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Title: Ueber die schrecklichen Wirkungen des Aufsturzes eines Kometen auf die Erde - und über die vor fünftausend Jahren gehabte Erscheinung dieser Art
Author: Gelpke, August Heinrich Christian, 1769-1842
Language: German
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DES AUFSTURZES EINES KOMETEN AUF DIE ERDE***


Anmerkung:
  _Wort_ = gesperrt
  +Wort+ = antiqua



UEBER DIE SCHRECKLICHEN WIRKUNGEN DES AUFSTURZES EINES KOMETEN
AUF DIE ERDE

und über die vor fünftausend Jahren gehabte Erscheinung dieser Art.

von

Dr. Aug. Heinr. Christ. Gelpke,

Schulrathe und Professor in Braunschweig
und Ehrenmitgliede der Großherzoglichen
mineralogischen Societät in Jena.



Leipzig, 1835.
Friedrich Fleischer.



Ehe ich die schrecklichen und furchtbaren Wirkungen, welche unser
Wohnort sowol in seinem innern Baue, als auch auf seiner Oberfläche
leiden würde, wenn irgend ein bedeutender Weltkörper, etwa von der
Größe unseres Mondes auf die Erde stürzte, anführe, muß ich zuvor eine
allgemeine Darstellung von der Entstehungsart desselben und seiner
allmäligen Ausbildung zu geben suchen, um danach die furchtbaren
Wirkungen des Kometen, der an unsern Wohnort stoßen, seinen innern Bau
zertrümmern und seine organische Schöpfung zerstören und vernichten
würde, richtig beurtheilen zu können.

Die beiden großen, mächtigen Hauptgesetze, durch welche unser Erdball
und überhaupt die großen Weltkörper, die mit ihrem funkelnden Lichte das
nächtliche Gewölbe des Himmels so prachtvoll schmücken, und Millionen
Mal größer, als unser uns schon so groß scheinender Erdkörper sind, und
wodurch das Samenkorn in dem Schoße der Erde gebildet wird und zu seiner
Entwicklung gelangt, sind die _Anziehungs-_ und _Abstoßungs_gesetze.

Alles, was wir um uns her und in den Tiefen der Erdschichten erblicken,
ist auf dem flüssigen Wege entstanden, das heißt: der erste Zustand
aller natürlichen Körper ist ein flüssiger gewesen. Wer verkennt dieses,
wenn er an die Entstehung des erhabenen Menschen aus einem kleinen,
einem Senfkorne an Größe gleichenden Eye denkt? Und wer würde es
glauben, wenn die Erfahrung solches nicht bestätigte, daß aus demselben
der große erhabene Mensch entstände, der mit der Meßruthe in der Hand
die ungeheuern Weiten der Welten, welche der Lichtstrahl, der in einer
Sekunde 41,000 Meilen macht, nicht in Jahrzehenden, sondern erst in
Jahrtausenden, und die Weite von dem, von Herschel zuletzt entdeckten
Weltengebiete in 1½ Millionen von Jahren durchläuft, auszumessen, und
die Gesetze, wodurch sie in dem großen Weltenraume schwebend erhalten
und umhergeführt werden, auszuforschen vermag? Ist aber der erste
Zustand des Menschen in diesem Eye nicht ein flüssiger?

Und wird _derselbe_ nicht dadurch in diesem kleinen Eye entwickelt, daß
von diesem, wenn es durch eine geheimnißvolle Naturkraft angeregt und
belebt worden ist, die ihm zugeführten feinen Nahrungssäfte, vermöge des
großen Anziehungsgesetzes der Natur, angezogen werden, und wenn solche
alsdann von ihm gehörig verarbeitet worden sind, nach diesem und jenem
Theile seines kleinen Wesens hingeführt oder gleichsam hingestoßen
werden?

Ist aber der erste Zustand des Samenkornes in der Hülle der noch
unausgebildeten Frucht anders? Und wird die Entwicklung desselben nicht
durch gleiche Gesetze vollzogen?

Und sind die ungeheuren Felsenwände, die mächtigen Erd- und
Steinschichten der Erde auf eine andere Weise entstanden? Sind sie nicht
alle aus einem flüssigen Zustande ins Dasein gekommen? Wer kann dieses
leugnen, wenn er die wellenförmige Bildung der Erdschichten und die
Krystallisationen in denselben, welche deutlich genug den Weg ihrer
Entstehungsart bezeichnen, mit Aufmerksamkeit betrachtet? Und muß daher
nicht unser Wohnort, der aus diesen mächtigen Felsenmassen
zusammengesetzt ist, auf eine gleiche Art entstanden sein?

Hieraus erhellet demnach, daß unser Wohnort einstens, als er dem _Chaos_
des unendlich großen Weltenraumes entschlüpfte, nichts weiter als eine
und zuerst wahrscheinlich unbedeutende Art vom Wasserballe gewesen sei,
der sich hierauf durch die Vereinigung mehrer solcher Bälle an Masse
vergrößert hat und hinangewachsen, und so vielleicht dem Kometen vom
Jahre 1744, 1795 und 1796, in Ansehung des Naturbaues, gleich gewesen
ist[A].

  [Anmerkung A: Diese Weltkörper waren so durchsichtig, daß man
  Fixsterne durch ihre Masse hervorfunkeln gesehen hat. Bryant machte
  zuerst diese Entdeckung im Jahre 1744, darauf +Dr.+ Gerschen den 8.
  und 9. November 1795 und +Dr.+ Olbers den 1. April 1796.]

Die Annahme einer solchen Entstehungsart unseres Wohnortes setzt aber
voraus, daß einstens der ungeheure Schöpfungsraum, der eben so unendlich
ist, als das Wesen, welches ihn schuf und werden hieß, mit einem feinen
Weltenstoffe angefüllt und übersättigt gewesen sein muß, in welchem sich
hier und dort durch irgend einen Wink der höhern Natur oder durch irgend
einen uns unbekannten Erzeugungsprozeß Massen getrennt und zu kleinen
mehr flüssigen als festen Weltmassen, mit allen den Stoffen, woraus die
Weltkörper bestehen, angefüllt, sich gebildet haben.

Da aber die Menge der kleinern Weltmassen, die dem Schoße des großen
Weltenraumes entschlüpft waren, im Anfange unzählig groß gewesen sein
muß, weswegen sie beinahe schwebend an einander müssen gestanden haben,
wobei auch die anfängliche Richtung ihres Laufes, welche ihnen von dem
sie bildenden Stoffe mitgetheilt worden war, noch nicht gehörig geordnet
sein konnte, so war es wol natürlich, daß sie aneinander stoßen, dadurch
auf einander fallen, und sich an Masse vergrößern mußten.

Als nun hierauf ihre Menge geringer wurde, so konnte auch das
Zusammenfließen derselben nicht mehr so häufig erfolgen, wodurch sie
daher mehr Ruhe in ihrem Innern genossen, und vermögend wurden, die
ihnen beigemischten Theile fallen zu lassen, und Kerne und Schichten
in ihrem Innern zu bilden.

Diese Bildungsart ist aber nach eben denselben Gesetzen der
allgemeinen Schwere erfolget, nach welchen Wasser in einem Glase die
hineingeschütteten und darin umhergerührten Erdtheile fallen läßt, nach
welchen die schwersten Theile zuerst, hierauf die etwas minder schweren,
und zuletzt die leichtesten von ihnen niederfallen, wodurch sich alsdann
verschiedene Schichten auf dem Boden desselben bilden und anhäufen.
Auf eben diese Weise mußten auch die kleinen Weltmassen, da sie noch
in ihrem flüssigen Zustande waren, die ihnen beigemischten Stoffe
niederfallen lassen, und zwar nach dem Punkte hin, der ihr
gemeinschaftlicher Schwerpunkt war und in ihrer Mitte lag. Um diesen
reiheten sich demnach die Stoffe, nach ihrer Schwere, kugelförmig, und
bildeten dadurch bei unserer Erde die verschiedenen Erdschichten.

Auf diese Weise kann das Innere derselben nicht hohl, auch nicht mit
Feuer oder Wasser, sondern es muß, nach der Berechnung des Engländers
Hutten, der dritte oder vierte Theil von ihr mit einer Metallmasse
ausgefüllt sein[A]. Da wir aber nicht bis zu ihrem Innern, vermöge
des Wassers, welches sich aus dem Meere, den Flüssen und den Quellen in
die Erdrinde überall hineindrängt und womit sich daher jede Vertiefung
ausfüllt, hineindringen können[B], so kennen wir von ihr auch nur ihre
Rinde, und auch diese nur bis zu einer Tiefe von 3000 Fuß, das ist bis
zum siebentausendsten Theile ihrer ganzen Dicke[C].

  [Anmerkung A: Bei der Ausmessung eines Grades auf der Erde 1735-1738
  bemerkte Bouguer und Condamine, daß der 20,000 Fuß hohe Chimborasso
  in Peru in Südamerika, aus Granit bestehend, das Pendel um 7-8
  Linien von der senkrechten Linie ab, und an sich zog, welches
  ebenfalls im Jahre 1774 bei dem Berge Shelallien in Schottland
  von Maskelyne, der über 300 Beobachtungen an demselben angestellt
  hat, beobachtet worden ist, worauf man eine Vergleichung der
  Anziehungskraft dieser Granitgebirge mit der der Erde angestellt und
  daraus hergeleitet hat, daß die Anziehungskraft der Erde sich zu der
  dieser Berge wie 9 zu 5 verhalte. Da nun die Dichtigkeit des Granits
  2½ Mal größer als die des Wassers ist, so folgt daraus, daß die
  mittlere Dichtigkeit der Erdkugel 4½ Mal größer, als die des Wassers
  sein muß.]

  [Anmerkung B: Wenn auch das in den Tiefen der Erde sich befindende
  Wasser das Hineinsteigen zu ihrer Mitte nicht verhinderte, so würde
  der Druck der Luft, der mit jeder zunehmenden Tiefe, von der über
  ihr sich befindenden Luftsäule immer größer wird, solches nicht
  verstatten, indem dadurch die Luft in einer Tiefe von 7 Meilen
  schon so zusammengedrückt ist, daß Eisen auf ihr, in einer Tiefe von
  11 Meilen Gold, und in einer Tiefe von 12 bis 13 Meilen Platina,
  welches, wie bekannt, 21 Mal schwerer als das Wasser ist, schwimmt.

  Wie sollte der Mensch nun durch diese dichte Luft zu dem Innern der
  Erde kommen? In einer Tiefe von _einer_ Meile würde er vielleicht
  schon auf ihr schwimmen.]

  [Anmerkung C: Diese Tiefe hat das Bergwerk bei Kuttenberg in Böhmen.
  Da der Halbmesser der Erde, welcher ihre Dicke ausmacht, gleich 860
  geogr. Meilen ist, so macht diese Tiefe von ihr = (860 × 24000)/3000
  Fuß = 7000 Fuß aus.]

Nach der allgemeinen Schwere müßten wir nun in dieser Erdrinde die
schwerste von allen Felsenmassen, das ist die Granitmasse, oder die
Granitschicht, oder das Granitgebirge überall als die unterste
Erdschicht liegend finden. Hierüber müßte das Kalkgebirge von der ersten
Entstehung, dann das von der zweiten oder das Flötzgebirge und hierüber
die aufgeschwemmte Dammerde ruhen.

Indessen findet man fast nirgends in dem Innern der Erde diese Ordnung
der Lage, wobei die tief liegenden Schichten nirgend vollkommen
wagerecht liegen, sondern bald mehr bald weniger geneigt, und an vielen
Oertern, wie bei dem Montblanc, sogar ganz oder doch beinahe senkrecht
hingestellt. Und überhaupt in den Schweizeralpen, im karpathischen
Gebirge, in den Pyrenäen und beinahe in allen großen Gebirgen erblickt
man die ungeheuresten Felsenmassen häufig umgestürzt und auf dem Kopfe
stehend. Hin und wieder liegen sie in einer umgebogenen krummlinigen
Richtung so, daß die hohle Seite nach Außen hingewandt gerichtet steht.
Kurz es ist bei der Lage und Stellung der Schichten keine Lage und
Gestalt denkbar, welche bei diesen Felsenmassen noch Statt finden
konnten.

Alle diese ungeheuern Felsenmassen sind in ihrem Innern durch mächtige
Spalten, Risse, Hohlungen und Klüfte auf alle mögliche Art und Weise von
einander getrennt, die bald in horizontaler, bald in schiefer Richtung
in ungeheuren Weiten durch sie dahin laufen, und bald senkrecht stehend,
wie wenn Felsenwände an Felsenwände geschoben und an einander gedrängt
worden wären, angetroffen werden, und die sich hin und wieder mit
Metallmassen, auch wol mit vegetabilischen und animalischen Produkten
ausgefüllt haben. Und von außen sind jene auf alle Art und Weise über
einander hingeworfenen und hin und wieder umgestürzten Felsenmassen
durch weite und tiefe Thäler[A] von einander getrennt, wodurch tiefe
Seen hin und wieder entstanden sind, und wobei es sehr auffallend ist,
daß man oft an dieser Seite eine ganz andere Felsenschicht, und dabei
ganz anders hingestellt als an der andern Seite erblickt.

  [Anmerkung A: Das große Werk des von Saussüre, über die Alpen,
  ist voll von Beweisen, daß alle Thäler, bis auf ihre kleinste
  Verästelung, durch Umstürzen der Schichten gebildet worden sind.
  S. Gilbert Annal. Bd. 22 S. 168.]

Außer diesen großen Naturwundern, worüber der aufmerksame Beobachter
in Verwunderung und stilles Erstaunen versetzt wird, und die er sich
auf die gewöhnliche Weise, durch die Macht des Feuers und der Fluthen,
nicht befriedigend zu erklären vermag, siehet er Felsentrümmer von
Granitmassen nicht bloß auf Ebenen, sondern auch auf Hügel und Berge,
fern von ihrem Geburtsorte, hingeworfen. So sind z.B. die Ebenen und
Hügel von Deutschland und Italien und die Bergrücken des Juragebirges
mit den Granitblöcken von den Alpen, die hier zu den Höhen von 5000 Fuß
und durch den 950 Fuß tiefen und über 3 Stunden breiten Genfersee
hinangefluthet sind, übersäet.

Aber nicht allein auf den Hügeln, Ebenen und Bergen dieser beiden
Länder, sondern fast auf allen Ebenen, Hügeln und Bergen von ganz
Europa bis zu den nördlichen Gebirgen dieses Erdtheils hin, liegen
die Granitblöcke hin und wieder in bedeutender Menge und Größe[A]
ausgestreuet. Und auch in Südamerika in der Gegend von Potosi findet man
Granitfelsenstücke, ohne errathen zu können, wie und woher sie hierher
gekommen sind. Und so wie die Erdrinde auf ihrer Oberfläche mit
Granitblöcken und andern Felsenstücken übersäet ist, so ist auch ihr
Inneres damit angefüllt, und sie liegen darin eben so zerstreut und
ausgebreitet, wie auf ihrer Fläche.

  [Anmerkung A: So hat der 30-40,000 Kubikfuß enthaltende Granitblock,
  woraus das Fußgestell zu der Bildsäule Peters des Großen gemacht
  worden ist, im finnischen Meerbusen auf einem Kalkgebirge gelegen.
  Und bei der Insel Usedom erheben sich mehre Granitspitzen auf dem
  Baltischen Meere empor, und die schwedische Provinz Schonen, wie
  auch die Halbinsel Jütland, sind mit diesen Granittrümmern so
  reichlich angefüllt, daß davon Mauern, Kirchen u.s.w. gebaut worden
  sind.]

Aus diesem hier nur kleinen und schwach dargestellten Gemälde von
dem Innern der Erde, worüber man Mehres und Ausführlicheres in de la
Metherie's Theorie der Erde im 2. Theile, Bergmann's physikalischer
Beschreibung der Erdkugel im 1. Theile, Saussure's Alpenreisen und
in den Untersuchungen über den Ursprung und die Ausbildung der
gegenwärtigen Anordnung des Weltgebäudes von den Marschällen von
Bieberstein finden kann, folgt demnach, daß unser Wohnort durch mächtige
Revolutionen in seinem Innern zerstört und zertrümmert worden sei. Da
nun diese Zerstörungen 1) nicht durch die Macht des unterirdischen
Feuers, welches wol einzelne Gegenden der Erdoberfläche verwüsten,
Felsenmassen emporheben und sie zertrümmern kann, aber nicht ungeheuere
Felsenmassen über Felsenmassen zu schleudern, sie umzustürzen und wie
Wände an Wände zu reihen und dadurch Bergketten, von 70 Meilen, wie die
Pyrenäen, und von 1700 Meilen, wie die Cordilleras in Amerika, zu bilden
vermag -- und 2) auch nicht durch die Macht der Fluthen, indem sich
dadurch jene vorhin angeführten Erscheinungen gar nicht erklären lassen,
hervorgebracht werden konnten, so muß eine andere, weit mächtigere
Ursache diese große Revolution in dem Innern der Erde hervorgebracht
haben. Und diese ist keine andere und kann keine andere sein, als ein
öfteres Aufstürzen fremder festen Weltmassen auf unsere Erde, wodurch
die Rinde derselben zerstört, ihre Felsenmassen umhergeworfen und mit
fremden Felsenmassen vermischt worden sind.

Von der Behauptung dieser Wahrheit wird man sich durch folgende
Punkte, wie ich glaube, hinlänglich überzeugen: 1) durch den vorhin
dargestellten zertrümmerten Bau der Erdrinde, besonders in ihren großen
Gebirgen, 2) durch den vorhin angeführten Lauf der kleinen Weltmassen,
der bei allen noch nicht gehörig angeordnet worden ist, wie ich
vorhin angeführt habe. Und 3) durch die Erscheinung so vieler noch
unausgebildeter Weltmassen, die noch stets dem Schoße des großen
Weltenraumes entschlüpfen, wenn sie sich durch den darin stets
ausgebreiteten Weltenstoff zu Weltmassen und Weltkörpern gebildet
haben, von welchen die kleinen Massen, unter den Namen Feuerkugeln,
Sternschnuppen und Meteorsteine, so lange in dem Schöpfungsraume
umherlaufen, bis ihre Schwungkraft durch das Nahekommen an irgend einen
größern Weltkörper geschwächt oder wol ganz vernichtet wird, wo alsdann
eine Vereinigung ihrer Masse mit der des größern erfolgt.

Hiervon überzeugen uns folgende Beispiele: Im Jahre 1676 den 21. März
erschien eine solche Kugel, die etwa ¼ deutsche Meile im Durchmesser
besaß, und mit einer Geschwindigkeit von 160 geogr. Meilen in einer
Minute über Dalmatien, das Adriatische Meer und Italien dahin eilte,
südwärts von Livorno zersprang, und zertrümmert ins Meer fiel.

Im Jahre 1719 wurde eine solche Kugel in England beobachtet,
die in einer Minute 300 geogr. Meilen zurücklegte, also weit die
Geschwindigkeit der Erde in ihrem Laufe, welche in einer Minute nur
240 Meilen macht, übertraf, 3560 Fuß im Durchmesser besaß, und in einer
Höhe von 64 deutschen Meilen erblickt wurde.

Im Jahre 1758 wurde hier ebenfalls eine solche Kugel erblickt, welche
in einer Sekunde 6 deutsche Meilen zurücklegte, 4340 Fuß im Durchmesser
groß war, und zuerst in einer Höhe von 20 und nachher von 5-7 deutschen
Meilen gesehen wurde.

Und die letzte Erscheinung in dieser Art ist die Feuerkugel vom Jahre
1783 gewesen, welche in einer Höhe von 12 bis 13 deutschen Meilen über
England und Frankreich dahin geeilt ist und auch in Rom und Hamburg soll
beobachtet worden sein. Mehres hierüber findet man vom +D.+ Chladni,
»Ueber den Ursprung der von Pallas gefundenen und anderer ihr ähnlichen
Eisenmassen. Leipzig, 1794«, gesammelt.

Zu diesen merkwürdigen Erscheinungen, welche nicht in unserer
Atmosphäre, indem diese nur 9 bis 10 Meilen hoch ist, erzeugt, und die
auch nicht von ihr getragen und umhergeführt werden können, weil diese
nicht ein Mal einen Wassertropfen umherzuführen vermag, gehören auch
die Meteorsteine, welche man, ihres Ursprungs wegen, jetzt Cosmolithen
nennt, und die theils in einer festen dichten Masse, theils in
einer porösen Gestalt, und theils als Staub- und Wasserregen zu uns
herabgekommen sind, und wovon die größern festen Massen das Gewicht von
_einem_ Pfunde bis zu dem von _hunderttausend Pfunden_ und dabei hin und
wieder die Größe eines Hauses gehabt haben.

Zum Beweise hiervon mögen folgende Beispiele dienen:

Zuerst der Stein, dessen Herabfallen durch gerichtlich abgehörte Zeugen
und mit Dokumenten gehörig bestätigt ist, der am 26. Mai 1751 in der
Gespannschaft Agram im obern Sclavonien herabfiel. An diesem Tage
nämlich bemerkte man des Abends um 6 Uhr gegen Osten am Himmelsgewölbe
eine Art von feuriger Kugel, welche, nachdem sie in zwei Theile mit sehr
großem, einen Kanonenschuß übertreffenden Knalle zersprungen war, in
Gestalt zweier in einander verwickelten Ketten mit solchem Geräusche,
als wenn eine große Menge Wagen durch die Luft gewälzt worden wäre,
auf die Erde gefallen, und von welchen das eine Stück, 71 Pfund schwer,
in einen acht Tage zuvor gepflügten Acker, drei Klafter tief, in den
Boden hineingedrungen ist; das andere Stück, 16 Pfund schwer, ist auf
eine Wiese, 2000 Schritt von jenem entfernt, niedergefallen, und hat
ebenfalls eine Spalte von 2 Ellen weit zurückgelassen. Von diesen
beiden Stücken ist das größere, nebst der Urkunde darüber, von dem
bischöflichen Consistorium zu Agram an das Kaiserliche Naturalienkabinet
in Wien geschickt worden, wo es aufbewahrt liegt. Ein anderer Stein von
dieser Art ist der, welcher 190 Pfund schwer, und seit Jahrhunderten auf
dem Rathhause zu Ellbogen in Böhmen, unter dem Namen der verwünschte
Burggraf, gelegen hat, jetzt auf dem Kaiserlichen Naturalienkabinet in
Wien ebenfalls aufbewahrt wird. Ein anderer Stein von 270 Pfund ist bei
Ensisheim in Ober-Elsaß im Jahre 1492 den 7. November niedergefallen. Im
Jahre 1622 den 10. Januar ist in Devonshire in England eine Steinmasse
von 3½ Fuß Länge, 2½ Fuß Breite und 2½ Fuß Dicke, eine Elle tief in die
Erde geschlagen. Im Jahre 1668 den 19. oder 21. Junius fielen große
Steine im Veronesischen nieder, von welchen der eine 200 Pfund wog.
Zu diesen Steinen gehört noch vorzüglich derjenige, welcher von einer
porösen Masse und den Pallas im Jahre 1772 in Sibirien gefunden hat,
der 1600 Pfund schwer war, und von dem die Einwohner ihm erzählt haben,
daß er vom Himmel gefallen sei, weswegen sie ihn wie ein Heiligthum
verehrten. Und zu den größten Steinen dieser Art gehört 1) derjenige,
welcher im Winter 1740 oder 1741 in Grönland, von der Größe eines
Hauses, mit einem furchtbaren Donner, wodurch die Menschen aufgeweckt
worden sind, niedergefallen ist. Und auch in Thüringen soll ein Stein
von eben dieser Größe im Jahre 1135 oder 1136 niedergefallen sein.
2) Der Stein, von welchem Herr von Humbold in seinem »+Essai politique
etc. sur la nouvelle Espagne chap. 8. p. 293+« erwähnt, daß er 300 bis
400 Zentner schwer sei und in der Gegend von Dorango in Mexiko liegen
soll. Und endlich 3) derjenige, welchen Bougainville am Platoflusse, der
100,000 Pfund zu seinem Gewichte haben soll, gesehen hat. Auch gehört
höchst wahrscheinlich hierher der Eisenfelsen am rechten Ufer des
Senegals, von dessen Masse die Neger ihre Werkzeuge schmieden, indem
dieser Felsen ganz isolirt an jenem Orte zu liegen scheint[A].

  [Anmerkung A: Das in den Geographien stets angeführte Eisen von
  Senegambien scheint dieses zu sein.]

Außer diesen festen Massen, welche zu uns herabgekommen sind, sind
auch solche in Staub und Regen, wie ich schon angeführt habe, zu uns
herabgefallen. Zu den merkwürdigsten Staubregen dieser Art gehört
erstlich derjenige, welcher am 14. März 1813 in Calabrien gefallen ist,
wo eine Menge von rothem Staube, vom Meere herkommend, unter Regen,
Blitz, Donner und einem besondern Getöse, und hin und wieder mit Steinen
vermischt, zur Erde fiel, wobei die Luft Stunden lang verfinstert und
die ganze Gegend mit Furcht und Schrecken angefüllt gewesen ist. Und zu
gleicher Zeit soll ein rother Schnee in Friaul gefallen sein. Zweitens
gehört hierher der starke Staubregen, welcher sich am Ende des
Septembers im Jahre 1815 auf dem Ostindischen Meere ereignet hat, wo
dasselbe noch am zweiten Tage, in einer Breite von 50 deutschen Meilen,
mit hohem rothen Staube bedeckt war[A].

  [Anmerkung A: Mehres hierüber findet man in dem Verzeichnisse der
  herabgefallenen Stein- und Eisenmassen von Chladni, und in den
  fortgesetzten Verzeichnissen dieser Massen in dem 22. und 23. Bande
  von Gilbert's Annalen, und in der ersten Zeitschrift vom Jahre
  1818.]

Alle diese Massen, die sich am Tage am Himmelsgewölbe als vielfarbige,
sonderbar gestaltete Wölkchen, und des Nachts in der Gestalt von
brennenden, mit leuchtenden Dämpfen umgebenen und mit einem Schweife
versehenen Kugeln gezeigt haben, und die alle in Ansehung ihrer
Bestandtheile von einerlei Beschaffenheit sind, können nun keine
Erdprodukte sein. Denn sollten sie diese sein, so müßten sie aus
feuerspeienden Bergen ausgeworfen und von ihnen umhergeschleudert worden
sein, und man müßte sie alsdann in der Gegend dieser Berge am häufigsten
antreffen, wo man aber fast gar keine findet. Und sollten sie aus
Bergen, die am Nord- und Südpole, von welchen wir aber nichts wissen,
vorhanden sein sollen, ausgeworfen werden, so würden sie stets aus
einer und ebenderselben Gegend, und nicht aus allen Weltgegenden zu
uns kommen. Ferner sind auch die Berge nicht vermögend, solche Massen
von 100 bis 100,000 Pfunden zu einer Höhe von 60 bis 100 Meilen zu
schleudern und ihnen eine Wurfkraft, durch welche sie über Länder
geführt worden sind, mitzutheilen. Auch der mächtige Blitzstrahl vermag
solche Massen nicht von den Felsenspitzen zu reißen, und sie in eine
solche Höhe zu schleudern; daher können diese Meteormassen keine
Erdprodukte sein. 2) Können diese Massen, wie einige geglaubt haben,
auch nicht vom Monde zu uns gekommen sein, und noch von demselben zu uns
kommen, weil +a)+ ihre Anzahl, welche Chladni auf 300 angibt, viel zu
groß ist, und +b)+ weil der Lauf beider Weltkörper, der Erde und des
Mondes, ihre Ankunft vom Monde her nur in einer elliptischen Bahn
verstatten könnte, weswegen daher nur selten solche Meteormassen zu uns
herabfallen könnten. Der große Geometer _La Place_, der die Mechanik des
Weltenbaues entdeckt und uns enthüllt hat, wurde durch den Anblick der
vielen Krater auf dem Monde, die von den heftigsten Revolutionen, welche
auf demselben müssen statt gefunden haben, zeugen, auch auf den Gedanken
gebracht, daß die Meteormassen wol vom Monde zu uns hergeschleudert
werden könnten. Als er aber zu berechnen anfing, und fand, daß eine
solche Masse in einer Sekunde 7773 Fuß machen mußte[A], um aus dem
Gebiete der Anziehungskraft des Mondes in das der Erde zu kommen, so gab
er seine Meinung auf. Auch +Dr.+ Olbers war anfangs ebenfalls dieser
Meinung ergeben, wenn der Mond in seiner Erdnähe von 48,000 Meilen sich
befände, und beide Weltkörper, Erde und Mond, in einem Ruhestande sich
befinden. Da aber dieses nicht der Fall ist, so muß jedem Körper auf dem
Monde die Bewegung der Schnelligkeit und Richtung so mitgetheilt werden,
wie er dieselbe hat. Hierdurch würde der Stein in den Lauf eines
parabolischen Bogens versetzt werden, aber nicht zur Erde kommen. Und
3) können diese Massen nicht in der Atmosphäre erzeugt werden, weil
+a)+ diese nur 9 bis 10 Meilen hoch ist, und jene Massen in einer
Höhe von 60 bis 100 Meilen, wie die darüber angestellten Berechnungen
beweisen[B], erblickt worden sind. +b)+ Ist die Atmosphäre in einer
Höhe von 20 Meilen so dünn, daß _eine_ Kubikmeile Luft nicht mehr als
_ein_ Pfund wiegt. Wie ist nunmehr denkbar, daß in dieser Höhe und noch
weniger in der von 60 bis 100 Meilen sich Eisenmassen von 1000 bis
100,000 Pfund haben bilden können? Denn wo ist der Stoff dazu in
dieser Höhe vorhanden? Und +c)+ wodurch sollten diese Meteormassen die
Schwungkraft erhalten haben, durch welche sie über ganze Länder, mit
einer Geschwindigkeit, welche bei einigen die der Erde übertroffen
hat, dahin geführt worden sind, und mit welcher sie sich, in einem
parabolischen Bogen sanft zur Erde niederlassend, erhalten haben, wenn
sie beides nicht bei ihrem Entstehen im Weltenraume erhalten hätten,
indem die Luft nicht einmal einen Wassertropfen, der nach seiner Bildung
sogleich zur Erde fällt, fortzuführen vermag.

  [Anmerkung A: Eine Geschwindigkeit welche 7 Mal die des Schalls, der
  in einer Sekunde 1040 Fuß macht, übertrifft.]

  [Anmerkung B: Die Feuerkugel oder Meteormasse, welche im Jahre 1783
  den 10. August über England und Frankreich &c. fortlief, ist in
  Hamburg gesehen worden. Da nun Hamburg von London 90 Meilen entfernt
  ist, so muß diese Masse, wenn sie in einem Winkel von 50° von
  Hamburg aus gesehen worden ist, über 107 Meilen hoch geschwebt
  haben. Ist sie in einem Winkel von 40° gesehen, so ist ihre Höhe 75,
  ist sie 30° hoch gesehen, so ist ihre Höhe 50 Meilen, und ist sie
  10° hoch gesehen worden, so ist ihre Höhe 15 Meilen gewesen.]

Aus allen diesen folgt demnach, daß die Meteormassen Produkte des großen
Weltenraumes oder kleine Weltmassen sind.

Wenn sich nun solche Vereinigungen fremder Körpermassen mit der unseres
Wohnortes in neueren Zeiten zugetragen haben, ist es dann wol nicht sehr
wahrscheinlich, daß in noch frühern Zeiten, besonders zu der, wo die
Menge der kleinen Weltmassen weit größer war, als jetzt, und viele von
ihnen, wo nicht alle, in einem noch unangeordneten Laufe dahin eilten,
weit mehre solcher Zusammenstürze erfolgen mußten -- und daß auch Massen
von bedeutender Größe auf unsern Wohnort müssen gestürzt sein, welche
nicht allein seinen innern Bau erschüttert und zerstört, sondern auch
Felsenmassen, als Berge, auf ihn müssen hingesetzt haben?

Vielleicht ist auf diese Art einstens Amerika, welches weit höher als
die übrigen Erdtheile über der Meeresfläche erhaben liegt, aufgesetzt
worden, wozu nur ein Weltkörper, wie die Vesta[A] groß ist, gehörte, der
hierauf das Wasser daselbst weggedrängt und zu großen Wasserbergen auf
den Seiten der Erdoberfläche angehäuft hat, und wodurch vielleicht die
Zend- oder die Noahische oder eine andere Fluth des grauen Alterthums
hervorgebracht worden ist.

  [Anmerkung A: Diese ist 14,800 Mal kleiner als unser Wohnort.]

Daß aber unser Wohnort mehre solcher Zusammenstürze von bedeutenden
Weltmassen wirklich erlitten habe, zeigt deutlich, nicht allein, wie
schon angeführt ist, sein innerer Bau, sondern auch die große Menge
von organischen Wesen, welche tief unter den Felsenmassen verschüttet
liegen, und die ihr Grab nicht durch Fluthen, sondern nur durch
gewaltsame Verschüttungen und Zusammenstürzungen von Felsenmassen auf
Felsenmassen, da, wo sie liegen, können gefunden haben[A]. Denn, wenn
die ganze Menge von Ueberresten der Thiere durch Fluthen hierher geführt
worden wäre, so würde man die Knochen derselben nicht so gut erhalten,
sondern vom Wasser zerstört und in Steinmassen umgeschaffen, wie man
viele von den Muscheln antrifft, oder in Abdrücken dargestellt, und auch
nicht tief unter Felsen, wo nie Fluthen hingedrungen sind, antreffen und
angetroffen haben. Und selbst der große Naturforscher Cuvier, welcher
nunmehr schon 78 Arten von Säuge- und eyerlegenden Thieren aus dem
Schoße der Erde, worunter 49 in der jetzt lebenden Schöpfung gänzlich
unbekannte Arten sind, hervorgefunden hat, behauptet, daß die großen
Landthiere da, wo sie in der Erde liegend gefunden werden, auch gelebt
haben. Hieraus erhellet demnach, daß ein großer Theil von jenen Thieren,
wo nicht alle, durch einen Aufsturz eines fremden Weltkörpers[B] auf
unsere Erde verschüttet worden sei.

  [Anmerkung A: Zu den Thieren, die höchst wahrscheinlich da, wo ihre
  Ueberreste gefunden werden, einstens gelebt haben, gehört vorzüglich
  der Elephant, von welchem man fast in allen Ländern Europa's
  Ueberreste ausgegraben hat und noch ausgräbt. So gräbt man z.B.
  in den Baumanns- und Scherzfeldischen Höhlen zuweilen eine Menge
  Zähne aus, die oft noch ihren natürlichen Glanz haben und in den
  Kinnbacken festsitzen. So hat man auch bei Erfurt in Thüringen
  im Jahre 1698 in einer Tiefe von 24 Fuß ein Gerippe ausgegraben,
  welches noch die Hirnschale mit 4 Backenzähnen, 2 Eckzähnen,
  Schulterknochen, Rückenwirbel, einige Rippen und verschiedene
  Halsknochen besaß. Eben so hat man nicht weit von Langensalza im
  Thüringschen bei Tonne im Jahre 1695 ein solches Gerippe mit 2 acht
  Fuß langen Eckzähnen oder Fangzähnen gefunden. Auch zwischen Brüssel
  und Rupelle sind 2 Gerippe mit Kinnbacken und Fangzähnen -- auch in
  Siebenbürgen und Ungarn, an der Donau und am Rhein und fast in allen
  Ländern Europens sind sowol Knochen als Zähne von diesem Thiere
  ausgegraben worden. Ja, man hat sogar einen solchen in Kiesel
  verwandelten Backenzahn auf Island gefunden. Weit häufiger aber
  findet man dergleichen Zähne in Sibirien an den Flüssen Obi,
  Jenesei, Lena u.s.w. wo sie von einer Länge von 9½ Fuß, 6 Zoll im
  Durchmesser und 400 Pfund schwer gefunden werden. Auch an andern
  Oertern Asiens, Afrika's und Amerika's und zwar an solchen, von
  welchen man weiß, daß daselbst nie Elephanten gehauset haben, hat
  man Ueberreste davon gefunden. Mehres hierüber findet man in meiner
  »Allgemeinen Darstellung der Oberflächen der Weltkörper unseres
  Sonnengebietes. Seite 10, 11 u.s.w.«]

  [Anmerkung B: Von den bei dem Dorfe Thiede, unweit Braunschweig,
  aufgefundenen Knochen vom Mammuth, Nashorn, Dammhirsch &c. scheinen
  diese hier gelebt und durch jene herbei strömende Fluth in einen
  Winkel zusammen getrieben zu sein, in welchem sie Schutz zu finden
  glaubten, wo sie darauf unter dem Niederschlage der Wasserfluth
  begraben worden sind.]

Aber wie furchtbar, wie grausenvoll müssen solche große mächtige
Naturscenen, welche nicht allein das Innere der Erde erschüttern, hier
und da die Felsenmassen zertrümmern und die Ebenen verwüsten, sondern
auch die lebende Schöpfung in einem Nu in ein Nichts verwandeln, sein!
Denn schon, wenn ein Weltkörper von einer Größe, wie unser Mond, der
das Meerwasser unter der Linie zu einer Höhe von 2 bis 3 Fuß, in einer
Breite von 30 bis 50 Grad[A] aber zu einer Höhe von 20 bis 48, bisweilen
 sogar auf 80 Fuß, wie es bei der Insel St. Malo der Fall ist, erhebt,
sich unserm Wohnorte nähern, und näher, als jener uns ist, kommen würde,
würde nicht allein das Meer aus seinen Ufern treten, und die ebenen, von
Menschenhänden jüngst bearbeiteten, lachenden Fluren der schönen Natur
überschwemmen, sondern bei seinem immer Näherkommen, würde das Wasser
sich immer mehr zu Wasserbergen anhäufen, hier und dort seinen Boden
gänzlich verlassen, und endlich mit allen seinen Bewohnern über
Felsenmassen hinüberfluthen[B] und die schöne grünende Natur in ein
todtes Chaos und die lebende Schöpfung in ein Nichts verwandeln. Und
wenn endlich jene Weltmasse auf unsern Weltkörper stürzen würde, so
würde nicht allein das Wasser unter ihr weggedrängt und zu den Seiten
mit Gewalt über Berge und Thäler, über Fluren und Wälder zu strömen
gezwungen werden, wodurch das, was jüngst noch Land war, zum Meere,
und was jüngst noch Meer war, zum festen Lande würde umgeschaffen
werden, sondern es würde auch der Mittelpunkt der Erde, nebst ihrem
Schwerpunkte, und die Umwälzung derselben um ihre Achse, sowol in
Ansehung ihrer Geschwindigkeit, wie auch ihrer Richtung nach verändert
werden, wodurch das, was jüngst auf ihr Nord- und Südpol war, vielleicht
zum Aequator gemacht werden würde. -- Auch würde dieselbe in der Gestalt
und Lage ihrer Bahn, wie auch in ihrem Abstande vom Sonnenkörper, und
in ihrem Umlaufe um denselben eine große Veränderung zu leiden haben.
Solche große und mächtige Veränderungen möchten sich also wol mit unserm
Erdkörper zutragen, wenn ein Weltkörper von Bedeutung auf ihn stürzen
würde. -- Und daß derselbe schon solche große Veränderungen mehr als ein
Mal erlitten habe, leuchtet aus dem bereits vorhin Angeführten, wie auch
daraus hervor, daß man Bewohner des tiefen Meeres auf den Gipfeln der
höchsten Felsenmassen[C], wohin sie nur eine mächtige grausenvolle Fluth
geführt haben kann, begraben liegend gefunden hat. -- Aber auch daraus,
daß man in unsern Gegenden und in denen, welche mit denselben in
gleichem Abstande vom Aequator liegen, Ueberreste von Thieren, die
nur in heißen Gegenden hausen können, in Menge unter der Erdmasse
verschüttet angetroffen hat, welches daher voraussetzt, daß diese
Gegenden einstens warm müssen gewesen sein. Und eben so findet man in
unsern Gegenden unter der Erde Spuren von Meerbewohnern, und darüber
Ueberreste von Landthieren liegend, welches hinlänglich den Beweis für
mehre Revolutionen, die unsere Gegenden einstens müssen erlitten haben,
darreicht. Jetzt fragt es sich, wird unser Weltkörper eine solche
Revolution ein Mal wieder zu befürchten haben? Und wenn er solche zu
befürchten hat, wann wird alsdann dieselbe eintreten?

  [Anmerkung A: Unter der Linie oder dem Aequator beträgt die
  Anziehungskraft der Sonne auf das Meer, nach La Lande's Berechnung,
  23 Zoll und die des Mondes 3 × 23 = 69 Zoll, folglich von beiden
  Weltkörpern zugleich an 8 Fuß. Da aber der Widerstand des Grundes
  des Meeres die Erhebung zu dieser Höhe verhindert, so kann es sich
  nur unter dem Aequator 2 bis 3 Fuß hoch erheben. Aber jenseit des
  Aequators erhebt es sich bedeutender, so daß dessen Höhe bei den
  kanarischen Inseln, unter dem etwa 30. Grade nördl. Breite 7 bis 8
  Fuß beträgt; an den Küsten von Marocko und denen von Spanien bis
  etwa auf den 37. Grad nördl. Breite auf 10 Fuß; an den Küsten von
  Portugal und Spanien bis etwa auf den 43. Grad nördl. Breite auf 12
  Fuß, vom Vorgebirge +Finis terrae+ bis zum Ausflusse der Garonne,
  also bis zum 46. Grad nördl. Breite 15 Fuß &c. sich erhebt. Hierauf
  nimmt diese Höhe nach dem 48. Grade nördl. Breite wieder ab, und die
  Fluthen werden bis nach dem Nordpole zu immer niedriger, wo sie
  endlich ganz aufhören.]

  [Anmerkung B: Wenn der Mond seinen Standort verlassen und zur
  Erde herabfallen könnte, so würde er, wenn er 7740 Meilen von uns
  entfernt wäre, das Meer 256 Fuß zu sich hinan erheben, und wenn er
  1016 Meilen uns nahe gekommen wäre, so würde er dasselbe 15,000 Fuß
  zu sich empor erheben, und daher solches zwingen, über die beinahe
  höchsten Berge hinüberzufluthen.]

  [Anmerkung C: Delüc hat auf den Savoyischen Alpen, in einer Höhe von
  7844 Fuß über der Meeresfläche erhaben, Ammoniten angetroffen. Und
  nach der Versicherung des Don Ulloa sollen auf einem Kalkgebirge in
  Peru, in einer Höhe von 14,000 Fuß, und auf einem andern, in einer
  Höhe von 13,200 Fuß, Pektiniten und Ammoniten gefunden worden sein.]

In der ganzen Natur finden wir, wo wir unsere Blicke nur hinwerfen,
Vergehen und Entstehen zur Verjüngung und Verschönerung derselben. Denn
wenn der Wurm und der Baum ihre Bestimmung, dieser als Baum und jener
als Wurm erreicht haben, so sterben sie dahin, lösen sich in ihre
Bestandtheile auf, und dienen dadurch der schönen Natur zur Verjüngung
und Verschönerung. So ist auch der mächtige Felsen dem Zahne der Zeit
unterworfen, wie die Spitzen der Pyrenäen durch ihr Vergehen beweisen.

So wie nun Alles auf unserem Erdballe vergehet, wodurch sich die Natur
verjüngt, so vergehen auch Welten und Weltengebiete, und neue treten
für sie zur Erneuerung und Verherrlichung der großen Schöpfung wieder
hervor; daher sind auch schon Weltkörper vergangen, und haben sich in
kleinere Massen, wie es mit der Ceres, Pallas, Juno und Vesta der Fall
gewesen zu sein scheint, aufgelöset, und so werden auch einst die
übrigen Weltkörper unseres Sonnengebietes und nach und nach des ganzen
Schöpfungsgebietes vergehen, und in neue Weltmassen umgeschaffen werden,
wenn sie dem großen Weltenplane das nicht mehr sind und leisten können,
was sie darnach sein und leisten sollen, nämlich _einer bestmöglichst
großen Menge von lebenden Wesen zum Wohn- und Wonneplatze_ zu dienen.
Daher wird auch unser Wohnort einstens das nicht bleiben, was er jetzt
ist, sondern wird sich entweder in kleinere Massen auflösen, oder durch
den Aufsturz eines andern auf ihn an Masse vergrößert werden.

Aber wann wird diese Zeit eintreten? Die Zeit, wo unser Wohnort nicht
mehr die Fülle von Nahrungsstoff seinen auf ihm lebenden Geschöpfen wird
darreichen, und wo daher nicht mehr die Menge von Geschöpfen auf ihm
sich wird freuen können, wird alsdann Statt finden, wenn die Erdachse
eine senkrechte Stellung gegen den Sonnenkörper wird erhalten haben,
wo alsdann ein beständiger Frühling in den gemäßigten und kalten Zonen
der Erde herrschen, und wo in diesen alles grünen und wol blühen, aber
nichts reifen wird, und wo daher nur die heiße Zone bewohnt sein kann.

Nimmt man nach Piazzi und den neuern Astronomen die jährliche Abnahme
der schiefen Stellung gegen den Sonnenkörper, welche im Jahre 1800
23° 27' 56" war, zu 0,443 an, so macht diese in 100 Jahren 44" aus,
wonach diese senkrechte Stellung nach 192,000 Jahren erfolgen muß.
Also welche geraumvolle Zeit ist der Erde noch zu ihrem gegenwärtigen
Zustande vergönnt! Und welche geraumvolle Zeit hat die Menschheit
noch zur Entwicklung ihrer erhabensten Seelenkräfte! Welche große
Fortschritte wird sie daher in den Künsten und Wissenschaften, besonders
in der Erd- und Himmelskunde, und in denen mit dieser verwandten, nicht
noch machen! Und welche für uns noch tiefe Geheimnisse in der Natur
werden von ihr nicht enthüllt werden, wenn sie so fortschreiten wird,
wie sie in den letzten 20 Jahren in der Ausspähung der Kräfte der Natur
fortgeschritten ist! Und auf welcher hohen Stufe der Ausbildung wird sie
dann nicht in den letzten Jahrhunderten dieser geraumvollen Zeitperiode
stehen!

Doch fragt es sich jetzt: haben wir nicht von einem andern Weltkörper
früh oder spät eine Zerstörung unsers Wohnortes und eine Vernichtung der
ganzen organischen Schöpfung zu befürchten? Und wenn solches der Fall
ist, von welcher Art von Weltkörpern haben wir dieses zu befürchten?
Wenn ein Mal eine solche Zerstörung unseres Wohnortes sich ereignen
sollte, so kann diese nur von einem Kometen bewirkt werden, indem die
11 Planeten mit ihren 18 Nebenplaneten, welche mit der Erde fast in
gleicher Ebene ihren Lauf von Abend nach Morgen um den glanzvollen
Sonnenkörper beginnen, in solcher genauen Verkettung zusammenstehen,
daß der eine von dem andern nichts zu befürchten hat. Denn bei ihnen
herrscht das genaueste Verhältnißmaß in Ansehung der Entfernung von
einander, auch stimmen ihre Massen und Größen mit ihren Entfernungen
überein, welche wiederum mit den Umlaufszeiten in einem gewissen
Verhältnisse stehen.

So ist alles hier verkettet und nach der höchsten Weisheit angeordnet,
worüber der nachdenkende Mensch, wenn er dieß Alles überblicket, in ein
tiefes Staunen und in eine stille Bewunderung über die Größe seines
Gottes versetzt wird.

Aber so ist es nicht mit den Kometen, weil diese das ganze Sonnenreich
durchkreuzen, und deswegen, bald von dieser, bald von jener Gegend des
Sonnengebietes hergeeilt kommen. Sie sind daher bald sehr nahe, bald
sehr weit von dem Alles belebenden Sonnenkörper entfernt, durchschneiden
deswegen bald hier, bald dort die Bahn eines Planeten, und kommen bald
diesem, bald jenem sehr nahe. So durchwandern allein 48 Kometen den
Raum zwischen Erde und Venus, von welchen der im J. 1680 nur 96,000
geographische Meilen, der vom J. 1684 an 185,000 geographische Meilen
und der vom J. 1770 an 300,000 Meilen von uns entfernt waren.

Da nun die Anzahl dieser Weltkörper, nach der Berechnung des
verstorbenen Staatsrath und Ritter Schubert's in Petersburg über
20 Millionen ist, die bald hier, bald dort bei ihrer Sonnennähe in
die Bahn eines Planeten kommen, so ist es schon deswegen nicht sehr
unwahrscheinlich, daß einer von diesen ein Mal der Erde sehr nahe kommen
und eine große Revolution auf ihr bewirken kann. Aber wir wissen dieses
weit gewisser aus der darüber angestellten Berechnung des Hrn. +Dr.+
Olbers in Bremen, nach welcher in einem Zeitraume von 88,000 Jahren ein
Komet der Erde so nahe kommen wird, wie der Mond uns ist.

In dem Zeitraume von 4 Millionen Jahren wird es sich ein Mal ereignen,
daß ein solcher Weltkörper uns an 7700 geographische Meilen nahe kommt,
und das Wasser, wenn er der Erde an Masse gleich ist, zu 15,000 Fuß,
und wenn er dem Monde an Größe und Masse gleich ist, zu 256 Fuß erhoben
wird. Und in 220 Millionen Jahren wird ein solcher Weltkörper mit der
Erde zusammenstoßen, und jene vorhin angeführten furchtbaren und
grauenvollen Erscheinungen auf derselben hervorbringen.



_Nachtrag._


Wenn eine Hypothese über die Ausbildungsart der Erde den denkenden Leser
befriedigen soll, so muß sie folgende Punkte gehörig erläutern, und
bestmöglichst ins reine Licht setzen: 1) Wodurch sind die Berge so hoch
aufgethürmt? 2) Wodurch sind die Erdschichten so schief und hin und
wieder senkrecht, wie ich angeführt habe, hingestellt, und wodurch
sind diese, wie die Trümmer eines Hauses hier und dort über und durch
einander hingeworfen worden? 3) Wodurch haben die großen Felsenmassen
die Spalten und Risse nach allen möglichen Richtungen erhalten? 4) Woher
kommt es, daß man die Bewohner des tiefen Meeres auf den Gipfeln der
höchsten Berge, und unter den Schichten derselben begraben findet?
5) Wodurch sind die Thiere und Pflanzen heißer Gegenden in die
gemäßigten und kalten Erdstriche gekommen? Und woher 6) sind endlich
die Ueberreste von den Thieren, welche wir gar nicht mehr in unserer
jetzigen organischen Schöpfung finden, hergekommen?

Um alle diese Fragen gehörig zu beantworten, ist keine Hypothese
günstiger, als die, in der vorhergehenden Abhandlung, von mir
aufgestellte: daß nämlich _unser Wohnort durch die Aufstürze
größerer Weltmassen, als diejenigen sind, welche man unter dem Namen
Meteorsteine, Feuerkugeln u.s.w. begreift, seine gegenwärtige Ausbildung
erhalten_ habe, indem alle andern darüber angeführten Meinungen nur
einzelne Punkte, und auch diese nicht ein Mal gehörig erläutern.

Denn diejenigen Geologen, welche jene angeführten Erscheinungen durch
die Macht eines unterirdischen Feuers, und durch die der Fluthen, welche
aber beide nur eine untergeordnete Stelle bei der Ausbildung der Erde
gespielt haben, erläutern wollen, nehmen in dem Innern der Erde ein
Feuer an, welches die Erdrinde hin und wieder aufgeworfen, die Schichten
derselben zerstückelt und die Felsentrümmer umhergeworfen habe, wodurch
Spalten und Risse in den Schichten entstanden, und die Hohlungen
zwischen denselben gebildet worden sind. Hierauf sind, nach ihrer
Meinung, die Felsenmassen durch die Wasserfluthen weich gemacht worden
und haben sich hierauf in die Hohlungen und Klüfte hinabgesenkt, wodurch
sie die vorhin angeführten Lagen und Stellungen gegen einander erhalten
haben. Ferner sollen durch die Macht der Fluthen Schichten hin und
wieder weggedrängt und Thäler gebildet, und Granit, und andere
Felsenmassen durch die tiefsten Seen meilenweit fortgeführt, und zu
hohen Gebirgen hinangewälzt worden sein. Und um die Erscheinung der
großen Landthiere, welche in unseren und anderen Gegenden der gemäßigten
Erdzone tief unter Felsenmassen begraben gefunden werden, zu erläutern,
nehmen einige Geologen Wasserfluthen an, welche sie aus den heißen
Gegenden zu uns hinübergeführt haben; andere hingegen nehmen eine
Veränderung der Erdachse an, wodurch unsere Gegenden, die vor derselben
heiß gewesen sein sollen, gemäßigt geworden sind. Und der Verfasser der
Urwelt läßt sogar einen Erdtheil, der am Südpole soll gelegen haben,
deswegen untergehen, wodurch, nach seiner Meinung, sich die Richtung
der Erdachse verändert hätte, ohne zu bedenken, daß dadurch gar keine
Veränderung in Ansehung der Erdachse, wenn solches der Fall gewesen
wäre, erfolgen konnte, indem der Schwerpunkt der Erde dadurch keine
Veränderung erlitten hätte, weil der Erdtheil nicht von ihr weggenommen
wäre, sondern nur unter die Fluthen würde versenkt worden sein.

Gegen die hier nur kurz dargestellten Sätze über die Ausbildungsart
der Erdoberfläche muß ich zuvor, ehe ich die Unzulänglichkeit derselben
darstelle, anführen, daß selbst der große Naturforscher _Cuvier_,
wie ich schon angeführt habe, behauptet[A], daß alle diese großen
Naturwirkungen in und auf der Erde, wie sie ein Saussure, de Luc und
andere Geologen bei ihren Gebirgsreisen vorgefunden haben, sie nicht
hervorbringen können.

  [Anmerkung A: Gilbert's Annalen der Physik Bd. 22. S. 117.]

Was nun zuerst das unterirdische Feuer anbetrifft, so ist nicht zu
läugnen, daß die Kraft desselben sehr groß sein muß, indem dadurch in
den neuern Zeiten Berge, der neue Berg bei Neapel im Jahre 1538 zu einer
Höhe von 2000 Fuß, und der Xurollo im südlichen Amerika im Jahre 1759 zu
einer Höhe von 1500 Fuß[A], und Inseln, sowol im Aegäischen, wie auch in
andern Meeren aus der Erde emporgehoben, und wiederum Städte und ganze
Gegenden, wie bei Neapel die Städte Herkulaneum und Pompeji und die
ganze Gegend um Modena[B], mit Staub und Asche verschüttet sind.

  [Anmerkung A: Dieser Berg entstand in dem angeführten Jahre den
  14. September in einer Ebene, und ist mit mehren tausenden kleinen
  rauchenden Hügeln umgeben, und welcher im Jahre 1804, als der Herr
  von Humboldt und Bonpland in diese Gegend kamen, noch brannte. In
  seiner Nähe befindet sich der Cotopaxi, dessen Flamme bei seinem
  Ausbruche im Jahre 1738 über 2000 Fuß hoch empor stieg, und dessen
  Getöse über 72 deutsche Meilen von ihm entfernt gehört worden ist.]

  [Anmerkung B: Die Städte Herkulaneum und Pompeji und die ganze
  Gegend umher wurde im Jahre 79 nach Christi Geburt durch den Auswurf
  des Vesuvs so sehr verschüttet, daß man die Lage dieser Städte nicht
  anzugeben gewußt hat, indem die Asche aus diesem Berge hin und
  wieder über 112 Fuß hoch darüber lag.

  Die Gegend bei Modena ist ebenfalls durch Ausbrüche von Vulkanen im
  Jahre 97 vor Christi Geburt zur Zeit des Consulats C. Marcius und
  Sept. Julius, nach Plinius im +II.+ Buche Kap. 53, verheert und
  verschüttet worden. Nach Ramazzini's Erzählung findet man hier 14
  Fuß tief unter der Erde Ueberbleibsel von einer alten Stadt, Häuser,
  gepflasterte Straßen u.s.w. Hierauf folgt, wie er hinzu fügt, eine
  feste Erde und unter dieser eine feuchte Erde, die mit vielen
  Pflanzentheilen vermischt ist. Und unter dieser befinden sich in
  einer Tiefe von 26 Fuß ganze Bäume, z.B. Nußbäume mit vielen Aesten,
  Blättern und Früchten, und hierauf trifft man wieder, 2 Fuß tiefer,
  eine sehr zarte Kreide, die mit vielen Muschelschalen vermengt ist,
  an. Nach seiner Angabe soll diese Kalklage 11 Fuß dick sein, worauf
  sich aufs Neue wieder Aeste, Blätter und ganze Bäume befinden. Auf
  diese Weise wechseln daselbst, bis zu einer Tiefe von 63 Fuß,
  Kreideschichten und Lagen von einer feuchten, mit Pflanzentheilen
  vermengten Erde mit einander ab. Hierauf folgt zuletzt eine Schicht
  von Sand mit Muschelschalen und Steinen angefüllt.]

Ob nun gleich die Macht des unterirdischen Feuers sehr groß ist, wie
sowol diese Wirkungen, als auch die der Erdbeben, wodurch ganze Länder,
und fast ganze Erdtheile erschüttert worden sind[A], beweisen, so sind
solche doch nur lokal gewesen, und betreffen nur hier und da die
Erdrinde, und zwar da, wo ein Stoff dazu vorhanden war, welcher sich
mit dem Wasserstoffe verbinden konnte. Da nun in der Mitte der Erde
keine Wassermasse, nach der Wirkung der allgemeinen Schwere, bei der
Entstehungsart der Schichten, in dem Innern derselben vorhanden sein
kann, so kann auch daselbst ein solches die Erdoberfläche überall
zerstörendes Feuer nicht Statt finden. Und wenn je daselbst solches
Statt gefunden und seine Wirkungen von da nach außen hin ausgeübt hätte,
so würden wir auch Felsenstücke von dem Innern der Erde, und nicht bloß
von der Erdrinde auf ihrer Oberfläche umhergeschleudert finden. Hieraus
folgt demnach, daß nie ein Feuer in der Mitte der Erde gelodert, und die
auf der Erdoberfläche vorhandenen Verwüstungen angerichtet habe, sondern
daß solches immer nur unter der Erdrinde hier und dort gewüthet und
dieselbe da, wo es den geringsten Widerstand gefunden hat, aufgeworfen
habe; daher finden wir bald hier bald dort auf den Ebenen
trichterförmige Berge, und auf dem langen Rücken der Bergketten einzelne
Spitzen, als Vulkane, lodern, welche die ganze Macht des unterirdischen
Feuers darstellen.

  [Anmerkung A: Das Erdbeben von 1601 den 1. September soll ganz
  Europa und einen Theil von Asien erschüttert haben, und das von
  1755 den 1. November, welches Lissabon zerstörte, hat seine
  Erschütterungen von Grönland bis nach Afrika ausgebreitet.]

Da sich nun aus dieser Wirkungsart dieses Feuers 1) die Entstehungsart
ganzer Bergketten von 70 bis 1000 Meilen[A] Länge, dabei mit einer sehr
beträchtlichen Höhe, aber mit einer sehr unbedeutenden Breite, wobei
die Alpen nicht ein Mal eine Spur eines unterirdischen Feuers an sich
tragen; 2) die senkrechten und schief geneigten Lagen und Stellungen von
Felsenmassen, die eine Länge von einer Meile haben; 3) das Hinüberwerfen
solcher Massen über einander, und 4) die Spalten und Hohlungen in
denselben, welche oft mehre Meilen weit in die Länge fortgehen, auf
keine Weise erklären lassen, so nehmen andere Geologen, um den Umsturz
so vieler Schichten, und den Grund ihrer schief liegenden und senkrecht
stehenden Stellung zu erklären, ungeheuere Höhlen in dem Innern der Erde
an, welche einstens mit Wasser ausgefüllt gewesen, und in welche nachher
die Schichten hinabgesunken wären, ohne zu bedenken, daß die allgemeine
Schwere die Entstehung solcher Höhlen bei der Ausbildung der Erde nicht
verstatten konnte, indem sich, nach ihren Gesetzen, alles auf einander,
ohne eine Lücke zwischen sich zu lassen, drängen mußte.

  [Anmerkung A: Die Cordilleras heben bei dem Feuerlande an und
  breiten sich bis zu dem Berge St. Elios in Nordamerika aus, eine
  Länge von 1700 geogr. Meilen.]

Andere Geologen, um dieser Schwierigkeit auszuweichen, nehmen ein
Austrocknen, Verwittern, Auflösen der Schichten durch das Wasser und
andere zufällige Ursachen an, wodurch die Schichten gesunken und in
solche schiefe und senkrechte Lagen sollen gebracht worden sein. Wenn
sich nun aber auch die Lage einzelner Schichten dadurch erklären läßt,
so läßt sich dadurch dennoch nicht die Lage derjenigen Schichten,
die einen Umfang von _einer_ Meile haben, und plötzlich senkrecht
hingestellt worden sind -- und auch nicht die Entstehungsart der hohen
und langen Bergketten erklären.

Was nunmehr die Erscheinung der Seethiere auf den Gipfeln der höchsten
Berge, auf welchen Don Ulloa Ammoniten und Pektiniten in einer Höhe von
14,000 Fuß, auf einem Kalkgebirge in Peru, gefunden hat, anbetrifft,
so erklären die Geologen diese Erscheinung durch das Nahekommen eines
Kometen der Erde, wodurch das Meer zu dieser Höhe hinanzufluthen
gezwungen worden sei. Wenn nun aber ein Komet auf derselben solches
bewirken soll, so muß er, wenn er von der Dichtigkeit und Größe unseres
Mondes ist, von welcher aber nur wenige erschienen sind, und das Meer
15,000 Fuß erheben soll, ihr 1016 geogr. Meilen nahe kommen. Ist er
aber von der Größe der Vesta, so muß er, wenn er das Meer 8000 Fuß zu
sich hinan erheben will, 86 Meilen, und wenn er solches 32,000 Fuß
hinanfluthen lassen will, ihr 34 Meilen nahe kommen. Kommt aber ein
Weltkörper so nahe unserm Wohnorte, so möchte er wol von ihm gezwungen
werden, sich mit ihm zu vereinigen, um seine Erdmasse dadurch zu
vergrößern.

Was nun endlich das Auffinden und Aufgraben der großen Landthiere in
unseren Gegenden anbetrifft, so muß ich darüber zuvor bemerken, daß
Cuvier und andere große Naturforscher durchaus behaupten, daß die Thiere
da, wo ihre Ueberreste gefunden werden, auch gehauset haben. Wenn aber
diese in unseren Gegenden und in denen, welche mit den unsrigen in einer
gleichen Zone liegen, sollen gelebt haben, so muß diese unsere Zone
einstens heiß gewesen sein, um der Menge dieser großen Thiere den
gehörigen Nahrungsstoff haben verschaffen zu können.

Wie ist aber diese zu einer gemäßigten geworden? Hat sich etwa die Wärme
der Erde überhaupt vermindert, wodurch unsere Gegenden kälter geworden
sind? Oder hat die Erdachse eine andere Stellung nach der Sonne hin
erhalten, wodurch unsere Zone eine gemäßigte geworden ist?

Alle diese Fragen, dergleichen ich noch mehre hinzufügen könnte, wie
auch diejenigen, welche gleich im Anfange über die Ausbildungsart der
Erde von mir aufgestellt worden sind, lassen sich durch die Aufstürze
der Weltmassen auf unsere Erde am besten und befriedigendsten auflösen.
Denn durch das Niederstürzen einer solchen Masse, nur von der Größe
einer Vesta, mußten die Felsenmassen der Erde da, wo sie hinstürzte,
zertrümmert, umhergeworfen und über einander angehäuft werden, wodurch
daher diese Massen alle die vorhin angeführten Lagen und Stellungen
gegen einander erhalten haben und erhalten mußten, und wodurch sich
ebenfalls zwischen ihnen, da sie nicht alle dicht auf einander zu
liegen, und dicht bei einander zu stehen kommen konnten, Hohlungen
bildeten, welche nachher mit einer andern aufgelöseten Felsenmasse,
als die ihrige war, von der Fluth dahin geführt, zum Theil ausgefüllt
worden, zum Theil aber leer geblieben sind.

Und da bei der Annäherung einer solchen Weltmasse sich das Meer zu
ihr hinan erheben, über die höchsten Berge dahin fluthen, und bei dem
Niedersturze derselben wieder weggedrängt werden, und zu den Seiten
hinabfluthen mußte, so mußten auch auf den höchsten Felsenspitzen, wo
das Meer hingefluthet war, die Bewohner desselben hier und dort haften
bleiben, wo man auch solche gefunden hat; und das Meer selbst mußte,
so bald es nur etwas Ruhe genoß, seine ihm beigemischten Theile fallen
lassen, und dadurch die Ueberzüge von dem Kalkgebirge der zweiten
Entstehung bilden, weswegen alle die bloß gestandenen Ecken und Seiten
der zertrümmerten Felsenmassen mit dem angeführten Kalksteingebirge
überzogen sind.

Wenn aber eine solche Masse, wie nur die Vesta ist, wodurch ein Gebirge,
wie das der Andes, welches 1700 Meilen lang ist, wol hätte gebildet
werden können, auf die Erdoberfläche gestürzt wäre, so mußte der
Schwerpunkt der Erde verändert, und Länder, die heiß waren, wie die
unsrigen, in gemäßigte umgeschaffen werden, wobei aber die Richtung der
Erdachse gegen den Sonnenkörper unverändert bleiben mußte, weil der
Umschwung der Erde um dieselbe, der von Abend nach Morgen in einer
Richtung von 23 Grad aus der Ebene ihrer Bahn stets fortgeht, nicht von
der Größe ihrer Masse, sondern von dem ersten Anstoße oder Umschwunge,
welchen sie bei ihrem Entstehen erhalten hat, abhängt. Daher ist
höchst wahrscheinlich die Richtung der Erdachse bei allen den großen
Veränderungen unverändert geblieben, nur ist der Nordpol bei denselben
nicht über dem Erdpunkte, über welchem er vor jeder solchen großen
Veränderung lag, liegen geblieben, sondern hat, bei jedem großen
Aufsturze, einen neuen Erdpunkt erhalten.

Was man dieser Hypothese, welche alle jene aufgestellten Fragen
befriedigend beantwortet, und den Untergang von Wäldern, Bergen und
Städten durch den Einsturz der tiefen Höhlen, auf welchen sie einstens
gestanden haben, so schön erklärt, vorzüglich entgegensetzt, ist die
abgeplattete Gestalt der Erde an ihren Polen, welche sie bei ihrem
Entstehen, da ihre Theile noch weich waren, durch den Umschwung um
ihre Achse erhalten hat, und die sie auch jetzt noch hat.

Wenn nun aber die Erde durch den Aufsturz eines solchen Weltkörpers in
etwas umgedreht, so daß die damalige heiße Gegend, also die unsrige,
nach dem Nordpole derselben hingerückt worden wäre, wie ist es alsdann
möglich, daß die Lage der Gestalt der Erde so geblieben ist, wie sie im
Anfange war und noch ist? Bedenkt man aber, daß der Umschwung der Erde
um ihre Achse die Theile derselben in der Mitte, wo der Aequator liegt,
erhoben, und solche von den Seiten, das ist von den Polen her, weswegen
sie hier abgeplattet ist, dahin gezogen habe, so wie eine weiche
Thonkugel, die auf einen Stock gesteckt und umhergeschleudert wird, sich
in der Mitte erhebt und an den Seiten abplattet, so mußte sich auch das
Meer, nachdem der Aufsturz der Weltmasse auf die Erde geschehen war,
unter dem neuen Aequator erheben, die nicht zu schweren und zu großen
Felsenmassen mit sich dahinführen und seine ihm beigemischten Theile
hier in größerer Menge, als an den Polen fallen lassen, wodurch sich
daher neue und höhere Schichten unter demselben, als an den Polen,
gebildet haben, und wobei dasselbe nicht eher in Ruhe kommen konnte,
bis das gehörige Gleichgewicht der Theile unter dem Aequator mit dem
an den Polen da war.

Ferner, wenn die Erde ihre erste Gestalt behalten hätte, so müßte
sie, nach den Gesetzen der allgemeinen Schwere, ein regelmäßiger Körper
sein, und die südliche Halbkugel müßte, in Ansehung der Schwere, der
nördlichen vollkommen gleichen. Da aber dieß nicht der Fall ist, wie man
aus den Pendelversuchen weiß, so muß irgend eine wichtige Ursache da
sein, welche sie verändert hat; und diese ist und kann keine andere, als
ein Aufsturz einer Weltmasse auf ihre nördliche Hälfte sein, wodurch nur
allein eine größere Schwere dieser Halbkugel hervorgebracht werden
konnte.

Da nach einer von dem verstorbenen Hofrath _Klügel_ mühsam angestellten
genauen Berechnung über die wahre Gestalt der Erde, nach den
verschiedenen auf ihr geschehenen Gradmessungen, sich dieselbe, nach der
jetzigen Lage der Pole, auf keine Weise zu einem regelmäßigen Körper
eignen wollte, so nahm er andere Punkte auf ihr zur Lage ihrer Pole
an, und fand, daß, wenn man die Gegend unter dem Vorgebirge der guten
Hoffnung nach dem Südpole hindrehen oder denselben hierher verlegen, und
den Nordpol in das stille Meer, etwa 40 Grad von dem jetzigen Nordpole
entfernt, versetzen würde, die Erde alsdann ein vollkommnes Ellipsoid
sei. Daher ist höchst wahrscheinlich diese Lage der Erdpole die erste
bei der Bildung ihrer ersten Gestalt gewesen, wobei demnach die ganze
nördliche gemäßigte Zone und auch unsere Gegenden ihre Lage unter dem
heißen Himmelsstriche gehabt haben, wodurch daher diese einstens heiß
gewesen sind, und welche Lage sie erst durch den Aufsturz einer
Weltmasse auf die Erde verloren haben.

Siehe: Ausdehnungen der Erde; in den astronomischen Sammlungen +III.+
164-169 und _Malte Brun's_ Abriß der mathematischen und physischen
Geographie 1. Abtheilung von v. Zimmermann, mit Erläuterungen
herausgegeben, Seite 92.

Auf diese Weise läßt sich demnach, wie ich glaube, nicht allein die
jetzige Gestalt der Erde erläutern, sondern auch alle übrigen vorhin
angeführten Naturerscheinungen in und auf der Erde sind dadurch gehörig
erläutert worden.

Von allen diesen großen Veränderungen, welche die Erdoberfläche erlitten
hat, scheint aber das jetzige Menschengeschlecht keine erlebt zu haben,
weil wir bei der großen Menge der Ueberreste der Landthiere, die theils
unter dem nachgelassenen Schlamme der Fluthen, theils unter Felsenmassen
begraben liegen, keine Ueberreste von Knochen der Menschen und auch
keine Versteinerungen von denselben, welche bei dem letzten großen
Aufsturze, wodurch die Mammuthsthiere, Rhinozerosse und andere große
Thiere, deren Arten zum Theil gar nicht mehr in unserer jetzt lebenden
organischen Schöpfung vorgefunden werden, zum Theil in wärmeren
Erdtheilen leben, vernichtet worden sind, mit vernichtet worden wären,
finden. Denn das Beispiel von dem versteinerten Menschenskelette von
Guadeloupe ist, nach der genauen Untersuchung des Herrn Hofrath
Blumenbach in Göttingen, ein Produkt, welches von keinem Präadamiten,
sondern höchst wahrscheinlich von einem Caraiben herrührt[A]. Auffallend
ist hierbei noch, daß von den vielen Menschen, welche sowol durch die
großen Fluthen des Orients, wie auch durch die des Occidents umgekommen
sind[B], keine Ueberreste gefunden werden, wovon höchst wahrscheinlich
die leichtere Auflösung der Kalkerde ihrer Knochen durch das Wasser die
Ursache ist.

  [Anmerkung A: Gilbert's Annalen der Physik Bd. 22. Seite 177.]

  [Anmerkung B: Siehe meine »Allgemeine Darstellung der Oberfläche der
  Weltkörper und ihres Sonnengebietes«, S. 45.]

Auf diese Weise ist demnach unser Wohnort durch Aufstürze von Welten
gebildet, wodurch in seinem Innern Höhlen entstanden sind, die sich
nach und nach immer mehr mit Wasser angefüllt, dadurch ihren Raum immer
mehr vergrößert, die Erdschichten dünner gemacht, und sie zuletzt zum
Einstürzen gebracht haben[A], wodurch daher manche Gegend von der
Erdoberfläche verschwunden, und mit einem dafür hervortretenden See
bezeichnet worden ist. Nach diesen Aufstürzen von Welten haben darauf
Ueberschwemmungen und Feuerschlünde die letzte Hand der Erde zu ihrer
Ausbildung dargereicht, haben einzelne Gegenden verschüttet, sie tiefer
hinabgesenkt, hin und wieder Städte von den Ufern des Meeres durch
angespülte Erdmassen getrennt, und niedrig gelegene Wälder mit
Erdschutte bedeckt.

  [Anmerkung A: So wurde z.B. im Jahre 1618 den 25. August die Stadt
  Plurs in der Landschaft Cleven in Graubünden mit 2000 Menschen von
  einem losgewordenen Bergstücke zu Grunde gerichtet, und ließ einen
  großen See zu ihrer Bezeichnung nach sich. Im Jahre 1702 den
  5. Febr. sank ein Edelhof bei Friedrichshall in Norwegen, Berge
  genannt, 600 Fuß in die Erde hinab, wobei 14 Menschen und 200 Stück
  Vieh ihr Leben verloren, und ließ einen Sumpf von 3 bis 400 Ellen
  lang und halb so breit, nach sich zurück. Die Insel Pontiio bei
  Negroponte im Aegäischen Meere sank, mit vielen andern in ihrer
  Nachbarschaft liegenden, im Jahre 1758, ohne Merkmale des geringsten
  Erdbebens, unter die Fluth des Wassers hinab. Und im Jahre 1763 den
  1. Sept. ist ein Stück Land von der Insel Banda Neira 5 Meilen im
  Umfange, mit Menschen und Vieh in die Tiefe der Erde hinabgesunken.
  Eben so sind auch Berge hinabgestürzt und haben mit sich Städte und
  Dörfer verschüttet. So stürzte im Jahre 1714 den 14. Sept. ein Theil
  des Berges Diableret in Unter-Wallis plötzlich ein, wodurch 55
  Bauerhäuser verschüttet, 15 Menschen und mehr als 100 Ochsen und
  Kühe unter dem Schutt begraben wurden. Die Trümmer dieses Berges
  haben ungefähr einen Raum von einer französischen Quadratmeile
  eingenommen, und der durch diesen Sturz verursachte Staub bewirkte
  bei heiterm Himmel eine solche Dunkelheit, daß man fast gar nichts
  sehen konnte. Und durch die dadurch umhergeschleuderten Felsenmassen
  sind Flüsse in ihrem Laufe gehemmt und neue Seen zum Entstehen
  gebracht worden. In Italien bei Norica spaltete sich ein Theil von
  einem Berge und versank so tief in die Erde hinab, daß eine Schnur
  von 294 Faden den Grund nicht erreichte. Und den 24. Junius 1765
  sank der Berg Montepiano in Neapolis, der 1/10 Quadratmeile groß
  war, so tief in die Erde hinein, daß man jetzt kaum die Stelle noch
  sieht. Und unter den neuern Naturscenen dieser Art ist die letzte,
  welche sich am 2. Sept. 1806 in der Schweiz ereignete, eine der
  merkwürdigsten, wo in einem Zeitraum von wenigen Minuten ein Thal,
  welches zwischen dem Zuger- und Lowerzer-See, von der Nordseite
  aber von dem 3500 Fuß hohen Roßberge und von der Südseite von dem
  4400 Fuß hohen Rigiberge eingeschlossen lag, von gewaltigen, mit
  mächtigem Krachen verbunden, losgerissenen Felsenmassen des
  Rigiberges zerstört wurde, wobei das Dorf Röthen, welches in diesem
  Thale lag, mit einem Theile des Fußes des Berges in die Tiefe der
  Erde hinabsank, und die andern drei Dörfer Glogau, Busingen und
  ein Theil von Lowerz, die sich außer jenem noch hier befanden,
  verschüttet wurden, wobei 87 Bauergüter ganz und 60 nur zum Theil
  untergegangen, und 484 Menschen, 170 Stück Ochsen und 103 Stück
  Ziegen u.s.w. unter den Trümmern jener Felsenmasse begraben worden
  sind. Siehe Bergmann's Physikalische Beschreibung der Erdkugel,
  Delametherie's Theorie der Erde 2. Thl. und Zach's Monatl.
  Korrespondenz. 15. Bd.]

So ist also alles in der großen Gotteswelt einer beständigen Veränderung
unterworfen, der Same keimt empor, hebt sich zum Baume hinan, und geht,
wenn er seine Bestimmung vollbracht hat, zur Erde über, um durch seine
aufgelösten Theile die Natur zu ergänzen und zu verjüngen -- und so
vergehen auch Welten zur Verjüngung und Verherrlichung der großen
Schöpfung!!!



_Zusatz._


Eine solche grausenvolle Erdrevolution, wie vorhin angeführt ist, hat
das jetzige Menschengeschlecht, wenn wir dessen Existenz auf 2 bis 3000
Jahre vor Christus Geburt hinaufsetzen, mit welchem Zeitpunkte unsere
gewöhnliche Geschichte anhebt, nicht erlebt; aber ein älteres Volk, das
_Zend-_ oder _Urvolk_ der Erde hat die Folgen von derselben empfunden,
wie in ihrem heiligen Buche der _Zend-Avesta_ angeführt ist[A]. Dieß
Volk hat über 3000 Jahre auf den Hochebenen von Asien, dem jetzigen
Tibet gelebt, und sich nach denselben von da nach verschiedenen Gegenden
unseres Wohnortes ausgebreitet, und sich besonders astronomische
Kenntnisse zu erwerben gesucht, wie aus den Ueberresten derselben,
welche bei den Nachkommen von ihnen gefunden werden, auf das Deutlichste
erhellet, wohin z.B. die Länge des Sonnenjahres von 365 Tagen[B] --
die Berechnung der Mond- und Sonnenfinsternisse bei den Brahminen der
Indier[C] -- die Aufzeichnung der Konjunktion von 4 Planeten im Jahre
2449 vor Chr. Geburt bei den Chinesen -- die Kenntniß der alten Schweden
von der Länge des Sonnenjahres von 365¼ Tagen schon vor 2300 v. Chr. &c.
gehören. Denn nach der großen Revolution, wodurch der neunmonatliche
Sommer in einen neunmonatlichen Winter verwandelt wurde, breitete sich
dieß Urvolk nach allen Gegenden der Erde aus. Ein Theil ging nach Osten
und stiftete das chinesische Reich, ein anderer nach Westen, von welchem
Abraham, der seinen Gott im Feuer verehrte, abstammte, ein Theil nach
Südwesten, von welchem die Aegypter ihren Ursprung genommen haben, und
ein Theil nach Süden, von welchem die Perser abstammen.

  [Anmerkung A: Dieses heilige Wort der Parser oder die Zend-Avesta,
  welche in der Zend- oder Ursprache der Völker der Erde geschrieben
  ist, bestehet aus 21 Theilen, von welchen der Vendidad noch ganz
  vorhanden ist, und in welchem die Vorschriften zu allen öffentlichen
  und Privathandlungen des Gottesdienstes, der Opfer und der häufigen
  Reinigungen aufgezeichnet stehen. Von den übrigen 20 Theilen sind
  nur noch Bruchstücke da, welche lauter feierliche Gebete und Hymnen,
  wie sie täglich vor dem heiligen Feuer aller Wesen der Verehrung
  verrichtet werden sollen, enthalten. Hierher gehören auch die
  Jeschts oder die abgerissenen Bruchstücke aus größern Zendschriften,
  welche voll von feierlichen Anrufungen sind, und unsern Perikopen,
  die aus dem neuen Testamente genommen sind, gleichen.

  Diese Zend-Avesta oder das heilige Wort, das in der Zendsprache
  geschrieben ist, von welcher die Pohlrische und Parsische Sprache
  abstammen, und die bis auf den heutigen Tag von den Priestern jener
  Völker noch erlernt und studirt werden muß, um in solcher die Hymnen
  und Loblieder auf das höchste Wesen aus jenem Buche absingen zu
  können, ist von Anquetil du Perron in das Französische und von
  Kleuker ins Deutsche übersetzt worden.

  Als im Jahre 1723 einige Theile dieses Buches nach England kamen,
  so war kein Gelehrter daselbst zu finden, der nur eine Sylbe oder
  Ziffer aus denselben hätte enträthseln können. Dieß bewog den
  feurigen und nach neuen Kenntnissen schmachtenden Jüngling Anquetil
  du Perron zu dem kühnen mit vielen Gefahren und Schwierigkeiten
  verbundenen Entschlusse, zu den Ländern hinzueilen, und die Oerter
  aufzusuchen, wo er die Zend-Avesta oder das heilige, lebendige Wort
  des Zoroasters aus den Urquellen selbst kennen lernen könnte. In
  dieser Absicht suchte er seinen Körper auf das äußerste abzuhärten,
  gab ihm nur Käse, Milch und Wasser zur Nahrung, und schlief
  des Nachts auf einer Matratze ohne Federbetten. Und da ihm die
  versprochene Unterstützung zu seiner Reise zu lange ausblieb, so
  ließ er sich als gemeiner Soldat der Kompagnie in die Liste der
  Rekruten einschreiben und ging im November 1754 nach dem Orient
  ab. Noch ehe er sich einschiffte, erhielt er vom Könige eine Pension
  von 500 Livres; die Kompagnie gab ihm die Reise frei, und als er
  zu Pondichery ankam, bestimmte ihm diese eine ansehnliche
  Unterstützung. Mit dem lebhaftesten Enthusiasmus verfolgte er
  nunmehr seine Absicht, durchreisete zu Fuß und in verschiedenen
  Richtungen einen großen Theil der Halbinsel, erwarb sich viele
  wichtige Sprachkenntnisse, und machte zu Surate Bekanntschaft
  mit zwei indianischen Gesetzgelehrten, nahm Unterricht in beiden
  heiligen Sprachen Zend und Pohlri, und brachte es theils durch List,
  theils mit Gewalt dahin, daß er ihnen ihre Geheimnisse und selbst
  Zoroaster's heilige Bücher ablockte. Mit diesen und vielen andern
  Handschriften in fast allen Sprachen Indiens kam er 1761 nach
  Europa, reisete zuerst nach Oxford, um seine Manuscripte mit denen
  auf der dortigen Universität zu vergleichen, und von da in sein
  Vaterland, wo er einen Theil seiner literärischen Schätze der
  königl. Bibliothek schenkte. Er lebte nunmehr in Paris als
  französischer Dolmetscher für die orientalischen Sprachen, ward
  Mitglied der Akademie der Inschriften und in seinen letzten Jahren
  auch des Nationalinstituts, welches er aber wenige Monate vor seinem
  Tode, aus Mißvergnügen mit der damaligen Lage der politischen
  Angelegenheiten, verließ. Er starb im Jahre 1805 in dem 74. Jahre
  seines Alters.]

  [Anmerkung B: Noah blieb gerade 365 Tage in seiner Arche, um diese
  Länge des Jahres seinen Nachkommen, wie es scheint, wichtig zu
  machen, welche er als ein Heiligthum, von seinen Vorfahren erhalten,
  verehrte.]

  [Anmerkung C: Die Brahminen wissen nicht ein Mal, wie diese
  Erscheinungen entstehen, glauben dabei die Sonne sei uns näher, als
  der Mond. Die Formeln zu den Berechnungen sind in Verse eingehüllt,
  welche sie dabei hersagen und die sie höchst wahrscheinlich nicht
  erfunden, sondern von ihren Vorfahren erhalten haben. S. mein
  kleines Werk »Ueber das Urvolk der Erde«.]

In diesem heiligen Buche wird nämlich angeführt, »daß ein Naturfeind,«
welcher nachher Drachenstern oder Schweifstern genannt wird, »von Süden
hergekommen und über die Erde dahin gefahren sei, und daß er dieselbe
habe vernichten wollen[A]. Im Süden verheerte er die Erde gänzlich;
alles wurde mit einer Schwärze, wie mit einer Nacht, überzogen.
Glutheißes Wasser fiel auf die Bäume herab, welche in dem Augenblicke
verdorreten und bis zur Wurzel hin verbrannten. Die Erde selbst wurde
verbrannt, und bestand noch kaum. Dennoch aber behielten Sonne und
Mond ihren Lauf. Gegen die Planeten kämpfte der Naturfeind furchtbar«
(welches wohl nichts weiter heißt, als er machte sie unsichtbar) »und
wollte der Welt Zerstörung bringen, und Rauchwolken stiegen aus den
Feuern aller Orten empor. Neunzig Tage und neunzig Nächte dauerte dieser
Kampf. Hierauf wurde der Naturfeind geschlagen und zurückgeworfen.
Blitze kamen nunmehr vom Himmel herab, und Tropfen von ungeheurer Größe
fielen auf die Erde, und mannshoch bedeckte das Wasser die ganze Erde.«

  [Anmerkung A: Bun-Dehesch +VII.+ und _Rhode_ über den Anfang unserer
  Geschichte und die letzte Revolution der Erde. S. 17. 18.]

Das _Zend-_ oder _Urvolk_ lebte zu dieser Zeit in Eeri-ene[A], das ist,
in dem gelobten, glücklichen Eeri oder Ari, seinem Urlande glücklich,
weil es hier immer Sommer war. Plötzlich aber brach (als Wirkung des
Naturfeindes) der Winter in die Welt, welcher anfänglich gelinde war und
nur 5 Monate dauerte, wodurch der Sommer 7 Monate lang war. Bald darauf
aber wuchs er zu 10 Monaten hinan, und nur zwei blieben für den Sommer
übrig (wie es jetzt in Tibet und auf dem Hochlande Asiens überhaupt
der Fall ist). Nun verließ das den Ackerbau liebende Volk sein hohes
gebirgiges Urland, und zog in niedrigere, wärmere Länder hinab. Dieser
Zug geschah unter seinem Anführer Dsjemschid, dem Sohne Vwengham's, und
ging über Sogdho, Meru, Balkh u.s.w. bis in die Provinz Ver, Per oder
Persis, wo er die Burg Ver, d.h. Persepolis, erbauete, und da, wo dieses
Volk hinkam, fand es weder Thiere des Hauses, noch des Feldes, weder
Menschen, noch Hunde, noch Geflügel.

  [Anmerkung A: Die Sylbe _ene_ bedeutet _glücklich_.]

Dieß sind demnach die Sagen oder Erzählungen auch der Zend-Avesta, dem
heiligen Buche der Hindu und Parser, welche deutlich lehren, daß eine
klimatische Veränderung mit der nördlichgemäßigten Zone vorgegangen
sei--daß ein Schweifstern oder Komet diese große Veränderung
hervorgebracht, und daß ein Volk der Erde diese große Revolution erlebt
habe.

In diesem Urlande, welches Eeri-ene-veedjo, das eigentliche reine Eeri
oder Ari, genannt wird, stand unter _Vwengham_, dem Vater _Dsjems_
(Dsjemschids), der Prophet _Heomo_ (Hom) auf, und verkündigte das
Lichtgesetz _Ormuzd_ mit folgenden Worten:

  »Durch Izeds[A] des Himmels habe ich
    Gerechter Richter _Ormuzd_,
  Im reingeschaffenen, berühmten Eeri
  _Lebendige Wesen versammelt_.«

  »Im reingeschaffenen, berühmten Eeri
    Hat König Dsjemschid,
  Haupt der Völker und Heerden,
  _Lebendige Wesen versammelt_.«

  »Mit himmlischen Izeds bin ich
    Gerechter Richter _Ormuzd_
  Im reinen, berühmten Eeri gewesen
  Unter _begleitender Versammlung lebendiger Wesen_.«

  »Mit himmlischen Menschen
    Ist König Dsjemschid
  Im reinen, berühmten Eeri gewesen,
  In _Begleitung versammleter Wesen_[B].«

  [Anmerkung A: Geister, Engel der Alten.]

  [Anmerkung B: Zend-Avesta von Kleuker Bd. +I.+ S. 114.]

Durch Ormuzd Lichtgesetz demnach und durch feierliche Gebete bewogen,
vereinigten sich die einzelnen Stämme des Urvolks zu einem Volke unter
dem Könige Dsjemschid, und verließen unter seiner Anführung, auf Ormuzd
Befehl, das rauhe Urland, und zogen gegen Mittag hin, um sich bessere
Wohnsitze zu suchen. Dieser Zug wird im folgenden Liede also
beschrieben:

»Dsjemschid herrschte! Was seine erhabene Zunge befahl, geschah eiligst.
Ihm und seinem Volke gab ich Speise und Verstand und langes Leben, ich
der ich Ormuzd bin. Seine Hand nahm von mir einen Dolch, dessen Schärfe
Gold, und dessen Griffel Gold war. Darauf bezog der König Dsjemschid
dreihundert Theile der Erde; diese werden mit zahmen und wildem Vieh,
mit Menschen, Hunden und Geflügel, und rothglänzenden Feuern erfüllt.
Vor ihm sahe man in diesen Lustgegenden weder zahme noch wilde Thiere,
noch Menschen, noch rothflammende Feuer. Der eine Dsjemschid, Sohn
Vwenghams, ließ alles daselbst werden.«

Diesem Liede folgen hierauf noch fünf andere Lieder von eben demselben
Inhalte, weswegen ich solche hier weggelassen habe.

Die Gründe, aus welchen das Urvolk sein Urland verließ und andere Länder
besuchte, sind eben so, wie ich sie vorhin angeführt habe, im ersten und
vierten Bruchstücke genau angegeben worden. Und eben so findet sich im
Bun-Dehesch, einem Buche, welches in der Pohlvischen Sprache geschrieben
ist, und eine Sammlung[A] von verschiedenen Aufsätzen über die
Schöpfung, den Kampf zwischen Ormuzd und Ahrimann, dem bösen Wesen,
über die reinen und unreinen Thiere, über die Bewegung der Sonne und
das dadurch bewirkte Jahr u.s.w., Uebersetzungen und Auszüge aus den
Zendschriften, und jene oben angeführte furchtbare Beschreibung von der
schrecklichen Zerstörung der Erde durch den Drachenstern enthält.

  [Anmerkung A: Diese Sammlung scheint zu der Zeit entstanden zu sein,
  als die Zendschriften anfingen unverständlich zu werden, weswegen
  man kurze Auszüge aus jenen starken Büchern machte, und solche für
  das Volk in die Landessprache (die Pohlvische) übersetzte.]

Was nunmehr die Aechtheit, wie auch das hohe Alter jener Erzählungen
anbetrifft, so ist beides von Herrn Rhode in Breslau in dem kleinen
Werke: »Ueber das Alter und den Werth einiger morgenländischen Urkunden,
in Beziehung auf Religion, Geschichte und Alterthumskunde, Breslau
1817,« gründlich bewiesen und gehörig dargethan worden, indem er
1) gezeigt hat, daß die gegenwärtigen Zendschriften dieselben, oder
doch Bruchstücke von denselben heiligen Schriften sind, welche die
alten Parser vor der Zerstörung ihres Reiches durch Alexander besaßen.
2) Hat er solches aus dem Inhalte selbst hergeleitet, indem in demselben
nichts vorkommt, was auf spätere Zeiten hindeutet, sondern vielmehr ein
Religionssystem enthält, in welchem die Keime aller später in Asien
aufgeblüheten Religionen enthalten sind.

Da demnach die Aechtheit und das hohe Alter jener Zendschriften dadurch
bewiesen worden ist, so können wir auch jenen Erzählungen über die
große Veränderung der Erde, durch den Naturfeind veranlaßt, ihre
Glaubwürdigkeit nicht absprechen, welche sie außerdem noch, wegen
ihrer Eigenthümlichkeit, an sich tragen; denn

1) Ihre Auswanderungsart geschah, nach der Denkungsart der alten Völker,
auf den Befehl Gottes, weicht aber darin von der der spätern Völker
ab, daß sie nicht von einem Andrange eines andern Volks, oder aus
Lüsternheit nach fremden Ländern, oder aus Raubsucht, sondern nur von
der klimatischen Veränderung ihres Landes, dem eingetretenen, 10 Monate
lang dauernden Winter veranlaßt worden ist.

Dieß war die Ursache, weshalb jenes Volk sein Hochland verließ, nach
Süden hinab zu den angeführten Ländern zog, und da, wo es hinkam, fand
es weder Menschen, noch zahmes Vieh.

2) Stimmt dieser Zug mit der geographischen Lage der Oerter vollkommen
überein. Denn er ging von dem Hochlande, an beiden Seiten des Flusses
Gihin oder Oxus, in den engen Pässen desselben, hinab. Hier wurde
zuerst am rechten Ufer das Stufenland Sogdho, und am linken Moore oder
Meru besetzt. Von hier ging der Zug nach Balkh oder Baktra, wo die
Zend-Avesta scheint aufgeschrieben worden zu sein. Und so kam er
nach manchem Hin- und Herstreifen nach Ver, Per oder Persis. Und wenn
sich nun auch ein Theil dieses Zuges nach Indus oder Armenien wandte,
so blieb doch von jetzt an Persis der Hauptsitz dieses Volkes, wo
Dsjemschid, wie schon oben angeführt ist, die Burg Persepolis erbauete,
deren Trümmer noch jetzt auf einer Anhöhe zwischen den in Persis
entspringenden Flüssen Medus und Araxes liegen.

Jetzt bleibt mir nur noch übrig zu beweisen, daß _Eeri-ene_ oder das
gelobte glückliche _Eeri_ oder _Ari_ kein anderes Land, als das jetzige
Tibet sei. Der Beweis dafür liegt aber ganz deutlich in der Anführung
des Berges _Albordy_, woran die ganze Mythologie dieses Volkes geknüpft
ist, und den die Ausleger der _Zend-Avesta_ vergebens am Kaukasus
gesucht haben. Denn fast auf allen Seiten der Zendschriften wird
angeführt, daß der _Albordy_ in _Eeri-ene_ liege. Und in einer alten
Zendschrift dieses Urvolkes heißt es mit dürren Worten also:

»Von den Gewässern _Albordy's_, wo _Ormuzd_, der Gott dieses Volks
und _Mithra_, der Lucifer, wohnen, kommt ein Strom herab, der nur mit
Schiffen zu befahren ist, und Samen, Fruchtbarkeit in die Oerter von
_Meru_ und _Sogdho_, welche sich danach sehnen, bringt.«[A]

  [Anmerkung A: Zend-Avesta Bd. 2. S. 222.]

Nach der geographischen Lage dieser beiden Oerter kann dieser Strom auch
kein anderer, als der Oxus sein, weil nur dieser zwischen beiden Oertern
hinabfließt und schiffbar ist, und unter der Schneedecke des Albordy
entspringt.

Da nun diese Angaben in der _Zend-Avesta_ die Lage des Urlandes so
deutlich bezeichnen, und welche dazu noch durch die Sagen der Hindu und
Chinesen unterstützt werden, so kann man wol an der Richtigkeit der
angeführten Lage dieses Landes keinen Augenblick zweifeln. Außerdem
ist in ganz Asien kein Land dazu geeignet, ein Volk vor einer solchen
mächtigen Revolution, wie die oben angeführte war, wodurch höchst
wahrscheinlich die ganze Oberfläche der Erde mit Meeresfluthen bedeckt
und die ganze lebende Schöpfung vernichtet worden ist, zu schützen,
als diese Hochebene von Tibet, indem solche über 8000 Fuß über der
Meeresfläche erhaben liegt[A], und dabei Berge hat, welche weit die
Höhe eines Chimborasso's in Amerika, der 20,148 Pariser Fuß hoch ist,
übertreffen. Denn der weiße Berg oder _Tschumulari_ dieses Landes hat,
nach der trigonometrischen Messung des Lord _Teigmouth_, welche vor
einigen Jahren geschehen ist, eine Höhe von 27,552 englische Fuß;[B] ein
anderer Gipfel dieses Gebirges, auf welchem jenes hervorragt, ist, nach
der Messung des Majors _Crawford_, 25,000 englische Fuß hoch, -- und so
sind noch zwei andere Gipfel des Gebirges dieses Landes da, welche mit
einer Höhe von 23-24000 Fuß emporragen, wobei es nur zu bedauern ist,
daß man die Höhe des _Albordy_ nicht gemessen hat.

  [Anmerkung A: Ritter's Erdkunde 1. Th. S. 566.]

  [Anmerkung B: Diese machen 26,000 Pariser Fuß aus.]

Diese hohen Gebirge sind demnach höchst wahrscheinlich das Asyl dieses
Volkes gewesen, auf welchen es sich gegen die mächtigen Meeresfluthen
geschützt hat. Indessen werden diese dasselbe nicht dagegen geschützt
haben, wenn der Schweifstern, welcher von Süden herkam, sich hier mit
der Erde vereinigt hätte, weil alsdann die Wasserfluthen über die
höchsten Spitzen dieser Gebirge würden dahingeströmt sein.

Aus der vorhin angeführten Angabe aus der _Zend-Avesta_ über die Höhe
des Wassers, welches auf die Erde fiel, und das Land hier, auf dieser
Hochebene, die 8000 Fuß hoch ist, mannshoch bedeckte, folgt, daß solches
über 8000 Fuß hoch, vom Meere an gerechnet, die Länder hin und wieder
muß bedeckt haben, und daß daher der Schweifstern sehr nahe der Erde muß
gekommen sein, weil er sonst solches nicht hätte bewirken können. Und
da durch ihn die klimatische Verfassung dieses Landes und auch die der
ganzen nördlichen gemäßigten Zone verändert worden ist, so muß er sich
auch irgendwo mit der Erde, und zwar auf ihrer nördlichen Hälfte,
vereinigt haben. Auffallend ist hierbei, daß durch die vielen
Landspitzen und Vorgebirge an der südlichen Seite von Asien und Afrika,
und durch die Bildung der Gestalt dieses Erdtheils, wie auch durch die
von Amerika, ein solcher Fluthenzug, der einstens von Süden nach Norden
hingegangen und dem Laufe des Kometen gefolgt ist, bestätiget wird.
Daher haben schon längst die Geologen einen solchen Zug in der
angegebenen Richtung aus der eben angeführten Gestalt und Bildung jener
Erdtheile angenommen, und dabei die Behauptung aufgestellt, daß durch
diesen die großen Landthiere aus Süden nach Norden, in unsere gemäßigte
Zone, wo sie begraben liegen, geführt worden wären, wie ich schon oben
angeführt und mit Gründen hinlänglich, wie ich glaube, widerlegt habe.
Auf diese Weise stimmen demnach die Naturerscheinungen mit den Sagen
und Erzählungen der heiligen Bücher der Hindu und Parser überein, und
bestätigen dadurch die in denselben angeführte große Revolution der Erde
und zugleich das Dasein eines Urvolkes oder eines Volkes vor derselben,
welches diese große Veränderung erlebt hat.

Wie lange nun aber dieses Urvolk auf der Erde gelebt und wie weit es
sich auf derselben ausgebreitet habe, darüber können wir zwar nichts
Bestimmtes, aber doch Vermuthungen aufstellen, welche einen nicht
geringen Grad von Wahrscheinlichkeit für sich haben. Was das Alter
dieses Volkes anbetrifft, so erhellet aus den Religionsbegriffen
desselben, welche die Zendschriften enthalten, daß die Verfasser
derselben in dem dritten Jahrtausend nach der Erschaffung des
Menschengeschlechts zu leben glaubten. Hiermit stimmen auch die
Chronologien der neuen Perser überein, ob sie gleich unter sich und
in Ansehung der Geschichte von den Zendbüchern sehr abweichen, welche
jenen Zeitraum von der Schöpfung der Menschen bis auf _Zoroaster_, dem
Verfasser der _Zendbücher_, der unter dem Könige von Iran, _Veschtasp_,
lebte[A], selten über 3000 Jahre setzen. Und dieser Zeitraum für das
Zendvolk ist nicht zu lang, wenn wir auf die Ueberreste von Kenntnissen,
besonders in der Sternkunde, welche die ältesten Völker unserer
gewöhnlichen geschichtlichen Nachrichten gehabt und als Heiligthümer
verehrt, und die sie, wie ich gleich im Anfange angeführt habe, nur von
dem Urvolke können erhalten haben, hinblicken.

  [Anmerkung A: Wie lange _Dsjemschid_ und seine Nachkommen in der
  Burg von Ver oder Per (Persis) geherrscht haben, ist aus den
  Zendschriften nicht zu ersehen. Indeß werden in denselben _Athvian_
  und sein Sohn _Feridun_ genannt. Dieser hatte mehre Kinder, welche
  unter sich uneins wurden, und das große Reich in zwei Reiche, in
  _Tur_ und _Ari_ (_Iran_) theilten, welche durch den Fluß _Oxus_ von
  einander getrennt wurden. In _Iran_ war _Veschtasp_ der fünfte
  König, welcher nach neuern Persischen Schriftstellern seine Residenz
  nach _Balkh_ oder _Baktra_ verlegte, um näher den Grenzen von Tur
  zu sein. Dieß baktrische Reich wurde zuletzt von den Assyrern
  unterjocht, von welchem Zeitpunkte an unsere gewöhnlichen
  geschichtlichen Nachrichten erst anheben. Da in den Zendbüchern
  keine Erwähnung von dieser Unterjochung geschieht, auch nicht die
  geringste Anspielung auf die großen Städte Ninive oder Babel in
  denselben gemacht wird, und die Namen der beiden Völker, Meder und
  Perser, obgleich die Nachbarn in Tur und Indien häufig in denselben
  vorkommen, nicht erwähnt werden, so folgt daraus doch wol, _daß die
  Verfasser der Zendschriften in dem alten Baktrischen Reiche müssen
  gelebt haben, und die Geschichte ihres Volks von der Zeit erzählen,
  ehe solches von den Assyrern unterjocht worden ist_. Mehres hierüber
  in _Rhode's_: »Ueber das Alter und den Werth der morgenländischen
  Urkunde, S. 36 u.s.w.«]

Und wenn dies Urvolk in dem Besitze solcher Kenntnisse war, wie die
des Thierkreises voraussetzen, und denselben erfunden hat, wie solches
höchst wahrscheinlich ist, weil es ihn von keinem andern Volke hat
erhalten können, und dabei die Länge des Sonnenjahres kannte, wie aus
der _Zend-Avesta_ erhellet, auch Sonnen- und Mondfinsternisse berechnen
konnte, wie die Berechnungen der Braminen beweisen, die solche nur von
ihm können erhalten haben; so muß es eine geraumvolle Zeit auf der Erde
gelebt haben, um durch mühsame Beobachtungen des Himmels, und durch
angestrengtes Nachdenken über den Lauf der Welten an demselben nach und
nach dahin gekommen zu sein.

Wie weit sich aber dieß Volk vor der letzten großen Revolution auf der
Erde ausgebreitet habe, darüber findet man in der _Zend-Avesta_ keine
Belehrung.

    *  *  *

Ehe ich aber die Resultate der Religionsbegriffe der Parser und Hindu,
welche aus dem Urvolke ausgegangen sind, anführen kann, muß ich zuvor
von den Schriften beider Völker Folgendes bemerken: Was zuerst die
Zendschriften der Parser anbetrifft, so sind diese zwar voll von
historischen Begebenheiten, aber sie enthalten durchaus keine Anspielung
auf die großen Begebenheiten bei und nach der Assyrischen Unterjochung,
sondern stellen das Zendvolk als selbstständig und eins unter einem
eingebornen König lebend dar. Hieraus folgt demnach, daß die Abfassung
sämmtlicher Zendschriften vor den Zeitpunkt der Eroberung des Staats
durch die Assyrer gesetzt werden muß. Denn durch die Assyrische
Unterjochung hörte die Existenz jenes Staats und jenes Volkes auf, und
wurde in drei Satrapien, Baktra, Medien und Persis getheilt. In Medien
bildete sich durch die Einmischung der assyrischen Sprache das Pehlvi
oder die Pehlvische Sprache, und in Persis durch Einmischung indischer
Dialekte, das Parsi. Nach Abschüttelung des Assyrischen Joches wurde
unter den Meder-Königen das Pehlvi _Haupt-_ und _Hofsprache_, und nach
Cyrus trat das Parsi an die Stelle.

In dieser Hinsicht, wie wir sehen, sind die Zendschriften schon sehr
wichtig für die frühere Geschichte, aber ihr Werth vergrößert sich noch
durch die Darstellung des Religionswesens in dem frühesten Alterthume.

Das Zendvolk, dessen Schriften wir eben erwähnt haben, ist mit den alten
Hindu, sowol wegen des ursprünglichen Vaterlandes, als auch durch seine
Sprache, wie _Anquetil du Perron_ bewiesen hat, nahe verwandt; daher
müssen auch die Religionen beider Völker, wenn sie auch als Sekten von
einander abweichen, viel Gemeinsames mit einander haben. Die Quellen,
woraus wir das Religionssystem der Hindu schöpfen, sind die Veda's[A],
welche von den Braminen eben so heilig gehalten werden, wie die Perser
ihre Zendschriften halten. Außerdem gleichen sie denselben sowol in
Ansehung der Form, weil sie aus Gebeten, Hymnen und Gesprächen zwischen
einem _Seher_ und der Gottheit, wie in der _Zend-Avesta_, bestehen, wie
auch in Ansehung der Gegenstände der Verehrung, indem die Hymnen und
Gebete, wie in der _Zend-Avesta_, an die Sonne, den Mond, das Feuer,
Wasser u.s.w. gerichtet sind. Und selbst der Ton, in welchem die Gebete
u.s.w. abgefaßt sind, hat in beiden Schriften die überraschendste
Aehnlichkeit. Außer diesen Veda's haben die Hindu noch das Gesetzbuch
des _Menu's_, welches aber, wie Herr _Rhode_ gründlich gezeigt hat,
nicht so alt ist, wie die Veda's sind; und endlich besitzen sie noch die
Fragmente aus dem _Shastak_ des Brahma, welche _Holwell_ bekannt gemacht
hat[B], und die von _Kleuker_ und _Rhode_ für ächt gehalten und zu den
ältesten indischen Schriften gezählt werden.

  [Anmerkung A: Die besten Nachrichten über die Veda's verdanken wir
  Colebrooke.]

  [Anmerkung B: Holwell's merkwürdige Nachrichten von Hindostan &c.
  übersetzt von Kleuker, 1ster Bd.]

Aus allen diesen Quellen lassen sich demnach die Hauptsätze der ganzen
Religion beider Völker ziemlich vollständig herleiten, wie solches von
Herrn _Rhode_ in den nachstehenden Sätzen geschehen ist, und woraus man
deutlich ersiehet, daß diese Sätze die Grundpfeiler aller geoffenbarten
Religionen sind:

1) Es ist ein ewiges, höchstes, nothwendiges, heiliges, allmächtiges
Wesen, Brahma, oder _Zervane Akerene_, d.i. der Ewige, Anbeginnlose
genannt, von dem alles, was da ist, seinen Ursprung, in dem alles seinen
letzten Grund hat.

2) Das unendliche Wesen brachte im Anbeginn mehre große göttliche Wesen
hervor, denen es so viel von seiner Größe, seinen Eigenschaften, seiner
Macht und Herrlichkeit mittheilte, als möglich war.

3) Eins oder mehrere der erstgeschaffenen Wesen fielen durch Mißbrauch
ihrer Freiheit von ihrem Schöpfer ab, wurden böse, und Urquell alles
Bösen in der Welt.

4) Das unendliche Wesen beschloß nun, die sichtbare materielle Welt
durch seine ersten Machthaber schaffen zu lassen, und sie wurde
geschaffen.

5) Der Zweck der Schöpfung der Körperwelt ist kein anderer, als durch
sie die von ihrem Schöpfer abgefallenen Wesen wieder zurückzuführen, sie
wieder gut, und dadurch alles Böse auf ewig verschwinden zu machen.

6) Der Ewige hat zur Dauer der Körperwelt einen Zeitraum von
zwölftausend Jahren bestimmt, welcher in vier Zeitalter abgetheilt ist.
In dem ersten Zeitalter herrscht das gute (erhaltende) Princip allein,
im zweiten wird das böse (zerstörende) Princip schon wirksam, doch
untergeordnet; im dritten herrschen beide gemeinschaftlich; im vierten
hat das Böse (zerstörende) die Oberhand, und führt das Ende der Welt
herbei.

7) Die Regierung der Welt hängt zwar im Allgemeinen von dem unendlichen
Wesen ab, das alles nach seinem Rathschlusse und in seiner Weisheit
bestimmt; die besondere Verwaltung ist aber zunächst dem ersten großen
Wesen und von diesem wieder einer Menge vermittelnder Wesen, Erzengeln,
Engeln und Schutzgeistern übertragen, die einander zu- und untergeordnet
sind, und in denen sich oft Naturwesen und Naturkräfte nicht verkennen
lassen.

8) Die Seelen der Menschen sind vom Anfange der Schöpfung an,
als geistige, selbstständige, freihandelnde Wesen vorhanden. Sie
müssen sich blos auf der Erde mit einem Körper vereinigen, um eine
Prüfungswanderung, im Kampfe gegen das Böse, zu machen. Nach dem Tode,
wo sie ewig fortleben, werden die Guten in den Wohnsitzen der seligen
Geister, dem Himmel, belohnt; die Bösen hingegen in den Wohnungen der
Teufel, der Hölle, gestraft.

9) Was den Menschen ihren Kampf auf der Erde erschwert, sind die Devs,
Teufel oder bösen Geister, welche sie Tag und Nacht umlauern, um sie zum
Bösen zu verführen. Aber der Schöpfer hat sich des schwachen Menschen
erbarmt, und ihm seinen Willen in einer, von erleuchteten Propheten
schriftlich verfaßten Offenbarung kund gethan. Befolgt der Mensch diesen
Willen seines Schöpfers, so gewinnt er dadurch Kraft, nicht allein den
Verführungen der Teufel zu widerstehen, sondern sich auch schon durch
Heiligkeit in diesem Leben zu einer innigen Vereinigung mit der Gottheit
zu erheben.

10) Im letzten Zeitraume, gegen das Ende der Welt, wo das böse Princip
die Oberhand hat, und das Gute ganz von der Erde zu verschwinden
scheint, wird Gott den Menschen einen Erlöser senden, der dem Bösen
wehrt, Religion, Tugend und Gerechtigkeit wieder herrschend macht,
und das Reich der bösen Geister zerstört, indem er das Reich Gottes
verherrlicht.

11) Sind nun die zur Weltdauer bestimmten zwölftausend Jahre verflossen,
so wird die Erde durch Feuer vernichtet werden, aber eine neuere schöne
Erde tritt an ihre Stelle[A]. Aus diesen Religionssätzen, wovon sich
Spuren in den Religionen aller asiatischen Völker und auch bei denen,
welche in andern Erdtheilen wohnen, vorfinden, wie auch aus der Kenntniß
des Thierkreises, der von dem Urvolke erfunden und von da überall
ausgegangen ist, weswegen wir ihn fast bei allen Völkern der Erde
vorfinden, und wo er in Ansehung der Folge der Zeichen ganz unverändert
geblieben ist, folgt doch wol, daß alle Völker der Erde von dem Urvolke
müssen ausgegangen sein, und diese Kenntnisse zugleich mitgenommen
haben.

  [Anmerkung A: Diese Sätze, wenn auch nicht alle, wurden in den
  Schulen der alten Philosophen als Geheimnisse gelehrt und dem Volke
  vorenthalten, wie solches auch von den Essenern geschah, wovon sich
  ein Theil mit dem Philosophiren über diese Sätze, ein anderer aber
  mit der darin liegenden Sittenlehre beschäftigte. S. Richter's
  Christenthum und die ältesten Religionen des Orients, 1819.]

Dieses Ausgehen der Völker von dem Urstamme oder Urvolke wird auch
deutlich und bestimmt im Bun-Dehesch (+XV+) angeführt, wo es heißt,
daß alle Völker Asiens aus dem Urstamme hervorgingen. Die Anzahl der
Urstämme wird daselbst auf funfzehn gesetzt. Von diesen funfzehn Stämmen
wanderten _neun_ über das indische Meer, und _sechs_ blieben in Asien
zurück. Unter diesen betrachteten sich die _Arier_[A] als das Hauptvolk
oder fortdauernde Urvolk. Der Stamm _Mazendr_ bevölkerte den obern Theil
von Tur, d.i. die Gegend um die Quellen des Oxus und Indus, und Awir
oder Ophir, welches nach Moses das eigentliche Indien ist. Ferner
bevölkerte der Stamm _Tschines_, _Dai_ und _Satat_, wovon der erste
Stamm mit Kathai einerlei ist, und Chinas bedeutet.

  [Anmerkung A: Von diesen stammen, nach Herodot, die Meder ab.]

Von den neun Stämmen, welche über das Meer gingen, gingen einige, wo
nicht alle, nach Afrika über, indem kein anderes Meer, als der persische
und arabische Meerbusen zum leichten Uebergange da ist. Zu diesen
Stämmen gehörten höchst wahrscheinlich die Aegyptier, wie die
Verwandtschaft ihrer Sprache und ihrer Religion mit der des Urvolks
hinlänglich beweiset. Dieser ägyptische Stamm bestand aus mehreren
Stämmen, wovon der eine schwärzlich von Farbe, und dadurch dem heißen
Klima sich schon angebildet hatte, der andere aber von einer hellern
Farbe war. Diese Wanderung muß aber schon sehr früh geschehen sein,
indem dieses Volk in Theben schon eine bewunderungswürdige Stufe von
Kultur erlangt und schon ein Weltreich gestiftet hatte, ehe es uns
einmal bekannt geworden ist, und wie es unserer gewöhnlichen Geschichte
bekannt wurde, schon wieder von seiner Höhe herabgesunken war.

Aus den Schriften der Parser und Hindu läßt sich zwar die Bevölkerung
Amerika's, weil dieser Erdtheil erst in neuern Zeiten bevölkert worden
ist, nicht herleiten, aber wir finden in dem neusten Gemälde von _Malte
Bruns_ den Ursprung der Amerikaner von Asien her, über eine Reihe von
Inseln mit Eisschollen angefüllt, von einer bösen Nation daselbst
vertrieben, nach ihrer Sage, sehr gut dargestellt.

Auf diese Weise stammen demnach alle jetzt lebenden Völker von dem
einstigen Urvolke in Asien her, und wir können daher, nach der Vernunft
und Geschichte, keine gehörigen Gründe für das Entstehen der Menschen
von mehren Menschenpaaren, hier und dort in den verschiedenen
Erdtheilen, aufstellen.



       *       *       *       *       *



Friedrich Fleischer.
  _»F« in »Friedrich« unsichtbar_
Das große Werk des von Saussüre, über die Alpen
  _so im Original (»Saussüre« mit ü)_
in Südamerika in der Gegend von Potosi
  _so im Original_
Mehres hierüber findet man vom +D.+ Chladni,
  _so im Original: »Dr.« ?_
Im Jahre 1668 den 19. oder 21. Junius
  _Original: »21 Junius« (ohne Punkt)_
da, wo sie liegen, können gefunden haben[A].
  _Original: »haben[A]« (ohne Punkt)_
Gegen die Planeten kämpfte der Naturfeind furchtbar«
  _« fehlt im Original_
In _Begleitung versammleter Wesen_[B].«
  _« fehlt im Original_





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Ueber die schrecklichen Wirkungen des Aufsturzes eines Kometen auf die Erde - und über die vor fünftausend Jahren gehabte Erscheinung dieser Art" ***

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