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Title: Geschichte der Ilchane - das ist der Mongolen in Persien
Author: Hammer-Purgstall, Joseph von, 1774-1856
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

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Anmerkungen zur Transkription:

Kursiv gedruckte Passagen im Originaltext sind hier durch _Unterstriche_
gekennzeichnet, fett gedruckte Stellen durch GROSSBUCHSTABEN. "RN" steht
für "Randnote". Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende des Textes.



GESCHICHTE

DER

ILCHANE

DAS IST

DER MONGOLEN IN PERSIEN

VON

HAMMER-PURGSTALL.


Mit

neun Beilagen und neun Stammtafeln.


Erster Band.

Mit vier Beilagen.


Darmstadt.

DRUCK UND VERLAG VON CARL WILHELM LESKE.

1842.



An

SEINE MAJESTÄT

den

KÖNIG VON BAYERN.


  Allerdurchlauchtigster König,
  Allergnädigster Herr!

Von der deutschen Hauptstadt der Künste, von der Residenz EUERER MAJESTÄT,
wo ich vor drei Tagen mit der Akademie der Wissenschaften das ALLERHÖCHSTE
Geburts- und Namensfest gefeiert, bin ich nach Berchtesgaden geeilt, wo der
erhabene Schutzgenius der schönen Künste im schönsten Tempel der Natur
residirt, um demselben in ALLERHÖCHST IHRER Person die Verehrung und
Bewunderung zu zollen, womit der Verein der Kunstwunder zu München jeden
Besucher erfüllt.

Da mir EUERE MAJESTÄT allergnädigst erlaubet haben, mit ALLERHÖCHST IHREM
Namen das Giebelfeld eines meiner Werke zu schmücken, so erscheint die
Geschichte der Mongolen Persiens, wenigstens durch die Namen ihrer grossen
Fürsten, Bauherren, Gönner der Künste und Beschützer der Wissenschaften,
solcher Ehre nicht unwürdig.

Wenn die Bauten Ghasan's und Chodabende's zu Tebris und Sultania nach einem
halben Jahrtausend die Namen ihrer Erbauer nur in Ruinen verherrlichen, so
liegt die Schuld davon nicht sowohl in Elementarereignissen und in
feindlicher Verheerung, als in dem Mangel an erhaltender Fürsorge, welche
Werken der Kunst wie den Staaten Dauer versichert.

Geruhen EUERE MAJESTÄT, als Schöpfer eines Pantheon der Künste, als
Erhalter der ältesten Denkmale derselben und eines blühenden Reiches, die
Huldigung meiner tiefsten Ehrfurcht allergnädigst zu genehmigen.

     _Berchtesgaden_,
  an Göthe's Geburtstag             HAMMER-PURGSTALL.
         _1841_.



Vorrede.


Diese Geschichte der Mongolen in Persien ist das Seitenstück zu der im
vorigen Jahre erschienenen des mongolischen Reiches in Kiptschak; jene ist
durch die Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst worden, die
Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe hervorgegangen. Bei der zum
Behufe der ersten nöthig gewordenen Sichtung der aufgeschichteten Massen
historischen Materials, ward es klar, dass zur zweiten, in den
orientalischen selbst durch Herrn von d'Ohssons sehr schätzbare Geschichte
nicht erschöpften Quellen, weit mehr dankbarer historischer Stoff
vorhanden.

Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt dem Europäer zwar näher
wegen der verheerenden Raubzüge durch Polen und Ungarn bis ins Herz von
Deutschland, und wegen der tatarischen Herrschaft in Russland; aber die
Geschichte der Mongolen in Iran hat das grössere Interesse wichtigerer
asiatischer Weltereignisse, wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates,
der Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher selbst den
Orientalisten kaum dem Namen nach bekannter, die Feldzüge wider Aegypten
und das dschagatai'sche Reich, die diplomatischen Verhältnisse zwischen den
Kreuzfahrern und dem Papste. Der Ulus Dschudschi's beherrschte mit dem
europäischen das asiatische Russland, welches damals noch, wie von allem
Anfang der Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss und der
Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an das Land geregelter
Herrschaft und Religion, der Sitz von Wissenschaft und Künsten, der
Schauplatz grosser Bauten und Gelehrten, und der Mittelpunkt
mittelasiatischer Cultur.

Zudem beut diese Geschichte keine Lücken, wie jene von Kiptschak, und
selbst über das zerrissene Ende derselben, wo die Thronanmasser über
einander stürzen, schwebt kein solches Dunkel, wie über die letzten
Herrscher des Uluses Dschudschi. Der Strom geschichtlicher Erzählung
fliesst also in geregeltem Flussbette reich und ruhig. Der in der
Geschichte von Kiptschak zur Rechtfertigung vor überstrengen akademischen
Richtern nothwendig gewordene Reichthum erläuternder Noten enthebt hier von
der Anhäufung derselben zur Beglaubigung vor sachkundigen Gelehrten und
billigen Lesern. Die Sparsamkeit an Citaten wird also hier nicht bedauert
werden, und noch weniger der Mangel an aller Polemik, welche in der
Geschichte von Kiptschak Nothwehr zur literarischen Ehrenrettung. Dafür ist
in dem Texte keine Nachricht von Dynastien oder Oertern übergangen worden,
wodurch das Gebiet der Geschichte und Erdbeschreibung erweitert, keine
Kunde von Sitten und Literatur, wodurch der Charakter der Völker und ihrer
geistigen Kultur beleuchtet wird.

  SCHLOSS HAINFELD,
  den 24. October 1841.



Erstes Buch.

    Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie und Geschichte
    Tschengischans; sein Gesetzbuch und sein Testament; Charakter
    und Sitte, Aberglauben und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung
    Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen Dynastien in
    Asien und Aegypten.


[Randnote: Mongolische Geschichte.]

Tschengischans und seiner Nachkommen Thaten, die von ihnen zerstörten und
gegründeten Reiche, ihre Raubzüge und Gesetzgebung, der Namen der
_Tartaren_ oder _Tocharen_, d. i. _Tataren_, und der der _Moalen_ oder
_Mogholen_, d. i. _Mongholen_, haben Europa durch zwei Jahrhunderte mit
Erstaunen und Schrecken gefüllt, von der chinesischen Mauer bis an die von
Wienerischneustadt und Olmütz, und fürchterlich hallte der Donner ihrer
Heere von den Ufern des gelben Flusses bis an die des rothen Meeres, vom
Altai bis an den Libanon zurück. Naturrevolutionen, mit denen _Gibbon_ das
Erscheinen der Mongolen so treffend verglichen hat, lassen nicht tiefere
Spuren ihrer verheerenden Kräfte auf der Oberfläche der Erde zurück, als
die verheerenden Hufen mongolischer Heere, unter denen Reiche und Cultur
zertreten wurden; sie fuhren daher wie die entfesselten Elemente, wie
Orkane und grosse Fluthen und das Erdbeben und der Wetterstrahl; sie
durchackerten die Erde mit dem Schwerte und düngten sie mit Blut. Das
Jahrhundert ihrer so fürchterlichen und verderblichen Grösse und Macht
fällt zusammen mit dem zweiten der Kreuzzüge, das ist mit dem dreizehnten
Jahrhundert unserer Zeitrechnung, dem durch grosse Begebenheiten vor
anderen historisch wichtigen, durch die Umgestaltung so vieler asiatischen
Reiche und durch den regsten Verkehr des Abendlandes mit dem Morgenlande.
Einen so namhaften Platz die Kreuzzüge auch in der europäischen Geschichte
einnehmen, so erscheinen sie in der asiatischen doch bei weitem nicht so
bedeutend, indem dieselben nur den Westrand von Asien bestreifen. Die Ringe
dieses Steinwurfs der Eroberung der Levante verebben schon an den Ufern des
Nils und des Tigris, während die hochaufschäumende Woge mongolischer
Eroberungsfluth über ganz Asien bis nach Europa, vom Baikalsee bis an den
Platensee, und vom Kokonor bis an den Ladoga sich verheerend fortwälzt. Die
Wichtigkeit der Geschichte der Mongolen und die Grösse des Stoffes springt
also von selbst in die Augen. Sie zerfällt in viererlei Geschichten, deren
jede, bei dem Reichthume der Quellen, Stoff für mehrere Bände. _Erstens_
die Geschichte _Tschengischans_; _zweitens_ die der vier _Uluse_, d. i. der
durch die Nachkommen seiner vier Söhne beherrschten Reiche; dann nach der
Theilung der Herrschaft des vierten Uluses in das östliche chinesische und
in das westliche persische Reich, _drittens_ in die Geschichte der _Juan_
oder der chinesischen Kaiser aus den Nachkommen _Kubilai's_; und _viertens_
in die der _Ilchane_ oder persischen Herrscher, Nachkommen _Hulagu's_, des
Bruders Kubilai's. Eine vollständige Geschichte dieser Reiche könnte sich
keine engeren Gränzen des Umfangs stecken, als die des osmanischen; die
vorliegende beschränkt sich nur auf den vierten und letzten Zeitraum, als
ein Seitenstück zu der Geschichte der goldenen Horde in Kipdschak, aber von
weit grösserem Interesse, als jene, in Bezug auf Asien.

[Randnote: Die der persischen Ilchane.]

Die Geschichte des von Hulagu gegründeten Reichs der persischen _Ilchane_,
d. i. _Landes_- und _Volksfürsten_ [denn _Il_ heisst sowohl das eine als
das andere[1]], füllt nur Ein Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten
bis in die Hälfte des vierzehnten unserer Zeitrechnung[2], während welchem
siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber nur die neun ersten
achtzig Jahre den Thron als Alleinherrscher füllten, die acht anderen sich
um denselben mit ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser
Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glanze unter neun Herrschern
aufrecht gehaltene Reich der Ilchane, nach dem Tode _Ebu Said's_, durch die
inneren Kriege der Thronanmasser zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus
den Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer Dynastien,
in denen der _Indschu_, _Tschoban_ und _Ilkaan_, noch kurze Zeit
hinterliess, wie das untergegangene Reich der goldenen Horde in Kipdschak
in den aus seinen Trümmern entstandenen Dynastien der Chane von _Kasan_,
_Astrachan_ und der _Krim_ noch längere Zeit fortgelebt. Jene persischen
und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber nicht mehr eigentlich der
Geschichte der Mongolen an, deren Herrschaft nur von Tschengischan's
Auftritt als Eroberer bis zum Untergange der goldenen Horde in Russland und
zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre gedauert. Die Hälfte dieser
Zeit nimmt die Geschichte der persischen Ilchane als die glänzendste der
vier Uluse in Anspruch, die glänzendste durch die Eroberungen des Gründers
_Hulagu_ und seines Nachfolgers _Abaka_, durch die gesetzgebende Weisheit
_Ghasan's_ des siebenten und seines Nachfolgers _Oldschaitu_ nicht
unrühmliche Regierung, endlich durch den Flor der persischen Literatur
während dieses Jahrhunderts. Die grössten Geschichtschreiber der Perser,
_Dschuweini_, der Wesir Hulagu's, und _Reschideddin_, der Wesir Ghasan
Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's und der Ilchane Persiens aus
den Quellen des goldenen Archiv's, d. i. des mongolischen Staatsarchivs,
und der Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mithandelnde
Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und Zeitgenossen schrieben auch
_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der bessten persischen Geographie und
Universalgeschichte, _Binaketi_, der Epitomator des grossen Werkes
Reschideddin's, und _Wassaful-hasret_, d. i. der Lobredner der Majestät,
unter _Oldschaitu_ und _Ebu Said_, dessen in allen Künsten der Rhetorik
üppig wuchernder Styl wohl das Lesen seines Werkes erschwert, aber der
historischen Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige
verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht geschätzten
persischen Schreiber der Universalgeschichte: _Mirchuand_, _Chuandemir_,
_Hafis Ebru_ und _Ghaffari_ geschöpfet. Schon Wassaf, wiewohl er erst unter
dem achten und neunten Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die
mit Hulagu, dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu Ende seines Werkes
die Nothwendigkeit, demselben aus Dschuweini auch einen kurzen Ueberblick
der Geschichte Tschengischan's und seiner vier ersten Nachfolger
anzuhängen, welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie _Scherefeddin von
Jesd_ die Geschichte Timur's mit einem kurzen Ueberblicke der Geschichte
Tschengischan's und der vier Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat.
Die Nothwendigkeit solcher Einleitung dringt sich auch hier um so
unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig Jahre vor der
Gründung des persischen Reichs durch Hulagu verstorben, als die
mongolischen Stämme und die der Gründung des Reichs Hulagu's gleichzeitigen
asiatischen Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher
dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk des Morgenlandes
und seine Stämme, über Tschengischan und seine vier ersten Nachfolger, und
über die dem Auftritte Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die
Geschichte der persischen Ilchane ein.

[Randnote: Türken, Tataren und Mongolen.]

Das älteste der Völker, welche die Geschichte in Hochasien als Herrscher
kennt, sind unstreitig die Türken, deren (der chinesischen Quellen zu
geschweigen) die byzantinischen schon in der Hälfte des sechsten
Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung erwähnen, wo die griechischen
Kaiser mit dem Chane der Türken am _Altai_, d. i. dem Goldberge, durch
Gesandtschaften verkehrten, d. i. schon sechs Jahrhunderte früher, als in
der Hälfte des zwölften die Tataren und Mongolen durch Tschengischan in
Europa geschichtlichen Namen erhielten. Die Geschlechtsregister der letzten
sind augenscheinlich türkischen eingepfropft, um dunkeln Ursprung der Väter
durch berühmte Altvordern zu adeln und ihr Geschlecht hinaufzuführen bis
Türk, den Sohn Japhet's, den gemeinsamen Ahnherrn von Tatarchan und
Mogolchan, die angeblichen Stammväter der Tataren und Mongolen. Der Namen
der letzten taucht erst unter Tschengischan mit Gewissheit auf, da es nicht
ausgemacht, ob die ältern _Moho_ der Chinesen eben so gewiss Mongolen, als
ihre _Tata_ Tataren; wie aber Türken und Tataren ganz verschiedenen
Stammes, indem jenen der Namen von diesen nur durch Missbrauch beigelegt
worden, und noch beigelegt wird, so sind Tataren und Mongolen ursprünglich
ein und dasselbe Volk, jenes der ältere unterjochte, dieses der jüngere
unterjochende Zweig. Die Türken sind vom östlichen _Altai_, die Tataren vom
_Baikalsee_ ausgezogen, die Mongolen am westlichen _Kentei_, von den
Quellen des _Onon_ und _Kerulon_, wo im bewaldeten Gebirge _Burhan Kaldun_
die Geburts- und Grabstätte Tschengischan's. Nachdem Tschengischan die ihm
feindlichen Stämme der Tataren und ihre Verbündeten vernichtet oder
unterjocht, nachdem seine Herrschaft durch Sieg und Eroberung von den Ufern
des vaterländischen Sees _Dalai Nor_ bis an die des persischen Sees von
_Meragha_ über siebzig Längengrade ausgedehnt war, buhlten die unterjochten
Völker um die Ehre, dem siegenden und erobernden, dem gesetzgebenden und
herrschenden anzugehören; Türken und Tataren zählten sich nun den Mongolen
bei, wie diese in ihren Stammregistern sich früher den Türken
angeschlossen, wiewohl beide durch die nicht zu überspringende Kluft von
verschiedener Sprache und Gesichtsbildung von einander scharf getrennt.
Tataren wollten Mongolen, Türken Tataren heissen; hingegen protestirten die
Mongolen wider den Namen von Tataren, wie noch heute die Osmanen wider den
von Türken. Die Eitelkeit, altem Geschlechte anzugehören, und Adelstolz
(derselbe bei Völkern, wie bei Individuen), bringt durch Ahnen- und
Namen-Vermengung in die Stammtafeln von beiden nur Irrthum und
Verwirrung[3]. Eben so richtig als lichtvoll ordnet der grosse
Geschichtschreiber der Mongolen, Reschideddin, Anfangs seines Werkes eine
Centurie von Stämmen, welche zu seiner Zeit alle auf den Ehrennamen von
Mongolen Anspruch machten, ausser den Türken (denen er die Uighuren der
Sprache nach beigezählt) in drei Klassen, nämlich in Tataren (desselben
Stammes und derselben Sprache, wie die Mongolen), welche ursprünglich den
Namen von Mongolen nicht führten[4]; zweitens in Völker verschiedenen
Ursprungs, welche, weder Tataren noch Mongolen, den Namen der letzten der
Aehnlichkeit wegen annahmen, wie die _Turkmanen_ den der Türken, und die
daher am bessten _Mogolmanen_ genannt würden, weil sie an die Mongolen
_mahnen_[5], wie jene an die Türken; drittens in die eigentlichen Mongolen,
welche wieder in zwei Abtheilungen zerfallen, nämlich in die Mongolen
_Durlegin_, der neun Geschlechter vor _Alankowa_, der neunten Ahnfrau
Tschengischan's, und die Mongolen _Nirun_, deren Stammväter alle aber
Nachkommen _Alankowa's_. Es ist nöthig, den Leser wenigstens mit einem
Viertel der Centurie von Stämmen, die zur Zeit Reschideddin's, d. i.
Anfangs des vierzehnten Jahrhunderts, bestanden, bekannt zu machen, mit
denen nämlich, welche ihre Berühmtheit vor anderen entweder ihren Helden
und Frauen, ihrer Freundschaft für oder ihrer Feindschaft gegen
Tschengischan, ihrer Opposition oder Verschwägerung mit dessen Hause
danken.

[Randnote: Die Stämme Tatar und Merkit.]

Von den ursprünglichen tatarischen Stämmen nennen wir zuerst den
sechsgetheilten Stamm der Tataren selbst, von denen einer _Tschaghlan
Tatar_, d. i. die weissen Tataren[6], hiess, im Gegensatze der übrigen,
welche die schwarzen genennet werden; in der Folge wurde der Namen der
weissen Tataren auch den Uiguren, welche Türken, und anderen türkischen
Stämmen beigelegt, sowie den _Mandschu's_ der Namen der _Sui Tatar_, d. i.
der Wasser- oder schlechten Tataren; die mächtigsten und gefährlichsten der
Feinde des Hauses Tschengischan's, welcher bei seiner Geburt den Namen
_Temudschin_ erhielt, weil am selben Tage sein Vater _Jesukai Behadir_
einen tatarischen Fürsten, _Temudschin_, geschlagen und gefangen gemacht.
Der Namen, den er trug, von dem am Tage seiner Geburt besiegten
Tatarfürsten hergenommen, und die in seiner Jugend von den Erbfeinden
seines Stammes erlittenen Unbilden spornten den Sohn Jesukai's zur Rache
und zum Vertilgungskriege wider diese unversöhnlichen Feinde seines Hauses
an; sie wurden vernichtet, und nur ihre Weiber gingen als Trophäen in das
Frauengemach Tschengischan's und seiner Söhne über. Zwei der fünf
Gemahlinnen Tschengischan's, _Jisulun_ und _Jisulut_, und eine seiner
Beischläferinnen, Mutter seines als Kind verstorbenen Sohnes _Uradschagan_,
waren Tatarinnen, so auch eine Frau seines Bruders _Dschudschi Kasar_,
seines Sohnes _Batu_ und _Tudai Mengku's_, des Herrschers von Kipdschak.
Die beiden Gemahlinnen Tschengischan's erflehten von ihm das Leben zweier
Kinder ihres Stammgenossen _Kuli_ und seines Bruders _Karamengku_, welche
beide gross gewachsen, den Dienst von _Bawerdschi_, d. i. Tafeldecker,
bekleideten. _Kuli_ genoss des grössten Ansehens und schloss sich nach
Tschengischan's Tod an die grosse Frau _Sijurkukteni_, die Gemahlin
_Tuli's_, welche ihn zum grossen Emir des Lagers und Obersthofmeister
_Sijuktu's_[7], des Sohnes _Tuli's_, ernannte. _Sali_, der Sohn
Karamengku's, erscheint unter der Regierung _Mengkukaan's_, gleich beim
ersten Feldzuge Hulagu's, als Sicherer des Rückens des Heers an der
indischen Gränze; bei Tschengischan selbst aber galt mehr, als die beiden
von seinen beiden Gemahlinnen zum Leben erbetenen obgenannten Kinder, und
mehr als die beiden Frauen _Akutuku's_, der Tatare _Kutku Nujan_; von
_Tschengischan_ als Findelkind angenommen und seiner ersten Gemahlin, noch
ehe sie ihm einen Sohn geboren, zur Pflege empfohlen, hatte sich _Kutku_
schon als zwölfjähriger Knabe Tschengischan's besondere Zuneigung durch
seine Tapferkeit erworben, indem er taidschutischen Dieben ihre Beute
abjagte, und als fünfzehnjähriger Jüngling mitten im tiefen Schnee allein
dreissig Hirsche erlegt hatte. Er durfte den Tschengischan _Itsche_, d. i.
Vater, und dessen Gemahlin _Ike_, d. i. Mutter, nennen. _Ogotai_, der Sohn
und Nachfolger Tschengischan's, gab ihm den Ehrentitel eines Prinzen,
_Aka_, mit dem Vorsitze vor seinen eigenen Söhnen, und noch achtzigjährig
versah er das Amt des Oberrichters nach seinem Wahlspruche: _Fürchte Nichts
und sprich recht_.[8] Die Tataren sassen an der Gränze China's, dessen
Kaisern sie meistens steuerpflichtig waren.[9] 2. Der zweite feindliche
Stamm, welchen Tschengischan wie die Tataren als unversöhnliche Feinde mit
Vernichtungskrieg zu Boden trat, war der in vier Zweige getheilte der
_Merkit_ oder _Mekrit_, auch _Udujut_ genannt, denen die _Solongos_
beigezählt wurden. Ihr Fürst _Tuktaibeg_ fiel mit sechs seiner Söhne als
Opfer der unversöhnlichen Feindschaft. Selbst der jüngste, welchem als
einem trefflichen Bogenschützen _Dschudschi_, der älteste Sohn
Tschengischan's, das Leben retten wollte, musste hingerichtet werden auf
ausdrücklichen Befehl des Vaters, welcher dem Sohne diese Milde nie vergab.
_Tairosim_, einer der Ersten des Stammes, gab dem Tschengischan die Tochter
_Kulan_ zur Frau, welche ihm den Sohn _Kulkan_ gebar. Vom Schwiegervater
bekriegt, verlor Tairosim die Schlacht, und seine Frau _Turakina_, welche
dem Sohne Tschengischan's beigelegt wurde, eine der grössten mongolischen
Frauen, verschaffte als Regentin nach Ogotai's Tode ihrem Sohne _Gujuk_
(dessen Gemahlin ebenfalls eine Merkitin) die Herrschaft. Die Sitze der
Merkit waren im Osten des mongolischen Stammgebietes am linken Ufer der
_Selinga_.

[Randnote: Die Stämme Dschelair, Sunit, Torghod, Uirat.]

Der zehngetheilte mächtigste Stamm der _Dschelairen_, welche in dem
Stammgebiete des Hauses Tschengischan's am Onon, in siebzig Ringen, wie die
_Avaren_, jeder Ring tausend Familien stark, sassen, ist einer von der
ältesten bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Begebenheiten
merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüderpaars _Dschudschi Tumle_ und
_Dschudschi Dschawerkai_, welche der Anlass des Kriegs Tschengischan's mit
den Taidschuten, haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und
wichtige Aemter des Staats und Hofs bekleidet; _Kadan_, der Dschelaire vom
Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne, _Iluk_ und _Ildschikitai_, wovon
jener Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des Sohnes und zweiten Nachfolgers
Tschengischan's, Ogotai's; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber
nicht, den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls zu
Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengkukaan's spielte
Ildschikitai eine höchst wichtige Rolle, indem er die Rechte des Uluses
Ogotai's auf den Thron wider die Ansprüche des Uluses Kubilai's
vertheidigte; im Gegentheile leistete der Dschelaire _Mingkasar Nujan_, aus
dem Zweige der Dschat, Grossfürst und Oberrichter _Miafarakain's_, dem
_Kubilai_ bei dem nach dessen Thronbesteigung über Majestätsverbrechen
gehaltenen Gerichte die grössten Dienste, indem er über die
widerspenstigen Prinzen der Uluse, Dschaghatai und Ogotai, das Todesurtheil
aussprach. Der Dschelaire _Dauldu_ war Vogt der vier grossen Lager
Tschengischan's und befehligte eine _Ssade_, d. i. Centurie, in jedem
_Hesare_, d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das Brüderpaar _Olai
Kalschu_ und _Karadschai_, die Schafhirten Jisukai's, des Vaters
Tschengischan's, denen er sich immer sehr dankbar bewies, weil sie seine in
die Gefangenschaft der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem
Fürsten der Kerait, geleiteten; auf dem Rückzuge genas sie vom Erstgebornen
Tschengischan's, welchen dieser, weil die (von Verläumdern sogar als zu
spät verdächtigte) Geburt des Sohnes unerwartet kam, _Dschudschi_, d. i.
den unverhofften Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge das
Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor, in ihrem Stande zu
bleiben und als Hirten seines Vertrauens zu geniessen; aus ihren Nachkommen
ist _Sertak_, der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's, des fünften der
persischen Ilchane, und von _Katschar_, dem Sohne _Sertak's_, leiten die
heutigen Schache Persiens ihre Dynastie als eine zweite des Stammes der
Dschelaire ab; denn eine frühere hatte nach Zertrümmerung des persischen
Reichs der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der _Grosse_, zum
Unterschiede von _Hasan Dschoban_, aus dem Stamme _Suldu's_, welcher
Stifter der Dynastie _Dschoban_ der _Kleine_ beigenannt ward) in Persien
gestiftet, welche von der geschwächten Macht der _Ilchane_ Nichts als den
verstärkten Titel als _Ilkaane_ führten. Aus dem Stamme der _Sunit_,
welcher noch heute unter diesem Namen an der chinesischen Gränze
sitzt,[10] war _Dschurmaghun_, welchen Ogotai, nachdem _Dschebe_ und
_Subetai_ von ihrem persischen Feldzuge über Russland nach Hause gekehrt
waren, als Befehlshaber Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder
mächtig, als der Stamm der Dschelairen, war der der _Uirat_, deren Sitz
zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere _Ankara_ ergiessen[11],
wo noch heute ihre Nachkommen unter dem verwandten Namen der _Buirat_, von
allen Stämmen der mit dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte,
indem acht Uiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und sieben
Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren. Die Grossmutter
Tschengischan's, die Frau _Sunigil Futschin_, war aus dem Stamme der
_Torghut_ oder _Torghod_, welcher noch heute ein Zweig der Kalmuken oder
Oeluet (das nur die chinesische Aussprache für _Uirat_) und deren Andenken
in Kleinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im Namen des Sandschaks
_Torghud Ili_ fortlebt.

[Randnote: Der Stamm der Kerait, Bekrin, Naiman, Tonghut und Uighur.]

Drittens die Stämme der _Mogholmanen_, d. i. der Völker, welche weder
Tataren noch Mongolen, mit den letzten verbunden, auf den Namen derselben
Anspruch machten. Die mächtigste dieser Völkerschaften, die von
nestorianischen Priestern zum Christenthum bekehrte[12] der _Kerait_; ihres
Fürsten chinesischer Ehrentitel _Owang Chan_ erhielt durch die Missionarien
des Mittelalters als Priester _Joannes_ keine mindere Berühmtheit, als in
früherer mythologischer Zeit der Fisch _Oannes_ als Gesetzgeber an der
Küste des rothen Meeres; die Hauptstadt derselben war die Stadt _Thianto_
am Flusse _Hoangho_, d. i. am gelben Flusse, das Land Tendum[13] _Marco
Polo's_; die Geschichte Owang Chan's und seines Bruders _Hakembo_[14] ist
auf das engste mit der Geschichte Tschengischan's verbunden, welcher erst
der Verbündete Owang Chan's, in der Folge denselben, weil er den Feinden
Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne stürzte. Vergebens
hatte Tschengischan früher die beiden Nichten[15] Owang Chan's für sich und
seinen ältesten Sohn Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm
verweigert worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's aus dem Sohne
_Sinkun_; aber die beiden Töchter _Ettiku's_, des Bruders _Sinkun's_, die
Frauen _Tokus_ und _Tukini_, wurden beide die Gemahlinnen _Hulagu's_, und
die dritte Nichte Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und
seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen, war die berühmte
_Sijurkukteni_[16], unstreitig die grösste aller mongolischen Frauen,
welche durch ihre Staatsklugheit dem Uluse Kubilai's den Thron verschaffte;
Mutter vier der grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der
Kaane _Mengku_ und _Kubilai_, des Ilchan's _Hulagu_, Gründers der
mongolischen Dynastie in Persien, und _Arikbuka's_, der als Nebenbuhler den
Brüdern den Thron streitig machte. Auch _But Tengri_, der Stiefvater
Tschengischan's, welcher um die Hand der Keraitin _Kadan_ geworben, erhielt
einen Korb, wie Tschengischan und Dschudchi, von der Nichte Owang Chan's.
Die nächsten südlichen Nachbarn der _Kerait_ waren die _Unkut_, d. i. die
Wächter der grossen chinesischen Mauer; ihr Fürst _Alakusch_, Verräther an
seinem Herrn, dem chinesischen Kaiser _Altun Chan_, öffnete dem Heere
Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand _Olakai Begi's_,
der Tochter Tschengischan's, deren Sohn später mit der Tochter Tuli's
vermählet ward; die Unkut waren mit dem Hause Tschengischan's, wie die
Stämme der _Uirat_ und _Kerait_, durch Verschwägerung eng verbunden. Wie
die Unkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen Mauer, so sassen
diesen westlich die _Naiman_, deren berühmter Fürst _Kuschluk Chan_ einer
der erbittertsten und mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider
denselben, mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte,
verbündete.[17] _Kuschluk's_ Tochter _Linkum_ ward die Gemahlin Tuli's,
Mutter seines dritten Sohnes _Kutumku_; auch Tuli's Beischläferin[18], die
Mutter seines achten Sohnes _Muke_, welche aber an desselben Statt den
vierten Sohn Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die _Bekrin_ oder _Mekrin_,
welche weder Mongolen noch Uighuren, sassen im Lande der letzten (in der
kleinen Bucharei). Tschengischan nahm _Murkai_, die Tochter ihres Fürsten,
zur Frau, welche nach Tschengischan's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger
_Ogotai_ vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder Dschagatai,
welcher sie von ihm begehrt hatte, verweigert ward; auch die Gemahlin
_Kaschin's_, des fünften Sohnes Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters
von vierzig Söhnen, welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als
Herrscher auftrat, war aus dem Stamme _Mekrin_. Zu den Mogholmanen zählt
Reschideddin auch die _Kirgisen_ und _Kemdschiut_, welche, Türken[19] wie
die _Ungut_, in Sibirien und an dem _Kem_ oder Jenisei sassen, von welchen
sie ihren Namen haben. Die _Tanghut_ im Gebirgslande an der sinesischen
Gränze, deren Hauptstadt _Ninghia_ am Ufer des gelben Flusses.
Tschengischan, welcher in vier Feldzügen dieselben nicht zu unterjochen im
Stande gewesen, starb auf dem letzten; und endlich in der kleinen Bucharei
die _Uighuren_, deren Sprache türkisch, deren Religionslehre aber auf
tübetanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk, von welchem die Mongolen
Schrift und Belehrung annahmen.

[Randnote: Die Dürlegin, deren Ausbruch aus Ergenekun.]

Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von _Tegus_ und _Kijan_
abzustammen, welche einige Jahrhunderte vor Tschengischan sich mittels
eines Durchbruchs aus dem Erzgebirge von Ergenekun, aus der Bothmässigkeit
ihrer Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend Jahre vor
Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren die Mongolen von ihren
Feinden, den Tataren, bis auf zwei Männer ausgerottet worden, deren einer
_Tegus_, der andere _Kijan_, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein
rundum von steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von
Jahrhunderten sich vermehrend, ihres Bergkerkers und Bergbaues endlich
müde, den Ausgang aus demselben sich nur dadurch bahnten, dass sie mit
siebzig Blasbälgen die Flamme aufgeschichteter Holzstösse gegen die Erzwand
trieben, bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus dem Gebirge
gewährte, dessen Namen _Ergenekun_ als _festes Gewölbe_ oder auch als
Gewölbe der _Kunen_ übersetzt werden kann; in der mongolischen Volkssage
und in ihrem auf die Türken gepfropften Stammbaum scheint die
geschichtliche Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der _Hiongnu_,
d. i. Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am Altai, wo sie
lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre Sieger Bergbau trieben,
verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge _Ergenekun_ ist von europäischen Forschern
mongolischer Geschichten theils am Kokonor[20], d. i. am blauen See, in
Tangut im Süden der grossen Sandwüste _Schamo_ oder _Kobi_, theils im
Nordosten derselben am See _Dalai_[21], d. i. am heiligen See, in welchen
sich der Kerulon ergiesst, gesucht worden; dort, weil noch heute die
steilen Ufer des Sees von den Mongolen _Gunergi_[20] genannt werden, hier,
weil der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem Namen _Ergun_
ausfliesst[21], und weil die Berge am mittleren Unun metallreich, wie der
Inschan, an welchem die Herrscher der Hiongnu oder Kunen ihre
Waffenarbeiter unterhielten[22]; aber wahrscheinlicher ist dieses
Erzgebirge weder hier noch dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an
Gold wie an Eisen so reichhaltigen Felsenthälern die Türken im sechsten
Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der byzantinischen Geschichte
auftauchen; dorten ist der Felsendamm von Gog und Magog, welchen die alte
mongolische Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten
zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und Dichter den
Bergkerker der Mongolen verlegen[23]; doch gleichviel, seyen die Mongolen
ursprünglich vom Inschan oder Kinschan (so nennen die Chinesen den Altai)
ausgebrochen, seyen sie von den Ufern des _blauen_ oder heiligen Sees
ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter aus der Bergsclaverei
lebte von Geschlecht zu Geschlecht fort (bis auf den heutigen Tag); das
Fest des Auszugs ward alljährlich in der Nacht vor dem neuen Jahrestage als
ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes Eisen wurde in
Gegenwart des Herrschers gehämmert und Gott für den Auszug aus dem
Erzgebirge gedankt; später machte die Volkssage den Tschengischan, den
Gründer der Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede[24], und am Berge
_Tarchan_, d. i. der _Schmied_, welcher auf sieben deutsche Meilen
sichtbar, aus rothem Granite als Riese den Eingang der grossen Sandwüste
bewacht, wird noch der Ambos bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste
das Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge _Tono_, d. i. der Rauchfang,
wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauchfang der Jurte gezeigt, in
welcher er geschmiedet[25] haben soll. Auch in der altpersischen Geschichte
war der Befreier des Volkes von der Tyrannei Sohaks der Schmied _Gjawe_,
dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier, und im
Mongolischen ist _Tarchan_, d. i. der _Schmied_, gleichbedeutend mit
Freiherr.

[Randnote: Die Stämme der Uirangkut und Konghirat.]

Die Mongolen, welche von den Altvordern stammen, die aus dem Erzgebirge
Ergenekun zogen, heissen _Dürlegin_, bis auf _Alankowa_, die neunte Ahnfrau
Tschengischan's, deren Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom
himmlischen Lichte empfangen, die _Nirunen_, d. i. die Reinen, heissen; von
allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und den Geschichtschreiber
des Aberglaubens der Völker merkwürdigster Stamm ist der der _Uirangkut_,
die einzigen Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern den
Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten den Wetterstrahl als
einen feurigen Drachen, der, aus dem Meere steigend, die Luft durchzieht
und die Erde mit feurigem Schweife schlägt[26]; sie glaubten, dass
ausgegossener Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen den
Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu trocknen verboten
war; diese Meinung und dieses Verbot zeugt für die Fürchterlichkeit der
Ungewitter in jenen Gebirgen und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass
Feuchtigkeit der besste elektrische Leiter; aus diesem Stamme waren die
meisten _Kamen_, d. i. Schamanen, Beschwörer von Ungewittern und Geistern;
aus demselben waren _Jisun Taischi_ und _Jisun Köke_, Befehlshaber des
linken und rechten Flügels im Heere Tschengischan's, _Subutai Behadir_, der
berühmte Feldherr, welcher mit _Dschebe Nujan_ die siegreichen Waffen der
Mongolen durch Persien nach Kipdschak trug, endlich _Udadschi_, der
Zeitgenosse Tschengischan's, dessen Nachkommen im Gebirge _Burhan Kaldun_
die Grabwächter des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter der
acht weissen Häuser (Ordu), welche dort in der Gegend _Jeke Utek_,
zwischen der Schattenseite des westlichen Altai und der Sonnenseite des
östlichen Kentei, aufgerichtet worden[27], nach aller Wahrscheinlichkeit
die Ahnen des in der späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und
noch heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen Stammes der
_Ordu's_[28]. Wenn der Stamm der _Urianghut_ so merkwürdig für den
Mythologen und Ethnographen, so ist der siebenzweigige[29] der _Konghirat_
noch weit bedeutender in der Geschichte Tschengischan's und seiner
Nachfolger durch die vielfältige Verschwägerung desselben mit dem
Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des tschengischanischen Hauses
aus diesem Stamme in alle vier Uluse vermählt waren. Die Mutter
Tschengischan's war aus einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin,
und Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so gab er dem
_Schingku Gurgan_ seine Tochter Tumalin mit dem Befehle über viertausend
Konghiraten, eine andere wollte er dem Konghiraten _Tuli Amul_ zur Frau
geben, liess ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen Worte
erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen, die Frosch und Schildkröte
(quackend und duckmäuserisch sicher). Von _Bestui_, dem Stammvater der
Konghirat und der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich
Alles, was in der mongolischen Hofsprache _golden_ heisst, her, wesshalb er
auch _Bestui serin_, d. i. der goldene, beigenannt wird; daher das goldene
Lager, das goldene Archiv, das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des
Herrschers. Aus den _Kinkliut_, einem Zweige der Konghirat, war _Miser
Uluk_, von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin seltsame
Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief er statt der Decke mit
Muscheln zugedeckt, so dass Vögel auf seinen Rücken nisteten und Eier
legten; sein Sohn war der Stammvater der _Kurulas_, aus welchen _Merchitai_
dem Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von der
Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den erbitterten Feind
_Dschamuka_ zum Gurchan, d. i. zum grossen Herrscher ausgerufen hatten,
die früheste Kunde zu geben. Die Gemahlin _Miser Uluk's_ war eine Chinesin,
deren Namen[30] die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der Sohn
_Ildschigin_, d. i. Langohr, genannt ward, der Stammvater des siebenten
Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre Sitze an der chinesischen Gränze an
den finsteren Wäldern des Gebirges _Hingan_[31], woher die unter dem Namen
der _Karawinas_ berühmten Naphtafeuerwerker.

[Randnote: Die Stämme Kungtan, Erlat, Huschin, Kelkenut, Bajaut, Suldus.]

Der Namen des Stammes _Kungtan_ heisst die Grossnasichten, was sowohl
physisch als moralisch für stolz und anmassend verstanden werden kann.[32]
Aus diesen und den folgenden Stämmen der _Erlat_, _Huschin_ und _Suldus_
waren die bessten persönlichen Freunde Tschengischan's, die werkthätigsten
Helfer seiner Jugend und seines männlichen Alters. _Menglik Itschke_, der
Kungtane, hatte nach Jisukai's Tode den dreizehnjährigen _Temudschin_
gepflegt, sein Sohn aus einer früheren Ehe, _But tanri_, d. i. Gottes
Ebenbild, trat als begeisterter Schamane auf und verwandelte im Namen des
Himmels den Namen Temudschin's bei dessen Thronbesteigung in _Tschengis_,
als gleichbedeutend mit Gewaltiger, grosser Chan; der diesem gewogenste
Stamm waren die _Erlat_ oder _Arulad_, d. i. die Guten, als deren Chakan
Tschengischan den Thron bestieg[33]; aus diesem Stamme war _Bughurdschin
Nujan_, welcher mit _Burghul Nujan_, aus dem Stamme der _Huschin_, der
Lebensretter Temudschin's, als er blutspeiend mitten im Schnee zu sterben
Gefahr lief, wofür beide im höchsten Ansehen stehend in der Folge als die
Waffengenossen, die ihm am Quell _Baldschuna_ treu geblieben waren, zu
_Tarchanen_, d. i. Freiherren, geadelt, dieselbe Würde ohne Diplom
erhielten und über Diplome erhaben erklärt wurden; auch den ganzen
freundlichen Stamm der _Kelkenut_ adelte Tschengis als Freiherren, wie
Kaiser Friedrich I. alle Einwohner einer italienischen Stadt zu Conti
erhob; aus dem nicht minder freundlich gesinnten Stamme der Bajaut, welcher
in zwei Abtheilungen an der Selinga sass, war _Böke Gurgan_, einer der
Eidame Tschengischan's, dann _Ongkus Keisat_, d. i. der Truchsess[34], ob
der Plünderung der Schätze des chinesischen Kaisers Altan Chan in der Folge
verungnadet, und _Surkan_, der betraute Rath Tschengischan's, der, als die
Fürsten der Tataren und _Dschadscherat_ um die oberste Herrschaft der
Mongolen stritten, dasselbe dem Temudschin vorausgesagt. Endlich der Stamm
_Suldus_, verherrlicht durch die Familie _Surghan Schire's_, des Retters
Temudschin's, als dieser von seinen Feinden, den Taidschuten, gefangen, mit
dem Blocke am Halse sich in einen Teich versteckte, so dass nur die Nase
über dem Wasser sichtbar. Die alte Frau _Baidschu Ikadschi_ hatte sich
seiner in dieser Sklaverei erbarmt; aber wichtiger war der Dienst, den ihm
_Surghan Schire_ erwies, indem er, des Verborgenen gewahr, die ihn
aufsuchenden Taidschuten vom Teiche ableitete, Abends denselben hervorzog
und in seinem Hause in einem Sacke von Wolle verbarg; die Verfolger
durchsuchten das Haus und stiessen mit Spiessen in den Wollsack; als sie
ferne, gab ihm Surghan Schire Kleider, Waffen, Mundvorrath und eine weisse
Stute, auf welcher er seiner Familie zueilte, die längst alle Hoffnung, ihn
wieder zu sehen, aufgegeben; sein vierter Sohn, Tuli, sagte schon mehrere
Tage hindurch: Mutter! der Vater kommt auf weisser Stute; und desselben
Ankunft bestätigte des Knaben zweites Gesicht[35]. Viele der Nachkommen
Surghan Schire's kamen mit Hulagu nach Persien, und von denselben stammt
der berühmte Emir Tschoban, der Feldherr unter Ghasan, Oldschaitu und Ebu
Said, der in des letzten Regierung so wichtige Rolle spielt, und dessen
Sohn Hasan der Gründer der Dynastie _Tschoban_, welche, wie die der
Ilkaane, sich aus den Trümmern des ilchanischen Reichs in Iran erhob.
Tschengischan zählte unter den Stämmen der Durlegin mehrere Freunde als
unter den achtzehn der ihm nächstverwandten, von den lichtempfangenen
Söhnen von der neunten Ahnfrau abstammenden _Nirunen_, d. i. die Reinen.
Sein eigenes Haus hiess erst von seinem Ahnherrn _Kabulchan_ nur das der
_Kutat_ oder _Kitad_ und von seinem Vater _Jisukai_ das der _Kutat
Burdschugin_, d. i. die rothbräunlichten Augen. Von diesen achtzehn Stämmen
der _Nirunen_ wollen wir hier nur die vier mächtigsten, zwei freundliche,
die _Taidschut_ und _Dschadscherat_, und zwei feindliche, die _Barin_ und
_Jisut_, zur näheren Kenntniss einführen.

[Randnote: Die Stämme der Taidschut, Dschadscherat, Barin und Jisut.]

Die _Taidschut_, deren Namen an die Deutschen erinnert, wie der der
_Dschete_ an die Geten, und der der _Dschurmanen_ an die Germanen, stammten
mit den ihnen nächstverwandten drei Stämmen, der _Erikian_, _Sidschiut_ und
_Dschinis_, von Baiduchan, dem sechsten Ahnherrn Temudschin's, dessen
Urenkel Ainbaghi von den Tataren gefangen, dem chinesischen Kaiser
ausgeliefert, auf einem Esel paradirt und dann geschunden worden; gleiches
Schicksal hatte ein anderer Urenkel desselben, _Ökin Berkan_, und die
Blutrache dieser beiden Urgrossoheime Temudschin's diente in der Folge, den
wider die Dynastie der _Kin_ unternommenen Krieg zu rechtfertigen; aber
früher hatte Temudschin eigene Unbild an diesem seinem Hause so nahe
verwandten, aber feindlichen Stamme zu rächen; nach der Niederlage
derselben zu _Baldschusch_ wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln
gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so berühmt, als die
siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand von Ergenekun sprengten, als die
siebzig Ringe[36] der Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien
bestand. An der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der _Dschadscherat_
oder _Dschuirat_, deren Stammvater Odurbejan, der Bruder Kabulchan's, des
Urgrossvaters Temudschin's, stand Dschamuka, beigenannt _Satschan_, d. i.
der Listige, der gefährlichste und unversöhnlichste aller Feinde
Tschengischan's, dessen Ränke ihn mit Owangchan, dem Herrn der Kerait,
entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem Neffen Iltschidai
zur Hinrichtung übergeben ward; doch theilten nicht alle Dschadscherat den
unversöhnlichen Hass ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben
wesentliche Dienste dankte, so den Brüdern _Kuschaul_ und _Dschusuk_,
welche während Tschengischan's chinesischen Feldzugs seinen Jurt hüteten;
und _Kalender_, welchen Tschengis in der Begleitung eines Uriangkuten mit
erdichteter Botschaft im Namen seines Bruders _Dschudschi Kasar_ an
Owangchan sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme der
_Barin_, dem nächsten Verwandten der _Durban_, d. i. das Meer, die in den
heutigen _Törbed_ fortleben, war _Sutukusu_ nach dem berühmten Feldherrn
_Mokli Kajanik_ der zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis
zur Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeitsschmaus mit
Tschengischan gefeiert zu haben; dann _Bigi_, der Barine, welchen Tschengis
als _Ungkun_, d. i. freien Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen
wie die Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen Pferde in
einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er sehr alt, befahl
Tschengischan, dass ihm der Rücken eines _Sukanut_ beim Aufstehen zum
Schemel diene, woher diesem Stamme der Name _Aktadschi Bigi_, d. i. die
Stallmeister _Bigi's_, blieb, wider welchen sie protestirten. Die _Jisut_
endlich leiten ihren Ursprung von _Tschintai Utdschigin_, dem jüngsten
Sohne Kabulchans, des Urgrossvaters Temudschin's, ab. _Utdschigin_, d. i.
der Feuerhüter, hiess bei den Mongolen der jüngste Sohn, welcher während
der Abwesenheit des Vaters und der Brüder im Felde das Haus als Ofensitzer
hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode dasselbe erbte, weil er
besser als die Brüder im Felde sich mit der Wirthschaft bekannt zu machen
Gelegenheit gehabt. Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen
Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer-Haushüter, nebst
_Tschintai_ noch _Budan Utdschigin_, der jüngste Sohn _Burtan Behadir's_,
des Grossvaters Tschengischan's; _Taratai Utdschigin_, der jüngste Sohn
_Jisukai's_, des Vaters Tschengischan's, und endlich _Tuli_, des letzten
jüngster obengenannter Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die grosse
zahlreiche Familie _Dschebe Nujan's_, des Waffengefährten _Subatai
Behadir's_, welcher mit demselben den dreijährigen Feldzug wider Persien
und Russland vollbracht.

Erst nach dieser vorläufigen Kenntniss der berühmtesten Stämme des
mongolischen Reichs ist es gerathen, die Geschichte seines Gründers kurz zu
überblicken.

[Randnote: Perioden der Geschichte Tschengischan's.]

Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun und vierzigsten Jahrs
der Hidschret, d. i. am 26. Jänner d. J. tausend hundert fünf und fünfzig
der christlichen Zeitrechnung, im letzten Jahre des alttürkischen
Thiercyclus, nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei und
siebzig Jahre alt, am vierten Ramasan d. J. d. H. 624, d. i. am 18. August
1227, nach dem sechsmal durchlaufenen zwölfjährigen Thiercyclus, abermal im
Jahre des Schweines, ein ominoses Geburtsjahr für den Herrscher der
mongolischen schweinischen Menge; nicht minder ominos, als dass Temudschin
ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand verschliessend zur Welt kam, die
er mit Blut überschwemmen sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines
Lebens, in dessen dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die
Geschichte Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin von dem am Tage
seiner Geburt besiegten und gefangen eingebrachten Fürsten gab; die übrigen
sechzig Jahre seines Lebens zerfallen in die frühere kleinere Hälfte,
welche sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten bis an
sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche von seinem vierzigsten
bis zu seinem Tode zwei und dreissig Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in
welcher er den wiederholten Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur
mühsam die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte, kennt die Geschichte
verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige Begebenheiten, aber
desto gellender und ohrenzerreissender durchschmettert sein Namen in den
folgenden zwei und dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber
Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herrschaft
Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in dessen drei und
siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll in fünf Perioden, die erste
von dreimal neun, die zweite von neun, die dritte und vierte von sieben,
die fünfte abermal von neun Jahren eingetheilt.[37] In der ersten Periode
tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig Kesseln
gesotten worden, auf; schon wider seinen persönlichen Feind, _Dschamuka_,
den Fürsten der _Dschadscherat_, kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil
ihm unterwirft, sowie die Stämme _Suldus_, _Jisut_ und _Barin_, deren Emire
sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes führt einen
Streit mit dem Vetter _Sedschebegi_, dem Fürsten des nahverwandten Stammes
der _Kijat Burkin_, herbei, der nun Temudschin gegenüber als Bewerber um
die oberste Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg über
die _Tungkait_, einen Zweig eines wider seinen Fürsten Owangchan, welchem
Temudschin Hilfe leistet, empörten keraitischen Stammes. In der zweiten
Periode erscheint Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der
Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der _Naiman Merkit_ und
_Tataren_; nach Besiegung derselben unterwirft sich der mächtige Stamm der
_Konghurat_ der Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als Herr
der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre. Verschmähte Brautwerbung
und Dschamuka's Ränke führen den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem
Temudschin zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge denselben,
sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt, worauf ihm die Uighuren,
Kirgisen, huldigen, und er als Herrscher aller Mongolen die neungipflige
Fahne mit neun weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temudschin
in _Tchengis_, d. i. starker, grosser, gewaltiger Herrscher, verwandelt.
Die folgende Periode füllt der siebenjährige chinesische Krieg und die
letzten neun Jahre seines Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über
ganz Vorderasien verbreitete Macht in Transoxana, Chuaresm, Chorasan, Iran
und Kipdschak, theils in eigner Person, theils durch seine Söhne und
Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut, wo er seinen Lauf als
Eroberer beschliesst. Gibbon hat diese Eroberungen nach den vier
Weltgegenden, im Norden, Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die
Geschichte Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen
aufzuzählen, hier nicht unser Zweck, so beleuchten wir die grosse
historische Figur Tschengischan's von vier Seiten, zuerst in seiner Familie
als Menschen, dann gegenüber seinen Feinden als Sieger und Eroberer,
hierauf als Staatsmann und Gesetzgeber, und endlich in dem Ueberblicke
seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den _Gewaltigen_ im
eigentlichsten Sinne des Worts.

[Randnote: Die Familie Tschengischan's.]

Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengischan's: _Dschudschi_,
_Dschaghatai_, _Ogotai_ und _Tuli_, die Stammväter der vier nach ihnen
genannten Uluse aus der Konghuratin _Burte Fudschin_; aber Tschengis hatte
noch vier andere Söhne: _Kulkan_ oder Gulgan[38] aus Kulan Chatun, der
Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei, die als Kinder
gestorben[39]; seine sechs Töchter[40], von denen er vier an die Prinzen
feindlicher Stämme vermählte, um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur
zwei an befreundete Fürsten, nämlich: _Alakabegi_ an den Fürsten der
Ungkut, welcher ihm den Durchgang der grossen Mauer geöffnet, und Kalbi an
Idikut, den Fürsten der Uighuren, der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht
anders als seinen fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's war
mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen bevölkert, aber von diesen
fünfhundert hatten nur fünf den Titel von grossen Frauen, als die fünf
Centurionen dieser fünf Weibercenturien, nämlich: 1. _Burte Fudschin_, die
Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier Söhne, Gründer der
vier Uluse; 2. _Kulan Chatun_, die Tochter Tairosun's, des Fürsten des
feindlichen Stammes der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden
Tatarinnen, Schwestern, _Jesulat_ und 4. _Jesulun_; 5. _Kundschu_, die
Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder hatte und in deren
Lager sich die durch ihre Schönheit berühmte _Hogutai_ befand; als die
nächsten an diesen fünf grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte
bezeichnet, nämlich die Tochter des viermal mit Krieg überzogenen Fürsten
von Tanghut, die Tochter _Tajangchan's_, des siebenmal besiegten Fürsten
der Naiman, die Naimanin, Mutter des Sohnes _Dschurdschetai_, die Tatarin,
Mutter des Sohnes _Urdschahan_, und endlich _Abika_, die Tochter Hakembu's,
des Fürsten der Kerait, welche Tschengischan durch ein Traumbild
erschreckt, dem Vertrauten Kehti Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache
hielt, mit allen ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von
ihr nur den Becher, worin sie mit ihm _Kumis_, d. i. Stutenmilch,
getrunken, und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker zurückbehielt. Sollte
den Barbaren vielleicht die Ahnung einer Neigung zwischen der Prinzessin
und dem Leibwächter zum grossmüthigen Opfer dieser Abtretung bewogen haben?
oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt? selbst in diesem
Falle ist das zurückbehaltene Andenken eine ganz unerwartete Spur
menschlichen Gefühls in der Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der
schon als Knabe, ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem
Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überlebenden vier Brüder
Temudschin's sind _Belgutai_, sein Theilnehmer am Brudermord, _Kodschuiu_,
dessen Sohn _Iltschidai_ einer der treuesten und eifrigsten Diener des
Oheims, auf dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zerhieb; der
jüngste, _Temengu Uldschigin_, d. i. der Feuer- oder Herdhüter (seine
Mutter war die Olkunutin _Usedenu_, Verwandte der Mutter Tschengischan's),
ein grosser Bauliebhaber, der überall, wo er hinkam, baute, und so viel es
in seinen Kräften stand, -- wenigstens dem Willen nach gutmachte, was der
Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers verheerte; endlich _Dschudschi
Keser_, wegen seines athletischen Körperbaues und seiner Stärke der Löwe
beigenannt; seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurückgezogen,
dass, wenn er worunter lag, ein Hund unter dem Bauche durchlaufen konnte,
seine Stärke so gross, dass er gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand
nahm, indem er ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach.[41] Er war der
starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber auch ein Paarmal
mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner Zufriedenheit und Unzufriedenheit,
die erste ehrenvoll und die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen
desselben vererbte. Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege
wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis allen Nachkommen
des Oheims das Recht ein, wie die Prinzen Söhne auf der rechten Seite des
Thrones zu sitzen, während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken
Seite mit den Emiren[42]; aber als in dem Kriege wider die Kerait
Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des Mahles auf sich warten liess,
sagte Tschengischan: »So erscheinen Mücken, nur wenn sie die Sonne
bescheint, und verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen
will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen zum Himmel
steigen.« In seinem Unwillen gab er die unverbrüchliche Satzung, dass kein
Glied der Familie Dschudschi Keser's je der Chanschaft würdig geachtet
werde, und erniedrigte also alle Nachkommen desselben für alle künftige
Zeiten zu blossen Emiren _Karadschu_, d. i. unterthänigen Fürsten.[43]

[Randnote: Die Feinde Temudschin's bis zu seiner ersten Thronbesteigung.]

Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei den Stämmen Erwähnung
geschehen; seine Feinde können in vier Klassen getheilt werden, erstens die
persönlichen unversöhnlichen; zweitens die besiegten und zum Theile,
wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens die sich
Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron, und viertens, nachdem
Tschengischan denselben bestiegen, die reichsgefährlichen feindlichen
Mächte. Der erbittertste seiner persönlichen Feinde ist _Dschamuka Sasan_,
d. i. der Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit
Owangchan entzweite und die Anregung der Verschwägerung herbeiführte,
welche dann der nächste Anlass des Krieges zwischen Owangchan und
Tschengischan. Er machte gemeinsame Sache mit Taidschuten, welchen alsbald
nach dem Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten und der mit ihm
verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte Tschengischan die
grössten Unbilden seiner Jugend zu erleiden, die Sklaverei, aus der ihn
_Schurkan[44] Schire_, der Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge
von zwölf ihm an den Hals geschossenen Pfeilen, dessen Todesgefahr die
Freunde _Burghudschi_ und _Burghul_ abgewendet; solche Unbill und Schmach
büssten sie in den siebzig Kesseln gesotten. Nach den Taidschuten waren die
unerbittlichsten der Feinde die _Tataren_ und _Merkiten_, wider welche
Tschengis, sowie wider die Taidschuten, den Krieg bis zur Vertilgung
führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen und
Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm oder den Söhnen
überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi zürnte er unversöhnlich, weil
dieser dem jüngsten Sohne _Tuktabeg_ des Fürsten der Merkit als einem
trefflichen Pfeilschützen das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilten
Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden Schwestern
Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur dreissig Familien das Leben
gerettet, und vom Tataren Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind
das Leben erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden.[45] Die
Taidschuten waren das erstemal zu _Baldschusch_ in der Niederlage der
siebzig Kessel, [RN: I. J. 1198.] zum zweitenmale von Temudschin und
Owangchan zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, geschlagen worden; mit
ihnen verbündeten sich aus den Naimanen, den nächsten Stammverwandten
Temudschin's, die Stämme _Katagin_, _Saldschiut_, _Durbin_ und _Konghurat_,
ihr Bündniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers, Widders,
Hundes und Bockes beschwörend; die Fürsten, welche mit Tschengischan um die
Oberherrschaft der Mongolen buhlten, waren _Dschamuka_, der Fürst der
Dschadscherat, _Olak Odur_, der Fürst der Merkiten, _Sidschebeg_, der Fürst
der Kijat, _Burkin_, der nächste Verwandte Temudschin's, und _Dschudschi
Kasar_, der Oheim desselben. In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit
Temudschin's mit dem Oheim, der Anlass aber des Abfalls des Vetters
Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege über die
Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter _Ulun Ike_, seinen Brüdern
Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein Fest, bei welchem sich auch
Sidschebeg, das Haupt des Stammes der Kijat Burkin, mit seiner grossen und
kleinen Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand; die
Mutter fand sich beleidigt, weil _Sijudscher_, der erste Tafeldecker
Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der ersten vorgesetzt; sie schlug
ihn desshalb, und als auch bald hierauf Bilgutei beleidigt worden, kam es
zwischen den Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgemenge, die
beiden Frauen wurden gefangen, hernach wieder freigegeben, aber Sidschebeg
trennte sich mit seinem ganzen Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider
ihn mit gewaffneter Hand als Anmasser der Oberherrschaft auf. [RN: I. J.
1201.] Die obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dschamuka zum
Oberherrn mit dem Titel _Gurchan_, d. i. des grossen Herrschers, aus. Sie
verschworen sich abermal am Ufer der Tula, indem sie mit ihren Füssen die
Erde des Ufers in den Fluss stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch
abhieben: »dass der Verräther wie diese Erde zerstampft, wie dieses
Gesträuch niedergehauen sei!« Temudschin schlug die sieben Stämme zu _Jedi
Gurgan_, d. i. bei den _sieben Grabmalen_, was ein als ihre Grabstätte,
Unglück vorbedeutender Namen; als er hierauf auch die Tataren und Naimanen
geschlagen, [RN: I. J. 1201.] unterwarfen sich die _Konghurat_, der nächste
der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg als grosser Herrscher
derselben den Thron.

[Randnote: Die Feinde und Freunde Temudschin's bis zu seiner zweiten
Thronbesteigung als Tschengischan.]

Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan bestandene Bündniss wurde
durch die Einstreuungen Dschamuka's getrübt, welcher den Owangchan
bestimmte, dem Antrage Temudschin's einer näheren Verbindung der beiden
Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben. Temudschin warb
nämlich für sich um _Abika_, die Tochter Hakembu's, des Bruders
Owangchan's, und um ihre Schwester _Begtutmisch_ für seinen ältesten Sohn
Dschudschi, während er dem _Singun_, dem Sohne Owangchan's, seine älteste
Tochter _Fudschin_ antrug; die ehemals Verbündeten waren nun offene Feinde;
Temudschin, der so oft mit den Kerait wider ihre gemeinschaftlichen Feinde,
die Tataren, Merkit und Naiman, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete
zum schlammichten Quelle Baldschuna, wohin ihm nur die Getreuesten folgten.
Diese waren in der Folge als die Waffengefährten von Baldschuna
ausgezeichnet, wie vor sechs Jahrhunderten von Mohammed die
Waffengefährten von Bedr und Ohod, er ernannte sie später alle zu
_Tarchanen_, d. i. Freiherren, sowie die beiden Lebensretter,
_Bughurdschin_ den Erlaten, und _Burghul_ den Huschinen, dann _Surgan
Schire_[46] den Suldusen, die beiden Dschelaire _Olai Kalgha_ und
_Karadschu_[47], den Taidschuten Jisukai, welcher vormals die mit
Dschudschi schwangere _Burte Fudschin_ sicher zu Owangchan geleitet hatte;
Burghul diente von der Pike, oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom
Pfeile auf; denn Anfangs Tafeldecker, ward er _Gesiktu_, d. i. vom Vortrabe
der Pfeilschützen, dann _Emir Gesik_, Befehlshaber derselben, hierauf _Emir
Toman_, d. i. Befehlshaber eines Corps von zehntausend Mann, und endlich
Grossfürst. Von Bughurdschin sagte Tschengischan: Ich schätze ihn unter
meiner Seele, aber höher als alle Fürsten und _Karadschu_ (Unterthanen).
Bughurdschin nannte sich selbst den Unfehlbaren und sagte von sich selbst:
»Wann das Geschrei der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht;
wann den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf und Gehirn
frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel steigt und der Rauch des
Himmels zur Erde sinkt, verfehle ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man
mich den Unfehlbaren.« Als Tschengischan den _Burghul_ und _Bughurdschin_
zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten, erklärte er sie über
alle Diplome erhaben. _Bughurdschin_ war der erste der neun _Örlök_[48],
d. i. die neun Mannen oder Helden, die andern acht: 2. _Burghul_ der
Huschine, 3. _Schurkan Schire_[49] der Sulduse, der Lebensretter, wie die
beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. _Mokli_ der Dschelaire[50],
der Eroberer China's; 5. _Dschebe_ der Jisute; 6. _Subutai Behadir_[51],
der Feldherr wider Persien und Kipdschak; 7. _Dschelme Oho_, d. i. der
tapfere Räuber[52], der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's,
dessen Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der
Leibwachen; 8. _Schiki Kuttu_, der von Tschengischan, noch ehe ihm seine
Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt angenommene Pflegsohn, dessen
Wahlspruch als Richter: Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der
Uirate _Kara Karaghu_[53]. Diese neun Helden waren die innigsten
Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider seine Feinde:
»Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und ihr dreihundert und neun
Leibwachen, umgebt das Haus!«[54] und als er sieben Jahre nach der ersten
Thronbesteigung den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen,
nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefährlichste und mächtigste
seiner Feinde, in der Niederlage gefallen, als er in der Gegenwart von
hundert versammelten Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem
ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater _Buttangri_ (Ebenbild Gottes)
ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen angenommen und die neungipflige Fahne
mit den neun weissen Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines
Hauses aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhunderttausend
Mongolen, als er die Fünffarbigen und Vierfarbigen[55] zu Einem Volke
vereint, denselben den Namen der _blauen Mongolen_[56] oder _einzigen_[57]
beigelegt und seine Staatseinrichtungen begann, redete er seinen Wesir
Bughurdschin und die neun Helden Waffengefährten an: »Du mein Bughurdschin,
dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr neun _Örlök_, ihr meine
Fürsten und Edle, ihr meine Unterthanen und du ganzes grosses Volk, dass
Keiner ihn neide! Er soll die oberste Verwaltung der inneren
Reichsangelegenheiten führen und über die fünf Farben meines Volkes
befehlen; er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete bewahren und als
Oberbefehlshaber über die neun Gebiete den Titel _Kuluk Bugudschi_ führen;«
er ward zum Oberhaupte der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt
den Titel _Butschin Taibutsan_[58].

[Randnote: Die sieben Kurultai, die Fürsten, welche gehuldigt.]

Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der Landtag, auf welchem
Temudschin als Tschengischan, d. i. gewaltiger Herrscher, der Fünf- und
Neunfarbigen, der blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das
vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's erwähnt.
Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge wider die Taidschut und der
Niederlage der siebzig Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten
Thronbesteigung als Herrscher der unterworfenen Stämme der Konghurat und
der mit denselben Verwandten, das dritte nach der durch den Fürsten der
Tunguten erhaltenen Kundschaft von dem Ueberfalle der Naiman und der
Niederlage Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Aufpflanzung
der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife gehalten, das fünfte hat
bald hierauf zur Berathung des siebenjährigen chinesischen Kriegs, das
sechste sieben Jahre hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen,
und das siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre vor seinem
Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath stattgehabt. Diese Kurultai
blieben sofort mongolischer Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der
Fürsten und anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen
Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede an
die versammelten Stämme von den zwölf unterworfenen Reichen, worunter die
Gebiete der besiegten, ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften;
zuerst die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes der
_Konghurat_ mit seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten Stammes der
_Kijat Burdschin_, dann der _Tataren_ und des ihnen engverbündeten Stammes
der _Mekrin_, dann der _Taidschut_ und der _Kerait_; der noch unbezwungene,
mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider welchen Tschengischan
siebenmal zu Felde gezogen, fünfmal vor seiner Thronbesteigung, zweimal
als gewaltiger Chan der Mongolen, und als Verbündeter Owangchan's. Immer
waren sie an der Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme und ihre
Niederlagen zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, [RN: I. J. 1198.]
nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Taidschut zu
_Baldschusch_, die der verbündeten Stämme an den sieben Grabhügeln und die
Tschengischan's selbst, als er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht
von wenigen Treuen begleitet zum Quelle _Baldschuna_ geflohen. Nachdem in
der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr grosser Fürst Tajangchan
geblieben, zog Tschengischan wider dessen Bruder _Bujuruk_, d. i. den
Befehlshaber, welcher ihm als Fürst seines Volkes gefolgt, und schlug
denselben an der Sudscha, in der Nachbarschaft des _Ulugtag_, d. i. des
grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen Altai ober dem
Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk floh mit Tukta, dem Fürsten der
Merkit, nach den Ländern am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte
ein Hauptgrund des Untergangs der _Kirkis_ und _Kemkemdschiut_ gewesen
sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen, und welche nun dem gewaltigen
Herrscher huldigten; so huldigten ihm auch im Süden _Idikut_, der Fürst der
Uighuren, und die türkischen Fürsten der _Hoeihe_ in der kleinen Bucharei,
der _Gurchan_ von Karachatai, der Fürst des Stammes der Karlik von
_Kajaligh_ und der von _Almaligh_. Tschengis besiegelte den Bund der
Huldigung durch Verschwägerung, indem er dem letzten eine Tochter seines
ältesten Sohnes Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin
des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter _Il Alti_ dem Fürsten
Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften Sohn nannte.[59] Er war nun mit
nicht weniger als einem Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die
zwei Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen Frauen aus
einem anderen Stamme, und ebenso gab er nicht mehrere seiner Töchter an
Fürsten Eines Stammes, sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme
der Konghurat war er gegenseitig verschwägert, indem seine erste Gemahlin
_Burte Fudschin_ eine Konghuratin und er seine Tochter _Tumalun_ an den
Prinzen der Konghuraten vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel
_Gurchan_ führte.

[Randnote: Chinesische Ehrentitel, der chinesische und persische Krieg.]

Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den mächtigsten Stämmen und
Fürsten, vernichtete er so leichter den Fürsten der Naimanen, _Kutschluk_,
in dem siebenten und letzten wider denselben geführten Krieg in der
Schlacht am _Kem_, und wagte nun den Krieg wider den Herrscher von China
selbst, wider _Altan Chan_, d. i. den goldenen, welcher ihm gleich Anfangs
seines Auftritts für die dem _Tschingsang_ (chinesischen Staatsminister)
wider empörte Tataren geleistete Hilfe den Ehrentitel eines
_Grossfürsten_[60], sowie damals der Herrscher der Kerait dem Owangchan[61]
und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel _Tajang_ verliehen hatte. Die
Seele dieses siebenjährigen chinesischen Krieges, welcher mit der Besiegung
Altanchan's, des vormaligen Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war
der Dschelaire _Mokli_, welcher zur Belohnung seiner Dienste den
auszeichnenden chinesischen Titel _Kojang_[62], das ist Herrscher Eines
Distrikts, erhielt. Der Kaiser von China war der mächtigste Feind des
mongolischen Reichs im Osten, sowie Chuaresmschah, dessen Herrschaft sich
über ganz Mittel- und Vorderasien erstreckte, der mächtigste und
gefährlichste Nachbar im Westen. Nach dem glücklich vollendeten
siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Einschüchterung des Ostens
wandte Tschengischan seine ganze Macht wider den Herrscher des Westens,
wider Mohammed Tekesch, zur Blutrache einer Karawane mongolischer
Kaufleute, welche Ghairchan, der Statthalter von Otrar, hatte ermorden
lassen. In diesem siebenjährigen Kriege befehligten die zur Eroberung des
Westens bestimmten Heere theils Tschengischan in Person, theils seine vier
Söhne, theils seine beiden grossen Feldherren _Dschebe Nujan_ und _Subutai
Behadir_; sie eroberten eben so viele Länder: _Transoxana_, _Chuaresm_,
_Chorasan_, das _persische Irak_, _Masenderan_, _Ghasna_ und _Kipdschak_,
und die mongolischen Heere verheerten die Länder von den Ufern des Indus
bis an die der Wolga. Ogotai und Dschaghatai belagerten Otrar, worin sich
Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und die Rechtfertigung des Kriegs,
sich zwei Jahre lang tapfer vertheidigte. _Dschudschi_, welcher gegen
_Chodschend_ befehligt war, kehrte nach einiger Uneinigkeit mit seinen
Brüdern wieder nach Kipdschak zurück. Tschengischan befehligte in eigener
Person die Verheerung von Samarkand und Bochara, der beiden grössten und
bevölkertsten Städte Transoxana's, in deren jeder dreissigtausend
Schlachtopfer bluteten, was nicht unglaublich, wie die Zahl derer, welche
in den Städten Chorasan's bluteten, mit dessen Eroberung der vierte Sohn,
Tuli, betraut war. Zu _Nischabur_ soll eine Million, zu _Sebsewar_
siebzigtausend gemetzelt worden sein. Glaublicher ist die Entvölkerung
Chuaresm's, aus dessen Hauptstadt allein einmalhunderttausend Künstler und
Handwerker in die östlichen Länder geschleppt worden. _Bamian_, vor dessen
Mauern ein Enkel Tschengischan's, aus seinem Sohne Dschaghatai, fiel,
erhielt den Namen _Mobaligh_, d. i. verfluchte Ballei, und musste den Mord
mit dem Blute seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe Nujan
und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an die Ufer des Sees von
Urmia, drangen dann durch die Pässe des Kaukasus nach Russland und
Kipdschak vor und wurden durch die Niederlage der Russen Herrscher an der
Kalka, die sich in den Donesch ergiesst, wie sie Herrscher an der Kalka,
die in den Bujursee mündet. Tschengischan selbst verfolgte am Indus den
Sultan Dschelaleddin Mankburni, den Sohn des Mohammed Tekesch, der in einer
Insel des kaspischen Meeres sein Leben geendet, und konnte dem Sohne seine
Bewunderung nicht versagen, als derselbe, bis an das Ufer des Indus
verfolgt, vom steilen Ufer sich ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus
stürzte und denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters, rief
Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus. Beim Kurultai, welches
Tschengischan am Karagöl (Schwarzsee) zur grossen Jagd an alle Uluse
ausgeschrieben hatte, erschien der älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte
er seinerstatt kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan unternahm von
da den vierten Feldzug wider das empörte Tanghut und starb auf demselben,
nachdem er durch letztwillige Anordnung zu seinem Nachfolger im Reiche
weder den ältesten _Dschudschi_, noch den zweiten _Dschagatai_, sondern den
dritten _Ogotai_ ernannt hatte.

[Randnote: Die Jasa.]

Tschengischan's Politik, deren Hauptaugenmerk die Versöhnung feindlicher
Stämme und die engere Verbindung mit freundlichen mittels Verschwägerung,
erhellt schon aus dem Erzählten; aber seine bürgerliche Gesetzgebung und
seine Staatseinrichtungen erfordern noch besondere Beleuchtung. Er ist der
Gesetzgeber seines Volkes. Aus den bisherigen europäischen
Geschichtschreibern mongolischer Geschichte ist nur die bürgerliche
Gesetzgebung desselben, d. i. die _Jasa_, bekannt, aber in Wassaf, dem
Livius der persischen Geschichtschreibung, welcher, berühmt unter dem Namen
des _Lobredners der Majestät_[63], schon anderthalb Jahrhunderte nach
Tschengischan, zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen
Zeitrechnung und zu Anfang des vierzehnten, schrieb, und aus der grossen
Sammlung von Staatsschreiben, welche ein halbes Jahrhundert später der
Staatssekretär Mohammed Hinduschah, beigenannt die _Sonne des
Stylisten_[64], für _Schah Oweis Behadirchan_, den zweiten Herrscher der
zweiten Dynastie der Ilchane (deren Gründer sein Vater, der grosse Hasan),
aus den Archiven zusammentrug, lernen wir auch die besonderen Namen der
Gerichtsordnung und des Militärcodex kennen. Die erste, nach welcher den
Oberrichtern das Recht zu sprechen in ihren Bestallungsdiplomen
eingeschärft ward, hiess _Kutatgu bilik Tschengischani_, d. i. das
Kutadische Tschengischanische überlieferte Wort; denn unter dem Titel von
_Bilik_ gibt Reschideddin neun und zwanzig überlieferte Worte
Tschengischan's, und _Kutat_ (oder _Kitad_) ist der Name der Familie
Tschengischan's; den Namen des Militärcodex hat nur Wassaf aufbewahrt;
derselbe hiess: _Tumendschin_, d. i. wovor man sich zu hüten; dieses ging,
sowie das _Bilik_, unmittelbar von Tschengischan selbst aus, aber an der
_Jasa_ hatte die Weisheit seines Sohnes Dschagatai grossen Antheil. Da die
einige und zwanzig Punkte des ersten und des zweiten bereits bekannt
gemacht worden, so genügen hier ein Paar Federstriche zum Umrisse des
Geistes der Gesetzgebung Tschengischan's. Häufige Todesstrafe und Prügel
waren die Sanction derselben, die Todesstrafe nicht nur auf Verbrechen,
sondern auch auf Unsittlichkeit und auf die Verletzung abergläubischer
Sitte gesetzt; so wurde der überwiesene Lügner, Zauberer, der, welcher bei
Donnerwetter badete, und wer ins Wasser oder auf Asche pisste, mit dem Tode
bestraft; den Prügeln, womit vorzüglich die Uebertretung der Kriegszucht
bestraft ward, waren auch die Prinzen des Geblüts unterworfen, und
dieselben entehrten nicht; ihre Zahl immer ungleich, von drei, fünf, sieben
bis sieben und siebzig.[65] Die grösste politische Tugend der Mongolen die
blindeste Unterwürfigkeit in den Willen des Herrschers, indem nur Einer der
Herr und alle Anderen Sklaven; Nichts von Geburt aus, oder wenn auch durch
diese und durch Stammverwandtschaft geadelt und zu Würden erhoben, wieder
Nichts vor des Herrschers Allmacht; die zweite Tugend schweinische
Unreinigkeit, indem es ihnen verboten, ihre Kleider zu waschen, die sie auf
dem Leibe tragen mussten, bis sie ihnen in Stücken abfielen[66], also
gerade das Gegentheil jüdischer und moslimischer Gesetzgebung, wovon jene
zwischen Reinem und Unreinem so genau unterscheidet, diese wiederholtes
Waschen zur Pflicht macht. Gastfreundschaft war geboten, doch durfte keiner
zum Mahle niedersitzen, ohne dazu geladen zu seyn, keiner auf Kosten seiner
Tischgenossen schlemmen; Titel und Phrasen waren untersagt, selbst der Kaan
durfte nicht anders als bei seinem Namen angeredet werden; ein persischer
Sekretär, welcher das im Namen Tschengischan's an eine belagerte Stadt
erlassene Aufforderungsschreiben mit Floskeln ausgeschmückt, büsste
dieselben mit seinem Leben. Alle Mädchen und Frauen der Mongolen standen
dem Herrscher zu Gebot; die Tarchanen, d. i. Freiherren, waren von allen
Steuern befreit und hatten zu jeder Stunde freien Zutritt zum Kaan. Die
Erbfolge in der Familie Tschengischan's war durch die Jasa, welche hievon
die Brüder Dschudschi Kasar's ausschloss und die Herrschaft dem Uluse
Ogotai's, des zweiten Sohnes, zusprach, festgesetzt, aber die Verkündung
der Thronbesteigung musste auf einem _Kurultai_, d. i. einem Landtage,
feierlich vollzogen werden. Der erste und grösste Hofdienst war der des
Oberstjägermeisters, denn die Jagd als Vorspiel und Vorübung des Kriegs
vertrat die Stelle der Bildung und Erziehung, da das Handwerk und die Kunst
der Mongolen nur Krieg und Verheerung.

[Randnote: Das Heer und das Testament.]

Die Periode der Staatseinrichtungen Tschengischan's fällt in die sieben
Jahre, welche von seiner zweiten Thronbesteigung als gewaltiger Herrscher
bis zum Ausbruche des siebenjährigen chinesischen Krieges verflossen; aber
die militärische Einrichtung des Heeres nach Zehnern, Hunderten, Tausenden
und Zehntausenden hatte schon früher stattgefunden. Das Buch der vier
Uluse, dessen Verfasser Ulugbeg und welches dem _Stammbaume der Türken_[67]
zu Grunde liegt, schreibt die Eintheilung des mongolischen Heeres in sieben
Treffen schon dem Oguschan zu; in jedem Falle ist diese Einrichtung eine
türkische und weit älter, als Tschengischan, und verschieden von der
arabischen Eintheilung, welche nur fünf Abtheilungen des Heeres kennt. Die
Türken und nach ihnen die Mongolen theilten ihr Heer in die folgenden
sieben Theile: 1. _Buldschunghar_, auf türkisch _Karaul_, die Vorposten
oder Vedetten; 2. _Borunghar_, auf türkisch _Mankalai_, der Vortrab des
Heeres, auf arabisch _Makaddemetol-dschisch_; 3. _Unghar_, auf türkisch
_Ssaghkol_, der rechte Flügel, auf arabisch _Jemin_; 4. _Dschunghar_, auf
türkisch _Ssolkol_, der linke Flügel, auf arabisch _Jesar_; 5. _Ghul_, auf
türkisch _Jesaul_, das Mitteltreffen, der Mittelpunkt des Heeres, die
Fahnen und Standarten, die Rossschweife und Heerpauken, von den Arabern
_Kalboldschisch_, d. i. das Herz des Heeres, genannt; 6. _Okdschunghar_,
auf türkisch _Tschenkdaul_, der Nachtrab, auf arabisch _Sakat_; 7.
_Bestunghar_, auf türkisch _Bassdürma_ und auf persisch _Kemingjah_, d. i.
der Hinterhalt; dieser Theil des Heeres war, wie der türkische und
persische Name zeigt, zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt; er zog
aber, der letzte, in so grosser Entfernung vom Nachtrab, dass er den Staub
desselben nicht sah. Diese letzte Abtheilung, sowie die erste, fehlt in der
Strategie der Araber. Ein Corps von zehntausend Mann hiess _Tumen_ oder
_Toman_, eine Benennung, welche auch den Länderabtheilungen und später
Münzen beigelegt ward, wie denn noch heute Silber- und Goldtomane in
Persien cursiren; die Silber- und Goldmünzen der Mongolen hiessen
_Balisch_. Die Jagd, Pfeilschiessen, Pferdetummeln und Ringen waren die
Uebungen des Heeres und der Feldherren, welche hierin mit gutem Beispiele
vorgehen mussten: »Die grossen Fürsten und das ganze Heer muss sich in der
Jagd üben und den Namen bestimmen, bei welchem sie, wenn sie ins Feld
ziehen, ausgerufen werden sollen; sie sollen mit zu Gott gewandtem Herzen
beten, bis sie mit göttlicher Hilfe die vier Weltgegenden unterjocht.«
lautet das zehnte der hinterlassenen Worte Tschengischan's; dann das
eilfte: »Der Mann sei unter dem Volke ruhig und schweigsam, wie ein Kalb,
falle aber in der Schlacht wie ein hungriger Geyer auf die Feinde.« und
das zwölfte: »Jedes Wort, das einmal gesprochen worden und von dem man
zweifelt, ob es im Scherze oder Ernste gesprochen worden, kann nicht mehr
zurückgenommen werden, -- gilt für Ernst.« Die grösste Auszeichnung war,
wenn der Kaan auf einen mit dem Finger zeigte; dem mit dem Finger
Ausgezeichneten[68] waren die Einkünfte der Minen, die guten Pfeilschützen,
die Pferde der Post, die Jagdvögel, die Jagdhunde der eroberten Länder
zugesprochen.[69] Die feste Grundlage des Herrschergesetzes Tschengischan's
war Familieneinigkeit und festes Zusammenhalten der Stammverwandtschaft;
eine Lehre, welche er durch das bekannte Gleichniss vom Pfeilbündel, dann
von den zwei Schlangen, der einköpfigen Vielschweifigen[70] und
einschweifigen Vielköpfigen, seinen Söhnen versinnlichte. Von diesen
bekleidete Ogotai, der Oberste Jägermeister, das erste Hofamt, Dschagatai
versah die Stelle des Obersten Richters und wachte auf die Vollziehung der
Jasa, an deren Verfassung er so grossen Antheil hatte; dem Ogotai lag die
innere Verwaltung, d. i. die Erhebung der Steuern, dem jüngsten, Tuli, die
Sorge für das Haus und die Truppen, für den Herd und das Heer ob; der
jüngste Sohn war, wie schon oben gesagt worden, nach mongolischen Gesetzen
der Hüter des Herds und der Herden und nach des Vaters Tod der Erbe der
ganzen Wirthschaft, wiewohl das Haupt der Familie und des Stammes stets der
Erstgeborne blieb. Das mongolische Gesetz trennte also das Ansehen der
Erstgeburt von dem Stammvermögen, indem die Stammherrschaft zwar dem
Aeltesten, das Vermögen aber dem Jüngsten des Hauses zuerkannt ward. In
diesem Sinne sollte Dschudschi, der älteste der vier Söhne, dem Vater auf
dem Throne gefolgt sein, aber mit demselben unzufrieden, besonders seitdem
er nicht auf dem letzten Kurultai zur grossen Jagd erschienen, sprach
Tschengischan's letzter Wille die Thronfolge dem dritten Sohne, Ogotai,
das Stammvermögen aber, das ist die grösste Macht des Heeres, dem jüngsten
Sohne, Tuli, zu. Von hundert neun und zwanzig Toman, d. i. hundert neun und
zwanzigtausend Mann, aus welchen das Heer bei Tschengischan's Tod bestand,
hinterliess er hundert ein Tausend dem Tuli, jedem der vier anderen:
Dschudschi, Dschagatai, Ogotai, Gulgan, nur viertausend; den rechten Flügel
über acht und dreissigtausend Mann befehligte der erste der neun Orlöke,
der treue Freund und Waffengefährte Bughurdschi; den linken von zwei und
sechzigtausend Mann der Eroberer China's, der Kojank Mokli der Dschelaire,
welchem drei _Hesare_, d. i. dreitausend Mann Dschelairen als ein
Leibregiment überlassen worden; fünftausend seinem jüngsten Bruder
_Utdschigin_, dreitausend seinem Bruder _Katschiun_ und eben so viele
seiner Mutter _Ulun_, tausend dem Sohne des Bruders Dschudschi Kasar's.
Diese Truppen erbten in den Familien fort. Als Tschengischan sein Testament
machte, liess er aus den Archiven den Familienpact holen, welchem noch das
goldene Siegel seines Vorfahren _Tumenai_ aufgedrückt war und welchem die
folgenden Ahnen, nämlich: _Kabulchan_, der Urgrossvater, _Bertan Behadir_,
der Grossvater, und _Jisukai_, der Vater Tschengischan's, ihre
Unterschriften beigesetzt hatten[71]; er zeigte diese Familienurkunde,
vermöge welcher der letzte Wille des Herrschers als Gesetz geachtet werden
musste, den Söhnen, befahl ihnen, den Bruder Ogotai als Herrn anzuerkennen,
und empfahl die Leitung der Reichsgeschäfte dem Vetter _Karadschar Nujan_,
dem Sohne seines Oheims, dem Ahnherrn Timur's. Ogotai erhielt das Reich als
oberster Herrscher, Tuli das Stammgebiet am Onon und Kerulon und die
östlichen Länder. Dem Uluse Dschudschi's, der kurz vor dem Vater
verstorben, ward der Besitz von Kipdschak erhalten; Dschagatai's Antheil
waren die Länder der Uighuren, die kleine und grosse Bucharei, die Länder
am _Ili_ und zwischen dem _Dschihun_ und _Sihun_ (Oxus und Jaxartes),
welchen, sowie der türkischen Mundart der Uighuren, der Name der
_Dschagataischen_ verblieb.

[Randnote: Der Familienvertrag zu Karadscha.]

Der Familienvertrag der Familie Tschengischan's sowohl, als der grosse
Einfluss Karadschar's als Leiter, Rath und Orakel der tschengisischen
Familie ist bisher von keinem europäischen Schreiber mongolischer
Geschichten gehörig ins Auge gefasst worden; selbst die soeben angeführte
Stelle Mirchuand's über den Familienvertrag ist unberücksichtigt geblieben.
Das seit kurzem erst in englischer Uebersetzung bekannt gewordene
treffliche Werk des _Stammbaums der Türken_, welches den Kern der
Geschichte der vier Uluse von Ulugbeg enthält, gibt darüber sowohl, als
über Karadschar's Einfluss und Ansehen umständlichen Bericht; wir lernen
daraus, dass dieser Familienvertrag _Temghai Tumenaichan_, d. i. das
Insiegel _Tuminechan's_, hiess, und also schon vom Ururgrossvater
Tschengischan's datirt. Diesen Familienvertrag liess Tschengischan auf
seinem Sterbebette holen und führte seinen Söhnen zu Gemüthe, dass er
sowohl, als Karadschar, denselben immer genau beobachtet hätten.
Karadscharchan erscheint also schon hier als das Haupt eines Zweiges der
Familie Tschengischan's, welches im Namen derselben mit Tschengischan einen
Familienvertrag eingegangen oder vielmehr den erneute, welchen der Ahnherr
Tumenaichan zwischen seinen Söhnen _Kabulchan_ und _Katschulai_ geschlossen
und welchen später _Jisukai_ und _Temudschin_ bestätigt hatten; mehr als
einmal erwähnt desselben die _Geschichte des Stammbaums_; sie erwähnt
desselben unter der Regierung _Tewa's_, des eilften Chan's der Familie
Dschaghatai, als des zwischen Karadschar Nujan und Tschengischan
geschlossenen Familienvertrags, und abermals unter der Regierung von
_Sijurghurtmisch_, dem zwei und dreissigsten Chane des Uluses
Dschaghatai[72]; dieser Familienvertrag des tschengisischen Hauses, welcher
zuerst von Tumenaichan, dem vierten Ahnherrn Tschengischan's, zwischen
seinen beiden Söhnen Kabul und Katschulai aufgerichtet, von seinem Urenkel
Jisukai bestätigt worden, ward von seinem Ururenkel Tschengischan mit
Karadschar erneuert und blieb bis zu dem letzten Chane des Uluses
Dschaghatai, von Tumenaichan bis auf die Zeit Timur's, d. i. durch
dreihundert Jahre, aufrecht. Karadschar Nujan hätte zweifelsohne den Thron,
wenigstens im Uluse Dschaghatai, für sich selbst behaupten können, aber er
wollte lieber denselben verleihen, als selbst einnehmen; so erhob er einige
Jahre nach dem Tode Dschaghatai's statt eines Sohnes den Enkel desselben,
Kara Hulagu, auf den Thron, setzte denselben zwar auf die Vorstellung des
Grosschan's _Gajuk_ ab und einen Sohn Dschaghatai's als Chan, dann aber,
als dieser gestorben, den _Kara Hulagu_ zum zweitenmal als Chan des Uluses
Dschaghatai ein.[73] Karadschar war der Sohn Emir _Songhur Tschitschan's_,
der Enkel Emir _Irdümdschi's_, der Urenkel Emir _Kadschulai's_, des Sohnes
_Tumenai's_ und also der Vetter Tschengischan's im dritten Grade, indem
ihre Urgrossväter Brüder waren. Warum Tumenai, da ihre Urgrossväter Kabul
und Katschulai Brüder, warum Tumenai, welcher acht Söhne hatte, den
Hausvertrag der Herrschaft nur unter den beiden obgenannten abschloss,
erhellt nicht aus den bisher bekannten Quellen mongolischer Geschichte;
wahrscheinlich weil Katschulai dem Kabulchan die Nachfolge streitig machte.
Nach den vier durch die vier Söhne Tschengischan's begründeten Ulusen war
das Haus Karadschar's das mächtigste des tschengisischen Stammes und
Herrschaft und Welteroberung gingen auf den Nachkömmling Karadschar's im
fünften Grade, auf Timur Gurgan, über.[74] Der Stamm des Hauses
Karadschar's war der der Berla's.[75] Karadschar, der Rath Tschengischan's
und seiner Söhne Ogotai und Dschaghatai, starb bald, nachdem er den Kara
Hulagu, den Enkel Dschaghatai's, zum zweitenmale auf den Thron gesetzt,
acht und neunzig Jahre alt[76], und hinterliess zehn Söhne, deren ältester,
_Itschel_, der Ururgrossvater Timur Gurgan's.[77]

[Randnote: Charakter und Sitten der Mongolen.]

Ehe wir von Tschengischan zur Geschichte seiner Nachfolger, Herrscher der
Mongolen, übergehen, nur noch ein Paar Worte über den Charakter und die
Sitten des Volkes. Die beste und kürzeste Schilderung derselben liegt im
Namen _Mongol_ selbst, sei es, dass derselbe, wie die persischen Quellen
sagen, _trübe_ und _traurig_, sei es, dass er, wie ein mongolischer
Geschichtschreiber behauptet, _trotzig_ und _unerschrocken_ bedeute. Es hat
mit dem Namen der Mongolen dieselbe Bewandtniss, wie mit dem der Slaven,
welchen die Fremden von _Slavo_: schwach und feige, die Eingebornen von
_Slaba_: Ruhm und Glanz, abgeleitet haben; wie dem auch sei, der Charakter
der Mongolen entspricht der doppelten Angabe der Bedeutung ihres Namens,
sie sind eben so ein trübes und trauriges, als trotziges und
unerschrockenes Volk. Die Traurigkeit und Schwermuth spricht sich schon in
den Klaggesängen, welche vom mongolischen Geschichtschreiber Ssetsen aus
der ältesten Zeit her erhalten sind, in der wehmüthigen Sehnsucht nach den
Ufern des Onon und Kerulon, sowie in den Volksliedern der heutigen Mongolen
aus; ihre Tapferkeit hat sich Asien unterworfen und Europa zittern gemacht,
ein trauriges barbarisches Volk, das erst Tschengischan durch das Beil und
die Prügel gesittigt, und das durch Raubsucht und angeborenen Sklavensinn
das tüchtigste Werkzeug zur Welteroberung; »sie hatten das Herz des
_Löwen_, die Geduld der _Hunde_, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List
des _Fuchses_, die Vorsicht des _Raben_, die Raubsucht des _Wolfes_, die
Heftigkeit der _Hahnen_, für Familie sorgend wie _Hühner_, die Ruhe der
_Katzen_, die Heftigkeit im Anfall vom _Schweine_«, welche Eigenschaften
der Morgenländer dem vollkommenen Krieger insgemein beilegt[78]; man könnte
aber auch sagen, dass sie alle Eigenschaften der zwölf Thiere ihres
Jahrescyclus in sich vereinten, dass sie diebisch wie _Mäuse_, stark wie
_Stiere_, raubsüchtig wie _Panther_, vorsichtig wie _Hasen_, listig wie
_Schlangen_, schrecklich wie _Drachen_, muthige Renner wie _Pferde_,
folgsam wie _Schafe_, kinderliebend wie _Affen_, familiensorgsam wie
_Hühner_, treu wie _Hunde_, unrein wie _Schweine_; der Cyclus ihres Jahres
war das Sinnbild ihres sittlichen Gesichtskreises. Mittler Statur, breit
von Schultern, stark vom Rücken, hervorragender Brust und eingezogenen
Bauchs, von grauen und braunen Augen, die aus schiefen Winkeln
hervorglotzen, von breiten olivenfarbenen Wangen, Stumpfnasen, dicken
Lippen, spärlichen Barthaaren, aber wucherndem Haarwuchse auf dem Kopfe,
dessen Vordertheil vom Scheitel bis zu den Ohren hufeisenförmig geschoren;
leicht, flink, mit ihren Pferden wie Centauren zusammengewachsen; gewandte
Bogenschützen, wie einst die Parther, nie gefährlicher als im Fliehen, mit
Kampf und Beute gesättigt noch immer nach Kampf und Beute durstend,
undankbar, schmutzig, grob, raubsüchtig, grausam, aber leibeigen,
wahrheitsliebend, prunkhassend, tapfer und blindlings gehorsam, Niemand war
ihnen Freund, aber sie hassten der Denuncianten scheussliche Brut. Ihre
Nahrung: Hirse, Haiden und Fleisch von allen Arten, am liebsten das des
Pferdes, aber auch Mäuse, Hunde, Katzen und sogar gebratenes
Menschenfleisch; das Fett leckten sie von den Fingern und schmierten damit
ihre Stiefel. Ihr liebstes Getränke: Stutenmilch sammt dem daraus
gezogenen, gegohrnen, berauschenden _Kumis_ und _Meth_; ihre Kleider aus
Thierfellen genäht, ihre Waffen aus Eisen geschmiedet, ihre Kopfbedeckung
eine dreieckige, am Rande verbrämte Mütze, der sogenannte tatarische Hut,
die der Frauen eine ellenhohe Pyramide aus leichtem Holz, deren Obertheil
mit Pfauenfedern und Juwelen geschmückt, mit einem Flore bedeckt, welcher
_Baghtak_ hiess, woraus die Missionäre _Botta_, die Venezianer _Bauta_
gemacht. Die Weiber, deren grösste Schönheit die kleinste Nase, wie bei den
Chinesen der kleinste Fuss, bereiteten den _Kumis_ und die getrocknete
sauere Milch, welche _Kurut_[79] hiess; sie verfertigten alle Arten der
Hausgeräthe, Kleider, Zelte, Reitzeug, Schilde, Schuhe, Socken, Betten, die
vermählten mit weissem, bis auf die Brust reichenden Schleier verhüllt,
ihre ledernen aufgeschlagenen Oberkleider hielt ein Gürtel um die Brust
zusammen. Die Frauen, deren Zahl nur durch die Lust des Mannes oder durch
seine Mittel, sie zu erhalten, beschränkt war, genossen grossen Ansehens
und Einflusses, besonders die Mütter und die Stiefmütter, deren der Sohn
nach des Vaters Tod gewöhnlich sich einige als Gemahlinnen aneignete. Sie
glaubten, dass der Mann in jenem Leben seine Weiber wieder finde, aber
damit der Herrscher bis zu ihrem Hinscheiden im anderen Leben nicht
langweile, sandten sie ihm seine Beischläferinnen, dieselben schlachtend,
ins Grab nach.

[Randnote: Aberglaube und Gebräuche.]

Von dem Aberglauben ist bereits des das Donnerwetter betreffenden erwähnt
worden; wie sie glaubten, dass die _Kamen_ es beschwören könnten, so auch,
dass es in ihrer Macht stände, mittels des Regensteines, _Dschade_ (welcher
schon von Japhet her vererbt war), Regen zu machen, und die _Dschededschi_,
d. i. die Regenmacher, vertraten bei dem mongolischen Heere die Stelle der
Auguren des römischen. Zauberei wurde geübt, weil geglaubt, und war, wenn
die Person des Herrschers mit ins Spiel kam, Majestätsverbrechen. Um sich
wider die Wehen der Zauberei zu bewahren, mussten die zu Reinigenden
zwischen zwei Feuern durchgehen, die polnischen und russischen Gesandten
und die des Papstes im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, wie schon
fünf und sechs Jahrhunderte früher der byzantinische Gesandte Zemarchos am
Hofe des Königs der Türken durchs Feuer gereinigt ward.[80] Ihre Wahrsager
wahrsagten besonders aus den Schulterblättern der Schafe; sie schwuren bei
dem Blute geschlachteter Thiere, bei der in den Strom gestampften Erde, bei
den abgehauenen Bäumen, bei dem Fleisch und Blut ihrer Herrscher, aber
nicht im Namen Gottes. Ehe die Lehrer des Budhismus und des Islams die
Mongolen bekehrten, verehrten sie ein höchstes Wesen, von Marco Polo
_Natagai_, von Ssetsen _Hormusda_ genannt; das letzte ist gewiss der
Hormusd der Maghen, das erste vielleicht nur die Verstümmelung des
türkischen Wortes _Onggan_, d. i. Gott. Sie beteten die Sonne und Sterne
sammt den Elementen an, und weihten diesen ihren Göttern, ehe sie assen,
Speise und Trank. Bei dem Gebete wurden die Gürtel gelöst und über die
Schulter geworfen, wie Tschengischan gethan, als er in der Nacht hinaus
ging auf den Berg, um den Beistand des Himmels zu erflehen wider den
Herrscher des himmlischen Reichs auf Erden. Einer der grössten Lobsprüche,
welche ihm die Geschichte zollen muss, ist seine Duldung gegen alle
Religionen. Uighurische Kamen und chinesische Bonzen hielten vor ihm
Controverse, die Budhapriester erhielten die Erlaubniss, ihre
Burhanenbilder aufzustellen, aber die Kamen blieben in nicht minderem
Ansehen; neben ihnen wurden die Priester aller anderen Religionen,
namentlich die _Arghaun_, d. i. die Christlichen, der Nestorianer geduldet.
Zu Bochara war Tschengischan zwar in die Moschee geritten, stieg aber, als
er hörte, das sei Gottes Haus, vom Pferde auf die Kanzel und ertheilte die
Befugniss der allgemeinen Plünderung mit den Worten: Das Feld ist gemäht,
gebt euren Pferden zu fressen, worauf die Korane unter die Hufe der Pferde
getreten wurden und der Wein die Flur der Moschee überschwemmte, während
die Imame oder Scheiche als Stallknechte die Pferde warten mussten; aber
hingegen hatte er in der kleinen Bucharei, wo Kuschluk der Naimane den
Islam unterdrückt, die freie Ausübung desselben gestattet. Diese allgemeine
Duldung blieb Herrscherprincip der _Kaane_ und auch der persischen, und
selbst noch zum Theile nach ihrer Bekehrung zum Islam. Ausser dem grossen
Schmiedefest am neuen Jahrestag wurde alljährlich auch das des
Geburtstages des Chan's, sowie die Thronbesteigung desselben mit
Trinkgelagen gefeiert. Bei diesen Gelagen gab einer der Diener das Zeichen,
indem er _Ha!_ schrie, zum Beginne der Musik; der Cythernspieler begann
sein Spiel, die Männer tanzten vor dem Herrn, die Weiber vor der Frau des
Hauses, Alle in die Hände klatschend. Nachdem der Hausherr getrunken,
schrie der Diener wieder _Ha!_, der Cythernspieler verstummte, und nun
tranken alle Gäste unter Gesang, der aber mehr ein Geheul.[81] Bei diesen
Trinkgelagen wurden die Preise der Tapferkeit [_Ulisch_[82]] vertheilt, und
dieselben leben noch zum Theil in den kalmukischen _Uerrus_ fort.[83] Das
Seitenspiel zu diesem _Ha_rufe ist das Zetergeschrei von _Morio_ als
_Mordio_, das sie während des Pferderennens oder Pfeilschiessens
erhoben[84], indem sie die Hände ausstreckten. Im Kriege vermieden sie so
viel als möglich das Gefecht von Mann zu Mann und suchten nur im Fliehen zu
verwunden oder zu tödten; den Belagerten sicherten sie Schonung des Lebens
und Eigenthums zu, hielten aber fast niemals Wort; die Besatzungen
metzelten sie alle nieder und schonten manchmal nur der Künstler und
Handwerker, die sie in die Sklaverei mit sich schleppten. Bei der
Todtenzählung nach Schlachten oder Gefangnengemetzel wurde nach jedem
geschlachteten Zehntausend Ein Leichnam mit dem Kopfe zur Erde, mit den
Füssen in die Höhe als Trophäe aufgerichtet. Bei den Begräbnissen ihrer
Fürsten wurden ihre Sklavinnen oder Beischläferinnen geschlachtet, wie
schon Terxanthes, der Fürst der Türken, gefangene Hunnen am Grabe seines
Vaters geschlachtet.[85] Bei dem Begräbnisse wurde gewöhnlich dem Todten
ein Hengst, Stute oder Füllen mit ins Grab gegeben mit Sattel und Zeug,
damit er im anderen Leben sogleich beritten sei, damit es ihm an
Stutenmilch nicht fehle; ein anderes Pferd wurde zum Todtenmal geschlachtet
und dann ausgestopft über dem Grabe aufgestellt; die Gräber der Vornehmen
waren aus Stein, Häuser der Todten, nur Tschengischan hatte noch bei seinen
Lebzeiten geboten, sein Grab geheim zu halten und ihn ohne Maal zu begraben
unter einem grossen Baume im Walde von _Burhan Kaldun_.

[Randnote: Tschengischan's Nachfolger.]

Ungeachtet der klaren Anordnung Tschengischan's über die Nachfolge auf dem
Throne blieb derselbe fast zwei Jahre lang ledig, wovon die Ursache wohl
nur in der Umsicht Ogotai's, welcher seine Brüder Dschaghatai und Tuli und
des Neffen Batu Pläne und Absichten kennen und prüfen wollte, ehe er den
etwa von ihnen selbst gewünschten Thron bestieg. Diese Zögerung zeigt, dass
es ihm auch mit der dreissigtägigen Weigerung auf dem zur Thronbesteigung
im Familienhorde Tschengischan's zu _Keluran_ am Onon zusammenberufenen
Kurultai der Prinzen einigermassen Ernst gewesen sein mag; erst am
vierzigsten Tage zogen ihn sein Bruder Dschagatai und sein Oheim Utdschigin
(der jüngste Bruder Tschengischan's) auf den Thron, sein jüngster Bruder,
Tuli, brachte ihm knieend den mit Stutenmilch gefüllten Becher dar, im
selben Augenblicke warf die ganze Versammlung die Mützen in die Höhe und
den Gürtel über den Rücken, worauf er sich vor der Sonne anbetend
niederwarf und mit neunmaliger Kniebewegung dem neuen Kaan huldigte. Die
vorzüglichsten Prinzen, welche auf diesem Kurultai erschienen, waren nebst
den zwei schon genannten Brüdern der Bruder _Gulgan_ und der Oheim
_Belgetai_, sieben Neffen, Söhne _Dschudschi's_, von denen der zweite,
_Batu_, der Herrscher in Kipdschak; dann die Neffen _Iltschidai_, der Sohn
_Dschudschi Kasar's_, und _Karadschar Nujan_, welchem Tschengischan die
Berathung des Thronfolgers anempfohlen. Um dem Herrscher im Grabe zu
huldigen, wurden ihm vierzig seiner liebsten Sklavinnen unter die Erde
nachgesandt; um seine Anordnung der Welteroberung nach allen vier
Weltgegenden in Erfüllung zu sehen, ein dreifacher Heereszug beschlossen.
_Dschurmaghun_ der Dschelaire wurde mit einem Heere nach Persien gesandt,
um Dschelaleddin, den Schah von Chuaresm, welcher sich nach Tschengischan's
Tod eines Theils des väterlichen Erbes bemächtigt hatte, zu vernichten.
_Batu_ und seine Brüder wurden zur Eroberung des Westens, das ist
Russlands, Polens, Ungarns und der angränzenden Länder befehligt[86];
_Ogotai_ selbst zog wider China aus, um die vom Vater begonnene Eroberung
des himmlischen Reichs zu vollenden. Unter ihm befehligten die Abtheilungen
des Heeres _Subutai_, der eine der beiden Feldherren, welche vor sieben
Jahren Persien bis nach Russland durchzogen, und _Tatschar_, der Sohn des
hochbetrauten ersten Örlök _Bugurdschi_, dessen Stelle als Wesir jetzt
einer der weisesten und menschlichsten und folglich grössten Wesire versah,
deren die Geschichte erwähnt. _Mahmud Jelwadsch_ war ein Perser und Moslim,
welchen sich die chinesischen Quellen aneignen, indem sie den Namen
_Jelwadsch_ in _Jelui_ verstümmeln, ihn selbst zu einem Chitanen, Bekenner
der Lehre des _Fo_, machen.[87] Sieben Jahre lang dauerte der Krieg im
Osten und Westen, glorreich in den nördlichen Provinzen China's, in
_Schensi_, _Petseli_ und _Iran_, in _Russland_, _Polen_ und _Ungarn_,
erobernd und verheerend geführt. Die mongolischen Heere drangen zu gleicher
Zeit bis an die Ufer des _Kara Muran_, d. i. der schwarzen _Mur_, oder des
gelben Flusses in China und fast bis an die der weissschäumenden _Mur_ in
Steiermark vor; China's Länder wurden bleibend erobert; mit dem Falle der
Residenz _Peanking_, deren von Subutai dem mongolischen Heere versprochene
Plünderung nur durch die Vorstellungen _Jelui Tschutsai's_ (Jelwadsch's)
abgewendet worden, stürzte auch die Dynastie der goldenen Kaiser zusammen,
deren letzter, von Tschengischan zuerst besiegter, sich erhing.[88] Im
Westen waren die Heere Batu's über Russland, Polen und Ungarn bis nach
Mähren, Oesterreich und Dalmatien vorgedrungen; sie erschienen belagernd
vor den Mauern von Wienerneustadt und zogen vor denen Wien's vorbei; von
denen von Olmütz, nachdem die Blüthe des mährischen und schlesischen Adels
in der unglücklichen Schlacht von Lignitz geblutet, wehrte sie Jaroslav von
Sternberg ab, von dessen Hand _Peta_, d. i. _Paidar_, der Sohn
Dschagatai's, fiel, wie sein Bruder Mowatukan vor den Mauern Bamian's
gefallen, wesshalb Olmütz für die Mongolen eine böse Stadt, wie sie Bamian
und Koseslk nannten. Auf dem Rückzuge von China starb Tuli, welcher während
des ganzen siebenjährigen Feldzugs dem Bruder eben so treu und tapfer als
Feldherr gedient, als vormals dem Vater, nur vierzig Jahre alt, ein wahrer
_Spiegel_ (was sein Name Tuli heisst) von Sohnespflicht und Brudertreue.

[Randnote: Ogotai's Bauten, Feste, Jagden, Freigebigkeit und Unmässigkeit.]

Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten chinesischen Länder
übertrug Ogotai dem weisen Wesire Jelwadsch, welcher schon im ersten Jahre
des Feldzugs zehn Steuerämter zur Einrichtung und Einhebung der Steuern
niedersetzte, deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsidenten hatte und
deren Beamte chinesische Gelehrte. [RN: I. J. 1230.] -- »Das Reich«,
stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, »ist zu Pferd erobert worden,
kann aber nicht zu Pferd regiert werden«; sechs Jahre hernach wurden die
ersten Tresorscheine für die Summe von zehntausend kleinen Barren, d. i.
für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.[89] [RN: I. J. 1236.] Er
stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingang in _Schendai_, die andere
zu Peking in Petsche-li, wohin die mongolischen Emire ihre Söhne sandten,
um in der Geschichte, Geographie, Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu
werden.[90] Durch Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zimmerleute,
Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Karakorum, welches auf
der Ostseite des Berges Utekian, in der Nähe des Flusses Orghan, ehemals
die Residenz der Uighuren, die neue Residenz des Herrschers gebaut und
geschmückt, welche _Ordubaligh_, d. i. Lagerballei, genannt ward, als
Seitenstück zur chinesischen Residenz _Peking_, welche später unter Kubilai
den Namen von _Chanbaligh_, d. i. Chansballei, erhielt.[91] In zwei
besonderen Quartieren derselben wohnten die Moslimen und Chinesen von den
Mongolen getrennt; an den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren
wurden die Märkte der Schafe und Ziegen, Ochsen und Pferde gehalten[92];
zwölf Götzentempel, zwei Moscheen, eine christliche Kirche zeigten, dass
nebst dem herrschenden heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der
anderen gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfhundert Wagen
verproviantirt, deren einige sehr gross, von acht Ochsen gezogen[93]; der
Palast der Residenz hiess _Karschi_; Goldschmiede, unter denen ein
französischer, von den Mongolen auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad
weggeschleppter[94], arbeiteten an den goldenen und vergoldeten künstlichen
Thieren, welche als Fontainen an festlichen Tagen statt Wassers _Kumis_,
Wein, Meth[95] und Reisabsud spien[96]. Den Frühling brachte der Kaan auf
den Weiden zu, wo vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und
wo er das Zelt _Gewher Chagan_, d. i. des Chakan's Edelstein, baute[97],
den Sommer am Gebirge _Ormektu_[98], wo das goldene Zelt (Sira Ordu)
aufgeschlagen, dessen Nägel Gold, das von innen mit goldenen Tapeten
behangen, tausend Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu _Köschei
Nawer_, vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter jagte er
grösstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von _Telenku_; nur einen Monat lang
schenkte er seine Gegenwart der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er
ein hohes Köschk erbaut, welches _Terghubaligh_, d. i. Proviantballei,
hiess; hier ward vor dem Einzuge in die Stadt Einen Tag Rast gemacht, an
welchem der ganze Hofstaat einfarbig gekleidet erscheinen musste. Während
des Aufenthalts in der Residenz (Karschi) wurden täglich Feste gegeben und
die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an Freigebigkeit ein
zweiter _Hatim_; die Zeit verging unter Bogenschiessen, Scheibenwerfen,
Ringen, Jagen. Vor der Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei
Tagreisen mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen, in
welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte Jagdrevier des
Heeres, immer näher zusammenrückend, das ganze Wild der Gegend hineintrieb.
Die Prinzen und Emire erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart; das
erlegte wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan wurde
die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch das Blutbad von
hundertachtzigtausend ihrer Bewohner entvölkert und niedergebrannt wurde,
wieder aufgebaut; fünfzigtausend Gefangene wurden zu diesem Ende dahin
befehligt. Die Statthalterschaft Chorasan's war dem Uiraten _Arghun_
anvertraut[99], die von Persien dem _Körges_ (Blindaug), welcher mit
Dschurmaghun nach Persien gekommen; über die Länder vom Gebirge Chankai bis
an den Oxus war Mesud, der Sohn von Jelwadsch, als Statthalter bestellt.
Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch nicht seine
Unmässigkeit im Trinken, welche seinen frühzeitigen Tod herbeiführte; sein
Bruder Dschagatai hatte ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu
mindern; er minderte die Zahl, nahm aber Becher von grösserem Umfange.
_Abika_, die Schwester _Sijurkukteni's_, die Gemahlin Tuli's, um deren Hand
Tschengischan vergebens bei Owangchan geworben und die heimlich an einen
Tafeldecker vermählt an der chinesischen Gränze ihren Jurt hatte, kam
alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines Mundschenken
bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts, wo ihr Sohn den Wein kredenzt
hatte, starb Ogotai. [RN: 11. Dec. 1241.] Man wollte Abika und ihren Sohn
der Vergiftung beschuldigen, aber Iltschidai und die anderen Emire
vertheidigten ihre Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse
des Rausches vom Schlage getroffen worden.[100]

[Randnote: Turakina's Regentschaft.]

Ogotai hatte vier grosse Frauen Gemahlinnen und sechzig Beischläferinnen,
aus den letzten nur zwei Söhne; die Mutter der fünf anderen war die zweite
der vier Gemahlinnen, _Turakina_, aus dem Stamme Ohos Merkit, welche von
Tschengischan ihrem Gemahle Tairosun, dem Fürsten der Merkit, geraubt und
dem Sohne Ogotai zur Frau gegeben worden, wiewohl jenem früher die
Prinzessin Kulan, die Tochter Tschengischan's, vermählt war; sie war nicht
schön, aber den Mangel an Schönheit ersetzte Herrschsucht und List, wodurch
sie nach Ogotai's Tod die Kaanschaft ihrem Sohne _Gujuk_ verschaffte,
wiewohl Ogotai dieselbe dem _Schiramun_, dem Sohne seines geliebten, vor
ihm verstorbenen Sohnes Kutschu, bestimmt hatte. Nach dem mongolischen
Familiengesetze war sie nach des Gemahles Tod als Mutter die Regentin,
welcher alle Stämme bis zur Thronbesteigung des neuen Herrschers gehorchen
mussten. Durch die Künste ihrer Herrschsucht und List verlängerte sie die
Regentschaft vier volle Jahre, während welcher sie Alleinherrscherin der
Mongolen. Sie begann ihre Herrschaft mit der Absetzung des Staatssecretärs
Ogotai's, des Uighuren _Tschinkai_[101], welcher die Worte Ogotai's
aufgezeichnet, und entzog ihr Vertrauen dem weisen Mahmud Jelwadsch, dem
Chuaresmier, welcher schon von Tschengischan als Gesandter an Chuaresmschah
verwendet, seinen Beinamen vermuthlich dieser Gesandtschaft dankt, wiewohl
Jelwadsch eigentlich nur einen Gottesgesandten, einen Propheten
bedeutet.[102] Turakina hatte ihr unbeschränktes Vertrauen in
Finanzgegenständen dem Moslim Abderrahman geschenkt, welcher zu Ende der
Regierung Ogotai's sich als Pächter der Staatseinkünfte China's mit
Verdoppelung des bisherigen Pachts von Einer Million auf zwei angetragen.
Jelwadsch stellte dagegen vor, dass man wohl fünf Millionen jährlich
erpressen könne, aber das Land zu Grund richten würde; der Pacht ward
dennoch bewilligt, und Abderrahman und die Moslimin Fatima, welche bei der
Verheerung von Tus geraubt worden, leiteten die Rathschläge Turakina's.
Bald nach dem Tode Ogotai's hatte dessen Oheim _Utdschigin_, der jüngste
Bruder Tschengischan's, Miene gemacht, sich der obersten Herrschaft
bemächtigen zu wollen, indem er mit Truppen der Residenz nahte. Turakina
sandte ihm Wort: warum er mit so zahlreichem Gefolge seine Tochter zu
besuchen käme? und sandte ihm seinen Sohn, der am Hofe Ogotai's verweilte,
zurück. Utdschigin antwortete, dass er blos gekommen, ihr sein Beileid über
den Tod des Gemahls zu bezeigen, und kehrte zurück. Der ausgeschriebene
Landtag hatte endlich am See _Köke_[103] statt, wo Ogotai den Herbst
zuzubringen pflegte. Der lange Aufschub rührte vorzüglich von Batu her,
welcher die Regentin nicht liebte, und ein Uebel am Fusse vorschützte, um
nicht auf dem Kurultai zu erscheinen; endlich versprach er zu kommen,
sandte aber seiner statt seine Söhne und Enkel; auch der Temgu Utdschigin
erschien mit achtzig seiner Söhne; die Frau Sijurkukteni, die Wittwe Tuli's
mit ihren Söhnen und die Dschagatai's[104]; ausserdem die Statthalter des
Reichs: der von Chorasan und Persien, _Arghun_; der von _Uighuristan_ und
Turkistan, _Mesud_, der Sohn von Jelwadsch; von den zinsbaren Fürsten
_Rukneddin_, der Seldschuke Rum's, _Jaroslaw_, der russische Grossfürst,
zwei Prinzen _David_, die sich um den Thron Georgiens stritten, der Bruder
des Herrschers von Mossul, aus dem Hause Ejub, die beiden Gebieter von
Kurdistan, _Schemseddin_ und _Schihabeddin_, im Namen des Fürsten der
Assassinen, die Herren von Rudbar und Alamut, _Fachreddin_ der Richter der
Richter, von Seite des Chalifen von Bagdad, der Gesandte des Fürsten von
Fars und Kerman, und im Namen des Papstes Innocenz des vierten die beiden
Franziskaner: der Pole Benedict und der Franzose Plan Carpin, deren letztem
wir das treue Gemälde des Kurultai und tatarischer Sitte in seiner
Reisebeschreibung verdanken. Zugleich waren vier Dominikaner Missionäre an
_Baidschu Nujan_[105], den mongolischen Befehlshaber in Persien,
abgegangen, von denen aber nur Simon von Saint Quentin über die
Missionsreise kurzen, im Geschichtsspiegel des Vincenz von Beauvais
erhaltenen, Bericht hinterlassen.

[Randnote: Gujuk's Thronbesteigung.]

Durch vier Tage wechselten die Prinzen und ihr Gefolge den Anzug, indem sie
am ersten Tage in weissen Kleidern, am zweiten in rothen, am dritten in
violeten, am vierten in scharlachfarbenen erschienen; zwei Eingänge führten
zum grossen Wahlzelte, in welchem Raum für zweitausend Personen; einer der
Eingänge unbewacht, nur für den Herrscher; der andere von Bogenschützen
besetzt, welche die, denen der Eingang nicht gestattet war, abwehrten. Die
Thronbesteigung sollte schon am Tage der Himmelfahrt Mariä statthaben, ward
aber ob eines fürchterlichen Hagels und Schneegestöbers (welches in der
Hälfte Augusts für die Rauheit des Klima's im Gebirge von Karakorum zeugt
und den mongolischen Volksaberglauben der donnerbeschwörenden Uriankuten
und der hagelmachenden Schamanen erklärt) bis an den Bartholomäustag
verschoben. [RN: 24. August 1246.] Turakina hatte für ihren Plan, den Thron
ihrem ältesten Sohne Gujuk zuzuwenden, die Stimme Sijurkukteni's und ihrer
Söhne gewonnen, und der Minister _Kaidak_, Chinese, wie _Tschinkai_,
leiteten die Wahl. Gujuk, von heftigem und wankelmüthigem Sinne[106],
verstand sich zur Annahme des ihm von der Mutter bestimmten Thrones nur
unter der Bedingniss, dass die Fortdauer der Herrschaft in seinem Uluse
beschworen werde. Der Vertrag ward mit der Formel unterzeichnet: »dass, so
lange vom Stamme des Kaan's ein Stück Fleisch übrig, an der Herrschaft kein
Anderer Theil nehmen solle«.[107] Dem Gujuk, wiewohl noch nicht zum
Herrscher ausgerufen, wurden schon ausschliessliche Ehren erwiesen; wenn er
aus seinem Zelte ging, traten ihm Sänger vor und die Hofdiener neigten vor
ihm ihre Ceremonienstäbe mit den rothen Quasten.[108] Als man endlich mit
dem Wahlvertrage im Reinen, hatte die Feierlichkeit der Thronbesteigung
statt. Gujuk wurde auf einen goldenen Stuhl gesetzt, und die Prinzen und
Nujanen erklärten, dass sie ihn zum Herrscher wollten. Gujuk fragte: ob sie
bereit, seinem Worte zu gehorchen, zu gehen und zu kommen nach seinem
Befehl und zu tödten auf seinen Wink? und als sie dies bejaht, sagte er: So
wird dann künftig sein mein Wort als Schwert. Sie gaben ihre Zustimmung,
setzten ihn vom goldenen Stuhle auf eine Filzdecke auf die Erde und sagten:
Schaue auf zu Gott im Himmel und nieder auf den Filz zur Erde; wenn du gut
regierst, wenn du gerecht, freigebig, die Prinzen und Freiherren ehrst,
wird dir die Erde unterthan sein nach deinem Willen; im Gegentheil wirst du
arm, verachtet und elend sein und nicht einmal der Filz wird dein gehören,
auf dem du sitzest[109]. Dann setzten sie neben ihn seine Gemahlin
Oghulkaimisch die Merkitin, hoben sie beide auf dem Filze empor und riefen
ihn als Chakan und _Moilchan_ und sie als grosse Frau der Mongolen aus. Die
Mützen flogen in die Luft, die Gürtel wurden über die Schulter geworfen,
die ganze Versammlung beugte neunmal das Knie, drei Becher von Stutenmilch,
Wein und Meth wurden ihm dargebracht, und als er aus dem Zelte ging, fiel
das versammelte Volk und Heer dreimal vor ihm nieder[110]; sieben Tage
dauerte das Fest, während welches vom Zelte des Chakan's Fleisch und Salz
und Stutenmilch ausgetheilt ward[111]. Die Frauen hatten ihre Sitze links
des Thrones, auf der rechten Seite standen nur die Prinzen[112]; die
Nujanen hatten ihre Sitze inmitten des goldenen Thronzeltes; die der Frauen
waren von weissem Filz; die Diplome wurden erneuert, die Jurte und
Privilegien bestätigt, die Statthalterschaften vertheilt. Die Feldherren
_Subutai Behadir_ und _Dschaghan_ wurden nach China, _Iltschikidai_ mit
einem schweren Heere nach Westen zur Schlichtung der Angelegenheiten Rum's
und Georgien's abgeordnet, dem _Arghun_ wurde die Reichshut wider die
Schlösser der Assassinen in Chorasan und Kuhistan aufgetragen, die
Gesandten von Alamut und die des Chalifen wurden mit drohenden Briefen
entlassen, indem über den Fürsten der Assassinen _Arghun_, der Statthalter
von Chorasan, über den Chalifen sich _Schiramun_, der Sohn Dschurmaghun's,
des vormaligen Feldherrn in Persien, beklagt hatten. Die Finanzverwaltung
von China war in den Händen Abderrahman's; Mesud, der Sohn von Jelwadsch,
behielt die Verwaltung Turkistan's; die Wesirschaft war zwischen den beiden
Chinesen _Tschinkai_ und _Kaidak_ getheilt, unter denen die nestorianischen
Priester hoch das Haupt empor trugen und auf deren Einfluss die Missionäre
des Papstes die Hoffnung der Bekehrung des Chan's zum Christenthume bauten.
Turakina starb schon zwei Monate nach ihres Sohnes Thronbesteigung, und
ihre Günstlingin Fatima ward unter der Anklage, dass sie dem Prinzen Kulan,
dem Bruder des Chan's, eine Krankheit angezaubert, als Zauberin ertränkt.
Im Frühjahre des zweiten Jahres seiner Regierung ging Gujuk von Karakorum
gegen Imil, sein Stammgebiet; die Wittwe Tuli's sandte hievon Batu, dem
Herrscher von Kipdschak, Kunde, um ihn zu warnen, dass der Marsch wider ihn
gerichtet sein könnte; auf demselben starb Gujuk im drei und vierzigsten
Jahre als ein Opfer seiner Ausschweifungen in Trunk und Weibern.

[Randnote: Mengku's Thronbesteigung.]

Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan herrührenden Staatsmaxime
geheim gehalten, bis der Aelteste der Familie (dies war Batu, der Herrscher
von Kipdschak) davon verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom
Marsche Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach _Kialik_ gekommen,
als er die Kunde des Todes erhielt. Die Regentin, die Frau Oghulkaimisch,
sandte an ihn Botschaft im Namen ihrer Söhne, von denen der älteste,
Chodscha Aghul, den Thron vermöge der Jasa und des noch bei der
Thronbesteigung seines Vaters unterzeichneten Familienvertrags in Anspruch
nahm; aber auch die Frau Sijurkukteni, Wittwe Tuli's, die Mutter vier
seiner neun Söhne, nämlich: _Mengku's_, _Kubilai's_, _Hulagu's_ und _Arik
Buka's_, sandte Botschaft, um seine Stimme für den ältesten derselben zu
gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte Owangchan's, eine Frau von
ausserordentlichem Geiste und Verstande, unstreitig die grösste aller
Frauen, von denen die mongolische Geschichte ein Paar Hundert, in die der
Herrscher verflochten, erwähnt. Hochangesehen durch ihre Geburt als die
Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem Bruder Hakembo, war sie
es noch mehr durch die Verschwägerung mittels ihrer drei Schwestern, von
denen _Begtutmisch_ eine der vier grossen Frauen Dschudschi's und also die
Stiefmutter Batu's, und vermöge der mongolischen Sitte, nach welcher die
Söhne nach des Vaters Tod die Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen, eine der
Frauen Batu's oder doch wenigstens von grossem Einflusse in seinem
Frauengemach; ausser diesen Vortheilen ihrer Geburt und Verschwägerung
genoss sie des höchsten Ansehens als die grosse Frau Tuli's, des Herdhüters
des Hauses Tschengischan's, als die Mutter seiner vier obgenannten Söhne
und als eine Frau von grosser Staatsklugheit. Durch diese hatte sie immer
den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen günstig zu erhalten gewusst; als
Batu den kranken Fuss vorgeschützt, um sich der Gegenwart beim Kurultai der
Thronbesteigung Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an ihn gesandt,
um sich nach seiner Gesundheit an erkundigen; als Gujuk gegen die Gränze
marschirte, hatte sie ihm die früheste Kunde und Warnung gegeben, und fand
ihn also ihren Wünschen geneigt; ausserdem hatte sie als grosse
Menschenkennerin die durch Talente oder Heldenmuth ausgezeichnetsten
Männer der verschiedenen Stämme als Erzieher oder Umgebungen ihrer Söhne an
sich zu ziehen gewusst und sich mit dem Bollwerke ihres Kopfs und Arms
umgeben.[113] Die zahlreichsten Prinzen auf diesem Kurultai waren die der
Uluse Dschudschi und Tuli. _Iltschikidai_ der Dschelaire, der Befehlshaber
in Persien, brachte den versammelten Prinzen den bei der Thronbesteigung
Gujuk's unterschriebenen Familienvertrag in Erinnerung: dass, so lang ein
Stück Fleisch von seinem Hause übrig wäre, sie aus keinem anderen den
Herrscher wählen würden. Ihr habt, entgegnete Kubilai, zuerst die Jasa
Tschengischan's gebrochen, indem ihr seine Tochter _Atalun_ (die Gemahlin
Dschawer Satschan's des Olkoniten) getödtet, indem ihr die durch Ogotai's
letzten Willen seinem Enkel _Schiramun_ bestimmte Thronfolge dem Gujuk
zugewendet. Diese Einwendung unterstützte das Ansehen Batu's und der
Oberrichter[114] Mingkasar Nujan, welcher den Heldenmuth Mengku's, des
ältesten Sohnes Tuli's, und die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch
unter dem Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen westlichen
Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste anpries. Die Prinzen trugen
den Thron Batu als dem Aeltesten des Hauses an; da dieser denselben aber
ausschlug, übertrugen sie ihm die Ernennung des Herrschers, und Batu
ernannte dazu Mengku, den ältesten Sohn Tuli's. Mengku entschuldigte sich,
aber sein Bruder _Muke_ bemerkte, dass, da Alle versprochen, sich dem
Ausspruche Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für Mengku
Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher gehuldigt und Batu selbst
brachte ihm den Becher dar; zugleich ward ausgemacht, dass, da die
Versammlung nicht vollständig, nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran
auf vollzähligem Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden, unterdessen
die Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen solle. Die Söhne Gujuk's
ziehen ihren Stellvertreter, der hiezu beigestimmt, überschrittener
Vollmacht, die Prinzen des Uluses Dschagatai und Ogotai weigerten sich, auf
dem Kurultai zu erscheinen; da sandte Batu seine beiden Brüder, Berke und
Tokatimur, mit zahlreichem Heere, um den Mengku trotz ihrer Abwesenheit als
Kaan auszurufen. Drei Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku unter den
gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan ausgerufen. [RN: 1. Juli
1251.] Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge dessen befohlen
ward, nicht nur der Menschen, sondern auch der Lastthiere zu schonen,
verboten, die Thiere, deren Fleisch gegessen, anders als nach mongolischer
Sitte zu erwürgen, die Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage dauerte
das Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von anderen Farben angezogen,
täglich das Fleisch von hundert Pferden und Ochsen, fünftausend Schafen
verzehrt, die Ladung von zweitausend Wägen Weins und Kumis ausgetrunken
ward.

[Randnote: Hinrichtungen der Prinzen; Feldzug gegen Osten und Westen.]

Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache[115], welcher sein Maulthier
verloren, dasselbe zu suchen ausgegangen, in grösster Eile (er hatte in
Einem Tage den Marsch von dreien durchmessen) mit der Kunde, dass die
Prinzen des Uluses Ogotai, Schiramun, Baghu und Kutuktu mit versteckten
Waffen, die sie in bedeckten Wägen mit sich führten, im Anzuge. Mingkasar
ging ihnen mit Truppen entgegen, überfiel sie und führte sie ins Lager mit
sich; hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre Geschenke, neun
verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke, dar; aber am dritten Tage
wurden sie beim Eintritt in's Zelt verhaftet und von Mengku selbst verhört.
Der Hofmeister Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku
übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar; dieser sprach
über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe aus. Siebzig Prinzen und
Nujanen wurden hingerichtet, unter den letzten zwei Söhne Iltschikidai's,
des Feldherrn in Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu geführt,
von diesem hingerichtet ward. Die Todesart der Nujanen war, dass man ihnen
den Mund mit Steinen füllte und sie so erstickte; die der Prinzen, dass man
sie in seidene Tapeten einwickelte und darin zu Tode rollte[116].
Katakasch, die Mutter Schiramun's, die Nichte Altschi Nujan's, sandte Bitte
an Sijurkukteni, die Schuld ihres Sohnes bekennend und für denselben um
Verzeihung flehend; auf die Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den
Aghlanen, d. i. den Prinzen Schiramun, Chodscha Aghul, Baghu aus dem Uluse
Ogotai, Jesenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das Leben, indem er sie nach
China sandte, dem Chodscha Aghul aber, welchem die Thronfolge gebührt
hätte, einen Jurt an der Selenga anwies[117]; auch den beiden grossen
Söhnen Ogotai's, _Timur_ und _Melik_, und denen Kutan's wurde das Leben
geschenkt, aber in der Folge, als Mengku selbst nach China zog, wurde der
Prinz Schiramun ertränkt. Seine Mutter Katakasch und Oghulkaimisch, die
Wittwe Gujuk's, wurden das Jahr hierauf vor das Gericht Mingkasar's
gestellt, beide als überwiesen, dass sie die Söhne zur Widerspenstigkeit
bei dem Kurultai der Thronbesteigung aufgehetzt, zum Tode verurtheilt und
in Filz eingewickelt ersäuft. Kaidak und Tschinkai, die beiden Räthe der
Oghulkaimisch, wurden hingerichtet. Buri, der Enkel Dschagatai's, wurde an
Batu ausgeliefert, der ihn um einige Schimpfreden, die er wider ihn
ausgestossen, tödten liess. So waren ausser siebzig Nujanen die Kaiserin
Oghulkaimisch und die Mutter Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge
bestimmt worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses Tuli's gefallen.
Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren, welchem Turakina die Herrschaft über
das Land verliehen, wurde, von einem Moslim eines Mordplans wider alle
Moslimen in seinem Lande angeklagt, vor das Gericht des unerbittlichen
Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, bekannte er sich
schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt und nach Pischbaligh gesandt,
um dieselbe zu erleiden; an einem Freitage, als die Moslimen in die
Moschee gingen, wurde er zu ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des
Scharfrichters vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku die Herrschaft
des Landes der Uighuren verlieh. Berke Aghul und Buka Timur, die beiden
Söhne Batu's, wurden mit Ehren nach Kipdschak, so auch Kara Hulagu, der
Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's Mauern gefallenem Sohne
_Muwatukan_, mit der Oberherrschaft seines Uluses entlassen; Mohammed
Jelwadsch, welcher, als Mengku einen Augenblick über die Strafe der
schuldigen Prinzen unschlüssig, denselben nach der aus der römischen
Geschichte bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort auf des
Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abgehauenen höheren Pflanzen,
zur Todesstrafe bestimmt hatte, ward wieder die Finanzverwaltung von China,
und seinem Sohne Mesud die Statthalterschaft über die Länder zwischen dem
Oxus und Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statthalterschaft über ganz
Persien, von Chorasan bis nach Armenien und an die syrische Gränze
bestätiget. Mingkasar war der Oberrichter, der Christ Bulghai stand an der
Spitze der Staatskanzlei, in welcher Sekretäre für die Ausfertigungen in
sieben Sprachen: Perser, Uighuren, Araber, Chinesen, Tibeter, Mandschu und
Tanguten angestellt waren. Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des Bruders
Tschengischan's, erhielt die Befehlshaberschaft der Residenz Karakorum;
Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche der von Ogotai eingesetzten
Posten _Jam_[118] zu steuern, indem die Kuriere und Gesandten den Bauern
die Pferde wegnahmen; die Abgabe _Kuntschur_ von den Herden wurde auf Eines
vom Hundert bestimmt; die Herde, die nicht Hundert zählte, war davon frei.
In Persien wurde nach dem Fusse der von Jelwadsch in Transoxana
eingeführten Besteuerung der Kopfsteuer, je nach dem Vermögen von Einem bis
zehn[119], in China von Einem bis fünfzehn Dukaten festgesetzt.
Forderungen von Kaufleuten, welche für die unter Gujuk gelieferten Waaren
keine Bezahlung erhalten hatten, wurden mit fünfzigtausend Silberbalischen
befriedigt[120]; hingegen zog er alle Ländereien ein, deren sich nach dem
Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimisch und ihre Söhne Chodscha und Baghu
bemächtigt hatten, welche siebzehntausend Balische Gold eintrugen[121]. Der
Bruder Kubilai wurde mit einem Heere nach China befehligt, und bei dem
Aufbruche desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen aller Art
begleitet; auf diesem erschienen der Richter Schemseddin von Kaswin,
welcher wider die ihn aufsuchenden Dolche der Assassinen zum Throne des
Kaans flüchtete, und Abgeordnete Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in
Irak, welcher sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da beschloss
Mengku den Krieg wider die Assassinen und den Chalifen und übertrug die
Führung desselben seinem Bruder Hulagu. Da einige Geschichtschreiber den
Anfang der Herrschaft der Mongolen in Persien von diesem Jahre an rechnen,
wiewohl Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer einzog, so wird
auch das folgende Buch am bessten mit dem Feldzuge, dessen angekündigter
Zweck die Zerstörung der Herrschaft der Assassinen und des Chalifats,
beginnen, aber zuvor thut noch zur Orientirung des Lesers vonnöthen ein
Ueberblick der damals, das ist in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts
der christlichen Zeitrechnung, in Asien dem Reiche der Mongolen
gleichzeitigen asiatischen Dynastien.

[Randnote: Dynastien im Osten Asiens.]

China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen südliche unter
Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung der Dynastie _Juan_, d. i.
der Mongolen, erobert worden, liegt hier eben so, wie das indische Reich
von Dehli, dessen grosse Stadt _Lahur_ noch unter Gujuk's Regierung von den
Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden war[122], ausser dem
Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos die unmittelbar mit der
mongolischen Dynastie in Persien bei der Eroberung desselben oder später
verflochtenen asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir wenden
den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien selbst und seine
Gränzländer in Osten, Westen, Süden, Norden, sammt dem äussersten des
westlichen Asiens, bis wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane
erstreckte, in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem _indischen_
Gränzreiche, nach _Chorasan_, d. i. dem Ostlande, dem persischen
Oesterreich und dem daran stossenden _Kuhistan_; im Süden gegen _Kerman_
und _Jesd_, dann nach Persien im engsten Sinne, nach _Fars_, dem persischen
_Irak_ und den beiden dazu gehörigen _Luristan_; im Westen nach dem
_arabischen Irak_, dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der
Seldschuken in _Rum_; im Norden nach _Gilan_, _Georgien_ und _Armenien_;
endlich nach dem entfernten _Syrien_ und _Aegypten_ und dem
_byzantinischen_ Reiche:

I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich beim ersten Feldzuge
Hulagu's die Rede sein wird, herrschte die in der ersten Hälfte des
dreizehnten Jahrhunderts gegründete Dynastie der _Chuldschen_, d. i. die
fünfte der _Ghur_, nachdem die drei früheren dieses Namens zu _Ghasna_,
_Bamian_ und _Kabul_ erloschen, während die vierte, nämlich die der
_Ulugschahe_, mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die Benennung der
zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher _Ferischte_, der grosse
Geschichtschreiber der moslimischen Reiche in Indien, die Chuldschen
aufführt, könnte gelten, wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam
Tschengischan's, Namens _Choldsch_, abstammen; aber keiner der Eidame
Tschengischan's trägt diesen Namen und keine derselben waren _Choldsche_
oder _Challadsche_ (das indische Choldsch ist blos eine Verstümmelung des
Namens der _Challadsch_ oder _Kaladsch_), welche, wiewohl Türken von
Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen beigesellt werden. In
der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts herrschte aus dieser Dynastie
_Dschelaleddin Firus_, welcher sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen
vier glänzende Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in
einem besonderen: _die Eroberung der Eroberungen_[123] betitelten Werke
beschrieben, und dessen Sohne _Alaeddin_ ein anderes seiner Werke, nämlich
_die Vereinigung der beiden glücklichen Gestirne_[124], gewidmet. Chosrew
von Dehli war der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden
grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhundert später
_Wassaf_, der Lobredner der beiden Herrscher der Ilchane, _Chodabende_ und
_Ebu Said_. II. In _Chorasan_ war erst vor einigen Jahren zu Herat die
Dynastie der _Kert_ durch Schemseddin Mohammed gegründet worden, welchem
Tschengischan bei der Eroberung Herats den Besitz desselben eingeräumt,
Mengku, welchem er mit reichen Geschenken seine Huldigung darbrachte, die
Herrschaft von Herat und Ghardschistan bestätigte. In dem unmittelbar an
Herat anstossenden und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich
hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten: III. die
Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchelmord wider alle ihre
Feinde aus. Der siebente Grossmeister dieser Meuchelmörder, _Alaeddin
Mohammed Gurschah_, sass seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem
Stuhle, auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten, welche
den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom eigenen Sohne gemordet,
entsank.

[Randnote: Dynastien im Süden Persiens.]

IV. _Kerman_, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem Untergange der
Herrschaft der Bujiden in die Macht der Seldschuken, von deren
fünfgetheilten Herrschergeschlechte ein Zweig den Namen von Kerman führt,
und blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin
Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der Kämmerer _Borrak_, zum Islam bekehrt,
vom Chalifen mit der Herrschaft dieses Landes belehnet und mit dem
Ehrentitel _Kotlogh Sultan_, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward.
Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige und
langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in der _welteröffnenden
Geschichte_ Dschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultan's
_Rukneddin_ erhielt trotz der Empörung Kutbeddin's, des Neffen Borrak's,
vom ersten Nachfolger Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman,
Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, indem er seine
Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid
vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des
Throns von Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt,
durch den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das Diplom der
Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte mit der Botschaft der
Belehnung einen Gesandten an Rukneddin, [RN: 650/1252] der, als er beim
Atabegen von Fars Mosaffereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch
beim Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre
nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler um den Thron
Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen. Diesem bestätigte Mengku, und
später auch Hulagu die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre
später erfolgten Tode behielt. [RN: 658/1258] Fast noch weniger als die
Geschichte der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der Atabegen
von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen Geschichtschreibern
bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten ihren Ursprung vom Dilemiten _Ebu
Dschaafer Mohammed Kakuje_ ab, dessen Namen die Araber in _Kakeweih_, so
wie den der _Buje_ in _Boweih_, und den der _Fasluje_ in _Fasleweih_
verstümmeln; er war der Oheim _Side Chatun's_, der Mutter Medschdeddewlets
des Bujiden und Statthalters von Issfahan; sein Sohn _Ebu Manssur Firamurs_
hatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft von
Jesd erhalten; [RN: 443/1052] ihm war in derselben sein Sohn _Emir Ali Ben
Firamurs_ gefolgt, [RN: 536/1142] welcher im Kriege wider die Karachitanen
fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher der persischen Seldschuken,
verlieh die Herrschaft von Jesd dem _Sam Ben Wirdan_, [RN: 515/1122] einem
Abkömmlinge aus einer Tochter Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam
Ben Wirdan umfing das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und
verherrlichte Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die
Herrschaft seinem Bruder _Iseddin Beschker_, [RN: 590/1194] welcher, ein
tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der Statthalterschaft
von Schiras und Issfahan betraut worden, zu Anfang des Jahrhunderts starb;
[RN: 604/1208] ihm folgte sein Bruder _Wirdansor_ durch zwölf Jahre, und
dann dessen Bruder _Ebu Manssur_, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, [RN:
gest. 616/1219] nach ihm dessen Sohn _Mahmud_ durch dreizehn Jahre, und
nach diesem dessen Sohn _Salghurschah_, [RN: 621/1231] der Erbauer der nach
ihm genannten Stadt _Salghurabad_, und dann dessen Sohn _Toghanschah_, der
neunte der Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Hulagu's[125],
welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie duldete, bis nach zwei späteren
Herrschern (Alaeddewlet und dessen Bruder _Jusufschah_), zu Ende des
dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und dessen Ertrag den
Einkünften des Diwans einverleibt ward.

[Randnote: Die Dynastien in Fars.]

In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd noch die von Schiras,
insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren, und zu Darabscherd, einer
Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare[126] aus der Familie
_Fasluje_. VI. Die Vorfahren _Fasl Ben Emir Fasluje's_ waren ursprünglich
die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon zur Zeit Omar's, als
Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach
Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare,
welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des
Friedens aufrichteten, während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben
Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und
sein Nachkömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte
Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein _Fasluje Ben Hasuje_ genannt, Isfehsalar
d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung Adhadeddewlet's des grossen
Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, _Tasch
Ferrasch Schebankjare_, das Land mit einem Heere, [RN: 430/1038] und zu
dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der
Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich
des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje
angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von
Kerman, verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und pachtete von
ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig Millionen Dirhem; da er sich
wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse
Grosswesir Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli
der _Chuansalar_, d. i. Obersttruchsess, schlug sich mit dem Erbauer der
Residenz zu Darabscherd, dessen langer Namen _Nisameddin Mahmud Ben Jahja
Ben Hasuje_. Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm
folgte sein Sohn _Mobariseddin_, dann dessen Sohn _Nisameddin II._, dann
der Bruder _Mosaffer Mohammed_, [RN: 624/1227] welcher, ein weiser und
gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den
Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien
herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren,
deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und
die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt, weil Fars das
Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der
Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen
Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten Fürsten, welche alle
den Vornamen _Mosaffereddin_, d. i. _die mit dem Siege der Religion
Betheilten_, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der
Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des
letzten _Ebubekr Ben Saad's_ schon durch _Saadi's Gülistan_ allein
unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der
Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten Salghuren _Sonkar Ben Mewdud_ in
der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der
christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter der
Seldschuken, verwaltet worden. Der erste _Fasluje Schebankjare_, dessen
schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen, und von dem
die Dichter, auf dessen Namen _Fasl_, d. i. Trefflichkeit, Verdienst,
Wohlthat und Huld anspielend, gesagt:

    Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück,
    Den Uebermuth des Aufruhrs hielt _Faslui_ zurück.

Der zweite _Rokneddewlet_, d. i. die Reichssäule _Chumar Tegin_, ertrank;
der dritte _Dschelaleddin Dschanli_ verheerte das Gebiet der Dynastie
Schebankjare; der vierte _Karadschu_ baute eine Medrese zu Schiras und ward
zu Hamadan erschlagen; der fünfte _Mengubers_ baute eine Medrese, an der er
begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin _Sahide_ die Medrese _Issmeti_
zu Schiras; der sechste _Bosabe_ ward, wiewohl ein gerechter und billiger
Herr, gewaltsam getödtet, [RN: 543/1148] und der siebente _Melekschah_
hielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchem _Sonkar Ben
Mewdud_, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er
sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf.

[Randnote: Die Dynastien von Gross- und Klein-Luristan.]

Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare herrschte, sind die
sogenannten _grossen Fasluje_ nicht zu vermengen, welche in Gross-Luristan
unter dem Namen der grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in
Klein-Luristan unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten. Die beiden
Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, _Lor_ oder _Lur_, welche dort
Statthalter im dritten Jahrhunderte der Hidschret, später über die Stämme
herrschten, welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal im
nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens eingewandert,
sich unter Anführung Chorschid's in Klein-Luristan niederliessen; von ihrer
westlichen Abstammung heissen sie die Könige des Westens[127]. VIII. In
Gross-Luristan dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme _Ali_ und
dessen Sohn _Mohammed_ den Atabegen Salghuren, und _Abu Tahir_, der Sohn
Mohammed's, stand dem Atabegen Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar,
der Salghure, sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten; Abu
Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des Atabegen, und als ihn
dieser noch mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden
der Atabege zu reinigen; er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum
unabhängigen Fürsten und Atabegen. [RN: 550/1155] Bei dieser Gelegenheit
siedelten sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und vertrieben
die _Scholen_ oder _Schulen_, welche die Ureinwohner des Landes. Abu Tahir
hatte fünf Söhne, deren ältester _Hesarsif_ in beständigem Kriege mit
_Tikle_ dem Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet der
Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen von
Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher denselben Namen
trug wie der Atabege Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein
Enkel desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der Salghure Saad
sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug, und auch wider
Hosameddin Chalil, den Neffen Schudschaaeddin's von Klein-Luristan,
siegreich Krieg führte; endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des
Chalifen, welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den
einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus.
Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's, als Hulagu wider Bagdad zog.
Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin
Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. IX. Die Dynastie der
kleinen Atabege in Klein-Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als
die der Atabege von Gross-Luristan. _Schudschaaeddin Chorschid_, d. i. _der
Tapfere der Religion, die Sonne_, eroberte das Land, nahm, der erste, den
Titel _Atabeg_ an, und starb nach vierzigjähriger Regierung über hundert
Jahre alt; [RN: 580/1184] ihm folgte sein Neffe _Rustem_, ein gerechter
aber strenger Fürst, den sein Bruder _Scherefeddin Ebubekr_ ermordete;
dieser wurde von seinem Weibe vergiftet; sein Bruder _Iseddin Kerschasif_
nahm den Thron ein und die Frau _Melike_, seines Bruders Gemahlin, die
Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur Frau; in langwierigen Krieg mit
Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit
demselben Frieden, ward aber von ihm erschlagen. [RN: 640/1242] Die Wittwe
Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (_Schudschaaeddin Chorschid_,
_Ssafeddin Rustem_ und _Nureddin Mohammed_) zu ihrem Bruder
_Suleimanschah_, der mit Hosameddin den Krieg so erbittert führte, dass sie
sich in Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam
es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in welcher
Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen unterstützt ward,
während das Heer Hosameddin's nur aus dreitausend Reitern und neuntausend
Fussgängern bestand; dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht
geschlagen, trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm den
Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, in denen eben so viele
Wortspiele:

    Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst,
    Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust[128];
    Ein _Diw_, begehrte er das Reich von Suleiman,
    Zuletzt im _Diwan_ Salomoni's abgethan.

Die Herrschaft kam an den obengenannten _Bedreddin Mesud_, den Bruder
Iseddin Kerschasif's.

[Randnote: Dynastien i. arab. Irak, in Syrien, Aegypten und Arabien.]

Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen zu Bagdad, in der
Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch drei Dynastien, deren Fürsten den
Titel von Atabegen, das ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem
Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter
diesem Namen berühmt, waren die von _Damaskus_, _Haleb_, _Aserbeidschan_
und _Irbil_ bereits erloschen, und es bestanden nur noch die schon
erwähnten persischen der Atabege von _Jesd_, _Darabscherd_, _Schiras_,
_Gross- und Klein-Luristan_, und die nun zu erwähnenden von _Mossul_,
_Dschesire_ und _Sindschar_. XI. Zu Mossul herrschten seit einem
Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren
Thron vom Chalifen Bagdad's dem _Bedreddin Lulu_, Obersthofmeister der
beiden letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron rühmlich
vierzig Jahre lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung zu
huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie der Atabege von
_Sindschar_, deren Herrschaft vor einem Jahrhunderte[129] begonnen, hatte
nur durch ein halbes Jahrhundert geherrscht, und ihre Herrschaft war nach
Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben,
Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen worden; eben so
war die Linie der Atabegen Mossul's, welche seit acht und vierzig
Jahren[130] XIII. zu Dschesire geherrscht, erloschen, und an ihre Stelle
_Modschahid_, ein anderer Sohn Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul,
getreten, so dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte
ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die
Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu _Mardin_ herrschte ein
Zweig der _Beni Ortok_, deren Hauptlinie von Diarbekr seit zwanzig
Jahren[131] erloschen war; aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin
schon seit hundert sechs und achtzig Jahren[132] Fürsten, deren Dynastie
erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung
erlosch.[133] _Ilghasi_, der Gründer dieser Dynastie, Sultan Melekschah's
des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's
bemächtigt; ihm war sein Sohn _Hosameddin Timurtasch_ und sein Sohn
_Nedschmeddin_, diesen die beiden Söhne _Hosameddin II._ und _Nassireddin_
und diesem der Sohn _Melik Said_ gefolgt, welcher der sechste Herrscher
dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend, der
Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch vor dreissig
Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit
Hulagu's war diese Stadt im Besitze _Kjamil's_ des Ejubiden. XV.
Miafarakain's Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen mächtigen
Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun anderen, die von _Kairo_,
_Damaskus_, _Haleb_, _Hama_, _Himss_, _Kerek_, _Baalbek_, _Hossnkeif_ und
_Jemen_); von diesen zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte
des dreizehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von
_Miafarakain_ und _Hossnkeif_, und in Syrien die vier von _Haleb_, _Hama_,
_Himss_ und _Kerek_. Kjamil war der fünfte Herrscher der Beni Ejub zu
Miafarakain; seine Vorfahren _Melikol-aadil_, der Bruder Ssalaheddin's,
dann _Melik el-eschref_, _Melik el-ewhad_, _Melik el-mosaffer_, die drei
Söhne _Melik el-aadil's_; der Sohn des letzten war _Melik Kjamil_, der
Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu
widerstehen, mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte.
XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren
begonnen[134], indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil die
Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, um Aegyptens und
Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich dahin begeben, blieb sein Sohn Melik
Moaasem Turanschah im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser
dem Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die Herrschaft von
Amid und Hossnkeif seinem Sohne _Melik Mowahid_, der wie sein Vetter von
Miafarakain ein Opfer seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen
fiel. Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. Zu _Hama_
Melik Manssur II., der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten flüchtete.
Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn
Schehinschah, von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama installirt,
sein Sohn Nachfolger _Melik Manssur I._ ob seiner wider die Kreuzfahrer
erfochtenen Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern
angedeihen liess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von
diesen in Siegeshymnen und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni
Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren
Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin zum Statthalter vom Himss
bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen
Begleiter auf allen Feldzügen _Melik Nassireddin Mohammed_ des Vaters
Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode verlieh er die
Herrschaft zwar dem Sohne desselben _Melik Modschahid Schirkuh_, zog aber
das väterliche Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen
Neffen citirten Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte sein
Sohn _Manssur Ibrahim_, der den Chuaresmern tapferen Widerstand geleistet,
und nach ihm sein Sohn _Melik Eschref Mosafereddin Musa_, der Zeitgenosse
Hulagu's, von diesem, weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt.
XIX. Die Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter _Melik Aadil
Seifeddin Ebubekr_, welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte Stadt
erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von Damaskus berufen, übergab
er Kerek seinem Sohne _Melik Moaasem Isa_, welchem der Sohn Melik Nassir
Daud und diesem _Melik Moghis Fetheddin Omar_ folgte, der Zeitgenosse
Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars getödtet. Beibars war
der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig
mit der persischen Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine
Nebenbuhlerin derselben um Syriens Herrschaft in der Folge genauere Kunde
erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka der vierte Herrscher der XXI.
Dynastie der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien der
_Beni Ochaissar_, _Musa sani_ und _Beni Haschim_ seit einem halben
Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte Herrscher _Ebu Nemi
Mohammed_ durch sieben und vierzig Jahre gefüllt.

[Randnote: Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u.
Kleinasiens.]

Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar zuerst nach den
nördlichen Landschaften Persiens, nach Taberistan und Masenderan, wo seit
der Hälfte des ersten Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des
fünften die zwei Dynastien _Bawendije_, auf einander folgend, geherrscht;
aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen
Zeitrechnung[135] erloschenen, erstand in der Hälfte des vierzehnten ein
Zweig derselben in der Dynastie _Dschelawije_. Das Stillschweigen der
Geschichte durch diese anderthalb Jahrhunderte[136] beweiset, dass
Taberistan während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte; in Gilan
herrschten XXII. die Beni _Badusian_ schon seit dem vierzigsten Jahre der
Hidschret zu Rujan und Rustemdar; der Gründer _Badusian_[137] war ein
Nachkömmling des Schmiedes Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der
Tyrannei, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.[138]
Sie führten den besonderen Titel _Astandar_, welches in der bisher ganz
unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend mit _Scheichol Dschebal_,
d. i. des Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess,
welcher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der
Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der von _Alamut_ und
der von _Rustemdar_, bekriegten sich um die Hälfte des sechsten
Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde; aber nach dem Tode Keikawu's Ben
Hesarsif's schlug sein Sohn und Nachfolger Schehrnusch den
entgegengesetzten Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der
Assassinen, seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder
_Isfendiar Kerkud_, nach ihm sein Neffe _Serin Kemer_, d. i. Goldgürtel,
der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel der Zweite, der Sohn
Chassin's, der ein und zwanzigste Herrscher der Beni Badusian; diesem war
zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[139]
sein Sohn _Bisutun_, diesem nach zehnjähriger Regierung der Sohn
_Fachreddewlet_, diesem nach zwanzigjähriger Regierung der Sohn
_Hosameddewlet Ardeschir_ und diesem der Bruder _Iskender_ gefolgt. Sein
Nachfolger _Isfendiar Schehrahim_, der jüngste Fürst der Beni Badusian,
regierte drei und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und
Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe gelassen, und die
Eroberung des Landes erst unter ihrem Nachfolger _Oldschaitu_, dem achten
Ilchane Persiens, versucht. XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder
Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre,
während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem Bruder
desselben, dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in
die Geschichte der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter ist
XXIV. die Königin von Georgien, _Russuldan_, die Tochter der _Tamar_, nach
deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide, welche bei der
Thronbesteigung Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter David
Narin und ihrem Sohne _David Ssosslan_, getheilet ward. Dieser erhielt das
obere Georgien, d. i. _Karthli_, _Kachethi_, _Achal-ziche_ und _Schewar_;
der andere Niedergeorgien, d. i. _Imerethi_, _Mingrelien_, _Sswanethi_,
_Dschikhethi_ und _Abchasethi_; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu den
David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen besonders aus. XXV. Das
Reich der Seldschuken in Rum beherrschte der zwölfte Sultan derselben,
_Iseddin Keikawus II._, erst allein, dann mit seinen Brüdern _Rukneddin
Kilidscharslan IV._ und _Alaeddin Keikobad II._, von welchen der vorletzte
bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In Nicäa endlich thronte
XXVI. der griechische Kaiser Vataces, dessen drei und dreissigjährige
Regierung, ein Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung
Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, und dessen
Gesandte sich mit denen _Innocenz IV._ am Hofe Mengukaan's
zusammenfanden.[140] Der Papst und die Könige von Frankreich und Ungarn
verkehrten mit den Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber
weder die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste der
Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare Berührung, wie
die hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien, welche die
Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des
mächtigsten Herrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und zwanzig
besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen,
so schlugen diese sechs und zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs
in Persien gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden,
erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten, gleichsam an
der Pforte desselben die Heerpauke der Herrschaft.



Zweites Buch.

    Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien
    wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die
    Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte
    Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung
    Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin;
    der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten;
    die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross-
    und Klein-Armenien's.


[Randnote: Hulagu.]

_Hulagu_ oder, wie die Mongolen den Namen schreiben und sprechen, _Chulagu_
war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der
Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten
Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne,
geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor seinem Tode)
Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse,
durch Jagden gefeierte _Kurultai_ der Familie zu halten, bei welchem alle
Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi
ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden
gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn,
dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit
einem Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan vollzog
an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch der _Fetteinschmierung_[141],
welcher darin besteht, den Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild
erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, was
als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen
mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche
Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan,
zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so grausam in
Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater Welteroberer selbst
vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern,
Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche
erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der
mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, als Gründer der
Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller
Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von
vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender
Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder, welche die
Biographie sonst gewöhnlich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am
bessten sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon
vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder
dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen
Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die
anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben
Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte
aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder
Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei[142] aus dem
Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau _Tokus_, und vier aus
dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine _Kutui_ Chatun, ein
Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle
gefällig zu sein, als für ihren guten Geschmack, sich mit schönen
Sklavinnen zu umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am
schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige
in der Geschichte in Vorschein gekommen, genannt werden; aber der sechs
Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben als
Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen
Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem
Schleier bedeckten mongolischen Kopfschmuck _Baghtak_, dessen Namen die
europäischen Reisenden in _Botta_, die Venezianer in _Baiuta_ verstümmelt
haben.[143]

[Randnote: Die Gemahlinnen Hulagu's.]

Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den
andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch
heute bei den Perserinnen die grosse Frau[144], war _Tokus Chatun_, d. i.
die Frau _Neun_, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode
zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der
mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen
Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt,
sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli
war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre
alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte
also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues
Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich
dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und
Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche
Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles
älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten,
der staatsklugen _Sijurkukteni_, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins
Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester
_Tukini_ zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder
gab. Sie waren beide die Töchter _Ettiko's_, des zweiten Sohnes
Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche
die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die
Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien
Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom
Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von
nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse
Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu
zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als
Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit
dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der _Uirat_,
nämlich _Kubak_ oder _Kojuk Chatun_, die Mutter seines zweiten Sohnes
_Dschumkur_, und ihre Stiefschwester _Oldschai_, die Mutter seines eilften
Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes
_Kutuke's_, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine
Tochter _Dschidschegan_ zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn _Buka Timur_
geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter
_Kubak_ und _Oldschai_, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's,
der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen
waren zwei Konghuratinnen: _Kutui Chatun_, aus deren Lager Hulagu sieben
Beischläferinnen genommen, die Mutter _Tekschin's_, seines vierten, und
_Ahmed Tekudar's_, seines siebenten Sohnes; und _Mertai Chatun_, welche
kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini;
endlich die Frau _Jisut_ oder _Jisuntschin_, aus dem Stamme Suldus, die
Mutter des Kronprinzen _Abaka_. Wir mussten in diese Umständlichkeiten
eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der
Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen
klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte,
nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren
die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die
_Kerait_ und die _Uirat_, sowie der der _Konghurat_, aus welchem die zwei
anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten
verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht
Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der
Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die
Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.

[Randnote: Die Söhne und Töchter Hulagu's.]

Der Erstgeborene _Abaka_ war als der Aelteste schon bei des Vaters
Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher er auch nach dessen Tode
der zweite der Ilchane in Iran, nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der
Zweitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den
Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans
Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste
Bruder desselben, Arikbugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig
machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu
erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's
Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben,
sowie seiner beiden Söhne _Dschuschkub_ und _Kunkuschu_, wird im Verlaufe
dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. _Jaschmut_, der dritte Sohn
Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des
Lagers der Frau Kutui, war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die
Mutter des vierten Sohnes, _Tekschin_, welcher an einem Blasenübel
gestorben, und dessen Gemahlin _Nulun_, die Tochter Buka Timur's, des
Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), nach
Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn,
_Tarakai_, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen Beischläferin
_Borkdschin_, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen;
merkwürdiger durch seinen Sohn _Baidu_, welcher einige Monate lang der
sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach _Ahmed Tekudar_, dem
siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der Ilchane; zwischen beiden ward
_Tusin_, der sechste Sohn Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut,
geboren. _Adschai_, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika
Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu nach Persien zog, liess
er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der
Angelegenheiten zurück; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage.
Die Beischläferin _Dschudsche Ikadschi_, die Mutter des neunten Sohnes,
_Kuikurtai_, war eine Sklavin aus dem Lager der Frau _Tokus_; er war Vater
von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die Mutter
_Jisudar's_, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut,
dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes Mengku
Timur's[145] erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb;
Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und
keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka
Timur's, des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine
Stiefbase; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von
Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie
gaben ihm keine Söhne, aber mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste,
_Kordotschin_, aus der Atabegin _Abisch_, in der Geschichte nicht minder
oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward; das erstemal
an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den Sultan Kerman's, dann an den Emir
_Satilmisch_ und endlich an ihren Vetter _Taghai_; die Atabegin _Abisch_,
ihre Mutter _Turkan Chatun_ und _Kordotschin_, die obgenannte Tochter der
Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser
Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's,
welche eng mit der der Ilchane Persiens verflochten. _Huladschu_, der
zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die Sklavin _Ilkadschi_, aus dem Lager der
Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke _Baghtak_ zur
Frau erhoben ward; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter
_Scheibawedschi's_, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten,
_Taghai Timur's_, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau
_Kutui_, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren: die
erste _Bulughan Aka_, aus der Frau _Kobak_; sie wurde mit ihrem Oheim
_Dschume Gurgan_, dem Sohne des Tataren _Dschudschi_, vermählt, dessen
Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamige _Dschidschegan_,
die Tochter _Utdschigin's_, des jüngsten Bruders Tschengischan's; _Dschume
Gurgan_ erhielt nach dem Tode _Bulughan Aka's_ auch die Hand der Nichte
_Dschemi_, der zweiten Tochter Hulagu's aus der Frau _Oldschai_; die dritte
Tochter, _Mengelugan_, ebenfalls aus der Frau _Oldschai_, ward an _Dschakir
Gurgan_, den Sohn _Buka Timur's_ den Uiraten, vermählt, welcher der Bruder
Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte, _Tutukasch_,
aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an
den Uiraten _Tengkir Gurgan_, welcher früher eine Tochter Gujuk's zur Frau
gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen Sohn
_Sulamisch_ und endlich an dessen Sohn _Dschidschek Gurgan_ vermählt, so
dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;[146] die fünfte,
_Tarakai_, deren Mutter die Beischläferin _Irtikan Ikadschi_, ward dem
Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner Tochter Tumalun, das
ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter, _Kutlukan_, aus der
Beischläferin _Minklikadsch_, wurde zuerst dem _Jisubuka_, aus dem Stamme
_Durban_, dann nach dessen Tode seinem Sohne _Tokel_ angetraut; die Hand
der siebenten, _Baba_, aus der Frau _Oldschai_, erhielt _Legsi Gurgan_, der
Sohn Emir _Arghun's_, des Staatssecretärs, welchen Mengkukaan früher als
Hulagu nach Persien gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an
Oheime und Vettern vermählt.

[Randnote: Hulagu's Aufbruch.]

Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und dreissigsten Jahre
Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen, _Abaka_, und
den dritten, _Juschmut_, mit sich, trug dem zweiten, _Dschumkur_, im Lager
des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder _Temkjan_[147] in
seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten
ihn noch sein jüngster Bruder _Suntai_, der neunte Sohn Tuli's, dann aus
dem Uluse Dschagatai _Tekuder_[148], der Sohn Dschudschi's, des
erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem
ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel
_Bulghai_[149], der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli,
der Sohn seines Erstgeborenen _Orda_, und der Urenkel _Kotur_, der Sohn
Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes _Tewel_; endlich _Buka
Timur_, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche an
Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der
Stiefbruder von _Kubak Chatun_ und _Oldschai Chatun_, der zwei Gemahlinnen
Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die grosse Frau _Tokus
Chatun_, dann _Jisut Chatun_, die Mutter des erstgeborenen Abaka und
_Oldschai_, aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku
Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich:
_Hulagu_, seine Söhne _Abaka_ und _Juschmut_, sein Bruder _Suntai_, sein
Stiefschwager _Buka Timur_, der Neffe _Tekuder_; die Vettern: _Bulghai_,
_Kuli_ und _Kotar_. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai, auf welchem
die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu
Chan beschlossen worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen
zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem
sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. Die Heere, welche schon früher
unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren,
wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der indischen
Gränze, erst von _Dür Nujan_ und hernach vom Tataren _Sali Nujan_ gegen
Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien
demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl,
von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China
wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und
Naphthaschleuderern aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus
wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag genommen,
alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge
gemacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft seyn;
Baidschu und Dschurmaghun erhielten den Befehl, von Persien gegen
Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane _Keitbuka_, vormals
Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken, welcher, bis die
Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe
indessen zu verheeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet
waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen
und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres
sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres
1254, der Marsch nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz
Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem
Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige
Tagreisen später über den _Arungu_, der in den See _Kisilbasch_, d. i.
Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit
Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische über
diesen Marsch abgestattete Bericht[150] _Pfuhle_ nennt, liegt ein Berg, von
welchem der Wind oft mit solcher Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende
in den See weht;[151] durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden
Brücke, öffnet sich der Weg nach _Almaligh_, einer Stadt voll fliessender
Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm
Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's, des vor
Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend
entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die
Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten
Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau Oldschai,
welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm
_Mesud_, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des
Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen
Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von _Kjanigül_,
d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert.

[Randnote: Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.]

Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen von Gold
gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken befestigt, und vierzig
Tage lang gerastet und getrunken; dieses Fest wurde jedoch durch den Tod
des Prinzen _Suntai_, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der
Stadt _Kesch_[152] vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und
die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von _Schehr Sebs_, d. i.
der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von
zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen[153], genährt. Die
Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat,
und der Vorstadt[154]; von fruchtbaren Gärten umgeben, in welchen alle
Arten von Korn und Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat,
_Schemseddin Mohammed Kert_, der Gründer der seinen Namen führenden und
unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden Dynastie
_Kert_, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht
mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's,
mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn
zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser
Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der
Dschelaire _Iluke_, dessen Vater _Kadan_, aus dem Gefolge Tschengischan's,
hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei
dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In
einer grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht Hungers zu
sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als
sein Sohn Kadan in den Hofdienst[155] Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven
als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war _Arghun_.
Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannte _Iltschidai_, welcher
vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und
fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die
Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer
Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo
ihn die Missionäre als _Ergutai_ kennen, und der, nachdem sein Sohn in die
Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach
des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. _Arghun_,
durch Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss
ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's
Thronbesteigung zum _Baskaken_, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt ward.
Vater zahlreicher Söhne[156], von denen _Newrus_ und _Legsi_ in der Folge
die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten
erhielten. Von der Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und
Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der Zweck
des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der
Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben
durch Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust
der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren
diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von
Kert, zuvorgekommen, nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder
_Iseddin_ und _Rokneddin_, d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der
Atabeg von Fars, _Saad_, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran,
Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle, Geschenke
darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe und Nachen, um über
den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über
denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den
Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten
Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres
1256 unserer Zeitrechnung.

[Randnote: Winterquartier zu Scheburghan; die beiden Dschuweini.]

Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken zu erhalten, hob
Hulagu den bisher von allen Schiffen genommenen Ueberfuhrszoll auf, was
von damals an während der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb.
Jenseits des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt. Am
zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen Opferfeste) [RN: 10.
Januar 1256.] wurde südwestlich von Balch ausser der Stadt
_Scheburghan_[157] gelagert, deren District bei den morgenländischen
Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft _Dschusdschan_ oder
_Dschusdschanan_ bekannt[158]; die mit fliessendem Wasser reichlich
bewässerten Gärten sind vorzüglich fruchtbar an Wassermelonen, welche
getrocknet verführt werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten;
ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, von grimmiger
Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben. Hulagu beschloss, hier
den Rest des Winters abzuwarten. Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit
goldenen Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke dar,
in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine Vorbedeutung glücklicher
Herrschaft, während um ihn die Prinzen und Fürsten versammelt, die
gegebenen Feste verherrlichten. Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir
Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu erstatten, liess aber
für die Besorgung der Geschäfte seiner statt seinen Sohn _Kerrai Melik_ und
_Alaeddin Athamülk Dschuweini_ als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's
zurück. Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin Mohammed
Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn nicht nur der Wesirschaft,
sondern auch der Literatur; dieselben erscheinen so oft und wirksam in der
Geschichte Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft
mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich. Dschuwein ist die
arabisirte Aussprache von _Kuwan_[159], einem Distrikte der Stadt
_Nischabur_ in Chorasan, dessen Hauptort _Asadwar_, auch _Dschuwein_
genannt, durch das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt
worden. Sie waren die Söhne des Imams _Abdulmelik Dschuweini_, aus einer
seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste geehrten Familie. Als Sultan
Mohammed Tekesch nach Dschuwein zog, [RN: I. J. 588/1192] bewillkommte ihn
Behaeddin, der Urgrossvater Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig
aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, befand sich im
Gefolge _Dschelaleddin Mankburni's_, als dieser vor den Mongolen floh. [RN:
617/1220] Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin vor den vom mongolischen
Emir Dschintimur zur Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, [RN:
630/1232] und Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan und
Masenderan; [RN: 633/1235] drei Jahre später sandte ihn Dschintimur an
Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte bestätigte; und als
abermal drei Jahre später der Emir Körgös, der Statthalter von Chorasan, an
den Hof des Kaan's sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner
Abwesenheit die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen that
der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner ersten Reise in's
Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit sich; endlich starb er zu
Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein Sohn Alaeddin, im Sterbjahre
Tschengischan's geboren, kam schon in früher Jugend in das Gedränge der
Geschäfte des Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner
Geschichte bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des Vaters, welcher
ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu widmen. Später jedoch holte er das
Versäumte durch Studien nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's,
welche den Titel _Dschihanguscha_, d. i. die Welteröffnende, führt[160],
die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten und achtzehnten
Jahre begleitete er den Emir Arghun auf dessen Reisen in's Hoflager und in
seinem zwanzigsten zum Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er
sich mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die Anforderung an
ihn erging, die Geschichte Tschengischan's zu schreiben, die er im sieben
und zwanzigsten Jahre seines Alters begann. Er spricht darin von seinen
Reisen in Mawereinnehr, Turkistan und an die chinesische Gränze und
beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen der vormaligen
Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise Arghun's von Schaburghan an den
Hof des Kaan's versah _Athamülk_ bei Hulagu die wichtige Stelle des
Staatssekretärs, als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter.

[Randnote: Keitbuka belagert die Schlösser der Assassinen.]

Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des Heeres gleich nach dem
Kurultai, auf welchem der Feldzug nach Westen beschlossen worden, gegen
Kuhistan aufgebrochen und mit fünftausend Fussgängern in _Kuhistan_, d. i.
im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses _Girdkjuh_, d. i.
Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt. _Girdkjuh_, auch
_Derikunbed_, d. i. das Gewölbthor, genannt, liegt drei Farasangen von
Demghan in der Landschaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder
Manssurije[161]. Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem
unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das Schloss wurde ein
Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer
stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut,
damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen
Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei[162]; so war das Bergschloss von
einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt,
und verdiente im eigentlichsten Sinne den Namen _Kreisberg_. Da das Schloss
festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von
denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur
bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den
bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in den
arabischen Abulfeda's[163], dem persischen Hamdallah Mestufi's[164] und im
türkischen Hadschi[165] Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog
er belagernd vor die Schlösser _Mehrin_, vor dem er Wurfmaschinen
aufstellte, _Schahdis_, wo er einen Haufen von Feinden tödtete und
zurückkehrte bis _Tarim_ und _Rudbar_, die er verwüstete, an den Fuss von
Manssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet ward; die von
_Schirkjuh_ machten indessen einen nächtlichen Ueberfall, in welchem sie
den Belagerungswall verheerten[166]. Die beiden Schlösser _Schir_ und
_Sirkjuh_[167] wurden berennt, _Mehrin_ genommen; die Besatzung von
_Girdkjuh_ hatte indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort
gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald ergeben
müssen; [RN: Schaaban 651/Nov. 1255] da sandte der Grossmeister zwei seiner
Hauptleute[168] mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei _Menn_ Henna und
drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum
gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als
Mittel wider die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der
Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob
Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset worden,
getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der
Grossmeister, dessen Vater und Nachfolger vor Einem Jahre[169] durch die
nächsten Verwandten vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von
Masenderan und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes
und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. [RN: letzten Schaaban 653/Dec. 1255]
Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin
war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden, den er
durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte.
Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum
Lotterbuben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt;
da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart,
diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte
Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm
den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets
entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter
vorausgesetzter stillschweigender Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der
Dichter Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's ein
Gedicht, woraus die Verse:

    Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen,
    Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;
    Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,
    Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.

[Randnote: Die Städte Tun und Tus.]

Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, an den Gebietiger[170]
des Schlosses _Sertacht_, an Nassireddin, dessen Name durch den grossen
Astronomen Nassireddin von Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte
Ethik nach dessen Namen die _Nassirische Moral_[171] betitelte, rühmlich
fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit Melik Kert zur
Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum er nicht auch die Bewohner des
Schlosses mit sich geführt? Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister
Chorschah und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und das
Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als Befehlshaber nach Tun.
_Tun_, eine der vorzüglichsten Städte Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich
von Meschhed auf der Strasse von Kerman, nicht ferne von _Kain_[172],
zeichnet sich durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem das
Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt und die Häuser mit
Gärten und diese von Saatfeldern und die Felder mit Mauern umgeben, das
Ganze mit unterirdischen Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in
welchen Wassermelonen trefflich gedeihen[173]. Hulagu, nach _Sawa_ und
_Chawwaf_[174] vorgerückt, erlitt einigen Verlust; _Kuli Ilkai_ und
_Keitbuka_[175] wurden weiter an die Gränze von Kuhistan vorausgesandt, wo
sie einigen Widerstand fanden, aber binnen einer Woche denselben besiegten,
und dann vor Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen war die
Stadt erobert, [RN: 7. Rebiulachir 654/5. Mai 1256] und sie kehrten
sogleich zu Hulagu zurück, der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten
Städte Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der
christlichen Zeitrechnung[176] durch die Grabstätte des Chalifen Harun
Reschid[177] nur um neun Jahre später durch die Ali Ben Musa Risa's des
achten Imam's, zwei Jahrhunderte hernach durch die des grössten persischen
ethischen Dichters _Firdewsi_[178], als der Geburtsort _Ghasali's_ des
grossen Philosophen, _Nassireddin's_ des grossen Astronomen und _Hamdallah
Mestufi's_ des grossen Geographen und Geschichtschreibers, verherrlicht.
Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von Dschemschid gebaut, nach ihrer
Verwüstung von Tus, dem Sohne _Nuser's_, wieder aufgebaut, von ihm den
Namen erhalten; dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von Tus im
Dorfe des Distrikts _Sebanabad_[179], der um dasselbe angebauten Stadt den
heutigen Namen _Meschhed_ gegeben; folglich sind die Ruinen des alten Tus
vier Farasangen vom heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht,
keiner so umständlich beschrieben, als Fraser[180]. Meschhed, der
Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten Lichter Persiens, ist
heute, was ehemals Bochara war, der Sammelplatz der Gelehrten; von einigen
und zwanzig Tausend Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame,
Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten), welche den
verschiedenen Moscheen, Medreseen, Grabstätten und Domen angehören. Das
Innere einer Medrese gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der
Stallgewölbe; dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite steht
in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine gewölbte Nische entgegen,
welche die Kibla vorstellt und wohin sich alle Gesichter beim Gebete
wenden; in der Mitte der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen
getragen, für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des Hofes ein
kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein Wasserbecken. Die grosse
Moschee von Meschhed, welche das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert
fünf und sechzig Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines
Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden Gemächern gebaut,
im Mittel und an den Ecken jeder Seite hochgewölbte Thore, das Ganze mit
glasirten vielfarbigen Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser
herrliche Hof heisst _Ssahn_, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen
Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der Moschee Mohammed's II.
angestellten Professoren der acht Medreseen die Achter vom Felde genannt
werden. Der Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings herum
mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt, die Schafte der
beiden Minarete reich vergoldet und oben mit zierlich geschnitzten
hölzernen Gallerien gekrönt. Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie
der Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit Hulagu's, wohl
aber waren die Grabstätten der grossen Chalifen Imam's und Dichter ein
Gegenstand der Verehrung der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit
ihren Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten Grabmälern
grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's besucht, welcher nach der
Volkssage ein Neger, Freund des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode
hierher geflohen, hier gestorben und bestattet worden sein soll.[181]

[Randnote: Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.]

Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte ab, welches
dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für Hulagu nach dem Muster der
grossen goldenen Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach
dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder
hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant
dar[182]; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von _Radgjan_,
wohin von _Merw_, _Jesrud_ und _Dehistan_ Wein und Lebensmittel im
Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der
Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan[183]. Hulagu befahl, denselben
wieder herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der
Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu
bauen, und dem Wesir _Seifeddin_ die Leitung und Oberaufsicht des Baues
aufgetragen. Die drei Gesandte[184], welche an Chuarschah, den Grossmeister
der Assassinen, abgesandt worden, [RN: 29. Deschem. I. 654/24. Juli 1256]
kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher sogleich der Befehl
zur Verheerung des Landes gegeben. [RN: 10. Schaaban/2. Sept.] Acht Tage
hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der drei Hauptstädte der
Landschaft Kumis (die beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine
alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch
Erdbeben verwüstete Stadt[185], dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte
des zwanzig Jahre hernach[186] gestorbenen grossen mystischen Scheichs
Bestami[187], dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische
Bestami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer
grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami,
der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen
Zeitrechnung, Verfasser von vierzig Werken, starb[188], und Ali Ben
Medschdeddin Bestami[189], welcher, berühmt unter dem Namen _Mussannifek_,
d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte keinen
minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus
erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König von
Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken[190]. Von Bestam aus
sandte Hulagu abermal zwei Gesandte[191] an den Grossmeister der Assassinen
mit Drohungen und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse
Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten[192], welcher, in die Macht
der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, dem Gebietiger von
Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der
Assassinen. Nassireddin beschloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der
Assassinenherrschaft ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen
Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath
und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen
Bruder Schehinschah und den Chodscha Assileddin von Susen[193], um seine
Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und
sandte abermals vier Botschafter[194] mit dem Begehren, dass, wenn die
Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am
Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater
widerspenstig war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen
Schlössern, wie _Meimundis_, _Lemsir_ und _Alamut_, Zinnen, Thore und
Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis zu
deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine
Heere auf und zog von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke
Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan,
der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul[195] und Keitbuka
Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit
einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen _Firuskjuh_, d. i.
den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen
für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen
gelten[196]. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah, sich
unmittelbar zu ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor
Firuskjuh[197], kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute
Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen seines Herrn
noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die
Schonung Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er
sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von _Girdkjuh_ und _Kuhistan_,
sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu beschwören.

[Randnote: Demawend, Fall von Meimundis.]

Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer der ältesten Städte
Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges gelegen, der ein vulkanischer,
durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte
der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan
geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn zweier täglich
geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei
befreite sein Volk der Schmied Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess
gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen
sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis
in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten, und der endlich selbst in's
Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird,
unabhängig vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung
Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf
Pferden, Mäulern, Eseln beritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch
das Feld[198], jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen,
welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden Feuer auf den
Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über
die Erlösung von dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der
Unterdrückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses Fest heisst das
Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei vorzüglich lastete. Demawend
soll schon von Siamek, dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der
Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger,
sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn
noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den
_Schemseddin Kilegi_ nach Girdkjuh (dem _Tigado Haithon's_), um den
Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten
an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser
Botschaften zu Abbasabad[199], in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt
des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, einen achtjährigen
Knaben, [RN: 17. Ramasan 654/8. Oct. 1256] welchen ihm aber Hulagu mit der
Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne, er einen
anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen
Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um
seine Huldigung darzubringen. [RN: 1. Schewwal 654/26. Oct.] Nach vier
Tagen wurden sie mit einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah,
da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine
Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von
allen Seiten aufzubrechen. Köke Ilka und Tukatimur nahten sich von der
Seite von Ispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur
Unterwerfung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der
sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess gegen _Thalkan_[200]
gewendet, [RN: 10. Scheww./31. October] einer Stadt der Landschaft
_Tocharistan_, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern den Namen
_Tocharen_ erhielten, der noch in dem der Mongolen _Tsacharen_ fortlebt.
Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am
Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, [RN: 19.
Scheww./8. November] als sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath
gehalten, ob die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter
Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben sei; der
Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukatimur stimmten für die
Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb
versöhnend, einen letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend.
Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten Arzt und Rathgeber
Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Iranschah und seinem Sohne Turkia mit
vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach,
Sonntags den 19. November, [RN: 19. Nov. 1256] kam Chuarschah selbst, um
den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung in die
folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein:

    O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt,
    Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt.
    Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen,
    Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!

Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er
schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner
Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nur _Girdkjuh_ und
_Lemsir_, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen;
die zu _Meimundis_[201] aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert und
unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor _Alamut_, d. i. das
Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters der Assassinen, von wo unter dem
Gründer Hasan Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der
Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand geleistet.
[RN: 26. Silhidsche 654/15. December] Die Mongolen drangen ein, zerbrachen
die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist zum Abzuge.

[Randnote: Schlösser der Assassinen.]

Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, sandte Hulagu seinen
gelehrten Staatssekretär Athamülk Dschuweini in's Schloss von Alamut, um
die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere
kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel:
_Begebenheiten unsers Herrn und Meisters_[202] führte und das Leben Hasan
Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner
_Welteröffnenden Geschichte_ die verlässlichsten Nachrichten über denselben
gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts
über die Lehre der Ismaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses
Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe
veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu nur
der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn spätere
Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe engherzige Habgier
ausschliesslicher Gelehrsamkeit bewogen, ist heute zu entscheiden
unmöglich. Er soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen
wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben haben, um
die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu monopolisiren. Eine ähnliche
Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und
des grossen Arztes Ibn Sina[203]. In welchem Gelehrtenkopf immer solche
Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe doch vom einseitigen
Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher, als vom
Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben
anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur
Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so
ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen
wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste,
sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte. _Alamut_, d. i.
das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von
Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch
Mauern mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, der sie, wie
Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, nur von ferne gesehen, als
unbezwingbar ins Auge springen.[204] Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen
Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der Fluss _Schahrud_, d. i. der
Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst _Rudbar_, d. i. das
Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede vom südlichen, von Lur,
in Issfahan's Nähe, welches der _Sendrud_, d. i. der lebendige Fluss,
durchströmt. Hasan Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit
List bemächtigt, [RN: 483/1090] dann sich vom seldschukischen Sultan
_Berkjarok_ das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten,
und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut das im selben Thalwege
gelegene feste Schloss von _Lembeser_[205]. Nebst Alamut, d. i. dem
Geyerneste, _Girdkjuh_, d. i. dem Gürtelberg, und _Lembeser_, d. i. _Ruh'
im Kopf_, waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen
der Städte _Tun_ und _Kain_) in Kuhistan: das von _Meimundis_, d. i. die
glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, und
_Muminabad_, d. i. der _Bau der Gläubigen_, welches seinen Namen und seine
Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den
Beinamen des _neuen Musulman_ führte, dankt, dessen Name in der heutigen
Verstümmelung von _Meiomend_[206] kaum zu erkennen, und dessen
ausserordentliche Festigkeit die Geographie Hamdallah's anrühmt[207]; so
auch die des am Berge _Demawend_ gelegenen _Firuskjuh_, d. i. Glücksberg,
und das Schloss _Dschenabdar_ oder _Kebajed_, welches aber nicht erst von
den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen Helden _Guders_
befestigt worden sein soll.[208]

[Randnote: Kaswin.]

Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse,
sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager, [RN: 16. Silhidsche
654/4. Jan. 1257] wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und
Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden;
selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei
grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur
Uebergabe von _Meimundis_ beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der
Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von
demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem
Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu
Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm
die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten,
dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt
übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn
Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht
erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und
sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und
hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin
niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije,
d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr
Ende erreicht[209], und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des
Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im
Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und
Geograph Persiens, erwähnt in seiner _auserwählten Geschichte_ dieses
Besuchs als einer der merkwürdigsten Epochen der Geschichte seiner
Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in
Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft
werth.[210]. Zuerst baute Schabur[211] hier eine Stadt, welche seinen Namen
trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden.
Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der
Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem
Feldherrn zugerufen haben: _an kesch win_, d. i. _jenen Winkel schau_, und
nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben,
welcher sofort der Namen _Keschwin_, d. i. _Winkel schau_, blieb, das
heutige _Kaswin_. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte
eine dritte Stadt hinzu, _Mubarekabad_, d. i. der gesegnete Bau, genannt;
diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche
den Namen _Reschidabad_ erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said
bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben[212].
Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter
Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des
nach ihm _Ssahibabad_ genannten Viertels. Hierauf[213] vom Dilemiten
Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder
hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan,
erneuert[214], war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden.
Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit
zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun
Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom
Einsiedler Chumar Tekesch[215] gebaute das besste Wasser gibt; derselbe
baute auch ein halbes Jahrhundert später[216] die nach seinem Namen
genannte Moschee; eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter
Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen
umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter
der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere
Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen
heisst: _Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des
Paradieses_[217]. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders
an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens
gelten[218]; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von
Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus
mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner
gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes
Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu
wählen; Musiker aus _Chorasan_, Geschäftsmänner aus _Issfahan_, Krieger aus
_Tebris_ und Gesellschafter aus _Kaswin_[219]. Zur Verherrlichung des
literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäre _Kaswini_, der
Verfasser der _Wunder der Geschöpfe_[220] und der _einzigen Perle der
Seltenheiten_[221], jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und
_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der auserwählten Geschichte[222] und der
bessten persischen Erdbeschreibung[223], so dass persische Natur- und
Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr
verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichen _Kaswin_.

[Randnote: Hamadan.]

Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von Kaswin nach Hamadan, wo
Baidschu Nujan von Aserbeidschan zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit
dessen Unthätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: »Was hast
du, seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche
Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen geschlagen? Hat dir
das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht und
Grösse den Chalifen zu schrecken?« Baidschu kniete nieder und sagte: »Ich
habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen
Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe
ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge
unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens steht der
Befehl in der Hand des Padischah, und ich bin bereit, aus derselben Leben
oder Tod zu empfangen.« Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's;
er befahl ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen
und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der
Griechen und Franken[224] zu entreissen. Baidschu Nujan hatte schon vor
vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das
hundertsiebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes
Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen[225] und vollendete nun die Eroberung
Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit
den Prinzen _Kuli_, _Belghai_, _Kotar_ und mit den Befehlshabern
_Bukatimur_, _Sundschak_, _Köke Ilka_ in die Ebene von Hamadan, um dort das
Heer zu sammeln. _Hamadan_, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist
nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten
Städte Persiens, welche schon Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut,
Nabuchodonoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.[226] Bedil,
der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der
Hidschret[227]; dreihundert Jahre hernach[228] wurde dieselbe von
_Medawidsch_, dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später[229] von
den mongolischen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet.
Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn bei der von Hamdallah
angegebenen Zahl der Quellen (tausend dreihundert) durch Fehler des
Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister,
Eingeborene von Hamadan, der Dichter _Ibn Chaleweih_ und _Bediesseman_,
d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner
in bekannten Versen[230] mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:

    Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt
    Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt.

Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten Makame, welche denen
Hariri's zum Muster gedient, sagte:

    Wiewohl geboren ich zu Hamadan,
    Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann;
    Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise,
    Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise.

Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen Quellen
verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten Lebenslust, wesshalb die
Einwohner vorzüglich lebenslustig, Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem,
dass Hamadan der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als die
beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum Grabe _Esther's_ und
_Mardochai's_, der Arzt zu dem _Avicena's_[231], die Mystiker zu dem eines
der grössten persischen Dichter, nämlich: _Aththar's_, des Verfassers der
_Vögelgespräche_ und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: des Buchs
des _Raths_, der _Drangsale_, der _Nachtigallen_, der _Kantele_, der
_Geheimnisse der Gänse_, der _Chosroen_, der _Antworten_, der _Nöthen_, des
_Auserwählten_, des _Göttlichen_, und _Haider's_, des Biographen der
Heiligen, des ascetischen Werkes der _Brüder der Reinheit_ und anderer
mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des mongolischen Heeres
hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, um den Dichter zu tödten, als ein
Anderer sagte: Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um
tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich um so niedrigen
Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, die mich theuerer bezahlen.
Einige Schritte weiter bot ein Anderer für Aththar's Leben einen Sack
Stroh; hierüber ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.[232] Seit diesem
ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung Chuaresmschah's bis
an's kaspische Meer und an die Gränze des arabischen Irak vordrangen, bis
zur Erscheinung Hulagu's vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre
verflossen, und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen Irak in's
arabische überschreiten, überblicken wir noch die Schicksale Persiens unter
mongolischer Herrschaft in der vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur
Gründung des Reichs der Ilchane verflossenen Zeit.

[Randnote: Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.]

Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften getheilt, wovon
die östliche Chuaresm und Chorasan, die westliche das persische Irak und
Aserbeidschan in sich begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen,
überblicken wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in
dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich _Dchurmaghun_ und _Baidschu
Nujan_, und dann erst das östliche, wo die Begebenheiten verwickelter durch
die Ränke der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen
bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil
verwüsteten, [RN: 633/1236] rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer
und rief die moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle
nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis
Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad in
Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den Waffen auf. Am rothen
Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und
ihnen die Gefangenen, die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt,
abgenommen; ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis
_Dschaaferije_ vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück.
Noch im selben Jahre [RN: 635/1238] war ein Corps von gleicher Stärke bis
Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte,
das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's bemächtigt, und
Dschurmaghun's Heere überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das
Land zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis nebst
anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; hierdurch erschreckt,
trugen ihm die Bewohner von Karss die Schlüssel ihrer Stadt entgegen;
nichtsdestoweniger wurden die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit
Ausnahme der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden.
Der armenische Prinz _Awak_ begab sich mit seiner Schwester _Thamtha_ an
den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen,
und sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte
sein Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er
wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in der
Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer des Sultans von Rum,
unter dessen Verbündeten zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und
Bonifacio de Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte
Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst _Alakjuh_ hiess.[233] Nach dem
über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und Kaissarije
geplündert und verheert; ein General des Sultans und der Richter von Amasia
kamen in's mongolische Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden,
vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend
Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele, fünfhundert
Sklaven zu leisten verbunden.[234] Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne
seine Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem
Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner
nieder. Malatia kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke
los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe,
die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert werden mussten.[235]
Wahrscheinlich war es derselbe mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal
Bohemund V., den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern
seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu liefern; die
Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten die Fürsten von
Antiochien an die Mongolen Tribut. Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain,
durch einen mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu schleifen,
[RN: 1244] antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem Beispiele der
Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. Hethum I., der armenische Fürst
Ciliciens, suchte durch Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz
an. Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's,
des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den Frieden und
das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im folgenden Jahre [RN: 1245]
eroberten die Mongolen die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die
sie auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie
nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss
in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei
Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre [RN: 1246] erschienen
die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von Bagdad zu Dakuka, von wo sie
der kleine Diwitdar zurückschlug, und im folgenden Jahre [RN: 1247]
tödteten die Mongolen zu Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die
Karawanen, und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen
Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte dieser Länder
und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der Mission der vier Dominikaner,
welche Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum
Christenthume zu bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte
sogar vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine
ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden[236]; doch auf die
Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben geschenkt,
sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte bis auf uns
gekommenes Schreiben und wurden von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst
begleitet, der sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken
überhäufte.[237]

[Randnote: Dschintimur, Körgös, Statthalter Chorasan's.]

In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, als Statthalter den
Dschintimur zurück, welchem von allen vier Ulusen, d. i. Stämmen des
_Urugh_, d. i. des Hauses Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war,
indem Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer
Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun, dem Statthalter
Feldherrn in Persien, untergeordnet, unter dessen Oberbefehl er die,
Chorasan noch verheerenden türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug,
erhielt Dschintimur von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's
und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war ihm _Kelilat_
beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten Staatsämter, nämlich das des
Wesirs oder Inhabers des Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an
zwei Moslimen, jenes an _Scherefeddin_ von _Jesd_, dieses an _Behaeddin_
von _Dschuwein_, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's. Nach
Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle _Nussal_, welcher schon von
Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe von Seite des Uluses
Dschudschi's beigegeben worden war. Dem Nussal folgte in der
Statthalterschaft bald _Körgös_, d. i. Blindaug, welcher, an den Hof
Ogotai's gesandt, um über die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten,
gefiel und von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär _Dschinkai_ dem
Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer _Danischmend_, Gegner Dschinkai's,
bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft Chorasan's dem Sohne
Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai wünschte jedoch seinem Schützling
ein _Jerligh_, d. i. Diplom, des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm
die statistische Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's
aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt ward. Der Wesir
Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit durch das Jerligh beraubt,
schmiedeten mit _Ongu Timur_, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös
am Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich berief. Körgös
machte sich auf den Weg, indem er den Behaeddin von Dschuwein an der Spitze
der Verwaltung zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu
_Binaket_ den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren befahlen;
es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten, in welchen Körgös blutig
geschlagen und ihm ein Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären
folgen, aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem
blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung seines
Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; allein die Gegner _Kelilat_
und der Sohn Dschintimur's folgten ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei
einem demselben gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. Ogotai
wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten Zelte speisen; kaum
hatte er es verlassen, als es ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch
diese böse Vorbedeutung erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen. In
dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im Gegentheil einen mit
Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen Umbindung sein Lendenschmerz
verschwand, so dass er guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um
Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe Ogotai's,
welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und ihnen befahl, aus demselben
Becher zu trinken, dasselbe Zelt zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen
abgegeben. Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als sie
Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, der Sohn Dschintimur's
als schuldig verurtheilt, und sollte an den Herrscher seines Uluses,
nämlich an Batu, ausgeliefert werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den
Kaan, selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie er, nicht
werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai und Batu, sich über ihn
beriethen. Du hast Recht, sprach Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem
Sohne, wenn er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem Sohne
Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter wurden nach der Jasa
bestraft, welche über die Verläumder Strafen verhängt. Körgös verwaltete
Chorasan mit Gerechtigkeit und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem
Schutte wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher unter
dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss; dieser aber fand
mittels seines Weibes Schutz beim Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit
dem Befehle abgesandt, den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu
bringen.[238]

[Randnote: Scherefeddin von Jesd, Blutegel der Finanz, und Arghun.]

Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus erbauten Magazine
eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt brauchen wollte, selbst heraus,
und ward von den Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer
Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden. Körgös, ohne
Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl Kara Hulagu's, des Enkels
Dschagatai's, hingerichtet, und von der Regentin wurde _Arghun_ zum
Statthalter Chorasan's ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als _Ulug
Bitekdschi_, d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich
verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den beiden Ländern
Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig, einzutreiben. Scherefeddin,
Sohn eines Lastträgers von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen
Lieblingspage des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als der Page
die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur abgetreten, bei dem
er sich durch seine Geschicklichkeit als Sekretär und seine Kenntniss der
mongolischen Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in
Steuergeschäften an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden
Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte für immer gebrandmarkt. Er
unterschied zwischen den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen
ergeben, oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die Einwohner
der letzten mit allen Arten von Auflagen und Qualen[239]. In diesem Geiste
hatte er unter Körgös das Land gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die
Summe, zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben. Weder
Weiber noch Waisen wurden verschont und Foltern aller Art angewandt, um
Geld zu erpressen; die Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das
Leichentuch weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom Sohne gerissen
und als Sklave verkauft; die Männer wurden barfuss, die Weiber
unverschleiert aus den Häusern geschleppt; jene bei den Füssen, diese bei
den Brüsten aufgehängt. Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der
Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere geladen und diese
mit den Teppichen der Moschee zugedeckt. So schaltete und waltete er zu
Tebris und Kaswin, zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser
und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von Sebsewar sandte er,
um Isferain und Dschadscherm auszusaugen, er selbst lag schwer als Alp der
Finanz auf Astrabad, Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus,
bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und Schonung, und Arghun
gab ihm einen Kabinetsbefehl an Scherefeddin zur Zurückstellung eines
Theils des Geraubten. Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit
Fäusten zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die Pflugstiere
nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden weg, so dass Ackerbau und
Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise befreite sein Tod das Land von
seiner Tyrannei; [RN: 1244] aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an
Arghun, ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt, und ja
keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung zu Ende. Arghun that das
Gegentheil, indem er die Gefangenen losgab, die noch zu leistenden
Zahlungen nachsah und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der
Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten Anweisungen,
welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig auf verschiedene Distrikte
Chorasan's verschafft hatten, dem neuen Kaan als das angenehmste Geschenk
dar; die Stellen wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod
des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi erhielt
_Fachreddin Behischti_. Nach Gujuk's Tod riss während des Zwischenreichs
der Missbrauch der Anweisungen, wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern
und Flecken in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder ein.
Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die Klagen des Landes Gehör,
und es wurde beschlossen, Chorasan auf die von Mohammed Jelwadsch in
Transoxana eingeführte Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde ihm
mit _Jerligh_ und _Paise_, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs, bestätigt,
und Behaeddin von Dschuwein für die Finanzverwaltung beigegeben; aber die
Brüder des Kaisers: Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre
Agenten; so auch _Nikpei_, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien wurde in
vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher derselben erhielten den
Titel _Melik_, welches gewöhnlich König, hier aber so viel als Intendant
oder Generalpächter bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft
neue Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was bereits,
sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben oben erzählt worden.

[Randnote: Rückblick auf das Chalifat.]

Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, [RN: 9. Rebiulachir 655/26. April
1257] drei Monate hernach zu Hamadan; [RN: 10. Redscheb/26. Juli] in der
herbstlichen Tag- und Nachtgleiche sandte er einen Gesandten an den
Chalifen von Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem
Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene Hülfe nicht
geleistet worden. Doch ehe wir die Begebenheiten der zwischen dieser
Aufforderung und dem Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate
erzählen, fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf die
letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den Beni Abbas nun
bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert. Ohne diesen Rückblick auf die
ersten und letzten Ursachen des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es
unmöglich sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht
stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert ward[240]. Der Wurm
hatte schon lange an dem Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe
und das darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel. Von
innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni und Schii und die
Anführer der türkischen Leibwachen, mit denen sich schon der achte Chalife
_Moteaassim_ in der Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu
schützen, die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu Sultanen
emporschwangen. Von aussen erschütterten und zertrümmerten das Reich die
mit dem Schwerte den Islam reformirende Secte der _Karmathen_ und die
überall emporsteigenden Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft
den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen dankten, von denen
aber die mächtigsten, wie die _Beni Hamdan_ und _Beni Buje_, um die
Oberherrschaft über den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen
Kriege mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem Hausmeyer
des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich selbst angeeignet. Kaum ein
Jahrhundert war seit der Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch
_Abdallah es-seffah_, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser,
verflossen, als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen der
Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein Jahrhundert hernach unter dem
neunzehnten Chalifen _Kahirbillah_, d. i. der _Rächende durch Gott_, war
bereits das Loos der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen
und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. [RN: i. J. 325/936]
Heute vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste, in vier
Zweige getheilte Dynastie der Beni _Buje_, in Diarbekr und Dijari Rebia, zu
Mossul und zu Haleb die Dynastie der Beni _Hamdan_; Chorasan war in den
Händen der Beni _Saman_, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni
_Dilem_; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich die _Karmathen_,
der südlichen persischen _Ahwas_ und _Wasit_, die Söhne _Berid's_, als
Empörer bemächtigt. In Aegypten und Syrien führten die türkischen Sklaven
der Familie _Achschid_ als Herrn den Titel von Sultanen und zu _Bagdad_
selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der Beni _Sijad_
regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in Taberistan; in Kufa die Beni
_Thaba Thaba_ aus der Familie Ali und die Beni _Ochaissar_ in Hidschas. Den
Titel und die Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie
der Beni _Omeije_ in Spanien und die neue der _Fatimiten_ in Afrika
streitig[241]. So hatten sich Leibwachen und Sklaven, Sectirer und Empörer,
arabische und persische Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten
bis Westen getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten Zeit
des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild der Residenz
beschränkt; was sich innerhalb den weiten Gränzen des ehemaligen Reichs der
Chalifen zutrug, gehört in die Geschichte der Dynastien, die sich dort
erhoben, und nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des
zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch
vierthalbhundert Jahre seinem Untergange allmählig zusank.

[Randnote: Wesire Verräther; Religionssecten; Ueberschwemmungen.]

Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen Periode stehen zwei
Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte, beide als Hebel des Verderbens des
Reichs von der Geschichte gebrandmarkt. Der erste, _Ibn Mokla_, der
Verbesserer der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten Form
des _Neschi_, der dreimal den Koran abgeschrieben, dreimal die Wesirschaft
verwaltet, dreimal Heere befehligt, dreimal die Pilgerreise vollzogen und
zuletzt sogar dreimal bestattet worden, unterhielt verrätherischen
Briefwechsel mit _Jahkim_, dem türkischen Emire, wie _Ibn Alkami_, der
letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu; jener die
Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen beiden liegende Zeitraum
zerfällt in vier Perioden, in deren erster die _Bujiden_, in der zweiten
die _Seldschuken_, in der dritten die _Chuaresmschahe_ und endlich die
_Mongolen_ die mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben
hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken, sondern nur die des
unter ihrem eisernen Fusstritte tief darniedergebeugten Chalifats. Die
erste Periode der Uebermacht der Beni Buje bis zum Auftritte der
Seldschuken unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die
Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb Jahrhunderte,
die überwiegende Macht der Chuaresmschahe unter den beiden letzten grossen
Sultanen derselben, Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit
dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses durch die
Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken, der Chuaresmschahe und der
Mongolen unterdrückten, durch innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen
seit dem neunzehnten Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte
Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle, mit dem
Mantel des Propheten angethan, mit seinem Stabe als Richter die weltliche
Herrschaft zum Scheine und nur noch die geistliche als die Imame des Islams
ausübend, auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und
Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen der Beni Omeije
in Spanien und von denen der Fatimiten in Afrika in Anspruch genommen.
Zuerst entzweite das Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung
geführte Glaubensspaltung der _Sunni_ und _Schii_, wovon jene die
Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem Hause Abbas, diese
dem Ali's und folglich allen denen, welche als Verwandte der
Prophetenfamilie auf Herrschaft Anspruch machten, gewogen. Die für den
Thron sowohl als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren
die _Karmathen_ und _Ismailiten_, wovon jene mit dem Schwerte in der Hand
als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen schwarzen Steines, als
Mauerbrecher das feste Gebäude des Islams erschütterten; diese unter dem
Schleier geheimer Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion
untergruben und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise führten;
höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den ihnen beigelegten Namen
der _Mulhad_, d. i. der Freigeister oder Gottlosen, wohl verdienten und
welche nur unter dem tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet
ihrer Grundlehre: _Nichts zu glauben und sich Alles zu erlauben_,
verlarvten; gefährlicher als die Anhänger _Masdek's_ unter Nuschirwan, als
die _Babek's_ unter den Chalifen Mamun und Moteaassim, welche offen die
Gemeinschaft der Güter und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze
offen Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer Uebungen
und philosophischer Lehren im tiefsten Geheimnisse verbargen. Von der Zeit
an, wo unter Kahirbillah die Karmathen und Beridäer die Länder des
Chalifats mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung durch
die Mongolen, waren die grossen politischen Unheile des Reichs fast immer
gleichzeitig mit grossen verderblichen Naturbegebenheiten, mit Erdbeben,
Hungersnoth und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass die
Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen einer Ueberschwemmung
von Blut galt, ein Glaube an eine geheime Verbindung physischer und
moralischer grosser Begebenheiten, welche durch die furchtbaren
Ueberschwemmungen des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's
statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin Bagdad's
bestätigt ward.

[Randnote: Die Emirol-umera aus der Familie Buje.]

Der Tyrann Kahirbillah, Nachfolger des Chalifen Radhi, der letzte der
Chalifen, welcher dichtete und selbst am Freitage das Chutbe verrichtete,
berief den Türken _Raik_ als Fürsten der Fürsten nach Bagdad und stiftete
so die oberste Gewalt der Fürsten der Fürsten, um die sich mit den
Befehlshabern der Leibwachen die mächtigen Fürsten des Hauses Hamdan und
Buje stritten. Er bestellte, der erste, einen Stellvertreter in der
Moschee, in welcher vor ihm die Chalifen selbst als Imame dem Gebete
vorstanden, am Freitage die Rede selbst von der Kanzel als _Chatibe_
gehalten hatten.[242] [RN: 330/941] Unter seines Bruders und Nachfolgers
_Mottakki_, d. i. des Gottesfürchtigen, Regierung verkündeten grosse
Ueberschwemmung des Tigris und grosse Pest und Hungersnoth eben so grosses
politisches Unheil. Der Anführer _Beridi_ verheerte Bagdad dritthalb Monate
lang mit seinen Truppen, der Türke _Tusun_ drängte sich nach Raik's Tod dem
Chalifen als Fürst der Fürsten auf, dem byzantinischen Kaiser Romanus
Lapachenes musste das Schweisstuch Christi als Lösegeld ausgeliefert
werden; Mottakki ward geblendet und vom Throne gestossen. Sein Neffe
_Mostekfibillah_ verlieh nach Tusun's Tod die Stelle des Fürsten der
Fürsten dem _Schirsad_, welchem sie Ahmed der Bujide entriss und vom
Chalifen mit dem Ehrentitel _Moiseddewlet_, d. i. der den _Hof_ oder das
_Reich Ehrende_, anerkannt ward. Er bemächtigte sich der Leitung aller
Geschäfte, wies dem Chalifen nur fünftausend Dirhem für dessen täglichen
Unterhalt an, riss ihn endlich gewaltsam vom Throne und verstiess ihn
geblendet in den Kerker. Die Wesire wurden von nun an nicht mehr Wesire,
sondern nur _Kjatibe_, d. i. Sekretäre, genannt.[243] Sein Nachfolger
_Motiilillah_, d. i. der Gehorsame in Gott, war nur den Befehlen
Moiseddewlet's und seines Sohnes Bachtiar gehorsam, welche die wahren
Herren von Bagdad, als Schii die Sunni als Ketzer und die Chalifen aus dem
Hause Abbas als ungerechte Thronbesitzer anfeindeten; Verwünschungen wider
Omar, der _Fedek_, das Landgut Ali's, eingezogen, und den _Ebu Serr_
verdammte, wurden an die Thore der Moscheen geschrieben, Nachts zwar von
den Sunniten wieder ausgelöscht, dann aber dem Moawia von den Kanzeln
geflucht und das Fest Aaschura zum Preis des Martyrthums Husein's
eingesetzt[244]. Moiseddewlet verkaufte die Stelle des Obersten Richters um
zwanzigtausend Dirhem, das erste Beispiel so schändlicher Verkäuflichkeit
im Islam, und Bachtiar, als es ihm an Geld mangelte, zwang den Chalifen,
seine ganze Garderobe und sein Hausgeräthe zu verkaufen, und zog die aus
der Versteigerung gelösten vierzigtausend Dirhem ein, so dass man sagte, er
habe den Chalifen vergantet[245]. Die Karmathen hatten zwar den schwarzen
heiligen Stein wieder an die Kaaba zurückgestellt, aber hingegen eroberten
die Griechen alle Gränzfestungen des Reichs. Zu Tarsus verwandelten sie die
Moscheen in einen Stall und verbrannten die Kanzel; Antiochien und Haleb,
Edessa und Nissibin wurden geplündert. Dschewher, der Feldherr der
Fatimiten, hatte Aegypten erobert. So grosse und schwere Unfälle waren
durch ausserordentliche Naturverheerungen vorbedeutet oder von denselben
begleitet worden. [RN: 346/957] Erdbeben verschluckte die Stadt Thalkan mit
allen ihren Einwohnern, bis auf dreissig[246], und hundert fünfzig Dörfer.
Die Erde warf die Gebeine der Todten aus und sprengte heisses Wasser zum
Himmel empor; Kum und Holwan wurden durch Erdbeben verwüstet; die
Heuschrecken verzehrten nicht nur das Gras der Fluren, sondern auch die
Blätter der Bäume; das Meer trat achtzig Ellen weit von seinen Ufern
zurück[247] und enthüllte die Naturwunder seines Schooses; drei Jahre
später verschlang es das Gepäck der Pilgerkarawane, die ein Wolkenbruch
demselben zugeschwemmt; [RN: 349/960] in diesem Jahre wurde Kreta von den
Griechen erobert. Der Sohn Motii's war _Thaai_, was ebenfalls _gehorsam_
bedeutet; er gehorsamte, wie der Vater, dem Fürsten der Beni Buje, die sich
nun mit den Türken und unter sich um die Obervormundschaft des gehorsamen
Chalifen stritten; doch beobachtete Adhadeddewlet, der grosse Fürst der
Bujiden, wenigstens den äusseren Anstand, indem er siebenmal vor dem
Chalifen die Erde küsste, während Behaeddewlet den Palast des Chalifen
plünderte, ihn selbst durch zwei Dilemiten von dem Throne reissen liess und
geblendet in den Kerker verstiess. Adhadeddewlet hatte zu Bagdad Spital und
Sternwarte gebaut, und inmitten der finsteren Nacht, welche den Thron des
Chalifats umdunkelte, leuchteten am literarischen Himmel Gestirne der
ersten Grösse. Der Dichter _Motenebbi_, der Geschichtschreiber _Mesudi_,
der Philosoph _Farabi_ und _Ebulferedsch von Issfahan_, der Verfasser der
grossen Blüthenlese, _Aghani_, welcher dem Wesir Ibad die fünfhundert
Kameellasten von Büchern, die er vor Erscheinung derselben mit sich zu
führen pflegte, ersparte.

[Randnote: Kadirbillah und Kaimbiemrillah.]

In die vierzigjährige Regierung Kadirbillah's, des fünf und zwanzigsten
Chalifen, des Enkels Moktedir's, fällt das Ende der Herrschaft der Beni
Buje und der Beginn der Grösse der Sultane von Ghasna, welche aber zu
ferne, um unmittelbaren Einfluss auf die Schicksale Bagdads zu nehmen.
Nichtsdestoweniger ertheilte ihnen der Chalife Ehrentitel, indem er dem
Vater Sebugtegin den _der rechten Hand des Hofes und des Intendenten des
Volkes_[248] beilegte, wie die Fürsten der Buje der _Bewahrer_[249], der
_Arm_[250], der _Ruhm_[251], der _Adel_[252], das _Schwert_[253], der
_Werth_[254], die _Säule_[255] und die _Ehre_[256], der _Veredler_[257],
die _Erhabenheit_[258] des Reichs und des Hofs geheissen hatten; fünf und
vierzig Jahre alt, als er den Thron bestieg, füllte _Kadir_, d. i. der
Mächtige, denselben vierzig Jahre lang, wenn nicht mit Macht, doch mit
Anstand und Würde, war genau und eifrig in Vollziehung der vorgeschriebenen
Religionspflichten im Gegensatze seiner Vorfahren, welche Wüstlinge und
Schlemmer, schrieb ein Buch wider die Schismatiker, welche die Lehre, dass
der Koran erschaffen, vertheidigen, welches alle Freitage in der Moschee
vorgelesen ward; nur wurde seine lange Regierung häufig durch die blutigen
Streitigkeiten der Sunni und Schii getrübt, weil er die letzten auf Kosten
der ersten begünstigte. In dem ersten dieser Religionsaufruhre wurde der
Wesir Behaeddewlet erschlagen, weil er die Todtenfeier des Martyrthums
Husein's abstellen wollte. [RN: i. J. 382/992] Neun Jahre hernach empörten
sich die Ketzer, indem sie die Einführung eines neuen Festes, nämlich des
schiitischen des _Teiches_, durchsetzten[259]. [RN: 389/998] Zehn Jahre
hernach, im selben, wo ein heftiges Erdbeben die Stadt dreimal, und
Hakimbiemrillah die Kirche, das heilige Grab zu Jerusalem in Schutt
verwandelte, schlugen sich die Sunni und Schii in den Strassen von Bagdad.
[RN: i. J. 407/1016] Neun Jahre später wurden die Ketzer zu Wasith von den
Sunni geschlagen und die Kuppel der grossen Moschee zu Jerusalem stürzte
ein. Schon im nächsten Jahre [RN: i. J. 408/1017] entbrannte der Kampf
zwischen ihnen umso heftiger zu Bagdad; und abermals nach dreizehn Jahren
[RN: i. J. 421/1030] schlugen sie sich wegen des Festes _Aaschura_, d. i.
des Trauerfestes Husein's. Ausser dieser so oft wiederholten blutigen
Polemik wurde Bagdad von Zeit zu Zeit durch Diebsbanden beunruhigt, so
dass Niemand seines Eigenthums sicher[260]. Nichtsdestoweniger brachte es
Kadir dahin, dass die Beni _Okail_ in Syrien das Kanzelgebet auf seinen
Namen und nicht auf den der Fatimiten verrichteten, deren angeblicher
Ursprung von Ali, zu Bagdad öffentlich in den Schulen angegriffen ward.
[RN: i. J. 402/1011] Die Gleichzeitigkeit _Firdewsi's_ und _Kabus
Schemsolmaali's_, des Dilemiten, wie die _Hamdan's_, des Gründers der Beni
Hamdan, und _Avicena's_ verherrlichte die vierzigjährige Regierung Kadir's
nicht minder, als die fünf und vierzigjährige seines Sohnes
_Kaimbiemrillah's_, d. i. des auf Befehl Gottes Aufrechtstehenden, durch
das Aufsteigen _Toghrul's_, des Gründers der Dynastie der Seldschuken, als
Beginn einer neuen Epoche, indem die Vormundschaft der Chalifen von dem
Hause Buje in das der Seldschuken überging. Toghrul, von dem Chalifen um
Schutz wider den übermächtigen Türken Besasiri angefleht, gewährte
denselben, aber gegen die Belehnung mit der Herrschaft des Ostens und
Westens mittels zweier Kopfbünde, zweier Schwerter, sieben Fahnen und
sieben nacheinander angelegter Ehrenkleider, während der Chalife auf sieben
Ellen hohem Throne sass. Der Chalife vermählte sich mit der Nichte
Toghrul's und dieser nahm die Tochter des Chalifen zur Frau, starb aber vor
Vollzug der Hochzeit siebzigjährig. Zwei Kometen[261], Erdbeben,
Hungersnoth, Meeresebbe und Ueberschwemmungen verkündeten und begleiteten
diesen neuen Umschwung der Herrschaft des Ostens und Westens. In Aegypten
und Palästina spie die Erde Wasser[262], das Meer zog sich auf einen Tag
weit von den Gestaden zurück und verschlang in unvermutheter Rückkehr die,
welche in seinen aufgedeckten Tiefen nach Schätzen suchten[263]. Die
Hungersnoth in Aegypten war so gross, dass seit des ägyptischen Joseph's
Zeit keine grössere gedacht ward[264] und die Stärkeren die Schwächeren
ohne Scheu auffrassen; durch zwei Ueberschwemmungen des Tigris[265] wurden
über hunderttausend Häuser verwüstet. Solche Zeichen mussten die Herrschaft
der Türken über Vorderasien verkünden; aber ausserdem ward Bagdad noch
durch Diebesbanden und die Religionskämpfe der Sunni und Schii verwüstet;
diese fügten zum Gebetsaufruf die Formel: _Auf! zu guten Werken!_[266] bei
und schrieben auf ihre Bollwerke: _Mohammed und Ali sind die bessten der
Geschöpfe; wer vollzieht, ist dankbar, wer sich dessen weigert, undankbar_;
die Sunni widersetzten sich; die Grabmäler der Imame _Musa_ und _Takki_
wurden ihrer goldenen Leuchter und Lampen beraubt, die Schreine aus
Ebenholz angezündet; sie verbrannten auch die Grabdome des Chalifen _Emin_
und seiner Mutter _Sobeide_, die der Bujiden _Mois_ und
_Dschelaleddewlet_[267]; die Moscheen der Hanefiten wurden von den Schiiten
geplündert. Sie unterliessen dafür das Kanzelgebet für den Chalifen, weil
er sie zu schützen nicht im Stande, nicht Chalife und Imam zu heissen
verdiene. Doch hatte er vor seinem Ende den Trost, dass der Scherif von
Mekka das Kanzelgebet nicht mehr auf den Namen der Fatimiten, sondern auf
den der Beni Abbas verrichtete; und unter seiner Regierung erhob sich zu
Bagdad die erste, vom grossen Wesire Melekschah's von Nisameddin gestiftete
hohe Schule _Nisamije_[268].

[Randnote: Die Chalifen Moktefi, Mostadhir.]

Mit Moktefi, dem Sohne Kaimbiemrillah's, dem sieben und zwanzigsten
Chalifen, welcher zwanzigjährig den Thron bestiegen, setzte sich auf
denselben in Chuaresm _Itsis_, einer der Emire Melekschah's, der Gründer
der Dynastie der Chuaresmschahe, die erst ein Jahrhundert später zum Gipfel
der Macht emporstieg. _Itsis_ liess das Freitagsgebet wieder auf den Namen
des Chalifen aus dem Hause Abbas, statt auf den der Fatimiten, verrichten.
Moktefi vermählte sich mit der Tochter seines Schirmvogtes, des grossen
Sultan's der Seldschuken, Melekschah. Die Hochzeit war die glänzendste,
welche Bagdad seit der berühmten Mamun's mit der Tochter seines Wesirs
_Sehl_ gesehen; der grosse Wesir Nisamolmülk mit zweitausend Reitern
begleitete die Braut; hundert vier und dreissig Reihen von Kamelen (jede
Reihe zu sieben) trugen den Brautschatz, in welchem die juwelenbesetzten
Pantoffeln das Hauptstück. Die Hochzeit, sowie ein Paar Jahre hernach das
Geburtsfest des Sohnes Dschaafer aus der Frau Turkjan, wurde mit grossen
Festen gefeiert; dem letzten wohnte Melekschah in eigener Person bei und
legte bei dieser Gelegenheit den Grund der nach seinem Namen genannten
Moschee Bagdad's. Nach Verlauf eines Jahres zertrugen sich der Chalife und
die Tochter Melekschah's, welche zu ihrem Vater nach Issfahan zurückkehrte,
weil Moktefi statt ihres Sohnes Dschaafer's den _Mostadhir_ zum Thronerben
ernannte. Melekschah forderte, dass der Chalife die Erbfolge an seinen
Enkel Dschaafer, den Sohn Turkjan's, übertrage, und war eben im Begriffe,
ihm dieses Familiengesetz mit gewaffneter Hand aufzuzwingen, als er
vergiftet starb, was von Bagdads Einwohnern der Wirkung des
himmeldurchdringenden Gebetes des Chalifen zugeschrieben ward. [RN:
487/1094] Moktefi überlebte ihn nur drei Jahre und hatte seinen
sechzehnjährigen Sohn _Mostadhir_ zum Nachfolger. [RN: 489/1096] Zwei Jahre
nach seiner Thronbesteigung ward ganz Asien durch den Schrecken der
Astronomen über den Verein der Planeten, den Saturnus ausgenommen, im
Zeichen des Fisches mit Vorhersagungen von Sündfluth aufgelärmt, indem zur
Zeit der Sündfluth alle sieben Planeten im Fische gestanden haben sollen;
wirklich schwemmte ein Wolkenbruch das Gepäck der Pilgerkarawane fort; aber
verderblicher als diese Ueberschwemmung war die der Kreuzfahrer, deren
Fluth bald hierauf an den syrischen Gestaden emporbrandete. [RN: 499/1105]
Ein Comet von einer Grösse, dessgleichen nie gesehen worden, galt als
Vorzeichen des ungeheueren Brandes, dessgleichen Bagdad noch nicht erlebt
hatte, und in welchem nebst dem Palaste des Chalifen die hohe Schule
Nisamolmülk's und die ganze Flussseite der Stadt in Asche gelegt ward; [RN:
511/1117] was vom Brande übrig geblieben, zerstörte ein Erdbeben. Brand und
Erdbeben mussten den Tod Mohammedschah's des Seldschuken und des Chalifen
vorbedeutet haben, welche bald hierauf im Zwischenraume von wenigen
Monaten starben. Es war das drittemal, dass der Tod des Chalifen mit dem
seines seldschukischen Schirmvogtes fast zusammenfiel; Sultan _Alparslan_
war zwei Jahre vor dem Chalifen _Kaim_[269], Sultan _Melekschah_ zwei Jahre
vor dem Chalifen _Moktefi_[270] und jetzt Sultan Mohammed nur einige Monate
vor dem Chalifen _Mostadhir_ gestorben, und sowohl die drei Sultane als die
drei Chalifen gehörten unter die grössten und bessten Herrscher ihres
Hauses[271]. _Mostadhir_, beredt, freigebig und Schönschreiber, machte den
Bewohnern Bagdads angenehme und fröhliche Tage, indem seine vier und
zwanzigjährige Regierung im Ganzen eine ruhige, während die siebzehnjährige
seines Sohnes und Nachfolgers _Mosterschid_ das Gegentheil durch die
Thronnebenbuhlerschaft der beiden Seldschuken, Mahmud und Mesud, von denen
Mosterschid jenen als Oberherrn anerkennend mit sieben, diesen nur mit zwei
Ehrenkleidern bekleidete. Mesud überzog in der Folge den Chalifen mit
Krieg, belagerte Bagdad und nahm ihn gefangen; als aber sein Oheim
Sindschar solche Verletzung der dem Oberhaupte des Islams schuldigen
Ehrfurcht hoch missbilligte, setzte er ihn in Freiheit und ging sogar vor
dessen Pferde, die Satteldecke desselben tragend, einher. Ein Feuerregen zu
Mossul und fliegender Skorpionen zu Bagdad, an deren Bissen Viele starben,
gingen dem gewaltsamen Tode des Chalifen voraus, der unter dem Dolche der
Assassinen fiel. Sie hatten ihn zu ihrem Opfer ausersehen, weil er ihnen
feind; ein tugendhafter Fürst, ausgezeichneter Schönschreiber,
Rechtsgelehrter und Ueberlieferer, in dessen Gegenwart Lesungen der
Ueberlieferungen gehalten worden. Unter seiner Regierung wurden zu Hebron
in einer Felsenhöhle Leichname entdeckt, welche für die Abraham's, Isak's
und Jakob's galten, deren Gräber seitdem dort der Gegenstand moslimischer
Verehrung; und zu Bagdad fiel, was vordem und seitdem unerhört, mannstiefer
Schnee, der vierzehn Tage liegen blieb[272].

[Randnote: Die Chalifen Raschid und Moktefi.]

Raschid[273], der Sohn Mosterschid's, der dreissigste Chalife, trat
keineswegs in seines Vaters und Grossvaters Fussstapfen; wider Sultan Mesud
lehnte er sich auf, indem er das Kanzelgebet zu Bagdad, statt auf dessen
Namen, auf den David's, des Neffen Mesud's, verrichten liess. Mesud
plünderte dafür Bagdad mit solcher Raubsucht, dass den Frauen und
Sklavinnen sogar die Halsbänder und Ohrgehänge weggerissen wurden; durch
sechzehn Tage und Nächte bebte die Erde zu Bagdad, und schon eilf Monate,
nachdem er den Thron bestiegen, dessen ihn die Richter und Rechtsgelehrten
durch ein Fetwa als unfähig erklärten, fiel er, wie sein Vater, unter
Meuchlerdolch. Das Reich war so gesunken und verarmt, dass, als Raschid's
Nachfolger, sein Vetter _Moktefi_, der Sohn Mostadhir's, den Chalifenstuhl
bestieg, ihm kein Einkommen blieb, als der Ertrag seiner Privatgüter; aber
auch diesen hätte er nicht eintreiben können, wenn ihm nicht die Sklaven
Mesud's dazu verholfen hätten. Er vermählte sich mit der Schwester Sultan
Mesud's, welche ihm hunderttausend Dukaten als Heirathsgut zubrachte; aber
vierzehn Jahre hernach, als die Araber der Wüste die ganze Pilgerkarawane
plünderten und gefangen nahmen, musste die Gemahlin des Chalifen, welche
sie gefangen behielten, um hunderttausend Dukaten losgekauft werden, so
dass das Heirathsgut als Lösegeld aufging. Hierauf sandte ihm Sultan
Sindschar, der Oheim Mesud's, den Mantel und den Stab des Propheten,
welchen Mesud, als er den Chalifen Mosterschid gefangen genommen, dem Oheim
gesandt. Moktefi hatte während seiner vier und zwanzigjährigen Regierung
mit Widerwärtigkeiten aller Art zu kämpfen. Die Naturbegebenheiten schienen
sich wider ihn verschworen zu haben, wie die Emire Sultan Mesud's, welche
Bagdad belagerten und verheerten. Ein Erdbeben, in welchem dreissigtausend
Menschen zu Grunde gingen, verschlang die Stadt _Hire_, an deren Stätte
schwarzes Wasser aufquoll; [RN: 534/1139] in Syrien zählte man in Einer
Nacht achtzig Erdstösse; Orkane und Wolkenbrüche verheerten Kleinasien und
ein Comet zog flammend von Osten gegen Westen. Zu Bagdad rettete sich der
Chalife nackt aus den Flammen, welche den kaum aufgebauten Palast mit der
ganzen Einrichtung verzehrten. [RN: 543/1148] In Arabien regnete es Blut;
aber mehr noch als alle diese Naturerscheinungen bedrängte den Chalifen der
Druck seines Schwagers Schirmvogtes Mesud; wider denselben blieb dem
Unterdrückten keine Waffe, als der himmeldurchdringende Pfeil des Gebetes;
diesem ward der gähe Tod Mesud's zugeschrieben, durch welchen nicht nur
Moktefi seines Drängers ledig, sondern auch das nun schon dreihundert Jahre
auf dem Chalifate schwer lastende Joch türkischer Sklaverei für immer
zerschlagen ward; [RN: 547/1152] eine höchst günstige Begebenheit, wodurch
die Chalifen wieder ihre Unabhängigkeit genossen, welche sie seit der
Einführung der türkischen Sklaven unter Moteaassim verloren hatten. Doch
nützte ihnen dieselbe nicht viel, da das Reich zerstücket, ihre Herrschaft
nur auf das Grabmal von Bagdad und einige Städte des arabischen Irak
beschränkt war und die Macht der Chuaresmschahe drohend emporwuchs.
Indessen ist diese Epoche doch eine sehr merkwürdige in der Geschichte des
Chalifats, welches in dem letzten Jahrhunderte seines Daseins keinen
Schirmvogt anerkannte. Moktefi selbst benützte den ersten freien Odemzug,
den ihm der Tod Mesud's gewährte, zur Belagerung von Tekrit und einem
Streifzuge wider die in der Gegend herumziehenden Turkmanen, denen er
viermalhunderttausend Schafe und grosse Beute abnahm und damit zu Bagdad
einzog. Suleiman, der Sultan der Seldschuken Rum's, kam nach Bagdad, um aus
der Hand des Chalifen den Titel der Herrschaft und den Befehl zur Eroberung
des Gebirgslandes zu empfangen. Das Erdbeben, das im folgenden Jahre acht
Städte der Moslimen und fünf der Franken in Syrien verheerte, war eines der
schrecklichsten; [RN: 552/1157] die Einwohner _Hamid's_ wurden alle
erschlagen, zu _Scheiser_ blieb nur ein Weib, zu _Kefrtab_ keine Seele
lebendig. Zu _Apamea_, _Himss_, _Maarret_ und _Tell Hamdan_ wurde die
Hälfte der Einwohner verschüttet, die von _Hossn Ekrad_ und _Arka_ gingen
alle zu Grunde, Niemand wollte innerhalb der Mauern bleiben, und die
Uebriggebliebenen suchten Rettung im Freien. Im folgenden Jahre verwüstete
die Ueberschwemmung des Tigris dreissigtausend Häuser von Bagdad und Hagel
in der Grösse von Hühnereiern und den seltsamsten Figuren ging dem Tode
des sechs und sechzigjährigen Chalifen voraus.

[Randnote: Neue Periode des Chalifats; Mostendschid.]

Die Periode der Unabhängigkeit der Chalifen von dem seit Mesud's Tode
abgeschüttelten Joche der seldschukischen Vogtschaft ist in keiner der
bisherigen europäischen Geschichten des Chalifats gehörig hervorgehoben,
kaum mit ein Paar Worten über den Charakter der Gemahlin Moktefi's
angedeutet worden[274]; diese, welche _Taus_, d. i. Pfau, hiess, flösste
ihrem Gemahle den hohen Sinn und den Muth ein, sich von der schmählichen
Oberherrschaft der Türken, unter denen die Chalifen durch drei Jahrhunderte
geschmachtet, loszusagen. Das letzte Jahrhundert der Dauer des Chalifats
war also ein für dasselbe ehrenvolleres, als die drei verflossenen, indem
die letzten sechs Chalifen keine Obervogtschaft anerkannten und selbst ihre
Heeresmacht wieder zu einer Höhe brachten, wodurch sie in den Stand gesetzt
wurden, nicht nur die Anmassungen der Chuaresmschahe auf gleiche Vogtschaft
zurückzuweisen, sondern sogar Empörungen niederzuschlagen und ein Paar dem
Chalifate längst entrissene Landschaften demselben wieder einzuverleiben.
Die Ursache des gänzlichen Ruines des Chalifats ist, ausser der Alles vor
sich in den Staub tretenden Uebermacht der Mongolen, hauptsächlich die
Unterthänigkeit des letzten Chalifen aus dem Hause Abbas, welchem, wenn er
in die Fussstapfen seiner fünf unmittelbaren Vorfahren, und namentlich in
die _Nassirbillah's_, getreten wäre, es wohl hätte gelingen können, die
Macht der Mongolen von den Mauern Bagdad's zurückzuschlagen, wie diess ein
Paarmal seine Vorfahren mit Muth und gutem Glück gethan. Die Periode der
vorletzten fünf Chalifen gehört, wenn nicht unter die schönsten Zeiten des
Chalifats aus dem Gesichtspunkte des Glanzes und der Macht, doch unter die
bessten und ehrenvollsten Tage desselben, aus dem Gesichtspunkte äusserer
Jochentlastung und Unabhängigkeit und innerer Ruhe und Sicherheit
betrachtet. Der Zeitraum der fünf und achtzig Jahre, welche unter den
vorletzten fünf Chalifen verflossen, kann mit einigem Fuge dem Zeitraume
der neun und achtzig verglichen werden, in welchem Rom unter der Herrschaft
Trajan's, Hadrian's und der Antonine aufathmete, das vorige Weltreich
wieder einigen Ansehens, die Menschheit wieder einiger Ruhe genoss. Der
Name Mostendschid, der mehrere Bedeutungen hat, kann in zweien dieser
Bedeutungen für den geschichtlich bezeichnenden seiner Herrschaft gelten.
Mostendschid heisst sowohl der einen Vertheidiger Suchende, als ein nach
überstandener Krankheit seine Kräfte Sammelnder. Er hoffte in dem syrischen
Atabegen einen Vertheidiger des Chalifats zu finden; eine Hoffnung, die
nicht durch _Nureddin_, der selbst mit dem ägyptischen Chalifen im Kampfe
lag, wohl aber unter Ssalaheddin, dem ersten Herrscher des mächtigen Hauses
Ejub, unter _Mostadhir_, dem Nachfolger _Mostendschid's_, durch den Sturz
des Chalifen Nebenbuhlers in Aegypten und durch die Uebertragung des
Kanzelgebetes von ihrem Namen auf den der Familie Abbas einigermassen
erfüllet ward. Mostendschid, ein gerechter, gebildeter und energischer
Fürst, hob die von seinem Vorfahrer zum Ruin des Handels eingeführten
drückenden Stempelgefälle auf, verbot die scholastischen Vorlesungen über
metaphysische Werke und entriss den Händen der _Beni Mesud_ die der Stadt
des Heiles so nahe gelegenen _Hille_, _Kufa_ und _Enbar_.

[Randnote: Mostadhi und Nassirlidinillah.]

Mostendschid's Sohn und Nachfolger, _Mostadhi_, d. i. der Erleuchtung
Suchende, schritt während seiner neunjährigen Regierung auf dem von seinem
Vater, während seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer der
Grösse des Hauses Ejub, dem grossen _Ssalaheddin_, welcher der Herrschaft
der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten ein Ende gemacht und das Kanzelgebet
wieder auf den Namen der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er
Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden Titeln und
Geschenken. So ward nun wieder in Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's
von den Kanzeln als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter
den nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und Mostadhi's,
sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen
_Nassirlidinillah's_, d. i. des Helfers der Religion Gottes, welchem bald
nach dem Antritte seiner Regierung die Freude ward, dass nach dem Sturze
der Beni Omeije in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie
Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas
verrichtet ward, eine frohe Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die
von der Veränderung des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu Bagdad
mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin die heilige Stadt der
Herrschaft der Christen entriss, eroberte der Chalife die am Euphrat
gelegenen Schlösser Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun
wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens, von den Ufern des
Tigris bis an die des Euphrats, und über Chusistan erstreckte, dessen
Schlösser der Wesir _Ibnol aththar_ wieder der Macht des Chalifen
unterwarf. Den Triumph Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der
persischen Seldschuken, vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch der
Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten persischen Seldschuken
Toghrulschah dem Chalifen nach Rei sandte, wo derselbe an der Moschee als
Trophäe aufgehangen ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die Vogtschaft
Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen, nun für sich begehrte,
entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah stellte, um die Weigerung zu
rächen, das auf den Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte
sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid _Alaeddin_ von Tirmid,
dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir sandte, um den Sultan auf
bessere Gesinnungen zu bringen, den grossen Scheich _Schihabeddin
Suhrwerdi_, der ihn zu Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich,
indem er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte und
beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der Ueberlieferung zu
Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden Nassir's gepriessen,
antwortete der Sultan: Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach
Bagdad, um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften
besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen Bagdad vor, welches
Nassir noch vor kurzem mit einer Mauer umfangen hatte, welche die Stadt
wohl schwerlich vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog
ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als er nach Holwan
gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen schneite, so dass der Schnee so
hoch als die Zelte, das Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und
Thieren schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher, als
einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; [RN: i. J. 583/1186]
diese waren der Verein der sieben Planeten im Zeichen der Wage, woraus die
Astronomen ungeheuere Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in
derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die Lampe auf der
Sternwarte in freier Luft unausgelöscht brannte, zu grosser Beschämung der
Astronomen. Sechzehn Jahre hernach [RN: i. J. 599/1202] flammte eine ganze
Nacht voll fallender Sterne, die nach allen Richtungen hin und herschossen,
eine Erscheinung, die durch ähnliche in unseren Tagen genauer beobachtete
beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast zu Bagdad abbrechen
lassen, aber ausser der Stadtmauer viele Moscheen und Medreseen und ein
Speisehaus für die Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die
Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders in der
Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über dieselbe ein Werk, das
den Titel: _Geist des Erkennenden_[275] führt; aber Nassir war auch ein
harter, habsüchtiger Fürst, dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen
kannte, der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und das Heer
der Finanzbeamten noch mit einem Heere von Ausspähern vermehrte. Von den
Kanzeln, wo ehe für die Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die
des Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden, wurde nun das
Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's verrichtet, so auch in Hidschas
und Jemen, in Chorasan und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's,
als des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams.

[Randnote: Sahirbiemrillah und Mostanssir.]

Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife _Sahirbiemrillah_,
d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, war vor allen Chalifen aus dem
Hause Abbas seines Beinamens werth, nach dem Zeugnisse der
Geschichtschreiber, dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit
und Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, kein
Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen guten Klang seines
Namens dankt er dem freigebig geschenkten Golde und der kurzen Zeit seiner
Regierung, indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster des
Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner Thronbesteigung
confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern zurück, sandte dem Richter der
Richter zehntausend Dukaten zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb
im Thurme sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals nur
zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater aber auf's Siebenfache
gesteigert worden war, wieder auf die obige Summe zurück, liess von der
Gesammtsumme der Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach
und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter die
Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum er sich so beeile,
Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung auf das vorgerückte Alter von
ein und fünfzig Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche
denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich also beeilen müssen,
wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; hindert mich also nicht in guter
Handlungen Handel. In seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und
gelehrter Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger _Mostanssirbillah_, d. i.
der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die berühmte, nach seinem Namen
genannte hohe Schule, deren Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire
Nisamolmülk zu Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier
besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo die
Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen _Ebu Hanife's_, _Schaafii's_,
_Malik's_ und _Hanbeli's_ gelehrt ward; an jeder dieser vier Medreseen
waren zwei und sechzig Plätze für Studenten[276] und zwei für
Correpetitoren[277] gestiftet. In vier Jahren war der Bau vollendet; am
Tage der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und
Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke unter die
Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur _Mostanssirije_, d. i. zur
hohen Schule _Mostanssir's_, war die _Kamerije_, d. i. die _Mondige_, eine
am Ufer des Tigris gebaute, reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige.
Seine Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben
überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, wenn die
folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus einem mit Gold gefüllten Becken
geschöpft ward, rief er aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein
Vater jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich füllen!
ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der Terrasse seines Palastes
rund um auf den Terrassen Wäsche aufgehangen sah und der, was dies bedeute,
gefragte Wesir antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen
alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht jeder seiner
Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen könne, liess aus Gold
Armbrustkugeln verfertigen und verschoss dieselben auf die Terrassen der
Nachbarn. Wider die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha
vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, brachte er ein
Heer von siebzigtausend Mann auf, von welchem zwar Anfangs die Mongolen,
dann aber die Truppen des Chalifen zu _Dakuk_, das seiner Naphthabrunnen
willen berühmt[278], geschlagen wurden. [RN: 653/1237] Im selben Jahre
richteten die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der grosse
Dichter _Ismail Kemal_ von Issfahan, beigenannt der Vater der Bedeutungen,
unter ihrem Schwerte erlag, wie früher der grosse mystische Dichter
Aththar. Unter Mostanssir's Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in
dieselbe fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen der
Mystik, des Scheich's _Behaeddin Weled_, des Vaters _Dschelaleddin Rumi's_,
des grossen mystischen Dichters _Omer Ibn Faradh_, des grossen Scheich's
_Schihabeddin Omer Suhrwerdi_ und des Inders _Reten_[279], welcher, der
erste, aus Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien
gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um ihren todtgeweihten
Handlangern die Freuden des Paradieses vorzuspiegeln, und von dem sie ihren
Namen[280] Haschischin, d. i. die _Kräutler_, erhielten.

[Randnote: Moteaassim.]

_Moteaassimbillah_, d. i. der an Gott Festhaltende, der Sohn Mostanssir's,
der sieben und dreissigste und letzte Chalife des Hauses Abbas, bestieg den
Thron, den er sechzehn Jahre gefüllt, im dreissigsten seines Alters; ein
prachtliebender, grossthuender, schwacher Fürst, doch nicht ohne löbliche
Eigenschaften und Werke. Ein _Hafis_, d. i. Bewahrer des Koran's (wie Alle
heissen, welche denselben auswendig wissen), war er den Gesetzgelehrten
geneigt und baute für dieselben, nach seines Vaters Beispiel, eine hohe
Schule, gegenüber dem Grabmale des Scheich's _Karchi_, so nach dem,
vorzüglich von Schiiten bewohnten Stadtviertel Bagdad's genannt, welche aus
vier Medreseen für die vier Ritus des Islam's bestand[281]. Im dritten
Jahre seiner Regierung erschien ein mongolisches Heer in der Nähe von
Bagdad, von wo es zu _Baakuba_ durch den kleinen Diwitdar (Staatssekretär)
zurückgeschlagen ward[282]. Dieser Vortheil vermehrte den Dünkel
Moteaassim's, unter welchem das Ceremoniel des Hofes von Bagdad auf einen
bisher nie gehörten Grad getrieben ward. Die Schwelle des Thronsaales war
ein schwarzer Stein, welchen Alle, selbst Gesandte und Fürsten, die ihre
Belehnung empfingen, nicht ausgenommen, sich unterwerfend küssen und dann
den schwarzen Schleier, welcher dem daranstossenden Fenster vorgezogen
ward, wie den Vorhang des Heiligthums der Kaaba verehren mussten.
Medschdeddin Ismail, der Gesandte des Atabegen Ebubekr Ben Segi, unterwarf
sich dem vorgeschriebenen Ceremoniel, legte aber einen kleinen Koran, den
er in der Hand verborgen, auf die Schwelle und küsste deren statt den
Koran. Wann Moteaassim ausritt, sass er auf hohem Rappen, schwarz
verschleiert mit schwarzem Turban, dessen Enden über die Schultern
zurückflogen, von vierzig schwarzen Leibwachen umgeben; der Rappe war mit
goldenem Halsband und edelsteinbesetztem Zügel und Bügel geschmückt, und
wann ihn der Chalife bestieg, erscholl der Siegesruf, dessen Worte aus
Koranstexten zusammengesetzt: »_Gott mache das Gute zum Stirneknoten des
Pferdes und binde es an seine Mähnen; er mache die Füsse desselben weiss
durch Erreichung aller Begehren; er wolle dem Laufe desselben mit
losgelassenen Zügeln alle Sicherheit gewähren, die Eroberungen sollen
seinen Wettlauf am Ziele kennen und das Heil des Erfolgs seine Zügel
dehnen!_«[283] Alle moslimischen Fürsten erhielten den Titel rechtmässiger
Herrschaft einzig von dem Belehnungsdiplome Moteaassim's, welche derselbe
mittels Gesandten ertheilte, die nebst dem Diplome der Investitur, Kaftan,
Turban, Fahne, Schwert, Ring und ein Maul mit goldbeschlagenen Hufen und
juwelengestickter Satteldecke zum Geschenke brachten[284]. Der Gesandte
vollzog nun ein Paar Tage nach seinem feierlichen Einzuge in die Residenz
des Sultans oder Emirs die Investitur, indem er dem Fürsten den Kopfbund
aufsetzte, den Ring ansteckte, das Diplom vorlesen liess und ihm dreimal
wiederholte: _Sei gerecht und übertrete das Gesetz nicht_; dann erst ward
ihm erlaubt, den Thron zu besteigen, und erst, nachdem er den Thron
bestiegen, ward er für würdig erachtet, dem vom Chalifen gesandten Maul in
Gegenwart des ganzen Hofes den goldbeschlagenen Huf zu küssen. Der Gesandte
warf Geld aus und begleitete den Sultan, der nun unter einem über seinem
Kopfe emporgehaltenen Sonnenschirme die Stadt durchritt. Wann immer ein
Gesandter des Chalifen an den Hof des Sultans kam, ward sein Maul bis in
den Thronsaal geführt und ein Vorhang niedergelassen; der Sultan musste vom
Throne steigen, hinter dem Vorhange den Huf des Maulthieres küssen, worauf
er mit dem vom Chalifen gesandten Ehrenkleide erst wieder den Thron
bestieg. Die Insignien der Investitur von Seite des Chalifen waren also:
_Kaftan_, _Turban_, _Schwert_, _Ring_, _Fahnen_, _Sonnenschirm_ und der
_Huf_ des Maulthiers. Krone, Mantel, Schwert, Ring, Fahne finden sich auch
als Insignien der Investitur fürstlicher und kirchlicher Würden im
europäischen Mittelalter; nur an die Stelle des Hufes trat das Horn, mit
welchem dänische und angelsächsische Könige ihre Vasallen belehnten[285].
Das Heer Moteaassim's war hunderttausend Mann stark, von denen die Hälfte
vom Diwan aus besoldet; der Befehlshaber desselben, Suleimanschah, welchen
der Dichter _Esireddin Umani_ in Lobgedichten gepriesen. Die innere
Verwaltung besorgten die beiden _Diwitdare_ (Tintenzeughalter), d. i.
Staatssekretäre; die Geschäfte des Hofes leitete der _Scherabdar_,
Mundschenk, aber die Summe der Regierung war in den Händen des Wesirs
_Moejededdin Mohammed Abdolmelik El-Alkami_, ein ausgezeichneter Gelehrter
in Prose und Poesie, in Ueberlieferungs- und philosophischen Wissenschaften
gleich gewandt, der Chalife aber selbst dem Wohlleben und Sinnengenusse
ergeben. Die nächsten Hebel seines Verderbens waren von innen der Wesir
Alkami, von aussen der grosse Astronome Nassireddin, der sich im Geleite
Hulagu's befand.

[Randnote: Alkami; Wüsten- und Bücherbrand.]

Nassireddin von Tus hatte eines Tages, als Moteaassim an den Ufern des
Tigris sass, demselben huldigend ein Gedicht dargebracht, das der Chalife,
statt, wie es der Wesir erwartet hatte, reich zu belohnen, auf des Wesirs
Alkami darüber ausgesprochene Kritik in den Tigris warf. Von diesem
Augenblicke schwur der tief beleidigte, tief grollende Astronome Schöngeist
dem Wesir und dem Chalifen Rache; er verliess Bagdad und verweilte bei dem
ihm gleichnamigen Comthur des Assassinenschlosses Sertacht. Alkami warnte
den Comthur wider seinen Schutzgenossen, als wider einen Ränkeschmied, der
ihn im Geiste des Chalifen verderben wolle; und diese Warnung war nur ein
neuer Sporn in die rachedürstenden Weichen des durch Geringschätzung seines
Gedichtes so tief beleidigten Astronomen Schöngeistes. Als Gesandter des
letzten Herrschers der Assassinen an Hulagu gesandt, hatte er durch sein
grosses Talent sich dessen Achtung erworben und demselben erst zum
Verderben der Assassinen, dann zu dem des Chalifats sich als hilfreiches
Werkzeug angeboten. Sein Feind, der Wesir Alkami, arbeitete seiner Rache
durch Verrätherei selbst in die Hände. Von den nächsten Umgebungen des
Chalifen, dem Diwitdar und dem Mundschenken, nicht die Achtung geniessend,
deren er werth zu sein glaubte, und als Schii dem Chalifen grollend, weil
der Sohn desselben, Ahmed, die Plünderung des nur von Schiiten bewohnten
Stadtviertels von Karch und die hierbei vorgefallenen Gräuel von Schändung
und Gemetzel begünstigt hatte. Er schrieb an den Seid Tadscheddin al
Hoseini, welcher damals der erste der Herren der Familie des Propheten,
klagend: »dass die Söhne des Hauses Ali geplündert, das Volk des Stammes
Haschim gefangen und die Schmach, welche vormals Husein, der Enkel des
Propheten, durch Plünderung seines Harems und Blutvergiessung getroffen,
jetzt wieder erneuert worden sei«[286]. Der Seid antwortete im Namen aller
Prophetenverwandten: »Die Ketzer müssen ermordet, verbrannt, ihre Rasse
ausgerottet werden; wenn du nicht mit uns hältst, bist du verloren, du
wirst zu Bagdad weniger geschätzt sein, als vom Manne das Henna der Frauen
und als der Ring dessen, dem die Hand abgehauen«[287]. Nach dem Falle von
Alamut hielt Alkami den Augenblick für günstig zur Förderung seiner Rache;
er sandte heimlich an Hulagu einen Brief, in welchem er, die Macht des
Chalifen verkleinernd und die Schwäche Bagdad's ins hellste Licht setzend,
den Eroberer seine Zügel nach der Stadt des Heils zu lenken einlud. Hulagu,
wohl eingedenk, dass vormals ein Heer von hundert vier und zwanzigtausend
Mann wider die Mongolen gesandt, zweimal den Dschurmaghun geschlagen,
zauderte, der Einladung Gehör zu geben, und berieth sich mit Nassireddin,
dem Astronomen, und erst, als dieser ihn versichert, dass »das Unternehmen
im Bunde mit der Gestirne günstiger Stunde«[288], beschloss er den Marsch
nach Bagdad, wo indessen ein Versuch des kleinen Diwitdar, den Chalifen zu
entthronen, das Feuer des Bürgerkrieges angeflammt. Moteaassim sah sich
gezwungen, den Versicherungen des kleinen Diwitdar von seiner Treue und
Ergebenheit scheinbaren Glauben zu schenken. Die Unschuld desselben wurde
laut auf den Strassen Bagdad's verkündet und der Name des kleinen Diwitdar,
des Feindes Alkami's, sogar nach dem des Chalifen im Kanzelgebete
eingeschaltet; das Heer wurde nach des Verräthers Alkami Vorschlag um die
Hälfte vermindert, ein Drittel des verminderten in die nahe gelegenen
Städte geschickt, so dass nur zwanzigtausend zu Bagdad's Vertheidigung
blieben[289]. In diesem, durch den Fall Alamuts und die Verrätherei
Alkami's für die Stadt des Heils so unheilschwangeren Jahre schreckten
nicht nur Ueberschwemmung des Tigris und Erdbeben, sondern auch der Brand
von Medina und der Wüstenbrand in Arabien die moslimische Welt auf. Zu
Hara, in der Nähe von Medina, brannte die Wüste, und allgemein ward
geglaubt, diess sei das Feuer, welches die Ueberlieferung des Propheten als
den Vorboten des jüngsten Tages verkündet. Drei Monate lang brannte die
Wüste in der Ausdehnung von vier Parasangen. Zu Medina zündeten die
Einwohner des Nachts kein Licht an, da der Wüstenbrand die Stadt erhellte.
Dieses, wie es scheint, elektrische Feuer soll Holz verschont, Eisen
verzehrt haben, so dass von hineingeschossenen Pfeilen das Holz unversehrt,
die Spitze zerfressen ward[290]. Nach dem Wüstenbrande plünderten Beduinen
die Stadt, bis man das Thal, aus dem sie ausfielen, mit steinerner Mauer
verdämmte. Das grösste Unglück aber entstand durch die Unvorsichtigkeit
eines der Küster der Moschee des Propheten, der eine Kerze umfallen liess,
wodurch die Moschee in Brand gerieth und mit derselben die ganze grosse
Büchersammlung aufflammte[291], so dass dieses Jahr zwei der reichsten
Bibliotheken in Flammen aufgingen, die von Alamut und die von Medina; der
Verlust von dieser war aus mehr als einem Grunde weniger beklagenswerth,
als der von jener, indem zu Medina meistens nur Korane und Bücher der
Ueberlieferung, zu Alamut aber mathematische und philosophische Werke ein
Opfer des Brandes, die dort ein Werk des Zufalls, hier der zu verdammenden
Willkür des gelehrten Wesirs _Athamülk Dschuweini_.

[Randnote: Gesandtschaften Hulagu's an den Chalifen und Prophezeihungen.]

Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch Alkami's Einladung und
Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert, von seinem Lager zu Hamadan aus an
den Chalifen einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder
selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines Hofes, nämlich den Wesir,
den kleinen Diwitdar, den Heerführer Suleimanschah oder den Mundschenken
sende. Moteaassim, statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren,
sandte den _Scherefeddin Ibnol Dschewsi_, einen durch Beredtsamkeit
ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin Mohammed von Nachdschiwan.
Hulagu, als er von ihrer Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem
Zorne: Der Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich ihn
wie ein Pfeil gerad machen könne[292]. Den Gesandten, als sie vor ihm
erschienen, herrschte er entgegen: Gott hat dem Hause Tschengischan's die
Herrschaft vom Osten bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen
Blut und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist dessen
Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer, zahlreich wie
Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad. Als die Gesandten mit dieser
Botschaft zurückgekehrt, rieth Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend
Kameele, tausend Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen
huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des Islams: des
Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der kleine Diwitdar _Modschahiddin
Ibek_ machte Vorstellungen dagegen, aber _Ibn Alkami_, der die Schwächen
und den Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben, indem er in
seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte, die des Chalifen
vergrösserte und dem neuaufgeschossenen Pilzlinge mongolischer Herrschaft
die uralte legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah, der
Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse Diwitdar und der kleine
Modschahiddin Ibek versammelten sich beim Wesire, ihren Aerger über die
Sorglosigkeit und Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend.
Suleimanschah trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und Alkami ging
zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend, dass der Chalife seinem
Rathe folgsam, dass er Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld
verweigern werde[293]. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin von
Nachdschiwan und den Richter Berdindschan mit geringen Geschenken und der
hochtrabenden Botschaft: Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus
Abbas zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele davon seien
Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri, der Seldschuke Sultan
Mohammed und Mohammed Chuaresmschah, welche Alle das Verderben ereilt, das
auch Hulagu's harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu, ergrimmt,
antwortete ihnen mit dem persischen Verse des Schahname[294]:

    Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall,
    Führe Bollwerk auf mit Zinnen, die von Stahl,
    Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen,
    Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen;
    Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen,
    Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen.

Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes von _Deriteng_,
d. i. Engthor, welcher über das gordiaische Gebirge oder den Zagros in die
Ebene des arabischen Irak führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der
Heerstrasse vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das Schloss in
einer engen Schlucht, wovon es den Namen _Engthor_ führt. Die Bewohner
dieser Felsenschlucht waren nicht minder durch ihre Schönheit, als das
Schloss durch seine Festigkeit berühmt[295]. Dieselbe wird vom _Diala_
durchbrochen, welcher in der Entfernung einiger Stunden oben an den Ruinen
von _Kassr Schirin_ (das alte Artemita) vorbeifliesst. Hulagu, dem nicht
unbekannt, dass Hosameddin Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über
den Chalifen zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit Ehren
und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser _Disser_, d. i. das
Goldschloss, _Dis Merdsch_, d. i. das Wiesenschloss, und einige andere;
aber hierdurch übermüthig, sandte Aka an _Ssalaje_, den Befehlshaber von
_Irbil_, Wort, dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle, er
mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu zurückzutreiben bereit.
Der Chalife gab diesem Vorschlage kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde
erhalten, sandte den _Keitbuka_ mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren
Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach Bagdad zu
berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka, Herr seiner Person, forderte
die Schleifung der Schlösser und er ward, nachdem dieselben geschleift
waren, getödtet. Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von
Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen Astronomen Hosameddin.
Um seine Meinung über den Zug wider Bagdad befragt, sagte er unter
Verbürgung mit seinem Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde,
sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen durch Seuchen,
Mangel an Sonne und Regen, schreckliche Orkane und Erdbeben,
Unfruchtbarkeit und Hungersnoth und endlich den Tod eines grossen Monarchen
im selben Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft
schriftlich geben und befragte nun den Astronomen Nassireddin, was denn
geschehen würde, wenn er nach Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin,
als dass Hulagu die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute
hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge wider Bagdad zu
befürchtende Unglücke durch die Anführung geschichtlicher Beispiele. Tahir
sei aus Chorasan wider Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen
erschlagen; Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen seien erschlagen
worden, ohne dass für die Stadt irgend ein Unheil daraus entstanden. Hulagu
ergab sich gern den seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des
Astronomen von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen
eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet.

[Randnote: Hulagu's Marsch nach Bagdad.]

Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche vermöge Hulagu's
Befehl nun Bagdad von allen Seiten umzingelten, ist eines der schönsten
Zeugnisse für Hulagu's grosses Feldherrntalent. _Dschurmaghun_ und
_Baidschu Nujan_, die beiden in den persischen Feldzügen ergrauten
Feldherrn, welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort in
Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten Flügel, der, von
Irbil und Mossul heranrückend, über die Brücke von Mossul ging und sich auf
der Westseite von Bagdad niederliess. Mit ihnen vereinten sich die Prinzen
_Bulgha_, _Kuli_, _Kotar_ (der Enkel Batu's) und die persischen _Buka
Timur_ und _Sundschak Nujan_, welche die Strasse von Schehrsor über
_Dakuk_ heranzogen. _Keitbuka_, der Befehlshaber des Vortrabs beim
Einmarsche Hulagu's in Persien, mit _Kurusun_ und _Ilka_ kamen mit dem
linken Flügel von Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst stand mit
dem schweren Gepäcke des ganzen Heeres im Mittelpunkte zu Hamadan und brach
in den ersten Tagen des Januars des Jahres tausend zweihundert acht und
fünfzig, gerade zwei Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den
Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem Geleite die grossen
Emire _Köke Ilka_ und _Arghunaga_, die beiden Bitekdschi (Kanzler)
_Karakai_ und _Seifeddin_, der Staatssekretär _Alaeddin Athamülk_ von
_Dschuwein_, der grosse Geschichtschreiber, und _Nassireddin von Tus_, der
grosse Astronom; jener, um die Thaten und Begebenheiten des Feldzugs zu
beschreiben, dieser, um die durch den Lauf der Gestirne angezeigten
günstigen Stunden anzugeben; jener die Feder, dieser der Zeitmesser des
Feldzugs. Von Esedabad aus sandte Hulagu abermal einen Gesandten nach
Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe aufzufordern, und zu _Deinewer_
erschien abermal _Ibnol Dschewsi_, der Gesandte des Chalifen, mit dem
Antrage: die Summen, welche Hulagu aussprechen würde, jährlich in dessen
Schatz abzuführen, und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren möge.
Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um den Chalifen zu sehen,
wie sollen wir nun umkehren, was nach persönlicher Zusammenkunft geschehen
mag. Von Deinewer ging der Marsch über _Kuh Girdaa_, und am siebenten Tage
nach dem Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan geplündert und verheert.
[RN: 7. Moharrem 656/13. Januar 1258] Von hier wurden Eilboten abgefertigt,
um die Ankunft von Sundschak, Baidschu und Suntai zu beschleunigen; sie
warteten zu _Takkesrai_ und brachten als Gefangene den Ibek von Haleb und
Seifeddin Melik mit sich, welche sie streifend aufgegriffen. Hulagu
schenkte Beiden das Leben und machte sie zu Dienern der Schildwachen[296].
Die Emire wurden, mit schmeichelhaften Beweisen von Gunst und
Freigebigkeit überhäuft, zurückgesendet, um auf das Eheste den Uebergang
über den Tigris auf der westlichen Seite von Bagdad zu bewerkstelligen. Von
dort holten die Verräther des Heeres des Chalifen die beiden Chuaresmier
_Kara Sankor_ und _Sultandschuk_, die Befehlshaber der mongolischen ein;
Kiptschak schrieb an den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken);
wir haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet desgleichen.
Kara Sankor antwortete in dem Sinne des Astronomen Hosameddin: Wie sich ein
neu aufgeschossener Zweig, wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon
ein halbes Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats messen könne? Wenn
sich Hulagu unterwerfen wolle, würde man trachten, durch Vermittelung des
Diwitdars den Frieden vom Chalifen zu erwirken. Hulagu, als man ihm dieses
Schreiben brachte, lachte darüber und sagte: Meine Hilfe kommt von Gott und
nicht vom Gold; wenn er mir hilft, was kümmert mich die Zahl der Heere des
Chalifen[297].

[Randnote: Bagdad's Belagerung.]

Ein neuer Gesandter ward nach Bagdad abgefertigt, um den Chalifen zur
Unterwürfigkeit aufzufordern, und zugleich nach Holwan aufgebrochen, wo
eine Woche gerastet ward. Indessen gingen die Emire Baidschu, Buka Timur
und Sundschak über den kleinen Tigris und standen am Kanale _Nehr Isa_.
Sundschak erbat sich von Baidschu die Erlaubniss aus, den Vortrab des
westlichen Heeres gegen Bagdad zu befehligen, und nachdem er dieselbe
erhalten, rückte er bis _Dscherbije_ vor. _Mudschahideddin Ibek_, der
kleine Diwitdar, und _Fetheddin Ibnol-Kerr_, die Feldherren des Chalifen,
waren mit zehntausend Mann bei Jakuba über den _Diala_ und dann über den
Tigris gegangen und trafen mit dem mongolischen Vortrabe in der Gegend von
_Enbar_[298], neun Parasangen westlich von Bagdad, zusammen. Fetheddin Kerr
wollte die Schlacht hier nicht wagen, aber die Ungestümme des Diwitdar
zwang ihm dieselbe auf. Der Sohn Kerr's, um seinen Sinn kund zu geben, dass
er auf dem Schlachtfelde feststehen und dasselbe keineswegs als Flüchtiger
verlassen wolle, ritt statt eines Pferdes ein Maulthier, dessen Hufe so
schwer mit eisernen Schienen beschlagen, dass es zur Flucht
untauglich[299]. Die Schlacht dauerte den ganzen Tag und endete mit der
Vernichtung des Heeres des Chalifen, von welchem der Diwitdar nur der
Selbdritte entfloh. Als er mit der Nachricht des verlorenen Heeres vor dem
Chalifen erschien, der eben Schah spielte, sagte dieser blos dreimal: _Gott
sei Dank für das Heil Mudschahideddin's_. Moteaassim's an Blödsinn
gränzende Sorglosigkeit und Unwissenheit ging so weit, dass, als man ihm
die erste Nachricht brachte: die Vorposten der Mongolen hätten bereits die
Höhen von _Hamrin_ (das von Westen nach Osten zwischen dem Euphrat und
Tigris nach Tekrit laufende niedere Gebirge) passirt, er fragte: wie das
wohl möglich? Man antwortete ihm: »Das Heer der Tataren, die wie die
Meeresfluthen einherfahren, überfliegt der Berge Gipfel wie der Adler
Schaaren; da sie den Damm von Gog und Magog für Spinngeweb' ansehen, was
soll auf des Hamrin's Höhen aus ihren Hufen wohl anders erstehen, als
Staub, was soll aus dem Sturme, in dem sie daherfahren, wohl anders
aufgehen, als Feuer und Raub«[300]. In der Hälfte des Moharrem [RN: 14.
Moharrem/21. Januar 1258] stunden die drei Nujane, Baidschu, Buka Timur und
Sundschak auf der westlichen Seite des Tigris vor Bagdad, während Keitbuka
und die mit ihm von Nachaire kamen, und Hulagu mit dem schweren Gepäcke zu
Chanikin stand. Am folgenden Tage lagerte er an der östlichen Seite von
Bagdad, das nun von allen Seiten, wie von Ameisenzügen und
Heuschreckenschwärmen, und nach der mongolischen Belagerungsweise sogleich
mit einer Mauer, oder, um richtiger zu sprechen, mit einem in aller Eile
aufgeworfenen Erddamme eingeschlossen ward. Dienstags den neun und
zwanzigsten Januar begann der Kampf. [RN: 22. Moharr./29. Januar] Hulagu
stand auf der Heerstrasse von Chorasan, gegenüber dem persischen Bollwerk,
Ilka Nujan vor dem Gülwadischen Thore, die drei Prinzen, Enkel
Dschudschi's, mit Schiramun und Arktin vor dem Thore des Sultansmarktes,
Buka Timur auf der Südwestseite an den Mühlen, Baidschu und Sundschak auf
der Westseite gegenüber dem Spitale, welches Adhaddewlet, der grosse
Herrscher aus dem Hause Buje, der erste zu Bagdad, gebaut. Die
Belagerungsmaschinen waren vorzüglich gegen das persische Bollwerk
gerichtet und in demselben bald Wallbruch gemacht. Nun sandte Moteaassim
den Wesir und einen Bischof[301] mit der Botschaft, er füge sich dem
Verlangen des Padischah, welcher verlangt, dass ihm der Wesir gesendet
werde; -- »diess«, antwortete Hulagu, »war mein Begehren zu Hamadan, wie
soll ich mich aber vor Bagdad's Thoren mit Einem begnügen? Es sollen auch
die drei anderen Säulen der Herrschaft des Chalifen erscheinen, der
Diwitdar, der Scherabdar und Suleimanschah, der Oberbefehlshaber des
Heeres.« Am folgenden Tage erschien der Wesir mit einer Schaar von
Vornehmen, aber ohne die verlangten Drei. Hulagu sandte sie zurück; er
befahl, ein an die Richter, Scheiche, Danischmende (Studenten), Arkaune
(christlichen Priester) von Bagdad gerichtetes Diplom, wodurch denen, die
sich friedlich halten würden, das Leben zugesichert ward, in sechs
Abschriften von sechs Seiten der Stadt durch Pfeilflug in dieselbe
abzufertigen. Die Wurfmaschinen schleuderten in Ermangelung von Steinen
Thonflötze, die man von Hamrin gebracht, und abgehauene Palmen wider das
persische Bollwerk, das Freitags am ersten Februar zu Boden sank. [RN: 25.
Moharrem/1. Februar]

[Randnote: Bagdad's Eroberung.]

Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits auf der Mauer des
Bollwerks, während auf der anderen Seite die Prinzen noch nicht bis an den
Fuss der Mauer vorgedrungen waren. Hulagu sandte ihnen ausscheltendes Wort
und befahl zugleich, Brücken zu schlagen. [RN: 28. Moharr./4. Febr.] Buka
Timur wurde mit einem Toman, d. i. mit einer Abtheilung von zehntausend
Mann, auf der Heerstrasse von Medain und Bassra befehligt, um die, so etwa
mit den Schiffen auf dem Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der
Diwitdar, welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu entkommen
hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen, die anderen versenkt oder
zerstört. Auf diese Nachricht entsank dem Chalifen aller Muth zu fernerem
Widerstande; er sandte den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit
wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er viele sendete, die
Grösse derselben für den Maassstab seiner Furcht gelten könnte. Hulagu wies
dieselben mit den Ueberbringern zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl
Abderrahman an der Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken; aber auch
diese wurden nicht genehmigt. [RN: 29. Moharr./5. Febr.] Hulagu sandte den
Nassireddin von Tus als Gesandten in die Stadt; welcher Triumph für den
rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner Empfindlichkeit für die
Verschmähung seiner Verse die Stadt des Heils und das Heil des Chalifats
geopfert, welcher Triumph für ihn, dem Chalifen nun im Namen des Siegers
Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden Tage kehrte er zurück, und Hulagu
sandte die aus der Stadt gekommenen drei Gesandten, den _Fachreddin
Demaghani_, den _Ibnol Dschewsi_ und _Ibn Dernus_, mit dem Begehren, dass
Suleimanschah und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen wirklich
zwei Tage hernach. [RN: 1. Ssafer/7. Februar] Hulagu sandte sie wieder in
die Stadt zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die syrischen und
irakischen Truppen und eine Menge Volkes benützten diese Gelegenheit, um
die Stadt zu verlassen und sich in's Lager der Mongolen, wo sie Rettung und
Sicherheit zu finden hofften, zu begeben; sie wurden in Tausende, Hunderte
und Zehn abgetheilt, den mongolischen Befehlshabern der Tausender,
Hunderter und Zehner übergeben und von diesen regelmässig umgebracht.
Abgeordnete kamen aus der Stadt, um das Leben der noch Zurückgebliebenen zu
erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu begehrte, dass der Chalife seine
Söhne sende und selbst komme. Während diesen Unterhandlungen ward einem
Inder Bitekdschi, der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge
ausgeschossen; Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von weiterem Aufschub
nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin von Tus, sich an's Thor der
Wettrenner[302] zu begeben und die Einwohner mit Zusicherung des Lebens
herauszuführen; als diess geschehen, wurden sie Alle niedergemacht. [RN: 2.
Ssafer/8. Febr.] Suleimanschah wurde mit Siebenhundert der Seinen in die
Gegenwart Hulagu's geführt. Dieser fragte ihn: Wie kommt's, dass du, ein
Sternkundiger, nicht den Frieden vorgezogen und deinem Herrn nicht dazu
gerathen? Suleimanschah erwiederte: Der Chalife ist an Geist und Glück
verwahrlost und leiht denen, die es wohl mit ihm meinen, kein Ohr. Suleiman
und seine Siebenhundert wurden niedergemetzelt, so auch der Diwitdar und
dessen Sohn, und die drei Köpfe an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul,
gesandt, der, ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte, aber
nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des Freundes an dem
Thore seines Palastes aufhängen musste. Nach diesem tragischen Ende seiner
Getreuesten rief der Chalife seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun;
dieser antwortete ihm mit dem arabischen Distichon:

    Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,
    Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.

Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und von dreitausend
Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet, Freitags den zehnten Februar
zu Hulagu. [RN: 4. Ssafer/10. Febr.] Dieser empfing ihn ohne Merkmal des
Zorns und begehrte kalt und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt
senden, dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung
herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's Einwohner gingen
wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt gezählt zu werden, wurden sie
ungezählt Alle getödtet, der Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor
dem Gülwadischen Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage hernach
begann die allgemeine Plünderung. [RN: 7. Ssafer/13. Febr.] Alle Paläste
und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige, ausdrücklich
ausgenommene Häuser von _Arkaunen_, das ist nestorianischen Priestern und
Fremden. Die Priester dankten diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem,
als ihrer Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau
_Tokus_, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit Glockengeläute
gestattet ward. Unter den Fremden sind vielleicht fränkische Kaufleute
gemeint, Venezianer und Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen
aufhielten.

[Randnote: Blutbad und Hinrichtung des Chalifen.]

Freitags am fünfzehnten Februar begab sich Hulagu selbst in die
entvölkerte, niedergebrannte, verheerte Stadt und ordnete auf den Ruinen
derselben Feste an. Er liess den Chalifen vorführen und sagte ihm: Du bist
der Gastgeber und ich der Gast; tische uns also auf, was du hast. Der
Chalife zitterte und hatte aus Furcht alle Besinnung verloren, so dass er
die Schlüssel zu den Schatzkisten, die er ausliefern sollte, nicht fand.
Die Kisten wurden erbrochen und er brachte huldigend dem Sieger zweitausend
Kleider und zehntausend Goldstücke nebst vielen Juwelen und anderen
Kostbarkeiten dar. Hulagu würdigte das Geschenk keines Blickes und befahl,
es unter die Emire und die nächste Umgebung zu vertheilen. Dann herrschte
er weiter: Was über der Erde von deinen Schätzen, ist klar und offenbar;
doch nun entdecke uns auch die unterirdischen. Der Chalife gab die
unterirdische Cisterne an, bei deren Anblick sein Urgrossvater _Nassir_ so
oft seufzte, dass er dieselbe trotz seines Zusammenscharrens von Gold nicht
damit ganz füllen, sein Vater _Mostanssir_, dass er dieselbe trotz seiner
verschwenderischen Freigebigkeit nicht ganz leeren konnte. Moteaassim's
Geiz hatte den durch des Vaters Freigebigkeit entstandenen Abgang wieder
ausgefüllt. Hierauf wurde das Frauengemach des Chalifen gezählt; es waren
siebenhundert Sklavinnen und tausend Verschnittene. Der Chalife, als er
den Zählungsbefehl vernahm, bat um Schonung dieser, selbst von Sonne und
Mond nie geschauten Schönheiten. Hulagu erlaubte ihm, hundert auszuwählen.
Mit sinkender Nacht kehrte Hulagu aus der Stadt wieder in's Lager zurück
und befahl dem Sundschak Nujan, die Schätze des Chalifen in Besitz zu
nehmen; die seit einem halben Jahrtausend aufgehäuften Schätze wurden rings
des Herrscherzeltes aufgeschichtet; die edelsten Wallfahrtsstätten, wie die
Moschee des Chalifen, die Grabstätte Musa's, die Grabmäler von Rossafa,
wurden geplündert; die noch übrigen Einwohner der Stadt baten durch
Scherefeddin von Meragha und Schihabeddin von Sindschar um Schonung und
Vergebung; da erging der Befehl, dass das Blutbad und die Plünderung
aufhöre, denn Bagdad sei sofort des Padischah's Eigenthum. [RN: 14.
Ssafer/20. Febr.] Hulagu zog nach einigen Tagen, der ungesunden Luft
willen, sein Lager auf einige Entfernung von der Stadt zurück; dann liess
er abermals den Chalifen in seine Gegenwart fordern. Der Chalife sagte zum
Wesir: Was ist zu thun? »Unser Bart ist lang«, antwortete dieser in
bitterer Beziehung auf das Wort des Diwitdar's, der, als der Wesir bei der
ersten Aufforderung Hulagu's gerathen, sich mit einer reichen Ladung von
Schätzen abzufinden, dem Chalifen sagte: »Der Wesir hat einen langen Bart«
(auf das arabische Sprichwort hindeutend: _langer Bart und kurzer
Verstand_). Der Chalife bat nun den Ilchan um die Erlaubniss, sich in's Bad
zu begeben, welche ihm Hulagu unter der Begleitung von fünf Mongolen
gewährte. Ich wünschte nicht, sagte Moteaassim, die Gesellschaft von fünf
Folterengeln, und declamirte einige Verse einer berühmten Kassidet, deren
Anfang:

    Wir wachten auf in einem Freudenhorte,
    Voll Paradieseslust und Pracht;
    Der Abend findet uns an einem Orte,
    Woran wir gestern nicht gedacht.

Am selben Tage, [RN: 14. Ssafer/20. Febr.] wo Hulagu sein Lager von Bagdad
zurückzog, wurde der Chalife, in einen Teppich eingewickelt, zu Tode
gerollt und unter den Hufen der Pferde zertreten; drei seiner Söhne und
seine fünf Begleiter wurden im Dorfe _Wakf_ hingerichtet, und am folgenden
Tage Alle die, so am Gülwadischen Thore zurückbehalten worden waren,
getödtet; der jüngste Sohn des Chalifen, Mubarekschah, wurde der Gemahlin
Hulagu's, der Frau Oldschai, zum Geschenke gemacht, welche ihm eine
mongolische Sklavin zur Frau gab und an Nassireddin von Tus nach Meragha
sandte. Am selben Tage mit dem Chalifen wurde der Wesir Alkami und der
Staatssekretär, Vorsitzer des Diwan's, Fachreddin von Demaghan in die Stadt
gesendet und Ali Behadir, der Steuereinnehmer, welcher das Heer während der
Belagerung mit Lebensmitteln von Baakuba aus versehen hatte, zum
Statthalter, der Emir Karakai Imadeddin von Kaswin zum Naib (Stellvertreter
des Richters) ernannt; dem Nedschmeddin Ebi Dschaafer Amran, der den
schönen Beinamen _Meliki rast_, d. i. des geraden Königs, führte, wurde die
Steuereinnahme über das östliche Gebiet Bagdad's anvertraut, und dem
Richter der Richter Nisameddin Abdolmumin die Aufrechthaltung der Polizei
aufgetragen. Ilka Nujan und Kara Buka wurden mit dreitausend Mann zur
Aufräumung des Schuttes und zur Beerdigung der Todten, zur Auferbauung der
verheerten Gebäude befehligt; ein vergeblicher Befehl, denn das alte Bagdad
erstand nie wieder in seinem vorigen Glanze; und als sechzig Jahre nach der
Eroberung der Geschichtschreiber Wassaf Bagdad besuchte, war nicht der
zehnte Theil der alten Gebäude und Bevölkerung vorhanden; dem _Ibnol
Alkami_ aber, dessen Verrätherei die Hauptursache des Ruins des Chalifats,
und welcher nur drei Monate die Eroberung Bagdad's überlebte, ward noch
allgemein geflucht, und an den Thoren der Moscheen und Medreseen war die
Inschrift zu lesen: _Gott verfluche den, der nicht fluchet dem Ibnol
Alkami_[303].

[Randnote: Gesandtschaften an Hulagu; Alkami's Tod; Bibliothekenruin.]

Von Hille, das der Sitz der Seide, Prophetenverwandten, hatte der
Vorsteher derselben, _Medschdeddin Mohammed Ibnol Hasan Ben Taus_ (das
erste Viertel dieses viertheiligen langen Namens heisst _Glaubensruhm_, das
letzte _Pfauensohn_) durch einen Gesandten ein Schreiben unterwürfigen
Inhalts an Hulagu gesandt[304]. Dieser entgegnete ihnen Diplom und
Geschenke durch Tekele und Ali von Nachdschiwan, welcher als Gesandter, der
Emir Alaeddin der Perser als Statthalter nach Hille gingen[305]. Ihnen
folgte auf dem Fusse _Buka Timur_, der Bruder der Frau Oldschai, um sich
Hille's, Wasith's und Kufa's zu bemächtigen. [RN: 10. Ssafer/16. Febr.] Die
Bewohner Hille's kamen ihm freundlich entgegen und erleichterten seinen
Marsch, indem sie Brücken über den Euphrat schlugen. Von den Bewohnern
Wasith's, das sich nicht unterwarf, wurden vierzigtausend niedergemetzelt.
Von Wasith zog Buka Timur gegen Chusistan, den Schereffeddin Ibnol-Dschewsi
mit sich führend, um durch denselben die Einwohner der Stadt _Schuster_ zur
Uebergabe zu bereden. Bassra und die Umgegend unterwarf sich gutwillig, der
Emir Seifeddin, der Bitekdschi, erbat sich hundert Mongolen als
Sicherheitswache für die Grabstätte Ali's zu Nedschef; nach Verlauf von
fünf Wochen war Buka Timur im Lager zurück. [RN: 19. Rebiulewwel/26. März]
Ein Monat nach der Eroberung Bagdad's wurden die Gesandten des Fürsten der
Ejubiden zu Haleb mit einem von Nassireddin von Tus aufgesetzten arabischen
Schreiben zurückgefertigt; es lautete: »Wir haben gelagert vor Bagdad im
Jahre sechshundert sechs und fünfzig und übel tagte der Morgen über die
Bewohner, und wir luden den Besitzer ein; er weigerte sich; da ward an ihm
das Wort erfüllt, und wir nahmen ihn gefangen. Wir laden dich ein zu
Unserem Gehorsam; wenn du denselben verweigerst, ist's dein Verderben. Sei
nicht wie der, der sich streitet um ein Aas, denn der Listige verliert, er
weiss nicht was, sonst wirst du seyn von den Verworfenen, welche ihren
Fleiss auf das irdische Leben wenden an, und die da wähnen, sie hätten
Etwas für's Künftige gethan; Heil dem, der wahrer Leitung folgt!« [RN: 11.
Rebiulachir/17. April] Hulagu befand sich in der zweiten Hälfte Aprils
wieder bei seinem schweren Gepäcke[306] zu Hamadan, wo er seine Gesundheit
pflegte, da er unwohl. [RN: 16. Rebiul. II./22. April] Fünf Tage später
erschienen Ilka und die anderen Emire zur Aufwartung; sechs Wochen hernach
starb Moejeddin Ibnol Alkami, [RN: 2. Dschem. II./6. Juni] welcher
wenigstens dem Namen nach die Wesirschaft von Bagdad beibehalten hatte;
nach dessen Tode erhielt dieselbe sein Sohn Scherefeddin. Wiewohl der Name
Ibnol Alkami's nichts anderes als der eines Verräthers auf den Zungen der
glaubwürdigsten Geschichtschreiber, so erfordert es doch unsere Pflicht,
als solcher auch des Ehrenvollen zu erwähnen, was eine andere, freilich
nicht sehr glaubwürdige Quelle von demselben meldet. Der Verfasser des
_Sittenspiegels der Herrschaft_[307], welcher sich im Seltsamen zu gefallen
scheint, sucht ihn von aller Schuld der Verrätherei rein zu waschen, indem
er den schlechten Ruf desselben einzig als Verläumdung und aus dem Hasse
und Neide der nächsten Umgebungen des Chalifen, welcher ihm sein ganzes
Vertrauen geschenkt, zu erklären bemüht ist; dass er des Vertrauens des
Chalifen nicht ausschliesslich genoss, erhellt schon aus dem, dass sein
Rath von dem seines Gegners, des Diwitdar's, überflügelt worden, und dass
ihm Hulagu nach Bagdad's Eroberung den Titel der Wesirschaft liess,
beweiset keineswegs, dass er kein Verräther. Wassaf, welcher ein halbes
Jahrhundert darauf seine Geschichte schrieb, bestätigt die Worte
Reschideddin's, seines Zeitgenossen, und entkräftet das angebliche
Vertrauen, das jenem Sittenspiegel zufolge Hulagu in ihn gesetzt haben
soll, durch das, was er bei dieser Gelegenheit über die löbliche Sitte
mongolischer Herrscher sagt: die Verrätherei und Anschwärzerei zwar zu
ihrem Vortheile zu benützen, aber den Verräther und Anschwärzer zu
verachten; seiner Verrätherei aus Niederträchtigkeit und
Leidenschaftlichkeit ungeachtet, kann Ibnol Alkami sehr wohl ein
gebildeter, selbst gelehrter Wesir, grosser Gönner und Freund der
Gelehrten gewesen sein, der eine Bibliothek von zehntausend Bänden besass,
deren viele ihm gewidmet waren; selbst der grosse Gelehrte Nassireddin
erscheint in nicht viel besserem Lichte, indem ihn gekränkte Eitelkeit zur
Rache an dem Chalifen durch den Ruin des Chalifats anspornte, und so stehen
der gelehrte Wesir und der gelehrte Astronom leider beide von Seite ihres
Charakters und ihrer politischen Grundsätze in höchst ungünstigem Lichte
vor den Augen der Nachwelt. Die zehntausend Bände der Bibliothek Ibn
Alkami's wurden, wie die der anderen Bibliotheken Bagdad's, von den
Mongolen entweder in den Tigris geworfen oder verbrannt; binnen zwei Jahren
der dritte grosse, für Bibliotheken verderbliche Brand, in welchem zu
Alamut, Medina und Bagdad die Werke östlicher Weisheit, welche die Welt
erleuchten sollten, ein Raub der Flammen. Durch diesen dreifachen
Bibliothekenbrand binnen zwei Jahren ging nur zu sehr in leidige Erfüllung
die Vorbedeutung des um zwei Jahre früheren Brandes der arabischen Wüste.

[Randnote: Irbil's grosser, wohlthätiger Fürst; das persische Königstein;
die Sternwarte von Meragha.]

Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu den _Oroktu Nujan_ zur Eroberung
Irbil's, der zwischen dem grossen und kleinen Sab, zwei Tagreisen von
Mossul gelegenen Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die
Bauten des erst vor acht und zwanzig Jahren[308] verstorbenen turkmanischen
Fürsten _Kewkebusi Ben Ebul Hasan Ali_ damals eine der blühendsten Städte
des persischen Irak. Dieser edle Fürst, von welchem die europäischen
Geschichtschreiber bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der
wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl seinen
doppelten Ehrennamen _Melik Moaasem Mosaffereddin_, d. i. des
grossgeehrten, durch die Religion siegreichen Königs. Täglich speiste er
Arme und kleidete sie im Winter; alljährlich sandte er Commissäre in die
Häfen, um Gefangene auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane mit
Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er die erste Wasserleitung
vom Aarafat und baute mehrere Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein
Dutzend wohlthätiger Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem noch
seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus für Findelkinder, eine
Anstalt für Ammen und Säuglinge, eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein
gemeines Krankenhaus, ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai,
in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet, sondern auch noch
ausserdem mit Reisegeld versehen wurden, ein Kloster, eine Medrese, an
welcher Muderrise für die beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine
Moschee, an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten mit einer
Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen ward, wie vordem und seitdem
nirgends. Von Mossul, Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher,
Prediger, Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen ganzen Monat
vor dem Feste waren zwischen der Moschee und dem Kloster zwanzig, drei
Stock hohe Dome aus Brettern aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter
declamirten, Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten.
Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin zu diesen
Domen, wohnte in der Nacht im Kloster dem Reigen der Ssofi bei und ging
nach dem Morgengebete auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine
unzählbare Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf den Platz
gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten, während der Nacht die Stadt
erleuchtet und am folgenden Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren
eine für die Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse
walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen des Gebets
abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische reichlich beschenkt.
Mosaffereddin wurde in der Nähe von Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge
Kasiun bei Damaskus in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner
Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen der
Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische Fürst von Irbil
wohl den Namen _des durch die Religion siegreichen, grossmächtigen
Königs_[309]. Das Schloss von Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten
Berge, während die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's (des
oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng [Engthor]), war
bereit, die Stadt zu übergeben; aber die Kurden gehorchten ihm nicht.
Oroktu begehrte Hülfstruppen von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der
sie ihm auch sandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten,
weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten, den Gebirgen zueilen
würden. Oroktu übergab die Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung
durch den Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte die
Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten Schätze mit dem
Siegesberichte seines Eroberungszuges an den Bruder Kaan, den grössten
Theil derselben aber speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem
Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa heisst) auf; eine
vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche Felsenmasse, welche den
englischen Reisenden Porter an den Königstein in Sachsen erinnerte und
welche ein Steiermärker die persische _Riegersburg_ nennen würde[310].
Bedreddin Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete dem Eroberer
Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha auf; [RN: 7. Schaaban
654/9. August 1258] ebenda _Atabeg Saad_, der Salghure, Herr von Fars, und
die beiden seldschukischen Prinzen von Rum, Isededdin und Rokneddin. Hulagu
war über jenen sehr ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu
schlagen gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin zur
Audienz mit einem Geschenke von einem Paar Pantoffeln, deren Sohlen sein
Portrait eingestickt war, und mit der Bitte dar, dass der Padischah auf
diese Weise ihn, den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln
möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt und auf die
Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen Gegensatz zu dieser niederträchtigen
Schmeichelei des Sultans von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen
Nassireddin von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte, dass, als
Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen, er auf die wider die
Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten Klagen geantwortet: _Ich kam
als Welteroberer und nicht als Welterhalter_[311]; Hulagu antwortete: Ich
bin, Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und kein
Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den ersten Beweis von der
Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu durch den Bau der Sternwarte von Meragha,
deren Grund jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung
vollendet ward. Vier Astronomen[312] von Damaskus, Kaswin, Achlath und
Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's von Tus, der an dieser Sternwarte
die ilchanischen Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die
früheren[313], ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers der
Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen Astronomen
Nassireddin's von Tus.

[Randnote: Herrscher Gross- und Klein-Luristan's]

Von den Fürsten, welche dem neuen _Ilchan_ oder Landesherrn nach Bagdad's
Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des Salghuren von Fars und des
Seldschuken von Rum, sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's,
welcher bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung
geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier
ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in unmittelbarer
Berührung mit der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder
erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren die Atabege von
Gross- und Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich
die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider
die letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche
vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den christlichen
Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte Herrscher der im
Geburtsjahre Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig
emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu
gegen Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und von ihm dem
Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers des Vortrabes, zugetheilt
worden. Nicht im Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz
des Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, hatte er
sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, der Truppen wider ihn
sandte. Schemseddin Alp Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder
an, sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu
erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze Luristan's fiel
Alp Arghun den mongolischen Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn
trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in
dem Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch Sendung des
Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward
er nach Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft
Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen
Schemseddin Alp Arghun verliehen[314]. In Klein-Luristan war die Herrschaft
der vor siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des
vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem Feldzuge
Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben stellte, von ihm die
Auslieferung seines Schwagers und mächtigen Nebenbuhlers um den Thron,
Suleimanschah's, begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort,
dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und Suleimanschah
erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud die von ihm begehrte
Familie des Schwagers. Er behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch
weise und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er
ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach dem aus
der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin
auswanderten; ein gerechter, eingezogener und besonders der
Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die _auserwählte Geschichte_[315]
rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf gepflogen und dass er
viertausend juridische, nach den Grundsätzen des Ritus _Schafii_
entschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre
nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft
Klein-Luristan's seine Söhne _Dschemaleddin Bedr_ (Schönheit der Religion,
Vollmond) und _Nassireddin Omer_ mit _Tadscheddin Schah_, dem Sohne des in
der Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser
Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, durch das
wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene Todesurtheil blutig
entschieden. Der Thron Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's,
_Tadscheddin_, zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang
behauptete, welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden
Söhne Bedreddin Mesud's, dem _Felekeddin Hasan_ und _Iseddin Husein_,
zugesprochen ward.

[Randnote: Könige Gross- und Klein-Armenien's.]

Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die Araber _Hatim_, die
Kreuzfahrer _Haithon_ nennen, hatte sich bei der Thronbesteigung Mengku's
über Kipdschak in das Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach
einer Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten
zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, geweihtem Scepter
in der Hand auf hohen goldenen Thron gesetzt[316], füllte er denselben
fünf und vierzig Jahre mit umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den
Fluthenschwall ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht der
Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem Vetter, dem
genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, Glauben
beizumessen wäre, hätte Mengku seinem Vetter König sieben vorgetragene
Begehren gewährt, aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens
gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen[317], verdächtigt auch
die Gewährung der anderen sechs Artikel. Vor ihm war schon sein Bruder
Sempad, der Connetable Armenien's[318], in's Hoflager gezogen, und ward nun
zum zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen Fürsten aus
der Familie _Awak_ anzuflehen, welcher, wie Arghun dem mongolischen
Statthalter, dem Sempad nach dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders
Hethum verwüstet[319]. Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun in's
Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen über seine
Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad fand ihn dort durch den Einfluss
seiner Feinde _Sewindsch_ und _Scherefeddin_ eingekerkert, welche Arghun's
Tod suchten, um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu Gunsten
der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; die Ankläger wurden
hingerichtet, Arghun und Sempad kehrten nach Armenien und Georgien
zurück[320]. Arghun brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das
bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den Reichen gelastet
hatte. Von nun an waren die Reichen mit fünfhundert Dinaren, die Armen nur
mit Einem besteuert[321]. Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad,
unterstützte ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen aus dem Hause
Awak, von denen David, der Sohn der Königin Russadan, sich wider die
Mongolen empörte. Hulagu sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen
zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward[322]. [RN: 657/1259]
Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände Georgien's zu
berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, hatte sich David zum
zweitenmale empört, weil die Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert
worden. Sowohl Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, als
Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien, dem cilicischen Reiche, erhielten
sich als Vasallen mongolischer Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank
dem Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau _Tokus_, welche
eine eifrige Christin, durch deren Einfluss nach Bagdad's Eroberung der
Patriarch der Nestorianer den Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des
Patriarchats erhalten hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die
Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter Moslimen auf
Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der Christen stattfand[323]. Die
Blutvesper von Tekrit ausgenommen, hatten sich die Christen mittels des
Schutzes der Frau Tokus nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen,
namentlich Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der von
Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz des ersten war die Stadt
_Ain_; am Zusammenflusse zweier Ströme, die in den Araxes münden, gelegen,
zählte sie im eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend
Kirchen[324]; die Residenz des zweiten, _Sis_, in Cilicien an einem kleinen
Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst[324], der Sitz des armenischen
Patriarchen. Der Pagratide Hethum und der Orpeliane Sempad standen beide
bei Hulagu als treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz zu
seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert kostbare
Reliquien in Gold und Silber fassen; so die Hirnschale des heil. Gregor des
Erleuchteten aus dem Kloster bei _Kaghseman_[325], das zwischen Karss und
Pasin am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, und den
Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er der berühmten Kirche von
Norevanch schenkte[326]. _Hethum_, schon durch die Lage seines Königreichs
ferne dem Hulagu und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher
Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der Kreuzfahrer durch
Vermählung seiner Töchter (mit dem Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem
Herrn von Ibelim) verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros,
im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den Sultan der
Mamluken, sowie hernach _Purthel_, der Neffe Sempad's, im Feldzuge Hulagu's
wider Kipdschak in der Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher
Gross- und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, als
die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es darf nicht Wunder
nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit der Pagratide _Hethum_ in den
Geschichten der Araber als ein zweiter _Hatim_ (das arabische Muster von
Freigebigkeit und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein zweiter
Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen Mährchen) durch seine Reisen
in's mongolische Hoflager figurirt.



Drittes Buch.

    Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain;
    Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von
    Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten;
    Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak;
    Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui,
    Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie
    der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars.


[Randnote: Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen
Dynastien.]

Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der Thron des Chalifats
war umgestürzt, die Fürsten von Fars und Mossul, von Gross- und
Klein-Armenien, von Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder
gezwungen gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des
Tigris war der Herrschaft des _Ilchan's_ unterworfen, aber hierdurch der
Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien
bis an den äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch
blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu erobern übrig. In
dem letzten dieser drei Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der
Ejubiden, welche sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit
der der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung
gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub hatten ihre
Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von
dem hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes
wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits
der Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche Syrien von
Aegypten trennt, _Miafarakain_ und _Hossnkeif_, bis nach _Damaskus_ und
_Karak_; inmitten derselben die von _Haleb_, _Hama_ und _Himss_. Wären
diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte Eines einzigen
starken Volkes und Muthes vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur
das Band aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden,
so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber auch immer aufrichtig
vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da
sogar Einzelne derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht
und den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang gehemmt;
aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im Herrscherhause Ejub nur
unter der ruhmwürdigen Regierung Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von
ihm gegründete Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht
vielgetheilt und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im
Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer Herrschaft zu
gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im Osten und Westen Asien's
emporgestiegene Herrschaft des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im
hellsten Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und
Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen strenge
Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher Macht gediehen wäre.
Zwar zeigten sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome der
Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste
Herrschaft, aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem
blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob
sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung von Macht
und Grösse, dergleichen die Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst
als die Bande der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der
Familieneinigkeit sich lockerten, begannen auch die Thronen der
mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder Uebermacht, wie jetzt
der mongolischen die Grösse des Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz
gedrillten Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu
gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben
im ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben.

[Randnote: Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.]

Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit
seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden,
vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war
die von _Haleb_, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten,
die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen
hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze
Syriens, zu _Kerek_, herrschten Abkömmlinge _Melikol-aadil's_ (d. i. des
gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu _Hama_ die Nachkommen
_Schehinschah's_, des Bruders Ssalaheddin's und _Melikol-aadil's_, und zu
_Himss_ die _Schirkuh's_, des Oheims der drei Brüder. _Melik Nassir Jusuf_,
der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters, _Melikol-asis_, Tode
schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während
seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's,
die Frau _Ssaffije_, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, _Manssur
Ibrahim_, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit
einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des
chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des
Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er
bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. [RN:
646/1248] Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's, _Melikol-eschref
Musa_, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er
demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der
Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von _Tell baschir_ gegeben. Im
folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein
Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des
ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. [RN: 647/1249] Als im nächsten
Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden
die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein.
[RN: 648/1250] Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern,
dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei
_Abbasa_, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog
zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der
Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher
der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht;
aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's,
die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die
Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain
herrschte _Melikol-kjamil_, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der
drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen
Stadt; der von _Hossnkeif_ war _Melikol Mowwahid_, der Ururenkel
Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod
den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin
die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's
Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die
Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif
seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und
Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf
ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem
mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger
Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und
von demselben _Jerligh_ und _Paise_, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des
Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet
betreten, hatte er heimlich unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber
nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten.

[Randnote: Aufbruch von Tebris.]

Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen Hamadan und von da über
Meragha nach Tebris gezogen, das von nun an die Hauptstadt von
_Aserbeidschan_ (dem alten Atropatene), von nun an auch die des neuen
mongolischen Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's; seitdem
heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umher _Paitachti Hulagu_, d. i. der
Fuss des Thrones Hulagu's. _Tebris_, d. i. das _warm Rieselnde_, hat seinen
Namen, der gleichbedeutend mit _Tepliz_, von seinen warmen Quellen; es
liegt auf der Westseite des Berges _Sehend_ mitten unter üppigen Gärten,
vom Flusse _Surchab_, d. i. Rothwasser, bespült. Es ist möglich, dass
_Tebris_ nur eine Verstümmelung des alten, beim Ptolemäus vorkommenden
_Gabris_; aber alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der
Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse Frau _Sobeide_.
[RN: 175 (791)] Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer Erbauung vom
Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen Motewekkil wieder erneuert
[RN: 245 (857)] und zweihundert Jahre später vom Erdbeben gänzlich in
Schutt gelegt. [RN: 434 (1042)] Der Astronom _Abu Tahir_ von Schiras hatte
das Erdbeben für die Nacht, wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner
der Stadt, dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine Warnung,
aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben, wurden unter
denselben begraben. Der neue Bau ward unter der Leitung des genannten
berühmten Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch für
immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben abzuwenden; »und
wirklich«, sagt Hamdallah Mestufi, der persische Geschichtschreiber
Geographe, »haben in den seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal
Erdbeben stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so dass die
Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern nur von Ueberschwemmung
fürchtet«. Zahlreiche, seitdem gegrabene Kanäle und unterirdische
Wasserleitungen gewähren dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furcht
verschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende kleine Fluss _Mehranrud_
vertheilt sich in mehr als hundert solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt
zu bewässern; die Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu
Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier den Befehl
erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit der Axt keinen merklichen
Unterschied hervorbrachte, so dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die
schöne und fruchtbare Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der
Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch üppigen Baumwuchs
mit den Zauberthälern von _Soghd_, _Damaskus_, _Schaabbewwan_ und mit der
Ebene von _Mamschanrud_ bei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel, Birnen,
Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne Kern sind vortrefflich; die
Einwohner blühender Gesichtsfarbe, gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth,
aber durch Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der persische
Viervers gang und gäbe:

    Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut;
    Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut.
    Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut,
    Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut.

Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris:

    Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein.
    Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n;
    Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein,
    Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein.

Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan von jeher
wissenschaftliches Streben kund gegeben, und schon Abu Tahir sagte:
Aserbeidschan ist im Osten, was Andalus im Westen, durch philologischen und
medicinischen Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren Ruhm die
Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden derselben, wird unter
der Regierung Ghasan's, dessen Grabdom noch heute die schönste Ruine der
Stadt, zu sprechen der Ort sein[327].

[Randnote: Marsch Hulagu's bis Roha.]

Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu Freitags den zwölften
September gegen Syrien auf. [RN: 22. Ramasan 657/12. September 1259] Vor
seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen Bedreddin Lulu, den
Herrn von Mossul, ihn seines hohen Alters willen der persönlichen
Erscheinung im Felde enthebend, aber dafür die Gegenwart seines Sohnes
Ssalih fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür mit der Hand
einer Tochter des letzten grossen Sultans von Chuareſm, _Dſchelaleddin_.
Seinen Feldherren _Baidſchu_ und _Schiktur_ übertrug er den Befehl des
rechten, anderen Emiren den des linken Flügels, er selbst führte das
Mitteltreffen an. Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die
persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von Karakorum an bis an
den Oxus nach den chinesischen Berichten gefolgt sind. Auf der Westseite
des Ararat, zwischen demselben und Erſerum, südlich von _Hasan Kalaa_,
erhebt sich das Gebirge _Alatagh_, d. i. der bunte Berg, in welchem
herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des Euphrat's, nämlich
die des _Muradſsuji_, welcher hier aus mehreren Bächen zusammenströmt[328].
Hulagu fand so grosses Wohlgefallen an den Weiden von _Alatagh_, dass er
denselben einen mongolischen Ehrennamen beigelegt[329]. Von hier wandte er
sich südwärts nach _Achlath_, der auf dem nördlichen Ufer des Sees von Wan,
gegenüber des Schneegebirgs _Siban_, gelegenen Stadt, die eine uralte,
schon zu Nuſchirwan's Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den
Byzantinern Chliat genannt[330], berühmt durch die Grösse seiner Aepfel,
deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren Flor verheerte zuerst der
Einfall Chuareſmschah's und zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben. [RN:
626/1228] Seid Husein von Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften
tief gelehrt, hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das
Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend Familien nach
Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätte und noch das Stadtviertel der
Achlather das Andenken an diese Ansiedelung bewährt[331]. Die Kurden des
Stammes _Hakkjari_, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere wie scheues
Vieh verfolgt und getödtet[332]. Als das Lager zu Diarbekr, beschloss
Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung Mesopotamiens, um auf dem Marsche
gegen Syrien den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain[333],
Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit keine Folge
geleistet, sondern auch einen syrischen Priester, welcher während der
Belagerung Bagdad's mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet
worden, gekreuziget[334]. Der Prinz Jaschmut[335] und Suntai Nujan wurden
die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn Bedreddin Lulu's sandte Hulagu
gegen Amid, das heute unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte
sich nach _Roha_, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab; _Harran_ und
_Niſsibin_ wurden mit Gewalt genommen und verheert; die Einwohner von
_Serudsch_, die keinen Boten der Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu
Roha schlug er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen,
Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken Rum's; auch an
Nassir, den Sultan von Haleb, sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn
persönlich in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn
Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn den ganzen Winter
hindurch bei sich und sandte ihn erst im nächsten Frühjahre nach Ostern an
den Vater mit der lakonischen Botschaft zurück: »Nicht dich haben wir
begehrt, sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen wir zu ihm«.
König Hethum erschien an der Spitze einer grossen Anzahl gewaffneten
Gefolges; ein nicht zu verachtender Bundesgenosse, denn er war zwölftausend
Reiter und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen im Stande[336].
Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit Haleb's auseinander und bewog
ihn zu dem Entschlusse (oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen
Städten nach Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König scheint zu
diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der Kreuzfahrer und zunächst das
seines Schwiegersohnes, des Herrschers von Antiochien, des nächsten
Nachbars Haleb's, bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und
Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass dieser Herr der Länder
zwischen Cäsarea und Grossarmenien, jener Herr Kleinasiens bis an's
mittelländische Meer. [RN: 20. Juli 1259] Von hier aus wurde ein
Botschafter mit dem berühmten, von Nassireddin mit allem Schmucke
morgenländischer Rhetorik geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches
Wassaf sammt der Antwort gibt, wie folgt:

»Gott, der Ernährer der Himmel und Erden«, so kündet der siegreiche König:
»Wir haben gelagert vor Bagdad im sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre,
wir haben den Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da er
bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten. Er geizte mit seinem
Gold, und so kam die Sache dahin, wie sie es gesollt; er opferte kostbare
Seelen den irdischen Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf.
Sie hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald ein Ding
vollkommen, hat es auch schon abgenommen, aber uns kann noch der Wachsthum
frommen. Hernach sollen wissen die Fürsten, die siegreichen, _Seifeddin_
(das Schwert des Glaubens), _Ihn Jaghmur_ und _Alaeddin El-Koscheimri_ und
die übrigen Emire Syriens und Truppen: Ich bin ein Kämpe Gottes, den er
erschaffen in seinem Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet.
Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch an den Erschlagenen
zu ersehen. Werdet durch fremden Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der
Vorhang aufgezogen wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wir erbarmen
uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden mit der Klage; Gott hat aus
Unserem Herzen gerissen die Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen,
die nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder verheert mit
Macht und die Kinder zu Waisen gemacht. Wir haben über die Erde Verderben
gebracht; an euch ist die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde,
die euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte? Ihr werdet
Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet keine Rettung vor Unseren
Pfeilen; Unsere Pferde sind vorauseilende, Unsere Schwerter
leiberzertheilende und Unsere Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten
Herzen halten wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar
wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und wer wider Uns
kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser Reich wird von keinem Andern begehrt
und das Land Unserer Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere
Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet, so ist Unsere
Sache die eurige, und die eurige die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und
euch wider Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet hernach
nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende: _was erwerben eure Hände_. Wer
voraus droht, ist entschuldigt durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden
unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt, und Unsere Heere
werden vom Kampfe nicht abgewehrt. Euere Bitten werden von Uns weder
erhört noch angehört, denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den
Glauben vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl
verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und der Passion und es waltet in
euch der Neid und die Rebellion. Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der
Erniedrigung und Verachtung. _Heut empfangt ihr den Lohn euerer Verachtung,
weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden ohne Wahrheit[337], für euere Laster.
Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden
umgewälzt werden._[338] Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die
Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die Lasterhaften. Uns
hat auf euch losgelassen Er, in dessen Hand die Geschäfte, die geleiteten,
und die Gebote, die von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer
euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht Uns Wenig. Wehe
und Furcht dem, der sich vor Uns gross macht, und Sicherheit und Verzeihung
dem, der erzittert Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen im
Osten und Westen und die Güter der Reichsten und Besten; wir haben sie
zerstaubt und alle Schiffe geraubt. Unterscheidet mit eurer Vernunft das
Wahre und Klare, und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass
die, so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet die Funken,
ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken, ehe grosses Unglück bei
der Hand, und Niemand lösche den Brand; _weisst du, was das sei, flammender
Brand?_ ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr weder
Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der Ausrufer des Verderbens
auch mit den Worten des Korans ruft: _Ist einer von ihnen zu finden, ist
von ihnen zu hören der geringste Laut._[339] Wir sind billig gewesen, indem
Wir euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf, ehe die
Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid. Stellt auf Sternwarten
euere Beobachtungen an, eh' der Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und
wenn ihr leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang der Sura:
_Nachl_[340], und das Ende der Sura: _Ssad_[341]. Wir haben Perlen des
Worts ausgestreut, und die Antwort wird zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu
Theil dem, der verdient Heil.«


Antwort.

»_Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer des Reichs, es
wird gegeben das Reich, wem er will_; es hat uns seine Vorsehung geleitet,
Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn der
Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed den Propheten, den
Ungebildeten[342], und seine ganze Familie. Antwort auf das Schreiben,
welches kündend gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle des
Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen und derselben die
Annahme des Rechten und Wahren verleihen!). Hochdieselben sind, wie sie
sagen, erschaffen aus Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht
seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen, oder für die
Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil Hochdenselben Gott aus dem Herzen
gerissen das Erbarmen. Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und
nicht der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider euch und
von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend die Vernünftigen von euch.
So sagt der Koran: »_O ihr Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet
an!_« Ihr habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben,
und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten beschrieben, und alle
Propheten haben Euer erwähnt. Wir haben von euch Kunde seit der Zeit, wo
ihr erschaffen worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr
dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch nicht den Drängern
gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir (die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht
und das Gemeinwesen heruntergebracht, den Glauben gebrochen und alle Laster
verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht Pharao sich die Rolle des
Ermahnenden angeeignet und zugleich das Gesetz geläugnet? -- Wir halten
fest auf der Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und Aeste; Wir
sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmen das Schädliche nicht an und
legen den Zweifel in Bann. Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige
Gott sieht Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen Worts
vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist. Es ward für euch das
höllische Feuer erschaffen, um eure Hartherzigkeit zu strafen.

    Wann sich spaltet der Himmel,
    Wann die Sterne sich zerstreuen,
    Wann sich mischet der Meere Getümmel,
    Wann die Gräber ihre Todten ausspeien;
    Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.[343]

Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen, reissenden Thieren
mit Streichen von Rappieren und Recken mit Stöcken. Unsere Pferde sind
blitzende, Unsere Bogen ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere
Schultern festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und Westen;
Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen, und Unsere Reiter
erreichen den Feind, sobald sie sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden,
wann sie treffen, und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im
Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist Unsere Brust;
Unsere Herzen werden durch keinen Unfall erbittert und Unsere Versammlung
keiner Drohung erzittert durch die Kraft des Allgeehrten und
Alllobenswerthen! Durch Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch
Anrücken des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten, so
ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir tödten, so ist diess ein
Kapital von Gewicht. Zwischen Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine
Stunde[344]. Ihr sagt: »Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und
Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand«. Den Fleischer die Menge der Schafe
nicht erschreckt, und vieles Holz wird durch einen kleinen Funken in Brand
gesteckt. Werden Wir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen?
Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der Schmach und
laufen lieber dem Tode nach; der Tod in dieser Welt ist, was Uns am meisten
gefällt; wenn wir leben, sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer
glückselig: _Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?_[345] Nach
dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger des Propheten Gottes,
des Herrn der Welten, fordert ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht
und gehorchen euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten) nachzufolgen,
genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden, die schädlichen, und die
Phantasien, die leeren. -- Ihr begehrt von Uns, dass Wir Uns euch ergeben,
ehe sich die Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben. Das
sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel keimt. Wenn die Decke
aufgezogen würde und niedersänke des Looses Bürde, so würde sich's zeigen,
was grössere Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der Bruch nach
der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung, oder Gehorsam geschworen den
Idolen und die Vermessenheit, sich einen zweiten Gott zu holen: _Ihr habt
eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass die Himmel
klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte der Berge Bogen._[346]
Sagt eurem Schreiber, der diese und diese Worte angefasst und dieses
Schreiben verfasst: Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die
Uebertreibung deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie des Thürangels
Hummen und der Fliegen Summen; du hast des Islams Gnade zu leicht genommen,
und es wird Gottes Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch
das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel und die
lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck war, in Vorschein zu
bringen deine Beredtsamkeit und zu zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der,
von dem der Sprechende spricht: _Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten,
aber es fliehen dich der Dinge Gestalten._ Du hast geschrieben den Text:
_Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden
umgewälzt werden._[347] Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort: _Gottes
Geschäft ist gekommen, beschleunigt es nicht_, der König _Nassir_ und
_Jaghmur_ und _Alaeddin Koscheimri_ und die übrigen Emire Syriens achten
nicht das Feuerschlagen zwischen Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern
der Rosse und das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen
Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund zuzugesellen, euch die
Haare, welche über die Ohren niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu
kürzen; sie sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das eure
Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und Histörchen zu
componiren und Lügen einzustudiren. Wir sind nun im letzten _Ssafer_ und
Unsere Verheissung kommt (als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt
für den, wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch
geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach sitzen geblieben; Wir
sagten, was zur Hand, und entschuldigen den, der zu schwach zum Widerstand.
Heil!«

[Randnote: Marsch bis Haleb.]

Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt, trat er erst im Herbste
des Jahres zwölfhundert neun und fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf
vier Punkten wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier Orte
sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte, nämlich zu
_Malatia_, _Kalaatol Rum_, _Bire_ und _Kirkesia_, alle vier als Uebergänge
des Euphrats schon aus der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte
bekannt. _Malatia_, das alte Melitene, _Kalaatol Rum_, d. i. das
Römerschloss, an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband,
_Bire_, das alte Birtha, und _Kirkesia_, ganz unverändert das alte
_Kirkesion_. Das erste Blutbad hatte zu _Menbedsch_, dem alten Hierapolis,
statt, dessen heutiger Name aus dem alten _Bambyce_ verstümmelt; die beiden
alten Namen enthalten schon statistische und historische Kunde der Stadt,
die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen und ihre Tempel, besonders den
der Astarte, der grossen syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte
Thürme erhoben, Thürme, die heute _Minarete_, d. i. Leuchtthürme, genannt,
ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung. Von hier aus wurden die
Castelle am Euphrat, deren Einwohner alle unter dem Schwerte fielen, mit
Besatzungen versehen, nämlich: die Schlösser _Nedschm_, _Rakka_ und
_Dschaaber_. _Nedschm_ heisst das Sternschloss; _Rakka_ hat in der
römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike oder Nicephorium
schönen Sieg verkündenden Namen, _Dschaaber_ aber in der osmanischen die
grösste Wichtigkeit, weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's
über den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers des
osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem Heere Tschengischan's
auswandernd, flüchtete, hier bei'm Uebergange über den Euphrat vom steilen
Ufer in den Fluss stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter
dem Namen des Türkengrabs geehrt wird[348]. Noch im October[349] streiften
ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft von Haleb, wo ihnen Moaasem,
der Sohn Nassir's, der Urenkel[350] des grossen Ssalaheddin, entgegen kam,
aber von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des Heeres
rückten vor _Maarretnaaman_, _Hama_ und _Himss_, welche sich ergaben; die
Sultane der beiden letzten Städte waren nach Aegypten entflohen, so auch
_Melik Nassir_, der Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien,
nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich gutwillig, aber
Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbst lagerte vor dem westlichen
Thore, das nach Antiochien führt, Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden,
Keitbuka Nujan vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem
südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das auch Thor der Freude
heisst, ist ein grosser[351] alter Stein, bei welchem Juden und Christen
schwören; ausser demselben wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei
Stätten Chiser's, des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit
der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten Abraham's,
dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen[352], eine Legende
entstanden aus der Verstümmelung des alten Namens _Chalybon_ in _Haleb_,
was auf arabisch Milch heisst. Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch
seinen Handel von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen,
Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine Pistazien, welche der Araber
die _Tochter des Gedächtnisses_[353] nennt, weil sie gegessen das
Gedächtniss stärken sollen; als Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch
das kleine Indien genannt.

[Randnote: Eroberung von Haleb und Harim.]

Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, der Sohn Nassir's,
an welchen die Aufforderung der Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts
Uebles, lautete die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um uns
zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an, deren einer in der
Stadt, der andere im Schlosse residire, so lange noch das Kriegsglück
unentschieden; wenn wir das moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns
ohnedies als Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als
später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es euch immer frei,
unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn ihr lieber wollt, sie zu tödten.
Moaasem's Antwort war eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen
Nichts, als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten die
Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei deren Vertheidigung
Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes Nassireddin's, fiel. Das Schwert
wüthete durch fünf Tage, von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem
Morden Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere
Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen[354], nämlich
vier Häuser von Prälaten, das Kloster der Ssofi und die Synagoge der Juden,
aber weder die griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch,
der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge
beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu im Sternschloss
aufgehalten ward, drangen die Tataren in die Stadt ein und metzelten die
Christen nieder, die sich in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf
wenige, welche der armenische Priester Toros rettete[355]. Das Blutbad war
gross und grösser, als zu Bagdad[356]; die Zahl der in den verschonten
Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend[357]; das Schloss ward
mit Wurfmaschinen beschossen. Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und
Ssadik Gurdschi wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie die
rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke der Männer das
Blut[358]. In dem Schlosse wurden Mehrere, als des Einverständnisses mit
den Mongolen verdächtig, getödtet; über zwei Monate[359] hatte die
Belagerung gedauert, als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. [RN:
11. Rebiulachir 659/6. April 1261] Die Emire der ägyptischen Mamluken,
welche sich unter der Besatzung befanden, wurden der Sorge eines
Kipdschaken empfohlen, welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's,
Schutz gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil es ihm in
Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen war. Ausrufer
verkündeten, dass es den Moslimen erlaubt sei, in ihre Wohnungen
zurückzukehren, und dass ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu
ernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und Tokal Bachschi, liess
den ersten in der Folge, als sich die Einwohner über seine Erpressungen
beklagten, hinrichten, und gab die Stelle dem Seineddin Hafis[360]. Nun kam
Melikol-Eschref Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie vordem gesagt
worden, die väterliche Stadt weggenommen und ihm dafür Telbaschir gegeben
hatte, und der mit Nassir und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus
Haleb nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend zu Füssen zu
werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte ihn in das ihm entrissene
Fürstenthum von Himss wieder ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn
Seki's, der Richter von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt
darzubringen; Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach Damaskus mit
goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten zurück. Er theilte dieselben
dort in öffentlicher Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm
die Stelle als Richter von Damaskus verlieh[361]. Nachdem Haleb's
Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, welches unter
dem Namen _Harim_ aus der Geschichte der Kreuzzüge bisher besser als seine
Lage bekannt, durch mehrere Schlachten berühmt; von den Christen
eingenommen, von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der
Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss[362]. Es liegt zwischen
Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von jenem und eine von diesem
entfernt, und ist besonders seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt,
welche die saftigsten Syriens[363]. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich
an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter des Richters) von
Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, ihre Uebergabe im Namen Hulagu's
empfing; diesen aber wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr,
dass er trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib und Kind
erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol Eschref, sandte er nach Hama,
dessen Emire, nachdem ihr Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus
geflüchtet hatte, dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um
einen mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir Chosrewschah,
der seinen Stamm vom Schwerte des Islams von Chalid, dem Sohne Welid's, dem
berühmten Feldherrn der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens,
herleitete[364]. Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, die Mauern
Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu zerstören. Melikol Eschref
verfuhr schonungslos zu Hama, wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das
Arsenal verbrannte, die schöne Bibliothek versteigerte und auch die Mauern
der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein Franke dem mongolischen
Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, vorgestellt, dass die Nachbarschaft der
Christen zu _Hossnol Ekrad_ es nicht rathsam mache, die Stadt ihres Walles
zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol Eschref die Befehle Hulagu's
in seiner eigenen Stadt Himss, wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein
übriges Erbe verschonend[365].

[Randnote: Miafarakain.]

Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter verfolgen, wenden wir
uns nach Mesopotamien zurück, wo Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn
Jaschmut mit einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain
gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. _Miafarakain_, das
südlich demselben gelegene _Hossnkeif_ und das noch südlichere, am Berge
_Dschudi_ oder _Masius_ gelegene _Mardin_, das alte _Merde_, drei der
festesten Horte des arabischen Irak und Gränzfestungen des byzantinischen
und persischen Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser
Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch _Nefrgerd_, auf
griechisch die _Stadt der Martyrer_ geheissen, ist vielleicht das alte
_Carcatiocerta_, welche die Hauptstadt _Sophiene's_, wie Miafarakain die
Hauptstadt des Landes Bekr's war[366]; sie liegt am dritten Gränzflusse des
byzantinischen und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss
heisst[367] und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt, welche die
Quelle _Bekr's_ heisst[368]. Die orientalischen Geographen nennen nur ein
einziges Denkmal der Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum
Ruhme der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem Dunkel
unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den armenischen und griechischen
Namen hat; es ist das Grabmal _Seifeddewlet's_, d. i. des Reichsschwerts,
des grossen Fürsten der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und
unglückliche Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten in
Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die Geschichte erzählt und
Motenebbi in unsterblichem Gedichte verherrlicht hat. Hier ist das
eigentliche Land Bekr's, von welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid
oder Diarbekr, den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz des Stammes
_Bekr Ben Wail_, dann der Könige von _Kinde_, aus welchen _Amrolkai's_,
einer der sieben grössten Dichter vor Mohammed, um des von den Beni Esed
erschlagenen Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen Kaisers,
zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten Kleides getödtet.
Nach der Eroberung unter dem Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien
der _Beni Merwan_ und _Beni Ortok_, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain
belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in den Händen eines
Zweiges der Beni Ejub, deren vierter Herrscher, Melikol Kjamil, durch die
Hinrichtung des Gesandten und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter
die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz Jaschmut mit den
beiden ihm untergebenen Feldherren, _Ilkai Nujan_ und _Suntai_, zur
Uebergabe aufforderte, antwortete er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen
schmieden und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des Vaters,
der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), dem Chalifen von Bagdad,
dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber von Deriteng) und dessen Sohne
Tadscheddin (dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen[369]
und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat? Da mich
gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich mich bis auf den letzten
Odemzug vertheidigen. Er öffnete seine Schätze und Magazine der Besatzung
und sagte ihnen: Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der
Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads Ruin. Wurfmaschinen
wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt und zwar mit so grosser Genauigkeit
der Richtung der einen gegen die andere, dass die geschleuderten
Felsenstücke mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch den
Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten. Endlich
gelang es den Belagerten, die Wurfmaschinen der Belagerer mittels
geschleuderten Naphtafeuers zu verbrennen.

[Randnote: Eroberung von Miafarakain und Hossnkeif.]

Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet, sandte den Oroktu
mit dem Befehle, dass der Prinz und das Heer so lange weile, bis die Stadt
durch Hunger zur Uebergabe gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat
ein; einen ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde,
Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. Da schrieben
die wenigen, noch vom Tode Verschonten an Jaschmut: »Die Lebensmittel sind
ausgegangen und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt die
Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.« Der Prinz sandte den
Oroktu, und dieser fand nur siebzig halb verhungerte, halb durch Wunden
verstümmelte Männer, die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei
Reiter, die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen Wunder
der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun mit vorgehaltenen Schilden gegen
der Feinde Uebermacht, bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit
seinem Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das Turbeysel
der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu überhäufte ihn mit Vorwürfen
über seinen Undank und seine Treulosigkeit, dass er den Gesandten des
Kaan's, der ihm Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm
Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den Mund zu stecken; der
abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe in den syrischen Städten zu Haleb,
Hama und Damaskus unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an
einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses heisst,
aufgehängt[370], erst nach Abzug der Mongolen in dem Grabmale Husein's
beigesetzt. [RN: 7. Dschem. ewwel 658/21. April 1260] Der Scheich
Schihabeddin, als Dichter unter dem Namen _Abu Schama_, d. i. Vater des
Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in einer berühmten Kassidet,
woraus die Verse:

    Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,
    Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;
    Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,
    Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.
    Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,
    Womit auch das _Husein's_ ward gefahren;
    Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;
    Im Leben und im Tode gleich Verfahren.

Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte sein Vetter
Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten Sultans der Beni Ejub in
Aegypten, der Herr des festen Schlosses von _Hossnkeif_, welches zur selben
Zeit wie Miafarakain fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen
getödtet ward. _Hossnkeif_ oder _Hissnkeifa_, von den Byzantinern das
Schloss des _Kiphas_ genannt[371], liegt auf dem westlichen Ufer des
Tigris, auf dem Wege von Miafarakain nach Mossul[372]. Die Stadt hängt mit
dem auf einem hohen Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen;
bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte, hiess es bei
den Arabern _Rasol Ghul_, d. i. das Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild
des Perseus das Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls
_Dämonenhaupt_ nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht. Nach
der arabischen Legende soll der Name Hossn oder Hissn Keifa ursprünglich
_Hasan Keifa_ gelautet haben, und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer,
Namens Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim Emire eines
Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf dem Schlosshofe zu tummeln;
die Erlaubniss wurde gewährt; Hasan tummelte und tummelte das Pferd und
setzte damit zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem Pferd
hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich durchschwamm. Da erscholl
der Zuruf der Bewunderung solcher Tollkühnheit: _Hasan Keifa!_ d. i. Hasan
Wohlauf! und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe mit dem
alten persischen _Schlosse der Vergessenheit_, worin Prinzen und andere
Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit eingekerkert worden, und dessen die
byzantinischen Geschichtschreiber mehrmals erwähnen[373]; da aber jenes auf
persisch _Gilgerd_[374] genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher, dass
dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser der Assassinen, mit
_Girdkjuh_, dem _Tigado_ Hethum's[375], das länger als alle anderen
aushielt[376].

[Randnote: Mardin's Belagerung.]

Nach Miafarakain's und Hossnkeif's Eroberung befehligte Hulagu seinen Sohn
Jaschmut und die ihm beigegebenen Emire wider Mardin, die Residenz Melik
Said's, des Fürsten der Familie Ortok, von denen die ältere Linie zu Amid
und auch zu Hossnkeif geherrscht, ehe das letzte in den Besitz der Ejubiden
kam. Mardin ist das alte Marde, der Sitz des kriegerischen, störrigen
Stammes der Marden, welche der persische König _Arsaces_ theils hierher,
theils nach dem Libanon verpflanzte, deren Wohnsitze sich später bis nach
Satalia an der cilicischen Küste ausdehnten[377] und deren Nachkommen, im
Peloponnesos angesiedelt, noch heute in dem tapfersten Stamme der Schipetar
oder Albanesen in den Mirdaiten fortleben. Der Berg _Masius_, sogenannt von
seinen Eichenwäldern [auf persisch Masu[378]], ehemals _Izale_, dann von
den Arabern Dschudi genannt, ist eine Raubhöhle der verschiedenartigsten
Stämme und Secten, welche zu verschiedenen Zeiten die Freiheit ihres
verfolgten Cultus in die Eichenwälder und Schluchten dieses Berges
gerettet, an dessen steilstem Ende nach der moslimischen Ueberlieferung die
Arche Noah's sitzen geblieben und von wo aus er mit seinen Söhnen in die
Ebene Mesopotamiens heruntergestiegen sein soll. Sunni und Schii,
katholische und schismatische Armenier, Jacobiten, Nestorianer, Chaldäer
und Juden, Sonne-, Feuer-, Kalbs- und Teufelsverehrer wohnen hier einander
über den Köpfen; denn die Stadt steigt in Terrassen auf und die Häuser
stehen alle eines ober dem anderen, so dass Dächer und Thore in einer
senkrechten Linie sich übereinander erheben; die zahlreichste Bevölkerung
Kurden, Jesidi, welche dem Teufel göttliche Ehre erweisen, wahrscheinlich
Nachkommen der Marden, welche vermuthlich zur altpersischen Secte gehörten,
die das böse Princip anbetete. Wenn irgendwo in Asien noch Spuren der
Ungarn anzutreffen sein sollen, so dürften dieselben ausser Sibirien noch
in den Eichenwäldern des Masius in dem Volksgemische der Umgegend zu suchen
sein, denn hierherum kennt Theophylaktus das Schloss der _Magyaren_ und den
Pass der _Sabiren_, welche die Namen der Ungarn, die bei dem Auszuge aus
dem Lande zwischen der Wolga und dem Dniepr sich südlich nach Persien
wandten[379]. Melik Said, Fürst der Familie Ortok, beantwortete mit
gleichem Muthe und in gleichem Sinne, wie die Herren von Miafarakain und
Hossnkeif, die Aufforderung Jaschmut's: »Ich hatte den Sinn, mich euch zu
unterwerfen, aber die Art, wie ihr die, so sich euch ergaben, behandelt,
hat meinen Sinn geändert; an lobenswerthen, an tapferen Kurden und Türken
fehlt es mir, Gott sei Dank! nicht.« Oroktu pflanzte also die Wurfmaschinen
auf, welche acht Monate fruchtlos die steile Bergfeste beschossen. Die
Mongolen rächten sich für den tapferen Widerstand des Schlosses durch die
Plünderung der Stadt und der nächstgelegenen Städte Ersen und Dinsar. Der
ältere der beiden Söhne Said's, Mosafereddin, hatte zu wiederholtenmalen
dem Vater fruchtlose Vorstellungen wider die längere Vertheidigung gemacht;
endlich räumte er dessen längeren Widerstand durch Gift aus dem Wege und
begab sich in's Lager, sich selbst als Vatermörder aus Menschenliebe
angebend, weil er überzeugt, dass das Schloss doch endlich der Uebermacht
der Eroberer weichen müsse, durch den Tod des Einen das Leben von Tausend
habe bewirken wollen. Der Vatermörder fand Gnade vor Hulagu, der ihm des
Vaters Herrschaft verlieh; seine Nachkommen erhielten dieselbe als zahme
Vasallen der Ilchane. Hundert dreissig Jahre nach dieser Unterwerfung
trotzte Sultan Isa, der letzte des grossen Herrschergeschlechtes der Beni
Ortok, noch den welterobernden Waffen Timur's, der von den fruchtlos
Belagerten die gewöhnliche Neunzahl der Geschenke und das Versprechen
jährlichen Tributs annahm[380]. Die Dynastie der Beni Ortok erlosch fast
gleichzeitig mit der der Beni Ejub zu Hossnkeif, wo nach Mowwahid's
Hinrichtung dessen Nachkommen das Schloss ebenfalls als Vasallen der
Mongolen besassen, bis der achte derselben der aufsteigenden Dynastie der
Bajandere, d. i. des weissen Hammels, erlag, deren Gründer _Kara Juluk_,
d. i. der schwarze Blutegel, von Timur mit der Herrschaft von Amid und
Mardin belehnt ward[381]. Zwei der Zweige der Beni Ejub wurden also als
Vasallen der Mongolen zu _Hossnkeif_ und _Himss_ geduldet, während die
Dynastien der beiden anderen von _Miafarakain_ und _Haleb_ mit ihren
Hauptstädten zu Grunde gingen. Ehe wir das Ende des mächtigsten dieser
Fürsten, nämlich Nassir's von Haleb, als Folge der Niederlage von
_Aindschalut_ erzählen, erwähnen wir noch einmal des Fürsten von Mossul.

[Randnote: Ssalih's, des Sohnes Bedreddin Lulu's, Empfang und Ende.]

Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige[382] Greis, der vierzigjährige
Herrscher von Mossul, welchen Hulagu in Anbetracht seines hohen Alters der
Pflicht, im letzten Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner
statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's beizuwohnen,
aufgetragen hatte, war während derselben gestorben. Bedreddin Lulu, d. i.
Vollmond-Perle, erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann
Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und Mahmud, eignete sich,
nachdem sie bald auf einander gestorben, den Thron selbst an und mass seine
Macht mit der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih
Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar, das er zweimal
belagerte; das erstemal war er durch das dem Sultan zu Hilfe eilende Heer
Chuaresmschah's die Belagerung aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber
entriss er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, _Dschewad_; hierauf die
festen Städte _Nissibin_ und _Dara_ den Händen der Chuaresmier, den Sohn
Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten Herrscher der Beni Ejub in
Aegypten, aus der Gefangenschaft der Chuaresmier befreiend. [RN: 637/1239]
Zehn Jahre hernach wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten
Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen[383]. Seiner Unterwürfigkeit und
Huldigung gegen Hulagu ist schon oben Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode
wurden seine drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid, von
Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern von _Mossul_,
_Sindschar_ und _Dschesiret Ben Omar_ belehnt. Ssalih wurde in's Lager
gefordert und die Tochter Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu
früher vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort nahm sich
seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte den Senedarghun Nujan mit
einem Tomane mongolischen Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze
auszuliefern. Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege von
Mongolen besetzt; er verweilte zu _Dschewsak_, wo ihn die mongolische
Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben aufschreckte; da eilte er nach
Mossul und rüstete die Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die
Einwohner mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer, _Beidak_ der
Syrer[384], bald zum Entsatze erscheinen werde. Von beiden Seiten flogen
Felsenstücke und feuerbeschwingte Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche
bereits die Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe in's
mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem Pfeile verwundet, eilte
in's Lager zu Hulagu, um ihm von dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's
Kunde zu geben. Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet,
sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch Taubenpost von
ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die Taube ward von einem Mongolen
geschossen, der Brief dem _Senedarghun Nujan_ gebracht. Er legte sich in
Hinterhalt, schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen und
steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter dieser Verlarvung
erschienen sie vor den Mauern Mossul's, dessen Einwohner, sie für den
syrischen Entsatz haltend, ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht
wurden; dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis die Sonne in
ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth in der Stadt aufs
Höchste gestiegen. Da verliessen die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger
gezwungen, die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen. Ssalih
unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des Lebens und sicheres Geleite
an Hulagu. Senedarghun[385] verhiess und gewährte beides, aber nur der
Person Ssalih's, denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen.
Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, nur nach Abzug der
Mongolen kamen etwa Tausend, die sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder
in die Stadt zurück. [RN: 5. Schaaban 660/27. Januar 1262] Hulagu war über
Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er an demselben ein Beispiel mehr als
gewöhnlicher, ekelhafter, unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde,
das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt und in die
Sonne geworfen; so musste er elend verschmachten; sein dreijähriger Sohn
wurde nach Mossul gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei
Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis sie verfault,
abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit schändet den Ruhm Hulagu's,
welchem sein Volk den Ehrennamen _Ssain Adschu_, d. i. der
Schwierigkeitenlöser, beilegte, welcher mit seinen Söhnen für das
_Hemd_[386] des mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen nur
als Oberkleider[387] angesehen wurden.

[Randnote: Hulagu's Aufbruch von Haleb, Keitbuka zu Damaskus.]

Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den Plänen
weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb, als er die Nachricht
von dem Tode seines Bruders, des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach
sogleich auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft des
Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber
schon zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zum _Kaan_ und _Moilchan_
ausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er
Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und des Schlosses von
Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl über das Heer liess er in den
Händen Keitbuka's, des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im
zauberischen Thale von _Ghuta_ gelagert, welches durch die üppige Fülle
seines Grüns und Baumwuchses eines der vier Paradiese des Ostens (die drei
anderen sind die Auen von _Obolla_ an der Mündung des Euphrats, das
Zauberthal _Schaab Bewwan_ in Fars und die Ebene von _Soghd_ im Lande
jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des
Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige Moslimen
deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben,
die der Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine Huld und
jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen
wird. Diese vier anderen Paradiese sind das Thal von _Tebris_[388], das von
_Mamschanrud zu Hamadan_, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's zu
_Sebusi_[389], dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, und endlich
das des _Bosporos_, dessen Schönheiten nach dem bekannten Distichon des
türkischen Dichters _Melhemi_ die Schönheiten der vier ersten Paradiese
weichen müssen[390]. Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka
Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen _Sahir_, den Bruder Jusuf
Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten. Keitbuka bestätigte
ihn im Besitze seines Leibgedinges, nämlich der Herrschaft von
_Ssarchad_[391]; eine Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl
gegen Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen _Garazin_
und _Tobal_, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene _Sichem_[392], und
die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. Die Mongolen kehrten das
grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus.
_Panias_[393], die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus gelegene
kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka
Herr von Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von
seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn von
Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) Emiren (gebornen
Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach Kathije an Aegyptens Gränze
gekommen, von wo, sich nicht weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und,
alles seines Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach _Kerek_ und von da
nach _Belka_ begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an Keitbuka
verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor Keitbuka geführt, der
belagernd vor _Adschalun's_ Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den
Belagerten den Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und die
Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's,
erbaut[394], wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit
seinem Bruder _Sahir_, mit _Ssalih_, dem Sohne des Sultans von Himss, und
mit _Asis_, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach
Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier Prinzen des
Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches
Erbe zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres.

[Randnote: Keitbuka's Stellung gegen die Kreuzfahrer in Aegypten.]

Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die Feinde seiner Feinde, der
Moslimen, begünstigte, so ergrimmte er doch wider die Franken von Sidon und
Beaufort, welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von Beaufort
gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere der Bewohner
getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, einen Neffen Keitbuka's,
welcher an sie gesendet worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren,
erschlagen hatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und Genugthuung
verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür durch die Eroberung von Sidon
und die Schleifung eines Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten
in die nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese
Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen Christen und
Mongolen für immer zerstört[395]. Die politische Zuneigung Hulagu's für die
Christen ward hauptsächlich durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die
erste Gemahlin und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem
Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens, bestärkt. Diesem
dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien, einzig seine Rettung, indem
sonst nach Haleb's Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre.
Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch der Fürst von
Antiochien wieder in den Besitz aller, zu seinem Fürstenthume gehörigen,
ihm von den Saracenen entrissenen Ortschaften eingesetzt ward[396]. Der
grössere Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien, mit der
Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt, theils in Syrien zu
Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei seinem Aufbruche von Haleb gefolgt;
Keitbuka blieb mit nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung
Aegyptens oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten zurück[397].
Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung und den Schutz Syriens
bedacht, als er die Nachricht von dem Anmarsche des Sultans von Aegypten,
_Mois Seifeddin Kotos_, erhielt, in dessen Gefolge sich _Melik el Manssur_,
der Sultan von Hama, mit seinem Enkel _Efdhal_, dem Vater Abulfeda's, des
grossen Geographen, Geschichtschreibers, und andere moslimische Fürsten
befanden, welche sich bei der Annäherung der Mongolen nach Aegypten
geflüchtet und bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht,
den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht gewährte. _Kotos_, der
erst seit einem halben Jahre auf dem Throne sass, war der dritte der
Sultane Mamluken, welche denselben seit dem, der Gefangenschaft des
heiligen Ludwig gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem
Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken zwischen Gluth und
Fluth, halb versengt und halb ertränkt[398], endlich von den Pfeilen der
Rebellen ereilt, geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den
Händen der Frau _Schedschreteddurr_, d. i. Perlenbaum, der Gemahlin
Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und ihres Gemahls, des
Turkmanen _Iseddin Aibek Dschaschnegir_, d. i. Glaubensehre, Mondfürst,
Truchsess, den sie aber selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken
liess, als sie vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul
zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen fünfzehnjährigen
Sohn auf den Thron und rächten des Vaters Mord durch den der Frau
Perlenbaum, deren Leichnam aus der rothen Burg[399], in der sie
unumschränkt befahl, hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An
der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber des
Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter dem scheinbaren Grunde, dass der
Mongolen drohende Gefahr statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen
Mann zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn Aibek's schon nach
dritthalb Jahren des Thrones, worauf er ihn gesetzt, entsetzte und diesen
selbst als Sultan Aegyptens einnahm.

[Randnote: Begebenheiten zu Damaskus; Mord der mongolischen Botschafter zu
Kairo.]

Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten Hulagu's, vom
Richter _Muhijeddin Ben Seki_ begleitet, angekommen, welcher sich nach
Haleb begeben hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens
ernannt worden war. [RN: 19. Ssafer 658] Am folgenden Morgen versammelten
sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee; _Ibn Seki_, mit dem
Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den versammelten Rechtsgelehrten das
Diplom der Investitur (_Taklid_) des mongolischen Herrschers und die
Fermane, wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres Lebens und
Gutes versprochen ward. [RN: 16. Reb. ewwel 658/3. März 1260] In der Hälfte
des folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze einer
zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im Geleite _Keitbugha Nujan's_
erschienen und bald darauf wurde durch ein Diplom der Richter _Kemaleddin
Omer_ von Tiflis zum Stellvertreter der richterlichen Gewalt
(_Naibol-hukm_) ernannt, so dass er als Richter der Richter in den Städten
Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach. Dasselbe Diplom
verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und der frommen Stiftungen. Die
Tataren hatten indessen ganz Syrien überschwemmt; sie waren bis _Ghasa_,
_Beit_, _Dschibrail_, _Hebron_ und _Ssalt_ vorgedrungen, hatten überall
geplündert und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den Märkten von
Damaskus[400]. Die Christen von Damaskus, welche einen besonderen
Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier Religionsübung erhalten hatten,
übernahmen sich in der ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen,
indem sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und denselben
vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit dem Kreuze durch die Strassen
und zwangen die Kaufleute, demselben aufzustehen, die sich dessen
Weigernden misshandelnd; Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der Kirche
der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph des Christenthums über
den Islam verkündet ward. Die gekränkten und misshandelten Moslimen
beschwerten sich darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt
Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; er überhäufte die
christlichen Priester mit Ehren, besuchte ihre Kirchen und begünstigte
offenbar das Christenthum. Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte
christlicher Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaft unter
der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte nicht lange, denn
_Melik Eschref_, der ejubidische Fürst von Himss, erschien mit einem
Diplome Hulagu's, welches ihn zum Statthalter über ganz Syrien bestellte.
Indessen hatte der Emir _Bedreddin Mohammed Ben Kermdsche_, der
Festungsbefehlshaber der Citadelle von Damaskus, und der Emir
_Dschelaleddin Ben Seirafi_ den Entschluss gefasst, die Thore der Citadelle
zu schliessen und sich darin wider die Mongolen zu vertheidigen.
_Keitbugha_ begann die Belagerung des Schlosses. [RN: 6. Rebiulachir
658/10. März 1260] Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage mitten unter
fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben begleitet waren; mehr als
zwanzig Wurfmaschinen schleuderten Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu
erschüttern, während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben
einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die Flammengeschosse des
Naphta. [RN: 22. Dschem. ewwel/7. Mai 1260] Nachdem die Belagerten endlich
zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das Schloss, zündeten
dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften mehrere Thürme und zerstörten
alle Kriegsmaschinen; von hier zogen sie nach _Baalbek_, wo die Citadelle
ebenfalls zerstört ward; eine andere Heeresabtheilung verheerte _Bamias_
und die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, liess dort den
Keitbugha und zu Damaskus den _Baidera_ als Statthalter zurück und führte
sieben Emire der Mamluken _Bahri_, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald
darauf erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben[401] an _Kotos_
voll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten desselben
zusammengedrängt ist: »Sag' dem Lande Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von
entblössten Degen und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen
demüthigen, die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden den
Greisen.« Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire wurde beschlossen, die
Botschafter Hulagu's, es waren deren vier an der Zahl, zu vernichten; vor
der Hand wurden sie aber nur in den Kerker geworfen[401]. [RN: 15. Schaaban
658/Juli 1260] Hälfte Schaaban's zog Sultan Kotos, von seinen Truppen
begleitet, aus dem Schlosse Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor
seinem Auszuge wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der
volkreichsten Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, ausser dem
Thore _Soweila_[402], dem Thore _Nassr_ und zu _Ridhania_ entzweigehauen,
ihre Köpfe an dem Thore _Soweila_ aufgehangen; vier bedeutungsvolle
Stätten, mehr als einmal in der späteren mamlukischen und osmanischen
Geschichte und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von Heeren
und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt; durch das Thor
_Nassr's_, d. i. des Sieges, zogen die jeweiligen Eroberer Kairo's
triumphirend ein, am Fusse des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von
Mohammed Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht von _Ridhania_
zwischen Sultan _Selim_, dem Eroberer Aegyptens, und Sultan Tumanbai, dem
letzten Sultan der Mamluken, wurde das tragische Schicksal des letzten
entschieden, und am Thore _Soweila_, wo jetzt die Köpfe der vier
entzweigehauenen mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert
Jahre später der Kopf _Tumanbai's_, des letzten Sultan's der Mamluken
Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen Gesandten befand sich ein Kind,
welches der Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm.
Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben derselben auf eine im
Wesentlichen zwar übereinstimmende, in den Nebenumständen aber abweichende
Weise. Nach ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von
vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: »Gott hat dem Hause
Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt; der sich Uns unterwirft, hat
sich und seiner Familie Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren
Heeres geht demselben wie die Heldensage _Rustem's_ und Isfendiar's voraus;
sende unterwürfige Botschaft und komme selbst, um einen Vogt in Aegypten zu
bitten; wenn nicht, so sei gerüstet zum Kriege.« Sultan Kotos berief bei
Ankunft der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen Emire[403],
welche nach der Zerstörung der chuaresmischen Länder sich von Achlath nach
Aegypten geflüchtet und hier besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den
Thron beigetragen hatten. »Hulagu«, sagte er ihnen, »wäre schon in Aegypten
eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von des Bruders Tod aus Syrien
abgerufen hätte; er hat aber den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der
das Land wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren droht und
dem Niemand zu widerstehen im Stande; was denket ihr hierüber!« Der sechste
Emir, _Nassireddin Kimeri_[404], von welchem die kimrischen oder
cimerischen Mamluken ihren Namen haben, sprach: »Es wäre keine Schande für
uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem Enkel Tschengischan's, entgegen
zu gehen; welcher Vernünftige wird sich aber selbst vergiften und
muthwillig dem Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit liegen
in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng, Irbil, Miafarakain und
des Chalifen offen.« Kotos sprach im selben Sinne und endete so: »Mir
bleibt nur eines von dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder
Auswanderung.« Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth sich noch
insbesondere mit _Bondokdar_, dem Emirol umera, dem ersten der ägyptischen
Mamluken, welcher sich schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste
den Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher Aegyptens aus
dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen erworben und seitdem als Fürst
der Fürsten behauptet hatte. _Bondokdar_, d. i. der Bogenhalter, der
Kipdschake, dessen ursprünglich türkischer Name _Beibars_, d. i. Beg
Panther, und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken der Franken in
Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde des Gesandten; noch in derselben
Nacht blutete der Gesandte und seine vierzig Begleiter bis auf einen als
Martyrer mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden am Thore
_Soweila_ aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos mit zwölftausend Reitern
gegen Syrien auf.

[Randnote: Schlacht von Aindschalut. 25. Ramasan 658/3. Sept. 1260]

Zu _Ssalihije_, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen Heeres, fand _Kotos_
Widerwillen bei seinen Emiren, wider den Feind zu ziehen; mit den Worten:
»Ich werde allein wider die Tataren ziehen«, schloss er den Kriegsrath,
indem er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren
befahl. Der Emir _Beibars Bondokdari_ (der nachmalige Sultan der Mamluken)
erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung vorauszueilen, um
Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's
erschienen, wurde die Stadt geräumt. _Kotos_ folgte ihm auf dem Fusse nach;
aus _Aka_ kamen ihm die Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung
entgegen. Er lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der
strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte[405]. Zu
_Aindschalut_, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen _Beisan_ und _Nablus_,
kam es zur entscheidenden Schlacht. _Keitbugha_ und _Baidera_, die beiden
Feldherren, Statthalter Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in
Syrien befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag
des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze weite Thal vom
Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei der Dorfbewohner tönte in den
unaufhörlich fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der
Heermusik seiner Emire[406]. Die Aegypter gebrauchten die Kriegslist, sich
dem mongolischen Heere in weissen Burken, d. i. mongolischen Pelzen, zu
nahen, so dass sie von den Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten
wurden[407]. Einer der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in
Unordnung und gebrochen; Sultan _Kotos_ warf seinen Helm zur Erde und
schrie aus allen Kräften: »o Islam!« Er stürzte sich mit allen, die um ihn
waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster Unerschrockenheit. Die
Mongolen flüchteten in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das
Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu
Grunde. Der Emir _Beibars_ that Wunder der Tapferkeit vor den Augen des
Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische
Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim Gesandtenmorde
das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von rückwärts auf den Sultan, um
durch dessen Tod das vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen
wurde er auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens
gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach Anderen, erst
nachdem er denselben abgeschossen und damit das Pferd des Sultans verwundet
hatte, welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den Tataren bis in
die Nähe von _Beisan_ verfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand
machten zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan
Kotos dreimal mit lauter Stimme: »o Islam! o Gott, schütze deinen Diener
Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!« Als diese zum zweitenmale
besiegt, stieg der Sultan vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und
verrichtete ein Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward
_Keitbugha_ in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos
geführt. »Sei nicht stolz«, sagte der mongolische Feldherr dem Sultan der
Mamluken, »auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von
Aserbeidschan nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde
gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu
hat dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur Einer.« --
»Prahle nicht«, sagte Kotos, »mit eueren Heeren, die nur durch
Treulosigkeit siegen.« -- »Ich bin«, entgegnete Keitbugha, »meinem Herrn
nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben; mach' es kurz mit
mir!« Er wurde enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der
Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden
getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, der Kopf
Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore _Soweila_ aufgesteckt.
Hulagu ward von der Kunde der verlorenen Schlacht und des getödteten
Feldherrn tief betrübt; es war die erste Niederlage, welche seine Heere
erlitten hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf. _Melik
Nassir Jusuf_, der Sohn von _Melik Asis_, der ehemalige Fürst von Damaskus,
war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner
innersten Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt
worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt, mit
Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die Strasse Syriens
eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der Niederlage von _Aindschalut_
eingetroffen, liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von Selmas
hinrichten; [RN: 12. Schewwal/22. Sept.] dasselbe Schicksal theilte Melik
Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere
Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte für
_Melik Asis_, den Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus
den bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess
sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von _Aindschalut_ für die
Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher erzählt werden soll. Sie
erhielten den verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten,
ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden Feind
des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt hatten; eine oft wiederholte
und dennoch nur selten fruchtende blutige Lehre der Geschichte.

[Randnote: Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und das
Haus Ejub's.]

Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, sowohl für die
syrischen Christen, als für das Haus Ejub's. Während der Gegenwart der
Mongolen zu Damaskus hatten die Christen die ihnen gewährte grössere
Freiheit ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen Kirchen
übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den
Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen. Schon am
vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die
grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften
dieselbe. [RN: 27. Ramasan/7. September] Dies war die Kirche, welche der
Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, um sie für den
Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut
der unter Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für
immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem Sohne
Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, das Meisterstück
saracenischer Baukunst, verwandelt worden war. Kotos hatte bei seinem
Auszuge die beiden Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref,
und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis[408], welcher
von Hulagu mit dem Besitze von _Sobeibe_ und _Banias_ belehnt worden war,
zur Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing
den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in seinem Namen die
Erde vor den Füssen des Sultans zu küssen, in dem er den Retter des Islams
verehre. Said hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan
Kotos[409]; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage
derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um demselben die
Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm
die Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn dann
enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten
Sultans von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz
befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's[410] erhalten
hatte. [RN: 20. Silkide 658/29. Oct. 1260] Hulagu überhäufte den vorigen
Herrscher Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren
Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der Aegypter
gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, in
Syrien zu weilen, kein syrischer Soldat es gewagt haben würde, wider einen
Mongolen das Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus
beherrscht werden? -- Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur
noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn verwundete. Schone
meiner! rief ihm der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir
ermahnte ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem zweiten,
von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile[411]. Die anderen Prinzen und das
Gefolge derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert
mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El
Mahghribi[412], welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei den Mongolen
stand, das Leben rettete, und aus dessen Munde der syrische
Geschichtschreiber die Umstände dieses Gemetzels erzählt[413]. Mit Melik
Nassir und seinem Bruder Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte
Melik Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die
von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene unterwürfige Antwort
jetzt mit dem Leben büsste[414]. Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen
Sohnes Melikonnassir Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf
Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur
über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil Mesopotamiens, über
Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens
Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder
den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der
Schlacht zu _Abbasa_[415] der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane
Aibek, und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen hätten.
[RN: 10. Silkide 649/24. Jan. 1252] Er liebte den Aufwand, besonders den
der Küche, in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden;
übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter seiner
Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus hatte er die nach ihm
genannte Moschee, zu Ssalihije sein Grabmal erbaut, in welches aber nicht
er, sondern der mongolische Emir Kormun begraben werden sollte[416]; der
Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen
Abulfeda das folgende erhalten:

    Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest
    Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,
    So würdest du nur mehren meine Liebe,
    Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.

[Randnote: Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.]

Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von _Aindschalut_ die Verwaltung des
nun von der Herrschaft der Mongolen der der Mamluken anheim gefallenen
Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von _Hama_
zurückgestellt, nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen;
auch erhielt er _Barin_ und _Mearret_, welche Melik Nassir, der Sultan von
Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen;
nur mit _Selimije_ wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom
Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort
des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter
Husein der Kurde, der Beilträger[417] Melik Nassir's; dreissig Christen
wurden gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer
von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst Hama's,
wurde von hier nach Hause entlassen, und von den Dichtern seiner Stadt als
Sieger über die Tataren und Wiedereroberer Maarra's bewillkommt[418]. Kotos
setzte über die südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin
von Berlas[419], einer der asisischen Mamluken, welcher in der Schlacht
Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken, zu diesem
verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft Aegyptens entschieden,
dann aber, wider ihn Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war,
von ihm in _Adschlun_ festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei
Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen,
folgte er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber zum
zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der
Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem Emir
Alemeddin[420] Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg des Sohnes Aibek's,
des ersten Sultans der Mamluken, und die von Haleb, welche der Emirol umera
Bondokdar für sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin
Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben erzählt
worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf. [RN: 26. Schewwal
658/5. October] Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die
Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider den Sultan,
und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien
zu Kossair, eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen
ermordet. [RN: 17. Silkide/25. October] Die Emire Kairo's waren dem als
Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm
bis nach Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben vernahmen;
der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter
an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich
um die Wahl des Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der
Türken Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie
zeigten auf _Beibars Bondokdar_. So besteige du den Thron, sagte Ogotai,
indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron setzte. Ich setze mich
darauf, antwortete Beibars, im Namen Gottes; leistet den Eid! An dir ist's,
sagte Ogotai, der erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen
gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre Grade
vermehren wirst[421]. Beibars nahm den Titel _Melikol kahir_, d. i. des
rächenden Königs, an, den er aber später mit dem von _Melikol-dahir_, d. i.
des Offenbaren, vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein,
welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In Syrien begann
unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von Damaskus, die geschleiften
Mauern wieder aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan,
die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu Haleb
hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit und die
unbedeutsame Absendung einer zu schwachen Truppenabtheilung, welche zu
_Bire_ am Euphrat von den Mongolen geschlagen wurden, den Hass der
Einwohner auf sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und
gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter sich
theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und seiner statt
Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter einsetzten; bald darnach
erschienen die Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den Emiren
nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen überlassend. [RN:
Silhidsche 658/Nov. 1260] Von Hama zogen sie mit dem Fürsten Hama's und
seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten
dieser Stadt vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine
Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem
Befehlshaber Apamia's geharket. [RN: 5. Moharrem 659/10. Dec. 1260] Auch
der Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von
Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und dieser und jener
wollten die Prinzen von Hama und Himss für sich gewinnen; aber diese gaben
ihnen kein Gehör, und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's,
Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, der Sultan
Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus, zu Hama und
Himss anerkannt.

[Randnote: Das Chalifat der Beni Abbas zu Kairo.]

Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne durch doppelten Mord
gebahnt, erst durch den Moaasem Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni
Ejub, und dann durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war vor
Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den Mantel der Legitimität
umzuhängen. Zu diesem Ende stellte er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling
des Hauses Abbas, _Abulkasim Ahmed_, welcher für einen Sohn Dahir's, des
vorvorletzten Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines Chalifen auf,
der nur dazu diente, kraft seines angestammten Rechts als Chalife durch
Verleihung von Titeln die Herrschaft desselben als legitim zu
rechtfertigen. Zu Kairo ward feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei
welchem die Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die Bibel,
die Christen das Evangelium voraustrugen. [RN: 5. Redscheb 659/9. Juni
1261] Vier Tage hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und
Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung aufgeführt,
der angebliche Sohn Dahir's von Beibars als Chalife ausgerufen, und dieser
hierauf von ihm, dem rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und
Syriens belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses Abbas
angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand, indem er ihm den Kaftan
anzog und goldene Kette um den Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel
durch die Stadt und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd das
Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf emporgehalten, vor. Am
nächsten Freitage predigte der Chalife in der Moschee, und als dem Sultan
die Predigt zu lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das Volk
und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er ihm Gold- und
Silbermünzen über den Kopf schauern, womit die Predigt zu Ende. Nachdem
Beibars durch die Investitur seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart
des Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden; er setzte
also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabe fort, indem er ihm einen
Hofstaat mit allen Titeln des alten Chalifenhofes beilegte und zweitausend
Reiter mit einer Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung
Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten die von
Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul, Sindschar und Dschesiret
belehnten drei Söhne Bedreddin Lulu's. Am Ufer des Euphrats trat _Elhakim_,
ein anderer Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die
Chalifenherrschaft auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe der ihm von
diesem beigegebenen Truppen zu _Aana_ und _Hadise_ ein, welche ihm Anfangs
ihre Thore gesperrt hatten; _Hadise_, das sich widersetzte, wurde mit
Gewalt genommen, die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die
mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern gegen Enbar und
Behadir Ali, der mongolische Statthalter von Bagdad, wider den Abenteurer
heran, der als der wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam. [RN:
4. Moharrem 660/1. Dec. 1261] Vor Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife
ordnete die Turkmanen auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken, er
selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs die Flucht und
stürzten sich die meisten in den Euphrat; als aber eine Truppe Mongolen aus
einem Hinterhalte herbeiflog, wichen die Turkmanen und Araber, und der
Chalife verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas zu Bagdad,
war nun der erste der Schatten-Chalifen aus demselben Hause zu Kairo unter
dem Schwerte der Mongolen gefallen. Der Nebenbuhler um diese
Schattenherrschaft, der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften
Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen des Hauses Abbas,
ableitete[422], flüchtete nach dieser Schlacht nach Aegypten, wo ihn
Beibars, dem es bequem und angenehm, einen solchen Münzwardein der
Legitimität unter seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus dem
Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, den Geflüchteten, im
Palaste _Menasirolkebesch_, d. i. Belvedere des Widders, als einen
Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt. Sein Geschäft war blos die
Ertheilung der Investitur und der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der
Herrschaft; er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete so
durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes auf Erden,
Herrscher durch Gottes Befehl[423], während er als Titular-Chalife nur ein
Schatten des ehemaligen Chalifen unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er
selbst, nur ein Titelträger der Herrschaft, stempelte durch die von ihm
ausgehenden Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren zur
rechtmässigen; hierdurch gewann _Beibars_ im Angesicht der moslimischen
Welt einen ungeheueren Vortheil über Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch
nur das Schwert, wie der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie
vom Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim war der
Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus dem Hause Abbas, aus
welchem mit ihm zwanzig durch dritthalbhundert Jahre zu Kairo als
Drahtpuppen der Sultane figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim
der Erste, der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer
Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem dem Titel der osmanischen
Sultane beigefügt, wie aus dem Gesagten erhellet, nur der eines Schattens
vom Schatten.

[Randnote: Anlass des Kriegs mit Berke.]

Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien zu senden und dasselbe
dem Besitze des Sultans der Mamluken zu entreissen, als ihn die bis zum
offenen Kriege gereifte Misshelligkeit mit _Berke_, dem Herrscher der
Mongolen in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen von den
Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen zu übertragen
zwang. Die Ursachen dieses, trotz des nachdruckvollsten Vermächtnisses
Tschengischan's und der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern
der Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen Hauses
einschärft, aufflammenden Familienkriegs waren mehrere, und das Feuer
glimmte schon seit längerer Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast
bei allen Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen), der
wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche schon längst das Gefäss
füllt, von dem Tropfen, der es erst überfliessen macht, wohl von einander
zu unterscheiden. Die wahre und eigentliche politische Ursache dieses
Krieges war der streitige Besitz der Landschaften _Arran_ und
_Aserbeidschan_, welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend gelegen,
vermöge der Ländertheilung Tschengischan's unter seine vier Söhne nicht zum
Jurte des Uluses Dschudschi's gehörig, von diesem jetzt angesprochen
ward[424]. Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt
Dschaghatai's von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und Bochara, der
Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zu _Imil_ und _Kobak_; Tuli besass
die angränzenden Länder von _Kialik_ und _Chuaresm_ bis an die äusserste
Gränze Kipdschak's und die Länder der _Ssaksinen_; _Dschudschi_ endlich die
nördlichen Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der
westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten
mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich die Ansprüche des Chanes
der goldenen Horde von Kipdschak auf den Besitz der nördlichsten
Gränzlandschaften seines Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward
durch persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher gemacht.
Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach Mengku's Tode die Wahl der
Prinzen für Kubilai wider seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche
ebenfalls Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als der
Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen Lehren und
Ermahnungen zugesandt, als neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das
treulose Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung so
vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschen und den Ruin des Chalifats
hart getadelt. Wiewohl er mein Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein
Hofmeistern doch nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das
längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der folgende. Auf
dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der Enkel Dschudschi's, aus seinem
fünften Sohne Scheiban, gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein Vetter
_Kutar_[425] wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt zu
haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte, ihn zu richten, hatte
ihn in Begleitung Sundschak Nujan's nach Kipdschak geschickt, um dort vor
dem Throne Berke's, seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke
sandte denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil
vollstrecken; zugleich mit ihm ward auch _Ssadreddin Sawedschi_ als der
Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet; [RN: 17. Ssafer 658/2. Febr.
1260] da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des Uluses Dschudschi,
welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben, und ihre Angehörigen sich nach
Kipdschak geflüchtet hatten, brach die politische Feindseligkeit und
persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs aus.
Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken, welches _Nokai_, der Vetter des
hingerichteten _Kutar_, befehligte, war von Derbend aufgebrochen und vor
Schamachi, der Hauptstadt Schirwan's, gelagert.

[Randnote: Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.]

Der Umschwung der Verhältnisse zwischen _Berke_ und _Hulagu_ hatte
natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan der Mamluken, als
Beherrscher Syriens und Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die
feindlichen Gesinnungen wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss
hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die
innere auf die Bekehrung _Berke's_ vom mongolischen Heidenthume zum Islam.
Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach Persien
beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach
Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter
waren Emir _Dschelaleddin_, Sohn des Richters, und der Scheich _Nureddin
Ali_, von grossem Gefolge begleitet; [RN: 1. Redscheb 661/11. Mai 1262] sie
waren Ueberbringer eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten
Beglaubigungsschreibens, in welchem _Berke_ seine Annahme des Islams
kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen
Kaisers _Lascaris_ erschienen; sie wurden gemeinschaftlich mit einem
Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich
in die Maillebahn begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt.
[RN: 28. Schaab. 661/5. Aug. 1262] Am letzten Freitage des Monats Schaaban,
welcher der erste des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses
Abbas, _Hakimbiemrillah_, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des Sultans
_Beibars_, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf den _Berke's_, des
Herrschers Kipdschak's[426]. Vier Tage hernach hatte die Ceremonie der
Investitur des Ritterthums für den Chalifen _Hakimbiemrillah_ statt.
_Futuwwet_[427] bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch
_Scherf_ heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den
Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und
Handlungen. Das bekannte Wort _La Feta illa Ali_ kann nur mit den Worten:
_Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali_, übersetzt werden, und
nicht als: _Es ist kein Adeliger als Ali_. Das Symbol des Heldenthums oder
vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert,
Panzer oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums,
sondern in einem Paar von -- Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie
der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter _Berke's_ im
Bergschlosse durch den _Atabeg_ (Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern
ausgezeichnet. Das Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und
geschrieben, dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus
den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, _Mohijeddin Abdes-sahir_,
las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der Emire vor, und es ward mit
einem herrlichen Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir
_Fariseddin Akusch Mesudi_ und dem Scherif _Imadeddin Haschimi_, übergeben.
Auch zu Mekka und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet.
Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse nicht
durch den Bericht des nordischen Feldzuges, welchem der nächste Abschnitt
gewidmet ist, zu unterbrechen, reihen sich hier noch die folgenden
Begebenheiten ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und
Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange der
Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl mongolischer
Emire[428] ankamen, um dem Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er
ritt ihnen zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie
vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen
blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's Schloss zurück.
_Hosameddin_, der Sohn Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft
seines Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; [RN: 5.
Silhidsche 661/9. Nov. 1262] drei Tage hernach wurden die Botschafter mit
Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des Sohnes
Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und endlich eine dritte
tatarischer Edelen; der Sultan verlieh den Vornehmsten derselben den Rang
eines Emirs und sie bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam[429].
Kairo war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der
Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich als Freunde,
die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber nur heimlich als
Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der
bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich zum Islam bekehret
hatten, wurden an Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig
Pferde vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige
Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden nach Aegypten,
wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und
erklärt die bei Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei
der Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der beiden
Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen Verhältnisse mit
Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer damals nicht gegen alle
Tataren gleiche Gesinnungen hegen und dieselben insgesammt als Feinde des
Sultans von Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete
betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen
Persiens, während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und Verbündete
von Beibars auch die Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg
zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand
liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein.

[Randnote: Feldzug gegen Kipdschak.]

Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak auf, setzte
sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres zwölfhundert zwei und sechzig
von _Alatagh_ aus in Bewegung. [RN: 2. Schewwal 660/14. Mai 1262]
Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter Persiens,
befehligte den Vortrab. Die Nujanen _Basmaghan_ und _Abatai_ standen
Anfangs Novembers vor Schamachi. [RN: 26. Silkide 660/11. Nov. 1262]
Schiramun war von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber
vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai bei _Schaburan_
den _Nokai_ in die Flucht. [RN: 6. Moharrem 661/20. Nov. 1262] Hulagu brach
hierauf von Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin,
der Chodscha _Asis_ der Georgier und Chodscha _Medschdeddin_ von Tebris
ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem Astronomen Hosameddin
hingerichtet. _Melik Ssadreddin_ von Tebris und _Ali Melik_, die
Befehlshaber von Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; [RN:
21. Moharr. 661/7. Dec. 1262] am siebenten December stand das Heer Hulagu's
vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert
und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai
wollten den Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur
Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den
Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu ertheilte sieben
anderen Nujanen[430] den Befehl, sich des Lagers der Kipdschaken zu
bemächtigen. Sie gingen über den Terek und schleppten Zelte und Herden von
allen Seiten zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in
Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus den
Schneegefilden der Steppe auf sie los; [RN: 7. Rebiulewwel 661/16. Jan.
1263] einen ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die
persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und
eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan;
Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris
zurück[431]. [RN: 11. Dschemasiulachir/9. Mai 1263] Hulagu rächte sich für
die Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord von
Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris
befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen[432]. Berke, um Gleiches mit
Gleichem zu vergelten, liess alle persischen Kaufleute, die in Kipdschak,
morden; und Hulagu vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der
Bewohner Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben begann.
Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu Bochara lagen, gehörten
fünf dem Batu, drei der Frau _Sijurkukteni_, der Mutter Hulagu's, die
übrigen acht dem grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's
liess Hulagu ausrücken und niederhauen[433]. Im folgenden Jahre erscholl
abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte
den Scheich Scherif Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak,
um Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was
macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm unsere
Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu morden? -- Der Scheich
entgegnete: Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit mit
seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte,
was trocken und feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron
beendigt ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte
mit der Nachricht angekommen, dass _Aiktokt_, welcher dem Bruder Kubilai
den Thron streitig machen wollte, sich unterworfen; dass Alghui, der Enkel
Dschafer's, aus seinem Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent,
gestorben, dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von den
Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens als _Ilchan_ und
_Padischah_ und obendrein dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge
zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, und der
Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die
Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in
die Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge
verflochten und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden
Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener Begebenheiten als
unmittelbar in dessen Geschichte gehörig hier unabweislich.

[Randnote: Arikbugha.]

Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde seinen Bruder Hulagu zur
Rückkehr aus Syrien, wie vor vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode
Ogotai's dessen Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die im
Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum Kaan und Moilchan
ausgerufen, hundert Gesandte an _Arikbugha_, dessen Bruder und Nebenbuhler
um den Thron, abgeordnet, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch
einstimmigen Beschluss der Prinzen _Kubilai_ den Thron als grosser Chan
bestiegen und _Apuschkan_, der Urenkel Dschagatai's[434], dem Uluse seines
Grossvaters vorgesetzt, mit seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet
worden sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's Arikbugha,
der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen Sohne Hulagu's, dem
Prinzen _Dschumkur_, und _Karatschar_, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer
gegen Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha liess
die hundert Gesandten hinrichten und zog sich in's Land der Kirgisen
zurück. Er wandte sich an Alghui, den Sohn Paidar's (des vor Olmütz
gefallenen Peta), mit der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen
Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich für ihn ein Heer zu
Kaschghar, das bald über hundert fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre
wider Kubilai. Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem _Jeke Kadak_
und _Karadschu_, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders
Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut ward. Die
Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha, der flüchtig und halb verhungert
(denn Kubilai hatte ihm die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager
der Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum die vier
Lager Arikbugha's und das des mit ihm verbündeten Gulgan's (des fünften
Sohnes Tschengischan's) aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem
Bekenntniss seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur, dass
seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui kämen, um sich mit
ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass,
wenn er, ohne die Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine
Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach _Karawin
Dschidun_, wo er die zu Karakorum aufgehobenen Lager Arikbugha's und
Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit war häufiger Gesandtenwechsel zwischen
_Kubilai_ mit seinem Bruder Hulagu und seinem Vetter _Berke_, dem Herrn des
Uluses _Dschudschi_, und _Alghui_, dem Haupte des Uluses Dschaghatai, die
sich nun dem Kaan näherten. Er gab ihnen kund, dass Alghui das Land vom
Altai bis zum Oxus, Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge,
während er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische Meer hüten
wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde sich wieder erholt hatten,
wieder als Rebelle gegen die Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen
_Jesunke_, den Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte,
und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's[435] schlugen sich
zu _Indschije Kutku_ am Hügel _Chodscha Buldak_. Das Heer der Rebellen
wurde geschlagen und viele Uiraten getödtet. _Suntai_, der Sohn des letzten
Kaan Mengku's, berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite
Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der _Olt_ genannten Gegend,
zu _Schirghan Taghun_ am Hügel _Schilklik_. Der rechte Flügel Arikbugha's
war geschlagen, aber der linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus,
welche die beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben.
Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch, seine Streitkräfte mit denen
Kubilai's zu messen, ermuthigt, sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider
_Alghui_, welchen er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und von
welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, ohne dieselbe zu
erhalten[436].

[Randnote: Alghui.]

_Alghui_, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha eingesetzte
Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er nach Turkistan gekommen,
ein Heer von mehr als hunderttausend Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz
_Nikpei Aghul_ (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der
Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu
Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt
und die Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen Scheich
_Seifeddin Bachersi_. Gesandte Arikbugha's, an deren Spitze _Schadi_, der
Sohn _Jaschmut's_ des _Arkaun_, d. i. des nestorianischen Priesters,
forderten vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter,
welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber
ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum forderte er die
Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, die Schreiber der Christen
entschuldigten sich, dass sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg
derselben beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er das
treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien Tschengischan's
und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen (Freiherren) ernannte;
Vorfälle in China nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der
Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu _Sutgol_, d. i. am
Milchsee[437], geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's
Ufer des _Hile Muran_; von dem Prinzen _Suntai_, welcher das Heer
Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen von
_Timurkahalka_ und den _Hile Muran_ nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und
plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die Truppen des rechten
Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, und flüchtete damit nach
Choten und Kaschghar. Arikbugha brachte den Winter am _Hile Muran_ und zu
Almaligh in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's
aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und Bochara
gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von Arikbugha bei sich
zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine
Gesundheit herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte.
[RN: Rebiulewwel 662/Januar 1263] Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall
die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen der
Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen.
Dazu kam die böse Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend
Pflöcken befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele
Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach allen Seiten, nur
einige wenige blieben mit Arikbugha und Suntai zu Almaligh. Unterdessen war
_Uriktasch_, der Sohn Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder _Suntai_,
mit Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am _Altai_[438] und die Truppen
schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das grosse Siegel
seines Vaters Mengku, welches bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern,
und dieser lieferte es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche
Arikbugha's kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe
der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's,
welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's
Lager Arikbugha's gegangen, von demselben zurückbehalten worden war. Er
sandte sie mit ihrem Minister _Mesud_, dem Sohne von Jelwadsch, zurück.
Alghui empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung der
Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch
seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht Alghui's, der
sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere Berke's schlug, und diesem Otrar
entriss; ihm gegenüber stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's
der Prinz _Kaidu_, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. Anfangs
von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben verlassen und sich zu Berke
geflüchtet, der ihm sein Vertrauen schenkte, weil die Astrologen das
Horoscop Kaidu's ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden[439]. Bald
hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn
Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt.

[Randnote: Kaidu.]

Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an dem Hofe des
Bruders eingestellt, an welchem er nach dem mongolischen Gebrauche als
Schuldiger eingeführt ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht
durch das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei
einer heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines Ehrenkleides mit
Filz bekleidet[440]. Das offene Bekenntniss der Schuld ward gnädig
aufgenommen; aber _Dschingkum_, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig,
rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den
Prinzen sammt seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch _Dschikar_,
der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen,
warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut zu
vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit
den Prinzen in's Gericht[441]. Auf die wider sie vorgebrachte Klage
schwiegen sie alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so
von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! Haben
wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf den Thron zu setzen, oder
mit ihm zu sterben? Nun ist der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres
gegebenen Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und
die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur
Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten Berke's und
Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben;
nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: _Bulgha
Nujan_, der erste Hebel des Aufruhrs, _Ildschetai_, welcher Gurundschi, den
Sohn Kadan's, verschwärzt, und _Tokus_, welcher das meiste Blut der Truppen
des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt[442]; nur um
das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende Loos wurden
_Berke_, _Hulagu_ und _Alghui_ um ihr Gutachten befragt. Alghui erklärte,
dass er sich der Meinung des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei,
anschliesse. Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des
Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim Kurultai zu
erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten starb Arikbugha
natürlichen Todes, und es brach der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus.
Kubilai verlieh die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau
Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem _Beirak_, dem Sohne
_Jesun Tewa's_, des zweiten Sohnes _Muwatukjan's_, welcher den
_Mubarekschah_ zur Abdankung bewog und sich der Zügel der Herrschaft des
Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die
beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, verschwunden,
hatte Kubilai noch einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den
Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen
_Numughan_ und _Kukistu_ befehligtes Heer entgegen, in welchem sich Söhne
Ogotai's[443] und Arikbugha's befanden. Die Prinzen Tokatimur und
_Schiregi_ (der Sohn Ogotai's) verschworen sich mitsammen, ergriffen die
beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, und sandten dieselben an Mengku Timur, den
Herrn von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die
Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber nicht dem
so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur auch _Sarban_, der achte
Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, und
die beiden letzten entflohen nach der Landschaft _Narin_, wo sie am Ufer
des Irtisch weilten; während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward
sein Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an
Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den Sarban
mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher den Schiregi damit
verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten Thronbewerber Sarban und
Schiregi bekriegten sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf,
bis beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft
verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine Abtheilung von
Truppen gab. Melik Timur und der Sohn Schiregi's begaben sich zu _Kaidu_,
der, noch nach vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im
Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane
eingreifend erscheinen wird.

[Randnote: Vertheilung der Statthalterschaften; Tod Hulagu's.]

Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider Kipdschak mit dem
Baue zweier Schlösser, das eine in der Ebene von _Alatak_, das andere zu
_Chui_, und begab sich dann von Tebris an den Goldfluss[444], welchen die
Mongolen _Tschaghatuwunghatu_ nannten, bei Meragha, dort mit der Vollendung
der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen beschäftigt; nebst
der Astronomie war er vorzüglich der Alchymie ergeben und verschwendete
grosse Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die ihnen
zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen. Zugleich ordnete er die
Verwaltung des durch seine Eroberungen gegründeten neuen Reichs. Seinem
ältesten Sohne, Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan;
seinem dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die
Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von Jaschmut
eroberten Landschaften Mesopotamiens: _Diari Bekr_ und _Rebiaa_, von dem
Ufer des Tigris bis an das des Euphrats, dem Emir _Tudan_, und die der
Länder Rum's dem Emir _Moineddin Perwane_; die Verwaltung von Tebris
vertraute er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der Frau Turkjan
Chatun an. Nach der, während des Feldzugs von Kipdschak vollzogenen, oben
erwähnten Hinrichtung des Staatskanzlers _Seifeddin Bitekdschi_ ward dieses
höchste Staatsamt dem _Schemseddin Mohammed Dschuweini_, als Herrn und
Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des Diwan's zu Bagdad seinem Bruder
Atamülk, dem Geschichtschreiber, verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte
er dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad, dem Dschelaleddin;
dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's nicht minder, als sein Vater das des
letzten Chalifen getäuscht. Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft
Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn Hulagu hierzu den
Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln bereit sei, um dieselben zum Vortrab
im nächsten Feldzuge wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen
Vorschlag verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und unumschränkte
Vollmacht über alle Truppen und Waffen der Landschaft Bagdad's. Er warb die
Kipdschaken und Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er sie
heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider ihre Landsleute auf
die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr retten wolle. Nachdem er sie aus
den Zeughäusern Bagdad's bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den
Statthalter Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach
Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen Stammes
_Chafadsche_, das er plündernd durchzog und dann mit der ganzen Truppe
längs des Euphrats bis Aana und Hadise vorbeiziehend nach Syrien und
Aegypten aufbrach. Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht
worden zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und
beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit hingerafft[445].
[RN: 9. Rebiulachir 668/8. Febr. 1265] Er ward auf dem Gipfel des Berges
_Schahu_[446], gegenüber von _Destchawakan_, bestattet. Nach mongolischem
Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben und die
schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet[447], um ihm die Einsamkeit
des Grabes zu versüssen. Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen
folgten ihm bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, die
Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes _Adschai_, schon am neunten
Tage nach dem Tode ihres Gemahls, [RN: 3. Ramasan/17. Febr.] und vier
Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung Abaka's, die
Frau _Tokus Chatun_, die Christin, die grosse Beschützerin ihrer
Glaubensgenossen. Auf ihren Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung
des Papstes, dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren werde,
wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht und worüber sich der Papst
in seinem Schreiben an Hulagu so hoch erfreut[448]. Eine grosse Frau, deren
Wirken stiller und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen
persischer Geschichte, nämlich der Frau _Turkjan_ und der Atabegin _Abisch_
aus der Dynastie der Salghuren, welche Persien beherrschten, und deren
Geschichte in die Hulagu's enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches
besonders erzählt werden soll.

[Randnote: Fars.]

Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des
persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die
Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als
Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der
ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts
mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von
vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i.
_Iran_, das _Ariene_ der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das
zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem _Digloth_
(Tigris), _Frat_ (Euphrat), _Gihon_ (Dschihun) und _Phischon_ (Sihun),
östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im
engsten Sinne, d. i. _Fars_, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen
Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom
persischen _Irak_, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der
Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher
das paradiesische Thal _Schaab Bewwan_, von den asiatischen
Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die
Naturfeste _Kalaaisefid_, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname
als der Sitz des weissen _Diwe's_ bekannt, die Ruinen der vierzig
Säulen[449] oder der vierzig Leuchtthürme[450], die behauene Steinwand des
Ebenbildes Rustem's[451], die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter
Salomon's[452], d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift),
die des Kerkers[453] und der Musikkapelle Dschemschid's[454], Felsengrotten
mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den
Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten,
Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner
Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur
durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und
der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein
Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen
Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von
Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen
hat[455]; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und
das vielfarbige Salzgebirge von _Darabdscherd_ sich erheben, wo zu Schiras
die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und
Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten
Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist
seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt
derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem
Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris
gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte
morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft
der Beni _Saman_ und _Chorasan_ auf und erhielt sich dort noch mit der
Herrschaft der _Seldschuken_ in bedeutendem Flore; denn _Fars_ wetteiferte
hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug
unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach
dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom
nördlichen Persien, wo die Residenz _Tebris_ aufblühte, streitig gemacht,
in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der _Beni Mosaffer_
und _Sseffi_ wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward,
wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und
Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon
aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der
Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars
beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die
Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen
Herrschaft Hulagu's einschliesst.

[Randnote: Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.]

In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und
Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie
der Beni _Dschelendi_, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den
Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten,
einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni _Amare_ oder
_Imare_, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort
_Amr_ oder _Omr_ bezeichnet _Leben_ und _Kultur_, indem die Kultur belebt
und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit _Omer_,
d. i. _Homeros_, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient
aus belebter Kultur[456]. _Aammar_ heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche
Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung,
wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische
Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni _Ammer_, die,
welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche,
angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den
Kreuzfahrern verbrannt ward[457]; die zweite, welche im ersten Viertel des
vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet,
unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert[458], welche
ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die
hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni _Amare_
in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen
Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der
Beni _Ssaffer_ trotzten, indem _Omer Ben Leis_, der Fürst der letzten, zwei
Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni
Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen
Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare
als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und
das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der
Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des
arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung
geschieht[459]. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der
der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders
die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben
und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem
Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben
Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, _Faslui
Schebankjare_, von dem ein Dichter gesagt:

    Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück,
    Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt _Faslu_ zurück.

Der zweite, _Rokneddin Chumar Tekin_, ertrank; der dritte, _Dschelaleddin
Dschanli_, zerstörte Schebankjare; der vierte, _Rokneddin Dschanli_,
welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der
fünfte, _Mengubers_, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt,
desgleichen seine Gemahlin _Sahide_, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr
_Issmeti_, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, _Besabe_,
ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet,
und der siebente, _Melekschah_, hielt, der letzte, das Ansehen der
Seldschuken aufrecht. [RN: i. J. 543/1048] Wider diesen stand in der Hälfte
des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen
Zeitrechnung, _Sonkar Ben Mewdud_, der Salghure, vormaliger Sklave
Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er
war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan
Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von
Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch
seines Bruders Tekele List eingesperrt ward[460]. Er hatte sich am Fusse
des Berges _Giluje_ angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft
begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem
Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft
durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee,
Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der
Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer
seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet[461].

[Randnote: Die fünf ersten Atabegen Salghuren.]

Der Atabeg _Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed_, der Bruder des Gründers, vom
Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege bestätigt, behauptete, wie
sein Bruder, die Herrschaft durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von
seinem Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den
Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen Scheich
Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen
vergrössert, erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi,
zerstöret ward. [RN: 570/1174] Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn
Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, Emineddin Karasun,
zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung
verheerte der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, das
Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren kaum hinreichend,
die dem Lande durch die Verheerung geschlagenen Wunden durch gerechte
Verwaltung zu heilen; [RN: 590/1194] kaum vernarbt, wurden dieselben
während der siebenjährigen seines Vetters und Nachfolgers _Toghrul Ben
Sonkor_[462] wieder durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der
fünfte Atabeg, _Ebu Schudschaa_, d. i. der Vater der Tapferen, _Saad Ben
Sengi_, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch Landplagen
so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche
Hungersnoth, in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den
Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste Hungersnoth noch
schrecklichere Pest. [RN: 600/1203] Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege
von Aserbeidschan, verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der
Sultan Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend
Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes des persischen Irak
bemächtigt hatte, schlug sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm
gefangen. Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die
Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die Herrschaft von
Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass dessen Tochter _Melike Chatun_
dem Sohne Chuaresmschah's, dem grossen und unglücklichen _Dschelaleddin
Mankburni_ (dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das
Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und
das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme. Saad's Sohn
Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand
wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug ihn einigemal und
sperrte ihn im Schlosse von Istachr, welches sammt den von _Ischnekwan_ von
Chuaresmschah hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten
des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach dem Vater mit
Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom Pferde und sperrte ihn in einem
der drei Schlösser von Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah
geschlossenen Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden
zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von Tebris,
welches _Schehrallah_, d. i. die Stadt Gottes, heisst, und zu Erneuerung
der Mauern von Schiras[463]. Saad's Wesir war _Amideddin Abu Nassir Esaad
Abrisi_, welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte
hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen
Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die berühmte, seitdem
auf allen Zungen gang und gäbe Antithese Chuaresmschah's:

    In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs,
    Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde[464].

Der Wesir _Amideddin_ stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem Meister aller
Humanitätswissenschaften, _Omer Er-Rasi_, über die Schwierigkeiten des
mystischen Epos _Selaman_ und _Absal_, welches unter der Hülle einer
Männerliebe die Allegorie des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe.
Die Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes
altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras[465]
aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die Sage von
Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne
Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's[466], eingesperrt;
er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er
an die Wand schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn:

    Wer bringt meinen Geist zu _Batha's_ freien Tauben?
    Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben.

[Randnote: Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.]

Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr unmittelbar vor
des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen, und bestieg nach dessen acht
und zwanzigjähriger Regierung den Thron. [RN: 623/1226] Sein Vater, Saad,
hatte Kerman erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn
Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner
von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des persischen
Meerbusens _Kisch_ und _Bahrein_ und das arabische Gebiet von _Katif_ und
_Lahsa_ erobert. Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der
Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem
Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu _Ebrkuh_, _Beidha_, _Karun_, im Passe
_Adhadi_ und an der Küste von _Dschaaber_, die schönste Juwele aber der
Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in
welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen
Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr vortheilhaft auszeichnenden
Bescheidenheit den Beifall seiner Zeitgenossen einzig dem des Atabegen
zuschreibt und auf ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die
Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:

    Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist;
    Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist;
    Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist,
    Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist.

Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch Saadi, nicht
aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem Verderben Chuaresmschah's
huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward
als Atabeg in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur
dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche damals der
kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe sandte er alljährlich
den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte
behandelte er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um alle
Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die
Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im
Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab
und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. Ein
grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, besonders aber der Frommen
und Derwische, die er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es
scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen
Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem Titel _Kotloghschah_
erhalten; er hatte denselben seinem Sohne Saad und seinem Bruder
Salghurschah entgegengesandt. Der Bruder, beigenannt _Karandank Chan_, war
ein humaner, verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen
Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten paradiesischen Gärten,
welche _Ssubuhabad_, d. i. Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing;
seiner unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als
Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die Kaaba,
Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken
auf Herrschaft fern, lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr,
durch eine lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft
unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von Trinkern, wie
Wassaf sagt:

    »Morgentrunk und dann des Weines Gluglu,
    Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu,
    Traute Sänger, die gebunden und betrunken,
    Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.

Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, die Schöne
zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel eine Zeit lang von
den Ohrfeigen nicht ertönend, und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick
aufgähnend, die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das
Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den Aesten sang ein
Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht
erwachten von dessen Schall und Widerhall.« Bei solcher Lebensart vertiefte
er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages
improvisirte Salghurschah:

    Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,
    Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre;
    So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln,
    An deiner Statt gerade wie du mich behandeln.

Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, zehn edle
Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine Schulden getilgt seien[467].

[Randnote: Eroberung von Kisch; und Literatur.]

Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln _Kais_ oder
_Kisch_ (auf persisch Kosch) und _Bahrein_, wo die reichsten
Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat
ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von _Siraf_,
der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung
der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme
Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf
einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo
gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten
zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne
der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen
bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast,
den sie _Aferide_ nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's
zu _Nabend_ (dem östlich von _Siraf_ gelegenen Dorfe) und mit den
Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu _Siraf_ um den Vorzug
buhlte[468], und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der
Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan _Ibnol Melik Dschemschid_. So
herrschten die _Beni Kaissar_, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni
_Amare_ in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf _Kais_,
als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem
Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber
von _Germsir_, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste,
wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur
einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. [RN: 12. Dchem. achir
626/17. Mai 1229] Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und
nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem _Abu Nadhr_ zum Sturze
Melik _Sultans_ angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit
ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu _Chorschif_ gelandet
hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer
von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der
Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. [RN: 4. Moharrem
628/12. Nov. 1230] Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen
von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes
der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und
See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der
Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren
Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel
_Owal_, insgemein _Bahrein_ genannt, [RN: 3. Silhidsche 633/8. Aug. 1236]
und sieben Jahre darnach die Insel _Katif_, auf welcher das Schloss
_Tharut_, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der
Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem
sieben und siebzigsten Jahre, [RN: 5. Dschem. achir 658/19. Mai 1260] von
seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt,
worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter
Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd,
_Alaeddewlet's_, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen
Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch
die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine
Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur.
Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und
Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, _Hemkjar Farsi_, beigenannt
_Medschdeddin Semeki_, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan
hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den
grossen Dichtern _Imami_ aus Herat, _Abdulkadr_ von Nain, _Said_ von Herat,
_Nefieddin Lokmani_[469] und _Esireddin Omani_, dem Schüler Nassireddin's
von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha
Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und
aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand[470]. So
günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten,
besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben
aus Schiras, darunter den grossen Imam _Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi_, den
berühmtesten Prediger seiner Zeit[471]; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die
Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren,
die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste
und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit
dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan
Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.

[Randnote: Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche
einverleibt.]

Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und
erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres
Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch
einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi
im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an
Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin
Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter
Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan
zwar ihre Tochter _Selgham_ vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn
bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder
Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad
durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als
er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse
von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung.
Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren
der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn
nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die
Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder _Seldschuk_ und setzten
denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so
sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit
verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die
Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer
Romane vorstellten, nämlich: _Koseir_ und _Osa_, _Amrol Kais_ und _Oneise_,
_Irwet_ und _Aafra_, _Emher_ und _Wefa_, _Leila_ und _Medschnun_, _Weise_
und _Gilschad_, _Schirin_ und _Ferkad_, scheint den schon Trunkenen die
Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben;
auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser
der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem
Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und
warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu
solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte _Oghlobeg_ und
_Kotlogh Bitekdschi_, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu
entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde,
nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den
anderen ermorden. _Miak_ war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch
gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald
aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale _Altadschu_ und
_Timur_ nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn
ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den
Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans
von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein.
Seldschuk flüchtete nach _Chorschif_. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht;
geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid
Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und
Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der
Atabegen, der Tochter Turkjan's, _Abisch_[472] (aus Saad Ebubekr),
verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein
allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu
gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid
_Scherefeddin_ neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht
gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe
verurtheilt. [RN: 661/1262] Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's
wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne
Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen
sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften
von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und _Abisch_ blieb bei
ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars
geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten
(Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch
mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der
Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel,
das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu
Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und
Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von
Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die
Landschaft Fars.



Viertes Buch.

    Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften;
    die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai;
    armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und
    dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod
    grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die
    niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug
    wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan;
    Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu
    Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht
    von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.


[Randnote: Abaka's Thronbesteigung.]

Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten
bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls,
welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel
quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten
Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen
und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers
angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als
möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten
die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des
Nachfolgers verlaute[473]; daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach
mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass
Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an _Abaka_, den
durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter
von Chorasan, abgefertigt, und zugleich _Arghun_, welcher bei Abaka die
Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im
Winterquartiere von _Arran_, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der
Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein;
der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der
Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; [RN: 19.
Dschem. ewwel 663/9. März 1265] Abaka aber stieg im Lager von _Tschaghantu_
(am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend
entgegengingen und _Ilkai_, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer
Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der
Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid
bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben
Viele gegenwärtig befanden[474]. _Sundschak_ Nujan, welchem Hulagu seinen
letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und _Arghun_ bezeugten
mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung _Abaka_
zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder
nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl
Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser
als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er
einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung
und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein
und dreissigsten Jahre seines Alters. [RN: 3. Ramasan 663/19. Juni 1265]
Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um
dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass
ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren,
beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. »Die
Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers
Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen
und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.« Mehrere Tage
dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich
bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am _Tschaghan Nur_, d. i. am
weissen See, im Distrikte _Ferahan_, statt; _Ferahan_ ist eine Stadt
mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher
Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die
längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie
das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte
_Dolfabad_, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz,
Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs _Ebu Dolf Kasim Ben Isa
Ben Idris_; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse
Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus
der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so
reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.

[Randnote: Verleihung der Befehlshaberschaften.]

Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem
Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf
nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft als
_Chan_, _Ilchan_, _Schah_ und _Padischah_, d. i. als Herr, Landesfürst,
König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und
Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und
Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der
Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und
Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne;
dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die
Statthalterschaften des Reichs. Dem Bruder _Jaschmut_ wurde mit
wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476],
Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem Bruder _Tuktin_ die Huth
der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus
anvertraut. Der _Bitekdschi_ (Staatssekretär) _Tughu_, der Sohn Ilkai
Nujan's, und _Tudan_, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende
dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden Emirs _Tschoban_),
wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den Emiren _Semaghar_ und
_Kehurkai_ abgelöset wurden. _Dutai_ Nujan wurde nach Diarbekr und _Dijar
Rebiaa_ an die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht
Georgiens dem _Schiramun_, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen
Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars dem _Sundschak_ Nujan
übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhielt _Baltadschu_ Aga und die
der Pachten[477] _Arghunaga_. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und
Herrn des Diwans zu Tebris wurde _Schemseddin Mohammed_ von Dschuwein und
zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder
_Alaeddin Atamülk_, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der
Sohn des Wesirs Schemseddin, _Chodscha Behaeddin_, an der Spitze der
Geschäfte. Die Verwaltung von _Chorasan_ wurde dem Chodscha _Iseddin Tahir_
und nach ihm seinem Sohne Chodscha _Wedschiheddin_ zugewandt; _Fars_ wurde
im Namen der Atabegin _Abisch_ verwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte
dort _Tasiku_ auf sich. Die Herrschaft von _Kerman_ wurde der Prinzessin
Turkjan Chatun, die von _Nimrus_ dem _Melik Schemseddin Mohammed Kert_ und
von _Georgien_ dem _Abd_ und seinem Sohne _Ssadren_, die _Armeniens_ dem
König _Hethum_ bestätigt. _Diarbekr_ wurde dem Dschelaleddin Tarsi, _Dijar
Rebiaa_ dem _Mosaffer Fachreddin Kara Arslan_, _Kaswin_ und ein Theil Iraks
dem _Iftichareddin Kaswini_, Tebris dem _Ssadreddin_ zur Verwaltung
anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und
Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen
Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen
nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von
den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz
getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen:
in _Schirwan_ und _Chorasan_, in _Georgien_, _Kleinasien_, in _Fars_ und im
arabischen _Irak_, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu _Tebris_, _Bagdad_
und _Issfahan_, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher
der inneren Verwaltung: in _Chorasan_, _Diarbekr_, _Dijar Rebiaa_, zu
_Kaswin_ und _Tebris_ und endlich die dem Namen nach herrschenden, aber
eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten von
_Kerman_, _Nimrus_, _Georgien_, _Armenien_ und _Fars_; zählen wir hierzu
noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule
mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen von
_Gross-_ und _Klein-Luristan_ und von _Jesd_, die noch zu _Mardin_
herrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zu _Hossnkeif_ aus der
Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von _Himss_, _Hama_ und
_Kerek_ gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim
Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse
Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter
der Güter.

[Randnote: Schemseddin's Familie.]

Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als
die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und
sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache
ausgezeichnete Männer hervor als »die vier Grossen unter ihren
Zeitgenossen«; der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph
seiner Zeit, _Nassireddin_ von Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha,
der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's
und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei
Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit
Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der Wesir _Schemseddin
Dschuweini_, der dritte der Tonkünstler _Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi_
und der vierte der Schönschreiber _Dschemaleddin Jakut_. Von den beiden
letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser
Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst
jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse
auf. »Unter seiner Regierung«, sagt Wassaf, »begehrten die Schafe von den
Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken
und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den
schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner
Glückesschrift aufgezeichnet.« Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich
Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der
Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf
die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die
Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs
Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem
Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war,
hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung.
Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen,
im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine
Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's
Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher
die öffentliche Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge
erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der
Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten,
einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden,
befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der
Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der
zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die
Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse
spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den
Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte,
packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur
Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann
Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein
trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und
Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte:

    »Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen,
    Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].«

Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten,
eingedenk des Spruchs:

    »Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.«

und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten
ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:

    »Wein, der unter'm Schleier[481] spricht,
    Durch die Rosen im Gesicht.«

Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit
politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem
Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder _Harun_, der es ihm
an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit
Recht beneidend. Diesem widmete der grosse obgenannte Tonkünstler
Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über
ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer
Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig,
Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg _Ssafijeddin_ anredete,
entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders,
einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu
haben, indem er sagte: _Harun_, der den Namen des grössten der Chalifen
trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen
Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen
Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt
mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne
Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines Bruders _Atamülk_, des
Verfassers der _Welterobernden Geschichte_.

[Randnote: Abaka's Familie.]

Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire
Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie
näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen
ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern,
sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau _Jesundschin_
aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des
Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil
sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau
_Oldschai Chatun_, welche mit _Tokus_ Chatun den Vater Hulagu auf seinem
Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf
seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann _Tokini_ Chatun, die Base der
grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode
ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau den _Baghtak_, d. i.
den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle _Durdschi Chatun's_ als
grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die Tatarin
_Nukdan_, die Mutter seines Sohnes _Kendschatu_, welche aber jung starb.
Ihr folgte _Iltürmisch_ Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester
_Turka Gurgan's_, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin
_Padischah_ Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von
Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, _Jesundschin_, setzte, so dass
ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und
achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen
Frauen _Mertai_ und _Kuti Chatun_, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der
Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's
gestorben. Die neunte Gemahlin, _Tudai_ Chatun, die Konghuratin, und nach
ihr _Bulghan_ Chatun, die Verwandte des Oberstrichters _Nokai_ [die
Konghuratin[483]], welche er vor allen anderen liebte und daher im Range
sowohl der _Mertai_ als der _Despina_, d. i. der griechischen Prinzessin,
vorsetzte. Die letzte war _Maria_, die natürliche Tochter Michael's, des
Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der
Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt
hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten
des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten
des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand
sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach
dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den
Opfergefässen[484]. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als
Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau _Tokus_, wohl empfangen, wie
dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken
geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode
Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die
Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die
Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne
übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's,
in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen
Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihm
_Kaitmisch Ikadschi_ den Sohn _Arghun_, dann _Kewkebi Ikadschi_ die Tochter
_Toghandschuk_, hierauf _Buludschin Ikadschi_ die beiden Töchter
_Ilkotlogh_ und _Oldschatai_; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen
geboren, nämlich _Julkotlogh_ und _Taghai_ aus der Frau _Tudai_, dann
_Nudschin_ aus der Frau _Mertai_ und endlich _Melike_ aus der Frau Bulghan.
Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an
Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so _Julkotlogh_ an den
_Ildschitai Kuschdschi_ von der Leibwache, Toghandschuk an den Emir
_Newrus_, den Sohn Arghunaga's, Melike an _Taghai Buka_, den Sohn des
Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten
die griechische Prinzessin _Maria_, die karachitaische Prinzessin
_Padischah Chatun_ und vor allen _Bulghan Chatun_, eine gewiss eben so an
Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete
Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von
einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder
minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein
ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang.

[Randnote: Schlacht mit Nokai.]

Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze
statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus
Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den _Kor_
gezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses _Akssu_[485],
[RN: 3. Schewwal 663/19. Juli 1265] den die Mongolen _Tschaghan Muran_
nennen (das eine und andere heisst _Weisswasser_). Der Verlust war von
beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete
nach Schirwan. Jaschmut ging über den _Kor_, aber wieder zurück, als er
vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe;
die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er
vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach
Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem
Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, von _Delai Nor_ bis an die Wüste
der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an
dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der
Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward.
Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur
(den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau
Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten
Hyrkanien) zu. [RN: 665/1266] Während dieses Winters erschien _Mesudbeg_,
der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des
Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige
Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing
denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und
wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug
dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's
schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte,
reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als
die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah
Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass
Mesud als Kundschafter _Borrak's_, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen,
welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen.
Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter
Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem
Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach
Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach
Masenderan. Zu _Kebuddschame_, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und
Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's[486], ging er dem Gepäcke Hulagu's
entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's,
_Tekschin_ und _Tekuder_, und mit dem Enkel desselben, _Dschuschkab_, dem
Sohne Dschumkur's, _Badu_, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der
Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im
Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's
und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha
gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne
entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu
Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh
ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als
Nadelgeld, das bei den Mongolen _Tonlik_, das Geld auf Unterhosen, heisst.
Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte
den Winter zu _Tschanganlu_ (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den
Weiden von _Alatagh_ an den Quellen des Euphrats und zu _Siahkuh_
(Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft _Arran_.

[Randnote: Armenische und ägyptische Verhältnisse.]

Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die weiteren
Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern, hatte dieser den
Kreuzfahrern die Städte _Cäsarea_, _Arssuf_, _Ssafed_, _Jafa_, _Schakif_,
die Schlösser _Haifa_, _Arka_, _Kaliat_, _Meluhat_, _Dschebele_
entrissen[487] und war in Cilicien in die Staaten König Hethum's
eingefallen, welcher erst beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann
bei Abaka selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn
Hethum's, den Pass von _Iskenderun_ (Alexandriette) besetzt hielt, ward er
von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und gefangen;
sein Bruder _Toros_ und einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die
Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über den Dschihun
und bemächtigten sich des den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel
gelegenen Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte
_Sir_, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der jetzt in den
Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen dieser Stadt, während der
ägyptische Feldherr _Kilawun_ (der nachmalige Sultan) die Städte Ajas,
Massissa und Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher
Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der Ochs, im
Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer fand. Hethum, der
vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit
Beibars auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die
Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem
Königreiche Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des
ägyptischen Generals _Schemseddin Sonkar el-Aschkar_, d. i. Sonne der
Religion, Falke der Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu
Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. [RN: Juni 1267] Der Friede
wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek,
Merseban[488] wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den bisher im
Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt[489].
Bald darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der sich damals
zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung seines Sohnes zu danken und um
die Erlaubniss zu bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. [RN:
1269] Nachdem er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu
Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog sich nach
fünf und vierzigjähriger Regierung unter dem Namen Makarius in's Kloster
von _Trazargh_ zurück, wo er einige Monate hierauf starb[490]. Im selben
Jahre sandte Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus
zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des
Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing. Abaka warf in
seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen
Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke,
es wagen könne, den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern,
zu widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte zu
opfern; er schrieb an Beibars selbst: »und wenn du in die Wolken
aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, du würdest mir
nicht entfliehen«. Beibars antwortete: »Es ist wahr, dass ich den Kotos
getödtet, aber die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege
übertragen worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir
werden bereit sein, dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen
Länder denselben wieder zurückzuerobern.« Abaka war nicht im Stande, seinen
Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten sein Reich
bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der Herrscher des Uluses Dschagatai,
wider Chorasan herangezogen. Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka
würde vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht
in Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem und Kaidu,
dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach
Reschideddin erzählen.

[Randnote: Kaidu's und Borrak's Vertrag.]

Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's, ist bereits
Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes Jesentewa's, des zweiten
Sohnes Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's[491]. Dieser, von
Kubilai zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht
sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter
Turkistan's, _Mogholtai_, Streit begann. Dieser sandte den Emir _Tekmisch_,
jener den Emir _Kuwindschi_ mit einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi
geschlagen, aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's
zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches
Kaidu und Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von
Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen
Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. Borrak, von
demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand in der Absicht, das
fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das
Unheil abzuwenden, und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte
Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. In
der Ebene von Soghd empfing Borrak den Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn
neben sich, trank mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der
Steppe von _Katwan_ in der Nähe des Karawanserai[492]. Abu Mohammed's
Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten Tonarten, um dem
Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des
Sohnes Kadan's, des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe
Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den
Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen,
begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara verschone.
Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten
sich im Frühjahre [RN: 667/1269] in der Ebene von Talas und Kundschuk, wo
nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand[493]. Kaidu sprach von dem
Vertrage Tschengischan's und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben
zuwider; dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des
Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der des Uluses Dschudschi's in
Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten
und Westen theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses
Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm verständigen.
Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem
Dschihun und Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die
beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt bleiben
sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren Reitern nur in den
Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht zu betreten, die Unterthanen zu
schonen; im folgenden Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen
Chorasan zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: »Sie
besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit gewechselten Bechern
und Kleidern, indem sie die Hefe auf die Erde gossen«[494]. Eine Zeit lang
genoss das Land unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser
Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten
Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich veruneinigt
hatten, das Heer des letzten dem des ersten entgegenziehend Bochara
verlassen, die Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der
Vorstellungen seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend.
Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf
den Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses
Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen,
sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den
Zustand desselben besser zu erkunden.

[Randnote: Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.]

Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon oben gesagt
worden, die ausständigen Rechnungen über die beiden Prinzen gemeinsamen
Krongüter zu verlangen; aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul,
den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im
Heere Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem Ende
war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die
Mongolen _Tughane_ nennen, in deren Schaft die geheime Depesche
verborgen[495]. In dem Briefe gab Borrak dem Prinzen Kunde, dass er im
Begriffe, wider Abaka in's Feld zu ziehen; er möge, als ein Prinz des
Uluses Dschagatai, sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die
Aufforderung fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen,
entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach Georgien
zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im Norden des kaspischen
Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die
Huth der nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung
dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er
durch die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit
suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so
dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf Gnade und Ungnade in
die Arme Abaka's warf. [RN: 668/1270] Abaka liess sechs seiner Emire
hinrichten, seine Truppen unter die Tausender, Hunderter und Zehner
vertheilen, setzte ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu
Derjar Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der
Niederlage Borrak's, entlassen ward[496]. Der Botschaft Borrak's ritt
Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend entgegen, und
trotz der hohen Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in
die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem Mesudbeg
ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden, als sein Vater,
Jelwadsch, sagte, verächtlich auf Schemseddin herabsehend: »Du bist der
Inhaber des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.«
Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick
mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach durch die Nachsendung der
Boten, welche den Gesandten als Kundschafter zurückbringen sollten, und als
diese zu spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der
seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte Jerligh an die
Prinzen _Ahmed Ben Buri_[497], _Balighu_[498] und _Nikpei Aghul_[499], dass
sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten; _Tschabad_, der Sohn
Huku's[500], _Mobarekschah_[501] und _Kipdschak_, der Sohn Kaidu's[502],
erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu setzen; weiter
hinauf sollten _Kokadschu_[503] der grosse und _Banial_ bei Chiwa,
_Kokadschu_ der kleine aber bei _Mingkkischlagh_, welches der gewöhnliche
Ueberfuhrsort von Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak
jenseits desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften,
alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen und des Tages mit
sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um sie fett, alle Hunde wurden
getödtet, um aus ihren Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und
Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis
Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals Vorstellungen
dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst
sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige
Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, nahm aber den
Befehl der Verheerung zurück.

[Randnote: Borrak zieht über den Oxus und wird von Kipdschak verlassen.]

Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's bestellten neun
Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai stellten sich zu seinem Dienste
noch vier des Uluses Dschudschi, nämlich die beiden Jesawur [der grosse und
kleine][504], _Meraghul_ und _Dschelertai_[505]. Mit diesem Heere eroberte
Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's (bei Balch)
bis nach Nischabur. Ehe er noch über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft
an Tekschin (den vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom
Vater die Herrschaft über das Gebiet von _Badghis_, östlich von Herat,
eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. _Badghis_, was nur verderbte
Aussprache von _Badchis_, d. i. Windaufstehend, weil dort immer die Winde
rege, hiess vormals _Pasin_ und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten;
die Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen Herat und
andere Städte mit Pistazien versehen werden. In diesem Bezirke liegt das
unbezwingliche Schloss _Nertku_[506], das _Aornos_ Chorasan's, auf einem
tausend Ellen hohen Felsen, zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für
Einen Menschen gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der Waffen
bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die Rosen hier erst im Juli
blühen; das Holz zu dem Baue der Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern
und ist so trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch fault,
der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe und Kultur hundertfach
trägt[507]. Nach der Felsenburg _Nertku_ ist _Kiasis_ ein geschichtlich
merkwürdiger Ort des Gebietes von _Badghis_, weil es die Grabstätte
_Mokannaa's_, des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem
Brunnen von _Nachscheb_ einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich von
bengalischem Feuer), der die Gegend weit umher erleuchtete[508]. Borrak
liess den Prinzen Tekschin wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem
Indus gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe räumen.
Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches Erbe von seinem _Aka_,
d. i. dem älteren Bruder und Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen
müsse. Abaka antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern des
Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den Angriff Borrak's zu
vertheidigen wissen werde. Auf diese Antwort hatte Borrak mit den Prinzen,
die in seinem Geleite, Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen,
nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu Kesch und Nachscheb
zurückgelassen. Melik Schemseddin Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend
entgegen, um die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch
zugestanden, aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai oder seinem
Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward[509]. Von Seite Abaka's
befehligte sein älterer Sohn Arghun, welchem die Statthalterschaft von
Chorasan verliehen ward, das Heer; in demselben befand sich ein Emir der
Tausender Namens _Sidschektu_, welcher ehemals ein Hausgenosse des Prinzen
Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere Borrak's befände, sandte
er ihm ein Geschenk von Pferden, das dieser mit gleichem entgegnete; diess
war der Anlass eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn
Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak in Borrak's Gegenwart
vorwarf, die bessten Pferde für sich behalten und nur die schlechteren dem
Borrak gegeben zu haben. Kipdschak rief aus: »Hat je ein Karadschu, d. i.
ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling Tschengischan's so
gesprochen, dass sich solch ein Hund solcher Worte erfrechen darf.« --
»Wenn ich ein Hund bin«, antwortete Dschelartai, »bin ich der Hund Borrak's
und nicht der deine.« -- »Ich werde dich entzwei hauen,« rief Kipdschak,
»ohne dass mein _Aka_ es mir verarge.« -- »Und ich,« entgegnete
Dschelartai, die Hand auf den Dolch legend, »wenn du nahest, dir den Bauch
spalten.« Da Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab,
verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der Nacht mit zweitausend
Reitern das Lager. Die Versuche Borrak's, denselben durch die Sendung von
drei Prinzen zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai folgte
mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; aber da die
Prinzen fürchteten, dass, wenn die Truppen desselben in Sicht kämen,
Kipdschak sie mit sich führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge
zurück. Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte
Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's aus dem Lager
Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband sich, seinen alten
Verbündeten Borrak verlassend, mit Abaka in Freundschaft, so dass sie sich
fortan _Ortak_, d. i. Genossen, hiessen.

[Randnote: Held Merghaul, Dschebat's Flucht.]

Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe Tekschin's,
welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's preisgegeben, während Schiramun im
Norden sich mit Nigudar, dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen
Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat
Borrak den Zug durch Chorasan an[510]; seine beiden tapfersten Feldherren,
_Dschelartai_ der Dschelaire und _Merghaul_, jener ein Bogenschütze, wie
_Aresch_, der berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den Bogen
Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul
war vorzüglich in der Kunde des _Dschade_, d. i. des Wetter- und
Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von sich selbst:
»Ich binde den Gaul zu _Konghus Alanik_ an und reite nicht faul den
Falben[511] bis an die Alpen desselben[512], ohne dass, um auszuruhn, ich
den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die Schweissdecke trocken
werde.« _Purbaha Dschami_, der persische berühmte Dichter, welcher, ein
Türke oder Mongole von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb
aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten bestehende
Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum Lobe Schemseddin
Dschuweini's verfassten Kassidet:

    Die Trennung _Merghaul_ verheert Geduld mit Schwert,
    Wie jüngst _Borrak_ mit seinem Heer das Land verheert[513].

Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, Jaschmut und
Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime Abaka's) nicht zu widerstehen,
und er zog also selbst an der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen
hatte Borrak Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der
beiden Prinzen _Kipdschak_ und _Dschebat_, welche er ihm zu Hilfe gesandt
und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die Gränze
Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken
(Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak,
jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: »Könntest du,« fragte Begtimur den
Tasikaka (den Emir der Tadschiken), »mit fünfhundert Reitern denselben
nicht abwehren?« -- Tasik antwortete: »Ich bin _Karadschu_, d. i.
Unterthan, und Dschebat ist _Urugh_, d. i. vom Herrscherhause, wie kann
sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?« -- Da sass Begtimur selbst zur
Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit genauer Mühe mit zehn Reitern
rettete, nachdem er die Brücke von _Tschirameghan_ zerstört; dreissig
Parasangen weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu
können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden
ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre
zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte, unbesorgt der
Zukunft. Merghaul wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan;
Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat
bestimmt. [RN: 6. Ramasan 668/30. April 1269] Da stellte ihm Kotlogh Timur
vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum
Feinde mache, derselbe ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der
Vorstellung Gehör und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den
Herrn von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse _Chaisar_ trafen sie
zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der Einladung;
er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit Chorasan belehnt; Mehreres
noch versprach ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts,
als von der Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie
schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem
Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der
reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und begehrte die
Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um dort Waffen und Pferde
aufzubringen. Die Einwohner Herat's gingen ihm entgegen und vernahmen
trostlos die mongolische Forderung; da aber indessen die Nachricht vom
Anzuge des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das
östlich von Herat gelegene Schloss _Chaisar_ zurück; hier erwartete er
politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem Uluse Dschagatai und
Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den Untergang des letzten
voraussehend[514].

[Randnote: Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.]

Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, brach Abaka, von
allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin ausgenommen, die schon in
Chorasan, begleitet, dahin von der Gränze Aserbeidschan's auf. [RN: 4.
Ramasan 668/28. April 1269] Als er nach dem zwischen _Sendschan_ und
_Ebher_ gelegenen Distrikt _Schirgis_[515] gekommen (wo später die Stadt
_Sultanie_ erbaut ward), welchen die Mongolen _Kungurulang_ nennen, wartete
ihm der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte _Tekadschek_ auf, welcher
von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten, demselben entflohen war.
Auf die durch ihn erhaltene Kundschaft von der Schwelgerei und der
Sorglosigkeit Borrak's beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu
_Kumis_, kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein Sohn
Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend entgegen; auf der
Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt
und demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung seiner
Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch nach _Bachers_, dem
zwischen Nischabur und Herat gelegenen Distrikte, in der
Literaturgeschichte durch _Bachersi_, den Verfasser der berühmten
Blüthenlese, für immer geadelt. Gegen _Farab_, nicht zu verwechseln mit
Farab, dem Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der
Tonkunst, _Farabi_, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie Aristoteles
den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus und beschäftigte sich mit
der Vertheilung des Heeres in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut
übertrug er den Befehl des rechten Flügels, den _Obotai_ Nujan behielt er
bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nach
_Beldschaghran_, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten Merghaul's
getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein
feindliches Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und Arghun wieder
zurückgekommen, so wissen wir schon, was von ihnen zu halten, da wir sie
geschlagen; ein Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg,
bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka einen fündigen
Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er wolle ihm Ghasnin und Kerman
und das Land bis an den Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren;
wenn nicht, zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden,
weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach. Merghaul
ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende Heer seien nur die
Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt
sei. Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege ausgezogen;
wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus geblieben.
Borrak fragte den Astrologen _Dschelal_; dieser rieth, einen Monat zu
warten, indem die Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und
Dschelartai sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. Abaka
befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse
eines Berges eine grosse Ebene, vom Flusse _Karasu_ durchschnitten. Drei
hier aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's
getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche
Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden im Norden
überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser wurde in der grössten Eile
veranstaltet, das ganze Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung
der Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man einen
derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden schlachtlustigen
Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen in die Falle; das
zurückgelassene Lager ward geplündert und dann der flüchtige Feind verfolgt
bis an den Ort, welchen Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak,
betroffen, stellte sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den
Befehl des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur, den
des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale Suntai und
Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars,
deren Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; Obotai
befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht,
Dschelartai schlug den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch
zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber
auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, der
neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel mitten im Schlachtfeld
nieder und sagte zu den ihn umgebenden Offizieren: »Heut' ist der Tag, uns
dankbar gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.« Nach dreimaligem
Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre verloren gewesen
ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart. Er sammelte die zerstreuten
Flüchtlinge und bewirkte ihren Rückzug über den Oxus.

[Randnote: Ende Borrak's.]

Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt
worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den
Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune
ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz
Ahmed Aghul, der Sohn Buri's[516], zog missvergnügt mit seinen Truppen nach
Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen
Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den
Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur
Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die
Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend
entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des
Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit
seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: »Als ich,«
sagte er, »vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt
mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis
ein _Karawine_ (ein Naphtafeuerwerker), Namens _Sali_, vom Pferde stieg,
mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm
reichte.« Er sandte den Bruder Jesar[517] an Kaidu, um sich über den
Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm
die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen,
seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai
nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte
seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die
Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen,
den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen
unter dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze,
weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatte
_Nauldar_ den Prinzen _Ahmed Buri_ und _Balighu_ den Prinzen _Nikpei_
verfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri
und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu,
dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die
nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch
fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich
gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem
Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden
Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die
Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am
folgenden Tage erschienen die Prinzen _Mubarekschah_ (der Enkel
Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana), _Kajan_
und _Dschobai_, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta][518], und
liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich
seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak
erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen
Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah
nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der Frau _Tukai_, der Gemahlin
Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: _Peik Timur_,
_Tewaburi_, _Tehu_ und _Uladai_; mit ihnen vereinigten sich die Söhne
Alghui's, die beiden obgenannten, _Dschobai_ und _Kijan_; des dem Kaidu
gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend
bis Bochara und bis jenseits des Oxus. [RN: 671/1272] Drei Jahre hernach
kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den
Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter
dem Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des
vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und
Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara
schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere; [RN: 7. Redscheb 671/20.
Jan. 1273] sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die
Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese
und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge
Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem
Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und
Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen
jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen
des Turkmanen _Okbal_[519]. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.

[Randnote: Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.]

Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze
in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass,
wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld
zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe
geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je
ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande. [RN: 1.
Rebiulewwel 669/18. Oct. 1270] Am achtzehnten October, dem in der
Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage,
stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu
_Dschaghantu_ die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt,
[RN: 20. Rebiulewwel/6. November] indem die Gesandtschaft des Kaan's mit
der Bestätigung der Herrschaft als _Ilchan und Padischah in Iran_ mit dem
Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung
volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege
Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen
durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des
ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der Kaan Anstand nahm.
Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's,
des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen
Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen
und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor
der Ankunft zu Meragha, [RN: 2. Ssafer 669/20. Sept.] war Abaka auf der
Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass
das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer der
_Aidadschi_, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so
dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt
ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich
fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben
zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein
geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen;
er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche
geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden
Prinzen _Jaschmut_ und _Tekschin_, die Oheime und treuen Waffengefährten
Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. [RN: 8. Silhidsche
669/18. Juli 1271] Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter
Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin
Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte
Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun,
ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu,
verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es
Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin
Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters
der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung
Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die
Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen
ward[520]. So erbte der Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht
regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge,
theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab
sich endlich das Schloss der Assassinen _Girdkjuh_, [RN: 6. Rebiulachir
669/15. Dec. 1270] welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn
Jahre[521] ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar
den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber
heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte. _Girdkjuh_, das letzte blutige
Nest der Assassinen, vielleicht das _Gilgerd_ der Byzantiner, das Schloss
der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt
wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser
Vermuthung Wahrscheinlichkeit.

[Randnote: Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.]

Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan war Abaka an der Gränze
Gilan's von einer Schaar dilemischen Gesindels aus einem Hinterhalte
angefallen worden. Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der
Atabeg von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan als Vassal
begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, sprang vom Pferde und
wehrte durch seine Tapferkeit die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur
Belohnung dafür verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz von
Chusistan, das Gebirge _Kiluje_ und die beiden Städte _Firusan_ und
_Dscherbadakan_; die erste, im persischen Irak in der Nähe von Firusan
gelegen, ward von _Firus_, dem Könige der altpersischen Dynastie der Beni
Sasan, erbaut, von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, Korn
und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen[522]. Dscherbadakan, auch
_Derbajekan_ oder _Güljadkjan_ genannt, ist eine zwischen Kerdsch und
Hamadan gelegene Stadt, welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen
(die Parisatis der Griechen), baute und _Samere_ nannte[523]. Jusufschah
begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) und schlug die Schulen,
den Sieg mit seines Bruders Nedschmeddin Tod bezahlend[524]. In Chorasan
schlugen sich indessen die Feldherren _Nikpei Behdi_ und der Turkmane
_Akbeg_ wider die dschagataischen Prinzen _Dschoba_ und _Kapan_, den Sohn
Alghui's, das Land verödend, wie bereits oben gesagt worden. Akbeg hätte
sich gerne mit seiner Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder
kam zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte demselben
des Bruders Anschlag. Arghun berief den Turkmanen ein, um ihn an den Hof
Abaka's zu senden; auf dem Wege dahin wurde er zu _Kökdsche denis_, d. i.
am blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der Intendent Melik
Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von Hulagu und Abaka hochgeschätzte
Sekretär _Dschenglaun Bachschi_ und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn
Dschurmaghun's, starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten alle Thürme
im Erdbeben ein. [RN: 671/1272] In diesem Jahre, wo zu Tebris Melik
Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia in Rum, dessen Fürsten unter
der eisernen Ruthe mongolischer Vogtschaft standen, der grosse mystische
Scheich Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten Astronomie und
Philosophie, Mystik und Poesie noch weit grösseren Verlust zu beklagen in
dem Tode Nassireddin's von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen
und des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, des
Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren schon oben Erwähnung
geschehen, und des grössten mystischen Dichters der Perser, _Mewlana
Dschelaleddin's_ Rumi, beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des
Mesnewi, des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich am Hofe
Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant der Wissenschaft,
während die Mystik und Poesie in den äussersten Enden desselben, in Rum und
in Fars, blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen Scheiche
Dichter, in Fars noch durch _Saadi_, den wahren König der persischen
Dichter seiner Zeit, wiewohl _Hemker Farsi_ das Amt des Dichterkönigs am
Hofe der Atabegen zu Schiras bekleidete; dass aber schon damals der
Dichterkönig von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt
ward, beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen persischer
Dichter bei der Imami's von Herat erzählet. In einer Abendversammlung
stritten sich die vier geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner
Abaka's, nämlich der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums
Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und der Intendent Melik
Iftichareddin von Kerman, einen Abend lang darüber, ob _Saadi_, ob _Imami_
aus Herat oder _Hemker Farsi_ (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie
kleideten diese Frage in Versen ein[525] und sandten dieselben zur
Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser antwortete
bescheiden und wahr:

    Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang,
    Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund;
    Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund,
    So läuft _Imami_ mir und _Saadi_ ab den Rang.

Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte eingriff,
wird sogleich aus dem Verhältnisse und Briefwechsel des gelehrten Wesirs
Schemseddin Dschuweini mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat,
erhellen.

[Randnote: Schemseddin Kert.]

Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan die Herrschaft von
Herat überlassen und welchen sein dritter Nachfolger, Mengku, als Herrn von
_Herat_, _Sebsewar_, _Ghur_ und _Ghardschistan_ bestätiget hatte, war ein
unternehmender, staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem
Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb. »Er war,« sagt
Wassaf, »ein Mann von hohem Geist und erhabenem Sinne, der sich der
Humanitätswissenschaften befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren
von den Fingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen den Reigen
der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern und von Heeresschaaren, ein
Bereiter, kundig, die Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's
Schultern sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel
durchmass.

    Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer,
    Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer;
    Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne,
    Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.«

Sein Vater, _Kert_, war zur Zeit der Sultane _Ghurs_ einer ihrer Emire und
gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan Schihabeddin's, des neunten
Herrschers von Ghur, welcher vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie
gebeugt. Zu Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui
Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet, ward Schemseddin
Kert geschlagen und flüchtete zu Batu, fand sich aber, sobald Mengku die
Prinzen, seine Nebenbuhler um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe
desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei der Annäherung des
Heeres Tschengischan's demselben huldigend entgegengekommen, er von
demselben mit dem Lande Ghur[526] mit dem tiefeingeschnittenen
Schluchtlande des nordöstlichen Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan,
dem nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt worden
sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den Besitz der beiden
Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan[527], deren Einwohner
derselbe Schlag von Menschen, durch Diplom und das Ehrenzeichen des
Löwenkopfs, sondern schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses
südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin begab sich in
den Dienst Arghun's, des Statthalters in Chorasan, und erhielt von
demselben das ganze Land bis an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch
Hulagu hatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet, aber schon
im Jahre nach der Eroberung Bagdads [RN: 658/1259] (bei welcher er nicht im
Heere Hulagu's erschienen) entbrannte wider ihn der Zorn Hulagu's in so
hohem Grade, dass er dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag
gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft zu schicken.
Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's, sondern auch ein zweites, wider
ihn gesandtes ilchanisches Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte
aber dann Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu und erhielt
dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt, von Hulagu befragt ward,
warum er ohne Befehl den Statthalter von Nimrus getödtet, antwortete er
schlagfertig: »damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle, wie
jetzt an mich.« Dem Hulagu gefiel die Antwort, und er nahm den Herrn von
Herat und Ghur wieder zu Gnaden auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite
den Feldzug wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch
Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider Chorasan fiel er in
die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung des Prinzen _Tebsin_, in dessen
Lager zu erscheinen, nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von
Chaisar fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt zu
bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider diese Massregel, wodurch
Chorasan von neuem verheert werden würde; er bat den Ilchan, die
Schlichtung dieses Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem
Statthalter von Issfahan, zu überlassen.

[Randnote: Briefwechsel zwischen den beiden Schemseddin (Kert und
Dschuweini)]

Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein würdiger Zeitgenosse und
Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin Mohammed Dschuweini, sandte an diesen,
als er die Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die
folgenden Verse:

    Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan?
    Ist nicht _Nimrus_ das Vaterland von _Purdestan_[528],
    Von dessen Schwerte und von dessen Stiereskeule
    Das Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule?

Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben und um die
Sache in Gutem beizulegen, sandte Schemseddin Kert das folgende Schreiben,
halb in Versen, halb in Prose:

    »Reichsglanz, o König _Schemseddin Mohammed Kert_,
    In dem der König und der Engel[529] sich bewährt.
    Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last,
    Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst.
    O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen,
    Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen,
    Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth,
    Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth.

Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen Erdgetümmels
droht, dass sie das Begehrte und Beliebte hinter dem Schleier der
Verwehrung verstecken und den Zweck des Herzens und der Seele ferne
stecken, so geschieht es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der
Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach sich ziehen, und
dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit, wie sie dieselbe immer
erfinden, nur Stoff der Entäusserung und Täuschung finden.

        Weltenbrauch ist's einmal nun,
        Stäts das Gegentheil zu thun;
        Hätten wir die Eintracht nicht begehrt,
        Hätte Welt dieselbe uns gewährt.

    O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte,
    Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte.

Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der Seele und die Seele
des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth des Königs des Islams, des
Herrschers von Iran, des Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der
Religion (die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig und der
Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit einem Ohrgehänge geschmücket und
entzücket worden, und dieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed
El-Dschuweini hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht denselben
schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch erfüllet worden ganz und
gar, brach von dem Loos eine geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge
nur Gutes bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die Seele
blieb nur das Ergebniss des Spruchs: _Der Gierige bleibt beraubt zurück:_

    Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand,
    Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand.

Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von jener Seite gekommen
und haben erfreuliche Nachrichten von beglückter höchstdero Seite gebracht.
Diese Kunden hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte in's
Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte über die
Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan zu hüten, sich
herausgelassen; hier erkühnt man sich aber, zu schreiben, dass der Weg
unnöthiger Behutsamkeit des leeren Verdachts möge verschlossen bleiben,
indem der Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht nach
Osten steht.«

Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt:

»Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen, sich dahin bemühen, dass
kein Geschöpf den Wunsch des Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf
welchen man das Herz setzt[530], verändert sich nimmer gleiche, so nützen
Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden können keinen Gewinn
geben. Jahre sind es, dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten
gewünscht das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des Diwans), des
gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen Rath und That gesiegt, der die
Sonne des Reichs und der Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen
und demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber

    Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen,
    Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen:
    Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt,
    Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen.

Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung der Jahre wurden
die Banden der Eintracht und Freundschaft und die Formen der Liebe zwischen
beiden Seiten befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor
den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der Wahrheit
zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet, einzuladen Tataren und
lasterhafte Barbaren. (Hemistich)

    _Was dir gefällt, gefällt mir nicht._

Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und es ist zuwider
dem reinen prophetischen Gesetze und den Ueberlieferungen Mustafas, des
Freunds der Gnaden.

    Besser ist's, dass Weiser einsam streife,
    Dass nach Winkeln er als Festen greife,
    Dass er trinke, küsse und ausschweife,
    Bis dass Welt Beständigkeit ergreife.

In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen, was soll frommen, so Gott
will, der Allgeehrte.«

[Randnote: Schemseddin's Verse: das Grün und Roth.]

Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin Mohammed gewechselt,
sind nicht die einzigen, welche die Geschichte von diesen beiden _Sonnen
der Religion_ aufbehalten; vom zweiten wird noch in dieser und in der
folgenden Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir hier zum
letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer Früchte seines
Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem poetischem Werthe, weil
das grösste Verdienst desselben im Wortspiel, das andere aber so
merkwürdiger, als es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen,
wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer. Das erste,
eine Antwort an _Siadeddin_, das ist _Glanz der Religion_, den König von
Kabul, mit welchem Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung.
Jener schrieb ihm:

    Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher Junge
    Nicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge;
    Du bist die _Sonn'_, ich _Glanz_; ein Jeder weiss,
    Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss.

Schemseddin Kert entgegnete hierauf:

    Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht!
    Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht?
    Ich bin die _Sonne_ und du bist der _Glanz_,
    Der von der Sonne kommt; was will der Glanz?

Die zweiten Verse sind zum Lobe des _Grünen_ im Gegensatze mit dem
_Rothen_, worunter aber keineswegs das Grün der Erde, des Meers oder
Smaragds, oder das Roth des Morgens oder der Blumen oder des Rubins,
sondern ganz ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere
Belehrung hierüber würde das folgende Lob des _Grünen_ und _Rothen_ einem
Abendländer eben so unverständlich sein, als einem Morgenländer die _grüne_
und _blaue_ Partei des Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark
Aurel's. Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind, wie bei
den Abendländern, das Weiss der Tage und das Schwarz der Nächte, jenes
Glück, dieses Unglück vorbedeutend, worin er mit dem Abendländer
übereinstimmt; aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt
jener den Schwarzen nicht die _Weissen_, sondern nur die _Rothen_ entgegen;
so ist Mohammed der an die _Rothen_ und _Schwarzen_, d. i. an alle Rassen
der Menschen, gesandte Prophet; die _Rothen_ sind jenen die blutigen Säbel
und der gewaltsame Tod, die _Schwarzen_ die giftgeschwollenen Schlangen
und der Tod durch die Pest; dem _Schwarzen_ steht das _Grün_ entgegen; dem
_schwarzen Korn_, die Begier, das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt
ist, und das nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust
entnommen ward, ist entgegengesetzt das _grüne_ Korn der Mystiker, welches,
durch Beschauung gross gezogen, in der Brust des Menschen zum Baume des
Lebens und der Erkenntniss aufwächst. Das _grüne Korn_ in rein sinnlicher
Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des daraus bereiteten Opiats
als Berauschungsmittel, im Gegensatze des _Rothen_, d. i. des Weins.
Schemseddin, dem Genusse des ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die
folgenden Verse:

    Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm,
    Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm.
    Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde[531],
    Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde[532].
    Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul,
    Besteige ich des Himmels grünen Gaul;
    Mit _Grünen_ ess' ich _Grünes_ in dem _Grün_,
    Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün.

Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe des _Rothen_:

    _Rothe_ Rose, _rother_ Wein und _rothe_ Wangen;
    Trink', so lang noch frisch und _roth_ ist das Verlangen;
    Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, denn _blau_ ist Himmel,
    Wenn auch _schwarz_ und _weiss_ des Tags, der Nacht Gewimmel.

Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete zwar den Herrn
Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben, aber dieser liess ihn im
Schlosse von Tebris einsperren, wo er bald hierauf starb, wie es heisst,
durch Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt haben
soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war so gross, dass der zur
Begräbniss bestellte Emir, fürchtend, er möge sich nur todt stellen, um
dann zu entwischen, ihn in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und
beide in seiner Gegenwart fest vernageln liess[533]. Das auf seinen Tod
verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie die obigen Verse,
sich auf eine dem Morgenländer eigene Sitte, nämlich auf die der
Orakelverse aus dem aufgestochenen des Korans beziehen. Dieses Aufstechen
heisst _Fal_, was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischen
_Fall_[534].

[Randnote: Schewwal 676/März 1278]

    Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal,
    Da schlug in dem Koran das Schicksal auf als _Fal_
    Dem Leu'n des Islams, der genannt _Mohammed Kert_,
    Den Vers: _Verfinstert ward die Sonne allzumal_.

[Randnote: Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem Munde
Wassaf's.]

Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in Europa Rudolph
von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem Siege über Ottokar
befestigte, war für Persien ein unheilbringendes durch die Vergiessung
seines Herzblutes in Fars durch den Einfall und die Verheerung der
Niguderischen Banden[535], d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen
Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus dem
Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte,
welchen nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung fortsetzten,
wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in
Syrien. Die niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen,
aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in Fars im
Distrikte _Korbal_ ein und schlugen das persische Heer zu _Teng Schikem_,
wo die Emire desselben die Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen
Mann Raum zum Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur
_Bulghtuwan_ hieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten Flügel der
Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich verbrannte, fliehend bis
Issfahan; der Rest des Heeres wurde zerstreut oder ertrank. [RN: 17.
Ramasan 677/1. Febr. 1278] Korbal wurde geplündert, dreitausend
verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und Knaben
weggeschleppt. Drei Jahre später [RN: 680/1281] überschwemmten die
mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von
Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete man zu
Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn
auf die verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen.
Wassaf setzt der Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit
der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:

»Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach Jahrtausenden die
Erzählungen der Kunden in Vers und Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit
und Tapferkeit die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder
zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher
Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem einzelnen
Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres
Steigbügels die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die
berühmtesten Bogenschützen vergangener Völker, von den Arabern die Stämme
_Siraa_ und _Kara_ und von den vier persischen Dynastien die berühmtesten
vier Schützen, nämlich: _Aresch Schefatir_[536], _Isfendiar Rujinten_[537],
_Koresch Aschghan_[538] und _Behramgur_[539], deren Bogenkunde das Buch von
den _Graden der Reiter_ so umständlich ausführt und commentirt; wenn diese
den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke ihres Arms, die Spannung
ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur als
Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der
Schmach und den Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit
und Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr
Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, die ihnen
unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und Helfer anzufesseln ihren
Siegen, ist es überflüssig, Etwas zu wiederholen: _Was thut Saturnus Noth,
wenn du die Sonne schaust!_ Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, mit
kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles zu verschmerzen,
listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas verfolgen; am Tage der Schlacht
spalten sie die Herzen der Löwen mit Macht und brechen den Damm der
Zufälle, so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem
der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht hier an
ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene zehn Eigenschaften der
Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit des _Hahns_, die Milde des _Huhns_,
das Herz des _Löwen_, den Anfall des _Schweins_, die Geduld des _Hundes_ in
Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List des
_Fuchses_, die Vorsicht der _Raben_, die Raubsucht des _Wolfs_ und die Ruhe
der _Katze_. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit
Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung
und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward gegeben; ihre Folgsamkeit für
die Befehle ihrer Befehlshaber, ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu
enthalten, ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt
und ausser Zweifel gesetzt.«

[Randnote: Verhältnisse mit Aegypten; natürliche Politik.]

Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und ihre Feindschaft gegen
die Mamluken hatten die Kreuzfahrer in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und
eine Gesandtschaft derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen
Befehl fiel ein von _Semaghar_, dem Befehlshaber der mongolischen
Streitkräfte in Kleinasien, und von _Perwane_, dem mongolischen Vogte
Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien ein. [RN: 670/1271] Der Vortrab von
tausend fünfhundert Mann hieb einen zwischen Harun und Antiochien
gelagerten turkmanischen Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun
und Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich zu Damaskus
befand, [RN: 18. Rebiulewwel/24. Oct. 1271] einen Eilboten nach Kairo mit
dem Befehle, dass der General _Beiseri_ mit dreitausend Mann aufbreche,
gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb, [RN: 12. Nov.] aber die
Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen. Sultan Beibars sandte
eine Truppenabtheilung nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt
der noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, die anderen
nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit), durch den Tod des Caligula,
durch die Niederlage des Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der
Sabäer, namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz Abraham's im
Lande _Ur_ geschichtlich geadelt. Die Einwohner Harran's öffneten die Thore
und zerstreuten sich in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine
mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt. Zu Damaskus
erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's und Perwane's, welche im Namen
Abaka's Friedensunterhändler begehrten; der Sultan sandte zwei seiner
Officiere mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden und ihm
statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke nur neun Bogen und neun
Pfeile darbrachten, den Abgang der andern neunmal sieben durch die
Eilfertigkeit ihres Ritts entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten
des Sultans an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen Helm von
Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten und ihm den von Mengu
Timur, dem Herrn von Kipdschak, gemachten Vorschlag eines
gemeinschaftlichen Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden
mittheilten. Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des Uluses Hulagu's
und Dschudschi's, welche unter Hulagu und Berke in offenen Krieg
ausgebrochen, unter Abaka's Regierung nur durch Waffenruhe, nicht durch
Frieden besänftiget war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen
Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames Interesse wider
die letzten die Kreuzfahrer wider die Mongolen verband, während die
Schaukelpolitik der byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des
Uluses Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung von
Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um ihre, den Rest des
byzantinischen Reichs in der Hauptstadt bedrohende, von allen Seiten
hervorbrechende Macht so lange als möglich ferne zu halten. Dieses
sogenannte natürliche Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne
Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn der Feinde
geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer Politik zu der nicht
minder barbarischen türkischen Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge
welcher die Söhne die natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen
Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren. Hier wie dort
misst der niedrigste Eigennutz der Habsucht die Grade der Freundschaft und
Feindschaft im umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und des
Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik, welche
vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen gebrandmarkt sein sollte, muss in
dem Masse verschwinden, als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch
der Ideen verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie wird
sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der Söhne und Freundschaft
der Enkel schon heute keine christliche und europäische mehr) zuletzt nur
bei den Barbaren finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass
diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen und
mongolischen Reiche, bei den Mamluken und Kreuzfahrern culminirte, darf bei
der allen gemeinsamen, vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder
nehmen.

[Randnote: Streifzug in Armenien.]

Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu
begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an
den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln. [RN: Ssafer 671/Aug.
1272] Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst
oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht,
dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze _Rahbet_ und _Birtha_ am
Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte
Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. [RN: 9. Rebiulewwel
671/4. Oct. 1272] So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung
der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste
Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten,
dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den
schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig
Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen
zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt
oder zu wenig, denn der Uebergang über den Euphrat ward mittels fünf und
dreissigtausend Kameelen[540] bewerkstelligt, auf denen das Heer
überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere
überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den
Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer
grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der
Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach
Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von _Kinuk_ die
begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden
niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der
Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert.
Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's
längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich
nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe
erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von
Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm,
welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und
endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; [RN: 17. Ssafer 672/2. Sept.
1273] er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste
geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an
einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien
begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses
Bischofs bewirkt[541]; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der
Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt,
Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue
Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er seinen Sitz von
Irbil nach Aschim in Aserbeidschan[542], in der Nähe der Hauptstadt, weil
die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über
Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu
beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im
Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des
Emirs der syrischen Beduinen, auf. [RN: 3. Schaaban 673/1. Febr. 1275] Der
Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den
Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin
angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des
Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch
die Einnahme Ssalaheddin's[543] und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg
der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz
gezeichnete feste Burg liegt am _Nehr Eswed_, d. i. am schwarzen Flusse,
welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten
fruchtbarer Fluren und Gärten[544]. Von den Mongolen erobert, ward sie an
König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar
übergeben worden[545].

[Randnote: Verheerung Ciliciens.]

Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen
Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer[546], und sandte von
hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken
zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's
Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater
des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen
_Merkes_[547] durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner Enge
_Ssakaltutan_, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der
alte _Kersos_, dessen Name sich in dem des Schlosses zum Theile
erhalten[548]. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alte
_Mopsuestia_, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des
Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der
Goldstoffwiese[549] in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch
Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne
Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der
Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis
an das Meer zieht, heisst der _Dschebelon-nur_, d. i. der Lichtberg, auf
welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern
Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb
färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen
gesucht wird[550]. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welche
_Kurd Kulaghi_, d. i. das Wolfsohr[551], heisst, zur Linken auf einem hohen
Berge das weisse Schloss _Jilan Kalaasi_, d. i. das Schlangenschloss, das
für die Residenz der Schlangenkönigin gilt[552], die sich mit der
Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen
des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nach _Sis_,
der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe
gelegenen Festen von _Ainsarbe_, _Tel Hamdun_, _Serfendkjar_ und
_Bersbert_ von den Arabern die Schneidezähne[553], d. i. die Gränzfesten
des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen
Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben[554]. Nachdem _Sis_
verbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier
seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen
cilicischen Städte _Tarsus_, _Adana_, _Barin_ und _Ajas_ gewendet.
_Tarsus_, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen Könige hinauf datirt,
indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des
Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist
aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste
Stadt Ciliciens; am Cydnus[555], welcher die Mauern derselben wäscht, hatte
Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher
als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder
Calycadnus[556], der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus
war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen
bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische
Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der
Dschinnen[557], wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und
einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der
schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so
dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber,
befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. »Nun werde ich dich sogleich
gebraten essen«, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im
selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch
ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen,
und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese
Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer
verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus
nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der
byzantinischen Feldzüge, [RN: i. J. 350/961] in welchen Tarsus, vom
byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des
Islams ward. Zu _Adana_, der Hauptstadt der heute darnach genannten
osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan,
d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und
Kinder geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und
eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr
Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern
verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten,
gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden
Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener
Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe
in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen
ward. [RN: 29. Nov. 1275] Das Treffen kostete dem Oheim des Königs,
vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl
Sieger, zogen sich zurück[559].

[Randnote: Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.]

Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche
Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei.
Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden
Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums
zwischen beiden erwähnt. _Moineddin Ssahib Perwane_, d. i. der Inhaber des
Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn
bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines
Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte
Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines
Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf
dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen
Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser,
welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als
Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den
Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem
verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten;
er starb als Vassal des Herrschers der goldenen Horde in der Krim.
Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der
eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei
Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung. [RN:
666/1268] Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer
Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen,
Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte.
Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes
Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn
Perwane's[560], flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider
Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum
Nachfolger ernannten Sohn _Said Berke_ in seiner Abwesenheit mit
unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und
von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der
Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche,
welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab,
Dulak[561], Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der
Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von _Ablestan_ oder _Albostan_,
wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten
Tempelstädte _Komane_, nämlich das kappadocische, verlegen[562]; hier
sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des
Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurische _Artemis_ als
_Anaitis_ oder die Kriegsgöttin _Enyo_ in Tempeln verehrt, die unter Hut
grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der Name
_Albestan_, d. i. der Garten, scheint derselbe mit dem des alten _Pästum_
zu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das
pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg
Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das
kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die
Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf
Regimentern von tausend Mann bestehend, ward von _Tokus_, seinem Bruder
_Uruktu_ und von _Tudaun_, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen,
befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue[563] in
einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen
Hilfscorps von dreitausend Mann. [RN: 11. Silhidsche 675/16. April 1277]
Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag
Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser
vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten),
hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das
Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte,
auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die
gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer
Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten;
aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden
geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert
siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die
Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere
ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit
Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den
Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's[564].
Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der
erzürnt nach Tebris zurückkehrte.

[Randnote: Beibars zu Cäsarea.]

Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im
Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane
Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich
auf den Thron. [RN: 18. Silkide/23. April] Mit dem Sultansbunde auf dem
Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des
Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich
wieder auf den Thron und empfing die Huldigung der _Ulema_ und _Kadi_, der
_Imame_ und _Scheiche_, der Prediger und Leser des Korans, der _Fakihe_ und
_Fakire_; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel
angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den
Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser
lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit
einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee
des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch
in den übrigen sechs Moscheen der Stadt[565]; das ausgeworfene Geld war auf
seinen Namen gemünzt[566]. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin
zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane,
welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt
hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich
von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin,
nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von
vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter
Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an
Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte
Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub
von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche
Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das er wirklich
am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in
dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum
verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst
wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau
bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte
Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der
Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre
ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und
siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn
von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward[567].
Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend
Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan
Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe
aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch
würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle,
einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte
sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen,
welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen
befehligt, wider ihn gesendet; [RN: 29. Silkide 675/3. Juni 1277] der
Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs
nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog
sich in's cilicische Gebirge zurück. [RN: Ssafer 676/Juli 1277] Im
folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum[568]. Zu Ablistan oder
Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin
von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen
Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen,
hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem
Ausfluge von sieben Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner
geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des
Schwertes[569]. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte
Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas
zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen,
dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin
Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet[570].

[Randnote: Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.]

Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm
vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass
der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also
indessen Botschaft an Bondokdar: »Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen
unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns
genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun
auf dem Kampfplatze:

    Komm', dass du meine Lanze streifest,
    Komm', dass du meinen Zügel greifest;
    Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,
    Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;
    Hast du von Männern je gehört der Schlachten,
    Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?«

Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb[571].
Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen
Konghurtai[572] Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's
verwüsten[573] und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von
Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen
berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die
Feinheit seiner Leindwand[574], erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm
frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er:
»Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen
Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an
deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen
Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?« Die
Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung
von viermalhunderttausend Gefangenen befahl[575]. Im Lager von Alatak wurde
Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt:
dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum
Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der
Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's
sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf
dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern
versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane,
welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit
Gleichem vergolten; [RN: 1. Rebiulewwel 677/23. Juli 1278] Abaka war schon
auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die
Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste
Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt
den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah,
seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen
verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen.
Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers[576], dass Abaka vom
Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon
gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus
Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum
gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam
begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten
hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als
unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope
verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn
Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud,
überging[577]. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach
seinem Tode[578] in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen
nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt,
um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; [RN: 17. Rebiulachir/7. Sept.]
er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die
Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von
Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben
verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's.
Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich
nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der
mongolischen Herrschaft unterwarf[579].

[Randnote: Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.]

In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung Rums nach der
Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die wichtigsten Dienste erweisend und
seine Macht im höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe
war das Werk der Ränke _Medschdulmülk's_, des Sohnes _Ssafiolmülk's_, des
vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste Behaeddin's, des
Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen
worden, welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der
Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte. Medschdulmülk
hinterbrachte dem _Jesu Buka Gurgan_, welcher als Gemahl Kutlukan's, der
sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir,
der Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), in seinem
und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern
unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon durch seinen
Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst
fünfhundert Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, in der
Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger
Medschdulmülk die Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von
zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und
unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's mittels
dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte er zu Kaswin in einer
geheimen Unterredung weis, Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den
Bondokdar nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine
mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne dem Wesir
beweisen, dass er sich viertausend Tomane[580] von den Krongütern erpresst,
dass er ausserdem zweitausend Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne
zu rechnen, was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad
weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort
ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst; um ihm das
Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer
Summe Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als
dieser sich zu _Scherujas_ (in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan)
befand, ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar von
Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von
Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger den Auftrag, die
Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen und die Güterbeschreibungen zu
durchgehen, ohne dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern
dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender und
schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen worden[581]. Die
Naibe oder Stellvertreter der Steuervögte wurden nach Tebris einberufen.
Medschdulmülk stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe durch
seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen
Pferden mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen getragenes
Zelt aus Atlas von _Schuster_ aus. Schemseddin wandte sich an seine
Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten Gemahl
dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. Er erhielt eine Audienz: »Wir haben
dich«, redete ihn Abaka an, »in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte
der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit bestätigt und alle
Länder deiner Feder untergeben; wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen
und das Doppelte der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?« Der
Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: »Ueber den, der die Gnaden der
Könige mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.«
Schemseddin antwortete: »Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste
der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, ein Theil
zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an
Kapitalien und Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden
und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden Wink
zurückzugeben erbötig.« Abaka, durch diese Sprache des Wesirs versöhnt,
verzieh ihm; er sagte: »Alle deine Schuld, die sich begeben und die sich
nicht begeben, habe ich dir vergeben[582] und dich in deinem Amte
neuerdings bestätigt.« Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der
Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess
Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund zu thun; in
demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: »Eine Zeit ist es,
dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer Gnade dir die
Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun
gehe von hier in Unserem Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen
voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme aus;
lege dich früh nieder und stehe spät auf.«

[Randnote: Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.]

Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden
beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines
Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er
den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts
Uebles wolle und dass er beim Emir _Taghadschar_ bleiben könne.
Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan
unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge,
dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber
des Diwans an die Seite gegeben ward. [RN: 679/1280] Dieses Diplom ward im
Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen
öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein
Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka
empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und
Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er
unter seinem Schutze stehe[583]. Medschdulmülk stellte in allen Ländern
Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans
wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's
links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk,
seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse:

    Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,
    Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;
    Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,
    Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584].

Schemseddin antwortete hierauf:

    Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,
    So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;
    Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,
    Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.

Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der Demüthigung bis
zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den
Stufen des Thrones erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe
einzunehmen; ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal
den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober
ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem
eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser schweigend
verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: Dort ist ein guter und
ausharrender Mann; ich hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch
zu essen geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen.
[RN: Rebiulewwel 680/1281] Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads,
der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage von
Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen Aufwand in reinlicher
Kleidung, und sogleich war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und
Zwischenträgern in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun
durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des arabischen Irak und
Chusistan's verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane
Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich »durch die ihm aufgebürdeten
Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten der
Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, für Geschenke und
reiche Stoffe, welche alle die wichtigen Lasten der Pachten die
Diwanseinnahmen vollmachten«[585]. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen,
änderten sie ihr Spiel. »Sie stellten«, sind Wassaf's Worte, »dem Könige
gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen vor, dass von den vor
zehn Jahren[586] gelegten Rechnungen noch zweihundert fünfzig Tomane zu
zahlen übrig seien.« Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass
diese Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur
Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So wurde darüber
hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes
zurückgesandt. Was den Anklägern Schemseddin's und seines Bruders
vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen Kriegsrüstungen
eingetretene Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen
Befehlshaber _Elfi_ und _Aschkar Sonkar_ mit einem Heere, welchem der Prinz
Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach Osten zum
Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, und ein drittes war zur Huth
der Gränze von Derbend erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu
überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen und Alaeddin
hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. [RN: 1. Redscheb 680/16.
Oct. 1281] Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den Weg
nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah
zur Füllung der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen
Summen in's Gedächtniss zu rufen.

[Randnote: Alaeddin opfert sein Habe und wird verbannt.]

Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe und Blute drohenden
Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige Rettungsmittel des letzten durch
freiwilliges Opfer des ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom
Grössten bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: »Sein ganzes Habe«,
nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen Styles wuchernden
Wassaf, »von den glänzenden Perlen, welche wie Glückessterne strahlten, bis
zu den geringsten Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von
den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten bis zu den
schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, von den Reinsten und
Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten und Veraltetsten, von den
Gefässen, den vergoldeten, den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen,
den in die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren bis zu den
Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den schönsten der Zeit, deren
Wangen Rubinen von Bedachschan, bis zu den Stallknechten (Kutal), mit
groben Kitteln angethan; er schaffte herbei aus der Musikkapelle die
Pfeifen und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, die sich
stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, von den Mäulern und
Pferden die wohlfeilen und die werthen, Kameele und Kameelinnen, Böcke und
Widder. Sein Zweck war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu
bewahren; er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen und setzte den Fuss
auf den Spruch:

    _Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen_,

als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.« Zugleich eilte
Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich auf der Station Dodscheil zu
seinen Füssen. Da die Summe der eingelieferten Schätze doch noch unter der
Erwartung geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging ein
Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des Prozesses nach Bagdad
zu berufen; er plünderte noch das von Alaeddin gestiftete Karawanserai
(Robath) Kloster, und da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein
zurückgeblieben war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. Alaeddin
wurde in den Halsblock geschlagen, auf die Folter gelegt, nackt zu Bagdad
hineingeführt und dann verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an
seinen Bruder, den Wesir, die arabischen Verse:

    Freund! dein Ohr dem Manne schenke,
    Den man führt zur Todestränke;
    Meinem gnädigen Herrn klag' ich
    Und der Zeiten Unbill trag' ich;
    Nacken schlanker Mädchen steht mir an,
    Nicht der Bannstrahl im Dorfe _Ban_.

_Ban_ heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt ward und
dessen Name hier mit _Ban_ spielt, dem Namen der babylonischen Weide, mit
deren biegsamen Stamm und Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen
verglichen werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff von
Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber, dass er inmitten
seines Unglücks noch Lust und Geist genug besitze zu arabischen Versen und
Wortspielen. Einem Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht
gab, schrieb er:

    Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht,
    Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht;
    Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht,
    Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht.

Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als
Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem Elende mehrere
Gedichte, deren einige in dem Buche des _Trostes der Brüder_, welche eine
Art von arabischen Boethius, gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet
allein, deren Beginn:

    Wenn dich die Welt anschauet schief,
    Bewege diess dir nicht die Brust,

haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt[587].

[Randnote: Alaeddin's fernere Schicksale.]

Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, nahmen zu neuen Listen
und Lügen, Verschwärzungen und Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn
verrätherischen Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als
Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser beschrieb zu
wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen Linien aus Safran und Grünspan
als einen Talisman, und dieses wurde während der Hausuntersuchung in den
Kleidern Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die
ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen Monaten war
zwischen _Kilawun Elfi_, dem im Namen des unmündigen Sohnes Bondokdar's
Aegypten beherrschenden Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit
ausgebrochen und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, dem Emire
der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben sandte Elfi ein Heer
nach Damaskus, welches bis nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats
streifte. Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie
einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und sich ihm zu
unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem Augenblicke ein, als die
beiden verbündeten Emire von Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen
sich Hilfe von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder mit dem
Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch in der Machtvollkommenheit
seines Amtes stand. Er berichtete an den Ilchan die wahre Lage der Dinge
und erhielt den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs
freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin dieselben
freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad Gold und Korn angewiesen; dies war
Alles, was an der Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. Zu
dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) ein zahlreiches Heer an
die Ufer des Euphrats geführt; Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka,
um den Rückmarsch dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu Timur
erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, während auf der anderen
Seite gleichzeitig Prinz Baidu, der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes
Hulagu's) und folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien
einfiel. Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der mongolischen Heere
in Syrien und am Euphrat, indem sie dort vordrangen, hier sich zurückzogen,
rissen die Feinde Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und
indem sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen, traten sie
mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem Hofe an, der damals zu Hamadan.
Alaeddin's Trost in dieser misslichen Lage waren die Beweise von
Theilnahme, die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in Briefen
und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin Ali:

    Ich höre, dass du immer klagst und weinest
    Und früh und spät mit deinem Kummer greinest;
    Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer?
    Sei ruhig und geduldig, es ist besser.

Alaeddin antwortete hierauf:

    Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen,
    Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen?
    Die Welt hat angefallen mich mit Steinen,
    Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen?

Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege von Bagdad nach
Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen, begegnete ihnen die Nachricht
von dem Tode Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines Bruders
günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes Abaka's umständlicher erwähnen,
liegt uns noch ob, einige frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg
des syrischen Feldzuges zu erzählen.

[Randnote: Feldzug wider Sistan, Chorasan, Syrien.]

Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris gegen Chorasan
aufgebrochen, wohin er seinen Sohn _Arghun_ vorausgesandt, um die
Niguderischen Banden, deren Einfall in Fars oben erzählt worden, zu Paaren
zu treiben; er kam aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er
belagerte und dann wieder zurückkehrte; [RN: 1. Moharrem 677/25. Mai 1278]
er brachte den Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes
Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit sich; [RN: 14.
Reb. II. 677/5. Aug. 1278] dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire
der Karawinas[588], eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der
teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), huldigten, welche
ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu _Karawin dscheidun_ haben. Bei
seiner Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters,
Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. [RN: 2. Reb. II./23. August
1278] Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil
Diarbekrs und _Dschiseretol-Omar_, der Gemahlin Dschumkur's, _Nulun
Chatun_, des Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, _Dschuschkab_ und
_Kunschu_, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der Sohn
Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger
Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der grossen
_Inaken_, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später zum Schatzmeister des
Pelzschatzes (_Postin_[589], woher das _Postelnik_ der Russen und
Wallachen) ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars abgezogen,
als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf _Kalaater
Rum_, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle des alten _Zeugma_ den
Uebergang über den Euphrat vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und
Nachfolger Bondokdar's (unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein
Heer von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese
Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir _Beiseri_,
die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und
verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf
Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem
Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin
Elfi, dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden;
dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte sich, im Namen
des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg
desselben zu herrschen; aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben
dauerte nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem Bruder
nach Kerek verwiesen ward. [RN: 2. Redscheb 678/27. Nov. 1279] Kilawin
Elfi, so beigenannt, weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und
_Ssalihi_, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans
aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d. i. der
Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung während seiner ganzen
Regierung erfüllet ward. Der Emir _Sonkar aschkar_, d. i. der Blonde,
machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er sich zu Damaskus
zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben
Mohenna, von den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben
erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in
Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss _Sahiun_,
eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, geworfen. Abaka
hielt diesen Augenblick günstig für den syrischen Feldzug. [RN: 18. Oct.
1280] Seine Truppen marschirten in's Gebiet von Haleb ein, wo sie _Aintab_,
_Derbesak_ und _Baghras_ besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend,
brennend, staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als Sklavinnen
das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er seinen Sohn unter dem
Namen _Melik ess-Ssalih_ als Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien
aufgebrochen; als er vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb
abgezogen, wieder nach Kairo zurückgekehrt.

[Randnote: Schlacht von Himss; Abaka's Tod.]

Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler _Sonkar_
aus, der noch im festen Schlosse _Scheiser_ hielt. [RN: 19. Moharrem
680/10. Mai 1281] Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung
von _Famia_ (Apamia), Antiochien, _Latakia_ (Laodicea) und der Schlösser
_Sahiun_, _Belatonus_, _Bersijet_; auch die beiden letzten gehörten, wie
Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches
von ihnen den Namen des _Messers_ (_Sikin_) führt. Belatonus ist das alte
Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines
Schloss an dem westlichen Saume des Berges _Chait_, welcher auf der
Ostseite des Sees von Apamea[590]. Diese Forderung war kaum zugestanden,
als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von
Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem
Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und
Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in
Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor
Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen
war. [RN: 14. Redscheb 680/30. Oct. 1281] Die Schlacht blutete in der Ebene
nicht ferne vom Grabmale _Chalid's_ (beigenannt das Schwert Gottes), des
Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte
fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische,
von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch
das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire[591] befehligten, war von
syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom
rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten,
Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss
zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir
verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des
mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der
Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der
Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom
Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen
Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt,
geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's
abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen;
nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere,
vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den
Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur
zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun,
zurück. [RN: 9. Dschemm. sani/25. Sept.] Abaka war, während Mengu Timur in
Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach
Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul
eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres.
Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die
Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft
werden sollten. [RN: 6. Silkide/13. Februar] In der Hälfte des Februars
brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin
Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke,
dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit
einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief
er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel
nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem
Throne sitzend, den Geist auf[592]. [RN: 20. Silhidsche 680/1. April 1282]
Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse _Teke_ am See von
Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode
folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke[593]. Abaka starb
acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der
Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des
Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam.
»Abaka«, sagt der Mönch Haitho, »war ein staatskluger, sein Reich glücklich
verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass
er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern
Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn
verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch
mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses
Kipdschak verstärkte.«

[Randnote: Verhältniss gegen die Christen.]

Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon,
dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren
Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen
Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo
erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; [RN: 1267]
bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand
dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten
allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft
grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht
wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude
über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine
Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den
Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den
Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. [RN: 26. Jan. 1274] Sieben Jahre
später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern
auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von
England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der
Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den
Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders
wenigstens der Gesandte getauft ward. [RN: 1277] Drei Jahre hernach
erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am
Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen
Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der
Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp
versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese
beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen,
hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai,
bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf
Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise
starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an
Abaka und seinen Oheim Kubilai[594] die Reise an. »Die römische
Mutterkirche«, schreibt Nikolaus an Abaka, »freut sich des Inhaltes des
durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob _Vussali_,
Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches
Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende
Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden.
Unter dieser Beglaubigung[595] haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen
Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben,
dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo
geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der
christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.« Der Papst bittet den
Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über
die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen,
sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann
alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde[596]. In dem den fünf
Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren
untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die
sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die
Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch
sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur
an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu
stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen
Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo
weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen,
Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische
Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen,
was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre
förderlich und erspriesslich[597]. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's
wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig
Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.;
aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und
Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von
der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur[598].

[Randnote: Literatur.]

Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, dessen wir schon
unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt haben, in erfreulichem Glanze
fort; das grösste Verdienst dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von
Tus wohl dem gelehrten Brüderpaar _Schemseddin_ und _Alaeddin Dschuweini_,
welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung der
Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der siebzehnjährigen
Regierung Abaka's vorstanden, bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und
Ansehen, erschüttert, wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe
mystischer Philosophie und Poesie in den Werken _Ssadreddin's von Konia_
und _Dschelaleddin Rum's_ entfaltet. Zu Schiras lebte noch der
hundertjährige _Saadi_ (dessen Lebenscenturie zugleich das Jahrhundert des
grössten Aufschwungs persischer Poesie) in Freundschaft mit dem
Dichterkönig und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig
_Medschdeddin Semeki_[599] hiess, mit _Imami_ aus Herat und mit Chodscha
_Hemameddin_[600], dem Schreiber Nassireddin's von Tus, dem reichen und
gastfreien Manne, welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit
einem in vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle
bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: _Purbeha Dschami_,
welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und mit Chodscha Hemameddin
besonders im künstlichen und schweren Versmaasse wetteiferte[601];
_Abulmadhi Raigani_, so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe
_Raigan_ beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung Melik
Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten Viervers[602].
_Dschemaleddin von Kaschan_, welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit
gleicher entgegnete[603]. _Dschemaleddin Rastak ol kotu_, welcher seinen
Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der
Regierung Abaka's neunzigjährig starb[604]; der Richter _Behaeddin
Sendschani_, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, welcher so, wie
Purbeha, mongolische und türkische Wörter persischen einmischte[605].
_Rasijeddin Bela_ war Intendent der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka
absetzte und seine Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher
ursprünglich ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir
Schemseddin den Viervers zuzusenden:

    O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib,
    Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib;
    Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten,
    Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten[606].

Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse Abaka's, der
aber auch unter der Regierung Arghun's lebte und seine Beschäftigung und
Armuth durch die folgenden Verse schilderte:

    Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold;
    Das Leben wird dadurch nicht heller.
    Ich sitze immer zwischen Gold
    Und habe niemals einen Heller[607].

Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch dichtete und von
welchem der Schreiber der auserwählten Geschichte eine Kassidet zum Lobe
des grossen Wesirs Schemseddin Dschuweini[608] erhalten, welche, da
Schemseddin und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und
Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese Uebersicht
persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst, als der Schluss des
Lobgedichtes selbst ein arabisches Distichon des grossen Wesirs
Schemseddin:

    Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen,
    Der sich mit der Cypresse zugetragen.
    Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth
    In hundert Zungen und in hundert Sagen;
    Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund,
    Willst du, warum ich zittere, mich fragen?
    Ich bin gerad' und stehe festen Fusses,
    Indess dich krumm die Spötter weiter tragen.
    Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so
    Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen.
    Bald brausest du mit Heftigkeit einher,
    Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen.
    Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt,
    Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen:
    Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht
    Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen;
    Du stets aufstrebend und empörerisch,
    Und weich und lind und mild ist mein Betragen.
    Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht,
    Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen;
    Du nährtest vormals dich in meinem Schooss,
    Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen,
    Du weihest nun sehr wenig Schatten mir,
    Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen;
    Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld,
    Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen;
    Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor,
    Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt;
    Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön,
    Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen;
    Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest,
    Indessen mich von dir die Winde jagen.
    So sprach der Bach und barg sich in den Staub,
    In Thränen fliessend hin und Weheklagen;
    Cypresse ward darob gar sehr verwirrt,
    Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen,
    Im Garten schlug die Hände sie zusammen;
    Der Vögel Chor begann, darob zu klagen,
    Da war die Zeit, den Vers von _Schemseddin_,
    Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen:
    _Der Garten haucht wie Aloe aus Hind,
    Auf Aloen die Turteltauben klagen_[609].



Fünftes Buch.

    Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung;
    Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai
    getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften
    Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis;
    Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen,
    Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs
    Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin
    Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der
    Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des
    Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse
    gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie;
    Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und
    Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath
    der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge.


[Randnote: Parteiungen um die Thronfolge.]

Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in
zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem
vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die
Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten
mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur
in diesem Einen die Regierungen von _Teguder_, _Arghun_ und _Kendschatu_,
die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der
Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; _Abaka_, der zweite,
dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des
grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten;
unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen
um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft
wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum
Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige
Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem
zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach
Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron
stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere
Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle
Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen _Baidu_ und
_Ghasan_ getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen
Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder _Suleiman_,
_Musa_ und _Mohammed_ eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten
genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen
und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit
behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im
Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von
Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben,
sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem
Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka
Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie
schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit
gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen
vor dem _Ini_, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem
Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der
Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel
wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht
gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten
Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung
des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und
dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu
Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal
gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes
Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch
zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch
ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge
Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen
und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche
dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und
diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den
Uebertritt zum Islam gewann.

[Randnote: Teguder's Thronbesteigung.]

Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm und seinem
Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der vierte Sohn Hulagu's,
während des persischen Feldzugs im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und
unter Abaka's Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner
Jugend war derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus
erhalten[610]. Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet,
mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine
Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht der
Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt zum Islam als eine
Erhebung zu reinerem Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei
zur Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste
Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, indem er
den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. Die Nebenbuhler um
denselben nach dem Tode Abaka's waren drei; Arghun hatte die Emire des
Hauses seines Vaters[611], mehrere der grossen Emire[612] auf seiner Seite;
die drei Prinzen _Adschai_, _Kungurtai_, _Huladschu_ (die drei Söhne
Hulagu's), _Dschuskab_ und _Kunkschu_, die Söhne _Tschumkur's_, des zweiten
Sohnes Hulagu's, die Emire _Schingtur_, _Sughundschak_ und andere stimmten
für _Teguder_; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu
Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber am fünf und
zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, schlug sie sich mit der Frau
Kutui, der Wittwe Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der
Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte Teguder
aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher ohnedies auf dem Wege von
Chorasan nach der Residenz, begegnete auf der vierten Station vor Tebris
dem _Schingtur_ Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod
entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der Trauer nach
mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen Todtenmahle, bei welchem, wie bei
Festgelagen, der Becher mit _Kumis_ herumging; die Leibwachen[613],
Speerträger[614] und Stallmeister[615] seines Vaters wurden ihm übergeben.
Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und
stimmten für _Teguder_, und auf den Rath des weisen Emirs _Schischi
Bachschi_ that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen Einspruch. [RN: 26.
Moharrem 681/6. Mai 1282] Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder
als Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der
festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. Arghun
begab sich nach _Alatagh_[616], um dort von dem Lager und dem Schatze
seines Vaters Besitz zu nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste
und die Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager
Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht befand, wurde
ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der Frau Kutui brachte denselben
zu Teguder[617]. Am Tage der Sommersonnenwende[618] hatte die feierliche
Thronbesteigung statt. [RN: 13. Rebiulewwel/21. Juni 1282] Nach dem
uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen abgebildeten
Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine
zur rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, wurde
Teguder vom Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron
gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff[619];
die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre Mützen in die Luft,
zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den Wink des Herrschers mit dem Gürtel
oder Strang zugeschnürt zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das
ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne, mit
neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen, durch die
Astronomen ausersehenen Stunde.

    Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne
    Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne[620].

[Randnote: Schemseddin geschützt von einer der Gemahlinnen Teguder's.]

Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder die im
unbezwinglichen Schlosse _Schahutela_ (dem persischen Königstein)
aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte dieselben unter die Prinzen,
Nujanen und Emire des Hauses und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig
Dinare und Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der
Krönungsfeierlichkeit nicht gewartet, zwanzig Goldbalische. Bei dieser
Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein Oheim Konghuratai (der neunte
Sohn Hulagu's) im Lager der Frau Tuktini[621] durch Eidschwur in
unzertrennlicher Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel
zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. Teguder
befahl, seine Bekehrung zum Islame auszurufen, und erliess an die
Obrigkeiten von Bagdad ein Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern
Bagdads mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur Zeit des
Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen ihre vorigen Rechte
wieder einräumen sollten; der Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht
aufhören werde, siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts[622]. [RN:
2. Rebiul./4. Juli] Tags darauf lagerte er zu _Siahkuh_[623] und sandte
Befehl nach Hamadan, dass Medschdolmülk und _Atamülk Dschuweini_, der noch
als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten ward, vor ihm erscheine.
Medschdolmülk begann seine alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte,
dass er nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni Chatun's,
der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin flüchtete, rettete ihm und
dem Bruder das Leben und verschaffte ihnen den Triumph über den Todfeind.
Ermeni Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste Gemahlin
oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun, die Konghuratin), sondern
die zweite, keine Armenierin, wie der Name glauben machen konnte, sondern
auch eine Konghuratin; die dritte, _Tudakun Chatun_, die Tochter _Musa
Gurgan's_, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, welchem dieser seine
fünfte Tochter, _Tarakai_, zur Gemahlin gegeben, und folglich die Nichte
Arghun's; die vierte _Baitegin_, die Tochter Huseinaga's; die fünfte,
_Ilkotlogh_, die Mutter _Tughandschik's_, der Tochter Schadi Nujan's, des
Gemahls der Prinzessin _Arguruk_, Tochter Dschumkur's, des zweiten Sohnes
Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern aus der Beischläferin _Ilkotlogh_;
Tughandschik, während der Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht
von Zauberei in den _Kor_ (Cyrus) geworfen; die sechste, _Tudai Chatun_;
diese gaben ihm drei Söhne[624] und sechs Töchter[625]. Stark durch den
Schutz _Ermeni Chatun's_, arbeitete nun Schemseddin an dem Sturze
Medschdolmülk's, denselben in allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht
fordernd. Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte Wort an den
Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka vergiftet, und wenn nun er
(Medschdolmülk) mit seinem Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis
der Vergiftung zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des Todes
gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in die Brust Arghun's, wo
derselbe später zur blutigen Frucht zeitigen sollte. Schemseddin bediente
sich als Werkzeug zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten,
Namens Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen seines Amtes
entsetzt worden war; demselben ward die Stelle eines _Mestufi_
(Finanzpräsidenten) in Irak und Persien versprochen, und er klagte dafür
den Oheim verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben wurde die
Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten Güter Atamülk's, des
Bruders Schemseddin's, aufgetragen, Medschdolmülk selbst vor Gericht
gestellt.

[Randnote: Hinrichtung Medschdolmülk's.]

Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber der Truppen,
_Sundschak_ und _Arukaka_. Dem _Medschdolmülk_ wurde nun mit gleichem
Maasse eingemessen; wie er wider _Kudschuk Atamülk_ Papiere, mit Zügen und
Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde als
gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und rothen Figuren
bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten
reichen Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung eben
so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's;
die Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und Wahrsager,
gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser dem
Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel der Zauberei an ihm
selbst ausgehen möge. Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl
wusste, dass diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf
Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt habe.
Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch der Scheich und Atamülk
darauf drangen, das Todesurtheil nicht aussprechen; als aber Sughundschak,
durch ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war,
besuchte ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil
erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin
übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft
werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben begnadigen, aber sein
Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun drangen auf die Todesstrafe.
_Medschdolmülk_ (der Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe)
geführt, wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft über
alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, Schenkungen, Vergantungen
ablegen und, ausser allen Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad
erpresster Gelder herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete
begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben
versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen[626]. [RN: 8.
Dschemmasiulewwel 681/14. August] Er ward sogleich zerstückt und Kopf und
Zunge und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung
gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der
Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber:

    Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,
    So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,
    Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand
    Und jedes Glied in eines And'ren Hand.

Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach
Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:

    Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,
    Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.

Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war,
und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der
schon mehr als einmal erwähnte Dichter _Pur Beha Dschami_ sagte, als die
Hände ankamen:

    Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;
    Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.

und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese Gliederversendung
die Verse:

    Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,
      Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;
    Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,
      Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf[627].

Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad und die
Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst getragenen Kaftans,
Schemseddin die Wesirschaft in der vorigen Machtvollkommenheit und der
Scheich Kemaleddin Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit
der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die Einkünfte
derselben auf die Pensionen grosser und berühmter Gelehrten und Almosen für
Ssofi und Derwische und die Verwandlung der christlichen Kirchen in
Moscheen zu verwenden.

[Randnote: Wassaf bei Schemseddin; Zustände von Schiras.]

Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von seinen Anklägern
Vergeudung der Staatsgelder zur Last gelegt worden und der sich
ausgewiesen, dass dieselben zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und
andere Ausgaben des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung mit
Einschränkungen der Ausgaben der Küche des Chans und des Hofstaates der
Prinzen und Prinzessinnen. Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem
Oberstküchenmeister Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman ist
zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung des
Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser Summe bestritten. Dieser
besonders wider das Zehrgadenamt gerichteten Oekonomie lag einige
Persönlichkeit Schemseddin's wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem
gleich nach der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen wollte,
was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger war Schemseddin auf
denselben eifersüchtig; Wassaf, bei welchem sich diese Angabe findet,
konnte um so besser von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in
diesem Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und einige
Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, auszugleichen bemüht war;
es scheint nämlich, dass Wassaf sich einigen Tadel über des Wesirs frühere
Verwaltung erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf
bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil und sandte
zweimal entschuldigende und um Vergebung flehende Verse an
Schemseddin[628], aber »ohne dadurch«, wie er sagt, »den leicht zu lösenden
Knoten der Entfremdung des Inhabers des Diwans zu entwirren«. Wiewohl
Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass seiner Reise ins
Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich beide die Angelegenheiten
seines Vaterlandes, die Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so
umständlich einverleibt hat. [RN: 678/1279] Zu Ende der Regierung Abaka's
war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak (von dem so
eben als vom Richter Medschdolmülk's die Rede gewesen) anvertraut, von
dessen Scharfsinn und die Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege
erzählt. Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte er einen
derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen hatte, den Chodscha
_Nisameddin_, zum Wesir und ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum
Richter der Richter ernannte er den _Ebu Mohammed Jahja Imadeddin_, wiewohl
der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten _Seid Abdallah_, den
Verfasser vieler Werke über die Exegese und Hermeneutik, über die
Ueberlieferung und Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für
den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit einigen Pächtern,
deren Summen noch ausständig, nach Hof; nur als es in seiner Abwesenheit
zwischen dem Wesir und dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen
Befehl, vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft gesetzt
ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's Anklage wider Schemseddin
angebracht und Abaka's Sinn auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war)
wandte sich der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister
Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser sandte den Seid
und den Intendenten Schemseddin nach Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen,
ihre Beschwerden wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm
bestellten Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen mit eigener
Hand einen Becher Wein und befahl, dass Nisameddin zweihundert der
ausständigen Tomane abtrage; dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin
festgesetzt und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe zu
vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, machten mit
Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl sie dem Scheine nach sich den
Befehlen Taghadschar's fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den
Nisameddin aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit brachten.
Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung Teguder's
stattgefunden, an's Hoflager und führte seine beiden Schutzgenossen, den
Melik Schemseddin und den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem
letzten die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter Bulghuwan,
welcher öffentlich die Partei der Intendenten wider Taghadschar ergriffen
hatte, nach Hof; dieser hielt die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne
ihnen Erlaubniss zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich an den
Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben weiter unten die Rede sein
wird. Diess war der Zustand der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei
Schemseddin rein zu waschen bemüht war.

Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche Botschaft an den
Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben von dem Uebertritte Teguder's zum
Islam Kunde zu geben. Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und
die Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig genug, um
unverändert hier in sach- und wortgetreuer Uebersetzung zu folgen:

»Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet werde!) Ferman des
Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge
seiner Gnaden und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und Frische
Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss seiner Herrlichkeit und zum
Geständniss seiner Einheit, zur Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen
das reinste Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine Heiligen
und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen Brust erleichtert er durch
den Islam, und Wir haben nicht aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion
und Zurechtbringung der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis von
Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, dem Grössten, die Reihe der
Regierung auf Uns gekommen, bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden
ausgegossen und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen in
dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; und es ward Uns das Brautgemach
des Reichs aufgeschlossen und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es
wurde von Uns ein gebenedeites _Kurultai_ versammelt, diess ist die
Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der Brüder und Kinder, der
Emire, der Grossen, der Führer des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr
Wort stimmte darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen
auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes Unserer Heere:
die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und es füllet die Herzen Schrecken
vor der Gewalt, womit sie die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden
die Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen erweichet. Wir
dachten nach über das, was sie sich vorgenommen und worin ihre Begierden
übereingekommen, und Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem,
was Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen Wohls.
Hierunter verstehen Wir die Stärkung der Satzungen des Islams, dass so viel
als möglich keiner von Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um
Blut und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der Winde der Ruhe
und der Sicherheit zu erfüllen, und damit ausruhen mögen die Könige der
anderen Länder auf dem Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes
Befehle zu ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat Uns
eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe zu stillen, und die
Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige hierauf geleitet hat, ist die des
Vorschlags der Mittel, womit die Heilung der Welt von den Gebrechen
erzweckt und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn Wir lieben,
nicht schneller die Pfeile zu senden und uns zu den Lanzen des Kampfes zu
wenden, als nachdem Wir das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht,
als nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen bewährt. Wir
wurden bestärkt in dem, was wir Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der
Durchführung gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des Scheichs
des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, dessen Hilfe Uns in den
Geschäften der Religion nützt und unterstützt, und Wir haben dieses
Schreiben erlassen als Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben
fügt, wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet und
empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten der Richter, den Pol
der Religion und des Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche
beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden Reichs, weil
sie Unsere Wege kennen und weil sie mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt
Unser Gewissen zum allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser
Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit angewiesen,
denn der Islam liebt, was ihn empfängt, und Gott der Allmächtige hat in
Unser Herz gelegt, dass Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen,
damit sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit in dem, was
wir fordern als Vertrag der Ursachen der Wohlthat. Sucht dieses nicht zu
erproben durch einen Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener
Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn die Seelen Einsicht
nehmen wollen in einen Beweis, wodurch die Forderung des Vertrauens
befestiget würde, und in eine Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres
Wunsches fänden, so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten,
deren Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben unter Gottes
Leitung angefangen, die Spuren der Religion zu erheben, dieselben in jedem
Dinge an Tag zu legen und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des
Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der Kanone der
Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben und demselben Ehre zu
geben. Wir liessen Freude scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen,
Wir haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen und
stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser Bemühen, auf die frommen
Stiftungen der Moslimen, von Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau
frommer Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte
derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n und dadurch erfüllet der
Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, dass Neuerung in denselben werde begehrt
und dass das Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich
festgesetzt; Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste Ehre zu
erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege zu sichern und zu ebnen die
Bahnen der Karawanen; Wir haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten,
die von Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer Willkür und
mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; Wir verwehren den Heeren, den
Wachen und denen, welche die Runde machen, dass sie denselben auf ihren
Wegen, wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg legen. Eine
Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen in der Verkleidung eines
Fakirs, und wiewohl es in der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so
wollten Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung dessen, was
Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. Indessen ist es
denselben nicht unbekannt, dass die Kundschafter ein Schaden im Land; denn
so lang unsere Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen
sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, sie tödten den Mann und
thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit davon ist, Gott sei Dank, erhöhet
durch das, was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem Zuge
der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben diesen Geschäften
einiges Bedenken schenken, so wird denselben nicht verborgen sein, dass
diese Eigenschaften uns angeboren als zweite Natur und dass darin von
Affectation keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle
Anforderungen gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand führten, aus
dem Wege geräumt. Diese gründeten sich vormals auf den Weg verschiedener
Religion und der Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch
Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht erschienen, und
wenn es vormals Ursachen gab, so wandten wir uns nun von denselben zum
Besseren ab; Wir sind auf dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir
haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben und haben
dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun aufrichtig gesonnen, und
haben hiermit begonnen; Wir haben Unseren Heeren verboten, zuwider zu
handeln diesen Geboten, Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf
den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, damit die
Welt über die Verschiedenheit des Wortes beruhiget werde, damit durch das
Licht des Einverständnisses verschwinde die Finsterniss des
Missverständnisses, damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten die
Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich erfrischen die Seelen,
welchen die Plagen gestiegen in die Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan
Aegyptens leitet zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der
Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester Anhänglichkeit
zu erfassen und zu wandeln dergleichen Strassen durch Eröffnung der Thore
der Unterwürfigkeit und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit,
damit diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen sich
legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, welche schneiden, gesteckt
werden in die Scheiden, damit die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit
die Nacken der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung und
Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand behalten über das, was
Wir aus Gottes des Allverleihers Barmherzigkeit behalten, und sollte
dieselbe verwehren, diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu
gewähren, so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere Entschuldigungen
lassen gewähren. Wir haben Uns nicht zur Strafe gewandt, ehe Wir einen
Gesandten gesandt; bei Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten
Verstand! Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen auf
Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels 681 (Anfangs September
1282).«


Antwort.

»Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch Gottes des
Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan Ahmed: Lob sei Gott!
welcher Uns den Pfad der Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der
Sieg Gottes gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes
aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed; Er, den Gott über Alles,
wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle Propheten, welche
retten, und über seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches
erleuchtet die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit
und Ergebenheit vom Imam _Hakim biemrillah_, dem _Emirolmuminin_, dem
Abkömmlinge der Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn
der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist
angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren gewährliche,
enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in die Religion und dem
Ausfalle wider Alle, welche dem wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet
worden dieses Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht,
Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der
Ueberlieferungen, welche überlieferte _Moslim_[629], wurden die Gesichter
zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte, dass er diess befestige
mit dem Worte, dem festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen
sprosse, wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen.
In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung über die
Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der
Frische jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der Eintritt
in das Volk Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet
werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den Islam erweitert
und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott sei Lob!
dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten gesetzt zu diesem erhabenen
Orte, und dass er Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs,
im Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche durch
Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und des Bruders des
Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen Gnaden auf den Sultan, wie
derselbe den Gipfel der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der
Herrschaft angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus
seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den Wundern seiner
Helfer und Diener; und weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder
der Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen
in der Versammlung des _Kuriltai_, wo die Menge zusammengeflockt und der
Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort
mit den Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in der Sendung
der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht
über das, was ihre gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem
Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden mit dem, was
er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er nur das Gute bezwecke und
sich die Verbesserung zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer und
stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan)
aus Liebe zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem
Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die
Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre dieser Kampf der
Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan ist wie Einer, der die Stationen
seines Herrn fürchtet, der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht
der Rede des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was nun
das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum Schlachtfeld, wo die
Lanze Stösse austheilt, als nachdem er das Nöthige erklärt, so weiss Gott
der Allmächtige, und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um
dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es
nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns eingetreten in
Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung
aufgehoben, wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein
Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine
Minaret aufgerichtet, dem fehlt es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte
und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die
Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, der Erwähnung
des Scheichs des Islams, des Musters der Erlernenden, _Kemaleddin
Abderrahman_ (Gott vergelte ihm's mit seinem Segen!) zu danken sei, so
haben Wir von keinem Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir
hoffen von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus zum
Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens erfüllet werde und der
Islam umfasse die ganze Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig
lassend. Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang
dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem Segen
zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten
der Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (_Kutbeddin_) und des
Atabegs (_Behaeddin_), welche Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten
Sendschreibens beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen,
bereit, sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben
und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender mag erwarten mit Lob
und Dank von allen Arten, so dass sie im Namen Ahmed's (des Ilchans)
Ueberlieferungen sprachen, festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten).
Weiters, was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des
geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen vollkommener
Liebe befriedigt würden und dass man betrachten solle die Monumente, die er
im Beginne der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit,
übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die
Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die
Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht,
so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn
der König herrscht mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt,
noch den Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und gute
Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle Zungen des Gebotes
auf Erden, so sind dieses Pflichten, die man schuldig, zu entrichten; diess
ist grösser, als dass es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass
es durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden
könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er den Ländern und
Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle
bewahren in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die Diener
und Wachen und an die, welche die Runde machen, dass sie Niemanden
veruneinigen wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden
nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir,
sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob)
zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer
Unserer Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in
Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind die Gebote
besiegelt, in denen sich die Vollziehung der Befehle abspiegelt. Weiters,
was den Kundschafter betrifft, den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben
ward (als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von
Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden würden), so ist
diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er
den Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind nicht gekommen
von jener Seite in diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die
Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben
ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch wurde
nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten
Müh' mit _Was_ und _Nein_ und _Wie_. Weiters, was die Andeutung betrifft,
dass in der Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe
die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird nicht zurückgewiesen,
wer da klopfet am Thor der Einigkeit, und es wird keiner abgewiesen und
abgewehrt, der gutes Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen
abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum Handschlag
herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die Befestigung und
Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es nöthig, dass auf dieselben
Regeln angewandt und dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn
die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass
darin jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder Frieden.
Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden entschieden in der
Reihe der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, mündlich
vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen,
welche die Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn
dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was endlich die
Berufung auf das Wort Gottes betrifft: _Wir senden keine Pein, eh' Wir
nicht gesandt einen Gesandten_[630], so wird nicht auf diese Art der Stoff
der Liebe gewebt und nicht auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern
vielmehr wegen Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und
Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die Zunge
des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens und des Volks
(Kutbeddin), und es entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem
Eintritte des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich angekettet
auf der Moslimen Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und
Gerechtigkeit, durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und
breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert
und vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den Vers des Korans
gegeben Betreff derer, welche ihm den Islam vorwarfen: _Sage, werfet mir
Euren Islam nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum
Glauben geleitet_[631], und mündlich trug er vor, dass Gott der Allmächtige
dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber hinaussetzt, seine Blicke zu
richten auf das, was Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt
nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere
Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die Uebereinstimmung
ist erreicht, so ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die
Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe
gehen und in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht
gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die
mohammedanische Religion wird nicht vollendet und dem Islam nicht die
Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, die werthen. Wenn also
das Verlangen des Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes
Vernehmen, auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der
Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum Widerstände stemmen,
so wollen Wir Uns herzlich gern dazu bequemen. Weiters, was mündlich
vorgebracht: dass, wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der
Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der
Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir:
Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder
moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth und
gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, was Uns von
denselben verboten wird, in der Natur ganz so zu treffen ist, und dass man
das, was geboten wird, selbst zu thun vergisst. So befindet sich nun
_Konghuratai_ dermalen im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet
und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen,
Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem, ausgenommen vor
der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass,
wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben und diese
Spuren nicht aufzugeben, so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo
man sich treffen und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg
verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), wo die
beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch heil, und wer von
diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin
zurückzukehren, und kann sich durch folgenden Vers beehren:

    Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!
    Er, welchen »Himss« besiegt, nun widersteht und kriegt.
    Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,
    Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.

Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die
Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem
Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und
nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht
von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen,
welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen
Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher
Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk,
und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden.
Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.«

[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.]

Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte indessen Wolken
über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's zum Gewitter, aus welchen der
den Herrscher und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte.
Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka
gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's)
ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. [RN: 4.
Reb. II. 681/12. Juli 1282] Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu
gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte der
grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem grossen Heere zur
Gränzhuth nach Rum abordnete, nach vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka
nachsandte. [RN: 19. Reb. II. 681/27. Juli] Ahmed war von zwei moslimischen
Gesetzgelehrten, dem schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen,
welcher, Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom
Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von
Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka
überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von
Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen
erwarb[632]. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, und einen
zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, als Sohn; diese und
Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr verständige und zur Regierung tüchtige
Frau, lenkten die Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak,
wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron dankte,
zur Seite gesetzt wurden[633]. [RN: 19. Dschem. II. 681/24. Sept. 1282]
Zwei treulose Diener Atamülk's Dschuweini[634] erschienen vor Arghun, bei
demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem _Wedschiheddin Sengi_, dem
Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen Arghun zu vergiften.
Arghun liess denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe
desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan
Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das
Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort
zu überwintern. [RN: 23. Dschem. II./28. Sept.] Zu Rei empfing er den Melik
Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des Landes;
Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, um den Fachreddin
aufzuheben und nach Schirwan zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen
Ehrenbezeugungen mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte
Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des Diwans, des
Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er
werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad
gekommen, forderte er von Nedschmeddin Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin
Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie
bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub geworfen, und als
Alaeddin davon die Nachricht erhielt, traf ihn in Arran der Schlag; seine
Stelle erhielt sein Neffe Harun[635]. [RN: 4. Silhidsche 681/5. März 1283]
Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und während desselben
zehntausend der Karawinas, welche nach den Worten Wassaf's: »eine Art von
Dämonen, die fürchterlichsten der mongolischen Nationen«, sich angeeignet.
Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter
Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von
den Emiren waren ihm mehrere zugefallen[636], deren mächtigster
Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die
Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken
verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab (der Sohn
Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch
Alinak, der Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der
Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen worden und
hatte sich mit ihm verbündet; als er aber an den Hof Ahmed's zurückkam,
ward derselbe durch Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne
durchschaute, wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der
Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als Arghun im
Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte, liess er den Prinzen
Dschuschkab an der Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück.

[Randnote: Konguratai getödtet.]

Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei gekommen, liess er den
Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals und an die Füsse einen Block
schlagen und sandte ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die
Forderung der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung der dem
Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam
ihm Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres
entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der beiden
Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: Als mein Vater mich vor
seinem Tode zu sich berief, war ich bis hierher gekommen, als ich die
Nachricht, dass er gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des
mir bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, wenn ihr
mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte zu erobern. Hindu
antwortete: Wiewohl die Sache sich so verhält, so ist doch Teguder als der
Aka, d. i. der Aeltere, dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und
Padischah in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im
Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder dich angreifen
wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit,
als Tarchun gegen Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und
hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als
Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu Damaskus in den
Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen
Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, ein, auf einem
Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun
gesendet, welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei
Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das höchste
Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. Konguratai verschwor
sich mit zwei Emiren[637] wider das Leben Teguder's, und sie bestimmten zur
Ausführung ihrer That die Festnacht des neuen Jahrs[638], wo nach
mongolischem Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen von
_Ergenekun_ der Chan mit seinem ganzen Hofe der Schmiedung von Eisenmassen
beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem
Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich zu Konguratai
zu verfügen und ihm denselben zu bringen. [RN: 26. Schewwal 682/17. Jan.
1284] Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch den Arghun
auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit
Ehren und Geschenken und übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am
neuen Jahrstage des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen
Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran sassen die
Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und verurtheilten die beiden
Emire, Mitverschworenen Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging der
Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen[639]
und gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die Ankunft
Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, den
Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben stellte, hatte man nach
Tebris gesendet, aber auf dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem
Geleite und begab sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin,
Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der Emire, die
Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's. [RN: 18. Moharrem 682/6.
April 1284] Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai
Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der fünften
Tochter Hulagu's. _Gurgan_ war der Ehrentitel aller Eidame und mit dem
regierenden Hause verschwägerten Emire.

[Randnote: Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.]

Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht
und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf.
Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen,
Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das Feld. Den
Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak[640]. Ein Ende Januars
eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres. [RN: 9.
Silkide 682/29. Jan. 1284] Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle von
_Alinak_, _Baisar Aghul_ und _Taghai Kokoltasch_ gegen Kaswin, wo
dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden.
Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten
an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von
Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die
er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das
Register darüber führte, hatte dasselbe: _Verzeichniss der unter das
siegreiche Heer vertheilten Summen_ überschrieben. Arghun, der zufällig zur
Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb
das Wort: _siegreich_ mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er
vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen,
deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften
Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein;
Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den
Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der
Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit
achtzigtausend Mann[641], über die Ebene von Moghan herangezogen und am
ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan. [RN: 8. Ssafer 683/27.
April 1284] Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater
mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an
Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil
auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. [RN: 18.
Ssafer/7. Mai] Arghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus
gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und
zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte
mit achttausend Mann das Land. Zu _Chiel büsürg_ stiessen die Vorposten der
beiden Heere auf einander und in der Ebene von _Ak Chodscha_ in der Nähe
von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten
_Jula Timur_ und _Amakadschi_, den linken _Bulughan_; das Mitteltreffen
_Taulai_. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu,
der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel
befehligte _Basaraghul_ und den rechten _Alinak_. Arghun, wiewohl ihm der
Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie
weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak
geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's
zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis
vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von
Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach
Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter
Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir
nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die
unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein
edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und
Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm,
zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den
Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie
keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und
erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und
zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha
angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos
das Land und verbrannten Demaghan.

[Randnote: Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan,
Demaghan und Bostam.]

Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt
geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche
nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich
von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem
nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen
Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie
ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere
südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die
nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser
der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu
Erwähnung geschehen, wie _Firuskjuh_, d. i. der Glücksberg, und _Girdkjuh_,
d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt ist _Demawend_, gleichen Namen mit dem
Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des
von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan
mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich
der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan)
wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor[642].
Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von _Schahrud_,
_Semnan_, _Demaghan_, _Bostam_, wovon der erste nach dem Berge und Flusse
so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten.
_Semnan_, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste,
unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen[643],
kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien
und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen Scheich
_Alaeddewlet Semnani_ berühmt[644]. »In dieser alten Stadt«, sagt Fraser,
»herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige
Häuser von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern,
mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem
Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren
Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen,
welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von
ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.« Das Bad der
Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut[645]. Die
Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der Dynastie
_Ssafewi_ an[646]. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch
von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter
verursacht[647], eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen
Gebirgen gemeinsame Volkssage[648]. _Demaghan_, deren Erbauung von
persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der
alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der
Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan,
Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle
des alten _Hekatompylos_, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen[649], in
dessen Nähe der Fluss _Stiboetes_ aus einer schönen Felsenhöhle
entsprang[650]; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern
gerühmte _Chosrewi_, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische
Bäche vertheilt[651]; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste
Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter[652], und von den
berühmtesten Scheichen der Ssofi ist _Ebu Dschaafer Demaghani_ nach der
Stadt genannt[653]. Von den Scheichen von _Demaghan_ und den von _Semnan_
geht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid
von _Bostam_, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte
des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben[654], war er der Stifter
des nach seinem Namen genannten Ordens der Derwische _Bostami_; auch als
Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt[655], aber doch keiner,
wie der Scheich _Ebu Jesid_ oder _Bajesid_, von dem die Antworten auf die
Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und
auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich
hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben
zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet,
war's flauer Dienst in der Noth[656].

[Randnote: Unterhandlungen und Marsch durch Kumis.]

Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen, wallfahrtete zum
Grabmale des Scheichs _Ebu Jesid_, während Ahmed Teguder seinerseits am
Grabe des Scheichs Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt,
die von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als von jenem, der
kein Moslim war. Teguder befehligte seinen Bruder Huladschu mit einem
Tomane nach Rei, und befahl dort allen Befehlshabern des Heeres, eine
Schrift zu unterzeichnen, dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem zum
obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben bis auf Alinak.
Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah[657] und Legsi, kamen nach der Ebene
von Akchodscha bei Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die
Streifzüge der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten, zu
beklagen. [RN: 28. Ssafer 683/13. Mai 1284] Teguder verwies die Gesandten
an den Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: Es sei
unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun, indem diese Streifzüge
die Vorspiele des Krieges; auch Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich
zugemessene regelmässige Fütterung. »Diese Gedanken des Inhabers des
Diwans«, sagt Wassaf, »brachten demselben kein Heil und das Reich ward
schnell dem Verderben zu Theil.« Alle Entschuldigungen, welche die
Gesandten Arghun's vorbrachten, blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed)
befahl abermal dem Heere, in's Feld zu ziehen. _Ssadreddin_ und
_Assileddin_, die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von Tus,
welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft des Vaters, doch die
astrologischen Verrichtungen geerbt hatten, stellten vor, dass die Gestirne
den Auszug eines Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie.
Arghun empfing im Dorfe Surch[658], in der Nähe von Semnan, seinen Sohn
Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's, des Enkels Dschaghatai's, aus
dessen erstgeborenem Sohne Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime
Dschudschi, dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten
sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi Bachschi,
d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein. Zur Erwiederung der
Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed die Prinzen _Toghatimur_ (den
vierzehnten Sohn Hulagu's), welcher, wie sein Bruder Huladschu, im
Interesse ihres Bruders Teguder, und _Suke_, den dritten Sohn Jaschmut's,
des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und Doladai Jarghudschi
mit der Botschaft, dass, wenn Arghun unterthänig, er selbst kommen oder den
Bruder Kendschatu senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er nun
unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und Ahmed antwortete: dass
er zu _Charkan_ ihre Ankunft abwarten wolle. [RN: 14. Rebiulewwel 683/1.
Juni 1284] Er zog ihnen verheerend über Demaghan nach, dessen Einwohner
vielfältig gepeinigt wurden; fünf Tage hernach war er zu Charkan angelangt,
welches ein zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte des
Scheichs _Ebul Hasan Charkani_ berühmt[659]. [RN: 20. Rebiulewwel/7. Juni
1284] Der Emir _Dschirkudai_, sein Bruder _Jesuder_ und _Bulughan_, der
Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu Charkan machte
Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem Gesandten Buka versprochen, sondern
sandte den Alinak mit dem Vortrab weiter voraus[660]; [RN: 28.
Rebiulewwel/15. Juni] er selbst lagerte acht Tage hernach zu _Kalpusch_ und
drei Tage später zu _Kebud Dschame_, d. i. _Blaukleid_, einem zum Gebiete
von _Dehistan_ (dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an
Korn, Trauben und Seide[661]. Zwar kam die Wesirschaft Ahmed's, nämlich die
beiden Prinzen Toghatimur und Suka und die beiden Emire Buka und Doladai,
zurück und brachten Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich[662]; mit
ihnen trafen die Emire _Newrus_ und _Buralighi_ als Gesandte Arghun's ein.
Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen Worte getreu zu
Charkan Halt gemacht; er deutete diese Wortverletzung unglücklich für Ahmed
und glücklich für Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter
Dinge zurück. [RN: 3. Rebiulachir] Drei Tage hernach ward von Kalpusch
aufgebrochen; die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn Suntai's,
brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig des Verzuges, gab dem Akbuka
die Stelle Buka's und machte diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun
zugethan.

[Randnote: Arghun zu Kelat; ergibt sich.]

Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert Begleitern von den
Fürsten seines Gefolges über Meschhed hinaus in das feste Schloss Kelat
geflüchtet[663]; dieses bis in die neueste Geschichte als der Schatzhort
Nadirschah's berühmte feste Schloss spielt schon in der Geschichte der
ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende Rolle. _Otbi_[664],
der Verfasser des _Jemini_, d. i. der durch ihren rednerischen Schmuck
berühmten Geschichte Mahmud's, des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens,
malt die Höhe desselben durch das Distichon:

    Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen,
      Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'.

Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd und Tus in
schönem und fruchtbarem Thale, welches fünfzig bis sechzig englische Meilen
lang, zehn bis fünfzehn breit, von Osten nach Westen zieht und von den
Hügeln, welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen
wird. Der Anblick des Thales ist reich und grün, es hat Ueberfluss an
Pferden und Wildpret und wird ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge
nach durchfliesst, noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel
herabströmenden Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind schädlich und
im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser zum Trinken in
Cisternen gesammelt werden muss[665]. In diese durch Natur unbezwingliche
Bergfeste schloss sich Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen,
ein. Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider das Schloss
im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den Oxus ziehen und in dem Jurte
Kuwindschi's (des zwölften Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes
Dschudschi's) Zuflucht suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein
Gehör; _Legsi_, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed kennen
gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein Heer, mit welchem er ihm
den Arghun zu liefern versprach. Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das
Lager der Frau Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der Emir
Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi ergriff die Zügel seines
Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan zu führen; aber Newrus legte die Hand
an's Schwert, betheuernd, dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's
nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die Beute des
Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, der ihn davon reichlich
betheilte. Alinak war indessen vor Kelat angekommen und hatte den Arghun
beredet, ihm in das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu
folgen. [RN: 13. Rebiulsani 683/29. Juni 1284] Ahmed umarmte ihn, küsste
ihn und übergab ihn der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der
Augenblick, sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, ganz der Liebe
seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, für nichts Anderes Sinn hatte,
sprach: Was kann er ohne Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau
Kutui (seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber fragen.
Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's, _Sischi Bachschi_, _Kadan_,
_Buraligh_ fest zu setzen, von seinen eigenen einige[666], weil sie dem
Arghun ergeben, hinzurichten. [RN: 16. Rebiul. II./2. Juli] Er wollte eben
aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, dass er erlauben möge, die Vermählung
seiner Tochter mit Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's,
des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben beschloss. Arghun
war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen Ausgang seines Schicksals
fürchtete. Da sprach ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft
getheilt und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, indem er
ihr selbst den Becher reichte[667], Trost ein. Er versprach ihr, dem Arghun
die Statthalterschaft von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein
kaiserliches Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, hatte
Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, oder die Gefahr,
die ihm von den nächsten Umgebungen drohte; er befahl jedoch dem Alinak,
den Arghun nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten[668]. In der nächsten
Nacht »sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen werden, als durch eine
unvorgesehene Wendung der Dinge der arabische Spruch, welchen Bulughan dem
Arghun zu Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles vor dem
Morgen gebären, auf das glücklichste ausging«.

[Randnote: Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.]

_Buka_, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob gebrochenem Wort und
genommenem Oberbefehl nährte, vermochte mehrere Emire[669] zu einer
Verschwörung wider Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser
beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den
Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie
beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka
sandte durch einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend den
Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen[670] nahmen es auf sich,
desgleichen die Emire Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete
begab sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten
Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um den Prinzen leise
zu wecken. Arghun glaubte, es sei List und Verrätherei; als ihm aber dieser
schwur, dass Nichts zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als
seinen Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als
sie um den dritten Kreis der Umzäunung[671] kamen, rief sie eine Wache an:
Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst
dich, Freund, sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um einen
zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun
ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das Zelt
Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward.
[RN: 18. Rebiulachir 683/4. Juli 1284] In derselben Nacht wurden Boten an
Huladschu und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an
Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak gethan;
in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere Emire ergriffen und am
nächsten Morgen hingerichtet. Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem
Prinzen Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und
den Emiren Akbuka und Legsi, als er die Nachricht erhielt, dass alle seine
Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und
floh dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. [RN: 19. Rebiul. II./5.
Juli] Die Verschworenen hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan
an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und
den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des
hingerichteten Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit
viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter,
machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. Die Prinzen
Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu Charkan; die Emire
berathschlagten nun über die Wahl des Chans. [RN: 24. Rebiul. II./10. Juli]
Buka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder Aruk und Kurmischi
für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka
legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er es führe, es nur
für Arghun und seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir
Gurgan, den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's,
und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten Willen
Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger seinen Bruder Mengu
Timur und nach dessen Tode den Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei
mongolischen Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit,
dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft Chorasan,
wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen wolle. Buka brachte die
Entschuldigungen zum Schweigen, indem er sagte: das erste sei, sich der
Person Ahmed's zu versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der
Frau Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der Prinzen
zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab zogen mit dem
Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren
Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, sein
Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. [RN: 27. Rebiul. II./13. Juli]
Ahmed, der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte nach Derbend
entfliehen; aber _Schiktur_ und _Karabuka_ sandten Botschaft an Kutui
Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes
zu bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten.
Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan einer Wache
von dreihundert Mann. Unterdessen kamen die unverschämten Räuber, die
Karawinas, an, welche Buka nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das
Harem und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und
Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer vorgerückt
und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur
hatten mit den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte,
streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die
Hände aus und schrie: _Mordio!_[672]; er ward sogleich getödtet. Die von
Ahmed verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten
nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der Wahl
Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu und der Diener
Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: warum er den Konghuratai
unschuldiger Weise getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan
missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er übel
gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die Emire wollten sein Leben
der Frau Kutui schenken, welche bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben
aber die Mutter Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache.
Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin Kutulun, der
sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die Versammlung durch die
Nachricht, dass die Prinzen Huladschu und Dschuschkab an der Gränze
Hamadan's ein Heer zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der
Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen
Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut
Konghuratai's zu büssen; [RN: 26. Dschem. achir 683/10. August 1284] das
Todesurtheil ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten August vollzogen
durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters Tod
durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel brachen[673].

[Randnote: Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.]

Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt,
hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in
dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi
die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen
und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die
Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu
_Kamsiun_, welches zwischen _Heschtrud_ und _Kurban schire_, statt. Drei
Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und
Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der
Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des
Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i.
Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet;
allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe;
die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes
Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim
Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der
Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die
Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei
übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der
Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger
Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den
Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der
angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner
Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein
Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine
Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen:
1. Die Frau _Kotlogh_, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein
doppelter _Gurgan_, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst
mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's
Schwiegervater. 2. _Oldschatai_, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus
Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach
des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die
nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also
von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die Frau _Uruk_, die Tochter
Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau
_Seldschuk_, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache
seines Vaters nahm er 5. die Frau _Bulughan_, die Verwandte des Buka
Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau _Bulughan_, die Tochter
Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die
Frau _Mertai_ die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines
Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass
dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. _Tudai Chatun_, die
Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften
Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt,
hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai,
die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's),
war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. _Kultak
Ikadschi_, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder
_Jesu Timur_, _Oldschaitu_ (beide aus der Frau Uruk) und _Chatai Aghul_ aus
der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, _Oldschatai_, _Oldschai Timur_,
_Kotlogh Timur_ (alle drei Töchter der Frau Uruk) und _Dilendschi_, Tochter
der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten _Bulughai_.

[Randnote: Schemseddin Dschuweini zu Kum.]

Nach dem Herrscher _Arghun_ und seinem Wesire _Buka_[677], der ihn auf den
Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige
Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu
wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind
Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern
auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt.
Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin
von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar
Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner,
sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit
dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem
Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was
zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem
Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh
auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der
Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem
Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die
Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen,
wie von den früheren Herrschern Persiens, den _Seldschuken_ und _Bujiden_,
wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der Dynastie _Ssafewi_ und der
regierenden der _Katscharen_, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat
Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit
silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen
Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt,
haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher
einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678] das Halsband und den
Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend,
ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch die
_heilige_ heisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren
Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren
Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden
Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte
Botschafter Mirsa Abul Hasan. »Die Stadt ist heute«, sagt Morier, »nur
durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals,
durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen«; denn der Umfang der
Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr,
als die von Kaswin[679]. _Kum_ ward im Beginn des achten Jahrhunderts der
christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische
Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben
Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint,
deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen
gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und
Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen
_Kumasch_, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre
luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das
benachbarte _Kaschan_ durch sein Fayence und seine Scorpionen und
Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak,
des _Verfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne_ (der Geschichte
Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth
Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683] Feth Alischah's. In dem
Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung
dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg
weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine
Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich
begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka,
der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott
will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik
Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.

[Randnote: Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und
angestellt.]

Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's
erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider
Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern
gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte.
Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der
Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur
nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger
in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei
Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen;
diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das
erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn
Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen.
Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er
sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich
dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, »welcher«,
sagt Wassaf, »wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz,
wie das Licht der Sonne, nie ermattete«, um ihn nach Hof einzuladen, denn
Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter
keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit
noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und
Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen
nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:

    Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,
        Der schirmt das Diadem der Majestät,

dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab
jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen;
mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt,
wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur,
welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685],
führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa
kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles
Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess
Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine
Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. [RN: 10. Redscheb 683/21.
Sept. 1284] Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu _Kurban
Schire_ ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in
freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war
voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter).
Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn
weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte
ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit
Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter
Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und
Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht
und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er
sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den
Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und
Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider
denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen
auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein
Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf
seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm
vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu
erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite
gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane
abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein
Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande,
tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka,
lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir.
Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören.

[Randnote: Schemseddin's Hinrichtung.]

Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der
Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang
des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er
aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als
schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden,
erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen
der Völker binde! Zu _Minia_, in der Nähe von _Ebher_, der nördlich von
Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete
sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich
trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen
für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: »Als ich
den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen: _Die da
sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden
Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht,
ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden._
Da Gott der Allmächtige diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt
immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt
und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den
Mewlana _Mohijeddin_, den Mewlana _Efdhaleddin_, den Mewlana _Schemseddin_,
den Mewlana _Hemameddin_ und den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier
zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie
wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit
ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die
ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; _denn Gott verliert nicht die
ihm anvertrauten Pfande_. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen
mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose
geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts
ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb
ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut
vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau
Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss
gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im
Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals
stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin
etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben.
Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den
Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka
vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er
etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich
begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe
jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen
Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! Wenn
Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen
und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt,
soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!« Dieses
Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor;
sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte
dann: »_Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es
Heilung_«; und das Todesurtheil ward vollstreckt. [RN: 4. Schaaban 683/16.
Oct. 1284] Vier seiner Söhne: _Jahja_, _Ferruchschah_, _Mesud_ und
_Atabeg_, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam
Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber
auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: _Edib_ und _Ahmed_, wovon
der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe
Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen
im Viertel _Dscherendab_, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris
bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker
über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der
kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:

    O _Dscherendab_, wo zu Tebris sein Grab,
    Der erste Regen ström' auf dich herab!
    Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub,
    Der grössten Männer Wangen sind dein Raub.
    Hier hat die Sonne[688] höchsten Punkt[689] erreicht,
    Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht.
    Es weinen über sie die sieben Sterne,
    In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne
    Die sieben Himmel und die Erden, sieben,
    Der Meere und der Wochentage Sieben.
    _Feredschullah_, _Jahja_, _Mesud_, _Harun_
    (Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun)
    Den Vater Mohammed so hoch geehrt,
    Es frass dieselben all' das scharfe Schwert.
    Mich hat der Schmerz des _Atabegs_ verzehrt
    Wie Flamme, welche in die Höhe fährt;
    Und ob _Ataul Melik_ gekränket theils,
    Er, der _Ssahib_, der Herr der Stadt des Heils,
    Es saget über dieser Gräber Stätte,
    Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.

[Randnote: Statthalterschaft von Fars.]

Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran
gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim
Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere,
zurück. [RN: 11. Redscheb 683/23. Sept. 1284] Zwischen Serah und Erdebil
und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach
Tebris zurück; [RN: 20. Redscheb/2. October] dann wurde das Winterquartier
in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen
statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin
von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor
Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem
ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der
Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder
aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen Statthalterschaft _Bulughan's_
(des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden.
Um die Ruhe wieder herzustellen, war _Taschmenku_ zu seinem Nachfolger
ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als
seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter,
Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan.
Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm
erschienen, zusammen. _Taschmenku_ sprach sogleich die Hilfe Jusufschah's,
des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als
Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im
Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern _Kawameddin_ und
_Seifeddin_ nach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den
Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der
Spitze der im Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der
hergebrachten Formel blos _Ahmedaga_ schrieb, was wider allen mongolischen
Kanzleistyl[690]. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die
Statthalterschaft der Frau _Abisch_, der gebornen Atabegin, Fürstin des
Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka
verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter
der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der
Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward
ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe
im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte
diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen Frau _Oldschai_, der
Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der
Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem
Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann
seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über
die Rückkehr der Prinzessin _Abisch_, des letzten Zweiges des hochverehrten
erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: _Ein gutes
Land, ein gnädiger Herr_, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im
Diwan ernannte sie ihren Verwandten _Dschelaleddin Arkan_[691] und die
Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem Chodscha
_Nisameddin Ebubekr_, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit
dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft
Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom
finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.

[Randnote: Die Prinzessin Abisch und dann Seid Imadeddin, Statthalter von
Fars.]

Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin den Vorschlag,
sich durch ein Diplom des Ilchans die Begewaltigung zur Wiedereinlösung der
in fremden Händen befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder
gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im verlangten Sinne.
Nisameddin machte aber den grössten Missbrauch, indem er Krongüter und
Privatgüter als Familiengüter der Atabegin ansah und einzog und die
Bewohner von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven
behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch und die
Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das Ende der Regierung
Teguder's. Nach der Thronbesteigung Arghun's begab sich der Seid Imadeddin,
der Schützling Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem
Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem gehörigen Lichte
darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging ein ilchanisches Diplom, wodurch
dem Seid Imadeddin die Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i.
mit Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer und
Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten desselben war »die Schliessung
und Oeffnung der Erfolge, die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben,
die Anstellung und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid
anheimgestellt«. Er wurde mit den beiden mongolischen Insignien
übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe und dem goldenen
Katzenkopfe, bekleidet[692]. Wenn sich diese Investitur mittels Löwen- und
Katzenkopfes in Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte
fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als die Köpfe von Isis
und Bubastis erklärt werden; bei den Mongolen aber sind sie blos das rohe
Symbol einschüchternden Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger
Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten Herrschertugenden
gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand ist die Tatze des Löwen und die
Kralle der Katze. Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters
Bulughan, die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer
Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren indess von Chorasan
wieder nach Fars zurückgekommen und von der Atabegin mit der Verwaltung der
Finanz betraut worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den ihr
zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten _Seid_, und als dieser
von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung ihren Anfang nahm, gleich
einen der Vögte der Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der
Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des Chans zu
erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. Sobald der _Seid_ zu
Schiras angekommen, errichtete er einen königlichen Thron; acht Tage
hernach hatte das feierliche Festgebet des Bairams statt, wobei die
Prinzessin nicht wie gewöhnlich erschien. [RN: 22. Ramasan 683/2. Dec.
1284] Sie hatte erwartet, dass der Seid wenigstens die Formen beobachten
und ihr schuldiger Weise aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war
sie so zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen biss[693].
Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem Einfalle der
niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid sandte der Prinzessin Wort, dass
die Annäherung der Feinde zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach
dem Schlosse Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil
sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während dieser
Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit grossem Gefolge nach Hause.
Auf der Gasse kamen ihm Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu
erscheinen, entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken entgegnete der
Seid mit rauhen; der erste der Mamluken warf sich auf ihn und sie stürzten
beide von ihren Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher
noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft worden war und auf
dessen Treue, weil er der Anführer seiner Truppen, er vorzüglich gezählt
hatte, den ersten Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten
Streichen der Mamluken. [RN: 21. Schewwal/31. Dec. 1284] Der Kopf wurde
abgeschnitten, der Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung
preisgegeben.

[Randnote: Verurtheilung der Atabegin Abisch, und ihr Tod.]

Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, weil der Seid in
dem Lande schädliche Finanzneuerungen unternommen, derselbe auf ihren
Befehl sei aus dem Wege geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften
nachgehen und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's brachte, wie
jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, seltsame Beispiele von Undank und
treuer Anhänglichkeit in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit
Gnaden überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren,
Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel der Atabegin
schrieb:

    Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin,
    Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin;
    Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen,
    Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.

Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers
Wassaf, welcher seiner Erzählung ein Trauergedicht von siebzehn Distichen
einverleibt hat, dessen Beginn:

    Eine Sonne ging im Staube unter,
    Die im Ost des Glückes aufging munter.
    Um zu stürzen diesen Bau, o Loos!
    Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.

Nach dem Tode des _Seid Imadeddin_ wurde sein Vetter, der _Seid
Dschemaleddin Mohammed_, welcher, mit Gnaden der Atabegin überhäuft, sich
für ganz sicher gehalten, an ihre Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit
einem ihrer Räthe über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur
Hinrichtung, zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er weit reicher,
als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der Bewilderung zwischen ihr und
ihm gefallen sei. Die Mamluken tödteten ihn in der Nacht und streuten am
Morgen das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. Die bald
hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken wurde als eine Strafe
des Himmels für den Mord der beiden _Seide_ angesehen. Mehr als
hunderttausend Bewohner von Schiras sollen an der als Folge der
Heuschreckenverheerung entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein.
Der unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern in das Lager des
Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief.
Buka trug die Vergehungen der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle
Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich zurück Botschaft
an die Frau Oldschai sandte, durch deren Einfluss die Atabegin die
Statthalterschaft erhalten hatte; diese überhäufte den Gesandten, der sie
in's Hoflager führen sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei
Richtern[694] ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut der
beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von Gütern aufgetragen. Die
Herren der Finanzkammer wurden in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die
Prinzessin nicht erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit
Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts in's Lager kam,
führte sie der Haushofmeister Buka's in eines der Zelte seines Herrn.
Dieser liess ihm aber am folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich
unterstanden, eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt eines Emirs
Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; trotz dieser dem Range der
Prinzessin schuldigen wahren oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den
Befehl, am folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin,
die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, indem sie Alles auf
Dschelaleddin Arkan, den Verwandten der Atabegin, schob; die drei Herren
der Finanzkammer, Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder
nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die Mamluken des Seid
Imadeddin waren den Gerichtsdienern beigegeben, damit deren Strafe
schonungslos vollzogen werde. Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich
auf Kosten der Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur Zahlung
von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) und zwanzig Tomanen an
die Waisen der ermordeten Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach
dieses Urtheils kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und
zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. [RN:
685/1286] Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den Moscheen durch
öffentliche Gebete, Lesungen des Korans und Almosen die Gebühren der
Trauer, dann ihr letzter Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre
Familiengüter in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern
Prinzessinnen _Gardudschan_ und _Alghardschi_, der dritte ihren Mamluken
und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen _Taidschu_, dem Sohne Mengu
Timur's, und diesem noch ausserdem zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der
Salghuren war in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten
einheimischer Herrschaft in Fars verschwunden.

[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh;
Hochzeit Tudai's.]

Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim
Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit dem
_Dschingsangtitel_ für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum
zweitenmale gefeiert. [RN: 27. Silhidsche 684/6. März 1286] Zehn Tage
darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem
Vogelfänger, und vom Dschelairen _Nurinaga_ befehligte Reiter wider die
Kurden _Hakari_ gesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau
_Bulghan_ starb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge
Sedschas übergeführt. [RN: 10. Ssafer 685/7. April 1286] Im Frühlinge kam
Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet. [RN: 23.
Ssafer/20. April] Ende Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk
auf. [RN: 12. Rebiulachir 685/27. Mai 1286] Hier wartete ihm während des
Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen
Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich
Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines
Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's,
und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu
sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter
Kendschatu's (des Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert,
welchem auch _Jesu Gurgan_ (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der
vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider
Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den
Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem
Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald
hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste,
diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris. [RN: 6. Schaaban
685/27. Sept. 1286] Zwei Monate hernach [RN: 28. Ramasan 685/17. Nov. 1286]
kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch
den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen
von gegebenem Gifte, und _Wedschih_, der Sohn Iseddin's, wurde der
Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet. [RN: 20. Silkide 685/7. Jan.
1287] Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der Frau _Tudai Chatun_, der
Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes
übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's,
Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen
(Baghtak) geschmücket ward[695]. [RN: 5. Silkidsche 685/22. Jan. 1287] Zwei
Monate hernach im Frühling begab er sich nach _Pil Suwar_, [RN: 19. Ssafer
686/5. April 1287] nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh,
[RN: 24. Reb. achir 686/18. Juni 1287] und im Herbste in's Winterquartier
von Arran. [RN: 2. Ramasan/11. Oct. 1287] Im nächsten Frühjahr brachten
Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass _Kinschu_ (der Sohn Dschumkur's,
des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten
Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von
dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im
Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan
verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. [RN: 15. Moharrem
687/20. Februar 1288] Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die
Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des
jüngsten der Söhne Arghun's. [RN: 7. Ssafer 687/14. März 1288] Einen Monat
hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre
Schakamuni's hoch verehrte Reliquie, welche sie _Scharil_ nennen, nämlich
ein verknöchertes Menschenherz. [RN: 7. Rebiulewwel 687/12. April 1288]
Nach ihrer Ueberlieferung war _Schakamuni's_ Herz nicht Fleisch, sondern
Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind
verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie
sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit
den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und
es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, [RN: 30. Rebiulewwel
687/5. Mai 1288] als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht
ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend
Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert
habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres
gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka
und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach
einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde
abgezogen[696].

[Randnote: Buka, der strenge Wesir.]

Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht; er hatte mit dem
Titel eines _Dschingsang_ noch ein Diplom ausserordentlicher Privilegien
vom Kaan erhalten; vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun
Staatsverbrechen begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein
anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden; kein Befehl des
Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel
Buka's beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des Siegels des
Chans nicht bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem Buka
verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von der
Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der Botschafter, welcher
mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich das mit
diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur
der Form nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben
schien. So ausserordentliche Macht musste um so mehr den Neid der anderen
Emire und der Günstlinge Arghun's[697] erwecken, als Buka, hochmüthig und
heftig, durch seine Strenge sich Feinde machte. »Er war«, sagt Wassaf, »ein
fürchterlicher Türke, dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen
Rathschlag den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung
verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und die Beförderung
der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren Erwähnung auf dem schwarzen
und weissen Buche der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die
Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn
verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des Schicksals
Tücke.« Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines
Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer genommen,
hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste Verdienst eines
Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's und erwarb diesem nach allem
Anscheine das Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die
Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit übertragen.
Besonders waren ihm Sultan _Aidadschi_ und _Tughan_, Arghun's vertrauter
Gesellschafter (_Inak_) aufsässig, weil dieser zweimal auf Buka's Befehl
geprügelt und öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine
Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein Bruder _Aruk_, der
Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger verhasst. Er machte
sich wenig aus den Gesandten des Chans, und verschlang die Einkünfte in
seinen Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute
Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald
als ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten endlich
einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern,
unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen Heller
eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. _Ssadreddin Sendschani_,
der Finanzmann Taghadschar's, von welchem Buka ausständige Gelder der
Landschaft Fars forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei
Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle Macht in
den Händen Buka's sei[698]. Das Ungewitter, welches sich über dem Kopfe
Buka's zusammenzog, stieg aus den Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen
von Schiras stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor,
dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt
würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie erhielten
hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan um
einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und er ernannte hierzu den
Seid Fachreddin Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese
Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die
Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen sei, nicht zu
mischen habe; denn Fachreddin hatte dem Arghun vorgetragen, dass viele,
vormals dem Seid Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen,
jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. Arghun übertrug
die Verwaltung der Familiengüter dem Emir Taghadschar und die des Heeres
dem Emir Kundschukbal, so dass auf einmal Buka all seiner Macht und seines
Einflusses beraubt.

[Randnote: Buka's Verschwörung und Sturz.]

Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche Demüthigungen
verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine Finanzkammer wurden vor den Chan
gefordert, alle seine Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir
Ali, der _Temghadschi_, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka,
als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich mit mehreren
Prinzen und Emiren[699] zur Entthronung Arghun's, indem er den Thron dem
Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den Ufern des
Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den Undank Arghun's, der ihm
allein den Thron verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab
anzutragen. Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge
seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem Throne
strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich bin dem Buka für
seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber mündlichen Versicherungen
nicht und werde nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire
glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des
Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der Verschworenen.
Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber
begab sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der seinem Throne
drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage
keinen Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde von
der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte,
befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka aus seinem Lager
am _Kor_ ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen
ihn in seinem Lager, doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben
jenseits des _Kor_ in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber
nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau Oldschai,
gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan Aidadschi und Tughan gingen
noch in der Nacht über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau
Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes
versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt, antwortete er dem
Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller Unruhen anklagte und ihm
vorwarf, dass er immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe
Nichts wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi
und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht: »An dem
und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen
und damit vorzudringen.« Buka sprach: »Du irrest dich; ich habe gesagt: um
was schwer vorzubringen.« Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde
der Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres
der Mongolen festgesetzt war[700], konnte er nicht mehr länger läugnen.
Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat
sich die Gunst, dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem
Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den
Worten: »Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne«. Dschuschkab
trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner
Hand Riemen der Haut aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft,
unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. [RN: 21. Silhidsche 687/17. Jan.
1289] Am folgenden Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es
wurden die verschworenen Emire hingerichtet[701]. Kadan, weil er der
Gesandte des Kaans, der Bitekdschi _Noghai_, weil er wahres Wort geredet,
und ein anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben
verschont. Unter den Hingerichteten war auch der Astronom _Imadeddin_, der
Christ Simon von _Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem_; _Demitrius_, König
von Georgien, welcher in diese Verschwörung verwickelt war, wurde an den
Ufern des Kor hingerichtet[702]; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu
plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers überliefert, die
Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; es erging der Befehl, die
Leichname der Erschlagenen in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von
Wölfen und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. Drei
Emire[703] wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu
holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan,
den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und
führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan des Bruders
ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines
Waffenträgers? und der geforderte fiel. [RN: 9. Moharrem 688/3. Febr. 1289]
Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes Zuflucht gestattet,
wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren
ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher
Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's[704]
übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer angenommen; als er
sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, dessen Grimm er versöhnt glaubte,
vorstellte, befahl dieser, durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so
dem geschah. [RN: Ende Ssafer 688/Halben Mai 1289]

[Randnote: Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.]

Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's angezeigt und dem
Verräther mit eigener Hand den Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen
eigenen gefährdet; auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen
Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire[705] mit Truppen nachgesendet, die
ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain erreichten; er schlug
sich mit ihnen, floh und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun
gebracht, von demselben zum Tode verurtheilt. [RN: 15. Dschem. ewwel 688/6.
Juni 1289] Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen
_Newrus_, des Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur
Folge, mit welchem sich die Prinzen _Huladschu_ (der zwölfte Sohn Hulagu's)
und _Karabukai_, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's)
verbanden; sie wurden von _Muktil_, dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im
Dienste _Karabukai's_ seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse
_Girdkjuh_, dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden
Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach
hingerichtet. [RN: 20. Ramasan 688/7. Oct. 1289] _Huladschu_, der zwölfte
Sohn Hulagu's, der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel
(wie vor ihm _Konghuratai_ und _Teguder_); _Karabukai_, der zweite Neffe,
der wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer unter dem
Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen
_Ghasan_ wider den Aufrührer _Newrus_ zu verstärken. Arghunchan hatte das
Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und
zum zweitenmale den _Ordu Kaja_ und den Juden _Seaad_ empfangen, welche ihm
Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als der
Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde, wenn nicht die
mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen wären, wurde die
Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad aufgesteckt;
auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille
gebracht und hingerichtet; gleiches Schicksal hatte _Dschelaleddin
Semnani_, welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte
Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war. [RN: 1. Dschem. II.
688/22. Juni 1289] Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden _Seaad_
übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte
Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der Moslimen.
_Seaadeddewlet_, d. i. die Glückseligkeit des Hofes, der Sohn des Juden
Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads
oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch seine
Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber
Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini,
Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von
Sughurluk gekommen, [RN: 686/1287] um sich bei den Wesiren über Seaad,
durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt wurde, zu beklagen;
sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen Arzt an, der seiner
medicinischen Kenntnisse willen an den Hof gezogen zu werden verdiene.
Seaad, nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch
dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände der
Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels
Erpressungen und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes auf, die
er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr
zufrieden, verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die
Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin von
_Semnan_ wurde zum _Melik_, d. i. Vorsteher der Finanzen, und Seaad zu
dessen _Moscherrif_[706], d. i. Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier
gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung
mongolischer Landesverwaltung, deren Häupter der _Emir_ (Befehlshaber der
Truppen), der _Schohne_ oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der _Melik_,
d. i. Intendent der Finanzen, und _Moscherrif_, Gehülfe desselben; dazu
kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen die arabischen _Munschi_, die
mongolischen _Bitekdschi_, die türkischen _Bachschi_ heissen. Als Seaad zur
Wesirschaft gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines
vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in der Ausübung
seiner unumschränkten Machtvollkommenheit beschränkt; als aber auch dieser
auf Arghun's Befehl, weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden
unumschränkte Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden,
herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als Wesir[707].

[Randnote: Seaadeddewlet's Verwaltung.]

Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und
Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der
Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali[708], die beiden Söhne
seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali
war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, nach Issfahan gegangen,
als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an
Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der
Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins
hinzurichten. Von diesen wurden _Mesud_ und _Feredschullah_ zu Tebris
getödtet; [RN: 3. Redscheb 688/23. Juli 1289] dem Enkel _Mahmud_ rettete
der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von
den Enkeln die Rede; aber _Ali_, welcher zu Issfahan sich befand, wurde
getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von
den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: _Atabeg_ und _Sekeria_, übrig,
welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun
seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem
Hause Buje den Ehrennamen _Dewlet_, d. i. _Reich_ oder _Hof_, bei; er
nannte sich _Seaadeddewlet_, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen:
_Fachreddewlet_, d. i. Reichsruhm, _Mohesibeddewlet_, d. i. Reichsläuterer,
desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die
Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und
dem Dschemaleddin von _Destadscherd_ übertrug er die Befehlshaberschaft von
Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den
Sohn des Astronomen _Montachabeddewlet_, d. i. des Reichsauserwählten, als
Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder _Emineddewlet_, d. i.
Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem
Neffen Ebu Manssur _Mohesibeddewlet_ (ein zweiter Reichsläuterer) dem
Arzte[709]. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die
Verwaltung unter sich getheilt. Die Emire _Taghadschar_, _Ordu Kaja_ und
_Dschuschi_, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent
verständigt, dass _Seaadeddewlet_ der Befehlshaber des Staatsschatzes sei,
»und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah
vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder
Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten«. Die Wesire
und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen
dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze
Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er
auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen[710]. Er vernichtete gleich
Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern die _Melik_, wörtlich _Könige_,
der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den
Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias
erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die
Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber
verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des
Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde
gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken
und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war
ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenen
_Ghaselen_, _Kassidete_, _Makame_ und Lobreden enthielt, gesammelt, und
welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur
mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen
Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem
Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse
aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam,
redete ihn an: »Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans,
dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig
spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?« Seaadeddewlet entschuldigte
sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten.

[Randnote: Verwaltung von Fars; Emir Tughan.]

Da die grossen Emire _Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_ und _Tughan_
ihm alle aufsässig, so suchte er sich wenigstens mit dreien zu befreunden,
denen er einen Antheil an der Verwaltung überliess; diese waren _Ordu
Kaja_, den er als Helfer zu sich nahm; _Karadschar_, dem er die Verwaltung
von Arran anvertraute, und _Dschuschi_, dem er die von Schiras übergab; dem
letzten gab er noch zwei Beamte[711] und den Sohn Sundschak's als _Serwan_
oder _Tschausch_, d. i. Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren
der Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die Ausstände,
binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn man ihnen den _Dschelaleddin
Serwistani_ gebunden ausliefere. Diess geschah; als aber die Inhaber der
Pachtdistrikte[712] und die Landschreiber[713] nicht Wort hielten, wurden
die ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der Erzählung der
Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet[714]. Die Steuereinnehmer
und Verwalter wurden alle gefoltert und durch Vergantungen und
Confiscationen eine ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war
rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz durch die Rache
einer empfindlichen Beleidigung des Emirs Tughan herbei, welcher, wie wir
gesehen, schon den allmächtigen Buka aus Rache für empfangene Stockschläge
gestürzt. Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, einer
der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, »war«, sagt Wassaf, »ein höchst
scharfsinniger und feiner Kopf[715] an Urtheilskraft, durchdringendem
Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit und Zierlichkeit, hatte er unter
den Mongolen nicht seines Gleichen«; dazu war er ein gewandter
Briefsteller, Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer _Keschadschem_,
d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben in diesem
Worte enthalten sind[716] (_Schreibkunst_, _Dichtkunst_, _Astronomie_,
_Philologie und Musik_), vollkommen bewanderter, hochgebildeter Mann. Als
nach der Hinrichtung Buka's der Emir _Newrus_ in Chorasan rebellirte, wurde
Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner Rückkehr liess
Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass die Curiere Tughan's mehr als ihre
normalmässigen Taxen genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die
Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln verurtheilt.
Tughan, welchen Nichts aus der Fassung brachte und welchem ein guter
Einfall immer zur Hand, sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn
schaden, wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche auf
sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn Emire zugegen. Der Schah
lachte, und allsogleich citirte Tughan das Distichon Motenebbi's:

    Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht,
    Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717].

Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart kam er diessmal
von der verhängten Strafe los, aber der Groll wider den Juden, der ihm die
Schmach der Verurtheilung zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust,
und er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir _Kundschukbal_ und
Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, ihren Feind beim Schah
zu verschwärzen. Dieser indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch
immer fest durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche den
Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der Einführung einer neuen
Religion, deren Oberhaupt der Schah sein sollte[718]. Arghun war nicht
Moslim, wie sein Vorfahrer, sondern vielmehr den Juden und Christen
geneigt; von seiner Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte
Herrschaft der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für die
Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen wieder
herzustellen[719], und seine Verbindungen mit den Königen Armeniens und
Georgiens, seine Gesandtschaften an den Papst und König von Frankreich, von
denen weiter unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der neuen
Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem Scheine nach den Islam
zu beschützen, wovon ein von Wassaf erhaltener, zu Gunsten der
Pilgerkarawane von Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm
wenig daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen Hauses
vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame verbannte er nach Schiras,
um dort von Schemseddewlet die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen.

[Randnote: Feldzug gegen Derbend; Bauten.]

In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres begab sich Arghun,
welcher auch ein Freund der Astronomie, wiewohl er mit Vorliebe Alchymie
trieb, nach Meragha, um die Sternwarte zu besuchen; [RN: 4. Ramasan 688/21.
Sept. 1289] in der folgenden Tag- und Nachtgleiche des Frühlings verehrte
er der Frau Bulughan, der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des
Konghuraten, das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem
Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine
übergegangen war. [RN: 9. Rebiulewwel 689/24. März 1290] Vier Tage nach
vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze
von Derbend meldeten. [RN: 13. Rebiulewwel 689/28. März 1290] Die Emire
Schiktur Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen
befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren
Gepäcke bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden
Heere auf einander. [RN: 1. Reb. achir 689/15. April 1290] Das feindliche
befehligte _Abadschi_ und _Mengli_, die beiden Söhne _Mengku Timur's_, des
Herrschers von Kipdschak, und der Feldherr _Nokai_; das Arghun's: die Emire
_Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Toghruldsche_ und _Taidschu_, der Sohn
Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen die
Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten mehrere
Gefangene[720]. Hierauf wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und
Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben durch's
Reich[721]. [RN: 17. Reb. achir 689/3. Mai 1290] Da die Ruhe an der Gränze
von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, wo
in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen Flammen emporloderte.
Arghun wurde durch den Tod seines Sohnes _Jesutum_ betrübt; [RN: 7. Dschem.
ewwel/19. Juni] auch waren der Emir _Sundschak_ und sein Sohn _Schadi_ zu
Meragha gestorben. Zwei Monate hernach ward zu Tebris _Medschdeddin
Muminan_, dessen oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen,
hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager von
_Alatagh_ ein; [RN: 2. Schaaban/12. August] er kehrte über Wan und Wastan
zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf
und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer Beschreibung ihrer
Gestade und Inseln, der Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar.
[RN: 13. Schaaban/23. August] Der Blick Arghun's fiel auf die Stadt
_Amuria_, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die
Verheerung derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess sich Alles
erklären und war mit der Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die
Jagd, und sagte dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden,
weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging der
Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche aus Rum zurückgekehrt
waren: _Emirschah_, _Fachreddin_ und den Sohn _Hadschi Leila's_, zu
ergreifen; dem ersten rettete die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's
das Leben, der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht
gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: _Akbuka_,
_Doladai_ und _Aldschiwaktan_, aus Rum, von denen der erste dorthin
zurückgesandt ward. [RN: 5. Schewwal 689/13. Oct. 1290] Das Fest des
Fastenmondes wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit grosser
Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame,
die Chatibe und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser
Bauliebhaber, befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt anzulegen,
welche _Schem_ oder _Schenb_ hiess, und in der später sein Sohn Ghasan sein
berühmtes Grabmal erbaute; er befahl den Bau einer Stadt zu _Scherujas_,
nördlich von Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet,
den Namen _Sultanije_ erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, zu
_Andscherud_, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in der Ebene
erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei Abflüssen, dessen Wasser
sich nie mindern und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt
werden[722]. In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf
welchem hernach Arghun begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das
gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein
Serai[723]. Zu _Lar_ oder _Lardschan_[724], der gleichnamigen Hauptstadt
der am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft _Laristan_, baute er einen
Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der Basar der Stadt gilt
noch heute für den schönsten Persiens; das heute in Ruinen liegende Schloss
galt ehemals für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem
Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; alle Häuser sind
bequem und nett eingerichtet; jedes mit den beiden Luxusanstalten einer
persischen Sommerwohnung, nämlich einem _Badgir_ und _Serdab_[725], d. i.
mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; in diesen
dringt die Hitze nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses
der Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen
_Arghunije_; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; und
liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach dem in Persien von uralter
Zeit her eingeführten und heute noch üblichen Systeme unterirdischen
Kanalbaues. Die kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche
Sommerlager, die südlichen Ebenen von _Kongorolang_, d. i. die Falkenweide,
das Sommerlager, wo hernach _Sultania_ gebaut ward; der Frühling und Herbst
wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und Tebris zugebracht, wie
vormals die persischen Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu
Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen.

[Randnote: Arghun's Krankheit.]

Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte
indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich
ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und
Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an.
Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi
eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne
Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer _Ordu Kaja_
und _Kadschan_ zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er
sich in's Winterquartier nach _Arran_, wo er krank ward, vom Arzt
Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der
Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von
Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen
der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward,
untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und
könne nur durch Almosen geheilet werden; die _Kamen_, welche nach
mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe
erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin
_Tughandschak_, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete
Nichte _Dschuschkab's_, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan
vermählt, mit diesem die Tochter _Tughandschak_ aus dessen Beischläferin
Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem Harem _Schadi
Gurgan's_ in das Arghun's übergegangen, und _Tughandschak_ erscheint hier
als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit
anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie,
um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass
sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der
Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die
Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er
wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu
guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben,
sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit
einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren
dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk
gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras
zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der
Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen;
hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein
die Emire[726], denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen
sich zur Abschüttelung dieses Joches, [RN: 4. Ssafer 690/5. Febr. 1291] und
sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der
Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die
Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen
aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese
Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's
angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten
unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun
erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung
gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin
euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt,
berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum.
Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm
die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten,
dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit
keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und
verurtheilten ihn zum Tode. [RN: 1. Rebiulewwel 690/4. März 1291] Am selben
Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen _Chatai Aghul_) wurde Dschudschi
auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden
Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor
Gericht, und Beide wurden getödtet[727]; ihre Häuser wurden vom Heere
geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran [RN: 7.
Rebiulewwel 690/10. März 1291] und zwei Tage später wurde sein Leichnam
nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten
Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner
Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward[728].

[Randnote: Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.]

Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner
Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen.
Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der
Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker
gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den
ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo
nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung
Arghun's erfahren. [RN: 12. Dschem. ewwel 683/27. Juli 1284] Einen Monat
hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie
bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des
Fürsten von Mardin[729]; der Scheich war in den Habit der Derwische als
Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er
gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines
Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit
Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen
Formel mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den
Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von
zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen
aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte
sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres
Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des
Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. [RN: 28.
Ramasan 683/8. Dec. 1284] Während dieser feierlichen, zur Schliessung
festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier
beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine, _Katibe_, in der
Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret,
Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, _Kachta_, dessen
aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss
verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem
fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien
zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher
sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee
eingeäschert. Sie drangen bis _Ajas_ vor, schlugen die armenischen Truppen
im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann
zurück[730]. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von
Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung,
welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann
zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von
Gesandten, deren einer, _Buscarell_, ein _Kuridschi_, d. i. von seiner
Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von
England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen
Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die
Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems
Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der Papst belehrte ihn in
seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus
schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen
Sohn _Oldschaitu_, welchen die Mutter (_Urukchan_) getauft und Niklas
genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin _Ilkotlogh_[731], die er
zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte;
die Frau Uruk[732], welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen
_Ghasan_ und _Chatai Aghul_[733], welche von anderen Müttern, zur Annahme
des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte
Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem
Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im
fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im
folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte
Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst
war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude
Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind
also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen
zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des
Papstes die Könige von Frankreich und England, die Aegypter von Syrien
abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis
zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine
Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König
von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun
schon fünf Monate todt.

[Randnote: Kendschatu's Thronbesteigung.]

Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der Emire, welche über
die Nachfolge des Thrones getheilter Meinung, die Kunde an die drei
Prinzen, denen sie denselben zugedacht; nach Chorasan an _Ghasan_, den
ältesten Sohn Arghun's, nach Bagdad an _Baidu_, den Sohn Tarakai's, des
fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an _Kendschatu_[734], den Bruder
Arghun's, welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der
Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die
Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber schon am
anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem Legsi, welcher mit der
Nachricht des Todes an Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der
Nachricht nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch den _Baidu_ als
den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. Hierzu bestimmte die
beiden genannten Emire einerseits die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie
und Herrscherkraft, bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits
die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der Herrschaft
seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren überlassen und sie mit ihrer
Partei leer ausgehen würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren:
_Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_, _Tokal_, _Schiktur_, _Tughan_,
_Timurbuka_, _Tekne_, _Ildschidai_, _Toghdai_ und _Doladai_; der letzte
wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren
eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten. [RN: 8.
Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um
dem an ihn gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete:
Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des
Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches Recht habe ich auf
den Thron, so lange jener und andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach
vorgehen? Nach diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem
Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint, dass, weil
Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es für klüger fand, sich
an diesen zu halten, indem er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten
Antrage mittheilte[735]. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm
den Antrag gemacht, und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der
beiden Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden
Seaadeddewlet. Einige[736] gingen nach Rum, um sich an Kendschatu
anzuschliessen. _Kundschukbal_ entfloh, _Tokal_ verliess sich auf einen
Haufen Georgier, _Tughan_ brütete Aufruhr in Irak, der Prinz _Suka_ (der
jüngste Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren
_Tschoban_, dem Suldusen, und _Kurmischi_, der Sohn Alinak's, führten auf
Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh dem
Kendschatu entgegen. Die Frau _Uruk_, die Wittwe Arghun's, die Mutter
zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden.
Die Emire[737] welche dem Baidu zu _Kökbuldagh_[738], d. i. am blauen
Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, verliessen ihn. _Ildschitai
Kuschdschi_, _Kundschukbal_, _Timurbuka_, _Tschoban_ gingen zu Kendschatu
über. Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihm _Chatai Aghul_, der
jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. _Taghadschar_, das
Haupt der Partei _Baidu's_, wurde sogleich in Empfang genommen; _Tughan_,
welcher nach Gilan entflohen, wurde eingebracht; doch wurde ihm, weil er
ein Schützling Baidu's, vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu
bestieg in der Stadt Achlath den Thron. [RN: 4. Redscheb 690/23. Juli]

[Randnote: Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und Familie.]

Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der beiden Häupter der
Gegenpartei, der Emire Taghadschar und Kundschukbal, indem er jedem nach
der Jasa drei Stockstreiche geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen
übertrug[739], und den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor
dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche
Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags
ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten sich
_Schiktur_, _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Semaghar_, _Tekne_ und Andere
schuldig und flehten die Gnade des Padischah an, der dieselben auch
begnadigte, Andere gelinde (mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider
Tughan, welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die
Frau _Urukchan_ feind waren, wurden die Söhne _Dschuschi's_ und _Ordu
Kaja's_ mit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch wollte ihm
Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass
Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle
wohl den Tod verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als
Akbuka den Söhnen _Dchuschi's_ und _Ordu Kaja's_ die Blutrache der Väter
überliess. [RN: 6. Schewwal 690/5. Oct. 1291] Taghadschar und Kundschukbal
wurden begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt.
Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu Karadschal am
Ufer des _Kor_, seinem ehemaligen Horte. Von hieraus wurden die
Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein
Gutachten der Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen dem Namen
Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem _Kamen_ ertheilte Formel,
_Irindschin Durdschi_[740] beigesetzt. _Senbu_, der Bruder _Suka's_, der
zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu[741]; der Prinz _Enbardschi_,
der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in die
östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige Gedanken,
welche während der Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach
der Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar
genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten Ssadreddin von
Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin,
welcher sich im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene
falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den Turkmanen und
Karamanen aufgerieben sei und dass er sich beeilen möge, Besitz vom Throne
zu nehmen. Kutbeddin gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras,
welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig,
sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete
er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf der
Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der
Scheich stellte sich willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in
der Nähe, sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich
geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich von der
Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er entledigte sich also
freundlicher Botschaft im Namen Enbardschi's und theilte dann dem
_Schiktur_ insgeheim den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit.
_Schiktur_ sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken an
_Enbardschi_ zurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die Zelte
_Taghadschar's_ und behielt ihn und _Ssadreddin_ bis zur Rückkehr
Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft verlautete,
sandte er sie in einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis
_Ersenrum_ entgegen. [RN: 12. Redscheb 691/30. Juni 1292] Als Kendschatu zu
_Alatagh_ ankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während
derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen Gebete
angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und Budhapriester beteten für die
Dauer seines Lebens[742]; keiner Religion besonders zugethan, war er für
alle gleichgültig[743], nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen
waren: 1. _Aische_, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2.
_Dundi_, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der vorigen; 3.
_Iltürmisch_, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4.
_Padischah Chatun_, die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus
dem Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. _Bulughan_ und 6. _Uruk_.
Ausser diesen hatte er die Söhne _Alafreng_ und _Iranschah_ aus der Frau
_Dundi_ und _Dschinkpulad_ aus der Frau _Bulughan_, drei Töchter aus der
Frau _Aische_ und eine vierte aus der Beischläferin _Abisch_, der Tochter
des _Biklimisch_, des Bruders _Audschan's_, des Erlaten.

[Randnote: Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und
Fars.]

Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet
worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch _Buraldschin Ikadschi_, den
Günstling Kendschatu's, und _Scherefeddin Semnani_, welcher beim Emir
Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang
es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt
dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und
einen Toman von Truppen. [RN: 6. Silhidsche 691/19. Nov. 1292] Sein
Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten
in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname
_Ssadreddin_, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von _Ssadri
dschihan_, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder
_Kutbeddin_, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit
der Veränderung seines Namens in _Kutbi dschihan_, d. i. Pol der Welt; ihr
Oheim _Kawameddin_, d. i. die Feste der Religion, erhielt die
Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von _Kawamolmülk_, d. i.
Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte
den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter
Hulagu den beiden Brüdern _Dschuweini_ und dem Sohne des Wesirs
Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von _Schiras_. Die Sorge für die
Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde
dem _Fachreddin Aidadschi_ bestätigt[744]; dieser aber bat um
Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang
mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen
und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig
Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste
Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der
Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber
auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung
ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan
ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde
gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd
angedeihen liess. _Efrasiab_ von Lur, der Sohn des unter der Regierung
Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der
Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von
Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide
zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen
Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu
erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben
so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime und Neffen
Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen,
floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen
Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab
zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern.
Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der
Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung,
benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die
Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt
Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der
Stadt getödtet. [RN: 8. Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Kisil sandte seinen
Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem
Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem
Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte
auf den Namen Efrasiab's von _Lur_[746]; dann dehnte er seine Herrschaft
von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische
Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen _Tekele_, und Melik
Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747] wider den Toman Arghasun's;
auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des
Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die
Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten
die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen
tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai
wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd,
gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die
Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch
Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden
hingerichtet.

[Randnote: Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.]

Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die
Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am
Uebergange des Euphrats belagere. [RN: 8. Dschem. sani 691/27. Mai 1292]
Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und
Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die
Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen,
zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei
geschleppt[749]. [RN: 1. Redscheb 691/26. Juni] Kalaaterrum, das Schloss
der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt,
genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750] liegt,
war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen,
dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan
Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den
Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder
Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte
dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu
vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines
Vorfahrers und seines Bruders Arghun. _Tekia_ oder _Tetkaul_ starb in dem
Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. [RN: 3.
Dsch. ewwel 692/11. April 1293] Von Meragha begab sich der Hof nach
Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des
Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit
Versicherungen von Freiheit und Eintracht, [RN: 7. Schaaban 692/13. Juli
1293] und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes
Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte
von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen.
Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen
die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus
Diarbekr ein. [RN: 17. Schaaban 692/23. Juli 1293] Kerrai Aghul, der Sohn
Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und
Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. [RN:
12. Ramasan 692/16. Aug. 1293] Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach
Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier
wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu
Bire gefeiert. [RN: 5. Rebiulewwel 693/24. Jan. 1294] Drei Tage hernach
traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren
Vorsteher der Prinz _Kalintai_. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör
gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen,
[RN: 8. Rebiulachir/8. März 1294] nachdem sie noch Tags vorher der
Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den
Namen _Kotlogh Baligh_, d. i. der guten Balley, erhielt. [RN: 2. Dschem.
ewwel 693/31. Mai 1294] Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus
Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, [RN: 7. Redscheb 693/3. Juni
1294] und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um
seine Huldigung darzubringen; [RN: 16. Redscheb 693/12. Juni 1294] er ward
ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die
Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt
worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte.
Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in
China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch
die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch _Tschaw_ heisst.
Vergebens stellte _Schiktur Nujan_ vor, dass diese Massregel der Ruin des
Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der
Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um
dort das Papiergeld einzuführen; [RN: 19. Schaaban 693/15. Juli 1294] sie
kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer
Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an
Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe
setzte. [RN: 10. Ramasan 693/12. Sept. 1294] Dieser den Bewohnern von
Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine
Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern
aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller
Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als _gebenedeites
Papiergeld_[752] zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das
mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel:
_Irdschin Turdschin_, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753].
_Iseddin Mosaffer_, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der
Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und
Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die
Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber
entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach
ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie
angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan
so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald
zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir
setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen
Worten hieher.

[Randnote: Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.]

Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in Weichlichkeit und
Wollust versunkenen Leben Kendschatu's ermuthigte den Prinzen Baidu,
welchem vor ihm von den Emiren der Thron angetragen worden war, zum
Versuche, denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten
Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die Fürbitte des
Günstlings _Burekdschin Ikadschi_ vorgekommen, beklagte er sich über solche
Behandlung bei den Emiren, und als von diesen _Tudadschu_, der Oberrichter
_Dschidschek Gurgan Legsi_, der Sohn Arghun's (des Statthalters) und
_Iltimur_, der Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich
mit ihnen zum Aufstande wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd,
der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss sich an dieselben
an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt des Heeres nothwendigen
Lebensmittel. Baidu schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed
Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei
verwaltete, zu tödten[754]. _Ghurantai Gurgan_, der Eidam Kendschatu's,
Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab durch Eilboten dem
Schwiegervater von der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad
vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die
Emire _Doladai Ordadschi_, d. i. Kellermeister, _Kundschukbal_ (welchem
Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed
früher _Taghai_, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt gewesen),
_Tukal_ (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten Tochter Arghun's),
_Ildschidai_ und _Bukdai_, als dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu
berieth sich mit Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten
Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie
gebunden nach Tebris[755]. _Hasan_ und _Taidschu_, die beiden mit der
Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten die Nothwendigkeit
vor, durch die Hinrichtung der Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten;
aber _Taghadschar_, der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die
Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in Verhaft, den
_Tukal_ ausgenommen, welcher nach Georgien geschickt ward. Von Arran aus
gingen Gesandte an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort
den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach _Irbil_ gekommen, vernahmen sie,
dass Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie kehrten
also schnell zurück, um diesen Unfall dem Herrn zu berichten. [RN: 28.
Rebiulachir 694/17. März 1295] Hierauf wurden die Emire Akbuka und
Taghadschar mit Truppen wider Baidu gesandt. _Taitak_ führte den Vortrab
von fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar
mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die Vorposten Taghadschar's und
Baidu's aufeinander; die Baidu's wurden zurückgeschlagen. [RN: 3.
Dschemasiulewwel 694/21. März 1295] Der Chan selbst brach mit einem Heere
vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das höchste Vertrauen
genoss, von Kendschatu sich abgewandt, sandte heimlicher Weise
verrätherische Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als das
Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der
heimlichen Sendung Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein
Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest.
Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in der Nacht mit
seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, als er sich auf diese Weise
verlassen sah, eilte mit dreihundert Reitern zum Dienste des Schah.
Kendschatu, bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen
redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes ermuthigend.
Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan,
der Sohn Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät,
um Mitternacht zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche
bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die
Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, und
setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's welcher vom Vater an
Kendschatu gesandt, von diesem in Gewahrsam behalten worden war, in
Freiheit und führten denselben dem Vater zu[756].

[Randnote: Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.]

Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich
dort _Taitak_ und _Toghruldsche_ mit _Baschmak Aghul_ und _Karadscha_,
dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan
Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte. [RN: 6.
Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt
aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte
den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass
er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an
den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand
und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn
den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das
Heer Baidu's geschlagen. [RN: 6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Von den
Günstlingen Kendschatu's wurden _Itogthu_ und _Itpuki_ mit ihm zugleich
hingerichtet[757]. _Itkuli_, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit
er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber
das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron
zu Audschan[758]. [RN: 8. Dschem. ewwel 694/26. März 1295] Die Emire
Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt[759]; die
Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der
Folge, als Baidu von Ghasan am Flusse _Heschtrud_ geschlagen ward,
hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran,
welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire
gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht
weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der
nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft
im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan,
der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von
dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und des _Dschaghantu_, d. i. des
weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen
Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben,
an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der
Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg
denselben [RN: 19. Dschem. ewwel 694/6. April 1295] und erliess in alle
Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: »Da Kendschatu sich von den
Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt,
so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen
entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der
wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen
Willens.« Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron,
wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und
der Finanzen verliehen[760]. Die Emire _Kundschukbal_, _Tukal_,
_Tudadschu_, _Legsi Gurgan_ wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von
Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den
verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den
Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die
Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren
übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad
und die Umgegend dem _Tudadschu_; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen
Distrikten dem _Taghadschar Nujan_; die Gebiete von _Irak_ und _Lur_ dem
_Toladai Aidadschi_; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare
verlieh er dem _Kundschukbal_; dem _Dschemaleddin_ wurden die
Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie
zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels
Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin _Kurdudschin_
die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden
Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate
dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines
Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in
Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der
Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden
Buche verwebt wird.



I. Beilage.

Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi.

Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band
II. Blatt 601.


Kurz _Dschudschi_ starb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber die
Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's nicht einig. Einige
sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's
von den Brüdern getrennt, nach _Kipdschak_ gegangen, von dort aber wieder
zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward,
und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aber _Hafis Ebru_
setzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei der Belagerung
Chuaresm's zwischen _Dschudschi_, _Ogotai_ und _Dschaghatai_ vorgefallenen
Misshelligkeit Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der
Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart geadelt
worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen den _Irtisch_, wo sich
dessen schweres Gepäck befand, begab, und sich mit seinen Lagern vereinte.
Da Tschengis Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen
Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und
Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch
gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi
vermöge Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt erhellte, dass
er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu
geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne
dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen.
Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet und war desshalb, als
Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen;
er war nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte ihm
blos einige Säcke von Turteltauben[761], indem er sich mit seiner Krankheit
entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute von den Jurten und Gränzen
Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine
Jurten verändert, an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er
selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im
Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus, dass
Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis Chan um die
Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, denn als
ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge mit der Jagd beschäftigt
gefunden; dieses Wort brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es
war in seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf das
Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist närrisch geworden und
hat thörichte Handlungen begangen; nun ist es nothwendig, Truppen wider
ihn zu schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm
nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod ein,
wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein,
und als er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung
gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; allein dieser, hiervon
verständigt, war früher aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre
Dschudschi's war dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen _Batu_
ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne Dschudschi's sind die
folgenden: 1) _Orda_, 2) _Batu_, 3) _Berke_, 4) _Berketschiter_, 5)
_Jetukami?_, 6) _Scheiban_, 7) _Tangkut_, 8) _Juden_ (Tuden?), 9)
_Tschilaun_, 10) _Sikur_, 11) _Dschemi_, 12) _Udur_, 13) _Boka Timur_, 14)
_Schikum_.

Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es fehlt nämlich der von
Reschideddin vor _Udur_ aufgeführte _Mohammed_; dafür fehlt bei
Reschideddin _Jetukami_, welcher interpolirt scheint. Weiter ist über diese
Namen zu bemerken, dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, in der
Handschrift Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek _Berktschapar_, was
jedoch ob Mangel der Punkte zweifelhaft und in meiner Handschrift des
Dschihanguscha bei der Thronbesteigung Ogotai's _Berketschiter_ genennet
wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung von _Berke
kitschikter_, d. i. der kleinere Berke, zu sein; der vierte, hier _Juden_
oder vielmehr _Tuden_ genannt, heisst bei Reschideddin _Tewal_; der
folgende bei demselben richtiger _Tschilaikun_ statt _Tschilaun_, was
daraus zusammengezogen. Der hier _Dschemi_ genannte heisst bei Reschideddin
_Dschintimai_ und ist aller Wahrscheinlichkeit derselbe mit Suntai, welchen
Wassaf in dem Abschnitte: von dem Ende Tschengis Chan's und der
Thronbesteigung seines Nachfolgers, mit dem Bruder _Batu_ nennt, und
welcher auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur Eroberung des
Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; endlich ist vom
vorletzten, _Boka Timur_, zu bemerken, dass derselbe beim Abul Ghasi (B.
96 der Textausgabe) _Tokai Timur_ heisst, dass _Boka Timur_ im
Dschihanguscha im Geleite _Batu's_ bei der Thronbesteigung Ogotai's
erscheint, während nach Abul Ghasi _Tokai Timur_ als Regent in Kipdschak
zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei Haider die Aufzählung der Chane der
weissen Horde: 1) _Menkai_, 2) _Sasi Boka_, 3) _Eideren Ben Sasi_, 4)
_Tschitschai_, Sohn _Eideren's_, 5) _Urus Chan_, Sohn _Tschitschai's_, 6)
_Tokatmisch Chan_. Im _Munedschimbaschi_ (auf der kais. Hofbibliothek Bl.
397) heisst 1) _Sasi Boka_ der Sohn _Tuli's_, des Sohnes _Orda's_; ihm
folgt, 2) _Ebrsan_, der Eideren Haider's, 3) _Mubarek Chodscha_, 4)
_Schintai_, der _Tschitschai_ Haider's, 5) _Urus Chan_. Hierüber ist zu
bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin unter den Söhnen
Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher nach Haider's Angabe, sowie _Tuli_
nach der Munedschinbaschi's, der Vater _Sasi Boka's_ gewesen sein soll;
nach Reschideddin war _Sasi Boka_ der Sohn _Pajan's_, des Sohnes
_Kubindschi's_, des Sohnes _Sertaktai's_, des Sohnes _Orda's_, so dass er
der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben gewesen, was wohl als
das richtigere anzunehmen ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe)
erscheint Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes _Tukkul's_,
des Sohnes _Saritsche's_, des Sohnes _Us Timur's_, des Sohnes Tokai
Timur's, des Sohnes Dschudschi's.



II. Beilage.

Auszug aus Wassaf über den Ulus Dschudschi's.

Erwähnung der Länder Dschudschi's.


Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte, so ereignete es
sich alsbald, dass er wider seinen Willen zur Reise in's andere Leben,
welches die eigentliche grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm
sieben Söhne[762] zurück, als eben so viele Planeten am Himmel der
Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam aus sieben Gliedern
zusammengesetzt. _Hordu_, _Batu_, _Berestai_, _Schekut_, _Berke_,
_Berkedschar_, _Buka Timur_. Von ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen
Brüdern durch Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und
Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des Vaters. Vier
Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's, _Gesek_, _Esan_, _Osek_,
_Alghui_, welche zusammen mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten,
untergab er der Aufsicht seines älteren Bruders _Hordu_; der Sammelplatz
der Heere Batu's waren die Distrikte am _Itil_ (Wolga). Er unternahm den
Bau einer Stadt, deren Ausdehnung weit wie das Feld hohen
Unternehmungsgeistes und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte er
_Serai_.

Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand und Hülfe Vernunft
zuwider ist, so neigte er sich doch auf keine Seite der verschiedenen
Secten hin, und war weit davon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu
halten, als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses Siegelringes
der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der Welt durch die Lichter seiner
Gerechtigkeit erhellet worden, als Zeit und Raum diese beiden Verse
declamirten:

    Die Welt ist hell von Deines Thrones Schatten,
    Er hat die Welt verkehrt in Rosenmatten.

Bei dem zweiten Kuriltai kamen die Prinzen darin überein, dass der Säbel
mit Grimm wider die Köpfe der Anführer der Russen und Assen geführt werden
solle, welche den Fuss der Feilheit in die Reihen der Widersetzlichkeit
gesetzt. Von den Prinzen Mangu Kaan's wurden _Kajuk_, _Kadachan_, _Kurgan_,
_Turi_, _Paidar_, _Hordu_, _Tangut_, welche letzte beide am Tage der
Schlacht festen Fusses standen, und _Basintai Behadir_ zu dieser
Unternehmung bestimmt. Sie setzten sich zur Zeit, als der Frühlingswind in
voller Kraft wehte:

    Der Rosenstrauch schwang in dem Garten Speere,
    Das Blatt war Dolch, die Dornen Lanzenspitzen,

in Bewegung. Die Heere kamen an der Gränze Bochara's zusammen und zogen
wider Russland aus:

    Was Indien, zeigt sein indisch Schwert
    Den _Assen_, _Russen_ und _Alanen_.

Sie eroberten die Stadt Moskau, gefüllt mit einem Heere zahlreicher als
Heuschrecken, zanksüchtiger als Fliegen, und das sich bei der Wehr
zusammennimmt, plünderten und mordeten nach ihrer Gewohnheit. Sie schnitten
die Ohren der Erschlagenen ab.

    Es füllet in der Welt dein Ruhm die Ohren,
    Vor deinem Grimm droht Untergang den Ohren.

Man zählte 270,000 abgeschnittene Ohren.

    Du, schärf' das Ohr; der Himmel haut dich über's Ohr.

Die Prinzen und grossen Fürsten und siegreichen Freien waren

    (Der Himmel war zu Willen und das Schicksal folgte)

wunschbefriedigt und die Engel sangen dazu:

    Der, so sich wider Dein Gebot empört,
    Der, so dein Reich im mindesten nur stört,
    Dem spalte Partisan' das Aug' inmitten,
    Dess Körper sei dem Grimm des Dolchs zu Theil,
    Dem sei vom Messer Zunge abgeschnitten,
    Dem sei der Hals durchbohret von dem Pfeil.

Als sie zurückgekehrt, hatte Batu Lust, wider die _Kelaren_ und
_Baschkirden_, welche die christliche Religion befolgten, aufzubrechen. Als
die Heere des Winters, aus Furcht vor den Dolchen der Neider, das Gesicht
abwandten, und die Rosen sich, wie das Glück der Glücklichen, mit hundert
offenen Gesichtern zeigten und die Nachtigall mit bestimmtem Schall:

    Weisst Du, warum der Lyra Saiten gellend schrein?
    Weil ohne dem Gesicht die Ros' nicht Ros' und Wein nicht Wein.
    Auf deiner Rosenwange ist das Heer zu schauen,
    Weil es darauf sich legt mit herzlichem Vertrauen,

ging der Prinz, der das Glück gefunden.

    _Hem._  Die Welt an seinem Zügel, die Zeit an seinem Bügel.

    _Hem._  Wenn deine Bügel weiter gehn,
                 Was Wunder, wenn wir auch nicht stehn!

Er zog, fest wie Schlösser, mit 40,000 Reitern, deren jeder die Stütze
eines mächtigen Heeres, in's Feld. Zur Zeit, als die beiden Heere auf
einander trafen, trennte sie ein Fluss mit steilen Ufern. Batu sandte
seinen Sohn mit einem Tomane Heeres, um über den Fluss zu setzen, und er
selbst besetzte einen Hügel und betete demüthig vor der Majestät Gottes,
des absoluten Gnadenverleihers, mit einem Herzen, brennend wie die Lampe
dessen, der die Nacht durchwacht, und mit einem Hauche, kalt wie der des
Morgens. So brachte er die Nacht bis an den Tag hin; am andern Tage, als
der einpferdige Chosroes der Welt frohe Nachricht gebracht, und auf dem
Degen (Rücken) der Berge das Rad (der Sonne) sichtbar gemacht, reihten sich
beide Heere zur Schlacht. _Sertak_ fiel den Feind mit einem Toman stürmend
an, und die anderen auf dem Hügel aufgestellten Heere rannten wie ein
Gürtel von der Höhe nieder; gleich niederstürzendem Loose, welchem nichts
zu wehren im Stande, wandten sie ihr Gesicht gegen das feindliche Lager,
und zerstückten mit ihrem Säbel die Zeltstricke wie den Strick der
Freundschaft der Verbrecher. Furcht und Schrecken bemächtigten sich der
Einwohner von _Kelar_, die Waldteufeln glichen; die meisten derselben
wurden ein Frass des Schwertes und der Hyänen, und so wurde auch dieses
Land den Schwesterländern beigesellt. Im Jahre 653, als Mangu Kaan ein
Kuriltai hielt, wurde _Sertak_ zum Dienste des himmelhohen Thrones gesandt.
Ehe er zurückgekehrt, hatte sich Batu von der Braut der Chanschaft dreimal,
d. i. unwiderruflich, geschieden und Sertak, mit Gnaden und
Gunstbezeugungen überhäuft, kehrte in die Residenz zurück, und ohne sich
lange aufzuhalten, ward er zur Abreise (aus dieser Welt) gezwungen. Vermög
des Befehles Mangu Kaan's übernahm _Berakdschin Chatun_, welche die grösste
der Frauen, die Sorge für die Beförderung der Reichsgeschäfte, und erzog
hiezu den _Ulaghdschi_, den Sohn _Sertak's_; doch auch _Ulaghdschi_

    _Hem._  endete in kurzer Zeit sein Leben.

_Berke Aghul_ erhielt die chanische Krone, dessen Heere sich zu
wiederholtenmalen mit denen Hulagu's schlugen, und als die Chanschaft an
_Mangu Timur_ gekommen, war diess der Fall mit den Heeren Abakachan's, wie
diess schon oben vorgekommen.



III. Beilage.

Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen Hulagu und Berke.

Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche zwischen Hulagu Chan und
Berke Aghul statt gefunden.


Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan alle Könige und
Länder der Welt beherrschte und besass und dieselben seinen vier Söhnen
Tuschi, Tschagatai, Ogtai und Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte
und Horte auf allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem Scharfsinn gut
dünkte und seinem durchdringenden Genius ziemte (die umständliche Theilung
der Länder und Gebiete ist in der Geschichte _Dschihanguschai_ ausführlich
beschrieben), wurden dem Dschagatai die Stationen und Regionen von den
Gränzen der nigurischen Pässe bis nach Samarkand und Bochara zugetheilt,
und sein gewöhnlicher Aufenthalt war in der Nachbarschaft von _Almaligh_.
_Ogotai_, welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch zum Nachfolger
bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von _Imil_ und _Kobak_, welches
der Chanschaft Thron und der Nabel des Reichs. _Tuli_ besass die Jurte,
welche an die Chatai's stiessen, und von Kialik und Chuaresm, von den
äussersten Gränzen von Saksin und Bulghar bis an die Gränzpässe von Derbend
und Baku, war Alles auf den Namen des ältesten Sohnes Tuschi geschrieben.
Hinter Derbend, welches insgemein das eiserne Thor heisst, war das
Winterquartier seiner Heere, von wo dieselben bis Arran streiften, und
Arran und Aserbeidschan gehörten noch zu ihren Ländern. Die Ursachen,
welche Stoff zum Streit herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind
die folgenden: Im Winter des Jahres 662 (1263), als der Goldschmied der
Allmacht die Flüsse von Derbend mit Silberplatten überzogen, und der
Kirschner des Winters nach dem Maasse der Hügel und Haiden denselben
Hermelinkleider angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe
eines Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf Befehl Berke
Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner als Wüstenteufel und Ghulen,
und deren Schaaren zahlreicher als die Tropfen des Regens waren:

    Sie kamen, Flüsse tragend,
    Wie Teiche Wogen schlagend,

über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind. Von dem Gewieher und
Geklirre ihrer Pferde und Truppen war die Zauberin der Erde voll rollender
Donner und leuchtender Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen sie bis
an die Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan ging ihnen zur Abwehrung des
Funkens ihres Bösen mit einem Heere entgegen:

    _Arab. Vers._  Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer,
                   Unaufhörlich zog es wie die Erde her.
                   Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen
                   Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen;
                   Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun;
                   Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n.

In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich alsogleich zurück:

    _Arab. Vers._  Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen ziehen,
                   Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen.

Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren die Füsse dem
Boden an, und im Heere Berke's hielten Klein und Gross, Mann und Ross aus,
bis dass sie alle erschlagen, und die Andern, besiegt, die Zügel der Flucht
davon getragen. Hulagu erlaubte den Heeren nicht, zurückzukehren, bis sie
nicht über den gefrorenen Fluss gesetzt.

    _Arab. Vers._  Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen,
                   Die Säbel löschen ihren Durst darinnen;
                   Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben
                   Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben.

So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die Lagerorte des
ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den Weg friedlicher Unterhandlung
und Ausgleichung ein, und thaten die Hand der Verlängerung auf, bis sie das
ganze Land von den Nachtheilen der Usurpation gereinigt und die Uebermacht
der Fremden daraus verbannt.

    _A. V._  Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe;
             Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe.

Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige Stationen
Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit seinem glücklichen Lager
herangenaht, gab er den Befehl, die Genossen Berke Aghul's, welche zu
Tebris im Besitze von Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel
beschäftigt waren, hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze
aufzuschichten. Viele derselben waren blos Commissaire, in deren Händen die
Capitale und Güter ihrer Principale geblieben waren. Berke Aghul, um
Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess die Kaufleute der Länder des
Chans tödten und legte ihnen auf diese Weise das Geschäft. Der Weg der
Gehenden und Kommenden, das Reisen der Kaufleute, war nun auf einmal, wie
das Geschäft der Verdienstvollen, gesperrt und die Teufel der Unruhe waren
der Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan einen
Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders gewendet. Von sechzehn
Hesaren, welche zu Bochara lagen, waren fünf dem Batu anhänglich, drei der
Frau _Kutibeg_, der Mutter Hulagu-Chan's, und die übrigen dem Ulugh Kul,
das ist dem grossen Delai, welche jedem der Kinder Tschengis-Chan's, die
von dem Throne der Chanschaft Besitz nähmen, zu Befehl. Diese fünf Hesare
führte _Batu_ in das Feld und las ihnen von den Klingen der Schwerter,
welche die Bothen des Todes, des rothen, ihr Todesurtheil vor. Ihrer Güter,
Weiber, Söhne wurde nicht geschont. Da die Regel des Spruches:

    Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort,

in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete auch _Mengu
Timur_, der Sohn _Berke Aghul's_, welcher nach dessen Tode dessen Stelle
vertrat, wider _Abaka Kaan_ den Teppich der alten Widerspenstigkeit auf,
und es hatten zwischen ihnen zu widerholtenmalen Streitigkeiten und
Zwistigkeiten Curs und Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter, säbelschärfende,
lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr über den Fluss wie zerbröckeltes
Eis aufgerieben und in den Abgrund getrieben und das Resultat ihres Lebens
auf die Platten von Eis geschrieben. Als nun der hohe Abaka Chan mit der
Menge ihrer Heere und ihrer Kühnheit näher bekannt, zog er gegen Derbend
eine Mauer durchs Land, welche _Sitab_ genannt, um diesen weltverwirrenden
Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese beiderseitige
Feindschaft bestand, und diese gegenseitige Huth und Scheelsucht hatte
Bestand, bis Kendschatu, der Chan, im Land. Als _Noghai_ der Erbe des
Landes Mengu Timur's ward, wurde durch gegenseitige Gesandtschaften und
Schreibenwechsel der Weg der Kaufleute und Handelsgenossen wieder
aufgethan. Die Ursachen des Heiles lagen in dem Plan; das Land Arran fing
durch die Menge von Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen Wogen zu
schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen Jahren wieder an zu
gebahren.



IV. Beilage.

Auszug aus Wassaf über das Papiergeld.

Erläuterung der Ursachen, welche die Einführung und Vernichtung des
Papiergeldes (Dschaw) herbeigeführt.


Der von ewig her bestehende Spender der Nahrung und der allweise Schöpfer
(geheiligt seien seine Eigenschaften!), welcher die Bewohner der vier Wände
der Naturen der Menschheit und die Eingekerkerten der sechs Richtungen
irdischer Körper bald ohne Anlass geleisteten Dienstes durch den Ausfluss
seiner, keinen Dank ansprechenden Gnaden bestimmt, und bald ohne
vorhergehende Schuld seine Geschenke und Spenden zurücknimmt, Er dessen
ewige Wissenschaft: Koranstext:

    »_Ihm ist kein Sonnenstäubchen fremd
          auf Erden und im Himmel_«[763].

das vollkommenste Gemälde der Herrschergrösse ist, wollte es so, dass nach
der Begebenheit (der Thronbesteigung) Arghun-Chan's in alle Herden der
Mongolen eine Seuche fiel, welche sie in ihrer Sprache _Jut_ nennen. Aus
diesem Anlass fehlte es den meisten Truppen zu Bagdad, Mossul, Diarbekr und
Chorasan an den nöthigen Lastthieren und in dem Schatze war durch die
Veränderung der Chane und Vergeudung des Goldes an die Truppen nichts
zurückgeblieben; diess war der zweite Unglücksfall; dazu kam noch drittens,
durch die angeborne Huld und natürliche Freigebigkeit des Vorsitzes der
Welt und der Zeit, um die Völker zufrieden zu stellen und um Nothdurft zu
stillen, ein Ausgabenüberschuss und Gnadenüberfluss; das vierte war die
wenige Achtung des Ilchan's für Geschenke und Gaben und seine Verachtung
der Oeconomie[764], d. i. des Besitzes in beweglichem und unbeweglichem
Gut[765], an Geld und Vieh, und das Sprichwort sagt: »_Die Fünf findet sich
in den Fünfzig._« Er hatte in der Zeit von zwei Jahren, während welchen der
Welt Vorstand der Wissenschaft und Herrschaft vorstand, gegen fünfhundert
zu Leihe genommene Tomane mittels rother Fertigungen an die Herren der
Anweisungen übertragen, so, dass die grossen Fürsten diese Sache endlich
gewahr wurden. Eines Tages hörte man von dem Munde des Herrn (des
Grosswesirs) folgende Worte: »_Seadeddewlet_ hat zur Zeit, als er die
Geschäfte der Länder förderte und tausend Tomane in dem grossen Schatze
bereit lagen, und die stärkste Veranlassung zu dieser Zusammenhaltung
Arghun-Chan's genaue Verwaltung gewesen, die Einkünfte und Ausgaben der
Finanzen ohne rothe Fertigung[766] besorgt und für die Verproviantirung des
Heeres und alle Erfordernisse der Küche, des Lagers und der Frauen gesorgt,
und so habe der Ilchan in der kurzen Zeit von vierzig Jahren vom Jurt
_Dilbertschin_ bis nach _Kiawbasi_ ein und vierzig Tomane für die Frauen,
Pagen und Vertrauten der Majestät hergegeben.

    _Arab. Vers._  Wenn Du aufgehst, müssen Sonn' und Mond sich
                                     niederlegen,
                   Wenn Du scheidest, müssen sich verstecken Meer
                                      und Regen.

Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die ganzen Kosten der
Küche nur vierzig Tomane bestimmt und doch waren die Verwalter und
Küchenaufseher[767] nicht sicher vor dem Tadel der Tadelnden und dem Spotte
der Spottenden und dem Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit (Unserer) den
Tag vermehrenden Regierung haben Wir hundert fünf und sechzig Tomane auf
diese Weise an goldenen Verwendungen ausgetheilt, und dennoch rufen sie
immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen und Prinzessinnen geben immer neue
Wünsche kund und schliessen, gegen einander rechtend und spiegelfechtend,
nicht den Mund.« Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der Schatz auf
alle Weise für den Bedarf baaren Geldes[768] bedurfte, dass die Einkünfte
der Länder in einem Jahre 1800 Tomane, die bestimmten Ausgaben 700 Tomane
betrugen und dass der Rest für die wichtigsten Geschäfte des Reiches, für
die Gaben und Geschenke des Padischah nicht hinreichte. Der Herr des Diwans
befahl, die Auflagen der Länder, besonders der von Bagdad und Schiras,
welche der Gürtel des Reiches, zu läutern[769]; doch der Ueberschuss der
Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab für die Majestät, auf deren
Weberstuhl der Einschlag gestreifter Kleider steht, so viel aus, als der
arabische Spruch:

    _Arab. Vers._  Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt heraus,

und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der Verwirrung der Finanzen
nicht abgeholfen. Da befand sich _Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid_,
dessen hässliche Gestalt, dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche
Constitution und schändliches Naturel ein Muster seiner Sitten und
Eigenschaften war, im Lager an der Seite der Majestät und des Grosswesirs,
als dessen Berather und leitender Vater. Er war's, der die Mühle des
Betruges in den Gang gebracht, der mit Hoffnung und Furcht denselben kirr
gemacht. Aus Eingebung schlechter Seele, welche, allen Geschäften des
Menschen feind, als das Gegentheil des ursprünglichen Guten erscheint,
wollte er seinen schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in einen
ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage der Auferstehung das
Ziel der Pfeile des Fluches und des Spottes aller Menschen werde. Er
stellte vor: »Es fehlen zur hinlänglichen Aufbringung der Gelder die
Quellen; sei es im Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold für
seinen Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind Heu und Spreu[770], und
Anlehen zu machen, gehört künftighin zu den schwierigsten Sachen. Wenn es
sich darum handelte, schnell das Heer zu rüsten und beritten zu machen,
würde es schwer halten in allen Sachen, und das tändelnde und schändende
Gerede der grollenden Feinde, die schnell und hart daherfahrende Fehde
daimonischer Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit machen;
die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen gäng und gäbe, um die
Spalten des Reiches zu verdämmen und um durch rechtliche und wohlthätige
Gesinnung alles Unrecht zu hemmen, würde ein Ende nehmen, und wollte man
(was jedoch nicht unmöglich anzunehmen) öffentlich die reinen Wasser mit
Steuern belegen, oder neue Vergantungen[771] und schwere Strafgelder den
Unterthanen zumuthen und auflegen, so würde dieses die Gemüther erbittern
und das Land würde verwittern. Eine Maassregel, welche, vor allem Angriff
vor Verschwärzern geschützt, schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt
und mannigfaltigen Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den Sinn
gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch in denen des Ilchan
das Scheingeld, statt Silbers und Goldes, in Umlauf setze, damit dadurch
die Thore des Verkehres geöffnet würden, damit das Geld ganz in den Schatz
einlaufe und Schaden und Verlust keinen Menschen treffe auf Erden.« Nach
diesen vorausgeschickten eingebildeten Gründen trugen der Herr des Diwans
und _Bulad Dschinksanek_, der Gesandte des Kaans, das Wort vor. Da diese
Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum vermehrte, die Magazine der
Kaufleute leerte, den Armen und Elenden Beruhigung gewährte, so schien
dieselbe Anfangs denen, die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der
Ilchan erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend, kurz und
gut, dass man auch in den übrigen Ländern nicht mehr mit baarem Gelde
Handel und Wandel treibe, sondern dass man überall die Webung goldener
Kleider abschaffe und nur soviel davon gestatte, als für das Kleid des
Padischah und seiner nächsten Umgebungen erforderlich sei, dass man sich
nicht mit Verfertigung goldener und silberner Geschirre und mit keiner
Kunst, welche Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich führe, befasse,
dass man die Goldschmiedekunst und die Silberarbeiterei der Gesichtsfarbe
und dem thränenden Auge der Verliebten überlasse; kurz, durch die
Einflüsterung und Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes und
gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese Weise schändete,
geschah es, dass er in alle Länder, in's arabische und persische Irak, nach
Diarbekr, Rebiaa, Mossul und Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und
Schiras einen grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir sandte, und
dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes errichtet, dass Verwalter,
Schreiber, Schatzmeister und andere Beamte dabei verwendet und überall
grosse Summen zur Verfertigung des Scheingeldes gespendet wurden. Durch
die Verlautbarung dieser Geschichten wurden die Völker in den Reif des
Erstaunens gezwängt und blieben in demselben ohne Seele beengt.

    _Arab. Vers._  Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit vergeht,
                   Und umgekehrt, auf Persisch heisset _Dem_ nur _Med_[772].

Die Gestalt und Form des Scheingeldes _Dschaw_ war diese: Ein länglichtes,
viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen Worten beschrieben, in
denen immer Fehler geblieben[773]; ober diesen chinesischen Worten stand
auf beiden Seiten:

    »_Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein Prophet!_«

Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der Juwelenknoten dieses
Perlenstates, das Tughra dieser Befehle und das Amulet dieser Kehle; unter
demselben war geschrieben: _Iritschi Turitschi_, auf Chinesisch
(uighurisch), d. i. _Sobald es angekommen, sei es für bleibend angenommen!_
In der Mitte war ein Kreis beschrieben, der aber ausser dem Mittelpunkt
ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei war der Werth des Papieres von
einem _halben Dirhem_ bis _zehn Goldstücke_, und dann in Schrift das, was
folget, geschrieben: »_Der Padischah der Welt hat im Jahre 693 (1293)
eingesetzt dieses gebenedeite Papiergeld; es soll cursiren in Ländern
allen; wer es verfälscht oder verändert, sei mit Weib und Kind der
Todesstrafe und sein Gut dem Fiscus verfallen._« Nach Schiras war ein
Patent dieses Papiergeldes, das, sehr ausführlich und lang, eingebildete
Fragen aufwarf und die Antworten darauf aufdrang, gekommen. Ein Exemplar
desselben ist noch in den Händen und es wäre unnütz, darüber noch mehrere
Worte zu verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: »dass,
sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die Thränen der
Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth und Dürftigkeit und Schaden
und Elendigkeit verschwunden sein unter den Söhnen der Zeit, Korn und
Getreide wird zu haben sein in Wohlfeilheit, und Arme oder Reiche sind dann
einander gleich.« Die Dichter und Trefflichen der Zeit haben zum Lobe des
Papiergeldes nach der Eingebung ihres Genius dem Padischah und dem Herrn
des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken geweiht; als eine Probe von
diesem Lobe ist das folgende Distichon aus einem Bruchstücke eines der
Trefflichen hier eingereiht:

    »Geht Papiergeld in der Welt,
    Sein Entgelt[774] sie frisch erhält.«

Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker, welche Gold und
Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe aus dem Hause, wo das
gebenedeite Papiergeld ausgetheilt ward, erhalten, dass Alle, welche als
Befehlshaber Länder verwalten, nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen und
Bezahlungen dort beziehen sollen, dass das alte abgenützte Papier dorthin
gelangen, und der Bringer für den Gehalt von zehn Dinaren alten
Papiergeldes neun Dinare neues empfangen soll, dass die Kaufleute des
persischen Meeres, welche in fremde Länder handeln und wandeln aus dem
Schatze Gold erheben und dafür ihr Papiergeld abgeben sollen,
vorausgesetzt, dass dabei der Weg der Behutsamkeit beobachtet und ihre
Erlaubniss und Befugniss von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig
betrachtet und erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren in
diesem Patente enthalten.

    Tausendmal ist's besser, gar nicht anzufangen,
    Was zu keinem Resultate kann gelangen.

Wenn (wovon das Gegentheil nicht zu denken) diese Bedingungen nicht schon
von Grund aus schlechter Art, wenn mittels der Umwälzung der Zustände, der
Uebertragung der Herrscherkräfte und Veränderung der Geschäfte, diese
Befehle von allem Fehle beschützt und bewahrt geblieben, wenn die Leute
ohne Widersetzlichkeit und Blödigkeit, dasselbe zu nehmen und zu geben und
den Lauf desselben zu gewähren, willig gewesen wären, so wäre es möglich
gewesen, dass einige dieser präliminären Verfügungen gekommen wären zu
eines Resultates Ehren; allein, wie man diess immer aus dem Gesichtspunkte
der Vernunft und der Analogie betrachtet, so ist dieses eine Maassregel,
nicht verwaltbar und (auf dem Spitz ein Kegel) nicht haltbar, besonders da
der Zweck dieser Einbildungen ganz und gar kein andrer war, als die Schätze
des Padischah zu erneuen und die der Unterthanen zu zerstreuen.

    »_Zu bewahren des Moslim's Gut, ist Pflicht,
        wie zu bewahren des Moslim's Blut._«

In der practischen Philosophie ist durch Beweise festgesetzt, dass das Gold
von Gott, als die kleine Gesetzgebung, eingesetzt; dass dasselbe den Werth
der Sachen bestimmt und die Ordnung der Welt in Anspruch nimmt; dass ein
kleiner Theil desselben eine grosse Menge anderer Sachen vertritt, deren
Transportirung und Verführung sehr schwer und vielen Ungemaches nicht leer;
dass wegen seiner inneren Festigkeit und Trefflichkeit dasselbe vor aller
Gefahr der Vernichtung geschützt; dass es nicht durch Wasser, nicht durch
Feuer, nicht durch Schneiden und Stossen verwundet wird und abgenützt.
Diese Bedeutung bedarf keiner Erweiterung und Erläuterung,

    »_Diess ist Erforderniss mündiger Weisheit._«

Die Nothwendigkeit und Dürftigkeit ist's, welche demselben Adel verleiht;

    _Arab. Vers._  Wenn ich ein Gottesfürchtiger nicht wäre,
                   Erwies' ich selbem göttliche Ehre.

»_Für der Welt Wunden ist das Pflaster im Golde gefunden_,« ist ein
bekanntes Sprichwort;

    _Vers._   »Hätte ich Gold, so wären meine Geschäfte auch golden;
              Golden sind sie nicht, weil ich besitze nicht Gold.«

    _Ar. V._  Kein Gesandter fährt mit besserem Glück,
              Als das rundgeprägte Silberstück.

Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und seltsamen
Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und Persiens über die
Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des Papiergeldes geschrieben, und die
ihm im Gedächtniss geblieben, aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch
_die goldene Kette_[775] oder _die unvollkommene Erreichung des Zweckes_.
Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold zerstieben, woraus würde man
denn verfertigen die Kronen mächtiger Sultane und Reiter, die Ohrgehänge,
Armbänder und Knöchelringe der Schönen, welche den sich blähenden Busen
gewärtigen? und wie könnte denn, mit dem papiernen Geld, die frische Rose,
welche freudig die goldene Scheibe in der Faust und Goldbarren (die
Staubfäden) im Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange des Windes
anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber sich einen Schatz für ihr
Alter zur Hülfe wider das anrückende Heer des Frühlings machen? Die
trunkene Narcisse ist bemüht, im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes
ihr sehnendes Auge zu färben, und im steinernen unbarmherzigen Herzen des
Berges stocken die Blutadern (die Rubinen) aus Begierde, sich von der
goldausstreuenden Sonne Einiges zu erwerben. Wie könnte das Gold einem
Stücke Papier sich vergleichen? wie könnte den Werth von jenem dieses
erreichen, welches durch einen Funken aufgeht in Rauch und wie die Töchter
der Luft (die Dämpfe) davonfliegt bei des Windes geringstem Hauch, welches
durch einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube wird zu Staub?
Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr, und durch die Vergleichungen und
Herausstreichungen ward die Traurigkeit immer mehr und mehr. Im Silkide d.
J. 693 (1293) kam das Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge der
Herzensknoten und den Maassregeln von der Vernunft geboten, begann man
sogleich, um seine Seele zu schützen und um etwas zu besitzen, mit Speisen
und Waaren niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei Tagen war Tebris,
welches das kleine Kairo hiess, wie der Beutel der Geduld der Sehnsüchtigen
leer; im Lande war kein Glanz und keine Freude mehr, und die Brust der
Sicherheit und Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden und
Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert, die Thore des Handels
und Wandels waren versperrt. Verkaufte man den Man Brotes um Einen Dukaten,
so glaubten die Käufer, dass sie gewonnen, und die Verkäufer, dass sie
verloren hatten. Ein Freund erzählte mir vom Blitze der Witze jener Gegend,
was folgt: In dieser Umstände drängender Gefährde stand ich gaffend zu
Tebris auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer schlugen ein Pferd, das um
fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt gewesen wäre, schlugen dasselbe,
fortgezogen durch der Begebenheiten Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten
Papiergeldes an, und der Käufer, aus Freude über den grossen Preis, lief
herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam die Bewegung des Pferdes
zu zeigen; dann bestieg er einen Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis
er aus den Augen verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse der
Realcommentar:

    _A. V. des Verfass._: Wer das Papiergeld erfand, verführt als
                                           schlimmer Betrüger,
                          Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er.

Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen stieg bis an den
Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber und das Heer hatten keine
Geduld mehr, das gemeine Volk flehte am Freitag in der Moschee mit
klagendem Gebete; es verlauteten die Klagen über die Ungerechtigkeit, womit
sie geschlagen. Sie verfluchten den Aseddin Mosaffir mit allen denen,
welche zu dieser Neuerung und Theuerung das Gleiche beigetragen:

Spruch der Ueberlieferung: »_Wer schlechte Sitte eingesetzt, dem wird sie
bleiben als Last bis an den jüngsten Tag._«

Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie flohen aus dem
Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen Namen mit auf die Reise. Die
Trefflichen und Dichter der Zeit waren, ihn mit Spottgedichten zu
durchgeiseln, bereit; so sagte Einer derselben, als er den Namen
_Amidol-mülk_, die Säule des Reichs, angenommen:

    Das Schiff _Amidol-mülk's_ inmitten Reichsgefahr,
    Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff[776] gefüllt.
    Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar,
    Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt[777].
    Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar,
    Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt.

Auch das folgende Bruchstück reimte Einer:

    Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt,
    Die auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält.
    Wenn _Geber_, _Jud_, _Moslim_ vor der Altäre Stufen
    _Ormusd_, _Jehova_ und _Allah ist gross!_ ausrufen,
    So flehen alle drei in Unterthänigkeit
    Zur Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht,
    Es möge ihm in dieser Welt von allen Dingen
    Kein einziges nach seines Herzens Wunsch gelingen![778]

Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des Papiergeldes ausgegeben.
Da das Papier, in welchem das Capital der Männer von Verdienst bestand, auf
vierzig Weisen ging von Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich von
den Nowaben der Papierfabrik einen Teller Goldes hätte erwirkt, spurlos wie
das Gold sein Dasein verwirkt. Zu dieser Zeit wurde an einen Bruder der
Reinigkeit (an einen guten Freund) wie es scheint, das folgende Bruchstück
verfertigt und in der gehörigen Form abgefertigt: »Der Sicherheit Kiel
laufe auf dem Blatte der Wohlfahrt für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo
Du immer sein mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher und ganz
eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel freundschaftlicher
Liebe um die Mitte an; er hat den Mund zu wohlduftendem Preise und
eröffnendem Wunsche aufgethan, und stellt das Gesicht reinen Verhältnisses
weiss und klar mit Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen dar:
Das offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange mit dem Freunde, dem
vertrauten, welcher süsser als das gewöhnliche Leben, hat sich Perlen
gleich so ausgebreitet, dass es unmöglich ist, die Länge und Breite dieses
Feldes mittels der Messkunst des zweizüngigten Kieles und mittels der
Quadratfläche des zweigesichtigen Papieres,

»_Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden als der Ambra_,«

auszumessen. Schon geraume Zeit ist's, dass die goldenen Papageien der
Federn, welche das Wort ausschreien:

    »_Mittels der Federn werden die Länder regiert_,«

von der Moschustränke der Gnaden des Tintenzeuges dem weissen Silbersitze
der Gärten der Wörter nicht zugeflogen, und dass die Gesandten
freundschaftlicher Anzeige aus dem _Kairewan_ des Westens nach dem Lande
des Südens Botschaft bringend ausgezogen. Wenn das Gemüth Gedanken und
ihren Ausdruck flieht, so muss der Kiel der Denkkraft auf eingebildetem
Blatte weilen oder die rothe Thräne die Schwärze des gekränkten Auges
heilen. Es wird erwartet, dass einige Blätter jener Art, von welchen allein
vor diesem Freund die Rede (einige Blätter Papiergeldes) _wie Blätter der
Bäume voll Glanz, wie Busen der Schönen geglättet ganz, hell wie das
aufgehende Licht und wie der aufrichtige Morgen, wenn er anbricht_, die
Klagen der auf den Kopf geschlagenen Feder stillen werden. Bliebe aber das
Gesicht dieser begehrten Sicherheit in den Schleier der Verweigerung
verhüllt, so ist dieses Stoffes genug, dass der trauernde Kiel der Klage
über Unterdrückung nach dem Papierhemde der Bedrückten lange und das
Gestöhne der kratzenden Feder bis zum Gipfel des Himmels Merkur's, des
Schreibers des Himmels, gelange; dass der Kiel mit der Zunge _Chakani's_
aus Schirwan, des Chakans der Bedeutungen, diesen Vers anwende:

    Für mich sei Freundeshand als Klägerhemd gewandt,
    Weil er verweigert mir die Feder, das Papier,

und demselben sende.« Als nun die Klage der Erde und der Stunde gedrungen
zu des Himmels Runde, als die That und das Messer drang in die Seele ein
und das Messer geschnitten bis an das Bein, als der Strom gelangt war zum
Munde, stellten die Emire und Nuwianen einstimmig dem Herrn des Diwans vor:
Wenn dieser Zustand noch einige Zeit dauert; so ist aller Glanz der Länder
aufgegeben, und es ist unmöglich die weitere Verwirrung zu heben:

»_Willst du, dass man dir gehorche, so fordre nur das Mögliche!_«

Da ergingen wirksame Befehle, dass man das Papiergeld abstelle. Gesandte
gingen nach allen Seiten, um die Abschneidung des Bösen und Einkleidung
dieser Maassregel einzuleiten. So ward durch Gottes, des Allmächt'gen,
Gnade dieses ungeheure Unglück:

    _Koransvers_: Weist du, was da die Flammenwuth?
                  Es ist der Hölle brennende Gluth![779]

abgekehrt und den Gemüthern aller Völker Freude gewährt. Vornehme und
Gemeine sagten:

»_Gott sei gelobt und gebenedeit! Er hat von uns abgewendet die
Traurigkeit; denn Er ist unser Herr, der Allen Alles verzeiht; Er liebet
die Dankbarkeit._«



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   --  14 v. u. st. die Tataren l. der Tataren
   33  15 v. o. st. Karachetai l. Karachatai
   35  12 v. u. st. Minkburni l. Mankburni
   36  15 v. u. st. Sonne der l. Sonne des
   43  13 v. u. st. Temur l. Timur
   50   3 v. u. st. Mohakkah l. Mohakkak
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   72  10 v. u. st. hatten l. herrschten
   75  13 v. u. st. Nami l. Nemi
   78   4 v. u. st. denselben l. demselben
   --   3 v. u. st. erlegen l. erlagen, st. ob denselben l. vor demselben
   --   2 v. u. st. derselben l. desselben
   81   am Rand st. Gemahlin l. Gemahlinnen
   87   1 v. u. st. Journal II. l. Journal asiatique II.
   93  13 v. o. st. Weg zu l. Weg zur
   --   5 v. u. st. Schebehun l. Schebchun
   96   5 v. o. st. und um l. nur um
  102  11 v. u. st. dem Adlerneste, dem Hauptsitze l. das Adlernest,
                    den Hauptsitz
  109   4 v. o. st. Chalweih l. Chaleweih
  117  14 v. o. st. Betekdschi l. Bitekdschi
  121   2 v. o. st. einer gleichen l. mit gleicher
  124  13 v. u. st. Intendanten l. Intendenten
  125   8 v. u. st. des Musters l. des Gründers
  163   4 v. u. st. by Naima l. by Neumann
  178   9 v. o. st. vor der l. von der
  180   9 v. u. st. Thierangels l. Thürangels
  185   7 v. o. st. Telbaschil l. Telbaschir
  186  11 v. o. st. Hama's oder l. Hama's und
  187   4 v. o. st. Quelle entsteigt l. Quelle entspringt
   --  18 v. u. st. Amrolkai l. Amrolkai's
  189   6 v. o. st. des Turbeysel l. das Turbeysel
  208  17 v. o. st. Mahribi l. Mahghribi
  211  17 v. u. st. Maillenschläger l. Mailleschläger
  214  15 v. o. st. nur vom l. nie vom
  214  13 v. u. st. nur eines l. nur der eines
  232   7 v. u. st. Ammer l. Aammar
  237   4 v. o. st. Betha's l. Batha's
  237  11 v. o. st. war ein Vergrösserer l. war ein weit grösserer
  239   7 v. o. st. Wenn nur das Glück wie die Beisitzer wäre,
                 l. Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,
  240   2 v. u. st. geistiger Dichter l. persischer Dichter
  241   3 v. o. st. Hamkjar l. Hemkjar
  242  18 v. u. st. Aasa l. Osa
  253  14 v. u. st. Ville Hardouin l. Villehardouin
  259   3 v. o. st. Mogholtei l. Mogholtai
   --   9 v. o. st. dem Herrscher l. des Herrschers
  261  12 v. u. st. Armen l. Arme
  262   1 v. u. st. Kuhdschu l. Kukdschu
  268  13 v. o. st. Ferjab l. Farab
   --  15 v. o. st. Ferjabi l. Farabi
  274   5 v. u. st. Kejanenen l. Kejanen
   --  17 v. u. st. Vasal l. Vassal
  276  12 v. o. st. Mewlane l. Mewlana
  280   2 v. u. st. nisadin l. nihaden
  283   8 v. u. st. Aufgestochenen l. aufgestochenen
  291   2 v. u. st. Suhuri l. Sughuri
  293  17 v. u. st. Mineddin l. Moineddin
  303  16 v. o. st. Mekka l. Mocha
  308  14 v. o. st. (der Oheim Abaka's) l. (der Bruder Abaka's)
  315  13 v. u. st. Buse l. Busse
  318  13 v. u. st. Denn stets l. Du stets
  320   4 v. u. st. nur diesem l. nur in diesem
  329   8 v. o. st. Zehrgnadenamt l. Zehrgadenamt
  345  10 v. o. st. mir nun l. mir nur
   --  14 v. u. st. Rumi's l. Rum's
  352  17 v. o. st. gleichzeitig mit l. gleichnamig mit
  365   8 v. u. st. und Feder und setzte l. und Feder, setzte
  367   5 v. u. st. beizustehn l. beizustehen
  374  15 v. o. st. einheimischer Herrscher Herrschaft l. einheimischer
                    Herrschaft
  375   8 v. u. st. dass das l. dass sie das
  393  11 v. u. st. Derwische Fakir l. Derwische als Fakir

Noch ist zu bemerken, dass durch ein Versehen der Druckerei die in eigenen
Namen als lange geschriebenen ſ durchaus als kurze gedruckt worden, was
ebenso wenig gleichgültig, als es im Deutschen gleichgültig ist
 K r e i ſ'  oder  K r e i s,  r e i ſ'  oder  R e i s  zu schreiben. Mit
lindem ſ sind also auszusprechen: Abulghaſi, Abderreſak, Aſerbeidschan,
Aaſiſ, Bacherſ, Bediieſ-ſeman, Chuareſm, Chumiaſ, Chuſistan, Dsheſire,
Dchuſistan, Erſendschan, Faſl, Faſluje, Firamurſ, Firuſ, Firuſi, Ghaſa,
Ghaſali, Ghaſna, Hafiſ, Haſret, Heſar, Heſarsif, Irſi, Iſeddin, Jeſd,
Kjarſun, Kjariſ, Kirgiſ, Kaſwin, Kiſil, Kotoſ, Legſi, Maſenderan, Merſeban,
Meimundiſ, Merkeſ, Mobariſeddin, Moiſ, Moheſib, Moſaffereddin, Newruſ,
Nimruſ, Niſam, Niſameddin, Oghuſ, Oneiſe, Ormuſd, Paiſe, Raſieddin, Rabſ
(besser Rabdh), Sebſ, Sebſewar, Sekiſ, Schahdiſ, Schiraſ, Schirſad, Taſik,
Tebriſ, Teguſ, Toghuſ, Tokuſ, Tschengiſchan u. a. m.



Fussnoten.


[1] Fraehnii de Ilchanorum seu Chulagidarum nummis Commentatio. Petropoli.
1831.

[2] v. J. d. H. 653 (1255) bis 754 (1353).

[3] Leurs fils actuellement s'imaginoient, qu'ils avoient été connus aussi
autrefois sous le nom de Mogols. Rechideddin. Journal asiat.

[4] Des peuples turcs qu'on nomme maintenant Mogols, mais dont chacun
anciennement avoit un nom particulier. Rechideddin. Journ. asiat.

[5] _Be Moghol manende schude end_, welche den Mongholen _ähnlich_ waren,
an dieselben _mahnen_, denn das persische _Manende_ und das deutsche
_Mahnende_ ist eins und dasselbe.

[6] Dieser Umstand ist bisher allen mongolischen Geschichtschreibern,
welche sich über den Ursprung des Namens der _weissen_ und _schwarzen_
Tataren den Kopf zerbrochen, entgangen.

[7] An anderen Orten heisst er Sungtai.

[8] Meters u rast gui.

[9] Reschideddin.

[10] Weg durch die Gebiete der _Sunit_ Mongolen nach Timkowsky in Ritters
Asien II. S. 356, auf D'Anville's Karte Souhit, bei Ssetsen _Ssunid_.

[11] _Sekis Muran_, bei Abulghasi sind die Namen derselben sehr
verstümmelt, bei Reschideddin sind doch wenigstens vier derselben zu
erkennen, nämlich die _Irkut_ im _Ikra Muran_, die _Oka_ im _Aka Muran_,
die _Biela_ im _Tschaghlan Muran_, d. i. Weissfluss, die obere _Tunguska_
in _Dschurdsche Muran_ (Dschurdsche ist der Namen der Tungusen), endlich
die _Ankara_ und der _Kem_ (Jenisei), in den sie fällt, ganz unverändert.

[12] Das Christenthum desselben bezeugt Reschideddin ausdrücklich: daaweti
Isa peighamber aleihi selam ba ischan reside we bedini wei der amedend,
d. i. der Ruf (der Mission) des Herrn Jesus des Propheten kam zu ihnen und
sie nahmen dessen Glauben an.

[13] Ueber das Land _Tendum_ M. Polo's in Ritters Asien I. S. 248-256 nach
Klaproth.

[14] Bei Ssetsen.

[15] _Abika_ und _Begtutmisch_.

[16] _Sijurkukteni_, die Gemahlin Tuli's, war nicht die Tochter, sondern
die Nichte Owang Chan's; bei Ritter I. S. 297 wird sie mit _Turakina_, der
Gemahlin Ogotai's, vermengt.

[17] Unter denen die _Kerait_, _Merkit_, _Uirat_, _Dschadscherat Tatar_,
_Katkin_, _Durban_, _Saldschiut_.

[18] _Jeksarik_ oder Niksarit.

[19] Türken sind auch die _Turkatun_, eine Art Wachen, deren nur
_Abulghasi_ und nicht Reschideddin erwähnt, die _Tilengut_ (Tekait), welche
Reschideddin unter den Tataren, und die _Mankut_, die er mit den _Nirunen_
aufzählt.

[20] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 227 und 372, und Ritter s.
ebendas.

[21] D'Ohsson Hist. d. Mongols I. p. 22 notes und nach demselben Ritters
Asien I. 439.

[22] Deguignes L. I. p. 26.

[23] Im Damme Gog versperret waren die Mongolen,
     Und nahmen dann in Anspruch Würd' und Stamm der Türken.
                                   _Kemal Ben Ghajass_.

[24] Rubruquis und Timkowsky.

[25] Timkowsky's Reise nach China. Wien 1826. I. B. S. 228. 244. II. 14.

[26] Reschideddin führt dabei die folgenden Verse an:

    Die Donnerwolk' als Krokodil die Welt durchläuft,
    Das aus dem Meere steigt mit Ingrimm schwarz beschweift,
    Sie grinnet als ein Drach, der Unheil prophezeit,
    Und zwischen Gaum' und Zahn nur Rauch und Feuer speit.

[27] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 109.

[28] Ebend. S. 407. 408.; über Tschengischan's Begräbnissort s. Ritter I.
238. 482. 504. 506.

[29] _Konghirat_, _Ikiras_, _Olkonut_, _Karanut_, _Kurlas_, _Kinkut_,
_Ildschegin_.

[30] Udawkai Jabudak.

[31] In Reschideddin _Karawin_, _Haidun_ oder _Hidun_; bei D'Ohsson I.
Caraoun Tchidoun u. p. 73 Caravoun Cabdjal.

[32] So heissen in der osmanischen Reichsgeschichte die engl. Bothschafter
die _Grosshirnichten_ oder _Grossnasichten_. Geschichte des osm. Reichs V.
532.

[33] Schmidt's Geschichte S. 107.

[34] In der Sprache der Naimanen, in der mongolischen _Bekaul_.
Reschideddin.

[35] _Binaketi_; bei Ssetsen, der alle Daten der Geschichte Tschengischan's
verwirrt, ist diese Geschichte in das Jünglingsalter Tschengischan's
hinaufgerückt. Reschideddin.

[36] Diese Ringe hiessen _Kur_ oder _Kewr_, was dasselbe Wort mit dem
persischen _Kaer_, wie die Steingräber in Schottland heissen.

[37] Die chinesischen Quellen geben die Geburt Tschengischan's ohne alle
Datenbestimmung des Monats und Tages um 7 Jahre zu spät an, im J. 1162;
dieselben verdienen hierin weit weniger Glauben als Reschideddin, welcher
seine Geschichte aus den mongolischen Archiven verfasst, und Wassaf,
welcher die Berechnung der chinesischen Cyklen gibt und dann zu Ende der
Regierung eine chronologische Uebersicht von Jahr zu Jahr beifügt.

[38] H. v. Ohsson sagt: Goulgan, dont on ne connoit que le nom; aber
Reschideddin meldet, dass Gulgan's Sohn Kodscha nach seines Vaters Tod 6000
Mann erhielt, dass dessen Sohn Urdui ein Hofdiener Kubilai's war und dass
Urdui's Sohn Abukian, weil er es mit Kaidu und den mongolischen Prinzen
hielt, hingerichtet ward.

[39] Dschurdschtai und Dschawur -- Urdschaten.

[40] H. v. Ohsson p. 419 kennt nur fünf: 1. Kutschi (Fudschin) begi, 2.
Tschitschegjan, 3. Alakai, 4. Tumalin, 5. Ultalin, 6. Ilalu, diese fehlt
bei D'Ohsson.

[41] Reschideddin.

[42] Derselbe im Hauptstücke der Söhne Jisukai's.

[43] Wassaf im Hauptstücke Tschengischan's.

[44] Bei D'Ohsson Schebourgha.

[45] Reschideddin im Hauptstücke von den Tataren.

[46] Bei Schmidt _Torghan Schaain_, bei d'Ohsson _Scheburghan_.

[47] Bei d'Ohsson p. 72 _Kischlik_ und _Badai_.

[48] _Örlök_ ist wohl Nichts als das türkische _Erlik_ -- Mannhaftigkeit.

[49] Bei Schmidt _Torghon Schaara_.

[50] Bei Schmidt S. 381 _Muchuli_.

[51] Bei Schmidt S. 381 steht _Sso Mergen_, die Dschurdschid (welche ein
Zweig der Uirangkut), S. 87, wo Subutai Behadir statt der Uirangkute der
_Dschurdschid_ genannt.

[52] Die Bedeutung gibt Reschideddin.

[53] Bei Schmidt _Chara Kiragho_.

[54] Schmidt S. 89.

[55] Schmidt glaubt, unter den Vierfarbigen seien die Stämme der vier Uirat
zu verstehen, unter den Fünffarbigen die anderen Mongolen.

[56] _Köke Mongol._

[57] _Jekta_, bei Wassaf im Gegensatz der _Ssu Monghol_.

[58] Schmidt S. 95.

[59] Bei d'Ohsson S. 419 fehlt dieselbe, aber S. 111 wird sie _Altunbegi_
genannt.

[60] _Dschawut Kuri_, auf chinesisch sagt Reschideddin _Emiri moasem_,
d. i. Grossfürst.

[61] _Owangchan_, Herr eines Reichs; Padischahi jek mulk.

[62] Kojang übersetzt Reschideddin Padischahi jek nahiet, d. i. Monarch
eines Distrikts.

[63] Wassaful-hasret.

[64] Schemschul-munschi.

[65] Wassaf.

[66] Die Jasa in Makrisi.

[67] The Shajrat ul Atrak. London 1838. p. 32.

[68] Noch heute im Arabischen: Muschar bil bunan.

[69] XXV. Wort Tschengischan's in Reschideddin.

[70] Von Lafontaine bei der Audienz eines kais. Gesandten einem Türken in
den Mund gelegt.

[71] Mirchuand.

[72] The treaty made between Kurachar Noyaun and Changeez Khan. _The
Shajrat ul Atrak_ p. 367; und ebend. p. 381: The covenant renewed between
Changeez Khan and Kurachar Noyaun.

[73] The Shajrat ul Atrak S. 354.

[74] Timur, der Sohn Emir _Tharagai_ Nujan's, des Sohnes _Tukil_ Nujan's,
des Sohnes Emir _Belegir_ Nujan's, des Sohnes Emir _Itschil_ Nujan's, des
Sohnes Emir _Karadschar_ Nujan's; _Abder-vesak_ im _Matlaa es-saadein_.

[75] Nicht _Berolas_, wie Freih. v. d'Ohsson schreibt; im dschaghataischen
zu Calcutta gedruckten Wörterbuche S. 116.

[76] I. J. 652 (1254).

[77] _The Shajrat ul Atrak_ p. 198. 344. 347. 352. 355. 366; die Namen sind
aber alle so verstümmelt, dass sie kaum zu erkennen, nämlich _Irdümdschi_
als Eeroomchi, _Kadschulai_ als Kuchooli, _Songhur Tschitschan_ als Sooghoo
chi chun.

[78] Wassaf.

[79] Bei Rubruquis _Griut_.

[80] Stritter p. 50. Step. Kniga. I. 342. Rubruquis.

[81] Rubruquis.

[82] Memoir of Baber.

[83] Bergman I. 60.

[84] Wassaf.

[85] Stritt III. 60. _docheia_ eorum lingua vocant; das persische _Dachme_.

[86] Batu, der Herrscher von Kipdschak, sein älterer Bruder Orda und die
anderen _Scherban_, _Berke_, _Berketschar_, _Tukatimur_, _Bina Timur_.

[87] D'Ohsson II. 193; nach Remusat.

[88] Mohakkak anest ki chodra berawicht, ausgemacht ist es, dass er sich
erhing. Reschideddin.

[89] D'Ohsson II. 67; nach Mailla p. 115.

[90] Mailla ebend.

[91] Die Hauptstädte Uighuristan's sind: _Almaligh_ und _Pischbaligh_
erhielt den Ehrennamen der guten Stadt, _Kotloghbaligh_; wie Bamian den der
bösen, _Mobaligh_.

[92] Rubruquis chap. 44.

[93] Reschideddin.

[94] Guillaume; bei Rubruquis 44.

[95] Bei Rubruquis 33. _Cerasine_ soll _Tarasun_ heissen.

[96] Reschideddin.

[97] Dieser Frühlingssalon fehlt bei d'Ohsson II. 85., sowie
_Terghubaligh_.

[98] In der Nähe des hohen Bergs _Urmuchtu_ gingen wir herab bis auf die
Auen des Flusses _Schara_. Pallas Reisebeschreibung I. S. 79.

[99] Mirchuand, fehlt bei d'Ohsson S. 73.

[100] Reschideddin.

[101] Bei Plan Carpin chap. 14. le _Secretaire Chinguy_.

[102] Peigbamter es tarafi choda; dschagataisches Wörterbuch, gedruckt zu
Calcutta.

[103] Bei d'Ohsson II. p. 85 Keusche, p. 195 geuca; in der Handschrift der
Geschichte Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek Kösche.

[104] Wassaf nennt von dem Uluse Dschagatai's: _Kisil_, _Buri_, _Paidar_,
_Jesenbuka_, und dem Uluse Batu's: _Hirdu_, _Bersebai_, _Berke_,
_Berkedscha_.

[105] _Bajoth noi_, Bajoth est son nom propre, et _Noy_ est un nom de
dignité. Plan Carpin chap. 10. soll heissen _Baidschu Nojan_ oder _Nowin_,
was richtig der mongolische Fürstentitel.

[106] Be takallub u tehewwur maaruf heisst heftig und wankelmüthig, nicht
grave et severe, wie bei d'Ohsson II. 234.

[107] Mirchuand und Dschihanguschai.

[108] Mirchuand.

[109] Plan Carpin chap. 9.

[110] Mirchuand.

[111] Plan Carpin ch. 9.

[112] Au côté droit personne n'étoit assis; ebend.

[113] Reschideddin. Mirchuand.

[114] Bei d'Ohsson II. 249. irrig le général Mangoussar.

[115] Wassaf.

[116] Derselbe.

[117] Dschihanguscha u. Mirchuand und nach demselben d'Ohsson II. 272.

[118] Bei Rubruquis chap. 29. _Jani_ statt _Jam_.

[119] Wassaf; bei d'Ohsson II. 263. à sept.

[120] D'Ohsson II. 267. hat aber Nichts vom Folgenden.

[121] Wassaf.

[122] Firischte und nach demselben d'Ohsson II. 280.

[123] Fethol-fatuh.

[124] Kiran Saadein; dieser Titel ist das Muster des _Matlaai Saadein_,
d. i. der Aufgang zweier Glückssterne von _Abderresak_.

[125] Dschihannuma S. 281.

[126] Von diesen ist in Deguignes keine Kunde; Wassaf behandelt aber im 13.
Kap. des IV. Buchs unmittelbar vor der Eroberung Kerman's ihre Geschichte,
welche auch im Munedschimbaschi und im Dschihannuma S. 279 wiederholt ist.

[127] _Melikol-gharb._

[128] Geschte war, gischte pflanzte, küschte erschlagen, diwan Plural von
_Diw_ und Diwan die Rathsversammlung.

[129] i. J. 566 (1170).

[130] seit 576 (1180).

[131] seit 629 (1231).

[132] seit 464 (1071).

[133] i. J. 814 (1411).

[134] i. J. 629 (1231).

[135] I. J. 606 (1209).

[136] Von 1209-1349.

[137] Geschichte Taberistan's und Masenderan's von Sahireddin, auf der
kaiserl. Bibliothek zu Wien, schon in der Geschichte der Assassinen S. 230
benützt, wo statt _Badusian_ _Badusgan_ gedruckt.

[138] _Ben Dschil_, _B. Gilan_, _B. Firus_, _B. Nersi_, _B. Dschaut_.

[139] i. J. 610 (1214).

[140] En ce même tems les Ambassadeurs de Vastarce étoient logés bien près
de nous. Rubruquis. Ch. 32.

[141] Dschamischi Mirchuand.

[142] _Dschurdsche Ikadschi_ die Mutter Kuchurtai's, _Il Ikadschi_ die
Mutter Huladschu des zwölften Sohnes, und die Mutter des vierten Sohnes
_Tedekadu_.

[143] Les femmes ont un ornement de tête, qu'ils appellent _Botta_. Rubruq.
ch. 15.

[144] _Banui Mehin._

[145] Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256), gest. 16. Moharrem
681 (26. April 1282), welcher aber ein Donnerstag, nicht ein Montag, wie in
Reschideddin vermuthlich durch Schreibfehler, sowie der 23. October 1256
ein Montag und nicht ein Sonntag war.

[146] Reschideddin im Abschnitte der _Uirat_.

[147] Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er _Tumgha Oghul_; his eldest
son soll heissen: sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka.

[148] Bei Bar. Hebräus ex parte Schagatai Techodar p. 536.

[149] Bei Bar. Hebr. Bulghai filius _Sibkani_ et _Kotar_ et _Koli_.

[150] Relation de l'expédition de Houlagou par Abel Rémusat. Journal
asiatique II. p. 283.

[151] Ganz übereinstimmend mit dem, was hierüber Rubruquis ch. 29 und Plan
Carpin 145 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia I. S. 429.

[152] Mirchuand.

[153] Das Dschihannuma nennt S. 353 _Rudi Dschadsch_, _Rudi Hasek_, _Rudi
Dschowan_ und die beiden aus dem Stadtthor fliessenden _Nehr Kassarin_,
d. i. der Fluss der Walker, und _Nehr Eswed_, d. i. der schwarze Fluss.

[154] _Kohondos_ ist das Schloss, _Scharistan_ die Stadt, _Rabsch_ die
Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das _eiserne_, das des
_Flusses_, das _Abdallah's_ und das _Turkistan's_, welches der Namen eines
vor demselben gelegenen Dorfes.

[155] als _Kebtaul_(?); Reschideddin sowohl unter dem Artikel _Dschelair_,
als unter dem _Uirat_.

[156] Reschideddin nennt acht: _Kerrai Melik_, _Turaschi_, _Newrus_,
_Legsi_, _Dschami_, _Jutkotlogh_, _Bulduk_, _Uiratai_.

[157] Im Schedschretol eschrak S. 243 ist der Name _Scheburghan_ in
_Surghan_ verstümmelt, und gleich das _Chuarschah_ in _Chuaresmschah_.

[158] Dschihannuma S. 316.

[159] Dschihannuma S. 322 Nushetul-muschtak.

[160] Quatremère mémoire historique sur la vie et le ouvrages _d'Alaeddin
Ata Melik Djouaeiny_, mines de l'orient I. p. 220.

[161] Nushet.

[162] Reschideddin, schon im Journal asiat. übersetzt.

[163] _Takwimol-boldan_, die Ephemeriden der Länder.

[164] _Nushetol-Kolub_, die Ergötzungen der Herzen.

[165] _Dschihannuma_, die Weltschau.

[166] Schebchun awerdend dscherkera charab kerdend; aus der fehlerhaften
Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der französischen
Uebersetzung irrig zwei eigene Namen von Cheikhorun und Herke entstanden;
so heisst in der Geschichte der Assassinen _Keitbuka Nujan_ irrig
Kajukanian.

[167] _Sirkuh_ im Dschihannuma S. 326 mit den Namen der drei dazu gehörigen
Flecken.

[168] _Mobareseddin Ali Turan_ und _Schudschaaeddin Hasan_.

[169] In Reschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem das Jahr
nicht richtig angegeben; nämlich 651 statt 653, wie aus dem Nushet zu
ersehen.

[170] _Mohteschim_, so hiessen die Commandeure der Assassinen.

[171] Achlaki Nassiri.

[172] Auf Fraser's Karte _Ghain_ oder _Kain_.

[173] Nushet und nach demselben das Dschihannuma S. 325.

[174] _Chawwaf_ und _Sawa_, ebend. S. 319.

[175] Den Namen Keitbuka verstümmelt der Uebersetzer des
Schedschretol-etrak in Kunooka S. 245, sowie den Sultan Aegyptens,
_Seifeddin Kotus_, in Syfe-ud-din Furdooz und _Jaschmut_ in Bishmoot.

[176] 203 (818).

[177] I. J. 193 (809).

[178] Gest. im J. 411 (1020).

[179] Im Dschihannuma S. 318 durch Druckfehler Senabad.

[180] Narrative of a journey into Khorassan 444.

[181] Fraser 519.

[182] Terghu, dies ist der wahre Sinn, der in der französ. Uebersetzung im
journ. as. verfehlt ist: les dames reçurent des titres.

[183] Manuscript, Mirchuand, Dschihannuma S. 323. bei Quatremère mémoire
d'Ata Melik dasselbe unrichtig Djouvuchan und unrichtig nach der Eroberung
Alamut's.

[184] Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati Emir.

[185] Fraser nach Price im J. 242.

[186] I. J. 261 (874).

[187] Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins. Dschami's.

[188] Gest. i. J. 858 (1454).

[189] I. J. 875 (1470).

[190] Geschichte des osm. Reichs II. B. S. 76 und S. 351, wo die Titel von
zwanzig seiner Werke.

[191] Merketai und Ikilmisch.

[192] _Reiseddewlet_ und _Muwafikeddewlet_.

[193] _Suseni_, nicht _Rouveni_, wie in der französ. Uebersetzung.

[194] _Ssadreddin_, _Sahireddin_, _Tolek Behadir_ und _Berrak_ (der erste
fehlt in der franz. Uebersetzung).

[195] Nicht Koudraghoul, wie in der franz. Uebersetzung.

[196] Morier second journ. 363.

[197] Firuskjuh, auf der Strasse von Demghan nach Tehran, nahe bei
Demawend, auf Frasers Karte; nach dem Nushet ebenfalls hart an Demawend
gelegen; in Dschihann. S. 339 unter _Girdkjuh_.

[198] Morier second journey p. 357.

[199] The wretched village of Abbasabad. Fraser 248.

[200] Thalkan, wie Semnan, eine Stadt der _Tocharistan_ genannten
Landschaft. _Nushet_.

[201] _Meimundis_ findet sich weder im Manuscript, noch im Dschihannuma, es
scheint dasselbe _Meimend_ zu sein, was im Nushet.

[202] _Sergūseschti Sidina._ Wassaf.

[203] Nach ihm auch _Claproth_: »Hier erzählt man sich, er habe, als er
eine 12 Werste von der Buchtana in einen Felsen gehauene Hieroglyphe nicht
entziffern konnte, sie heraushauen lassen, um keinem anderen den Ruhm zu
lassen.« Briefe aus Sibirien; im Ausland Nr. 102 vom 11. April 1836.

[204] Traces of a very extended line of towers connected with walls and so
situated as to appear to the gazer below absolute impregnable. I. p. 289.

[205] Insgemein _Lemsir_ geschrieben; am 20. Silkide 495 (5. Sept. 1102).
Wassaf.

[206] Fraser p. 248.

[207] Mulahide sachte end bighajet muhkemest.

[208] Hamdallah und im Dschihannuma _Alamut_ S. 296, _Tun_, _Kain_,
_Dschenabdar_ S. 325, _Muminabad_ S. 326.

[209] Nach Reschideddin vom J. d. H. 477-654, nach Hadschi Chalfa v. J. d.
H. 483 angefangen.

[210] Ausführlich zu Ende des _Tarichi Güside_, kürzer im _Nushetol-Kolub_;
nach beiden und nach dem _Tedwin_ Imam Rafii's, das Dschihannuma S. 293.

[211] I. J. 463 der alexandrinischen Aere.

[212] I. J. 204 (819).

[213] I. J. 411 (1020).

[214] I. J. 572 (1176).

[215] I. J. 500 (1106).

[216] I. J. 548 (1153).

[217] Aasu Kaswine feinnehu min aala babil-dschenneti, Dschihannuma S. 293.

[218] Morier second journey. p. 203.

[219] Dschihannuma, ebend.

[220] Adschaibol machlukat.

[221] Charidetol-gharaib.

[222] Tarichi Güside.

[223] Nushetol-kolub.

[224] Fersendani Aferinisch u Longtar.

[225] Im J. 641 (1243); Nochbetettewarich, der Ort in Reschideddin.

[226] Dschihannuma S. 299 und das Nushet.

[227] Im J. 23 (643).

[228] Im J. 320 (932).

[229] Im J. 618 (1221).

[230] Dschihannuma S. 300.

[231] Morier second journ. p. 265. 269. Malcolm's Geschichte.

[232] Am 1. Dchemasiul sani 627 (26. April 1230). Dewletschah,
glaubwürdiger, als andere Daten, welche in der Geschichte der persischen
Redekünste S. 141 durch Druckfehler verstümmelt sind, indem 727, 732 für
719, 627, 632, 619 steht.

[233] Haitho ch. 18; Marino Sanuto III. pars 13. ch. 5. und nach demselben
d'Ohsson III. p. 81.

[234] Vincent. Bellov. Spec. hist. L. XXXI. c. 28 und nach demselben
d'Ohsson III. p. 83.

[235] Bar. Hebr. und d'Ohsson III. 85.

[236] Ascelin, bei Vincent de Beauvais und in Remusat's Mémoire sur les
rapports des princes Chrétiens avec les Tatares, in den mémoires de
l'Institut de France VI. p. 422.

[237] Ebenda S. 426.

[238] d'Ohsson III. 103-118.

[239] Mirchuand.

[240] Die grössere Umständlichkeit dieser Uebersicht hat noch die Kritik
Herrn v. Poujoulat's im Temps 18. Mars 1836 angeregt, welcher findet, dass
in der Geschichte des osm. Reichs die Anarchie des byzantinischen Reichs
nicht ausführlich genug charakterisirt worden: Peutêtre devoit il mieux
caractériser l'anarchie de l'empire grec morcelé par les croisades.

[241] Elmacinus p. 255. -- Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln.

[242] Nochbet; Sojuti.

[243] Munedschimbaschi.

[244] Sojuti, Munedschimbaschi.

[245] Nochbet.

[246] Sojuti und Nochbet.

[247] Munedschimbaschi.

[248] Emineddewlet we eminol-millet.

[249] Moiseddewlet.

[250] Adhadeddewlet.

[251] Fachreddewlet.

[252] Scherfeddewlet.

[253] Ssamssameddewlet.

[254] Behaeddewlet.

[255] Imadeddewlet.

[256] Iseddewlet.

[257] Moschrifeddewlet.

[258] Dschelaleddewlet.

[259] S. Garcin de Tassy und S. de Sacy's Anthologie.

[260] In Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln i. J. 397, 417, 424; im
Munedschimbaschi i. J. 384 (994).

[261] Im J. 443 (1051) und 458 (1065).

[262] 460 (1067), Nochbet.

[263] Nochbet.

[264] I. J. 462 (1069); Nochbet.

[265] I. J. 466 (1073) und i. J. 454 (1061).

[266] Hei ala chairil ammel.

[267] Nochbet.

[268] I. J. 459 (1066).

[269] Alparslan i. J. 465 (1072); Kaimbiemrillah i. J. 467 (1074).

[270] Melekschah i. J. 485 (1092); Moktefi i. J. 487 (1094).

[271] Das Nochbet nach dem _Ikdol-dscheman_ Ibnol-dschewsi's.

[272] I. J. 514 (1120).

[273] Re, Elif und folglich Raschid, und nicht Reschid, was der Beiname
Harun's.

[274] Rampoldi VII. 289.

[275] Ruhol-aarifin.

[276] _Danischmend._

[277] _Muid._

[278] Dschihannuma S. 466.

[279] Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln und Kamus.

[280] Haschischin.

[281] Nochbet.

[282] Ebenda nach Noveiri; bei d'Ohsson III. S. 89.

[283] Wassaf.

[284] d'Ohsson III. p. 200, nach Noveiri.

[285] Horna an instrument of conveyance, the Pureyhorn, the Borrstalhorn,
Brusshorn u. s. w., im dritten Bande der Archaeologia britannica I. 7.

[286] Wassaf.

[287] Derselbe.

[288] Wassaf.

[289] Nochbet.

[290] Nochbet.

[291] Nochbet, Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln.

[292] Reschideddin.

[293] Reschideddin.

[294] d'Ohsson III. 222 gibt die Botschaft, aber nicht die Antwort, und
sagt: Houlagou les congédia sans faire grande attention à leurs discours.

[295] Dschihannuma S. 456.

[296] Nökeri gesik.

[297] Reschideddin setzt die Verse hinzu:

    Was sind Ameisen mir, was Elephantenwuth,
    Was Quell, was Fluss und was des Niles Fluth;
    Und wenn sich der Befehl von Gott nun anders wendet,
    Wer weiss wohl ausser Ihm, wie dieses Werk noch endet.

[298] Bei Köschk Manssur ober Mesrike; Reschideddin. Wassaf sagt: in der
Nähe von Dudscheil.

[299] Wassaf.

[300] Wassaf.

[301] _Dscharlik_, eigentlich Diakon.

[302] _Babol-Halbe._

[303] Ein schiitischer Molla, welcher aus der Inschrift das _La_ (nicht)
weglöschte, ward mit siebzig Stockstreichen bestraft. Wassaf. Mirchuand;
Noveiri; bei d'Ohsson III. p. 243.

[304] Das Schreiben des Langen noch bei Wassaf.

[305] Reschideddin; Wassaf.

[306] d'Ohsson III. 256. près de Hamadan où étoient restés ses Oghruks
(Aghrik); das türkische Aghirlik heisst das schwere Gepäck.

[307] _Adabes-Sultanijet._

[308] Am 18. Ramasan 630.

[309] Dschihannuma S. 346 und 347 ein volles Blatt.

[310] Porter sagt hierüber II. 592. 593.

[311] Dschihangir ne Dschihandar.

[312] 1. _Moejeddin Ben Irsi_ von Damaskus, 2. _Nedschmeddin Kjatib_ von
Kaswin, 3. Fachreddin von Mossul, gebürtig von Meraasch, 4. Fachreddin von
Tiflis, gebürtig von Achlat.

[313] als die von _Fachir_, _Alai_, _Schahi_, _Guschjar_. Wassaf. d'Ohsson
III. 265.

[314] _Tarichi Güside._

[315] Ebenda.

[316] Vahram's chronicle of the Armenian Kingdom in Cilicia translated by
Neumann p. 47.

[317] Haitho c. XXIII.; diese sieben Artikel sind die des Vertrags, von
welchen die Geschichte Vahram's spricht, die als Antwort auf Neuman's Frage
in der Note 67: Is this treaty to be any where found?

[318] Sinebaldus Conestabulus regni Armeniae.

[319] S. Martin Mem. II. scheint diese zwei Reisen _Sempad's_ mit den
seines Bruders _Hethum_ vermengt zu haben.

[320] Orpellian in S. Martin. Mem. II. p. 143.

[321] d'Ohsson III. 268.; nach Dschuweini.

[322] Derselbe S. 269.

[323] Mouradjea d'Ohsson III. 271., nach Bar. Hebr. 530.

[324] S. Martin Mem. I. 112. und Dschih. S. 602.

[325] Der Aufmerksamkeit S. Martin's ist entgangen, dass Kaghzevan (das in
seinem geographischen Register fehlt) dasselbe mit Kaghseman (Dschih. S.
408).

[326] S. Martin Mem. p. 145.

[327] Dschihannuma S. 382 und Hamdallah.

[328] Dschihannuma S. 426 und 425.

[329] _Lobasanagut_ oder _Libasanagut_ oder _Lebasanagut_, nur der erste
Vocal ist zweifelhaft.

[330] Constantin Porphyrogenita.

[331] Dschihannuma S. 419.

[332] Reschideddin.

[333] Beim Bar Hebr. _Maiphercata_.

[334] Bar Hebr. nennt ihn _Aschraph fil. Malic Ghazi_; er hiess aber
_Kjamil Ben Melik Mosaffer Ghasi_. Nochbet.

[335] Beim Bar Hebr. _Aischmut_, bei Abulfeda IV. 573. _Samud_.

[336] Bar Hebräus ch. 28.

[337] Aus dem 94. Vers der VI. Sura.

[338] Aus dem 226. Vers der XXVI. Sura.

[339] Aus dem 97. Vers der XIX. Sura.

[340] Die 16. Sure, die _Biene_; sie beginnt mit dem Verse: _Gekommen ist
Gottes Befehl; beschleuniget nicht sein Gericht._

[341] Das Ende der Sura _Ssad_, d. i. der 38., ist der Vers: _Und ihr
werdet wissen, dass die Kunde wahr, nach einiger Zeit._

[342] _Ummi._

[343] Die ersten 4 Verse der LXXXII. Sura.

[344] Anspielung auf den Ueberlieferungs-Spruch, der auf den Zifferblättern
morgenländischer Uhren zu sehen: _Eddunja saatun fe edschaalha taaten_, die
Welt ist Eine Stunde, gehorsam mach' die Runde.

[345] Der 65. Vers der V. Sura.

[346] Der 88. und 89. Vers der XIX. Sura.

[347] Der 226. Vers der XXVI. Sura.

[348] Gesch. des osm. Reichs I., nach Neschri, Seadeddin, Dschenabi.

[349] Primo mense, d. i. des syrischen Jahres, welches Ende September
begann. Bar Hebr.

[350] Moazem filius Saladini magni beim Bar Hebr. p. 255 ist unrichtig,
denn Ssalaheddin hatte keinen Sohn, der so hiess; es ist hier die Rede von
dem ältesten Sohne Nassir's, welcher auch Ssalaheddin hiess, wie sein
Grossvater.

[351] Reschideddin.

[352] Dschihannuma S. 593. Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par
Makrizi, traduite par Quatremère I. 19.

[353] _Bintol-Hafisa._

[354] Schehabeddin Ben Amru's, das Nedschmeddin's, des Bruders Marsdekin's,
das Basdedde's, das Alemeddin Kaissar's. Abulfeda IV. 579.

[355] Bar Hebr. 556.

[356] Bar Hebr.

[357] Abulfeda IV. p. 579.

[358] Reschideddin.

[359] nicht vierzig Tage, wie Reschideddin sagt; Abulfeda gibt die Daten
genau.

[360] Reschideddin, Abulfeda IV. nennt den _Naib_ Amadeddin von Kaswin.

[361] Abulfeda IV. 585.

[362] Wilkens Geschichte der Kreuzzüge I. 180. II. 516. 633. III. 52. 82.
90. 92. 219. Abulfeda III. 511. 583. 593. 755. IV. 35. 59.

[363] Dschihannuma S. 597; der Richter von Harim zu Selkin, auf der Karte
_Serkin_.

[364] Abulfeda IV. 581.

[365] Abulfeda IV. 587.

[366] S. Martin Mem. II. 97. Dschihannuma S. 437.

[367] Aini Hausile musemma bu ainden, d. i. aus einer Quelle, welche
Beckenquelle heisst; es ist also unrichtig, wenn S. Martin p. 97 sagt: le
Nymphius appellé actuellement _Aynathaoudh_.

[368] Macdonald Kinneir.

[369] Reschideddin setzt noch den Nassir von Haleb hinzu, was aber ein
Anachronismus, indem dessen Hinrichtung erst nach der Niederlage von
Aindschalut statthatte, welche, wie wir sogleich zeigen werden, später als
die Eroberung von Miafarakain.

[370] Da Abulfeda IV. 509 das Datum gibt, so bleibt kein Zweifel übrig über
die Epoche des Falles von Miafarakain, wiewohl Reschideddin denselben erst
nach der Schlacht von Aindschalut erzählt.

[371] S. Martin Mem. I. p. 174.

[372] Dschihan. S. 437.

[373] Procop. de bello persico I. 5.

[374] Γιλιγερδον. Theophanes IV. 1.

[375] Haitho Histor. 24.

[376] Hiernach wäre die Stelle in der Gesch. des osm. Reichs II. 448 bei
einer neuen Ausgabe zu berichtigen.

[377] Theophanes, Cedinus, Justinus und nach denselben Geschichte des osm.
Reichs II. 443.

[378] Dschihann. S. 441.

[379] Theophylaktus III. 5. S. Gesch. des osm. Reichs II. 448 und 648.
_Matha_ ist vermuthlich das Schloss der Magyaren und Beiramkai (Macdonald
Kinneir p. 425) vielleicht das alte Beidum.

[380] Cherefeddin bei La Croix ch. 37. p. 275.

[381] Dschihannuma S. 443.

[382] _Muwad_ und _Schesch_ 96, Reschideddin; also nicht 80jährig, wie
d'Ohsson sagt.

[383] Nochbet.

[384] Bei d'Ohsson III. 322. Alakuh, der Statthalter Bondokdar's zu Haleb.

[385] Bei d'Ohsson III. 373, nach Bar Heb. _Samdaghun_.

[386] Dschemdschadar.

[387] _Durghan_, Wassaf im V. Bande, Eingangs der Erwähnung des Zuges
Hulagu's nach Westen.

[388] _Chuthai Tebris_, Dschihannuma S. 381.

[389] Ewlia in der Beschreibung Malatia's und Dschih. S. 600.

[390] Wie _Schaab_, _Ghuta_, _Obolla_, _Soghd_ auf Erden berühmt sind,
      So ist des Bosporos Gestad' im Paradiese berühmt.

Geschichte des osm. Reichs V. S. 594.

[391] d'Ohsson III. 329. nach Noweiri.

[392] Dschihannuma S. 570.

[393] Banias, wie bei d'Ohsson, nicht zu vermengen mit dem Balanias
Abulfeda's, welches auf den Karten auch als Banias steht.

[394] Haitho c. 29.

[395] Haitho.

[396] Gurboga, bei Haithon 29.

[397] Haithon 50; bei Wilken VII. 416.

[398] hem harik hem gharik. Nochbet und Abulfeda IV. p. 511.

[399] Burdschi ahmer.

[400] Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par Makrizi, traduite par
Quatremère. I. p. 98.

[401] Ebenda p. 103.

[402] _Soweila_, nicht Zwilah, wie in der Uebersetzung Makrisi's von
Quatremère I. p. 103 dieser Name irrig geschrieben wird; bei demselben
findet sich auch S. 101 das Schreiben Hulagu's an Kotos in voller
Ausdehnung.

[403] 1. Emir Melik Husein Chan; 2. Melik Ichtiareddin Chan; 3. Melik
Seifeddin Ssadik Chan; 4. Melik Nassireddin Gülschu Chan; 5. Atlas Chan; 6.
Nassireddin Kimeri.

[404] Kaimeri statt _Kimeri_ ist Reiskische Leseart.

[405] Makrizi, trad. par Quatremère I. p. 104.

[406] Ebenda.

[407] _Burke_, noch heute der tscherkessische Wettermantel.

[408] Abulfeda IV. 595, fehlt in der Stammtafel bei Rehm, so auch sein
Vater _Asis_.

[409] d'Ohsson III. 335, nach Noweiri und Reschideddin.

[410] Nach Abulfeda V. 621 auch die Nachricht der Schlacht bei Himss, was
aber ein Widerspruch mit Bar Hebr., welcher als den Tag der Hinrichtung den
29. October angibt, während die Schlacht von Himss am 10. December statt
hatte.

[411] Abulfeda IV. p. 621.

[412] Reschideddin bei Bar Hebr. _Mowahid_.

[413] Bar Hebr. p. 559 aber abweichend von Reschideddin.

[414] am 29. October 1260, nicht 1261, wie in Rehm's Stammtafel; denn Bar
Hebr. gibt den Tag an.

[415] Abulfeda IV. p. 523.

[416] Abulfeda IV. p. 625.

[417] Tebrdar, nicht Taudar, wie bei Reiske IV. 599; aber auch nicht
hellebardier, wie bei d'Ohsson p. 345, in welchem Falle es Harbedar heissen
müsste.

[418] Proben dieser Siegesgedichte bei Abulfeda IV. p. 601.

[419] nicht _Elbarli_, wie bei Abulfeda IV. 603.

[420] Abulfeda IV. 344.

[421] d'Ohsson III. 346. nach dem Leben Beibars.

[422] El Hakimbiemrillah Ahmed Ben Hasan Ben Ali B. Ebibekr B. Mosterschid.

[423] Hakimbiemrillah.

[424] Ueber Dschudschi und seinen Ulus siehe die Beilagen I. u. II. aus den
Geschichten Haider's und Wassaf's.

[425] Bei Bar. Hebräus _Kotar_, d'Ohsson _Tumor_ ist Schreibfehler des
Manuscripts.

[426] Histoire des Sultans Mamlouks par Makrizi, traduite par Quatremère I.
p. 212.

[427] Quatremère übersetzt durchaus: Signe de la Noblesse, was nicht
richtig.

[428] Makrisi nennt die vorzüglichsten: _Keramun_, _Amtagjah_, _Noghai_,
_Dscherek_, _Kajan_, _Nasagjah_, _Taischur_, _Bentu_, _Sobhi_,
_Dschaudschelan_, _Adschkarka_, _Adkerek_, _Kerai_, _Salagjah_,
_Motekaddem_ und _Daragan_. Quatremère I. p. 222.

[429] Ebenda u. S. 235.

[430] 1. _Ilkai_, 2. _Turan Behadir_, 3. _Batu_, 4. _Saldschedai_, 5.
_Tschaghan_, 6. _Belarghu_, 7. _Doghus_.

[431] Ueber den Feldzug wider Berke siehe die Beilage III. aus Wassaf.

[432] Wassaf.

[433] Derselbe.

[434] Apuschka, Sohn Buri's, des Sohnes Muwatukjan's, des Sohnes
Dschaghatai's.

[435] In demselben waren _Taghadschar_, _Hulagu_, der Sohn Ildschitai's,
_Nadin Kadan_.

[436] Reschideddin.

[437] in der Nähe der Stadt _Bulad(?)_, _Tulad(?)_.

[438] Reng Altui, am Flusse Dschaikan.

[439] Mirchuand.

[440] Reschideddin, Mirchuand.

[441] _Taghadschar_, der Sohn Ewbadschi Nujan's, _Jesunke_, der Sohn
Dschudschi Kasar's, _Jekekadak_, Dschingtimur, der Sohn Kadak's,
_Aschikai_; die schuldigen Prinzen: _Schiregi_, _Taghai_, _Dscherku_,
_Baitimur_; die Emire: _Hintunk_ Nujan, _Durbai_, _Pulad_ Dschingsang.

[442] _Huku_, der Sohn Gujukchan's, _Hobat_, der Sohn Nako's, _Kutuk_, der
Sohn Karadschar's.

[443] _Schiregi_, der Sohn Ogotai's; die Söhne Arikbugha's: _Tukukur_ und
_Melik Timur_; _Tokatimur_, der Sohn Suktu's; _Urughadai_; die Neffen
Kubilai's: _Horrak_ und _Ogin_.

[444] Serinerud.

[445] Sonntags den 9. Rebiulachir (8. Febr., Sonntagsbuchstabe D, richtig
ein Sonntag).

[446] d'Ohsson sagt, ich weiss nicht, auf welche Autorität, dass dies das
Schloss _Tala_ am See von Urmia; aber Reschideddin sagt: gegenüber von
_Dehchuaregjan_ (bei d'Ohsson _Sachwareku_), was nur Verstümmelung von
_Destchawakan_ [Dschihannuma S. 386, welches nicht ferne vom Berge
_Sehend_.]

[447] Mirchuand, Wassaf.

[448] Odoricus Raynaldus XIV. 1260. N. 29.

[449] _Tschehelsutun._

[450] _Tschehel Minar._

[451] _Nakschi Rustem._

[452] _Meschdschedi Maderi Suleiman._

[453] _Sindani Dschemschid._

[454] _Nakarachana Dschemschid._

[455] _Bend Emir_, d. i. der Damm des Fürsten, nämlich _Adhadeddewlet's_.

[456] Dass Ομηρος dasselbe mit _Omer_, ist in den Jahrbüchern der Literatur
bei Gelegenheit der Anzeige des Werkes »Ulysse Homere« dargethan worden.

[457] Quatremère mémoires géographiques sur l'Égypte II. p. 506; dann
Wilken's Geschichte der Kreuzzüge II. 78. 119. 201.

[458] Geschichte des osm. Reichs III. S. 413, nach dem
Nochbet-_ettewarich_.

[459] Dschihannuma S. 278.

[460] Dschihannuma S. 281.

[461] Tarichi Güside; Wassaf.

[462] Dieser fehlt in der Liste bei Deguignes I. 260.

[463] Lari, Nochbet, Güside, Wassaf, Mirchuand.

[464] Wassaf.

[465] Kämpfer amoenitates exoticae.

[466] Mirchuand und Wassaf führen bei dieser Gelegenheit das Distichon des
Schahname an:

    In den drei Domen, wo zu Istachar
    Die Residenz der Schahe von Iran war.

[467] Wassaf.

[468] Derselbe.

[469] Geschichte der schönen Redekünste S. 202. 203. 160 und 161 nach
Dewletschah.

[470] S. 214.

[471] Wassaf.

[472] _Abisch_, nicht Aische, wie bei Deguignes, auch nicht _Uns_, wie
d'Ohsson, durch einen Schreibfehler des Manuscripts verleitet, schreibt,
ist der Namen dieser Prinzessin, welcher die morgenländische Sitte eines
freundschaftlichen Pikniks bezeichnet. S. Gol. qui atrium alienae domus
instruit cibo ac potu suo, quod facere apud Arabes inter se amici solent,
quasi symbola conferentes; eine Art συσιτια.

[473] Donec provisis quae tempus monebat simul excessisse
      Augustum et rerum potiri Neronem fama eadem tulit.

Tacit. Annal. I. 5.

[474] Reschideddin nennt sieben: 1. _Ilkai_ Nujan; 2. _Sundschak_ N.; 3.
_Suntai_ N.; 4. _Abtai_ N.; 5. _Semaghar_ N.; 6. _Schiktur_ N.; 7. _Arghun
Aka_.

[475] Nushet und nach demselben Dschihannuma S. 299.

[476] Dieses übersetzt Miles, ohne das eiserne Thor am kaspischen Meere zu
erkennen, S. 248: he presented the iron durbund of Shirwan to Bishmoot, und
_Tuktin_ ist in Tyubeen verstümmelt, _Sundschak_ als Sooghchak,
_Dschuweini_ als Joini u. s. w.

[477] _Makatii._

[478] Reschideddin.

[479] Wassaf.

[480] Derselbe.

[481] sub rosa.

[482] Scherfijet auf der kais. Hofbibliothek.

[483] Nicht zu verwechseln mit Bulghan Chatun, der Gemahlin Ghasan's,
welche ebenfalls eine Konghuratin; diese war die Tochter _Tesu's_, jene die
Tochter Utaman's.

[484] Pachymeres T. I. p. 273. Stritter III. 1044.

[485] Im _Schedschretol Etrak_ wird als das Datum der Schlacht der 20.
Ssafer 664 angegeben; die Namen sind, wie gewöhnlich, alle verstümmelt,
Berke in _Boorkeh_ und Nokai in Booka.

[486] Nushet, nach demselben Dschihannuma S. 341.

[487] Noweiri, bei d'Ohsson III. p. 421; Dschebele heisst dort Djeliba.

[488] Bei d'Ohsson nach _Ranan er-Roub?_ und _Sikhulhadid_, d. i. eiserner
Bratspiess.

[489] Noweiri, Bar Hebräus 645. Haithon hist. orient. c. 33.

[490] Haithon hist. orient. c. 33.

[491] _Jesentewa_, der Sohn Muwatukjan's, heisst im Schedschretol Etrak
durch die Verstümmelung des Uebersetzers einmal Sookur Kaan, the son of
Kamkar, S. 250 und S. 251 Tokzur Sookur und _Abaka_ Abukai.

[492] _Robath_; Wassaf.

[493] Derselbe; Schedschretol Etrak p. 360.

[494] Wassaf; aber von dem, was bei d'Ohsson zweimal, III. B. S. 427 und
429, vorkommt: ils burent ensemble, après avoir choqué leurs coupes, du
sang où il y avoit de l'or, ist keine Spur im citirten Wassaf, wo bloss vom
Blute der Rebe die Rede, _Chunireschardend_, sie tranken das Blut der Rebe;
es scheint, dass H. v. O. _Chuniser_ las, das heissen würde: sie tranken
das _Blut des Goldes_.

[495] Reschideddin.

[496] Derselbe.

[497] der Sohn Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's.

[498] der Sohn Kaidu's, des siebenten Sohnes Dschagatai's.

[499] der Sohn Serban's, des achten Sohnes Dschagatai's.

[500] der Sohn Gujuk's, des zweiten Nachfolgers Tschengischan's.

[501] der Sohn Kara Hulagu's, der Erstgeborene Muwatukjan's.

[502] der sechste Sohn Ogotai's.

[503] _Kukdschu_ heisst auch der neunte Sohn Kubilai's.

[504] der grosse _Jesawur_, der Bruder Borrak's, bei Wassaf _Besmar_, bei
Reschideddin auch _Jesas_; der kleine war _Jesawur_, der Sohn Dschudschi's
(der Bruder Kipdschak's), des Sohnes Kaidu's, des sechsten Sohnes Ogotai's.

[505] der Sohn Batu's, des Sohnes Hindu's, des Sohnes Dschagatai's, des
zehnten Sohnes Dschudschi's.

[506] In den Jahrbüchern der Literatur VII. 300. irrig _Nertuke_, weil das
_Ki_ zum Namen gezogen worden.

[507] Nushet; Dschihannuma S. 314.

[508] Dschihannuma S. 315.

[509] Reschideddin.

[510] Wassaf nennt die Prinzen: _Jesdar_, _Kongurtai_, _Adschai_,
_Tikeschi_, Nigudar Huladschu; die Emire: _Arghesun_, _Masuk Ahmed_,
_Kotschek_, _Timur_, _Olinak_, _Menkeser_, _Abdullah_, der Sohn Tulak
Bawerdschi's, und Aradschuk.

[511] _Ala at._

[512] _Alatagh._

[513] Wassaf.

[514] Reschideddin.

[515] d'Ohsson III. 505.

[516] Der Enkel Dschagatai's aus seinem zweiten Sohne Muwatukjan.

[517] Bei d'Ohsson _Jesar_, in Wassaf _Basmar_, in der Handschrift
Reschideddin's der k. k. Hofbibliothek _Parso_.

[518] In der Handschrift der k. k. Hofbibliothek einmal _Dschanli_ und
einmal _Dschobai_, in Wassaf _Dschoban_.

[519] Wassaf.

[520] i. J. 703 (1303), Reschideddin von den Frauen Hulagu's.

[521] Vom J. 654 (1256) bis 669 (1270) machen vierzehn Sonnen- und fünfzehn
Mondjahre, was die Hälfte der von Haithon als Belagerungszeit des Schlosses
Tigaddo angegebenen dreissig Jahre.

[522] Nushet und Dschihannuma S. 292.

[523] Nushet und Dschihannuma S. 299.

[524] Tarichi Güside.

[525] Geschichte der persischen Redekünste S. 203.

[526] Von drei Seiten von Chorasan umgeben. Dschih. S. 254. Hier sind die
Schlösser _Firuskuh_ und Girdkjuh.

[527] _Ghardschistan_ Dschih. S. 238, 254, 324.

[528] _Purdestan_, der Sohn Destan's, ist Rustem, der Herr von Nimrus
(Sistan), der Inhaber der berühmten Stierkeule, welche eine der persischen
Reichsinsignien.

[529] Wortspiel zwischen _Melik_, König, und _Melek_, Engel.

[530] _dil ber an nihaden_, ganz und gar dasselbe mit dem Englischen: set
his heart upon some thing.

[531] _Chamrol adschem_, der Wein der Perser, das grüne Opiat; insgemein
_Esrar_ genannt.

[532] Die Schlangen sollen blind werden, wenn sie Smaragd anschauen.

[533] Reschideddin.

[534] wirklich schreiben es die englischen Reisebeschreiber nicht anders
als _Fall_.

[535] d'Ohsson vermengt sie III. 516. mit den Karawinen; ces guerriers
designés sous le nom de _Nigoudariens_ ou Caraviniens.

[536] Aresch, Αρης.

[537] Isfendiar mit dem ehernen Leib gilt insgemein für Xerxes.

[538] Cyrus, der Aschghiane.

[539] Der ritterlichste Fürst der Beni Sasan.

[540] H. v. Ohsson III. 464. bürdet dem Wassaf auf, was er nicht gesagt:
Beibars fit jetter dans le fleuve jusqu'à 35000 chameaux, dont les corps
servirent de pont à ses troupes. Wassaf sagt ausdrücklich, dass der Sultan
der erste den Zügel hineinlenkte.

[541] d'Ohsson III. 468., nach Nuweiri.

[542] Bar Hebr. 546.

[543] i. J. 1188, Wilken IV. 241.

[544] Dschihannuma S. 594 verdruckt als _Derbak_.

[545] Wilken's Geschichte der Kreuzzüge VI. S. 495.

[546] Dschihannuma S. 594.

[547] nicht Manca, wie bei d'Ohsson III. 472.

[548] Mannert VI. II. 49. _Menasikol-hadsch_ S. 43.

[549] _Merdsched-dibadsch._

[550] Ewlia.

[551] Dschihannuma S. 602; auf Paultres Karte nicht richtig Kurtu Cular;
auf der Karte M. Kinneirs blos Kulaghi als Castabala.

[552] Ebenda.

[553] Sughuri Islam.

[554] S. Martin Mem. I. p. 201.

[555] heute Kisildsche.

[556] heute Gökssu.

[557] Paul Lucas; Dschihannuma S. 603.

[558] d'Ohsson III. S. 475.

[559] Bar Hebräus 553.

[560] Reschideddin.

[561] _Gulek_, Dschihannuma S. 601, oder _Dulek_, S. 40, nicht _Doluk_, wie
bei d'Ohsson III. 481.

[562] Das kappadocische Komane lag am _Sarus_, welches der _Sihan_; in M.
Kinneir's Karte am _Kisil Irmak_, welches der obere Pyramus zu seyn
scheint; nach dem Menasikol-hadsch ist aber dieser Kisil Irmak derselbe mit
dem _Sihan_, d. i. dem Sarus, so dass die Lage mit der Angabe der alten
Geographen in Uebereinstimmung. Jahrbücher der Literatur XIV. S. 46.

[563] Bar Hebr. p. 556.

[564] Nuweiri; Bar Hebr. p. 537.

[565] Nuweiri, bei d'Ohsson III. S. 485.

[566] Reschideddin.

[567] Geschichte des osm. Reichs I. u. II. Band.

[568] d'Ohsson IV. S. 490.

[569] Nuweiri, bei d'Ohsson III. 496.

[570] Reschideddin.

[571] Nach Reschideddin im Silhidsche 676 (Mai 1277), nach Nuweiri und
Makrisi, die hier glaubwürdiger, 5. Moharrem 676 (8. Juni 1277).

[572] Bei Wassaf _Konghosatai_.

[573] Reschideddin nennt es _Koghanie(?)_; fehlt bei d'Ohsson, sowie die
Botschaft.

[574] Dschihannuma.

[575] Nuweiri, bei d'Ohsson. IV. 498.

[576] Haithon 34.

[577] i. J. 698 (1299).

[578] 700 (1300), d'Ohsson III. 500. nach Munedschimbaschi.

[579] Reschideddin.

[580] Bei d'Ohsson S. 400.

[581] Wassaf.

[582] Wassaf.

[583] Reschideddin.

[584] _Rothes Gesicht_, glücklicher Erfolg; _rothe Brust_, gewaltsamer Tod.

[585] Wassaf.

[586] i. J. 669 (1270).

[587] Wassaf gibt die Glosse _Asaseddin El-Jakubi's_ in achtzehn
fünfzeiligen Strophen.

[588] d'Ohsson III. macht sie zu denselben mit den Niguderischen Banden:
Nigoudariens ou Caraounass; aber Reschideddin, in dem Abschnitte
unmittelbar vor den Begebenheiten Medschdulmülk's und Schemseddin's,
spricht erst von den Niguderischen Banden in Sistan, dann von den Karawinen
in Chorasan.

[589] Hier nennt Reschideddin den Schatz _Chasinei Narin_, im Abschnitte
der Stämme aber bei den Dschelairen _Postin_.

[590] Dschihannuma S. 594.

[591] Die Namen derselben bei d'Ohsson III. 526. nach Noweiri.

[592] Im Schedschretol Etrak S. 254 dasselbe Datum, nur mit der
gewöhnlichen Verstümmelung des Uebersetzers statt Silhidsche Zi Huj.

[593] Reschideddin, Nuweiri, Bar Hebräus; der letzte irrig Silkide statt
Silhidsche. Mengu Timur heisst bei Haitho _Mongodamir_; nach ihm wäre Mengu
Timur schon am achten Tage nach dem Bruder gestorben, und beide durch Gift.
Verlässiger als der syrische Bischof Bar Hebräus und der armenische Mönch
Haitho sind hierüber Reschideddin und Wassaf.

[594] Dieser Name ist als Quolibey verstümmelt in Quolibet.

[595] sub qua credulitate lautet fast ironisch.

[596] Reynaldus III. p. 453 und in Moshemii historia Tatarorum ecclesiast.
p. 72.

[597] Waddington annales Minorum V. 40 und in Moshemius p. 80.

[598] Die umständlichsten und gründlichsten Nachrichten über die Missionen
enthält die vortreffliche relation des Mongols ou Tartares par M. d'Avezac
im IV. Bande des recueil de voyages et de mémoires der geographischen
Gesellschaft zu Paris.

[599] Güside B. 343 gibt das poetische Fetwa desselben über den Rangstreit
zwischen Sahir und Enweri, welcher von beiden ein grösserer Dichter.

[600] Dewletschah und Güside B. 345.

[601] Geschichte der persischen Redekünste S. 221.

[602] Güside B. 333.

[603] Güside B. 335.

[604] Güside B. 335.

[605] Güside B. 335 gibt als Beispiel den Anfangsvers einer Kassidet:

    Ei kerde ruh ba lebi laali tu _Nokeri_
    Maaschuki _Usbegi_ we nigari her Chaweri.

Hier sind _Nokeri_ und _Usbegi_ die fremden Wörter.

[606] Güside.

[607] Die letzten sieben Dichter fehlen in Dewletschah, und auch in der
Geschichte der persischen Poesie, zu der das _Güside_ noch nicht benutzt
werden konnte.

[608] Güside B. 343.

[609] Lakad fahet el aaud el Komari
      We faher-raudh kel aaud el Komari.

Das Wortspiel liegt in dem Doppelsinn der Worte _Fahet_ und _Komari_; jenes
heisst im ersten Verse _klagen_, im zweiten _hauchen_; dieses ist im ersten
Hemistich der Plural von _Kumri_, Turteltaube, im zweiten Epithet:
kumarische Aloe.

[610] Haitho C. 37 nennt ihn Tongodar, die Perser nennen ihn durch einen
aus Versetzung der Punkte leicht erklärbaren Schreibfehler _Nigudar_, was
der Name des dschaghataischen Prinzen, des Sohnes Dschudschi's, des
Erstgebornen Dschaghatai's; wahrscheinlich ist _Niguder_ aus seinem
christlichen Namen _Nikolaus_ entstanden.

[611] Die zwei Brüder _Buka_ und _Oruk_, und Akbuka.

[612] _Schischi Bachschi_, _Doladai Aidadschi_, _Dschuschi_, _Ordukia_.

[613] _Kurdschian._

[614] _Sikurdschian._

[615] _Aktadschian._

[616] Reschideddin, bei d'Ohsson Siahkuh III. 552.

[617] Reschideddin.

[618] 13. Rebiulewwel Sonntags ist der 21. Juni, der richtig ein Sonntag,
folglich das Datum bei Wassaf, 14. statt 13., wie bei Reschideddin gefehlt;
das Schedschretol Etrak S. 257 hat das richtige Datum vom 13.

[619] Reschideddin.

[620] Wassaf.

[621] Bei d'Ohsson III. 553 Tuktai.

[622] Derselbe nach Noweiri S. 553.

[623] _Siah kuh nusul kerd_, heisst: er lagerte zu _Siahkuh_, nicht: il
quitta Siahkuh, wie d'Ohsson übersetzt.

[624] _Kaplandschi_, _Arslandschi_, _Nukadschije_.

[625] 1. _Kutschuk_, aus der Frau Tokus; 2. _Kimdschuk_, aus der Frau
Ermeni; 3. _Tschitschek_, aus eben derselben; 4. _Mainan_, gleichfalls; 5.
_Sailun_, aus der Frau _Tudaku_; 6. _Kiltürmisch_, aus der Beischläferin
_Kurkudschije_.

[626] in der Nacht vom Mittwoch, sagt Reschideddin, was der 12. August war,
denn der 14. (Sonntagsbuchstabe D) war ein Freitag.

[627] Wassaf.

[628] Wassaf theilt dieselben mit.

[629] Wortspiel zwischen _Moslimen_ Gläubigen, und _Moslim_, dem eigenen
Namen eines der ersten Ueberlieferer der Sunna.

[630] Das Ende des 15. Verses der XVII. Sura.

[631] Das Ende des 17. Verses der XLIX. Sura.

[632] Bar Hebr. und nach demselben d'Ohsson III. 560.

[633] Reschideddin.

[634] _Ali Dschingsan_ und _Kotlogschah_.

[635] _Buradersade_, Neffe, nicht Bruder, wie bei d'Ohsson S. 582.

[636] _Dschankur_, _Dschinkutur_, _Doladai_, _Idadschi_, _Idschi_,
_Tetkaul_, _Dschuschi_, _Kimdschkabal_.

[637] _Kutschuk Anukdschi_ und Schadi _Achtadschi_.

[638] _Rusi Kunilamischi_ im angeblichen Beidhawi _Guikesi_, was Schreib-,
Lese- oder Druckfehler.

[639] 1. _Taghadschar_, 2. _Dschankur_, 3. _Dschinkutur_, 4. _Doladai_, 5.
_Idschi Tetkaul_, 6. _Dschuschi_, 7. _Kundschukbal_; bei Wassaf heisst
Dschankur _Dschaigir_, Abai der Sohn _Suntai's_, _Dschenghatu_ der Sohn
Dschuschi's.

[640] Wassaf nennt die Emire Arghun's: _Jasar Aghul_, _Taghai_, _Adschu
Sukurdschi_, _Ghasan_, der Ceremonienmeister, _Tokli Schadi_, der Sohn
_Sundschak's_; Reschideddin.

[641] Wassaf nennt die Emire: _Ainkadschi_, _Nakai Jarghudschi_, _Tawtai_,
_Kasan_, der Sohn Kotloghbuka's, _Baitmisch Kuschdschi_, _Sertak_,
_Alghui_, _Oladai Kadaghan_, _Aghman_.

[642] Moriers second journey und darnach in den Jahrbüchern der Literatur
VII. 257.; vier andere Pässe sind die zwei bei _Firuskjuh_ (_Sawadschi_ und
_Tengi serensa_), _Tengi Nimrud_ und _Tengi Schimschirbur_.

[643] Moriers second journey.

[644] Dschihannuma S. 339.

[645] i. J. 566 (1170), Fraser 302.

[646] Die im J. 880 (1475) erbaute Moschee kann nicht, wie Fraser sagt, von
Schahroch erbaut worden sein, da dieser schon fünf und zwanzig Jahre
früher, im J. 850, starb.

[647] Quelle Belasan beim Dorfe Kohen; nach den _Adschaibol-machlukat_ in
den Jahrbüchern der Literatur VII. 258. LXII. 43., Fraser 304.

[648] So am Scheckel in Steiermark.

[649] Mannert hält es für das alte _Taghi_.

[650] Adschaibol-machlukat Sekerias.

[651] Baconi in den notices et extraits II. 482.; übereinstimmend mit
Diodor.

[652] Tschehel seran, _tschehel dochteran_, Fraser.

[653] In Dschami's _Nefhatol Ins_ der 205te.

[654] i. J. 261 (874).

[655] Abderrahman Ben Mohammed, gest. 858 (1454), Verfasser von vierzig
Werken, und _Mossannifek Bostami_, gest. 875 (1470), der den letzten
bosnischen König eigenhändig köpfte.

[656] Dschami's _Nefhatol Ins_, die 42te.

[657] Bei Reschideddin _Legsi_ und _Ordubugha_.

[658] _Dih Surch_, bei Reschideddin, ist das _Surikkala_ Frasers; der in
der Moschee von Semnan eingemauerten Inschrift Schah Abbas I. wird erwähnt
304.

[659] Nushetol-kolub; Dschihannuma S. 341.

[660] Reschideddin.

[661] Nushetol-kolub; Dschih. 341.

[662] Reschideddin, Wassaf.

[663] Das Schedschretol Etrak S. 358.

[664] Sein ganzer Name: Ebun-nassr Mohammed Ben Abdol-Dschebbar El-otbi.

[665] Fraser S. 245.

[666] _Urtimur Kuschdschi_, _Nikpei Kuschdschi_ und der Bruder _Kadschu
Achtadschi's_.

[667] Wassaf.

[668] Derselbe.

[669] _Jesubuka Gurgan_, _Aruk_, _Kurmischi_, _Arkasun Nujan_, der Sohn
_Ilkai's_.

[670] _Kurmischi_ und _Aruk_, die Brüder Buka's.

[671] Nerke.

[672] Wassaf.

[673] Wassaf.

[674] Reschideddin; Wassaf; nach dem Schedschretol etrak S. 350 am 7.
Dschem. achir.

[675] Reschideddin bei den Töchtern Hulagu's.

[676] Sie lebte noch zur Zeit Reschideddin's.

[677] Im Schedschretol Etrak S. 260 in _Yoogha_ verstümmelt.

[678] Herodot's Clio 51.

[679] Nushetol kulab.

[680] i. J. d. H. 83 (701).

[681] _Kumedan_, hernach _Kum_. Dschihannuma S. 298.

[682] Durch ein unerklärliches Versehen steht im Dschihannuma, dass Kum der
Geburtsort Nisami's, des Verfassers des Chamse, sei, welcher zu Gendsche
geboren, auch dort begraben liegt.

[683] Das Schehinschahname von Feth Alischah dem österreichischen Kaiser
Franz I. durch Mirsa Abul Hasan zum Geschenke gesandt.

[684] Emir _Bukia_, _Tinai_, _Arukian_, _Bastak_, _Huladschu_. Wassaf.

[685] Güside.

[686] d'Ohsson gibt nur die Hälfte aus Wassaf, aber nicht die folgende
historisch wichtigere Hälfte aus Reschideddin.

[687] Güside.

[688] _Schems_, anspielend auf den Namen Schemseddin.

[689] _Ala_, Höhe, anspielend auf den Namen des Bruders Alaeddin.

[690] Wassaf.

[691] Der Sohn Melikchan B. Mohammed B. Sengi's.

[692] Wassaf.

[693] Das Feuer ihres Zorns entflammte sich in so hohem Grade, dass
dasselbe die gestockte Feuchtigkeit ihrer Thränenlinse auflöste und bei dem
Auge ausfliessen liess; Perlen regneten aus dem Narciss und tränkten die
Rose, Hagel (der Zähne) biss in die Jubeben (des Munds). Wassaf.

[694] _Tuladai Jarghudschi_, _Dschijurghutai_, _Hosameddin_.

[695] Reschideddin auch unter den Frauen Abaka's.

[696] Schedschretol Etrak S. 263.

[697] Reschideddin nennt die sieben: _Taghadschar_, _Kundschukbal_,
_Doladai_, _Aidadschi_, _Sultan Aidadschi_, _Tughan_, _Dschuschi_,
_Ordukap_.

[698] Reschideddin.

[699] mit den Prinzen: _Huladschu_, _Karankai_, _Konghschir_, _Togai
Timur_, _Anberdschin_; mit den Emiren: _Uruk_, _Kurmischi_, _Temdui_,
_Madschu_, _Toglok Karawinas_; Wassaf. Im Reschideddin noch: _Kurmischi_,
der Sohn _Haidu Nujan's_, _Audschan_, dem Waffenträger, _Kadan_, dem
Gesandten, _Sengi_, dem Sohn _Baba Nujan's_, Emir des Lagers der Frau
_Oldschai_, _Ghasan Behadir_, _Ischik Toghli_, _Aschak Toghli_.

[700] _Kujun Kumischi_. Wassaf.

[701] _Madschu_, _Toghlok_, _Aschak Toghli_, _Serwana_, _Nochschi_,
_Tuschkina_, _Hosameddin von Kaswin_, Emir _Ali Melik_ der _Temghadschi_
von Tebris. Wassaf.

[702] Hist. des Orpeliens in S. Martin. mém. II. p. 171.

[703] _Baitmisch Kuschdschi_, _Tamudai Aktadschi_, _Schadi_, Sohn Buka's.

[704] _Abadschi_, _Melik_, _Teichan Timur_, _Kotlogh Timur_.

[705] _Jatmisch Kuschdschi_, _Gharbetai Gurgan_, _Burdschu_, der Sohn
_Duriai's_, _Boghdai_, _Arkasun Nujan_.

[706] Mocherofago, bei Cassiri.

[707] Reschideddin.

[708] in d'Ohsson IV. 39. irrig fils du Vezir Schemseddin.

[709] Reschideddin.

[710] Wassaf.

[711] Wassaf nennt _Schemseddewlet_ und _Iseddin Mosaffer_, und
Reschideddin den _Dschelaleddin Serwistani_.

[712] _Asshabi Buluk._

[713] _Bitekdschi._

[714] _Fachreddin Mubarekschah_, _Medschdeddin Rumi_, _Schemseddin
Huseini_; Wassaf und Reschideddin.

[715] Scharfsichtiger als _Ajas_, feiner als _Kais Ben Soheir_, als
_Moghairet B. Schaabet_, als _Amru Bel el aass_; Wassaf.

[716] _K. Kjatib_, d. i. der Schreiber, _Sch_, d. i. _Schaair_, Dichter,
_Dschim_, d. i. _Munedschim_, d. i. Astronom, _Mim_, d. i. Musik; Kamus;
das Wort und die Erklärung fehlt in Freitag's Wörterbuch.

[717] Wassaf in dem Hauptstücke der Verwaltung von _Schiras_.

[718] Wassaf.

[719] Haithonis hist. C. 38.

[720] Unter den Todten: _Burultai_ und _Kadai_, Emire von Tausenden, und
der Bruder _Jenitsche's_; unter den Gefangenen: _Huriktai_, der grosse
Emir.

[721] Reschideddin.

[722] Dschihannuma S. 297.

[723] Dschih. S. 426.

[724] Dschih. S. 341.

[725] M. Kinneir's geographic mem. on the persian Empire p. 84.

[726] Die Emire _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Tewekkul Toghan_.

[727] Im Schedschretol Etrak ward Seaadeddewlet am letzten Ssafer des J.
690 hingerichtet und Arghun starb drei Tage hernach, am 3. Rebiulewwel.

[728] Dschihannuma S. 297; im Schedschretol Etrak S. 265 im Berge Sobeir(?)
nächst der Grabstätte des Propheten Kyde(?).

[729] d'Ohsson III. 612. nach Makrisi.

[730] d'Ohsson p. 616.

[731] Bei Odoric Raynald IV. p. 41 et 42. _Elegag_ und _Tuctan_; d'Ohsson
IV. 99. meint, unter der letzten sei _Tuktan_, die Wittwe Abaka's, Mutter
Kendschatu's, zu verstehen, was aber unrichtig, da Reschideddin (unter den
Frauen Abaka's) ausdrücklich sagt, dass sie bei Lebzeiten Abaka's
gestorben, durch die Frau Ildürmisch ersetzt worden sei; i. J. 1288, wo
Nikolaus IV. schrieb, war Tudai seit einem Jahre Gemahlin an der Stelle der
verstorbenen Bulughan, und den Tod der anderen grossen Frau, Kotlogh,
konnte Nikolaus nicht wissen, da sie am 12. April 1288 starb und der an sie
gerichtete Brief vom 12. datirt ist.

[732] Die Tochter Sarudsche's, die Schwester des Emirs Irindschin, des
Keraiten, die Urenkelin Owang's.

[733] Bei Odericus _Casian_ und _Saron_; da Arghun nur vier Söhne hatte und
über _Chodabende_ und _Ghasan_ kein Zweifel obwalten kann, so fragt sich
nur, ob unter _Saron_ der dritte, _Jesu Timur_, oder der vierte, _Chatai
Aghul_, zu verstehen sei; der letzte hiess ehemals _Sonkar Kanis_.
Reschideddin.

[734] Nach dem Schedschretol Etrak und anderen _Kendschatu_; bei Haithon
Cap. XXXIX heist er _Regayto_, was augenscheinlich eine Verstümmelung von
_Keichatu_ und nicht von _Kendschatu_; aber das Schedschretol Etrak sagt p.
270 nach der Geschichte der vier Uluse, dass sein Name ursprünglich
_Enkatu_ gewesen, was auf mongolisch wunderbar, staunenswerth heisse.

[735] durch _Kutla Kokultasch_. Wassaf.

[736] _Tamerbugha_, _Saji Ebdschi_, _Konan Achtadschi_.

[737] _Sati_, _Kuman_, _Tudadschu_.

[738] _Koildagh_ ist ein Schreibfehler.

[739] den _Taghadschar's_ dem _Baidschu Tetkaul_, den _Kundschukbal's_ dem
_Schiktur Nujan_. Wassaf.

[740] Wassaf und Reschideddin.

[741] Reschideddin.

[742] Wassaf.

[743] nullam habebat legem vel fidem. Haithon C. 39.

[744] Wassaf dem grossen _Ssahib_; Fraser übersetzt in seinem Kuzulbasch
diesen Ehrentitel mit Sir, Gentlemen, _Eltschi Ssahib_, d. i.
Heergesandter.

[745] _Kisil_ mit seinen Brüdern _Nussret_ und _Ali Melik_. Wassaf.

[746] Wassaf.

[747] Güside.

[748] Wassaf.

[749] D'Ohsson IV. 88 nach Makrisi und Noweiri, dann Reschideddin und
Wassaf.

[750] Dschihannuma. S. 598.

[751] S. Beilage IV.

[752] Tschawi mubarek.

[753] Sobald es angekommen, sei es angenommen. Wassaf giebt die Formel für
chinesisch an, sie ist aber alttürkisch und würde auf neutürkisch: irdükde
tursun lauten, d. i. wenn es angekommen, soll es stehen (gelten.)

[754] Schedschretol Etrak, S. 268, statt Sikurdschi Skukurchee; jenes
heisst Speerhalter, dieses Zuckerbäcker.

[755] Reschideddin nach Wassaf giebt die Verhaftung der Emire _Idar_,
_Kundschukbal_, _Toladai_, Tukjal, _Ildschai_ zu _Kjawabari_. Schedschretol
Etrak, S. 261.

[756] Reschideddin.

[757] Nach dem Schedschretol Etrak, S. 270, ward er zu Karabagh begraben.

[758] Schedschretol Etrak, S. 270.

[759] Wassaf.

[760] Wassaf.

[761] _Kuku_ steht im Meninski als _Guckguck_, heisst aber auf Persisch
Turteltaube (Ferheng Schuuri II. Bl. 228); die Türken nennen auch den
Schwan Kuku.

[762] Batu hatte nicht sieben, sondern vierzehn Söhne.

[763] Der 61. Vers der X. Sura.

[764] _Moktainat_ definirt der Commentar als den an Vieh und Geld ersparten
Reichthum.

[765] _Natik u Ssamit_, das Sprechende und Stumme, d. i. Schafe und Kamele
im Gegensatze mit Gold und Silber.

[766] _Kisil Bilka_, [arabischer Text] dasselbe Wort, das als Bilek in der
Bedeutung der Vorschriften Tschengis-Chans vorkommt.

[767] _Aidadschian_, dasselbe, was die _Kilardschi_ zu Constantinopel, die
Diener der Speisekammer.

[768] _Wudschuh_, Weisen, Arten, und _Wudschuh_, baares Geld, Plural von
_Widschh_, Gesicht; derselbe Grundbegriff wie im Französischen faire face
aux dépenses.

[769] Das mongolische Wort _Ilghamischi_ mit dem arabischen _Tenkih_
übersetzt, entspricht dem Finanzausdrucke des épuremens.

[770] _Dhigsen ala ibballetin_, ein Heuschüppel zu einem Grasbund, Klein
auf Klein, d. i. Nichts zu Nichts.

[771] _Kaftschari_, Confiscation.

[772] _Dem_, der Hauch, heisst durch erweiternde Metonymie auch die Zeit;
wird das Wort umgekehrt, so heisst es _Medd_, welches auf Arabisch
Erweiterung, Ausdehnung bedeutet.

[773] Wortspiel zwischen _Chata_, das nördliche China, und _Chata_, Fehler.

[774] Das Wortspiel ist im Persischen zwischen _Tschaw_, dem Namen des
Papiergeldes, und _Dschawidan_, ewig.

[775] _Musehhib es-scheb_, d. i. der Vergolder des Goldes.

[776] _Senbus_, Kahn, scheint mit cymba verwandt.

[777] _Külk_ erklärt der Commentar als gleichbedeutend mit _Chaw_,
villositas panni holoserici.

[778] Eine Nachahmung der berühmten schönen Verse Firdewsi's, und Wortspiel
mit den beiden Namen _Iseddin_, Ehre des Glaubens, und _Mosaffir_, der
Siegreiche, dem sein Wunsch gelingt.

[779] Der 7. und 8. Vers der CI. Sura.



Anmerkungen zur Transkription:

Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten, ebenso
unterschiedliche Schreibweisen von Eigennamen. An einigen Stellen wurde
die Zeichensetzung geändert. Umrechnungen zwischen dem islamischen und dem
christlichen Kalender, die offensichtlich falsch und deshalb wahrscheinlich
Druckfehler waren, wurden korrigiert, wobei folgende Hilfsmittel verwendet
wurden:

1. http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung (Umrechnungsformel
für Jahreszahlen),

2. http://www.heinrichbernd.de/calendar (Kalender-Umrechner).

Ansonsten wurden die Datumsangaben des Buches auch dort beibehalten, wo sie
unstimmig zu sein scheinen.

  S. 2: "Die Gesichte des von Hulagu" wurde geändert in
        "Die Geschichte des von Hulagu"
  S. 7: "des Herschers von Kipdschak" wurde geändert in
        "des Herrschers von Kipdschak"
  S. 16: "die Wächter der acht weissen Häusser" wurde geändert in
         "die Wächter der acht weissen Häuser"
  S. 23: "Verschmähte Brautwerburg" wurde geändert in
         "Verschmähte Brautwerbung"
  S. 39: "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte besimmt" wurde geändert in
         "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt"
  S. 57: "Jltschikidai" wurde geändert in "Iltschikidai"
  S. 69, Randnote: "624/1337" wurde geändert in "624/1227"
  S. 71, Randnote: "640/1142" wurde geändert in "640/1242"
  S. 84, Fussnote 145: "Geboren den 24. Schewwal 614 (25. October 1256)"
     wurde geändert in "Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256)"
     (Anmerkung: der im weiteren Verlauf der Fussnote genannte 26. April
     1282 war weder ein Donnerstag noch ein Montag, sondern ein Sonntag.)
  S. 85: "die Sklavinn Ilkadschi" wurde geändert in "die Sklavin Ilkadschi"
  S. 85: "mit dem Kopfschmucke Bagthak" wurde geändert in
         "mit dem Kopfschmucke Baghtak"
  S. 90: "auser der Stadt" wurde geändert in "ausser der Stadt"
  S. 97, Fussnote 182: "Uebersezung" wurde geändert in "Uebersetzung"
  S. 104: "zwichen Dilem und Irak" wurde geändert in
          "zwischen Dilem und Irak"
  S. 107: nach "der bessten persischen Erdbeschreibung" wurde der Hinweis
          auf die Fussnote 223 eingefügt
  S. 109: "schon des Schwert aufgehoben" wurde geändert in
          "schon das Schwert aufgehoben"
  S. 133: "der Grösse des Hausses Ejub" wurde geändert in
          "der Grösse des Hauses Ejub"
  S. 136: "Auf bem Chalifenstuhle" wurde geändert in
          "Auf dem Chalifenstuhle"
  S. 140: "vorauf er" wurde geändert in "worauf er"
  S. 140, Fussnote 285: "instrunent" wurde geändert in "instrument",
          "brittancia" wurde geändert in "britannica"
  S. 141: "Augenklick" wurde geändert in "Augenblick"
  S. 163, Fussnote 316: "Vahran's" wurde geändert in
                        "Vahram's" (vgl. Google)
  S. 168: "welche Syrien von Aegyten trennt" wurde geändert in
          "welche Syrien von Aegypten trennt"
  S. 170: "wandte sich also jezt" wurde geändert in
          "wandte sich also jetzt"
  S. 173, Fussnote 329: "Lobanasagut" wurde geändert in "Lobasanagut"
  S. 187, Fussnote 368 und S. 192, Fussnote 379: "Macdonald Kineir"
          wurde geändert in "Macdonald Kinneir" (vgl. Google)
  S. 194, Fussnote 384: "Statthalttr" wurde geändert in "Statthalter"
  S. 220: "Es liess alle Kaufleute" wurde geändert in
          "Er liess alle Kaufleute"
  S. 234: "Oschelaeddin Dschanli" wurde geändert in
          "Dschelaleddin Dschanli"
  S. 241: "Shönredner" wurde geändert in "Schönredner"
  S. 246: "Sundschar Nujan" wurde geändert in "Sundschak Nujan"
  S. 258: "vom Kubilai" wurde geändert in "von Kubilai"
  S. 262: "über den Oxus gehen sollen" wurde geändert in
          "über den Oxus gehen sollten"
  S. 265: "verliess Kispdchak erzürnt" wurde geändert in
          "verliess Kipdschak erzürnt"
  S. 271: "Sodald Borrak" wurde geändert in "Sobald Borrak"
  S. 299: "Moinedddin Perwane" wurde geändert in "Moineddin Perwane"
  S. 311: "in's Gebiet von Haleb ein, wie sie" wurde geändert in
          "in's Gebiet von Haleb ein, wo sie"
  S. 314: "nicht wahrscheinlich, dass Akaka" wurde geändert in
          "nicht wahrscheinlich, dass Abaka"
  S. 327, Randnote: "8. Dschemmasiulewwel 681/24. August" wurde geändert in
                    "8. Dschemmasiulewwel 681/14. August"
  S. 329: "vom Richter Medschdolmülk" wurde geändert in
          "vom Richter Medschdolmülk's"
  S. 333: "Wir baben befohlen" wurde geändert in "Wir haben befohlen"
  S. 342: "zum Gemahlin gab" wurde geändert in "zur Gemahlin gab"
  S. 348: "den linken Flügel kefehligte" wurde geändert in
          "den linken Flügel befehligte"
  S. 355: "Sischi, Bachschi" wurde geändert in "Sischi Bachschi"
  S. 363: "Er zog sich noch Kirbanschir" wurde geändert in
          "Er zog sich nach Kirbanschir"
  S. 366: "Ich habe jezt mein Gemüth" wurde geändert in
          "Ich habe jetzt mein Gemüth"
  S. 388, Randnote: "9. Rebiulewwel 689/24. Mai 1290" wurde geändert in
                    "9. Rebiulewwel 689/24. März 1290"
  S. 393, Randnote: "7. Rebiulachir 690/10. März 1291" wurde geändert in
                    "7. Rebiulewwel 690/10. März 1291"
  S. 400: "das Amts des Richters der Richter" wurde geändert in
          "das Amt des Richters der Richter"
  S. 406: "Betrauten Kensdchatu's" wurde geändert in
          "Betrauten Kendschatu's"
  S. 406, Randnote: "28. Rebiulachir 694/17. März 1245" wurde geändert in
                    "28. Rebiulachir 694/17. März 1295"
  S. 407: "die Vorposten Taghadschars's" wurde geändert in
          "die Vorposten Taghadschar's"
  S. 432: "Seine Abreise was" wurde geändert in "Seine Abreise war"
  S. 434: "des zweigesichigen Papieres" wurde geändert in
          "des zweigesichtigen Papieres"

Die in der Druckfehlerliste am Ende des Buches enthaltenen
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search applications.  ISYS has been deployed by thousands of organizations
operating in a variety of industries, including government, legal, law
enforcement, financial services, healthcare and recruitment.



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