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Title: Die Philippinen und ihre Bewohner - Sechs Skizzen
Author: Semper, C. (Carl), 1832-1893
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

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                              Die

                 Philippinen und ihre Bewohner.

                         Sechs Skizzen.

                         Nach einem im
               Frankfurter geographischen Verein
                     1868 gehaltenen Cyclus
                         von Vorträgen.

                              Von

                         Dr. C. Semper,
                    Prof. extr. in Würzburg.



                           Würzburg.
                   A. Stuber's Buchhandlung.
                             1869.



               Recht der Uebersetzung vorbehalten.



    Meinem lieben Schwager

    Moritz Herrmann

    in Manila
    dem thätigen Beförderer meiner wissenschaftlichen Bestrebungen
    widme ich diese Blätter
    in

    dankbarer Freundschaft.



Mein lieber Moritz.


Als wir uns vor 4 Jahren trennten, versprach ich Dir, Deinen Namen
einer Reisebeschreibung voranzusetzen. Doch »in der Zukunft d. h. der
Verleger dunklem Schoosse« ruht noch immer die versprochene Arbeit,
ungewiss ihres zukünftigen Geburtstages; darum biete ich Dir heute
nur diese leichte Waare an. Deutlich tragen die folgenden Skizzen
den Charakter der frei gehaltenen Vorträge an der Stirn. Sollte es
mir gelungen sein, dennoch durch die Verschmelzung eigener Anschauung
mit fremden Angaben ein übersichtliches Bild von dem Lande und seinen
Leuten, den Wechselbeziehungen ihrer geschichtlichen Entwickelung
und der natürlichen Verhältnisse des Bodens und seiner Erzeugnisse
entworfen zu haben, so wurde dies mich trösten bei dem Vorwurf,
den Du mir vielleicht machen wirst, in diesen Skizzen allzusehr den
Reisenden vernachlässigt zu haben.

Sage den Palmen, ehe auch Du ihr Land verlässt, dass ich ihrer in
treuer Liebe gedenke.


Würzburg, im Mai 1869.

Dein Freund und Schwager

C. Semper.



I.

Die Vulcane der Philippinen.


Fast in gerader Linie von Nord nach Süd ziehen sich die philippinischen
Inseln von Formosa an hinunter bis nach Borneo und den Molucken. Von
der Südspitze Formosa's durch einen etwa 40 Seemeilen breiten Canal
getrennt schliessen sich die kleinen Inseln der Provincia de _Batanes_
an die schon zum Theil zu Luzon gehörenden und die Gestalt dieser Insel
in ihrer Gruppirung andeutenden _Babuyanes_ an. Von fast viereckiger
Form, mit parallelen, von Nord nach Süd streichenden östlichen und
westlichen Küsten zieht sich _Luzon_, die grösste Insel der Philippinen
(2000 geogr. Quadratmeilen), vom 19. bis zum 14. Breitengrade herunter
und biegt sich dann plötzlich in fast ganz östlicher Richtung
um. Durch Meeresarme und Buchten in zahlreiche schmale Halbinseln
und Landzungen zerspalten scheint dieser südlichere Theil von Luzon
aus einer Menge kleinerer Inseln zusammengesetzt zu sein und lehnt
sich so in natürlichster Weise an die zahlreichen Inseln an, welche
man gewöhnlich unter dem Namen der »Islas Visayas« oder der »Islas
de los Pintados« (der tättowirten Menschen) begreift. Unter diesen,
deren Zahl mit Einschluss der kleineren Inseln viele Hunderte beträgt,
fallen die beiden südlichsten leicht in die Augen: die langgestreckte
_Palawan_ oder _Paragua_ der Spanier, welche von Borneo's Nordspitze
(in 7° N. Breite) nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt eine
enge Beziehung zwischen dieser und den philippinischen Inseln
anzudeuten scheint, und dann am Meisten gegen Osten vortretend
_Mindanao_ oder _Magindanao_, die grösste Insel der Philippinen nach
Luzon (1600 geogr. Quadratmeilen). Mit ihrer südwestlichen Spitze
(Zamboanga) lehnt sie sich durch die Inselkette von _Basilan_ und
den Sulu-Inseln ebenfalls an eine östlich vorspringende Landzunge
Borneo's an, während die südöstliche Spitze Mindanao's, die _Punta
Serangani_ in 5° 80' N. Br. durch die Inselkette, welche Sanguir,
Siao &c. angehören mit Celebes, durch die Salibabo-Inseln mit Gilolo
verbunden ist. So schliesst der Archipel der Philippinen den nördlichen
Theil des stillen Oceans mit seinen östlichen Strömungen von der durch
ihre Wirbelstürme berüchtigten chinesischen See ab und gestattet
eine Verbindung beider Meere unmittelbar nur durch den nördlichen
ziemlich breiten Canal zwischen Luzon und Formosa, mittelbar durch
die Strassen von _S. Bernardino_ und von _Surigao_, und die in
mehr als einer Beziehung wichtige Strasse von _Celebes_. Gänzlich
innerhalb des Tropengürtels und in einem Grenzgebiete zwischen den
Monsuns und dem NO. Passat des stillen Meeres gelegen, mit unendlich
reicher Küstenentfaltung, wie sie nur wenigen begünstigten Ländern der
Welt eigen ist; mit langgestreckten Bergketten von 3-4000' mittlerer
Kammhöhe und bis zu über 9000' ansteigenden Berggipfeln und isolirten
Feuerbergen; mit einer durchschnittlichen mittleren Jahrestemperatur
von 21° R. und mittleren Extremen von 19-23° R. und einem mehr als
70 % betragenden mittleren Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre; von
zahlreichen Flüssen und Bächen durchfurcht und mit grossen Landseen in
den ausgedehnten Ebenen oder tief versteckt zwischen den Bergen--so
besitzen die Philippinen alle Momente zur üppigsten Entfaltung
tropischer Vegetation und Scenerien. Und in der That reihen sich
diese Inseln in solcher Beziehung durchaus würdig den gefeiertsten
Gegenden tropischer Länder, wie Brasilien, Java und Ceylon an. Vom
dunklen Grün der tropischen Laubwälder stechen die Fichtenwaldungen der
hohen Berggipfel in ihrem düstern einförmigen Ton ab--hier vermählt
sich der Tannenbaum mit der Palme--und in den Thälern den Flüssen
entlang zieht sich ein schwarzer Streif, der Wald der Casuarinen
hin. Halb unter den Cocospalmenhainen versteckt liegen die Städte
und Dörfer zwischen dem heiteren lichten Grün der Reisfelder und der
Zuckerplantagen und alle die Bäume des Waldes und die Sträucher der
Gärten schmücken sich mit blendend gefärbten Blumen und Früchten. Die
Schönen des Landes scheinen diesen die Kunst abgelauscht zu haben,
sich in den grellsten, blendendsten Farben zu kleiden, ohne unseren
Augen wehe zu thun, und es steht der Reichthum der Farben, mit denen
sich die Pflanzen und Thiere, wie auch die Menschen schmücken, in
vollster Harmonie zu der Fülle des Lichtes, welche eine tropische
Sonne selbst durch Wolken hindurch ihrer geliebten Erde zusendet.

Aber unter diesen Blumen ruht auch hier die Schlange, bereit zum
Sprunge und zum giftigen Bisse, und hier so wenig wie anderswo ist
dem Menschen ungestörter friedlicher Genuss gewährt. Schreckliche
Krankheiten, Pocken und die asiatische Cholera, diese Geissel der
modernen Menschheit, decimiren die bevölkerten Städte und Dörfer;
Wanderheuschrecken, welche wolkengleich den Himmel verfinstern,
verheeren die Saat und es folgt ihnen Theuerung und Hungersnoth
nach; beim Wechsel der Monsune überschwemmen die angeschwollenen
Giessbäche das Land und wenn der Indier sich in seinen Holzhütten
oder Steinhäusern von der verheerenden Fluth glücklich gerettet wähnt,
so sieht er sich unter den Trümmern seines Hauses durch ein Erdbeben
begraben oder in der Gluth der Aschenregen eines neu ausbrechenden
Vulcanes erstickt.

Wir wollen aus der Reihe der hier angedeuteten Phänomene den
Feuerbergen der Philippinen, wie der Eingeborne die Vulcane nicht
ganz richtig nennt, etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.

Auf der südlichsten Landspitze von Mindanao, der schon genannten
Punta Serangani liegt der längst bekannte Vulcan _Serangani_ oder
_Sanguil_, [1] wie ihn einige der früheren Geschichtsschreiber und
Seefahrer nennen, denen er beim Einlaufen in die Strasse von Celebes
als fester Leuchtthurm gedient hat. Ihm schliessen sich auch den
allerdings vielfach sich widersprechenden Angaben der spanischen
und englischen Autoren zwei andere Vulcane an, deren einer, der
Vulcan von _Sujut_, nahe der Bahia de Illanos, etwa 8-10 Seemeilen
von dem Orte gleichen Namens liegen soll, während der dritte nur
von wenigen Seefahrern früherer Zeiten gesehene Vulcan dicht bei
dem Dorfe _Davao_, dem jetzt auf den spanischen Karten _Vergara_
genannten Orte in der Bucht gleichen Namens (_Tagloc_ der älteren
Karten) liegt. Von dem ersten, dem Sanguil oder besser Serangani--da
der erste Name wahrscheinlich auf einem Missverständniss beruht, und
jetzt gänzlich verloren gegangen ist--ist nur ein einziger historisch
beglaubigter Ausbruch bekannt; es ist der vom 4. Januar 1645 (oder
1641?). An demselben Tage sollen noch ein anderer Vulcan auf einer
kleinen Insel der Sulu-Gruppe und ein dritter auf Luzon selbst,
der auch auf Darwins bekannter Karte [2] angegebene Vulcan von Aringay
oder Mte. Sto. Tomas im Golf von Lingayen zum Ausbruch gekommen
sein. Beide sind jetzt jedenfalls als ruhende Vulcane zu bezeichnen,
während der Vulcan von Serangani auch noch auf den neuesten Karten
als activer Feuerberg bezeichnet wird. Nicht ganz genügend lassen
sich die widersprechenden Nachrichten über die beiden andern Vulcane
vereinigen. Während _dieser_ Reisende nur den Vulcan von Davao,
ein _anderer_ jenen von Sujut (oder Pollok) gesehen zu haben meint,
sprechen abermals Andere von einem feuerspeienden Berge, den sie zwar
vom Hafen von Pollok aus--also in der Nähe der Illanosbucht--gesehen
haben wollen, während sie ihm doch seine Lage in der schon oben
erwähnten Bahia de Tagloc [3]--dem Meerbusen von Davao--zuweisen. Wäre
die Meinung der letzteren richtig, so würden somit der Vulcan von Sujut
und von Davao in einen zusammenfallen. Aus eigener Anschauung kann
ich leider nur über den von Davao berichten: doch kann auch ich mich
nicht rühmen, meinen Fuss auf seinen Boden gesetzt zu haben; denn nur
aus grosser Entfernung konnte ich seinen Doppelkegel erblicken. Lange
schon hatte ich mich bemüht, genaue Nachrichten von den spanischen
Priestern und Beamten über Mindanao einzuziehen; im Jahr 1859 hatte ich
einen vergeblichen Versuch gemacht, von Zamboanga an der Südwestspitze
der Insel aus, tiefer in die ganz von Muhamedanern bewohnten Gegenden
der Südküste einzudringen, und auch im Jahr 1864, dem letzten meines
Aufenthaltes auf den Philippinen, war es mir unmöglich einen genaueren
Reiseplan über ein Vordringen vom Norden [4] her zu entwerfen, da alle
specielleren Anhaltspuncte zur Fixirung eines solchen fehlten. So
wurde ich denn auch durch die Schwierigkeit des Vordringens so lange
aufgehalten, und die entworfene Reiseroute zuerst durch die Cholera,
nachher an der Ostküste von Mindanao durch eine Expedition von Piraten
dergestalt verändert, dass ich wegen Mangels an Schuhen vom weiteren
Vordringen über die unwegsamen Wege des Innern abstehen musste, als
ich schon den nach der Messung eines spanischen Officiers etwa 8000'
hohen Berg in ungefähr 30-40 Seemeilen Entfernung vor mir liegen sah;
und ich musste mich mit dem Bewusstsein begnügen, seine geographische
Lage wenigstens annähernd soweit bestimmt zu haben, dass eine ähnliche
Bestimmung des von Pollok aus gesehenen Berges Aufschluss über die
oben geäusserten Zweifel geben würde.

Gänzlich von dem Dreiecke, welches so die activen Vulcane Mindanao's
bilden, getrennt, liegt ein anderer Vulcan auf der zu den Visaya's
gehörenden Insel _Negros_, von dessen Vorhandensein kein Reisender
und keine Karte [5] etwas weiss. Den Nachrichten, welche ich über ihn
von einem gebildeten in _Iloilo_ auf _Panay_, einer gerade Negros
gegenüberliegenden Insel, residirenden Engländer erhielt, würde
ich kaum, trotz der hohen Glaubwürdigkeit des Mannes, Beachtung
geschenkt haben, wenn ich mich nicht selbst von der Wahrheit seiner
Angaben überzeugt hätte. Leider konnte ich auch diesen Vulcan nur
aus der Ferne sehen. Sein stark rauchender hoher Kegel ragt weit
über die niedrigen Kalkberge der benachbarten Insel Cebú empor, so
dass er bei günstiger Witterung in dem weiten Canal zwischen _Bohol_
und _Cebú_ zu erblicken ist. Nach Schätzung muss er eine Meereshöhe
von mindestens 5000' erreichen.

In weiter Entfernung von den bisher behandelten Vulcanen tritt
nun auf dem langgestreckten südlichen Theile von Luzon eine Kette
von Feuerbergen auf, deren südlichster der Vulcan von _Bulusan_
die äusserste südöstliche Spitze von Luzon bezeichnet. Auch von
ihm weiss man kaum mehr, als dass er zu den activen Vulcanen
gerechnet werden muss; denn er sowohl, wie der etwas nördlicher
liegende Vulcan von _Albay_ haben den sich von Osten her nahenden
Seefahrern von jeher als Leuchtthurm bei der Einfahrt in die Strasse
von S. Bernardino gedient. Beide sind von beträchtlicher Höhe, der
erste von etwa 5000, der Vulcan von Albay oder der _Mayon_ von über
7000' Meereshöhe. Zahlreiche heftige Ausbrüche haben diesen letzteren,
welcher in seiner äusserst regelmässigen conischen Gestalt als ein
wahres Muster feuerspeiender Kegelberge dienen kaun, verrufen und
gefürchtet gemacht. Unter den 7 in den Geschichtsbüchern registrirten
Ausbrüchen [6] sind es die beiden vom 24. October 1767 und vom 1.
Januar 1814, welche durch ihre Schlammausbrüche oder Lavaströme und die
vorausgehenden Erdbeben viele Dörfer rings um den Fuss des Berges
zerstörten und Hunderten von Menschen das Leben raubten. Das Geräusch
der Detonationen hörte man in Manila wie nahen Kanonendonner, und
die Asche fiel hier so dicht, dass sie eine Schicht von 18 Linien
Dicke auf dem Erdboden bildete. Aber der Mensch gewöhnt sich hier,
wie überall, leicht an die Schrecken der ihn umgebenden Natur; und
über die Trümmer seines Hauses schlägt der Bewohner sein leichtes
aus Palmblättern gewebtes Dach und lebt in ihnen sorglos und rasch
beruhigt sein friedliches Leben weiter.

Ganz anders, als die bisher betrachteten Vulcane, die alle bis zu
bedeutender Höhe in regelmässigster Kegelform aufsteigen, entzieht
sich der dritte der Vulcanenreihe Süd-Luzon's, der berüchtigte _Taal_
ganz den Wirken der Reisenden. Mag man auf dem Seewege von Manila her
mit einem kleinen regelmässig fahrenden Küstendampfer um die Provinz
_Cavite_ herum am Dorfe _Taal_ in der Provinz _Batangas_ landen, oder
sich ihm auf dem Landwege durch den _Rio de Pasig_ und die herrliche
_Laguna de Bay_ über _Los Baños_ und _Tanauan_ zu nähern versuchen,
immer erblickt man ihn erst, wenn man schon am Ufer des Sees gleichen
Namens [auch genannt Laguna de Bombon [7]] steht. Mitten in diesem
sehr tiefen See--der nur ein durch die schwache Erhebung eines aus
vulcanischem Tuff gebildeten Dammes abgesperrter Meerbusen [8] zu sein
scheint--liegt in dreieckiger Gestalt eine Insel mit ihrer breiten
Nordseite dem Dorfe _Talisay_ zugekehrt, und ungefähr in ihrer Mitte
der jetzt active beständig rauchende Krater mit seinen kaum mehr als
600' sich über dem See erhebenden Kraterrändern. Vor ihm zeigt die
Nordostspitze der Insel eine Anzahl steil ansteigender, mit hohem
Grase und krüppelhaften Bäumen bewachsener stark gefurchter Hügel,
welche den nördlichen Fuss des Vulcan's so verdecken, dass man die
Lage des Kraters nur an der Ausdehnung der zwischen den Kraterwänden
aufsteigenden Rauchsäule erkennt. Die nordwestliche etwas vorspringende
Spitze wird von einem jetzt gänzlich erloschenen regelmässig
kegelförmigen Vulcane, dem _Binintiang grande_ gebildet, während der
auch in den Geschichtsbüchern erwähnte _Binintiang chiquito_ (der
kleine Binintiang) die nach dem Süden hindeutende dritte Spitze der
Insel bezeichnet. Ausbrüche dieses Vulcanes finden sich 11 verzeichnet,
die aber nicht alle aus demselben Krater stattfanden. Zwei zweifelhafte
Ausbrüche werden in den Jahren 1634 und 1645 erwähnt ohne Angabe des
Kraternamens, von 1707-1733 wechselten die beiden Binintiang's mit
einander ab, bis endlich 1749 der mittlere Krater zum Ausbruch kam,
der jene beiden zum Schweigen bringend von nun an bis in neuere Zeit
hinein die Rolle übernahm, in der erstickenden Asche den Bewohnern der
nahen Dörfer Tod und Segen [9] zugleich zu bringen. Sein furchtbarster
Ausbruch geschah am 2. December 1754; Erdbeben kündigten ihn an. Am
nächsten Tage erfolgte die Eruption mit entsetzlichen weit hin in allen
Provinzen gehörten Explosionen und einem Aschenregen, der viele Stunden
lang anhaltend bis in die nördlichsten Gegenden Luzon's hingetragen
wurde, während er die 4 bevölkerten Dörfer _Taal_, _Lipa_, _Tanauan_
und _Sala_ vollständig zerstörte. Nur die Ruinen der steinernen
Gebäude, der Kirchen und Convente dieser Orte ragen noch zwischen
neu aufgewachsenen Palmen- und Bambushainen am Ufer des See's aus der
festgewordenen Asche hervor. Zahlreiche Erdbeben, welche seitdem die
Bewohner der Hauptstadt Manila aus ihrer Ruhe schreckten und deren
stärkstes am 9. Juni 1863 viele Privathäuser und die meisten der
öffentlichen Gebäude in Ruinen legte, lassen sich wohl mit Sicherheit
auf diese nah gelegene Quelle unterirdischer Wühlereien zurückführen.

Hier legten mir zum Glücke weder Piraten, noch meine Schuhe
irgendwelche Hindernisse in den Weg, so dass ich nach hinreichender
Ausrüstung mit Lebensmitteln, Aexten und Tauen den lange beabsichtigten
Besuch der Insel ausführen konnte. Am Nordrande der Insel gelandet, an
welchem eine kleine Fischerhütte mich mit meinen zahlreichen Begleitern
aufnehmen musste, bestieg ich am Nachmittag desselben Tages noch den
nördlichen Kraterrand, welcher in etwa 400' mittlerer Höhe steil in den
etwas ovalen und von Süden her durch einen vorspringenden Berg in zwei
Hälften getheilten Krater abfällt. Ein günstiger Nordwind trieb den aus
dem Schlot des vielfach zerrissenen Eruptionskegels [10] aufsteigenden
Rauch nach Süden. Ueberall durchzogen Spalten das Erdreich, das
aus loser nur an der Oberfläche zusammengebackener Asche bestand,
und aus vielen derselben drang ein nach schwefliger Säure riechender
Dampf aus den Fumarolen hervor. Da ich in wenig Tagen hier den Besuch
von Freunden und ihren Damen erwartete, so recognoscirte ich nur mit
dem Fernrohr die Kraterwand, ohne weiter ein Hinabsteigen an dieser
nördlichen hohen Seite zu versuchen. Obgleich ich mich dabei immer
hart am Rande des Kraters bewegte, so hatte ich doch mehr Glück als
ein Spanier von Manila, welcher wie so manche Andere an dieser Stelle
heraufgestiegen war, um sich einmal das »purgatorio« mehr aus der Nähe
anzusehen. Diese Neugier aber kam ihm theuer zu stehen. Das Erdreich
am Rande des Kraters hielt ihn nicht--ich weiss nicht, ob seine
Corpulenz oder seine Sünden ihn so schwer wiegen liessen--es gab nach,
und auf einem Aschenblock reitend kam er nach blitzesschneller Fahrt
im Grunde des Kraters an und blieb hier dicht vor einem rauchenden
und von Gyps, Schwefel, Alaun und anderen Stoffen angefüllten Sumpf
liegen, welcher die ganze nördliche und nordwestliche tiefste Seite
des Kraters ausfüllt. Der weiche Boden hatte ihn etwas warm, aber
doch weich gebettet, so dass er nur schwefeldurchräuchert, aber mit
heilen Gliedern davon kam. Nach mehrstündigem Aufenthalt im Krater
wurde er von seinen Begleitern mit Stricken wieder hervorgeholt. Die
Geschichte schweigt darüber, ob er je wieder den Versuch gemacht hat,
sich während seines Lebens dem Fegefeuer zu nähern.

Dort wo der südliche Kraterrand zu der höchsten, etwa 600' über dem
See liegenden und etwas in den Krater vorspringenden Spitze ansteigt,
bemerkte ich gegen Westen einen tiefen Einschnitt in die geschichteten
trachytischen Wände des Berges, in welchem die Einfahrt am leichtesten
möglich zu sein schien. Nach Berathung mit meinen Leuten gingen wir am
nächsten Morgen um den _Binintiang grande_ herum an die südwestliche
Küste, wo ebenfalls am flachen und von hohem Grase (cogon) und einzeln
stehenden Bäumen bewachsenen Ufer eine Hütte stand. Ein nicht ganz eine
Stunde dauernder Marsch brachte mich zunächst auf dem Rücken eines
Höhenzuges entlang an tiefen Spalten und einigen grossen conischen
Löchern vorbei, dann über ein weites Aschenfeld hin, in welchem das
Gehen im höchsten Grade beschwerlich war und endlich über einen kleinen
Hügel hinweg an den Südwestrand des Kraters. Mein Führer hatte den Weg
vortrefflich ausgesucht, denn wir kamen genau an der Stelle an, die ich
ihm am Tage vorher bezeichnet hatte, am Anfange des Spaltes, welcher
mir von dem zur Regenzeit herabfallenden Regen in die Wand des Kraters
eingeschnitten zu sein schien. Das jetzt gänzlich trockene Bette des
Baches führte uns ziemlich steil, an zahlreichen Fumarolen vorbei, dem
Krater zu. Leider setzte ein senkrechter Absturz und die einbrechende
Nacht meinem Weiterdringen für diesmal ein Ziel. Am nächsten Morgen
wurden nun aus rasch geschlagenen Bambusrohren Leitern zusammengebunden
und mit diesen ausgerüstet, machten wir Nachmittags einen zweiten
Versuch in den Krater zu gelangen. Der erste Absturz von etwa 30' wurde
glücklich überwunden, aber bald sahen wir uns, immer in dem erwähnten
Bachbette niedersteigend, vor einem zweiten ebenso hohen Abhang und
nachdem wir auch hier eine zweite der Leitern aufgestellt hatten,
sahen wir uns nun zum dritten Male durch die senkrecht abstürzende
Wand aufgehalten. Es stand uns noch eine dritte Leiter zu Gebote,
die mittels eines Taues herabgelassen wurde, aber sie reichte kaum
bis zur Hälfte zu uns herauf. Wir hatten sie durch ein Loch, welches
von dem niederstürzenden Regen in den Boden der Schlucht eingefressen,
direct in den Krater führte, herabgelassen. Mein Diener Mariano, ein
munterer und zu allen gewagten Unternehmungen bereitwilliger Tagale,
liess sich am Taue durch das Loch hinunter; als ich ihm aber folgen
wollte, konnte ich wegen der grösseren Breite meiner Schultern nicht
hindurch. So musste ich ihm die Freude gönnen, mir am Abend von ihm
als einzigem Besucher des Kraterbodens genaue Berichte geben zu lassen
über seine Beobachtungen in dem »Purgatorio«. Leid thaten ihm dabei
nur seine blossen Füsse, die ziemlich versengt waren; doch tröstete
er sich leicht in der Ansicht, dass er nun doch vor allen Anderen
hoch begünstigt sei, da er auf seinem Wege zum Himmel die Qualen des
Fegefeuers noch bei Lebzeiten durchgemacht habe.

Am 3. Tage, dem 30. April 1859, endlich gelang es mir mit Hülfe
einer nahe an 70' langen Leiter, die ich am äusseren Rande der
Spalte, jenseits jenes Loches, welches mich den Tag zuvor am
Hinabsteigen gehindert, aufgestellt hatte, in den Krater selbst zu
kommen. Vereinzelte Grasbüschel wuchsen auf dem völlig schwarzen
Erdboden--an der Südwestseite des Kratergrundes,--der gänzlich aus
Asche und zahlreichen Schlackenstücken zu bestehen schien. Gegen
Norden sich schwach senkend, veränderte der Boden mehr und mehr
seine dunkle Farbe in Braun und Gelb, zugleich wurde er weicher
und es trat bald eine Kruste von gelbgefärbten Gypskrystallen auf,
die man mit einer etwas festeren grauen Masse von Thon von dem
darunter liegenden graulich gefärbten dicklichen Thonbrei abheben
konnte. Weiter gegen den erwähnten rauchenden Schwefelpfuhl zu, nur
noch etwa 50 Schritte von ihm entfernt, wurde der Boden so schlammig
und zugleich dabei so heiss, dass ich von weiterem Vordringen abstehen
musste. Mariano tanzte dabei mit seinen blossen Füssen hin und her,
wie ein kleiner hier einheimischer Teufel, da er wegen des heissen
Bodens nie länger als einige Secunden auf demselben Flecke stehen
bleiben konnte. Nun wandte ich mich der Südseite des Kraters zu, wo
die weisse aus festem trachytischen Gestein bestehende Kraterwand, von
zahllosen Fumarolen durchbrochen, dem Südfusse des aus mehreren halb
isolirten Hügeln bestehenden Eruptionskegels entgegen tritt. Ueberall
brach heisser Wasserdampf hervor, bald in continuirlichen Strömen
bald in regelmässig sich folgenden Stössen, wie der Dampf einer
Hochdruckmaschine entweicht. Ueberall wo solcher Dampf hervorbrach,
waren die Wände weiss und gelblich gefärbt. Weiter gegen Osten zu
traten zwei Sandhügel in die Ebene des Kraters hinein, die sich
durch das Abwaschen der Kraterwände gebildet hatten; hier war die
Dampfentwicklung noch stärker und hier traten auch an einzelnen Stellen
kleine Bäche kochenden Wassers aus. Nun bogen wir nach Nordosten um,
dem Eruptionskegel zu. Zwischen ausgetrockneten Wasserpfützen, in
deren Mitte sich immer eine kleine Erhöhung befand und deren Umkreis
durch weisse Färbung ausgezeichnet war; durch Rinnsale hindurch kam
ich nach Zurücklegung von einigen Hundert Schritten an eine kleine
Erhöhung, die ein tiefes von rauchendem Schlamm angefülltes Loch
enthielt, mit senkrecht abfallenden weiss und gelb gefärbten inneren
Wänden. Hier trat mir schon der Schwefeldampf, den mir der Wind gerade
in's Gesicht trieb, hindernd in den Weg, doch ging ich weiter dem Rande
des eigentlichen Schlotes zu, der nur noch einige Hundert Schritte vor
mir lag. Ein erster Versuch, ihn zu erreichen, schlug fehl; heftiger
Schwefeldampf zwang mich zur schleunigen Umkehr. Meine tagalischen
Begleiter schienen es besser vertragen zu können, sie schritten
hustend weiter und langten schon oben am Rande an, als ich noch unten
schnaufend stand, mich zu einem zweiten Versuch zu erholen. Nun ging es
laufend den Abhang hinauf, und die Risse und Spalten überspringend dem
Rande zu, den ich auch glücklich erreichte; aber nur einen flüchtigen
Blick konnte ich in den von kochendem milchweiss gefärbtem Wasser
erfüllten Schlot werfen. Die Oberfläche der kochenden dampfenden Masse
mochte etwa 30-40' tief unter meinen Füssen liegen, niedriger, wie es
schien, als die heissen kochenden Quellen, welche an der Südseite des
Kratergrundes ausbrachen. Links gegen Südwesten von diesem Loch lag
noch ein kleineres, dessen Wände ziemlich viel höher waren, als der
Kegel auf dem ich stand. Leider konnte ich diesen wegen des heftigen
dort hingetriebenen Schwefeldampfes nicht erreichen.

Wir hatten uns jetzt schon 3 Stunden lang im Krater herumgetrieben,
uns Allen that die Brust heftig weh und den zwei Dienern, die mir
gefolgt waren, waren die Füsse halbversengt; dazu brannte jetzt die
Mittagssonne senkrecht auf unsern Scheitel und der Wind brachte
uns statt Kühlung nur heisse Schwefeldämpfe; so enteilten wir,
so schnell wir konnten, diesem heissen Aufenthalte, und kletterten
auf unserer Leiter dem Lagerplatz in der Schlucht zu, wo die übrigen
Leute zurückgeblieben waren. Diese waren verschwunden, alles Wasser
hatten sie uns ausgetrunken und ebensowenig Essen für uns bereitet. Wir
lagerten uns und schützten uns durch ein Segeltuch, so gut wir konnten,
gegen die brennende Sonne; wir warteten eine halbe Stunde, und noch
eine, aber Niemand kam; endlich machte ich mich in Verzweiflung auf,
die Schlucht emporzuklettern und fand denn auch hier ausserhalb
des Kraters meine Leute in süssem Schlaf versunken. Ich schickte sie
scheltend hinunter, und als ich nach Vollendung einiger Skizzen wieder
hinabstieg, fand ich endlich mein Essen zubereitet.

Nun packten wir die gesammelten Steine und übrigen Sachen zusammen,
um unsern Rückmarsch anzutreten, und ich hatte eben noch die letzten
Anordnungen gegeben, wie am nächsten Tage neben den Leitern auch
Bambusrohre angebracht werden sollten als Stützen für zarte Hände;
da brachten mir, während ich noch in der Kraterschlucht war, Leute,
die ich gestern nach Tananau beordert hatte, einige Briefe, welche mir
anzeigten, dass die erwarteten Freunde und mit ihnen auch die Damen
nicht kommen konnten, die ich doch so gerne im Krater des Vulcanes
bewirthet hätte. Traurig über dies gestörte Vergnügen wanderte ich
heim. Und als ich dann am nächsten Tage, ehe ich die Insel verliess,
noch einmal dem Gipfel des Binintiang grande und seinem Krater einen
flüchtigen Besuch abgestattet hatte, knickte mir mein Fuss beim raschen
Heruntersteigen am steilen Abhang so heftig um, dass ich eine starke
Entzündung davon trug, die mich in einem Häuschen am Ufer des See's
3 Tage hindurch an das Bett fesselte. Es war, als wollte mir der
in seinem Heiligthum gestörte Geist des Vulcan's noch zuletzt eine
leichte Strafe für mein vermessenes Beginnen geben.



Gänzlich von der Reihe dieser lebenden Vulcane Süd-Luzon's getrennt
treten nun im äussersten Norden der Inselgruppe auf kleinen Raum
zusammengedrängt 4 Vulcane auf, von denen zwei schon seit alter Zeit
her bekannt sind und wie der Serangani im Canal von Celebes, so hier
im Bashee-Canal jenen vom Süden kommenden Schiffen als Signal gedient
haben, welche auf ihrem Wege nach China gegen den Nordost-Monsun an die
östliche Passage durch den stillen Ocean zu nehmen pflegten. Es sind
dies der, wie es scheint in beständiger Eruption befindliche Vulcan auf
_Babuyan Claro_, und der jetzt schon im Solfataren-Zustande ruhende
Vulcan von Camiguin, der südöstlichen Insel der _Babuyanes_. Ihm
gegenüber liegt ein anderer feuerspeiender Berg dicht unter dem Cabo
Engaño in _Cagayan_, der nördlichsten Provinz Luzon's. Es ist der
auf den neuesten spanischen Karten [11] als M.-Cagua bezeichnete Berg,
aus dessen nach einer Messung des D. Claudio Montero 2489 par. Fuss
hohem Gipfel ich selbst im October 1860 eine Rauchwolke aufsteigen
sah, als ich in _Aparri_, dem Hafenorte des _Rio Grande de Cagayan_,
auf eine Reisegelegenheit nach Manila wartete. Die beiden schon
genannten Vulcane mögen nach roher Schätzung etwa 3000' hoch sein. Dem
vierten endlich habe ich einen Namen geben zu müssen geglaubt, der
den Seefahrern nicht unbekannt ist; es ist die auf der beiliegenden
Karte als _Vulcan Didica_ bezeichnete Insel, welche zwischen den
längst bekannten und sehr gefürchteten Didica-Klippen [12] (_escollos
Didica_) in den letzten Jahren neu entstanden ist. Als ich im Herbste
1860 nach Camiguin überfuhr, mit der Absicht hier zu überwintern und
zootomische Studien an Thieren des Meeres und des Landes zu machen, um
dann im nächsten Jahre mit den im Mai eintretenden Windstillen meine
Reise über Babuyan Claro nach den kleinen Batanes oder Bashee-Inseln
fortzusetzen, erhielt ich von einem spanisch sprechenden Bewohner
der Insel genauen Bericht über einen Vulcan, der sich gegen Ende des
Jahres 1856 im Meere erhoben haben sollte. Ich citire genau hier die
Worte meines Tagebuches. "1856 etwa im September oder October sahen
sie (die Eingebornen) Morgens früh zwischen 2 Klippen, die ihnen lange
bekannt, hoch und schroff aus dem Wasser emporragten, Rauch aufsteigen,
den sie zuerst für ein Schiff hielten. Er schwamm als leichte Wolke
dicht über dem Wasser, allmälig erhob sich diese mehr und mehr und
schliesslich trat eine dichte Rauchwolke senkrecht empor. Es schien,
als ob ein grosser Theil nach allen Richtungen sich ausbreitend wie ein
Schirm dicht dabei wieder niederfiele und eine kleine Insel bildete,
die sich allmälig durch solches Aufschütten vergrösserte. In der Nacht
zuvor hatten sie nur ein heftiges Gewitter mit Windstössen bemerkt,
aber kein Erdbeben. Im Jahre 1857 fand ein sehr heftiger Ausbruch
statt mit heftigem Erdbeben. An demselben Tage, an welchem sich 1856
der Ausbruch (der vulcanischen Masse) über die Wasserfläche erhob,
stürzte die obere Hälfte der beiden Klippen Didica ein, zwischen
denen jener Ausbruch stattgefunden hatte. Seitdem ist der Vulcan
in beständigem Arbeiten, und er hat sich nach Aussage der Leute zu
einer bedeutenden Höhe erhoben, die sie mit derjenigen des Berges von
Camiguin verglichen." Angespornt durch diese Erzählung, begab ich mich
an die Ostküste der Insel, um zu sehen, ob es mir nicht, trotz der
vorgerückten Jahreszeit--im September--und der mit dem Wechsel der
Monsune eintretenden Stürme gelingen möchte, diesem jungfräulichen
schaumgebornen Vulcane einen ersten Besuch abzustatten. Leider fand
ich mich, wie in Mindanao durch den Mangel der Schuhe, so hier durch
den stürmischen Seegang verhindert, mich der Gefahr auszusetzen in
der Umgebung des Vulcans gebraten zu werden. Die Eingebornen waren
auf keine Weise zu einem solchen Wagestück zu bewegen. So musste
ich mich mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Vulcan und einer
Messung des Elevationswinkels des aufgeworfenen Berges begnügen,
dessen Berechnung bei Annahme der auf einer Karte des schon genannten
D. Claudio Montero angegebenen Distanz die Höhe des Gipfels über dem
Meere auf wenigstens 700' ergiebt, welche derselbe vom September 1856
bis zum October 1860 schon erreicht hatte. Es dürfte nicht viele im
Meere in historischer Zeit entstandene Vulcane geben, welche eine so
rasche Erhebung über dem Meere durch Aufschüttung aufzuweisen hätten.

Es scheinen diese verschiedenen Gruppen lebender Vulcane der jetzigen
Epoche ziemlich unabhängig von einander zu sein. Aber schon der
gleichzeitige Ausbruch dreier von einander getrennter Vulcane deutet
auf einen Zusammenhang hin. Nach dem Padre Juan de la Concepcion
fand am 4. Januar 1645 gleichzeitig eine Eruption des Vulcan von
_Serangani_, eines jetzt gänzlich zur Ruhe gekommenen Vulcans
aus der _Sulugruppe_ und des unter dem Namen _Vulcan de Aringay_
auch auf Darwin's Karte angegebenen Berges statt. Allerdings ist
die Vulcan-Natur des letzteren nicht über allen Zweifel erhaben;
denn die Beschreibung des genannten Historiker's der Philippinen
lässt völlig im Unklaren, ob aus dem Berg, den er zwar einen Vulcan
nennt, wirklich damals ein Ausbruch stattgefunden habe oder ob er
nicht vielleicht bloss durch die Erschütterung in einem heftigen
Erdbeben zusammengestürzt sei. Aber abgesehen hiervon gibt es
zwei wichtige Gründe, welche die Zusammengehörigkeit aller dieser
Vulcane beweisen. Zeichnet man die vielen durch ihre ausgesprochen
kegelförmige Gestalt, das Vorhandensein eines verschütteten Kraters,
zahlreiche heisse Quellen und deutlich erkennbare alte Aschenauswürfe
gekennzeichneten Vulcane zwischen jene lebenden ein, so schliesst
sich dadurch eine ganz zusammenhängende Kette von Bergen. Und es
schliesst sich diese Vulcanenkette, wie schon von Buch und Berghaus
hervorgehoben wurde, direct an die Reihe an, welche in gleicher
Richtung über Sanguir, Siao, Ternate, Celebes und Gilolo bis südlich
vom Aequator hinunterzieht, wo sie senkrecht auf die Vulcanenreihe
der Sundainseln trifft. Solcher erloschener Vulcane finden sich viele
auf allen Inseln mit einziger Ausnahme von Cebú und Bohol, welche
gänzlich aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten
gebildet zu sein scheinen. In der westlichen wie östlichen Cordillere
des Nordens und im Süden von Luzon, in der isolirten Bergkette von
_Zambales_ und auf _Leyte_ und _Samar_, im westlichen Gebirgslande
des Nordens von _Mindanao_ und in dem Höhenzuge von _Palawan_ erheben
sich solche erloschene Vulcane hoch über die mittlere Kammhöhe des
Gebirgszuges, dem sie angehören. Dahin gehört der Berg von _Majaijai_
oder der _M. Banajao_ von 7030 span. Fuss Meereshöhe, dessen Fuss die
vielgerühmte Laguna de Bay badet; dahin der _M. Datá_ im Distrikte
der Kupferminen bei Mancayan (Nordwest-Luzon) und der Subig in der
Bergkette von Zambales; dahin gehören die vielen als activ bezeichneten
Vulcane, welche in Berghaus bekannter Karte den Vulcan von Bulusan mit
dem von Majaijai durch die beiden Provinzen _Camarines Sur y Norte_
hindurch verbinden. Abweichend durch ihre gänzliche Isolirung von
allen Bergketten fallen 4 kleine vulcanische Berge im Norden der
centralen Ebene Luzon's auf, unter denen ich nur den _M. Cujaput_ in
der Provinz _N. Ecija_ nennen will; noch auffallender aber erscheint
der trachytische Doppelkegel des _M. Arayat_, der aus einer kaum 90
Fuss über dem Meere erhabenen Ebene steil und schroff bis zu 3150 Fuss
Meereshöhe aufsteigt. Alle diese Berge aber und die sie verbindenden
Bergketten zeigen durchaus die gleiche mineralogische Beschaffenheit,
denn sie gehören alle im Süden wie im Norden der Reihe moderner
trachytischer Ausbrüche an. Abgesehen von einigen zweifelhaften
Stellen im Norden Luzon's und in Cebú, wo eigenthümliche Petrefacten
ein etwas höheres Alter anzudeuten scheinen, gehört somit die ganze
Gebirgsmasse, das Skelett der Philippinen, der Reihe trachytischer
Gesteine an, welche in der jüngsten geologischen Periode zum Vorschein
kamen.

An diesen trachytischen Kern nun lehnen sich in sehr verschiedener
Meereshöhe zahlreiche sedimentäre versteinerungsreiche Sandstein-
und Thonschichten an, deren Muscheln und Schnecken theilweise noch
heute lebend in den umgebenden Meeren gefunden werden. Sie gehören
also wohl alle einer sehr jungen Periode an. Und wie an den Ufern
der Inseln und in den Canälen zwischen diesen und weit in's Meer
hinein sich Korallenriffe in den mannigfaltigsten Formen finden,
so sieht man auch in den trachytischen Bergen des Nordens von
Luzon und des Ostens von Mindanao und auf den Visaya's zahlreiche
Ueberbleibsel früherer Korallenriffe, deren Wände in den bizarrsten
Formen aufsteigend meistens in sehr harten dichten Korallenkalk
umgewandelt sind. An diesen lassen sich nun mit Leichtigkeit zwei
verschiedene Altersstufen unterscheiden. Die ältesten Korallenriffe,
welche aber doch noch der tertiären Periode anzugehören scheinen,
sind theilweise zu einer bedeutenden Meereshöhe emporgehoben worden,
so namentlich in dem durch sein gleichmässig mildes Klima und die
landschaftliche Schönheit der umgebenden Berge so berühmt gewordenen
Thal von _Benguet_. Nur uneigentlich wird es in Manila ein Thal
genannt. Es ist ein fast genau kreisförmiger Kessel von ungefähr 1/2
deutschen Meile Durchmesser, dessen Sohle nahezu horizontal fast
4000' über dem Meere hoch liegt. In seinem Grunde findet sich ein
weitausgedehnter mit hohem Schilf umwachsener See. Ein etwa 450'
hoch über dem See aufsteigender Ringwall aus gänzlich massivem
Korallenkalk umgibt steil anstrebend und an manchen Stellen wegen
seiner mannigfachen Zerklüftung gänzlich unersteigbar den Kessel. Um
aber die Aehnlichkeit mit einem Atoll noch deutlicher hervorzuheben,
finden sich an zwei Stellen tief und scharf wie mit einem Messer
eingeschnittene Spalten in dem Wall, durch welche sich mühsam jetzt
ein Bach hindurchdrängt. An der südwestlichen Seite endlich erniedrigt
sich der Ringwall etwas, und löst sich hier in eine Reihe kleiner
unregelmässig gestalteter und von trachytischem Thone bedeckter Hügel
auf, zwischen denen hindurch sich der Weg nach S. Fernando windet. Hier
fanden sich in dem trachytisch aussehenden röthlichen weichen Gestein
nicht selten, aber schlecht erhaltene Petrefacten und hier endlich
liess sich an vielen Stellen eine durch allerlei Geröll und völlig gut
erhaltene ausnahmslos gerollte Korallenfragmente eine alte Strandlinie
nachweisen. Von diesem Atoll-ähnlichen Riffe an liess sich eine ganze
Kette mehr oder weniger getrennter Korallenbildungen bis hoch in den
Norden hinauf in ungefähr gleicher Meereshöhe verfolgen.

Während nun die älteren Korallenbildungen wenigstens theilweise
von Trachyt überlagert zu sein scheinen, schliesst sich die zweite
Reihe der gehobenen Riffe ganz an die jetzt lebenden an. Ueberall
an den Küsten der Inseln, auf Camiguin im Norden von Luzon und auf
Basilan bei Zamboanga, an der Ostküste Luzon's und Mindanao's, wie
auf Bohol und--nach Hörensagen--den Calamianes und Palawan finden
sich bald länger zusammenhängende, bald isolirte Fetzen gehobenen
Korallenkalkes, die durch ihren von der Brandung ausgewaschenen Fuss
deutlich mit den bei Ebbezeit entblössten oberen Theilen der jetzt in
Hebung begriffenen lebenden Riffe in Verbindung stehen. So liefert
uns die ununterbrochene Reihe vulcanischer Ausbrüche, älterer und
neuerer Korallenbildungen den klarsten Beweis stetig fortschreitender
säcularer Hebung der Philippinen.



II.

Die Riffe und das Leben im Meere.


Tief und senkrecht aus dem Meere heraus bauen die Polypen ihre Häuser
von Stein, und erst, indem sie durch eigne oder durch unterirdische
Kräfte gehoben, bis nahe an die Oberfläche des Meeres gelangen,
bildet sich das Riff aus. Die Brandung reisst an der senkrechten
Wand Korallentrümmer ab, die bei niedrigem Wasserstande über den Rand
des sich an die Küste anlehnenden Walles von Korallen hinaufgeworfen
werden; solche abgestorbene Trümmer vereinigen sich miteinander durch
Sand, und allmählig erhöht sich so der Rand des Riffes selbst über
die höchste Fluthlinie. Nun bezeichnet eine beständige Linie weisser
schäumender Wellen, sogenannter "Brecher", den Rand des Aussenriffes,
welches sich bald eng an die Küsten anschmiegt und mit völliger Treue
die Umrisse des Landes wiederholt, bald auch auf untermeerischen Rücken
fortlaufend weit in den Ocean vorspringende Riffzungen bildet. Solche
austretende Riffe finden sich vorzüglich an den Küsten, welche dem
offenen Meere zugewandt sind; denn hier hat die constante Wirkung der
herrschenden Winde und Meeresströmungen gar häufig Stücke des Landes
abgelöst und zerstört, deren untermeerische Grundfelsen dann den
günstigen Boden zur Ausbildung der Korallenriffe boten. Anders bilden
sich Riffe aus in stillen Buchten und in den engen Strassen zwischen
den Inseln. Die bald constanten, bald sehr wechselnden Strömungen der
Luft; die durch Ebbe und Fluth hervorgerufenen und die partiellen vom
nordpacifischen Aequatorialstrom abgeleiteten Ströme, wie sie zu den
Strassen von Surigao und S. Bernardino hereindringen; die wechselnde
Höhe der Fluth und der Sturmfluthen; Gestalt und geognostische
Beschaffenheit der Küsten; chemische Constitution des Meerwassers und
mechanisch beigemengte Sandtheilchen;--alle diese sind in Verbindung
mit der säcularen Hebung der Inseln eben so viele Einflüsse, denen
der zarte Organismus der Korallen gehorchen muss [1] und denen das von
diesen aufgeführte Gebäude, das Riff, seine Form verdankt. Ehe wir
uns aber diese in einem Beispiele etwas näher ansehen, wollen wir
die Thiere bei ihrem nie unterbrochenen Baue beobachten.

Eine weiche Larve der Meeresoberfläche senkt sich auf den tiefen
Boden des Meeres nieder. Wie die Schnecke ihr Haus absondert, so
bildet sich der werdende Polyp das seinige, nachdem er zuvor sich
mit festem kalkigem Fusse auf dem Felsen angesetzt hat. Rasch in die
Höhe strebend, treibt er nun wie der Baum seine Aeste und Zweige,
Knospen, die sich zu neuen Polypen entwickeln und während der Urahne
weiter und weiter wächst, haben zahlreiche Generationen ihn von allen
Seiten umschlungen. So entsteht der Korallenstock, der in seiner
Form die ihm innewohnende allseitig sich ausbreitende Kraft des
Baumes offenbart, theils aber auch, wie dieser nur kurze Zweige an
der Windseite entwickelt und dem Sturmwinde durch Neigen zu entgehen
sucht, in der Richtung seines Wachsthumes und der vollendeten Gestalt
des Gebäudes die mannigfaltigen hindernden Einflüsse des Meeres zu
erkennen gibt. Wo an allseitig geschützten Stellen--so im Innern
vieler Atolle--keine Strömungen des Meeres störend einwirken und
der Wogenschlag keine Trümmer aufwirft, da wachsen die einzelnen
Korallen nach allen Richtungen hin gleichmässig weiter und bilden
so allseitig abgerundete Knollen. Wenn dann die sanft gebogene
Oberfläche des Riffes bei tiefer Ebbe dem Einfluss der Luft oder
gar des herabströmenden Regens ausgesetzt wird, so sterben die
oberflächlichsten Korallenthiere ab, ihre Häuser werden zerstört und es
verflacht sich allmälig die Oberfläche, auf der sich nun Korallensand
und in ihm allerlei grabende Thiere ansiedeln. Nun stürzt ein Theil
der Insel ein, welcher sich jene bunt durcheinander wachsenden Knollen
anlegten. Ein Meeresarm hat sich Bahn gebrochen und schwemmt nun in
raschem Laufe alle die Korallentrümmer fort, welche vorher an Ort und
Stelle liegen blieben; der mächtige Strom setzt den übrigbleibenden
lebenden Korallen unüberwindliche Schranken. Die mechanische Gewalt
desselben und die Intensität des Wachsthumes der einzelnen Knollen
setzen sich in Gleichgewicht. Ein treffliches Beispiel hierzu liefert
ein kleiner Krebs [2], ein Schmarotzer, der sich zwischen den Aesten
verschiedener Korallen ansiedelt. Seine Krallen reizen die Polypen zu
unregelmässigem Wachsthum; es bilden sich Auswüchse von zwei Seiten
her, die allmälig zu Gallen umgeformt jenen Eindringling umwachsen
und ihn gänzlich einschliessen. Fort und fort wachsen die Polypen,
bis endlich der Strom, welchen der unfreiwillige Einsiedler mit seinen
strudelnden Füssen nach bestimmter Richtung hin erregt, so stark
wird, dass er dem Wachsthum der Koralle Halt gebietet. In solchen
Gallen erkennt man immer zwei sich ziemlich genau gegenüberstehende
feine Spalten. So verhindert der Strom im Meeresarme das seitliche
Ausbreiten der Korallen, die nun alle ihre Triebkraft senkrecht nach
oben wenden, und es entstehen bald mehr bald weniger schroffe Abstürze
der Korallenwandung, je nachdem der seitlich vorbeifliessende Strom
stärker oder schwächer war. Nur da, wo wie im Kanal von Basilan der
Strom immer nach derselben Richtung mit grosser Stärke geht, wachsen
die Korallen absolut senkrecht in die Höhe. Hier aber kommen ganz
eigenthümliche Verhältnisse in's Spiel. Während in der nahe gelegenen
Strasse von Zamboanga die Strömung wechselt mit den Monsunen und
der Ebbe und Fluth, liegt der Kanal von Basilan so eigenthümlich,
dass der östliche Strom wohl durchtreten kann, der westliche dagegen
in einen östlichen verwandelt wird. Wo aber die Strömungen wechseln,
wie in allen weiteren Kanälen, da hebt sich die hindernde Wirkung
derselben theilweise auf und so entstehen hier senkrechte Wandungen der
Korallenstöcke nur dann, wenn bei hinreichender Stärke die wechselnden
Strömungen keinen Winkel miteinander machen. Ungehindert nach allen
Seiten breiten sich die Korallenstöcke in jenen Dreiecken aus, welche
durch das Aufeinandertreffen zweier Ströme oder durch die im Anprall
gegen eine Insel bewirkte Theilung eines einfachen Stromes gebildet
werden, und in denen mannigfach abgelenkte, in ihrer Richtung gänzlich
unbestimmbare und schwache Strömungen entstehen. Aus dem Innern des
Landes durch die Flüsse und Bäche herabgeführter Schlamm wird den
einzelnen Korallenstöcken ebenso verderblich, wie das reinste süsse
Wasser eines Bergstromes. Wo mächtig anschlagende Wogen immer in
gleicher Weise senkrecht gegen die Richtung des Landes, dem sich
die Riffe anschmiegen, einwirken, da entsteht dicht am Ufer ein
hochgethürmter Aussenwall des Riffes; aber von ihm ab gegen die Höhe
des Oceans zu vertieft sich das Riff ganz allmälig, bis es endlich
langsam und ohne schroffen Abfall in die Tiefe verschwindet.

Ein specielles Beispiel soll die schon angedeuteten Wirkungsweisen
verschiedener Momente, namentlich aber der Strömungen, näher erläutern.

Von ziemlich compacter Gestalt, mit nur geringer Küstenentwickelung
liegt die Insel _Bohol_ (siehe Karte II) so zwischen Cebú, Leyte
und Mindanao eingekeilt, dass sie den von Norden kommenden Kanal
zwischen Leyte und Cebú in 2 Arme theilt, denen sie ihre westliche
und östliche Seite zuwendet, während die südliche und südöstliche
von der Nordküste Mindanao's durch einen sehr viel breiteren Kanal
getrennt ist. In diesem letzteren verbinden sich die Strömungen,
welche aus den Strassen von Surigao mit einer Geschwindigkeit von
4-6 Seemeilen in der Stunde herauskommen mit den weniger starken
zwischen Leyte und Bohol. Je nach Ebbe und Fluth wechseln diese
Strömungen in entgegengesetzter Richtung ab, oder wirken mit
wechselnder Stärke, aber dann immer in gleicher Richtung, wenn der
Nordost- oder Südwest-Monsun ihre volle Kraft erreicht haben. So
treten die Meeresströme--gegen welche mitunter sogar die spanischen
Regierungsdampfer der Marine vergebens ankämpfen--tangirend nahe an
die östliche und südliche Küste Bohols heran, an welchen demzufolge
nur eine sehr geringe Breitenausdehnung des bei Ebbe trocken gelegten
Riffes zu bemerken ist. Aber in wenigen Schiffslängen Entfernung vom
Rande des Riffes schon findet das Senkblei erst Grund in mehr als
100 Faden Tiefe--ein Beweis des jähen Absturzes der Korallenwand,
wie er hier nach Richtung und Stärke des Stromes wohl zu erwarten
war. Das Südwestmeer der Insel wird durch die von ihr nur durch einen
Seichtwasserkanal getrennte Insel _Panglao_ bezeichnet, welche aus
gehobenem Korallenkalk besteht. Sie ist langgestreckt und liegt in
dem Winkel zwischen dem östlichen Strome des Südrandes von Bohol und
dem von Norden herkommenden Strom des Canals zwischen Cebú und Bohol,
und als eine in demselben Winkel liegende untermeerische Fortsetzung
derselben findet sich hier ein weit vortretendes, mit seinem breiten
Aussenrande bei tiefer Ebbe gänzlich trocken gelegtes Riff. Von der
südwestlichen Spitze desselben durch einen schmalen Canal getrennt,
liegt eine sehr kleine ringsum von Riffen umgebene Insel, abgerissen
offenbar durch die hier schon stark wirkenden fressenden Ströme des
Meeres. Das Keilriff der Insel Panglao hat im Osten wie Westen,
den beiden Wetterseiten einen etwas erhöhten Rand, und mitten in
der bis zu 4 Faden Tiefe ausgehöhlten innern Fläche mehrere aus Sand
und Korallentrümmern bestehende Inseln. An der Westküste Bohols wird
das zuerst wegen des nahe herantretenden Stromes sehr schmale Riff
allmälig gegen Norden hin breiter und nimmt endlich an der Nordküste
der Insel ganz den Character eines Barrenriffes an. Parallel der Küste
gestreckte, bei tiefer Ebbe fast gänzlich trocken gelegte Riffe ziehen
sich in meilenweiter Ausdehnung hin, und sind von der Insel selbst
durch einen bis zu 10 Faden tiefen Canal getrennt, welcher nach Westen
in den sehr tiefen Canal zwischen Cebú und Bohol, nach Osten hin in
den zwischen Bohol und Leyte liegenden Meeresarm übergeht. Zahlreiche
meist sehr niedrige, nur von Pandanusgebüschen oder Mangrovehainen
bewachsene Inseln machen die Schifffahrt in den Canälen innerhalb
des Riffes gefährlich und mühselig. Dieses ganze Labyrinth von Inseln
und Canälen und Riffen liegt aber, wie ein Blick auf die Karte lehrt,
abermals in einem vergleichsweise stillen Dreieck zwischen den beiden
Strömen, in welche sich der einfache Strom des Canals zwischen Leyte
und Cebú bei seinem Anprall gegen die Insel Bohol theilen musste. So
sehen wir hier im Grossen sich ganz dasselbe wiederholen, was wir im
Kleinen an den Wachsthumserscheinungen der einzelnen Korallenstücke
bemerkten. Ueberall wo Wirbel oder gänzlich stille Flecken im Meere
gefunden werden, lösen sich das Riff und die auf ihm entstehenden
Inseln in eine grosse Menge verschieden gebildeter Inselchen auf,
ganz wie unter ähnlichen Verhältnissen die einzelnen Korallenknollen
sich zu keiner zusammenhängenden Masse, zu keinem eigentlichen Riffe
verbinden. Wo aber constante Strömungen in immer gleicher Richtung
auf ein Riff oder einen einzelnen Korallenstock treffen, da deutet
die Form beider das Gleichgewicht der entgegenwirkenden Kräfte an.

So sind sämmtliche Inseln der Philippinen von einem Kranz von
Korallen umsäumt, welche sich bald an das Ufer anlehnen, ohne
ein eigentliches durch den aufgeworfenen Aussenrand bezeichnetes
Riff zu bilden, bald aber zu echten Riffen werden, die nun als
Küstenriffe oder als Barrenriffe--letzteres allerdings in den
seltensten Fällen--die zahllosen Meeresarme zwischen den Inseln
noch mehr einengen. Zwischen ihren Aesten siedeln sich eine Unzahl
von Thierchen an; auf den abgestorbenen Flächen der gehobenen Riffe
oder im Sande der tieferen Canäle liegen die kostbaren Perlenmuscheln
und die essbaren Holothurien; am Ufer der sandigen Inseln der Riffe
legt die Karettschildkröte ihre Eier ab und auf den von Seepflanzen
dicht bewachsenen schlammigen und versandeten Riffen grast nächtlich
der Dujong, während sich in den Canälen derselben, wie im hohen
Meere zahllose essbare Fische tummeln. Ueberall bietet sich dem
küstenbewohnenden Malaien eine reiche und leichte Erndte in der
Ausbeutung der werthvollen Producte des tropischen Meeres.

Die _Holothurien_ [3] oder der im Handel so genannte _Trepang_,
_balate_, gehören jener bekannten Gruppe von Lebensmitteln an, welche
wie die essbaren Vogelnester und die Haifischflossen ausschliesslich
von den üppig lebenden Chinesen genossen werden. Für den Zoologen
aber vereinigen sie sich durch ihre gesammte Organisation mit den
wohlbekannten Seesternen und Seeigeln zu dem Kreise der Echinodermen
oder Stachelhäuter. Wie sie im Bau ihrer Organe eine wunderbare
Vollkommenheit und Mannichfaltigkeit zeigen, so sind sie auch in ihren
Sitten und Gebräuchen durch zahlreiche auffallende Eigenthümlichkeiten
ausgezeichnet. Hier zerfliesst eine Holothurie in wenig Minuten
in formlosen Schleim, wenn man sie der Luft aussetzt; ja nur ein
leiser Windhauch, der sie berührte, macht es dem Malaien unmöglich,
sie durch Kochen so zu erhärten, dass sie nachher der trocknenden
Sonnenwärme ausgesetzt werden kann. Mit dem Seewasser muss sie gleich
in der grossen Kochschale aus dem Meer gehoben werden, wenn sie nicht
ein Lüftchen in Schleim verwandeln soll. Fasst man diese Thiere an,
so vergehen sie unter den Händen. Andere Formen zeigen Eigenschaften,
um die sie mancher Mensch beneiden möchte. Die Synapta ärgert der
hintere Theil ihres Körpers; so wirft sie denselben von sich und
lebt auch ohne ihn ruhig weiter, oder bildet ihn in kurzer Zeit neu
wieder aus. Eine andere Holothurie vereinigt alle Specialitäten
des ärztlichen Standes in sich. Eine selbst gemachte Wunde ihrer
Haut heilt sie in wenig Stunden, ohne eine Nath anzulegen; ihre
krankhaften Organe stösst sie von sich ab und macht sich in wenig
Tagen vollständig neue; wenn sie keine Lungen mehr zum Athmen hat,
so athmet sie das Wasser in die Leibeshöhle ein.

Wie oft habe ich nicht auf meinen Reisen diese Thiere beneidet. Wenn
ich unter den Wilden nur Wurzeln und Krebse zu essen fand, oder ein
schlecht besetzter Mittagstisch eines Wirthshauses mir alle Freude am
Genusse verdarb, so musste ich jedesmal an meine Holothurien denken,
die gefangen in kleinen Schalen mit reinem Seewasser, ohne ihre
beliebte Speise, den Korallensand, bald ihren Darmcanal mit Lungen
und allen andern Organen, die daran hingen, zum After hinausstiessen,
da sie ja unter den Umständen nicht mehr nöthig waren. Liess ich
dann diese Thiere nur lange genug leben,--etwa mindestens 9 Tage--so
hatten sie sich unterdessen ganz neue Gedärme gemacht und Lungen, mit
denen sie das reine Seewasser ebenso ruhig frassen und einathmeten,
als früher den Sand und das weniger reine Wasser. Wie oft hört man
nicht einen Menschen im Zorne ausrufen: Möchte ich doch aus der
Haut fahren! Was aber Euch nicht gelingt, das macht Euch eine andre
Holothurie in wenig Minuten vor, wenn Ihr sie mit Nadeln und Messern
zu quälen anfangt. Sie dreht und windet sich nach allen Richtungen
und schleudert ihren Körper hin und her, wie es mitunter die Blutegel
thun, hie und da reisst die Haut ein, und bald seht Ihr statt des mit
Warzen und Knoten besetzten kantigen Körpers einen rundlichen Sack
vor Euch liegen, der die völlig unversehrten Eingeweide enthält. Die
daneben liegende geborstene Haut löst sich bald in Schleim auf.

Mannichfaltig gestaltete Arten derjenigen Gruppe, welche im System
als Aspidochirotae aufgeführt werden, dienen zur Bereitung des
Trepang. Mehrfach gedämpft und zuerst mit Seewasser, dann mit süssem
Wasser gekocht, nachher lange Zeit an der Sonne oder im Rauch über
Feuer getrocknet,--so kommen diese nun schwärzlich und geschrumpft
aussehenden Thiere in verschiedenen Sorten in den Handel. Da dieser
in Manila wenigstens ausschliesslich in den Händen von Chinesen
liegt, so sind nur schwer sichere Angaben über den durch den Trepang
hervorgebrachten Werthumsatz zu erhalten. Ueber einige der letzten
Jahre liegen mir Angaben vor. Im Jahr 1864 wurden 2089 Picul (zu
130 Pfd.), 1865 dagegen 3920 Picul ausgeführt. Der Werth derselben
schwankte 1866 zwischen 23-60 Thlr. per Picul.

Den kopflosen Weichthieren gehören einige andere commerciell wichtige
Thiere an, nemlich die echte Meeresperlenmuschel (_Meleagrina
margaritifera L._) und die Temblegam-Perlenmuschel (_Placuna placenta
L._). Beide sind auf den Philippinen weniger wegen der in ihnen
erzeugten Perlen, als wegen ihrer Schalen selbst wichtig. Die grossen
Schalen der Meleagrina zeigen auf ihrer inneren glänzenden Fläche,
sowohl an der Ansatzstelle des Schliessmuskels, wie an der übrigen dem
Mantel sich anlegenden Fläche, gar häufig unregelmässige aber schön
glänzende Tröpfchen von Perlmuttersubstanz, welche abgeschnitten als
Halbperlen verwandt werden. Viel weniger häufig sind aber die echten
völlig glatten und freien Perlen, die sogenannten "Wasserperlen"
(perlas de agua), welche nur zwischen den Schichten der Mantelblätter
erzeugt werden und in fadenartigen Verlängerungen derselben hängen,
wie in einem Sacke. Hunderte von Schalen können vom Grunde der tiefen
Canäle heraufgeholt worden, ehe eine einzige solche Wasserperle von
erheblichem Werthe die unsägliche Mühe des Tauchers belohnt. Es wird
der Perlenfang hauptsächlich nur noch im Meere um die Sulu-lnseln,
um Palawan und Mindanao herum betrieben und zwar von Sclaven, welche
die muhamedanischen Fürsten im Süden der Philippinen auf ihren
alljährlich sich wiederholenden Menschenjagden einfangen. So finden
sich auf den zum Perlenfang ausgesandten Böten katholische Christen
von Luzon und den übrigen philippinischen Inseln neben heidnischen
Bewohnern von Celebes, Gilolo und den Dajak's von Borneo auf derselben
Bank gebunden, dem blutigen und lebensgefährlichen Geschäft des
Tauchens zum Opfer. In immer grössere Tiefen ziehen sich die grossen
Perlmuscheln--denn nur diese geben Hoffnung auf gute Beute--zurück,
so dass in den Meeren um Sulú herum die Taucher bereits bis auf 15
und selbst mehr Faden Tiefe zu tauchen haben. Der heftige Druck der
grossen Wassermasse treibt dem Taucher, während er mit einem Messer
rasch die festsitzenden Muscheln abzuschneiden sucht, das Blut aus
Ohren, Nasen und Augen. Mit zerschnittenen Händen und Fingern, mit
blutendem Gesichte kommen diese Unseligen an die Oberfläche, und
empfangen als Belohnung für die kostbare Perle, die sie dem Meere
entrissen, nur kärgliche elende Nahrung; oft auch ist gänzliche
Taubheit, ja selbst ein rascher plötzlicher Tod ihr Lohn. Fast sind
sie dann glücklich zu schätzen. Denn die gewaltige Anstrengung des
raschen Tauchens zerstört langsam, aber sicher auch die kräftigste
Brust, bis sie endlich nach langdauernden Leiden der langsame Tod
dem grausigen Geschäfte entreisst. Tausende von Blutstropfen hängen
so an jeder Perle, welche das Ohrgehänge oder die Brustnadel unserer
Schönen zieren.

Auch der Handel mit Perlen ist in Manila gänzlich in Händen der
Chinesen, sodass sich auch hier keine sicheren Angaben über den Werth
der jährlich nach China gesandten Perlenmengen machen lassen. Dagegen
findet sich die Schale der Meleagrina als sogenannte "concha nacar" in
allen Exporttabellen aufgeführt. Das Jahr 1867 hat mit 3095 Picul die
grösste je ausgeführte Menge von Perlmutterschalen aufzuweisen. 1865
betrug der Preis per Picul 19 Dollar (57 Gulden) und durchschnittlich
sollen ungefähr 30 einfache Schalen auf ein Picul gehen.

Die zweite Muschel (Placuna placenta) [4] wird hier nie, wie in Ceylon,
der kleinen oft in ihr gebildeten Perlen wegen gesucht. Sie lebt im
Schlamme am Ausgange der Flüsse mit anderen Thieren des brakigen
Wassers, ohne Befestigung und in grossen Mengen beisammen. Es
ist bekannt, dass aus den flachen und dünnen sehr durchscheinenden
Schalen viereckige Scheiben geschnitten werden, welche in China, auf
den Philippinen und den Inseln des hinterindischen Ocean's statt der
Glasscheiben in die Fensterrahmen eingesetzt werden. Gegenüber dem
Glase haben sie jedenfalls den in den lichthellen tropischen Ländern
hoch zu schätzenden Vortheil, dass sie das directe Sonnenlicht fast
ganz ausschliessen, das diffuse Tageslicht dagegen mit hinreichender
Intensität durchlassen. Ueber die Masse und den Werth der etwa
ausgeführten Schalen dieser Muschel fehlen alle statistischen Angaben.

Eine ganz kurze Erwähnung nur verdienen die hier in Manila "_Sigay_"
genannten _Kaurischnecken_, Arten der Gattung _Cypraea_. Sie finden
sich wie überall in den tropisch östlichen Meeren, so auch auf den
Riffen der Philippinen und werden alljährlich in grossen Quantitäten
ausgeführt. Da aber der Werth derselben neuerdings sehr gesunken
ist--man bezahlt jetzt in Manila etwas mehr als einen Thaler für das
Picul--so ist der Werth des Umsatzes von jährlich etwa 1500 Picul ein
sehr geringer. Ebensowenig beansprucht die Ausfuhr des _Schildpatts_
bedeutendes Interesse; denn trotz des ziemlich hohen Preises, der
auch jetzt noch für das Picul Schildpatt--von den Spaniern _carey_
genannt--, nemlich 4-500 Dollars, bezahlt wird, beträgt der ganze
Umsatz im Mittel kaum 15000 Gulden, da selbst in den günstigsten
Jahren nicht mehr als 20 Picul ausgeführt werden.

Dagegen ist der _Dujong_ (Halicore Dugong L.) ein Thier, welches in
mehr als einer Beziehung interessant ist, da es sich in eigenthümlicher
Weise mit der Geschichte des Trepanghandels auf den Philippinen
verknüpft. Als im Anfang dieses Jahrhunderts einige Spanier von
Manila nach den westlichsten Inseln der Carolinen, den Pelew-Inseln
oder den Islas Palaos, gingen, um hier für Tabak, Eisenwaaren und
baumwollene Tücher den Trepang einzuhandeln, erkannten sie in einem
Armband, [5] welches das Handgelenk der Fürsten des Landes zierte,
den ersten Halswirbel des ihnen sehr gut bekannten und auf den
Philippinen wegen seines wohlschmeckenden Fleisches häufig gejagten
"pez mulier" [6] wieder. Sie nahmen den hohen Werth desselben wahr und
wussten sich während der nachfolgenden Jahre auf den Philippinen
mit einer tüchtigen Ladung solcher Wirbel zu versehen, die den
glücklichen Speculanten denn auch rasch eine volle Schiffsladung
fast umsonst verschafften. Aber der Dujong ist sehr schwer zu jagen,
und seine Menge, wie es scheint, nicht beträchtlich. Er zog sich
nach den am schwersten zugänglichen Schlupfwinkeln an den Ostküsten
des Archipels zurück, so dass sich bald die auf Trepang fahrenden
Mestizen und Spanier von Manila wieder genöthigt sahen, sich der
europäischen Waaren zu ihrem Tauschhandel zu bedienen. Nie wieder
sind solche Geschäfte in diesem Handelszweige gemacht worden, wie
in der kurzen Periode jenes Handels mit dem Atlas des Dujong. Er
giebt uns auch ein Beispiel, wie leicht der Mensch geneigt ist,
seiner Eitelkeit schmerzliche Opfer zu bringen. Obgleich derselbe
selbst im Verkehr der Bewohner untereinander Geldwerth besitzt,
so hat er doch auch den wirklichen Werth eines nationalen Ordens;
denn nur den ausgezeichneten Männern des Landes kann er vom König oder
dem Fürstencongress zuertheilt, aber auch entzogen werden. Es ist ein
Fest, wenn einem Vornehmen des Landes ein solches zuerkannt wird. Aber
die Anlage des Ordens selbst ist eine schmerzhafte Operation. Das
allerdings durch Abfeilen der Kanten und Vorsprünge etwas erweiterte
Loch, durch welches das Rückenmark hindurchtritt, ist so eng, dass
selbst die zarten und in ihren Gelenken so ausnehmend biegsamen
Hände der Eingebornen nicht ohne grosse Mühe hindurchkommen. Die
Finger des Beglückten werden fest zusammengebunden, so dass sich die
Breite des gebogenen Handrückens möglichst vermindert, und dann wird
die Hand durch den Wirbel hindurchgezwängt, indem einige Männer an
dem Taue, welches die Finger hält, aus Leibeskräften ziehen, während
Andere von entgegengesetzter Seite her den Wirbel und den Decorirten
festhalten. Oft sieht man die Vornehmen des Landes mit Stolz die Hand
zeigen, von welcher sie bei solcher Standeserhöhung einen Finger,
meistens den Daumen, durch die Operation des Durchziehens verloren
haben. Bei uns Europäern möchte ein solcher Orden, der nie ohne
grosse Schmerzen angelegt werden kann, wohl als ein Mittel gegen die
zu grosse Zahl der Ehrendiener angewandt werden können.

Die vergleichsweise grosse Wichtigkeit der genannten Thiere, welche
wesentlich auf den Korallenriffen und durch sie leben, lässt sich
kurz in einigen Zahlen ausdrücken.--Es erreichte der Export der
4 wichtigeren Artikel im Jahre 1864 die Summe von 97,683 Dollars,
1865 die viel grössere von 135,295 Dollars. Für die einzelnen Artikel
stellt sich das Verhältniss so:


        | Perlmutter- | Schildpatt. | Kauris. | Trepang. | Summa.
        | schalen.    |             |         |          |
        |             |             |         |          |
1864    | 52,972      |    931      | 2000    | 41,780   |  97,683 D.
1865    | 47,215      |   3172      | 1792    | 78,400   | 135,295 D.


Man sieht, dass der so bedeutend höhere Export im Jahre 1865
hauptsächlich durch die Zunahme des Trepanghandels bewirkt wurde.

Wenn man nun bedenkt, dass der bedürfnisslose Bewohner tropischer
Gegenden kaum mehr arbeitet, als gerade für die Beschaffung seiner
unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse nothwendig ist; wenn man erwägt,
wie gering die Kosten eines solchen einfachen Lebens sind inmitten der
überreichen primitiven Nahrungsmittel solcher Länder; so bevölkert der
aus obigen Thatsachen rückschliessende Blick die Meere und Strassen
zwischen jenen Inseln mit einer grossen Menge kleinerer und grösserer
Fahrzeuge, welche alle bei dem Fang und Transport der genannten Thiere
beschäftigt sind. Hier ziehen bei tiefer Ebbe Schaaren kleiner offener
Böte an den Rändern der Riffe entlang und holen die grossen Holothurien
aus der Tiefe durch Tauchen oder allerlei Instrumente empor; dort
treiben die Aufseher des Sultans von Sulú die im grossen halbgedeckten
Boot (Panco) dichtstehenden Sclaven zum Tauchen nach den kostbaren
Perlenmuscheln im tiefen Meeresgrunde an; Kinder und Frauen sammeln
ausser Muscheln und anderen Seethieren für ihr bescheidenes Mittagsmahl
die Kauris und auf den Fischfang bei Nacht ausziehende Männer kehren
heim mit einer grossen Schildkröte beladen, die sie im Sande einer
Insel beim Eierlegen überraschten. Hunderte von kleinen gedeckten
Schiffen bringen die gesammelten und von einem Zwischenhändler,
meistens Chinesen, aufgekauften Gegenstände in kleineren Parthien in
die wenigen dem transatlantischen Verkehr freistehenden Häfen ein. Aber
noch grösseren Einfluss auf die Belebtheit der philippinischen Meere
haben die Fische, welche der täglichen Nahrung geopfert werden; denn
sie bilden neben Reis die hauptsächlichste Nahrung der Bewohner. Die
grosse Mehrzahl der philippinischen Dörfer und Städte liegen hart am
Meere. Da ziehen dann bei tiefer Ebbe sämmtliche Bewohner hinaus auf
die Riffe, harpuniren hier einen Meeraal, dort betäuben sie durch
giftige Wurzeln alle Fische, welche sich in dem Wasser unter einem
grossen Korallenblock verborgen haben und werfen dann alle Arten mit
Ausnahme einiger weniger giftiger Sorten in ihren Korb. Häufig ziehen
Nachts ganze Schaaren von Böten mit brennenden Fackeln am Rande der
Riffe entlang, um die durch den Glanz des Feuers angelockten grossen
Fische zu harpuniren. Diese Sitte des Fischfangens bei Licht hat
vielleicht zu einem sonderbaren Irrthum Anlass gegeben. Die Insel
Siquijor, südlich von Bohol gelegen, wurde schon auf den älteren
Karten Isla de Fuegos genannt, weil die Spanier an ihr in einer
Nacht vorüberfuhren, in welcher sämmtliche Bewohner gerade mit dem
Fischfang bei Fackellicht beschäftigt waren. Dieser Name wurde dann,
ich weiss nicht von wem zuerst, auf einen Vulcan bezogen, der dort
sein sollte. In der That aber hatte Niemand einen solchen je gesehen,
nirgends findet sich eine Angabe über einen früheren Ausbruch auf
dieser Insel und die Priester, welche sie aus eigner Anschauung
kennen, versichern einstimmig, dass keine Spur eines Vulcanes dort
in heissen Quellen oder in der Form der Berge zu finden sei. Auch auf
Darwin's Karte findet sich Siquijor als Vulcan angegeben. Ich selbst
habe auf meinen Fahrten zwischen den bisayischen Inseln gar häufig
jene romantische Art des Fischfanges beobachtet.--Nur in der Nähe der
grösseren Städte, wie in Manila, Yloilo, Cebú und anderen mehr bildet
sich ein eigentliches Fischergewerbe aus. Während sonst jeder Bewohner
sowohl Seemann wie Landbauer ist und zunächst nur an die Befriedigung
seiner eignen Bedürfnisse und derjenigen seiner Verwandten denkt,
so dass er heute Fische fängt und morgen seine Kleider flickt, bald
die Wildschweine, Rehe und Büffel jagt oder seinen Acker bestellt,
den Bienen im Walde den süssen Honig abjagt, oder sein jüngstes Kind
in den Armen schaukelt, kurz alle Geschäfte des menschlichen Lebens
der Reihe nach durchmacht; haben sich in den volkreicheren Districten
schon die Gewerbe mehr von einander getrennt. So findet man denn auch
auf den Fischmärkten der grossen Städte das eigentliche Fischervolk
beisammen, das sich in seinem Wesen hier wie überall so sehr von den
übrigen Ständen unterscheidet. Von diesen wird die Fischerei theils
auf den Riffen, theils auch im hohen Meere mit ganz anderen Mitteln
betrieben. Von ihnen werden Arten von Fischreusen so gut, wie die
kleinen und grossen Angeln benutzt; am Ausfluss [7] der Ströme sieht
man mächtige durch einen Baum auf- und abgesenkte flache Netze die
kleinen im Sonnenschein sich tummelnden Fische fangen, während in
den Süsswasserseen oder am seichten Ufer der Meeresbuchten und der
Canäle grosse von einem dichten Geflecht aus Bambusrohren umzäunte
labyrinthische Irrwege oft der Schifffahrt am Ufer hinderlich
werden. Sie werden so gegen die Strömung gestellt, dass die Fische
mit ihr hineingelangen. Hier werden sie dann mit Stöcken bis in den
innersten Raum getrieben, wo sie völlig abgeschlossen vom Fischer
mit Handnetzen herausgefischt werden. Auf diesen hoch in die Luft
emporragenden Staketen sieht man häufig die Fischer unbeweglich
zwischen ebenso steinern aussehenden Reihern sitzen, welche gleich
ihnen auf die Ankunft eines Fischschwarmes warten. So werden
ungeheure Fischmassen täglich von den Bewohnern des Landes gefangen
und gegessen. Selten nur nimmt man sich die Mühe, die Fische und die
schmackhaften Süsswasserkrebse zu trocknen oder einzusalzen; aber
die wenigen so behandelten Arten bilden dann einen nicht unwichtigen
Handelsartikel im Verkehre der Bewohner untereinander. Leider fehlen
hierüber alle genaueren statistischen Angaben.

Wenn man so schon das Recht hätte, das Volk ein wesentlich maritimes
zu nennen, so springt die Richtigkeit dieser Bezeichnung noch mehr
in die Augen, wenn nun zum Schluss noch die Verkehrswege des grossen
Handels aufgesucht werden. Zwischen der Hauptstadt und den zahlreichen
kleinen Inseln des Südens, so wie zwischen diesen untereinander kann
natürlich der Verkehr nur zu Wasser stattfinden. Aber selbst zwischen
Orten auf Luzon die sich so nahe liegen, wie _Mauban_ an der Ostküste
und Manila westlich, zieht der Handel den langen Umweg um die Südspitze
der Insel herum dem kurzen Landweg über die niedrige Bergkette nach
der Laguna de Bay vor. Eine Folge für diese ausgesprochene Vorliebe
für den Seeverkehr ist natürlich eine gründliche Vernachlässigung
aller Landstrassen. Dass nun in der That fast aller Handel die Seewege
aufsucht, beweist die kleine hier mitgetheilte Tabelle über die Zahl
der im Jahre 1862 in Manila ausgelaufenen und eingelaufenen Schiffe.


              | Provinzschiffe. | Spanische Schiffe. |Fremde Schiffe.
              | Zahl. | Tonnen- | Zahl. | Tonnen-    | Zahl. | Tonnen-
              |       | gehalt. |       | gehalt.    |       | gehalt.
              |       |         |       |            |       |
Eingelaufene  | 2253  | 138,000 | 127   | 23,000     | 160   | 98,000
Ausgelaufene  | 2298  | 135,000 | 137   | 25,000     | 157   | 98,000


Die grosse Zahl der Provinzschiffe gegenüber den wenigen über den
Ocean fahrenden Schiffen--den sogenannten buques de travesia--zeigt,
wie im inneren Verkehr der Inseln untereinander vor Allem die kleinsten
Schiffe bevorzugt werden. Nimmt man an, dass alle Schiffe eine volle
Ladung hatten--was natürlich nur annähernd richtig ist--und vergleicht
man die Tonnenzahl der in Manila eingelaufenen Provinzschiffe mit
derjenigen der von hier nach Europa, Australien etc. ausgelaufenen
grossen Seeschiffe, so sieht man, dass höchstens _15,000_ Tonnen der
Landesprodukte in Manila selbst geblieben sein können. Wahrscheinlich
aber waren es viel weniger, denn die Seeschiffe verlassen nie den Hafen
ohne eine volle Ladung, während viele der Provinzschiffe auch ohne
vollständig gefüllt zu sein, die Reise nach Manila unternehmen. Die
analoge Differenz von 14,000 Tonnen zwischen den eingelaufenen
Seeschiffen und den ausgelaufenen Provinzschiffen beweist, dass
auch die eingeführten europäischen Producte auf dem Seewege nach den
übrigen Provinzen übergeführt werden müssen.

Auch in diesen Zahlen tritt uns also ein bedeutender Verkehr
zur See entgegen. Mit grossen Schwierigkeiten hat derselbe in den
philippinischen Meeren zu kämpfen. Die bis in die neuere Zeit hinein
sehr schlechten Karten, die heftigen und mannichfaltig wechselnden
Strömungen, die Häufigkeit der Riffe und Untiefen und die schweren
beim Wechsel der Monsune so oft eintretenden Stürme; der Mangel aller
nautisch durchgebildeten Capitaine und die angeborne Sorglosigkeit
der Mannschaften--alles dies sind ebensoviele Hindernisse, aber auch
zugleich bestimmende Momente für die Form des Verkehrs und die von ihm
aufgesuchten Wege. Ganz besonders aber drückt der periodische Wechsel
der vorherrschenden Windrichtungen mit den übrigen klimatologischen
Erscheinungen dem Verkehr zur See, wie überhaupt dem ganzen organischen
Leben auf den Philippinen seinen Stempel auf. Diesen Einfluss des
Klima's auf Land und Leute zu untersuchen, soll die Aufgabe der
nächsten Skizze sein.



III.

Das Klima und das organische Leben.


Im Allgemeinen lässt sich das _Klima_ des philippinischen
Archipels als ein tropisch insulares im vollsten Sinne des Wortes
bezeichnen. Vollständiger Mangel aller schroffen Gegensätze in
der Temperatur, hohe mittlere Jahreswärme, grosse Regenmenge und
Feuchtigkeit der Luft, sowie die in gewissen Perioden wechselnde
Windesrichtung werden durch die geographische Lage dieser Inseln
erklärt. Um uns ein möglichst scharf gezeichnetes Bild von diesen
einzelnen Momenten, die in ihrer Gesammtwirkung als Klima solchen
Einfluss auf alle Organismen und alles Leben gewinnen, zu bilden,
wollen wir den im Anhang [1] ausführlich mitgetheilten Resultaten
mehrjähriger Beobachtungen in Sta. Ana, einem Dorfe dicht bei Manila,
folgende Mittelwerthe entnehmen:


  Temperatur in Graden Reaumur.    | Regenmenge | Relative  | Mittlerer
Mittlere   | mittleres | mittleres | im Jahr.   | Feuchtig- | Luftdruck.
des Jahres | Maximum   | Minimum   |            | keit.     |
           |           |           |            |           |
+20,88     | +25,4     | +16,2     | 974,6 par. | 78,7 par. | 337,18
           |           |           | Lin. =     | Lin.      |
           |           |           | 81,2 Zoll. |           |

Windesrichtung: October-April  N 57° O
                April-October  S 28° W


Hier drückt sich zunächst in den 3 ersten Zahlen die hohe, aber sehr
gleichmässige Temperatur bestimmt aus; denn bei dem hohen Jahresmittel
von 21° R. ist die Differenz der mittleren Monatsextreme nur 9°,
während sie beispielsweise in Frankfurt über 19° beträgt bei der
niedrigen Jahrestemperatur von 9° R. Gegen eine nur 15,7 Zoll
betragende Regenmenge an demselben Orte in Deutschland fallen in
Manila, einem vergleichsweise für die Philippinen sehr trockenen Orte,
alljährlich mehr als 81 Zoll, im Nordosten von Mindanao dagegen in
Linao nach den Beobachtungen eines Jahres 142 Zoll. Eine so ungeheure
und dazu noch in ziemlich regelmässigem Wechsel niederfallende
jährliche Regenmenge muss nothwendig von grossem Einfluss auf die
Entwickelung des organischen Lebens sein, dem wir denn auch dort im
Verein mit anderen Einflüssen überall begegnen. In der letzten Rubrik
endlich spricht sich der scharfe Gegensatz der beiden wichtigsten
Jahresabschnitte aus, welche man die _kalte_ und die _warme_ oder
besser mit Bezug auf die herrschenden Winde, die Jahreszeiten des
_Nordost-_ und des _Südwest-Monsun's_ nennen kann.

Allerdings ist durch dieses Wort nicht Alles bezeichnet. Wie die
Monsune selbst nur entstanden sind durch local wirkende Ursachen,
die indischen nemlich durch die Erwärmung des asiatischen Continentes
in unserem Sommer; so muss es natürlich auch Grenzgebiete geben,
in welchen ein Uebergang stattfindet in den regelmässigen durch
allgemeiner wirkende Ursachen bestimmten Erscheinungen, wie es die
Passate sind. Und in der That scheinen wir uns auf den Philippinen
in einem solchen Grenzgebiete zu befinden: denn während in _Manila_
der abgelenkte SW.-Monsun schon zu Ende _April_, der Nordost-Monsun
im _October_ einsetzt, ist die Dauer des SW.-Monsuns in _Bohol_ um
reichlich 1 Monat kürzer, da er nur vom _Juli_ bis zum _November_
dauert. Aber durch diese allerdings interessanten Verschiebungen
in den Windrichtungen wird doch die im Wesentlichen in dem Worte
Monsun angedeutete _Periodicität_ nicht erheblich verändert, und für
das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nemlich für den Einfluss
der periodischen Erscheinungen der Atmosphäre auf das organische
Leben, ist gerade diese Unregelmässigkeit viel weniger bestimmend,
als die periodischen Wechsel in der Temperatur und namentlich im
Feuchtigkeitsgehalte der Luft.

Wir ziehen hier abermals zur leichteren Vergleichung eine kleine
Tabelle aus den vollständigen Resultaten aus, in welcher wir die
jährliche klimatische Bewegung nach den 4 hier bei uns angenommenen
Jahreszeiten für Manila in Zahlen darstellen.


          | Winde.   | Regen. | Gewitter. | Temperatur. | Luftdruck.
          |          | Lin.   |           | ° R.        | par. Lin.
          |
Winter    | N 35° O  |  74    |  0,8      | 19,6        | 337,66
Frühling  | N 79° O  |  73    | 14,7      | 21,6        | 337,40
Sommer    | S 41° W  | 492    | 35,9      | 21,7        | 336,94
Herbst    | S 16° W  | 334    | 19,5      | 20,7        | 336,71


Während der 3 Wintermonate December, Januar und Februar bringt der
sehr regelmässig wehende Nordostwind bei der niedrigsten Mittelwärme
von 19°,6 R. gar keinen oder fast gar keinen Regen nieder. Die Felder
trocknen nun aus und das Erdreich springt häufig in tiefen Rissen auf;
unerträglichen Staub wirbeln die offnen Wagen der Bewohner Manila's
auf und die Pflanzen sehen traurig und düster genug aus durch den
dichten Staub, der sie bedeckt. Der starke jeden Morgen fallende
Thau genügt nicht, um die verbrannten Blätter mit frischem Grün zu
schmücken. Dennoch aber gibt es nur selten völlig heitere Tage; denn
die grosse alltäglich mit aufsteigender Sonne in die Luft gehobene
Wassermenge formt sich rasch zu leichten Wölkchen, welche der starke
Nordostwind vor sich hin treibt. Wenn aber zum Anfang des Frühlings
die Sonne sich dem Zenith nähert, so mehren sich allmälig mit etwas
sinkendem Luftdruck die electrischen Entladungen der Atmosphäre, die
zuerst als Wetterleuchten in der Ferne, dann als immer näherkommende
und heftiger auftretende Gewitter das Herannahen des durch wechselnde
Winde und Calmen bezeichneten Frühlings anzeigen. Nun beeilt sich
jeder Bewohner Manila's, seinen Wagen repariren zu lassen, um während
der bald eintretenden heftigen Regen im geschlossenen Fuhrwerk
dem Unwetter trotzen und seinen Geschäften obliegen zu können. Zwar
erleuchtet die _aufgehende_ Sonne noch einen stets ungetrübten Himmel;
aber gegen Mittag schon, wenn sie am höchsten steht, decken dichte
Wolken den Himmel und thürmen sich, meistens an einem der benachbarten
Berggipfel hängend, schwere dunkle Gewitterwolken auf. Dabei erhöht
sich die Temperatur rasch um 2 volle Grade; aber noch immer harren
Pflanzen, Thiere und Menschen vergebens auf den erfrischenden Regen,
der zuerst im Mai mit einzelnen schweren Tropfen sich ankündigt,
dann aber plötzlich in heftigen Gewitterregen losbricht. Zugleich
damit tritt ein Wechsel der Winde ein. Nicht ohne Zagen und doch mit
Freude sieht der Bewohner diesem Wechsel des Monsun's entgegen. Wenn im
Mai oder Juni der von Süden her andringende Südwestwind dem Nordost
die Herrschaft über das Land zu entringen sucht, so sind heftige
Stürme, sogenannte "colla's", welche einige Tage lang andauern,
die Folge dieses Kampfes der Winde. Häufig erzeugt sich dabei ein
"baguio", ein Wirbelsturm; doch seltener, als in dem Uebergang des
SW.-Monsun's in den NO.-Monsun im September oder October. Ist die
"colla" vorüber, während welcher fast unausgesetzt fallender Regen
die durstige Erde tränkt, so tritt nun die eigentliche Regenzeit mit
ihren täglich sich wiederholenden äusserst heftigen, aber meistens
nur wenige Stunden dauernden Gewitterregen ein. Mit dem Südwestwinde
hat der Barometerstand fast sein Minimum erreicht, während die Zahl
der Gewitter sich enorm gesteigert und die herabfallende Regenmenge
ihr Maximum erreicht hat. Die mittlere Wärme ist kaum gestiegen; aber
die häufigen Windstillen zur Zeit des Mittags und die eigenthümliche
Schwüle, welche dort wie hier den Gewittern voranzugehen pflegt,
lassen die Hitze grösser erscheinen, als sie wirklich ist; denn
nie steigt die Temperatur im Schatten auf mehr als 27 oder 28°
R. zur Zeit des täglichen Maximum's. Gegen Ende des Sommers sinkt
die Temperatur etwas, ebenso auch die Regenmenge, obgleich nun erst
die relative Feuchtigkeit ihr Maximum erreicht. Zum zweiten Male
wiederholt sich dann im September oder October der Streit zwischen
den Luftströmungen. Unerwartet und rasch, nicht durch das Fallen
des Barometers oder die sich mehrende Zahl der Gewitter angekündigt,
bricht nun die "colla" des Herbstes über Stadt und Land herein. Wehe
den Pflanzen und Thieren, den Menschen in ihren Hütten und an
Bord der im Hafen ankernden Schiffe, wenn mit ihr der gefürchtete
"baguio" eintritt, der nun viel heftiger, als sein Genosse im Frühling
einherschreitet. Im heftigsten Anlauf reisst der Wind in den Bergen
ganze Waldungen nieder; Wolkenbrüche, die ihn begleiten, schwellen die
Giessbäche und die Ströme des Landes in rasender Schnelle zu enormer
Höhe; Brücken und Häuser werden fortgeschwemmt und ausgedehnte Ebenen
überfluthet und die Schiffe im Hafen reisst der heftige rasch sich
durch alle Richtungen der Windrose drehende Sturmwind von ihren
Ankern ab und auf die Untiefen oder gegen die Klippen an. Zum
Glück dauern diese Stürme selten lange. Einer der heftigsten und
längsten Wirbelstürme, welcher Manila in neuerer Zeit heimsuchte,
war der vom September 1865; er begann am 26. Mittags und endete am
28. Morgens. Während dieser 40 Stunden fiel unaufhörlicher Regen in
solchen Mengen, dass der Rio Pasig weit über seine Ufer hinaustrat
und die Stadt Manila mit allen ihren Vorstädten überschwemmte, so
dass der Verkehr auf den Strassen durch Boote unterhalten werden
musste. Hat dann endlich der Nordost, mitunter in mehrfach erneutem
Kampfe, im October seinen Rivalen aus dem Süden besiegt, so gehen
dann allmälig die wechselnden Winde in den stetigen Nordostwind des
Winters oder der _trocknen_ Jahreszeit über, während zugleich die
Temperatur sich in dem Masse erniedrigt, als die Sonne sich mehr und
mehr ihrer südlichen Culmination unterhalb des Aequators nähert.

Wie wir aber schon zwischen Manila und Bohol eine grosse Verschiebung
in der Periode der Monsune bemerkt haben, so gilt auch die hier
näher geschilderte Periodicität in den übrigen atmosphärischen
Erscheinungen nicht für die ganze Inselgruppe, oder selbst für alle
Orte derselben Insel. Wir erinnern uns, dass Luzon mit seinen hohen
von Nord nach Süd streichenden Bergketten gegen die herrschenden
mittleren Windrichtungen dieselbe Stellung einnimmt, wie Ceylon
im indischen Ocean und wir verstehen nun, warum die östliche und
westliche Hälfte der Insel in Bezug auf die Vertheilung des Regens
so gänzlich von einander verschieden sein müssen. Denn während der
nordöstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch
den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostküste und in den hohen
Bergen des Ostens und Nordens vollständig absetzt, gelangt er nun
an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Südwestwind
schlägt seinen Regen an der westlichen Seite der Insel nieder. So
kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus
der _nassen_ in die _trockne_ Jahreszeit versetzen. Als ich mich
im November 1860 in _Aparri_ an Bord eines Dampfers einschiffte,
um nach Manila zu reisen, hatten wir dort an der Nordküste Luzon's
fast täglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststürmen
gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an
der Küste von Ylocos gänzlich gegen den stürmischen Nordost durch
die hohe Bergkette geschützt und fuhren nun bei beständig heiterem
Wetter bis nach Manila hinunter. Wo sich in den _Visaya's_ zwischen
den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden,
da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen
sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung
des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon,
und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen
Richtung auftreten können. So war in _Bohol_ die Vertheilung des Regens
während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in
Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien,
im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der
Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit
auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1
R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und
Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so
dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge,
aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann. _Linao_ im
Innern des östlichen Mindanao's liegt in einem gegen Nordwesten
hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2-3000'
hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die
eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen
Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse von _Surigao_ und
in dem Canal zwischen _Leyte_, _Bohol_ und _Cebú_ durch und tritt nun
bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo's. Je
nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse des _Agusan_, welche bald
mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen,
schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise
an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also
gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen
Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile
und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand
herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2
fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L.,
im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt
also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist
die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als
das Maximum in Bohol und mehr als die Hälfte des Sommermaximum's in
Manila. Das ganz im Westen und auf 6° 50' N. B. liegende _Zamboanga_
endlich nähert sich in der Vertheilung des hier fallenden Regens noch
mehr den Verhältnissen, wie sie der Aequitorialzone der Calmen eigen
zu sein pflegen, denn trotzdem das Land hier gegen den Nordostwind
geschützt, dem Südwestwinde offen liegt, so bringen beide Winde hier
doch so ziemlich die gleiche Zahl von Regentagen.

Die Sonne ist der Quell alles Lebens. Wie ohne ihre erwärmenden
Strahlen die Blätter der Bäume und Sträucher nicht ergrünen, so
ist sie es auch, welche die Bewegung unserer Atmosphäre, die Winde
erzeugt und das Athmen des Meeres, den aufsteigenden Wasserdunst,
hervorbringt, der nun als Regen wieder vom Himmel den durstigen
Pflanzen zugesandt wird. So hängt von der verschiedenen Vertheilung
der Wärme, der Winde und der Feuchtigkeit in Zeit und Raum auch das
Leben der Organismen ab. Wir wollen den Einfluss des _Klima_'s zunächst
auf die _vegetabilischen Producte_ des Landes näher untersuchen.

Grosse Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist hier die Folge des
gleichmässig warmen und sehr feuchten Klimas. Undurchdringlicher
tropischer Wald bedeckt bis auf die höchsten Spitzen der Berge hinauf
das Land; und in den Ebenen und Thälern, um die Dörfer der Eingeborenen
herum, erzeugen sich die bekannten tropischen Nutzpflanzen. Cacao
und Indigo, Caffe, Baumwolle, im Süden selbst Canehl [3]--welcher
in Mindanao wild zu wachsen scheint--dazu die Mangabäume, die
Cocospalmen und Bananen und viele andere Fruchtbäume gedeihen in
üppigster Fülle. Bald halten sie sich--wie die Manga, Caffe, Indigo
und Cacao--an besondere Jahreszeiten zur Reifung ihrer Früchte; oder
sie geben, wie die Cocospalmen und die Bananen, dem Eingeborenen
eine nie versiegende Quelle schmackhafter Nahrung. Schärfer fast,
als die einheimischen Pflanzen und Bäume, drückt sich in dem
Anbau der eingeführten Nutzpflanzen der Einfluss des Klima's und
seiner periodischen Erscheinungen aus. Das _Zuckerrohr_ wird in
den nächsten Provinzen um Manila herum, welche alle ein ziemlich
gleichartiges Klima besitzen, im März oder April, also kurz vor
Eintritt der Regenzeit gepflanzt; während sich die Manobo's in
Mindanao dabei an gar keine bestimmte Jahreszeit halten, da selbst
in der trockensten Periode hinreichender Regen fällt, um die jungen
Pflanzungen gegen Vertrocknen zu schützen. Der Anbau des _Taback_'s
wird ebenfalls durch die Jahreszeiten geregelt. Im Norden von Luzon,
in den Provinzen _Cagayan_ und _Nueva Isabela_, welcher letzteren das
auf der Karte bezeichnete Land der Catalanganes zugehört, wird auf
erhöhtem, fern von den Bächen und dem Hauptfluss der Provinz, dem Rio
Grande de Cagayan, liegenden Lande der Taback im _August_ ausgesäet;
denn ein heftiger Regen, welcher die Bäche zum Austreten bringen
könnte, würde den zarten Pflänzchen durch den in den sogenannten
"avenida's" mitgeführten Schlamm verderblich werden. Aber wenn dann im
September oder October die "colla" des Herbstes vorüber ist und in den
damit immer verbundenen Ueberschwemmungen des tiefliegenden Landes
der Boden durch den aus den tertiären Kalkgebirgen herabgeführten
Schlamm gedüngt worden ist; so haben nun die jungen Tabackspflanzen,
in die Niederungen versetzt, hinreichende Kraft und Höhe erlangt, um
nicht in kleineren Ueberschwemmungen zu Grunde zu gehen, oder durch
heftigen Regen ausgewaschen zu werden. Dieses Umsetzen, wobei jede
Pflanze etwa 1 1/2 Fuss von den anderen entfernt gesetzt werden muss,
geschieht Ende October oder Anfang November. Damit ist aber nicht alle
Arbeit gethan. Unausgesetzte Pflege verlangt nun die Tabackspflanze,
um sie vor Untergang zu bewahren und die Blätter einer günstigen
Reife entgegen zu führen. Bei zu grosser Dürre müssen die einzelnen
Stämme begossen werden; fällt zu viel Regen, so hat der Arbeiter
beständig Sorge zu tragen, dass durch den heftigen Tropfenfall
nicht die Wurzeln gelockert werden. Einzeln müssen die Raupen eines
Schmetterlings, welche in wenig Tagen aus den massenhaft gelegten
Eiern desselben auskriechen, vom Stamm und den Blättern abgesucht
werden, da das kleinste Loch, das in den jungen Keim eines Blattes
gefressen wird, diesem allen Werth raubt. Nur der geringste Theil der
Pflanzen wird benutzt, um Samen für die nächste Aussaat zu ziehen;
und jede kleine Blüthenknospe muss, sowie sie sich zeigt, von dem
Zweige entfernt werden. Endlich naht im Mai und Juni die trockenste
Zeit, und wenn dann in den letzten Wochen kein Regen gefallen ist,
welcher das eigenthümliche Gummi des Blattes wieder abwusch, so wird
im Juli mit der Erndte begonnen. Diese wird möglichst rasch vollendet,
und in der kurzen Periode die nun bis zur nächsten Umpflanzung übrig
bleibt, wird der Mais, das einzige [4] selbstgebaute Nahrungsmittel der
Bewohner der Provinz, gesät und geerndtet. In 2 Monaten vollendet
hier die Maispflanze ihren Lebenslauf.

Noch schärfer aber drückt der _Reisbau_ den nach den verschiedenen
Orten wechselnden Einfluss der klimatischen Verhältnisse aus, indem
er zugleich mehr als irgend eine andere Beschäftigung des täglichen
Verkehrs bestimmend auf das Leben der Eingeborenen einwirkt. Im
Allgemeinen braucht auf den Philippinen der Reis 5-6 Monate höchstens,
von der Aussaat bis zur Vollendung der Erndte, so dass hier bei
sonst günstigen Verhältnissen die Möglichkeit zweier Erndten im
Jahre gegeben wäre. In der That aber wird dies scheinbar so günstige
Verhältniss gestört durch eine Menge verschiedenartiger Einflüsse,
welche _einestheils_ in der Qualität des gebauten Reis selbst und dem
dabei angewandten System, _anderntheils_ in dem schon geschilderten
mannigfach wechselnden Klima begründet liegen. Man zählt auf den
Philippinen über 60 Reisvarietäten, welche aber nach dem Boden,
dessen sie bedürfen, in zwei scharf getrennte Kategorieen geschieden
werden, nemlich in die des _Bergreis_ und des _Wasserreis_. Erstere
Gruppe wird, wie schon der Name andeutet, nur auf den hohen, weder
den periodisch wiederkehrenden, noch den durch die Hand des Menschen
künstlich hervorgebrachten Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden
gebaut. Sie bedarf zu ihrer Cultur sehr viel geringerer Sorgfalt,
als die zweite Sorte, welche nur in feuchtem oder ganz unter
Wasser gesetztem Boden gut gedeiht; aber zugleich ist sie auch den
Unregelmässigkeiten des Wetters viel mehr unterworfen und während bei
dem Wasserreis die Periode seines Lebenslaufes so ziemlich immer in
denselben Gränzen gehalten wird, ist es bei dem Bergreis nicht selten,
eine Verzögerung seiner Reife um mehr als einen Monat eintreten zu
sehen. Auch die Methode des Reisbaues ist von einigem Einfluss;
da diese Einwirkung aber sehr gegen die des Klimas zurücktritt,
so wollen wir die Schilderung der Felderbewirthschaftung in jenes
Capitel zurücksetzen, in welchem wir in dem eigenthümlichen socialen
Zustande einiger philippinischer Völkerschaften bessere Anknüpfung
finden werden.

Wie sehr nun endlich durch die wechselnden klimatischen Bedingungen
der verschiedenen Provinzen der Reisbau, und damit auch das Leben
des Menschen, beeinflusst werden muss, geht aus der einfachen
Thatsache hervor, dass der Reis--mag es nun Bergreis oder Sumpfreis
sein--eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit neben hinreichender
Wärme und Nahrungebestandtheilen des Bodens braucht, die also weder
zu gross, noch auch zu klein sein darf. Hier kommt es vor Allem auf
die _wechselnden_ Feuchtigkeitsverhältnisse an. Während in Manila und
den umliegenden Provinzen, welche dem Südwestwinde ausgesetzt sind,
die Zeit der Aussaat im _Juni_, also nach dem Ende der trocknen
Jahreszeit, ist, da nun erst der Boden hinreichend durch Regen
befruchtet und durchfeuchtet ist, um den Samen aufnehmen zu können,
wird bei den Iraya's im Nordosten von Luzon der Bergreis im _Dezember_
und _Januar_ nach Eintritt des Nordostwindes, also hier abermals
nach Beginn der eigentlichen Regenzeit, ausgesät. Es fällt somit
in diesem Lande die Zeit der Reiserndte mit derjenigen des Tabacks
und der Aussaat in Manila zusammen. Der ganz gleiche Gegensatz ist
schon den ältesten spanischen Schriftstellern auch auf den Visaya's
aufgefallen. So sagt der Padre Chirino (1604) von der Insel Leyte
"wenn in der nördlichen Hälfte der Insel Winter herrscht, was in
denselben Monaten wie in Spanien zu geschehen pflegt, so ist es in
der südlichen Sommer; und umgekehrt in der andern Hälfte des Jahres;
so dass wenn die eine Hälfte der Insel sät, die andere ihre Erndten
einbringt". Wieder anders stellt sich das Verhältniss in _Bontoc_
dar, einem vom Mte. _Data_ ausgehenden und in nördlicher Richtung
streichenden Thal, in welchem der Südwestwind meistens den Regen
bringt; aber doch säen die Eingebornen den Sumpfreis erst viel später
im December, weil hier die eigentlich trockne, die Erndte gestattende
Periode erst sehr spät, nemlich im Mai bis Juli einzutreten pflegt. Die
Zeit vom Juli bis October und November benutzen die Eingebornen
zur Anpflanzung des camote (convolvulus batata). Nur in Butuan in
Mindanao scheint die Vertheilung des Regens eine so günstige zu sein,
dass zwei Erndten stattfinden; die eine Aussaat erfolgt im Januar
und Februar nach Beendigung der Regenzeit (des Nordost-Monsuns),
die andere im August oder September mit Beginn derselben. Dagegen
verhalten sich die _Manobo_'s im Sumpfgebiete des Agusan gerade so,
wie die Bewohner von Bontoc, da sie ihren Bergreis nur einmal im Jahr
und zwar im März mit Beendigung der heftigsten Regenzeit aussäen. Es
mögen diese wenigen Beispiele hier genügen, da sie hinreichend den
Satz feststellen, dass es auf den Philippinen ausschliesslich die
Regenzeit und die im Laufe der Monate fallende Regenmenge ist, welche
die Zeit der Aussaat und der Erndte bestimmen.



Wir gehen zur Beobachtung der _Thierwelt_ über, die wir, wie die
Pflanzen, ebenfalls in einigen besonders auffallenden Beziehungen in
den klimatischen Verhältnissen kennen lernen wollen, wodurch dann
abermals ein Zusammenhang der letzteren mit dem Leben der Bewohner
angedeutet wäre, welchem wir wohl in den nächsten Skizzen wieder
begegnen werden. Theilweise war dieser Gegenstand schon weiter oben
angedeutet, nemlich am Schluss der zweiten Skizze, in welcher wir
sahen, dass der Fang der zahlreichen _Seethiere_, die für den Menschen
wichtig sind als Nahrungsmittel oder Handelsartikel, nicht zu allen
Jahreszeiten geschehen kann. Zur Zeit des Nordost-Monsun's sind die
östlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden
Küsten gänzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschränkt
sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei
tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblöcken finden;
wenn aber dann der Südwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und
hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Gränzen zieht, so ist
jetzt an den östlichen Küsten die Zeit des Lebens gekommen. Nun
bevölkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln
mit Fischerböten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des
Landes nach Cebú oder Manila führen; handeltreibende Chinesen bringen
die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den
balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren
ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3-4 Mann enthaltende Bote
aus. Und nun ist auch, wenigstens für den Südosten des Archipels,
die für den christlichen Bewohner gefährlichste Zeit gekommen; denn
jetzt erscheinen die muhamedanischen Piraten in ihren leichten und
60-70 Männer haltenden "panco's", die mit der grössten Verwegenheit
ihre Raubzüge bis nahe an die Hauptstädte der spanischen Provinzen
heran ausdehnen.

Wie bei uns, so zeigen auch auf den Philippinen manche _Thiere des
Landes_ eine Periodicität ihrer Lebenserscheinungen, welche dann
abermals, wie bei den Pflanzen, durch das relative Verhältniss zwischen
Wärme und Feuchtigkeit mehr oder weniger beeinflusst werden. Obgleich
die Mehrzahl der Insecten hier, wie wohl in den meisten aequatorialen
Ländern auch, an keine Jahreszeit [5] so scharf gebunden zu sein scheint,
als dies bei uns in Europa durch die Kälte des Winters geschieht,
so fällt doch gerade die Ausbildung der grössten Individuenzahl in
die Monate Mai bis Juli, in welchen bei zunehmender Feuchtigkeit und
steigender Sonnenwärme die günstigsten Bedingungen für eine massenhafte
Entwicklung derselben gegeben sind. Dann auch haben die Bienen
des Waldes ihre Waben mit süssem Honig gefüllt, der aber statt den
auskriechenden Larven den nach Süssigkeit lüsternen Negern und Malaien
zur Beute fällt. Zu gewissen Zeiten steigen grosse Fischschwärme in die
Mündungen der Flüsse hinauf, die nun auf ihrem Wege von den Malaien
mittels einer Unzahl verschiedener Instrumente zu Millionen gefangen
werden. Schon die ältesten Schriftsteller erwähnen die unglaublichen
Mengen der kleinen kaum fingerlangen Fischchen, die nun in grossen
irdenen Krügen--den tinaja's--eingesalzen werden, um dann mit nächster
Gelegenheit nach Manila übergeführt zu werden; denn nicht in allen
Provinzen soll dieser Fisch gefangen werden, so dass der "bagon"--so
heisst der eingesalzene Fisch--im inneren Handel und Verkehr eine
nicht unbedeutende, aber leider nicht in Zahlen auszudrückende Rolle
spielt. In jeder Beziehung aber eigenthümlich und charakteristisch für
die grosse Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse von _Luzon_
und _Mindanao_, ist ein Fisch des süssen Wassers, welcher über den
ganzen hinterindischen Archipel und Indien selbst verbreitet ist. Es
ist die Gattung _Ophiocephalus_ [6], welche jener eigenthümlichen
Gruppe von Fischen angehört, die durch besondere Wasserreservoire an
den Seiten des Kopfes ausgezeichnet sind, so dass sie auf ihren Zügen
über Land oder beim Erklettern der Palmenbäume auf lange Zeit Wasser
genug zur Befeuchtung ihrer Kiemen und damit zu ihrer Athmung bei sich
führen können. Es ist die Zahl dieser Labyrinthfische eine ziemlich
grosse; aber es sind fast ausschliesslich die Arten der genannten
Gattung, welche als beliebte Speise von den Eingebornen zu Tausenden
gefangen und verzehrt werden. Ihr Fang nun wird in Luzon ganz anders
betrieben, als in Mindanao. Während der trocknen Jahreszeit versiegen
auf Luzon zahlreiche kleinere Bäche, und die Sümpfe und Reisfelder
trocknen aus, in denen jene Fische lebten.--Diese ziehen sich in die
wenigen Seen zurück, aber zum grössten Theile wohl bohren sie sich
tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie nun bis zum Anfang der
nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen
die Nachstellungen der Menschen geschützt, im Winterschlaf versunken
zubringen. Thatsache ist es, dass während dieser Zeit nur sehr geringe
Mengen des "dalag"--so heisst dieser Fisch auf den Philippinen--auf
den Markt von Manila kommen. Wenn aber dann nach den ersten heftigen
Regentagen im Monat Mai die harte Erde sich zu erweichen beginnt,
und der Regen die Reisfelder wieder mit frischem Wasser zu füllen
anfängt, so brechen jetzt die im Schlamme vorsteckten Fische hervor
und tummeln sich in grosser Menge in den Pfützen und auf den nassen
Feldern im Schlamme umher. Dann auch scheint die Zeit des Laichens
und des Auskriechens der Jungen gekommen zu sein, denn zahllose
Mengen werden nun von den Fischern oder den Landbauern, welche ihre
Reisfelder bestellen wollen, gefangen und zu Markte gebracht. Letztere
schlagen die Fische einfach mit Knitteln todt; denn ihre Zahl in den
Reisfeldern ist so gross, und das Wasser so seicht, dass die Bewohner
hier, statt sie mit Netzen zu fangen, nur auf's Geradewohl in den
Sumpf hineinzuschlagen brauchen. Es gibt eine tagalische Redensart,
etwa unserem "blind darauf losschlagen" zu vergleichen, die von diesem
eigenthümlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun
dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse
Centralebene Luzon's, in welcher alljährlich Hunderttausende auf
solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao
im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete
lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen
Manobo's und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet
herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die
christlichen Bewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden
den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens [7] die ausgedehnten
bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flächen
nach allen Richtungen hin von Canälen durchschnitten und weder durch
Dämme eingeschlossen, noch überhaupt durch den regulirten Lauf der
Flüsse, wie in Luzon, bestimmt abgegränzt sind. Den Fischen bleibt
also,  wenn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die Wasser zu sinken
beginnen, der Ausweg in die Flüsse und die grösseren Teiche oder Seen
nach allen Seiten hin offen. Aber auch so können sie den Nachstellungen
der Menschen nicht entgehen. Denn nun ziehen die Heiden hinunter in das
Sumpfgebiet und bauen sich hier zeitweilig ihre elenden Hütten auf,
um in den Winkeln der Flüsse zahlreiche Fischreusen oder grosse gegen
den Strom gerichtete Netze aufzustellen, in welchen dann die mit der
Strömung immer tiefer hinab ziehenden Fische gefangen werden. Leider
kam ich im Jahre 1864 zu spät--da mein ursprünglicher Reiseplan durch
ungünstige Momente gänzlich verändert wurde--, um noch das nach den
Schilderungen der Eingebornen äusserst interessante Leben der mit dem
Fang des dalag beschäftigten Manobo's beobachten zu können. Nur ein
schon halbverfallenes, aus den elendesten Hütten auf Pfählen rasch
aufgeschlagenes Dorf sah ich noch. Eine Frau mit einigen kleinen
Kindern war beschäftigt, die letzten noch vor einigen Tagen gefangenen
Fische über dem Feuer zu dörren.

Indem wir so überall im Leben der Thiere wie der Pflanzen den
entscheidenden Einfluss der umgebenden Natur, vor Allem der
klimatischen Verhältnisse in ihrer grossen Mannichfaltigkeit kennen
lernten, so wurden wir durch sie auch schon auf die Einwirkung mehr
oder weniger deutlich hingewiesen, welche das Klima und der Boden,
die Pflanzen und Thiere in ihrem periodischen Auftreten auch auf
den Menschen haben mussten. Wir wollen in den nächsten Skizzen
sehen, ob und wie sich der philippinische Mensch allmälig in seiner
geschichtlichen Entwicklung von den Fesseln, welche ihm die Natur
geschlagen, zu befreien vermocht hat.



IV.

Die Negrito's und die heidnischen malaiischen Stämme.


Auf der Bühne, deren Bretter und Coulissen, Drähte und Maschinen wir
jetzt hinreichend kennen gelernt haben, spielte seit Jahrhunderten, wie
überall, der Mensch sein blutiges Drama. Auf den Philippinen, wie bei
uns, ist das erste Auftreten des Menschen in fast undurchdringliches
Dunkel gehüllt. Wie aber in Europa die Ueberreste der Pfahlbauten mit
ihren Waffen und Kochgeschirren, Schmuckgegenständen und Skeletten
unsere Phantasie im Aufbau einer vorkeltischen Menschenperiode Europa's
unterstützen; so haben uns die früheren Bewohner der Philippinen
zwar keine Denkmäler, wohl aber einige lebende Stämme überliefert,
die uns in ihren Sitten und Gebräuchen ein ziemlich getreues Bild
vergangener Jahrhunderte liefern.

Hier scheinen nun Negerstämme die ersten Besitzer des Landes
gewesen zu sein; wenigstens hat man von anderen Völkern, die ihnen
vorangegangen wären, keine Kunde, und auch die Steinbeile [1], welche
man mitunter auf diesen Inseln findet, lassen sich ganz ohne Zwang
auf eine schwarze Bevölkerung beziehen. Der Papua-Race auf Neu-Guinea
und den angrenzenden Inseln, sowie den Bewohnern der Fidji-Inseln und
anderer Inselgruppen im stillen Ocean nahe verwandt [2] in psychischer
Beziehung und in vielen ihrer Sitten und Gebräuche, stehen sie doch in
Bezug auf Cultur und Gesittung auf einer viel niedrigeren Stufe, als
die Negerracen der Inseln im stillen Ocean. So könnte man entweder in
ihnen einen auf niedriger Entwickelungsstufe stehengebliebenen, oder
einen unter dem, Jahrhunderte alten, Einflusse späterer Einwanderer
degenerirten Zweig des allgemeinen Papua-Stammes sehen, von welchem
eine Anzahl frischer noch grünender Aeste als die Repräsentanten des
höchsten Culturzustandes, den diese Race erlangen konnte, anzusehen
wäre. Wenn man nach den spärlichen in Werken spanischer Autoren
niedergelegten Notizen über die Negritos der Philippinen sich den
Einfluss der malaiischen und christlichen Periode construirt, so glaubt
man freilich zu erkennen, dass man es nur noch mit den herabgekommenen
Enkeln einer einst viel höher stehenden Race zu thun hat.

Im Süden der Philippinen scheinen sie gänzlich ausgerottet zu
sein. Allerdings geben alle Autoren an, dass im Osten wie im Innern
Mindanao's noch echte Negritos leben, eine Meinung, die aber auf
vollständiger Unkenntniss der dortigen Stämme beruht. Nur die wenig
zahlreichen Mamanua's im Osten Mindanao's haben Negerblut in ihren
Adern, aber sie sind ein Mischlingsvolk, das als solches auf den
ersten Anblick kenntlich ist. Mit Ausnahme der Insel Negros, wo noch
einige wenige Negerfamilien namentlich in der Gebirgsgegend um den
Vulcan herum hausen sollen, sind die Autochthonen auf sämmtlichen
Inseln der Visayas verschwunden. Im südlichen Luzon scheinen sie auch
zu fehlen; mehr und mehr gegen den Norden zu aber treten sie immer
häufiger sporadisch auf--so an der Ostküste auf der Insel Alabat, bei
Mauban, in der Bergkette von Mariveles und Zambales, an der Ostküste
bei Baler, dann bei Casiguran, bis sie endlich von Palanan an bis
an das Cabo Engaño hinauf ausschliesslich die Küste sowohl, wie die
Gebirgsgegenden der östlichen Bergkette bevölkern. Wenn irgendwo,
so sind sie hier noch in ihrer grössten Reinheit der physischen wie
der geistigen Charactere zu finden.

Bei einer durchschnittlichen Körperhöhe von 4' 7'' par. (Männer) und
4' 4'' (Weiber) sind ihre Glieder dem entsprechend ungemein zart,
aber wohl gebildet. Mit rundem, namentlich bei den Weibern stark
ausgeprägtem Gesicht, äusserst dicker, braunschwarzer, glanzloser
und wollig-krauser Haarkrone; mit geradem, wenig vorspringendem
Kiefer und schwach gewulsteten Lippen, mit sehr flacher und breiter
Nase und dunkelkupferbrauner Körperfarbe--so bilden diese Neger
körperlich einen schroffen Gegensatz zu den grösseren und eckiger
gebauten malaiischen Usurpatoren. Durch die ungemeine Schmächtigkeit
ihrer Beine und die verhältnissmässig grossen Bäuche--muy barrigudos
nennen sie die spanischen Historiker--erinnern sie etwas an die
glatthaarigen Bewohner Australien's. Die Milde des tropischen Klima's
nimmt sich freundlich ihres fast gänzlich nackten Körpers an, den sie
unter leicht beweglichen Schirmen, wie sie auch unsere Steineklopfer
haben, gegen heftigen Wind und Regen oder die allzuheisse Sonne
schützen. Unter ihnen ausgestreckt liegen sie auf dem heissen Sande
des Meeresstrandes oder am Ufer der Gebirgsbäche, immer bereit,
die schnell gebaute Hütte einige Meilen weiter zu tragen, wenn
Mangel an Nahrung sie dazu zwingt. Mehr Sorgfalt, als den Schürzen
und Schenkelbinden, wenden sie ihren Zierrathen zu, die sie in Form
von wunderlich gestalteten Ohrgehängen, Ringen für Beine und Arme,
Halsketten und einigen Utensilien für den Taback und das Betelkauen
sich aus Wurzeln und Stücken Holz, sowie Fasern der Pandanus-Arten
flechten. Nur die Reichsten unter ihnen gestatten sich den Luxus
einer von den Christen erhandelten Matte zum Schlafen. Auch das
Tättowiren üben sie; wenngleich lange nicht in dem Maase, wie die
Malaien in der westlichen Cordillere Luzon's. In der Verbindung der
dabei angewandten Verzierungen, lauter gradlinigen Mustern, weichen
die an verschiedenen Orten lebenden Negritos nicht von einander ab;
wohl aber in der Weise des Tättowirens selbst. Die Neger der Ostküste
von Baler an bis hinauf nach Palanan brauchen dazu eine Nadel [3],
wie sie auch bei den Malaien in Gebrauch ist; die von Mariveles
dagegen bringen sich in ihrer Haut lange Schnitte an, durch deren
Combination sie die gewünschten Muster erzielen. Bei diesen erhebt
sich die Zeichnung in Form von hohen Narben, während bei den mit der
Nadel tättowirten Negern die Haut ziemlich glatt bleibt.

Ihr Charakter ist meistens besser, als sein Ruf. Von Natur sind
sie zutraulich, frei und offen, misstrauisch nur im Verkehr mit
den Christen, den Räubern ihres Landes; ausdauernd und an Muth den
malaiischen Nachbarn weit überlegen; bereitwillig zu Diensten, sobald
diese nur im Bereich des Gewohnten liegen; und von einer unbegrenzten
Liebe zur individuellen Freiheit und zum Wanderleben. Von ihrer
wirklich gutmüthigen Natur erhielt ich im Land der Iraya's [4] an der
Westseite der Cordillere von Palanan einen freundlichen Beweis. In der
einen Hälfte dieses Stammes fand ich eine sehr ungastliche Aufnahme,
und hier schienen sich die Bewohner fast gänzlich allen intimen
Umganges mit den Negern zu enthalten; in der andern aber hatte die
unverkennbare grosse Vermischung mit den Negern allen Leuten ein so
freundliches Wesen eingeprägt, dass mir der Gedanke an die Wochen, die
ich unter ihnen zubrachte, mit zu meinen liebsten Reiseerinnerungen
gehört. Grosse unbesiegbare Liebe zu ihrer Heimath und zu ihrem
Wanderleben spricht sich häufig in den Erzählungen der Spanier über
eingefangene und in Manila erzogene Neger aus. Doch irrt man sich wohl,
wenn man diesen nicht zu bändigenden Trieb nach dem Herumschweifen
in den Bergen und am Meeresufer für das wesentlichste Attribut
dieser bedürfnisslosen Naturkinder ansieht. Es scheint vielmehr die
allerdings wohl vorhandene Anlage dazu durch die Jahrhunderte alte
Verfolgung von Seiten der Malaien und nachher der Christen, und vor
Allem durch die immer mehr zunehmende Trennung eines politischen
Zusammenhanges unter den einzelnen Clan's dieser Negerstämme in ihr
jetziges Extrem ausgebildet worden zu sein. Eine gewisse Tendenz zur
Isolirung haben alle sogenannten wilden Völkerschaften; und wo sich
gewaltsam der in primitiven Zuständen, und bei geringer Dichtigkeit
der Bevölkerung überhaupt nie sehr innige und feste Zusammenhang der
Clan's untereinander löst, und sich zwischen sie nun feindliche Stämme
einschieben, welche jede Möglichkeit des Verkehrs abschneiden: da wird
diese Unabhängigkeitsliebe des Einzelnen sich immer mehr steigern,
das geringe Bedürfniss nach Einigung grösserer Massen in gleichen
Gesellschaftsformen nothwendig absterben müssen. Und wie sich so
in dem socialen Zustande der isolirt lebenden Familiengruppen, in
dem allmäligen Verlust aller ihnen eigenthümlichen Eigenschaften,
ja sogar ihrer Sprache [5], dieser verderbliche Einfluss der Trennung
des politischen Zusammenhanges naheverwandter Stämme ausspricht;
so drückt sich andererseits in dem täglichen Leben, in ihrem Kampfe
ums Dasein der für sie jetzt fast allmächtige Einfluss des Klima's aus.

Ohne bedeutenden Handel, ohne Ackerbau, bilden die Herzen der
Palmensorten und die Wurzeln der vielen wild wachsenden Aroideen,
sowie die jagdbaren Thiere des Waldes--Rehe, Schweine--und die Fische
des Meeres und der Flüsse ihre einzigste Nahrung. So ziehen sie in
kleinen Truppen von 6-8 Familien bald in den tiefen Schluchten der
Berge am Ufer der Giessbäche oder des Meeres einher, je nachdem die
Jahreszeit gerade hier oder dort eine beliebte Wurzel in Menge reifen
oder eine gesuchte Fischart in die Flüsse heraufsteigen und am Ufer
in Schwärmen erscheinen lässt. Die Werkzeuge, die sie beim Fischfange
und auf der Jagd gebrauchen, sind zugleich die einzigen Waffen. Mit
Bogen und Pfeilen stellen sie im Wald den Rehen und Schweinen, wie dem
feindlich gesinnten Ylungut [6], im Wasser des Meeres und der Flüsse
den Fischen nach. Mit ihren eisernen Messern, den sogenannten bolo's,
welche sie von den Christen erhalten, vertheidigen sie sich heute
muthig gegen einen hinterlistigen Angriff ihrer an Zahl überlegenen
aber feigeren Feinde, während sie morgen mit demselben Messer in
friedlicher Arbeit die Wurzeln ausgraben, die ihnen zum Unterhalt der
nächsten Wochen dienen sollen. Wenn dann alljährlich die aufsteigende
Sonne im April und Mai tausendfältiges Leben im Verein mit der grossen
Regenmenge hervorruft, und alle die Formen von Schmetterlingen und
anderen Insecten, die in kälterer oder in trockener Jahreszeit nur in
wenig Individuen lebten, nun auf einmal zu Hunderten erscheinen--dann
ist auch für die Negritos die Zeit festlicher Erndten gekommen. Denn
nun ziehen sie aus, Klein und Gross, in den dichtesten Wald hinein
und suchen die längst schon von dem Entdecker bezeichneten Baumstämme
aus, in deren Krone ein Schwarm wilder Bienen sich seit Monaten am
Aufspeichern des Honigs erfreut hatte. Jetzt sind die Waben gefüllt,
denn die Zeit naht, in welcher Feuchtigkeit und Sonnenwärme die
Larven der Bienen zum Ausschlüpfen bringen. Aber ehe diese zum Leben
erwachten, hat der nach Honig lüsterne Neger durch Rauch giftiger
Kräuter den Schwarm der Bienen aus ihrem Baume vertrieben. Den Honig
lässt sich der Negrito wohl schmecken, das Wachs aber presst er in
wenig gereinigte Kuchen, welche er gegen Glasperlen, Strohmatten,
etwas Reis und den über Alles geliebten Taback an den christlichen
Händler verkauft. Bald aber ist der Reis und der Honig verzehrt,
und nun geht das alte Wandern wieder an von einem Ort zum andern,
rast- und ruhelos, bald am Meer, bald in den tiefsten Bergschluchten,
bis ihnen endlich im nächsten Jahr das stärkere Schwirren der Insecten
die Rückkehr ihres Honigmonates anzeigt.

Auch über die erste Einwanderung der _Malaien_ fehlen uns jegliche
historische Documente und ebensowenig haben sie uns Monumente ihrer
früheren Lebensperioden hinterlassen. Wohl aber ist die Zahl der
noch unabhängigen, nicht vom Christenthum veränderten heidnischen
Stämme dieser Race eine sehr grosse, wenn man sie mit den spärlichen
Resten der Neger [7] vergleicht. Da sie wenigstens auf einigen Inseln
der Gruppe, namentlich im Osten Mindanao's und im Norden Luzon's noch
in ziemlich dichten Mengen bei einander leben, so können wir hoffen,
uns durch das eingehende Studium dieser Racen ein recht genaues
Bild von dem Culturzustande des Landes zu entwerfen, wie er hier
einige Jahrhunderte vor der christlichen Zeit etwa bei Ankunft der
muhamedanischen Priester herrschen mochte. Diese letzteren scheinen
sicherlich vom Südwesten herauf gegen die Philippinen nach Norden
und Osten vorgedrungen zu sein, und so finden sich dem entsprechend
gerade im Norden Luzon's und im Osten Mindanao's diejenigen Stämme,
welche in ihren Sitten und Gebräuchen noch den reinsten nicht durch
muhamedanische Glaubenslehren veränderten Charakter zeigen.

Innerhalb dieses gemeinsamen, am besten wohl durch das Wort
"malaisch" bezeichneten Wesens besitzen die einzelnen Stämme zahllose
Verschiedenheiten des Dialectes und der Sitten, der Kleidung, des
Charakters und Körperbaues, und in vielen Fällen lassen sich deutliche
Spuren fremder Beimischung aufzeigen, welche in einem Falle sogar
durch ein einheimisches der tagalischen Sprache angehöriges Wort
bezeichnet ist. Die _Mamanua_'s an der Ostküste Mindanao's führen
ganz das Leben der Negrito's, unterscheiden sich aber wesentlich von
ihnen durch die von den Angehörigen selbst zugegebene Vermischung
mit den malaiisch-christlichen Nachbarn. Das Wort "Mamanua" bedeutet
"Waldmensch". Als eine ähnliche gemischte Race zwischen Negern und
Tagalen gibt sich die in der Provinz Pangasinan lebende Race der
"_Baluga_'s" auf den ersten Blick zu erkennen. Hier aber zeigt
die Bedeutung des Wortes, welches nichts weiter sagen will, als
"_Mischling_", dass diese Race schon vor der Ankunft der Spanier
existirte und dass sie sich wahrscheinlich seit Beginn der malaiischen
Einwanderung zu bilden begonnen hatte. Endlich zeigen gar viele der
andern heidnischen Stämme eine deutlich zu erkennende Beimischung von
chinesischem Blut, für welche sich in einigen Fällen wenigstens auch
ein schwacher historischer Beleg auffinden lässt.

Wir wollen uns als Beispiele zur Illustrirung dieser malaischen
Periode einige Stämme im Norden Luzon's und in Mindanao ansehen,
die ich selbst Monate lang zu beobachten Gelegenheit hatte.

Wenngleich die im Westen der nordöstlichen Cordillere von Luzon,
nicht weit von Palanan, lebenden _Iraya_'s im Körperbau unverkennbar
malaiischen Typus zeigen, so lassen sie doch auch wieder ebenso
deutlich zweierlei verschiedene Beimischungen erkennen. Chinesisches
Blut fliesst sicherlich in den Adern eines Zweiges, welcher an dem
östlichen Arme des Rio de Ilagan, dem _Catalangan_, wohnt, von dem
sie den Namen der _Catalanganes_ erhalten haben. Die eigentlichen
Iraya's dagegen am _Ilarön_ leben gesellig mit den Negrito's der
Umgegend, verbinden sich mit ihnen und führen mit ihnen ein glückliches
harmonisches Leben. Auch mischen sich nicht selten mit ihnen sogenannte
"Cristianos remontados", christliche Bewohner der Ebenen, welche sich
vor dem strafenden Arme der Behörden in die ziemlich unzugänglichen
Berge der Iraya's geflüchtet haben. Solche Verschiedenheit der
Mischung spricht sich auch in ihren Sitten und Gewohnheiten, wie in
ihrem Charakter aus. Bei jenen, den Catalanganes, sind die Aecker,
trotz des Mangels an Büffeln und jeglichen Instrumenten zum Säen
und Erndten,--sie schneiden die Reishalme nur mit einem kleinen
Messer einzeln ab--völlig rein von Unkraut und Steinen, und der
üppig gedeihende Reis gewährt ihnen eine überreiche Erndte. Bei
den Iraya's--im engeren Sinne des Wortes--werden schon Büffel
benutzt, aber ihre Reisfelder geben ihnen wegen geringer darauf
verwandter Sorgfalt nur wenig einträgliche Erndten. Die Häuser der
Catalanganes sind meistens mit sehr dichten hohen Dächern aus Rohr
oder Gras--sogenanntem cogon--versehen, während die Iraya's die
leichter herzustellenden, aber wenig schützenden flachen Dächer aus
gespaltenen Bambusrohren vorzuziehen scheinen. Während bei jenen die
freien Plätze, um das Haus und unter demselben, auf welchen einige
kleine ihren Göttern geweihte Monumente stehen, auf das Sorgfältigste
rein gehalten werden, lassen diese allerlei Gras und Unkraut auf
ihnen wachsen und werfen wie die Tagalen bei Manila allen Kehricht
durch die Spalten des Fussbodens hinunter. In ihrer Kleidung und ihren
Zierrathen stimmen beide Stämme so ziemlich überein. Aber während die
Catalanganes als Tättowirungsmuster sowohl, wie als Ornamente für
ihre heiligen Plätze, ausschliesslich Schriftzüge anwenden, welche
mir chinesischen oder japanesischen Ursprungs zu sein schienen,
wenden die Iraya's überall nur die aus geraden oder einfachen
krummen Linien gebildeten Verzierungsmuster an, wie wir sie schon
bei den Negern gefunden haben. Als ich im Juni 1860 mit 21 Christen
von Palanan über die Cordillere gegangen war, waren wir nahe daran
inmitten der grossen in Scheunen der Catalanganes aufgespeicherten
Mengen von Reis und Mais Hunger's zu sterben; denn unsern Bitten um
Lebensmittel setzten sie beharrliche Weigerung entgegen. Ich sah mich
gezwungen, mit den Waffen in der Hand mir die Lebensmittel zu rauben,
die sie mir nicht gutwillig geben wollten, und für die ihnen dann
keine Bezahlung hoch genug zu sein schien. Nur die ernste Drohung
einer unnachsichtlich einzutreibenden Kriegssteuer brachte mir in
Minanga, von wo ich meine Leute nach Palanan zurückschicken wollte, so
viel Mais und Reis ein, dass ich Letzteren hinreichende Lebensmittel
mit auf den Weg geben konnte. Als stummen Zeugen ihres vollständigen
Mangels an Gastfreundschaft zeigten mir meine Begleiter, kurz vor der
Ankunft im Lande dieser Egoisten, mitten im Walde einen Steinhaufen,
welchen fromm geübter alter Brauch der Bewohner Palanan's zum Andenken
an einen hier vor Hunger umgekommenen Christen aufgeworfen hatte. Auf
seinem Durchmarsch durch ihr Land hatten die Catalanganes ihm auch
nicht ein Körnchen Reis für Geld oder gute Worte geben wollen. Wie
anders zeigten sich mir die wenige Meilen davon wohnenden Iraya's. Hier
machten überall die gastlichste Aufnahme, Geschenke aller Art für mich
und meine Leute, veranstaltete Feste und gern gewährte Unterstützung
beim Besteigen der Berge oder zum Rudern des Bootes das Reisen leicht
und zu einem wahren Vergnügen, so dass ich ihnen das Versprechen gab,
sie bald wieder zu besuchen, als ich durch heftiges Fieber gezwungen
wurde, ihr Land zu verlassen. Leider verhinderte mich die Entwicklung
meiner Reisepläne an der Ausführung dieses Vorhabens.

Der Glaube beider Stämme aber hat, trotz mannichfacher Abweichungen,
doch wieder so viel des Aehnlichen, dass wir wohl sicher annehmen
dürfen, in den wenigen erkennbaren Spuren, die auch noch allen übrigen
Wilden des Landes gemeinsam sind, die Reste eines religiösen Glaubens
zu sehen, wie er in der rein malaiischen Periode vor Ankunft der
Muhamedaner dort geherrscht haben mag. Ausser einigen Götterpaaren,
über deren Beziehungen und Attribute ich nicht recht klar zu werden
vermochte, huldigen sie ganz besonders den Seelen ihrer Vorfahren,
die sie unter dem Namen "Anito" in die Reihen ihrer niedrigeren
Götter aufnehmen. Es sind Hausgötter, wahre Laren und Penaten. Hier
steht in einer Ecke des Hausinnern eine Art Topf, der an und für sich
nichts Auffallendes hätte; aber man sieht leicht, dass die Glieder der
Familie diese Ecke mit grosser Ehrfurcht behandeln. In dem Topfe hat
einer ihrer Anito's seinen Sitz. Der Platz unter dem Hause, welcher
gemeiniglich auch als Begräbnissplatz dient, ist durch verschiedene
Abzeichen anderen Anito's geheiligt, ebenso der kleine vor dem Eingang
und noch unter dem Dache, des Hauses befindliche Platz vor der Leiter,
die Hütte, in welcher die Schmieden befindlich sind, und vor Allem die
durch besondere, kleinen Häusern ähnelnde Altäre ausgezeichneten Plätze
vor dem Hause. Auch die Erndte ist ihren Anito's geheiligt, denen sie
die Erstlingsfrüchte darbringen in grossen allgemeinen Festen. Jenen
andern höherstehenden Göttern scheinen sie auf der Seite des Catalangan
einen besonderen Dienst in einem Tempel zu weihen. Leider verhinderte
mich Krankheit, den Ort, wo dieser stehen sollte, zu besuchen.

So stehen die Iraya's mit ihrem schon ziemlich hoch ausgebildeten
Glauben und ihrem Ahnencultus, dem eifrig betriebenen Ackerbau und
dem sparsamen, für die kommende Zeit sorgenden Sinn, und der grossen
Kunstfertigkeit, die sich im Bau ihrer Häuser wie ihrer Ornamente
ausspricht, den reinen Negrito's weit überlegen gegenüber. Desshalb
auch erscheinen sie weniger abhängig von der Natur. Um ihre Reisfelder
und Tabacksplantagen vor den verheerenden Ueberschwemmungen zu
schützen, haben sie Dämme angelegt; im Flusse verfolgen sie die
grösseren Fische zwar noch mit dem Speere, aber durch Wehre wissen
sie die zu bestimmten Zeiten massenhaft auftretenden kleineren Sorten
in zahlloser Menge einzufangen, die ihnen eingesalzen für lange
Monate dienen; durch reich versorgte Vorrathshäuser bezwingen sie die
feindliche Gewalt der Heuschreckenschwärme oder der Misserndten und so
spricht sich fast in jeder kleinen Beschäftigung ihres Lebens die schon
beginnende Herrschaft des Menschen über die Naturgewalten aus. Aber
dem allmächtigen Einfluss der Jahreszeiten, des periodischen Wechsels
der Monsune mit ihrer Dürre oder ihrem Regenüberfluss gehorchen auch
sie, wie ihre Nachbarn, die frei wie das Wild herumschweifenden Neger,
und so regeln sich auch bei ihnen nicht bloss die Zeiten der Saat und
der Erndte, sondern auch die ihrer nationalen und religiösen Feste
nach dem Laufe der Sonne.

Auf der westlichen Seite der Insel leben in der Berglandschaft,
welche man gewöhnlich als Land der _Ygorrotes_ bezeichnet, eine
Anzahl von Stämmen nebeneinander, die sich untereinander sowohl,
wie von den ebengeschilderten Iraya's in mehr als einer Beziehung
unterscheiden. Während diese, im höchsten Grad friedlich, als fleissige
Ackerbauer zu bezeichnen sind, haben jene als muthige Vertheidiger
ihres angestammten Bodens schon häufig den eindringenden Spanier
abgewehrt, und die Proselytenmacherei der christlichen Pfaffen
mit heidnischem Trotze erschwert. Ganze Districte sind in diesem
Kampfe in den letzten Jahrzehenten [8] wüst gelegt. Hier wurden Dörfer
niedergebrannt und ihre Einwohner verjagt, weil einer derselben
einem Christen das Haupt abgeschlagen hatte; dort wurden die eben
der Blattreife nahenden Tabackspflanzen auf Hunderten von Aeckern
von den Soldaten der Regierung umgehauen, um den Schmuggel mit dem
Taback auszurotten; Wasserleitungen, welche die sorgsam gesammelten
kleinen Quellen der steilen Berggehänge den terassenförmig aufgebauten
Feldern entgegenführten, wurden zerstört und überall lässt sich der
verderbliche Einfluss nachweisen, welcher vor Allem die sogenannte
Comandancia de Ygorroles auszeichnete. Seitdem die Regierung aber eine
Anzahl kleiner Provinzen aus diesem Bergdistrict gemacht und namentlich
angefangen hat, die in _Mancayan_ zum Betriebe der Kupferminen
etablirte Empresa Cantabro-filipina zu unterstützen oder wenigstens
nicht zu hindern; seitdem hat der Handel und Verkehr in diesen Gegenden
und mit ihnen auch das gegenseitige Zutrauen in erfreulichem Maase
zugenommen. Obgleich vortreffliche Ackerbauern, die den stammverwandten
Iraya's selbst noch überlegen sind, drückt ihnen doch das kriegerische
Leben einen eigenthümlich herben und wenig freundlichen Charakter auf,
den sie aber häufig durch Zuverlässigkeit und Offenheit mildern. Nie
gehen die Männer an ihre Feldarbeit, ohne mit Lanze, Schild und einem
breiten, mit Spitze versehenen Beile ausgerüstet zu sein, welches
letztere ihnen sowohl zum Erklettern der Bäume wie zum Aufspiessen der
Köpfe erschlagener Feinde dient. Selbst in ihren Häusern legen sie
selten ihre Waffen ab. Dabei sind sie, vergleichsweise gesprochen,
die industriellsten der wilden Völkerschaften des Nordens. Sie
hatten von jeher den Ruf, die trefflichsten Schmiede zu sein, und
eben das erwähnte Beil, die sogenannte "aligua" wird von ihnen
in Massen nach dem Osten und Norden hin ausgeführt. Mit grosser
Kunst wissen sie metallne Ketten zu schlingen, und die von ihnen
selbst verfertigten kleinen Thonpfeifen stehen auf einer hohen
Stufe der Vollendung. Neben diesen findet man auch häufig kleine
kupferne Pfeifen, meistens die Gestalt eines in nationaler Weise
niederhockenden Mannes nachahmend, welche in dem seit alten Zeiten
berühmten Erzgiesserorte _Buguias_ verfertigt werden. Lange vor der
christlichen Zeit schon scheinen die Ygorrotes aus der Umgegend von
Mancayan die dortigen reichen Kupferminen ausgebeutet zu haben, aus
deren durch einfache Calcinirung gewonnenen Erträgnissen sie die wegen
ihrer Reinheit weitberühmten kupfernen Kessel verfertigten. Auch das
Gold, das sie theils aus Quarzminen gewinnen, theils aus dem Sand der
Flüsse auswaschen, wissen sie zu allerlei kleinen Schmucksachen zu
verarbeiten und mit dem im Handel erhaltenen Silber zu legiren. Was
sie aber ganz besonders, sowohl vor ihren heidnischen wie auch
christlichen Stammesgenossen auszeichnet, ist ihr erfinderischer
Geist in der Construction von Vogelscheuchen, die sie auf ihren
Feldern gegen die zahlreichen Reisvögel anbringen. Hierzu benutzen
sie die Kraft der zu den Feldern herabströmenden Bergbäche, die
sie durch ein geschickt angebrachtes und dem Stosse ausweichendes,
dann aber zurückschnellendes Bambusrohr einem oft sehr complicirten
Systeme von klappernden Stöcken und sich bewegenden Tuchfetzen,
menschenähnlichen Figuren etc. mittheilen. Leider sah ich, da ich
nach beendigter Erndte in diese Gegenden kam, nur noch ein einziges
und kleines dieser Instrumente in Bewegung.

Der etwas finstere und abentheuerliche Geist, der sich ihnen
durch solche Beschäftigungen einprägt, und der sich auch in den
übrigen Gewohnheiten des täglichen Lebens ausspricht, steht mit
der grossartigen Wildheit der sie umgebenden Natur in völliger
Harmonie. Nur dort, wo sie in den tiefsten Thälern sich des gleichen
sonnigen Klima's erfreuen, wie die christlichen Bewohner der
Ebene, schmücken sie sich mit den grellen Farben ihrer Kopftücher
oder dem reinen Weiss ihres langen Mantels, den sie um den Körper
schlagen. Wo aber in den hohen Bergthälern oder gar auf den 5-6000'
hohen Bergzügen die Bewohner im feuchten, nur Fichten, Gras und eine
gesellig lebende Farre erzeugenden Boden nach Gold wühlen oder an den
schroffsten Abhängen mit unsäglicher Mühe Felsblöcke zu einer Mauer
aufthürmen müssen, um sich einen kleinen Fleck horizontalen Landes
für ihren Reisbau zu gewinnen; da steht das vorherrschende Indigblau,
das mitunter von ursprünglich weissen Streifen unterbrochen wird,
mit dem düsteren Sinn und dem vielen Nebel der Landschaften und dem
dunkeln Grün der Fichtenwaldungen in Einklang. Nur der auch über den
höchsten Höhen schwebende philippinische Falke (Falco pondicerianus)
deutet dem Reisenden an, dass er sich im tropischen Lande befindet;
oder es grüsst ihn die 2 Zoll grosse blendend weisse Blüthe einer
Orchidee (Phalaenopteris), die sich auf hohem Fichtenzweige schaukelt,
wie eine Freundin aus sonnenhelleren Gegenden.

Ein ganz anderes Bild wieder zeigen uns die stammverwandten heidnischen
Stämme im Osten von _Mindanao_, unter denen vor Allem die _Manobo_'s
zu nennen sind. Trotz der gleichen psychischen Eigenschaften und
obgleich sich auch bei ihnen, und ganz besonders bei den _Mandaya_'s,
eine Vermischung mit Chinesen auf den ersten Blick erkennen lässt;
ungeachtet der in ihren Grundzügen auch bei ihnen geltenden
Anito-Lehre, und der innern Verwandschaft ihrer Sprache, haben
sich doch hier eine Reihe besonderer Eigenschaften entwickelt oder
erhalten, die sich in solcher Ausbildung nicht bei den Stämmen des
Nordens nachweisen lassen. Während diese schon sesshaft geworden sind
und Jahraus Jahrein dieselben Felder bewirtschaften oder dieselben
Waffen schmieden, vereinigt hier jeder Vornehme, jeder "bagani",
die wenigen von ihm direct abhängigen Menschen um sich herum und
lebt so in 2-4 Häusern im dichtesten Walde, weit entfernt von seinen
nächsten Verwandten oder Freunden. Hoch auf Pfählen gegründet, besitzt
jedes seiner Weiber, deren Menge seinen Reichthum bestimmt, ein Haus
für sich, in welchem sie mit ihren Kindern und den ihr zugehörigen
Sclaven lebt. _Eine_ unter ihnen ist die eigentlich legitime Gattin,
die auch den anderen Befehle gibt. Diese und die Kinder des bagani,
seiner Frauen Brüder, wenn diese selbst keinen Hausstand gegründet
haben, und eine Anzahl Sclaven, welche meistentheils Kriegsgefangene
sind, müssen für den täglichen Unterhalt sorgen. Neben Taback, Mais,
Bananen, Zuckerrohr und camote bauen sie vor Allem Reis in so grosser
Menge, dass sie nicht blos für sich selbst hinreichenden Unterhalt
des Jahres, sondern auch noch Ueberschuss zum Handel gewinnen. Als
ich im August 1864 bei dem "bagani" Adipan im Westen des Sumpfgebietes
des Agusan mehrere Wochen gelebt hatte, konnte er mir doch noch, als
ich abreiste, auf Monate dauernden Reisvorrath käuflich überlassen,
ohne dass in seinen Reisschuppen eine Abnahme des Vorrathes zu
bemerken gewesen wäre. Wenige Tage darauf begegneten mir auf meiner
Fahrt den Fluss hinunter eine grosse Anzahl Böte von Butuan, dessen
christliche Einwohner alle in's Land der Manobo's zogen, um sich für
das nächste halbe Jahr zu verproviantiren. Mehr als einmal schon haben
die Manobo's mit ihrem Ueberfluss an Reis die christlichen Nachbarn
vor dem Hungertode retten müssen.

Die nicht sesshafte Lebensweise dieser Manobo's liegt nun theilweise
in der Art ihres Ackerbaues begründet. Die geringe Dichtigkeit der
Bevölkerung im Verein mit der erstaunlichen Fruchtbarkeit des Landes
gestattet ihnen, der Neigung zur Isolirung zu folgen und zwingt
sie weder zur künstlichen Herstellung von Feldern und Bewässerung
derselben, noch zu sesshafter Lebensweise. Vielmehr ziehen sie es vor,
mit geringerer Arbeit bald hier und bald da ihre Aussaat zu machen,
die ihnen dann von dem überreichen Boden mehr als hundertfältig
wiedergegeben wird. Das System, das sie dabei befolgen, ist für viele
andere heidnische Malaienstämme charakteristisch und wird auch noch
von manchen christlichen Bewohnern der Philippinen geübt. Es besteht
wesentlich in der primitivsten Bearbeitung des Bodens. Die grossen
Waldbäume sowie das Unterholz werden umgehauen und dann, nach gehörigem
Austrocknen durch die Sonnenwärme abgebrannt. Zwischen die Asche und
die nur sehr flüchtig aufgewühlte Erde werden nun bald die einzelnen
Reispflanzen in Büscheln ausgepflanzt oder auch selbst der Reis direct
ausgesät. Manche der Körner oder Pflanzen gehen dabei natürlich zu
Grunde; aber der Reis, der aufgeht und zur Reife kommt, gibt ihnen
in diesen bevorzugten Gegenden nach mehreren an verschiedenen Orten
vorgenommenen Zählungen das 250fache Korn. In wenig Jahren erschöpft
sich dann der Boden dieses sogenannten "cainin", da sie weder
Dünger einführen, noch mit den angebauten Früchten wechseln. Dann
ziehen sie weiter, lassen sich auf dem ersten günstig aussehenden
Platz nieder und beginnen die Arbeit des Umhauens und Säens von
Neuem. Ihre Vorrathshäuser bauen sie auf Pfählen mitten in ihren
Feldern. Es ist dieses System der "cainines" auch unter den Christen
überall dort üblich, wo der dünngesäten Bevölkerung noch unbeschränkte
Bodenfläche zum Anbau zur Verfügung steht; wo aber die Einwohner sich
dichter drängen, da werden sie durch die Nothwendigkeit zu einem mehr
sesshaften Leben und geregelterer Ausnützung derselben Grundstücke
gezwungen. Es unterscheiden sich hierin die Christen durchaus nicht
von ihren heidnischen Stammverwandten.

Was aber die Manobo's ganz besonders auszeichnet vor allen übrigen,
mir aus eigener Anschauung bekannten philippinischen Stämmen, ist die
Form ihres religiösen Aberglaubens. Auch sie huldigen im Wesentlichen
dem gleichen Anitodienste, wie die Ygorrotes und Iraya's des Nordens;
aber es tritt dieser Ahnencultus hier mehr in den Hintergrund gegen den
Dienst, den sie anderen Göttern weihen. So halten sie den Donner für
die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abentheuerlichen
Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in
die Bäume einschlägt, so soll das Thier nach ihrer Meinung mitunter
einen seiner Zähne darin stecken lassen. Es sind alte, einer früheren
Periode angehörige Steinbeile, die in ihrer Gestalt manchen der
in unsern europäischen Pfahlbauten gefundenen ähnlich sehen, und
die mitunter von ihnen in Bäumen oder in der Erde steckend entdeckt
werden. Auch das Krokodil wird von ihnen heilig gehalten, Krankheiten
und Unglücksfälle aller Art personificiren sie; aber der wichtigste
ihrer Götter nächst dem "Diuata" (= Anito) der Erndtefeste ist ihr
Kriegsgott, der "tagbusau" [9]. Wenn in der Gegend des Sumpfgebietes
des Agusan, um welches herum sich die verschiedenen Familien der
Manobo's drängen, im October die Erndte begonnen hat, so fangen die
Männer an, ihre Lanzen und Schilde, die Dolche und kurzen Schwerter
zu putzen und zu schleifen und wenn dann die Erndte beendigt ist,
und der Talisman ihres Kriegsgottes ihnen günstigen Ausgang für den
Kriegszug angesagt hat, so schleichen sie in kleinen Trupps unter
Anführung ihres "bagani", welcher zugleich der Priester des Gottes ist
und dessen Talisman in den Kampf tragen muss, in heimlicher Weise nach
der Wohnung ihrer Feinde. Gelingt es ihnen diese frühmorgens noch im
Schlafe, oder sonst im Walde zu überraschen, so wird Jeder Erwachsene
niedergemacht, die Kinder und Weiber als Sclaven davongeführt. Selten
nur kommt es dabei zum offnen Einzelkampfe und dies fällt immer dem
anführenden bagani zu, da er als Muthigster seinem Volke voran zu
gehen und als Priester seinem Gotte ein Opfer zu bringen hat. Ist
der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er ein
heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche
die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals
hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die
Leber heraus und verzehrt ein Stück davon, als Zeichen, dass er nun
seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird
es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht,
aber auch die Pflicht des fürstlichen Priester's. Immer liegt ihren
Kriegen irgend ein persönliches Motiv zu Grunde. Meist aber nimmt die
Befriedigung ihrer Rachsucht einen anderen, nicht religiösen Charakter
an. Einzeln lauern sie auf Wegen dem Feinde auf, dessen Bewegungen
sie wochenlang ausgekundschaftet haben, und stechen ihn von sicherem
Versteck aus mit ihren langschaftigen Speeren nieder. Die Schädel
ihrer getödteten Feinde bringen sie dann im Triumphe nach Haus, aber
sie hängen sie nicht, wie es viele heidnische Stämme in Luzon thun,
in und vor ihren Häusern als Wahrzeichen ihrer Tapferkeit auf. Von den
Sclaven aber, die sie heimführen, sind immer einige dem Kriegsgotte
oder dem Gotte ihrer Krankheiten geweiht. Durch den heiligen Dolch oder
das Schwert wird ihnen, am Rande der für sie gegrabenen Grube stehend,
mit wenigen sicheren Streichen das Leben genommen. Die anderen Sclaven,
Verwandte oder Freunde des Opfers, müssen das Grab mit Erde füllen.

So stehen die Manobo's mit einigen anderen nahe verwandten Stämmen den
Ygorrotes und Iraya's als religiöse Fanatiker gegenüber, bei deren
Götterdienst Menschenopfer und Cannibalismus eine hervorragende
Rolle spielen. Und zwischen diesen drei, annähernd die Extreme
rein malaiischen Culturzustandes repräsentirenden Völkern fanden
sich wahrscheinlich alle möglichen Verschiedenheiten der Race, die
den Dialectverschiedenheiten parallel gingen. Die älteren spanischen
Autoren [10] erwähnen als ein auffallendes, nachher aber rasch
vergessenes Factum, dass die Negrito's alle nur eine einzige
gleichmässige Sprache sprechen, während die braunen Bewohner der
verschiedenen Inseln, obgleich sicherlich alle demselben Stamme
angehörig, sich doch durch die grosse Zahl ihrer verschiedenen Dialecte
unterscheiden sollten. Nur in einigen wenigen, allerdings aber
wesentlich charakteristischen Zügen, stimmten sie alle überein. Einmal
waren sie alle nach dem Zeugniss derselben spanischen Schriftsteller
Ackerbauer und cultivirten den Reis in solcher Menge, dass er schon bei
Ankunft der Spanier [11] einen Handelsartikel bildete. Manche der
Stämme mochten damals schon sesshaft geworden sein und den Ackerbau in
solcher Vollkommenheit getrieben haben, wie es jetzt die Ygorrotes
thun. Dann lebten sie alle in einzelne Clan's getheilt, deren jeder
einem Fürsten, einem "bagani", unterthan war. Obgleich die Spanier in
ihren Beschreibungen mit dem Worte König (rey) ziemlich freigebig
waren, so zeigt das oft gebrauchte Wort "reyezuelo", ein kleiner König,
und noch mehr die oft gegebene Erläuterung hierzu, dass die Macht
dieser Könige nur in den seltensten Fällen über das nächste Gebiet des
Dorfes hinausgriff. Der Anfang einer Staatenbildung scheint nur an den
wenigen Puncten gemacht worden zu sein, an denen kurz vor Ankunft der
Spanier die von Borneo und Ternate kommenden Muhamedaner sich
niedergelassen hatten.--Alle Civilstreitigkeiten wurden nach alter
Gewohnheit von dem Fürsten, der seine Stellung theils durch Rang,
besonders aber durch persönliche Tapferkeit bewahren musste, im Rathe
mit den Aeltesten des Dorfes geschlichtet. Endlich entwickelte sich
durch die Sitte der Vornehmen, sich unter den im Kriege geraubten
Sclavinnen ihre Concubinen zu wählen, im Laufe der Zeit, wie sich die
wenigen Häuser einer Familie zu einem Dorfe vergrösserten, die Classe
der Freien oder der "Timava's". Kinder derselben, oder auch ihre
Verwandten, die eine Zeit lang als Sclaven gedient hatten, wurden frei
gelassen, und diese Classe der Freien stellte sich zwischen diejenige
der Vornehmen, welche sich durch ihre Heirathen möglichst rein zu
erhalten suchten, und die der Sclaven, welche immer gewärtig sein
mussten, dem Kriegsgotte geopfert oder als Sühne für begangenes Unrecht
verkauft zu werden. So war der sociale Zustand der Bewohner der
Philippinen, als die Muhamedaner und die Spanier von zwei verschiedenen
Seiten her ihre Religion im Land einzuführen versuchten.



V.

Die Muhamedaner und der Anfang der christlichen Periode.


Die malaiische Race hatte sich längst über alle hinterindischen
und philippinischen Inseln ausgebreitet, ehe es den handeltreibenden
Bekennern des Islam, den Arabern, gelang, ihrem Glauben unter einzelnen
Stämmen derselben Eingang zu verschaffen. In dem ungefähr 1252 (von
den aus Singapore vertriebenen Malaien) gegründeten heidnischen Staat
Malacca bekehrte sich der Sultan Muhammed Shah 1276 zum Islam und
erwarb durch die Ausbreitung des neuen Glaubens grossen Ruhm während
seiner langjährigen Regierung. Mehr als ein Jahrhundert später,
im Jahre 1391, machten ein Fremder, Raja Charmen, und ein Araber,
Maulana Ibrahim, einen unglücklichen Versuch die Javanesen zum Islam
zu bekehren. Obgleich schon ein ähnliches Unternehmen 1328 erwähnt
wird, und die Einwanderung muhamedanischer Kaufleute vom Westen gewiss
schon lange vorher begonnen hatte, so scheiterten doch diese ersten
Versuche weniger an dem Gegensatz zwischen dem in Java herrschenden
buddhistischen Glauben und Mohamed's Religion, als an der Macht der
buddhistischen Staaten selbst. Erst als Raden Patah, ein Muhamedaner
aus königlichem Geblüt und mit Talent und ehrgeizigem Sinn begabt,
seine Glaubensgenossen um sich versammelt und durch Intriguen und den
Glanz seines Namens eine mächtige Partei gebildet hatte, gelang es ihm
nach der Zerstörung (1478) des bis dahin mächtigsten Reiches von Java,
des weitberühmten Majapahit, auch seinen Glauben zu dem herrschenden
des Landes zu machen. Früher schon waren Muhamedaner weit nach
Osten bis nach Ternate hin vorgedrungen und hatten hier, wie überall
neben dem Handel mit Gewürznelken und anderen ähnlichen Produkten des
Landes, auch die Bekehrung der Eingebornen betrieben. Auch hier fanden
sie einen blühenden Staat vor. Ursprünglich von Gilolo aus (1250)
colonisirt, hatte bald Ternate durch seinen Reichthum an Gewürzen
und seine günstige Lage für den Handel in den Molucken eine solche
Anziehungskraft gewonnen, dass Einwanderungen von Javanesen, Malaien
und Arabern in kurzen Zwischenräumen aufeinander folgten. Solche
Zuzüge werden aus den Jahren 1304, 1322, 1347, 1358 erwähnt. Dadurch
gewann allmälig dieser kleine Staat eine solche Macht, dass er in
der 1322 gebildeten Conföderation der 4 Könige der Molucken schon
im Jahre 1377 den bedeutendsten Rang einnahm. Dem König von Ternate
waren damals bereits die Xulla-Inseln, sowie auch Gilolo unterthan;
am Ende des 15. Jahrhunderts vereinigte Zainalabdin auch noch Boeroe,
Ceram und Amboina unter seinem Scepter. Als dann dieser Fürst 1495 zum
Islam übertrat, ward es nun den zahlreich eintreffenden muhamedanischen
Einwanderern von Java unter Anführung des Javanesen Husen leicht,
auch das Volk selbst zu bekehren, so dass auch hier schon bei der
Ankunft der Portugiesen die muhamedanische Religion herrschte. So
wussten sich überall die Islamiten die Gunst der Landesfürsten zu
gewinnen, durch deren Einfluss dann ihre Religion auch beim Volke
eingeführt wurde. Weiter nach Norden hin verlieren sich die Spuren
des Islam mehr und mehr. Als die Portugiesen 1512 in Celebes ankamen,
fanden sie hier nur noch wenige Bekenner dieser Religion vor; erst
ein Jahrhundert später zwangen die Macassaren auch die Bewohner
der übrigen Staaten dieser Insel, den muhamedanischen Glauben
anzunehmen. Ein gewisser Einfluss des Islam zeigt sich auch noch auf
den Philippinen, wo es allein den muselmännischen Fürsten gelang,
Reiche zu bilden, deren Macht sich weiterhin als auf den Umkreis der
nächsten Dörfer erstreckte. Als die Spanier im 16. Jahrhundert die
Philippinen eroberten, fanden sie ihren stärksten Widersacher in dem
Sultan von Manila, dessen Macht sich ziemlich weit über die Provinzen
des Centrum's von Luzon erstreckte; und die Sultane von Buhayen,
Mindanao und Joló haben bis auf den heutigen Tag ihre Unabhängigkeit
gegen die Eroberungszüge der Spanier zu bewahren gewusst.

Zum Theil lag gewiss die Schnelligkeit, mit welcher sich
die Mohamedaner solche Erfolge zu erringen verstanden, in dem
richtigen Tact begründet, mit welchem die vereinzelten Missionäre
die Vorschriften ihrer Religion den bestehenden socialen Zuständen
anzupassen wussten. Die natürliche Grausamkeit und Rachsucht der
früheren Heiden wurde in religiösen Fanatismus umgewandelt; die
vorgeschriebenen Waschungen fanden leicht Eingang in einem heissen
Lande, dessen Bewohner so schon halb im Wasser lebten; und das
ursprüngliche unabhängige Clan-Wesen wurde mit grossem Geschick in
eine von einer Centralgewalt abhängige Conföderation der einzelnen
Fürsten übergeführt. Hören wir, was hierüber der Padre Gainza sagt:
"Sie (die Muhamedaner) führten einige religiöse Gebräuche ein, nahmen
dafür ihre Sprache und manche ihrer Sitten an, verheiratheten sich
mit ihren Weibern, verschafften sich Sclaven, um ihre persönliche
Wichtigkeit zu erhöhen, und gelangten endlich dazu, sich mit der
vornehmen Classe der "Dato's" zu amalgamiren. Da sie mit grösserem
Geschick und grösserer Eintracht als die Eingebornen arbeiteten,
erhöhten sie allmälig, wie jene im Besitze zahlreicher Sclaven, mehr
und mehr ihre Macht, bildeten unter sich eine Art Bund und errichteten
eine Art Monarchie, die sie in einer Familie erblich erklärten. Aus
der Zahl der Mitglieder dieser Familie erwählten die Dato's ihren
Sultan. Und als sie bald das Missliche eines solchen Systemes
erkannten, beschlossen sie noch bei Lebzeiten des Sultan's zwei
Nachfolger zu erwählen, deren einer den Titel "Raja-Muda", der andere
den des "Guata-Mansa" erhielt. Obgleich nun solcher Bund ihnen grosse
Macht gab, so sahen sie sich doch genöthigt, mit den alten Datto's auf
Friedensfuss stehen zu bleiben, und den sogenannten "Taos-Marayaos"
ihre Freiheit zu lassen, deren Unterstützung sie nicht entbehren
konnten. So behielten diese ihre vollständige persönliche Freiheit
und die völlig freie Verfügung über ihre Sclaven, die sogenannten
"Sacop"....... So entstand endlich eine Conföderation, welche nur
schwach mit der höchsten Autorität in Verbindung steht, eine Art
aristocratischer Republik, deren Chef unter dem Titel eines Sultan's
erwählt wird, und deren Bürger natürlich sehr an ihrer persönlichen
Unabhängigkeit hängen und zu Streit und Zank beständig geneigt sind."

Dass in der That der muhamedanisch religiöse Charakter dieser Staaten
ursprünglich wenig ausgeprägt war, beweist das Verhältniss, in welchem
sie zu den ersten christlichen Eroberern, den Portugiesen sowohl wie
den Spaniern, standen. Antonio de Britto wurde in dem muhamedanischen
Ternate 1521 auf die freundlichste Weise aufgenommen, und als er und
seine Nachfolger durch ihre grausame Behandlung der Bewohner allmälig
einen Bund der malaiischen Fürsten hervorgerufen hatten und die
Portugiesen sich schon nahe daran sahen, ihre Festung dem andrängenden
Feinde übergeben zu müssen, da rettete Antonio Galvan 1636 zuerst seine
Landsleute von einer sicheren Niederlage. Im Laufe weniger Jahre aber
wusste dieser Mann nicht bloss den Bund der Fürsten aufzulösen, sondern
sich auch unter den Mohamedanern so beliebt zu machen, dass sie ihm die
Krone anboten. Durch ihn wurde das Christenthum rasch auf den Molucken
und in Celebes eingeführt. Auch die spanischen Geschichtsschreiber [1]
bemerken ausdrücklich, dass sie mit den "Moro's" von Manila in
freundschaftlichem Handelsverkehr gestanden hätten. Legapsi bediente
sich 1565 in seinem Verkehre mit Tupas, dem Fürsten von Cebú, eines
Mohamedaner's von Borneo mit Namen "Cid-Hamal". Es sprach sich nirgends
ein scharfer religiöser Gegensatz aus; vielmehr bildete sich dieser
erst allmälig im Laufe der Zeiten, als die neu angekommenen Eroberer
auch die Oberherrschaft über die schon bestehenden mohamedanischen
Staaten zu beanspruchen anfingen. Gegenseitig belästigten sie sich nun,
so viel sie konnten, mit Raubzügen und Niederbrennen der Ortschaften,
und auch die Spanier verfolgten eine Art und Weise der Kriegführung,
welche ganz dem dortigen Boden entwachsen zu sein schien. Hier,
wie überall, trat das persönliche Interesse oder die Bequemlichkeit
hindernd in den Weg. Lassen wir hier den Padre Zuñiga [2] sprechen:
"Diejenigen, welche gingen, um sie (die Moro's) zu unterjochen,
verfolgten andere Ziele, als die ersten Eroberer. Diese strebten
nur nach einer "encomienda", einem Lehen, das ihnen genug zu leben
gab. Aber seitdem der Handel von Manila so gewinnbringend geworden,
suchte man in kurzer Zeit grossen Reichthum zu häufen, so dass
diejenigen, welche solche Expeditionen unternehmen, nur an ihren
Erwerb denken und an die Rückkehr nach Manila, um dort möglichst
ihren Handel vermehren zu können." Die unterjochten Feinde wurden von
beiden Parteien als Sclaven davongeführt, die eingenommenen Dörfer
geplündert und nachher verbrannt. Allmälig erst bildete sich auch
der religiöse Fanatismus aus. Die unter dem Namen "amok" in allen
malaiischen Ländern bekannten Wuthanfälle, nehmen in den Grenzgebieten
der Christen und Muhamedaner, in Zamboanga und Basilan immer einen
religiösen Charakter an; obgleich ihr Hass gegen die Christen sich
meistens nur gegen die Spanier richtet. In Jolo selbst sind die
Engländer gern gesehene Gäste, da sie ihnen europäische Waffen und
Pulver bringen, die sie sehr im Kampfe gegen die "cachila's"--so
heissen die Spanier hier--benöthigen. Dem Reisenden fallen überall,
namentlich aber im Süden, die meistens hoch auf Pfählen gebauten,
sogenannten "atalaya's" auf, an deren Seite gewöhnlich ein Telegraph
steht. Es sind dies Wachtthürme, welche von Dorf zu Dorf die Nachricht
weitertragen, wenn sich irgendwo eine Flotille der leichten Fahrzeuge
aus Joló, der sogenannten "panco's", gezeigt hat. Selten aber leisten
die einzelnen Dörfer sich Hülfe, jedes vertheidigt sich, so gut es
kann; die Regierungsböte liegen im sichern Hafen, und erhalten die
Nachricht meistens so spät, dass es ihnen selten gelingt, die Moro's
noch auf ihrem Zuge zu treffen. Haben diese einige Raubzüge glücklich
beendet, so beschliesst die spanische Regierung in Manila einen
Zug zur Ausrottung der Piraten. Es wird hier oder dort eine Festung
in Joló, Tavi-tavi oder in Mindanao eingenommen und zerstört, dann
zieht man froh über den errungenen Sieg heim und im nächsten Jahre
beginnen die Moro's abermals ihre Raubzüge. So wird dieser kleine
Krieg ferner dauern, wie er bisher schon Jahrhunderte gedauert, wenn
nicht die Spanier die von Moro's bewohnten Inseln faktisch in Besitz
nehmen oder durch grössere Wachsamkeit, als sie bisher entwickelten,
die Piratenzüge derselben nach andern Richtungen ablenken.

Während die _muhamedanischen_ Sendlinge zur Ausbreitung ihres Glaubens
nur auf sich und die Macht ihres Wortes angewiesen, dies hauptsächlich
durch den Einfluss zu erringen suchten, den sie auf die Fürsten und
Vornehmen des Landes gewonnen, so zeigt sich bei der Einführung des
_Christenthum_'s durch die Spanier die auffallende Erscheinung, dass
gewisse Einrichtungen in der Organisation ihrer Eroberungszüge die
günstigsten Mittel waren, um die erstaunlich raschen Erfolge ihrer
Unternehmungen hervorzubringen.

Die berühmte Demarcationslinie den Jahres 1493, welche die Erde in eine
spanische und eine portugiesische Hälfte theilen sollte, hatte jeder
Nation die Richtung ihrer Entdeckungsreisen vorgezeichnet. Während
die Portugiesen, dem Wege Vasco de Gama's folgend, von Westen her
in Malacca 1511, auf den Molucken 1512 anlangten, kamen ihnen die
Spanier, welche von Magellan's unglücklicher Expedition (1519-1521)
übrig geblieben waren, von Osten her entgegen. Auch die zweite
Expedition von Loaisa (1525-1526) und die dritte von Saavedra (1528)
nahmen ein unglückliches Ende, und immer trafen die Spanier auf
den Molucken mit ihren alten Feinden, den Portugiesen zusammen,
welchen sie gerne den Besitz dieser kostbaren Inseln streitig
gemacht hätten. Sie gründeten ihre Ansprüche an diese Inseln auf die
Verlegung des ersten Meridian's von Ferro nach Terceira, wodurch
die Portugiesen Brasilien gewannen, und wodurch die Gewürzinseln
nach Magellan's Meinung mit in die spanische Erdhälfte hineingezogen
worden waren. Dem kleinen zwischen den spanischen und portugiesischen
Abenteurern entbrannten Krieg auf Ternate und den umliegenden Inseln
wäre fast ein grösserer Kampf im Mutterlande gefolgt. Als aber Carl
V. 1539 einen Tractat mit Portugal schloss, wonach er alle seine
Ansprüche auf die Molucken für 350,000 Ducaten an die Krone Portugal
verkaufte, war der spanischen Eroberungslust im fernen Osten ein neuer
Weg vorgezeichnet. Während die früheren Expeditionen zur Eroberung der
_Molucken_ bestimmt waren, sollte nun Villalobos die _Philippinen_
unter spanische Herrschaft zwingen und durch die ihn begleitenden
Augustinermönche den Eingebornen den christlichen Glauben bringen. Aber
auch diese Unternehmung verunglückte gänzlich. Glücklicher als Carl
war Philipp II., welcher 1564 eine Expedition unter Legaspi auslaufen
liess. Diesem schloss sich als Mönch der Augustiner Padre Urdaneta an,
ein kühner und gelehrter Seemann, der, unter Loaisa Capitain eines der
Schiffe, bereits die Philippinen aus eigner Anschauung kennen gelernt
hatte. Noch wichtiger als dieser Priester war dem Befehlshaber sein
eigner Neffe, Don Juan Salcedo; denn seiner rastlosen Thätigkeit und
grosser Thatkraft allein verdankte diese Expedition ihren glücklichen,
überraschend schnellen Erfolg. Am 27. April ankerten die Schiffe
in Cebú, bald darauf waren Panay, Leyte, Masbate, Bohol und andere
Inseln--die Islas de los Pintados--entdeckt und eingenommen und am
5. Mai 1571 schon wurde Manila zur Hauptstadt der neugewonnenen Inseln
erklärt und in Besitz genommen. Die Missionäre breiteten sich [3], durch
Soldaten unterstützt, über die Visaya's aus und Juan de Salcedo nahm es
auf sich, den Norden Luzon's der Krone Spanien zu unterwerfen. Wenige
Tage nach dem plötzlichen Tode Legaspi's am 20. August 1572 kam er
in Manila wieder an von einer Reise, die ihn rings um den Norden
Luzon's herumgeführt und auf welcher er die Mehrzahl der Bewohner
sich unterworfen hatte. Einige Jahre später waren bereits die
Augustinermönche über den ganzen Norden verbreitet. So waren in
weniger als 10 Jahren die Mehrzahl der philippinischen Inseln der
spanischen Krone unterworfen, schon 1570 wurde der erste Tribut [4] von
den Einwohnern von Mindanao erhoben und wenn auch seitdem mehrfache
Empörungen gegen die neue Ordnung versucht wurden, so brachen doch bald
derartige Unternehmungen der Eingebornen unter der Macht der Spanier
wieder zusammen. Mit den Augustinern theilten sich die bald nachher
ankommenden Jesuiten, Dominikaner und Franziskaner in die Aufgabe,
den zahlreichen neuen Christen die gewünschten Priester zu geben und
durch die Missionen den christlichen Glauben auch unter die Stämme
des Innern zu tragen.

Der Handel, welcher nach einigen Autoren schon lange vor der
christlich-spanischen Zeit zwischen China, Japan, den Philippinen
und Borneo getrieben worden war, nahm rasch in bedeutendem Maasse
zu. Im Anfang des Jahres 1572 schon kam eine Flotille aus China an,
welche den handeltreibenden Soldaten eine reiche Ladung Seidenzeuge,
Porzellan und andere Erzeugnisse chinesischer Industrie brachte, und
in wenig Jahren war Manila der Mittelpunkt für den Handel Spanien's
mit dem Orient geworden.

Es war der Anfang des 17. Jahrhunderts fast die blühendste Zeit
des Handels von Acapulco. Dieser Periode verdankt Manila ihren
hochtrabenden Namen der "Perle des Orients".

Ein ganz anderes Bild liefert uns die Geschichte der Eroberung der
Molucken durch die Portugiesen. Trotzdem sie 1511 unter Antonio
de Abreu und Francisco Serrano die freundlichste Aufnahme in
Amboina und Celebes finden, und sie aus den zwischen Tidor und
Ternate angestifteten Kriegen als Sieger hervorgehen, folgen sich
ununterbrochen Empörungen der einheimischen Fürsten und Streitigkeiten
dieser oder selbst der Portugiesen untereinander. 1531 sehen sie sich
sogar gänzlich auf ihre Festung in Ternate beschränkt, die durch
das Heer der verbündeten Könige der Molucken durch Jahre hindurch
belagert wird. Antonio Galvan befreit seine Landsleute, schlägt die
Fürsten in Tidore, und schliesst mit ihnen Frieden. Ihm gelingt es
bald durch freundliche Behandlung der Eingebornen und Schonung der
angestammten Fürsten, die er vorher hat seine Macht fühlen lassen,
sich eine solche Popularität zu erwerben, dass ihm bald nachher
die Krone sämmtlicher Molucken angeboten wird. Nun wird ihm das
Gouvernement dieser Inseln genommen, und die nachfolgenden Gouverneure
beginnen von Neuem das alte Spiel der Intriguen und kleinen Kriege,
bis endlich 1581 Baber, König von Ternate, die portugiesische Festung
einnimmt und der Fremdherrschaft ein Ende macht. Dann folgen einige
vergebliche Versuche der Spanier, sich die Molucken zu unterwerfen,
bis es endlich im Anfang des 17. Jahrhunderts den Holländern gelingt,
die mit den einheimischen Fürsten abgeschlossenen Verträge gegen die
Spanier siegreich zu vertheidigen und die Portugiesen auf Timor und
Solor einzuschränken.

Hier ist die Episode des Antonio Galvan besonders lehrreich. Sie
zeigt, dass es bei Verfolgung einer humanen Politik und Schonung
der Landessitten den Portugiesen hatte leicht werden müssen, ihrer
Herrschaft über die Molucken grössere Sicherheit und längere Dauer
zu geben, als es wirklich der Fall war. Den Spaniern trat auf den
Philippinen allerdings nie eine so geschlossene Macht gegenüber,
wie den Portugiesen auf den Molucken im dortigen Fürstenbund,
so dass es ihnen leichter werden musste, die einzelnen gänzlich
von einander unabhängigen Clan's von Luzon und den Visaya's sich
zu unterwerfen. Aber die Geschichtsbücher des Landes bewahren uns
mehrere Fälle von Empörungen auf, welche zeigen, dass durch die
allgemeine Sehnsucht nach Befreiung vom spanischen Joche mitunter eine
Vereinigung der sonst getrennt lebenden Stämme zu Stande kam, deren
Macht allerdings derjenigen der Spanier nie gewachsen war. Gerade die
ersten Jahrzehente der Eroberung sind aber verhältnissmässig frei
von solchen Empörungen. So mochte wohl die geringe Macht, welcher
sich die Spanier in ihren Zügen bald in diesem, bald in jenem Dorfe
gegenübersahen, der Mangel aller gemeinsamen Opposition gegen die
Fremden mit eine der Hauptursachen gewesen sein, welche den Spaniern
das Spiel erleichterten; aber doch würde wohl kaum der Eroberung so
schnell die Ausbreitung des Christenthums und eine vergleichsweise
lange ruhige Periode des Handels gefolgt sein, wenn nicht noch andere
Momente, ausser der geringen Thatkraft und politischen Zersplitterung
der Eingebornen, mit wirksam gewesen wären.

Hierüber gibt uns die Organisation der früheren Expeditionen einigen
Aufschluss. Der Befehlshaber der Expedition erhielt mit dem Titel
"Adelantado" auch die allerausgedehntesten Vollmachten und die
Autorität als General-Gouverneur aller der Länder, welche er im
Namen des Königs erobern würde. Es wurde ihm gestattet, Waaren
im Werth von 1000 Ducaten einzuschiffen und ebenso wurde ihm ein
gewisser Prozentsatz vom Einkommen der Inseln zugesichert. Von ihm
hing aber vor Allem die Ernennung der sogenannten "Encomendero's"
ab. Unter "encomienda" verstanden die Spanier ein Lehen, welches an
Land und Leuten den bei der Eroberung besonders sich auszeichnenden
Soldaten gegeben wurde. Der von ihnen erhobene Tribut, von welchem
sie einen gewissen Theil an die Regierung abgeben mussten, sollte zum
Unterhalt ihres Lebens dienen. So wurde z. B. dem Juan de Salcedo nach
der schon erwähnten Entdeckungsreise zuerst Camarines, nachher aber
die Provinz Ylocos als solches Lehen gegeben. Anfänglich herrschten
sie hier, im Besitz der Macht, unumschränkt über Land und Leute,
die sich leicht dem Eroberer unterwarfen; denn in der That war für
sie nur der Name ihres Fürsten, nicht aber ihr Verhältniss zu diesem
geändert. Ueberall wo Salcedo zuerst hinkam in Luzon, wie in Panay und
Mindoro, musste er erst mit den Einwohnern um die Herrschaft kämpfen;
und wenn diese sich durch eine blutige Niederlage von der grösseren
Macht der Spanier überzeugt hatten, so unterwarfen sie sich ziemlich
willig dem Joche des Lehnsherren, welcher lediglich an die Stelle
des früheren einheimischen Fürsten getreten war. Statt der früheren
"baganis" oder "Datto's" hatten sie nun spanische Capitaine sowohl
als Anführer im Kriege, wie auch als Herren [5], denen sie Gehorsam
und Tribut schuldig waren. Sonst aber wurde die sociale Ordnung nicht
im Mindesten verändert. Lange Zeit hindurch wurden die im Kriege
gemachten Gefangenen auch von diesen christlichen Lehensherren als
Sclaven, als "sacopes" behandelt, deren Arbeit und Körper ihnen
gänzlich angehörte. Aus dieser Classe der Sclaven bildete sich
allmälig die tributzahlende niedrige Bevölkerung aus, während die
Classe der Freien als sogenannte "cabeza's de barangay" von jeher
gänzlich frei von der Pflicht des Tributzahlens war. Die Dattos
aber oder die ursprünglichen Vornehmen erhielten die Ehrenämter des
Dorfes, welche wie jene Freien gänzlich von allem Tribute und allen
Zwangsarbeiten befreit wurden. Der Lehnsherr hatte die Macht, welche
die Eingebornen als erstes Requisit für ihre Datto's verlangten, und
die ihm unterworfenen Vornehmen befriedigten leicht ihren Ehrgeiz
in der bevorzugten Stellung, welche sie im Dorfe einnahmen, da sie
nie gewohnt gewesen waren, über die natürlichen Grenzen desselben
hinaus zu greifen. Da die Sclaven oder Tributantes von jeher sich
selbst als Eigenthum ihrer Herren zu betrachten pflegten, so liessen
sie sich gerne den verhältnissmässig geringen Tribut von etwa 4
fl. jährlich gefallen, den sie in Silber oder in Landesprodukten
bezahlen mussten. Manche harte Bedrückung selbst mochte ihnen von
Seiten dieser neuen Herren erträglich scheinen. Bald aber gingen die
Erpressungen der meisten Lehnsherren so weit, dass sich das Volk gegen
sie auflehnte, und zu gleicher Zeit gewannen die zur Ausbreitung der
christlichen Religion angekommenen Geistlichen verschiedener Orden
einen solchen Einfluss auf Philipp's Regierung, dass ihnen im Streite
gegen jene grosse Prärogativen gegeben wurden. Mit der Vermehrung der
Dörfer ging die wiederholte Sendung eifriger Missionaire Hand in Hand,
so dass die Oberen der Mönchsorden sich bald im Stande sahen, jedem
grösseren Dorf einen eignen Seelenhirten zu geben. Indem diese nun im
Streite des Tribut zahlenden Volkes sich immer gegen die Lehnsherrn
und die aus diesen hervorgegangenen Gouverneure aussprachen, erlangten
sie bald in den einzelnen Dörfern dieselbe Stellung, welche vor ihnen
der Lehnsherr, noch früher aber der "Datto" eingenommen hatte. Auch
hinter ihnen stand immer die militairische Macht der Regierung, um
deren Politik sich der Eingeborne wenig kümmerte, deren Strenge aber
manches Dorf kennen lernte, wenn es sich gegen die zu harte Bedrückung
von Seiten seiner neuen Herren in Kutte und Talar auflehnte. Auch die
altgewohnte rein persönliche Seite des Verkehres zwischen dem Herrn
und Diener fehlte nicht. Den Bau eines Conventes oder einer Kirche,
oder selbst jede im Dorfe vorgenommene Arbeit sahen die Bewohner
wie einen persönlich dem Priester geleisteten Dienst an; und sie
arbeiteten willig für ihn, da der Glanz, welcher sich durch die Zahl
seiner Diener, die Pracht seiner Wohnung und seiner Messgewänder,
den Luxus seiner Gelage über ihr Dorf verbreitete, ihren Ehrgeiz
vollständig befriedigte. Nicht selten sind die Fälle, in denen ein
Priester seinen "sacopes" im Kampf wirklich voranging. Wie früher den
"bagani" im kriegerischen Kleide, so liessen sich nun die Bewohner den
"Datto" im farbigen Messgewand gerne gefallen. So wurde, unbewusst
oder bewusst, jedenfalls in glücklicher Weise das alte einheimische
Clanwesen der Heiden zur Basis der jetzt herrschenden christlichen
bürgerlichen Ordnung gemacht.



VI.

Die neueste christliche Zeit.


Es blieb also das einheimische Clanwesen die Grundlage der
neuen socialen Ordnung. Durch die Zwischenstufe der europäischen
Priesterclasse, die sich rasch über alle Dörfer verbreitete, und
deren einzelne Mitglieder an die Stelle der früheren heidnischen
Fürsten--der bagani's oder reyezuelo's--getreten waren, wurde das
eines gemeinsamen natürlichen Bandes bis dahin entbehrende Leben
der Bewohner in sehr künstlicher Weise mit dem fremden Staate
verknüpft. Während in dem Verhältniss der unteren, die eigentliche
Bevölkerung bildenden Classen zu einander keine oder nur eine sehr
unbedeutende Veränderung eintrat, blieb die Beziehung zwischen den
Gouverneuren des Landes und ihren Untergebenen eine so lockere,
der ganze Schematismus der Verwaltung der Colonie dem einheimischen
Verstande so unverständlich und fremd, dass sich dabei kein allgemein
verbreiteter würdiger Bürgersinn ausbilden konnte. Es war dies aus
verschiedenen Gründen unmöglich. Nach unten hin bekümmerten sich der
militairische Gouverneur und der juristische Alcalde gar nicht weiter
um das Volk, weil ihnen einestheils die Grenzen ihrer Thätigkeit
von Spanien aus zu eng gezogen waren und sie andererseits sich in
ihrem Verkehr mit den Bewohnern bis in die neueste Zeit hinein immer
der Mönche bedienen mussten. Diese aber suchten gegen die Angriffe
von oben her vor Allem ihre Gerechtsame, theils die persönlichen der
Priester des Dorfes, theils die des Mönchsordens, dem sie angehörten,
zu vertheidigen; während sie gegen ihre Pfarrkinder fast allein
die doppelte Pflicht zu haben glaubten, sie in ihren Streitigkeiten
mit den weltlichen Behörden so viel als möglich zu schützen und sie
ausser in der Doctrin allenfalls noch im Schreiben und im Lesen der
von der Kirche gestatteten Bücher zu unterrichten. Auf der anderen
Seite wurde es nie einem Eingebornen gestattet, sich über die Classe
der niedrigsten Civilbeamten emporzuschwingen. Nur ungerne bedienten
sich die Oberen der Mönchsorden der einheimischen Priester, und es
gehört zu den seltensten Ausnahmen, wenn sich ein dem Clero secular
angehörender _Eingeborner_ bedeutenden Einfluss erringen konnte. Alle
höheren Beamtenstellen der Militär- wie Civil-Verwaltung wurden von
Spanien aus mit Spaniern besetzt. Häufig wurden zu Gouverneuren und den
höchsten Beamten der Colonie politisch missliebige Personen genommen,
deren sich die Regierung in Madrid zeitweilig entledigen [1] wollte,
häufiger noch sah man in den Stellen Sinecuren, welche zur Belohnung
treuer Diener geschaffen und vertheilt wurden. Die Habsucht der
Beamten förderte man, anstatt sie zu hindern, indem man ihnen früher
einen Antheil an dem Monopol des Handels von Acapulco, später in den
Provinzen die Erlaubniss gab, auf eigne Rechnung Handel treiben zu
dürfen. Diese Erlaubniss war für manche Gouverneure gleichbedeutend
mit dem Monopol des Handels in ihrer Provinz. So spiegelt sich
denn natürlich in dem Wechsel, welchen die spanische Verwaltung des
Landes im Laufe der Zeit erfahren hat, immer nur der Umschwung in
der öffentlichen Meinung des Mutterlandes wieder. Die spanischen
Revolutionen des neunzehnten Jahrhunderts blieben dagegen gänzlich
ohne Einfluss auf die Stimmung der Bewohner der Philippinen; wohl aber
zeigt sich überall, wenigstens im materiellen Leben derselben, ein
mehr oder weniger direkter Einfluss der Eroberer auf die unterworfenen
Stämme. Wir wollen einige der hervorragendsten Aeusserungen dieser
Einwirkung hier näher untersuchen.

Im ersten Anfang der Eroberung liess man die 3 Classen der malaiischen
Periode ziemlich unverändert bestehen. Doch vertauschte man die Namen,
und als man die für jene Gegenden sehr complicirte Zusammensetzung
der Localbehörden spanischer Städte einführte, musste nothwendiger
Weise auch eine allmälige Verschiebung in der socialen Stellung der
Bewohner erfolgen. Die Sclaven wurden nun tributzahlende Bauern,
deren Name--sacop--an manchen Orten der Visaya's noch heutigen
Tages unter den Christen gebräuchlich ist. Den Freien oder den
tao-marayao's gab man gewisse untere Aemter im Dorfe, und zugleich
damit die Befreiung vom Tribute und die Vornehmen, die reyezuelo's
mit ihren nächsten Verwandten oder die Datto's erhielten die höheren
Stellen der localen Verwaltung. Noch heutigen Tages werden die
bagani's unter den der Regierung unterworfenen Manobo's von Mindanao
ausgezeichnet durch die Verleihung des Stockes, welcher ihre Würde als
"gobernadorcillo"--d. i. kleiner Gouverneur--bezeichnet. Ursprünglich
mochten wohl alle solche Aemter im Dorfe--deren specielle Aufzählung
hier unnöthig erscheint--ausschliesslich erblich gewesen sein. Als
nun hauptsächlich durch die Pfarrer der Dörfer veranlasst, die
Bewohner, statt sich von einander zu trennen, wie früher üblich, nun
sich immer mehr um ihren geistlichen Anführer drängten, die Kinder
der Mitglieder der verschiedenen Classen bei ihren Eltern im Dorf
blieben: da konnten nicht mehr jene scharfen Grenzen eingehalten
werden, welche anfänglich die Kasten von einander trennten. Die
Zahl der unter einem sogenannten "cabeza de barangay" [2]--Haupt eines
barangay--vereinigten tributpflichtigen Bewohner nahm rasch zu, so
dass bald diese aus der Classe der Freien hervorgegangenen Beamten
45-50 Familien unter ihre Aufsicht bekamen, mehr als vorher der
bagani desselben Dorfes Unterthanen je gehabt hatte. Es waren diese
cabeza's de barangay die früher erwähnten "taos-marayaos". Ihre
Frauen und Erstgebornen waren vom Tribute befreit. Aber ihre übrigen
Kinder zahlten Tribut, und es traten diese dadurch unwillkührlich
in eine tiefere Classe, die der "Tributantes" zurück, welche ja
aus derjenigen der "sacopes" hervorgegangen war. So wurde die
letztere Classe durch die innige Verschmelzung mit den Söhnen der
Freigelassenen etwas in ihrer socialen Stellung gehoben, während diese
von ihren früheren Vorrechten einbüssten. Zugleich aber wurde das
Amt, einem "barangay" vorzustehen--ihr hauptsächlichstes Geschäft
besteht in dem Eintreiben der Tribute, für welche sie persönlich
verantwortlich sind--wenigstens in manchen Provinzen ein Wahlamt; so
dass noch heutigen Tages durch Erbschaftsrecht und durch Wahl ernannte
cabezas de barangay nebeneinander existiren. Und ebenso wurden die
"gobernadorcillos", ursprünglich gewiss erbliche Aemter, nun mit
den übrigen, die sogenannte "principalia"--d. h. Aristokratie--des
Dorfes bildenden Beamten, den Tenientes, alguaziles, jueces etc.,
Ehrenämter, zu deren Besetzung alljährlich eine Wahl vorgenommen
wird. Der hierbei beobachtete Wahlmodus ist kurz folgender. Der
abtretende Gobernadorcillo und 12 durch das Loos bestimmte Einwohner,
welche zur Hälfte der Zahl der abgetretenen "gobernadorcillos" und
"cabezas", zur Hälfte derjenigen der activen "cabezas" entnommen
werden, sind die Wähler, welche nun aus ihrer Mitte nach absoluter
Majorität den neuen Beamten zu wählen haben. Obgleich von den
Priestern ein directer Einfluss bei diesen Wahlen ebensowenig, wie
den Gouverneuren der Provinzen gestattet war, so musste es doch dem im
Dorfe selbst lebenden und mit allen Heimlichkeiten des Familienlebens
seiner Pfarrkinder wohl vertrauten Pfarrer ein Leichtes werden,
auch bei diesen Wahlen einen weitgehenden Einfluss zu erringen;
während der militairische Gouverneur oder der Alcalde selten nur
in persönliche Beziehungen zu ihren Untergebenen treten und auf
sie einwirken konnten. So musste natürlich der locale Einfluss der
Priester ein sehr viel grösserer sein, und dies um so mehr, als sie
fast ausschliesslich im Besitze des Dialectes der Provinz waren, die
Gouverneure dagegen sich der Dollmetscher bedienen mussten, selbst im
Verkehre mit den Gobernadorcillos, welche trotz der Einführung der
spanischen Sprache als Amtssprache doch nur selten des Spanischen
mächtig waren. Vielleicht mögen sogar die Priester, in richtiger
Erkenntniss ihrer Stellung, die Ausbreitung ihrer Muttersprache
absichtlich so viel als möglich verhindert haben.

Wenngleich nun auf diese Weise, und dann vor Allem durch die noch näher
zu besprechende Mischlingsrace der Mestizen, eine nicht unbedeutende
Veränderung in der socialen Ordnung der Bewohner einzelner Dörfer
hervorgebracht wurde, so blieb doch das einheimische Clanwesen im
Wesentlichen unverändert. Noch heutigen Tages gelten im Verkehr
der Bewohner untereinander eine Menge alter aus der heidnischen
Epoche überkommener Gebräuche--unter denen wir hier nur die Sitte
hervorheben wollen, dass der Mann, um sich seine Frau zu erwerben,
eine Zeitlang der Familie seiner Geliebten Dienste thun muss. Vor
Allem aber blieb das Verhältniss der einzelnen Ortschaften zu einander
gänzlich unverändert. Kein gemeinsames Band der Selbstverwaltung oder
gleichartiger politischer Interessen vereinigte sie untereinander und
wenn sie dem überkommenen Hass gegeneinander nicht mehr, wie früher
unter der Herrschaft der baganis, durch Kriege Ausdruck zu geben
versuchten, so hielt sie davon gewiss nicht Friedensliebe oder das
Gefühl der Stammesverwandtschaft zurück, sondern nur ihre Feigheit
und die Ueberzeugung, dass hinter den zum Frieden ermahnenden Pfarrern
schliesslich doch die gefürchtete Macht der spanischen Waffen stand. Wo
die Dörfer sich dem Arme der höchsten Autorität entrückt wähnten, wurde
das alte Spiel des kleinen Krieges fortgeführt. So haben die Bewohner
der beiden auf der Insel Siargao bei Surigao liegenden Dörfer Dapa und
Cabuntug noch in der Mitte dieses Jahrhunderts offene Fehde miteinander
geführt und noch heutigen Tages besuchen sie sich gegenseitig nur
ungerne, weil sie Vergiftung durch ihre alten Feinde fürchten. Nur
im Norden Luzon's und auf den Visaya's etwa in jenen Provinzen, in
denen eine starke Mestizenbevölkerung gefunden wird, wie in Iloilo,
hat sich ein gewisser Provinz-Patriotismus ausgebildet, der in den
früher nicht seltenen Reibereien zwischen den aus verschiedenen
Provinzen genommenen Soldaten eines Regimentes seinen Ausdruck
fand. Keine gemeinsamen politischen Volksinteressen verbinden die
Colonie mit dem, nur uneigentlich sogenannten Mutterlande.

Ebensowenig wie in der politischen Sphäre hat der christliche Spanier
sonst in geistiger Beziehung grossen Einfluss auf den Charakter der
Bewohner zu gewinnen gewusst. Der Volksunterricht lag von jeher und
liegt auch jetzt noch, in den Provinzen sowohl wie in der Metropole,
gänzlich in den Händen der Priester. Mit Ausnahme der Professoren für
Völkerrecht und römisches Recht sind alle Lehrstühle der Universität
von Santo Tomas in Manila in Händen der Priester, welche natürlich
nicht blos die theologischen Vorträge, sondern auch die über
Metaphysik, Physik und Logik nach den Grundsätzen der katholischen
Kirche einrichten müssen. In den Provinzen hat jedes Dorf allerdings
seine öffentliche Schule, in welcher der Unterricht obligatorisch
ist; aber ausser Lesen und Schreiben wird hier nur noch geistlicher
Gesang und die christliche Doctrin gelehrt. Dieser Unterricht aber
geschieht noch lange nicht überall in spanischer Sprache; wenigstens
ist die allgemeine Einführung derselben als Schulsprache noch so
neuen Datum's, dass es noch lange dauern mag, bis sich überall der
spanische Beamte selbst mit seinen nächsten Untergebenen wird in
Spanisch unterhalten können. An der Ostküste Mindanao's, einer der
ältesten und ergebensten Provinzen, wurde noch vor 40-50 Jahren nur der
einheimische Dialect gesprochen, und die Priester bedienten sich hier
sogar, wie man sagt, in ihrem officiellen Verkehr bis in den Anfang
des 19. Jahrhunderts hinein der alten malaiischen Buchstaben. Die Zahl
derjenigen Eingebornen--die Spanier nennen sie immer Indier--welche
lesen und schreiben können, soll ziemlich gross sein; aber bei der
vollständigen Unzuverlässigkeit aller statistischen Angaben lässt
sich hierüber nichts Sicheres behaupten. Im Jahre 1863 versuchte die
spanische Regierung eine allgemeine Zählung der Kopfzahl mit Umgehung
des bisher üblichen Systems der Tributzählung vorzunehmen, wobei auch
angegeben werden sollte, wie viele des Lesens und Schreibens kundig
wären. Das Factum, dass die Regierung niemals die Resultate dieser
Zählung veröffentlichte, scheint für die damals oft gehörte Meinung
zu sprechen, dass die ungeheuerlichsten Resultate herauskommen
würden. Die überraschende Leichtigkeit endlich, mit welcher sich
das Christenthum gleich im Anfang der Eroberung über die Inseln
ausbreitete, lässt erwarten, dass es nur wie ein passendes Gewand
die alten religiösen Gebräuche [3] deckte, und sich theilweise wohl gar
mit ihnen amalgamirte. Ehrliche Mönche hört man noch jetzt darüber
klagen, dass dieselben Menschen heute in die Kirche gehen, um zu
ihrem christlichen Gotte zu beten und morgen ihrem heidnischen Götzen,
dem Diuata oder dem Anito bei der Aussaat oder der Erndte ihre Opfer
bringen. An einzelnen Orten scheint sogar ein Rückfall in die alten
heidnischen Zeiten stattgefunden zu haben. Es existirt in dem Archiv
des Gouvernements von Cayan, Provinz Lepanto, im Nordwesten von Luzon,
ein Document, aus welchem, wenn es überhaupt echt ist, hervorgeht,
dass die Bewohner des Districts vor dem Jahre 1700 bereits zum grössten
Theil Christen gewesen sind. Jetzt sind sie alle wieder Heiden. In der
reichen Familie des Ygorroten Lacampa wird der Titel "Maestre de Campo"
geführt, welcher einem ihrer christlichen Vorfahren im Anfang des
18. Jahrhunderts gegeben wurde; jetzt ist die ganze Familie heidnisch.

So scheint weder in politischer noch religiöser Beziehung ein tiefer
geistiger Zusammenhang zwischen den Eingebornen und ihren Herren aus
Spanien hergestellt zu sein. Sie beugten sich willig vor der fremden
starken Macht, deren staatliche Organisation ihnen aufgedrungen wurde;
und die dennoch vorhandene grosse Sympathie zwischen den Eroberern
und den Unterjochten beruht auf der absichtlich oder unabsichtlich
geübten Schonung der lokalen Eigenthümlichkeiten, der Leichtigkeit,
mit welcher sich der katholische Cultus dem bestehenden Glauben
anpassen liess, dem regen persönlichen Verkehr zwischen ihnen und
wohl vor Allem auf der allmäligen Entwickelung eines sicheren und
jedem Einzelnen greifbare Vortheile gewährenden Handels.

Die Entwickelungsgeschichte des philippinischen commerciellen Verkehr's
ist in mehr als einer Beziehung interessant und lehrreich.

Schon bei der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert scheinen die
Bewohner der Inseln einen ziemlich lebhaften Handel [4], namentlich
mit China, getrieben zu haben. Ausser den gewöhnlichsten Producten
chinesischer Industrie waren es besonders Seide und die noch heutigen
Tages in Borneo so beliebten grossen irdenen Gefässe, welche sie im
Tausch gegen Reis, Gold und Trepang erhielten. Leider fehlen alle
bestimmteren Angaben über diesen Verkehr, so dass nicht zu sagen ist,
wie weit sich derselbe erstreckt haben mag; doch lässt sich aus der
ungemein raschen Entwickelung des Verkehrs und Handels in Manila
in den ersten 10 Jahren von Legaspi's Ankunft an wohl schliessen,
dass auch schon früher wenigstens nach China und Japan hin ein
bedeutender Handel stattgefunden haben muss. Einer der ältesten
philippinischen Historiographen, der P. Chirino, welcher seine
Geschichte der philippinischen Inseln 1604 in Rom herausgab,
war voll der Bewunderung über die von allen Seiten nach Manila
herbeiströmenden Nationen des Ostens. Die Chinesen brachten nun,
um das Silber der Spanier, die "Reales de à quatro, i de a ocho" zu
erhalten, ihre Seidenzeuge und Gefässe; zahlreiche gewerbtreibende
Männer kamen hinüber und arbeiteten für so geringen Lohn, dass damals
z. B. die von chinesischen Schustern gemachten Stiefel nur 2 Realen =
1 Gulden kosteten und ihrer Billigkeit wegen als Handelsartikel nach
Mexiko geführt wurden. Von Indien, Malacca, den Molucken erhielten
die Manilesen männliche und weibliche Sclaven, die sich trefflich
zu allen häuslichen Geschäften brauchen liessen, ferner die Gewürze,
kostbare Steine, Elfenbein, Teppiche und Perlen. Japan endlich sandte
Mehl, Weizen, Silber, Metalle, Salpeter und Waffen "und viele andere
Merkwürdigkeiten: was Alles den Menschen das Bewohnen dieses Landes
bequem und begehrenswerth gemacht hat und noch macht: und in der That
ist es ein anderes Tirus gleich dem von Ezechiel so gepriesenen."

Dieser Ausspruch des glaubwürdigen Jesuiten zeigt wohl besser als
eine lange Aufzählung die Bedeutung, welche schon im Jahre 1604,
also nur 33 Jahre nach der Landung Legaspi's in Cebú, der Handel
von Manila für den Gesammtverkehr der Nationen gewonnen hatte. Noch
waren China so wenig wie Japan mit den Völkern des Westens in direkte
Verbindung getreten. Der portugiesischen Eroberung von Malacca und
den Molucken waren beständige Unruhen und Kriege, keine den Handel
ermunternde Periode der Ruhe gefolgt. Im Jahre 1611 erst langte der
erste holländische Gouverneur in Bantam an, von wo aus seit 1602
ein ziemlich lebhafter Handel mit den Engländern in Achin eröffnet
worden war. Dagegen hatte Manila schon seit 1512 fast völliger Ruhe
genossen--mit einziger Ausnahme des Ueberfalls durch den chinesischen
Piraten Limahon. Der schöne, gegen den Nord-Ost-Monsun vollständig
geschützte Hafen, die günstige Lage gegenüber China, Japan und den
hinterindischen Inseln und vor Allem die direkten, durch die sogenannte
Nao oder die Silberflotte vermittelten Beziehungen zu Neu-Spanien
machten die Hauptstadt der Philippinen rasch zu dem Ausfuhrhafen jener
östlichen Länder. Nur äusserst gering war der ursprüngliche Antheil,
welchen die Provinzen von Luzon oder der Visaya's an jenem Handel
nahmen. So war Manila fast bis in den Anfang unseres Jahrhunderts
hinein ein Stapelplatz für die östlichen Producte, welche hier gegen
das von Mexiko eingeführte Silber eingetauscht wurden.

Schon die ersten Expeditionen, welche Carl V. ausgesendet hatte,
fassten auch den Handel mit den neu zu entdeckenden Ländern in's Auge;
wie sie selbst ja ursprünglich aus dem Wunsche entsprungen waren,
die kostbaren Producte der Gewürzinseln, welche bis dahin nur auf dem
Wege über Indien und Arabien ihren Weg nach Europa gefunden hatten,
auf direktem Weg nach Spanien zu bringen und dadurch den Handel mit
diesen zu monopolisiren. Alle höheren Officiere dieser Expeditionen
hatten einen gewissen Antheil an der Befrachtung des Schiffes, und
ebenso wurde ihnen eine bestimmte Tantième von dem Gewinn des Handels
zugesichert, zu welchem die Regierung das ausschliessliche Recht
zu haben glaubte. Was vielleicht ursprünglich nur eine vom Könige
ergebenen Dienern geschenkte Gunst war, wurde nun bald ein Recht der
Einzelnen, und so entstand allmälig die Form des Handelsverkehrs,
wie er bis zum Jahre 1733 durch die Nao von Acapulco vermittelt
wurde. Aller socialer Verkehr zwischen den Philippinen und Spanien
fand, der durch die Demarcations-Linie gezogenen Richtung folgend,
bis dahin über Acapulco statt, und alle Civilbeamten wie Soldaten und
Priester, welche von hier aus mit der Nao alljährlich im Januar sich
nach Manila hin einschifften, hatten ihren durch besondere Gesetze
bestimmten Antheil an der Befrachtung des Schiffes, welches gewöhnlich
im Juli Manila verliess. Der Gehalt dieser Schiffe war durchschnittlich
1200-1500 Tonnen. Die Regierung befrachtete wohl immer den grössten
Theil des Schiffes; was sie übrig liess, wurde in Theile getheilt,
welche den Beamten, den in Manila ansässigen Wittwen derselben und den
Clerigo's, d. h. den Weltgeistlichen gegeben wurden mit dem Rechte,
ihren Theil frei von Kosten zu laden. Da aber diese Leute selten nur im
Besitze hinreichender Capitalien waren, um auf eigene Rechnung Handel
treiben zu können, so verkauften sie die Scheine, die sogenannten
"boleta's", an die eigentlichen in Manila ansässigen Kaufleute oder
Gesellschaften um einen mitunter recht hohen Preis. Die von Acapulco
zurückkehrende Nao brachte dann ausser dem durchschnittlich etwa 2
Millionen Dollars betragenden Baarvorrath den Soldaten und Priestern
noch Cochenille, Weine und Süssigkeiten aus Spanien. Fast das ganze
17. Jahrhundert hindurch scheint der Handel in dieser Weise geführt
worden zu sein. Zu den natürlichen Schwierigkeiten eines solchen
Systemes kam nun bald auch die Rivalität von Cadix und Sevilla, deren
Ausfuhr europäischer Industrieproducte nach America hin sehr durch
die Concurrenz mit den chinesischen Seidenzeugen und Baumwollenwaaren
vermindert worden war. Drückende Bestimmungen hinderten noch mehr die
Entwickelung des Handels von Manila, als es so schon der Zwang that,
alle Speculationen auf eine Karte, die glückliche Fahrt der Nao von
Acapulco zu setzen. Bald auch drängte die zunehmende Wichtigkeit des
holländischen und englischen Handels zum Aufsuchen eines direkteren
Weges, besonders, weil allmälig auch die Landesproducte namentlich
Zucker, Indigo und Baumwolle zu Ausfuhrartikeln wurden: und so entstand
im Jahre 1733 [5] die Real Compañia de Filipinas, welche das Privilegium
des Handels zwischen Spanien, den östlich vom Cap der guten Hoffnung
liegenden Ländern und Manila auf 25 Jahre erhielt. Das Capital dieser
Gesellschaft, welcher der Handel mit Amerika untersagt war, betrug
4 Millionen Dollars. Als dann 1785 die Gesellschaft von Caracas ihr
Ende erreichte durch Erlöschen ihres Monopoles wurden diese und die
philippinische Gesellschaft unter dem alten Namen "Real Compañia
de Filipinas" vereinigt, welche nun einen mehr und mehr zunehmenden
direkten Handel nach Spanien mit einem Capital von 8 Millionen Dollars
trieb. Auch ihr blieb der Handel nach Acapulco untersagt. Das 1788 von
Manila auslaufende Schiff "La Concepcion" hatte ausser chinesischen
Stoffen Indigo, Baumwolle und Sibucao an Bord, 1789 wurden in drei
Schiffen von Landesproducten ausgeführt: Indigo 45,825 lbs., Sibucao
3550 lbs., Baumwolle 29 Ballen, Zucker 1200 lbs., Perlmutterschalen
12,740 lbs., Wachs 1000 lbs. und einige andere Sachen mehr. Mehr und
mehr gerieth nun der Handel von Acapulco in Verfall. Ohne ganz mit den
alten Traditionen der monopolisirenden Schutzzollpolitik zu brechen,
sah sich doch im Anfang dieses Jahrhunderts die spanische Regierung
genöthigt, sowohl den Fremden Theilnahme am Handel der Compania
de Filipinas zu gestatten, als den Hafen von Manila den fremden
Schiffen zu öffnen. Schon 1789 war nichtspanischen Schiffen der
Import europäischer Waaren für einen Zeitraum von 3 Jahren gestattet
worden. 1809 wurde das erste englische Haus in Manila etablirt, 1814
das Niederlassungsrecht allen Fremden gegeben. Und als nun endlich
durch die Abtrennung der amerikanischen Besitzungen vom Mutterlande
der Handel von Acapulco seinen Todesstoss erhielt, zugleich aber
auch die Menge der neuen englischen Häfen an der östlich-asiatischen
Küste von Singapore nach Shanghai hinauf geöffnet wurden, welche
den Verkehr zwischen den zwei grössten handeltreibenden Nationen
der Erde direkt vermittelten; da verlor Manila seine Anziehungskraft
als Stapelplatz für die asiatischen Waaren gänzlich. Was in früheren
Zeiten vielleicht für die ganze Colonie ein grosses Unglück gewesen
wäre, konnte jetzt nur segensreiche Erfolge haben; denn nun wurde die
hauptsächlich von den Fremden entwickelte Energie im Handel der nächste
Anlass zur raschen Ausbildung der natürlichen in dem überreichen Boden
dieser Inseln liegenden Hülfsquellen des Landes selbst. Auch fanden
sich die Bewohner der Provinzen zur Steigerung ihrer Thätigkeit
hinreichend vorbereitet. Langes Zusammenleben mit den Europäern,
mit denen sie sich theilweise zu Mischlingsracen verbunden hatten,
und der allerdings oft unterbrochene Verkehr mit den Chinesen, diesen
Engländern des Ostens, hatte den Eingebornen allmälig grössere
Bedürfnisse eingeimpft, als sie im Anfang gehabt hatten. Der
grosse Luxus im Bau der europäischen Häuser, die Pracht, welche
die einzelnen Dorfschaften bei ihren festlichen Aufzügen und in der
Kirche zu entfalten suchten, die immer mehr zunehmende Neigung zu
prächtigen Gewändern und glänzendem Schmuck--alle diese und noch
manche andere Ursachen steigerten die Bedürfnisse der Bewohner
und erhöhten allmälig auch wohl ihre Arbeitskraft. Auf der andern
Seite hatten von jeher die Regierung oder vielmehr die einzelnen
Beamten des Landes die Thätigkeit ihrer Untergebenen künstlich zu
erhöhen versucht. Ein jeder tributpflichtige männliche Bewohner wurde
gezwungen, alljährlich 40 Tage im Dienste der Regierung zu opfern; es
wurden diese sogenannten "polistas" zum Bau der öffentlichen Strassen
und Brücken, der Tribunale und andern Regierungsgebäude verwendet. Der
Bau des Tabacks und Handel mit demselben, ursprünglich gänzlich frei,
wurde 1782 Monopol der Regierung, die die Anpflanzung desselben in
einigen Provinzen untersagte, in anderen dagegen mit solchem Eifer
betrieb, dass den Bewohnern dieser Provinzen fast zu gar keiner
anderen Beschäftigung mehr Zeit blieb. Trotz des scheinbar Gehässigen
solcher Zwangsmassregeln haben doch diese Tabacksprovinzen sich zu
grossem Reichthum emporgeschwungen, der sich namentlich in ihren
oft mit europäischem Luxus ausgestatteten Tribunalen [6] zu erkennen
gibt. Bis vor nicht gar langer Zeit war es noch den Gouverneuren und
den Alcalden der Provinzen gestattet, Handel zu treiben. Wenn auch
diese Erlaubniss, verbunden mit der politischen Macht, welche in
ihre Hände gelegt war, sie häufig zu weitgetriebenem Missbrauch der
Arbeit der Eingebornen verleitet haben mag; so kann doch wohl kaum
der Nachtheil den nothwendig damit verbundenen Vortheil überwogen
haben. Gegen allzu starke und allzu lang fortgesetzte Bedrückung
standen den Eingebornen immer die Priester als Widersacher jener
Beamten zur Seite. Ohne das persönliche Interesse aber, welches den
Gouverneuren durch den zu erwartenden Profit an der Entwickelung des
Ackerbaues und des Handels gegeben war, würden sie sich schwerlich
viel um die private Thätigkeit der Einwohner gekümmert haben;
ja es ist anzunehmen, dass sie Alles gethan haben würden, um die
Priester in ihren commerciellen Unternehmungen zu hindern, wodurch
sie dann indirekt auch wieder die mit den Mönchen in Verbindung
stehenden Bewohner mehr oder minder geschädigt hätten. Die durch
die politische Stellung der Mönche und der Beamten leicht erzeugte
Uneinigkeit endigte nun auf dem commerciellen Gebiete häufig in einem
Compromiss, aus welchem beiden Theilen ein sicherer Verdienst erwuchs,
während andererseits die Bewohner von der geistlichen wie weltlichen
Localbehörde zu immer grösserer Thätigkeit angespornt wurden. Es
war also wenigstens im Anfang der Occupation diese den Lehnsherren
zuerst und nachher den Gouverneuren gegebene Erlaubniss sicherlich
ein wichtiges Mittel zur Vermehrung des nationalen Reichthums. Als
nun endlich bei mehr und mehr zunehmender christlicher Bevölkerung
das freie und zum Ackerbau vorwiegend günstige Land der Ebenen und
Thäler immer seltener wurde und zugleich der Werth des schon in Besitz
genommenen Landes immer höher stieg, konnten nun die Eingebornen
nicht mehr das frühere, wie es scheint, allgemein übliche System der
"cainines" anwenden; vielmehr mussten sie nun das alljährlich mit
Reis bepflanzte Feld besser bearbeiten, als es bei jenem System nöthig
gewesen war, oder bei der Ausnutzung ihrer Zuckerplantagen europäische
Maschinen einführen, um durch gesteigerten Verdienst den wachsenden
Lebensbedürfnissen genügen zu können. Nun kam die mächtige Anregung,
welche durch die Einwanderung nichtspanischer Europäer gegeben wurde,
nicht mehr unzeitgemäss. Dass es in der That wohl zum grössten Theil
der Einfluss der Kaufleute angelsächsischer Race war, welchem das
rasche Wachsen der Ausfuhr einheimischer Producte zu verdanken ist,
geht unwiderleglich aus folgenden Zahlen hervor. Im Jahre 1810, also
ein Jahr nach Etablirung des ersten englischen Hauses, betrug die
Ausfuhr nur 500,000 Dollars, die Einfuhr dagegen 900,000 Dollars. Im
Jahre 1841 betrug der Gesammtumsatz über 5 1/2 Millionen Dollars und
in demselben Jahre schon hatten englische und amerikanische Häuser
mehr als 55 Prozent des Handels in Händen. In diesem Jahr überstieg
die Ausfuhr die Einfuhr schon um nahe 1 1/2 Millionen Dollars. 1863
betrug der Gesammthandel schon mehr als 16 Millionen Dollars, der
Export fast 9 Millionen. Jetzt ist die Zeit eines gesunden Handels
gekommen. Zwar mögen immer noch monopolistische Neigungen oder
schutzzöllnerische Vorurtheile der Spanier dem fremden d. h. nicht
spanischen Handel allerlei Hindernisse in den Weg zu legen versuchen,
und so den Verkehr auf einer niedrigeren Stufe erhalten, als vielleicht
nach den im Boden vergrabenen Reichthümern des Landes zu erwarten
wäre. Aber es sind doch endlich die Philippinen ganz und voll in
die Reihe der producirenden und damit auch consumirenden Länder
getreten. Nun erscheinen Manila--und mit ihr die anderen seit einigen
Jahren geöffneten Häfen--nicht mehr als Entrepotplätze für einen
nur durch zufällige Umstände oder künstlich dem Handel aufgedrängte
Richtungen hervorgerufenen Austausch der Waaren fremder Nationen;
sondern als die natürlichen Ausfuhrhäfen eines von der Natur auf's
Reichste ausgestatteten Landes.

Aber es würde das Bild, welches wir so von dem Einfluss der Spanier
und der modernen Zeit zu entwerfen gesucht haben, wesentlich
unvollständig bleiben, ja vielleicht sogar seines auffallendsten
Lichtes--oder Schattens?--entbehren, wollten wir hier nicht auch noch
einer Einwirkung gedenken, bei welcher sich geistige wie materielle
Momente vereinigten, um ein gemeinsames Resultat zu erzielen. Wir
meinen die theils durch die Spanier, theils durch die Chinesen
hervorgebrachten Mischlingsracen. Schon in den ersten Jahren der
Occupation fanden Heirathen zwischen Spaniern und Frauen von Cebú und
Manila statt. Zahlreiche Beamte--Soldaten wie Civilbeamte--liessen
sich im Laufe der Jahre hauptsächlich in Manila nieder. Durch ihre
Heirathen untereinander und mit den Eingebornen entstand theils die
Classe der sogenannten Hijo's del Pais, den von 2 ganz spanischen
Eltern stammenden Kindern ungemischten Blutes, und die eigentlichen
Mestizen, in deren Gesichtszügen die meist tagalische Mutter immer
einige Spuren ihrer Race zurückliess. Zahlreicher aber und an manchen
Orten auch durch ihre grosse Strebsamkeit wichtiger sind die aus der
Vermischung der Malaien und Chinesen hervorgegangenen Mischlinge,
die sogenannten Mestizos de Sangley, welche unter dem Einflusse der
aus Europa eingeführten Cultur und angetrieben durch die ihnen von
väterlicher Seite her mitgegebene Rührigkeit bald einen Einfluss im
commerciellen Verkehr des Landes erlangten, der dem der spanischen
Mestizen gewiss völlig gleichsteht. Leider ist aus den alljährlich
in Manila publicirten Zählungen nicht zu sehen, wie viele spanische
Mestizen dort leben, und ebenso leidet gewiss auch jede Angabe über die
Menge der chinesischen Mestizen an demselben Mangel, wie er überhaupt
dem dort geübten System der Zählung nach Tributos anklebt. Nach dem in
der "Guia de forasteros" für 1864 publicirten Census würden sich in
den 3 Provinzen Manila, Cavite und Pampanga fast 45,000 chinesische
Mestizen befinden, gegen eine einheimische Bevölkerung von etwa
226,000 tributpflichtigen Individuen. Es lässt sich hieraus schon
der grosse Einfluss entnehmen, den jene thätige und intelligente Race
auf den Verkehr sowohl wie auf den Geist des Volkes üben muss; noch
bezeichnender aber ist in der ersten Richtung wohl das Factum, dass
das grösste Bankgeschäft in Manila, das Haus Tuason, einen Chinesen
zum Begründer hatte und auch bis jetzt immer in den Händen seiner
Kinder und Kindeskinder geblieben ist, die er mit einer Tagalin oder
Mestizin erzeugt hatte. Alle diese Mischlinge zeichnet aber nicht blos
die grössere körperliche Rührigkeit, das Bedürfniss nach Ansammlung von
Reichthum, grössere und edlere Genussfähigkeit aus, als sie den rein
malaiischen indolenten Eingebornen eigen zu sein pflegen; sondern
auch in intellectueller Beziehung stehen sie weit über ihnen. Es
dürfte schwer sein, in dieser Classe Individuen zu finden, welche
nicht des Lesens und Schreibens kundig wären. Das ihnen innewohnende
Bedürfniss nach höherer geistiger Ausbildung spricht sich in den von
Tag zu Tag sich mehrenden Reisen nach Europa aus, wohin selbst häufig
schon die Kinder in zartem Alter geschickt werden, um sich so viel als
möglich europäische Sprachen und Bildung anzueignen. Neben dem, für
den Reisenden wohlthuenden Gefühl höherer Selbstachtung, als sie die
Tagalen oder Visaya's zur Schau tragen, hat sich endlich auch bei ihnen
das Bewusstsein, einem Stamme anzugehören, entwickelt, so dass eine
schwache Spur politischen Lebens--soweit solches überhaupt in dieser
ganz von Spanien aus regierten Colonie möglich ist--sich wenigstens
in dem Interesse ausspricht, mit welchem die intelligenteren Mestizen
des Landes an der Ausbildung mancher gemeinnütziger Institutionen des
Landes und ganz besonders der Hauptstadt theilnehmen. Ja, es scheint,
als ob das Bedürfniss nach grösserer politischer Selbständigkeit und
nach Selbstregierung, das offenbar in der Classe der Mestizen stark
verbreitet ist, vielleicht mit der Empörung des Militairs im Jahre
1823 zusammenhing. Die militärischen Leiter der Erhebung des 2. Juni
waren 2 in Manila geborne Offiziere niedrigen Grades. 4 Monate früher
schon hatte die Regierung Nachricht erhalten von einer Verschwörung
und in Folge der Untersuchung eine Anzahl in Manila geborener Spanier
sowie einige hervorragende Mestizen als Gefangene nach Spanien
geschickt. Unter letzteren befand sich D. Domingo Rojas, ein Mann,
dessen Familie noch heute in Manila und in den tagalischen Provinzen
durch Talente und grosse Reichthümer ausgezeichnet dasteht und grossen
Einfluss besitzt. Bei dem in Spanien sowohl von der Regierung wie von
den einzelnen Männern seit jeher geübten System der Verheimlichung und
Verschönerung darf es nicht Wunder nehmen, wenn in den Erzählungen über
diese und ähnliche Vorfälle, wie sie spanische Autoren enthalten, Alles
verschwiegen wird, was der Regierung oder der spanischen Nation etwa
zum Nachtheil ausgelegt werden könnte. Es geht denn auch in Manila
selbst nur ein dumpfes Gerücht von der Betheiligung der Mestizen
an jener Revolution; und nur selten deuten unbedachte Aeusserungen
eines mit den dortigen Verhältnissen vertrauten Mannes an, dass die
stärksten Widersacher des spanischen Regiments die Mestizen sind und
die "Hijos del pais".

Für einen Spanier, dessen Wunsch vor Allem ist, die Colonie dem
Mutterlande wie eine zu melkende Kuh zu bewahren, mögen wohl die
Mestizen als gefährliche, oder wenigstens nicht zu missachtende
Gegner erscheinen. Dennoch ruht auf ihnen die Hoffnung des
Landes. Eine Einwanderung zahlreicher Europäer, die das Land--wie
es die Engländer in Neu-Seeland und Australien gethan haben--in ein
europäisches verwandeln würde, ist vorläufig wenigstens undenkbar. Der
europäische Ackerbauer würde hier den Kampf um's Dasein nicht
durchfechten können. Der reine Malaie lebt aber heute noch fast
ebenso, wie früher, ohne Bewusstsein erhöhter persönlicher Würde,
ohne Interesse an dem gemeinsamen Geschicke des Landes. Sollte ein
unglücklicher Umstand dem Lande die politische Freiheit geben und
die Macht zerstören, welche allein durch Jahrhunderte hindurch im
Stand war, die Bewohner zur Annahme höherer Cultur zu zwingen, so
würde trotz des Christenthums und der Pfaffen und trotz der Sympathie
zwischen Spaniern und Malaien augenblicklich ein Zerfall in das alte
Clan-Wesen eintreten, das ja noch bis auf den heutigen Tag in der
bürgerlichen Ordnung fortlebt. Dies könnte nur die kräftige Hand
eines neuen Besitzers und Herrschers verhüten. Und es liegt in der
Natur des Entwickelungsganges unserer Zeit begründet, dass dann an
jene Mestizenrace die Aufgabe heranträte, dem Untergang des blühenden
und zu noch grösserer Blüthe berufenen Gemeinwesens mit kräftiger
Hand zu steuern. Hoffen wir, dass ein solches Experiment dem Lande
nicht bevorstehen möge in Folge des Kampfes, der sich jetzt abermals
zwischen den Parteien Spanien's erhoben hat.



Anmerkungen.


I. Skizze.--Vulcane.


_Anmerkung_ 1. In Bezug auf diesen, sowie die philippinischen Vulcane
überhaupt herrscht in den Handbüchern und Atlanten noch bedeutende
Unsicherheit. Ich will versuchen, diese durch eine Zusammenstellung
der Angaben früherer Autoren und meiner eigenen Beobachtungen zu
zerstreuen, soweit dies überhaupt möglich ist.

Ich beginne mit den Vulcanen von Mindanao. Derjenige, über dessen
Vorhandensein und Lage sich gar kein Zweifel erheben kann, ist der
Vulcan von _Serangani_, welcher auf der am Meisten nach Süden hin
vorspringenden Halbinsel gleichen Namens liegt in 5° 45' N. Br. nach
der Karte von Morata. Die erste geographische Bestimmung ist allerdings
durch den P. Murillo geliefert (1749), er gibt auf der von D. Nicolas
de la Cruz Bagay gestochenen Karte--die ich im Original besitze--die
Lage desselben ziemlich genau an, aber _keinen Namen_. Berghaus sagt
(Geo-hydrograph. Memoir von den Philippinen 1832 pag. 62), dass dieser
Vulcan Sanguili heisse, ich weiss nicht, ob bloss auf die Autorität von
L. v. Buch gestützt (Canarische Inseln p. 376), den er dabei citirt,
oder weil er in dem Nachdruck der Murillo'schen Karte, deren Original
er selbst nicht gesehen (l. c. pag. 2), jenen Namen bemerkt hat. War
das Letztere der Fall, so muss von Moritz Lawitz, welcher die Copie
der Karte 1760 bei Homann's Erben in Nürnberg herausgab, der Name
"Sanguili" nach eigenen Quellenstudien hinzugefügt sein; denn er findet
sich nicht im Original. Auf dieser Karte ist nur der einzige Vulcan von
Serangani angegeben, die beiden andern fehlen. Die einzige Stelle in
dem Werke des P. Murillo, welche sich auf den Vulcan Sanguil bezieht,
findet sich pag. 124, wo er sagt: "_En Sanguil_, que esta en la parte
meridional de Mindanao, hay un Vulcan, de que los Mindanaos sacaban
azufre para hacer polvora". Nach der Karte nun diese Stelle zu deuten,
also den im Text angegebenen Namen auf den in der Karte gezeichneten
Vulcan zu beziehen, war damals wohl natürlich, aber doch wurde damit
wohl ein Irrthum begangen. Ich schliesse nemlich aus der Bemerkung,
dass die Mindanaos aus jenem Vulcan Schwefel holten, um Pulver zu
machen, dass von P. Murillo nicht der Serangani, sondern der Vulcan
von Pollok gemeint war, denn die Bewohner von Serangani werden nie als
_Mindanaos_, sondern immer nur als Moros von _Buhayen_ (Buajan, Bayan
etc.) bezeichnet. Vor Allem aber bestärkt mich in dieser Meinung die
Ueberzeugung, dass die Quelle, aus welcher wahrscheinlich wohl der
Jesuit Murillo 1749 geschöpft hat, das Werk des dem gleichen Orden
angehörenden P. Combes (Historia de las Islas de Mindanao, Jolo etc.,
Madrid 1667) war. Diesem war keine Karte beigegeben. Aber im Texte
spricht er ganz deutlich von 2 verschiedenen Vulcanen. Er sagt pag. 8:
"El antiguo de Sangil, _jurisdiccion del Mindanao_" und etwas weiter
ebenda: "Otro (vulcan) manifesto el horrendo estrago, que con pauor y
miedo de todo este Archipielago hizo una montana, en la _jurisdiccion
del Rey de Buhayen_". Diese Stelle ist beweisend. Murillo hat also
das Versehen gemacht, im Text nur von dem bei Mindanao d. h. bei
dem jetzigen _Pollok_ liegenden Vulcan zu sprechen, welcher auf
der Karte ausgelassen wurde; und er hat ferner die Geschichte des
Ausbruchs vom Januar 1640 (nach Combes) oder 1641 (nach Murillo),
die wegen der Gefahr, in welcher sich während desselben ein nach
Ternate segelndes spanisches Geschwader befand, für die Spanier
besonderes Interesse hatte, fälschlich auf den Sanguil bezogen,
während Combes ausdrücklich erwähnt, dass es der Vulcan im Gebiete
des Königs von _Buhayen_ gewesen sei. Der P. Chirino in seiner 1604
erschienenen Historia de Philipinas erwähnt die Vulcane gar nicht;
das Werk des Oidor Morga (1609) habe ich bis jetzt noch nicht einsehen
können. Alle späteren spanischen Autoren haben von Combes oder Murillo
einfach abgeschrieben und nur selten eine, vielleicht noch dazu falsche
Notiz hinzugefügt. Wir finden in ihnen nur die zwei Vulcane erwähnt.



So wäre die Sache ziemlich klar. Nun kommen aber die späteren Reisenden
hinzu, nemlich Forrest (1779), Sonnerat (1770), Dampier (1686),
Carteret (1767) und endlich Compilatoren wie Le Gentil, Mallat und
L. v. Buch. Des Letzteren durchweg irrthümliche Angaben sind theilweise
schon von Berghaus in seinem trefflichen "Geo-hydrographischen Memoir"
berichtigt; und sie sind so unzuverlässig, so gänzlich ohne alle Kritik
und Quellenstudium gemacht worden, dass ich es in der That für völlig
überflüssig halte, hier weiter auf Buchs Angaben einzugehen. Wohl
aber handelt es sich noch um Feststellung der ersten Angaben über den
Vulcan von Davao. Dieser liegt nach meinen eigenen Beobachtungen auf
etwa 7° 0' N. Br., was mit der Angabe auf Morata's Karte vollkommen
stimmt. Die spanischen Geschichtsschreiber erwähnen ihn gar nicht,
wie schon angegeben. Forrest scheint ihn zuerst gesehen zu haben; denn
obgleich der Vulcan von Serangani ebensoweit westlich von Pundaguitan
oder Cap S. Agustin liegt, wie der Vulcan von Pollok, so ist doch
die weitere Angabe (Forrest, A Voyage to New Guinea pag. 286--nicht
pag. 271 wie Buch citirt--), der Vulcan liege im District von _Kalaga_
(Caraga) sicherlich nicht auf den von Buhayen zu beziehen, da das
Terrain des Königs von Buhayen niemals zum District Caraga gerechnet
worden ist. Ausserdem stimmt die in Buch's Werke für Forrest's Vulcan
angegebene Breite von 6° 45' N. viel besser mit dem von Davao, als
mit dem von Serangani, in 5° 45' N. Br. Den letzteren hat er gar
nicht gesehen, wohl aber den von Pollok, auf welchen schon Berghaus
(l. c. p. 62) mit Recht die meisten Angaben Forrest's bezieht. Carteret
hat nur den Serangani gesehen, welchen Berghaus fälschlich Sangil
nennt. Sonnerat spricht auch von einem Vulcan von Mindanao, den
Berghaus mit dem von Carteret gesehenen Vulcan, dem Serangani,
identificirt. Woher Buch die Breitenangabe von 5° 45' N. Br. nimmt,
welche er dem Sonnerat'schen Vulcan gibt, ist mir unklar; Sonnerat
selbst gibt gar keine Breitenbestimmungen an. Aus der Beschreibung
des letztgenannten Reisenden, welcher über das Ende seiner Reise
absichtlich ein romantisches Dunkel verbreitet, lässt sich vielleicht
mit einiger Sicherheit schliessen, das er gar nicht den Vulcan von
_Mindanao_, sondern den der Insel Sanguir im Süden der Serangani-Inseln
gesehen hat. Jedenfalls aber hat er den Vulcan von Davao nicht
gesehen. Nun finden sich aber in Mallat (Les Iles Philippines 1843)
Angaben, freilich ohne zu sagen, woher er diese nimmt, welche wieder
einigen Zweifel darüber aufkommen lassen, ob der Vulcan von _Pollok_
und der von _Davao_ nicht vielleicht ein und derselbe Berg sind. Er
spricht auch, aber so bestimmt, von dem in Sugud Bayan-Serangani,
dass wir diesen ganz vernachlässigen können. Er gibt nemlich (pag. 93)
dem Vulcan von Pollok, dessen Lage er durch verschiedene wohlbekannte
Ortschaften, wie Brass, Ibus, Bunwut etc. bestimmt, an, dass er im
District Kalagan liege, "qu'on aperçoit de l'île Bunwut placée dans
la baie de _Tagloc_". Diese letztere ist aber die Bucht von _Davao_,
und wenn Mallat, für seine Angabe noch einen andern Gewährsmann,
als Forrest hatte--welcher Letztere auch die Insel _Bunwut_ in der
Bucht von _Tagloc_ beschreibt--, so wäre daraufhin einiger Zweifel
an der Verschiedenheit der beiden Vulcane gestattet. Doch muss ich
gestehen, dass ich eher an ein Versehen dieses Compilator's glaube,
der selbst nicht in Mindanao gewesen zu sein scheint.

Gänzlich apokryph ist der Vulcan _Ambil_ bei Luzon. Berghaus gibt in
seinem Memoir nur 3 Citate hierfür, Buch's Canarische Inseln, Plant's
Polynesien und Allgem. Historie der Reisen zu Wasser und zu Lande
XI, 406. Die beiden ersten Werke haben mich auf keine frühere Angabe
zurückgeführt; das dritte konnte ich nicht zu Rathe ziehen. Uebrigens
bezweifle ich die Richtigkeit; denn in _keinem der alten spanischen
Autoren_, die ich bis jetzt habe einsehen können, findet sich auch nur
die geringste Andeutung, dass der Berg von Ambil in geschichtlicher
Zeit eine Eruption gehabt habe. Bei der Lage so nahe am Eingange des
Hafens von Manila hätten Murillo, Juan de la Concepcion, Martinez de
Zuniga und Andere gewiss nicht versäumt denselben anzugeben.

In Bezug auf die ebenfalls apokryphen Vulcane von Siquijor und Aringay,
sowie auf den gänzlich in Vergessenheit gerathenen von Joló verweise
ich auf den Text und die weiteren Zusätze.

_Anmerkung 2_. S. Darwin, Geological Observations on Coral Reefs
Volcanic Islands and on South America. London 1851--mit der vor dem
Titelblatt eingehefteten Karte.

_Anmerkung 3_. Auf den neueren spanischen Karten wird diese Bahia
de Tagloc immer nur Meerbusen von _Davao_, nach der Hauptstadt des
jetzigen Districtes Vergara genannt. Es schneidet diese Bucht viel
weiter nach Norden in das Land ein, als auf den meisten Karten,
selbst auf der von Morate-Coello, angegeben wird. Ich erreichte im
Jahre 1864 im Thal des Flusses Agusan die Breite von 7° 40' und konnte
von hier aus deutlich die im Meerbusen von Davao liegende Insel Samal
in ungefähr 30 Seemeilen Entfernung sehen, so dass das nördliche Ufer
der Bucht kaum 20 Seemeilen von mir entfernt liegen konnte. Dies gibt
der Ausdehnung derselben von Nord nach Süd die Länge von 1° 20',
da das Cap S. Agustin ungefähr auf 6° N. Br. liegt. Dies erklärt
einen Irrthum, von dem ich nicht weiss, ob er durch die Geographen
schon aufgeklärt wurde. Dampier spricht von einer Insel S. Juan,
welche Berghaus auf der seinem "Geo-hydrographischen Memoir von
den Philippinen 1832" beigegebenen Karte auch zeichnet. Diese
Insel existirt in der That gar nicht, und es ist die Deutung,
welche James Burney (s. Berghaus l. c. pag. 94) der Beschreibung
Dampier's gegeben hat, völlig richtig. Bei der grossen Breite und
Länge der Bucht von Davao muss diese allerdings dem Seefahrer, der
um das Cap S. Agustin herumfährt, wie eine jenen östlichen Theil von
dem eigentlichen Mindanao abtrennende Meerenge oder Canal erschienen
sein. Doch ist wahrscheinlich wohl der Irrthum blos durch ein falsches
Quellenstudium von Seiten Valentyn's entstanden. Die älteren spanischen
Autoren sprechen nemlich nicht blos von einer "Isla S. Juan", sondern
auch von einer "Isla de _Butuan_, de _Caraga_" u. s. w., ohne dass
sie selbst jedoch die Isolirung der genannten Punkte durch das Wort
isla = Insel andeuten wollen. Endlich wird von den Eingebornen noch
heutigen Tages nicht die ganze Insel mit dem Namen Mindanao bezeichnet,
sondern nur der centrale die beiden grossen Seen enthaltende Theil
derselben, welcher von dem Rio Grande durchströmt wird und in dessen
weitausgedehnter Ebene der Sultan von Mindanao sein Reich gegründet
hatte. Bei allen alten Schriftstellern sind Mindanao, Buhayen, Caraga,
Zamboanga u. s. w. schroffe Gegensätze; und es ist leicht denkbar,
dass Dampier, Valentyn u. A., die des Spanischen nicht mächtig waren,
sich durch die etwas unklare Ausdrucksweise der Eingebornen wie der
alten spanischen Schriftsteller täuschen liessen. Auf der Karte des
P. Murillo Velarde fehlt die Insel S. Juan gänzlich. (Historia de la
Compania de Jesus, 1749.)

_Anmerkung 4_. Da ich wünsche, dass meine so mühsam gesammelten
Erfahrungen bald anderen Reisenden zu Gute kommen mögen, so erlaube
ich mir hier darauf aufmerksam zu machen, dass eine erfolgreiche
Untersuchung Mindanao's nur am Besten von Butuan aus vorgenommen
werden könnte. In diesem christlichen Dorfe, oder noch besser in dem
schon ganz im Sumpfgebiete des Agusan liegenden Dorfe Linao würde der
Naturforscher seine Hauptstation zu nehmen haben. Von hier aus würde er
nach allen Richtungen in das Innere von Mindanao ungehindert--soweit
ihn eben seine eigne Klugheit und Energie tragen--vordringen können
bis an jenen schmalen von Muhamedanern eingenommenen Küstengürtel
heran, welchen man von dem Meere aus nur sehr schwer durchbricht. Der
Vulcan von Davao würde zwar bequemer von Davao selbst, dem Sitze eines
Militair-Gouverneurs, zu erreichen sein; aber dennoch eignet sich
meiner Erfahrung nach das Land der Manobo's vom Agusan--oder Linao
und Butuan--besser zum Ausgangspunkt, da dem Reisenden von hier aus
das Vordringen nach allen Radien hin ermöglicht wird, während ihm von
Davao aus eine ganz bestimmte Route vorgeschrieben wäre. Ausserdem
ist eine Communication von Davao aus mit Manila, Cebú oder selbst
Zamboanga nur sehr schwer möglich; während der Reisende in Butuan
immer Gelegenheit in kleinen Booten findet, die ihn ohne alle Gefahr
nach Cebú in wenig Tagen bringen können.

_Anmerkung 5_. Man findet auf allen Karten einen Vulcan auf
Siquijor--oder Isla de Fuegos--angegeben, der entschieden nicht
vorhanden ist. Sollte vielleicht der Vulcan von Negros Grund zu
solchem Irrthum gegeben haben?

_Anmerkung 6_. In Bezug auf die Angaben über die Ausbrüche der
verschiedenen Vulcane der Philippinen finden sich einige Widersprüche
in älteren Werken. Auf diese werde ich vielleicht in meinem Reisewerke
zurückkommen. Ganz unerklärlich bleibt mir aber die Auslassung des
Ausbruches eines Vulcanes dicht bei Joló, obgleich die beiden Berge,
welche mit jenem zugleich zum Ausbruch gekommen sein sollen, nemlich
der Aringay und der Serangani, in Buch's Werk über die canarischen
Inseln, in den Atlanten und Handbüchern ausnahmslos aufgenommen worden
sind. Alle Angaben der späteren Schriftsteller, von Mallat, Chamisso,
Juan de la Concepcion etc. lassen sich zunächst auf die eine Quelle
des P. Murillo Velarde, dessen Geschichte der Philippinen 1749 edirt
wurde, zurückführen. Dieser Autor sagt pag. 124 "Todo nacio de aver
rebentado à un mismo tiempo tres Vulcanes, uno en Sanguil, otro en
_Joló_, y otro en los Ygolotes de Ylocos". In dem 1604 erschienenen
Werke des Padre Chirino "Historia de las Islas Philipinas" finden sich
gar keine Angaben über die Vulcane, und P. Combes erwähnt (1667) wohl
den Vulcan Sangil und den von Buhayen oder Serangani, aber nicht den
von Joló. Will man aber den späteren Angaben des P. Murillo keinen
Glauben schenken, bloss desshalb, weil die älteren uns zu Gebote
stehenden Autoren nichts darüber sagen, so muss man vor Allem auch
den Vulcan von Aringay gänzlich streichen. Das Werk des D. Antonio de
Morga, welches vielleicht noch einige Nachrichten enthalten könnte,
habe ich mir bis jetzt nicht zu verschaffen vermocht.

_Anmerkung 7_. In der zu Manila 1859-60 herausgegebenen Ilustracion
Filipina liest man 1860 Nr. 11 pag. 121 die Bemerkung, es rühre
der Name Bonbon von einem Negerdorfe gleichen Namens her, welches
am Ufer des Sees gewesen sein soll. Woher diese Notiz stammt, ist
mir unbekannt.

_Anmerkung 8_. Dieser nach der Karte von Coello sehr tiefe
See--an einigen Stellen werden mehr als 100 Faden (600 Fuss) Tiefe
angegeben--ist vom Meere nur durch eine sehr schmale kaum 2 Meilen
breite niedrige und ganz aus trachytischem Tuff bestehende Landenge
getrennt, welche von dem aus dem See Taal kommenden Fluss Pansipit
durchströmt wird. Jetzt führt dieser letztere völlig oder fast ganz
süsses Wasser; doch gehen allerdings die characteristischen Thiere
und Pflanzen des brackigen Wassers weit höher hinauf, als es z. B. in
dem Flusse Pasig der Fall ist. Auch das Wasser des Sees selbst ist, in
einiger Entfernung von der Insel, auf welcher sich der Vulcan findet,
fast ganz süss; aber die älteren spanischen Autoren sprechen geradezu
von einer "laguna de agua salada" (Gaspar de S. Agustin, Conquistas
de las Islas Filipinas 1698 pag. 253) und erwähnen ausdrücklich,
dass es in ihnen gute Thunfische gäbe, obgleich sie doch nicht so gut
sein sollten wie die von Spanien. In der "Mapa General de las Almas
que administran los PP. Agustinos", Manila 1845, werden ausdrücklich
Meerfische als in ihr vorkommend erwähnt, nemlich "moros" (diesen
Fischnamen finde ich in meinen spanischen Wörterbüchern nicht)
und "tiburones" oder Haifische; ferner auch "salmonetes" (Mullus
sp.). Ich selbst habe keinen dieser Fische darin gefunden; doch will
ich kein Gewicht weiter darauf legen, da es mir nicht vergönnt war,
trotz meines ziemlich langen Aufenthaltes in der Nähe des Sees und
auf der Insel, die Fischfauna genauer zu untersuchen. In meinem
Tagebuche angemerkt finden sich nur: Gobius 3-4 sp., verschiedene
Percoiden, Toxotes jaculator und ein grosser Hemiramphus, welcher
sich durch seinen Habitus sehr von den kleinen und schmächtigen
hoch in den Süsswasserbächen der Insel bis über 800 Fuss Meereshöhe
aufsteigenden Arten der Gattung unterscheidet, und vielleicht mit
einer der dortigen meerbewohnenden Species identisch ist. Einer
meiner Begleiter zeichnete mir in mein Tagebuch eine rohe Skizze des
grossen Fisches, den sie "tiburon", Haifisch nennen, doch lässt sich
aus ihr nichts Sicheres entnehmen; obgleich ich kaum zweifle, dass
die Eingebornen mit ihrer Bezeichnung Recht haben, ich sah nemlich
eines Tages mitten im See zwei grosse nicht weit von einander stehende
Flossen von der charakteristischen Gestalt der Haifischflossen über
dem Wasser emporragen, wie es bei den Haien zu sein pflegt, die sich
an der Oberfläche des Wassers treiben lassen. Ausserdem soll, wie die
Eingebornen sagen, ein Sägehai in diesem See--wie auch in der rein
süsses Wasser enthaltenden Laguna de Bay--vorkommen. Es dürften diese
Angaben jetzt um so weniger angezweifelt werden, als Peters in seiner
trefflichen Arbeit über die Flussfische (Reise nach Mossambique IV,
1868 pag. 7-9) sowohl eine Pristis wie eine Carcharias-Art in dem
Fluss Zambeze bei Titte, etwa 120 Meilen von der Küste entfernt,
gefangen hat. Ausser solchen Meerthieren finden sich nun auch noch
Ampullarien, Melanien, Cyrenen, sowie auch eine Planorbis und ein
Lymnaeus, und zwar alle am Ufer der Insel, an deren Umkreis zahlreiche
heisse Schwefelquellen ausbrechen, welche bis auf weiten Umfang hin das
Wasser erwärmen und trübe machen. Die Melanien gehen, wie es scheint,
am Nächsten an diese heissen Quellen heran.

_Anmerkung 9_. Der Erdboden der bevölkertsten und am Meisten angebauten
Provinzen Luzon's--Batangas, Bulacan, Pampanga, Cavite, Manila--besteht
durchweg aus trachytischem Tuff. Man schreibt diesem Umstande allgemein
den reichen Ertrag der genannten Provinzen an Zuckerrohr und Reis zu.

_Anmerkung 10_. Es existirt in der schon angezogenen, in Manila 1859
edirten Ilustracion filipina eine recht gute Abbildung des Vulcanes,
von Talisay gesehen, und eine andere des Kraters. Die erstere ist in
das bekannte oberflächliche Touristenbuch von Sir John Bowring (A Visit
to the Philippine Islands London, 1859) übergegangen, beide waren auch
in der London Illustrated News abgedruckt. Die Abbildung von Choris
in dem Voyage pittoresque ist von einer ganz anderen Seite aufgenommen.

_Anmerkung 11_. Die Ehre der Entdeckung dieses Vulcanes gebührt meinem
Freunde D. Claudio Montero, dem ebenso kenntnissreichen wie energischen
Chef der jetzigen philippinischen Comision hidrografica. Wir verdanken
ihm eine Reihe trefflicher nautischer Karten und Spezialpläne der
philippinischen Inseln. Durch ihn auf den Vulcan aufmerksam gemacht,
wurde es mir leicht, von Aparri aus an der bezeichneten Stelle die
Rauchsäule desselben aufsteigen zu sehen. Obgleich die Entfernung
dieses Dorfes von dem Vulcan keine sehr grosse ist, so schienen die
Einwohner denselben doch gar nicht zu kennen; wenigstens konnte ich
von ihnen gar keine genaueren Nachrichten über ihn erhalten. Mein
Diener Antonio gelangte auf einer von ihm allein unternommenen Reise
im Jahre 1861 bis an den Fuss desselben; und er erzählte mir, dass
die dortigen Negritos diesen feuerspeienden Berg sehr wohl kennen, so
dass an eine Täuschung durch ein von den Eingebornen etwa angezündetes
Feuer nicht mehr gedacht werden kann.

_Anmerkung 12_. Schon auf der Karte in dem Geschichtswerke des
P. Murillo Velarde, die im Jahre 1749 erschien, finden sich diese
"escollos Didica" (Didica-Klippen) der späteren spanischen Karten als
"Farallones" d. h. spitze kleine Inseln, angegeben. Nirgends aber
habe ich bis jetzt irgend eine Andeutung gefunden von geschichtlich
stattgehabten Ausbrüchen eines Vulcanes an dieser Stelle. Diese Klippen
sind wohl nichts anderes, als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines
früheren Vulcans. Ganz ähnliche stehen jetzt noch etwas südlicher,
sie sind auf den Karten bezeichnet als "escollos Guinapag". Das Wort
"Guinapag" ist ein Compositum der Wurzel "gapag" d. h. ein trockener
Fisch mit der Partikel "in".

_Anmerkung 13_. Wie mir Herr Dr. Jagor, welcher ziemlich zu gleicher
Zeit mit mir die südlichen Provinzen von Luzon, dann Samar und
Leyte bereiste, versichert hat, finden sich in den von ihm besuchten
Gegenden in der That unter den trachytischen Laven und Gesteinen auch
Granit und Gneissfelsen. Ich will nun sicherlich nicht behaupten,
dass an den von mir besuchten Orten durchaus keine primitiven
Gesteine vorkommen, da ich als Laie in der Geologie zu einer solchen
Behauptung kein Recht hätte; wohl aber scheint mir festzustehen,
dass die weitaus grösste Masse der Gebirge auf den Philippinen ihre
Bildung einer vergleichsweise jungen Eruptionsperiode verdankt. Unter
den mehr als 600 Nummern betragenden Gesteinsstücken, die ich von den
verschiedensten Fundorten mitgebracht habe, ist kaum _ein_ Stück,
welches den älteren Perioden der Bildung der Erdrinde anzugehören
scheint.

_Anmerkung 14_. Es sind diese Spuren moderner Hebung auf den
philippinischen Inseln ausserordentlich zahlreich. Die Wasserscheide,
welche in Mindanao die Quellen des Agusan von den nach Süden in
den Meerbusen von Davao fliessenden Bächen trennt, kann nach der
Beschreibung der Eingebornen und meinen eigenen Beobachtungen
kaum 2-300 Fuss über dem Meere erhaben sein. Wie ein tiefer Spalt
zieht sich das Thal des Agusan zwischen Central-Mindanao und den
Bergen der Ostküste hin, und äusserst zahlreich sind hier die
Petrefacten in Thonschichten, welche theils im tiefen Meer, theils
in den Mangrovesümpfen mit brackigem Wasser gelebt haben müssen, fast
ausnahmslos aber noch jetzt lebende Species sind. Der direkte Uebergang
der zu ziemlicher Höhe über dem Meere erhobenen Korallenriffe in die
noch lebenden ist schon im Texte hervorgehoben. Dies war fast überall
zu erkennen; aber am Auffallendsten war es auf Camiguin de Luzon
und auf der kleinen Insel Lampinigan bei Basilan zu beobachten. Ich
citire einige Stellen aus meinem Tagebuche: "Ueberall wo (auf
Lampinigan) der freie Trachytfels vom Meere bespült wird, sind
die Korallen in alle Löcher und Spalten hineingedrungen und haben
selbst lose Blöcke und kleine Rollsteine fest mit dem anstehenden
Gestein verkittet, so dass eine Art rohen Puddingsteines gebildet
wird. Diese Korallenincrustationen treten jetzt schon _über die Linie
der gewöhnlichen Fluthen hinaus_ und sind alle ohne Ausnahme todt
bis in eine ziemliche Tiefe in's Meer hinein (nach Schätzung etwa
bis zu 8-10'). Es sind die Korallenmassen in den verschiedensten
Stadien der Umwandlung." Noch deutlichere Spuren modernster Hebung
fand ich ebenda in der trachytischen Lava selbst. An der Nordostseite
der Insel fand ich eine kleine mannshohe Höhle, nach Schätzung etwa
20-35 Fuss über der höchsten Fluthlinie; sie war offenbar durch die
Einwirkung der Wellen und der Brandung gebildet und zeigte überall
eine Menge abgeschliffener Stellen. Nicht weit davon fand sich etwa
15' über dem Meere ein trichterförmiges tiefes Loch, und in seinem
Grunde noch der Stein, welcher durch die Wirbelbewegung des Wassers
dasselbe in das Gestein hineingebohrt hatte. In der im höchsten Puncte
kaum 150' über dem Meere erhobenen Centralebene Luzon's findet sich
an vielen Stellen nach den Beobachtungen des Padre Llanos unter der
oberflächlichen thonigen sehr dünnen Lage ein Meeressediment; und an
einzelnen Orten in der Provinz Pangasinam, nördlich vom Arayat, sollen
sich Salzwasserseen befinden, in welchen wie in manchen süsses oder
brackiges Wasser führenden Flüssen derselben Provinz, nach Aussage
der Priester noch jetzt Bohrmuscheln leben sollen. Ich habe leider
diese Seen selbst nicht besuchen können, zweifle aber nicht an der
Richtigkeit der Beobachtung, da die philippinischen "almejas" den
europäischen Lithodomusarten (dactylus etc.) so völlig ähnlich sehen,
dass die Priester, welche sie dort essen sollen, ihnen den spanischen
wohlbekannten Namen gegeben haben. In Spanien wird die Lithodomus
dactylus als ein trefflicher Leckerbissen geschätzt.



II. Skizze.--Die Riffe und das Leben im Meere.


_Anmerkung 1_. Da ich meine mit der herrschenden Theorie Darwin's
im Widerspruch stehenden Ansichten in einem zoologischen Berichte
niedergelegt habe, welcher den meisten Naturforschern unbekannt
geblieben zu sein scheint, und da ich noch nicht in der Lage bin, bald
eine ausführlichere eingehendere Schilderung meiner Beobachtungen zu
geben, so erlaube ich mir hier einen Wiederabdruck des 1863 publicirten
Aufsatzes (Zeitschr. für wiss. Zool. Bd. 13, pag. 563-569):

"Die nördlichste Spitze der Gruppe der Pelew-Inseln oder Palaos
bilden ächte Atolle; die Hauptmasse, welche der ganzen Gruppe ihren
Namen übertragen hat, ist zum grössten Theil von Barrenriffen, im
Süden von Küstenriffen umgeben; und die südlichste Insel ist völlig
ohne eigentliches Riff. Der nördlichen Atolle sind drei: Aruangel,
Kreiangel und Cossol. Die nördlichste Spitze der Insel Babelthaub
setzt sich über in die hufeisenförmige Bank von Cossol, die in einer
Ausdehnung von 5-6 S.-M. ihr nördliches geschlossenes Ende, durch
einen 2 M. breiten Canal getrennt, dem Atoll von Kreiangel zukehrt. Ihr
südliches offenes Ende scheint aus einem tiefen Canal durch allmäliges
Verwachsen vereinzelter Korallenbänke seinen Ursprung zu nehmen,
und Arme dieses tiefen Canals vereinigen sich zu dem Lagunencanal
der eigentlichen atollförmigen Bank, welcher von dem bei niedriger
Ebbe fast ganz trocken gelegten erhöhten Rand des Riffes umschlossen
wird. Der Atoll Kreiangel ist vollkommen geschlossen, von 4-5 Meilen
Länge und etwa 2 S.-M. Breite. Die westliche Seite des Riffes, nur
schwachen Winden und seltenen aber heftigen Stürmen ausgesetzt, ist
breit, und sein erhöhter Rand niedriger als alle andern Stellen des
Riffes, und bezeichnet durch eine Reihe grosser, metamorphisirter
Korallenblöcke, die man mit Darwin als durch die mächtige Brandung
aufgeworfen betrachten, oder mit Wilkes (Un. St. exploring exped.) als
Reste eines gehobenen und in Zersetzung begriffenen Riffes ansehen
kann. Auf der östlichen, weniger breiten Seite des Riffes liegen vier
niedrige, kaum 5' sich über die Oberfläche des Meeres erhebende Inseln,
deren südlichste keine 20 Schritt von der Brandung entfernt ist,
während die andern sich mehr vom Aussenrande des Riffes entfernen,
je mehr sie gegen Norden liegen. Die eingeschlossene Lagune ist
schmal und an den tiefsten Stellen nur 7 Faden tief. Dieser Atoll
bezeichnet die nördlichste Spitze der Gruppe, da die Canäle die ihn
und die Bank von Cossol von den eigentlichen Inseln trennen, nur
eine Tiefe von 60-80 Faden haben. Ganz abgesondert scheint nach den
vorhandenen Karten, Aruangel zu sein, eine Bank, die 8 S.-M. weit
nordwestlich von Kreiangel liegt, und die mir von den Eingebornen
als Atoll beschrieben wurde. Früher bewohnt, wurde er zu Ende des
vorigen Jahrhunderts überschwemmt und gänzlich zerstört; die jetzigen
Bewohner von Kreiangel erzählen, die Stümpfe grosser Bäume und ein
altes Badebassin dort gesehen zu haben. Leider musste ich mich mit
diesen Nachrichten begnügen, denn die Freundlichkeit der Bewohner
von Kreiangel vermochte nicht, ihre Faulheit zu besiegen, da ich ihr
Interesse nicht durch Bezahlung erwecken konnte.

Mit Ausnahme obengenannter dreier Riffe und der Insel Ngaur (Angaur)
umzieht ein einziges zusammenhängendes Riff alle übrigen Inseln,
und nimmt je nach den Einflüssen der Strömungen, der vorherrschenden
Windesrichtung und geologischen Constitution der eingeschlossenen
Inseln, mannichfach wechselnde Bildungen an. Die Inseln des Norden,
Babelthaub, Coröre, Malacca und Naracabersa sind durchaus trachytisch,
während die südlicheren Inseln, unter denen ich nur Peleliu, Eimeliss
und Urulong nenne, gehobene Korallenriffe sind, deren einzelne, oft
senkrecht aufsteigende Klippen eine Höhe von 4-500' erreichen. Der
Trachyt der nördlichen Inseln, in seinen oberen Schichten zu einem
rothen Thon verwittert und häufig durch Basaltströme durchbrochen,
setzt nur geringen Widerstand dem zerstörenden Einflusse des
Wogenschlages und der Atmosphäre entgegen. Tiefe Buchten fressen weit
ins Land hinein, und selten sind kleine, von der Hauptinsel abgerissene
Inseln, als Marksteine ihrer früheren Ausdehnung zu finden. Westlich
liegt das Riff zwischen 3 und 6 M. entfernt von der Küste, und
die eingeschlossene Wasserfläche ist zu einem Labyrinth von tiefen
Canälen ausgefressen, welche meistens senkrecht gegen das Land auf die
Thäler zu führen, aus denen bei Ebbe ein mächtiger Strom brackigen
Wassers hervortritt, und dem Wachsthume der Korallen an dem Rande
des ausgewaschenen Canals hinderlich wird. Sie sammeln sich in einen
Hauptcanal, welcher in ziemlicher Breite dem äusseren Riffe parallel
läuft, und dasselbe hie und da mit kleineren Canälen durchbricht. Für
grössere Schiffe gangbare, das äussere Riff durchbrechende Canäle
finden sich auf der Westseite drei, auf der Ostseite einer, und an
der Nordspitze ebenfalls einer, doch entsprechen sie nicht, wie es
nach Darwin als allgemeine Regel erscheinen möchte, den Thälern der
Insel, vielmehr scheinen sie ihre Lage der Richtung der Strömungen zu
verdanken, welche durch den wechselnden Ein- und Ausfluss bei Fluth
und Ebbe gebildet werden.

Diese Strömungen nehmen immer ihre Richtung gegen den nächstgelegenen
Canal hin, und niemals erregt bei aufsteigender Fluth das durch
die Brandung über den Rand des Riffes geworfene Wasser einen Strom
nach innen.

Ganz verschieden von den eben geschilderten Verhältnissen zeigen
sich die Riffe der Ostseite, welche mit schwach erhöhtem Rand, dessen
mittlere Entfernung von der Küste höchstens 800-1000 Schritt beträgt,
einen kaum bei Fluth befahrbaren Canal zwischen sich und dem Lande
freilassen.

Auch hier ist das Riff von mehreren Kanälen durchbrochen, die aber,
wenn auch das Ein- und Austreten der durch Ebbe und Fluth erregten
Ströme durch sie geschieht, dennoch so flach sind, dass sie nur
bei hoher Fluth die Ueberfahrt den Böten erlauben. Der einzige
Tiefwassercanal an östlicher Seite findet sich nordöstlich von
Malacca, wo aber auch das durchbrochene Riff durch einen breiten
Tiefwassercanal von dem nächsten Lande getrennt ist. Malacca ist die
südlichste der trachytischen Inseln, und zwischen sie und die etwas
westlich liegenden Inseln Coröre und Naracabersa schiebt sich eine
Reihe hoher Kalkfelsen ein. Weithin gegen Süden bestehen alle Inseln
ohne Ausnahme aus demselben gehobenen Korallenkalk. Auffallend zeigt
sich hier die Verschiedenheit der Einwirkung gleicher Ursachen, je
nachdem diese auf den leicht zerstörbaren Trachyt des Nordens oder den
festen Korallenkalk des Südens einwirken. Während im Norden die vom
Hauptlande abgerissenen Inseln rasch unter der Oberfläche des Meeres
verschwinden, sind die Kalkfelsen des Südens durch die Einwirkung der
Strömungen und Brandung in eine Unzahl kleiner und dicht nebeneinander
stehenden Inseln zerrissen, und es ist durch gar viele derselben,
so z. B. in der Gruppe, welche Urulong angehört, der Zusammenhang
und die frühere Ausdehnung nachzuweisen. Alle diese Inseln sind
von Urulong an bis Pelelew durch eine ziemlich horizontale Fläche
verbunden, die nur wenig von tiefen Kanälen durchfurcht, wohl die
Tiefe anzeigt, bis zu welcher hin die abwaschende Wirkung der Brandung
gegangen ist. So lässt sich auf der ganzen Ausdehnung von Pelelew
bis Malacca hin das Meer bei tiefer Ebbe nicht mehr mit Sicherheit
befahren. Pelelew, die südlichste dieser Inseln, besteht aus einer,
nur etwa 10' über dem Meere erhabenen ganz aus metamorphosirtem
Korallenkalk gebildeten Fläche, in deren nördlichem Ende man noch
die vereinzelten Reste eines, einstmals gewiss zusammenhängenden
und jetzt bis auf 200-250' erhobenen Korallenriffes findet. Ziemlich
zusammenhängend ist dieses Riff noch auf der nordwestlichen Seite, wo
es seine grösste Höhe erreicht und sich auf einer schmalen Landzunge
in niedrigeren Klippen fortsetzt, und der östlichen, von ihr durch
eine breite Niederung getrennten, und in einzelne Inseln aufgelösten
Klippenreihe entgegentritt. So scheint diese Niederung, welche theils
von Sümpfen und Mangrovebüschen erfüllt ist, theils die Kukau-Felder
der Bewohner der Insel trägt, eine Laguna anzudeuten, welche einstmals
bestanden haben mochte. Diese hohen Klippen sowohl, wie die, welche
der Ebene der Insel angehören, sind reich an Petrefacten, welche,
so weit ich augenblicklich darüber aburtheilen kann, den Schichten
ein sehr junges Alter zuweisen. Vorherrschend sind in den tiefsten
Schichten der centralen Klippenreihe zwei oder drei Arten Tubiporen,
ferner ein Pecten, und verschiedene Astreiden. In den Klippen der
Ostküste, welche zwischen 5 und 10' über dem Meere erhoben sind, fand
ich eine Menge Maeandrinen und Astraeen. Aus der Reihe weniger häufig
vorkommender Petrefacten erwähne ich nur noch eines Haifischzahnes
von einer Insel bei Coröre, eines Reptilienzahnes, vermuthlich des
Crocodilus biporcatus und eines Dentalium von Pelelew.

Das lebende Riff, welches diese Insel umfasst, ist im Westen ungefähr
400-600 Schritte entfernt und von ihm durch keinen Tiefwasserkanal
getrennt; je mehr es sich gegen Süden zieht, tritt es näher an die
Küste heran, und ist im Osten an manchen Stellen kaum 30 Schritt von
den gehobenen Klippen entfernt. Diese sind, durch die hier mächtige
Brandung in eine Anzahl kleinerer Inseln und einzeln stehender
Blöcke aufgelöst, welche da, wo sie unter dem aufgeworfenen Sande
verschwinden, leicht zu der Annahme verführen könnten, als dankten sie
ihre Entstehung den durch die Brandung aufgeworfenen Korallenblöcken
im Sande.

Das Ende des Archipels sowie den Abschluss dieser verschiedenen
Entwickelungsstufen der Korallenriffe bildet die Insel Ngaur,
welche von Pelelew durch einen 4 Meilen breiten Tiefwasserkanal
getrennt, gänzlich frei von umgebenden Riffen ist. Sie besteht nach
der Schilderung der Bewohner von Pelelew aus demselben Korallenkalk
wie diese letztere, welcher ebenfalls von niedrigem Vorlande umgeben,
in schmaler Klippenreihe zu 100-150' Höhe ansteigen mag.

_Darwin_'s Theorie von Bildung der Korallenriffe nimmt bekanntlich
überall dort eine Senkung an, wo sich Barrenriffe und Atolle befinden,
eine Hebung dort, wo Küstenriffe entstehen. Hier aber finden wir auf
kleinem Raume (denn die ganze Ausdehnung von Nord nach Süd zwischen
Ngaur und Kreiangel beträgt nur etwa 60 Seemeilen) sämmtliche Formen
zusammen und die Bildung der innern Riffe des südlichen Theiles der
Gruppe deutet auf eine lange Epoche völliger Ruhe, oder sehr geringer
Hebung oder Senkung. Könnte nur eine Senkung die Bildung der Atolle
des Nordens erklären, so müsste entweder die Insel Ngaur so gut
von Riffen umgeben sein, wie alle übrigen, oder stationär geblieben
sein, Pelelew nur wenig, die nördlichen Inseln sich bedeutend gesenkt
haben. Aber diess bliebe nur eine Annahme, die nicht besser und nicht
schlechter als jede andere wäre. Ist meine vorläufige Bestimmung
der in den gehobenen Korallenriffen der südlichen Inseln gefundenen
Petrefacten richtig, so würde die Zeit der Hebung derselben, die
wohl durch den letzten trachytischen Ausbruch bezeichnet sein mag,
in eine sehr junge geologische Epoche fallen. Gerade aber auf das
Nichtvorkommen solcher Hebungen in der jüngsten Epoche legt Darwin bei
der Begründung seiner Hypothese das grösste Gewicht, und die definitive
Bestimmung des geologischen Alters jener gehobenen Koralleninseln
könnte einen wesentlichen Einwand gegen dieselbe abgeben. Aber auch
hiervon abgesehen, scheint mir das gemeinschaftliche Auftreten der
Riffe in den verschiedensten Gestalten, die grosse nur in geringer
Tiefe unter dem Meere liegende Fläche der südlicheren Insel von Pelelew
bis Coröre, ja selbst die Verschiedenheit der westlichen und östlichen
Riffe des Nordens hinreichender Grund zur Annahme, dass die Bildung der
Riffe _dieser_ Inselgruppe wenigstens von keiner Senkung begleitet war.

Colonien einer Porites-Art deuten auf ein Moment, dem ich jetzt bei der
Bildung von Korallenriffen den wichtigsten Einfluss zuschreiben muss,
welches aber von den Reisenden, welche dieser Frage ihre Aufmerksamkeit
zugewandt, bisher gänzlich ausser Acht gelassen zu sein scheint. Dies
sind die constanten, hauptsächlich durch Ebbe und Fluth hervorgerufenen
und durch das Wachsthum der Korallenriffe sowie durch physikalische
Einflüsse des Meeres beinflussten Strömungen. Die erwähnte Porites
bildet Colonien von Faustgrösse bis zu der Oberfläche von 6-8 und mehr
Fuss im Durchmesser. Diese verschiedenen Stadien der Grösse zeigen,
wie auf der Oberfläche allmälig die mittleren Individuen absterben
und den Mittelpunkt einer mehr und mehr sich vergrössernden todten
Fläche bilden. Auf dieser treten schon bei kleinen Colonien Furchen
auf, die, ursprünglich wohl Resultat des ungleichen Wachsthums der
verschiedenen die Colonie bildenden Individuen, sich bald zu Rinnen
gestalten, in denen bei tiefen Ebben das auf der Oberfläche stehen
bleibende Wasser seinen Abfluss findet. Der erhöhte Rand dieser bald
kreisrunden, bald länglichen Colonien trägt nach aussen lebhaft
vegetirende Individuen, die mehr und mehr nach innen krankhafter
werden, bis sie zuletzt absterben und durch den Einfluss des auf der
mittleren etwas niedrigeren Fläche stehenden Wassers bald abgetragen
und auf das Niveau derselben übergeführt werden. Oft bleibt der
äussere erhöhte Rand völlig undurchbrochen, aber gewöhnlich wird
er durchsetzt durch eine oder mehrere Wasserrinnen. Je nach den
verschiedenen Zufälligkeiten der Gestalt, welche die ersten Anfänge
dieser Polypenkolonien zeigen, und dem dadurch bedingten Spiele der
Strömungen bilden sich die mannigfachsten Formen aus, die von dem
ganz geschlossenen oder in einzelne Wülste aufgelösten Ringe (dem
Atoll) in Kolonien übergehen, welche Korallenblöcke anderer Art so
umsäumen, dass sie bald sich einem Barrenriffe, bald einem Küstenriffe
vergleichen liessen, je nachdem sie mehr oder minder alt, in grösserer
oder geringerer Entfernung von dem sie umwachsenden Block stehen.

Eine kleine Porcellana gibt ein anderes interessantes Beispiel
der Wirkung constanter Ströme auf das Wachsthum der Korallen. Je
ein Individuum dieser Krabbe lebt an dem Stamme einer Koralle
eingeschlossen in einer krankhaften Wucherung derselben. Sie lebt
darin, ein unfreiwilliger Einsiedler, denn zwei, und sich gerade
gegenüberstehende schmale Spalten, das Resultat des constanten von
den Thieren erregten Stromes, erlauben zwar die Zuführung frischen
Wassers und mikroskopischer Thierchen, aber ihm nicht die Auswanderung,
einer Lebensgefährtin nicht den Eintritt. In früher Jugend klammert
sich das Junge an den Stamm an, und durch den Reiz hervorgerufen,
wuchert die Korallenmasse mehr und mehr um dasselbe herum, bis endlich
in dem späteren Lebensalter der Krabbe, der durch die Bewegung ihrer
Beine erregte constante Strom hinreichende Kraft erlangt hat, das
Verschliessen der Oeffnungen durch das fortgesetzte Wachsthum der
Korallen zu verhindern.

Aehnliche Verhältnisse wiederholen sich im Grossen. Dort, wo sich bei
günstiger Beschaffenheit die horizontale Kuppe eines untermeerischen
Berges gleichmässig mit einer Schicht Korallen überzieht, bilden
sich dennoch von Anfang an solche Verschiedenheiten hervor, dass im
Laufe der Zeit bei Hinzutreten des Einflusses der Strömungen grosse
Unregelmässigkeiten des Riffes hervortreten können.

Aehnlich wie die Porites-Colonien ganz geschlossene oder stark
durchbrochene Ringe bilden, die einen mittleren, etwas niedrigeren
von Wasser bedeckten Raum umschliessen; ebenso mag auf jener Fläche
das Riff bei ruhiger, nicht von Strömen durchfurchter See einen
geschlossenen Ring bilden oder bei starken und wechselnden Strömungen
sich in eine im Ringe gestellte Reihe von Flecken auflösen. In beiden
Fällen dient das Ein- und Ausströmen des Wassers bei Fluth und Ebbe zur
Austiefung des inneren Raumes; denn während der aus lebenden Korallen
bestehende äussere Theil des Riffes dem Andrang des Wassers starken
Widerstand entgegensetzt und durch zufällig entstandene Riffe oder
Spalten den Fluthen bestimmte Bahnen vorschreibt, weicht die innere
Masse, welche meist nur aus losen Blöcken und leicht aufgehäuftem
Sande besteht, rasch den kräftig eintretenden Strömen der Fluthen
und Ebben. Oder es bilden sich eine Anzahl vereinzelter Riffe,
welche ursprünglich klein, den Strömen freien Spielraum lassen,
aber allmälig wachsend und sich vereinigend zu zusammenhängenden
Riffen die vorhandenen schwächeren und unbestimmteren Ströme in engere
Bahnen einschränken und zugleich damit so ihre Kraft verstärken, dass
das völlige Zusammenwachsen der einzelnen Riffe mehr oder weniger
verhindert wird. Mit der Mannichfaltigkeit der Grundlagen, auf denen
sich die Riffe bilden, wechseln so die Formen, welche die letztere
annehmen. Untermeerische Rücken werden die Träger der Atolle; aus
Küstenriffen, welche die Inseln umsäumten, werden durch den Einfluss
jener Strömungen Barrenriffe, die um so weiter von dem umgebenden
Lande entfernt sind, je schwächer die Neigung ihrer Abhänge oder je
grösser das umgebende Vorland war. Bei sehr steilen Küsten bilden sich
selten nur eigentliche Küstenriffe, niemals wirkliche Barrenriffe. So
wachsen die Korallen an der kleinen Insel Ngaur so dicht an der Küste,
dass bei hoher See die Brandung ihre Felsen bespült. Die ganze Ostküste
des nördlichen Theiles von Mindanao, ebenso die Ostküste des nördlichen
Theiles von Luzon zeigen nur in den Buchten grössere Flecken lebender
Korallen; aber niemals bildet sich, weder in dieser, noch an der
steil abfallenden, dem Meer ausgesetzten Küste ein eigentliches Riff,
und an den meisten Stellen würden sich die grössten Schiffe denselben
bis auf Kabellänge nähern können. Dort aber, wo sich eine Landzunge
untermeerisch fortsetzt, überzieht sie sich mit Korallen und bildet
weithin sich erstreckende Riffe, wie z. B. an Luzons's Ostküste,
am Eingange des Hafens von Palanan.

Wesentlich abhängig ist die Bildung der Atolle und Barrenriffe von
der Festigkeit der Grundlagen oder der Inseln, an die sie sich
anlehnten. So bot die West- und Südseite der Insel Babelthaub
dem Abwaschen durch die Brandung nur wenig Widerstand, und die
untermeerischen Strömungen innerhalb des Aussenriffes vermochten
leicht tiefe Canäle in den Boden einzugraben, die sich im Norden
zu dem zwischen 40 und 60 Faden tiefen Lagunencanal vereinigten,
im Westen von Coröre einen grossen tiefen See bildeten, der sowohl
mit dem nördlichen, als dem östlich von Coröre einführenden Canale
in Verbindung steht. Wesentlich anders war die Wirkung der gleichen
Strömungen auf dem südlichen Theil des Archipels; hier konnte die
Brandung wohl den Fuss der Inseln stark aushöhlen, tiefe Höhlen und
schmale Thore einfressen, aber viel langsamer verschwanden die so
abgerissenen Theile unter dem Meere. Die tiefen und breiten Canäle
des Nordens nehmen ab in Zahl und Breite, und manche derselben
verlieren sich allmälig in jene, nur wenige Faden unter dem Meere
liegende Fläche, welche in ihren ausgedehnten Korallenfeldern den
günstigsten Boden zur Betreibung der Balate-Fischerei bieten. Ein
gleicher relativer Unterschied zeigt sich in den östlichen Küstenriffen
des Nordens und des Südens. Während dort die Brandung, weniger zwar
als auf der Westseite, die theilweise basaltische Küste befressen,
und die Bildung eines inneren flachen Bootcanals zwischen jener,
und dem höchstens 1000 Schritt abstehenden Aussenrand des Riffes
ermöglichen konnte, setzten die Ostküsten der Kalkinseln des Südens
solchen Widerstand dem Einflusse des Meeres entgegen, dass sich
nirgends die mindeste Spur eines Canales zwischen dem Aussenriff und
der Insel findet. Die grosse Verschiedenheit, welche die Ost- und
Westriffe in der Entfernung von ihren angrenzenden Küsten zeigen,
erklärt sich durch den Einfluss des beständig von Osten mächtigen
Seegangs, der in seiner stetig fortgesetzten Wirkung den einzelnen
Korallenindividuen das rasche Wachsthum nach aussen unmöglich machte,
während die Korallen des Westens in den langen Perioden der Ruhe sich
nach allen Seiten frei und kräftig ausbreiten konnten. Doch kann diese
Vergrösserung, welche das Riff nach Westen hin erfahren haben mag,
weniger bedeutend gewesen sein, als das Hindrängen der östlichen Riffe
an die Inseln: und wie hier die zurückdrängende Wirkung des Seeganges
das Aussenriff immer der Küste dicht folgen lässt, und seine Neigung
nach aussen sanfter macht, als die der westlichen Seite, so muss das
westliche Riff so ziemlich immer die Ausdehnung des früher bestandenen
Landes oder des untermeerischen Rückens bezeichnen.

Hiermit soll indess keineswegs die Möglichkeit geläugnet werden,
dass manche Atolle oder Barrenriffe sich bildeten zur Zeit, als die
untermeerische Höhe, auf der sie standen, sich senkte; oder dass
selbst in manchen Fällen die Senkung wirklich den Anstoss zur Bildung
derselben abgab. So würde z. B. die Insel Ngaur sich senken müssen,
ehe sich um sie herum ein Barrenriff bildete. Zur Entscheidung
der Frage kommt es also zunächst auf das möglichst genaue Studium
aller einzelnen Fälle an. Schwieriger, als bei Barrenriffen, wo
die ihre Form bedingenden Ursachen dem Forscher noch zugänglich
sind, ist die Untersuchung, _welche_ jener Ursachen wirksam waren,
bei Atollen, und hier dürfte die Entscheidung wohl nur durch die
grössere Natürlichkeit herbeigeführt werden, welche die eine oder die
andere Annahme zu besitzen schiene. Subjectiver Auffassung ist hier
ein reiches Feld geöffnet; denn selbst in solchen Fällen, wo, wie in
der grossen Chagos-Bank, eine Senkung neuerdings stattgefunden haben
muss, bleibt dennoch die Frage offen, ob der Bildung der lebenden
Bank ebenfalls eine Senkung zu Grunde lag. Die Annahme aber, dass
nur oder hauptsächlich das wechselnde Spiel der Strömungen bei der
Bildung der Korallenriffe wirksam sei, könnte manche Fälle erklären,
die für die Senkungstheorie jetzt noch eine Ausnahme bilden. Ich
meine das Vorkommen von ächten Atollen in Erhebungsflächen (areas
of elevation), von den mir näher liegenden erwähne ich nur das Bajo
de Apo an der Westküste von Mindoro, dann die Islas Amantes und die
Islas Cagayan cillos, welche nach den mir vorliegenden Plänen echte
Atolle zu sein scheinen. Die West- und Nordküste von Bohol sind von
weit abstehenden Riffen umsäumt, welche mannigfach durch kleine Canäle
durchbrochen, vom Lande durch einen Tiefwassercanal getrennt sind,
in welchem selbst ziemlich grosse Schiffe sich dicht dem Lande nähern
können. Alle diese Punkte liegen eingeschlossen in dem jetzt in Hebung
begriffenen Archipel der Philippinen. Hier würde die Annahme, dass
Strömungen sie gebildet, nicht derselben Schwierigkeit unterliegen,
wie die Voraussetzung einer Senkung; und in der That sind auch an
andern Stellen dieses Archipels Fälle nicht selten, in welchen die
Bildung von Atoll-geformten Riffen oder solchen, die mit der Zeit
dazu werden können, deutlich auf die Einwirkung constanter Strömung
zurückgeführt werden kann.

Die Insel Tigtauan, in zwei Meilen Entfernung von der Ostküste der
Südwestspitze von Mindanao liegend, zeigt an ihrer Westseite, auf
welche der Fluss von Masinloc zuströmt, einen schmalen Canal, welcher
den höheren Rand der niedrigen, ganz aus Korallen bestehenden Insel
durchbricht und in einen inneren von Mangrove-Büschen bewachsenen
Raum führt, welcher bei Fluth völlig vom Wasser bedeckt, bei
Ebbe grösstentheils trocken gelegt wird. In den stehenbleibenden
Lachen leben schwächlich einige Astraeenknollen. Eine ähnliche
Bildung zeigt die Insel S. Cruz vor Zamboanga. Wie verschieden
das Wachsthum der Korallenknoten ist, je nachdem ein Strom trüben
oder klaren, salzigen oder brackigen, in der einen oder andern
Richtung fliessenden Wassers sie trifft, konnte ich mit wenig
Mühe in der Silangan de Basilan erkennen. Hier sind die beiden
Seiten des Canals, welcher die Insel Malaunavi von Basilan trennt,
ganz von üppig lebenden Korallen bewachsen; aber der heftige Strom,
welcher sowohl bei Ebbe als bei Fluth immer von Ost nach West geht,
bedingt durch die eigenthümlichen topographischen Verhältnisse,
verhindert das Wachsthum der Korallen nach aussen, und zwingt sie,
statt in die Breite sich nur in die Länge nach oben auszudehnen. So
sind die Wände des Canals vollkommen senkrecht. Dort, wo sich durch
die Gegenströmungen des austretenden Baches von Isabela Wirbel und
Stillen bilden, häuft sich Sand und Schlamm an, auf dem ziemlich
zahlreiche isolirte Korallenknollen wachsen, die aber statt in die
Höhe sich mehr in die Breite ausdehnen. Am Westende des Canals theilt
eine kleine Insel die Strömung in zwei Arme. An der Spitze der Insel,
welche diese Theilung bewirkt, finden sich üppig vegetirende Korallen,
welchen das hier ruhige Wasser Wachsthum, sowie in die Breite auch
in die Höhe erlaubt; aber dort wo beiderseits die Ströme die Insel
tangiren, wachsen die Korallen wie vorher in die Höhe, ohne sich in
die Breite auszudehnen."

_Späterer Zusatz_. Eine grosse Schwierigkeit für alle früheren
Theorien über Bildung der Korallen war die Unmöglichkeit zu erklären,
wie sie aus den grossen Tiefen der tropischen Meere heraufbauen
konnten. Diese schien durch Darwin's Ansicht gehoben zu sein, da die
Tiefe, welche die Koralleninseln umgibt, erst ein Product der Senkung
sein sollte. Nach meiner Ansicht würde sie dagegen wieder in ihr Recht
eintreten--wenn nicht seitdem andere Beobachtungen über das Leben der
Thiere in grossen Tiefen hinzugekommen wären. Ich erinnere hier nur an
die Entdeckungen der Neuzeit durch das Schleppnetz in den nordischen
Meeren, an des jüngeren M. Edwards Angaben über Thiere im Mittelmeere,
an die Mittheilungen von Carpenter, Pourtales etc. Hier kommen mir für
meine Meinung hauptsächlich des Letzteren Beobachtungen erwünscht,
weil er nachwies, dass weit ab von den Florida-Riffen eine Zone mit
der Tiefe von 90-300 Faden gefunden wird, in welcher zahllose Massen
von Korallen und Schalentrümmern zu einem Kalkconglomerat verbunden
werden, welches dem der gehobenen Florida-Riffe sehr ähnlich sieht,
und bei fortgesetzter Hebung jener Gegenden einen trefflichen
Boden für die Ansiedlung der eigentlich riffbildenden Madreporen
und Milleporen abgeben kann. Auf das Factum, dass letztere nur in
geringen Tiefen leben, ist absolut kein Gewicht zu legen; denn es
kommt eben nur darauf an, dass in der Zone, in welcher sie leben,
ein hinreichend fester Boden zu ihrer Ansiedlung vorhanden ist. Dies
aber kann, wie die Beobachtung von Pourtales lehrt, auf die leichteste
Weise durch allmälige Hebung irgend eines Kalkconglomerates--oder
eines vorgebildeten festen Gesteines--geschehen. Eine scheinbare
Schwierigkeit für meine Ansicht, dass die Korallenriffe sehr wohl
während einer Periode _der Hebung_ sich gebildet haben können, liegt
in der Behauptung, dass die echten Barrenriffe sich wie die Atolle nur
bis an die Oberfläche des Meeres oder nur wenig über dieselbe erheben
sollen. Einmal ist dies nicht durchgehends richtig; aber selbst wenn
es der Fall wäre, so gäbe ein solches Factum noch durchaus keinen
Grund ab gegen die Annahme, dass die abschleifende und auflösende
Wirkung des Wogenschlages, der Strömungen und der athmosphärischen
Einflüsse _stärker_ sei, als die erhebende Kraft. Dass letztere,
die vulcanische Kraft, wenn ich so sagen darf, mitunter stärker ist,
als die an der Oberfläche entgegenwirkende, beweisen die gehobenen
Korallenriffe auf den Pelew-Inseln, den Philippinen etc.; ist sie
aber schwächer, so ist eben allen jenen Einwirkungen der Elemente
freies Spiel gelassen, auf deren Complex ich die Bildung der echten
Korallenriffe eher zurückführen möchte, als auf die einzige Ursache
der Senkung ganzer Regionen, wie es Darwin thut.

_Anmerkung 2_. Für die Zoologen füge ich über diesen interessanten
Krebs noch einige Bemerkungen hinzu. Der jüngere M. Edwards
beschreibt (Maillard, Notes sur l'isle de la Réunion) einen solchen
Krebs, der in einem Loche einer Maeandrina leben soll, unter dem
Gattungsnamen Lithoscaptus. Dass dieser M. Edward'sche Krebs, dessen
Beschreibung sehr sorgfältig ist, wirklich mit dem von mir in _Gallen_
verschiedener Korallen gefundenen generisch übereinstimmt, beweist
mir eine philippinische in dem Loch einer Astraea lebende Art,
welche sich nur specifisch von den 2 philippinischen in _Gallen_
lebenden Species trennen lässt. Dann sehe ich aus einer Notiz von
Verrill "Remarkable Instances of Crustacean Parasitism" in Silliman's
American Journal July 1867, dass schon Stimpson dieselbe Gattung aus
Gallen der Pocillopora cespitosa unter dem Namen _Hapalocarcinus_
beschrieben hat. Dieser letztere Name hat also die Priorität vor dem
von M. Edwards. Ob in neuerer Zeit, seit 1865, irgend ein Autor noch
Beobachtungen über diese Krebse mitgetheilt hat, kann ich nicht sagen,
da ich in Bezug auf Literatur hier in Würzburg sehr beschränkt bin,
und die entomologischen Jahresberichte von Gerstäcker so unregelmässig
erscheinen, dass ich bis jetzt immer noch nicht den zweiten Theil
des für 1865-66 herausgegebenen Berichtes erhalten habe, welcher die
Crustaceen enthält.

_Anmerkung 3_. Ich verweise in Bezug auf die Lebensweise und
Organisation der Holothurien auf mein Werk über diese Thiergruppe,
das als 1. Band des wissenschaftlichen Theiles meines Reisewerkes
erschienen ist.

_Anmerkung 4_. Ich verweise den Leser, der sich spezieller über die
Tamblegam Perlenmuschel unterrichten will, auf einen Aufsatz in den
Annals of Natural History 1858 Vol. I. pag. 88-91.

_Anmerkung 5_. Ich kann die Angaben, welche Wilson in dem einst
solches Aufsehen erregenden Buche von Keate "An Account of the
Pelew Islands etc. London 1788" pag. 234-236 über diesen Orden
und die bei seiner Verleihung beobachteten Gebräuche gemacht hat,
durchaus bestätigen. Ueberhaupt möchte ich hier ein Wort für die oft
angezweifelte Glaubwürdigkeit des englischen Seemannes einlegen. Ich
für meinen Theil habe seine Angaben durchweg bestätigt gefunden,
und ich finde in seinen Schilderungen eine solche Wahrheitsliebe,
verbunden mit guter Beobachtungsgabe und Kritik, dass ich wünschen
möchte, die gleichen Eigenschaften in demselben Masse bei allen
späteren Reisenden wiederzufinden. Leider ist dies durchaus nicht der
Fall, und während ich geneigt bin, die schlichten Erzählungen des gut
beobachtenden einfachen Seemannes durchaus als glaubwürdig und richtig
anzunehmen, hat mich auf anderem Boden die eigene Erfahrung gelehrt,
wie oberflächlich und falsch oft die Bemerkungen berühmter Gelehrter
und Reisender sind. Es scheint in der That keine leichte Kunst zu sein,
neben der Gelehrsamkeit sich auch die, ich möchte sagen, unschuldige
Naivität und Beobachtungsgabe zu bewahren, wie sie oft ungelehrten,
aber desswegen auch nicht von grossartigen Theoremen beeinflussten
Reisenden eigen zu sein pflegt. Wilson beschreibt die an ihm selbst
vollführte Ceremonie des Anlegens des Knochenordens, und fügt dann
eine kurze Ermahnung des Königs hinzu, "dass der Knochen täglich
von ihm blank gerieben und als ein Zeichen seines nun angenommenen
Ranges behalten werden müsse; dass dieses Zeichen seiner Würde von
ihm tapfer zu vertheidigen sei und er eher den Tod erdulden müsse,
als zu gestatten, dass man ihm dasselbe abnehme."

_Anmerkung 6_. Unter diesem Namen findet man in den älteren spanischen
Schriftstellern den dujong häufig erwähnt; leider aber sind die
über ihn mitgetheilten Notizen so dürftig--theilweise auch ganz
abentheuerlich--, dass eigentlich daraus nur die frühere bedeutende
Häufigkeit des Thieres zu ersehen ist. Ob die zweifellose Abnahme
der Zahl derselben lediglich auf Rechnung der Verfolgung durch den
Menschen zu setzen ist, wird kaum zu entscheiden sein. Wenn ich den
Angaben der Bewohner der Pelew-Inseln Glauben schenken darf, so muss
der dujong im stillen Ocean früher nicht gerade selten gewesen, jetzt
dagegen gänzlich ausgestorben sein. Das gleiche Schicksal theilt,
wie es scheint, das Krokodil (Crocodilus biporcatus Cav.). Es ist
dies, das Meer wie die Seen und Flüsse gleichzeitig, bewohnende
Krokodil ungemein weit verbreitet, nemlich von den Mascarenen
an bis nach Nord-Australien und den Fidji-Inseln (S. Strauch,
Synopsis der gegenwärtig lebenden Crocodiliden pag. 53). Kotzebue
fand es auf seiner Reise um die Welt (Bd. III. pag. 189) auch auf
den Pelew-Inseln. Während meines zehnmonatlichen Aufenthaltes dort im
Jahr 1862 hörte ich weder von einem Unglück, noch von dem Fang eines
solchen Thieres; ein halb zerschlagener Schädel war das Einzige,
was ich dort fand. Auch sagten mir die Eingebornen auf Befragen,
dass das Thier jetzt sehr selten geworden sei.

_Anmerkung 7_. Bei der Einfahrt in den Fluss Pasig ziehen diese
mächtigen Netze mit den hochgestellten Hebelbäumen, an denen sie sich
bewegen, gleich die Aufmerksamkeit des Reisenden auf sich. Sie bilden
hier in der That eines der am meisten charakteristischen Momente. Der
ganze Hebelapparat steht auf einem grossen von Bambusrohren gebauten
Floss, auf welchem sich der Fischer mit seiner Familie häuslich für
Tage und Wochen niederlässt. Eine leichtgebaute Hütte gewährt ihnen
Schutz gegen Regen und Sonne, und seine Fischmahlzeit mit Reis kocht
er sich dicht daneben in freier Luft.



III. Skizze.--Das Klima und das organische Leben.


_Anmerkung 1_. Ich theile hier mit gütiger Erlaubnis des Herrn
Prof. _Karsten_ in Kiel den nachfolgenden Aufsatz in extenso mit, lasse
dabei jedoch die graphische Darstellung der allgemeineren Resulate
fort, die ich in meinem Reisewerke zugleich mit dem wiederabgedruckten
Aufsatz geben werde.



Ueber das Klima der Philippinen.

Von Prof. G. Karsten in Kiel.


Die Beobachtungsresultate von den Philippinen, welche im Folgenden
zusammengestellt sind, gründen sich auf das von Herrn Dr. _Semper_
hergestellte Material. Die einzelnen Beobachtungsreihen sind die
folgenden:


1) Sta. Ana bei Manila, die ausgedehnteste Reihe, welche nach der Lage
des Ortes und wie auch aus den Resultaten der einzelnen Jahre sich
ergibt, sehr gute Mittelwerthe liefert, so dass Sta. Ana als Normalort
für die übrigen Punkte betrachtet werden kann. Die Beobachtungen
umfassen die Zeit vom Februar 1859 bis September 1862. Sehr vollständig
sind Temperaturen, Winde, die Niederschläge und die Psychrometer. Das
Barometer ist nur ein Jahr hindurch notirt. Ausserdem finden sich
Nebenbemerkungen über die Himmelsansicht, Form der Niederschläge,
Gewitter und Erdbeben.

2) St. Miguel bei Manila, Januar bis Mitte März 1863.

3) Bohol, südlich von Manila, 15 Monate, von Oct. 1863 bis Dec. 1864.

4) Kürzere Reihen und Notizen des Reisejournals von nordwärts Manila
und zum Theil hoch gelegenen Orten: Cagayan, Mancayan, Benguet,
Calumpit u. s. f. Die Beobachtungen von Benguet etwa 4000' über dem
Meere sind spanische zu den Stunden 7, 2, 9 angestellt. Ebenso sind
die Beobachtungen von Calumpit spanische. Eine kleine Beobachtungsreihe
(Thermometer und Barometer) von Mr. Green von October 1851 bis December
1852 in Binondo (zwischen Häusern). Desgl. eine Reihe Thermometer-
und Barometerbeobachtungen für 1860 von Aguirre aus Manila.


Ich beschränke mich im Wesentlichen auf die Reihe 1 und werde
nur einige Bemerkungen über das sonstige Material hinzufügen. Die
Beobachtungszeiten waren 6, 2, 10, so dass nach Anbringung der für
die Instrumente ermittelten Correktion die Mittelwerthe direkt als
das arithmetische Mittel genommen werden konnten.


I. Monatswerthe von Temperatur, Barometer, Dunstdruck, relativer
Feuchtigkeit und mittlerer Windrichtung zu _Sta. Ana (Manila)_ in
der Zeit vom April 1859 bis September 1862.

           |            Temperatur.            |               Barometer.              | Dunstdr. | Druck der | Relative     | Nieder- | Mittlere
           | Mittel. | Maximum.   | Minimum.   | Mittel. | Maximum.     | Minimum.     |          | trocknen  | Feuchtigkeit | schlag  | Windrichtung.
           |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          | Luft.     |              |         |
           |         | Tag | t    | Tag | t    |         | Tag | t      | Tag | t      |          | par.'''   | %            | par.''' |
           |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
1859       |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
    April  |  20.82  |  25 | 28.0 |   5 | 15.0 |         |     |        |     |        |     --   |           |     --       |  --     | S 77° 34' O
    Mai    |  22.50  |  13 | 27.5 |  14 | 19.0 |         |     |        |     |        |     --   |           |     --       |  --     | N 45   0  W
    Juni   |  22.36  |   1 | 27.5 |  29 | 19.1 |         |     |        |     |        |     9.32 |           |     76.0     |  --     | N 76  25  W
    Juli   |  21.52  |   7 | 26.6 |  12 | 17.8 |  335.63 |  15 | 336.58 |  27 | 334.11 |     9.48 |           |     82.6     | 263.923 | S 45   0  W
    August |  21.51  |  25 | 27.0 |   7 | 17.2 |         |     |        |     |        |     9.48 |           |     83.8     | 175.086 | S 66  55  W
    Septbr.|  21.20  |  30 | 25.0 |   3 | 18.0 |         |     |        |     |        |     9.64 |           |     85.1     | 125.621 | S  7  53  W
    Octbr. |  20.44  |  26 | 24.0 |   1 | 18.0 |         |     |        |     |        |     9.42 |           |     87.6     | 220.575 | N 83  59  O
    Novbr. |  20.39  |  21 | 24.1 |   4 | 17.7 |         |     |        |     |        |     9.03 |           |     83.7     |  80.674 | S 54  44  W
    Decbr. |  19.47  |   1 | 23.4 |  18 | 14.7 |         |     |        |     |        |     8.26 |           |     81.9     |  50.837 | N 45   0  O
           |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
1860       |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
    Januar |  19.25  |  19 | 23.1 |   9 | 14.6 |         |     |        |     |        |     7.72 |           |     78.7     |  12.486 | N 39  57  O
    Febr.  |  20.06  |  28 | 25.3 |   5 | 15.4 |         |     |        |     |        |     8.21 |           |     75.7     |  29.652 | S 45   0  W
    März   |  20.58  |  28 | 27.0 |   2 | 13.7 |         |     |        |     |        |     7.82 |           |     72.4     |   9.488 | N 45   0  O
    April  |  21.56  |   4 | 27.7 |  28 | 17.0 |         |     |        |     |        |     8.24 |           |     72.6     |  38.604 | N 46  58  O
    Mai    |  22.05  |   9 | 28.8 |  14 | 16.3 |         |     |        |     |        |     8.70 |           |     73.2     |  68.472 | S 72  52  O
    Juni   |  21.74  |   6 | 27.7 |   3 | 17.7 |         |     |        |     |        |     9.42 |           |     80.8     | 156.192 | S 33   2  W
    Juli   |  21.27  |   2 | 26.8 |  20 | 17.0 |         |     |        |     |        |     9.43 |           |     83.5     |  97.176 | S 22  44  W
    August |  21.82  |  18 | 26.5 |  11 | 18.1 |         |     |        |     |        |     9.75 |           |     82.8     |  96.492 | S 45   0  W
    Sept.  |  21.21  |   4 | 25.9 |  24 | 17.6 |         |     |        |     |        |     9.58 |           |     83.5     | 257.136 | S 42  14  W
    Oct.   |  21.26  |  26 | 25.5 |  30 | 15.4 |         |     |        |     |        |     9.37 |           |     83.9     |  49.128 | S 69  53  O
    Nov.   |  20.16  |   2 | 24.6 |  26 | 12.7 |         |     |        |     |        |     8.27 |           |     79.5     |  18.408 | N 71  15  O
    Dec.   |  19.63  |  11 | 24.6 |   1 | 12.1 |         |     |        |     |        |     7.82 |           |     78.1     |  19.812 | N 45   0  O
    Jahr   |  20.72  |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
           |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
1861       |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
    Jan.   |  19.45  |  31 | 24.2 |  18 | 14.2 |         |     |        |     |        |     7.99 |           |     79.2     |  22.980 | N 39  28  O
    Febr.  |  20.18  |  17 | 25.0 |  23 | 14.5 |         |     |        |     |        |     7.87 |           |     75.5     |  12.552 | N 57  26  O
    März   |  20.97  |  28 | 26.1 |  12 | 14.5 |         |     |        |     |        |     7.98 |           |     71.8     |   9.288 | S 83  13  O
    April  |  22.22  |   8 | 26.5 |  10 | 14.6 |         |     |        |     |        |     8.83 |           |     72.5     |  26.268 | S 48  50  O
    Mai    |  (--)   |  -- | --   |  -- | --   |         |     |        |     |        |     --   |           |              |  43.974 |     --
    Juni   |  21.46  |  17 | 26.2 |  22 | 18.0 |         |     |        |     |        |     9.15 |           |     80.3     |  66.192 | S 33  29  O
    Juli   |  21.59  |   4 | 25.5 |  21 | 18.0 |         |     |        |     |        |     9.34 |           |     81.2     |  66.528 | S 18  14  W
    August |  21.18  |  10 | 25.5 |  15 | 18.1 |         |     |        |     |        |     9.52 |           |     84.2     | 457.788 | S 43  52  W
    Sept.  |  21.05  |  13 | 24.4 |   4 | 17.8 |         |     |        |     |        |     9.75 |           |     87.1     | 198.516 | S 45   0  W
    Oct.   |  20.67  |   8 | 24.1 |  14 | 16.9 |  335.96 |  28 | 337.30 |  11 | 332.56 |     9.30 |   326.66  |     85.2     |  80.100 | N 53  52  O
    Nov.   |  20.10  |  10 | 24.1 |  27 | 14.4 |   36.86 |  26 |  37.83 |  12 |  35.88 |     8.17 |    28.69  |     78.7     |   7.500 | N  5  31  W
    Dec.   |  19.35  |  18 | 24.0 |  27 | 14.6 |   37.68 |   7 |  39.12 |   2 |  35.57 |     7.48 |    30.20  |     76.7     |   9.408 | N 61   1  O
    Jahr   | (20.80) |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
           |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
1862       |         |     |      |     |      |         |     |        |     |        |          |           |              |         |
    Jan.   |  19.19  |  31 | 23.8 |  24 | 14.5 |   37.76 |  14 |  39.12 |   8 |  36.01 |     7.27 |    30.39  |     74.9     |   6.912 | N 25  34  O
    Febr.  |  19.60  |   5 | 23.9 |  19 | 13.9 |   37.56 |  10 |  38.93 |   5 |  36.11 |     7.86 |    29.70  |     78.7     |  56.232 | N 39  47  W
    März   |  20.46  |  28 | 24.5 |  18 | 15.7 |   37.81 |   8 |  38.98 |  31 |  35.97 |     7.42 |    30.39  |     73.1     |   3.156 | N 90   0  O
    April  |  22.00  |  20 | 26.0 |  22 | 17.1 |   37.27 |  22 |  38.19 |   9 |  36.01 |     7.95 |    29.32  |     67.0     |   0.456 | S 45   0  O
    Mai    |  22.75  |  22 | 27.4 |   2 | 17.2 |   37.10 |  31 |  38.27 |  27 |  34.68 |     8.64 |    28.46  |     69.1     |  19.476 | S  9  10  W
    Juni   |  22.35  |  10 | 27.1 |  22 | 18.4 |   36.95 |   2 |  38.23 |   5 |  35.39 |     9.50 |    27.45  |     77.1     |  91.908 | S 40  29  W
    Juli   |  21.51  |   1 | 25.2 |  14 | 18.6 |   36.92 |   8 |  38.41 |  24 |  34.46 |     9.73 |    27.19  |     84.2     | 158.436 | S 45   0  W
    August |  21.49  |   3 | 24.6 |  16 | 18.3 |   36.90 |  18 |  38.23 |   6 |  34.07 |     9.71 |    27.19  |     84.1     | 234.084 | S 46   6  W
    Sept.  |  21.27  |  21 | 24.7 |   4 | 18.1 |   37.15 |  27 |  38.50 |  23 |  35.00 |     9.69 |    27.46  |     85.8     | 153.288 | S 50  36  W


Die Oscillationen um diese Mittelwerthe ergeben sich aus den
Zusammenstellungen über die einzelnen Witterungsfaktoren, die ich
hieran anschliesse.



A. Die Temperaturen.


Obwohl die Beobachtungsreihe zu kurz ist, um schon die 5 tägigen
Mittel genau zu geben, führe ich dieselben doch zunächst auf, um den
Gang der Wärme ausführlicher zu zeigen. Darauf folgen die extremen
Temperaturwerthe in den einzelnen Monaten, sodann die Mittelwerthe
der Monats- und Jahrestemperaturen nebst den Abweichungen von den
Mittelwerthen. Endlich eine kleine Tafel über die Temperatur des
Wassers in einem Brunnen, welche ein Jahr lang gemessen worden ist.


II. Fünftägige Mittelwerthe der Lufttemperatur °R zu Sta. Ana (Manila)
für die Zeit vom 1. April 1859 bis 2. October 1862.

            | 1859   | 1860  | 1861  | 1862  | Mittel.| Grösste
            |        |       |       |       |        | Abweichung
            |        |       |       |       |        | vom Mittel.
            |        |       |       |       |        |
  1-5 Jan.  | --     | 18.81 | 19.30 | 19.32 | 19.14  | -0.33
  6-10      | --     | 18.59 | 19.97 | 18.85 | 19.14  | -0.83
 11-15      | --     | 19.14 | 19.27 | 19.13 | 19.18  | +0.09
 16-20      | --     | 19.56 | 18.94 | 19.11 | 19.17  | +0.39
 21-25      | --     | 19.53 | 19.36 | 19.08 | 19.32  | -0.24
 26-30      | --     | 19.89 | 19.55 | 19.49 | 19.64  | +0.25
 31-4 Febr. | --     | 19.30 | 20.16 | 19.91 | 19.79  | -0.49
  5-9       | --     | 19.20 | 20.94 | 20.52 | 20.22  | -1.02
 10-14      | --     | 20.36 | 20.76 | 19.56 | 20.23  | -0.67
 15-19      | --     | 20.08 | 20.42 | 18.93 | 19.81  | -0.88
 20-24      | --     | 20.47 | 19.60 | 18.85 | 19.64  | -0.83
 25-1 März  | --     | 20.77 | 19.29 | 20.48 | 20.18  | -0.89
  2-6       | --     | 20.54 | 20.95 | 20.41 | 20.63  | +0.32
  7-11      | --     | 20.50 | 20.88 | 20.27 | 20.55  | +0.33
 12-16      | --     | 20.60 | 19.64 | 20.21 | 20.15  | -0.51
 17-21      | --     | 19.80 | 21.22 | 20.15 | 20.39  | +0.83
 22-26      | --     | 20.70 | 21.51 | 20.58 | 20.93  | +0.58
 27-31      | --     | 21.33 | 21.85 | 21.02 | 21.40  | +0.45
  1-5 April | 19.11! | 21.46 | 21.70 | 21.53 | 20.95  | -1.84!
  6-10      | 21.28  | 21.10 | 22.29 | 21.98 | 21.66  | +0.63
 11-15      | 20.43  | 22.32 | 22.61 | 22.00 | 21.96  | -1.03
 16-20      | 20.48  | 21.43 | 22.54 | 22.40 | 21.71  | -1.23
 21-25      | 22.39  | 21.63 | 21.69 | 22.13 | 21.96  | +0.43
 26-30      | 20.74  | 21.44 | 22.99 | 21.97 | 21.79  | +1.20
  1-5 Mai   | 22.40  | 21.67 | --    | 22.09 | 22.05  | -0.38
  6-10      | 22.33  | 22.57 | --    | 22.23 | 22.38  | +0.19
 11-15      | 22.25  | 22.33 | --    | 22.69 | 22.42  | +0.27
 16-20      | 22.60  | 22.40 | --    | 23.31 | 22.77  | +0.45
 21-25      | 23.23  | 21.80 | --    | 23.28 | 22.77  | -0.97
 26-30      | 22.51  | 21.60 | --    | 22.85 | 22.32  | -0.72
 31-4 Juni  | 22.82  | 22.07 | --    | 22.98 | 22.62  | -0.55
  5-9       | 21.97  | 22.23 | --    | 22.98 | 22.39  | +0.59
 10-14      | 22.62  | 21.70 | 21.52 | 22.11 | 21.99  | +0.63
 15-19      | 21.84  | 22.16 | 22.14 | 21.81 | 21.99  | -0.18
 20-24      | 22.41  | 21.32 | 21.64 | 22.25 | 21.91  | -0.59
 25-29      | 22.23  | 21.00 | 20.69 | 22.24 | 21.54  | -0.85
 30-4 Juli  | 22.07  | 22.10 | 21.93 | 21.94 | 22.01  | +0.09
  5-9       | 22.58  | 21.38 | 21.86 | 20.88 | 21.68  | +0.90
 10-14      | 21.58  | 21.48 | 22.19 | 21.23 | 21.62  | +0.57
 15-19      | 21.56  | 20.95 | 21.01 | 21.07 | 21.15  | +0.41
 20-24      | 20.94  | 21.03 | 21.33 | 21.28 | 21.15  | -0.21
 25-29      | 21.04  | 20.89 | 21.27 | 22.43 | 21.41  | -0.52
 30-3 Aug.  | 20.72  | 21.03 | 21.32 | 22.38 | 21.34  | +1.06
  4-8       | 21.69  | 21.69 | 21.55 | 21.51 | 21.61  | +0.08
  9-13      | 20.96  | 21.57 | 22.03 | 21.91 | 21.62  | +0.41
 14-18      | 21.43  | 21.88 | 20.88 | 20.34 | 21.13  | -0.79
 19-23      | 21.36  | 21.89 | 21.77 | 21.47 | 21.62  | -0.26
 24-28      | 21.45  | 22.19 | 20.33 | 21.69 | 21.42  | -1.09
 29-2 Sept. | 20.73  | 21.81 | 20.54 | 22.25 | 21.33  | +0.92
  3-7       | 21.26  | 21.77 | 20.55 | 21.55 | 21.28  | -0.73
  8-12      | 21.38  | 21.93 | 21.55 | 21.35 | 21.55  | +0.38
 13-17      | 21.31  | 21.77 | 20.80 | 21.04 | 21.23  | -0.43
 18-22      | 21.36  | 20.50 | 21.60 | 21.19 | 21.18  | -0.68
 23-27      | 20.80  | 20.57 | 20.98 | 20.72 | 20.77  | +0.21
 28-2 Oct.  | 21.07  | 20.43 | 20.69 | 20.61 | 20.70  | +0.37
  3-7       | 20.63  | 21.19 | 20.75 |  --   | 20.86  | +0.33
  8-12      | 20.26  | 20.93 | 21.46 |  --   | 20.88  | -0.62
 13-17      | 19.49  | 21.16 | 20.41 |  --   | 20.35  | -0.86
 18-22      | 20.35  | 21.77 | 20.58 |  --   | 20.90  | +0.87
 23-27      | 20.89  | 21.35 | 20.37 |  --   | 20.87  | +0.48
 28-1 Nov.  | 21.06  | 21.49 | 20.35 |  --   | 20.97  | -0.62
  2-6       | 20.81  | 20.61 | 20.80 |  --   | 20.74  | -0.13
  7-11      | 20.08  | 20.49 | 20.89 |  --   | 20.49  | +0.40
 12-16      | 20.29  | 19.88 | 20.11 |  --   | 20.09  | -0.21
 17-21      | 20.25  | 19.70 | 20.07 |  --   | 20.01  | -0.31
 22-26      | 20.26  | 20.46 | 19.51 |  --   | 20.08  | -0.57
 27-1 Dec.  | 20.29  | 19.19 | 18.87 |  --   | 19.45  | +0.84
  2-6       | 19.69  | 19.53 | 18.72 |  --   | 19.31  | -0.59
  7-11      | 19.95  | 21.02 | 19.25 |  --   | 20.07  | +0.95
 12-16      | 19.86  | 19.95 | 19.84 |  --   | 19.88  | +0.07
 17-21      | 18.15  | 19.13 | 19.85 |  --   | 19.04  | -0.89
 22-26      | 19.49  | 19.19 | 19.48 |  --   | 19.39  | -0.20
 27-31      | 19.72  | 19.10 | 19.13 |  --   | 19.32  | +0.40


Die grössten Abweichungen der 5 tägigen Mittel in den einzelnen
Jahren gegen den Durchschnittswerth betragen hiernach etwa 1°; nur
die Pentade 1-5 April macht eine Ausnahme, indessen ist der niedrige
Werth unsicher, weil in den Originalbeobachtungen ein Tag fehlt.

Die auf Sta. Ana als Normalort zu reducirenden einzelnen Beobachtungen
werden daher mit einer Unsicherheit von etwa 1° R. behaftet sein.

Der Gang der Temperatur ist bemerkenswerth besonders durch die frühe
Entwickelung des Wärmemaximums in der Zeit vom 16. bis 25. Mai. Das
Jahresminimum fällt in die erste Hälfte des Januar und ein zweites
kurz andauerndes Minimum in den December. Es ist zu bedauern, dass
gerade für die Feststellung der Extreme die Sicherheit wegen des
Fehlens eines der vier Beobachtungsjahre vermindert ist.


III. Mittlere Monatstemperaturen und Extreme der Monatstemperaturen
zu Sta. Ana vom April 1859 bis September 1862.

               | 1859  | 1860  | 1861  | 1861  | Durchschnitt.
               |       |       |       |       |       | Abweichung.
               |       |       |       |       |       |
Januar.        |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel |  --   | 19.25 | 19.45 | 19.19 | 19.30 | +0.15
  Maximum      |  --   | 23.1  | 24.4  | 24.0  | 23.8  | -0.7
  Minimum      |  --   | 14.6  | 14.0  | 14.3  | 14.3  | +0.3
  Differenz    |  --   |  8.5  | 10.4  |  9.7  |  9.5  | -1.0
               |       |       |       |       |       |
Februar.       |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel |  --   | 20.06 | 20.18 | 19.60 | 19.95 | -0.35
  Maximum      |  --   | 24.6  | 25.2  | 24.1  | 24.6  | +0.6
  Minimum      |  --   | 15.6  | 14.3  | 13.7  | 14.5  | +1.1
  Differenz    |  --   |  9.0  | 10.9  | 10.4  | 10.1  | +0.8
               |       |       |       |       |       |
März.          |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel |  --   | 20.58 | 20.97 | 20.46 | 20.67 | +0.30
  Maximum      |  --   | 26.1  | 26.3  | 24.7  | 25.7  | -1.0
  Minimum      |  --   | 13.9  | 14.3  | 15.5  | 14.6  | +0.9
  Differenz    |  --   | 12.2  | 12.0  |  9.2  | 11.1  | -1.9
               |       |       |       |       |       |
April.         |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 20.82 | 21.56 | 22.22 | 22.00 | 21.65 | -0.83
  Maximum      | 28.0  | 26.8  | 26.7  | 26.2  | 26.9  | +1.1
  Minimum      | 15.0  | 17.2  | 17.4  | 16.9  | 16.3  | -1.3
  Differenz    | 13.0  |  9.6  |  9.3  |  9.3  | 10.3  | +2.7
               |       |       |       |       |       |
Mai.           |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 22.50 | 22.05 |  --   | 22.75 | 22.43 | +0.32
  Maximum      | 27.5  | 27.9  |  --   | 27.6  | 27.7  | +0.2
  Minimum      | 19.0  | 16.5  |  --   | 17.0  | 17.5  |  1.5
  Differenz    |  8.5  | 11.4  |  --   | 10.6  | 10.2  | -1.7
               |       |       |       |       |       |
Juni.          |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 22.36 | 21.74 | 21.46 | 22.35 | 21.98 | -0.52
  Maximum      | 27.5  | 26.8  | 26.4  | 27.3  | 27.0  | -0.6
  Minimum      | 19.1  | 17.9  | 17.8  | 18.2  | 18.3  | +0.8
  Differenz    |  8.4  |  8.9  |  8.6  |  9.1  |  8.7  | +0.4
               |       |       |       |       |       |
Juli.          |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 21.52 | 21.27 | 21.59 | 21.51 | 21.47 | -0.20
  Maximum      | 26.6  | 25.9  | 25.7  | 25.4  | 25.9  | +0.7
  Minimum      | 17.8  | 17.1  | 17.8  | 18.4  | 17.8  | -0.7
  Differenz    |  8.8  |  8.8  |  7.9  |  7.0  |  8.1  | -1.1
               |       |       |       |       |       |
August.        |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 21.51 | 21.82 | 21.18 | 21.49 | 21.50 |  0.32
  Maximum      | 27.0  | 25.6  | 25.7  | 24.8  | 25.8  | +1.2
  Minimum      | 17.2  | 18.3  | 17.9  | 18.3  | 17.9  | -0.7
  Differenz    |  9.8  |  7.3  |  7.8  |  6.5  |  7.9  |  1.4
               |       |       |       |       |       |
Septbr.        |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 21.20 | 21.21 | 21.05 | 21.27 | 21.18 | -0.13
  Maximum      | 25.0  | 25.0  | 24.6  | 24.9  | 24.9  | -0.3
  Minimum      | 18.0  | 17.8  | 17.6  | 17.9  | 17.8  |  0.2
  Differenz    |  7.0  |  7.2  |  7.0  |  7.0  |  7.1  |  0.1
               |       |       |       |       |       |
October.       |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 20.44 | 21.26 | 20.67 |  --   | 20.79 | +0.47
  Maximum      | 24.0  | 24.6  | 24.3  |  --   | 24.3  |  0.3
  Minimum      | 18.0  | 15.6  | 16.7  |  --   | 16.8  |  1.2
  Differenz    |  6.0  |  9.0  |  7.6  |  --   |  7.5  |  1.5
               |       |       |       |       |       |
Novbr.         |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 20.39 | 20.16 | 20.10 |  --   | 20.22 | +0.17
  Maximum      | 24.1  | 23.7  | 24.3  |  --   | 24.0  |  0.3
  Minimum      | 17.7  | 12.9  | 14.2  |  --   | 14.9  | +2.8
  Differenz    |  6.4  | 10.8  | 10.1  |  --   |  9.1  | -2.9
               |       |       |       |       |       |
Decbr.         |       |       |       |       |       |
  Monatsmittel | 19.47 | 19.63 | 19.35 |  --   | 19.48 | +0.15
  Maximum      | 23.4  | 23.7  | 24.2  |  --   | 23.8  |  0.4
  Minimum      | 14.7  | 12.3  | 14.4  |  --   | 13.8  | -1.5
  Differenz    |  8.7  | 11.4  |  9.8  |  --   | 10.0  | +1.4


Die Werthe aus dieser Tafel anders geordnet, um die Uebersicht der
Schwankungen der einzelnen Jahre und die Jahresmittel zu gewinnen,
ergeben die folgende Tabelle:


IV.

          | 1859    | 1860   | 1861    | 1863    | Monats- | Grösste  | Mittleres | Mittleres | Differenz.  | Absolutes | Maxim. | Absolutes | Min.
          |         |        |         |         | Mittel  | Abweich- | Maximum.  | Minimum.  |             | t         | Jahr.  | t         | Jahr.
          |         |        |         |         |         | ung.     |           |           |             |           |        |           |
          |         |        |         |         |         |          |           |           |             |           |        |           |
Januar    | (19.30) | 19.25  |  19.45  |  19.19  | 19.30   |   0.15   | 23.8      | 14.3      |  9.5        | 24.4      | 1861   | 14.0      | 1861
Februar   | (19.95) | 20.06  |  20.18  |  19.60  | 19.95   |   0.35   | 24.6      | 14.5      | 10.1        | 25.2      | 1861   | 13.7      | 1862
März      | (20.67) | 20.58  |  20.97  |  20.46  | 20.67   |   0.30   | 25.7      | 14.6      | 11.1        | 26.3      | 1861   | 13.9      | 1860
April     |  20.82  | 21.56  |  22.22  |  22.00  | 21.65   |   0.83   | 26.9      | 16.6      | 10.3        | 28.0      | 1859   | 15.0      | 1859
Mai       |  22.50  | 22.05  | (22.43) |  22.75  | 22.43   |   0.32   | 27.7      | 17.5      | 10.2        | 27.9      | 1860   | 16.5      | 1860
Juni      |  22.36  | 21.74  |  21.46  |  22.35  | 21.98   |   0.38   | 27.0      | 18.3      |  8.7        | 27.5      | 1859   | 17.8      | 1861
Juli      |  21.52  | 21.27  |  21.59  |  21.51  | 21.47   |   0.20   | 25.9      | 17.8      |  8.1        | 26.6      | 1859   | 17.1      | 1860
August    |  21.51  | 21.82  |  21.18  |  21.49  | 21.50   |   0.32   | 25.8      | 17.9      |  7.9        | 27.0      | 1859   | 17.2      | 1859
September |  21.20  | 21.21  |  21.05  |  21.27  | 21.18   |   0.13   | 24.9      | 17.8      |  7.1        | 25.0      | 1860   | 17.6      | 1861
October   |  20.44  | 21.26  |  20.67  | (20.79) | 20.79   |   0.47   | 24.3      | 16.8      |  7.5        | 24.6      | 1860   | 15.6      | 1860
November  |  20.39  | 20.16  |  20.10  | (20.22) | 20.22   |   0.17   | 24.0      | 14.9      |  9.1        | 24.3      | 1861   | 12.9      | 1860
December  |  19.47  | 19.63  |  19.35  | (19.48) | 19.48   |   0.15   | 23.8      | 13.8      | 10.0        | 24.2      | 1861   | 12.3      | 1860
          |         |        |         |         |         |          |           |           |             |           |        |           |
Jahr      |  20.844 | 20.882 |  20.887 |  20.926 | 20.885  |   0.041  | 25.37     | 16.23     | 9.14        | 28.0      | 1859   | 12.3      | 1860
          |         |        |         |         |         |          |           |           |             |           |        |           |
Grösste   |         |        |         |         |         |          |           |           |             |           |        |           |
Differenz |         |        |         |         |         |          |           |           |             |           |        |           |
im Jahre  |   3.20  |  2.80  |   3.08  |   3.56  |  3.13   |          |           |           |             |           |        |           |


V. Mittlere Temperatur des Brunnenwassers verglichen mit der der Luft.

          | 1861            | 1862             | Mittel.
          | Brunnen | Luft  | Brunnen | Luft   | Brunnen | Luft
          |         |       |         |        |         |
Januar    |   --    | --    |  20.0   | 19.19  |  20.0   | 19.19
Februar   |   --    | --    |  20.0   | 19.60  |  20.0   | 19.60
März      |   --    | --    |  20.4   | 20.46  |  20.4   | 20.46
April     |   21.2  | 22.22 |  20.9   | 22.00  |  21.05  | 22.11
Mai       |   --    | --    |  21.2   | 22.75  |  21.2   | 22.75
Juni      |   --    | --    |  21.2   | 22.35  |  21.2   | 22.35
Juli      |   21.6  | 21.59 |  21.3   | 21.51  |  21.45  | 21.55
August    |   21.6  | 21.18 |  21.5   | 21.49  |  21.55  | 21.34
September |   21.2  | 21.05 |  21.2   | 21.27  |  21.2   | 21.12
October   |   21.1  | 20.67 |  --     | --     |  21.1   | 20.67
November  |   20.8  | 20.10 |  --     | --     |  20.8   | 20.10
December  |   20.5  | 19.35 |  --     | --     |  20.5   | 19.35
          |         |       |         |        |         |
Jahr      |         |       |         |        |  20.87  | 20.88


Die Monatstemperaturen wird man, wie aus obigen Tafeln hervorgeht,
durch die vorliegenden Beobachtungen bis auf eine Fehlergrenze von
etwa 0°,3 R. sicher bestimmt halten dürfen. Nur der Aprilmonat macht
eine Ausnahme, indem hier die Sicherheit bis auf 0°,83 vermindert
ist, eine zweite etwas stärkere als die mittlere Schwankung tritt
im October mit 0°,47 ein. Ohne Zweifel hängt dies mit dem in den
genannten Monaten eintretenden, sich aber in den verschiedenen Jahren
etwas verschiebenden Umsetzen der Hauptwindrichtung zusammen, indem
im April der Uebergang aus dem NO. des Winters in den SW. des Sommers
liegt und im October der N. wieder einfällt.

Der wärmste Monat (Mai) und der kälteste (Januar) weichen nur 3°,13
durchschnittlich von einander ab und diese Differenz schwankt in den
einzelnen Jahren um keinen halben Grad.

Das absolute Maximum (28°) fällt zwar einmal in den April, sonst
liegt aber mit grosser Regelmässigkeit das Maximum der Wärme im
Mai mit durchschnittlich 27°7. Das absolute Minimum sowohl wie der
durchschnittlich kleinste Werth der Minima fällt in den December,
dessen kürzere Kälteperiode also intensiver ist als die längere
des Januar.

Das Jahresmittel zeigt sich sowohl in den einzelnen Jahren so
übereinstimmend als auch durch die Vergleichung der Luft- und
Wassertemperatur so gleichmässig festgestellt, dass dasselbe als
völlig genau mit 20°,88 bestimmt anzusehen ist.



B. Luftdruck.


Barometerbeobachtungen liegen allerdings wie Tab. I zeigt nur vor
einem Jahresumfang vor; indessen werden dieselben auch als ziemlich
gute Mittelwerthe anzusehen sein, da die Schwankungen des Luftdrucks
überhaupt nicht bedeutend sind.

Die folgende Tafel wiederholt die Werthe aus Tab. I unter Hinzufügung
des Werthes der extremsten Schwankungen im Laufe des Monats und
des Tages.


VI. Luftdruck zu Sta. Ana. paris. '''

          | Baro-  | Grösste    | Grösste    | Druck der | Grösste    | Grösste
          | meter- | Monats-    | Tages-     | trocknen  | Monats-    | Tages-
          | Mittel | schwankung | schwankung | Luft      | schwankung | schwankung
          |        |            |            |           |            |
Januar    | 337.76 |   3.11     |    1.59    |   330.49  |  4.37      |   2.24
Februar   |   7.55 |   2.82     |    1.99    |    29.69  |  3.64      |   3.21
März      |   7.80 |   3.01     |    1.06    |    30.38  |  4.19      |   1.13
April     |   7.29 |   2.18     |    1.59    |    29.75  |  2.79      |   1.67
Mai       |   7.11 |   3.59     |    1.86    |    28.47  |  3.63      |   0.63
Juni      |   6.93 |   2.84     |    1.86    |    27.43  |  3.07      |   0.91
Juli      |   6.93 |   3.95     |    1.33    |    27.20  |  4.30      |   2.51
August    |   6.95 |   4.16     |    1.55    |    27.24  |  4.71      |   1.90
September |   7.32 |   3.50     |    1.33    |    27.63  |  4.50      |   1.88
October   |   5.96 |   4.74     |    1.51    |    26.66  |  5.68      |   1.06
November  |   6.86 |   1.95     |    1.24    |    28.69  |  3.90      |   1.18
December  |   7.68 |   3.55     |    1.46    |    30.20  |  4.45      |   0.69
          |        |            |            |           |            |
Jahr      | 337.18 |            |            |  328.65   |            |
          |        |            |            |           |            |
Winter    |   7.66 |            |            |   30.13   |            |
Frühling  |   7.40 |            |            |   29.53   |            |
Sommer    |   6.94 |            |            |   27.29   |            |
Herbst    |   6.71 |            |            |   27.66   |            |


Der Gang des Luftdruckes bezeichnet sichtlich die beiden
Hauptwindrichtungen des Jahres, selbst das Barometer lässt dies
erkennen, auch ohne Rücksicht auf die durch die Dunstspannung bewirkte
theilweise Ausgleichung. Schärfer wird dies in dem Gange des Druckes
der trocknen Luft ausgedrückt. Den vollen Gegensatz erhält man erst,
indem man die Monate mit überwiegend herrschendem NO. im Uebergang
von November bis April dann mit herrschenden SW. (im Uebergang) von
Mai bis October zusammenfasst, dann sind vom Nov. an die aufeinander
folgenden Mittelwerthe des Drucks der trocknen Luft: 329.79; 329.94;
327.70; 327.18.

Die grosse Gleichmässigkeit des Klimas ist in den geringfügigen
Schwankungen des Luftdrucks ausgesprochen.



C. Luftfeuchtigkeit und Hydrometeore.


Die Mittelwerthe für die Dunstspannung und relative Feuchtigkeit und
die Summen des Niederschlags sind bereits in Tab. I enthalten. Zur
Uebersichtlichkeit der Durchschnittswerthe sind die folgenden Tabellen
dienend, in denen die Extreme hinzugefügt sind und zugleich die
mit den Hydrometeoren unmittelbar zusammenhängenden Erscheinungen
aufgeführt werden.


VII. Luftfeuchtigkeit und Hydrometeore in den Jahren 1869-62 zu
Sta. Ana _für die einzelnen Monate zusammengestellt._

           | Dunstspannung.               | Relative Feuchtigkeit.      Nieder-   | Anzahl der Tage mit   | Gewitter     | Wetter-
           | Mittel | Max   | Min  | Diff | Mittel | Max | Min | Diff | schlag    | Nebel | Regen | Hagel | nah  | entf. | leuchten.
           |        |       |      |      |        |     |     |      | '''paris. |       |       |       |      |       |
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
Januar     |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     | --     |  --   | --   | --   |  --    | --  | --  | --   |   --      |  --   |  --   |  --   | --   |  --   |  --
  1860     | 7.72   |  9.59 | 5.93 | 3.66 | 78.7   | 93  | 50  | 43   |   12.486  |   3   |   6   |   0   |  0   |   0   |   0
  1861     | 7.99   |  9.50 | 6.34 | 3.16 | 79.2   | 96  | 49  | 47   |   22.980  |   3   |   8   |   0   |  0   |   0   |   1
  1862     | 7.27   |  9.06 | 5.87 | 3.19 | 74.9   | 96  | 40  | 56   |    6.912  |   1   |   6   |   0   |  0   |   0   |   0
Durchschn. | 7.66   |  9.38 | 6.05 | 3.33 | 77.6   | 95  | 46  | 49   |   14.126  |   2.3 |   6.7 |   0   |  0   |   0   |   0.3
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
Februar    |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     | --     |  --   | --   | --   |  --    | --  | --  | --   |   --      |   8   |   3   |   0   |  0   |   0   |   0
  1860     | 8.21   |  9.96 | 6.56 | 3.40 | 75.7   | 94  | 58  | 36   |   29.652  |   2   |   4   |   0   |  0   |   0   |   0
  1861     | 7.87   |  9.39 | 5.99 | 3.40 | 75.5   | 94  | 30  | 64   |   12.552  |   0   |   9   |   0   |  0   |   0   |   1
  1862     | 7.86   |  9.36 | 5.54 | 3.82 | 78.7   | 98  | 51  | 47   |   56.232  |   1   |  13   |   0   |  2   |   0   |   1
Durchschn. | 7.98   |  9.57 | 6.03 | 3.54 | 76.6   | 95  | 46  | 49   |   32.812  |   2.8 |   7.3 |   0   |  0.5 |   0   |   0.5
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
März       |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
 1859      | --     |  --   | --   | --   |  --    | --  | --  | --   |   --      |   5   |   4   |   0   |  0   |   0   |   2
 1860      | 7.82   |  9.84 | 6.01 | 3.83 | 72.4   | 90  | 28  | 62   |    9.488  |   8   |   4   |   0   |  2   |   1   |   2
 1861      | 7.98   |  9.69 | 5.98 | 3.71 | 71.8   | 97  | 39  | 58   |    9.288  |   5   |   6   |   0   |  0   |   4   |   8
 1862      | 7.42   |  9.53 | 6.28 | 3.25 | 73.1   | 93  | 42  | 51   |    3.156  |   0   |   2   |   0   |  0   |   0   |   1
Durchschn. | 7.71   |  9.69 | 6.09 | 3.06 | 72.4   | 93  | 36  | 57   |    7.311  |   4.5 |   4.0 |   0   |  0.5 |   1.3 |   3.3
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
April      |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
 1859      | --     |  --   | --   | --   |  --    | --  | --  | --   |   --      |   0   |   5   |   0   |  1   |   2   |   1
 1860      | 8.24   | 10.15 | 6.64 | 3.51 | 72.6   | 97  | 49  | 48   |   38.604  |   2   |   5   |   0   |  3   |   0   |   2
 1861      | 8.81   | 10.47 | 7.23 | 3.24 | 72.5   | 95  | 47  | 48   |   26.268  |   1   |   6   |   0   |  5   |   5   |  16
 1862      | 7.95   |  9.95 | 6.62 | 3.33 | 67.0   | 97  | 37  | 60   |    0.456  |   0   |   1   |   0   |  0   |   2   |   9
Durchschn. | 8.33   | 10.19 | 6.83 | 3.36 | 70.7   | 96  | 44  | 52   |   21.776  |   0.8 |   4.3 |   0   |  2.3 |   2.3 |   7.0
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
Mai        |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
 1859      | --     |  --   | --   | --   |  --    | --  | --  | --   |   --      |   0   |   4   |   0   |  1   |   2   |   2
 1860      | 8.71   | 10.88 | 6.19 | 4.69 | 73.2   | 96  | 36  | 60   |   68.472  |   0   |  11   |   0   | 10   |   2   |   8
 1861      | --     |  --   | --   | --   |  --    | --  | --  | --   |   43.974  |  --   |  --   |  --   | --   |  --   |  --
 1862      | 8.64   | 10.57 | 5.83 | 4.74 | 69.1   | 99  | 31  | 68   |   19.476  |   0   |   6   |   0   |  2   |   8   |  12
Durchschn. | 8.68   | 10.73 | 6.01 | 4.72 | 71.2   | 98  | 34  | 64   |   43.974  |   0   |   7   |   0   |  4.3 |   4.0 |   7.3
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
Juni       |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     | 9.32   | 10.25 | 8.57 | 1.68 | 76.0   | 98  | 54  | 44   |   --      |   0   |  13   |   0   |  5   |   5   |  6
  1860     | 9.42   | 11.10 | 7.13 | 3.97 | 80.8   | 95  | 37  | 58   |  156.192  |   1   |  20   |   0   |  6   |   2   |  6
  1861     | 9.15   | 10.47 | 8.36 | 2.11 | 80.3   | 92  | 50  | 42   |   66.192  |   0   |  17   |   0   |  3   |   5   | 10
  1862     | 9.50   | 10.91 | 8.29 | 2.62 | 77.1   | 95  | 45  | 50   |   91.908  |   1   |  12   |   0   | 10   |   7   | 13
Durchschn. | 9.35   | 10.68 | 8.09 | 2.59 | 78.6   | 95  | 47  | 48   |  104.764  |   0.5 |  15.5 |   0   |  6.0 |   4.8 |  8.3
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
Juli       |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     | 9.48   | 10.41 | 8.64 | 1.77 | 82.6   | 97  | 54  | 43   |  263.923  |   1   |  25   |   0   |  5   |   3   |  8
  1860     | 9.43   | 10.93 | 7.74 | 3.19 | 83.5   | 99  | 56  | 43   |   97.176  |   0   |  15   |   0   | 10   |   1   |  6
  1861     | 9.36   | 10.86 | 8.11 | 2.75 | 81.2   | 96  | 52  | 44   |   66.528  |   0   |  19   |   0   |  7   |  11   | 10
  1862     | 9.73   | 10.69 | 8.79 | 1.90 | 84.2   | 95  | 61  | 34   |  158.436  |   0   |  23   |   0   |  4   |   9   |  5
Durchschn. | 9.50   | 10.72 | 8.32 | 2.40 | 82.9   | 97  | 56  | 41   |  146.516  |   0.3 |  20.5 |   0   |  6.5 |   6.0 |  7.3
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
August     |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     | 9.48   | 10.65 | 8.35 | 2.30 | 83.8   | 96  | 63  | 33   |  175.086  |   2   |  16   |   0   |  5   |   6   |  2
  1860     | 9.75   | 10.82 | 8.76 | 2.06 | 82.8   | 95  | 63  | 32   |   96.492  |   0   |  16   |   0   | 11   |   7   | 12
  1861     | 9.52   | 10.55 | 8.36 | 2.19 | 84.2   | 99  | 60  | 39   |  457.788  |   0   |  21   |   0   |  6   |   3   |  6
  1862     | 9.71   | 10.90 | 8.22 | 2.68 | 84.1   | 97  | 66  | 31   |  234.084  |   0   |  23   |   0   |  7   |   5   |  3
Durchschn. | 9.62   | 10.73 | 8.42 | 2.31 | 83.7   | 97  | 63  | 34   |  240.863  |   0.5 |  19.0 |   0   |  7.3 |   5.3 |  5.8
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
September  |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     | 9.64   | 10.64 | 8.37 | 2.27 | 85.1   | 94  | 63  | 31   |  125.621  |   0   |  26   |   0   |  9   |   1   |  0
  1860     | 9.58   | 10.90 | 7.61 | 3.29 | 83.5   | 95  | 54  | 41   |  257.136  |   0   |  25   |   0   | 13   |   1   |  4
  1861     | 9.75   | 10.96 | 8.79 | 2.18 | 87.1   | 99  | 65  | 34   |  198.516  |   0   |  25   |   0   | 12   |   6   |  5
  1862     | 9.69   | 10.66 | 8.88 | 1.78 | 85.8   | 97  | 58  | 39   |  153.288  |   1   |  19   |   0   |  5   |   4   |  4
Durchschn. | 9.67   | 10.79 | 8.41 | 2.38 | 85.4   | 96  | 60  | 36   |  183.640  |   0.3 |  23.8 |   0   |  9.8 |   3.0 |  3.3
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
October    |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     | 9.42   | 10.64 | 8.35 | 2.29 | 87.6   | 96  | 61  | 35   |  220.575  |   2   |  21   |   0   |  0   |   0   |  2
  1860     | 9.37   | 10.89 | 7.94 | 2.95 | 83.9   | 96  | 59  | 37   |   49.128  |   1   |  14   |   0   |  7   |   2   |  6
  1861     | 9.30   | 10.47 | 7.90 | 2.57 | 85.2   | 99  | 54  | 45   |   80.100  |   1   |  18   |   0   |  3   |   3   |  4
  1862     | --     |  --   | --   |  --  |  --    | --  | --  | --   |   --      |  --   |  --   |  --   | --   |  --   |  -
Durchschn. | 9.36   | 10.67 | 8.06 | 2.61 | 85.6   | 97  | 58  | 39   |  116.601  |   1.3 |  17.7 |   0   |  3.3 |   1.7 |  4.0
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
November   |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     | 9.03   | 10.53 | 6.78 | 3.75 | 83.7   | 98  | 49  | 49   |   80.674  |   0   |  17   |   0   |  1   |   1   |  0
  1860     | 8.27   |  9.93 | 6.11 | 3.82 | 79.5   | 93  | 42  | 51   |   18.408  |   2   |   7   |   0   |  1   |   0   |  1
  1861     | 8.17   | 10.42 | 6.29 | 4.13 | 78.7   | 96  | 50  | 46   |    7.500  |   0   |   6   |   0   |  0   |   2   |  5
  1862     | --     |  --   | --   | --   |  --    | --  | --  | --   |   --      |  --   |  --   |  --   | --   |  --   |  -
Durchschn. | 8.49   | 10.29 | 6.39 | 3.90 | 80.6   | 96  | 47  | 49   |   35.527  |   0.7 |  10.0 |   0   |  0.7 |   1.0 |  2.0
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
December   |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
  1859     |  8.26  | 9.71 | 6.08 | 3.63  |  81.9  | 94  | 59  | 35   |   50.837  |   3   |   9   |   0   |  0   |  1    |   0
  1860     |  7.82  | 9.56 | 5.98 | 3.58  |  78.1  | 94  | 48  | 46   |   19.812  |   4   |   6   |   0   |  0   |  0    |   0
  1861     |  7.48  | 9.92 | 5.81 | 4.11  |  76.7  | 96  | 43  | 53   |    9.408  |   1   |   7   |   0   |  0   |  0    |   0
  1862     |  --    | --   | --   | --    |   --   | --  | --  | --   |    --     |  --   |  --   |  --   | --   | --    |  --
Durchschn. |  7.85  | 9.73 | 5.96 | 3.77  |  78.9  | 95  | 50  | 45   |   26.686  |   2.7 |   7.3 |   0   |  0   |  0.3  |   0


Für die Durchschnittwerthe der ganzen Beobachtungsreihe ergiebt sich
hieraus die folgende Uebersicht:


VIII. Mittelwerthe der Luftfeuchtigkeit, des Niederschlages, der Regen-
und Gewittertage zu Sta. Ana.

           | Dunstspannung.               | Relative Feuchtigkeit.      Nieder-   | Anzahl der Tage mit   | Gewitter     | Wetter-
           | Mittel | Max   | Min  | Diff | Mittel | Max | Min | Diff | schlag    | Nebel | Regen | Hagel | nah  | entf. | leuchten.
           |        |       |      |      |        |     |     |      | '''paris. |       |       |       |      |       |
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
Januar     |  7.66  |  9.38 | 6.05 | 3.33 |  77.6  | 95  | 46  | 49   |   14.126  |  2.3  |   6.7 |       |  0   |  0    |  0.3
Februar    |  7.98  |  9.57 | 6.03 | 3.54 |  76.6  | 95  | 46  | 49   |   32.812  |  2.8  |   7.3 |       |  0.5 |  0    |  0.3
März       |  7.71  |  9.69 | 6.09 | 3.60 |  72.4  | 93  | 36  | 57   |    7.311  |  4.5  |   4.0 |       |  0.5 |  1.3  |  3.3
April      |  8.33  | 10.19 | 6.83 | 3.36 |  70.7  | 96  | 44  | 52   |   21.776  |  0.8  |   4.3 |       |  2.3 |  2.3  |  7.0
Mai        |  8.68  | 10.73 | 6.01 | 4.72 |  71.2  | 98  | 34  | 64   |   43.974  |  0    |   7.0 |       |  4.3 |  4.0  |  7.3
Juni       |  9.35  | 10.68 | 8.09 | 2.59 |  78.6  | 95  | 47  | 48   |  104.764  |  0.5  |  15.5 |       |  6.0 |  4.8  |  8.3
Juli       |  9.50  | 10.72 | 8.32 | 2.40 |  82.9  | 97  | 56  | 41   |  146.516  |  0.3  |  20.5 |       |  6.5 |  6.0  |  7.3
August     |  9.62  | 10.73 | 8.42 | 2.31 |  83.7  | 97  | 63  | 34   |  240.863  |  0.5  |  19.0 |       |  7.3 |  5.3  |  5.8
September  |  9.67  | 10.79 | 8.41 | 2.38 |  85.4  | 96  | 60  | 36   |  183.640  |  0.3  |  23.8 |       |  9.8 |  3.0  |  3.3
October    |  9.36  | 10.67 | 8.06 | 2.61 |  85.6  | 97  | 58  | 39   |  116.601  |  1.3  |  17.7 |       |  3.3 |  1.7  |  4.0
November   |  8.49  | 10.29 | 6.39 | 3.90 |  80.6  | 96  | 47  | 49   |   35.527  |  0.7  |  10.0 |       |  0.7 |  1.0  |  2.0
December   |  7.85  |  9.73 | 5.96 | 3.77 |  78.9  | 95  | 50  | 45   |   26.686  |  2.7  |   7.3 |       |  0   |  0.3  |  0
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
Jahr       |  8.68  |       |      |      |  78.7  |     |     |      |  974.596  | 17    | 143   |       | 41   | 30    | 49
           |        |       |      |      |        |     |     |      |   8''216  |       |       |       |      |       |
           |        |       |      |      |        |     |     |      |           |       |       |       |      |       |
Winter     |  7.83  |       |      |      |  77.7  |     |     |      | 73'''.624 |  8    |  21.3 |       |  0.5 |  0.3  |  0.6
Frühling   |  8.24  |       |      |      |  71.4  |     |     |      |   73.051  |  5.3  |  15.3 |       |  7.1 |  7.6  | 17.6
Sommer     |  9.49  |       |      |      |  81.7  |     |     |      |  492.143  |  1.3  |  55   |       | 19.8 |  16.1 | 21.4
Herbst     |  9.17  |       |      |      |  83.9  |     |     |      |  334.768  |  2.3  |  51.5 |       | 13.8 |  5.7  |  9.3


Zur Charakteristik des Klima's sind die vorstehenden Tafeln sehr
bezeichnend. Die hohe Dunstspannung ist wegen der Gleichmässigkeit der
Temperatur keinen bedeutenden Schwankungen im Jahre unterworfen. Die
Jahreszeit der höchsten Dunstspannung ist der Sommer, aber das absolute
Maximum fällt noch für ein Jahr in den September, wie überhaupt der
Herbst dem Sommer in der Grösse der Dunstspannung zunächst. Wieder
müsste man, um die Extreme der Jahreszeiten vollständig zu zeigen,
im Zusammenhang mit den Windrichtungen die Zeiten Mai bis October
und November bis April einander gegenüber stellen (9''',36 :
8''',00).

Wie nahe die Luft das ganze Jahr hindurch dem Sättigungspunkte kommt,
ergibt sich aus der Tabelle, in welcher das Maximum der relativen
Feuchtigkeit in jedem Monate zwischen 90 und 100% erreicht. Der
Niederschlag, der zwar in keinem Monate ganz fehlt, zeigt doch
in dem einen halben Jahre die herrschende SW.-Strömung der Luft,
in den massenhaften Niederschlägen und den damit verbundenen
elektrischen Erscheinungen an. Im Mai, in dem schon der SW. herrscht,
sind die Niederschläge noch nicht gross, weil in diesem Monat
das Maximum der Temperatur liegt und daher die Dampfcapacität
noch wächst. Den stärksten Niederschlag liefert der August, den
schwächsten der März. Sehr schön ist das allmälige Nähern des
SW. und dann wieder das Einfallen des NO. durch die elektrischen
Erscheinungen ausgesprochen. Zuerst nur Wetterleuchten; dies nimmt zu,
entfernte Gewitter treten ein, die immer näher rücken, bis sie an den
Beobachtungsort rücken und ihr Maximum im September erreichen. Der im
October eindringende Nordstrom vermindert plötzlich die elektrischen
Phänomene.



D. Wind (Richtung, Stärke, Häufigkeit), Himmelsansicht.


Ein besonders interessantes Element der vorliegenden Beobachtungen
bilden die Winde, nicht allein, weil sie, worauf schon in den
vorhergehenden Bemerkungen einige Male hingewiesen wurde, die
klimatischen Eigenthümlichkeiten Manila's erklären, sondern besonders
desswegen, weil die Philippinen auf einem Grenzgebiete liegen und die
Frage ist, ob sie immer in das Gebiet der SW.- und NO.-Monsune fallen
oder zuweilen im Winter mehr oder weniger andauernd in einem nördlichen
Polarstrome liegen, der sich unmittelbar dem NO.-Passat des stillen
Oceans anschliesst. Die Windrichtungen auf den Philippinen müssen sich
im Laufe des Jahres nach der veränderten Lage der Kalmenzone verändern
und diese Veränderung der Lage der Kalmen von ihrer südlichsten Lage
im Winter innerhalb Neuholland bis zu ihrer nördlichsten etwa mit dem
Wüstengürtel Asiens zusammenfallenden, scheint in den verschiedenen
Jahren in ungleicher Weise vor sich zu gehen.

So regelmässig nämlich im Durchschnitt aller vorliegenden
Beobachtungsjahre sich die Windrichtung auf den Philippinen in der
einen Hälfte des Jahres als NO., in der andern als SW. also als Monsun
ergibt, so abweichend gestalten sich die Bewegungen doch in einzelnen
Monaten der verschiedenen Jahre, weisen also auf Störungen hin,
welche in der beeinflussenden Ursache der Winde auf den Philippinen,
in der Lage der Kalmen und der Richtung der Passate temporär eintreten.

Ich stelle in den folgenden Tafeln die notirten Winde und Windstillen
sowie die hiernach berechneten Windrichtungen zusammen und füge die
Notizen über die Himmelsansicht hinzu.


IX. Wind und Himmelsansicht zu Sta. Ana 1859-62.

          | Mittlere     | Wind  | Wind-  | Tage m. Himmelsansicht       | Mittelgrad
          | Windrichtung | über- | stille | ganz    | theilweis | völlig | der
          |              | haupt |        | bedeckt | bewölkt   | heiter | Heiterkeit.
          |              |       |        |         |           |        |
Januar    |              |       |        |         |           |        |
  1859    |       --     |  --   |   --   |   --    |    --     | --     |  --
  1860    |   N 39°57'O  |  31   |   62   |    2    |    29     | 0      |  1.8
  1861    |   N 39 28 O  |  35   |   58   |    1    |    30     | 0      |  2.3
  1862    |   N 25 34 O  |  26   |   67   |    0    |    31     | 0      |  1.8
  Mittel  |   N 36 51 O  |  31   |   62   |    1    |    30     | 0      |  2.0 ziemlich heiter.
          |              |       |        |         |           |        |
Februar   |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   N  7  8 O  |   9   |   75   |    0    |    28     | 0      |  2.7
  1860    |   S 45  0 w  |  27   |   60   |    1    |    27     | 1      |  2.1
  1861    |   N 57 26 O  |  30   |   54   |    1    |    27     | 0      |  1.7
  1862    |   N 39 47 w  |  26   |   58   |    4    |    24     | 0      |  1.2
  Mittel  |   N  3 17 O  |  23   |   61   |    1.5  |    26.5   | 0.3    |  1.9 z. heit. (-- wolkig)
          |              |       |        |         |           |        |
März      |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   N  0  0 O  |  13   |   80   |    0    |    31     | 0      |  2.4
  1860    |   N 45  0 O  |  30   |   63   |    0    |    31     | 0      |  2.4
  1861    |   S 83 13 O  |  28   |   65   |    1    |    30     | 0      |  1.7
  1862    |   N 90  0 O  |  26   |   67   |    0    |    31     | 0      |  1.8
  Mittel  |   N 38 25 O  |  24   |   69   |    0.3  |    30.7   | 0      |  2.1 z. heit. (heiter)
          |              |       |        |         |           |        |
April     |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   S 77 34 O  |  21   |   69   |    0    |    30     | 0      |  2.4
  1860    |   N 46 58 O  |  25   |   65   |    0    |    30     | 0      |  2.7
  1861    |   S 48 50 O  |  35   |   55   |    0    |    30     | 0      |  2.0
  1862    |   S 45  0 O  |  24   |   66   |    0    |    30     | 0      |  2.4
  Mittel  |   S 74 51 O  |  26   |   64   |    0    |    30     | 0      |  2.4 z. heit. (-- heiter)
          |              |       |        |         |           |        |
Mai       |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   N 45  0 W  |  19   |   74   |    3    |    28     | 0      |  1.7
  1860    |   S 72 52 O  |  42   |   51   |    3    |    29     | 0      |  1.9
  1861    |       --     |  --   |   --   |   --    |    --     | --     |  --
  1862    |   S  9 10 W  |  33   |   60   |    0    |    31     | 0      |  2.1
  Mittel  |   S 22 54 W  |  31   |   62   |    2.0  |    29.0   | 0      |  1.9 z. heit. (-- wolkig)
          |              |       |        |         |           |        |
Juni      |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   N 76 25 W  |  14   |   76   |    2    |    28     | 0      |  1.8
  1860    |   N 33  2 W  |  40   |   50   |    4    |    26     | 0      |  1.2
  1861    |   N 33 29 O  |  24   |   66   |    7    |    23     | 0      |  0.7
  1862    |   N 40 29 W  |  29   |   61   |    1    |    29     | 0      |  1.4
  Mittel  |   N 37 46 W  |  27   |   63   |    3.5  |    26.5   | 0      |  1.3 wolkig (-- z. heit.)
          |              |       |        |         |           |        |
Juli      |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   S 52 44 W  |  17   |   76   |    9    |    22     | 0      |  0.9
  1860    |   S 22 44 O  |  33   |   60   |    3    |    28     | 0      |  1.3
  1861    |   S 18 14 O  |  27   |   66   |    1    |    30     | 0      |  1.2
  1862    |   S 45  0 O  |  18   |   75   |    8    |    23     | 0      |  0.6
  Mittel  |   S 35 23 O  |  24   |   69   |    5.3  |    25.7   | 0      |  1.0 wolkig.
          |              |       |        |         |           |        |
August    |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   S 66°55'W  |  32   |   61   |    4    |    27     | 0      |  1.8
  1860    |   S 45  0 W  |  37   |   56   |    7    |    24     | 0      |  1.6
  1861    |   S 43 52 W  |  36   |   57   |    7    |    24     | 0      |  1.1
  1862    |   S 46  6 W  |  37   |   56   |    9    |    22     | 0      |  1.0
  Mittel  |   S 49  0 W  |  36   |   57   |    6.7  |    24.3   | 0      |  1.4 wolkig (-- z. heit.)
          |              |       |        |         |           |        |
September |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   S  7 53 W  |  31   |   59   |    2    |    28     | 0      |  1.7
  1860    |   S 42 14 W  |  22   |   68   |    5    |    25     | 0      |  1.2
  1861    |   S 45  0 W  |  25   |   65   |    5    |    25     | 0      |  0.6
  1862    |   S 50 36 W  |  15   |   75   |    4    |    26     | 0      |  1.0
  Mittel  |   S 37 46 W  |  23   |   67   |    4    |    26     | 0      |  1.1 wolkig (-- z. heit.)
          |              |       |        |         |           |        |
October   |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   N 83 59 O  |  36   |   57   |    6    |    25     | 0      |  1.1
  1860    |   S 69 53 O  |  23   |   70   |    0    |    31     | 0      |  1.8
  1861    |   N 53 52 O  |  32   |   61   |    5    |    26     | 0      |  1.1
  1862    |       --     |  --   |   --   |   --    |    --     | --     |  --
  Mittel  |   N 89 10 O  |  30   |   63   |    3.7  |    27.3   | 0      |  1.3 wolkig (-- z. heit.)
          |              |       |        |         |           |        |
November  |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   S 54  4 W  |  26   |   64   |    2    |    28     | 0      |  1.7
  1860    |   N 71 15 O  |  31   |   59   |    0    |    30     | 0      |  2.1
  1861    |   N  5 31 W  |  26   |   64   |    0    |    30     | 0      |  2.1
  1862    |       --     |  --   |   --   |   --    |    --     | --     |  --
  Mittel  |   N 12 22 O  |  28   |   62   |    0.7  |    29.3   | 0      |  2.0 ziemlich heiter.
          |              |       |        |         |           |        |
December  |              |       |        |         |           |        |
  1859    |   N 45  0 O  |  23   |   70   |    3    |    28     | 0      |  1.6
  1860    |   N 45  0 O  |  19   |   74   |    5    |    26     | 0      |  2.0
  1861    |   N 61  1 O  |  22   |   71   |    0    |    31     | 0      |  2.2
  1862    |       --     |  --   |   --   |   --    |    --     | --     |  --
  Mittel  |   N 45 38 O  |  21   |   72   |    2.7  |    28.3   | 0      |  1.9 z. heit. (-- wolkig)


X. Durchschnittliche Windesrichtung und Himmelsansicht im Verlaufe
des Jahres zu Sta. Ana.

          |                 Zahl der Winde in Procenten.                  | Windrichtung | Wind | Wind- |       Tage         | Grad der
          | N     | O     | S     | W     | NO    | SO    | NW    | SW    |              |      | still | bedeckt | gemischt | Helligkeit
          |       |       |       |       |       |       |       |       |              |      |       |         |          |
Januar    |  3.8  | 11.5  |  2.1  |  1.0  | 51.2  |  0    | 11.5  | 18.8  | N 36° 51' O  |  31  |   62  |    1    |   30.0   |    2.0
Februar   | 22.2  |  8.9  |  0    |  6.6  | 29.1  |  1.9  | 11.5  | 19.7  |    3  17     |  23  |   61  |    1.5  |   26.5   |    1.9
März      | 25.0  |  8.5  |  0    |  4.8  | 38.6  | 12.9  |  3.9  |  6.3  |   38  25     |  24  |   69  |    0.3  |   30.7   |    2.1
April     |  1.4  | 24.2  |  0    |  3.9  | 23.4  | 42.9  |  0    |  4.2  | S 74  51 O   |  26  |   64  |    0    |   30.0   |    2.4
Mai       |  0    | 13.7  |  0    |  1.8  |  7.9  | 20.2  | 26.3  | 30.1  | S 22  54 W   |  31  |   62  |    2.0  |   29.0   |    1.9
Juni      |  0    |  5.2  |  0    |  3.9  |  0    | 20.4  | 14.3  | 56.2  |   37  46     |  27  |   63  |    3.5  |   26.5   |    1.3
Juli      |  0    |  5.0  |  0.7  |  6.7  |  3.9  | 12.4  |  0    | 71.2  |   35  23     |  24  |   69  |    5.3  |   25.7   |    1.0
August    |  0    |  0    |  0.7  |  8.5  |  3.1  |  0    |  0.8  | 86.9  |   49  0      |  36  |   57  |    6.7  |   24.3   |    1.4
September |  0    |  0    | 17.8  |  3.3  |  1.6  |  1.1  |  0    | 76.2  |   37  46     |  23  |   67  |    4    |   26.0   |    1.1
October   |  0    | 30.9  |  0    |  1.9  | 28.7  |  9.8  |  5.9  | 23.2  | N 87  50 O   |  30  |   63  |    3.7  |   27.3   |    1.3
November  |  0    | 11.8  |  0    |  2.5  | 39.4  |  0    | 17.9  | 28.3  |   12  22     |  28  |   62  |    0.7  |   29.3   |    2.0
December  |  0    |  6.1  |  0    |  0    | 77.4  |  4.5  |  1.5  | 10.5  |   45  38     |  21  |   72  |    2.7  |   28.3   |    1.9
          |       |       |       |       |       |       |       |       |              |      |       |         |          |
Jahr      |  4.37 | 10.48 |  1.78 |  3.74 | 25.36 | 10.50 |  7.80 | 35.97 | S 10  53 O   | 324  |  771  |   31.4  |  333.6   |    1.7
          |       |       |       |       |       |       |       |       |              |      |       |         |          |
Winter    |  8.67 | 8.83  |  0.70 |  2.53 | 52.57 |  2.13 |  8.17 | 16.33 | N 35  21 O   |  75  |  195  |    5.2  |   84.8   |    1.9
Frühling  |  8.33 | 15.47 |  0    |  3.50 | 23.30 | 25.30 | 10.07 | 13.53 |   79  32     |  81  |  195  |    2.3  |   89.7   |    2.1
Sommer    |  0    |  3.40 |  0.47 |  6.27 | 2.33  | 10.93 |  5.03 | 71.43 | S 41  11 W   |  87  |  189  |   15.5  |   76.5   |    1.2
Herbst    |  0    | 10.30 |  5.93 |  2.57 | 23.33 |  3.97 |  7.93 | 42.57 |    16  7     |  81  |  192  |    8.4  |   82.6   |    1.5


XI. Durchschnittliche Windrichtungen in den Quartalen der einzelnen
Jahre und im Mittelwerthe aller Jahre.

         |    1859     |   1860    |   1861    |   1862    |  Mittel.
         |             |           |           |           |
Winter   | (N 37 55 O) | N 48 26 O | N 48 16 O | N 22 57 O | N 35 21 O
Frühling |  N 34 44 O  | N 56 22 O | S 53 31 O | S 24 13 O | N 79 32 O
Sommer   |  S 71  2 W  | S 34 53 W | S 22 27 W | S 44 13 W | S 41 11 W
Herbst   |  S  2  4 O  | S 44 55 O | N 63 13 W | S 29 58 W | S 16  7 W
         |             |           |           |           |
Jahr     |  S 77 34 W  | S 38 16 O | S 27 28 O | S 23 48 W | S 10 53 O


Zunächst zeigt nun die Tafel XI, dass nur der Winter in allen Jahren
regelmässig NO., der Sommer regelmässig SW. hat, dagegen im Frühling
und Herbst Abweichungen in den verschiedenen Jahren eintreten, wenn
auch der Durchschnittswerth für jenen wieder auf NO., für diesen auf
SW. führt.

Es deutet dies auf eine in den verschiedenen Jahren sehr ungleiche
Einwirkung der continentalen Masse Asiens nach der Zeit der
Sonnenwenden, die sich, wie Tab. IX zeigt, zunächst im April geltend
macht, welcher fast regelmässig SO. bringt, dann aber in ungleicher
Weise im Mai hervortritt. Die Monate October bis März entsprechen,
obwohl SO.-, SW.- und NW.-Winde in ihnen nicht fehlen, wie Tab. X
zeigt, doch sehr vollständig in allen Jahren dem Verhalten der
Windbewegungen in der innern Region der Monsuns. Der April macht eine
völlig regelmässige Ausnahme von dem SW.-Monsun der innern Region
durch seine sehr constanten O.-, SO.- und NO.-Winde. Im Mai ist die
Windrichtung am unregelmässigsten.

In der Intensität, soweit sich diese in dem Verhältniss der Zahl der
Winde zur Zahl der Windstillen (bei den täglich 3 Mal angestellten
Beobachtungen) ausspricht, zeigen die Monate keine erheblichen
Verschiedenheiten, December ist der stillste, August der bewegteste
Monat. In den August und den Juli fallen die beiden einzigen Stürme
(1859), die innerhalb der fast vierjährigen Beobachtungsreihe notirt
sind.

Charakteristisch für das Klima ist die das ganze Jahr hindurch
stattfindende theilweise Bewölkung des Himmels. Nur ein einziger
wolkenfreier Tag (im Februar 1860) ist notirt. Dagegen ist freilich
auch die Zahl der Tage mit völlig bedecktem Himmel nicht gross, zumal
wenn man die Häufigkeit und Heftigkeit der Sommer- und Herbst-Regen
berücksichtigt. Wird völlig heiterer Himmel mit der Zahl 4, völlig
bedeckter mit 0 bezeichnet, 3/4 bewölkt mit 1, 1/2 bewölkt mit 2, 1/4
bewölkt mit 3, so scheint nach den Notirungen die durchschnittliche
Himmelsansicht mehr als zur Hälfte bewölkt zu sein.

Die von andern Punkten in der Nähe Manila's vorliegenden kürzern
Beobachtungen ergeben kein wesentlich verschiedenes Resultat von denen
zu Sta. Ana angestellten, wesshalb ich dieselben nicht mittheile. Zwei
und ein halber Monat (Januar--15. März 1863) zu St. Miguel zeigen zwar
eine etwas höhere Temperatur, die aber kaum über die in einzelnen
Jahren auch zu Sta. Ana vorkommenden Abweichungen vom Mittelwerthe
hinausgehen. Dieser Punkt auf Luzon wird daher etwa die klimatischen
Verhältnisse mit Sta. Ana gemein haben.

Beobachtungen von der Insel Bohol zwischen Luzon und Mindanao vom
October 1863 bis Februar 1865 führen zwar gleichfalls zu demselben
Werthe der Jahreswärme (20.8) und der mittleren Dunstspannung
(8.9) wie zu Sta. Ana. Die Vertheilung der Wärme im Jahre ist
aber sehr abweichend, 1864 zeigt sich zu Bohol der Juni etwas
wärmer als der Mai und der Februar als der kälteste Monat, ferner
geht die NO.-Richtung des Windes bis in den Juni hinein. Da keine
gleichzeitigen Beobachtungen von Sta. Ana vorhanden sind, so lässt
sich nicht ermitteln, was aber nicht wahrscheinlich ist, ob dieselben
Monatsabweichungen dort vorkamen. Ich lege daher die Berechnung der
leider nicht vollständigen Beobachtungen von Bohol in der folgenden
Tafel vor, aus denen wegen der so abweichenden Windrichtung und
Wärmevertheilung man schliessen möchte, dass an Bohol die Region der
NO.-Passate bis zum Juni heranreicht und dann erst der SW.-Musson
sich weiter ostwärts verbreitend durchdringt.


XII. Beobachtungsresultate von Bohol.

                |             Temperatur.           | Dunst-    | Relative  | Niederschlag | Windrichtung
                | Mittel. | Maximum.   | Minimum.   | spannung. | Feuchtig- |              |
                |         | Tag | t    | Tag | t    |           | keit.     |              |
                |         |     |      |     |      |           |           |              |
1863            |         |     |      |     |      |           |           |              |
October         |  20.13  | 10  | 25.2 |  9  | 18.6 |  9.01     |   80.4    |    149.19    |  N 13° 3' W
November 2-16   |  20.64  |  2  | 24.2 |  1  | 18.7 |  9.25     |   84.8    |     44.53    |  N 24 15 O
December 12-31  |  20.09  | 12  | 24.2 | 13  | 15.8 |  9.11     |   81.5    |    103.25    |  N 37 27 O
                |         |     |      |     |      |           |           |              |
1864            |         |     |      |     |      |           |           |              |
Januar          |  20.07  |  2  | 24.5 | 12  | 16.9 |  8.47     |   80.4    |     26.291   |  N 20 37 O
Februar         |  19.61  |  9  | 24.1 |  1  | 14.4 |  8.07     |   80.2    |     79.548   |  N  1 59 W
März            |  20.10  |  5  | 22.3 |  3  | 16.1 |  8.24     |   78.0    |     19.648   |  N  9 26 O
April           |  21.03  |  8  | 25.0 |  4  | 16.2 |  8.69     |   77.6    |     22.238   |  N 36 41 O
Mai             |  21.36  | 16  | 25.4 |  7  | 17.3 |  8.86     |   77.6    |      8.614   |  N 62 54 O
Juni            |  21.58  |  6  | 25.9 | 19  | 17.4 |  9.32     |   80.4    |     26.178   |  N 53  8 O
Juli            |  21.05  | 31  | 26.5 | 15  | 17.6 |  9.08     |   81.0    |     41.716   |  S 41 11 W
August          |  20.85  |  1  | 26.2 |  1  | 17.7 |  9.21     |   83.8    |    131.793   |  S 38 34 W
September       |  21.44  |  8  | 27.2 | 21  | 18.1 |  9.39     |   79.4    |     28.486   |  S 43 12 W
October         |  20.94  | 16  | 25.4 | 30  | 17.4 |  9.24     |   84.6    |     62.828   |  S  4 22 W
November        |  20.90  |  3  | 25.8 | 22  | 17.2 |  9.14     |   80.9    |     32.202   |  N  1  0 W
December (1-14) |  20.70  |  3  | 23.2 | 28  | 15.8 |  9.08     |   84.3    |     44.362   |  N 24  0 O
                |         |     |      |     |      |           |           |              |
Mittel          |  20.80  |     | 25.1 |     | 16.8 |  8.90     |   80.7    |     523.90   |
                |         |     |      |     |      |           |           |              |
1865            |         |     |      |     |      |           |           |              |
Januar          |         | 27  | 24.8 | 27  | 16.8 |           |           |     135.96   |
Februar         |         |  1  | 23.5 | 27  | 15.7 |           |           |      16.05   |


Von den sonst vorliegenden Beobachtungen, namentlich den zahlreichen
Notizen auf Reisen nach verschiedenen Punkten Luzon's eignen sich
keine, mit Ausnahme der zu Benguet angestellten, zur Bestimmung fester
Werthe, wenn dieselben auch ihr Interesse im Zusammenhange mit andern
naturhistorischen Beobachtungen haben. Dagegen ist die spanische
Beobachtungsreihe zu Benguet, welche durch Notizen des Reisejournals
des Hrn. Dr. _Semper_ fast auf ein volles Jahr ergänzt wird, um so
mehr von Interesse, als hierdurch die Temperatur eines nördlich und
hoch gelegenen Punktes (nach dem Journal 3868' über Meeresspiegel)
mit ziemlicher Sicherheit festgestellt werden kann.

Die Benguetbeobachtungen umfassen mit Einschluss des Journals die
Zeit vom Juli 1861 bis Mai 1862, sind also mit den gleichzeitigen
von Sta. Ana zu vergleichen und nach den für diesen Ort mit grösserer
Sicherheit bestimmten Mittelwerthen zu verbessern.

Die Beobachtungszeiten waren 7, 2, 9, gaben also im Verhältniss der
6, 2, 10 Beobachtungen zu hohe Werthe der Wärme. Die Grösse der bei
den Temperaturen anzubringenden Correktion wird vermuthlich für die
verschiedenen Monate etwas variiren. In Ermanglung eines bestimmten
Anhaltes hierfür nehme ich indessen die Correktion an (-0,52), welche
Dr. Semper aus einer einen Monat lang durchgeführten Reihe stündlicher
Beobachtungen zu Sta. Ana (Juni 1859) evaluirt hat.

Es sind von Benguet nur die in der nachstehenden Tabelle aufgeführten
Resultate der Temperaturbeobachtungen zu brauchen und die Mittelwerthe
sind bereits mit der erwähnten Correktion zur Vergleichung mit
Sta. Ana versehen.


        | a            | b             | b - a  | Durchschnitts | Corregirter
        | Mittel-      | Gleichzeitige |        | Werth zu      | Werth von
        | temperaturen | Mittelwerthe  |        | Sta. Ana.     | Benguet.
        | zu Benguet.  | zu Sta. Ana.  |        |               |
        |              |               |        |               |
1862    |              |               |        |               |
Januar  |    13.09     |     19.19     |  6.10  |    19.30      | 13.20
Februar |    13.87     |     19.60     |  5.73  |    19.95      | 14.22
März    |    14.12     |     20.46     |  6.34  |    20.67      | 14.33
April   |    15.17     |     22.00     |  6.83  |    21.65      | 14.87
Mai     |    14.98     |     22.75     |  7.77  |    22.43      | 14.66
Juni    |    --        |    --         | (6.28) |    21.98      |  (15.70)
        |              |               |        |               |
1861    |              |               |        |               |
Juli    |    14.80     |     21.59     |  6.79  |    21.47      | 14.68
August  |    14.90     |     21.18     |  6.28  |    21.50      | 15.22
Septbr. |    14.94     |     20.05     |  6.11  |    21.18      | 15.07
October |    15.50     |     20.67     |  5.17  |    20.79      | 15.62
Novbr.  |    14.70     |     20.10     |  6.40  |    20.22      | 13.82
Decbr.  |    13.76     |     19.35     |  5.59  |    19.48      | 13.89
        |              |               |        |               |
        |              |               |        |    20.885     | 14.607


Das Jahresmittel würde sich hiernach zu Benguet auf 14°,6 stellen
und dies einer Abnahme der Wärme um 1° auf je circa 600 Fuss Erhebung
über dem Meere entsprechen.

                                                          G. Karsten.


_Anmerkung 2._ Ich theile hier die Beobachtung der Regenmenge der
einzelnen Monate mit, behufs der Vergleichung mit den übrigen Orten:

Januar 46,08; Februar 6,59; März 5,02; April 13,31; Mai 6,80;
Juni 4,27; Juli 4,66; August 13,10; September 6,42; October 7,23;
November 12,41; December 10,20 Zoll. Die Beobachtungen wurden mit
einem meiner Regenmesser angestellt, welchen ich dem liebenswürdigen
Priester gab. Hoffentlich wird ein günstiges Geschick ihn aus
jener Waldeinsamkeit herausgerissen und in ein civilisirteres Leben
zurückversetzt haben, wo ihn vielleicht der Ausdruck meines Dankes
für die freundliche Unterstützung erreichen mag. Linao liegt nach
meinen Sternbeobachtungen auf 8° 5' N. Br. und nach Peilungen 5° 5'
östlich von Manila.


_Anmerkung 3._ Der Kanehl von Mindanao hat in den ersten Zeiten
der Eroberung durch die Spanier eine ziemlich bedeutende Rolle
gespielt. Wie ja überhaupt die ersten Expeditionen von Magellan an
darauf ausgingen, die Gewürzinseln für die Krone Spanien zu erobern,
und damit auch derselben den wichtigen Handel mit den Gewürzen als
eine Quelle grosser Bereicherung zuzuführen, so zeigt sich auch
noch in der Geschichte der Eroberung durch Legaspi, dass hier die
Hoffnung auf gewinnbringenden Handel mit Gewürzen nicht aufgegeben
war. Allerdings war die Expedition zunächst für den Zweck der Eroberung
und Einführung des Christentums ausgerüstet. Aber wohin er auch im
Laufe der Expedition kommt, so sucht er doch immer zugleich auch noch
Kanehl für Rechnung des Königs. Nach Butuan wurden von ihm mehrfach
Expeditionen ausgeschickt von Cebú aus, mit der ausgesprochenen
Absicht, dort Kanehl zu laden. Matheo del Sanz wird von ihm (Gaspar
de S. Agustin, Couquistas etc.p. 187-188) an die Westküste Mindanao's
geschickt, ebenfalls um dort Kanehl zu holen; aber es kommt dabei fast
zum Ausbruch einer Meuterei, da die Soldaten, gierig auf den leichten
und sicheren Gewinn, den Handel für sich haben wollen. Die Rebellion
wird aber noch glücklich unterdrückt; und Juan de Morones bringt,
nach Matheo del Sanz Tode, "cien quintales de canela", reichlich
9200 Pf. Kanehl nach Cebú. Am 1. Juni 1568 wurde die Nao Capitana
nach Acapulco gesandt mit 400 Quintales Kanehl (beinahe 37,000 Pf.),
von denen 150 dem Könige, die übrigen den Passagieren gehörten.


_Anmerkung 4._ Es sind Cagayan und Isabela fast die einzigen Provinzen,
in welchen der Taback in so allgemeiner Weise und enormer Menge
gebaut wird, dass dadurch den Bewohnern die Möglichkeit vollständig
genommen wird, auch noch Reis, Baumwolle, Café, Zuckerrohr oder Abaca
zu bauen. Wie der Handel mit dem Taback Monopol der Regierung ist, so
hängt auch das Bauen des Taback's nicht von dem Willen des Einzelnen
ab; vielmehr werden die Bewohner der sogenannten Tabacksdörfer--nicht
alle Ortschaften werden in diese Kategorie gestellt--gezwungen,
alljährlich eine bestimmte Anzahl Pflanzen per Kopf oder Tributo
d. h. per Familie zu cultiviren. Je höher der Alcalde der Provinz das
Minimum der zu bauenden Tabackspflanzen zu treiben versteht, um so mehr
insinuirt er sich natürlich bei der Regierung, für welche der Verkauf
des Tabacks fast die wichtigste Einnahmequelle ist. In allerneuester
Zeit nun scheint, ich weiss nicht, ob in Folge einer solchen vom
Alcalden geübten Beeinflussung, die Tabackserndte eine nie geahnte Höhe
erreicht zu haben; denn es schrieb mir 1868 ein Freund aus Manila, dass
"die diesjährige Erndte bei weitem die grösste aller Erndten überhaupt
zu werden verspräche, so dass die Regierung im Stande sein würde,
die Schuld für die Nichtbezahlung der Erndten von 1863 an--in Folge
des Erdbebens--nun gänzlich abzutragen". Aus dem im Texte Gesagten
wird ersichtlich sein, dass die Tabackspflanze sehr viel Sorgfalt
und Pflege erfordert; und da sie dies gerade am Meisten in den ersten
Monaten verlangt, wenn sie noch keine bedeutende Höhe erreicht hat,
so ist klar, dass der Arbeiter dabei immer und ganze Tage lang in sehr
tief gebeugter Stellung stehen muss. Der auch in den statistischen
Zahlen sich aussprechende schlechte Gesundheitszustand wird in der
Provinz allgemein auf diese gebückte Stellung bei der Arbeit, als auf
die vornehmste Ursache, zurückgeführt, ganz besonders aber auch die
zahlreichen Fehlgeburten oder Todtgeburten, wozu sonst die Bewohner
der übrigen Provinzen gar keine Neigung zeigen. Selbst in ungesunden
Provinzen ist die Zahl der Geburten doch eine ziemlich hohe, und es
wird in diesen die rasche Vermehrung der Einwohnerzahl vielmehr durch
leichtes Sterben der Kinder in den ersten Lebensjahren verhindert. Im
Durchschnitt ist etwa die Bevölkerungszahl der tabackbauenden Dörfer
16,000 Familien (Tributos) mit 64,000 Einwohnern, so dass bei einer
Durchschnittssumme von etwa 750,000 Gulden, welche den Bewohnern
für den Taback von der Regierung in baarem Gelde ausbezahlt wurde
(1854-59), etwa 11 1/2 Gulden auf den Kopf oder 46 Gulden auf die
Familie kommen.


_Anmerkung 5._ Es liegt hierin und in dem etwas weiter oben angewandten
Worte der Periodicität der Lebenserscheinungen nur scheinbar ein
Widerspruch. Wohl hält jedes _Individuum_ bestimmte Perioden seiner
Lebenserscheinungen inne; aber doch bindet sich die Gesammtsumme
aller Individuen nicht durchaus an dieselben Jahreszeiten, wenn nicht
in den scharfen Gegensätzen des Klima's oder in direkt bestimmenden
Einflüssen der Menschen--oder andrer Thier- und Pflanzen-Arten--die
Schranke auch hierfür gegeben ist. So würden Reis und Taback und andere
Culturpflanzen in allen Monaten wachsen und reifen können; aber der
Mensch zwingt beide in eine Periode hinein, welche ihm bei möglichst
geringer Arbeit die möglichst grosse Erndte verspricht. Ebenso ist
es bei den Insecten. Auch bei ihnen hat die Natur die Entwickelung
an bestimmte Wärme- und Feuchtigkeits-Grade geknüpft, welche in
den Tropen zu jeder Zeit gegeben zu sein scheinen; und daher sieht
man denn auch auf den Philippinen die Mehrzahl derselben in allen
Monaten so ziemlich in der gleichen Specieszahl, aber in verschiedener
Individuenzahl auftreten. Der Eintritt der Regenmonate bringt hier
eine auffallende Steigerung der Insectenmenge hervor. Es scheint
dieses in der sehr verkürzten Lebensperiode zu liegen, welche hier
den Insekten eigen ist und in einem Jahre zahlreiche Generationen
hervorzubringen vermag. Selbst die grössten Schwärmer (Sphinx)
und andere Nachtschmetterlinge welche bei uns oft eine mehrjährige
Puppenruhe aufweisen, leben als _Puppe_ nie länger, als 18-25 Tage. Der
ganze Lebenscyclus des Papilio Pammon L. vollendet sich in 30-40,
der von Danais chrysippus L. in 20-25, der von Taragama Ganesa Lef. in
30-40 Tagen (Georg Semper, Beiträge zur Entwicklungsgeschichte einiger
ostasiatischer Schmetterlinge in Verhandl. d. zool. Gesellschaft in
Wien 1867. Sitzung 7. August.)

In Bezug auf Chaerocampa Oldenlandiae, eine Sphinx, habe ich in
dieser Beziehung eine Anzahl Beobachtungen aus meinen Tagebüchern
mitzutheilen. Ich fing den _Schmetterling_, obgleich nie häufig, in den
Monaten Juni bis October incl. und dann wieder im Januar und Februar;
gezüchtet aus der Raupe wurde derselbe, so dass das Erscheinen der
ausgekrochenen Thiere in dieselben Monate fiel. Die _Puppenruhe_
nun dauerte (Georg Semper l. c. pag. 4) in _Manila_ 24-25 Tage,
in _Bohol_ nur 18-21 Tage, in Sydney dagegen vom März bis November,
also _volle 8 Monate_. Die Puppe von Taragama Ganesa ruht ebenfalls
in Manila länger als in Bohol, nemlich dort 20 Tage, hier nur 10-15;
ferner die von Chaerocampa alecto in Luzon 24 Tage, in Bohol 16,
die Puppe von Chaerocampa celerio in Manila 17-18 Tage.

Hier scheint nun die ungemein beschleunigte Ausbildung der Imago
gegen die Tropen hin anzudeuten, dass eine Vermehrung der Wärme
die Entwicklung begünstigt, ein Satz, der längst festgestellt
ist. Aber doch zeigt der Gegensatz zwischen Bohol und Manila, deren
mittlere Monatstemperatur so ziemlich die gleiche ist, dass wohl
auch noch andere Momente mit einwirken mögen, obgleich ich hierauf
nicht allzuviel Gewicht legen will, weil ich eine Beobachtung der
Zimmertemperatur, in welcher die Raupen erzogen worden, unterlassen
hatte. Dass diese kurzen Beobachtungen überhaupt hier mitgetheilt
worden, hat seinen Grund in der Hoffnung, dadurch vielleicht den
einen oder andern in tropischen Ländern lebenden Naturforscher zu
ähnlichen Versuchen anzuregen. Dem Satze, »dass eine bestimmte
Periodicität in der Entwicklung der Gliederthiere um so mehr
hervortritt, je schärfer der Wechsel der Jahreszeiten ausgeprägt ist«
(Gerstäcker in Bronn's Thierreich Bd. 5 pag. 238), möchte ich als
nothwendige Erläuterung den anderen hinzufügen, "dass um so mehr
sich diese Periodicität verwischt, je mehr bei steigender Wärme und
Feuchtigkeit _Gleichmässigkeit_ des Klima's eintritt". Dies ist auf
allen Inselgebieten in der Nähe des Aequators der Fall, und hiernach
möchte ich die Vermuthung aussprechen, dass auf den Inseln des stillen
Ocean's so gut wie gar keine eigentliche Insectenzeit stattfinden
kann und dass hier die Lebensperiode der Individuen sich in der
allerkürzesten mittleren Zeit vollenden muss. Auf den Philippinen
ist dies nur annähernd der Fall. Gänzlich emancipirt haben sich alle
Thiere der philippinischen Meere von dem Wechsel der Wärme; denn
zu allen Zeiten findet man dort dieselben Arten von Echinodermen,
Mollusken, Würmern u. s. w. in allen Stadien der Ausbildung und in
voller geschlechtlicher Function. Auch die Landmollusken haben mir
dasselbe Resultat geliefert; und wenn ich auch während der Regenzeit
leichter die Schnecken in grösseren Mengen erhielt, so lag dies
nicht darin dass sie nun aus einem durch Trockenheit oder Kälte
bedingten Winter- (oder Sommer-) Schlaf erwachten, sondern vielmehr
in ihrem Bestreben, sich durch rasches Umherkriechen der allzugrossen
Feuchtigkeit zu entziehen. Wenn ich auch in der trockensten Zeit nur
hinreichend ihren Schlupfwinkeln nachspürte, so gelang es mir immer,
Schnecken in Begattung, und zugleich Eier, Junge und halberwachsene
aufzufinden. Von der Helix (Cochlostyla) metaformis Sow. bewahre ich
ein Pärchen, das ich dicht bei Manila während des Monates Februar,
also im trockensten Monat, in einem gar nicht sehr schattigen Garten
"in copula" gefangen habe. Die dortigen Helix-Arten der Gruppe Obba
findet man am Tage immer an den Baumstämmen in Spalten und Ritzen oder
an der Schattenseite derselben sitzen; bei Nacht aber und am frühen
Morgen kann man sie in aller Lebendigkeit beobachten. Winterdeckel, wie
unsere europäischen Heliceen--oder Sommerdeckel, je nachdem die Zeit
der Trockne dort in den Winter oder in den Sommer fällt--finden sich
bei keiner einzigen der dort lebenden Gruppen, mit einziger Ausnahme
der Gruppe Dorcasia. Die philippinischen Arten dieser Untergattung
sind aber einer europäischen Art so nahe verwandt, nemlich der Helix
fruticum, dass sie wohl mit dieser von dem gemeinsamen Stammvater die
gleiche Gewohnheit überkommen haben mögen. Da sie immer, wie schon
Cuming bemerkte, in der Erde halb eingegraben leben, zwar niemals
sehr tief, aber auch nie an Bäumen oder am Gemäuer und Felsen in
die Höhe kriechen, so ist einleuchtend, dass sie gerade hier eines
solchen Schutzes gegen die Trockenheit bedürfen, mehr als die an
Bäumen lebenden Arten, welche bei ihrer Lebensweise im Thau des
Morgens hinreichende Feuchtigkeit einzusaugen vermögen.

_Anmerkung 6_. Ich erinnere mich, kürzlich in irgend einer englischen
Zeitschrift einen Aufsatz gelesen zu haben, in welchem nachzuweisen
versucht wurde von einem Beobachter der lebenden Thiere in Indien,
dass in der That diese bisher immer als Wasserreservoire angesehenen
Höhlungen am Kopfe wirklich zur Luftathmung derselben während
ihres Lebens auf dem Lande dienen sollen. Ich bin leider mit meinen
zoologischen Notizen--wegen Mangels an Platz--etwas in Unordnung
gerathen, so dass ich kein Citat für diese Bemerkung zu geben vermag.

_Anmerkung 7_. In früheren Zeiten scheint dies allerdings anders
gewesen zu sein. Wenigstens machen gewisse Stellen in diesen Sümpfen
durchaus den Eindruck, als müssten hier früher ständige Bewohner
gelebt haben, welche auch dies Gebiet in regelmässiger Weise bebauten;
es sprechen dafür die mitunter fast dammartig aussehenden Ufer des
Agusan und seiner Nebenflüsse, dann eine Anzahl Pflanzen, welche
sonst nur in der Nähe von Feldern oder Dörfern vorzukommen pflegen,
so namentlich eine sehr stachelige Bambusart. Es ist dieselbe Species,
welche noch heutigen Tages in vielen Landbaudistricten zur Einzäunung
der Zuckerrohrplantagen und der Felder überhaupt benutzt wird, da
sie so dichte stachelige Hecken bildet, dass dadurch der wirksamste
Schutz gegen die Wildschweine erreicht wird.



IV. Skizze.--Die Negrito's und die heidnischen malaiischen Stämme.


_Anmerkung 1_. Es mag hierbei auf die Steinbeile hingewiesen
werden, welche, wie es scheint, nicht gerade selten in Java und der
Malaccahalbinsel gefunden werden (Siehe Journal of the East Indian
Archipelago Bd. 5 pag. 84). Die hier angezogene Notiz nimmt Bezug
auf einen Artikel in der »Naturkundig Tijdschrift voor Nederlandsch
Indië«. Da ich aber den betreffenden Band derselben leider nicht
habe einsehen können, so kann ich auch nicht entscheiden, ob und
welcher von den dort abgebildeten Aexten die von mir im Centrum
Mindanao's aufgefundene entspricht. Logan, der gelehrte Herausgeber des
J. E. I. A., benutzt die Thatsache ihrer Auffindung zur Stütze seiner
Behauptung, "es seien die ältesten Bewohner Java's von afrikanischer
oder indo-afrikanischer Ableitung" (l. c.), zu welchem Schluss er
durch Aehnlichkeiten der Sprachbildungen gekommen sein will. Hierüber
kann ich nicht urtheilen. Wohl aber scheint festzustehen, dass diese
Steinbeile wirklich einem seit uralten Zeiten schon verschwundenen
Stamme angehört haben müssen; denn in Java und in Malacca werden
sie _Donnerkeil_, in Mindanao _Zähne_ des personificirt gedachten
Blitzes genannt, zum Beweise, dass bei allen diesen malaiischen Racen
sich die Erinnerung an eine frühere Steinperiode ihres eignen--oder
eines fremden--Stammes gänzlich verloren hat. Die Wahrscheinlichkeit
spricht dann allerdings dafür, dass diese Urrace des hinterindischen
Inselgebietes mit den jetzt lebenden Papua's nahe verwandt gewesen
sein müsse.

_Anmerkung 2_. Es mag mir hier vergönnt sein auf einige Irrthümer
hinzuweisen, welche sich in Häckel's neuestem Werk in das Capitel
über die Negerstämme eingeschlichen haben. Bei der grossen Bedeutung
seiner wissenschaftlichen Ansichten und der weiten Verbreitung, welche
das Buch "Natürliche Schöpfungsgeschichte" ohne Zweifel finden wird,
dürfte die Gefahr nahe liegen, dass falsche Ansichten und positive
Irrthümer, darin niedergelegt, auch leichten Eingang in die weitesten
Kreise finden möchten.

Zunächst ist es falsch, wenn Häckel die negerartigen Bewohner
der Philippinen und andrer Inseln des hinterindischen Gebietes in
eine Gruppe der glatthaarigen Neger, also in dieselbe Categorie
mit den Bewohnern Australien's stellt, aber von den kraushaarigen
Papuas abtrennt. Es scheint dieser Irrthum--der sich übrigens schon
früher in dem populären Werke von Dr. Friedrich Rolle »der Mensch,
seine Abstammung und Gesittung im Licht der Darwin'schen Lehre,
Frankfurt 1866«, pag. 238 findet--durch einen in Prichard's Werk
Bd. 4 pag. 231 übersetzten Bericht des Bernardo de la Fuente
entstanden zu sein. Dieser spricht sowohl von kraushaarigen, als
von glatthaarigen Negern Luzon's. Nun sind aber die als Agta oder
Negrito's bezeichneten Neger der Philippinen ausnahmslos kraushaarig,
wie die älteren spanischen Autoren sehr wohl wissen. Ich selbst kenne
sie aus eigner Anschauung von verschiedenen Orten. Es kann also über
die Anwesenheit solcher kraushaariger Neger kein Zweifel bestehen, und
ich kann hinzusetzen, dass sie in Lebensweise, Sitten und physischem
Verhalten sich den echten Papua's entschieden nähern.

Was nun die andern von de la Fuente erwähnten Neger mit vollkommen
schwarzen langen Haaren betrifft, so ist sein Zusatz, "man halte
sie für Abkömmlinge der Malabaren" (Prichard Bd. 4) völlig genügend,
um ihnen das Bürgerrecht unter den echten Negern, selbst unter den
Verwandten der Australneger, völlig zu nehmen; ausserdem aber sagt
Prichard, man bezeichne die Neger auch als "Igalotes". Dies mag
von Prichard aus einem alten spanischen Buche oder aus de la Fuente
richtig citirt sein, ist aber nichtsdestoweniger vollkommen falsch,
denn die Igolotes oder Igorrotes haben nichts von Negern, sondern
sind dunkelbraune Stämme des Nordwestens von Luzon, die entschieden
malaiischen Ursprunges sind. Nun gibt es aber freilich einige Stämme
in Luzon und Mindanao, welche dunkler als die olivenfarbigen Malaien
sind und häufig neben dem hohen Schädel und dem runden Gesicht des
dortigen Negers braunschwarze glatte Haare besitzen, aber dies sind
entschiedene Mischlingsracen zwischen den Malaien und den eigentlichen
kraushaarigen Negritos. Man trifft unter ihnen sowohl kraushaarige
Individuen mit malaiischem Typus des Kopfes und der Gesichtsfarbe,
wie auch dunkelbraune negerartig aussehende mit glattem, bald duffem,
braunschwarzem, bald glänzend schwarzem Haar. Sie stehen ausnahmslos
mit den umwohnenden christlichen oder heidnischen Malaien im
Verkehr. So erzählten mir die Mamanua's, eine dieser Mischlingsracen,
an der Nordküste von Mindanao, nicht weit von Butuan, dass sie sich
selbst noch mit den Christen dort verheirathen, welche letzteren dann
immer zu ihnen kommen und die gleiche unstäte Lebensweise annehmen.

Ein andrer in Pangasinan in der Centralebene Luzon's lebender Stamm
wird von dem Padre Mozo (Misiones de Philipinas 1763 pag. 101)
als Negerstamm beschrieben, aber blos der dunklen Hautfarbe wegen:
dieser nennt sich "Baluga" d. h. nach der Bedeutung des Wortes im
Tagalischen "mestizo negro, schwarzer Mestize", also entweder ein
Mischling zwischen Neger und Malaien, oder ein Mestize--unbestimmt
gelassener Beimischung--mit schwarzer Hautfarbe. Ich habe auch diese
Balugas gesehen, und glaube versichern zu können, dass sie entschiedene
Mischlinge zwischen Tagalen und echten Negrito's sind. Nicht alle von
den Spaniern sogenannten Negrito's sind dies wirklich (s. Schetelig,
On the Natives of Formosa in Trans. Ethnogr. Society of London Vol. 7
pag. 12), und ich wiederhole, dass alle sogenannten glatthaarigen
Neger der Philippinen entweder Malaien mit etwas dunklerer Hautfarbe,
oder Mischlinge zwischen Malaien und echten Negrito's sind. Wer sich
über die Papuas und ihre weite Verbreitung über den hinterindischen
Archipel genaue Kenntniss verschaffen will, findet leichte Befriedigung
in dem trefflichen Buche von G. Windsor Earle "The Native Races of
the Indian Archipelago. Papuans. London 1853". Pritchard's Werk ist
in dieser Beziehung jedenfalls etwas veraltet.

Dann muss ich mich auf das Entschiedenste dagegen erklären, die
Bewohner Australien's nach der Andeutung Prichards (Bd. 4 pag. 270)
jetzt als Harafura's oder Alfuru-Neger zu bezeichnen (Häckel
l. c. p.). Einmal scheint Harafura oder Alfuru ein portugiesisches
Wort zu sein, i. e. "freigelassener Sclave". Mit diesem Namen
bezeichneten die Portugiesen in Amboina die freien Stämme des
Innern (G. Windsor Earle in Journ. East Ind. Archipl. Vol. IV. 1850
pag. 2). Selbst wenn er aber auch nicht portugiesischen, sondern
östlichen Ursprungs sein sollte, so würde er keinenfalls auf die
glatthaarigen Australier angewandt werden können, sondern höchstens auf
die kraushaarigen--also zu den Papuas gehörigen--Neger in der Nähe der
Molucken. Auch d'Urville beschreibt die Harfur's vom Arfak-Gebirge in
Neu-Guinea als kraushaarig. Durch die Naturforscher der verschiedenen
Regierungs-Expeditionen sowohl, wie durch confuse Berichte anderer
Seefahrer ist die Frage, was die Harafura's eigentlich für ein Stamm
sind, in eine so gründliche Confusion gebracht worden, dass man am
Besten thut, den gordischen Knoten zu zerhauen, indem man den Namen
einfach fallen lässt, oder ihn wenigstens so einschränkt, wie es
neuerdings Bastian in der Karte zu seinem Buche "Ueber das Beständige
in den Menschenracen, Berlin 1868" gethan hat. Dieser treffliche
Ethnologe deutet ferner auch durch die dort gebrauchte Bezeichnung
"Alfuru-Neger" und durch die Einordnung derselben in die Gruppe
"Austral-Neger mit Papuas" an, dass ihm (l. c. pag. 271) beide Formen
des Australnegers, die kraushaarige und die glatthaarige, sehr nahe mit
einander verwandt zu sein scheinen. Eine so weitgehende Trennung der
beiden Gruppen aber, wie sie Häckel vornimmt, wird durch keine aus dem
physischen wie geistigen Zustande der dahin gehörigen Völker bekannte
Thatsache gerechtfertigt werden können; und dies um so weniger, als
man es hier ebensowenig, wie irgendwo sonst, mit ethnologisch reinen,
von Beimischungen freigebliebenen Racen zu thun hat.

_Anmerkung 3._ Es ist hiernach nicht mehr ganz richtig, wenn d'Urville
(s. Prichard Bd. 4 pag. 268) und jetzt auch noch Earle (Journal
E. I. Archipel. Bd. 3, 1849 pag. 686) angeben, dass die östlichen
Negerracen, Papuas oder Australier, sich nie tättowiren; denn in der
That ist, wie alle Reisende richtig und übereinstimmend bemerken, diese
letztere Weise des Schmückens des Körpers ganz verschieden von der
Erzeugung langgestreckter Narben durch schneidende Instrumente. Auch
die, sicherlich durch Papua's und Malaien hervorgebrachten
Mischlingsracen der Pelew-Inseln (Carolinen) tättowiren sich,
haben also viel früher jene Sitte der Papua's, als ihren Körperbau
und andere Merkmale verloren. Beide Gebräuche, im Aussehen der
hergestellten Muster und ihrer Anwendung so verschieden, verdanken
doch wohl ihren Ursprung dem gleichen psychologischen Bedürfnisse,
dem der Ausschmückung, der Verschönerung des eignen Körpers.

_Anmerkung 4._ Siehe meinen ausführlicheren Bericht über diese Stämme
in der Zeitschrift für die gesammte Erdkunde Bd. 10 p. 249-266.

_Anmerkung 5._ Es scheint jetzt allerdings eine Thatsache zu sein,
dass der eigentliche Dialect der philippinischen Neger verloren
gegangen ist, wie Prichard (l. c. pag. 232) auf die Autorität
verschiedener Autoren gestützt angibt. In einem kleinen Wortregister,
welches ich an der Ostküste von Luzon zu sammeln Gelegenheit hatte,
und das ich in meinem Reisewerke ausführlich zu publiciren gedenke,
finden sich trotz der grossen Uebereinstimmung mit dem Tagaloc und
einigen andern Dialecten doch einzelne abweichende Worte. Ich würde
dies kaum hervorgehoben haben, wenn ich nicht in dem schon erwähnten
spanischen Buche des Padre Mozo (Misiones de Philipinas p. 101)
die beachtenswerthe Notiz gefunden hätte, dass alle die Negerracen
der verschiedenen Inseln die gleiche Sprache sprächen, im Gegensatz
zu den malaiischen Stämmen mit ihren zahlreichen Dialecten. So
sehr interessant und wichtig es nun auch sein würde, etwaige Reste
der ursprünglichen philippinischen Negersprache vor dem gänzlichen
Untergange zu retten, so würde hiezu doch eine Opferfreudigkeit und
Entsagung gehören, wie ich sie mir so wenig, wie irgend einem andern
Menschen zutraue. Mehr als einige sparsame Worte dieser Sprache werden
wir durch Reisende nie erwarten können; und die spanischen Pfaffen
sind jetzt weniger als je geneigt, diesem verkommenen Menschenstamm
einige Aufmerksamkeit zuzuwenden.

_Anmerkung 6._ Die Ylungut oder Ylongotes, wie die Spanier schreiben,
sind Stämme malaiischen Ursprungs, welche in der östlichen Cordillere
zwischen Baler und Casiguran leben. Sie gehören mit zu den wildesten
Stämmen des Landes, und sie stehen mit den Christen sowohl, wie mit
den nahe wohnenden Negrito's in beständiger Fehde.

_Anmerkung 7._ Eine Schätzung der Zahl der Negrito's ist von Mallat
versucht worden, der sie auf 25000 angibt (Mallat, les Philippines
Bd. II p. 94). Dies wird jedenfalls sehr übertrieben sein. Zu
Legaspi's Zeiten (1570-1580) freilich muss die Zahl derselben noch
eine sehr grosse gewesen sein. Sie werden in dieser Zeit noch als
ausschliessliche Bewohner der Insel Negros erwähnt, und auch in Cebú
sowie in Panay lebten damals noch sehr zahlreiche Negrito's dicht
neben den von Malaien bewohnten grösseren Städten. Auf beiden Inseln
sind sie seit Langem spurlos verschwunden. S. Gaspar de S. Agustin
pag. 95; Chirino, Relacion etc. pag. 24.

_Anmerkung 8._ Siehe meinen Bericht in der Zeitschrift für die gesammte
Erdkunde Bd. 13 pag. 81-97 und das Tagebuch des D. G. Galvey, welches
in dem Werke des D. Sinibaldo de Mas Band I, Artikel Poblacion pag. 43
sqq. abgedruckt ist "Informe sobre el Estado de las Islas Filipinas
en 1842".

_Anmerkung 9._ Im Visaya-Dialect heisst busauang "Strom von Wasser,
_Blut_ etc.; die Partikel tag wird vor Substantivwurzeln gesetzt, um
die Herrschaft über dasselbe anzudeuten; hiernach wäre die Bedeutung
des Wortes wohl so zu geben »der Gott (Herr) des Blutstromes"
d. h. Gott des Krieges. Ihm ist die _rothe_ Farbe geheiligt, die der
muthige Krieger nur dann anlegen darf, wenn er eine bestimmte Zahl von
Feinden erschlagen hat. (Padre Combes, Historia de Mindanao pag. 54.)

_Anmerkung 10._ Es ist oben in Anmerkung 5 die Quelle angegeben,
der ich diese interessante Notiz entnommen habe.

_Anmerkung 11._ Man hört auf den Philippinen jetzt häufig sagen,
die Priester hätten den Eingebornen nicht blos Kunst und Industrie,
sondern auch sogar den Reisbau gebracht. Es ist eine von allen älteren
spanischen Autoren anerkannte Thatsache, dass die Bewohner Luzon's
sowohl wie der Visaya's bei der Ankunft von Magellanes nicht blos
den Reis zu eignem Bedarf bauten, sondern auch als Handelsartikel
benutzten. _S. Martinez de Zuniga_, Hist. de Philip. Bd. I pag. 12;
_Combes_, Historia de Mindanao p. 6 etc. Wenn man die einzelnen,
in den verschiedenen Autoren zerstreut liegenden Bemerkungen über
den Zustand des Handels vor Ankunft der Spanier zusammenfasst,
so gewinnt man ein ganz anderes Bild von dem Verkehr der dortigen
Völker, als man es nach den Darstellungen der neueren Autoren sich
bildet. Pigafetta erzählt--ich citire nach der französischen Ausgabe
des Jahres 1801 von Charles Amoretti--, dass alljährlich 6 oder 7
Dschonken aus dem Lande der Lequii nach Luzon kamen (pag. 134). In
Borneo trifft Pigafetta (pag. 146) den Sohn des Königs von Luzon,
der als Feldherr des Königs von Borneo die Bewohner von Laoe an der
Westküste Borneo's bekriegt hatte, weil sie lieber die Oberherrschaft
eines Königs von Java, als die des Sultan's von Borneo anerkennen
wollten. Die von ihm pag. 150 aus Borneo mitgetheilten Bemerkungen
über Gewichte und Geld deuten auf einen sehr regen Verkehr mit den
Chinesen hin; und der P. Gaspar de S. Agustin erzählt in seiner
"Conquista de las Islas Filipinas", dass chinesische Schiffe in den
grossen Fluss von Mindanao--d. h. den bei Cota Batto an der Südküste
mündenden Fluss--zum Handeltreiben einliefen. Die bedeutendste Stelle
ist die auf pag. 96 des letztgenannten Werkes, woraus hervorgeht, dass
nur die grösseren chinesischen Dschonken nach Manila kamen, von hier
aus aber die mitgebrachten chinesischen Waaren in kleineren Schiffen
nach Borneo und den philippinischen Inseln gebracht wurden. Auf dem
Rückwege nahmen sie dann die von den Chinesen und Siamesen gesuchten
Waaren mit, nemlich Sclaven, Gold, Wachs und Kaurisschnecken, sowie
weisse Tücher--wohl solche, wie sie noch heutzutage aus den Fasern der
Musa textilis gewoben werden--, die nun mittels der grösseren Schiffe
nach China hingebracht wurden. Also schon lange vor der christlichen
Periode war Manila ein Stapelplatz für chinesische Waaren, ein Emporium
des chinesisch-malaiischen Handels.



V. Skizze.--Die Muhamedaner und der Anfang der christlichen Periode.


_Anmerkung 1._ Siehe Martinez de Zuniga pag. 69-71. Gaspar de
S. Agustin pag. 95-96. ibid pag. 108. Pigafetta pag. 146.


_Anmerkung 2._ Siehe Martinez de Zuniga pag. 196-196. Die Geschichte
der Kriegsführung zwischen Spaniern und Muhamedanern ist nicht
ohne einiges Interesse. Leider ist man gezwungen, hier wie überall,
auf die voluminösen Geschichtswerke der geistlichen Corporationen
zurückzugehen, da das einzige meines Wissens existirende Specialwerk
über diesen Gegenstand "D. Emilio Bernaldez, Resena historica de la
Guerra al Sur de Filipinas" durchaus einseitig abgefasst und eigentlich
nur für den spanischen Militair wichtig ist, welcher vielleicht
einmal an die Spitze einer Expedition gegen die Moro's gestellt werden
könnte. Trotz der vielen Kriegszüge nach Joló, trotz der Einnahme von
Balanguingui im Jahre 1851 und obgleich die schwerfälligen Segelschiffe
der Christen in den letzten Jahren durch Dampfkanonenböte ersetzt
wurden, ist es den Spaniern auch bis auf den heutigen Tag nicht
gelungen, die Piraterie im Süden der Philippinen auszurotten. Ich
selbst wäre gewiss noch 1864 an der Ostküste Mindanao's in die Hände
der Moros gefallen, wenn irgend ein Umstand meine Abreise aus Bohol um
8-14 Tage verzögert hätte. Obgleich damals die in Cebú stationirten
Dampfschiffe rechtzeitig durch den Gouverneur von Surigao Kenntniss
von der Anwesenheit der Piraten erhalten hatten, so liefen diese
doch so spät aus, und gaben sich bei ihrer Verfolgung so wenig Mühe,
dass die Moro's ganz ruhig mit ihrer Beute nach Hause gelangen konnten.

_Anmerkung_ 3. Man hört häufig sagen, und man liest es in allen
neueren Werken der Spanier über die Philippinen, es seien die
Priester ununterstützt durch die Macht der Waffen, an ihr Werk der
Bekehrung gegangen. Es war Juan de Salcedo mit seinen Soldaten,
welcher den Priestern den Weg nach dem Norden von Luzon durch die
Gewalt der Waffen bahnte. Padre Combes sagt in seiner Historia de
Mindanao p. 84: "die PP. Juan del Campo und Juan de S. Lucar hätten
sich, da ohne die nöthige Unterstützung durch die Waffen, nach der
Caldera (dicht bei Zamboanga) zurückziehen müssen". Und Gaspar de
S. Agustin p. 163 sagt: "als die Indier sahen, dass sie nirgendwo
sicher vor den Spaniern waren, kamen sie von vielen Ortschaften nach
Cebú, um Frieden zu machen." Er sagt dies, nachdem er erzählt hat,
wie Legaspi schon im Jahre 1564, wenige Monate nach seiner Ankunft,
Expeditionen zur Züchtigung verschiedener Stämme nach dem Norden und
Osten von Mindanao ausgeschickt hatte.

_Anmerkung_ 4. Nach Pigafetta p. 119 waren schon durch Magallanes die
Bewohner von Cebú im Jahr 1521 zur Entrichtung eines festbestimmten
Tributes gezwungen worden.

_Anmerkung_ 5. Hierfür nur eine Stelle des Gaspar de S. Agustin
p. 143: "Und die Fürsten (los Principales) sagten, dass er (Legaspi)
ganz handeln möge, wie Herr und Gebieter; denn sie wären nun treue
Vasallen des Königs geworden, und sie bäten ihn nun, dass er ihnen
die Plätze anweisen möchte, wo sie ihre Ortschaften neben denen der
Spanier hinbauen sollten."



VI. Skizze.--Die neueste christliche Zeit.


_Anmerkung_ 1. Ich habe im Texte absichtlich die starken Ausdrücke
gemildert, in welchen zahlreiche spanische Autoren sich über das im
17. und 18. Jahrhundert befolgte System der Regierung dieser Colonie
aussprechen. Ich übersetze einige Stellen aus D. Sinibaldo de Mas
"Informe sobre el Estado de las Islas Filipinas en 1842, Madrid 1843",
pag. 199: "Kurz nach den ersten Zeiten, sagt der Duque de Almodovar,
des Glaubenseifers und des Ruhmes der Eroberung bemächtigte sich der
Gemüther ein niedriges und übel angewandtes Interesse. Die grosse
Mehrzahl der Leute, die später nach jenen entfernten Gegenden gingen,
pflegten dem Auswurf der Nation anzugehören (solian ser de las heces
de la nacion)". Und D. Tomas de Comyn schrieb 1810: "In der That sieht
man sehr häufig einen Friseur oder den Lakaien eines Gouverneurs,
einen Matrosen oder einen Deserteur sich plötzlich in einen Alcalden
oder einen Militär-Gouverneur eines volkreichen Districtes verwandeln."

_Anmerkung 2_. Die Entstehung dieses Wortes ist gänzlich unklar. Alle
neueren Autoren behaupten, es sei das barangay,--womit man die aus
40-50 Familien bestehende tributzahlende Gesammtheit bezeichnet--eine
alte aus der heidnischen Zeit überkommene Einrichtung. Nun findet
sich aber dies Wort in solcher Bedeutung nicht in den älteren
Geschichtswerken, und es ist mir völlig unklar, auf welche Autorität
sich Buzeta, Maliat, Mas und andere Autoren stützen, wenn sie
behaupten, dass das barangay ursprünglich die Menge bezeichnet hätte,
welche in einem ihrer grossen Boote, den sogenannten _barangay_, bei
ihrer Einwanderung auf den Philippinen angekommen sein sollen. Ohne
eine bestimmte Angabe der ältesten Chronisten der Philippinen hierüber
wird sich kaum entscheiden lassen, welche von beiden Bedeutungen des
Wortes die abgeleitete sei. In diesem Institut des barangay liegt
der eigentliche Schwerpunkt der philippinischen Communalverwaltung.

_Anmerkung 3_. Der Padre Gaspar de S. Agustin schrieb 1698
(l. c. p. 12): »Man kann sicher annehmen, dass die Bewohner sich nicht
aus religiösem Gefühl (devocion) und wirklicher Kenntniss dessen,
was sie empfingen, taufen liessen, sondern weil ihnen dies das Symbol
des Bündnisses und der Freundschaft mit den Castiliern zu sein schien.

_Anmerkung 4_. Ich verweise in dieser Beziehung auf die kurzen in
Anmerkung 11 der IV. Skizze gemachten Angaben.

_Anmerkung 5_. Man liest in allen neueren Büchern, dass die Real
Compania de Filipinas 1785 errichtet wurde (Nopitsch, kaufmännische
Berichte gesammelt auf einer Reise um die Welt, Hamburg 1849,
p.78). Dies ist nicht ganz richtig. Aus der vom 10. März 1785 datirten
"Real Cedula de Ereccion de la Compania de Filipinas" geht hervor,
dass schon Philipp V. am 29. März 1733 einer zu gründenden Compania
de Filipinas bedeutende Prärogativen für den directen Handel nach
und von Manila gegeben hatte. Trotz der von der Regierung selbst
zwischen 1733 und 1778 öfter unternommenen Handelsexpeditionen nach
Manila scheint die Compania gar keine oder nur unbedeutende Geschäfte
gemacht zu haben. 1785 nun ging die Compania de Caracas zu Ende,
und diese Gesellschaft übertrug nun ihre Thätigkeit auch auf die
Philippinen unter dem Titel der Real Compania de Filipinas. Ihr
stand nicht blos das Recht zu, directen Handel zwischen Spanien und
den Philippinen zu treiben, sondern sie durfte auch von America aus
Waaren nach Manila, China etc. führen, ja es war ihr sogar erlaubt,
chinesische Manufacturwaaren auf dem Umwege über einen spanischen Hafen
im Mutterlande nun auch in Neu-Spanien einzuführen, da sie jetzt als
spanische Waaren betrachtet wurden (s. die erwähnte Cedula vom Jahre
1785 p. 27.) Gänzlich untersagt war ihr jedoch der directe Handel
zwischen Manila und Acapulco, ein Verbot, das nur gegeben worden war,
um den Handel des Mutterlandes mit den Colonien in Amerika nicht zu
beeinträchtigen. (S. ebenda p. 20.)

_Anmerkung 6_. "Tribunal" auch "Casa Real" wird das in jedem Dorfe
befindliche Gemeindehaus genannt, in welchem der Gobernadorcillo mit
seinen Tenientes etc. ihre Amtshandlungen vornehmen. Es dient zugleich
als Gerichtshof und Gefängniss, wie auch als Wirthshaus; und öfters
habe ich auf meinen Reisen in demselben Raume mit krummgeschlossenen
Gefangenen zusammen die Nächte zubringen müssen.





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Die Philippinen und ihre Bewohner - Sechs Skizzen" ***

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