvater
Legaspi mit 45 spanischen Soldaten unterstützt, rüstete er auf eigene
Kosten eine Expedition aus, schiffte sich im Mai 1572 in Manila ein,
zog die ganze Westküste der Insel hinauf, lief in alle, seinen kleinen
Schiffen zugänglichen Buchten und wurde an den meisten Orten von den
Eingeborenen gut aufgenommen. Grösseren Widerstand fand er gewöhnlich,
wenn er in das Innere drang, doch unterwarfen sich auch viele Stämme
des Binnenlandes, und als er die NW.-Spitze Luzon's, Kap Bogeadór
erreichte, erkannten die ausgedehnten Gebiete, welche gegenwärtig
die Provinzen Zambáles, Pangasinán, Nord- und Süd-Ylócos bilden, die
spanische Herrschaft an. Die Ermüdung seiner Soldaten zwang Salcédo
zur Umkehr. In Bígan, der jetzigen Hauptstadt von Süd-Ylócos, baut
er ein Fort und lässt darin seinen Lieutenant mit 25 Mann zurück, er
selbst aber kehrt um, begleitet von nur 17 Soldaten in drei kleinen
Fahrzeugen. So erreicht er den Cagayánfluss an der Nordküste, und fährt
denselben hinauf bis die grosse Zahl feindlicher Eingeborener ihn zur
Rückkehr an das Meer zwingt. Die Reise an der Ostküste fortsetzend,
gelangt er endlich nach Paracali, von da zu Lande an den See von Bay,
dort schifft er sich auf einem Nachen nach Manila ein, schlägt um
und wird, dem Ertrinken nahe, durch vorüberfahrende Indier gerettet.

Inzwischen war Legaspi gestorben; von Labezares, der provisorisch die
Regierung führte, erfährt Salcédo kränkende Zurücksetzung. Als er
über seine Neider gesiegt, wird ihm die Unterwerfung von Camarines
aufgetragen, die er in kurzer Zeit vollbringt. 1574 kehrt er nach
Ylócos zurück, um seinen Soldaten Encomiendas auszutheilen und die ihm
zufallenden zu übernehmen. Noch mit dem Bau von Bígan beschäftigt,
sieht er die Flotte des grossen chinesischen Seeräubers Limahón,
der sich der Kolonie bemächtigen wollte, 62 Schiffe mit zahlreicher
Mannschaft, an der Küste vorüberfahren. Sofort eilt er mit allen
in der Nachbarschaft zusammengerafften Anhängern nach Manila, wo er
an Stelle des bereits gefallenen Maestro de Campo zum Befehlshaber
der Truppen ernannt, die Chinesen aus der von ihnen zerstörten Stadt
vertreibt. Sie ziehn sich nach Pangasinán zurück, Salcedo verbrennt
ihre Flotte; nur mit genauer Noth gelingt es ihnen zu entkommen.

1576 starb dieser »Cortes der Philippinen«. (Zuñiga)

Abgesehen von den Geistlichen, bestanden die ersten Ankömmlinge nur
aus Beamten, Land- und Seesoldaten (Morga 159); ihnen fiel daher
auch der hohe Gewinn am Chinahandel zu. Manila war der Stapelplatz
desselben und zog einen grossen Theil des hinterindischen an sich,
den die Portugiesen durch ihre Grausamkeiten aus Malacca verscheucht
hatten. Die Portugiesen sassen zwar in Macao und in den Molukken, es
fehlte ihnen aber die von den Chinesen fast ausschliesslich begehrte
Remesse, das Silber nämlich, das Manila aus Neu-Spanien erhielt.

1580 fiel überdies Portugal mit allen seinen Kolonien an die spanische
Krone. Der Zeitraum von diesem Ereigniss bis zum Abfall Portugals
(1580-1640) bezeichnet zugleich die höchste relative Machtstellung
der Philippinen. Der Guvernör von Manila gebot über einen Theil
von Mindanao, Sulu, die Molukken, Formosa, und die ursprünglich
portugiesischen Besitzungen in Malacca und Vorderindien. »Alles was
vom Kap v. Sincapura bis Japan liegt, hängt von Luzon ab; seine Schiffe
befahren die Meere, gehn nach China, nach Neu-Spanien, und treiben so
reichen Handel, dass man ihn, wenn er frei wäre, den bedeutendsten
der Welt nennen könnte.« (Grav 30). »Es ist unglaublich, welchen
Ruhm diese Inseln der spanischen Krone verleihen. Der Guvernör der
Philippinen unterhandelte mit den Königen von Cambodia, Japan,
China, ersterer war sein Verbündeter, letzterer sein Freund,
sowie der von Japan. Er erklärte Krieg und Frieden ohne Befehl
aus dem fernen Spanien abzuwarten.« -- Aber schon begannen die
Niederländer den Kampf, den sie gegen Philipp II. führten, in jenen
fernen Erdwinkel zu tragen, und bereits 1610 klagt di los Rios,
dass er seit 30 Jahren das Land wegen der Fortschritte der Holländer
sehr verändert fände. Auch die Moros von Mindanao und Sulu wurden,
von den Niederländern unterstützt, immer unbequemer (Carillo 3). Mit
dem Abfall Portugals gingen auch die portugiesischen Kolonien wieder
verloren. Die spanische Politik, das Priesterregiment, der Neid der
spanischen Kaufleute und Gewerbetreibenden that das Uebrige um die
Entwickelung des Ackerbaus und des Verkehrs zu hemmen -- vielleicht
zum Glück für die Eingeborenen.

Die spätere Geschichte der Philippinen ist in ihren Einzelheiten eben
so uninteressant und unerfreulich als die der spanisch-amerikanischen
Besitzungen. Fruchtlose Expeditionen gegen Seeräuber, Streitigkeiten
zwischen den geistlichen und weltlichen Behörden, bilden den
Hauptstoff. [296]

»Als die ersten Zeiten des Glaubens und Waffenruhmes vorüber waren,
ergriff elende Selbstsucht die Gemüther, Veruntreuungen wurden zur
Regel, die meisten derjenigen, die später nach diesen entlegenen
Besitzungen gingen, pflegten aus der Hefe der Nation zu bestehen. [297]
-- Die spanischen Schriftsteller sind voll von Schilderungen jener
traurigen Gesellschaft, die hier nicht wiederholt zu werden brauchen.

Von äussern Feinden, ausgenommen von Seeräubern, ist die Kolonie kaum
belästigt worden. In frühester Zeit unternahmen die Holländer einige
Angriffe gegen die Bisayas. 1762 (im Kriege über den Bourbonischen
Familienpakt) erschien plötzlich eine englische Flotte vor Manila und
bemächtigte sich ohne Mühe der überraschten Stadt. Die Chinesen hielten
zu den Engländern, unter den Indiern bricht ein grosser Aufstand aus,
die Kolonie von einem schwachen Erzbischof interimistisch regiert,
schwebt in grosser Gefahr. Einem energischen Patrioten, dem Kanonikus
Anda gelingt es aber, die Indier der Provinz gegen die Fremden
aufzureizen. Von den Geistlichen eifrig geschürt, wächst der Widerstand
so, dass die thatsächlich in der Stadt eingeschlossenen Engländer froh
sind, abziehen zu können, als im folgenden Jahre die Nachricht des
Friedensschlusses aus Europa eintrifft. Inzwischen hatten die durch
die Invasion hervorgerufenen Aufstände sehr an Ausdehnung gewonnen;
erst 1765 gelang es durch Aufhetzen der verschiedenen Stämme gegen
einander, ihrer Herr zu werden. Die Provinz Ylocos soll dabei 269,270
Personen, die Hälfte ihrer Bevölkerung, verloren haben. (Zuñiga).

Härten und Taktlosigkeiten der Regierung und ihrer Werkzeuge, auch
abergläubische Missverständnisse haben unter den Eingeborenen manchen
Aufstand hervorgerufen, wohl keinen indessen von ernster Gefahr für
die spanische Herrschaft. Die Unruhen blieben immer auf einzelne
Gebiete beschränkt, denn die Eingeborenen bilden keine einheitliche
Nation, weder das Band Einer Sprache, noch das gemeinsamer Interessen
verbindet die verschiedenen Stämme, die staatliche Gemeinschaft reicht
bei ihnen kaum über die Grenzen des Dorfes und seiner Filiale.

Ein für die ferne Metropole viel bedenklicheres Element als die
gleichgültigen, der augenblicklichen Eingebung folgenden, politisch
zerrissenen, ziellosen Indier sind die Mestizen und Kreolen,
deren Unzufriedenheit mit ihrer Zahl, ihrem Wohlstande und ihrem
Selbstgefühl zunimmt. Schon die 1823 ausgebrochene Militärrevolte,
deren Hauptanstifter zwei Kreolen waren, hätte leicht verhängnissvoll
für Spanien enden können. Viel gefährlicher nicht nur für die
spanische Herrschaft, sondern für die gesammte europäische Bevölkerung
scheint der jüngste von Mestizen ausgegangene Aufstand gewesen zu
sein: Am 20. Januar 1872 zwischen 8 und 9 Uhr Abends empörten sich
in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen, die Artillerie, die
Marine-Soldaten und die Zeughauswache und machten ihre Offiziere
nieder. Ein Lieutenant, der die Kunde nach Manila bringen wollte,
fiel einem Haufen von Eingeborenen in die Hände; erst am nächsten
Morgen gelangte die Nachricht nach der Hauptstadt. Sofort wurden die
verfügbaren Truppen abgesandt, aber erst nach heftigem Kampfe glückte
es am folgenden Tage die Zitadelle zu erstürmen. Ein furchtbares
Blutbad folgte, alles wurde nieder gemacht, niemand verschont. In
Manila wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.

Nicht Ein Europäer war unter den Verschworenen, aber viele Mestizen,
darunter eine Anzahl Geistlicher und Advokaten. Wenn die unter dem
Eindruck des Schreckens geschriebenen ersten Berichte vielleicht auch
manches übertreiben, so stimmen doch amtliche sowohl als Privatbriefe
überein, das Komplot als lange geplant, weitverzweigt und wohl angelegt
zu schildern. Die gesammte Flotte und ein zahlreiches Truppenkorps
befand sich damals auf dem Feldzuge gegen Solo abwesend (s. S. 181),
ein Theil der Garnison von Manila sollte sich gleichzeitig mit der
von Cavite erheben, und Tausende von Eingeborenen waren bereit sich
auf die caras blancas (die weissen Gesichter) zu stürzen und alle zu
ermorden. Das Scheitern des Komplots war, wie es scheint, nur einem
glücklichen Zufall zu danken, dem Umstände nämlich, dass ein Theil der
Verschworenen einige bei Gelegenheit eines Kirchenfestes abgebrannte
Raketen für das verabredete Signal hielt und zu früh losbrach.



Zum Schluss sei es gestattet, einige meist schon im Text zerstreut
vorkommende Bemerkungen über das Verhältniss der Philippinen zum
Auslande zusammenzustellen und kurze Betrachtungen daran zu knüpfen.

Spanien gebührt der Ruhm, die auf niederer Kulturstufe vorgefundene,
von kleinen Kriegen zerfleischte, der Willkür preisgegebene Bevölkerung
in verhältnissmässig hohem Grade zivilisirt, ihre Lage erheblich
verbessert zu haben. Wohl mögen die gegen äussere Feinde geschützten,
von milden Gesetzen regierten Bewohner jener herrlichen Inseln im
Ganzen genommen während der letzten Jahrhunderte behaglicher gelebt
haben als die irgend eines andern tropischen Landes unter einheimischer
oder europäischer Herrschaft. Die Ursache lag zum Theil an den mehrfach
erörterten eigentümlichen Verhältnissen, welche die Eingeborenen
vor rücksichtsloser Ausbeutung schützten. Einen wesentlichen Antheil
an dem Erfolge hatten aber auch die Mönche. Aus dem niederen Volke
hervorgegangen, an Armuth und Entbehrungen gewöhnt, waren sie auf den
nahen Verkehr mit den Eingeborenen angewiesen und daher besonders
geeignet ihnen die fremde Religion und Sitte für den praktischen
Gebrauch anzupassen. Auch als sie später reiche Pfarren besassen
und ihr frommer Eifer in dem Maasse nachliess als ihre Einkünfte
zunahmen, hatten sie den wesentlichsten Antheil an der Gestaltung
der geschilderten Zustände mit ihren Licht- und Schattenseiten;
denn ohne eigene Familie und ohne feinere Bildung blieb ihnen der
intime Umgang mit den Landeskindern Bedürfniss, und selbst ihr
hochmüthiger Widerstand gegen die weltlichen Behörden kam in der
Regel den Eingeborenen zu Statten.

Die alten Zustände sind aber unter den veränderten Bedingungen der
Gegenwart nicht mehr haltbar. Die Kolonie kann nicht länger gegen
Aussen abgeschlossen werden. Jede Verkehrserleichterung ist ein Riss
in das alte System und führt nothwendig zu weiteren freisinnigen
Reformen. Je mehr fremdes Kapital und fremde Ideen eindringen,
Wohlstand, Aufklärung und Selbstgefühl zunehmen, um so ungeduldiger
werden die vorhandenen Misstände ertragen.

England mag seine Besitzungen unbekümmert dem Auslande öffnen,
Fremde den Nationalen gleichstellen; die britischen Kolonien sind
durch das Band gegenseitiger Vortheile, Erzeugung von Rohstoffen mit
englischem Kapital, Austausch derselben gegen englische Fabrikate
an das Mutterland gebunden, Englands Reichthum ist so gross, seine
Einrichtungen zum Betriebe des Welthandels so vollkommen, dass die
Ausländer in den britischen Besitzungen zumeist Agenten des englischen
Handels werden, dessen altgewohnte Geleise selbst ein Aufhören des
politischen Verbandes kaum merklich verrücken dürfte. Anders ist es
mit Spanien, das die Kolonie wie ein ererbtes Gut besitzt, ohne sie
zweckmässig bewirthschaften zu können.

Schonungslos gehandhabte Regierungsmonopole, kränkende Zurücksetzung
der Kreolen und reichen Mestizen und das Beispiel der Vereinigten
Staaten waren die Hauptveranlassungen des Abfalls der amerikanischen
Besitzungen. Dieselben Ursachen drohen auch in den Philippinen. Von
den Monopolen ist hinreichend im Text die Rede gewesen. Mestizen und
Kreolen werden zwar nicht wie ehemals in Amerika von allen Aemtern
ausgeschlossen, fühlen sich aber tief verletzt und geschädigt
durch die Schaaren von Stellenjägern, welche die häufigen
Madrider Ministerwechsel nach Manila führen. Auch der Einfluss
des amerikanischen Elementes ist wenigstens am Horizonte erkennbar
und wird mehr in den Vorgrund treten, wenn die Beziehungen beider
Länder zunehmen. Gegenwärtig sind diese noch gering, der Handel folgt
einstweilen seinen alten Bahnen, die nach England und den atlantischen
Häfen der Union führen.

Wer indessen versuchen will sich über die künftigen Geschicke der
Philippinen ein Urtheil zu bilden, darf nicht einseitig ihr Verhältniss
zu Spanien ins Auge fassen, er wird auch die gewaltigen Veränderungen
berücksichtigen müssen, die sich seit einigen Jahrzehnten auf jener
Seite unseres Planeten vollziehn. Zum ersten male in der Weltgeschichte
beginnen die Riesenreiche zu beiden Seiten des Riesenmeeres in
unmittelbaren Verkehr zu treten: Russland, für sich allein grösser als
zwei Welttheile zusammengenommen, China das ein Drittel aller Menschen
in seinen engen Grenzen einschliesst, Amerika mit Kulturboden genug
um fast die dreifache Gesammtbevölkerung der Erde zu ernähren. --
Russlands künftige Rolle im stillen Ozean entzieht sich zur Zeit jeder
Schätzung. Der Verkehr der beiden andern Mächte wird voraussichtlich
um so folgenschwerer sein, als der Ausgleich zwischen unermesslichem
Bedürfniss an menschlichen Arbeitskräften einerseits und entsprechend
grossem Ueberfluss daran auf der andern Seite ihm zur Aufgabe fallen
wird. (s. S. 176).

Die Welt der Alten war der Rand des Mittelmeeres, unserem
Welthandel genügten der atlantische und indische Ozean. Erst wenn
das stille Meer vom lebhaften Verkehr seiner Gestade wiederhallt,
wird von Welthandel und Weltgeschichte im wahren Sinne die Rede
sein können. Der Anfang dazu ist gemacht. Vor nicht langer Zeit war
der grosse Ozean eine Wasserwüste, den die einzige Nao alljährlich
Einmal in beiden Richtungen durchzog. Von 1603 bis 1769 hatte kaum ein
Schiff Californien besucht, jenes Wunderland, das vor 25 Jahren, mit
Ausnahme weniger Stellen des Küstensaumes, eine unbekannte Einöde war,
heut mit blühenden Städten bedeckt, von Eisenbahnen durchschnitten,
dessen Hauptstadt unter den Häfen der Union bereits den dritten
Rang einnimmt, schon jetzt ein Zentralpunkt des Welthandels, und
wahrscheinlich bestimmt bei Erschliessung des grossen Ozeans, eine
der Hauptrollen zu übernehmen.

In dem Maasse aber als die Schifffahrt der amerikanischen Westküste
den Einfluss des amerikanischen Elementes über die Südsee ausbreitet,
wird der bestrickende Zauber, den die grosse Republik auf die
spanischen Kolonien übt [298], nicht verfehlen sich auch in den
Philippinen geltend zu machen. Die Amerikaner scheinen berufen, die
von den Spaniern gelegten Keime zur vollen Entfaltung zu bringen. Als
Conquistadoren der Neuzeit, Vertreter des freien Bürgerthums im
Gegensatz zum Ritterthum folgen sie mit der Axt und dem Pfluge des
Pioniers, wo jene mit Kreuz und Schwert vorangegangen.

Ein beträchtlicher Theil des spanischen Amerika's gehört bereits
den Vereinigten Staaten an und hat seitdem eine Bedeutung erlangt,
die weder unter der spanischen Herrschaft noch während der auf sie und
aus ihr folgenden Anarchie geahnt werden konnte. Auf die Dauer kann das
spanische System nicht neben dem amerikanischen bestehn. Während jenes
die Kolonien durch unmittelbare Ausbeutung, zu Gunsten bevorzugter
Klassen, die Metropole durch Entziehung der besten Kräfte, bei ohnehin
schwacher Bevölkerung erschöpft, zieht Amerika aus allen Ländern die
thatkräftigsten Elemente an sich, die auf seinem Boden von jeglicher
Fessel befreit, rastlos vorwärtsstrebend, seine Macht und seinen
Einfluss immer weiter ausdehnen. Die Philippinen werden der Einwirkung
der beiden grossen Nachbarreiche um so weniger entgehn, als weder sie
noch ihre Metropole sich im Zustande stabilen Gleichgewichtes befinden.

Für die Eingeborenen scheint es wünschenswerth, dass die oben
ausgesprochenen Ansichten nicht schnell zu Thatsachen werden, denn
ihre bisherige Erziehung hat sie nicht genügend vorbereitet um den
Wettkampf mit jenen rastlos schaffenden, rücksichtslosesten Völkern
zu bestehn; sie haben ihre Jugend verträumt.



ANHANG.


KOPFSTEUER UND FROHNDEN.

(Tributo, Polos y servicios.)


Der Tribut ist eine ehemals auch in Amerika bestehende Kopfsteuer,
welche die der spanischen Herrschaft unterworfenen Eingeborenen
zahlen. Die gleich nach der Eroberung eingeführte Steuer hatte
ursprünglich einen doppelten Zweck: 1. Dotirung von Encomiendas zu
Gunsten von Spaniern, denen für hervorragende Verdienste um die Krone
eine Anzahl Indier überwiesen wurde, die ihnen Tribut zahlen mussten;
2. Bildung eines Fonds zur Bestreitung der Kolonial-Verwaltung.

Ein ganzer Tribut umfasst immer zwei Personen, gewöhnlich Mann und
Frau, und ist daher ziemlich gleichbedeutend mit Familiensteuer. Die
Einwohnerzahl der Ortschaften wird nach Tributen angegeben; früher
wurden auf einen Tribut (wohl zu niedrig) 4 1/2 Seelen gerechnet,
gegenwärtig 6 Seelen, was eher zu hoch sein dürfte. Ein Einzelner
bezahlt einen halben Tribut.

Ursprünglich betrug ein voller Tribut 1 Dollar = 8 r., 1611 wurde
er auf 10 Realen erhöht (1 1/2 r. Zuschlag für das Heer, 1/2 r. für
den Klerus [299]) und, trotz mehrfacher Gegenverordnungen, von den
Provinzialbehörden meist in Produkten erhoben -- zu ihrem Nutzen,
aber zum Schaden der einheimischen Bevölkerung und der Regierung;
da die Einnehmer nur wenn der Markt ungünstig war, die Produkte mit
grossen Unkosten belastet nach Manila schickten, wo die Fülle sie noch
werthloser machte. Erst 1841 wurden Baarzahlungen allgemein eingeführt.

Seit 1852 beträgt ein Tribut 12 r. (in einigen Distrikten gelten
besondre Bestimmungen). Dazu kommen noch: Sanctorum 3 r., Comunidad
1 r., Recargo 1/2 r, so dass die Gesammtabgabe 16 1/2 r. oder für
den Einzelnen 1 Dollar + 1/4 r. beträgt.

Sanctorum ist für den Kultus, wird aber an die Regierung entrichtet,
welche die Pfarrer nach dem Maassstabe von 180 Dollar für 500 Tributos
besoldet.

Comunidad ist ein Zuschlag zum Gemeindefond (s. unten, Bürgerliche
Einrichtungen).

Recargo ist ein seit Aufhebung des Brantweinmonopols eingeführter
Zuschlag zur Deckung des dadurch veranlassten Ausfalls. -- In Mindanao
und den Bisayas wird kein Zuschlag erhoben.

Nach Agius (Memoria, Documento 5) steuert der einzelne Tributant jetzt
6.25 r. + 0.55 r. Recargo, zusammen 6.s, abgesehen von Sanctorum und
Comunidad. Die Bewohner von Abra, Ilocos, Union, zahlen ausserdem
noch 1 1/2 bis 2 1/4 r. für die Bewilligung ihren Tabak ausserhalb
des Estanco's kaufen zu dürfen.

Jeder Eingeborene ohne Unterschied des Geschlechts ist tributpflichtig
vom zurückgelegten 18. Jahre an, wenn unter väterlicher Gewalt,
vom 16. falls selbstständig.

Ausgenommen sind die Nachkommen der ersten Christen auf Cebu,
Neubekehrte (letztere gänzlich oder für eine Reihe von Jahren),
Gobernadorcillos und ihre Frauen, Barangay-Vorsteher, ihre Frauen
und »Erstgeborene«. So heissen die vom Barangay-Vorsteher erwählten
Assistenten, die zur Annahme des Amtes gezwungen und gleichfalls
mit ihrem Vermögen haftbar sind, weshalb auch ihr Eigenthum jährlich
inventarisirt wird (s. S. 181). »Manche ziehn sechs Monate und selbst
ein Jahr Gefängniss solchem Ehrenamte vor«. (Barrantes 51. Anm.)

Ferner sind befreit Beamte mit festem Solde nebst Frau und Kindern
unter väterlicher Gewalt; Mestizen und Abkömmlinge von Spaniern;
Indierinnen die sich mit Chinesen verheirathen, weil sie auch als
Wittwen wie Mestizinnen bezahlen, und verschiedene Andre; endlich
Eingeborene die über 60 Jahre alt sind; arbeitsunfähige Krüppel;
Kranke bis zu ihrer Wiederherstellung.

Reservados: Die durch Privilegium (spanische Mestizen), durch Alter
oder Krankheit von der Kopfsteuer Befreiten zahlen 1/2 Realen per
Kopf an die Regierung, wofür diese die Unkosten für ihr Seelenheil
übernimmt, angeblich mit einem Schaden von 1/2 r. für den Kopf, da
der Pfarrer für die Seele des Reservado dieselben Sporteln erhält,
wie für die des Tributanten.

Mestizen von einem Chinesen und einer Indierin zahlen seit 1852
jährlich 3 Dollar an Tribut, früher weniger.

Die mit einem solchen Mestizen verheirathete Indierin steuert
wie dieser während der Ehe, als Wittwe aber nur wie eine
Indierin. Mestizen, die wie Eingeborene eigenhändig Feldbau treiben,
zahlen auch nur wie diese. Die Mestizen bilden eigene Barangays,
wenn ihrer 25 bis 30 Tributos zusammenwohnen, andernfalls gehören
sie zu dem nächst gelegenen Barangay der Eingeborenen.

Jeder Chinese (Landbauer ausgenommen, von welchen nur 12 r. erhoben
werden) zahlt seit 1852 6 Dollar Kopfsteuer und ausserdem eine
Gewerbesteuer von 100 Dollar, 60 Dollar, 30 Dollar oder 12
Dollar. [300]

Der Gesammtertrag der Kopfsteuer ergab


                          1862               1867

        Indier       1,740,637 Dollar   1,814,850 Dollar
        Mestizen       141,206   -        149,900   -
        Chinesen       100,356   -        117,550   -
        Ungläubige      11,998   -         11,750   -
                     =========          =========
                     1,994,197 Dollar   2,094,050 Dollar


Der Tribut wird von den Alkalden oder Guvernören der Provinzen
durch die Barangay-Vorsteher erhoben, »unter der wirksamen Mithülfe
des frommen und fiskalischen Eifers der Pfarrer«, die ein direktes
Interesse an der Zunahme der Kopfsteuer haben, da ihre Stipendien
sich danach beziffern.

Jeder Barangay-Vorsteher hat in der Regel 45 bis 50 Tribute einzuziehn
und in die Hauptkasse der Provinz abzuliefern. Für Erhebung der
Kopfsteuer erhält er 1 1/2%, der Gobernadorcillo 1/2% und der Deputirte
der Hacienda (d. h. der Alkalde oder Provinzial-Guvernör) 3%.

Die Barangay-Hauptmannschaften sind erblich und wählbar, bedürfen
aber in beiden Fällen der Bestätigung der Hacienda, die nur den
zuverlässigsten und wohlhabendsten Leuten ertheilt wird. Die
Amtsdauer ist drei Jahre, nach deren Ablauf dasselbe Individuum
wieder gewählt, aber niemals, ausser in Folge gesetzlich begründeter
Ursachen, abgesetzt werden kann. In Wirklichkeit ist das Amt freilich
oft ein gezwungenes, (s. oben). Der Cabeza wird von der Regierung
ernannt und wählt sich einen »Erstgeborenen«. Den Cabeza liegt ausser
Eintreibung der Kopfsteuer das Aufrechthalten der guten Ordnung unter
den Tributanten ihres Barangay ob. Sie haben auch alle Leistungen,
welche die Gemeinschaft treffen, unter die Mitglieder derselben zu
vertheilen und diese gesetzlich zu vertreten. Der Tribut wird jährlich
in drei Raten entrichtet, es finden dabei grosse Unterschleife,
Ungerechtigkeiten und Bedrückungen seitens der Einnehmer statt.

Ausser dem Tribut hat jeder Indier jährlich 40 Tage öffentlicher
Arbeiten zu leisten (Pólos y servicios), eine Woche Dienst im Tribunal
(Tanoría), eine Woche Nachtwachen (Guárdia). Die Pólos y servicios
bestehn in Arbeiten und Leistungen für Staats- und Gemeinde-Zwecke
(Strassen- und Brückenbau, Botendienst u. s. w.). [301] Da die
Arbeitskräfte aber nur zum Theil zur Verwendung kommen, so sind die
Frohnden in Geld ablösbar; im Allgemeinen für 3 Dollar. Die Summe
ändert sich nach dem Wohlstande der Provinz; in den ärmeren beträgt
sie 2 Dollar, in einigen sogar nur 1 Dollar (42 1/2 Silbergr. für
40 Arbeitstage).

Die Tanoría besteht in einer Woche Dienst im Tribunal, der sich in
der Regel auf Reinhaltung des Gebäudes, Bewachung der Gefangenen und
ähnliche leichte Leistungen beschränkt. Die Semanéros müssen aber
eine Woche im Gemeindehause anwesend und verfügbar sein. Auch von der
Tanoría kann man sich loskaufen für 3 r.; von den Nachtwachen für 1
3/4 r.

Von allen persönlichen Leistungen befreit sind die Principales (und
ihre Familien) nämlich Ex-Gobernadorcillos, Juéces-mayores und Cabezas
von wenigstens 10 Jahren Amtsthätigkeit. Sie bilden einen inländischen
Adel und werden »Don« titulirt.

Ein Gesetz vom 3. Novbr. 1863 (L. ult. III.) bestimmt zwar, dass alle
männlichen Einwohner der Philippinen, Europäer oder Eingeborene,
Spanier oder Ausländer, jährlich vier und zwanzig Tage persönliche
Dienste zu verrichten oder deren Ablösung in Geld zu bewirken
haben. Dieses Gesetz ist aber nicht zur Ausführung gekommen; Europäer
sind von allen Abgaben frei. Mestizen von einem Spanier und einer
Indierin gleichfalls, zahlen aber 7 r. Sanctorum und 1/2 r. Diezmo
für die Regierung. Mit der Zahlung der Mestizen, namentlich der
Mestizinnen wird es indessen nicht genau genommen.

Noch grössere Missbräuche als bei Einziehung des Tributes finden
bei Vertheilung der Frohnden und ihrer Ablösung in Geld statt;
da hierbei eine genaue Kontrolle um so weniger möglich ist, als die
Vertheilung und Ueberwachung der Arbeit gänzlich von den inländischen
Ortsbehörden, die immer zusammenhalten, abhängt. Ueberdies wagt ein
Plebejer nicht leicht gegen seinen Cabeza zu klagen. Häufig sollen
auch spanische Beamte sich an jenen Unterschleifen und ihren Erträgen
betheiligen. Sehr allgemein ist die missbräuchliche Verwendung der
Polistas zu Privatdiensten.

Die Gemeindeverfassung der Philippinen [302], welche die Spanier bei
ihrer Ankunft schon vorgebildet fanden und geschickt abänderten,
indem sie die erblichen Häuptlinge mehr und mehr durch einen
Adel ersetzten, der nur im Regierungsdienst erworben werden kann,
dessen Mitglieder zwar von den Eingeborenen, aber doch nur nach den
Wünschen der Regierung gewählt werden, ist gewiss im Ganzen als eine
glückliche Umgestaltung vorgefundener Verhältnisse zu betrachten. Die
Regierung verkehrt nur mittelbar durch diesen unbesoldeten Adel mit
den Eingeborenen; ihm liegt die Gemeindeverwaltung, die Polizei, die
Eintreibung der Steuern ob. Das von Manchen übermässig gepriesene
System hat aber auch grosse Nachtheile: die von ihren Genossen
gewählten inländischen Beamten, welche von der spanischen Regierung
keine Besoldung erhalten, keine Dienstbeförderung, zu erwarten haben,
stehn dieser sehr unabhängig gegenüber und der Verband ist um so
loser, als die spanischen Beamten so schnell wechseln, dass es ihnen,
wenn nicht an den übrigen Eigenschaften, schon an Zeit mangelt,
um das Vertrauen, die Zuneigung und Achtung der Eingeborenen zu
erwerben. Da die unbesoldeten Cabezas überdies mit ihrem Vermögen für
die Kopfsteuer ihrer Barangays haften, so werden sie leicht verleitet,
sich durch Unterschleife gegen mögliche Ausfälle vorweg reichlich zu
decken. Ein noch grösserer Uebelstand ist es, dass die Polizei während
der Amtsdauer zwar von Kopfsteuer und Frohnden befreit bleibt, übrigens
aber weder von der Gemeinde, noch von der Regierung besoldet wird,
und daher freigebigen Uebertretern des Gesetzes sehr zugänglich ist.

Als der Tribut bei Gründung der Kolonie eingeführt wurde, um zur
Deckung der Verwaltungskosten beizutragen, war in den Philippinen
kein besteuerbares Eigenthum vorhanden; seine Beibehaltung unter den
gegenwärtigen Verhältnissen erscheint weder geschickt noch gerecht. Die
Steuer nimmt keine Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit, ja sie trifft
nicht einmal den Armen und den Reichen gleich, sondern lässt Letztern
gewöhnlich frei.

Nur diejenigen Europäer, die Ländereien besitzen, zahlen davon eine dem
Zehnten des angeblichen Bruttoertrages entsprechende Abgabe (diezmos
prediales). Der Gesammtertrag dieser Abgabe übersteigt nicht 7000
Dollar jährlich! Andrerseits berechnet Herr Agius (General-Intendant
der Hacienda) die Summe, welche der Staat den Krüppeln, Altersschwachen
und andern auf die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesenen Individuen
abpresst, auf 12,600 Dollar.

Schon lange wünschen die einsichtsvolleren Beamten den Tribut
durch eine Steuer auf Grundbesitz und Gewerbe zu ersetzen, und alle
davon Betroffenen vom Tribut zu befreien. Die Ausführung einer so
heilsamen Maassregel ist aber unmöglich, so lange die Verhältnisse
des Grundbesitzes nicht geordneter sind. Auch fehlen nicht nur alle
statistischen Daten, sondern auch die Personen, von denen das mangelnde
Material in irgend zuverlässiger Weise beschafft werden könnte. Die
Schwierigkeit wird noch bedeutend dadurch vermehrt, dass wenige
Spanier die Landessprachen, wenige Eingeborene spanisch verstehn,
dass letztere im höchsten Grade misstrauisch sind und sich der Lüge
fast instinktmässig als einer immer bereiten Schutzwehr gegen Jeden
bedienen, der sie ausfragen will. Um so schwieriger würde es sein,
richtige Angaben zu erlangen, wenn es sich um ihren Geldbeutel handelt.

Ein Hinderniss sonderbarer Art, für eine Volkszählung in den
Philippinen ist das fast gänzliche Fehlen aller Familiennamen und
die geringe Manchfaltigkeit der angenommenen Namen. Früher scheint
das Uebel noch grösser gewesen zu sein, wie aus folgendem Dekret des
General-Kapitäns vom Novbr. 1849 (Leg. ult. I. 449) hervorgeht:

»Die Indier haben gewöhnlich keine Familiennamen, nehmen beliebige
Namen meist von Heiligen an, wodurch die Polizei-Kontrolle und das
Einsammeln des Tributes erschwert werden. Es werden daher an die
Provinzialbehörden Verzeichnisse passender Namen geschickt, auch
solcher aus dem Mineral-, Pflanzen- und Thierreich damit jeder
Familie eines Pueblo ein Name ertheilt werde, den sie zu führen
und zu behalten hat. Die Eingeborenen welche bereits Familiennamen
besitzen, behalten dieselben. Solche, die schon vier Generationen
hindurch einen Heiligennamen geführt haben, können ihn behalten,
ausgenommen sind aber Namen wie Sa. Cruz und los Santos u. s. w.,
die wegen ihrer grossen Häufigkeit Anlass zu Verwirrungen geben.«



BÜRGERLICHE EINRICHTUNGEN.

(Nach einem handschriftlichen Aufsatz im Ultramar-Ministerium.)


Es würde eine sehr eingehende Durchforschung der im
Kolonial-Ministerium vorhandenen Präjudizien nöthig sein, um alle
diejenigen, welche sich [L. ult. III. 64.] auf die bürgerlichen
Einrichtungen der Philippinen beziehen, vor Augen zu haben, und selbst
dann würde man vielleicht nicht dazu gelangen, sie vollständig kennen
zu lernen, da die provinzielle Einheit kaum besteht und die städtische,
mit der alleinigen Ausnahme von Manila, gänzlich unbekannt ist. Da
aber diese Notizen nur zum Zweck haben in grossen Zügen zu schildern,
welche Einrichtungen dort in Bezug auf lokale Fonds sowohl in ihrem
Bestande, als in ihrer Verwaltung und Verwendung gelten, so soll
hier nur summarisch besprochen werden, aus welchen Elementen das
Ayuntamiento (Gemeinderath) der Hauptstadt besteht und durch welche
Beamten in den übrigen Ortschaften (pueblos) der Mangel städtischer
Körperschaften ersetzt wird. Das Ayuntamiento von Manila besteht
aus zwei Alkalden und zwölf Regidoren, welche letztere unabsetzbar
waren, bis durch R. C. 3. Dez. 1677 verfügt wurde, dass sie aus der
freien Wahl der abtretenden Kapitulare (d. h. Regidoren) hervorgehn
sollten. Diese am 1. Januar unter dem Vorsitz eines K. Rathes des
obersten Gerichtshofes vereinigt, ernennen auch die beiden Alkalden,
den Einen aus zwölf im Voraus bezeichneten Eingesessenen, nach
Bestätigung ihrer Befähigung durch eine von der Ober-Zivilbehörde
genehmigte Ausfertigung, den Andern aus den Regidoren, die den
neuen Gemeinderath bilden sollen. Falls sich bis Mitternacht die
Regidoren nicht über die Ernennung der Alkalden einigen können, so
[L. ult. III. 129.] erfolgt dieselbe durch die Ober-Zivilbehörde;
wenn letztere aus triftigen Gründen glauben sollte, den zu ihrer
Kenntniss gebrachten Ernennungen die Bestätigung versagen zu müssen,
so setzt sie ihre Gründe dem Ayuntamiento auseinander, damit dasselbe
beschliesse, was ihm sachgemäss scheint.

Zur besseren Verwaltung der verschiedenen städtischen Geschäfte
und Leistungen werden diese unter die Regidoren vertheilt; drei
der letzteren versehn die Aemter des Alferez real, Procurador und
Obrero mayor. Zwei sind deputirt für öffentliche Feste, zwei für die
Polizei, zwei andre für die Verproviantirung. Es würde natürlich
erscheinen, dass das Ayuntamiento über alle Angelegenheiten der
Stadtgemeinde zu erkennen hätte: dies ist indessen nicht der Fall,
denn nur die Angelegenheiten innerhalb der Stadtmauern gehören zu
seinem Wirkungskreise, die übrigen zu dem des Ober-Alkalden von
Tondo (jetzt Provinz Manila). Der Gobernador-Corregidor von Manila
(ein durch R. D. Sept. 1859 gestiftetes Amt) führt den Vorsitz im
Ayuntamiento, die Friedensrichter der Vorstädte handeln hinsichtlich
der Zivilverwaltung als seine Abgeordnete. Er führt die Beschlüsse
besagter Körperschaft aus, und sorgt für Alles was sich auf städtische
Polizei, Zufuhren, städtische Anlagen bezieht, ernennt auf Vorschlag
des Ayuntamiento die Beamten desselben, vertritt es vor Gericht und
bringt dessen Vorlagen an die Oberbehörde. Seine Befugnisse darf er
auf einen der Alkalden oder Regidoren übertragen. Als Zivil-Guvernör
führt er die Anordnungen der Oberbehörde aus, ordnet den Gesetzen
entsprechend alle Maasregeln an, welche die persönliche Sicherheit,
das Eigenthum und die Erhaltung der öffentlichen Ordnung betreffen,
ertheilt Pässe und Erlaubnisscheine zur Führung von Waffen, unterstützt
mit allen Kräften die Einziehung des Tributes und vollstreckt die in
der Polizei-Ordnung festgesetzten Strafen. Diese Strafen dürfen nach
R. D. 29. Sept. 1862 im Einzelfalle nicht übersteigen 600 Esc., wenn
sie die Ober-Zivilbehörde, 300 Esc., wenn sie die Guvernöre von Manila,
Bisaya, Mindanao, und 100 Esc. wenn sie die politisch-militärischen
Guvernöre der Provinzen oder die Ober-Alkalden verhängen. Das Maximum
der Arrest- oder Gefängnissstrafe soll 2 Monate sein, wenn sie von
den obersten Behörden, einen Monat, wenn sie von den zweiten, 15 Tage,
wenn sie von den dritten verfügt wird.

Ursprung der Lokalfonds. Zur Bestreitung der örtlichen Bedürfnisse in
den Philippinen dienen die [Leg. ult. III. 136.] Fondos de Propios,
Arbitrios y Comunidad, Gemeinde- Eigenthum- und Gefälle-Gelder. Die
ersteren bestehn aus jeder Art beweglicher und unbeweglicher Güter
und Gerechtsame, deren Eigenthum oder Niessbrauch den Städten,
Ortschaften und Weilern gehört. Sie zerfallen je nach ihrem Ursprung
in provinzielle und örtliche und werden demnach zu den Lasten einer
Provinz oder einer bestimmten Oertlichkeit verwendet. Arbitrios
nennt man das Produkt der Abgaben für Schlachtvieh, Stempel, Wagen,
Reitpferde, Wege und Brücken, Fähren, Billards u. s. w. Von diesen
Abgaben sind einige zur Bildung eines Provinzialfonds bestimmt, andre,
wie der Loskauf von den persönlichen Leistungen (Polos y servicios),
Wege- und Fährgelder und andre kleine Einnahmen, werden besondern
Ortschaften oder Oertlichkeiten überwiesen. Früher hatten auch einige
Abgaben den Zweck, ausschliesslich zur Deckung bestimmter Leistungen
zu dienen, sie hiessen especiales; aber durch R. O. 21. Oct. 1858
wurde ihre Einzahlung in die k. Kassen angeordnet. Seitdem fällt
ihre Erhebung sowohl, als die Leistungen, zu welchen sie bestimmt
waren, der Verwaltungsbehörde zur Last. Zu dieser Klasse gehörten die
Gebühren für Lagerhäuser, Reinigung des Hafens, Haverei, Leuchtthurm,
der Aufschlag auf Reis u. s. w.

Die Fondos de comunidad (Gemeinde-Fonds) entspringen aus dem Zuschlag
zum Tribut, welchen die k. Kassen erheben. Dieser Zuschlag beträgt
1/2 Real für Eingeborene und Mestizen von Chinesen, und 2 r. für
Chinesen. Aus den Fonds der Propios und Arbitrios wird eine einzige
Masse gebildet, die ohne Unterschied zur Bestreitung der Ausgaben
der lokalen, allgemeinen oder provinzialen Verwaltung, oder der der
Pueblos dient, so weit das Kapital eines jeden dieser Verbände reicht.

Die Fonds der Gemeindekassen dagegen sind von denen der Propios und
Arbitrios gänzlich getrennt und haben eine besondere Verwendung; sie
tragen mit dem Staate (hier so viel als k. Kasse) und den Propios
und Arbitrios je zu einem Drittheil die Kosten der Erbauung und
Instandhaltung der Casas reales (R. O. 24. Mai 1855), betheiligen
sich an der Unterhaltung der allgemeinen Asyle und Krankenhäuser,
kommen den Steuerzahlern bei allgemeinen Nothständen zu Hülfe und
entrichten für dieselben den Tribut, wenn diese ihn aus eben dieser
Ursache nicht zahlen können. Sollte indessen die Kasse der Propios
und Arbitrios einer Provinz oder einer Ortschaft zur Bestreitung
ihrer Ausgaben nicht hinreichen, so ergänzt die General-Kasse des
Verwaltungszweiges das Fehlende; eben so wie diese, wenn sie nicht
hinreichendes Kapital besitzt, um ihre Ausgaben zu decken, von den
Gemeindekassen unter Bedingung der Rückzahlung unterstützt wird.

Die General-Kasse, welcher, wie erwähnt, die allgemeinen Ausgaben der
Verwaltung zur Last fallen, besteht aus zwei Theilen: erstens dem
Kapital der Gemeindekassen, deren Verpflichtungen angeführt worden
sind, zweitens aus den Erträgen dieses Kapitals und der zwei Prozente
von den jährlichen Einnahmen der drei Zweige.

Obgleich in der Regel die Lokal-Kassen 2/3 der Unkosten für die
Wohnungen [Leg. ult. III. 480, I. 219.] der Provinzial-Guvernöre
trugen, wurde durch R. O. 4. und 21. Januar 1863 verfügt, dass
genannte Beamte diese Unkosten aus den 2 Prozenten zu bestreiten
hätten, welche sie für Erhebung der Abgaben erhalten.

Desgleichen wurde verordnet, dass sowohl der Unterhalt als der
Transport armer Gefangener aus den Munizipal-Fonds bestritten werde
(R. O. 2. Oct. 1859); [Leg. ult. II. 11 & 113.] durch eine andre
bereits angeführte R. O. 24. März 1855 wird verfügt, dass die
[Leg. ult. IV. 260.] Ausgaben für Erbauung und Instandhaltung der
Gefängnisse von den Ortschaften aus den Fonds der Propios und Arbitrios
bestritten werden, und in Ermangelung solcher aus den Gemeindekassen;
durch R. D. 20. Dec. 1863 wird befohlen, dass die Normalschule
von Manila aus der Zentralkasse der Propios und Arbitrios und die
Provinzialschulen aus dem Lokalbudget erhalten werden. [303]

Verwaltung der lokalen Fonds. Seit Publikation der R. O. 2. April
1846 galt in der Verwaltung der Grundsatz, dass die Fonds der Propios,
Arbitrios und Comunidad auf die lokalen Bedürfnisse verwendet werden
und eine von den Staatsfonds getrennte, der Verwaltungsbehörde
anvertraute Masse bilden. Folge davon war die Bildung (R. O. 17. März
1854 und 1. August 1856) einer Sektion für Propios und Arbitrios
in der Verwaltung der Tribute und einer Sektion in der Kanzlei der
Ober-Zivil-Regierung, indem zugleich vorläufige Bestimmungen für die
gute Verwaltung dieser Fonds erlassen wurden.

[Leg. ult. III. 135.] Später gingen laut Verfügung vom 30. Aug. 1858
sowohl die Propios y arbitrios als die Gemeindefonds in die
Verwaltung der Ober-Zivilbehörde über; es wurde eine dirigirende
Junta der lokalen Verwaltung gebildet, welche unter dem Vorsitze
jener Behörde, aus dem Staatsanwalt und einem Rath des obersten
Gerichtshofes, dem General-Administrator des Tributes und dem Direktor
der Lokalverwaltung bestand, mit dem zuerst genannten Beamten
als Schriftführer. Zugleich wurde das Personal des Letzteren und
eine Rechenkammer für die Lokalverwaltung, durch Umformen der im
Sekretariat der Ober-Zivilbehörde und der General-Verwaltung des
Tributs vorhandenen Sektionen geschaffen.

[Leg. ult. III. 137.] Die Obliegenheiten dieser Direktion bestehn in
Ermittelung der Propios und Arbitrios der einzelnen Ortschaften und
Provinzen, der Abgaben für den Gemeindefonds, und der auf diesen Fonds
ruhenden Lasten; in Erforschung angemessener Veränderungen in diesen
Abgaben, Revision der veranschlagten Einnahmen und Ausgaben, welche
die Ortschaften und Chefs der Provinzen nach diesen Voranschlägen
entwerfen und endlich in Ausarbeitung und Einreichung eines
allgemeinen Planes (formar los generales) an die Zivil-Regierung,
damit diese nach erfolgter Bestätigung durch die dirigirende
Junta der lokalen Verwaltung, der obersten Behörde Abschrift davon
ertheile. Die Bestätigung ist der Rechenkammer (tribunal de cuentas)
der Inseln vorzulegen, welcher die monatlichen (halbjährlichen
laut R. O. 5. Okt. 1863) und die jährlichen Rechnungen zur Prüfung
einzureichen sind, auf dass sie mit beiden gemäss Instruktion vom
31. Okt. 1859 (bestätigt durch R. O. 19. Mai 1861) verfahre.

Desgleichen hat die genannte Direktion die Versteigerung der
verpachtungsfähigen Abgaben zu verfügen, welche die Ober-Zivilbehörde
bestätigen oder verwerfen kann. Auch wird diese Behörde der höchsten
Regierung die Einführung neuer Abgaben oder die Abänderung bestehender,
wenn es angemessen erscheint, vortragen indem sie einstweilen den
Ausfall einiger Provinzen, vorbehaltlich der gelegentlichen Rückgewähr,
aus den Ueberschüssen anderer deckt. Nach R. O. 29. April 1860 muss,
so oft ein Werk mit den lokalen Fonds ausgeführt werden soll, vorher
der betreffende Anschlag gemacht werden, und wird die Ober-Zivilbehörde
durch R. O. 23. Juli 1861 und 6. Juli 1863 ermächtigt, nach Vernehmung
des Verwaltungsrathes Ausgaben zu bewilligen, welche 20,000 Dollar für
Einmal und 10,000 Dollar, wenn es sich um wiederkehrende Anweisungen
handelt, nicht übersteigen, und sollen die Arbeiten in derselben
Form wie die aus Staatsgeldern bezahlten, in öffentlicher Lizitation
vergeben und die Regierung davon in Kenntniss gesetzt werden, jedoch
ohne die Akten einzusenden, wie R. O. 24. Juli 1862 vorschrieb. Falls
diese Behörde von dem Ermessen der dirigirenden Lokalbehörde abweicht,
bleibt die Ausgabe bis zur Erlangung der k. Genehmigung, welche
ebenfalls nöthig ist für Alles was eine fortdauernde Belastung dieser
lokalen Fonds herbeiführt, schweben.

[Leg. ult. I. 164.] Durch andre R. O. 1. Aug. 1861 wurde die Bildung
einer von der Regierungs-Kanzlei abhängigen Sektion genehmigt,
welche in Angelegenheiten der Verwaltung der Propios und Arbitrios
und der Ueberschüsse der General-Kasse befindet, und ward ihr
aufgetragen eine Verordnung für die gute Verwaltung besagter
Gelder zu entwerfen. In der Absicht diese zu sichern, und da die
Kassen der Ortschaften, wo sie aufbewahrt wurden, keine Gewähr
boten, verfügte die [Leg. ult. III. 224.] oberste Zivilbehörde
(19. April 1858) ihre Zentralisirung in den Hauptstädten
der Provinzen zu Lasten der Ober-Alkalden und politischen
Militär-Guvernöre. [Leg. ult. III. 215.] (Der Alkalde mayor sammelt
die Gelder und schickt sie an die Haupt-Kasse in Manila.) Später
(R. O. 21. Oct. 1858) ward verfügt, dass die Einnahmen aus den
Zweigen der sogenannten Agenos und der Propios und Arbitrios in den
öffentlichen Schatz flössen. Für diese Dienstleistung behält der
Staat 20 % von den Propios (der Staat erhebt auch in Spanien 20 % von
jedem Verkauf eines Gemeinde-Grundstücks oder andern Propios) und 10 %
von den Arbitrios und Gemeindegeldern der Ortschaften und Provinzen.

Ausserdem beziehn die Chefs der Provinzen, welche Bürgschaft geleistet
haben, (R. O. 21. Dez. 1860) 2 % und die Gobernadorcillos 1/2 % für die
Mühe der Erhebung. In Folge dieser Maasregel trägt der Staatsschatz die
Unkosten für die Direktion und die Rechenkammer der lokalen Verwaltung.

[Leg. ult. III. 256.] Voranschläge. Damit die Veranschlagung der
Einnahmen und Ausgaben nach festen Regeln erfolge, sind solche durch
R. O. 18. Mai 1861 aufgestellt und sollen jene nach den einzelnen
Provinzen, und zwar die für die Propios und Arbitrios getrennt von
denen für die Gemeindekassen entworfen werden. Letztere Fonds sind
für die besonderen Erfordernisse der Ortschaften bestimmt, die der
Propios und Arbitrios für die der Provinzen und Distrikte. Die
Einnahmen zerfallen in ordentliche und ausserodentliche je nach
ihrer Art; die Ausgaben in nothwendige und freiwillige. Zunächst
bestimmte die oberste Zivilbehörde über die Klassifikation der
ersteren, unbeschadet der einzuholenden Bestätigung Ihrer Majestät
und der jährlichen Einsendung ihrer Voranschläge (im Monat Juli)
zur Kenntnissnahme der höchsten Regierung. Später wurde angeordnet,
dass die Veranschlagungen klar und in's Einzelne gehend abgefasst
sein, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen, und dass
am Schluss jedes Geschäftsjahres die Ueberschüsse der Gemeinde-,
Propios und Arbitrios-Gelder in die betreffende Zentralkasse des
Zweiges fliessen sollen.

Die Verordnung des Intendanten von 1786 verfügt (Art. 47), dass jede
Ortschaft ihre jährlichen Ueberschüsse aus den Propios und Arbitrios
oder Gemeindegütern zum Ankauf von Immobilien und zinsbaren Anlagen
verwende, um unnöthige Gefälle (Arbitrios) zu beseitigen oder, falls
keine vorhanden, genannte Ueberschüsse zur Förderung nützlicher
Anstalten für den Ort oder die Provinz zu benutzen.

Bisher sind die Regeln über die Verwendung besagter Ueberschüsse noch
nicht festgestellt worden; R. O. 18. März 1861 bestimmt nur, dass sie
zentralisirt und über ihre Anlegung durch die Ober-Zivil-Verwaltung
oder die Staatsregierung je nach Umständen, und gemäss den in Kraft
bestehenden Vorschriften verfügt werden soll. [304]



UEBER DEN BODENKREDIT.

(Nach Aufsätzen im Diario de Manila, Dezember 1866.)


Ausgenommen einige grosse, durch Schenkungen in früherer Zeit
erworbene Besitzungen ist das Grundeigenthum meist durch das Recht
der Besitzergreifung und Urbarmachung entstanden, welches noch
jetzt durch die Gesetze von Indien (Leyes de India) zu Gunsten
der Eingeborenen anerkanntes Gemeinderecht ist. In Ausübung dieses
Gemeinderechts nimmt der Eingeborene das zu seiner Wohnung und zum
Feldbau benöthigte unbenutzte Land in Besitz und verliert es nur dann,
wenn er es zwei Jahre lang nicht bearbeitet. Abgesehn von diesen
geborenen und trotzdem sehr armen Grundeigenthümern, ist Grundbesitz
gesetzlich auf folgende Weise zu erwerben: durch Kauf eines bestimmten
Flächenraumes unbenutzten Kronlandes vom Staat; durch wirklichen Kauf
von den Eingeborenen welche Ländereien besitzen; durch Verträge, pactos
de retro genannt, die mit den Eingeborenen geschlossen werden; durch
Verpfändung oder Hypothezirung von Schuldverschreibungen, welche eben
diese Eingeborenen besonders bei Handelsgeschäften einzugehn pflegen.

Das erste Mittel sollte eine Quelle von Reichthümern sein, ist es
aber aus verschiedenen Gründen nicht. Nur Wenige sind heut mit der
Gesetzgebung über unbebautes Kronland vertraut, die aus einer Unzahl
einzelner Beschlüsse besteht und ein kasuistisches, unzusammenhängendes
verwirrtes Durcheinander bildet. Es wurde daher durch R. O. 1864
der Entwurf einer Verordnung für den Verkauf unbenutzter Ländereien
befohlen, und müssen wir annehmen, dass diese Arbeit ziemlich weit
vorgeschritten sei ... Nach einer Beschreibung der dabei stattfindenden
Weitläufigkeiten heisst es weiter: das Ergebniss war, dass nach Verlauf
von 2 oder 3 Jahren, wenn es gelang den Widerstand der Ortschaft zu
besiegen, in deren Gerichtsbezirk das beanspruchte (pedido) Land lag,
die betreffende Person einen Besitztitel darüber ausgefertigt erhielt,
gegen Erlegung der unbedeutenden Summe von 4 r. für den Quiñon (weniger
als 2 sgr. für den Morgen), einer Summe die nicht sowohl die Bedeutung
eines Kaufpreises, als einer Anerkennung des Besitzes hatte. Diese
Bestimmung war in Anbetracht der grossen Unkosten erlassen, welche
das Ausroden und Urbarmachen in den Philippinen verursacht. Durch
R. O. 1857 würde das Angebot für unbebautes Kronland auf 50 Doll. per
Quiñon festgesetzt, und konnte der Zuschlag (concesion) nicht ohne
vorhergehende öffentliche Lizitation erfolgen. Von jener Zeit an
hielten sich Privatleute von derartigen Gesuchen fern: zu den alten
Uebelständen gesellte sich der hohe Preis und die Gefahr überboten
zu werden und dadurch Mühe und Kosten für Untersuchung des Terrains
zu verlieren. 1859 wurde das Dekret abgeändert, der alte Preis von 4
r. per Quiñon als Angebot wieder eingeführt; dieses Dekret ist aber
noch nicht publizirt.

Damit dem Ackerbau Kapitalien zufliessen, ohne welche er sich unmöglich
entfalten, Korn und Kolonialwaaren für die Ausfuhr erzeugen kann,
ist es durchaus nöthig alle Hindernisse zu beseitigen, die Vermögende
abschrecken. Unter diesen Hindernissen stehn in erster Reihe die
Lokalgerichtsbarkeit bei Bewilligung unbebauter Kronländer; in zweiter
die Hindernisse, welche Nationalen sowohl als Ausländern, die in
Landgemeinden Niederlassungs- und Bürgerrecht (radicacion y vecindad)
erwerben wollen, in den Weg gelegt werden. Ausser der Schwierigkeit
grosse Besitzungen zu erwerben, sind noch andre vorhanden. Der
Pflanzer kann leicht Arbeiter finden, denen er bedeutende Vorschüsse an
Kleidern, Korn, Vieh und Geld machen muss; aber die Indier halten ihre
Kontrakte schlecht; die dem Pflanzer zu Gebot stehenden gesetzlichen
Mittel, um sie zur Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen zu
zwingen, sind so schwerfällig und so verderblich wie das Aufgeben
des Rechtes selbst. Wenn der Alkalde nicht thätig ist und guten
Willen zeigt, so ziehn die Pflanzer gewöhnlich vor, ihre Ansprüche
nicht geltend zu machen; sie tragen den Verlust und manche werden
dadurch bewogen ihre Unternehmungen aufzugeben. Dieser Krebsschaden der
Landwirtschaft wird verschwinden, sobald jeder Indier einen Bürgerbrief
(cedula de vecindad) besitzt. Ist das erste Jahr überstanden, so sind
später Stürme, Heuschrecken, Handelskrisen, die den Preis der Produkte
herabdrücken, zu gewärtigen. In solchen Fällen wird es für den Pflanzer
zum grossen Uebelstand, dass kein Kredit vorhanden. Hypotheken giebt es
nicht, wenigstens keine obligatorische Hypothekenregister; daher wagt
Niemand sein Geld auf dergleichen Grundstücke auszuleihn, oder thut es
nur gegen erdrückende Wucherzinsen. Eine Besserung in dieser Beziehung
wird in den Philippinen von der grossen und kleinen Landwirthschaft,
vom Handelsstand, vom grossen und kleinen Besitz dringend verlangt;
sie würde dem Pacto de retro so wie den wucherischen Verträgen, die
in Luzon tacalanan, in Bisaya alili heissen (Darlehn auf den Ertrag
der nächsten Ernte) und denen an vielen Orten das herrschende Elend,
das Zurückbleiben zugeschrieben werden muss, für immer ein Ziel setzen.

Es müssen klare, schnell ausführbare Bestimmungen erlassen werden,
durch welche die mit den Kolonen geschlossenen Verträge zur Wahrheit
werden; den Eigenthümern muss durch Eintragung ihrer Grundstücke
in ein Hypothekenbuch die Möglichkeit gegeben werden, Darlehen ohne
andre Sicherheit unter mässigen Bedingungen zu erlangen.

Pacto de retro ist eine der gebräuchlichsten Formen durch welche
ländliche Besitzungen aus den Händen der Eingeborenen an Andre
übergehn. Ein beträchtlicher Theil von Pampánga, Bataán, Manila,
Laguna, Batángas und anderen Provinzen hat innerhalb weniger Jahre
auf diese Weise die Besitzer gewechselt. Auf diese Weise erwerben
gewöhnlich die unbeschreiblich schlauen und sparsamen Mestizen ihre
Ländereien, deren Kultur sie dann verbessern; was aber nicht hindert
dass dieser Gebrauch für den Volkswohlstand verderblich ist.

Der Eingeborene, der ein Stück Land durch Urbarmachung und
Besitzergreifung, aber fast nie oder sehr selten durch Kauf
von einem andern Eigenthümer inne hat, bietet, wenn er sich in
drückender Geldnoth befindet, sein Land zum Pfande für ein vom
Kapitalisten begehrtes Darlehn, da er aber keine Urkunde besitzt,
um sein gutes Recht zu beweisen und zu zeigen, dass es von allen
Lasten und Verpflichtungen frei ist, so ist keine Grundlage für ein
hypothekarisches Darlehn unter billigen Bedingungen vorhanden.

Der Kapitalist sucht daher seine Sicherheit im unmittelbaren
Besitz. Die Hypothek verwandelt sich in ein antichretisches Pfand
(prenda pretoria), und da es sehr schwer ist, oder wenigstens sehr
selten vorkommt, dass der Indier, der das Geld empfängt, es freiwillig
zur festgesetzten Zeit zurückzahlt, und es nicht im Interesse des
Darleihers liegt, ihn zur Zahlung zu zwingen, so geschieht es, dass
für die einem hypothekarischen Darlehn entsprechende Summe, d. h. für
den halben oder drittel Werth des Pfandes, das Grundstück definitiv
den Besitzer wechselt; nicht selten geschieht es, dass der ehemalige
Eigenthümer dann als Kolon (Arbeiter, thatsächlich Schuldsklave) auf
dem Grundstück verbleibt. Häufig wird der Indier in Folge seiner Sucht
für Hahnenkämpfe und Hasardspiele zu dergleichen Kontrakten verleitet.

Die Landesgesetze verlangen, dass die Indier in Ortschaften leben,
ihre Gehöfte zu Dörfern vereinigen, damit sie überwacht und ihre
Leistungen erhoben werden können. Unter gewöhnlichen Umständen
baut sich der Indier eine Hütte auf seinem Acker, wo er zur Zeit
der Feldarbeiten wohnt, und geht Samstag Abend nach dem Dorf um
am Sonntag die Messe zu hören. Sein Feld hat für ihn keinen grossen
Werth, da er immer wieder ein andres Stück urbar machen kann; so gross
ist der Ueberfluss an Land bei allen von der Hauptstadt entfernten
Ortschaften. Die Leichtigkeit, mit der ein Grundstück aufgegeben,
ein andres in Besitz genommen werden kann, ist der Entwicklung des
Landbaus sehr schädlich. Ein kleiner Grundbesitzer, der ohne Jemand um
Erlaubniss zu fragen ein wüstes Stückchen Land mit Reis oder Bataten
bepflanzt hat, erhebt ein Geschrei, wenn es von einer Kuh oder einem
Pferde, das seit Jahren dort graste, betreten wird, und lässt sich,
da das Gesetz zu seinen Gunsten lautet, vom Eigenthümer des Viehs
einen oftmals imaginären Schadenersatz zahlen, während doch der
Schaden von demjenigen getragen werden sollte, der sein Feld baut,
ohne es einzuhegen.

Derselbe kleine Eigenthümer macht zu seinen Gunsten alle Vorrechte
und Gerechtsame eines ganzen Dorfes voll Indier geltend, wenn ein
vermögender Mann in seiner Nachbarschaft eine Pflanzung anlegen
will. Oft findet der zu solcher Anlage entschlossene Kapitalist,
dass in dem vorher völlig unbebauten oder wüsten, gegen Zahlung einer
gewissen Summe nach langen Weitläufigkeiten von der Hacienda erworbenen
Gebiete einige Indier ein Saatfeld angelegt haben und durch Zeugnisse,
die mit Unterschriften bedeckt aus dem Tribunal kommen, bekräftigen,
dass sie dieselben von ihren Vätern geerbt und nie unterlassen haben,
sie zu bearbeiten.

Eine Abhülfe dieser Missbräuche würde in der Begrenzung des Gebietes
und der Gerichtsbarkeit der Gemeinden liegen, so dass zum Behuf
der Vermehrung des ländlichen Eigenthums, für die Insassen eines
Pueblo so viel Land frei bliebe, als sie gegenwärtig vernünftiger
Weise beanspruchen können; mehr oder weniger, als die sogenannte
Gemeinde-Feldmark (legua comunal), deren übrigens kein Gesetz Erwähnung
thut. Alles übrige im Gerichtsbezirk belegene Land müsste aber für
Kronland erklärt, alle gegenwärtig ausserhalb des Gemeindegebiets
belegene Besitzungen für rechtsgültig erworben; in der Folge aber
alles nicht nach den vorgeschriebenen Regeln Besessene für ungültig
erklärt werden; innerhalb des Gemeindebezirkes oder rechtmässigen
Eigenthums der Ortschaften, welches nicht über die Schallweite
der Kirchenglocke hinausreichen darf, muss dem einheimischen Bauer
gestattet sein, ausserhalb des Pueblo in Mitten des von ihm bebauten
Landes zu wohnen; und nur falls er letzteres veräussert oder aufgiebt,
muss er gezwungen sein, im Pueblo zu leben; die Eingeborenen müssen
innerhalb des Gemeindegebietes neue Grundstücke urbar machen und
erwerben können, indem sie einen kleinen Erbzins an die Gemeinde-Kasse,
oder eine mässige Summe für Einmal erlegen.

Dergleichen Beleihungen müssen von der Gesammtheit der Dorfältesten
(Principales) mit voller Oeffentlichkeit, unter Mitwirkung des Pfarrers
erfolgen und in ein von jedem Pueblo zu haltendes Buch eingetragen
werden; sie dürfen nie mehr Raum umfassen, als der Bewerber mit seinen
eignen Büffeln bearbeiten kann.

Wenn solche Beleihungen von Staatsländereien nicht über ein Quiñon
betragen, so sollen sie nach vorgeschriebenen Formen vom Alkalden
der Provinz, wenn von grösserem Umfange, in der Hauptstadt der
Kolonie ausgefertigt werden. Alle aber müssen in das Grundbuch
der betreffenden Provinz und des betreffenden Pueblo eingetragen
werden. Die zur Begünstigung der Eingeborenen und zur Förderung der
Viehzucht erlassenen, aber das Gegentheil bewirkenden Bestimmungen
müssen aufgehoben werden.

Der Landbau bedarf, wie jedes andre Gewerbe keines Schutzes, als
Klarheit und Sicherheit in seinen Lebensbedingungen. --



DIE GEMEINNÜTZIGE GESELLSCHAFT DER LANDESFREUNDE.

(Sociedád de los Amígos del país.)


Der Schöpfer des Tabakmonopols Basco y Vargas, der durch künstliche
Reizmittel die Trägheit der Kolonisten zu überwinden und Sinn
für das Gemeinwohl zu erwecken hoffte, gründete 1781 die Sociedád
económica de los Amígos del país zur Förderung des Ackerbaus und der
Gewerbe. Die von der Gesellschaft selbst 1860 veröffentlichten Akten
über ihren Ursprung und ihre denkwürdigen Thaten (hechos notables)
sind so bezeichnend für die Erfolglosigkeit derartiger Bestrebungen
in einer Kolonie, wo es gänzlich an Gemeinsinn fehlt, dass ein Auszug
gerechtfertigt scheint.

Bald nachdem die Gesellschaft ihre Statuten entworfen, gerieth ihr
Eifer in's Stocken und 1797 fasste ihr Präsident auf eigene Hand den
Beschluss, die Sitzungen einzustellen und das 6000 Dollar betragende
Gesellschaftsvermögen dem Handelsgericht zu übergeben. Erst 1820 gelang
es einem Generalkapitän, sie wieder in's Leben zu rufen. Bei ihrer
Stiftung war der Gesellschaft das Vorrecht eingeräumt worden, in der
Nao von Acapulco (siehe S. 14) bis zum Betrage von 2 Tonnen Handel
zu treiben oder dieses Privilegium zu verkaufen. Der daraus erzielte
Gewinn war bei der Wiedereröffnung auf 41,749 Dollar, beinahe 60,000
Thaler, angewachsen. Die wiederentstandene Gesellschaft revidirte
ihre Statuten, theilte sich in 4 Sektionen: Naturgeschichte, Ackerbau,
Gewerbe, Handel, jede mit Vizedirektor, Vizezensor, Vizeschatzmeister,
und stellte abermals ihre Thätigkeit ein. 1822 ermunterte sie sich noch
einmal und gab auch während einer Reihe von Jahren fast alljährlich
einige Lebenszeichen s. S. 219. Neuerdings ist sie indessen wiederum
müde geworden, denn in ihrer Sitzung vom 24. August 1866 beschloss
sie, ihr Vermögen als patriotisches Geschenk den von der Bombardirung
Callao's zurückkehrenden Schiffen darzubringen, und »diese besonders
günstige Gelegenheit zu benutzen, um einen Akt patriotischer
Aufopferung zu begehn und dem Staate einen Dienst zu leisten«.

Die Gesellschaft besitzt 25 bis 30,000 Dollar; aber Reichthum
macht Sorgen. »Von diesem Vermögen, dessen genauer Betrag den
Mitgliedern unbekannt, ist seit vielen Jahren nicht die geringste
Summe auf Förderung des Gemeinwohls verwendet worden, obgleich die
Gesellschaft nur zu diesem Zweck besteht. Der grösste Theil der für
die Sitzungen bestimmten Zeit geht gewöhnlich mit Fragen, betreffend
die Anlage und Einziehung dieser Kapitalien, verloren. Förmlichkeiten
und Rechnungsführung haben Jahre lang die ganze Aufmerksamkeit der
Gesellschaft beschäftigt. Auch ist es vorgekommen, dass einige mit dem
Zensorenamte beehrte Mitglieder die Schlüssel der Kasse nicht annehmen
wollten, welche letztere seit vielen Jahren nicht geöffnet werden
konnte wegen der Schwierigkeit, die übrigen Inhaber der Schlüssel
(conclaveros) zu vereinigen.«

Der damalige eifrige Generalkapitän Don Jose de la Gandara tadelte
die Gesellschaft in einer Ansprache vom 17. Januar 1867 für ihren
patriotischen Beschluss und forderte sie auf, ihr Geld zur Gründung
eines botanischen Gartens verbunden mit einer Ackerbauschule
zu verwenden und eine zur Verbreitung im Auslande bestimmte
Denkschrift auszuarbeiten, worin die Fruchtbarkeit der Philippinen,
die Leichtigkeit mit welcher dort Pflanzungen angelegt werden könnten,
hervorgehoben werde, um Familien, welche das nöthige Kapital und
praktische Kenntnisse besitzen, zur Einwanderung zu veranlassen.

Die wahrscheinlich aus einem sehr ausgebildeten Schicklichkeitsgefühl
hervorgegangene Kunst, für etwas, das man zu thun oder zu unterlassen
entschlossen, einen schönen Beweggrund aufzufinden, offenbart sich
öfter in amtlichen spanischen Dokumenten. Auch das folgende Stück
über Einführung der Opium-Regie kann als Beispiel dienen.



EINFÜHRUNG DER OPIUM-REGIE.


Die Opium-Regie ist seit 1. Januar 1844 in den Philippinen eingeführt,
nachdem die Mehrheit einer zur Berathung dieser Maasregel berufenen
Junta sich dafür ausgesprochen hatte. In der Einleitung zu dem
betreffenden Gesetz (Autos acordados I. 392) lobt der Generalkapitän
diese Mehrheit und tadelt die dissentirende Minderheit, die sich,
durch veraltete Vorurtheile und gemeine Ueberlieferungen irre geleitet,
gegen alle Verbesserungen, selbst die nützlichsten, sträubt, während
die Fortschritte der Volkswirthschaft und das Beispiel der zivilisirten
Nationen dergleichen Bedenken längst beseitigt haben. In einem Bericht
des Consejo pleno an den Generalkapitän vom 22. September 1864 über
dieselbe Angelegenheit heisst es (im Auszuge): Nachdem der Rath alle
Gründe für und gegen die Opium-Regie wohlerwogen, kommt er zu dem
Schluss, dass das Opiumrauchen zu erlauben sei.... Zuerst werden die
gegen die Maasregel sprechenden Ansichten von eilf bedeutenden Aerzten,
Volkswirthen und Gesellschaften angeführt; gegen alle diese Autoritäten
aber giebt der Ausspruch des spanischen Konsuls in China [305] den
Ausschlag, wonach die Chinesen, die nach Belieben Opium rauchen,
dennoch stark und arbeitskräftig sind. Auch sei das Opium in der
Türkei, in ganz Britisch-Indien, Cochinchina und China gesetzlich
erlaubt. Ferner sage Dr. Pedro Mata in seiner Medicina legal y
toxicologia 1846, welche in den medizinischen Anstalten Spaniens
als Lehrbuch diene, geistige Getränke, gewisse Medikamente und zu
angestrengtes Studiren führten zur Impotenz; das Opium erwähne er aber
nicht. Der Consejo schliesst weiter: führte das Opium zur Impotenz,
so würden es die reichen Chinesen gewiss nicht rauchen; in Europa
seien mehrere Personen von grossen Fähigkeiten Opiumraucher gewesen,
Opium sei nicht schlimmer als Brantwein, verbiete man das Eine,
so müsse man auch das Andere verbieten ...

In der Antwort des Generalkapitäns auf diesen Bericht heisst
es unter Anderem ... Beim Abwägen der Gründe für und gegen die
Zulassung des Opiums hat der Rath die Zeugnisse gegen diese Maasregel
angeführt und ihnen andere, wenigstens so achtbare aber »amtlichere«
gegenübergestellt ... Sicherlich, wenn das Opium gegen die Religion,
die Moral, die Humanität verstiesse, so würden Nationen wie Frankreich
und England, die einen so hohen Rang in der allgemeinen Zivilisation
einnehmen, es nicht gestatten; da aber das Gegentheil stattfindet,
so müsse man natürlich zu dem Schluss kommen, dass jene aller
wichtigsten und heiligsten Dinge nicht, wie Manche andeuten möchten,
davon betroffen werden; der Türkei und China's solle hier gar nicht
gedacht werden ...

Weiter heisst es: »Da keine Statistik vorhanden ist, welche nachweist,
dass Chinesen in Singapore vom Opiumgebrauch gestorben sind, so müssen
die Gründe der Opiumgegner offenbar übertrieben sein, und kann man
ihre, der Renta nachtheilige Meinung nicht gelten lassen. Wäre das
Opium so giftig, wie sie sagen, so müssten die Chinesen daran zu
Dutzenden sterben, was jedoch nicht zutrifft« ... »Es sind aber auch
wichtige politische Gründe für die Gestattung vorhanden: Die Chinesen
sind jedenfalls in unsern Archipel gekommen in der Voraussetzung,
dass sie hier Opium rauchen dürfen; wollte man nun das Opium plötzlich
verbieten, wie in den früheren Eingaben vorgeschlagen worden, und
die Uebertreter mit Geld- und Gefängnissstrafen belegen, wie dies
vor Einführung dieser Renta geschehn, so würden die meisten Chinesen
in die Gefängnisse kommen oder auswandern, was gewiss nicht recht und
billig wäre und auf keinen Fall geschehen darf. Eine so unzweckmässige
Maasregel wäre gerade gegenwärtig höchst unpolitisch. Wir wollen
mit China Verträge schliessen zur Erleichterung des Handels;
was würde die chinesische Regierung sagen, wenn wir mit ihren
Unterthanen also umgingen? ... Für unsere Kassen ist die Opiumrente
unentbehrlich. Dennoch tritt diese Erwägung ganz in den Hintergrund
gegen die volkswirthschaftliche und politische Frage, betreffend
die Einwanderung der Chinesen, für welche der Opiumgebrauch eine
Lebensnothwendigkeit ist ..«

Durch Gesetz vom 29. September 1864 wird die Beibehaltung der
Opium-Regie genehmigt. Mestizen und Indier dürfen nicht Opium rauchen.

In einer vertraulichen »Comunicacion« des Generalkapitäns de la Gandara
an den Kolonial-Minister, Februar 1867, die mir im Ultramar-Ministerium
vorgelegt worden, klagt derselbe, dass das Opiumrauchen sehr
zugenommen habe, was grossentheils den ungeschickten Maasregeln oder
der Unehrlichkeit der Beamten zuzuschreiben sei. Entweder um die
Einnahmen aus dieser unlautern Steuerquelle zu vermehren, oder aus
Eigennutz haben jene Beamten ausser den 478 öffentlichen Opiumläden
(Fumaderos) »wahren Heerden der Immoralität und immer mit Chinesen
angefüllt«, Hunderten von chinesischen Privaten die Erlaubniss
verkauft, zu Hause Opium zu rauchen, was durchaus dem Gesetz und den
Absichten der Regierung widerspricht.

Nach dem Presupuesto betrug die Einnahme der Opium-Regie 1860 98,000
Esc., 1865/66 140,000 Esc. und 1866/67 207,000 Esc. Wie wenig
Opium die Chinesen brauchten, bevor es ihnen von den Engländern
aufgedrungen wurde, zeigt folgende Stelle aus dem Briefe des Pater
Parennin v. 20. Sept. 1740: »Was die indischen Gummi betrifft, so
machen die chinesischen Aerzte und Chirurgen fast keinen Gebrauch
davon. Ich glaube nicht, dass in Pekin in einem ganzen Jahre ein
halbes Pfund Yapien (Opium) verwendet wird.« (Lettres édifiantes).



BESCHREIBUNG DER SCHIFFE, BARANGAY GENANNT, DIE BEI ANKUNFT DER
SPANIER IN GEBRAUCH WAREN.

Nach Morga 128 v.


Ihre Schiffe und Fahrzeuge sind von vielerlei Art, denn in den
Flüssen und ihren Mündungen gebrauchen sie sehr grosse Kähne aus
Einem Baumstamm und Bancas von Planken mit einem Kiel, und Vireyes
und Barangayes welches schnelle, leichte Schiffe sind, niedrig von
Bord, mit hölzernen Bolzen zusammengefügt, hinten so spitz wie vorn,
zu beiden Seiten viele Ruderer fassend, die mit Paddeln und Rudern
ausserhalb Bord rudern und den Schlag nach dem Schall einiger andern
regeln, welche in ihrer Sprache passende Dinge singen, wodurch sie
sich verständigen ob das Rudern beschleunigt oder verlangsamt werden
soll. Ueber den Ruderern ist eine Gallerie aus Bambus welche die
streitbaren Männer trägt, ohne jene zu belästigen, und auf welche eine,
der Grösse des Fahrzeuges entsprechende Schiffsmannschaft steigt. Von
da wird das Segel, welches viereckig und von Segeltuch ist, an einem
Krahn aufgezogen, der aus zwei grossen Bambusen besteht, und als
Mast dient. Wenn das Schiff gross ist, hat es auch einen Vormast
von derselben Gestalt; und beide Krähne haben ihr Takelwerk, um die
Masten auf die Gallerie niederzulassen, wenn der Wind entgegen ist,
und Steuermänner auf dem Hintertheil um es zu lenken. Es trägt noch
ein Gerüst von Bambus auf der Gallerie, über welches wenn die Sonne
scheint oder wenn es regnet, ein Zelt von Matten, Kayanes genannt,
gespannt wird, die aus Palmenblättern sehr dick und dicht geflochten
sind, wodurch das ganze Schiff und die Mannschaft desselben bedeckt
und geschützt wird. Es ist noch ein andres Gestell aus dicken Bambusen
auf beiden Seiten des Schiffes in seiner ganzen Länge angebracht,
und stark befestigt, welches das Wasser eben berührt ohne im Rudern
zu hindern und als Gegengewicht dient, damit das Schiff nicht kentern
oder scheitern kann, wie hoch auch die See gehe, und wie stark der
Wind in das Segel blase. Es kommt vor, dass sich das Schiff mit Wasser
füllt, sein ganzer Rumpf, (denn sie sind ohne Verdeck) und bis es
ausgeschöpft ist zwischen zwei Wassern schwimmt, ohne unterzugehn,
wegen der Gegengewichte (Ausrigger).



DAS TAGALISCHE VATER UNSER.


 Ama  namin sung  ma  sa langit ca,    sambahin     ang ngala
Vater unser der  bist im Himmel du, werde geheiligt der Name

 mo,  napa  sa amin ang cahavian  mo.   sundin  ang loob  mo
dein, komme zu uns  das  Reich   dein. geschehe der Wille dein

    aqui    sa  lupa  para nang sa langit,    Bigyan       mo
desgleichen auf Erden  so  wie  im Himmel, werde gegeben von dir

cami ngaion nang  amin   canin sa    arao    arao at      patavarin
uns  jetzt  von  unserem Brod  von Tag (für) Tag  und  werden vergeben

  mo    cami nang  aming  manga otang  pava  nang pagpapatravar
von dir wir  von  unseren  Schulden   ebenso wie    vergeben

namin  sa   nangag caca   otang   sa amin at  hovag   mo    caming
 wir  denen welche haben Schulden an uns  und nicht von dir  wir

      ipahintolot      sa   tocso    at      iadya       mo
werden gelassen fallen in Versuchung und werden erlöst von dir

cami sa  dilan masama.
wir  von allen Uebeln. Amen.



DAS NEUE ZOLLDEKRET.

Zu S. 9.


Das Seite 9 gepriesene freisinnige Zolldekret ist bereits durch
ein anderes ersetzt, das wiederum Differenzialzölle einführt und die
wichtigsten Erzeugnisse der Kolonie mit Ausfuhrabgaben beschwert. Gegen
die alte Zollordnung ist die neue am 1. Juli 1872 in Kraft getretene
immerhin ein bedeutender Fortschritt. Ihre Hauptzüge sind: Vereinfachte
Nomenklatur; statt 766 zählt der Tarif nur noch 122 zollpflichtige
Artikel auf. -- Erhebung des Zolles vom Gewicht statt vom Taxwerth
der Waaren (für einige Artikel sind ad valorem Zölle beibehalten). --
Zollfreiheit spanischer Waaren, in spanischen Schiffen, -- Zollrabatt
für fremde Waaren in spanischen Schiffen. Der Rabatt beträgt 25%,
soll nach je 2 Jahren um 5% ermässigt werden und Juli 1879 aufhören
(vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin der Einfluss der spanischen
Rheder aufgehört hat). -- Baumwollengarne ohne Unterschied der
Nummern, der Zahl der Drähte (und der Farbe) zahlen 10 Cents per
Kg. -- Eiserne sowohl als hölzerne Fahrzeuge können gegen Erlegung
einer Abgabe eingeführt werden. -- Zollfreiheit für allen Bedarf
zu Schiffbau- und -Ausbesserung, wogegen die Prämie für grössere
in Manila gebaute Schiffe wegfällt. -- Die wichtigsten Ausfuhrzölle
sind: Zucker 14 Cents, Abaca 20 Cents, Indigo 100 Cents, flüssiger
desgl. 10 Cents, Reis 5 Cents, Kaffee 30 Cents, Farbehölzer 4 Cents
per 100 Kg. (durchschnittlich etwa 2% vom Werth.) --

Alle Abgaben für Leuchtthurm, Hafenreinigung u. s. w. werden in eine
einzige, nach dem Tonnengehalte der ausgeladenen Güter zu entrichtende
Ausladegebühr umgewandelt. Schiffe in Noth und solche die ihre Fracht
in andere Fahrzeuge umladen, oder löschen um sie wieder einzunehmen,
sind frei, Dampfboote die periodisch verkehren gleichfalls. Die Einfuhr
hölzerner und eiserner Schiffe ist gegen Erlegung eines Eingangszolles
gestattet. Jedes spanische Schiff kann in jedem fremden Platz frei
gekielholt und besichtigt werden.

Einige Erläuterungen werden die Wichtigkeit der im neuen Tarif
enthaltenen Reformen deutlicher machen:


    Der Zoll auf weisse, schwarze und rosa Baumwollengarne betrug 40
    Proz. vom Werth in spanischen, 50 Prozent in Schiffen fremder
    Flagge. Dieser hohe Zoll war vor mehr als 30 Jahren eingeführt
    worden zum Schutz einer kaum vorhandenen, später aber durch
    Zuckerpflanzungen fast ganz verdrängten Baumwollenkultur und einer,
    von einem Mestizen eingerichteten Maschinenspinnerei, die aber
    bald darauf wieder einging. Der Zoll blieb fortbestehn und traf
    gerade den blühendsten Gewerbzweig der Philippinen, die Weberei;
    er würde ihn vernichtet haben, wenn die Kaufleute nicht Mittel
    gefunden hätten, die Zölle zu umgehen. Das spanische Sprichwort
    sagt: »Quien hizo la ley, hizo la trampa« (wer das Gesetz macht,
    macht auch das Schlupfloch). Garne von gewissen Farben zahlten nur
    den allgemeinen Zoll von 7, beziehungsweise 14 Prozent. Man färbte
    daher die Garne in England so, dass die Farbe leicht auszuwaschen
    war, oder umgab einen Ballen weisser Garne mit einer Kruste
    gefärbter, oder webte Stoffe mit so losem, spärlichem Einschlag,
    dass die Kettenfäden leicht herausgezogen und als Garn benutzt
    werden konnten. 50 Prozent Steuer konnten die Garne nicht tragen,
    daher wurde fast nicht ein Stück zu diesem Satz eingeführt. Schon
    Dampier bemerkt: »die Spanier können und wollen schmuggeln so
    gut als irgend eine Nation, die ich kenne.« (Pinkerton XI. 3).

    Ein anderer Uebelstand war, dass die Zölle nicht nach dem
    jeweiligen Werthe der Waaren, sondern nach einem vor mehr als 30
    Jahren festgesetzten, in den meisten Fällen höheren Werth, als
    heut, berechnet wurden. Auch hiervon hatte die Regierung keinen
    Vortheil, denn da solche Gegenstände, für welche im Tarif keine
    Werthbestimmung enthalten war, wirklich abgeschätzt wurden, so
    benutzten die Kaufleute diesen Umstand, um zu hohe Schätzungen
    zu umgehen. Waren z. B. feste Werthe für Shirting von 36'' und
    37'' Breite angegeben, so wurden solche von 36 1/2'' eingeführt,
    deren Zoll nach den wirklich geltenden Marktpreisen viel geringer
    ausfiel.

    Zum Schutz des ganz unbedeutenden, einheimischen Schiffsbaues
    durfte kein hölzerner Dampfer von weniger als 400 Tonnen
    eingeführt werden, ein sehr schlimmes Gesetz für eine Kolonie,
    in welcher fast der ganze Verkehr zu Wasser stattfindet, deren
    schmale Meeresstrassen das Kreuzen gegen den Wind sehr erschweren;
    es kam einem Verbot gleich da grosse Dampfer den gegenwärtigen
    Bedürfnissen des Verkehrs nicht entsprechen. Die kleinen aber
    können in unzählige Flussmündungen und Buchten dringen, um
    Produkte zu holen oder vor einem plötzlichen Sturm Schutz zu
    suchen. Eiserne Dampfschiffe mussten eine hohe Summe zahlen für
    das Recht, die spanische Flagge zu führen.

    Sehr verderblich für den Wohlstand der Kolonie ist die
    Wiedereinführung der durch R. D. 5. April 1869 aufgehobenen
    Differenzial- und Ausfuhrzölle. Von ersteren hat ausser den
    spanischen und kolonialen Rhedern Niemand Vortheil. Handel zwischen
    den Philippinen und dem Mutterlande ist kaum vorhanden. Nach der
    Balanza mercantil betrug 1863 zwischen Spanien und den Ländern
    östlich vom Kap, die Einfuhr in Spanien 650,000 Doll., die Ausfuhr
    weniger als 500,000 Doll., zusammen 1,150,000 Doll., wovon 61,000
    Doll. nach englischen und holländischen Besitzungen. Nach den
    Philippinen gehen vorzüglich Bücher und Papier 150,000 Doll.,
    Gemüse, Früchte, Eingemachtes 168,000 Doll., Spirituosen 125,000
    Doll. (Diario 23. 7. 66.)


Die überwiegende Menge der Einfuhren kommt aus England, aber ein
beträchtlicher Theil derselben (von Einigen wird er auf die Hälfte
geschätzt) ist deutschen und schweizer Ursprunges. Unmittelbar aus
deutschen Häfen wird nichts verschifft, da die spanischen Schiffe,
denen bis jetzt allein die Einfuhr zufällt, nur in England laden.

Die Differenzialzölle waren es, welche die Peninsular- und
Oriental-Company veranlassten, den Postdienst, den sie so regelmässig
im Anschluss an die grosse Ueberland-Post besorgt hatte, trotz des
Zuschusses von der Kolonial-Regierung, aufzugeben. Aus demselben Grunde
weigerten sich die Messageries impériales den Dienst zu übernehmen. Die
Regierung übertrug ihn ihren eignen Dampfern, die denselben aber,
wenigstens im Anfange, auf eine Weise versahen, dass die Kaufleute
vorzogen, sogar ihre Briefe mit Segelschiffen zu senden. Packete,
ja selbst Muster, wurden gar nicht befördert; häufig auch keine
Passagiere. Damals kam es auch vor, dass ein Kapitän, der mehrere Tage
in Hongkong auf eine verspätete Ueberland-Post gewartet hatte, in dem
Augenblicke wo sie eintraf, als stolzer Castilier nach Hause dampfte,
ohne die Briefe und den übrigen geschäftlichen Plunder mitzunehmen.

Die Ausfuhrzölle hätten längst aufgehoben werden sollen. Schon wegen
der durch die Differenzialzölle verteuerten Manilafrachten konnten die
Landeserzeugnisse nur schwer mit denen anderer Kolonien konkurriren,
welche durch Kapital, verbesserte Produktionsmethoden, westlichere
Lage und freisinnigere Handelspolitik bevorzugt waren.

Mehr aber als die Ausfuhrzölle wirkte vielleicht die ärgerliche Art
ihrer Erhebung nachtheilig auf den Verkehr. Dieser Umstand wurde im
Vergleich zur Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der die Schiffer
in Singapore und China abgefertigt werden, doppelt empfunden und hat
den Hafen von Manila in Verruf gebracht.



HANDEL MIT CHINA VOR ANKUNFT DER SPANIER.

Zu S. 9.


Vor Ankunft der Spanier scheint der Handel zwischen Manila und
China unbedeutend gewesen zu sein. Alonzo Barrera (Sevilla 1574;
Hakluyt Morga 390) berichtet aus Manila: »seit einem Jahre wo das
Lager auf der Insel Luzon aufgeschlagen, sind drei Schiffe aus China
angekommen, welche einige Güter von dort brachten wie ihre Gewohnheit
ist . . da sie alle Jahre nach diesen Inseln kommen um zu handeln«
. . sie brachten aber nur Kleinigkeiten in geringer Menge; denn
die Moren gebrauchen hauptsächlich grosse Krüge, grobe Thonwaaren,
Eisen und Kupfer, dieses in Fülle; die Häuptlinge einige Stück Seide,
feines Porzellan, feine Thonwaaren.



HANDEL MIT CHINA NACH ANKUNFT DER SPANIER.

Zu S. 10.


Morga (Bl. 161 v.) giebt folgendes interessante Verzeichniss der zu
seiner Zeit von den Chinesen eingeführten Waaren:

»Diese (chinesischen) Schiffe kommen an mit Waaren beladen und
bringen grosse Kaufleute, denen sie zugehören, und Diener und
Agenten Anderer, die in China verbleiben. Und sie kommen von dort
mit Erlaubniss und Bewilligung ihrer Vizekönige und Mandarine, und
was sie gewöhnlich mitbringen und an die Spanier verkaufen, ist:
Rohseide in Ballen, feine (Seide) von zwei Strähnen (?) und andere
von geringerem Gehalt; feine Stickseide, weiss und von allen Farben
in kleinen Strähnen, viel Sammet, glatt und gestickt, von allerlei
Art und allen Farben und Mustern, und Goldstickerei auf Goldgrund,
Stoffe und Brokate von Gold und Silber auf Seide von verschiedenen
Farben und Mustern; viele Gold- und Silberfäden in Strähnen, auf
Zwirn und Seide, aber der Ueberzug von Gold und Silber ist falsch
und auf Papier (diese Goldfäden bestehen aus einem schmalen Streifen
Goldpapier, das spiralförmig um einen Faden gerollt ist; im Deutschen
Gewerbe-Museum in Berlin sind solche Stickereien ausgestellt), Damast,
Atlas, Taffet und Govarane, Picote (dies kann Stoff aus Ziegenhaar
oder sehr glänzendes Seidenzeug heissen) und andere Zeuge von allen
Farben, einige feiner und besser als die andern; eine grosse Menge
Grasleinen (aus den Fasern der Boehmeria nivea) und weisse baumwollene
Decken verschiedener Gattungen und Sorten zu allen Zwecken; Bisam,
Benzoe, Elfenbein, viele Verzierungen für Betten, Vorhänge, Decken und
Gardinen, auf Sammet gestickt; Damast und Govaran in Schattirungen,
Tischdecken, Kissen und Teppiche, dergleichen Pferdegeschirre und
mit Glasperlen und Samenperlen gestickt; einige Perlen, Rubine,
Saphire und Krystallsteine; Becken, Kessel und andere Gefässe von
Kupfer und Gusseisen; viele Nägel von allen Sorten, Eisenblech,
Zinn, Blei, Salpeter und Pulver; Weizenmehl, Konfekt von Orangen
und von Pfirsich; Skorzoneren, Birnen, Muskatnuss, Ingwer und andre
chinesische Früchte; Schinken und Rauchfleisch, lebendige Hühner von
guter Rasse und sehr schöne Kapaune, viel frisches Obst, Orangen von
allen Sorten, sehr gute Kastanien, Wallnüsse, Birnen und Chicueyes,
frische und getrocknete, welches eine sehr köstliche Frucht ist
[306]; viel feinen Zwirn von allen Sorten, Nähnadeln, Nippssachen,
Kästchen und Schreibzeuge, Bettstellen, Tische und Stühle, Bänke,
vergoldet und mit Marmor eingelegt, mit vielen Verzierungen; zahme
Büffel, Gänse wie Schwäne, Pferde, einige Maulthiere und Esel, und
selbst Vögel in Käfigen, deren einige sprechen und andre singen,
und sie lassen sie tausend Kunststückchen machen; und tausenderlei
andre Spielereien und Flittern von geringem Werth und Preis, die von
den Spaniern geschätzt werden; ausserdem viel feine Thonwaaren von
allerlei Art, Canganes und Sines; schwarze und blaue Umschlagetücher;
Tacley, d. h. Glasperlen von allen Sorten, aufgezogene Karniole und
allerlei andre Perlen auf Schnüren, und Steine in allen Farben;
Pfeffer und andre Gewürze und Kuriositäten; sie alle aufzählen,
hiesse nie fertig werden, und viel Papier würde dazu nicht ausreichen.



HAUPT-AUSFUHR-ARTIKEL AUS DEN HÄFEN MANILA, CEBU UND YLOILO, 1871.


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                             |Atlantische  |  Gross-  |Californien.|Kontinent|Australien.|Singapore.|China, Japan,|
                             |Häfen der    |Britanien.|            |   von   |           |          |  Molucken   |      Total.
                             |Ver. Staaten.|          |            | Europa. |           |          | und Habana. |
=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
                             |     1871    |   1871   |    1871    |   1871  |    1871   |   1871   |      1871   |   1871  |    1870
                             |             |          |            |         |           |          |             |         |
Abacá                  Picos |   285112    |  143498  |    22500   |     640 |     6716  |    2992  |       2294  |  463752 |  488560
Zucker                  ,,   |   545929    |  555907  |    99844   |   57476 |   139787  |     ,,   |        491  | 1399434 | 1251416
Sapanholz               ,,   |    10520    |    5301  |      320   |     660 |     ,,    |    1631  |      58050  |   76482 |  176924
Zigarren            Tausende |     1453    |   10080  |      378   |      13 |     2930  |   35089  |      26849  |   76792 |   77526
Kaffee                 Picos |     1451    |   31434  |     3700   |   10653 |     ,,    |    1415  |       4717  |   53370 |   34120
Tauwerk                 ,,   |     ,,      |     220  |      484   |      87 |      114  |    2640  |       8389  |   11934 |   11307
Indigo             Quintales |     3390    |    1715  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     186  |       ,,    |    5291 |    5662
Blätter-Tabak          Picos |     ,,      |   27773  |      ,,    |   25775 |     ,,    |     ,,   |       ,,    |   53548 |  136680
Perlmutter              ,,   |     2037    |     503  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     ,,   |         45  |    2585 |    3022
Schildpatt            Kattis |     ,,      |     100  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     ,,   |        902  |    1002 |    1043
Häute                  Picos |      777    |    1053  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     325  |        971  |    3126 |    3859
Desgl. Abfälle          ,,   |     5833    |    ,,    |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     ,,   |       1908  |    7741 |    4303
Almáciga-Harz           ,,   |     ,,      |    9506  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     309  |       ,,    |    9815 |   11028
Cowries                      |             |          |            |         |           |          |             |         |
  (Cypraea moneta)      ,,   |     ,,      |    1577  |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     ,,   |       ,,    |    1577 |    3887
Reis                  Cabans |     ,,      |    ,,    |     1805   |    6370 |     ,,    |     130  |      28522  |   36807 |   28560
Flüssiger Indigo   Quintales |     ,,      |    ,,    |      ,,    |    ,,   |     ,,    |     416  |      19328  |   19744 |   14262
=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
 Uebersicht           Abaca. |    1869     |  293692  |    94568   |   22000 |       60  |   13458  |       2396  |    174  |  426348
   der                       |    1868     |  294728  |   130060   |   14200 |      200  |   21144  |       3646  |   1102  |  465080
 Ausfuhr                     |    1867     |  287570  |   113030   |   17602 |     1318  |   12100  |       2398  |    786  |  435804
   von                       |    1866     |  278888  |    96432   |   15120 |     1614  |   12244  |       1250  |   1156  |  406704
                             |    1865     |  289444  |    79316   |   13600 |     3342  |    9550  |       1100  |   1445  |  397797
                     ========+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
                     Zucker  |    1869     |  343959  |   512578   |  120741 |      6992 |  115239  |        136  |   1436  | 1101081
                             |    1868     |  185613  |   819462   |   44050 |     10559 |   96980  |        ,,   |  28627  | 1185291
                             |    1867     |   98502  |   507432   |   81783 |     28610 |  121871  |        ,,   | 194758  | 1032956
                             |    1866     |   85842  |   470676   |  131749 |     10959 |   57709  |         88  | 120444  |  877467
                             |    1865     |   68640  |   324676   |  131235 |     15026 |  184686  |        ,,   | 158568  |  882826
=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========



FLÄCHENINHALT DER GRÖSSEREN INSELN DES PHILIPPINISCHEN ARCHIPELS [307].

Zu S. 39.

==================+=======================+============+====================
                  | Berechnet nach        |            | Nach dem Anuario
                  |           | der       | Nach       | estadistico de
                  | Coello's  | hydrogra- | Engelhardt | España 1858.
                  | Karte     | phischen  | [308]      | Behm's geograph.
                  |           | Karte     |            | Jahrbuch I. 1869.
                  |  q. M.    | q. M.     | q. M.      | q. M.   | q. Kilom.
==================+===========+===========+============+=========+==========
Luzon             | 1934.2    |   1932.9  |    1937.31 |  2014.8 |  110.940
Mindanáo          | 1569.9    |   1625.7  |            |  1538.8 |   84.730
Paláuan (Parágua) |  265.8    |    235.4  |            |   251.5 |   13.850
Sámar             |  236.5    |    228    |     229.50 |   221.1 |   12.175
Panáy             |  223.2    |    317.4  |     233    |   214.1 |   11.790
Mindóro           |  185.3    |    182    |     188    |   175.3 |    9.650
Négros            |  163.7    |    227.8  |     174.33 |   158.1 |    8.705
Léyte             |  168.9    |    163.3  |     192    |   172.5 |    9.500
Cebú              |  104.2    |     76.1  |      88.8  |   107.6 |    5.925
Bojól             |   55.9    |     55.9  |      59.6  |    59   |    3.250
Masbáte           |   62.3    |     55.6  |            |         |    3.637
Catanduánes       |   30.4    |     29.7  |            |         |
Políllo           |   14.2    |     16.8  |            |         |
Marindúque        |   14.1    |     13.8  |            |         |
Táblas            |   13.2    |     15.2  |            |         |
Burías            |   11.3    |      8.6  |            |         |
Ticáo             |    6.8    |      6.4  |            |         |
==================+=======================+============+====================
Der ganze Archipel| 5293[309] |   5392.7  |            |  5368   |  295.585



1867 ÜBERSICHTS-TABELLE DER METEOROLOGISCHEN VERHÄLTNISSE

zu S. 41.


Luftdruck:       Mittel 755,50 Millimeter.
Maximum                 760,75 Millimeter. (13. Dez.)
Minimum                 746,77 Millimeter. (24. Sept.)
Aeusserster Unterschied  13,96 Millimeter.

Luftwärme:       Mittel 27°.9 C.
Maximum                 37°.7 C. (15. Apr.)
Minimum                 19°.4 C. (14. Dez. 30. Jan.)
Aeusserster Unterschied 18°.3 C.

Feuchtigkeit der Luft: Mittel 63,93%
Maximum                       97,81% (21. Aug.)
Minimum                       22,12% (16. Mai).
Aeusserster Unterschied       75,69%.

Regenmenge                                  3072,8mm
Regentage                                    168
Mittlere Verdunstung in 24 Stunden             6,3mm.
Gesammt-Verdunstung                         2307,3mm.
Heitere Tage                                  49
theilweis heitere                            144
bedeckt                                      172
Winde    NO                                  554
Winde    SO                                  561
Winde    SW                                  512
Winde    NW                                  453
Mittlere Geschwindigkeit der Winde in der Sekunde
         NO                                    2,1 Meter.
         SO                                    3,1 Meter.
         SW                                    3,6 Meter.
         NW                                    2,8 Meter.


Mittel der Jahre 1865/1869.


                Januar. Februar.  März.   April.   Mai.   Juni.   Juli. August. September. Oktober. November. Dezember.
                   mm.      mm.     mm.     mm.    mm.     mm.     mm.     mm.        mm.      mm.       mm.       mm.

Barometer:       757,19   756,78  756,58  755,30  751,5  753,95  753,50  753,07     752,02   754,78    755,75    756,37
Spannkraft der
Dämpfe:           14,71    14,27   15,53   16,25  18,48   20,42   20,70   20,92      21,77    18,53     17,41     15,24
Trockene Luft.
(Barometerstand
minus
Spannkraft der
Dämpfe):         742,48   742,51  741,05  739,05 734,69  734,32  733,33  732,89     729,75   733,08    736,25    738,87
Regen:             24,2    13,46   14,56   16,46  110,3  243,08  255,08  281,22     723,42    236,9    143,97     11,47  2074,84
                                                                                                                         (1867: 3072,8).
Verdunstung:      17,18    18,25  250,35  273,32 217,67  243,33  171,27  186,77     163,53    196,7     189,0    201,35  2402,14.

                    °        °        °       °     °       °       °       °          °         °        °         °
Temperatur °C.    26,39    27,02    28,6    30,1  29,25   27,85   27,38   27,95      27,48     28,1     26,83     26,33



UEBERSICHT DER VOLKSMENGE, DER ORTSCHAFTEN U. S. W. IN DEN PHILIPPINEN.

Vergl. S. 43.

(Nach den neuesten amtlichen Erhebungen mitgetheilt von
Dr. A. B. Meyer.)


Unter den Ortschaften sind 81 Rancherien (Ansiedelungen) Neubekehrter
mitgezählt. Die Seelenzahl ist (abgesehn von Schreibfehlern), = 6
mal Zahl der Tribute angenommen. Früher galt 4 mal Zahl der Tribute =
Seelenzahl. (S. 43).

Ein Plan zur bessern Eintheilung der Philippinen liegt der Madrider
Regierung vor. Er lautet: §. 1. Das Gebiet der philippinischen Inseln
wird in 18 Provinzen getheilt, die nach ihrer Wichtigkeit in drei
Rangstufen zerfallen. Die Inseln Mindanao, Basilan, Iolo, Samales,
Balabac werden nach besondern Gesetzen regiert und sind in obiger
Eintheilung nicht einbegriffen (die spanische Herrschaft ist nämlich
in jenen Gebieten, mit Ausnahme einiger Distrikte Mindanao's, nichts
weniger als begründet). §. 2. Provinzen I. Klasse sind: Manila, Yloilo,
Cebú, Ilócos und Cagayán. II. Klasse: Pangasinán, Pampánga, Lagúna,
Cavíte, Batángas, Albáy, Neu-Écija. III. Klasse: Bulacán, Camarínes,
Cápiz, Négros, Leyte und Mariánas. §. 3. Die heut bestehenden, im
vorgehenden § nicht aufgeführten Provinzen werden mit den neu zu
errichtenden verschmolzen. §. 4. Die Provinzen können in so viele
Distrikte getheilt werden als ihre zweckmässige Verwaltung erfordert.


Insel Luzon.

Namen der Provinzen.                        Zahl
                      der          der           der Seelen.  Tribute.
                      Ortschaften  Frohnarbeiter
                      (Pueblos.)   (polistas.)

Abra                          8       4678          6211         37266
Albáy                        38      44050         56915 1/2    341493
Bataán                       12      10865         11227         67362
Batángas                     21      64482         72084        432504
Bulacán                      24      45783         57719 1/2    346317
Cagayán                      19      19059         19066        114396
Camarínes Norte               9       6327         7087 1/2      42525
Camarínes Sur                34      29558         72336        434016
Cavíte                       19      26031         28865 1/2    173193
Ilócos Norte                 15      30449         36673        220038
Ilócos Sur                   21      38821         44205 1/2    265233
Isabéla                       9       5461          7844 1/2     47067
Lagúna                       28      29921         36072 1/2    216435
Lepánto                      81       9384          . .          56088
Manila                       29      44138         59058        354348
Moróng                       12      11333         12180         73080
Nueva Écija                  23      28780         27887 1/2    167325
Nueva Vizcáya                 6       3399          3578 1/2     21471
Pampánga                     29      36409         50094 1/2    300567
Pangasinán                   30      65036         71948 1/2    431691
Tayábas                      17      20856         25880        155280
Unión                        13      18885         22242        133452
Zambáles                     23      16284         18174        109044

Inseln zwischen Luzon und Mindanao.

Antíque                      19      15231         21981        131886
Bojól                        36      18853         47252 1/2    283515
Burías                        1        420           405          2430
Cápiz                        32      29780         45382        272292
Cebú                         51      35369         71226        427356
Iloílo                       41      80325        108068        648408
Leyte                        43      46069         47582 1/2    285495
Masbáte und Ticáo             9       2573          2865         17190
Mindóro                      18       9630         11821         10926
Négros                       43      32204         42645 1/2    255873
Romblón                       9       4909          5689 1/2     34137
Sámar                        35      41363         41677        250062

Mindanao.

Cotabatú                      1        200           200          1200
Misámis                      32      12574         16733        100398
Surigáo                      28      12295         12295         73770
Zamboánga                     2       2303          2429         14574
Daváo                         1        332           310          1860
Basilán                       1         95           100           600
Fernere Inseln.
Batánes                       6       2000          2000         12000
Calamiánes                    5        940          4531 1/2     27189
                            ===    =======     =========     =========
                            933    957,427     1,232,544     7,451,352


Von den S. 43 genannten Distrikten sind einige in vorstehender Liste
als Provinzen erwähnt, andre scheinen ihre Selbstständigkeit verloren
zu haben. Bei Mindanao ist die kleine Insel Basilan selbstständig
aufgeführt, die früher zur Verwaltung von Zamboánga gehörte. Unter
den Ferneren Inseln fehlt die Bevölkerung der Mariannen; in einer
Anmerkung wird sie auf 8 bis 9000 geschätzt, indem man wahrscheinlich
die Zahl der Tribute mit 6 statt mit 4 multiplizirte.



BEVÖLKERUNG VON MINDANAO.

Die folgenden Angaben sind noch weniger verlässlich, als die obigen,
aus amtlicher Quelle stammenden, auch nicht mehr ganz neu.


1) Ungläubige:

Negritos, zerstreut in den Wäldern (unsicher ob
unvermischt)                                           etwa  10,000
Manobos, in der Nähe von Butuan                         ,,   10,000
Manguangas, von Tingog bis Misámis und in den Wäldern
bis an den See von Buhayen oder Maguindanao             ,,   80,000
Mandayas, von Linao bis an die Seen von Liguasin und
Butuan                                                  ,,   40,000
Mischlinge aus den beiden letzten in der Nähe des
Meerbusens von Davao                                    ,,     7000
Guiangas und Bagobos, vom Vulkan Apo (?) bis an die
Ebenen des Meerbusens von Davao                         ,,   12,000
Tagacaolos, Sanguiles, Bilanes, vom Vulkan Apo bis an
die SO.-Küste                                           ,,   76,000
Subanos, von Mísamis bis Zamboanga                      ,,   70,000
                                                            -------
                                                        ,,  305,000
2) Moros (Mohamedaner):

Meerbusen von Davao 6000; Meerbusen von
Sarangani 15,000                                        ,,   21,000
Am Fluss Painan und an den Seen im Süden                ,,   45,000
Bay von Illana bis Sibugnay 30,000; Bay von Sindangan
und Iligan 40,000                                       ,,   70,000
Misamis nach Osten 10,000; See v. Buhayen und an den
aus dems. fliessenden Flüssen 60,000 in 30 Orten        ,,   70,000
Im Innern, im Süden der Prov. Misamis viele Ungläubige
welche zum Islam hinneigen                              ,,   30,000
                                                            -------
                                                        ,,  541,000

3) Christen in 64 Ortschaften:                          ,,  191,802
                                                            =======
    Zusammen                                            ,,  732,802



GLEICHZEITIGER AUSBRUCH DREIER VULKANE 1641.

(Zu S. 110.)


Die über dieses Ereigniss vorhandenen Angaben sind sehr
ungenügend. A. Perrey giebt S. 53 eine ausführliche Beschreibung
nach J. E. Nierembergius, dessen Obras filosoficas einen Abdruck des
amtlichen Originalberichtes enthalten. Da letzterer äusserst selten
(ich verdanke seine Mittheilung dem Professor Don P. de Gayangos),
und auch Perrey's Documents (Mém. Acad. Dijon) wenig verbreitet sind,
so lasse ich eine genaue Uebersetzung der wesentlichen Stellen jenes
interessanten Schriftstückes folgen; das Nebensächliche ist abgekürzt
oder ausgelassen. Wo Perrey's Uebersetzung nicht mit dem Originaltexte
übereinstimmt (unwesentliche Abweichungen sind nicht hervorgehoben),
ist der spanische Text sowohl als der französische in [] beigefügt.

Der Titel lautet:

Succeso raro de tres Volcanes dos de fuego, y uno de agua, que
rebentaron a 4 de Enero deste año de 641 a un mismo tiempo, en
diferentes partes de estas islas Filipinas, con grande estruendo por
los ayres, como de artilleria y mosquetaria.

Averiguado por orden y comission del Señor Don Fray Pedro Arçe obispo
de Zebu y Gobernador del Arçobispaso de Manila JHS en la compañia de
Jesus. Manila Año MDCXXXXI por Raymundo Magisa.

Ende Dezember 1640 fiel zweimal Asche bei Zamboanga und bedeckte die
Felder leicht wie Reif. Am 1. Januar legte ein von Manila nach Ternate
bestimmtes Geschwader mit Hülfstruppen dort an. Am 3. Januar um 7 Uhr
Nachm. vernahm man plötzlich in Zamboanga ein anscheinend 1/2 Stunde
entferntes Geräusch, das Besorgniss erregte. Es klang wie Arkebusier-
und Artilleriefeuer, man glaubte ein Feind wolle die Küste beunruhigen,
und bereitete sich darauf vor. Der General der Ruderflotte sandte
ein leichtes Boot aus um zu sehn ob es etwa eines der Schiffe des
Hülfsgeschwaders sei, das zu Grunde ginge: es fand nichts.

Am folgenden Tage, dem 4. gegen 9 Uhr Vm. [el dia siguiente a 4,
como a las 9 de la mañana -- le lendemain à quatre heures et à
neuf heures du matin] nahm das (vermeintliche) Geschützfeuer so
zu, dass man fürchtete das Hülfsgeschwader sei auf holländische
Galeonen gestossen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde. -- Aber bald
überzeugte man sich, dass das Geräusch von einem Vulkan herrühre, der
sich aufgethan; denn gegen Mittag sah man von Süden her eine grosse
Finsterniss hereinbrechen, die sich allmälig über jene Hemisphäre
verbreitete und das ganze Gesichtsfeld verdeckte, so dass man sich um 1
Uhr NM. in wahrer Nacht, und um 2 Uhr in so dichter Finsterniss befand,
dass man nicht die Hand vor Augen sehn konnte . . . grosse Bestürzung,
Alles läuft in die Kirchen, betet und beichtet, zündet Kerzen an.

Diese Finsterniss, während welcher im ganzen Gesichtskreis kein Licht
wahrzunehmen, dauerte bis 2 Uhr Morgens, als sich etwas Mondschein
blicken liess [se commenzo a descubrir alguna claridad de la luna --
ce ne fut qu'alors qu'on commença à découvrir la Laguna] zur grossen
Freude der Spanier und Indier die befürchtet hatten, unter der Menge
von Asche begraben zu werden, welche seit 2 Uhr [que desde las dos
-- qui dès le deux] begonnen hatte auf sie herabzufallen. Dieselbe
Nacht brachte zur selben Stunde auch das Geschwader in Verwirrung,
welches der Küste von Mindanao folgend, sich bereits unfern Cap
San Agustin befand, in der Nähe einer Insel Sanguil genannt (Pater
Nieremberger schreibt Sanguiz) wo der Vulkan [el volcan -- un volcan]
ausgebrochen war. Für sie wurde es früher Nacht als in Zamboánga,
denn um 10 Uhr Vormittags befanden sie sich in so dichter Dunkelheit
und schrecklicher Finsterniss, dass sie den Tag des jüngsten Gerichts
gekommen glaubten. Es begann so viele Steine, Erde und Asche zu regnen,
dass sich die Schiffe in Gefahr sahen und genöthigt waren Licht
anzuzünden, und sich schnell der schweren Last von Erde und Asche zu
entledigen; und die Galera nahm ihr Zelt ab und zündete Laternen an,
als ob es Nacht wäre. Man beobachtete geraume Zeit von den Schiffen
aus, wie aus besagter Insel Sanguil schnell nach einander feurige
Federbüsche und Säulen hervorbrachen die sich gen Himmel erhoben
und im Herabfallen die benachbarten Wälder in Brand steckten. Die
Finsterniss verbreitete sich über den grössten Theil besagter Insel
Mindanao, welche sehr gross ist, die Asche flog bis nach Zebu, Panay
und andern umliegenden Inseln, und besonders nach der von Jolo, die
wohl mehr als vierzig Leguas von Sanguil, wo der Vulkan ausgebrochen,
entfernt sein mag; und obgleich man zur Zeit wegen der Finsterniss
und des Aufruhrs des Wetters, in Jolo nicht wahrnahm, wo das was vom
Himmel herabstürzte, herkam, so bemerkte man, als es hell wurde,
dass um dieselbe Zeit wo in Mindanao und Sanguil der erste Vulkan
ausgebrochen [y aunque entonces por la escuridad y revolucion del
tiempo, no repararon en Jolo de donde les venia lo, que el cielo
arrojava, despues de sereno advertieron que al mismo tiempo que
en Mindanao y Sanguil avia rebentado el primer volcan -- quoique
l'obscurité eut empêché les navires d'observer ce qui se passait
alors à l'île d' Jolo (die Schiffe waren ja über 100 Leguas von Jolo
entfernt!) au dessus de laquelle le ciel paraissait tout rouge, ils ont
appris depuis, que dans le même moment, où le premier volcan faisait
éruption à Sanguiz et lançait ses cendres jusqu' á Mindanao] sich auch
dort die Elemente empört, und noch ein zweiter Vulkan aufgethan hatte,
auf einer kleinen Insel, welche der Barre des Hauptflusses von Jolo,
wo sich unser Presidio befindet, gegenüber liegt. Dort öffnete sich
(wie später festgestellt) die Erde unter grossen Erschütterungen
und spie feurige Flammen aus und dazwischen Bäume und grosse Steine
[Llamas de fuego y entre ellas -- des flammes de feu, qui entraînèrent
avec elles des arbres]. So gross war der Aufruhr der Elemente, dass
er, durch die Eingeweide der Erde bis in die des Meeres dringend,
durch eben den Mund, der sich auf dem Lande aufgethan, eine Menge
grosser Muscheln und verschiedene andre Dinge ausspie, die das Meer
auf seinem Boden erzeugt. Heute steht die Mündung dieses Vulkans offen;
sie ist sehr weit, und hat die ganze Umgebung jener Insel verbrannt.

Aber was am meisten Bewunderung erregt, ist, dass in der Provinz
Ilocos, auf der Insel Manila, die wenigstens 150 Leguas in gerader
Linie von der Stelle entfernt ist, an demselben Tage und zur selben
Stunde, wo die erwähnten beiden Feuervulkane ausbrachen, in einigen
Ortschaften der Igoloten, welche letztere noch ungläubig sind, ein
anderer Sturm stattfand und der dritte Vulkan ausbrach, welcher von
Wasser war und so furchtbar, wie man aus einem Kapitel des Briefes von
Fray Gonzalo de Palma, General Procurators der Augustiner, ersehn wird,
welches im Wesentlichen lautet: Bei den Igoloten, die in Bezug auf die
Ilocos fünf Tagereisen weiter östlich landeinwärts wohnen, erlitt die
Erde am 4. Januar ein so furchtbares und erschreckliches Erdbeben wie
der vorausgegangene wüthende Orkan es angekündigt. Die Erde verschlang
3 Berge von denen einer, an dessen Abhang drei Ortschaften lagen,
unzugänglich war. Diese ganze aus ihren Grundfesten gerissene Masse
flog in die Luft zugleich mit vielem Wasser, so dass die Lücke einen
weiten See bildete ohne irgend ein Zeichen zurückzulassen, weder der
Ortschaften noch der hohen Berge, die dort gestanden hatten. Wind und
Wasser zersprengten die Eingeweide der Erde mit so ausserordentlicher
Wuth, dass Bäume und Berge (montes) in Bruchstücken zwölf Piken hoch
geschleudert wurden und bei dem Aneinanderstossen in der Luft und
im Herabfallen ein so furchtbares Geräusch machten, dass es viele
Stunden weit gehört wurde.

Nach langen religiös-abergläubischen Erörterungen heisst es weiter:

Das letzte ausserordentlichste und allgemeinste Wunder dieses
4. Januartages ist das in diesem Briefe hervorgehobene Getöse,
welches zwischen 9 und 10 Uhr in der Luft entstand und nicht nur
in Manila und den wohl 130 Leguas entfernten Provinzen Ilocos und
Cagayan, sondern auch in sämmtlichen philippinischen Inseln und den
Molukken gehört wurde. Und es drang bis in das Festland von Asien, in
die Reiche von Cochinchina, Champa, Cambodia, wie durch verschiedene
Geistliche und andre glaubwürdige Personen, die aus diesen Reichen
nach Manila gekommen, kund wurde. Eine Entfernung die wohl einen Kreis
von mehr als 300 Leguas Durchmesser und 900 Leguas Umfang bildet,
und in dieser ganzen Entfernung hörte man das Geräusch gleichmässig an
demselben Punkte und demselben Orte. Alle vermutheten, dass es starkes
Artillerie- und Gewehrfeuer sei, und glaubwürdige Leute fügen hinzu,
dass sie einen Schall wie von Trommeln unterschieden [discernieron
sonido como de caxas de guerra -- distingaient le son comme celui
de boîtes d'artifice] und alle hörten es solcher Art, und in solcher
Entfernung, dass sie meinten es sei 2 oder 3 Leguas von der Stelle wo
sie sich befanden. In Manila wähnten sie, es sei im Hafen von Cavite,
und in Cavite, dass es in Manila sei, . . . und es wurden Depeschen von
einem Ort zum andern gesandt. . . . Und so geschah es in allen Inseln,
Städten und Ortschaften innerhalb des Umkreises von 900 Leguas,
eine wunderbare Sache, die, wie es scheint die Grenzen der Natur
überschreitet und den Grundsätzen der Philosophie widerstrebt . . .

Es folgen wieder abergläubische Betrachtungen, darunter eine von
chronologischem Interesse: Da nämlich Malacca, das am 13. Januar von
den Holländern erobert wurde, am 4. schon hart bedrängt war, so meinten
viele, als sie später die Kunde erhielten, der Himmel habe durch die
Vulkane Lärm schlagen lassen, um die Spanier auf den grossen Schaden
aufmerksam zu machen den der Verlust dieser vornehmen Stadt allen jenen
Archipelen, Küsten und davorliegenden Inseln bringen würde. Auch wird
angeführt dass der 5. Januar in Macao dem 4. in Manila entspricht,
weil die Portugiesen von W. nach O., die Spanier von O. nach W. nach
ihren indischen Kolonien gehn. Die Missionäre von Cochinchina gaben
nämlich den 5. Januar als Datum der Ausbrüche.

Perrey kommt zu dem Schluss, dass Nieremberg's Sanguiz ident sei
mit Sanguil oder Sanguir (man findet auch Sangin, Sangi, Sanghir,
Sangir, Sangil, Sanguili) und dass derjenige der drei Ausbrüche der
das Geschwader in Gefahr brachte, auf der Insel Sanguir stattfand,
die etwa 36 Leguas S. von Mindanao liegt. Die erste Annahme wird
durch den Originalbericht bestätigt, gegen die zweite aber erheben
sich manche Bedenken. Dafür scheint der Name der Insel zu sprechen
und ihre Lage zwischen Zamboanga und Ternate.

Aber nur gar zu häufig sind in jenen Ländern verschiedene
Oertlichkeiten mit demselben Namen benannt, wodurch grosse Verwirrung
entsteht. (Ein auffallendes Beispiel davon wird am Schluss dieses
Artikels mitgetheilt.) Auch auf der Insel Mindanao ist zweifellos
wenigstens ein Vulkan Sanguil vorhanden den indessen verschiedene
Schriftsteller an verschiedene Stellen versetzen. Im Originaltext
heisst es nicht, wie in der Uebersetzung, dass der erste Vulkan in
Sanguil ausbrach und seine Asche bis Mindanao schleuderte, sondern
dass er in Mindanao und Sanguil ausbrach, eine schwer zu verstehende
Stelle, die aber nach Ansicht spanischer Autoritäten nur bedeuten
kann: »in Mindanao und zwar in Sanguil«. Der Umstand, dass unter
den Bewohnern von Mindanao Sanguiles aufgeführt werden (s. unten),
lässt vermuthen, dass noch heut ein Gebiet Sanguil dort vorhanden ist.

Nach Berghaus (Hydro-geog. Mem. 62) liegt der Vulkan Sanguili auf der
Halbinsel Sarangani, der Südspitze Mindanao's; auf einer M. S. Karte
aus Forster's Nachlass (Neue berichtigte und verbesserte Karte der
Philippinischen Inseln 1772, K. Bibliothek Berlin) ist ein Vulkan
Sanguil ungefähr an der Stelle eingetragen wo Berghaus den Gunong
Tibangan setzt, etwa 6° 30' N., 124° 30' O. Gr. Nach Magisa liegt der
Vulkan auf einer Insel (?) Sanguil bei Kap San Agustin, welches nach
Allg. Historie (s. unten) Kap Serangani sein kann; nach Perrey auf
der Insel Gross-Sangir. Nach Combes im Gerichtsbezirk von Mindanao
(was sich nach Semper nicht auf den südlichen Theil der Insel beziehen
kann), der Vulkan aber, der (1641) den furchtbaren Ausbruch hatte,
im Gerichtsbezirk von Buhayen, 60 Leguas von Zamboanga, was recht gut
auf den der Südspitze Mindanaos, Kap Sarangani passt. Nach Murillo
Velarde S. 124 giebt es in Sanguil, welches im Süden von Mindanao
liegt, einen Vulkan. Prof. Semper identifizirt S. 5 und auf seiner
Karte den Sanguil mit dem Serangani, bezweifelt aber die Identität
in einer Anmerkung S. 92.

Gegen Perreys zweite Annahme spricht ferner der Umstand, dass sich
das Geschwader längs der Küste bewegte. Befand es sich wirklich bei
Kap S. Agustin so war es sehr aus seinem Kurs gekommen, wofür kein
Grund ersichtlich ist, da Stürme vor dem Ausbruch nicht gemeldet
werden. Dem angegebenen Kurse würde es besser entsprechen, dass sich
das Geschwader zur Zeit des Ausbruches an der Südspitze von Mindanao
bei Kap Sarangani in unmittelbarer Nähe des dortigen Vulkanes befand
und dass die Namen der Kaps verwechselt sind. Auch in der Allgemeinen
Historie der Reisen, XVIII, 391 ist zu lesen, dass das unter 5°
30' N. liegende Kap den Namen Sarangan oder des heiligen Augustin
trage. Indessen weder in dem einen, noch in dem andern Fall konnte sich
das Geschwader gleichzeitig in solcher Nähe der 52, bezüglich 36 Leguas
entfernten Insel Gross-Sanguir und der über 100 Leguas entlegenen Insel
Jolo befinden um von ersterer aus mit Erde und Steinen beschüttet zu
werden und wahrnehmen zu können was auf letzterer vorging.

Perrey führt zwar auch noch einen dritten Grund an, den Umstand
nämlich, dass sich in Zamboanga die Finsterniss von Süden aus
verbreitete; die Insel Gross-Sanguir liegt aber SO. Wahrscheinlicher
ist es, dass der in Zamboanga beobachtete Aschenregen von Jolo kam,
wo gleichzeitig ein Ausbruch stattfand. Dr. Neumayer macht mich darauf
aufmerksam, dass der Januar in jenen Meeren frei von Stürmen ist, dass
in den Berichten nur lokale Stürme und Unwetter erwähnt werden, das zur
Zeit herrschende Windsystem, der NO.-Monsun, also wohl nicht allgemein
gestört war. Die Asche des Joloausbruches konnte also wie solches bei
andern gewaltigen Eruptionen vorgekommen, durch den untern Luftstrom
in den darüber SW. oder WSW. wehenden Aequatorialstrom geschleudert
und von diesem nach Zamboanga und den Bisayas getragen werden.

Gegen Perrey's Annahme muss es auch Bedenken erregen, dass Valentyn
Beschrijving der Moluccos S. 2 in Oud en Nieuw Oost Indie der eine
ausführliche Beschreibung der Insel Gross-Sanguir giebt, und alle
späteren holländischen Schriftsteller keinen früheren Ausbruch dort
erwähnen als den von 1711. Doch war die Insel den Holländern lange
bekannt: 1625 hatten sie das Schiff Trouw daselbst verloren, 1664,
nur 23 Jahre nach den drei gleichzeitigen Ausbrüchen kam überdies
Ternate und damit auch die Insel Sanguir in ihren Besitz.

Am wahrscheinlichsten ist wohl der Vulkan auf der südlichsten
Spitze Mindanao's (Halbinsel Sarangani) als der Heerd des Ausbruchs
anzunehmen, doch ist es nach dem Bericht des Jesuiten Magisa nicht
möglich den Ort mit Bestimmtheit festzustellen. Die Position des
Geschwaders ist unklar, die Richtung in welcher es die Erscheinungen
beobachtete nicht angegeben. Die angeführten Entfernungen bekannter
Punkte, meist um die Hälfte zu gering, zeigen nur dass diese Angaben
werthlos sind. Der Verfasser berichtet vom Hörensagen, seinem Stande
und seiner Zeit entsprechend, nicht geologisch sondern theologisch.

Durch eine ähnliche Betrachtung muss man sich trösten wenn in der
sechsbändigen Historia de los P. P. Dominicos en las islas filipinas
(Madrid 1870) mit Stolz hervorgehoben wird, dass allein Aduarte
(der Dominikaner war) ein am 30. November stattgefundenes grosses
Erdbeben beschreibe und dann seine Schilderung abgedruckt wird,
jedoch mit der Jahrszahl 1619 statt 1610 (s. S. 6).

In Geschichten von Mönchsorden sind solche Irrthümer häufig und
ziemlich unschädlich. Schlimmer ist es wenn sehr gelesene Zeitungen
falsche Angaben in einer Form verbreiten, die den Stempel höchster
Zuverlässigkeit trägt.

Die Illustrated London News 7. Oktober 1871 giebt die Abbildung eines
neuen auf der Insel Camiguin in den Philippinen entstandenen Vulkanes
und dazu folgende Erläuterung: »Der ehrenwerthe F. C. P. Vereker,
Lieutenant zur See, Kommandör des zu hydrographischen Aufnahmen
detachirten K. Grossbrit. Schiffes Nassau erfreut uns mit einer
Skizze des vulkanischen Ausbruchs auf der kleinen Insel Camiguin,
einer der nördlichsten der Philippinen in 19° N. und etwa 122° O. Gr.

Darauf folgt eine kurze Beschreibung des Ausbruches vom 1. Mai
1871 ohne Angabe des Datums . . Als der Nassau den Vulkan im Juli
besuchte war er noch thätig, grosse Massen Dampf und Rauch drangen
aus den Seiten und dem Gipfel, hin und wieder wurden auch Steine
ausgeworfen. Zwei Offiziere die den Vulkan ersteigen wollten, mussten
es wegen der Hitze des Bodens aufgeben.

Der Bericht hat einen fast amtlichen Klang, ist aber dennoch falsch;
denn die gesperrt gedruckte Stelle ist vom Redaktör nach eigenem
Ermessen eingeschoben, die vom Nassau besuchte und skizzirte Insel
Camiguin liegt 9° N. 124° 20' O. Gr., d. h. über 200 Leguas von der
gleichnamigen Insel der Babuyanesgruppe entfernt, nach welcher der
Redaktör das Ereigniss verlegt.

Nach Berichten aus Manila besteht sie aus drei Bergrücken: Catarman,
Sigay und Maginog. Schon am 17. Februar wurden heftige Erdstösse
mit starkem unterirdischen Geräusch wahrgenommen. Am 1. Mai 1871
bemerkten die Bewohner des kleinen Bergdorfes Catarman eine aus dem
Boden aufsteigende Rauchsäule; um 7 Uhr NM. desselben Tages hörten sie
plötzlich einen lauten Knall, und sahen sich von einer Wolke von Feuer
und Steinen umgeben. Einige die sich in grösserer Entfernung befanden,
wurden von dieser Wolke erreicht und an verschiedenen Stellen des
Körpers verbrüht und verbrannt. Alles flüchtete an die Küste um die
Insel zu verlassen, es waren aber nur wenige Fahrzeuge vorhanden. Die
Zahl der Opfer muss sehr beträchtlich gewesen sein. Noch am 12. spie
der Vulkan aus fünf Oeffnungen Rauch und Flammen aus.

Es scheint auf dem Gipfel des Berges von Catarman ein Kratersee
vorhanden gewesen zu sein, dessen Wasserstand grossen Schwankungen
unterlag. Zuweilen trocknete der See ein, einigemale floss er über
und überschwemmte die Umgebung, so namentlich in den Jahren 1827 und
1862. Häufig wurde er durch Gasausströmungen in Wallung versetzt. Ein
eigentlicher Ausbruch hatte in geschichtlicher Zeit nicht statt
gefunden.



ZUSÄTZE UND BERICHTIGUNGEN

nach Dr. A. B. Meyer und einigen andern kürzlich aus den Philippinen
zurückgekehrten Freunden.



Zu S. 4. Es existirt jetzt direkte Dampfschiffahrt zwischen Spanien
und Manila, die Gesellschaft ist eine englische, die Schiffe gehn von
Liverpool nach Spanien und durch den Suezkanal nach Manila; es sind
grosse Dampfer von 2-3000 Tons. Diese Linie wird jetzt meist zu Aus-
und Heimreisen von den spanischen Beamten benutzt.

Zu S. 4 Anm. 5. Auch zwischen Singapore und Manila ist jetzt eine
direkte Dampfschiffverbindung vorhanden. Alle 14 Tage trägt ein
Schiff die Post von Manila nach Singapore und bringt die europäische
zurück. Dieses ist jetzt auch die meist benutzte Passagierlinie:
Die Ueberfahrt soll in 6 Tagen gemacht werden. Die Regierung
zahlt der Gesellschaft 5000 Doll. für jede Reise, übt aber kein
Aufsichtsrecht. Die Schiffe sind oft nicht seetüchtig. Dr. A. B. M. war
13 Tage statt 6 unterwegs. Sein Schiff musste zwei Tage in den
Cuyo-Inseln Schutz suchen und wurde auf der nächsten Fahrt im Hafen
von Labuan, den es mit Mühe erreichte, kondemnirt. Ausserdem gehn noch
von Zeit zu Zeit Handelsdampfschiffe zwischen verschiedenen Häfen
Chinas (Amoy, Hongkong etc.) und Manila. Die Passagierbeförderung
mit spanischen Kriegsschiffen hat daher ganz aufgehört.

S. 5 unten. Noch 1872 sieht man sehr viele Trümmerhaufen an den
verschiedensten Orten in Manila und Vorstädten, herrührend von dem
Erdbeben von 1863. Der Hauptplatz ist noch in demselben Zustande,
wie auch die Brücke »an deren Herstellung (s. Anm. S. 19) ich zweifle«.


Zu Seite 6. Erdbeben in den Philippinen von Oktober 1871 bis März 1872.


  1871:   8-9. Oktober Mindanao, Pollok; es entstanden neue
                                 Schwefelquellen.
  1871:   8-14. Dezember Mindanao, Cotabatu zerstört.
  1871:   Dezember    Provinz Albay, Ausbrüche des Mayon.
  1872:   Januar         ,,   Albay, desgleichen.
  1872:   29. Januar     ,,   Manila 7 Uhr Nm. O. W. schwach.
  1872:   29.   ,,       ,,   Zambales         O. W. stark.
  1872:    7. Februar    ,,   Camarines sur 2 Mal.
  1872:    5. März       ,,   Manila 9 Uhr Vm.
  1872:    6.  ,,        ,,   Laguna 9 Uhr Vm. (vielleicht auch am 5.)
  1872:   22.  ,,        ,,   Manila, stark.
  1872:   22.  ,,        ,,   Batangas.


In der Epoca vom 20. und 21. März 1872 werden die Erdbeben von
Pollok und Cotabatu als furchtbar in ihren Wirkungen geschildert. Am
8. Dezember 1871 um 6 Uhr 10 Minuten Nachm. war Cotabatu ein fröhliches
Dorf, um 6 Uhr 20 Minuten ein Schutthaufen. Ein viel heftigeres
Erdbeben fand am 9. um 7 1/2 Uhr Vorm. statt, die Erde schien zu
kochen; dies wiederholte sich noch 5 Mal.

Zu S. 23. Botanischer Garten. »Er ist in demselben Zustand wie Sie
ihn sahen. Der Direktor bekommt zwar 2000 Dollar Gehalt oder mehr,
aber seine einzige Thätigkeit besteht darin, Blumen zu Sträussen
zu ziehen. Der grössere Theil des Bodens ist mit Mais und Bananen
bestanden. Wieder ein Beweis für den Mangel an Kontrolle«.

Zu S. 59. »Die Strasse zwischen Majaijai und Lucban und zwischen
Lucban und Mauban ist jetzt in so schlechtem Zustande, dass ich sie
nur mit Lebensgefahr passirte, und dennoch herrscht zwischen Mauban
und St. Cruz sehr viel Handel und Verkehr«.

Zu S. 61. »Der Wasserfall ist zwischen Lucban und Majaijai, nicht
zwischen Mauban und Lucban. -- Ich machte eine grosse Anzahl von
Versuchen dort um durch Herabwerfen von Steinen die Höhe des Falles
zu messen und fand das Mittel von 5 Secunden. Darnach würde die Höhe
390'5 betragen«.

Zu S. 76. »Die Philippinen produziren jetzt mehr Cacao und genügend
für ihren eignen Gebrauch, so dass die Sendungen von Ternate sehr
schlechte Preise erzielen. Nur durch die Rückfracht von Zigarren können
die Kaufleute sich bezahlt machen. Der Cacao muss aber auf Celebes und
Batjan fast ebenso theuer eingekauft werden, wie er in Manila verkauft
wird. Von Ternate kommt er nur indirekt; Kaufleute von Ternate senden
Schiffe nach Batjan, nach der Bucht von Tomini (Celebes) und nach
den Togian oder Schildpattinseln in der Bucht von Tomini und tauschen
dort Cacao ein, den sie entweder direkt nach Manila schicken oder an
Manilahändler in Ternate oder Menado verkaufen. Die Anpflanzungen in
der Bucht von Tomini und auf den Togianinseln sah ich, sie sind in sehr
schlechtem Zustand und die Ausfuhr dürfte in kurzer Zeit ganz aufhören,
wenn die Verhältnisse sich nicht ändern. Der Celebes-Cacao ist von
besonderer Güte, leidet aber seit Jahren ebenfalls an einer Krankheit«.

Zu S. 123. Hammelfleisch ist in Manila nicht täglich zu haben,
sondern nur wenn jemand Hammel aus Shanghai kommen lässt.

Zu S. 251. Das Vorschuss-System schleicht sich wieder ein und wird
schwerlich dauernd zu beseitigen sein, so lange es an regelmäßiger,
stätiger Lohnarbeit mangelt. Daran wird es aber wohl immer fehlen so
lange jedermann Eigenthümer sein kann.



ABGEKÜRZT ZITIRTE SCHRIFTEN.


Aduarte          Historia de la provincia del S. Rosario de Filipinas,
                 Zaragoza 1693.

Albo             in Navarrete.

Anson            R. Walter, A Voyage round the world in the years
                 1740-1744 by G. Anson. London 1748.

Apuntes          D. de Ormacheo, Islas filipinas, Apuntes para la
                 razon general de su hacienda. Madrid 1858.

Arenas com.      Memoria sobre el comercio de las Filipinas 1838.

Arenas hist.     Memorias historicas y estadisticas de
                 Filipinas. Manila 1850.

Autos acordados  Coleccion de autos acordados de la real Audiencia
                 chancilleria de Filipinas. Manila 1861-65.

Carillo          Relation des isles philippines faite par l'amirante
                 D. Hieronimo de Banuelos y Carillo in Thévenot.

v. Chamisso      Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungsreise.

Combes           Historia de las islas de Mindanao. Madrid 1667.

Comyn            Tomas de Comyn, Estado de las Islas Filipinas en
                 1810. Madrid 1820.

Crawfurd         A descriptive Dictionary of the Indian islands. London
                 1856.

De Guignes       Voyage à Péking, Manille .. 1784-1801. Paris 1808.

Depons           Reise in den östlichen Theil von Terra firma 1801-4
                 deutsch von Wyland.

di los Rios      Relation et mémorial de l'estat des isles philippines
                 et des isles molucques par F. di los Rios in Thévenot.

Estado geog.     Estado geografico, topografico, estadistico, historico
                 -- religioso .. por Huerta .. convento de San Francisco.
                 Manila 1855.

Fray Gaspar      Fray Gaspar de S. Augustin Conquistas de las Islas
                 Philipinas. Madrid 1698.

Gemelli Careri   A voyage round the world in Awnshaw & Churchill,
                 a Collection of travels vol IV. London 1704.

Grav             Grav y Monfalcon Mémoire pour le commerce des
                 philippines in Thévenot.

Hernandez        F. Hernandi medici atque historici .. opera cum
                 edita tum inedita. Madrid 1790.

Informe          Informe sobre el estado de las islas filipinas
                 (S. Mas) Madrid 1842.

Kottenkamp       Geschichte der Kolonisation Amerika's.

Lapérouse        Voyage de Lapérouse autour du Monde par
                 Milet-Mureau. Paris 1797.

Legentil         Voyage dans les mers des Indes. Paris 1779. 40.

Leg. ult.        Legislacion ultramarina concordada y anotada por
                 D. Joaquin Rodriguez San Pedro. Madrid 1865.

Mas              siehe Informe.

Morga            Sucesos de las Islas Filipinas. Mexico 1609.

Morga Hakl       Englische Uebersetzung des vorigen, Hakluyt Society.

Navarrete        Coleccion de los viages y descubrimientos, Madrid
                 1825-37.

Nierembergius    Historia naturae maxime peregrinae, Antwerpen 1635.

Perrey           Documents sur les tremblements de terre et les
                 phénoménes volcaniques dans l'Archipel des
                 Philippines. Extrait des mémoires de l'Acad. de Dijon.

Pigafetta        Primo viaggio intorno al globo terraqueo .. dal
                 cavaliere Antonio Pigafetta .. da un codice M. S.
                 della biblioteca Ambrosiana di Milano. Milano 1800.

Rappt. Jury      Rapport du jury international de l'Exposition
                 universelle de Paris. Paris 1868.

Ste. Croix       Renouard de Ste. Croix. Voyage commercial et
                 politique aux Indes orientales, aux isles
                 Philippines 1803-7. Paris 1810.

Recopilacion     Recopilacion de las leyes de los Reynos de las
                 Indias. Madrid 1774.

Reiseskizzen     Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.

Thévenot         Relation de divers voyages curieux. Paris 1664.

Thévenot, Religieux  Relation des isles philippines par un religieux
                 qui y a demeuré 18 ans. in Thévenot.

Torrubia         Disertacion historico-politica y en mucha parte
                 geografica de las Islas philipinas. Madrid 1753.

U. S. Expl. Ex.  C. Wilkes Narrative of the U. S. Exploring Expedition
                 during the years 1838-42.

Velarde          Murillo Velarde, Historia de la provincia de
                 Philipinas. Manila 1749.

Zuñiga           Historia de las Islas philippinas Sampaloc (Manila
                 1803).

Zuñiga Mavers    Englische Uebersetzung des vorigen von Mavers.



UEBER DIE GEOLOGISCHE BESCHAFFENHEIT DER PHILIPPINEN

von J. Roth.


Mit Ausnahme von Java -- Dank zunächst den Untersuchungen Junghuhn's --
ist die Kenntniss der geologischen Beschaffenheit der ostasiatischen
Inselwelt eine geringe. Sie beschränkt sich auf einzelne Angaben
und vereinzelte Punkte. In diesem Betracht ist daher jeder neue
Beitrag willkommen zu heissen. Die von Herrn Dr. Jagor 1859 und
1860 auf einer Reise durch die Philippinen gesammelten und mir
zur Untersuchung mitgetheilten Gesteine gestatten Einiges schärfer
anzugeben als es bisher geschehen konnte. Die geologische Literatur
über die Philippinen ist nicht überreich. Ausser einzelnen Angaben
von A. von Chamisso [310], E. Hofmann [311], Meyen [312], Sainz de
Baranda [313], Chevalier [314], Dana [315] sind zunächst zu nennen
die Aufzählung der Vulkane durch L. von Buch in seinem Werke über
die Canarischen Inseln, die Berichte von Hochstetter's [316] bei
Gelegenheit der Novara-Reise, der Aufsatz von Richthofen's über das
Vorkommen der Nummulitenformation [317], die Aufsätze von C. Semper
[318] und dessen 6 Skizzen: die Philippinen und ihre Bewohner. Würzburg
1869. Im Folgenden habe ich versucht, Alles zusammenzustellen, was
sich aus den bisherigen Beobachtungen ergiebt.

Als einem Stück des grossen Vulkangürtels des stillen Meeres hat sich
schon früh die Aufmerksamkeit den Vulkanen der Philippinen zugewandt,
dem Verbindungsgliede der Reihe Kurilen-Japan-Formosa und der Reihe,
welche über Mindanao und die Sangirinseln in die Molucken fortsetzend
dort einen Zweig westlich nach Java hinsendet, einen anderen nach
Osten, die seit L. von Buch sogenannte westaustralische, bis nach
Neuseeland sich erstreckende Reihe. Viel geringer ist die Kenntniss
der auf den Philippinen vorhandenen neptunischen Ablagerungen, und
auch hier werden nur wenige Beiträge dazu geliefert.

Es ergiebt sich als Resultat des bisher Bekannten, dass in
den Philippinen auf einen Grundstock krystallinischer Schiefer
junge, z. Th. sicher tertiäre (eocäne) und reichlich noch jüngere
Ablagerungen folgen, gehobene Küstenbänke und Korallenriffe mit
den noch heut im stillen Ocean lebenden Mollusken. Die gehobenen
Korallenriffe schliessen sich den lebenden vollständig an und reichen
zu beträchtlichen Höhen, nach Dana's Angabe bei Punta S. Diego,
S. von Manila, bis zu 600 Fuss Meereshöhe. Dass die Hebung noch jetzt
fortdauert, ist zwar nicht durch genaue Messungen sicher gestellt,
erscheint aber höchst wahrscheinlich. Nach von Richthofen ist ein
Theil der vulkanischen Gesteine jünger als der Nummulitenkalk,
welcher mit den »Trachyten« grobe Breccien bildet und von ihnen
eingeschlossen wird. In und auf den vulkanischen Gebilden liegen
jüngere Sedimente, deren Bildung ebenso wie die vulkanische Thätigkeit
bis jetzt fortdauert. Die letztere äussert sich in heftigen und
häufigen Erdbeben. Im grossen Ganzen eine gute Parallele zu dem Bau
der Insel Java.

Von älteren Formationen liegen von den durch Herrn Dr. Jagor bereisten
Inseln Luzon, Samar und Leyte keine Gesteine vor. Nach Semper scheinen
im Norden Luzon's und in Cebu vorkommende Petrefakten ein etwas höheres
Alter anzudeuten. Aeltere Eruptivgesteine, von denen A. von Humboldt
[319] Granit im nördlichen Theile von Luzon erwähnt, wurden von Herrn
Dr. Jagor beobachtet, aber nur in Geschieben. Diese Eruptivgesteine
durchbrechen wohl die krystallinischen Schiefer [320].

Wie überall, wo die vulkanische Thätigkeit noch heut in grösserem
Maassstabe auftritt, wo also Ausbrüche von Lava aus den Feuerbergen
stattfinden, sieht man daneben auch auf den Philippinen erloschene
Vulkane, entweder ganz unthätig oder in dem Zwischenzustande
der Solfatara verharrend. Man darf annehmen, was sich aus den
Gesteinsproben und den Angaben nicht ausmachen lässt, dass es an
modernen Eruptivgesteinen nicht gefehlt hat, an Auftreten von Trachyten
-- diesen Ausdruck im weitesten Sinne genommen -- und Doleriten in
der Weise der alten Eruptivgesteine, also ohne vulkanisches Gerüst,
wofür namentlich einzelstehende Kegelberge zu sprechen scheinen. Bei
manchen der erloschenen Vulkane ist es schwer Sicherheit zu gewinnen
über die Zeit und die Grösse der Ausbrüche, ja über die Thatsache,
ob in historischen Zeiten Eruptionen stattfanden.

Abgesehen von Mindanao [321] und Negros, auf welcher Insel Semper den
nach seiner Schätzung mindestens 5000 Fuss hohen, im Nordtheil der
Insel befindlichen Vulkan (Malespina der hydrogeographischen Karte der
Philippinen) stark rauchen sah, sind nur auf Luzon, den nördlich von
Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln und auf der kleinen Insel Camiguin
(zwischen Mindanao und Siquijor) thätige Vulkane bekannt. Auf Camiguin
fand nach einem Briefe aus Manila (Spenersche Zeitung 1871. No. 167)
am 1. Mai 1871 ein vulkanischer Ausbruch statt. Seit Monaten hätten auf
Bojol, Cebu und Camiguin wiederholte Erdbeben stattgefunden, Camiguin
war von dem grössten Theil seiner Bewohner verlassen worden. Am 1. Mai
um 5 Uhr Abends spaltete sich unter Donnergetöse und heftigen Stössen
ein über dem Dorf Catarman gelegener Berg. Rauch, Asche, Erde und
Steine wurden ausgeworfen; der Krater hatte bei einer Länge von etwa
1500 Fuss eine Breite von 150 und eine Tiefe von 27 Fuss. Um 7 Uhr
Abends erfolgte ein zweiter Ausbruch. Von einem Lavastrom ist nicht
die Rede. Noch im Juli 1871 war der Krater thätig.

Auf der Insel Babuyan Claro liegt »ein wie es scheint in beständiger
Eruption begriffener Vulkan« [322] und auf der südöstlichsten Insel
der Babuyanes, auf Camiguin, ein im Solfatarazustand befindlicher. Auf
den östlich von Camiguin gelegenen Didicaklippen, die nach Semper
wohl nichts Anderes sind als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines
früheren Vulkans, hat sich 1856 ein im October 1860 mindestens 700
Fuss hoher Vulkan gebildet. Nachdem zwischen zwei Klippen Rauch
aufgestiegen war, hat sich zwischen ihnen, deren obere Hälfte
eingestürzt war, eine kleine Insel gebildet, welche sich durch
Aufschüttung vergrösserte. Begleitet von heftigen Erdbeben fand dort
1857 ein starker Ausbruch statt.

Don Claudio Montero hat auf der Nordspitze von Luzon nahe unter
dem Cabo Engaño (Provinz Cagayan) einen 2489 p. Fuss hohen Vulkan
aufgefunden, den Monte Cagua [323]. Semper sah ihn im October 1860
von Aparri aus rauchen. In weitem Abstande von diesen vier auf engen
Raum zusammengedrängten Vulkanen, getrennt von einander durch weite
Strecken, aber durch eine Reihe erloschener Vulkane verbunden,
liegen die übrigen drei noch thätigen Vulkane Luzon's: der Taal,
der Albay oder Mayon und auf der äussersten Südspitze der Insel
der Bulusan, an dessen Fuss nach von Hochstetter heisse Quellen
entspringen. Herr Dr. Jagor sah ihn rauchen, leider sind die dort
gesammelten Gesteinsproben verloren gegangen.

Viel zahlreicher sind die erloschenen Vulkane. Nach Semper finden sie
sich auf allen Inseln der Philippinen mit Ausnahme von Cebu und Bojol,
welche nach ihm aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten
gebildet scheinen. Auch auf Panay sah Dana nichts an vulkanische Berge
Erinnerndes. Die Angaben lassen jedoch oft Zweifel, ob man erloschene
Vulkane oder ungeöffnete Dome vor sich hat. An der Ostseite der
Insel Leyte ist ein erloschener Vulkan, der Dagami, sicher gekannt,
an dessen Ostfuss eine Solfatara sich findet; auf Samar kennt man
keinen, eine ganze Reihe dagegen auf Luzon. Mit der Südspitze der Insel
beginnend den M. Pocdol bei Bacon, zwischen dem Bulusan und dem Albay
gelegen; nordwestlich vom Albay den Mazaraga, von welchem nördlich
der Malinao oder Buhi und der Yriga auftreten. Ihnen folgt im Norden
der mächtige Ysarog. In der Provinz Camarines norte sind der Labo und
der Pic von Colasi zu nennen; südlich der Laguna de Bay der Majayjay,
der Sosoncambing und der Malarayat, der von diesen südlich gelegene
Tanabon (wohl Monte Tombol bei von Hochstetter), endlich der Maquiling
[324], durch grosse Solfataren ausgezeichnet. An seinem Fusse treten
die heissen Schwefelquellen von los Baños, der Kesselsee Dagatan, der
Schlammvulkan von Nataños, der Krater von Maicap u. s. w. auf. Zwischen
ihm und dem Majayjay liegt das vulkanische Gebiet von San Pablo mit
zahlreichen kleinen Kraterseen. Nordöstlich vom Majayjay finden sich
zwischen Lucban und Mauban Dolerite und Tuffe. Die Doleritlaven der
Insel Talim in der Laguna de Bay und die der Halbinsel Jalajala, die
Obsidianströme der Halbinsel und Bucht von Binangonan deuten dort
einen grossen vulkanischen Mittelpunkt an. Die Bay von Manila wird
westlich durch die Kette des Pico Butilao und die Sierra de Mariveles,
letztere mit Doleritlaven begrenzt; auf der Insel Corregidor sah von
Kotzebue [325] einen alten Krater. Die Umgebung von Manila zeigt
mächtige Tuffmassen, welche auch als niedriger Damm die Laguna di
Bombon vom Meer trennen.

Ob die bei S. Mateo und die östlich zwischen Antipolo und Bosoboso
mit dem Kalk zusammenkommenden, bei von Richthofen als Trachyt
bezeichneten Gesteine, ebenso die von ihm bei Zamboanga mit Kalk
zusammen gesehenen einfach eruptiv sind oder Laven angehören,
ist nicht zu ermitteln. Aus der kaum 90 Fuss hoch über dem Meere
erhabenen Ebene von Pampanga, NW. von Manila, steigt steil und schroff
der 3150 Fuss hohe »trachytische« Doppelkegel des Monte Arayat auf,
an dessen Fuss heisse Quellen hervortreten. Im Norden der centralen
Ebene von Luzon zwischen dem M. Arayat und S. Tomás steigen, isolirt
von allen Bergketten, vier kleine vulkanische Berge auf, darunter der
M. Cujaput. Gehören diese Berge, der Arayat, der M. Data bei Mancayan
(NW. Luzon), der Subig in der Kette von Zambales zu den erloschenen
Vulkanen? Am 4. Januar 1641, dem Tage des Ausbruches des Sanguir
[326] (ob am Südcap von Mindanao oder auf der südlich gelegenen
Sanguirinsel?) entstand nach spanischen Berichten zugleich ein Vulkan
auf der Insel Sulu [327] (Jolo) und ein Vulkan Aringay oder Monte
Santo Tomás am Golf von Lingayen. Wenn dort wirklich ein Vulkan sich
bildete, so ist er jetzt erloschen. Nach Claudio Montero's Messung
ist er 6948 Fuss hoch.

Ein Versuch, die Vulkane, die thätigen wie die erloschenen, auf
ein oder mehrere Spaltensysteme zurückzuführen, scheitert an der
mangelnden Kenntniss, nicht nur von Luzon, sondern namentlich der
übrigen Inseln. Dass die Nord-Südrichtung vorwiegend erscheint,
folgt aus der topographischen Configuration der gesammten Inselkette.

Von den thätigen Vulkanen Luzon's ist der kaum 840 Fuss hohe Taal,
der demnach zu den niedrigsten [328] thätigen Vulkanen gehört,
ausgezeichnet durch seine Lage auf einer aus Schlacken gebildeten Insel
in der sehr tiefen Laguna die Bombon und durch einen Kratersee, aus
welchem der Ausbruchskegel mit einem zweiten Krater sich erhebt. A. von
Chamisso [329] fand den Vulkan 1818 schwach thätig, E. Hofmann 1825,
Wilkes [330] 1842 sahen ihn in voller Thätigkeit. Delamarche [331], der
ihn am 25. October 1842 unthätig fand, hat eine genaue Beschreibung des
Berges gegeben. Semper, der den Taal am 30. April 1859 bestieg, sah den
Krater beständig rauchen. Der Kraterboden, auf dem zahlreiche kleine
Erhöhungen hervortraten, war mit Thon und Gypskrystallen bedeckt,
überall brach heisser saurer Wasserdampf hervor; Alaun, Schwefel und
ähnliche Bildungen waren reichlich vorhanden, kleine Bäche kochenden
Wassers traten an einzelnen Stellen aus. Den Krater fand Semper mit
kochendem milchweissem Wasser erfüllt, es entstiegen ihm schweflige
Dämpfe. Demnach befand sich der Taal in dem Solfatarazustand. Am
Nordwestende der Insel liegt ein ganz erloschener, aus Tuff bestehender
regelmässiger Kegelberg mit Krater, der Binintiang grande, am
Südende liegt der kleine Binintiang. Das Gestein des Berges zeigt
nach L. von Buch [332] in dunkelbrauner, feinsplittriger Grundmasse
kleine Feldspäthe. Ob es zu den Sanidintrachyten oder zu den Gesteinen
mit triklinen Feldspathen gehört, lässt sich nach den vorliegenden,
stark zersetzten Gesteinsproben nicht bestimmen, wahrscheinlich ist
es Dolerit. Der Hauptausbruch des Berges 1754 (der letzte Ausbruch
hatte 1716 stattgefunden) war ein heftiger Aschenausbruch, dem später
viele kleine Eruptionen gefolgt sind. Lavaströme scheint der Berg
seit langer Zeit nicht gegeben zu haben.

Im Gegensatz dazu liefert der 7000 Fuss hohe Albay oder Mayon nicht nur
Aschenausbrüche und die sie begleitenden zerstörenden Schlammströme,
sondern auch Ströme von Lava. Seine Hauptausbrüche fallen in die
Jahre 1766, 1800 und 1814. Er warf 1857 viel Asche aus, 1858 war der
Krater voll Dampf, Herr Dr. Jagor fand ihn 1859 erfüllt mit heissen
schwefligsauren Dämpfen.

Wie überall mit thätigen und erloschenen Vulkanen stehen auch hier mit
ihnen Tuffe in Verbindung. Weiter unten ist ihr Vorkommen genauer
erwähnt. Von ihrer grossen Verbreitung um Manila war schon die
Rede. Diese graugrünen Tuffe, fest genug um als Baustein zu dienen,
bilden am Flussufer des Pasig nach der Laguna de Bay hin an manchen
Stellen 40 bis 60 Fuss mächtige Ablagerungen. Es sind nach G. Rose
(Meyen Reise II. 202) Bimsteinconglomerate, die in rauher, grauer,
leicht ritzbarer Grundmasse eckige, bräunlich-graue Bimsteinstücke
umschliessen. Sie fuhren nach Dana Blattabdrücke und verkieselte
Hölzer, meist Palmen und zwar lebende Arten. In der Nähe der
thätigen Vulkane treten lose vulkanische Sande auf, in der Umgebung
der erloschenen sind sie verkittet zu mehr oder minder festen
Massen, hie und da auch umgelagert und mit der Unterlage gemengt
oder am Meeresstrande durch Kalk, den Muschelschalen entnommen,
cementirt. Das Korn wechselt in hohem Maasse, ebenso die Zahl und
die Grösse der eingeschlossenen Gesteinstrümmer. Wo sie und die Tuffe
durch Verwitterung oder Fumarolenwirkung gelitten haben, werden aus
ihnen Thone ausgewaschen, die, im nächsten Verband stehend, bisweilen
mächtige Ablagerungen bilden.

Unter den sehr zahlreichen vulkanischen Gesteinen, die vom südlichen
Luzon, Samar und Leyte vorliegen, und in den zu ihnen gehörigen Tuffen
sind, mit sehr geringen Ausnahmen, nur zwei und noch dazu einander
sehr nahe stehende Gesteinstypen vertreten: beide mit triklinem
Feldspath, einer mit Hornblende, einer mit Augit, Hornblendeandesit
und Augitandesit oder Dolerit. Die Analyse der Feldspäthe wird
zeigen, ob man in manchen Gesteinen, wie man nach dem Habitus und
der Aehnlichkeit mit Aetnalaven schliessen darf, Labrador oder einen
kieselsäurereicheren Feldspath vor sich hat. In den Amphibolandesiten
ist noch Magneteisen und meist Olivin vorhanden, bisweilen tritt
noch sparsamer grüner Augit dazu. Diese Gesteine finden sich in der
Berggruppe des Labo, Colasi, Ysarog, auf der Insel S. Miguel, am Dagami
und Danaan auf Leyte und zwar meist mit sehr ähnlichem, porphyrischem
Habitus. Zu den Doleriten gehören die Laven des Albay, Yriga,
Mazaraga, Malinao und der ganzen Umgebung der Laguna de Bay. Neben
dem Augit treten in ihnen Olivin und Magneteisen, seltener noch dunkle
Glimmerblättchen auf. In den entsprechenden Tuffen und Sanden kehren
die Mineralien der Gesteine wieder. Wenn auch einzelne Bimsteinstücke
in jenen sich finden, so gehören doch grössere Ablagerungen rein aus
Bimstein bestehend zu den Ausnahmen. Ebenso ist Mandelsteinbildung und
Auftreten von Zeolithen sehr sparsam vorhanden. Glasige Gesteine kommen
kaum vor; v. Hochstetter sah an der in die Laguna de Bay hineinragenden
Halbinsel Binangonan säulig zerklüftete Obsidianströme. Ob überhaupt
in dem genannten Gebiet ächte Sanidintrachyte auftreten, erscheint
zweifelhaft. Ueber das relative Alter der beiden Andesite lässt sich
ebensowenig eine Vermuthung aussprechen als über die chronologische
Folge der einzelnen vulkanischen Berge.

Auch hier ergiebt sich eine gute Parallele mit Java, in so fern die
Andesite dort reichlich, wenn nicht ausschliesslich, vertreten sind. Es
liegen jedoch von Luzon, Samar und Leyte dichte basaltische Gesteine,
die in Java so häufig sind, nur von einer Stelle vor, und zwar,
wie die Uebergänge beweisen, von Amphibolandesit.

Als höchst bezeichnend ist ferner hervorzuheben, dass bei der
häufigen Fumarolenthätigkeit nur Einwirkungen von Schwefelwasserstoff,
resp. schwefliger Säure und Sublimation von Schwefel beobachtet sind;
daneben die diesen Agentien entsprechende Bildung von Gyps, Alaun,
Alunogen, Bianchetto; je nach der Stärke und der Dauer der Einwirkung
die vollständige Entfernung der Thonerde oder ihre Umwandlung in
schwefelsaure Salze. Die reiche Gypsbildung erklärt sich aus dem
Kalkgehalt der Hornblende, des Augites und des Feldspathes. Ebenso
wenig fehlt die Bildung basischschwefelsaurer Eisenoxyde, und
die Röthung des Rückstandes durch Eisenoxyde, endlich die durch
Bunsen's schöne Versuche erläuterte Bildung von Schwefelkies, dessen
Verwitterung die Zerstörung der Gebirsgsarten unterstützt. Dagegen
mangelt jede Spur salzsaurer Fumarolen. Wenn auch der Absatz leicht
löslicher Chlorverbindungen nicht zu erwarten war, so erscheint
doch keine Spur von sublimirtem und zu Eisenglanz zersetztem
Chloreisen. Auch Bildung von Palagonit ist nirgend beobachtet,
wozu die (freilich oft grobkörnigen) Tuffe Gelegenheit zu bieten
scheinen. Zahlreich dagegen sind Absätze von Kieselsinter, Opal
und Hyalith aus der letzten Phase der vulkanischen Thätigkeit, aus
Kohlensäure und Alkalibikarbonat enthaltenden Quellen, ähnlich wie
in Island, Madeira, Neuseeland, Californien, Nevada, Montana-Wyoming
u. s. w., Absätze, die ihre Erläuterung in den Arbeiten Bunsen's über
Island finden. Auf denselben Ursprung müssen auch die Jaspisvorkommen
der vulkanischen Gegenden zurückgeführt werden. Geisirähnliche
Erscheinungen wurden nicht beobachtet.

Der Antheil der vulkanischen Bildungen an dem Aufbau der Philippinen
darf jedoch nicht zu hoch angeschlagen werden, räumlich sind
sie untergeordnet gegenüber den krystallinischen Schiefern und
den Sedimenten. Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer,
Hornblendegneiss, Talk- und Chloritschiefer, Serpentin sind von
den ersteren beobachtet. Im nördlichen Theil von Luzon sind
sie verbreitet. Meyen beobachtete in S. Mateo und bei Balate
(N. von S. Mateo) feinkörnigen Hornblendeschiefer, auf dem der
Kalk von S. Mateo aufliegt. Die von Semper erwähnten Goldwäschen
im Flussthal des Agno grande im Land der Ygoroten deuten ebenfalls
auf krystallinische Schiefer, ähnlich wie die Eisenerze bei Angat
(Provinz Bulacan); nach Chevalier giebt es Serpentin in der Provinz
Bataan (W. der Bai von Manila). Die Nordostküste der Provinz Camarines
norte zwischen Paracali, Mambulao und Lungos wird von Gneissen und
den dazu gehörigen Hornblendeschiefern, Talkschiefern und Serpentinen
gebildet, welche bis nach Indang und Labo fortsetzen, wahrscheinlich
auch die jenseits der Bai von S. Miguel gelegenen Sierra de Caramuan
zusammensetzen. An der Südküste derselben Provinz bei Pasacao treten
Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer auf. Im Nordwesttheile der
Insel Samar, ferner bei Loquilocun, bei Basey und auf der Insel Leyte
bei Tanauan (Ostküste) sind sie ebenfalls beobachtet.

Nach Sainz de Baranda tritt Serpentin auf in Mindanao bei Camahat,
Provinz Caraga und bei Pigtao, Provinz Misamis. Am Westende bei
la Caldera (NW. von Zamboanga) sah Dana Geschiebe von Hornblende
und Talkschiefer, auf der Insel Lubang (SW. von Manila) Talk- und
Chloritschiefer, die nach der Insel Mindoro fortsetzen und dort
in Serpentin übergehen. In S. José, Westküste von Panay, sah Dana
Geschiebe von Talkschiefer und Quarz. Nach Meyen (l. c. 245) ist
Talkschiefer auf Cebu besonders häufig.

Nach ihrer Zertrümmerung und Verwitterung gaben die krystallinischen
Schiefer das Material zu sedimentären Absätzen, welche, mehr oder
minder sandig und thonig, und petrographisch zwischen Thonlagern und
Sandsteinen schwankend, die Mineralien der ursprünglichen Gesteine,
zunächst Quarz, Feldspath, Glimmer, Magneteisen erkennen lassen.

Die Angaben über das Vorkommen älterer Eruptivgesteine auf den
Philippinen erscheinen wenig genau. In Nordluzon wird Granit und
Porphyr angegeben. In Pual (Sual der Karte, 16° 10' N. B. am Golf von
Lingayen) wechsellagern nach Callery [333] Euphotid, Serpentin und
Petrosilex. Itier [334] fand bei Angat (Provinz Bulacan) Geschiebe
von Diorit, Mandelsteinen, Spiliten, Epidot und Porphyren.

Unter den Sedimenten treten neben Kalken Sandsteine und Thonschichten
hervor, deren Ursprung, wie erwähnt, z. Th. auf krystallinische
Schiefer, z. Th. auf vulkanische Tuffe zurückzuführen ist. Die von
Semper beobachtete schnelle Umwandlung der gehobenen, weithin sich
erstreckenden Korallenbänke in sehr harten, dichten Korallenkalk
lehrt, dass die dichten spröden Kalke wenigstens nicht überall,
wie von Richthofen annimmt, diese Umwandlung den »Trachyten«
verdanken. In manchen der dichten Kalke lassen sich noch Spuren der
Korallen auffinden, obwohl in Folge der Umwandlung die Erhaltung der
organischen Reste in den Kalken eine sehr schlechte ist. Bei Binangonan
(N. der Laguna de Bay) fand von Richthofen in den dort gebrochenen
Kalken neben undeutlichen Austern zahlreiche Nummuliten [335]. Im Kalk
von S. Mateo suchte Meyen vergeblich nach Versteinerungen. Zwischen
beiden Punkten sah von Richthofen den Kalk zwischen Antipolo
und Bosoboso einen allseitig schroff ansteigenden, zerklüfteten,
oben verebneten Berg bilden. Wahrscheinlich bestehen aus demselben
Kalke die schroffen Gipfel der Sierra de Zambales (NW. der Pampanga,
NW. Manila). Callery (l. c.) sah 4 Lieues von Sual ein zwei Lieues
breites Band von Grobkalk und Travertin horizontal auf dem Euphotid
lagern. Er fand im Grobkalk die decapoden Kruster Portunus leucodon
Desmarest und Noptacus Latreillei. Im Thal von Benguet und in der
Provinz Batangas (Nordluzon), an der Nord- und Ostküste von Luzon,
an der Ostküste von Camiguin (Babuyanes) fand Semper Korallenkalk.

An der Westseite der grossen Cordillere in Nordluzon sammelte Semper
in etwa 800 Fuss Meereshöhe mitten im Lande mürbe Sandsteine mit
marinen Muscheln (Conus sp.), im Oberlauf des Agno (Nordluzon)
in etwa 400 Fuss Meereshöhe Korallen in einem porphyrischen
Gestein, dessen Hauptbestandtheile granitische und trachytische
Rollsteine waren [336]. An der Südspitze des westlichen Theils von
Mindanao bei Zamboanga fand v. Richthofen in den Kalken Massen
von Austernschalen. Daneben kommen dort unreine Sandsteine mit
Pflanzenabdrücken, blaue Kalkmergel und dunkle weiche Schiefer
vor. Auch an manchen anderen Punkten enthalten Thone und Sandsteine
Blattabdrücke; die Sandsteine führen bisweilen Braunkohle: bei
Mauban ist sie kiesig und kommt auch in der Gegend von Aringay nach
D. José de Santos (Citat bei Semper) vor. Auch in Caramuan soll
Kohle sich finden. In Samar wurde bei Loquilocun angeschwemmte
Braunkohle gefunden; auf Cebu findet sich im Gebiet von Naga im
Gebirge Alpaco (Revista minera 1863. 17. 244) Braunkohle; ebenso
nach von Richthofen auf Mindanao östlich von Zamboanga im Seno de
Sibugey, nach Sainz de Baranda auf der Insel Siargao (Nordostende von
Mindanao). Die Sedimente sind also nur z. Th. marinen Ursprungs. Als
Vergleich für die Sedimente möchte die durch von Hochstetter
(Novara-Reise. Geol. Theil. Bd. II.) aufgestellte Gliederung in Java
heranzuziehen sein.

Von den auf den Philippinen vorkommenden Erzen gehören die Eisenerze
den krystallinischen Schiefern an: das Magneteisen am Fuss der
Sierra de Bacacay (S. von Paracali) und die Eisenerze in der Nähe
von Angat-Kupang, Provinz Bulacan. Ueber das reiche Vorkommen
von Kupfererzen in Nordluzon ist nichts Genaueres bekannt. Sehr
beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen liegen dort bei Mancayan
im Distrikt Lepanto zwischen Cagayan und Ylocos. Nach Zerrenner
(Berg- und Hüttenm. Zeit. 28. 105 und 113. 1869) kommt dort auf
Quarzgängen in Trachytporphyr Kupferkies mit Enargit vor. In Spanischen
Schriften wird das Gestein als Trapp bezeichnet. Auf der Insel Lubang
(SW. von Manila) enthalten nach Dana die Talk- und Chloritschiefer
Kupferkies. Quarzgänge, die in den krystallinischen Schiefern, zumeist
in Talkschiefer und Serpentin auftreten, führen neben Schwefelkies,
Bleiglanz und Kupferkies gediegen Gold und Chrombleispath. So
wenigstens ist das Vorkommen bei Mambulao und Paracali (Provinz
Camarines norte, Luzon). Das Vorkommen entspricht also ganz dem
uralischen von Beresowsk.

Goldhaltige Sande, reich an Magneteisen, aus krystallinischen
Schiefern werden an vielen Orten gewaschen. Nach Sainz de Baranda
[337] kommt Gold ausser auf Luzon auch in Mindanao, Sibuyan, Panay,
Dinagat vor; Quecksilber angeblich in Leyte; Kupfer (cobre nativo
en polvo finisimo y pirita de cobre) auf Mindanao. Er giebt ferner
schöne Krystalle von Rutil auf der Insel Bigat an, wohl ein Beweis
für das Vorkommen krystallinischer Schiefer.

Nach dieser allgemeinen Uebersicht ist in dem Folgenden die specielle
Beschreibung der von Herrn Dr. Jagor gesammelten Gesteine gegeben.



I. Luzon.

Provinz Bulacan.

Das Ufer des Rio Quingoa bei Angat (N. von Bulacan) bilden feste,
gelbgraue, conglomeratische Tuffe mit grösseren grauweissen
Bimsteinstücken, kleineren dunklen Schlacken- und Lavastückchen,
einzelnen triklinen Feldspathen, Augiten und Magneteisen. Sie sind
bisweilen fest genug um als Bausteine zu dienen und werden bei Tubagan
und Buenavista (zwischen Balinag und Angat) gebrochen. An einzelnen
Stellen wird das Gestein etwas dunkler durch Zunahme der Schlacken-
und Lavastücke.

Der Bach Banavon zeigt N. von Angat nach Kupang hin viele Gerölle eines
Kalkes mit Korallenresten und eines sehr verwitterten, plutonischen,
Quarzbänder führenden Gesteins [338] .. In der Nähe kommen Eisenerze
vor.

An den Uferbänken des Rio Quingoa bei Calumpit (W. von Angat) lässt
sich auf lange Strecken hin ein Thonabsatz mit Cyrena verfolgen.



Provinz Bataan.

Die grossen Blöcke, welche an der Küste von Mariveles südlich vom
Dorf liegen, sind Doleritlaven, äusserst ähnlich den jüngsten Laven
des Aetna und der Insel Stromboli. In etwas poröser, feinkörniger,
bläulichgrauer Grundmasse sind trikline Feldspathe, Augit, Magneteisen
und Olivin ausgeschieden. Vorzugsweise sind die Augite von bedeutender
Grösse. Ein Quarzkorn wurde als Einschluss beobachtet.

Man darf wohl annehmen, dass die ganze Gebirgskette, zu welcher der
Pico Butilao, die Sierra de Mariveles, die Insel Corregidor und der
südlich gelegene Pico de Loro gehören, aus demselben Gesteine besteht.

Nach Chevalier (l. c. 222) findet sich bei Mariveles eine Bank
faserigen, röthlichen Aragonites über den Laven.



Provinz Laguna.

Das Südende der Halbinsel Jalajala, welche in die Laguna de Bay
hineinragt, wird von festen gelbgrauen Tuffen gebildet, welche graue
Bimstein- und Lavastücke einschliessen. Die grösseren Lavastücke
enthalten in matter, feinkörniger, von Parallelrissen durchzogener
Grundmasse trikline Feldspathe und wenige grüne, durch Verwitterung
braun gewordene Augite. Magneteisen ist nur sparsam vorhanden, Olivin
auch unter dem Mikroskop nicht zu finden. Diese Tuffe streichen h. 12
und fallen 20° W.

Der Westabhang des in Nordsüdrichtung durch die Halbinsel fortlaufenden
Bergrückens wird von ähnlichen Tuffen und durch Schwefelwasserstoff
zersetzten Doleriten gebildet, ähnlich denen der nahen Insel
Talim. In den Tuffen kommen an beiden Punkten bis 3/4 Zoll grosse,
mandel- bis kugelförmige, concentrisch schalige Gebilde vor, welche
ganz aus denselben hellgelbgrauen Tuffen bestehen und keinen festen
Kern zeigen. Die auf der Höhe des Joches frischen, dunkelblaugrauen,
Feldspath, Augit und Magneteisen führenden Dolerite sind weiter abwärts
an vielen Punkten durch Schwefelwasserstoff zersetzt und bisweilen
mit rothen, durch Eisenoxyd gefärbten Bändern durchzogen. Schliesslich
werden sie vollständig gebleicht und in eine thonige Masse umgeändert,
aus welcher Natronkarbonat reichlich Kieselsäure löset. In den
ersten Stadien der Zersetzung lassen sich bisweilen noch einzelne
kleine frische Feldspäthe und grössere grüne Augite erkennen oder
man sieht einen unzersetzten Augitkern in weicher gelber Hülle;
endlich sind die Augite vollständig in eine gelbe, weiche Masse
umgewandelt. In den gebleichten und zersetzten Gesteinen findet
sich Schwefelkies in feinen Pünktchen, oder in den Spalten dünne,
bisweilen faserige Gypslagen, deren Bildung aus dem Kalkgehalt der
Augite und des Feldspathes sich erklärt. Die aus diesen zersetzten
Gesteinen ablaufenden Gewässer setzen reichlich Vitriolocker (basisch
schwefelsaures wasserhaltiges Eisenoxyd) ab, und das Wasser des
Baches schmeckt adstringirend. Aus diesen Gesteinen hat spätere
Einwirkung von Alkalibikarbonat enthaltenden Lösungen Eisenkiesel
geliefert, welche aus einem Gemenge von gelben und blutrothem Quarz
bestehen, aber auch noch etwas Opal führen. Ebenso kommen grosse
Blöcke grauweissen dichten Quarzes mit Schwefelkiespartien vor, deren
Drusen Quarzkrystalle enthalten. Weiter abwärts findet sich rothbrauner
Jaspis mit Drusen und Adern, welche mit Quarzkrystallen erfüllt sind.

Man sieht 1/4 Meile ONO. von der Hacienda auf dem Tuff grobes
vulkanisches Geröll 3-4 Fuss mächtig lagern, darüber folgt 5 Fuss
Dammerde. Das ist die Formation der Strandebene, zwischen der
Hügelkette und der Laguna. Endlich sieht man auf der Westseite der
Südspitze der Halbinsel Muschelbänke, und zwar 15 Fuss über das
jetzige Niveau der Laguna gehoben. Von den Arten, welche alle den
lebenden angehören, und von Dr. von Martens bestimmt wurden, ist neben
Tapes virgineus L. Phil. Cerithium moniliferum Kien. sehr häufig. Am
Strande der Insel Talim erhebt sich eine 20 Fuss hohe Tuffbank,
auf dem Plateau wurden nur Tuffe gesehen. Am Strande liegen grosse
vulkanische Blöcke gereihet. Diese Dolerite enthalten in dichter
blaugrauer Grundmasse triklinen glasigen Feldspath, grünen Augit
und Magneteisen. Das keineswegs frische Gestein führt zahlreiche
grosse rundliche Hohlräume, welche theilweise mit Eisenoxydhydrat
(aus ausgelaugtem Eisenkarbonat entstanden) erfüllt sind. Spuren von
Schwefelkies, den auch G. Rose in den Gesteinen von Talim beobachtete,
deuten auf Einwirkung von Schwefelwasserstoff hin und erklären den
Absatz von Eisenverbindungen; von Hochstetter beobachtete auf der nur
durch einen schmalen Canal von der Insel Talim getrennten Halbinsel
von Binangonan säulenförmig zerklüftete Obsidianströme.

Der Dolerit, welcher 1/4 Meile südlich von los Baños (Südufer der
Laguna) als Geröll im Bach Malauin vorkommt, also weiter oben ansteht,
enthält in feinkörniger, dunkelblaugrauer, mit feinen Parallelrissen
durchzogener Grundmasse glasigen triklinen Feldspath, grünen Augit,
einige dunkle z. Th. sechsseitige Glimmerblättchen, etwas Magneteisen
und Olivin. Die Längsaxe der 3-4 Millimeter langen Feldspathe ist
meist nach derselben Richtung orientirt. Der zugehörige, graugelbe,
wenig feste, feinkörnige Tuff, welcher die Uferbank des Baches Malauin
bildet, enthält neben erbsengrossen, rundlichen, grauen Bimsteinstücken
sparsam rundum krystallisirte grüne Augite, zahlreiche Augittrümmer,
triklinen Feldspath, Olivin, Glimmer und Magneteisen.

Die frischen Dolerite des Schlammvulkans Nataños, 2 1/2 Leguas
S. von Los Baños, sind von derselben Beschaffenheit wie die von dort
erwähnten, nur etwas dunkler gefärbt, wohl eine Wirkung des etwas
grösseren Gehaltes an Magneteisen. Wie die z. Th. vollständig
gebleichten Gesteine bezeugen, wurde die Zersetzung durch
Schwefelwasserstoff bewirkt. An manchen Stellen ist das Gestein in
eine bröckliche, thonige, gelbgraue oder auch durch Eisenoxyd braun
gefärbte Masse umgewandelt, in deren Hohlräumen und Klüften Opal sich
findet. Auf dem Gestein hat das Wasser rindenförmigen Sinter abgesetzt,
dessen Oberfläche wellig ist. Die blaugrauen Lagen des zunächst aus
löslicher, wasserhaltiger Kieselsäure und geringen Mengen basisch
schwefelsauren Eisenoxydes bestehenden Sinters wechsellagern mit
eisenreicheren rothgelben Lagen. Die blaugraue Farbe rührt von feinem
eingemengtem Gesteinsstaub her, wie man sich durch Behandlung mit Säure
und Alkali überzeugt. Der Sinter ist demnach ähnlich zusammengesetzt
wie der von Bickell untersuchte Kieseltuff von Island; eine weitere
Bestätigung für die an beiden Orten ähnlich vor sich gehenden
Prozesse. Das eben erwähnte gelbgraue zersetzte Gestein giebt an
Wasser Gyps, das rothbraune Gestein an Salzsäure eine reichliche
Menge Schwefelsäure ab, das Eisen ist also als basisch schwefelsaure
Verbindung vorhanden.

Nördlich vom Schlammsee von Nataños bildet graublauer, etwas rissiger
Dolerit die Ufer des Baches Malauin. Die Risse sind mit gelbbraunem,
kurzfaserigem Bimstein ausgekleidet. In der feinkörnigen Grundmasse
ist glasiger trikliner Feldspath, grüner Augit, etwas Olivin und
Magneteisen ausgeschieden.

Den Rand des kleinen Kesselsees Dagatan bei los Baños bildet ein
lockerer, grauer, grobkörniger Tuff, der neben kleinen Doleritstücken
Feldspath und Augit führt. Grosse, lose, wahrscheinlich vom Berge
Maquiling herabgerollte Doleritblöcke, zusammengesetzt wie die von
Nataños, sind durch Schwefelwasserstoff gebleicht und enthalten
Hyalith in den Klüften.

Von C. Semper am Maquiling gesammelte Handstücke zeigen, dass dort
Schwefelwasserstofffumarolen und nach ihnen alkalische Bikarbonate
enthaltende, Kieselsäure lösende und absetzende Quellen in grossem
Maassstabe thätig sind. Dafür legen gebleichte, z. Th. mit Eisen
durchzogene, und bis zu Bianchetto zersetzte Tuffe und Gesteine,
Bildung von Gyps, z. Th. in schönen Krystallen, atlasglänzender
faseriger Alunogen und Alaun, Absätze von Kieselsinter und weissem
Opal sicheres Zeugniss ab.

Südlich von los Baños bei Calauan liegt ein Eruptionskrater, dessen
Wände mehrere hundert Fuss hoch sind, (Llanura de Imuc) mit einer
Kaffeepflanzung des Herrn Scott. Vom Südwestrand und vom Boden des
Kraters liegen Rapilli vor: bis zollgrosse, unregelmässig begrenzte
Bruchstücke schlackiger Doleritlava, welche triklinen Feldspath, Augit
und Magneteisen erkennen lassen. Die zugehörigen, feinkörnigen, grauen
Doleritlavaströme von der gewöhnlichen mineralogischen Beschaffenheit
und ohne Glimmer bilden neben der Hacienda eine 100 Fuss hohe Felswand,
in welcher neben compakteren rissigen auch poröse Laven vorkommen. Die
zugehörigen, feinkörnigen, grauen, zwei Fuss mächtigen Tuffe mit
Blattabdrücken von lebenden tropischen Pflanzen, deren Arten sich
jedoch nicht sicher bestimmen lassen, liegen horizontal ausgebreitet
in der Ebene von Calauan. Sie werden von 3 Fuss Dammerde bedeckt und
ruhen auf einer über 5 Fuss mächtigen Thonschicht.

Der obere Rand des zur Hälfte von einem See eingenommenen, 100 Fuss
tiefen Kraters Mar de Tigui (neben der Strasse von Calauan nach
dem südlich gelegenen San Pablo) wird von Lapilli gebildet, die
den oben beschriebenen gleichen. Das Plateau, in welchem der Krater
aufgebrochen ist, besteht aus einem feinkörnigen, gelbbraunen Tuff,
in dem einige stark verwitterte Gesteinsstücke zu erkennen sind.

Die Tuffe, welche den Krater Maïcap, eine Legua SO. von Calauan, und
den Krater Palacpacan bilden, sind grobkörniger, enthalten zahlreiche
Doleritstücke, z. Th. bimsteinartig aufgebläht und lassen einzelne
glasige trikline Feldspathe und grüne Augite erkennen. Beide Krater
enthalten Seen.

Weiter östlich am Wasserfall Butucan am Abhang des Vulkans Banajao
bei dem Dorf Majayjay tritt zwischen zwei mächtige Tuffmassen
eingeschaltet eine schwache Bank eines dem Piperno ähnlichen
Gesteins auf. Unregelmässig begrenzte Streifen schwarzen Obsidians,
dessen dünne Splitter gelbbraun durchsichtig sind, durchziehen ein
feinkörniges, gelbgraues Gestein, in dem man einzelne Stückchen grauen
feldspathhaltigen Gesteins, trikline Feldspathe, etwas dunklen Glimmer
und grünen Augit erkennt. Man darf wohl annehmen, dass dieses Gestein
durch Eindringen einer feurigflüssigen Masse in die Tuffe entstand.



Provinz Tayabas.

An der neuen Strasse, welche am rechten Ufer des Flusses Mapon von
Lucban nach Mauban führt, stehen, bevor sie den Fluss erreicht,
in grosse prismatische Blöcke abgesondert feinkörnige, compakte,
dunkelblaugraue Dolerite an. Ihre Grundmasse enthält ausgeschieden
zahlreiche kleine trikline Feldspathe, etwas Augit und reichlich
Olivin. Das Gestein wirkt stark auf die Magnetnadel. Weiter am Weg
finden sich stark verwitterte, wenig feste, graue bis gelbgraue,
sehr feinerdige, thonige Tuffe, welche, ausser undeutlichen Resten,
Blattabdrücke und nach der Bestimmung des Herrn Dr. von Martens Melania
asperata Lam. var. M. dactylus Lea enthalten. Diese Melania stimmt am
meisten mit lebenden Exemplaren aus Samar (Loquilocun) überein. Sie
kommt auch auf Luzon, Mindanao, Guimares, Leyte vor. Diese Tuffe
wechsellagern mit Kalkgeröllen, welche an einigen Stellen durch
grobkrystallinischen Kalkspath zu grobem Kalkconglomerat verkittet
sind. Hie und da sieht man in dem feinkörnigen gelblichgrauen Kalk
undeutliche organische Reste. Inmitten der verwitterten Tuffe und der
Kalkgeröllbänke kommt ein lockeres hellfarbiges Gestein vor, dessen
Kalkbindemittel abgerundete erbsen- bis nussgrosse Kalkstücke und
die Mineralien des vulkanischen Gesteins verkittet. Unter den oben
angeführten verwitterten Tuffen liegen etwas gröbere und festere,
grünlichgraue Tuffe mit Kalkbindemittel, in denen Feldspath, Augit,
Olivin, z. Th. in verwittertem Zustande, zu erkennen sind. Dieselben
Tuffe liegen weiter östlich auch über den verwitterten Tuffen.



Provinz Camarines norte.

An der Nordostküste der Provinz wird der Landstrich zwischen Paracali
und Mambulao von Gneissen und Hornblendeschiefern gebildet, in denen
Quarzgänge mit reicher Erzführung auftreten. Der Berg 1/4 Legua
N. von Mambulao und der Berg NNO. von Mambulao, durch den Bach vom
Berg Dinaan getrennt, bestehen aus Gneiss, in welchem die weissen,
aus feinkörnigem Quarz und Feldspath gemischten Lagen mit einzelnen
weissen Orthoklasen und triklinen Feldspathen durch schwache, nicht
continuirliche und wechselnd breite Lagen von tombakbraunem Glimmer
gesondert werden. Das Gestein soll goldhaltig sein.

Der Berg 1/2 Legua NW. von Paracali, der Berg Dinaan und der
Strich zwischen Paracali und Mambulao werden von Hornblendeschiefer
gebildet. Das frische Gestein des Berges Dinaan ist dunkel gefärbt
durch die überwiegende, ziemlich grobkörnige Hornblende, in welcher
schmale, nicht zusammenhängende Lagen meist kleinkrystallinischen,
weissen, triklinen Feldspathes weisse unterbrochne Streifen
bilden. Ausserdem tritt noch etwas Schwefelkies und brauner Glimmer
auf. Aus dem Pulver zieht der Magnetstab kein Magneteisen aus. Das
verwitterte Gestein, dessen Streichen zwischen Paracali und Mambulao
als ostwestlich, dessen Fallen als 40° nach Süd bestimmt wurde, ist
graugrün, weich, reichlich mit Magneteisen durchzogen, und bald als
serpentinhaltiger Talkschiefer, bald als talkhaltiger Serpentinschiefer
umgebildet. Den Ursprung aus Hornblende verräth der Kalküberzug der
Klüfte. Gelblichgrüne, weiche, scharf begrenzte Partien scheinen
verwitterte Feldspäthe zu sein.

In diesen Serpentingesteinen vorzugsweise (ob im Gneiss ebenfalls steht
nicht fest) treten Quarzgänge auf, z. Th. mit schönen Quarzdrusen,
meist mit Schwefelkies, oft mit Kupferkies und Bleiglanz und
den Verwitterungsprodukten dieser Mineralien (wie Brauneisen,
manganhaltiges und mit Salzsäure und Chlor entwickelndes Eisenoxyd,
Kupferindig u. s. w.), in denen Gold dendritisch vorkommt. Aus den
zelligen verwitterten und dann eisenschüssig gewordenen Quarzgängen
wird das Gold durch Waschen gewonnen.

Von denselben Mineralien begleitete und durchaus ähnliche Quarzgänge
(z. B. am Berge Dinaan) führen Chrombleispath [339]. Dieser ist nicht
selten mit einem zeisiggrünen, amorphen, pulverigen Ueberzuge von
Vauquelinit versehen. Das Vorkommen entspricht also dem Uralischen.

Bisweilen nimmt der Gehalt an Kupferkies so sehr zu, dass das Kupfer
den Betrieb der Gruben bedingt; an anderen Stellen überwiegt der
Bleiglanz.

Am Strande zwischen Paracali und Mambulao bildet sich aus zertrümmerten
Muschelschalen, Korallentrümmern, einzelnen Quarzen ein Conglomerat.

Oestlich von Paracali bei Lungos steht weisser, specksteinartiger
Talkschiefer an, dessen früheren Eisen- und Kupfergehalt, wohl in Form
von Kiesen, braune und grüne Färbungen einiger Partien beweisen. Die
Indier waschen daraus Gold. Bei Lungos treten goldführende Quarze
auf, ebenso wird aus dem magneteisenreichen Sande des Strandes Gold
gewaschen.

Nach den in der Visita Colasi im Bach Colasi gesammelten Geschieben
besteht der grosse Berg Colasi (nicht der kleine Pic von Colasi) aus
Amphibolandesiten. In grauer, feinkörniger, fast dichter Grundmasse
liegen neben triklinen Feldspathen grosse, braune, sparsame Hornblenden
und etwas Magneteisen. Die Gesteine sind sehr wenig frisch, stärker
verwitterte nehmen einen röthlichen Schein an. Aus denselben Gesteinen
besteht der Hügel, welcher die südlich, etwa auf dem Drittel des
Weges nach Cabusáo gelegene Visita Barceloneta trägt. Sie gehören
demnach mit den Gesteinen des NW. liegenden Labo in dieselbe Gruppe.

Die Grenze der an der Nordwestküste beobachteten krystallinischen
Schiefer mit den Tuffen des südlich weiter landeinwärts gelegenen
Vulkanes Labo wird etwa zwischen Indan und Labo zu suchen sein. Der
Labofluss führt dort neben zertrümmerten krystallinischen Schiefern die
Mineralien des vulkanischen Gesteins: glasigen triklinen Feldspath,
Hornblende und kleine Geschiebe von Amphibolandesit. Im Fluss selbst
stehen feste, rothbraune Tuffe an mit meist zersetzten, gebleichten
Amphibolandesitstückchen, aber auch mit rundlichen Quarzgeschieben
und einzelnen rundum auskrystallisirten Hornblenden. Der Tuff macht
nicht den Eindruck eines umgelagerten, auf sekundärer Lagerstätte
befindlichen Gesteins.

An dem zweiten Aestuar zwischen der Barre von Daët und Colasi,
gleich hinter dem Rio Fungbo, treten Felsen an's Meer, die bis dahin
flache, mit zertrümmerten Muscheln bedeckte Küste steigt an. Es sind
vulkanische, gelbgraue, lockere Tuffe gemengt mit Muscheltrümmern.

Geschiebe des Flusses Labo, in Pueblo Labo gesammelt, geben Auskunft
über die Zusammensetzung des 1 1/2 Tagereisen südlich liegenden
Berges Labo.

Es sind zunächst Amphibolandesite. In weissgrauer, etwas bimsteinig
aufgeblähter, den Ausscheidungen etwa das Gleichgewicht haltender
Grundmasse liegen rundliche oder doch schlecht begrenzte glasige
trikline Feldspäthe, deren Längsaxe bis 6 Millimeter erreicht,
in etwas grösserer Menge als die etwas kleineren dunkelbraunen
Hornblenden. Ausserdem sind einzelne grössere Blättchen tombakbrauner
Glimmer vorhanden, Augit, Titanit und Olivin scheinen nicht
aufzutreten. In einigen Handstücken tritt die Hornblende fast ganz
zurück, die blaugraue dichte Grundmasse wird stark überwiegend
und sieht z. Th. wie durch Fumarolenwirkung zersetzt aus. In noch
anderen Handstücken liegen in gelbbrauner, schaumiger, reichlicher
Grundmasse grössere, glasige, trikline Feldspäthe neben kleineren
sparsamen braunen Hornblenden und einzelnen grossen tombakbraunen
Glimmerblättchen, die z. Th. eine Veränderung der Farbe durch erhöhte
Temperatur erlitten haben. Endlich finden sich vereinzelt ganz dichte,
schwärzlichgraue Gesteine, in denen man mit der Loupe kaum noch die
Gemengtheile unterscheiden kann. Vermöge der Uebergänge lassen sich
diese Gesteine als dichte Amphibolandesite auffassen.

Das Vorkommen dichter weissgrauer, röthlicher und graublauer
Quarzmassen mit einzelnen Quarzkörnern deutet hin auf Absatz heisser
Kieselquellen.

Das 1/2 Legua SSW. vom Pueblo Labo im Bach am Hügel Dalas vorkommende
Gestein ist durch die Verwitterung des darin reichlich vorhandenen
Schwefelkieses ziemlich unkenntlich geworden. Man darf es wohl für
Gneiss nehmen; für quarz- und feldspathhaltigen Hornblendeschiefer
die ebenfalls durch verwitterte Schwefelkiese zersetzte, behufs
der Goldgewinnung am Berge Dalas geförderten Gesteine. Der daselbst
geförderte Sand enthält neben Schwefelkies nicht wenig Bleiglanz und
Blende. Aus einer andern jetzt verlassenen Grube Lugas wurde zum Zweck
der Gold- und Bleigewinnung ein blaugrauer Thon gefördert, der neben
Schwefelkies verwitterte Kupferkiese enthält. Festere Gesteinsstücke
eben daher sind reich an Bleiglanz.



Provinz Camarines sur.

Die Umgebung des Vulkans Ysarog ist ausgezeichnet durch das Auftreten
von Amphibolandesiten. Es sind hellfarbige, mit nur sehr wenig
Grundmasse ausgebildete, feldspathreiche, etwas poröse Gesteine
mit grösseren oder kleineren, ziemlich unregelmässig begrenzten,
dunkelbraunen Hornblenden, etwas Magneteisen und wenig Olivin. An
manchen Punkten wie z. B. an dem Hügel, auf dem die Kirche von
Maguiring steht, findet sich neben der Hornblende sparsam grüner
Augit vor. Die Uferwände des Flusses Goa am Fuss des Ysarog werden
von sehr lockeren, bimsteinartig aufgeblähten, einzelne Augite
führenden, röthlichgrauen Amphibolandesiten gebildet, die leicht
zu einem röthlichweissen Sande zerfallen. Dieser Sand füllt die
Zwischenräume zwischen den grösseren Gesteinsstücken aus; dasselbe
Gestein kommt auch am Fuss des Ysarog bei Raï-Raï und Uacloy vor. Aus
den sehr zersetzten, lockeren, porösen, gelblichen Gesteinen bei der
Visita Uacloy tritt eine heisse Quelle hervor, welche eisenhaltigen,
bräunlichweissen Kalksinter absetzt. Die Schluchten zwischen Maguiring
und Raï-Raï, welche die hügelige Ebene zerschneiden, enthalten
dieselben lockeren zersetzten Gesteine, die jedoch nicht das Ansehen
von Tuffen haben. Aus dem Fluss von Uacloy liegen graue, feste,
wenig poröse Amphibolandesite vor, welche neben brauner Hornblende
etwas grünen Augit führen, deren Zersetzung oder Verwitterung jene
lockeren Gesteinsmassen geliefert haben wird. Von der halben Höhe
des Ysarog bis zum Gipfel herrscht dasselbe hellgrüne, schwach poröse
Gestein, das neben brauner Hornblende untergeordnet grünen Augit und
etwas Olivin erkennen lässt. Es erscheint nicht wahrscheinlich, wenn
auch möglich, dass die Analyse der Feldspathe aus den Gesteinen des
Ysarog neben dem herrschenden glasigen triklinen Feldspathe Sanidin
nachweisen würde. Mit diesem Nachweis würde die Einordnung des Gesteins
unter die Amphibolandesite fraglich werden und eine Näherung an die
Trachyte gegeben sein.

Die gewaltige Bergmasse des Ysarog nimmt den ganzen Raum zwischen
der Bai von S. Miguel und dem Meerbusen von Lagonoy in einer Breite
von 18 Seemeilen ein oder hat nach v. Hochstetter den Isthmus erst
gebildet, indem sie die Insel, welche einst die wahrscheinlich aus
krystallinischen Schiefern bestehende Sierra di Caramuan [340] bildete,
mit Südcamarines verband.

Weiter südlich vom Ysarog folgt der am See von Buhi gelegene erloschene
Vulkan von Yriga. Der isolirte Hügel westlich von Yriga an der
Strasse nach Nabua besteht aus blaugrauem, etwas porösem Dolerit,
in dessen feinkörniger Grundmasse neben kleinen, triklinen, glasigen
Feldspathen reichlich gelblicher Olivin, ausserdem grüner Augit und
Magneteisen ausgeschieden ist. Der Augit kommt in den Rapilli in
losen rundum ausgebildeten Krystallen vor, welche durch die grade
Endfläche (ähnlich wie die Krystalle vom Bufaure und vom Forstberg)
ausgezeichnet sind. Manche dieser Krystalle sind in der Richtung
der Hauptaxe so stark verkürzt, dass die Krystalle fast als Tafeln
erscheinen, in denen die Säulenflächen deutlich, aber klein ausgebildet
sind. Die bald compakten, bald porösen Doleritlaven des Vulkans Yriga
sind z. Th. ärmer an Olivin, die Feldspäthe erreichen jedoch grössere
Dimensionen. An einigen dieser Laven ist die Oberfläche stellenweise
geschmolzen, so dass man auf Wirkungen des Blitzes geführt wird. Die
etwas schlackigen Laven von der Visita Tambong am See Buhi zeichnen
sich durch reichliche und grosse Olivine aus. Rothe Doleritschlacken
mit triklinen Feldspäthen und grünen Augiten bilden eine Wand von
250 Fuss unter dem Gipfel des Yriga, den ziemlich frische, compakte,
graubraune, an Olivin reiche Dolerite zusammensetzen. Die Blöcke auf
dem westlichen höchsten Zacken des Kraterrandes sind grobkörniger
und poröser.

Aus denselben Doleriten, meist mit grossen Augiten und kleineren
triklinen Feldspäthen bei wechselndem Gehalt an Olivin, bestehen die
vielen kleinen etwa 50 Fuss hohen Hügel zwischen Yriga und Buhi. Am
Wege zwischen diesen beiden Orten tritt weisser Bimsteintuff auf,
welcher sparsam unregelmässig begrenzte, dunkle Glimmerblättchen
enthält. Der Feldspath scheint Sanidin zu sein und somit das
Gestein dem Trachyt anzugehören. Die Hügel nächst Buhi bestehen
aus grobgeschichteten Rapilli, die gegen den Ysarog einfallen, sich
also auf ein anderes Eruptionscentrum beziehen. In dem am Ostfuss des
Yriga liegenden See von Buhi wird die Felsinsel von einem hellgrauen,
porösen, feinkörnigen Gestein gebildet, in dessen überwiegender
Grundmasse neben brauner Hornblende grüner Augit, Olivin, Magneteisen
und trikliner Feldspath sichtbar ist. Die im grossen Ganzen nach
Einer und derselben Richtung langgestreckten Poren des Gesteins,
das von den übrigen des Yriga abweicht, sind oft mit dünnen Tafeln
triklinen Feldspathes ausgekleidet. Dünnschliffe zeigen die Grundmasse
überwiegend aus dem Feldspath zusammengesetzt, daneben Hornblende,
Augit, Olivin und Magneteisen.

In Folge des Hornblendegehaltes findet sich im Sande des Strandes
des Buhisees Hornblende neben Augit.

Der Bergrücken zwischen Buhi und Tibi d. h. der Abhang des erloschenen
Vulkans Malinao oder Buhi besteht aus Dolerit, welcher am Joch frisch,
weiter abwärts nach Südwest hin sehr stark durch Schwefelwasserstoff
zersetzt auftritt. Sie werden nach Buhi hin von vulkanischen,
z. Th. zersetzten Sanden bedeckt. Der frische, nicht sehr feste,
hellgraue, etwas poröse, feinkörnige Dolerit zeigt triklinen Feldspath,
grünen Augit, etwas Olivin und Magneteisen. In den ziemlich groben
vulkanischen Sanden findet sich ausserdem noch braune Hornblende,
die in dem Dolerit nicht zu sehen ist. Einzelne Augite des Sandes
sind rundum auskrystallisirt. Die durch Schwefelwasserstoff zersetzten
Dolerite haben durch das ausgeschiedene Eisenoxyd einen röthlichweissen
Schein erhalten. Die Grundmasse und die Feldspathe sind viel stärker
angegriffen als die Augite, welche ihre grüne Farbe noch bewahrt
haben. Von Olivin ist in ihnen nichts mehr zu sehen.

An der Südwestküste der Provinz sind westlich von Pasacao bei
Calbajan die krystallinischen Schiefer wieder beobachtet. Sie treten
hier als sehr grobkörnige, nicht schiefrige Gesteine auf, welche
aus vorherrschender, schwarzer, sehr schön spaltbarer Hornblende,
weisslichgrauem, nicht sehr deutlich spaltbarem, triklinem Feldspath,
etwas Magneteisen und Schwefelkies bestehen. Der Feldspath zersetzt
sich mit kochender Salzsäure behandelt vollständig, gehört also den
basischen an, gelatinirt jedoch nicht.

Neben diesem grobkörnigen Hornblendegneiss kommt feinkörniger, ebenso
zusammengesetzter, ebenfalls nicht schiefriger Hornblendegneiss
vor. Andere verwitterte Gesteine eben daher, im Niveau der Ebbe und
Flut wunderbar zerfressen, bestehen aus dichtem Feldspath mit etwas
Quarz; die Spalten sind mit Kalkspath erfüllt. Darauf legt sich
ein junges Conglomerat mit Kalkbindemittel, das von zertrümmerten
Conchylien herrührt. Man erkennt darin weisse rundliche Quarze,
Hornblendeschiefer, Kalkstückchen und einzelne braune Glimmerblättchen.

Oestlich des Höhenzuges, welcher an der Südwestseite der Provinz
hinzieht, tritt (N. von Pasacao) am Ufer des Flusses Libmanan
zwischen Libmanan und Naga ein gelblichweisses, lockeres Gestein
auf. Nach Abschlämmung des reichlichen Thones bleiben gelblichbraune
Glimmerblättchen, etwas Magneteisen, sparsam grüner Augit, etwas
mehr braune Hornblende und durchsichtige Quarzsplitter zurück. In der
Umgebung von Libmanan stehen mürbe, gelblichgraue vulkanische Tuffe an,
in denen Hornblende und Feldspath hervortritt. Diese Beschaffenheit
weiset auf den Ysarog als Ursprungsort hin.

SW. von Libmanan bietet der aus grauweissem, kleinkrystallinischem
Kalkstein bestehende Berg Iamtik viele Tropfsteinhöhlen dar. Die
Uferbänke des Flusses Bicol bei Visita Sibucat bestehen aus mürben,
gelbbraunen, vulkanischen Tuffen mit Geschieben an Amphibolandesit,
unter denen wiederum das eben angeführte mürbe, gelblichgraue Gestein
liegt. Es ist hier viel thonreicher als zwischen Naga und Libmanan,
der Rückstand nach Abschlämmung des Thones ist daher viel geringer
und besteht aus Hornblende, Glimmer, Magneteisen, etwas grünem
Augit und Quarzsplittern. Weiter oben stehen am Rio Bicol Thone
mit Muschelresten an. Der ziemlich feste, fein poröse, gelbweisse,
rundliche Massen von weissem feinkörnigem Kalkspath führende Kalkstein,
der am Kalkofen Palsong (zwischen Naga und Batu) gesammelte Kalkstein
steht SSW. an und enthält undeutliche Versteinerungen, von denen sich
manche mit Wahrscheinlichkeit auf Abdrücke der Korallenzweige der
noch im indischen Ocean lebenden Gattung Seriatopora beziehen lassen.

Ein angeblich von Montecillo bei Libon (S. vom See von Batu)
herrührender, gelblichgrauer, feinerdiger, bituminöser Kalkstein
führt ktenoide Fischschuppen. Er wird auf dem Rio Quinali als Baustein
verführt.



Provinz Albay.

Die durch die schwache Solfatara von Igabo (NO. vom Gipfel des oben
angeführten erloschenen Vulkans Buhi oder Malinao gelegen und etwa
250 Fuss im Durchmesser haltend) zersetzten, völlig abgerundeten
und schalig gewordenen Steine, welche den ganzen Boden der Solfatara
bedecken, bestehen, wie die frischen Kerne der Steine zeigen, aus einem
hellgrauen Dolerit. Er führt neben überwiegendem triklinem Feldspath
grünen Augit, sparsam Olivin und dunkeln Glimmer. Schliesslich wird
das Gestein zu einem weissen, mit Eisenoxyd durchzogenen oder rothen
Kaolin zersetzt, in welchem Schwefel und Gyps sich findet.

Der bei Tibi liegende Kieselbrunnen Naglegbeng liefert sehr schöne
Kieselsinter, z. Th. mit Blattabdrücken. In dem lockeren porösen
Gestein kommen einzelne Anhäufungen von Hyalith vor. Nach einer
gefälligen Analyse von Herrn Professor Rammelsberg enthält das
Wasser in 100000 Theilen 7,5 Kieselsäure, 25,4 Kalk mit Spuren von
Eisen, 0,2 Magnesia, eine reichliche Menge von Chloriden, aber keine
Sulphate. Das Wasser hatte eine geringe Menge (0,02) Kieselsäure
(ohne organische Formen) in der Flasche abgesetzt. Manche der
Kieselsinterabsätze bilden schalige Röhren, deren rundliche Enden
der Oberfläche das Aussehen eines Erbsensteines geben. Man darf ihre
Bildung wohl von aufsteigenden Gasblasen ableiten. Wo sie schliesslich
mit gelblichweissem Hyalith erfüllt werden, geben sie dem Absatz eine
gewisse Aehnlichkeit mit Korallenbildungen, die freilich verschwindet,
wenn die ganze Bildung in Hyalith umgesetzt ist. Bei stärkerem Erhitzen
sieht man in der scheinbar homogenen Hyalithmasse die ursprünglichen
Röhren wieder hervortreten, indem ihre Färbung eine etwas andere ist
als die der Füllmasse.

Von den Doleriten des Mazaraga S. von Malinao und N. vom Vulkan
Albay liegen von der halben Höhe entnommen compakte, bräunlichgraue,
feinkörnige, feldspathreiche, an Olivin und Augit arme Gesteine
vor. Die etwas porösen, sonst ähnlich beschaffenen Dolerite des Gipfels
sind gebleicht und zersetzt durch saure Fumarolen. Die Rapilli eines
grossen Barranco weisen grössere trikline Feldspathe, z. Th. rundum
krystallisirte Augite, aber kaum Olivin auf.



Insel S. Miguel.

Die östlich von Malinao und Tabaco gelegene Insel S. Miguel
zeigt an der Südküste einen sehr schmalen, mit vulkanischem Sand
bedeckten Küstenstreifen. Der Sand besteht entweder vorzugsweise aus
Magneteisen mit wenig Augit und Olivin oder aus Feldspath, grünem,
z. Th. rundum auskrystallisirtem Augit, etwas Olivin und Magneteisen,
dessen Oktaeder bisweilen deutliche Granatoederflächen zeigen. Um den
ganzen Strand bilden grosse Blöcke von frischem, compaktem, hellgrauem
Amphibolandesit, weiter NW. von blaugrauem compaktem Dolerit einen
Saum. Der Andesit zeigt in feinkörniger Grundmasse neben zahlreichen,
grossen, braunen Hornblenden glasige trikline Feldspathe, einzelne
Augite und Magneteisen. Das Gestein gleicht ganz dem des Ysarog. Der
Dolerit enthält in der feinkörnigen Grundmasse vorzugsweise triklinen
Feldspath neben grünem Augit und etwas Magneteisen.

Hinter dem Küstenstreifen erheben sich Bänke eines wenig festen,
grüngelben, sandigen, etwas thonigen, tuffähnlichen Gesteins
mit Kalkcement. Ausser bimsteinartigen grauweissen Partien
sieht man Feldspath, gelbe und dunkle Glimmerblättchen, etwas
Magneteisen. Im Rückstand nach Behandlung mit Säure erkennt man
etwas Augit und Stückchen eines grauen dichten, feldspathführenden
Gesteins. Eingelagert in diese Bänke sind bläulichgraue,
ziemlich homogene und feste Thonbänke mit einzelnen gelblichen
Glimmerschuppen. Sie werden in Tabaco als Fliesen benutzt, die
oberste, weisse, 2 Fuss mächtige, einzelne gelbe Glimmerschuppen und
Bimsteinfragmente führende Bank als Baustein. Nach oben geht diese Bank
in einen gelbe Glimmerschuppen, Stückchen grauen feldspathhaltigen
Gesteins, glasigen Feldspath und weisse Bimsteinfragmente führenden,
wenig festen, weissen Tuff über, der auch weiter nordwestlich mit
faustgrossen Geschieben ansteht. Alle diese wechsellagernden Thon-
und Tuffbänke streichen h. 4 und fallen nach Nord.

Weiter südöstlich stehen ältere, gelblichgraue, feste Thonbänke mit
einzelnen gelblichen Glimmerschuppen an.

Die Mitte der Insel besteht aus eisenschüssigem Sand und aus Kies. An
der Nordküste liegen Sande, vulkanische Blöcke und thonige Bänke
ähnlich wie an der Südküste.

Ueber den Ursprungsort der vulkanischen Gesteine von S. Miguel lässt
sich vorläufig nichts Genaueres angeben.

Der östlich vom Mazaraga gelegene, noch thätige Vulkan Albay oder Mayon
hat hell- bis dunkelgraue, compakte bis poröse Doleritlaven geliefert,
welche in der feinkörnigen Grundmasse hellgrauen triklinen Feldspath,
grünen Augit, etwas Olivin und Magneteisen zeigen. Sie sind z. Th. den
Doleriten von Mariveles und also auch denen des Aetna zum Verwechseln
ähnlich. Durch grösseren Gehalt an Feldspath wird das Gestein
bisweilen heller, ebenso sinkt die Menge des Olivins bisweilen auf
ein Minimum. Die Laven des Gipfels sind durch die mächtigen Fumarolen
-- heisse Wasserdämpfe und Schwefelwasserstoff -- stark zersetzt;
Gyps findet sich daher dort in reichlicher Menge. Eine Varietät von
faseriger bimsteinähnlicher Struktur gemengt mit zersetzten Silikaten
analysirte de la Trobe, Rammelsberg Handb. d. Mineralchemie 263. Das
untere Ende eines nahe am Gipfel beginnenden Lavastroms, liegt etwa am
obersten Viertel des Berges. Es hat sich hier etwas aufgestauet und
beim Erkalten in concentrisch schalige Bänke von etwa 1 Fuss Stärke
abgesondert. Die Kluftflächen stehen senkrecht auf dem unterliegenden
Gestein und gehen, Bogen bildend, allmählich in 20-30° Neigung gegen
den Horizont über. Der grobe vulkanische Sand vom Südabhang zeigt nur
Bruchstücke von Feldspath, Augit, Olivin, Magneteisen, keine rundum
ausgebildeten Krystalle; daneben finden sich kleine Schlackenstücke und
in geringer Menge Scherbchen braunen vulkanischen Glases. Am Südfuss
des Vulkans bei Camalig treten durch Schwefelwasserstoff gebleichte
und mit Gyps erfüllte Gesteine auf.

Der isolirte Hügel zwischen Legaspi, Daraga und Albay besteht
aus dunkelem, etwas schlackigem Dolerit von der gewöhnlichen
Zusammensetzung. Unter den Lapilli von der Oberfläche des Hügels
finden sich häufig lose, rundum auskrystallisirte Augite in der
gewöhnlichen Form. Diese, die gewöhnlichen Augitzwillinge und mit
Flächen versehene Olivine kommen, mit triklinem Feldspath verbunden,
in einzelnen festeren helleren Gesteinsstücken vor, aus denen die
losen Krystalle wahrscheinlich durch Verwitterung hervorgehen. In
einem Wasserriss des Hügels stehen rothe schlackige Dolerite an mit
kleinen verwitterten Feldspathen und grossen grünen Augiten.

Auf der schmalen Landzunge zwischen dem Meerbusen am Albay und
von Sorsogon liegt der wahrscheinlich vulkanische Berg Pocdol,
der etwa die Mitte zwischen den thätigen Vulkanen Albay und Bulusan
einnimmt. Um Bacon, östlich von Pocdol, liegt vulkanischer Schutt
und Thon, letzterer Zersetzungsprodukt durch vulkanische Gase. Die
gypsführenden Thone aus dem grossen Bergrücken zwischen Bacon
und dem südöstlichen gelegenen Gubat lassen schliessen, dass dort
doleritische Tuffe durch Fumarolenthätigkeit zersetzt wurden. Vor
dem thätigen, wenigstens dampfenden Vulkan Bulusan wurden an 100 Fuss
hohe Bimsteintuffe beobachtet.



II. Samar.

Im Rio Catarman (Nordküste der Insel [341]) stehen zwischen Catarman
und Cobo-Cobo Bänke eines ziemlich festen, eisenschüssigen hellbraunen,
kalkfreien Thones an mit Resten verkohlter Pflanzen und zahlreichen
Bohrlöchern, welche nach Dr. von Martens von der noch oft in den
Bohrlöchern vorhandenen Modiola striatula Hanley herrühren. Nach dem
Abschlämmen hinterlassen die Thone wechselnde Mengen eines Rückstandes,
der aus Quarz, zum Theil in eisenschüssigen, rundlichen Körnern und
eckigen Splittern, etwas Magneteisen, weissem, braunem und grünem
Glimmer, und aus Feldspath besteht. Einzelne eisenhaltige, braune,
fast rein sandige Lagen von ziemlich grobem Korn zeigen dieselbe
Zusammensetzung. Aehnliche, aber grünliche, sandige Schichten stehen
weiter oberhalb im Rio Catarman an. Nach Behandlung mit Salzsäure sieht
man im Rückstand neben etwas Magneteisen reichlich weissen Quarz,
hie und da mit etwas dunkelem Glimmer, ferner Feldspath, weisse und
dunkle Glimmerblättchen. An der weiter südlichen Salta Sangley kommen
blaugraue Thone mit sandigen, grünlichen Lagen vor, welche die eben
angeführten Mineralien enthalten. Aus dem weiter südlich und nahe
der Salta Sangley entspringenden Fluss, der von Visita Tragbukan
nach Calbayog führt, liegen, dem Ursprung des Flusses entnommen,
gerundete mürbe Geschiebe eines ganz verwitterten Gesteins vor. Man
erkennt in ihnen weissen und etwas dunkeln Glimmer und erhält nach
Abschlämmen des Thones einen Rückstand mit zum Theil eisenschüssigem
Quarz, Feldspath und etwas Magneteisen. Darnach rühren diese Geschiebe
wohl von Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer her.

Weiter flussabwärts unterhalb der Visita Tragbukan stehen wieder
grüne und braune, eisenschüssige, wenig feste Sandsteine von grobem
Korn und der angeführten Beschaffenheit an, welche Bänke wie die oben
genannten von verwittertem Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer
herzuleiten sind. In allen diesen Thon- und Sandsteinlagen ist kein
grösseres Gesteinsbruchstück zu finden, das weitere Auskunft gäbe.

Noch weiter unten folgen braune, feinerdige, feste, kalkhaltige
Thonbänke mit undeutlichen Versteinerungen. Der Rückstand nach
Behandlung mit Säure zeigt nur einige Glimmerblättchen und Quarzkörner.

Weiter südöstlich an der Küste treten bei Catbalogan und auf der nahen
Insel Majava vulkanische Tuffe auf. Die letzteren sind ziemlich fest,
wenig thonig, grobkörnig und grünlich grau. Sie enthalten neben
den zahlreichen Augitbruchstücken einige rundum auskrystallisirte
Augite, reichlich Magneteisen, weissen Feldspath und sparsam kleine
Gesteinsstücke, welche ident sind mit einzelnen vorliegenden grösseren
Gesteinstrümmern. Das graue, dichte und compakte Gestein enthält
in Feldspathgrundmasse zahlreiche grüne Augite und Magneteisen
ausgeschieden. Nach Behandlung mit kochender Salzsäure wird die
Grundmasse weiss und ist stark angegriffen. Dieses Verhalten und die
sehr sparsamen, kleinen, triklinen Feldspathe des Gesteins zeigen,
dass man einen porphyrisch ausgebildeten Dolerit oder Pyroxenandesit
vor sich hat. Ein denselben Conglomeratblöcken entnommenes gerundetes
Geschiebe führt in dichter brauner Grundmasse grünen Augit. Die
zahlreichen rundlichen Hohlräume sind mit Strahlzeolith und Opal
erfüllt, die Tuffe streichen h. 2,5 und fallen 80° N.

Bei Catbalogan stehen graue und braune, etwas thonige, zum Theil sehr
feinsandige Bänke an. Das Pulver gibt an den Magnetstab Magneteisen
ab. Sie enthalten sparsam triklinen Feldspath, Augit und Bimstein
ähnliche Trümmer, bisweilen auch Bruchstücke eines ganz dunkeln,
dichten Gesteins, in welchem einzelne trikline Feldspathe zu erkennen
sind. Im Anschluss an das Vorkommen von Majava darf man diese Bildungen
wohl betrachten als aus doleritischen Gesteinen entstanden.

Diese Bänke werden von z. Th. mürbem gelblichgrauem, feinkörnigem
Kalkstein überlagert. Er hinterlässt nach Behandlung mit Salzsäure
einen aus vielen thonigen Partikeln, etwas Feldspath, Augit und
Magneteisen und kleinen, grauen Gesteinstheilchen bestehenden
Rückstand; z. Th. sind die Kalke, welche h. 5-5 1/2 streichen und 35°
N. einfallen, dicht, fest, weisslichgrau. Die unteren Schichten sind
aus vulkanischen Tuffen und Kalk gemengt.

Hart am Meeresstrande bei dem am Ostende der Bucht gelegenen Paranas
sieht man harte Muschelbreccie, durch Kalk verkittete Muscheltrümmer,
in grossen zertrümmerten Schollen auf weicheren Bänken derselben Art
liegen. Aus letzteren lässt sich unter den vielen Bruchstücken nach
Dr. von Martens die im indischen Ocean lebende Plicatula depressa
Lam. erkennen. Die unter diesen horizontal ausgebreiteten Schichten
liegenden gelblichgrauen Thone fallen landeinwärts. Von ihren
ziemlich wohlerhaltenen Muscheln und Pteropoden lässt sich nach
Herrn Dr. von Martens ein Theil bestimmen als den noch im indischen
Ocean lebenden Gattungen Yoldia, Pleurotoma, Cuvieria, Creseis,
Dentalium angehörig. Die Pleurotoma-Art stimmt mit keiner lebenden
überein. Mit lebenden Arten stimmen überein: Venus (Hemitapes)
hiantina Lam.; Venus squamosa L.; Arca (Scapharca) Cecillei Phil.;
Arca inaequivalvis Brug. var. [342]; Arca chalcanthum Rv.?; Corbula
crassa Rv.; Natica unifasciata Lam. var. lurida Phil.

Im Walde zwischen Paranas und dem nach NO. landeinwärts gelegenen
Loquilocun stehen Felsen an aus einem festen, graulichweissen,
mit Kalkspathadern durchzogenen, breccienartigen Kalkstein, in
dem undeutliche organische Reste, wohl von Korallen, zu erkennen
sind. Im Loquilocunfluss, der seinen Lauf nach NO. an die Ostküste
der Insel richtet, stehen unterhalb der Visita Loquilocun in grossen
ungeschichteten Massen stark verwitterte, mürbere, bräunlichgelbe
Kalke an. Die bei der sechsten Stromschnelle unterhalb Loquilocun
angeschwemmte, schwefelkiesreiche, mit Gyps durchzogene Kohle gleicht
den Hölzern der Braunkohle. Sie lässt die Holzstruktur mit blossem
Auge erkennen und giebt ein braunes Pulver.

Aus einer grossen Anschwemmung von Kies und Geröllen gegenüber der
Stromschnelle unterhalb Loquilocun, wo zum ersten Mal die Kähne
entleert und das Gepäck über Land getragen werden muss, liegen
vor: ein stark verändertes, mit Epidot durchzogenes, körniges,
rothgraues Gestein, in dem neben Quarz und triklinem Feldspath
ziemlich viel Magneteisenpunkte zu sehen sind; es macht nicht den
Eindruck eines Eruptivgesteins und möchte der feldspathigen Reihe
der Hornblendeschiefer angehören; ein blaugraues, porphyrisches
Gestein, dessen glasige, nicht doppelbrechende Grundmasse mit
kleinen Sphärulithen erfüllt ist und sparsam kleine Quarzkörner und
Magneteisen neben grösseren mattweissen Feldspathen enthält. Nur
an einem der Krystalle liess sich mit Sicherheit trikline Streifung
erkennen. Ist wohl das Gestein ein jungeruptives, so bleibt doch die
weitere Bezeichnung zweifelhaft; immerhin ist das Auftreten von Quarz
in der glasigen Grundmasse von Interesse. Als Einschlüsse kann man
die Quarzkörner nicht auffassen. Ferner milchweisser Achat, der einer
Mandelsteinerfüllung angehört hat, wie die Oberfläche nachweiset;
rothbrauner Jaspis mit feinen Quarzadern durchzogen.

Geschiebe aus dem Baseyflusse (Südküste der Insel) an der Grotte
Sogoton gesammelt bestehen aus einem alten Eruptivgestein. Es führt
in feinkörniger, dunkelgraugrüner Grundmasse mattweisse trikline
Feldspathe, sparsam Magneteisen und einige undeutliche grünliche
Krystalle, die man für Augit halten darf. Nach diesem Bestande und dem
Verhalten des Gesteins und der Feldspathe gegen kochende Salzsäure
wird man das Gestein den Oligoklasaugitporphyren zuzählen. Das
neben demselben vorkommende, rothbraune, eisenschüssige, mit Säuren
brausende, mürbe Gestein mit einem durch Säure ganz zersetzbaren
Feldspath mag ein Tuff eines ähnlichen Porphyrs sein. Im Bett des
Flusses Sogoton N. von Basey finden sich Gerölle von Talk- und
Chloritgesteinen.

Die Grotte Sogoton wird von Kalkfelsen gebildet, in denen man Spuren
von Zweischalern und Echinitenstacheln erkennt. Vor der Grotte
liegen 20 Fuss hoch über dem Fluss am rechten Ufer Bänke mit marinen
Muscheln. Es sind noch lebende Arten; nach Herrn Dr. von Martens Venus
(Hemitapes) hiantina Lam., Arca (Scapharca) Cecillei Phil., Arca
uropygmelana Bory; Placuna placenta L. Die Schalen haften z. Th. kaum
an der Zunge, die Ablagerung muss also sehr recent sein. An einer der
kleinen Inseln bei Nipa-Nipa (Basey) finden sich in den 60 Fuss hoch
über dem Meer liegenden, gehobenen Muschelbänken nach Herrn Dr. von
Martens die noch lebenden Arten: Chama sulfurea Rv., Pinna cf. nigrina
Lam. Ostrea denticulata Born; O. Cornucopiae Chemn.; O. rosacea
Desh. Am Strand westlich von Basey steht ein lockeres Aggregat von
Muscheltrümmern mit einzelnen gerundeten, kleinen Geschieben an.



III. Leyte.

Von der Ostküste der Nordspitze der Insel liegen aus der Gegend
von Dagami und Tanauan Gesteine vor. Am Joch des Berges Dagami
steht frischer Amphibolandesit an. Die fast compakte, feinkörnige,
graulichweisse Grundmasse, welche sich durch Verwitterung bräunlichgrau
färbt, enthält zahlreiche, grosse braune Hornblendesäulen,
kleinere trikline glasige Feldspathe, etwas Magneteisen; die in
dünnen Splittern grünlich durchscheinende Hornblende schliesst oft
Feldspath ein. Das Gestein gleicht dem vom Ysarog vollständig. Daran
schliesst sich nördlich ein Rapilliberg und weiter unten vulkanischer
Sand. Am Ostfuss des Dagami liegt eine Solfatara, aus welcher ein
Bach mit 50° R. hervortritt. Den Rand des Baches umsäumen röthliche
Kieselsinterkrusten, deren Oberfläche ästige Fortsätze trägt: ähnliche,
mit braunem basisch schwefelsaurem Eisenoxyd überzogene Absätze
finden sich am Rande des Kieselsprudels Nol. In den einerseits bis zu
Bianchetto, andererseits zu Thon zersetzten Gesteinen der Solfatara
fehlt es nicht an Ueberzügen von basisch schwefelsaurem Eisen und an
Ablagerungen von Schwefelkrystallen. Die weniger zersetzten Gesteine
zeigen noch Ueberzüge von Gyps. Neben den fast intakten Hornblenden
zeigt sich die Grundmasse viel stärker angegriffen als Magneteisen
und Feldspath.

Die Solfatara am Berg Danaan zeigt dieselben Erscheinungen: einen
Kieselsprudel, Schwefelabsätze und Alaunbildung in den gebleichten und
zersetzten Amphibolandesiten. Am Meer bei Tanauan südlich vom Pueblo
stehen jenseits des Aestuars graugrüne quarzige Chloritschiefer an,
in welchen Epidotadern auftreten.



UEBER ALTE UND NEUE SCHÄDEL VON DEN PHILIPPINEN

von Rud. Virchow.

(Hierzu Taf. I-III.)


Herr Jagor hatte die grosse Güte, mir die von ihm auf den Philippinen
gesammelten und von dort mitgebrachten Schädel zur Bearbeitung zu
überlassen. Ich legte die erste Reihe derselben in der Sitzung der
Berliner anthropologischen Gesellschaft am 15. Januar 1870 vor und
bemerkte darüber Folgendes:

»Als Herr Jagor mir die Mittheilung machte, dass er eine grössere
Anzahl von Schädeln von den Philippinen mitgebracht habe, welche
er meiner Untersuchung unterbreiten wolle, machte ich mich alsbald
daran, um wenigstens Einiges über ihre anatomische Beschaffenheit
seinem Vortrage hinzufügen zu können. Der erste Blick zeigte,
dass eine der seltensten künstlichen Verunstaltungen des Schädels,
welche überhaupt bekannt ist, in ausgezeichneten Exemplaren hier
vorliegt, und dass diese Schädel ein ganz besonderes Interesse in
Anspruch nehmen. Ein Theil von ihnen hat wesentlich dieselbe Form,
welche sich im nordwestlichen Nordamerika findet, und unter dem
Namen des Flachkopfes (Flathead) bekannt ist. Namentlich einer der
von Herrn Jagor mitgebrachten Schädel aus der Höhle von Lanang ist
ein Flachkopf von musterhafter Ausbildung; er ist von oben und vorn
her flachgedrückt, wie ein Kuchen, und von den weit nach hinten
geschobenen Seitenbeinhöckern (Tubera parietalia) läuft das fast
ganz abgeplattete Hinterhaupt in einer Ebene schräg nach unten gegen
das grosse Hinterhauptsloch (Taf. I. fig. 3-4). Einige der anderen
Schädel verhalten sich ähnlich, wenngleich ihre Verunstaltung keinen
so hohen Grad erreicht hat.

Dass auf den Inseln Asiens ähnliche Gebräuche geherrscht haben, wie
in Amerika, ist allerdings, wie sich bei genauerer Nachforschung
gezeigt hat, von einzelnen Schriftstellern berichtet, indess ist
die Thatsache doch so verborgen geblieben, namentlich ist sie so
wenig durch authentische Funde belegt worden, dass davon auch in den
Werken der Specialschriftsteller kaum die Rede ist. Nur Thévenot,
dessen Werk [343] am Ende des 16. Jahrhunderts erschienen ist, lässt
einen Geistlichen in einer Beschreibung der Philippinen berichten,
dass die Eingebornen auf einigen dieser Inseln die Gewohnheit hätten,
den Kopf ihrer neugebornen Kinder zwischen zwei Bretter zu legen und
so zusammenzupressen, dass er nicht mehr rund bliebe, sondern sich in
die Länge ausdehne. Er fügt hinzu, dass sie auch die Stirn abplatteten,
indem sie glaubten, dass diese Form ein besonderer Zug von Schönheit
sei. Eine genauere Betrachtung der vorliegenden Schädel ergiebt in
der That deutlich die doppelte Compression, welche einerseits schräg
von hinten und unten her, andererseits von vorn und oben her auf den
Schädel ausgeübt ist, und man braucht sich diese beiden Druckflächen
nur verlängert zu denken, so bekommt man die nach vorn zusammengehende
Stellung der Druckbretter, welche noch heute bei gewissen wilden
Stämmen der nordamerikanischen Westküste im Gebrauch ist.

Die Sache hat gegenwärtig eine ganz besondere Bedeutung, weil die
Zahl der Fundstellen solcher verunstalteter Schädel im Laufe der
letzten Jahre immer grösser geworden ist, und zwar auch in Europa. Was
insbesondere Deutschland anbetrifft, so sind am meisten bekannt die
in der Nähe von Wien gefundenen difformen Schädel, über welche lange
und gelehrte Streitigkeiten stattgefunden haben, indem die eine Partei
meinte, es handele sich um Awarenschädel, möglicher Weise um direkte
Ueberreste der alten Hunnen, während auf der anderen Seite sogar
die Frage auftauchte, ob nicht bei der grossen Aehnlichkeit, welche
diese Schädel mit gewissen Peruaner-Schädeln zeigen, anzunehmen sei,
dass durch die Beziehungen der alten Habsburger zu Peru Schädel von
da nach Deutschland gekommen und hier verloren gegangen sein könnten.

Diese letzte Frage, die immerhin discussionsfähig war, hat ihren Boden
gänzlich verloren, seitdem in den letzten Zeiten ähnliche Funde auch
an anderen Orten Europas gemacht worden sind. Nachdem schon Blumenbach
in seiner berühmten Schrift De generis humani varietate nativa, 1776,
p. 63 eines derartigen Schädels aus einem Göttinger Grabe gedacht
hat, ist neulich von Hrn. Ecker in Freiburg im ersten Bande des
Archives für Anthropologie S. 75 ein solcher Fund aus Rheinhessen
genauer beschrieben worden. Der Schädel wurde gefunden in der Nähe
von Niederolm, zwischen Mainz und Alzey, innerhalb einer grösseren
Gräberreihe, welche dort aufgedeckt worden ist. Diese Beschreibung hat
Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, auf einen schon früher von ihm
in seinen Crania britannica bezeichneten Schädel aufmerksam zu machen
(Archiv f. Anthropologie II. S. 17), welcher auf einem seiner Meinung
nach angelsächsischen Kirchhofe zu Harnham bei Salisbury, Wiltshire,
aufgefunden worden ist.

Es wird daher wohl kaum noch zweifelhaft sein können, dass in der That
auch in Europa einheimische Stämme ähnliche Gebräuche gehabt haben,
und wenn wir nun auf der anderen Seite das Gebiet dieser Difformitäten
sich weit über die bisher gekannten Grenzen auf die Inseln Ostasiens
ausdehnen sehen, -- bisher war Tahiti der von Osten her am meisten
vorspringende Punkt, von welchem derartige Schädel bekannt waren,
-- wenn wir sehen, dass dasselbe Verfahren auf den Philippinen geübt
worden ist, so wird man sich wohl darein finden müssen, anzunehmen,
dass durch eine gewisse Uebereinstimmung des menschlichen Geistes,
wie sie uns auch sonst oft genug überrascht, derartige Gebräuche
sich an den verschiedensten Orten festgestellt haben, ohne dass man
daraus Folgerungen auf einen direkten Zusammenhang der Völker ziehen
darf, und ohne dass man, was meiner Meinung nach das Wichtigste ist,
von dem Vorkommen gewisser Schädel-Difformitäten berechtigt ist auf
die Abstammung der Völkerschaften und auf prähistorische Wanderung
derselben zurückzuschliessen. Ich betone dies namentlich gegenüber
den Ausführungen des Herrn Gosse (Mém. de la soc. d'anthrop. de
Paris. 1861 T. II. p. 567), welcher aus gewissen übereinstimmenden
Verunstaltungen der Schädelform darthun will, dass von Florida eine
alte Bevölkerung in Mexiko eingewandert sei und sich später bis nach
Peru ausgebreitet habe.

Von besonderem Interesse sind die sehr ähnlichen Schädel, welche in
der Krim gefunden worden sind, und die Herr v. Baer zum Gegenstande
einer besonderen Abhandlung [344] gemacht hat. Es ist dies eine
klassische Gegend, denn schon Hippokrates hat uns Nachrichten von einer
Völkerschaft an der östlichen Ecke des schwarzen Meeres hinterlassen,
welche er Makrocephalen nennt, die sich nach seiner Aussage durch die
Gestalt ihres Schädels vor allen anderen Völkern auszeichnete. Durch
Anlegung von Binden und Maschinen zwangen sie, wie er sagt, schon
den Kopf des neugebornen Kindes, in die Länge zu wachsen, und zwar
deshalb, weil sie die Länge des Kopfes für ein Zeichen des Adels
hielten. Nach Hippokrates haben verschiedene andere Schriftsteller
über diese Völkerschaft berichtet.

Ueberall, von wo wir seitdem Nachrichten über die Entstehung dieser
Difformität erhalten haben, kommen sie darin überein, dass die
neugebornen Kinder entweder auf ein Brett gelegt werden und ihnen dann
durch Binden der Kopf gegen dasselbe angezogen wird, oder dass ihr Kopf
zwischen zwei Bretter gezwängt und dadurch ein Druck auf zwei Punkte
desselben ausgeübt wird, oder endlich, dass an bestimmte Stellen des
Kopfes Compressen angelegt und darüber Binden in allerlei Zirkeltouren
um den Kopf herumgeführt werden, so dass durch die Compresse eine
Abplattung, durch die Binden circuläre Eindrücke hervorgebracht werden.

Die ersten ikonographischen Mittheilungen über diese Verhältnisse
hat der berühmte amerikanische Reisende Catlin veröffentlicht; bei
ihm finden wir auch Abbildungen der Compressionsmaschine. In seiner
Beschreibung der Chinook's an der Westküste Nordamerikas zeichnet er
auf der einen Tafel eine flachköpfige Dame, welche ihr neugebornes
Kind im Druckapparate hält, auf der nächstfolgenden Tafel ein kleines
kahnartiges Werkzeug, in welchem das Kind eingewickelt liegt, und
welches so eingerichtet ist, dass es auf den Rücken gehängt werden
kann, um so die Wanderungen mitzumachen, welche diese wenig sesshaften
Völkerschaften unternehmen.

Dass ähnliche, wenn auch nicht so complicirte, aber doch nicht minder
wirksame Operationen noch gegenwärtig in Europa vorgenommen werden,
ist namentlich durch verschiedene Beobachtungen in südfranzösischen
Departements festgestellt worden. Man kennt 3-4 solche Gegenden,
wo noch gegenwärtig durch Druckeinwirkungen der Kopf der Neugebornen
verunstaltet wird. Da nun auch in verschiedenen Gegenden Deutschland's
ähnliche Schädel gefunden worden sind, so erlaube ich mir ganz
besonders die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt zu lenken, da es
wünschenswerth wäre, darauf Acht zu geben, ob etwa Rückstände dieser
Gebräuche auch in der norddeutschen Bevölkerung anzutreffen sind,
worauf eine Notiz bei Blumenbach (De generis humani varietate nativa,
p. 60) speciell für Hamburg hindeutet.

Nachdem wir die Analogie der difformen Schädel von den Philippinen mit
denen der Chinooks und verschiedener anderer flachköpfiger Bevölkerung
constatirt haben, so fragt es sich: Was mag der Volksstamm, welchem
diese Schädel angehörten, für eine primäre Gestaltung des Schädels
besessen haben? wie würden diese Schädel ausgesehen haben, wenn sie
nicht künstlich missgestaltet worden wären?

In dieser Beziehung bemerke ich, dass Herr Gosse, ein Genfer
Arzt, der eine sehr verdienstvolle Abhandlung über die künstliche
Verunstaltung des Schädels [345] geschrieben hat, die schon von
Hippokrates aufgestellte Meinung wiederholt hat, es könne sich
allmählich eine erbliche Fortpflanzung dieser Form einstellen, und es
bedürfe in der Folge der Generationen nicht mehr einer ausgiebigen
Einwirkung, um sie zu erzeugen; sie erhalte sich von selbst auf dem
Wege der Heredität. Dagegen sprechen alle sonstigen Erfahrungen: bei
Catlin sind Chinook-Indianer abgebildet aus der neueren Zeit, wo diese
Bräuche nicht mehr herrschen, deren Schädel sich nicht difform zeigt;
ja, unter den östlicheren Stämmen Amerika's giebt es einzelne, wie die
Choctaws, die ursprünglich mitten in dem jetzt cultivirten Nordamerika
gewohnt haben, unter denen früher ähnliche Sitten herrschten, und
in deren Gräbern man noch abgeflachte Schädel gefunden hat, bei
denen jedoch jetzt jede Spur dieser Schädelform geschwunden ist,
nachdem sie die Compression aufgegeben haben. Dazu kommt, dass in
manchen Stämmen die Verunstaltung ein Vorzug der männlichen und zwar
der adeligen männlichen Bevölkerung war und dass ausser den Sklaven
auch die Frauen davon ausgeschlossen waren, -- ein Umstand, welcher
der Vererbungstheorie keineswegs günstig ist. Man darf daher nirgends
annehmen, dass sich diese Difformität von selber fortgepflanzt hat,
und es wird überall, wo man sie antrifft, die Frage aufgeworfen
werden müssen: giebt es Schädel, aus welchen man die ursprüngliche
Form erkennen kann?

Für die Erörterung dieser Frage an den Philippinen-Schädeln ist
ein Umstand von besonderem Nutzen. Ausser dem Eingangs erwähnten
Muster-Schädel gehören noch 4 andere demselben Fundorte an. Sie
sind sämmtlich in der Höhle bei Lanang unter Verhältnissen gefunden,
welche ein grosses Alter andeuten. Ich erwähne zuerst einen ringsum
mit starken Kalkmassen incrustirten und dadurch colossal vergrösserten
Schädel, welcher ein ganz formidables Aussehen darbietet und als
richtiger fossiler Schädel erscheint. Trotz der Kalkmassen, die ihn
umhüllen, kann man sehr wohl erkennen, dass er wesentlich derselben
abgeplatteten Form angehört oder ihr jedenfalls sehr nahe steht. An
einem dritten Schädel dagegen ist keine Spur jener künstlichen Form
vorhanden, so dass durchaus kein Zweifel darüber bestehen kann, dass
er niemals einem Druckverfahren unterlegen hat, und da er an derselben
Stelle mit den anderen gefunden worden ist, so ist meiner Meinung nach
auf dies Verhältniss ein grosser Werth zu legen. Endlich die letzten
beiden Schädel, obwohl sie deutliche Spuren der Abplattung an sich
tragen, zeigen dieselbe doch in abnehmendem Maasse, so dass man, wenn
man einen nach dem andern mit jenem ersten vergleicht, eine ziemlich
regelmässige Stufenfolge der Verunstaltung erkennt. Ich habe von diesen
letzteren Schädeln den Kalküberzug grossentheils abgesprengt, worauf
sich ergab, dass man schon auf eine mehr natürliche Form gelangt,
welche weit davon entfernt ist, eine augenfällige Aehnlichkeit mit
den Chinook-Köpfen darzubieten; freilich der schnelle und ebene Abfall
des Hinterhauptes deutet immer noch darauf hin, dass eine künstliche
Einwirkung stattgefunden hat (Taf. I, fig. 1-2).

Noch wichtiger ist es, dass aus einer anderen und zwar aus einer von
der eben erwähnten ziemlich entfernten Lokalität, nämlich aus der
von Herrn Jagor (Zeitschrift für Ethnologie I. S. 80) beschriebenen
Felsklippe von Nipa-Nipa, welche in der Strasse zwischen Samar und
Leyte gelegen ist, zwei andere Schädel (Taf. I, fig. 5-6) von ihm
mitgebracht worden sind, von denen der eine dieselbe Verunstaltung,
wie die besprochenen, in hohem Maasse darbietet (fig. 6). Ich erwähne
nur aus der Mittheilung des Herrn Jagor, dass vom Meere aus eine
Art Thor in die Klippe hineingeht, durch welches man in eine innere
Bucht gelangt, die von steilen Felswänden umgeben ist; an einer der
letzteren befindet sich hoch über dem Meere die schwer zugängliche
Höhle, aus welcher die Schädel genommen sind.

Auch an diesen beiden Schädeln aus der Höhle von Nipa-Nipa zeigt sich
eine entschiedene Differenz: an dem einen bemerken wir eine positive
Abplattung, einen steilen Abfall, von den Tubera parietalia nach unten,
wie er niemals an einem natürlichen Schädel vorkommt (Taf. I, fig. 5),
und von unmittelbar derselben Lokalität rührt ein anderer Schädel von
übrigens ganz ähnlicher Färbung und Beschaffenheit der Knochen her,
der vielleicht einer leichten Abplattung unterlegen hat, worauf eine
gewisse Verschiebung nach der einen Seite hin deutet, der aber im
Uebrigen ganz offenbar dem gewöhnlichen oder ursprünglichen Zustande
sich nähert (Taf. I, fig. 6).

Auf diese Weise kann man, wie mir scheint, seinen Weg von den künstlich
erzeugten zu den ursprünglichen Verhältnissen zurückfinden, und es
ist möglich, zu Schädelformen zu gelangen, bei welchen man wenigstens
annähernd richtig gewisse Verhältnisszahlen aufstellen kann, welche
zur Vergleichung mit anderen Befunden dienen dürfen. Unsere Zuversicht
in die Richtigkeit der Schlussfolgerungen ist um so grösser, als die
Zahlen beider Beobachtungsreihen sich gegenseitig controliren.

Für diejenigen, welche nicht Anatomen sind, bemerke ich, dass es
in neuerer Zeit Gebrauch geworden ist, die ethnologisch wichtigsten
Maassverhältnisse des Schädels zunächst in der Weise zu bestimmen,
das man Verhältnisszahlen zwischen Länge, Breite und Höhe des Schädels
sucht, in der Art dass die Länge = 100 gesetzt und Breite und Höhe
darnach reducirt werden. Der Kürze wegen kann man die gefundene
procentische Zahl für die Breite als Breitenindex, diejenige für die
Höhe als Höhenindex bezeichnen. Das Verhältniss von Höhe zu Breite wird
gleichfalls auf eine Breite von 100 berechnet und die Zahl für die Höhe
als Breitenhöhenindex aufgeführt. Thut man dies nun an den am wenigsten
difformen Schädeln der Philippinen, so kommt man immer noch auf einen
Breitenindex, welcher nach den bisher bekannten Erfahrungen für die
ostasiatische Inselbevölkerung ganz unerhört ist. Bei dem einen relativ
normalen Schädel aus der Höhle von Nipa-Nipa beträgt der Breitenindex
89,1, der Höhenindex 78,9, der Breitenhöhenindex 88,5; bei dem
einen Lanang-Schädel ist der Breitenindex 80,1, der Höhenindex 77,8,
der Breitenhöhenindex 97,1. Solche Breitenverhältnisse sind überall
ungewöhnlich; z. B. die äusserste Grenze der Breitenverhältnisse in
Europa finden wir bei den Lappen, wo sie zwischen 82 und 83 schwankt.

Es ergiebt sich zunächst aus diesen Verhältnissen in ganz
unzweifelhafter Weise, dass diese in ausgezeichnetem Sinne
brachycephale Bevölkerung, die doch, wie es scheint, einer lange
vergangenen [346] Zeit angehört, nichts zu thun hat mit den
Negritos, insofern diese, soviel bis jetzt angenommen wird, mit
den Melanesiern in Beziehung stehen, welche sich alle auszeichnen
durch die relativ geringe Breite ihres Schädels im Vergleich zu einer
relativ beträchtlichen Länge. Einige andere polynesische Stämme sind
geradezu ausgezeichnet durch die geringe Breite des Schädels bei
einer ungewöhnlichen Höhe und Länge (Hypsistenocephali).

Man ist daher für unsere Schädel darauf angewiesen, andere
Verwandtschaften aufzusuchen, und die nächste Frage, welche sich
hier aufwirft, ist die: ist es eine malaische Bevölkerung gewesen,
mit der wir es zu thun haben? Auch für die malaische Rasse im Ganzen
liegen die angeführten Verhältnisse ausser aller Erfahrung. Es giebt
allerdings ein paar Punkte im Gebiete der Malaien, an welchen erheblich
breite Schädel gefunden worden sind. Welcker (Archiv für Anthropologie
II. S. 154-156) hat die extremsten Verhältnisse an den von Madura,
einer nördlich von Java gelegenen Insel, hergebrachten Schädeln
nachgewiesen, bei denen aber doch solche Verhältnisse nicht vorkommen,
wie wir sie hier vor uns finden. Nach seinen Mittheilungen betrug der
Breitenindex der Maduresen, der übrigens dem Höhenindex gleich war,
82 [347]. Nächstdem stehen in der Liste von Welcker die Menadaresen
mit einem Breitenindex von 80 und einem Höhenindex von 81. Für die
Javanesen berechnet er einen Breitenindex von 79, während freilich
andere Autoren 82-84 haben. Immerhin ist durch die neuere Untersuchung
constatirt, dass innerhalb der malaischen Reihe eine gewisse Breite
der Schwankungen nach Stämmen existirt, und dass man bei einzelnen
derselben zu Breitenindices kommt, welche denen der Lappen nahezu
analog sind.

Unter den vorliegenden Schädeln stammt nur einer, derjenige nämlich,
welchen Herr Jagor am Ysarog auf der Insel Luzon ausgegraben hat,
nach den Nachrichten, welche er erhielt, von einem der heutigen
Eingebornen; es war bekannt, dass der betreffende Mann, ein Cimarrone,
durch einen Hieb am Hinterhaupte sein Leben verloren hat. Dieser
Schädel ist unglücklicherweise der einzige unter den von Herrn Jagor
mitgebrachten, von welchem man sicher ist, dass er einer noch jetzt
bestehenden Race angehört, und da wir auch sonst wenig Nachrichten über
die Craniologie der Philippinen [348] haben, so bin ich nicht in der
Lage, etwas Bestimmtes über seine Stellung zu sagen. Sein Breitenindex
beträgt 76,9, der Höhenindex 76,1, der Breitenhöhenindex 98,9, die
Capacität 1315 Cub.-Cm. Auch wenn man die einzelnen Schädelknochen
mit denen der Lanang- und Nipa-Nipa-Schädel vergleicht, so sind
seine Verhältnisse so wesentlich abweichend, dass in der That keine
Beziehungen des modernen Schädels zu den Höhlen-Schädeln aufgefunden
werden können. Dagegen kann ich allerdings nach den sonst vorliegenden
Messungen sagen, dass der Cimarronen-Schädel eine gewisse Aehnlichkeit
mit Malaien-Schädeln von den benachbarten Sunda-Inseln, namentlich
mit Dajak-Schädeln [349] darbietet.

Es bleibt aber noch eine Reihe von Schädeln, 6 an der Zahl,
zu betrachten, welche zwar sämmtlich aus einer anderen Höhle
genommen sind, als die bisher besprochenen, aber doch von demselben
Felsencomplex von Nipa-Nipa stammen, in welchem die eine der
vorhin erwähnten Höhlen liegt. Diese Schädel (Taf. II, fig. 1-3)
haben namentlich durch die häufige Erhaltung der Unterkiefer einen
besonderen Werth. Sie gehören ihrer ganzen Erscheinung nach einer
anderen Kategorie an und machen, namentlich durch ihre gute Erhaltung,
den Eindruck einer mehr modernen Gruppe. Für das chronologische
Datum, welches man ihnen beilegen kann, tragen sie noch ein besonderes
Indicium an sich: es sind nämlich zwei derselben exquisit syphilitisch,
so dass sie wirklich als Musterspecimina in einem pathologischen
Museum aufgestellt zu werden verdienen. An dem einen findet sich eine
Durchbohrung des harten Gaumens und eine Zerstörung im Umfange des
Naseneinganges an dem Oberkiefer und den Nasenbeinen, welche jedoch
offenbar geheilt gewesen ist; der andere (Taf. II. fig. 3) bietet
ein mustergültiges Beispiel von Caries sicca, welche die Gegend der
Stirn einnimmt und von da auf die Nasenwurzel übergreift, so dass
kein Zweifel sein kann, dass es sich um eine chronische Periostitis
gummosa des Stirnbeines und der Nasenbeine gehandelt hat.

Nun giebt es freilich über das Alter der Syphilis verschiedene
Meinungen, indess ist bis jetzt weder die Meinung aufgestellt worden,
dass die Syphilis ursprünglich auf den Philippinen geherrscht habe,
noch ist irgend eine Thatsache an einem alten Schädel entdeckt worden,
welche darthäte, dass syphilitische Veränderungen in der alten Zeit
bestanden hätten. Man wird also immerhin annehmen können, dass diese
Schädel erst zu einer Zeit in die Höhle gebracht worden sind, als schon
ein längerer Contact mit europäischen Völkern stattgefunden hatte,
also wahrscheinlich nach dem Anfange des 16. Jahrhunderts. Andererseits
darf man nicht wohl annehmen, dass eine christianisirte Bevölkerung
noch diese Höhle benutzt habe, da, wie Herr Jagor berichtet, die
christlichen Priester mit grosser Heftigkeit gegen diese Ueberreste
gewüthet haben. Es lässt sich daher wohl mit ziemlicher Sicherheit
schliessen, dass die Zeit, innerhalb deren diese Leichen in der Höhle
von Nipa-Nipa deponirt worden sind, nicht allzu lange nach demjenigen
Zeitpunkte zu suchen ist, in welchem eine häufigere Beziehung mit
Europäern hergestellt worden war, und man wird vielleicht annehmen
dürfen, dass die Schädel dem Ende des 16. oder dem Anfange des
17. Jahrhunderts angehören; denn diese Zeit ist es, wo die spanische
Herrschaft sich ausbreitete, und es ist nicht wahrscheinlich, dass
derartige Bestattungs-Gebräuche von dieser Zeit ab gerade unter der
Küstenbevölkerung, von der ein grosser Theil vorher muhamedanisirt
worden war, weiter fortbestanden haben.

Da nun die Stämme, welche an der Küste ihren Sitz haben, mit denjenigen
im Innern des Landes in loserer Berührung stehen, so wird in der Regel
wohl der Fundort der Schädel dem Sitze der Bevölkerung, von welcher
sie stammen, entsprechen. Handelt es sich also, wie bei der Höhle von
Nipa-Nipa, um eine Küsten-Lokalität, so wird man auch annehmen können,
dass der betreffende Volksstamm an der Küste gewohnt hat. Es liegt
daher nahe zu schliessen, dass diese Gruppe von Schädeln eine Beziehung
zu den noch jetzt vorhandenen Stämmen der Küste hat, und in der That,
wenn man diese Schädel betrachtet und damit die Physiognomien der
Leute auf den Abbildungen des Herrn Jagor vergleicht, so zeigen sich
gerade bei den Bisayos gewisse Eigenschaften, welche an allen diesen
Schädeln wiederkehren: die verhältnissmässige Kürze bei relativer
Breite der Schädel findet sich bei der Vergleichung der Profil-
und Frontalansichten der Bisayerinnen leicht wieder; dazu kommt
die charakteristische Bildung der Stirn- und Nasengegend, die von
der kaukasischen gänzlich verschieden ist, insofern die stärkste
Wölbung der Stirn gerade da liegt, wo bei uns eine flache Vertiefung
(Glabella) besteht; endlich sind die ungewöhnliche Niedrigkeit der
Nase und der stark prognathe Zustand der Kiefer überall deutlich zu
erkennen. Wenn man die Profile mit einander vergleicht, so ist so viel
Aehnlichkeit vorhanden, wie man überhaupt zwischen einem Schädel und
einem lebendigen Gesichte nur erwarten kann.

Auch diese Schädel besitzen eine ungewöhnliche Breite; sie haben
im Mittel gerechnet einen Breitenindex von 83,3 bei einer Höhe
von 76,5, ein nach den Messungen von Davis und Schetelig auch
bei Bisayos-Schädeln gefundenes Verhältniss, welches sonst noch
von keiner andern hinterasiatischen Bevölkerung bekannt ist. Noch
weniger findet es sich bei der Bevölkerung der polynesischen Inseln;
in Australien, Neukaledonien, Neuseeland, Tahiti treten ganz andere
Stammeseigenthümlichkeiten hervor, so dass dieser Theil der Bevölkerung
der Philippinen als ein ganz eigenthümlicher und charakteristischer
erscheint. Ich bemerke zu ihrer Charakteristik noch, dass sie eine
Höhlung von durchschnittlich 1282 Cub.-Cm. Inhalt besitzen, dass der
Breitenhöhenindex ihrer Orbitae 94,7, der Höhenbreitenindex ihrer
Nasen 41,3 und der Breitenhöhenindex ihrer Schädel überhaupt 91,7
beträgt. Auch ist erwähnenswerth, dass weder an diesen Schädeln, noch
an den übrigen etwas von künstlicher Feilung der Zähne zu bemerken ist,
die doch sonst bei Malaien so häufig vorkommt und die auch auf den
Philippinen von Thévenot noch erwähnt wird. Nur an einzelnen zeigen
die Zähne die Betelfärbung.

Ich verzichte auf die weiteren Details der Schädelfrage; ich will nur
noch auf ein besonders wichtiges Verhältniss hinweisen. Wenn es sich
feststellen lassen sollte, dass innerhalb des Gebietes der malaischen
Rasse eine in so eminentem Grade brachycephalische Bevölkerung an einer
verhältnissmässig gut gegen fremde Einwanderung geschützten Stelle sich
lange erhalten hat, während nicht bloss auf den benachbarten Inseln
(Borneo, Java, Sumatra) eine sich mehr den Dolichocephalen annähernde
Bevölkerung vorkommt, sondern auch dicht daneben im Innern von Luzon
noch jetzt nicht civilisirte, dolichocephalische Stämme leben, wie
der beschriebene Cimarronen-Schädel zu beweisen scheint, so würde man
anerkennen müssen, dass in einer und derselben Rasse die äussersten
Schwankungen der Schädelformen vorkommen, und es würde damit ein sehr
erheblicher Einwand gegeben sein gegen die Bemühungen, ganzen Rassen
durch die Aufstellung der Breitenindices ihre Stelle anzuweisen;
es würde vielmehr auf das Unzweideutigste dargethan sein, dass nur
durch eine grössere Menge von Vergleichungszahlen die ethnologische
Position eines Schädels gefunden werden kann.

Es sind endlich noch zwei Schädel zu erwähnen, welche von den bisher
besprochenen wesentlich verschieden sind. Der eine ist in der zweiten
Höhle von Nipa-Nipa unmittelbar bei einem Holzsarge gefunden worden,
welchen Herr Jagor mitgebracht hat, und in welchem noch ein zum Theil
mit mumificirten Resten von Weichtheilen und Fetzen zerfallender
Bekleidung bedecktes, jedoch schädelloses Skelet liegt [350]. Dieser
Schädel zeichnet sich durch eine grössere Längenentwicklung aus,
aber nichtsdestoweniger beträgt sein Breitenindex 80,2 (bei einem
Höhenindex von 76); er schliesst sich auch sonst in vielfacher
Beziehung, namentlich wegen seiner beträchtlichen Capacität von 1450
Cub.-Cm., der zuerst besprochenen Gruppe an. Der andere Schädel ist
ungewöhnlich klein; seine Capacität beträgt nur 1160 Cub.-Cm. Er ist
nebst anderen Knochen in einem Walde auf Samar, 1 Legua landeinwärts
von Borangan, ausgegraben worden und von unbekannter Abkunft. Manches
trennt ihn in seiner Entwicklung von den anderen Schädeln, aber auch
sein Breitenindex beträgt 79,3 bei einem Höhenindex von 75,7.

Diese ziemlich grosse Reihe untereinander verschiedener Schädel hat
jedoch, von dem Cimarronen abgesehen, in sich eine nähere Beziehung,
als sie zu irgend einer der benachbarten Rassen hat, und wenngleich
die einzelnen Gruppen wieder so viele Differenzen haben, dass ich wohl
geneigt bin, anzunehmen, dass die Stämme, von welchen sie stammen,
unter sehr verschiedenen Verhältnissen gelebt haben müssen, so wird man
doch nicht umhin können, sie einer grösseren Familie zuzurechnen. Von
den beiden Hauptgruppen der Höhlenschädel kann man sagen, dass die
aus der zweiten Nipa-Nipa-Höhle, welche durchweg geringere Dimensionen
haben, den Eindruck einer zarteren, sesshaften und mehr civilisirten
Bevölkerung machen, während an den Schädeln aus der ersten Nipa-Nipa-
und denen aus der Lanang-Höhle sich eine grosse Energie, eine gewisse
Massenhaftigkeit und Kräftigkeit der Entwicklung zeigt, welche einem
mehr wilden Volke anzugehören scheint.

Was die Grössenverhältnisse betrifft, so zeigt der erste Blick, dass
die Schädel der letzteren Gruppe bei ihrer grossen Breite auch eine
relativ grosse Höhe haben. Auch die künstliche Verunstaltung hebt dies
Verhältniss nicht ganz auf, denn selbst der am stärksten abgeplattete
Schädel hat bei einem Breitenindex von 94,8 noch immer einen Höhenindex
von 80. Dies begründet einen wesentlichen Unterschied von den
Chinook-Schädeln. Mit dieser Grösse hängt zusammen die beträchtliche
Capacität der Philippinen-Flachköpfe. Die in der That makrocephalen
Schädel von Lanang besitzen eine durchschnittliche Capacität von
1510 Cub.-Cm., die aus der ersten Höhle von Nipa-Nipa von 1380,
während die mehr runden Schädel aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa,
wie erwähnt, im Durchschnitt nur 1282 Cub.-Cm. fassen. Es sind dies
Grössen-Differenzen, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf.

Ich will für diesmal nicht genauer darauf eingehen, inwiefern die
künstlichen Veränderungen des Schädels einen Einfluss auf das Gehirn
haben. Ganz kurz erwähne ich, dass derselbe Herr Gosse, welcher die
schon erwähnte Monographie geschrieben hat, die Meinung vertritt,
welche sich hauptsächlich auf tahitische Tradition stützt, dass
es möglich sei, durch die Gestaltung des Schädels den psychischen
Eigenschaften eines Individuums eine ganz bestimmte Richtung zu
geben. Es wird nämlich erzählt, dass man auf Tahiti zwei Arten von
Deformation des Schädels erzeugt habe; den Kriegern habe man die Stirn
eingedrückt, dagegen, wie sich ein Redner in der anthropologischen
Gesellschaft zu Paris ausdrückte, den Senatoren das Hinterhaupt. Herr
Gosse erklärt dies so, dass man beabsichtigt habe, bei den Kriegern
die energischen Eigenschaften des hinteren, bei den Staatsmännern
die mehr intellektuellen Eigenschaften des vorderen Abschnitts des
Gehirns ganz besonders zur Ausbildung zu bringen, und er ist ernsthaft
der Meinung, dass dieser Versuch als Muster für moderne Pädagogik
empfehlenswerth sei. Ich kann dieser Ansicht nicht beistimmen,
insofern die Erfahrung ergiebt, dass auch das Gehirn so gut wie
der Schädel dislocirt werden kann, dass also das Vorderhirn sich
zurückschiebt, wenn die Stirn zurückgedrängt wird, und ebenso die
hinteren Theile des Gehirns sich vorschieben bei einer Abflachung der
hinteren Partie des Schädels. Wie ich früher nachgewiesen habe, pflegt
einer Verkürzung des Schädels eine compensatorische Verbreiterung und
umgekehrt zu entsprechen. Es kann wohl kein Zweifel darüber bestehen,
dass eine Abflachung einzelner Schädeltheile an sich eine Verminderung
der Hirnmasse nicht zur nothwendigen Folge hat, und es stimmt damit
überein die Angabe namhafter Beobachter, dass die Flatheads in der
That keinen Mangel an Intelligenz wahrnehmen lassen.«

Diese Mittheilung hatte das glückliche Ergebniss, die Aufmerksamkeit
auf die so lange vernachlässigte Craniologie jener entfernten Inseln
zu lenken. Zunächst erhielt unsere anthropologische Gesellschaft von
dem holländischen Residenten in Gorontalo auf Celebes, Hrn. Riedel die
Mittheilung, dass noch gegenwärtig bei den Bewohnern der Landschaften
Buool, Kaidipan und Bolaangitam die Sitte der künstlichen Verunstaltung
des Schädels bei den neugebornen Kindern geübt wird (Zeitschr. für
Ethnologie Bd. III. S. 110. Taf. V.). Sodann besprach Hr. Barnard
Davis eingehender die Negrito-Schädel. Da mir selbst inzwischen neues
Material zugegangen war, so machte ich in der Sitzung der Gesellschaft
am 10. Dezember 1870 folgende weiteren Mittheilungen:

»Die interessanten Mittheilungen aus Celebes, welche uns heute
von Hrn. Riedel zugegangen sind, haben dargethan, dass mein erster
Bericht über die Philippinen-Schädel in der Sitzung vom 15. Januar
1870 zu rechter Zeit die Aufmerksamkeit auf ein Gebiet gelenkt hat,
welches gerade in ethnologischer Beziehung die höchste Wichtigkeit
hat und welches doch noch so wenig erforscht ist. Nichts konnte mehr
überraschend sein, als dass für eine Weltgegend, aus der seit länger
als zwei Jahrhunderten keine Nachricht über künstliche Verunstaltungen
der Schädel zu uns gelangt ist, durch eine in Europa ausgeführte
craniologische Untersuchung die Thatsache des Fortbestehens einer
solchen Sitte gleichsam erschlossen worden ist. Leider benimmt uns
der Brief des Hrn. Riedel alle Aussicht, entsprechende Schädel von
Celebes zu erhalten, denn er besagt, dass die dortige Volkssitte dem
zu sehr widerstrebe. Wir werden uns daher vor der Hand noch an die
Philippinen-Schädel halten müssen.

Glücklicherweise habe ich seit der Zeit, wo ich zuerst über
die Philippinen zu sprechen die Ehre hatte, Gelegenheit gehabt,
meine Erfahrungen zu vervollständigen. Zunächst hatte Hr. Jagor
noch eine gewisse Zahl zertrümmerter Schädel aus einer grossen
Höhle von Caramuan auf der Insel Luzon. Dieselben waren so vielfach
zerbröckelt, dass es kaum möglich schien, daraus etwas zu machen. Es
ist mir jedoch gelungen, den grösseren Theil der Stücke wieder
zusammenzusetzen und auf diese Weise wenigstens die vorderen
Hälften von drei Schädeln, mit Einschluss des grössten Theils des
Gesichtes, wiederherzustellen. Dieselben sind von etwas verschiedener
Beschaffenheit: zwei (E. 319-20) sind mit einer rauhen Kalkschicht
überzogen, welche an vielen Punkten durch Eisenbeimischung bräunlich
erscheint; die Knochen selbst sind sehr brüchig, kleben an der Zunge
und sehen auf dem Bruche kreidig aus; ein anderer (E. 318) ist viel
glatter, die Knochen selbst sind tief braun geworden, ja am rechten
Theil der Stirn sehen sie vollständig grünlich aus.

Alle drei zeigen sehr deutliche Spuren künstlicher Abplattung. Es ist
dadurch das Vorkommen dieses Gebrauches, welchen wir bis dahin nur
von der Insel Samar kannten, auch für die Insel Luzon dargethan. Am
stärksten ist die Abplattung an den beiden erstgenannten. Bei
dem einen (E. 319) ist freilich nur der Vorderkopf vorhanden,
indess beginnt die Abflachung sofort hinter den Superciliarbogen;
die Stirnhöcker sind fast ganz verschwunden, die Stirn selbst sehr
breit und erst kurz vor der Kranznaht endet die künstlich hergestellte
Fläche mit einer rundlichen Wölbung. Obwohl nicht so stark, so doch
ungleich mehr charakteristisch ist der zweite Schädel (E. 320),
bei welchem glücklicherweise die Basis cranii und der Anfang der
Hinterhauptsschuppe erhalten sind. Hier lässt sich deutlich die
doppelte Abplattung erkennen: eine ziemlich steile hintere und eine
schräg zurückgehende vordere. Bei dem dritten Schädel (E. 318) ist die
Stirn so rundlich gewölbt, dass man ohne Kenntniss der anderen Formen
schwerlich eine Abplattung vermuthen würde, obgleich doch auch hier
die Breite der Stirn und die geringe Prominenz der Stirnhöcker sehr
auffällig sind. Dagegen lässt sich am Hinterhaupte, trotzdem dass der
Schädelgrund fehlt, eine sehr starke, steil abfallende Deformation
erkennen, welche eine fast winklige Einbiegung der Seitenwandbeine
hervorgebracht hat. Ganz besonders interessant ist jedoch das Stirnbein
eines etwa zweijährigen Kindes, welches aus derselben Höhle stammt,
äusserlich gleichfalls einen gelbbraunen Beschlag zeigt, übrigens
sehr stark an der Zunge klebende Oberflächen besitzt. Innerlich
zeigt dasselbe sogenannte osteophytische Auflagerungen als Zeichen
einer inneren Entzündung und dem entsprechend ist es verhältnissmässig
dick. Ganz deutlich lassen sich die Spuren der Abplattung erkennen. Bis
zu den niederen Höckern ist die Stirn wenig verändert; oberhalb
derselben weicht sie aber sofort, fast unter einem Winkel, zurück,
und was besonders charakteristisch ist, kurz vor der Kranznaht liegt
eine stärkere Wölbung, von der aus gegen die Naht zu die Fläche sich
wieder senkt.

Ob diese Schädel einer Zeit und einem Stamme angehört haben,
wage ich nicht zu entscheiden. Der erstgenannte zeigt eine
solche Uebereinstimmung mit einem der früher von mir beschriebenen
Höhlenschädel aus Lanang (Z. 842), dass ihre Zusammengehörigkeit kaum
bezweifelt werden kann. Aehnlich verhält sich der zweite Schädel von
Caramuan (E. 320), der mit einem Schädel aus der Höhle von Nipa-Nipa
(Z. 873) parallel gestellt werden kann. Dagegen gleicht der dritte
Schädel (E. 318) weit mehr den neueren Schädeln aus der grossen Höhle
von Nipa-Nipa, welche Zeichen der Syphilis tragen. Namentlich stimmt
mit diesen die Gesichtsbildung sehr überein. Dasselbe gilt von dem
kindlichen Stirnbein, sowie von einem zarten Unterkiefer (E. 322),
der vielleicht zu dem Schädel E. 318 gehört und der sich durch den
colossalen Prognathismus seines Mittelstückes auszeichnet, während ein
anderer, nach Form und Incrustation zu E. 319 gehöriger Unterkiefer
von grosser Stärke ganz wenig prognath ist und eine ganz andere,
weit geräumigere Ausrundung zeigt.

Ich möchte es daher für wahrscheinlich halten, dass auch in der
Höhle von Caramuan längere Zeit hindurch Beerdigungen stattgefunden
haben und dass daselbst neben einander Personen verschiedener Stämme
niedergesetzt worden sind. Was die Form der Abplattung betrifft,
so entspricht sie in hohem Grade einer peruanischen, wie ich später
darthun werde; keines der Beispiele erreicht jedoch die Verhältnisse,
welche wir früher an Beispielen aus der Höhle von Lanang kennen
gelernt haben. --

Eine zweite Gruppe von Philippinen-Schädeln wurde mir durch die Güte
des Hrn. Dr. Schetelig, der gleichfalls längere Zeit in Asien war, zur
Verfügung gestellt. Es sind dies 8 Schädel, grossentheils gut erhalten,
darunter 4 mit Unterkiefern; zu dem einen gehört ein vollständiges
Skelet. In Verbindung mit den von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädeln
ergiebt diese Sammlung ein recht bedeutendes Material.

Nach den Mittheilungen des Hrn. Schetelig stammt der grössere Theil
seiner Schädel, nämlich 5, von Kirchhöfen. Er bemerkt in seinem
Briefe, dass man dort in den spanischen Ländern die Sitte habe, die
Gräber alle 3 Jahre zu leeren, falls nicht die erforderliche Zahl
von Seelenmessen gelesen oder die Kirchhofsteuer jährlich entrichtet
werde. Wie es scheint, häuft man dann die Schädel auf, wie es auch
in manchen katholischen Ländern Europas geschieht. Dann unterliegen
sie natürlich manchen atmosphärischen Einflüssen. Hr. Schetelig
verweist auf diese wegen der Verschiedenheit in dem äusseren Verhalten
der Schädel. Ich hatte namentlich die Frage aufgeworfen, ob nicht
einer dieser Schädel, der äusserlich mit einer weissen, hier und da
grünlichen Incrustation überzogen ist, gleichfalls aus der Kalkschicht
einer Höhle stamme; er hat es aber in Abrede gestellt. Vier Schädel
sind von ihm im Mai 1867 in Tabaco (Provinz Albay, Luzon) gesammelt;
nach seiner Angabe sind es ganz bestimmt Bicol-Schädel. Darunter
ist ein jugendlicher, wahrscheinlich weiblicher, mit noch nicht
hervorgetretenen Weisheitszähnen und noch offener Synchondrosis
spheno-occipitalis. Ein anderer Schädel, mit einer gut erhaltenen
Sutura frontalis, scheint einem erwachsenen Weibe angehört zu
haben. (Es ist der oben erwähnte incrustirte.) Der fünfte (April
1867) stammt ebenfalls von einem Kirchhofe und zwar aus Tibi, einem
Orte in der Nähe von Tabaco; Hr. Schetelig erklärt ihn auch für
einen Bicol-Schädel. Sodann finden sich zwei, an der Oberfläche
stark veränderte, sehr leichte und vielfach verletzte Schädel,
welche als Cimarronen-Schädel [351] bezeichnet sind, aus der Nähe
von Albay; auch sie stammen aus der Erde. Hr. Schetelig schreibt sie
einer Mischlingsrace von Negritos und Bicols zu. Endlich der letzte
Schädel ist derjenige, welcher das grösste Interesse beansprucht,
insofern er einem Negrito-Häuptling angehört haben soll. Dazu ist
auch das in seinen Haupttheilen erhaltene Skelet vorhanden.

In seinem Vortrage vom 15. Januar hatte Hr. Jagor erwähnt, dass im
Innern und an der Nordostküste der Insel Luzon noch ein schwarzer
Menschenstamm von kleiner Statur und mit krausem Haar existirt,
der ganz verschieden von den Küstenvölkern ist, von denen wiederum
verschiedene Stämme (Tagalen, Bicols, Bisayos u. s. w.) unterschieden
werden. Die ethnologische Stellung jener sogenannten Negritos
war bis jetzt völlig dunkel geblieben. Gewöhnlich hat man sie den
Papuas zugerechnet. In diesem Sinne hatte sich auch Hr. Semper (Die
Philippinen und ihre Bewohner. Würzb. 1869. S. 48) ausgesprochen,
indem er zugleich eine eingehende Schilderung von ihnen entwarf. Seine
Angaben sowohl, als die in unserer Gesellschaft gemachten Mittheilungen
haben Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, in dem Journal of
Anthropology (Lond. 1870, Oct., p. 139) eine kritische Besprechung
über die Negrito-Frage zu veranstalten. Er betont darin mit Recht,
dass alle früheren Angaben über diese Rasse willkürlich gewesen seien,
weil man sich nur auf Aeusserlichkeiten eingelassen habe und daraus
allerlei verwandtschaftliche Verhältnisse mit anderen ostasiatischen
und australischen Völkern hergeleitet habe. Er macht auch mir, und
wohl mit Recht, den Vorwurf, dass ich mich von diesem Vorurtheile
habe leiten lassen; ich muss wenigstens anerkennen, dass nach dem,
was er selbst über Negrito-Schädel von Luzon berichtet, und nach
dem, was die von Hrn. Schetelig mitgebrachten Schädel ergeben, keine
Beziehung zwischen den Schwarzen der Philippinen und denen Melanesiens
und Australiens aufrecht erhalten werden kann. Ihre Schädel sind
ganz verschieden von einander, und, wenn sie als massgebend angesehen
werden dürfen, so kann auf sonstige verwandtschaftliche Verhältnisse
kein Werth mehr gelegt werden.

Diese Frage hat aber ein überaus grosses wissenschaftliches Interesse,
da nach den bisherigen Vorstellungen es in der That nahe lag, wie
auch Hr. Semper angenommen hat, in den Negritos das Urvolk der Insel
zu sehen, welches sich im Innern der Gebirge noch erhalten habe,
nachdem es durch eine spätere Einwanderung von den Küsten mehr und
mehr zurückgedrängt sei. Erinnert man sich, dass auf den benachbarten
Inseln anthropoide Affen vorkommen, die in ganz ähnlicher Weise in die
Gebirge zurückgedrängt sind, so kann sich leicht der Gedanke daran
schliessen, dass im Sinne der Descendenztheorie gerade hier eine
Uebergangs-Rasse construirt werden dürfe. Allein schon Hr. Jagor
hat sein Bedenken über jene Auffassung der Negritos ausgedrückt,
und Hr. Davis schliesst aus den von mir gegebenen Beschreibungen
der Höhlen-Schädel, dass eben so viel Grund vorhanden sei, gewisse
weisse Stämme, welche sich von der malaischen Rasse unterschieden,
mindestens neben den Negritos als autochthon anzunehmen.

Es scheint mir, dass dies zu weit gegangen ist. Nachdem Hr. Jagor
dargethan hat, ein wie weiter Seeverkehr von Alters her zwischen
den Inselgruppen stattgefunden hat, welcher mit den gebrechlichsten
Fahrzeugen bewerkstelligt wurde, so wird man sich dem Gedanken
Forster's nicht verschliessen können, dass die Wahrscheinlichkeit
eines Zurückdrängens der Urbevölkerung in die Gebirge durch eine
eingewanderte Küstenbevölkerung nahe liegt. Mag man immerhin
zwei Aboriginer-Stämme annehmen, so kann dies doch zunächst
nur soviel heissen, dass das Küstenvolk schon vor sehr langer
Zeit eingewandert ist und dass im historischen Sinne beide als
Urbevölkerung gelten müssen. Ich will jedoch zugestehen, dass dies
lauter Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind, denen man, ehe man nicht
genauere Kenntniss über die Einzelheiten hat, keinen zu grossen Werth
beilegen darf.

Hr. Davis hat in seiner Besprechung einen Negrito-Schädel
von Panay auf Luzon abbilden lassen, und er erwähnt, dass er
ausserdem noch zwei andere besitze. Er findet, was übrigens
schon d'Omalius d'Halloy (Des races humaines ou éléments
d'ethnographie. Brux. 1869. p. 103.) angenommen hatte, am meisten
Uebereinstimmung mit den Schädeln der Andamanen-Insulaner, jedoch
auch Verschiedenheiten genug, um beide Rassen von einander zu
trennen. Seiner Abbildung nach zu urtheilen, hat der von Hrn. Schetelig
mitgebrachte Schädel in seinem Kopftheile manche Aehnlichkeit mit dem
von Hrn. Davis erwähnten, aber die Gesichtsbildung erscheint ziemlich
verschieden. Der letztere hat einen starken Unterkiefer und ist sehr
bedeutend prognath; der erstere zeigt, trotz einer gewissen Verletzung
am Oberkiefer, das Gegentheil.

Hier kommt nun freilich die schwierige Frage nach der Reinheit der Race
in Betracht. Hr. Dr. Schetelig theilt mir mit: »Ich habe das Skelet
dieses mir von seinem Stamme verkauften Häuptlings eigenhändig am
Abhange des malerischen ausgestorbenen Vulkans von Buhi, des Arituktuk
[352] ausgegraben. Der Stamm ist, wie die meisten der sogenannten
Negritostämme, nicht mehr rein-melanesisch, sondern beträchtlich mit
Bicol-Elementen versetzt. Doch haben die Leute noch sehr krauses Haar,
das keine Eigenthümlichkeit der Malaien bildet.« Hr. Davis giebt
über die Herkunft seiner Negritos-Schädel nichts Genaueres an. Es
ist das um so mehr zu bedauern, als dieselben unter sich verschieden
sind. Zwei davon sind dolichocephal und einer brachycephal, so dass der
eigentliche Rassen-Typus schwer gefolgert werden kann. Hr. Davis selbst
schwankt daher über die Bedeutung der Form. Es liegt auf der Hand,
dass, wenn es sich um einen exquisit dolichocephalen Typus handelte,
die Aehnlichkeit mit den übrigen schwarzen Rassen gross sein würde.

Was nun den Schädel von Arituktuk (oder Yriga) betrifft, so gehört er
einem ausgewachsenen, aber wahrscheinlich jüngeren Manne an. Es fand
sich freilich an dem zugehörigen Skelet, dass die Knorpelfuge zwischen
dem Handgriffe des Brustbeins und dem Körper desselben noch offen war,
allein dies war die einzige Stelle, welche sich so verhielt. Ausserdem
war ein mit beträchtlicher Verkürzung (um 3,5 Centim.) geheilter
Knochenbruch am rechten Oberschenkel vorhanden. Nicht unwahrscheinlich
trägt der überaus zarte und gracile Knochenbau einen Theil der Schuld
an der Fraktur. Die Knochen sind nämlich durchweg wenig ausgebildet
[353] und von nahezu kindlichem Aussehen. Zugleich zeigen einzelne
leichte Krümmungen, jedenfalls stärkere, als wir sonst zu sehen gewohnt
sind, so dass mancher, namentlich der französischen Ethnologen, auf
eine rachitische Form derselben zurückzugehen geneigt sein möchte. Ich
will in dieser Beziehung besonders darauf aufmerksam machen, dass
bei den Debatten über die prähistorische Bevölkerung Frankreichs
vor allen anderen Knochen das Schienbein die Aufmerksamkeit auf sich
gezogen hat. Auch bei der Negrito-Tibia hat die seitlich comprimirte
Form ihrer oberen Hälfte etwas sehr Auffälliges. Der Knochen ist hier
fast so platt, wie eine Säbelscheide; er hat eine hintere Crista,
welche beinahe so beschaffen ist, wie sonst die vordere. Dagegen ist
die Fossa supracondyloidea humeri undurchbohrt. Besonders abweichend
von den bekannten Formen ist die Gestalt des vorderen Randes des
Darmbeines; hier steht die Spina ant. inferior so stark nach innen
(hinten) und die über ihr liegende Incisura iliaca minor ist so
beträchtlich, dass dadurch eine ganz specifische Bildung entsteht.

Der Schädel besitzt dem entsprechend eine nur mässige Capacität; er hat
nur 1350 Ccm. Gehalt, immerhin genug, um ihn von den Australierschädeln
zu trennen. Seine Gestalt ist eine ziemlich gleichmässig rundliche:
die Stirn ist voll, der Scheitel hoch gewölbt, die Schläfengegend
ausgelegt, die Hinterhauptsschuppe stark gerundet. An letzterer
findet sich rechts ein besonderer Processus paracondyloideus mit
überknorpelter Gelenkfläche; da der Atlas leider fehlt, so lässt
sich nicht genau sagen, in welcher Weise die Verbindung mit dem
Querfortsatze des Atlas stattgefunden hat. Bei der Messung hat der
Schädel sich als wesentlich brachycephal ergeben; der Breiten-Index
beträgt 83,4 bei einem Höhen-Index von 77,10 (Höhe zu Breite = 93,2
: 100). Obwohl er sich in diesen Verhältnissen den früher von mir
vorgelegten Philippinen-Schädeln, namentlich den jüngeren aus der
Höhle von Nipa-Nipa nähert, so bietet er doch Manches dar, was ihn von
jenen unterscheidet. Insbesondere ist die Bildung des Gesichtsskelets
höchst abweichend; nur einer der früheren Schädel (Z. 865) steht
ihm näher. Ich erwähne hier vor Allem die ungewöhnliche Zartheit der
Knochen des Gesichts, die selbst, wenn man eine jugendliche Entwicklung
annehmen wollte, sehr auffällig sein würde. Wenn man jedoch die
Zähne vergleicht, so ergiebt sich eine sehr merkliche Abschleifung
der Schneide- und Mahlzähne, welche beweist, dass das Individuum
nicht im Jugendalter gewesen ist. Ausserdem sind die Synchondrosis
spheno-occipitalis vollständig, der untere Abschnitt der Sutura
coronaria links und die unteren Abschnitte der Sutura lambdoides
beiderseits verknöchert; der Processus styloides rechts hat eine
ungewöhnliche Länge und Stärke; alle Muskelinsertionen sind durch tiefe
Unebenheiten, Gruben und Vorsprünge bezeichnet; die Superciliargegend
ist durch dicke und poröse Wülste ausgezeichnet, welche über der Nase
zusammengehen. Nimmt man zu diesen anatomischen Merkmalen die Angabe
des Hrn. Schetelig, dass der Mann ein Häuptling gewesen sei, so wird
kein Zweifel bleiben können, dass dieser Schädel einem vollkommen
ausgewachsenen Individuum angehörte. Keiner von den anderen Schädeln
hat eine so verkümmerte Gesichtsbildung, wie dieser; sie erinnert fast
an die von mir beschriebene Physiognomie des Lappengesichts. Die ganze
Höhe (Nasenwurzel bis Kinn) beträgt nur 103 Millim., die Höhe der Nase
46, die mediane Höhe des Unterkiefers 25, der Maxillar-Durchmesser
60. Nur die Orbita (37,4 breit und 34,6 hoch) ist stark entwickelt und
ihre mehr quer-viereckige Gestalt unterscheidet sie wesentlich von
den Augenhöhlen aller anderen Philippinen-Schädel. Dem entsprechend
ist auch die Nasenwurzel schmal, der Nasenrücken scharf vortretend
und scheinbar eine Adlernase andeutend. Der Oberkiefer hat leider in
der Mitte des Alveolarrandes einen kleinen Defect; trotzdem kann man
ziemlich sicher erkennen, das nur ein sehr geringer Prognathismus
des Oberkiefers vorhanden war. Am Unterkiefer fehlt derselbe
gänzlich. Dies ist wohl der grösste Unterschied von den vorliegenden
Bicol-Schädeln. Es ist weiterhin in der Schädelbildung dieses
Mannes auffallend, so wenig Uebereinstimmung mit den gewöhnlichen
Verhältnissen der wilden Rassen zu finden: die Plana semicircularia
reichen nicht weit hinauf, die obere Wölbung zwischen den Ansätzen
der Schläfenmuskeln ist sehr gross, die Jochbeine treten nicht sehr
stark hervor, der Kieferast ist von geringer Stärke. Es lässt sich
daher nicht verkennen, dass die ganze Form den äusseren Verhältnissen
nach nichts Wildes an sich trägt, und wenn man hinzunimmt, dass auch
die Länge der Schädelknochen ziemlich gute Verhältnisse darbietet, so
muss man sagen, dass die Schädelform sich deutlich den civilisirten
annähert. Schon aus diesem Grunde muss eine mögliche Verwandtschaft
mit der australischen Rasse entschieden abgelehnt werden. Andererseits
ist es gewiss bemerkenswerth, dass in Beziehung auf die Zartheit der
Gesichtsbildung wohl die jüngeren Schädel aus der Nipa-Nipa-Höhle
eine gewisse Uebereinstimmung darbieten, aber keineswegs die
Kirchhofsschädel von Tabaco und Tibi. Bei allen diesen ist das
Gesichtsskelet sehr stark entwickelt, namentlich die Jochbeine sehr
vorspringend, der Oberkiefer und die Nasenwurzel breit, das Gesicht
hoch und vor allen Dingen ein überaus starker Prognathismus des Ober-
und Unterkiefers, so dass besonders am Oberkiefer der Alveolarfortsatz
sich fast der horizontalen Stellung nähert. Selbst der jugendliche,
im Ganzen sehr zarte und kleine Schädel von Tabaco zeigt in Beziehung
auf die Gesichtsbildung die grösste Differenz, und namentlich die
vorspringenden Zähne bilden den geraden Gegensatz gegenüber den
Verhältnissen bei dem Arituktuk-Schädel. Bei den Bicols ist in der
That eine affenartige Construction der Fresswerkzeuge vorhanden.

Im Uebrigen bilden diese Kirchhofs-Schädel eine vortreffliche
Ergänzung des von Hrn. Jagor mitgebrachten Materials, insofern sie
uns die Osteologie der neueren Bevölkerung kennen lehren. Alle fünf
bieten unter sich eine grosse Uebereinstimmung dar: neben einem höchst
auffälligen Prognathismus zeigen sie eine Brachycephalie, so stark,
wie wir sie nur irgend an ostasiatischen Völkern kennen. Der Schädel
von Tibi hat einen Breitenindex von 80,2 bei einem Höhenindex von 78,5;
die 4 Schädel von Tabaco haben Breiten-Indices von 81,1 -- 83,3 --
83,1 --84,6 bei Höhen-Indices von 79,7 -- 82,4 -- 80,5 -- 80,5. Dabei
hat der Tibi-Schädel eine Capacität von 1595, die Tabaco-Schädel
von 1505, 1330, 1350 und der jugendliche von 1290 Ccm. Dem
entsprechend beträgt die Circumferenz bei dem Tibi-Schädel 514,
bei den Tabaco-Schädeln 514, 490, 478, 495. Sämmtliche Schädel sind
schön gewölbt, haben volle Stirnen und Schläfen, sehr hohe und stark
ausgelegte Hinterhauptsschuppen und grosse Plana semicircularia. Ueber
ihre Gesichtsbildung habe ich schon vorher gesprochen und die relative
Grösse und namentlich Breite derselben hervorgehoben. Der Tibi-Schädel
hat einen formidablen Unterkiefer von 18,5 Centim. Umfang und 34,5
Centim. medianer Höhe.

Vergleichen wir nun diese Bicol-Schädel mit den früher beschriebenen
Höhlen-Schädeln, so zeigt sich eine nicht geringe Aehnlichkeit zwischen
dem Schädel von Tibi und dem von Hrn. Jagor neben einem Holzsarge
in der Höhle Nipa-Nipa gefundenen, während die Tabaco-Schädel den
jüngeren und zum Theil syphilitischen Schädeln der Nipa-Nipa-Höhle
näher stehen. Nur der weibliche Tabaco-Schädel schliesst sich an
die mehr brachycephalen Schädel aus der anderen Höhle von Nipa-Nipa
(Z. 873. 874), welche Spuren künstlicher Missstaltung zeigen, und es
ist bemerkenswerth, dass gerade bei ihm gleichfalls derartige Zeichen
hervortreten. Das Hinterhaupt fällt nämlich unmittelbar hinter den
Tubera parietalia ab, die Gegend der hinteren seitlichen Fontanellen
ist abgeplattet, und daher die Hinterhauptsgruben für das Kleinhirn
und für die Hinterlappen des Grosshirns stärker vorgewölbt. Die
gleiche seitliche Compression zeigt auch der Mädchenschädel von Tabaco.

Ein noch erhöhtes Interesse haben die Cimarronen-Schädel von Albay,
welche ihrem äusseren Ansehen nach älter sind und einige Analogie mit
den Schädeln von Lanang bieten, welche Hr. Jagor mitgebracht hat. Die
beiden sind allerdings unter sich sehr verschieden. Ob diese Differenz
sich nur durch das verschiedene Geschlecht erklärt, ist mir in hohem
Maasse zweifelhaft; handelt es sich um ein Mischvolk, so liesse sich
die Vererbung wohl mit mehr Recht anrufen. Der Schädel des Weibes
(Omang) ist kurz und breit, der des Mannes (Baringeag) breit und lang;
beide lassen aber deutlich eine künstliche Deformation erkennen.

Der weibliche Schädel schliesst sich einerseits den Lanang-Formen,
andererseits dem weiblichen Tabaco-Schädel und den ihm verwandten
Nipa-Nipa-Formen an. Er hat einen Breitenindex von 87, einen
Höhenindex von 79,7, eine Circumferenz von 488, eine Capacität von
1380. Das Gesicht ist breit, die Nase abgeplattet, der Oberkieferrand
stark vorspringend. Dabei zeigt sich eine starke Veränderung
des Hinterhauptes, welche aber anders ist als die an den alten
Flachschädeln von Lanang. Während an diesen eine einfache Abplattung
der Stirn und des Hinterhauptes vorhanden ist, bemerkt man bei der
Cimarrona, ähnlich wie bei dem Tabaco-Weibe, jedoch viel stärker, dass
jederseits ein seitlicher Druck von hinten und oben her eingewirkt
hat; ja, es ist sehr merkwürdig zu sehen, wie der Druck nur auf die
Gegend ausgeübt worden ist, wo die Lambda-Naht mit der Mastoidal-
und Schuppen-Naht zusammenstösst, also dort, wo die seitliche hintere
Fontanelle liegt. Die Folge davon ist gewesen, dass sich nach drei
Richtungen, nach oben in der Mitte, nach unten rechts und links,
also gleichsam kleeblattförmig, kuglige Protuberanzen gebildet haben,
welche offenbar dadurch entstanden sind, dass das comprimirte Gehirn
genöthigt gewesen ist, sich anderweit Raum zu verschaffen. Es ist
dies eine sehr auffällige Form. Sehr bezeichnend ist übrigens, dass
der laterale Druck ausserdem noch schief gewesen ist, rechts stärker,
als links, so dass das ganze Hinterhaupt dadurch verschoben worden ist.

Der männliche Schädel (Baringeag) ist lang und entschieden
dolichocephal. Bei ihm beträgt der Breitenindex 75,4, der
Höhenindex 77,7, der grösste Umfang 515, die Capacität 1470. Alle
Muskelansätze sind sehr stark, das Gesicht eher etwas schmal,
der Nasenrücken gleichfalls schmal, der Kieferrand jedoch stark
vorspringend. Dieser Schädel bietet entschiedene Beziehungen mit
dem von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädel eines Ygorroten vom Berge
Ysarog, der 1856 mit einem Taco (Waldmesser) erschlagen war. Auch
bei ihm muss man annehmen, dass ein seitlicher Druck stattgefunden
hat; denn es erstreckt sich jederseits von den Tubera parietalia
eine ganz steil abfallende Seitenfläche herab, und es sind ausserdem
ähnliche, wenngleich kleinere kuglige Vortreibungen an der Schuppe des
Hinterhaupts. Die obere ist nur dadurch maskirt, dass eine ungewöhnlich
starke Protuberantia occipitalis externa darüber sitzt.

Ich bin daher der Meinung, dass man in beiden Fällen, trotz
ihrer ursprünglichen Verschiedenheit, genöthigt ist anzunehmen,
dass eine gewisse Deformation stattgefunden hat, welche jedoch
wesentlich anders angelegt gewesen ist, wie bei den Flachköpfen
von Lanang. Stammen sie, wie Hr. Schetelig angiebt, gleichfalls von
einem Negrito-Mischvolk, so wird man kaum zweifeln können, dass der
dolichocephalische Mannesschädel dem erblichen Typus der Ygorroten
entspricht, dass dagegen der brachycephale Weiberschädel und der
Häuptlingsschädel, obwohl unter einander nicht wenig verschieden,
sich mehr dem Bicol-Typus annähern. Was in dem einen oder andern
Falle speciell Negrito-Eigenthümlichkeit ist, kann ich nicht sagen;
indess möchte bis auf Weiteres der Häuptlingsschädel als der reinere
angesehen werden dürfen, zumal da die Architectur des Skelets im
Ganzen mit den Beschreibungen der Reisenden von der äusseren Gestalt
der Negritos am meisten harmonirt.

Werfen wir nunmehr einen kurzen Rückblick auf die gewonnenen
Resultate, so zeigt sich uns, mit Ausnahme zweier dolichocephaler
Schädel von Cimarronen, eine durchweg brachycephale Reihe mit mehr
oder weniger ausgesprochenem Prognathismus. Am meisten tritt dieser in
den Hintergrund bei dem auch sonst in vielen Beziehungen abweichenden
Schädel des sogenannten Negrito-Häuptlings. Die modernen Bicol-Schädel
füllen dagegen die früher bemerkte Lücke zwischen den älteren und mehr
oder weniger deformirten Lanang-Schädeln und den offenbar jüngeren,
durch Syphilis ausgezeichneten Schädeln von Nipa-Nipa, zumal wenn
man die Höhlenschädel von Caramuan hinzunimmt. Eine durchgehende
Verwandtschaft lässt sich nicht verkennen. Höchst auffällig bleibt
dabei die grosse Verschiedenheit in der Gesammt-Architectur. Die
Lanang-Schädel zeigen einen sehr starkknochigen, die jüngeren
Nipa-Nipa-Schädel einen ebenso ausgeprägt schwachknochigen Stamm. Die
modernen Bicols stehen auch hier in der Mitte, so dass man nicht mehr
berechtigt ist, wie früher, aus der blossen Zartheit der Formen auf
einen Fortschritt in der Civilisation zu schliessen. Möglicherweise
dürfen wir in dem schwachknochigen Stamme den Bisayer-Typus annehmen,
indess fehlt es für diese feineren Entscheidungen noch immer an dem
nöthigen Material, das erst von weiteren Zusendungen erwartet werden
darf. Für einen wirklichen Stammes-Unterschied spricht natürlich
auch die verschiedene Art der Abplattung, welche wir constatirt
haben. Während die Höhlenschädel von Lanang und Caramuan eine
vordere und hintere Abplattung erfahren haben, zeigen die modernen
Kirchhofsschädel eine seitliche, so dass die Beschreibung von Thevénot
im Ganzen weit mehr für sie zutrifft.

Ich habe noch zu erwähnen, dass Hr. Davis in Beziehung auf das Alter
der Funde, die ich früher besprochen habe, einen Zweifel aufgeworfen
hat, der dahin führen würde, die fraglichen Schädel um ein Jahrhundert
jünger zu machen. Ich hatte nämlich angenommen, dass die Flachschädel
spätestens dem Ende des 16. Jahrhunderts angehören möchten. Ich
war dabei auf die einzige Nachricht über künstliche Verunstaltung
des Schädels, welche uns noch erhalten ist, die von Thévenot [354]
zurückgegangen. Hr. Davis sagt nun, dass das Buch von Thévenot
zwischen 1663 und 1672 erschienen sei, und er folgert daraus, dass die
Schädel erst aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammten. Ich muss hier
allerdings einen Fehler zugestehen: ich war verleitet dadurch, dass
ein sonst sehr zuverlässiger Autor, Gosse (Annales d'hygiène publique
et de médecine légale. 1855. Juill. p. 375.) folgendes Citat giebt:
Relations de divers voyages curieux, par Melchisédec Thévenot. Nouvelle
édition, 2 vol. in-fol., Paris 1591. Ich habe mich nun überzeugt,
dass Melchisedek Thévenot († 1692) erst gegen 1620 geboren, das Citat
von Gosse also offenbar falsch ist. Indessen folgt daraus doch noch
keineswegs, dass die fragliche Beobachtung erst der zweiten Hälfte des
17. Jahrhunderts angehört. Thévenot giebt in seinem grossen Sammelwerk
den Bericht eines Geistlichen, der 18 Jahre auf den Philippinen
gelebt hatte. Letzterer spricht an einer Stelle davon, dass »vor drei
Jahren die Einnahme der Insel Mindanao durch Don Sebastian Hurtado de
Corcuera erfolgt sei« (p. 3.) Diese Einnahme muss nach einem folgenden
Berichte (p. 15) um das Jahr 1636 geschehen sein: es ergiebt sich
also, dass der Geistliche in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
schrieb. Damit stimmt auch die Bemerkung am Schlusse der Relation,
wonach dieselbe die Uebersetzung einer 1638 in Mexico gedruckten
spanischen Schrift ist. Nun findet sich aber darin ausser der Angabe,
dass die Leute ihren Kindern die Köpfe verdrückten, noch der andere
Gebrauch erwähnt, dass sie die Zähne feilten und mit schwarzem und
glänzendem oder feuerfarbenem Firniss färbten [355], und da keiner der
von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädel diese Zeichen darbot, so hatte ich
geschlossen, dass die Leichen beigesetzt sein müssten zu einer Zeit,
als diese noch jetzt auf den benachbarten Inseln sehr verbreitete
Sitte noch nicht bestand. Denn es schien mir weniger wahrscheinlich,
dass die Leute eine derartige Sitte schnell aufgegeben haben sollten,
als dass dieselbe erst später von den benachbarten Malaien importirt
worden sei. Indess muss ich zugestehen, dass auch diese Argumente
zweifelhafter Natur sind, und nachdem wir durch Hrn. Riedel erfahren
haben, dass auf einer benachbarten Insel die Deformirung der Schädel
noch heute betrieben wird, so liegt die Frage nahe, ob nicht auch
die Lanang-Schädel einer neueren Zeit angehören, als ich angenommen
hatte. Immerhin ist es bemerkenswerth, dass jene starke Abplattung,
wie sie sich bei den Schädeln aus der Höhle von Lanang findet, unter
der ganzen Reihe der übrigen Schädel nicht wiederkehrt, und wenn man
dazu die übrigen, sehr bemerkenswerthen Charaktere der Lanang-Schädel
nimmt, so halte ich es immer noch für sehr wahrscheinlich, dass sie
ein hohes Alter haben.

Zum Schlüsse will ich noch auf einen Punkt aufmerksam machen,
worauf ich bei einer späteren Besprechung der Peruanerschädel noch
zurückkommen werde. Es findet sich nämlich bei dem Mädchen-Schädel
von Tabaco, der auch deutliche Zeichen der seitlichen Abplattung
darbietet, jenes grosse Schalt-Stück zwischen den Scheitelbeinen und
der Hinterhauptsschuppe (Os epactale) vor, welches man mit dem Namen
Os incae belegt hat. Dasselbe ist fast vollkommen dreieckig und misst
an der Basis 115, an den Schenkeln 76-78 Millim. Ich urgire dieses
Vorkommen deshalb, weil in der neueren Zeit durch Gosse (Bull. de
la soc. d'anthropol. de Paris 1860, Vol. I. p. 549. Mémoires de la
même soc. T. I. p. 165) und Jacquart (Bullet. 1865. T. VI. p. 720)
der Bedeutung dieses Knochens meiner Meinung nach etwas zu wenig
Werth beigelegt worden ist. Man hat sich bemüht zu zeigen, dass diese
Trennung in einer einfachen Entwicklungs-Hemmung beruhe, weil in
einer früheren Zeit des Fötallebens diese Trennung stets vorhanden
sei. Allein daraus folgt meiner Meinung nach nichts Erhebliches für
die Bedeutung eines solchen Vorkommens nach der Geburt. Ich habe
in der letzten Zeit eine grosse Anzahl von Schädeln neugeborner
Kinder maceriren lassen; es war kein einziger darunter, bei welchem
eine solche Trennung noch existirte. Diese ist eine solche Rarität,
dass jedesmal, wo sie vorkommt, die Frage nach der Ursache derselben
aufgeworfen werden muss. Nun ist es doch nicht gering anzuschlagen,
dass unter 8 Philippinen-Schädeln sich einer mit einem solchen Beine
befindet. Noch bedeutungsvoller wird dieser Fund dadurch, dass auch
unter den von Hrn. Jagor mitgebrachten 16 Schädeln ein gleicher ist und
zwar einer aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa auf Samar (Z. 865). Er
gehört einem erwachsenen, kräftigen Manne an. Der Zwischenknochen ist
50 Millim. hoch, an der Basis 115, an den Schenkeln 25-28 Millim. lang,
reicht bis dicht über die Protuberantia occipitalis externa und ist
hier durch eine starke Zackennaht abgesetzt. Was aber noch merkwürdiger
ist, der einzige Negrito- oder Aita-Schädel von Manila, der sich in der
anthropologischen Gallerie des Jardin des Plantes zu Paris befindet,
besitzt nach Jacquart gleichfalls ein Os epactale.

Das Alles mag Zufall sein, aber es wäre doch ein sonderbarer Zufall. So
hat man auch Zweifel über die Bedeutung des Os incae bei den Peruanern
aufgestellt. Wir haben neulich aus Peru zwei alte Schädel bekommen;
einer davon hat das Schaltbein in vollster Ausbildung. Nirgends
sonst, soweit es uns bekannt ist, zeigt sich dasselbe in einer
solchen Häufigkeit, und ich möchte daher wohl annehmen, dass hier
eine ethnologische Eigenthümlichkeit hervortritt, die nicht als eine
gewöhnliche und nichtssagende Erscheinung aufgefasst werden darf. Es
wird ein Gegenstand unserer späteren Betrachtung sein, wie dieses
Vorkommen zu erklären ist und ob daraus irgend welche Aufschlüsse in
Bezug auf die Völkerbeziehungen über den stillen Ocean zu gewinnen
sind«.

Seit der Zeit dieses Vortrages ist nun das Material noch ungleich
mehr angewachsen, indem Hr. Dr. A. B. Meyer eine grössere Anzahl von
Philippinen-Schädeln und Skeleten mitgebracht und der Gesellschaft
überlassen hat. In der Sitzung vom 15. Juni 1872 konnte ich
über 6 Negrito-Skelete und einen Ygorrotenschädel berichten
(Correspondenzblatt der deutschen anthropologischen Gesellschaft
1872. No. 8). Eine spätere Sendung brachte hauptsächlich moderne
Schädel von einem Kirchhof bei Manila.

Von diesen Objekten stimmt zunächst der Ygorrotenschädel mit dem durch
Herrn Jagor überbrachten vom Ysarog (und dem einen Cimarronen-Schädel
von Albay aus der Sammlung des Hrn. Schetelig) am meisten überein,
obwohl er in einem noch viel höheren Maasse lang und zugleich schmal
ist. Er besitzt einen Breitenindex von 68,8 bei einem Höhenindex
von 73,1, ist also in höchstem Grade dolichocephal und zugleich
niedrig. Die Verhältnisse der drei Schädel werden am besten durch
eine Zusammenstellung der Zahlen sich ergeben:


                           Breitenindex.   Höhenindex.   Capacität.

    Cimarrone vom Ysarog           76,9          76,1         1315
    Cimarrone vom Albay            75,4          77,7         1470
    Ygorrote (Meyer)               68,8          73,1         1400


Sehr bemerkenswerth sind bei dem letztern Schädel ferner der
geringe Prognathismus des Alveolarrandes, die verhältnissmässig
hohen Augenhöhlen, die hohe Nase mit schmaler Wurzel und der
starke Wulst über der letzteren. Giebt dieser Wulst dem Schädel den
Ausdruck einer gewissen Wildheit, so wird diese gesteigert durch
die stark abstehenden Jochbogen und die bedeutend hinaufgerückten
Plana temporalia, deren Abstand, über den Schädel gemessen, an der
Kranznaht nur 105 Millim. beträgt: also eine colossale Entwickelung
der Kaumuskeln. Es bestätigt sich demnach die Existenz einer wilden
dolichocephalen Rasse, welche den Hypsistenocephalen der Inseln
Polynesiens und der Sundagruppe näher steht.

Die Negrito-Schädel sind davon gänzlich verschieden. Ich beschränke
mich darauf, die entsprechenden Zahlen für 4 derselben zu geben:


                   Breitenindex.   Höhenindex.   Capacität.

            I.             90,6          77,6         1310
            II.            80,8          75,6         1200
            III.           83,8          77,8         1250
            IV.            86,7          82,3         1150



Von diesen ist No. II. ein männlicher und, wie mir scheint,
verhältnissmässig typischer Schädel, während vornämlich bei
No. I. künstliche Deformation bemerklich ist. Man sieht hier eine
ausgezeichnet brachycephale Rasse, deren Schädel eine mässige Höhe
und durchschnittlich eine geringe Capacität besitzen. Zugleich
sind sie stark prognath, jedoch betrifft die Vorschiebung mehr
die Alveolarfortsätze, während die Ansatzstelle des unteren
Nasenstachels dem grossen Hinterhauptsloche näher liegt, als
die Nasenwurzel. Letztere befindet sich fast senkrecht unter der
Nasenwurzel.

Die Zusammengehörigkeit dieser Negritoschädel wird in deutlichster
Weise dargelegt durch ein höchst characteristisches Zeichen,
nämlich durch die vermittelst Feilung in eine Sägenform gebrachten
Zahnreihen. Es sind die Zähne, namentlich die vorderen und von diesen
wieder am meisten die des Oberkiefers seitlich abgefeilt, so dass sie
in scharfe Spitzen, wie Raubthierzähne, auslaufen, -- eine Art der
Feilung, welche der bisher bekannten malaischen gerade widerstreitet,
indem diese auf der vorderen Fläche der Zähne stattfindet und zugleich
der untere Rand der letzteren geebnet wird. Höchst merkwürdig ist es,
dass beide Arten der Feilung schon von dem alten Thévenot angegeben
sind: les vns rendent les dents égales, les autres les affilent en
pointes, en leur donnant la figure d'une scie. Nur von der mit Gold
gefüllten Oeffnung in der oberen Zahnreihe, welche er gleichfalls
beschreibt, ist nichts wahrzunehmen. Indess mag das längst aufgegeben
sein, da Gold unter den Negritos wohl eine Seltenheit ist. Jedenfalls
stammen die Schädel, welche Hr. Dr. Meyer selbst unter grosser Gefahr
auf dem ihm bekannt gewordenen Begräbnissplatze eines Negrito-Stammes
in der Provinz Bataan (Zambales), im Nordwesten von Luzon, ausgegraben
hat, aus neuer Zeit [356].

Spuren künstlicher Verunstaltung finden sich an der Mehrzahl der
Schädel, jedoch erreichen sie auch nicht entfernt das Maass, wie
diejenigen an den Höhlenschädeln von Lanang und Caramuan. In der Regel
ist das Hinterhaupt sehr steil und die Seitenwandbeine sind dicht
hinter den Tubera parietalia fast rechtwinklig herab gebogen. Nur der
eine und zwar männliche Schädel zeigt gar nichts von Deformation:
sein Hinterhaupt springt stark vor, und zwar findet sich die
stärkste Vorwölbung an der Schuppe oberhalb der Linea nuchae suprema
(vgl. Taf. II, fig. 5-6). Wenn dieser letztere Schädel gegenüber
den weiblichen und deformirten (Taf. II, fig. 4) als der am meisten
typische angesehen werden darf, so könnte es doch sein, dass ihm an
einer andern Stelle die künstliche Verunstaltung nicht fehle. Er zeigt
nämlich eine ungemein breite und platte Nasenwurzel, und die Nasenbeine
sind seitlich mit den Processus nasales des Oberkiefers verwachsen. Da
sich dieselbe Synostose noch bei einem andern Negrito-Schädel findet,
so entsteht die Frage, ob hier eine blosse Rassen-Eigenthümlichkeit
oder ein pathologisches Ereigniss vorliegt. Wenn nun an sich der
ganze Habitus der Stelle diesen Eindruck hervorbringt, so hat mich
eine Mittheilung des französischen Missionärs Montrouzier noch
mehr für diese Ansicht gewonnen. Derselbe berichtet nämlich, dass
in ganz Neu-Caledonien nach der Geburt eines Kindes Wasser heiss
gemacht, die Finger in dasselbe getaucht und mit denselben die Nase
des Neugebornen zerquetscht wird. Freilich ist von den Philippinen
bis jetzt nichts Aehnliches bekannt, aber vielleicht wird es damit,
wie mit der Schädelverunstaltung, gehen.

Ich muss endlich noch eine besondere Eigenthümlichkeit der
Negrito-Schädel erwähnen, nämlich die ausgezeichnet ogivale Form,
welche sowohl in der Stirn-, als Hinterhaupts-Ansicht bemerkbar
wird und welche auch in den Photographien (Taf. III.) zu Tage
tritt. Namentlich bei der männlichen Bevölkerung ist die dachförmige
Gestalt des Vorderkopfes leicht erkennbar. Die Glabella ist an diesen
Schädeln ungewöhnlich voll, die Stirnhöcker schwach entwickelt, in der
Mitte öfter die Andeutung einer Crista frontalis. Damit hängt zusammen
die auffällige Höhe der Plana temporalia, welche sich bei dem Manne
(Taf. II, fig. 5 und 6) bis über die Tubera parietalia erstrecken
und hinter der Kranznaht nur 95 Millim. von einander entfernt sind.

Es lässt sich daher nicht verkennen, dass der Schädeltypus der Negritos
etwas Bestiales, wenn man will, etwas Affenartiges an sich hat. Die
grosse Breite der unteren Theile der Nase, welche in den Photographien
(vergl. die Tafel III.) so auffällig hervortritt, trägt nicht wenig
dazu bei, den Eindruck der Hässlichkeit zu erhöhen. Hr. de la Gironière
(Aventures d'un gentilhomme breton aux îles Philippines. Paris 1855
p. 321) mag daher wohl einen ersten Eindruck, richtig wiedergeben,
wenn er in seiner lebhaften und etwas übertreibenden Weise sagt:
Les hommes -- me paraissaient plutôt une grande famille de singes
que des créatures humaines.

Um das osteologische Bild zu vervollständigen, will ich noch
hervorheben, was auch die übrigen Skeletknochen bezeugen und
alle Reisende berichten, dass die Negritos von niedrigem und
gracilem Bau sind. Ihre Schienbeine sind seitlich abgeplattet, wie
zusammengedrückt. Ihre Oberarmbeine haben öfters ein Loch über den
Gelenktheilen der Ellenbeuge und zeigen überdiess eine andere Drehung
in der Continuität, als die europäischen. Kurz, alles vereinigt sich,
um uns das Bild einer niedrigeren Entwickelung zu geben, aber einer
Entwickelung, welche weder mit derjenigen der afrikanischen Neger,
noch mit denen der Papuas und der Australneger, soviel bis jetzt
ersichtlich, irgend eine Aehnlichkeit zeigt.

Wenn wir nun, nachdem wir im Innern der Philippinen sowohl
dolichocephale, als brachycephale wilde Stämme kennen gelernt haben,
zu der Küstenbevölkerung zurückkehren, so möchte ich zuerst daran
erinnern, dass nach dem Zeugnisse der verschiedensten Reisenden hier
zahlreiche, durch Einwanderung bedingte Kreuzungen stattgefunden
haben. Namentlich werden chinesische und japanesische Beimischungen
als sehr einflussreich geschildert. Es wird daher nothwendig sein,
hier sehr vorsichtig zu sein, und ich möchte namentlich darauf
aufmerksam machen, dass auch Mischungen zwischen der wahrscheinlich
malaiischen Küstenbevölkerung und den erwähnten Bergstämmen sorgfältig
in Betracht gezogen werden müssen. Gerade in dieser Beziehung dürften
die von Hrn. Jagor mitgebrachten Höhlenschädel von Samar sowohl wegen
ihres Alters, als auch wegen der Küstenlage der Höhlen und der mehr
südlichen Lage dieser Insel eine besondere Bedeutung beanspruchen,
da sie vermuthlich reineren Elementen der Bevölkerung angehörten,
als die Kirchhofsschädel, nach denen wir die heutige Küstenbevölkerung
meist zu beurtheilen haben.

Auf den beigegebenen Tafeln sind geometrische Linearzeichnungen der 3
Höhlengruppen von der Insel Samar zusammengestellt, welche ausreichen
werden, um ein übersichtliches Bild dieser Küstenschädel zu geben und
deren Vergleichung mit den Negrito-Schädeln anschaulich zu machen. Es
sind dies folgende:

1) Aus der Höhle von Lanang ist auf Taf. I, fig. 3-4 (z. 841)
der am meisten verdrückte Flachkopf, fig. 1-2 (z. 839) ein nur
massig veränderter Schädel abgebildet. Es sind dies Beispiele eines
ungewöhnlich grossköpfigen und wahrscheinlich starken Stammes, welcher,
obgleich brachycephal, doch nur mässig prognath ist und am weitesten
von den Negritos abweicht.

2) Aus der ersten Höhle von Nipa-Nipa stammen zwei Schädel Taf. I,
fig. 5 (z. 873) und fig. 6 (z. 874), beide stark brachycephal und
mehr prognath, beide, namentlich fig. 6 beträchtlich, von hinten
her abgeplattet.

3) Aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa zwei Schädel Taf. II, fig. 1-2
(z. 867) und fig. 3 (z. 870). Sie gehören jenem zarten und mehr
kleinköpfigen, brachycephalen und eminent prognathen Stamme an,
unter dem die Syphilis verbreitet war.

Ich stelle auch hier, wie früher, einige Zahlen zusammen, indem
ich zugleich die modernen, von Hrn. Schetelig mitgebrachten
Kirchhofsschädel berücksichtige:


        Lanang         Breitenindex.   Höhenindex.   Capacität.

        No. 839                93,0          78,6         1510
        No. 841                94,8          80,0         1470
        Nipa-Nipa B.
        No. 873                89,1          78,9         1360
        No. 874                96,2          83,6         1400
        Nipa-Nipa A.
        No. 867                78,4          74,5         1210
        No. 870                86,6          77,0         1351
        Tabaco
        No. III.               83,3          82,4         1320
        No. IV.                81,1          79,7         1505
        Tibi                   80,2          78,5         1595


Man ersieht leicht, dass die Brachycephalie durch die ganze Reihe
durchgeht und dass auch die Höhe verhältnissmässig überall beträchtlich
ist. Am meisten schwankt die Capacität, weniger jedoch in den einzelnen
Gruppen der Höhlenschädel, als unter den modernen. Eine endgültige
Entscheidung über die Stellung der verschiedenen Gruppen zu einander
dürfte daher noch immer verfrüht sein. Die Schwierigkeit, welche durch
die künstliche Deformation so vieler diese Schädel herbeigeführt wird,
ist zu gross, um für die einzelnen Gruppen sichere gesetzliche Normen
zu finden. Wie ich schon früher anführte, so zeigen die Indices für
die modernen Kirchhofs-Schädel, welche von Bicols stammen, am meisten
Uebereinstimmung mit den Höhlenschädeln von Nipa-Nipa A, welche jedoch
weit hinter ihnen zurückbleiben in Bezug auf die Capacität. Allein
die hier in Betracht kommenden Höhlenschädel sind auch am wenigsten
durch künstliche Verunstaltung betroffen und es liegt daher nahe, dass
jeder von ihnen den Typus deutlicher wiedergiebt, als die Schädel
der beiden anderen Höhlengruppen. Hoffentlich wird eine weitere
Durchforschung des nun reichlicher zuströmenden Materials bald eine
vollständigere Darlegung gestatten, und so eines der interessantesten
ethnographischen Gebiete klar legen.



ANMERKUNGEN


[1] Navarrete IV. 97. Obs.2a.

[2] Nach Albo's Schiffsjournal wurde er den Unterschied an den
Capverdischen Inseln gewahr, am 9. Juli 1522. »y este dia fue
miercoles, y este dia tienen ellos por jueves.«

[3] In einer Anmerkung zu Seite 18 der meisterhaften englischen
Uebersetzung Morga's finde ich die auffallende Angabe, dass
gleichzeitig eine ähnliche Berichtigung in Macao vorgenommen wurde,
wo die Portugiesen, die von Osten gekommen waren, den entgegengesetzten
Fehler von einem Tage hatten.

[4] Zu Ende des 16ten Jahrhunderts belief sich die Abgabe von den aus
China eingeführten Waaren auf 40,000 Doll., die Einfuhr also wenigstens
auf 1 1/3 Million. 1810 nach 250-jähriger ungestörter Herrschaft der
Spanier war letztere auf 1.150.000 Doll. gesunken. Seit dem steigt
sie allmälig und betrug 1861: 2.130.000 Doll.

[5] Navarrete IV. 54. Obs. 1a.

[6] Nach Gehler's Phys. Lex. VI, 450 wird das Log zuerst von Purchas
auf einer Reise nach Ostindien 1608 erwähnt. Pigafetta führt es nicht
an in seinem Trattato di Navigazione, aber S. 45 seiner Erzählung
heisst es: Secondo la misura che facevamo del viaggio colla cadena
a poppa, noi percorrevamo 60 a 70 leghe al giorno. Das wäre so viel
wie unsere schnellsten Dampfer, 10 Knoten.

[7] Die europäische Post geht über Singapore und Hongkong nach
Manila. Ersteres ist von beiden Orten etwa gleich entfernt. Man konnte
die Briefe also eben so schnell in den Philippinen haben als in China,
wenn man sie direkt aus Singapore holte. In diesem Falle würde aber
die Dampfverbindung mit Hongkong beibehalten werden müssen, doch ist
bis jetzt der Verkehr noch zu unentwickelt, um die doppelte Ausgabe
tragen zu können.

Nach dem Bericht des engl. Konsuls (Mai 1870) läuft gegenwärtig
ausser dem Regierungsschiff auch ein Privat-Dampfer zwischen Hongkong
und Manila. Die Zahl der Passagiere nach China betrug 1868: 441
Europäer. 3048 Chinesen, zusammen 3489. Nach Manila 330 Europäer,
4664 Chinesen, zusammen 4994. Der Fahrpreis ist 80 Doll. für Europäer,
20 Doll. für Chinesen.

[8] Zuñiga, Mavers I. 225.

[9] Zuñiga XVIII, M. Velarde f. 139.

[10] Capt. Salmon, Goch. S. 33.

[11] Die Oeffnung dieser Häfen hat sich so erspriesslich erwiesen, dass
darüber einige interessante Thatsachen in einem besonderen Kapitel
mitgetheilt werden sollen, -- grösstentheils nach mündlichen und
schriftlichen Bemerkungen des vor drei Jahren verstorbenen englischen
Vizekonsuls N. Loney und nach späteren Konsulatsberichten.

[12] 1868 liefen 112 fremde Schiffe von 74,054 Tonnen, 93 spanische
von 26,762 Tonnen in Manila ein; erstere kamen fast alle in Ballast,
und verliessen den Hafen mit Ladung; letztere kamen und gingen
beladen. (Ber. d. engl. Konsuls 1869.)

[13] 1868 14,013,108 Doll. Gesammtausfuhr, England 4,857,000 Doll.,
das ganze übrige Europa 102,477 Doll., wobei freilich der von der
Kolonie nach Spanien gesandte Tabakstribut (3,169,114 Doll.) nicht
mitgerechnet wird (Ber. engl. Kons. 1869).

[14] Lapérouse nennt Manila die vielleicht am glücklichsten gelegene
Stadt der Welt.

[15] Näheres über das Zollwesen s. im Anhange.

[16] Sapán oder Sibucao, Caesalpinia Sappan. Das Fernambuk- oder
Brasilholz, dem das Kaiserreich Brasilien seinen Namen verdankt,
kommt von C. echinata und C. brasiliensis. (Die älteste Karte
von Amerika bemerkt vom Lande des Brasil[holzes]: hier giebt es
weiter nichts brauchbares als Brasil.) Das Sapan der Philippinen ist
reicher an Farbstoff als die übrigen ostasiatischen, steht aber dem
von Brasilien nach. In neuer Zeit hat es seinen Ruf verloren, da es
aus Unverstand häufig zu früh geschnitten wird. Es geht vorzüglich
nach China, dient zum Rothfärben und -drucken. Das vorher mit Alaun
gebeizte Zeug wird dort zum Schluss in ein schwach alkoholhaltiges
Alkalibad getaucht. Das in den Kleidern der ärmeren Chinesen so
häufige Braunroth ist mit Sapan dargestellt.

[17] Ein interessantes Verzeichniss der zu jener Zeit von den Chinesen
eingeführten Waaren findet sich im Anhang.

[18] Schon damals gingen grosse Mengen kleiner Muscheln (Cypraea
moneta) nach Siam, wo sie noch heut als Münze dienen.

[19] Berghaus Geo-hydrogr. Memoir.

[20] Manila wurde erst 1571 gegründet, aber schon 1565 glückte
es Urdaneta, Legaspi's Steuermann, den Rückweg durch das Stille
Meer zu finden, indem er in höheren nördlichen Breiten N.W. Winde
aufsuchte. Genau genommen war übrigens Urdaneta nicht der Erste, dem
die Rückfahrt gelang; denn eines der fünf Schiffe Legaspi's, unter dem
Befehl Don Alonso de Arellano's, das einen Mulatten, Lope Martin, als
Steuermann an Bord hatte, trennte sich von der Flotte, nachdem diese
die Inseln erreicht, und kehrte nach Neu-Spanien auf einem nördlichen
Kurs zurück, um die für diese Entdeckung ausgesetzte Belohnung zu
verdienen, was durch das baldige Eintreffen Urdaneta's vereitelt wurde.

[21] Grav. No. 6.

[22] Vgl. Kottenkamp I. 1594.

[23] Gestützt auf Leyes de India 1a u. 6a, C. 4, L. 9.

[24] Zuerst wurde nur die Einfuhr durch Festsetzung eines Werthmaximums
beschränkt, die Manila-Kaufleute halfen sich durch Angabe viel zu
geringer Werthe; um diesem Missbrauch ein Ende zu machen, wurde ein
Maximum für Silberausfuhr festgesetzt. Nach Mas (Informe I, 3, 60)
betrug aber das geschmuggelte Silber sechs bis acht Mal soviel.

[25] Informe Hist. 2.

[26] Informe I. 4. 6.

[27] Lapérouse (358) erwähnt 1787 ein französisches Handelshaus
(Sebis), das seit mehreren Jahren in Manila etablirt war.

[28] Informe, Comercio 2.

[29] R. Cocks to Thos. Wilson (Calendar of State Papers (India)
No. 823) . . »the English will obtain a trade in China, so they bring
not in any padrese (as they term them) which the Chinese cannot abide
to hear of, because heretofore they came in such swarms and are always
begging without shame.«

[30] Noch 1857 werden ältere, gegen die Niederlassung von Ausländern
gerichtete strenge Erlasse durch ein Gesetz (L. ult. II 512)
erneut. Eine R. O. von 1844 (L. ult. II 465) verbietet, Fremde unter
irgend welchem Vorwande das Innere der Kolonie betreten zu lassen.

[31] Pinkerton XI, 85.

[32] II, 201.

[33] Von 5 × 2 1/2 × 1 1/2 = 18,75 span. Cub.-Fuss (St. Croix II, 360).

[34] Comercio exterior 47.

[35] Die Obras pias sind fromme Vermächtnisse, bei denen in der Regel
bestimmt war, dass zwei Drittel zu kaufmännischen Unternehmungen im
Seehandel gegen Zinsen ausgeliehen werden sollten, bis durch die
Prämien, die für das Risiko nach Acapulco 50 Prozent, nach China
25 Prozent, nach Indien 35 Prozent betrugen, das ursprüngliche
Kapital auf eine gewisse Summe angewachsen war, deren Zinsen dann,
für das Seelenheil des Stifters, zu frommen oder wohlthätigen Zwecken
verwendet wurden. (Arenas hist. 397.) Ein Drittel blieb gewöhnlich als
Reservefond zurück, zur Deckung etwaiger Verluste. (Diese Reservefonds
sind längst von der Regierung als Zwangsanleihen für sich in Anspruch
genommen, »werden aber noch als vorhanden angesehn.«)

Als der Acapulcohandel ein Ende nahm, konnten die Kapitalien nicht mehr
nach der Bestimmung der Stifter angelegt werden, und wurden anderweitig
auf Zinsen ausgeliehen. Durch R. O. 3. Novbr. 1854 (Leg. ult. II, 205)
wird eine Junta administradora eingesetzt, um die Gelder der Obras
pias zu verwalten. Das Gesammtkapital der fünf Stiftungen (eigentlich
nur vier, da eine derselben kein Kapital mehr besitzt) beträgt etwas
weniger als 1 Million Dollars. Der aus den Darlehen erzielte Gewinn
wird nach Höhe des Einlagekapitals vertheilt, welches aber nicht mehr
baar vorhanden ist, weil die Regierung darüber verfügt hat.

[36] Thevenot Religeux 12.

[37] 14-15° Morga 171.

[38] Nach Legentil 32-34°.

[39] De Guignes, Pinkerton XI, Anson X.

[40] Anson X.

[41] Edmund Randolph, Hist. of California.

[42] Zu Morga's Zeit 70 Tage bis zu den Ladronen, 10-12 Tage bis Cap
Espiritu Santo, 8 Tage bis Manila.

[43] Eine sehr gute Beschreibung der Naofahrten findet man in Anson
Kap. X. Dasselbe Werk enthält die Kopie einer an Bord der Cavadonga
erbeuteten Seekarte, auf welcher die Reise dieser Galeon von den
Philippinen nach Acapulco und zurück eingetragen ist.

[44] de Guignes.

[45] Dem Befehlshaber, der den Titel General hatte, war ein Kapitän
untergeordnet, dessen Gewinn auf jeder Reise 40,000 Doll. betrug. Für
den Steuermann belief sich der Nutzen auf 20,000 Doll. Der erste
Lieutenant (Maestre) hatte 9 Prozent vom Verkauf der Waaren und löste
daraus und aus seinem besonderen Handel über 350,000 Doll. (Arenas
hist. 394.)

[46] Die von Anson erbeutete Ladung betrug 1,313,000 Doll., abgesehen
von 35,682 Unzen Feinsilber und Cochenille. Die von Drake mitten
im Frieden zwischen England und Spanien geraubte 1 1/2 Millionen
Doll. Th. Candish (s. oben) verbrannte die reiche Ladung der Sa. Ana,
da er keinen Raum mehr für sie hatte.

[47] So fand z. B. 1786 die Nao S. Andrés, die für 2 Millionen
Doll. Fracht enthielt, keinen Markt in Acapulco; ebenso erging es
1787 der S. José, und 1789 abermals der S. Andrés. (Informe 1. 4. 33.)

[48] 1855: 586 Spanier aus Europa, 1378 Kreolen, 6323 Indier
und Mestizen, 332 Chinesen, 2 Hamburger, 1 Portugiese, 1
Afrikaner. (Com. centr. de Estadistica. Heft I.)

[49] Das Erdbeben von 1863 zerstörte die alte Brücke, sie wird jetzt
wieder hergestellt; die Pfeiler sind vollendet, das eiserne Gerüst
soll demnächst aus Europa eintreffen (April 1872).

[50] Vergl. Roscher's Kolonien.

[51] Folgende Maasse werden einen Schluss auf den Gehalt der Zeitungen
erlauben: ich wähle nicht das Boletin oficial, da es zu amtlichen
Ankündigungen bestimmt ist und diesen gegenüber sein sonstiger Inhalt
nicht in Betracht kommt. Die mir vorliegende Nummer des wöchentlich
6 mal erscheinenden Comercio (vom 29. Nov. 1858) hat 4 Seiten, deren
bedruckter Raum je 11×17, im Ganzen also 748 Quadratzoll beträgt. Sie
vertheilen sich wie folgt:

Titel, 27 1/2 Quadratzoll; Aufsatz über die Volksmenge in Spanien,
aus einem Buche abgedruckt, 102 1/2 Quadratzoll. -- Unter dem Titel:
Nachrichten aus Europa, ein Artikel, abgedruckt aus den Anales de la
Caridad, über die Zunahme der Barmherzigkeit und des katholischen
Unterrichts in Frankreich, 40 1/2 Quadratzoll; über die Kunst und
ihren Ursprung (allgemeine Redensarten), 1. Abschnitt, 70 Quadratzoll;
Auszug aus dem amtlichen Blatt, 20 1/2 Quadratzoll; alte Anekdote, 59
Quadratzoll. -- Religiöser Theil: dieser zerfällt in eine amtliche und
eine nichtamtliche Abtheilung, in der ersten werden die Heiligen des
Tages und die des folgenden, sowie die Kirchenfeste bekannt gemacht;
der zweite Theil enthält die Anzeige einer glänzenden Prozession und
den 1sten Abschnitt einer 3 Jahre früher, bei Gelegenheit desselben
Festes gehaltenen Predigt, »die so schön war, dass sie den Lesern
unverkürzt mitgetheilt werden soll«, 99 Quadratzoll. -- Stück eines
alten Romans in vielen Kapiteln, 154 und Anzeigen, 175, zusammen 748
Quadratzoll. In den letzten Jahren enthielten die Zeitungen zuweilen
gediegene Aufsätze, jedoch nur äusserst selten.

[52] Pigafetta 111.

[53] In den Ordenanzas de Buen Gobierno von Hurtado Corcuero,
Mitte des 17ten Jahrhunderts, werden Kampfhähne nicht erwähnt. 1779
wurden sie zuerst als Steuerquelle ausgebeutet; 1781 verpachtete
die Regierung das Recht, Eintrittsgelder zu den Galleras (von Gallo,
Hahn) zu erheben für 14,798 Doll. jährlich. 1863 ist der Ertrag der
Galleras mit 106,000 Doll. im Budget ausgeworfen.

[54] Es giebt eine besondere Verordnung von 100 §§. über die
Hahnenkämpfe (Madrid, 21. März 1861). § 1 bestimmt, dass die Kämpfe,
da sie eine Staatseinnahme bilden, nur auf öffentlichen Schauplätzen
stattfinden dürfen; § 6. sie sind an Sonn- und Festtagen zu gestatten;
§ 7. von Schluss der Hauptmesse bis Sonnenuntergang; § 12. mehr
als 50 Doll. dürfen nicht auf einmal gewettet werden. § 38. Jeder
Hahn darf nur ein Messer und zwar am linken Sporn tragen. § 52. Der
Kampf ist beendet, wenn beide Hähne oder einer derselben stirbt,
oder wenn einer von beiden aus Feigheit davonläuft. In Daily News
vom 30. Juni 1869 findet sich die Notiz, dass in Leeds, fünf Männer
jeder zu 2 Monaten Gefängniss verurtheilt wurden, weil sie sechs,
mit metallenen Sporen bewaffnete Kampfhähne gegen einander hatten
kämpfen lassen. Danach scheint in England das früher sehr beliebte
Schauspiel nicht mehr gestattet zu sein.

[55] Der Pflanzer de la Gironière hat den Rohstoff, Al. Dumas angeblich
die Ausschmückung dazu geliefert.

[56] Botanische Gärten scheinen unter Spaniern nicht zu
gedeihen. Chamisso (S. 71) klagt, dass zu seiner Zeit von dem vom
gelehrten Cuellar bei Cavite angelegten botanischen Garten keine
Spur mehr vorhanden war. Der Madrider Garten ist in einem traurigen
Zustande, die Glashäuser stehen meist leer. Auch der von einem reichen
Patrioten in Orotava (Teneriffa) mit grossen Kosten geschaffene, der
als Akklimatisations-Station wichtige Dienste leisten könnte, geht
schnell zu Grunde. Es soll alljährlich eine nicht unbeträchtliche Summe
dafür im Budget ausgeworfen werden, von der aber nur selten Spuren bis
Orotava gelangen. Bei meiner Anwesenheit 1867 hatte der Gärtner seit
22 Monaten keinen Gehalt bekommen, alle Arbeiter waren entlassen, sogar
der unumgänglich nöthige Zufluss des Wassers war eingestellt worden.

[57] Proben im Berl. ethnogr. Mus. No. 294. 295.

[58] Bertillon (Acclimatement & Acclimatation, Dict. encycl. des
sc. méd.) schreibt die Fähigkeit der Spanier, sich in heissen Ländern
zu akklimatisiren, vorzüglich ihrer starken Vermischung mit syrischem
und afrikanischem Blut zu: die alten Iberer scheinen aus Chaldaea über
Afrika gekommen zu sein, Phoenizier und Carthager hatten blühende
Kolonien in Spanien, in neuerer Zeit haben die Mauren Jahrhunderte
lang das Land besessen und grossen Glanz entfaltet, was der Kreuzung
förderlich sein musste. So hat sich zu drei Malen afrikanisches Blut
reichlich mit spanischem gemischt. Das heisse Klima der Halbinsel
mag wohl auch dazu beitragen, ihre Bewohner für das Leben in den
Tropenländern geschickt zu machen. Unvermischten Indo-Europäern ist
es nie gelungen, am Südrande des Mittelmeers sich fortzupflanzen,
noch weniger in heisseren Ländern.

In Martinique, wo 8-9000 Weisse von der Ausbeutung 125,000 Farbiger
in Fülle leben, nimmt die Bevölkerung trotzdem nicht zu, sondern
ab. Die französischen Kreolen haben die Eigenschaft verloren,
sich im Verhältniss der vorhandenen Lebensmittel zu erhalten und
zu vermehren. Familien, die nicht von Zeit zu Zeit durch Zuführung
neuen europäischen Blutes gestärkt werden, erlöschen in drei bis
vier Generationen. Ebenso geht es in den englischen Antillen, nicht
aber in den spanischen, obwohl Klima und natürliche Verhältnisse
dieselben sind. Nach Ramon de la Sagra ist die Zahl der Todesfälle
unter den Kreolen geringer, die der Geburten grösser als in Spanien;
die Sterblichkeit bei der Garnison aber sehr bedeutend. Danach
scheint bei der spanischen Rasse eine ächte Akklimatisation durch
Auswahl stattzufinden: die ungeeigneten Individuen sterben, die
andern gedeihen.

[59] Ueber die in Amerika zu demselben Zweck angewendeten Mittel
bemerkt Depons S. 171: »Man ist von jeher davon überzeugt gewesen,
dass man der christlichen Religion auf keine andre Weise bei den
Indianern Eingang verschaffen könnte, als wenn man ihre eigenen
Neigungen und Gewohnheiten mit dem Christenthum vermischte; dies ist
so weit gegangen, dass sogar in früheren Zeiten die Theologen die
Frage aufgeworfen haben, ob es wohl erlaubt wäre, Menschenfleisch zu
essen? Das allersonderbarste aber hierbei ist, dass die Frage wirklich
zu Gunsten der Anthropophagen entschieden worden ist.«

[60] Thatsächlich ist urbares Land freilich immer in festen Händen
und an manchen Orten hoch im Preise. Bei Manila und in Bulacán ist
der Morgen schon vor Jahren über 150 Thaler bezahlt worden.

[61] Journ. Ind. Arch. IV. 307.

[62] Im Buitenzorger Garten, Java, sah Verfasser einige in Süsswasser
gezogene Exemplare.

[63] Boyle (Adventures among the Dayaks, S. 67) fand sogar pneumatische
Feuerzeuge aus Bambus bei den Dayaks in Gebrauch, Bastian traf
solche in Birma. Auch sah Boyle einen Dayak etwas Zunder auf einen
Porzellanscherben legen, ihn mit dem Daumen fest halten und einen
scharfen Schlag damit gegen ein Bambusrohr führen: der Zunder fing
Feuer. Dieselbe Art Feuer zu schlagen beobachtete Wallace in Ternate.

[64] Eine Berechnung des Flächeninhalts der einzelnen Inseln befindet
sich im Anhange.

[65] Eine Uebersichtstabelle der Witterungsverhältnisse, und eine
zweite, enthaltend die aus fünfjährigen Beobachtungen (1865-69)
gewonnenen Mittel, befinden sich im Anhange.

[66] Reiseskizzen S. 143.

[67] Nach Tylor (Anahuac 227) petlatl (mexikan.) eine Matte, in den
Philippinen: petate; petla-calli mexikanisch. Mattenhaus, davon petaca,
geflochtene Zigarrentasche.

[68] Voyage en Chine II, 33.

[69] Informe II, 37.

[70] Nach dem Berichte eines Ingeniörs sind die Barren dadurch
entstanden, dass der Rio S. Mateo, der bald nach dem Ausfluss des
Pasig aus der Laguna rechtwinklig auf diesen stösst, ihm in der
Regenzeit eine grosse Menge Schlamm zuführt, welcher durch die dann
herrschenden SW. Winde aufgestaut wird. Es würde daher wenig nützen
die Barre fortzuräumen, ohne zugleich durch Ablenkung der S. Mateo
in den See, die Ursache ihrer Entstehung zu beseitigen.

[71] .. »ils se baignent aussi dans leurs maladies et ont des sources
d'eau chaude pour cet effet, particulièrement au bord de l'Estang du
Roy (Laguna del Rey statt de Bay offenbar in Folge eines Lesefehlers)
qui est dans l'île de Manille.« Thévenot, Religieux.

[72] »Vom Maquiling bis zu der Stelle Bacon genannt, die im Osten
von Los Baños liegt, kann man kaum 30 Schritte gehn, ohne auf sehr
verschiedenartige Wasserbäche zu stossen: sehr heisse, lauwarme,
natürliche und sehr kalte. In einer in unserm Archiv aufbewahrten
Beschreibung dieser Ortschaft, vom Jahre 1739 heisst es: dass SSO. 1/4
S. vom Dorf ein Hügel Natognos liegt, auf dessen Platte eine Stelle
von 400 quadr. Fuss in fortwährender Bewegung ist wegen des heftig
ausströmenden Dampfes. Der von den Dämpfen durchdrungene Körper ist
eine ausserordentlich weisse Erde, die zuweilen 1 bis 1 1/2 Ellen
hoch geschleudert wird, und wenn sie die Kälte fühlt, in kleinen
Stücken herabfällt.« (Estado geogr. 1865).

[73] Laurineen, Scitamineen, Fächerpalmen, Dombeyaceen, Araliaceen.

[74] Pigafetta sagt (S. 55), dass man, um den Kokoswein zu gewinnen,
den Wipfel der Palme bis auf das Mark (den Trieb), durchbohrte und den
aus der Wunde quellenden Saft auffing. Nach Regnaud (Hist. nat. du
cocotier p. 120) befolgen die Neger von St. Thomas noch heut ein
ähnliches Verfahren, das dem Baum sehr schädlich ist und ein weniger
gutes Produkt liefern soll.

Hernandez, I, 344, beschreibt ein eigenthümliches Verfahren, um aus
der Sacsac-Palme, deren kurze Charakteristik so ziemlich auf Arenga
saccharifera zu passen scheint, Wein, Honig und Sago zu gewinnen. Sie
wird dicht an der Blattkrone gekappt, der Stamm, jedoch nur so weit
er zart ist, ausgehöhlt, in der Vertiefung sammelt sich der süsse
Saft. Ist aller Saft abgezapft, so lässt man den Baum vertrocknen,
zerschneidet ihn dann in dünne Stücke, die an der Sonne gedörrt zu
Mehl zerrieben werden.

[75] Schon Pigafetta erzählt, dass die Eingeborenen aus den Kokospalmen
Oel, Essig, Wein und Milch bereiteten und viel Kokoswein tranken,
die Könige berauschten sich mehreremale bei den Gelagen.

[76] In der Londoner Illustrirten Zeitung von Ende 1857 oder Anfang
1858 befindet sich eine drastische Darstellung des Reisens auf dieser
Strasse von einem talentvollen Künstler unter dem Titel: a macadamized
road in Manilla.

[77] Vergl. Reiseskizzen.

[78] Erd und Pickering. (U. S. Expl. Exp. V 314,) fanden die Höhe =
6500' engl. also 7143' span., bei ihren unvollkommenen Hülfsmitteln
kein unbefriedigendes Resultat.

Im Estado geogr. Manila 1865 S. 150 wird ohne Quellenangabe die Höhe =
7030' 7'' gesetzt. An derselben Stelle heisst es: »der grosse Vulkan
ist seit 1730 erloschen, in welchem Jahre sein letzter Ausbruch
stattfand; er barst an der Südseite, stiess Ströme von Wasser und
brennender Lava aus und Steine von ungeheurer Grösse, deren Spuren
bis zum Dorf Sariaya zu verfolgen sind. Der Krater mag gegen eine
Legua im Umfang haben, ist im Norden höher, hat im Innern die Form
einer Eischale; diese Vertiefung scheint die Hälfte der Berghöhe
zu betragen.«

[79] Von Ponte, Verdeck, zweimastige Schiffe mit Mattensegeln von
etwa 100 Tonnen.

[80] Estado geogr. S. 314.

[81] Amtlich Cagsáua genannt, denn das alte, höher am Berge belegene
durch den Ausbruch von 1814 zerstörte Cagsáua wurde an dieser Stelle
wieder aufgebaut, wo früher ein unbedeutendes Oertchen, Darága stand.

[82] Wie mir Herr Paton brieflich mittheilt, hatte man ihnen in Albay
das Unternehmen als unausführbar dargestellt. Weder einem Spanier
noch einem Indier sei es jemals gelungen den Gipfel zu erreichen,
sie würden trotz aller Vorsichtsmaassregeln vom Sande verschüttet
werden. Von einem grossen Reiterzuge begleitet, brachen sie um 5 Uhr
auf und gelangten bis an den Fuss des Schlackenkegels, von wo sie
in Begleitung zweier Landsleute, die aber unterwegs zurückblieben,
den Berg zu erklimmen begannen. Auf halber Höhe rastend, sahen sie
in häufigen Gipfelausbrüchen ausgestossene glühende Lava den Berg
hinabgleiten. Mit grosser Anstrengung erreichten sie zwischen 2 und
3 Uhr den Gipfel, konnten aber wegen der schwefligen Gase nur 2 oder
3 Minuten verweilen. Beim Hinabsteigen erfrischten sie sich durch
Nahrungsmittel, die ihnen Herr Muñoz entgegen gesandt, und gelangten
Abends nach Albay, wo sie während der paar Tage ihres Aufenthalts
als Helden gefeiert wurden, und über ihre »Conquista« ein amtliches
Beglaubigungsschreiben erhielten, für welches sie mehrere Dollar zu
erlegen hatten.

[83] Francisco Aragoneses Suceso espantoso y memorable acaecido en
la provincia de Camarines el dia 1de Febrero 1814.

[84] Blanco Flora 420.

[85] [Der Cacaoverbrauch in Europa beträgt jährlich 36 bis 40 Millionen
Pfd. (Humboldt schätzte ihn 1818 auf 23 Millionen Pfund--H. und Bonpl
Reise III., 206), wovon 1/3 für Frankreich, dessen Bedarf sich von 1853
(6,215,000 Pfd.) bis 1866 (12,973,534 Pfd., Werth 2,681,000 Thaler)
mehr als verdoppelt hat. Venezuela liefert den feinsten Cacao für den
europäischen Markt: Porto Cabello und Carácas; am besten und theuersten
ist der Carácas in 4 Sorten: 1° Chuao, 2° Ghoroni, 3° O'Cumar, 4°
Rio chico; sie werden auf vorzüglich gepflegten Pflanzungen von lange
dort angesiedelten Basken gewonnen.

England verbraucht den in seinen eigenen Kolonien erzeugten Cacao,
obgleich der Zoll (1 d. per Pfund) für alle gleich ist; Spanien,
das bedeutend konsumirt, bezieht seinen Bedarf besonders aus Cuba,
Portorico, auch Ecuadór, Mexico, Trinidad. Sehr beträchtliche neue
Pflanzungen sind neuerdings in Nicaragua von Franzosen angelegt
worden: 250,000 Bäume von denen 60,000 1867 schon trugen. (Rapp. du
Jury XI, 268.)

Mehr noch als die feinsten Venezuéla-Sorten sind die Bohnen von
Soconusco (Zentr.-Amer.) und Esmeraldas (Ecuadór) geschätzt; sie werden
aber im Lande selbst verbraucht, kommen kaum in den Handel. Deutschland
begnügt sich mit geringeren Sorten; Guayaquíl, der im Mittel etwa halb
soviel als Carácas kostet, wird bei uns am meisten, mehr als von allen
übrigen Sorten zusammen, eingeführt. (Vergl. A. Mitscherlich S. 39-46,
wo reiches Material über den Cacaohandel in übersichtlicher Kürze
zusammengestellt ist.)

[86] [Nach C. Scherzer, Central-Amerika p. 554 giebt der Baum 20 Jahre
lang je 30 bis 40 Loth Ertrag; 1000 Pflanzen 1250 Pfund Cacao = 250
Doll. (zu 20 Doll. der Zentner) also 1 Baum 1/4 Doll. -- Mitscherlich
nimmt 4 bis 6 Pfd. frische Bohnen als den mittleren Ertrag an. Ein
Liter Cacaobohnen wiegt lufttrocken 630 Gr., geröstet und geschält
610 Gr. (Jordan und Timäus).

[87] 1727 zerstörte ein Orkan die durch langjährige Bemühungen
geschaffenen bedeutenden Cacaopflanzungen von Martinique mit einem
Schlage; dasselbe geschah auf Trinidad. Mitscherlich S. 14.

[88] F. Engel (Unsere Zeit 1. Dez. 67) nennt auch eine Krankheit
(Mancha), welche in Amerika an der Wurzelbasis mit Zerstörung der
Cambiumschicht beginnend, den Baum schnell tödtet und sich so rasch
verbreitet, dass ganze Cacaowälder niedergehauen und in Weideplätze
für das Vieh verwandelt wurden, um ihr Einhalt zu thun. Selbst
in den begünstigsten Gebieten wurden nach langem ruhigen Besitz
in einer einzigen Nacht kurz vor der Ernte, tausende von Bäumen
durch diese Krankheit getödtet. Ein fast ebenso gefährlicher, den
Anbau einschränkender Feind ist eine Motte, deren Larve die fertigen
Cacaobohnen gänzlich zerstört; man kennt nur ein Mittel sie zu tödten,
Kälte und Luftzug. Schon Humboldt führt an, dass Cacaobohnen, die
über den kalten Kamm der Cordilleren geführt wurden, auf immer von
dieser Plage frei blieben.

[89] G. Bernoulli (Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten
von Theobroma. Zürich 1869) führt im Ganzen 18 Arten an; für die
Philippinen nur eine: Theobroma Cacao, Lin., nach Blüthen und Früchten
aus meinem Garten in Darága bestimmt.

[90] Pili, ein Canarium, dessen Species wohl noch nicht genügend
feststeht, ist in Süd-Luzon, Samar und Leyte sehr verbreitet, es fehlt
dort wohl in keinem Dorfe. (Die vom Verfasser eingesandten Blüthen
sind im Berliner Herbar bei dessen vielen Wanderungen von einem Ort
zum andern aus massig geräumigen in immer engere Lokalitäten verlegt
worden.)

Die Frucht von der Grösse einer Pflaume, aber spitzer, enthält eine
harte Mandel, deren Kern roh, in Syrup eingemacht, oder kandirt
genossen wird, wie Pinienkerne, denen sie im Geschmack sehr ähnlich
ist. Die von Pigafetta (S. 55) auf Jomonjol angetroffenen grossen
Bäume mit Früchten »etwas kleiner als Mandeln, Pinienkernen ähnlich«,
sind wohl Pili gewesen. Aus den Kernen wird ein Oel gepresst, dem aus
süssen Mandeln vergleichbar. Aus Einschnitten des Stammes erhält man
reichlich ein weiches, angenehm riechendes, weisses Harz, das unter dem
Namen Piliharz, oder Brea blanca, im Lande zum Kalfatern der Schiffe,
mit Reishülsen durchknetet zu Fackeln verwendet wird. Auch als Pflaster
steht es bei Rheumatischen in gutem Ruf. Seit etwa zwanzig Jahren
kommt es nach Europa. Die ersten Sendungen brachten grossen Gewinn,
da das in seiner Heimath sehr billige Produkt bei uns als ein neues
beliebtes Elemiharz Stellung nahm.

[91] Der allgemeine Name war aber Cacahoa-atl (Cacao-Wasser), Chocolatl
bezeichnete eine besondere Sorte. F. Hernandez (opera omnia II, 155,
vergl. auch E. Nierembergius Cap. XV.) kannte bei den Azteken vier
Cacaoarten, (eine fünfte Pflanze, die er nennt, lieferte wohl nur ein
Surrogat) und beschreibt vier Sorten daraus bereiteter Tränke, deren
dritte Chocolatl hies, und angeblich auf folgende Weise bereitet wurde:
Gleiche Maasstheile von Fruchtkernen des Baumes Pochotl (Bombax ceiba)
und cacahoatl (Cacao) wurden fein gerieben, in einem irdenen Gefäss
erhitzt, das oben sich ansammelnde Fett abgesondert. Zum Rückstand
setzte man gequollenen zermalmten Mais, und bereitete daraus einen
Trank, der warm genossen wurde, nachdem das vorher abgesonderte Fett
wieder beigemischt worden.

[92] M. Wagner, Centr. Amer. 146.

[93] Rappt. du Jury XI.

[94] Näheres bei Mitscherlich und F. Engel.

[95] Berthold Seemann (Nicaragua pg. Ausland 16.7.67) berichtet von
einem Baum mit fingerförmigen Blättern und kleinen runden Kernen,
die zuweilen von Indianern zum Verkauf angeboten werden. Man macht
Chocolade daraus, die an Wohlgeschmack die gewöhnliche aus Cacao
bereitete übertrifft. Der Baum wird gewiss mit der Zeit von Europäern
in grosser Menge angepflanzt werden.

[96] Remarks on the Philippine Islands, Calcutta 1828.

[97] Reiseskizzen S. 157.

[98] Bericht des franz. Konsuls v. 1866.

[99] Mysore und Mokka erzielen die höchsten Preise: ersterer 80 bis
90 Sch., Mocca, wenn 5 bis 6 Jahr alt, bis 120 Schilling.

[100] Kaffeeeinfuhr in S. Francisco 1865, 66, 67 = 3 1/2, 8, 10
Million Pfd., davon 2, 4, 5 Million Pfd. Manila-Kaffee. 1868 soll
England die grösste Menge Kaffee eingeführt haben.

[101] Rappt. Cons. Belge.

[102] Kaffee ist ein so vorzüglichstes Getränk und wird so selten gut
bereitet, dass folgende von Sachverständigen gegebene Winke [Rappt. du
Jury] gewiss nicht unwillkommen sein werden: 1) Wahl guter Sorten,
2) Mischung derselben im besten, durch Erfahrung festgestellten
Verhältniss, 3) Vollständiges Austrocknen der Bohnen, da sonst der
während des Brennens aus ihnen entwickelte Wasserdampf einen Theil des
Aromas mit fortreisst, 4) Brennen in heisser Luft, wobei der Hitzegrad
genau bemessen werden kann. Jede Sorte muss für sich gebrannt werden,
5) schnelles Abkühlen der Bohnen. Wer seinen Kaffee aus einer allen
diesen Bedingungen entsprechenden Quelle beziehn kann, thut wohl am
besten, die gebrannten Bohnen in Tagesrationen zu kaufen. Mit Ausnahme
der 4ten sind aber die obigen Vorschriften in jeder Haushaltung zu
erfüllen, und die kleinen in Berlin käuflichen Brennapparate, die
ohne Unbequemlichkeit, sehr geringe Mengen über der Spiritusflamme zu
rösten und dabei zu überwachen gestatten, bieten einigen Ersatz. Der
Vorschrift 3. genügt man am besten, wenn man den Kaffee vor dem
Gebrauch mehrere Jahre lang an einem trocknen Orte aufbewahrt.

[103] Lygodium circinatum (?) Swartz, nicht ein kletternder, sondern
ein wirklich rankender Farn, wohl die einzige Gattung in der Familie.

[104] Anahuac p. 24.

[105] Siehe Anhang Bürgerliche Einrichtungen.

[106] Nach amtlichen, in der Alkaldie erhaltenen Nachrichten 21
Menschen in den beiden letzten Wochen.

[107] Histor. de las islas. Cap. XI.

[108] St. Croix (II, 157) erzählt, dass sich zu seiner Zeit die Curas
von jungen Mädchen bedienen liessen. Ein Franziskaner am See von Bay
hatte deren zwanzig zu seiner Verfügung, von denen ihm immer zwei
zur Seite waren.

[109] »Die Mönche sind Herren in den Provinzen . . . regieren dort
als Herrscher . . . sind so unumschränkt, dass kein Spanier sich dort
niederzulassen wagt. . . Die Mönche würden ihm zu viele Schwierigkeiten
bereiten. Legentil 1, 183.

[110] Leg. ult. I, 266 §§. 87, 89.

[111] Namentlich durch No. 26 Tit. 6, 54 Tit. 16, Bch. II. und 5
Tit. 2 Recop.

[112] R. C. 17. Juli 1754.

[113] St. Croix II, 124.

[114] St. Croix II, 336.

[115] Die Alkaldien zerfallen in 3 Rangstufen: entrada, ascenso,
termino. (R. O. 31 März 1837 Tit. I, 1.) In jeder dient der Alkalde
3 Jahre. (Tit. II, Art. 11, 12, 13) Niemand darf unter irgend einem
Vorwand in der Magistratur der Provinzen von Asien länger als 10
Jahre dienen. (Art. 16.)

[116] Chine I, 360.

[117] Das Gesetz rührt aus der frühesten Zeit der Kolonisation
Amerika's her, daneben bestanden noch eine Anzahl argwöhnischer
Vorkehrungen, um zu verhindern, dass die höheren Beamten in ein
freundschaftliches Verhältniss zu den Kolonisten träten. Weder sie
noch ihre Söhne durften in der Kolonie heirathen, liegende Gründe
erwerben etc. vergl. Kottenkamp I, 509.

[118] Ein Weltgeistlicher in den Philippinen erzählte mir ganz
unbefangen, was ihn zur Wahl seines Berufes veranlasst habe. Als
Unteroffizier spielte er einst Karten auf einem schattigen Balkon:
»Seht, rief einer seiner Kameraden, wie die Esel dort schwitzen,
damit wir hier faulenzen können,« indem er auf die Bauern wies, die
in voller Sonnengluth den Acker bestellten. Der glückliche Gedanke die
Esel für sich arbeiten zu lassen, machte einen so tiefen Eindruck auf
ihn, dass er sofort beschloss, Geistlicher zu werden, wobei ihm sein
ehemaliger Besuch einer lateinischen Schule zu Statten kam. Derselbe
Gedanke hat wohl auch manchen mittellosen Caballero zur Wahl des
Beamtenstandes geführt. Die geringe Achtung der bürgerlichen Arbeit
in Spanien und Portugal, die Aussicht auf Nebenverdienste namentlich
in den Kolonien tragen das Ihrige dazu bei.

[119] Ausbeutung des Staates durch die Parteien, Ausbeutung der
Parteien durch die Personen . . . das eigentliche Geheimniss aller
Revolutionen, ein über alle Maassen widerwärtiger Aemterkrieg . . . Man
mag nicht arbeiten und will doch glänzend leben. Man kann es nur auf
Kosten des Staats, den man gewissenlos ausbeutet. . . Es gab Orte wo
(nach Vertreibung Isabela's) das Amt eines Alkalden dreimal an einem
Tage gewechselt wurde. . . (Preuss. Jahrb. Januar 1869.)

[120] Nach Grunow, der sie bestimmt hat, Cladophora anisogona
Kützing. = Conferva anisogona Montagne.

[121] Giebel und Siewert Ztschrft. f.d. ges. Naturw. 1870 Bd. 1,
377 enthält einen interessanten Aufsatz von Rob. Pott über Javanische
Fleisch-, Fisch- und Krebsextrakte.

[122] Dr. Semper, der sie nach eigner Anschauung schildert (Skizzen
57), scheint bei den Ygorroten eine solche Mischung nicht anzunehmen.

[123] S. Semper 52.

[124] Genau eben so fand Pigafetta die Musikmädchen des Königs
von Cebu ganz nackt oder mit einem Schurz aus Baumrinde bekleidet
(S. 82). Die Hofdamen trugen ausser Hut und kurzem Schleier nur ein
kleines Schamband. (S. 89.)

[125] Aus denselben Gründen haben vielleicht die Chinesen bei ihrem
ersten Verkehr mit den Portugiesen den später wieder aufgegebenen
Gebrauch der Kreuze angenommen. Pigafetta (187) bemerkt: Die Chinesen
sind weiss und tragen Kleider, sie essen von Tischen, wie wir. Sie
haben Kreuze, man weiss aber nicht wozu.

[126] »Die Kirchenprälaten sollen ihren Untergebenen ausdrücklich
vorschreiben, den Indiern häufig zu predigen, und sie zu überreden
... dass es Pflicht der Gerechtigkeit und des Gewissens sei, ihren
Tribut zu zahlen, und dass sie eine Fülle von Ablass gewinnen,
indem sie die heilige Kreuz-Bulle kaufen, ... wegen der geringen
Aufklärung und Wissenschaft besagter Indier über diese beiden, für
ihre Erlösung eben so wichtigen, als dem Sinne unseres katholischen
Monarchen entsprechenden Punkte.« Leg. ult. I, 266 §. 90.

[127] Der Ursprung dieser Bullen liegt in den von den Päpsten
des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts zu Gunsten derjenigen
Personen erlassenen geistlichen Gnaden, die sich persönlich oder
durch Spenden an den Kreuzzügen betheiligten. Julius II. überliess
die Einnahmen daraus auf drei Jahre den spanischen Königen, spätere
Päpste verlängerten den Termin; 1750 erhielt Ferdinand VI. für sich und
seine Nachfolger das Recht die Erträge der Kreuzbulle selbstständig zu
erheben und zu verausgaben. Die Kreuzbulle besteht in einer Bulle für
Lebende (de vivos), deren Besitzer durch jeden Priester sogar wegen
verheimlichter Verbrechen frei gesprochen werden können; einer Bulle
für Todte (de difuntos) zur schnelleren Erlösung aus dem Fegefeuer;
einer Bulle den Genuss von Milch, Eiern und Fleisch an Fasttagen
gestattend (de lacticinios), Abfindungsbullen (de composicion), wodurch
u. a. Diebe, Betrüger, Erbschleicher, Alle, die fremdes Gut nehmen oder
behalten, wenn ihnen der eigentliche Besitzer unbekannt ist, Buhler,
solche die um Geld falsches Urtheil sprechen, Frauen, die für Geld
Ehebruch treiben, falsche Zeugen u.s.w. vollkommenen Ablass erhalten,
und das schlecht erlangte Gut in gutem Glauben und mit ruhigem Gewissen
als rechtmässig erworbenes Eigenthum behalten dürfen. Doch dürfen
jene Verbrechen nicht begangen sein mit der Absicht, sich durch den
Kauf der Bulle von der Schuld frei zu machen; denn in solchem Falle
müsste der Kasse der heiligen Kreuzbulle das Ganze herausgegeben
werden. Nach dem ersten amplifizirten spanischen Text des päpstlichen
Kommissars genügte ein Ablasschein von 2 r. für Veruntreuungen bis
zur Höhe von 2000 Maravedis. Für solche von über 100,000 Maravedis
war mit dem Kommissar zu akkordiren. (R. P. And. Mendo Bullae Sanctae
Crucis Elucidatio.). Seit 1801 gilt in den Philippinen ein bedeutend
höherer Tarif.

[128] En 1628, d'après des rapports dignes de foi, la terre trembla
14 fois le même jour dans les Camarínes; beaucoup d'édifices furent
renversés, une grande montagne se fendit et il en sortit une telle
quantité d'eau, que dans les campagnes inondées les arbres furent
arrachés et qu'à une lieue de la mer la plaine était toute couverte
d'eau.

[129] Apud Camarines quoque terram eodem die quatuor decies
contremuisse, fide dignis testimoniis renuntiatum est: multa interim
aedificia diruta. Ingentem montem medium crepuisse immani hiatu,
ex immensa vi excussisse arbores per oras pelagi, ita ut leucam
occuparent aequoris, nec humor per illud intervallum appareret. Accidit
hoc anno 1638. S. Eusebius Nierembergius, Historia Naturae lib. XVI,
383. Antwerpiae 1635 Fol. (1638 ist bei Perrey, nicht aber im Original
verdruckt für 1628).

[130] Siehe Anhang: Succeso raro.

[131] Siehe weiter unten bei Abacá.

[132] Im Fort William, Calcutta, angestellte Versuche haben
die ausserordentliche Festigkeit der Ananasfaser dargethan. Ein
Kabel von 8 Cm. Umfang zerriss erst bei einem Gewicht von 2850
Kilogr. (Rappt. Exp. Lond. II. 62.)

[133] Sapa heisst flach.

[134] Hooker (Himalayan Journ. I, 167) schreibt der ausserordentlichen
Häufigkeit dieser Annulaten in Sikkim den Tod vieler Thiere zu,
auch das für Rinderpest geltende Viehsterben, wenn es nach einer
sehr nassen Jahreszeit eintritt, in deren Folge die Blutegel in
unglaublichen Mengen erscheinen . . . Es ist eine bekannte Thatsache,
dass diese Würmer Tage lang in den Nasenlöchern, im Schlund und Magen
von Menschen gelebt, unsägliche Schmerzen und den Tod veranlasst haben.

[135] Gemelli Careri erwähnt sie schon.

[136] In ausserordentlicher Schönheit und Ausdehnung fand ich diese
Aggregationsform bei den grossen Kieselablagerungen von Steamboat
Springs, Nevada Territory.

[137] Arenas (Memorias 5. 9) glaubt, dass vielleicht die alten
Jahrbücher der Chinesen, da dieses Volk schon früh mit dem Archipel
verkehrte, Aufschluss über die Herkunft seiner heutigen Bewohner
enthalten. »Ist dies aber nicht der Fall, so dürfen wir nicht danach
forschen, denn Gott will uns den Ursprung dieser Indier verbergen,
und seine Beschlüsse müssen wir achten«.

[138] Wahrscheinlich Anodonta purpurea Val. nach v. Martens.

[139] Das Mittel der Durchschnittsernten in den zwölf preussischen
Provinzen ist 9,211 Scheffel Getreide per Morgen. (Nassau und
Hohenzollern nur 7,98 und 7,19).

[140] 650 Pfund per Bünder. -- De Rijst, Maatsch. tot nut S. 13.

[141] Scherzer, Fachmännische Berichte A. 91.

[142] Mehr als hundert Jahre später berichtet Pater Taillandier:
»die Spanier haben aus Amerika Kühe, Pferde und Schafe kommen lassen,
aber diese Thiere können dort nicht leben, wegen der Feuchtigkeit und
der Ueberschwemmungen.« Letzteres soll sich wohl nur auf die Schafe
beziehen. -- (Taillandier au père Willard, Lettres édifiantes.)

[143] Gegenwärtig sollen die chinesischen Pferde plump, grossköpfig,
buschig, behaart, die japanischen zierlich, ausdauernd, den arabischen
ähnlich sein. Gute Manilapferde entsprechen letzterem Typus und werden
in den chinesischen Hafenplätzen von den Europäern sehr geschätzt.

[144] Vergl. Hernandez Opera omnia; Torquemada, Monarchia Indica.

[145] Buyo nennt man in den Philippinen die mundgerechte Zurichtung
des Betels. Ein Blatt Betelpfeffer (Chavica betel) von der Form und
Grösse eines Bohnenblattes, wird mit einem erbsengrossen Stückchen
gebrannten Kalkes bestrichen, und von beiden Rändern nach der
Mittellinie hin zusammengerollt; dann wird das eine Ende der Rolle
in das andere gesteckt, so dass ein Ring entsteht; in diesen wird
ein flaches Stück Arecanuss von entsprechender Grösse eingepasst.

[146] Im Lande glaubt man, dass Fleisch von Schweinen, die sich auf
die S. 124 angegebene Weise nähren, oft diese Krankheit hervorrufe;
ein befreundeter Physiologe vermuthet die Ursache eher in reichlichem
Genuss sehr fetten Schweinefleisches -- Indier essen aber gewöhnlich
nicht viel Fleisch und die Schweine sind selten sehr fett.

[147]  Vergl. A. Erman Reise um die Erde durch
Nordasien. Abth. I. Bd. 3, S. 191.

[148] Nach Semper S. 69 in Zamboanga und Basilan.

[149] Die Scheu den Schlafenden zu wecken beruht wohl auf dem sehr
verbreiteten Aberglauben, dass im Traume die Seele den Körper verlasse
(zahlreiche Beisp. davon in Bastian's Werken). Bei den Tinguianes
(Nord-Luzon) lautet der ärgste aller Flüche: mögest Du schlafend
sterben (Informe I, 14).

[150] Lewin, (Chittagong Hill tracts 1869. S. 46,) erzählt von den
dortigen Bergvölkern: »Ihre Art zu küssen ist sonderbar: statt Lippe
an Lippe zu pressen, legen sie Mund und Nase auf die Wange, und ziehn
den Athem stark ein. In ihrer Sprache heisst es nicht: Gieb mir einen
Kuss, sondern: rieche mich.«

[151] Vielleicht Topfstein, der in China zur Anfertigung billigen
Schmucks dient; gypsartig bezieht sich wohl nur auf den Härtegrad.

[152] In der Christy'schen Sammlung in London sah ich an einer
Vorrichtung aus den Schifferinseln einen derartigen Stein geschickt
verwendet, um Vorräthe gegen Ratten und Mäuse zu schützen: man zieht
eine Schnur durch den Stein, befestigt das eine Ende derselben an der
Decke der Wohnung, hängt am andern die aufzubewahrenden Gegenstände
auf. Ein Knoten in der Mitte der Schnur verhindert ihn weiter
hinabzugleiten, jede Berührung bringt ihn aus dem Gleichgewicht, es
ist den Ratten nicht möglich über ihn fort zu klettern. Eine ähnliche
auf den Viti-Inseln gebräuchliche Vorrichtung, aber von Holz, ist im
Atlas zu Dumont d'Urville Voy. au Pole sud I. 95 abgebildet.

[153] Carletti Viaggi 2. 11.

[154] Life in the Forests of the Far East 1. 300.

[155] Nach Pater Camel (Philos. transact. London vol. XXVI. pg. 246):
hantu schwarze Ameise von der Grösse einer Wespe, amtig kleinere
schwarze, hantic rothe Ameise.

[156] Nach Dr. Gerstäcker wahrscheinlich Phrynus Grayi Walck
Gerv., lebendig gebärend. S. Sitzungsb. Ges. Naturf. Freunde
Berl. 18. März 1862 und Abbildung und Beschreibung in G. H. Bronn
Ord. Class. Bd. V. 184.

[157] Calapnit, tagal. und bicol: die Fledermaus, Calapnitan also wohl:
Herr der Fledermäuse.

[158] Von mehreren in der Berliner Bergakademie untersuchten Proben
Goldsand enthielt nur eine 0,014 Gold, auch in einer Probe des auf
dem Schlammbrett zurückgebliebenen schweren Sandes fand sich kein Gold.

[159] Der Gogo ist eine in den Philippinen sehr häufige kletternde
Mimose (Entada purseta) mit grossen Schoten; der zerklopfte Stamm wird
wie die chilenische Seifenrinde (Quillaja saponaria) beim Waschen
verwendet und für manche Zwecke, z. B. beim Baden und Waschen des
Haupthaares der Seife vorgezogen.

[160] Ein auf diese Weise gewonnenes Goldkügelchen bestand nach einer
in der Berliner Bergakademie angestellten Analyse aus:

                    Gold          77,4
                    Silber        19,0
                    Eisen          0,5
                    Kieselerde     3,0
                    Verlust        0,1
                                 =====
                                 100,0

war also über 18 karätig.

[161] S. Reiseskizzen S. 198.

[162] Nest und Vogel sind in Gray's genera of birds abgebildet;
das Nest entspricht aber nicht den hier gefundenen. Diese sind
halbkugelförmig und bestehn zum grossen Theil aus Coir (Kokosfaser);
wahrscheinlich von Menschenhand zubereitet, das ganze Innere ist
mit einem unregelmässigen Netzwerk feiner Fäden der glutinösen,
essbaren Substanz überzogen, ebenso der obere Rand, der von
der Mitte nach den Seiten hin, allmälig anschwillt und sich zu
zwei einander berührenden flügelartigen Fortsätzen ausbreitet,
womit das Nest an der Wand festgeheftet ist. -- Die Zeichnung ist
in 1/3 Grösse der Originale ausgeführt die sich unter B 3333 im
Berl. Zool. Mus. befinden. Dr. v. Martens vermuthet, die Bezeichnung
Salangane komme von langayan, Schwalbe, und dem malayischen Praefix
sa und bedeute eigentlich das Nest als etwas von der Schwalbe
herrührendes. (Journ. f. Ornith. Jan. 66. S. 19).

[163] Spanischer Katalog der Pariser Ausstellung 1867.

[164] Informe sobre las minas de Cobre, Manila 62.

[165] Nach dem Katalog kommen folgende Erze vor: Buntkupfererz
(cobre gris abigarrado), Arsenkupfer (c. gris arsenical), Kupferglas
(c. vitreo), Kupferkies (pirita de cobre), gediegen Kupfer (mata
cobriza), Schwarzkupfer (c. negro). Die am häufigsten auftretenden
Erze haben folgende Zusammensetzung, A nach einer in der Escuela de
Minas in Madrid analysirten Probe, B nach Santos' Analysen, Mittel
mehrerer verschiedenen Stellen entnommener Proben:

                                      A         B

                     Kieselsäure    25,800    47,06
                     Schwefel       31,715    44,44
                     Kupfer         24,640    16,64
                     Antimon         8,206     5,12
                     Arsen           7,539     4,65
                     Eisen           1,837     1,84
                     Kalk          Spuren
                     (Verlust)       0,263     0,25
                                   =======   ======
                                   100,000   100,00

[166] Nach den bei uns geltenden Preisen würde sich der Werth auf
etwa 12 Dollar berechnen, der Werth der analysirten Probe (S. 143)
auf 14 1/4 Dollar.

[167] In Daét galten damals 6 Nüsse 1 cuarto, in Naga, das zu Wasser
nur 15 Leguas entfernt, hofften die Leute 2 für 9 c. zu verkaufen
(das 27fache); eine Nuss kostete damals in Naga 2 c., 12mal so viel
als in Daét.

[168] Seitlich blühende Palmen können eine lange Reihe von Jahren
ununterbrochen oder indem man sie zeitweis Früchte tragen lässt,
abgezapft werden.

[169] N. Loney versichert in einem seiner trefflichen Berichte, dass es
bei angemessener Bezahlung nie an Arbeitern fehle. Als beispielsweise
zum Ausladen von Schiffen in Yloilo viele Leute auf einmal gebraucht
wurden, lockte die geringe Lohnerhöhung von 1 auf 1 1/4 r. deren
mehr herbei als beschäftigt werden konnten. Der belgische Konsul
berichtet seinerseits, dass in den Provinzen, wo das Abaca wächst,
die gesammte männliche Bevölkerung bei dieser Kultur betheiligt ist
in Folge einer geringen Lohnerhöhung.

[170] Ein unvollendeter Kanal soll vom Bicol- zum Pasacaofluss führen,
wie man glaubt vor Zeiten von Chinesen gegraben, deren Schiffe dort
zahlreich verkehrten. (Arenas S. 140.)

[171] La Situation économique de l'Espagne, Delmarre pg. 7.

[172] Lesage Coup d'oeil, in Journ. des Economistes Sept. 68.

[173] Nach meinen Barometermessungen:

                Goa am Nordabhang des Ysarog     32m.
                Uaclóy, Ygorroten-Ansiedlung    161m.
                Schlucht Basira                1134m.
                Gipfel des Ysarog              1966m.

[174] Ein von einem erschlagenen Ygorroten herrührender Schädel
hat nach Prof. Virchow's Untersuchung eine gewisse Aehnlichkeit mit
Malayen-Schädeln von den benachbarten Sundainseln, namentlich mit
Dayakschädeln.

[175] Pigafetta fand Amboina von Mohren (Muhamedanern) und Heiden
bewohnt »aber die ersten sitzen am Seegestade, die zweiten im
Innern«. Im Hafen von Brune (Borneo) sah er zwei Städte, eine von
Mohren, und eine, grösser als jene und ganz in Salzwasser stehend,
von Heiden bewohnt. Wie der Herausgeber bemerkt, fand Sonnerat später
(Voy. aux Indes) dass die Heiden vom Meer verdrängt, sich in die
Berge zurückgezogen hatten.

[176] Leg. ult. I. 256 §. 75.

[177] Auf Coello's Karte sind diese Verhältnisse falsch angegeben.

[178] Java, seine Gestalt, .. II. 125.

[179] Auch ein intelligenter Mestize besuchte mich öfter während
meiner Krankheit. Nach seiner Aussage wird dicht bei Caramúan ausser
dem bereits S. 145 erwähnten Kupfer, an drei Stellen Kohle gefunden;
auch Gold und Eisen soll vorhanden sein. Demselben Manne verdanke
ich auch die von Prof. Virchow im Anhange besprochenen Schädel
von Caramúan, die angeblich aus einer Höhle bei Umang, 1 Legua von
Caramúan stammen. Auch auf der Spitze der Halbinsel, bei der Visita
Paniniman und auf einer kleinen Insel, dicht bei der Visita Guiálo,
sollen ähnliche Schädel vorkommen.

[180] Sie bestehn aus Bambus.

[181] Der wild wachsende Pili hat ungeniessbare Früchte. Vergl. Anm. 48
S. 79.

[182] Sor Inspector por S. M.

Nosotros dos Capnes actuales de Rancerias de Lalud y Uacloy
comprension del pueblo de Goa prova de Camarines Sur. Ante los pies
de vmd postramos y decimos. Que portan de plorable estado en que nos
hallabamos de la infedelidad recienpoblados esta visitas de Rancerias
ya nos Contentamos bastantemente eu su felis ilegada y suvida de este
eminente monte de Ysarog loque havia con quiztado industriamente
de V. bajo mis consuelos, y alibios para poder con seguir a doce
ponos (i. e. arboles) de cocales de mananguiteria para Nuestro uso y
alogacion a los demas. Ygorotes, o montesinos q. no quieren vendirnos;
eta utilidad publica y reconocer a Dios y a la soberana Reyna y Sora
Doña Isabel 2a (que Dios Gue) Y por intento.

A. V. pedimos, y suplicamos con humildad secirva, proveer y mandar,
si es gracia segun lo q. imploramos etc. Domingo Tales †. Jose
Laurenciano †.

[183] Dendrobium ceraula n. sp. Reichenbach fil.

[184] Rafflesia Cumingii R. Brown nach Dr. Kuhn.

[185] Nach E. Bernaldez (Guerra al Sur) betrug die Zahl der innerhalb
30 Jahren geraubten und getödteten Spanier und Indier 20,000.

[186] Die reichbeladene Nao machte es eben so. s. S. 16.

[187] Auszug aus einem Brief des Alkalden an den Generalkapitän
20. Juni 60:

Seit 10 Tagen liegen zehn Seeräuberboote ungestört auf der Insel
S. Miguel, 2 Leguas von Tabaco, und unterbrechen den Verkehr mit
der Insel Catanduanes und dem östlichen Theil von Albay .. sie haben
viele Räubereien begangen, 6 Menschen fortgeschleppt .. Es ist ihnen
nichts anzuhaben, da es den Dörfern gänzlich an Feuerwaffen fehlt;
die beiden einzigen Falúas sind in der San Bernardino-Strasse durch
Stürme zurückgehalten.

Brief vom 25. Juni: Ausser den obigen Seeräuberbooten sind 4 grosse
Pancos und 4 kleine Vintas in der Bernardino-Strasse erschienen
... ihre Besatzung beträgt 450 bis 500 Mann, sie haben ... zusammen
16 Menschen getödtet, 10 geraubt, 1 Schiff gekapert.

[188] Zu Chamissos Zeit war es schlimmer: »Die Expeditionen auf
bewaffneten Booten, die von Manila aus geschickt werden um gegen den
Feind (die Seeräuber) zu kreuzen, ... fröhnen nur dem Schleichhandel
und Christen und Mauren weichen dabei einander aus mit gleichem Fleiss
(v. Ch. Bemerkungen und Ansichten S. 73). Mas (I. IV. 43) berichtet
dasselbe nach Notizen aus dem General-Sekretariat in Manila und fügt
hinzu, dass die Kreuzer sogar die ihnen anvertrauten königl. Waffen und
Munitionen verkauften, wovon viel in die Hände der Mohren gelangte. Die
Alkalden sollten die Befehlshaber der Kreuzer, diese die Alkalden
überwachen, sie machten aber gewöhnlich gemeinschaftliche Sache. --
Lapérouse erzählt sogar (II. S. 357), dass die Alkalden eine sehr
grosse Anzahl der von den Seeräubern (in den Philippinen) gemachten
Sklaven kauften, so dass diese nicht nach Batavia gebracht zu werden
brauchten, wo sie viel weniger galten.

[189] Nach dem Diario de Manila 14. März 1866 hat die Seeräuberei
zwar abgenommen, aber nicht aufgehört. Paragua, Calamiánes, Mindoro,
Mindanao, die Bisayas, haben noch darunter zu leiden. Häufig werden
auch Räubereien und Menschenraub von Handelsprauen ausgeführt, wenn
die Gelegenheit günstig. Solche Gelegenheitspiraten sind am schwersten
auszurotten. Nach meinen neuesten Berichten ist die Seeräuberei wieder
im Zunehmen.

[190] Die Spanier versuchten die Eroberung der Suluinseln 1628, 1629,
1637, 1731, 1746. Später haben häufig Expeditionen stattgefunden,
um Repressalien zu üben. Auch im Oktober 1871 wurde eine grosse
Expedition gegen Sulu ausgesandt, um die in neuer Zeit wieder
sehr überhand nehmende Seeräuberei zu bändigen, ein oder zwei
Jahre vorher hatten sich die Piraten bis in die Nähe von Manila
gewagt. Im April dieses Jahres (1872) kehrte die Flotte aber wiederum
unverrichteter Sache nach Manila zurück. Die Spanier hatten zu dieser
Unternehmung fast die ganze Seemacht der Kolonie, vierzehn Schiffe,
meist Kanonendampfer, aufgeboten; sie bombardirten die Hauptstadt,
ohne besonderen Schaden anzurichten, die Moros zogen sich in's Innere
zurück und erwarteten die Spanier, die indessen nicht zu landen wagten,
mit einem wohl ausgerüsteten Heer von 5000 Mann. Nach monatelanger
Unthätigkeit brannten die Spanier einen wehrlosen Küstenplatz nieder,
verübten dabei viele Grausamkeiten, zogen sich aber zurück, als die
Krieger zum Kampfe heranrückten. Die Häfen des Suluarchipels sind
jetzt durch Dekret dem Handel verschlossen, doch ist es fraglich ob
alle Schiffer dies berücksichtigen werden. Vor nicht langer Zeit hat
der Sultan von Sulu dem Könige von Preussen die Oberherrschaft über
sein Gebiet angetragen, sein Anerbieten ist abgelehnt worden.

[191] Das Diario de Manila vom 9. Juni 1866 berichtet: Gestern hat
die durch Verordnung vom 3. August 1865 eingesetzte Militärkommission
ihre Thätigkeit eingestellt. Es funktioniren wieder die ordentlichen
Gerichte. Die zahlreichen Banden von 30, 40 und mehr, bis an die
Zähne bewaffneten Individuen, die ihre Spuren von Blut und Feuer an
den Thoren von Manila und an so vielen andern Orten zurückgelassen,
sind vernichtet ... Mehr als 50 Räuber haben ihr Verbrechen am Galgen
gebüsst, 140 sind zum Presidio (Zwangsarbeit) oder zu andern Strafen
verurtheilt worden.

[192] Nach Arenas (Memorias 2 1) hiess Albay früher Ibalon; Tayabas,
Calilaya; Batangas, Comintan; Negros, Buglas; Cebu, Sogbu; Mindoro,
Mait; Samar, Ybabao; Basilan, Taguima, Mindanao wird von B. de la
Torre Cesarea; Samar in R. Dudleo, Arcano del mare (Florenz 1761)
Camlaia genannt. In Hondiv's his map of the Indian Ilands, (Purchas
605) wird Luzon Luconia; Samar, Achan; Leyte, Sabura; Camarines, Nebui
genannt. In Albo's Tagebuch heisst Cebu Suba, Leyte Seilani. Pigafetta
erwähnt eine Stadt Cingapola auf Zubu, Leyte ist auf seiner Karte im
Norden Baybay, im Süden Ceylon benannt.

[193] Im Estado geogr. der Franziskaner, Manila 1855, ist nichts
davon erwähnt.

[194] Kleine Schiffe, die keine Kanonen haben, sollen Krüge, mit Wasser
und den Früchten der Arenga sacharifera gefüllt an Bord nehmen, in
der Absicht mit der ätzenden, heftiges Brennen verursachenden Brühe,
die Seeräuber bei einem etwaigen Angriffe zu bespritzen. Dumont
d'Urville erzählt, dass die Bewohner von Solo bei seinem Besuch die
Brunnen mit dergleichen Früchten vergiftet hatten. Die in Zucker
eingemachten Kerne sind ein angenehmes Konfekt.

[195] Es wurden noch gewählt ein Teniente mayór (Stellvertreter
des Gobernadorcillo), ein Juéz mayór (Oberrichter) für die Felder,
immer ein Excapitan, ein zweiter Richter für die Polizei, ein dritter
Richter für Streitigkeiten, die das Vieh betreffen, ein zweiter und
dritter Teniente und erster und zweiter Polizeidiener; endlich noch
für jede Visita ein Teniente, ein Richter, ein Polizeidiener. Alle
drei Richter können Excapitano's sein, kein Excapitan kann Teniente
werden. Der erste Teniente muss aus der Principalía sein; die übrigen
können dieser oder der Plebe angehören; die Polizeidiener (Alguacíls)
sind immer aus letzterer.

[196] G. Squier (States of Central Amerika 192) erwähnt einen
Mahagonyblock, 17 Fuss lang, der im unteren Queerschnitt 5 Fuss 6
Zoll im Geviert, im Ganzen 550 Cubikfuss maass.

[197] Nach Dr. v. Martens: Modiola striatula Hanley, der denselben
Zweischaler auch zu Singapore in Brackwasser bedeutend grösser
fand. Reeve bildet die von Cumming in den Philippinen, ohne nähere
Ortsangabe gesammelte Art auch grösser ab (38 mm), die vom Catarman
hat 17mm.

[198] In Sumatra sah Wallace in der Dämmerung einen Lemur einen
Baumstamm hinauf laufen, und dann in schiefer Richtung durch die Luft
nach einem andern Stamm gleiten, den er nahe dem Boden erreichte;
die Entfernung beider Bäume betrug 210 Fuss, der Höhenunterschied
nicht über 35 oder 40 Fuss, also weniger als 1 : 5. (Malay Archipelago
I. 211.)

[199] Die dem Berliner Herbar eingesandten Exemplare sind nicht
aufzufinden.

[200] Nach W. Peters Tropidolaenus philippinensis Gray.

[201] v. Martens erkannte unter den Tertiär-Muscheln der Thonbänke
die noch jetzt im indischen Ozean lebenden Arten Venus (Hemitapes)
hiantina Lam., V. squamosa L., Arca cecillei Phil., A. inaequivalvis
Brug., A. chalcanthum Rv. und die Gattungen Yoldia, Pleurotoma,
Cuvieria, Dentalium; ohne ihre Uebereinstimmung mit lebenden Arten
verbürgen zu können.

[202] Tarsius spectrum Tem., in der Landessprache: Mago.

[203] Schon der alte Pater Camel führt an, dass das Thierchen
angeblich nur von Kohlen lebe, dies sei indessen ein Irrthum, es
frässe Ficus indica (worunter hier wohl Bananen zu verstehn) und
andere Früchte. (Camel de quadruped. Philos. trans. 1706/7 London). --
Auch über den Kaguang (s. S. 194) giebt Camel einen interessanten
noch heut passenden Bericht. ibid. 2. S. 2197.

[204] Nachstehende Mittheilung ist zuerst in den Sitzungsberichten
der Berliner Anthropologischen Ges. erschienen, nur waren meine
Besucher dort Paláosinsulaner genannt. Da aber Prof. Semper, der
längere Zeit auf den eigentlichen Paláos (Pelew)-Inseln zugebracht
hat, im Corresp.-Bl. f. Anthropol. 1871 No. 2 mit Recht hervorhebt,
dass Uliai zur Gruppe der Carolinen gehöre, so habe ich hier den
allgemeineren Ausdruck Mikronesier gewählt, obwohl jene Männer,
über deren Herkunft aus Uliai kein Zweifel bestand, sich nicht
Carolinen-Insulaner, sondern Paláos nannten. Wie mir Dr. Gräffe
mittheilt, der viele Jahre in Mikronesien verweilte, ist Paláos ein
ähnlich loser Begriff wie Kanaka und so viele andere und bezeichnet
durchaus nicht ausschliesslich die Bewohner der Pelewgruppe.

[205] Dumont d'Urville, Voy. pole sud. V. 206 bemerkt, dass die
Eingeborenen ihre Insel Gouap oder Ouap, aber niemals Yap nennen,
und dass der Ackerbau dort alles übertreffe, was er je in der Südsee
gesehn hatte.

[206] Die Reisen der Polynesier wurden auch durch die Tyrannei
der siegreichen Parteien veranlasst, welche die Ueberwundenen zur
Auswanderung zwangen (Ausland 29. Jan. 70.).

[207] Pigafetta S. 51.

[208] Morga f. 127.

[209] »Die Bisayer überziehn ihre Zähne mit glänzend schwarzem oder
feuerfarbenem Firniss, und so werden ihre Zähne schwarz oder roth wie
Zinnober, und in der oberen Reihe machen sie eine kleine Oeffnung und
füllen sie mit Gold, das auf dem schwarzen oder rothen Grunde um so
mehr glänzt« (Thévenot, Religieux 54). Ein König aus Mindanao, der
Magellan auf Massana besucht: »in ogni dente haveva tre machie d'oro,
che parevano fosseno legati con oro«, woraus Ramusio gemacht hat:
in ciascun dito avea tre anelli d'oro. (Pigafetta S. 66). Vergl. auch
Carletti Viaggi 1. 153.

[210] In einer dieser Klippen, 60 Fuss über dem Meer, fanden sich
Muschelbänke: Ostrea, Pinna, Chama .. nach Dr. v. M.: O. denticulata
Bron., O. cornu copiae Chemn., O. rosacea Desh., Chama sulfurea Reeve,
Pinna nigrina Lam.(?).

[211] Im Athenaeum 7. Jan. 71 ist nach Capt. Ullmann eine Todtenfeier
(Tiwa) der Dayaks beschrieben, die in vielen Punkten mit der der
alten Bisayer übereinstimmt. Der Sarg wird vom nächsten männlichen
Anverwandten aus einem Baumstamme ausgehöhlt, so eng, dass der
Leichnam hineingepresst werden muss, damit nicht bald darauf ein andres
Familienglied sterbe, um die Lücke zu füllen. Es werden möglichst viele
Habseligkeiten auf den Todten gehäuft, um seinen Reichthum darzuthun,
und sein Ansehn in der Geisterstadt zu erhöhen, unter den Sarg wird
ein Gefäss mit Reis, eines mit Wasser gestellt.

Eine der Hauptfeierlichkeiten des Tiwa bestand vormals (auch jetzt
noch an einigen Orten) in Menschenopfern. Wo die holländische
Regierung gebietet, können solche nicht stattfinden, es werden aber
zuweilen Büffel oder Schweine auf grausame Weise getödtet, mit deren
Blut die Hohepriesterin Stirn, Brust und Arme des Familienhauptes
bemalt. Aehnliche Opfer von Sklaven oder Schweinen mit eigenthümlichen
Zeremonien durch Priesterinnen (Catalona's) fanden bei den alten
Philippinern statt. (s. Informe I. 2. 16.)

[212] Ein Aufsatz von Professor Virchow über die von mir aus den
Philippinen mitgebrachten Schädel befindet sich im Anhange.

[213] In dem Kapitel de Monstris et quasi monstris ... des Pater
Camel, Lond. Philos. Trans. Bd. XXV. p. 2269 wird erwähnt, dass in
den Bergen zwischen Guíuan und Borongan Fusstapfen, dreimal so gross,
als die gewöhnlicher Menschen, gefunden worden seien. Vielleicht
haben die sehr breit gedrückten, mit einer dicken Kalksinterkruste
überzogenen Schädel von Lánang, die Riesenschädel, Veranlassung zur
Sage der Riesenfussspuren gegeben.

[214] Hemiramphus viviparus W. Peters (Berl. Monatsb. 16. März 1865).

[215] Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs S. 608.

[216] Philos. trans. 1699 No. 249. S. 44, 87.

[217] In Boróngan kostet die Tinája von 12 Gantas 6 r. (ein Quart
etwa 10 Pfennige), das Gefäss 2 r., die Fracht nach Manila 3 r.,
oder wenn der Produzent als Matrose mitgeht, 2 1/2 r. Der Preis in
Manila bezieht sich auf die Tinája von 16 Gantas.

[218] Frisch bereitetes Kokosöl dient zum Kochen, es wird aber schnell
ranzig. Als Brennöl findet es sehr allgemeine Verwendung. In Europa,
wo es selten flüssig erscheint, da es erst bei 16° R. schmilzt,
dient es zur Darstellung von Kerzen, besonders aber von Seife, wozu
es vorzüglich geeignet; denn Kokosseife ist sehr hart, glänzend-weiss
und leichter als alle andre Seifen in Salzwasser löslich. In neuerer
Zeit wird auch der ölhaltige Kern unter dem Namen Copperah, namentlich
aus Brasilien in England eingeführt und heiss ausgepresst.

[219] In Legaspi, dem besuchtesten, im Sommer leicht zugänglichen
Hafen kostete im Juni 1 Kokosnuss 8 bis 10 c., d. h. 50 bis 60 mal
so viel als in Daet oder Buhi, Plätze die leicht zu erreichen sind.

[220] Auf Pigafetta's Karte ist Leyte in zwei Theile getheilt,
der nördliche heisst Baibay, der südliche Ceylon. Als Magellan in
Massana (Limasana) nach den bedeutendsten Handelsplätzen der Gegend
fragt, nennt man ihm Ceylon (d. h. Leyte), Calagan (Caraga) und Zubu
(Cebu). Pigaf. 70.

[221] Nach Dr. Gerstäcker: Oedipoda subfasciata de Haan, Acridium
manilense Meyen. Meyen's Name, den die Systematiker übersehn haben
müssen, hat die Priorität vor dem de Haan's, müsste aber in Oedipoda
manilensis umgeändert werden, da die Art nicht zur Gattung Acridium
im modernen Sinne gehört. Sie kommt auch in Luzon und in Timor vor
und ist nahe verwandt mit unserer europäischen Wanderheuschrecke,
Oedipoda migratoria.

[222] Nachdem sich der König zurückgezogen, .. »wurde Zuckerwerk und
Kuchen in Fülle gebracht, auch gebratene Heuschrecken, die den Gästen
als grosse Delikatessen aufgenöthigt wurden«. (Col. Fytche Mission
to Mandalay Parlament. Papers June 1869.)

[223] Die Namen dieser beiden Ortschaften sind auf Coello's Karte
vertauscht, Buráuen liegt S. von Dagami.

[224] 950 Brazas südlich vom Kastel von Abuyog mündet ein kleiner
Fluss.

[225] Gobius Giuris Buch. Ham

[226] Der See hatte damals nur einen Ausfluss; in der nassen Jahreszeit
mag er aber wohl mit dem Mayo in Verbindung stehn, da sein NO-Rand
ganz flach ist.

[227] Pintados oder Bisayos, nach einem einheimischen Worte,
welches dasselbe bedeutet, sollen die Bewohner der Inseln zwischen
Luzon und Mindanao von den Spaniern genannt worden sein, weil sie
die Gewohnheit hatten sich zu tatuiren. Crawfurd (Dict. 339) meint,
diese Thatsache stehe nicht fest, sicherlich werde sie von Pigafetta
nicht erwähnt. Pigafetta sagt aber S. 80: Egli (il re di Zubu) era
... dipinto in differente guisi col fuoco. -- Purchas (Pilgrimage
fol. I. 603): the king of Zubut had his skinne painted with a hot iron
pensill, und Morga f. 4: traen todo el cuerpo labrado con fuego. Danach
scheinen sie sich nach Art der Papuas, durch Einbrennen von Flecken und
Streifen in die Haut, tatuirt zu haben. Aber an einer andern Stelle
(f. 138) berichtet Morga: Sie unterscheiden sich (von den Bewohnern
Luzons) durch ihr Haar, das die Männer zu einem Zopf schneiden
nach der alten spanischen Art und bemalen ihre Körper mit vielen
Mustern ohne das Gesicht zu berühren. Der Gebrauch des Tatuirens,
der mit Einführung des Christenthums aufgehört zu haben scheint,
denn schon der oft zitirte Geistliche (Thévenot S. 4) erwähnt ihn als
verschollen, kann aber nicht für ein Kennzeichen der Bisayer gelten;
Stämme des nördlichen Luzons tatuiren sich noch heut.

[228] Mezzeria, (Italien), Metayer, (Frankreich).

[229] Bei uns kostet der Scheffel Kartoffeln durchschnittlich auf
dem Lande 10, in der Stadt 20 Sgr.

[230] In China wird aus den Samen von Vernicia montana ein Oel
gewonnen, das durch Zusatz von Alaun, Bleiglätte und Steatit bei
gelinder Wärme leicht in einen kostbaren Firniss übergeht, der,
mit Harz vermischt, zum Wasserdichtmachen der Schiffsböden verwendet
wird. (P. Champion Indust. anc. et mod. de l'Emp. Chinois 114.)

[231] Petzholdt (Kaukasus I, 203) erwähnt, dass in Bosslewi so viel
Maiskörner als ein Thongefäss fassen kann, seinen Preis bestimmen.

[232] Wie allgemein derartige Missbräuche, geht aus einem auf dem
Papier vorhandenen, aber nicht in die Praxis gedrungenen Gesetz von
1848 (Leg. ult. I. 144) hervor, welches wucherische Kontrakte mit
Dienern oder Gehülfen verbietet, und diejenigen mit strengen Strafen
bedroht, die unter dem Vorwande, Vorschüsse geleistet, oder Schulden
oder die Kopfsteuer, oder Ablösung von Frohnden gezahlt zu haben,
Eingeborene oder ganze Familien in immerwährender Abhängigkeit bei
sich erhalten, und ihre Schuld fortwährend erhöhen, indem sie ihnen
für ihre Leistungen keinen hinreichenden Lohn gewähren.

[233] Früher scheinen sie anders gewesen zu sein: »Diese Bisayer sind
Leute, dem Ackerbau weniger zugethan, gewandt in der Schifffahrt,
lüstern nach Krieg und Seezügen, wegen der Plünderungen und Prisen,
welche sie Mangubas nennen, was dasselbe ist, wie Ausziehn um zu
stehlen.« Morga f. 138.

[234] Der Missbrauch dauert fort, obwohl ein strenges Gesetz ihn
verbietet und die Alkalden, welche unterlassen es anzuwenden mit
100 Dollar Geldbusse für jeden einzelnen Fall bedroht werden. In
manchen Provinzen zahlt der Bräutigam, ausser der Aussteuer, eine
Entschädigung an die Mutter der Braut für die von letzterer genossene
Muttermilch (Bigay susu). Nach Colin (Labor evangelico S. 129) betrug
der Penhimuyat, das Geschenk, welches die Mutter für die Nachtwachen
und Sorgen bei Erziehung der Braut empfing, ein Fünftel der Aussteuer.

[235] Eigentliche Menschenfresser werden in den Philippinen von den
alten Schriftstellern nicht erwähnt. Pigafetta (S. 127) hat gehört,
dass an einem Fluss, am Cap Benuian (N.-Spitze von Mindanao), Leute
wohnen, die von ihren gefangenen Feinden nur das Herz und zwar mit
Zitronensaft essen. Dr. Semper (Philippinen 62) fand denselben Brauch
mit Ausnahme des Zitronensaftes an der Ostküste von Mindanao.

[236] Der Anito kommt bei den Völkern des malayischen Archipels
als Antu vor, der Anito der Philippinen ist aber wesentlich ein
Schutzgeist, der malayische Antu mehr dämonischer Art.

[237] Mir sind dergleichen Götzenbilder nie vor Augen gekommen. Die
in Bastian und Hartmann's Zeitschrift für Ethnologie B. I. Tafel
VIII. abgebildeten »Idole aus den Philippinen«, deren Originale
sich im Berliner ethnographischen Museum befinden, sind zwar in den
Philippinen erworben, gehören aber nach A. W. Franks unzweifelhaft
den Salomons-Inseln an. Im Katalog des Prager Museums Abth. II-VIII
S. 46 sind aufgeführt: vier hölzerne Götzenköpfe von den Philippinen,
welche der böhmische Naturforscher Thaddäus Hänke, der im Auftrage
des Königs von Spanien im Jahre 1817 die Südseeinseln bereiste,
mitgebracht hat. Die auf meinen Wunsch von der Direktion des Museums
gütigst hergestellten Photographien entsprechen aber durchaus nicht
obiger Beschreibung, deuten vielmehr auf die Westküste von Amerika, das
Hauptfeld der Thätigkeit Hänke's. Auch die aus seinen nachgelassenen
Papieren hervorgegangenen Reliquiae botanicae geben keinen Aufschluss
über die Herkunft jener Idole.

[238] Als beispielsweise wegen des erwarteten Angriffes von Cogseng
(s. unten), alle verfügbaren Kräfte, auch die von Zamboánga, um Manila
zusammengezogen worden waren, fielen die Moros mit 60 Schiffen über
die Inseln her, während sonst ihre Ausrüstungen 6 bis 8 Schiffe nicht
zu übersteigen pflegten. Torrubia S. 363.

[239] Hakl. Morga Append. 360.

[240] Nach der Revista minera, Madrid 1866 XVII. 244 sind die Kohlen
vom Berge Alpacó, im Gebiet von Nága in Cebú, trocken, rein und fast
frei von Schwefelkiesen; sie brennen leicht und mit starker Flamme. Bei
den, im Laboratorium der Bergschule zu Madrid angestellten Versuchen
gaben sie 4% Asche und eine Heizkraft von 4825 Calorien, d. h. durch
Verbrennung von 1 Gewichtstheil wurden 4825 Gewichtstheile Wasser um 1°
C. erwärmt -- gute Steinkohle giebt 6000 Cal. Die ersten Kohlengruben
in Cebú wurden im Massángathal betrieben, die Arbeiten aber 1859,
nachdem bedeutende Kosten darauf verwendet, wieder eingestellt. Später
entdeckte man im Thal von Alpacó und im Berg Oling bei Nága vier
Schichten von beträchtlicher Mächtigkeit.... »Die Kohle von Cebu ist
anerkannt besser, als die von Australien und Labuan, besitzt aber
nicht hinreichende Heizkraft um ungemischt für längere Seereisen
verwendet zu werden.«

Nach dem Katalog der Produkte der Philippinen (Manila 1866) haben die
Kohlenschichten in Cebú an vielen Stellen des NS. durch die ganze Insel
streichenden Gebirges eine durchschnittliche Mächtigkeit von 2 m. Die
Kohle ist von mittlerer Güte, sie wird in den Regierungsdampfern,
mit Cardiffkohle gemischt, verbrannt. Ihr Preis in Cebú ist
durchschnittlich 6 Dollar per Tonne.

[241] Engl. Konsular Bericht 217.

[242] In Jaró hat sich der Pachtzins in 6 Jahren verdreifacht, Vieh,
das 1860 10 Dollar galt, kostete 1866 25 Dollar. Grundstücke an der
Ria von Yloilo sind in wenigen Jahren von 100 Dollar auf 500, sogar
auf 800 Dollar gestiegen (Diario Febr. 1867).

[243] 1855 führte Yloilo, einschliesslich 3000 Picos von Negros, 11,700
Picos aus, 1860 schon 90,000 P., 1863: 176,000 P. (in 27 ausländischen
Schiffen), 1866: 250,000 P., 1871: 312,379 Picos von beiden Inseln.

[244] Der für den englischen Markt bestimmte Zucker kostete in
Manila 1868/69 15 bis 16 £ per Ton und stellt sich in London auf
20 £. Best gereinigter, wie ihn Manila für Australien bereitet,
wäre in London wegen des höheren Zolles nur 3 £ per Ton mehr werth,
aber 5 £ theurer als der schlechte, der mithin eine Prämie von 2 £
geniesst. Manila exportirt hauptsächlich den Zucker von Pangasinán,
Pampánga und Lagúna. (Nach Privatberichten.)

[245] The Islands of the East-Indian Archip. 1868. S. 340.

[246] Catalogue de l'Expos. perman. des Colonies françaises
1867. S. 80.

[247] Rapport du Jury, Exp. 1867 IV. 102.

[248] Die Indier Süd-Amerika's verwenden angeblich schon lange die
Bananenfaser zur Anfertigung von Kleiderstoffen (The Technologist
Sept. 1865 S. 89. ohne Quellenangabe.) und in Lu-tschu soll von der
Banane fast nur die Faser benutzt werden. (Faits commerciaux No. 1514
S. 36.)

[249] Fibrous plants of India.

[250] Das Abacá nimmt auch keinen Theer an, und kann daher nur zu
laufendem nicht zu stehendem Tauwerk gebraucht werden.

[251] Eine Pflanzung im vollen Betriebe liefert jährlich 30 Zentner
Bandála vom Preuss. Morgen. Vom Morgen Lein gewinnt man nur 2 bis
4 Ztr. reinen Flachs, 2 bis 8 Ztr. Samen. Lein kann aber, da er den
Boden erschöpft, nicht alle Jahre gebaut werden.

[252] Wie mir Dr. Wittmack mittheilt, kann man auch vom Hanf nur
Fasern oder Samen gewinnen, da der reife Hanf zu spröde, grobe Fasern
besitzt. Beim Flachsbau wird freilich häufig Same und Faser verwerthet,
doch sind dann beide von geringer Güte.

[253] Flora de Filipinas.

[254] Lupis wurde 1868 in London 100 £ per Tonne bezahlt, jedoch nur
in geringer Menge, etwa 5 Tons jährlich, eingeführt und angeblich in
Frankreich zu einer besonderen Art von Unterröcken verwendet; die Mode
soll bald wieder aufgehört haben. Quitol, eine geringe Sorte Lupis,
soll 75 £ bezahlt worden sein.

[255] Die Starrheit ist allen Fasern von Monokotyledonen eigen,
weil sie aus dickwandigeren Zellen bestehn, während die eigentlichen
Bastfasern der Dikotyledonen (Flachs z. B.) geschmeidiger sind.

[256] Auch bei andern Ackerbauerzeugnissen pflegen Mestizen und
Indier sich die Arbeit ihrer Landsleute zu sichern, indem sie diesen
Vorschüsse machen und sie erneuern, bevor die alten abgetragen
sind. So gerathen Unbesonnene immer tiefer in Schulden und werden
thatsächlich zu Sklaven ihrer Gläubiger, wenn es ihnen nicht gelingt,
zu entfliehn. Dasselbe findet bei Antheilkontrakten statt, wo der
Grundbesitzer dem Bauer Boden, Ackergeräth und Zugvieh zu liefern
hat, oft schiesst er dann auch noch Kleidung und Nahrungsmittel für
die ganze Familie vor; bei Theilung der Ernte deckt der Antheil des
Bauers nicht seine Schuld. Gesetzlich sind die Indier freilich nur
bis zu 5 Dollar haftbar, ein besonderes Gesetz verbietet überdies
ausdrücklich dergleichen wucherische Geschäfte, sie sind aber allgemein
in Gebrauch. s. S. 234 Anm. 127.

[257] Dieser Neid hätte beinahe die Schliessung der neuen Häfen
(s. Kap. 23) bald nach ihrer Eröffnung zur Folge gehabt.

[258] Rapport Consulaire Belge XIV. 68.

[259] Im Agricultural Report für 1869, S. 232 wird eine andre Faser
sehr gepriesen, die von einer dem Sesal sehr nahe verwandten Pflanze
(Bromelia sylvestris) stammt, vielleicht nur eine Abart derselben;
ihren einheimischen Namen jxtle soll sie wegen der Aehnlichkeit ihrer
flachen, stacheligen Blätter mit den gezähnten Obsidianmessern (iztli)
der Azteken erhalten haben.

[260] Die Bananen sind bekanntlich eine der allerwerthvollsten Pflanzen
für den Menschen, sie liefern unreif Stärkemehl, reif eine angenehme
nahrhafte Frucht, die selbst in Menge genossen weder widerlich wird,
noch nachtheilige Folgen hat. Einige der besten essbaren Abarten tragen
schon Früchte 5 oder 6 Monate nachdem sie gepflanzt worden und treiben
immer neue Schösse aus der Wurzel, so dass sie eine unausgesetzte
Fruchtfolge geben und die Mühe des Menschen fast auf das Umhauen der
alten Pflanzen und das Pflücken der Früchte beschränkt ist. Die breiten
Blätter gewähren andern jungen Pflanzen den in tropischen Ländern so
nöthigen Schatten, werden vielfach in der Haushaltung verwendet und
manche Hütte hat es nur ihrem Bananengärtchen zu danken, wenn sie
die Feuersbrunst übersteht, die gelegentlich das Dorf in Asche legt.

Ich möchte hier auf einen Irrthum aufmerksam machen, der einige
Verbreitung erlangt hat. In Bischof Pallegoix's trefflichem Werke
Description du royaume Thai on Siam I. 144 heisst es: L'arbre à vernis,
qui est une espèce de bananier et que les Siamois appellent rak,
fournit ce beau vernis qu'on admire dans les petits meubles qu'on
apporte de Chine. -- Als ich in Bangkok den fast neunzigjährigen
liebenswürdigen Greis über diese auffallende Angabe zur Rede stellte,
meinte er kopfschüttelnd, das könne er nicht geschrieben haben; --
ich zeigte ihm die Stelle. -- »Ma foi j'ai dit une bêtise; -- j'en
ai dit bien d'autres«, flüsterte er mir in's Ohr, indem er die Hand
vorhielt, als fürchtete er behorcht zu werden.

[261] 1862 bezog England aus Spanien 156 Tons, 1863: 18,074 t., 1866:
66,913 t., 1868: 95,000 t. Die Lumpeneinfuhr fiel von 24,000 t., 1866;
auf 17,000 t., 1868. In Algier wächst auch sehr viel Sparto (Alfa), der
Transport nach Frankreich ist aber zu theuer, um es dort zu verwenden.

[262] Der englische Konsul schätzt die Einnahme aus diesem
Monopol für das Jahr 1866/67 auf 8,418,939 Dollar, sämmtliche
Ausgaben auf 4,519,866, den Reinertrag also auf 3,899,075 Dollar. Im
Kolonialbudget für 1867 war der Gewinn am Tabak auf 2,627,976 Dollar,
die Gesammtausgaben der Kolonie, nach Abzug der durch die Tabakregie
veranlassten, auf 7,033,576 veranschlagt. Nach den amtlichen Tabellen
des Chefs der Regie, Manila 1871 betrugen die Gesammteinnahmen der
Tabakregie in den Jahren 1865/69 durchschnittlich 5,367,262 Doll.,
die wegen mangelnder Spezialrechnungen nicht genau festzustellenden
Ausgaben wenigstens 4 Million Dollar, so dass nur ein Reingewinn von
1,367,262 verbleibt.

[263] Instruccion general para la direccion, administracion y
intervencion de las rentas estancadas 1849.

[264] Memória sobre el desestanco del tabaco en las islas filipinas
.. Don J. S. Agius Binondo (Manila) 1871.

[265] Von den Philippinen scheint der Tabak nach China gekommen zu
sein: »Die von Wang-tao entdeckten Notizen lassen keinen Zweifel, dass
er zuerst in Süd-China im 16. und 17. Jahrhundert von den Philippinen
aus eingeführt wurde; wahrscheinlich über Japan. (Notes & Queries China
und Japan, May 31 67.) Nach Schlegel, Batavia, wurde er 1573-91 von
den Portugiesen nach Japan gebracht, und verbreitete sich in China
so schnell, dass schon 1638 der Verkauf mit der Strafe des Köpfens
bedroht wurde. Nach N. & Q. Chin. Jap. 31 Juli 67, war der Gebrauch
des Tabaks 1641 im Mantchu-Heer allgemein. In einem chinesischen Werk
Naturgeschichtliche Miscellen heisst es: Yen-t'sao (die Rauchpflanze)
wurde gegen Ende der Regierung Wan-li zwischen 1573-1620 in Fukien
eingeführt und auch Tan-pa-ku (von Tombaku) genannt.

[266] West-Cuba erzeugt den besten Tabak, die berühmte Vuelta abajo
400,000 Ztnr. zu 20 bis 140 Thlr. Ausgewählte Sorten werden bis zu 800
selbst 1000 Thlr. p. Zentner bezahlt. Cuba produzirt 640,000 Ztnr. Die
in Paris 1867 ausgestellten Zigarren waren im Werth von 35 bis 570
Thlr. das Tausend. Die jährliche Zigarren-Ausfuhr wird auf 500 Million
geschätzt. (Rappt. Jury V. 375) ... In Jenidje-Karasu (Salonich)
werden jährlich 17,500 Ztnr. gewonnen, wovon 2500 erster Qualität,
2 Thlr. 12 Sgr. die Oka (etwa 1 Thaler das Pfd.) gelten. Ausgewählte
Sorten werden bis 5 Thlr. per Pfd. und höher bezahlt. Salaheddin Bey
La Turquie à l'Exposition S. 91.

[267] In Cuba ist die Tabakindustrie durchaus frei. Der
ausserordentliche Aufschwung des Gewerbes, die zunehmende Güte der
Waare werden zum grossen Theil dem regen Wetteifer der Fabrikanten
zugeschrieben, die von der Regierung keinen andern Schutz als den
ihrer Fabrikzeichen erhalten. (Rappt. Jury 67. V. 375.)

[268] Handschriftlicher Bericht an den Kolonial-Minister, März 1868.

[269] Basco führte auch den Seidenbau ein und pflanzte in Camarínes
4 1/2 Million Maulbeerbäume, die man alsbald nach seinem Rücktritt
wieder eingehn liess.

[270] Nach Lapérouse rief diese Maassregel auf allen Punkten der
Insel Empörungen hervor, die durch bewaffnete Macht unterdrückt werden
mussten. Ebenso veranlasste das um dieselbe Zeit in Amerika eingeführte
Monopol gefährliche Aufstände, brachte Venezuela an den Bettelstab
und wurde eine Hauptursache des späteren Abfalls der Kolonien.

[271] Ein Fardo (Pack) enthält 40 Manos (Bund). 1 Mano = 10 Manojítos,
1 Manojíto = 10 Blätter. Reglement §. 7.

[272] Reglement für alle Sammelstellen von Luzon: §. 1. Der Tabak
wird nach vier Klassen bezahlt. §. 2. Zur I. Klasse gehören Blätter
von wenigstens 18 Zoll von Burgos (0m 418) Länge, zur II. solche
von 18 bis 14 Zoll (0m 325), zur III. von 14 bis 10 Zoll (0m 232)
zur IV. Blätter von wenigstens 7 Zoll (0m 163); kleinere werden nicht
angenommen. (Letztere Beschränkung ist jetzt aufgehoben. Da sich die
Qualität des Tabaks in den Händen der Regie immer mehr verschlechtert,
so sind jetzt noch zwei geringere Klassen (V. und VI.) eingeführt). --


Ein Fardo I.   Kl. wiegt 60 Pfd. und wurde von der Regierung (1867) bezahlt 9 Doll 50 C.
,,   ,,   II.  Kl.  ,,   46 Pfd. ,,    ,,  ,,  ,,     ,,       ,,      ,,   6  ,,  -  C.
,,   ,,   III. Kl.  ,,   33 Pfd. ,,    ,,  ,,  ,,     ,,       ,,      ,,   2  ,,  75 C.
,,   ,,   IV.  Kl.  ,,   18 Pfd. ,,    ,,  ,,  ,,     ,,       ,,      ,,   1  ,,  -  C.


(Bericht engl. Kons.)

Folgende Tabelle giebt die von der Regierung fabrizirten Sorten,
und die Preise, zu welchen sie 1867 im Estanco zu haben waren.


Menas (Klassen).     Folgenden                      PREIS               Zahl der
                     Habana-Klassen      einer    von 1000    einer     Zigarren
                     assimilirt.         Arroba   Zigarren    Zigarre   in einer
                                         Doll.    Doll.       Cents.    Arroba.

Imperiales           derselben Klasse    37,50    30          4,80
Prima veguéro        do.        do.      37,50    30          4,80
Segunda do.          Regalía                      26
Prima superiór
  filipino           Regalía                      26
Segunda do. do.      ohne Assimilirung   38       19          3,4
Tercéra do. do.      Lóndres                      15
Prima filipino       Superiór habano     21       15          2,40       1400
Segunda do.          Segunda superiór
                       habano            24        8,57 1/8   1,37 3/8   2800
Prima corládo        derselben Klasse    21       15          2,40       1400
Segunda do.          derselben Klasse    24        8,57 1/8   1,37 3/8   2800
Mista                Segunda batído      20,50
Prima batído lárga   ohne Assimilirung   18,75                1,66 2/3   1800
Segunda do. do.      do.      do.        18,75                0,80       3750


[273] Es gehn im Mittel 407 1/2 Million Zigarren und 1,041,000
Kg. Rohtabak jährlich in's Ausland, zusammen dem Gewichte nach etwa
56,000 Quintales, abgesehn von dem geschenkten Tabak.

[274] ... Der in diese Lage gebrachte Bauer findet es schwer seine
Familie zu erhalten, ist gezwungen Geld zu übertriebenen Zinsen zu
borgen und geräth immer tiefer in Schulden und Elend .. die Furcht
vor Geld- und Körperstrafen, mehr als die Aussicht auf hohe Preise,
ist die Haupttriebfeder, durch welche die Lieferungen aufrecht erhalten
werden können .. (Bericht des engl. Konsuls.)

[275] Von Dezember 1853 bis November 1854 hatte die Kolonie
4 General-Kapitäne (2 effektive und 2 provisorische). 1850 soll
ein neu ernannter Oidor, (Mitglied des obersten Gerichtshofes) mit
seiner Familie den Weg nach Manila um das Kap genommen und bei seiner
Ankunft bereits seinen inzwischen über Suez gereisten Nachfolger im
Amte getroffen haben. Solche Zustände werden nicht befremden, wenn
man damit vergleicht, wie es in Spanien selbst zugeht. Nach einem
Aufsatz in der Revue nationale April 1867 hat Spanien von 1834 bis
1862, d. h. seit dem Regierungsantritt Isabella's 4 Konstitutionen,
28 Parlamente, 47 Premierminister, 529 Minister mit Portefeuilles,
darunter 68 Minister des Innern gehabt, so dass jeder der letztern
durchschnittlich nur 6 Monate im Amte war. Die Finanzminister sollen
seit 10 Jahren nicht länger als 2 Monate geblieben sein. Seitdem und
namentlich seit 1868 erfolgen die Wechsel viel schneller.

[276] Der Grund des hohen Silberagios lag darin, dass die Chinesen
alle spanischen und mexikanischen Dollar aufkauften, um sie nach
China auszuführen, wo sie mehr gelten als andre Dollar, weil sie,
von den Reisen der Nao her, seit alten Zeiten bekannt sind und
auch in den innern Provinzen Kurs haben. (Am höchsten werden dort
Carlos III. bezahlt). Eine seitdem in Manila errichtete Münzanstalt,
die sich selbst erhält, wenn sie auch der Regierung keinen andern
Nutzen abwirft, hat jenen Uebelstand gänzlich beseitigt. Die Chinesen
pflegen das Silber und Gold gewöhnlich als Geld mit ausländischem
Gepräge nach Manila zu bringen, indem sie Landesprodukte dafür kaufen,
die einheimischen Kaufleute lassen es umprägen. Anfänglich waren in
Manila fast nur Silberunzen vorhanden, Goldunzen äusserst selten. Das
hohe Agio, das sie genossen, hatte eine so starke Einfuhr zur Folge,
dass sich das Verhältniss umkehrte, in den Regierungskassen wurde
aber die Goldunze immer der Silberunze gleich gerechnet.

[277] »Es haben vor der Zeit diese Insulen alle in gemein gehört
vnder die kron China, sie haben sich aber umb gewisse vrsachen daruon
abgesondert, Dannen her kein Regiment oder Policey ordnung vnder
ihnen war, vnd diejenige welche am mächtigsten waren, behielten
die Oberhandt, lebten vndereinander wie dz Viehe ... Die von China
treiben in den Insuln gross Gewerb«. (J. H. Lindschotten 1596, deutsch
Gebr. Brey Frkft. 1613 S. 58). Vergl. auch The Dutch memor. Embassies
I. 140; Morga Hakl. 18, Anm.; Purchas 602; Don Juan Grav y Monfalcon
Mem. al Rey No. 6; Calendar of State Papers, China & Japan No. 266;
Manrique Itinerario de las Misiones, Roma 1653 S. 282.

[278] In den Philippinen werden die Chinesen gewöhnlich Sangleyes
genannt. Nach Professor Schott: sang-lúi (im Süden szang-lói auch
senng-lói) mercatorum ordo; sang heissen besonders die ambulanten
Händler, im Gegensatz zu den Kù, tabernarii.

[279] .. Es ist ein schlechtes lasterhaftes Volk, .. und da
ihrer so viele, und sie grosse Esser sind, so vertheuern sie die
Lebensmittel und verzehren sie ... es ist wahr, dass die Stadt ohne
die Chinesen nicht bestehn kann, denn sie sind die Arbeiter in allen
Beschäftigungen, sie sind sehr fleissig und schaffen um geringen Lohn,
aber dafür würde eine geringere Anzahl ausreichen. (Morga f. 349.)

[280] Recopilacion Lib. IV. Tit. XVIII. ley 1.

[281] Informe I, III. 73.

[282] Die Chinesen durften nicht in der Stadt, sondern nur in einem
besondern Bezirk Parian wohnen.

[283] Velarde 274.

[284] s. folgendes Kapitel.

[285] Zuniga XVI.

[286] Autos acordados II. 272. 279.

[287] Kein einzelnes Volk in Europa kann sich auch nur entfernt mit
der Bevölkerung Californiens messen, die aus allen Ländern auserlesen,
in den ersten Jahren wenigstens nur aus strebsamsten Männern in der
Fülle ihrer Kraft bestand, ohne Greise, ohne Weiber, ohne Kinder, --
deren Thätigkeit in einem Lande, wo alles geschaffen werden musste, (da
auf hunderte von Meilen kein zivilisirter Nachbar wohnte) und wo alles
Schaffen märchenhaften Gewinn brachte, auf die äusserste Grenze des
Möglichen gesteigert war. Ohne hier auf Einzelheiten ihrer Leistungen
einzugehn, mag nur daran erinnert werden, dass sie in 25 Jahren einen
mächtigen Staat gegründet, dessen Ruf die ganze Welt erfüllt, an dessen
Rändern ringsum junge Territorien kräftig aufsprossen, deren zwei schon
zu Staaten herangewachsen sind. Nachdem die Californischen Goldgräber
die Konfiguration des Bodens ganzer Provinzen geändert, indem sie
mit Titanengewalt die Erdmassen ausgedehnter Hügellandschaften ins
Meer schwemmten, um sich durch sinnreich ersonnene Vorrichtungen
die feinsten darin enthaltenen Goldstäubchen anzueignen, setzen sie
die Welt jetzt in Erstaunen als Ackerbauer, deren Erzeugnisse auf
die fernsten Märkte gehn und überall unbestritten den ersten Rang
einnehmen. So Grosses hat ein Volk geleistet, dessen Gesammtzahl
heut wohl kaum eine halbe Million übersteigt, und dennoch wird es
ihm nicht leicht, den Wettkampf mit den Chinesen zu bestehn.

[288] Sämmtliche Schienen in einer Gesammtlänge von fast 103,000 Fuss
Rh. und von 20,000 Ztr. Gericht wurden von acht Chinesen gelegt, die
in Gruppen von vier Mann einander ablösten. Aus zehntausend Arbeitern
waren sie als die tüchtigsten ausgewählt.

[289] Am 27. April fiel Magellan, von einem vergifteten Pfeil
getroffen, auf der kleinen Insel Mactan, vor dem Hafen von Cebu. Sein
Lieutenant Sebastian de Elcano umschiffte das Kap der guten Hoffnung,
brachte am 6. September 1522 eines der fünf Schiffe, mit denen Magellan
1519 aus San Lúcar ausgelaufen, und 18 Mann, darunter Pigafetta,
nach demselben Hafen zurück und vollendete so die erste Weltreise,
in 3 Jahren weniger 14 Tagen.

[290] Morga f. 5. -- Nach späteren Schriftstellern sollen sie schon
von Villalobos 1543 also benannt worden sein.

[291] Nach Morga (f. 140 v.) gab es in jenen Inseln weder Könige
noch Herren, sondern in jeder Insel und Provinz viele Vornehme,
deren Anhänger und Unterthanen in Quartiere (Barrios) und Familien
eingetheilt waren. Solchen Häuptlingen wurden Abgaben von der Ernte
(Buiz) und Frohnden geleistet, ihre Verwandten aber waren von den
Leistungen der Plebejer (Timauas) befreit. Die Häuptlingschaften waren
erblich, der Adel ging auch auf die Frauen über. Zeichnete sich ein
Häuptling besonders aus, so folgten ihm die Uebrigen, behielten aber
die Herrschaft über ihre durch besondere Beamte verwaltete Barangays.

Ueber das unter den Eingeborenen bestehende System der Sklaverei
berichtet Morga (f. 141 -- abgekürzt): Die Bewohner dieser Inseln
zerfallen in drei Klassen: Adelige, Timauas oder Plebejer, und Sklaven
der Adeligen und der Timauas. Es giebt verschiedene Arten von Sklaven,
einige in ganzer Sklaverei (Saguiguilires); sie dienen im Hause,
ihre Kinder desgleichen. Andre bewohnen mit ihren Familien eigene
Häuser und leisten ihrem Herrn Dienste zur Saat- und Erntezeit,
auch als Ruderknechte und beim Hausbau etc. Sie müssen kommen so oft
sie gerufen werden, und diese Dienste leisten ohne Bezahlung oder
Entschädigung, sie heissen Namamahayes, ihre Verpflichtungen gehn
auf ihre Nachkommen über. Von diesen Saguiguilires und Namamahayes
sind einige Vollsklaven, andre Halbsklaven und andere Viertelsklaven.

Wenn nämlich der Vater oder die Mutter frei war, so wird der einzige
Sohn halb frei und halb Sklave; bei mehreren Söhnen erbt der erste den
Stand des Vaters, der zweite den der Mutter, bei unpaarigen Kindern,
ist das letzte halb frei und halb Sklave; die Nachkommen solcher
Halbsklaven mit einem oder einer Freien sind Viertelsklaven. Die
Halbsklaven, gleichviel ob Saguiguilires oder Namamahayes, dienen
ihrem Herrn einen um den andern Monat. Halb- und Viertelsklaven
können auf Grund des freien Theiles, der in ihnen ist, ihren Herrn
zwingen sie für einen festgesetzten Preis frei zu lassen. Vollsklaven
haben dieses Recht nicht. Ein Namamahaya gilt halb so viel als ein
Saguiguilir. Alle Sklaven sind Eingeborene.

f. 143 v.: Eine Sklavin, die von ihrem Herrn Kinder hatte, wurde
dadurch frei sammt diesen Kindern. Letztere galten aber nicht für
wohlgeboren, nahmen nicht an der Erbschaft Theil, auch die Vorrechte
des Adels, falls der Vater diesem Stande angehörte, gingen nicht auf
sie über.

[292] Sehr wahrhafte und gewisse Beschreibung von dem, was
neulich bekannt geworden über die neuen Inseln des Westens ... von
H. R. Sekretär der Regierung dieser Inseln. Sevilla 1574. Morga
Hakl. 389.

[293] Relation et Mém. de l'estat des isles Ph. Thévenot 28.

[294] Bulle Gregor XIV. 18. Apr. 1591.

[295] Morga Hakl. 328.

[296] v. Chamisso (Bemerkungen und Ansichten S. 72) weiss es dem
Uebersetzer des Zuñiga Dank, dass er ihn der Pflicht überhoben bei
dieser eklen Geschichte zu verweilen; doch ist Zuñiga's Erzählung immer
noch verhältnissmässig kurz und sachlich; die mit Recht abgekürzte
engl. Uebersetzung enthält viele Fehler.

[297] Herzog von Almodovar Informe I. III. 199.

[298] Ich erlaube mir ein Beispiel anzuführen: Als ich mich 1861 an der
Westküste von Mexico befand, bestand der zur Zeit durch die Invasion
europäischer Mächte vereitelte Plan ein Dutzend nordamerikanischer
Hinterwäldlerfamilien im Yaquithal (Sonora), einer Oase in der Wüste,
anzusiedeln. Grosse einheimische Hacendéros erwarteten die Ankunft
dieser Einwanderer, um sich unter ihrem Schutz anzusiedeln. Der
Bodenwerth war nach Verlautbarung des Projektes beträchtlich gestiegen.

[299] Morga f. 156.

[300] 1867 wurde die Zahl der gewerbesteuerpflichtigen Chinesen auf
2589 geschätzt, davon gehörten 30 zur 1ten, 517 zur 2ten, 812 zur
3ten, 746 zur 4ten Steuerklasse. Von einer Gesammtbevölkerung von
18600 waren etwa 525 Landbauer. (Engl. Kons. 1869.)

[301] Zu Morga's Zeit wurde den spanischen Beamten und Geistlichen
wöchentlich eine Anzahl Leute zugewiesen (Polistas), die ihnen für
geringen Lohn (1/4 r. täglich und Reis) häusliche Dienste verrichten
mussten.. Alle übrigen, Spaniern geleisteten Dienste, auch bei der
Schifffahrt, bei Bauten u. s. w. waren freiwillig und nach Verabredung
zahlbar. (Morga 156 v.)

[302] Crawfurd (Dict. 345) verweist auf die Aehnlichkeit der Barangays
mit den angelsächsischen Hundreds and tithings.

[303] Diese Zentralkasse (caja central = caja del ramo = caja
real) enthält zu Zeiten bis 40 Millionen Realen (fast 3 Millionen
Thlr.). Dieser, aus den Ueberschüssen entstandenen Kasse entlehnt
die spanische Regierung Geld, wenn sie es gebraucht, beispielsweise
war der Bestand der Kommunalkasse im Oktober 1866 = 83,137 Esc.,
der der Propios und Arbitrios = 413,534 Esc., zusammen = 4,966,710
Realen. Eine mir zur Einsicht mitgetheilte R. O. vom 6. März 1866
befahl Anstalt zu treffen, um eine vom Staatsschatz geschuldete Summe
von 2,250,364 Realen an die Zentralkasse der Kolonie zurückzuzahlen.

[304] Die Verordnung von 1786 ist nie zur Ausführung gekommen,
weil sie dem Wesen der spanischen Kolonialpolitik widerspricht;
thatsächlich werden solche Ueberschüsse nach Madrid gesandt und
dort zur Deckung der dringendsten Bedürfnisse verwendet. In den
Philippinen wird fast nichts, wie bereits mehrfach erwähnt, für
produktive Anlagen verausgabt.

[305] (Sinibaldo Mas) La Chine et les puissances chrétiennes,
Paris 1861.

[306] Vermuthlich Lei-tschi, Nephelium litchi Wight.

[307] Es schien angemessen hier nur den Flächeninhalt der grösseren
Inseln zu geben. Die mehrere Seiten umfassende, von einem Hülfsarbeiter
des Generalstabes, auf Grundlage der Coello'schen und der spanischen
hydrographischen Karte ausgeführten Berechnungen sämmtlicher Inseln
haben nur für Geographen Interesse, und sollen daher unverkürzt in
einem der nächsten Hefte der Berliner Zeitschrift der Gesellschaft
für Erdkunde erscheinen.

[308] F. B. Engelhardt, Der Flächenraum der einzelnen Staaten in
Europa und der übrigen Länder auf der Erde. Berlin 1853.

[309] Rechnet man hierzu, wie im Anuario, die thatsächlich unabhängigen
Inseln Basilan 23.2, Sulu 14.5, Taui-taui etc., zusammen 27.5
quadr. M., so erhält man 6365.5 quadr. M.

[310] Bemerkungen und Ansichten auf der Entdeckungsreise von O. von
Kotzebue 1821.

[311] Geognostische Beobachtungen auf der Reise von O. von Kotzebue
1829.

[312] Reise um die Erde. Berlin 1835.

[313] Constitucion geognostica de las Islas filipinas. Anales de
minas. 2. 197-212. 1841. Spätere Bände habe ich nicht einsehen können.

[314] Voyage de la Bonite. Géologie. Paris 1844.

[315] U. S. Exploring expedition under the command of
C. Wilkes. Geology by Dana. Philadelphia 1849.

[316] Wiener Akad. Ber. 36. 121. 1859.

[317] Zs. geol. Ges. 14. 358. 1862.

[318] Zs. f. allgem. Erdkunde. N. F. 10. 249. 1861 u. 13. 81. 1862.

[319] Kosmos. Bd. 4. 405.

[320] Auch auf Java fand L. Horner (J. Miner. 1838. 2) in einigen
der Südsee zufallenden Flüssen »granitische, syenitische und
dioritische Gesteine«, über welche ich bei Junghuhn keine Angabe
finde. Vgl. Jahrb. geol. Reichsaust. 9. 291 und 294. 1858.

[321] Die Lage des Serangani in oder bei Mindanao erscheint nicht
sicher festgestellt. Ob der Vulkan von Davao, an der Bai von Davao
oder Tagloc, und der von Sujut (O. der Bai von Ilana) thätig sind
oder nicht, ist ungewiss. Von einem Vulkan auf der zwischen Mindanao
und Negros gelegenen Insel Siquijor oder de Fuegos ist nichts Genaues
bekannt.

[322] Semper Skizzen, p. 14.

[323] Horsburgh (Citat in Berghaus, geohydrographischem Memoir von
den Philippinen 1832) spricht von einer Lava oder Cap islet genannten
Insel mit Lavamassen, nördlich vom Cabo Engaño. Bezieht sich diese
Angabe auf Camiguin?

[324] Vom Mainit, der eng verbunden zu sein scheint mit dem Maquiling,
sagt de la Gironière (Citat in Perrey Documents sur les tremblements
de terre dans l'archipel des Philippines), dass er bisweilen Flammen
und Rauch ausstösst. Dieser Berg wäre demnach in die Reihe der thätigen
Vulkane zu stellen.

[325] Entdeckungsreise. II. 137.

[326] Vgl. auch Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 6. 71. 1859.

[327] Dana l. c. 545 sah dort Blöcke zelliger Lava und graue Tuffe,
denen von Manila ähnlich.

[328] A. von Humboldt. Kosmos IV. 522 u. 287.

[329] S. die Abbildung in Choris Voyage pittoresque. 1820.

[330] U. S. Explor. Expedition V. 317.

[331] Bull. soc. géogr. 19. 79. 1842, im Auszuge in d'Archiac
hist. d. progrès de la géologie. 1. 544. 1847.

[332] Description physique des îles Canaries. Paris 1836. 437.

[333] Citat bei Chevalier p. 227.

[334] d'Archiac histoire de la géologie 3. 520.

[335] Die Nummuliten von Borneo beschrieb Verbeek im
Jahrb. Miner. 1871. 1.

[336] Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 13. 86.

[337] l. c. 204.

[338] Vgl. die Angabe von Itier. S. 7.

[339] Vgl. die krystallographischen Bestimmungen von
Dauber. Wien. Akad. Ber. 42. 26.

[340] Es liegt dort gewonnenes Kupfer vor.

[341] Weiter östlich sollen 6 Stunden von Lauang flussaufwärts bei
Binontuan marmorartige Kalke anstehen.

[342] Die Zähne sind etwas zahlreicher und schmaler als bei
A. inaequivalvis Brug.

[343] M. Thévenot, Rélations de divers voyages curieux. Paris
1591. (Wie später angeführt wird, war die Jahreszahl irrig.)

[344] Die Makrocephalen im Boden der Krym und Oesterreichs. Mém. de
l'acad. imp. des sciences de St. Pétersbourg. Sér. VII. T. II. No. 6.

[345] L. A. Gosse, Essai sur les déformations artificielles du
crâne. Annal. d'hygiène publique et de méd. légale. Paris 1855. Juill.

[346] Da seit Thévenot kein neuerer Autor von der Flathead-Mode auf
den Philippinen spricht, so wird man diese Schädel mindestens nicht
hinter das 16. Jahrhundert verlegen. Die Kalkincrustation konnte sich
in einigen Jahrhunderten ganz wohl gebildet haben, doch ist es auch
denkbar, dass nach ihrer Bildung die Schädel beliebig lange unverändert
bleiben, und dass sie dennoch einer sehr viel älteren Zeit angehören.

[347] Für zwei Schädel von Madura bei J. van der Hoeven
(Catal. craniorum p. 38) berechne ich den Breitenindex zu 80,4 und
78,4, den Höhenindex zu 79,7 und 84,6.

[348] Meyen (Nova
Act. Acad. Leop. Car. 1834. Vol. XVI. suppl. I. p. 47), der auch
den Schädel einer Tagalin von Manila abbildet, rechnet diesen Stamm
nebst den Bewohnern der Carolinen, Marianen u. s. w. zur Rasse der
Oceanier. Schetelig (Transact. Ethnol. Soc. 1868. VII.) stellt die
Luzonesen bestimmt zu den Malaien. Nach seinen Messungen hat ihr
Schädel einen Breitenindex von 83,5 bei einem Höhenindex von 77;
Davis habe bei Bisayer-Schädeln 80 und 79 berechnet.

[349] Welcker berechnet für diese einen Breitenindex von 75 bei einem
Höhenindex von 77. Einer der Dajak-Schädel bei van der Hoeven hat
einen Breitenindex von 75,2, ein zweiter von 78,7.

[350] Schädel und Skelet gehören jedoch offenbar nicht zusammen.

[351] Der eine trägt die Inschrift Semarrona Ilamada Omang, der andere
Semarron Ilamado Baringeag (?).

[352] Die von Hrn. Jagor geäusserte Meinung, dass dieser Berg identisch
mit dem Vulkan Yriga sein müsse, der in der Provinz Camarines auf
Luzon am See Bugi oder Buhi liegt, ist später von Hrn. Schetelig
bestätigt worden. In einem früheren Briefe nennt Hr. Schetelig den
Häuptling Capitän Juan Galapnid.

[353] Das Os femoris ist 38 Centim. lang, die Tibia 30,5, das Os
humeri 27, der Radius 21.

[354] Die Stelle steht in Relations de divers voyages curieux, Paris
1664, II., und zwar in der Relation des Isles Philipines, faite
par un religieux qui y a demeuré 18 ans, p. 6. Es heisst daselbst:
ils auoient accoustumé dans quelques-unes de ces Isles, de mettre
entre-deux ais la teste de leurs enfans, quand ils venoient au monde,
et la pressoient ainsi, afin qu'elle ne demeura pas ronde, mais
qu'elle s'estendit en long; ils luy applatissoient aussi le front,
croyant que c'estoit un trait de beauté de l'auoir ainsi.

[355] Pour ce qui est des dents, elles (les femmes) imitent en tout
les hommes: ils se les liment dès leur plus tendre jeunesse, les vns
les rendent par là esgales, les autres les affilent en pointes, en
leur donnant la figure d'une scie, et ils couvrent d'un vernis noir
et lustré, ou de couleur de feu, et ainsi leurs dents deuiennent
noires ou rouges comme du vermillon; et dans le rang d'en haut,
ils font vne petite ouuerture qu'ils remplissent d'or, qui brille
d'avantage sur le fond noir ou rouge de ces vernis.

[356] Nach einer Mittheilung des Hrn. Semper feilen nur die Negritos
von Mariveles und der Nachbarbezirke die Zähne in der angegebenen
Weise. Bei den übrigen Negrito-Stämmen, welche er besuchte, fand er
diese Sitte nicht.





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