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Title: Albrecht Dürer's Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen - unter besonderer Berücksichtigung der dazu verwandten - Papiere und deren Wasserzeichen
Author: Hausmann, B.
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Albrecht Dürer's Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen - unter besonderer Berücksichtigung der dazu verwandten - Papiere und deren Wasserzeichen" ***

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project.)



Anmerkungen zur Transkription:

Fett gedruckter Text ist gekennzeichnet mit =ist gleich=, gesperrter mit
_Untenstrich_ und Fraktur mit ~Tilde~. Hochgestellter Text ist
gekennzeichnet mit einem Winkelzeichen, z.B. 23^{ster}.


[Illustration]



Albrecht Dürer’s

Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen,

unter besonderer Berücksichtigung der dazu verwandten Papiere und deren
Wasserzeichen

vom

Oberbaurath B. Hausmann.

[Illustration]

Mit einem Holzschnitt und acht Tafeln Abbildungen der Wasserzeichen.

Hannover.

Hahn’sche Hof-Buchhandlung.

1861.


Schrift und Druck von Fr. Culomann.



Inhaltsverzeichnis


    Vorwort.                                                           I
    Abschnitt I. Die Kupferstiche und Radirungen Albrecht Dürer’s.     1
    Abschnitt II. Die Holzschnitte Albrecht Dürer’s.                  43
    Abschnitt III. Die Handzeichnungen Albrecht Dürer’s.             101
    Abbildungen
    Fußnoten



Vorwort.


Bei dem Studio der Incunabeln und alten Drucke des fünfzehnten
Jahrhunderts ist -- namentlich in neuerer Zeit -- eine besondere
Aufmerksamkeit auf die dazu gebrauchten Papiersorten und deren
Fabrikzeichen (Wasserzeichen) gerichtet, über welche die vortrefflichen
Werke von Sotheby[1] und anderen, sowie manche Aufsätze im Serapeum, die
belehrendste Auskunft geben. Nicht gleiche Berücksichtigung hat indeß
dieser Gegenstand bisher in Beziehung auf die Kupferstiche und
Holzschnitte der alten Meister gefunden, und doch bieten gerade bei
diesen die Papiere und deren Wasserzeichen die interessantesten
Aufschlüsse dar, in Beziehung auf die für jeden Kunstfreund, besonders
aber für den Sammler, wichtige Frage über die Priorität der Abdrücke.

Bekanntlich haben sich manche Kupferplatten der alten Meister,
vorzüglich aber viele ihrer Holzstöcke, noch nach ihrem Tode, zum Theil
durch mehrere Jahrhunderte bis auf die Neuzeit erhalten, und sind in den
verschiedensten Zeiträumen abgedruckt.

Von entschiedenem Interesse muß es daher für den Kunstliebhaber sein,
wenn er auch ohne die nicht immer mögliche Vergleichung mit anderen
Abdrücken, schon aus den Papieren des vorliegenden Blattes beurtheilen
kann, ob der Druck älter oder neuer ist.

Es kann freilich selbstredend, aus den Papieren allein, ein stets
zutreffender Schluß auf die Güte des Abdrucks nicht gezogen werden, denn
es kommen zuweilen, auf den ersten Papieren, in Folge häufigerer
Benutzung der Platte stumpf gewordene, bei dem Druck mißrathene, oder
durch spätere Behandlung verdorbene Abdrücke vor; doch wird es dem
Sammler, welcher, die Papiere beachtend, Vergleiche anstellt, nicht
entgehen, wie in der Regel die Güte der Abdrücke zu gewissen
Papiersorten in genauer Beziehung steht.

Bei keinem der alten Meister ist aber das Studium der Papiere und deren
Wasserzeichen wichtiger und belohnender, als bei Albrecht Dürer, da
seine zahlreichen, von Anfang an bewunderten und beliebten Arbeiten in
Abdrücken von der allerverschiedensten Güte vorhanden sind, welche in
sehr von einander entfernten Zeitabschnitten, sowohl während seines
Lebens, als nach seinem Tode genommen wurden, und diese Zeitabschnitte
sich, zum Theil mit Entschiedenheit, nach den zu den Abdrücken
gebrauchten Papiersorten bestimmen oder doch unterscheiden lassen.

Namentlich glaube ich: daß bei den von Dürer mit gedrucktem Text
herausgegebenen Holzschnittfolgen, die so lange streitige Frage wegen
der Priorität der Abdrücke, mit oder ohne Text, sich durch die Papiere
und deren Merkmale mit Bestimmtheit lösen lässt.

Ich selbst, einer der ältesten Dürer-Sammler, denn die ersten
Erwerbungen für mein gegenwärtig sehr vollständiges Werk geschahen schon
im September 1806 in Paris, bin erst seit etwa sechs Jahren auf die
Wichtigkeit des Studiums der Papiere aufmerksam geworden, habe aber
dasselbe seitdem mit regem Eifer verfolgt und für diesen Zweck, auf
wiederholten Reisen, den größten Theil der öffentlichen Sammlungen
Dürer’scher Werke, in und ausserhalb Deutschlands, sowie zahlreiche
Privat-Sammlungen sorgfältig durchgesehen, und gestrebt, durch
Zusammenstellung der gemachten Beobachtungen zu bestimmten Resultaten zu
gelangen.

Bei der Prüfung der Privat-Sammlungen, bin ich von mehreren der eifrigen
und unterrichteten Besitzer derselben auf das wirksamste unterstützt,
und bei den Vorständen der öffentlichen Sammlungen habe ich, fast ohne
alle Ausnahme, eine so bereitwillige Zuvorkommenheit gefunden, daß ich
solches nicht dankbar genug erkennen kann.

Leider hat bei einem großen Theile der öffentlichen Sammlungen, das
Einkleben der Blätter in Bücher, oder das sorgfältige Befestigen
derselben auf die Untersatzbogen, an allen vier Ecken, meine Bemühungen,
die Wasserzeichen zu erkennen, sehr erschwert, häufig ganz unmöglich
gemacht, und meine Erfolge sind daher, ungeachtet der ausserordentlich
großen Zahl von mir geprüfter Abdrücke, durchaus nicht als _erschöpfend_
zu betrachten.

Diese Ueberzeugung hätte mich vielleicht abhalten sollen, mit den
Resultaten der von mir gemachten Bemerkungen jetzt schon vor die
Oeffentlichkeit zu treten; doch darf man im 78^{sten} Lebensjahre,
Nichts auf kommende Zeiten verschieben, und ich hoffe, daß diese, wenn
auch mangelhafte Arbeit, jüngere Kräfte veranlassen wird, sie zu
vervollständigen und den interessanten Gegenstand weiter zu verfolgen.

Bei Erwähnung der einzelnen Blätter unsers Meisters habe ich indeß
geglaubt, mich nicht allein auf das Papier derselben beschränken zu
dürfen, da mein langjähriges Sammeln, und die Untersuchung einer so
großen Menge von Abdrücken, mir Gelegenheit gegeben hat, auch andere
bisher nicht beachtete Notizen zu nehmen, deren Mittheilung nicht ohne
Werth sein, namentlich auch zur Berichtigung mancher durch Heller und
seine Nachschreiber verbreiteten Irthümer beitragen dürfte.

Ich habe dabei auch die interessanten Nachrichten des Vasari[2] über die
Kupferstiche und Holzschnitte Dürer’s berücksichtigt, welche bisher in
unsern Werken über dieselben fast gar keine Würdigung gefunden haben.

In dem dritten Abschnitt sind von mir einige Nachweisungen über die
große Zahl der vorhandenen Zeichnungen und Skizzen unsers Meisters
hinzugefügt, da dieselben bis jetzt weder bekannt noch beachtet genug,
und doch so sehr geeignet sind, über die Entwickelung und die
vielseitige Thätigkeit dieses großen Künstlers, die wichtigsten
Aufschlüsse zu geben.

Auch bei diesen habe ich auf die gebrauchten Papiere und ihre
Kennzeichen besondere Aufmerksamkeit verwendet, da eine Beachtung
derselben es nicht selten dem Liebhaber erleichtern wird, die Originale
von den zahlreichen späteren oft sehr geschickten Nachahmungen zu
unterscheiden.

Um die Vergleichung zu erleichtern, habe ich von den wichtigsten
Wasserzeichen Durchzeichnungen nehmen lassen und sind solche auf den
angefügten Tafeln in der wirklichen Größe abgebildet. Ich muß indeß
dabei bemerken, daß mehr oder mindere Abweichungen in den Formen dieser
Fabrikzeichen nicht selten vorkommen. Von manchen Wasserzeichen ist es
mir nicht möglich gewesen, eine genaue Durchzeichnung zu erhalten, und
habe ich mich bei diesen daher, auf eine Angabe der Form derselben und
die Entfernung der Drathlinien des Papiers beschränken müssen.

Bei allen vorkommenden Maßen ist der altfranzösische Zoll mit der
Eintheilung in 12 Linien zur Anwendung gebracht.

    _Hannover_, den 15. Mai 1861.

        B. Hausmann.



Abschnitt I.

Die Kupferstiche und Radirungen Albrecht Dürer’s.


Einleitung.

Die Dürer’schen Kupferstiche und Radirungen lassen sich nach Drei
Haupt-Perioden eintheilen, nämlich:

    1) Diejenigen, welche bis zu seiner Reise nach Venedig gearbeitet
    wurden, also bis gegen Ende des Jahres 1505.

    2) Diejenigen aus der Zeit nach der Italienischen Reise bis zu der
    Reise nach den Niederlanden, vom Jahre 1507 bis 1520, und

    3) Diejenigen, welche nach der Rückkunft aus den Niederlanden
    entstanden, vom Jahre 1521 bis 1527.

Wie sich im Allgemeinen eine Verschiedenheit der Behandlung in diesen
drei Perioden wahrnehmen lässt, so tritt auch eine Verschiedenheit der
in denselben zu den Abdrücken verwandten Papier-Sorten und ihrer
Wasserzeichen hervor, wohlverstanden _der_ Papier-Sorten, welche sich
bei den _früheren_ Abdrücken vorfinden, denn der Fall ist häufig: daß
man von derselben Platte gute, zuweilen selbst schöne, wenn gleich
später genommene Abdrücke auf Papier-Sorten einer der folgenden Perioden
antrifft.

Die Haupt-Papier-Sorte der _Ersten Periode_ hat das Wasserzeichen des
Ochsenkopfes, doch kömmt auch Papier mit dem Wasserzeichen des
gothischen ~P~ vor.

Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes findet man, in großer
Verschiedenheit der Form und der Beiwerke, schon bei den ältesten
Bücher-Drucken, und auch Martin Schön bediente sich desselben
vorzugsweise zu seinen Kupferstichen.

Nach neueren Ermittelungen des Herrn Commissairs Gütermann in Ravensburg
war der Ochsenkopf das Fabrikzeichen des von der Familie Holbain und
deren Nachfolgern verfertigten Leinen-Papiers[3].

Das von Dürer zu seinen Kupferstichen benutzte Papier, mit jenem
Wasserzeichen, wie solches auf den angefügten Tafeln unter Nr. 1
abgebildet ist, hat über dem Ochsenkopf einen einfachen Drathstrich mit
einer 5-blättrigen Blume, unter demselben einen gleichen Strich, der mit
einer dreieckigen Spitze und zwei Queerstrichen darüber endigt.

Die Masse dieses Papiers ist überaus weich und fein, es ist mit einem
sehr dichten Drathsieb geschöpft und so dünn: daß man das Wasserzeichen
zuweilen schon auf der Stirnseite sehen kann. Die durchlaufenden
Drathstriche sind nicht stark, oft schwer wahrzunehmen; ihre Entfernung
beträgt gewöhnlich 13¾ bis 14¼ Pariser Linien, doch ist solche auch
etwas geringer bis 13¼, oder etwas größer bis 15 Linien.

Dieses Papier ist, seiner Feinheit wegen, sehr dem Einreißen ausgesetzt,
sonst für die Schönheit der Abdrücke besonders günstig.

Bei einzelnen Stichen Dürers -- jedoch nicht häufig -- kommt ein Papier
mit dem Ochsenkopfe vor, über welchem sich auf doppelten Drathstrichen
ein Kreuz mit einer Blume darüber befindet, Nr. 2. Dieses ist bedeutend
dicker als das vorher bezeichnete, pergamentartig, und die Drathstriche
sind kaum bemerkbar.

Das Papier mit dem gothischen ~P~, Nr. 3, ist ebenfalls stärker als das
feine Ochsenkopf-Papier und zeigt im Gewebe eine weit weniger dichte
Schöpfform, die Drathstriche sind oft nicht zu erkennen.

       *       *       *       *       *

In der _zweiten_ Periode findet man im Anfange, namentlich bei den
kleineren Blättern, noch häufig das Papier mit dem Ochsenkopf, auch
trifft man es, jedoch selten, bei einzelnen der größeren Blätter aus
dieser Zeit. Bald aber, und besonders nach 1510, wird dieses durch das
Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone verdrängt, und verschwindet
ganz bei den größeren Blättern mit dem Jahre 1513. An dieses Papier mit
der hohen Krone reihen sich, wiewohl nicht so häufig, Papiere mit den
Wasserzeichen des Reichsapfels, eines Ankers im Kreise, und zweier mit
Zinnen gekrönter Thürme, welche durch eine Mauer verbunden sind.

Das Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone (auch wohl Kaiser-Krone
genannt), Nr. 4, welches, zwar selten, doch namentlich bei alten
Zeichnungen schon in den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts vorkömmt,
und von unserm Meister in den zu der Verwendung geeigneten Sorten
besonders viel gebraucht ist, hat im Stirnreif der Krone fünf Perlen und
auf dem hohen verzierten Bügel ein Kreuz. Die Masse des Papiers ist
nicht so milchweiss wie bei demjenigen mit dem Ochsenkopf, sie fällt
etwas ins gelbliche und ist mit einer weniger dichten Drathform
geschöpft. -- Das Papier ist griffiger und bei den erhaltenen Rändern
gegen die Platte vorstehend.

Die Drathstriche sind sichtbar, aber in ihrem Abstände oft auf
demselben Bogen verschieden. Gewöhnlich findet man sie 13½ bis 14
Pariser Linien von einander entfernt, zuweilen nur 12½ und 13, dagegen
auch 15¼ Linien, letzteres jedoch selten.

Das Papier mit dem Reichsapfel und einem fünfstrahligen Stern darüber
als Wasserzeichen, Nr. 5, ist fest und hat 13¾, zuweilen auch 15 Linien
entfernte Drathstriche.

Dasjenige mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels, mit einem Kreuz
darüber, Nr. 6, ist besonders fest und in innerer Güte dem Kronen-Papier
ähnlich, es unterscheidet sich indeß von diesem dadurch, daß der Abstand
der Drathstriche nur 11½ Linien beträgt.

Das Papier mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 7, ist nicht
sehr fein von Masse, aber kernigt; die Drathstriche sind 13½ bis 14
Linien von einander entfernt.

Bei den Papieren, deren Wasserzeichen in zwei mit Zinnen versehenen
Thürmen besteht, welche ein durchbrochenes Stück Mauer, mit ein oder
zwei Spitzen darunter, verbindet, Nr. 8 und 9, findet man die Masse
fein, wenngleich nicht immer so rein, wie bei manchen der früheren
Sorten; die Entfernung der Drathstriche ist verschieden und beträgt 12,
13¼ auch 14 Linien.

       *       *       *       *       *

Das in der _dritten Periode_ fast ausschliesslich vorherrschende Papier
hat das Wasserzeichen eines kleinen Kruges mit einem Henkel.

In den allerletzten Lebensjahren Dürers kömmt noch das Wasserzeichen
eines Wappens mit zwei Lilien und einer großen Krone darüber, so wie das
ebenfalls mit einer Krone bedeckte Wappen von Nürnberg vor.

Das Papier mit dem Henkelkruge, Nr. 10 oder 10^a, ist von einer feinen
weißen Masse, nicht sehr dick, doch in sich fest. Seine Drathstriche
haben eine Entfernung von 12¾ bis 13¼ Pariser Linien.

Bei den _ersten Abdrücken_ Dürer’scher Blätter findet man dasselbe vor
dem Jahre 1520 nicht, dagegen kömmt es bei den späteren Abdrücken
mehrerer Platten aus früheren Perioden vor, welche, wenngleich weniger
kräftig als früher, der auf den Druck verwandten Sorgfalt nach, von
unsrem Meister selbst veranstaltet zu sein scheinen, vielleicht um den
auf der Niederländischen Reise abgesetzten Vorrath zu ergänzen. --
Vorzüglich trifft man es aber bei solchen Platten, deren Abdrücke früher
weniger in den Handel gekommen und in dem Reise-Tagebuche unter denen
auf derselben verkauften nicht verzeichnet sind.

Allgemeine Verwendung scheint dieses Papier aber nach Dürers Tode bei
dem Abziehen seiner Kupferplatten aus allen Perioden gefunden zu haben,
denn man findet dasselbe häufig bei Abdrücken, deren breite Papierränder
erhalten sind, welche aber den früheren Abdrücken, namentlich denen auf
Ochsenkopf- oder Kronen-Papier an Wärme und Frische der Farbe
wesentlich nachstehen. So hatte unter anderen ein großer Theil, der
durch breite Papierränder mehr, als durch die Schönheit des Drucks
ausgezeichneten Blätter der im Jahre 1853 in Leipzig verkauften
Ackermannschen Sammlung, Papier mit dem Wasserzeichen des Henkelkruges.

Das Wasserzeichen des mit einer Krone bedeckten Wappenschildes mit zwei
Lilien und einem gothischen ~b~ darunter, Nr. 11, ist auch in Hellers
Leben und Werke Albrecht Dürers, 2. Theil, pag. 46, abgebildet. Die
Drathstriche haben eine Entfernung von 11 Linien.

Das Papier mit dem Wappen von Nürnberg und einer Krone darüber, Nr. 12,
welches am frühesten auf einzelnen Bogen Dürer’scher Manuscripte auf der
Nürnberger Stadt-Bibliothek vorkommt, hat eine Entfernung der
Drathstriche von 13¾ Linien.

Die Papiere mit dem vorbemerkten Wasserzeichen 1 bis 12 glaube ich,
meinen Wahrnehmungen nach, als diejenigen bezeichnen zu dürfen, welche
Albrecht Dürer _in der Regel_ zu den von ihm selbst gemachten oder
besorgten Abdrücken seiner Kupferstiche und Radirungen verwendet hat,
welches indeß nicht ausschliesst: daß einzelne andere Papiere, ohne oder
mit abweichenden Wasserzeichen von ihm -- jedoch nur in einzelnen Fällen
-- gebraucht sein mögen.

Von einer Anzahl anderer Wasserzeichen, welche man in Abdrücken
Dürer’scher Platten antrifft, glaube ich dagegen bestimmt behaupten zu
können: daß solche Papieren angehören, welche erst nach Dürer’s Tode,
theilweise erst in späteren Zeiten, zu seinen Kupferstichen und
Radirungen verwendet wurden.

Die vorzüglichsten davon sind:

Der stehende Hund mit gestutzten Ohren, Nr. 13. Entfernung der
Drathstriche 13¼ Linien.

Zwei Thürme mit einem Mauerstück dazwischen, Nr. 14. Entfernung der
Drathstriche 11½ Linien.

Das Wappen der Stadt Schrobenhausen in Ober-Bayern, Nr. 15. Abstand der
Drathstriche 13 bis 13¾ Linien.

Das, dem der Stadt Nürnberg ähnelnde Wappen mit einem Mohrenkopfe
darunter, Nr. 16. Entfernung der Drathstriche 12¾ Linien.

Der doppelte Reichsadler mit einem Thurm, Nr. 17. Entfernung der
Drathstriche 12 Linien.

Das Wahrzeichen von Augsburg, der Kelch mit dem Tannzapfen
(Zirbel-Nuss), Nr. 18. Abstand der Drathstriche 16 Linien.

Auch auf diesen Papieren findet man ab und an einen guten Abdruck, doch
nur von einzelnen bis dahin weniger abgenutzten Platten. Einen Vergleich
mit früheren frischen Abdrücken halten sie indeß nicht aus.

Die Bestimmung der Papier-Sorte des einzelnen Abdrucks bietet übrigens
oft große Schwierigkeiten dar, denn in der bei weitem größeren Zahl der
in den Sammlungen vorhandenen Dürer’schen Blätter ist das Wasserzeichen
nicht zu sehen.

Ungeachtet der eifrigst darauf verwendeten Sorgfalt ist es mir bis jetzt
bei 23 Dürer’schen Blättern nicht gelungen, ein Wasserzeichen
aufzufinden, und in den vollständigsten der mir zugänglich gewesenen
Sammlungen beträgt die Zahl der Abdrücke mit sichtbarem Wasserzeichen,
die kleine Passion ausgenommen, nicht über Siebenunddreissig.

Wo aber das Wasserzeichen nicht sichtbar ist, entstehen große
Ungewißheiten dadurch: daß die sonstigen Kennzeichen des Papiers, die
Entfernung der Drathstriche und das innere Gewebe theils nicht gleich
sind, theils nicht immer wahrgenommen werden können.

Bei diesen alten Papieren kömmt es vor: daß auf einzelnen Bogen die
Drathstriche um 1 bis 3 Linien im Abstande verschieden, auch durch die
stärkere oder geringere Anfeuchtung behuf des Drucks verändert sind; das
Gewebe des Papiers aber ist durch das nur zu häufige Waschen und
Bleichen der Abdrücke, oder durch scharfes Pressen, oft bis zur
Unkenntlichkeit entstellt.

Daß aber in den Abdrücken so häufig kein Wasserzeichen vorhanden ist,
erklärt sich daraus: daß von manchen Platten zwei, von den meisten vier
auf einen Bogen gedruckt wurden. Dürer selbst unterscheidet in seinem
Tagebuche der Niederländischen Reise die »Ganz Pögen,« »Halb Pögen« und
»Viertels Pögen«. -- Von ersteren war ein ganzer Bogen zu einem Abdruck
erforderlich, und auf den großen Blättern findet man daher, besonders
wenn sie auf Ochsenkopf-Papier gedruckt sind, in der Regel das ganze
Wasserzeichen.

Bei den »Halb Pögen« konnte nur _ein_ Abdruck von zweien das
Wasserzeichen erhalten, bei den »Viertels Pögen« blieben aber jedesmal
zwei Abdrücke ohne Zeichen, und zwei erhielten nur einen Theil davon,
wobei das Meiste auf die Papierränder von ansehnlicher Breite fiel und
mit diesen fast allgemein verloren gegangen ist.

Man sieht daher bei den kleineren Blättern, wenn sie keinen breiten
Papierrand haben, vom Ochsenkopf höchstens die obere Blume oder die
untere dreieckige Spitze, von der hohen Krone den Stirnreif oder das
Kreuz.

Das Kronen-Papier scheint dabei von doppelter Größe gewesen zu sein,
denn man trifft die großen Blätter, welche meist auf diesem Papier
gedruckt sind, nicht selten ohne Wasserzeichen, jedoch auf Papier,
welches den übrigen Kennzeichen nach jenem ganz gleicht. Besonders ist
dieses bei den größeren Blättern aus der Periode von 1513 bis 1520 der
Fall, wo das Ochsenkopf-Papier von kleinerem Format nicht mehr verwendet
wurde. Man könnte veranlaßt werden zu vermuthen: daß Dürer in dieser
Periode Papier-Sorten ohne Wasserzeichen gebraucht hätte, wenn man nicht
bei den Holzschnitten sowohl, als bei den Handzeichnungen aus dieser
Zeit fast immer Wasserzeichen fände.

Bei dem Papiere mit dem Henkelkruge kommt noch der Umstand hinzu: daß
das sehr kleine Wasserzeichen sich nicht in der Mitte des Bogens,
sondern an der Seite befindet, und daher häufig mit dem Papierrande
verschwunden ist.

Da, wo ich auf den Abdrücken einzelner Blätter kein Wasserzeichen habe
wahrnehmen können, sind von mir die Entfernungen der Drathstriche, in
sofern sie sichtbar waren, angegeben, da solche immer einige
Anhaltspunkte gewähren.

Im Allgemeinen kann man bei Beurtheilung der Papier-Sorten als Regel
annehmen: daß die ältesten die festesten, oder doch von besonders
sorgfältig gewählter Masse sind. Ihre Drathstriche haben dabei eine
größere Entfernung von einander. Mit dem allmählichen Geringerwerden der
Güte der Masse schwindet auch in der Regel der Abstand dieser
Drathstriche, welcher von 16 Linien und darüber bis unter 11 Linien
herabsinkt.

Um nun auf die einzelnen Kupferstiche und Radirungen überzugehen, so
glaube ich, ohne die von Young Ottley[4] und Heller[5], auf eine meines
Erachtens nicht glückliche Weise, versuchte Bestimmung der Priorität
jedes einzelnen Blattes unternehmen zu wollen, doch -- als der Ersten
Periode angehörend -- die folgenden 30 Blätter bezeichnen zu dürfen, bei
deren Nummern ich, wie bei allen folgenden, diejenigen des Peintre
Graveur von Bratsch angenommen habe, welches Handbuch in Beziehung auf
Albrecht Dürer noch immer das sicherste bleibt. Dieses sind: B. Nr. 1,
2, 28, 29, 30, 34, 42, 44, 55, 56, 63, 68, 69, 75, 76, 78, 80, 81, 82,
83, 85, 86, 88, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 101. --

Young Ottley nimmt bei seiner Ordnung der Dürer’schen Blätter für diesen
ersten Zeitabschnitt eine weit größere Zahl (46 Blatt) an, da er ohne
genügenden Grund alle diejenigen Stiche dahin rechnet, denen die
Jahreszahl fehlt.

Dürer ist aber bei der Bezeichnung seiner Arbeiten in dieser Beziehung
durchaus nicht gleichmäßig verfahren.

Wenn auch die Kupferstiche, welche er nach der Rückkunft aus den
Niederlanden arbeitete, sämmtlich mit der Jahreszahl versehen sind, so
geschah dieses vor der Reise dorthin keinesweges unbedingt; wie solches
sich bei mehreren Kupferstichen, besonders auch durch die Bezeichnung
zahlreicher Skizzen und Zeichnungen, nachweisen läßt, welche
unverkennbar dieser zweiten Periode angehören. Auch der wiederholt
gemachte Versuch, durch die Form des Monogramms die Zeit der Anfertigung
bestimmen zu wollen, führt nur bei einigen der frühesten Blätter zu
einem genügenden Resultate.

Kein Meister ist wohl so verschieden wie Dürer in der Zeichnung seiner
Monogramme gewesen, welche -- obwohl durch einen gewissen allgemeinen
Character, bei einiger Uebung sehr wohl von den häufigen Nachbildungen
derselben zu unterscheiden -- besonders bei seinen Zeichnungen höchst
abweichend von einander sind, und häufig in Beziehung zu der mehr oder
minderen Ausführung der Arbeit stehen.

Auch Heller hat in seinen ersten beiden Abtheilungen, welche den von mir
angenommenen Zeitraum begreifen, 7 Blätter mehr als ich aufgeführt.
Ueber einige derselben kann die Ansicht zweifelhaft sein, doch werde ich
es bei den einzelnen Blättern versuchen, die Verweisung in die zweite
Periode zu rechtfertigen.

Zu dieser zweiten Periode zähle ich: B. Nr. 3 bis 18, 19 bis 26, 31 bis
33, 35 bis 41, 43, 48, 50, 53, 54, 57, 58 bis 62, 64 bis 67, 70 bis 74,
77, 79, 84, 87, 89, 90, 91, 98, 99, 100, 102.

Die dritte Periode enthält nur die Kupferstiche B. 46, 47, 49, 51, 52,
103, 104, 105, 106 und 107.

       *       *       *       *       *

Das Jahr, in welchem Albrecht Dürer zuerst in Kupfer gestochen hat, ist
bis jetzt nicht ermittelt; doch muß man annehmen: daß er -- als
Goldschmiedslehrling, mit der Kunst in Metall zu graben, bekannt
geworden -- durch die vortrefflichen Kupferstiche der Meister des
fünfzehnten Jahrhunderts schon früh veranlaßt gewesen sein wird, sich
selbst in der Kupferstecher-Kunst zu versuchen.

Da er bereits im Jahre 1498 das große Holzschnitt-Werk der Apokalypse
vollendet hatte, so ist es höchst wahrscheinlich, daß einzelne
Kupferstiche von ihm noch vor dieser Zeit gearbeitet sein werden,
wenngleich ich auf den gewöhnlich dafür angeführten Beweis, die
Jahreszahl 1497 auf dem Kupferstich der »Vier nackten Frauen«, B. 75,
ein zu großes Gewicht nicht legen möchte; da die Bemerkungen des Herrn
Dr. Nagler über dieses Blatt, im dritten Hefte seiner Monogrammisten,
pag. 168, Nr. 33, wohl beachtet zu werden verdienen.

Wenn der in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in Dresden vorhandene
Abdruck der Bekehrung Pauli wirklich, wie der verstorbene Director
Frenzel es darzuthun unternommen hat[6], von einer Kupferplatte Albrecht
Dürer’s herrührt, so möchte dieses allerdings wohl der erste Versuch
gewesen sein.

Obgleich einige Verwandtschaft dieser Bekehrung Pauli mit einzelnen
Figuren und Anordnungen der Apokalypse zugegeben werden muß, auch
ähnliche Reutergestalten auf einer früheren Zeichnung Dürer’s vom Jahre
1489 in der Sammlung der Kunsthalle in Bremen vorkommen, so läßt doch
eine gewiße widerwärtige, dem Dürer sonst nicht eigene Rohheit dieses
Blattes und die Schwäche der Landschaft, namentlich der Architectur in
derselben, gerechten Zweifeln Raum.

Besonders möchte auch schwer zu erklären sein: wie die Zartheit der
Kupferstiche des Meisters vom Jahre 1466 und des Martin Schongauer gar
keinen Einfluß auf den angehenden Künstler ausgeübt haben sollten.

Ist diese Platte wirklich von Dürer gestochen, so muß es in sehr jungen
Jahren geschehen sein, denn im Jahre 1494 bewies er sich schon in der
schönen Zeichnung, durch welche er seine Aufnahme als Meister bewirkte,
jetzt in der kostbaren Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg, als
einen Künstler von so feinem Naturgefühl und so genauem Studio des
Landschaftlichen, daß er einen Stich, wie den der Bekehrung Pauli, gewiß
nicht mehr gearbeitet haben würde.

Der Abdruck in Dresden ist restaurirt und aufgezogen, daher ich über das
dazu verwandte Papier keine Beobachtungen zu machen im Stande gewesen
bin.

Zu den frühesten Dürer’schen Stichen gehört jedenfalls auch der große
Courier, B. 81, wenn er überall von der Hand unseres Meisters herrührt,
worüber -- wohl nicht ohne Grund -- bedeutende Zweifel obwalten.

Einige Uebereinstimmung mit diesem, besonders aber mit der vorhin
erwähnten Zeichnung vom Jahre 1489 hat das von Bartsch unter Nr. 92 »le
Violent« genannte Blatt, welches auch ohne Monogramm ist und jedenfalls
zu den Erstlingen seiner Leistungen als Kupferstecher gehört.

Der nur in Contouren angelegte Hintergrund der Landschaft und die eckige
Behandlung des Strauchwerks sind Eigenthümlichkeiten, welche auf der
erwähnten Zeichnung ebenfalls vorhanden sind, auf späteren Stichen
Dürer’s so aber nicht wieder vorkommen.

Diesem Stiche dürfte sich am nächsten, B. 44, »die heilige Familie mit
dem Schmetterlinge« (richtiger der Heuschrecke) anschließen, welcher
ebenfalls dem 15. Jahrhunderte angehören muß, da Israel von Meckem,
welcher 1502 starb, davon eine Copie gestochen hat.

Der Form des Monogramms nach wird die »Liebes-Erbietung«, B. Nr. 93,
etwa auf das vorstehende Blatt folgen; hier finden wir bei mancher
Rohheit des Stiches doch schon eine größere Ausbildung der Landschaft
und auch eine sorgfältigere Behandlung der Gesträuche.

Weiter die Priorität der einzelnen Stiche mit einiger Sicherheit zu
verfolgen, halte ich für sehr schwierig, und ziehe es, besonders auch
der bequemen Uebersichtlichkeit wegen, vor, meine Bemerkungen über die
einzelnen Blätter nach den Nummern des Peintre graveur von Bartsch
folgen zu lassen.



B. Nr. 1. Adam und Eva. 1504.

Dieses vollendete Blatt gilt mit Recht für einen der vortrefflichsten
Kupferstiche unsers Meisters, wie seiner Zeit, auch hat er selbst es
besonders hoch gehalten, da Abdrücke davon am häufigsten unter den
zahlreichen Geschenken vorkommen, welche Albrecht Dürer -- seinem
Tagebuche von der Reise nach den Niederlanden zufolge -- auf dieser
gemacht hat.

Auf keinen seiner Kupferstiche ist indeß von ihm auch so viel Sorgfalt
verwendet. -- Verschiedene Federzeichnungen und Studien zu den einzelnen
Theilen sind noch vorhanden und Dürer hat bei dem allmählichen
Fortschreiten der Arbeit wiederholt Probedrucke von der Platte genommen,
von denen noch drei Exemplare erhalten sind.

Zwei dieser unvollendeten Abdrücke, früher im Cabinet Durand, befinden
sich in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien, den dritten, aus
der Sammlung Verstolck, bewahrt das Printroom des Britischen Museums.

Auf diesen Probedrücken ist die ganze Anlage des Stiches in den
zartesten aber sichersten Umrissen vorhanden, während die Ausführung nur
in einzelnen Theilen, weniger oder mehr fortgeschritten ist.

Dürer hat dabei von der rechten Seite der Platte nach der linken
gearbeitet, zuerst den Hintergrund oben bis zur Eva, wie einige der
Thiere, und die Beine des Adam von den Hüften an, nach einander,
ausgeführt.

Kein Blatt von Dürer findet man so häufig wie dieses in schönen, oft
vortrefflichen Abdrücken. Die aller frühesten derselben sind -- neben
tiefer Schwärze der Farbe -- an einer besonderen Schärfe der Umrisse und
der Grabstichel-Lagen erkennbar, welche letztere am Halse und der Backe
der Eva fast die Harmonie beeinträchtigen, bei späteren Abdrücken
dagegen immer milder werden.

Auf einem der ersten dieser Abdrücke, welcher mir vorliegt, sieht man
noch die leise Spur zweier Ausgleitungen des Grabstichels, auf der
linken Lende der Eva und einer auf der rechten Lende, welche später
nicht mehr wahrzunehmen sind.

Höchst selten trifft man diesen Kupferstich in vollendeter Erhaltung des
Papiers; selbst in den berühmtesten Sammlungen sieht man geflickte oder
unterlegte Exemplare.

Diese Zerbrechlichkeit liegt unstreitig in der Feinheit des Papiers mit
dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes Nr. 1, welches ich ausschließlich bei
_alten_ Drucken dieses Blattes angetroffen habe, und ich halte diese für
den hauptsächlichsten Grund, weshalb Dürer späterhin, namentlich bei
seinen großen Blättern, das weit haltbarere Papier mit dem Wasserzeichen
der hohen Krone zu verwenden pflegte.

Die Platte ist übrigens späterhin noch abgedruckt, denn ich habe matte
Abzüge auf Papier mit dem Wasserzeichen zweier verbundener Thürme, wie
einzelne recht schlechte Abdrücke des stark abgenutzten Kupfers
angetroffen.


B. Nr. 2. Die Geburt Christi 1504.

Weit seltner als das vorhergehende Blatt, ist dieser in schönen Drücken
höchst malerische Stich, von Dürer als »die Weihnachten« bezeichnet und
von ihm ebenfalls zu Geschenken verwandt.

Die ausgezeichneten Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes Nr. 1.


B. 3 bis 18. Das Leiden Christi.

Christus am Fuße des Kreuzes von den Seinen beweint, vom Jahre 1507, B.
14, ist der erste Stich, welchen Dürer nach seiner Rückkunft von Venedig
gearbeitet hat, daran reihen sich die im Jahre 1508 gestochenen
»Christus im Oelgarten«, und »die Gefangennehmung«, B. 4 und 5, »der
Schmerzensmann« vom Jahre 1509, B. 9, »die Kreuzigung« vom Jahre 1511,
B. 13, die Blätter B. 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 15, 16 und 17 vom Jahre
1512, endlich B. 18 vom Jahre 1513.

Vergleicht man die einzelnen Blätter unter einander, so tritt das
älteste, B. 14, wesentlich gegen die übrigen zurück, wogegen die Stiche
vom Jahre 1508 mit zu den schönsten der ganzen Folge gehören, übrigens
sind auch unter den Blättern vom Jahre 1512 einige, z.B. B. 7, 8 und 11,
welche in malerischer Wirkung der Abdrücke gegen die übrigen
zurückstehen.

Dürer hat ohne Zweifel einzelne Stiche dieser Folge verkauft, ehe das
ganze Werk vollendet war, auch scheinen mehrere der Blätter, namentlich
B. 3, 13 und 17, welche sich besonders zu dem damals gebräuchlichen
Einlegen in die Gebetbücher eigneten, bedeutend häufiger als die übrigen
abgedruckt zu sein, da in den vollständigen Exemplaren dieser Folge,
auch in den sonst gleichmäßigsten, diese drei Stiche häufig matter zu
sein pflegen als die übrigen. Eine Ausnahme davon macht indeß das
wundervolle Exemplar in der Königlichen Kupferstich-Sammlung in
Copenhagen, wo grade diese Abdrücke fast die schönsten sind.

Dieses schöne Werk, von Dürer in seinem Tagebuche »die Passion in
Kupffer« genannt und für 10 Stüber (einen halben holländischen Gulden)
verkauft, hat sich vielfach in guten Abdrücken bis auf unsere Zeiten
erhalten, zu den Seltenheiten gehören indeß _ganz gleichmäßige_
Exemplare.

Einzelne sehr schöne Abdrücke findet man auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich bei den guten recht
gleichmäßigen Abdrücken _des ganzen Werkes_ in der Regel immer Papier
mit der hohen Krone angetroffen, und glaube daher: daß diejenigen von
Dürer auf seiner Reise in den Niederlanden verkauften, nach seinem
Tagebuche recht zahlreichen Exemplare, auf diesem Papier abgedruckt sein
werden.

Das Berliner Kupferstich-Cabinet und die vortreffliche Dürer-Sammlung
des Herrn Commeter in Hamburg bewahren wohlerhaltene besonders
gleichmäßige Exemplare auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels
mit Stern, Nr. 5, doch sind solche in Farbe nicht ganz so kräftig, wie
die vorhin bezeichneten auf Ochsenkopf- oder Kronen-Papier.

In anderen Sammlungen findet man auch wohl gleichmäßige aber schwächere
Abdrücke, welche einer späteren Zeit angehören. So kommen auf Papieren
mit dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, oder der Thürme mit Mauer, Nr.
14, ganze Folgen manchmal mit breitem Papier-Rande vor, welche aber in
Kraft den früheren Abdrücken weit nachstehen. Die Platten sind überhaupt
bis auf das äußerste abgenutzt worden, wie die ansehnliche Zahl völlig
werthloser Abdrücke beweist, welche sich in manchen Sammlungen
umhertreiben.


B. 19. Christus im Gebet im Oelgarten. 1515.

Dieses ist eine sehr häufig vorkommende Radirung, da die Platte sich bis
auf die neueste Zeit erhalten hat und zuletzt im Besitze von Heller
war[7]. Die alten reinen, ganz rostfreien Abdrücke auf Papier von feiner
weißer Masse mit einem Abstande der Drahtstriche von 13½ Linien oder mit
dem Wasserzeichen der zwei verbundenen Thürme sind indeß selten.

Die neueren Abdrücke trifft man oft schwarz und voller Rostflecke, die
Papiere derselben sind von geringer Güte.

B. 20. Der Mann der Schmerzen mit ausgebreiteten Armen.

Ein schönes, in recht kräftigen Abdrücken, sehr seltenes Blättchen,
welches Heller mit Unrecht zu den früheren Arbeiten Dürer’s rechnet.
Es unterscheidet sich von diesen durch die sorgfältigere, durchgebildete
Behandlung des Vorgrundes und ich möchte, nach der großen
Uebereinstimmung in Gefühl und Ausdruck mit dem folgenden Blatte,
glauben: daß es nicht früher als dieses gearbeitet sein wird.

Der größere Theil der schönen Abdrücke ist auf Papier mit der hohen
Krone, doch habe ich auch einzelne auf Ochsenkopf-Papier angetroffen.


B. 21. Der Mann der Schmerzen mit gebundenen Händen. 1512.

Dieses, durch den tiefen leidensvollen Ausdruck höchst ergreifende, mit
der kalten Nadel gearbeitete, oder geritzte[8] Blatt, ist in schönen
Abdrücken höchst selten und kommt in voller Kraft und Wärme nur in sehr
wenigen Sammlungen vor. Die besseren Abdrücke sind auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, die späteren werden zuletzt, fast bis
zur Unkenntlichkeit, matt.


B. 22. Der Mann der Schmerzen sitzend. 1515.

In ersten, ganz reinen Drucken gehört diese Radirung zu den größten
Seltenheiten, ist dann aber so schön, wie eine Federzeichnung Dürer’s.

Ein solches Exemplar wird dem Herrn Dr. Nagler nicht vorgelegen haben,
wenn er, im dritten Hefte seiner Monogrammisten, pag. 158 und 159,
dieses Blatt, verglichen mit der mit dem Monogramm und der Jahreszahl
1510 bezeichneten Copie, für eine Nachbildung, jene aber für das
Original zu halten geneigt ist. Eine Vergleichung guter Abdrücke von
beiden läßt, meines Erachtens, an der Ursprünglichkeit der mit der
Jahreszahl 1515 bezeichneten Radirung durchaus nicht zweifeln, auch
stimmt hiermit überein: daß Dürer erst nach seiner im Jahre 1515 nach
Augsburg unternommenen Reise die Aetzkunst ausgeübt hat[9]. Die ersten
Abdrücke dieser Platte sind auf sehr festem Papier, dessen Drahtstriche
eine Entfernung von 13¼ bis 13½ Linien haben.

Auch von diesem Blatte, wie von der vorher bezeichneten Copie, giebt es
zahlreiche spätere Abdrücke mit Rostflecken und Schmutz.


B. 23. Die Kreuzigung oder der Degenknopf.

Von den kleinen eminent seltnen Kupferstichen Dürer’s kommt dieses
berühmteste seiner Blätter noch am ersten, auch in Privat-Sammlungen,
vor.

Das Original ist jetzt, durch die von dem um die Kunst hochverdienten
Inspector Passavant angegebenen Merkmale leicht zu erkennen.

Ich habe davon 18 Exemplare in Händen gehabt, darunter 5 in Wien, ohne
jedoch im Stande gewesen zu sein: mit Sicherheit über das dazu verwandte
Papier ein Urtheil zu fällen.

Der Festigkeit desselben nach glaube ich darin das Papier mit dem
Wasserzeichen der hohen Krone zu erkennen, auch möchte dieser
vortreffliche Stich wohl in die Periode von 1510 bis 1514 zu setzen
sein.

Die Abdrücke sind ziemlich gleichmäßig, nie sehr voll in Farbe, einige
sind indeß matter, auch wohl verwischt.

Die Copie A nach Passavant, nach Bratsch das Original, ist fast eben so
selten als das vorstehende Blättchen; in der Detmold’schen Auction wurde
dieselbe mit 60 Thlr. bezahlt.

Die Abdrücke sind weniger gleich und manchmal gering.

Uebrigens ist die gestochene Silberplatte, von welcher die
Original-Abdrücke herrühren, ursprünglich nicht für die Vervielfältigung
auf Papier bestimmt gewesen und gearbeitet. Dieses beweiset: daß in den
Abdrücken nicht nur die Schrift am Kreuze INRI verkehrt erscheint,
sondern auch die ganze Composition, gegen alle anderen Darstellungen der
Kreuzigung durch Dürer, eine entgegengesetzte Anordnung zeigt; indem
hier Johannes links vom Kreuze und die Mutter rechts von demselben
stehen, während sonst stets das Umgekehrte stattfindet.

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß diese Platte zur Verzierung des
Schwertes Kaiser Maximilians gedient hat und auch von Dürer zu diesem
Zwecke gestochen ist. Inzwischen hat sie nicht den Knopf desselben
geziert, sondern den Handgriff.

Dieses reich gearbeitete Kaiser-Schwert ist noch jetzt in der Ambraser
Sammlung in Wien vorhanden, und der rund geformte Knopf desselben bietet
keinen Platz für eine solche Platte, wohl aber der umfangreiche an
beiden Seiten flach gearbeitete Handgriff. Auf der einen dieser Seiten
ist in der Mitte ein etwas kleineres Rund mit dem auf das sauberste in
Email gearbeiteten Wappenschilde eingelassen, auf der andern Seite aber
war dieses Crucifix eingefügt, wie der auf das genaueste mit dem Umfang
desselben übereinstimmende Rand einer geringen Vertiefung beweist.

Diese Vertiefung ist gegenwärtig durch ein altes in Silber getriebenes
Schaustück, ungefähr gleicher Größe, ausgefüllt, anscheinend
byzantinischer Arbeit, welches aber weder zu dem Styl, noch zu den
übrigen Verzierungen des Schwertes, noch genau in den Rand der
Vertiefung paßt und augenscheinlich später, nur mangelhaft, eingesetzt
ist. Nach mündlichen Ueberlieferungen soll die Dürer’sche Platte, ihrer
Schönheit wegen, schon in früheren Zeiten aus ihrem ursprünglichen
Platze herausgenommen und in die Kaiserliche Schatzkammer in Wien
gebracht sein, aus welcher sie indeß spurlos verschwunden ist[10].


B. 24. Christus am Kreuze sterbend. 1508.

Von diesem Stich, welchen Dürer »das Creuz« benennt und in seinem
Tagebuche mehrfach erwähnt, habe ich einzelne Abdrücke von ganz
bewundernswürdiger Kraft und Wärme gesehen. Sie sind auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch kommen auch sehr gute Abdrücke auf
Kronenpapier vor. Das Blatt muß sehr beliebt gewesen sein, denn man
findet Abdrücke von der schon sehr abgenutzten Platte, auf Papiersorten,
welche noch der Lebens-Periode Dürer’s angehören.


B. 25. Das von zwei Engeln getragene Schweisstuch. 1514.

Dieser schöne Stich wird von Dürer in seinem Tagebuche als »die
Veronicam« bezeichnet. Er ist nicht häufig, besonders in vollkommen
schönen Abdrücken. Das Papier mit Entfernung der Drahtstriche von 13½
Linien, entspricht demjenigen mit dem Wasserzeichen der hohen Krone.


B. 26. Das Schweisstuch, von einem Engel in die Luft gehalten. 1516.

Nicht so häufig als B. 19 ist diese Radirung, doch kann man nur die
ersten, ganz rostfreien Abdrücke als selten bezeichnen. Ihr Papier ist
weiss und fest, mit einer Entfernung der Drahtstriche von 13 Linien.

Spätere Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen der
verbundenen Thürme, Nr. 14, mit nur 11 Linien Abstand der Drathstriche.


B. 27. Die Dreieinigkeit,

übergehe ich, als eine entschiedene Arbeit _nach_ Dürer von fremder
Hand.


B. 28. Der verlorene Sohn.

Ein schönes und sehr beliebtes Blatt, zu welchem sich der nur theilweise
ausgeführte Entwurf mit der Feder im Printroom des British Museums
befindet. Es wird schon von Vasari rühmend erwähnt, welcher besonders
die schönen Baulichkeiten hervorhebt.

Unter den großen Blättern, welche Dürer in seinem Tagebuche der Reise
nach den Niederlanden namhaft gemacht hat, kömmt dieser Stich nicht vor,
auch sind die frühesten Abdrücke mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes
oder des Reichsapfels, Nr. 5, sehr selten.

Man erkennt die ersten davon daran: daß links oben in der Luft von der
Einfassungslinie bis auf die Dächer der Häuser, so wie unten rechts
durch die Schweine mehrere perpendikuläre Kritzeln der Platte fast
störend sichtbar sind, welche bei den bessern späteren Abdrücken noch
wahrgenommen werden, dann aber immer mehr verschwinden. Die Platte muß
übrigens sorgfältig erhalten sein, denn es kommen von diesem Stich,
welcher der ersten Periode Dürer’s angehört, noch gute Abdrücke mit den
späteren Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, des stehenden Hundes, Nr. 13,
der Thürme mit Mauer, Nr. 14, auch des Wappens der Stadt Schrobenhausen,
Nr. 15, vor.


B. 29. Die heilige Anna und die Jungfrau.

Dieses liebliche Blättchen, in recht schönen Abdrücken nicht häufig, hat
dann Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, man findet es indeß
auch auf Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges.

Die späteren Abdrücke sind oft sehr abgenutzt und kraftlos.


B. 30. Die Jungfrau mit langem Haar.

In den recht vollen und warmen Abdrücken ist dieser Stich ausnehmend
schön, aber man sieht ihn so nur höchst selten. Selbst in den klaren,
weniger kräftigen Abdrücken ist er nicht häufig.

Ich habe diese Platte, übereinstimmend mit Heller, unter die Arbeiten
der ersten Periode aufgenommen, doch scheint sie erst später häufiger
zum Abdruck gekommen zu sein.

Nur selten findet man einen Abdruck mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes im Papier, dagegen sehr schöne auf Papier mit der hohen
Krone. -- Spätere gute aber weniger kräftige Abdrücke haben Papier mit
dem Wasserzeichen des Kruges.


B. 31. Die Jungfrau mit der Sternen-Krone. 1508.

Dieses Blatt kömmt zuweilen in außerordentlich kräftigen Abdrücken auf
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes vor, jedoch selten. Sie
haben Kritzeln in der Kupferplatte und Plattenschmutz rechts unten neben
dem Monogramme. Andere gute Abdrücke haben Papier mit 13½ Linien Abstand
der Drahtstriche. Dieser Stich scheint, wie alle die kleinen Madonnen
Dürer’s, welche auch von Vasari besonders rühmend erwähnt werden, schon
früh starken Absatz gefunden zu haben, denn man findet Abdrücke der
schon sehr abgenutzten Platte auf alten, guten Papieren.


B. 32. Die Jungfrau mit Sternen-Krone und Scepter. 1516.

Die alten kräftigen Abdrücke haben ein sehr festes Papier, dessen
Drathstriche 13¼, auch 13¾ Linien von einander entfernt sind.


B. 33. Die Jungfrau mit kurzem Haar. 1514.

Das Blatt gehört nicht zu den eigentlich seltenen, doch trifft man davon
nicht häufig die recht warmen, harmonischen, dann aber sehr schönen
Abdrücke auf Papier mit 14 bis 14¼ Linien Entfernung der Drathstriche.

Einige ausgezeichnete Abdrücke kommen auch auf Papier vor, welches sehr
fest ist, dessen Drathstriche aber nur 13¼ Linien entfernt sind.


B. 34. Die das Kind säugende Jungfrau. 1503.

Einer der frühesten Stiche, welchen Dürer mit der Jahrszahl bezeichnete
und der von Vasari an der Spitze der Dürer’schen Kupferstiche gerühmt
wird.

Der Stich ist in den seltenen ersten Abdrücken sehr kräftig und schön,
auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Auch auf Papier mit
der hohen Krone kommen einzelne gute, jedoch weniger warme Abdrücke vor.
Die späteren Abdrücke sind meist matt und schlecht.

Das Berliner Kupferstich-Cabinet bewahrt einen Probedruck dieses
Blattes, welcher noch nicht das Täfelchen mit der Jahreszahl hat.


B. 35. Die sitzende Jungfrau, welche das Kind an sich drückt. 1513.

Die Composition dieses Blättchens, von dem man sehr schöne und warme
Abdrücke trifft, könnte zu der Vermuthung führen, daß unser Meister von
dem schönen Gemälde Raphaels -- die Madonna del palazzo Tempi --
Kenntniß gehabt habe.

Die mir durch die Hände gegangenen Abdrücke hatten ein Papier mit 13¼
und 14 Linien Entfernung der Drathstriche, wovon das letztere, der Masse
nach, das Wasserzeichen der hohen Krone vermuthen ließ.


B. 36. Die Jungfrau mit dem Kinde an der Brust. 1519.

Bartsch las die Jahreszahl irrthümlich 1512, welches schon Heller
berichtigt. Dieser Stich hat nur selten so kräftige und volle Abdrücke
gegeben, wie viele der früheren Grabstichel-Arbeiten Dürer’s.

Die guten alten Abdrücke haben ein sehr festes Papier mit 13¼, 13¾, auch
14 Linien Abstand der Drahtstriche, letzteres anscheinend Kronenpapier.


B. 37. Die Jungfrau von einem Engel gekrönt. 1520.

Dieses, wie das folgende Blatt, gehört zu den letzten Arbeiten Dürer’s
vor der Reise nach den Niederlanden und beide werden von ihm in seinem
Tagebuche »die zwei neuen Marienbildt« genannt.

Man hat von dieser Platte schöne, scharfe, jedoch selten sehr warme
Abdrücke, ich habe solche nur auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Kruges, Nr. 10, angetroffen, und wäre es möglich, daß Dürer dieses von
ihm nach der Rückkehr aus den Niederlanden zu seinen Kupferstichen fast
ausschließlich verwandte Papier in dem Jahre 1520 zuerst in Gebrauch
genommen hätte.


B. 38. Die Jungfrau mit dem gewickelten Kinde. 1520.

Weit vollere harmonische Abdrücke, wie von dem vorhergehenden, findet
man von diesem Stich, sie sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes oder auch des Kruges.

Geringere Abdrücke sind von dieser Platte weniger selten als von B. 37.


B. 39. Die Jungfrau von zwei Engeln gekrönt. 1518.

Die Abdrücke dieses Blattes sind in der Regel gut, man trifft aber
einzelne von besonderer Schönheit, kräftig und silbertönig. Das Papier
habe ich mit einer Entfernung der Drathstriche von 12¾ und 13½ Linien,
einmal auch mit dem Wasserzeichen der durch eine Mauer verbundenen
Thürme gefunden.


B. 40. Die Jungfrau am Fusse einer Mauer sitzend. 1514.

Die Behandlung dieser ernsten, schönen Composition erinnert sehr an den
berühmten Stich der Melancholie von demselben Jahre. Die vorzüglichen
Abdrücke sind, wie bei dieser Platte, mehr durch Zartheit und Harmonie,
als durch große Kraft und Schwärze der Farbe ausgezeichnet. Ich habe bei
diesen ein sehr festes Papier getroffen, dessen schwer kenntliche
Drathstriche 13¼ Linien von einander entfernt waren.


B. 41. Die Jungfrau mit der Birne. 1511.

Der hübsche Stich ist nicht selten, in schönen, wohlerhaltenen
Exemplaren jedoch sehr gesucht. In England traf ich, zur Zeit der
Kunst-Ausstellung in Manchester, auffallend oft schöne Abdrücke davon.
Die vorzüglichsten haben das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, auch
zuweilen dasjenige des Ankers im Kreise, Nr. 7, sonst ein festes Papier
von feiner Masse und 14¼ bis 14¾ Abstand der Drathstriche.


B. 42. Die Jungfrau mit dem Affen.

Heller setzt diesen Kupferstich unter die Arbeiten Dürer’s aus der
Periode von 1500 bis 1506, und es ist nicht zu läugnen: daß derselbe in
Behandlung der Kräuter im Vorgrunde an ältere Stiche unsers Meisters,
namentlich an die Jungfrau mit der Heuschrecke, B. 44, erinnert; auch
spricht dafür die davon durch Marc Anton gestochene, noch mit dem
Monogramm Dürer’s bezeichnete Copie.

Auffallend ist indeß dabei: daß das hohe Haus in der Landschaft
unzweifelhaft einer colorirten Studie nach der Natur entnommen ist,
welche jetzt im British Museum in dem Privat-Zimmer des Directors des
Printroom hängt, und von Dürer’s Hand bezeichnet »weyß Hauß« ganz mit
den colorirten Naturstudien übereinstimmt, welche noch von unsers
Meisters Reise nach Italien erhalten sind.

Das Blatt ist in den nicht häufigen, zuweilen aber besonders schönen
Abdrücken, welche am frühesten auf Papier mit dem Ochsenkopf, sonst auch
mit der hohen Krone, vorkommen, ein besonderer Liebling der Sammler.

Bei der ungewöhnlichen Höhe der Platte, von 7 Zoll, findet man mehrfach
Abdrücke, welche unten um fast zwei Linien, bis nahe an den Fuß des
Monogramms verschnitten sind, wodurch der Büschel des Affenschwanzes
verloren gegangen ist, wahrscheinlich um dieses Blatt in den alten
Klebe-Büchern mit andern von gleicher Grösse, wie B. 2 und 26
auszugleichen. -- Die mehrfach geäußerte Ansicht: daß die Kupferplatte
späterhin um so viel verschnitten sei, beruht indeß auf einem Irrthume,
denn es kommen matte Abdrücke von der sehr abgenutzten Platte vor,
welche die normale Größe haben.

Dieser Stich gehört übrigens zu denen, deren Abdrücke unserm Meister
nicht immer gelungen sind, es giebt davon alte sehr kräftige Drucke,
welche, ohne sichtlich bei dem Durchlaufen durch die Presse verschoben
zu sein, doch Klarheit und Reinheit vermissen lassen.


B. 43. Die heilige Familie.

Auch dieses geritzte Blatt setzt Heller in die Periode vor der
Italienischen Reise, mir scheint indeß diese vielleicht nur auf das
Fehlen des Monogramms und der Jahrszahl begründete Angabe höchst
unwahrscheinlich, da alle übrigen Arbeiten Dürer’s mit der kalten Nadel
in die Jahre 1510 und 1512 fallen.

Vollkommen schöne Abdrücke dieses, dann sehr malerischen Blattes,
gehören zu den allergrößten Seltenheiten. Die ersten erkennt man an der
vollkommenen Reinheit der Platte von allen Kritzeln, und der großen
Deutlichkeit der nur leicht angeritzten Landschaft mit Gebäuden auf
einem Berge im Hintergrunde, es giebt indeß von diesem ersten Etat
einzelne Abdrücke, welche, vielleicht in Folge zu starken Abputzens der
Platte vor dem Druck, nicht die malerische Wirkung einzelner schöner
Abdrücke des zweiten Etats haben. -- Diese zweiten Drücke erkennt man an
einem Nadelkritzel in der Platte, welcher in schräger Richtung auf dem
Gesichte der Jungfrau den untern Theil der Nase und den linken
Mundwinkel berührt. -- Die früheren Abdrücke dieser Art, bei denen die,
später immer undeutlicher werdende, Landschaft im Hintergrunde noch
vollkommen klar ist, sind an Grabstichel-Versuchen kenntlich, welche
sich oben links in der Platte befinden.

Die späteren Abdrücke haben mehrere Kritzeln, welche in verschiedenen
Richtungen rechts unten das Holzwerk der Rasenbank, so wie das Gesicht
und den Bart Josephs, auch die Stirn des Christus-Kindes durchschneiden.
Solche Abdrücke kommen schon auf Papier mit dem Wasserzeichen der
verbundenen Thürme, Nr. 14, und 11 Linien Abstand der Drathlinien vor.
-- Die spätesten Abdrücke sind grau und rußig, auch nicht selten.

Die schönsten mir bekannten Exemplare dieses vortrefflichen Blattes
sind im Städel’schen Institute in Frankfurt a.M., dem Königl.
Kupferstich-Cabinet in Berlin, der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in
Wien und in dem Print-room des British Museum.


B. 44. Die heilige Familie mit dem Schmetterlinge, richtiger mit der
Heuschrecke (Libelle).

Dieses bereits in der Einleitung erwähnte Blatt bleibt in Beziehung auf
den Erfinder der Composition immer ein zweifelhaftes, doch muß der Stich
schon von Marc Anton für eine Arbeit Dürer’s erkannt sein, da er
denselben mit dem Dürer’schen Monogramm copirt hat. Jedenfalls ist es
eine der frühesten Grabstichel-Arbeiten unsere Meisters.

Auffallend bei dieser Platte ist der sehr sichtbare Ausrutsch des
Grabstichels über dem Kopf der Maria, welcher sich auf den alten, wie
auf den neueren Abdrücken findet. Bei der bekannten großen Sorgfalt
Dürer’s möchte man aus der nicht geschehenen Entfernung dieses
Mißstandes schließen: daß die Platte nicht in seinen Händen geblieben
wäre, auch erwähnt er derselben in seinem Tagebuche nirgends, hat also
Abdrücke davon auf seine Niederländische Reise wohl nicht mitgenommen.

Es kommen übrigens einzelne frühe schöne Abdrücke auf Papieren mit den
Wasserzeichen des Ochsenkopfes und des gothischen ~P~, Nr. 3, vor;
überhaupt ist das Blatt nicht selten. Die späteren Abdrücke erkennt man
an dem schwächeren Schatten auf der rechten Backe der Jungfrau, welches
der Verfasser des Cataloges der Sammlung von H. Weber -- Leipzig 1855 --
irrthümlich als Merkmal eines premier étât bezeichnet hat. Solche
Abdrücke haben fast immer Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden
Hundes, Nr. 13, und einer Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien,
welches bei Dürer’schen Holzschnittblättern vom Jahre 1527 vorkommt, bei
Abdrücken von Kupferstichen, welche bei Dürer’s Lebzeiten genommen sind,
von mir aber nie angetroffen ist.

Bei einzelnen Abdrücken findet man auch Papier mit dem Wasserzeichen des
Reichsapfels, die neuesten haben zahlreiche Kritzeln in der
Kupferplatte.


B. 45. Die Jungfrau am Thor,

ist eine anerkannt Italienische Grabstichel-Arbeit nach Dürer, welches
man auch schon an dem volleren, etwas weicheren, von den Deutschen
Sorten abweichenden Papiere derselben erkennen kann.

Passavant hält Marc Anton für den Meister derselben.


B. 46 bis 50. Die fünf Apostel.

Diese schönen Blätter sind besonders häufig abgezogen und finden sich
fast in allen Sammlungen Dürer’scher Drucke, oft in mehreren Exemplaren.
Höchst sparsam sind aber recht volle, kräftige Abdrücke, noch seltner
alle fünf Blätter von ganz gleicher Güte, welches durch die
Verschiedenheit der Jahre, in welchen Dürer sie arbeitete, erklärlich
wird.

Die Folge in der Sammlung des Städel’schen Instituts in Frankfurt a.M.
ist in dieser Beziehung wohl eine der schönsten.

St. Thomas und St. Paulus, welche im Jahre 1514 gestochen wurden, findet
man bei sehr kräftigen Drucken auf einem sehr festen, der Masse und der
Entfernung der Drathstriche nach, auf das Wasserzeichen der hohen Krone
deutendem Papiere. Bei den im Jahre 1523 gestochenen St. Bartholomaeus
und St. Simon, so wie bei dem St. Philipp vom Jahre 1526 ist das Papier
feiner, mit Entfernung der Drathstriche von 12¾ bis 13¼ Linien, dem
vorherrschenden Papiere dieser Periode mit dem Wasserzeichen des Kruges
entsprechend. Das gleiche Papier kömmt auch häufig bei allen fünf
Blättern vor.

Ein Wasserzeichen in einem der Abdrücke zu entdecken hat mir, ungeachtet
der außerordentlich großen Zahl deshalb geprüfter Blätter, bisher nicht
gelingen wollen.


B. 51 und 52. Der heilige Christoph mit umgewandten Kopf, und derselbe
Heilige mit dem Christus-Kinde, beide vom Jahre 1521.

Mit Recht beliebt und viel verbreitet sind diese ersten Stiche unsere
Meisters nach seiner Rückkehr von der Niederländischen Reise. Man
erkennt darin, daß diese, und namentlich die nähere Bekanntschaft mit
den Arbeiten des Lucas und Leyden, nicht ohne Einfluß auf Dürer’s
Handhabung des Grabstichels geblieben ist.

Vasari nennt diese Blättchen sehr schön (bellissimi), und lobt
vorzüglich die Grabstichelführung in allen Theilen, besonders den
gelockten Haaren.

Wie bei allen Stichen, welche der letzten Periode unsers Meisters
angehören, zeichnen sich die alten schönen Abdrücke mehr durch Weichheit
und Harmonie, als durch tiefe Kraft der Farbe aus. Beide Blätter sind
nicht selten und bei den guten Abdrücken findet man das feine Papier mit
12¾ bis 13¼ Linien Abstand der Drathstriche, welches auf das
Wasserzeichen des Kruges schließen läßt.


B. 53. St. Georg zu Fuss.

Von diesem, anscheinend im Jahre 1508, gleichzeitig mit dem folgenden,
gearbeiteten Blatte, kommen einzelne ganz besonders kräftige und schöne
Abdrücke vor, deren Papier das Wasserzeichen des Ochsenkopfes hat; doch
auch auf Papier mit der hohen Krone findet man noch recht frische
Drucke, und selbst bei den bläßeren trifft man noch sehr gutes Papier
mit 13¾ Linien Abstand der Drathstriche.


B. 54. St. Georg zu Pferde. 1508.

Bei den nicht häufigen schönen Abdrücken dieses Stiches ist mir nur
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes vorgekommen.


B. 55. St. Sebastian an einen Baum gebunden.

Recht fette malerische Abdrücke findet man von diesem sehr hell
gehaltenen Blatte aus Dürer’s erster Periode nicht. Selbst der zu den
Geschenken unsers Meisters an König Christian II von Dänemark[11]
gehörende Abdruck im Königl. Kupferstich-Cabinet zu Copenhagen ist nicht
so warm als die übrigen.

Die besseren Abdrücke, deren Papiere ich zu prüfen im Stande gewesen
bin, hatten ein weißes, festes Papier mit Entfernung der Drathstriche zu
13¼ auch 14 Linien.


B. 56. St. Sebastian an eine Säule gebunden.

Der erste Etat dieses Stiches, mit dem kleinen verzeichneten Munde,
gehört zu den sehr seltenen aber keinesweges schönen Curiositäten. Bei
den besten Abdrücken, auch dem zu den Dürer’schen Geschenken gehörigen
in der Copenhagener Sammlung, ist der Mund bereits geändert. Diese
Platte hat übrigens weit schönere Abdrücke geliefert, als B. 55. Bei den
besseren habe ich Papier mit einem Abstande der Drathstriche von 13 und
14 Linien gefunden, einmal auch das spätere Wasserzeichen des
Lilienschildes mit der Krone, Nr. 11.


B. 57. Der heilige Eustachius.

Dieser größte, vollkommen durchgebildete Kupferstich Dürer’s trägt keine
Jahrszahl. So geschätzt und gesucht derselbe ist, so gehört er doch nur
in den _alten_, _frischen_ und _warmen_ Abdrücken zu den Seltenheiten.
Diese sind fast ausschließlich auf Papier mit der hohen Krone, doch
giebt es einzelne wenige Exemplare von schöner Schwärze, auf Papier mit
dem Ochsenkopfe, auch habe ich einen noch schönen Abdruck mit dem
Wasserzeichen des Kruges angetroffen.

Der unvergleichliche Abdruck in Copenhagen, Geschenk unsers Meisters an
König Christian II von Dänemark, hat das Wasserzeichen der hohen Krone.

Die späteren Abdrücke, welche bis in die Zeit des Kaisers Rudolph II zu
reichen scheinen, der die Platte vergolden ließ[12], findet man auf den
verschiedenartigsten Papieren, mit dem Wasserzeichen des Hundes, Nr. 13,
der Thürme, Nr. 14, des Wappens von Nürnberg, Nr. 12, des Reichsadlers,
Nr. 17, letzteres Papier kömmt am häufigsten vor und sind diese neueren
Abdrücke oft noch rein und klar, entbehren aber ganz des warmen Tons und
der malerischen Wirkung, welche die älteren Abdrücke so vortheilhaft
auszeichnen.

Die ungewöhnliche Größe dieser Platte scheint bei dem Abdrucke besondere
Schwierigkeiten bereitet zu haben, denn man findet bei den schönsten
Abzügen nicht selten kleine Stollen mit gequetschten Linien, auch alte
Drucke, die eine geringe Verschiebung des Papiers unter der Walze
zeigen. -- Einige alte Abdrücke von schöner Kraft kommen vor, bei denen
die Druckerschwärze ungewöhnlich dick zum Nachtheil der Klarheit
aufgetragen ist, diese haben ein ganz besonders festes Papier, mit kaum
sichtbaren Drathstrichen der nicht sehr feinen Schöpfform, welche 15½
Linien von einander entfernt sind.

Bei der schönen Gruppirung der Baulichkeiten des Schlosses auf dem Berge
hat Dürer eine flüchtige leicht colorirte Natur-Studie mit benutzt,
welche, von ihm bezeichnet: »ein Welsch Schloß« und ohne Zweifel von
seiner Italienischen Reise herrührend, bei Heller, pag. 127 unter Nr.
37, angeführt wird, und sich gegenwärtig in der Sammlung des Verfassers
befindet.


B. 58. St. Antonius der Einsiedler. 1519.

Ein vortreffliches Blatt, besonders wegen der sehr schönen Landschaft.
Die herrlich um den Berg aufgebaute Stadt hat auffallende Aehnlichkeit
mit Marburg. Es ist nicht häufig, namentlich in schönen alten Abdrücken,
deren sehr festes Papier einen Zwischenraum von 13¾ Linien zwischen den
Drathstrichen hat.


B. 59. Der heilige Hieronymus. 1512.

In Beziehung auf malerische Wirkung ist dies geritzte Blatt unstreitig
die gelungenste von Dürer’s Arbeiten auf Kupfer. Die wenigen bis auf
uns gekommenen Abdrücke von voller Kraft und Klarheit haben ein
Helldunkel, welches von Rembrandt in seinen schönsten Radirungen nicht
übertroffen ist, ihm aber entschieden zum Vorbilde gedient hat.

Von diesem köstlichen Blatte sind zwei Probedrücke erhalten, ehe Dürer
das Monogramm nachgefügt hatte. Der eine davon ist in Wien in der
Sammlung des Erzherzogs Albrecht, der andere im Print-room des British
Museum, früher bei Verstolck im Haag. Dieser letztere ist auf Papier mit
dem Wasserzeichen der hohen Krone und bestätigt meine in der Einleitung
ausgesprochene Ansicht, daß Dürer um 1512 zu den größeren Blättern nicht
mehr das Ochsenkopfpapier zu verwenden pflegte. -- Auch bei den besten
der übrigen Abdrücke findet man Papier mit der hohen Krone. Die
vollkommen schönen Abdrücke lassen sich zählen und sind doch nicht frei
von fleckenartigen unklaren Stellen. -- Der schönste von allen ist wohl
der zweite Abdruck mit dem Monogramm in der Sammlung des Erzherzogs
Albrecht in Wien, von den in Deutschland in Privathänden befindlichen,
ist derjenige am berühmtesten, welcher die reiche und ausgewählte
Dürer-Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M. ziert. --

Spätere Abdrücke kommen vor auf Papier mit den Wasserzeichen zweier
Thürme mit Mauer, Nr. 14, und des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr.
15. Bei diesen sieht man unten in der Mitte des Vorgrundes die Spuren
eines runden Loches, welches in die Platte geschlagen ist. Die Bemerkung
des Herrn Dr. Nagler[13]: daß in den späteren Abdrücken das Crucifix und
die Jahrszahl ganz ausgedruckt seien, trifft nicht allgemein zu, denn es
giebt ganz späte Abdrücke, bei denen beides sichtbar, die Jahrszahl aber
vollkommen deutlich ist.


B. 60. Der heilige Hieronymus in der Zelle. 1514.

Dieser Stich, von Dürer in seinem Tagebuche »Hieronymus im Gehaiß«, »der
sitzende Hieronymus«, auch »St. Hieronymus in Kupffer« benannt, ist
eines der verbreitetsten der größeren Blätter unsere Meisters und die
sehr sorgfältig gearbeitete Platte hat eine große Menge Abdrücke
gegeben. Die älteren davon sind sehr malerisch, zuweilen etwas voll in
Farbe, wodurch indeß das schöne Helldunkel dieses Stiches gehoben wird.
Die weit häufigeren späteren Abdrücke findet man oft noch recht klar und
rein, jedoch die Wirkung der früheren keinesweges erreichend.

Der Masse der Papiers und der Entfernung seiner Drathstriche nach, sind
die alten Drucke auf solchem mit dem Wasserzeichen der hohen Krone
abgezogen; das Zeichen selbst habe ich indeß bis jetzt in keinem Abdruck
auffinden können. Das Blatt ist aber geringer in Höhe, wie manche der
anderen, und mag daher wohl das Wasserzeichen mit dem Papierrande
weggefallen sein. Nur ein einziger, aber augenscheinlich späterer
Abdruck ist mir mit dem Wasserzeichen des Kruges vorgekommen.


B. 61. Der büssende heilige Hieronymus.

Heller nimmt an, daß Dürer dieses schöne Blatt schon vor 1500 gestochen
habe, doch möchte ich -- obgleich dasselbe nicht ganz frei von der
früheren conventionellen Behandlung des Erdbodens im Vorgrunde ist --
wegen der Durchbildung der Landschaft der Meinung sein, daß es den
ersten Jahren nach der Italienischen Reise angehören wird.

Die Platte ist übrigens in früheren Zeiten wenig abgedruckt. Exemplare
auf Ochsenkopf- oder Kronenpapier habe ich nie angetroffen, nur ein Paar
mit dem alten Papierzeichen des gothischen ~P~. Dürer hat keine Abdrücke
davon, zu Geschenken oder zum Verkauf, auf die Niederländische Reise
mitgenommen, wenigstens geschieht dieses großen Blattes nirgends im
Tagebuche Erwähnung, dagegen findet man die prachtvollsten Abdrücke auf
den späteren Papieren mit den durch eine Mauer verbundenen Thürmen, Nr.
8, oder dem Reichsapfel mit Stern, Nr. 5. Selbst Abdrücke mit dem
Wasserzeichen des Augsburger Wappens, Nr. 18, sind noch recht schön.

Den älteren Sammlern scheint übrigens dieses Blatt für ihre Klebebücher
zu hoch gewesen zu sein, wenigstens findet man mehrfach, auch in
öffentlichen Sammlungen, Abdrücke, wo das weiße Papier oben bis an die
Spitze der Tannenbäume 4 Linien breit abgeschnitten ist.


B. 62. Der kleine runde heilige Hieronymus.

Eines der seltensten Blättchen Dürers, mit vollem Recht zu den
Introuvables gezählt. Bekannt sind mir davon nur 5 Abdrücke, in der
Pariser Sammlung, in dem Museo zu Amsterdam, in den Sammlungen des
Erzherzogs Albrecht in Wien, der Königin Marie in Dresden und der
Kunsthalle zu Bremen, letzteres aus dem Dr. Klugkistschen Vermächtniß,
früher in der Sammlung des Herzogs von Buckingham.

Die Abdrücke sind besonders schwarz, der in Bremen ist indeß etwas
klarer. Die Behandlung des Grabstichels ist übrigens bei weitem nicht so
einfach, rein und schön, als bei dem Degenknopf, dieselbe hat im
Gegentheil etwas Rauhes und gleicht fast einem Holzschnitte. Auffallend
ist auch die wunderbare Lage des Löwenschweifes.

Das Blättchen hat kein Monogramm und man kann sich, bei genauer
Betrachtung des Zweifels nicht erwehren: ob dasselbe wirklich von Dürer
gestochen sei? Der kleine heilige Hieronymus in Holzschnitt, B. 115, ist
ohne Frage weit schöner.

Da diese wenigen erwähnten Abdrücke unterklebt oder fest aufgelegt sind,
so habe ich über die Papiere derselben mir keine Aufklärung verschaffen
können.


B. 63. Die heilige Genovefa.

Die Abdrücke von dieser Platte findet man sehr kräftig und schön, jedoch
nur selten vollkommen klar und rein. Selbst die frühesten auf Papier mit
dem Ochsenkopfe sind zuweilen zu trocken oder zu fett in Farbe.

Andere Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen der großen Thürme
unten mit einer Spitze, Nr. 14.


B. 64. Die heilige Veronica. 1510.

Dieses sehr schöne aber introuvable Blättchen habe ich nur zweimal in
Händen gehabt, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und
derjenigen der Königin Marie in Dresden, früher bei Verstolck, beide
Exemplare fest aufgelegt.

Der Stich, mit der trockenen Nadel (geritzt) ist sehr leicht behandelt,
die Hände sind wenig ausgebildet, aber außerordentlich schön ist das
Antlitz des Christus. Quer über demselben bemerkt man auf den beiden
bezeichneten Abdrücken zwei feine sich kreuzende Linien, Kritzeln in der
Platte oder Ausgleitungen der Nadel.

Abweichend von den übrigen Kupferstichen Dürer’s ist auf diesem
Blättchen die Zeichnung des Monogrammes und namentlich die Form des D,
welcher fast viereckt erscheint, auch bei der Jahreszahl sind die ersten
und die letzten zwei Zahlen ungewöhnlich weit von einander entfernt und
befindet sich ein Punkt dazwischen, die 0 steht dagegen auffallend nahe
an der 1, wie solches sonst bei unserm Meister nicht gebräuchlich ist.
Auch die unter dem Schweißtuch hervortretenden Gewandfalten der Heiligen
weichen von Dürer’s gewöhnlicher Weise ab, demungeachtet erscheint das
Blättchen, welches in mancher Beziehung an eine ähnliche Darstellung des
Martin Schön erinnert, entschieden als eine Arbeit von ihm und mag das
Abweichende gegen andere Stiche dadurch sich erklären, daß dieses der
erste Versuch mit der kalten Nadel war.

Durch die recht gute, wenn auch nicht in allen Theilen genaue Copie von
Petrack ist dieser Stich, so wie die übrigen drei introuvablen Blätter
Dürer’s, allgemeiner bekannt geworden.


B. 65. Das Urtheil des Paris.

Von diesem kleinen runden Blättchen habe ich nur einen Abdruck, und zwar
in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien gesehen. -- Er ist fest
aufgelegt und in Beziehung auf das Papier daher nichts wahrzunehmen. Der
Stich ist sehr leicht behandelt, macht aber doch den Eindruck, daß er
von Dürer selbst herrührt, der Abdruck selbst ist nicht eigentlich
frisch zu nennen.

Nach einer mir gewordenen Mittheilung des Herrn William Smith in London,
ist neuerlichst ein Exemplar dieses Blättchens in das British Museum
gekommen, es hatte sich in einer alten Englischen Sammlung befunden, und
war vor etwa 40 Jahren dem früheren Besitzer von dem Vater des W. Smith
für einen Shilling (10 Sgr.) verkauft.


B. 66. Die drei Genien.

Dieser Stich ist nicht häufig, in schönen Abdrücken aber wahrhaft
reizend. Der prachtvollste Abdruck davon, aus der Sammlung des Herrn R.
Fisher in London, war in der »Art treasures Exhibition« in Manchester
ausgestellt.

Die alten Abdrücke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes, schwächere auf einem sehr festen, stark gerippten Papier
mit 13½ Linien Abstand der Drathstriche.


B. 67. Die Hexe.

Bei den vollkommen schönen Abdrücken, welche jedoch nicht oft vorkommen,
hat das Papier den Ochsenkopf als Wasserzeichen, bei guten, aber weniger
kräftigen findet man das feste anscheinend Kronen-Papier mit 13¾ Linien
Entfernung zwischen den Drathstrichen.


B. 68. Apollo und Diana.

Es giebt außerordentlich schöne Abdrücke dieses Blattes auf
Ochsenkopfpapier; merkwürdig ist die auch in den kräftigsten derselben
sich findende kleine weiße Fehlstelle in den Schattenlagen der Backe des
Apollo, dicht über der Schulter.

Nach den genauen Beziehungen dieses Stiches zu dem folgenden, wird er
wohl nicht vor dem Jahre 1505 gearbeitet sein.


B. 69. Die Familie des Satyrs. 1505.

Dieses, in geringen Drucken ziemlich häufige Blatt ist in vollkommen
schönen, außerordentlich selten, aber höchst reizend. Diese haben Papier
mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Ein schwarzer Punkt auf der
linken Lende der Frau findet sich schon auf den frühesten Abdrücken, und
muß daher von einer kleinen Fehlstelle in der Platte herrühren.


B. 70. Das Studium von fünf Figuren.

In klaren, ganz rostfreien Abdrücken ist diese Radirung, welche weder
Monogramm noch Jahreszahl hat, nicht häufig. Sie kommen auf Papier mit
13 Linien Entfernung der Drathstriche und einem ungewöhnlichen
Wasserzeichen vor, welches sich nicht wohl erkennen läßt. Sonst trifft
man auch Papier mit dem Wasserzeichen der Thürme oder des gothischen
~P~.


B. 71. Die Entführung der Amymone.

Dürer nennt dieses Blatt in seinem Tagebuche »ein Mehrwunder«, Vasari
»una ninfa portata via da un mostro marino«, und Heller setzt den Stich
in die Zeit vor 1500.

Ich glaube dagegen, daß solcher einer späteren Zeit angehört, mir
scheint die ganze Behandlung dafür zu sprechen, auch habe ich nur einen
Abzug auf Ochsenkopf-Papier, sehr wenige mit dem gothischen ~P~
gefunden. Die schönsten der alten Abzüge haben Papier mit der hohen
Krone. Die Platte hat sich länger erhalten, denn es kommen spätere
Abdrücke mit dem Wasserzeichen des Kruges, auch des Reichsadlers vor.


B. 72. Die Entführung. 1516.

In den ersten reinen Abdrücken ist diese Radirung nicht häufig, man
findet einige davon mit dem Wasserzeichen des Kruges, die späteren,
schwärzeren, aber rußigen Drucke haben im Papier das Wappen der Stadt
Schrobenhausen, Nr. 15.


B. 73. Die Wirkung der Eifersucht.

Einer der bedeutendsten Kupferstiche unsers Meisters, von ihm in seinem
Tagebuche »der Herculum« genannt, und in _sehr schönen_ Abdrücken selten
und kostbar, welcher indeß nicht, wie Heller glaubt, schon vor der
Italienischen Reise gearbeitet sein dürfte. Die mir durch die Hände
gegangenen alten Drucke, auch der außerordentlich schöne, von Dürer dem
Könige Christian II verehrte, jetzt in Copenhagen, haben sämmtlich das
Wasserzeichen der hohen Krone, bei schwächeren findet man den Krug im
Papier.

In der Composition dieses Blattes hat Dürer übrigens manches der schönen
alten, von mir bereits in der Einleitung erwähnten Zeichnung entlehnt,
durch welche er das Meisterwerden erlangte.

Die Bedeutung dieses Gegenstandes ist sehr verschieden aufgefaßt, daher
der Stich unter mancherlei Benennungen vorkommt; Vasari[14], nachdem er
dieses Blatt als die äußerste Vollendung der Kupferstecher-Kunst
bezeichnet hat, beschreibt es als Venus, welche eine Nymphe schlägt, die
-- um vertheidigt zu werden -- sich einem Satyr in den Schoß gesetzt
hat.

Er fügt hinzu: wie Dürer in diesem Blatte habe zeigen wollen, daß er das
Nackte darzustellen wisse, und meint: daß er dieses vielleicht deshalb
nicht habe besser machen können, weil er -- wenn er Nacktes darzustellen
gehabt habe -- in Ermangelung anderer Gelegenheit, einige seiner Schüler
nachgebildet habe, welche, wie meist die Deutschen, keine schönen
nackten Körper gehabt hätten, obgleich man in Kleidern viele schöne
Männer aus jenem Lande sähe.

Von diesem Blatte findet sich ein sehr merkwürdiger unvollendeter
Probedruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien; auf
demselben ist der Satyr fast nur angeritzt, der Kopf der Nymphe und ihr
Arm noch nicht ausgeführt, und der untere Theil der Landschaft mit dem
Amor nur angelegt.


B. 74. Die Melancholie.

Dieses sehr beliebte, von Dürer mit ganz besonderer Sorgfalt behandelte
Blatt, von welchem Vasari sagt: daß es alle die Gegenstände (gli
istromenti) enthalte, welche jeden, der sie gebrauche, zur Melancholie
brächten, zeichnet sich durch eine eigenthümliche Zartheit aus.

Die alten Abdrücke sind weniger kräftig und voll als diejenigen mancher
früheren Stiche, haben dagegen durch eine feine, warme und harmonische
Wirkung einen eigenen Reiz. Die späteren Drücke entbehren desselben,
sind indeß oft noch klar und rein.

Das Papier der schönen Drücke ist dem des heiligen Hieronymus von
demselben Jahre, B. 60, gleich; bei geringeren Drücken trifft man ein
stark geripptes Papier mit 12¾ Linien Abstand der Drathstriche, bei den
neueren das Wasserzeichen des Wappens von Schrobenhausen.


B. 75. Die vier nackten Frauen.

Die alten Abdrücke sind zum Theil sehr schwarz, und kommen auf Papier
mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes und dem der verbundenen Thürme
mit 13 Linien Abstand der Drathstriche vor.

Die anfangs etwas rauhen Schattenlagen im Fleisch haben sich indeß bald
abgenutzt, denn man findet schon auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Reichsapfels mit Kreuz, Nr. 6, noch gute, aber weit weniger kräftige
Abdrücke.


B. 76. Der Traum.

Nach Vasari’s Beschreibung: einer, der auf einem Ofen schläft, mit Venus
daneben, welche ihn im Traume in Versuchung führt, während Amor, auf
zwei Stelzen steigend, sich vergnügt, und der Teufel mit einem Blasebalg
jenem in’s Ohr bläst.

So wenig selten dies Blatt ist, so findet man doch die vollkommen
schönen Abdrücke nur höchst sparsam. -- Sie sind auf Papier mit den
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, des gothischen ~P~ oder der hohen
Krone, die späteren noch guten Abdrücke haben das Wasserzeichen des
Kruges. Die Platte hat sich sehr lange erhalten, denn es giebt neuere
Abdrücke mit breitem Papierrande auf Papieren des 17. Jahrhunderts,
welche indeß matt und unbedeutend sind.


B. 77. Die Nemesis,

gewöhnlich, die große Fortuna genannt.

Daß dieses große Blatt dasjenige sei, welches Dürer in seinem Tagebuche
wiederholt »eine Nemesin« nennt, glaube ich in dem Aufsatze des
Naumann’schen Archives für die zeichnenden Künste, 2. Jahrgang, 1. Heft,
genügend nachgewiesen zu haben. Eine angenehme Bestätigung dieser
Ansicht ist mir seitdem durch eine Veröffentlichung des gelehrten
Vorstandes des print-room im British Museum, M^{r.} W.H. Carpenter, im
Athenäum geworden, in welcher derselbe die gleiche Meinung, fast mit
denselben von mir geltend gemachten Gründen belegt, ausspricht.

Die alten kräftigen Drucke dieses schönen Stiches werden sehr gesucht.
Die mir vorgekommenen waren sämmtlich auf Papier mit der hohen Krone,
nur einzelne, nicht einmal besonders schöne Abdrücke haben
Ochsenkopf-Papier.

Heller giebt, 2. Band, pag. 468, als Kennzeichen der alten Drucke die
kleinen Punkte an, welche links über den Wolken, in der Mitte des
Blattes, noch andere Wolken andeuten sollen. Dieses ist indeß
trügerisch, denn auch auf späteren schwächeren Drucken sind diese Punkte
noch sichtbar. Ein sicheres Zeichen der frühesten Abdrücke ist dagegen
der mehr oder weniger starke Grat eines Striches, welcher unten in der
Landschaft in der Mitte der Brücke, als Stütze derselben, in das Wasser
geht, und bei den späteren Abdrücken kürzer wird, zuletzt nur als ein
einfacher Grabstichel-Strich erscheint. Bei dem wundervollen Abdruck in
der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien haben alle drei Stützen
unter der Brücke starken Grat.


B. 78. Die kleine Fortuna.

Die schönen Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes. Das Blatt ist nicht selten, häufig sind die Abdrücke aber
matt und unbedeutend, auch oft im Papier verschnitten.


B. 79. Die Gerechtigkeit,

von Heller und Nagler irrthümlich die Nemesis genannt.

Bei sehr schönen Abdrücken dieses, der Behandlung des Vordergrundes
nach, unstreitig der zweiten Periode Dürer’s, nach der Italienischen
Reise, angehörenden Blattes, findet man sowohl Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, wie mit dem der hohen Krone, doch sind
solche, dann recht malerische Abdrücke selten. Der zu den Dürer’schen
Geschenken gehörende Abdruck in Copenhagen hat den Ochsenkopf im Papier.


B. 80. Der kleine Courier.

Dieser Stich gehört zu den nicht häufigen; die schönen Abdrücke haben
Ochsenkopf-Papier, auch kommen welche mit dem Lilienwappen und Krone,
Nr. 11, bei 11 Linien Entfernung der Drathstriche vor.

Bei geringeren Drucken findet man festes Papier mit 13¼ Linien Abstand
der Drathstriche.


B. 81. Der grosse Courier.

Dieses, bereits in der Einleitung besprochene Blatt ohne Monogramm und
Jahrszahl gehört bekanntlich zu den allergrößten Seltenheiten und fehlt
sogar der reichen Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien.

Es sind nur zwei Abdrücke davon bekannt: der eine im Königlichen
Kupferstich-Cabinet zu Dresden, der andere in der K.K. Bibliothek zu
Wien. Dieser letztere ist nicht rein im Druck und namentlich die hintern
Schenkel des Pferdes sind unklar. Der Abdruck in Dresden ist auf sehr
festem Papier, welches nur 11 Linien Abstand der Drathstriche und ein
nicht gebräuchliches, dem aus alten Bücherdrucken bekannten
Cardinals-Hut einigermaßen ähnelndes Wasserzeichen hat. Die Platte hat
unten stark abgerundete Ecken, welches bei Dürer etwas ganz ungewohntes
ist, und der Stich erscheint im Vergleich mit den übrigen Arbeiten
unsers Meisters als auffallend roh behandelt.


B. 82. Die Dame zu Pferde.

Ein nicht häufiges Blatt, von dem man indeß sehr schöne Abdrücke, sowohl
auf Ochsenkopf-, wie auf Kronen-Papier findet; der mir zu Gesicht
gekommene schönste, zu Dürer’s Geschenken in Copenhagen gehörig, hat
kein Wasserzeichen.


B. 83. Der Bauer und seine Frau.

Die schönen Abdrücke sind auf denselben Papieren, wie das vorstehende
Blatt.


B. 84. Die Wirthin und der Koch.

Heller setzt dieses Blättchen in die Zeit vor 1506, vergleicht man es
aber mit anderen Stichen dieser Periode, namentlich B. 85 und 86, so
wird man den wesentlichen Unterschied in der Behandlung, besonders auch
des Vorgrundes nicht verkennen. Ich halte dasselbe daher entschieden für
eine spätere Arbeit.

Neben vielen matten und abgenutzten Abdrücken findet man diesen Stich
zuweilen auch sehr kräftig und schön, das Papier hat dann das
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, selten das des gothischen ~P~.


B. 85. Der Orientale und seine Frau.

Das Blatt ist in schönen Abdrücken selten, dann aber recht kräftig. Bei
solchen trifft man das Papier mit dem Ochsenkopf.


B. 86. Die drei Bauern.

In den alten warmen Abdrücken auf Ochsenkopf-Papier ist dieses Blättchen
von recht malerischer Wirkung.

Die Kupferplatte davon ist noch vorhanden und kam im Jahre 1856 in
Frankfurt a.M. zum Vorschein, wurde aber, ehe die dortigen Dürer-Sammler
Kenntniß davon erhielten, nach Rußland verkauft.


B. 87. Der Fahnen-Träger.

Diesen lieblichen Kupferstich, welcher allerdings in dem Vorgrunde noch
Spuren der älteren conventionellen Darstellungsweise hat, halte ich --
abweichend von Heller -- für eine Arbeit nach der italienischen Reise,
besonders wegen der Behandlung des Wassers und der sorgfältigen
Ausführung der Federn.

Recht schöne Abdrücke, bei denen ich nur Papier mit einem Stückchen des
Ochsenkopfes gefunden habe, sind von hervorstechender Wirkung.


B. 88. Die Versammlung der Kriegsleute.

Ein überall nicht häufiges, in vollkommen schönen Abdrücken aber
ausserordentlich seltnes Blatt, welches zu den ältesten Stichen Dürer’s
gehört. Man erkennt dieses vorzüglich an der Form des Monogramms und an
der eigenthümlichen Behandlungsweise des Gebüsches in der Landschaft.

Die in neuerer Zeit an der Aechtheit dieses Stiches erhobenen Zweifel
halte ich für völlig unbegründet und möchte dabei nur auf die Blätter B.
82, 83, 85, selbst 86 und 87 verweisen, wo man, freilich bei
verschiedenartiger Stichweise, denselben Meister erkennt. Die schönen
Abdrücke haben gewöhnlich das Papier mit dem Ochsenkopf oder dem
gothischen ~P~.


B. 89. Der Marktbauer. 1519.

Dieses in Dürer’s Tagebuch »der neue Bauer« benannte Blatt findet man
fast nie in Abdrücken von recht voller Farbe. Es kömmt ziemlich häufig
vor, doch giebt es alte frische Abdrücke wenig. Diese haben anscheinend
Kronen-Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Bei weniger
frischen, späteren Drücken trifft man das Papier mit einem Abstand von
nur 13½ Linien.


B. 90. Der Bauerntanz. 1514.

In schönen Abdrücken selten. Das Papier derselben ist fest und hat 12¾
auch 13¾ Linien Entfernung der Drathstriche. Die Platte muß sich lange
erhalten haben, denn man findet einzelne ganz schlechte Abdrücke davon.


B. 91. Der Dudelsack-Pfeifer. 1514.

Die alten recht kräftigen Abdrücke sind nicht häufig, ein Wasserzeichen
habe ich in den Papieren derselben nicht wahrnehmen können, die
Entfernung der Drathstriche betrug 14 auch 13¼ Linien.


B. 92. Der Gewaltthätige.

Dieser frühe Stich gehört zu den seltenen, und die Platte scheint in
späterer Zeit nicht wieder abgedruckt zu sein, wenigstens sind mir
abgenutzte und schwache Drucke davon nicht vorgekommen. Die alten Drucke
sind besonders schwarz in Farbe, haben Platten-Grat und gewöhnlich
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich einen auch
auf Kronen-Papier angetroffen.


B. 93. Der Liebes-Antrag.

Die alten Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfs, mit
Doppelstrich, Kreuz und Blume darüber, Nr. 2, sind sehr schwarz,
manchmal in den tiefen Schatten unklar. Die etwas späteren Abdrücke auf
Papier mit dem gothischen ~P~, dessen Drathstriche sehr weit, fast 17
Linien von einander abstehen, oder mit der hohen Krone, sind dem Auge
wohlthuender.


B. 94. Der Herr und die Dame oder der Spaziergang.

Durch den sorgfältigen Nachstich Marc Antons von der Gegenseite ist
dieses Blatt doppelt interessant, es gehört aber bei aller darauf
verwandten Kunstfertigkeit doch ohne Zweifel zu den früheren Arbeiten
Dürer’s.

Die Platte, wovon die schönen Abdrücke Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes oder der hohen Krone haben, ist auch noch in späterer Zeit
abgedruckt, denn man trifft Abzüge mit dem Wasserzeichen des stehenden
Hundes.


B. 95. Das monströse Schwein.

Ich habe in Uebereinstimmung mit Heller dieses Blatt unter die Arbeiten
der ersten Periode Dürer’s aufgenommen, und bin dazu veranlaßt theils
durch die Anführung: daß nach einer alten geschriebenen Chronik eine
solche Mißgeburt im Jahre 1496 in der Nähe von Nürnberg gefallen sei,
theils auch durch die eigenthümliche Behandlung des Erdreichs im
Vorgrunde, welche für die Stiche dieser ersten Periode besonders
bezeichnend ist. Sonst würde die sorgfältige Ausbildung der Architektur
in der Landschaft und die Form des Monogramms auf eine spätere Zeit
schließen lassen. Zum Abdruck muß die Platte jedenfalls erst in späteren
Jahren gekommen sein, denn ich habe bei den alten schönen Abdrücken nur
einmal Ochsenkopf-Papier, sonst immer das Wasserzeichen der hohen Krone
gefunden.

Die Platte ist späterhin aufgestochen.


B. 96. Das kleine Pferd. 1505.

Dieser Stich gehört zu denjenigen, welche man verhältnißmäßig häufig in
schönen Abdrücken findet und es scheint, daß derselbe früher nicht
besonders berücksichtigt ist. Die mir vorgekommenen alten Abdrücke waren
sämmtlich auf Papier mit dem Ochsenkopf nur ein einziger hatte die hohe
Krone.


B. 97. Das grosse Pferd. 1505.

Die Abdrücke dieser Platte sind bedeutend seltener als diejenigen der
vorhergehenden. Die schönen Exemplare, zuweilen wahrhaft prachtvoll,
haben das Wasserzeichen des Ochsenkopfes.

Dieses Blatt gehört übrigens nicht zu denjenigen, deren Dürer in seinem
Tagebuche der Reise nach den Niederlanden Erwähnung thut.


B. 98. Der Ritter mit Tod und Teufel. 1513.

von Dürer »ein Reuther« genannt.

Es ist dieser einer der schönsten, vollendetsten und beliebtesten Stiche
unsers Meisters, welcher von ihm auf seiner Niederländischen Reise auch
zu Geschenken verwandt wurde und in ausgezeichneten Abdrücken, mit am
theuersten bezahlt wird. --

Die alten Abdrücke kommen auf demselben Papier vor, welches Dürer zu dem
heiligen Hieronymus, B. 60, und der Melancholie, B. 74, gebrauchte. Bei
dem Abdruck der Ackermann’schen Sammlung mit breitem Papierrand, welcher
indeß nicht zu den Kräftigen gehörte, hatte das Papier das Wasserzeichen
des Kruges.


B. 99. Die Kanone. 1518.

Diese Radirung ist in neuen Abdrücken mit Rostflecken häufig, in
vollkommen reinen alten Drucken jedoch selten. Die frischesten haben das
Wasserzeichen der hohen Krone, doch giebt es noch sehr gute mit dem
Wasserzeichen der Thürme, Nr. 9.


B. 100. Das Wappen mit dem Hahn.

Wegen der wundervollen Verzierung des Helms gehört dieser Stich mit zu
den vortrefflichsten Arbeiten Dürer’s. Die Abdrücke sind häufig schön,
zuweilen ganz ausgezeichnet. Der vorzüglichste, welcher mir zu Gesicht
gekommen, in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, hat das
Wasserzeichen der verbundenen Thürme, Nr. 8, die übrigen schönen
Abdrücke haben das Wasserzeichen der hohen Krone, die geringeren ein
festes Papier mit nicht kenntlichem Wasserzeichen, dessen Drathstriche
13¾ Linien von einander entfernt sind, auch wohl das Wasserzeichen Nr.
43. --


B. 101. Das Wappen mit dem Todtenkopf. 1503.

Einer der ältesten, mit der Jahreszahl versehenen Dürer’schen
Kupferstiche, von dem ein schöner Abdruck jeder Sammlung zu besonderer
Zierde gereicht. Unser Meister erwähnt dieses großen zu den »ganz Pögen«
gehörenden Blattes in seinem Tagebuche der Niederländischen Reise nicht,
doch befindet sich in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen
ein Abdruck von einer solchen Kraft, Schönheit und frischen Erhaltung,
daß er ohne Zweifel mit zu den Geschenken gehört, welche Dürer dem
Könige von Dänemark, Christian II., in Antwerpen verehrt hat. Dieser ist
auf einem sehr festen Papier ohne Wasserzeichen mit ungleicher
Entfernung der Drathstriche zu 11 und 13¾ Linien. Einige wenige schöne
Abdrücke kenne ich auf Papier mit dem Ochsenkopf, der hohen Krone oder
der Thürme mit Mauer; die Mehrzahl derselben haben das Wasserzeichen des
Kruges, woraus hervorgeht, daß diese Platte noch in der letzten
Lebensperiode Dürer’s oder nach seinem Tode zum Abdruck gekommen ist.


B. 102. Albrecht von Mainz, von vorn gesehen. 1519.

Dieses, gewöhnlich »der kleine Cardinal« genannte, sehr seltene
Brustbild kommt im ersten Etat ohne Text auf der Rückseite, zuweilen in
sehr schönen Abdrücken vor.

Sie haben Papier mit dem Wasserzeichen des kleinen Reichsapfels, Nr. 5,
und eine Entfernung zwischen den Drathstrichen von 13½ Linien.

Die Abdrücke des zweiten Etats, auf deren Rückseite sich der Titel des
eminent seltenen Buches

    VOrtzeichnus und |zeeigung des Hochlob | wirdigen heiligthumbs |
    der Stifftkirchen der heiligen | Sanct Moritz und Ma- | rien
    Magdalenen zu Halle |

befindet[15], sind im Jahre 1520 mit geringer Sorgfalt genommen und
stehen an Kraft und Klarheit gegen den ersten Etat sehr zurück.

Das dazu gebrauchte Papier hat das Wasserzeichen eines größeren
Reichsapfels mit 5strahligem Stern, dessen Drathstriche indeß nur 11½
Linien Abstand haben und welches in Feinheit der Masse und Festigkeit
dem Papiere des ersten Etats sehr nachsteht.


B. 103. Albrecht von Mainz im Profil. 1523.

Aus dem noch erhaltenen Briefe an den Cardinal Albrecht, Erzbischof von
Mainz, vom Freitag nach Aegidii (13. September) 1523[16], wissen wir,
daß Dürer die Platte des bezeichneten Portraits nebst 500 Abdrücken
schon »vor längerer Zeit« dem Cardinal übersandt hatte.

Aus dem dadurch erwiesenen gleichzeitigen Abdruck einer so bedeutenden
Zahl von Blättern erklärt sich die große Gleichmäßigkeit der guten
Exemplare, welche man in den Sammlungen findet. Sie sind nur in so fern
von einander verschieden, als die besseren Abdrücke Plattengrat und eine
wärmere harmonische Färbung haben. Das Papier ist auch das gleiche, mit
dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, und einer Entfernung der
Drathstriche von 13¼ Linien.

Die sehr wenigen besonders kräftigen Abdrücke, wie diejenigen in dem
Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Dresden und dem Print-room des
British Museum, scheinen ganz erste von Dürer zurückbehaltene
Probedrücke zu sein, denn diejenigen, zweifellos von den erwähnten 500
Abdrücken herrührenden, welche man in einzelnen kostbaren Büchern aus
dem früheren Besitz dieses kunstliebenden Kirchenfürsten als
Bibliothekzeichen eingeklebt findet, wie z.B. in dem schönen Missale mit
Miniaturen des Glockendom in der Stiftskirche zu Aschaffenburg, sind
durchaus nicht besser wie die gewöhnlich vorkommenden Abdrücke. --

Einige wenige gute Abdrücke kommen auch auf Atlas vor.[17]

Die Platte ist späterhin aufgestochen und man findet in dem Dürer-Werke
der Kaiserlichen Bibliothek in Wien ein Exemplar beider Gattungen zur
Vergleichung neben einander. Der retouchirte Abdruck unterscheidet sich
vorzüglich dadurch, daß den Contouren des Mundes und des Kinnes die
Barbe fehlt, auch sind in demselben die Nähte des Kleides besonders
markirt und die Unterschrift ist merklich unreiner.


B. 104. Friedrich, Churfürst von Sachsen. 1526.

Dieses schöne Bildniß kömmt zuweilen, doch nicht sehr häufig in ganz
besonders kräftigen Abdrücken vor, das Papier hat das Wasserzeichen des
Kruges und 13¼ Linien Abstand der Drathstriche. -- Die Platte muß
späterhin nach Holland gekommen sein, denn in der Königlichen
Kupferstich-Sammlung in München befindet sich ein Abdruck auf
Schellenkappen-Papier; er ist indeß matt und das Monogramm sehr
verwischt.


B. 105. Philipp Melanchthon. 1526.

Die schönen Abdrücke haben dasselbe Papier als das vorstehende Blatt,
doch ist dieses seltener als jenes.


B. 106. Bilibald Pirkheymer. 1524.

Keins der Dürer’schen Bildnisse ist so allgemein verbreitet, als dieses,
seines gelehrten und treuesten Freundes. Die Abdrücke kommen daher in
den verschiedensten Zuständen und auf den mannigfaltigsten Papieren vor.
Die ältesten haben das Wasserzeichen des Kruges oder der kleinen hohen
Krone Nr. 36. In dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in München habe ich
ausnahmsweise einen Abdruck auf Ochsenkopf-Papier gefunden, sie sind
kräftig, aber nicht sehr fett in Farbe. Es giebt noch ziemlich gute
Abdrücke auf einem Papiere, dessen Wasserzeichen unter einem dem
Nürnberger ähnlichen Wappen, einen Mohrenkopf hat, Nr. 16, oder auf
einem festen Papier mit 12 Linien Entfernung der Drathstriche.

Die neueren schwärzeren Abdrücke sind von der späterhin aufgestochenen
Platte, von der man in der Kaiserlichen Bibliothek zu Wien ebenfalls
einen Abdruck zur Vergleichung neben einem des ersten Etats sieht. Sie
unterscheiden sich durch eine gewisse Rauheit in den Haaren und den
Buchstaben der Unterschrift, auch ist die Halskrause stärker markirt.


B. 107. Erasmus von Rotterdam. 1526.

Dieses Bildniß ist an sich nicht eben selten, doch trifft man davon nur
höchst wenige sehr schöne und kräftige Abdrücke. Die beiden
vorzüglichsten, welche ich kenne, sind in den Sammlungen des British
Museum und des Herrn Felix Slade in London. Die alten Abdrücke haben
Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges, oder häufiger eines gekrönten
Schildes mit zwei Lilien, N. 11, ein Wasserzeichen, welches in etwas
abweichender Form zwar schon bei Abdrücken der ältesten Kupferstiche
vorkommt, das ich aber bis auf wenige Ausnahmen sonst nie bei anderen
Kupferstichen Dürer’s, wohl aber bei Zeichnungen desselben aus den
Jahren 1525, 1526 und 1528 angetroffen habe.

Spätere Abdrücke findet man auf den verschiedensten Papieren, da die
Platte, in guter Beschaffenheit, sich bis auf unsere Zeiten erhalten
hat. Sie wird gegenwärtig in der Kupferstich-Sammlung des Schlosses
Friedensstein in Gotha aufbewahrt.

Die Abdrücke mit dem Wasserzeichen, des Wappen der Stadt Schrobenhausen,
sind zuweilen noch schön, diejenigen mit den Wasserzeichen der beiden
Thürme, eines krausen nicht kenntlichen Wappen, und eines großen
geschweiften Wappen, unter welchem sich die Buchstaben HN/M. befinden,
immer noch gut zu nennen, halten indeß den Vergleich mit den älteren
Abdrücken nicht aus. Ein interessantes Exemplar von diesen bewahrt die
sehr reiche Portrait-Sammlung des Herrn Geheimen Rath Wolff in Bonn. Es
hat ein Papier ohne Wasserzeichen, mit Entfernung der Drathstriche von
13 Linien, ist aber dadurch merkwürdig, daß der berühmte Astronom
Nicolaus Kracer in lateinischer Sprache darauf bemerkt hat, wie er im
Jahre 1520 gegenwärtig gewesen sei, als Dürer den Erasmus für diesen
Stich, welcher bekanntlich die Billigung dieses Gelehrten nicht fand,
gezeichnet habe.


B. 108. Joachim Patenier.

Dieses seltene Portrait übergehe ich als eines anerkannt nicht von Dürer
herrührenden Stiches, und bemerke nur, daß sich in der kostbaren
Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg eine sehr schöne Federzeichnung
Dürer’s vom Jahre 1520 befindet, welche auf der Rückseite mit dem Namen
Patenier bezeichnet, wohl diesem Stich zur Grundlage gedient haben
möchte, obgleich sie in einzelnen Theilen von demselben abweicht.

       *       *       *       *       *

Schließlich habe ich noch einer unvollendeten Platte, Christus am Kreuze
darstellend, zu erwähnen, welche auf Grund der Anführung Sandrarts: daß
Dürer eine solche nachgelassen habe, unserm Meister zugeschrieben wird
und von der einzelne Originaldrücke, mit und ohne Monogramm, sowie
mehrere ältere und neuere Copien vorhanden sind. --

Obgleich dieses Blatt in einer alten, wahrscheinlich um die Mitte des
17. Jahrhunderts geschriebenen, aus der Familie Scheurl in Nürnberg
herstammenden, »Specification deß gantz Dürerisch Trukhs«[18] mit
aufgeführt steht, so wage ich es doch, in Beziehung auf dasselbe, den
Ansichten mehrerer mit Recht angesehener Kunst-Autoritäten entgegen zu
treten, namentlich der Meinung, welche Herr Dr. Nagler auf pag. 161
seiner Monogrammisten darüber ausgesprochen hat, indem ich entschieden
behaupten zu dürfen glaube, daß diese Anlage eines Kupferstiches nicht
von Albrecht Dürer herrühren könne.

Meine Gründe dafür sind folgende:

1) Alle Darstellungen des gekreuzigten Heilandes von A. Dürer, sowohl in
Gemälden, Kupferstichen, Holzschnitten, als auf zahlreichen Zeichnungen
und Entwürfen, sind in der Beziehung vollkommen übereinstimmend, daß der
Körper an einem Kreuze von rohem, nur theilweise behauenem Holze, mit
der ganzen Schwere an den durchbohrten Händen und ausgestreckten Armen
hängt, und nur durch den einen größeren Nagel, welcher _beide
übereinander gelegte Füße durchbohrt_, einigermaßen unterstützt wird.
Auf der fraglichen Anlage steht aber der Körper ganz ruhig auf einer an
dem Stamm eines ganz platt gezimmerten Kreuzes angebrachten Platte,
beide Füße sind _nebeneinander_ von zwei Nägeln durchbohrt, die Arme,
ausser den Nägeln, welche durch die Hände gehen, noch mit Stricken
befestigt.

Eine solche Darstellungsweise der Kreuzigung war bei den ältesten
Italienischen Malern gebräuchlich, ist aber von Dürer nie zur Anwendung
gekommen.

Interessant in dieser Beziehung sind drei vortreffliche zu einander
gehörende Zeichnungen Dürer’s, vom Jahre 1505 in der Sammlung des
Erzherzogs Albrecht. Sie stellen die Kreuzigung Christi und der beiden
Schacher dar. Die Arme der Schacher sind -- wie eine schimpflichere
Todesart -- mit Stricken an das Kreuz gebunden, dagegen Christus nur mit
Nägeln durchbohrt auf die vorher beschriebene Weise dargestellt ist.

2) Auf dem Stich ist die rechte Hand des Heilandes ausgestreckt, welche
Dürer stets mit krampfhaft zusammen gedrückten Fingern darstellt.

3) Dürer giebt seinem Christus eine breite, doppelt geflochtene
Dornenkrone, und die Augenhöhlen haben im Ausdruck des tiefen Schmerzes,
mit den äußeren Winkeln eine Biegung nach unten. Auf der Anlage ist die
Dornenkrone nur einfach geflochten und die äußeren Winkel der
Augenhöhlen haben eine Richtung nach oben, wie denn der Ausdruck des
Gesichts, ganz der Dürer’schen Darstellungsweise des schmerzlichen
Leidens entgegen, etwas triumphirendes hat.

4) Die reiche Architektur des Hintergrundes weicht, sowohl in der hohen
Thurmspitze links, als in den hohen Burgthürmen rechts, wesentlich von
allen ähnlichen Darstellungen Dürer’s ab. Endlich

5) sind die Umrisse dieser Anlage weder so sicher noch so zart, wie wir
sie auf den vorhandenen, unvollendeten Probedrücken der Dürer’schen
Platten B. Nr. 1 und 73 bewundern. --

Die Annahme des Herrn Dr. Nagler, daß Dürer in dem aufblickenden
Johannes dieses Stiches den Dr. Martin Luther habe darstellen wollen,
dürfte -- wenigstens durch die als Beweis angeführte herrliche Zeichnung
vom Jahre 1523 in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien -- keine
Bestätigung finden.

Die fragliche Figur des Stiches weicht wesentlich von jener Zeichnung
ab, und nur das Gesicht hat eine entfernte Aehnlichkeit damit. Beide
Köpfe aber, sowohl der der Zeichnung wie der der Anlage, sind sehr
verschieden von dem Portrait des Dr. Martin Luther, welches Dürer auf
der ihm zu Ehren im Jahre 1526 geschnittenen Medaille dargestellt
hat.[19]

Mit meinen Zweifeln an Dürer’s Betheiligung bei dem fraglichen Stiche
stehe ich übrigens nicht allein, sie werden unter andern auch von dem
gelehrten Vorstande des Print-room im British Museum getheilt, woselbst
sich zwei Abdrücke mit und ohne Monogramm befinden. Diese, wie mehre
andere mir vorgekommene Abdrücke waren aufgelegt und ich konnte das
Papier nicht genau untersuchen; der Abdruck mit dem Monogramm in der
Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M., früher bei
Verstolck, ist indeß auf Papier, welches mir nicht altdeutsch zu sein
scheint, wenigstens habe ich das kleine ungewöhnliche Wasserzeichen
desselben bei keinem Dürer’schen Blatte angetroffen.

Ein anderer sehr frischer Abdruck vor dem Monogramm, im Besitz des Herrn
Geh. Oberfinanzrath Sotzmann in Berlin, ist aber auf entschieden
Holländischem Papier, welches das Wasserzeichen des großen Wappen von
Amsterdam und knapp 11 Linien Abstand der Drathstriche hat, wie solches
im 17. Jahrhundert bei den Zeichnungen und Radirungen Holländischer
Meister häufig vorkommt. -- Auch hierdurch dürften die gehegten Zweifel
bedeutend verstärkt werden.

FUSSNOTEN:

[1] The Typography of the fifteenth Century by Leigh Sotheby, London
1845. Principia Typographica by Leigh Sotheby, London 1858. 3. Volume.

[2] Giorgio Vasari, Vite de’ piu eccellenti Pittori Scultori e
Architetti etc. Mailänder Ausgabe, Vol. 10, wo in dem Leben Marc Anton’s
u.a.: ausser den wichtigsten Holzschnitten, mehr als 20 Dürer’sche
Kupferstiche mit Bewunderung erwähnt und beschrieben werden.

[3] Siehe die Note des Herrn Ober-Tribunal-Procurators Abel in
Stuttgart in dem Correspondenzblatt des Deutschen Geschichts- und
Alterthums-Vereins vom Jahre 1856, Nr. 10, pag. 95, nach welcher die
Gebrüder Frick und Hans Holbain in Ravensburg im Anfange des 14.
Jahrhunderts die Erfinder des Leinen-Papiers gewesen sind.

[4] An inquiry into the origin and early history of engraving upon
copper and in wood etc. etc. by William Young Ottley. London 1816. 2
vol.

[5] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s von Joseph Heller. 2. Band.
p. 927.

[6] Die Bekehrung des Paulus von J.G.A. Frenzel. Leipzig 1854.

[7] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s von Joseph Heller. 2. Bd.
pag. 300.

[8] Siehe den Aufsatz von E. Harzen in Naumanns Archiv für die
zeichnenden Künste, 5. Jahrgang, pag. 119 ff.

[9] Siehe denselben Aufsatz, pag. 132.

[10] Ich bin auf dieses Sachverhältniss durch den, bei dem K.K. Münz-
und Antiken-Cabinet in Wien angestellten, sehr kunsteifrigen Dr.
Freiherrn von Sacken aufmerksam gemacht, und verdanke es der
aufopfernden Gefälligkeit des Herrn Custos Bergmann: Gelegenheit gehabt
zu haben, in der Ambraser Sammlung dieses Kaiser-Schwert auf das
Genaueste untersuchen zu können.

[11] Siehe Campe’s Reliquien von Albrecht Dürer, Nürnberg 1828, p. 142,
und Naumann’s Archiv für die zeichnenden Künste, 5. Jahrgang, 2. Heft,
p. 165.

[12] Siehe Heller. 2. Band. Pag. 443.

[13] Siehe die Monogrammisten, München 1858, pag. 165.

[14] Am angeführten Orte pag. 191.

[15] Siehe Naumann’s Archiv für die zeichnenden Künste. 1. Jahrgang. 3.
Heft. Pag. 196.

[16] Siehe Campe’s Reliquien von Albrecht Dürer, pag. 53.

[17] In dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Berlin und in der
Sammlung des Verfassers.

[18] Ich verdanke die Mittheilung derselben der Güte des Herrn Professor
Rößler in Erlangen.

[19] Siehe Wills Nürnbergische Münz-Belustigungen.



Abschnitt II.

Die Holzschnitte Albrecht Dürer’s.


Einleitung.

Ich bekenne mich, ungeachtet der vielfach dagegen erhobenen Zweifel, zu
der Ansicht, daß Albrecht Dürer selbst den Holzschnitt ausgeübt hat,
wenngleich viele Holzschnitte mit seinem Zeichen vorhanden sind, bei
denen er das Messer nicht geführt, manche, bei denen er nicht einmal die
Zeichnung auf den Holzstock selbst gemacht haben wird.

Bei der großen Gewandheit, welche Dürer in allen Kunstfertigkeiten
besaß, namentlich auch dem Schnitzen in Holz, müßte es unbegreiflich
sein, wenn er sich nicht auch als Formschneider versucht haben sollte,
zumal er vor dem Schlusse des 15. Jahrhunderts (1498) auch als
Buchdrucker auftritt und in dem letzten Drittel dieses Jahrhunderts, wie
Passavant im I. Theil seines Peintre graveur, pag. 57 bis 64, näher
nachweiset, zahlreiche Deutsche Maler als Zeichner, Formschneider und
Drucker zugleich vorkommen. --

Auch ist es ja aus seinen eigenen Notizen bekannt[20], daß »Meister
Sebald Rädleinmacher bei dem Sonnenbade« und »Hanns Franck in der
Fröschau« ihm die Stöcke zurichteten. --

Namentlich in der früheren Zeit möchte unser Meister auch vergeblich
Formschneider von Profession gesucht haben, welche in seinem Geiste mit
der Freiheit und Großartigkeit hätten arbeiten können, wie wir sie in
der im Jahre 1498 vollendeten vortrefflichen Holzschnittfolge der
Offenbarung Johannis bewundern. -- Wie gering die Zahl der Formschneider
in Nürnberg bis zum Schluß des 15. Jahrhunderts gewesen, geht aus den
verdienstlichen »Beiträgen zur Kunstgeschichte Nürnbergs, von J. Baader,
Nördlingen 1860,« hervor, nach welchen, p. 5, bis dahin nur vier
Formschneider als Meister und Bürger aufgenommen, sowie bei dem
Magistrat beeidigt waren.

Späterhin hatte sich dieses allerdings sehr geändert, geschickte
Formschneider, die nur als solche ihre Kunst übten, waren, auch in
Nürnberg, nicht selten und wie erweislich die späteren großen
Holzschnittwerke, welche Dürer für den Kaiser Maximilian zu arbeiten
hatte, der Triumphbogen und der Triumphwagen, nicht von ihm geschnitten
sind, so ist auch in frühern, technisch sehr vollendeten Holzschnitten,
namentlich aus den Jahren 1511 und 1512, die eigne Hand des Meisters
nicht mehr zu erkennen. Dasjenige, was Passavant in seinem Peintre
graveur, Vol. 1, pag. 68 und folgende, als Beweis dafür anführt: daß
unser Meister überall nicht den Formschnitt geübt habe, beweist nur, daß
die Stöcke seiner vorhin erwähnten _späteren_ Werke, namentlich nach
1515, nicht von ihm selbst geschnitten sind, wogegen Niemand einen
Zweifel erheben wird, der sich ernstlich mit den Holzschnitten unsres
Meisters beschäftigt hat. --

Bei den Holzschnitten findet übrigens, in Beziehung auf die Güte der
Abdrücke, eine weit geringere Abstufung statt als bei den Kupferstichen,
und es tritt häufig gegen diese der umgekehrte Fall ein: daß diejenigen
Abdrücke mit recht voller Farbe neuer sind als die helleren, weniger
kräftig scheinenden.

Viele Holzstöcke Dürer’s haben sich lange in verhältnißmäßig gutem
Zustande, theilweise bis auf die neuesten Zeiten erhalten, und die
Gefahr, durch neuere Abdrücke getäuscht zu werden, ist daher bei
Holzschnittblättern weit größer als bei Kupferstichen.

Hier bietet das Studium der Papiere und ihrer Wasserzeichen eine sehr
wesentliche Hülfe dar, welche um so wirksamer ist, als bei dem in der
Regel größeren Format der Blätter die Wasserzeichen weit häufiger
sichtbar sind, das Papier auch selten so geflickt, oder durch Waschen,
Bleichen und Pressen so mißhandelt ist, wie man es nur zu häufig bei den
Stichen findet.

       *       *       *       *       *

Die Papiere, welche Dürer zu den Abdrücken seiner Holzschnitte
gebrauchte, sind durchschnittlich von einer dickeren, weniger feinen
Masse als diejenigen zu seinen Kupferstichen verwendeten, wenngleich sie
-- den Wasserzeichen nach -- theilweise wenigstens aus denselben
Papiermühlen herrühren.

Besonders starke und feste Papiere finden sich bei den Holzschnitten,
welche Text auf der Rückseite haben, die stärksten bei den drei großen
Holzschnittfolgen der Apocalypse, des Leben der Jungfrau und der großen
Passion. --

Die von unserm Meister erweislich während seines Lebens zu Holzschnitten
gebrauchten Papiere haben die folgenden, möglichst chronologisch
geordneten Wasserzeichen:

1) Den Ochsenkopf mit einfachem Strich und Blume,

2) Denselben mit doppeltem Strich und Blume darüber,

3) Die hohe Krone mit 5 Perlen im Stirnbande und einem Kreuz auf dem
Bügel,

4) Eine Wage im Kreise,

5) Zwei verbundene Thürme mit Zinnen,

6) Einen Reichsapfel mit 5strahligem Stern,

7) Eine Urne,

8) Eine Hand mit Blume,

9) Einen Thurm mit einer Krone darüber,

10) Eine sechsblättrige Blume, mit Strich und einem Dreieck darunter,

11) Einen Anker,

12) Denselben im Kreise,

13) Den Ochsenkopf mit einem Schlangenstabe darüber,

14) Einen Dreizack,

15) Einen Krug mit Henkel,

16) Ein Oval mit Stern,

17) Einen stehenden Hund,

18) Eine kleine hohe Krone,

19) Einen kleinen Reichsapfel mit Kreuz darüber,

20) Ein verziertes gothisches ~P~,

21) Ein doppeltes römisches A mit Kreuzstrich darüber.

ad 1. Das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit einfachem Strich und einer
fünfblättrigen Blume darüber; Strich und dreieckiger Spitze darunter,
Nr. 19, wie solches in den Papieren der schönsten Abdrücke Dürer’scher
Kupferstiche so häufig vorkommt, ist bei den Holzschnitten selten. Ich
habe es nur bei _einzelnen_ Probedrücken vom Leben der Maria, der
Apocalypse und der großen Passion angetroffen. Das Papier ist fast von
derselben Feinheit wie bei den Kupferstichen und die Drathstriche sind
13½ bis 13¾ Linien von einander entfernt.

ad 2. Das Papier mit dem Ochsenkopf, über welchem auf einem doppelten
Strich ein Kreuz und darüber eine Blume, auch wohl letztere ohne das
Kreuz, sichtbar sind, Nr. 20 und 20^a, ist ebenfalls selten. Es findet
sich bei Probedrücken von der kleinen Passion, bei ersten Drücken von
Holzschnitten vom Jahre 1510, auch bei Probedrücken vom Leben der
Jungfrau, namentlich B. Nr. 76, 93 und 94. --

Das Papier ist ebenfalls von einer feinen Masse und die Drathstriche
haben eine Entfernung von 13¾ bis 14 Linien.

ad 3. Die hohe Krone, wie solche unter Nr. 21 abgebildet ist, kommt wie
bei den großen Kupferstichen Dürer’s, so auch bei den schönen alten
Abdrücken seiner Holzschnitte am häufigsten vor und ist stets ein
_sicheres Unterscheidungszeichen_ derselben von neueren Drücken.

Unser Meister verwandte dasselbe nicht nur zu vielen der ersten Abdrücke
des »Lebens der Jungfrau« und der »kleinen Passion«, sondern auch zu der
Ausgabe der letzteren mit Text, wie zu anderen nicht zu großen
Holzschnitten.

Die Entfernung der Drathstriche ist bei den zu Holzschnitten verwendeten
Papieren mit diesem Wasserzeichen, wie bei den feineren zu den
Kupferstichen gebrauchten Sorten, nicht gleich, sie wechselt zwischen
12½ bis 15½ Linien.

Papier mit diesem Wasserzeichen, jedoch in etwas veränderter Form, auch
wohl mit dem Buchstaben S im Bügel, findet man noch, auf einzelnen Bogen
der ersten Ausgabe von Dürer’s »Underweysung der meßung, mit dem Zirckel
vn̄ richtscheyt etc.«, vom Jahre 1525; es hat hier eine Entfernung der
Drathstriche von 14¼ Linien.

ad 4. Die Waage im Kreise, Nr. 22 oder 22^a trifft man bei einem Papiere
von schöner weißer Masse, dessen Drathstriche einen Abstand von 13¾ bis
14¼ Linien haben. Das Papier kommt nicht häufig vor, man findet es
jedoch namentlich bei ersten Drucken aus dem Leben der Jungfrau.

ad 5. Zwei durch eine Mauer verbundene Thürme mit Zinnen, unten mit
einer Spitze, Nr. 23, findet man nur selten um das Jahr 1511 -- mit
einer Entfernung der Drathstriche im Papier von 12¾ Linien.

ad 6. Ein Reichsapfel mit Strich und fünfstrahligem Stern, Nr. 24 oder
24^a, befindet sich in einem Papiere von fester Masse. Dürer hat ein
großes Format desselben, in welchem das Wasserzeichen Nr 24 ist, und
dessen Drathlinien 15, sogar 16½ Linien Abstand haben, zu den ersten
Drucken der großen Passion und zu den Probedrücken der Apocalypse, vor
dem Text von 1511 verwandt; also um das Jahr 1510, ebenso zu den etwa
gleichzeitigen großen Holzschnitten B. Nr. 102, 117, 120, 128 und 131.
--

ad 7. Die Urne, Nr. 25 oder 25^a, trifft man bei den zweiten Drucken
Dürer’scher Holzschnitte vom Jahre 1510. Die Masse des Papiers ist
auffallend grob, von gelblicher Farbe, zwischen den Drathstrichen ist
eine Entfernung von durchschnittlich 12½ Linien.

ad 8. Das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, kommt mit einer
Entfernung der Drathstriche von 14¾ Linien bei einzelnen alten Drucken
vom Jahre 1511 vor, doch trifft man dasselbe auch bei späteren Drucken
des Lebens der Jungfrau, dann aber auf etwas dünnerem Papier mit nur 11
Linien Abstand der Drathstriche. --

ad 9 und 10. Ein Thurm mit einer Krone, Nr. 27, und eine sechsblättrige
Blume mit Strich und dreieckter Spitze, Nr. 28, sind die Wasserzeichen
derjenigen Papiere, welche Dürer zu den drei großen Holzschnittfolgen
bei ihrer Herausgabe mit Text im Jahre 1511 gebrauchte, von ihm in
seinem Tagebuche der Niederländischen Reise, die drei großen Bücher
genannt. Die beiden Papiersorten sind von sehr abweichender Bearbeitung
und ohne Zweifel aus zwei verschiedenen Fabriken.

Diejenige mit dem Thurm hat kenntliche Drathstriche, in einer Entfernung
von 20 Linien, bei der anderen mit der Blume sind solche nicht
wahrzunehmen.

Die Bogen, von auffallend fester Masse, haben bei unbeschnittenem Rande
eine Höhe von 17 Zoll 3 Linien und zusammengelegt eine Breite von 12½
Zoll. Sie geben zwei bedruckte Blätter, von denen das eine
Wasserzeichen, das andere keines hat.

Unser Meister verwandte zu allen drei Folgen dasselbe Format, so daß bei
den wenigen Exemplaren, wo man alle drei Werke in ursprünglicher Größe
beisammen findet[21], der Papierrand der Holzschnitte zum Leben der
Jungfrau um so viel breiter ist, als bei den übrigen.

In der Regel wurden von den beiden Papiersorten immer ein Bogen um den
andern genommen. Das Wasserzeichen mit der Blume, Nr. 28, kömmt auch
zuweilen bei einzelnen andern größeren Dürer’schen Holzschnitten vor. --

ad 11. Den Anker, Nr. 29, habe ich nur bei Probedrucken der kleinen
Passion angetroffen.

ad 12. Der Anker im Kreise, Nr. 30 und 30^a, ist häufiger und findet
sich bei ersten Drucken von Holzschnitten vom Jahre 1515, doch auch bei
solchen von den Jahren 1523 und 1525. Das Papier ist fest, wenn auch
nicht von sehr feiner Masse. Die Entfernung der Drathstriche beträgt 13¾
bis 14 Linien.

ad 13. Das Papier mit dem Ochsenkopf, über welchem ein Schlangenstab
sichtbar ist, Nr. 31, trifft man bei ersten Drucken vom Jahre 1518 und
später. Das Papier ist sehr fest und die Drathstriche haben einen
Abstand von 12½ Linien.

ad 14. Ein Dreizack, in der Form von Nr. 32, ist das Wasserzeichen
desjenigen Papiers, welches 1522 und 1523 zu den ersten Editionen des
Triumphwagens Kaiser Maximilians, B. 139, verwandt wurde, die
Drathstriche desselben sind 13¾ bis 14 Linien von einander entfernt. Das
Wasserzeichen, Nr. 32^a, findet man häufig in dem Papiere der
Handschriften Dürer’s.

ad 15. Ein Krug mit dem Henkel, Nr. 33, -- bei den Kupferstichen unsers
Meisters, nach seiner Rückkunft aus den Niederlanden vorherrschend --
findet sich bei Holzschnitten erst 1525 in der ersten Edition von dessen
»Vnderweysung der messung, mit dem zirkel vn̄ richtscheyt etc.« Das
Papier ist fest und die Entfernung der Drathstriche beträgt 13 bis 13¼
Linien.

ad 16. Ein kleines Oval mit Stern, Nr. 34, ist das Wasserzeichen des
Papiers, auf welchem die seltne kleine Jungfrau vom Jahre 1526, B. Nr.
98, gedruckt ist, es hat 15 Linien Abstand der Drathstriche. --

ad 17. Der stehende Hund mit Halsband und gestutzten Ohren, Nr.
35, welchen Heller für einen Bären gehalten hat[22], kommt bei
Holzschnitten erst später, namentlich 1527, in Dürer’s »Underricht zu
befestigung der Stett, Schlosz und flecken« vor. Das Papier hat zwischen
den Drathstrichen eine Entfernung von 13 Linien.

ad 18. Das Wasserzeichen einer kleinen Krone, Nr. 36, welche oft
unregelmäßig geformt ist und ein Kreuz, einen Stern, auch Kreuz und
Stern oben auf dem Bügel hat, findet man nicht früher als bei ersten
Drucken von Holzschnitten des Jahres 1527. Die Güte des Papiers ist
verschieden, auch haben die Drathstriche einen Abstand von 12½ und 11½
Linien.

ad 19. Ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz darüber, Nr. 37, kommt, jedoch
selten, um das Jahr 1525 in Papieren mit 13 Linien Entfernung der
Drathstriche vor. --

ad 20. Ein verziertes ~P~, Nr. 38, findet sich bei den ersten Abdrücken
von dem Portrait Albrecht Dürer’s in einem Papiere, dessen Drathstriche
13½ Linien Abstand haben.

ad 21. Ein doppeltes Römisches A mit einem Kreuzstriche darüber, Nr. 39,
ist das Zeichen eines Papiers von 15½ Linien Entfernung der
Drathstriche, welches bei einzelnen Abdrücken der großen Passion ohne
Text angetroffen wird. --

Die vorbeschriebenen Wasserzeichen sind diejenigen, welche man am
häufigsten bei den alten, zu Dürer’s Lebzeiten genommenen Abdrücken
seiner Holzschnitte findet; es kommen indeß einzelne Abdrücke, welche
ihrer Reinheit und Schönheit nach zu diesen gezählt werden müssen, auch
auf Papieren mit abweichenden Zeichen vor. Diese sind indeß theils nicht
genau kenntlich, theils behalte ich mir vor, sie bei den einzelnen
Blättern zu erwähnen.

Viel mannichfaltiger als bei Dürer’s Kupferstichen sind bei dessen
Holzschnitten die Wasserzeichen derjenigen Papiere, welche man bei den
späteren Abdrücken derselben antrifft, eine natürliche Folge davon: daß
die Holzstöcke weit länger als die Kupferplatten brauchbare Abdrücke
gaben, auch der Werthlosigkeit des Materials wegen, weniger abhanden
gekommen oder zu anderen Zwecken verbraucht sind. --

Es würde zu weit führen, von allen diesen nach Dürer’s Tode vorkommenden
Wasserzeichen, welche theilweise einen Zeitraum von mehreren
Jahrhunderten begreifen, Nachbildungen zu geben, doch habe ich von
einigen der wichtigsten oder am häufigsten vorkommenden Durchzeichnungen
nehmen lassen. Es sind:

Nr. 40. Ein verziertes Römisches K, Entfernung der Drathstriche 12½
Linien.

Nr. 41. Das Wappen der Stadt Nürnberg, Entfernung 10½ bis 11 Linien.

Nr. 42 und 42^a. Eine Art Fischblase mit Stern oder Blume, Entfernung 10
bis 11 Linien.

Nr. 43. Zwei geschweifte, wie ein Hufeisen verbundene Thürme, Entfernung
12¾ Linien.

Nr. 44. Ein geschweiftes langes Wappen, Entfernung 12½ Linien.

Nr. 45. Ein großes geschweiftes Wappenschild mit Krone, Entfernung 11½
bis 12 Linien.

Nr. 46. Ein Wappenschild mit Querbalken, Entfernung 10 Linien.

Nr. 47. Eine Schlange, Entfernung 12 und 12½ Linien.

Nr. 48. Ein verziertes P mit dem Buchstaben A darin, Entfernung 13 bis
13½ Linien.

Nr. 49. Das Wappen von Augsburg, Entfernung 14¼ Linien.

Nr. 50. Dasselbe Wahrzeichen in einem geschweiften Schilde mit einem A
darunter, Entfernung 11½ bis 13½ Linien.

Nr. 51 und 51^a. Ein doppelter Reichsadler mit Krone, Entfernung 11
Linien.

Nr. 52. Eine Lilie mit Krone, Entfernung 11, 12½ bis 13¾ Linien.

Nr. 53. Dieselbe im Kreise, Entfernung 14½ Linien.

Nr. 54. Dieselbe in einem geschweiften Wappenschilde mit Krone darüber,
Entfernung 13¾ Linien.

Nr. 55. Ein Römisches E im Kreise, Entfernung 13 Linien.

Nr. 56. Eine herzförmige Figur, Entfernung 12 Linien.

Nr. 57. Ein geschweiftes längliches Wappenschild, Entfernung 13¾ Linien.

Die Beachtung der Papiere und ihrer Wasserzeichen allein, reicht indeß
bei Holzschnitten eben so wenig als bei den Kupferstichen aus, um mit
Sicherheit die älteren Abdrücke von den neueren zu unterscheiden. Bei
den Holzschnitten bleibt das wesentlichste Kennzeichen immer die größere
Schärfe und Reinheit des Drucks, sowie das Nichtvorhandensein von
Aussprüngen in den Rändern, von Rissen, Wurmlöchern oder sonstigen
kleinen Beschädigungen, denen die Holzstöcke bei fortgesetztem Gebrauch
oder durch die Länge der Zeit ausgesetzt sind.

In Beziehung auf die Reinheit des Drucks darf indeß nicht unbeachtet
bleiben, daß ältere Abdrücke mit Text auf der Rückseite oft weniger klar
und rein sind, als spätere ohne Text. --

Mit Ausnahme der Abdrücke der ersten Editionen der Apocalypse vom Jahre
1498, bei denen die Holzstöcke mit großer Sorgfalt geschwärzt und
gedruckt, welche daher scharf und rein sind, findet man durchschnittlich
die Abdrücke aller Dürer’schen Holzschnittfolgen -- sobald Text auf der
Rückseite ist -- nicht so klar, als gute Abdrücke desselben Holzstocks
ohne Schrift.

Es läßt sich dieses nur dadurch erklären, daß die zu der Schrift
verwandte Druckerschwärze auch für die Holzschnitte gebraucht und
weniger sorgfältig mit den damals gebräuchlichen Lederballen aufgetragen
wurde.

Auch mögen die mangelhafte Construction der damaligen Druckerpressen,
die den Druckern gewöhnliche schnelle Handhabung derselben, so wie die,
durch den Eindruck der Buchstaben, auf der Rückseite entstandene
Ungleichheit der Fläche des Papiers mit daran Schuld sein.

Die Druckerschwärze, welche bei den Dürer’schen Editionen vom Jahre 1511
gebraucht wurde, war häufig unrein und zu stark aufgetragen, daher in
den Schattenparthien der Holzschnitte nicht selten Unklarheiten
entstanden sind.

Diese Mängel, welche oft weniger oft mehr hervortreten, beweisen, daß
Albrecht Dürer auf die Abdrücke der im Jahre 1511 herausgegebenen
Holzschnittfolgen nicht die _persönliche_ Sorgfalt verwandt hat, wie auf
die Holzschnitte ohne Text und auf die Ausgaben der Apocalypse vom Jahre
1498. --

Daß unser Meister übrigens selbst im Besitz einer Buchdruckerpresse und
der erforderlichen Typen gewesen ist, wird nach den Schlußschriften der
verschiedenen Editionen »Gedrücket zu Nurnbergk _durch_ Albrecht dürer
Maler« und »Impressum Nurnberge _per_ Albertum Durer Pictorem« nicht
bezweifelt werden können, auch erkennt man in den semigothischen Typen
des lateinischen Textes der Apocalypse, bei der Ausgabe vom Jahre 1511
dieselben, welche bei der Edition vom Jahre 1498 verwandt wurden, von
welchen sie sich nur durch eine geringere, während des Gebrauchs
verloren gegangene Schärfe unterscheiden. Ebenso sind die zum Leben der
Jungfrau, der großen und kleinen Passion gebrauchten lateinischen Typen
einander ganz gleich. --

Diese letzteren Typen kommen in Nürnberg zuerst bei einzelnen alten
Drucken vom Jahre 1501 und 1502, namentlich »Opera Hrosvite« »Celtis
.... libri amorum« vor, und bei der genauen Uebereinstimmung der zu
diesen Werken gebrauchten Lettern, mit denen, welche Dürer zu den
vorbezeichneten Folgen verwandte, wird man zu der Annahme berechtigt,
daß unser Meister jene zu diesem Zweck erworben hat.

Die Druckerei in Nürnberg, in welcher sie zuerst angewandt wurden, ist
mit Sicherheit nicht bekannt, doch waren diese lateinischen Typen damals
noch selten, und auch an der Stumpfheit derselben bei den Dürer’schen
Drucken im Vergleich zu den erwähnten Werken erkennt man, daß sie durch
früheren Gebrauch abgenutzt waren.[23]

Die Gehülfen, denen Albrecht Dürer im Jahre 1511, selbst durch
vielfache andere Arbeiten in Anspruch genommen, den Abdruck seiner
Holzschnittfolgen überlassen haben wird, sind übrigens oft sehr
nachlässig gewesen, denn die Abdrücke sind auch unter einander
keinesweges gleich, und bei einzelnen Holzstöcken treten noch während
des Druckes kleine Beschädigungen ein, oder werden Fehlstellen sichtbar,
welche dann bei den späteren Abzügen immer bemerkbarer erscheinen.

Im Allgemeinen sind die Abdrücke der großen Passion und der Apocalypse
vom Jahre 1511 die am wenigsten gelungenen, wogegen bei dem Leben der
Jungfrau eine sorgfältigere Behandlung, namentlich auch eine größere
Schärfe der Typen wahrzunehmen ist. Bei der kleinen Passion hat es ohne
Zweifel nachtheilig eingewirkt, daß vier Holzstöcke gleichzeitig auf
einem Papierbogen abgezogen wurden. --

Nach Beendigung des Drucks scheint Dürer den Holzstöcken keine weitere
Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, denn von späteren Abdrücken ohne
Text, welche bei Dürer’s Lebzeiten genommen wären, findet sich keine
Spur. Nur die Holzstöcke der Titel wird Dürer, vielleicht um spätere
Editionen ohne sein Zuthun unmöglich zu machen, zurückgezogen und
besonders bewahrt haben; da von allen vier Folgen -- wie ich bei den
einzelnen derselben nachweisen werde -- diese Titel nicht bei den
übrigen Holzstöcken geblieben, sondern nach Dürer’s Tode verloren oder
in andere Hände übergegangen sind. --


Die Apocalypse.

Die ältesten, als solche mit Sicherheit ermittelten Holzschnitte
Dürer’s, sind die 15 Blatt der Offenbarung Johannis oder der Apocalypse
(Bartsch 61 bis 75), welche derselbe im Jahre 1498 sowohl mit
lateinischem wie mit deutschem Text auf der Rückseite herausgegeben hat.

Für die erste Arbeit dieser Gattung ist es ein eben so umfassendes als
vortreffliches Werk, und der Meister wird wohl mehrere Jahre daran
gearbeitet haben, da meiner, mit C.Fr. von Rumohr[24] übereinstimmenden
Ansicht nach, diese Holzstöcke sämmtlich von ihm selbst geschnitten
sind. Das lebendige des Schnitts, bei der hie und da unverkennbaren
Unsicherheit der Technik spricht dafür, so wie die thunlichste
Vermeidung der Querstriche in den Schraffirungen[25], auch sind, wie
bereits in der Einleitung erwähnt ist, gleichzeitige Holzschnitte
anderer Formschneider von ähnlichem Umfange und derselben
Vortrefflichkeit nicht bekannt.

Diese erste, _ganz_ vollständig, sehr selten vorkommende Ausgabe, ist
neben der großen Reinheit und Schärfe der Abdrücke besonders daran
kenntlich, daß das Papier kein Wasserzeichen, aber sehr bemerkbare
Drathstreifen hat, welche durchschnittlich 15 Pariser Linien von
einander entfernt sind.

Die zweite Ausgabe, welche Albrecht Dürer im Jahre 1511 nur mit
lateinischem Text und unter Hinzufügung des Holzschnitts auf dem Titel,
B. 60, veranstaltete, tritt, in Beziehung auf Schärfe und Reinheit der
Abdrücke, sehr gegen die erste Ausgabe zurück, bei welcher, wie vorher
erwähnt, unser Meister selbst das Schwärzen und Drucken überwacht zu
haben scheint.

Ausserdem ist sie an den Papieren kenntlich, welche die Wasserzeichen
Nr. 27 und 28 haben, auch sind in dem Schriftsatz des lateinischen
Textes einige Abweichungen gegen die erste Ausgabe bemerklich; so steht
unter anderen: Bei dem Text von Bartsch Nr. 64, in der 1. Columne, 4.
Zeile, die Phrase »Item ad terciam figuram«

              bei der 1. Edit. über der Ziffer VI.,
               „   „  2.   „   über dem Worte Capitulum,
    in der 10. Zeile:
                      1.  Edit: super illuz habe,
                      2.   „    sup illum habe;
    in der 11. Zeile:
                      1.  Edit: et exivit,
                      2.   „    ⁊ exivit;
    in der 12. Zeile:
                      1.  Edit: Et cum,
                      2.   „    Et cū;
    in der 2. Columne, 1. Zeile:
                      1.  Edit: Et vidi alterum angelū,
                      2.   „    Et vidi alteꝝ angelum.
    Bei dem Text von B. 74 steht in 1. Columne, 1. Zeile:
                     1.  Edit: iohannem,
                     2.    „   Johānem;
    in der 4. Zeile:
                     1.  Edit: Itē,
                     2.    „   Item;
    in der 6. Zeile:
                     1.  Edit; descē,
                     2.    „   descen;
    in der 7. Zeile:
                     1.  Edit: potestatez,
                     2.    „   potestatem. u.s.w.

Vor dieser zweiten Ausgabe hat Dürer von einzelnen Platten Abzüge ohne
Text auf der Rückseite nehmen lassen, doch nach den Papieren, auf
welchen sie vorkommen und die fast durchgehends das Wasserzeichen des
großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, ausnahmsweise den Ochsenkopf mit
der Blume, Nr. 19, haben, nicht lange Zeit vor dem Druck mit Text. Auch
findet man bei diesen Abdrücken schon einzelne kleine Fehlstellen in den
Einfassungsstreifen, welche bei der ersten Edition noch nicht sichtbar
sind, wohl aber bei der zweiten. Ganze Folgen kommen davon nicht vor und
die einzelnen Abdrücke sind überhaupt sehr selten. Bekannt sind sie mir
nur von den Blättern, B. 61, 63, 64, 65, 74. Nr. 75 ist immer ohne Text.

Diese Abdrücke, von denen man B. 61, 64 und 74 am häufigsten antrifft,
sind, wenn auch nicht ganz so scharf wie die gelungensten der ersten
Ausgabe, sehr kräftig und schön. Besonders malerisch erscheinen die
Abdrücke der Marter des Johannes, B. 61, auf welche Dürer besondere
Sorgfalt verwandt zu haben scheint.

Wenn man die Abdrücke der ersten Editionen vom Jahre 1498 mit Text als
_Ersten Etat_ bezeichnet, so würden die vorbezeichneten Abdrücke ohne
Text der _Zweite Etat_, die Abdrücke vom Jahre 1511 mit lateinischem
Text aber der _Dritte Etat_ sein. --

Von dem Holzschnitt des Titels, B. 60, sind mir nur drei Abdrücke ohne
Text bekannt. Sie haben das Wasserzeichen der zwei verbundenen Thürme
mit Spitze darunter, Nr. 23, und Entfernung der Drathstriche von 12¾
Linien, der Holzstock davon muß sehr bald nach dem Abdruck im Jahre 1511
abhanden gekommen sein. Spätere Abdrücke der Apocalypse ohne Text habe
ich nur selten angetroffen, man findet in dem Papier die Wappen der
Städte Nürnberg und Augsburg als Wasserzeichen. Die Holzstöcke scheinen
daher nicht ferner benutzt zu sein, wenngleich dieselben noch gegen Ende
des vorigen Jahrhunderts in Paris vorhanden gewesen sein sollen.[26]
Häufig trifft man aber die alten Copien vom Jahre 1502 mit dem bei
Heller, pag. 637, abgebildeten Monogramm.

       *       *       *       *       *

In welcher Reihenfolge nach der Offenbarung Johannis, diejenigen
Holzschnitte Dürer’s gearbeitet sind, welche keine Jahrszahl tragen,
dürfte mit Sicherheit schwer zu bestimmen sein. Heller hat zwar eine
Ordnung derselben versucht,[27] doch ist sie wenig begründet und, wie
ich nachweisen werde, keineswegs stichhaltig.

Zu den früheren Holzschnitten, welche vor der Reise nach Venedig
beendigt waren, gehören unstreitig die Blätter, B. 99, 104, 110 und 112,
so wie die 17 Blatt aus dem Leben der Jungfrau, »unser Frauen-Leben«, B.
77 bis 92 und 95, da diese sämmtlich von Marc Anton mit dem Monogramm
Dürer’s schon um 1506 copirt und in den Handel gebracht waren. Daß Marc
Anton die Copien von dem Leben der Jungfrau jedenfalls früher
anfertigte, als Dürer die ganze Folge der 20 Holzschnitte mit dem Text
im Jahre 1511 herausgab, glaube ich durch Folgendes begründen zu können:

1) Auf der Copie Marc Antons von der Verkündigung, B. 83, befindet sich
rechts oben, unter dem Querbalken des Zimmers, die Jahrszahl 1506,
welche -- da sie auf dem Original-Holzschnitt nicht vorhanden ist --
ohne Zweifel den Zeitpunkt der Vollendung des Nachstichs bedeutet.
Dieselbe Jahrszahl 1506 ist auch auf der Copie Marc Antons von dem
Holzschnitt B. 112, die Heiligen Johannes und Hieronymus, vorhanden.[28]

2) Hätte Marc Anton das Leben der Maria später nachgebildet, so würde er
ohne Zweifel auch die im Jahre 1510 geschnittenen Blätter, B. 93 und 94,
sowie den Titel, B. 76, copirt haben, da diese fast die schönsten
Blätter der ganzen Folge sind und er späterhin die kleine Dürer’sche
Passion ganz vollständig mit dem Titel nachstach.

3) Bereits im Jahre 1508 erlies der Rath zu Nürnberg ein Verbot des
Verkaufs der mit dem Monogramm Dürer’s bezeichneten Nachstiche,[29]
solche mußten daher damals schon im Handel verbreitet sein.

4) Waren die Nachstiche Marc Antons schon im Jahre 1506 vollendet, so
klären sich die Widersprüche wegen der Reise Dürer’s nach Venedig, um
gegen Marc Anton deshalb klagbar zu werden, ganz einfach durch die
bekannte Reise desselben in den Jahren 1506 und 1507 auf. --

Vasari sagt in seinem Leben des Marc Antons[30], daß dieser bei den
Nachstichen von Dürer’schen Holzschnitten mit dessen Monogramm solche so
täuschend nachgeahmt habe, daß, da niemand wußte, die Stiche seien von
Marc Anton, sie für Arbeiten Albrecht Dürer’s gehalten und als solche
feil geboten und gekauft wären. Da man dieses dem Dürer geschrieben und
ihm ein Exemplar dieser Nachstiche gesandt habe, so wäre derselbe so
erzürnt worden, daß er sich aufgemacht habe und nach Venedig gekommen
sei, um bei der Signoria über Marc Anton, welcher sich damals in Venedig
aufhielt, Klage zu führen. Er habe indeß nichts anderes erreicht, als
daß jener nicht ferner, weder den Namen noch das Monogramm Dürer’s in
seinen Arbeiten habe anbringen dürfen. Vasari verwechselt zwar die
Nachstiche der kleinen Passion mit denen des Leben der Jungfrau, indem
er von ersteren anführt, sie seien mit Dürer’s Monogramm versehen,
welches gerade umgekehrt der Fall ist, doch möchte kein Grund vorhanden
sein, an der von Vasari so bestimmt angeführten Veranlassung der Reise
Dürer’s zu zweifeln. -- Ganz übereinstimmend mit dem von Vasari
berichteten Erfolg der Klage Dürer’s bei der Signoria ist es: daß Marc
Anton bei dem Nachstich der ganzen kleinen Passion mit Titel, welcher
erst nach dem Jahre 1511, wo Dürer solche herausgab, erfolgen konnte,
nicht mehr das Dürer’sche Monogramm, sondern sein eigenes Täfelchen
anbrachte.

5) Daß ein Theil der Dürer’schen Holzschnitte zu dem Leben der Jungfrau
schon vor dessen Reise nach Venedig beendigt war, beweist auch die
Jahrszahl 1504, welche sich auf dem schönen Blatte der Umarmung
Joachims, B. 79, befindet, ein Blatt, welches zu den ausgebildetsten und
vollendetsten der ganzen Folge gehört. Bartsch liest zwar die Jahrszahl
1509 und Andere, namentlich Heller, schreiben ihm hierin, wie so oft,
ohne eigne Kritik nach. Doch ist der Irrthum leicht nachzuweisen,
wenn man die bei Dürer gebräuchliche Form der Zahl 9 auf andern
Holzschnitten, z.B: B. 31 und 37 der kleinen Passion, oder auf den
Kupferstichen B. 3, 26 und 58 damit vergleicht, auch stimmt die Form der
Zahl 4 mit der gleichen Zahl auf Dürer’schen Handzeichnungen vom Jahre
1504, namentlich der Verspottung Christi, der Geisselung und der
Kreuzschleppung, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien genau
überein.

Aus der Periode, in welcher, nach dem Vorhergehenden, Marc Anton die
Holzschnitte von dem Leben der Jungfrau nachstach, ergiebt sich nun
aber, daß Dürer die Abdrücke dieser 17 Blatt eher in den Handel gebracht
hat, als er das ganze Werk im Jahr 1511 mit dem Text herausgab, und wir
haben daher jedenfalls bei dem Leben der Maria einen nachgewiesenen
_Ersten Etat_ vor dem Text.

Die Abdrücke dieses _Ersten Etats_ sind indeß keinesweges nur daran
kenntlich, daß sie keinen Text auf der Rückseite haben, denn es giebt
eine große Zahl von Abdrücken ohne Text, welche erweislich einer viel
späteren Periode angehören.

Das sicherste Kennzeichen ist die Schärfe und Fehlerlosigkeit des
Druckes, welche den besten Abzügen mit Text gleich ist, diese aber in
Klarheit und malerischer Wirkung, in Folge des sorgfältigeren Auftragens
der Farbe und des sorgsameren Druckens bedeutend übertrifft. Ausserdem
gewähren hier die Papiere und ihre Wasserzeichen einen wesentlichen
Anhaltspunkt der Erkennung, denn diese ersten Abdrücke haben entweder
das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 19 und 20, oder das der hohen
Krone, Nr. 21, dieses am häufigsten, zuweilen auch das der Wage im
Kreise, Nr. 22.

Auch von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstöcken, Nr. 93 und 94,
kommen Drucke ohne Text auf eben diesen Papieren vor, welche -- ihrer
Schärfe und Fehlerlosigkeit nach -- ebenfalls vor der Edition von 1511
abgezogen sind und diesem ersten Etat zugezählt werden müssen.

Der schöne Titel, die Jungfrau mit dem Kinde auf dem halben Monde, B.
76, scheint erst kurz vor der Ausgabe mit Text geschnitten zu sein, denn
es sind davon nur höchst wenige Abdrücke ohne Text vorhanden, welche,
der Klarheit und Schönheit, wie den Papieren nach, für Probedrucke
gehalten werden könnten.

Ob diese aber wirklich vor dem Text oder unmittelbar _nachher_ abgezogen
sind, bleibt zweifelhaft; denn ich habe keinen dieser Abdrücke von einer
solchen Schärfe und Reinheit, namentlich in den Sternen, angetroffen,
wie sie bei den besten Abzügen mit Text vorkommen. Auch ist auf
denselben keine Spur der fünfzeiligen Ueberschrift in großen
lateinischen Buchstaben sichtbar, welche, nach der Ansicht erfahrener
Xylographen auf diesem -- wie fast allgemein anerkannt -- von Dürer
eigenhändig geschnittenen Blatt, von dem Meister selbst eingeschnitten,
nach dem Abdruck mit Text aber von dem Holzstock entfernt ist, wie die
nicht seltnen späteren und stumpferen Abdrücke desselben, welche
Papierrand haben, beweisen.

Die mir zu Gesicht gekommenen anscheinenden Probedrücke vom B. 76 haben
sämmtlich das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr.
20.

Obgleich von allen Holzstöcken des Lebens der Jungfrau Abdrücke des
Ersten Etats vorhanden sind, so kann man doch nicht wohl, wie häufig
geschieht, von einer _Ersten Ausgabe_ vor dem Text reden, denn ich
glaube nachgewiesen zu haben, daß Dürer diese Blätter theilweise zu
verschiedenen Zeiten in den Handel brachte, auch ist mir bis jetzt --
selbst in den berühmtesten und vollständigsten Sammlungen -- nicht ein
einziges Exemplar vorgekommen, bei dem die Abdrücke _sämmtlich_ von
diesem Ersten Etat wären.

Dürer erwähnt in seinem Tagebuche ebenfalls des Lebens der Jungfrau nur
als großes Buch d.h. mit Text.

Nach Dürer’s Tode kommen dagegen Folgen von Abdrücken ohne Text, von
sämmtlichen Blättern, jedoch mit Ausnahme des Titels vor, welche nach
dem Papier und der Druckweise gleichzeitig genommen und in den Handel
gebracht wurden.

Die Holzstöcke sind bei den ältesten dieser Folgen -- wenngleich in
einzelnen Kleinigkeiten verletzt -- meist noch sehr wohl erhalten, und
man kann manche der oft sehr sorgfältigen Drucke, wenn man nicht das
hier untrügliche Papier mit seinen Wasserzeichen beachtet, nicht leicht
von den Abdrücken des Ersten Etats unterscheiden. Auch von dem Titel
kommen, wie bereits oben erwähnt, spätere Drucke ohne Text vor, die
besseren auf Papier mit dem Wasserzeichen der Hand mit der Blume, Nr.
26, doch weit seltner und nie auf denselben Papieren der späteren
Folgen, daher diese Platte gleich nach der Ausgabe mit Text von den
übrigen zusammen gebliebenen Holzstöcken getrennt und in andere Hände
gekommen sein muß. --

Bei einzelnen der Holzschnitte aus dem Leben der Jungfrau giebt es
übrigens noch einige besondere Kennzeichen, welche die Bestimmung der
Priorität der Abdrücke erleichtern. 80 sind auf B. 84 -- der Heimsuchung
-- ganz oben, zu den Seiten der in der Mitte befindlichen weißen Wolke,
zwei kleine Fehlstellen, welche bei den ersten Drucken kaum sichtbar,
schon während des Druckes der Ausgabe mit Text deutlicher werden und bei
den späteren Abdrücken immer mehr hervortreten.

Auf Nr. 86, der Beschneidung, ist oben rechts in der Ecke eine weiße
Fehlstelle, welche zwar auch auf früheren Abdrücken sichtbar, aber nur 3
Linien lang und etwa eine halbe Linie breit ist, während sie auf den
Abdrücken nach dem Text vier Linien lang und ein bis ein und eine halbe
Linie breit wird.

Eine ähnliche weiße Stelle ist schon auf den ersten Abdrücken von der
Flucht nach Egypten, B. 89, links über dem obersten Fruchtbüschel des
Palmbaumes sichtbar, sie breitet sich aber später -- besonders nach
unten -- weiter aus.

Auf Nr. 95, der Verehrung der Jungfrau, ist bei allen Abdrücken nach dem
Text, ein feiner Sprung zu bemerken, welcher, in der Mitte des
Holzstocks, von oben bis auf die Haare der Maria hinunter geht. Er ist
anfangs sehr fein und kommt so schon auf mehreren Abdrücken mit Text
vor, auf den späteren Drucken wird dieser Sprung aber immer
augenfälliger.

Diejenige Abdrucksfolge von dem Leben der Jungfrau, welche, der Schärfe
und Erhaltung der Holzstöcke nach, die früheste von denen nach Dürer’s
Tode veranstalteten ist, und wenn man die Abdrücke vor dem Text als
_Ersten_, diejenigen mit Text als _Zweiten_ Etat bezeichnet, als
_Dritter Etat_ erscheint, hat Papier mit dem Wasserzeichen einer Art
Fischblase oder Urne, Nr. 42. Es ist nicht so dick wie die älteren
Papiersorten zu Dürer’s Zeit, aber fest und die Drathstriche haben einen
Abstand von knapp 11 Linien. Eine große Zahl dieser Abdrücke findet sich
in den Sammlungen zerstreut, auch habe ich verschiedene Male die Folge
von B. 77 bis 95 vollständig angetroffen.

Der Verleger dieser Abdrücke muß ausser den Holzstöcken des Lebens der
Jungfrau noch andere Dürer’sche Holzstöcke besessen und Abdrücke davon
verbreitet haben, denn dasselbe Papier und gleiche Druckweise trifft man
bei späteren Abzügen, namentlich von der Anbetung der Könige, B. 3, und
der Verehrung der Maria, B. 101. -- Zu diesem _Dritten Etat_ des Lebens
der Jungfrau sind noch _einzelne_ Abdrücke von fast gleicher Güte zu
rechnen, welche auf Papieren vorkommen, die das Wasserzeichen einer Hand
mit Blume, Nr. 26, oder eines mit der Krone bedeckten Wappenschildes
haben, worin sich eine Lilie befindet, Nr. 52. Die Drathstriche des
ersten Papiers haben eine Entfernung von 11 Linien, das letztere Papier
ist besonders fest, die Entfernung der Drathstriche etwas geringer.

Eine nur etwas spätere Folge, ebenfalls ohne Titel und nicht minder
sorgfältig gedruckt, erkennt man an dem Papiere mit dem Wasserzeichen
eines großen geschweiften Wappens und einer Krone darüber, Nr. 45.

Dieses Papier mißt, unbeschnitten, in der Höhe 15 Zoll 4 Linien, in der
Breite 12 Zoll 3 Linien, so daß der Papierrand der Abdrücke 2 bis 2½
Zoll beträgt.

Bei dieser Folge ist zu bemerken, daß statt der zum Leben der Jungfrau
gehörenden Anbetung der Könige, B. 87, sich darin die Anbetung der
Könige, B. 3, befindet und daß am Schluß die Verehrung der Maria, B.
101, angefügt ist.

Das Papier, dessen Drathstriche einen Abstand von 11¾ Linien haben, ist
fest und etwas griffiger als das der vorbezeichneten Folge. Die Abdrücke
sind kräftig, und nur nach sehr genauer Vergleichung entdeckt man an der
Zunahme der kleinen Aussprünge in den Einfassungs-Rändern, wie an der
Ausdehnung der kleinen Fehlstellen in B. 84, 86, 89 und 95, daß diese
Edition, welche als _Vierter_ Etat zu bezeichnen wäre, später als die
vorhergehende veranstaltet ist. In den Abdrücken von B. 3 und 101 finden
sich schon die in den frühesten Abdrücken derselben noch nicht
sichtbaren Sprünge ziemlich bedeutend.

Die Abdrücke dieses _Vierten Etats_ sind übrigens weit seltener als
diejenigen des _Dritten Etats_. Auffallend ist bei diesen späteren
Editionen die größere Schärfe und Reinheit der Abdrücke von den im Jahr
1510 geschnittenen Holzstöcken gegen alle übrigen der Folge. Es
bestätigt dieses die von mir ausgesprochene Ansicht: daß die Abdrücke
der 17 älteren Holzstöcke früher verbreitet und daher auch häufiger
abgezogen sind als die von B. 93 und 94.

Ausser diesen vorbezeichneten guten Folgen, welche jedem Sammler noch
Freude machen werden, findet man von dem Leben der Jungfrau nicht selten
spätere sehr mittelmäßige oder schlechte Abdrücke, welche neben geringer
Kraft der Farbe, theilweise auch Spuren von Wurmfraß in den Holzstöcken
haben, besonders aber auch durch das geringe meist sehr dünne Papier
kenntlich sind, welches häufig das Wasserzeichen eines Wappenschildes
mit Querbalken, Nr. 46, oder des Reichsadlers, Nr. 51, hat. --


Die grosse Passion.

Von der durch Albrecht Dürer ebenfalls im Jahr 1511 herausgegebenen
großen Passion mit Text, B. 4 bis 15, auf den pag. 48 und 49 näher
beschriebenen Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 27 und 28, giebt es
frühere Abdrücke ohne Text, welche sich durch Schärfe und Reinheit vor
allen übrigen auszeichnen und daher als ein _Erster Etat_ bezeichnet
werden müssen.

Sie sind indeß ungleich seltner wie ähnliche Abdrücke von dem Leben der
Jungfrau und es scheint: daß solche erst nach Vollendung der vier im
Jahre 1510 geschnittenen Blätter, B. Nr. 5, 7, 14 und 15, also kurz vor
der Edition mit Text, abgezogen sind.

Das dazu verwandte Papier hat in der Regel übereinstimmend mit den
wenigen gleichzeitigen Probedrucken der Apocalypse vor dem Text von 1511
das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr. 24,
doch trifft man, wie wohl selten, auch einzelne Abdrücke auf Papier mit
dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder der hohen Krone.

Bei einigen reinen Abdrücken, welche von den Liebhabern für Abdrücke
dieses Ersten Etats gehalten werden, findet man Papier mit dem
Wasserzeichen des doppelten A, Nr 39, mit 15½ Linien Entfernung der
Drathstriche, doch habe ich auch entschieden spätere Drucke mit diesem,
sonst schon bei alten Nürnberger Drucken vom Jahr 1502 vorkommenden
Wasserzeichen gefunden, denn namentlich bei der Höllenfahrt, B. 14, war
unter dem Gewande des Christus, am Boden 3½ Zoll von der linken
Einfassungslinie entfernt, die Spur eines feinen Sprunges des Holzstocks
sichtbar, von dem auf den Abdrücken mit Text noch nicht das geringste zu
bemerken ist.

Bei den Abdrücken des Ersten Etats kommen die 11 Blätter, B. 5 bis 15,
gleichmäßig vor, der Titel aber, B. 4, ist, wenn er sich dabei befindet,
häufig minder schön, sogar bei dem ausgezeichneten Exemplar in der
Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und demjenigen in der Königl.
Kupferstichsammlung zu Berlin. Er ist, soweit ich zu bemerken
Gelegenheit gehabt habe, immer auf einem von dem andern abweichenden
Papiere gedruckt, dessen Masse, mit 13¾ Linien Abstand der Drathstriche,
von weit geringerer Güte ist.

Es scheint dieses zu beweisen: daß auch zu diesem Titel der
vortreffliche Holzstock erst für den Druck geschnitten wurde.

Daß er nach Vollendung des Drucks mit Text sehr bald abhanden gekommen
sein muß, beweist die Seltenheit seiner Abdrücke, und daß er bei allen
später veranstalteten Editionen dieser Passion fehlt.

Von den Abdrücken ohne Text, welche erst nach der Edition vom Jahre 1511
dem _Zweiten Etat_ genommen sind und daher als _Dritter Etat_ bezeichnet
werden müssen, giebt es wenige, denen man die spätere Periode nicht auf
den ersten Blick ansehen könnte.

Die bessern davon sind unstreitig die vorhin bezeichneten Abdrücke mit
dem Wasserzeichen des doppelten A, Nr. 39, im Papier, fast gleich gute
haben ein verziertes K, Nr. 40, mit 12½ Linien Abstand. Bei den späteren
Abdrücken werden Risse, denen diese großen Holzstöcke besonders
ausgesetzt gewesen sind, immer sichtbarer. Solche findet man auf
Papieren mit dem Wasserzeichen eines großen bekrönten Reichsadlers, mit
Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien, oder eines verzierten P, Nr.
48, mit 13¾ Linien Abstand, auch einer Schlange, Nr. 47, mit 12 und 12½
Linien Entfernung der Drathstriche.

Spätere Editionen der 11 Holzschnitte ohne Text und mit einem gedruckten
Titel sind veranstaltet: im Jahre 1675 durch Koppmayer in Augsburg,[31]
so wie im Jahre 1680 in Ulm, doch sind die Abdrücke dieser letzten
Ausgabe sehr unrein und schmutzig.


Die kleine Passion.

Von allen Werken unsere Meisters, ist die kleine Holzschnitt-Passion, B.
16 bis 52, bei weitem das verbreitetste. Es kömmt in sehr verschiedenen
Zuständen vor.

Von dem Ersten Etat, vor der Edition mit Text vom Jahre 1511, giebt es
einzelne Abdrücke von einer bewundernswürdigen Schärfe und Reinheit,
welche auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit doppeltem
Strich, Kreuz und Blume, Nr. 20, oder der hohen Krone, Nr. 21, abgezogen
sind. Bei den frühesten dieser Drucke hat auf der Vertreibung aus dem
Paradiese, B. 18, der Rückgrat der Eva 10 kleine Quer-Schraffirungen,
welche späterhin weggeschnitten sind, bei welcher Gelegenheit auch dem
Strich des Rückgrats bei einer geringen Verkürzung ein besserer Schwung
gegeben ist.[32] Diese Aenderung wurde von Dürer jedenfalls vor der
Herausgabe mit Text bewerkstelligt, indem die Querstriche auf Abdrücken
mit dem Text niemals vorkommen und es auch Drucke des Ersten Etats
giebt, auf denen diese Correktur bereits eingetreten ist.

Von diesem Ersten Etat vor dem Text giebt es einzelne ganze Folgen,
welche ich auf Papier mit der hohen Krone sowohl als auf solchem mit dem
kleinen Reichsapfel mit Stern, Nr. 24^a, angetroffen habe, bei denen
aber immer der Titel, B. 16, fehlt, welcher ohne Text nicht in den
Handel gekommen ist. Dieser eben so tief empfundene als vortrefflich
geschnittene Holzstock, von welchem mir nur _ein einziger Probedruck_ in
dem Musaeo zu Amsterdam bekannt geworden ist, wird daher nur für die
Ausgabe mit Text gearbeitet und nach Beendigung des Drucks derselben
abhanden gekommen sein, während die übrigen Holzstöcke sich zum größten
Theile bis auf die Gegenwart erhalten haben.

Ein merkwürdiges Exemplar dieses ersten Etats befindet sich in dem
Musaeo zu Amsterdam, wo die 36 Holzstöcke zu vier auf einem Papierbogen
gedruckt, noch unzerschnitten erhalten sind. Der Rückgrat der Eva auf B.
18 hat bei diesen Abdrücken noch die Quer-Schraffirungen. Von den 9
Bogen dieses Exemplars haben 2 das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21, im Papier, 7 aber dasjenige eines Ankers, Nr. 29, wie er mir sonst
nie vorgekommen ist.

Der Zweite Etat ist die von Dürer im Jahre 1511 mit dem Text des
Chelidonius veranstaltete, sehr verbreitete Ausgabe, welche in
Bibliotheken und einzelnen Sammlungen noch ab und an als gebundenes Buch
mit vollem Rande vorkommt.

Sie ist auf sehr festem, schönem Papier, mit dem Wasserzeichen der hohen
Krone, Nr. 21, und einer Entfernung der Drathrippen von 15 Linien
gedruckt und die Blätter haben unbeschnitten eine Höhe von reichlich 7
und eine Breite von 5¼ Zoll.

Die vollständigen Folgen mit dem echten Titel sind übrigens
ausserordentlich selten, wie denn von den reichen Wiener Sammlungen
diejenige des Erzherzogs Albrecht allein eine solche besitzt und keine
der Münchener Dürer-Sammlungen einen echten Titel aufweisen kann. Man
findet die Abdrücke in Beziehung auf Klarheit merklich verschieden, je
nachdem die Drucker mehr oder weniger Sorgfalt auf die Schwärzung der
Holzstöcke verwendet haben. Heller[33] erwähnt nach Heinecke einer
ersten Ausgabe mit Text, auf deren Titel über dem Holzschnitt die Worte:

    Figurae Passionis Domini nostri Jesu Christi

und am Ende:

    finit impressum Noribergae 1511

stehen sollen. Ich habe einen solchen Schluß nie zu Gesicht bekommen, er
kann aber nicht echt sein, da bei allen Dürer’schen Werken mit
lateinischem Text steht

    »impressum Nurnberge«

niemals

    »impressum _Nori_bergae«.

Die obige Ueberschrift, Figurae Passionis etc., findet sich aber auf dem
Titel der ebenfalls von Heller, pag. 605, angeführten sogenannten
Mommard’schen Copien dieser kleinen Passion, der sehr verbreitet ist und
in vielen Sammlungen den echten Titel vertritt. Seine Ueberschrift
lautet genau:

    Figurae Pas
    sionis domini
    nostri Jesu Christi,

und das Papier hat das Wasserzeichen des Wappens von Augsburg.

Diese, überhaupt nicht seltenen Copien kommen auch als Buch gebunden vor
und werden manchmal selbst in öffentlichen Bibliotheken für Originale
ausgegeben.

Bei Bartsch haben sich ebenfalls mancherlei Irrthümer und
Verwechselungen bei den Anmerkungen zu diesem Dürer’schen Werke
eingeschlichen, auch stimmt die von ihm beobachtete Folge der
Holzschnitte nicht mit dem Inhalte des Textes zu denselben überein,
indem nach diesem auf B. 20 die Blätter 22 und 23, und dann 21 und 24
folgen.

Der Titel der Ausgabe mit Text vom Jahr 1511 ist übrigens bei Heller,
pag. 602, wo dieser von der zweiten Ausgabe spricht, richtig angegeben.

Abdrücke eines dritten Etats ohne Text aber später als der Druck des
Textes sind häufig. Die besseren davon haben ein festes stark geripptes
Papier, mit 14 Linien Abstand der Drathstriche. Es giebt auch
vollständige Folgen aller 36 Blätter von B. 17 bis 52, auf einem weichen
Papier, welches das Wasserzeichen der kleinen hohen Krone, Nr. 36, hat,
die aber sowohl dieses Papiers wegen, das zuerst 1527 bei Drucken
Dürer’scher Werke und bei dem Holzschnitt, B. 137, vorkommt, als auch
wegen Mangel an durchgängiger Schärfe und Reinheit des Drucks, erst nach
Dürer’s Tode abgezogen sein werden.[34] Andere geringere Abdrücke haben
ein gelbliches sehr weiches Papier, dessen Drathstriche sich schwer
wahrnehmen lassen.

Ueberhaupt ist eine Classification der verschiedenen Abdrucks-Gattungen
dieser späteren Etats viel schwieriger als bei dem Leben der Jungfrau,
da bei diesen kleineren Blättern nur ausnahmsweise Spuren von
Wasserzeichen zu entdecken sind.

Die lange beisammen gebliebenen 36 Holzstöcke sind bekanntlich später
nach Venedig gewandert, wo Daniel Bissuccio im Jahre 1612 davon eine
Ausgabe mit italienischen Gedichten des Mauritio Mero veranstaltete. Der
Titel dieser höchst seltenen Ausgabe[35] ist bei Heller, pag. 604,
richtig angegeben, das auf demselben befindliche Brustbild Dürer’s ist
eine mittelmäßige verkleinerte Copie des Portraits von Peter Myriginus,
Heller Nr. 73. Es ist rund, 1½ Zoll im Durchmesser und hat die
Umschrift:

    Imago Alberti Dureri 1553
    Aetatis suae LVI.

Das Buch, dessen auf besonders festen stark gerippten, mit dem
Wasserzeichen des Ankers im Kreise versehenen Papier, gedruckte Blätter
7¼ Zoll hoch und 5¼ Zoll breit sind, enthält complet -- nicht wie Heller
anführt -- 40 sondern 42 Blätter mit den Custoden A bis L.

Die Holzschnitte folgen wie bei der Ausgabe mit lateinischem Text, doch
kommt der Holzschnitt B. 31, Christus wird vor Pilatus geführt, zweimal
vor, das zweitemal zwischen B. 32 und 33.

Die Holzstöcke sind bei dieser Italienischen Ausgabe von den Druckern,
in Beziehung auf das Schwärzen, höchst nachlässig behandelt, daher ist
sie sehr ungleich von Druck, jedoch zeigen die Stöcke im Allgemeinen
noch eine sehr gute Erhaltung.[36] Der größte Theil derselben ist
späterhin nach England gekommen und befindet sich im British Museum,
wodurch die neueste Ausgabe dieser Passion durch Henry Cole,
London 1844, veranlaßt ist, bei welcher der Abdruck mit, von den
Originalholzschnitten genommenen galvanoplastischen Abformungen, und
Ergänzung der fehlenden, namentlich des Titels B. 16, gemacht wurde.



Die übrigen Holzschnitte Dürer’s.


Bei den folgenden Bemerkungen über die einzelnen Holzschnitte unsers
Meisters habe ich, wie bei den Kupferstichen, die von Bartsch
beobachtete Reihenfolge beibehalten, ohne auf die wahrscheinliche oder
durch die Jahrszahlen dargethane Priorität ihrer Vollendung weitere
Rücksicht zu nehmen.


B. 1. Der Tod Abels 1511.

Dieses Blatt gehört zu den großen Seltenheiten. Man findet es zwar in
den meisten öffentlichen, doch nur in sehr wenigen Privat-Sammlungen,
besonders in unversehrtem Zustande. Der Druck ist gewöhnlich scharf und
schön, das Papier sehr fest mit Drathstrichen in einer Entfernung von 13
auch 13¾ Linien. Als Wasserzeichen findet man zwei verbundene Thürme,
Nr. 23.


B. 2. Simson tödtet den Löwen.

Von diesem häufig vorkommenden Holzschnitte sind Abdrücke auf
Papiersorten, welche erweislich von Dürer gebraucht wurden,
ausserordentlich selten.

Zu den besseren der späteren gehören diejenigen auf sehr starkem Papier
ohne kenntliche Drathstriche, mit dem Wasserzeichen des Wappens von
Augsburg. Neuere Abdrücke trifft man oft und soll der Holzstock noch
gegenwärtig in Paris vorhanden sein.

In der Königlichen Kupferstich-Sammlung in Stuttgart befindet sich ein
leider stark beschädigter Probe-Abdruck dieses Holzschnitts von großer
Schärfe, auf welchem das Monogramm Dürer’s noch nicht eingeschnitten
ist.


B. 3. Die Anbetung der Könige. 1511.

Die ersten Abdrücke dieses schönen Holzschnittes haben Papier mit dem
Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, oder des Ochsenkopfes mit
Kreuz und Blume, Nr. 20. Sie sind ausserdem daran kenntlich, daß
in der Mitte des das Dach tragenden großen Querbalkens, in den
Kreuzschraffirungen nur eine kleine weiße Fehlstelle sichtbar ist,
welche bei den späteren Drucken in einen weißen bis an den Rand des
Holzstocks hinauf reichenden Sprung ausgeht.

Diese späteren Drucke kommen auf den bei dem 3. und 4. Etat des Lebens
der Jungfrau bemerkten Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 42 und 45 vor.


B. 53. Das Abendmahl. 1523.

Nicht sehr häufig sind die ersten Drucke mit vier Strichlein in der
Schüssel am Boden. Man findet sie auf Papieren mit dem Wasserzeichen der
hohen Krone, Nr. 21, des Ankers im Kreise, Nr. 30, auch des Ochsenkopfes
mit dem Caducaeus, Nr. 31. Die sogenannten zweiten Drucke mit fünf
Strichlein halte ich für Copien, sie kommen auf Papier mit dem
verzierten ~P~, Nr. 48, vor, die Abdrücke haben häufig Fehlstellen, auch
in der Mitte den Ansatz zu einem Sprunge.


B. 54. Christus im Oelgarten.

Es scheint ein Versuch für die kleine Passion zu sein, welcher unsern
Meister nicht befriedigt hat und durch den Holzschnitt B. 26 so schön
ersetzt ist. Die hier ausgeführte Idee, unsern Heiland im Gebet auf dem
Erdboden ausgestreckt so darzustellen, daß er wie im Vorgefühl seines
Leidens mit seinem Körper und den ausgebreiteten Armen die Form des
Kreuzes beschreibt, ist späterhin von Dürer in einer ausserordentlich
schönen Federzeichnung vom Jahr 1521, welche sich in der Sammlung des
Städel’schen Instituts in Frankfurt a.M. befindet, auf das glücklichste
zur Lösung gekommen.[37]

Der Holzschnitt ist in ganz scharfen reinen Abdrücken sehr selten,
gewöhnlich ist er roh im Druck. Die alten haben ein festes Papier mit
Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien.


B. 55. Christus am Kreuz. 1510.

Von diesem durch Einfachheit des Schnitts ausgezeichneten Blatte,
welches, als fliegendes Blatt, auf den alten Abdrücken mit einer
zweizeiligen Ueberschrift und einem Gedicht in acht Absätzen von je zehn
Zeilen versehen ist, giebt es zwei Abdrucks-Gattungen.

Die erste, welche in Ueberschrift und Versen genau mit der Angabe
Hellers, 2. Bd., pag. 613 bis 616, übereinstimmt, hat Papier mit dem
Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21.

Die zweiten Abdrücke haben im Papier das Wasserzeichen der liegenden
Urne, Nr. 25^a, mit 12 bis 12½ Linien Entfernung der Drathstriche. Sie
sind ausserdem daran kenntlich, daß in der Ueberschrift statt

    »Das sind die syben Tagezeyt«
    »Darin Christus auff erden leyt«

zu lesen ist:

    »Das sindt die sieben tage zeit«
    »Darin Christus auf erdē leit.«

Auch in den Versen kommen ähnliche Abweichungen der Schreibart vor.


B. 56. Christus am Kreuz. 1516.

Die alten nicht häufigen Abdrücke dieses schönen Holzschnitts mit
reicher Randverzierung, von denen man auch einzelne auf Pergament
antrifft, haben auf der Rückseite gedruckt die Titel der Bücher des
alten Testaments von i. Hiob bis xij Malachia[38] und sind auf Papier
mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, und 14 Linien
Entfernung der Drathstriche gedruckt. Die oft vorkommenden neueren
Drucke erkennt man an einem sehr dünnen Papier.


B. 57. Christus am Kreuz, zur Rechten Johannes, welcher die in Ohnmacht
sinkende Jungfrau unterstützt.

Dieses Blatt, von dem es nach Bartsch auch Abdrücke in clair obscur mit
2 Platten giebt, ist so ausserordentlich selten, daß ich über das
Papier, auf welchem solches vorkommt, Auskunft zu geben ausser Stande
bin.


B. 58. Christus am Kreuz, drei Engel fangen das Blut auf.

Die ersten Abdrücke dieses Blattes, ehe der Holzstock durch Ansatz
vergrößert wurde, sind von großer Schönheit und Schärfe, aber
ausserordentlich selten, sie haben ein stark geripptes Papier ohne
Wasserzeichen, mit 18 Linien Entfernung der Drathlinien.[39]

Die großen zweiten Drucke pflegen ein sehr starkes Papier zu haben, in
dem man das Wasserzeichen eines fünfstrahligen Sterns über einer
geschweiften Unterlage, oder einer Lilie in einem gekrönten
Wappenschilde, Nr. 54, letzteres mit einem Abstände der Drathstriche von
13 Linien wahrnimmt. Zuweilen kommt auch der Reichsadler als
Wasserzeichen vor.


B. 59. Der Calvarienberg.

Man erkennt die ersten Drucke dieser reichen Composition daran, daß die
Spitze des Nagels, welcher die rechte Hand des zur Rechten des Erlösers
gekreuzigten Schächers durchbohrt, um etwa zwei Linien durch das Kreuz
hindurchgeht. Diese kommen mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise auch
auf einem festen Papier mit ungleich theils 12 theils 14¼ Linien
abstehenden Drathstrichen vor, dessen Wasserzeichen zwei verbundene
Thürme darstellt.


B. 96. Die heilige Familie. 1511.

Häufig sind die Abdrücke dieses Holzschnittes besonders scharf und
schön, wie überhaupt die in den Jahren 1510 und 1511 geschnittenen
Holzstöcke unsers Meisters sich durch Klarheit und Schärfe auszeichnen.

Das Papier der besten Drucke hat das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit
Kreuz und Blume, Nr. 20.


B. 97. Die heilige Familie mit dem Zitter spielenden Engel. 1511.

Dieses in alten Drucken schöne und klare Blatt, hat dann Papier mit dem
Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, des Ochsenkopfes mit
Doppelstrich, Nr. 20, des Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, oder des
stehenden Hundes, Nr. 35. Die späteren Drucke sind oft in der Mitte
etwas unrein und an dem Wasserzeichen des doppelten Reichsadlers
kenntlich.


B. 98. Die Jungfrau auf der Rasenbank. 1526.

Als anerkannt von Albrecht Dürer selbst geschnitten und eine der letzten
seiner Arbeiten, hat dieser ausserordentlich seltene Holzschnitt ein
doppeltes Interesse. Das Papier hat eine Entfernung der Drathstriche von
15 Linien und zuweilen das Wasserzeichen eines fünfstrahligen Sterns
über einem Oval, Nr. 34.

Das Meisterliche und doch Milde, welches in Dürer’s, nach seiner
Niederländischen Reise, gearbeiteten Kupferstichen vorherrscht, ist auch
in diesem Holzschnitt unverkennbar.


B. 99. Die heilige Familie mit vier Engeln.

Bartsch führt irrthümlich nur 3 Engel an. Der Schnitt ist etwas roh, und
wahrscheinlich deswegen hat Heller dieses Blatt unter die Zweifelhaften
unsers Meisters gesetzt. Ich glaube, daß dasselbe entschieden von Dürer
herrührt, die Gleichzeitigkeit mit ihm beweisen die alten schönen
Abdrücke, welche Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone und einen
Abstand der Drathstriche von 15½ Linien haben. Auch ist dieses Blatt von
Marc Anton mit dem Monogramm Dürer’s nachgestochen, woraus hervorgeht,
daß es zu den ältesten Holzschnitten unsres Meisters vor 1506 gehört.


B. 100. Die heilige Familie in einem gewölbten Zimmer.

Selten findet man von diesem Holzschnitt erste, ganz fehlerfreie
Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise oder auf
festem Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Die späteren,
an einer weißen Fehlstelle kenntlich, welche sich an der linken Seite
oben neben der über dem Bogen liegenden Figur befindet, kommen
gewöhnlich mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers und 11 Linien
Entfernung zwischen den Drathrippen vor.


B. 101. Die Jungfrau mit dem Apfel in der Hand, von vielen Engeln
verehrt. 1518.

Es ist dieses einer der verbreitetsten Holzschnitte unsers Meisters,
dessen Platte aber sehr bald Sprünge bekommen hat, daher die alten
vollkommen reinen Abdrücke selten sind. Bei diesen findet man das feste
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr.
31, und einem Abstand der Drathrippen von 12½ Linien, welches früher
nicht vorkommt, später aber bei den Dürer’schen Holzschnitten mehrfache
Anwendung gefunden hat.

Die späteren Abdrücke haben das Wasserzeichen Nr. 44, andre diejenigen
des 3. und 4. Etats des Lebens der Jungfrau, Nr. 42 und 45, auch des
Reichsadlers, sind aber durch immer zahlreichere und größer werdende
Sprünge entstellt.


B. 102. Die Jungfrau mit den Caninchen.

Dieses Blatt ist an sich nicht selten, doch in alten Abdrücken nicht
häufig. Diese sind sehr schön und haben in dem Papier von feiner Masse
das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24.


B. 103. Der heilige Christoph. 1511.

Bei alten Abdrücken dieses schönen Holzschnittes trifft man das
Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, spätere Abdrücke, welche bis
auf kleine Aussprünge im Einfassungsrande oben, rein und fehlerfrei
sind, haben ein weißes Papier mit etwas unregelmäßig 11 Linien
entfernten Drathstrichen.


B. 104. Der heilige Christoph mit den Vögeln.

Die älteren Abdrücke dieses nie sehr scharfen Holzschnittes findet man
mit dem Wasserzeichen der Wage im Kreise, des Ochsenkopfes mit dem
Schlangenstabe, oder auf einem Papiere, welches fest, aber nicht von
feiner Masse ist und dessen Drathstriche eine Entfernung von 13 Linien
haben. Vasari erwähnt dieses auch von Marc Anton mit dem Monogramm
Dürer’s nachgestochenen Blattes.


B. 105. Der heilige Christoph. 1525.

Dieser Holzschnitt von sehr hoher und schmaler Form, einer der wenigen,
welche nach Dürer’s Reise in den Niederlanden gearbeitet sind, ist nicht
häufig, besonders selten aber findet man die ersten Abdrücke, bei denen
die Füße im Wasser noch nicht durch den Ansatz eines 2 Zoll hohen
Holzstocks von minder geschickter Hand hinzugefügt sind.

Die guten Abdrücke in ganzer Größe haben ein sehr starkes Papier mit
Entfernung von reichlich 12½ Linien zwischen den Drathstrichen, auch
wohl das Wappen der Stadt Nürnberg, Nr. 41, als Wasserzeichen. Bei
späteren Drucken findet man auch die Wasserzeichen einer Lilie mit Krone
oder des Augsburger Wappen im geschweiften Schilde, Nr. 50.


B. 106. Der heilige Colomann.

Die alten Abdrücke von diesem, bis auf unsre Zeiten wohlerhaltenen, in
Wien befindlichen Holzstock trifft man sehr selten, die neueren erkennt
man, wenn auch wie gewöhnlich die gedruckte Unterschrift weggeschnitten
ist, an den Aussprüngen in dem Einfassungsrande sowohl oben rechts als
unten, auch an einem rauhen übrigens festen Papier mit Drathrippen,
welche durchschnittlich 12 Linien von einander abstehen.


B. 107. Die Heiligen Paulus und Antonius.

Der Gegenstand dieses Blattes ist bisher irrthümlich als der heilige
Elias bezeichnet. Die alten Abdrücke davon zeichnen sich von den neueren
besonders durch Schärfe und Reinheit aus, man findet sie auf Papier mit
dem Wasserzeichen der Wage im Kreise und einem Stern darüber, Nr. 30.

Dürer hatte übrigens die Composition dieses Blattes ursprünglich anders
erdacht, wie ein erhaltener sehr geistreicher Entwurf desselben mit der
Feder von der Gegenseite beweist, welcher sich gegenwärtig in der
Sammlung des Verfassers befindet. --

Dieser Entwurf ist bei etwa gleicher Höhe des Holzschnitts, statt 5 Zoll
4 Linien 8 Zoll 3 Linien breit, und daher die ganze Darstellung nicht so
zusammen gedrängt.

Der heilige Antonius ist knieend mit gegen einander gelegten Händen und
gen Himmel gewandtem Gesicht inbrünstig betend gezeichnet, sein
Kreuzesstab mit der Glocke liegt neben ihm am Boden. Er hat nicht, wie
im Holzschnitt, die Kutte über den Hinterkopf gezogen, sein Mantel und
Hut liegen auf einem Steinsockel hinter ihm. Im Wesentlichen ist sonst
der Entwurf mit dem Holzschnitt übereinstimmend, nur zeigt ein Vergleich
mit diesem auf das schlagendste, wie viel von dem Leben und Geiste,
welches unser Meister in seine Federskizzen zu legen wußte, durch den
Formschnitt verloren gegangen ist, sobald derselbe, wie hier, nicht von
ihm selbst herrührt.

Unten am Rande steht von einer alten Hand, dem Anschein nach aus Dürer’s
Zeit geschrieben:

    Dz ist die erste Fißirung
    als saines gedanke gewest.


B. 108. Die Heiligen Stephanus, Gregorius und Laurentius.

Die schönen alten Abdrücke haben das Wasserzeichen der Wage oder des
Ankers im Kreise, auch wohl ein festes Papier ohne Wasserzeichen, dessen
Drathstriche 15 Linien von einander abstehen. Vasari bezeichnet den
Gegenstand »S. Sisto Papa, S. Stephano e S. Lorenzo.«


B. 109. Der heilige Stephanus in der Mitte zweier Bischöfe.

Dieser seltene Holzschnitt ist von Heller, pag. 830, Nr. 2233, gewiß mit
Recht unter die dem Dürer irrig zugeschriebenen Blätter gesetzt. Man hat
Abdrücke davon ohne die von Heller angeführten Monogramme, welche indeß
noch nicht -- wie dieser berichtet -- Spuren des Wurmfraßes zeigen.

Das Wasserzeichen des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15, in ihrem
Papiere deutet indeß auf den Abdruck derselben erst nach Dürer’s Tode.
--


B. 110. Der heilige Franciscus, welcher die Wundenmale empfängt.

Die alten Abdrücke haben ein festes Papier von feiner Masse, dessen
Drathstriche 14 Linien entfernt sind.


B. 111. Der heilige Georg, der den Drachen tödtet.

Von diesem nicht häufigen Blatte erkennt man die ältesten Abdrücke
daran, daß der Einfassungsrand ohne allen Aussprung ist, während man bei
spätern, jedoch noch schönen Abdrücken, kleine Fehlstellen desselben,
sowohl unten als oben wahrnimmt, auch sind kleine Spuren von
Beschädigungen zu beiden Seiten des auf dem Boden liegenden Schädels
sichtbar. Die Papiere der alten Drucke haben das Wasserzeichen der Wage
im Kreise, Nr. 22, auch des Reichsapfels mit Stern.


B. 112. Die Heiligen Johannes und Hieronymus.

Die alten Abdrücke dieses nach der auf dem Nachstiche des Marc Anton
befindlichen Bezeichnung, 1506. A. 1[40], vor der Reise nach Venedig
gearbeiteten Holzschnitts sind sehr scharf und rein, auf Papier mit dem
Wasserzeichen der Wage im Kreise, auch wohl auf einem sehr festen
Papiere, dessen Drathstriche aber nicht wohl zu erkennen sind.


B. 113. Der heilige Hieronymus in einer Felsengrotte. 1512.

Dieses Blatt findet man eben so häufig als verschieden in seinen
Zuständen.

Der gewiß jedem Kunstfreunde unvergeßliche Director des Königl.
Kupferstich-Cabinets in Berlin, Dr. Schorn, bezeichnete im Kunstblatt
vom Jahre 1830, pag. 100, als Merkmal des Original-Holzschnitts, ohne
Jahrszahl: daß zwischen dem längsten der vom Gebirge herabhängenden
Grashalme (richtiger Strauchwerk) und dem Umriß des Gebirges noch ein
ziemlicher Zwischenraum stattfinde, während sonst dieser Halm bis auf
das Gebirge herabreicht. --

Ausser dem Abdruck, mit dieser bezeichneten Verschiedenheit, in Berlin
habe ich ähnliche nur in der Königlichen Sammlung zu Copenhagen, der
Privatsammlung des Königs von Sachsen in Dresden, dem Dürer-Werke der
Ambraser-Sammlung in Wien und einmal im Kunsthandel angetroffen, während
bei den sehr zahlreichen übrigen Abdrücken des keinesweges seltenen
Blattes, der längste Zweig des herabhängenden Strauchwerks immer den
Umriß des Gebirges berührt. --

Das übrige der beiden Abdrucks-Gattungen ist einander sehr ähnlich, doch
zeigt eine Vergleichung: daß sie von zwei verschiedenen Holzstöcken
herrühren, welche indeß einander nicht so sehr in Güte nachstehen, daß
man den einen für eine Copie des anderen halten könnte. Ich zweifle
daher nicht, daß es -- wie bei Dürer mehrfach vorkommt -- ein
zweiter Schnitt nach derselben Zeichnung ist. Bei dem Abdruck der
Ambraser-Sammlung scheint das Monogramm erst später aufgedruckt.

Der erste Schnitt ist auch als fliegendes Blatt gebraucht, und bei dem
Abdruck in Dresden findet sich noch die Schrift rund umher vollständig
erhalten.

Die Ueberschrift in großen semi-gothischen Buchstaben lautet

    »Sanctus Hieronymus Strydenensis Theologus.«

Am linken Rande des Blattes ist lateinischer Text; der deutsche am
rechten Rande fängt an:

    »Anno 370, etlich setzen anno 400, leuchtet der vilkindig
    fürbündig gelerte man Hieronymus u.s.w.«

unten steht:

    »Gedruckt zu Nürnberg durch Hans Glaser Brieffmahler hinter Sanct
    Lorenzen auff dem Platz.«

Die früheren oftmals sehr schönen scharfen Abdrücke der zweiten Gattung,
welche zuweilen auf Pergament vorkommen, haben im Papier das
Wasserzeichen der Wage im Kreise mit einem Stern darüber, Nr. 22^a.

Man findet diesen Holzschnitt sowohl ohne als mit der Jahrszahl und bei
einzelnen der letzteren trifft man den von Heller, pag. 670, angegebenen
Büchertitel auf der Rückseite gedruckt.

Ich glaube übrigens, daß Heller sich irrt, wenn er die Abdrücke mit der
Jahrszahl für die ältern hält. Die schönsten Drucke, auch auf den besten
Papieren, mit 13¼ Linien Zwischenraum der Drathstriche, habe ich ohne
die Jahrszahl gesehen, zwar auch recht reine und scharfe mit derselben,
doch hatten die stumpfesten, welche mir auf den späteren Papieren
vorgekommen sind, die Jahrszahl.


B. 114. Der heilige Hieronymus in der Zelle. 1511.

Ein schöner und sehr beliebter Holzschnitt, von dem die ersten Abdrücke
im Papier das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr.
20, haben. Andere vortreffliche Abdrücke trifft man auf einem sehr
festen Papier mit 12 Linien Abstand der Drathstriche.


B. 115. Der heilige Hieronymus knieend in einer Landschaft.

Dieses, auch der kleine Hieronymus genannte Blättchen, ist einer der
seltensten Holzschnitte des Dürer’schen Werkes, es ist rund und sehr
klar von Schnitt. -- Das Original -- es existirt davon eine neue sehr
täuschende Copie von Kappes -- hat ein festes Papier mit 12 Linien
Entfernung der Drathstriche.


B. 116. Die acht Schutzheiligen von Oesterreich.

Anfangs hatte Dürer nur sechs Heilige dargestellt und die Abdrücke
dieses Holzstocks auf Papier mit der hohen Krone sind eben so
ausgezeichnet durch ihre Schärfe als selten. Im Jahre 1517 waren indeß
die beiden letzten Heiligen zur rechten Seite, S^t. Poppo und S^t. Otto,
bereits hinzugefügt und man findet die alten reinen Abdrücke dieser acht
Heiligen mit einem lateinischen Gedichte des Johann Stabius, welches die
Ueberschrift hat:

    Ad sanctos Austriae Patronos Joann Stabii AVPrecatio.

Das Gedicht ist in drei Columnen gedruckt, zu zweimal 16 und einmal 14
Reihen, unter den letztern steht die Jahrszahl MDXVII.[41]

Die späteren Abdrücke sind fast immer schon mehr oder minder stumpf. Der
Holzstock ist noch vorhanden und Abdrücke davon befinden sich in der von
Derschau’schen Sammlung.


B. 117. Die Marter der 10,000 Heiligen.

Die ältesten Drucke haben das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit
Strich und Stern, Nr. 24, die späteren sind auf Papier mit dem
Wasserzeichen der Schlange, Nr. 47, oder des Wappens von Augsburg und
einem A darunter, Nr. 50.


B. 118. Drei stehende Bischöfe.

Das Papier der alten Drucke hat als Wasserzeichen den Ochsenkopf mit dem
Caducaeus. Die neueren häufigen Abdrücke sind stumpf und daran
kenntlich, daß der Einfassungsrand oben in der Mitte eine ausgesprungene
Stelle hat.


B. 119. Ein sich kasteiender Heiliger. 1510.

Man hat schöne Abdrücke davon auf Papier mit dem Wasserzeichen Nr. 44
und 13 Linien Entfernung der Drathstriche.


B. 120. Die Marter der heiligen Catharina.

Die alten klaren und scharfen Abdrücke, dieses im Allgemeinen nicht
seltenen Blattes, findet man sehr sparsam; sie haben das Papier von
feiner Masse mit dem Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern,
Nr. 24, und einen Abstand der Drathstriche von 14 Linien.

In den späteren Abdrücken bemerkt man unten rechts die Spuren eines
Sprunges, oben links kleine vom Wurmfraß herrührende Fehlstellen. Ihr
Papier von geringer Güte hat das auch bei späteren Abdrücken der großen
Passion vorkommende Wasserzeichen einer Schlange, Nr. 47.


B. 121. Die Himmelfahrt der heiligen Magdalene.

Es ist auch in den besten Abdrücken ein etwas roher Holzschnitt. Die
alten Abdrücke haben als Wasserzeichen die große hohe Krone oder die
Wage im Kreise, Nr. 22^a.


B. 122. Die Dreifaltigkeit. 1511.

Wie auch Heller bemerkt, findet man diesen sehr beliebten großen
Holzschnitt nicht häufig in vollkommen reinen Abdrücken. Die ersten
haben das Wasserzeichen der hohen Krone, auch wohl das der Hand mit
Blume, Nr. 26. Der Holzstock scheint späterhin gleichzeitig mit denen
der großen Passion abgezogen zu sein, wenigstens trifft man gute
Abdrücke auf demselben Papier mit dem Wasserzeichen eines verzierten K,
Nr. 40, welches bei den bessern Abdrücken des dritten Etats der großen
Passion bemerkt ist. Bei späteren Abzügen kommt auch das Wappen von
Augsburg vor, diese haben einen Sprung in der Mitte, welcher bis auf das
Monogramm-Täfelchen hinunter geht.


B. 123. Das Messopfer des heiligen Gregorius. 1511.

Dieses, auch von Vasari gerühmte schöne Blatt hat in alten Abdrücken das
Wasserzeichen der großen hohen Krone oder des Reichsapfels mit Stern.
Gute Abdrücke findet man auch auf einem festen Papier mit einem nicht
wohl kenntlichen Wasserzeichen, dessen Drathstriche 13¼ Linien
Entfernung haben.


B. 124. Das jüngste Gericht.

Dieser von Bartsch unter die Arbeiten Dürer’s aufgenommene Holzschnitt
ist von Heller wohl mit Recht als Nr. 77 unter die zweifelhaften Blätter
versetzt.

Das Zeichen Dürer’s, von ungewöhnlicher Form, welches die zweiten Drucke
haben, ist sichtlich mit einem Stempel aufgedruckt.

Das Papier solcher Abdrücke hat das Wasserzeichen des Reichsadlers.


B. 125. Die Enthauptung des Johannes. 1510.

Die ersten scharfen und reinen Drucke auf Papier mit dem Wasserzeichen
der hohen Krone sind selten, sonst ist das Blatt sehr verbreitet. Bei
den späteren Abdrücken kommen Fehlstellen vom Wurmfraß oft bis zur
Entstellung vor.


B. 126. Herodias empfängt das Haupt des Johannes. 1511.

Auch von diesem Blatte sind die alten reinen Abdrücke nicht häufig, sie
haben ebenfalls Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone, auch wohl
ein besonders festes Papier mit 14¼ Linien Abstand der Drathstriche.

Beide Holzschnitte werden von Vasari besonders hervorgehoben.


B. 127. Ercules.

Dieser große Holzschnitt hat in den ersten Drucken das Papier mit dem
großen Reichsapfel, Strich und Stern darüber, Nr. 24.

Bei späteren jedoch noch guten Abzügen findet man das Wappen von
Augsburg mit einem A, Nr. 50.


B. 128. Das Bad.

Auch von diesem Holzschnitt haben die seltenen scharfen frühesten
Abdrücke das Wasserzeichen des großen Reichsapfels, mit Strich und Stern
im Papier, ein Wasserzeichen, welches man bei den großen Dürer’schen
Holzschnitten, deren Datum nicht über das Jahr 1511 hinausgeht, in
ersten Drucken allgemein antrifft.

Ich bin aus diesem Grunde, wie aus anderen in der Behandlung des
Holzschnitts liegenden Ursachen, der Ansicht: daß derselbe zu den
früheren Arbeiten Dürer’s gehört, welches auch Heller annimmt und worin
ich durch eine in der Sammlung der Kunsthalle in Bremen befindliche
Dürer’sche Zeichnung bestärkt werde, welche ein Frauenbad mit Kindern
darstellt, in Styl und Behandlung große Uebereinstimmung mit diesem
Holzschnitt hat und die Jahrszahl 1496 trägt. Spätere gute Abdrücke
findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des K, Nr. 40, die neueren
mit dem Zeichen des Wappens von Augsburg, Nr. 49.

Von diesem Blatte giebt es eine alte bisher ganz unbekannte
Wiederholung, wovon der einzige mir zu Gesicht gekommene Abdruck von
meinem verehrten Freunde, dem Herrn Dr. Straeter in Aachen, in London
aufgefunden und mir überlassen wurde.[42] Sie hat kein Monogramm und ist
überhaupt keine genaue Copie, scheint vielmehr nach derselben
Dürer’schen Zeichnung von einem andern Formschneider gearbeitet zu sein.
Der Schnitt ist sehr scharf, und es wäre nicht unmöglich, daß dies der
erste Schnitt nach der Zeichnung wäre, welcher unsern Meister vielleicht
nicht befriedigt und deshalb den andern Holzschnitt veranlaßt hätte.

Daß der fragliche Abdruck schon bei Lebzeiten Dürer’s und zwar
anscheinend vor 1515 genommen ist, beweist dessen Papier mit dem
Wasserzeichen der großen hohen Krone, Nr. 21, welches bei den ältern
Holzschnitten dieser Periode, aber nicht später, vorkommt.


B. 129. Die Säule. 1517.

Herr Dr. Nagler hat auf pag. 203 seiner Monogrammisten eine Nachweisung
der in Deutschland vorhandenen vollständigen Exemplare dieses schönen
_in allen 4 Blättern von gleichem alten Druck_ höchst seltenen
Kunstwerks gegeben. Ausser den angeführten ist noch ein vollständiger
Abdruck in der Privat-Sammlung des verstorbenen Königs von Sachsen und
in der Sammlung des Museums zu Braunschweig auch einer, dem indeß ein
Blatt der Mittelstücke fehlt, auf der Festung zu Coburg. --

Bei den alten Drucken, welche nicht aufgelegt waren, habe ich im Papier
das Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35, gefunden, bei dem
dritten Blatte von oben hat das Exemplar in Braunschweig einen sehr
sichtbaren Sprung des Holzstocks, daher die Abdrücke, auch der
Mittelstücke, aus verschiedenen Perioden herrühren werden. Einen Beweis
hiervon liefert noch der Abdruck in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet
zu München, unter welchem mit beweglichen Lettern gedruckt steht:

    Gedrückt durch Hans Guldenmund brieffmaler zu Nürnberg.

Dieses Exemplar ist daher entschieden erst nach Dürer’s Tode abgezogen,
das Papier desselben hat auch das spätere Wasserzeichen einer Lilie mit
15 Linien Entfernung der Drathstriche. Die oberen und unteren Blätter
dieses Werkes sind weniger selten und man findet sie zu sehr
verschiedenen Zeiten abgedruckt. Ich habe bei den spätem Abdrücken
derselben in den Papieren das Wasserzeichen der Schlange, Nr.
47, ein Römisches R in einem geschweiften Schilde, das Wappen von
Schrobenhausen, Nr. 15, den Reichsadler und das Wappen von Augsburg
gefunden.


B. 130. Die Philosophie.

Dieses seltene Blatt hat Heller unter die zweifelhaften unsers Meisters
versetzt. Es weicht freilich in der Behandlung, obgleich mit dem
Monogramm versehen, von den übrigen Holzschnitten Dürer’s ab, dagegen
hat es Aehnlichkeit mit den Holzschnitten zu den Comödien der Rhoswita,
welche von vielen Kennern, namentlich auch von C.F. v. Rumohr,[43] dem
Dürer-Werke zugezählt werden.

Man hat alte Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen der großen hohen
Krone, Nr. 21, auf deren Rückseite eine lateinische Dedication gedruckt
ist, welche folgende Ueberschrift hat:

    DN. IMP: MAXIMILIANO AVGVSTO.
    CONRADVS. PEVTINGER. AVGVSTANVS.
    FOELICITATEM.


B. 131. Der Mann zu Pferde.

Die alten schönen Abdrücke dieses großen Holzschnittes haben das Papier
mit dem Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr.
24. Bei den guten spätern findet man das Wappen von Augsburg, Nr. 50, in
einem stark gerippten Papier mit Entfernung der Drathstriche von 14¼
Linien, auch wohl ein feines Papier mit gleicher Entfernung der
Drathlinien und dem Wasserzeichen eines langen Wappenschildes, Nr. 44.


B. 132. Der Tod und der Soldat. 1510.

Dieser als fliegendes Blatt herausgegebene Holzschnitt gehört zu den
seltenen. Man hat davon zweierlei Abdrücke, die ersten mit der
Ueberschrift und dem Gedicht, wie Heller solche pag. 686 bis 688
angiebt; haben im Papier das Wasserzeichen des kleineren Reichsapfels
mit Strich und Stern, Nr. 24^a, und 13¾ Linien Abstand zwischen den
Drathstrichen.

Die zweiten Abdrücke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen der Urne, Nr.
25, und unterscheiden sich durch eine abweichende Schreibart sowohl bei
der Ueberschrift als bei dem Gedicht.

Die erstere heißt:

    Kein ding hilfft für den zeitlichen Todt
    Darumb dienent Gott frü und spott.


B. 133. Der Schulmeister. 1510.

Noch seltner als der vorhergehende ist dieser schöne wohl ohne Zweifel
von Dürer eigenhändig geschnittene und ebenfalls als fliegendes Blatt
herausgegebene Holzschnitt. Die Ueberschrift ist übrigens von Heller,
pag. 684, nicht ganz richtig angegeben, die zweite Zeile heißt:

    Der pit got trum hye auff erden.

Die ersten Drücke haben Papier mit dem Ochsenkopf, Kreuz und Blume
darüber, Nr. 20, und 13¾ bis 14 Linien Abstand der Drathstriche.


B. 134. Das Urtheil des Paris.

Der kleine runde und außerordentlich seltne, wenn auch nicht sehr schöne
Holzschnitt, ist mir nie in einem solchen Zustande vorgekommen, daß ich
über die Beschaffenheit des Papiers desselben nähere Kennzeichen
anzugeben im Stande wäre. --


B. 135. Die Umarmung.

Nicht weniger selten ist dieses dem vorigen an Größe gleiche Blättchen,
das Papier ist dasselbe, auf welchem der kleine Hieronymus, B. 115,
vorkommt.


B. 136. Das Rhinoceros. 1515.

Die vortreffliche Original-Federzeichnung zu diesem schönen Holzschnitt,
mit einer drei- und dreiviertelzeiligen Unterschrift, von Dürer’s Hand,
befindet sich bekanntlich im Print-room des British Museum.

Von dem Holzschnitt giebt es nach den bisherigen Annahmen drei
Editionen, ich kenne indeß davon neun verschiedene Abdrucks-Gattungen,
welche entweder in der Ueberschrift mit beweglichen Lettern oder in der
Beschaffenheit des Holzstocks, auch in den Papieren der Abdrücke zum
Theil sehr wesentlich von einander abweichen.

1) Nach meinen Wahrnehmungen haben die ersten durch Reinheit und Schärfe
von allen übrigen ausgezeichneten Abdrücke eine Ueberschrift von 5
vollen Zeilen. An dem Holzstock ist, bis auf einen ganz kleinen
Aussprung des Einfassungsstriches links, 8 Linien von oben, keine
Beschädigung wahrzunehmen.

Diese Abdrücke kommen regelmäßig auf dem bei Dürer’s Lebzeiten
gebräuchlichen festen Papier mit dem Wasserzeichen des Ankers im
Kreise, Nr. 30, vor, welches eine Entfernung der Drathstriche von 13¾
Linien hat.

Die Ueberschrift fängt an:

    »Nach Christus gepurt 1513 -- --«

und endet:

    »Der Rhynocerus Schnell, fräydig vnd Listig sey.«

Es ist dieses die von Bartsch und Heller als die zweite bezeichnete
Edition, daß sie aber die frühere ist, geht, ausser der vollkommenen
Schärfe und Fehlerlosigkeit des Abdrucks, auch aus der offenbar älteren
Schreibart der Ueberschrift hervor, indem bei dieser unter andern steht:

_Kunig_, statt bei der von Heller angeführten ersten, _König_, _fast
fest_ statt _sehr_ fest _nydertrechtiger von paynen_ statt _niderichter
von baynen_, u.s.w.

Die von Bartsch erwähnte erste Edition mit 5½ zeiliger Ueberschrift,
welche anfängt

    Nach Christus _Gepurt_ 1513 u.s.w.

findet sich nirgends und ich glaube annehmen zu dürfen, daß Bartsch die
von Heller genauer bezeichnete Abdrucks-Gattung mit 5½zeiliger
Ueberschrift gemeint und den Unterschied in der Schreibart von »nach
Christus gepurt« gegen »nach Christi Geburt« nicht beachtet hat.

2) Die von Heller, pag. 692, als erste beschriebene Ausgabe. Sie hat
eine Ueberschrift von 5½ Zeilen, welche anfängt:

    »Nach Christi geburt etc.« und endet »Der Rhynocerus Schnell,
    fräydig und Listig sey.«

3) Ein Abdruck, ebenfalls mit 5½zeiliger Ueberschrift, welche anfängt:

    »Nach Christi geburt etc.« und endet »Der Rhinocerus Schnell,
    fräydig und _auch_ Listig sey.«

4) Ein Abdruck mit 5¾zeiliger Ueberschrift, der vorigen gleich, nur daß
das Ende derselben heißt:

    »Schnell _fraidig_ und auch Listig sey.«

5) Ein Abdruck mit 5¾zeiliger Ueberschrift, welche anfängt:

    »Nach _Choistie_ geburt« und endet »Der Rhinocerus Schnell fraitig
    und auch _Lustig_ sey.«

Es ist dieses derjenige Abdruck, welchen der verstorbene Schorn im
Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 104, als »vielleicht Ersten« bezeichnet,
indem derselbe irrthümlich angab: daß solcher 5 Zeilen Ueberschrift
habe, wovon jedoch die letzte nicht ganz vollständig sei, auch es
übersehen hatte, daß nicht _Christie_ geburt sondern _Choistie_ geburt
zu lesen ist.[44]

6) Ein Abdruck ohne alle Ueberschrift.

7) Die von Hendrick Hondius veranstaltete Ausgabe, mit einer
Holländischen Ueberschrift von 6½ Zeilen und seiner Adresse darunter.

8) Die Abdrücke in Clair Obscur mit farbigen Tonplatten.

9) Spätere Abdrücke ohne Ueberschrift.

Die Editionen 2 bis 5 haben bereits sämmtlich theils mehr theils
weniger die Spur eines Anfangs ganz feinen Sprunges des Holzstocks,
welcher an der linken Seite in einer Höhe von 27 Linien vom untern
Einfassungsstriche die Haare des Schweifes durchschneidet und bis in den
rechten Hinterschenkel hinein läuft.

Ausser dem bei der Abdrucksgattung 1 bemerkten kleinen Aussprunge der
linken Einfassungslinie, ist hier auch ein kleiner Aussprung derselben
in der Höhe von 18 Linien vom untern Rande.

Die mit 3 bezeichneten Abdrücke haben das Wasserzeichen Nr. 42 oder bei
einem weichen Papiere das ebenfalls spätere Wasserzeichen Nr. 44. Die
unter Nr. 5 aufgeführten ein Papier mit dem Wasserzeichen Nr. 57 und 13¾
Linien Entfernung der Drathstriche. Zwischen den Abdrücken 2 bis 5 ist
der Unterschied der Schärfe und Erhaltung der Platte nicht sehr
bedeutend und sie scheinen in einem nicht sehr langen Zeiträume nach
einander veranstaltet zu sein. Desto hervorstechender ist aber dieser
Unterschied bei den Nrn. 6 bis 9.

Bei Nr. 6 auf einem festen Papier mit 11 Linien Entfernung der
Drathstriche, geht der vorher bezeichnete Sprung der Holzplatte sehr
sichtbar durch beide Hinterbeine. Der Einfassungsstrich ist bis auf
einen neuen sichtbaren Aussprung rechts oben noch wohl erhalten.

Nr. 7 ist auf Holländischem Papier mit der großen Schellenkappe und 11¾
Linien Abstand der Drathstriche. Der Sprung ist durch alle vier Beine
sichtbar und der Einfassungsstrich hat eine größere Fehlstelle von 6
Linien Breite an der linken Seite, 22 Linien von oben. Hieran sind diese
in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts veranstalteten Abdrücke zu
erkennen, auch wenn, wie häufig, die Schrift abgeschnitten ist.

Bartsch hat sich[45] in seinem großen Eifer darzuthun: daß Albrecht
Dürer nicht selbst in Holz geschnitten habe, durch die Unterschrift
dieser Holländischen Edition verleiten lassen, es für wahrscheinlich zu
halten: daß Hondius die Platte dieses Rhinoceros geschnitten habe, eine
Vermuthung, welche bei einem so einsichtsvollen Kenner um so mehr
auffallen muß, als Hendrick Hondius bekanntlich über hundert Jahre
später als Dürer lebte und arbeitete.

Die Abdrücke mit farbigen Tonplatten, Nr. 8, -- welche sowohl in grüner
als brauner Farbe vorkommen und, als große von unserm Meister selbst
herrührende Seltenheiten, von den Liebhabern sehr gesucht und theuer
bezahlt werden, sind erweislich erst später als die Ausgabe durch
Hondius veranstaltet; denn der Sprung in dem Holzstock geht -- wenn er
nicht, wie manchmal, künstlich ausgebessert ist -- durch alle vier Beine
und auch durch die Schnauze des Thiers. Der Einfassungsstrich hat
größere Unterbrechungen, namentlich oben, und fehlt an der rechten
untern Ecke ganz, in der Breite von 12 und in der Höhe von 14 Linien;
das Papier hat eine Entfernung der Drathstriche von knapp 11 Linien.
Diese Clair Obscurs sind ohne Zweifel von dem Willem Janssen in
Amsterdam gedruckt, welcher ganz gleiche Abdrücke von Dürer’s Portrait
des Ulrich Varnbühler, B. 155, und von mehreren Holzschnitten des
Heinrich Goltzius veranstaltet hat.[46]

Die schwarzen Abdrücke, Nr. 9, haben dieselben bei der vorstehenden
Gattung bemerkten Fehlstellen des Holzstocks, aber ausserdem die Spuren
kleiner Wurmlöcher an dem untern Schilde des Halses und eines größeren
am linken Vorderbeine, ihr Papier hat einen Abstand der Drathstriche von
nur 10½ Linien.

Ob übrigens die von mir bei den Abdrucks-Gattungen 2 bis 5 angenommene
Priorität die völlig richtige ist, muß ich dahin gestellt sein lassen;
da es mir nicht möglich gewesen ist, Abdrücke dieser vier Gattungen zu
genauer Vergleichung neben einander zu haben. Die von mir beobachtete
Reihenfolge ist wesentlich auf den Abweichungen der Schreibart in den
Ueberschriften begründet und es ist daher immerhin möglich, daß ein von
mir später bemerkter Abdruck früher als ein vor ihm stehender genommen
ist. Die kleinen Beschädigungen durch den Sprung des Holzstocks sind
ausserdem nicht bei allen Abdrücken derselben Gattung ganz gleich, so
liegt mir von der häufiger vorkommenden Nr. 5, bei welcher man diesen
Sprung in der Regel besonders bemerkt, ein Abdruck vor, auf dem derselbe
kaum wahrzunehmen ist, wogegen sich in der Privatsammlung des
verstorbenen Königs von Sachsen in Dresden ein Abdruck von Nr. 1
befindet, bei welchem der Riß bereits sichtbar ist.[47]


B. 137. Die Belagerung einer Stadt. 1527.

In zwei Blättern.

Dieser nicht sehr häufige Holzschnitt bei Heller[48] wohl über Gebühr
gepriesen, von v. Rumohr[49] und Nagler[50] dagegen zu gering geschätzt,
ist zwar augenscheinlich nicht von Dürer’s Hand geschnitten, doch liegt
demselben ohne Zweifel eine Zeichnung desselben zum Grunde.

Will man auch nicht die Meinung einiger Sammler theilen, welche diese
Blätter als zu dem im Jahre 1527 gedruckten Werke Dürer’s

    »Etliche underricht, zu befestigung der Stett, Schloß und flecken«

gehörig, bezeichnen, so stehen sie doch zu demselben in der genauesten
Beziehung, indem sie es anschaulich machen: wie eine nach den
Vorschriften jenes Unterrichts befestigte Stadt belagert und vertheidigt
werden kann.

Mit der auf dem 2. Blatte über dem Monogramm stehenden Jahrszahl 1527
stimmen die in den Papieren der ersten Abdrücke vorkommenden
Wasserzeichen der kleinen hohen Krone, Nr. 36, und des stehenden Hundes,
Nr. 35, überein, welche sich ebenfalls in den Papieren der zu dem
vorbezeichneten Werke gehörenden Holzschnitte befinden. -- Spätere
Abdrücke haben das Wasserzeichen einer hohen Hand mit Stern darüber,
oder des Reichsadlers, sind auch zum Theil nicht frei von Spuren des
Wurmfraßes in den Holzstöcken.


B. 138. Der Triumphbogen des Kaisers Maximilian.

Ueber dieses große Werk finden sich ausführliche Nachrichten bei
Bartsch, Heller und Nagler. Ich kann denselben nur hinzufügen: daß sich
ausser den von diesen angeführten Exemplaren, ein vortreffliches alt
illuminirtes und auf Leinwand gezogenes auf der Bibliothek in
Wolfenbüttel befindet, welches leider theilweise beschädigt ist[51] und
daß die Königliche Kupferstich-Sammlung in Stuttgart einen vollständigen
alten Abdruck in einzelnen Blättern besitzt, welcher in den durch das
Aufkleben der »Porten des Lobes« und der »Porten des Adels« bewirkten
Correkturen mit denjenigen beiden Exemplaren übereinstimmt, welche die
vortreffliche Königliche Kupferstich-Sammlung in Copenhagen zieren.[52]

Sowohl das Exemplar in Stuttgart als die in Copenhagen haben ein sehr
festes Papier mit dem Wasserzeichen des großen Reichsadlers mit Krone,
welches auf einen erst nach Dürer’s Tode stattgefundenen Abdruck
schließen läßt. In Copenhagen konnte ich die Drathrippen nicht
unterscheiden, in Stuttgart betrug die Entfernung derselben 16½ Linien,
übrigens muß das hier aufbewahrte Exemplar später gedruckt sein, wie die
Copenhagener, da einzelne Stöcke schon Sprünge zeigen, welche hier nicht
bemerkbar sind.

Nach meiner Ansicht dürfte es trotz der neueren umfassenden
Untersuchungen des Herrn Dr. H. Glax[53] doch sehr schwierig sein, mit
einiger Sicherheit die Priorität der verschiedenen alten Abdrücke zu
bestimmen.

Aeltere Abdrücke von einzelnen Holzstöcken dieses Werks, namentlich der
Schlachten, finden sich in verschiedenen Sammlungen, zuweilen sehr schön
auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume,
oder dem Oval mit Kreuz, Nr. 34, jedoch etwas größer, sie sind übrigens
durch ihre Reinheit und Schärfe leicht von denen der spätesten von
Bartsch veranstalteten Ausgabe zu unterscheiden.


B. 139. Der Triumphwagen des Kaisers Maximilian.

Die erste Ausgabe dieses vortrefflich von Dürer gezeichneten, von
Hieronymus Resch geschnittenen Kunstwerks, aus 8 Blättern bestehend, ist
ausserordentlich selten und fehlt vielen der berühmtesten Sammlungen.
Sie ist mit ganz deutschem Text auf den 6 letzten Blättern und nicht wie
Bartsch bei der ersten Ausgabe angiebt, auch mit Lateinischem Text auf
dem 3. und 8. Blatte. Auch die Schreibart ist altertümlicher, als sie
Bartsch und Heller angeben. Sie fängt auf dem 3. Blatte an:

    »Diser nachverzeychenter Eren oder Triumph wagen, ist dem
    allerdurchleuchtigisten Großmechtigisten Herrn wey‑ | lund Keyser
    Maximilian, hochlöblicher gedechtnuß vnserem allergnedigisten Hern
    zü sonderen eren erfunden vnnd | verordent, vnnd zü vnterthenigem
    gefallen dem großmechtigisten yetz Regierenten Keyser Karolo etc.
    durch Albrecht | Dürer daselbst in das werck gepracht.«

und endigt auf dem 8. Blatt:

    »Diser wagen ist zu Nürmberg erfundē | gerißsen vnnd gedruckt
    durch Albrechten | Thürer | im jar

    ~M. D. xxjj.~

    Cum Gratia et Privilegio Cesaree Maiestatis.

Schorn[54] nimmt zwar an, daß es noch eine frühere Ausgabe ohne dieses
Privilegium gäbe, weil Bartsch und Heller desselben nicht erwähnen, ich
halte dieses aber für eine Auslassung des Bartsch, welche Heller, wie
gewöhnlich ohne eigne Untersuchung, nachgeschrieben hat. Ich habe nie
einen Abdruck, weder mit deutschem noch lateinischem Texte, ohne dieses
Privilegium gesehen, auch hatte Albrecht Dürer ja bereits im Jahre 1511
ein Kaiserliches Privilegium für die von ihm herausgegebenen Werke
erhalten.

Die erste Ausgabe, von eben so scharfem als kräftigem Druck, welche auf
den ersten sieben Blättern unten die großen lateinischen Buchstaben A
bis G auf dem achten aber ein großes Gothisches H als Signatur hat, ist
auf einem sehr festen Papiere mit dem Wasserzeichen Nr. 32, welches
einen Abstand der Drathstriche von 13¾ bis 14 Linien hat, es ist
dasselbe Papier, welches Dürer auch zu den Abdrücken anderer größerer
Blätter verwendet hat. Die zweite Ausgabe mit ganz lateinischem Texte
und der Jahrszahl 1523 ist im Abdruck fast eben so schön als die
vorhergehende, und hat auch dasselbe Papier. Die Signaturen auf den
ersten sieben Blättern sind gleich der Ausgabe mit deutschem Text, auf
dem letzten Blatt ist aber die Signatur ein kleines Lateinisches h. Man
trifft übrigens auch Exemplare, bei denen Abzüge der ersten und zweiten
Ausgabe zusammen gefügt sind, wie namentlich dasjenige in dem
Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Stuttgart.

Weniger scharf im Druck und überhaupt geringer ist eine dritte Ausgabe,
ebenfalls mit deutschem Text und der Jahrszahl 1522, welche aber
augenscheinlich später und, dem Papiere nach, erst nach Dürer’s Tode
gedruckt wurde. Sie ist daran zu erkennen, daß auf dem achten Blatte die
Jahrszahl in Arabischen Ziffern gedruckt ist 1522 statt auf der ersten
Ausgabe ~M. D. xxjj~ -- auch ist bei dem Privilegio ein Druckfehler,
indem statt Maiestatis steht Waiestatis.

Das Papier ist weniger fest als bei den früheren Ausgaben und hat das
herzförmige Wasserzeichen, Nr. 56, mit nur 12 Linien Entfernung der
Drathstriche.

Eine dieser ganz ähnliche, der Schärfe des Drucks und dem Papiere nach
ebenfalls spätere Edition, kommt auch mit lateinischem Text und der
Jahrszahl MDXXIII vor. Die ersten beiden Blätter derselben sind ohne die
Signaturen A und B, die beweglichen Lettern der Ueberschrift, sichtbar
stumpfer als bei der früheren Edition, auch ist das Papier geringer von
Güte; es hat das Wasserzeichen eines geschweiften durch einen Balken
schräg durchschnittenen Schildes mit 2 sechsstrahligen Sternen und 16
Linien Entfernung der Drathstriche.

Die in Venedig von Chinig veranstaltete Ausgabe mit der Jahrszahl 1588
ist zwar bedeutend stumpfer als die früheren, doch sind die Holzstöcke
noch fast unversehrt. Das feste Papier derselben hat Drathstriche in der
Entfernung von 12¾ Linien. Die Signatur auf dem letzten Blatte, bei der
ersten lateinischen Ausgabe ein kleines Lateinisches h, ist bei dieser
Ausgabe ein großes H. Es kommen auch spätere Abdrücke von einzelnen der
Holzstöcke vor, bei denen indeß bedeutende Sprünge in denselben sichtbar
sind.

Die bisher als vierte bekannte Ausgabe vom Jahre 1609 ist mit vollem
Recht von Schorn[55] als Copie bezeichnet, doch können die Stöcke wohl
nicht, wie derselbe vermuthet, von dem bekannten Maler und Formschneider
Johann (nicht Cornelius) Liefrinck geschnitten sein, da dieser noch im
Jahre 1580 lebte, der erste Druck dieser Copien aber von der Wittwe des
Cornelius Liefrinck in Antwerpen schon 1545 veranstaltet wurde. -- Ich
vermuthe: daß die Holzstöcke dieser Copie diejenigen sind, welche von
Hans Güldenmund in Nürnberg geschnitten und wie von Herrn J.A. Börner
zuerst bemerkt ist, von jenem im Jahre 1529 herausgegeben wurden.

Wenn nun gleich auf die Klage der Wittwe Dürer[56] dem Güldenmund die
fernere Verbreitung der Abdrücke untersagt war, so wird nach dem Tode
derselben, die Benutzung der Platten, namentlich zu einem Abdruck in
Antwerpen, keine Schwierigkeiten gehabt haben, auch entspricht der
Schnitt der Stöcke den zahlreichen bekannten Arbeiten des Güldenmund
vollkommen.

Bei den Abdrücken vom Jahre 1609 bemerkt man an mancherlei kleinen
Beschädigungen und Aussprüngen, daß die Holzstöcke schon alt waren.

Das Papier hat das Wasserzeichen der Lilie mit einer Krone darüber, Nr.
54, und einen Abstand der Drathstriche von 12 Linien.

Die Platten 3 bis 8 sind mit den Zahlen 1 bis 6 bezeichnet. --


B. 140 bis 145. Die sechs Stickmuster.

Diese kunstreichen Holzschnitte, welche Dürer in seinem Tagebuche[57]
»die Sechs Knoten« benennt, sind in den ersten Drucken, ohne das
Monogramm unsers Meisters, sehr selten, besonders vollzählig, da
gewöhnlich Nr. 144 fehlt. Das Papier dieser Drucke von besonders feiner
Masse, ist weiß, fest und dünn, mit einer Entfernung der Drathstriche
von 14 Linien. Das Wasserzeichen desselben, welches wegen des schwarzen
Grundes nur theilweise wahrgenommen werden kann, ist das bei Dürer
selten vorkommende, des Cardinalhuts.

Die zweiten Drucke, mit Hinzufügung des Monogramms auf den ersten vier
Blättern, haben weniger Schärfe und Klarheit. Sie kommen auf
verschiedenen Papieren vor, mit dem Wasserzeichen eines Kreuzes im
Kreise, eines römischen E im Kreise, Nr. 55, und des Reichsadlers. Die
älteren davon haben indeß ein gutes festes Papier, welches denen der
ersten Drucke nahe kommt, indeß nur einen Abstand zwischen den
Drathstrichen von 12 Linien hat.

Die späteren Abdrücke von Nr. 140 zeigen einen sehr sichtbaren Sprung
des Holzstockes.


B. 146 und 147. Zwei Männer, welche zeichnen,

gehören zu Dürer’s Werk »Underweysung der meßung, mit dem zirkel vn̄
richtscheyt, u.s.w.« und finden sich bei der ersten Ausgabe von 1525 auf
den Blättern qij und qiij.

Das Papier hat das Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, mit
Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien.


B. 148 und 149. Ein Mann zeichnet eine Urne, Ein Mann zeichnet eine
Frau,

kommen erst in der zweiten im Jahr 1538 veranstalteten Ausgabe des
obigen Buches vor, wo sie auf der Rückseite des Blattes q3 abgedruckt
sind. Das Papierzeichen ist hier ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz
darüber, Nr. 37. Die Entfernung der Drathstriche beträgt 12¾ Linien.

Obgleich diese zwei Blätter erst zehn Jahre nach Dürer’s Tode zum
Abdruck gekommen sind, so rühren sie doch, was die Zeichnung anbetrifft,
unzweifelhaft von unserm Meister her. Die Zeichnung zu 148 mit der
Jahrszahl 1514 ist noch jetzt erhalten und befindet sich auf der
Königlichen Bibliothek zu Dresden.[58]


B. 150 bis 152. Die drei Himmelsgloben. 1515.

Sie gehören in alten Abdrücken, besonders vollständig, zu den großen
Seltenheiten. Ihr Papier ist sehr stark und schön, und von demselben,
welches Dürer auch zu den drei großen Büchern verwendete. Es hat das
Wasserzeichen des Triangels mit Strich und fünfblättriger Blume, Nr. 28.

Die späteren Abdrücke sind an dem Mangel von Schärfe und Reinheit, wie
an den geringeren Papieren leicht erkennbar.


B. 153. Brustbild des Kaisers Maximilian mit einer Einfassung von
Säulen. 1519.

Dieser schöne Holzschnitt, nach der von Dürer am Montag nach Johannis
1518 genommenen Portrait-Zeichnung -- jetzt eine der Zierden der
Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien -- ist eben so beliebt, als in
den ersten ganz klaren und von jeder Beschädigung freien Abdrücken
ausserordentlich selten. Bei den meisten Abdrücken ist ein Sprung der
Holzplatte sichtbar, welcher, an der linken Seite Hut und Haar bis auf
das Gewand durchschneidend, perpendikulär hinuntergeht, auch sind wohl
kleine Wurmlöcher in den Haaren bemerkbar. Solche Exemplare findet man
auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers, oder des Wappens von
Augsburg mit einem A darunter, Nr. 50.


B. 154. Dasselbe Brustbild ohne Einfassung.

Von den Abdrücken dieses Holzschnitts, deren Kennzeichen darin besteht:
daß bei der oben auf einer Bandrolle befindlichen Inschrift die
Buchstaben =ae= des Wortes Caesar sich in dem Bauche des großen C
befinden, sind mir nur zwei bekannt, der eine aus der von Nagler’schen
Sammlung, jetzt in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in Berlin, der
andere in der ehemaligen von Quandt’schen Sammlung in Dresden,
gegenwärtig im Besitz des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M.

Die gewöhnlich vorkommenden Abdrücke, bei denen das =ae=
zusammengezogen, wie gebräuchlich dem großen C nachgesetzt ist, hält
Schorn[59] für eine Nachbildung des Holzschnittes 153. -- Ich kann
dieser Ansicht nicht beipflichten, sondern möchte glauben, daß dieses
Blatt wie das von Schorn beschriebene, Arbeiten verschiedener
Xylographen nach derselben Zeichnung Dürer’s sind, von denen allerdings
der des ersteren der geschicktere war. Man findet bei dem ersten das
Wasserzeichen der in Dürer’s letzter Lebenszeit vorkommenden kleinen
Krone mit 11½ Linien Entfernung der Drathstriche, bei dem letzteren noch
recht gute Drucke auf einem nicht sehr griffigen Papier, dessen
Drathstriche 12 Linien Entfernung haben. Das von Schorn beschriebene
Exemplar ist durch August Künzel in Berlin auf Stein treu doch etwas zu
elegant nachgezeichnet. --


B. 155. Brustbild des Ulrich Varnbühler.

Dieses vortreffliche Portrait ist nicht häufig, besonders selten aber in
den alten Abdrücken, wo der scharfe Holzschnitt noch nicht die geringste
Spur von Beschädigung zeigt.

Solche Abdrücke sind auf einem sehr festen Papiere mit einer Entfernung
der Drathstriche von 14 auch wohl 13½ Linien. Spätere Abdrücke haben ein
ziemlich dünnes Papier mit dem herzförmigen Wasserzeichen, Nr. 56, und
11½ Linien Entfernung der Drathstriche, oder Papier mit dem großen
Wasserzeichen Nr. 50.

Bei diesen ist indeß schon an der linken Seite ein feiner Sprung
sichtbar, welcher durch den Besatz des Kleides bis auf die Brust geht.

Der Holzstock ist späterhin nach Holland gekommen und Hendrick Hondius
hat Abdrücke davon veranstaltet, welche man, ausser der (gewöhnlich
abgeschnittenen) Adresse desselben, an dem Papiere mit dem Wasserzeichen
eines großen geschweiften Wappens erkennt, welches eine Querabtheilung
hat.

Die Abdrücke dieses Holzschnittes in Clair Obscur, mit verschiedenen
Platten in grünlichem oder bräunlichem Tone gedruckt, welche von den
Sammlern sehr gesucht und theuer bezahlt werden, rühren nicht von
Albrecht Dürer her, sondern sind, wie solches Schorn bereits im
Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 108 bemerkt hat, viel später
veranstaltet. Auf den wenigen Exemplaren, deren Papierrand erhalten ist,
findet man die Adresse des Druckers Janssen, welcher in Amsterdam um die
Zeit des Hondius lebte. Sie lautet:

    »Ghedruckt t’ Amsterdam by Willem Janssen in de vergulde
    Sonnewyser.«

Das Papier dieser Abdrücke mit einer Entfernung der Drathstriche von 15
Linien, hat ein ziemlich großes zirkelförmiges Wasserzeichen an einer
Seite mit drei Zirkelschlägen über einander.

Das Papier ist nicht sehr griffig und bei den nicht retouchirten
Abdrücken ist der bereits oben erwähnte Sprung des Holzstocks sichtbar,
auch haben die breiten Einfassungslinien Unterbrechungen, anscheinend
von Aussprüngen, namentlich in dem obern Strich eine größere und eine
kleinere Lücke, in dem untern 6 Unterbrechungen, wovon 4 kleiner, 2 aber
größer sind, auch die Einfassungslinie links hat oben eine Lücke.

Durch diesen Willem Janssen, welcher im Jahre 1620 einen Prospect von
Amsterdam veröffentlicht hat, sind auch von den Holzschnitten des
Goltzius, namentlich von B. 226[60] und 231[61], clair obscurs mit 3
Platten gedruckt, in Farbe und Druckweise den Abdrücken des Varnbühler
vollkommen entsprechend.


B. 156. Brustbild Albrecht Dürer’s.

Es ist aus der letzten Lebenszeit unsers Künstlers und derselbe
erscheint nicht mehr geschmückt mit den langen Locken, welche ihn in
früheren Jahren und noch auf der Reise in den Niederlanden zierten.

Die ersten und zweiten Abdrücke dieses Holzschnitts sind selten.

Die Ersten haben Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem
Caducaeus, Nr. 31, oder eines verzierten gothischen ~P~, Nr. 38.

Das Papier der zweiten Drucke hat das Wasserzeichen der Schlange, Nr.
47, oder zweier großer verbundener Thürme mit 12 Linien Abstand der
Drathstriche, auch eines kleinen geschweiften Wappens mit einer Krone
und 13¼ Linien Entfernung derselben. Von dieser zweiten Ausgabe, mit den
Versen darunter, befindet sich ein alter colorirter Abdruck in der
Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, unter welchem,
abweichend von der Angabe Hellers, pag. 746, steht:

    »Getruckt durch Hans Glaser Brieffmaler zu Nürnberg auf der
    Schmeltzhüten.«

Die alten Abdrücke der dritten Edition, nachdem die Jahrszahl 1527 und
das Monogramm in die Thür des Dürer’schen Wappens eingefügt war, trifft
man mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers, eines Thurms mit
fünfzackiger Krone, oder auf einem Papier, dessen Drathstriche einen
Abstand von 15 Linien haben und als Wasserzeichen eine Lilie im Kreise,
Nr. 53.

Die häufigen späteren Abdrücke sind an den sichtbaren Spuren des
Wurmfraßes in dem Holzstock, besonders an der Nasenspitze kenntlich.


B. 157. Brustbild des Johann Freiherrn zu Schwarzenberg.

Dieses von Bartsch zu den Dürer’schen Holzschnitten gerechnete Blatt ist
eine, ohne Zweifel erst nach des Meisters Tode gearbeitete Nachbildung
eines seiner Portraite, denn es kommt zuerst in der am 16. Februar 1531
von Heinrich Steiner in Augsburg vollendeten Ausgabe der Officia M.T.C.
auf der Rückseite des Titels vor.

Diese erste Ausgabe ist sehr selten, der Holzschnitt ist darin auf einem
festen Papier gedruckt, dessen Drathstriche durchschnittlich eine
Entfernung von 14¼ Linien haben, und als Wasserzeichen ein Oval mit
fünfstrahligem Stern darüber, in der Art wie Nr. 34, nur größer. --

Ueber den Formschneider dieses Holzschnitts, der sich unten rechts mit
einem römischen von einem Querbalken durchschnittenen B bezeichnet hat,
herrscht eine große Meinungsverschiedenheit und auch die ausführlichen
Erörterungen darüber in Nagler’s Monogrammisten, pag. 811 bis 814,
führen zu keinem bestimmten Resultate.

       *       *       *       *       *

Ausser den vorstehend, unter Nr. 153 bis 157 aufgeführten Bildnissen
unsers Meisters, giebt es noch ein kleines höchst seltnes
Holzschnitt-Portrait desselben, welches Bartsch nicht gekannt hat,
Heller aber irrthümlich unter die zweifelhaften Blätter versetzt,
und pag. 825, Nr. 193 beschreibt.

Es ist das Brustbild des durch seine Verdienste um die Wiederbelebung
des Studiums der classischen Literatur bekannten Nürnberger Gelehrten
Eoban Heß[62], Zeitgenosse Dürer’s, nur 4 Zoll 9 Linien hoch und 3 Zoll
6 Linien breit, aber sehr schön.

Wenn auch der Schnitt selbst nicht von Dürer sein wird, da er etwas
technisch elegantes hat, in der Art, wie die Arbeiten des Resch, so ist
doch die Zeichnung erwiesen von unserm Meister, denn auf der Rückseite
der ersten Abdrücke, welche von Peipus in Nürnberg im Jahre 1527, also
noch bei Lebzeiten Dürer’s, als Titelblatt veröffentlicht wurden, steht
gedruckt:

    »In Imaginem Eobani Hessi sui ab Alberto Dürero hujus aetatis
    Apelle graphice expressam, aliquod Epigrammata Johannis Alexandri
    Brassiciani etc.«


B. 158. Die fünf Kaiserlichen Wappenschilde.

Die ersten Drucke dieses einfach aber charakteristisch behandelten
Holzschnitts, finden sich in dem im Jahre 1502 bei Koberger in Nürnberg
gedruckten Buche, der himmlischen Offenbarung der heiligen Brigitta.

Die zweiten Drucke haben die Jahrszahl 1504 und das Dürer’sche
Monogramm, sie sind noch rein und scharf und ihr Papier hat 12¾ Linien
Entfernung der Drathstriche.


B. 159. Das Wappen der Familie Behaim.

Dieses schön verzierte höchst wahrscheinlich von Dürer selbst
geschnittene Wappen ist nicht häufig.

Das Papier der ersten Drucke hat das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21. Die zweiten oft noch recht reinen und scharfen Drucke findet man auf
Papier mit dem Nürnberger Wappen, Nr. 41, und knapp 11 Linien Entfernung
der Drathstriche.


B. 160. Das Wappen Albrecht Dürer’s.

Noch seltner als von dem vorhergehenden trifft man die schönen Abdrücke,
auf Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35.

Die späteren haben das Wasserzeichen des Wappens von Nürnberg.


B. 161. Das Wappen von Kress von Kressenstein.

Die alten Drucke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen der
verbundenen zwei Thürme, spätere, jedoch noch gute, mit dem Wappen von
Nürnberg und kaum 11 Linien Entfernung der Drathstriche. Diese haben die
Spur eines ganz feinen Sprunges, welcher die Laubverzierungen an der dem
Beschauer rechten Seite perpendikulär durchschneidet.


B. 162. Das Wappen der Stadt Nürnberg. 1521.

Man erkennt die ältesten Drucke daran, daß auf der Rückseite gedruckt
steht:

    Reformation der Stat Nuremberg.
      Cum Gratia et Privilegio.

Das starke Papier hat Drathstreifen mit einer Entfernung von 12½ Linien.
Bei guten Drucken ohne diesen Text auf der Rückseite findet man das
Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, ein Zeichen, welches,
wie von mir wiederholt angeführt ist, bei Dürer’schen _Holzschnitten
späterer Zeit_ mehrfach, nicht aber, wie Dr. Nagler[63] bemerkt, bei
Dürer’schen _Kupferstichen_ vorkommt.


B. 163. Das Wappen des Hector Pömer.

Dieses findet man häufig in neuen von Herrn Campe in Nürnberg, der den
Holzstock besaß, veranstalteten Abdrücken. Die älteren haben das
Wasserzeichen eines geschweiften Wappens mit Krone und eine Entfernung
der Drathstriche von 12 Linien. Der unten rechts von der Jahrszahl
befindliche Buchstabe R könnte vermuthen lassen, daß dieser Holzstock
von Resch geschnitten sei.


B. 164. Die Wappen von Scheurl und von Geuder.

Von diesem complicirten Wappen giebt es verschiedene Combinationen und
Abänderungen.

Die ersten Drucke haben im Papier das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21, die späteren dasjenige des Reichsadlers.

Die Abdrücke, welche mit feinen Lateinischen Lettern die Inschrift,
»Dominus dedit, Dominus abstulit etc.« haben, sind augenscheinlich
neuere, man findet einzelne davon auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Hundes.

Die neuesten, gegen die älteren sehr abweichenden Abzüge, sind durch den
Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M. verbreitet, welcher den
Holzstock davon besitzt.


B. 165 und 166. Die Wappen von Johann Stabius.

Die Holzplatten dieser Wappen befinden sich in Wien, und im Jahre 1781
sind Abdrücke davon veranstaltet, welche man gewöhnlich in den
Sammlungen antrifft. Sie sind ausser der Unterschrift an einem weißen
sehr festen und etwas rauhen Papiere kenntlich, dessen Drathstriche 12
Linien entfernt sind, auch sieht man an den Einfassungsstrichen,
namentlich bei B. 166 ausgesprungene Stellen und kleine Wurmlöcher.


B. 167 und 168. Die Wappen des Lorenz Staiber.

Unter den obigen Nummern beschreibt Bartsch zwei verschiedene Abdrücke
desselben Holzstocks, welcher späterhin durch Hinzufügung einer Krone
und zweier Fähnlein an dem Löwen über dem Helme abgeändert wurde. Heller
führt davon pag. 739 unter Nr. 1946 richtiger drei verschiedene
Abdrucks-Gattungen an, wovon die dritte, ausser dem Wegfall der oberen
Inschrift, an kleinen Fehlstellen im Grunde und einem feinen links am
Kopfe des Löwen sichtbaren Sprunge kenntlich ist. Das Papier derselben
hat das Wasserzeichen des Nürnberger Wappens und einen Abstand der
Drathstriche von 11½ Linien.

Von diesem Wappen giebt es übrigens einen älteren Holzschnitt, von dem
ich den einzigen mir bisher vorgekommenen Abdruck besitze. Derselbe
übertrifft den späteren bedeutend in Charakter und Schwung der
Zeichnung, dabei ist der Schnitt der horizontalen Linien des Grundes wie
bei dem Behaim’schen Wappen, B. 159, nicht ganz regelmäßig, daher ich
auch diesen für einen eigenhändigen Schnitt Dürer’s halten zu dürfen
glaube.

Der wesentliche Unterschied in der Darstellung des Wappens besteht
darin: daß das abgetheilte Schild mit dem Leoparden und dem Hunde, an
der linken Seite ausgeschweift und noch nicht, wie auf dem späteren
Holzstock, mit der Ordenskette umgeben ist, welche dem Staiber von dem
Könige von England als ein Gnadengeschenk verliehen wurde und derjenigen
gleicht, welche noch jetzt die Großkreuze des Bath-Ordens in England
tragen[64]. Dieser Holzstock ist daher früher geschnitten als jene
Verleihung stattgefunden hatte. --

Die fragliche Kette ist zwar links oben neben dem Büffelhorn abgebildet,
aber augenscheinlich durch eine spätere Hinzufügung.

Der Abdruck hat weder Ueberschrift noch Unterschrift, doch scheint das
in der Höhe nur 11¾ Zoll, in der Breite 8½ Zoll messende Papier
beschnitten. Das Wasserzeichen desselben ist die hohe Krone mit der
etwas eckigen Form des Bügels, Nr. 36, wie solche in der letzteren
Lebenszeit Dürer’s vorkommt.

Die Entfernung der Drathrippen beträgt 12½ Linien.


B. 169. Das Wappen mit den drei Löwenköpfen.

Dieses ist in alten Drucken selten, und mir ist kein Exemplar davon
vorgekommen, bei dem ich eines der zu Dürer’s Lebenszeit gebräuchlichen
Papiere hätte wahrnehmen können. Die neueren im Jahre 1781 in Wien
veranstalteten Abdrücke sind an ihren festen doch rauhen Papieren leicht
zu erkennen.


B. 170. Das Wappen mit dem wilden Mann.

Die alten Drucke kommen auf Papier mit zwei kleinen verbundenen Thürmen
in einem geschweiften Schilde, oder mit dem Wasserzeichen Nr. 43 vor.
Die Drathstriche dieser sind 12½ Linien von einander entfernt.

       *       *       *       *       *

Ausser der bedeutenden Zahl der in diesem 2. Abschnitte aufgeführten von
Dürer selbst gearbeiteten oder von ihm veranstalteten Holzschnitte, hat
unser Meister noch verschiedene andere vorbereitet gehabt, an deren
Ausführung er durch Umstände oder seinen frühzeitigen Tod verhindert
sein wird. Einen Beweis dafür geben mehrere noch erhaltene
Federzeichnungen desselben, welche ihrer ganzen Behandlung nach nur für
die Ausführung in Holzschnitt bestimmt gewesen sein können.

Eine der schönsten dieser Art war bisher im Besitz des kunstliebenden
als Medailleur berühmten Professors J.D. Böhm in Wien, und ich verdanke
es der besonderen Begünstigung desselben, daß solche mit einer Anzahl
anderer Skizzen und Zeichnungen Dürer’s seit Kurzem in meine Sammlung
übergegangen ist.

Da es zu bedauern sein würde, wenn diese unzweifelhaft von unserm
Meister für die Vervielfältigung bestimmte Arbeit ferner der
Oeffentlichkeit entzogen bliebe, so habe ich veranlaßt, daß solche durch
den rühmlichst bekannten Xylographen Herrn Flegel in Leipzig in Holz
geschnitten ist und die Freunde Dürer’scher Kunst finden einen Abdruck
davon als Anlage dieses Werkchens.

Die wohl erhaltene Federzeichnung von gleicher Größe, auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 2, ist wie Dürer bei allen Entwürfen
seiner Holzschnitte zu thun pflegte,[65] von der Gegenseite genommen, so
daß der schreibende Zuhörer die Feder in der linken, das Dintenfaß in
der rechten Hand hält.

Alle Kreuzschraffirungen sind dabei auf das sorgfältigste vermieden und
dürfte dieses die Vermuthung rechtfertigen, daß die Zeichnung einer
früheren Periode unsers Meisters angehören wird, da derselbe späterhin,
namentlich nach 1510, nicht mehr die Entfernung dieser Schwierigkeit für
den Holzschnitt so sehr zu berücksichtigen pflegte.

Auf der Rückseite des Blattes liest man von Dürer’s Hand in abgekürzter
Schrift:

    »wie ein Prister einen berichtet«

und dem entspricht die Darstellung, welche auf einem erhöheten Sitze vor
einem Pulte einen Geistlichen zeigt, der aus dem vor ihm aufgeschlagenen
Evangelienbuche einen Vortrag hält, dessen Erleuchtung, durch den
heiligen Schein und die herbeifliegende Taube bezeichnet wird.

Drei vor ihm sitzende Ordensbrüder hören mit der gespanntesten
Aufmerksamkeit zu und einer von ihnen notirt das Vernommene in ein Buch.

Auffallend ist das leere Feld in Form einer Chorstuhlswand zur Seite des
Redners.

Ein ganz gleiches, nur mit der Anlage einer Ranken-Einfassung, findet
sich auf einer ähnlichen Federzeichnung Dürer’s in der Sammlung des
Herrn Rudolph Weigel in Leipzig, und auch Prestel hat das fac-simile
einer andern Zeichnung unsers Meisters mit einem genau so geformten
Felde gestochen. Hier ist dasselbe aber mit einem verzierten Rande
umgeben und durch ein Familienwappen ausgefüllt, wonach es scheinen
möchte: daß Dürer für eine bestimmte Familie eine Folge solcher
geistlicher Darstellungen zu entwerfen gehabt habe.

Die Federstriche meiner Zeichnung sind in dem vorliegenden Holzschnitt
mit großer Geschicklichkeit und Treue wiedergegeben, wenn gleich der
Geist und das Lebendige derselben durch die Uebertragung einige
Beeinträchtigung erlitten hat; doch findet man dieses auch oft bei
Holzschnitten Dürer’s, sobald er nicht selbst das Messer geführt hat,
wenn man sie mit den Original-Entwürfen vergleicht. --

       *       *       *       *       *

Hiermit schließe ich meine Bemerkungen über die Holzschnitte Dürer’s,
wie solche von Bartsch in seinem peintre graveur als Originale
aufgeführt sind; da ich es nicht wage, mich auf das schwierige Feld der
zweifelhaften Blätter zu begeben, welche Bartsch in dem Appendix
zusammengestellt hat, deren Zahl aber durch Heller ansehnlich vermehrt
ist und noch fortdauernd durch eifrige Sammler, mit und ohne Grund,
vervollständigt wird.

Das Sammeln dieser Blätter ist von mir nie systematisch betrieben und
ihre Beschaffenheit daher auf meinen Reisen auch nicht hinlänglich
berücksichtigt, da, wenn gleich einzelne schöne Kunstleistungen sich
darunter befinden, die mit unserm vortrefflichen Meister gleichzeitig
und desselben vollkommen würdig sind, die Mehrzahl doch nur gering an
Kunstwerth ist, und dem Dürer keineswegs angehört.

Ich muß es den Sammlern, welche zur Vervollständigung ihres
Dürer-Werkes, es für erforderlich halten, die sämmtlichen von Heller
aufgeführten und sonst aufgefundenen zweifelhaften Blätter zusammen zu
bringen, überlassen: eine Prüfung der Papiere und ihrer Wasserzeichen
bei den verschiedenen Abdrücken vorzunehmen, bei denen die, wegen der
Priorität der Wasserzeichen, von mir gemachten Bemerkungen immer
nützliche Anhaltspunkte gewähren können. --



Die gedruckten Werke Albrecht Dürer’s


Als Nachtrag zu meinen Bemerkungen über die Holzschnitte Dürer’s glaube
ich auch, die höchst interessanten gedruckten Werke desselben
berücksichtigen zu müssen, da solche so sehr reich mit Holzschnitten
ausgestattet sind, von denen Bartsch nur einzelne unter Nr. 146 bis 149
in seinem peintre graveur aufgenommen hat.

In Beziehung auf die zu diesen gedruckten Werken verwandten Papiere
findet man die bei den alten deutschen Druckwerken im allgemeinen
beobachtete Gewohnheit: verschiedene Papiersorten oft ohne regelmäßige
Reihenfolge zu benutzen, in reichlichem Maße befolgt.

1. Die älteste Ausgabe eines Dürer’schen Werkes ist die im Jahre 1525
gedruckte

    »Underweysung der messung, mit dem zirckel vn̄ richtscheyt, u.s.w.

In dieser kommen Papiere mit folgenden Wasserzeichen vor:

    a) Der Henkelkrug, Nr. 33, mit Entfernung der Drathstriche von 13
    Linien;

    b) Die große hohe Krone, Nr. 21, jedoch in etwas abweichender
    Form, auch wohl mit dem Buchstaben S im Bügel, Entfernung der
    Drathstriche 14¼ Linien;

    c) Der kleine Reichsapfel mit Kreuz, Nr. 37, Entfernung der
    Drathstriche 12½ Linien;

    d) Der Ochsenkopf mit dem Caducaeus, Nr. 31, Entfernung der
    Drathstriche 13¾ Linien;

    e) Der Anker im Kreise, Nr. 30, Entfernung der Drathstriche 14¼
    Linien.

Die zweite Ausgabe dieses Buches, im Jahre 1538 durch Hieronymus,
Formschneyder gedruckt, enthält in den Papieren folgende Wasserzeichen:

    a) Eine schmälere hohe Krone, oft mit einem fünfstrahligen Stern
    über dem Kreuz, Nr. 36, Entfernung der Drathstriche 11½ Linien;

    b) Den kleinen Reichsapfel mit Kreuz, Nr. 37, Entfernung der
    Drathstriche 12 Linien;

    c) den größeren Reichsapfel mit Stern, Nr. 24^a, Entfernung der
    Drathstriche 12½ Linien.

2. Das im Jahr 1527 herausgegebene Werk:

    »Etliche Underricht, zu befestigung der Stett, Schloß, vnd
    flecken«

Dasselbe hat vorherrschend Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden
Hundes, Nr. 35, und 12½ bis 13¼ Linien Entfernung der Drathstreifen,
doch gemischt mit solchem, in dem sich die schmälere hohe Krone, Nr. 36,
befindet, deren Drathstriche 11½ bis 12½ Linien Entfernung haben.

Bartsch hat übrigens Unrecht gehabt: das schöne Titelblatt dieses Werkes
mit dem Wappen des Erzherzogs Ferdinand von Oesterreich nicht unter den
einzelnen Holzschnittblättern aufzuführen. Ich möchte glauben: daß es
ein eigenhändiger Schnitt unsers Meisters sei, auch hat er selbst Werth
darauf gelegt, wie ein in Farben gedrucktes Exemplar desselben beweist,
welches Dürer, der von seiner Hand darauf befindlichen lateinischen
Inschrift zufolge, seinem auch aus dem niederländischen Tagebuche
bekannten Freunde Christoph Koler verehrte.[66]

3. Dürer’s Hauptwerk:

    »Vier Bücher von menschlicher Proportion.«

An diesem hat unser Meister nach den zahlreichen noch vorhandenen
Federskizzen und Studien dazu, während des größesten Theils seines
Lebens gearbeitet. -- Es wurde, nach der in der Königlichen Bibliothek
in Dresden vorhandenen Originalhandschrift des ersten Buches,
im Jahre 1523 beendigt, aber im Jahre 1528 gebessert und zum Druck
hergerichtet,[67] doch erlebte Dürer die Herausgabe, welche am 31.
October 1528 erfolgte, nicht mehr.

Die Papiere dieser Ausgabe haben das Wasserzeichen:

    a) der schmalen hohen Krone mit Kreuz, Nr. 36;

    b) derselben mit Stern über dem Kreuz; beide mit Abstand der
    Drathstreifen von 11½ Linien;

    c) des Reichsapfels mit fünfstrahligem Stern und 11¼ Linien
    Entfernung der Drathrippen.

Die sechs Jahre später, im Jahre 1534 veranstaltete Ausgabe der
lateinischen Uebersetzung dieses Werks durch Bilibald Pirckheimer hat im
Papier

    a) das Wasserzeichen des größeren Reichsapfels mit Kreuz, Nr. 6,
    Abstand der Drathstriche 11½ Linien;

    b) dasjenige des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, Nr. 31, Abstand
    der Drathstriche 14 Linien;

    c) der schmäleren hohen Krone mit Kreuz und Stern, Nr. 36, mit 11½
    und 17½ Linien Entfernung der Drathstriche. --

FUSSNOTEN:

[20] S. Leben Albrecht Dürer’s, von Roth. Leipzig 1791. pag. 41. vergl.
Archiv des historischen Vereins von Unterfranken. 14. Band. 2. Heft.

[21] z.B. In der Ambraser Sammlung zu Wien, auf der Königlichen
Bibliothek zu Dresden und in der Kupferstich-Sammlung des Friedensteins
zu Gotha.

[22] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s. 2. Bd. pag. 21.

[23] Diese Notizen verdanke ich der Güte meines verehrten Freundes, des
in allem, was alte Kunst und besonders alte Drucke betrifft, höchst
erfahrenen Herrn Senator Culemann hierselbst, welcher mich überhaupt
durch seine Einsicht wesentlich bei diesem Abschnitt zu unterstützen die
Gewogenheit gehabt hat.

[24] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst von C.Fr. von
Rumohr. Leipzig 1837. pag. 82 und 83.

[25] Von den Sachverständigen pflegt das Vorkommen von
Kreuzschraffirungen als ein Beweis gegen die Eigenhändigkeit Dürer’scher
Holzschnitte angeführt zu werden, indem er bei der großen Mühe und
Arbeit, welche jene veranlassen, bei _eigenem_ Schnitt sie vermieden
haben würde. S. u.a. Jackson treatise on wood engraving. London 1839.

[26] S. Heller, 2. Theil, pag. 636.

[27] S. denselben, pag. 931.

[28] S. Bartsch peintre graveur, vol. 14, pag. 410.

[29] S. Leben Albrecht Dürer’s von J.F. Roth. Leipzig 1791. pag. 45.

[30] Mayländer Ausgabe. Vol. 10. pag. 196 und 197.

[31] S. Heller, Theil 2, pag. 550 und 551. Die Monogrammisten von Dr.
G.K. Nagler, 3. Heft, pag. 182.

[32] Vgl. meinen Aufsatz in dem Archiv für die zeichnenden Künste, von
Naumann, Heft 1. pag. 54.

[33] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s von Joseph Heller. 2. Bd.
pag. 602.

[34] Das K. Kupferstich-Cabinet in Stuttgart bewahrt ein solches noch
unzerschnittenes Exemplar auf 9 Blatt, vier Holzschnitte auf jedem,
welche mit etwas beschnittenem Rande in der Höhe 11, in der Breite 8
Zoll messen. Acht Blätter haben das oben bezeichnete Wasserzeichen, das
neunte dasjenige des Wappen von Nürnberg, Nr. 41.

[35] Nach der Vorrede zu Henry Cole’s »Albert Durer’s Passion of our
lord« London 1844, pag. 7, befand sich in England nur _ein_ completes
Exemplar im Besitze des Mr. Pickering. Sie fehlte im British Museum, in
Oxford u.s.w.

[36] Vgl. auch die Monogrammisten von Dr. Nagler, 3. Heft, pag. 184.

[37] Vgl. Abschnitt 3.

[38] Heller, pag. 617.

[39] Man findet sie in der Sammlung des Erzherzog Albrecht in Wien, in
der Königl. Kupferstich-Sammlung in Stuttgart, auf dem Friedenstein zu
Gotha, und in dem Museo zu Bremen, hier aus der Sammlung des Herzogs von
Buckingham.

[40] Bartsch. Vol. 14, pag. 410.

[41] Hiernach sind die nicht ganz genauen Angaben Heller’s, pag. 677, zu
berichtigen.

[42] S. De quelle manière prenait on les bains du temps de Charles Quint
par le Dr. Straeter. Aix la Chapelle 1858, welchem geistreichen
Schriftchen ich in Beziehung auf die Zeit der Anfertigung des
Holzschnitts aus den vorher angeführten Gründen nicht beipflichten kann.
Vgl. auch Dr. v. Eye, Leben und Werke Albrecht Dürer’s, pag. 164 ff.

[43] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst, pag. 82.

[44] Diese Berichtigung, nach dem betreffenden Exemplare in dem
Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Berlin, verdanke ich der Güte des
zeitigen Directors desselben Herrn Professor Hotho.

[45] Le peintre Graveur, vol. VII, pag. 19.

[46] Vergleiche pag. 89.

[47] Bei den Bemerkungen wegen der Nr. 1 bis 5 bin ich durch die
bereitwillige Gefälligkeit des Herrn Professor Grüner, Director der
Königlichen Kupferstich-Sammlung in Dresden, wesentlich unterstützt.

[48] Pag. 690.

[49] Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst, pag. 88.

[50] Die Monogrammisten, pag. 199.

[51] Vgl. Archiv für die zeichnenden Künste von Naumann, 2. Jahrgang,
pag. 91.

[52] Siehe die Nachricht des Etatsraths Thiele hochverdientem Director
der Copenhagener Kupferstich-Sammlung im Berliner Kunstblatt vom Jahre
1853, pag. 178.

[53] Quellen und Forschungen zur Vaterländischen Geschichte, Wien 1848.

[54] Kunstblatt von 1830, pag. 104.

[55] Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 108.

[56] Siehe die Monogrammisten von Nagler, 3. Heft, pag. 198.

[57] S. Campens Reliquien, pag. 113.

[58] Vgl. in der 3. Abtheilung die Dürer’schen Handzeichnungen.

[59] S. Kunstblatt vom Jahre 1832, pag. 329 und 330.

[60] Bartsch, Vol. 3, pag. 72.

[61] Heller, Zusätze zum Bartsch.

[62] S. Nürnbergs Bedeutung von Otto Gabler, pag. 32.

[63] Die Monogrammisten, 3. Heft, pag. 208.

[64] Diese Nachweisung verdanke ich meinem verehrten Freunde Herrn W.H.
Carpenter, Director des print-room des British-Museums.

[65] Nur durch Unbekanntschaft mit einer namhaften Zahl Dürer’scher
Federzeichnungen läßt es sich erklären, wenn C.Fr. von Rumohr in seiner
Schrift »Zur Geschichte und Theorie der Formschneidekunst«, pag. 29,
sagt, daß »bekanntlich unter den zahlreichen originalen Handzeichnungen
alter Zeit -- keine bisher sich angefunden, welche irgend einem
Holzschnitte hinlänglich entspräche.«

[66] Dieser Abdruck befindet sich in der Sammlung des Verfassers.

[67] Vgl. Becker, A. Dürer’s eigenhändige Schriften in Naumann’s Archiv
für die zeichnenden Künste, 1858, 1. Heft, pag. 20 u. ff.



Abschnitt III.

Die Handzeichnungen Albrecht Dürer’s.


Nichts ist geeigneter, einen richtigen Begriff von der Vielseitigkeit
des Talents, dem unermüdlichen Fleiße, der strengen Gewissenhaftigkeit
und der hohen Meisterschaft Albrecht Dürer’s zu gewähren, als seine
zahlreichen Skizzen, Studien und ausgeführten Zeichnungen.

Man verdankt es ohne Zweifel der hohen Anerkennung, welche unser Meister
schon bei Lebzeiten und gleich nach seinem Tode gefunden hat, daß eine
so große Zahl dieser Entwürfe und Handzeichnungen, zum Theil noch in
gutem Zustande, sich bis auf unsre Zeiten erhalten hat, doch sind sie
sehr zerstreut; die Bearbeitung eines vollständigen mit Einsicht
entworfenen und geordneten Verzeichnisses derselben, würde daher ein
großes Verdienst sein und ein ganz neues Licht über Albrecht Dürer’s
Kunstleistungen verbreiten, da derselbe, in seinen Zeichnungen, durch
technische Schwierigkeiten weniger beengt als bei den Gemälden, seinem
Gefühle und seinem Genius freien Lauf lassen konnte.

Heller hat in seinem Leben Albrecht Dürer’s manches Verdienstliche auch
über seine Zeichnungen zusammen getragen, doch ist sein Verzeichniß
weder vollständig noch mit gehöriger Kritik entworfen.

Ich selbst fühle mich zu einer solchen Arbeit nicht mehr befähigt, doch
will ich in Nachfolgendem für die Freunde Dürer’scher Kunst einige
Notizen über die mir bekannt gewordenen Zeichnungen geben, und bei
denjenigen in öffentlichen Sammlungen befindlichen, welche mir in den
letzteren Jahren zugänglich gewesen sind, auch auf das Einzelne
derselben näher eingehen, zugleich aber meine Beobachtungen über die
dazu verwendeten Papiere und ihrer Wasserzeichen mittheilen.

Die bedeutendsten Schätze von Dürer’schen Zeichnungen, befinden sich
gegenwärtig in folgenden öffentlichen Sammlungen, als:

1) In der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien.

2) Im print-room des britischen Museums.

3) In der Kaiserlichen Handzeichnungs-Sammlung in Paris.

4) In dem Handzeichnungs-Cabinet der Ufficij in Florenz.

5) Im Königlichen Kupferstich-Cabinet in Berlin.

6) In der ehemaligen Heller’schen Sammlung auf der Stadtbibliothek zu
Bamberg.

7) In der ehemaligen Klugkist’schen Sammlung in der Kunsthalle zu
Bremen.

8) Auf der Königlichen Bibliothek zu Dresden.

9) Auf der Königlichen Bibliothek zu München.

10) Auf der Stadtbibliothek zu Nürnberg.

Einzelne schöne Zeichnungen sind noch:

11) In der Ambraser-Sammlung in Wien.

12) Im Städel’schen Institut zu Frankfurt a.M.

13) Im Königlichen Kupferstich-Cabinet zu München.

14) In der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Dresden.

15) In der Akademie alla Carità zu Venedig.

16) In der Ambrosiana zu Mailand.

17) In der Kupferstich-Sammlung auf der Festung zu Coburg.

18) In dem Herzoglichen Museo zu Braunschweig.

19) Auf der Universitäts-Bibliothek zu Erlangen.

Auch in mehreren Privat-Sammlungen in Deutschland giebt es einzelne
schöne echte Zeichnungen Dürer’s, die wichtigsten sind in der kostbaren
Handzeichnungs-Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg; die größte Zahl
dürfte wohl meine eigene Sammlung enthalten.

In England befinden sich ebenfalls noch manche Dürer’sche Zeichnungen im
Privatbesitz, zum Theil aus der berühmten Sammlung des Sir Thomas
Lawrence herstammend, aus welcher nach dessen Tode hundert Zeichnungen
von Albrecht Dürer durch die Gebrüder Woodburn in London für 800 L.
Sterling verkauft wurden.[68]

Eine bedeutende Zahl dieser letzteren Zeichnungen war früher im Besitz
des französischen Generals Grafen Andreossi, welcher gleich nach der
Einnahme Wiens im Jahre 1709 einen großen Schatz, durch ihre vollkommene
Erhaltung besonders ausgezeichneter Entwürfe Dürer’s, an sich zu bringen
gewußt hat. Andere kommen aus den älteren Englischen Sammlungen des Sir
Peter Lely, W. Young Ottley, Lord Spencer, J. Richardson, P. Sanby, R.
Cosway, sowie aus den bekannten Sammlungen des Chevalier Vicar und
Denon.

Die Zahl der in den vorherbezeichneten öffentlichen Sammlungen
enthaltenen Skizzen, Entwürfe und Zeichnungen übersteigt 1000 -- und da
ein großer Theil davon mit der Jahrszahl versehen ist, welche bis auf
die ältesten Zeiten 1484, 1489, 1491 und 1494 hinauf reichen, so
gewähren sie auch in Beziehung auf die Entwickelung unsers Künstlers die
wichtigsten Anhaltspunkte.

Ueber die öffentlichen Sammlungen bemerke ich folgendes:

=ad 1.= Die =Sammlung= des =Erzherzogs Albrecht= in =Wien= ist für
Dürer’sche Zeichnungen unstreitig die bedeutendste, da sie eine
überwiegende Zahl ganz ausgeführter Zeichnungen, sowie Skizzen und
Entwürfe zu mehreren seiner Hauptwerke enthält. Dieser Schatz --
großenteils von den Kaisern Maximilian und Rudolph II. herstammend,
früher im Schloß Ambras aufbewahrt -- kam bekanntlich durch Tausch gegen
Kupferstiche in den Besitz des Gründers jener Sammlung, des Herzogs
Albert von Sachsen-Teschen. Das Geschäft scheint durch den damaligen
Conservator der Herzoglichen Kupferstich-Sammlung, Namens Lefevre
vermittelt zu sein, wenigstens geschah durch ihn die Aussonderung des
erhaltenen sehr zahlreichen Vorraths, aus welchem nur etwa 150 Blatt der
Herzoglichen Sammlung einverleibt wurden, während die übrigen theils in
die von Grünling’sche Sammlung in Wien, theils in andre Hände
übergingen. Acht und vierzig der bedeutenderen dieser Zeichnungen sind
in den von Mansfeld u. C^{o.} in Wien veranstalteten Nachbildungen von
Handzeichnungen dieser Sammlung durch wohl gelungene fac-simile auch dem
größeren Kreise der Kunstfreunde bekannt geworden.

Die vorzüglichsten Zierden dieser Sammlung sind:

Die älteste Zeichnung Dürer’s als Kind vom Jahre 1484, sein eigenes
Bildniß.

Die auf grünlich grauem Grunde mit der größten Sorgfalt ausgeführten
weiß gehöheten Zeichnungen einer Passion aus den Jahren 1504 und 1505,
welche von ähnlichen Darstellungen Dürer’s in seinen Kupferstichen oder
Holzschnitten durchgehends abweichen.

Die prachtvollen großen meist sehr vollendeten Portrait-Zeichnungen, aus
den Jahren 1508, 1514, 1518 und 1521, darunter die meisterhaften
Brustbilder des Kaisers Maximilian und Ulrich Varnbühlers.

Die auf grünlich grauem Grunde ausgeführten, weiß gehöheten
Kreide-Zeichnungen zu den großen Aposteln vom Jahre 1523.

Die wundervollen leicht colorirten Feder-Zeichnungen zu dem in
Holzschnitt ausgeführten Triumphwagen des Kaisers Maximilian vom Jahre
1518.

Ausserdem sind von großem Interesse: schöne Gewand- und Hände-Studien,
sowie die leichten Federskizzen zu bekannten Holzschnitten und Gemälden
auch einige Farbenzeichnungen von der bewundernswürdigsten Feinheit und
Pracht. Die sämmtlichen Zeichnungen dieser Sammlung sind fest auf
Cartons geklebt, und die Wasserzeichen ihrer Papiere daher nicht
wahrzunehmen.

=ad 2.= Ueber die in Deutschland früher unbekannte sehr reiche Sammlung
von Zeichnungen Dürer’s im =print-room= des =British-Museums= habe ich
zwar bereits ein Verzeichniß in dem Archiv für die zeichnenden Künste
von Naumann, 4. Jahrgang, 1. Heft, veröffentlicht, doch ist der
betreffende Aufsatz durch zahlreiche Druckfehler selbst im Sinne
entstellt, auch wohl nicht jedem Liebhaber zugänglich gewesen, weshalb
ich dieses Verzeichniß hier noch einmal folgen lasse.

1. Die Zeichnung zu dem Holzschnitt B. 136 des Rhinoceros.[69]
Sie ist mit höchster Feinheit und Sicherheit ausgeführt von der
entgegengesetzten Seite des Holzschnitts, mit einer 3¾ zeiligen
Unterschrift von Dürer’s Hand. Darüber steht in römischen nur
angerissenen Buchstaben

    RHINOCERON.
    1515.

2. Ein aufblickender bärtiger Mannskopf, Kreidezeichnung, weiß gehöhet,
mit der Jahrszahl 1508.[70]

3. bis 5. Die leicht colorirten Federzeichnungen auf schwarzem Grunde zu
dem Holzschnitt der Säule, B. 129,[71] drei Blatt, zu dem oberen,
unteren und einem der mittleren Theile, höchst geistreich behandelt.

4. Farben-Studie zu dem hohen Hause, welches Dürer in der Landschaft des
Kupferstiches der Jungfrau mit dem Affen, B. 42, angebracht hat. Es
scheint der Behandlung nach eine Naturstudie von seiner italienischen
Reise in den Jahren 1506-1507. Unten mit seiner Hand bezeichnet

    »weiß Hauss«.

5. Ausserordentlich feine Stiftzeichnung von grünlicher Farbe, einen
liegenden Hund mit Halsband darstellend. Sie ist mit dem Monogramm
versehen aber ohne Jahrszahl, nach der Beischrift von Dürer’s Hand

    »zw Ach gemacht«

aber vom Jahr 1520.[72]

Auf der Rückseite zwei weibliche Figuren in verschiedenen Anzügen
gezeichnet.

6. Ein bunt gefiederter Vogel, vortrefflich in Wasserfarben gemalt.

7. Lebensgroßer Kopf eines Alten, im Profil gesehen, mit einem sehr
langen gelockten Bart und einem Barett auf dem Haupte. Feine
Kreidezeichnung auf braun grundirtem Papier mit der Jahrszahl 1518.

8. Portraitkopf eines Mannes in mittleren Jahren, mit Hals und wenig
Brust, etwas zur Linken gewendet, mit einem Feder-Barett. Herrliche
Kreidezeichnung vom Jahre 1516.

9. Vortreffliches lebensgroßes Bildniß eines jungen Mannes mit großem
Hut, zur Rechten gewendet. Mit der Jahrszahl 1521. Das Haar ist gelockt,
die Kleidung reich mit Pelzwerk gefuttert. Kreidezeichnung.

10. Der Entwurf eines jüngsten Gerichts, reiche, oben gerundete
Federzeichnung, vom Jahre 1513.

11. Angetuschte Federzeichnung, der Behandlung nach für einen
Holzschnitt. Sie stellt drei Mönche dar, von denen der eine bemüht ist,
den andern aus einem Wasser zu ziehen, während der dritte, mit einem
Heiligenschein versehen, aus einem Fenster zuschaut.

12. Eine der frühesten Arbeiten Dürer’s, eine leichte Kreidezeichnung
auf weiß Papier, welche eine weibliche Figur vorstellt, mit einem Vogel
auf der linken Hand. Zur Seite steht geschrieben:

    »Das ist ach alt hat mir Albrecht Dürer gemacht E er zum Moler kam
    in des Wolgemuths Hus uff dem Oberen Boden in dem hindern Hus in
    bewesten Kunrat Lomazens Piligen« (Pfleghaus, Gasthaus?).

13. Ein Engelskopf.

14. Zwei Engelsköpfe, von denen der eine sich durch besondere Feinheit
auszeichnet.

15 bis 17. Verschiedene mit der Feder gezeichnete Köpfe.

18. Ein kleiner, besonders sorgfältig ausgeführter weiblicher Kopf, weiß
gehöhet, nach Prof. Dr. Waagen’s Ansicht zu dem Gemälde Dürer’s, die
Lucretia in der Pinacothek zu München, Nr. 93.

19 bis 21. Verschiedene kleine Entwürfe mit der Feder, zwei davon haben
die Jahrszahl 1520.

22 bis 24. Kleine mit der Feder skizzirte Portraits, bei dem einen steht
neben der Jahrszahl 1503 »Dr. Michael Roten sen:«

25 und 26. Colorirte Studien, zu Köpfen und Händen eines Gemäldes der
ehemaligen Boisserée’schen Sammlung.

27. Kopf, Kreidezeichnung vom Jahre 1508.

28. Männlicher Kopf mit einer Mütze, besonders frei gezeichnet in der
Art des M. Wohlgemuth.

29. Ein aufblickender, dornengekrönter Christuskopf von sehr
leidensvollem Ausdrucke, mit der Jahrszahl 1503. Dabei steht:

    »während Krankheit gez:«

30. Ein Kopf in Kohlen und Kreide vom Jahre 1503.

31. Federzeichnung eines alten Kopfes im Profil, bezeichnet 1505.

32. Jugendlicher Kopf mit Mütze, halb zur Seite gewandt. Kreidezeichnung
mit der Bemerkung »alt 16 Jahr«.

33. Ein leicht colorirter Frauenkopf mit der Jahrszahl 1510.

34. Ein sehr sorgfältig in Rothstift ausgeführter Frauenkopf.

35. Kindskopf vom Jahre 1519 auf roth Papier mit Kreide gezeichnet und
weiß gehöhet.

36. Eine alte Frau auf roth Papier und weiß gehöhet.

37. Ein reizender weiß gehöheter Kindskopf auf grün grundirtem Papier.

38. Ein aufblickender Mannskopf.

39. Eine liebliche Federzeichnung vom Jahre 1514, zwei Kinderköpfe
darstellend.

40. Ein in die Höhe sehender Kindskopf auf grau grundirtem Papier, mit
Kreide sorgfältig ausgezeichnet und weiß gehöhet vom Jahre 1521, in der
Behandlung völlig übereinstimmend mit dem »weinenden Kindlein« von
demselben Jahre, aus der ehemaligen Imhoff’schen Sammlung,[73]
gegenwärtig im Besitze des Verfassers.

41. Herunterblickender Frauenkopf, auf gelblich blauem Grunde, weiß
gehöhet.

42. Lachender alter Kopf, auf dunkelgrünem Papier, weiß gehöhet, mit der
Jahrszahl 152‑, die vierte Zahl ist nicht mehr erkennbar.

43. Ein sehr ausgeführter weiß gehöheter Frauenkopf, bezeichnet 1520.

44. Lebensgroßes Frauen-Portrait in Kreide, auf braunem Grunde. Der Kopf
ist mit einem Tuche bedeckt, fast wie ein Nonnenschleier, mit der
Jahrszahl 1521.

45. Kleineres männliches Portrait mit einem Barett, Oelskizze auf
Papier, von sehr warmer Färbung, fast in der Art des Titian.

46. Ein prächtiges lebensgroßes Portrait eines Mannes, von vorn gesehen
und mit einer Mütze bedeckt. Kreidezeichnung auf gelblichem Papier.

47. Schöner Mannskopf mit Barett, vom Jahre 1521.

48. Ein Frauenskopf mit Mütze, auf grau grundirtem Papier mit Kreide
gezeichnet und weiß gehöhet, mit der Jahrszahl 1522.

49. Portrait der Formschneiderin Fronica vom Jahre 1525. Sie ist mit
einer platten Mütze dargestellt, mit wenigen großartigen Meisterstrichen
in Kreide gezeichnet, auf schwarzem Grunde. Die Inschrift lautet

    »Fronica Formschneiderin«.[74]

50. Ein sehr sorgfältig gezeichnetes großes männliches Bildniß, den Kopf
im Profil gesehen, mit der Jahrszahl 1527. Das Gewand ist mit Pelz
verbrämt.

51. Herrlicher, nach links gewandter Mannskopf mit spitzer Nase und
aufgeschlagener Mütze. Kreidezeichnung auf schwarz schraffirtem Grunde.

52. Kreidezeichnung eines alten Frauenkopfes, im Profil gesehen.

53. Mannskopf von mittlerer Größe mit Mütze, in Rothstift sehr schön
gezeichnet, besonders der Bart, mit der Jahrszahl 1523.

54. Federskizze eines Ritters in einer mit Stacheln versehenen Rüstung.
Auf der Rückseite zwei fechtende Ritter.

55 und 56. Sorgfältig gezeichnete wunderbar verschlungene eckige
mathematische Figuren, vom Jahre 1506. Sie erinnern an die »sechs
Knoten«, B. 140-145.

57. Christus als Knabe im Tempel lehrend, ein leichter Feder-Entwurf.

58 und 59. Leichte Feder-Entwürfe zu Wappen.

60. Entwurf einer Fassung echter Steine, ohne Zweifel für einen
Goldschmied.

61. Eine Federzeichnung in runder Form, welche drei weibliche Figuren in
Umrissen darstellt, in deren Mitte auf einem Altar sich ein Herz
befindet, welches zerschlagen werden soll. Eine andere weibliche Figur
liegt zu den Füßen derselben.

62. Zwei Entwürfe des Wappens Albrecht Dürer’s mit lateinischen
Inschriften, bestimmt zu der Rückseite eines Portraits von Dürer.

63. Anderer leichter Entwurf zu dem Wappen Albrecht Dürer’s.

64. Ein unbekanntes colorirtes Wappen.

65. Federzeichnung eines Wappens, welches mit der Kette des goldenen
Vließes umgeben ist.

66. Ein grau und schwarz getuschtes Wappen.

67. Der buntfarbige Flügel eines Vogels, mit wundervoller Feinheit auf
schwarzem Grunde gemalt.

68. Sehr reiche Composition, der Form nach für eine Degenscheide
bestimmt. In der Mitte tragen zwei Kinder eine Vase, das Ganze ist mit
der Feder höchst geschmackvoll und elegant verziert.

69. Federzeichnung für einen Ring.

70. Zwei mit der Feder gezeichnete Genien, welche ein reiches Gewinde
von Zweigen und Früchten halten.

71. Gehänge von Laubwerk und Früchten. -- Ein Phönix mit Verzierungen.

72. Entwurf eines Kelches mit Deckel, auf welchem oben ein Storch
befindlich, Federzeichnung.

73. Mit der Feder gezeichneter Entwurf eines geschweiften Kelches.

74. Zwei Längen-Durchschnitte eines Kelches, gelb colorirte
Federzeichnung, vom Jahre 1514.

75. Federzeichnung eines ovalen Kelches, gelb colorirt, mit der
Jahrszahl 1526.

76. Zwei phantastisch verzierte Säulen, sehr schöne colorirte
Federzeichnung vom Jahre 1515, daneben steht von Dürer’s Hand

    »~das sind Schtörch~«.

77. Vortreffliche große Federzeichnung eines sehr reichen Bechers mit
einem Deckelaufsatz in gothischer Architektur, colorirt.

An dem Fuße sind Jäger mit Hunden, Krieger, Bauern die mit der Erndte
beschäftigt sind, und Hirten mit Vieh dargestellt.

78. Ein Vogel mit langem Schnabel, Zeichnung in Wasserfarben, oben
darüber ein verziertes Band mit der Inschrift »GI. GI. GIG.«

79. Erster leichter Federentwurf zu dem Holzschnitt: der Darstellung im
Tempel aus »unser Frauen Leben«, B. 81.

80. Entwurf einer ähnlichen Darstellung. Federzeichnung von großer
Feinheit, welche zum Theil auf das allersorgfältigste ausgeführt ist.

Darunter steht:

    »Albrecht Durer hatt dies stück gemacht In wenr ledige werd Jar.«

81. Ein stehender Ritter mit einer Federmütze, eine Hellebarde in der
Hand. Federzeichnung vom Jahre 1510.

82. Darstellung des Jupiter in einem Oval, oben der Adler, unten
erschlagene Krieger und ein Kind. Federzeichnung. Darunter steht:

    A JVPITER XXXXVI 46

83 bis 90. Entwürfe zu venetianischen Tarockkarten, vielleicht von Dürer
in Venedig gezeichnet.

91. Entwurf zu dem Holzschnitt des sich geisselnden Heiligen, B. 119.
Federzeichnung.

92. Federzeichnung eines dreibeinigen Gestells, wohl für eine Kanne
bestimmt.

93. Sechs feine runde Federzeichnungen mit allegorischen Figuren.

94. Eine sehr schöne Federzeichnung, welche Maria und Johannes
darstellt.

95. Zwei weibliche Figuren; die eine bekleidete hat ein Messer in der
Hand, die andre nackte trägt eine Wage. Federzeichnung.

96. Erster Entwurf mit der Feder zu dem Kupferstich die »Nemesis«, B.
77. Der eine der Flügel ist besonders gezeichnet und mit der äussersten
Feinheit und Sorgfalt ausgeführt.

97. Federzeichnung einer fortschreitenden weiblichen Figur.

98. Christus am Kreuz, Federzeichnung vom Jahre 1511.

99. Ein verschanztes Lager mit sehr vielen Figuren, in der Ferne eine
Landschaft, -- reiche Federzeichnung.

100 bis 103. Entwürfe mit der Feder zu einem Altarbilde.

Das Mittelbild stellt die Krönung der Jungfrau dar, die Predella den Tod
derselben. Auf dem linken Flügel ist St. Georg und ein Heiliger mit
einem Reh, auf dem rechten ein heiliger Bischof mit einer Kirche und ein
Heiliger mit dem Kelche.

104 und 105. Darstellung zweier wilder Indianer von brauner Farbe, der
eine auf schwarzem, der andere auf weißem Grunde.

106. Eine weibliche Figur, darunter ein Thor mit der Durchsicht in eine
Landschaft. Federzeichnung.

107. Drei musicirende Figuren. Federzeichnung.

108. Eine weibliche Figur, welche sich vor einem Spiegel putzt. Das
Gerippe des Todes steht hinter ihr. Mit der Feder gezeichnet.

109. Das Innere eines Zimmers mit einem Camin. Federzeichnung mit der
Jahrszahl 1509.

110 bis 113. Vier leichte Federzeichnungen mit kleinen allegorischen
nicht wohl zu deutenden Figuren, anscheinend Muster für Goldschmiede.

114. Die Jungfrau mit dem Kinde an einem Zaune sitzend; ein leichter
sehr schöner Entwurf, ähnlich dem Kupferstich der Jungfrau mit der
Birne, B. 41.

115. Christus im Oelgarten, eine sehr schöne leichte Federzeichnung.

116. Christus erscheint seiner Mutter; zu beiden Seiten die knieenden
Portraite eines Ehepaars, letztere nur angelegt. Federzeichnung.

117 bis 121. Fünf reizende Entwürfe zu Goldschmieds-Arbeiten; bei einer
knieenden weiblichen Gestalt sind zwei verschiedene Kopfverzierungen
angebracht, und dabei steht von Dürer’s Hand geschrieben:

    »Do mach welchen Kopfli Du wilt.«

122 bis 126. Fünf leichte Federzeichnungen:

    Eine sitzende Ente.

    Eine Kreuztragung Christi.

    Die Marter der heiligen Catharina.

    Die Anbetung der Könige.

    Die Kreuztragung. (Die vier letzten Compositionen sind in der Form
    schmaler Frise.)

127. Schöne Federzeichnung eines heiligen Georg, hier älter als
gewöhnlich dargestellt.

128 und 129. Zwei schöne sehr sorgfältige Federzeichnungen auf
Pergament; nach dem darauf befindlichen Wappen für einen englischen
Edelmann bestimmt. Die eine stellt Christus, das Kreuz tragend, vor, mit
der Unterschrift:

    »Qui non tollit crucem suam et sequitur me non est me dignus.«

Die andere einen betenden Mann, welcher ein Kreuz trägt, mit der
Unterschrift:

    »Nam si ambula vero in medio umbre mortis non time Bomala quoniã
    tu mecũ est.«

130. Ein sehr schönes A als Initiale in Farben.

131. Zwei Genien auf einem Stabe fliegend, welche einen griechischen
Büchertitel tragen. Röthlich angetuscht.

132. Zwei Säulen-Capitäle mit Kronen. Federzeichnung.

133. Die rechte Seite eines Adlers. Federzeichnung.

134. Der obere Theil eines Raubvogels.

135. Liegende Kühe und Schaafe, erster Entwurf zu dem Holzschnitt Nr. 16
in dem dritten Buche von Dürer’s »Underweysung der messung mit dem
zirckel u.s.w.« Nürnberg 1525, Blatt Jij. Federzeichnung.

136. Zwei Hasen und ein Hirschkopf.

137. Colorirte Zeichnung eines Schnabelfisches, der Kopf desselben noch
besonders gezeichnet.

138. bis 141. Verschiedene Baum- und Landschafts-Studien, mit der Feder
gezeichnet, unter denen der mit unglaublicher Sorgfalt behandelte Stamm
eines Tannenbaums mit Aesten.

142. Studie einer bräunlichen Felsmasse von Kalkstein, bezeichnet mit
dem Jahre 1506, und ohne Zweifel eine Naturstudie von der italienischen
Reise.

143. Landschafts-Studie in Wasserfarben, der Kopf einer Tanne ist
besonders dargestellt.

144. Farbenstudien von Pflanzen und Wurzeln.

145. Kreidezeichnung eines knieenden Christuskindes mit den
Leidens-Instrumenten.

146. Ein lesender Heiliger, in der linken Hand eine Palme haltend, auf
grau Papier, weiß gehöhet, vom Jahre 1520.

147. Ein Jüngling mit einem Lockenkopf unter einem Baume, welcher die
Viola spielt, sehr schöne Farbenzeichnung mit der Jahrszahl 1507, die
Umrisse mit der Feder.

148. Ein knieender Heiliger, hinter ihm der Henker.

149. Erster Entwurf zu dem Kupferstich des verlorenen Sohnes, B. 28.
Sehr schöne Federzeichnung; die Figur des verlorenen Sohnes und ein
Theil der Schweine sind ausgeführt, das Uebrige -- namentlich die
Gebäude -- ist nur angelegt.

150. Nürnberger Matrone in ganzer Figur, dieselbe, welche auf dem
Holzschnitt der Vermählung in »unser Frauen Leben«, B. 82, vorkommt.

151. Colorirte Zeichnung, welche eine weibliche Figur mit brennender
Fackel darstellt, zu welcher ein von Bienen verfolgter Amor läuft. Neben
diesem sieht man drei Bienenkörbe, von denen der eine umgestürzt ist.
Zur Seite steht »Pluto« und

    »Der Bienen stich bringt großen Schmerz
    So auch die Lieb verwundt manches Hertz
    Mit Freud an Lust mit Angst und Qual
    Lieb ist voll Honig und bitter gall.«

152. Die allegorische Figur des Mammons mit dem Merkurstabe, welcher die
verschiedenen Stände an Ketten nach sich zieht, einen Kaufmann, einen
Gelehrten, einen Krieger, ein Frauenzimmer. Colorirte Zeichnung.

153. Eine Federzeichnung auf braunem Grunde, den oberen Theil eines
Portals mit acht reizenden Knaben darstellend, mit dem Wappen des
Cardinals Longius von Augsburg, Bischof von Gurk, zur Zeit Julius II.

154. Studie in Kreide von zwei Unterarmen und Händen, vom Jahre 1518.

155. Vortreffliche Federstudie von Armen und Händen zu einer Eva, welche
den Apfel faßt, und einem Adam. -- Daneben Felsenstudien.

156. Drei Entwürfe mit der Feder auf schwarzem Hintergrunde, in jedem
eine Eva mit dem Apfel in einer anderen Stellung darstellend.

Zwei davon sind mit der Jahrzahl 1506, einer ist 1507 bezeichnet.

157. Entwurf eines Apollo, in der Hand eine Sonne, in welcher der
rückwärts geschriebene Name Apollo steht.

158. Umriß einer weiblichen Figur, mit einem eingetheilten Zirkel, vom
Jahre 1500. Der Grund ist grün schraffirt und auf der Rückseite befindet
sich dieselbe Figur mit Eintheilungen. Auf einem Blatt in klein Folio
daneben steht eine Erklärung in 44 Zeilen von Dürer’s Hand. -- Es ist
dies wohl einer der ersten Versuche zu dem von Dürer mit so
unglaublicher Ausdauer und Sorgfalt während seines ganzen Lebens
vorbereiteten Werke »Vier Bücher von menschlicher Proportion, 1528.[75]

159. Umriß einer fortschreitenden männlichen Gestalt, von der Seite
gesehen, mit der Jahrszahl 1526, anscheinend Studie zu demselben Werke,
denn auf der Rückseite ist dieselbe Figur mit mathematischen
Einteilungen.

160. Umriß derselben Figur, von vorn gesehen, ebenfalls mit Einteilungen
auf der Rückseite, vom Jahre 1526.

161. Zeichnung vom Jahre 1509, oben rund. Sie stellt Gott Vater, von
Engeln umgeben dar, unten sind Engel, welche Teufelsgestalten
niederstürzen, rechts zur Seite wird einem knieenden Manne --
augenscheinlich Portrait -- von einem Engel zugesprochen.

162 und 163. Colorirte Federzeichnungen zu einem Schuh in natürlicher
Größe, nebst dabei geschriebenen Erläuterungen.

164. Federzeichnung des St. Antonius des Einsiedlers mit Kreuz und
Glocke, welcher in einem Buche liest.

165. Colorirte Zeichnung zweier fliegender Engel, welche eine Krone
tragen.

166. Ein Kameel, auf beiden Seiten des Blattes mit der Feder gezeichnet,
aus der Sammlung des Sir Peter Lely.

167. Eine Maria mit dem Kinde auf einer Rasenbank sitzend, in einem
reichen weit ausgebreiteten Gewande; reizende, sehr leichte
Federzeichnung, mit der Jahrszahl 1503.


=ad 5.= In dem =Königlichen Kupferstich-Cabinet= zu =Berlin=, besteht
der Hauptschatz Dürer’scher Zeichnungen in 57 Portraitskizzen aus der
früheren Sammlung des Herrn von Derschau in Nürnberg, welche zu der etwa
gleichen Zahl gehören, die Heller aus derselben Sammlung erwarb und in
seinem Leben und Werken Albrecht Dürer’s, pag. 21 bis 34, näher anführt
und beschreibt. --

Sämmtlich sind sie mit Kohle und Kreide meist sehr leicht gezeichnet und
die dargestellten Personen nach links gewendet, bis auf eine einzige
Ausnahme[76], ganz im Profil dargestellt.

Gleich den Hellerschen -- gegenwärtig in der Stadtbibliothek zu Bamberg
aufbewahrten -- sind die Zeichnungen silhouettenartig ausgeschnitten und
auf starkes weißes Papier geklebt, so daß die Wasserzeichen selten
wahrgenommen werden können.

Nach den alten Unterschriften und der Einordnung des Königlichen
Kupferstich-Cabinets sind die Dargestellten:

    Fürstliche Personen, 10, als:

    »Markgraff Jochain Churfürst«
    »Markgraff Jochain, Sohn«
    »Frau Margareth,«
    »Bischoff zu Brandenburg,«
    »Albrecht Bischoff und Churfürst zu Maintz,«
    »Der von Anhaldt,«
    »Geörg Graf zu Wirtenberg,«
    »Friedrich von Bayern, Pfalzgraff etc.«
    Zwei ohne Namensbezeichnung.


    Vornehme vom Adel, 5, als:

    »Ulrich von Hutten,«
    »Bonaventura Fortenbach,«
    »Graf Bertolt von Henneberg,«
    »N. von Emershofer, Teutscher Herr,«
    »Sigmundt von Dietrichstein.«


    Geistliche, 9, als:

    »Bischoff zu Trient,«
    »Mathias Archiepiscob Saltzburg,«
    »Johannes Administrator Episcop: Ratisp,«
    »Bischoff zu Speyer,«
    »Abbas fontis Salicitis,«
    »Udalricus Abbas S. Pauli, Vallis Lauentenensis,«
    »Abbas Scti Egidij Nürmberge,«
    »Prediger bei St. Egidien,«
    »Melchior Pfintzing Abt zu St. Sebald und St. Victor.«


    Patrizier, Nürnberger, 15, als:

    »Bernhardt Hürßvogel,«
    »Felix Hemsin im Hof,«
    »Geörg Folkheimer,«
    »Katharina Folkhaimerinn,«
    »Ulrich Starkh,«
    »Enders im Hof,«
    »Georg Schlauderspach,«
    »Sebaldt Pfinzing,«
    »Barbara Schedlin,«
    »Anna Maria Pfinzinginn,«
    »Martin Pfinzing,«
    »Thomasin Florianus,«
    »Lorentz Staiber,«
    »Friedrich Behaim,«
    »Herr Heinrich Stainheurl.«

    Verschiedene, 18, als:

    »Portugales,«
    »Vintzentz Pumbelt,«
    »Maister Lucas,«
    »Hanns Tummer,«
    »Häug Huebner,«
    »Hoffräulein bey der E. Herzoginn Margareth,«
    »Jacob Ponisio,«
    »Braun Engel,«
    »Maister Conrad Schnitzer,«
    »Heinrich Schlicke,«
    »Maister Mathes Parbierer,«
    »Thomas Polonius,«
    »Hoffräulein bey der E. H. Margareth,«
    »Maister Hans Voltz Parbierer,«
    Vier ohne Namensunterschrift.

Ausser diesen Portraitskizzen, die ohne Zweifel von den Skizzenbüchern
herrühren, welche Dürer mehrfach in dem Tagebuche seiner niederländischen
Reise erwähnt, von denen aber nur etwa ein Dutzend dieser Reise
angehören, besitzt das Cabinet drei ausgeführtere Portraitzeichnungen
in Kreide.

1. Ein besonders schönes kräftig gezeichnetes männliches Brustbild, 13
Zoll 6 Linien hoch, 9 Zoll 6 Linien breit, mit dem Monogramm und der
Jahrszahl 1520 bezeichnet.

Das etwas zur Linken dem Beschauer zugewendete Gesicht ist zu beiden
Seiten durch volles Lockenhaar gehoben, welches ein barettartiger Hut
bedeckt.

2. Ein nach rechts gewendeter Frauenskopf mit Dürers Monogramm, hoch 11
Zoll, breit 8¾ Zoll, kräftig schattirt.

3. Weibliches Brustbild mit halb geschlossenen Augen, etwas nach rechts
gewendet und leicht colorirt, mit der Jahrszahl 1505 und dem Monogramm
bezeichnet. Hoch 10 Zoll, breit 7½ Zoll. Der Kopf ist mit einem Schleier
bedeckt.

Die Zahl der übrigen dem Albrecht Dürer zugeschriebenen Zeichnungen
beläuft sich auf 62 Blatt, doch ist manches darunter was zweifelhaft
sein, mehreres, welches unserm Meister entschieden nicht angehören
dürfte.

Ausgezeichnet schön ist ein Studienblatt ohne Monogramm und Jahrszahl,
hoch 14 Zoll 6 Linien, breit 10 Zoll 7 Linien, auf welchem ausser zwei
Muscheln, zwei Flügel eines Vogels und mehrere einzelne Federn mit der
höchsten Farbenpracht und der bewundernswürdigsten Feinheit des Pinsels
in Wasserfarben ausgeführt sind. Sie gehören zu dem Schönsten welches
Dürer in dieser Art gearbeitet hat.

Nicht minder schön und vollendet ist der Flügel eines Vogels, ebenfalls
in Wasserfarben, aus der berühmten Crozat Mariette’schen Sammlung, Hoch
6 Zoll 7 Linien. Breit 4 Zoll 8 Linien mit dem Monogramm und der
Jahrszahl 1500 bezeichnet.

Die Federn sind schwarz mit weißen Spitzen und einigen grünen gemischt.

Von den zahlreichen Darstellungen von mancherlei Thieren und Inseckten,
letztere in natürlicher Größe, die Thiere meist in kleinem Format und
colorirt, sind 20 Blatt wohl entschieden ächt.

Unter den übrigen colorirten Zeichnungen verdienen besonderer Beachtung:

Die Darstellung eines Bades in einem von hohen Felsen umgebenen
Wasser-Bassin mit zwei Frauen und vier Männern, von denen der eine die
Geige spielt.

Die Zeichnung ist hoch 11 Zoll 2 Linien, breit 11 Zoll 6 Linien, und
scheint nach einer zweizeiligen Unterschrift von Dürer’s Hand, welche
sich auf die Ausführung bezieht, als Modell für eine
Goldschmieds-Arbeit, entworfen zu sein.

Ein runder auf zwei Vogelbeinen stehender Kessel auf dessen Deckel ein
Löwe ruhet, mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1513 bezeichnet, darüber
ist eine Bandrolle mit der Inschrift FORTES FORTUNA JUVAT. Hoch 10 Zoll,
breit 8 Zoll.

Ausgeführte Federzeichnungen und Entwürfe zu bekannten Kupferstichen
oder Holzschnitten Dürer’s fehlen der Sammlung, doch stellt eine artige
Federzeichnung einen auf dem linken Knie ruhenden Kriegsmann dar, der in
der linken Hand einen Hahn, mit der rechten einen Becher empor hält. Sie
ist hoch 9 Zoll 4 Linien, breit 6 Zoll 7 Linien und hat das Monogramm
mit der Jahrszahl 1501.

Eine leichte Federzeichnung mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1510
hoch 8 Zoll 9 Linien, breit 6 Zoll 2 Linien zeigt den heiligen
Augustinus stehend.

Ausgezeichnet ist ein mit dem Monogramm versehener leichter
Federentwurf, hoch 7 Zoll 10 Linien, breit 12 Zoll, welcher fast nur in
Umrissen den von verschiedenen Nationen und Ständen getragenen Erlöser
darstellt.

Christus sitzt, als Mann der Schmerzen, umgeben von Maria und Johannes,
auf dem Rande eines viereckten Brunnen-Beckens, unter einem geschweiften
und verzierten Thronhimmel. An drei Seiten des Beckens sieht man
Delphine, auf welchen musicirende Engel sitzen. Es wird durch zwei lange
Tragstäbe auf den Schultern von 15 Männern getragen, von denen 7 vorn
und 8 hinten gehen und welche verschiedene Nationen und Stände, jedoch
mit Ausnahme des Wehrstandes, darstellen.

Ein fast lebensgroßer liegender Haase, von vorn gesehen, in Wasserfarben
auf Pergament, hoch 13 Zoll, breit 9 Zoll 6 Linien, hat neben dem
Monogramm die Jahrszahl 1528.

Ein nach rechts gewendeter Christuskopf mit der Dornenkrone, in einer
Rankeneinfassung wie man solchen wiederholt von unserm Meister
antrifft, ist hier auf grünem Grunde mit Gold gehöhet, und auf einem
Täfelchen neben dem Monogramm mit 1510 bezeichnet.

Ein Blatt von präparirtem Papier aus einem der Skizzenbücher Dürer’s,
hoch 7 Zoll 6 Linien, breit 5 Zoll 6 Linien, ist auf beiden Seiten mit
je zwei sehr fein mit einem Metallstift gezeichneten Landschafts-Studien
bedeckt, die eine davon ist leicht colorirt. Darüber stehen auf einer
Seite undeutliche Inschriften und die Jahrszahl 1514. Auf der andern
Seite liest man von Dürer’s Hand »Kaltemstall bei stuckart 1515«, wonach
anzunehmen sein dürfte: daß Dürer die in diesem Jahre angetretene Reise
nach Augsburg auch weiter ausgedehnt habe.


=ad 6.= Die Sammlung Dürer’scher Zeichnungen des verdienstvollen =Joseph
Heller= ist dessen letztwilliger Verfügung zufolge, welche seinen ganzen
Kunstnachlass der Stadt =Bamberg= überwies, gegenwärtig der dortigen
Stadt-Bibliothek einverleibt und wöchentlich zweimal, Mittwochs und
Sonnabends, Jedermann zugänglich. Der frühere Besitzer hat dieselbe im
2. Band seines Lebens u.s.w. Albrecht Dürer’s pag. 19 bis 34
beschrieben.

Von besonderem Interesse ist darin die bedeutende Zahl der
ausgeschnittenen Portrait-Skizzen, in Kohlen und Kreide, aus Dürer’s
Skizzen-Büchern, welche vorher im Besitz des Herrn von Derschau in
Nürnberg waren, und von denen mehr als 30 nach dem Tagebuche unsers
Meisters, auf dessen Niederländischer Reise gezeichnet sind. Sonst ist
mehreres Zweifelhafte unter den Blättern, von großer Schönheit indeß der
auf Pergament in den glänzendsten Farben ausgeführte Flügel eines
Vogels.


=ad 7.= Die von dem verstorbenen Senator Dr. =Klugkist= in =Bremen= mit
dem regsten Kunsteifer und unter besonders glücklichen Umständen
zusammengebrachte reiche Sammlung der Werke Albrecht Dürer’s hat
derselbe seiner Vaterstadt vermacht, wo sie in der dortigen Kunsthalle
verwahrt wird. Sie enthält an Dürer’schen Zeichnungen 33 Stück, welche
früher der von Grünling’schen Sammlung in Wien angehörten und von Heller
pag. 120 und folgende unter den Nummern 1, 2, 4, 6, 8, 10, 11, 12, 14,
16, 17, 18, 19, 20, 22, 23, 25, 27, 28, 31, 32, 35, 36, 39, 40, 41, 43,
44, 45, 46, 48, 49 und 50 beschrieben sind.

Nicht alle haben gleichen Werth, einige sind zweifelhaft, dagegen
befinden sich auch darunter verschiedene ganz vortreffliche
Blätter, sehr interessante Studien von Gewändern und Händen, sowie
Landschafts-Skizzen nach der Natur von Dürer’s Reisen und die
merkwürdige von Heller unter Nr. 28 aufgeführte Zeichnung, welche mit
der Jahrszahl 1489 und noch nicht mit dem Monogramm, sondern den bei
einander stehenden Buchstaben AD bezeichnet, einen höchst interessanten
Blick in die frühesten Kunstleistungen unsers Künstlers thun läßt.

Ausser diesen Zeichnungen der von Grünling’schen Sammlung befinden sich
noch folgende sehr beachtungswerthe Arbeiten Dürer’s in dieser Sammlung,
als:

1. Brustbild des Cardinal-Churfürsten Albert von Mainz, Federzeichnung
vom Jahre 1518, hoch 5 Zoll, breit 3 Zoll 9 Linien.

Es ist die Zeichnung, welche zu dem Kupferstiche B. Nr. 102 gedient hat,
und die Schrift ist, um bequemer danach zu arbeiten, verkehrt
geschrieben.

2. In einer Landschaft hält rechts ein Kaiser zu Pferde mit Gefolge, vor
ihm kniet ein Mann, anscheinend ein Verbrecher, welcher nach der links
auf einer Anhöhe sichtbaren Richtstätte geführt werden soll. Hinter ihm
ist ein Soldat mit anderen nachfolgenden. Sehr reiche Federzeichnung,
hoch 9 Zoll 6 Linien, breit 8 Zoll.

3. Männliche Figur auf beiden Seiten des Blattes gezeichnet zu dem Werke
«der menschlichen Proportionen« mit Zahlen und Bezeichnungen, auch der
Jahrszahl 1513 versehen, feine Federzeichnung, hoch 10 Zoll 4 Linien,
breit 8 Zoll 9 Linien.

4. Eine leicht colorirte Zeichnung, welche einen Bauer und eine Bäuerin
neben einander stehend darstellt. -- Sie umfaßt ihn lachend von hinten
und fühlt mit ihrer linken Hand in des Mannes Munde nach dessen Zähnen.
Mit 1515 bezeichnet, hoch 11 Zoll, breit 6 Zoll 4 Linien.

5. Federskizze zu dem Holzschnitt der Tod der Maria in »unser Frauen
Leben«, B. Nr. 93, hoch 11 Zoll, breit 8 Zoll, aus der Sammlung Esdale.

6. Federzeichnung, welche die heilige Catharina sitzend darstellt, neben
ihr das Rad und die Jahrszahl 1526. Hoch 9 Zoll, breit 7 Zoll 3 Linien.

7. Ein Dampfbad voll Frauen und Kinder, unter welchen sich eine sehr
dicke alte sitzende Frau sowohl durch ihre Häßlichkeit als einen
wunderbaren runden Aufsatz des Kopfes auszeichnet.

Diese merkwürdige Federzeichnung, welche die Jahrszahl 1496 und noch die
Buchstaben AD neben einander stehen hat, ist auffallend in ihren
Beziehungen zu dem Holzschnitte des Bades, B. Nr. 128, und bestätigt
meine Ansicht, daß dieser Holzschnitt zu den früheren unsers Meisters
gezählt werden muß. Die Zeichnung ist mit besonders schwarzer Dinte
gearbeitet und nicht ganz so fein, wie Dürer’s spätere Federzeichnungen,
jedoch keineswegs roh. Sie mißt in der Höhe 8 Zoll 7 Linien, in der
Breite 8 Zoll 5 Linien.

8. Ein nackter Mann und eine nackte Frau werden von dem Teufel umfaßt,
am Boden liegt ein Kind. Der Mann ist dem Beschauer zugewendet und durch
ein in der Hand haltendes Schild mit Spitze darunter (vgl. B. Nr. 66)
als Krieger gekennzeichnet. Rechts an der Ecke sieht man einen
Schweinskopf mit der Glocke unter dem Halse, -- hoch 10 Zoll 9 Linien,
breit 7 Zoll.

9. Ein Soldat, das Schwert an der Seite, die Lanze in der Hand.
Federzeichnung, hoch 11 Zoll 8 Linien, breit 6 Zoll.

10. Eine Frau, welche vor einem Steinsockel kniet, Federzeichnung, hoch
6 Zoll, breit 4 Zoll.

11. Weiß gehöhete Kreidezeichnung auf roth grundirtem Papier, hoch 8
Zoll 6 Linien, breit 6 Zoll 11 Linien, aus den Sammlungen Greffier Fagel
und Roscoe. Sie stellt einen jugendlichen weiblichen Kopf, von vorn
gesehen, dar.

12. Die berühmte kleine leicht colorirte Zeichnung, früher in den
Sammlungen Greffier Fagel, Roscoe und Esdale, welche in England für die
letzte Zeichnung Dürer’s gehalten wurde.[77]

Sie ist nur 4 Zoll 5 Linien hoch und 4 Zoll breit, und stellt unsern
Meister in ganzer Figur, nackt bis auf die Schamtheile, dar. Man sieht
an der linken Seite des Unterleibes einen runden gelben Fleck, auf
welchen er hinweist. Darüber steht mit Dürer’s Hand geschrieben:

    »Do der gelb Fleck ist, und mit dem Finger darauff deut Do ist mie
    weh.«

Auf der Rückseite dieses Blättchens befindet sich eine alte holländische
Inschrift mit einer englischen Uebersetzung darunter, welche besagt, daß
da Dürer an der Pest gestorben sei, dieses wahrscheinlich die letzte
Zeichnung von ihm wäre. Beides ist unbegründet, doch schreibt Dürer in
seinem Tagebuche von der Reise nach den Niederlanden,[78] daß ihm zu
Antwerpen in der dritten Woche nach Ostern 1521 »eine wunderliche
Krankheit überkam, von deren ich nie von keinem Man gehört, und diese
Krankheit hob ich noch.«

Da er sich hier mit langem Haar und Bart abgebildet hat, wie er solche
auf jener Reise getragen, so wird sich diese Zeichnung wahrscheinlich
auf die erwähnte Krankheit beziehen und möchte er sie wohl angefertigt
haben, um einen entfernten Arzt in Rath zu nehmen.


=ad 8.= Die Königlich Sächsische =Bibliothek= im Japanischen Palais zu
=Dresden= bewahrt einen Schatz Dürer’scher Zeichnungen, welcher bisher
fast ganz unbekannt geblieben ist.[79] Sie sind dem dort befindlichen
Manuscripte Dürer’s von dem ersten Buche seiner »vier Bücher von
menschlicher Proportion« nebst den dazu gehörigen Federzeichnungen,
angebunden. Dieses Manuscript befindet sich in einem Foliobande in
braunem Leder, der früher dem Grafen Brühl gehörte und Anno 1730 von dem
Magister Nägelein in Nürnberg gekauft war.[80]

Vor den angebundenen Zeichnungen steht der geschriebene Titel:

    »Varj Skizzi di manu propria di Alberto Durero Pittore Allemanno«
    und das Dürer’sche Monogramm darunter.

Es sind 94 Blatt, fast lauter Federzeichnungen und Studien, welche den
Eindruck machen, als wären sie ohne Auswahl aus dem Nachlaß unsers
fleißigen Künstlers zusammen gerafft. --

Die einzelnen, häufig auf beiden Seiten bezeichneten, Blätter haben eine
Höhe von 11 Zoll und eine Breite von 7½ Zoll, oder sind zu jener Höhe
zusammen geklebt. Ein großer Theil sind Vorarbeiten zu Dürer’s Werk »der
menschlichen Proportionen«, welche die Jahrszahlen 1512, 1513 und 1519
tragen, theils Köpfe im Profil von allerlei Form, theils ganze Figuren,
wovon einige röthlich angetuscht sind und grüne Schraffirungen zum
Hintergrunde haben. Ausserdem sind eine Menge anderer Gegenstände,
theils auf besonderen, theils auf denselben Blättern, worauf sich die
vorerwähnten Darstellungen befinden, mit der Feder entworfen. Nicht alle
haben das Monogramm des Meisters, doch tragen sie sämmtlich den
unverkennbaren Stempel der Originalität. Der Reihenfolge nach sind auf

Blatt 1. Drei Köpfe mit der Unterschrift »Weib« und der Jahrszahl 1512,
darunter das Monogramm.

Unten ist der Vorgrund einer Landschaft, auf der Rückseite verschiedene
Gesichter.

2. Männerköpfe, auf der Rückseite dieselben Köpfe durchgezeichnet.

3. Vier Köpfe, auf der Rückseite dieselben.

4. Fünfzehn verschiedene Profilköpfe, auf der Rückseite dieselben
durchgezeichnet.

5. Zwei Hände. Oben eine kleinere, unten eine größere, dazwischen das
Monogramm.

6. Eine Hand.

7. Zwei Füße.

8. Zwei Oberbeine, mit einem Fuß und zwei Füße, welche auf der Rückseite
durchgezeichnet sind.

9. Ein dreifacher Zirkel, darüber eine Gewandstudie.

10. Sehr schön ausgeführte Studie einer lebensgroßen Hand. Das Blatt ist
bezeichnet 9.

11. Sechs karikirte Profilköpfe, auf der Rückseite vier solche Köpfe,
zwei in eckige Figuren eingetheilte Köpfe, links die Figur eines
heiligen Petrus. Bezeichnet 10.

12. Männliche Figur von drei Seiten, oben die Jahrszahl 1513, unten das
Monogramm. Auf der Rückseite ein Bein. Bez. 11.

13. Eine große und eine kleine männliche Figur, von vorn gesehen. Auf
der Rückseite dieselben Figuren von hinten gesehen und meisterlich
schraffirt. Bez. 12.

14. Männliche Gestalt, von vorn gesehen. Auf der Rückseite zwei ähnliche
Gestalten, wovon die eine mit ausgestrecktem Arm. Bez. 13.

15. Männliche Gestalt, von vorn gesehen, ohne Arme, in Zirkel
eingetheilt. Bez. 14. Auf der Rückseite dieselbe durchgezeichnet.

16 und 17. Männliche Gestalten, von zwei Seiten gesehen. Bez. 15 und 16.
Die zweite durchgezeichnet, beide schraffirt.

18. Eine männliche Figur mit ausgestrecktem Arm. Unten das Brustbild
eines alten Mannes mit Hut und Mantel.

19. Männliche Figur von zwei Seiten. Auf der Rückseite dieselbe
durchgezeichnet und schraffirt, mit der Jahrszahl 1519. Bez. 28.

20 bis 23. Vier Blatt mit verschiedenen männlichen Figuren.

24 bis 26. Drei Blatt mit ähnlichen Figuren, das eine trägt die
Jahrszahl 1519.

27 bis 30. Vier Blatt mit ähnlichen Figuren, von denen das eine mit der
Jahrszahl 1513.

31 und 32. Zwei Blatt mit männlichen Figuren, röthlich angetuscht auf
grün schattirtem Hintergrunde.

33 bis 36. Vier Blatt männliche Figuren, auf den Rückseiten meist
durchgezeichnet und schraffirt.

37. Anlage einer männlichen Figur, links oben Christus, der vor den
hohen Priester geführt wird, Federskizze in der Weise der kleinen
Holzschnitt-Passion. Bez. 29.

38 und 39. Zwei Blatt mit männlichen Figuren, auf dem einen ist die
Jahrszahl 1513.

40. Figur eines Mannes, unten ein Gewandstudium.

41. Zwei männliche Figuren, auf der Rückseite eine jugendliche männliche
Figur im Umrisse, umzeichnet mit eleganter durch Bandschleifen
verzierter Kleidung.

42. Hände, Beine und ein einzelner Finger im Skelett.

43. Beine.

44. Eine Figur, welche einen Stein in der Hand hält, mit dem Monogramm
und der Jahrszahl 1513 darüber. Auf der Rückseite ist dieselbe Figur
schraffirt auf schwarzem Hintergrunde.

45. Eine karikirte Figur mit ausgebreiteten Armen, aus lauter Quadraten
zusammen gesetzt, darunter steht von Dürer’s Hand

    »Niklas am Roßmargt.«

46 und 47. Zwei Blatt Figuren.

48 bis 51. Vier Blatt menschliche Figuren, in eckige mathematische
Formen eingetheilt.

52. Eine dicke weibliche Figur im Umriß, zur Seite eine sitzende Figur,
welche etwas, das sie in der Hand hält, aufmerksam betrachtet. Das
Monogramm steht unten.

53. Eine sehr dicke weibliche Figur mit der Jahrszahl 1508 und dem
Monogramm.

54 bis 62. Neun Blatt weibliche Figuren in Umrissen.

63. Weibliche Figur mit einem wunderlich gewundenen Leuchter, auf
welchem sich ein brennendes Licht befindet.

64 und 65. Zwei Kinder in Umrissen.

67. Figur eines sehr dicken Weibes im Profil. Zur Seite rechts Maria mit
dem Kinde und einem Engel darüber in Wolken. Leichte Federskizze, unten
Studie eines alten Kopfes.

68. Gewandstudie.

69. Säulenstudien. Ein Capital mit ausgeführter Blattverzierung, bez.
65. Auf der Rückseite leichte Studie zu dem Triumphwagen des Kaisers
Maximilian mit einem Pferde.

70. Schraffirte Kopfstudie, bez. 66.

71. Schraffirte Figurenstudie, bez. 67.

72. Figurenstudie, darunter zwei karikirte männliche Köpfe im Profil.
Auf der Rückseite eine Mutter mit ihrem Kinde in leichten Umrissen.

73. Zirkelstudien, unten eine Gewandstudie, bez. 69. Auf der Rückseite
Gewandstudie und Abbildung von Zirkeln mit Stellschrauben.

74. Sieben verschiedene Gewandstudien, bez. 70.

75. Ein schraffirtes Bein. Skizze der Figur eines Königs. Zeichnung des
Mannes im Talar und Mütze zu dem Holzschnitt 61 des Werkes der
»Underweysung der messung, mit dem zirckel etc.«, 4. Buch Q. (Erste
Edition von 1525.) Ein aufblickender Kopf. Ein mit Linien eingeteilter
Kopf, von vorn gesehen. Bez. 71.

76. Ein König auf dem Thron, mit verschiedenen Figuren umher. Zwei
Figuren bringen große Vasen, wie zum Geschenk, herbei. Bez. 72.

77. Studien von Säulen-Capitälen. Eine Gewandstudie. Bez. 73. Auf der
Rückseite ein galoppirendes Pferd und andere Pferdestudien.

78. Zwei Krüge, darunter ein colorirter Lindwurm, mit dem Monogramm und
der Zahl 7 daneben. Auf der Rückseite mathematische Figuren und eine
Felsenlandschaft mit Bäumen. Bez. 74.

79. Ein galoppirendes wildes Schwein mit dem Monogramm darüber. Unten 16
Zirkelschläge, einer über dem andern. Auf der Rückseite die Vorrichtung
zum Zeichnen einer Vase. (Dürer’s Werk der »Underweysung der meßung, mit
dem zirckel u.s.w.«) 2. Ausgabe, Blatt Qiij.

80. Ein kleineres Blatt mit zwei Studien zu obigem Zeichnen der Vase,
bez. 1514.

Ein großes Blatt, welches ebenfalls zu diesem bei Bartsch unter Nr. 148
aufgeführten Holzschnitt gehört.

Merkwürdig ist: daß Dürer diese schon 1514 entworfene Zeichnung bei der
von ihm im Jahre 1525 veranstalteten ersten Ausgabe des betreffenden
Werkes nicht benutzt hat und daß solche erst bei der 1538 veranstalteten
2. Ausgabe im Holzschnitt zur Geltung gekommen ist.

Unten auf diesem Blatte ist noch die Studie einer Hand.

81 und 82. Zwei kleine Blätter mit verschiedenen mathematischen
Figuren.

83. Studien zu einem Thurm, bez. 77.

84. Architectonische Studien zu Säulen-Capitälen.

85 bis 91. Sieben Blatt mit verschiedenen Krügen und Vasen in Umrissen.

92. Sechs verschiedene verzierte Kelche mit Deckeln -- ohne Zweifel
Modelle für Goldschmiede -- in sehr sauberen Federumrissen.

93. Eine verzierte Deckelschale.

94. Eine flache Schale mit Deckel.


=ad 9.= In der reichen Königlichen =Bibliothek= zu =München= befindet
sich das köstliche Gebetbuch auf Pergament, welches Dürer im Jahre 1515
mit 43 Randzeichnungen verziert hat. -- Die Randzeichnungen sind durch
die lithographischen Nachbildungen von N. Strixner allgemeiner bekannt
geworden; so gelungen diese Nachbildungen auch im Allgemeinen sind, so
erreichen sie doch bei weitem nicht die Feinheit der meisterlichen
Federführung Dürer’s, welche in der mannichfaltigsten Anwendung die
höchste Bewunderung erregt.


=ad 10.= Die =Stadtbibliothek= zu =Nürnberg= ist seit dem Jahre 1835 im
Besitz einer Sammlung von Bruchstücken Dürer’scher Manuscripte und
Federskizzen, über welche der Herr Inspector Becker in seinem Aufsatz in
dem Archiv für die zeichnenden Künste von Naumann, 4. Jahrgang, 1. Heft,
pag. 20 und folgende, Näheres mitgetheilt hat. --

Eine bedeutende Zahl schöner und feiner Federstudien, welche zum größten
Theil wie jene Bruchstücke sowohl zu den drei letzten Büchern »von
menschlicher Proportion« wie zu »der Underweysung der meßung, mit dem
zirckel etc.« gehören, sind den Manuscriptblättern angebunden. Die
Zeichnungen zu dem 2. bis 4. Buch »von menschlicher Proportion« sind
aber höchst lückenhaft und es wird dadurch erklärlich: daß so manche
Federzeichnung, zu den in diesem Werke befindlichen Holzschnitten, in
den verschiedensten Sammlungen angetroffen wird.


=ad 11.= Die Zeichnungen der =Ambraser-Sammlung= sind von Heller, pag.
95 bis 97 näher beschrieben, sie zeichnen sich durch die vortrefflichste
Erhaltung aus.

Ausser den hier beschriebenen ist noch eine colorirte Zeichnung
vorhanden, welche 5 Zoll 8 Linien hoch und 8 Zoll 9 Linien breit den
Arion mit der Harfe auf einem Delphin darstellt und die Ueberschrift hat

    PISCE SVPER CVRVO VECTVS CANTABAT ARION.

Die höchst interessanten drei Zeichnungen, welche der 1822 verstorbene
Rentmeister Pfaundler in Inspruck der Ambraser-Sammlung vermacht hat
und von Heller pag. 44 und 45 unter 1, 2 und 4 erwähnt werden, sind
ebenfalls dem »Kunstbuche« eingefügt und hat die letzte vom Jahre 1525,
den Traum darstellend, noch die Merkwürdigkeit, daß der ganze
Papierbogen derselben unbeschnitten erhalten ist. Er mißt 16 Zoll 6
Linien in der Höhe und 11 Zoll 3 Linien in der Breite und hat das
Wasserzeichen des gekrönten Schildes mit Lilien, Nr. 11.


=ad 12.= In der Sammlung des =Städel’schen Instituts= in =Frankfurt
a.M.= verdienen unter den Dürer’schen Handzeichnungen eine besondere
Beachtung:

Das sehr fein mit der Feder gezeichnete Portrait des Blankfeld, Dürer’s
Wirth zu Antwerpen, welches der verdienstvolle Inspector Passavant für
seine Anstalt in Rom zu erwerben das Glück gehabt hat.

Zwei mit ausserordentlicher Feinheit gezeichnete Studien von Figuren aus
Sir Thomas Lawrence’s Sammlung.

Die bereits pag. 67 erwähnte Zeichnung, Christus im Oelgarten betend;
mit ausgebreiteten Armen in Kreuzesform, auf dem Boden niederliegend,
dargestellt. Es ist eine eben so schöne als vortrefflich erhaltene
Federzeichnung vom Jahre 1521.


=ad 13.= Das Königliche =Kupferstich-Cabinet= in =München= hat mehrere
Zeichnungen Dürer’s, namentlich

1. Die Federzeichnung zu dem Holzschnitt, B. 2, Simson mit dem Löwen, 10
Zoll hoch, 8 Zoll 9 Linien breit.

Der Löwe ist sehr schön, die Zeichnung, ein Bruchstück, nicht frei von
Einzeichnung fremder Hand.

2. Ein schöner männlicher Portraitkopf in Kreide, hoch 12 Zoll 6 Linien,
breit 10 Zoll 6 Linien.

3. Ein von vorn gesehener Engelskopf auf grün grundirtem Papier, weiß
gehöhet, mit dem Monogramm und der Jahrszahl 1508, hoch 9 Zoll 9 Linien,
breit 7 Zoll 2 Linien.


=ad 14.= Das =Kupferstich-Cabinet= zu =Dresden= bewahrt an Zeichnungen
unsere Meisters, welche besondere Berücksichtigung verdienen:

1. Die Jungfrau mit dem Kinde in einer Landschaft vor Gebäuden sitzend,
vier spielende Engel vor ihr, auf braunem Grunde mit der Feder
gezeichnet und auf das Sauberste mit Gold gehöhet, vom Jahre 1509, etwa
in der Größe der von Egidius Sadeler gestochenen Maria mit der Eule.

Diese Zeichnung wurde, von Alters her, auf Holz geklebt, unter Glas und
Rahmen aufbewahrt; doch ist, da der in dem Holze entstandene Wurmfraß
dieses kostbare Kunstwerk zu zerstören anfing, durch die Vorsorge des
Directors Professor Grüner das Holz dahinter entfernt, und die Zeichnung
gegenwärtig in dem Schaukasten des Handzeichnungs-Cabinets ausgelegt.

Einige scharfe Kenner wollen zwar neuerdings an der Originalität dieser
-- der Ueberlieferung nach -- von Dürer für einen der Herzöge von
Sachsen besonders gearbeiteten Zeichnung zweifeln, doch kann ich diese
Ansicht nicht theilen, möchte vielmehr den dafür angeführten Mangel an
einer gewissen Freiheit der Behandlung, im Vergleich mit mancher anderen
flüchtigen Federzeichnung des Meisters, durch die ungemein sorgfältige
Ausführung begründet finden, da man Aehnliches manchmal bei den
besonders ausgeführten Zeichnungen und Gemälden Dürer’s wahrnimmt.

2. Eine sehr schöne Federzeichnung auf weißem Papier vom Jahre 1510.
Links ist Christus am Kreuze, in der Mitte Christus als Schmerzensmann
stehend, und rechts ein knieender Ritter in voller Rüstung dargestellt,
dessen Helm vor ihm am Boden liegt.

3. Die eben so geistreiche als ausdrucksvolle Studie einer schlafenden
Frau mit wenigen Strichen der Rohrfeder auf Papier gebracht.

4. Ein sehr eigenthümlicher männlicher Portraitkopf mit Kohle, auf die
gewohnte Weise gezeichnet.

Der aufblickende Mannskopf auf sehr blau grundirtem Papier, mit der
Feder gezeichnet und weiß gehöhet, scheint mir eine Wiederholung
ähnlicher Zeichnungen in den Sammlungen des Erzherzogs Albrecht in Wien
und des British Museums von nicht zweifelloser Autorschaft zu sein.


=ad 15.= In dem den Fremden nicht immer zugänglichen Sitzungszimmer der
=Academia alla Carita= zu =Venedig=, in welchem die köstlichen
Zeichnungen aus Raphaels Skizzenbuche aufbewahrt werden, wird man durch
zwei schöne Federzeichnungen von Albrecht Dürer überrascht.

Beides sind frei behandelte Entwürfe von dem Jahre 1514, welche die
Jungfrau mit dem Kinde darstellen. Auf dem einen sitzt die Jungfrau in
einer Landschaft auf einer Rasenbank, auf dem andern auf einem Stuhl.


=ad 16.= Die herrliche Sammlung der =Ambrosianischen Bibliothek= in
=Mailand= bewahrt, neben den köstlichsten Zeichnungen von Lionardo,
Luini u.s.w. auch 14 Zeichnungen von Albrecht Dürer, wovon der größere
Theil mit der Feder gezeichnet ist, als

1. Die Himmelfahrt Maria, Entwurf zu dem Holzschnitt aus »unser
Frauenleben«, B. 94, jedoch mit Abweichungen.

2. Die Dreifaltigkeit, herrliche Zeichnung vom Jahre 1515, kleiner als
der Holzschnitt B. 122, in der Composition aber ihm ähnlich.

3. Eine Verspottung Christi.

4. Eine Geisselung Christi.

5. Christus betet am Oelberge. -- Diese drei letzteren Darstellungen
weichen von den bekannten ähnlichen in Dürer’s Passionen ab.

6. Saul, welcher die Philister mit dem Eselskinnbacken erschlägt, vom
Jahre 1510.

7. Eine Landschaft mit einem Schloß auf einem Berge, bezeichnet 1516.

8. Ein Reuter mit Pfeil und Bogen, colorirte Zeichnung vom Jahre 1517.

9. Ein Sarazene zu Pferde mit Pfeil und Bogen.

10. Eine Nürnberger Hausfrau.

11. Ein junges artiges vom Markt kommendes Mädchen mit einem Korb voll
Eier, welches sich lächelnd von einem alten Mann umfassen läßt.

12. Ein Papagei in Farben, bezeichnet mit der Jahrszahl 1515.

13. Eine kahlere Landschaft, links mit schroffen Felsen. Diese Zeichnung
ist nicht bedeutend und möchte vielleicht zweifelhaft sein.

14. Ein großer aufblickender Engelskopf auf blau grundirtem Papier vom
Jahre 1521 in Kreide gezeichnet und schraffirt. Er erinnert im Ausdruck
sehr an den einen von Sadler in Kupfer gestochenen aufblickenden
Engelskopf. --


=ad 17.= In dem neu eingerichteten =Kupferstich-Cabinet= auf der Festung
von =Coburg= ist die hervorragend schöne Kreidezeichnung der Anna
Kehlingerinn im Brustbilde. Sie ist leider etwas angegriffen, gehört
sonst unbedingt zu den vorzüglichsten Portraitzeichnungen Dürer’s.


=ad 18.= Das Herzogliche =Museum= in =Braunschweig= hat eine große
Sammlung alter Handzeichnungen, welche, nur während der Sommermonate
zugänglich, den Kunstfreunden fast gänzlich unbekannt sind.

Unter den altdeutschen befinden sich mehrere dem Albrecht Dürer
zugeschriebene Blätter. Schön ist davon der Portraitkopf eines alten
Mannes in Kreide, sowie eine ausserordentlich feine Federzeichnung zu
dem Werke »von menschlicher Proportion«, eine männliche Figur von vorn
und von der Seite gesehen darstellend, auf schraffirtem Grunde und mit
der Jahrszahl 1512 bezeichnet, welche beide der berüchtigte Denon seiner
Zeit der Entführung nach Paris werth hielt, von wo sie erst im Jahre
1815 zurückgekommen sind.


=ad 19.= Auf der =Bibliothek= der Universität =Erlangen= ist erst seit
Kurzem durch die Sorgfalt des gegenwärtigen Bibliothekars Professor
Rössler ein bis dahin ganz unbekannt gewesener eben so zahlreicher als
kostbarer Schatz von Handzeichnungen der berühmtesten altdeutschen
Meister, welche seit 1679 in dem Cabinet der Markgrafen von Anspach
gewesen, hervorgezogen und den Kunstfreunden zugänglich geworden. Unter
diesen befinden sich auch 22 Zeichnungen Albrecht Dürer’s[81], nämlich:

1. Das Bildniß des Kaisers Maximilian[82] in Wasserfarben, hoch 7 Zoll 9
Linien, breit 5 Zoll 8 Linien.

2. Das Brustbild eines bärtigen Mannes, Federzeichnung auf blauem
Grunde, hoch 7 Zoll 1 Linie, breit 5 Zoll 9 Linien.

3. Die Gefangennehmung Christi, sehr feine und sorgfältige
Federzeichnung, hoch 6 Zoll 6 Linien, breit 5 Zoll 7 Linien.

4. Die Liebes-Anerbietung, Federzeichnung auf rothem Grunde mit der
Jahrszahl 1503, ähnlich dem Kupferstiche Dürer’s, B. 93, hoch 5 Zoll 9
Linien, breit 5 Zoll 6 Linien.

5. Der sitzende Ecce homo in Wasserfarben, hoch 8 Zoll, breit 5 Zoll 9
Linien.

(Der von Heller, pag. 843, Nr. 25, beschriebene Stich des Theodor Krüger
vom Jahre 1614 scheint nach dieser Zeichnung gearbeitet.)

6. Brustbild eines jungen Mannes, weiß gehöhete Zeichnung in bläulich
grauer Wasserfarbe, hoch 12 Zoll 7 Linien, breit 9 Zoll 7 Linien.

Das Monogramm Dürer’s steht links unten und nach einer alten
schriftlichen Bemerkung auf der Rückseite, ist es eine von unserm
Meister gezeichnete Copie nach Titian.

7. Ein weiblicher nach links gewandter Kopf mit halb geschlossenen Augen
in bläulich grauer Wasserfarbe, wie die vorhergehende Zeichnung, hoch 5
Zoll 10 Linien, breit 5 Zoll 4 Linien.

8. Christus am Oelberge, weiß gehöhete Federzeichnung auf braunem
Grunde, vom Jahre 1508, hoch 7 Zoll 7 Linien, breit 4 Zoll 10 Linien.

9. Maria mit dem Kinde an der Brust, auf einem Tische rechts liegt ein
Nagel. Zeichnung mit Kreide und Feder auf gelblichem Papier, hoch 14
Zoll 2 Linien, breit 11 Zoll 4 Linien.

10. Die Jungfrau sitzend, das gewickelte Kind an den Mund drückend.
Federzeichnung, fast nur in Umrissen, hoch 11 Zoll 3 Linien, breit 7
Zoll 8 Linien.

11. Die Geburt Christi. Links die Hirten, rechts tritt Joseph mit einer
Laterne durch die Thür einer verfallenen Mauer, ausgeführte
Federzeichnung, hoch 7 Zoll, breit 6 Zoll 2 Linien.

12. Die Geisselung Christi, leichte Federzeichnung vom Jahre 1523, hoch
10 Zoll 7 Linien, breit 5 Zoll 10 Linien.

13. Die Verspottung Christi, Gegenstück der vorigen, von gleicher Größe
und gleicher Behandlung, vom Jahre 1524.

14. Die Marter einer Heiligen, fleißige Federzeichnung vom Jahre 1503,
hoch 7 Zoll 4 Linien, breit 5 Zoll 10 Linien.

15. Die Marter derselben Heiligen, Gegenstück der vorigen, und gleich in
Größe und Behandlung, vom Jahre 1503.

16. Die heilige Catharina sitzend, hoch 10 Zoll 3 Linien, breit 6 Zoll 2
Linien.

Auf der Rückseite des Blattes ist eine Kreidezeichnung, welche eine
sitzende Heilige mit einem Einhorn darstellt.

17. Der heilige Christoph mit dem Christkinde, leichte Federzeichnung,
hoch 7 Zoll, breit 4 Zoll 2 Linien, auf der Rückseite befindet sich die
Jahrszahl 1508.

18. Der heilige Hieronymus im bischöflichen Ornat sitzt am Pulte vor
einem mit aufgeschlagenen Büchern belegten Tische. Leicht getuschte
Federzeichnung von geschweifter ovaler Form, hoch 12 Zoll 4 Linien,
breit 11 Zoll 6 Linien. Der Rand ist mit abentheuerlichen Thier- und
Pflanzengestalten verziert.

19. Ein Bischof mit einem Stabe, Gürtelbild, von Säulen umschlossen.
Rechts eine nackte Frau mit einer Geige, links ein gehörnter Mann mit
einer Sackpfeife. Sorgfältig ausgeführte Federzeichnung, hoch 6 Zoll 7
Linien, breit 7 Zoll 9 Linien.

20. St. Georg zu Pferde, in voller Rüstung mit entblöstem Schwerte dem
Drachen entgegenspringend. Federzeichnung vom Jahre 1513, hoch 3 Zoll 10
Linien, breit 5 Zoll 9 Linien.

21. Männliche Figur zu dem Werke »von menschlicher Proportion«, auf
beiden Seiten des Blattes gezeichnet, mit Maßen und Zahlen,
Federzeichnung, hoch 8 Zoll 11 Linien, breit 3 Zoll 5 Linien.

22. Ein Schiff mit gespannten Segeln, vom Jahre 1515, hoch 6 Zoll 5
Linien, breit 4 Zoll 8 Linien.

       *       *       *       *       *

Was nun das Material betrifft, dessen Dürer sich zu seinen Zeichnungen
bediente, so ist solches von der verschiedensten Beschaffenheit und der
großen Mannichfaltigkeit der Behandlung entsprechend, welche derselbe
bei seinen Entwürfen, Studien oder ausgeführten Zeichnungen in Anwendung
brachte.

Einzelne mit höchster Sorgfalt beendigte Zeichnungen, namentlich die in
Farben ausgeführten köstlichen Abbildungen von Pflanzen, Blumen und
Thieren, sind auf einem feinen Pergament.

Zu den mit einem Metallstift (in Dürer’s Tagebuch Stefft genannt)
gearbeiteten, oft besonders schönen und feinen Zeichnungen, verwandte er
ein starkes präparirtes Papier (nicht, wie Heller erwähnt, Pergament),
welches etwas ins röthliche scheint und dessen Drathstriche gewöhnlich
einen Abstand von 12¾ Linien haben.

Der größere Theil der auf uns gekommenen Zeichnungen dieser Art, deren
Striche häufig eine grünliche Farbe haben, rührt augenscheinlich aus
einem Skizzenbuche in Querformat von mäßiger Größe her, welches unser
Meister auf seiner Reise nach den Niederlanden benutzte: um das ihm
besonders merkwürdige von Gegenden, Gebäuden, Thieren und sonstigen
Gegenständen, auch einzelne kleine Bildnisse, hinein zu zeichnen. Manche
Blätter sind auf beiden Seiten zu Zeichnungen benutzt, diese nicht immer
mit dem Monogramm versehen, doch ist die Hand Dürer’s unverkennbar.

Die sonstigen leichten Entwürfe und Federzeichnungen findet man häufig
auf einem weißen, sehr festen, fast rauhen Papier, dessen Dürer sich
auch zu seinen Handschriften bediente. Das Format desselben ist klein
Folio und der zusammen geschlagene Bogen mißt in der Höhe 10¼ bis 11, in
der Breite 7½ Zoll. Man sieht darin die Wasserzeichen eines Cardinalhuts
und eines Einhorns, wie solche bei Sotheby[83] auf Platte U, Nr. 74, und
Platte Y, Nr. 82, abgebildet sind, oder einer dreizackigen Gabel, Nr.
32^a. Letzteres kommt sehr häufig vor und schon in den Jahren 1507 und
1508.

Sonst verwandte Dürer zu seinen Federzeichnungen manche der bei dessen
Kupferstichen oder Holzschnitten vorkommenden Papiere, namentlich
diejenigen mit den Wasserzeichen

    des Ochsenkopfes Nr. 1 und 2,

    des gothischen ~P~ Nr. 3, dieses noch 1521,

    der hohen Krone Nr. 4 und 21,

    des Ankers im Kreise Nr. 7,

    der Wage im Kreise Nr. 22,

    des Kruges mit Henkel Nr. 10,

    des Wappens mit den Lilien Nr. 11, dieses jedoch erst in den
    letzten Lebensjahren 1525, 1526 und 1528,

    des stehenden Hundes Nr. 13,

    der kleinen hohen Krone Nr. 36, letzteres nicht vor 1523.

Einzeln trifft man auch sonst ungewöhnliche Wasserzeichen, als: eine
Krone mit Strich und dreieckter Spitze darunter, ein Rad mit gekrümmten
Zacken, eine gekrönte Schlange; ein einziges Mal habe ich auch das
Wappen von Augsburg, Nr. 18, angetroffen.

Bei den zahlreichen größeren Portrait-Skizzen in Kohle und Kreide,
welche von Dürer’s niederländischer Reise herstammen, findet man in den
Papieren vorzugsweise das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 4, jedoch
auch des Ankers im Kreise, Nr. 7, und des stehenden Hundes, Nr. 13.

Zu den ausgeführten, oft angetuschten und weiß gehöheten Studien und
Zeichnungen verwandte Dürer Papier mit farbigem Grunde.

Während seines Aufenthaltes in Venedig in den Jahren 1506 und 1507
gebrauchte er dazu ausschließlich ein blau _geschöpftes_ Papier, welches
als Wasserzeichen den Anker im Kreise hat und auch von gleichzeitigen
italienischen Künstlern benutzt zu werden pflegte[84]. Es ist dasselbe,
auf welchem später Antonio da Trento seine Holzschnitte in Clair obscur
abdruckte.

Dieses Papier trifft man bei Dürer vor oder nach der italienischen Reise
niemals, und er gebrauchte sonst zu solchen Zeichnungen ein besonders
starkes weißes Papier, in dem man oft das Wasserzeichen der hohen Krone
sieht, und welches er auf einer Seite mit einem grauen, bläulichen,
grünlichen oder schwarzen, zuweilen auch mit einem rothen oder
bräunlichen Farbengrunde überzog. --



Abbildungen


[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

[Illustration]

FUSSNOTEN:

[68] S. The Lawrence Gallerie eight Exhibition, London 1836.

[69] S. Heller, Leben u.s.w. von Albrecht Dürer, 2. Theil, pag. 48.

[70] S. Passavant’s Kunstreise durch England, pag. 232.

[71] S. Dr. Nagler’s Monogrammisten, 3. Heft, pag. 103.

[72] S. Campe’s Reliquien.

[73] Heller, pag. 82, Nr. 46.

[74] John Jackson sucht in seinem »Treatise of wood engraving,« London
1839, pag. 285, durch dieses Portrait zu beweisen, wie verbreitet damals
die Kunst des Holzschneidens gewesen.

[75] S.w.u. die Dürer’schen Federstudien auf der Königlichen Bibliothek
zu Dresden.

[76] Der zuletzt verzeichnete »Maister Hans Voltz Parbierer.«

[77] Siehe »The Lawrence Gallerie eight Exhibition. London 1836, pag. 8.

[78] Siehe Campens Reliquien. Nürnberg 1828, pag. 124.

[79] Neuerdings hat der Herr Inspector Becker zu Würzburg im
Naumann’schen Archiv für die zeichnenden Künste, 4. Jahrgang, 1. Heft,
pag. 21, auf diese Zeichnungen aufmerksam gemacht.

[80] Albrecht Dürer und seine Kunst, von Dr. G.C. Nagler, München 1837,
pag. 57.

[81] Diese Notizen verdanke ich der besonderen Gefälligkeit des Herrn
Professors Rössler, da ich durch ungünstige Zufälligkeiten bisher
verhindert gewesen bin, den kostbaren Schatz von Zeichnungen selbst
kennen zu lernen.

[82] Vgl. Dr. A. von Eye, Leben und Wirken Albrecht Dürer’s, pag. 387.

[83] The Typography of the fifteenth Century. London 1845.

[84] Dürer’sche Zeichnungen auf diesem Papier sind namentlich:

In der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien; Heller, pag. 98, Nr.
86, 93, 94, 100, 101 und 107 vom Jahre 1506; Nr. 59 vom Jahre 1507.

In der Kunsthalle zu Bremen; Heller, pag. 122; Nr. 8 und 11 vom Jahre
1506.

In der Sammlung des Verfassers; drei vom Jahre 1506, wovon 2 früher in
der Sammlung des Sir Thomas Lawrence in London, eine in der des
Professors Böhm in Wien waren.


       *       *       *       *       *


Anmerkungen zur Transkription


Das Inhaltsverzeichnis und die Überschrift »Abbildungen« vor den
Wasserzeichenillustrationen wurden dem Originaltext hinzugefügt.

Auf Seite 39 sind die Buchstaben HN über M. ohne Trennzeile gedruckt.

Die Zeile »2.   „    Et vidi alteꝝ angelum.« auf Seite 55 beinhaltet die
Schriftsetzerabkürzung »rum«.


Folgendes ist im Text uneinheitlich benutzt:

semi-gothischen und semigothischen

Printroom und Print-room

Carità und Carita

Irrthümer und Irthümer

brieffmaler und Brieffmaler

zirkel, zirckel und Zirckel


Folgende Fehler in Orthografie und Zeichensetzung wurden geändert:

S. 9 »funfzehnten Jahrhunderts« geändert zu »fünfzehnten Jahrhunderts«

S. 12 Komma geändert zu Punkt (»Jahre 1509, B. 9,«)

S. 13 »im Besize« geändert zu »im Besitze«

S. 16 »weis und fest« geändert zu »weiss und fest«

S. 26 »wenig adgedruckt« geändert zu »wenig abgedruckt«

S. 28 »kräfigsten« geändert zu »kräftigsten«

S. 28 »13 Linen Entfernung« geändert zu »13 Linien Entfernung«

S. 29 Komma geändert zu Punkt (»die Zeit vor 1500.«)

S. 37 »5straligem« geändert zu »5strahligem«

S. 37 »Glockendon« geändert zu »Glockendom«

S. 40 »Augenhölen« geändert zu »Augenhöhlen«

S. 51 Punkt zum Text hinzugefügt (»Holzstocks ohne Schrift.«)

S. 51 »Ungleicheit der Fläche« geändert zu »Ungleichheit der Fläche«

S. 65 »Christus wird von Pilatus geführt« geändert zu »Christus wird vor
Pilatus geführt«

S. 69 »B. 101 Die Jungfrau« geändert zu »B. 101. Die Jungfrau«

S. 72 Punkt zum Text hinzugefügt (»von Heller, pag. 830«)

S. 77 Punkt zum Text hinzugefügt (»Nagler hat auf pag 203«)

S. 77 (Fußnote) Komma zum Text hinzugefügt (»Dr. v. Eye,«)

S. 82 (Fußnote) »Vergleiche pag 89.« geändert zu »Vergleiche pag. 89.«

S. 86 Komma geändert zu Punkt (»des Güldenmund vollkommen.«)

S. 87 Punkt zum Text hinzugefügt »ausserordentlich selten.«

S. 116 »8 Linien mit dem Menogramm« geändert zu »8 Linien mit dem
Monogramm«

S. 117 »andern Seite lies’t« geändert zu »andern Seite liest«

S. 122 »2. Augabe, Blatt Qiij.« geändert zu »2. Ausgabe, Blatt Qiij.«

S. 127 (Fußnote) Komma zum Text hinzugefügt (»Dr. A. von Eye,«)

S. 129 »Nr. 4 und 21« geändert zu »N. 4 und 21«





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Albrecht Dürer's Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen - unter besonderer Berücksichtigung der dazu verwandten - Papiere und deren Wasserzeichen" ***

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