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Title: Takt und Ton im geselligen Verkehr nebst Kommandos der Quadrille à la cour und der Française
Author: Rödiger, Richard
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Takt und Ton im geselligen Verkehr nebst Kommandos der Quadrille à la cour und der Française" ***

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    Anmerkung: Gegenüber dem Originaltext wurden folgende
    Änderungen vorgenommen:

    Im Original fett gedruckte Passagen sind hier mit "="
    gekennzeichnet. Passagen, die im Original nicht in Fraktur
    gedruckt waren, sind hier mit "+" gekennzeichnet. Passagen,
    die im Originaltext gesperrt gedruckt waren, sind hier mit "_"
    gekennzeichnet.
    Im Abschnitt "Kommandos der +Française+." wurde in der
    "II. Tour. (+Eté.+)" nach "+Chassé+ rechts und links" die
    im Original fehlende Taktzahl "4" eingefügt.



  Takt und Ton
  im geselligen Verkehr

  nebst Kommandos

  der Quadrille +à la cour+
  und der +Française+

  von

  Richard Rödiger

  Tanzlehrer


  Göttingen

  Selbstverlag des Verfassers



Vorwort.


Vielen an mich gerichteten Wünschen nachkommend, habe ich dieses Büchlein
verfaßt, nicht um eine erschöpfende Darstellung dessen zu geben, was Sitte
und Anstand fordern, sondern nur um meinen Schülern Gelegenheit zu bieten,
später wieder nachzulesen, was ihnen während des Unterrichts gesagt und
gelehrt wurde. Selbstverständlich habe ich mich möglichst kurz fassen
müssen, doch war ich bemüht, alles, was irgendwie nötig ist, zu berühren.
Damit hoffe ich den Zweck zu erreichen, daß meine Schüler in zweifelhaften
Fällen einen willkommenen Ratgeber und zuverlässigen Führer in diesem
Büchlein finden mögen.

_Göttingen_, im September 1910.

=Der Verfasser.=



  Inhalt.


                                                       Seite

  Allgemeine Regeln                                        7

  Die Körperhaltung                                        8

  Das Betragen                                             9

  Zu Hause                                                10

  Auf der Straße                                          10

  Auf der Reise                                           12

  Was habe ich beim Fahren im Wagen zu beachten?          13

  Die Vorstellung                                         13

  Der Besuch                                              14

  Bei Tafel                                               24

  In Gesellschaft                                         37

  Über das Rauchen                                        38



Allgemeine Regeln.


_Was ist Anstand?_ Es ist das Benehmen, wie man es von einem gebildeten,
gesitteten und taktvollen Menschen im Verkehr mit seinen Mitmenschen
verlangt, entsprechend den durch Gewohnheit und Herkommen festgelegten
Sitten und Gebräuchen. Diese Sitten und Gebräuche sind nun in den meisten
Ländern verschieden, je nach der Kulturstufe, die die Völker einnehmen. Je
weiter eine Nation in der Kultur vorgeschritten ist, um so viel feiner
ausgebildet ist auch ihr Gefühl für Anstand und gute Sitte und ihr
dementsprechendes Benehmen. Es ist daher Pflicht eines jeden, durch sein
eigenes Betragen dahin mitzuwirken, daß seine Nation als auf der höchsten
Stufe der Kultur stehend sich vor der Welt zeige. Ich will nun nicht von
den verschiedenen Sitten der Kulturvölker sprechen, sondern mich auf
diejenigen beschränken, die uns selbst, unser Vaterland berühren. Ich
möchte vor allen Dingen vier Haupttugenden als die Grundlage jeder guten
Sitte besonders hervorheben: 1. Sittsamkeit, 2. Höflichkeit,
3. Dankbarkeit, 4. Bescheidenheit. Man nehme sich zur Richtschnur, zwei
kleine Worte stets zu gebrauchen, und man wird nicht leicht Anstoß im
Umgange erregen. Man gebrauche bei jedem Wunsche, auch wenn man befehlen
kann, das kleine Wort »bitte« und vergesse ebensowenig, das andere kleine
Wort »danke« anzuwenden. Der Raum des Büchleins verbietet es, auf die
einzelnen Tugenden näher einzugehen; doch möchte ich noch bemerken, daß
kein Stand ausgeschlossen, sondern für jeden die Kenntnis und Befolgung des
guten Tones nötig ist.

_Wodurch erlangt man die nötige Lebensart?_ Dadurch, daß man sich die
Kenntnis alles dessen aneignet, was von einem gebildeten Menschen verlangt
wird. Den ersten und besten Unterricht erhält man oder vielmehr sollte man
zu Hause in der Familie von Jugend auf erhalten. Dann folgt die Schule, der
neben der wissenschaftlichen Bildung auch die Herzens- und Gemütsbildung
und damit des Taktgefühls im Verein mit dem Elternhause obliegt. Den
letzten gesellschaftlichen Schliff gibt dann der Tanzunterricht und der
Verkehr der jungen Damen und Herren unter- und miteinander. »Willst du
erfahren, was sich ziemt, so frage nur bei edlen Frauen an«, sagt unser
großer Goethe und stellt damit das weibliche Geschlecht als die berufene
Lehrmeisterin der guten Sitten hin; allerdings mit der Einschränkung »edle
Frauen«; doch bin ich fest überzeugt, daß jede meiner Schülerinnen sich
jederzeit bemühen wird, diesen Ehrentitel mit Recht zu verdienen.



Die Körperhaltung.


Die Körperhaltung sei stets eine gerade; denn nichts macht einen
häßlicheren und unfeineren Eindruck, als eine nachlässige und falsche
Körperhaltung. »Der erste Eindruck ist maßgebend«, sagt ein altes Wort, und
mit Recht. Denn ein Mensch, der nichts auf seine Haltung und sein Äußeres
gibt, zeigt dadurch, daß er nicht die nötige Achtung vor sich selbst und
vor andern und deshalb keine Lebensart besitzt. Man vermeide daher in
Gesellschaft, den Kopf schief zu halten oder nach vorn herunterhängen zu
lassen, den Körper gebeugt zu tragen, die Arme auf der Brust zu kreuzen
oder auf den Rücken zu legen oder gar die Hände in die Taschen zu stecken.
Man unterlasse es, die Füße breit auseinander zu stellen oder unruhig bald
dahin, bald dorthin zu setzen; beim Gehen halte man den Körper ruhig, d. h.
ohne steif zu sein, und mache weder zu große noch zu kleine Schritte. Daß
die Füße dabei stets auswärts, d. h. die Fußspitzen nach außen gerichtet
sein müssen, die Hacken nach innen, versteht sich von selbst; auch setze
man immer die Fußspitzen zuerst auf und lasse die Hacken folgen. Beim
Sitzen lehne man sich nie an, wenn jemand mit uns spricht oder wir mit
jemand sprechen, und halte die Füße nicht unter den Stuhl, sondern vor
diesen, und schlage auch nie die Beine übereinander. Auch soll man nicht
mit dem Sessel schaukeln. Man strecke sich nicht lang auf dem Sessel aus.
Auch setze man sich nicht rücklings auf den Sessel, beuge sich beim
Schreiben und Nähen nicht zu tief über die Arbeit und bei Tisch nicht zu
weit über den Teller. Mit den Füßen schlenkern und mit dem Sessel hin- und
herrücken, ist ebenfalls gegen den guten Ton.



Das Betragen.


Das Betragen sei stets ein sittsames, höfliches und bescheiden
zuvorkommendes gegen Jedermann, auch gegen Untergebene, »denn man vergibt
sich nichts, ehrt sich selbst damit und erwirbt sich deren Liebe und
Achtung!« Diesen Spruch sich fest einzuprägen und in allen Lagen des Lebens
streng danach zu handeln, möchte ich ganz besonders der Jugend empfehlen.

Das Alter hat überall den Vortritt, und nach seinen Wünschen und
Bestimmungen hat sich die Jugend ständig zu richten. In Gesellschaft suche
man sich nie vorzudrängen und durch auffallendes Benehmen Aufsehen zu
erregen; auch sei man nie vorlaut, sondern stets bescheiden und fühle sich
als Teil der Gesellschaft. Man trage, soviel man kann, zu der Unterhaltung
bei, ohne diese etwa allein besorgen zu wollen, und füge sich gern
ausgesprochenen Wünschen anderer. Man sei stets freundlich und zeige nie,
auch nicht durch den Gesichtsausdruck, daß man etwas nicht gern tut.

Nach diesen ganz allgemeinen Bemerkungen wollen wir das Benehmen bei
einzelnen Gelegenheiten etwas näher betrachten.



Zu Hause.


Das Betragen im eigenen Hause sei ebenso und von denselben Grundsätzen
beherrscht, wie in der Gesellschaft. Man sei zu seinen Familienangehörigen
noch liebenswürdiger, aufmerksamer, diensteifriger als zu Fremden und voll
zarter Rücksichtnahme gegeneinander. Macht es doch die Liebe zu den
Angehörigen selbstverständlich, daß man diesen mindestens dieselbe Achtung
und Rücksicht entgegenbringen muß wie Fremden. Man lasse sich zu Hause nie
einfallen, die gute Sitte als einen lästigen Zwang abzuschütteln. Man
»bitte« und »danke« zu Hause gerade so oft wie auswärts. Man zeige sich nie
seinen Angehörigen in nachlässiger oder mangelhafter Toilette. Zu den
Eltern sei man stets ehrerbietig und suche ihre Wünsche schon zu erfüllen,
ehe sie ausgesprochen sind. Bruder und Schwester seien stets rücksichtsvoll
gegeneinander, und der Bruder sehe in der erwachsenen Schwester stets die
Dame.



Auf der Straße.


Hier hüte man sich sehr, durch auffallendes Betragen Aufsehen zu erregen.
Man sei immer höflich und grüße die Bekannten, sowohl die der Eltern wie
die eigenen. Der Herr grüßt zuerst und zwar durch Abnehmen des Hutes mit
der von dem zu Grüßenden abgewandten Hand. Der Hut muß stets so gehalten
werden, daß die Öffnung nach dem Körper zu gerichtet wird. Hutgruß
erfordert wieder Hutgruß, auch geringeren Personen gegenüber. Alsdann neigt
man im Vorüberschreiten Kopf und Oberkörper nach der zu grüßenden Person.
Eine Dame grüßt nie zuerst, sondern wartet den Gruß des Herrn ab. Jungen
Mädchen steht es wohl an, ältere Herren oder solche, für die sie besondere
Achtung haben, wie Geistliche, Lehrer usw. zuerst zu grüßen. Eine ältere
Person läßt man stets an der rechten Seite gehen.

=Wie grüßt man »deutsch«?= Man übt sich zunächst, eine kleine Verbeugung
als Gruß zu machen, so wie man in Sälen ohne Hut grüßt. Dann macht man
dasselbe, nachdem man vorher die rechte Hand an den Hutrand gelegt hat. Man
muß dabei das Gefühl walten lassen, daß das Anblicken der zu grüßenden
Person und unser Gesichtsausdruck die Hauptsache ist. Sonst verdreht man
leicht den Kopf nach der angelegten Hand, und die Verbeugung wird schief
und ungelenk.

Das Anlegen der Hand geschieht leicht mit gleichzeitigem Anheben des
Ellbogens, ungezwungen. Die Hand ist natürlich leicht gekrümmt, Daumen und
Finger sind geschlossen, die Handfläche nach unten und etwas nach vorn, daß
man von vorn in die Hand hineinsehen kann, Zeige- und Mittelfinger liegen
an dem Hutrand, etwa neben dem rechten Auge. Man nimmt die Hand hoch, ehe
man mit der Verbeugung beginnt, je früher, desto mehr ehrt man den zu
Grüßenden. Nach dem Gruß nimmt man sie leicht herunter, ohne, wie die
Soldaten, sie in die Luft zu schwenken. Ist die zu grüßende Person rechts,
so kann man auch die Hand über das linke Auge an den Hutrand legen, hat man
die rechte Hand nicht frei, führt man z. B. eine Dame, so grüßt man mit
der linken. War die nichtgrüßende Hand in der Manteltasche, so wird sie
herausgenommen. Der Arm bleibt ruhig, natürlich an der Seite hängen. Gehen
Herren und Damen zusammen, so geht die Dame rechts. Um die Seite zu
wechseln, geht man stets hinter der Dame vorbei. Der Dame läßt man beim
Betreten eines Hauses, sowie sonst überall, den Vortritt, ebenso älteren
Personen. Nur geht der Herr voran, wenn eine Treppe nicht breit genug ist,
um nebeneinander hinaufgehen zu können.

=Wie weiche ich aus?= Begegnet man als Herr einer Dame oder einem älteren
Herrn, so überläßt man diesen beim Ausweichen die Seite nach den Häusern
zu; ist der Fußweg zu schmal, um ein bequemes Ausweichen darauf zu
ermöglichen, so tritt man von ihm auf den Fahrweg hinüber.

Weicht man aus, so tut man es, wenn nicht andere Gründe dagegen sprechen,
immer nach rechts. Tut der Begegnende dies ebenfalls, so kommt man ohne
Anstoß aneinander vorüber. Tritt aber doch jenes ärgerliche Hin- und
Hertreten ein, so braucht man nur, um der Situation ein Ende zu machen,
einen Augenblick stehen zu bleiben. Ungebildeten, rohen Menschen weiche man
stets aus, auch wenn es ihre Pflicht wäre, Platz zu machen.



Auf der Reise.


Auf Reisen glaubt oft mancher, sich mehr Freiheiten erlauben zu dürfen, als
unter seinen heimischen Bekannten. Allein wer wirklich Lebensart besitzt,
wird auch auf der Reise bemüht sein, jede Verletzung des Anstandes zu
verhüten. Man sei stets rücksichtsvoll gegen seine Reisegenossen, da diese
dasselbe Recht zu beanspruchen haben wie wir. Der Herr sei Damen stets
behülflich, wenn er, ohne sich aufzudrängen, ihnen kleine Dienste leisten
kann. Bei Partien zu Fuß nimmt der Herr stets den Mantel usw. der Dame und
ist mit liebenswürdigem Eifer bemüht, die Partie so angenehm wie möglich zu
gestalten. Ein von einer Dame ausgesprochener Wunsch muß einem Herrn stets
Befehl sein, den auszuführen er sich beeilt.



Was habe ich beim Fahren im Wagen zu beachten?


Als Herr überläßt man der Dame den Rücksitz des Wagens. Nur wenn man
bekannt oder verwandt mit einer Dame ist, darf man die Einladung annehmen,
sich neben sie zu setzen.

Der Platz rechts gehört der Dame. Steht der Wagen so, daß der Platz rechts
beim Einsteigen der nähere ist, so steigt man entweder rasch vor der Dame
ein, oder man geht um den Wagen herum und besteigt ihn von der andern
Seite.

Als jüngere Dame hält man es älteren Damen oder vorgesetzten Damen
gegenüber ebenso. Ist kein Bedienter da, so öffnet der Herr der Dame den
Schlag. Will man im Omnibus oder auf der Straßenbahn seinen Platz einer
Dame abtreten, so kann man dies tun, genötigt dazu ist man aber nicht.



Die Vorstellung.


In jeder Gesellschaft verlangt es der gute Ton, daß man sich den
unbekannten Personen vorstellen läßt.

In der Regel wird der Hausherr oder ein guter Freund dies schon aus freien
Stücken tun, wird es jedoch versäumt, so bitte man darum. Ein Herr wird
stets einer Dame vorgestellt; der jüngere stets dem älteren, der niedere
Stand stets dem höheren.

Die Vorstellung erfolgt meist mit folgenden Worten:

Gestatten Sie mir, Ihnen Herrn M. vorzustellen -- Herr L.; oder: Gestatten
Sie, daß ich die Herren miteinander bekannt mache: Herr Kaufmann M. -- Herr
Baurat L. Oder man sagt auch nur beide Namen der vorzustellenden Personen.
Jüngere Personen sind bei der Vorstellung meist etwas ängstlich, sie wissen
nicht, wer zuerst vorgestellt werden soll.

Ist kein bestimmter Alters- oder Standesunterschied vorhanden, so stellt
man den Hinzukommenden stets den Anwesenden vor; ist deren Zahl sehr groß,
so nennt man auch nur den Namen des Hinzukommenden, etwa mit den Worten:
»Mein Freund Müller«, und dieser stellt sich dann den einzelnen Personen
gelegentlich selbst vor, denn nichts ist lächerlicher, als 30-40
Personen-Namen hintereinander herzusagen; der Vorgestellte kann sie ja doch
nicht behalten.



Der Besuch.


Der Anstandsbesuch ist das Mittel, durch welches die Gesellschaft in
Fühlung untereinander gehalten wird.

Wann ist ein Besuch am Platze? Wenn man Empfehlungen, Grüße zu überbringen
hat, oder wenn man sich des Anstandes wegen in bestimmten Kreisen oder
Familien einzuführen hat, auch wenn man eingeladen ist zu Familienfesten,
oder wenn man für erwiesene Dienste gebührenden Dank aussprechen soll.
Ebenso ist ein Besuch nötig, wenn man sich einen Rat holen will. Besuche
sind weiter notwendig in Krankheits- und Trauerfällen, aber auch zu
Gratulationen, ebenso wenn eine bekannte Familie einen Ort verläßt oder
anzieht, ferner beim Antritt einer großen Reise oder bei Rückkehr von
einer solchen. Junge Mädchen machen Besuche in Begleitung der Mutter.
Antrittsbesuche machen junge Herren, welche eine feste Anstellung erhalten
haben und nun selbständig sind, ebenso Ehepaare, wenn sie ihr neues Heim
bezogen haben. Persönlich seine Angelegenheiten erledigen, ist immer
besser, als dies schriftlich zu tun, Pflicht ist es, auf alle genannten
Antrittsbesuche Gegenbesuche zu machen. Wünscht man nicht näher bekannt zu
werden, so schiebt man den Gegenbesuch weit hinaus. Der andere wird dadurch
genügend unterrichtet sein und die weitere Annäherung nicht aufdringlich
suchen.

Erfordert, streng genommen, jeder Besuch einen Gegenbesuch, so gibt es doch
auch für diese Regel Ausnahmen. So ist es gestattet, daß ältere Personen
gegenüber viel jüngeren, Hochgestellte gegenüber geringer gestellten
Leuten, Damen gegenüber Herren den schuldigen Gegenbesuch durch eine
Einladung, eine dienstliche Gefälligkeit und Gönnerschaft oder durch eine
Aufforderung zu wiederholtem Besuch ersetzen. Macht man in einem Hause
Besuch, so entschuldigt man sich ebensowenig, wie derjenige, dem der Besuch
gilt, sich bedankt. Ist der Besuch eine Aufmerksamkeit, um sich über das
persönliche Befinden zu erkundigen, so ist kein Gegenbesuch notwendig.
Willst du bei Vornehmen einen Besuch machen, so melde dich schriftlich an
und bitte dabei, man möchte dir die Zeit bestimmen, wann du angenehm bist.
Porto für etwaige Postantwort lege bei, wenn du es für notwendig hältst,
d. h. wenn der Betreffende dir fremd ist.

Wirst du eingeladen, so folge der Einladung und sei präzis im Kommen. Bist
du abgehalten, so begründe dein Fernbleiben.

Bei Krankenbesuchen erkundige dich nach der passenden Besuchszeit, mache
den Besuch kurz ab und rege den Kranken nicht durch vieles Sprechen auf.
Sende dem Kranken Blumen, wenn Genesung eingetreten ist. Dieses ist die
größte Aufmerksamkeit. Getränke und Speisen sende nur, wenn diese der
Kranke genießen kann. Erkundige dich vorher hierüber. Die Besuchszeit ist
sehr verschieden. Mache den Besuch vor Tisch, vorausgesetzt, daß die Person
um diese Zeit abkömmlich ist. Wenn dies nicht der Fall ist, so mache deine
Besuche nach Tisch. Erkundige dich vorher, wann gespeist wird und ob es
angenehm ist, daß man vorspricht. An Festtagen macht man keine Besuche,
ohne gebeten zu sein. Vermeide womöglich, am Sonnabend (Samstag) Besuche zu
machen. In Geschäftsangelegenheiten besucht man zur Geschäftszeit. Ärzte,
Notare und andere Beamte haben ihre bestimmten Sprechstunden. Bist du im
Hause angekommen, so laß dich melden. Zweckmäßiger aber ist es, man
überreicht die Visitenkarte und sagt stets deutlich, wem der Besuch gilt.

Ein junger Herr läßt sich nie bei der Tochter des Hauses melden, und diese
empfängt in der Abwesenheit der Mutter keine Besuche, es sei denn von
älteren Herren, welche im vertraulichen Verkehr mit der Familie stehen.
Eine Ausnahme ist nur gestattet, wenn die Tochter nicht mehr ganz jung ist
und als selbständiges Glied in der Gesellschaft gilt. Ist man nicht
angenommen worden, so wiederholt man den Besuch nicht, sondern gibt, wenn
nötig, eine schriftliche Mitteilung. Eine Dame macht einem Herrn nie einen
Besuch, der seiner Person gilt. Sie sucht den Arzt und Rechtsanwalt in der
Regel stets in Begleitung einer Dame auf. Wenn keine ernsten Absichten
obwalten, soll ein junger Herr in einem Hause, in dem Töchter sind, nicht
zu oft Besuch machen, denn dies ist für die Damen unangenehm. Ist niemand
zu Hause, so läßt man seine Visitenkarte zurück. Soll der Besuch einer
Familie gelten, dem Herrn und der Frau Gemahlin, so gibt man zwei Karten
ab; gilt er auch der Tochter, dann drei Karten. Mehr Karten werden nicht
zurückgelassen. Manche Leute haben den Brauch, bei einfachen Visiten den
linken Rand unten umzubiegen, wenn die Herrschaften nicht zu Hause waren,
um den Beweis zu geben, daß man persönlich da war. Der ganze linke Rand der
Visitenkarte wird nach oben gebogen, wenn es nur einen einfachen Besuch
galt. Der ganze rechte Rand wird nach unten gebogen, wenn man gekommen war,
um seine Teilnahme an irgend etwas zu bezeugen. Die Visitenkarte soll
einfach sein. Auch soll sie so bedruckt oder geschrieben sein, daß man
genau weiß, welche Person da war. Unten links soll der Wohnort stehen,
rechts die spezielle Angabe der Wohnung. Eine Frau wird ihre Visitenkarte
halten wie ihr Gemahl, sie hat aber den Beisatz »Frau«. Für
gemeinschaftliche Visiten kann man auch gemeinschaftliche Karten führen,
wie Rudolf W. W. Schulz und Frau. Adelige führen auf ihren Karten den
Vornamen nicht. Freiherren, Barone und Grafen führen den Vornamen.

Visitenkarten für Abschiedsbesuche tragen unten in der linken Ecke die
Buchstaben +p. p. c. (pour prendre congé)+[1] oder besser: u. A. z. n. (um
Abschied zu nehmen).

    [1] Ähnliche Abkürzungen sind: +p. f. (pour féliciter)+, um zu
    gratulieren; +p. c. (pour condoler)+, um Beileid zu bezeigen; +p. r. v.
    (pour rendre visite)+, um Besuch abzustatten.

Darfst du nach Anmeldung zum Besuch eintreten, so entledige dich deiner
Überkleider, Schirme, Überschuhe und schlage -- wenn du verschleierte Dame
bist -- den Schleier zurück. Durchnäßte Kleider leg unaufgefordert ab. Die
Herren nehmen den Hut mit ins Zimmer, nicht aber, wenn der Diener die
Anweisung hat, ihn abzunehmen. Wird man im Zimmer gebeten, den Hut
abzulegen, so legt man ihn auf den Boden neben oder unter den Stuhl. Auf
einem Sopha nimmt ein Herr nie Platz, sondern er nimmt den nächsten Stuhl.
Wenn Herren oder Damen sich besuchen, so kann man auf besondere Einladung
auf dem Sopha Platz nehmen. Eine Dame bietet einem Herrn nie das Sopha zum
Sitzen an. Beim Besuche von Damen und Herren biete man den Damen das Sopha,
den Herren Stühle an. Man sehe darauf, daß niemand einer andern Person den
Rücken zukehrt.

Bei Festlichkeiten oder Besuchen hänge die Kleider nicht an die Tür oder
ans Fenster. Tritt man ins Empfangszimmer, so mache man die Tür geräuschlos
zu. Damen legen den Hut nur ab, wenn sie aufgefordert werden. Ist die Tür
offen, durch welche man eintritt, bleibt man zwei Schritte vor derselben
stehen, macht eine Verneigung, wenn die besuchte Person einem
entgegenkommt, und tritt dann erst ein. Ist die Tür geschlossen, so öffnet
sie der Einführende, wenn ein solcher da ist, und komplimentiert. Wird man
ersucht, Platz zu nehmen, so hat dies sofort mit großer Sicherheit zu
erfolgen. Setze dich nicht auf den Rand des Stuhles. Lehne dich nicht an,
wenn der Stuhl auch Lehnstuhl ist. Wenn ein zweiter Besuch ins Zimmer
tritt, hat der Zuerstgekommene sich zu erheben; er setze sich nicht früher
nieder, bis er darum gebeten wird oder bis die gegenseitige Vorstellung
stattgefunden hat. Alles steht auf, wenn eine Dame eintritt. Wenn ein Herr
eintritt, so stehen bloß die Herren auf, ausgenommen, es kommen bejahrte
oder hochgestellte Damen und Herren. Sind mehrere Personen im Zimmer, so
sprich nicht bloß mit ein und derselben, sondern womöglich mit allen,
vorzüglich mit älteren. Laß andere reden, ohne sie zu unterbrechen.
Behandle deine Gäste gleichmäßig liebenswürdig, gib keinem einen besonderen
Vorzug; dies gilt besonders, wenn man zwei Besucher gleichzeitig empfängt.
Den zuerst weggehenden Besucher begleite nur bis zur Tür des
Empfangszimmers, damit du die andern Herrschaften nicht allein lassen
mußt.

Die Dauer einer Visite darf höchstens zehn bis fünfzehn Minuten sein, wenn
man nicht aufgefordert wird, länger zu bleiben. Auch erhebt man sich
alsbald, wenn man fühlt, daß das Gespräch stocken will. Man berühre dann
keinen neuen Gesprächsgegenstand, am wenigsten Vorgesetzten gegenüber.
Höhergestellte entlassen oft durch fein angedeutete Worte ihren Besuch. Als
Andeutungen dieser Art hat man Bemerkungen aufzufassen, wie »Ich darf Sie
nicht länger aufhalten« oder »Bei Ihrer knapp bemessenen Zeit« und
dergleichen.

Kommt ein zweiter Besucher, so erhebe dich nach einigen Minuten zum Gehen.
Muß man aus Pflicht seinem Besuch die Mitteilung machen, seine Anwesenheit
nicht länger mehr genießen zu können, so ladet man ihn ein, seinen Besuch
baldigst zu wiederholen, und gibt eine Stunde an, da er länger verweilen
kann. Drücke auch stets dein Bedauern aus, daß dein Besuch schon geht, so
daß er die Überzeugung gewinnt, er sei angenehm gewesen. Beim Eintreten ins
Zimmer wie beim Austreten aus demselben achte darauf, daß du niemandem den
Rücken bietest. Der Scheidende öffnet die Tür beim Gehen. Das Gegenteil
wäre eine Beleidigung für den Gast. Begleitet man den Gast bis vor die Tür,
so soll man die Zimmertür öffnen, sobald der Gast dieses tun will. Beim
Anziehen der Garderobe im Vorzimmer sei behilflich, wenn es passend ist.
Bei Einladung zu Tisch muß man sehr präzis kommen.

Sollte man bei Visite ein Gespräch unterbrechen, wie dies notwendig wird
etwa beim Anzünden der Lampe, beim Herbeiholen von Gegenständen usw., so
hat man sich zu entschuldigen. Bei einfachen geschäftlichen Besuchen hat
man nach Verbeugung und Gruß sich zu entschuldigen für die eventuelle
Störung, worauf dir der Besuchte bedeutet, daß du nicht störst. Wenn du
dich nicht anmelden konntest mit deiner Visitenkarte, so stelle dich nur
vor, wenn man dich nicht schon nach deinem Namen fragte. Der Besuchte wird
seine Freude aussprechen, daß er dich kennen lernt, und dich fragen, womit
er dir dienen kann. Er wird dich dann einladen, Platz zu nehmen, wenn die
Angelegenheit, in welcher du gekommen bist, es notwendig macht, d. h. wenn
eine längere Verhandlung in Aussicht steht.

Mit einer freundlichen Verbeugung nimm Platz. Der Einladende wird dich
beehren und sich links von dir niederlassen. Der Platz, den du einem
Besuchenden anbietest, sei immer so, daß der Besucher beim Eintreten einer
Person sich nicht umdrehen muß, um dieser gegenüber zu stehen. Gilt der
Besuch einer nicht anwesenden Person, so sprich dein Bedauern aus, daß sie
den Besuchenden nicht empfangen kann. Läßt sich aber der Abwesende
herbeiholen, so biete einen Stuhl an und gib dem Besuch eine kleine
Unterhaltung, wie ein Buch zum Lesen oder eine Zeitschrift mit Bildern zum
Ansehen.

Kinder gehören nicht ins Empfangszimmer. Bringt der Besuch Kinder mit, so
empfange diese mit der gleichen Freundlichkeit wie die Mutter; denn meist
wird eine Zurücksetzung der Kinder weit schmerzlicher empfunden, als wenn
sie die Eltern selbst betrifft. Das Besuchskleid wähle den Verhältnissen
angepaßt -- ja nicht prahlerisch vornehm! Das Empfangskleid sei einfach.
Dies ist der Beweis, daß die Hausfrau ihre Gäste zu achten weiß. Die
Hausfrau selbst führt nie die Unterhaltung allein, sondern sucht durch
geschickte Wendungen sie zu einer allgemeinen zu machen, um die Vorzüge und
Achtung ihrer Gäste in das beste Licht zu setzen.

Empfängt man einen Besuch im Familienzimmer, so ist von den Anwesenden jede
Beschäftigung auf die Seite zu legen. Mit den Händen spielen, ist ein
Zeichen von Befangenheit oder Langeweile, und ist deshalb zu unterlassen.
Erhebt sich der Besuch, so sagt man: »Sie gehen schon?« oder: »Möchten Sie
nicht noch einen Augenblick verweilen?«

Damenbesuch wird stets von den Damen bis zur Tür begleitet, wenn noch
andere Personen gegenwärtig sind. Ist die besuchende Dame jedoch der
einzige Besuch gewesen, so begleitet man sie zum Zimmer hinaus. Die
jüngeren Familienmitglieder haben beim Anlegen des Mantels usw. zur Hand zu
gehen, wenn dies nicht einem Dienenden besonders aufgetragen sein sollte,
wie es in vornehmeren Familien gebräuchlich ist. Da fällt dann auch das
Hinausbegleiten fort. Auch muß die Bedienung angewiesen sein, die Haus- und
Flurtür für den fortgehenden Besuch zu öffnen und nicht eher wieder zu
schließen, bis dieser außer Hörweite ist.

Bei solchen kurzen Besuchen bietet man keine Erfrischung an, es sei denn,
daß man besonderen Grund hat, etwa wenn man beim Besuchenden Ermüdung
vermutet. Auch fordert man nicht zum Ablegen von Kleidungsstücken auf.
Handelt es sich mehr um freundschaftlichen Besuch von längerer Dauer, so
ist es Pflicht der Hausdame, alles aufzubieten, um es dem Besuchenden
behaglich zu machen. Zu längeren Besuchen muß man persönlich oder
schriftlich eingeladen sein. Bei Morgenbesuchen bietet die Dame des Hauses
der besuchenden Dame den Ehrenplatz auf dem Sopha an, sie selbst hat den
andern Sophaplatz inne. Etwaige Begleiter(innen) nehmen die Stühle links
und rechts des Sophas ein. Einen Bekannten, der von ferne herkommt, fragt
man nach der Reise, ehe man sich nach der Gesundheit der von ihm in der
Heimat zurückgelassenen Familie erkundigt. Im Vorzimmer steht ein
Garderobeständer, ein Stuhl mit Schuhzieher, ein Spiegel, ein kleiner
Teller mit Haar- und Stecknadeln, ein Schuhanzieher und ein kleines
Tischchen mit Visitenkartenteller.

Einladungen sende man nicht als Drucksache, sondern betrachte sie als
familiäre Mitteilung. In diesen Einladungen bedient man sich der kürzesten
Form, z. B. bei einer Einladung zu einem Ball:

    P. Hoffmann und Frau beehren sich, Herrn Julius B. nebst Frau
    Gemahlin und Fräulein Tochter auf Sonnabend, den 26. d. Mts.,
    um 9 Uhr, zum Tee mit Tanz ergebenst einzuladen.

Oder auch:

    Herr Baron D.... und Frau Baron D.... werden gebeten, unsern
    am 26. d. Mts. stattfindenden Ball mit ihrer Gegenwart
    beehren zu wollen.

                                          A. B. von Z. und Frau.

Der gute Ton erfordert, auf jede Einladung zu antworten, zusagend oder
ablehnend. Neuerdings kommen für weniger formelle Einladungen zierliche
Briefblätter in Gebrauch von folgender Fassung:

    Paul Ehrenstein und Frau beehren sich,

    Herrn Professor Zittelmann und Frau Gemahlin
                   zum Musikabend
              am Freitag den 6. Januar
    freundschaftlichst einzuladen. Gefl. 8 Uhr.

    Pariser Straße 14.                U. A. w. g.

Eine Einladung auf Postkarte darf man bloß den jüngeren Verwandten
zusenden. Wer ein Haus macht, muß, wenn er zu einem Mittagsmahl geladen
war, auch seinerseits ein Mittagsmahl geben. Alleinstehende Damen oder
Herren, die kein Haus machen, erwidern, wie folgt: Herren können Herren zu
einem Frühstück, Damen die Damen zu einem Tee einladen oder sich bei
Festlichkeiten revanchieren. Es sei besonders betont, daß man durch seine
Einladungen womöglich gleichgebildete Menschen zusammenzuführen sucht.


Hausbesuch, Verhältnis zwischen Wirt und Gast, Trinkgelder, Dienstboten.

Ladest du einen Freund als Gast ein, so laß es an nichts fehlen, denn es
nimmt alle Stimmung, wenn der Gast etwas vermißt. Als Gast halte dich nicht
zu lange auf. Hast du Gäste, so sorge für Unterhaltung, mache Spaziergänge
usw. Wenn du als Gast erscheinen willst, so melde dich immer vorher an;
unangemeldete Besuche sind nicht Sitte, es könnte ja sein, daß bereits
Besuch eingetroffen oder irgend Jemand krank wäre. Macht man irgendwo einen
längeren Besuch, so muß man sich den Verhältnissen der Familie anpassen.

Geschenke bringt man dem Wirt und seinen Familiengliedern mit, Ansichten
aus der Heimat und Eßwaren oder Spielzeug für die Kinder, aber keins, das
Geräusch macht.

Findest du, daß du durch deinen Besuch große Umstände machst, reise bald
wieder ab, aber nicht so plötzlich, daß es als Beleidigung empfunden wird.

Unterrichte dich über die Gewohnheiten deines Gastes, daß er sich behaglich
fühle. Die eingeführten Gewohnheiten müssen unter Umständen geändert
werden, wenn dein Gast eine hervorragende Stellung oder ein hohes Alter
hat. Auch Gebrechen rechtfertigen eine Änderung. Kinder nimmt man nur auf
besondere Einladung mit. Man lasse sie nie ohne Aufsicht.

Junge Mädchen, welche ihre Freundinnen besuchen, dürfen dort keine
Vorschläge machen, welche besondere Ausgaben veranlassen würden, wie
Theaterbesuche. Junge Mädchen, die auf Besuch sind, sollen womöglich
behilflich sein im Haushalt und sich nützlich zu machen suchen. Nichts kann
ja für ein junges Mädchen empfehlender sein, als wenn von seiten der Eltern
ihrer Freundin um Verlängerung des Aufenthalts gebeten wird und alle
schließlich voneinander Abschied nehmen mit dem Wunsch, recht bald wieder
zusammen leben zu können.

Junge Herren haben auch ähnliche Pflichten; besonders den Herrn des Hauses
zu unterhalten, in seiner freien Zeit mit ihm Schach u. dergl. zu spielen,
und die Zeitung vorzulesen. Am Abend wird der Vorschlag, sich
zurückzuziehen, von den Gästen ausgehen. Man nimmt hierbei Rücksichten auf
den Wirt und seine Gewohnheiten. Bist du abgereist, so bedanke dich zeitig
noch schriftlich bei deinem Wirt für die freundliche Aufnahme. Hat man dir
Dienste geleistet, so gib dem Personal ein Trinkgeld.

Hat man Dienstboten, so behandle man diese anständig, spreche einen Tadel
ruhig und gelassen und nicht in Gegenwart dritter Personen aus; werfe ihnen
auch ihre untergeordnete Stellung nie vor. In Gegenwart von Dienstboten
sollen keine Familienangelegenheiten besprochen werden.

Wer seine Dienstboten von Anfang an daran gewöhnt, nie ein Zimmer zu
betreten, ohne vorher anzuklopfen, oder außer dem »Ja« und »Nein« noch mit
der üblichen Anrede zu antworten, der wird auch in manch anderer Beziehung
nicht über unhöfliches Betragen zu klagen haben. Dienstboten dürfen sich
nicht erlauben, ankommenden Besuch auffallend zu begrüßen (grüßen sollen
sie natürlich jedermann, der im Hause verkehrt), noch weniger ein Gespräch
anzufangen. Die Kinder sollen die Dienstboten mit »Sie« anreden. Im
Gespräch darf man niemals die Angehörigen mit dem Vornamen nennen oder
Fremde ohne den ihnen gebührenden Titel.

Bei Tisch sind folgende Regeln zu beobachten: Das Hinreichen geschieht mit
dem linken Arm von der linken Seite des Gastes. Das Fortnehmen geschieht
mit der rechten Hand, welche das Geschirr auf das Brett stellt, das in der
linken Hand ist. Beim Anbieten wird nichts gesprochen, höchstens etwa:
»Bitte, versehen Sie sich.«



Bei Tafel.


Bei der Tafel kann man aus dem Benehmen des einzelnen Gastes am besten den
Grad seiner Bildung beurteilen. Wird eine größere Gesellschaft zur Tafel
geladen, so werden die Herrschaften im Empfangszimmer zuerst vom Herrn des
Hauses begrüßt. Dieser bietet ihnen den Arm und führt sie zu seiner
Gemahlin. Diese hat die Gäste nun zu begrüßen und den Willkommengruß des
Hauses zu bieten, dann die Gäste gegenseitig einander vorzustellen, soweit
sie sich noch nicht kennen. Womöglich sollten hierbei alle Gäste anwesend
sein. Die Hausfrau soll für eine gemütlich-heitere Stimmung sorgen.

Erwartet man Besuche, so hat man besondere Toilette zu machen. Diese sei
einfacher als die der Gäste. Ein Schürzchen darf die Frau des Hauses nur
dann anlegen, wenn sie die Gäste selbst bedient.

Auch das Dienstpersonal muß sauber gekleidet sein. Unterhalte deine Gäste
so lange gut, bis alle anwesend sind. Sei selber pünktlich im Einhalten der
Zeit. Bist du abgehalten, bei Tafel zu erscheinen, so entschuldige dich
zeitig. Hat ein Gast eine größere Verspätung, so beginnt man ohne ihn die
Tafel.

Sind alle Gäste im Vor- oder Nebenzimmer versammelt und ist die Tafel in
jeder Beziehung vorbereitet, so pflegt die Hausfrau den ältesten oder
angesehensten Herrn der Gesellschaft um seinen Arm zu bitten. Sie darf
dieses ohne weiteres tun. Sie sagt etwa: »Herr X, würden Sie die Güte
haben, mir Ihren Arm zu reichen?« Der Herr des Hauses führt ebenso die
angesehenste Dame zu Tisch. Dies ist das Zeichen, daß die übrigen Herren
die anwesenden Damen engagieren und zu Tisch führen. Die jüngeren warten,
bis die älteren ihre Wahl getroffen haben. Der Herr des Hauses geht mit der
angesehensten Dame voraus. Die Frau beschließt mit dem angesehensten Herrn
den Zug. Jeder Herr ist nun der von ihm geführten Dame behilflich, im
Speisesaal ihren durch Namenkarte bezeichneten Platz aufzufinden. Er
verabschiedet sich dann von ihr mit einer Verbeugung und sucht seinen Platz
auf. Nimmt er Platz, so hat er sich nach beiden Seiten hin gegen seine
Nachbarn zu verbeugen und sie mit einigen höflichen Worten zu begrüßen. Der
Hausherr und die Hausfrau sitzen gewöhnlich in der Mitte der Tafel und zwar
einander gegenüber. Die Plätze in ihrer Nähe gelten als die Ehrenplätze.
Den Wünschen einzelner muß hier Rechnung getragen sein in Betreff der
Zusammenstellung der Paare und in der Verteilung der Plätze. Es ist aber
auch zu beachten die gesellschaftliche Stellung der Gäste, der Bildungsgrad
und das Alter usw. Einwendungen gegen die Tafelordnung zu machen, ist
unpassend. Bei bürgerlichem Tisch ist es Sitte, daß ein einzelner Gast
neben der Dame des Hauses seinen Platz erhält. Ist der Gast eine Dame, so
sitzt sie rechts vom Hausherrn. Sind die Plätze nicht durch Karten
bezeichnet, so sollen jüngere Gäste warten, bis die älteren Platz genommen
haben. Viel Aufmerksamkeit erfordert das Servieren. Es hat stets von links
zu geschehen. Bei Gasttafeln mit strengem Zeremoniell pflegt man immer erst
die Damen rechts von der Hausfrau, dann die rechts von dem Hausherrn, dann
die links von der Hausfrau usw. zu bedienen. Nach den Damen kommen dann
erst die Herren. Die Gastgeber selbst werden immer zuletzt bedient. Bei
Mahlzeiten mit weniger peinlichem Zeremoniell werden die Gerichte den
Gästen der Reihe nach serviert; oder die Gerichte werden an einem Ende der
Tafel aufgestellt und dann von den Gästen selbst weitergegeben. Dieses
Herumreichen der Speisen ist für besonders lebhafte Personen oft ein
heikles Geschäft. Diese haben doppelt nötig, sich Strenge aufzuerlegen,
vorsichtig zu sein und besonders auf sich zu achten. In kleinen Kreisen
sagt man etwa: »Gesegnete Mahlzeit!« oder »Wünsche wohl zu speisen!« aber
nicht nur: »Mahlzeit!«

Die Handschuhe werden abgelegt und eingesteckt, ehe man die Serviette
anlegt. Sie werden auch nicht viel früher wieder angezogen, als bis die
Frau des Hauses sich anschickt, die Tafel aufzuheben.

Mit der Serviette putze nicht das Besteck nach oder den Teller ab. Es wäre
dies für die Hausfrau eine grobe Beleidigung. In Gasthöfen ist es jedoch
ratsam, nach dem Besteck zu sehen. Dort kann sich auch jeder die Serviette
anlegen, wie es ihm beliebt. Aber in privater Gesellschaft wäre dies
taktlos. Die Serviette falte man auseinander und lege sie auf den Schoß bis
zum Knie oder bloß auf dasselbe. Nach dem Gebrauch lege sie links zur
Seite, ohne sie zusammenzufalten. Bei einfachem bürgerlichem Tisch und in
Gasthäusern ziehe die Serviette durch den beigelegten Ring. Das beigelegte
Brötchen berühre nicht vor dem Essen. Bei größerer Tafel wartet man mit dem
Beginn des Speisens nicht, bis alle bedient sind. Wenn bei kleinen Tafeln
die Frau des Hauses selbst bedient, wartet man bis zum allgemeinen Anfang.
Das Besteck nimm nicht eher zur Hand, als bis ein Gang serviert ist!
Trommle nicht auf dem Teller oder auf den Stuhllehnen der Nachbarn mit den
Fingern! Berühre nicht mit den Füßen die Stuhlfüße der Nächstsitzenden! Von
links her wird bedient. Wird ein Gericht von den Gästen weitergegeben, so
gib es so, daß dein Tischnachbar es bequem angreifen kann. Ist die Platte
heiß, so mache darauf aufmerksam. Der Herr hält so lange die Schüssel, bis
die Dame sich bedient hat. Die Dame gibt die Schüssel dann weiter.
Schüsseln, welche zu voll sind, dürfen nicht auf den Tisch kommen. Das
Überreichen eines spitzen oder scharfen Gegenstandes geschehe so, daß der
andere sich nicht verletzen kann. Man bediene sich eines Tellers. Beim
Präsentieren der Brotkörbchen, der Fruchtschalen, eines Glases Wassers,
einer Tasse Kaffee oder Tee benütze stets einen Teller. Die besten Stücke
einem bestimmten Gast auszulesen und vorzulegen ist nicht liebenswürdig und
anständig. Auch du selber sollst dies beim Herumreichen der Speisen nicht
tun. Sei bescheiden auch im Quantum der Speisen. Sei also nicht von denen,
die denken:

    Bescheidenheit, Bescheidenheit,
    Verlaß mich nicht bei Tische
    Und gib, daß ich zu jeder Zeit
    Das größte Stück erwische!

Denke nicht etwa, daß Kaviar Gemüse sei, du könntest sonst ausgespottet
werden! Sei aber auch nicht gar zu bescheiden und schneide nicht auf der
Platte, welche dir präsentiert wird, Stückchen ab. Mache dir zur Regel:
Speise geräuschlos und sprich dabei bloß, was unbedingt notwendig ist, auch
dies nie zu laut. Während man kaut, spricht man gar nicht. Halte den Mund
zusammen und bewege die Lippen geräuschlos. Sieh dich nicht in auffallender
Weise oft nach rechts und links um. Geht es bei Tisch eng her, so sei
bescheiden im Beanspruchen von Platz. Lege die Arme nicht auf den Tisch.
Mache nicht zu große Ansprüche und wünsche nicht alle Augenblicke etwas
anderes. Die Gabel führe mit der linken, das Messer mit der rechten Hand.
Mit dem Messer wird nur geschnitten, nicht gespeist. Das Brot wird
gebrochen. Das Auftauchen der Sauce mit Brot ist recht unpassend. Schneide
bloß so viel ab, als du eben genießen willst. Nach dem Gebrauch lege Messer
und Gabel nicht auf das Tischtuch, sondern auf den Teller. Bei bürgerlichem
Tisch werden sie auf das Messerbänkchen zur weiteren Benützung gelegt.

Fische speist man in Ermangelung des Fischbestecks mit der Gabel und einer
Brotkruste. Nimm das Brot in die linke Hand und halte den Fisch fest,
während du das Fleisch ablöst, schiebe es dann mit Hilfe des Brotes auf die
Gabel. Grüne Erbsen speist man auch mit Brot und Gabel. Klöße, Eierkuchen
und Kartoffeln zerteilt man mit der Gabel, nicht mit dem Messer. Knochen
vom Wildbret oder Geflügel darf man nicht mit den Zähnen abnagen. Äpfel
und Birnen zerteilt man und schält sie von der Blüte nach dem Stiel. Beim
Zerlegen von Apfelsinen (Orangen) sei vorsichtig. Nüsse öffne mit dem
Messer. Beim Kirschenessen nimmt man einen Kaffeelöffel zum Aufnehmen der
Steine, um sie dann auf die Seite des Tellers zu legen. Werden Kartoffeln
in der Schale vorgesetzt, so stellt man kleine Drahtkörbchen für die
Schalen auf. Man hält beim Schälen die Kartoffeln an der Gabel. Es sei noch
bemerkt, daß man beim Speisen von kleinen Fischen am Schwanzende beginnt
und die obere Seite ablöst. Darauf wendet man den Fisch um und behandelt
die andere Seite ebenso. Der Löffel liegt beim Speisen auf der Hand.
Hierbei führt man die Spitze -- nicht die Breitseite -- zum Munde. Ist die
Suppe heiß, so wartet man, bis sie abgekühlt ist, bläst aber nicht in
dieselbe. Die Speisen darf man ohne einen Besteckteil nicht anfassen. Für
Überreste: Knöchelchen, Gräten, Schalen usw. sei immer ein kleiner Teller
oder ein Körbchen aufgestellt.

Wenn man speist, halte man den Körper so, daß er etwas über den Teller
geneigt ist. Vermeide alles, was dir von andern unangenehm sein könnte. Die
Gemüse speise mit der Gabel, nicht mit dem Löffel. Diesen benützt man bloß
zur Suppe. Das Besteck darf nur zum eigenen Gebrauch dienen. Bei allen
angebotenen Platten und Schüsseln muß das nötige Besteck sein. Man
verwechsle aber nicht das seine mit diesem. Für Obst sind besondere Messer
aufgestellt oder aufgelegt. Gibt es Hummer, so serviert man dazu
Hummergabel und Scheere. Sind bei den Gewürzen keine kleinen Löffelchen, so
benütze zum Nehmen das Messer, wenn du Bedürfnis hast, nie aber die Finger.
Das Huhn oder die Taube tranchiert man mittels Querschnitt. Erkundige dich
ab und zu bei einer Dame über die Güte der Speisen und nach ihren Wünschen,
aber immer bescheiden. Hat man gespeist, so rückt man mit dem Stuhle etwas
zurück. Es ist heutzutage weder Sitte, einen sogenannten Anstandsbissen
liegen zu lassen, noch auch den Teller mit Brot rein zu putzen. Dem Wein
sprich nicht eher zu, als bis hierzu eingeladen worden ist, denn es wird
oft nach der Suppe besonderer Wein gereicht. Versorge deinen Nachbar mit
Wein, daß kein Mangel ist. Scherzhafterweise zum Trinken zureden, ist
gestattet, aber das Nötigen dazu ist taktlos.

Erkundige dich vorher nach der Sorte, welche dein Nachbar gern trinkt --
weiß oder rot --, ehe du ihn bedienst. Beim Eingießen gib erst dir ein
wenig, dann deinem Nachbar. Gieße das Glas nie voll bis zum Rande, es ist
unanständig. Dem rechten Nachbar gießt man mit der linken, dem linken mit
der rechten Hand ein. Die Flasche faßt man so, daß der Daumen sich an der
unteren Seite befindet. Der Wein darf nicht von hoch herab eingegossen
werden, am allerwenigsten der Champagner, auch läßt man diesen nicht
knallen. Es unterbleibt besonders aus Rücksicht gegen nervenschwache Damen.
Beim Anstoßen bringe man den Rand des Glases dem Rand des andern nahe und
sehe dann demjenigen, mit dem man anstößt, ins Gesicht (Augen). Fasse das
Glas unten. Sind verschiedene Gläser aufgestellt, ein kleines und ein
großes für ein Paar, so ist für die Dame das kleine, für den Herrn das
größere bestimmt. Aus grünen Gläsern trinkt man Rheinwein, den Champagner
aus Champagnerkelchen. Sherry wird aus kleinen farblosen Gläsern getrunken.
Das Weinglas setze etwas vom Teller zurück, daß es nicht umgestoßen werde.
Man stoße nicht zu viel und nicht zu laut an, auch lasse man sich nicht zu
oft auffordern. Wird Wein von Dienern herumgereicht, so muß jeder Herr
denjenigen Damen Wein anbieten, die ihm näher sitzen als einem andern
Herrn.

Toaste ausbringen ist ein alter Brauch und bringt Leben in die
Gesellschaft. Die richtige Reihenfolge ist hier zu beobachten. Damen
bringen selten Toaste aus.

Wird das Zeichen zu einem Toaste gegeben, so hat alles zu schweigen. Ist
ein Toast einer einzelnen Person gebracht, so geht man nachher zu ihr hin
und stößt mit den Gläsern an. Dies ist nur aber in kleiner Gesellschaft
üblich.

Den ersten Toast bringe auf deine Gäste aus und danke ihnen für ihr
Erscheinen. Die Rede soll kurz sein, denn »Kürze ist der Rede Würze«.
Während man spricht, ruhen die Hände. Diejenige Person, die eine Rede
halten will, muß dies können, ohne sie abzulesen. Auswendig gelernte oder
gar abgeschriebene Reden haben keine Würze.

Halte in Gesellschaft keine Kritik über die Tafel und über die Reden.
Sollte dir das Unangenehme passieren, daß sich etwa ein Haar, eine Fliege
oder sonst etwas Ungehöriges in der Suppe befindet, so sei still und laß
dir nichts anmerken. Das Essen kannst du ja stehen lassen, aber verdirb
deinen Nachbarn nicht auch den Appetit. Erkundige dich nicht über den Preis
der Weine. Sprich nicht mit Personen, welche zu weit von dir wegsitzen;
führe auch kein Kreuzgespräch!

Das Werfen mit Brotkügelchen ist taktlos, wie auch das Schnellen mit
Kirschkernen. Tafelmusik ist nur bei großer Gesellschaft zu empfehlen. Hat
man gespeist, so zieht man die Handschuhe an, während man sich noch etwas
unterhält, um zum allgemeinen Aufbruch fertig zu sein.

Den Zahnstocher gebraucht man, indem man die Hand vor den Mund hält und die
Operation vollzieht. Bei Tisch soll dies nicht geschehen. Stochere nie mit
der Gabel in den Zähnen, das ist sehr unanständig, ja ekelhaft! Das
Ausspülen des Mundes hilft leicht ab.

In vielen Häusern ist es Sitte, nach dem Essen kleine, farbige Glasschalen
und einen Glasbecher mit lauem Wasser, etwas mit Pfeffermünze gemischt,
den Gästen vorzustellen. Dies ist zweckmäßig und angenehm, aber nicht
schön. Ist es dir zuwider, so unterlaß die Benützung.

Die Frau des Hauses hebt die Tafel auf, denn ihr steht allein das Recht zu.
Es würde einem Gaste sehr übel anstehen, wenn er sich vorher von der Tafel
erheben wollte, wohl gar mit dem familiären Segensspruch: »Gesegnete
Mahlzeit!« Das ist lediglich Sache der Dame des Hauses. Sie benützt einen
schicklichen Augenblick nach Beendigung der Mahlzeit, vielleicht eine
momentane Stockung des allgemeinen Gesprächs, erhebt sich von ihrem Platze
und macht ihren Nachbarn rechts und links eine Verbeugung. Damit ist das
Signal zum allgemeinen Erheben gegeben. Der erwähnte familiäre Segensspruch
ist schon lange nicht mehr üblich. Wenn er aber trotzdem hier und da noch
angewendet wird, so ist das gerade auch kein großer Fehler. Jeder Herr hat,
nachdem er sich nach beiden Seiten hin mit einigen höflichen Worten
verbeugt hat, die Pflicht, daß er die ihm zur rechten Hand sitzende Dame in
den Salon zurückführt, sich hier von ihr mit einer Verbeugung verabschiedet
und dann die Hausfrau aufsucht, um ihr einige verbindliche Worte zu sagen.
Sollte letzteres unmöglich sein, weil die Dame gerade zu sehr umlagert ist,
so kann er es auch ruhig unterlassen; übel genommen wird ihm dies in keinem
Fall, und einer nachträglichen Entschuldigung bedarf es auch nicht.

Sollten nach Schluß des Mahles Zigarren gereicht werden, so sind diese erst
anzuzünden, nachdem die Damen in den Salon zurückgeführt worden sind, um
dort Kaffee einzunehmen. Junge Mädchen tun gut, wenn sie äußerst vorsichtig
beim Wein sind und sich lieber an dem nachfolgenden Kaffee, der im
Gesellschaftszimmer gereicht wird, beteiligen. Daß ihnen Liköre unbedingt
verboten sind, ist selbstverständlich.

Ist kein Rauchzimmer vorhanden, so sollte man einen Raum dazu einrichten.

                     *       *       *       *       *

Beim Morgenkaffeetisch erscheine alles sauber und geglättet, gewaschen,
gekämmt! Nichts macht einen übleren Eindruck, als wenn man ungewaschene
Finger und Hände, struppiges Haar, vernachlässigte Kleidung während des
Speisens zeigt. Den Kindern wird von der Mutter das Kaffeegebäck
ausgeteilt, damit ja kein Streit bei Tisch entstehe. Den Kaffee kühle nicht
durch Hineinblasen ab. Das Umgießen in den Untersatz der Tasse ist aber
geradezu unschicklich. Das Gebäck darf man nicht in den Kaffee eintauchen
oder einbrocken, man führt es mit der linken Hand zum Munde. Kleinen
Kindern ist das Einbrocken erlaubt. Das Brot lege immer auf die untere,
flache Seite. Trinkt man den Tee aus der Tasse, so halte man die Untertasse
mit der linken Hand unter.


Einladung zur Tafel.

Wird man zur Tafel eingeladen, so entsteht die Pflicht, sich später hierfür
zu revanchieren, wenn man die geeigneten Räumlichkeiten zum Abhalten einer
Gesellschaftstafel hat. Einzelstehende Personen revanchieren sich hierfür
bei Familienfestlichkeiten durch Überreichen eines Geschenks. Erscheine zur
Tafel stets pünktlich. Bist du abgehalten, so teile dein Fernbleiben unter
dem Ausdruck des Bedauerns sofort mit. Den Grund hierfür anzugeben ist
nicht nötig. Eine Verfehlung hiergegen würde wohl als Verzicht auf spätere
Einladung in diesem Kreise angesehen. Das Erscheinen wird nicht angezeigt.
Bin ich zu einer Familienfestlichkeit nicht geladen, so darf ich es nicht
übel nehmen, sondern ich muß denken, daß eben nur die vertrautesten Freunde
des Hauses geladen sind, zu denen ich noch nicht gehöre.

Auf der Einladungskarte schreibt man statt der Bemerkung »U. A. w. g.«,
d. h. »Um Antwort wird gebeten« diesen Passus lieber ganz aus, um jede
Mißdeutung oder jedes Übersehen auszuschließen. -- Lade nie einen Gast zu
dem Zweck, daß dieser durch seine künstlerischen Vorträge die Gesellschaft
unterhalten soll, da dieses im Grunde genommen als eine Beleidigung des
Künstlers angesehen werden kann. Auch wäre der Spott auf deiner Seite, wenn
du mit diesem Antrag abgewiesen würdest. Deine Einladung fasse kurz:

                                          Berlin, den 28. Juli.

    Die Unterzeichneten beehren sich, Herrn und Frau B. für
    Mittwoch, den 1. August, nachmittags 5 Uhr, zu einem
    einfachen Kaffee und Abendessen ganz ergebenst einzuladen.

                                          Heinrich A. und Frau.

Oder:

                                        Berlin, den 1. Februar.

    Herr und Frau B. werden freundlichst gebeten, nebst Frl.
    Töchtern den am 10. d. Mts. in unsern Wohnräumen
    stattfindenden Familienball mit ihrer Gegenwart beehren zu
    wollen. Beginn des Vergnügens abends 8 Uhr.

                                          Heinrich A. und Frau.

Diese kurze Form der Einladung ist für alle vorkommenden Fälle vollkommen
genügend. Sie sagt dem Eingeladenen in höflicher und bündigster Weise
alles, was er zu wissen nötig hat. Für eine größere Mittags- oder
Abendtafel wird aus den vorher erläuterten Gründen links unten noch das
U. A. w. g. (oder der genannte Satz) hinzugefügt. Dies zu tun bleibt jedem
natürlich auch bei andern Einladungen unbenommen, sobald er wünscht, daß
die Anzahl der Gäste zuvor schon wenigstens annähernd bestimmt sein möchte.
Diese Einladung soll geschrieben sein, höchstens bei großer Anzahl der
Gäste ist sie gedruckt. Den Zweck, Ort und Zeit hinzuzufügen sei dir
überlassen. Bei der Versendung verwende einen Dienstboten, in größeren
Städten die Post. Sind gedruckte Formulare verwendet worden, so müssen die
Briefe auch geschlossen sein.


Die große Gasttafel.

Die Bezeichnungen Diner, das Mittagsbrot, Souper, das Abendbrot, führt man
bloß bei festlichen Veranstaltungen. Das, was du deinen Gästen bietest,
passe deinen Verhältnissen an, um üblen Nachreden zu entgehen. Bei einem
kleinen Diner oder Souper wählt man einen runden oder ovalen Tisch, bei
größeren die Tafel oder einige Tafeln in Hufeisenform gestellt.

Die Stühle werden, wenn der Tisch gedeckt wird, zur Seite gestellt, daß man
freie Wandelgänge hat, um zu decken.

Das Tischtuch wird zuerst aufgelegt. Hierbei ist zu beachten, daß es
gleichmäßig an allen Seiten herabhängt; der Längsbruch sei genau in der
Mitte, und nach oben liegt stets der erste Seitenbruch auf der Kante des
Tisches.

Das Monogramm ist rechts außen. Muß man mehrere Tischtücher benützen, so
legt man auf die Stelle, wo sie sich berühren, eine Serviette. Noch feiner
sind seidene Läufer. An den Ecken raffe man es in zierliche Falten. Man
kann dies auch an der Länge des Tischtuches fortsetzen und dann an diesen
Raffungen Schleifen oder Bouquets befestigen. Eine Friesdecke unter das
Tischtuch zu legen, ist sehr zu empfehlen, damit das Klappern der Geschirre
gedämpft werde. Das Aufstellen kleiner Vasen mit frischen Blumen als
Dekoration ist empfehlenswert. Große Blumensträuße und -stöcke sind hierzu
unpraktisch, weil sie die Aussicht versperren. Menu und Weinkarten stelle
auf oder lege sie unter den Teller. Tafelaufsätze mit Obst sind auch ein
sehr schöner Tafelschmuck, ebenso verschiedenes Weingelee und Baumkuchen.
Auch Flaschen mit Wasser werden aufgestellt, man rechnet für vier Personen
eine Literflasche. Feine Schlingpflanzen der Länge nach über den Tisch
(Läufer) zu legen, ist sehr hübsch. Bei feiner Tafel liegt noch über dem
Tischtuch in der Mitte desselben ein Läufer. Dieser ist von Kreppapier, in
sehr feinen Häusern aber von Seide und gestickt. Beim einfachen Tisch
werden die Teller aufgestellt, die frische Serviette in den Teller und der
Serviettenring auf diese oder auf die rechte Seite des Tellers gelegt.

Tisch- und Menukarten sollen nie fehlen. Bei jedem zweiten Gedeck soll ein
Salz- und Pfeffernäpfchen stehen. Ist die Suppe der erste Gang, so werden
keine Teller aufgestellt, sondern nur die Serviette auf den Tisch gelegt,
weil die Suppe eingeschöpft jedem Gast vorgesetzt wird.

Das Besteck liegt unmittelbar bei dem Teller und zwar rechts Messer,
Löffel, Fischmesser. Die Gabel liegt mit den Zinken nach oben, ebenso zeigt
der Löffel die Höhlung nach oben. Links liegt die Gabel. Oben quer liegt
das Dessertbesteck. Über diesem liegt der Eis- oder Kompottlöffel. Die
Weingläser stehen rechts oben vom Besteck, und die gebrauchten Gläser
werden nach jedem Gang abgetragen. Angeboten wird von links, abgetragen von
rechts.

Kompotte und Salat stehen fertig auf der Tafel. Das Dessert dient teilweise
zum Schmuck der Tafel. Nur Butter und Käse sowie Eis werden später
gereicht.



In Gesellschaft.


Alles bisher Gesagte vom Verkehr mit Damen gilt erst recht vom Verkehr mit
ihnen in Gesellschaft. Doch hüte sich der Herr, durch zu großen Diensteifer
einer Dame gegenüber diese ins Gerede zu bringen. Sein Benehmen sei
vielmehr zu allen Damen von der gleichen Höflichkeit und rücksichtsvollen
Liebenswürdigkeit. Die Dame aber sei stets trotz aller Liebenswürdigkeit
von einer gewissen Zurückhaltung, so daß jede Vertraulichkeit
ausgeschlossen bleibt. Das Benehmen eines Herrn einer Dame gegenüber
richtet sich nach dem Benehmen der Dame selbst. Man erscheine pünktlich zur
angegebenen Stunde, da man durch Zuspätkommen leicht in den Verdacht kommt,
dadurch Aufsehen erregen zu wollen; außerdem ist es eine
Rücksichtslosigkeit gegen alle Erschienenen.

Man bedenke stets, daß man nur ein Teil der Gesellschaft ist, und betrachte
sich nicht als die Hauptperson.

Man sehe über kleine Versehen und Vorkommnisse ruhig hinweg und hüte sich,
gar darüber zu sprechen oder sich die Verstimmung merken zu lassen.

Wird getanzt, ist es Pflicht eines jeden Herrn zu tanzen, solange noch
Damen frei sind, da diese doch dazu geladen sind.

Herren, die herumstehen, statt zu tanzen, solange noch tanzlustige Damen
vorhanden sind, beweisen, daß sie keine Lebensart besitzen.

Einer Dame, welche man zum Tanze auffordern will, muß man sich vorstellen
lassen.

Bei öffentlichen Vergnügungen wie Reunions usw. kann sich der Herr selbst
vorstellen; er nennt seinen Namen und verbeugt sich, hierauf nennt die Dame
ihren Namen und verbeugt sich ebenfalls.

Die Aufforderung geschieht etwa in der Form: »Darf ich um die Ehre bitten,
mir den Walzer usw. zu bewilligen?« Die Antwort wird lauten: »Sehr gern!«
oder »Ich bedaure sehr, aber ich habe diesen Tanz bereits vergeben.« Weist
eine Dame einen Tänzer ab, ohne vorher einem andern Herrn den Tanz zugesagt
zu haben, so muß sie auf diesen Tanz völlig verzichten, da sie sich sonst
Unannehmlichkeiten zuziehen kann. Während des Tanzes wolle man nicht
sprechen, wenn man nicht weiß, ob es der Dame angenehm ist.

Zum Tanz wird eine Dame stets an der Hand geführt.

Das Engagieren geschieht durch gegenseitige Verneigung. Ist der Tanz
beendet, so führt der Herr die Dame wieder auf ihren Platz, verbeugt sich
vor ihr, geht einige Schritte, indem er ihr noch mit dem Gesicht zugewandt,
zurück und begibt sich dann erst wieder zu der Gesellschaft.



Über das Rauchen.


Vor dem Betreten fremder Wohnungen versäume ein junger Herr nicht, die
Zigarre abzulegen; selten wird ein Fensterbrett oder sonstiger
Aufbewahrungsort auf dem Korridore fehlen, wo er sie deponieren kann.
Vorsichtige Leute führen einen Zigarrentöter bei sich. Nur in vertrautem
Kreise ist es gestattet, die Zigarre mit in das Zimmer zu bringen. Man
vermeide überhaupt soviel als möglich, in Gesellschaft von Damen zu
rauchen, jedenfalls versäume man nicht, zuerst um Erlaubnis zu bitten. Es
ist wohl kaum nötig, die jungen Damen vor einer fatalen, aus Frankreich zu
uns gekommenen, aber glücklicherweise noch nicht eingebürgerten Sitte bei
dieser Gelegenheit zu warnen. Wenn die Pariserinnen daran Gefallen finden,
türkische und russische Zigaretten zu rauchen, so ist das kein Grund, daß
auch unsere Damen diese Sitte oder Unsitte annehmen. Es macht einen höchst
unbehaglichen und abstoßenden Eindruck auf den größten Teil nicht nur der
Frauen, sondern auch der Männer, eine Dame rauchen zu sehen.

Jedem das Seine!



  Kommandos der +Française+.


  Dieselbe wird in Kolonnen-Aufstellung getanzt.


  I. Tour. (+Pantalon.+)

  Verbeugung.                                                  Taktzahl.

  +Demi-chaine anglaise+ (Platzwechsel der Paare)                    8
  +Balancé+ 4 mal oder +pas de baque+ (Schwebeschritte)              4
  +Tour de main+ (umeinander herumtanzen)                            4
  Damen-+chaine+ (Platzwechsel der Damen)                            8
  +Promenade+ (paarweise Platzwechsel)                               4
  +Demi-chaine anglaise+ (zurück auf den Platz)                      4


  II. Tour. (+Eté.+)

  Herr 1 und Dame 2 zur Mitte vor und zurück                         4
  +Chassé+ rechts und links (schrägrechts vor und zurück)            4
  +Traversé+ (Platzwechsel)                                          4
  +Chassé+ rechts und links                                          4
  +Retraversé+ mit +balancé+ (zurück auf den Platz mit +balancé+)    4
  +Tour de main+ (umeinander herumtanzen)                            4


  III. Tour. (+Poule.+)

  +Traversé+ (Platzwechsel an der rechten Hand)                      4
  +Retraversé+ (Platzwechsel an der rechten Hand)                    4
  +Balancé en ligne+ (Schwebeschritt zu Vieren)                      4
  +Promenade+ (paarweise Platzwechsel)                               4
  Herr 1 und Dame 2 zur Mitte vor und zurück                         4
  Alle Herren vor Damen und Verbeugung oder +Dos-à-dos+              4
  Alle zur Mitte vor und zurück                                      4
  +Chaine anglaise+ (zurück auf den Platz)                           4


  IV. Tour. (+Pastourelle.+)

  1. Paar zur Mitte vor und zurück                                   4
  Wieder vor, Dame zurück. Herr hinüber zu Paar 2                    4
  Triumphbogen: zweimal vor und zurück                               8
  Damen-Solo, +Ronde+ links und Platzwechsel                         8
  Alle zur Mitte vor und zurück                                      4
  +Chaine anglaise+ (auf die Plätze)                                 4


  V. Tour. (+Trénis.+)

  1. Paar zur Mitte vor und zurück                                   4
  Wieder vor, Herr zurück, Dame hinüber                              4
  +Traversé+ (Platzwechsel Herr 1 mit Dame 2)                        4
  +Retraversé+ (auf die Plätze zurück)                               4
  +Chassé+ rechts und links mit +Balancé+                            4
  +Tour de main+ (beide Hände)                                       4


  VI. Tour. (+Finale.+)

  +Groise+ und Verbeugung nach rechts und links                      8
  Große +Promenade+ (vorwärts und retour)                            8
  +Balancé+ und +Tour de main+ (rechte Hand)                         8
             { Herr 1 und Dame 2 zur Mitte vor und zurück            4
             { +Chassé+ rechts und links                             4
  II. Tour.  { +Traversé+                                            4
             { +Chassé+ rechts und links                             4
             { +Retraversé+ und +Balancé+                            4
             { +Tour de main+                                        4
  Alle zur Mitte vor und zurück                                      4
  Großer Stern vorwärts und zurück                                  16

  Diese Tour wird noch einmal wiederholt. In Tour II beginnt 2. Herr
  und 1. Dame.


  Zum Schluß.

  +Grande chaine+ (große +ronde+).



  +Quadrille à la cour.+


  Dieselbe wird in Karree-Aufstellung getanzt. Das erste Paar, nimmt man
  an, steht dem Orchester gegenüber.


  I. Tour.

  Verbeugungen.

  Erster Herr und zweite Dame:

  Zur Mitte vor und zurück.

  Zur Mitte vor, Handtour rechts u. an d. Platz zurück.

  Das erste Paar zieht durch das (geöffnete) zweite Paar.

  Das zweite Paar zieht durch das (geöffnete) erste Paar.

  Verbeugungen: Erst nach den Ecken, dann der Paare sich selbst.

  Handtour rechts, Handtour links.

    1. Wiederholung: Zweiter Herr und erste Dame beginnen.

    2. Wiederholung: Dritter Herr und vierte Dame beginnen.

    3. Wiederholung: Vierter Herr und dritte Dame beginnen.


  II. Tour.

  Verbeugungen.

  Erstes Paar: Zur Mitte vor und zurück.

  Die Dame tritt vor ihren Herrn.

  Handtour rechts (ganz), Handtour links (halb) und

  Nebenreihen des ersten und zweiten Paares neben das dritte und vierte
  Paar.

  Alle: Zur Mitte vor und zurück.

  Die Paare drehen sich (links hin) mit Handfassen an ihre Plätze.

    1. Wiederholung: Das zweite Paar beginnt.

    2. Wiederholung: Das dritte Paar beginnt.

    3. Wiederholung: Das vierte Paar beginnt.

  (Bei der 2. und 3. Wiederholung geschieht das Nebenreihen neben
  das zweite und erste Paar.)


  III. Tour.

  Verbeugungen.

  Erster Herr und zweite Dame:

  Zur Mitte vor und zurück.

  Platzwechsel und tiefe Verbeugung.

  Zurückkehren an den eigenen Platz.

  Mühle der Damen, Handtour links mit dem Herrn gegenüber.

  Mühle der Damen, Handtour links mit dem eigenen Herrn.

    1. Wiederholung: Zweiter Herr und erste Dame beginnen.

    2. Wiederholung: Dritter Herr und vierte Dame beginnen.

    3. Wiederholung: Vierter Herr und dritte Dame beginnen.


  IV. Tour.

  Verbeugungen.

  Das erste Paar geht:

  Vor das dritte Paar, Runde nach links hin.

  Vor das vierte Paar, Runde nach rechts hin.

  Sämtliche Damen kreuzen vor ihrem Herrn nach links (der Herr tritt
  nach rechts).

  Sämtliche Damen kreuzen vor ihrem Herrn nach rechts zurück (der Herr
  tritt nach links).

  Alle Paare: Handtour rechts, Handtour links.

    1. Wiederholung: Das zweite Paar beginnt und geht erst vor
       das vierte, dann vor das dritte Paar.

    2. Wiederholung: Das dritte Paar beginnt und geht erst vor
       das zweite, dann vor das erste Paar.

    3. Wiederholung: Das vierte Paar beginnt und geht erst vor
       das erste, dann vor das zweite Paar.


  V. Tour.

  Alle: Große Kette (links beginnend) bis zum Platze gegenüber
  (Verbeugung) und weiter bis an den eigenen Platz.

  Das erste Paar schwenkt um, dahinter tritt das dritte Paar.

  Hinter das dritte das vierte Paar. (Sämtliche Paare stehen
  jetzt hintereinander.)

  Kreuzen der Damen (vor ihren Herren) nach links, gleichzeitig
  Kreuzen der Herren (hinter ihren Damen) nach rechts.

  Wiegen. Kreuzen der Damen nach rechts, der Herren nach links.

  Wiegen. Gegenzug (+Promenade+) die Damen rechts, die Herren
  links und Öffnen der Reihen mit Handfassen.

  Alle: Zur Mitte vor und zurück.

  Die Paare drehen sich mit Handfassen (nach links hin) an ihre Plätze.

    1. Wiederholung: Nach der Kette schwenkt das zweite Paar um.

    2. Wiederholung: Nach der Kette schwenkt das dritte Paar um.

    3. Wiederholung: Nach der Kette schwenkt das vierte Paar um.

  Das Ganze schließt mit der großen Kette.

  (Die V. Tour wird meistens ohne vorherige Verbeugungen ausgeführt.)





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Takt und Ton im geselligen Verkehr nebst Kommandos der Quadrille à la cour und der Française" ***

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