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Title: U-Boot-Abenteuer im Sperrgebiet
Author: Selow-Serman, Karl Emil
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

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to all interested parties worldwide free of charge for
non-commercial use.)



  U-Boot-Abenteuer im Sperrgebiet

  [Illustration]



  Alle Rechte, auch das der Uebersetzung, vorbehalten.
  Copyright 1917 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.



  U-Boot-Abenteuer
  im Sperrgebiet

  Von

  K. E. Selow-Serman

  Druck und Verlag August Scherl G. m. b. H.
  _Berlin_



Inhalt


                                   Seite

  Die U-Bootsfalle                     7

  Die Minenpest                       19

  Der deutsche U-Boot-Walfisch        32

  Das geheimnisvolle Segelschiff      40

  Zwischen den Sperrgebieten          53

  Der kritische Augenblick            70

  Das brennende Meer                  84

  Der deutsche Reservist              96

  Der Konvoi                         107



Die U-Bootsfalle


»Nu will ick dir aber mal wat verklaren. Hör bloß mit din dammeligen
Quatschen up, sonst hang ick di mol fif Minuten öwer Bord. Du bist ja'n
gräsigen Kirl«, schnauzt der Obermatrose Tönjes den Matrosen Lehmann aus
Berlin an, der seine erste Fahrt auf »U 217« macht; trotzdem spinnt er
ein Seemannsgarn, als hätte er jahrelang schon nichts anderes getan als im
Sperrgebiet ein Schiff nach dem anderen versenkt.

Seit einigen Tagen liegt das Boot auf der südlichen Anmarschstraße
zur Irischen See auf Lauer. Mehrere Schiffe sind ihm bereits zum Opfer
gefallen. Gegen schweren Nordwestwind war »U 217« von Helgoland
ausgelaufen und hatte seinen Weg mühsam nordwärts um Schottland herum
genommen. Oft schien es, als ob es überhaupt nicht weiterginge, so schwer
haute das kleine Fahrzeug in die See ein. Wachoffizier und Rudergänger
mußten mit Leinen festgebunden werden, um nicht durch die unablässig
über den Turm hinweg jagenden schweren Brecher über Bord gerissen zu
werden. Jeden Augenblick zitterte das ganze Boot unter dem krachenden
Aufschlagen der Tiefenruder. An einigen Stellen platzten Nieten los,
das Geländer verbog sich, ein Stück der Beplattung hatte sich bereits
losgearbeitet.

Und erst im Innern! Den Leuten war es fast unmöglich, den tollen
Bewegungen ihres Fahrzeuges zu folgen. Wieder und wieder stand der
Kommandant vor der Überlegung, zu tauchen, um dem Geschüttle und
Geschlingere durch Aufsuchen der ruhigeren Tiefe zu entgehen. Der
elektrische Antrieb aber ist kostbar. Vor einigen Tagen erst hatte
Deutschland die Gewässer rings um England als Sperrgebiet erklärt, wer
konnte wissen, welche Gegenmaßregeln die Engländer ergriffen hatten.
Jeder Augenblick konnte das Tauchen für unbestimmt lange Zeit erfordern,
da hieß es, die elektrische Kraft voll aufgespeichert zu halten.

Als hätte die deutsche Bekanntmachung die See reingefegt, so zeigt sich
kein Schiff in der weiten Nordsee. Selbst die so gewinntüchtigen Norweger
sind verschwunden; anscheinend brauchen sie noch Zeit zur Überlegung, wie
sie sich möglichst ungefährdet nach England durchschleichen können. Noch
vor wenigen Wochen -- kaum vierzehn Tage sind es -- bei der Rückkehr von
der letzten Fahrt, sah es hier etwas anders aus. Kein Tag verging, der
nicht mehrere Rauchfahnen oder die hellen Segel skandinavischer Schiffe
in Sicht brachte, -- jetzt sind selbst die Fischer verschwunden. Wie
ausgestorben liegt die See, als wenn sie ausschließlich nur den deutschen
U-Booten und den Möwen gehörte. So weit das Auge auch zu blicken vermag,
überall heben sich die schweren grünlichgläsernen Wellenberge aus der
See, weißer Gischt züngelt herauf, krachend brechen sie in das Tal hinab.
Tagelang. Immer das gleiche, eintönige und doch so gewaltige Bild. Bis
endlich »U 217« zwischen den Shetlandsinseln und der Nordküste von
Schottland steht.

Hier scheint besseres Wetter zu kommen. Zusehends verschwindet der
Gischt, der Seegang nimmt ab. Die ersten feindlichen Streitkräfte werden
gesichtet: einige Fischdampfer, die als Bewachungsfahrzeuge ihren so
unangenehmen Dienst versehen. Ein unbemerktes Vorbeikommen über Wasser ist
unmöglich. So wird hier also zum erstenmal getaucht, um das Gejagtwerden
zu vermeiden, würden die Kerle drüben doch sofort die Anwesenheit
deutscher U-Boote melden und ihnen einige Zerstörer auf den Hals hetzen.

In der Nacht wird die Straße zwischen den Orkneys und Shetlandsinseln
passiert. An Backbord tauchen in der Ferne einige Lichter, anscheinend
Leuchtfeuer, auf. Stunden später, im Grauen des anbrechenden Morgens,
liegt das Boot auf südlichem Kurs und strebt dem ihm zugewiesenen
Operationsfelde, der nördlichen Biscaya und dem Westausgang des Kanals,
zu.

Trotzdem die lange Dünung des Atlantik noch ziemlich hoch läuft, ist
hier doch ein erträgliches Fahren. Zwar ist das Deck selbst noch nicht
begehbar, auf dem Turm aber läßt es sich schon aushalten. Auch die
unangenehme Kälte ist weicheren, aus Süden wehenden Winden gewichen.
Seit die Südküste Irlands querab liegt, ist dann auch die See so ruhig
geworden, daß die dienstfreie Mannschaft sich an Oberdeck gründlich
auslüften kann.

Im Schutz des Turmes hocken sie dicht aneinandergedrängt, und Orje
Lehmann, der Berliner Flunki, wie er nach wenigen Tagen schon genannt wird,
erzählt. Wie er einen ungeheuren Cunarder nach dem andern versenkte,
einen voll beladenen Munitionsdampfer gegen den Himmel fliegen machte,
dann wieder schildert er in glühenden Farben den Untergang eines
Transportdampfers und berichtet, wie Tausende von Khakimännern im Wasser
herumkrabbelten, bis er schließlich mit einem wohlgezielten Torpedoschuß
ein englisches Großkampfschiff erledigt. Grade aber als es kieloben
wegsacken will, wird er in gröblicher Weise von Tönjes unterbrochen.

Seit zehn Minuten schon, während die Khakimänner nach Lehmanns
Schilderung in rechts abmarschierenden Sektionskolonnen den Weg nach unten
antreten, kribbelt es dem in den Fingern. Als dann aber schließlich der
englische Überdreadnought sich in seine Bestandteile auflöst, legt er
zornentbrannt los. Von allen Seiten wird der unglückliche Lehmann mit den
liebevollsten Bezeichnungen zugedeckt. Während er noch überlegt, wie er
sich am schleunigsten verdrücken könnte, kommt schon die Erlösung in
Form einer dicken Rauchwolke, die soeben vom Turm gemeldet wird. Im Westen,
eben über der Kimm, taucht die dunkle Fahne auf.

Im Nu springt die Gesellschaft, die sich im Schutze des Turmes recht wohl
gefühlt hatte, hoch und starrt nach der angegebenen Richtung. Die Gläser
des Brückenpersonals haben das Fahrzeug, dessen Masten soeben über der
Kimm erscheinen, erfaßt und lassen es nicht mehr aus dem Gesichtsfeld. Der
Wachoffizier ist auf das Brückengeländer geklettert, um einen möglichst
hoch gelegenen Ausblick zu haben.

»Melden Sie dem Kommandanten: »In West-Südwest ein Dampfer, der auf uns
zuhält. Anscheinend ein Frachtdampfer; hohe Aufbauten fehlen.«

Noch ist das letzte Wort nicht verhallt, als der Kommandant, der in seinem
Raum bereits gehört hat, daß ein Schiff in Sicht sei, aus dem Turmluk
heraufkommt.

Es ist zwei Uhr nachmittags. Die Strahlen der Februarsonne, die nahezu
über dem Dampfer steht, lassen die Umrisse des Schiffes, das sich nur
langsam über die Kimm heraufschiebt, vorläufig undeutlich erkennen.
Ein breiter Schiffsrumpf nur, mit ungewöhnlich niedrigem Schornstein und
ebenso niedrigem Mast sind auszumachen.

»Das scheint ja ein ganz besonderer Vogel zu sein«, wendet sich der
Kommandant an seinen Offizier, der bei dem schlingernden Boot einen nicht
gerade leichten Stand auf dem Geländer hat, »den wollen wir uns doch
etwas von der Seite besehen.«

Mit großer Fahrt läuft »U 217« ab, bis die Umrisse des Dampfers klar
hervortreten. Ein Tankdampfer von ungefähr 3000 Tonnen. Fast am Heck steht
der Schornstein, davor der weiße Aufbau der Brücke. Drei Viertel des
Schiffes liegen vor den Kesseln. In riesigen Tanks bergen sie das für die
englische Flotte so kostbare Heizöl.

Die Nationalität des Schiffes ist auf die fast sieben Seemeilen betragende
Entfernung noch nicht zu erkennen. Schließlich ist das aber auch ganz
gleichgiltig. Der Bursche drüben führt unbedingt Bannware an Bord und
befindet sich zudem hier im Sperrgebiet. Lange, viel zu lange für
die U-Boot-Leute, die sich mit jedem bewaffneten feindlichen Schiff
herumschlagen mußten, hat es ja gedauert, bis die deutsche Regierung
sich endlich entschloß, die ihr zu Gebote stehenden Seekriegsmittel
uneingeschränkt anzuwenden. Der Verlust dieses Schiffes muß von den
Engländern noch bitterer empfunden werden als jede andere nach ihren
Häfen bestimmte Ladung. Schon vor Beginn des Krieges ist die englische
Admiralität immer mehr zur Ölfeuerung übergegangen. Die Linienschiffe
der Queen-Elizabeth-Klasse, die neuesten Schlachtkreuzer, Dutzende von
kleinen Kreuzern und Zerstörern sind für reine Ölfeuerung eingerichtet.
Fast vierzehn Tage könnten ihre neuesten Kreuzer und Zerstörer mit dem
Brennstoff fahren, der dort herangeschleppt wird.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß er ein Geschütz führt; muß doch die
englische Admiralität trachten, sich diese Schiffsklasse, an der ohnedies
großer Mangel herrscht, möglichst zu bewahren. Also Vorsicht!

Tiefbeladen zieht der Tankdampfer ahnungslos seinen Kurs nach England
zu. Etwa sechstausend Meter noch sind die beiden Fahrzeuge voneinander
entfernt, als auf »U 217« ein Feuerstrahl aufblitzt. Weißlicher
Pulverdampf zieht seitwärts, Sekunden später schlägt direkt vor dem Bug
des Engländers die Granate ein. Eine zweite heult dicht über die Brücke
hinweg. Das genügt. Der Kapitän scheint nicht so harthörig wie so
manche seiner Landsleute zu sein. Er stoppt unverzüglich, zischend strömt
weißer Dampf aus der Vorkante des Schornsteinrandes. Zwei Boote werden
gefiert, stoßen ab und rudern hastig nordwärts der irischen Südküste
zu, die sich wie ein dunkler Strich aus der See hebt. Anscheinend von
seiner Besatzung völlig verlassen, liegt der Dampfer leicht schlingernd in
der Dünung.

In dieser Gegend aber ist äußerste Vorsicht am Platze. Zu oft schon hat
englische Hinterlist, auf die Harmlosigkeit der Deutschen rechnend, die
meuchlerischsten Überfälle gewagt. Traue einer dieser Bande!

Getaucht kommt »U 217« heran. Durch das Sehrohr wird der Bursche von
allen Seiten beäugt. Kein Geschütz ist zu sehen, kein Lebewesen scheint
an Bord; nur in tauend Meter Entfernung etwa die beiden Boote, die
schleunigst dem Land zustreben. Um das Schicksal des Schiffes scheint sich
kein Mensch drüben bekümmern zu wollen.

Zwischen der Besatzung, die sich immer weiter entfernt, und dem Schiff
taucht »U 217« auf. Eben gibt der Kommandant den Befehl: »Sprenggruppe
klarmachen«, als schmetternd an vier Stellen gleichzeitig auf dem
harmlosen Tankdampfer die Reling außenbords herunterschlägt. Unmittelbar
darauf spritzen aus den Öffnungen Feuerstrahlen auf, krachend fegen die
Granaten heran ... in Turm und Oberdeck. U-Bootsfalle.

Instinktiv fast gellt schon beim Herunterklappen der Reling der Ruf
»Schnelltauchen« in die Zentrale, und mit einem Satz springen die auf
der Brücke Befindlichen durch den Lukdeckel in das Boot ... Mit dumpfem
Schlage klappt er zu, Sekunden darauf steckt »U 217« die Nase weg. Noch
einige Treffer dröhnen gegen die gepanzerte Turmwand, dann schließt sich
das Wasser über dem Boot, zwölf Meter. In Sicherheit!

Hier können ihm die kleinkalibrigen Granaten der U-Bootsfalle nicht
mehr gefährlich werden. Tatsächlich verstummt der Lärm der berstenden
Granaten. Kaum aber ist das beruhigende Gefühl des Geborgenseins
eingetreten, als ein Krach, wie wenn ein schwerer Hammer dröhnend
gegen Eisen schlägt, und unmittelbar darauf ein zweiter an der Bordwand
erklingt. Das Licht erlischt, einzelne Leute stürzen zu Boden und werden
wirr durcheinander geschüttelt. Kommandos gellen durch die Räume, die in
tiefem Dunkel liegen. Unverzüglich aber haben die Leute sich aufgerappelt
und ihre Tauchstation eingenommen. Schon flammt auch der Schein der
Reservebeleuchtung auf.

»Beschädigungen melden!«

An einigen Stellen werden Wassereinbrüche von Schußlöchern, die durch
Granatsplitter verursacht sind, gemeldet; bedeutend unangenehmer aber sind
die Störungen, die durch die Wasserbomben entstanden sind. Die
beiden Boote müssen sofort, nachdem die Falle das Feuer eröffnete,
verabredungsgemäß umgekehrt sein und zwei Bomben geschleudert haben.
Die Akkumulatoren haben gelitten; besonders gefährlich scheint, daß die
Tiefensteuerung nicht mehr einwandfrei arbeitet. Durch Gegenmaßnahmen,
die so oft geübt sind, versucht die Besatzung das Boot unten zu halten --
umsonst. Von Sekunde zu Sekunde wächst die Gefahr .... Es heißt hinauf
um jeden Preis ... Zum Glück können die Tanks ausgeblasen werden.

In zweitausendfünfhundert Meter Entfernung von der U-Bootsfalle stößt
der Turm über die Oberfläche empor. Im gleichen Augenblick aber fegen
auch schon wieder die englischen Granaten ringsherum. Tauchen ist nicht
mehr möglich, es heißt das Artilleriegefecht aufnehmen, den Kampf bis zum
bitteren Ende auskämpfen.

Die Geschütze sind besetzt. Kaum ist die Entfernung eingestellt, als
jetzt auch von »U 217« die ersten Geschosse hinübersausen und berstend
einschlagen. Die Dieselmotoren arbeiten einwandfrei. Um sich möglichst
aus dem Bereich der feindlichen Granaten zu bringen, läuft das Boot ab und
vergrößert die Entfernung zwischen sich und dem Feinde.

Hinüber und herüber fegen die Geschosse. Der Dampfer trifft das
verhältnismäßig kleine Ziel nicht mehr, um so besser aber funken die
beiden Nummern Eins an den Geschützen in die hochragenden Bordwände
hinein. Drüben muß es schon böse aussehen.

Während an Oberdeck ununterbrochen die Verschlüsse klirren und die
Schüsse schnell aufeinander folgen, sind im Innern alle Hände fieberhaft
tätig, die Schäden nach Möglichkeit zu beseitigen; das Dringendste ist
das Dichten des Turmes, um die Zentrale, die durch Geschoßtreffer und
die Wasserbomben am schwersten gelitten hat, wieder instand zu setzen.
Tatsächlich gelingt es den vereinten Kräften auch, den Turm mit
Bordmitteln wenigstens notdürftig abzudichten. Dann werden die übrigen
Gefechtsstörungen je nach ihrer Wichtigkeit und soweit es hier eben
angängig ist, beseitigt. Glücklicherweise ist von der Mannschaft niemand
ausgefallen. Die glänzende Durchbildung der ganzen Besatzung macht sich
bei dieser Arbeit geltend. Jeder weiß, daß es ums Leben geht, daß von
der zuverlässigen Arbeit des Einzelnen das Schicksal des Bootes und damit
sein eigenes abhängt. Nirgends eine Überstürzung oder ängstliches
Hasten.

Etwa fünfzig Hektometer liegt der Tankdampfer ab, immer noch im Feuer des
Bootes, das er mit seinen Geschützen aber nicht mehr erreichen kann, als
plötzlich von Steuerbord Feuer auf »U 217« eröffnet wird. Ein neuer
Feind!

Durch den Kanonendonner herbeigelockt, kommt ein Kleiner Kreuzer heran.
Durch die beiden Schornsteine und die niedrige Form der Aufbauten entpuppt
er sich als einer der während des Krieges neu erbauten Zerstörer der
Foxglove-Klasse, ein Gegner, der deutschen U-Booten nicht ganz ungewohnt
ist. Schon mehrere dieser Gattung haben daran glauben müssen. An
Geschwindigkeit ist er den über Wasser fahrenden Booten nicht überlegen,
bedeutend gefährlicher aber ist die Zahl seiner Geschütze. Allerdings
scheint es mit seinen Schmeißbüchsen nicht weit her zu sein. Immer
näher an ihn heran rücken die Geschoßaufschläge des U-Bootes. Durch
Zickzackfahren versucht er auszuweichen ... umsonst. Schmetternd schlagen
zwei Granaten bei ihm ein. Die Sache wird brenzlich, er bringt sich aus dem
Bereich der gefährlichen Geschütze.

Mit Südkurs fährt »U 217« weiter. Allmählich kommt die U-Bootsfalle
aus Sicht. Leider kann ihr und ihrer Besatzung der so reichlich verdiente
Lohn nicht mehr werden. Eine Genugtuung aber haben die Deutschen: viel von
der kostbaren Ladung bringen die nicht heim. Ununterbrochen strömt das
Heizöl aus den zahlreichen Schußlöchern, und der Weg bis zum Hafen ist
weit.

Tiefer sinkt im Westen die Sonne. Der Foxglove-Kreuzer hat dem U-Boot
nachgedreht und kommt wieder heran. Scheint britischem Seemannsdünkel das
klägliche Ausrücken vor dem kleinen Gegner doch zu jämmerlich? Freilich,
die Deutschen sind auf der Hut. Auf siebzig Hektometer eröffnet der
Engländer das Feuer ... er trifft nicht. Nach wenigen Minuten aber sitzt
bei ihm ein deutscher Einschlag. Er hat genug. Schleunigst dreht er ab,
gibt die Verfolgung auf und kommt mit einbrechender Dunkelheit aus Sicht.

Fast sechs Stunden hat die Besatzung ununterbrochen gearbeitet, an Erholung
aber ist vorläufig nicht zu denken. Jetzt heißt es, das Boot unbelästigt
vom Gegner so weit herzurichten, daß es wieder tauchfähig wird und den
Marsch nach der Heimat, der durch die feindlichen Linien führt, antreten
kann.

Tiefdunkel liegt die Nacht über dem Meere. Weitab nordwärts wischen
Lichtstrahlen über die See, In regelmäßigem Abstand leuchten sie auf,
verschwinden. Feindesland!

Kaum zwanzig Seemeilen ab stampft das kleine deutsche Boot gegen die
lange Dünung des Ozeans an. Kein Lichtschimmer dringt nach außen,
nichts verrät, daß hier deutsche Seeleute mit zusammengebissenen Zähnen
arbeiten. Ein Wille nur beseelt sie alle: Der Morgen muß sie klar finden
zu neuem Kampf.



Die Minenpest


»=Mersey pilotboat just ahead!=«

»=Aye.=«

»=Steamer or sailorboat?=«

»=Steamer!=«

Seit neun Tagen fast hetzt der White Star-Dampfer »Cymric«,
dreizehntausend Tonnen, mit höchster Geschwindigkeit über den Atlantik.
Seit Narraganset Feuerschiff achteraus aus Sicht kam, ist die Stimmung an
Bord ziemlich unruhig geworden. Im Hafen selbst war es freilich anders.
Im Gegensatz zu früheren Friedensfahrten hatte das Löschen keine Mühe
verursacht; hatte die »Cymric« doch mangels jeder Ladung in Ballast
nach Amerika gehen müssen. Kaum aber hatte das Schiff in New York am Pier
festgemacht, als auch schon polternd der erste Eisenbahnzug heranbrauste.
Und noch waren die Stellinge nicht ausgefahren, da neigten die Nocken der
Ladebäume sich schon über die Waggons, und stählerne Läufer heißten
die Ladung.

Tag und Nacht ratterten die Dampfwinden, verschwand Kiste um Kiste in
den ungeheuren Laderäumen. Ein Heer von weißen, schwarzen und gelben
Schauerleuten wimmelte durcheinander und hastete in schwerer Arbeit, bis
die Muskelkraft verbraucht war und die nächste Schicht sie ablöste.
Viele Tausende Granaten jeder Art, von der kleinen 3,7 Zentimeter
der Maschinenkanone bis hinaus zur wuchtigen Stahllast des
38,5 Zentimeter-Schiffsgeschützes, rollten heran. Millionen Patronen
verschwanden im Innern, Gewehre, Maschinengewehre, dann wieder
Geschützrohre, Lafetten, Lederzeug, Stacheldrahtrollen, kurz Material
genug, um mehrere Armeekorps für eine große Schlacht reichlich zu
versorgen. Immer tiefer tauchte der riesige Schiffskörper in das
schmutzige Hafenwasser des Hudson, längst war die Ladelinie erreicht; noch
mehr aber wurde hineingepackt, bis die Schwimmfähigkeit diesem Beginnen
ein Ziel setzte.

Der unangenehmste Teil der Last wurde schließlich an Oberdeck verstaut:
Stahlcylinder mit hochexplosiven Sprengstoffen und Säuren, deren Dämpfe
dazu bestimmt sind, den Gegner zu töten. Jetzt erst wurde der Besatzung
klar, welch' unangenehme Fracht sie an Bord hatte. Noch aber lag die
»Cymric« sicher vertäut am Pier des befreundeten Amerikas, bestand keine
Gefahr für das Schiff. Ein Heer von Geheimpolizisten sorgte an Land durch
schärfste Überwachung dafür, daß keiner von diesen damned Germans,
denen alles zuzutrauen war, eine Höllenmaschine an Bord schmuggelte. So
ganz ohne war die Geschichte ja nicht.

Bis es so weit war. Die Luks wurden geschlossen, das Schiff machte
»Dampf auf in allen Kesseln«; Schleppdampfer kamen längsseit, die
Festmacheleinen wurden losgeworfen, und es ging den Hudson abwärts. Die
Liberty Statue blieb achteraus zurück, im beginnenden Dunkel verschwand
an Backbord Sandy Hook, bis schließlich das letzte Seezeichen, die drei
Lichter des Narraganset Feuerschiff, durch die Nacht herüberleuchteten.

Das Rennen um Tod und Leben begann. Kein Mann an Bord, dem jetzt, wo
alles von der Aufmerksamkeit der Ausguckleute und der Treffsicherheit der
Kanoniere abhing, nicht die furchtbare Gefahr klar zum Bewußtsein kam.
Kein Teufel hätte sie auf diesen unheimlichen Pott gebracht, wenn die
Heuer nicht gar so lockend wäre und die englischen Hafenbehörden jeden
ins Gefängnis steckten, der sich weigerte auf seinem Schiff zu bleiben.
Ein Glück nur, daß es beim Barkeeper in der Freizeit einen ordentlichen
Schlag Whisky gab, mit dem sich das Unbehagen, das sich von Tag zu Tag
steigerte, verscheuchen und vergessen ließ. Konnte nicht jeden Augenblick
einer dieser german Submarines, die zur Hölle gehen mochten, schon hier
auftauchen? Zuzutrauen war ihnen alles. Was die Zeitungen in London von der
Wirksamkeit der englischen Abwehr faselten, das war gut für alte Weiber,
ein englischer Seemann aber weiß selbst nur zu genau, wie es damit in
Wirklichkeit bestellt ist.

Aber es ging gut. Kein Sehrohr weit und breit, keine Blasenbahn kam auf die
»Cymric« zu, um ihr die Rippen aufzureißen. Fünf Tage lang, in denen
der englische Munitionsdampfer mit höchster Fahrt auf gradem Kurs über
den Ozean fegte.

Sperrgebiet! Nun erst wurde die Sache äußerst brenzlich. Mit dem
Flaggenschwindel, der so erfolgreich betrieben worden war, ging es hier
ebenso wenig, wie mit dem Schutzamerikaner, wenn es auch nur ein dreckiger
Neger sein mochte. Der ganze Betrieb stand im Zeichen der wahnwitzigen
Furcht vor den deutschen U-Booten, jeder Blick erinnerte daran, jeder
Befehl des Captains brachte die Gefahr erst recht zum Bewußtsein.

Seit Stunden schon fuhr die »Cymric« einen Kurs, der dem eines
flüchtigen Hasen weit mehr ähnelte, als der stolzen Fahrt eines
britischen Transatlanters. Die Boote waren ausgeschwungen, Schwimmwesten
überall zum Greifen klar, die Geschütze geladen, alle Schotten
geschlossen, der Ausguck doppelt und dreifach besetzt. Was nützte das!
Mehr und mehr arbeiteten diese verd...... Nerven, die ein englischer
Seemann früher doch höchstens dem Namen nach kannte. Unter Deck getraute
sich keiner mehr so recht, manchen Mann des Maschinenpersonals hielt nur
die Angst vor dem Krummgeschlossenwerden in Heizraum und Bunkern. Ruhe?
Kein Auge kannte sie, Übernächtig ging es wieder in den Ausguck, an die
Arbeit, auf den Posten ... ohne Unterbrechung. Kannte doch der Feind
keine Schonung, keine Erholung auch für sich selbst. Zu jeder Tages-
und Nachtzeit konnten irgendwoher, hinter einem Wellenberg die Granaten
heranfegen, der furchtbare Schaumstreifen auftauchen. Und sah man ihn, dann
war es zu spät ...

Nachts hieß es abgeblendet fahren, daß auch nicht der geringste
Lichtschein nach außen drang. Jeden Augenblick stolperte man durch
die Gänge und an Deck herum, bis dann endlich, endlich die englischen
Vorpostenlinien achteraus lagen und es durch den Nordkanal in die Irische
See ging. Tage! Jahre schien die Fahrt gedauert zu haben.

In Sicherheit!

Das Unterscheidungssignal flattert im Winde aus, als der White Star Liner
querab von der Signalstation Isle of Man steht, und der Marconi funkt
nach Liverpool die Zeit der Ankunft, um alles zum Einlaufen und Vertäuen
klarzumachen.

Früh am Morgen war die Isle of Man passiert. Der Nachmittag ist bereits
angebrochen, als vom Ausguck der Ruf ertönt: »Mersey Lotsenboot in
Sicht.«

Schon von weitem an der ungewöhnlich hohen Stange des vorderen Mastes mit
der gesetzlichen Lotsenflagge kenntlich, liegt das kleine weiße Fahrzeug
eine halbe Stunde später längsseit des gestoppten Riesen, und der Lotse
steigt an der Jakobsleiter an Deck und auf die Brücke, wo ihn der Kapitän
mit einem erleichterten Aufatmen begrüßt. Hier droht sicherlich keine
Gefahr mehr. Zwei Stunden noch und die »Cymric« liegt im Hafen von
Liverpool. Was jetzt noch kommen kann, ist nur angenehm. Er sieht sich
bereits im Kontor seiner Reederei, hört im Geiste anerkennende Worte und
steckt schmunzelnd die weißen, so schön knisternden Pfundnoten ein. Wie
weggeweht sind die furchtbaren Tage und Nächte. Der Erfolg allein ist
geblieben. Fast zwei Millionen Pfund Sterling Wert hat er sicher herüber
gebracht. Eine Woche nur, und seine Ladung fegt aus englischen Rohren gegen
die deutschen Linien im Westen, hämmert sie zusammen, reißt klaffende
Lücken, um freien Weg nach Deutschland zu schaffen.

Freilich, was der Lotse darüber zu berichten hat, ist nicht sehr
tröstlich; umso wertvoller aber ist sein Verdienst. Stunden nur noch, und
der Anker geht in den Grund, aus den geöffneten Ladeluks steigen in
die längsseit festgemachten kleinen Dampfer die Kisten mit Gewehren und
Geschützen, die Millionen von Patronen, die Granaten, die tödlichen
Säuren. Und dann trommeln sie gegen die Hindenburglinie, auf die
Siegfriedstellung, töten, zerreißen, schlagen den Siegesweg nach
Straßburg, Mainz, Köln und weiter, weiter noch bis ... ein Ruck geht
durch das ganze Schiff, daß der Kapitän aus seinen hochfliegenden
Träumen, in denen er Old England triumphierend über die Wahlstatt im
Westen schreiten sah, erwacht ... Schwärzlich gelb hebt sich am Bug eine
ungeheure Rauchwolke, wächst mit wahnwitziger Schnelligkeit empor ... ein
furchtbares Krachen ... das Vorschiff sinkt ... dumpfes Poltern ...
die Ladung geht über ... Der Himmel scheint zu bersten ... greller
Feuerschein jagt aus dem auseinanderklaffenden Vordeck ... ein brüllender
Donnerschlag ... ein Vulkan, in dessen Flammenmeer Schornsteine, Brücke,
Masten, zerfetzte Menschenleiber wirbeln ... kaum sechzig Sekunden ...
dort, wo soeben noch der Dampfer »Cymric« dem nahen Heimathafen
zujagte, rollt die leichtbewegte Irische See, zieht eine schwärzlichgelbe
Rauchwolke über das Wasser ...

Im Fahrwasser zur Merseymündung ragt ein dünnes Rohr aus der Oberfläche
hoch. Langsam pflügt es durch die See, aus deren kleinen Wellen der
Widerschein der Sonne in unzähligen goldenen Spiegeln zittert. Vor einigen
Stunden ist »U 310« aus seiner Fahrt von Deutschland hier angekommen,
um sein geheimnisvolles Gewerbe als Minenleger vor dem größten an dieser
Küste liegenden Hafen auszuüben.

Geraume Zeit schon beobachtet der Kommandant das Fahrwasser, um auch ganz
sicher zu gehen, daß seine Minen an die richtige Stelle gelegt werden.
Ein- und auslaufende kleinere Fahrzeuge gleiten vorbei, der Lotsendampfer
-- ein Bewachungsschiff ... Die Fahrstraße. Mit äußerster Kraft prescht
aus der Merseymündung einer der neuesten Zerstörer der M-Klasse vorüber.
Weißer Ölqualm stößt aus den vier Schornsteinen, mit nahezu dreißig
Knoten Geschwindigkeit rast er, wenige Seemeilen entfernt, nach See zu.
Flüchtig, kaum in Sicht gekommen, ist er auch schon wieder verschwunden.
Hinter ihm stößt das Sehrohr, das wenige Minuten eingefahren worden war,
durch die Oberfläche, dreht sich langsam, sucht, beobachtet.

Eine dicke Rauchwolke taucht im Nordwesten auf, bald darauf die Masten,
dann der Rumpf eines mächtigen Ozeandampfers, dessen dunkle Masse sich
scharf gegen den bläulichweißen Himmel abhebt. Ein Amerikafahrer! Hoch
schäumt am Vorschiff die Bugwelle, zusehends kommt er näher. Der
will nach Liverpool. Langsam zittert das graue schlanke Rohr über die
gekräuselte See, stoppt im Fahrwasser. Lautlos gleitet eine Mine aus einer
Röhre des Achterschiffes, eine zweite, eine dritte folgt. Nichts verrät
an der Oberfläche, daß die unheimlichen Gäste da sind. Sie stoßen auf
den Grund, lösen sich vom Minenstuhl, dem Anker, steigen bis auf wenige
Meter unter dem Wasserspiegel hoch.

Wieder zittert das Sehrohr über die Oberfläche, bis es wenige Seemeilen
querab hält. Näher und näher kommt der Dampfer heran ... hundert
Meter ... fünfzig ... zehn ... schnurgerade auf die Mine los ... ein
dumpfer Stoß trifft von außen heran, Sekunden darauf ein weit stärkerer
zweiter ... Munition.

»Ausblasen!« Zischend strömt die Luft in die Tanks, preßt das Wasser
heraus. Ein grauer Turm, ein Stück Vor- und Achterdeck tauchen hoch, der
Lukdeckel wird aufgestoßen, drei Gestalten springen nacheinander heraus.
Eine riesige Sprengwolke, durch die Luft wirbelnde Schiffsteile, die
klatschend hundert Meter entfernt auf die See niederschlagen. Das hat
gesessen! Ein schwer beladener Munitionsdampfer gleich durch die erste Mine
restlos beseitigt.

Während die Nordwestbrise die Rauchmasse leicht vor sich hertreibt und sie
langsam auseinanderzieht, schießen in rasender Fahrt von Land her kleinere
Fahrzeuge herbei. Zerstörer! In wenigen Minuten müssen sie heran sein.

»Schnelltauchen!« Sekunden später schließt sich das Wasser über dem
Turm, das eingefahrene Sehrohr verschwindet, und mit hoher Fahrt strebt
»U 310« nach See zu.

Etwa drei Seemeilen mögen unter Wasser zurückgelegt sein, als es leise,
wie aus weiter Ferne heranklingt. Stopp! Ausfahren ... Ein zweites Opfer.
Bis zur Brücke ist das Vorschiff des ersten Zerstörers weggerissen,
Weiße Dampfwolken strömen aus dem Maschinenoberlicht, Boote werden zu
Wasser gelassen, während die übrigen Zerstörer in wilden Zickzackkursen
um ihren schwer verletzten Kameraden herumhetzen. Bald hier, bald dort
stoßen sie auf vermeintliche Sehrohre los, grelle Feuerblitze flammen in
schneller Folge aus ihren Geschützen. Eine richtige Seeschlacht ist im
Gange -- gegen eine deutsche kleine, einsame U-Bootsmine!

Getaucht läuft »U 310« nach Nordwesten ab. Kurz vor Mitternacht wird
die Isle of Man über Wasser passiert. Vor sechs Uhr morgens schimmert
voraus durch die Dämmerung das Leuchtfeuer von Wall of Gallowar, eine
Stunde später steht das U-Boot vor der Einfahrt nach Belfast. Vorsichtig
nähert es sich dem vor der Einfahrt liegenden Feuerschiff, dessen
Besatzung eben bei der Morgentoilette ist. Hier hat anscheinend niemand
eine Ahnung von dem, was sich wenige Stunden früher vor Liverpool
ereignete. Um so besser! An dem roten Fahrzeug gleitet »U 310« in kaum
einer Seemeile Entfernung vorbei, bis dahin, wo die Fahrstraße sich zu
verengern beginnt. Dann dreht es nach See zu. Wieder gleiten lautlos die
Minen aus den Röhren, auch hier wird das Fahrwasser verseucht; nur zu bald
zeigt sich der Erfolg. Ein hoch aus dem Wasser ragender Transportdampfer,
der seine Ladung anscheinend in Belfast gelöscht hat, sackt in wenigen
Minuten weg, nur ein Stück Schornstein und die Masten tauchen über
der Oberfläche empor. Ein schwer zu beseitigendes Hindernis für die
Schiffahrt.

Wenige hundert Meter hinter ihm folgt ein Dampfer der Northern Railway
Company. Er sucht dem Kameraden, der vor ihm aus ganz unerklärlichen
Gründen wegsackte, zu Hilfe zu kommen. Eben schickt er sich an, zur
Rettung der auf ihn zuschwimmenden Leute zu stoppen, als er, quer zum
Fahrwasser treibend, in der Nähe der Brücke gegen eine Mine stößt.
Instinktiv fast reißt der Kapitän den Maschinentelegraphen auf volle
Fahrt voraus und Minuten später stößt das Vorschiff auf eine an
Steuerbord liegende Sandbank. Der Strom drückt das Achterschiff herum,
auf den Sand, gerade zur rechten Zeit, um das Fahrzeug vor dem völligen
Wegsacken zu bewahren.

Noch hat die Besatzung des Feuerschiffes die Lage nicht erfaßt, als an
der der Unfallstelle abgekehrten Seite das Sehrohr des Tauchbootes
vorbeihuscht. Kurs auf Liverpool, die Stätte des gestrigen Wirkens.

»=German Submarines in the Irish Sea. Two ships sunk on Mersey road,
two other near Bangor.=« In regelmäßigen Abschnitten geben die
Küstensignalstationen die Warnung aus, die an Bord von »U 310« schon
längst erwartet wird. Vier Schiffe sind bereits erledigt, eine schöne
Strecke für die ersten vierundzwanzig Stunden. Noch aber birgt das
Innere eine ganze Anzahl weiterer Minen, denen eine kräftige Wirksamkeit
zugedacht ist. Eine am späten Nachmittag aufgefangene Nachricht teilt mit,
daß vor Liverpool Minen gefunden sind. Dort sind die Suchboote wohl schon
emsig an der Arbeit, die zahlreichen Minen aufzufischen, die vorläufig
allerdings erst in der Phantasie der Engländer existieren. Dem aber kann
abgeholfen werden.

Eben, als die ersten Sonnenstrahlen aus dem grauen, über Land
liegenden Dunste über die See huschen, steht »U 310« wieder vor der
Merseymündung. Vierzehn Schiffe, die nach Liverpool hinein wollen, dampfen
langsam im Kreise umher, umringt von sieben Zerstörern, die sie vor
U-Bootsangriffen schützen sollen. In den Hafen können sie nicht, weil
zwischen ihnen und dem Lande ja das »große deutsche Minenfeld« liegt.
Gemütlich ist ihnen jedenfalls nicht zu Mute. Eine ganze Flotte von
Fischdampfern mit ausgebrachten Minensuchgeräten treibt sich umher, um die
Fahrstraße zu säubern. Grell leuchten zwei gestern noch nicht vorhandene
rote Bojen an den Stellen, wo die beiden Schiffe versanken. Wieder
andere Bojen sind ausgelegt, um das gesäuberte Gebiet zu bezeichnen. Den
Minensuchern nach zieht »U 310«, dreht dicht hinter ihnen und wieder
verläßt ein halbes Dutzend Minen, säuberlich in die freie Straße
gelegt, im Ablaufen nach See zu das Boot.

Geradezu drollig wirkt der Anblick der umkreisten Dampfer, deren Zahl sich
inzwischen um drei weitere erhöht hat. Drüben fürchten sie offenbar,
daß sich jeden Augenblick ein deutscher Torpedo in ihre Seite bohrt. Wenn
nur erst die Fahrstraße abgesucht wäre! Die Zerstörer bilden wohl einige
Sicherheit, erst im Hafen aber am Kai können sie sich wirklich geborgen
fühlen.

Auf dem Führerschiff der Minensucher steigt nach einer Stunde das Signal
hoch: »Einlaufen, Fahrstraße ist frei.« Einer nach dem andern setzen
die Dampfer sich nach Land zu in Bewegung, als plötzlich vor dem Bug des
zweiten Schiffes eine Sprengwolke hochgeht. Dampfpfeifen heulen, Anker
rasseln in den Grund, mit voller Wucht jagen zwei Schiffe ineinander. Nach
einigen Minuten kommen sie voneinander frei. Das eine mit eingedrücktem
Bug, das andere mit schwerer Schlagseite nach Backbord überhängend. Das
Verdeck des auf die Mine gelaufenen Dampfers taucht bereits unter Wasser,
während am Heck die Schraube frei hinausragt. Zerstörer gehen längsseit
und bergen die Besatzung. Ein fünftes Opfer der U-Bootsminen, dazu zwei
havarierte Schiffe. Ein Erfolg, mit dem »U 310« wohl zufrieden sein
kann.

Während in dunkler Nacht das deutsche Boot durch den St. Georgskanal die
Irische See verläßt und der Kommandant in sein Tagebuch die Ereignisse
der letzten Stunden einträgt, tritt der F. T.-Gast mit einem Zettel an
ihn heran.

»Herr Kapitänleutnant! Soeben aufgefangener Funkspruch von Poldhu«:

»Liverpool und Belfast wegen Minengefahr für die Schiffahrt gesperrt.«



Der deutsche U-Boot-Walfisch


Lind und warm strahlt die Frühlingssonne vom wolkenlosen Himmel herunter.
Ein leichter Südwind kräuselt die dunkelblauen Wasser der Biscaya, die so
sanft und harmlos liegt, als wollte sie von ihrem wilden Stürmen und Toben
in den Wintermonaten ausruhen.

Mit langsamer Fahrt zieht »U 285« mit Südkurs durch die spiegelglatte,
sonnenflimmernde See dahin. Die Luks sind geöffnet. Alles, was dienstfrei
ist, liegt langgestreckt auf Vor- und Achterdeck, um sich nach dem
tagelangen Unterdeckbleiben einmal wieder gründlich auszulüften. Auf der
Brücke haben Kommandant und leitender Ingenieur es sich, soweit es eben
die Platzverhältnisse gestatten, bequem gemacht. Der Koch reicht durch die
Zentrale eine Kanne duftenden Mokkas hinauf, und leichter Dampf der solange
entbehrten Zigaretten wirbelt in die klare Luft. Auf dem Verdeck liegen
drei Leute auf dem Bauch und dreschen einen handfesten Männerskat. Die mit
Recht so beliebten Zuschauer um sie herum fehlen nicht. Eine Weile vernimmt
man nichts weiter als das derbe Aufklatschen der reichlich geölten Karten
auf das stählerne Deck, bis eine ernstliche Meinungsverschiedenheit
entsteht, die sich in schwerkalibrigen Zärtlichkeiten Luft macht. Der
Streit greift auf die aus ihrem süßen Mulsch Erwachten, die sich in
der Nähe des Turmes niedergelassen haben, über und erreicht eben seinen
Höhepunkt, als der Kommandant sich vermittelnd einmischt:

»Na, Jungs, ihr seid doch nicht Passagiere erster Klasse auf einem
Reichspostdampfer, daß ihr hier so 'nen Krach schlagt, ihr vergrämt mir
ja mit eurem Palawer die Engländer.«

Als hätte es nur dieses Zauberspruchs bedurft, so glätten sich die Wogen
der Erregung, und ruhig und mit allen Schikanen klappert der Skat weiter.

Weit und breit ist in der Biscaya, in der sonst kein Schiff fahren konnte,
ohne irgendwo Rauch oder ein Segel zu sichten, nichts zu sehen.
Die zahlreichen Dampferwege, die aus allen Richtungen der Erde hier
zusammenlaufen, scheinen seit der deutschen Sperrgebietserklärung
verödet. Nicht einmal die französischen Sardinenfischer, die sonst
in ganzen Flottillen um diese Zeit hier angetroffen werden, wagen es
auszulaufen, seit hier und im Kanal zwei deutsche U-Boote je ein Dutzend
von ihnen zur Strecke gebracht haben. Die Neutralen haben endlich, bis auf
wenige Ausnahmen, das Fahren eingestellt, seit sie eingesehen haben, daß
es den Deutschen mit ihrem energischen Vorgehen bitterer Ernst ist. Und die
englischen Schiffe? Sie fahren, weil sie müssen, weil von Tag zu Tag der
Hunger furchtbarer an die Tore Englands klopft. Nicht nur Lebensmittel
fehlen, das Trommelfeuer an der Westfront frißt Stahl in unheimlichen
Mengen. Neuer Ersatz muß herangeschafft werden.

Seit dem frühen Morgen ist trotz schärfsten Ausgucks nichts gesichtet
worden. Es heißt also vor allem die Fahrstraße finden.

Mehrere Stunden schon zieht »U 285« mit halber Fahrt quer durch
die Biscaya, ohne daß sich irgendetwas ereignet. Eben will der
U-Boot-Oberbootsmannsmaat Müller triumphierend einen Grand mit vieren
ansagen, als alles wie elektrisiert hochspringt. Oben auf dem Turm nimmt
die idyllische Kaffeeszene ein jähes Ende, und der Grand mit vieren
wandert schleunigst zur Konservierung in die Hosentasche des glücklichen
Besitzers, der Nummer Eins des Bootes.

Aus südlicher Richtung dringt dumpfhallender Donner heran. In
unregelmäßiger Folge heben sich einzelne Schläge ab. Geschützfeuer!

»Hart Steuerbord, große Fahrt!«

Während »U 285« dreht und vermehrte Fahrt aufnimmt, verschwindet die
Mannschaft auf Stationen. Zwar ist noch nichts zu sehen, jeder Augenblick
aber muß den Befehl zum Tauchen bringen. Kann sich doch der Harmloseste
unter den Leuten -- und harmlose U-Bootsleute gibt es schwerlich in dieser
Gegend, -- sagen, daß irgendetwas anliegt. Drüben muß ein deutsches
U-Boot im Kampfe sein. Es heißt dem Kameraden so schnell als möglich zu
Hilfe zu kommen.

Mit äußerster Kraft prescht »U 285« auf den Geschützdonner zu,
daß die See mitunter bis auf das Deck hinaufkämmt. Ein Glück, daß die
Biscaya heute so glatt ist und die Fahrt nicht hindert. Scharf spähen die
Augen voraus ...

»Drei Strich, Steuerbord, Rauch!«

In wenigen Minuten schon sind zwei weitauseinanderstehende Masten und drei
Schornsteine zu erkennen. Wahrscheinlich ein Hilfskreuzer. Unaufhörlich
blitzt es vorn und achtern bei ihm auf. Etwa vierzig bis fünfzig
Hektometer ab von ihm spritzt das Wasser in hohen Säulen empor. Dort muß
wohl der Kamerad stehen, von dem sie nichts sehen können. Er antwortet
nicht. Ein böses Zeichen. Sollte er schon niedergekämpft sein?

Immer näher kommt »U 285«, das inzwischen halb getaucht hat, an den
feuernden Dampfer heran, dann entweicht die letzte Luft aus den Tanks, der
Turm verschwindet unter Wasser, und nur die Sehrohre noch bleiben in dem
flimmernden Sonnengeriesel der Oberfläche. An Backbordseite nähert sich
das Boot dem noch immer feuernden Feinde. Jede Einzelheit an Bord ist bei
der geringen Entfernung deutlich auszumachen. Ein großer schwarzer Dampfer
ohne Flagge mit zwei übereinanderliegenden Promenadendecks. An der Reling
ist kein Mensch zu sehen, alles ist anscheinend nach Steuerbord gestürzt,
um Zeuge der Vernichtung eines deutschen U-Bootes zu sein .... Wenige
Minuten später hebt sich an der Backbordseite mittschiffs eine Sprengwolke
aus der See und verhüllt Schornsteine und Brücke. Langsam, träge neigt
der Hilfskreuzer sich nach Backbord. Das ganze Deck ist zu übersehen.
Vier Geschützrohre, die senkrecht zum Himmel ragen, ein Gewimmel von
übereinanderstürzenden Menschen, die den Halt verlieren ... bis die
See in die Schornsteine strömt und die Masten auf die Oberfläche
aufschlagen ...

Während der Engländer die Fahrt in über tausend Meter Tiefe antritt, ist
»U 285« längst auf die Stelle zugejagt, wo die Granaten eingeschlagen
waren. Nichts! ...

Kein Mensch kümmert sich um den versinkenden Dampfer. Zunächst gilt
es die Kameraden zu retten. Auf Turm und Verdeck steht die Besatzung mit
Rettungsringen und Bootshaken, um sofort, sobald sich etwas Lebendes zeigt,
helfend eingreifen zu können. Vom beschossenen U-Boot aber ist nichts
mehr zu sehen. Sollte die Vernichtung geglückt sein? Dann müßte doch
wenigstens ein Ölfleck die Stelle des Unterganges verraten.

Unaufhörlich kreuzt »U 285« hin und her, um die verräterische glatte
Stelle, das einzige untrügliche Zeichen, daß die Kameraden den Tod
fanden, an der Oberfläche zu finden. Nichts ... Die Sache wird immer
rätselhafter. Ist das Boot heil geblieben, und daraus läßt eben das
Fehlen des Öls schließen, mußte es die Explosion des Torpedos vernommen
haben und längst aufgetaucht sein, um sich davon zu überzeugen, was
eigentlich geschehen ist.

Ein Ruf vom Vorschiff, eine nach rechts weisende Hand ... Ein dunkler
Fleck ... Blut! Wie eine purpurne Wolke liegt es im Wasser, bald hier,
bald da leuchten rubinartige Blitze unter dem feurigen Schimmer der
Abendsonne auf. Unablässig zerrt die See an den Rändern und verteilt
und vergrößert die unheimliche Stelle. Ratlos ruhen die Blicke auf
der Oberfläche, verblüffte Gesichter starren einander an. Keine
Schiffstrümmer, nichts, nicht das kleinste Anzeichen, das verriete,
welcher Art das Opfer der englischen Granaten eigentlich war. Es gibt keine
Lösung für dieses Rätsel.

Eben als »U 285« Fahrt aufnimmt und auf die Stelle zudreht, wo der
Hilfskreuzer versackt ist, wird vom Turm aus nach einigen hundert Metern
ein dunkler Körper gesichtet. Langgestreckt wiegt er in der leichten
Dünung auf und ab. Nur wenig tauchen einzelne Stellen aus dem Wasser,
leicht schäumend lecken die Wellen darüber hinweg ... das gekenterte
U-Boot? ...

»Backbord zehn!« Vorsichtig hält das Boot auf den treibenden Gegenstand
zu, dreht und stoppt dicht bei ihm.

Maßlos verblüffte Gesichter starren auf das Wasser ... fast unwirklich
scheint, was ihre Augen dort sehen ... dann ein Gelächter, ein wieherndes
Geheul, ein Springen und Tanzen, wie es in solch überschäumender
Herzlichkeit sicherlich noch nicht auf einem U-Boot, das draußen am Feinde
harten Vernichtungskrieg führt, erlebt wurde. Ein toter Walfisch!

Armes Biest! Es hat sein Leben lassen müssen, weil es sich unterfing, in
den Augen der Königlich Großbritannischen Marine einem deutschen
U-Boot ähneln zu wollen. Mußte es sich aber auch gerade im Sperrgebiet
herumtreiben, wo englische Kaltblütigkeit überall Gespenster sieht! Und
konnte doch nicht einmal den kleinsten Torpedo abfeuern. Mitten in den
dicken Speckrücken hat ein Volltreffer eine erhebliche Lücke gerissen,
aus der das warme Blut als Zeuge des englischen Waffenruhms sich ergoß.

Zu retten gibt es hier ebensowenig wie drüben, wo nur noch schwarzer Ruß
auf dem Wasser und Bootstrümmer die Stelle verraten, an der der glorreiche
Sieger mit Mann und Maus sank. --

In dunkler Nacht pendelt »U 285« auf der Dampferstraße dahin. In
hellem Schimmer glänzt ein Stern nach dem andern auf, bis die See wie mit
bläulichweißem Licht übergossen scheint. Tiefe Stille herrscht an Deck.
Die Ereignisse des Tages, der so öde begonnen hatte, um dann doch noch
einen so schönen Erfolg zu bringen, wirken bei jedem einzelnen nach. Die
rötlichen Glühpünktchen der Zigarren und Zigaretten leuchten vom Turm
und Oberdeck, die Luks sind geöffnet, leise und gleichförmig dringt das
Rattern der Motoren aus dem Achterschiff.

Ein Knistern und Sirren in der Antenne. Alle spitzen die Ohren und
lauschen. Poldhu, die englische Großstation, gibt ihren täglichen
Bericht. Kaum können sie den Augenblick erwarten, wo der F. T.-Gast,
der jetzt unten den Funkspruch abhört, an Deck kommt, um dem Kommandanten
Meldung zu machen. Nach einer halben Stunde ist es so weit. Ein halbes
Dutzend französische Dörfer, die auf keiner Karte verzeichnet sind,
wurden erobert, ein 42-Zentimeter-Geschütz erbeutet. Der Vormarsch ist
unwiderstehlich. Noch kräftiger, erheiternd fast nimmt sich die gefunkte
Flunkerei der Franzosen aus. Freilich, der Schluß beider Berichte erwähnt
starke feindliche Gegenangriffe ....

Dann kommt die Meldung der britischen Admiralität: »Einer unserer
Hilfskreuzer hat nach heftigem Gefecht heute nachmittag in der Biscaya
ein feindliches Unterseeboot vernichtet, weitere Einzelheiten fehlen
vorläufig.«

Stillvergnügte Gesichter sehen sich an, bis einer herausplatzt: »Täuw
man, min Jung! Up die Einzelheiten kannst du lang lurn! De willt wi di woll
vertellen.« --



Das geheimnisvolle Segelschiff


Noch einmal bäumt sich der »Petit Henri« auf, das schon halb
untergetauchte Vorschiff kommt hoch, als sträubte es sich, so kurz vor
dem Hafen sein Leben beschließen zu müssen, dann aber geht es um so
schneller. Mit dem Klüverbaum voraus fährt er senkrecht in die Tiefe, bis
die quirlende See sich über seinem Heck schließt.

Etwa fünfhundert Meter ab rudert die Mannschaft des versenkten
Neufundlandfahrers der Insel Oléron zu, deren niedrige Nordhuck
Chassiron mit dem scharf ausgeprägten Sattel, dem Leuchtturm und der
Küstensignalstation über die Oberfläche hinausragt. Einen Augenblick
haben die Franzosen, als ihr Schiff sich in den letzten Zuckungen
aufbäumte, zu rudern aufgehört, dann, nachdem der »Petit Henri«
ausgelitten hat, pullen sie weiter nach Land zu.

Eben will »U 135« nach Versenkung des Seglers nach See zu drehen, als
die Aufmerksamkeit der auf dem Turm Befindlichen durch lebhaftes Schreien
und Winken auf das kleine Boot, in dem ein ziemliches Durcheinander zu
herrschen scheint, gelenkt wird.

»Stopp!« gibt der Kommandant an den Steuermann, der den Befehl an
die Maschine übermittelt. Dann wendet er sich fragend zum wachhabenden
Offizier:

»Was mögen die Kerle bloß wollen, da muß etwas Besonderes los sein.«

Der wachhabende Offizier, der mit dem Glas die Vorgänge drüben verfolgt,
antwortet:

»Das Boot scheint leck zu sein, Herr Kapitänleutnant, es taucht bereits
bis zum Dollbord ein.«

»Na, fahren Sie mal ran.«

Wenige Minuten später ist »U 135« längsseit. Das kleine Fahrzeug ist
tatsächlich leck. Bis über die Knie stehen die Leute, soweit sie nicht
auf die Duchten geklettert sind, im Wasser, während ihre in Bündel
geschnürten Habseligkeiten aufgeschwommen sind und wegzutreiben versuchen.
Bald ist auch das Rätsel des unvermuteten Schiffbruchs gelöst. Etwa
zwanzig Meter ab ragt die Vorkante eines Dampfers, der anscheinend erst vor
kurzem hier das Schicksal, das heute den »Petit Henri« ereilte, geteilt
hat, eben über die Wasserfläche hinaus. Das Eisen hat das Boot, das durch
die leichte Dünung auf das Wrack gesetzt wurde, leck gestoßen. Es ist
nicht mehr weit bis zum Wegsacken. Die Wahl ist nicht groß, ein anderes
Boot ist nicht in der Nähe. So beschließt also der Kommandant, die Leute
an Bord zu nehmen, um sie bei Gelegenheit einem anderen fahrbaren Untersatz
anzuvertrauen.

Einer nach dem anderen wird durch das Wasser herauf geholt. Fröstelnd und
frierend stehen sie in ihren nassen Kleidern mit den triefenden Bündeln
in der Hand zusammengedrängt und warten, was der Kommandant über sie
beschließen wird. Sie machen einen ruhigen, vernünftigen Eindruck.
Wetterfeste Seeleute, mit dem Gelichter, das sonst auf den englischen und
französischen Dampfern fährt, gar nicht zu vergleichen. Einzeln werden
sie nach dem warmen Maschinenraum geführt, um dort erst einmal das nasse
Zeug vom Leibe loszuwerden und dafür trockene Kleider aus den Beständen
des Bootes, die für solche Zwecke an Bord mitgeführt werden, zu erhalten.
Bald haben sie sich an die fremde Umgebung gewöhnt. Es sind sehnige,
wetterharte und wortkarge Gesellen, die nichts gemein zu haben scheinen mit
jenen zappeligen, ewig schwadronierenden Franzosen des Binnenlandes. Kaum
daß einer ein Wort verliert.

Der Kapitän taut bald auf, als der Kommandant ihm ein Glas Portwein geben
läßt und ihn über Schiff und Reise befragt. Schon vor einem halben Jahr
ist der »Petit Henri« mit Wein und Salz von Bordeaux nach Neufundland
abgegangen, um dort einige Monate Dorsch zu angeln. Als die Ladung von
fünfhundert Tonnen voll war, wurde der Rückweg angetreten. Es war eine
stürmische Fahrt durch den Atlantik. Sechs Wochen waren sie oft mehr unter
als über dem Wasser gewesen, bis endlich in den letzten beiden Tagen der
Sturm nachließ und sie geglaubt hatten, erleichtert aufatmen zu dürfen.
Mit der französischen Küste aber kam gleichzeitig auch das deutsche
U-Boot in Sicht und mit ihm das Ende!

Vorläufig muß die ganze Gesellschaft an Bord bleiben, bis sich eben eine
Gelegenheit findet, sie abzusetzen. Hoffentlich dauert es nicht zu lange,
bis die Boote eines versenkten Dampfers mit ihrer eigenen Mannschaft auch
die Leute des »Petit Henri« an Land nehmen.

Südwärts steuert »U 135« auf die Mündung der Gironde zu, wo reger
Schiffsverkehr nach Bordeaux herrschen muß. Der Kommandant sieht sich aber
bald in seinen Erwartungen böse getäuscht. Keine Rauchfahne, nicht einmal
ein Fischerboot zeigt sich. Es scheint tatsächlich immer mehr, als hätte
die deutsche Sperrgebietserklärung auch hier alle Schiffe von der See
hinweggefegt. Was sonst noch draußen war, dürfte die Meldungen der hier
gelandeten Mannschaften versenkter Schiffe wohl schleunigst wieder in
den Hafen gejagt haben. Mit den Franzosen an Bord ist die Tätigkeit des
U-Bootes aber arg behindert. Die Leute zehren von dem Proviant und stehen
überall im Wege. Es muß ein Ausweg gefunden werden.

Langes Überlegen führt zu nichts. Sind die Leute hier draußen nicht los
zu werden, dann bietet sich sicher in der Mündung der Gironde selbst eine
Gelegenheit, sie zu landen. Das Unternehmen ist zwar verteufelt brenzlich,
wann aber hat ein deutscher U-Bootskommandant danach gefragt! Die
französische U-Bootsabwehr und die Bewachungsfahrzeuge haben sich
jedenfalls in richtiger Einschätzung ihrer nicht sonderlich großen
Fähigkeiten sofort stromaufwärts zurückgezogen, als die Kunde vom
Auftauchen der deutschen U-Boote hierher gedrungen ist.

Im grauenden Morgen steht »U 135« nicht weit von der Insel Cordouan
in der Mündung des Flusses. Im Nebel, der in dichten Schwaden über dem
Wasser lagert, ist der Leuchtturm selbst nicht zu sehen. Mitunter
nur scheint sein Licht wie ein fahles Dämmern die dichten Schleier
durchdringen zu wollen, auch die Feuer auf Huck Coubre an der Nordseite
und Grave auf der Südseite verschwimmen in dem einförmigen Grau. Wie
aufgesogen scheint alles vom dichten Brodem.

Vorsichtig, mit langsamer Fahrt fühlt sich das Boot von Seezeichen zu
Seezeichen weiter. Alles trieft vor Nässe. Ein dunkler Gegenstand taucht
plötzlich wie ein Schatten an Steuerbordseite auf, keine fünfzig Meter
ab. Im gleichen Augenblick, als die Leute auf dem Turm das Fahrzeug
drüben, dessen Umrisse im Nebel zu verschwimmen scheinen, als einen
französischen Lotsenkutter ausmachen, schallt auch schon von drüben durch
den Sprachtrichter die Frage herüber:

»Brauchen Sie einen Lotsen?«

Eine Sekunde ratlosester Verblüffung über dieses allzu liebenswürdige
Anerbieten, dann ruft schnell gefaßt der Kommandant zum höflichen
Franzosen hinüber:

»Nein, danke!«

Wenige Minuten darauf ist das französische Boot im Nebel wieder spurlos
verschwunden und »U 135« setzt seine Fahrt stromaufwärts fort.

Der Nebel wird zusehends dünner, heller Schimmer im Osten deutet auf den
anbrechenden Tag. Zu beiden Seiten tritt das Land hervor. Eine niedrige
Küste, hinter der mehrere Dünenzüge sich abheben, auf der Nordseite; im
Süden weißer Sandstrand, Häuser, grünes Buschwerk, weiter binnenlands
einzelne, über die Düne hinwegragende Kirchtürme. So weit das Auge das
Revier überblicken kann, ist kein Dampfer in Sicht, kein Boot, dem man die
Franzosen, die wohlweislich unter Deck geschickt sind, übergeben könnte.
Immer heller und klarer wird es, so sichtig, daß es höchste Zeit scheint,
zu drehen und auszulaufen. Ein wahres Wunder, daß das U-Boot noch nicht
als deutsches erkannt wurde. Freilich, mit einer derartigen
Kühnheit rechnen die Franzosen hier wohl schwerlich. In Sicht des
Talais-Feuerschiffes wendet »U 135« und geht stromabwärts nach See zu.

Deutlich hebt sich jetzt, von der Morgensonne grell beleuchtet, der hohe
kegelförmige weiße Leuchtturm von Cordouan auf seinem Riffe vom blauen
Himmel ab. Unter ihm, dicht am aufgemauerten Damm, ist der Lotsenschoner
vor Anker gegangen. »U 135« geht längsseit. Ehe die »wachsamen«
Lotsen noch aus ihrer behaglichen Morgenruhe erwacht sind, springen schon
die Sprengmannschaften an Deck, schicken die heraufkommende Besatzung
in die Boote und übergeben ihnen die Mannschaft des Neufundlandfahrers.
Wenige Minuten später kracht, bevor die Beiboote des Fahrzeuges noch an
der Mole anlegen, der dumpfe Schlag der Sprengpatrone, und das Lotsenschiff
sackt auf den Grund der Gironde, während das deutsche Tauchboot
allmählich aus Sicht verschwindet. Die zur Verfolgung angesetzten
Kriegsfahrzeuge, die bald nachher mit hoher Fahrt aus der Mündung
vorstoßen, finden nur glatte freie See. Während sie planlos hin- und
herjagen und vergebens nach dem frechen Eindringling ausspähen, überlegt
zwanzig Meter unter ihnen der Kommandant von »U 135« in aller Ruhe,
was nun als nächstes zu tun wäre. Das Tätigkeitsgebiet muß unbedingt
wegverlegt werden. In Bordeaux wissen sie längst, daß sich deutsche
U-Boote hier herumtreiben und lassen in der nächsten Zeit sicherlich kein
Schiff mehr ausfahren. Auch die nach der Gironde bestimmten Fahrzeuge sind
sofort funkentelegraphisch gewarnt worden. Ist es aber möglich gewesen,
unbemerkt in die Gironde hineinzukommen, dann gelingt es vielleicht ebenso,
den Franzosen im äußersten Süden, unweit der spanischen Grenze eine
freundliche Überraschung zu bereiten. Die Schiffahrt ist dort zwar
unbedeutend, an der Mündung des Adour aber liegen, unmittelbar an der
See, die Forges de l'Adour, die Hüttenwerke, die Tag und Nacht an der
Herstellung von Granaten und von Sprengstoff für die Front arbeiten. Ein
paar gut gezielte Geschosse müssen dort heillose Verwirrung anrichten.
Um aber die Geschütze zum Tragen bringen zu können, muß das Boot
aufgetaucht herankommen. Das ist aber, wenn die Franzosen nur einigermaßen
wachsam sind, unmöglich. Unmöglich? --

In Sicht der Küste von Béarn zieht ein kleiner Segler durch die
blaugrünen Fluten der Biscaya. Ein niedriges Fahrzeug, dessen Körper nur
wenig über die Oberfläche hinaus ragt. An zwei dünnen Pfahlmasten stehen
prall gefüllt in der achterlichen Brise die kleinen braunen Segel; eines
der französischen Fischerboote, die in dieser Gegend in großer Zahl
ihrem Gewerbe nachgehen. Direkt auf die Mündung des Adour hält es zu.
Wahrscheinlich hat es genügend gefangen, so daß sich das Einlaufen nach
Bayonne schon lohnt. Ruhig setzt das Fahrzeug seinen Weg heimwärts fort.
An beiden Seiten, weit draußen in See ziehen zahlreiche Segel anderer
Fischer dahin. Sie beneiden wohl den glücklicheren Kameraden, der
mit gefüllter Bünn zu Markte fährt. Und die Fische stehen jetzt in
Kriegszeit hoch im Preise.

An Steuerbord ragen die schneebedeckten Gipfel und Kämme der Pyrenäen
auf; voraus, kaum fünf Seemeilen ab, hebt sich immer deutlicher ein Gewirr
hoher Schornsteine; zwischen dem Gebirge und dem Hüttenwerk zeichnet
sich als deutliche Ansteuerungsmarke auf seinem hohen Küstenabhange
der Leuchtturm von Biarritz. Grell leuchtet in der Sonne der überall
vorgelagerte weiße Sandstrand.

Der Patron des Fischerbootes scheint plötzlich seine Absicht, den Fang
auf dem Bayonner Fischmarkt los werden zu wollen, geändert zu haben.
Er stoppt, dreht, daß er quer zum Lande liegt ...... Im nächsten
Augenblicke fallen die Segel; zwei Feuerstrahlen spritzen auf, weißer
Pulverqualm zieht ab, lang nachhallender Geschützdonner rollt über die
See. .... »U 135«, das sich in der Maske eines harmlosen Fischerbootes
herangepirscht hat und dessen Granaten nun unaufhörlich, Schlag auf Schlag
in das Hüttenwerk hineinfegen. Das Dach einer mächtigen Halle stürzt
ein, Flammen züngeln aus einem anderen Gebäude, und immer neue Granaten
heulen heran. Dicht unter einem Schornstein jagt eine grelle Flamme hoch.
Eine riesige Rauchwolke steigt empor; langsam zuerst, als besänne er sich,
dann in jähem Sturze neigt sich der Schornstein und schmettert mit
seiner dunklen Masse in den hellen Qualm hinein. Der dröhnende Schlag
der Explosion dringt an das U-Boot heran, unaufhörlich klingen kleinere,
schwächere Detonationen der hochgehenden Munition nach.

Einzelne Gestalten hetzen in fliegender Hast über den weißen Sand und
verschwinden im Grün der Tannen, die sich am Fuße der Dünen dunkel
abheben. Gleich darauf blitzt es aus dem Walde dort auf. Eine französische
Batterie, die das U-Boot unter Feuer nimmt. Ihre Geschosse schlagen noch
ziemlich weit im Wasser ein, es hat aber keinen Sinn, sich unnötig hier
einer Gefahr auszusetzen. Der Zweck des Unternehmens, die Beschießung
des Hüttenwerkes, ist erfüllt, der Weg nach Hause ist weit, und andere
Unternehmungen harren noch.

Von Bewachungsfahrzeugen hat sich während des ganzen Vorfalles, der
geraume Zeit dauerte, nichts gezeigt. Unangefochten läuft »U 135« mit
voller Fahrt südwärts, wo aus der Stellung der eben über der Kimm noch
hochtauchenden Segel der französischen Fischer zu sehen ist, daß die
Herrschaften Lunte gerochen haben und sich vor dem unheimlichen Kameraden
schleunigst aus den Kinken bergen wollen. Die spanische Hoheitsgrenze ist
nicht weit. Es gelingt ihnen vielleicht, sie zu erreichen, bevor das U-Boot
heran ist. Ein ganzes Rudel, mehr als ein Dutzend steht beisammen.
Sie haben sich keine Zeit gelassen, die Netze einzuholen; mit einigen
Beilhieben sind wahrscheinlich die Leinen gekappt, und Hals über Kopf
laufen sie nun davon. Immer mehr aber kommt inzwischen der Verfolger auf.
Zwar machen die drüben bei günstiger Backstagbrise gute Fahrt, das U-Boot
aber ist ihnen bedeutend an Geschwindigkeit überlegen.

Nach halbstündiger Jagd schon saust aus dem vorderen Geschütz die
Einladung zum sofortigen Stoppen mitten unter sie. So leicht aber geben
sie das Rennen nicht auf. Erst der dritte Schuß, der einem ziemlich vorn
liegenden Boot gleich die ganze Takelage entführt, wirkt. Bis auf zwei,
denen es tatsächlich gelingt, zu entkommen, werfen sie jetzt alle ihre
Segel herunter. »U 135« umkreist die auseinanderstehenden Franzosen
und treibt sie zusammen. In wenigen Minuten schon hat die Gesellschaft
begriffen, daß der Kommandant ihnen allen als fahrbaren Untersatz jenes
Fahrzeug bestimmt hat, das der dritte Schuß seiner Segel beraubte.
Gefährlich ist die Geschichte ja nicht. In einer Stunde längstens müssen
sie an der spanischen Küste, die kaum vier Seemeilen abliegt, landen
können. Fast zum Greifen nahe scheint in der klaren Luft das Land. Scharf
heben sich weit binnenlands die Umrisse der Pyrenäen vom tiefblauen
Himmel ab. Die aufregende Jagd ist von drüben beobachtet worden. In hellen
Scharen strömen die Leute an den Strand hinunter und starren neugierig
auf See hinaus. Die beiden Geflüchteten, die eben auf den Sand auflaufen,
scheinen bedeutend weniger Interesse zu finden für die Ereignisse, die
sich draußen abspielen. Das deutsche Tauchboot stellt die Ungeduld der
Zuschauer auf keine zu lange Probe.

Je zwei Fahrzeuge werden zusammengebunden, Sprengpatronen zwischen ihnen
angebracht, dann sacken sie schleunigst weg. Dem geschäftstüchtigsten
Fischer ist es allerdings noch gelungen, einen Teil seines Fanges für gute
blanke Münze an die Besatzung loszuwerden. Gute Freunde scheint er sich
mit seinem Vorgehen ja nicht erworben zu haben. Auf dem Boot, das eben nach
Land zu rudert, herrscht eine so lebhafte Unterhaltung, daß sie bis an
Bord herüberdringt. Ob ihm die Kameraden dort etwa Vorwürfe wegen seines
unpatriotischen Vorgehens machen? Schwerlich! Die ärgern sich wohl,
daß sie nicht vor ihm auf den guten Gedanken kamen und sich das schöne
Geschäft vor der Nase wegschnappen ließen. --

Weit außer Sicht des Landes fährt ein kleiner Segler in der leichten
Brise nordwärts. An Deck ist eine Anzahl Leute in den verschiedensten
Bekleidungen, die nur das eine gemeinsam haben, daß sie alle reichliche
Spuren von Öl aufweisen, damit beschäftigt, Silberlachse zu entschuppen
und für die Küche fertigzumachen. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Kein
Wunder übrigens, wenn man die ruhige See und den steten Wind, der das
Fahrzeug ungewöhnlich schnell vorwärtstreibt, bedenkt. Der Besatzung
von »U 135« macht es diebischen Spaß, zur Abwechslung einmal auf einem
Segelboot durch die blauen Fluten des Ozeans zu gondeln. Wenn auch das
taktmäßige Geräusch aus dem Schiffsinnern zeigt, daß die Dieselmotoren
arbeiten, so genügen doch die verhältnismäßig kleinen braunen Segel,
den harten Tauchbootkrieg für Augenblicke vergessen zu machen und den
Anschein des Friedens vorzugaukeln.

Warm strahlt die Mittagssonne auf das Deck herab und auf die Leute,
die wohlig ausgestreckt umherliegen und mit Behagen nach den Düften
schnuppern, die aus der Kombüse nach oben dringen.

»Voraus zwei Strich an Backbord ein Segler!«

Im Nu ist die Idylle des fröhlichen Fischerbootes abgestreift, die Segel
wandern unter Deck, und mit voller Kraft jagt »U 135« dem herankommenden
Schiff entgegen. Eine stolze Viermastbark, die alle Lappen gesetzt hat.
Majestätisch, in wundervoll ruhiger flotter Fahrt rauscht sie heran, daß
den Seeleuten an Bord das Herz im Leibe lacht. Dicht vor ihr schlägt eine
Granate ein, jagt das Wasser bis an Deck hinauf. Die Aufforderung genügt.
Die Segel werden backgebraßt, die Fahrt kommt allmählich aus dem Schiff,
bis es regungslos in der leichten Dünung schaukelt ... Auf Signal geht
die Flagge hoch: die Trikolore!

Ein Ruderboot stößt ab, die Schiffspapiere werden gebracht: Salpeter aus
Chile, bestimmt für die Forges de l'Adour.

Mit stehenden Segeln geht eine halbe Stunde später das schöne Schiff
kopfüber in die Tiefe. Eben, als die Wellen sich über ihm schließen,
legt das französische Boot, das die Sprenggruppe wieder an Bord bringt,
an. Der Kapitän der Bark, der auf »U 135« geblieben war, hat dem
Kommandanten erzählt, daß sein Schiff hundertfünfundzwanzig Tage
unterwegs war, wochenlang mußte er bei Kap Horn beigedreht liegen, fast
ebensolange Zeit trieb er in der Flaute unter der Linie. Wie die Kinder
hätten sie sich gefreut, heute Abend an Land kommen zu können, wo es
nach dem vielen Salzfleisch wieder einmal Frischproviant geben sollte.
Der Kommandant weiß seinen Kummer, daß die für die Forges de l'Adour
so wertvolle Ladung versenkt wurde, bald zu verscheuchen. Er erzählt ihm,
daß die Hüttenwerke wohl in Verlegenheit gekommen wären, was sie mit dem
Salpeter anzufangen hätten, da sie selbst nach den Vorgängen des heutigen
Morgens an die Verarbeitung vorläufig kaum würden denken können. Auch um
den heute so ersehnten Frischproviant sollen sie nicht kommen. Ein Ruf
nach der Zentrale, und wenige Minuten später erscheint der Koch mit
einer großen Back voll gebratener Fische, die er den Leuten in ihr
Boot hinunterreicht. Treuherzig begleitet er seine Gabe noch mit einer
Ansprache: »Nu futtert man düchtig los. Sind Landslüd von ju -- man
bloß schad um de scheune dütsche Bodder!«



Zwischen den Sperrgebieten


Heulend streicht der Nordwest um die roten Sandsteinfelsen Helgolands,
schmettert die zu schweren Brechern aufgewühlte See gegen die Molen, jagt
sie an den Wänden hoch, daß sie gischtend über die Quadern hinweglecken,
um dann krachend zusammenzubrechen. Um den Leuchtturm wirbelt er, jauchzt
in den Drähten der Funkenstation und rüttelt an den schiefergedeckten
Häuschen, deren Bewohner seit Jahren schon drüben auf dem Festlande
weilen. Selten nur tönt der hallende Schritt eines Menschen durch die
schmalen Gäßchen. Den Kragen hochgeschlagen, das Sturmband unter dem
Kinn, kämpft er gegen den Sturm an, der an jeder Ecke neu gegen ihn
heranspringt.

Im Schutz der Molen läuft »U 95« aus. Kaum steckt es die Nase am
Molenkopf vorbei, als es auch schon von der See gefaßt wird. Ein wildes
Stampfen und Schlingern beginnt, als wollten die anlaufenden Brecher dem
Boote das Auslaufen verwehren. Mit Kurs Südwest zu West quält es
sich vorwärts. Der Sturm reißt den weißen Ölqualm in Fetzen aus dem
Schornstein. Ein Zittern geht jedesmal beim Einsetzen durch das Fahrzeug,
es dröhnt und klingt in das Stampfen und Knattern der Motoren, daß jeder
Befehl gebrüllt werden muß, soll er verstanden werden.

Nach Stunden erst flaut der Sturm ab, die See aber läuft noch
tiefaufgewühlt heran. Eine weite und gefährliche Fahrt steht »U 95«
bevor. Durch den Kanal, die Biscaya, durch die Straße von Gibraltar soll
das Boot nach der Adria fahren, um von dort aus im Mittelmeer Handelskrieg
zu führen. Voll aufreibender Fährnisse jeder Art ist der Weg.
Minen, Netze, U-Boot-Jäger und Untiefen lauern an vielen Stellen. Den
schwierigsten Teil bringen schon die Tage, wo es gilt, durch den Kanal
in Sicht der französischen und englischen Küste durchzubrechen. Stunden
stehen bevor, in denen jeder Einzelne alles hergeben muß, was überhaupt
nur ein Mensch -- und was noch mehr ist, ein U-Boots-Mann zu leisten
vermag. Es heißt vorläufig mit den Kräften haushalten. Der Kommandant
beschließt daher, die Nacht auf dem ruhigen Grunde zuzubringen. Eine
Stelle, an der die Seekarte weißen Sand verzeichnet, wird aufgesucht.
Das Geknatter der Motoren verstummt, immer weiter läuft der Zeiger des
Tiefenmanometers, dann ein leichtes, kaum fühlbares Aufstoßen, und
»U 95« ruht still in dreißig Meter Tiefe auf dem Grunde der Nordsee.
Bald liegt alles bis auf die Wachen in Maschinenraum und Zentrale in tiefem
Schlaf.

Eben dämmert im Osten der Tag, als das Boot seine Fahrt auf den Eingang
des Kanals zu aufnimmt. Der Seegang hat bedeutend nachgelassen; einzelne
leichte Spritzer jagen noch über Vor- und Achterschiff, aber auch sie
werden, je weiter der Tag vorschreitet, seltener. Das Wetter ist klar
und sichtig; Nordhinder Feuerschiff wird in weitem Abstand passiert, kein
Fahrzeug angetroffen. Hier beginnt die Gefahrzone, die die schärfsten
Ansprüche an die Aufmerksamkeit der an Deck befindlichen Mannschaften
stellt. Alles steht klar auf Stationen. Das ungeheuere englische Minenfeld
liegt voraus. Leicht kann der Sturm einzelne Minen losgerissen haben, die
durch die Strömung ostwärts abtreiben. Unentwegt starren die Leute auf
die einzelnen ihnen zugewiesenen Abschnitte, ob nicht zwischen den
kleinen Wellen die schwarze oder vom Seetang grünlich gefärbte Rundung
heranschwimmt.

Das Minenfeld! Nochmals wird der Schiffsort festgestellt, auf der Karte
genau der Kurs abgesetzt, dann geht es getaucht weiter. Stundenlang. Nach
einer Weile kommt die Meldung aus dem Vorschiff, daß an Steuerbordseite
ein Gegenstand entlangschrammt. In der tiefen Stille, die im Innern
herrscht, kommt ein deutliches Kratzen und Scheuern näher heran. Jetzt ist
es an der Zentrale, um sich Sekunden darauf nach achtern zu verlieren. Ein
Minenhaltetau. Na, alle Minen scheinen ja noch nicht losgerissen zu sein.

Mehrere Stunden noch, bis zum Einbruch der Dunkelheit, dauert die Fahrt,
dann taucht »U 95« vorsichtig auf. Weit und breit ist die See frei, kein
Sperrbewachungsfahrzeug ist zu sehen. Denen ist der Mut zum Verharren
wohl durch die von der flandrischen Küste vorstoßenden deutschen
Seestreitkräfte, die ihre Erkundungsfahrten durch die Downs bis nach der
Themsemündung und weiter noch bis Lowestoft ausdehnen, längst vergangen.

Kein Lichtstrahl schimmert von der in Friedenszeiten so reich befeuerten
Küste Kents auf See. Auch die Feuerschiffe, die wegen der zahlreichen, der
Themse vorgelagerten Sände sonst ein unumgängliches Hilfsmittel für das
Einsteuern in den Strom waren, sind eingezogen. Wie eine dunkle Straße,
deren Ende sich unabsehbar anscheinend in der Nacht verliert, liegt voraus
der Kanal; nur einzelne Sternbilder zeigen den Weg. Einsam und ruhig
zieht »U 95« die gefährliche Straße hinein. Kein Auge schließt sich
während der Stunden des Durchbruchs durch die engste Stelle. Mit scharfen
Nachtgläsern bewaffnet, suchen die Leute das Dunkel zu durchdringen, ob
nicht irgendwo der weiße Kamm der Bugwelle eines herannahenden Feindes
auftaucht.

An Backbord voraus scheint ein Gewitter zu stehen. Greller Lichtschein
flammt auf, der sekundenlang die tiefdunkle Nacht hell erleuchtet.
Dumpfes Murren, wie ferner Donner kommt heran. Unablässig, wie wenn ein
schwerbeladener Wagen über schlechtes Pflaster hinwegrollt, klingt es
nach. Dann, plötzlich steigt am nachtschwarzen Himmel ein Stern hoch,
neigt sich, um mit weitausstrahlendem Schimmer wieder zur Erde zu sinken.
Ein zweiter, ein dritter folgt ihm -- die flandrische Front. Deutlicher
hebt sich auch jetzt aus dem fernen Grollen der dumpfe Ton schwerer
Geschütze ab, die selbst um diese vorgerückte Stunde nicht schweigen. Der
Kampf hier kennt keine Nachtruhe.

Zwei Stunden noch, dann liegt die Front wieder in tiefem Dunkel achteraus.
Eine Weile begleitet das ferne Murren und Grollen die Fahrt, bis überall
tiefe Stille sich breitet, die nur von dem eintönigen Rauschen des
Kielwassers und dem Hämmern der Motoren unterbrochen wird.

Die englische Küste steht in tiefstem Dunkel. Ab und zu nur leuchtet der
grelle Lichtstrahl eines Scheinwerfers, der sekundenlang über die See
geistert, auf, um jäh mit einem Schlage wieder zu verschwinden. Die
Franzosen scheinen dagegen vor einem Angriff von See oder von Luft aus
bedeutend weniger Furcht zu haben. Rötlicher Dunst verrät deutlich, wo
sich größere menschliche Ansiedlungen befinden. Ein Kinderspiel wäre
es, hier heranzulaufen und einige Granaten als Gruß des deutschen U-Bootes
abzugeben. Doch andere Aufgaben harren seiner.

»Voraus ein Schiff!« brüllt der Posten des Verdecks zum Turm hinauf, wo
im gleichen Augenblick auch schon ein stilliegender schwarzer Gegenstand
gesichtet wird. Ein Bewachungsfahrzeug! Hart Steuerbord wird das Ruder
herumgewirbelt, alles ist klar zum Tauchen, jeden Augenblick kann die
Mannschaft in das Innere springen und die Luks hinter sich schließen. Der
Gegner merkt nichts, scheint sanft zu dösen.

Eine halbe Stunde später kommt eine Begegnung, die freilich bedeutend
unangenehmer werden kann. Aus dem Dunkel der Nacht huscht plötzlich ein
Schatten heran ... keine zweihundert Meter ab .... »Schnelltauchen!«
Dumpf schlagen die Luks zu .... Sekunden später schließt sich das Wasser
über dem Turm, eben als drüben ein greller Feuerschein aufflammt ....
Fünf Meter Wasser stehen über dem Boot, als das brausende Schlagen von
Schiffsschrauben, die sich in rasender Eile nähern, heranklingt. Sekunden
nur, dann steht der Zerstörer über dem Boot .... Der Herzschlag
scheint den Leuten im Innern zu stocken ... wenn nur diesmal noch alles
klargeht ... um den Bruchteil einer Sekunde nur kann es sich handeln ...
er ist vorbei. Ein trockenes Knacken, ein zweites schwächeres gleich
darauf .... Wasserbomben. Für diesmal zu spät.

Zwei Stunden fährt »U 95« getaucht westwärts weiter, als das Boot
ganz unvermittelt vorn hochgerissen wird. Gleichzeitig kommt aus dem
Vorderschiff die Meldung, daß deutliches Scharren und Scheuern an der
Außenhaut zu vernehmen ist. U-Bootnetz! Einen Augenblick stockt der
elektrische Antrieb. »Äußerste Kraft zurück!« ... Das Scheuern
hält an -- anscheinend hat das Bugruder sich im Netz verfangen und wird
festgehalten. ... »Äußerste Kraft voraus!« ... Einige Sekunden macht
das Boot Fahrt, dann ein kurzer Ruck ... die Stahltaue des Netzes scharren
weiter nach dem Turm zu ... wieder ist die Fahrt aus dem Schiff.

Die Stimmung ist zwar nicht besonders rosig, aber keineswegs gedrückt.
Nicht zum erstenmal macht der Kommandant mit einem englischen
Unterwasserzaun Bekanntschaft. Die Hauptsache ist, daß die Maschinen
intakt und das Boot heil geblieben ist.

»Alle Tanks fluten!« Der Zeiger des Tiefenmanometers schnellt um
fünfzehn Meter vor. »Dreimal äußerste Kraft voraus!« Jetzt heißt es,
biegen oder brechen. Ein leichtes Zittern ... einige kurze scharfe Rucke,
dann schießt »U 95« mit voller Geschwindigkeit voraus. Einzelne Tampen
des zerrissenen Netzes schlagen noch an das Achterschiff, dann ist das
Hindernis durchbrochen.

Der Steuermann, der eben zu seiner großen Beruhigung festgestellt hat,
daß der Kreiselkompaß seine ungeheuere Geschwindigkeit noch immer ohne
Störung beibehalten hat, wischt sich den Schweiß von der feuchten Stirn
und meint dann aufatmend zum leitenden Ingenieur, der neben ihm in der
Zentrale steht: »Nu fehlt heute nacht bloß noch 'ne U-Bootsfalle, dann
haben wir aber auch den ganzen englischen Abwehrzadder erlebt!«

Die Nacht scheint aber den Ahnungen des Steuermanns nicht Recht geben zu
wollen. Es ereignet sich nichts weiter. Noch funkeln die Sterne am Himmel,
als »U 95« auftaucht. An Steuerbord schimmert das Feuer von Beachy Head
minutenlang herüber, erlischt für eine Weile, um abermals aufzublitzen.
Es kann sich nur um ein Signal für ein Schiff handeln, das die Fahrt
über den Kanal wagen will, ein Leitlicht, nach dem sich der Kapitän des
Fahrzeuges richten mag. Das Dringendste wäre zunächst, die durch das Netz
vielleicht verursachten geringen Beschädigungen festzustellen, das hat
aber schließlich Zeit bis zum Morgen, da das Boot einwandfrei arbeitet.
Wichtiger für den Augenblick scheint dem Kommandanten, sich davon zu
überzeugen, welchem Fahrzeug eigentlich der ungewohnte Lichtschein von
Beachy Head gilt. --

Das Boot stoppt. Aufmerksam spähen die Augen nach allen Seiten, und bald
ist das Rätsel gelöst. Fünfzehn Minuten etwa sind vergangen, als die
Lichter eines Schiffes an Backbord des Leuchtfeuers auftauchen. Nicht
nur die Seiten- und Dampferlaternen des Herankommenden brennen, auch die
Promenadendecks sind hell erleuchtet, aus mehr als hundert Seitenfenstern
strahlt eine Flut von Licht nach außen. Was mag das bedeuten? Ein
hellerleuchtetes Schiff mitten im gefährdetsten Sperrgebiet? Ein Neutraler
wird doch nicht so wahnsinnig sein, hier unbekümmert, als gäbe es keine
deutschen Tauchboote, spazieren zu fahren. Ein englisches Lazarettschiff,
das nach Frankreich will, um dort jedenfalls Verwundete abzuholen! In
einigen hundert Metern Entfernung muß es an dem gestoppt liegenden
»U 95« vorbeifahren. Schon sind alle Einzelheiten deutlich zu erkennen.
Drei riesige Kreuze aus Glühlampen leuchten vorn, mittschiffs und achtern
an der Bordwand, ein funkelnder Streifen zieht sich vom Bug nach dem Heck.
Alles vollständig vorschriftsmäßig. Näher rauscht das Lazarettschiff
heran. Auffallend ist, daß der Dampfer, wie man es bei den leeren Schiffen
von solchen Abmessungen doch voraussetzen müßte, nicht hoch aus
dem Wasser ragt, und leer muß er sein, da er jetzt doch höchstens
Verbandsmaterial, Krankentragen und Ähnliches an Bord haben kann. Die
Sache scheint faul! Keine zweitausend Meter ist der Engländer jetzt ab. Im
Glanze der zahlreichen Deckslichter enthüllt sich im nächsten Augenblick
eine ungeheure englische Niedertracht.

Aus dem Dunkel des Vorschiffs huscht plötzlich eine ganze Menge von
feldmarschmäßig gerüsteten englischen Soldaten die unter der Brücke
liegende Treppe hoch, auf die Promenadendecks. Eine Täuschung ist
unmöglich! Ganz deutlich hebt sich alles genau übereinstimmend in den
Gläsern ab. Was da drüben an khakifarbenen Männern zu sehen ist, sind
keine Sanitätssoldaten. Gewehrläufe blitzen in den Deckslichtern! Eine
Gruppe wird so scharf beleuchtet, daß die ganze Ausrüstung bis in
die kleinste Einzelheit festzustellen ist. Ein Irrtum ist gänzlich
ausgeschlossen! Da kommt auch schon die Bestätigung. Während die
Engländer sich völlig sorglos unterhalten, öffnet sich eine nach den
Niedergängen führende Tür. Wütendes Schimpfen klingt durch die Nacht,
hastig jagt ein Offizier die unvorsichtigen Leute nach dem Achterschiff in
das Dunkel; in größter Eile stürzen sie davon. Warum diese Heimlichkeit
bei Sanitätern? Ähnlich scheint es mit der Ladung im Schiffsinnern
beschaffen zu sein: Kriegsmaterial für die Front. Die ungeheuren Gewichte
schwerer Geschütze und größere Mengen von Munition drücken das
Lazarettschiff bis zur Grenze der Schwimmfähigkeit herunter.

Morgen werden die Engländer in hysterisch-ohnmächtiger Wut zwar in die
Welt hinausbrüllen, ein harmloses Lazarettschiff sei von einem deutschen
U-Boot versenkt worden, hier aber gibt es kein Bedenken. Der eine Torpedo,
der im Rohre harrt, rettet Tausenden von Kameraden Leben und Gesundheit.

In wenigen Minuten liegt der Engländer im Ziel des schußbereiten Bootes,
das einige hundert Meter querab getaucht wartet.

»Steuerbord Bugrohr fertig!« Einen Augenblick später leuchtet die
Mattscheibe auf: »Fertig!«

»Los!« Wenige Sekunden nur, dann erschüttert der starke Stoß der
Explosion »U 95«. Unmittelbar vor dem achtersten Mast hat der
Torpedo aufgetroffen. Eine Minute darauf scheint das Lazarettschiff ein
feuerspeiender Vulkan zu sein. Auseinandergerissen sinkt das riesige
Fahrzeug unter der hochgehenden Munition mit aufbäumendem Vor- und
Achterschiff in die Tiefe und mit ihm die für die Front bestimmten
Granaten, Patronen und Geschütze; die Tommys, die sich im Schutze des
Genfer Zeichens so sicher wähnten, daß sie sich aus dem Dunkel ins helle
Licht hervorgewagt haben.

Tiefschwarze Nacht lagert über dem Kanal. Gleichmäßig rauschen die
Wellen. An Steuerbord leuchtet das Feuer von Beachy Head, der Wegweiser,
der das englische »Lazarettschiff« sicher nach Frankreich geleiten
sollte. --

Während von allen Seiten, durch die riesige Explosion angelockt,
Zerstörer und Bewachungsfahrzeuge heranpreschen, ist »U 95« längst
schon in sicheren Tiefen westwärts abgelaufen. Wenn auch nicht viel
Lebendes an der Stelle des Unterganges zu bergen ist, werden die Helfer
jedenfalls doch zu sehr beschäftigt sein, um an eine, im Dunkeln doch
aussichtslose Verfolgung denken zu können. So taucht der Kommandant
also eine Stunde vor der Morgendämmerung auf, um vor allem erst die
Akkumulatoren wieder aufzuladen. Noch liegen vierundzwanzig Stunden
Kanalfahrt vor dem Boot, die alle erdenklichen Zwischenfälle bringen
können.

Mit gewöhnlicher Marschgeschwindigkeit zieht »U 95« in den anbrechenden
Tag hinein. Kaum ist die Sonne aufgegangen, als es festzustellen gilt,
ob durch das Netz irgendwelche Beschädigungen der Außenhaut
verursacht wurden. Ein wirres Durcheinander von Drahtenden hat sich wie
festgeschmiedet um das Vorschiff gelegt. Einer der vordersten Ölbunker
ist eingebeult und leckt. Ein Glück nur, daß der unangenehme Zwischenfall
sich nachts ereignete. Das sickernde Öl hätte im Tageslicht an der
Oberfläche den Verräter gespielt, bis zur neuen Nacht hätte das Gehetzt-
und Gejagtwerden dauern können. Nur zu leicht wäre es gewesen, der Spur
an der Oberfläche zu folgen.

Mit allen verfügbaren Leuten wird das Netz beseitigt und das Leck
gedichtet, und zwei Stunden später sind alle Schäden beseitigt, nur
einige schampfiehlte Stellen am Vorschiff sind als ehrenvolle Narben
zurückgeblieben.

Das Wetter ist klar und sichtig. »U 95« hält sich mitten im Kanal.
Weder die englische noch die französische Küste sind in der immer breiter
werdenden Straße zu sehen. Von Schiffsverkehr ist nicht viel zu bemerken.
In weitem Abstande nur kommen die braunen Segel einiger Fischer, die dicht
unter der englischen Küste kreuzen, in Sicht, am Spätnachmittag noch
Rauchfahne und Masten eines anscheinend mit großer Fahrt laufenden
Dampfers, der der französischen Küste zusteuert. Ebenso ruhig wie der
Tag verstreicht die Nacht, und am Morgen steht das Boot am Westeingang des
Kanals.

Ein Gefühl der Erleichterung bemächtigt sich der Leute. Wenn ihnen auch
die zurückgelegte Strecke kein besonderes Heldenstück zu sein scheint,
-- haben sie doch auf ihren zahlreichen Fahrten oft schon ähnliche
Hindernisse und Störungen kennengelernt -- so liegt doch von jetzt ab die
offene See vor ihnen, die weder Minen noch Netze kennt. Vielleicht zwar hat
Herr Edison während seiner sechsunddreißigstündigen Arbeitszeit im Tage,
die er auf dem Gipfel seines sagenhaften Berges verbringt, einen neuen
amerikanischen Bluff erfunden, um die deutschen U-Bootsleute graulich zu
machen. »Man tau«, würde der Obermatrose Tönjes sagen. Der Nachmittag
schon bietet Gelegenheit, die Probe auf das Exempel zu machen.

Vom Westen kommend, taucht gegen drei Uhr über der Kimm ein Dampfer
auf, dessen Umrisse nach kurzem deutlich auszumachen sind. Ein großer
Transatlanter mit einem Schornstein und vier Masten. Tief beladen. Drei
große weiße Buchstaben leuchten von der schwarzen Bordwand: =U. S. A.=
Ein Amerikaner. Ein seltener Bissen -- im Sperrgebiet. Fünf Seemeilen
steht er ab, als ihm der erste deutsche Gruß zwischen den Masten dicht
über Deck entgegenschlägt.

Ganz unerwartet scheint den Herrschaften drüben diese Begegnung nicht zu
kommen. Im gleichen Augenblick fast dreht er hart Backbord auf die Irische
Küste zu, während seine Hilferufe =S. O. S., S. O. S., S. O. S.=
nicht abreißen wollen. So leicht aber entkommt man nicht, auch wenn man
Amerikaner ist. Die deutschen Grüße werden eindringlicher. Zwei Granaten
schlagen in das Achterschiff ein. Er stoppt noch immer nicht. Eben hallt
der Donner eines neuen Schusses über das Wasser, als drüben mehrere
große Kisten über das Heck gestürzt werden.

Ein leichter Dunst scheint aus der See aufzusteigen, dünn, wie ein feiner
grauer Schleier hebt er sich über dem Wasser, wird stärker, dichter,
wallt in ganzen Schwaden hoch, breitet sich aus, legt sich als schützender
Brodem vor das amerikanische Schiff. Es ist verschwunden. Künstlicher
Nebel. Schießen hat keinen Zweck mehr, trotzdem aber soll er nicht
entwischen.

Mit äußerster Kraft prescht »U 95« seitwärts ab, um die Nebelwand zu
umgehen. Eine halbe Stunde verstreicht, da tauchen vorerst die Mastspitzen,
dann der Schornstein und schließlich der ganze Schiffsrumpf des
Amerikaners wieder auf. Die erste Granate trifft auch gleich diesmal
die richtige Stelle. Aus der Mitte des Schiffes dringt weißer Dampf; es
stoppt! Vorsichtig nähert sich das Tauchboot dem Dampfer und umkreist ihn
in sicherer Entfernung. Er ist unbewaffnet. Die Kerle drüben wissen genau,
daß es sich hier um keine Komödie handelt, glauben indessen auch weiter
noch die Schwerhörigen spielen zu können. Sie tun, obwohl seit zehn
Minuten schon das Signal: »Verlassen Sie sofort das Schiff!« ausweht, als
machten sie sich an ihren Booten zu schaffen, wollen aber anscheinend nur
Zeit gewinnen, um feindlichen Streitkräften rechtzeitiges Heraneilen zu
ermöglichen. Erst eine weitere Granate beschleunigt mit sanftem Nachdruck
das Aussteigen.

Vier vollbesetzte Boote stoßen ab und kommen heran. Von weitem schon
ertönt aus ihnen mörderliches Schimpfen. Das kann die Stimmung an Bord
allerdings nur erheitern. Während die Amerikaner sich nähern, reißen
Granaten ein Loch nach dem andern in die Wasserlinie ihres Dampfers, durch
das die See in hellen Strömen eindringt. Und eben, als das erste Boot mit
dem Kapitän anlegt, kentert sein Schiff und sackt weg. Mit ungeheuerer
Beredsamkeit protestiert der Amerikaner gegen die »ungewarnte
Torpedierung«. Eine barsche Aufforderung unterbricht seinen Redeschwall.
»Bringen Sie Ihre Schiffspapiere!« Während der Mann an Deck
weiterschimpft und zetert, werden die Papiere durchblättert. Alle
erdenklichen schönen Sachen: vom Stacheldraht angefangen bis hinauf zu
schweren und schwersten Granaten.

Wieder unterbricht der Kommandant den Zornigen: »Sie wollen gegen die
Versenkung Ihres Schiffes protestieren, das bis oben hin mit Kriegsmaterial
beladen ist? Na, Sie scheinen ja eine eigenartige Auffassung von unserer
Seekriegführung zu haben!«

Etwas kleinlauter geworden, meint der Kapitän des versenkten Fahrzeuges,
er wolle ja nur gegen das »ungewarnte Torpedieren« Verwahrung einlegen.

Der Kommandant lacht. »Unser Schuß genügt Ihnen wohl nicht? Und Ihre
Nebelbomben? Ihr Auskneifen? ... Sie können an Land rudern!«

Jetzt wird der Amerikaner, der kurz vorher noch so hohe Töne redete,
sichtlich verlegen. Er jammert und barmt, weist auf das Gesindel in seinen
Booten, mit dem die Fahrt unter Land wohl eine Woche dauern könne. --

Mit den Booten in Schlepp steuert »U 95« nordwärts, um die Leute näher
an die Küste heranzubringen. Eine Stunde später aber kommt ein Dampfer in
Sicht, von dessen Bordwand die bunten norwegischen Farben leuchten. Wieder
so ein Neutraler, dem das Geschäft über alles geht: Kohle von Cardiff
nach Genua. Eine Weile darauf landet die schöne Kohle mehrere hundert
Meter tief auf dem Grunde des Atlantik, ziemlich weit von ihrem
Bestimmungsort, und die norwegischen Boote, die die Amerikaner bald
überholen, segeln nach Land zu.

Der nächste Tag trifft das deutsche U-Boot mitten in der Biscaya.
Hoffentlich beschert ihm der Zufall noch einige fette Bissen. Lange
aufhalten darf es sich hier allerdings nicht, da noch mehr als die Hälfte
des Weges zurückzulegen ist. Gegen Abend kommt ein stolzer Viermaster
in Sicht. Eben ist er beim Halsen, um über Stag zu gehen, als ihm eine
Granate durch die Takelage pfeift. Ein weiteres Segelmanöver tut nicht
mehr not. Die Besatzung des Schweden, deren Schiff nach Plymouth bestimmt
war, ist bald darauf an Deck des U-Bootes, das sie vorläufig beherbergen
will, da der Weg nach Land weit ist. Es sind ruhige, verständige Leute,
dankbar für die Aufnahme, die ihnen an Bord zuteil wird. Schnell haben
sie in den unteren Räumen ein Plätzchen gefunden, wo sie möglichst wenig
stören. Der nächste Tag schon bringt ihnen überdies Befreiung aus dem
Bootsinnern.

Siebzig Seemeilen etwa steht »U 95« von Kap Finisterre ab, als ein
englischer Erzdampfer ihm in den Weg läuft. Von weitem schon fällt eine
ganze Pallisadenreihe von Ladebäumen auf. Mehr als vierundzwanzig stehen
sie rund herum an der Reeling. Diese Schiffsart, die für Laden und
Löschen der gewichtigen Erzmengen besonders gebaut ist, ist äußerst
selten und wertvoll. Glücklicherweise erscheint kurz hinter dem Engländer
ein spanischer Fischer, der die Schweden und die Besatzung des Engländers
an Bord übernimmt.

Am Abend des dritten Tages kommt an Backbord Kap Trafalgar in Sicht. Die
Straße von Gibraltar liegt voraus. Zitternd huschen die Scheinwerfer der
Festung über die See nach Ceuta und nach Tanger hinüber, drehen, spüren,
suchen, wollen die Straße sperren, als wüßten sie, daß soeben ein
deutsches Tauchboot durchzufahren beabsichtigt, und erlöschen wieder. Die
afrikanische Küste liegt im Dunkel. Armierte Fischdampfer und zahlreiche
kleine Torpedoboote bilden hier die Bewachung. Unbehelligt zieht das Boot
an ihnen vorbei in das Mittelländische Meer hinein.

Eine gefährliche Stelle birgt vor dem Ziele nur noch die Straße von
Otranto. In tiefer Dunkelheit wird das Kap S. Maria di Leuca gerundet,
kurz nach Mitternacht tauchen voraus die Schatten der in der Straße
wachehaltenden Patrouillenschiffe auf. Einzelne werden umgangen, dann
wird mehrere Stunden getaucht, bis die Gefahrzone passiert ist. Am Mittag
wachsen aus den tiefblauen Fluten der Adria die kahlen Karstfelsen der
dalmatischen Küste auf, und eine halbe Stunde später weht von Bord
eines heranbrausenden Zerstörers die österreich-ungarische Kriegsflagge,
gleitet »U 95« durch die Minensperre in den sicheren Hafen.



Der kritische Augenblick


»Nanu, was schleppt der Kerl denn hinter sich her? Können Sie sehen, mit
was für 'nem Trog der dort lossegelt?« Wendet sich der Kommandant von
»U 119« fragend an den neben ihm stehenden Wachoffizier, der gleich ihm
seit längerer Zeit schon einen Schlepper beobachtet. Schwerfällig stampft
er in der Dünung der großen Syrthe durch die See und macht kaum Fahrt. In
den nächsten Minuten entpuppt sein Anhängsel sich als großer Leichter.
Er muß schwer beladen sein, da er ziemlich tief eintaucht und, vom Winde
abgetrieben, seinen Vorspann mehr zu ziehen scheint als dieser ihn.

Am frühen Morgen ist das deutsche Tauchboot an der tripolitanischen Küste
angekommen, um dort den Schiffsverkehr zwischen Italien und den spärlichen
Resten der Kolonie, die dem ehemaligen Bundesgenossen noch geblieben sind,
zu stören. Zu Lande sind die Senussen und Araber erfolgreich bis an die
Küste herangekommen und haben längst die glorreichen Eroberer auf schmale
Küstenstreifen bei Tripolis und Homs gejagt; nun soll ihnen auch die
Verbindung zur See abgeschnitten werden. Den ganzen Tag über hatte
sich nicht das geringste Rauchwölkchen gezeigt, das auf irgend welchen
Schiffsverkehr hätte schließen lassen. Gegen Mittag war wohl einmal das
spitze lateinische Segel eines eingeborenen Küstenfahrers aufgetaucht,
der Kerl stand aber so dicht unter Land, daß durch die Verfolgung bald die
Anwesenheit eines deutschen U-Bootes verraten worden wäre. Erst jetzt vor
der Dämmerung taucht der Schlepper mit seinem Anhängsel auf. Der »edle
Römer« scheint sich völlig sicher zu fühlen. Seine Seitenlichter
brennen, als herrschte hier tiefster Frieden, als gäbe es kein Sperrgebiet
und keine U-Boote, die in ihrem Jagdbereich schon dafür sorgen, daß sich
niemand ungestraft sehen lasse.

Im Süden geht der Mond auf. In seinem bläulichweißen Lichte, das über
der ruhigen See dahinzittert, heben sich die Umrisse der beiden Fahrzeuge,
die ruhig und unbekümmert ihren Weg fortsetzen, scharf ab. Einen
Augenblick nur dauert die Ueberlegung auf dem Turm des U-Bootes. Sollte der
Bursche, der geradezu zum Abschießen herausfordert, etwas Hinterhältiges
im Schilde führen? Er sieht zwar nicht so aus, der Teufel aber kann
wissen, welch' neue Art von U-Bootsfalle das Ding dort vorstellen mag.
Jedenfalls soll er vorerst von allen Seiten in voller Muße angesehen
werden. Gestoppt, jederzeit klar zum Tauchen, liegt »U 119« und läßt
die beiden Schiffe in ziemlich naher Entfernung an sich vorüberziehen.
Sie sind tatsächlich gänzlich schimmerlos. Ein kleiner Schlepper, der den
Leichter anscheinend von Tripolis nach Homs ziehen soll. Mit dem wird nicht
viel Federlesens gemacht.

»Stoppen Sie sofort!« schallt der Sprachtrichter durch die dunkle Nacht
zum Italiener hinüber. Noch kann er nicht sehen, woher die Stimme kommt,
aber er weiß Bescheid! Ein sinnloses Gebrüll antwortet dem Befehl, ein
Hasten und Jagen hebt an Deck an. Während die italienische Mannschaft noch
planlos umherjagt und »U 119« längsseit des Leichters geht, hat sich
der Kapitän des Dampfers endlich zu einem seiner Nationalität würdigen
Entschlusse durchgerungen. Klatschend fällt die Schleppleine ins Wasser,
mit Hartruder dreht das Fahrzeug auf Land zu und sucht Hals über Kopf das
Weite. Wohin er will, ist ihm wohl selbst schleierhaft. Der Kurs führt
direkt in die Brandung. Anscheinend aber will er lieber dort zu Grunde
gehen, als in die Hände des U-Boots fallen. Den Leichter überläßt er
seinem Schicksal.

Kaum Sekunden dauert es, bis die Deutschen bei ihm längsseit sind. Die
Sache beginnt ein humoristisches Aussehen anzunehmen. Kaum haben die Kerle
begriffen, daß auf ihrem Untersatz ein Entrinnen vor der überlegenen
Geschwindigkeit des Verfolgers ausgeschlossen ist, als sie sich Hals über
Kopf in ihr eiligst über Bord gesetztes Boot stürzen und mit ihm in der
Dunkelheit zu entkommen trachten. Auch das nützt ihnen nichts. Das
U-Boot schießt um den Schlepper herum und lädt die Italiener recht
nachdrücklich ein, sich doch ein wenig an Deck zu bemühen.

So ganz einfach ist das aber nicht. Entweder haben die Kerle Angst oder sie
wollen nicht, kurz, sie hängen an ihren Duchten, als wenn sie festgeklebt
seien und brüllen dabei, als stäken sie am Spieße. Nicht einmal der von
einem sprachgewandten U-Bootsmann einladend hinübergegebene Ruf »Avanti
Savoia« verfängt. Bis endlich ein gut deutsches Wort mit ihnen geredet
wird. Sie kriechen an Deck und jetzt erklärt sich allerdings nur zu bald
das für Italiener immerhin merkwürdige Beharrungsvermögen. Die ganze
Gesellschaft, vom Kapitän bis hinunter zum Heizer, ist -- sinnlos
betrunken. Schlapp torkeln sie an Deck herum und sind gänzlich haltlos.
Mit vieler Mühe wird endlich aus ihnen herausgeholt, daß sie sich bereits
an Land, noch vor Antritt der Fahrt, die nötige Seebereitschaft durch
Uebernahme größerer Gebinde Alkohols gesichert hatten. Mochten doch diese
=Maledetti inglesi e loro amici=, dieses verd... Engländerpack mit seinen
Freunden, im Sperrgebiet zur See fahren, wenn es ihnen Spaß machte, sie
aber, die Italiener, sollte man freundlichst damit verschonen. Und dann
wagen es diese Kerle, rührselig werden zu wollen. Stammelnd und lallend
versichern sie, daß sie nie etwas gehabt hätten gegen die Germani, das
seien immer ihre Freunde gewesen. Ah, =come sono buoni e bravi=, gute und
brave Leute ... bis dem Kommandanten, der eine Zeitlang dieses widerlich
jämmerliche Winseln um das -- ach so teure -- Leben ruhig angehört
hat, der Ekel aufsteigt. Ein einziges Wort nur, eine Bewegung nach dem
längsseit tanzenden Boote. Runter! Da versteht die Gesellschaft. Bedeutend
schneller als sie heraufgekommen, stürzen sie in ihr Boot, rudern, rudern,
als gelte jede Sekunde das Leben.

Während der Schlepper sich mit Hilfe einer Sprengpatrone eiligst aus dem
Sperrgebiete entfernt, geht »U 95« auf die Suche nach dem Leichter,
der in der Zwischenzeit etwas abgetrieben ist. Bald tauchen seine dunklen
Umrisse wieder aus der Nacht hervor. Er ist bis obenhin mit Militärgut
beladen. Auch er verläßt, ebenso schnell wie der Schlepper vor ihm, die
Oberfläche. In der Nacht ereignet sich nichts mehr, und mit östlichem
Kurs fährt »U 119« weiter.

Eben rötet sich im Osten der Himmel, als an Steuerbord der weiße
Leuchtturm von Homs aus der See auftaucht. Gleich dahinter ragt ein
Fabrikschornstein in die klare Luft, das spitze Minare einer Moschee;
weiße, glatte Mauern von Araberhäusern und dazwischen an erhöhten
Stellen gelbe Regierungsgebäude und Kasernen zeichnen sich ab. Die beiden
alten Forts drohen von überragender Stellung hinaus auf See.

Alles scheint drüben in tiefem Schlafe zu liegen. Nichts rührt sich, als
»U 119« näher heran kommt. Etwa zwei Seemeilen steht es ab, als vom
Turm an die bereits klargemachten Geschütze der Befehl kommt:

»Dreißig Hektometer! Schieber: links, zwozehn! Auf das gelbe Gebäude mit
der Funkenstation!«

Im nächsten Augenblick rollt der Donner des Schusses über die fast
spiegelglatte See nach Land zu. Bevor sein Dröhnen aber dort vernommen
wird, schlagen schon die Granaten mitten in die Kasernen, aus denen
gleich darauf in dichten Scharen mehr oder weniger bekleidete Menschen
herausstürzen. Und wieder blitzt es auf See auf, dröhnt der Donner,
bersten die Granaten. In Fliegerschuppen und Regierungsgebäude fegen sie,
schlagen die Marconistation vom Dache und spritzen in die dichten Haufen
der planlos in wahnwitziger Angst Umherirrenden. An drei Stellen schon
züngeln Flammen empor und wälzt sich schwerer Rauch, als die Italiener
sich endlich darauf besinnen, daß in den beiden Forts auch Geschütze
stehen. Zwar waren sie bisher gegen die immer näher andrängenden
Eingeborenen nach Süden gerichtet, schnell aber werden sie jetzt nach See
zu gedreht.

Vierzig Granaten hat »U 119« verfeuert, als drüben der erste Schuß
fällt. Was die Italiener an Zeit verloren haben, suchen sie jetzt durch
ungeheuerliche Munitionsverschwendung wettzumachen. In unaufhörlicher
Folge blitzt es in den Forts auf, heben sich die Wassersäulen der
einschlagenden Granaten. Bald haben sie sich eingeschossen. Immer dichter
heran, in bedrohliche Nähe des Bootes fegen die Geschosse, bis sich der
Kommandant, der seine Aufgabe voll erfüllt sieht, entschließt, zu tauchen
und unter Wasser abzulaufen. --

       *       *       *       *       *

Drei Tage und drei Nächte schon streift »U 119« ostwärts zwischen
Kreta und der afrikanischen Küste durch das Mittelländische Meer. Von Tag
zu Tag macht sich die Lähmung der feindlichen Schiffahrt fühlbarer.
Die in Friedenszeiten und auch noch zu Beginn des Krieges so belebte
Handelsstraße, über die Indiens, Chinas und Australiens Güter gingen,
liegt öde und vereinsamt. Die Neutralen begannen zuerst mit der zwar
bedeutend längeren, dafür aber ungefährlicheren Fahrt um das Kap der
guten Hoffnung, die Engländer und Franzosen sind ihnen bald gefolgt. Die
reinste Idylle hat sich an Bord entwickelt. Fühlbar heiß brennen die
Strahlen der Sonne auf das stählerne Deck. Die Luft im Raum ist, obwohl
alle Luken geöffnet sind, tagsüber schon recht unerquicklich, so daß man
die kühlere Nacht herbeisehnt. Wenn auch alles ziemlich ungeduldig nach
dem Feinde, der sich nicht zeigen will, ausspäht, bietet andererseits
wieder die Verödung der Seewege doch manches Gute. Abends hält »U 119«
dicht an Land zu, dort, wo es die Tiefenverhältnisse gestatten, und
wenige Minuten später tummelt sich fast die ganze Besatzung im Wasser.
Bei einigen Leuten, die absolut nicht wieder heraus wollen, bedarf es etwas
energischerer Aufforderung von seiten des Kommandanten, nicht loszugondeln,
um etwa auf eigene Faust U-Boot-Krieg zu führen. Später dann sitzt alles,
nachdem dem Meisterwerk des Schmutje Ehre angetan wurde, an Deck, schmaucht
vergnügt seinen Tobak und lauscht andächtig den neuesten Schlagern,
über die das Grammophon verfügt. Eine harmlos fröhliche Ausgelassenheit
herrscht, als sei nicht Krieg, als könnte nicht im nächsten Augenblick
von irgendwoher der Feind auftauchen.

Fast unangenehm glatt liegt am nächsten Tage die See. Wie ein leises, kaum
merkbares Atmen geht es über die Oberfläche, die stundenlang noch die
Spur des Kielwassers bewahrt. Wundervoll sichtig ist das Wetter, klar und
rein die Luft. Nichts zeigt sich. Fern im Süden blinkt wohl hier und
da unter den Strahlen der flimmernden Sonne in grellweißem Schimmer die
afrikanische Küste mit ihren kahlen Sanddünen auf, sonst aber ist das
Bild seit Tagen schon stets das gleiche: das einsame, ruhige, verlassene
Mittelmeer.

Wie gestern und vorgestern sonnt sich auch heute wieder alles, was nicht
unten im Schiff beschäftigt ist, oben an Deck. Ein Teil der Leute hat mit
vieler List ein Plätzchen erobert, das dem Kopf wenigstens einigermaßen
Schutz gegen die blendende Lichtflut bietet, andere »kloppen« ihren
Skat, spielen eine Partie Sechsundsechzig oder erzählen sich ihre letzten
Abenteuer an Land, wobei natürlich die holde Weiblichkeit nicht zu kurz
kommt. Aehnlich sieht es auf dem Turm aus. Dort sitzen die Offiziere und
besprechen die weiteren Unternehmungen, die »U 119« von Alexandrien nach
dem Suezkanal bringen sollen, suchen dann zum hundertsten Male mißmutig
und verknurrt die Kimm ab, die immer noch ruhig in ihrem bläulichen Dunste
liegt. Und über die Offiziere, die Schlafenden, die Erzählenden und
Spielenden hin klingen die lockenden Töne aus dem Zigeunerbaron: »Wer uns
getraut, ich sag' es euch, der Dom« ... »Eine Mine!« Schrill gellt der
Ruf in den tiefen Frieden hinein, läßt die Schläfer hochfahren, Karten,
Bücher und Papiere an Deck fliegen, kein Mensch achtet des Grammophons,
das seine Melodien weiterschnurrt, alles hat nur Augen und Sinn für die
Mine, die soeben gesichtet ist.

Etwa hundert Meter rechts voraus ragt ein dunkler Buckel vorn über die
Oberfläche hinaus. Überall glitzert und flimmert das Wasser, der eine
Punkt nur unterbricht die Gleichförmigkeit. Eine Treibmine? Soll sich die
etwa von der Nilmündung oder vom Suezkanal losgerissen haben? Vorsichtig
nähert sich das Boot dem gefährlichen Gegenstande, der so harmlos
aussieht, als berge er nicht hundert Kilogramm Sprengstoff in seinem
Innern. Die Gewehre sind an Deck geholt, um die Mine im Ablaufen
abzuschießen. Etwa fünfzig Meter noch ist »U 119« ab, als von der
Brücke lautes Gelächter und der Ruf ertönt: »Eine Schildkröte!« Eben
will alles anlegen, um den ungewohnten Bissen für die Küche zu erobern,
als die »Mine« durch das Geräusch der Motoren erwacht und langsam
wegsackt.

       *       *       *       *       *

Gegen Abend verschwinden die tiefen, blauen Farben des Wassers, machen
vorerst einer grünlichen, dann hellgelblichen Tönung Platz und gehen
schließlich in schmutziges Graubraun über. Die Mündung des Nils macht
sich bemerkbar. Ganz in der Ferne, kaum noch wahrnehmbar, steht in den
Strahlen der untergehenden Sonne grauer Landdunst.

Es dunkelt bereits. Von Land her kommt der Schein des Blinkfeuers der
Ennostoshuck bei Ras et Tin durch die Nacht herüber, mehrere feste
Feuer, und darüber, ganz im Hintergrunde, die rötliche Dunstkuppel des
beleuchteten Alexandrien. Vorläufig ist nichts zu machen, als die Einfahrt
nach ein- und ausfahrenden Schiffen zu beobachten. Die Aufgabe ist nicht
leicht, da bei Nacht auf die große Entfernung hin, in der das Boot wegen
der in die See vorgelagerten Sände gehalten werden muß, nur schwer
Genaues auszumachen ist. Stundenlang pendelt »U 119« vor der Mündung
auf und ab. Kein Schiff zeigt sich. Ganz ferne nur, im Norden tauchen für
kurze Zeit die Lichter eines Dampfers auf. Er steht aber weit ab und läuft
zu hohe Fahrt, als daß es sich lohnte, mit Aussicht auf Erfolg auf ihn
Jagd zu machen.

Kaum graut der Morgen, als das Boot taucht, um nicht etwa durch Schiffe,
die bisher im Dunkel verborgen waren, überrascht zu werden. Vorsichtig
sucht das Sehrohr die ganze Gegend ab. Nach Land zu sind einige Fahrzeuge
zu erkennen, in der Nähe aber scheint die See überall so einsam
und verlassen, wie in den letzten Tagen. Erst gegen Mittag kommt von
Alexandrien her eine starke Rauchwolke auf. Eine halbe Stunde später
leuchtet die Bugwelle eines mächtigen, schwarzen Transporters mit zwei
Schornsteinen, der mit hoher Fahrt herangebraust kommt, in der Sonne. Im
Kielwasser, eine Seemeile ab, folgt sein Geleitschiff, ein Kreuzer der
Foxgloveklasse. Er hat wohl etwas später losgeworfen und dampft jetzt
zusehends auf. Der Transporter scheint voll beladen mit Menschen.
Ueberall, auf den langen Promenadendecks des Dampfers, der anscheinend der
Orientlinie angehört, auf Back und Achterdeck wimmelt es von Khakileuten,
die wohl dem hoffnungslosen Salonikiunternehmen als neues Kanonenfutter
für den Cernabogen dienen sollen.

Vierhundert Meter ist er ab, als die helle Blasenbahn auf ihn zuschießt.
Eine Sekunde spiegeln sich im Sehrohr entsetzte Gesichter, deuten
ausgestreckte Arme auf das nahende Verderben, stieben graugelbe Gestalten
wirr durcheinander und strömt weißer Dampf zum Hilferuf aus der
Dampfpfeife am vorderen Schornstein, dann hebt sich an der Vorderkante
der Brücke eine mehr als dreißig Meter hohe Sprengwolke. Der eine Schuß
genügt. Schwerfällig neigt sich der mehr als achttausend Tonnen große
Kasten mit der Nase vorn über und sinkt.

Einige Minuten läuft »U 119« mit eingefahrenem Sehrohr auf den
Geleitkreuzer zu, dann wird für den Bruchteil einer Sekunde nur
ausgefahren. Eben verläßt der Torpedo das Rohr, als es drüben aufblitzt
und das Dröhnen in unmittelbarer Nähe einfallender Granaten erklingt.
Mitten hinein der Schlag des am Kreuzer explodierenden Torpedos. Dann tiefe
Stille. Eine halbe Stunde später tauchen die Sehrohre schon ziemlich weit
ab bis über die Oberfläche heraus. Dort wo der Transporter sank, ist
nichts mehr zu sehen als mehrere Schiffsboote, die an der Untergangsstelle
liegen und versuchen, aus dem Gewimmel der um sie treibenden Menschen
zu retten, was noch lebt. Einige hundert Meter ab liegt bewegungslos der
Kreuzer. Die See spült bereits über sein Heck, zusehends sackt er
tiefer. Einen Augenblick überlegt der Kommandant, ob er herangehen und dem
Engländer einen zweiten Schuß geben soll. Von Alexandrien aber nähern
sich in hoher Fahrt mehrere Zerstörer. Bald müssen sie heran sein. Es
hieße nur das Boot gefährden, denn für den Kreuzer kommt die Hilfe doch
zu spät. An Einbringen ist bei ihm nicht mehr zu denken. --

       *       *       *       *       *

Ununterbrochen, seit dem frühen Morgen, flammen aus den gelben Dünen, die
im Lichte der untergehenden Sonne wie in Blut getaucht scheinen, feurige
Blitze auf, spritzen hohe aus Sand und grünlich-giftigen Pulverschwaden
gemischte Säulen, rollt der Donner der Geschütze in die Wüste hinein.
Seit mehreren Tagen stürmen die Engländer, die vom Kanal aus ihre
Bahn längs der Küste bis auf El Arisch vorgetrieben haben, gegen die
türkischen Stellungen bei Gaza an. Zweimal und dreimal schon sind sie
zurückgeschlagen, ein weites Leichenfeld deckt den Sand, und immer wieder
versucht es der Gegner von neuem. Zu Lande und von See aus. Seit Stunden
prasselt das Trommelfeuer, heben sich, eine neben der anderen, zur
zusammenhängenden Wand anwachsend, die Sand- und Pulverwolken. In letztem,
gewaltigstem Ansturm sollen die türkischen Linien durchbrochen und der Weg
nach Jerusalem freigemacht werden.

Was an Schiffen in Alexandrien und Port Said verfügbar war, ist
herangezogen. Aus sicherer Entfernung, von Land aus nicht erreichbar,
heulen die dicken 30,5 Zentimeter-Granaten der schweren Schiffsgeschütze
heran, dazwischen die Geschosse der Mittelartillerie. Der letzte Widerstand
soll und muß gebrochen werden. Das Trommelfeuer steigert sich zu einem
Höllenorkan, der ungeheure Stahlmassen gegen die türkischen Gräben
schmettert. Dichte Rauchwolken umlagern die Schiffe, wachsen höher und
höher bis an die Mastspitzen hinauf. Noch halten die Verteidiger, wenn
auch ihre Gräben halb verschüttet sind, stand. Gegen die Batterien an
Land und die Sturmtrupps der Infanterie setzen sie die eigenen Truppen,
die immer wieder unter brausendem Allahruf zum Gegenstoß vorstürmen, ein.
Gegen die Schiffsgeschütze, die immer größere Lücken reißen, sind sie
hilflos.

Hoch über den Schiffen kreist ein Doppeldecker, dessen helle Tragflächen
und große Schwimmer sich klar vom dunkelblauen Himmel abheben. Genau
verfolgt er die Aufschläge und signalisiert seine Beobachtungen. Eben
wendet er sich von Land wieder den Schiffen zu, als er plötzlich über sie
hinaus der offenen See zuschießt. In jähem Sturze saust er nach unten,
fast bis auf die Oberfläche hinab. Im nächsten Augenblicke tönt das
trockene Hämmern und Knattern seines Maschinengewehrs, spritzen seine
Geschosse hageldicht in die See. Dann steigt er wieder, kreist über den
Schiffen. Wie auf ein Kommando stellen die das Feuern ein. Sekunden später
haben sie Fahrt aufgenommen und streben in wilden Zickzackkursen mit
äußerster Kraft nach Westen. Ihre Geschütze feuern gegen einen Feind,
der nicht zu sehen ist.

Zur rechten Zeit! Aus den englischen Gräben lösen sich die Sturmtrupps,
stürmen über den Sand hinweg gegen den Feind, dem ihre Schiffe soeben
noch den letzten Rest geben sollen. Die aber sind im kritischsten
Augenblick verstummt ... Aus einem rätselhaften Grunde, ganz gegen die
Vereinbarung, brausen sie davon, verschwinden aus Schußweite, wo doch
alles von ihnen abhängt ...

Die Engländer stutzen, zögern ... reihenweise mähen die türkischen
Geschosse sie nieder, türmen neue Leichenhaufen neben und über die
alten ... sie fliehen ... hinter ihnen drein stürmt in wuchtigem Stoß
die türkische Infanterie: die erste Stellung wird überrannt, die zweite,
erst vor der dritten macht sie halt. Einzelne erst, dann ganze Züge,
Verbände, bis sich die ganze Masse des englischen Angreifers planlos in
hastigem, überstürztem Rückzuge nach Süden zu retten sucht ... in die
Wüste ...

Aus der sonnendurchzitterten Oberfläche der See stoßen zwei dünne Rohre
empor, ein grauer Turm hebt sich, leicht spült das Wasser über Vor- und
Achterschiff. Dann steigt am vorderen Sehrohr von »U 119« die deutsche
Kriegsflagge hoch ...



Das brennende Meer


»Wie denken Herr Kapitänleutnant über die Kanone? Wollen wir die
nicht mitnehmen?« ruft der Offizier der Sprenggruppe vom Achterdeck des
Leylanddampfers zum Kommandanten von »U 187«, das etwa dreißig Meter
ab liegt, hinunter. Zu seinem Bedauern klingt es aber zurück: »Lassen Sie
das Ding drüben, das Abbauen der alten Schmeißbüchse hält uns zu lange
auf.« Der Offizier scheint sein Herz an das kleine Geschütz, auf dessen
blankem Rohre sich die Sonne spiegelt, gehängt zu haben. Das Rohr läßt
sich leicht lüften, nur das Losschrauben des Pivots würde zeitraubend
sein. Sofort gibt er seine Entdeckung weiter, und diesmal hat er Glück.
Das kleine Geschütz darf mitgenommen werden, doch fordert der Kommandant
gleichzeitig auch einen geeigneten Unterbau. Das ist nicht einfach.
Forschend streift der Offizier über das Oberdeck. In der Kombüse endlich
findet sich ein Gegenstand, der mit Bordmitteln ohne weiteres zur Lafette
umgebaut werden kann: Ein -- leider leeres Weinfaß! »U 187« geht
vorsichtig unter das Heck des Dampfers. Das Rohr wird herabgefiert, gleich
darauf folgt die Lafette. Zwar macht der Kommandant zuerst über diese
eigenartige artilleristische Verstärkung ein recht erstauntes Gesicht, er
sagt aber nichts, weil er sich, innerlich schmunzelnd, im Geiste bereits
ausmalt, auf welche Art die Besatzung den Einbau der Kanone bewerkstelligen
wird. Jedenfalls ist die Geschichte ganz neuartig.

Während die Sprengpatronen den Dampfer in die Tiefe befördern, wird
schleunigst eine Kommission von Sachverständigen zusammengerufen, die
über den Einbau des neuen Geschützes beschließen soll. Bald ist die
wichtige Frage, die mit bitterem Ernst behandelt wird, auch praktisch
gelöst. Das Weinfaß wird vor allem mit mehreren Stahldrahttauen an Deck
so festgezurrt, daß es sich nicht mehr bewegen kann. Ebenso wird das Rohr
befestigt. Zwar kann das so entstandene Ding nicht gerade ein Modell für
eine Mittelpivotlafette genannt werden, jedenfalls aber hat »U 187« ein
Geschütz mit Munition mehr. Die Nummer Zwei des alten Schiffsgeschützes
wird Nummer Eins. Nun fehlt nur noch die Gelegenheit, die neue Kanone
auszuprobieren; aber auch die läßt nicht lange auf sich warten.

Am frühen Morgen war der englische Leylanddampfer, der eine Unmenge
Gefrierfleisch von Argentinien für die englische Armee an Bord gehabt
hatte, versenkt worden. Kurz nach Mittag schon taucht, aus dem Bristolkanal
kommend, wieder ein Dampfer auf. Unglaublich dreckig sieht der Bursche aus,
als er sich in langsamer Fahrt heranschiebt. Der kommt sicher mit Kohlen
von Cardiff. Selbst der dicke Kohlenstaub aber kann den Schmutz nicht
verdecken, der in breiter werdenden Streifen unter den Ausgüssen bis auf
die Wasserlinie hinabführt, nicht den vielen Rost, der rötlich überall
auf den einzelnen Platten zutage tritt. Die Decksaufbauten, die vor vielen
Jahren vielleicht weiß waren, sind in ihrer Farbe, soweit überhaupt
solche zu sehen ist, nicht näher zu bezeichnen. Ein schmutziges Grau, dem
der Kohlenstaub ein »marmorartiges« Aussehen verleiht. Ein Engländer
würde in solchem Zustande nicht zur See fahren. Selbst für einen
Franzosen, der, was Reinlichkeit anbelangt, nicht so heikel ist, scheint
der Bursche doch zu dreckig. Es kann sich nur um einen Portugiesen oder
um einen Italiener handeln. Diese Herrschaften legen auf Äußeres ebenso
wenig Wert, wie auf das eigene Innere. Gleichgültig freilich, welche
Nation sich um die Ehre der Zugehörigkeit streiten mag, hier ist
Sperrgebiet, es wird kein Federlesens gemacht. Noch ist die Granate des
ersten Geschosses nicht drüben eingeschlagen, als auch schon die
erbeutete Kanone ein ernstes Wörtchen spricht. Ihre Stimme ist zwar nicht
eindringlich, der Geschützführer aber legt volle Ehre mit ihr ein. Seine
Granate sitzt mittschiffs, eben über der Wasserlinie. Der Erfolg ist
zauberhaft. Der Dampfer stoppt sofort. Das Geschoß muß einen Kessel
getroffen haben. Weißer Dampf quillt unter dem Aufbau hoch. Ein Boot wird
zu Wasser gefiert, kaum ein halbes Dutzend Männer hockt darin, die Mühe
haben, das gebrechliche kleine Fahrzeug in der hohen Dünung vor dem
gefährlichen Zusammenschlagen mit der Bordwand zu bewahren.

Eine Weile sieht der Kommandant von »U 187« ruhig zu, bis oben an Deck
lebhaft gestikulierende Kerle herumtanzen und keine Anstalten machen, das
Schiff zu verlassen. Endlich, nachdem seine Geduld erschöpft ist, gibt
er Befehl, zwei weitere Granaten herüber zu schicken. Beide schlagen im
Vorschiff ein. Ein wenig Erfolg ist bereits zu bemerken. Drei Kerle lassen
sich an den Bootsläufern hinunter, und das Boot setzt ab. Immer noch aber
ist mehr als die Hälfte der Besatzung an Bord. Bis zu dem in Lee stehenden
Boot dringt ihr Gebrüll herüber.

»Herr Kapitänleitnant!« läßt sich plötzlich der Rudergänger, der
kopfschüttelnd den Vorgang ansieht, vernehmen. »Ich glaube, die Laite
sind wasserschai! Die hob'n Angst vorm Versaufen!«

Es scheint tatsächlich so. »U 187« kreist vorsichtig um den Dampfer
herum, um festzustellen, ob kein verborgenes Geschütz an Deck steht. Dann,
nachdem Name und Heimatshafen, »Nostra Signora di Torre Marino, Messina«
erkannt sind, geht er längsseit.

In recht klarem Fortissimo wird die schlappe Bande aufgefordert, das zweite
Boot zu Wasser zu lassen. Ein wüstes Durcheinanderschnattern folgt, aus
dem auch nicht ein Wort zu verstehen ist. So viel nur wird klar, daß die
Gesellschaft nicht etwa Widerspenstigkeit beabsichtigt; sie haben einfach
Angst! Wer weiß, wo der italienische Kapitän diese Mannschaft shanghait
hat. Erst als die Leute sehen, daß die Deutschen keinen Spaß verstehen,
und die Geschütze abermals geladen werden, bequemen sie sich, das zweite
Boot zu Wasser zu lassen. Freilich dauert es fast eine halbe Stunde, bis
es so weit ist, und die Italiener, mehr oder weniger durchnäßt, von
ihrem Schiffe abstoßen. Nach zehn Schüssen, die über der Wasserlinie
aufschlagen, ist Italien um dreitausend Tonnen Kohle ärmer.

Die beiden nächsten Tage bringen nur einen dicken Dampfer, der aber
eine für England gerade jetzt so wertvolle Ladung enthält: Schmalz,
Salzfleisch und Cornedbeef von Armour aus Chicago. Ein Bedauern nur
herrscht, als sich der Engländer mit der Nase voraus empfiehlt, daß das
Schiff nicht als Prise eingebracht werden kann. --

Das Wetter ist ruhiger geworden. Der Nordwestwind, der die letzte Zeit
wehte, ist bis auf Stärke zwei abgeflaut und schließlich gegen Abend ganz
eingeschlafen. Blutrot setzt die Sonne im Westen auf, wie flüssiges Gold
spiegeln sich ihre Strahlen auf der glatten See. Die Nacht bricht an. In
voller Klarheit schimmern die Sterne, wie ein leichter bläulichheller
Schein liegt es über dem Wasser.

Im Südwesten schiebt sich kurz nach Mitternacht ein dunkler Schatten
heran. Ein Schiff! Es fährt abgeblendet, so daß die Umrisse nur eben noch
zu erkennen sind. Ein Tankdampfer von mindestens achttausend Tonnen, ein
stattlicher Bursche, der mindestens zwölftausend Tonnen Heizöl schleppt.
Er ist anscheinend völlig ahnungslos, kann von dem kaum über das Wasser
tauchenden kleinen U-Boote in der tiefen Dunkelheit nichts sehen. Er ist
sicherlich bewaffnet, bis die Kanoniere aber das kleine Ziel finden, hat
das Schiff mindestens schon zehn Granaten im Leibe.

Zwei grelle Blitze zerreißen die tiefe Dunkelheit, weitere folgen Schlag
auf Schlag. An der hohen Bordwand leuchtet Feuerschein auf, dann fegen ein
paar Granaten in das Achterdeck, wo das Geschütz stehen muß.

Mitten aus dem Schiff heraus dringt gelblichroter Flammenschein, längs der
Bordwand schießt ein Feuerstrom herab, breitet sich aus, fließt achteraus
von dem noch in Fahrt befindlichen Dampfer. Mit unheimlicher Schnelligkeit
wächst er, wird zum See, zu einem wogenden, rauschenden Flammenmeer. Um
das Achterschiff züngelt es, leckt gierig längs des gestoppten Schiffes,
nach vorn .... dann steht der ganze Dampfer in flammender Lohe. Das Meer
brennt ... Es zischt und saust, das Deck birst in der furchtbaren Glut
auseinander, eine schwere, schwarze Wolke treibt nach der französischen
Küste zu ....

Fast vier Wochen schon ist »U 187« in See. Alle Torpedos bis auf einen
sind verschossen, der Vorrat an Heizöl und Proviant geht zur Neige. Es
wird Zeit, an die Heimkehr zu denken. Der Weg um Schottland ist noch weit
und nicht ganz einfach. Wenn hier auch weder Netze noch Minen drohen, so
sind doch zahlreiche Kriegsschiffe und Bewachungsfahrzeuge auf der Streife,
die allerlei unliebsame Zwischenfälle herbeiführen können. Der Morgen
graut. Stundenlang noch leuchtete achteraus der Feuerschein des brennenden
Tankdampfers, bis er allmählich unter der Kimm verschwand. Mit nördlichem
Kurs holt »U 187« um die Südwestecke Irlands herum; wie greifende
Finger tauchen die in die See vorspringenden Halbinseln des Landes auf,
kleine Inseln, zum Teil mit Leuchttürmen, liegen vor ihnen. In weiter
Ferne kommt ein mit hoher Fahrt nach Süden laufender Panzerkreuzer der
»Cressy«-Klasse in Sicht. Verlockend leuchten seine vier Schornsteine
zwischen den Pfahlmasten herüber. Es ist ganz ausgeschlossen, an
ihn heranzukommen. Der eine noch übrige Torpedo muß auf günstigere
Gelegenheit warten. An Steuerbord taucht nachts noch eben über der
Kimm ein Feuer an der Nordwestecke Irlands auf, dann heißt es die
Anmarschstraße zum Nordkanal zwischen Irland und Schottland zu
durchqueren. So scharf und aufmerksam die Augen auch das Dunkel zu
durchdringen suchen, nichts zeigt sich. Weit in der Ferne nur leuchtet es
mehreremal in kurzen fahlen Blitzen herüber. Es ist nicht zu erkennen, ob
dort ein Kreuzer mit seinen Scheinwerfern die See absucht, oder ob es sich
um Wetterleuchten handelt.

Am Mittag des nächsten Tages tauchen voraus die dunklen Felsen von
St. Kilda auf. In blendender Weiße schimmert zuhöchst der Leuchtturm
herunter, dessen Feuer nachts weit in die See hinausstrahlt. Etwa
fünfundzwanzig Seemeilen östlich der Insel stehen drei Fischdampfer
ziemlich dicht beieinander. Mit langsamer Fahrt ziehen sie ihre Netze
hinter sich her. Ab und zu stößt eine dicke Rauchwolke aus Schornsteinen,
Mannschaften eilen über Deck, straffgespannt stehen die Stahlleinen der
Schleppnetze seitwärts achteraus ....

Der nächststehende Dampfer stoppt. Der Kapitän steigt aus dem Ruderhaus
an Deck. In der klaren sichtigen Luft ist deutlich zu erkennen, wie
ein Mann die Dampfwinde anläßt. Das Netz wird längsseit geholt, die
Scherbretter an Deck genommen, der Beutel hochgeheißt, bis er mitten über
dem Verdeck steht. Dann entleert sich mit einem Schlage der in der Sonne
silbernblinkende Fang. Die beiden anderen Fischer ziehen inzwischen
gleichmäßig weiter vor ihren Netzen her.

Fünfhundert Meter von dem gestoppt liegenden Fahrzeug taucht »U 187«
auf, unverzüglich fährt der erste Schuß hinüber. Die Fischer wissen
sofort Bescheid. Kaum zehn Minuten später sitzen sie im Boot und rudern
ab. Auch die beiden anderen Schiffe haben sofort gehorsam gestoppt. Sie
liegen etwa tausend Meter ab, und anscheinend werden auch dort bereits
die Boote zu Wasser gelassen. In den ersten verlassenen Dampfer fegen die
Granaten hinein. Nach drei Schüssen sackt er tiefer und beginnt zu sinken.
Da ... mit äußerster Fahrt prescht der in der Mitte stehende Fischer
plötzlich heran. Die Kerle müssen das hindernde Netz gekappt haben ....
auf siebenhundert Meter ist er heran .... die Reeling unter der Back
schlägt herunter ... ein Feuerstrahl spritzt hervor .... wieder und
wieder, in schneller Folge .... schmetternd kracht es auf den Turm, reißt
den Rudergänger über Bord und wirft Kommandant und Wachoffizier zu Boden.

»Rein ins Boot! Schnelltauchen!« Voran läßt sich der Kommandant in
den Turm gleiten, an ihm vorbei stürzen die Leute in die Zentrale
hinunter .... Die Hälfte des Turms noch ragt aus dem Wasser ... wenige
Sekunden nur, und die See nimmt »U 187« schützend auf .... ein harter
Schlag auf den Turm, der das ganze Boot erzittern macht .... eine grelle
Flamme leuchtet auf .... beißender Pulverqualm dringt heran, legt sich
schwer auf Auge und Lunge ... Das Licht erlischt. Durch die Seitenfenster
nur noch dringt grünlichfahler Schein .... Wasser rieselt in die Zentrale
hinab ... in hellem Strahl schießt es nach ... immer mehr ....

»Turm abschließen!« Die Reservebeleuchtung flammt auf. In der Zentrale
sieht es wüst aus. Sprengstücke der im Turm platzenden Granaten haben
ihren Weg nach unten gefunden. Ruderleitungen, Kommando-Elemente sind
zerrissen, das Heckruder klemmt, der Kreiselkompaß steht. Nach Steuerbord
überliegend, sackt das Boot unheimlich schnell, zwanzig Meter ...
dreißig ... fünfundvierzig ... und fünfzig Meter überschreitet
eben der Tiefenmesser, als es endlich gelingt, das Boot aufzufangen. Die
Tiefenruder und die Motoren sind intakt geblieben.

Drei Minuten sind verstrichen, seit »U 187« getaucht ist. Der Turm steht
voll Wasser. In ihm ist der Kommandant geblieben. Die Hoffnung, ihn noch
lebend bergen zu können, ist verschwindend gering, versucht aber muß es
werden. Oben lauert der Feind. Es heißt ihn durch plötzliches Auftauchen
zu überraschen und sogleich unter Feuer zu nehmen.

Die Geschützmannschaften halten sich klar, um sofort an Deck springen zu
können ....

»Ausblasen!« Kaum dreihundert Meter hinter dem Heck der Falle schießt
»U 187« an die Oberfläche ... die Luks schlagen auf, hageldicht sausen
die Granaten in den überraschten Engländer hinein, der sein Opfer an
anderer Stelle sucht .... Krachend geht das Ruderhaus in Trümmer ....
mitten in die Geschützmannschaft unter der Back fegen die deutschen
Geschosse .... reißen das Geschützrohr aus seiner Wiege, schmettern die
zerfetzte Bedienung über Bord .... Dann schließen sich die Wellen
des Atlantik über der Falle. Die wird nie wieder deutsche Seeleute
meucheln ....

In wenigen Sekunden ist der Turm entwässert. Hier hat die englische
Granate weit mehr Schaden angerichtet als unten. Rohrleitungen,
Kommando-Elemente und sonstige Einrichtungen hängen verbogen und zerrissen
an den Wänden, die dicken Glasscheiben sind zertrümmert. An Deck
des Turms liegt der Kommandant. Ein gnädiges Geschick hat ihn vor dem
qualvollen Tode des Ertrinkens bewahrt, das Ende muß durch eine schwere
Brustverletzung eingetreten sein, bevor das Boot tauchte.

Noch fehlt der Rudergänger, der vom ersten Treffer über Bord gerissen
wurde. Während im Boot hilfreiche Hände um den verletzten Wachoffizier
bemüht sind, wird die See nach dem Vermißten abgesucht. Umsonst. Nur
Schiffstrümmer und Rettungsringe der beiden versenkten Engländer treiben
herum, in weiter Ferne verschwindet eben der dritte Fischdampfer. Eine
Stunde spähen besorgte Augen umsonst nach dem Kameraden aus. Nichts ....
Deutscher Seemannstod .....

Alles, was nicht an Maschinen und Rudern zu tun hat, wird angestellt,
die Störungen zu beseitigen. Hoffentlich gelingt es, das Boot wenigstens
einigermaßen tauchklar zu machen und Rudereinrichtung und Kreiselkompaß
wiederherzustellen. Bis nach Hause muß es langen. Noch mehrere Sperren
sind zu durchbrechen, ohne Glück ist der Versuch, mit dem beschädigten
Boot in den Hafen zu kommen, ausgeschlossen.

Am späten Abend sind die gröbsten Störungen notdürftig beseitigt,
und mit nordöstlichem Kurs steuert »U 187« auf Fair Island zwischen
Shetland- und Orkneyinseln zu.

Die Maschinen stehen, das Geräusch der Dieselmotoren verstummt. Die
Besatzung tritt auf dem Achterdeck an. Eine kurze Ansprache des ältesten
Wachoffiziers, der die Führung übernommen hat. Wenige Worte nur,
schlicht, aber tief empfunden, dem Kameraden vom Kameraden nachgerufen,
dem Kommandanten, dessen Leiche soeben in die Tiefe gleitet, und dem
Rudergänger, der ihm im Tode voranging. »Vater unser, der du bist« ....

Kaum ist das Amen verklungen, als alles auf Station eilt. Zur Trauer und
zum Gedenken der Toten ist später Zeit. Die Waffe fordert ihre Rechte.
Sie muß dem Vaterlande erhalten bleiben. Und wieder rattern die Motoren,
rauscht das Wasser an den Bordwänden längs.

Drei Tage und zwei Nächte voll gespannter Aufmerksamkeit, voll aufregender
Augenblicke mit dem nur bedingt manövrierfähigen Boote folgen, Stunden,
in denen kein Auge sich schließen darf, in denen nur der bis zum
äußersten angespannte eiserne Wille, das Boot nach Hause zu bringen,
den völlig erschöpften Körper aufrecht erhält. Dann tauchen voraus die
roten Felsen Helgolands auf.

Eine halbe Stunde später, Meldung von »U 187« an Flotte:

  »Habe fünfundvierzigtausend Tonnen versenkt. Kommandant und ein
  Mann im Gefecht mit U-Bootsfalle getötet, ein Offizier, ein Mann
  verletzt.«

Abends in der Messe des U-Boot-Wohnschiffes. Harte, energische Züge
scheinen für einen Augenblick noch entschlossener, schärfer zu werden.
Ein kurzes Gedenken der gefallenen Kameraden, die geblieben sind. Und
gleichzeitig ein stilles Gelöbnis: Den Kampf durchzukämpfen bis zum
Siege.



Der deutsche Reservist


Srrrr ... sr ... srrrrr .... knistert es in der Antenne. Bald kurz, bald
lang, eine ganze Weile schon. Dann verstummt das Sirren, und nach wenigen
Minuten taucht der F. T.-Gast mit seiner Funkspruchkladde in dem Turm
hoch, um das soeben abgehörte Gespräch dem Kommandanten vorzulegen:
»Herr Kapitänleutnant, Funkspruch von »U 103«: »Stehe fünfzig
Seemeilen südlich Kap Clear, haben Sie Appetit auf frischen
Schweinebraten? Kommen Sie bald, Filet für Sie aufgehoben.«

»Donnerwetter!« entfährt es dem Kommandanten, »Nu aber fix, Steuermann
zeigen Sie mal die Karte her. Wie weit stehen wir ab?« Schnell ist mit dem
Zirkel die Entfernung abgegriffen. In zwei Stunden kann »U 145« an
der angedeuteten Stelle sein. Drei Wochen schon ist das Boot draußen im
Sperrgebiet an der französischen Westküste zwischen Spanien und Irland
tätig, über dreißigtausend Tonnen sind ihm bereits zum Opfer gefallen.
Zwar herrscht kein Proviantmangel an Bord, der Schmutje stellt sogar als
früherer Küchenchef eines Reichspostdampfers ganz leckere Gerichte in
reicher Abwechslung auf den Tisch. Was aber will das besagen gegen den
zauberhaften Klang: frisches Schweinefleisch! Wie ein Lauffeuer verbreitet
sich die frohe Nachricht durch das ganze Boot, welch leckerer Bissen in
nächster Nähe winkt. Nach dem erfolgreichen Wirken der letzten Tage ist
die Schiffahrt in dieser Gegend ohnedies für eine Zeitlang vergrämt. Es
wird nichts versäumt, wenn »U 145« der freundlichen Einladung folgt.

Die Dieselmotoren arbeiten so glatt und ruhig, als wüßten sie, daß in
der Nähe frischer Braten wartet. Kaum zwei Stunden später taucht
voraus der graue Turm eines U-Bootes auf, an dessen vorderem Sehrohr das
Erkennungssignal flattert. Weit und breit ist sonst nichts Auffälliges auf
dem Wasser zu sehen. Die See ist durch die Westbrise, die kaum wahrnehmbar
schon seit einigen Tagen stetig weht, nur ganz leicht bewegt. Eine
Viertelstunde darauf liegen die beiden Boote nebeneinander. Vorn am Bug
von »U 145« steht der Matrose Beckmann aus Vegesack mit der Wurfleine.
Geschickt schleudert er sie zum Kameraden hinüber, der sie ebenso
auffängt und die dünne Stahlleine nachholt, Gleichzeitig mit der
Stahlleine geht aber auch die bescheidene Anfrage hinüber: »Hebt ji die
Wust all ferdich?« Der Angerufene grinst bloß vielversprechend und deutet
nach dem Achterdeck, wo eben großes Schlachtefest stattfindet. Ein
Schwein ist bereits gänzlich zerlegt, während das zweite, für »U 145«
bestimmte, sauber und sachkundig geteilt an Deck liegt.

Der Kommandant und einige Leute klettern hinüber. Die Begrüßung ist so
herzlich, wie sie unter Kameraden, die draußen in See allein am Feinde
stehen, nur sein kann. Die letzten Erfahrungen werden ausgetauscht, jeder
berichtet, was es in der letzten Zeit an Interessantem gab. Der Kommandant
von »U 103« ist erst vor drei Tagen hier angekommen. Außer zwei kleinen
Seglern hat er heute morgen einen Dampfer versenkt, der Hafer für die
englische Armee geladen hatte und von Rosario in Argentinien nach Le Havre
bestimmt war. Kurz vor dem Anschlagen der Sprengpatronen entdeckte die
Sprenggruppe auf dem von der Besatzung bereits verlassenen Fahrzeuge die
beiden fröhlich grunzenden Borstentiere, die keinen Sinn für den Ernst
der Lage zu haben schienen; und da es zu schade war, die armen Tiere
ungegessen in die Tiefe gehen zu lassen, wurden sie an Bord genommen.

Bedeutend mehr weiß der Kommandant von »U 145« zu berichten. Mit
einer stummen Bewegung nach drei Leuten, die ruhig und vergnügt auf dem
Achterdeck seines Bootes stehen und behaglich ihre Pfeife schmauchen,
deutend, sagt er: »Sehen Sie sich mal diese harmlosen drei Burschen dort
an, die hätten uns um ein Haar das Lebenslicht ausgeblasen. Vor fünf
Tagen stand ich zwanzig Seemeilen östlich Quessant, als ich einen großen
Schlepper -- der alte Bursche dort, der sich eben die Pfeife anzündet,
führte ihn -- durch einen Schuß anhielt. Der Kasten sah gänzlich harmlos
aus, Geschütze hatte er nicht, und auch sonst war nichts Verdächtiges an
ihm zu bemerken. Bis auf fünfzig Meter waren wir herangegangen, als der
Kerl plötzlich mit Hartruder auf uns zudreht. Wir mit A. K. rückwärts,
auf Strohhalmbreite schrammte er an uns längs. Dann wollte er auskneifen.
Na, er kam nicht weit, wie Sie sich denken können. Gleich beim ersten
Schuß flog ihm der Schornstein über Bord, der nächste riß ihm ein
ganzes Stück aus dem Heck, und der dritte gab ihm den Rest. Zwei von
seinen Kerls waren bei der Geschichte draufgegangen. Heizer und Maschinist,
die mächtig herumwinselten und über ihren Kapitän mordsmäßig fluchten,
habe ich an Land geschickt, den Burschen selbst werde ich zu Hause
abliefern.

Die beiden Tommys haben mir auch ordentlich zu schaffen gemacht. Die sind
schon seit vierzehn Tagen bei mir und haben sich ganz gut eingelebt. Sie
müßten mal sehen, wie die Kerls springen, wenn getaucht werden soll, wie
die Wiesel. Nächstens kann ich sie rollenmäßig anstellen. Sie waren auf
einem dicken Elder Demster Dampfer, der mit voller Ladung vom Kap kam, und
schossen aus ihrem Geschütz, bevor wir noch überhaupt recht aufgetaucht
waren. Eine Stunde haben wir uns mit dem Kasten, der natürlich, sobald
er einsah, daß er uns unterlegen war, haste was kannste ausbüxte,
herumgeschlagen, dann endlich gab er klein bei. Schön sah es beim ihm an
Deck ja nicht aus. Den Kapitän wollte ich auch mitnehmen, der hatte aber
einen schweren Granattreffer abbekommen. Seine Leute haben ihn mit an Land
genommen. In diesem Kriege fährt er sicher nicht mehr zur See. Sonst
aber haben wir bis heute Glück gehabt. Na, und jetzt der unverhoffte
Schweinebraten!«

Der Koch, der bereits einige Male den Versuch gemacht hat, mit dem
F. T. Filet an Deck zu erscheinen, hat wohl nur auf dieses Wort gewartet.
Eine Stunde später trennen sich die beiden Boote unter fröhlichem »Auf
Wiedersehen!« --

Zwei Tage später steht »U 145« südlich von Belle Ile, um die
Loiremündung nach ein- und auslaufenden Schiffen zu beaufsichtigen. Gegen
zehn Uhr vormittags tauchen am östlichen Horizont zwei Segler auf, die
aber nicht weiter kommen. Sie kreuzen in kurzen Schlägen auf und ab und
warten anscheinend auf irgend etwas. U-Bootsfallen? »Na, die können ja
lange warten, bis wir ihnen den Gefallen tun«, murmelt der Wachoffizier,
der die Fahrzeuge, die sich so eigentümlich benehmen, beobachtet, vor sich
hin. Nach einer Weile gleiten aus der Loiremündung zwei weitere Segler
heraus. Dicht hinter ihnen taucht eine Rauchwolke auf, die sich den vier
dicht beieinander stehenden Schiffen nähert. Als hätten die nur darauf
gewartet, so setzen sie sich jetzt unverzüglich mit Westkurs in Bewegung.
Das Rätsel ist gelöst: ein Konvoi! Der Dampfer, ein ehemaliger Trawler,
hält zuerst weit voraus die Spitze, während die vier Segler, in
ungefähr hundert Meter Abstand, voneinander folgen. Es sind die
typischen französischen Raschoner, die zu normalen Zeiten bei Island oder
Neufundland fischten. Fahrzeuge von drei- bis vierhundert Tonnen, die jetzt
bei dem großen Mangel an Schiffsraum dem Frachtverkehr zwischen England
und Frankreich dienen müssen. Dem Geleitschiff erscheint die See voraus
unverdächtig. Es stoppt, läßt die Segler aufkommen und hält sich an
ihrer Leeseite. Der Zug kommt näher heran. Deutlich ist auf der Back des
Fischdampfers ein Schnellfeuergeschütz zu sehen, zwei Revolverkanonen
stehen am Heck.

Dreitausend Meter vor ihm taucht »U 145« auf und überschüttet ihn
mit einem Hagel von Granaten. Bevor die Segler noch begriffen haben, was
anliegt und die Franzosen auf dem Trawler die geringsten Anstalten zur
Gegenwehr machen können, sinkt ihr Fahrzeug weg. Wie eine Herde von
Schafen, in deren Hürde der Wolf einbricht, versuchen jetzt die Segler
davonzulaufen. Mit ihnen hat das U-Boot leichtes Spiel. Dem ersten saust
eine Granate in die Takelage, daß die Segel des Vordermastes brennend
über das Deck hinstürzen, der zweite teilt sein Schicksal. Ihm geht mit
einem Stück des Vorschiffes der Klüverbaum davon. Nun ergeben sich auch
die beiden anderen in ihr Schicksal und werfen die Segel herunter. Eine
Viertelstunde später rudern in drei heilgebliebenen Booten die
Besatzungen der vier versenkten Raschoner mit den beiden Überlebenden des
Geleitschiffes nach der französischen Küste.

Am Nachmittag und im Laufe des nächsten Tages zeigt sich in dieser Gegend
nichts mehr. Die Versenkung der fünf Schiffe ist von Belle Ile aus wohl
beobachtet, die Schiffahrt ist gewarnt worden. So geht »U 145« wieder
nach dem Westeingang des Kanals. Dort soll versucht werden, feindliche
Schiffe, die glauben, ungestraft das Sperrgebiet passieren zu können,
eines Besseren zu belehren.

Hundertfünfzig Seemeilen östlich der Scillyinseln kommt ein großer,
schwarzer Dampfer, dessen Schornstein kein Reedereiabzeichen trägt, mit
hoher Fahrt über die Kimm herauf. Den Umrissen nach kann es sich nur um
einen Dampfer der P. u. O. Linie handeln, der dem Verkehr mit Ostasien
dient. Er ist schwer geladen und sicher bewaffnet. Ein Artilleriegefecht
mit dem schnellaufenden Schiff ist eine zu gewagte Sache. Selbst wenn
er einige gutsitzende Treffer abbekommt, kann er noch immer mit seiner
überlegenen Geschwindigkeit glatt davonlaufen. Das große Schiff mit
seiner wertvollen Ladung, die sicher in die Millionen geht, verlohnt
überdies schon einen Torpedo.

Der Engländer scheint sich ziemlich sicher zu fühlen, da er seinen Kurs
durchhält und nicht, wie es sonst in dieser Gegend doch üblich ist, Zeit
mit Zickzackfahren verlieren will.

Auf Sekunden stößt das Sehrohr des an die Fahrtrichtung anlaufenden
Bootes über die Oberfläche, Dann wiederholt sich das wohlbekannte
Schauspiel: die hohe Sprengwolke, die einströmende See, das Überlegen
des riesigen Kastens, der sicherlich über zehntausend Tonnen hat, und
schließlich das Versinken. In kaum einer halben Stunde ist alles vorüber.
Die Besatzung ist in ihre Boote geklettert und liegt in der Nähe gestoppt,
um die schwerfälligen eisernen Tröge vorerst zum Segeln klarzumachen.
Keine leichte Arbeit bei dem unglaublichen Zustande, in dem sich das
Inventar der Boote befindet. »U 145« umkreist die Engländer und läßt
das Boot, in dem sich der Kapitän mit den Schiffspapieren befindet,
herankommen. Ein fetter Bissen! Stückgut, Reis aus Rangoon, Tee aus
Colombo, Häute -- zweihundertfünfzig chinesische Kulis zur Bestellung
der englischen Felder, die seit der plötzlichen Sperrgebietserklärung
Deutschlands eine recht wichtige Rolle spielen. Ob die armen gelben Kerle,
die wie ein Häufchen Unglück fröstelnd in ihrem Nankingzeug auf den
Duchten hocken und allmählich einzusehen scheinen, daß es mit
dem glänzenden Angebot doch ein böser Reinfall war, die englische
Landwirtschaft auf die Beine bringen werden? Es sieht nicht gerade danach
aus.

Während der Kommandant noch in den Schiffspapieren blättert, segelt
das erste Boot, ohne um Erlaubnis zu fragen, bereits ab. Ein Schreien und
Schimpfen erhebt sich drüben, ein kurzes Handgemenge, dann springt ein
Mann der Besatzung über Bord. Die Engländer suchen ihn mit Bootshaken
und Riemen heranzuziehen, er will aber nicht. Während das Boot in den Wind
schießt, stößt der Schwimmer gewaltig aus, um die Entfernung zwischen
sich und dem Fahrzeuge noch zu vergrößern. Ab und zu hebt er sich aus
dem Wasser und ruft; was er will, ist nicht zu verstehen, da der Wind den
Schall verweht. Jedenfalls aber muß mit dem Kerl dort etwas Besonderes los
sein.

Eben will der Kommandant den Befehl geben, dem Schwimmer entgegen zu
fahren, als vom Vorschiff gerufen wird: »Der Mann schreit Hilfe!«

Hilfe? Ein deutscher Ruf? Einige Minuten später wird der ziemlich
Erschöpfte an Bord des U-Bootes, das ihm entgegengefahren ist, gezogen
und zum Kommandanten geführt. Trotz der triefenden Kleider, aus denen das
Wasser unaufhörlich an Deck leckt, nimmt er militärische Haltung ein
und meldet: »Obermatrose d. R. Ahlers meldet sich an Bord«. Schallendes
Gelächter. Die Geschichte ist wirklich komisch. Eine Weile dauert es, bis
der Kommandant sich gefaßt hat.

»Nanu, Mensch, wo kommen Sie denn her?«

»Aus dem Gefangenenlager von Singapore, Herr Kapitänleutnant!«

»Na, das scheint ja eine lange Geschichte zu sein. Nu mal erst unter
Deck und anderes Zeug anziehen. Gebt ihm 'n ordentlichen Schluck aus der
Buddel.«

Verständnisinnig nimmt der Bursche des Kommandanten den
»Überetatsmäßigen« mit hinunter, um ihn mit allem Nötigen zu
versehen.

Die Engländer werden bis auf den Kapitän und die Geschützbedienung
freigelassen. Der Obermatrose Ahlers, der sich in seinem trockenen Zeug
rasch von der kurzen Schwimmpartie erholt hat, muß auf den Turm kommen und
dort erzählen. Er war Zweiter Offizier auf einem kleinen Lloyddampfer, der
als Küstenfahrer zwischen Singapore und den Sundainseln verkehrte. Kurz
nach Ausbruch des Krieges lief sein Schiff, dessen Besatzung keine Ahnung
von den inzwischen eingetretenen Ereignissen hatte, in Singapore ein.
Sofort nachdem es festgemacht hatte, kam die Mannschaft eines englischen
Kreuzers an Bord und holte die deutschen Offiziere herunter, um sie nach
einem in der Nähe der Stadt gelegenen Gefangenenlager zu bringen. Lange
Monate hatte Ahlers mit zahlreichen Leidensgenossen dort zugebracht, bis es
ihm und einem Freunde glückte, eines Nachts die Wachsamkeit der Engländer
zu täuschen und zu fliehen. In einem kleinen, am Strande gelegenen
Eingeborenendorf bemächtigten sie sich eines Fischerbootes, um die
Malakkastraße zu überqueren und sich nach Sumatra auf holländisches
Gebiet in Sicherheit zu bringen. Anfangs ging auch alles ganz gut.
Mitten in der Straße aber schlief der Wind gänzlich ein, und die starke
Strömung vereitelte jeden Versuch, durch Rudern weiterzukommen. Drei Tage
und drei Nächte trieben sie in dem offenen Boot umher. Wasser hatten
sie nur einen kleinen Blechtinn mitnehmen können. Die Sonne schien mit
mörderlicher Glut senkrecht von oben herab. Gegen Mittag des dritten Tages
starb sein Freund an einem Sonnenstich. Wie der nächste Tag vergangen,
wußte er selbst nicht mehr, er war völlig teilnahmlos geworden. Zwanzig
Stunden später kam der P. u. O. Dampfer heran und nahm ihn auf. Er war
bald erkannt, da einer der englischen Passagiere aus Singapore stammte und
öfters mit ihm gefahren war. So wurde er also eingeschlossen und sollte
als Gefangener in England abgeliefert werden. Im Augenblick des Unterganges
war er ruhig mit ins Boot gegangen; eine Gelegenheit mußte sich bieten,
die Aufmerksamkeit der Deutschen auf sich zu ziehen. Er erzählt ganz
schlicht und einfach, tut mit wenigen Worten die ganze Geschichte ab.
Und ist doch ein ganzer Roman von glühender Heimatliebe und deutschem
Wagemute. Schnell findet er sich in das Leben an Bord des U-Bootes, am
nächsten Tage geht er schon seine Wache. --



Der Konvoi


Aus den Erzgruben Nordspaniens rollen Tag und Nacht die schwerbeladenen
Züge nach Bilbao. Auf den Ladebrücken direkt vor den Dampfern halten
sie. Die Waggons werden abgekuppelt und einzelne gehoben. Im nächsten
Augenblick poltert ihr gewichtiger Inhalt durch die Ladeluks in das
Schiffsinnere. Mehr als dreißig Züge, bis an die tausend Waggons
verschluckt ein einziger der großen Dampfer, von denen seit Ausbruch des
Krieges ein immer mehr steigendes Kommen und Gehen ist. Kaum haben sie
ihre Kohlenladung gelöscht, als auch schon das Erz den Platz einnimmt.
Hunderttausende von Tonnen jeden Monat. Ein gewaltiges Geschäft für die
Besitzer der spanischen Gruben, die ihren Betrieb vervielfachen mußten,
um den britischen Anforderungen genügen zu können. Der Krieg hat den
Verbrauch von Stahl ins Ungeheure gesteigert. Wo immer Eisenerze zu haben
waren, trat England als Käufer auf. Die eigenen Erze sind zu arm, die
Tausende von Munitionsfabriken verschlingen immer mehr Rohmaterial. Bleibt
die Zufuhr aus, dann ist auch der Krieg für England verloren; kein Wunder,
wenn die britische Admiralität mit allen ihr zur Verfügung stehenden
Mitteln trachtet, diese so wichtigen Transporte sicher von Hafen zu Hafen
zu geleiten.

Fünf der großen Trampdampfer liegen bereits vor der Einfahrt unter Dampf,
als der sechste seine Ladeluken schließt, vom Kai ablegt und den Hafen
verläßt. Hintereinander setzen sich die Schiffe in Bewegung. Außerhalb
der Dreimeilengrenze warten bereits zwei kleine englische Hilfskreuzer,
ehemalige schnellaufende Kanaldampfer, auf ihre Schutzbefohlenen. Der
Geleitzug wird gebildet. Unendlich schwierig ist es, auf hundert Dinge muß
Rücksicht genommen werden. Die Geschwindigkeit des ganzen Konvoi muß sich
nach der des langsamsten Fahrzeuges richten, nicht zu dicht dürfen die
Schiffe hintereinander folgen, um Rammen zu vermeiden. Der Zwischenraum
darf aber auch nicht zu groß werden, damit die Geleitschiffe sie wirksam
zu schützen vermögen. Geht schon durch die Verschiedenheit der Fahrzeuge
geraume Zeit verloren, bis sie fahrbereit sind, dann steigert der Marsch
selbst die Schwierigkeiten. Die Anhäufung so vieler Schiffe erregt
durch die große Zahl der Rauchwolken schon auf weite Entfernung die
Aufmerksamkeit der U-Boote. Es gibt aber keine Wahl. England verfügt nicht
über die genügende Anzahl von Geschützen, um alle Dampfer bewaffnen zu
können, selbst wenn das mit Hilfe Amerikas durchzuführen wäre, fehlen
doch die Leute zur Bedienung.

Die Nacht bricht herein, tiefe Dunkelheit senkt sich über die See,
schwarze Wolken verhüllen den Himmel. Ein Licht glimmt auf, ein zweites,
drei, sechs. Die Gefahr des Rammens wächst in der dunklen Nacht. Die
Abstände zwischen den Schiffen müssen vergrößert werden, sie dürfen
sich aber nicht verlieren. Das einzige Mittel ist ein Licht am Heck, um dem
Hintermann den Standort anzuzeigen. So schwach der Schein der Laternen auch
ist, er dringt weit über See und verrät dem spähenden U-Bootsmann das
Nahen des Gegners.

Seit einer Stunde hat »U 145« die Lichter des Konvois, der, von Bilbao
kommend, kostbare Erzladung an Bord haben muß, in Sicht. Vorläufig
ist nichts zu machen. Die Geleitschiffe sausen völlig abgeblendet in
unregelmäßigen Kursen um die ihnen anvertrauten Dampfer herum, bereit,
den nahenden Feind mit ihrem Schnellfeuer zu überschütten. In sicherem
Abstande gleitet das Tauchboot voraus. Erst der grauende Morgen soll den
Angriff bringen. Deutlich ist die Zahl der einzelnen Schiffe zu erkennen:
Sechs Erzdampfer, dazu mehrere abgeblendete Geleitkreuzer.

Es dämmert. Noch steht die Sonne unter der Kimm, im Zenith aber färbt
sich der Himmel heller, und graufahles Licht läßt alle Einzelheiten auf
See erkennen. Hintereinander stampfen die sechs tiefbeladenen Fahrzeuge in
der Dünung weiter, zu beiden Seiten querab stehen zwei Hilfskreuzer.

»Backbord Rohr klar! -- Los!« Kaum zwei Minuten später klingt die
Detonation an das U-Boot, das sofort nach dem Schusse eingefahren hat
und abgelaufen ist, heran. Kann doch die Blasenbahn nur zu leicht
dem nächststehenden Kreuzer den Standort verraten. Eine Weile bleibt
»U 145« getaucht, dann stößt vorsichtig, den Bruchteil einer Sekunde
nur, das Sehrohr über die Oberfläche. Die beiden Kreuzer jagen mit
äußerster Kraft durch die See, bald hier, bald dort, wo immer die
aufgeregte Phantasie der Leute ein Sehrohr zu bemerken vermeint, schlagen
die Granaten ein. Der angeschossene Dampfer liegt bereits bis zur Brücke
im Wasser, jeden Augenblick muß er wegsacken. Seine fünf Gefährten
haben gestoppt. Sie sind anscheinend ratlos und warten auf Befehl von den
Kreuzern.

Eben schätzt der Kommandant die Entfernung für den zweiten Schuß, als
an der abgekehrten Seite des vorletzten Dampfers sich eine riesige
Wassersäule hebt. Im gleichen Augenblick stieben die vier noch übrigen
Schiffe panikartig auseinander. Während zwei in Zickzackkursen nordwärts
flüchten, brechen die beiden anderen nach Steuerbord aus, wo »U 145«
liegt. Leider bleiben sie so weit ab, daß ein sicherer Schuß nicht
möglich ist. Trotzdem soll er versucht werden. Eine geraume Weile vergeht,
schon hat alles die Hoffnung aufgegeben, als nach drei Minuten, wie aus
weiter Ferne, schwaches Explosionsgeräusch herandringt.

Der Schlag von Schiffsschrauben ist nicht zu hören, also: höhergehen!
ausfahren! Der Konvoi sieht böse zerzaust aus. Noch immer rasen die beiden
Kreuzer ihre Zickzackkurse. Ein stark beschädigter Dampfer treibt noch, an
zwei weit auseinanderliegenden Stellen, wo die beiden Dampfer untergegangen
sind, schwimmen mehrere Boote. Die drei übriggebliebenen Erzdampfer kommen
soeben aus Sicht.

Noch überlegt der Kommandant, woher die Explosion auf dem zweiten
gesunkenen Schiff herrührt, als die beiden Kreuzer plötzlich auf eine
Stelle an Backbord zuschießen und ein rasendes Schnellfeuer dahin richten.
Dort muß ein U-Boot stehen, dessen Torpedo sich gleichfalls ein Opfer
aus dem Geleitzug herausholte. Eine günstigere Gelegenheit, einen dritten
Torpedo auf eines der englischen Kriegsfahrzeuge, die sich im Sperrgebiet
so selten zeigen, loszuwerden, findet sich sobald nicht wieder. Mit
äußerster Kraft prescht »U 145« heran. Auf fünfzehnhundert Meter
gleitet der Torpedo aus dem Rohr. Zwei Minuten verstreichen ... fünf ...
sieben ... keine Detonation ... nur Schraubengeräusch, das mehr und
mehr erstirbt, bis es schließlich gänzlich verklingt .... Durch
das ausgefahrene Sehrohr spiegelt sich das Bild der beiden englischen
Hilfskreuzer, die mit großer Fahrt ausrücken. Wenn auch der Schuß nicht
traf, die Blasenbahn verriet ihnen einen zweiten Gegner, das war zuviel.

»Ausblasen!« Turm, Vor- und Achterdeck tauchen hoch. Eben als das Turmluk
sich öffnet, taucht, eine Seemeile ab, ein Sehrohr auf. Deutlich hebt es
sich im hellen Licht der Morgensonne vom dunkelblauen Wasser ab ... Die
Lage ist kritisch ... Freund oder Feind? ... Dann ... eine Kuppel ...
der Turm ... die Nase des Vorschiffes ... Zehn Minuten später fahren
»U 145« und »U 103« nebeneinander in den anbrechenden Morgen
hinein ....

       *       *       *       *       *

Rings um England, Frankreich und Italien und oben auf der letzten
europäischen Zufahrtsstraße Rußlands dehnt sich das Sperrgebiet. Kein
Tag verstreicht, an dem nicht tausende von Tonnen auf den Grund der See
sinken. Deutlicher schon klopft die Not an die Tore der Gegner und härter
noch wird der Druck, den unsere U-Boote mit ihren Torpedos, Granaten und
Minen ausüben, enger der eherne Ring. Englands Kriegsflotte, in deren Bann
die ganze Welt Jahrzehnte lag, ist von der See verschwunden, das deutsche
U-Boot herrscht. Immer schärfer und wuchtiger fallen die Schläge ... in
weiter Ferne dämmert schon der Tag herauf, an dem die See frei ist.



Verlag August Scherl G. m. b. H. / Berlin

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Von _Grete Kühnhold_, Schwester des deutschen Frauenvereins vom Roten
Kreuz für die Kolonien. Die Schwester hat den ganzen Krieg in Kamerun
miterlebt. Sie gibt einen anschaulichen Bericht über Leben und Leiden
der Deutschen, über die Stimmung der Eingeborenen und den Verlauf
der kriegerischen Ereignisse. Die Schrift ist ein wertvolles Zeit- und
Kulturdokument. -- Preis 50 Pfg.


Zuchthäuslerin Nr. 5553.

_Kriegserlebnisse einer deutschen Frau in Frankreich._ Von _Ly
van Brackel_. Die Verfasserin wurde trotz mangelnder Beweise als
»Meisterspionin Wilhelms =II.=« zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Sie
hat die Roheit französischer »Kultur«, die sich in sinnlosen Quälereien
deutscher Verwundeter und -- deutscher Diakonissinnen gefällt, auch
am eigenen Leibe erfahren müssen. -- Mit sieben Abbildungen. -- Preis
1 Mark.



Verlag August Scherl G. m. b. H. / Berlin

Bücher von den Fronten


Mit der Armee v. Falkenhayn gegen die Rumänen.

_Von Karl Rosner._ Die heißen Kämpfe um Siebenbürgen, die schneidige
Bezwingung der Grenzpässe, das unaufhaltsame Vorwärtsdrängen unserer
herrlichen Truppen in der Walachei bis zum Sereth -- ein Vorwurf, wie
geschaffen für Rosners Erzählerkunst. -- Preis 1 Mark.


Panzer-Automobile gegen die Walachen.

_Von Leutnant der Reserve Wilhelm Siemer._ Zum erstenmal hören wir von
den Leistungen unserer neuen Aufklärungs- und Kampfwaffe, von der hohen
Bedeutung ihrer Aufgabe. -- Preis 1 Mark.


Vor dem Drahtverhau.

_Bilder aus dem Grabenkriege im Westen. Von Karl Rosner._ Der
Meistererzähler gibt die überwältigenden Eindrücke wieder, die er
an unserer Westfront gewonnen hat. Voll strenger Wahrheitsliebe und
dichterisch tief empfunden. In die wildbewegten Kampfszenen hat er
Stimmungsbilder von wunderbarem Reiz eingefügt. -- Preis 1 Mark.


Der graue Ritter.

_Bilder vom Kriege in Frankreich und Flandern. Von Karl Rosner._ Als
Kriegsberichterstatter führt uns Rosner an die Aisne und vor Ypern; er
schildert die große Herbstschlacht in der Champagne, das Leben unserer
tapferen Feldgrauen in Unterständen und Erdhöhlen, in Etappen und
Quartieren; er gibt uns Kunde von dem unbeugsamen Siegeswillen unserer
grauen Ritter. -- Preis 1 Mark.


Sachsen im Felde (Ostfront).

_Von Georg Freiherrn v. Ompteda_, Rittmeister. Der bekannte
Romanschriftsteller stellt seine Landsleute in allen Kriegslagen dar. Die
Skizzen erwecken unsere Freude an dem Lebenshumor der sächsischen Truppen
und an der Erzählerkunst des Dichter-Rittmeisters. -- Preis 1 Mark.


Bei unseren Blaujacken und Feldgrauen.

_Flandrische Erlebnisse. Von Wilhelm Hegeler._ Die Erfahrungen, die
der Verfasser als Pfleger unserer verwundeten Blaujacken und Feldgrauen
gesammelt hat. Ergreifende und erhebende Szenen, von sonnigem Humor
bestrahlte Bilder deutschen Heldenmutes. -- Preis 1 Mark.


Gallipoli.

_Der Kampf um den Orient._ Von einem hohen Offizier aus dem Stabe des
Marschalls Liman von Sanders. Ein vollständiges Bild vom schweren Ringen
um die Dardanellen. -- Mit einer Karte. -- Preis 1 Mark.


Mit den Türken an der Front.

_E. Serman_, der Kriegsberichterstatter des »Berliner Lokal-Anzeigers«,
schildert seine abenteuerlichen Erlebnisse auf den türkischen
Kriegsschauplätzen. Der ägyptische Feldzug. Im Kaukasus. Um die
Dardanellen. -- Preis 1 Mark.


Der Siegeszug durch Serbien.

_Von Wilhelm Hegeler._ Die erste zusammenhängende Darstellung des
serbischen Feldzuges vom Falle Belgrads bis zur weltgeschichtlichen
Zusammenkunft des Deutschen Kaisers mit dem Zaren der Bulgaren. Aus eigenem
Erleben. -- Preis 1 Mark.


Kameraden vom Isonzo.

Von _Otto König_. Der Autor erzählt in schlichter, fesselnder Art vom
eisernen Feststehen der österreichischen Front gegen den treubrüchigen
Bundesgenossen, von den trefflichen Führern und Truppen, der herzlichen
Kameradschaft und dem stillen Heldentum unserer Treuverbündeten. -- Preis
1 Mark.


Als Adjutant durch Frankreich und Belgien.

Der bekannte Schriftsteller _Otto von Gottberg_ erzählt als Mitkämpfer
in packender Darstellung seine Erlebnisse und Abenteuer in Feindesland. --
Preis 1 Mark.


Das deutsche Herz.

_Feldpostbriefe unserer Helden._ Der Krieg, von unseren Kriegern selbst
erzählt! Das ist der Reiz dieser Sammlung aus Ost und West, von See und
Uebersee. Herausgegeben von _Dr. Otto Krack_. -- Kartoniert 2 Mark.



Verlag August Scherl G. m. b. H. / Berlin

Deutsche Taten zur See


Kapitänleutnant v. Möllers letzte Fahrt.

Von _K. E. Selow-Serman_. Die letzte Heldentat des Kommandanten von
S. M. S. »Tsingtau«: seine kühne Flucht im Segelboot über den
Indischen Ozean und sein tragischer Tod im arabischen Wüstensand. Ein
unvergängliches Denkmal für die Braven, die ihre heilige Vaterlandsliebe
mit dem Tode besiegelt haben. -- Preis 1 M. Gebunden 2 M.


Crompton. »U 41« -- der zweite »Baralong«-Fall.

Von _Oberleutnant z. S. Crompton_. Unser gerechter Zorn über die
heimtückische Vernichtung dieses U-Boots unter Mißbrauch der neutralen
amerikanischen Flagge wird aufs neue entflammt, wenn wir von dem einzig
überlebenden Offizier Näheres über das Verbrechen erfahren und von
ihm hören, wie England die letzten Zeugen seiner Schandtat zu beseitigen
versuchte. -- Mit acht Bildern. -- Preis 1 Mark.


Oberheizer Zenne.

_Der letzte Mann der »Wiesbaden«. Nach Mitteilungen des Oberheizers Zenne
von Kapitänleutnant Freiherrn von Spiegel._ Der einzig Überlebende des
Kleinen Kreuzers »Wiesbaden« berichtet durch die Feder des Verfassers
seine Erlebnisse während der Seeschlacht am Skagerrak bis zum Untergang
des Schiffes und seine Errettung nach vierzigstündigem Treiben auf den
tosenden Wogen. Eine Heldenerzählung von deutschem Todesmut. -- Mit vier
Abbildungen. -- Preis 1 Mark. Gebunden 2 Mark.


Emden-Ayesha.

_Zwei Bücher von Kapitänleutnant Hellmuth v. Mücke._ Selbsterlebtes von
den sagenhaften Fahrten des ruhmreichen Schiffes, die abenteuerliche
Fahrt des Verfassers auf See und der gefahrvolle Zug von Hodeida durch die
arabische Wüste. -- Als Geschenkwerk in einem geschmackvoll gebundenen
Bande vereinigt. -- Preis 3 Mark. Jeder Band einzeln: geheftet 1 Mark,
gebunden 2 Mark.


Kriegstagebuch »U 202«.

_Kommandant Kapitänleutnant Freiherr von Spiegel._ Wahrheitsgetreue,
glänzende Schilderung unserer geheimnisvollen Unterseebootswaffe in ihrer
gefahrvollen Tätigkeit vor dem Feinde. -- Preis 1 Mark. Gebunden 2 Mark.


U-Boote im Eismeer.

Von * * *. Vom Kreuzerkrieg unserer U-Boote im hohen Norden mit seinen
übermenschlichen Anstrengungen und herrlichen Erfolgen. -- Preis 1 Mark.
Gebunden 2 Mark.


U-Boot gegen U-Boot.

_Von Oberleutnant z. S. Heino von Heimburg._ Lebendige, humorvolle
Berichte eines jungen U-Boot-Kommandanten über seine vielfältigen
Abenteuer mit unserer schärfsten Waffe im Mittelmeer und in den
türkischen Gewässern. -- Preis 1 Mark. Gebunden 2 Mark.


U-Boot-Abenteuer im Sperrgebiet.

Von _K. E. Selow-Serman_. Prächtige Schilderungen vom listenreichen,
verwegenen Vorgehen unserer U-Boot-Führer und den seltsamen Formen der
U-Boot-Angst bei unseren Feinden. -- Preis 1 Mark.


Blockade-Brecher.

Von _K. E. Selow-Serman_. Das Geheimnis der Munitions-Versorgung unserer
tapferen Kämpfer in Ostafrika. Das Unternehmen des deutschen Dampfers
»Marie« unter der umsichtigen und kühnen Leitung des Kapitäns
Sörensen. -- Mit 2 Karten. -- Preis 1 Mark. Gebunden 2 Mark.


Kreuzerjagd im Ozean.

_Kriegstagebuchblätter S. M. Hilfskreuzer »Kaiser Wilhelm der Große«._
Von _Kapitänleutnant Aye_. Die Ausfahrt, das ruhmreiche Wirken und der
ehrenvolle Untergang unseres größten und schönsten Hilfskreuzers. An der
westafrikanischen Küste, im spanischen Hoheitsgewässer, beim Kohlen vom
englischen Kreuzer »Highflyer« völkerrechtswidrig überfallen, läßt
der Kommandant nach Verschießen der Munition den Dampfer versenken. Die
Besatzung erreicht in Booten spanisches Gebiet und wird in Las Palmas
interniert. Das Buch stammt vom Ersten Offizier, der, im Kohlenbunker
eines italienischen Dampfers versteckt, den Weg in die deutsche Heimat
zurückfand. -- Preis 1 Mark.


Die Kreuzerfahrten des »Prinz Eitel-Friedrich«.

Von _Kapitänleutnant Otto Brauer_. Bei Kriegsbeginn verwandelt sich der
schmucke Lloyddampfer in Tsingtau in einen Hilfskreuzer, der monatelang im
Stillen und im Atlantischen Ozean die feindliche Schiffahrt beunruhigt,
bis ihn die Abnutzung seiner Maschinen zum Aufsuchen eines amerikanischen
Hafens zwingt. Das Buch erzählt nicht nur von Kriegsarbeit; es gibt auch
reizvolle Stimmungsbilder vom Bordleben und von den einsamen Inseln der
Südsee, die dem Kreuzer als Schlupfwinkel dienten. -- Preis 1 Mark.


Breslau-Midilli.

_Ein Jahr unter türkischer Flagge. Selbsterlebtes nach Tagebuchblättern
von W. Wath._ Das Buch behandelt die Schicksale unseres Kleinen Kreuzers
»Breslau«, der bei Kriegsbeginn in türkischen Besitz überging. -- Mit
vier Abbildungen. -- Preis 1 Mark.


»V 188«.

_Meine Torpedoboot-Kriegsfahrten._ Der Verfasser Kapitänleutnant
_Callisen_, Kommandant eines Torpedobootes, schildert seine gefährlichen
Erlebnisse auf den wechselvollen Fahrten in Nord- und Ostsee. -- Mit 16
photographischen Aufnahmen. -- Preis 1 Mark. Gebunden 3 Mark.


Im Torpedoboot gegen England.

_Kriegserlebnisse_ von _Fritz Graf_. Durchbruch durch feindliche Kreuzer
-- Rückkehr von New York -- In französischer Gefangenschaft -- Flucht
und Ankunft in Kiel -- Torpedoboot im Vorpostendienst -- Beschießung der
Ostküste Englands -- Eine Fahrt durch Minenfelder -- Fliegerangriff auf
Cuxhaven -- Die Kreuzerschlacht am 24. Januar -- Preis 1 Mark.


Unser Seeheld Weddigen.

Eine lebendige Schilderung der kurzen Heldenlaufbahn des unvergeßlichen
Führers von »U 9« und »U 29« nebst Gedichten auf den Seehelden,
einem faksimilierten Schreiben von der Hand Otto Weddigens sowie mehreren
Bildnissen und Abbildungen. Von Dr. _Otto Weddigen_. -- Preis 1 Mark.
Gebunden 2 Mark.


Die Aushungerung Englands.

_Eine volkswirtschaftliche Untersuchung. Von Dr. Gustav Seibt_, Geh.
Regierungsrat. -- Die Broschüre stellt auf Grund der englischen
Handels-Statistiken die Niederzwingung Englands durch den U-Boot-Krieg in
sichere Aussicht. Preis 50 Pfg.



Verlag August Scherl G. m. b. H. / Berlin

Deutsche Helden der Luft


Immelmann †. Meine Kampfflüge.

Selbsterlebt und selbsterzählt von Oberleutnant _Max Immelmann_. Das mit
28 Originalaufnahmen und Skizzen versehene Buch enthält die gesammelten
Briefe, die unser volkstümlichster Kampfflieger während des Weltkrieges
an seine Mutter geschrieben hat. Alles, was Immelmann während
seiner Ausbildung und im Felde erlebt hat, seine ersten Flüge, seine
abenteuerlichen Fahrten und aufregenden Luftkämpfe, hat er in seltener
Klarheit und packender Anschaulichkeit geschildert. -- Preis 1 Mark.
Gebunden 2 Mark.


Doppeldecker »C 666«.

_Als Flieger im Westen._ Von _Oberleutnant Heydemarck_. Der Verfasser gibt
aus seinem unmittelbaren, täglichen Erleben uns in der Heimat und den
feldgrauen Kameraden ein Bild von der aufopfernden Tätigkeit unserer
Ausklärungsflieger. -- Preis 1 M. Gebunden 2 M.


»Z 181«. Im Zeppelin gegen Bukarest.

_Von dem Ersten Offizier eines »Z«-Luftschiffes._ Einer unserer jungen
Zeppelin-Offiziere hat als erster die Erlaubnis erhalten, seine Erlebnisse
bei einem erfolgreichen Luftangriff gegen Bukarest zu erzählen. Er gibt
keine Phantasieschilderungen, er schreibt als Fachmann mit der Lebendigkeit
und Anschaulichkeit eines Schriftstellers von Beruf. -- Preis 1 Mark.
Gebunden 2 Mark.


Als Kampfflieger am Suezkanal.

_Von Leutnant Hans Henkelburg._ Frische, humorgewürzte Schilderung der
Erlebnisse einer Jagdstaffel in Palästina und in der Wüste. -- Mit 16
Abbildungen. -- Preis 1 Mark. Gebunden 2 Mark.



[ Hinweise zur Transkription


Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Darstellung abweichender Schriftarten: _gesperrt_, =Antiqua=
(einzelstehende Antiqua-Buchstaben wie beispielsweise in »U 217« wurden
nicht gekennzeichnet).

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden
Ausnahmen,

  Seite 67:
  "pro-protestieren" geändert in "protestieren"
  (gegen die Versenkung Ihres Schiffes protestieren)

  Seite 91:
  ".." geändert in "..."
  (unter der Back schlägt herunter ... ein Feuerstrahl)

  Seite 93:
  ".." geändert in "..."
  (schießt »U 187« an die Oberfläche ... die Luks schlagen auf) ]





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "U-Boot-Abenteuer im Sperrgebiet" ***

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