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Title: Wissenschaft der Logik — Band 1
Author: Hegel, Georg Wilhelm Friedrich, 1770-1831
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Wissenschaft der Logik — Band 1" ***

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Wissenschaft der Logik.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel


Erster Teil. Die objektive Logik.

Mit einem Vorwort von Leopold v. Henning, Berlin 1841.


Inhalt:

Vorrede zur ersten Ausgabe.
Vorrede zur zweiten Auflage.
Einleitung
  Allgemeiner Begriff der Logik
  Allgemeine Eintheilung der Logik

Erstes Buch Die Lehre vom Seyn.
  Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?
  Allgemeine Eintheilung des Seyns

  Erster Abschnitt Bestimmtheit (Qualität).

    Erstes Kapitel
      A. Seyn.
      B. Nichts.
      C. Werden.
        1. Einheit des Seyns und Nichts.
          Anmerkung 1.
          Anmerkung 2.
          Anmerkung 3.
          Anmerkung 4.
        2. Momente des Werdens.
        3. Aufheben des Werdens.
          Anmerkung.

    Zweites Kapitel.  Das Daseyn
      A. Daseyn als solches.
        a. Daseyn überhaupt.
        b. Qualität.
          Anmerkung.
        c. Etwas.
      B. Die Endlichkeit.
        a. Etwas und ein Anderes.
        b. Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze.
        c. Die Endlichkeit.
          1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit.
          2. Die Schranke und das Sollen.
            Anmerkung.
          3. Übergang des Endlichen in das Unendliche.
      C. Die Unendlichkeit
        a. Das Unendliche überhaupt.
        b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen.
        c. Die affirmative Unendlichkeit.
        Der Übergang.
          Anmerkung 1.
          Anmerkung 2.

    Drittes Kapitel.  Das Fürsichseyn.
      A. Das Fürsichseyn als solches.
        a. Daseyn und Fürsichseyn.
        b. Seyn-für-eines.
          Anmerkung.
        c. Eins.
      B. Eins und Vieles.
        a. Das Eins an ihm selbst.
        b. Das Eins und das Leere.
          Anmerkung.
        c. Viele Eins. Repulsion.
          Anmerkung.
      C. Repulsion und Attraktion.
        a. Ausschließen des Eins.
          Anmerkung
        b. Das Eine Eins der Attraktion.
        c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion.
          Anmerkung.

  Zweiter Abschnitt.  Die Größe (Quantität)
    Anmerkung.

    Erstes Kapitel.  Die Quantität.
      A. Die reine Quantität.
        Anmerkung 1.
        Anmerkung 2.
      B. Kontinuirliche und diskrete Größe.
      C. Begrenzung der Quantität

    Zweites Kapitel.  Quantum
      A. Die Zahl.
        Anmerkung 1.
        Anmerkung 2.
      B. Extensives und intensives Quantum
        a. Unterschied derselben.
        b. Identität der extensiven und intensiven Größe.
          Anmerkung 1.
          Anmerkung 2.
        c. Die Veränderung des Quantums.
      C. Die quantitative Unendlichkeit
        a. Begriff derselben.
        b. Der quantitative unendliche Progreß.
          Anmerkung 1.
            Vers
          Anmerkung 2.
        c. Die Unendlichkeit des Quantums.
          Anmerkung 1. Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen
              Unendlichen.
            Fußnote
          Anmerkung 2. Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner
            Anwendung abgeleitet.
          Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen
            Größenbestimmtheit zusammenhängende Formen.

    Drittes Kapitel.  Das quantitative Verhältniß.
      A. Das direkte Verhältniß.
      B. Das umgekehrte Verhältniß.
      C. Potenzverhältniß.
        Anmerkung.

  Dritter Abschnitt.  Das Maaß.

    Erstes Kapitel.  Die specifische Quanitität.
      A. Das specifische Quantum.
      B. Specificirendes Maaß.
        a. Die Regel.
        b. Das specificirende Maaß.
          Anmerkung.
        c. Verhältniß beider Seiten als Qualitäten.
          Anmerkung.
      C. Das Fürsichseyn im Maaße.

    Zweites Kapitel.  Das reale Maaß
      A. Das Verhältniß selbstständiger Maaße.
        a. Verbindung zweier Maaße.
        b. Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen.
        c. Wahlverwandtschaft.
          Anmerkung.
      B. Knotenlinie von Maaßverhältnissen.
        Anmerkung.
      C. Das Maaßlose

    Drittes Kapitel.  Das Werden des Wesens.
      A. Die absolute Indifferenz.
      B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren.
        Anmerkung.
      C. Übergang in das Wesen.



Vorrede zur ersten Ausgabe.

Die vÖllige UmÄnderung, welche die philosophische Denkweise seit etwa
fÜnf und zwanzig Jahren unter uns erlitten, der höhere Standpunkt,
den das Selbstbewußtseyn des Geistes in dieser Zeitperiode über sich
erreicht hat, hat bisher noch wenig Einfluß auf die Gestalt der Logik
gehabt.

Dasjenige, was vor diesem Zeitraum Metaphysik hieß, ist, so zu sagen,
mit Stumpf und Stiel ausgerottet worden, und aus der Reihe der
Wissenschaften verschwunden.  Wo lassen oder wo dürfen sich Laute der
vormaligen Ontologie, der rationellen Psychologie, der Kosmologie
oder selbst gar der vormaligen natürlichen Theologie noch vernehmen
lassen?  Untersuchungen, zum Beispiel über die Immaterialität der
Seele, über die mechanische und die Endursachen, wo sollten sie noch
ein Interesse finden?  Auch die sonstige Beweise vom Daseyn Gottes
werden nur historisch, oder zum Behufe der Erbauung und
Gemüthserhebung angeführt.  Es ist dieß ein Faktum, daß das Interesse
Theils am Inhalte, Theils an der Form der vormaligen Metaphysik,
Theils an beiden zugleich verloren ist.  So merkwürdig es ist, wenn
einem Volke, z.B. die Wissenschaft seines Staatsrechts, wenn ihm
seine Gesinnungen, seine sittlichen Gewohnheiten und Tugenden
unbrauchbar geworden sind, so merkwürdig ist es wenigstens, wenn ein
Volk seine Metaphysik verliert, wenn der mit seinem reinen Wesen sich
beschäftigende Geist kein wirkliches Daseyn mehr in demselben hat.

Die exoterische Lehre der kantischen Philosophie,--daß der Verstand
die Erfahrung nicht überfliegen dürfe, sonst werde das
Erkenntnisvermögen theoretische Vernunft, welche für sich nichts als
Hirngespinnste gebähre, hat es von der wissenschaftlichen Seite
gerechtfertigt, dem spekulativen Denken zu entsagen.  Dieser
popularen Lehre kam das Geschrei der modernen Pädagogik, die Noth der
Zeiten, die den Blick auf das unmittelbare Bedürfniß richtet,
entgegen, daß, wie für die Erkenntniß die Erfahrung das Erste, so für
die Geschicklichkeit im öffentlichen und Privatleben, theoretische
Einsicht sogar schädlich, und Übung und praktische Bildung überhaupt
das Wesentliche, allein Förderliche sey.--Indem so die Wissenschaft
und der gemeine Menschenverstand sich in die Hände arbeiteten, den
Untergang der Metaphysik zu bewirken, so schien das sonderbare
Schauspiel herbeigeführt zu werden, ein gebildetes Volk ohne
Metaphysik zu sehen;--wie einen sonst mannigfaltig ausgeschmückten
Tempel ohne Allerheiligstes.--Die Theologie, welche in frühern Zeiten
die Bewahrerin der spekulativen Mysterien und der obzwar abhängigen
Metaphysik war, hatte diese Wissenschaft gegen Gefühle, gegen das
Praktisch-populare und gelehrte Historische aufgegeben.  Welcher
Veränderung entsprechend ist, daß anderwärts jene Einsamen, die von
ihrem Volke aufgeopfert und aus der Welt ausgeschieden wurden, zu dem
Zwecke, daß die Kontemplation des Ewigen und ein ihr allein dienendes
Leben vorhanden sey, nicht um eines Nutzens, sondern um des Segens
willen,--verschwanden; ein Verschwinden, das in einem andern
Zusammenhange, dem Wesen nach als dieselbe Erscheinung, wie das
vorhin Erwähnte, betrachtet werden kann.--So daß, nach Vertreibung
dieser Finsternisse, der farblosen Beschäftigung des in sich
gekehrten Geistes mit sich selbst, das Daseyn in die heitere Welt der
Blumen verwandelt zu seyn schien, unter denen es bekanntlich keine
schwarze giebt.

Ganz so schlimm als der Metaphysik ist es der Logik nicht ergangen.
Daß man durch sie denken lerne, was sonst für ihren Nutzen und damit
für den Zweck derselben galt,--gleichsam als ob man durch das Studium
der Anatomie und Physiologie erst verdauen und sich bewegen lernen
sollte--, dieß Vorurtheil hat sich längst verloren, und der Geist des
Praktischen dachte ihr wohl kein besseres Schicksal zu, als ihrer
Schwester.  Dessen ungeachtet, wahrscheinlich um einigen formellen
Nutzens willen, wurde ihr noch ein Rang unter den Wissenschaften
gelassen, ja sie wurde selbst als Gegenstand des öffentlichen
Unterrichts beibehalten.  Dieß bessere Loos betrifft jedoch nur das
äußere Schicksal; denn ihre Gestalt und Inhalt ist derselbe geblieben,
als er sich durch eine lange Tradition fortgeerbt, jedoch in dieser
Überlieferung immer mehr verdünnt und abgemagert hatte; der neue
Geist, welcher der Wissenschaft nicht weniger als der Wirklichkeit
aufgegangen ist, hat sich in ihr noch nicht verspüren lassen.  Es ist
aber ein für allemal vergebens, wenn die substantielle Form des
Geistes sich umgestaltet hat, die Formen früherer Bildung erhalten zu
wollen; sie sind welke Blätter, welche von den neuen Knospen, die an
ihren Wurzeln schon erzeugt sind, abgestoßen werden.

Mit dem Ignoriren der allgemeinen Veränderung fängt es nach gerade an,
auch im Wissenschaftlichen auszugehen.  Unbemerkter Weise sind
selbst den Gegnern die andern Vorstellung geläufig und eigen geworden,
und wenn sie gegen deren Quelle und Principien fortdauernd spröde
thun und sich widersprechend dagegen benehmen, so haben sie dafür die
Konsequenzen sich gefallen lassen, und des Einflusses derselben sich
nicht zu erwehren vermocht; zu ihrem immer unbedeutender werdenden
negativen Verhalten wissen sie sich auf keine andere Weise eine
positive Wichtigkeit und einen Inhalt zu geben, als daß sie in den
neuen Vorstellungsweisen mitsprechen.

Von der andern Seite scheint die Zeit der Gährung, mit der eine neue
Schöpfung beginnt, vorbei zu seyn.  In ihrer ersten Erscheinung
pflegt eine solche sich mit fanatischer Feindseligkeit gegen die
ausgebreitete Systematisierung des frühen Princips zu verhalten,
Theils auch furchtsam zu seyn, sich in der Ausdehnung des Besondern
zu verlieren, Theils aber die Arbeit die zur wissenschaftlichen
Ausbildung erfordert wird, zu scheuen, und im Bedürfnisse einer
solchen zuerst zu einem leeren Formalismus zu greifen.  Die
Anforderung der Verarbeitung und Ausbildung des Stoffes wird nun um
so dringender.  Es ist eine Periode in der Bildung einer Zeit, wie in
der Bildung des Individuums, wo es vornehmlich um Erwerbung und
Behauptung des Princips in seiner unentwickelten Intensität zu thun
ist.  Aber die höhere Forderung geht darauf, daß es zur Wissenschaft
werde.

Was nun auch für die Sache und für die Form der Wissenschaft bereits
in sonstiger Rücksicht geschehen seyn mag; die logische Wissenschaft,
welche die eigentliche Metaphysik oder reine spekulative Philosophie
ausmacht, hat sich bisher noch sehr vernachlässigt gesehen.  Was ich
unter dieser Wissenschaft und ihrer Standpunkte näher verstehe, habe
ich in der Einleitung vorläufig angegeben.  Die Nothwendigkeit, mit
dieser Wissenschaft wieder einmal von vorne anzufangen, die Natur des
Gegenstandes selbst, und der Mangel an Vorarbeiten, welche für die
vorgenommen Umbildung hätten benutzt werden können, mögen bei
billigen Beurtheilern in Rücksicht kommen, wenn auch eine vieljährige
Arbeit diesem Versuche nicht eine größere Vollkommenheit geben konnte.
--Der wesentliche Gesichtspunkt ist, daß es überhaupt um einen neuen
Begriff wissenschaftlicher Behandlung zu thun ist.  Die Philosophie,
indem sie Wissenschaft seyn soll, kann, wie ich anderwärts erinnert
Phänomenologie des Geistes, Vorr. zur ersten Ausg.--Die eigentliche
Ausführung ist die Erkenntniß der Methode, und hat ihre Stelle in der
Logik selbst, habe, hierzu ihre Methode nicht von einer
untergeordneten Wissenschaft, wie die Mathematik ist, borgen, so
wenig als es bei kategorischen Versicherungen innerer Anschauung
bewenden lassen, oder sich des Raisonnements aus Gründen der äußern
Reflexion bedienen.  Sondern es kann nur die Natur des Inhalts seyn,
welche sich im wissenschaftlichen Erkennen bewegt, indem zugleich
diese eigne Reflexion des Inhalts es ist, welche seine Bestimmung
selbst erst setzt und erzeugt.

Der Verstand bestimmt und hält die Bestimmungen fest; die Vernunft
ist negativ und dialektisch, weil sie die Bestimmungen des Verstands
in Nichts auflöst; sie ist positiv, weil sie das Allgemeine erzeugt,
und das Besondere darin begreift.  Wie der Verstand als etwas
Getrenntes von der Vernunft überhaupt, so pflegt auch die
dialektische Vernunft als etwas Getrenntes von der positiven Vernunft
genommen zu werden.  Aber in ihrer Wahrheit ist die Vernunft Geist,
der höher als Beides, verständige Vernunft, oder vernünftiger
Verstand ist.  Er ist das Negative, dasjenige, welches die Qualität
sowohl, der dialektischen Vernunft, als des Verstandes ausmacht;--er
negirt das Einfache, so setzt er den bestimmten Unterschied des
Verstandes, er löst ihn eben so sehr auf, so ist er dialektisch.  Er
hält sich aber nicht im Nichts dieses Resultates, sondern ist darin
ebenso positiv, und hat so das erste Einfache damit hergestellt, aber
als Allgemeines, das in sich konkret ist; unter dieses wird nicht ein
gegebenes Besonderes subsumirt, sondern in jenem Bestimmen und in der
Auflösung desselben hat sich das Besondere schon mit bestimmt.  Diese
geistige Bewegung, die sich in ihrer Einfachheit ihre Bestimmtheit,
und in dieser ihre Gleichheit mit sich selbst giebt, die somit die
immanente Entwickelung des Begriffes ist, ist die absolute Methode
des Erkennens, und zugleich die immanente Seele des Inhalts selbst.
--Auf diesem sich selbst konstruirenden Wege allein, behaupte ich,
ist die Philosophie fähig, objektive, demonstrirte Wissenschaft zu
seyn.--In dieser Weise habe ich das Bewußtseyn in der Phänomenologie
des Geistes darzustellen versucht.  Das Bewußtseyn ist der Geist als
konkretes und zwar in der Äußerlichkeit befangenes Wissen; aber die
Formbewegung dieses Gegenstandes beruht allein, wie die Entwickelung
alles natürlichen und geistigen Lebens, auf der Natur der reinen
Wesenheiten, die den Inhalt der Logik ausmachen.  Das Bewußtseyn, als
der erscheinende Geist, welcher sich auf seinem Wege von seiner
Unmittelbarkeit und äußerlichen Konkretion befreit, wird zum reinen
Wissen, das sich jene reinen Wesenheiten selbst, wie sie an und für
sich sind, zum Gegenstand giebt.  Sie sind die reinen Gedanken, der
sein Wesen denkende Geist.  Ihre Selbstbewegung ist ihr geistiges
Leben, und ist das, wodurch sich die Wissenschaft konstituirt, und
dessen Darstellung sie ist.

Es ist hiermit die Beziehung der Wissenschaft, die ich Phänomenologie
des Geistes nenne, zur Logik angegeben.--Was das äußerliche
Verhältniß betrifft, so war dem ersten Theil des Systems der
Wissenschaft, (Bamberg und Würzburg bei Göbhard 1807).  Dieser Titel
wird der zweiten Ausgabe, die auf nächsten Ostern erscheinen wird,
nicht mehr beigegeben werden.--An die Stelle des im Folgenden
erwähnten Vorhabens eines zweiten Theils, der die sämmtlichen andern
philosophischen Wissenschaften enthalten sollte, habe ich seitdem die
Encyklopädie der philosophischen Wissenschaften, voriges Jahr in der
dritten Ausgabe, ans Licht treten lassen (Anmerkung zur zweiten
Ausgabe), der die Phänomenologie enthält, ein zweiter Theil zu folgen
bestimmt, welcher die Logik und die beiden realen Wissenschaften der
Philosophie, die Philosophie der Natur und die Philosophie des
Geistes, enthalten sollte, und das System der Wissenschaft
beschlossen haben würde.  Aber die nothwendige Ausdehnung, welche die
Logik für sich erhalten mußte, hat mich veranlaßt, diese besonders
ans Licht treten zu lassen; sie macht also in einem erweiterten Plane
die erste Folge zur Phänomenologie des Geistes aus.  Späterhin werde
ich die Verarbeitung der beiden genannten realen Wissenschaften der
Philosophie folgen lassen.--Dieser erste Band der Logik aber enthält
als erstes Buch die Lehre vom Seyn; das zweite Buch, die Lehre vom
Wesen, als zweite Abtheilung des ersten Bandes; der zweite Band aber
wird die subjektive Logik, oder die Lehre vom Begriff enthalten.

Nürnberg, den 22 März 1812



Vorrede zur zweiten Auflage.

An diese neue Bearbeitung der Wissenschaft der Logik, wovon hiermit
der erste Band erscheint, bin ich wohl mit dem ganzen Bewußtseyn
sowohl der Schwierigkeit des Gegenstandes für sich und dann seiner
Darstellung, als der Unvollkommenheit, welche die Bearbeitung
desselben in der ersten Ausgabe an sich trägt, gegangen; so sehr ich
nach weiterer vieljähriger Beschäftigung mit dieser Wissenschaft
bemüht gewesen, dieser Unvollkommenheit abzuhelfen, so fühle ich noch
Ursache genug zu haben, die Nachsicht des Lesers in Anspruch zu
nehmen.  Ein Titel solchen Anspruchs aber zunächst darf wohl auf den
Umstand gegründet werden, daß sich für den Inhalt vornehmlich nur
äußerliches Material in der früheren Metaphysik und Logik vorgefunden
hat.  So allgemein und häufig dieselben, die letztere noch bis auf
unsere Zeiten fort, getrieben worden, so wenig hat solche Bearbeitung
die spekulative Seite betroffen; vielmehr ist im Ganzen dasselbe
Material wiederholt, abwechselnd bald bis zu trivialer
Oberflächlichkeit verdünnt, bald der alte Ballast umfangsreicher von
Neuem hervorgeholt und mitgeschleppt worden, so daß durch solche,
häufig ganz nur mechanische Bemühungen dem philosophischen Gehalt
kein Gewinn zuwachsen konnte.  Das Reich des Gedankens philosophisch,
d.i. in seiner eigenen immanenten Thätigkeit, oder was dasselbe ist,
in seiner nothwendigen Entwickelung darzustellen, mußte deswegen ein
neues Unternehmen seyn, und dabei von vorne angefangen werden; jenes
erworbene Material, die bekannten Denkformen, aber ist als eine
höchst wichtige Vorlage, ja eine nothwendige Bedingung, dankbar
anzuerkennende Voraussetzung anzusehen, wenn dieselbe auch nur hier
und da einen dürren Faden, oder die leblosen Knochen eines Skeletts,
sogar in Unordnung untereinander geworfen, dargiebt.

Die Denkformen sind zunächst in der Sprache des Menschen
herausgesetzt und niedergelegt, es kann in unseren Tagen nicht oft
genug daran erinnert werden, daß das, wodurch sich der Mensch vom
Thiere unterscheidet, das Denken ist.  In Alles, was ihm zu einem
Innerlichen, zur Vorstellung überhaupt, wird, was er zu dem Seinigen
macht, hat sich die Sprache eingedrängt, und was er zur Sprache macht
und in ihr äußert, enthält eingehüllter, vermischter, oder
herausgearbeitet, eine Kategorie; so sehr natürlich ist ihm das
Logische, oder vielmehr dasselbige ist seine eigenthümliche Natur
selbst.  Stellt man aber die Natur überhaupt, als das Physikalische,
dem Geistigen gegenüber, so müßte man sagen, daß das Logische
vielmehr das Übernatürliche ist, welches sich in alles Naturverhalten
des Menschen, in sein Empfinden, Anschauen, Begehren, Bedürfniß,
Trieb eindrängt und es dadurch überhaupt zu einem Menschlichen, wenn
auch nur formell, zu Vorstelllungen und Zwecken, macht.  Es ist der
Vortheil einer Sprache, wenn sie einen Reichthum an logischen
Ausdrücken, nämlich eigenthümlichen und abgesonderten, für die
Denkbestimmungen selbst besitzt; von den Präpositionen, Artikeln,
gehören schon viele solchen Verhältnissen an, die auf dem Denken
beruhen; die chinesische Sprache soll es in ihrer Ausbildung gar
nicht oder nur dürftig bis dahin gebracht haben; aber diese Partikeln
treten ganz dienend, nur etwas weniges abgelöster, als die Augmente,
Flexionszeichen und dergl. auf.  Viel wichtiger ist es, daß in einer
Sprache die Denkbestimmungen zu Substantiven und Verben
herausgestellt und so zur gegenständlichen Form gestempelt sind; die
deutsche Sprache hat darin viele Vorzüge vor den anderen modernen
Sprachen; sogar sind manche ihrer Wörter von der weiteren Eigenheit,
verschiedene Bedeutungen nicht nur, sondern entgegengesetzte zu haben,
so daß darin selbst ein spekulativer Geist der Sprache nicht zu
verkennen ist; es kann dem Denken eine Freude gewähren, auf solche
Wörter zu stoßen, und die Vereinigung Entgegengesetzter, welches
Resultat der Spekulation für den Verstand aber widersinnig ist, auf
naive Weise schon lexikalisch als Ein Wort von den entgegengesetzten
Bedeutungen vorzufinden.  Die Philosophie bedarf daher überhaupt
keiner besonderen Terminologie; es sind wohl aus fremden Sprachen
einige Wörter aufzunehmen, welche jedoch durch den Gebrauch bereits
das Bürgerrecht in ihr erhalten haben, ein affektirter Purismus würde
da, wo es am entschiedensten auf die Sache ankommt, am wenigsten am
Platze seyn.--Das Fortschreiten der Bildung überhaupt und
insbesondere der Wissenschaften, selbst der empirischen und
sinnlichen; indem sie im Allgemeinen sich in den gewöhnlichsten
Kategorien (z.B. eines Ganzen und der Theile, eines Dinges und seiner
Eigenschaften und dergleichen) bewegen, fördert nach und nach auch
höhere Denkverhältnisse zu Tage, oder hebt sie wenigstens zu größerer
Allgemeinheit und damit zu näherer Aufmerksamkeit hervor.  Wenn z.B.
in der Physik die Denkbestimmung der Kraft vorherrschend geworden ist,
so spielt in neuerer Zeit die Kategorie der Polarität, die übrigens
zu sehr... tort e... travers in Alles selbst in das Licht eingedrängt
wird, die bedeutendste Rolle,--die Bestimmung von einem Unterschiede,
in welchem die Unterschiedenen untrennbar verbunden sind;--daß auf
solche Weise von der Form der Abstraktion, der Identität, durch
welche eine Bestimmtheit z.B. als Kraft eine Selbstständigkeit erhält,
fortgegangen, und die Form des Bestimmens, des Unterschiedes,
welcher zugleich als ein Untrennbares in der Identität bleibt,
herausgehoben und eine geläufige Vorstellung geworden, ist von
unendlicher Wichtigkeit.  Die Naturbetrachtung bringt durch die
Realität, in welcher ihre Gegenstände sich festhalten, dieses
Zwingende mit sich, die Kategorien, die in ihr nicht länger ignorirt
werden können, wenn auch mit der größten Inkonsequenz gegen andere,
die auch geltend gelassen werden, zu fixiren, und es nicht zu
gestatten, daß, wie im Geistigen leichter geschieht, zu Abstraktionen
von dem Gegensatze und zur Allgemeinheit übergegangen wird.

Aber indem so die logischen Gegenstände, wie deren Ausdrücke, etwa in
der Bildung Allbekanntes sind, so ist, wie ich anderwärts gesagt, was
bekannt ist, darum nicht erkannt, und es kann selbst die Ungeduld
erregen, sich noch mit Bekanntem beschäftigen zu sollen, und was ist
bekannter, als eben die Denkbestimmungen, von denen wir allenthalben
Gebrauch machen, die uns in jedem Satze, den wir sprechen, zum Munde
herausgehen.  Über den Gang des Erkennens von diesem Bekannten aus,
über das Verhältniß des wissenschaftlichen Denkens zu diesem
natürlichen Denken, die allgemeinen Momente anzugeben soll dieses
Vorwort bestimmt seyn, so viel, zusammengenommen mit dem, was die
frühere Einleitung enthält, wird hinreichend seyn, um eine allgemeine
Vorstellung, wie man eine solche von einer Wissenschaft zum voraus,
vor derselben, welche die Sache selbst ist, zu erhalten fordert, von
dem Sinne des logischen Erkennens zu geben.

Zunächst ist es als ein unendlicher Fortschritt anzusehen, daß die
Formen des Denkens von dem Stoffe, in welchen sie im selbstbewußten
Anschauen, Vorstellen, wie in unserem Begehren und Wollen, oder
vielmehr auch in dem vorstellenden Begehren und Wollen (--und es ist
kein menschliches Begehren oder Wollen ohne Vorstellen--) versenkt
sind, befreit, diese Allgemeinheiten für sich herausgehoben, und wie
Plato, dann aber Aristoteles vornehmlich gethan, zum Gegenstande der
Betrachtung für sich gemacht worden; dieß giebt den Anfang des
Erkennens derselben.  "Erst nachdem beinahe alles Nothwendige", sagt
Aristoteles, "und was zur Bequemlichkeit und zum Verkehr des Lebens
gehört, vorhanden war, hat man angefangen, sich um philosophische
Erkenntniß zu bemühen." "In Ägypten," hatte er vorher bemerkt, "sind
die mathematischen Wissenschaften früh ausgebildet worden, weil
daselbst der Priesterstand früh in die Lage versetzt worden, Muße zu
haben."--In der That setzt das Bedürfniß sich mit den reinen Gedanken
zu beschäftigen einen weiten Gang voraus, den der Menschengeist
durchgemacht haben muß, es ist, kann man sagen, es ist das Bedürfniß
des schon befriedigten Bedürfnisses der Nothwendigkeit der
Bedürfnißlosigkeit, zu dem er gekommen seyn muß, der Abstraktion von
dem Stoffe des Anschauens, Einbildens u.s.f. der konkreten Interessen
des Begehrens, der Triebe, des Willens, in welchem Stoffe die
Denkbestimmungen eingehüllt stecken.  In den stillen Räumen des zu
sich selbst gekommenen und nur in sich seyenden Denkens schweigen die
Interessen, welche das Leben der Völker und der Individuen bewegen.
"Nach so vielen Seiten," sagt Aristoteles in demselben Zusammenhange,
"ist die Natur des Menschen abhängig, aber diese Wissenschaft, die
nicht zu einem Gebrauche gesucht wird, ist allein die an und für sich
freie und sie scheint darum nicht ein menschlicher Besitz zu seyn.
"--Die Philosophie überhaupt hat es noch mit konkreten Gegenständen,
Gott, Natur, Geist, in ihren Gedanken zu thun, aber die Logik
beschäftigt sich ganz nur mit diesen für sich in ihrer vollständigen
Abstraktion.  Diese Logik pflegt darum dem Studium der Jugend
zunächst anheim zu fallen, als welche noch nicht in die Interessen
des konkreten Lebens eingetreten ist, in der Muße in Rücksicht
derselben lebt, und nur erst für ihren subjektiven Zweck mit der
Erwerbung der Mittel und der Möglichkeiten, in den Objekten jener
Interessen thätig zu werden, sich und mit diesen selbst noch
theoretisch sich zu beschäftigen hat.  Unter diese Mittel wird im
Widerspiele von der angeführten Vorstellung des Aristoteles, die
logische Wissenschaft gerechnet, die Bemühung mit derselben ist eine
vorläufige Arbeit, ihr Ort die Schule, auf welche erst der Ernst des
Lebens und die Thätigkeit für die wahrhaften Zwecke folgen soll.  Im
Leben geht es zum Gebrauch der Kategorien, sie werden von der Ehre,
für sich betrachtet zu werden, dazu herabgesetzt, in dem geistigen
Betrieb lebendigen Inhalts in dem Erschaffen und Auswechseln der
darauf bezüglichen Vorstellungen, zu dienen,--Theils als
Abbreviaturen durch ihre Allgemeinheit;--denn welche unendliche Menge
von Einzelnheiten des äußerlichen Daseyns und der Thätigkeit faßt die
Vorstellung.  Schlacht, Krieg, Volk, oder Meer, Thier u.s.f. in sich
zusammen;--wie ist in der Vorstellung: Gott oder Liebe u.s.f. in die
Einfachheit solchen Vorstellens eine unendliche Menge von
Vorstellungen, Thätigkeit, Zuständen u.s.f. epitomirt!--Theils zur
näheren Bestimmung und Findung der gegenständlichen Verhältnisse,
wobei aber Gehalt und Zweck, die Richtigkeit und Wahrheit des sich
einmischenden Denkens ganz von dem Vorhandenen selbst abhängig
gemacht ist und den Denkbestimmungen für sich keine Inhaltbestimmende
Wirksamkeit zugeschrieben wird.  Solcher Gebrauch der Kategorien, der
vorhin die natürliche Logik genannt worden ist, ist bewußtlos, und
wenn ihnen in wissenschaftlicher Reflexion das Verhältniß, als Mittel
zu dienen, im Geiste angewiesen wird, so wird das Denken überhaupt zu
etwas den anderen geistigen Bestimmungen Untergeordnetem gemacht.
Von unseren Empfindungen, Trieben, Interessen sagen wir nicht wohl,
daß sie uns dienen, sondern sie gelten als selbstständige Kräfte und
Mächte, so daß wir dieß selbst sind, so zu empfinden, dieß zu
begehren und zu wollen, in dieß unser Interesse zu legen.  Aber
wieder kann es vielmehr unser Bewußtseyn werden, daß wir im Dienste
unserer Gefühle, Triebe, Leidenschaften, Interessen, ohnehin von
Gewohnheiten stehen, als daß wir sie im Besitz haben, noch weniger,
daß sie bei unser innigen Einheit mit ihnen uns als Mittel dienen.
Dergleichen Bestimmungen des Gemüths und Geistes zeigen sich uns bald
als Besondere im Gegensatze gegen die Allgemeinheit, als die wir uns
bewußt werden, in der wir unsere Freiheit haben, und halten dafür, in
diesen Besonderheiten vielmehr befangen zu seyn, von ihnen beherrscht
zu werden.  Sonach können wir dann viel weniger dafür halten, daß die
Denkformen, die sich durch alle unserer Vorstellungen, diese seyen
bloß theoretisch, oder enthalten einen Stoff, der der Empfindung, dem
Triebe, dem Willen angehört, hindurch ziehen, uns dienen, daß wir sie,
und sie nicht vielmehr uns im Besitz haben; was ist uns übrig gegen
sie, wie sollen wir, ich mich als das Allgemeinere über sie
hinausstellen, sie die selbst das Allgemeine als solches sind.  Wenn
wir uns in eine Empfindung, Zweck, Interesse legen, und uns darin
beschränkt, unfrei fühlen, so ist der Ort, in den wir daraus heraus
und in die Freiheit zurück zu ziehen vermögen, dieser Ort der
Gewißheit seiner selbst, der reinen Abstraktion, des Denkens.  Oder
ebenso, wenn wir von den Dingen sprechen wollen, so nennen wir die
Natur oder das Wesen derselben ihren Begriff, und dieser ist nur für
das Denken; von den Begriffen der Dinge aber werden wir noch viel
weniger sagen, daß wir sie beherrschen oder daß die Denkbestimmungen,
von denen sie der Komplex sind, uns dienen, im Gegentheil muß sich
unser Denken nach ihnen beschränken und unsere Willkür oder Freiheit
soll sie nicht nach sich zurichten wollen.  Insofern also das
subjektive Denken unser eigenstes, innerlichstes Thun ist, und der
objektive Begriff der Dinge die Sache selbst ausmacht, so können wir
aus jenem Thun nicht heraus seyn, nicht über demselben stehen, und
ebenso wenig können wir über die Natur der Dinge hinaus.  Von der
letzteren Bestimmung jedoch können wir absehen; sie fällt mit der
ersteren insofern zusammen, da sie eine Beziehung unserer Gedanken
auf die Sache, aber nur etwas Leeres ergäbe, weil die Sache damit als
Regel für unsere Begriffe aufgestellt werden würde, aber eben die
Sache für uns nichts Anderes als unsere Begriffe von ihr seyn kann.
Wenn die kritische Philosophie das Verhältniß dieser drei Terminorum
so versteht, daß wir die Gedanken zwischen uns und zwischen die
Sachen als Mitte stellen in dem Sinne, daß diese Mitte uns von den
Sachen vielmehr abschließt, statt uns mit denselben
zusammenzuschließen, so ist dieser Ansicht die einfache Bemerkung
entgegenzusetzen, daß eben diese Sachen, die jenseits unserer und
jenseits der sich auf sie beziehenden Gedanken auf dem anderen
Extreme stehen sollen, selbst Gedankendinge, und als ganz unbestimmte,
nur Ein Gedankending, (--das sogenannte Ding-an-sich) der leeren
Abstraktion selbst sind.

Doch dieß mag für den Gesichtspunkt genügen, aus welchem das
Verhältniß verschwindet, nach welchem die Denkbestimmungen nur als
zum Gebrauch und als Mittel genommen werden; wichtiger ist das weiter
damit Zusammenhängende, nach welchem sie als äußere Formen gefaßt zu
werden pflegen.--Die uns alle Vorstellungen, Zwecke, Interessen und
Handlungen durchwirkende Thätigkeit des Denkens ist, wie gesagt,
bewußtlos geschäftig (die natürliche Logik); was unser Bewußtseyn vor
sich hat, ist der Inhalt, die Gegenstände der Vorstellungen, das,
womit das Interesse erfüllt ist; die Denkbestimmungen gelten nach
diesem Verhältniß als Formen, die nur an dem Gehalt, nicht der Gehalt
selbst seyen.  Wenn es aber an dem ist, was vorhin angegeben worden,
und was sonst im Allgemeinen zugestanden wird, daß die Natur, das
eigenthümliche Wesen, das wahrhaft Bleibende und Substantielle bei
der Mannigfaltigkeit und Zufälligkeit des Erscheinens und der
Zufälligkeit des Erscheinens und der vorübergehenden Äußerung, der
Begriff der Sache, das in ihr selbst Allgemeine ist, wie jedes
menschliche Individuum zwar ein unendlich eigenthümliches, das Prius
aller seiner Eigenthümlichkeit darin Mensch zu seyn in sich hat, wie
jedes einzelne Thier, das Prius, Thier zu seyn: so wäre nicht zu
sagen, was, wenn diese Grundlage aus dem mit noch so vielfachen
sonstigen Prädikaten Ausgerüsteten weggenommen würde, ob sie gleich
wie die anderen ein Prädikat genannt werden kann, was so ein
Individuum noch seyn sollte.  Die unerläßliche Grundlage, der Begriff,
das Allgemeine, das der Gedanke, insofern man nur von der
Vorstellung bei dem Worte: Gedanke, abstrahiren kann, selbst ist,
kann nicht nur als eine gleichgültige Form, die an einem Inhalte sey,
angesehen werden.  Aber diese Gedanken aller natürlichen und
geistigen Dinge, selbst der substantielle Inhalt, sind noch ein
socher, der vielfache Bestimmtheiten enthält und noch den Unterschied
einer Seele und eines Leibes, des Begriffs und einer relativen
Realität an ihm hat; die tiefere Grundlage ist die Seele für sich,
der reine Begriff, der das Innerste der Gegenstände, ihr einfacher
Lebenspuls, wie selbst des subjektiven Denkens derselben ist.  Diese
logische Natur, die den Geist beseelt, in ihm treibt und wirkt, zum
Bewußtseyn zu bringen, dieß ist die Aufgabe.  Das instinktartige Thun
unterscheidet sich von dem intelligenten und freien Thun dadurch
überhaupt, daß dieses mit Bewußtseyn geschieht, indem der Inhalt des
Treibenden heraus aus der unmittelbaren Einheit mit dem Subjekte zur
Gegenständlichkeit vor dieses gebracht ist, beginnt die Freiheit des
Geistes, der in dem instinktweisen Wirken des Denkens befangen in den
Banden seiner Kategorien in einen unendlich mannigfachen Stoff
zersplittert ist.  In diesem Netze schürzen sich hin und wieder
festere Knoten, welche die Anhalts- und Richtungspunkte seines Lebens
und Bewußtseyns sind, sie verdanken ihre Festigkeit und Macht eben
dem, daß sie vor das Bewußtseyn gebracht an und für sich seyenden
Begriffe seiner Wesenheit sind.  Der wichtigste Punkt für die Natur
des Geistes ist das Verhältniß nicht nur dessen, was er an sich ist,
zu dem was er wirklich ist, sondern dessen, als was er sich weiß;
dieses Sichwissen ist darum, weil er wesentlich Bewußtseyn,
Grundbestimmung seiner Wirklichkeit.  Diese Kategorien, die nur
instinktmäßig als Triebe wirksam sind, und zunächst vereinzelt, damit
veränderlich und sich verwirrend in das Bewußtseyn des Geistes
gebracht, und ihm so eine vereinzelte und unsichere Wirklichkeit
gewähren, zu reinigen und ihn damit in ihnen zur Freiheit und
Wahrheit zu erheben, dieß ist also das höhere logische Geschäft.

Was wir als Anfang der Wissenschaft, dessen hoher Werth für sich und
zugleich als Bedingung der wahrhaften Erkenntniß vorhin anerkannt
worden ist, angaben, die Begriffe und die Momente des Begriffs
überhaupt, die Denkbestimmungen zunächst als Formen, die von dem
Stoffe verschieden und nur an ihm seyen, zu behandeln, dieß giebt
sich sogleich an sich selbst als ein zur Wahrheit, die als Gegenstand
und Zweck der Logik angegeben wird, unangemessenes Verhalten kund.
Denn so als bloße Formen, als verschieden von dem Inhalte, werden sie
in einer Bestimmung stehend angenommen, die sie zu endlichen stempelt
und die Wahrheit, die in sich unendlich ist, zu fassen unfähig macht.
Mag das Wahre sonst, in welcher Rücksicht es sey, wieder mit
Beschränkung und Endlichkeit vergesellschaftet seyn, dieß ist die
Seite seiner Negation, seiner Unwahrheit und Unwirklichkeit, eben
seines Endes, nicht der Affirmation, welche es als Wahres ist.  Gegen
die Kahlheit der bloß formellen Kategorien hat der Instinkt der
gesunden Vernunft sich endlich so erstarkt gefühlt, daß er ihre
Kenntniß mit Verachtung dem Gebiete einer Schullogik und
Schulmetaphysik überläßt, zugleich mit der Mißachtung des Werthes,
den schon das Bewußtseyn dieser Fäden für sich hat, und mit der
Bewußtlosigkeit, in dem instinktartigen Thun natürlicher Logik, noch
mehr in dem reflektirten Verwerfen der Kenntniß und Erkenntniß der
Denkbestimmungen selbst, im Dienste des ungereinigten und damit
unfreien Denkens gefangen zu seyn.  Die einfache Grundbestimmung oder
gemeinschaftliche Formbestimmung der Sammlung solcher Formen ist die
Identität, die als Gesetz, als A=A, als Satz des Widerspruchs in der
Logik dieser Sammlung behauptet wird.  Die gesunde Vernunft hat ihre
Ehrerbietung vor der Schule, die im Besitze solcher Gesetze der
Wahrheit und in der sie noch immer so fortgeführt werden, so sehr
verloren, daß sie dieselbe darob verlacht, und einen Menschen, der
nach solchen Gesetzen wahrhaft zu sprechen weiß: die Pflanze ist
eine--Pflanze, die Wissenschaft ist--die Wissenschaft, und sofort
ins Unendliche, für unerträglich hält.  Über die Formeln auch,
welche die Regeln des Schließens, das in der That ein Hauptgebrauch
des Verstandes ist, hat sich--so ungerecht es ist zu verkennen, daß
sie ihr Feld in der Erkenntniß haben, worin sie gelten müssen und
zugleich, daß sie wesentliches Material für das Denken der Vernunft
sind,--das ebenso gerechte Bewußtsein festgesetzt, daß sie
gleichgültige Mittel wenigstens ebenso sehr des Irrthums und der
Sophisterei sind, und wie man auch sonst die Wahrheit bestimmen mag,
für die höhere, z.B. die religiöse Wahrheit unbrauchbar sind; daß sie
überhaupt nur eine Richtigkeit der Erkenntnisse, nicht die Wahrheit
betreffen.

Die Unvollständigkeit dieser Weise, das Denken zu betrachten, welche
die Wahrheit auf der Seite läßt, ist allein dadurch zu ergänzen, daß
nicht bloß das, was zu äußeren Form gerechnet zu werden pflegt,
sondern der Inhalt mit in die denkende Betrachtung gezogen wird.  Es
zeigt sich von selbst bald, daß was in der nächsten gewöhnlichsten
Reflexion als Inhalt von der Form geschieden wird, in der That nicht
formlos, nicht bestimmungslos in sich, seyn soll; so wäre er nur das
Leere, etwa die Abstraktion des Dings-an-sich,--daß er vielmehr Form
in ihm selbst, ja durch sie allein Beseelung und Gehalt hat und daß
sie selbst es ist, die nur in den Schein eines Inhalts, so wie damit
auch in den Schein eines an diesem Scheine Äußerlichen, umschlägt.
Mit dieser Einführung des Inhalts in die logische Betrachtung, sind
es nicht die Dinge, sondern die Sache, der Begriff der Dinge, welcher
Gegenstand wird.

Hierbei kann man aber auch daran erinnert werden, daß es eine Menge
Begriffe, eine Menge Sachen giebt.  Wodurch aber diese Menge
beschränkt wird, ist Theils vorhin gesagt worden, daß der Begriff als
Gedanke überhaupt, als Allgemeines, die unermeßliche Abbreviatur
gegen die Einzelnheit der Dinge, wie sie ihre Menge dem unbestimmten
Anschauen und Vorstellen vorschweben, ist; Theils aber ist ein
Begriff sogleich erstens der Begriff an ihm selbst, und dieser ist
nur Einer, und ist die substantielle Grundlage; vor's Andere aber ist
er wohl ein bestimmter Begriff, welche Bestimmtheit an ihm das ist,
was als Inhalt erscheint, die Bestimmtheit des Begriffs aber ist eine
Formbestimmung dieser substantiellen Einheit, ein Moment der Form als
Totalität, des Begriffes selbst, der die Grundlage der bestimmten
Begriffe ist.  Dieser wird nicht sinnlich angeschaut oder vorgestellt;
er ist nur Gegenstand, Produkt und Inhalt des Denkens, und die an
und für sich seyende Sache, der Logos, die Vernunft dessen, was ist,
die Wahrheit dessen, was den Namen der Dinge führt; am wenigsten ist
es der Logos, was außerhalb der logischen Wissenschaft gelassen
werden soll.  Es muß darum nicht ein Belieben seyn, ihn in die
Wissenschaft herein zu ziehen oder ihn draußen zu lassen.  Wenn die
Denkbestimmungen, welche nur äußerliche Formen sind, wahrhaft an
ihnen selbst betrachtet werden, kann nur ihre Endlichkeit und die
Unwahrheit ihres Für-sich-seyn-sollens und als ihre Wahrheit, der
Begriff, hervorgehen.  Daher wird die logische Wissenschaft, indem
sie die Denkbestimmungen, die überhaupt unsern Geist instinktartig
und bewußtlos durchziehen, und selbst indem sie in die Sprache
hereintreten, ungegenständlich, unbeachtet bleiben, abhandelt, auch
die Rekonstruktion derjenigen seyn, welche durch die Reflexion
herausgehoben und von ihr als subjektive, an dem Stoff und Gehalt
äußere Formen fixiert sind.

Die Darstellung keines Gegenstandes wäre an und für sich fähig, gar
streng ganz immanent plastisch zu seyn, als die der Entwickelung des
Denkens in seiner Nothwendigkeit; keiner führte so sehr diese
Forderung mit sich; seine Wissenschaft müßte darin auch die
Mathematik übertreffen, denn kein Gegenstand hat in ihm selbst diese
Freiheit und Unabhängigkeit.  Solcher Vortrag erforderte, wie dieß in
seiner Art in dem Gange der mathematischen Konsequenz vorhanden ist,
daß bei keiner Stufe der Entwickelung eine Denkbestimmung und
Reflexion vorkäme, die nicht in dieser Stufe unmittelbar hervorgeht,
und aus den vorhergehenden in sie herübergekommen ist.  Allein auf
solche abstrakte Vollkommenheit der Darstellung muß freilich im
Allgemeinen Verzicht gethan werden; schon indem die Wissenschaft mit
dem rein Einfachen, hiermit dem Allgemeinsten und Leersten, anfangen
muß, ließe der Vortrag nur eben diese selbst ganz einfachen Ausdrücke
des Einfachen ohne allen weiteren Zusatz irgend eines Wortes zu;--was
der Sache nach Statt finden dürfte, wären negirende Reflexionen, die
das abzuhalten und zu entfernen sich bemühten, was sonst die
Vorstellung oder ein ungeregeltes Denken einmischen könnte.  Solche
Einfälle in den einfachen immanenten Gang der Entwickelung sind
jedoch für sich zufällig, und die Bemühung, sie abzuwehren, wird
somit selbst mit dieser Zufälligkeit behaftet; ohnehin ist es
vergeblich allen solchen Einfällen, eben weil sie außer der Sache
liegen, begegnen zu wollen, und wenigstens wäre Unvollständigkeit das,
was hierbei für die systematische Befriedigung verlangt würde.  Aber
die eigenthümliche Unruhe und Zerstreuung unseres modernen
Bewußtseyns läßt es nicht anders zu, als gleichfalls mehr oder
weniger auf nahe liegende Reflexionen und Einfälle Rücksicht zu
nehmen, ein plastischer Vortrag erfordert dann auch einen plastischen
Sinn des Aufnehmens und Verstehens; aber solche plastische Jünglinge
und Männer so ruhig mit der Selbstverläugnung eigener Reflexionen und
Einfälle, womit das Selbstdenken sich zu erweisen ungeduldig ist, nur
der Sache folgende Zuhörer, wie sie Plato dichtet, würden in einem
modernen Dialoge nicht aufgestellt werden können; noch weniger dürfte
auf solche Leser gezählt werden.  Im Gegentheil haben sich mir zu
häufig und zu heftig solche Gegner gezeigt, welche nicht die einfache
Reflexion machen mochten, daß ihre Einfälle und Einwürfe Kategorien
enthalten, welche Voraussetzungen sind und selbst erst der Kritik
bedürfen, ehe sie gebraucht werden.  Die Bewußtlosigkeit hierüber
geht unglaublich weit; sie macht das Grund-Mißverständniß, das üble d.
h. ungebildete Benehmen, bei einer Kategorie, die betrachtet wird,
etwas Anderes zu denken und nicht diese Kategorie selbst.  Diese
Bewußtlosigkeit ist um so weniger zu rechtfertigen, als solches
Anderes andere Denkbestimmungen und Begriffe sind, in einem Systeme
der Logik aber eben diese anderen Kategorien gleichfalls ihre Stelle
müssen gefunden haben, und daselbst für sich der Betrachtung werden
unterworfen seyn.  Am auffallendsten ist dieß in der überwiegenden
Menge von Einwürfen und Angriffen, die auf die ersten Begriffe oder
Sätze der Logik, das Seyn und Nichts und das Werden, als welches,
selbst eine einfache Bestimmung, wohl unbestritten,--die einfachste
Analyse zeigt dieß,--jene beiden Bestimmungen als Momente enthält.
Die Gründlichkeit scheint zu erfordern, den Anfang, als den Grund,
worauf Alles gebaut sey, vor Allem aus zu untersuchen, ja nicht
weiter zu gehen, als bis er sich fest erwiesen hat, im Gegentheil
vielmehr, wenn dieß nicht der Fall ist, alles noch Folgende zu
verwerfen.  Diese Gründlichkeit hat zugleich den Vortheil, die größte
Erleichterung für das Denkgeschäft zu gewähren, sie hat die ganze
Entwickelung in diesen Keim eingeschlossen vor sich, und hält sich
für mit Allem fertig, wenn sie mit diesem fertig ist, der das
Leichteste zum Abthun ist, denn er ist das Einfachste, das Einfache
selbst; es ist die geringe Arbeit, die erforderlich ist, wodurch sich
diese so selbst zufriedene Gründlichkeit wesentlich empfiehlt.  Diese
Beschränkung auf das Einfache läßt der Willkür des Denkens, das für
sich nicht einfach bleiben will, sondern seine Reflexionen darüber
anbringt, freien Spielraum.  Mit dem guten Rechte, sich zuerst nur
mit dem Princip zu beschäftigen, und damit sich auf das Weitere nicht
einzulassen, thut diese Gründlichkeit in ihrem Geschäfte selbst das
Gegentheil hiervon, vielmehr das Weitere, d.i. andere Kategorien als
nur das Princip ist, andere Voraussetzungen und Vorurtheile
herbeizubringen.  Solche Voraussetzungen, daß die Unendlichkeit
verschieden von der Endlichkeit, der Inhalt etwas Anderes als die
Form, das Innere ein Anderes als das Äußere, die Vermittelung ebenso
nicht die Unmittelbarkeit sey, als ob einer dergleichen nicht wüßte,
werden zugleich belehrungsweise vorgebracht und nicht sowohl bewiesen,
als erzählt und versichert.  In solchem Belehren als Benehmen
liegt--man kann es nicht anders nennen,--eine Albernheit; der Sache
nach aber Theils das Unberechtigte, dergleichen nur vorauszusetzen
und geradezu anzunehmen, Theils aber noch mehr die Unwissenheit, daß
es das Bedürfniß und Geschäft des logischen Denkens ist, eben dieß zu
untersuchen, ob denn so ein Endliches ohne Unendlichkeit etwas Wahres
ist, ebenso solche abstrakte Unendlichkeit, ferner ein formloser
Inhalt und eine inhaltlose Form, so ein Inneres für sich, das keine
Äußerung hat, eine Äußerlichkeit ohne Innerlichkeit u.s.f.--etwas
Wahres, ebenso etwas Wirkliches ist.--Aber diese Bildung und Zucht
des Denkens, durch welche ein plastisches Verhalten desselben bewirkt
und die Ungeduld der einfallenden Reflexion überwunden würde, wird
allein durch das Weitergehen, das Studium und die Produktion der
ganzen Entwickelung verschafft.

Bei der Erwähnung platonischer Darstellung kann, wer ein
selbstständiges Gebäude philosophischer Wissenschaft in modernen
Zeiten neu aufzuführen arbeitet, an die Erzählung erinnert werden,
daß Plato seine Bücher über den Staat sieben Mal umgearbeitet habe.
Die Erinnerung hieran, eine Vergleichung, insofern sie eine solche in
sich zu schließen schiene, dürfte nur um so mehr bis zu dem Wunsch
treiben, daß für ein Werk, das, als der modernen Welt angehörig, ein
tieferes Princip, einen schwereren Gegenstand und ein Material von
reicherm Umfang zur Bearbeitung vor sich hat, die freie Muße, es
sieben und siebenzig Mal durchzuarbeiten, gewährt gewesen wäre.  So
aber mußte der Verfasser, indem er es im Angesicht der Größe der
Aufgabe betrachtet, sich mit dem begnügen, was es hat werden mögen,
unter den Umständen einer äußerlichen Nothwendigkeit, der
unabwendbaren Zerstreuung durch die Größe und Vielseitigkeit der
Zeitinteressen, sogar unter dem Zweifel, ob der laute Lärm des Tages
und die betäubende Geschwätzigkeit der Einbildung, die auf denselben
sich zu beschränken eitel ist, noch Raum für die Theilnahme an der
leidenschaftslosen Stille der nur denkenden Erkenntniß offen lasse.

Berlin, den 7. November 1831.



Einleitung

Allgemeiner Begriff der Logik

Es fühlt sich bei keiner Wissenschaft stärker das Bedürfniß, ohne
vorangehende Reflexionen, von der Sache selbst anzufangen, als bei
der logischen Wissenschaft.  In jeder andern ist der Gegenstand, den
sie behandelt, und die wissenschaftliche Methode von einander
unterschieden; so wie auch der Inhalt nicht einen absoluten Anfang
macht, sondern von andern Begriffen abhängt, und um sich herum mit
anderem Stoffe zusammenhängt.  Diesen Wissenschaften wird es daher
zugegeben, von ihrem Boden und dessen Zusammenhang, so wie von der
Methode nur lemmatischer Weise zu sprechen, die als bekannt und
angenommen vorausgesetzten Formen von Definitionen und dergleichen
ohne weiteres anzuwenden, und sich der gewöhnlichen Art des
Raisonnements zur Festsetzung ihrer allgemeinen Begriffe und
Grundbestimmungen zu bedienen.

Die Logik dagegen kann keine dieser Formen der Reflexion oder Regeln
und Gesetze des Denkens voraussetzen, denn sie machen einen Theil
ihres Inhalts selbst aus und haben erst innerhalb ihrer begründet zu
werden.  Nicht nur aber die Angabe der wissenschaftlichen Methode,
sondern auch der Begriff selbst der Wissenschaft überhaupt gehört zu
ihrem Inhalte, und zwar macht er ihr letztes Resultat aus; was sie
ist, kann sie daher nicht voraussagen, sondern ihre ganze Abhandlung
bringt dieß Wissen von ihr selbst erst als ihr Letztes und als ihre
Vollendung hervor.  Gleichfalls ihr Gegenstand, das Denken oder
bestimmter das begreifende Denken, wird wesentlich innerhalb ihrer
abgehandelt; der Begriff desselben erzeugt sich in ihrem Verlaufe,
und kann somit nicht vorausgeschickt werden.  Was daher in dieser
Einleitung vorausgeschickt wird, hat nicht den Zweck, den Begriff der
Logik etwa zu begründen, oder den Inhalt und die Methode derselben
zum voraus wissenschaftlich zu rechtfertigen, sondern, durch einige
Erläuterungen und Reflexionen, in raisonnirendem und historischem
Sinne, den Gesichtspunkt, aus welchem diese Wissenschaft zu
betrachten ist, der Vorstellung näher zu bringen.

Wenn die Logik als die Wissenschaft des Denkens im Allgemeinen
angenommen wird, so wird dabei verstanden, daß dieß Denken die bloße
Form einer Erkenntniß ausmache, daß die Logik von allem Inhalte
abstrahire, und das sogenannte zweite Bestandstück, das zu einer
Erkenntniß gehöre, die Materie, anderswoher gegeben werden müsse, daß
somit die Logik als von welcher diese Materie ganz und gar unabhängig
sey, nur die formalen Bedingungen wahrhafter Erkenntniß angeben,
nicht aber reale Wahrheit selbst enthalten, noch auch nur der Weg zu
realer Wahrheit seyn könne, weil gerade das Wesentliche der Wahrheit,
der Inhalt, außer ihr liege.

Vors Erste aber ist es schon ungeschickt zu sagen, daß die Logik von
allem Inhalte abstrahire, daß sie nur die Regeln des Denkens lehre,
ohne auf das Gedachte sich einzulassen und auf dessen Beschaffenheit
Rücksicht nehmen zu können.  Denn da das Denken und die Regeln des
Denkens ihr Gegenstand seyn sollen, so hat sie ja unmittelbar daran
ihren eigenthümlichen Inhalt; sie hat daran auch jenes zweite
Bestandstück der Erkenntniß, eine Materie, um deren Beschaffenheit
sie sich bekümmert.

Allein zweitens sind überhaupt die Vorstellungen, auf denen der
Begriff der Logik bisher beruhte, Theils bereits untergegangen,
Theils ist es Zeit, daß sie vollends verschwinden, daß der Standpunkt
dieser Wissenschaft höher gefaßt werde, und daß sie eine völlig
veränderte Gestalt gewinne.

Der bisherige Begriff der Logik beruht auf der im gewöhnlichen
Bewußtseyn ein für allemal vorausgesetzten Trennung des Inhalts der
Erkenntniß und der Form derselben, oder der Wahrheit und der
Gewißheit.  Es wird erstens vorausgesetzt, daß der Stoff des
Erkennens, als eine fertige Welt außerhalb des Denkens, an und für
sich vorhanden, daß das Denken für sich leer sey, als eine Form
äußerlich zu jener Materie hinzutrete, sich damit erfülle, erst daran
einen Inhalt gewinne und dadurch ein reales Erkennen werde.

Alsdann stehen diese beiden Bestandtheile,--(denn sie sollen das
Verhältniß von Bestandtheilen haben, und das Erkennen wird aus ihnen
mechanischer oder höchstens chemischer Weise zusammengesetzt--) in
dieser Rangordnung gegen einander, daß das Objekt ein für sich
Vollendetes, Fertiges sey, das des Denkens zu seiner Wirklichkeit
vollkommen entbehren könne, da hingegen das Denken etwas Mangelhaftes
sey, das sich erst an einem Stoffe zu vervollständigen, und zwar als
eine weiche unbestimmte Form sich seiner Materie angemessen zu machen
habe.  Wahrheit ist die Übereinstimmung des Denkens mit dem
Gegenstande, und es soll, um diese Übereinstimmung hervorzubringen,
--denn sie ist nicht an und für sich vorhanden,--das Denken nach dem
Gegenstande sich fügen und bequemen.

Drittens, indem die Verschiedenheit der Materie und der Form, des
Gegenstandes und des Denkens nicht in jener neblichten Unbestimmtheit
gelassen, sondern bestimmter genommen wird, so ist jede eine von der
andern geschiedene Sphäre.  Das Denken kommt daher in seinem
Empfangen und Formiren des Stoffs nicht über sich hinaus, sein
Empfangen und sich nach ihm Bequemen bleibt eine Modifikation seiner
selbst, es wird dadurch nicht zu seinem Andern; und das selbstbewußte
Bestimmen gehört ohnedieß nur ihm an; es kommt also auch in seiner
Beziehung auf den Gegenstand nicht aus sich heraus zu dem Gegenstande,
dieser bleibt als ein Ding an sich, schlechthin ein Jenseits des
Denkens.

Diese Ansichten über das Verhältnis des Subjektes und Objekts zu
einander drücken die Bestimmungen aus, welche die Natur unsers
gewöhnlichen, des erscheinenden Bewußtseins ausmachen; aber diese
Vorurtheile, in die Vernunft übergetragen, als ob in ihr dasselbe
Verhältniß Gott finde, als ob dieses Verhältniß an und für sich
Wahrheit habe, so sind sie die Irrthümer, deren durch alle Theile des
geistigen und natürlichen Universums durchgeführte Widerlegung die
Philosophie ist, oder die vielmehr, weil sie den Eingang in die
Philosophie versperren, vor derselben abzulegen sind.

Die ältere Metaphysik hatte in dieser Rücksicht einen höhern Begriff
von dem Denken als in der neuern Zeit gäng und gäb geworden ist.
Jene legte nämlich zu Grunde, daß das, was durchs Denken von und an
den Dingen erkannt werde, das allein an ihnen wahrhaft Wahre sey;
somit nicht sie in ihrer Unmittelbarkeit, sondern sie erst in die
Form des Denkens erhoben, als Gedachte.  Diese Metaphysik hielt somit
dafür, daß das Denken und die Bestimmungen des Denkens nicht ein den
Gegenständen Fremdes, sondern vielmehr deren Wesen sey, oder daß die
Dinge und das Denken derselben, (--wie auch unsere Sprache eine
Verwandtschaft derselben ausdrückt,--) an und für sich übereinstimmen,
daß das Denken in seinen immanenten Bestimmungen, und die wahrhafte
Natur der Dinge, ein und derselbe Inhalt sey.

Aber der reflektirende Verstand bemächtigte sich der Philosophie.  Es
ist genau zu wissen, was dieser Ausdruck sagen will, der sonst
vielfach als Schlagwort gebraucht wird; es ist überhaupt darunter der
abstrahirende und damit trennende Verstand zu verstehen, der in
seinen Trennungen beharrt.  Gegen die Vernunft gekehrt beträgt er
sich als gemeiner Menschenverstand und macht seine Ansicht geltend,
daß die Wahrheit auf sinnlicher Realität beruhe, daß die Gedanken nur
Gedanken seyen, in dem Sinne, daß erst die sinnliche Wahrnehmung
ihnen Gehalt und Realität gebe, daß die Vernunft, insofern sie an und
für sich bleibe, nur Hinrgespinnste erzeuge.  In diesem Verzichtthun
der Vernunft auf sich selbst, geht der Begriff der Wahrheit verloren,
sie ist darauf eingeschränkt, nur subjektive Wahrheit, nur die
Erscheinung zu erkennen, nur etwas, dem die Natur der Sache selbst
nicht entspreche; das Wissen ist zur Meinung zurückgefallen.

Diese Wendung jedoch, welche das Erkennen nimmt, und die als Verlust
und Rückschritt erscheint, hat das Tiefere zum Grunde, worauf
überhaupt die Erhebung der Vernunft in den höhern Geist der neuern
Philosophie beruht.  Der Grund jener allgemein gewordenen Vorstellung
ist nämlich in der Einsicht von dem nothwendigen Widerstreite der
Bestimmungen des Verstandes mit sich selbst, zu suchen.--Die schon
namhaft gemacht Reflexion ist dieß, über das konkrete Unmittelbare
hinaus zu gehen, und dasselbe zu bestimmen und zu trennen.  Aber sie
muß ebenso sehr über diese ihre trennenden Bestimmungen hinausgehen,
und sie zunächst beziehen.  Auf dem Standpunkte dieses Beziehens
tritt der Widerstreit derselben hervor.  Dieses Beziehen der
Reflexion gehört an sich der Vernunft an; die Erhebung über jene
Bestimmungen, die zur Einsicht des Widerstreits derselben gelangt,
ist der große negative Schritt zum wahrhaften Begriffe der Vernunft.
Aber die nicht durchgeführte Einsicht fällt in den Mißverstand, als
ob die Vernunft es sey, welche in Widerspruch mit sich gerathe; sie
erkennt nicht, daß der Widerspruch eben das Erheben der Vernunft über
die Beschränkungen des Verstandes und das Auflösen derselben ist.
Statt von hier aus den letzten Schritt in die Höhe zu thun, ist die
Erkenntniß von dem Unbefriedigenden der Verstandesbestimmungen zu der
sinnlichen Existenz zurückgeflohen, an derselben das Feste und Einige
zu haben vermeinend.

Indem aber auf der andern Seite diese Erkenntniß sich als die
Erkenntniß von Erscheinendem weiß, wird das Unbefriedigende derselben
eingestanden, aber zugleich vorausgesetzt, als ob zwar nicht die
Dinge an sich, aber doch innerhalb der Sphäre der Erscheinung richtig
erkannt würde; als ob dabei gleichsam nur die Art der Gegenstände
verschieden wäre, und die eine Art, nämlich die Dinge an sich zwar
nicht, aber doch die andere Art, nämlich die Erscheinungen, in die
Erkenntniß fielen.  Wie wenn einem Manne richtige Einsicht
beigemessen würde, mit dem Zusatz, daß er jedoch nichts Wahres,
sondern nur Unwahres einzusehen fähig sey.  So ungereimt das Letztere
wäre, so ungereimt ist eine wahre Erkenntniß, die den Gegenstand
nicht erkennte, wie er an sich ist.

Die Kritik der Formen des Verstandes hat das angeführte Resultat
gehabt, daß diese Formen keine Anwendung auf die Dinge an sich haben.
--Dieß kann keinen andern Sinn haben, als daß diese Formen an ihnen
selbst etwas Unwahres sind.  Allein indem sie für die subjektive
Vernunft und für die Erfahrung als geltend gelassen werden, so hat
die Kritik keine Änderung an ihnen selbst bewirkt, sondern läßt sie
für das Subjekt in derselben Gestalt, wie sie sonst für das Objekt
galten.  Wenn sie aber ungenügend für das Ding an sich sind, so müßte
der Verstand, dem sie angehören sollen, noch weniger dieselben sich
gefallen lassen und damit vorlieb nehmen wollen.  Wenn sie nicht
Bestimmungen des Dings an sich seyn können, so können sie noch
weniger Bestimmungen des Verstandes seyn, dem wenigstens die Würde
eines Dings an sich zugestanden werden sollte.  Die Bestimmungen des
Endlichen und Unendlichen sind in demselben Widerstreit, es sey, daß
sie auf Zeit und Raum, auf die Welt angewendet werden, oder daß sie
Bestimmungen innerhalb des Geistes seyen; so gut als schwarz und weiß
ein Grau geben, ob sie an einer Wand, oder aber noch auf der Pallete
mit einander vereinigt werden; wenn unsere Weltvorstellung sich
auflöst, indem die Bestimmungen des Unendlichen und Endlichen auf sie
übergetragen werden, so ist noch mehr der Geist selbst, welcher sie
beide in sich enthält, ein in sich selbst Widersprechendes, ein sich
Auflösendes.--Es ist nicht die Beschaffenheit des Stoffes oder
Gegenstandes, worauf sie angewendet würde, oder in dem sie sich
befänden, was einen Unterschied ausmachen kann; denn der Gegenstand
hat nur durch und nach jenen Bestimmungen den Widerspruch an ihm.

Jene Kritik hat also die Formen des objektiven Denkens nur vom Ding
entfernt, aber sie im Subjekt gelassen, wie sie vorgefunden.  Sie hat
dabei nämlich diese Formen nicht an und für sich selbst, nach ihrem
eigenthümlichen Inhalt, betrachtet, sondern sie lemmatisch aus der
subjektiven Logik geradezu aufgenommen; so daß von einer Ableitung
ihrer an ihnen selbst, oder auch einer Ableitung derselben als
subjektiv-logischer Formen, noch weniger aber von der dialektischen
Betrachtung derselben die Rede war.

Der konsequenter durchgeführte transcendentale Idealismus hat die
Richtigkeit des von der kritischen Philosophie noch übrig gelassenen
Gespensts des Dings-an-sich, dieses abstrakten von allem Inhalt
abgeschiedenen Schattens erkannt, und den Zweck gehabt, ihn vollends
zu zerstören.  Auch machte diese Philosophie den Anfang, die Vernunft
aus sich selbst ihre Bestimmungen darstellen zu lassen.  Aber die
subjektive Haltung dieses Versuchs ließ ihn nicht zur Vollendung
kommen.  Fernerhin ist diese Haltung und mit ihr auch jener Anfang
und die Ausbildung der reinen Wissenschaft aufgegeben worden.

Ganz ohne Rücksicht auf metaphysische Bedeutung aber wird dasjenige
betrachtet, was gemeinhin unter Logik verstanden wird.  Diese
Wissenschaft, in dem Zustande, worin sie sich noch befindet, hat
freilich keinen Inhalt der Art, wie er als Realität und als eine
wahrhafte Sache in dem gewöhnlichen Bewußtseyn gilt, Aber sie ist
nicht aus diesem Grunde eine formelle, inhaltsvoller Wahrheit
entbehrende Wissenschaft.  In jenem Stoffe, der in ihr vermißt,
welchem Mangel das Unbefriedigende derselben zugeschrieben zu werden
pflegt, ist ohnehin das Gebiet der Wahrheit nicht zu suchen.  Sondern
das Gehaltlose der logischen Formen liegt vielmehr allein in der Art,
sie zu betrachten und zu behandeln.  Indem sie als feste Bestimmungen
aus einander fallen und nicht in organischer Einheit zusammengehalten
werden, sind sie todte Formen, und haben den Geist in ihnen nicht
wohnen, der ihre lebendige konkrete Einheit ist.  Damit aber
entbehren sie des gediegenen Inhalts,--einer Materie, welche Gehalt
an sich selbst wäre.  Der Inhalt, der an den logischen Formen vermißt
wird, ist nichts anderes, als eine feste Grundlage und Konkretion
dieser abstrakten Bestimmungen,; und ein solches substantielles Wesen
pflegt für sie außen gesucht zu werden.  Aber die logische Vernunft
selbst ist das Substantielle oder Reelle, das alle abstrakten
Bestimmungen in sich zusammenhält, und ihre gediegene,
absolut-konkrete Einheit ist.  Nach dem also, was eine Materie
genannt zu werden pflegt, brauchte nicht weit gesucht zu werden; es
ist nicht Schuld des Gegenstandes der Logik, wenn sie gehaltlos seyn
soll, sondern allein der Art, wie derselbe gefaßt wird.

Diese Reflexion führt näher auf die Angabe des Standpunkts, nach
welchem die Logik zu betrachten ist, inwiefern er sich von der
bisherigen Behandlungsweise dieser Wissenschaft unterscheidet, und
der allein wahrhafte Standpunkt ist, auf den sie in Zukunft für immer
zu stellen ist.

In der Phänomenologie des Geistes habe ich das Bewußtseyn in seiner
Fortbewegung von dem ersten unmittelbaren Gegensatz seiner und des
Gegenstandes bis zum absoluten Wissen dargestellt.  Dieser Weg geht
durch alle Formen des Verhältnisses des Bewußtseyns zum Objekte durch,
und hat den Begriff der Wissenschaft zu seinem Resultate.  Dieser
Begriff bedarf also (abgesehen davon, daß er innerhalb der Logik
selbst hervorgeht) hier keiner Rechtfertigung, weil er sie daselbst
erhalten hat; und er ist keiner andern Rechtfertigung fähig, als nur
dieser Hervorbringung desselben durch das Bewußtseyn, dem sich seine
eignen Gestalten alle in denselben als in die Wahrheit auflösen.
--Eine raisonnirende Begründung der Erläuterung des Begriffs der
Wissenschaft kann zum höchsten dieß leisten, daß er vor die
Vorstellung gebracht und eine historische Kenntniß davon bewirkt
werde; aber eine Definition der Wissenschaft oder näher der Logik hat
ihren Beweis allein in jener Nothwendigkeit ihres Hervorgangs.  Eine
Definition, mit der irgend eine Wissenschaft den absoluten Anfang
macht, kann nichts anders enthalten, als den bestimmten, regelrechten
Ausdruck von demjenigen, was man sich zugegebner- und bekanntermaßen
unter dem Gegenstande und Zweck der Wissenschaft vorstellt.  Daß man
sich gerade dieß darunter vorstelle, ist eine historische
Versicherung in Ansehung deren man sich allein auf dieses und jenes
Anerkannte berufen, oder eigentlich nur bittweise beibringen kann,
daß man dieß und jenes als anerkannt gelten lassen möge.  Es hört gar
nicht auf, daß der Eine daher, der Andere dorther einen Fall und
Instanz beibringt, nach der auch noch etwas mehr und anderes bei
diesem und jenem Ausdrucke zu verstehen, in dessen Definition also
noch eine nähere oder allgemeinere Bestimmung aufzunehmen und darnach
auch die Wissenschaft einzurichten sey.--Es kommt dabei ferner auf
Raisonnement an, was alles und bis zu welcher Grenze und Umfang es
hereingezogen oder ausgeschlossen werden müsse; dem Raisonnement
selbst aber steht das mannigfaltigste und verschiedenartigste
Dafürhalten offen, worüber am Ende allein die Willkür eine feste
Bestimmung abschließen kann.  Bei diesem Verfahren, die Wissenschaft
mir ihrer Definition anzufangen, wird von dem Bedürfniß nicht die
Rede, daß die Nothwendigkeit ihres Gegenstandes und damit ihrer
selbst aufgezeigt würde.

Der Begriff der reinen Wissenschaft und seiner Deduktion wird in
gegenwärtiger Abhandlung also insofern vorausgesetzt, als die
Phänomenologie des Geistes nichts anderes als die Deduktion desselben
ist.  Das absolute Wissen ist die Wahrheit aller Weisen des
Bewußtseins, weil, wie jener Gang desselben es hervorbrachte, nur in
dem absoluten Wissen, die Trennung des Gegenstandes von der Gewißheit
seiner selbst vollkommen sich aufgelöst hat, und die Wahrheit, dieser
Gewißheit, so wie diese Gewißheit, der Wahrheit gleich geworden ist.

Die reine Wissenschaft setzt somit die Befreiung von dem Gegensatze
des Bewußtseyns voraus.  Sie enthält den Gedanken, insofern er eben
so sehr die Sache an sich selbst ist, oder die Sache an sich selbst,
insofern sie ebenso sehr der reine Gedanke ist.  Als Wissenschaft ist
die Wahrheit das reine sich entwicklende Selbstbewußtseyn, und hat
die Gestalt des Selbst, daß das an und für sich seyende gewußter
Begriff, der Begriff als solcher aber das an und für sich seyende ist.
Dieses objektive Denken ist denn der Inhalt der reinen Wissenschaft.
Sie ist daher so wenig formell, sie entbehrt so wenig der Materie
zu einer wirklichen und wahren Erkenntniß, daß ihr Inhalt vielmehr
allein das absolute Wahre, oder wenn man sich noch des Worts Materie
bedienen wollte, die wahrhafte Materie ist,--eine Materie aber, der
die Form nicht ein Äußerliches ist, da diese Materie vielmehr der
reine Gedanke, somit die absolute Form selbst ist.  Die Logik ist
sonach als das System der reinen Vernunft, als das Reich des reinen
Gedankens zu fassen.  Dieses Reich ist die Wahrheit, wie sie ohne
Hülle an und für sich selbst ist.  Man kann sich deswegen ausdrücken,
daß dieser Inhalt die Darstellung Gottes ist, wie er in seinem ewigen
Wesen vor der Erschaffung der Natur und des endlichen Geistes ist.

Anaxagoras wird als derjenige gepriesen, der zuerst den Gedanken
ausgesprochen habe, daß der Nus, der Gedanke, das Princip der Welt,
daß das Wesen der Welt als der Gedanke bestimmt ist.  Er hat damit
den Grund zu einer Intellektualansicht des Universums gelegt, deren
reine Gestalt die Logik seyn muß.  Es ist in ihr nicht um ein Denken
über etwas, das für sich außer dem Denken zu Grunde läge, zu thun, um
Formen, welche bloße Merkmale der Wahrheit abgeben sollten; sondern
die nothwendigen Formen und eigenen Bestimmungen des Denkens sind der
Inhalt und die höchste Wahrheit selbst.

Um dieß in der Vorstellung wenigstens aufzunehmen, ist die Meinung
auf die Seite zu legen, als ob die Wahrheit etwas Handgreifliches
seyn müsse.  Solche Handgreiflichkeit wird zum Beispiel selbst noch
in die platonischen Ideen, die in dem Denken Gottes sind,
hineingetragen, als ob sie gleichsam existirende Dinge, aber in einer
andern Welt oder Region seyen, außerhalb welcher die Welt der
Wirklichkeit sich befinde und eine von jenen Ideen verschiedene, erst
durch diese Verschiedenheit reale Substantialität habe.  Die
platonische Idee ist nichts anderes, als das Allgemeine oder
bestimmter der Begriff des Gegenstandes; nur in seinem Begriffe hat
Etwas Wirklichkeit; insofern es von seinem Begriffe verschieden ist,
hört es auf wirklich zu seyn, und ist ein Nichtiges; die Seite der
Handgreiflichkeit und des sinnlichen Außersichseyns gehört dieser
nichtigen Seite an.--Von der andern Seite aber kann man sich auf die
eigenen Vorstellungen der gewöhnlichen Logik berufen; es wird nämlich
angenommen, daß z.B. Definitionen nicht Bestimmungen enthalten, die
nur ins erkennende Subjekt fallen, sondern die Bestimmungen des
Gegenstandes, welche seine wesentlichste eigenste Natur ausmachen.
Oder wenn von gegebenen Bestimmungen auf andere geschlossen wird,
wird angenommen, daß das Erschlossene nicht ein dem Gegenstande
Äußerliches und Fremdes sey, sondern daß es ihm vielmehr selbst
zukomme, daß diesem Denken das Seyn entspreche.--Es liegt überhaupt
bei dem Gebrauche der Formen des Begriffs, Urtheils, Schlusses,
Definition, Division u.s.f. zu Grunde, daß sie nicht bloß Formen des
selbstbewußten Denken sind, sondern auch des gegenständlichen
Verstandes.  Denken ist ein Ausdruck, der die in ihm enthaltene
Bestimmung vorzugsweise dem Bewußtseyn beilegt.  Aber insofern gesagt
wird, daß Verstand, daß Vernunft in der gegenständlichen Welt ist,
daß der Geist und die Natur allgemeine Gesetze habe, nach welchen ihr
Leben und ihre Veränderung sich machen, so wird zugegeben, daß die
Denkbestimmungen eben so sehr objektiven Werth und Existenz haben.

Die kritische Philosophie machte zwar bereits die Metaphysik zur
Logik, aber sie, wie der spätere Idealismus, gab, wie vorhin erinnert
worden, aus Angst vor dem Objekt den logischen Bestimmungen eine
wesentlich subjektive Bedeutung; dadurch bleiben sie zugleich mit dem
Objekte, das sie flohen, behaftet, und ein Ding-an-sich, ein
unendlicher Anstoß, blieb als ein Jenseits an ihnen übrig.  Aber die
Befreiung von dem Gegensatze des Bewußtseyns, welche die Wissenschaft
muß voraussetzen können, erhebt die Denkbestimmungen über diesen
ängstlichen, unvollendeten Standpunkt, und fordert die Betrachtung
derselben, wie sie an und für sich, ohne eine solche Beschränkung und
Rücksicht, das Logische, das Rein-vernünftige sind.

Kant preist sonst die Logik, nämlich das Aggregat von Bestimmungen
und Sätzen, das im gewöhnlichen Sinne Logik heißt, darüber glücklich,
daß ihr vor andern Wissenschaften eine so frühe Vollendung zu Theil
geworden sey; seit Aristoteles habe sie keinen Rückschritt gethan,
aber auch keinen Schritt vorwärts, das Letztere deswegen, weil sie
allem Ansehen nach geschlossen und vollendet zu seyn scheine.--Wenn
die Logik seit Aristoteles keine Veränderung erlitten hat,--wie denn
in der That die Veränderungen, wenn man die neuern Kompendien der
Logik betrachtet, häufig mehr nur in Weglassungen bestehen,--so ist
daraus eher zu folgern, daß sie um so mehr einer totalen Umarbeitung
bedürfe; denn ein zweitausendjähriges Fortarbeiten des Geistes muß
ihm ein höheres Bewußtseyn über sein Denken und über seine reine
Wesenheit in sich selbst, verschafft haben.  Die Vergleichung der
Gestalten, zu denen sich der Geist der praktischen und der religiösen
Welt und der Geist der Wissenschaft in jeder Art reellen und ideellen
Bewußtseyns emporgehoben hat, mit der Gestalt, in der sich die Logik,
sein Bewußtseyn über sein reines Wesen, befindet, zeigt einen zu
großen Unterschied, als daß es nicht der oberflächlichsten
Betrachtung sogleich auffallen sollte, daß dieß letztere Bewußtseyn
den erstern Erhebungen durchaus unangemessen und ihrer unwürdig ist.

In der That ist das Bedürfniß einer Umgestaltung der Logik längst
gefühlt worden.  In der Form und im Inhalt, wie sie sich in den
Lehrbüchern zeigt, ist sie, man darf sagen, in Verachtung gekommen.
Sie wird noch mitgeschleppt mehr im Gefühle, daß eine Logik überhaupt
nicht zu entbehren sey, und aus einer noch fortdauernden Gewohnheit
an die Tradition von ihrer Wichtigkeit, als aus Überzeugung, daß
jener gewöhnliche Inhalt und die Beschäftigung mit jenen leeren
Formen Werth und Nutzen habe.

Die Erweiterungen, die ihr durch psychologisches, pädagogisches und
selbst physiologisches Material eine Zeitlang gegeben wurden, sind
nachher für Verunstaltungen ziemlich allgemein anerkannt worden.  An
und für sich muß ein großer Theil dieser psychologischen,
pädagogischen, physiologischen Beobachtungen, Gesetze und Regeln, sie
mochten in der Logik, oder wo es sey, stehen, als sehr schaal und
trivial erscheinen.  Vollends solche Regeln, als zum Beispiel, daß
man dasjenige durchdenken und prüfen solle, was man in Büchern lese
oder mündlich höre; daß man, wenn man nicht gut sehe, seinen Augen
durch Brillen zu Hülfe zu kommen habe,--Regeln, die von den
Lehrbüchern in der sogenannten angewandten Logik, und zwar ernsthaft
in Paragraphen abgetheilt gegeben wurden, auf daß man zur Wahrheit
gelange,--müssen jedermann als überflüßig vorkommen,--nur höchstens
dem Schriftsteller oder Lehrer nicht, der in Verlegenheit ist, den
sonst zu kurzen und todten Inhalt der Logik durch irgend etwas
auszudehnen.

Was solchen Inhalt betrifft, so ist schon oben der Grund angegeben
worden, warum er so geistlos ist.  Die Bestimmungen desselben gelten
in ihrer Festigkeit unverrückt, und werden nur in äußerliche
Beziehung miteinander gebracht.  Dadurch daß bei den Urtheilen und
Schlüssen die Operationen vornehmlich auf das Quantitative der
Bestimmungen zurückgeführt und gegründet werden, beruht Alles auf
einem äußerlichen Unterschiede, auf bloßer Vergleichung, wird ein
völlig analytisches Verfahren und begriffloses Kalkuliren.  Das
Ableiten der sogenannten Regeln und Gesetze, des Schließens
vornehmlich, ist nicht viel besser, als ein Befingern von Stäbchen
von ungleicher Länge, um sie nach ihrer Größe zu sortiren und zu
verbinden,--als die spielende Beschäftigung der Kinder, von
mannigfaltig zerschnittenen Gemälden die passenden Stücke zusammen zu
suchen.--Man hat daher nicht mit Unrecht dieses Denken dem Rechnen
und das Rechnen wieder diesem Denken gleichgesetzt.  In der
Arithmetik werden die Zahlen als das Begrifflose genommen, das außer
seiner Gleichheit oder Ungleichheit, das heißt, außer seinem ganz
äußerlichen Verhältnisse keine Bedeutung hat, das weder an ihm selbst,
noch dessen Beziehung ein Gedanke ist.

Wenn auf mechanische Weise ausgerechnet wird, daß dreiviertel mit
zweidrittel multipliziert, ein Halbes ausmacht, so enthält diese
Operation ungefähr so viel und so wenig Gedanken, als die Berechnung,
ob in einer Figur diese oder jene Art des Schlusses Statt haben könne.

Damit daß dieß todte Gebein der Logik durch den Geist zu Gehalt und
Inhalt belebt werde, muß ihre Methode diejenige seyn, wodurch sie
allein fähig ist, reine Wissenschaft zu seyn.  In dem Zustande, in
dem sie sich befindet, ist kaum eine Ahnung von wissenschaftlicher
Methode zu erkennen.  Sie hat ungefähr die Form einer
Erfahrungswissenschaft.  Erfahrungswissenschaften haben für das, was
sie seyn sollen, ihre eigenthümliche Methode, des Definirens und des
Klassificirens ihres Stoffes, so gut es geht, gefunden.  Auch die
reine Mathematik hat ihre Methode, die für ihre abstrakten
Gegenstände und für die quantitative Bestimmung, in der sie allein
betrachtet, passend ist.  Ich habe über diese Methode und überhaupt
das Untergeordnete der Wissenschaftlichkeit, die in der Mathematik
Statt finden kann, in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, das
Wesentliche gesagt; aber sie wird auch innerhalb der Logik selbst
näher betrachtet werden.  Spinoza, Wolf und Andere haben sie
verführen lassen, sie auch auf die Philosophie anzuwenden, und den
äußerlichen Gang der begrifflosen Quantität zum Gange des Begriffes
zu machen, was an und für sich widersprechend ist.  Bisher hatte die
Philosophie ihre Methode noch nicht gefunden; sie betrachtete mit
Neid das systematische Gebäude der Mathematik und borgte sie, wie
gesagt, von ihr, oder behalf sich mit der Methode von Wissenschaften,
die nur Vermischungen von gegebenem Stoffe, Erfahrungssätzen und
Gedanken sind,--oder half sich auch mit dem rohen Wegwerfen aller
Methode.  Die Exposition dessen aber, was allein die wahrhafte
Methode der philosophischen Wissenschaft seyn kann, fällt in die
Abhandlung der Logik selbst; denn die Methode ist das Bewußtseyn über
die Form der inneren Selbstbewegung ihres Inhalts.  Ich habe in der
Phänomenologie des Geistes ein Beispiel von dieser Methode, an einem
konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn ein Beispiel von dieser
Methode, an einem konkreteren Gegenstande, an dem Bewußtseyn,
aufgestellt. (*Später an den anderen konkreten Gegenständen und
resp.  Theilen der Philosophie.*) Es sind hier Gestalten des
Bewußtseyns, deren jede in ihrer Realisirung sich zugleich selbst
auflöst, ihre eigene Negation zu ihrem Resultate hat,--und damit in
eine höhere Gestalt übergegangen ist.  Das Einzige, um den
wissenschaftlichen Fortgang zu gewinnen, und um dessen ganz einfache
Einsicht sich wesentlich zu bemühen ist,--ist die Erkenntniß des
logischen Satzes, daß das Negative ebenso sehr positiv ist, oder daß
das sich Widersprechende sich nicht in Null, in das abstrakte Nichts
auflöst, sondern wesentlich nur in die Negation seines besonderen
Inhalts, oder daß eine solche Negation nicht alle Negation, sondern
die Negation der bestimmten Sache, die sich auflöst, somit bestimmte
Negation ist; daß also im Resultate wesentlich das enthalten ist,
woraus es resultirt;--was eigentlich eine Tautologie ist, denn sonst
wäre es ein Unmittelbares, nicht ein Resultat.  Indem das
Resultirende, die Negation, bestimmte Negation ist, hat sie einen
Inhalt.  Sie ist ein neuer Begriff, aber der höhere, reichere Begriff
als der vorhergehende; denn sie ist um dessen Negation oder
Entgegengesetztes reicher geworden; enthält ihn also, aber auch mehr
als ihn, und ist die Einheit seiner und seines Entgegengesetzten.--In
diesem Wege hat sich das System der Begriffe überhaupt zu bilden,--
und in unaufhaltsamen, reinem, von Außen nichts hereinnehmendem Gange,
sich zu vollenden.

Wie würde ich meinen können, daß nicht die Methode, die ich in diesem
Systeme der Logik befolgt,--oder vielmehr die dieß System an ihm
selbst befolgt,--noch vieler Vervollkommnung, vieler Durchbildung im
Einzelnen fähig sey, aber ich weiß zugleich, daß sie die einzige
wahrhafte ist.  Dieß erhellt für sich schon daraus, daß sie von ihrem
Gegenstande und Inhalte nichts Unterschiedenes ist;--denn es ist der
Inhalt in sich, die Dialektik, die er an ihm selbst hat, welche ihn
fortbewegt.  Es ist klar, daß keine Darstellungen für
wissenschaftlich gelten können, welche nicht den Gang dieser Methode
gehen und ihrem einfachen Rhythmus gemäß sind, denn es ist der Gang
der Sache selbst.

In Gemäßheit dieser Methode erinnere ich, daß die Eintheilungen und
Überschriften der Bücher, Abschnitte und Kapitel, die in dem Werke
angegeben sind, so wie etwa die damit verbundenen Erklärungen, zum
Behuf einer vorläufigen Übersicht gemacht, und daß sie eigentlich nur
von historischem Werthe sind.  Sie gehören nicht zum Inhalte und
Körper der Wissenschaft, sondern sind Zusammenstellungen der äußeren
Reflexion, welche das Ganze der Ausführung schon durchlaufen hat,
daher die Folge seiner Momente voraus weiß und angiebt, ehe sie noch
durch die Sache selbst sich herbeiführen.

In den anderen Wissenschaften sind solche Vorausbestimmungen und
Eintheilungen gleichfalls für sich nichts anderes, als solche äußere
Angaben; aber auch innerhalb der Wissenschaft werden sie nicht über
diesen Charakter erhoben.  Selbst in der Logik zum Beispiel, heißt es
etwa, "die Logik hat zwei Hauptstücke, die Elementarlehre und die
Methodik", alsdann unter der Elementarlehre findet sich ohne weiteres
etwa die Überschrift: Gesetze des Denkens;--alsdann erstes Kapitel:
von den Begriffen.  Erster Abschnitt: von der Klarheit der Begriffe u.
s.f.--Diese ohne irgend eine Deduktion und Rechtfertigung gemachten
Bestimmungen und Eintheilungen machen das systematische Gerüste und
den ganze Zusammenhang solcher Wissenschaften aus.  Eine solche Logik
sieht es für ihren Beruf an, davon zu sprechen, daß die Begriffe und
Wahrheiten aus Principien müssen abgeleitet seyn; aber bei dem, was
sie Methode nennt, wird auch nicht von weitem an ein Ableiten gedacht.
Die Ordnung besteht etwa in der Zusammenstellung von Gleichartigem,
in der Vorausschickung des Einfacheren vor dem Zusammengesetzten und
anderen äußerlichen Rücksichten.  Aber in Rücksicht eines inneren,
nothwendigen Zusammenhangs bleibt es bei dem Register der
Abtheilungsbestimmungen, und der Übergang macht sich nur damit, daß
es jetzt heißt: Zweites Kapitel;--oder: wir kommen nunmehr zu den
Urtheilen, u. dergl.

Auch die Überschriften und Eintheilungen, die in diesem Systeme
vorkommen, sollen für sich keine andere Bedeutung haben, als die der
Inhaltsanzeige.  Außerdem aber muß die Nothwendigkeit des
Zusammenhangs und die immanente Entstehung der Unterschiede sich in
der Abhandlung der Sache selbst vorfinden, denn sie fällt in die
eigene Fortbestimmung des Begriffes.

Das, wodurch sich der Begriff selbst weiter leitet, ist das vorhin
angegebene Negative, das er in sich selbst hat; dieß macht das
wahrhaft Dialektische aus.  Die Dialektik, die als ein abgesonderter
Theil der Logik betrachtet und in Ansehung ihres Zwecks und
Standpunktes, man kann sagen, gänzlich verkannt worden, erhält
dadurch eine ganz andere Stellung.--Auch die platonische Dialektik
hat selbst im Parmenides, und anderswo ohnehin noch direkter, Theils
nur die Absicht, beschränkte Behauptungen durch sich selbst
aufzulösen und zu widerlegen, Theils aber überhaupt das Nichts zum
Resultate.  Gewöhnlich sieht man die Dialektik für ein äußerliches
und negatives Thun an, das nicht der Sache selbst angehöre, in bloßer
Eitelkeit als einer subjektiven Sucht, sich das Feste und Wahre in
Schwanken zu setzen und aufzulösen, seinen Grund habe oder wenigstens
zu Nichts führe, als zur Eitelkeit des dialektisch behandelten
Gegenstandes.

Kant hat die Dialektik höher gestellt, und diese Seite gehört unter
die größten seiner Verdienste,--indem er ihr den Schein von Willkür
nahm, den sie nach der gewöhnlichen Vorstellung hat, und sie als ein
nothwendiges Thun der Vernunft darstellte.  Indem sie nur für die
Kunst, Blendwerke vorzumachen und Illusionen hervorzubringen, galt,
wurde schlechthin vorausgesetzt, daß sie ein falsches Spiel spiele,
und ihre ganze Kraft allein darauf beruhe, daß sie den Betrug
verstecke; daß ihre Resultate nur erschlichen und ein subjektiver
Schein seyen.  Kant's dialektische Darstellungen in den Antinomien
der reinen Vernunft verdienen zwar, wenn sie näher betrachtet werden,
wie dieß im Verfolge dieses Werkes weitläufiger geschehen wird,
freilich kein großes Lob; aber die allgemeine Idee, die er zu Grunde
gelegt und geltend gemacht hat, ist die Objektivität des Scheins und
Nothwendigkeit des Widerspruchs, der zur Natur der Denkbestimmungen
gehört: zunächst zwar in der Art, insofern diese Bestimmungen von der
Vernunft auf die Dinge an sich angewendet werden; aber eben, was sie
in der Vernunft und in Rücksicht auf das sind, was an sich ist, ist
ihre Natur.  Es ist dieß Resultat in seiner positiven Seiten
aufgefaßt, nichts anderes, als die innere Negativität derselben, als
ihre sich selbstbewegende Seele, das Princip aller natürlichen und
geistigen Lebendigkeit überhaupt.  Aber so wie nur bei der
abstrakt-negativen Seite des Dialektischen stehen geblieben wird, so
ist das Resultat nur das Bekannte, daß die Vernunft unfähig sey, das
Unendliche zu erkennen;--ein sonderbares Resultat, indem das
Unendliche das Vernünftige ist, zu sagen, die Vernunft sey nicht
fähig, das Vernünftige zu erkennen.

In diesem Dialektischen, wie es hier genommen wird, und damit in dem
Fassen des Entgegengesetzten in seiner Einheit, oder des Positiven im
Negativen besteht das Spekulative.  Es ist die wichtigste, aber für
die noch ungeübte, unfreie Denkkraft schwerste Seite.  Ist solche
noch darin begriffen, sich vom sinnlich-konkreten Vorstellen und vom
Raisonniren loszureißen, so hat sie sich zuerst im abstrakten Denken
zu üben.  Begriffe in ihrer Bestimmtheit festzuhalten und aus ihnen
erkennen zu lernen.  Eine Darstellung der Logik zu diesem Behuf hätte
sich in ihrer Methode an das obenbesagte Eintheilen und in Ansehung
des näheren Inhalts an die Bestimmungen, die sich für die einzelnen
Begriffe ergeben, zu halten, ohne sich auf das Dialektische
einzulassen.  Sie würde der äußeren Gestalt nach dem gewöhnlichen
Vortrag dieser Wissenschaft ähnlich werden, sich übrigens dem Inhalte
nach auch davon unterscheiden, und immer noch dazu dienen, das
abstrakte, ob zwar nicht das spekulative Denken zu üben, welchen
Zweck die durch psychologische und anthropologische Zuthaten populair
gewordene Logik nicht einmal erfüllen kann.  Sie würde dem Geiste das
Bild eines methodisch geordneten Ganzen geben, obgleich die Seele des
Gebäudes, die Methode, die im Dialektischen lebt, nicht selbst darin
erschiene.

In Rücksicht auf die Bildung und das Verhältniß des Individuums zur
Logik, merke ich schließlich noch an, daß diese Wissenschaft wie die
Grammatik, in zwei verschiedenen Ansichten oder Werthen erscheint.
Sie ist etwas Anderes für den, der zu ihr und den Wissenschaften
überhaupt erst hinzutritt, und etwas Anderes für den, der von ihnen
zu ihr zurückkommt.  Wer die Grammatik anfängt kennen zu lernen,
findet in ihren Formen und Gesetzen trockene Abstraktionen, zufällig
Regeln, überhaupt eine isolirte Menge von Bestimmungen, die nur den
Werth und die Bedeutung dessen zeigen, was in ihrem unmittelbaren
Sinne liegt; das Erkennen erkennt in ihnen zunächst nichts als sie.
Wer dagegen einer Sprache mächtig ist und zugleich andere Sprachen in
Vergleichung mit ihr kennt, dem erst kann sich der Geist und die
Bildung eines Volks in der Grammatik seiner Sprache zu fühlen geben;
dieselben Regeln und Formen haben nunmehr einen erfüllten, lebendigen
Werth.  Er kann durch die Grammatik hindurch den Ausdruck des Geistes
überhaupt, die Logik, erkennen.  So wer zur Wissenschaft hinzutritt,
findet in der Logik zunächst ein isolirtes System von Abstraktionen,
das auf sich selbst beschränkt, nicht über die anderen Kenntnisse und
Wissenschaften übergreift.  Vielmehr, gehalten gegen den Reichthum
der Weltvorstellungen, gegen den real erscheinenden Inhalt der
anderen Wissenschaften, und verglichen mit dem Versprechen der
absoluten Wissenschaft, das Wesen dieses Reichthums, die innere Natur
des Geistes und der Welt, die Wahrheit zu enthüllen, hat diese
Wissenschaft in ihrer abstrakten Gestalt, in der farblosen, kalten
Einfachheit ihrer reinen Bestimmungen vielmehr das Ansehen, Alles
eher zu leisten als dieß Versprechen, und gehaltlos jenem Reichthum
gegenüber zu stehen, Die erste Bekanntschaft mit der Logik schränkt
ihre Bedeutung auf sie selbst ein; ihr Inhalt gilt nur für eine
isolirte Beschäftigung mit den Denkbestimmungen, neben der die
anderen wissenschaftlichen Beschäftigungen ein eigener Stoff und
Gehalt für sich sind, auf welche das Logische etwa einen formellen
Einfluß hat, und zwar einen solchen, der sich mehr von selbst macht,
und für den die wissenschaftliche Gestalt und deren Studium
allerdings auch zur Noth entbehrt werden kann.  Die anderen
Wissenschaften haben die regelrechte Methode, eine Folge von
Definitionen, Axiomen, Theoremen und deren Beweisen u.s.f. zu seyn,
im Ganzen abgeworfen; die sogenannte natürliche Logik macht sich für
sich in ihnen geltend und hilft sich ohne besondere, auf das Denken
selbst gerichtete Erkenntnis fort.  Vollends aber hält sich der Stoff
und Inhalt dieser Wissenschaften für sich selbst vom Logischen völlig
unabhängig, und ist auch für Sinn, Gefühl, Vorstellung und
praktisches Interesse jeder Art ansprechender.

So muß denn allerdings die Logik zuerst gelernt werden, als etwas,
das man wohl versteht und einsieht, aber woran Umfang, Tiefe und
weitere Bedeutung anfangs vermißt wird.  Erst aus der tiefern
Kenntniß der anderen Wissenschaften erhebt sich für den subjektiven
Geist das Logische als ein nicht nur abstrakt Allgemeines, sondern
als das den Reichthum des Besonderen in sich fassende Allgemeine;
--wie derselbe Sittenspruch in dem Munde des Jünglings, der ihn ganz
richtig versteht, nicht die Bedeutung und den Umfang besitzt, welchen
er im Geiste eines lebenserfahrenen Mannes hat, dem sich damit die
ganze Kraft des darin enthaltenen Gehaltes ausdrückt, so erhält das
Logische erst dadurch die Schätzung seines Werths, wenn es zum
Resultate der Erfahrung der Wissenschaften geworden ist; es stellt
sich daraus als die allgemeine Wahrheit, nicht als eine besondere
Kenntniß neben anderem Stoffe und Realitäten, sondern als das Wesen
alles dieses sonstigen Inhalts dem Geiste dar.

Ob nun das Logische zwar im Anfange des Studiums nicht in dieser
bewußten Kraft für den Geist vorhanden ist, so empfängt er durch
dasselbe darum nicht weniger die Kraft in sich, die ihn in alle
Wahrheit leitet.  Das System der Logik ist das Reich der Schatten,
die Welt der einfachen Wesenheiten, von aller sinnlichen Konkretion
befreit.  Das Studium dieser Wissenschaft, der Aufenthalt und die
Arbeit in diesem Schattenreich ist die absolute Bildung und Zucht des
Bewußtseyns.  Es treibt darin ein von sinnlichen Anschauungen und
Zwecken, von Gefühlen, von der bloß gemeinten Vorstellungswelt fernes
Geschäft.  Von seiner negativen Seite betrachtet, besteht dieß
Geschäft in dem Fernhalten der Zufälligkeit des raisonnirenden
Denkens und der Willkür, diese oder die entgegengesetzten Gründe sich
einfallen oder gelten zu lassen.

Vornehmlich aber gewinnt der Gedanke dadurch Selbstständigkeit und
Unabhängigkeit.  Er wird in dem Abstrakten und in dem Fortgehen durch
Begriffe ohne sinnliche Substrate einheimisch, wird zur unbewußten
Macht, die sonstige Mannigfaltigkeit der Kenntniß und Wissenschaften
in die vernünftige Form aufzunehmen, sie in ihrem Wesentlichen zu
erfassen und festzuhalten, das Äußerliche abzustreifen und auf diese
Weise aus ihnen das Logische auszuziehen,--oder was dasselbe ist,
die vorher durch das Studium erworbene abstrakte Grundlage des
Logischen mit dem Gehalte aller Wahrheit zu erfüllen, und ihm den
Werth eines Allgemeinen zu geben, das nicht mehr als ein Besonderes
neben anderem Besonderen steht, sondern über alles dieses übergreift
und dessen Wesen, das Absolut-wahre, ist.



Allgemeine Eintheilung der Logik

In dem, was über den Begriff dieser Wissenschaft und wohin seine
Rechtfertigung falle, gesagt worden ist, liegt, daß die allgemeine
Eintheilung hier nur vorläufig seyn, gleichsam nur insofern angegeben
werden kann, als der Verfasser die Wissenschaft bereits kennt, daher
historisch hier zum Voraus anzuführen im Stande ist, zu welchen
Hauptunterschieden sich der Begriff in seiner Entwickelung bestimmen
wird.

Doch kann versucht werden, das was zum Eintheilen erforderlich ist,
zum Voraus im Allgemeinen verständlich zu machen, obgleich auch dabei
ein Verfahren der Methode in Anspruch genommen werden muß, das seine
volle Verständigung und Rechtfertigung erst innerhalb der
Wissenschaft erhält.--Zuvörderst also ist zu erinnern, daß hier
vorausgesetzt wird, die Eintheilung müsse mit dem Begriffe
zusammenhängen, oder vielmehr in ihm selbst liegen.  Der Begriff ist
nicht unbestimmt, sondern bestimmt an ihm selbst; die Eintheilung
aber drückt entwickelt diese seine Bestimmtheit aus; sie ist das
Urtheil desselben, nicht ein Urtheil über irgend einen äußerlich
genommenen Gegenstand, sondern das Urtheilen, d.i.  Bestimmen des
Begriffs an ihm selbst.  Die Rechtwinklichkeit, Spitzwinklichkeit u.s.
f., wie die Gleichseitigkeit u.s.f., nach welchen Bestimmungen die
Dreiecke eingetheilt werden, liegt nicht in der Bestimmtheit des
Dreiecks selbst, d.h. nicht in dem, was der Begriff des Dreiecks
genannt zu werden pflegt, ebenso wenig als in dem, was für den
Begriff des Thieres überhaupt, oder des Säugethiers, Vogels u.s.w.
die Bestimmungen liegen, nach welchen jenes in Säugethiere, Vögel u.s.
w. und diese Klassen in weitere Gattungen eingetheilt werden.  Solche
Bestimmungen werden anderswoher, aus der empirischen Anschauung
aufgenommen; sie treten zu jenem sogenannten Begriffe von Außen hinzu.
In der philosophischen Behandlung des Eintheilens muß der Begriff
selbst sich als ihren Ursprung enthaltend zeigen.

Der Begriff der Logik aber selbst ist in der Einleitung als das
Resultat einer jenseits liegenden Wissenschaft, damit hier
gleichfalls als eine Voraussetzung angegeben worden.  Die Logik
bestimmte sich danach als die Wissenschaft des reinen Denkens, die zu
ihrem Princip das reine Wissen habe, die nicht abstrakte, sondern
dadurch konkrete lebendige Einheit, daß in ihr der Gegensatz des
Bewußtseyns von einem subjektiv--für sich Seyenden und einem zweiten
solchen Seyenden, einem Objektiven, als überwunden, und das Seyn als
reiner Begriff an sich selbst, und der reine Begriff als das
wahrhafte Seyn gewußt wird.  Dieß sind sonach die beiden Momente,
welche im Logischen enthalten sind.  Aber sie werden nun als
untrennbar seyend gewußt, nicht wie im Bewußtseyn jedes auch als für
sich seyend; dadurch, allein, daß sie zugleich als unterschiedene
(jedoch nicht für sich seyende) gewußt werden, ist ihre Einheit nicht
abstrakt, todt, unbewegend, sondern konkret.

Diese Einheit macht das logische Princip zugleich als Element aus, so
daß die Entwickelung jenes Unterschiedes, der sogleich in ihm ist,
nur innerhalb dieses Elementes vor sich geht.  Denn indem die
Eintheilung, wie gesagt worden, das Urtheil des Begriffs, das Setzen
der ihm schon immanenten Bestimmung und damit seines Unterschiedes
ist, so darf dieß Setzen nicht als ein Wiederauflösen jener konkreten
Einheit in ihre Bestimmungen, wie sie als für sich seyend gelten
sollen, gefaßt werden, was hier ein leeres Zurückgehen auf den
vorigen Standpunkt, den Gegensatz des Bewußtseyns wäre; dieser ist
vielmehr verschwunden; jene Einheit bleibt das Element, und aus ihr
tritt jenes Unterscheiden der Eintheilung und überhaupt der
Entwickelung nicht mehr heraus.  Damit sind die früher (auf dem Wege
zur Wahrheit) für sich seyenden Bestimmungen, wie ein Subjektives und
Objektives, oder auch Denken und Seyn oder Begriff und Realität, wie
sie in irgend einer Rücksicht bestimmt worden seyn mögen, nun in
ihrer Wahrheit, d.i. in ihrer Einheit, zu Formen herabgesetzt.  In
ihrem Unterschiede blieben sie daher selbst an sich der ganze Begriff
und dieser wird in der Eintheilung nur unter seinen eigenen
Bestimmungen gesetzt.

So ist es der ganze Begriff, der das eine Mal als seyender Begriff,
das andere Mal als Begriff zu betrachten ist; dort ist er nur Begriff
an sich, der Realität oder des Seyns, hier ist er Begriff als solcher,
für sich seyender Begriff, (wie er es um konkrete Formen zu nennen,
im denkenden Menschen, aber auch schon, freilich nicht als bewußter
noch weniger als gewußter Begriff, im empfindenden Thier, und in der
organischen Individualität überhaupt ist; Begriff an sich ist er aber
nur in der unorganischen Natur).--Die Logik wäre hiernach zunächst in
die Logik des Begriffs als Seyns, und des Begriffs als Begriffs,
--oder indem wir uns der sonst gewöhnlichen, obgleich der
unbestimmtesten und darum der vieldeutigsten Ausdrücke bedienen,--in
die objektive und subjektive Logik einzutheilen.

Nach dem zu Grunde liegenden Elemente aber der Einheit des Begriffs
in sich selbst und damit der Untrennbarkeit seiner Bestimmungen,
müssen diese ferner auch, insofern sie unterschieden, der Begriff in
ihrem Unterschiede gesetzt wird, wenigstens in Beziehung aufeinander
stehen.  Es ergiebt sich daraus eine Sphäre der Vermittelung, der
Begriff als System der Reflexionsbestimmungen, d.i. des zum
Insichseyn des Begriffs übergehenden Seyns, der auf diese Weise noch
nicht als solcher für sich gesetzt ist, sondern mit dem unmittelbaren
Seyn als einem ihm auch Äußeren zugleich behaftet ist.  Dieß ist die
Lehre von dem Wesen, die zwischen der Lehre vom Seyn und der vom
Begriff inmitten steht.--Sie ist in der allgemeinen Eintheilung
dieses logischen Werks noch unter die objektive Logik gestellt worden,
insofern, ob das Wesen zwar bereits das Innere, dem Begriffe der
Charakter des Subjekts ausdrücklich vorzubehalten ist.

Kant Ich erinnere, daß ich auf die kantische Philosophie in diesem
Werke darum häufig Rücksicht nehme, (was manchen überflüssig scheinen
könnte) weil sie,--ihre nähere Bestimmtheit so wie die besonderen
Theile der Ausführung mögen sonst und auch in diesem Werke betrachtet
werden, wie sie wollen,--die Grundlage und den Ausgangspunkt der
neueren deutschen Philosophie ausmacht, und dieß ihr Verdienst durch
das, was an ihr ausgesetzt werden möge, ihr ungeschmälert bleibt.
Auch darum ist auf sie in der objektiven Logik häufig Rücksicht zu
nehmen, weil sie sich auf wichtige bestimmtere Seiten des Logischen
näher einläßt, spätere Darstellungen von Philosophie hingegen
dasselbe wenig beachtet, zum Theil oft nur eine rohe,--aber nicht
ungerächte,--Verachtung dagegen bewiesen haben.  Das bei uns am
weitesten verbreitete Philosophiren tritt nicht aus den kantischen
Resultaten, daß die Vernunft keinen wahren Gehalt erkennen könne, und
in Ansehung der absoluten Wahrheit auf das Glauben zu verweisen sey,
heraus.  Was aber bei Kant Resultat ist, damit wird in diesem
Philosophiren unmittelbar angefangen, damit die vorhergehende
Ausführung, aus welche jenes Resultat herkömmt, und welche
philosophisches Erkennen ist, vorweggeschnitten.  Die kantische
Philosophie dient so als ein Polster für die Trägheit des Denkens,
die sich damit beruhigt, daß bereits Alles bewiesen und abgethan sey.
Für Erkenntniß und einen bestimmten Inhalt des Denkens, der in
solcher unfruchtbaren und trockenen Beruhigung sich nicht findet, ist
sich daher an jene vorangegangene Ausführung zu wenden. hat in
neueren Zeiten dem, was gewöhnlich Logik genannt worden, noch eine,
nämlich eine transcendentale Logik gegenüber gestellt.  Das, was hier
objektive Logik genannt worden, würde zum Theil dem entsprechen, was
bei ihm die transcendentale Logik ist.  Er unterscheidet sie von dem,
was er allgemeine Logik nennt, so, daß sie à) die Begriffe betrachte,
die sich a priori auf Gegenstände beziehen, somit nicht von allem
Inhalte der objektiven Erkenntniß abstrahire, oder daß sie die Regeln
des reinen Denkens eines Gegenstandes enthalte, und ß) zugleich auf
den Ursprung unserer Erkenntniß gehe, insofern sie nicht den
Gegenständen zugeschrieben werden könne.--Diese zweite Seite ist es,
auf die das philosophische Interesse Kants ausschließend gerichtet
ist.  Sein Hauptgedanke ist, die Kategorien dem Selbstbewußtseyn, als
dem subjektiven Ich, zu vindiciren.  Vermöge dieser Bestimmung bleibt
die Ansicht innerhalb des Bewußtseyns und seines Gegensatzes stehen,
und hat außer dem Empirischen des Gefühls und der Anschauung noch
Etwas, das nicht durch das denkende Selbstbewußtseyn gesetzt und
bestimmt ist, ein Ding-an-sich, ein dem Denken fremdes und
äußerliches, übrig bleiben; obgleich leicht einzusehen ist, daß ein
solches Abstraktum, wie Ding-an-sich, selbst nur ein Produkt des, und
zwar nur abstrahirenden, Denkens ist.--Wenn andere Kantianer sich
über das Bestimmen des Gegenstandes durch Ich so ausgedrückt haben,
daß das Objektiviren des Ich, als ein ursprüngliches und nothwendiges
Thun des Bewußtseyns anzusehen sey, so daß in diesem ursprünglichen
Thun noch nicht die Vorstellung des Ich selbst ist,--als welche erst
ein Bewußtseyn jenes Bewußtseyns, oder selbst ein Objektiviren jenes
Bewußtseyn sey,--so ist dieses von dem Gegensatze des Bewußtseyns
befreite objektivirende Thun näher dasjenige, was für Denken als
solches überhaupt genommen werden kann.  Wenn der Ausdruck
objektivirendes Thun des Ich an andere Produktionen des Geistes, z.B.
die der Phantasie erinnern kann, so ist zu bemerken, daß von einem
Bestimmen eines Gegenstandes die Rede ist, insofern dessen
Inhalts-Momente nicht dem Gefühl und der Anschauung angehören.
Solcher Gegenstand ist ein Gedanke, und ihn bestimmen heißt Theils
ihn erst produciren, Theils insofern er ein Vorausgesetztes ist,
weitere Gedanken über ihn haben, ihn denkend weiter entwickeln.
Dieses Thun sollte aber nicht mehr Bewußtseyn genannt werden;
Bewußtseyn schließt den Gegensatz des Ich und seines Gegenstandes in
sich, der in jenem ursprünglichen Thun nicht vorhanden ist.  Die
Benennung Bewußtseyn wirft noch mehr den Schein von Subjektivität auf
dasselbe, als der Ausdruck Denken, der aber hier überhaupt im
absoluten Sinne als unendliches mit der Endlichkeit des Bewußtseyns
nicht behaftetes, Denken, kurz Denken als solches, zu nehmen ist.

Indem nun das Interesse der kantischen Philosophie auf das sogenannte
Transcendentale der Denkbestimmungen gerichtet war, ist die
Abhandlung derselben selbst leer ausgegangen; was sie an ihnen selbst
sind, ohne die abstrakte, allen gleiche Relation auf Ich, ihre
Bestimmtheit gegen und ihr Verhältniß zu einander ist nicht zu einem
Gegenstande der Betrachtung gemacht worden; die Erkenntniß ihrer
Natur hat sich daher durch diese Philosophie nicht im geringsten
gefördert gefunden.  Das einzige Interessante, was hierauf Beziehung
hat, kommt in der Kritik der Ideen vor.  Für den wirklichen
Fortschritt der Philosophie aber war es nothwendig, daß das Interesse
des Denkens auf die Betrachtung der formellen Seite, des Ich, des
Bewußtseyns als solchen, d.i. der abstrakten Beziehung eines
subjektiven Wissens auf ein Objekt, gezogen, daß die Erkenntniß der
unendlichen Form, d.i. des Begriffs, auf diese Weise eingeleitet
wurde.  Um jedoch diese Erkenntniß zu erreichen, mußte jene endliche
Bestimmtheit, in der die Form als Ich, Bewußtseyn ist, noch
abgestreift werden.  Die Form so in ihre Reinheit herausgedacht,
enthält es dann in sich selbst, sich zu bestimmen, d.i. sich Inhalt
zu geben, und zwar denselben in seiner Nothwendigkeit,--als System
der Denkbestimmungen.

Die objektive Logik tritt damit vielmehr an die Stelle der vormaligen
Metaphysik, als welche das wissenschaftliche Gebäude über die Welt
war, das nur durch Gedanken aufgeführt seyn sollte.--Wenn wir auf die
letzte Gestalt der Ausbildung dieser Wissenschaft Rücksicht nehmen,
so ist erstens unmittelbar die Ontologie, an deren Stelle die
objektive Logik tritt,--der Theil jener Metaphysik, der die Natur des
Ens überhaupt erforschen sollte;--das Ens begreift sowohl Seyn als
Wesen in sich, für welchen Unterschied unsere Sprache
glücklicherweise den verschiedenen Ausdruck gerettet hat.--Alsdann
aber begreift die objektive Logik auch die übrige Metaphysik insofern
in sich, als diese mit den reinen Denkformen die besondern, zunächst
aus der Vorstellung genommenen Substrate, die Seele, die Welt, Gott,
zu fassen suchte, und die Bestimmungen des Denkens das Wesentliche
der Betrachtungsweise ausmachten.  Aber die Logik betrachtet diese
Formen frei von jenen Substraten, den Subjekten der Vorstellung, und
ihre Natur und Werth an und für sich selbst.  Jene Metaphysik
unterließ dieß und zog sich daher den gerechten Vorwurf zu, sie ohne
Kritik gebraucht zu haben, ohne die vorgängige Untersuchung, ob und
wie sie fähig seyen, Bestimmungen des Dings-an-sich, nach kantischem
Ausdruck,--oder vielmehr des Vernünftigen zu seyen.--Die objektive
Logik ist daher die wahrhafte Kritik derselben,--eine Kritik, die sie
nicht nach der abstrakten Form der Apriorität gegen das
Aposteriorische, sondern sie selbst in ihrem besondern Inhalte
betrachtet.

Die subjektive Logik ist die Logik des Begriffs,--des Wesens, das
seine Beziehung auf ein Seyn oder seinen Schein aufgehoben hat, und
in seiner Bestimmung nicht äußerlich mehr, sondern das freie
selbstständig, sich in sich bestimmende Subjektive, oder vielmehr das
Subjekt selbst ist.--Indem das Subjektive das Mißverständniß von
Zufälligem und Willkürlichem, so wie überhaupt von Bestimmungen, die
in die Form des Bewußtseyns gehören, mit sich führt, so ist hier auf
den Unterschied von Subjektivem und Objektivem, der sich späterhin
innerhalb der Logik selbst näher entwickeln wird, kein besonderes
Gewicht zu legen.

Die Logik zerfällt also zwar überhaupt in objektive und subjektive
Logik, bestimmter aber hat sie die drei Theile:

I. Die Logik des Seyns,

II. die Logik des Wesens und

III. die Logik des Begriffs.



Erstes Buch

Die Lehre vom Seyn.


Womit muß der Anfang der Wissenschaft gemacht werden?

In neuern Zeiten erst ist das Bewußtseyn entstanden, daß es eine
Schwierigkeit sey, einen Anfang in der Philosophie zu finden, und der
Grund dieser Schwierigkeit so wie die Möglichkeit, sie zu lösen, ist
vielfältig besprochen worden.  Der Anfang der Philosophie muß
entweder ein Vermitteltes oder Unmittelbares seyn, und es ist leicht
zu zeigen, daß es weder das Eine noch das Andere seyn könne; somit
findet die eine oder die andere Weise des Anfangens ihre Widerlegung.

Das Princip einer Philosophie drückt wohl auch einen Anfang aus, aber
nicht sowohl einen subjektiven als objektiven, den Anfang aller Dinge.
Das Princip ist ein irgendwie bestimmter Inhalt,--das Wasser, das
Eine, Nus, Idee,--Substanz, Monade u.s.f., oder wenn es sich auf die
Natur des Erkennens bezieht und damit mehr nur ein Kriterium als eine
objektive Bestimmung seyn soll Denken, Anschauen, Empfinden, Ich, die
Subjektivität selbst, so ist es hier gleichfalls die
Inhaltsbestimmung, auf welche das Interesse geht.  Das Anfangen als
solches dagegen bleibt als ein Subjektives in dem Sinne einer
zufälligen Art und Weise, den Vortrag einzuleiten, unbeachtet und
gleichgültig, somit auch das Bedürfniß der Frage, womit anzufangen
sey, unbedeutend gegen das Bedürfniß des Princips, als in welchem
allein das Interesse der Sache zu liegen scheint, das Interesse, was
das Wahre, was der absolute Grund von Allem sey.

Aber die moderne Verlegenheit um den Anfang geht aus einem weiteren
Bedürfnisse hervor, welches diejenigen noch nicht kennen, denen es
dogmatisch um das Erweisen des Princips zu thun ist, oder skeptisch
um das Finden eines subjektiven Kriteriums gegen dogmatisches
Philosophiren und welches diejenigen ganz verleugnen, die wie aus der
Pistole, aus ihrer innern Offenbarung, aus Glauben, intellektueller
Anschauung u.s.w. anfangen, und der Methode und Logik überhoben seyn
wollten.  Wenn das früher abstrakte Denken zunächst nur für das
Princip als Inhalt sich interessirt, aber im Fortgange der Bildung
auf die andere Seite, auf das Benehmen des Erkennens zu achten
getrieben ist, so wird auch das subjektive Thun als wesentliches
Moment der objektiven Wahrheit erfaßt, und das Bedürfniß führt sich
herbei, daß die Methode mit dem Inhalt, die Form mit dem Princip
vereint sey.  So soll das Princip auch Anfang und das, was das Prius
für das Denken ist, auch das Erste im Gange des Denkens seyn.

Es ist hier nur zu betrachten, wie der logische Anfang erscheint; die
beiden Seiten, nach denen er genommen werden kann, sind schon genannt,
entweder als Resultat auf vermittelte, oder als eigentlicher Anfang
auf unmittelbare Weise.  Die in der Bildung der Zeit so wichtig
erscheinende Frage, ob das Wissen der Wahrheit ein unmittelbares,
schlechthin anfangendes Wissen, ein Glauben, oder aber ein
vermitteltes Wissen sey, ist an diesem Orte nicht zu erörtern.
Insofern solche Betrachtung vorläufig angestellt werden kann, ist
dieß anderwärts (in m.  Encykl. der philos.  Wissenschaf. 3te Ausg.
im Vorbegr. _. 61. ff.) geschehen.  Hier mag daraus nur dieß
angeführt werden, daß es Nichts giebt, nichts im Himmel oder in der
Natur oder im Geiste oder wo es sey, was nicht ebenso die
Unmittelbarkeit enthält, als die Vermittelung, so daß sich diese
beiden Bestimmungen als ungetrennt und untrennbar und jener Gegensatz
sich als ein Richtiges zeigt.  Was aber die wissenschaftliche
Erörterung betrifft, so ist es jeder logische Satz, in welchem die
Bestimmungen der Unmittelbarkeit und der Vermittelung und also die
Erörterung ihres Gegensatzes und ihrer Wahrheit vorkommt.  Insofern
dieser Gegensatz in Beziehung auf Denken, Wissen, Erkennen, die
konkretere Gestalt von unmittelbarem oder vermitteltem Wissen erhält,
wird die Natur des Erkennens überhaupt, sowohl innerhalb der
Wissenschaft der Logik betrachtet, als dasselbe in seiner weitern
konkreten Form, in die Wissenschaft vom Geiste, und in die
Phänomenologie desselben fällt.  Vor der Wissenschaft aber schon über
das Erkennen ins Reine kommen wollen, heißt verlangen, daß es
außerhalb derselben erörtert werden sollte; außerhalb der
Wissenschaft läßt sich dieß wenigstens nicht auf wissenschaftliche
Weise, um die es hier allein zu thun ist, bewerkstelligen.

Logisch ist der Anfang, indem er im Element des frei für sich
seyenden Denkens, im reinen Wissen gemacht werden soll.  Vermittelt
ist es hiermit dadurch, daß das reine Wissen die letzte, absolute
Wahrheit des Bewußtseyns ist.  Es ist in der Einleitung bemerkt, daß
die Phänomenologie des Geistes die Wissenschaft des Bewußtseyns, die
Darstellung davon ist, daß das Bewußtseyn den Begriff der
Wissenschaft, d.i. das reine Wissen, zum Resultate hat.  Die Logik
hat insofern die Wissenschaft des erscheinenden Geistes zu ihrer
Voraussetzung, welche die Nothwendigkeit und damit den Beweis der
Wahrheit des Standpunkts, der das reine Wissen ist, wie dessen
Vermittelung überhaupt, enthält und aufzeigt.  In dieser Wissenschaft
des erscheinenden Geistes wird von dem empirischen, sinnlichen
Bewußtseyn ausgegangen; und dieses ist das eigentliche unmittelbare
Wissen; daselbst wird erörtert, was an diesem unmittelbaren Wissen
ist.  Anderes Bewußtseyn, wie der Glaube an göttliche Wahrheiten,
innere Erfahrung, Wissen durch innere Offenbarung u.s.f. zeigt sich
bei geringer Überlegung sehr uneigentlich als unmittelbares Wissen
aufgeführt zu werden.  In jener Abhandlung ist das unmittelbare
Bewußtseyn auch das in der Wissenschaft Erste und Unmittelbare, somit
die Voraussetzung; in der Logik aber ist dasjenige die Voraussetzung,
was aus jener Betrachtung sich als das Resultat erwiesen hatte,--die
Idee als reines Wissen.  Die Logik, ist die reine Wissenschaft, d.i.
das reine Wissen in dem ganzen Umfange seiner Entwickelung.  Diese
Idee aber hat sich in jenem Resultate dahin bestimmt, die zur
Wahrheit gewordenen Gewißheit zu seyn, die Gewißheit, die nach der
einen Seite dem Gegenstande nicht mehr gegenüber ist, sondern ihn
innerlich gemacht hat, ihn als sich selbst weiß,--und die auf der
andern Seite das Wissen von sich als von einem, das dem
Gegenständlichen gegenüber und nur dessen Vernichtung sey, aufgegeben,
dieser Subjektivität entäußert und Einheit mit seiner Entäußerung
ist.

Daß nun von dieser Bestimmung des reinen Wissens aus der Anfang
seiner Wissenschaft immanent bleibe, ist nichts zu thun, als das zu
betrachten oder vielmehr mit Beiseitsetzung aller Reflexionen, aller
Meinungen, die man sonst hat, nur aufzunehmen was vorhanden ist.

Das reine Wissen als in diese Einheit zusammengegangen, hat alle
Beziehung auf ein Anderes und auf Vermittelung aufgehoben; es ist das
Unterschiedslose; dieses Unterschiedslose hört somit selbst auf,
Wissen zu seyn; es ist nur einfache Unmittelbarkeit vorhanden.

Die einfache Unmittelbarkeit ist selbst ein Reflexionsausdruck, und
bezieht sich auf den Unterschied von dem Vermittelten.  In ihrem
wahren Ausdrucke ist daher diese einfache Unmittelbarkeit das reine
Seyn.  Wie das reine Wissen nichts heißen soll, als das Wissen als
solches, ganz abstrakt, so soll auch reines Seyn nichts heißen, als
das Seyn überhaupt; Seyn, sonst nichts, ohne alle weitere Bestimmung
und Erfüllung.

Hier ist das Seyn das Anfangende, als durch Vermittelung und zwar
durch sie, welche zugleich Aufheben ihrer selbst ist, entstanden,
dargestellt; mit der Voraussetzung des reinen Wissens als Resultats
des endlichen Wissens, des Bewußtseyns.  Soll aber keine
Voraussetzung gemacht, der Anfang selbst unmittelbar genommen werden,
so bestimmt er sich nur dadurch, daß es der Anfang der Logik des
Denkens für sich, seyn soll.  Nur der Entschluß, den man auch für
eine Willkür ansehen kann, nämlich daß man das Denken als solches
betrachten wolle, ist vorhanden.  So muß der Anfang absoluter oder
was hier gleichbedeutend ist, abstrakter Anfang seyn; er darf so
nichts voraussetzen, muß durch nichts vermittelt seyn, noch einen
Grund haben; er soll vielmehr selbst Grund der ganzen Wissenschaft
seyn.  Er muß daher schlechthin ein Unmittelbares seyn, oder vielmehr
nur das Unmittelbare selbst.  Wie er nicht gegen Anderes eine
Bestimmung haben kann, so kann er auch keine in sich, keinen Inhalt
enthalten, denn dergleichen wäre Unterscheidung und Beziehung von
Verschiedenem aufeinander, somit eine Vermittelung.  Der Anfang ist
also das reine Seyn.

Nach dieser einfachen Darlegung dessen, was zunächst nur zu diesem
selbst Allereinfachsten, dem logischen Anfang, gehört, können noch
folgende weitere Reflexionen beigebracht werden; doch können sie
nicht sowohl zur Erläuterung und Bestätigung jener Darlegung, die für
sich fertig ist, dienen sollen, als sie vielmehr nur durch
Vorstellungen und Reflexionen veranlaßt werden, die uns zum Voraus in
den Weg kommen können, jedoch, wie alle andere vorangehende
Vorurtheile, in der Wissenschaft selbst ihr Erledigung finden müssen,
und daher eigentlich zur Geduld hierauf zu verweisen wären.

Die Einsicht, daß das Absolut-Wahre ein Resultat seyn müsse, und
umgekehrt, daß ein Resultat ein erstes Wahres voraussetzt, das aber,
weil es Erstes ist, objektiv betrachtet, nicht nothwendig, und nach
der subjektiven Seite, nicht erkannt ist,--hat in neuern Zeiten den
Gedanken hervorgebracht, daß die Philosophie nur mit einem
hypothetischen und problematischen Wahren anfangen, und das
Philosophiren daher zuerst nur ein Suchen seyn könne, eine Ansicht,
welche Reinhold in den spätern Zeiten seines Philosphirens vielfach
urgiert hat, und der man die Gerechtigkeit widerfahren lassen muß,
daß ihr ein wahrhaftes Interesse zu Grunde liegt, welches die
spekulative Natur des philosophischen Anfangs betrifft.  Die
Auseinandersetzung dieser Ansicht ist zugleich eine Veranlassung, ein
vorläufiges Verständniß über den Sinn des logischen Fortschreitens
überhaupt, einzuleiten; denn jene Ansicht schließt die Rücksicht auf
das Fortgehen sogleich in sich.  Und zwar stellt sie es so vor, daß
das Vorwärtsschreiten in der Philosophie vielmehr ein Rückwärtsgehen
und Begründen sey, durch welches erst sich ergebe, daß das, womit
angefangen wurde, nicht bloß ein willkürlich Angenommenes, sondern in
der That Theils das Wahre, Theils das erste Wahre sey.

Man muß zugeben, daß es eine wesentliche Betrachtung ist,--die sich
innerhalb der Logik selbst näher ergeben wird,--daß das Vorwärtsgehen
ein Rückgang in den Grund, zu dem Ursprünglichen und Wahrhaften ist,
von dem das, womit der Anfang gemacht wurde, abhängt, und in der That
hervorgebracht wird.--So wird das Bewußtseyn auf seinem Wege von der
Unmittelbarkeit aus, mit der es anfängt, zum absoluten Wissen, als
seiner innersten Wahrheit, zurückgeführt.  Dieß Letzte, der Grund,
ist denn auch dasjenige, aus welchem das Erste hervorgeht, das zuerst
als Unmittelbares auftrat.--So wird noch mehr der absolute Geist, der
als die konkrete und letzte höchste Wahrheit alles Seyns sich ergiebt,
erkannt, als am Ende der Entwickelung sich mit Freiheit entäußernd
und sich zur Gestalt eines unmittelbaren Seyns entlassend,--zur
Schöpfung einer Welt sich entschließend, welche alles das enthält,
was in die Entwickelung, die jenem Resultate vorangegangen, fiel, und
das durch diese umgekehrte Stellung, mit seinem Anfang in ein von dem
Resultate als dem Principe Abhängiges verwandelt wird.  Das
Wesentliche für die Wissenschaft, ist nicht so sehr, daß ein rein
Unmittelbares der Anfang sey, sondern daß das Ganze derselben ein
Kreislauf in sich selbst ist, worin das Erste auch das Letzte, und
das Letzte auch das Erste wird.

Daher ergiebt sich auf der andern Seite als ebenso nothwendig,
dasjenige, in welches die Bewegung als in seinen Grund zurückgeht,
als Resultat zu betrachten.  Nach dieser Rücksicht ist das Erste
ebenso sehr der Grund, und das Letzte ein Abgeleitetes; indem von dem
Ersten ausgegangen und durch richtige Folgerung auf das Letzte, als
auf den Grund, gekommen wird, ist dieser Resultat.  Der Fortgang
ferner von dem, was den Anfang macht, ist nur als eine weitere
Bestimmung desselben zu betrachten, so daß das Anfangende allem
Folgenden zu Grunde liegen bleibt, und nichts daraus verschwindet.
Das Fortgehen besteht nicht darin, daß nur ein Anderes abgeleitet,
oder daß in ein wahrhaft Anderes übergegangen würde;--und insofern
dieß Übergehen vorkommt, so hebt es sich ebenso sehr wieder auf.  So
ist der Anfang der Philosophie, die in allen folgenden Entwickelungen
gegenwärtige und sich erhaltende Grundlage, das seinen weiteren
Bestimmungen durchaus immanent Bleibende.

Durch diesen Fortgang denn verliert der Anfang das, was er in dieser
Bestimmtheit, ein Unmittelbares und Abstraktes überhaupt zu seyn,
einseitiges hat; er wird ein Vermitteltes, und die Linie der
wissenschaftlichen Fortbewegung macht sich damit zu einem Kreise.
--Zugleich ergiebt sich, daß das, was den Anfang macht, indem es
darin das noch Unentwickelte, Inhaltlose ist, im Anfange noch nicht
wahrhaft erkannt wird, und daß erst die Wissenschaft, und zwar in
ihrer ganzen Entwickelung, seine vollendete, inhaltsvolle und erst
wahrhaft begründete Erkenntniß ist.

Darum aber, weil das Resultat erst als der absolute Grund hervortritt,
ist das Fortschreiten dieses Erkennens nicht etwas Provisorisches,
noch ein problematisches und hypothetisches, sondern es muß durch die
Natur der Sache und des Inhaltes selbst bestimmt seyn.  Weder ist
jener Anfang etwas Willkürliches und nur einstweilen Angenommenes,
noch ein als willkürlich Erscheinendes und bittweise Vorausgesetztes,
von dem sich aber doch in der Folge zeige, daß man Recht daran gethan
habe, es zum Anfange zu machen; nicht wie bei den Konstruktionen, die
man zum Behuf des Beweises eines geometrischen Satzes zu machen
angewiesen wird, es der Fall ist, daß von ihnen es sich erst
hinterher an den Beweisen ergiebt, daß man wohlgethan habe, gerade
diese Linien zu ziehen, und dann in den Beweisen selbst, mit der
Vergleichung dieser Linien oder Winkel anzufangen; für sich an diesem
Linienziehen oder Vergleichen begreift es sich nicht.  So ist vorhin
der Grund, warum in der reinen Wissenschaft vom reinen Seyn
angefangen wird, unmittelbar an ihr selbst angegeben worden.  Dieß
reine Seyn ist die Einheit, in die das reine Wissen zurückgeht, oder
wenn dieses selbst noch als Form von seiner Einheit unterschieden
gehalten werden soll, so ist es auch der Inhalt desselben.  Dieß ist
die Seite, nach welcher dieß reine Seyn, dieß Absolut-Unmittelbare,
ebenso absolut Vermitteltes ist.  Aber es muß ebenso wesentlich nur
in der Einseitigkeit, das Rein-Unmittelbare zu seyn, genommen werden,
eben weil es hier als der Anfang ist.  Insofern es nicht diese reinen
Unbestimmtheit, insofern es bestimmt wäre, würde es als Vermitteltes,
schon weiter Geführtes, genommen; ein Bestimmtes enthält ein Anderes
zu einem Ersten.  Es liegt also in der Natur des Anfangs selbst, daß
er das Seyn sey, und sonst nichts.  Es bedarf daher keiner sonstigen
Vorbereitungen, um in die Philosophie hineinzukommen, noch
anderweitiger Reflexionen und Anknüpfungspunkte.

Daß der Anfang, Anfang der Philosophie ist, daraus kann eigentlich
auch keine nähere Bestimmung oder ein positiver Inhalt für denselben
genommen werden.  Denn die Philosophie ist hier im Anfange, wo die
Sache selbst noch nicht vorhanden ist, ein leeres Wort oder irgend
eine angenommene ungerechtfertigte Vorstellung.  Das reine Wissen
giebt nur diese negative Bestimmung, daß er der abstrakte Anfang seyn
soll.  Insofern das reine Seyn als Inhalt des reinen Wissens genommen
wird, so hat dieses von seinem Inhalte zurückzutreten, ihn für sich
selbst gewähren zu lassen und nicht weiter zu bestimmen.--Oder indem
das reine Seyn als die Einheit zu betrachten ist, in die das Wissen,
auf seiner höchsten Spitze der Einigung mit dem Objekte,
zusammengefallen, so ist das Wissen in diese Einheit verschwunden,
und hat keinen Unterschied von ihr und somit keine Bestimmung für
sich übrig gelassen.--Auch sonst ist nicht Etwas, oder irgend ein
Inhalt vorhanden, der gebracht werden könnte, um damit den
bestimmteren Anfang zu machen.

Aber auch die bisher als Anfang angenommmene Bestimmung des Seyns
könnte weggelassen werden, so daß nur gefordert würde, daß ein reiner
Anfang gemacht werde.  Dann ist nichts vorhanden, als der Anfang
selbst, und es wäre zu sehen, was er ist.--Diese Stellung könnte
zugleich als ein Vorschlag zur Güte an diejenigen gemacht werden,
welche Theils damit, daß mit dem Seyn angefangen werde, aus welchen
Reflexionen es sey, sich nicht beruhigen und noch weniger mit dem
Erfolge, den das Seyn hat, in das Nichts überzugehn,--Theils
überhaupt nicht anders wissen, als daß in einer Wissenschaft mit der
Voraussetzung einer Vorstellung angefangen werde,--einer Vorstellung,
welche hierauf analysirt werde, so daß nun das Ergebniß solcher
Analyse den ersten bestimmten Begriff in der Wissenschaft abgebe.
Indem wir auch dieß Verfahren beobachteten, so hätten wir keinen
besondern Gegenstand, weil der Anfang als des Denkens, ganz abstrakt,
ganz allgemein, ganz Form ohne allen Inhalt seyn soll; wir hätten
somit gar nichts, als die Vorstellung von einem bloßen Anfang als
solchem.  Es ist also nur zu sehen, was wir in dieser Vorstellung
haben.

Es ist noch Nichts, und es soll Etwas werden.  Der Anfang ist nicht
das reine Nichts, sondern ein Nichts, von dem Etwas ausgehen soll;
das Seyn ist also auch schon im Anfang enthalten.  Der Anfang enthält
also Beides, Seyn und Nichts; ist die Einheit von Seyn und Nichts;
--oder ist Nichtseyn, das zugleich Seyn, und Seyn, das zugleich
Nichtseyn ist.

Ferner Seyn und Nichts sind im Anfang als unterschieden vorhanden;
denn er weißt auf etwas Anderes hin;--er ist ein Nichtseyn, das auf
das Seyn als auf ein Anderes bezogen ist; das Anfangende ist noch
nicht; es geht erst dem Seyn zu.  Der Anfang enthält also das Seyn
als ein solches, das sich von dem Nichtseyn entfernt oder es aufhebt,
als ein ihm Entgegengesetztes.

Ferner aber ist das, was anfängt, schon, eben so sehr aber ist es
auch noch nicht.  Die Entgegengesetzten, Seyn und Nichtseyn sind also
in ihm in unmittelbarer Vereinigung; oder er ist ihre
ununterschiedene Einheit.

Die Analyse des Anfangs gäbe somit den Begriff der Einheit des Seyns
und des Nichtseyns,--oder in reflektirterer Form, der Einheit des
Unterschieden--und des Nichtunterschiedenseyns,--oder der Identität
der Identität und Nichtidentität.  Dieser Begriff könnte als die
erste, reinste d.i. abstrakteste, Definition des Absoluten angesehen
werden;--wie er dieß in der That seyn würde, wenn es überhaupt um die
Form von Definitionen und um den Namen des Absoluten zu thun wäre.
In diesem Sinne würden, wie jener abstrakte Begriff die erste, so
alle weitern Bestimmungen und Entwickelungen nur bestimmtere und
reichere Definitionen dieses Absoluten seyn.  Aber die, welche mit
dem Seyn als Anfang darum nicht zufrieden sind, weil es in Nichts
übergeht, und daraus die Einheit des Seyns und Nichts entsteht, mögen
zusehen, ob sie mit diesem Anfange, der mit der Vorstellung des
Anfangs anfängt, und mit deren Analyse, die wohl richtig seyn wird,
aber gleichfalls auf die Einheit des Seyns und Nichts führt,
zufriedener seyn mögen, als damit, daß das Seyn zum Anfange gemacht
wird.

Es ist aber noch einen weitere Betrachtung über dieses Verfahren zu
machen.  Jene Analyse setzt die Vorstellung des Anfangs als bekannt
voraus; es ist so nach dem Beispiele anderer Wissenschaften verfahren
worden.  Diese setzen ihren Gegenstand voraus, und nehmen bittweise
an, daß jedermann dieselbe Vorstellung von ihm habe, und darin
ungefähr dieselben Bestimmungen finden möge, die sie durch Analyse,
Vergleichung und sonstiges Raisonnement von ihm da und dorther
beibringen und angeben.  Das aber, was den absoluten Anfang macht,
muß gleichfalls ein sonst Bekanntes seyn; wenn es nun ein Konkretes,
somit in sich mannigfaltig Bestimmtes ist, so ist diese Beziehung,
die es in sich ist, als etwas Bekanntes vorausgesetzt; sie ist damit
als etwas Unmittelbares angegeben, was sie aber nicht ist; denn sie
ist nur Beziehung als von Unterschiedenen, enthält somit die
Vermittelung in sich.  Ferner tritt am Konkreten die Zufälligkeit und
Willkür der Analyse und des verschiedenen Bestimmtes ein.  Welche
Bestimmungen herausgebracht werden, hängt von dem ab, was jeder in
seiner unmittelbaren zufälligen Vorstellung vorfindet.  Die in einem
Konkreten, einer synthetischen Einheit, enthaltene Beziehung ist eine
nothwendige nur, insofern sie nicht vorgefunden, sondern durch die
eigenen Bewegung der Momente, in diese Einheit zurück zu gehen,
hervorgebracht ist;--eine Bewegung, die das Gegentheil des
analytischen Verfahrens ist, eines der Sache selbst äußerlichen, in
das Subjekt fallenden Thuns.

Hierin ist auch das Nähere enthalten, daß das, womit der Anfang zu
machen ist, nicht ein Konkretes, nicht ein solches seyn kann, das
eine Beziehung innerhalb seiner selbst enthält.  Denn ein solches
setzt ein Vermitteln und Herübergehen von einem Ersten zu einem
Anderen innerhalb seiner, voraus, wovon das einfachgewordene Konkrete
das Resultat wäre.  Aber der Anfang soll nicht selbst schon ein
Erstes und ein Anders seyn; ein solches das ein Erstes und ein
Anderes in sich ist, enthält bereits ein Fortgegangenseyn.  Was den
Anfang macht, der Anfang selbst, ist daher als ein Nichtanalysirbares,
in seiner einfachen unerfüllten Unmittelbarkeit, also als Seyn, als
das ganz Leere zu nehmen.

Wenn man etwa, gegen die Betrachtung des abstrakten Anfangs
ungeduldig, sagen wollte, es solle nicht mit dem Anfange angefangen
werden, sondern geradezu mit der Sache, so ist diese Sache nichts als
jenes leere Seyn; denn was die Sache sey, dieß ist es, was sich eben
erst im Verlaufe der Wissenschaft ergeben soll, was nicht vor ihr als
bekannt vorausgesetzt werden kann.

Welche Form sonst genommen werde, um einen andern Anfang zu haben,
als das leere Seyn, so leidet er an den angeführten Mängeln.
Diejenigen, welche mit diesem Anfange unzufrieden bleiben, mögen sich
zu der Aufgabe auffordern, es anders anzufangen, um dabei diese
Mängel zu vermeiden.

Ein origineller Anfang der Philosophie aber kann nicht ganz unerwähnt
gelassen werden, der sich in neuerer Zeit berühmt gemacht hat, der
Anfang mit dem Ich.  Er kam Theils aus der Reflexion, daß aus dem
ersten Wahren alles Folgende abgeleitet werden müsse, Theils aus dem
Bedürfnisse, daß das erste Wahre ein Bekanntes und noch mehr ein
unmittelbar Gewisses sey.  Dieser Anfang ist im Allgemeinen nicht
eine solche Vorstellung, die zufällig ist, und in einem Subjekte so,
in einem andern anders, beschaffen seyn kann.  Denn Ich, dieß
unmittelbare Selbstbewußtseyn, erscheint zunächst selbst Theils als
ein Unmittelbares, Theils als ein in einem viel höhern Sinne
Bekanntes, als eine sonstige Vorstellung; etwas sonst Bekanntes
gehört zwar dem Ich an, aber ist noch ein von ihm unterschiedener,
damit sogleich zufälliger Inhalt; Ich hingegen ist die einfache
Gewißheit seiner selbst.  Aber Ich überhaupt ist auch zugleich ein
Konkretes, oder Ich ist vielmehr das Konkreteste,--das Bewußtseyn
seiner, als unendlich mannigfaltiger Welt.  Daß Ich Anfang und Grund
der Philosophie sey, dazu wird die Absonderung dieses Konkreten
erfordert,--der absolute Akt, wodurch Ich von sich selbst gereinigt
wird, und als abstraktes Ich in sein Bewußtseyn tritt.  Allein dieß
reine Ich ist nun nicht ein unmittelbares, noch das bekannte, das
gewöhnliche Ich unsers Bewußtseyns, woran unmittelbar und für jede
die Wissenschaft angeknüpft werden sollte.  Jener Akt wäre eigentlich
nichts Anderes, als die Erhebung auf den Standpunkt des reinen
Wissens, auf welchem der Unterschied des Subjektiven und Objektiven
verschwunden ist.  Aber wie diese Erhebung so unmittelbar gefordert
ist, ist sie ein subjektives Postulat; um als wahrhafte Forderung
sich zu erweisen, müßte die Fortbewegung des konkreten Ichs vom
unmittelbaren Bewußtseyn zum reinen Wissen an ihm selbst, durch seine
eigene Nothwendigkeit, aufgezeigt und dargestellt worden seyn.  Ohne
diese objektive Bewegung erscheint das reine Wissen, auch als die
intellektuelle Anschauung bestimmt, als ein willkürlicher Standpunkt,
oder selbst als einer der empirischen Zustände des Bewußtseyns, in
Rücksicht dessen es darauf ankommt, ob ihn der Eine in sich vorfinde
oder hervorbringen könne, ein Anderer aber nicht.  Insofern aber dieß
reine Ich das wesentliche reine Wissen seyn muß, und das reine Wissen
aber nur durch den absoluten Akt der Selbsterhebung im individuellen
Bewußtseyn gesetzt wird, und nicht unmittelbar in ihm vorhanden ist,
geht gerade der Vortheil verloren, der aus diesem Anfange der
Philosophie entspringen soll, daß er nämlich etwas schlechthin
Bekanntes sey, was jeder unmittelbar in sich finde, und daran die
weitere Reflexion anknüpfen könne; jenes reine Ich ist vielmehr in
seiner abstrakten Wesenheit, etwas dem gewöhnlichen Bewußtseyn
Unbekanntes, etwas, das es nicht darin vorfindet.  Damit tritt
vielmehr der Nachtheil der Täuschung ein, daß von etwas Bekanntem,
dem Ich des empirischen Selbstbewußtseyns die Rede seyn solle, indem
in der That von etwas diesem Bewußtseyn Fernem die Rede ist.  Die
Bestimmung des reinen Wissens als Ich, führt die fortdauernde
Rückerinnerung an das subjektive Ich mit sich, dessen Schranken
vergessen werden sollen, und erhält die Vorstellung gegenwärtig, als
ob die Sätze und Verhältnisse, die sich in der weitern Entwickelung
vom Ich ergeben, im gewöhnlichen Bewußtseyn, da es ja das sey, von
dem sie behauptet werden, vorkommen und darin vorgefunden werden
können.  Diese Verwechslung bringt statt unmittelbarer Klarheit
vielmehr nur eine um so grellere Verwirrung und gänzliche
Desorientirung hervor; nach Außen hat sie vollends die gröbsten
Mißverständnisse veranlaßt.

Was ferner die subjektive Bestimmtheit des Ich überhaupt betrifft, so
benimmt wohl das reine Wissen dem Ich seine beschränkte Bedeutung, an
einem Objekte seinen unüberwindlichen Gegensatz zu haben.  Aus diesem
Grunde wäre es aber wenigstens überflüssig, noch diese subjektive
Haltung und die Bestimmung des reinen Wesens als Ich, beizubehalten.
Allein diese Bestimmung führt nicht nur jene störende Zweideutigkeit
mit sich, sondern sie bleibt auch, näher betrachtet, ein subjektives
Ich.  Die wirkliche Entwickelung der Wissenschaft, die vom Ich
ausgeht, zeigt es, daß das Objekt darin die perennirende Bestimmung
eines Anderen für das Ich hat und behält, daß also das Ich, von dem
ausgegangen wird, nicht das reine Wissen, das den Gegensatz des
Bewußtseyns in Wahrheit überwunden hat, sondern noch in der
Erscheinung befangen ist.

Es ist hierbei noch die wesentliche Bemerkung in machen, daß wenn an
sich wohl Ich als das reinen Wissen oder als intellektuelle
Anschauung bestimmt und als Anfang behauptet werden könnte, daß es in
der Wissenschaft nicht um das zu thun ist, was an sich oder innerlich
vorhanden sey, sondern um das Daseyn des Innerlichen im Denken, und
um die Bestimmtheit, die ein solches in diesem Daseyn hat.  Was aber
von der intellektuellen Anschauung--oder wenn ihr Gegenstand das
Ewige, das Göttliche, das Absolute genannt wird,--was vom Ewigen oder
Absoluten im Anfange der Wissenschaft da ist, dieß kann nichts
Anderes seyn, als erste, unmittelbare, einfache Bestimmung.  Welcher
reichere Name ihm gegeben werde, als das bloße Seyn ausdrückt, so
kann nur in Betracht kommen, wie solches Absolute in das denkende
Wissen und in das Aussprechen dieses Wissens eintritt.  Die
intellektuelle Anschauung ist wohl die gewaltsame Zurückweisung des
Vermittelns und der beweisenden, äußerlichen Reflexion.  Was sie aber
mehr ausspricht, als einfache Unmittelbarkeit, ist ein Konkretes, ein
in sich verschiedene Bestimmungen Enthaltendes.  Das Aussprechen und
die Darstellung eines solchen jedoch ist, wie schon bemerkt, eine
vermittelnde Bewegung, die von einer der Bestimmungen anfängt, und zu
der anderen fortgeht, wenn diese auch zur ersten zurückgeht;--es ist
eine Bewegung, die zugleich nicht willkürlich oder assertorisch seyn
darf.  Von was daher in solcher Darstellung angefangen wird, ist
nicht das Konkrete selbst, sondern nur das einfache Unmittelbare, von
dem die Bewegung ausgeht.  Außerdem fehlt, wenn ein Konkretes zum
Anfange gemacht wird, der Beweis, dessen die Verbindung der im
Konkreten enthaltenen Bestimmungen bedarf.

Wenn also im Ausdrucke des Absoluten oder Ewigen oder Gottes (und das
unbestrittenste Recht hätte Gott, daß mit ihm der Anfang gemacht
werde), wenn in deren Anschauung oder Gedanken mehr liegt, als im
reinen Seyn, so soll das, was darin liegt, ins Wissen als denkendes,
nicht vorstellendes erst hervortreten; das was darin liegt, es sey so
reich, als es wolle, so ist die Bestimmung, die ins Wissen zuerst
hervortritt, ein Einfaches; denn nur im Einfachen ist nicht mehr als
der reine Anfang; nur das Unmittelbare ist einfach, denn nur im
Unmittelbaren ist noch nicht ein Fortgegangenseyn von Einem zu einem
Anderen.  Was somit über das Seyn ausgesprochen oder enthalten seyn
soll, in den reicheren Formen des Vorstellens von Absolutem oder Gott,
dieß ist im Anfange nur leeres Wort, und nur Seyn; dieß Einfache,
das sonst keine weitere Bedeutung hat, dieß Leere ist also
schlechthin der Anfang der Philosophie.

Diese Einsicht ist selbst so einfach, daß dieser Anfang als solcher,
keiner Vorbereitung noch weiteren Einleitung bedarf; und diese
Vorläufigkeit von Raisonnement über ihn konnte nicht die Absicht
haben, ihn herbeizuführen, als vielmehr alle Vorläufigkeit zu
entfernen.



Allgemeine Eintheilung des Seyns

Das Seyn ist zuerst gegen Anderes überhaupt bestimmt;

Zweitens ist es sich innerhalb seiner selbst bestimmend;

Drittens, indem diese Vorläufigkeit des Eintheilens weggeworfen ist,
ist es die abstrakte Unbestimmtheit und Unmittelbarkeit, in der es
der Anfang seyn muß.

Nach der ersten Bestimmung theilt das Seyn sich gegen das Wesen ab,
indem es weiterhin in seiner Entwickelung seine Totalität nur als
Eine Sphäre des Begriffs erweist, und ihr als Moment eine andere
Sphäre gegenüberstellt.

Nach der zweiten ist es die Sphäre, innerhalb welcher die
Bestimmungen und die ganze Bewegung seiner Reflexion fällt.  Das Seyn
wird sich darin in den drei Bestimmungen setzen:

I. als Bestimmtheit; als solche, Qualität;

II. als aufgehobene Bestimmtheit; Größe, Quantität;

III. als qualitativ bestimmte Quantität; Maaß.

Diese Eintheilung ist hier, wie in der Einleitung von diesen
Eintheilungen überhaupt erinnert worden, eine vorläufige Anführung;
ihre Bestimmungen haben erst aus der Bewegung des Seyns selbst zu
entstehen, sich dadurch zu definiren und zu rechtfertigen.  Über
die Abweichung dieser Eintheilung von der gewöhnlichen Aufführung der
Kategorien, nämlich als Quantität, Qualität, Relation und Modalität,
was übrigens bei Kant nur die Titel für seine Kategorien seyn sollen,
in der That aber selbst, nur allgemeinere, Kategorien sind,--ist
hier nichts zu erinnern, da die ganze Ausführung das überhaupt von
der gewöhnlichen Ordnung und Bedeutung der Kategorien Abweichende
zeigen wird.

Nur dieß kann etwa bemerkt werden, daß sonst die Bestimmung der
Quantität von der Qualität aufgeführt wird,--und dieß--wie das
Meiste--ohne weiteren Grund.  Es ist bereits gezeigt worden, daß der
Anfang sich mit dem Seyn als solchem macht, daher mit dem
qualitativen Seyn.  Aus der Vergleichung der Qualität mit der
Quantität erhellt leicht, daß jene die der Natur nach erste ist.
Denn die Quantität ist die schon negativ gewordenen Qualität; die
Größe ist die Bestimmtheit, die nicht mehr mit dem Seyn Eins, sondern
schon von ihm unterschieden, die aufgehobene, gleichgültig gewordenen
Qualität ist.  Sie schließt die Veränderlichkeit des Seyns ein, ohne
daß die Sache selbst, das Seyn, dessen Bestimmung sie ist, durch sie
verändert werde; da hingegen die qualitative Bestimmtheit mit ihrem
Seyn Eins ist, nicht darüber hinausgeht, noch innerhalb desselben
steht, sondern dessen unmittelbare Beschränktheit ist.  Die Qualität
ist daher, als die unmittelbare Bestimmtheit die erste und mit ihr
der Anfang zu machen.

Das Maaß ist eine Relation, aber nicht die Relation überhaupt,
sondern bestimmt der Qualität und Quantität zu einander; die
Kategorien, die Kant unter der Relation befaßt, werden ganz
anderwärts ihre Stelle nehmen.  Das Maaß kann auch für eine Modalität,
wenn man will, angesehen werden; aber indem bei Kant diese nicht
mehr eine Bestimmung des Inhalts ausmachen, sondern nur die Beziehung
desselben auf das Denken, auf das Subjektive, angehen soll, so ist
dieß eine ganz heterogene, hierher nicht gehörige Beziehung.

Die dritte Bestimmung des Seyns fällt innerhalb des Abschnittes, der
Qualität, indem es sich als abstrakte Unmittelbarkeit zu einer
einzelnen Bestimmtheit gegen seine anderen innerhalb seiner Sphäre
herabsetzt.



Erster Abschnitt.  Bestimmtheit (Qualität).

Das Seyn ist das unbestimmte Unmittelbare; es ist frei von der
Bestimmtheit gegen das Wesen, so wie noch von jeder, die es innerhalb
seiner selbst erhalten kann.  Dieß reflexionslose Seyn ist das Seyn,
wie es unmittelbar nur an ihm selber ist.  Weil es unbestimmt ist,
ist es qualitätsloses Seyn; aber an sich kommt ihm der Charakter der
Unbestimmtheit nur im Gegensatze gegen das Bestimmte oder Qualitative
zu.  Dem Seyn überhaupt tritt aber das bestimmte Seyn als solches
gegenüber, damit aber macht seine Unbestimmtheit selbst seine
Qualität aus.  Es wird sich daher zeigen, daß das erste Seyn, an sich
bestimmtes, und hiermit

Zweitens, daß es in das Daseyn übergeht, Daseyn ist, daß aber dieses
als endliches Seyn sich aufhebt, und in die unendliche Beziehung des
Seyns auf sich selbst,

Drittens in das Fürsichseyn übergeht.



Erstes Kapitel


A.  Seyn.

Seyn, reines Seyn,--ohne alle weitere Bestimmung.  In seiner
unbestimmten Unmittelbarkeit ist es nur sich selbst gleich, und auch
nicht ungleich gegen Anderes, hat keine Verschiedenheit innerhalb
seiner, noch nach Außen.  Durch irgend eine Bestimmung oder Inhalt,
der in ihm unterschieden, oder wodurch es als unterschieden von einem
Anderen gesetzt würde, würde es nicht in seiner Reinheit festgehalten.
Es ist die reine Unbestimmtheit und Leere.--Es ist nichts in ihm
anzuschauen, wenn von Anschauen hier gesprochen werden kann; oder es
ist nur dieß reine, leere Anschauen selbst.  Es ist eben so wenig
etwas in ihm zu denken, oder es ist ebenso nur dieß leere Denken.
Das Seyn, das unbestimmte Unmittelbare ist in der That Nichts, und
nicht mehr noch weniger als Nichts.

B.  Nichts.

Nichts, das reine Nichts; es ist einfache Gleichheit mit sich selbst,
vollkommene Leerheit, Bestimmungs- und Inhaltslosigkeit;
Ununterschiedenheit in ihm selbst.--Insofern Anschauen oder Denken
hier erwähnt werden kann, so gilt es als ein Unterschied, ob etwas
oder nichts angeschaut oder gedacht wird.  Nichts Anschauen oder
Denken hat also eine Bedeutung; beide werden unterschieden, so ist
(existirt) Nichts in unserem Anschauen oder Denken; oder vielmehr ist
es das leere Anschauen und Denken selbst; und dasselbe leere
Anschauen oder Denken, als das reine Seyn.--Nichts ist somit dieselbe
Bestimmung oder vielmehr Bestimmungslosigkeit, und damit überhaupt
dasselbe, was das reine Seyn ist.

C.  Werden.

1.  Einheit des Seyns und Nichts.

Das reine Seyn und das reine Nichts ist also dasselbe.  Was die
Wahrheit ist, ist weder das Seyn, noch das Nichts, sondern daß das
Seyn in Nichts, und das Nichts in Seyn,--nicht übergeht,--sondern
übergegangen ist.  Aber eben so sehr ist die Wahrheit nicht ihre
Ununterschiedenheit, sondern daß sie nicht dasselbe, daß sie absolut
unterschieden, aber ebenso ungetrennt und untrennbar sind, und
unmittelbar jedes in seinem Gegentheil verschwindet.  Ihre Wahrheit
ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des einen in
dem andern; das Werden; eine Bewegung, worin beide unterschieden sind,
aber durch einen Unterschied, der sich eben so unmittelbar aufgelöst
hat.

Anmerkung 1.

Nichts pflegt dem Etwas entgegengesetzt zu werden; Etwas aber ist
schon ein bestimmtes Seyendes, das sich von anderem Etwas
unterscheidet; so ist also auch das dem Etwas entgegengesetzte Nichts,
das Nichts von irgend Etwas, ein bestimmtes Nichts.

Hier aber ist das Nichts in seiner unbestimmten Einfachheit zu nehmen.
--Wollte man es für richtiger halten, daß statt des Nichts dem Seyn
das Nichtseyn entgegengesetzt würde, so wäre in Rücksicht auf das
Resultat nichts dawider zu haben, denn im Nichtseyn ist die Beziehung
auf das Seyn enthalten; es ist Beides, Seyn und die Negation
desselben, in Einem ausgesprochen, das Nichts, wie es im Werden ist.
Aber es ist zunächst nicht um die Form der Entgegensetzung, d. i.
zugleich der Beziehung zu thun, sondern um die abstrakte,
unmittelbare Negation, das Nichts rein für sich, die beziehungslose
Verneinung,--was man, wenn man will, auch durch das bloße: Nicht
ausdrücken könnte.

Den einfachen Gedanken des reinen Seyns haben die Eleaten zuerst,
vorzüglich Parmenides als das Absolute und als einzige Wahrheit, und
in den übergebliebenen Fragmenten von ihm, mit der reinen
Begeisterung des Denkens, das zum ersten Male sich in seiner
absoluten Abstraktion erfaßt, ausgesprochen: nur das Seyn ist, und
das Nichts ist gar nicht.--In orientalischen Systemen, wesentlich im
Buddaismus ist bekanntlich das Nichts, das Leere, das absolute
Princip.--Der tiefsinnige Heraklit hob gegen jene einfache und
einseitige Abstraktion den höheren totalen Begriff des Werdens hervor,
und sagte: das Seyn ist so wenig, als das Nichts, oder auch Alles
fließt, das heißt, Alles ist Werden.--Die populären, besonders
orientalischen Sprüche, daß alles, was ist, den Keim seines Vergehens
in seiner Geburt selbst habe, der Tod umgekehrt der Eingang in neues
Leben sey, drücken im Grunde dieselbe Einigung des Seyns und Nichts
aus.  Aber diese Ausdrücke haben ein Substrat, an dem der Übergang
geschieht; Seyn und Nichts werden in der Zeit auseinander gehalten,
als in ihr abwechselnd vorgestellt, nicht aber in ihrer Abstraktion
gedacht, und daher auch nicht so, daß sie an und für sich dasselbe
sind.

Ex nihilo nihil fit--ist einer der Sätze, denen in der Metaphysik
große Bedeutung zugeschrieben wurde.  Es ist darin entweder nur die
gehaltlose Tautologie zu sehen: Nichts ist Nichts; oder wenn das
Werden wirkliche Bedeutung darin haben sollte, so ist vielmehr, indem
nur Nichts aus Nichts wird, in der That kein Werden darin vorhanden,
denn Nichts bleibt darin Nichts.  Das Werden enthält, daß Nichts
nicht Nichts bleibe, sondern in sein Anderes, in das Seyn übergehe.
--Wenn die spätere vornehmlich christliche Metaphysik den Satz, aus
Nichts werde Nichts, verwarf, so behauptete sie einen Übergang von
Nichts in Seyn; so synthetisch oder bloß vorstellend sie auch diesen
Satz nahm, so ist doch auch in der unvollkommensten Vereinigung ein
Punkt enthalten, worin Seyn und Nichts zusammentreffen, und ihre
Unterschiedenheit verschwindet.--Seine eigentliche Wichtigkeit hat
der Satz: Aus Nichts wird Nichts, Nichts ist eben Nichts, durch
seinen Gegensatz gegen das Werden überhaupt und damit auch gegen die
Erschaffung der Welt aus Nichts.  Diejenigen, welche den Satz: Nichts
ist eben Nichts, sogar sich dafür ereifernd, behaupten, sind
bewußtlos darüber, daß sie damit dem abstrakten Pantheismus der
Eleaten, der Sache nach auch dem spinozistischen, beipflichten.  Die
philosophische Ansicht, welcher: Seyn ist nur Seyn, Nichts ist nur
Nichts, als Princip gilt, verdient den Namen Identitätssystem; diese
abstrakte Identität ist das Wesen des Pantheismus.

Wenn das Resultat, daß Seyn und Nichts dasselbe ist, für sich
auffällt oder paradox scheint, so ist hierauf nicht weiter zu achten;
es wäre sich vielmehr über jene Verwunderung zu verwundern, die sich
so neu in der Philosophie zeigt und vergißt, daß in dieser
Wissenschaft ganz andere Bestimmungen vorkommen, als im gewöhnlichen
Bewußtseyn und im sogenannten gemeinen Menschenverstande, der nicht
gerade der gesunde, sondern auch der zu Abstraktionen und zu dem
Glauben oder vielmehr Aberglauben an Abstraktionen heraufgebildete
Verstand ist.  Es wäre nicht schwer, diese Einheit von Seyn und
Nichts, in jedem Beispiele, in jedem Wirklichen oder Gedanken
aufzuzeigen.  Es muß dasselbe, was oben von der Unmittelbarkeit und
Vermittelung, (welche letztere eine Beziehung aufeinander, damit
Negation enthält), vom Seyn und Nichts gesagt werden, daß es nirgend
im Himmel und auf Erden Etwas gebe, was nicht beides Seyn und Nichts
in sich enthielte.  Freilich da hierbei von einem irgend Etwas und
Wirklichem die Rede wird, so sind darin jene Bestimmungen nicht mehr
in der vollkommenen Unwahrheit, in der sie als Seyn und Nichts sind,
vorhanden, sondern in einer weitern Bestimmung, und werden z.B. als
Positives und Negatives aufgefaßt, jenes das gesetzte, reflektirte
Seyn, dieses das gesetzte, reflektirte Nichts; aber Positives und
Negatives enthalten jenes das Seyn, dieses das Nichts als ihre
abstrakte Grundlage.--So in Gott selbst enthält die Qualität,
Thätigkeit, Schöpfung, Macht u.s.f. wesentlich die Bestimmung des
Negativen,--sie sind ein Hervorbringen eines Anderen.  Aber eine
empirische Erläuterung von jener Behauptung durch Beispiele wäre hier
ganz und gar überflüssig.  Da nunmehr diese Einheit von Seyn und
Nichts als erste Wahrheit ein für allemal zu Grunde liegt, und das
Element von allem Folgenden ausmacht, so sind außer dem Werden selbst,
alle ferneren logischen Bestimmungen: Daseyn, Qualität, überhaupt
alle Begriffe der Philosophie, Beispiele dieser Einheit.--Aber der
sich so nennende gemeine oder gesunde Menschenverstand mag auf den
Versuch hingewiesen werden, insofern er die Ungetrenntheit des Seyns
und Nichts verwirft, sich ein Beispiel ausfindig zu machen, worin
eins vom andern (Etwas von Grenze, Schranke, oder das Unendliche,
Gott, wie so eben erwähnt, von Thätigkeit) getrennt zu finden sey.
Nur die leeren Gedankendinge, Seyn und Nichts, selbst, sind diese
Getrennte, und sie sind es, die der Wahrheit, der Ungetrenntheit
beider, die allenthalben vor uns ist, von jenem Verstande vorgezogen
werden.

Man kann nicht die Absicht haben wollen, den Verwirrungen, in welche
sich das gewöhnliche Bewußtseyn bei einem solchen logischen Satze
versetzt, nach allen Seiten hin begegnen zu wollen, denn sie sind
unerschöpflich.  Es können nur einige erwähnt werden.  Ein Grund
solcher Verwirrung ist unter andern, daß das Bewußtseyn zu solchem
abstrakten logischen Satze Vorstellungen von einem konkreten Etwas
mitbringt und vergißt, daß von einem solchen nicht die Rede ist,
sondern nur von den reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts, und
daß diese allein festzuhalten sind.

Seyn und Nichtseyn ist dasselbe; also ist es dasselbe, ob ich bin
oder nicht bin, ob dieses Haus ist oder nicht ist, ob diese hundert
Thaler in meinem Vermögenszustand sind oder nicht.--Dieser Schluß
oder Anwendung jenes Satzes verändert dessen Sinn vollkommen.  Der
Satz enthält die reinen Abstraktionen des Seyns und Nichts; die
Anwendung aber macht ein bestimmtes Seyn und bestimmtes Nichts daraus.
Allein vom bestimmten Seyn ist, wie gesagt, hier nicht die Rede.
Ein bestimmtes, ein endliches Seyn ist ein solches, das sich auf
anderes bezieht; es ist ein Inhalt, der im Verhältnisse der
Nothwendigkeit mit anderem Inhalte, mit der ganzen Welt, steht.  In
Rücksicht des wechselbestimmenden Zusammenhangs des Ganzen konnte die
Metaphysik die--im Grunde tautologische--Behauptung machen, daß wenn
ein Stäubchen zerstört würde, das ganze Universum zusammenstürzte.
In den Instanzen, die gegen den in Rede stehenden Satz gemacht werden,
erscheint etwas als nicht gleichgültig, ob es sey oder nicht sey,
nicht um des Seyns oder Nichtseyns willen, sondern seines Inhalts
willen, der es mit anderem zusammenhängt.  Wenn ein bestimmter Inhalt,
irgend ein bestimmtes Daseyn vorausgesetzt wird, so ist dieß Daseyn,
weil es bestimmtes ist, in mannigfaltiger Beziehung auf anderen
Inhalt; es ist für dasselbe nicht gleichgültig, ob ein gewisser
anderer Inhalt, mit dem es in Beziehung steht, ist oder nicht ist;
denn nur durch solche Beziehung ist es wesentlich das, was es ist.
Dasselbe ist der Fall in dem Vorstellen (indem wir das Nichtseyn in
dem bestimmteren Sinne des Vorstellens gegen die Wirklichkeit nehmen),
in dessen Zusammenhange das Seyn oder die Abwesenheit eines Inhalts,
der als bestimmt mit anderem in Beziehung vorgestellt wird, nicht
gleichgültig ist.--Diese Betrachtung enthält dasselbe, was ein
Hauptmoment in der Kantischen Kritik des ontologischen Beweises vom
Daseyn Gottes ausmacht, auf welche jedoch hier nur im Betreff des in
ihr vorkommenden Unterschieds von Seyn und Nichts überhaupt und von
bestimmtem Seyn oder Nichtseyn Rücksicht genommen wird.--Bekanntlich
wurde in jenem sogenannten Beweise der Begriff eines Wesens
vorausgesetzt, dem alle Realitäten zukommen, somit auch die Existenz,
die gleichfalls als eine der Realitäten angenommen wurde.  Die
Kantische Kritik hielt sich vornehmlich daran, daß die Existenz oder
das Seyn (was hier für gleichbedeutend gilt) keine Eigenschaft oder
kein reales Prädikat sey, das heiße, nicht ein Begriff von etwas, was
zu dem Begriffe eines Dinges hinzukommen könne.Kants Kritik der r.
Vern. 2te Aufl.  S. 628ff.--Kant will damit sagen, daß Seyn keine
Inhaltsbestimmung sey.--Also enthalte, fährt er fort, das Mögliche
nicht mehr als das Wirkliche; hundert wirkliche Thaler enthalten
nicht das Mindeste mehr, als hundert mögliche;--nämlich jene haben
keine andere Inhaltsbestimmung als diese.  Für diesen als isolirt
betrachteten Inhalt ist es in der That gleichgültig, zu seyn oder
nicht zu seyn; es liegt in ihm kein Unterschied des Seyns oder
Nichtseyns, dieser Unterschied berührt ihn überhaupt gar nicht; die
hundert Thaler werden nicht weniger, wenn sie nicht sind, und nicht
mehr, wenn sie sind.  Ein Unterschied muß erst anderswoher kommen.
--"Hingegen, erinnert Kant, in meinem Vermögenszustande ist mehr bei
hundert wirklichen Thalern, als bei dem bloßen Begriff derselben,
oder bei ihrer Möglichkeit.  Denn der Gegenstand ist bei der
Wirklichkeit nicht bloß in meinem Begriff analytisch enthalten,
sondern kommt zu meinem Begriffe, (der eine Bestimmung meines
Zustandes ist,) synthetisch hinzu, ohne daß durch dieses Seyn außer
meinem Begriffe, diese gedachten hundert Thaler selbst im mindesten
vermehrt würden."

Es werden hier zweierlei Zustände, um bei den Kantischen Ausdrücken,
die nicht ohne verworrene Schwerfälligkeit sind, zu bleiben,
vorausgesetzt, der eine, welchen Kant den Begriff nennt, darunter die
Vorstellung zu verstehen ist, und ein anderer, der Vermögenszustand.
Für den einen wie für den andern, das Vermögen wie das Vorstellen,
sind hundert Thaler eine Inhaltsbestimmung, oder "sie kommen zu einem
solchen, wie Kant sich ausdrückt, synthetisch hinzu;" Ich als
Besitzer von hundert Thalern, oder als Nichtbesitzer derselben, oder
auch ich als mir hundert Thaler vorstellend, oder sie nicht
vorstellend, ist allerdings ein verschiedener Inhalt.  Allgemeiner
gefaßt: Die Abstraktionen von Seyn und Nichts hören beide auf,
Abstraktionen zu seyn, indem sie einen bestimmten Inhalt erhalten;
Seyn ist dann Realität, das bestimmte Seyn von Thalern, das Nichts
Negation, das bestimmte Nichtseyn von denselben.  Diese
Inhaltsbestimmtheit selbst, die hundert Thaler, auch abstrakt für
sich gefaßt, ist in dem einen unverändert dasselbe, was in dem andern.
Indem aber ferner das Seyn als Vermögens-Zustand genommen wird,
treten die hundert Thaler in Beziehung zu einem Zustand, und für
diesen ist solche Bestimmtheit, die sie sind, nicht gleichgültig; ihr
Seyn oder Nichtseyn ist nur Veränderung; sie sind in die Sphäre des
Daseyns versetzt.  Wenn daher gegen die Einheit des Seyns und Nichts
urgirt wird, es sey doch nicht gleichgültig, ob dieß und jenes (die
Thaler) sey oder nicht sey, so ist es eine Täuschung, daß wir den
Unterschied bloß aufs Seyn und Nichtseyn hinausschieben, ob ich die
hundert Thaler habe oder nicht habe--eine Täuschung, die wie gezeigt,
auf der einseitigen Abstraktion beruht, welche das bestimmte Daseyn,
das in solchen Beispielen vorhanden ist, wegläßt und bloß das Seyn
und Nichtseyn festhält; wie sie umgekehrt das abstrakte Seyn und
Nichts, das aufgefaßt werden soll, in ein bestimmtes Seyn und Nichts,
in ein Daseyn, verwandelt.  Erst das Daseyn enthält den realen
Unterschied von Seyn und Nichts, nämlich ein Etwas und ein Anderes.
--Dieser reale Unterschied schwebt der Vorstellung vor, statt des
abstrakten Seyns und reinen Nichts, und ihrem nur gemeinten
Unterschiede.

Wie Kant sich ausdrückt, so kommt "durch die Existenz etwas in den
Kontext der gesammten Erfahrung," "wir bekommen dadurch einen
Gegenstand der Wahrnehmung mehr, aber unser Begriff von dem
Gegenstande wird dadurch nicht vermehrt."

Dieß heißt, wie aus dem Erläuterten hervorgeht, so viel, durch die
Existenz, wesentlich darum weil Etwas bestimmte Existenz ist, ist es
in dem Zusammenhang mit Anderem, und unter anderem auch mit einem
Wahrnehmenden.--"Der Begriff der hundert Thaler, sagt Kant, werde
nicht durch das Wahrnehmen vermehrt." Der Begriff heißt hier die
vorhin bemerkten isolirt vorgestellten hundert Thaler.  In dieser
isolirten Weise sind sie zwar ein empirischer Inhalt, aber
abgeschnitten, ohne Zusammenhang und Bestimmtheit gegen Anderes; die
Form der Identität mit sich benimmt ihnen die Beziehung auf anderes
und macht sie gleichgültig, ob sie wahrgenommen seyen oder nicht.
Aber dieser sogenannte Begriff der hundert Thaler ist ein falscher
Begriff, die Form der einfachen Beziehung auf sich gehört solchem
begränzten, endlichen Inhalt nicht selbst; es ist eine ihm vom
subjektiven Verstande angethane und geliehene Form; hundert Thaler
sind nicht ein sich auf sich Beziehendes, sondern ein Veränderliches
und Vergängliches.

Das Denken oder Vorstellen, dem nur ein bestimmtes Seyn, das Daseyn,
vorschwebt, ist zu dem erwähnten Anfange der Wissenschaft zurück zu
weisen, welchen Parmenides gemacht hat, der sein Vorstellen und damit
auch das Vorstellen der Folgezeit zu dem reinen Gedanken, dem Seyn
als solchen, geläutert und erhoben, und damit das Element der
Wissenschaft erschaffen hat.--Was das Erste in der Wissenschaft ist,
hat sich müssen geschichtlich als das Erste zeigen.  Und das
Eleatische Eine oder Seyn haben wir für das Erste des Wissens vom
Gedanken anzusehen; das Wasser und dergleichen materielle Principien
sollen wohl das Allgemeine seyn, aber sind als Materien nicht reine
Gedanken; die Zahlen sind weder der erste einfache noch der bei sich
bleibende, sondern der sich selbst ganz äußerliche Gedanke.

Die Zurückweisung vom besonderen endlichen Seyn zum Seyn als solchen
in seiner ganz abstrakten Allgemeinheit ist wie als die allererste
theoretische so auch sogar praktische Forderung anzusehen.  Wenn
nämlich ein Aufhebens von den hundert Thalern gemacht wird, daß es in
meinem Vermögenszustand einen Unterschied mache, ob ich sie habe oder
nicht, noch mehr ob Ich sey oder nicht, ob Anderes sey oder nicht, so
kann--ohne zu erwähnen, daß es Vermögenszustände geben wird, für die
solcher Besitz von hundert Thalern gleichgültig seyn wird,--daran
erinnert werden, daß der Mensch sich zu dieser abstrakten
Allgemeinheit in seiner Gesinnung erheben soll, in welcher es ihm in
der That gleichgültig sey, ob die hundert Thaler, sie mögen ein
quantitatives Verhältniß zu seinem Vermögenszustand haben, welches
sie wollen, seyen oder ob sie nicht seyen, ebenso sehr als es ihm
gleichgültig sey, ob er sey oder nicht, d. i. im endlichen Leben sey
oder nicht (denn ein Zustand, bestimmtes Seyn ist gemeint) u.s.f.
--selbst si fractus illabatur orbis, impavidum ferient ruinae, hat
ein Römer gesagt, und der Christ soll sich noch mehr in dieser
Gleichgültigkeit befinden.

Es ist noch die unmittelbare Verbindung anzumerken, in welcher die
Erhebung über die hundert Thaler und die endlichen Dinge überhaupt
mit dem ontologischen Beweise und der angeführten kantischen Kritik
desselben steht.  Diese Kritik hat sich durch ihr populäres Beispiel
allgemein plausibel gemacht; wer weiß nicht, daß hundert wirkliche
Thaler verschieden sind von hundert bloß möglichen Thalern? daß sie
einen Unterschied in meinem Vermögenszustand ausmachen?  Weil sich so
an den hundert Thalern diese Verschiedenheit hervorthut, so ist der
Begriff d. h. die Inhaltsbestimmtheit als leere Möglichkeit, und das
Seyn verschieden von einander; also ist auch Gottes Begriff von
seinem Seyn verschieden, und so wenig ich aus der Möglichkeit der
hundert Thaler ihre Wirklichkeit herausbringen kann, eben so wenig
kann ich aus dem Begriffe Gottes seine Existenz "herausklauben"; aus
diesem Herausklauben aber der Existenz Gottes aus seinem Begriffe
soll der ontologische Beweis bestehen.  Wenn es nun allerdings seine
Richtigkeit hat, daß Begriff vom Seyn verschieden ist, so ist noch
mehr Gott verschieden von den hundert Thalern und den anderen
endlichen Dingen.  Es ist die Definition der endlichen Dinge, daß in
ihnen Begriff und Seyn verschieden, Begriff und Realität, Seele und
Leib, trennbar, sie damit vergänglich und sterblich sind; die
abstrakte Definition Gottes ist dagegen eben dieß, daß sein Begriff
und sein Seyn ungetrennt und untrennbar sind.  Die wahrhafte Kritik
der Kategorien und der Vernunft ist gerade diese, das Erkennen über
diesen Unterschied zu verständigen und dasselbe abzuhalten, die
Bestimmungen und Verhältnisse des Endlichen auf Gott anzuwenden.

Anmerkung 2.

Es ist weiter ein anderer Grund anzuführen, welcher zu dem
Widerwillen gegen den Satz über Seyn und Nichts behülflich ist;
dieser Grund ist, daß der Ausdruck des Resultats, das sich aus der
Betrachtung des Seyns und des Nichts ergiebt, durch den Satz: Seyn
und Nichts ist eins und dasselbe, unvollkommen ist.  Der Accent wird
vorzugsweise auf das Eins- und dasselbe-seyn gelegt, wie im Urtheile
überhaupt, als in welchem das Prädikat erst es aussagt, was das
Subjekt ist.  Der Sinn scheint daher zu seyn, daß der Unterschied
geläugnet werde, der doch zugleich im Satze unmittelbar vorkommt;
denn er spricht die beiden Bestimmungen, Seyn und Nichts, aus, und
enthält sie als unterschiedene.--Es kann zugleich nicht gemeint seyn,
daß von ihnen abstrahirt und nur die Einheit festgehalten werden soll.
Dieser Sinn gäbe sich selbst für einseitig, da das, wovon
abstrahirt werden soll, gleichwohl im Satze vorhanden ist und genannt
wird.--Insofern nun der Satz: Seyn und Nichts ist dasselbe, die
Identität dieser Bestimmungen ausspricht, aber in der That ebenso sie
beide als unterschieden enthält, widerspricht er sich in sich selbst
und löst sich auf.  Halten wir dieß näher fest, so ist also hier ein
Satz gesetzt, der näher betrachtet, die Bewegung hat, durch sich
selbst zu verschwinden.  Damit aber, geschieht an ihm selbst das, was
seinen eigentlichen Inhalt ausmachen soll, nämlich das Werden.

Der Satz enthält somit das Resultat, er ist dieses an sich selbst.
Der Umstand aber, auf den hier aufmerksam zu machen ist, ist der
Mangel, daß das Resultat nicht selbst im Satze ausgedrückt ist; es
ist eine äußere Reflexion, welche es in ihm erkennt.--Es muß hierüber
sogleich im Anfange diese allgemeine Bemerkung gemacht werden, daß
der Satz, in Form eines Urtheils, nicht geschickt ist, spekulative
Wahrheiten auszudrücken; die Bekanntschaft mit diesem Umstande wäre
geeignet, viele Mißverständnisse spekulativer Wahrheiten zu
beseitigen.  Das Urtheil ist eine identische Beziehung zwischen
Subjekt und Prädikat; es wird dabei davon abstrahirt, daß das Subjekt
noch mehrere Bestimmtheiten hat als die des Prädikats, so wie davon,
daß das Prädikat weiter ist als das Subjekt.  Ist nun aber der Inhalt
spekulativ, so ist auch das Nichtidentische des Subjekts und
Prädikats wesentliches Moment, aber dieß ist im Urtheile nicht
ausgedrückt.  Das paradoxe und bizarre Licht, in dem Vieles der
neueren Philosophie den mit dem spekulativen Denken nicht Vertrauten
erscheint, fällt vielfältig in die Form des einfachen Urtheils, wenn
sie für den Ausdruck spekulativer Resultate gebraucht wird.

Der Mangel wird, zum Behuf, die spekulative Wahrheit auszudrücken,
zunächst so ergänzt, daß der entgegengesetzte Satz hinzugefügt wird,
der Satz: Seyn und Nichts ist nicht dasselbe, der oben gleichfalls
ausgesprochen ist.  Allein so entsteht der weitere Mangel, daß diese
Sätze unverbunden sind, somit den Inhalt nur in der Antinomie
darstellen, während doch ihr Inhalt sich auf Ein und Dasselbe bezieht,
und die Bestimmungen, die in den zwei Sätzen ausgedrückt sind,
schlechthin vereinigt seyn sollen,--eine Vereinigung, welche dann nur
als eine Unruhe zugleich unverträglicher, als eine Bewegung
ausgesprochen werden kann.  Das gewöhnlichste Unrecht, welches
spekulativem Gehalte angethan wird, ist, ihn einseitig zu machen, d.
i. den einen der Sätze nur, in die er aufgelöst werden kann, heraus
zu heben.  Es kann dann nicht geläugnet werden, daß dieser Satz
behauptet wird; so richtig die Angabe ist, so falsch ist sie, denn
wenn einmal Ein Satz aus dem Spekulativen genommen ist, so müßte
wenigstens ebenso sehr der andere gleichfalls beachtet und angegeben
werden.--Es ist hierbei noch das so zu sagen unglückliche Wort:
Einheit besonders zu erwähnen; die Einheit bezeichnet noch mehr als
die Identität eine subjektive Reflexion; sie wird vornehmlich als die
Beziehung genommen, welche aus der Vergleichung, der äußerlichen
Reflexion, entspringt.  Insofern diese in zwei verschiedenen
Gegenständen dasselbe findet, ist eine Einheit so vorhanden, daß
dabei die vollkommene Gleichgültigkeit der Gegenstände selbst, die
verglichen werden, gegen diese Einheit vorausgesetzt wird, so daß
dieß Vergleichen und die Einheit die Gegenstände selbst nichts angeht,
und ein ihnen äußerliches Thun und Bestimmen ist.  Die Einheit
drückt daher die ganz abstrakte Dieselbigkeit aus, und lautet um so
härter und auffallender, je mehr die, von denen sie ausgesprochen
wird, sich schlechthin unterschieden zeigen.  Für Einheit würde daher
insofern besser nur Ungetrenntheit und Untrennbarkeit gesagt; aber
damit ist das Affirmative der Beziehung des Ganzen nicht ausgedrückt.

So ist das ganze, wahre Resultat, das sich hier ergeben hat, das
Werden, welches nicht bloß die einseitige oder abstrakte Einheit des
Seyns und Nichts ist.  Sondern es besteht in dieser Bewegung, daß das
reine Seyn unmittelbar und einfach ist, daß es darum eben so sehr das
reine Nichts ist, daß der Unterschied derselben ist, aber eben so
sehr sich aufhebt und nicht ist.  Das Resultat behauptet also den
Unterschied des Seyns und des Nichts eben so sehr, aber als einen nur
gemeinten.

Man meint, das Seyn sey vielmehr das schlechthin Andere, als das
Nichts ist, und es ist nichts klarer, als ihr absoluter Unterschied,
und es scheint nichts leichter, als ihn angeben zu können.  Es ist
aber eben so leicht, sich zu überzeugen, daß dieß unmöglich, daß er
unsagbar ist.  Die, welche auf dem Unterschiede von Seyn und Nichts
beharren wollen, mögen sich auffordern, anzugeben, worin er besteht.
Hätte Seyn und Nichts irgend eine Bestimmtheit, wodurch sie sich
unterschieden, so wären sie, wie erinnert worden, bestimmtes Seyn und
bestimmtes Nichts, nicht das reine Seyn und das reine Nichts, wie sie
es hier noch sind.  Ihr Unterschied ist daher völlig leer, jedes der
beiden ist auf gleiche Weise das Unbestimmte; er besteht daher nicht
an ihnen selbst, sondern nur in einem Dritten, im Meinen.  Aber das
Meinen ist eine Form des Subjektiven, das nicht in diese Reihe der
Darstellung gehört.  Das Dritte aber, worin Seyn und Nichts ihr
Bestehen haben, muß auch hier vorkommen; und es ist vorgekommen, es
ist das Werden.  In ihm sind sie als unterschiedene; Werden ist nur,
insofern sie unterschieden sind.  Dieß Dritte ist ein Anderes als sie;
--sie bestehen nur in einem Anderen, dieß heißt gleichfalls, sie
bestehen nicht für sich.  Das Werden ist das Bestehen des Seyns so
sehr als des Nichtseyns; oder ihr Bestehen ist nur ihr Seyn in Einem;
gerade dieß ihr Bestehen ist es, was ihren Unterschied eben so sehr
aufhebt.

Die Aufforderung, den Unterschied von Seyn und Nichts anzugeben,
schließt auch die in sich, zu sagen, was denn Seyn und was Nichts ist.
Die sich dagegen sträuben, das eine wie das andere nur als ein
Übergehen in einander zu erkennen, und vom Seyn und vom Nichts dieß
oder das behaupten, mögen angeben, von was sie sprechen, d. i. eine
Definition vom Seyn und Nichts aufstellen, und aufzeigen, daß sie
richtig ist.  Ohne dieser ersten Forderung der alten Wissenschaft
genügt zu haben, deren logische Regeln sie sonst gelten lassen und
anwenden, sind alle jene Behauptungen über das Seyn und Nichts nur
Versicherungen, wissenschaftliche Ungültigkeiten.  Wenn man sonst
gesagt hat, die Existenz, insofern man diese zunächst für
gleichbedeutend mit Seyn hält, sey die Ergänzung zur Möglichkeit, so
ist damit eine andere Bestimmung, die Möglichkeit, vorausgesetzt, das
Seyn nicht in seiner Unmittelbarkeit, sogar als nicht selbstständig,
als bedingt ausgesprochen.  Für das Seyn, welches vermittelt ist,
werden wir den Ausdruck: Existenz, aufbehalten.  Aber man stellt sich
wohl das Seyn vor--etwa unter dem Bilde des reinen Lichts, als die
Klarheit ungetrübten Sehens, das Nichts aber als die reine Nacht, und
knüpft ihren Unterschied an diese wohlbekannte sinnliche
Verschiedenheit.  In der That aber, wenn man auch dieß Sehen sich
genauer vorstellt, so kann man leicht gewahr werden, daß man in der
absoluten Klarheit so viel und so wenig sieht, als in der absoluten
Finsterniß, daß das eine Sehen so gut als das andere, reines Sehen,
Sehen von Nichts ist.  Reines Licht und reine Finsterniß sind zwei
Leeren, welche dasselbe sind.  Erst in dem bestimmten Lichte--und das
Licht wird durch die Finsterniß bestimmt,--also im getrübten Lichte,
ebenso erst in der bestimmten Finsterniß,--und die Finsterniß wird
durch das Licht bestimmt,--in der erhellten Finsterniß kann etwas
unterschieden werden, weil erst das getrübte Licht und die erhellte
Finsterniß den Unterschied an ihnen selbst haben, und damit
bestimmtes Seyn, Daseyn, sind.

Anmerkung 3.

Die Einheit, deren Momente, Seyn und Nichts, als untrennbare sind,
ist von ihnen selbst zugleich verschieden, so ein Drittes gegen sie,
welches in seiner eigenthümlichsten Form das Werden ist.
Übergehen ist dasselbe als Werden, nur daß in jenem die beiden,
von deren Einem zum anderen übergegangen wird, mehr als außereinander
ruhend und das Übergehen als zwischen ihnen geschehend vorgestellt
wird.  Wo und Wie nun vom Seyn oder Nichts die Rede wird, muß dieses
Dritte vorhanden seyn; denn jene bestehen nicht für sich, sondern
sind nur im Werden, in diesem Dritten.  Aber dieses Dritte hat
vielfache empirische Gestalten, welche von der Abstraktion bei Seite
gestellt oder vernachläßigt werden, um jene ihre Produkte, das Seyn
und das Nichts, jedes für sich festzuhalten und sie gegen das
Übergehen geschützt zu zeigen.  Gegen solches einfaches Verhalten der
Abstraktion ist ebenso einfach nur an die empirische Existenz zu
erinnern, in der jene Abstraktion selbst nur Etwas ist, ein Daseyn
hat.  Oder es sind sonst Reflexionsformen, durch welche die Trennung
der Untrennbaren fixirt werden soll.  An solcher Bestimmung ist an
und für sich das Gegentheil ihrer selbst vorhanden, und ohne auf die
Natur der Sache zurückzugehen und an diese zu appelliren, ist jene
Reflexionsbestimmung an ihr selbst dadurch zu konfondiren, daß sie
genommen wird, wie sie sich giebt, und ihr Anderes an ihr selbst
aufgezeigt wird.  Es würde eine vergebliche Mühe seyn, alle Wendungen
und Einfälle der Reflexion und ihres Raisonnements gleichsam
einfangen zu wollen, um ihr die Auswege und Absprünge, womit sie sich
ihren Widerspruch gegen sich selbst verdeckt, zu benehmen und
unmöglich zu machen.  Darum enthalte ich mich auch, gegen vielfache
sich so nennende Einwürfe und Widerlegungen, welche dagegen, daß
weder Seyn noch Nichts etwas Wahrhaftes, sondern nur das Werden ihre
Wahrheit ist, aufgebracht worden sind, Rücksicht zu nehmen; die
Gedanken-Bildung, die dazu gehört, die Nichtigkeit jener
Widerlegungen einzusehen oder vielmehr solche Einfälle sich selbst zu
vertreiben, wird nur durch die kritische Erkenntniß der
Verstandesformen bewirkt; aber die, welche am ergiebigsten an
dergleichen Einwürfen sind, fallen sogleich über die ersten Sätze mit
ihren Reflexionen her, ohne durch das weitere Studium der Logik sich
zum Bewußtseyn über die Natur dieser kruden Reflexionen zu verhelfen
oder verholfen zu haben.

Es sollen einige der Erscheinungen betrachtet werden, die sich daran
ergeben, wenn das Seyn und das Nichts von einander isolirt, und Eins
außer dem Bereiche des Anderen gesetzt wird, so daß hiermit das
Übergehen negirt ist.

Parmenides hielt das Seyn fest und war am konsequentesten, indem er
zugleich vom Nichts sagte, daß es gar nicht ist; nur das Seyn ist.
Das Seyn so ganz für sich ist das Unbestimmte, hat also keine
Beziehung auf Anderes; es scheint daher, daß von diesem Anfang aus
nicht weiter fortgegangen werden könne, nämlich aus ihm selbst, und
ein Fortgang nur dadurch geschehen könne, daß von Außen etwas Fremdes
daran geknüpft würde.  Der Fortgang, daß das Seyn dasselbe ist als
das Nichts, erscheint somit als ein zweiter, absoluter Anfang,--ein
Übergehen, das für sich ist, und äußerlich zu dem Seyn hinzuträte.
Seyn wäre überhaupt nicht der absolute Anfang, wenn es eine
Bestimmtheit hätte; alsdann hänge es von einem Andern ab, und wäre
nicht unmittelbar, nicht der Anfang.  Ist es aber unbestimmt, und
damit wahrer Anfang, so hat es auch nichts, wodurch es sich zu einem
anderen überleitet, es ist zugleich das Ende.  Es kann ebenso wenig
etwas aus demselben hervorbrechen, als etwas in dasselbe einbrechen
kann; bei Parmenides wie bei Spinoza soll von dem Seyn oder der
absoluten Substanz nicht fortgegangen werden zu dem Negativen,
Endlichen.  Wird nun dennoch fortgegangen, was wie bemerkt, von dem
beziehungs--hiermit fortgangslosen Seyn aus nur auf äußerliche Weise
geschehen kann, so ist dieser Fortgang ein zweiter, neuer Anfang.  So
ist Fichte's absolutester, unbedingter Grundsatz: A = A Setzen; der
zweite ist Entgegensetzen; dieser soll zum Theil bedingt, zum Theil
unbedingt (somit der Widerspruch in sich) seyn.  Es ist dieß ein
Fortgehen der äußern Reflexion, welches ebensowohl das, womit es als
einem Absoluten anfängt, wieder verneint,--das Entgegensetzen ist die
Negation der ersten Identität,--als es sein zweites Unbedingtes
sogleich ausdrücklich zugleich zu einem Bedingten macht.  Wenn aber
überhaupt eine Berechtigung wäre, fortzugehen, d. i. den ersten
Anfang aufzuheben, so müßte es in diesem ersten selbst liegen, daß
ein Anderes sich darauf beziehen könnte; es müßte also ein Bestimmtes
seyn.  Allein für ein solches giebt sich das Seyn oder auch die
absolute Substanz nicht aus; im Gegentheil.  Es ist das Unmittelbare,
das noch schlechthin Unbestimmte.

Die beredtesten, vielleicht vergessenen Schilderungen über die
Unmöglichkeit, von einem Abstrakten zu einem Ferneren und zu einer
Vereinigung beider zu kommen, macht Jacobi im Interesse seiner
Polemik gegen die kantische Synthesis des Selbstbewußtseyns a priori,
in seiner Abh. über das Unternehmen des Kriticismus, die Vernunft zu
Verstande zu bringen (Jac.  Werke III. Bd.).  Er stellt (S. 113) die
Aufgabe so, daß in einem Reinen, sey es des Bewußtseyns, des Raums
oder der Zeit, das Entstehen oder Hervorbringen einer Synthesis
aufgezeigt werde.  "Der Raum sey Eines, die Zeit sey Eines, das
Bewußtseyn sey Eines;--sagt nun an, wie sich eines von diesen drei
Einen in ihm selbst rein vermannigfaltiget;--jedes ist nur Eines und
kein Anderes;--eine Einerleiheit, eine Der- Die- Das- Selbigkeit!
ohne Derheit, Dieheit, Dasheit; denn diese schlummern, mit den Der,
Die, Das noch im unendlichen = 0 des Unbestimmten, woraus alles und
jedes Bestimmte auch erst hervorgehen soll!  Was bringt in jene, drei
Unendlichkeiten, Endlichkeit; was befruchtet Raum und Zeit a priori
mit Zahl und Maß, und verwandelt sie in ein reines Mannigfaltiges;
was bringt die reine Spontaneität (Ich) zur Oscillation?  Wie kommt
sein reiner Vokal zum Mitlauter, oder vielmehr wie setzt sein
lautloses ununterbrochenes Blasen, sich selbst unterbrechend, ab, um
wenigstens eine Art von Selbstlaut, einen Accent zu gewinnen?"--Man
sieht, Jacobi hat sehr bestimmt das Unwesen der Abstraktion, es sey
nun sogenannter absoluter d. i. nur abstrakter Raum, oder ebensolche
Zeit, oder ebensolches reines Bewußtseyn, Ich, erkannt; er beharrt
darin zu dem Behuf, die Unmöglichkeit eines Fortgangs zu Anderem, der
Bedingung einer Synthesis, und zur Synthesis selbst zu behaupten.
Die Synthesis, welche das Interesse ausmacht, muß nicht als eine
Verknüpfung von äußerlich schon vorhandenen Bestimmungen genommen
werden,--Theils ist es selbst um die Erzeugung eines Zweiten zu einem
Ersten, eines Bestimmten zum unbestimmten Anfänglichen zu thun;
Theils aber um die immanente Synthesis, Synthesis a priori,--an und
für sich seyende Einheit des Unterschiedenen.  Werden ist diese
immanente Synthesis des Seyns und Nichts; aber weil der Synthesis der
Sinn von einem äußerlichen Zusammenbringen äußerlich gegeneinander
Vorhandener am nächsten liegt, ist mit Recht der Name Synthesis,
synthetische Einheit außer Gebrauch gesetzt worden.--Jacobi fragt,
wie kommt der reine Vokal des Ich zum Mitlauter, was bringt
Bestimmtheit in die Unbestimmtheit--das was? wäre leicht beantwortet,
und von Kant ist diese Frage auf seine Weise beantwortet worden; aber
die Frage nach dem Wie? heißt: auf welche Art und Weise, nach welchem
Verhältniß und dergleichen, und verlangt so die Angabe einer
besondern Kategorie; aber von Art und Weise, Verstandes-Kategorien
kann hierbei nicht die Rede seyn.  Die Frage nach dem wie? gehört
selbst zu den übeln Manieren der Reflexion, welche nach der
Begreiflichkeit frägt, aber dabei ihre festen Kategorien voraussetzt,
und damit zum Voraus gegen die Beantwortung dessen, nach was sie
fragt, sich gewaffnet weiß.  Den höheren Sinn einer Frage nach der
Nothwendigkeit der Synthese hat sie bei Jacobi auch nicht, denn er
bleibt, wie gesagt, fest in den Abstraktionen beharren, für die
Behauptung der Unmöglichkeit der Synthese.  Insbesondere anschaulich
beschreibt er (S. 147) die Procedur zur Abstraktion des Raumes zu
gelangen.  "Ich muß für so lange rein zu vergessen suchen, daß ich je
irgend etwas sah, hörte, rührte und berührte, mich selbst
ausdrücklich nicht ausgenommen.  Rein, rein, rein vergessen muß ich
alle Bewegung, und mir gerade dieß Vergessen, weil es das schwerste
ist, am angelegentlichsten seyn lassen.  Alles überhaupt muß ich, so
wie ich es weggedacht habe, auch ganz und vollkommen weggeschafft
seyn lassen, und gar nichts übrig behalten, als die mit Gewalt stehen
gebliebene Anschauung allein des unendlichen unveränderlichen Raums.
Ich darf mich daher auch nicht selbst als etwas von ihm
Unterschiedenes und gleichwohl mit ihm Verbundenes, wieder in ihn
hineindenken; ich darf mich nicht von ihm bloß umgeben und
durchdringen lassen; sondern ich muß ganz übergehen in ihn, Eins mit
ihm werden, mich in ihn verwandeln; ich muß von mir selbst nichts
übrig lassen, als diese meine Anschauung selbst, um sie als eine
wahrhaft selbstständige, unabhängige, Einig- und Alleinige
Vorstellung zu betrachten."

Bei dieser ganz abstrakten Reinheit der Kontinuität, d. i.
Unbestimmtheit und Leerheit des Vorstellens ist es gleichgültig,
diese Abstraktion Raum zu nennen, oder reines Anschauen, reines
Denken;--es ist alles dasselbe, was der Inder, wenn er äußerlich
bewegungslos, und ebenso in Empfindung, Vorstellung, Phantasie,
Begierde u.s.f. regungslos jahrelang nur auf die Spitze seiner Nase
sieht, nur Om, Om, Om innerlich in sich, oder gar Nichts spricht,
--Brahma nennt.  Dieses dumpfe, leere Bewußtseyn ist, als Bewußtseyn
aufgefaßt,--das Seyn.

In diesem Leeren, sagt nun Jacobi weiter, widerfahre ihm das
Gegentheil von dem, was kantischer Versicherung gemäß, ihm
widerfahren sollte; er finde sich nicht als ein Vieles und
Mannigfaltiges, vielmehr als Eines ohne alle Vielheit und
Mannigfaltigkeit; ja, "ich bin die Unmöglichkeit selbst, bin die
Vernichtung alles Mannigfaltigen und Vielen,--kann aus meinem reinen,
schlechterdings einfachen, unveränderlichen Wesen auch nicht das
Mindeste wieder herstellen oder in mich hinein gespenstern;--so
offenbart sich in dieser Reinheit, alles Außerund Nebeneinanderseyn,
alle hierauf beruhende Mannigfaltigkeit und Vielheit, als ein rein
Unmögliches."

Diese Unmöglichkeit heißt nichts anders als die Tautologie, ich halte
an der abstrakten Einheit fest und schließe alle Vielheit und
Mannigfaltigkeit aus, halte mich im Unterschiedslosen und
Unbestimmten, und sehe weg von allem Unterschiedenen und Bestimmten.
Die kantische Synthesis a priori des Selbstbewußtseyns, das ist, die
Thätigkeit dieser Einheit, sich zu dirimiren und in dieser Diremtion
sich selbst zu erhalten, verdünnt sich Jacobi zu derselben
Abstraktion.  Jene "Synthesis an sich", das "ursprüngliche Urtheilen,"
macht er einseitig zu "der Kopula an sich;--ein Ist, Ist, Ist, ohne
Anfang und Ende und ohne Was, Wer und Welche; dieses ins Unendliche
fortgehende Wiederholen der Wiederholung ist die alleinige
Geschäftigkeit, Funktion und Produktion der allerreinsten Synthesis;
sie selbst ist das bloße, reine, absolute Wiederholen selbst." Oder
in der That, da kein Absatz, d. i. keine Negation, Unterscheiden
darin ist, so ist sie nicht ein Wiederholen, sondern nur das
ununterschiedene einfache Seyn.--Aber ist dieß denn noch Synthesis,
wenn Jacobi gerade das wegläßt, wodurch die Einheit synthetische
Einheit ist?

Zunächst, wenn Jacobi sich so in dem absoluten d. h. abstrakten Raum,
Zeit, auch Bewußtseyn festsetzt, ist zu sagen, daß er sich auf diese
Weise in etwas empirisch-Falsches versetzt und festhält; es giebt d.
h. empirisch vorhanden ist kein Raum und Zeit, die ein unbegrenztes
Räumliches und Zeitliches wären, nicht in ihrer Kontinuität von
mannigfaltig begrenztem Daseyn und Veränderung erfüllt wären, so daß
diese Grenzen und Veränderungen ungetrennt und untrennbar der
Räumlichkeit und Zeitlichkeit angehören; ebenso ist das Bewußtseyn
mit bestimmtem Empfinden, Vorstellen, Begehren u.s.f. erfüllt; es
existirt ungetrennt von irgend einem besonderen Inhalt.--Das
empirische Übergehen versteht sich ohnehin von selbst; das Bewußtseyn
kann sich wohl den leeren Raum, leere Zeit und das leere Bewußtseyn
selbst, oder das reine Seyn, zum Gegenstand und Inhalt machen; aber
es bleibt nicht dabei, sondern geht nicht nur, sondern drängt sich
aus solcher Leerheit hinaus zu einem besseren, d. i. auf irgend eine
Weise konkreteren Inhalt, und so schlecht ein Inhalt sonst sey, so
ist er insofern besser und wahrer; eben ein solcher Inhalt ist ein
synthetischer überhaupt; synthetisch in allgemeinerem Sinne genommen.
So bekommt Parmenides mit dem Scheine und der Meinung, dem
Gegentheil des Seyns und der Wahrheit, zu thun; so Spinoza mit den
Attributen, den Modis, der Ausdehnung, Bewegung, dem Verstande,
Willen u.s.f.  Die Synthesis enthält und zeigt die Unwahrheit jener
Abstraktionen, in ihr sind sie in Einheit mit ihrem Anderen, also
nicht als für sich bestehende, nicht als absolute, sondern
schlechthin als relative.

Das Aufzeigen der empirischen Nichtigkeit des leeren Raums u.s.f.
aber ist es nicht, um das es zu thun ist.  Das Bewußtseyn kann sich
abstrahirend allerdings auch mit jenem Unbestimmten erfüllen, und die
festgehaltenen Abstraktionen sind die Gedanken von reinem Raum, Zeit,
reinen Bewußtseyn, reinem Seyn.  Der Gedanke des reinen Raums u.s.f.
d. i. der reine Raum u.s.f. an ihm selbst soll als nichtig aufgezeigt
werden, d. i. daß er als solcher schon sein Gegentheil, daß an ihm
selbst schon sein Gegentheil in ihn eingedrungen, er schon für sich
das Herausgegangenseyn aus sich selbst, Bestimmtheit, sey.

Dieß ergiebt sich aber unmittelbar an ihnen.  Sie sind, was Jacobi
reichlich beschreibt, Resultate der Abstraktion, sind ausdrücklich
als Unbestimmte bestimmt, was--um zu seiner einfachsten Form
zurückzugehen, das Seyn ist.  Eben diese Unbestimmtheit ist aber das,
was die Bestimmtheit desselben ausmacht; denn die Unbestimmtheit ist
der Bestimmtheit entgegengesetzt; sie ist somit als Entgegengesetztes
selbst das Bestimmte, oder Negative, und zwar das reine, ganz
abstrakt Negative.  Diese Unbestimmtheit oder abstrakte Negation,
welche so das Seyn an ihm selbst hat, ist es, was die äußere wie die
innere Reflexion ausspricht, indem sie es dem Nichts gleich setzt, es
für ein leeres Gedankending, für Nichts erklärt.--Oder kann man sich
ausdrücken, weil das Seyn das Bestimmungslose ist, ist es nicht die
(affirmative) Bestimmtheit, die es ist, nicht Seyn, sondern Nichts.

In der reinen Reflexion des Anfangs, wie er in dieser Logik mit dem
Seyn als solchem gemacht wird, ist der Übergang noch verborgen; weil
das Seyn nur als unmittelbar gesetzt ist, bricht das Nichts an ihm
nur unmittelbar hervor.  Aber alle folgenden Bestimmungen, wie gleich
das Daseyn, sind konkreter; es ist an diesem das schon gesetzt, was
den Widerspruch jener Abstraktionen und daher ihr Übergehen enthält
und hervorbringt.  Beim Seyn als jenem Einfachen, Unmittelbaren wird
die Erinnerung, daß es Resultat der vollkommenen Abstraktion, also
schon von daher abstrakte Negativität, Nichts, ist, hinter der
Wissenschaft zurückgelassen, welchem innerhalb ihrer selbst,
ausdrücklich vom Wesen aus, jene einseitige Unmittelbarkeit als eine
Vermittelte darstellen wird, wo das Seyn als Existenz und das
Vermittelnde dieses Seyns, der Grund, gesetzt ist.

Mit jener Erinnerung läßt sich der Übergang von Seyn in Nichts als
etwas selbst leichtes und triviales so vorstellen oder auch, wie man
es nennt, erklären und begreiflich machen, daß Freilich das Seyn,
welches zum Anfang der Wissenschaft gemacht worden, Nichts sey, denn
man könne von Allem abstrahiren, und wenn von Allem abstrahirt worden,
so bleibe Nichts übrig.  Aber, kann man fortfahren, somit sey der
Anfang nicht ein Affirmatives, nicht Seyn, sondern eben Nichts, und
Nichts sey dann auch das Ende, wenigstens sosehr als das unmittelbare
Seyn und selbst noch vielmehr.  Das Kürzeste ist solches Raisonniren
gewähren zu lassen und zuzusehen, wie denn die Resultate beschaffen
sind, auf welche es pocht.  Daß hiernach das Nichts das Resultat
jenes Raisonnements wäre, und nun der Anfang mit Nichts (wie in
chinesischer Philosophie) gemacht werden sollte, so wäre darum nicht
die Hand umzukehren, denn ehe man sie umkehrte, hätte sich ebenso
sehr dieß Nichts in Seyn verkehrt, (s. oben: B. Nichts).  Aber ferner
wenn jene Abstraktion von Allem, welches Alles denn doch Seyendes ist,
vorausgesetzt wäre, so ist sie genauer zu nehmen; das Resultat der
Abstraktion von allem Seyenden ist zunächst abstraktes Seyn, Seyn
überhaupt; wie im kosmologischen Beweise vom Daseyn Gottes aus dem
zufälligen Seyn der Welt, über welches sich darin erhoben wird, noch
das Seyn mit hinaufgebracht, das Seyn zum unendlichen Seyn bestimmt
wird.  Es kann aber allerdings auch von diesem reinen Seyn abstrahirt,
das Seyn noch zu dem Allem, wovon bereits abstrahirt worden,
geschlagen werden; dann bleibt Nichts.  Man kann nun, wenn man das
Denken des Nichts, d.i. sein Umschlagen in Seyn vergessen will oder
nichts davon wüßte, im Style jenes Könnens fortfahren; es kann
nämlich (Gottlob!) auch vom Nichts abstrahirt werden (wie denn auch
die Schöpfung der Welt eine Abstraktion vom Nichts ist) und dann
bleibt nicht Nichts, denn eben von diesem wird abstrahirt, sondern
man ist so wieder im Seyn angekommen.--dieß Können giebt ein
äußerliches Spiel des Abstrahirens, wobei das Abstrahiren selbst nur
das einseitige Thun des Negativen ist.  Zunächst liegt in diesem
Können selbst, daß ihm das Seyn so gleichgültig ist als das Nichts,
und daß so sehr jedes von Beiden verschwindet, ebenso sehr jedes auch
entsteht; aber ebenso gleichgültig ist es, ob vom Thun des Nichts,
oder dem Nichts ausgegangen wird; das Thun des Nichts, d. i. das
bloße Abstrahiren ist nicht mehr noch weniger etwas Wahrhaftes als
das bloße Nichts.

Die Dialektik, nach welcher Plato das Eine im Parmenides behandelt,
ist gleichfalls mehr für eine Dialektik der äußern Reflexion zu
achten.  Das Seyn und das Eine sind beides Eleatische Formen, die
Dasselbe sind.  Aber sie sind auch zu unterscheiden, so nimmt sie
Plato in jenem Dialoge.  Nachdem er von dem Einen die mancherlei
Bestimmungen von Ganzen und Theilen, in sich selbst, in einem anderen
seyn u.s.f. von Figur, Zeit u.s.f. entfernt, so ist das Resultat, daß
dem Einen das Seyn nicht zukomme, denn anders komme einem Etwas das
Seyn nicht zu, als nach einer jener Weisen (p. 141 e.  Vol.  III. ed.
Steph.).  Hierauf behandelt Plato den Satz: das Eine ist; und es ist
bei ihm nachzusehen, wie von diesem Satze aus der Übergang zu dem
Nichtseyn des Einen bewerkstelligt wird; es geschieht durch die
Vergleichung der beiden Bestimmungen des vorausgesetzten Satzes: das
Eine ist; er enthält das Eine und das Seyn; und das Eine ist enthält
mehr, als wenn man nur sagt: das Eine.  Darin daß sie verschieden
sind, wird das Moment der Negation, das der Satz enthält, aufgezeigt.
Es erhellt, daß dieser Weg eine Voraussetzung hat, und eine äußere
Reflexion ist.

Wie hier das Eine mit dem Seyn in Verbindung gesetzt ist, wird das
Seyn, welches abstrakt für sich festgehalten werden soll am
einfachsten, ohne sich in das Denken einzulassen, in einer Verbindung
aufgezeigt, die das Gegentheil dessen enthält, was behauptet werden
soll.  Das Seyn, wie es unmittelbar ist, genommen gehört einem
Subjekte an, ist ein ausgesprochenes, hat ein empirisches Daseyn
überhaupt, und steht damit im Boden der Schranke und des Negativen.
In welchen Ausdrücken oder Wendungen der Verstand sich fasse, wenn er
sich gegen die Einheit des Seyns und Nichts sträubt, und sich auf das,
was unmittelbar vorhanden sey, beruft, wird er eben in dieser
Erfahrung selbst nichts als bestimmtes Seyn, Seyn mit einer Schranke
oder Negation,--jene Einheit finden, die er verwirft.  Die Behauptung
des unmittelbaren Seyns reducirt sich so auf eine empirische Existenz,
deren Aufzeigen sie nicht verwerfen kann, weil es die
Unmittelbarkeit außerhalb des Denkens ist, an die sie sich halten
will.

Dasselbe ist der Fall mit dem Nichts, nur auf entgegengesetzte Weise,
und diese Reflexion ist bekannt und oft genug über dasselbe gemacht
worden.  Das Nichts zeigt sich in seiner Unmittelbarkeit genommen als
seyend; denn seiner Natur nach ist es dasselbe als das Seyn.  Das
Nichts wird gedacht, vorgestellt, es wird von ihm gesprochen; es ist
also; das Nichts hat an dem Denken, Vorstellen, Sprechen, u.s.f. sein
Seyn.  Dieß Seyn ist aber ferner, auch von ihm unterschieden; es wird
daher gesagt, daß das Nichts zwar im Denken, Vorstellen ist, aber daß
darum nicht es ist, nicht ihm als solchem das Seyn zukomme, daß nur
Denken oder Vorstellen dieses Seyn ist.  Bei diesem Unterscheiden ist
eben so sehr nicht zu läugnen, daß das Nichts in Beziehung auf ein
Seyn steht; aber in der Beziehung, ob sie gleich auch den Unterschied
enthält, ist eine Einheit mit dem Seyn vorhanden.  Auf weiche Weise
das Nichts ausgesprochen oder aufgezeigt werde, zeigt es sich in
Verbindung oder wenn man will Berührung mit einem Seyn, ungetrennt
von einem Seyn, eben in einem Daseyn.

Indem aber so das Nichts in einem Daseyn aufgezeigt wird, pflegt noch
dieser Unterschied desselben vom Seyn vorzuschweben, daß das Daseyn
des Nichts durchaus nichts ihm selbst zukommendes sey, daß es nicht
das Seyn für sich selbst an ihm habe, es nicht das Seyn als solches
sey; das Nichts sey nur Abwesenheit des Seyns, die Finsterniß so nur
Abwesenheit des Lichts, die Kälte nur Abwesenheit der Wärme u.s.f.
Finsterniß habe nur Bedeutung in Beziehung auf das Auge, in äußerer
Vergleichung mit dem Positiven, dem Lichte, ebenso Kälte sey nur
Etwas in unserer Empfindung, Licht, Wärme, wie Seyn, hingegen seyen
für sich das Objektive, Reale, Wirksame, von schlechthin anderer
Qualität und Würde, als jene Negativen, als Nichts.  Man kann es
häufig als eine sehr wichtige Reflexion und bedeutende Erkenntniß
aufgeführt finden, daß Finsterniß nur Abwesenheit des Lichts, Kälte
nur Abwesenheit der Wärme sey.  Über diese scharfsinnige Reflexion
kann in diesem Felde von empirischen Gegenständen empirisch bemerkt
werden, daß die Finsterniß sich im Lichte allerdings wirksam zeigt,
indem sie dasselbe zur Farbe bestimmt und ihm selbst dadurch erst
Sichtbarkeit ertheilt, indem wie früher gesagt, im reinen Lichte
ebenso wenig gesehen wird, als in der reinen Finsterniß.  Die
Sichtbarkeit ist aber Wirksamkeit im Auge, an der jenes Negative
ebenso viel Antheil hat, als das für das Reale, Positive geltende
Licht; ebenso giebt sich die Kälte dem Wasser, unserer Empfindung u.s.
f. genugsam zu erkennen, und wenn wir ihr sogenannte objektive
Realität absprechen, so ist damit durchaus nichts gegen sie gewonnen.
Aber ferner wäre zu rügen, daß hier gleichfalls, wie oben, von einem
Negativen von bestimmtem Inhalte gesprochen wird, nicht beim Nichts
selbst stehen geblieben wird, dem das Seyn an leerer Abstraktion
nicht nachsteht, noch etwas voraus hat.--Allein Kälte, Finsterniß und
dergleichen bestimmte Negationen sind sogleich für sich zu nehmen,
und es ist zu sehen, was damit in Rücksicht ihrer allgemeinen
Bestimmung, nach der sie hierher gebracht werden, gesetzt ist.  Sie
sollen nicht das Nichts überhaupt, sondern das Nichts vom Licht,
Wärme u.s.f. von etwas Bestimmten, einem Inhalte seyn; so sind sie
bestimmte, inhaltige Nichts, wenn man so sagen kann.  Aber eine
Bestimmtheit ist, wie noch weiter hin vorkommt, selbst eine Negation;
so sind sie negative Nichts; aber ein negatives Nichts ist etwas
Affirmatives.  Das Umschlagen des Nichts durch seine Bestimmtheit
(die vorhin als ein Daseyn im Subjekte, oder in sonst was es sey,
erschien) in ein Affirmatives, erscheint dem Bewußtseyn, das in der
Verstandes-Abstraktion feststeht, als das paradoxeste, so einfach die
Einsicht ist, oder auch wegen ihrer Einfachheit selbst erscheint die
Einsicht, daß die Negation der Negation Positives ist, als etwas
Triviales, auf welches der stolze Verstand daher nicht zu achten
brauche, obgleich die Sache ihre Richtigkeit habe,--und sie hat nicht
nur diese Richtigkeit, sondern um der Allgemeinheit solcher
Bestimmungen willen ihre unendliche Ausdehnung und allgemeine
Anwendung, so daß wohl darauf zu achten wäre.

Noch kann über die Bestimmung des Übergangs von Seyn und Nichts in
einander bemerkt werden, daß derselbe eben so ohne weitere
Reflexionsbestimmung aufzufassen ist.  Er ist unmittelbar und ganz
abstrakt, um der Abstraktion der übergehenden Momente willen, d. i.
indem an diesen Momenten noch nicht die Bestimmtheit des anderen
gesetzt ist, vermittelst dessen sie übergingen; das Nichts ist am
Seyn noch nicht gesetzt, ob zwar Seyn wesentlich Nichts ist, und
umgekehrt.  Es ist daher unzulässig, weiters bestimmte Vermittelungen
hier anzuwenden, und Seyn und Nichts in irgend einem Verhältnisse zu
fassen,--jenes Übergehen ist noch kein Verhältniß.  Es ist also
unstatthaft zu sagen: Das Nichts ist der Grund vom Seyn; oder Seyn
ist der Grund von Nichts;--das Nichts Ursache vom Seyn u.s.f.; oder
es kann nur unter der Bedingung in das Nichts übergegangen werden,
daß etwas ist, oder in das Seyn nur unter der Bedingung des
Nichtseyns.  Die Art der Beziehung kann nicht weiter bestimmt seyn,
ohne daß zugleich die bezogenen Seiten weiter bestimmt würden.  Der
Zusammenhang von Grund und Folge u.s.f. hat nicht mehr das bloße Seyn
und Nichts zu den Seiten, die er verbindet, sondern ausdrücklich Seyn,
das Grund ist, und etwas, das zwar nur ein gesetztes, nicht
Selbstständiges sey, das aber nicht das abstrakte Nichts ist.

Anmerkung 4.

Es geht aus dem Bisherigen hervor, welche Bewandniß es mit der
Dialektik gegen den Anfang der Welt, auch deren Untergang hat,
wodurch die Ewigkeit der Materie erwiesen werden sollte, d. i. mit
der Dialektik gegen das Werden, Entstehen oder Vergehen überhaupt.
--Die Kantische Antinomie über die Endlichkeit oder Unendlichkeit der
Welt in Raum und Zeit wird unten bei dem Begriffe der quantitativen
Unendlichkeit näher betrachtet werden.--Jene einfache gewöhnliche
Dialektik beruht auf dem Festhalten des Gegensatzes von Seyn und
Nichts.  Es wird auf folgende Art bewiesen, daß kein Anfang der Welt
oder von Etwas möglich sey: Es kann nichts anfangen, weder insofern
etwas ist, noch insofern es nicht ist; denn insofern es ist, fängt es
nicht erst an; insofern es aber nicht ist, fängt es auch nicht an.
-Wenn die Welt oder Etwas angefangen haben sollte, so hätte sie im
Nichts angefangen, aber im Nichts oder das Nichts ist nicht Anfang;
denn Anfang schließt ein Seyn in sich, aber das Nichts enthält kein
Seyn.  Nichts ist nur Nichts.  In einem Grunde, Ursache u.s.w. wenn
das Nichts so bestimmt wird, ist eine Affirmation, Seyn enthalten.
--Aus demselben Grunde kann auch Etwas nicht aufhören.  Denn so müßte
das Seyn das Nichts enthalten, Seyn aber ist nur Seyn, nicht das
Gegentheil seiner selbst.

Es erhellt, daß hierin gegen das Werden, oder Anfangen und Aufhören,
diese Einheit des Seyns und Nichts, nichts vorgebracht wird, als sie
assertorisch zu läugnen, und dem Seyn und Nichts, jedem getrennt von
dem andern, Wahrheit zuzuschreiben.--Diese Dialektik ist jedoch
wenigstens konsequenter als das reflektirende Vorstellen.  Ihm gilt
es für vollkommene Wahrheit, daß Seyn und Nichts nur getrennt seyen;
auf der anderen Seite aber läßt es ein Anfangen und Aufhören als eben
so wahrhafte Bestimmungen gelten; in diesen aber nimmt es die
Ungetrenntheit des Seyns und Nichts faktisch an.

Bei der Voraussetzung der absoluten Geschiedenheit des Seyns vom
Nichts, ist--was man so oft hört--der Anfang oder das Werden
allerdings etwas Unbegreifliches; denn man macht eine Voraussetzung,
welche den Anfang oder das Werden aufhebt, das man doch wieder zugibt,
und dieser Widerspruch, den man selbst setzt und dessen Auflösung
unmöglich macht, heißt das Unbegreifliche.

Das Angeführte ist auch dieselbe Dialektik, die der Verstand gegen
den Begriff braucht, den die höhere Analysis von den
unendlich-kleinen Größen giebt.  Von diesem Begriffe wird weiter
unten ausführlicher gehandelt.--Diese Größen sind als solche,
bestimmt worden, die in ihrem Verschwinden sind, nicht vor ihrem
Verschwinden, denn als dann sind sie endliche Größen;--nicht nach
ihrem Verschwinden, denn alsdann sind sie nichts.  Gegen diesen
reinen Begriff ist eingewendet und immer wiederholt worden, daß
solche Größen entweder Etwas seyen, oder Nichts; daß es keinen
Mittelzustand (Zustand ist hier ein unpassender, barbarischer
Ausdruck) zwischen Seyn und Nichtseyn gebe.--Es ist hierbei
gleichfalls die absolute Trennung des Seyns und Nichts angenommen.
Dagegen ist aber gezeigt worden, daß Seyn und Nichts in der That
dasselbe sind, oder um in jener Sprache zu sprechen, daß es gar
nichts giebt, das nicht ein Mittelzustand zwischen Seyn und Nichts
ist.  Die Mathematik hat ihre glänzendsten Erfolge der Annahme jener
Bestimmung, welcher der Verstand widerspricht, zu danken.

Das angeführte Raisonnement, das die falsche Voraussetzung der
absoluten Getrenntheit des Seyns und Nichtseyns macht, und bei
derselben stehen bleibt, ist nicht Dialektik, sondern Sophisterei zu
nennen.  Denn Sophisterei ist ein Raisonnement aus einer grundlosen
Voraussetzung, die man ohne Kritik und unbesonnen gelten läßt;
Dialektik aber nennen wir die höhere vernünftige Bewegung, in welche
solche schlechthin getrennt scheinende, durch sich selbst, durch das,
was sie sind, in einander übergehen, die Voraussetzung sich aufhebt.
Es ist die dialektische immanente Natur des Seyns und Nichts selbst,
daß sie ihre Einheit, das Werden, als ihre Wahrheit zeigen.

2.  Momente des Werdens.

Das Werden, Entstehen und Vergehen, ist die Ungetrenntheit des Seyns
und Nichts; nicht die Einheit, welche vom Seyn und Nichts abstrahirt;
sondern als Einheit des Seyns und Nichts ist es diese bestimmte
Einheit, oder in welcher sowohl Seyn als Nichts ist.  Aber indem Seyn
und Nichts, jedes ungetrennt von seinem Anderen ist, ist es nicht.
Sie sind also in dieser Einheit, aber als verschwindende, nur als
Aufgehobene.  Sie sinken von ihrer zunächst vorgestellten
Selbstständigkeit zu Momenten herab, noch unterschiedenen, aber
zugleich aufgehobenen.

Nach dieser ihrer Unterschiedenheit sie aufgefaßt, ist jedes in
derselben als Einheit mit dem Anderen.  Das Werden enthält also Seyn
und Nichts als zwei solche Einheiten, deren jede selbst Einheit des
Seyns und Nichts ist; die eine das Seyn als unmittelbar und als
Beziehung auf das Nichts; die andere das Nichts als unmittelbar und
als Beziehung auf das Seyn; die Bestimmungen sind in ungleichem
Werthe in diesen Einheiten.

Das Werden ist auf diese Weise in gedoppelter Bestimmung; in der
einen ist das Nichts als unmittelbar, d. i. sie ist anfangend vom
Nichts, das sich auf das Seyn bezieht, das heißt, in dasselbe
übergeht, in der anderen ist das Seyn als unmittelbar d. i. sie ist
anfangend vom Seyn, das in das Nichts übergeht,--Entstehen und
Vergehen.

Beide sind dasselbe, Werden, und auch als diese so unterschiedenen
Richtungen durchdringen und paralysiren sie sich gegenseitig.  Die
eine ist Vergehen; Seyn geht in Nichts über, aber Nichts ist eben so
sehr das Gegentheil seiner selbst, Übergehen in Seyn, Entstehen.
Dieß Entstehen ist die andere Richtung; Nichts geht in Seyn über,
aber Seyn hebt ebenso sehr sich selbst auf und ist vielmehr das
Übergehen in Nichts, ist Vergehen.--Sie heben sich nicht gegenseitig,
nicht das eine äußerlich das andere auf; sondern jedes hebt sich an
sich selbst auf und ist an ihm selbst das Gegentheil seiner.

3.  Aufheben des Werdens.

Das Gleichgewicht, worein sich Entstehen und Vergehen setzen, ist
zunächst das Werden selbst.  Aber dieses geht eben so in ruhige
Einheit zusammen.  Seyn und Nichts sind in ihm nur als verschwindende;
aber das Werden als solches ist nur durch die Unterschiedenheit
derselben.  Ihr Verschwinden ist daher das Verschwinden des Werdens,
oder Verschwinden des Verschwindens selbst.  Das Werden ist eine
haltungslose Unruhe, die in ein ruhiges Resultat zusammensinkt.

Dieß könnte auch so ausgedrückt werden: Das Werden ist das
Verschwinden von Seyn in Nichts, und von Nichts in Seyn, und das
Verschwinden von Seyn und Nichts überhaupt; aber es beruht zugleich
auf dem Unterschiede derselben.  Es widerspricht sich also in sich
selbst, weil es solches in sich vereint, das sich entgegengesetzt ist;
eine solche Vereinigung aber zerstört sich.

Dieß Resultat ist das Verschwundenseyn, aber nicht als Nichts; so
wäre es nur ein Rückfall in die eine der schon aufgehobenen
Bestimmungen, nicht Resultat des Nichts und des Seyns.  Es ist die
zur ruhigen Einfachheit gewordene Einheit des Seyns und Nichts.  Die
ruhige Einfachheit aber ist Seyn, jedoch ebenso, nicht mehr für sich,
sondern als Bestimmung des Ganzen.

Das Werden so Übergehen in die Einheit des Seyns und Nichts, welche
als seyend ist, oder die Gestalt der einseitigen unmittelbaren
Einheit dieser Momente hat, ist das Daseyn.

Anmerkung.

Aufheben und das Aufgehobene (das Ideelle) ist einer der wichtigsten
Begriffe der Philosophie, eine Grundbestimmung, die schlechthin
allenthalben wiederkehrt, deren Sinn bestimmt aufzufassen und
besonders vom Nichts zu unterscheiden ist.--Was sich aufhebt, wird
dadurch nicht zu Nichts.  Nichts ist das Unmittelbare; ein
Aufgehobenes dagegen ist ein Vermitteltes, es ist das Nichtseyende,
aber als Resultat, das von einem Seyn ausgegangen ist; es hat daher
die Bestimmtheit aus der es herkommt, noch an sich.

Aufheben hat in der Sprache den gedoppelten Sinn, daß es so viel als
aufbewahren, erhalten bedeutet, und zugleich so viel als aufhören
lassen, ein Ende machen.  Das Aufbewahren selbst schließt schon das
Negative in sich, daß etwas seiner Unmittelbarkeit und damit einem
den äußerlichen Einwirkungen offenen Daseyn entnommen wird, um es zu
erhalten.--So ist das Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes, das nur
seine Unmittelbarkeit verloren hat, aber darum nicht vernichtet ist.
--Die angegebenen zwei Bestimmungen des Aufhebens können lexikalisch
als zwei Bedeutungen dieses Wortes aufgeführt werden.  Auffallend
müßte es aber dabei seyn, daß eine Sprache dazu gekommen ist, ein und
dasselbe Wort für zwei entgegengesetzte Bestimmungen zu gebrauchen.
Für das spekulative Denken ist es erfreulich, in der Sprache Wörter
zu finden welche eine spekulative Bedeutung an ihnen selbst haben;
die deutsche Sprache hat mehrere dergleichen.  Der Doppelsinn des
lateinischen: tollere (der durch den ciceronianischen Witz tollendum
esse Octavium, berühmt geworden) geht nicht so weit, die affirmative
Bestimmung geht nur bis zum Emporheben.  Etwas ist nur insofern
aufgehoben, als es in die Einheit mit seinem Entgegengesetzten
getreten ist; in dieser nähern Bestimmung als ein reflektirtes kann
es passend Moment genannt werden.  Gewicht und Entfernung von einem
Punkt heißen beim Hebel, dessen mechanische Momente, um der
Dieselbigkeit ihrer Wirkung willen bei aller sonstigen
Verschiedenheit eines Reellen, wie das ein Gewicht ist, und eines
Ideellen, der bloßen räumlichen Bestimmung, der Linie; s.  Encykl.
der philos.  Wissenschaft 3te Ausg. _ 261. Anm.--Noch öfter wird die
Bemerkung sich aufdringen, daß die philosophische Kunstsprache für
reflektirte Bestimmungen lateinische Ausdrücke gebraucht, entweder
weil die Muttersprache keine Ausdrücke dafür hat, oder wenn sie deren
hat, wie hier, weil ihr Ausdruck mehr an das Unmittelbare, die fremde
Sprache aber mehr an das Reflektirte erinnert.

Der nähere Sinn und Ausdruck, den Seyn und Nichts, indem sie nunmehr
Momente sind, erhalten, hat sich bei der Betrachtung des Daseyns, als
der Einheit, in der sie aufbewahrt sind, zu ergeben.  Seyn ist Seyn,
und Nichts ist Nichts nur in ihrer Unterschiedenheit von einander; in
ihrer Wahrheit aber, in ihrer Einheit, sind sie als diese
Bestimmungen verschwunden, und sind nun etwas anderes.  Seyn und
Nichts sind dasselbe; darum weil sie dasselbe sind, sind sie nicht
mehr Seyn und Nichts, und haben eine verschiedene Bestimmung; im
Werden waren sie Entstehen und Vergehen; im Daseyn als einer anders
bestimmten Einheit sind sie wieder anders bestimmte Momente.  Diese
Einheit bleibt nun ihre Grundlage, aus der sie nicht mehr zur
abstrakten Bedeutung von Seyn und Nichts heraustreten.



Zweites Kapitel.  Das Daseyn


Daseyn ist bestimmtes Seyn; seine Bestimmtheit ist seyende
Bestimmtheit, Qualität.  Durch seine Qualität ist Etwas gegen ein
Anderes, ist veränderlich und endlich, nicht nur gegen ein Anderes,
sondern an ihm schlechthin negativ bestimmt.  Diese seine Negation
dem endlichen Etwas zunächst gegenüber ist das Unendliche; der
abstrakte Gegensatz, in welchem diese Bestimmungen erscheinen, löst
sich in die gegensatzlose Unendlichkeit, in das Fürsichseyn auf.

Die Abhandlung des Daseyns hat so die drei Abtheilungen:

A.  das Daseyn als solches,

B.  Etwas und Anderes, die Endlichkeit,

C.  die qualitative Unendlichkeit.

A.  Daseyn als solches.

An dem Daseyn

a.  als solchem, ist zunächst seine Bestimmtheit

b.  als Qualität zu unterscheiden.  Diese aber ist sowohl in der einen
als in der anderen Bestimmung des Daseyns zu nehmen, als Realität und
als Negation.  Aber in diesen Bestimmtheiten ist Daseyn eben so sehr
in sich reflektirt; und als solches gesetzt ist es

c.  Etwas, Daseyendes.

a.  Daseyn überhaupt.

Aus dem Werden geht das Daseyn hervor.  Das Daseyn ist das einfache
Einsseyn des Seyns und Nichts.  Es hat um dieser Einfachheit willen,
die Form von einem Unmittelbaren.  Seine Vermittelung, das Werden,
liegt hinter ihm; sie hat sich aufgehoben, und das Daseyn erscheint
daher als ein erstes, von dem ausgegangen werde.  Es ist zunächst in
der einseitigen Bestimmung des Seyns, die andere, die es enthält, das
Nichts, wird sich gleichfalls an ihm hervorthun, gegen jene.

Es ist nicht bloßes Seyn, sondern Daseyn; etymologisch genommen Seyn
an einem gewissen Orte; aber die Raumvorstellung gehört nicht hierher.
Daseyn ist, nach seinem Werden, überhaupt Seyn mit einem Nichtseyn,
so daß dieß Nichtseyn in einfache Einheit mit dem Seyn aufgenommen
ist.  Das Nichtseyn so in das Seyn aufgenommen, daß das konkrete
Ganze in der Form des Seyns, der Unmittelbarkeit ist, macht die
Bestimmtheit als solche aus.

Das Ganze ist gleichfalls in der Form d. i.  Bestimmtheit des Seyns,
denn Seyn hat im Werden sich gleichfalls nur ein Moment zu seyn
gezeigt,--ein aufgehobenes, negativ bestimmtes; aber so ist es für
uns in unserer Reflexion, noch nicht gesetzt an ihm selbst.  Aber die
Bestimmtheit des Daseyns als solche ist die gesetzte, die auch im
Ausdruck Daseyn liegt.--Beides ist immer sehr wohl von einander zu
unterscheiden; nur das, was gesetzt ist an einem Begriffe, gehört in
die entwickelnde Betrachtung desselben, zu seinem Inhalte.  Die noch
nicht an ihm selbst gesetzte Bestimmtheit aber gehört unserer
Reflexion, sie betreffe nun die Natur des Begriffes selbst, oder sie
sey äußere Vergleichung; eine Bestimmtheit der letztern Art
bemerklich zu machen kann nur zur Erläuterung oder Vorausandeutung
des Ganges dienen, der in der Entwickelung selbst sich darstellen
wird.  Daß das Ganze, die Einheit des Seyns und des Nichts, in der
einseitigen Bestimmtheit des Seyns sey, ist eine äußerliche Reflexion;
in der Negation aber, im Etwas und Anderen u.s.f. wird sie dazu
kommen, als gesetzte zu seyn.--Es hat hier auf den angegebenen
Unterschied aufmerksam gemacht werden sollen; über alles aber, was
die Reflexion sich erlauben kann zu bemerken, Rechenschaft zu geben,
würde in die Weitläufigkeit führen, das zu anticipiren, was sich an
der Sache selbst ergeben muß.  Wenn dergleichen Reflexionen dienen
können, die Übersicht und damit das Verständniß zu erleichtern, so
führen sie wohl auch den Nachtheil herbei, als unberechtigte
Behauptungen, Gründe und Grundlagen für das Weitere auszusehen.  Man
soll sie daher für nichts mehr nehmen, als was sie seyn sollen, und
sie von dem unterscheiden, was ein Moment im Fortgange der Sache
selbst ist.

Das Daseyn entspricht dem Seyn der vorigen Sphäre; das Seyn jedoch
ist das Unbestimmte, es ergeben sich deswegen keine Bestimmungen an
demselben.  Aber das Daseyn ist bestimmtes Seyn, ein konkretes; es
thun sich daher sogleich mehrere Bestimmungen, unterschiedene
Verhältnisse seiner Momente an ihm auf.

b.  Qualität.

Um der Unmittelbarkeit willen, in der im Daseyn, Seyn und Nichts,
Eins sind, gehen sie nicht übereinander hinaus; so weit das Daseyn
seyend ist, so weit ist es Nichtseyn, ist es bestimmt.  Das Seyn ist
nicht das Allgemeine, die Bestimmtheit nicht das Besondere.  Die
Bestimmtheit hat sich noch nicht vom Seyn abgelöst; zwar wird sie
sich auch nicht mehr von ihm ablösen; denn das nunmehr zum Grunde
liegende Wahre ist die Einheit des Nichtseyns mit dem Seyn; auf ihr
als dem Grunde ergeben sich alle fernern Bestimmungen.  Aber die
Beziehung, in der hier die Bestimmtheit mit dem Seyn steht, ist die
unmittelbare Einheit beider, so daß noch keine Unterscheidung
derselben gesetzt ist.

Die Bestimmtheit so für sich isolirt, als seyende Bestimmtheit, ist
die Qualität;--ein ganz Einfaches, Unmittelbares.  Die Bestimmtheit
überhaupt ist das Allgemeinere, das ebenso sehr auch das Quantitative,
wie weiter Bestimmte seyn kann.  Um dieser Einfachheit willen ist
von der Qualität als solcher weiter nichts zu sagen.

Aber das Daseyn, in welchem ebenso wohl das Nichts als das Seyn
enthalten, ist selbst der Maßstab für die Einseitigkeit der Qualität
als nur unmittelbarer oder seyender Bestimmtheit.  Sie ist ebenso
sehr in der Bestimmung des Nichts zu setzen, womit dann die
unmittelbare oder die seyende Bestimmtheit als eine unterschiedene,
reflektirte gesetzt wird, das Nichts so als das bestimmte einer
Bestimmtheit, ist ebenso ein reflektirtes, eine Verneinung.  Die
Qualität, so daß sie unterschieden als seyende gelte, ist die
Realität; sie als mit einer Verneinung behaftet, Negation überhaupt,
gleichfalls eine Qualität, aber die für einen Mangel gilt, sich
weiterhin als Grenze, Schranke bestimmt.

Beide sind ein Daseyn, aber in der Realität als Qualität mit dem
Accente, eine seyende, zu seyn, ist es versteckt, daß sie die
Bestimmtheit, also auch die Negation enthält; die Realität gilt daher
nur als etwas Positives, aus welchem Verneinung, Beschränktheit,
Mangel ausgeschlossen sey.  Die Negation als bloßer Mangel genommen,
wäre was Nichts ist; aber sie ist ein Daseyn, eine Qualität nur mit
einem Nichtseyn bestimmt.

Anmerkung.

Realität kann ein vieldeutiges Wort zu seyn scheinen, weil es von
verschiedenen, ja entgegengesetzten Bestimmungen gebraucht wird.  Im
philosophischen Sinne wird etwa von bloß empirischer Realität als
einem werthlosen Daseyn gesprochen.  Wenn aber von Gedanken,
Begriffen, Theorien gesagt wird, sie haben keine Realität, so heißt
dieß, daß ihnen keine Wirklichkeit zukomme; an sich oder im Begriffe
könne die Idee einer platonischen Republik z.B. wohl wahr seyn.
Der Idee wird hier ihr Werth nicht abgesprochen, und sie neben der
Realität auch belassen.  Aber gegen sogenannte bloße Ideen, gegen
bloße Begriffe gilt das Reelle als das allein Wahrhafte.--Der Sinn,
in welchem das eine Mal dem äußerlichen Daseyn die Entscheidung über
die Wahrheit eines Inhalts zugeschrieben wird, ist ebenso einseitig,
als wenn die Idee, das Wesen oder auch die innere Empfindung als
gleichgültig gegen das äußerliche Daseyn vorgestellt und gar für um
so vortrefflicher gehalten wird, je mehr es von der Realität entfernt
sey.

Bei dem Ausdrucke: Realität ist der sonstige metaphysische Begriff
von Gott, der vornehmlich dem sogenannten ontologischen Beweise vom
Daseyn Gottes zu Grunde gelegt wurde, zu erwähnen.  Gott wurde als
der Inbegriff aller Realitäten bestimmt, und von diesem Inbegriffe
gesagt, daß er keinen Widerspruch in sich enthalte, daß keine der
Realitäten die andere aufhebe; denn eine Realität sey nur als eine
Vollkommenheit, als ein Affirmatives zu nehmen, das keine Negation
enthalte.  Somit seyen die Realitäten sich nicht entgegengesetzt und
widersprechen sich nicht.

Bei diesem Begriffe der Realität wird angenommen, daß sie dann noch
bleibe, wenn alle Negation weggedacht werde; damit wird aber alle
Bestimmtheit derselben aufgehoben.  Die Realität ist Qualität, Daseyn;
damit enthält sie das Moment des Negativen, und ist allein dadurch
das Bestimmte, das sie ist.  Im sogenannten eminenten Sinne oder als
unendliche,--in der gewöhnlichen Bedeutung des Worts,--wie sie
genommen werden soll, wird sie ins Bestimmungslose erweitert, und
verliert ihre Bedeutung.  Die Güte Gottes soll nicht Güte im
gewöhnlichen, sondern im eminenten Sinne, nicht verschieden von der
Gerechtigkeit, sondern durch sie temperirt seyn, (ein leibnitzischer
Vermittelungs-Ausdruck) so wie umgekehrt die Gerechtigkeit durch die
Güte; so ist weder Güte mehr Güte, noch Gerechtigkeit mehr
Gerechtigkeit.  Die Macht solle durch die Weisheit temperirt seyn,
aber so ist sie nicht Macht als solche, denn sie wäre jener
unterworfen,--die Weisheit solle zur Macht erweitert seyn, aber so
verschwindet sie als den Zweck und Maaß bestimmende Weisheit.  Der
wahre Begriff des Unendlichen und dessen absolute Einheit, der sich
später ergeben wird, ist nicht als ein Temperiren, gegenseitiges
Beschränken oder Vermischen zu fassen, als welches eine
oberflächliche, in unbestimmtem Nebel gehaltene Beziehung ist, mit
der sich nur begriffloses Vorstellen begnügen kann.--Die Realität,
wie sie in jener Definition Gottes als bestimmte Qualität genommen
wird, über ihre Bestimmtheit hinausgeführt, hört auf Realität zu seyn;
sie wird zum abstrakten Seyn; Gott als das rein Reale in allem
Realen, oder als Inbegriff aller Realitäten, ist dasselbe
Bestimmungs- und Gehaltlose, was das leere Absolute, in dem alles
Eins ist.

Wird dagegen die Realität in ihrer Bestimmtheit genommen, so wird, da
sie wesentlich das Moment des Negativen enthält, der Inbegriff aller
Realitäten ebenso sehr zu einem Inbegriffe aller Negationen, dem
Inbegriffe aller Widersprüche, zunächst etwa zur absoluten Macht, in
der alles Bestimmte absorbirt ist, aber da sie selbst nur ist,
insofern sie noch ein von ihr nicht Aufgehobenes sich gegenüber hat,
so wird sie, indem sie zur ausgeführten, schrankenlosen Macht
erweitert gedacht wird, zum abstrakten Nichts.  Jenes Reale in allem
Realen, das Seyn in allem Daseyn, welches den Begriff Gottes
ausdrücken soll, ist nichts anderes, als das abstrakte Seyn, dasselbe
was das Nichts ist.

Die Bestimmtheit ist die Negation als affirmativ gesetzt, ist der
Satz des Spinoza: Omnis determinatio est negatio, dieser Satz ist von
unendlicher Wichtigkeit; nur ist die Negation als solche die formlose
Abstraktion; der spekulativen Philosophie muß aber nicht Schuld
gegeben werden, daß ihr die Negation oder das Nichts ein Letztes sey;
dieß ist es ihr so wenig als die Realität das Wahrhafte.

Von diesem Satze, daß die Bestimmtheit Negation ist, ist die Einheit
der Spinozistischen Substanz, oder daß nur Eine Substanz ist,--die
nothwendige Konsequenz.  Denken und Seyn oder Ausdehnung, die zwei
Bestimmungen, die Spinoza nämlich vor sich hat, mußte er in dieser
Einheit in eins setzen, denn als bestimmte Realitäten, sind sie
Negationen, deren Unendlichkeit ihre Einheit ist; nach Spinozas
Definition, wovon weiter unten, ist die Unendlichkeit von Etwas seine
Affirmation.  Er begriff sie daher als Attribute, d. h. als solche,
die nicht ein besonderes Bestehen, ein An-und-für-sich-Seyn haben,
sondern nur als aufgehobene, als Momente sind; oder vielmehr sind sie
ihm nicht einmal Momente, denn die Substanz ist das in ihr selbst
ganz bestimmungslose, und die Attribute sind, wie auch die Modi,
Unterscheidungen, die ein äußerer Verstand macht.--Eben so kann die
Substantialität der Individuen, nicht gegen jenen Satz bestehen.  Das
Individuum ist Beziehung auf sich dadurch, daß es allein Anderen
Grenzen setzt; aber diese Grenzen sind damit auch Grenzen seiner
selbst, Beziehungen auf Anderes, es hat sein Daseyn nicht in ihm
selbst.  Das Individuum ist wohl mehr als nur das nach allen Seiten
beschränkte, aber dieß Mehr gehört in eine andere Sphäre des Begriffs;
in der Metaphysik des Seyns ist es ein schlechthin bestimmtes; und
daß ein solches, daß das Endliche als solches an und für sich sey,
dagegen macht sich die Bestimmtheit wesentlich als Negation geltend,
und reißt es in dieselbe negative Bewegung des Verstandes, welche
alles in der abstrakten Einheit, der Substanz, verschwinden läßt.

Die Negation steht unmittelbar der Realität gegenüber; weiterhin in
der eigentlichen Sphäre der reflektirten Bestimmungen, wird sie dem
Positiven entgegengesetzt, welches die auf die Negation reflektirende
Realität ist,--die Realität, an der das Negative scheint, das in der
Realität als solcher noch versteckt ist.

Die Qualität ist erst in der Rücksicht vornehmlich Eigenschaft, als
sie in einer äußerlichen Beziehung sich als immanente Bestimmung
zeigt.  Unter Eigenschaften z.B. von Kräutern versteht man
Bestimmungen, die einem Etwas nicht nur überhaupt eigen sind, sondern
insofern es sich dadurch in der Beziehung auf andere auf eine
eigenthümliche Weise erhält, die fremden in ihm gesetzten
Einwirkungen nicht in sich gewähren läßt, sondern seine eigene
Bestimmungen in dem Anderen,--ob es dieß zwar nicht von sich abhält,
--geltend macht.  Die mehr ruhenden Bestimmtheiten, z.B. Figur,
Gestalt, nennt man dagegen nicht wohl Eigenschaften, auch etwa nicht
Qualitäten, insofern sie als veränderlich, mit dem Seyn nicht
identisch vorgestellt werden.

Die Qualirung oder Inqualirung, ein Ausdruck der Jacob-Böhmischen,
einer in die Tiefe aber in eine trübe Tiefe gehenden Philosophie,
bedeutet die Bewegung einer Qualität (der sauren, herben, feurigen u.
s.f.) in ihr selbst, insofern sie in ihrer negativen Natur (in ihrer
Qual) sich aus anderem setzt und befestigt, überhaupt die Unruhe
ihrer an ihr selbst ist, nach der sie nur im Kampfe sich hervorbringt
und erhält.

c.  Etwas.

An dem Daseyn ist seine Bestimmtheit als Qualität unterschieden
worden; an dieser als daseyender ist der Unterschied,--der Realität
und der Negation.  So sehr nun diese Unterschiede an dem Daseyn
vorhanden sind, so sehr sind sie auch nichtig und aufgehoben.  Die
Realität enthält selbst die Negation, ist Daseyn, nicht unbestimmtes,
abstraktes Seyn.  Ebenso ist die Negation Daseyn, nicht das
abstraktseynsollende Nichts, sondern hier gesetzt wie es an sich ist,
als seyend, dem Daseyn angehörig.  So ist die Qualität überhaupt
nicht vom Daseyn getrennt, welches nur bestimmtes, qualitatives Seyn
ist.

Dieses Aufheben der Unterscheidung ist mehr als ein bloßes
Zurücknehmen und äußeres Wieder-Weglassen derselben oder als ein
einfaches Zurückkehren zum einfachen Anfange, dem Daseyn als solchem.
Der Unterschied kann nicht weggelassen werden; denn er ist.  Das
Faktische, was also vorhanden ist, ist das Daseyn überhaupt,
Unterschied an ihm, und das Aufheben dieses Unterschiedes; das Daseyn
nicht als unterschiedlos, wie Anfangs, sondern als wieder sich selbst
gleich, durch Aufheben des Unterschieds, die Einfachheit des Daseyns
vermittelt durch dieses Aufheben.  Dieß Aufgehobenseyn des
Unterschieds ist die eigne Bestimmtheit des Daseyns; so ist es
Insichseyn; das Daseyn ist Daseyendes, Etwas.

Das Etwas ist die erste Negation der Negation, als einfache seyende
Beziehung auf sich.  Daseyn, Leben, Denken u.s.f. bestimmt sich
wesentlich zum Daseyenden, Lebendigen, Denkenden (Ich) u.s.f.  Diese
Bestimmung ist von der höchsten Wichtigkeit, um nicht bei dem Daseyn,
Leben, Denken u.s.f. auch nicht bei der Gottheit (statt Gottes), als
Allgemeinheiten stehen zu bleiben.  Etwas gilt der Vorstellung mit
Recht als ein Reelles.  Jedoch ist Etwas noch eine sehr
oberflächliche Bestimmung; wie Realität und Negation, das Daseyn und
dessen Bestimmtheit zwar nicht mehr die leeren: Seyn und Nichts, aber
ganz abstrakte Bestimmungen sind.  Deswegen sind sie auch die
gegenläufigsten Ausdrücke, und die philosophisch nicht gebildete
Reflexion gebraucht sie am meisten, gießt ihre Unterscheidungen
darein, und meint daran etwas recht gut und fest Bestimmtes zu haben.
--Das Negative des Negativen ist als Etwas nur der Anfang des
Subjekts;--das Insichseyn nur erst ganz unbestimmt.  Es bestimmt sich
fernerhin zunächst als Fürsichseyendes und sofort bis es erst im
Begriff die konkrete Intensität des Subjekts erhält.  Allen diesen
Bestimmungen liegt die negative Einheit mit sich zu Grunde.  Aber
dabei ist die Negation als erste, als Negation überhaupt wohl zu
unterscheiden von der zweiten, der Negation der Negation, welche die
konkrete, absolute Negativität, wie jene erste dagegen nur die
abstrakte Negativität ist.

Etwas ist seyend als die Negation der Negation; denn diese ist das
Wiederherstellen der einfachen Beziehung auf sich;--aber ebenso ist
damit Etwas, die Vermittelung seiner mit sich selbst.  Schon in dem
Einfachen des Etwas, dann noch bestimmter im Fürsichseyn, Subjekt u.s.
f. ist die Vermittelung seiner mit sich selbst vorhanden, bereits
auch im Werden nur die ganz abstrakte Vermittelung; die Vermittelung
mit sich ist im Etwas gesetzt, insofern es als einfaches Identisches
bestimmt ist.--Auf das Vorhandenseyn der Vermittelung überhaupt kann
gegen das Princip der behaupteten bloßen Unmittelbarkeit des Wissens,
von welcher die Vermittelung ausgeschlossen seyn solle, aufmerksam
gemacht werden; aber es bedarf weiterhin nicht besonders auf das
Moment der Vermittelung aufmerksam zu machen; denn es befindet sich
überall und allenthalben, in jedem Begriffe.

Diese Vermittelung mit sich, die Etwas an sich ist, hat nur als
Negation der Negation genommen, keine konkrete Bestimmungen zu ihren
Seiten; so fällt sie in die einfache Einheit zusammen, welche Seyn
ist.  Etwas ist, und ist denn auch Daseyendes; es ist an sich ferner
auch Werden, das aber nicht mehr nur Seyn und Nichts zu seinen
Momenten hat.  Das eine derselben, das Seyn, ist nun Daseyn und
weiter Daseyendes.  Das zweite ist ebenso ein Daseyendes, aber als
Negatives des Etwas bestimmt,--ein Anderes.  Das Etwas als Werden ist
ein Übergehen, dessen Momente selbst Etwas sind, und das darum
Veränderung ist;--ein bereits konkret gewordenes Werden.--Das Etwas
aber verändert sich zunächst nur in seinem Begriffe; es ist noch
nicht so als vermittelnd und vermittelt gesetzt; zunächst nur als
sich in seiner Beziehung auf sich einfach erhaltend, und das Negative
seiner als ein ebenso qualitatives, nur ein Anderes überhaupt.

B.  Die Endlichkeit.

a.  Etwas und Anderes; sie sind zunächst gleichgültig gegeneinander;
ein Anderes ist auch ein unmittelbar Daseyendes, ein Etwas; die
Negation fällt so außer beiden.  Etwas ist an sich gegen sein
Seyn-für anderes.  Aber die Bestimmtheit gehört auch seinem Ansich an,
und ist

b.  dessen Bestimmung, welche ebenso sehr in Beschaffenheit übergeht,
die mit jener identisch das immanente und zugleich negirte
Seyn-für-Anders, die Grenze des Etwas ausmacht, welche

c.  die immanente Bestimmung des Etwas selbst, und dieses somit das
Endliche ist.


In der ersten Abtheilung, worin das Daseyn überhaupt betrachtet wurde,
hatte dieses als zunächst aufgenommen, die Bestimmung des Seyenden.
Die Momente seiner Entwicklung, Qualität und Etwas, sind darum ebenso
affirmativer Bestimmung.  In dieser Abtheilung hingegen entwickelt
sich die negative Bestimmung, die im Daseyn liegt, welche dort nur
erst Negation überhaupt, erste Negation war, nun aber zu dem Puncte
des In-sichseyns des Etwas, zur Negation der Negation bestimmt ist.

a.  Etwas und ein Anderes.

1.  Etwas und Anderes sind beide erstens Daseyende oder Etwas.

Zweitens ist ebenso jedes ein Anderes.  Es ist gleichgültig, welches
zuerst und bloß darum Etwas genannt wird; (im Lateinischen, wenn sie
in einem Satze vorkommen, heißen beide aliud, oder einer den andern,
alius alium; bei einer Gegenseitigkeit ist der Ausdruck: alter
alterum analog.) Wenn wir ein Daseyn A nennen, das andere aber B, so
ist zunächst B als das Andere bestimmt.  Aber A ist ebenso sehr das
Andere des B. Beide sind auf gleiche Weise Andere.  Um den
Unterschied und das als affirmativ zu nehmende Etwas zu fixiren,
dient das Dieses.  Aber Dieses spricht eben es aus, daß dieß
Unterscheiden und Herausheben des einen Etwas ein subjektives,
außerhalb des Etwas selbst fallendes Bezeichnen ist.  In dieses
äußerliche Monstriren fällt die ganze Bestimmtheit; selbst der
Ausdruck: Dieses enthält keinen Unterschied; alle und jede Etwas sind
gerade so gut Diese, als sie auch Andere sind.  Man meint, durch:
Dieses, etwas vollkommen bestimmtes auszudrücken; es wird übersehen,
daß die Sprache, als Werk des Verstandes, nur Allgemeines ausspricht,
außer in dem Namen eines einzelnen Gegenstandes; der individuelle
Name ist aber ein Sinnloses in dem Sinne, daß er nicht ein
Allgemeines ausdrückt, und erscheint als ein bloß Gesetztes,
Willkürliches aus demselben Grunde, wie denn auch Einzelnamen
willkürlich angenommen, gegeben oder ebenso verändert werden können.

Es erscheint somit das Andersseyn als eine dem so bestimmten Daseyn
fremde Bestimmung, oder das Andere außer dem einen Daseyn; Theils,
daß ein Daseyn erst durch das Vergleichen eines Dritten, Theils, daß
es nur um des Anderen willen, das außer ihm ist, als anderes bestimmt
werde, aber nicht für sich so sey.  Zugleich, wie bemerkt worden,
bestimmt sich jedes Daseyn, auch für die Vorstellung, ebenso sehr als
ein anderes Daseyn, so daß nicht ein Daseyn bleibt, das nur als ein
Daseyn bestimmt, das nicht außerhalb eines Daseyns, also nicht selbst
ein Anderes wäre.

Beide sind sowohl als Etwas als auch als Anderes bestimmt, hiermit
dasselbe und es ist noch kein Unterschied derselben vorhanden.  Diese
Dieselbigkeit der Bestimmungen fällt aber ebenso nur in die äußere
Reflexion, in die Vergleichung beider; aber wie das Andere zunächst
gesetzt ist, so ist dasselbe für sich zwar in Beziehung auf das Etwas,
aber auch für sich außerhalb desselben.

Drittens ist daher das Andere zu nehmen, als isolirt, in Beziehung
auf sich selbst; abstrakt als das Andere,...... des Plato, der es als
eins der Momente der Totalität, dem Einen entgegensetzt, und dem
Anderen auf diese Weise eine eigne Natur zuschreibt.  So ist das
Andere allein als solches gefaßt, nicht das Andere von Etwas, sondern
das Andere an ihm selbst, d. i. das Andere seiner selbst.--Solches
seiner Bestimmung nach Andere ist die physische Natur; sie ist das
Andere des Geistes; diese ihre Bestimmung ist so zunächst eine bloße
Relativität, wodurch nicht eine Qualität der Natur selbst, sondern
nur eine ihr äußerliche Beziehung ausgedrückt wird.  Aber indem der
Geist das wahrhafte Etwas, und die Natur daher an ihr selbst nur das
ist, was sie gegen den Geist ist, so ist, insofern sie für sich
genommen wird, ihre Qualität eben dieß, das Andere an ihr selbst, das
Außer-sich-seyende (in den Bestimmungen des Raumes, der Zeit, der
Materie) zu seyn.

Das Andere für sich ist das Andere an ihm selbst, hiermit das Andere
seiner selbst, so das Andere des Anderen,--also das in sich
schlechthin Ungleiche, sich Negirende, das sich Verändernde.  Aber
ebenso bleibt es identisch mit sich, denn dasjenige, in welches es
sich veränderte, ist das Andere, das sonst weiter keine Bestimmung
hat; aber das sich Verändernde ist auf keine verschiedene Weise,
sondern auf dieselbe, ein Anderes zu seyn, bestimmt, es geht daher in
demselben nur mit sich zusammen.  So ist es gesetzt als in sich
Reflektirtes mit Aufheben des Andersseyns; mit sich identisches Etwas,
von dem hiermit das Andersseyn, das zugleich Moment desselben ist,
ein Unterschiedenes, ihm nicht als Etwas selbst zukommendes ist.

2.  Etwas erhält sich in seinem Nichtdaseyn; es ist wesentlich Eins
mit ihm, und wesentlich nicht Eins mit ihm.

Es steht also in Beziehung auf sein Andersseyn; es ist nicht rein
sein Andersseyn.  Das Andersseyn ist zugleich in ihm enthalten, und
zugleich noch davon getrennt; es ist Seyn-für-Anderes.

Daseyn als solches ist Unmittelbares, Beziehungsloses; oder es ist in
der Bestimmung des Seyns.  Aber Daseyn als das Nichtseyn in sich
schließend, ist bestimmtes, in sich verneintes Seyn, und dann
zunächst Anderes,--aber weil es sich in seiner Verneinung zugleich
auch erhält, nur Seyn-für-Anderes.

Es erhält sich in seinem Nichtdaseyn, und ist Seyn; aber nicht Seyn
überhaupt, sondern als Beziehung auf sich gegen seine Beziehung auf
Anderes, als Gleichheit mit sich gegen seine Ungleichheit.  Ein
solches Seyn ist Ansichseyn.

Seyn-für-Anderes und Ansichseyn machen die zwei Momente des Etwas aus.
Es sind zwei Paare von Bestimmungen, die hier vorkommen: 1) Etwas
und Anderes. 2) Seyn-für-Anderes, und Ansichseyn.  Die erstern
enthalten die Beziehungslosigkeit ihrer Bestimmtheit; Etwas und
Anderes fallen auseinander.  Aber ihre Wahrheit ist ihre Beziehung;
das Seyn-für-Anderes und das Ansichseyn sind daher jene Bestimmungen
als Momente Eines und desselben gesetzt, als Bestimmungen, welche
Beziehungen sind und in ihrer Einheit, in der Einheit des Daseyns
bleiben.  Jedes selbst enthält damit an ihm zugleich auch sein von
ihm verschiedenes Moment.

Seyn und Nichts in ihrer Einheit, welche Daseyn ist, sind nicht mehr
als Seyn und Nichts;--dieß sind sie nur außer ihrer Einheit; so in
ihrer unruhigen Einheit, im Werden, sind sie Entstehen und Vergehen.
--Seyn im Etwas ist Ansichseyn.  Seyn, die Beziehung auf sich, die
Gleichheit mit sich, ist jetzt nicht mehr unmittelbar, sondern
Beziehung auf sich nur als Nichtseyn des Andersseyns, (als in sich
reflektirtes Daseyn).--Eben so ist Nichtseyn als Moment des Etwas in
dieser Einheit des Seyns und Nichtseyns, nicht Nichtdaseyn überhaupt,
sondern Anderes, und bestimmter nach der Unterscheidung des Seyns von
ihm zugleich, Beziehung auf sein Nichtdaseyn, Seyn-für-Anderes.

Somit ist Ansichseyn erstlich negative Beziehung auf das Nichtdaseyn,
es hat das Andersseyn außer ihm und ist demselben entgegen; insofern
Etwas an sich ist, ist es dem Anders-seyn und dem Seyn-für-Anderes
entnommen.  Aber zweitens hat es das Nichtseyn auch selbst an ihm;
denn es selbst ist das Nicht-seyn des Seyns-für Anderes.

Das Seyn-für-Anderes aber ist erstlich Negation der einfachen
Beziehung des Seyns auf sich, die zunächst Daseyn und Etwas seyn soll;
insofern Etwas in einem Anderen oder für ein Anderes ist, entbehrt
es des eigenen Seyns.  Aber zweitens ist es nicht das Nichtdaseyn als
reines Nichts; es ist Nichtdaseyn, das auf das Ansichseyn als auf
sein in sich reflektirtes Seyn hinweist, so wie umgekehrt das
Ansichseyn auf das Seyn-für-Anderes hinweist.

Beide Momente sind Bestimmungen eines und des selben, nämlich des
Etwas.  Ansich ist Etwas, insofern es aus dem Seyn-für-Anderes heraus,
in sich zurückgekehrt ist.  Etwas hat aber auch eine Bestimmung oder
Umstand an sich (hier fällt der Accent auf an) oder an ihm, insofern
dieser Umstand äußerlich an ihm, ein Seyn-für-Anderes ist.

Dieß führt zu einer weitern Bestimmung.  Ansichseyn und
Seyn-für-Anderes sind zunächst verschieden; aber daß Etwas dasselbe,
was es an sich ist, auch an ihm hat, und umgekehrt, was es als
Seyn-für-Anderes ist, auch an sich ist,--dieß ist die Identität des
Ansichseyns und Seyns-für-Anderes, nach der Bestimmung, daß das Etwas
selbst ein und dasselbe beider Momente ist, sie also ungetrennt in
ihm sind.--Es ergiebt sich formell diese Identität schon in der
Sphäre des Daseyns, aber ausdrücklicher in der Betrachtung des Wesens
und dann des Verhältnisses der Innerlichkeit und Äußerlichkeit, und
am bestimmtesten in der Betrachtung der Idee, als der Einheit des
Begriffs und der Wirklichkeit.--Man meint, mit dem Ansich etwas Hohes
zu sagen, wie mit dem Inneren; was aber Etwas nur ansich ist, ist
auch nur an ihm; ansich ist eine nur abstrakte, damit selbst
äußerliche Bestimmung.  Die Ausdrücke: es ist nichts an ihm, oder es
ist etwas daran, enthalten, obgleich etwa dunkel, daß das, was an
einem ist, auch zu seinem Ansichseyn, seinem inneren wahrhaften
Werthe gehöre.

Es kann bemerkt werden, daß sich hier der Sinn des Dings-an-sich
ergiebt, das eine sehr einfache Abstraktion ist, aber eine Zeitlang
eine sehr wichtige Bestimmung, gleichsam etwas Vornehmes, so wie, der
Satz, daß wir nicht wissen, was die Dinge an sich sind, eine
vielgeltende Weisheit war.--Die Dinge heißen an-sich, insofern von
allem Seyn-für-Anderes abstrahirt wird, das heißt überhaupt, insofern
sie ohne alle Bestimmung, als Nichtse gedacht werden.  In diesem Sinn
kann man freilich nicht wissen, was das Ding-an-sich ist.  Denn die
Frage: was? verlangt, daß Bestimmungen angegeben werden; indem aber
die Dinge, von denen sie anzugeben verlangt würde, zugleich
Dinge-an-sich seyn sollen, das heißt eben ohne Bestimmung, so ist in
die Frage gedankenloserweise die Unmöglichkeit der Beantwortung
gelegt, oder man macht nur eine widersinnige Antwort.--Das
Ding-an-sich ist dasselbe, was jenes Absolute, von dem man nichts
weiß, als daß Alles eins in ihm ist.  Man weiß daher sehr wohl, was
an diesen Dingen-an-sich ist; sie sind als solche nichts als
Wahrheitslose, leere Abstraktionen.  Was aber das Ding-an-sich in
Wahrheit ist, was wahrhaft an sich ist, davon ist die Logik die
Darstellung, wobei aber unter Ansich etwas Besseres als die
Abstraktion verstanden wird, nämlich was etwas in seinem Begriffe ist;
dieser aber ist konkret in sich, als Begriff überhaupt begreiflich,
und als bestimmt und Zusammenhang seiner Bestimmungen in sich
erkennbar.

Das Ansichseyn hat zunächst das Seyn-für-Anderes zu seinem
gegenüberstehenden Momente; aber es wird demselben auch das
Gesetztseyn gegenübergestellt; in diesem Ausdruck liegt zwar auch das
Seyn-für-Anderes, aber er enthält bestimmt die bereits geschehene
Zurückbeugung dessen, was nicht an sich ist, in das, was sein
Ansichseyn, worin es positiv ist.  Das Ansichseyn ist gewöhnlich als
eine abstrakte Weise den Begriff auszudrücken zu nehmen; Setzen fällt
eigentlich erst in die Sphäre des Wesens, der objektiven Reflexion;
der Grund setzt das, was durch ihn begründet wird; die Ursache noch
mehr bringt eine Wirkung hervor, ein Daseyn, dessen Selbstständigkeit
unmittelbar negirt ist und das den Sinn an ihm hat, in einem anderen
seine Sache, sein Seyn zu haben.  In der Sphäre des Seyns geht das
Daseyn aus dem Werden nur hervor, oder mit dem Etwas ist ein Anderes,
mit dem Endlichen das Unendliche gesetzt, aber das Endliche bringt
das Unendliche nicht hervor, setzt dasselbe nicht.  In der Sphäre des
Seyns ist das Sich-bestimmen des Begriffs selbst nur erst an sich, so
heißt es ein Übergehen; auch die reflektirenden Bestimmungen des
Seyns, wie Etwas und Anderes, oder das Endliche und Unendliche, ob
sie gleich wesentlich auf einander hinweisen, oder als
Seyn-für-Anderes sind, gelten als qualitative für sich bestehend; das
Andere ist, das Endliche gilt ebenso als unmittelbar seyend und für
sich feststehend, wie das Unendliche; ihr Sinn erscheint als
vollendet auch ohne ihr Anderes.  Das Positive und Negative hingegen,
Ursache und Wirkung, so sehr sie auch als isolirt seyend genommen
werden, haben zugleich keinen Sinn ohne einander; es ist an ihnen
selbst ihr Scheinen in einander, das Scheinen seines Anderen in jedem,
vorhanden.--In den verschiedenen Kreisen der Bestimmung und
besonders im Fortgange der Exposition, oder näher im Fortgange des
Begriffs zu seiner Exposition ist es eine Hauptsache, dieß immer wohl
zu unterscheiden, was noch an sich und was gesetzt ist, wie die
Bestimmungen als im Begriffe und wie sie als gesetzt oder als
seyend-für-Anderes sind.  Es ist dieß ein Unterschied, der nur der
dialektischen Entwickelung angehört, den das metaphysische
Philosophiren, worunter auch das kritische gehört, nicht kennt; die
Definitionen der Metaphysik, wie ihre Voraussetzungen,
Unterscheidungen und Folgerungen, wollen nur Seyendes und zwar
Ansichseyendes behaupten und hervorbringen.

Das Seyn-für-Anderes ist in der Einheit des Etwas mit sich, identisch
mit seinem Ansich; das Seyn-für-Anderes ist so am Etwas.  Diese in
sich reflektirte Bestimmtheit ist damit wieder einfache seyende,
somit wieder eine Qualität,--die Bestimmung.

b.  Bestimmung, Beschaffenheit und Grenze.

Das Ansich, in welches das Etwas aus seinem Seyn-für-Anderes in sich
reflektirt ist, ist nicht mehr abstraktes Ansich, sondern als
Negation seines Seyns-für-Anderes durch dieses vermittelt, welches so
sein Moment ist.  Es ist nicht nur die unmittelbare Identität des
Etwas mit sich, sondern die, durch welche das Etwas das, was es an
sich ist, auch an ihm ist; das Seyn-für-Anderes ist an ihm, weil das
Ansich das Aufheben desselben ist, aus demselben in sich ist; aber
ebenso sehr auch schon, weil es abstrakt, also wesentlich mit
Negation, mit Seyn-für-Anderes behaftet ist.  Es ist hier nicht nur
Qualität und Realität, seyende Bestimmtheit, sondern an-sich-seyende
Bestimmtheit vorhanden, und die Entwickelung ist, sie als diese in
sich reflektirte Bestimmtheit zu setzen.

1.  Die Qualität, die das Ansich im einfachen Etwas wesentlich in
Einheit mit dessen anderen Momente, dem An-ihm-Seyn, ist, kann seine
Bestimmung genannt werden, insofern dieses Wort in genauerer
Bedeutung von Bestimmtheit überhaupt unterschieden wird.  Die
Bestimmung ist die affirmative Bestimmtheit, als das Ansichseyn, dem
das Etwas in seinem Daseyn gegen seine Verwicklung mit Anderem, wo
von es bestimmt würde, gemäß bleibt, sich in seiner Gleichheit mit
sich erhält, sie in seinem Seyn-für-Anderes geltend macht.  Es
erfüllt seine Bestimmung, insofern die weitere Bestimmtheit, welche
zunächst durch sein Verhalten zu Anderem mannigfaltig erwächst,
seinem Ansichseyn gemäß, seine Fülle wird.  Die Bestimmung enthält
dieß, daß was Etwas an sich ist, auch an ihm sey.

Die Bestimmung des Menschen ist die denkende Vernunft: Denken
überhaupt ist seine einfache Bestimmtheit, er ist durch dieselbe von
dem Thiere unterschieden; er ist Denken an sich, insofern dasselbe
auch von seinem Seyn-für-Anderes, seiner eigenen Natürlichkeit und
Sinnlichkeit, wodurch er unmittelbar mit Anderem zusammenhängt,
unterschieden ist.  Aber das Denken ist auch an ihm; der Mensch
selbst ist Denken, er ist da als denkend, es ist seine Existenz und
Wirklichkeit; und ferner indem es in seinem Daseyn, und sein Daseyn
im Denken ist, ist es konkret, ist mit Inhalt und Erfüllung zu nehmen,
es ist denkende Vernunft, und so ist es Bestimmung des Menschen.
Aber selbst diese Bestimmung ist wieder nur an sich, als ein Sollen,
d. i. sie mit der Erfüllung, die ihrem Ansich einverleibt ist, in der
Form des Ansich überhaupt, gegen das ihr nicht einverleibte Daseyn,
das zugleich noch als äußerlich gegenüberstehende, unmittelbare
Sinnlichkeit und Natur ist.

2.  Die Erfüllung des Ansichseyns mit Bestimmtheit ist auch
unterschieden von der Bestimmtheit, die nur Seyn-für-Anderes ist und
außer der Bestimmung bleibt.  Denn im Felde des Qualitativen bleibt
den Unterschieden in ihrem Aufgehobenseyn auch das unmittelbare,
qualitative Seyn gegeneinander.  Das, was das Etwas an ihm hat,
theilt sich so, und ist nach dieser Seite äußerliches Daseyn des
Etwas, das auch sein Daseyn ist, aber nicht seinem Ansichseyn
angehört.--Die Bestimmtheit ist so Beschaffenheit.

So oder anders beschaffen, ist Etwas als in äußerem Einfluß und
Verhältnissen begriffen.  Diese äußerliche Beziehung, von der die
Beschaffenheit abhängt, und das Bestimmtwerden durch ein Anderes,
erscheint als etwas Zufälliges.  Aber es ist Qualität des Etwas,
dieser Äußerlichkeit preisgegeben zu seyn und eine Beschaffenheit zu
haben.

Insofern Etwas sich verändert, so fällt die Veränderung in die
Beschaffenheit; sie ist am Etwas das, was ein Anderes wird.  Es
selbst erhält sich in der Veränderung, welche nur diese unstäte
Oberfläche seines Andersseyns, nicht seine Bestimmung trifft.

Bestimmung und Beschaffenheit sind so von einander unterschieden;
Etwas ist seiner Bestimmung nach gleichgültig gegen seine
Beschaffenheit.  Das aber, was Etwas an ihm hat, ist die sie beide
verbindende Mitte dieses Schlusses.  Das Am Etwas seyn zeigte sich
aber vielmehr in jene beide Extreme zu zerfallen.  Die einfache Mitte
ist die Bestimmtheit als solche; ihrer Identität gehört sowohl
Bestimmung als Beschaffenheit an.  Aber die Bestimmung geht für sich
selbst in Beschaffenheit und diese in jene über.  Dieß liegt im
Bisherigen; der Zusammenhang ist näher dieser: Insofern das, was
Etwas an sich ist, auch an ihm ist, ist es mit Seyn-für-Anderes
behaftet; die Bestimmung ist damit als solche offen dem Verhältniß zu
Anderem.  Die Bestimmtheit ist zugleich Moment, enthält aber zugleich
den qualitativen Unterschied, vom Ansichseyn verschieden, das
Negative des Etwas, ein anderes Daseyn zu seyn.  Die so das Andere in
sich fassende Bestimmtheit mit dem Ansichseyn vereinigt bringt das
Andersseyn in das Ansichseyn oder in die Bestimmung hinein, welche
dadurch zur Beschaffenheit herabgesetzt ist.  Umgekehrt das
Seyn-für-Anders als Beschaffenheit isolirt und für sich gesetzt ist
es an ihm dasselbe, was das Andere als solches, das Andere an ihm
selbst d. i. seiner selbst ist; so ist es aber sich auf sich
beziehendes Daseyn, so Ansichseyn mit einer Bestimmtheit, also
Bestimmung.--Es hängt hiermit, insofern beide auch außereinander zu
halten sind, die Beschaffenheit, die in einem Äußerlichen, einem
Anderen überhaupt gegründet erscheint, auch von der Bestimmung ab,
und das fremde Bestimmen ist durch die eigene, immanente des Etwas
zugleich bestimmt.  Aber ferner gehört die Beschaffenheit zu dem, was
das Etwas an sich ist; mit seiner Beschaffenheit ändert sich Etwas.

Diese Änderung des Etwas ist nicht mehr die erste Veränderung des
Etwas bloß nach seinem Seyn-für-Anderes; jene erste war nur die an
sich seyende, dem innern Begriffe angehörige Veränderung; die
Veränderung ist nunmehr auch die am Etwas gesetzte.--Das Etwas selbst
ist weiter bestimmt, und die Negation als ihm immanent gesetzt, als
sein entwickeltes Insichseyn.

Zunächst ist das Übergehen der Bestimmung und Beschaffenheit
ineinander das Aufheben ihres Unterschiedes, damit ist das Daseyn
oder Etwas überhaupt gesetzt; und, indem es aus jenem Unterschiede
resultirt, der das qualitative Andersseyn ebenso in sich befaßt, sind
Zwei Etwas, aber nicht nur Andere gegen einander überhaupt, so daß
diese Negation noch abstrakt wäre und nur in die Vergleichung fiele,
sondern sie ist nunmehr den Etwas immanent.  Sie sind als daseyend
gleichgültig gegeneinander, aber diese ihre Affirmation ist nicht
mehr unmittelbare, jedes bezieht sich auf sich selbst vermittelst des
Aufhebens des Andersseyns, welches in der Bestimmung in das
Ansichseyn reflektirt ist.

Etwas verhält sich so aus sich selbst zum Anderen, weil das
Andersseyn als sein eigenes Moment in ihm gesetzt ist, sein
Insichseyn befaßt die Negation in sich, vermittelst deren überhaupt
es nun sein affirmatives Daseyn hat.  Aber von diesem ist das Andere
auch qualitativ unterschieden, es ist hiermit außer dem Etwas gesetzt.
Die Negation seines Anderen ist nur die Qualität des Etwas, denn
als dieses Aufheben seines Anderen ist es Etwas.  Damit tritt erst
eigentlich das Andere einem Daseyn selbst gegenüber; dem ersten Etwas
ist das Andere nur äußerlich gegenüber, oder aber indem sie in der
That schlechthin, d. i. ihrem Begriffe nach zusammenhängen, ist ihr
Zusammenhang dieser, daß das Daseyn in Andersseyn, Etwas in Anderes
übergegangen, Etwas sosehr als das Andere, ein Anderes ist.  Insofern
nun das Insichseyn das Nichtseyn des Andersseyns, welches in ihm
enthalten, aber Zugleich als seyend unterschieden, ist das Etwas
selbst, die Negation, das Aufhören eines Anderen an ihm; es ist als
sich negativ dagegen verhaltend und sich damit erhaltend gesetzt;
--dieß Andere, das Insichseyn des Etwas als Negation der Negation ist
sein Ansichseyn, und zugleich ist dieß Aufheben als einfache Negation
an ihm, nämlich als seine Negation des ihm äußerlichen anderen Etwas.
Es ist Eine Bestimmtheit derselben, welche sowohl mit dem Insichseyn
der Etwas identisch, als Negation der Negation, als auch indem diese
Negationen als andere Etwas gegeneinander sind, sie aus ihnen selbst
zusammenschließt und ebenso von einander, jedes das Andere negirend,
abscheidet,--die Grenze.

3.  Seyn-für-Anderes ist unbestimmte, affirmative Gemeinschaft von
Etwas mit seinem Anderen; in der Grenze hebt sich das
Nichtseyn-für-Anderes hervor, die qualitative Negation des Anderen,
welches dadurch von dem in sich reflektirten Etwas abgehalten wird.
Die Entwickelung dieses Begriffs ist zu sehen, welche sich aber
vielmehr als Verwicklung und Widerspruch zeigt.  Dieser ist sogleich
darin vorhanden, daß die Grenze als in sich reflektirte Negation des
Etwas die Momente des Etwas und des Anderen in ihr ideell enthält,
und diese als unterschiedene Momente zugleich in der Sphäre des
Daseyns als reell, qualitativ unterschieden gesetzt sind.

à.  Etwas also ist unmittelbares sich auf sich beziehendes Daseyn und
hat eine Grenze zunächst als gegen Anderes; sie ist das Nichtseyn des
Anderen, nicht des Etwas selbst; es begrenzt in ihr sein Anderes.
--Aber das Andere ist selbst ein Etwas überhaupt; die Grenze also,
welche das Etwas gegen das Andere hat, ist auch Grenze des Anderen
als Etwas, Grenze desselben, wodurch es das erste Etwas als sein
Anderes von sich abhält, oder ist ein Nichtseyn jenes Etwas; so ist
sie nicht nur Nichtseyn des Andern, sondern des einen wie des anderen
Etwas, somit des Etwas überhaupt.

Aber sie ist wesentlich ebenso das Nichtseyn des Anderen, so ist
Etwas zugleich durch seine Grenze.  Indem Etwas begrenzend ist, wird
es zwar dazu herabgesetzt, selbst begrentzt zu seyn; aber seine
Grenze ist, als Aufhören des Anderen an ihm, zugleich selbst nur das
Seyn des Etwas; dieses ist durch sie das, was es ist, hat in ihr
seine Qualität.--Dieß Verhältniß ist die äußere Erscheinung dessen,
daß die Grenze einfache Negation oder die erste Negation, das Andere
aber zugleich die Negation der Negation, das Insichseyn des Etwas,
ist.

Etwas ist also als unmittelbares Daseyn die Grenze gegen anderes
Etwas, aber es hat sie an ihm selbst und ist Etwas durch die
Vermittelung derselben, die ebenso sehr sein Nichtseyn ist.  Sie ist
die Vermittelung, wodurch Etwas und Anderes sowohl ist, als nicht ist.

ß.  Insofern nun Etwas in seiner Grenze ist und nicht ist, und diese
Momente ein unmittelbarer, qualitativer Unterschied sind, so fällt
das Nichtdaseyn und das Daseyn des Etwas außer einander.  Etwas hat
sein Daseyn außer (oder wie man es sich auch vorstellt, innerhalb)
seiner Grenze; eben so ist auch das Andere, weil es Etwas ist,
außerhalb derselben.  Sie ist die Mitte zwischen beiden, in der sie
aufhören.  Sie haben das Daseyn jenseits von einander von ihrer
Grenze; die Grenze als das Nichtseyn eines jeden ist das Andere von
beiden.

--Nach dieser Verschiedenheit des Etwas von seiner Grenze, erscheint
die Linie als Linie nur außerhalb ihrer Grenze, des Punktes; die
Fläche als Fläche außerhalb der Linie; der Körper als Körper nur
außerhalb seiner begrenzenden Fläche.--Dieß ist die Seite, von
welcher die Grenze zunächst in die Vorstellung,--das Außersichseyn
des Begriffes,--fällt, als vornehmlich auch in den räumlichen
Gegenständen genommen wird.

y.  Ferner aber ist das Etwas, wie es außer der Grenze ist, das
unbegrenzte Etwas, nur das Daseyn überhaupt.  So ist es nicht von
seinem Anderen unterschieden; es ist nur Daseyn, hat also mit seinem
Anderen dieselbe Bestimmung, jedes ist nur Etwas überhaupt oder jedes
ist Anderes; beide sind so Dasselbe.  Aber dieß ihr zunächst
unmittelbares Daseyn ist nun gesetzt mit der Bestimmtheit als Grenze,
in welcher beide sind, was sie sind, unterschieden von einander.  Sie
ist aber ebenso ihre gemeinschaftliche Unterschiedenheit, die Einheit
und Unterschiedenheit derselben, wie das Dasein.  Diese doppelte
Identität beider, das Daseyn und die Grenze enthält dieß, daß das
Etwas sein Daseyn nur in der Grenze hat, und daß, indem die Grenze
und das unmittelbare Daseyn beide zugleich das Negative von einander
sind, das Etwas, welches nur in seiner Grenze ist, eben so sehr sich
von sich selbst trennt und über sich hinaus auf sein Nichtseyn weißt
und dieß als sein Seyn ausspricht, und so in dasselbe übergeht.  Um
dieß auf das vorige Beispiel anzuwenden, so ist die eine Bestimmung,
daß Etwas, das was es ist, nur in seiner Grenze ist;--so ist also der
Punkt nicht nur so Grenze der Linie, daß diese in ihm nur aufhört und
sie als Daseyn außer ihm ist;--die Linie nicht nur so Grenze der
Fläche, daß diese in der Linie nur aufhört, ebenso die Fläche als
Grenze des Körpers.  Sondern im Punkte fängt die Linie auch an; er
ist ihr absoluter Anfang, auch insofern sie als nach ihren beiden
Seiten unbegrenzt, oder wie man es ausdrückt, als ins Unendliche
verlängert vorgestellt wird, macht der Punkt ihr Element aus, wie die
Linie das Element der Fläche, die Fläche das des Körpers.  Diese
Grenzen sind Princip dessen, das sie begrenzen; wie das Eins, z.B.
als Hundertstes, Grenze ist, aber auch Element des ganzen Hundert.

Die andere Bestimmung ist die Unruhe des Etwas in seiner Grenze, in
der es immanent ist, der Widerspruch zu seyn, der es über sich selbst
hinausschickt.  So ist der Punkt, diese Dialektik seiner selbst, zur
Linie zu werden, die Linie die Dialektik, zur Fläche, die Fläche die
zum totalen Raume zu werden.  Von Linie, Fläche, und ganzem Raum wird
eine zweite Definition so gegeben, daß durch die Bewegung des Punktes
die Linie, durch die Bewegung der Linie die Fläche entsteht u.s.f.
Diese Bewegung des Punkts, der Linie u.s.f. wird aber als etwas
Zufälliges oder nur so Vorgestelltes angesehen.  Dieß ist jedoch
eigentlich darin zurückgenommen, daß die Bestimmungen, aus denen
Linie u.s.f. entstehen sollen, ihre Elemente und Principien seyen,
und diese sind nichts anderes als zugleich ihre Grenzen; das
Entstehen wird so nicht für zufällig oder nur so vorgestellt,
betrachtet.  Daß Punkt, Linie, Fläche, für sich, sich widersprechend,
Anfänge sind, welche selbst sich von sich abstossen, und der Punkt
somit aus sich durch seinen Begriff in die Linie übergeht, sich an
sich bewegt und sie entstehen macht, u.s.f.--liegt in dem Begriffe
der dem Etwas immanenten Grenze.  Die Anwendung jedoch selbst gehört
in die Betrachtung des Raums; um sie hier anzudeuten, so ist der
Punkt die ganz abstrakte Grenze, aber in einem Daseyn; dieses ist
noch ganz unbestimmt genommen, es ist der sogenannte absolute, d. h.
abstrakte Raum, das schlechthin kontinuirliche Außereinanderseyn.
Damit daß die Grenze s nicht abstrakte Negation, sondern in diesem
Daseyn, daß sie räumliche Bestimmtheit ist, ist der Punkt räumlich,
der Widerspruch der abstrakten Negation und der Kontinuität und damit
das Übergehen und Übergegangenseyn in Linie u.s.f. wie es denn keinen
Punkt giebt, wie auch nicht eine Linie und Fläche.

Etwas mit seiner immanenten Grenze gesetzt als der Widerspruch seiner
selbst, durch den es über sich hinausgewiesen und getrieben wird, ist
das Endliche.

c.  Die Endlichkeit.

Das Daseyn ist bestimmt; Etwas hat eine Qualität, und ist in ihr
nicht nur bestimmt, sondern begrenzt; seine Qualität ist seine Grenze,
mit welcher behaftet, es zunächst affirmatives, ruhiges Daseyn
bleibt.  Aber diese Negation entwickelt, so daß der Gegensatz seines
Daseyns und der Negation als ihm immanenter Grenze selbst das
Insichseyn des Etwas, und dieses somit nur Werden an ihm selbst sey,
macht seine Endlichkeit aus.  Wenn wir von den Dingen sagen, sie sind
endlich, so wird darunter verstanden, daß sie nicht nur eine
Bestimmtheit haben, die Qualität nicht nur als Realität und
ansichseyende Bestimmung, daß sie nicht blos begrenzt sind, sie haben
so noch Daseyn außer ihrer Grenze,--sondern daß vielmehr das
Nichtseyn ihre Natur, ihr Seyn, ausmacht.  Die endlichen Dinge sind,
aber ihre Beziehung auf sich selbst ist, daß sie als negativ sich auf
sich selbst beziehen, eben in dieser Beziehung auf sich selbst sich
über sich, über ihr Seyn, hinauszuschicken.  Sie sind, aber die
Wahrheit dieses Seyns ist ihr Ende.  Das Endliche verändert sich
nicht nur, wie Etwas überhaupt, sondern es vergeht, und es ist nicht
bloß möglich, daß es vergeht, so daß es seyn könnte, ohne zu vergehen.
Sondern das Seyn der endlichen Dinge als solches ist, den Keim des
Vergehens als ihr Insichseyn zu haben, die Stunde ihrer Geburt ist
die Stunde ihres Todes.

1.  Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit.

Der Gedanke an die Endlichkeit der Dinge führt diese Trauer mit sich,
weil sie die auf die Spitze getriebene qualitative Negation ist, in
der Einfachheit solcher Bestimmung ihnen nicht mehr ein affirmatives
Seyn unterschieden von ihrer Bestimmung zum Untergange gelassen ist.
Die Endlichkeit ist um dieser qualitativen Einfachheit der Negation,
die zum abstrakten Gegensatze des Nichts und Vergehens gegen das Seyn
zurückgegangen ist, die hartnäckigste Kategorie des Verstandes; die
Negation überhaupt, Beschaffenheit, Grenze vertragen sich mit ihrem
Anderen, dem Daseyn; auch das abstrakte Nichts wird für sich als
Abstraktion aufgegeben; aber Endlichkeit ist die als an sich fixirte
Negation, und steht daher seinem Affirmativen schroff gegenüber.  Das
Endliche läßt sich so in Fluß wohl bringen, es ist selbst dieß, zu
seinem Ende bestimmt zu seyn, aber nur zu seinem Ende;--es ist
vielmehr das Verweigern, sich zu seinem Affirmativen, dem Unendlichen
hin affirmativ bringen, mit ihm sich verbinden zu lassen; es ist also
untrennbar von seinem Nichts gesetzt, und alle Versöhnung mit seinem
Anderen, dem Affirmativen, dadurch abgeschnitten.  Die Bestimmung der
endlichen Dinge ist nicht eine weitere als ihr Ende.  Der Verstand
verharrt in dieser Trauer der Endlichkeit, indem er das Nichtseyn zur
Bestimmung der Dinge, es zugleich unvergänglich und absolut macht.
Ihre Vergänglichkeit könnte nur in ihrem Anderen, dem Affirmativen,
vergehen; so trennte sich ihre Endlichkeit von ihnen ab; aber sie ist
ihre unveränderliche, d. i. nicht in ihr Anderes d. i. nicht in ihr
Affirmatives übergehende Qualität, so ist sie ewig.

Dieß ist eine sehr wichtige Betrachtung daß aber das Endliche absolut
sey, solchen Standpunkt wird sich freilich irgend eine Philosophie
oder Ansicht oder der Verstand nicht aufbürden lassen wollen;
vielmehr ist das Gegentheil ausdrücklich in der Behauptung des
Endlichen vorhanden; das Endliche ist das Beschränkte, Vergängliche;
das Endliche ist nur das Endliche, nicht das Unvergängliche; dieß
liegt unmittelbar in seiner Bestimmung und Ausdruck.  Aber es kommt
darauf an, ob in der Ansicht beim Seyn der Endlichkeit beharrt wird,
die Vergänglichkeit bestehen bleibt, oder ob die Vergänglichkeit und
das Vergehen vergeht?  Daß dieß aber nicht geschieht, ist das Faktum
eben in derjenigen Ansicht des Endlichen, welche das Vergehen zum
Letzten des Endlichen macht.  Es ist die ausdrückliche Behauptung,
daß das Endliche mit dem Unendlichen unverträglich und unvereinbar
sey, das Endliche dem Unendlichen schlechthin entgegen gesetzt sey.
Dem Unendlichen ist Seyn, absolutes Seyn zugeschrieben; ihm gegenüber
bleibt so das Endliche festgehalten, als das Negative desselben;
unvereinbar mit dem Unendlichen bleibt es absolut auf seiner eigenen
Seite; Affirmation erhielte es von Affirmativen, dem Unendlichen und
verginge so; aber eine Vereinigung mit demselben ist das, was für das
Unmögliche erklärt wird.  Soll es nicht beharren dem Unendlichen
gegenüber, sondern vergehen, so ist, wie vorhin gesagt, eben sein
Vergehen das Letzte, nicht das Affirmative, welches nur das Vergeben
des Vergehens seyn würde.  Sollte aber das Endliche nicht im
Affirmativen vergehen, sondern sein Ende als das Nichts gefaßt werden,
so wären wir wieder bei jenem ersten, abstrakten Nichts, das selbst
längst vergangen ist.

Bei diesem Nichts jedoch, welches nur Nichts seyn soll und dem
zugleich eine Existenz, im Denken, Vorstellen oder Sprechen zugegeben
wird, kommt derselbe Widerspruch vor, als so eben bei dem Endlichen,
angegeben worden, nur daß er dort nur vorkommt, aber in der
Endlichkeit ausdrücklich ist.  Dort erscheint er als subjektiv, hier
wird behauptet, das Endliche stehe perennirend dem Unendlichen
entgegen, das an sich Nichtige sey, und es sey als an sich Nichtiges.
Dieß ist zum Bewußtseyn zu bringen; und die Entwickelung des
Endlichen zeigt, daß es an ihm als dieser Widerspruch in sich
zusammenfällt, aber ihn dahin wirklich auflöst, nicht daß es nur
vergänglich ist und vergeht, sondern daß das Vergehen, das Nichts,
nicht das Letzte ist, sondern vergeht.

2.  Die Schranke und das Sollen.

Dieser Widerspruch ist zwar abstrakt sogleich darin vorhanden, daß
das Etwas endlich ist, oder daß das Endliche ist.  Aber Etwas oder
das Seyn ist nicht mehr abstrakt gesetzt, sondern in sich reflektirt,
und entwickelt als Insichseyn, das eine Bestimmung und Beschaffenheit
an ihm hat, und noch bestimmter, daß es eine Grenze an ihm hat,
welche als das dem Etwas immanente und die Qualität seines
Insichseyns ausmachend, die Endlichkeit ist.  In diesem Begriffe des
endlichen Etwas ist zu sehen, was für Momente enthalten sind.

Bestimmung und Beschaffenheit ergaben sich als Seiten für die
äußerliche Reflexion; jene enthielt aber schon das Andersseyn als dem
Ansich des Etwas angehörig; die Äußerlichkeit des Andersseyns ist
einer Seits in der eigenen Innerlichkeit des Etwas, andererseits
bleibt sie als Äußerlichkeit unterschieden davon, sie ist noch
Äußerlichkeit als solche, aber an dem Etwas.  Indem aber ferner das
Andersseyn als Grenze, selbst als Negation der Negation, bestimmt ist,
so ist das dem Etwas immanente Andersseyn, als die Beziehung der
beiden Seiten gesetzt, und die Einheit des Etwas mit sich, dem sowohl
die Bestimmung als die Beschaffenheit angehört, seine gegen sich
selbst gekehrte Beziehung, die seine immanente Grenze in ihm
negirende Beziehung seiner an sich seyenden Bestimmung darauf.  Das
mit sich identische Insichseyn bezieht sich so auf sich selbst als
sein eigenes Nichtseyn, aber als Negation der Negation, als dasselbe
negirend, das zugleich Daseyn in ihm behält, denn es ist die Qualität
seines Insichseyns.  Die eigene Grenze des Etwas, so von ihm als ein
Negatives, das zugleich wesentlich ist, gesetzt, ist nicht nur Grenze
als solche, sondern Schranke.  Aber die Schranke ist nicht allein das
als negirt gesetzte; die Negation ist zweischneidig, indem das von
ihr als negirt Gesetzte, die Grenze ist; diese nämlich ist überhaupt
das Gemeinschaftliche des Etwas und des Anderen, auch Bestimmtheit
des Ansichseyns der Bestimmung als solcher.  Dieses Ansichseyn
hiermit ist als die negative Beziehung auf seine von ihm auch
unterschiedene Grenze, auf sich als Schranke, Sollen.

Daß die Grenze, die am Etwas überhaupt ist, Schranke sey, muß es
zugleich in sich selbst über sie hinausgehen, sich an ihm selbst auf
sie als auf ein Nichtseyendes beziehen.  Das Daseyn des Etwas liegt
ruhig gleichgültig, gleichsam neben seiner Grenze.  Etwas geht aber
über seine Grenze nur hinaus, insofern es deren Aufgehobenseyn, das
gegen sie negative Ansichseyn ist.  Und indem sie in der Bestimmung
selbst als Schranke ist, geht Etwas damit über sich selbst hinaus.

Das Sollen enthält also die verdoppelte Bestimmung, einmal sie als an
sich seyende Bestimmung gegen die Negation, das andere Mal aber
dieselbe als ein Nichtseyn, das als Schranke von ihr unterschieden,
aber zugleich selbst ansichseyende Bestimmung ist.

Das Endliche hat sich so als die Beziehung seiner Bestimmung auf
seine Grenze bestimmt; jene ist in dieser Beziehung Sollen, diese ist
Schranke.  Beide sind so Momente des Endlichen, somit beide selbst
endlich, sowohl das Sollen, als die Schranke.  Aber nur die Schranke
ist als das Endliche gesetzt; das Sollen ist nur an sich, somit für
uns, beschränkt.  Durch seine Beziehung auf die ihm selbst schon
immanente Grenze ist es beschränkt, aber diese seine Beschränkung ist
in das Ansichseyn eingehüllt, denn nach seinem Daseyn, d. i. nach
seiner Bestimmtheit gegen die Schranke ist es als das Ansichseyn
gesetzt.

Was seyn soll, ist und ist zugleich nicht.  Wenn es wäre, so sollte
es nicht bloß seyn.  Also das Sollen hat wesentlich eine Schranke.
Diese Schranke ist nicht ein Fremdes; das, was nur seyn soll, ist die
Bestimmung, die nun gesetzt ist, wie sie in der That ist, nämlich
zugleich nur eine Bestimmtheit.

Das An-sich-seyn des Etwas in seiner Bestimmung setzt sich also zum
Sollen herab, dadurch daß dasselbe, was sein Ansichseyn ausmacht, in
einer und derselben Rücksicht als Nichtseyn ist; und zwar so, daß im
Insichseyn, der Negation der Negation, jenes Ansichseyn als die eine
Negation (das Negirende) Einheit mit der anderen ist, die zugleich
als qualitativ andere, Grenze ist, wodurch jene Einheit als Beziehung
auf sie ist.  Die Schranke des Endlichen ist nicht ein Äußeres,
sondern seine eigene Bestimmung ist auch seine Schranke; und diese
ist sowohl sie selbst als auch Sollen; sie ist das Gemeinschaftliche
beider, oder vielmehr das, worin beide identisch sind.

Als Sollen geht nun aber ferner das Endliche über seine Schranke
hinaus; dieselbe Bestimmtheit, welche seine Negation ist, ist auch
aufgehoben, und ist so sein Ansichseyn; seine Grenze ist auch nicht
seine Grenze.

Als Sollen ist somit Etwas über seine Schranke erhaben, umgekehrt hat
es aber nur als Sollen seine Schranke.  Beides ist untrennbar.  Etwas
hat insofern eine Schranke, als es in seiner Bestimmung die Negation
hat, und die Bestimmung ist auch das Aufgehobenseyn der Schranke.

Anmerkung.

Das Sollen hat neuerlich eine große Rolle in der Philosophie,
vornehmlich in Beziehung auf Moralität, und metaphysisch überhaupt
auch als der letzte und absolute Begriff von der Identität des
Ansichseyns oder der Beziehung auf sich selbst und der Bestimmtheit
oder der Grenze gespielt.

Du kannst, weil du sollst,--dieser Ausdruck, der viel sagen sollte,
liegt im Begriffe des Sollens.  Denn das Sollen ist das Hinausseyn
über die Schranke; die Grenze ist in demselben aufgehoben, das
Ansichseyn des Sollens ist so identische Beziehung auf sich, somit
die Abstraktion des Könnens.--Aber umgekehrt ist es eben so richtig:
Du kannst nicht, eben weil du sollst.  Denn im Sollen liegt ebenso
sehr die Schranke als Schranke; jener Formalismus der Möglichkeit hat
an ihr eine Realität, ein qualitatives Andersseyn, sich gegenüber,
und die Beziehung beider auf einander ist der Widerspruch, somit das
Nicht-Können oder vielmehr die Unmöglichkeit.

Im Sollen beginnt das Hinausgehen über die Endlichkeit, die
Unendlichkeit.  Das Sollen ist dasjenige, was sich in weiterer
Entwickelung, nach jener Unmöglichkeit als der Progreß ins Unendliche
darstellt.

In Ansehung der Form der Schranke und des Sollens können zwei
Vorurtheile näher gerügt werden.  Es pflegt zuerst viel auf die
Schranken des Denkens, der Vernunft u.s.f. gehalten zu werden, und es
wird behauptet, es könne über die Schranke nicht hinausgegangen
werden.  In dieser Behauptung liegt die Bewußtlosigkeit, daß darin
selbst, daß etwas als Schranke bestimmt ist, darüber bereits
hinausgegangen ist.  Denn eine Bestimmtheit, Grenze, ist als Schranke
nur bestimmt, im Gegensatz gegen sein Anderes überhaupt, also gegen
sein Unbeschränktes; das Andere einer Schranke ist eben das Hinaus
über dieselbe.  Der Stein, das Metall ist nicht über seine Schranke
hinaus, darum weil sie für ihn nicht Schranke ist.  Wenn jedoch bei
solchen allgemeinen Sätzen des verständigen Denkens, daß über die
Schranke nicht hinausgegangen werden könne, das Denken sich nicht
anwenden will, um zu sehen, was im Begriffe liegt, so kann an die
Wirklichkeit verwiesen werden, wo denn solche Sätze sich als das
Unwirklichste zeigen.  Dadurch eben, daß das Denken etwas Höheres,
als die Wirklichkeit seyn, von ihr sich entfernt in höheren Regionen
halten soll, dasselbe also selbst als ein Sollen bestimmt ist, geht
es einer Seits nicht zum Begriffe fort, und geschieht ihm
andererseits, daß es sich ebenso unwahr gegen die Wirklichkeit als
gegen den Begriff verhält.--Weil der Stein nicht denkt, nicht einmal
empfindet, ist seine Beschränktheit für ihn keine Schranke, d. h. in
ihm nicht eine Negation für die Empfindung, Vorstellung, Denken u.s.f.
die er nicht hat.  Aber auch selbst der Stein ist als Etwas in seine
Bestimmung oder sein Ansichseyn und sein Daseyn unterschieden, und
insofern geht auch er über seine Schranke hinaus; der Begriff der er
an sich ist, enthält die Identität mit seinem Anderen.  Ist er eine
säurungsfähige Basis, so ist er oxidirbar, neutralisirbar u.s.f.  In
der Oxidation, Neutralisation u.s.f. hebt sich seine Schranke, nur
als Basis da zu seyn, auf; er geht darüber hinaus; sowie die Säure
ihre Schranke als Säure zu seyn aufhebt, und es ist in ihr wie in der
kaustischen Basis sosehr das Sollen, über ihre Schranke hinauszugehen,
vorhanden, daß sie nur mit Gewalt als--wasserlose, d. i. rein nicht
neutrale--Säure und kaustische Basis festgehalten werden können.

Enthält aber eine Existenz den Begriff nicht bloß als abstraktes
Ansichseyn, sondern als für sich seyende Totalität, als Trieb, als
Leben, Empfindung, Vorstellen u.s.f., so vollbringt sie selbst aus
ihr dieß, über die Schranke hinaus zu seyn und hinaus zu gehen.  Die
Pflanze geht über die Schranke, als Keim zu seyn, ebenso über die,
als Blüthe, als Frucht, als Blatt zu seyn, hinaus; der Keim wird
entfaltete Pflanze, die Blüthe verblüht u.s.f.  Das Empfindende in
der Schranke des Hungers, Durstes u.s.f. ist der Trieb über diese
Schranke hinauszugehen und vollführt dieß Hinausgehen.  Es empfindet
Schmerz, und das Vorrecht empfindender Natur ist Schmerz zu empfinden;
es ist eine Negation in seinem Selbst, und sie ist als eine Schranke
in seinem Gefühle bestimmt, eben weil das Empfindende das Gefühl
seiner Selbst hat, welches die Totalität ist, das über jene
Bestimmtheit hinaus ist.  Wäre es nicht darüber hinaus, so empfände
es dieselbe nicht als seine Negation und hätte keinen Schmerz.--Die
Vernunft aber, das Denken, sollte nicht über die Schranke hinausgehen
können,--sie, die das Allgemeine, das für sich über die, d. i. über
alle Besonderheit hinaus ist, nur das Hinausgehen über die Schranke
ist.--Freilich ist nicht jedes Hinausgehen und Hinausseyn über die
Schranke eine wahrhafte Befreiung von derselben, wahrhafte
Affirmation; schon das Sollen selbst ist ein solches unvollkommenes
Hinausgehen, und die Abstraktion überhaupt.  Aber das Hinweisen auf
das ganz abstrakte Allgemeine reicht aus gegen die ebenso abstrakte
Versicherung, es könne nicht über die Schranke hinausgegangen werden,
oder schon das Hinweisen auf das Unendliche überhaupt gegen die
Versicherung, daß nicht über das Endliche hinausgegangen werden könne.

Es kann hierbei ein sinnreich scheinender Einfall Leibnitzens erwähnt
werden,--wenn ein Magnet Bewußtseyn hätte, so würde derselbe seine
Richtung nach Norden für eine Bestimmung seines Willens, ein Gesetz
seiner Freyheit ansehen.  Vielmehr wenn er Bewußtseyn damit Willen
und Freiheit hätte, wäre er denkend, somit würde der Raum für ihn als
allgemeiner alle Richtung enthaltender, und damit die eine Richtung
nach Norden vielmehr als eine Schranke für seine Freyheit seyn, so
sehr als es für den Menschen eine Schranke auf einer Stelle
festgehalten zu werden, für die Pflanze aber nicht ist.

Das Sollen andererseits ist das Hinausgehen über die Schranke, aber
ein selbst nur endliches Hinausgehen.  Es hat daher seine Stelle und
sein Gelten im Felde der Endlichkeit, wo es das Ansichseyn gegen das
Beschränkte festhält und es als die Regel und das Wesentliche gegen
das Nichtige behauptet.  Die Pflicht ist ein Sollen gegen den
besonderen Willen, gegen die selbstsüchtige Begierde und das
willkürliche Interesse gekehrt; dem Willen, insofern er in seiner
Beweglichkeit sich vom Wahrhaften isoliren kann, wird dieses als ein
Sollen vorgehalten.  Diejenigen, welche das Sollen der Moral so hoch
halten, und darin, daß das Sollen nicht als Letztes und Wahrhaftes
anerkannt wird, meinen, daß die Moralität zerstört werden solle,
sowie die Raisonneurs, deren Verstand sich die unaufhörliche
Befriedigung giebt, gegen Alles, was da ist, ein Sollen und somit ein
Besser-wissen vorbringen zu können, die sich das Sollen darum ebenso
wenig wollen rauben lassen, sehen nicht, daß für die Endlichkeit
ihrer Kreise das Sollen vollkommen anerkannt wird.--Aber in der
Wirklichkeit selbst steht es nicht so traurig um Vernünftigkeit und
Gesetz, daß sie nur seyn sollten, dabei bleibt nur das Abstraktum des
Ansichseyns,--so wenig als daß das Sollen an ihm selbst perennirend
und, was dasselbe ist, die Endlichkeit absolut wäre.  Die Kantische
und Fichtesche Philosophie giebt als den höchsten Punkt der Auflösung
der Widersprüche der Vernunft das Sollen an, was aber vielmehr nur
der Standpunkt des Beharrens in der Endlichkeit und damit im
Widerspruche, ist.

3.  Übergang des Endlichen in das Unendliche.

Das Sollen für sich enthält die Schranke, und die Schranke das Sollen.
Ihre Beziehung auf einander ist das Endliche selbst, das sie beide
in seinem Insichseyn enthält.  Diese Momente seiner Bestimmung sind
sich qualitativ entgegengesetzt; die Schranke ist bestimmt als das
Negative des Sollens, und das Sollen ebenso als das Negative der
Schranke.  Das Endliche ist so der Widerspruch seiner in sich; es
hebt sich auf, vergeht.  Aber dieß sein Resultat, das Negative
überhaupt, ist à) seine Bestimmung selbst; denn es ist das Negative
des Negativen.  So ist das Endliche in dem Vergehen nicht vergangen;
es ist zunächst nur ein anderes Endliches geworden, welches aber
ebenso das Vergehen als Übergehen in ein anderes Endliches ist, und
so fort, etwa ins Unendliche.  Aber ß) näher dieß Resultat betrachtet,
so hat das Endliche in seinem Vergehen, dieser Negation seiner
selbst, sein Ansichseyn erreicht, es ist darin mit sich selbst
zusammengegangen.  Jedes seiner Momente enthält eben dieß Resultat;
das Sollen geht über die Schranke, d. i. über sich selbst hinaus;
über es hinaus aber oder sein Anderes ist nur die Schranke selbst.
Die Schranke aber weist über sich selbst unmittelbar hinaus zu seinem
Anderen, welches das Sollen ist; dieses aber ist dieselbe Entzweiung
des Ansichseyns und des Daseyns wie die Schranke, ist dasselbe; über
sich hinaus geht sie daher ebenso nur mit sich zusammen.  Diese
Identität mit sich, die Negation der Negation, ist affirmatives Seyn,
so das Andere des Endlichen, als welches die erste Negation zu seiner
Bestimmtheit haben soll;--jenes Andere ist das Unendliche.

C.  Die Unendlichkeit

Das Unendliche in seinem einfachen Begriff kann zunächst als eine
neue Definition des Absoluten angesehen werden; es ist als die
bestimmungslose Beziehung auf sich gesetzt als Seyn und Werden.  Die
Formen des Daseyns fallen aus in der Reihe der Bestimmungen, die für
Definitionen des Absoluten angesehen werden können, da die Formen
jener Sphäre für sich unmittelbar nur als Bestimmtheiten, als
endliche überhaupt, gesetzt sind.  Das Unendliche aber gilt
schlechthin für absolut, da es ausdrücklich als Negation des
Endlichen bestimmt ist, hiermit auf die Beschränktheit, deren das
Seyn und Werden, wenn sie auch an ihnen keine Beschränktheit haben
oder zeigen, doch etwa fähig seyn könnten, im Unendlichen
ausdrücklich Beziehung genommen und eine solche an ihm negirt ist.

Damit aber selbst ist das Unendliche nicht schon in der That der
Beschränktheit und Endlichkeit entnommen; die Hauptsache ist, den
wahrhaften Begriff der Unendlichkeit von der schlechten Unendlichkeit,
das Unendliche der Vernunft von dem Unendlichen des Verstandes zu
unterscheiden; doch Letzteres ist das verendlichte Unendliche, und es
wird sich ergeben, daß eben indem das Unendliche vom Endlichen rein
und entfernt gehalten werden soll, es nur verendlicht wird.

Das Unendliche ist

a.  in einfacher Bestimmung das Affirmative als Negation des Endlichen;

b.  es ist aber damit in Wechselbestimmung mit dem Endlichen, und ist
das abstrakte, einseitige Unendliche;

c.  das Sich-aufheben dieses Unendlichen, wie des Endlichen als Ein
Proceß,--ist das wahrhafte Unendliche.

a.  Das Unendliche überhaupt.

Das Unendliche ist die Negation der Negation, das Affirmative, das
Seyn, das sich aus der Beschränktheit wieder hergestellt hat.  Das
Unendliche ist, und in intensiverem Sinn als das erste unmittelbare
Seyn; es ist das wahrhafte Seyn; die Erhebung aus der Schranke.  Bei
dem Namen des Unendlichen geht dem Gemüth und dem Geiste sein Licht
auf, denn er ist darin nicht nur abstrakt bei sich, sondern erhebt
sich zu sich selbst, zum Lichte seines Denkens, seiner Allgemeinheit,
seiner Freiheit.

Zuerst hat sich für den Begriff des Unendlichen ergeben, daß das
Daseyn in seinem Ansichseyn sich als Endliches bestimmt, und über die
Schranke hinausgeht.  Es ist die Natur des Endlichen selbst, über
sich hinauszugehen, seine Negation zu negiren und unendlich zu werden.
Das Unendliche steht somit nicht als ein für sich Fertiges über dem
Endlichen, so daß das Endliche außer oder unter jenem sein Bleiben
hätte und behielte.  Noch gehen wir nur als eine subjektive Vernunft
über das Endliche ins Unendliche hinaus.  Wie wenn man sagt, daß das
Unendliche der Vernunftbegriff sey, und wir uns durch die Vernunft
über das Zeitliche erheben, so läßt man dieß ganz unbeschadet des
Endlichen geschehen, welches jene ihm äußerlich bleibende Erhebung
nichts angeht.  Insofern aber das Endliche selbst in die
Unendlichkeit erhoben wird, ist es eben so wenig eine fremde Gewalt,
welche ihm dieß anthut, sondern es ist dieß seine Natur, sich auf
sich als Schranke, sowohl als Schranke als solche, wie als Sollen, zu
beziehen, und über dieselbe hinauszugehen, oder vielmehr als
Beziehung auf sich sie negirt zu haben und über sie hinaus zu seyn.
Nicht im Aufheben der Endlichkeit überhaupt wird die Unendlichkeit
überhaupt, sondern das Endliche ist nur dieß, selbst durch seine
Natur dazu zu werden.  Die Unendlichkeit ist seine affirmative
Bestimmung, das was es wahrhaft an sich ist.

So ist das Endliche im Unendlichen verschwunden, und was ist, ist nur
das Unendliche.

b.  Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen.

Das Unendliche ist; in dieser Unmittelbarkeit ist es zugleich die
Negation eines Andern, des Endlichen.  So als seyend und zugleich als
Nichtseyn eines Andern ist es in die Kategorie des Etwas als eines
bestimmten überhaupt, näher weil es das in sich-reflektirte,
vermittelst des Aufhebens der Bestimmtheit überhaupt resultirende
Daseyn, hiermit als das von seiner Bestimmtheit unterschiedene Daseyn
gesetzt ist,--in die Kategorie des Etwas mit einer Grenze,
zurückgefallen.  Das Endliche steht nach dieser Bestimmtheit dem
Unendlichen als reales Daseyn gegenüber; so stehen sie in
qualitativer Beziehung als außer einander bleibende; das unmittelbare
Seyn des Unendlichen erweckt das Seyn seiner Negation, des Endlichen
wieder, das zunächst im Unendlichen verschwunden schien.

Aber das Unendliche und Endliche sind nicht nur in diesen Kategorien
der Beziehung; die beiden Seiten sind weiter bestimmt, als bloß
Andere gegeneinander zu seyn.  Die Endliche ist nämlich die als
Schranke gesetzte Schranke, es ist das Daseyn mit der Bestimmung
gesetzt in sein Ansichseyn überzugehen, unendlich zu werden.  Die
Unendlichkeit ist das Nichts des Endlichen, dessen Ansichseyn und
Sollen, aber dieses zugleich als in sich reflektirt, das ausgeführte
Sollen, nur sich auf sich beziehendes ganz affirmatives Seyn.  In der
Unendlichkeit ist die Befriedigung vorhanden, daß alle Bestimmtheit,
Veränderung, alle Schranke und mit ihr das Sollen selbst verschwunden,
als aufgehoben, das Nichts des Endlichen gesetzt ist.  Als diese
Negation des Endlichen ist das Ansichseyn bestimmt, welches so als
Negation der Negation in sich affirmativ ist.  Diese Affirmation
jedoch ist als qualitativ unmittelbare Beziehung auf sich; Seyn;
hierdurch ist das Unendliche auf die Kategorie zurückgeführt, daß es
das Endliche als ein Anderes sich gegenüber hat; seine negative Natur
ist als die seyende, hiermit erste und unmittelbare Negation gesetzt.
Das Unendliche ist auf diese Weise mit dem Gegensatze gegen das
Endliche behaftet, welches, als Anderes, das bestimmte, reale Daseyn
zugleich bleibt, obschon es in seinem Ansichseyn, dem Unendlichen,
zugleich als aufgehoben gesetzt ist; dieses ist das Nicht-endliche;
--ein Seyn in der Bestimmtheit der Negation.  Gegen das Endliche, den
Kreis der seyenden Bestimmtheiten, der Realitäten, ist das Unendliche
das unbestimmte Leere, das Jenseits des Endlichen, welches sein
Ansichseyn nicht an seinem Daseyn, das ein bestimmtes ist, hat.

So das Unendliche gegen das Endliche in qualitativer Beziehung von
Anderen zu einander gesetzt, ist es das Schlecht-Unendliche, das
Unendliche des Verstandes zu nennen, dem es für die höchste, für die
absolute Wahrheit gilt; ihn zum Bewußtseyn darüber zu bringen, daß,
indem er seine Befriedigung in der Versöhnung der Wahrheit erreicht
zu haben meint, er in dem unversöhnten, unaufgelösten, absoluten
Widerspruche sich befindet, müßten die Widersprüche bewirken, in die
er nach allen Seiten verfällt, so wie er sich auf die Anwendung und
Explikation dieser seiner Kategorien einläßt.

Dieser Widerspruch ist sogleich darin vorhanden, daß dem Unendlichen
das Endliche als Daseyn gegenüber bleibt; es sind damit zwei
Bestimmtheiten; es giebt zwei Welten, eine unendliche und eine
endliche, und in ihrer Beziehung ist das Unendliche nur Grenze des
Endlichen, und ist damit nur ein bestimmtes, selbst endliches
Unendliches.

Dieser Widerspruch entwickelt seinen Inhalt zu ausdrücklicheren
Formen.--Das Endliche ist das reale Daseyn, welches so verbleibt,
auch indem zu seinem Nichtseyn, dem Unendlichen, übergegangen wird;--
dieses hat, wie gezeigt, nur die erste, unmittelbare Negation zu
seiner Bestimmtheit gegen das Endliche, so wie dieses gegen jene
Negation, als Negirtes nur die Bedeutung eines Anderen hat, und daher
noch Etwas ist.  Wenn somit der sich aus dieser endlichen Welt
erhebende Verstand zu seinem Höchsten, dem Unendlichen, aufsteigt, so
bleibt ihm diese endliche Welt als ein Diesseits stehen, so daß das
Unendliche nur über dem Endlichen gesetzt, von diesem abgesondert und
eben damit das Endliche von dem Unendlichen abgesondert wird;--beide
an einen verschiedenen Platz gestellt,--das Endliche als das hiesige
Daseyn, das Unendliche aber, zwar das Ansich des Endlichen, doch als
ein Jenseits in die trübe, unerreichbare Ferne, außerhalb welcher
jenes sich befinde und dableibe.

So abgesondert sind sie ebenso wesentlich eben durch die sie
abscheidende Negation auf einander bezogen.  Diese sie, die in sich
reflektirten Etwas, beziehende Negation ist die gegenseitige Grenze
des einen gegen das Andere; und zwar so, daß jedes derselben, sie
nicht bloß gegen das Andere an ihm hat, sondern die Negation ist ihr
Ansichseyn, jedes hat die Grenze so an ihm selbst für sich, in seiner
Absonderung von dem Anderen.  Die Grenze ist aber als die erste
Negation, so sind beide begrenzte, endliche an sich selbst.  Jedoch
ist jedes auch als sich auf sich affirmativ beziehend die Negation
seiner Grenze; so stößt es sie als sein Nichtseyn unmittelbar von
sich ab, und qualitativ davon getrennt, setzt es sie als ein anderes
Seyn außer ihm, das Endliche sein Nichtseyn als dieß Unendliche,
dieses ebenso das Endliche.  Daß von dem Endlichen zum Unendlichen
nothwendig d. h. durch die Bestimmung des Endlichen übergegangen und
es als zum Ansichseyn erhoben werde, wird leicht zugegeben, indem das
Endliche zwar als bestehendes Daseyn aber zugleich auch als das an
sich nichtige also sich nach seiner Bestimmung auflösende bestimmt
ist, das Unendliche aber zwar als mit Negation und Grenze behaftet,
bestimmt ist, aber zugleich auch als das Ansichseyende, so daß diese
Abstraktion der sich auf sich beziehenden Affirmation seine
Bestimmung ausmache, nach dieser hiermit das endliche Daseyn nicht in
ihr liege.  Aber es ist gezeigt worden, daß das Unendliche selbst nur
vermittelst der Negation, als Negation der Negation, zum affirmativen
Seyn resultirt, und daß diese seine Affirmation als nur einfaches,
qualitatives Seyn genommen, die in ihm enthaltene Negation, zur
einfachen unmittelbaren Negation, und damit zur Bestimmtheit und
Grenze herabsetzt, welches dann ebenso als widersprechend seinem
Ansichseyn, aus ihm ausgeschlossen, als nicht das Seinige, vielmehr
seinem Ansichseyn entgegengesetzte, das Endliche, gesetzt wird.
Indem so jedes, an ihm selbst und aus seiner Bestimmung das Setzen
seines Anderen ist, sind sie untrennbar.  Aber diese ihre Einheit ist
in dem qualitativen Andersseyn derselben verborgen, sie ist die
innerliche, die nur zu Grunde liegt.

Dadurch ist die Weise der Erscheinung dieser Einheit bestimmt; im
Daseyn gesetzt ist sie als ein Umschlagen oder Übergehen des
Endlichen zum Unendlichen, und umgekehrt; so daß das Unendliche an
dem Endlichen, und das Endliche an dem Unendlichen, das Andere an dem
Anderen, nur hervortrete, das heißt, jedes ein eigenes unmittelbares
Entstehen an dem Anderen und ihre Beziehung nur eine äußerliche sey.

Der Proceß ihres Übergehens hat folgende, ausführliche Gestalt.  Es
wird über das Endliche hinausgegangen in das Unendliche.  Dieß
Hinausgehen erscheint als ein äußerliches Thun.  In diesem dem
Endlichen jenseitigen Leeren was entsteht?  Was ist das Positive
darin?  Um der Untrennbarkeit des Unendlichen und Endlichen willen,
(oder weil dieß auf seiner Seite stehende Unendliche selbst
beschränkt ist), entsteht die Grenze; das Unendliche ist verschwunden,
sein Anderes, das Endliche, ist eingetreten.  Aber dieß Eintreten
des Endlichen, erscheint als ein dem Unendlichen äußerliches
Geschehen, und die neue Grenze als ein solches, das nicht aus dem
Unendlichen selbst entstehe, sondern ebenso vorgefunden werde.  Es
ist damit der Rückfall in die vorherige, vergebens aufgehobene
Bestimmung vorhanden.  Diese neue Grenze aber ist selbst nur ein
solches, das aufzuheben, oder über das hinaus zu gehen ist.  Somit
ist wieder das Leere, das Nichts entstanden, in welchem ebenso jene
Bestimmtheit, eine neue Grenze, angetroffen wird,--und sofort ins
Unendliche.

Es ist die Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen vorhanden;
das Endliche ist endlich nur in der Beziehung auf das Sollen oder auf
das Unendliche, und das Unendliche ist nur unendlich in Beziehung auf
das Endliche.  Sie sind untrennbar und zugleich schlechthin Andere
gegeneinander; jedes hat das Andere seiner an ihm selbst; so ist
jedes die Einheit seiner und seines Anderen, und ist in seiner
Bestimmtheit Daseyn, das nicht zu seyn, was es selbst und was sein
Anderes ist.

Diese sich selbst und seine Negation negirende Wechselbestimmung ist
es, welche als der Progreß ins Unendliche auftritt, der in so vielen
Gestalten und Anwendungen als ein Letztes gilt, über das nicht mehr
hinausgegangen wird, sondern angekommen bei jenem: Und so fort ins
Unendliche, pflegt der Gedanke sein Ende erreicht zu haben.--Dieser
Progreß tritt allenthalben ein, wo relative Bestimmungen bis zu ihrer
Entgegensetzung getrieben sind, so daß sie in untrennbarer Einheit
sind, und doch jeder gegen die andere ein selbstständiges Daseyn
zugeschrieben wird.  Dieser Progreß ist daher der Widerspruch, der
nicht aufgelöst ist, sondern immer nur als vorhanden ausgesprochen
wird.

Es ist ein abstraktes Hinausgehen vorhanden, das unvollständig bleibt,
indem über dieß Hinausgehen nicht selbst hinausgegangen wird.  Es
ist das Unendliche vorhanden; über dasselbe wird allerdings
hinausgegangen, denn es wird eine neue Grenze gesetzt, aber damit
eben wird vielmehr nur zum Endlichen zurückgekehrt.  Diese schlechte
Unendlichkeit ist an sich dasselbe, was das perennirende Sollen, sie
ist zwar die Negation des Endlichen, aber sie vermag sich nicht in
Wahrheit davon zu befreien; dieß tritt an ihr selbst wieder hervor,
als ihr Anderes, weil dieß Unendliche nur ist als in Beziehung auf
das ihm andere Endliche.  Der Progreß ins Unendliche ist daher nur
die sich wiederholende Einerleiheit, eine und dieselbe langweilige
Abwechslung dieses Endlichen und Unendlichen.

Die Unendlichkeit des unendlichen Progresses bleibt mit dem Endlichen
als solchem behaftet, ist dadurch begrenzt, und selbst endlich.
Somit wäre es aber in der That als die Einheit des Endlichen und
Unendlichen gesetzt.  Aber auf diese Einheit wird nicht reflektirt.
Sie ist es jedoch nur, welche im Endlichen das Unendliche, und im
Unendlichen das Endliche hervorruft, sie ist so zu sagen die
Triebfeder des unendlichen Progresses.  Er ist das Äußere jener
Einheit, bei welchem die Vorstellung stehen bleibt, bei jener
perennirenden Wiederholung eines und desselben Abwechselns, der
leeren Unruhe des Weitergehens über die Grenze hinaus zur
Unendlichkeit, das in diesem Unendlichen eine neue Grenze findet, auf
derselben aber sich so wenig halten kann, als in dem Unendlichen.
Dieses Unendliche hat die feste Determination eines Jenseits, das
nicht erreicht werden kann, darum weil es nicht erreicht werden soll,
weil von der Bestimmtheit des Jenseits, der seyenden Negation nicht
abgelassen wird.  Er hat nach dieser Bestimmung das Endliche als ein
Diesseits sich gegenüber, das sich eben so wenig ins Unendliche
erheben kann, darum weil es diese Determination eines Andern, hiermit
eines perennirenden, sich in seinem Jenseits wieder und zwar als
davon verschieden, erzeugenden Daseyns hat.

c.  Die affirmative Unendlichkeit.

In dem aufgezeigten herüber- und hinübergehenden Wechselbestimmen des
Endlichen und Unendlichen ist die Wahrheit derselben an sich schon
vorhanden, und es bedarf nur des Aufnehmens dessen, was vorhanden ist.
Dieß Herüber- und Hinübergehen macht die äußere Realisation des
Begriffes aus; es ist in ihr das, aber äußerlich, außer einander
fallend, gesetzt, was der Begriff enthält; es bedarf nur der
Vergleichung dieser verschiedenen Momente, in welcher die Einheit
sich ergiebt, die den Begriff selbst giebt;--die Einheit des
Unendlichen und Endlichen, ist, wie schon oft bemerkt, hier aber
vornehmlich in Erinnerung zu bringen ist, der schiefe Ausdruck für
die Einheit, wie sie selbst wahrhaft ist; aber auch das Entfernen
dieser schiefen Bestimmung muß in jener vor uns liegenden Äußerung
des Begriffes vorhanden seyn.

Nach ihrer nächsten, nur unmittelbaren Bestimmung genommen, so ist
das Unendliche nur als das Hinausgehen über das Endliche; es ist
seiner Bestimmung nach die Negation des Endlichen; so ist das
Endliche nur als das, worüber hinausgegangen werden muß, die Negation
seiner an ihm selbst, welche die Unendlichkeit ist.  In jedem liegt
hiermit die Bestimmtheit des Andern, die nach der Meinung des
unendlichen Progresses von einander ausgeschlossen seyn sollen und
nur abwechselnd auf einander folgen; es kann keines gesetzt und
gefaßt werden ohne das Andere, das Unendliche nicht ohne das Endliche,
dieses nicht ohne das Unendliche.  Wenn gesagt wird, was das
Unendliche ist, nämlich die Negation des Endlichen, so wird das
Endliche selbst mit ausgesprochen; es kann zur Bestimmung des
Unendlichen nicht entbehrt werden.  Man bedarf nur zu wissen, was man
sagt, um die Bestimmung des Endlichen im Unendlichen zu finden.  Vom
Endlichen seinerseits wird sogleich zugegeben, daß es das Nichtige
ist, aber eben seine Nichtigkeit ist die Unendlichkeit, von der es
ebenso untrennbar ist.--In diesem Auffassen können sie nach ihrer
Beziehung auf ihr Anderes genommen zu seyn scheinen.  Werden sie
hiermit beziehungslos genommen, so daß sie nur durch das: Und
verbunden seyen, so stehen sie als selbstständig, jedes nur an ihm
selbst seyend, einander gegenüber.  Es ist zu sehen, wie sie in
solcher Weise beschaffen sind.  Das Unendliche so gestellt ist Eines
der beiden; aber als nur Eines der beiden ist es selbst endlich, es
ist nicht das Ganze, sondern nur die Eine Seite; es hat an dem
gegenüberstehenden seine Grenze; es ist so das endliche Unendliche.
Es sind nur zwei Endliche vorhanden.  Eben darin, daß es so vom
Endlichen abgesondert, damit als Einseitiges gestellt wird, liegt
seine Endlichkeit, also seine Einheit mit dem Endlichen.--Das
Endliche seinerseits als für sich vom Unendlichen entfernt gestellt,
ist diese Beziehung auf sich, in der seine Relativität, Abhängigkeit,
seine Vergänglichkeit entfernt ist; es ist dieselbe Selbstständigkeit
und Affirmation seiner, welche das Unendliche seyn soll.

Beide Betrachtungsweisen, die zunächst eine verschiedene Bestimmtheit
zu ihrem Ausgangspunkte zu haben scheinen, in sofern die erstere nur
als Beziehung des Unendlichen und Endlichen auf einander, eines jeden
auf sein Anderes, und die zweite sie in ihrer völligen Absonderung
von einander halten soll, geben ein und dasselbe Resultat; das
Unendliche und Endliche nach der Beziehung beider auf einander, die
ihnen äußerlich wäre, aber die ihnen wesentlich, ohne die keines ist,
was es ist, enthält so sein Anderes in seiner eigenen Bestimmung,
ebenso sehr als jedes für sich genommen, an ihm selbst betrachtet,
sein Anderes in ihm als sein eigenes Moment liegen hat.

Dieß giebt denn die--verrufene--Einheit des Endlichen und Unendlichen,
--die Einheit, die selbst das Unendliche ist, welches sich selbst und
die Endlichkeit in sich begreift,--also das Unendliche in einem
anderen Sinne als in dem, wornach das Endliche von ihm abgetrennt und
auf die andere Seite gestellt ist.  Indem sie nun auch unterschieden
werden müssen, ist jedes, wie vorhin gezeigt, selbst an ihm die
Einheit beider; so ergeben sich zwei solche Einheiten.  Das
Gemeinschaftliche, die Einheit beider Bestimmtheiten, setzt als
Einheit sie zunächst als negirte, da jedes das seyn soll, was es ist
in ihrer Unterschiedenheit; in ihrer Einheit verlieren sie also ihre
qualitative Natur;--eine wichtige Reflexion gegen die Vorstellung,
die sich nicht davon losmachen will, in der Einheit des Unendlichen
und Endlichen sie nach der Qualität, welche sie als außereinander
genommen haben sollen, festzuhalten, und daher in jener Einheit
nichts als den Widerspruch, nicht auch die Auflösung desselben durch
die Negation der qualitativen Bestimmtheit beider sieht; so wird die
zunächst einfache, allgemeine Einheit des Unendlichen und Endlichen
verfälscht.

Ferner aber, indem sie nun auch als unterschieden zu nehmen sind, so
ist die Einheit des Unendlichen, die jedes dieser Momente selbst ist,
in jedem derselben auf verschiedene Weise bestimmt.  Das seiner
Bestimmung nach Unendliche hat die von ihm unterschiedene Endlichkeit
an ihm, jenes ist das Ansich in dieser Einheit, und dieses ist nur
Bestimmtheit, Grenze an ihm, allein es ist eine Grenze, welche das
schlechthin Andere desselben, sein Gegentheil ist; seine Bestimmung,
welche das An-sich-seyn als solches ist, wird durch den Beischlag
einer Qualität solcher Art verdorben; es ist so ein verendlichtes
Unendliches.  Auf gleiche Weise, indem das Endliche als solches nur
das Nicht-ansichseyn ist, aber nach jener Einheit gleichfalls sein
Gegentheil an ihm hat, wird es über seinen Werth und zwar so zu sagen
unendlich erhoben; es wird als das verunendlichte Endliche gesetzt.

Auf gleiche Weise wie vorhin die einfache, so wird vom Verstande auch
die gedoppelte Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht.
Dieß geschieht hier ebenso dadurch, daß in der einen der beiden
Einheiten, das Unendliche als nicht negirtes, vielmehr als das
An-sich-seyn angenommen wird, an welches also nicht die Bestimmtheit
und Schranke gesetzt werden soll; es werde dadurch das An-sich-seyn
herabgesetzt und verdorben.  Umgekehrt wird das Endliche gleichfalls
als das nicht negirte, obgleich an sich Nichtige, festgehalten, so
daß es in seiner Verbindung mit dem Unendlichen zu dem, was es nicht
sey, erhoben, und dadurch gegen seine nicht verschwundene, vielmehr
perennirende Bestimmung verunendlicht werde.

Die Verfälschung, die der Verstand mit dem Endlichen und Unendlichen
vornimmt, ihre Beziehung aufeinander als qualitative Verschiedenheit
festzuhalten, sie in ihrer Bestimmung als getrennt und zwar absolut
getrennt zu behaupten, gründet sich auf das Vergessen dessen, was für
ihn selbst der Begriff dieser Momente ist.  Nach diesem ist die
Einheit des Endlichen und Unendlichen nicht ein äußerliches
Zusammenbringen derselben, noch eine ungehörige, ihrer Bestimmung
zuwiderlaufende Verbindung, in welcher an sich getrennte und
entgegengesetzte, gegeneinander Selbstständige, Seyende, somit
unverträgliche verknüpft würden, sondern jedes ist an ihm selbst
diese Einheit, und dieß nur als Aufheben seiner selbst worin keines
vor dem andern einen Vorzug des Ansichseyns und affirmativen Daseyns
hätte.  Wie früher gezeigt, ist die Endlichkeit nur als Hinausgehen
über sich; es ist also in ihr die Unendlichkeit, das Andere ihrer
selbst, enthalten.  Eben so ist die Unendlichkeit nur als Hinausgehen
über das Endliche; sie enthält also wesentlich ihr Anderes, und ist
somit an ihr das Andere ihrer selbst.  Das Endliche wird nicht vom
Unendlichen als einer außer ihm vorhandenen Macht aufgehoben, sondern
es ist seine Unendlichkeit, sich selbst aufzuheben.

Dieß Aufheben ist somit nicht die Veränderung oder das Andersseyn
überhaupt, nicht das Aufheben von Etwas.  Das, worin sich das
Endliche aufhebt, ist das Unendliche als das Negiren der Endlichkeit;
aber diese ist längst selbst nur das Daseyn als ein Nichtseyn
bestimmt.  Es ist also nur die Negation, die sich in der Negation
aufhebt.  So ist ihrer Seits die Unendlichkeit als das Negative der
Endlichkeit und damit der Bestimmtheit überhaupt, als das leere
Jenseits, bestimmt; sein Sich-aufheben im Endlichen ist ein
Zurückkehren aus der leeren Flucht, Negation des Jenseits, das ein
Negatives an ihm selbst ist.

Was also vorhanden ist, ist in beiden dieselbe Negation der Negation.
Aber diese ist an sich Beziehung auf sich selbst, die Affirmation
aber als Rückkehr zu sich selbst, d. i. durch die Vermittelung,
welche die Negation der Negation ist.  Diese Bestimmungen sind es,
die wesentlich ins Auge zu fassen sind; das zweite aber ist, daß sie
im unendlichen Progresse auch gesetzt sind, und wie sie in ihm
gesetzt sind,--nämlich noch nicht in ihrer letzten Wahrheit.

Es werden darin erstens beide, sowohl das Unendliche als das Endliche
negirt,--es wird über beide auf gleiche Weise hinausgegangen;
zweitens werden sie auch als unterschiedene, jedes nach dem Andern,
als für sich Positive gesetzt.  Wir fassen so diese zwei Bestimmungen
vergleichend heraus, wie wir in der Vergleichung, einem äußeren
Vergleichen, die zwei Betrachtungsweisen, des Endlichen und
Unendlichen in ihrer Beziehung, und ihrer jedes für sich genommen,
getrennt haben.  Aber der unendliche Progreß spricht mehr aus, es ist
in ihm auch der Zusammenhang der auch Unterschiedenen gesetzt, jedoch
zunächst nur noch als Übergang und Abwechslung; es ist nur in einer
einfachen Reflexion von uns zu sehen, was in der That darin vorhanden
ist.

Zunächst kann die Negation des Endlichen und Unendlichen, die im
unendlichen Progresse gesetzt ist, als einfach, somit als auseinander,
nur aufeinander folgend genommen werden.  Vom Endlichen angefangen,
so wird über die Grenze hinausgegangen, das Endliche negirt.  Nun ist
also das Jenseits desselben, das Unendliche, vorhanden, aber in
diesem entsteht wieder die Grenze; so ist das Hinausgehen über das
Unendliche vorhanden.  Dieß zweifache Aufheben ist jedoch Theils
überhaupt nur als ein äußerliches Geschehen und Abwechseln der
Momente, Theils noch nicht als Eine Einheit gesetzt; jedes dieser
Hinaus ist ein eigener Ansatz, ein neuer Akt, so daß sie so
auseinander fallen.--Es ist aber auch ferner im unendlichen Progresse
deren Beziehung vorhanden.  Es ist erstlich das Endliche; dann wird
darüber hinausgegangen, dieß Negative oder Jenseits des Endlichen ist
das Unendliche; drittens wird über diese Negation wieder
hinausgegangen, es entsteht eine neue Grenze, wieder ein Endliches.
--Dieß ist die vollständige, sich selbst schließende Bewegung, die
bei dem angekommen, das den Anfang machte; es entsteht dasselbe, von
dem ausgegangen worden war, d. i. das Endliche ist wiederhergestellt;
dasselbe ist also mit sich selbst zusammengegangen, hat nur sich in
seinem Jenseits wiedergefunden.

Dasselbe ist der Fall in Ansehung des Unendlichen.  Im Unendlichen,
dem Jenseits der Grenze entsteht nur eine neue, welche dasselbe
Schicksal hat, als Endliches negirt werden zu müssen.  Was so wieder
vorhanden ist, ist dasselbe Unendliche, das vorhin in der neuen
Grenze verschwand; das Unendliche ist daher durch sein Aufheben,
durch die neue Grenze hindurch, nicht weiter hinausgeschoben, weder
von dem Endlichen entfernt worden, denn dieses ist nur dieß, in das
Unendliche überzugehen,--noch von sich selbst, denn es ist bei sich
angekommen.

So ist beides, das Endliche und das Unendliche, diese Bewegung, zu
sich durch seine Negation zurückzukehren; sie sind nur als
Vermittelung in sich, und das Affirmative beider enthält die Negation
beider, und ist die Negation der Negation.--Sie sind so Resultat,
hiermit nicht das, was sie in der Bestimmung ihres Anfangs sind;
--nicht das Endliche ein Daseyn seinerseits und das Unendliche ein
Daseyn, oder Ansichseyn jenseits des Daseyns, d. i. des als endlich
bestimmten.  Gegen die Einheit des Endlichen und Unendlichen sträubt
sich der Verstand nur darum so sehr, weil er die Schranke und das
Endliche wie das Ansichseyn als perennirend voraussetzt; damit
übersieht er die Negation beider, die im unendlichen Progresse
faktisch vorhanden ist, wie ebenso, daß sie darin nur als Momente
eines Ganzen vorkommen und daß sie nur vermittelst ihres Gegentheils
aber wesentlich ebenso vermittelst des Aufhebens ihres Gegentheils
hervortreten.

Wenn zunächst die Rückkehr in sich, ebenso wohl als Rückkehr des
Endlichen zu sich, wie als die des Unendlichen zu sich betrachtet
wurde, so zeigt sich in diesem Resultate selbst eine Unrichtigkeit,
die mit der so eben gerügten Schiefheit zusammenhängt; das Endliche
ist das eine Mal, das Unendliche das Andere Mal als Ausgangspunkt
genommen, und nur dadurch entstehen zwei Resultate.  Es ist aber
völlig gleichgültig, welches als Anfang genommen werde; damit fällt
der Unterschied für sich hinweg, der die Zweiheit der Resultate
hervorbrachte.  Dieß ist in der nach beiden Seiten unbegrenzten Linie
des unendlichen Progresses gleichfalls gesetzt, worin jedes der
Momente mit gleichem abwechselnden Vorkommen vorhanden, und es ganz
äußerlich ist, in welche Stelle gegriffen und als Anfang genommen
werde.--Sie sind in demselben unterschieden, aber auf gleiche Weise
das eine nur das Moment des andern.  Indem sie beide, das Endliche
und das Unendliche selbst Momente des Processes sind, sind sie
gemeinschaftlich das Endliche, und indem sie ebenso gemeinschaftlich
in ihm und im Resultate negirt sind, so heißt dieses Resultat als
Negation jener Endlichkeit beider mit Wahrheit das Unendliche.  Ihr
Unterschied ist so der Doppelsinn, den beide haben.  Das Endliche hat
den Doppelsinn, erstens nur das Endliche gegen das Unendliche zu seyn,
das ihm gegenübersteht, und zweitens das Endliche und das ihm
gegenüberstehende Unendliche zugleich zu seyn.  Auch das Unendliche
hat den Doppelsinn, eines jener beiden Momente zu seyn, so ist es das
Schlechtunendliche, und das Unendliche zu seyn, in welchem jene beide,
es selbst und sein anderes, nur Momente sind.  Wie also das
Unendliche in der That vorhanden ist, ist der Proceß zu seyn, in
welchem es sich herabsetzt, nur eine seiner Bestimmungen, dem
Endlichen gegenüber und damit selbst nur eines der Endlichen zu seyn,
und diesen Unterschied seiner von sich selbst zur Affirmation seiner
aufzuheben und durch diese Vermittelung als wahrhaft Unendliches zu
seyn.

Diese Bestimmung des wahrhaft Unendlichen kann nicht in die schon
gerügte Formel einer Einheit des Endlichen und Unendlichen gefaßt
werden; die Einheit ist abstrakte bewegungslose Sichselbstgleichheit,
und die Momente sind ebenso als unbewegte Seyende.  Das Unendliche
aber ist, wie seine beiden Momente, vielmehr wesentlich nur als
Werden, aber das nun in seinen Momenten weiter bestimmte Werden.
Dieses hat zunächst das abstrakte Seyn und Nichts zu seinen
Bestimmungen; als Veränderung Daseyende, Etwas und Anderes; nun als
Unendliches, Endliches und Unendliches, selbst als Werdende.

Dieses Unendliche als In-sich-Zurückgekehrtseyn, Beziehung seiner auf
sich selbst, ist Seyn aber nicht bestimmungsloses, abstraktes Seyn,
denn es ist gesetzt als negirend die Negation; es ist somit auch
Daseyn, denn es enthält die Negation überhaupt, somit die
Bestimmtheit.  Es ist, und ist da, präsent, gegenwärtig.  Nur das
Schlecht-Unendliche ist das Jenseits, weil es nur die Negation des
als real gesetzten Endlichen ist,--so ist es die abstrakte, erste
Negation; nur als negativ bestimmt, hat es nicht die Affirmation des
Daseyns in ihm; festgehalten als nur Negatives soll es sogar nicht da,
soll unerreichbar seyn.  Diese Unerreichbarkeit ist aber nicht seine
Hoheit, sondern sein Mangel, welcher seinen letzten Grund darin hat,
daß das Endliche als solches als seyend festgehalten wird.  Das
Unwahre ist das Unerreichbare; und es ist einzusehen, daß solches
Unendliche das Unwahre ist.--Das Bild des Progresses ins Unendliche
ist die gerade Linie, an deren beiden Grenzen nur, das Unendliche und
immer nur ist, wo sie,--und sie ist Daseyn--nicht ist, und die zu
diesem ihrem Nichtdaseyn, d. i. ins Unbestimmte hinaus geht; als
wahrhafte Unendlichkeit, in sich zurückgebogen, wird deren Bild der
Kreis, die sich erreicht habende Linie, die geschlossen und ganz
gegenwärtig ist, ohne Anfangspunkt und Ende.

Die wahrhafte Unendlichkeit so überhaupt als Daseyn, das als
affirmativ gegen die abstrakte Negation gesetzt ist, ist die Realität
in höherem Sinn,--als die früher einfach bestimmte; sie hat hier
einen konkreten Inhalt erhalten.  Das Endliche ist nicht das Reale,
sondern das Unendliche.  So wird die Realität weiter als das Wesen,
der Begriff, die Idee u.s.f. bestimmt.  Es ist jedoch überflüssig,
solche frühere, abstraktere Kategorien, wie die Realität, bei dem
Konkreteren zu wiederholen und sie für konkretere Bestimmungen, als
jene an ihnen selbst sind, zu gebrauchen.  Solches Wiederholen, wie
zu sagen, daß das Wesen oder daß die Idee das Reale sey, hat seine
Veranlassung darin, daß dem ungebildeten Denken die abstraktesten
Kategorien, wie Seyn, Daseyn, Realität Endlichkeit, die geläufigsten
sind.

Hier hat die Zurückrufung der Kategorie der Realität ihre bestimmtere
Veranlassung, indem die Negation, gegen welche sie das Affirmative
ist, hier die Negation der Negation, damit ist sie selbst jener
Realität, die das endliche Daseyn ist, gegenüber gesetzt.--Die
Negation ist so als Idealität bestimmt; das Ideelle Das Ideale hat
eine weiter bestimmte Bedeutung (des Schönen und was dahin zieht),
als das Ideelle; hierher gehört jene noch nicht; es wird hier
deswegen der Ausdruck: ideell, gebraucht.  Bei der Realität findet
dieser Unterschied im Sprachgebrauch wohl nicht Statt; das Reelle und
Reale wird ungefähr gleichbedeutend gesagt; die Schattirung beider
Ausdrücke etwa gegeneinander hat kein Interesse. ist das Endliche,
wie es im wahrhaften Unendlichen ist,--als eine Bestimmung, Inhalt,
der unterschieden, aber nicht selbstständig seyend, sondern als
Moment ist.  Die Idealität hat diese konkretere Bedeutung, welche
durch Negation des endlichen Daseyns nicht vollständig ausgedruckt
ist.--In Beziehung auf Realität und Idealität wird aber der Gegensatz
des Endlichen und Unendlichen so gefaßt, daß das Endliche für das
Reale gilt, das Unendliche aber für das Ideelle gilt; wie auch
weiterhin der Begriff als ein Ideelles und zwar als ein nur Ideelles,
das Daseyn überhaupt dagegen als das Reale betrachtet wird.  Auf
solche Weise hilft es freilich nichts für die angegebene konkrete
Bestimmung der Negation den eigenen Ausdruck des Ideellen zu haben;
es wird in jenem Gegensatze wieder zu der Einseitigkeit des
abstrakten Negativen, die dem Schlechtunendlichen zukommt,
zurückgegangen und bei dem affirmativen Daseyn des Endlichen beharrt.

Der Übergang.

Die Idealität kann die Qualität der Unendlichkeit genannt werden;
aber sie ist wesentlich der Proceß des Werdens und damit ein Übergang,
wie des Werdens in Daseyn, der nun anzugeben ist.  Als Aufheben der
Endlichkeit, d. i. der Endlichkeit als solcher und ebenso sehr der
ihr nur gegenüberstehenden, nur negativen Unendlichkeit ist diese
Rückkehr in sich, Beziehung auf sich selbst, Seyn.  Da in diesem Seyn
Negation ist, ist es Daseyn, aber da sie ferner wesentlich Negation
der Negation, die sich auf sich beziehende Negation ist, ist sie das
Daseyn, welches Fürsichseyn genannt wird.

Anmerkung 1.

Das Unendliche,--nach dem gewöhnlichen Sinne der schlechten
Unendlichkeit,--und der Progreß ins Unendliche, wie das Sollen, sind
der Ausdruck eines Widerspruchs, der sich selbst für die Auflösung
und für das Letzte giebt.  Dieß Unendliche ist eine erste Erhebung
des sinnlichen Vorstellens über das Endliche in den Gedanken, der
aber nur den Inhalt von Nichts, dem ausdrücklich als Nichtseyend
gesetzten, hat,--eine Flucht über das Beschränkte, die sich nicht in
sich sammelt, und das Negative nicht zum Positiven zurückzubringen
weiß.  Diese unvollendete Reflexion hat die beiden Bestimmungen des
wahrhaft Unendlichen: den Gegensatz des Endlichen und Unendlichen,
und die Einheit des Endlichen und Unendlichen, vollständig vor sich,
aber bringt diese beiden Gedanken nicht zusammen; der eine führt
untrennbar den anderen herbei, aber sie läßt sie nur abwechseln.  Die
Darstellung dieser Abwechslung, der unendliche Progreß, tritt
allenthalben ein, wo in dem Widerspruche der Einheit zweier
Bestimmungen und des Gegensatzes derselben verharrt wird.  Das
Endliche ist das Aufheben seiner selbst, es schließt seine Negation,
die Unendlichkeit in sich;--die Einheit beider,--es wird hinaus über
das Endliche zum Unendlichen als dem Jenseits desselben gegangen,
--Trennung beider; aber über das Unendliche hinaus ist ein anderes
Endliches,--das Hinaus, das Unendliche, enthält die Endlichkeit,
--Einheit beider; aber dieß Endliche ist auch ein Negatives des
Unendlichen;--Trennung beider, u.s.f.--So ist im
Kausalitätsverhältniß Ursache und Wirkung untrennbar; eine Ursache,
die keine Wirkung haben sollte, ist nicht Ursache, wie die Wirkung,
die keine Ursache hätte, nicht mehr Wirkung.  Dieß Verhältniß giebt
daher den unendlichen Progreß von Ursachen und Wirkungen; Etwas ist
als Ursache bestimmt, aber sie hat als ein endliches (--und endlich
ist sie eben eigentlich wegen ihrer Trennung von der Wirkung) selbst
eine Ursache, d. h. sie ist auch Wirkung; somit ist dasselbe, was als
Ursache bestimmt wurde, auch als Wirkung bestimmt;--Einheit der
Ursache und der Wirkung;--das nun als Wirkung Bestimmte hat von neuem
eine Ursache, d. i. die Ursache ist von ihrer Wirkung zu trennen, und
als ein verschiedenes Etwas zu setzen;--diese neue Ursache ist aber
selbst nur eine Wirkung--Einheit der Ursache und Wirkung;--sie hat
ein Anderes zu ihrer Ursache;--Trennung beider Bestimmungen u.s.f.
ins Unendliche.

Dem Progreß kann so die eigenthümlichere Form gegeben werden; es wird
die Behauptung gemacht, das Endliche und Unendliche sind Eine Einheit;
diese falsche Behauptung muß durch die entgegengesetzte berichtigt
werden: sie sind schlechthin verschieden und sich entgegengesetzt;
diese ist wieder dahin zu berichtigen, daß sie untrennbar sind, in
der einen Bestimmung die andere liegt, durch die Behauptung ihrer
Einheit und so fort ins Unendliche.--Es ist eine leichte Forderung,
welche um die Natur des Unendlichen einzusehen, gemacht wird, das
Bewußtseyn zu haben, daß der unendliche Progreß, das entwickelte
Unendliche des Verstandes, die Beschaffenheit hat, die Abwechslung
der beiden Bestimmungen, der Einheit und der Trennung beider Momente
zu seyn, und dann das fernere Bewußtseyn zu haben, daß diese Einheit
und diese Trennung selbst untrennbar sind.

Die Auflösung dieses Widerspruchs ist nicht die Anerkennung der
gleichen Richtigkeit, und der gleichen Unrichtigkeit beider
Behauptungen;--dieß ist nur eine andere Gestalt des bleibenden
Widerspruchs,--sondern die Idealität beider, als in welcher sie in
ihrem Unterschiede, als gegenseitige Negationen, nur Momente sind;
jene eintönige Abwechslung ist faktisch sowohl die Negation der
Einheit als der Trennung derselben.  In ihr ist ebenso faktisch das
oben Aufgezeigte vorhanden, daß das Endliche über sich hinaus in das
Unendliche fällt, aber ebenso über dasselbe hinaus sich selbst wieder
erzeugt findet, hiermit darin nur mit sich zusammengeht, wie das
Unendliche gleichfalls; so daß dieselbe Negation der Negation sich
zur Affirmation resultirt, welches Resultat sich damit als ihre
Wahrheit und Ursprünglichkeit erweist.  In diesem Seyn hiermit als
der Idealität der Unterschiedenen ist der Widerspruch nicht abstrakt
verschwunden, sondern aufgelöst und versöhnt, und die Gedanken sind
nicht nur vollständig, sondern sie sind auch zusammengebracht.  Die
Natur des spekulativen Denkens zeigt sich hieran als einem
ausgeführten Beispiele in ihrer bestimmten Weise, sie besteht allein
in dem Auffassen der entgegengesetzten Momente in ihrer Einheit.
Indem jedes und zwar faktisch sich an ihm zeigt, sein Gegentheil an
ihm selbst zu haben, und in diesem mit sich zusammenzugehen, so ist
die affirmative Wahrheit diese sich in sich bewegende Einheit, das
Zusammenfassen beider Gedanken, ihre Unendlichkeit,--die Beziehung
auf sich selbst, nicht die unmittelbare, sondern die unendliche.

Das Wesen der Philosophie ist häufig von solchen, die mit dem Denken
schon vertrauter sind, in die Aufgabe gesetzt worden, zu beantworten,
wie das Unendliche aus sich heraus und zur Endlichkeit komme?--Dieß,
meint man, sey nicht begreiflich zu machen.  Das Unendliche, bei
dessen Begriff wir angekommen sind, wird sich im Fortgange dieser
Darstellung weiter bestimmen, und an ihm in aller Mannigfaltigkeit
der Formen das Geforderte zeigen, wie es, wenn man sich so ausdrücken
will, zur Endlichkeit komme.  Hier betrachten wir diese Frage nur in
ihrer Unmittelbarkeit, und in Rücksicht des vorhin betrachteten
Sinnes, den das Unendliche zu haben pflegt.

Von der Beantwortung dieser Frage soll es überhaupt abhängen, ob es
eine Philosophie gebe, und indem man es hierauf noch ankommen lassen
zu wollen vorgiebt, glaubt man zugleich an der Frage selbst eine Art
von Vexirfrage, einen unüberwindlichen Talisman, zu besitzen, durch
den man gegen die Beantwortung und damit gegen die Philosophie und
das Ankommen bei derselben fest und gesichert sey.  Auch bei anderen
Gegenständen setzt es eine Bildung voraus, fragen zu verstehen, noch
mehr aber bei philosophischen Gegenständen, um eine andere Antwort zu
erhalten, als die, daß die Frage nichts tauge.--Es pflegt bei solchen
Fragen die Billigkeit in Anspruch genommen zu werden, daß es auf die
Worte nicht ankomme, sondern in einer oder anderen Weise des
Ausdrucks verständlich sey, worauf es ankomme?  Ausdrücke sinnlicher
Vorstellung, wie herausgehen und dergleichen, die bei der Frage
gebraucht werden, erwecken den Verdacht, daß sie aus dem Boden des
gewöhnlichen Vorstellens stamme, und für die Beantwortung auch
Vorstellungen, die im gemeinen Leben gangbar sind, und die Gestalt
eines sinnlichen Gleichnisses erwartet werden.

Wenn statt des Unendlichen das Seyn überhaupt genommen wird, so
scheint das Bestimmen des Seyns, eine Negation oder Endlichkeit an
ihm, leichter begreiflich.  Seyn ist zwar selbst das Unbestimmte,
aber es ist nicht unmittelbar an ihm ausgedrückt, daß es das
Gegentheil des Bestimmten sey.  Das Unendliche hingegen enthält dieß
ausgedrückt; es ist das Nicht-Endliche.  Die Einheit des Endlichen
und Unendlichen scheint somit unmittelbar ausgeschlossen; die
unvollendete Reflexion ist darum am hartnäckigsten gegen diese
Einheit.

Es ist aber gezeigt worden, und es erhellt, ohne weiter in die
Bestimmung des Endlichen und Unendlichen einzugehen, unmittelbar, daß
das Unendliche in dem Sinne, ( in dem es von jenem Reflektiren
genommen wird,--nämlich als dem Endlichen gegenüberstehend,--darum
weil es ihm gegenübersteht, an ihm sein Anderes hat, daher schon
begrenzt, und selbst endlich, das Schlechtunendliche ist.  Die
Antwort auf die Frage, wie das Unendliche endlich werde, ist somit
diese, daß es nicht ein Unendliches gibt, das vorerst unendlich ist,
und das nachher erst endlich zu werden, zur Endlichkeit herauszugehen
nöthig habe, sondern es ist für sich selbst schon eben so sehr
endlich als unendlich.  Indem die Frage annimmt, daß das Unendliche
einer Seits für sich, und daß das Endliche, das aus ihm heraus in die
Trennung gegangen, oder wo es hergekommen seyn möchte, abgesondert
von ihm, wahrhaft real sey,--so wäre vielmehr zu sagen, diese
Trennung sey unbegreiflich.  Weder solches Endliches, noch solches
Unendliches hat Wahrheit; das Unwahre aber ist unbegreiflich.  Man
muß aber ebenso sagen, sie seyen begreiflich; die Betrachtung
derselben, auch wie sie in der Vorstellung sind, daß in dem einen die
Bestimmung des anderen liegt, die einfache Einsicht in diese ihre
Untrennbarkeit haben, heißt sie begreifen; diese Untrennbarkeit ist
ihr Begriff.--In der Selbstständigkeit jenes Unendlichen und
Endlichen dagegen stellt jene Frage einen unwahren Inhalt auf, und
enthält in sich schon eine unwahre Beziehung desselben.  Darum ist
nicht auf sie zu antworten, sondern vielmehr sind die falschen
Voraussetzungen, die sie enthält, d. i. die Frage selbst zu negiren.
Durch die Frage nach der Wahrheit jenes Unendlichen und Endlichen
wird der Standpunkt verändert, und diese Veränderung wird die
Verlegenheit, welche die erste Frage hervorbringen sollte, auf sie
zurückbringen; jene unsre Frage ist der Reflexion, aus der die erste
Frage stammt, neu, da solches Reflektiren nicht das spekulative
Interesse enthält, welches, für sich und ehe es Bestimmungen bezieht,
darauf geht, zu erkennen, ob dieselben, wie sie vorausgesetzt werden,
etwas Wahres seyen.  Insofern aber die Unwahrheit jenes abstrakten
Unendlichen, und des eben so auf seiner Seite stehen bleiben
sollenden Endlichen erkannt ist, so ist über das Herausgehen des
Endlichen aus dem Unendlichen zu sagen, das Unendliche gehe zur
Endlichkeit heraus, darum weil es keine Wahrheit, kein Bestehen an
ihm, wie es als abstrakte Einheit gefaßt ist, hat; so umgekehrt geht
das Endliche aus demselben Grunde seiner Nichtigkeit in das
Unendliche hinein. oder vielmehr ist zu sagen, daß das Unendliche
ewig zur Endlichkeit herausgegangen, daß es schlechthin nicht ist, so
wenig als das reine Seyn, allein für sich, ohne sein Anderes an ihm
selbst zu haben.

Jene Frage, wie das Unendliche zum Endlichen herausgehe, kann noch
die weitere Voraussetzung enthalten, daß das Unendliche an sich das
Endliche in sich schliesse, somit an sich die Einheit seiner selbst
und seines Anderen sey, so daß die Schwierigkeit sich wesentlich auf
das Trennen bezieht, als welches der vorausgesetzten Einheit beider
entgegensteht.  In dieser Voraussetzung hat der Gegensatz, an welchem
festgehalten s wird, nur eine andere Gestalt; die Einheit und das
Unterscheiden werden von einander getrennt und isolirt.  Wenn aber
jene nicht als die abstrakte unbestimmte Einheit, sondern schon wie
in jener Voraussetzung als die bestimmte Einheit des Endlichen und
Unendlichen genommen wird, so ist die Unterscheidung beider bereits
darin auch vorhanden,--eine Unterscheidung, die so zugleich nicht ein
Loslassen derselben zu getrennter Selbstständigkeit ist, sondern sie
als ideelle in der Einheit läßt.  Diese Einheit des Unendlichen und
Endlichen und deren Unterscheidung sind dasselbe Untrennbare als die
Endlichkeit und Unendlichkeit.

Anmerkung 2.

Der Satz, daß das Endliche ideell ist, macht den Idealismus aus.  Der
Idealismus der Philosophie besteht in nichts anderem, als darin, das
Endliche nicht als ein wahrhaft Seyendes anzuerkennen.  Jede
Philosophie ist wesentlich Idealismus, oder hat denselben wenigstens
zu ihrem Princip, und die Frage ist dann nur, inwiefern dasselbe
wirklich durchgeführt ist.  Die Philosophie ist es so sehr als die
Religion; denn die Religion anerkennt die Endlichkeit ebenso wenig
als ein wahrhaftes Seyn, als ein Letztes, Absolutes, oder als ein
Nicht-Gesetztes, Unerschaffenes, Ewiges.  Der Gegensatz von
idealistischer und realistischer Philosophie ist daher ohne Bedeutung.
Eine Philosophie, welche dem endlichen Daseyn als solchem
wahrhaftes, letztes, absolutes Seyn zuschriebe, verdiente den Namen
Philosophie nicht; Principien älterer oder neuerer Philosophien, das
Wasser, oder die Materie oder die Atome sind Gedanken, Allgemeine,
Ideelle, nicht Dinge, wie sie sich unmittelbar vorfinden, d. h. in
sinnlicher Einzelnheit, selbst jenes thaletische Wasser nicht; denn,
obgleich auch das empirische Wasser, ist es außerdem zugleich das
Ansich oder Wesen aller anderen Dinge; und diese sind nicht
selbstständige, in sich gegründete, sondern aus einem Anderen, dem
Wasser, gesetzte, d. i. ideelle.  Indem vorhin das Princip, das
Allgemeine, das Ideelle genannt worden, wie noch mehr der Begriff,
die Idee, der Geist, Ideelles zu nennen ist, und dann wiederum die
einzelnen sinnlichen Dinge als ideell im Princip, im Begriffe, noch
mehr im Geiste, als aufgehoben sind, so ist dabei auf dieselbe
Doppelseite vorläufig aufmerksam zu machen, die bei dem Unendlichen
sich gezeigt hat, nämlich daß das eine Mal das Ideelle das Konkrete,
Wahrhaftseyende ist, das andere Mal aber ebenso sehr seine Momente
das Ideelle, in ihm Aufgehobene sind, in der That aber nur das Eine
konkrete Ganze ist, von dem die Momente untrennbar sind.

Bei dem Ideellen wird vornehmlich die Form der Vorstellung gemeint,
und das was in meiner Vorstellung überhaupt, oder im Begriffe, in der
Idee, in der Einbildung u.s.f. ist, ideell genannt, so daß Ideelles
überhaupt auch für Einbildungen gilt,--Vorstellungen, die nicht nur
vom Reellen unterschieden, sondern wesentlich nicht reell seyn sollen.
In der That ist der Geist der eigentliche Idealiste überhaupt; in
ihm, schon wie er empfindend, vorstellend, noch mehr, insofern er
denkend und begreifend ist, ist der Inhalt nicht als sogenanntes
reales Daseyn; in der Einfachheit des Ich ist solches äußerliches
Seyn nur aufgehoben, es ist für mich, es ist ideell in mir.  Dieser
subjektive Idealismus, er sey als der bewußtlose Idealismus des
Bewußtseyns überhaupt oder bewußt als Princip ausgesprochen und
aufgestellt, geht nur auf die Form der Vorstellung, nach der ein
Inhalt der Meinige ist; diese Form wird im systematischen Idealismus
der Subjektivität als die einzig wahrhafte, die ausschließende gegen
die Form der Objektivität oder Realität, des äußerlichen Daseyns
jenes Inhalts behauptet.  Solcher Idealismus ist formell, indem er
den Inhalt des Vorstellens oder Denkens nicht beachtet, welcher im
Vorstellen oder Denken dabei ganz in seiner Endlichkeit bleiben kann.
Es ist mit solchem Idealismus nichts verloren, ebenso wohl weil die
Realität solchen endlichen Inhalts, das mit Endlichkeit erfüllte
Daseyn, erhalten ist, als, insofern davon abstrahirt wird, an sich an
solchem Inhalt nichts gelegen seyn soll; und es ist nichts mit ihm
gewonnen, eben weil nichts verloren ist, weil Ich die Vorstellung,
der Geist mit demselben Inhalt der Endlichkeit erfüllt bleibt.  Der
Gegensatz der Form von Subjektivität und Objektivität ist allerdings
eine der Endlichkeiten; aber der Inhalt, wie er in die Empfindung,
Anschauung oder auch in das abstraktere Element der Vorstellung, des
Denkens, aufgenommen wird, enthält die Endlichkeiten in Fülle, welche
mit dem Ausschließen jener nur einen Weise der Endlichkeit, der Form
von Subjektivem und objektivem, noch gar nicht weggebracht, noch
weniger von selbst weggefallen sind.



Drittes Kapitel.  Das Fürsichseyn.


Im Fürsichseyn ist das qualitative Seyn vollendet; es ist das
unendliche Seyn.  Das Seyn des Anfangs ist bestimmungslos.  Das
Daseyn ist das aufgehobene, aber nur unmittelbar aufgehobene Seyn; es
enthält so zunächst nur die erste, selbst unmittelbare Negation; das
Seyn ist zwar gleichfalls erhalten, und beide im Daseyn in einfacher
Einheit vereint, aber eben darum an sich einander noch ungleich, und
ihre Einheit noch nicht gesetzt.  Das Daseyn ist darum die Sphäre der
Differenz, des Dualismus, das Feld der Endlichkeit.  Die Bestimmtheit
ist Bestimmtheit als solche; ein relatives, nicht absolutes
Bestimmtseyn.  Im Fürsichseyn ist der Unterschied zwischen dem Seyn
und der Bestimmtheit oder Negation gesetzt und ausgeglichen; Qualität,
Andersseyn, Grenze, wie Realität, Ansichseyn, Sollen u.s.f.--sind
die unvollkommenen Einbildungen der Negation in das Seyn, als in
welchen die Differenz beider noch zu Grunde liegt.  Indem aber in der
Endlichkeit die Negation in die Unendlichkeit, in die gesetzte
Negation der Negation, übergegangen, ist sie einfache Beziehung auf
sich, also an ihr selbst die Ausgleichung mit dem Seyn;--absolutes
Bestimmtseyn.

Das Fürsichseyn ist erstens unmittelbar Fürsichseyendes, Eins.

Zweitens geht das Eins in die Vielheit der Eins über,--Repulsion;
welches Andersseyn des Eins sich in der Idealität desselben aufhebt,
Attraktion.

Drittens die Wechselbestimmung der Repulsion und Attraktion, in
welcher sie in das Gleichgewicht zusammensinken, und die Qualität,
die sich im Fürsichseyn auf ihre Spitze trieb, in Quantität übergeht.

A.  Das Fürsichseyn als solches.

Der allgemeine Begriff des Fürsichseyns hat sich ergeben.  Es käme
nur darauf an, nachzuweisen, daß jenem Begriffe die Vorstellung
entspricht, die wir mit dem Ausdrucke: Fürsichseyn verbinden, um
berechtigt zu seyn, denselben für jenen Begriff zu gebrauchen.  Und
so scheint es wohl; wir sagen, daß etwas für sich ist, insofern als
es das Andersseyn, seine Beziehung und Gemeinschaft mit Anderem
aufhebt, sie zurück-gestoßen, davon abstrahirt hat.  Das Andere ist
in ihm nur als ein Aufgehobenes, als sein Moment; das Fürsichseyn
besteht darin, über die Schranke, über sein Andersseyn so
hinausgegangen zu seyn, daß es als diese Negation die unendliche
Rückkehr in sich ist.--Das Bewußtseyn enthält schon als solches an
sich die Bestimmung des Fürsichseyns, indem es einen Gegenstand, den
es empfindet, anschaut u.s.f. sich vorstellt, d. i. dessen Inhalt in
ihm hat, der auf die Weise als Ideelles ist; es ist in seinem
Anschauen selbst, überhaupt in seiner Verwicklung mit dem Negativen
seiner, mit dem Anderen, bei sich selbst.  Das Fürsichseyn ist das
polemische, negative Verhalten, gegen das begrenzende Andere, und
durch diese Negation desselben In-sich-reflektirtseyn, ob schon neben
dieser Rückkehr des Bewußtseyns in sich, und der Idealität des
Gegenstandes, auch noch die Realität desselben erhalten ist, indem er
zugleich als ein äußeres Daseyn gewußt wird.  Das Bewußtseyn ist so
erscheinend, oder der Dualismus, einer Seits von einem ihm andern,
äußerlichen Gegenstande zu wissen, und andererseits, für-sich zu seyn,
denselben in ihm ideell zu haben, nicht nur bei solchem Andern,
sondern darin auch bei sich selbst zu seyn.  Das Selbstbewußtseyn
dagegen ist das Fürsichseyn als vollbracht und gesetzt; jene Seite
der Beziehung auf ein Anderes, einen äußern Gegenstand ist entfernt.
Das Selbstbewußtseyn ist so das nächste Beispiel der Präsenz der
Unendlichkeit;--einer freilich immer abstrakten Unendlichkeit, die
jedoch zugleich von ganz anders konkreter Bestimmung ist, als das
Fürsichseyn überhaupt, dessen Unendlichkeit noch ganz nur qualitative
Bestimmtheit hat.

a.  Daseyn und Fürsichseyn.

Das Fürsichseyn ist, wie schon erinnert ist, die in das einfache Seyn
zusammengesunkene Unendlichkeit; es ist Daseyn, insofern die negative
Natur der Unendlichkeit, welche Negation der Negation ist, in der
nunmehr gesetzten Form der Unmittelbarkeit des Seyns, nur als
Negation überhaupt, als einfache qualitative Bestimmtheit ist.  Das
Seyn in solcher Bestimmtheit, in der es Daseyn ist, ist aber sogleich
vom Fürsichseyn selbst auch unterschieden, welches nur Fürsichseyn,
insofern seine Bestimmtheit jene unendliche ist; jedoch ist das
Daseyn zugleich Moment des Fürsichseyns selbst; denn dieses enthält
allerdings auch das mit der Negation behaftete Seyn.  So ist die
Bestimmtheit, welche am Daseyn als solchem ein Anderes und
Seyn-für-Anderes ist, in die unendliche Einheit des Fürsichseyns
zurückgebogen, und das Moment des Daseyns ist im Fürsichseyn als
Seyn-für-Eines vorhanden.

b.  Seyn-für-eines.

Dieß Moment drückt aus, wie das Endliche in seiner Einheit mit dem
Unendlichen oder als Ideelles ist.  Das Fürsichseyn hat die Negation
nicht an ihm als eine Bestimmtheit oder Grenze, und damit auch nicht
als Beziehung auf ein von ihm anderes Daseyn.  Indem nun dieß Moment
als Seyn-für-Eines bezeichnet worden, ist noch nichts vorhanden, für
welches es wäre,--das Eine nicht, dessen Moment es wäre.  Es ist in
der That dergleichen noch nicht im Fürsichseyn fixirt; das für
welches Etwas (--und ist hier kein Etwas--) wäre, was die andere
Seite überhaupt seyn sollte, ist gleicherweise Moment, selbst nur
Seyn-für-Eines, noch nicht Eines.--Somit ist noch eine
Ununterschiedenheit zweier Seiten, die im Seyn-für-eines vorschweben
können, vorhanden; nur Ein Seyn-für-Anderes, und weil es nur Ein
Seyn-für-Anderes ist, ist dieses auch nur Seyn-für-Eines; es ist nur
die Eine ldealität dessen, für welches oder in welchem eine
Bestimmung als Moment und dessen, was Moment in ihm seyn sollte.  So
machen Für-eines-seyn und das Fürsichseyn keine wahrhaften
Bestimmtheiten gegeneinander aus.  Insofern der Unterschied auf einen
Augenblick angenommen und hier von einem Fürsichseyenden gesprochen
wird, so ist es das Fürsichseyende, als Aufgehobenseyn des
Andersseyns, selbst, welches sich auf sich als auf das aufgehobene
Andere bezieht, also für-Eines ist; es bezieht sich in seinem Andern
nur auf sich.  Das Ideelle ist nothwendig für-Eines, aber es ist
nicht für ein Anderes; das Eine, für welches es ist, ist nur es
selbst.--Ich also, der Geist überhaupt, oder Gott, sind Ideelle, weil
sie unendlich sind; aber sie sind ideell nicht, als für-sich-seyende,
verschieden von dem, das für-Eines ist.  Denn so wären sie nur
unmittelbare, oder näher Daseyn und ein Seyn-für-Anderes, weil das,
welches für sie wäre, nicht sie selbst, sondern ein Anderes wäre,
wenn das Moment, für-eines zu seyn, nicht ihnen zukommen sollte.
Gott ist daher für sich, insofern er selbst das ist, das für ihn ist.

Für-sich-seyn und Für-Eines-seyn sind also nicht verschiedene
Bedeutungen der Idealität, sondern sind wesentliche, untrennbare
Momente derselben.

Anmerkung.

Der zunächst als sonderbar erscheinende Ausdruck unserer Sprache für
die Frage nach der Qualität, was für ein Ding etwas sey, hebt das
hier betrachtete Moment in seiner Reflexion-in-sich heraus.  Dieser
Ausdruck ist in seinem Ursprung idealistisch, indem er nicht fragt,
was dieß Ding A für ein anderes Ding B sey, nicht was dieser Mensch
für einen anderen Menschen sey;--sondern was dieß für ein Ding, für
ein Mensch ist so daß dieß Seyn-für-Eines zugleich zurückgenommen ist
in dieß Ding, in diesen Menschen selbst, daß dasjenige, welches ist,
und das für welches es ist, ein und dasselbe ist,--eine Identität,
als welche auch die Idealität betrachtet werden muß.

Die Idealität kommt zunächst den aufgehobenen Bestimmungen zu, als
unterschieden von dem, worin sie aufgehoben sind, das dagegen als das
Reelle genommen werden kann.  So aber ist das Ideelle wieder eins der
Momente und das Reale das andere; die Idealität aber ist dieß, daß
beide Bestimmungen gleicherweise nur für Eines sind, und nur für
Eines gelten, welche Eine Idealität somit ununterschieden Realität
ist.  In diesem Sinn ist das Selbstbewußtseyn, der Geist, Gott, das
Ideelle, als unendliche Beziehung rein auf sich,--Ich-ist für Ich,
beide sind dasselbe, Ich ist zweimal genannt, aber so von den Zweien
ist jedes nur für-Eines, ideell; der Geist ist nur für den Geist,
Gott nur für Gott, und nur diese Einheit ist Gott, Gott als Geist.
--Das Selbstbewußtseyn aber tritt als Bewußtseyn in den Unterschied
seiner und eines Anderen, oder seiner Idealität, in der es
vorstellend ist, und seiner Realität, indem seine Vorstellung einen
bestimmten Inhalt hat, der noch die Seite hat, als das unaufgehobene
Negative, als Daseyn, gewußt zu werden.  Jedoch den Gedanken, Geist,
Gott nur ein Ideelles zu nennen, setzt den Standpunkt voraus, auf
welchem das endliche Daseyn als das Reale gilt, und das Ideelle oder
das Seyn-für-Eines nur einen einseitigen Sinn hat.

In einer vorherg.  Anm. ist das Princip des Idealismus angegeben und
gesagt worden, daß es bei einer Philosophie alsdann näher darauf
ankomme, in wiefern das Princip durchgeführt ist.  Über die Art
dieser Durchführung kann in Beziehung auf die Kategorie, bei der wir
stehen, noch eine weitere Bemerkung gemacht werden.  Diese
Durchführung hängt zunächst davon ab,--ob neben dem Fürsichseyn nicht
noch das endliche Daseyn selbstständig bestehen bleibt, außerdem aber
ob in dem Unendlichen schon selbst das Moment: für-Eines, ein
Verhalten des Ideellen zu sich als Ideellem, gesetzt sey.  So ist das
eleatische Seyn oder die Spinozische Substanz nur die abstrakte
Negation aller Bestimmtheit, ohne daß in ihr selbst die Idealität
gesetzt wäre;--bei Spinoza ist, wie weiter unten erwähnt werden wird,
die Unendlichkeit nur die absolute Affirmation eines Dings, somit nur
die unbewegte Einheit, die Substanz kommt daher nicht einmal zur
Bestimmung des Fürsichseyns, vielweniger des Subjekts und des Geistes.
Der Idealismus des edeln Malebranche ist in sich explicirter; er
enthält folgende Grundgedanken: da Gott alle ewige Wahrheiten, die
Ideen, und Vollkommenheiten aller Dinge in sich schließt, so daß sie
nur die seinigen sind, so sehen wir sie nur in ihm; Gott erweckt in
uns unsere Empfindungen von den Gegenständen durch eine Aktion, die
nichts Sinnliches hat, wobei wir uns einbilden, daß wir vom
Gegenstande nicht nur dessen Idee die dessen Wesen vorstellt, sondern
auch die Empfindung von dem Daseyn desselben erlangen ( De la
recherche de la Verité, Eclairc. sur la nature des idées etc.).  Wie
also die ewigen Wahrheiten und Ideen (Wesenheiten) der Dinge, so ist
ihr Daseyn, in Gott, ideell, nicht ein wirkliches Daseyn; obgleich
als unsere Gegenstände, sind sie nur für Eines.  Dieß Moment des
explicirten und konkreten Idealismus, das im Spinozismus mangelt, ist
hier vorhanden, indem die absolute Idealität als Wissen bestimmt ist.
So rein und tief dieser Idealismus ist, so enthalten jene
Verhältnisse Theils noch viel für den Gedanken Unbestimmtes, Theils
aber ist deren Inhalt sogleich ganz konkret (die Sünde und die
Erlösung u.s.f. treten sogleich in sie ein); die logische Bestimmung
der Unendlichkeit, die dessen Grundlage seyn müßte, ist nicht für
sich ausgeführt, und so jener erhabene und erfüllte Idealismus wohl
das Produkt eines reinen spekulativen Geistes, aber noch nicht eines
reinen spekulativen, allein wahrhaft begründenden, Denkens.  Der
leibnitzische Idealismus liegt mehr innerhalb der Grenze des
abstrakten Begriffes.--Das leibnitzische vorstellende Wesen, die
Monade, ist wesentlich Ideelles.  Das Vorstellen ist ein Fürsichseyn,
in welchem die Bestimmtheiten nicht Grenzen und damit nicht ein
Daseyn, sondern nur Momente sind.  Vorstellen ist zwar gleichfalls
eine konkretere Bestimmung, aber hat hier keine weitere Bedeutung,
als die der Idealität; denn auch das Bewußtseynslose überhaupt ist
bei Leibnitz Vorstellendes, Percipirendes.  Es ist in diesem Systeme
also das Andersseyn aufgehoben; Geist und Körper, oder die Monaden
überhaupt sind nicht Andere für einander, sie begrenzen sich nicht,
haben keine Einwirkung aufeinander; es fallen überhaupt alle
Verhältnisse weg, welchen ein Daseyn zum Grunde liegt.  Die
Mannigfaltigkeit ist nur eine ideelle und innere, die Monade bleibt
darin nur auf sich selbst bezogen, die Veränderungen entwickeln sich
innerhalb ihrer, und sind keine Beziehungen derselben auf andere.
Was nach der realen Bestimmung als da seyende Beziehung der Monaden
aufeinander genommen wird, ist ein unabhängiges nur simultanes Werden,
in das Fürsichseyn einer jeden eingeschlossen.--Daß es mehrere
Monaden giebt, daß sie damit auch als Andere bestimmt werden, geht
die Monaden selbst nichts an; es ist dieß die außer ihnen fallende
Reflexion eines Dritten; sie sind nicht an ihnen selbst Andere
gegeneinander; das Fürsichseyn ist rein ohne das Daneben eines
Daseyns gehalten.--Allein hierin liegt zugleich das Unvollendete
dieses Systems.  Die Monaden sind nur an sich, oder in Gott, als der
Monade der Monaden, oder auch im Systeme, so Vorstellende.  Das
Andersseyn ist gleichfalls vorhanden; es falle wohin es wolle, in die
Vorstellung selbst, oder wie das Dritte bestimmt werde, welches sie
als Andere, als Viele, betrachtet.  Die Vielheit ihres Daseyns ist
nur ausgeschlossen und zwar nur momentan, die Monaden nur durch die
Abstraktion als solche gesetzt, welche Nicht-Andere seyen.  Wenn es
ein Drittes ist, welches ihr Andersseyn setzt, so ist es auch ein
Drittes, welches ihr Andersseyn aufhebt; aber diese ganze Bewegung,
welche sie zu ideellen macht, fällt außer ihnen.  Indem aber daran
erinnert werden kann, daß diese Bewegung des Gedankens selbst doch
nur innerhalb einer vorstellenden Monade falle, so ist zugleich zu
erinnern, daß eben der Inhalt solchen Denkens in sich selbst sich
äußerlich ist.  Es wird von der Einheit der absoluten Idealität (der
Monade der Monaden) unmittelbar, unbegriffen (--durch die Vorstellung
des Erschaffens) zur Kategorie der abstrakten (beziehungslosen)
Vielheit des Daseyns übergegangen, und von dieser ebenso abstrakt
zurück zu jener Einheit.  Die Idealität, das Vorstellen überhaupt,
bleibt etwas formelles, wie gleichfalls das zum Bewußtseyn
gesteigerte Vorstellen.

Wie in dem oben angeführten Einfalle Leibnitzens von der Magnetnadel,
die wenn sie ein Bewußtseyn hätte, ihre Richtung nach Norden für eine
Bestimmung ihrer Freiheit ansehen würde, das Bewußtseyn nur als
einseitige Form, welche gegen ihre Bestimmung und Inhalt gleichgültig
sey, gedacht wird, so ist die Idealität in den Monaden eine der
Vielheit äußerlich bleibende Form.  Die Idealität soll ihnen immanent,
ihre Natur Vorstellen seyn; aber ihr Verhalten ist einer Seits ihre
Harmonie, die nicht in ihr Daseyn fällt, sie ist daher prästabilirt;
anderer Seits ist dieses ihr Daseyn nicht als Seyn-für-Anderes, noch
weiter als Idealität gefaßt, sondern nur als abstrakte Vielheit
bestimmt; die Idealität der Vielheit und die weitere Bestimmung
derselben zur Harmonie wird nicht dieser Vielheit selbst immanent und
angehörig.

Anderer Idealismus, wie zum Beispiel der kantische und fichte'sche,
kommt nicht über das Sollen oder den unendlichen Progreß hinaus, und
bleibt im Dualismus des Daseyns und des Fürsichseyns.  In diesen
Systemen tritt das Ding-an-sich oder der unendliche Anstoß zwar
unmittelbar in das Ich und wird nur ein für dasselbe; aber er geht
von einem freien Andersseyn aus, das als negatives Ansichseyn
perennirt.  Das Ich wird daher wohl als das Ideelle, als
fürsichseyend, als unendliche Beziehung auf sich bestimmt; aber das
Für-Eines-seyn ist nicht vollendet zum Verschwinden jenes Jenseitigen
oder der Richtung nach dem Jenseits.

c.  Eins.

Das Fürsichseyn ist die einfache Einheit seiner selbst und seines
Moments, des Seyns für-Eines.  Es ist nur Eine Bestimmung vorhanden,
die Beziehung-auf-sich-selbst des Aufhebens.  Die Momente des
Fürsichseyns sind in Unterschiedslosigkeit zusammengesunken, welche
Unmittelbarkeit oder Seyn ist, aber eine Unmittelbarkeit, die sich
auf das Negiren gründet, das als ihre Bestimmung gesetzt ist.  Das
Fürsichseyn ist so, Fürsichseyendes, und indem in dieser
Unmittelbarkeit seine innere Bedeutung verschwindet, die ganz
abstrakte Grenze seiner selbst,--das Eins.

Es kann zum Voraus auf die Schwierigkeit, welche in der nachfolgenden
Darstellung der Entwickelung des Eins liegt, und auf den Grund dieser
Schwierigkeit aufmerksam gemacht werden.  Die Momente, welche den
Begriff des Eins als Fürsichseyns ausmachen, treten darin auseinander;
sie sind 1) Negation überhaupt, 2) Zwei Negationen 3) somit Zweier,
die dasselbe sind, 4) die schlechthin entgegengesetzt sind; 5)
Beziehung auf sich, Identität als solche, 6) negative Beziehung und
doch auf sich selbst.  Diese Momente treten hier dadurch auseinander,
daß die Form der Unmittelbarkeit, des Seyns, am Fürsichseyn als
Fürsichseyendem hereinkommt; durch diese Unmittelbarkeit wird jedes
Moment als eine eigene, seyende Bestimmung gesetzt; und doch sind sie
ebenso untrennbar.  Somit muß von jeder Bestimmung ebenso ihr
Gegentheil gesagt werden; dieser Widerspruch ist es, der, bei der
abstrakten Beschaffenheit der Momente, die Schwierigkeit ausmacht.

B. Eins und Vieles.

Das Eins ist die einfache Beziehung des Fürsichseyns auf sich selbst,
in der seine Momente in sich zusammengefallen sind, in der es daher
die Form der Unmittelbarkeit hat und seine Momente daher nun
daseyende werden.

Als Beziehung des Negativen auf sich, ist das Eins Bestimmen,--und
als Beziehung auf sich, ist es unendliches Selbstbestimmen.  Aber um
der nunmehrigen Unmittelbarkeit willen, sind diese Unterschiede nicht
mehr nur als Momente Einer und derselben Selbstbestimmung, sondern
zugleich als Seyende gesetzt.  Die Idealität des Fürsichseyns als
Totalität schlägt so fürs erste in die Realität um, und zwar in die
festeste, abstrakteste, als Eins.  Das Fürsichseyn ist im Eins die
gesetzte Einheit des Seyns und Daseyns, als die absolute Vereinigung

der Beziehung auf Anderes und der Beziehung auf sich; aber dann tritt
auch die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Bestimmung der unendlichen
Negation, gegen die Selbstbestimmung ein, so daß was Eins an sich ist,
es nun nur an ihm ist, und damit das Negative ein als von ihm
unterschiedenes Anderes.  Was sich als von ihm unterschieden
vorhanden zeigt, ist sein eigenes Selbstbestimmen; dessen Einheit mit
sich so als unterschieden von sich ist zur Beziehung herabgesetzt,
und als negative Einheit Negation seiner selbst als eines Anderen,
Ausschließen des Eins als eines Anderen aus sich, dem Eins.

a.  Das Eins an ihm selbst.

An ihm selbst ist das Eins überhaupt; dieß sein Seyn ist kein Daseyn,
keine Bestimmung als Beziehung auf Anderes, keine Beschaffenheit, es
ist dieß, diesen Kreis von Kategorien negirt zu haben.  Das Eins ist
somit keines Anderswerdens fähig; es ist unveränderlich.

Es ist unbestimmt, jedoch nicht mehr wie das Seyn; seine
Unbestimmtheit ist die Bestimmtheit, welche Beziehung auf sich selbst
ist, absolutes Bestimmtseyn; gesetztes Insichseyn.  Als nach seinem
Begriffe sich auf sich beziehende Negation hat es den Unterschied in
ihm,--eine Richtung von sich ab hinaus auf Anderes, die aber
unmittelbar umgewendet, weil nach diesem Momente des Selbstbestimmens
kein Anderes ist, auf das sie gehe, und die in sich zurückgekehrt ist.

In dieser einfachen Unmittelbarkeit ist die Vermittelung des Daseyns
und der Idealität selbst, und damit alle Verschiedenheit und
Mannigfaltigkeit verschwunden.  Es ist nichts in ihm; dieß Nichts,
die Abstraktion der Beziehung auf sich selbst, ist hier unterschieden
von dem Insichseyn selbst, es ist ein Gesetztes, weil dieß Insichseyn
nicht mehr das einfache des Etwas ist, sondern-die Bestimmung hat,
als Vermittelung konkret zu seyn; als abstrakt aber ist es zwar
identisch mit Eins, aber verschieden von dessen Bestimmung.  So dieß
Nichts gesetzt, als in Einem ist das Nichts als Leeres.--Das Leere
ist so die Qualität des Eins in seiner Unmittelbarkeit.

b.  Das Eins und das Leere.

Das Eins ist das Leere als die abstrakte Beziehung der Negation auf
sich selbst.  Aber von der einfachen Unmittelbarkeit, dem auch
affirmativen Seyn des Eins, ist das Leeres als das Nichts schlechthin
verschieden, und indem sie in Einer Beziehung, des Eins selbst
nämlich, stehen, ist ihre Verschiedenheit gesetzt; verschieden aber
vom Seyenden ist das Nichts als Leeres außer dem seyenden Eins.

Das Fürsichseyn, indem es sich auf diese Weise als das Eins und das
Leere bestimmt, hat wieder ein Daseyn erlangt.--Das Eins und das
Leere haben die negative Beziehung auf sich zu ihrem
gemeinschaftlichen, einfachen Boden.  Die Momente des Fürsichseyns
treten aus dieser Einheit, werden sich Äußerliche, indem durch die
einfache Einheit der Momente die Bestimmung des Seyns hereinkommt, so
setzt sie sich selbst zu einer Seite, damit zum Daseyn herab, und
darin stellt sich ihre andere Bestimmung, die Negation überhaupt,
gleichfalls als Daseyn des Nichts, als das Leere, gegenüber.

Anmerkung.

Das Eins in dieser Form von Daseyn ist die Stufe der Kategorie, die
bei den Alten, als das atomistische Princip vorgekommen ist, nach
welchem das Wesen der Dinge ist, das Atome und das Leere, (.....) Die
Abstraktion zu dieser Form gediehen, hat eine größere Bestimmtheit
gewonnen, als das Seyn des Parmenides und das Werden des Heraklits.
So hoch sie sich stellt, indem sie diese einfache Bestimmtheit des
Eins und des Leeren zum Princip aller Dinge macht, die unendliche
Mannigfaltigkeit der Welt auf diesen einfachen Gegensatz zurückführt,
und sie aus ihm zu erkennen sich erkühnt, ebenso leicht ist es für
das vorstellende Reflektiren, sich hier Atome und daneben das Leere
vorzustellen.  Es ist daher kein Wunder, daß das atomistische Princip
sich jederzeit erhalten hat; das gleich triviale und äußerliche
Verhältniß der Zusammensetzung, das noch hinzukommen muß, um zum
Scheine eines Konkreten und einer Mannigfaltigkeit zu gelangen, ist
eben so populär als die Atome selbst und das Leere.  Das Eins und das
Leere ist das Fürsichseyn, das höchste qualitative Insichseyn zur
völligen Äußerlichkeit herabgesunken; die Unmittelbarkeit oder das
Seyn des Eins, weil es die Negation alles Andersseyns ist, ist
gesetzt nicht mehr bestimmbar und veränderlich zu seyn, für dessen
absolute Sprödigkeit bleibt also alle Bestimmung, Mannigfaltigkeit,
Verknüpfung schlechthin äußerliche Beziehung.

In dieser Äußerlichkeit ist jedoch das atomistische Princip nicht bei
den ersten Denkern desselben geblieben, sondern es hatte außer seiner
Abstraktion auch eine spekulative Bestimmung darin, daß das Leere als
der Quell der Bewegung erkannt worden ist; was eine ganz andere
Beziehung des Atomen und des Leeren ist, als das bloße Nebeneinander
und die Gleichgültigkeit dieser beiden Bestimmungen gegeneinander.
Daß das Leere der Quell der Bewegung ist, hat nicht den geringfügigen
Sinn, daß sich Etwas nur in ein Leeres hineinbewegen könne, und nicht
in einen schon erfüllten Raum, denn in einem solchen fände es keinen
Platz mehr offen; in welchem Verstande das Leere nur die
Voraussetzung oder Bedingung, nicht der Grund der Bewegung wäre, so
wie auch die Bewegung selbst als vorhanden vorausgesetzt, und das
Wesentliche, ein Grund derselben, vergessen ist.  Die Ansicht, daß
das Leere den Grund der Bewegung ausmache, enthält den tiefern
Gedanken, daß im Negativen überhaupt, der Grund des Werdens, der
Unruhe der Selbstbewegung liegt; in welchem Sinne aber das Negative
als die wahrhafte Negativität des Unendlichen zu nehmen ist.--Das
Leere ist Grund der Bewegung nur als die negative Beziehung des Eins
auf sein Negatives, auf das Eins, d. i. auf sich selbst, das jedoch
als Daseyendes gesetzt ist.

Sonst aber sind weitere Bestimmungen der Alten über eine Gestalt,
Stellung der Atome, die Richtung ihrer Bewegung willkürlich und
äußerlich genug; und stehen dabei in direktem Widerspruch mit der
Grundbestimmung des Atomen.  An den Atomen, dem Princip der höchsten
Äußerlichkeit und damit der höchsten Begrifflosigkeit, leidet die
Physik in den Molecules, Partikeln ebenso sehr als die
Staatswissenschaft, die von dem einzelnen Willen der Individuen
ausgeht.

c.  Viele Eins.Repulsion.

Das Eins und das Leere macht das Fürsichseyn in seinem nächsten
Daseyn aus.  Jedes dieser Momente hat zu seiner Bestimmung die
Negation, und ist zugleich als ein Daseyn gesetzt.  Nach jener ist
das Eins und das Leere die Beziehung der Negation auf die Negation
als eines Andern auf sein Anderes; das Eins ist die Negation in der
Bestimmung des Seyns, das Leere die Negation in der Bestimmung des
Nichtseyns.  Aber das Eins ist wesentlich nur Beziehung auf sich als
beziehende Negation d. h. ist selbst dasjenige, was das Leere außer
ihm seyn soll.  Beide sind aber auch gesetzt als ein affirmatives
Daseyn, das eine als das Fürsichseyn als solches, das andere als
unbestimmtes Daseyn überhaupt, und sich aufeinander als auf ein
anderes Daseyn beziehend.  Das Fürsichseyn des Eins ist jedoch
wesentlich die Idealität des Daseyns und des Anderen; es bezieht sich
nicht als auf ein Anderes, sondern nur auf sich.  Indem aber das
Fürsichseyn als Eins, als für sich Seyendes, als unmittelbar
vorhandenes fixirt ist, ist seine negative Beziehung auf sich
zugleich Beziehung auf ein Seyendes; und da sie eben so sehr negativ
ist, bleibt das, worauf es sich bezieht, als ein Daseyn und ein
Anderes bestimmt; als wesentlich Beziehung auf sich selbst, ist das
Andere nicht die unbestimmte Negation, als Leeres, sondern ist
gleichfalls Eins.  Das Eins ist somit Werden zu vielen Eins.

Eigentlich ist dieß aber nicht sowohl ein Werden; denn Werden ist ein
Übergehen von Seyn in Nichts; Eins hingegen wird nur zu Eins.  Eins,
das Bezogene enthält das Negative als Beziehung, hat dasselbe also an
ihm selbst.  Statt des Werdens ist also erstens die eigene immanente
Beziehung des Eins vorhanden; und zweitens insofern sie negativ und
das Eins seyendes zugleich ist, so stößt das Eins sich selbst von
sich ab.  Die negative Beziehung des Eins auf sich ist Repulsion.

Diese Repulsion, so als das Setzen der vielen Eins aber durch Eins
selbst ist das eigne Außersichkommen des Eins, aber zu solchen außer
ihm, die selbst nur Eins sind.  Es ist dieß die Repulsion dem
Begriffe nach, die an sich seyende.  Die zweite Repulsion ist davon
unterschieden, und ist die der Vorstellung der äußern Reflexion
zunächst vorschwebende, als nicht das Erzeugen der Eins, sondern nur
als gegenseitiges Abhalten vorausgesetzter, schon vorhandener Eins.
Es ist dann zu sehen, wie jene an sich seyende Repulsion zur zweiten,
der äußerlichen, sich bestimmt.

Zunächst ist festzusetzen, welche Bestimmungen die vielen Eins als
solche haben.  Das Werden zu Vielen oder Producirtwerden der Vielen,
verschwindet unmittelbar als Gesetztwerden; die Producirten sind Eins,
nicht für Anderes, sondern beziehen sich unendlich auf sich selbst.
Das Eins stößt nur sich von sich selbst ab, wird also nicht, sondern
es ist schon; das als das Repellirte vorgestellt wird, ist
gleichfalls ein Eins, ein Seyendes; Repelliren und Repellirt-werden
kommt beiden auf gleiche Weise zu, und macht keinen Unterschied.

Die Eins sind so vorausgesetzte gegeneinander;--gesetzte durch die
Repulsion des Eins von sich selbst; voraus, gesetzt als nicht gesetzt;
ihr Gesetztseyn ist aufgehoben, sie sind Seyende gegeneinander, als
sich nur auf sich beziehende.

Die Vielheit erscheint somit nicht als ein Andersseyn, sondern als
eine dein Eins vollkommen äußere Bestimmung.  Eins, indem es sich
selbst repellirt, bleibt Beziehung auf sich wie das, das zunächst als
repellirt genommen wird.  Daß die Eins andere gegeneinander, in die
Bestimmtheit der Vielheit zusammengefaßt sind, geht also die Eins
nichts an.  Wäre die Vielheit eine Beziehung der Eins selbst
aufeinander, so begrenzten sie einander und hätten ein
Seyn-für-Anderes affirmativ an ihnen.  Ihre Beziehung,--und diese
haben sie durch ihre an sich seyende Einheit,--wie sie hier gesetzt
ist, ist als keine bestimmt; sie ist wieder das vorhingesetzte Leere.
Es ist ihre aber ihnen äußerliche Grenze, in der sie nicht für
einander seyn sollen.  Die Grenze ist das, worin die Begrenzten eben
so sehr sind als nicht sind; aber das Leere ist als das reine
Nichtseyn bestimmt, und nur dieß macht ihre Grenze aus.

Die Repulsion des Eins von sich selbst ist die Explikation dessen,
was das Eins an sich ist; die Unendlichkeit aber als auseinander
gelegt ist hier die außer sich gekommene Unendlichkeit; außer sich
gekommen ist sie durch die Unmittelbarkeit des Unendlichen, des Eins.
Sie ist ein ebenso einfaches Beziehen des Eins auf Eins, als
vielmehr die absolute Beziehungslosigkeit der Eins; jenes nach der
einfachen affirmativen Beziehung des Eins auf sich, dieses nach eben
derselben als negativen.  Oder die Vielheit des Eins ist das eigene
Setzen des Eins; das Eins ist nichts als die negative Beziehung des
Eins auf sich, und diese Beziehung, also das Eins selbst, ist das
viele Eins.  Aber ebenso ist die Vielheit dem Eins schlechthin
äußerlich; denn das Eins ist eben das Aufheben des Andersseyns, die
Repulsion ist seine Beziehung auf sich, und einfache Gleichheit mit
sich selbst.  Die Vielheit der Eins ist die Unendlichkeit, als
unbefangen sich hervorbringender Widerspruch.

Anmerkung.

Es ist vorhin des leibnitzischen Idealismus erwähnt worden.  Es kann
hier hinzugesetzt werden, daß derselbe von der vorstellenden Monade
aus, die als Fürsichseyende bestimmt ist, nur bis zu der so eben
betrachteten Repulsion fortging, und zwar nur zu der Vielheit als
solcher, in der die Eins jedes nur für sich, gleichgültig gegen das
Daseyn und Für-sich-seyn anderer ist, oder überhaupt Andere gar nicht
für das Eins sind.  Die Monade ist für sich die ganze abgeschlossene
Welt; es bedarf keine der andern; aber diese innere Mannigfaltigkeit,
die sie in ihrem Vorstellen hat, ändert in ihrer Bestimmung, für sich
zu seyn, nichts.  Der Leibnitzische Idealismus nimmt die Vielheit
unmittelbar als eine gegebene auf, und begreift sie nicht als eine
Repulsion der Monade; er hat daher die Vielheit nur nach der Seite
ihrer abstrakten Äußerlichkeit.  Die Atomistik hat den Begriff der
Idealität nicht; sie faßt das Eins nicht als ein solches, das in ihm
selbst die beiden Momente des Fürsichseyns und des Für-es-seyns
enthält, also als ideelles, sondern nur als einfach, trocken
Für-sich-seyendes.  Aber sie geht über die bloß gleichgültige
Vielheit hinaus; die Atomen kommen in eine weitere Bestimmung
gegeneinander, wenn auch eigentlich auf inkonsequente Weise; da
hingegen in jener gleichgültigen Unabhängigkeit der Monaden, die
Vielheit als starre Grundbestimmung bleibt, so daß ihre Beziehung nur
in die Monade der Monaden, oder in den betrachtenden Philosophen
fällt.

C.  Repulsion und Attraktion.

a.  Ausschließen des Eins.

Die vielen Eins sind Seyende; ihr Daseyn oder Beziehung aufeinander
ist Nicht-Beziehung, sie ist ihnen äußerlich;--das abstrakte Leere.
Aber sie selbst sind diese negative Beziehung auf sich nun als auf
seyende Andere;--der aufgezeigte Widerspruch, die Unendlichkeit,
gesetzt in Unmittelbarkeit des Seyns.  Hiermit findet nun die
Repulsion das unmittelbar vor, was von ihr repellirt ist.  Sie ist in
dieser Bestimmung Ausschließen; das Eins repellirt nur die Vielen von
ihm unerzeugten, nichtgesetzten Eins von sich. dieß Repelliren ist,
gegenseitig oder allseitig,--relativ, durch das Seyn der Eins
beschränkt.

Die Vielheit ist zunächst nicht gesetztes Andersseyn; die Grenze nur
das Leere, nur das, worin die Eins nicht sind.  Aber sie sind auch in
der Grenze; sie sind im Leeren, oder ihre Repulsion ist ihre
gemeinsame Beziehung.  Diese gegenseitige Repulsion ist das gesetzte
Daseyn der vielen Eins; sie ist nicht ihr Fürsichseyn, nach dem sie
nur in einem Dritten als Vieles unterschieden wären, sondern ihr
eigenes sie erhaltendes Unterscheiden.--Sie negiren sich gegenseitig,
setzen einander als solche, die nur für-Eines sind.  Aber sie negiren
eben so sehr zugleich dieß, nur für-Eines zu seyn; sie repelliren
diese ihre Idealität und sind.--So sind die Momente getrennt, die in
der Idealität schlechthin vereinigt sind.  Das Eins ist in seinem
Fürsichseyn auch für-Eines, aber dieß Eine, für welches es ist, ist
es selbst; sein Unterscheiden von sich ist unmittelbar aufgehoben.
Aber in der Vielheit hat das unterschiedne Eins ein Seyn; das
Seyn-für-Eines, wie es in dem Ausschließen bestimmt ist, ist daher
ein Seyn-für-Anderes.  Jedes wird so von einem Andern repellirt,
aufgehoben und zu einem gemacht, das nicht für sich, sondern
für-eines und zwar ein anderes Eins ist.

Das Fürsichseyn der vielen Eins zeigt sich hiernach als ihre
Selbsterhaltung, durch die Vermittelung ihrer Repulsion gegeneinander,
in der sie sich gegenseitig aufheben, und die anderen als ein bloßes
Seyn-für-Anderes setzen; aber zugleich besteht sie darin, diese
Idealität zu repelliren, und die Eins zu setzen, nicht
für-ein-Anderes zu seyn.  Diese Selbsterhaltung der Eins durch ihre
negative Beziehung auf einander ist aber vielmehr ihre Auflösung.

Die Eins sind nicht nur, sondern sie erhalten sich durch ihr
gegenseitiges Ausschließen.  Erstens ist nun das, wodurch sie den
festen Halt ihrer Verschiedenheit gegen ihr Negirtwerden haben
sollten, ihr Seyn, und zwar ihr Ansichseyn gegen ihre Beziehung
auf-Anderes; dieß Ansichseyn ist, daß sie Eins sind.  Aber dieß sind
Alle; sie sind in ihrem Ansichseyn dasselbe, statt darin den festen
Punkt ihrer Verschiedenheit zu haben.  Zweitens ihr Daseyn und ihr
Verhalten zu einander, d. i. ihr Sich selbst als Eins setzen, ist das
gegenseitige Negiren; dieß ist aber gleichfalls eine und dieselbe
Bestimmung Aller, durch welche sie sich also vielmehr als identisch
setzen; wie dadurch, daß sie an sich dasselbe sind, ihre als durch
Andere zu setzende Idealität ihre eigene ist, welche sie also ebenso
wenig repelliren.--Sie sind hiermit ihrem Seyn und Setzen nach nur
Eine affirmative Einheit.

Diese Betrachtung der Eins, daß sie nach ihren beiden Bestimmungen
sowohl, insofern sie sind, als insofern sie sich aufeinander beziehen,
sich nur als ein und dasselbe und ihre Ununterscheidbarkeit zeigen,
ist unsere Vergleichung.--Es ist aber auch zu sehen, was in ihrer
Beziehung aufeinander selbst gesetzt an ihnen ist.--Sie sind, dieß
ist in dieser Beziehung vorausgesetzt,--und sind nur insofern sie
sich gegenseitig negiren, und diese ihre Idealität, ihr Negirtseyn
zugleich von sich selbst abhalten, d. i. das gegenseitige Negiren
negiren.  Aber sie sind nur insofern sie negiren, so wird, indem dieß
ihr Negiren negirt wird, ihr Seyn negirt.  Zwar indem sie sind,
würden sie durch dieß Negiren nicht negirt, es ist nur ein
Äußerliches für sie; dieß Negiren des Anderen prallt an ihnen ab, und
trifft nur berührend ihre Oberfläche.  Allein nur durch das Negiren
der Anderen kehren sie in sich selbst zurück; sie sind nur als diese
Vermittelung, diese ihre Rückkehr ist ihre Selbsterhaltung und ihr
Fürsichseyn.  Indem ihr Negiren nichts effektuirt, durch den
Widerstand, den die Seyenden als solche oder als negirend leisten, so
kehren sie nicht in sich zurück, erhalten sich nicht und sind nicht.

Vorhin wurde die Betrachtung gemacht, daß die Eins dasselbe, jedes
derselben Eins ist, wie das Andere.  Dieß ist nicht nur unser
Beziehen, ein äußerliches Zusammenbringen; sondern die Repulsion ist
selbst Beziehen; das die Eins ausschließende Eins bezieht sich selbst
auf sie, die Eins, d. h. auf sich selbst.  Das negative Verhalten der
Eins zu einander ist somit nur ein Mit-sich-zusammengehen.  Diese
Identität, in welche ihr Repelliren übergeht, ist das Aufheben ihrer
Verschiedenheit und Äußerlichkeit, die sie vielmehr gegeneinander als
Ausschließende behaupten sollten.

Dieß sich in-Ein-Eines-setzen der vielen Eins ist die Attraktion.

Anmerkung

Die Selbstständigkeit auf die Spitze des fürsichseyenden Eins
getrieben, ist die abstrakte, formelle Selbstständigkeit, die sich
selbst zerstört; der höchste, hartnäckigste Irrthum, der sich für die
höchste Wahrheit nimmt;--in konkreteren Formen als abstrakte Freiheit,
als reines Ich, und dann weiter als das Böse erscheinend.  Es ist
die Freiheit, die sich so vergreift, ihr Wesen in diese Abstraktion
zu setzen, und in diesem Bei-sich-seyn sich schmeichelt, sich rein zu
gewinnen.  Diese Selbstständigkeit ist bestimmter der Irrthum, das
als negativ anzusehen und sich gegen das als negativ zu verhalten,
was ihr eignes Wesen ist.  Sie ist so das negative Verhalten gegen
sich selbst, welches, indem es sein eigenes Seyn gewinnen will,
dasselbe zerstört, und dieß sein Thun ist nur die Manifestation der
Nichtigkeit dieses Thuns.  Die Versöhnung ist die Anerkennung dessen,
gegen welches das negative Verhalten geht, vielmehr als seines Wesens,
und ist nur als Ablassen von der Negativität seines Fürsichseyns,
statt an ihm festzuhalten.

Es ist ein alter Satz, daß das Eine Vieles und insbesondere: daß das
Viele Eines ist.  Es ist hierüber die Bemerkung zu wiederholen, daß
die Wahrheit des Eins und des Vielen in Sätzen ausgedrückt in einer
unangemessenen Form erscheint, daß diese Wahrheit nur als ein Werden,
als ein Proceß, Repulsion und Attraktion, nicht als das Seyn, wie es
in einem Satze als ruhige Einheit gesetzt ist, zu fassen und
auszudrücken ist.  Es ist oben der Dialektik Plato's im Parmenides
über die Ableitung des Vielen aus dem Eins, nämlich aus dem Satze:
Eines ist, erwähnt und erinnert worden.  Die innere Dialektik des
Begriffes ist angegeben worden; am leichtesten ist die Dialektik des
Satzes, daß Vieles Eines ist, als äußerliche Reflexion zu fassen; und
äußerlich darf sie hier seyn, insofern auch der Gegenstand, die
Vielen, das einander Äußerliche ist.  Diese Vergleichung der Vielen
miteinander ergiebt sogleich, daß eines schlechthin nur bestimmt ist
wie das Andere; jedes ist Eins, jedes ist Eins der Vielen, ist
ausschließend die Anderen;--so daß sie schlechthin nur dasselbe sind,
schlechthin nur Eine Bestimmung vorhanden ist.  Es ist dieß das
Faktum, und es ist nur darum zu thun, dieß einfache Faktum
aufzufassen.  Die Hartnäckigkeit des Verstandes weigert sich nur
darum gegen dieses Auffassen, weil ihm auch der Unterschied, und zwar
mit Recht, vorschwebt; aber dieser bleibt um jenes Faktums willen so
wenig aus, als gewiß jenes Faktum ungeachtet des Unterschiedes
existirt.  Man könnte den Verstand damit für das schlichte Auffassen
des Faktums der Einheit gleichsam trösten, daß der Unterschied auch
wieder eintreten werde.

b.  Das Eine Eins der Attraktion.

Die Repulsion ist die Selbstzersplitterung des Eins zunächst in Viele,
deren negatives Verhalten unmächtig ist, weil sie einander als
Seyende voraussetzen; sie ist nur das Sollen der Idealität; diese
aber wird realisirt in der Attraktion.  Die Repulsion geht in
Attraktion über, die vielen Eins in Ein Eins.  Beide, Repulsion und
Attraktion, sind

zunächst unterschieden, jene als die Realität der Eins, diese als
deren gesetzte Idealität.  Die Attraktion bezieht sich auf diese
Weise auf die Repulsion, daß sie diese zur Voraussetzung hat.  Die
Repulsion liefert die Materie für die Attraktion.  Wenn keine Eins
wären, so wäre nichts zu attrahiren; die Vorstellung fortdauernder
Attraktion, der Konsumtion der Eins, setzt ein ebenso fortdauerndes
Erzeugen der Eins voraus; die sinnliche Vorstellung der räumlichen
Attraktion läßt den Strom der attrahirt-werdenden Eins fortdauern; an
die Stelle der Atome, die in dem attrahirenden Punkte verschwinden,
tritt eine andere Menge, und wenn man will, ins Unendliche, aus dem
Leeren hervor.  Wenn die Attraktion vollführt, d. i. die Vielen auf
den Punkt Eines Eins gebracht, vorgestellt würden, so wäre nur ein
träges Eins, kein Attrahiren mehr vorhanden.  Die in der Attraktion
daseyende Idealität hat auch noch die Bestimmung der Negation ihrer
selbst, die vielen Eins, auf die sie die Beziehung ist, an ihr, und
die Attraktion ist untrennbar von der Repulsion.

Das Attrahiren kommt zunächst jedem der vielen als unmittelbar
vorhandenen Eins auf gleiche Weise zu; keins hat einen Vorzug vor dem
andern; so wäre ein Gleichgewicht im Attrahiren, eigentlich ein
Gleichgewicht der Attraktion und der Repulsion selbst vorhanden, und
eine träge Ruhe ohne daseyende Idealität.  Aber es kann hier nicht
von einem Vorzuge eines solchen Eins vor dem andern, was einen
bestimmten Unterschied zwischen ihnen voraussetzte, die Rede seyn,
vielmehr ist die Attraktion das Setzen der vorhandenen
Ununterschiedenheit der Eins.  Erst die Attraktion selbst ist das
Setzen eines von den anderen unterschiedenen Eins; sie sind nur die
unmittelbaren durch die Repulsion sich erhalten sollenden Eins; durch
ihre gesetzte Negation aber geht das Eins der Attraktion hervor, das
daher als das Vermittelte, das als Eins gesetzte Eins, bestimmt ist.
Die ersten als unmittelbare kehren in ihrer Idealität nicht in sich
zurück, sondern haben dieselbe an einem andern.

Das Eine Eins aber ist die realisirte, an dem Eins gesetzte Idealität;
es ist attrahirend durch die Vermittelung der Repulsion; es enthält
diese Vermittelung in sich selbst als seine Bestimmung.  Es
verschlingt so die attrahirten Eins nicht in sich als in einen Punkt,
d. h. es hebt sie nicht abstrakt auf.  Indem es die Repulsion in
seiner Bestimmung enthält, erhält diese die Eins als Viele zugleich
in ihm; es bringt, so zu sagen, durch sein Attrahiren etwas vor sich,
gewinnt einen Umfang oder Erfüllung.  Es ist so in ihm Einheit der
Repulsion und Attraktion überhaupt.

c.  Die Beziehung der Repulsion und Attraktion.

Der Unterschied von Einem und Vielen hat sich zum Unterschiede ihrer
Beziehung auf einander bestimmt, welche in zwei Beziehungen, die
Repulsion und die Attraktion, zerlegt ist, deren jede zunächst
selbstständig außer der anderen steht, so daß sie jedoch wesentlich
zusammenhängen.  Die noch unbestimmte Einheit derselben hat sich
näher zu ergeben.

Die Repulsion, als die Grundbestimmung des Eins erscheint zuerst und
als unmittelbar, wie ihre zwar von ihr erzeugten jedoch zugleich als
unmittelbar gesetzten Eins, und hiermit gleichgültig gegen die
Attraktion, welche an sie als so vorausgesetzte äußerlich hinzukommt.
Dagegen wird die Attraktion nicht von der Repulsion vorausgesetzt,
so daß an deren Setzen und Seyn jene keinen Antheil haben soll d. i.
daß die Repulsion nicht an ihr schon die Negation ihrer selbst, die
Eins nicht schon an ihnen Negirte wären.  Auf solche Weise haben wir
die Repulsion abstrakt für sich, wie gleichfalls die Attraktion gegen
die Eins als Seyende die Seite eines unmittelbaren Daseyns hat, und
von sich aus als ein Anderes an sie kommt.

Nehmen wir demnach die bloße Repulsion so für sich, so ist sie die
Zerstreuung der vielen Eins ins unbestimmte, außerhalb der Sphäre der
Repulsion selbst; denn sie ist dieß, die Beziehung der Vielen
aufeinander zu negiren; die Beziehungslosigkeit ist ihre, sie
abstrakt genommen, Bestimmung.  Die Repulsion ist aber nicht bloß das
Leere, die Eins als beziehungslos sind nicht repellirend, nicht
ausschließend, was ihre Bestimmung ausmacht.  Repulsion ist, obgleich
negative, doch wesentlich Beziehung; das gegenseitige Abhalten und
Fliehen ist nicht die Befreiung von dem, was abgehalten und geflohen,
das ausschließende steht mit dem noch in Verbindung, was von ihm
ausgeschlossen wird. dieß Moment der Beziehung aber ist die
Attraktion, somit in der Repulsion selbst; sie ist das Negiren jener
abstrakten Repulsion, nach welcher die Eins nur sich auf sich
beziehende Seyende, nicht ausschließende wären.

Indem aber von der Repulsion der daseyenden Eins ausgegangen worden,
hiermit auch die Attraktion als äußerlich an sie tretend gesetzt ist,
so sind bei ihrer Untrennbarkeit beide noch als verschiedene
Bestimmungen auseinander gehalten; es hat sich jedoch ergeben, daß
nicht bloß die Repulsion von der Attraktion vorausgesetzt wird,
sondern auch ebenso sehr die Rückbeziehung der Repulsion auf die
Attraktion Statt findet, und jene an dieser ebenso sehr ihre
Voraussetzung hat.

Nach dieser Bestimmung sind sie untrennbar, und zugleich als Sollen
und Schranke jede gegen die andere bestimmt.  Ihr Sollen ist ihre
abstrakte Bestimmtheit als an sich seyender, die aber damit
schlechthin über sich hinausgewiesen ist, und auf die andere sich
bezieht, und so jede vermittelst der andern als andern ist; ihre
Selbstständigkeit besteht darin, daß sie in dieser Vermittelung als
ein anderes Bestimmen für einander gesetzt sind.--Die Repulsion als
das Setzen der Vielen, die Attraktion als das Setzen des Eins, diese
zugleich als Negation der Vielen, und jene als Negation der Idealität
derselben im Eins, daß auch die Attraktion nur vermittelst der
Repulsion Attraktion, wie die Repulsion vermittelst der Attraktion
Repulsion ist.  Daß aber darin die Vermittelung durch Anderes mit
sich, in der That vielmehr negirt, und jede dieser Bestimmungen
Vermittelung ihrer mit sich selbst ist, dieß ergiebt sich aus deren
nähern Betrachtung und führt sie zu der Einheit ihres Begriffes
zurück.

Zuerst daß jede sich selbst voraussetzt, in ihrer Voraussetzung nur
sich auf sich bezieht, dieß ist in dem Verhalten der erst noch
relativen Repulsion und Attraktion schon vorhanden.

Die relative Repulsion ist das gegenseitige Abhalten der vorhandenen
vielen Eins, die sich als unmittelbare vorfinden sollen.  Aber daß
viele Eins seyen, ist die Repulsion selbst; die Voraussetzung, die
sie hätte, ist nur ihr eigenes Setzen.  Ferner die Bestimmung des
Seyns, die den Eins außerdem, daß sie gesetzte sind, zukäme,--wodurch
sie voraus wären, gehört gleichfalls der Repulsion an.  Das
Repelliren ist das, wodurch die Eins sich als Eins manifestiren und
erhalten, wodurch sie als solche sind.  Ihr Seyn ist die Repulsion
selbst; sie ist so nicht ein relatives gegen ein anderes Daseyn,
sondern verhält sich durchaus nur zu sich selbst.

Die Attraktion ist das Setzen des Eins als solchen, des reellen Eins,
gegen welches die Vielen in ihrem Daseyn als nur ideell und
verschwindend bestimmt werden.  So setzt sogleich die Attraktion sich
voraus, in der Bestimmung nämlich der anderen Eins, ideell zu seyn,
welche sonst für sich seyende und für Andere, also auch für irgend
ein Attrahirendes, repellirende seyn sollen.  Gegen diese
Repulsionsbestimmung erhalten sie die Idealität nicht erst durch
Relation auf die Attraktion; sondern sie ist vorausgesetzt, ist die
an sich seyende Idealität der Eins, indem sie als Eins,--das als
attrahirend vorgestellte mit eingeschlossen, ununterschieden von
einander, ein und dasselbe sind.

Dieses Sich-selbst-voraussetzen der beiden Bestimmungen jeder für
sich ist ferner dieß, daß jede die andere als Moment in sich enthält.
Das Sich-Voraussetzen überhaupt ist in Einem sich als das Negative
seiner setzen,--Repulsion, und was darin vorausgesetzt wird, ist
dasselbe als das Voraussetzende,--Attraktion.  Daß jede an sich nur
Moment ist, ist das Übergehen jeder aus sich selbst in die andere,
sich an ihr selbst zu negiren und sich als das Andere ihrer selbst zu
setzen.  Indem das Eins als solches das Außersichkommen, es selbst
nur dieß ist, sich als sein Anderes, als das Viele zu setzen und das
Viele nur ebenso dieß in sich zusammenfallen und sich als sein
Anderes, als das Eins zu setzen, und eben darin nur sich auf sich zu
beziehen, jedes in seinem Andern sich zu kontinuiren,--so ist hiermit
schon an sich das Außersichkommen (die Repulsion) und das
sich-als-Eines-Setzen (die Attraktion) ungetrennt vorhanden.  Gesetzt
aber ist es an der relativen Repulsion und Attraktion d. i. welche
unmittelbare, daseyende Eins voraussetzt, daß jede diese Negation
ihrer an ihr selbst, und damit auch die Kontinuität ihrer in ihre
andere ist.  Die Repulsion daseyender Eins ist die Selbsterhaltung
des Eins durch die gegenseitige Abhaltung der andern, so daß 1) die
anderen Eins an ihm negirt werden, dieß ist die Seite seines Daseyns
oder seines Seyns-für-Anderes; diese ist aber somit Attraktion, als
die Idealität der Eins;--und daß 2) das Eins an sich sey, ohne die
Beziehung auf die andere; aber nicht nur ist das Ansich überhaupt
längst in das Fürsichseyn übergegangen, sondern an sich, seiner
Bestimmung nach, ist das Eins jenes Werden zu Vielen.--Die Attraktion
daseyender Eins ist die Idealität derselben, und das Setzen des Eins,
worin sie somit als Negiren und Hervorbringen des Eins sich selbst
aufhebt, als Setzen des Eins das Negative ihrer selbst an ihr,
Repulsion ist.

Damit ist die Entwickelung des Fürsichseyns vollendet und zu ihrem
Resultate gekommenen.  Das Eins als sich unendlich d. i. als gesetzte
Negation der Negation auf sich selbst beziehend ist die Vermittelung,
daß es sich als sein absolutes (d. i. abstraktes) Andersseyn (die
Vielen) von sich abstößt und indem es sich auf dieß sein Nichtseyn,
negativ, es aufhebend, bezieht, eben darin nur die

Beziehung auf sich selbst ist; und Eins ist nur dieses Werden, in
welchem die Bestimmung, daß es anfängt, d. i. als unmittelbares,
Seyendes gesetzt, und gleichfalls als Resultat sich zum Eins, d. i.
zum ebenso unmittelbaren, ausschließenden Eins wiederhergestellt
hätte, verschwunden; der Proceß, der es ist, setzt und enthält es
allenthalben nur als ein Aufgehobenes.  Das Aufheben zunächst nur zu
relativem Aufheben, der Beziehung auf anderes Daseyendes, die damit
selbst eine differente Repulsion und Attraktion ist, bestimmt,
erweist sich ebenso in die unendliche Beziehung der Vermittelung
durch die Negation der äußerlichen Beziehungen von Unmittelbaren und
Daseyenden, überzugehen und zum Resultate eben jenes Werden zu haben,
das in der Haltungslosigkeit seiner Momente das Zusammensinken, oder
vielmehr das Mit-Sich-Zusaummengehen in die einfache Unmittelbarkeit
ist.  Dieses Seyn nach der Bestimmung, die es nunmehr erhalten, ist
die Quantität.

Übersehen wir kurz die Momente dieses Überganges der Qualität in die
Quantität, so hat das Qualitative zu seiner Grundbestimmung das Seyn
und die Unmittelbarkeit, in welcher die Grenze und die Bestimmtheit
mit dem Seyn des Etwas so identisch ist, daß das Etwas mit ihrer
Veränderung selbst verschwindet; so gesetzt ist es als Endliches
bestimmt.  Um der Unmittelbarkeit dieser Einheit willen, worin der
Unterschied verschwunden ist, der aber an sich darin, in der Einheit
des Seyns und Nichts, vorhanden ist, fällt er als Andersseyn
überhaupt, außer jener Einheit.  Diese Beziehung auf Anderes
widerspricht der Unmittelbarkeit, in der die qualitative Bestimmtheit
Beziehung auf sich ist.  Dieß Andersseyn hebt sich in der
Unendlichkeit des Fürsichseyns auf, welches den Unterschied, den es
in der Negation der Negation an und in ihm selbst hat, zum Eins und
Vielen und zu deren Beziehungen realisirt, und das Qualitative zur
wahrhaften, d. i. nicht mehr unmittelbaren, sondern als
übereinstimmend mit sich gesetzten Einheit erhoben hat.

Diese Einheit ist somit à) Seyn, nur als affirmatives d. i. durch die
Negation der Negation mit sich vermittelte Unmittelbarkeit, das Seyn
ist gesetzt als die durch seine Bestimmtheiten, Grenze u.s.f.
hindurchgehende Einheit, die in ihm als aufgehobene gesetzt sind;--ß)
Daseyn; es ist nach solcher Bestimmung die Negation oder Bestimmtheit
als Moment des affirmativen Seyns, doch ist sie nicht mehr die
unmittelbare, sondern die in sich reflektirte, sich nicht auf anderes,
sondern auf sich sich beziehende; das Schlechthin--das
An-sich-Bestimmtseyn,--das Eins; das Andersseyn als solches ist
selbst Fürsichseyn;--ç) Fürsichseyn, als jenes durch die Bestimmtheit
hindurch sich kontinuirende Seyn, in welchem das Eins und
An-sich-Bestimmtseyn selbst als Aufgehobenes gesetzt ist.  Das Eins
ist zugleich als über sich hinausgegangen und als Einheit bestimmt,
das Eins damit, die schlechthin bestimmte Grenze, als die Grenze, die
keine ist, die am Seyn aber ihm gleichgültig ist, gesetzt.

Anmerkung.

Attraktion und Repulsion pflegen bekanntlich als Kräfte angesehen zu
werden.  Diese ihre Bestimmung und die damit zusammenhängende
Verhältnisse sind mit den Begriffen, die sich für sie ergeben haben,
zu vergleichen.--In jener Vorstellung werden sie als selbstständig
betrachtet, so daß sie sich nicht durch ihre Natur auf einander
beziehen, d. h. daß nicht jede nur ein in ihre entgegengesetzte
übergehendes Moment seyn, sondern fest der andern gegenüber beharren
soll.  Sie werden ferner vorgestellt, als in einem Dritten, der
Materie, zusammenkommend; so jedoch, daß dieß In-Eins-Werden nicht
als ihre Wahrheit gilt, sondern jede vielmehr ein Erstes und
An-und-fürsich-Seyendes, die Materie aber oder Bestimmungen derselben
durch sie gesetzt und hervorgebracht seyen.  Wenn gesagt wird, daß
die Materie die Kräfte in sich habe, so ist unter dieser ihrer
Einheit eine Verknüpfung verstanden, wobei sie zugleich als in sich
seyende frei von einander vorausgesetzt werden.

Kant hat bekanntlich die Materie aus der Repulsivund AttraktivKraft
konstruirt oder wenigstens, wie er sich ausdrückt, die metaphysischen
Elemente dieser Konstruction aufgestellt.--Es wird nicht ohne
Interesse seyn, diese Konstruction näher zu beleuchten.  Diese
metaphysische Darstellung eines Gegenstandes, der nicht nur selbst,
sondern in seinen Bestimmungen, nur der Erfahrung anzugehören schien,
ist eines Theils dadurch merkwürdig, daß sie als ein Versuch des
Begriffs wenigstens den Anstoß zur neueren Naturphilosophie gegeben
hat,--der Philosophie, welche die Natur nicht als ein der Wahrnehmung
sinnlich Gegebenes zum Grunde der Wissenschaft macht, sondern ihre
Bestimmungen aus dem absoluten Begriffe erkennt; andern Theils auch,
weil bei jener Kantischen Konstruktion noch häufig stehen geblieben
und sie für einen philosophischen Anfang und Grundlage der Physik
gehalten wird.

Eine solche Existenz, wie die sinnliche Materie, ist zwar nicht ein
Gegenstand der Logik, eben so wenig als der Raum und Raumbestimmungen.
Aber auch der Attraktiv- und Repulsiv-Kraft, sofern sie als Kräfte
der sinnlichen Materie angesehen werden, liegen die hier betrachteten
reinen Bestimmungen vom Eins und Vielen, und deren Beziehungen
aufeinander, die ich Repulsion und Attraktion, weil diese Namen am
nächsten liegen, genannt habe, zu Grunde.

Kants Verfahren in der Deduktion der Materie aus diesen Kräften, das
er eine Konstruktion nennt, verdient, näher betrachtet, diesen Namen
nicht, wenn nicht anders jede Art voll Reflexion, selbst die
analysirende, eine Konstruktion genannt wird, wie denn freilich
spätere Naturphilosophen auch das flachste Raisonnement und das
grundloseste Gebräue einer willkürlichen Einbildungskraft und
gedankenlosen Reflexion,--das besonders die sogenannten Faktoren der
Attraktivkraft und Repulsivkraft gebrauchte und allenthalben
vorbrachte,--ein Konstruiren genannt haben.

Kants Verfahren ist nämlich Im Grunde analytisch, nicht konstruirend.
Er setzt die Vorstellung der Materie voraus, und fragt nun, welche
Kräfte dazu gehören, um ihre vorausgesetzten Bestimmungen zu erhalten.
So fordert er also eines Theils die Attraktivkraft darum, weil
durch die Repulsion allein, ohne Attraktion, eigentlich keine Materie
daseyn könnte.  (Anfangsgr. der Naturwissensch.  S. 53f.) Die
Repulsion andern Theils, leitet er gleichfalls aus der Materie ab,
und giebt als Grund derselben an, weil wir uns die Materie
undurchdringlich vorstellen, indem diese nämlich dem Sinne des
Gefühls, durch den sie sich uns offenbare, sich unter dieser
Bestimmung präsentirt.  Die Repulsion werde daher ferner sogleich im
Begriffe der Materie gedacht, weil sie damit unmittelbar gegeben sey;
die Attraktion dagegen werde derselben durch Schlüsse beigefügt.
Auch diesen Schlüssen aber liegt das so eben Gesagte zu Grunde, daß
eine Materie, die bloß Repulsivkraft hätte, das, was wir uns unter
Materie vorstellen, nicht erschöpfte.--Dieß ist, wie erhellt, das
Verfahren des über die Erfahrung reflektirenden Erkennens, das zuerst
in der Erscheinung Bestimmungen wahrnimmt, diese nun zu Grunde legt,
und für das sogenannte Erklären derselben entsprechende Grundstoffe
oder Kräfte annimmt, welche jene Bestimmungen der Erscheinung
hervorbringen sollen.

In Ansehung des angeführten Unterschieds, wie die Repulsivkraft und
wie die Attraktivkraft von dem Erkennen in der Materie gefunden werde,
bemerkt Kant weiter, daß die Attraktivkraft zwar eben sowohl zum
Begriffe der Materie gehöre, ob sie gleich nicht darin enthalten sey.
Kant zeichnet diesen letztern Ausdruck aus.  Es ist aber nicht
abzusehen, welcher Unterschied darin liegen soll; denn eine
Bestimmung, die zum Begriffe einer Sache gehört, muß wahrhaftig darin
enthalten seyn.

Was die Schwierigkeit macht und diese leere Ausflucht herbeiführt,
besteht darin, daß Kant zum Begriffe der Materie von vorn herein
einseitig nur die Bestimmung der Undurchdringlichkeit rechnet, die
wir durch das Gefühl wahrnehmen sollen, weswegen die Repulsivkraft,
als das Abhalten eines Anderen von sich, unmittelbar gegeben sey.
Wenn aber ferner die Materie ohne Attraktivkraft nicht soll daseyn
können, so liegt für diese Behauptung eine aus der Wahrnehmung
genommene Vorstellung der Materie zu Grunde; die Bestimmung der
Attraktion muß also gleichfalls in der Wahrnehmung anzutreffen seyn.
Es ist auch wohl wahrzunehmen, daß die Materie außer ihrem
Fürsichseyn, welches das Seyn-fur-Anderes aufhebt, (den Widerstand
leistet), auch eine Beziehung des Fürsichseyenden aufeinander,
räumliche Ausdehnung und Zusammenhalt, und in Starrheit, Festigkeit
einen sehr festen Zusammenhalt hat.  Die erklärende Physik erfordert
zum Zerreißen u.s.f. eines Körpers eine Kraft, welche starker sey,
als die Attraktion der Theile desselben gegeneinander.  Aus dieser
Wahrnehmung kann die Reflexion eben so unmittelbar die Attraktivkraft
ableiten, oder sie als gegeben annehmen, als sie es mit der
Repulsivkraft that.  In der That, wenn die kantischen Schlüsse, aus
denen die Attraktivkraft abgeleitet werden soll, betrachtet werden
(der Beweis des Lehrsatzes: daß die Möglichkeit der Materie eine
Anziehungskraft als zweite Grundkraft erfordere a. a.  O.), so
enthalten sie nichts, als daß durch die bloße Repulsion die Materie
nicht räumlich seyn würde.  Indem die Materie, als Raum erfüllend
vorausgesetzt ist, ist ihr die Kontinuität zugeschrieben, als deren
Grund die Anziehungskraft angenommen wird.

Wenn nun solche sogenannte Konstruktion der Materie höchstens ein
analytisches Verdienst hätte, das noch durch die unreine Darstellung
geschmälert würde, so ist der Grundgedanke immer sehr zu schätzen,
die Materie aus diesen zwei entgegengesetzten Bestimmungen als ihren
Grundkräften zu erkennen.  Es ist Kant vornehmlich um die Verbannung
der gemein-mechanischen Vorstellungsweise zu thun, die bei der einen
Bestimmung, der Undurchdringlichkeit, der für-sich-seyenden
Punktualität, stehen bleibt, und die entgegengesetzte Bestimmung, die
Beziehung der Materie in sich oder mehrerer Materien, die wieder als
besondere Eins angesehen werden, aufeinander, zu etwas Äußerlichem
macht;--die Vorstellungsweise, welche, wie Kant sagt, sonst keine
bewegenden Kräfte, als nur durch Druck und Stoß, also nur durch
Einwirkung von Aussen, einräumen will.  Diese Äußerlichkeit des
Erkennens setzt die Bewegung immer schon als der Materie äußerlich
vorhanden voraus, und denkt nicht daran, sie als etwas Innerliches zu
fassen, und sie selbst in der Materie zu begreifen, welche eben damit
für sich als bewegungslos und als träge angenommen wird.  Dieser
Standpunkt hat nur die gemeine Mechanik, nicht die immanente und
freie Bewegung vor sich.--Indem Kant jene Äußerlichkeit zwar insofern
aufhebt, als er die Attraktion, die Beziehung der Materien auf
einander, insofern diese als von einander getrennt angenommen werden,
oder der Materie überhaupt in ihrem Außersichseyn, zu einer Kraft der
Materie selbst macht, so bleiben jedoch auf der anderen Seite seine
beiden Grundkräfte, innerhalb der Materie, äußerliche und für sich
selbstständige gegen einander.

So nichtig der selbstständige Unterschied dieser beiden Kräfte, der
ihnen vom Standpunkte jenes Erkennens beigelegt wird, war, ebenso
nichtig muß sich jeder andere Unterschied, der in Ansehung ihrer
Inhaltsbestimmung als etwas Festseyn-Sollendes gemacht wird, zeigen,
weil sie, wie sie oben in ihrer Wahrheit betrachtet wurden, nur
Momente sind, die in einander übergehen.--Ich betrachte diese fernern
Unterschiedsbestimmunge, wie sie Kant angiebt.

Er bestimmt nämlich die Attraktivkraft als eine durchdringende Kraft,
wodurch eine Materie auf die Theile der anderen auch über die Fläche
der Berührung hinaus unmittelbar wirken könne, die Repulsivkraft
dagegen als eine Flächenkraft, dadurch Materien nur in der
gemeinschaftlichen Fläche der Berührung auf einander wirken können.
Der Grund, der angeführt wird, daß die letztere nur eine Flächenkraft
seyn soll, ist folgender: "Die einander berührenden Theile begrenzen
einer den Wirkungsraum des andern, und die repulsive Kraft könne
keinen entferntern Theil bewegen, ohne vermittelst der dazwischen
liegenden; eine quer durch diese gehende unmittelbare Wirkung einer
Materie auf eine andere durch Ausdehnungskräfte (das heißt hier
Repulsivkräfte) sey unmöglich." (s. ebendas. Erklär. u. Zusätze S.
67.)

Es ist sogleich zu erinnern, daß, indem nähere oder entferntere
Theile der Materie angenommen werden, in Rücksicht auf die Attraktion
gleichfalls der Unterschied entstünde, daß ein Atom zwar auf ein
anderes einwirkte, aber ein drittes Entfernteres, zwischen welchem
und dem ersten Attrahirenden das Andere sich befände, zunächst in die
Anziehungssphäre des dazwischen liegenden ihm Nähern träte, das Erste
also nicht eine unmittelbare einfache Wirkung auf das Dritte ausüben
würde; woraus sich eben so ein vermitteltes Wirken für die
Attractivkraft, als für die Repulsivkraft ergehe; ferner müßte das
wahre Durchdringen der Attraktivkraft allein darin bestehen, daß alle
Theile der Materie an und für sich attrahirend wären, nicht aber eine
gewisse Menge passiv und nur Ein Atom aktiv sich verhielte.
--Unmittelbar oder in Rücksicht auf die Repulsivkraft selbst aber ist
zu bemerken, daß in der angeführten Stelle sich berührende Theile,
also eine Gediegenheit und Kontinuität einer fertigen Materie
vorkommt, welche durch sich hindurch ein Repelliren nicht gestatte.
Diese Gediegenheit der Materie aber, in welcher Theile sich berühren,
nicht mehr durch das Leere getrennt sind, setzt das Aufgehobenseyn
der Repulsivkraft bereits voraus; sich berührende Theile sind nach
der hier herrschenden sinnlichen Vorstellung der Repulsion als solche
zu nehmen, die sich nicht repelliren.  Es folgt also ganz
tautologisch, daß da, wo das Nichtseyn der Repulsion angenommen ist,
keine Repulsion Statt finden kann.  Daraus aber folgt nichts weiter
für eine Bestimmung der Repulsivkraft.--Wird aber darauf reflektirt,
daß berührende Theile sich nur insofern berühren, als sie sich noch
außereinander halten, so ist eben damit die Repulsivkraft nicht bloß
auf der Oberfläche der Materie, sondern innerhalb der Sphäre, welche
nur Sphäre der Attraktion seyn sollte.

Weiter nimmt Kant die Bestimmung an, daß "durch die Anziehungskraft
die Materie einen Raum nur einnehme, ohne ihn zu erfüllen;" (ebendas.)
"weil die Materie durch die Anziehungskraft den Raum nicht erfülle,
so könne diese durch den leeren Raum wirken, indem ihr keine Materie,
die dazwischen läge, Grenzen setze."--Jener Unterschied ist ungefähr
wie der obige beschaffen, wo eine Bestimmung zum Begriffe einer Sache
gehören, aber nicht darin enthalten seyn sollte, so soll hier die
Materie einen Raum nur einnehmen, ihn aber nicht erfüllen.  Alsdenn
ist es die Repulsion, wenn wir bei ihrer ersten Bestimmung stehen
bleiben, durch welche sich die Eins abstossen und nur negativ, das
heißt hier, durch den leeren Raum, sich aufeinander beziehen.  Hier
aber ist es die Attraktivkraft, welche den Raum leer erhält; sie
erfüllt den Raum durch ihre Beziehung der Atome nicht, das heißt, sie
erhält die Atome in einer negativen Beziehung auf einander.--Wir
sehen, daß hier Kant bewußtlos das begegnet, was in der Natur der
Sache liegt, daß er der Attraktivkraft gerade das zuschreibt, was er
der ersten Bestimmung nach, der entgegengesetzten Kraft zuschrieb.
Unter dem Geschäfte der Festsetzung des Unterschiedes beider Kräfte,
war es geschehen, daß eine in die andere übergegangen war.--So soll
dagegen durch die Repulsion die Materie einen Raum erfüllen, somit
durch sie der leere Raum, den die Attraktivkraft läßt, verschwinden,
In der That hebt sie somit, indem sie den leeren Raum aufhebt, die
negative Beziehung der Atome oder Eins, d. h. die Repulsion derselben,
auf; d. i. die Repulsion ist als das Gegentheil ihrer selbst
bestimmt.

Zu dieser Verwischung der Unterschiede kommt noch die Verwirrung
hinzu, daß, wie anfangs bemerkt worden, die Kantische Darstellung der
entgegengesetzten Kräfte analytisch ist, und in dem ganzen Vortrage,
die Materie, die erst aus ihren Elementen hergeleitet werden soll,
bereits als fertig und konstituirt vorkommt.  In der Definition der
Flächen- und der durchdringenden Kraft werden beide als bewegende
Kräfte angenommen, dadurch Materien auf die eine oder die andere
Weise sollen wirken können.--Sie sind also hier als Kräfte
dargestellt, nicht durch welche die Materie erst zu Stande käme,
sondern wodurch sie, schon fertig, nur bewegt würde.  Insofern aber
von Kräften die Rede ist, wodurch verschiedene Materien auf einander
einwirken und sich bewegen, so ist dieß etwas ganz anderes, als die
Bestimmung und Beziehung, die sie als die Momente der Materie haben
sollten.

Denselben Gegensatz, als Attraktiv- und Repulsivkraft machen in
weiterer Bestimmung Centripetal- und Centrifugalkraft.  Diese
scheinen einen wesentlichen Unterschied zu gewähren, indem in ihrer
Sphäre Ein Eins, ein Centrum, feststeht, gegen das sich die anderen
Eins als nicht fürsichseyende verhalten, der Unterschied der Kräfte
daher an diesen vorausgesetzten Unterschied Eines centralen Eins und
der anderen als gegen dasselbe nicht feststehend angeknüpft werden
kann.  Insofern sie aber zur Erklärung gebraucht werden--zu welchem
Behuf man sie, wie auch sonst die Repulsiv- und Attraktivkraft, in
entgegengesetztem quantitativem Verhältniß annimmt, so daß die eine
zunehme, wie die andere abnehme, so soll die Erscheinung der Bewegung,
für deren Erklärung sie angenommen sind, und deren Ungleichheit erst
aus ihnen resultiren.  Man braucht aber nur die nächste beste
Darstellung einer Erscheinung, z.B. die ungleiche Geschwindigkeit,
die ein Planet in seiner Bahn um seinen Centralkörper hat, aus dem
Gegensatze jener Kräfte, vor sich nehmen, so erkennt man bald die
Verwirrung, die darin herrscht, und die Unmöglichkeit, die Größen
derselben auseinander zu bringen, so daß immer eben so diejenige als
zunehmend anzunehmen ist, welche in der Erklärung als abnehmend
angenommen wird, und umgekehrt; was, um anschaulich gemacht zu werden,
einer weitläufigern Exposition bedürfte, als hier gegeben werden
könnte; aber das Nöthige kommt späterhin beim umgekehrten Verhältniß
vor.



Zweiter Abschnitt.  Die Größe (Quantität)

Der Unterschied der Quantität von der Qualität ist angegeben worden.
Die Qualität ist die erste, unmittelbare Bestimmtheit, die Quantität
die Bestimmtheit, die dem Seyn gleichgültig geworden, eine Grenze,
die eben so sehr keine ist; das Fürsichseyn, das schlechthin
identisch mit dem Seyn-für-Anderes,--die Repulsion der vielen Eins,
die unmittelbar Nicht-Repulsion, Kontinuität derselben ist.

Weil das Fürsichseyende nun so gesetzt ist, sein Anderes nicht
auszuschließen, sondern sich in dasselbe vielmehr affirmativ
fortzusetzen, so ist das Andersseyn, insofern das Daseyn an dieser
Kontinuität wieder hervortritt, und die Bestimmtheit desselben
zugleich nicht mehr als in einfacher Beziehung auf sich, nicht mehr
unmittelbare Bestimmtheit des daseyenden Etwas, sondern ist gesetzt,
sich als repellirend von sich, die Beziehung auf sich als
Bestimmtheit vielmehr in einem anderen Daseyn (einem
für-sich-seyenden) zu haben, und indem sie zugleich als gleichgültige
in sich reflektirte, beziehungslose Grenzen sind, so ist die
Bestimmtheit überhaupt außer sich, ein sich schlechthin Äußerliches
und Etwas ebenso Äußerliches; solche Grenze, die Gleichgültigkeit
derselben an ihr selbst und des Etwas gegen sie, macht die
quantitative Bestimmtheit desselben aus.

Zunächst ist die reine Quantität von ihr als bestimmter Quantität,
vom Quantum, zu unterscheiden.  Als jene ist sie erstens das in sich
zurückgekehrte, reale Fürsichseyn, das noch keine Bestimmtheit an ihm
hat; als gediegene sich in sich kontinuirende unendliche Einheit.

Diese geht zweitens zu der Bestimmtheit fort, die an ihr gesetzt wird,
als solche, die zugleich keine, nur äußerliche ist.  Sie wird
Quantum.  Das Quantum ist die gleichgültige Bestimmtheit, d. h. die
über sich hinausgehende, sich selbst negirende; es verfällt als dieß
Andersseyn des Andersseyn in den unendlichen Progreß.  Das unendliche
Quantum aber ist die aufgehobene gleichgültige Bestimmtheit, es ist
die Wiederherstellung der Qualität.

Drittens, das Quantum in qualitativer Form ist das quantitative
Verhältniß.  Das Quantum geht nur überhaupt über sich hinaus; im
Verhältnisse aber geht es so über s sich in sein Andersseyn hinaus,
daß dieses, in welchem es seine Bestimmung hat, zugleich gesetzt, ein
anderes Quantum ist; somit sein In-sich-zurückgekehrtseyn und die
Beziehung auf sich als in seinem Andersseyn vorhanden ist.

Diesem Verhältnisse liegt noch die Äußerlichkeit des Quantums zu
Grunde, es sind gleichgültige Quanta, die sich zu einander verhalten,
d. i. ihre Beziehung auf sich selbst in solchem Außersichseyn haben;
--das Verhältniß ist damit nur formelle Einheit der Qualität und
Quantität.  Die Dialektik desselben ist sein Übergang in ihre
absolute Einheit, in das Maaß.

Anmerkung.

Am Etwas ist seine Grenze als Qualität wesentlich seine Bestimmtheit.
Wenn wir aber unter Grenze die quantitative Grenze verstehen, und z.
B. ein Acker diese seine Grenze verändert, so bleibt er Acker vor
wie nach.  Wenn hingegen seine qualitative Grenze verändert wird, so
ist dieß seine Bestimmtheit, wodurch er Acker ist, und er wird Wiese,
Wald u.s.f.-Ein Roth, das intensiver oder schwächer ist, ist immer
Roth; wenn es aber seine Qualität änderte, so hörte es auf Roth zu
seyn, es würde Blau u.s.f.--Die Bestimmung der Größe als Quantum, wie
sie sich oben ergeben hat, daß ein Seyn als Bleibendes zu Grunde
liegt, das gegen die Bestimmtheit, die es hat, gleichgültig ist,
ergiebt sich an jedem anderen Beispiel.

Unter dem Ausdruck Größe wird das Quantum, wie an den angegebenen
Beispielen, verstanden, nicht die Quantität, weswegen wesentlich
dieser Name aus der fremden Sprache gebraucht werden muß.

Die Definition, welche in der Mathematik von der Größe gegeben wird,
betrifft gleichfalls das Quantum.  Gewöhnlich wird eine Größe
definirt, als etwas, das sich vermehren oder vermindern läßt.
Vermehren aber heißt, etwas mehr groß, vermindern weniger groß machen.
Es liegt darin ein Unterschied der Größe überhaupt von ihr selbst,
und die Größe wäre also das, dessen Größe sich verändern läßt.  Die
Definition zeigt sich insofern als ungeschickt, als in ihr diejenige
Bestimmung selbst gebraucht wird, welche definirt werden sollte.
Insofern in ihr nicht dieselbe Bestimmung zu gebrauchen ist, ist das
Mehr und Weniger in einen Zusatz als Affirmation und zwar nach der
Natur des Quantums als eine gleichfalls äußerliche, und in ein
Wegnehmen, als eine ebenso äußerliche Negation, aufzulösen.  Zu
dieser äußerlichen Weise sowohl der Realität als der Negation
bestimmt sich überhaupt die Natur der Veränderung am Quantum.  Daher
ist in jenem unvollkommenen Ausdruck das Hauptmoment nicht zu
verkennen, worauf es ankommt; nämlich die Gleichgültigkeit der
Veränderung, so daß in ihrem Begriff selbst ihr eigenes Mehr Minder
liegt, ihre Gleichgültigkeit gegen sich selbst.



Erstes Kapitel.  Die Quantität.


A.  Die reine Quantität.

Die Quantität ist das aufgehobene Fürsichseyn; das repellirende Eins,
das sich gegen das ausgeschlossene Eins nur negativ verhielt, in die
Beziehung mit demselben übergegangen, verhält sich identisch zu dem
Andern, und hat damit seine Bestimmung verloren; das Fürsichseyn ist
in Attraktion übergegangen.  Die absolute Sprödigkeit des
repellirenden Eins ist in diese Einheit zerflossen, welche aber als
dieß Eins enthaltend, durch die innwohnende Repulsion zugleich
bestimmt, als Einheit des Außersichseyns Einheit mit sich selbst ist.
Die Attraktion ist auf diese Weise als das Moment der Kontinuität in
der Quantität.

Die Kontinuität ist also einfache, sich selbst gleiche Beziehung auf
sich, die durch keine Grenze und Ausschließung unterbrochen ist, aber
nicht unmittelbare Einheit, sondern Einheit der fürsichseyenden Eins.
Es ist darin das Außereinander der Vielheit noch enthalten, aber
zugleich als ein nicht unterschiedenes, Ununterbrochenes.  Die
Vielheit ist in der Kontinuität so gesetzt, wie sie an sich ist; die
Vielen sind Eins was Andere, jedes dem anderen gleich, und die
Vielheit daher einfache, unterschiedslose Gleichheit.  Die
Kontinuität ist dieses Moment der Sichselbstgleichheit des
Außereinanderseyns, das Sich-Fortsetzen der unterschiedenen Eins in
ihre von ihnen Unterschiedene.

Unmittelbar hat daher die Größe in der Kontinuität das Moment der
Diskretion,--die Repulsion, wie sie nur Moment in der Quantität ist.
--Die Stätigkeit ist Sichselbstgleichheit aber des Vielen, das jedoch
nicht zum Ausschließenden wird; die Repulsion dehnt erst die
Sichselbstgleichheit zur Kontinuität aus.  Die Diskretion ist daher
ihrer Seits zusammenfliessende Diskretion, deren Eins nicht das Leere,
das Negative, zu ihrer Beziehung haben, sondern ihre eigne
Stätigkeit, und diese Gleichheit mit sich selbst im Vielen nicht
unterbrechen.

Die Quantität ist die Einheit dieser Momente, der Kontinuität und
Diskretion, aber sie ist dieß zunächst in der Form des einen
derselben, der Kontinuität, als Resultat der Dialektik des
Fürsichseyns, das in die Form sich-selbst-gleicher Unmittelbarkeit
zusammengefallen ist.  Die Quantität ist als solche dieß einfache
Resultat, insofern es seine Momente noch nicht entwickelt und an ihm
gesetzt hat.--Sie enthält sie zunächst, als das Fürsichseyn gesetzt,
wie es in Wahrheit ist.  Es war seiner Bestimmung nach das sich
aufhebende Beziehen auf sich selbst, perennirendes Außersichkommen.
Aber das Abgestoßene ist es selbst; die Repulsion ist daher das
erzeugende Fortfließen seiner selbst.  Um der Dieselbigkeit willen
des Abgestoßenen ist dieß Discerniren, ununterbrochene Kontinuität;
und um des Außersichkommens willen, ist diese Kontinuität, ohne
unterbrochen zu seyn, zugleich Vielheit, die eben so unmittelbar in
ihrer Gleichheit mit sich selbst bleibt.

Anmerkung 1.

Die reine Quantität hat noch keine Grenze, oder ist noch nicht
Quantum; auch insofern sie Quantum wird, wird sie durch die Grenze
nicht beschränkt, sie besteht vielmehr eben darin, durch die Grenze
nicht beschränkt zu seyn, das Fürsichseyn als ein Aufgehobenes in
sich zu haben.  Daß die Diskretion Moment in ihr ist, kann so
ausgedrückt werden, daß die Quantität schlechthin in ihr allenthalben
die reale Möglichkeit des Eins ist, aber umgekehrt, daß das Eins eben
so schlechthin nur als kontinuirliches ist.

Der begrifflosen Vorstellung wird die Kontinuität leicht zur
Zusammensetzung, nämlich einer äußerlichen Beziehung der Eins
aufeinander, worin das Eins in seiner absoluten Sprödigkeit und
Ausschließung erhalten bleibt.  Es hat sich aber am Eins gezeigt, daß
es an und für sich selbst, in die Attraktion, in seine Idealität
übergeht, und daß daher die Kontinuität ihm nicht äußerlich ist,
sondern ihm selbst angehört, und in seinem Wesen gegründet ist.
Diese Äußerlichkeit der Kontinuität für die Eins ist es überhaupt, an
der die Atomistik hängen bleibt, und die zu verlassen die
Schwierigkeit für das Vorstellen macht.--Die Mathematik dagegen
verwirft eine Metaphysik, welche die Zeit aus Zeitpunkten, den Raum
überhaupt oder zunächst die Linie aus Raumpunkten, die Fläche aus
Linien, den ganzen Raum aus Flächen bestehen lassen wollte; sie läßt
solche unkontinuirliche Eins nicht gelten.  Wenn sie auch z.B. die
Größe einer Fläche so bestimmt, daß sie als die Summe von unendlich
vielen Linien vorgestellt wird, gilt diese Diskretion nur als
momentane Vorstellung, und in der unendlichen Vielheit der Linien, da
der Raum, den sie ausmachen sollen, doch ein beschränkter ist, liegt
schon das Aufgehobenseyn ihrer Diskretion.

Den Begriff der reinen Quantität gegen die bloße Vorstellung hat
Spinoza, dem es vorzüglich auf denselben ankam, im Sinne, indem er
(Eth.  P. I. Prop.  XV. Schol.) auf folgende Weise von der Quantität
spricht:

"Quantitas duobus modis a nobis concipitur, abstracte scilicet
sive superficialiter, prout nempe ipsam imaginamur; vei ut substantia,
quod a solo intellectu fit.  Si itaque ad quantitatem attendimus,
prout in imaginatione est, quod saepe et facilius a nobis fit,
reperietur finita, divisibilis et ex partibus conflata, si autem ad
ipsam, prout in intellecu est, attendimus, et eam, quatenus
substantia est, concipimus, quod difficillime fit,--infinita, unic
et indivisibilis reperietur.  Quod omnibus, qui inter imaginationem
et intellectum distiuguere sciverint, satis manifestum erit."
Bestimmtere Beispiele der reinen Quantität, wenn man deren verlangt,
hat man an Raum und Zeit, auch der Materie überhaupt, Licht u.s.f.
selbst Ich, nur ist unter Quantität, wie schon bemerkt, nicht das
Quantum zu verstehen.  Raum, Zeit u.s.f. sind Ausdehnungen,
Vielheiten, die ein Außer-sich-gehen, ein Strömen sind, das aber
nicht ins Entgegengesetzte, in die Qualität oder das Eins übergeht,
sondern als Außersichkommen ein perennirendes Selbstproduciren ihrer
Einheit sind.  Der Raum ist dieß absolute Außersichseyn, das eben so
sehr schlechthin ununterbrochen, ein Anders- und Wieder-Andersseyn,
das identisch mit sich ist; die Zeit ein absolutes Außersichkommen,
ein Erzeugen des Eins, Zeitpunktes, des Jetzt, das unmittelbar das
Zunichtewerden desselben und stätig wieder das Zunichtewerden dieses
Vergebens ist, so daß dieß sich Erzeugen des Nichtseyns eben so sehr
einfache Gleichheit und Identität mit sich ist.

Was die Materie als Quantität betrifft, so befindet sich unter den
sieben Propositionen, die von der ersten Dissertation Leibnitzens
aufbewahrt sind, (l. Seite des I. Th. seiner Werke) eine hierüber,
die zweite, die so lautet: Non omnino improbabile est, materiam et
quantitatem esse realiter idem.--In der That sind diese Begriffe auch
nicht weiter verschieden, als darin, daß die Quantität die reine
Denkbestimmung, die Materie aber dieselbe in äußerlicher Existenz ist.
--Auch dem Ich kommt die Bestimmung der reinen Quantität zu, als es
ein absolutes Anderswerden, eine unendliche Entfernung oder
allseitige Repulsion zur negativen Freiheit des Fürsichseyns ist,
aber welche schlechthin einfache Kontinuität bleibt,--die Kontinuität
der Allgemeinheit, oder des Beisichseyns, die durch die unendlich
mannigfaltigen Grenzen, den Inhalt der Empfindungen, Anschauungen u.s.
f. nicht unterbrochen wird.-Welche sich dagegen sträuben, die
Vielheit als einfache Einheit zu fassen, und außer dem Begriffe, daß
von den Vielen jedes dasselbe ist, was das Andere, nämlich eins der
Vielen,--indem nämlich hier nicht von weiter bestimmtem Vielem, von
Grünem, Rothem u.s.f. sondern von dem Vielen an-und-für-sich
betrachtet, die Rede ist,--auch eine Vorstellung von dieser Einheit
verlangen, die finden dergleichen hinlänglich an jenen Stätigkeiten,
die den deducirten Begriff der Quantität in einfacher Anschauung als
vorhanden geben.

Anmerkung 2.

In die Natur der Quantität, diese einfache Einheit der Diskretion und
der Kontinuität zu seyn, fällt der Streit oder die Antinomie der
unendlichen Theilbarkeit des Raumes, der Zeit, der Materie u.s.f.

Diese Antinomie besteht allein, darin daß die Diskretion eben so sehr
als die Kontinuität behauptet werden muß.  Die einseitige Behauptung
der Diskretion giebt das unendliche oder absolute Getheiltseyn, somit
ein Untheilbares zum Princip; die einseitige Behauptung der
Kontinuität dagegen die unendliche Theilbarkeit.

Die kantische Kritik der reinen Vernunft stellt bekanntlich vier
(kosmologische) Antinomien auf, worunter die zweite den Gegensatz
betrifft, den die Momente der Quantität ausmachen.

Diese kantischen Antinomien bleiben immer ein wichtiger Theil der
kritischen Philosophie; sie sind es vornehmlich, die den Sturz der
vorhergehenden Metaphysik bewirkten, und als ein Hauptübergang in die
neuere Philosophie angesehen werden können, indem sie insbesondere
die Überzeugung von der Nichtigkeit der Kategorien der Endlichkeit
von Seite des Inhalts herbeiführen halfen,--was ein richtigerer Weg
ist, als der formelle eines subjektiven Idealismus, nach welchem nur
dieß ihr Mangel seyn soll, subjektiv zu seyn, nicht das, was sie an
ihnen selbst sind.  Bei ihrem grossen Verdienst aber ist diese
Darstellung sehr unvollkommen; Theils in sich selbst gehindert und
verschroben, Theils schief in Ansehung ihres Resultats, welches
voraussetzt, daß das Erkennen keine anderen Formen des Denkens habe,
als endliche Kategorien.--In beider Rücksicht verdienen diese
Antinomien eine genauere Kritik, die sowohl ihren Standpunkt und
Methode näher beleuchten, als auch den Hauptpunkt, worauf es ankommt,
von der unnützen Form, in die er hineingezwängt ist, befreien wird.

Zunächst bemerke ich, daß Kant seinen vier kosmologischen Antinomien
durch das Eintheilungsprincip, das er von seinem Schema der
Kategorien hernahm, einen Schein von Vollständigkeit geben wollte.
Allein die tiefere Einsicht in die antinomische oder wahrhafter in
die dialektische Natur der Vernunft zeigt überhaupt jeden Begriff als
Einheit entgegengesetzter Momente auf, denen man also die Form
antinomischer Behauptungen geben könnte.  Werden, Daseyn u.s.f. und
jeder andere Begriff könnte so seine besondere Antinomie liefern, und
also so viele Antinomien aufgestellt werden, als sich Begriffe
ergeben.--Der alte Skepticismus hat sich die Mühe nicht verdrießen
lassen, in allen Begriffen, die er in den Wissenschaften vorfand,
diesen Widerspruch oder die Antinomie aufzuzeigen.

Ferner hat Kant die Antinomie nicht in den Begriffen selbst, sondern
in der schon konkreten Form kosmologischer Bestimmungen aufgefaßt.
Um die Antinomie rein zu haben und sie in ihrem einfachen Begriffe zu
behandeln, mußten die Denkbestimmungen nicht in ihrer Anwendung und
Vermischung mit der Vorstellung der Welt, des Raums, der Zeit, der
Materie u.s.f. genommen, sondern ohne diesen konkreten Stoff, der
keine Kraft noch Gewalt dabei hat, rein für sich betrachtet werden,
indem sie allein das Wesen und den Grund der Antinomien ausmachen.

Kant giebt diesen Begriff von den Antinomien, daß sie "nicht
sophistische Künsteleien seyen, sondern Widersprüche, auf welche die
Vernunft nothwendig stoßen (nach kantischem Ausdrucke) müsse;"--was
eine wichtige Ansicht ist.--"Von dem natürlichen Scheine der
Antinomien werde die Vernunft, wenn sie seinen Grund einsieht, zwar
nicht mehr hintergegangen, aber immer noch getäuscht."--Die kritische
Auflösung nämlich durch die sogenannte transcendentale Idealität der
Welt der Wahrnehmung hat kein anderes Resultat, als daß sie den
sogenannten Widerstreit zu etwas Subjektivem macht, worin er freilich
noch immer derselbe Schein, d. h. so unaufgelöst bleibt als vorher.
Ihre wahrhafte Auflösung kann nur darin bestehen, daß zwei
Bestimmungen, indem sie entgegengesetzt und einem und demselben
Begriffe nothwendig sind, nicht in ihrer Einseitigkeit, jede für sich,
gelten können, sondern daß sie ihre Wahrheit nur in ihrem
Aufgehobenseyn, in der Einheit ihres Begriffes haben.

Die Kantischen Antinomien näher betrachtet, enthalten nichts anders,
als die ganz einfache kategorische Behauptung eines jeden der zwei
entgegengesetzten Momente einer Bestimmung, für sich isolirt von der
andern.  Aber dabei ist diese einfache kategorische oder eigentlich
assertorische Behauptung in ein schiefes, verdrehtes Gerüste von
Raisonnement eingehüllt, wodurch ein Schein von Beweisen
hervorgebracht, und das bloß Assertorische der Behauptung versteckt
und unkenntlich gemacht werden soll; wie sich dieß bei der nähern
Betrachtung derselben zeigen wird.

Die Antinomie, die hierher gehört, betrifft die sogenannte unendliche
Theilbarkeit der Materie, und beruht auf dem Gegensatze der Momente
der Kontinuität und Diskretion, welche der Begriff der Quantität in
sich enthält.

Die Thesis derselben nach kantischer Darstellung lautet so:

Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen
Theilen, und es existirt überall nichts als das Einfache, oder was
aus diesem zusammengesetzt ist.

Es wird hier dem Einfachen, dem Atomen, das Zusammengesetzte
gegenübergestellt, was gegen das Stätige oder Kontinuirliche eine
sehr zurückstehende Bestimmung ist.--Das Substrat, das diesen
Abstraktionen gegeben ist, nämlich Substanzen der Welt, heißt hier
weiter nichts, als die Dinge, wie sie sinnlich wahrnehmbar sind, und
hat auf das Antinomische selbst keinen Einfluß, es konnte eben so gut
auch Raum oder Zeit genommen werden.--Indem nun die Thesis nur von
Zusammensetzung statt von Kontinuität lautet, so ist sie eigentlich
sogleich ein analytischer oder tautologischer Satz.  Daß das
Zusammengesetzte nicht an und für sich Eines, sondern nur ein
äußerlich Verknüpftes ist, und aus Anderem besteht, ist seine
unmittelbare Bestimmung.  Das Andere aber des Zusammengesetzten ist
das Einfache.  Es ist daher tautologisch, zu sagen, daß das
Zusammengesetzte aus Einfachem besteht.--Wenn einmal gefragt wird,
aus was Etwas bestehe, so wird die Angabe eines Anderen verlangt,
dessen Verbindung jenes Etwas ausmache.  Läßt man die Dinte wieder
aus Dinte bestehen, so ist der Sinn der Frage nach dem Bestehen aus
Anderem verfehlt, sie ist nicht beantwortet und wiederholt sich nur.
Eine weitere Frage ist dann, ob das, wovon die Rede ist, aus etwas
bestehen soll, oder nicht.  Aber das Zusammengesetzte ist schlechthin
ein solches, das ein Verbundenes seyn, und aus Anderem bestehen soll.
--Wird das Einfache, welches das Andere des Zusammengesetzten sey,
nur für ein relativ-Einfaches genommen, das für sich wieder
zusammengesetzt sey, so bleibt die Frage vor wie nach.  Der
Vorstellung schwebt etwa nur dieß oder jenes Zusammengesetzte vor,
von dem auch dieß oder jenes Etwas als sein Einfaches angegeben würde,
was für sich ein Zusammengesetztes wäre.  Aber hier ist von dem
Zusammengesetzten als solchem die Rede.

Was nun den kantischen Beweis der Thesis betrifft, so macht er, wie
alle kantischen Beweise der übrigen antinomischen Sätze, den Umweg,
der sich als sehr überflüssig zeigen wird, apogogisch zu seyn.

"Nehmet an, (beginnt er,) die zusammengesetzten Substanzen beständen
nicht aus einfachen Theilen; so würde, wenn alle Zusammensetzung in
Gedanken aufgehoben würde, kein zusammengesetzter Theil und da es
(nach der so eben gemachten Annahme) keine einfache Theile giebt,
auch kein einfacher, mithin gar nichts übrig bleiben, folglich keine
Substanz seyn gegeben worden."-Diese Folgerung ist ganz richtig: wenn
es nichts als Zusammengesetztes giebt, und man denkt sich alles
Zusammengesetzte weg, so hat man gar nichts übrig;--man wird dieß
zugeben, aber dieser tautologische Überfluß konnte wegbleiben, und
der Beweis sogleich mit dem anfangen, was darauf folgt, nämlich:
"Entweder läßt sich unmöglich alle Zusammensetzung in Gedanken
aufheben, oder es muß nach deren Aufhebung etwas ohne Zusammensetzung
bestehendes, d. i. das Einfache, übrig bleiben."

"Im erstern Fall aber würde das Zusammengesetze wiederum nicht aus
Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine
zufällige Relation der SubstanzenZum Überfluß des Beweisens selbst
kommt hier noch der Überfluß der Sprache,--weil bei diesen (den
Substanzen nämlich) die Zusammensetzung nur eine zufällige Relation
der Substanzen ist. ist, ohne welche diese als für sich beharrliche
Wesen, bestehen müssen.)--Da nun dieser Fall der Voraussetzung
widerspricht, so bleibt nur der

zweite übrig: daß nämlich das substantielle Zusammengesetzte in der
Welt aus einfachen Theilen bestehe."

Derjenige Grund ist nebenher in eine Parenthese gelegt, der die
Hauptsache ausmacht, gegen welche alles bisherige völlig überflüssig
ist.  Das Dilemma ist dieses: Entweder ist das Zusammengesetzte das
Bleibende, oder nicht, sondern das Einfache.  Wäre das Erstere,
nämlich das Zusammengesetze, das Bleibende, so wäre das Bleibende
nicht die Substanzen, denn diesen ist die Zusammensetzung nur
zufällige Relation; aber Substanzen sind das Bleibende, also ist das,
was bleibt, das Einfache.

Es erhellt, daß ohne den apogogischen Umweg an die Thesis: Die
zusammengesetze Substanz besteht aus einfachen Theilen, unmittelbar
jener Grund als Beweis angeschlossen werden konnte, weil die
Zusammensetzung bloß eine zufällige Relation der Substanzen ist,
welche ihnen also äußerlich ist, und die Substanzen selbst nichts
angeht.--Hat es mit der Zufälligkeit der Zusammensetzung seine
Richtigkeit, so ist das Wesen Freilich das Einfache.  Diese
Zufälligkeit aber, auf welche es allein ankommt, wird nicht bewiesen,
sondern geradezu, und zwar im Vorbeigehen in Parenthese angenommen,
als etwas das sich von selbst versteht oder eine Nebensache ist.  Es
versteht sich zwar allerdings von selbst, daß die Zusammensetzung die
Bestimmung der Zufälligkeit und Äußerlichkeit ist; aber wenn es sich
nur um ein zufälliges Zusammen handeln sollte statt der Kontinuität,
so war es nicht der Mühe werth, darüber eine Antinomie aufzustellen,
oder vielmehr es ließ sich gar keine aufstellen; die Behauptung der
Einfachheit der Theile ist alsdenn, wie erinnert, nur tautologisch.

In dem apogogischen Umwege sehen wir somit die Behauptung selbst
vorkommen, die aus ihm resultiren soll.  Kürzer läßt sich daher der
Beweis so fassen:

Man nehme an, die Substanzen bestünden nicht aus einfachen Theilen,
sondern seyen nur zusammengesetzt.  Nun aber kann man alle
Zusammensetzung in Gedanken aufheben, (denn sie ist nur eine
zufällige Relation;) also blieben nach deren Aufhebung keine
Substanzen übrig, wenn sie nicht aus einfachen Theilen bestünden.
Substanzen aber müssen wir haben, denn wir haben sie angenommen; es
soll uns nicht alles verschwinden, sondern Etwas übrig bleiben, denn
wir haben ein solches Beharrliches, das wir Substanz nannten,
vorausgesetzt; dieß Etwas muß also einfach seyn.

Es gehört noch zum Ganzen, den Schlußsatz zu betrachten; er lautet
folgendermaßen:

"Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesammt
einfache Wesen seyn, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand
derselben sey, und daß die Vernunft die Elementarsubstanzen als
einfache Wesen denken müsse."

Hier sehen wir die Äußerlichkeit d. i.  Zufälligkeit der
Zusammensetzung als Folge aufgeführt, nachdem sie vor her im Beweise
parenthetisch eingeführt und in ihm gebraucht worden war.

Kant protestirt sehr, daß er bei den widerstreitenden Sätzen der
Antinomie nicht Blendwerke suche, um etwa (wie man zu sagen pflege)
einen Advokatenbeweis zu führen.  Der betrachtete Beweis ist nicht so
sehr eines Blendwerks zu beschuldigen, als einer unnützen gequälten
Geschrobenheit, die nur dazu dient, die äußere Gestalt eines Beweises
hervorzubringen, und es nicht in seiner ganzen Durchsichtigkeit zu
lassen, daß das was als Folgerung hervortreten sollte, in Parenthese
der Angel des Beweises ist, daß überhaupt kein Beweis, sondern nur
eine Voraussetzung vorhanden ist.

Die Antithesis lautet:

Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Theilen,
und es existirt überall nichts Einfaches in derselben.

Der Beweis ist gleichfalls apogogisch gewendet, und auf eine andere
Weise eben so tadelhaft als der vorige.

"Setzet, heißt es, ein zusammengesetztes Ding, als Substanz, bestehe
aus einfachen Theilen.  Weil alles äußere Verhältniß, mithin auch
alle Zusammensetzung aus Substanzen nur im Raume möglich ist, so muß,
aus so vielen Theilen das Zusammengesetzte bestehet, aus so vielen
Theilen auch der Raum bestehen, den es einnimmt.  Nun besteht der
Raum nicht aus einfachen Theilen, sondern aus Räumen.  Also muß jeder
Theil des Zusammengesetzten einen Raum einnehmen."

"Die schlechthin ersten Theile aber alles Zusammengesetzten sind
einfach." "Also nimmt das Einfache einen Raum ein."

"Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, ein außerhalb einander
befindliches Mannigfaltiges in sich fasset, mithin zusammengesetzt
ist, und zwar aus Substanzen, so würde das Einfache ein
substantielles Zusammengesetztes seyn.  Welches sich widerspricht."

Dieser Beweis kann ein ganzes Nest (um einen sonst vorkommenden
Kantischen Ausdruck zu gebrauchen) von fehlerhaftem Verfahren genannt
werden.

Zunächst ist die apogogische Wendung ein grundloser Schein.  Denn die
Annahme, daß alles Substanzielle räumlich sey, der Raum aber nicht
aus einfachen Theilen bestehe, ist eine direkte Behauptung, die zum
unmittelbaren Grund des zu Beweisenden gemacht und mit der das ganze
Beweisen fertig ist.

Alsdann fängt dieser apogogische Beweis mit dem Satze an: "daß alle
Zusammensetzung aus Substanzen, ein äußeres Verhältniß sey," vergißt
ihn aber sonderbar genug sogleich wieder.  Es wird nämlich
fortgeschlossen, daß die Zusammensetzung nur im Raume möglich sey,
der Raum bestehe aber nicht aus einfachen Theilen, das Reale, das
einen Raum einnehme, sey mithin zusammengesetzt.  Wenn einmal die
Zusammensetzung als ein äußerliches Verhältniß angenommen ist, so ist
die Räumlichkeit selbst, als in der allein die Zusammensetzung
möglich seyn soll, eben darum ein äußerliches Verhältniß für die
Substanzen, das sie nichts angeht und ihre Natur nicht berührt, so
wenig als das übrige, was man aus der Bestimmung der Räumlichkeit
noch folgern kann.  Aus jenem Grunde eben sollten die Substanzen
nicht in den Raum gesetzt worden seyn.

Ferner ist vorausgesetzt, daß der Raum, in den die Substanzen hier
versetzt werden, nicht aus einfachen Theilen bestehe; weil er eine
Anschauung, nämlich, nach Kantischer Bestimmung, eine Vorstellung,
die nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden könne, und
kein sogenannter diskursiver Begriff sey.--Bekanntlich hat sich aus
dieser kantischen Unterscheidung von Anschauung und von Begriff viel
Unfug mit dem Anschauen entwickelt, und um das Begreifen zu ersparen,
ist der Werth und das Gebiet derselben auf alles Erkennen ausgedehnt
worden.  Hierher gehört nur, daß der Raum, wie auch die Anschauung
selbst, zugleich begriffen werden muß, wenn man nämlich überhaupt
begreifen will.  Damit entstände die Frage, ob der Raum nicht, wenn
er auch als Anschauung einfache Kontinuität wäre, nach seinem
Begriffe als aus einfachen Theilen bestehend, gefaßt werden müsse,
oder der Raum träte in dieselbe Antinomie ein, in welche nur die
Substanz versetzt wurde.  In der That wenn die Antinomie abstrakt
gefaßt wird, betrifft sie, wie erinnert, die Quantität überhaupt und
somit Raum und Zeit eben so sehr.

Weil aber einmal im Beweise angenommen ist, daß der Raum nicht aus
einfachen Theilen bestehe, so dieß hätte Grund seyn sollen, das
Einfache nicht in dieß Element zu versetzen, welches der Bestimmung
des Einfachen nicht angemessen ist.--Hierbei kommt aber auch die
Kontinuität des Raumes mit der Zusammensetzung in Kollision; es
werden beide mit einander verwechselt, die erstere an die Stelle der
letztern untergeschoben, (was im Schlusse eine Quaternio Terminorum
giebt).  Es ist bei Kant die ausdrückliche Bestimmung des Raums, daß
er ein einiger ist, und die Theile desselben nur auf Einschränkungen
beruhen, so daß sie nicht vor dem einigen allbefassenden Raume
gleichsam als dessen Bestandtheile, daraus seine Zusammensetzung
möglich sey, vorhergehen".  (Kr. d. r.  Vern. 2te Ausg.  S. 39).
Hier ist die Kontinuität sehr richtig und bestimmt vom Raume gegen
die Zusammensetzung aus Bestandtheilen angegeben.  In der
Argumentation dagegen soll das Versetzen der Substanzen in den Raum
ein "außerhalb einander befindliches Mannigfaltiges" und zwar "mithin
ein Zusammengesetztes" mit sich führen.  Wogegen, wie angeführt, die
Art, wie im Raume eine Mannigfaltigkeit sich findet, ausdrücklich die
Zusammensetzung und der Einigkeit desselben vorhergehende
Bestandtheile ausschließen soll.

In der Anmerkung zu dem Beweis der Antithesis wird noch ausdrücklich
die sonstige Grundvorstellung der kritischen Philosophie
herbeigebracht, daß wir von Körpern nur als Erscheinungen einen
Begriff haben, als solche aber setzen sie den Raum, als die Bedingung
der Möglichkeit aller äußern Erscheinung nothwendig voraus.  Wenn
hiermit unter den Substanzen nur Körper gemeint sind, wie wir sie
sehen, fühlen schmecken u. s. f., so ist von dem, was sie in ihrem
Begriffe sind, eigentlich nicht die Rede; es handelt sich nur vom
sinnlich Wahrgenommenen.  Der Beweis der Antithesis war also kurz zu
fassen.  Die ganze Erfahrung unseres Sehens, Fühlens, u.s.f.. zeigt
uns nur Zusammengesetztes; auch die besten Mikroskope und die
feinsten Messer haben uns noch auf nichts einfaches stoßen lassen.
Also soll auch die Vernunft nicht auf etwas einfaches stoßen wollen.

Wenn wir hiermit den Gegensatz dieser Thesis und Antithesis genauer
ansehen, und ihre Beweise von allem unnützen Überfluß und
Verschrobenheit befreien, so enthält der Beweis der Antithesis,
--durch die Versetzung der Substanzen in den Raum,--die assertorische
Annahme der Kontinuität, so wie der Beweis der Thesis,--durch die
Annahme der Zusammensetzung, als der Art der Beziehung des
Substantiellen,--die assertorische Annahme der Zufälligkeit dieser
Beziehung, und damit die Annahme der Substanzen als absolute Eins.
Die ganze Antinomie reducirt sich also auf die Trennung und direkte
Behauptung der beiden Momente der Quantität und zwar derselben als
schlechthin getrennter.  Nach der bloßen Diskretion genommen sind die
Substanz, Materie, Raum, Zeit u.s.f. schlechthin getheilt, das Eins
ist ihr Princip.  Nach der Kontinuität ist dieses Eins nur ein
aufgehobenes; das Theilen bleibt Theilbarkeit, es bleibt die
Möglichkeit zu theilen, als Möglichkeit, ohne wirklich auf das Atome
zu kommen.  Bleiben wir nun auch bei der Bestimmung stehen, die in
dem Gesagten von diesen Gegensätzen gegeben ist, so liegt in der
Kontinuität selbst das Moment des Atomen, da sie schlechthin als die
Möglichkeit des Theilens ist, so wie jenes Getheiltseyn, die
Diskretion auch allen Unterschied der Eins aufhebt,--denn die
einfachen Eins ist eines was das andere ist,--somit ebenso ihre
Gleichheit und damit ihre Kontinuität enthält.  Indem jede der beiden
entgegengesetzten Seiten an ihr selbst ihre andere enthält, und keine
ohne die andere gedacht werden kann, so folgt daraus, daß keine
dieser Bestimmungen, allein genommen, Wahrheit hat, sondern nur ihre
Einheit.  Dieß ist die wahrhafte dialektische Betrachtung derselben,
so wie das wahrhafte Resultat.

Unendlich sinnreicher und tiefer, als die betrachtete kantische
Antinomie sind die dialektischen Beispiele der alten eleatischen
Schule besonders die Bewegung betreffend, die sich gleichfalls auf
den Begriff der Quantität gründen, und in ihm ihre Auflösung haben.
Es würde zu weitläufig seyn, sie hier noch zu betrachten, sie
betreffen die Begriffe von Raum und Zeit, und können bei diesen und
in der Geschichte der Philosophie abgehandelt werden.  Sie machen der
Vernunft ihrer Erfinder die höchste Ehre; sie haben das reine Seyn
des Parmenides zum Resultate indem sie die Auflösung alles bestimmten
Seyns in sich selbst aufzeigen, und sind somit an ihnen selbst das
Fließen des Heraklit Sie sind darum auch einer gründlichern
Betrachtung würdig, als der gewöhnlichen Erklärung, daß es eben
Sophismen seyen; welche Assertion sich an das empirische Wahrnehmen
nach dem, dem gemeinen Menschenverstande einleuchtenden, Vorgange des
Diogenes hält, der, als ein Dialektiker den Widerspruch, den die
Bewegung enthält, aufzeigte, seine Vernunft weiter nicht angestrengt
haben, sondern durch ein stummes Hin- und Hergehen auf den
Augenschein verwiesen haben soll,--eine Assertion und Widerlegung,
die freilich leichter zu machen ist, als sich in die Gedanken
einzulassen, und die Verwicklungen, in welche der Gedanke und zwar
der nicht weithergehohlte, sondern im gewöhnlichen Bewußtseyn selbst
sich formirende, hineinführt, festzuhalten und durch den Gedanken
selbst aufzulösen.

Die Auflösung, die Aristoteles von diesen dialektischen Gestaltungen
macht, ist hoch zu rühmen und in seinen wahrhaft spekulativen
Begriffen von Raum, Zeit und Bewegung enthalten.  Er setzt der
unendlichen Theilbarkeit (was, da sie vorgestellt wird, als ob sie
bewerkstelligt werde, mit dem unendlichen Getheiltseyn, den Atomen,
dasselbe ist), als worauf die berühmtesten jener Beweise beruhen, die
Kontinuität, welche ebenso wohl auf die Zeit, als den Raum geht,
entgegen, so daß die unendliche, d. h. abstrakte Vielheit nur an sich,
der Möglichkeit nach, in der Kontinuität enthalten sey.  Das
Wirkliche gegen die abstrakte Vielheit, wie gegen die abstrakte
Kontinuität ist das Konkrete derselben, die Zeit und der Raum selbst,
wie gegen diese wieder die Bewegung und die Materie.  Nur an sich
oder nur der Möglichkeit nach ist das Abstrakte; es ist nur als
Moment eines Reellen.  Bayle, der in seinem Diktionnaire, Art.  Zenon,
die von Aristoteles gemachte Auflösung der zenonischen Dialektik, "
pitoyable " findet, versteht nicht was es heißt, daß die Materie nur
der Möglichkeit nach ins Unendliche theilbar sey; er erwiedert, wenn
die Materie ins Unendliche theilbar sey, so enthalte sie wirklich
eine unendliche Menge von Theilen, dieß sey also nicht ein
Unendliches en puissance, sondern ein Unendliches, das reell und
aktuell existire.--Vielmehr ist schon die Theilbarkeit selbst nur
eine Möglichkeit, nicht ein Existiren der Theile, und die Vielheit
überhaupt in der Kontinuität nur als Moment, als Aufgehobenes gesetzt.
--Scharfsinniger Verstand, an dem Aristoteles wohl auch unübertroffen
ist, reicht nicht hin dessen spekulative Begriffe zu fassen und zu
beurtheilen, so wenig als die angeführte Plumpheit sinnlicher
Vorstellung, Argumentationen des Zeno zu widerlegen; jener Verstand
ist in dem Irrthume, solche Gedankendinge, Abstraktionen, wie
unendliche Menge von Theilen, für Etwas, für ein Wahres und
Wirkliches zu halten; dieses sinnliche Bewußtseyn aber läßt sich
nicht über das Empirische hinaus zu Gedanken bringen.

Die kantische Auflösung der Antinomie besteht gleichfalls allein
darin, daß die Vernunft die sinnliche Wahrnehmung nicht überfliegen,
und die Erscheinung, wie sie ist, nehmen solle.  Diese Auflösung läßt
den Inhalt der Antinomie selbst auf der Seite liegen, sie erreicht
die Natur des Begriffes ihrer Bestimmungen nicht, deren jede, für
sich isolirt, nichtig und an ihr selbst nur das Übergehen in ihre
Andere ist, und die Quantität als ihre Einheit und darin ihre
Wahrheit hat.

B.  Kontinuirliche und diskrete Größe.

Die Quantität enthält die beiden Momente der Kontinuität und der
Diskretion.  Sie ist in beiden als ihren Bestimmungen zu setzen.--Sie
ist schon sogleich unmittelbare Einheit derselben, d. h. sie ist
zunächst selbst nur in der einen ihrer Bestimmungen, der Kontinuität,
gesetzt, und ist so kontinuirliche Größe.

Oder die Kontinuität ist zwar eins der Momente der Quantität, die
erst mit dem andern, der Diskretion, vollendet ist.  Aber die
Quantität ist konkrete Einheit nur, insofern sie die Einheit
unterschiedener Momente ist.  Diese sind daher auch als unterschieden
zu nehmen, jedoch nicht in Attraktion und Repulsion wieder aufzulösen,
sondern nach ihrer Wahrheit jede in ihrer Einheit mit der anderen d.
h. das Ganze bleibend.  Die Kontinuität ist nur die zusammenhängende,
gediegene Einheit, als Einheit des Diskreten, so gesetzt ist sie
nicht mehr nur Moment, sondern ganze Quantität; kontinuirliche Größe.

2. Die unmittelbare Quantität ist kontinuirliche Größe.  Aber die
Quantität ist überhaupt nicht ein unmittelbares; die Unmittelbarkeit
ist eine Bestimmtheit, deren Aufgehobenseyn sie selbst ist.  Sie ist
also in der ihr immanenten Bestimmtheit zu setzen, diese ist das Eins.
Die Quantität ist diskrete Größe.

Die Diskretion ist, wie die Kontinuität, Moment der Quantität, aber
ist selbst auch die ganze Quantität, eben weil sie Moment in ihr, dem
Ganzen ist, also als unterschieden nicht aus demselben, nicht aus
ihrer Einheit mit dem anderen Momente heraustritt.--Die Quantität ist
Außereinanderseyn an sich, und die kontinuirliche Größe ist dieß
Außereinanderseyn, als sich ohne Negation fortsetzend, als ein in
sich selbst gleicher Zusammenhang.  Die diskrete Größe aber ist dieß
Außereinander als nicht kontinuirlich, als unterbrochen.  Mit dieser
Menge von Eins ist jedoch nicht die Menge des Atomen und das Leere,
die Repulsion überhaupt, wieder vorhanden.  Weil die diskrete Größe
Quantität ist, ist ihre Diskretion selbst kontinuirlich.  Diese
Kontinuität am Diskreten besteht darin, daß die Eins das einander
Gleiche sind, oder daß sie dieselbe Einheit haben.  Die diskrete
Größe ist also das Außereinander des vielen Eins, als des Gleichen,
nicht das viele Eins überhaupt, sondern als das Viele einer Einheit
gesetzt.


Anmerkung.

In gewöhnlichen Vorstellungen von kontinuirlicher und diskreter Größe
wird es übersehen, daß jede dieser Größen beide Momente, sowohl die
Kontinuität als die Diskretion, an ihr hat, und ihr Unterschied nur
dadurch konstituirt wird, welches von beiden Momenten die gesetzte
Bestimmtheit und welche nur die an-sich-seyende ist.  Raum, Zeit,
Materie u.s.f. sind stätige Größen, indem sie Repulsionen von sich
selbst, ein strömendes Außersichkommen sind, das zugleich nicht ein
Übergehen oder Verhalten zu einem qualitativ-Andern ist.  Sie haben
die absolute Möglichkeit, daß das Eins allenthalben an ihnen gesetzt
werde; nicht als die leere Möglichkeit eines bloßen Andersseyns (wie
man sagt, es wäre möglich, daß an der Stelle dieses Steines ein Baum
stünde) sondern sie enthalten das Princip des Eins an ihnen selbst,
es ist die eine der Bestimmungen, von denen sie konstituirt sind.

Umgekehrt ist an der diskreten Größe die Kontinuität nicht zu
übersehen; dieß Moment ist, wie gezeigt, das Eins als Einheit.

Die kontinuirliche und diskrete Größe können als Arten der Quantität
betrachtet werden, aber insofern die Größe nicht unter irgend einer
äußerlichen Bestimmtheit gesetzt ist, sondern unter den
Bestimmtheiten ihrer eigenen Momente; der gewöhnliche Übergang von
Gattung zu Art läßt an jene nach irgend einem ihr äußerlichen
Eintheilungsgrunde äußerliche Bestimmungen kommen.  Dabei sind die
kontinuirliche und diskrete Größe noch keine Quanta; sie sind nur die
Quantität selbst in einer jeden ihrer beiden Formen.  Sie werden etwa
Größen genannt, insofern sie mit dem Quantum dieß überhaupt gemein
haben, eine Bestimmtheit an der Quantität zu seyn.

C. Begrenzung der Quantität

Die diskrete Größe hat erstlich das Eins zum Princip und ist zweitens
Vielheit der Eins, drittens ist sie wesentlich stätig, sie ist das
Eins zugleich als Aufgehobenes, als Einheit, das Sich-kontinuiren als
solches in der Diskretion der Eins.  Sie ist daher als Eine Größe
gesetzt, und die Bestimmtheit derselben ist das Eins, das an diesem
Gesetztseyn und Daseyn ausschließendes Eins, Grenze an der Einheit
ist.  Die diskrete Größe als solche soll unmittelbar nicht begrenzt
seyn; aber als unterschieden von der kontinuirlichen ist sie als ein
Daseyn und ein Etwas, dessen Bestimmtheit das Eins und als in einem
Daseyn auch erste Negation und Grenze ist.

Diese Grenze, außer dem, daß sie auf die Einheit bezogen und die
Negation an derselben ist, ist als Eins auch auf sich bezogen; so ist
sie umschließende, befassende Grenze.  Die Grenze unterscheidet sich
hier nicht zuerst von dem Etwas ihres Daseyns, sondern ist als Eins
unmittelbar dieser negative Punkt selbst.  Aber das Seyn, das hier
begrenzt ist, ist wesentlich als Kontinuität, vermöge der es über die
Grenze und dieß Eins hinausgeht, und gleichgültig dagegen ist.  Die
reale diskrete Quantität ist so eine Quantität, oder Quantum,--die
Quantität als ein Daseyn und Etwas.

Indem das Eins, welches Grenze ist, die vielen Eins der diskreten
Quantität in sich befaßt, setzt sie dieselben ebenso wohl als in ihm
aufgehobene; sie ist Grenze an der Kontinuität überhaupt als solcher,
und damit ist hier der Unterschied von kontinuirlicher und diskreter
Größe gleichgültig; oder richtiger, sie ist Grenze an der Kontinuität
der einen sosehr als der andern; beide gehen darein über, Quanta zu
seyn.



Zweites Kapitel.  Quantum


Das Quantum, zunächst Quantität mit einer Bestimmtheit oder Grenze
überhaupt,--ist in seiner vollkommenen Bestimmtheit die Zahl.  Das
Quantum unterscheidet sich

zweitens zunächst in extensives, an dem die Grenze als Beschränkung
der daseyenden Vielheit ist, alsdann indem dieses Daseyn ins
Fürsichseyn übergeht,--in intensives Quantum, Grad, welches als
fürsich und darin als gleichgültige Grenze ebenso unmittelbar
außersich, seine Bestimmtheit an einem anderen hat.  Als dieser
gesetzte Widerspruch, so einfach in sich bestimmt zu seyn und seine
Bestimmtheit außer sich zu haben und für sie außer sich zu weisen,
geht das Quantum

drittens, als das an sich selbst äußerliche Gesetzte in die
quantitative Unendlichkeit über.

A.  Die Zahl.

Die Quantität ist Quantum, oder hat eine Grenze; sowohl als
kontinuirliche wie als diskrete Größe.  Der Unterschied dieser Arten
hat hier zunächst keine Bedeutung.

Die Quantität ist als das aufgehobene Fürsichseyn schon an und für
sich selbst gegen ihre Grenze gleichgültig.  Aber damit ist ihr
ebenso die Grenze, oder ein Quantum zu seyn, nicht gleichgültig; denn
sie enthält das Eins, das absolute Bestimmtseyn, in sich als ihr
eigenes Moment, das also als gesetzt an ihrer Kontinuität oder
Einheit ihre Grenze ist, die aber als Eins, zu dein sie überhaupt
geworden, bleibt.

Dieß Eins ist also das Princip des Quantums, aber das Eins als der
Quantität.  Dadurch ist es erstlich kontinuirlich, es ist Einheit;
zweitens ist es diskret, an sich seyende (wie in der kontinuirlichen)
oder gesetzte (wie in der diskreten Größe) Vielheit der Eins, welche
die Gleichheit miteinander, jene Kontinuität, dieselbe Einheit haben.
Drittens ist die ß Eins auch Negation der vielen Eins als einfache
Grenze, ein Ausschließen seines Andersseyns aus sich, eine Bestimmung
seiner gegen andere Quanta.  Das Eins ist insofern sich à) auf sich
beziehende, (ß) umschließende, und (ç) Anderes ausschließende Grenze.

Das Quantum in diesen Bestimmungen vollständig gesetzt, ist die Zahl.
Das vollständige Gesetztseyn liegt in dem Daseyn der Grenze als
Vielheit und damit ihrem Unterschiedenseyn von der Einheit.  Die Zahl
erscheint, deswegen als diskrete Größe, aber sie hat an der Einheit
ebenso die Kontinuität.  Sie ist darum auch das Quantum in
vollkommener Bestimmtheit; indem in ihr die Grenze als bestimmte
Vielheit, die das Eins, das schlechthin bestimmte, zu seinem Principe
hat.  Die Kontinuität, als in der das Eins nur an sich, als
Aufgehobenes ist,--gesetzt als Einheit,--ist die Form der
Unbestimmtheit.

Das Quantum nur als solches ist begrenzt überhaupt, seine Grenze ist
abstrakte, einfache Bestimmtheit desselben.  Indem es aber Zahl ist,
ist diese Grenze als in sich selbst mannigfaltig gesetzt.  Sie
enthält die vielen Eins, die ihr Daseyn ausmachen, enthält sie aber
nicht auf unbestimmte Weise, sondern die Bestimmtheit der Grenze
fällt in sie; die Grenze schließt anderes Daseyn, d. i. andere Viele
aus, und die von ihr umschlossenen Eins sind eine bestimmte Menge,
--die Anzahl, zu welcher als der Diskretion, wie sie in der Zahl ist,
das andere die Einheit, die Kontinuität derselben, ist.  Anzahl und
Einheit machen die Momente der Zahl aus.

Von der Anzahl ist noch näher zu sehen, wie die vielen Eins, aus
denen sie besteht, in der Grenze sind; von der Anzahl ist der
Ausdruck richtig, daß sie aus den Vielen besteht, denn die Eins sind
in ihr nicht als aufgehoben, sondern sind in ihr, nur mit der
ausschließenden Grenze gesetzt, gegen welche sie gleichgültig sind.
Aber diese ist es nicht gegen sie.  Beim Daseyn hatte sich zunächst
das Verhältniß der Grenze zu demselben so gestellt, daß das Daseyn
als das affirmative diesseits seiner Grenze bestehen blieb, und diese,
die Negation, außerhalb an seinem Rande sich befand; ebenso
erscheint an den vielen Eins das Abbrechen derselben und das
Ausschließen anderer Eins als eine Bestimmung, die außerhalb der
umschlossenen Eins fällt.  Aber es hat sich dort ergeben, daß die
Grenze das Daseyn durchdringt, soweit geht als dieses, und daß Etwas
dadurch seiner Bestimmung nach begrenzt, d. i. endlich ist.--So
stellt man im Quantitativen der Zahl etwa Hundert so vor, daß das
hundertste Eins allein die Vielen so begrenze, daß sie Hundert seyen.
Einer Seits ist dieß richtig; anderer Seits aber hat unter den
hundert Eins keines einen Vorzug, da sie nur gleich sind; jedes ist
ebenso das Hundertste; sie gehören also alle der Grenze an, wodurch
die Zahl Hundert ist; diese kann für ihre Bestimmtheit keines
entbehren; die anderen machen somit gegen das hundertste Eins kein
Daseyn aus, das außerhalb der Grenze oder nur innerhalb ihrer,
überhaupt verschieden von ihr wäre.  Die Anzahl ist daher nicht eine
Vielheit gegen das umschließende, begrenzende Eins, sondern macht
selbst diese Begrenzung aus, welche ein bestimmtes Quantum ist; die
Vielen machen eine Zahl, Ein Zwei, Ein Zehn, Ein Hundert u.s.f. aus.

Das begrenzende Eins ist nun das Bestimmtseyn gegen Anderes,
Unterscheidung der Zahl von andern.  Aber diese Unterscheidung wird
nicht qualitative Bestimmtheit, sondern bleibt quantitativ, fällt nur
in die vergleichende äußerliche Reflexion; die Zahl bleibt als Eins
in sich zurückgekehrt, und gleichgültig gegen Andere.  Diese
Gleichgültigkeit der Zahl gegen Andere ist wesentliche Bestimmung
derselben; sie macht ihr An-sich-bestimmtseyn, aber zugleich ihre
eigene Äußerlichkeit aus.--Sie ist so ein numerisches Eins, als das
absolut bestimmte, das zugleich die Form der einfachen
Unmittelbarkeit hat, und dem daher die Beziehung auf anderes völlig
äußerlich ist.  Als Eins, das Zahl ist, hat es ferner die
Bestimmtheit, insofern sie Beziehung auf Anderes ist, als seine
Momente in ihm selbst, in seinem Unterschiede der Einheit und der
Anzahl, und die Anzahl ist selbst Vielheit der Eins d. i. es ist in
ihm selbst diese absolute Äußerlichkeit.--Dieser Widerspruch der Zahl
oder des Quantums überhaupt in sich ist die Qualität des Quantums, in
deren weitern Bestimmungen sich dieser Widerspruch entwickelt.

Anmerkung 1.

Die Raumgröße und Zahlgröße pflegen so als zwei Arten betrachtet zu
werden, daß die Raumgröße für sich so sehr bestimmte Größe als die
Zahlgröße wäre; ihr Unterschied bestünde nur in den verschiedenen
Bestimmungen der Kontinuität und Diskretion; als Quantum aber stünden
sie auf derselben Stufe.  Die Geometrie hat im Allgemeinen in der
Raumgröße die kontinuirliche, und die Arithmetik in der Zahlgröße die
diskrete Größe zum Gegenstande.  Aber mit dieser Ungleichheit des
Gegenstandes haben sie auch nicht eine gleiche Weise und
Vollkommenheit der Begrenzung oder des Bestimmtseyns.  Die Raumgröße
hat nur die Begrenzung überhaupt; insofern sie als ein schlechthin
bestimmtes Quantum betrachtet werden soll, hat sie die Zahl nöthig.
Die Geometrie als solche mißt die Raumfiguren nicht, ist nicht
Meßkunst; sondern vergleicht sie nur.  Auch bei ihren Definitionen
sind die Bestimmungen zum Theil von der Gleichheit der Seiten, Winkel,
der gleichen Entfernung hergenommen.  So bedarf der Kreis, weil er
allein auf die Gleichheit der Entfernung aller in ihm möglichen
Punkte von einem Mittelpunkte beruht, zu seiner Bestimmung keiner
Zahl.  Diese auf Gleichheit oder Ungleichheit beruhenden Bestimmungen
sind ächt geometrisch.  Aber sie reichen nicht aus, und zu andern z.
B. Dreieck, Viereck, ist die Zahl erforderlich, die in ihrem Princip,
dem Eins das Für-sich-bestimmtseyn, nicht das Bestimmtseyn durch
Hülfe eines Andern, also nicht durch Vergleichung enthält.  Die
Raumgröße hat zwar an dem Punkte die dem Eins entsprechende
Bestimmtheit; der Punkt aber wird, insofern er außer sich kommt, ein
Anderes, er wird zur Linie; weil er wesentlich nur als Eins des
Raumes ist, wird er in der Beziehung, zu einer Kontinuität, in der
die Punktualität, das Für-sich-Bestimmtseyn, das Eins, aufgehoben ist.
Insofern das Für-sich-Bestimmtseyn im Außersichseyn sich erhalten
soll, muß die Linie als eine Menge von Eins vorgestellt werden, und
die Grenze, die Bestimmung der vielen Eins, in sich bekommen, d. h.
die Größe der Linie--eben so der anderen Raum-Bestimmungen--muß als
Zahl genommen werden.

Die Arithmetik betrachtet die Zahl und deren Figuren, oder vielmehr
betrachtet sie nicht, sondern operirt mit denselben.  Denn die Zahl
ist die gleichgültige Bestimmtheit, träge; sie muß von außen
bethätigt und in Beziehung gebracht werden.  Die Beziehungsweisen
sind die Rechnungsarten.  Sie werden in der Arithmetik nach einander
aufgeführt, und es erhellt, daß eine von der andern abhängt.  Der
Faden, der ihren Fortgang leitet, wird jedoch in der Arithmetik nicht
herausgehoben.

Aus der Begriffsbestimmung der Zahl selbst aber ergiebt sich leicht
die systematische Zusammenstellung, auf welche der Vortrag dieser
Elemente in den Lehrbüchern einen gerechten Anspruch hat.  Diese
leitenden Bestimmungen sollen hier kurz bemerklich gemacht werden.

Die Zahl ist um ihres Principes, des Eins, willen ein äußerlich
Zusammengefaßtes überhaupt, eine schlechthin analytische Figur, die
keinen inneren Zusammenhang enthält.  Weil sie so nur ein äußerlich
Erzeugtes ist, ist alles Rechnen das Hervorbringen von Zahlen, ein
Zählen oder bestimmter: Zusammenzählen.  Eine Verschiedenheit dieses
äußerlichen Hervorbringens, das nur iminer dasselbe thut, kann allein
in einem Unterschiede der Zahlen gegeneinander, die zusammengezählt
werden sollen, liegen; solcher Unterschied muß selbst anderswoher und
aus äußerlicher Bestimmung genommen werden.

Der qualitative Unterschied, der die Bestimmtheit der Zahl ausmacht,
ist der, den wir gesehen, der Einheit und der Anzahl; auf diesen
reducirt sich daher alle Begriffsbestimmtheit, die in den
Rechnungsarten vorkommen kann.  Der Unterschied aber, der den Zahlen
als Quantis zukommt, ist die äußerliche Identität und der äußerliche
Unterschied, die Gleichheit und Ungleichheit, welches
Reflexionsmomente, und unter den Bestimmungen des Wesens beim
Unterschiede, abzuhandeln sind.

Ferner ist noch vorauszuschicken, daß Zahlen im Allgemeinen auf zwei
Weisen hervorgebracht werden können, entweder durch Zusammenfassen
oder durch Trennen bereits zusammengefaßter;--indem beides bei einer
auf dieselbe Weise bestimmten Art von Zählen Statt findet, so
entspricht einem Zusammenfassen von Zahlen, was man positive
Rechnungsart, ein Trennen, was man negative Rechnungsart nennen kann;
die Bestimmung der Rechnungsart selbst, ist von diesem Gegensatze
unabhängig.

Nach diesen Bemerkungen folgt hiermit die Angabe der Rechnungsweisen.
Das erste Erzeugen der Zahl ist das Zusammenfassen von Vielen als
solchen, d. i. deren jedes nur als Eins gesetzt ist,--das Numeriren.
Da die Eins äußerliche gegeneinander sind, stellen sie sich unter
einem sinnlichen Bilde dar, und die Operation, durch welche die Zahl
erzeugt wird, ist ein Abzählen an den Fingern, an Punkten u.s.f.  Was
Vier, Fünf u.s.f. ist, kann nur gewiesen werden.  Das Abbrechen, wie
viel zugefaßt werden soll, ist, indem die Grenze äußerlich ist, etwas
Zufälliges, Beliebiges.--Der Unterschied von Anzahl und Einheit, der
im Fortgange der Rechnungsarten eintritt, begründet ein System,
dyadisches, dekadisches u.s.f.--von Zahlen; ein solches beruht im
Ganzen auf der Beliebigkeit, welche Anzahl konstant wieder als
Einheit genommen werden soll.

Die durch das Numeriren entstandenen Zahlen werden wieder numerirt;
und indem sie so unmittelbar gesetzt sind, sind sie noch ohne alle
Beziehung auf einander bestimmt, gleichgültig gegen Gleichheit und
Ungleichheit, von zufälliger Grösse gegen einander,--daher ungleiche
überhaupt;--Addiren.--Daß 7 und 5 Zwölfe ausmacht, erfährt man
dadurch, daß zu den 7 noch 5 Eins an den Fingern oder sonst
hinzunumerirt werden,--wovon das Resultat nachher im Gedächtnisse,
auswendig, behalten wird; denn Innerliches ist nichts dabei.  Ebenso
daß 7 x 5 = 35 ist, weiß man durch das Abzählen an den Fingern u.s.f.,
daß zu einem Sieben noch eins hinzu numerirt, dieß fünf Mal
bewerkstelligt, und das Resultat gleichfalls auswendig behalten wird.
Die Mühe dieses Numerirens, der Erfindung der Summen, Produkte, ist
durch die fertigen Eins und Eins oder Eins mal Eins, die man nur
auswendig zu lernen hat, abgethan.

Kant hat (in der Einleitung zur Kritik der reinen Vernunft V.) den
Satz: 7 + 5 = 12, als einen synthetischen Satz betrachtet.  "Man
sollte," sagt er, "anfänglich zwar denken, (gewiß!) er sey ein bloß
analytischer Satz, der aus dem Begriffe einer Summe von Sieben und
Fünf nach dem Satz des Widerspruchs erfolge." Der Begriff der Summe
heißt weiter nichts, als die abstrakte Bestimmung, daß diese zwei
Zahlen zusammengefaßt werden sollen, und zwar als Zahlen auf eine
äußerliche, d. i. begrifflose Weise,--daß von Sieben weiter numerirt
werden soll, bis die hinzuzufügenden Eins, deren Anzahl auf Fünf
bestimmt ist, erschöpft worden; das Resultat führt den sonst
bekannten Nahmen Zwölfe.  "Allein," fährt Kant fort, "wenn man es
näher betrachtet, so findet man, daß der Begriff der Summe von 7 + 5
nichts weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine
einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese
einzige Zahl sey, die beide zusammenfaßt;"--"ich mag meinen Begriff
von einer solchen möglichen Summe noch so sehr zergliedern, so werde
ich doch darin die Zwölfe nicht antreffen." Mit dem Denken der Summe,
Zergliederung des Begriffs, hat der Übergang von jener Aufgabe zu dem
Resultat allerdings nichts [zu] thun; "man muß über diese Begriffe
hinausgehen und die Anschauung, fünf Finger u.s.f. zu Hülfe nehmen
und so die Einheiten der in der Anschauung gegebenen Fünf zu dem
Begriffe von Sieben hinzuthun," fügt er hinzu.  Fünf ist allerdings
in der Anschauung gegeben, d. h. ein ganz äußerliches
Zusammengefügtseyn des beliebig wiederholten Gedankens, Eins; aber
Sieben ist ebenso wenig ein Begriff; es sind keine Begriffe vorhanden,
über die man hinausgeht.  Die Summe von 5 und 7 heißt die
begrifflose Verbindung beider Zahlen, das so begrifflos fortgesetzte
Numeriren von Sieben an, bis die Fünfe erschöpft sind, kann man ein
Zusammenfügen, ein Synthesiren, gerade wie das Numeriren von Eins an,
nennen--ein Synthesiren, das aber gänzlich analytischer Natur ist,
indem der Zusammenhang ein ganz gemachter, nichts darin ist noch
hineinkommt, was nicht ganz äußerlich vorliegt.  Das Postulat 5 zu 7
zu addiren verhält sich zu dem Postulate, überhaupt zu numeriren, wie
das Postulat eine gerade Linie zu verlängern, zu dem, eine gerade
Linie zu ziehen.

So leer als der Ausdruck Synthesiren ist, ist die Bestimmung, daß es
a priori geschehe.  Zählen ist allerdings keine Empfindungsbestimmung,
die für das a posteriori nach der kantischen Bestimmung von
Anschauung allein übrig bleibt, und Zählen ist wohl eine
Beschäftigung auf dem Boden des abstrakten Anschauens, d. i. welches
durch die Kategorie des Eins bestimmt und wobei von allen anderen
Empfindungsbestimmungen, ebenso sehr als auch von Begriffen
abstrahirt ist.  Das a priori ist überhaupt etwas nur Vages; die
Gefühlsbestimmung hat als Trieb, Sinn u.s.f. ebenso sehr das Moment
der Aprioritaet in ihr, als Raum und Zeit als existirend, Zeitliches
und Räumliches, a posteriori bestimmt ist.

Im Zusammenhange hiermit kann hinzugefügt werden, daß Kants
Behauptung von der synthetischen Beschaffenheit der Grundsätze der
reinen Geometrie ebenso wenig etwas Gründliches enthält.  Indem er
angiebt, daß mehrere wirklich analytisch seyen, so ist allein der
Grundsatz, daß die gerade Linie zwischen zwei Punkten die kürzeste
ist, für jene Vorstellung angeführt.  "Mein Begriff vom Geraden
enthalte nämlich nichts von Größe, sondern nur eine Qualität; der
Begriff des Kürzesten komme also gänzlich hinzu, und könne durch
keine Zergliederung aus dem Begriffe der geraden Linie gezogen werden;
Anschauung müsse also hier zu Hülfe genommen werden, vermittelst
deren allein die Synthesis möglich sey."--Es handelt sich aber auch
hier nicht von einem Begriffe des Geraden überhaupt, sondern von
gerader Linie, und dieselbe ist bereits ein Räumliches, Angeschautes.
Die Bestimmung (oder wenn man will, der Begriff) der geraden Linie
ist doch wohl keine anderes als daß sie die schlechthin einfache
Linie ist, d. i. in dem Außersichkommen (der sogenannten Bewegung des
Punktes) schlechthin sich auf sich bezieht, in deren Ausdehnung keine
Art von Verschiedenheit der Bestimmung, keine Beziehung auf einen
anderen Punkt, oder Linie außerhalb ihrer gesetzt ist, hält;--die
schlechthin in sich einfache Richtung.  Diese Einfachheit ist
allerdings ihre Qualität, und wenn die gerade Linie schwer analytisch
zu definiren scheinen sollte, so wäre es nur um der Bestimmung der
Einfachheit oder Beziehung auf sich selbst willen, und bloß weil die
Reflexion beim Bestimmen zunächst vornehmlich eine Mehrheit, ein
Bestimmen durch andere, vor sich hat; es ist aber für sich
schlechthin nichts Schweres, diese Bestimmung der Einfachheit der
Ausdehnung in sich, ihrer Bestimmungslosigkeit durch Anderes, zu
fassen;--Euklids Definition enthält nichts Anderes als diese
Einfachheit.--Der Übergang nun aber dieser Qualität zur quantitativen
Bestimmung (des Kürzesten), welcher das Synthetische ausmachen sollte,
ist ganz nur analytisch.  Die Linie ist als räumlich, Quantität
überhaupt; das Einfachste, vom Quantum gesagt, ist das Wenigste, und
dieß von einer Linie gesagt, ist das Kürzeste.  Die Geometrie kann
diese Bestimmungen als Corollarium zur Definition aufnehmen; aber
Archimedes in seinen Büchern über Kugel und Cylinder (s.  Haubers
Übers.  S. ) hat am zweckmäßigsten gethan, jene Bestimmung der
geraden Linie als Grundsatz hinzustellen, in ebenso richtigem Sinne,
als Euklides die Bestimmung, die Parallellinien betreffend, unter die
Grundsätze gestellt hat, da die Entwickelung dieser Bestimmung, um zu
einer Definition zu werden, gleichfalls nicht der Räumlichkeit
unmittelbar angehörige, sondern abstraktere qualitative Bestimmungen,
wie vorhin Einfachheit, Gleichheit der Richtung und dergleichen
erfordert hätte.  Diese Alten haben auch ihren Wissenschaften
plastischen Charakter gegeben, ihre Darstellung streng in der
Eigenthümlichkeit ihres Stoffes gehalten, daher das ausgeschlossen,
was für denselben heterogener Art gewesen wäre.

Der Begriff, den Kant in den synthetischen Urtheilen a priori
aufgestellt hat,--der Begriff von Unterschiedenem, das ebenso
untrennbar ist, einem Identischen, das an ihm selbst ungetrennt
Unterschied ist, gehört zu dem Grossen und Unsterblichen seiner
Philosophie.  Im Anschauen ist dieser Begriffe da er der Begriff
selbst und Alles an sich der Begriff ist, freilich gleichfalls
vorhanden; aber die Bestimmungen, die in jenen Beispielen
herausgenommen sind, stellen ihn nicht dar; vielmehr ist die Zahl und
das Zählen eine Identität und Hervorbringen einer Identität, die
schlechthin nur äußerlich, nur oberflächliche Synthese ist, eine
Einheit von Eins, solchen, die vielmehr als an ihnen nicht identisch
mit einander, sondern äußerliche, für sich getrennte, gesetzt sind;
in der geraden Linie hat die Bestimmung, die kleinste zwischen zwei
Punkten zu seyn, vielmehr nur das Moment des abstrakt Identischen,
ohne Unterschied an ihm selbst, zu Grunde zu liegen.

Ich kehre von dieser Unterbrechung zum Addiren selbst zurück.  Die
ihm entsprechende, negative Rechnungsart, das Subtrahiren, ist das
ebenso ganz analytische Trennen in Zahlen, die wie im Addiren, nur
als Ungleiche überhaupt gegeneinander bestimmt sind.

2.  Die nächste Bestimmung ist die Gleichheit der Zahlen, die numerirt
werden sollen.  Durch diese Gleichheit sind sie eine Einheit, und es
tritt hiermit an der Zahl der Unterschied von Einheit und Anzahl ein.
Die Multiplikation ist die Aufgabe, eine Anzahl von Einheiten, die
selbst eine Anzahl sind, zusammenzuzählen.  Es ist dabei gleichgültig,
welche von den beiden Zahlen als Einheit und welche als Anzahl
angegeben, ob viermal drei, wo Vier die Anzahl, und drei die Einheit
ist, oder umgekehrt dreimal vier, gesagt wird.--Es ist oben schon
angegeben, daß das ursprüngliche Finden des Produkts durch das
einfache Numeriren, d. i. das Abzählen an den Fingern u.s.f.
bewerkstelligt wird; das spätere unmittelbare Angebenkönnen des
Produkts beruht auf der Sammlung jener Produkte, dem Einmaleins, und
dem Auswendig-Wissen desselben.

Die Division ist die negative Rechnungsart nach derselben Bestimmung
des Unterschieds.  Es ist ebenso gleichgültig, welcher von beiden
Faktoren, der Divisor oder der Quotient, als Einheit oder als Anzahl
bestimmt wird.  Der Divisor wird als Einheit und der Quotient als
Anzahl bestimmt, wenn die Aufgabe der Division ausgesprochen wird,
daß man sehen wolle, wie oft (Anzahl) eine Zahl (Einheit) in einer
gegebenen enthalten sey; umgekehrt wird der Divisor als Anzahl und
der Quotient als Einheit genommen, wenn gesagt wird, man soll eine
Zahl in eine gegebene Anzahl gleicher Theile theilen und die Grösse
solchen Theils (der Einheit) finden.

3.  Die beiden Zahlen, welche als Einheit und Anzahl gegeneinander
bestimmt sind, sind als Zahl noch unmittelbar gegeneinander, und
daher überhaupt ungleich.  Die weitere Gleichheit ist die der Einheit
und der Anzahl selbst; so ist der Fortgang zur Gleichheit der
Bestimmungen, die in der Bestimmung der Zahl liegen, vollendet.  Das
Zählen, nach dieser vollständigen Gleichheit ist das Potenziren, (die
negative Rechnungsart das Wurzelausziehen)--und zwar zunächst das
Erheben einer Zahl ins Quadrat,--das vollkommene Bestimmtseyn des
Numerirens in sich selbst, wo 1) die vielen Zahlen, die addirt werden,
dieselben sind, und 2) deren Vielheit oder Anzahl selbst dieselbe
ist mit der Zahl, die vielmal gesetzt wird, die Einheit ist.  Es sind
sonst keine Bestimmungen in dem Begriffe der Zahl, die einen
Unterschied darbieten könnten; noch kann ein weiteres Ausgleichen des
Unterschiedes, der in in der Zahl liegt, Statt finden.  Erhebung in
höhere Potenzen als in das Quadrat, ist eine formelle Fortsetzung
Theils--bei den geraden Exponenten,--nur eine Wiederholung des
Quadrirens, Theils bei den ungeraden Potenzen--tritt wieder die
Ungleichheit ein; bei der nämlich formellen Gleichheit (z.B.
zunächst beim Kubus) des neuen Faktors mit der Anzahl sowohl als mit
der Einheit, ist er als Einheit, gegen die Anzahl (das Quadrat, 3
gegen 3. 3) ein Ungleiches; noch mehr beim Kubus von Vier, wo die
Anzahl, 3, nach der die Zahl, die die Einheit ist, mit sich
multiplicirt werden soll, von dieser selbst verschieden ist.--Es sind
an sich diese Bestimmungen als der wesentliche Unterschied des
Begriffs, die Anzahl und die Einheit, vorhanden, welche für das
vollständige In-sich-Zurückgehen des Außer-sich-gehens auszugleichen
sind.  In dem so eben Dargestellten liegt weiter der Grund, warum
Theils die Auflösung der höheren Gleichungen in der Zurückführung auf
die quadratische bestehen muß, Theils warum die Gleichungen von
ungeraden Exponenten sich nur formell bestimmen, und gerade wenn die
Wurzeln rational sind, diese sich nicht anders als durch einen
imaginären Ausdruck, d. h. der das Gegentheil dessen ist, was die
Wurzeln sind und ausdrücken, finden lassen.--Das Quadrat der
Arithmetik enthält nach dem Angegebenen, allein das
Schlechthin-Bestimmtseyn in sich; weswegen die Gleichungen mit
weitern formellen Potenzen darauf zurückgeführt werden müssen, gerade
wie das rechtwinklichte Dreieck in der Geometrie das
Schlechthin-in-sich-Bestimmtseyn enthält, das im pythagoräischen
Lehrsatz exponirt ist, weswegen auch darauf für die totale Bestimmung
alle anderen geometrischen Figurationen reducirt werden müssen.

Ein nach einem logisch gebildetem Urtheile fortschreitender
Unterricht handelt die Lehre von den Potenzen vor der Lehre über die
Proportionen ab; diese schließen sich zwar an den Unterschied von
Einheit und Anzahl an, der die Bestimmung der zweiten Rechnungsart
ausmacht, aber sie treten aus dem Eins des unmittelbaren Quantums, in
welchem Einheit und Anzahl nur Momente sind, heraus; die
Fortbestimmung nach demselben bleibt ihm selbst auch noch äußerlich.
Die Zahl im Verhältnisse ist nicht mehr als unmittelbares Quantum; es
hat seine Bestimmtheit dann als Vermittelung; das quantitative
Verhältniß wird im Nachfolgenden betrachtet.

Von der angegebenen Fortbestimmung der Rechnungsarten kann gesagt
werden, daß sie keine Philosophie über dieselben, keine Darlegung
etwa ihrer innern Bedeutung sey, weil sie in der That nicht eine
immanente Entwickelung des Begriffes ist.  Aber die Philosophie muß
dieß zu unterscheiden wissen, was seiner Natur nach ein sich selbst
äußerlicher Stoff ist, daß dann an einem solchen der Fortgang des
Begriffs nur auf äußerliche Weise geschehen, und dessen Momente auch
nur in der eigenthümlichen Form ihrer Äußerlichkeit, wie hier
Gleichheit und Ungleichheit, seyn können.  Die Unterscheidung der
Sphären, in welche eine bestimmte Form des Begriffs gehört, d. h. als
Existenz vorhanden ist, ist ein wesentliches Erforderniß zum
Philosophiren über reale Gegenstände, um nicht das Äußerliche und
Zufällige durch Ideen in seiner Eigenthümlichkeit zu stören, wie
diese Ideen durch die Unangemessenheit des Stoffes zu entstellen und
formell zu machen.  Jene Äußerlichkeit aber, in welcher die
Begriffsmomente an jenem äußerlichen Stoffe, der Zahl, erscheinen,
ist hier die angemessene Form; indem sie den Gegenstand in seinem
Verstande darstellen, auch da sie keine spekulative Anforderung
enthalten und daher leicht erscheinen, verdienen sie in den
Lehrbüchern der Elemente angewendet zu werden.

Anmerkung 2.

Bekanntlich hat Pythagoras Vernunftverhältnisse oder Philosopheme in
Zahlen dargestellt, auch in neueren Zeiten ist von ihnen und Formen
ihrer Beziehungen, wie Potenzen u.s.f. in der Philosophie Gebrauch
gemacht worden, um die Gedanken darnach zu reguliren oder damit
auszudrücken.--In pädagogischer Rücksicht ist die Zahl für den
geeignetsten Gegenstand des innern Anschauens, und die rechnende
Beschäftigung mit Verhältnissen derselben für die Thätigkeit des
Geistes gehalten worden, worin er seine eigensten Verhältnisse und
überhaupt die Grundverhältnisse des Wesens zur Anschauung bringe.
--Wiefern der Zahl dieser hohe Werth beikommen könne, geht aus ihrem
Begriffe hervor, wie er sich ergeben hat.

Die Zahl sahen wir als die absolute Bestimmtheit der Quantität, und
ihr Element als den gleichgültig gewordenen Unterschied;--die
Bestimmtheit an sich, die zugleich völlig nur äußerlich gesetzt ist.
Die Arithmetik ist analytische Wissenschaft, weil alle Verknüpfungen
und Unterschiede, die an ihrem Gegenstande vorkommen, nicht in ihm
selbst liegen, sondern ihm völlig äußerlich angethan sind.  Sie hat
keinen konkreten Gegenstand, welcher innere Verhältnisse an sich
hätte, die zunächst für das Wissen verborgen, nicht in der
unmittelbaren Vorstellung von ihm gegeben, sondern erst durch die
Bemühung des Erkennens herauszubringen wären.  Sie enthält nicht nur
den Begriff und damit die Aufgabe für das begreifende Denken nicht,
sondern ist das Gegentheil desselben.  Um der Gleichgültigkeit des
Verknüpften gegen die Verknüpfung, der die Nothwendigkeit fehlt,
willen, befindet sich das Denken hier in einer Thätigkeit, die
zugleich die äußerste Entäußerung seiner selbst ist, in der
gewaltsamen Thätigkeit, sich in der Gedankenlosigkeit zu bewegen und
das keiner Nothwendigkeit Fähige zu verknüpfen.  Der Gegenstand ist
der abstrakte Gedanke der Äußerlichkeit selbst.

Als dieser Gedanke der Äußerlichkeit ist die Zahl zugleich die
Abstraktion von der sinnlichen Mannigfaltigkeit; sie hat von dem
Sinnlichen nichts als die abstrakte Bestimmung der Äußerlichkeit
selbst behalten; hierdurch ist dieses in ihr dem Gedanken am nächsten
gebracht; sie ist der reine Gedanke der eignen Entäußerung des
Gedankens.

Der Geist, der sich über die sinnliche Welt erhebt, und sein Wesen
erkennt, indem er ein Element für seine reine Vorstellung, für den
Ausdruck seines Wesens sucht, kann daher, ehe er den Gedanken selbst
als dieß Element faßt, und für dessen Darstellung den rein geistigen
Ausdruck gewinnt, darauf verfallen, die Zahl, diese innerliche,
abstrakte Äußerlichkeit zu wählen.  Darum sehen wir in der Geschichte
der Wissenschaft früh die Zahl zum Ausdruck von Philosophemen
gebraucht werden.  Sie macht die letzte Stufe der Unvollkommenheit
aus, das Allgemeine mit Sinnlichem behaftet zu fassen.  Die Alten
haben das bestimmte Bewußtseyn darüber gehabt, daß die Zahl zwischen
dem Sinnlichen und dem Gedanken in der Mitte stehe.  Aristoteles
führt es von Plato an (Metaphys.  I,5) daß derselbe sage, daß außer
dem Sinnlichen und den Ideen die mathematischen Bestimmungen der
Dinge dazwischen stehen, von dem Sinnlichen dadurch unterschieden sey,
daß sie unsichtbar (ewig) und unbewegt seyen, von den Ideen aber,
daß sie ein Vieles und ein Ähnliches seyen, die Idee aber schlechthin
nur identisch mit sich und in sich Eines sey.--Eine ausführlichere
gründlich gedachte Reflexion hierüber von Moderatus aus Cadix wird in
Malchi Vita Pythagorae ed.  Ritterhus. p. 30f. angeführt; daß die
Pythagoräer auf die Zahlen gefallen seyen, schreibt er dem zu, daß
sie noch nicht vermocht haben, die Grundideen und ersten Principien
deutlich in der Vernunft zu fassen, weil diese Principien schwer zu
denken und schwer auszusprechen seyen; die Zahlen dienen zur
Bezeichnung gut beim Unterrichte; sie haben darin unter anderem die
Geometer nachgeahmt, welche das Körperliche nicht in Gedanken
ausdrücken können, die Figuren gebrauchen, und sagen, dieß sey ein
Dreieck, wobei sie aber wollen, daß nicht die in die Augen fallende
Zeichnung für das Dreieck genommen, sondern damit nur der Gedanke
desselben vorgestellt sey.  So haben die Pythagoräer den Gedanken der
Einheit, der Dieselbigkeit und Gleichheit und den Grund der
Übereinstimmung, des Zusammenhangs und der Erhaltung von Allem, des
mit sich selbst Identischen, als Eins ausgesprochen u.s.f.--Es ist
überflüssig zu bemerken, daß die Pythagoräer von dem Zahlenauch zum
Gedanken-Ausdruck, zu den ausdrücklichen Kategorien des Gleichen und
Ungleichen, der Grenze und der Unendlichkeit übergegangen sind, es
wird schon in Ansehung jener Zahlausdrücke (ebend. in den Anm. zu p.
31 l.s. aus einem Leben des Pythagoras bei Photius p. 772) angeführt,
daß die Pythagoräer zwischen der Monas und dem Eins unterschieden
haben; die Monas haben sie als den Gedanken genommen, das Eins aber
als die Zahl; ebenso die Zwei für das Arithmetische, die Dyas (denn
so soll es daselbst wohl heißen) für den Gedanken des Unbestimmten.
--Diese Alten sahen vors Erste das Ungenügende der Zahlformen für
Gedankenbestimmungen sehr richtig ein, und ebenso richtig forderten
sie ferner stattjenes ersten Nothbehelfs für Gedanken den
eigenthümlichen Ausdruck; um wie viel weiter waren sie in ihrem
Nachdenken gekommen, als die, welche heutigestages wieder Zahlen
selbst und Zahlbestimmungen, wie Potenzen, dann das Unendlichgroße,
Unendlichkleine, Eins dividirt durch das Unendliche und sonstige
solche Bestimmungen, die selbst auch oft ein verkehrter
mathematischer Formalismus sind, an die Stelle von
Gedankenbestimmungen zu setzen und zu jener unvermögenden Kindheit
zurückzukehren, für etwas Löbliches, ja Gründliches und Tiefes halten.

Wenn vorhin der Ausdruck angeführt worden, daß die Zahl zwischen dem
Sinnlichen und dem Gedanken stehe, indem sie zugleich von jenem dieß
habe, das Viele, das Außereinander, an ihr zu seyn, so ist zu
bemerken, daß dieses Viele selbst, das in den Gedanken aufgenommene
Sinnliche, die ihm angehörige Kategorie des an ihm selbst Äußerlichen
ist.  Die weiteren, konkreten, wahren Gedanken, das Lebendigste,
Beweglichste, nur im Beziehen Begriffene, in dieses Element des
Außersichseyns selbst versetzt, werden zu todten, bewegungslosen
Bestimmungen.  Je reicher an Bestimmtheit und damit an Beziehung die
Gedanken werden, desto verworrener einer Seits und desto
willkürlicher und sinnleerer anderer Seits wird ihre Darstellung in
solchen Formen, als die Zahlen sind.  Das Eins, das Zwei, das Drei,
das Vier, Henas oder Monas, Dyas, Trias, Tetraktys, liegen noch den
ganz einfachen abstrakten Begriffen nahe; aber wenn Zahlen zu
konkreten Verhältnissen übergehen sollen, so ist es vergeblich, sie
noch dem Begriffe nahe erhalten zu wollen,

Wenn nun aber die Denkbestimmungen durch Eins, Zwei, Drei, Vier für
die Bewegung des Begriffs, als durch welche er allein Begriff ist,
bezeichnet werden, so ist dieß das Härteste, was dem Denken
zugemuthet wird.  Es bewegt sich im Elemente seines Gegentheils, der
Beziehungslosigkeit; sein Geschäfte ist die Arbeit der Verrücktheit.
Daß z.B. Eins Drei, und Drei Eins ist, zu begreifen, ist darum
diese harte Zumuthung, weil das Eins das Beziehungslose ist, also
nicht an ihm selbst die Bestimmung zeigt, wodurch es in sein
Entgegengesetztes übergeht, sondern vielmehr dieß ist, eine solche
Beziehung schlechthin auszuschließen und zu verweigern.  Umgekehrt
benutzt dieß der Verstand gegen die spekulative Wahrheit (wie z.B.
gegen die in der Lehre, welche die der Dreieinigkeit genannt wird,
niedergelegte) und zählt die Bestimmungen derselben, welche Eine
Einheit ausmachen, um sie als klaren Widersinn aufzuzeigen,--d. h. er
selbst begeht den Widersinn, das, was schlechthin Beziehung ist, zum
Beziehungslosen zu machen.  Bei dem Namen Dreieinigkeit ist freilich
nicht darauf gerechnet worden, daß vom Verstand das Eins und die Zahl
als die wesentliche Bestimmtheit des Inhalts betrachtet werden würde.
Jener Name drückt die Verachtung gegen den Verstand aus, der aber
seine Eitelkeit, am Eins und der Zahl als solcher zu halten,
festgestellt und sie gegen die Vernunft gestellt hat.

Zahlen, geometrische Figuren, wie dieß viel vom Kreis, Dreieck u.s.f.
geschen ist, als bloße Symbole (des Kreises, z.B. von der Ewigkeit,
des Dreiecks von der Dreieinigkeit) zu nehmen ist--einer Seits etwas
Unverfängliches; aber thöricht ist es anderer Seits, zu meinen, daß
dadurch mehr ausgedrückt sey, als der Gedanke zu fassen und
auszudrücken vermöge.  Wenn in solchen Symbolen, wie in andern, die
von der Phantasie in den Mythologien der Völker und in der Dichtkunst
überhaupt erzeugt werden, gegen welche die phantasielosen
geometrischen Figuren ohnehin dürftig sind, wie auch in diesen eine
tiefe Weisheit, tiefe Bedeutung liegen soll, so ist es eben dem
Denken allein darum zu thun, die Weisheit, die nur darin liegt, und
nicht nur in Symbolen, sondern in der Natur und im Geiste, heraus zu
Tage zu fördern; in Symbolen ist die Wahrheit durch das sinnliche
Element noch getrübt und verhüllt; ganz offenbar wird sie allein dem
Bewußtseyn in der Form des Gedanken; die Bedeutung ist nur der
Gedanke selbst.

Aber mathematische Kategorien herbeizunehmen, um daraus für die
Methode oder den Inhalt philosophischer Wissenschaft etwas bestimmen
zu wollen, zeigt sich wesentlich dadurch als etwas Verkehrtes, daß
insofern mathematische Formeln Gedanken und Begriffsunterschiede
bedeuten, diese ihre Bedeutung sich vielmehr zuerst in der
Philosophie anzugeben, zu bestimmen und zu rechtfertigen hat.  In
ihren konkreten Wissenschaften hat diese das Logische aus der Logik,
nicht aus der Mathematik zu nehmen; es kann nur ein Nothbehelf der
philosophischen Unvermögenheit seyn, zu den Gestaltungen, die das
Logische in anderen Wissenschaften annimmt, und deren viele nur
Ahnungen, andere auch Verkümmerungen desselben sind, für das Logische
der Philosophie seine Zuflucht zu nehmen.  Die bloße Anwendung
solcher entlehnten Formeln ist ohnehin ein äußerliches Verhalten; der
Anwendung selbst müßte ein Bewußtseyn über ihren Werth wie über ihre
Bedeutung vorangehen; ein solches Bewußtseyn aber giebt nur die
denkende Betrachtung, nicht die Autorität derselben aus der
Mathematik.  Solches Bewußtseyn über sie ist die Logik selbst, und
dieß Bewußtseyn streift ihre partikulare Form ab, macht diese
überflüssig und unnütz, berichtigt sie und verschafft ihnen allein
ihre Berechtigung, Sinn und Werth.

Was es mit dem Gebrauche der Zahl und des Rechnens auf sich hat,
insofern er eine pädagogische Hauptgrundlage ausmachen soll, geht aus
dem Bisherigen von selbst hervor.  Die Zahl ist ein unsinnlicher
Gegenstand, und die Beschäftigung mit ihr und ihren Verbindungen, ein
unsinnliches Geschäft; der Geist wird somit dadurch zur Reflexion in
sich und einer innerlichen abstrakten Arbeit angehalten, was eine
große, jedoch einseitige Wichtigkeit hat.  Denn auf der anderen Seite,
da der Zahl nur der äußerliche, gedankenlose Unterschied zu Grunde
liegt, wird jenes Geschäfte ein gedankenloses, mechanisches.  Die
Kraftanstrengung besteht vornehmlich darin, Begriffloses festzuhalten,
und begrifflos es zu verbinden.  Der Inhalt ist das leere Eins; der
gediegene Gehalt des sittlichen und geistigen Lebens und der
individuellen Gestaltungen desselben, mit welchem als der edelsten
Nahrung die Erziehung den jugendlichen Geist großziehen soll, sollte
von dem inhaltslosen Eins verdrängt werden; die Wirkung, wenn jene
Übungen zur Hauptsache und Hauptbeschäftigung gemacht werden, kann
keine andere seyn, als den Geist nach Form und Inhalt auszuhöhlen und
abzustumpfen.  Weil das Rechnen ein so sehr äußerliches, somit
mechanisches Geschäft ist, haben sich Maschinen verfertigen lassen,
welche die arithmetischen Operationen aufs vollkommenste vollführen.
Wenn man über die Natur des Rechnens nur diesen Umstand allein kennte,
so läge darin die Entscheidung, was es mit dem Einfalle für eine
Bewandniß hatte, das Rechnen zum Hauptbildungsmittel des Geistes zu
machen, und ihn auf die Folter, sich zur Maschine zu vervollkommnen,
zu legen.

B.  Extensives und intensives Quantum

a.  Unterschied derselben.

1.  Das Quantum hat, wie sich vorhin ergeben, seine Bestimmtheit als
Grenze in der Anzahl.  Es ist ein in sich Diskretes, ein Vieles, das
nicht ein Seyn hat, welches verschieden wäre von seiner Grenze und
sie außer ihm hätte.  Das Quantum so mit seiner Grenze, die ein
Vielfaches an ihr selbst ist, ist extensive Größe.

Die extensive Größe ist von der kontinuirlichen zu unterscheiden;
jener steht direkt nicht die diskrete, sondern die intensive
gegenüber.  Extensive und intensive Größe sind Bestimmtheiten der
quantitativen Grenze selbst, das Quantum aber ist identisch mit
seiner Grenze; kontinuirliche und diskrete Größe sind dagegen
Bestimmungen der Größe an sich, d. i. der Quantität als solcher,
insofern beim Quantum von der Grenze abstrahirt wird.--Die extensive
Größe hat das Moment der Kontinuität an ihr selbst und in ihrer
Grenze, indem ihr Vieles überhaupt Kontinuirliches ist; die Grenze
als Negation erscheint insofern an dieser Gleichheit der Vielen, als
Begrenzung der Einheit.  Die kontinuirliche Größe ist die sich
fortsetzende Quantität ohne Rücksicht auf eine Grenze, und insofern
sie mit einer solchen vorgesstellt wird, ist diese eine Begrenzung
überhaupt, ohne daß die Diskretion an ihr gesetzt sey.  Das Quantum
nur als kontinuirliche Größe ist noch nicht wahrhaft für sich
bestimmt, weil sie des Eins, worin das Für-sich-bestimmtseyn liegt,
und der Zahl entbehrt.  Eben so ist die diskrete Größe unmittelbar
nur unterschiedenes Vieles überhaupt, das, insofern es als solches
eine Grenze haben sollte, nur eine Menge, d. h. ein unbestimmt
Begrenztes wäre; daß es als bestimmtes Quantum sey, dazu gehört das
Zusammenfassen des Vielen in Eins, wodurch sie mit der Grenze
identisch gesetzt werden.  Jede, die kontinuirliche und diskrete
Größe, als Quantum überhaupt hat nur eine der beiden Seiten an ihr
gesetzt, wodurch es vollkommen bestimmt und als Zahl ist.  Diese ist
unmittelbar extensives Quantum,--die einfache Bestimmtheit, die
wesentlich als Anzahl, jedoch als Anzahl einer und derselben Einheit
ist; es ist von der Zahl nur dadurch unterschieden, daß ausdrücklich
die Bestimmtheit als Vielheit in dieser gesetzt ist.

2.  Die Bestimmtheit jedoch, wie groß etwas ist, durch die Zahl,
bedarf nicht des Unterschiedes von etwas Anderem Großem, so daß zur
Bestimmtheit dieses Großen es selbst und ein Anderes Großes gehörte,
indem die Bestimmtheit der Größe überhaupt für-sich-bestimmte,
gleichgültige, einfach auf sich bezogene Grenze ist; und in der Zahl
ist sie gesetzt als eingeschlossen in das für-sich-seyende Eins, und
hat die Äußerlichkeit, die Beziehung-auf-Anderes innerhalb ihrer
selbst.  Dieses Viele der Grenze selbst ferner, ist wie das Viele
überhaupt, nicht ein in sich Ungleiches, sondern ein Kontinuirliches
jedes der Vielen ist was das Andere ist; es als vieles
Außereinanderseyendes oder Diskretes macht daher die Bestimmtheit als
solche nicht aus. dieß Viele fällt also für sich selbst in seine
Kontinuität zusammen und wird einfache Einheit.--Die Anzahl ist nur
Moment der Zahl; aber macht nicht als eine Menge von numerischen Eins
die Bestimmtheit der Zahl aus, sondern diese Eins als gleichgültige,
sich Äußerliche, sind im Zurückgekehrtseyn der Zahl in sich
aufgehoben; die Äußerlichkeit, welche die Eins der Vielheit ausmachte,
verschwindet in dem Eins, als Beziehung der Zahl auf sich selbst.

Die Grenze des Quantums, das als extensives seine daseyende
Bestimmtheit als die sich selbst äußerliche Anzahl hatte, geht also
in einfache Bestimmtheit über.  In dieser einfachen Bestimmung der
Grenze ist es intensive Größe; und die Grenze oder Bestimmtheit, die
mit dem Quantum identisch ist, ist nun auch so als Einfaches gesetzt,
--der Grad.

Der Grad ist also bestimmte Größe, Quantum, aber nicht zugleich Menge,
oder Mehreres innerhalb seiner selbst; er ist nur eine Mehrheit; die
Mehrheit ist das Mehrere in die einfache Bestimmung zusammengenommen,
das Daseyn in das Fürsichseyn zurückgegangen.  Seine Bestimmtheit muß
zwar durch eine Zahl ausgedrückt werden als dem vollkommenen
Bestimmtseyn des Quantums, aber ist nicht als Anzahl, sondern einfach,
nur Ein Grad.  Wenn von 10, 20 Graden gesprochen wird, ist das
Quantum, das so viele Grade hat, der zehente, zwanzigste Grad, nicht
die Anzahl und Summe derselben; so wäre es ein extensives; sondern es
ist nur Einer, der zehnte, zwanzigste Grad.  Er enthält die
Bestimmtheit, welche in der Anzahl zehn, zwanzig liegt, aber enthält
sie nicht als Mehrere, sondern ist die Zahl als aufgehobene Anzahl,
als einfache Bestimmtheit.

3.  In der Zahl ist das Quantum in seiner vollständigen Bestimmtheit
gesetzt; als intensives Quantum aber als in ihrem Fürsichseyn, ist es
gesetzt, wie es seinem Begriffe nach oder an sich ist.  Die Form
nämlich der Beziehung auf sich, welche es im Grade hat, ist zugleich
das Sich-Äußerlichseyn desselben.  Die Zahl ist als extensives
Quantum numerische Vielheit, und hat so die Äußerlichkeit innerhalb
ihrer.  Diese, als Vieles überhaupt, fällt in die Ununterschiedenheit
zusammen, und hebt sich auf in dem Eins der Zahl, ihrer Beziehung auf
sich selbst.  Das Quantum hat aber seine Bestimmtheit als Anzahl; es
enthält, wie vorhin gezeigt worden, sie, ob sie gleich nicht mehr an
ihm gesetzt ist.  Der Grad also, der als in sich selbst einfach dieß
äußerliche Andersseyn nicht mehr in ihm hat, hat es außer ihm, und
bezieht sich darauf als auf seine Bestimmtheit.  Eine ihm äußerliche
Vielheit macht die Bestimmtheit der einfachen Grenze, welche er für
sich ist, aus.

Daß die Anzahl, insofern sie sich innerhalb der Zahl im extensiven
Quantum befinden sollte, sich darin aufhob, bestimmt sich somit dahin,
daß sie außerhalb derselben gesetzt ist.  Indem die Zahl als Eins,
in sich reflektirte Beziehung auf sich selbst gesetzt ist, schheßt
sie die Gleichgültigkeit und Äußerlichkeit der Anzahl aus sich aus,
und ist Beziehung auf sich als Beziehung durch sich selbst auf ein
Äußerliches.

Hierin hat das Quantum die seinem Begriffe gemäße Realität.  Die
Gleichgültigkeit der Bestimmtheit macht seine Qualität aus; d. i. die
Bestimmtheit, die an ihr selbst als die sich äußerliche Bestimmtheit
ist.--Sonach ist der Grad einfache Größenbestimmtheit unter einer
Mehrheit solcher Intensitäten, die verschieden, jede nur einfache
Beziehung auf sich selbst, zugleich aber in wesentlicher Beziehung
auf einander sind, so daß jede in dieser Kontinuität mit den anderen
ihre Bestimmtheit hat.  Diese Beziehung des Grades durch sich selbst
auf sein Anderes, macht das Auf- und Absteigen an der Skale der Grade
zu einem stätigen Fortgang, einem Fließen, das eine ununterbrochene,
untheilbare Veränderung ist; jedes der Mehrern, die darin
unterschieden werden, ist nicht getrennt von den Anderen, sondern hat
sein Bestimmtseyn nur in diesen.  Als sich auf sich beziehende
Größebestimmung ist jeder der Grade gleichgültig gegen die andern;
aber er ist eben so sehr an sich auf diese Äußerlichkeit bezogen, er
ist nur vermittelst derselben, was er ist, seine Beziehung auf sich
ist in einem die nicht gleichgültige Beziehung auf das Äußerliche,
hat in dieser seine Qualität.

b.  Identität der extensiven und intensiven Größe.

Der Grad ist nicht innerhalb seiner ein sich Äußerliches.  Allein er
ist nicht das unbestimmte Eins, das Princip der Zahl überhaupt, das
nicht Anzahl ist, als nur die negative, keine Anzahl zu sein.  Die
intensive Größe ist zunächst ein einfaches Eins der Mehrern; es sind
mehrere Grade; bestimmt sind sie aber nicht, weder als einfaches Eins,
noch als Mehrere, sondern nur in der Beziehung dieses Außersichseyns,
oder in der Identität des Eins und der Mehrheit.  Wenn also die
Mehreren als solche zwar außer dem einfachen Grade sind, so besteht
in seiner Beziehung auf sie seine Bestimmtheit; er enthält also die
Anzahl.  Wie zwanzig als extensive Größe die zwanzig Eins als
diskrete in sich enthält, so enthält der bestimmte Grad sie als
Kontinuität, welche diese bestimmte Mehrheit einfach ist; er ist der
zwanzigste Grad; und ist der zwanzigste Grad nur vermittelst dieser
Anzahl, die als solche außer ihm ist.

Die Bestimmtheit der intensiven Größe ist daher von doppelter Seite
zu betrachten.  Sie ist bestimmt durch andere intensive Quanta, und
ist in Kontinuität mit ihrem Andersseyn, so daß in dieser Beziehung
auf dasselbe ihre Bestimmtheit besteht.  Insofern sie nun erstens die
einfache Bestimmtheit ist, ist sie bestimmt gegen andere Grade; sie
schließt dieselben aus sich aus, und hat ihre Bestimmtheit in diesem
Ausschließen.  Aber zweitens ist sie an ihr selbst bestimmt; sie ist
dieß in der Anzahl, als in ihrer Anzahl, nicht in ihr als
ausgeschlossener, oder nicht in der Anzahl anderer Grade.  Der
zwanzigste Grad enthält die zwanzig an ihm selbst; er ist nicht nur
bestimmt als unterschieden vom neunzehnten, ein und zwanzigsten u.s.f.
sondern seine Bestimmtheit ist seine Anzahl.  Aber insofern die
Anzahl die seinige ist, und die Bestimmtheit ist zugleich wesentlich
als Anzahl, so ist er extensives Quantum.

Extensive und intensive Größe sind also eine und dieselbe
Bestimmtheit des Quantums; sie sind nur dadurch unterschieden, daß
die eine die Anzahl als innerhalb ihrer, die andere dasselbe, die
Anzahl als außer ihr hat.  Die extensive Größe geht in intensive
Größe über, weil ihr Vieles an und für sich in die Einheit
zusammenfällt, außer welcher das Viele tritt.  Aber umgekehrt hat
dieses Einfache seine Bestimmtheit nur an der Anzahl und zwar als
seiner; als gleichgültig gegen die anders bestimmten Intensitäten hat
es die Äußerlichkeit der Anzahl an ihm selbst; so ist die intensive
Größe eben so wesentlich extensive Größe.

Mit dieser Identität tritt das qualitative Etwas ein; denn sie ist
sich durch die Negation ihrer Unterschiede auf sich beziehende
Einheit, diese Unterschiede aber machen die daseyende
Größe-Bestimmtheit aus; diese negative Identität ist also Etwas, und
zwar das gegen seine quantitative Bestimmtheit gleichgültig ist.
Etwas ist ein Quantum, aber nun ist das qualitative Daseyn, wie es an
sich ist, als gleichgültig dagegen gesetzt.  Es konnte vom Quantum,
der Zahl als solcher u.s.f. ohne ein Etwas, das deren Substrat wäre,
gesprochen werden.  Aber nun tritt Etwas diesen seinen Bestimmungen,
durch deren Negation init sich vermittelt, als für sich daseyend
gegenüber, und, indem es ein Quantum hat, als dasselbe, welches ein
extensives und intensives Quantum habe.  Seine Eine Bestimmtheit, die
es als Quantum hat, ist in den unterschiedenen Momenten der Einheit
und der Anzahl gesetzt; sie ist nicht nur an sich Eine und dieselbe,
sondern ihr Setzen in diesen Unterschieden, als extensives und
intensives Quantum, ist das Zurückgehen in diese Einheit, die als
negative das gegen sie gleichgültig gesetzte Etwas ist.

Anmerkung 1.

In der gewöhnlichen Vorstellung pflegen extensives und intensives
Quantum so als Arten von Größen unterschieden zu werden, als ob es
Gegenstände gäbe, die nur intensive, andere, die nur extensive Größe
hätten.  Ferner ist die Vorstellung einer philosophischen
Naturwissenschaft hinzugekommen, welche das Mehrere, das Extensive, z.
B. in der Grundbestimmung der Materie, einen Raum zu erfüllen, so
wie in anderen Begriffen, in ein Intensives verwandelte, in dem Sinne,
daß das Intensive, als das Dynamische die wahrhafte Bestimmung sey,
und z.B. die Dichtigkeit oder specifische Raumerfüllung wesentlich
nicht als eine gewisse Menge und Anzahl materieller Theile in einem
Quantum Raum, sondern als ein gewisser Grad der raumerfüllenden Kraft
der Materie gefaßt werden müsse.

Es sind hierbei zweierlei Bestimmungen zu unterscheiden.  Bei dem,
was man die Umwandlung der mechanischen Betrachtungsweise in die
dynamische genannt hat, kommt der Begriff von außereinander
bestehenden selbstständigen Theilen, die nur äußerlich in ein Ganzes
verbunden sind, und der davon verschiedene Begriff von Kraft vor.
Was in der Raumerfüllung einer Seits nur als eine Menge einander
äußerlichen Atome angesehen wird, wird anderer Seits als die Äußerung
einer zu Grunde liegenden einfachen Kraft betrachtet.--Diese
Verhältnisse voll Ganzen und Theilen, der Kraft und ihrer Äußerung,
die hier einander gegenüber treten, gehören aber noch nicht hierher,
sondern werden weiterhin betrachtet werden.  Soviel läßt sich
sogleich erinnern, daß das Verhältniß von Kraft und ihrer Äußerung,
das dem Intensiven entspricht, zwar zunächst das wahrhaftere ist
gegen das Verhältniß von Ganzen und Theilen; aber daß darum die Kraft
nicht weniger einseitig als das Intensive, und die Äußerung, die
Äußerlichkeit des Extensiven, ebenso untrennbar von der Kraft ist, so
daß ein und derselbe Inhalt ebenso sehr in beiden Formen, des
Intensiven und des Extensiven, vorhanden ist.

Die andere Bestimmtheit, die dabei vorkommt, ist die quantitative als
solche, die als extensives Quantum aufgehoben und in den Grad, als
die wahrhaft seyn sollende Bestimmung, verwandelt wird; es ist aber
gezeigt worden, daß dieser ebenso die erstere enthält, so daß die
eine Form für die andere wesentlich ist, somit jedes Daseyn seine
Größebestimmung eben so sehr als extensives wie als intensives
Quantum darstellt.

Als Beispiel hiervon dient daher alles, insofern es in einer
Größebestimmung erscheint.  Selbst die Zahl hat diese gedoppelte Form
nothwendig unmittelbar an ihr.  Sie ist eine Anzahl, insofern ist sie
extensive Größe; aber sie ist auch Eins, ein Zehen, ein Hundert;
insofern steht sie auf dem Übergange zur intensiven Größe, indem in
dieser Einheit das Vielfache in Einfaches zusammengeht.  Eins ist
extensive Größe an sich, es kann als eine beliebige Anzahl von
Theilen vorgestellt werden.  So das Zehnte, das Hundertste ist dieß
Einfache, Intensive, das seine Bestimmtheit an dem außer ihm
fallenden Mehrern d. i. am Extensiven hat.  Die Zahl ist Zehen,
Hundert, und zugleich die Zehnte, Hundertste im Zahlensystem; beides
ist dieselbe Bestimmtheit.

Das Eins im Kreise heißt Grad, weil der Theil des Kreises wesentlich
seine Bestimmtheit in dem Mehrern außer ihm hat, als eines nur einer
geschlossenen Anzahl solcher Eins bestimmt ist.  Der Grad des Kreises
ist als bloße Raumgröße nur eine gewöhnliche Zahl; als Grad angesehen
ist er die intensive Größe, die einen Sinn nur hat, als bestimmt
durch die Anzahl von Graden, in die der Kreis getheilt ist, wie die
Zahl überhaupt ihren Sinn nur hat in der Zahlenreihe.

Die Größe eines konkretern Gegenstandes stellt ihre gedoppelte Seite,
extensiv und intensiv zu seyn, an den gedoppelten Bestimmungen seines
Daseyns dar, in deren einer er als ein Äußerliches, in der andern
aber als ein Innerliches erscheint.  So ist z.B. eine Masse als
Gewicht, ein extensiv-Großes, insofern sie eine Anzahl von Pfunden,
Centnern u.s.f. ausmacht; ein intensiv-Großes, insofern sie einen
gewissen Druck ausübt; die Größe des Drucks ist ein Einfaches, ein
Grad, der seine Bestimmtheit an einer Scale von Graden des Druckes
hat.  Als drückend erscheint die Masse als ein In-sich-seyn, als
Subjekt, dem der intensive Größenunterschied zukommt.--Umgekehrt was
diesen Grad des Drucks ausübt, ist vermögend, eine gewisse Anzahl von
Pfunden u.s.f. von der Stelle zu bewegen, und mißt seine Größe hieran.

Oder die Wärme hat einen Grad; der Wärmegrad, er sey der l0te, 20ste
u.s.f. ist eine einfache Empfindung, ein Subjektives.  Aber dieser
Grad ist eben so sehr vorhanden als extensive Größe, als die
Ausdehnung einer Flüssigkeit, des Quecksilbers im Thermometer, der
Luft oder des Thons u.s.f.  Ein höherer Grad der Temperatur drückt
sich aus als eine längere Quecksilbersäule, oder als ein schmälerer
Thoncylinder; er erwärmt einen größern Raum auf dieselbe Weise als
ein geringerer Grad nur den kleinern Raum.

Der höhere Ton ist als der intensivere, zugleich eine größere Menge
von Schwingungen, oder ein lauterer Ton, dem ein höherer Grad
zugeschrieben wird, macht sich in einem größern Raume hörbar.--Mit
der intensivern Farbe läßt sich eine größere Fläche, als mit einer
schwächern, auf gleiche Weise färben; oder das Hellere, eine andere
Art von Intensität, ist weiter sichtbar als das weniger Helle u.s.f.

Eben so im Geistigen ist die hohe Intensität des Charakters, Talents,
Genies, von eben so weitgreifendem Daseyn, ausgedehnter Wirkung und
vielseitiger Berührung.  Der tiefste Begriff hat die allgemeinste
Bedeutung und Anwendung.

Anmerkung 2.

Kant hat einen eigenthümlichen Gebrauch von der Anwendung der
Bestimmtheit des intensiven Quantums auf eine metaphysische
Bestimmung der Seele gemacht.  In der Kritik der metaphysischen Sätze
von der Seele, die er Paralogismen der reinen Vernunft nennt, kommt
er auf die Betrachtung des Schlusses von der Einfachheit der Seele
auf die Beharrlichkeit derselben.  Er setzt diesem Schlusse entgegen,
(Kr. d. r.  Vern.  S. 414), "daß, wenn wir gleich der Seele diese
einfache Natur einräumen, da sie nämlich kein Mannigfaltiges außer
einander, mithin keine extensive Größe enthält, man ihr doch so wenig
wie irgend einem Existirenden, intensive Größe, d. i. einen Grad der
Realität in Ansehung aller ihrer Vermögen, ja überhaupt alles dessen,
was das Daseyn ausmacht, abläugnen könne, welcher durch alle
unendlich viele kleinere Grade abnehmen, und so die vorgebliche
Substanz obgleich nicht durch Vertheilung, doch durch allmälige
Nachlassung (remissio) ihrer Kräfte, in nichts verwandelt werden
könne; denn selbst das Bewußtseyn hatjederzeit einen Grad, der immer
noch vermindert werden kann, folglich auch das Vermögen sich seiner
bewußt zu seyn, und so alle übrige Vermögen."--Die Seele wird in der
rationellen Psychologie, wie diese abstrakte Metaphysik war, nicht
als Geist, sondern als ein nur unmittelbar Seyendes, als Seelending
betrachtet.  So hat Kant das Recht, die Kategorie des Quantums, "wie
auf irgend ein Existirendes" und insofern dieß Seyende als einfach
bestimmt ist, die des intensiven Quantums auf dasselbe anzuwenden.
Dem Geiste kommt allerdings Seyn zu, aber von ganz anderer Intensität,
als die des intensiven Quantums ist, vielmehr einer solchen
Intensität, in welcher die Form des nur unmittelbaren Seyns und alle
Kategorie desselben als aufgehoben sind.  Es war nicht nur die
Entfernung der Kategorie des extensiven Quantums zuzugeben, sondern
die des Quantums überhaupt zu entfernen.  Ein Weiteres aber ist noch,
zu erkennen, wie in der ewigen Natur des Geistes Daseyn, Bewußtseyn,
Endlichkeit ist und daraus hervorgeht, ohne daß er dadurch ein Ding
würde.

c.  Die Veränderung des Quantums.

Der Unterschied des extensiven und intensiven Quantums ist der
Bestimmtheit des Quantums als solcher gleichgültig.  Aber überhaupt
ist das Quantum die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, die
gleichgültige Grenze, die Bestimmtheit, welche eben so sehr die
Negation ihrer selbst ist.  In der extensiven Größe ist dieser
Unterschied entwickelt, aber die intensive Größe ist das Daseyn
dieser Äußerlichkeit, die das Quantum in sich ist.  Er ist als sein
Widerspruch in sich selbst gesetzt, die einfache sich auf sich
beziehende Bestimmtheit zu seyn, welche die Negation ihrer selbst ist,
ihre Bestimmtheit nicht an ihr, sondern in einem anderen Quantum zu
haben.

Ein Quantum ist also seiner Qualität nach in absoluter Kontinuität
mit seiner Äußerlichkeit, mit seinem Andersseyn, gesetzt.  Es kann
daher nicht nur über jede Größebestimmtheit hinausgegangen, sie kann
nicht nur verändert werden, sondern es ist dieß gesetzt, daß sie sich
verändern muß.  Die Größebestimmung kontinuirt sich so in ihr
Andersseyn, daß sie ihr Seyn nur in dieser Kontinuität mit einem
anderen hat; sie ist nicht eine seyende, sondern eine werdende Grenze.

Das Eins ist unendlich oder die sich auf sich beziehende Negation,
daher die Repulsion seiner von sich selbst.  Das Quantum ist
gleichfalls unendlich, gesetzt als die sich auf sich beziehende
Negativität; es repellirt sich von sich selbst.  Aber es ist ein
bestimmtes Eins, das Eins welches in Daseyn und in die Grenze
übergegangen ist, also die Repulsion der Bestimmtheit von sich selbst,
nicht das Erzeugen des sich selbst Gleichen, wie die Repulsion des
Eins, sondern seines Andersseyns, es ist nun an ihm selbst gesetzt,
über sich hinaus zu schicken, und ein Anderes zu werden.  Es besteht
darin, sich zu vermehren oder zu verhindern; es ist die Äußerlichkeit
der Bestimmtheit an ihm selbst.

Das Quantum schickt sich also selbst über sich hinaus; dieß Andere,
zu dem es wird, ist zunächst selbst ein Quantum; aber ebenso als eine
nicht seyende, sondern sich über sich selbst hinaustreibende Grenze.
Die in diesem Hinausgehen wieder entstandene Grenze ist also
schlechthin nur eine solche, die sich wieder aufhebt und zu einer
fernern schickt, und so fort ins Unendliche.


C.  Die quantitative Unendlichkeit

a.  Begriff derselben.

Das Quantum verändert sich und wird ein anderes Quantum; die weitere
Bestimmung dieser Veränderung, daß sie ins Unendliche fortgeht, liegt
darin, daß das Quantum als an ihm selbst sich widersprechend gestellt
ist.--Das Quantum wird ein Anderes; es kontinuirt sich aber in sein
Andersseyn; das Andere ist also auch ein Quantum.  Aber dieses ist
das Andere nicht nur eines Quantums, sondern des Quantums selbst, das
Negative seiner als eines Begrenzten, somit seine Unbegrenztheit,
Unendlichkeit.  Das Quantum ist ein Sollen; es enthält,
Für-sich-bestimmt zu seyn, und dieses Für-sich-bestimmtseyn ist
vielmehr das Bestimmtseyn in einem Anderen; und umgekehrt ist es das
aufgehobene Bestimmtseyn in einem Andern, ist gleichgültiges
Bestehen-für-sich.

Die Endlichkeit und Unendlichkeit erhalten dadurch sogleich jede an
ihr selbst eine gedoppelte, und zwar entgegengesetzte Bedeutung.
Endlich ist das Quantum erstens als Begrenztes überhaupt, zweitens,
als das Hinausschicken über sich selbst, als das Bestimmtseyn in
einem Anderen.  Die Unendlichkeit desselben aber ist erstens sein
Nichtbegrenztseyn; zweitens sein Zurückgekehrtseyn-in-sich, das
gleichgültige Fürsichseyn.  Vergleichen wir sogleich diese Momente
mit einander, so ergiebt sich, daß die Bestimmung der Endlichkeit des
Quantums, das Hinausschicken über sich zu einem Anderen, in dem seine
Bestimmung liege, ebenso Bestimmung des Unendlichen ist; die Negation
der Grenze ist dasselbe Hinaus über die Bestimmtheit, so daß das
Quantum in dieser Negation, dem Unendlichen, seine letzte
Bestimmtheit habe.  Das andere Moment der Unendlichkeit ist das gegen
die Grenze gleichgültige Fürsichseyn; das Quantum selbst aber ist so
das Begrenzte, daß es das für sich Gleichgültige gegen seine Grenze,
damit gegen andere Quanta und sein Hinaus, ist.  Die Endlichkeit und
die (von ihr getrennt seyn sollende, schlechte) Unendlichkeit haben
beim Quantum jede das Moment der anderen bereits an ihr.

Das qualitative und quantitative Unendliche unterscheiden sich
dadurch, daß im ersten der Gegensatz des Endlichen und Unendlichen
qualitativ ist, und der Übergang des Endlichen in das Unendliche,
oder die Beziehung beider auf einander nur im Ansich, in ihrem
Begriffe liegt.  Die qualitative Bestimmtheit ist als unmittelbar,
und bezieht sich auf das Andersseyn wesentlich als auf ein ihr
anderes Seyn, sie ist nicht gesetzt, ihre Negation, ihr Anderes an
ihr selbst zu haben.  Die Größe hingegen ist, als solche, aufgehobene
Bestimmtheit; sie ist gesetzt, ungleich mit sich und gleichgültig
gegen sich selbst, daher das Veränderliche zu seyn.  Das qualitative
Endliche und Unendliche stehen sich daher absolut d. h. abstrakt
gegeneinander über; ihre Einheit ist, die zu Grunde liegende
innerliche Beziehung; das Endliche kontinuirt sich daher nur an sich,
aber nicht an ihm, in sein Anderes.  Hingegen das quantitative
Endliche bezieht sich an ihm selbst in sein Unendliches, an dem es
seine absolute Bestimmtheit habe.  Diese ihre Beziehung stellt
zunächst der quantitativ-unendliche Progreß dar.

b.  Der quantitative unendliche Progreß.

Der Progreß ins Unendliche ist überhaupt der Ausdruck des
Widerspruchs, hier desjenigen, den das quantitativ-Endliche oder das
Quantum überhaupt enthält.  Er ist die Wechselbestimmung des
Endlichen und Unendlichen, die in der qualitativen Sphäre betrachtet
worden ist, mit dem Unterschiede, daß wie so eben erinnert, im
Quantitativen sich die Grenze an ihr selbst in ihr Jenseits
fortschickt und fortsetzt, somit umgekehrt auch das
quantitativ-Unendliche gesetzt ist, das Quantum an ihm selbst zu
haben, denn das Quantum ist in seinem Außersichseyn zugleich es
selbst; seine Äußerlichkeit gehört seiner Bestimmung an.

Der unendliche Progreß ist nun nur der Ausdruck dieses Widerspruchs,
nicht die Auflösung desselben, aber um der Kontinuität willen der
einen Bestimmtheit in ihre andere führt er eine scheinbare Auflösung
in einer Vereinigung beider herbei.  Wie er zunächst gesetzt ist, ist
er die Aufgabe des Unendlichen, nicht die Erreichung desselben; das
perennirende Erzeugen desselben, ohne über das Quantum selbst
hinauszukommen, und ohne daß das Unendliche ein Positives und
Gegenwärtiges würde.  Das Quantum hat es in seinem Begriffe ein
Jenseits seiner zu haben.  Dieß Jenseits ist erstlich das abstrakte
Moment des Nichtseyns des Quantums; dieses löst sich an sich selbst
auf; so bezieht es sich auf sein Jenseits als auf seine Unendlichkeit,
nach dem qualitativen Momente des Gegensatzes.  Aber zweitens steht
das Quantum in Kontinuität mit diesem Jenseits; das Quantum besteht
eben darin, das Andere seiner selbst, sich selbst äußerlich zu seyn;
also ist dieß Äußerliche eben so sehr nicht ein Anderes als das
Quantum; das Jenseits oder das Unendliche ist also selbst ein Quantum.
Das Jenseits ist auf diese Weise aus seiner Flucht zurückgerufen,
und das Unendliche erreicht.  Aber weil dieß zum Diesseits gewordene
wieder ein Quantum ist, ist nur wieder eine neue Grenze gesetzt
worden; diese, als Quantum, ist auch wieder von sich selbst geflohen,
ist als solches über sich hinaus, und hat sich in sein Nichtseyn, in
sein Jenseits von sich selbst repellirt, das ebenso perennirend zum
Quantum wird, als dieses sich von sich selbst zum Jenseits abstößt.

Die Kontinuität des Quantums in sein Anderes bringt die Verbindung
beider in dem Ausdruck eines Unendlich-Großen oder Unendlich-Kleinen
hervor.  Da beide die Bestimmung des Quantums noch an ihnen haben,
bleiben sie veränderliche und die absolute Bestimmtheit, die ein
Für-sichseyn wäre, ist also nicht erreicht.  Dieß Außersichseyn der
Bestimmung ist in dem gedoppelten Unendlichen, das sich nach dem Mehr
und Weniger entgegengesetzt ist, dem Unendlich-großen und Kleinen,
gesetzt.  An jedem selbst ist das Quantum im perennirenden Gegensatze
gegen sein Jenseits erhalten.  Das Große noch so sehr erweitert,
schwindet zur Unbeträchtlichkeit zusammen; indem es sich auf das
Unendliche als auf sein Nichtseyn bezieht, ist der Gegensatz
qualitativ; das erweiterte Quantum hat daher dem Unendlichen nichts
abgewonnen; dieses ist vor wie nach das Nichtseyn desselben.  Oder,
die Vergrößerung des Quantums ist keine Näherung zum Unendlichen,
denn der Unterschied des Quantums und seiner Unendlichkeit hat
wesentlich auch das Moment ein nicht quantitativer Unterschied zu
seyn.  Es ist nur der ins Engere gebrachte Ausdruck des Widerspruchs;
es soll ein Großes d. i. ein Quantum, und unendlich, d. i. kein
Quantum seyn.--Eben so das Unendlichkleine ist als Kleines ein
Quantum und bleibt daher absolut d. h. qualitativ zu groß für das
Unendliche, und ist diesem entgegengesetzt.  Es bleibt in beiden der
Widerspruch des unendlichen Progresses erhalten der in ihnen sein
Ziel gefunden haben sollte.

Diese Unendlichkeit, welche als das Jenseits des Endlichen beharrlich
bestimmt ist, ist als die schlechte quantitative Unendlichkeit zu
bezeichnen.  Sie ist wie die qualitative schlechte Unendlichkeit, das
perennirende Herüber- und Hinübergehen von dem einen Gliede des
bleibenden Widerspruchs zum andern, von der Grenze zu ihrem Nichtseyn,
von diesem aufs neue zurück zu ebenderselben, zur Grenze.  Im
Progresse des Quantitativen ist das, zu dem fortgegangen wird, zwar
nicht ein abstrakt Anderes überhaupt, sondern ein als verschieden
gesetztes Quantum; aber es bleibt auf gleiche Weise im Gegensatze
gegen seine Negation.  Der Progreß ist daher gleichfalls nicht ein
Fortgehen und Weiterkommen, sondern ein Wiederholen von einem und
eben demselben, Setzen, Aufheben, und Wiedersetzen und Wiederaufheben;
eine Ohnmacht des Negativen, dem das, was es aufhebt, durch sein
Aufheben selbst als ein Kontinuirliches wiederkehrt.  Es sind zwei so
zusammengeknüpft, daß sie sich schlechthin fliehen; und indem sie
sich fliehen, können sie sich nicht trennen, sondern sind in ihrer
gegenseitigen Flucht verknüpft.

Anmerkung 1.

Die schlechte Unendlichkeit pflegt vornehmlich in der Form des
Progresses des Quantitativen ins Unendliche,--dieß fortgehende
Überfliegen der Grenze, das die Ohnmacht ist, sie aufzuheben, und der
perennirende Rückfall in dieselbe,--für etwas Erhabenes und für eine
Art von Gottesdienst gehalten zu werden, so wie derselbe in der
Philosophie als ein Letztes angesehen worden ist.  Dieser Progreß hat
vielfach zu Tiraden gedient, die als erhabene Produktionen bewundert
worden sind.  In der That aber macht diese moderne Erhabenheit nicht
den Gegenstand groß, welcher vielmehr entflieht, sondern nur das
Subjekt, das so große Quantitäten in sich verschlingt.  Die
Dürftigkeit dieser subjektiv bleibenden Erhebung, die an der Leiter
des Quantitativen hinaufsteigt, thut sich selbst damit kund, daß sie
in vergeblicher Arbeit dem unendlichen Ziele nicht näher zu kommen
eingesteht, welches zu erreichen freilich ganz anders anzugreifen ist.

Bei folgenden Tiraden dieser Art ist zugleich ausgedrückt, in was
solche Erhebung übergeht und aufhört.  Kant z.B. führt es als
erhaben auf, (Kr. d. prakt.  V. Schl.)

"wenn das Subjekt mit dem Gedanken sich über den Platz erhebt, den es
in der Sinnenwelt einnimmt, und die Verknüpfung ins unendlich Große
erweitert, eine Verknüpfung mit Sternen über Sternen, mit Welten über
Welten, Systemen über Systemen, überdem noch in grenzenlose Zeiten
ihrer periodischen Bewegung, deren Anfang und Fortdauer.--Das
Vorstellen erliegt diesem Fortgehen ins Unermeßlich-Ferne, wo die
fernste Welt immer noch eine fernere hat, die so weit zurückgeführte
Vergangenheit noch eine weitere hinter sich, die noch so weit
hinausgeführte Zukunft immer noch eine andere vor sich; der Gedanke
erliegt dieser Vorstellung des Unermeßlichen; wie ein Traum, daß
einer einen langen Gang immer weiter und unabsehbar weiter fortgehe,
ohne ein Ende abzusehen, mit Fallen oder mit Schwindel endet."

Diese Darstellung, außerdem daß sie den Inhalt des quantitativen
Erhebens in einen Reichthum der Schilderung zusammendrängt, verdient
wegen der Wahrhaftigkeit vornehmlich Lob, mit der sie es angiebt, wie
es dieser Erhebung am Ende ergeht: der Gedanke erliegt, das Ende ist
Fallen und Schwindel.  Was den Gedanken erliegen macht, und das
Fallen desselben und den Schwindel hervorbringt, ist nichts anderes,
als die Langeweile der Wiederholung, welche eine Grenze verschwinden
und wieder auftreten und wieder verschwinden, so immer das eine um
das andere, und eins im andern, in dem Jenseits das Diesseits, in dem
Diesseits das Jenseits perennierend entstehen und vergehen läßt, und
nur das Gefühl der Ohnmacht dieses Unendlichen oder dieses Sollens
giebt, das über das Endliche Meister werden will und nicht kann.

Auch die hallersche, von Kant sogenannte schauderhafte Beschreibung
der Ewigkeit pflegt besonders bewundert zu werden, aber oft gerade
nicht wegen derjenigen Seite, die das wahrhafte Verdienst derselben
ausmacht:

"Ich häuffe ungeheure Zahlen, Gebürge Millionen auf, Ich setze Zeit
auf Zeit, und Welt auf Welt zu Hauf Und wenn ich von der grausen Höh
Mit Schwindeln wieder nach dir seh, Ist alle Macht der Zahl, vermehrt
zu tausendmalen, Noch nicht ein Theil von dir." "Ich zieh sie ab, und
du liegst ganz vor mir."

Wenn auf jenes Aufbürgen und Aufthürmen von Zahlen und Welten als auf
eine Beschreibung der Ewigkeit der Werth gelegt wird, so wird
übersehen, daß der Dichter selbst dieses sogenannte schauderhafte
Hinausgehen für etwas Vergebliches und Hohles erklärt, und daß er
damit schließt, daß nur durch das Aufgeben dieses leeren unendlichen
Progresses das wahrhafte Unendliche selbst zur Gegenwart vor ihn
komme.

Es hat Astronomen gegeben, die sich auf das Erhabene ihrer
Wissenschaft gern darum viel zu Gute thaten, weil sie mit einer
unermeßlichen Menge von Sternen, mit so unermeßlichen Räumen und
Zeiten zu thun habe, in denen Entfernungen und Perioden, die für sich
schon groß sind, zu Einheiten dienen, welche noch so vielmal genommen,
sich wieder zur Unbedeutenheit verkürzen.  Das schaale Erstaunen,
dem sie sich dabei überlassen, die abgeschmackten Hoffnungen, erst
noch in jenem Leben von einem Sterne zum anderen zu reisen und ins
Unermeßliche fort dergleichen neue Kenntnisse zu erwerben, gaben sie
für ein Hauptmoment der Vortreflichkeit ihrer Wissenschaft aus,
--welche bewundernswürdig ist, nicht um solcher quantitativen
Unendlichkeit willen, sondern im Gegentheil um der Maaßverhältnisse
und der Gesetze willen, welche die Vernunft in diesen Gegenständen
erkennt, und die das vernünftige Unendliche gegen jene unvernünftige
Unendlichkeit sind.

Der Unendlichkeit, die sich auf die äußere sinnliche Anschauung
bezieht, setzt Kant die andere Unendlichkeit gegenüber, wenn

"das Individuum auf sein unsichtbares Ich zurückgeht, und die
absolute Freiheit seines Willens als ein reines Ich allen Schrecken
des Schicksals und der Thyrannei entgegenstellt, von seinen nächsten
Umgebungen anfangend, sie für sich verschwinden, eben so das, was als
dauernd erscheint, Welten über Welten in Trümmer zusammenstürzen läßt,
und einsam sich als sich selbst gleich erkennt."

Ich in dieser Einsamkeit mit sich ist zwar das erreichte Jenseits, es
ist zu sich selbst gekommen, ist bei sich, diesseits; im reinen
Selbstbewußtseyn ist die absolute Negativität zur Affirmation und
Gegenwart gebracht, welche in jenem Fortgehen über das sinnliche
Quantum nur flieht.  Aber indem dieß reine Ich in seiner Abstraktion
und Inhaltslosigkeit sich fixirt, hat es das Daseyn überhaupt, die
Fülle des natürlichen und geistigen Universums, als ein Jenseits sich
gegenüber.  Es stellt sich derselbe Widerspruch dar, der dem
unendlichen Progresse zu Grunde liegt; nämlich ein Zurückgekehrtseyn
in sich, das unmittelbar zugleich Außersichseyn, Beziehung auf sein
Anderes als auf sein Nichtseyn, ist; welche Beziehung eine Sehnsucht
bleibt, weil Ich sich seine gehaltlose und unhaltbare Leere einer
Seits, und die in der Negation doch präsent bleibende Fülle als sein
Jenseits fixirt hat.

Kant fügt diesen beiden Erhabenheiten die Bemerkung bei, "daß
Bewunderung (für die erstere, äußerliche) und Achtung (für die zweite,
innerliche) Erhabenheit, zwar zur Nachforschung reizen, aber den
Mangel derselben nicht ersetzen können".--Er erklärt damit jene
Erhebungen als unbefriedigend für die Vernunft, welche bei ihnen und
den damit verbundenen Empfindungen nicht stehen bleiben, und das
Jenseits und Leere nicht für das Letzte gelten lassen kann.

Als ein Letztes aber ist der unendliche Progreß vornehmlich in seiner
Anwendung auf die Moralität genommen worden.  Der so eben angeführte
zweite Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, als der
mannigfaltigen Welt und des in seine Freiheit erhobenen Ichs, ist
zunächst qualitativ.  Das Selbstbestimmen des Ich geht zugleich
darauf, die Natur zu bestimmen und sich von ihr zu befreien; so
bezieht es sich durch sich selbst auf sein Anderes, welches als
äußerliches Daseyn ein Vielfältiges und auch Quantitatives ist.  Die
Beziehung auf ein Quantitatives wird selbst quantitativ; die negative
Beziehung des Ich darauf, die Macht des Ich über das Nicht-Ich, über
die Sinnlichkeit und äußere Natur, wird daher so vorgestellt, daß die
Moralität immer größer, die Macht der Sinnlichkeit aber immer kleiner
werden könne und solle.  Die völlige Angemessenheit aber des Willens
zum moralischen Gesetze wird in den ins Unendliche gehenden Progreß
verlegt, das heißt, als ein absolutes unerreichbares Jenseits
vorgestellt, und eben dieß solle der wahre Anker und der rechte Trost
seyn, daß es ein Unerreichbares ist; denn die Moralität soll als
Kampf seyn; dieser aber ist nur unter der Unangemessenheit des
Willens zum Gesetze, dieses damit schlechthin ein Jenseits für ihn.

In diesem Gegensatze werden Ich und Nicht-Ich oder der reine Wille
und das moralische Gesetz, und die Natur und Sinnlichkeit des Willens
als vollkommen selbstständig und gleichgültig gegeneinander
vorausgesetzt.  Der reine Wille hat sein eigenthümliches Gesetz, das
in wesentlicher Beziehung auf die Sinnlichkeit steht; und die Natur
und Sinnlichkeit hat ihrer Seits Gesetze, die weder aus dem Willen
genommen und ihm entsprechend sind, noch auch nur, wenn gleich
verschieden davon, an sich eine wesentliche Beziehung auf ihn hätten,
sondern sie sind überhaupt für sich bestimmt, in sich fertig und
geschlossen.  Zugleich sind beide aber Momente eines und desselben
einfachen Wesens, des Ich; der Wille ist als das Negative gegen die
Natur bestimmt, so daß er nur ist, insofern ein solches von ihm
verschiedenes ist, das von ihm aufgehoben werde, von dem er aber
hierin berührt und selbst afficirt ist.  Der Natur und ihr als
Sinnlichkeit des Menschen ist als einem selbstständigen System von
Gesetzen das Beschränken durch ein anderes gleichgültig; sie erhält
sich in diesem Begrenztwerden, tritt selbstständig in die Beziehung
ein, und begrenzt den Willen des Gesetzes eben so sehr, als er sie
begrenzt.--Es ist Ein Act, daß der Wille sich bestimmt und das
Andersseyn einer Natur aufhebt, und daß dieß Andersseyn als daseyend
gesetzt ist, sich in sein Aufgehobenwerden kontinuirt, und nicht
aufgehoben ist.  Der Widerspruch, der hierin liegt, wird im
unendlichen Progresse nicht aufgelöst, sondern im Gegentheil als
unaufgelöst und unauflösbar dargestellt und behauptet; der Kampf der
Moralität und der Sinnlichkeit wird vorgestellt, als das an und für
sich seyende, absolute Verhältniß.

Die Ohnmacht über den qualitativen Gegensatz des Endlichen und
Unendlichen Meister zu werden und die Idee des wahrhaften Willens,
die substantielle Freiheit, zu fassen, nimmt zur Größe ihre Zuflucht,
um sie als die Mittlerin zu gebrauchen, weil sie das aufgehobene
Qualitative, der gleichgültig gewordene Unterschied, ist.  Allein
indem beide Glieder des Gegensatzes als qualitativ verschieden zu
Grunde liegen bleiben, so wird vielmehr dadurch, daß sie sich in
ihrer gegenseitigen Beziehung als Quanta verhalten, jedes sogleich
als gegen diese Veränderung gleichgültig gesetzt.  Die Natur wird
durch Ich, die Sinnlichkeit durch den Willen des Guten bestimmt, die
durch denselben an ihr hervorgebrachte Veränderung ist nur ein
quantitativer Unterschied, ein solcher, der sie als das bestehen läßt,
was sie ist.

In der abstraktern Darstellung der kantischen Philosophie oder
wenigstens ihrer Principien, nämlich in der fichteschen
Wissenschaftslehre, macht der unendliche Progreß auf dieselbe Weise
die Grundlage und das Letzte aus.  Auf den ersten Grundsatz dieser
Darstellung, Ich=Ich, folgt ein zweiter davon unabhängiger, die
Entgegensetzung des Nicht-Ich; die Beziehung beider wird sogleich
auch als quantitativer Unterschied angenommen, daß Nicht-Ich zum
Theil durch Ich bestimmt werde, zum Theil auch nicht.  Das Nicht-Ich
kontinuirt sich auf diese Weise in sein Nichtseyn so, daß es seinem
Nichtseyn entgegengesetzt bleibt, als ein nicht Aufgehobenes.
Nachdem daher die Widersprüche, die darin liegen, im System
entwickelt worden sind, so ist das schließliche Resultat dasjenige
Verhältniß, welches der Anfang war; das Nicht-Ich bleibt ein
unendlicher Anstoß, ein absolut-Anderes; die letzte Beziehung seiner
und des Ich aufeinander ist der unendliche Progreß, Sehnsucht und
Streben,--derselbe Widerspruch, mit welchem angefangen wurde.

Weil das Quantitative die als aufgehoben gesetzte Bestimmtheit ist,
so glaubte man für die Einheit des Absoluten, für die Eine
Substantialität, Viel oder vielmehr Alles gewonnen zu haben, indem
man den Gegensatz überhaupt zu einem nur quantitativen Unterschiede
herabsetzte.  Aller Gegensatz ist nur quantitativ, war einige Zeit
ein Hauptsatz neuerer Philosophie; die entgegengesetzten Bestimmungen
haben dasselbe Wesen, denselben Inhalt, sie sind reale Seiten des
Gegensatzes, insofern jede derselben seine beiden Bestimmungen, beide
Faktoren, in ihr hat, nur daß auf der einen Seite der eine Faktor,
auf der anderen der andere überwiegend, in der einen Seite der eine
Faktor, eine Materie oder Thätigkeit, in größerer Menge oder in
stärkerem Grade vorhanden sey, als in der andern.  Insofern
verschiedene Stoffe oder Thätigkeiten vorausgesetzt werden, bestätigt
und vollendet der quantitative Unterschied vielmehr deren
Äußerlichkeit und Gleichgültigkeit gegeneinander und gegen ihre
Einheit.  Der Unterschied der absoluten Einheit soll nur quantitativ
seyn; das Quantitative ist zwar die aufgehobene unmittelbare
Bestimmtheit, aber die nur unvollkommene, erst die erste Negation,
nicht die unendliche, nicht die Negation der Negation.--Indem Seyn
und Denken als quantitative Bestimmungen der absoluten Substanz
vorgestellt werden, werden auch sie, als Quanta, wie in
untergeordneter Sphäre, der Kohlenstoff, Stickstoff u.s.f. sich
vollkommen äußerlich und beziehungslos.  Es ist ein Drittes, eine
äußerliche Reflexion, welche von ihrem Unterschiede abstrahirt, und
ihre innere, nur ansichseyende, nicht ebenso für-sich-seyende,
Einheit erkennt.  Diese Einheit, wird dann in der That nur als erste
unmittelbare vorgestellt, oder nur als Seyn, welches in seinem
quantitativen Unterschiede sich gleich bleibt, aber nicht sich durch
sich selbst gleich setzt; es ist somit nicht begriffen, als Negation
der Negation, als unendliche Einheit.  Nur im qualitativen Gegensatze
geht die gesetzte Unendlichkeit, das Fürsichseyn, hervor, und die
quantitative Bestimmung selbst geht, wie sich sogleich näher ergeben
wird, in das Qualitative über.

Anmerkung 2.

Es ist oben erinnert worden, daß die kantischen Antinomien
Darstellungen des Gegensatzes des Endlichen und Unendlichen, in einer
konkreteren Gestalt, auf speciellere Substrate der Vorstellung
angewendet, sind.  Die daselbst betrachtete Antinomie enthielt den
Gegensatz der qualitativen Endlichkeit und Unendlichkeit.  In einer
andern, der ersten der vier kosmologischen Antinomien, ist es mehr
die quantitative Grenze, die in ihrem Widerstreite betrachtet wird.
Ich will die Untersuchung dieser Antinomie daher hier anstellen.

Sie betrifft die Begrenztheit oder Unbegrenztheit der Welt in Zeit
und Raum.--Es konnte eben so gut dieser Gegensatz auch in Rücksicht
auf Zeit und Raum selbst betrachtet werden, denn ob Zeit und Raum
Verhältnisse der Dinge selbst, oder aber nur Formen der Anschauung
sind, ändert nichts für das Antinomische der Begrenztheit oder
Unbegrenztheit in ihnen.

Die nähere Auseinanderlegung dieser Antinomie wird gleichfalls zeigen,
daß die beiden Sätze und eben so ihre Beweise, die wie bei der oben
betrachteten apogogisch geführt sind, auf nichts, als auf die zwei
einfachen, entgegengesetzten Behauptungen hinauslaufen: es ist eine
Grenze, und: es muß über die Grenze hinausgegangen werden.

Die Thesis ist:

"Die Welt hat einen Anfang in der Zeit, und ist dem Raume nach auch
in Grenzen eingeschlossen."

Der eine Theil des Beweises, die Zeit betreffend, nimmt das
Gegentheil an, "die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang, so ist bis
zu jedem gegebenen Zeitpunkt eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin
eine unendliche Reihe auf einander folgender Zustände der Dinge in
der Welt verflossen.  Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit
einer Reihe, daß sie durch successive Synthesis niemals vollendet
seyn kann.  Also ist eine unendliche verflossene Weltreihe unmöglich,
mithin ein Anfang der Welt eine nothwendige Bedingung ihres Daseyns;
welches zu erweisen war."

Der andere Theil des Beweises, der den Raum betrifft, wird auf die
Zeit zurückgeführt.  Das Zusammenfassen der Theile einer im Raume
unendlichen Welt erforderte eine unendliche Zeit, welche als
abgelaufen angesehen werden müßte, insofern die Welt im Raume nicht
als ein Werdendes, sondern als ein vollendetes Gegebenes anzusehen
ist.  Von der Zeit aber wurde im ersten Theile des Beweises gezeigt,
daß eine unendliche Zeit als abgelaufen anzunehmen unmöglich sey.

Man sieht aber sogleich, daß es unnöthig war, den Beweis apagogisch
zu machen, oder überhaupt einen Beweis zu führen, indem in ihm selbst
unmittelbar die Behauptung dessen zu Grunde liegt, was bewiesen
werden sollte.  Es wird nämlich irgend ein oder jeder gegebene
Zeitpunkt angenommen, bis zu welchem eine Ewigkeit (--Ewigkeit hat
hier nur den geringen Sinii einer schlecht-unendlichen Zeit)
abgelaufen sey.  Ein gegebener Zeitpunkt heißt nun nichts Anders, als
eine bestimmte Grenze in der Zeit.  Im Beweise wird also eine Grenze
der Zeit als wirklich vorausgesetzt; sie ist aber eben das, was
bewiesen werden sollte.  Denn die Thesis besteht darin, daß die Welt
einen Anfang in der Zeit habe.

Nur der Unterschied findet Statt, daß die angenommene Zeitgrenze ein
Jetzt, als Ende der vorher verflossenen, die zu beweisende aber Jetzt
als Anfang einer Zukunft ist.  Allein dieser Unterschied ist
unwesentlich.  Jetzt wird als der Punkt angenommen, in welchem eine
unendliche Reihe auf einander folgender Zustände der Dinge in der
Zeit verflossen seyn soll, also als Ende, als qualitative Grenze.
Würde dieß Jetzt nur als quantitative Grenze betrachtet, welche
fließend und über die nicht nur hinaus zu gehen sondern die vielmehr
nur dieß sey, über sich hinauszugehen, so wäre die unendliche
Zeitreihe in ihr nicht verflossen, sondern führe fort zu fließen, und
das Raisonnement des Beweises fiele weg. Dagegen ist der Zeitpunkt
als qualitative Grenze für die Vergangenheit angenommen, aber ist so
zugleich Anfang für die Zukunft,--denn an sich ist jeder Zeitpunkt
die Beziehung der Vergangenheit und der Zukunft,--auch ist er
absoluter d. h. abstrakter Anfang für dieselbe, d. i. das, was
bewiesen werden sollte.  Es thut nichts zur Sache, daß vor seiner
Zukunft und diesem ihrem Anfange schon eine Vergangenheit ist; indem
dieser Zeitpunkt qualitative Grenze ist,--und als qualitative ihn
anzunehmen, liegt in der Bestimmung des Vollendeten, Abgelaufenen,
also sich nicht Kontinuirenden,--so ist die Zeit in ihm abgebrochen,
und jene Vergangenheit, ohne Beziehung auf diejenige Zeit, welche nur
Zukunft in Rücksicht auf diese Vergangenheit genannt werden konnte,
und daher ohne solche Beziehung nur Zeit überhaupt ist, die einen
absoluten Anfang hat.  Stünde sie aber,--(wie sie es denn tut--)
durch das Jetzt, den gegebenen Zeitpunkt, in einer Beziehung auf die
Vergangenheit, wäre sie somit als Zukunft bestimmt, so wäre auch
dieser Zeitpunkt von der anderen Seite keine Grenze, die unendliche
Zeitreihe kontinuirte sich in dem, was Zukunft hieß, und wäre nicht,
wie angenommen worden, vollendet.

In Wahrheit ist die Zeit reine Quantität; der im Beweise gebrauchte
Zeitpunkt, in welchem sie unterbrochen seyn sollte, ist vielmehr nur
das sich selbst aufhebende Fürsichseyn des Jetzt.  Der Beweis leistet
nichts, als daß er die in der Thesis behauptete absolute Grenze der
Zeit als einen gegebenen Zeitpunkt vorstellig macht und ihn als
vollendeten, d. i. abstrakten Punkt, geradezu annimmt,--eine populare
Bestimmung, welche das sinnliche Vorstellen leicht als eine Grenze
passiren, somit im Beweise dieß als Annahme gelten läßt, was vorher
als das zu Beweisende aufgestellt wurde.

Die Antithesis heißt:

"Die Welt hat keinen Anfang und keine Grenzen im Raume, sondern ist
sowohl in Ansehung der Zeit als des Raumes unendlich."

Der Beweis setzt gleichfalls das Gegentheil:

"Die Welt habe einen Anfang.  Da der Anfang ein Daseyn ist, wovor
eine Zeit vorhergeht, darin das Ding nicht ist, so muß eine Zeit
vorhergegangen seyn, darin die Welt nicht war, d. i. eine leere Zeit.
Nun ist aber in einer leeren Zeit kein Entstehen irgend eines Dings
möglich; weil kein Theil einer solchen Zeit vor einem anderen irgend
eine unterscheidende Bedingung des Daseyns vor der des Nichtdaseyns
an sich hat.  Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge
anfangen, die Welt selbst aber keinen Anfang nehmen, und ist in
Ansehung der vergangenen Zeit unendlich."

Dieser apogogische Beweis enthält, wie die andern, die direkte und
unbewiesene Behauptung dessen, was er beweisen sollte.  Er nimmt
neihlich zuerst ein Jenseits des weltlichen Daseyns, eine leere Zeit,
an; aber kontinuirt alsdann auch das weltliche Daseyn ebenso sehr
über sich hinaus in diese leere Zeit hinein, hebt diese dadurch auf,
und setzt somit das Daseyn ins Unendliche fort.  Die Welt ist ein
Daseyn; der Beweis setzt voraus, daß dieß Daseyn entstehe, und das
Entstehen eine in der Zeit vorhergehende Bedingung habe.  Darin aber
eben besteht die Antithesis selbst, daß es kein unbedingtes Daseyn,
keine absolute Grenze gebe, sondern das weltliche Daseyn immer eine
vorhergehende Bedingung fordere.  Das zu Erweisende findet sich somit
als Annahme in dem Beweise.--Die Bedingung wird dann ferner in der
leeren Zeit gesucht, was so viel heißt, als daß sie als zeitlich und
somit als Daseyn, und Beschränktes angenommen wird.  Überhaupt
also ist die Annahme gemacht, daß die Welt als Daseyn ein anderes
bedingtes Daseyn in der Zeit voraussetze und hiermit sofort ins
Unendliche.

Der Beweis in Ansehung der Unendlichkeit der Welt im Raume ist
dasselbe.  Apogogischer Weise wird die räumliche Endlichkeit der Welt
gesetzt; "diese befände sich somit in einem leeren unbegrenzten Raume,
und hätte ein Verhältniß zu ihm; ein solches Verhältniß der Welt zu
keinem Gegenstande aber ist Nichts."

Was bewiesen werden sollte, ist hier ebenso im Beweise direkt
vorausgesetzt.  Es wird direkt angenommen, daß die begrenzte
räumliche Welt sich in einem leeren Raume befinden und ein Verhältniß
zu ihm haben sollte, das heißt, daß über sie hinausgegangen werden
müsse,--einer Seits in das Leere, in das Jenseits und Nichtseyn
derselben, anderer Seits aber daß sie damit im Verhältniß stehe, d. i.
sich darein hinein kontinuire, das Jenseits hiermit mit weltlichem
Daseyn erfüllt vorzustellen sey.  Die Unendlichkeit der Welt im Raume,
die in der Antithesis behauptet wird, ist nichts anderes, als einer
Seits der leere Raum, anderer Seits das Verhältniß der Welt zu ihm,
das heißt Kontinuität derselben in ihm, oder die Erfüllung desselben;
welcher Widerspruch, der Raum zugleich als leer und zugleich als
erfüllt, der unendliche Progreß des Daseyns im Raume ist.  Dieser
Widerspruch selbst, das Verhältniß der Welt zum leeren Raume, ist im
Beweise direkt zur Grundlage gemacht.

Die Thesis und Antithesis und die Beweise derselben stellen daher
nichts dar, als die entgegengesetzten Behauptungen, daß eine Grenze
ist, und daß die Grenze eben so sehr nur eine aufgehobene ist; daß
die Grenze ein Jenseits hat, mit dem sie aber in Beziehung steht,
wohin über sie hinauszugehen ist, worin aber wieder eine solche
Grenze entsteht, die keine ist.

Die Auflösung dieser Antinomien ist, wie die der obigen,
transcendental, das heißt, sie besteht in der Behauptung der
Idealität des Raums und der Zeit, als Formen der Anschauung, in dem
Sinne, daß die Welt an ihr selbst nicht im Widerspruch mit sich,
nicht ein sich Aufhebendes, sondern nur das Bewußtseyn in seinem
Anschauen und in der Beziehung der Anschauung auf Verstand und
Vernunft, ein sich selbst widersprechendes Wesen sey.  Es ist dieß
eine zu große Zärtlichkeit für die Welt, von ihr den Widerspruch zu
entfernen, ihn dagegen in den Geist, in die Vernunft, zu verlegen und
darin unaufgelöst bestehen zu lassen.  In der That ist es der Geist,
der so stark ist, den Widerspruch ertragen zu können, aber er ist es
auch, der ihn aufzulösen weiß.  Die sogenannte Welt aber (sie heiße
objektive, reale Welt, oder nach dem transcendentalen Idealismus
subjektives Anschauen, und durch die Verstandes-Kategorie bestimmte
Sinnlichkeit), entbehrt darum des Widerspruchs nicht und nirgends,
vermag ihn aber nicht zu ertragen und ist darum dem Entstehen und
Vergehen preisgegeben.

c.  Die Unendlichkeit des Quantums.

Das unendliche Quantum, als Unendlichgroßes oder Unendlichkleines,
ist selbst an sich der unendliche Progreß; es ist Quantum als ein
Großes oder Kleines, und ist zugleich Nichtseyn des Quantums.  Das
Unendlichgroße und Unendlichkleine sind daher Bilder der Vorstellung,
die bei näherer Betrachtung sich als nichtiger Nebel und Schatten
zeigen.  Im unendlichen Progreß aber ist dieser Widerspruch explicite
vorhanden, und damit das, was die Natur des Quantums ist, das als
intensive Größe seine Realität erreicht hat, und in seinem Daseyn nun
gesetzt, wie es in seinem Begriffe ist.  Diese Identität ist es, die
zu betrachten ist.

Das Quantum als Grad ist einfach, auf sich bezogen und als an ihm
selbst bestimmt.  Indem durch diese Einfachheit das Andersseyn und
die Bestimmtheit an ihm aufgehoben ist, ist diese ihm äußerlich; es
hat seine Bestimmtheit außer ihm.  Dieß sein Außersichseyn ist
zunächst das abstrakte Nichtseyn des Quantums überhaupt, die
schlechte Unendlichkeit.  Aber ferner ist dieß Nichtseyn auch ein
Großes, das Quantum kontinuirt sich in sein Nichtseyn, denn es hat
eben seine Bestimmtheit in seiner Äußerlichkeit; diese seine
Äußerlichkeit ist daher eben so sehr selbst Quantum; jenes sein
Nichtseyn, die Unendlichkeit, wird so begrenzt, d. h. dieß Jenseits
wird aufgehoben, dieses ist selbst als Quantum bestimmt, das hiermit
in seiner Negation bei sich selbst ist.

Dieß ist aber das, was das Quantum als solches an sich ist.  Denn es
ist eben es selbst durch sein Äußerlichseyn; die Äußerlichkeit macht
das aus, wodurch es Quantum, bei sich selbst, ist.  Es ist also im
unendlichen Progresse der Begriff des Quantums gesetzt.

Nehmen wir ihn zunächst in seinen abstrakten Bestimmungen wie sie
vorliegen, so ist in ihm das Aufheben des Quantums, aber eben so sehr
seines Jenseits, also die Negation des Quantums sowohl, als die
Negation dieser Negation vorhanden.  Seine Wahrheit ist ihre Einheit,
worin sie, aber als Momente, sind.--Sie ist die Auflösung des
Widerspruchs, dessen Ausdruck er ist, und ihr nächster Sinn somit die
Wiederherstellung des Begriffs der Größe, daß sie gleichgültige oder
äußerliche Grenze ist.  Im unendlichen Progresse als solchem pflegt
nur darauf reflektirt zu werden, daß jedes Quantum, es sey noch so
groß oder klein, verschwinden, daß über dasselbe muß hinausgegangen
werden können; aber nicht darauf, daß dieß sein Aufheben, das
Jenseits, das schlecht-Unendliche selbst auch verschwindet.

Schon das erste Aufheben, die Negation der Qualität überhaupt,
wodurch das Quantum gesetzt wird, ist an sich das Aufheben der
Negation,--das Quantum ist aufgehobene qualitative Grenze, somit
aufgehobene Negation,--aber es ist zugleich nur an sich dieß; gesetzt
ist es als ein Daseyn, und dann ist seine Negation als das Unendliche
fixirt, als das Jenseits des Quantums, welches als ein Diesseits
steht, als ein Unmittelbares; so ist das Unendliche nur als erste
Negation bestimmt, und so erscheint es im unendlichen Progresse.  Es
ist gezeigt worden, daß aber in diesem mehr vorhanden ist, die
Negation der Negation, oder das, was das Unendliche in Wahrheit ist.
Es ist dieß vorhin so angesehen worden, daß der Begriff des Quantums
damit wieder hergestellt ist; diese Wiederherstellung heißt zunächst,
daß sein Daseyn seine nähere Bestimmung erhalten hat; es ist nämlich
das nach seinem Begriff bestimmte Quantum entstanden, was verschieden
ist, von dem unmittelbaren Quantum, die Äußerlichkeit ist nun das
Gegentheil ihrer selbst, als Moment der Größe selbst gesetzt,--das
Quantum so, daß es vermittelst seines Nichtseyns, der Unendlichkeit,
in einem anderen Quantum seine Bestimmtheit habe, d. i. qualitativ
das ist, was es ist.  Jedoch gehört diese Vergleichung des Begriffs
des Quantums mit seinem Daseyn mehr unserer Reflexion, einem
Verhältniß, das hier noch nicht vorhanden ist, an.  Die zunächst
liegende Bestimmung ist, daß das Quantum zur Qualität zurückgekehrt,
nunmehr qualitativ bestimmt ist.  Denn seine Eigenthümlichkeit,
Qualität, ist die Äußerlichkeit, Gleichgültigkeit der Bestimmtheit;
und es ist nun gesetzt, als in seiner Äußerlichkeit vielmehr es
selbst zu seyn, darin sich auf sich selbst zu beziehen, in einfacher
Einheit mit sich, d. i. qualitativ bestimmt zu seyn.--dieß
Qualitative ist noch näher bestimmt, nämlich als Fürsichseyn; denn
die Beziehung auf sich selbst, zu der es gekommen, ist aus der
Vermittelung, der Negation der Negation, hervorgegangen.  Das Quantum
hat die Unendlichkeit, das Fürsichbestimmtseyn nicht mehr außer ihm,
sondern an ihm selbst.

Das Unendliche, welches im unendlichen Progresse nur die leere
Bedeutung eines Nichtsseyns, eines unerreichten, aber gesuchten
Jenseits hat, ist in der That nicht anderes als die Qualität.  Das
Quantum geht als gleichgültige Grenze über sich hinaus ins Unendliche;
es sucht damit nichts Anderes, als das Fürsichbestimmtseyn, das
qualitative Moment, das aber so nur ein Sollen ist.  Seine
Gleichgültigkeit gegen die Grenze, damit sein Mangel an
fürsichseyender Bestimmtheit und sein Hinausgehen über sich ist, was
das Quantum zum Quantum macht; jenes sein Hinausgehen soll negirt
werden und im Unendlichen sich seine absolute Bestimmtheit finden.

Ganz überhaupt: das Quantum ist die aufgehobene Qualität; aber das
Quantum ist unendlich, geht über sich hinaus, es ist die Negation
seiner; dieß sein Hinausgehen ist also an sich die Negation der
negirten Qualität, die Wiederherstellung derselben; und gesetzt ist
dieß, daß die Äußerlichkeit, welche als Jenseits erschien, als das
eigene Moment des Quantums bestimmt ist.

Das Quantum ist hiermit gesetzt als von sich repellirt, womit also
zwei Quanta sind, diejedoch aufgehoben, nur als Momente einer Einheit
sind, und diese Einheit ist die Bestimmtheit des Quantums.--Dieses so
in seiner Äußerlichkeit als gleichgültige Grenze auf sich bezogen,
hiermit qualitativ gesetzt, ist das quantitative Verhältniß.--Im
Verhältnisse ist das Quantum sich äußerlich, von sich selbst
verschieden; diese seine Äußerlichkeit ist die Beziehung eines
Quantums auf ein anderes Quantum, deren jedes nur gilt in dieser
seiner Beziehung auf sein Anderes; und diese Beziehunng macht die
Bestimmtheit des Quantums aus, das als solche Einheit ist.

Es hat darin nicht eine gleichgültige, sondern qualitative Bestimmung;
ist in dieser seiner Äußerlichkeit in sich zurückgekehrt, ist in
derselben, das was es ist.

Anmerkung 1.  Die Begriffsbestimmtheit des mathematischen Unendlichen.

Das mathematische Unendliche ist eines Theils interessant durch die
Erweiterung der Mathematik und die großen Resultate, welche seine
Einführung in dieselbe hervorgebracht hat; andern Theils aber ist es
dadurch merkwürdig, daß es dieser Wissenschaft noch nicht gelungen
ist, sich über den Gebrauch desselben durch den Begriff (Begriff im
eigentlichen Sinne genommen) zu rechtfertigen.  Die Rechtfertigungen
beruhen am Ende auf der Richtigkeit der mit Hülfe jener Bestimmung
sich ergebenden Resultate, welche aus sonstigen Gründen erwiesen ist;
nicht aber auf der Klarheit des Gegenstandes und der Operation, durch
welche die Resultate herausgebracht werden, sogar daß die Operation
vielmehr selbst als unrichtig zugegeben wird.

Dieß ist schon ein Mißstand an und für sich; ein solches Verfahren
ist unwissenschaftlich.  Es führt aber auch den Nachtheil mit sich,
daß die Mathematik, indem sie die Natur dieses ihres Instruments
nicht kennt, weil sie mit der Metaphysik und Kritik desselben nicht
fertig ist, den Umfang seiner Anwendung nicht bestimmen, und von
Misbräuchen desselben sich nicht sichern konnte.

In philosophischer Rücksicht aber ist das mathematische Unendliche
darum wichtig, weil ihm in der That der Begriff des wahrhaften
Unendlichen zu Grunde liegt und es viel höher steht, als das
gewöhnlich sogenannte metaphysische Unendliche, von dem aus die
Einwürfe gegen ersteres gemacht werden.  Gegen diese Einwürfe weiß
sich die Wissenschaft der Mathematik häufig nur dadurch zu retten,
daß sie die Kompetenz der Metaphysik verwirft, indem sie behauptet,
mit dieser Wissenschaft nichts zu schaffen und sich um deren Begriffe
nicht zu bekümmern zu haben, wenn sie nur auf ihrem eigenen Boden
konsequent verfahre.  Sie habe nicht zu betrachten, was an sich,
sondern was auf ihrem Felde das Wahre sey.  Die Metaphysik weiß die
glänzenden Resultate des Gebrauchs des mathematischen Unendlichen bei
ihrem Widerspruche gegen dasselbe nicht zu läugnen oder umzustoßen,
und die Mathematik weiß mit der Metaphysik ihres eigenen Begriffs und
daher auch mit der Ableitung der Verfahrensweisen, die der Gebrauch
des Unendlichen nöthig macht, nicht ins Reine zu kommen.

Wenn es die einzige Schwierigkeit des Begriffs überhaupt wäre, von
der die Mathematik gedrückt würde, so könnte sie diesen ohne Umstände
auf der Seite liegen lassen, insofern nämlich der Begriff mehr ist,
als nur die Angabe der wesentlichen Bestimmtheiten, d. i. der
Verstandesbestimmungen einer Sache, und an der Schärfe dieser
Bestimmtheiten hat sie es nicht fehlen lassen; denn sie ist nicht
eine Wissenschaft, die es mit den Begriffen ihrer Gegenstände zu thun,
und durch die Entwickelung des Begriffs, wenn auch nur durch
Raisonnement, ihren Inhalt zu erzeugen hätte.  Allein bei der Methode
ihres Unendlichen findet sie den Hauptwiderspruch an der
eigenthümlichen Methode selbst, auf welcher sie überhaupt als
Wissenschaft beruht.  Denn die Rechnung des Unendlichen erlaubt und
erfordert Verfahrungsweisen, welche die Mathematik bei Operationen
mit endlichen Größen durchaus verwerfen muß, und zugleich behandelt
sie ihre unendlichen Größen, wie endliche Quanta, und will auf jene
dieselben Verfahrungsweisen anwenden, welche bei diesen gelten; es
ist eine Hauptseite der Ausbildung dieser Wissenschaft, für die
transcendenten Bestimmungen und deren Behandlung, die Form des
gewöhnlichen Kalkuls gewonnen zu haben.

Die Mathematik zeigt bei diesem Widerstreite ihrer Operationen, daß
Resultate, die sie dadurch findet, ganz mit denen übereinstimmen,
welche durch die eigentlich mathematische, die geometrische und
analytische, Methode gefunden werden.  Aber Theils betrifft dieß
nicht alle Resultate, und der Zweck der Einführung des Unendlichen
ist nicht allein, den gewöhnlichen Weg abzukürzen, sondern zu
Resultaten zu gelangen, die durch diesen nicht geleistet werden
können.  Theils rechtfertigt der Erfolg die Manier des Wegs nicht für
sich.  Diese Manier aber der Rechnung des Unendlichen zeigt sich
durch den Schein der Ungenauigkeit gedrückt, den sie sich giebt,
indem sie endliche Größen um eine unendlich kleine Größe das eine Mal
vermehrt, diese in der fernern Operation zum Theil beibehält, aber
einen Theil derselben auch vernachlässigt.  Dieß Verfahren enthält
die Sonderbarkeit, daß der eingestandenen Ungenauigkeit unerachtet,
ein Resultat herauskommt, das nicht nur ziemlich und so nahe, daß der
Unterschied außer Acht gelassen werden könnte, sondern vollkommen
genau ist.  In der Operation selbst aber, die dem Resultate vorher
geht, kann die Vorstellung nicht entbehrt werden, daß Einiges nicht
gleich Null, aber so unbeträchtlich sey, um außer Acht gelassen
werden zu können.  Allein bei dem, was unter mathematischer
Bestimmtheit zu verstehen ist, fällt aller Unterschied einer größern
oder geringern Genauigkeit gänzlich hinweg, wie in der Philosophie
nicht von größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit, sondern von
der Wahrheit allein die Rede seyn kann.  Wenn die Methode und der
Gebrauch des Unendlichen durch den Erfolg gerechtfertigt wird, so ist
es nicht so überflüssig dessen ungeachtet die Rechtfertigung
derselben zu fordern, als es bei der Nase überflüssig scheint, nach
dem Erweise des Rechts, sich ihrer zu bedienen, zu fragen.  Denn es
ist bei der mathematischen als einer wissenschaftlichen Erkenntniß
wesentlich um den Beweis zu thun, und auch in Ansehung der Resultate
ist es der Fall, daß die streng mathematische Methode nicht zu allen
den Beleg des Erfolgs liefert, der aber ohnehin nur ein äußerlicher
Beleg ist.

Es ist der Mühe werth, den mathematischen Begriff des Unendlichen und
die merkwürdigsten Versuche näher zu betrachten, welche die Absicht
haben, den Gebrauch desselben zu rechtfertigen und die Schwierigkeit,
von der sich die Methode gedrückt fühlt, zu beseitigen.  Die
Betrachtung dieser Rechtfertigungen und Bestimmungen des
mathematischen Unendlichen, welche ich in dieser Anmerkung
weitläufiger anstellen will, wird zugleich das beste Licht auf die
Natur des wahren Begriffes selbst werfen, und zeigen, wie er ihnen
vorgeschwebt und zu Grunde gelegen hat.

Die gewöhnliche Bestimmung des mathematischen Unendlichen ist, daß es
eine Größe sey, über welche es,--wenn sie als das
Unendlichgroße--keine größere oder,--wenn sie als das Unendlichkleine
bestimmt ist--kleinere mehr gebe, oder die, in jenem Falle, größer,
in diesem Falle kleiner sey, als jede beliebige Größe.--In dieser
Definition ist freilich der wahre Begriff nicht ausgedrückt, vielmehr
nur, wie schon bemerkt, derselbe Widerspruch, der im unendlichen
Progresse ist; aber sehen wir, was an sich darin enthalten ist.  Eine
Größe wird in der Mathematik definirt, daß sie etwas sey, das
vermehrt und vermindert werden könne; überhaupt also eine
gleichgültige Grenze.  Indem nun das Unendlich Große oder Kleine ein
solches ist, das nicht mehr vermehrt oder vermindert werden könne, so
ist es in der That kein Quantum als solches mehr.

Diese Konsequenz ist nothwendig und unmittelbar.  Aber die Reflexion,
daß das Quantum,--und ich nenne in dieser Anmerkung Quantum überhaupt,
wie es ist, das endliche Quantum,--aufgehoben ist, ist es, welche
nicht gemacht zu werden pflegt und die für das gewöhnliche Begreifen
die Schwierigkeit ausmacht, indem das Quantum, indem es unendlich ist,
als ein Aufgehobenes, als ein solches zu denken gefordert wird, das
nicht ein Quantum ist, und dessen quantitative Bestimmtheit doch
bleibt.

Um das anzuführen, wie Kant jene Bestimmung beurtheilt,In der
Anmerkung zur Thesis der ersten kosmologischen Antinomie, in der
Kritik der reinen Vernunft. so findet er sie nicht übereinstimmend
mit dem, was man unter einem unendlichen Ganzen verstehe.  "Nach dem
gewöhnlichen Begriffe sey eine Größe unendlich, über die keine
größere (d. i. über die darin enthaltene Menge einer gegebenen
Einheit) möglich ist; es sey aber keine Menge die größte, weil noch
immer eine oder mehrere Einheiten hinzugefügt werden können.--Durch
ein unendliches Ganzes dagegen werde nicht vorgestellt, wie groß es
sey, mithin sey sein Begriff nicht der Begriff eines Maximums (oder
Minimums), sondern es werde dadurch nur sein Verhältniß zu einer
beliebig anzunehmenden Einheit gedacht, in Ansehung deren dasselbe
größer ist, als alle Zahl.  Je nachdem diese Einheit größer oder
kleiner angenommen würde, würde das Unendliche größer oder kleiner
seyn; allein die Unendlichkeit, da sie bloß in dem Verhältnisse zu
dieser gegebenen Einheit bestehe, würde immer dieselbe bleiben,
obgleich Freilich die absolute Größe des Ganzen dadurch gar nicht
erkannt würde."

Kant tadelt es, wenn unendliche Ganze als ein Maximum, als eine
vollendete Menge einer gegebenen Einheit angesehen werden.  Das
Maximum oder Minimum als solches erscheint noch immer als ein Quantum,
eine Menge.  Solche Vorstellung kann die von Kant angeführte
Konsequenz nicht ablehnen, die auf ein größeres oder kleineres
Unendliches führt.  Überhaupt indem das Unendliche als Quantum
vorgestellt wird, gilt noch für dasselbe der Unterschied eines
Größern oder Kleinern.  Allein diese Kritik trifft nicht den Begriff
des wahrhaften mathematischen Unendlichen, der unendlichen Differenz,
denn diese ist kein endliches Quantum mehr.

Kants Begriff der Unendlichkeit dagegen, den er den wahren
transcendentalen nennt, ist, "daß die successive Synthesis der
Einheit in Durchmessung eines Quantums niemals vollendet seyn könne."
Es ist ein Quantum überhaupt als gegeben vorausgesetzt; dieß solle
durch das Synthesiren der Einheit zu einer Anzahl, einem bestimmt
anzugebenden Quantum gemacht werden, aber dieß Synthesiren niemals
vollendet werden können.  Hiermit ist wie erhellt, nichts als der
Progreß ins Unendliche ausgesprochen, nur transcendental, d. i.
eigentlich subjektiv und psychologisch vorgestellt.  An sich soll
zwar das Quantum vollendet seyn, aber transcendentaler Weise, nämlich
im Subjekte, welches ihm ein Verhältniß zu einer Einheit giebt,
entstehe nur eine solche Bestimmung des Quantums, die unvollendet und
schlechthin mit einem Jenseits behaftet sey.  Es wird also hier
überhaupt beim Widerspruche, den die Größe enthält, stehen geblieben,
aber vertheilt an das Objekt und das Subjekt, so daß jenem die
Begrenztheit, diesem aber das Hinausgehen über jede von ihm
aufgefaßte Bestimmtheit, in das schlechte Unendliche zukommt.

Es ist dagegen vorhin gesagt worden, daß die Bestimmung des
mathematischen Unendlichen und zwar wie es in der höhern Analysis
gebraucht wird, dem Begriffe des wahrhaften Unendlichen entspricht;
die Zusammenstellung beider Bestimmungen soll nun in ausführlicher
Entwickelung vorgenommen werden.--Was zuerst das wahrhafte unendliche
Quantum betrifft, so bestimmte es sich als an ihm selbst unendlich;
es ist dieß, indem, wie sich ergeben hat, das endliche Quantum oder
das Quantum überhaupt, und sein Jenseits, das schlechte Unendliche,
auf gleiche Weise aufgehoben sind.  Das aufgehobene Quantum ist damit
in die Einfachheit und in die Beziehung auf sich selbst
zurückgegangen, aber nicht nur wie das extensive, indem es in
intensives Quantum überging, das seine Bestimmtheit nur an sich an
einer äußern Vielfachheit hat, gegen die es jedoch gleichgültig und
wovon es verschieden seyn soll.  Das unendliche Quantum enthält
vielmehr erstens die Äußerlichkeit und zweitens die Negation
derselben an ihm selbst; so ist es nicht mehr irgend ein endliches
Quantum, nicht eine Größebestimmtheit, die ein Daseyn als Quantum
hätte, sondern es ist einfach, und daher nur als Moment; es ist eine
Größebestimmtheit in qualitativer Form; seine Unendlichkeit ist, als
eine qualitative Bestimmtheit zu seyn.--So als Moment ist es in
wesentlicher Einheit mit seinem Andern, nur als bestimmt durch dieses
sein Anderes, d. i. es hat nur Bedeutung in Beziehung auf ein im
Verhältniß mit ihm Stehendes.  Außer diesem Verhältnisse ist es Null;
--da gerade das Quantum als solches gegen das Verhältniß gleichgültig,
in ihm doch eine unmittelbare ruhende Bestimmung seyn soll.  In dem
Verhältnisse als nur Moment ist es nicht ein für sich Gleichgültiges;
es ist, in der Unendlichkeit als Fürsichseyn, indem es zugleich eine
quantitative Bestimmtheit ist, nur als ein Für-Eines.

Der Begriff des Unendlichen, wie er sich hier abstrakt exponirt hat,
wird sich zeigen, dem mathematischen Unendlichen zu Grunde liegen,
und er selbst wird deutlicher werden, indem wir die verschiedenen
Stufen des Ausdrucks des Quantums als eines Verhältniß-Moments
betrachten, von der untersten an, wo es noch zugleich Quantum als
solches ist, bis zu der höhern, wo es die Bedeutung und den Ausdruck
eigentlicher unendlicher Größe erhält.

Nehmen wir also zuerst das Quantum in dem Verhältnisse, wie es eine
gebrochene Zahl ist.  Solcher Bruch 2/7 z.B. ist nicht ein Quantum
wie 1, 2, 3 u.s.f., zwar eine gewöhnliche endliche Zahl, jedoch nicht
eine unmittelbare, wie die ganzen Zahlen, sondern als Bruch mittelbar
bestimmt durch zwei andere Zahlen, die Anzahl und Einheit
gegeneinander sind, wobei auch die Einheit eine bestimmte Anzahl ist.
Aber von dieser nähern Bestimmung derselben gegeneinander abstrahirt,
und sie bloß nach dem, was ihnen in der qualitativen Beziehung, in
der sie hier sind, als Quantis widerfährt, betrachtet, so sind 2 und
7 sonst gleichgültige Quanta; indem sie aber hier nur als Momente,
eines des andern, und damit eines Dritten (des Quantums, das der
Exponent heißt) auftreten, so gelten sie sogleich nicht als 2 und 7,
sondern nur nach ihrer Bestimmtheit gegeneinander.  Statt ihrer kann
darum eben so gut 4 und 14, oder 6 und 21 u.s.f. ins Unendliche
gesetzt werden.  Hiermit fangen sie also an, einen qualitativen
Charakter zu haben.  Gälten sie als bloße Quanta, so ist 2 und 7,
schlechthin das eine nur 2, das andere nur 7; 4, 14, 6, 21 u.s.f.
sind schlechthin etwas Anderes als jene Zahlen, und können insofern
sie nur unmittelbare Quanta wären, die einen nicht an die Stelle der
anderen gesetzt werden.  Insofern aber und nicht nach der
Bestimmtheit, solche Quanta zu seyn, gelten, so ist ihre
gleichgültige Grenze aufgehoben; sie haben somit, nach dieser Seite,
das Moment der Unendlichkeit an ihnen, indem sie nicht bloß eben
nicht mehr sie sind, sondern ihre quantitative Bestimmtheit, aber als
eine an sich seyende qualitative,--nämlich nach dem, was sie im
Verhältnisse gelten,--bleibt.  Es können unendlich viele andere an
ihre Stelle gesetzt werden, so daß der Werth des Bruches durch, die
Bestimmtheit, welche das Verhältniß hat, sich nicht ändert.

Die Darstellung, welche die Unendlichkeit an einem Zahlenbruche hat,
ist aber darum noch unvollkommen, weil die beiden Seiten des Bruchs,
2 und 7, aus dem Verhältnisse genommen werden können, und gewöhnliche
gleichgültige Quanta sind; die Beziehung derselben, im Verhältnisse
und Momente zu seyn, ist ihnen etwas Äußerliches und Gleichgültiges.
Ebenso ist ihre Beziehung selbst ein gewöhnliches Quantum, der
Exponent des Verhältnisses.

Die Buchstaben, mit denen in der allgemeinen Arithmetik operirt wird,
die nächste Allgemeinheit, in welche die Zahlen erhoben werden, haben
die Eigenschaft nicht, daß sie von einem bestimmten Zahlenwerth sind;
sie sind nur allgemeine Zeichen und unbestimmte Möglichkeiten jedes
bestimmten Werthes.  Der Bruch a/b scheint daher ein passenderer
Ausdruck des Unendlichen zu seyn, weil a und b aus ihrer Beziehung
aufeinander genommen, unbestimmt bleiben, und auch getrennt keinen
besonderen eigenthümlichen Werth haben.--Allein diese Buchstaben sind
zwar als unbestimmte Größen gesetzt; ihr Sinn aber ist, daß sie
irgend ein endliches Quantum seyen.  Da sie also zwar die allgemeine
Vorstellung, aber nur von der bestimmten Zahl sind, so ist es ihnen
ebenfalls gleichgültig, im Verhältnisse zu seyn, und außer demselben
behalten sie diesen Werth.

Betrachten wir noch näher, was im Verhältnisse vorhanden ist, so hat
es die beiden Bestimmungen an ihm, erstlich ein Quantum zu seyn,
dieses aber ist zweitens nicht als ein unmittelbares, sondern das den
qualitativen Gegensatz an ihm hat; es bleibt in demselben zugleich
jenes bestimmte, gleichgültige Quantum dadurch, daß es aus seinem
Andersseyn, dem Gegensatze, in sich zurückgekehrt, somit auch ein
Unendliches ist.  Diese beiden Bestimmungen stellen sich in der
folgenden bekannten Form, in ihrem Unterschiede von einander
entwickelt dar.

Der Bruch 2/7 kann ausgedrückt werden als 0,285714...als 1 + a +
a[hoch2] + a[hoch3] u.s.f.  So ist er als eine unendliche Reihe; der
Bruch selbst heißt die Summe oder der endliche Ausdruck derselben.
Vergleichen wir die beiden Ausdrücke, so stellt der eine, die
unendliche Reihe, ihn nicht mehr als Verhältniß, sondern nach der
Seite dar, daß er ein Quantum ist als eine Menge von solchen, die zu
einander hinzukommen, als eine Anzahl.--Daß die Größen, die ihn als
Anzahl ausmachen sollen, wieder aus Decimalbrüchen, also selbst aus
Verhältnissen bestehen, darauf kommt es hier nicht an; denn dieser
Umstand betrifft die besondere Art der Einheit dieser Größen, nicht
sie, insofern sie die Anzahl constituiren; wie auch eine aus mehreren
Ziffern bestehende ganze Zahl des Decimalsystems wesentlich als eine
Anzahl gilt, und nicht darauf gesehen wird, daß sie aus Produkten
einer Zahl und der Zahl Zehen und deren Potenzen besteht.  So wie es
hier auch nicht darauf ankommt, daß es andere Brüche giebt als der z.
B. genommene 2/7, die zu Dezimalbrüchen gemacht, nicht eine
unendliche Reihe geben; jeder aber kann für ein Zahlensystem von
anderer Einheit als eine solche ausgedrückt werden.

Indem nun in der unendlichen Reihe, die den Bruch als Anzahl
darstellen soll, die Seite, daß er Verhältniß ist, verschwindet, so
verschwindet auch die Seite, nach welcher er, wie vorhin gezeigt, die
Unendlichkeit an ihm hatte.  Diese aber ist auf eine andere Weise
hereingekommen; die Reihe ist nämlich selbst unendlich.

Von welcher Art nun die Unendlichkeit der Reihe sey, erhellt von
selbst; es ist die schlechte Unendlichkeit des Progresses.  Die Reihe
enthält und stellt den Widerspruch dar, etwas, das ein Verhältniß ist
und qualitative Natur in ihm hat, als ein Verhältnißloses, als ein
bloßes Quantum, als Anzahl, darzustellen.  Die Folge davon ist, daß
an der Anzahl, die in der Reihe ausgedrückt ist, immer etwas fehlt,
so daß über das, was gesetzt ist, immer hinausgegangen werden muß, um
die geforderte Bestimmtheit zu erreichen.  Das Gesetz des Fortgangs
ist bekannt, es liegt in der Bestimmung des Quantums, die im Bruche
enthalten ist, und in der Natur der Form, in der sie ausgedrückt
werden soll.  Die Anzahl kann wohl durch Fortsetzung der Reihe so
genau gemacht werden, als man nöthig hat; aber immer bleibt die
Darstellung durch sie nur ein Sollen; sie ist mit einem Jenseits
behaftet, das nicht aufgehoben werden kann, weil ein auf qualitativer
Bestimmtheit beruhendes als Anzahl auszudrücken der bleibende
Widerspruch ist.

In dieser unendlichen Reihe ist jene Ungenauigkeit wirklich vorhanden,
von der am wahrhaften mathematischen Unendlichen nur der Schein
vorkommt.  Diese beiden Arten des mathematischen Unendlichen sind so
wenig zu verwechseln, als die beiden Arten des philosophischen
Unendlichen.  Bei der Darstellung des wahrhaften mathematischen
Unendlichen ist anfangs die Form der Reihe gebraucht oder auch
neuerlich wieder hervorgerufen worden.  Aber sie ist für dasselbe
nicht nothwendig; im Gegentheil ist das Unendliche der unendlichen
Reihe wesentlich von jenem unterschieden, wie die Folge zeigen soll.
Diese vielmehr steht sogar dem Ausdrucke des Bruches nach.

Die unendliche Reihe enthält nämlich die schlechte Unendlichkeit,
weil das, was die Reihe ausdrücken soll, ein Sollen bleibt; und was
sie ausdrückt, mit einem Jenseits, das nicht verschwindet, behaftet
und verschieden von dem ist, was ausgedrückt werden soll.  Sie ist
unendlich nicht um der Glieder willen, die gesetzt sind, sondern
darum, weil sie unvollständig sind, weil das Andere, das zu ihnen
wesentlich gehört, jenseits ihrer ist; was in ihr da ist, der
gesetzten Glieder mögen so viele seyn als wollen, ist nur ein
Endliches, im eigentlichen Sinne, gesetzt als Endliches, d. i. als
solches, das nicht ist, was es seyn soll.  Dagegen ist aber das, was
der endliche Ausdruck, oder die Summe solcher Reihe genannt wird,
ohne Mangel; er enthält den Werth, den die Reihe nur sucht,
vollständig; das Jenseits ist aus der Flucht zurückgerufen; was er
ist, und was er seyn soll, ist nicht getrennt, sondern ist dasselbe.

Das beide Unterscheidende liegt näher sogleich darin, daß in der
unendlichen Reihe das Negative außerhalb ihrer Glieder ist, welche
Gegenwart haben, indem sie nur als Theile der Anzahl gelten.  In dem
endlichen Ausdrucke dagegen, der ein Verhältniß ist, ist das Negative
immanent, als das Bestimmtseyn der Seiten des Verhältnisses
durcheinander, welches ein in sich Zurückgekehrtseyn, sich auf sich
beziehende Einheit, als Negation der Negation (beide Seiten des
Verhältnisses sind nur als Momente), ist, hiermit die Bestimmung der
Unendlichkeit in sich hat.--Zu der That ist also die gewöhnlich
sogenannte Summe, das 2/7 oder 1/1-a', ein Verhältniß; und dieser
sogenannte endliche Ausdruck ist der wahrhaft unendliche Ausdruck.
Die unendliche Reihe dagegen ist in Wahrheit Summe; ihr Zweck ist,
das was an sich Verhältniß ist, in der Form einer Summe darzustellen,
und die vorhandenen Glieder der Reihe sind nicht als Glieder eines
Verhältnisses, sondern eines Aggregats.  Sie ist ferner vielmehr der
endliche Ausdruck; denn sie ist das unvollkommene Aggregat, und
bleibt wesentlich ein Mangelhaftes.  Sie ist nach dem, was in ihr da
ist, ein bestimmtes Quantum, zugleich aber ein geringeres, als sie
seyn soll; alsdann auch das, was ihr fehlt, ist ein bestimmtes
Quantum; dieser fehlende Theil ist in der That das, was das
Unendliche an der Reihe heißt, nach der nur formellen Seite, daß er
ein Fehlendes, ein Nichtseyn ist; nach seinem Inhalte ist er ein
endliches Quantum.  Das was in der Reihe da ist, zusammen mit dem was
ihr fehlt, macht erst das aus, was der Bruch ist, das bestimmte
Quantum, das sie gleichfalls seyn soll, aber zu seyn nicht vermag.
--Das Wort: Unendlich, pflegt, auch in der unendlichen Reihe, in der
Meinung etwas Hohes und Hehres zu seyn; es ist dieß eine Art von
Aberglauben, der Aberglaube des Verstands; man hat gesehen, wie es
sich vielmehr auf die Bestimmung der Mangelhaftigkeit reducirt.

Daß es, kann noch bemerkt werden, unendliche Reihen giebt, die nicht
summirbar sind, ist in Bezug auf die Form von Reihe überhaupt ein
äußerlicher und zufälliger Umstand.  Sie enthalten eine höhere Art
der Unendlichkeit, als die summirbaren; nämlich eine
Incommensurabilität, oder die Unmöglichkeit, das darin enthaltene
quantitative Verhältniß als ein Quantum, sey es auch als Bruch,
darzustellen; die Form der Reihe aber als solche, die sie haben,
enthält dieselbe Bestimmung der schlechten Unendlichkeit, welche in
der summirbaren Reihe ist.

Die so eben am Bruche und an seiner Reihe bemerkte Verkehrung in
Ansehung des Ausdrucks findet auch Statt, insofern das mathematische
Unendliche nämlich nicht das so eben genannte sondern das wahrhafte,
das relative Unendliche,--das gewöhnliche metaphysische dagegen,
worunter das abstrakte, schlechte Unendliche verstanden wird, das
absolute genannt worden ist.  In der That ist vielmehr dieses
metaphysische nur das relative, weil die Negation, die es ausdrückt,
nur so im Gegensatze einer Grenze ist, daß diese außer ihm bestehen
bleibt, und von ihm nicht aufgehoben wird; das mathematische
Unendliche hingegen hat die endliche Grenze wahrhaft in sich
aufgehoben, weil das Jenseits derselben mit ihr vereinigt ist.

In dem Sinne, in welchem aufgezeigt worden, daß die sogenannte Summe
oder der endliche Ausdruck einer unendlichen Reihe, vielmehr als der
unendliche anzusehen ist, ist es vornehmlich, daß Spinoza den Begriff
der wahren Unendlichkeit gegen den der schlechten aufstellt und durch
Beispiele erläutert.  Sein Begriff gewinnt am neisten Licht, indem
ich das, was er hierüber sagt, an diese Entwickelung anschließe.

Er definirt zunächst das Unendliche als die absolute Affirmation der
Existenz irgend einer Natur, das Endliche im Gegentheil als
Bestimmtheit, als Verneinung.  Die absolute Affirmation einer
Existenz ist nämlich als ihre Beziehung auf sich selbst zu nehmen,
nicht dadurch zu seyn, daß ein Anderes ist; das Endliche hingegen ist
die Verneinung, ein Aufhören als Beziehung auf ein Anderes, das außer
ihm anfängt.  Die absolute Affirmation einer Existenz erschöpft nun
zwar den Begriff der Unendlichkeit nicht; dieser enthält, daß die
Unendlichkeit Affirmation ist, nicht als unmittelbare, sondern nur
als wiederhergestellte durch die Reflexion des Anderen in sich selbst,
oder als Negation des Negativen.  Aber bei Spinoza hat die Substanz
und deren absolute Einheit die Form von unbewegter d. i. nicht sich
mit sich selbst vermittelnder Einheit, von einer Starrheit, worin der
Begriff der negativen Einheit des Selbst, die Subjektivität, sich
noch nicht findet.

Das mathematische Beispiel, womit er das wahre Unendliche (Epist.
XXIX.) erläutert, ist ein Raum zwischen zwei ungleichen Kreisen,
deren einer innerhalb des andern, ohne ihn zu berühren, fällt, und
die nicht koncentrisch sind.  Er machte, wie es scheint, sich viel
aus dieser Figur und dem Begriffe als deren Beispiel er sie
gebrauchte, daß er sie zum Motto seiner Ethik machte.--"Die
Mathematiker, sagt er, schließen, daß die Ungleichheiten, die in
einem solchen Raume möglich sind, unendlich sind, nicht aus der
unendlichen Menge der Theile, denn seine Größe ist bestimmt und
begrenzt, und ich kann größere und kleinere solche Räume setzen,
sondern weil die Natur der Sache jede Bestimmtheit übertrift."--Man
sieht, Spinoza verwirftjene Vorstellung vom Unendlichen, nach welcher
es als Menge oder als Reihe vorgestellt wird, die nicht vollendet ist,
und erinnert, daß hier an dem Raume des Beispiels das Unendliche
nichtjenseits, sondern gegenwärtig und vollständig ist; dieser Raum
ist ein Begrenztes, aber darum ein Unendliches, "weil die Natur der
Sache jede Bestimmtheit übersteigt," weil die darin enthaltene
Größenbestimmung zugleich nicht als ein Quantum darstellbar ist, oder
nach obigem kantischen Ausdruck das Synthesiren nicht zu
einem--diskreten--Quantum vollendet werden kann.--Wie überhaupt der
Gegensatz von kontinuirlichem und diskretem Quantum auf das
Unendliche führt, soll in einer spätern Anmerkung auseinander gesetzt
werden.--Jenes Unendliche einer Reihe nennt Spinoza das Unendliche
der Imagination; das Unendliche hingegen als Beziehung auf sich
selbst, das Unendliche des Denkens oder infinitum actu.  Es ist
nämlich actu, es ist wirklich unendlich, weil es in sich vollendet
und gegenwärtig ist.  So ist die Reihe, 0,285714... oder 1 + a +
a[hoch 2] + a[hoch 3]... das Unendliche bloß der Einbildung oder des
Meinens; denn es hat keine Wirklichkeit, es fehlt ihm schlechthin
etwas; hingegen 2/7 oder 1/1-a ist das wirklich, nicht nur was die
Reihe in ihren vorhandenen Gliedern ist, sondern noch das dazu, was
ihr mangelt, was sie nur seyn soll.  Das 2/7 oder 1/1-a ist
gleichfalls eine endliche Größe, wie der zwischen den zwei Kreisen
eingeschlossene Raum Spinoza's und dessen Ungleichheiten; und kann
wie dieser Raum größer oder kleiner gemacht werden.  Aber es kommt
damit nicht die Ungereimtheit eines größern oder kleinern Unendlichen
heraus; denn dieß Quantum des Ganzen, geht das Verhältniß seiner
Momente, die Natur der Sache d. h. die qualitative Größenbestimmung,
nichts an; das was in der unendlichen Reihe da ist, ist ebenso ein
endliches Quantum, aber außerdem noch ein Mangelhaftes.--Die
Einbildung dagegen bleibt beim Quantum als solchem stehen, und
reflektirt nicht auf die qualitative Beziehung, welche den Grund der
vorhandenen Inkommensurabilität ausmacht.

Die Inkommensurabilität, welche in dem Beispiel Spinoza's liegt,
schließt überhaupt die Funktionen krummer Linien in sich, und führt
näher auf das Unendliche, das die Mathematik bei solchen Funktionen,
überhaupt bei den Funktionen veränderlicher Größen eingeführt hat,
und welches das wahrhafte mathematische, quantitative Unendliche ist,
das auch Spinoza sich dachte.  Diese Bestimmung soll nun hier näher
erörtert werden.

Was vors erste die für so wichtig geltende Kategorie der
Veränderlichkeit betrifft, unter welche die in jenen Funktionen
bezogenen Größen gefaßt werden, so sollen sie zunächst veränderlich
nicht in dem Sinne seyn, wie im Bruche 2/7 die beiden Zahlen 2 und 7,
indem eben so sehr 4 und 14, 6 und 21 und so fort ins Unendliche
andere Zahlen an ihre Stelle gesetzt werden können, ohne den im
Bruche gesetzten Werth zu ändern.  So kann noch mehr in a/b an die
Stelle von a und b jede beliebige Zahl gesetzt werden, ohne das zu
ändern was a/b ausdrücken soll.  In dem Sinne nur, daß auch an die
Stelle von x und y einer Funktion eine unendliche d. h.
unerschöpfliche Menge von Zahlen gesetzt werden könne, sind a und b
so sehr veränderliche Größe als jene, x und y.  Der Ausdruck:
veränderliche Größen, ist darum sehr vage, und unglücklich gewählt
für Größebestimmungen, die ihr Interesse und Behandlungsart in etwas
in etwas ganz Anderem liegen haben, als in ihrer bloßen
Veränderlichkeit.

Um es deutlich zu machen, worin die wahrhafte Bestimmung der Momente
einer Funktion liegt, mit denen sich das Interesse der höhern
Analysis beschäftigt, müssen wir die bemerklich gemachten Stufen noch
einmal durchlaufen.  In 2/7 oder a/b sind 2 und 7 jedes für sich,
bestimmte Quanta und die Beziehung ist ihnen nicht wesentlich; a und
b soll gleichfalls solche Quanta vorstellen, die auch außer dem
Verhältnisse bleiben, was sie sind.  Ferner ist auch 2/7 und a/b ein
fixes Quantum, ein Quotient; das Verhältniß macht eine Anzahl aus,
deren Einheit der Nenner, und die Anzahl dieser Einheiten der
Zähler--oder umgekehrt ausdrückt; wenn auch 4 und 14 u.s.f. an die
Stelle von 2 und 7 treten, bleibt das Verhältniß auch als Quantum
dasselbe.  Dieß verändert sich nun aber wesentlich in der Funktion
y[hoch 2]/x = p z.B.; hier haben x und y zwar den Sinn, bestimmte
Quanta seyn zu können; aber nicht x und y, sondern nur x und y[hoch 2]
haben einen bestimmten Quotienten.

Dadurch sind diese Seiten des Verhältnisses, x und y, erstens nicht
nur keine bestimmten Quanta, sondern zweitens ihr Verhältniß ist
nicht ein fixes Quantum, (noch ist dabei ein solches wie bei a und b
gemeint), nicht ein fester Quotient, sondern er ist als Quantum
schlechthin veränderlich.  Dieß aber ist allein darin enthalten, daß
x nicht zu y ein Verhältniß hat, sondern zum Quadrate von y.  Das
Verhältniß einer Größe zur Potenz ist nicht ein Quantum, sondern
wesentlich qualitatives Verhältniß; das Potenzenverhältniß ist der
Umstand, der als Grundbestimmung anzusehen ist.--In der Function der
geraden Linie y = a x aber, ist x/y = a ein gewöhnlicher Bruch und
Quotient; diese Funktion ist daher nur formell eine Funktion von
veränderlichen Größen, oder x und y sind hier was a und b in a/b, sie
sind nicht in derjenigen Bestimmung, in welcher die Differential- und
Integralrechnung sie betrachtet.--Wegen der besondern Natur der
veränderlichen Größen in dieser Betrachtungsweise, wäre es zweckmäßig
gewesen, für sie sowohl einen besonderen Namen, als andere
Bezeichnungen einzuführen, als die gewöhnlichen der unbekannten
Größen in jeder endlichen, bestimmten oder unbestimmten Gleichung; um
ihrer wesentlichen Verschiedenheit willen von solchen bloß
unbekannten Größen, die an sich vollkommen bestimmte Quanta, oder ein
bestimmter Umfang von bestimmten Quantis sind.--Es ist auch nur der
Mangel des Bewußtseyns, über die Eigenthümlichkeit dessen, was das
Interesse der höheren Analysis ausmacht und das Bedürfniß und die
Erfindung des Differential-Kalkuls herbeigeführt hat, daß Funktionen
des ersten Grades wie die Gleichung der geraden Linie in die
Behandlung dieses Kalkuls für sich mit hereingenommen werden; seinen
Antheil an solchem Formalismus hat ferner der Mißverstand, der die an
sich richtige Forderung der Verallgemeinerung einer Methode dadurch
zu erfüllen meint, daß die specifische Bestimmtheit, auf

die sich das Bedürfniß gründet, weggelassen wird, daß es dafür gilt,
als ob es sich in diesem Felde nur um veränderliche Größen überhaupt
handle.  Es wäre wohl viel Formalismus in den Betrachtungen dieser
Gegenstände wie in der Behandlung erspart worden, wenn man eingesehen
hätte, daß derselbe nicht veränderliche Größen als solche, sondern
Potenzenbestimmungen betreffe.

Aber es ist noch eine weitere Stufe, auf der das mathematische
Unendliche in seiner Eigenthümlichkeit hervortritt.  In einer
Gleichung, worin x und y zunächst als durch ein Potenzenverhältniß
bestimmt, gesetzt sind, sollen x und y als solche noch Quanta
bedeuten; diese Bedeutung nun geht vollends in den sogenannten
unendlich kleinen Differenzen gänzlich verloren. d x, d y sind keine
Quanta mehr, noch sollen sie solche bedeuten, sondern haben allein in
ihrer Beziehung eine Bedeutung, einen Sinn blos als Momente.  Sie
sind nicht mehr Etwas, das Etwas als Quantum genommen, nicht endliche
Differenzen; aber auch nicht Nichts, nicht die bestimmungslose Null.
Außer ihrem Verhältnisse sind sie reine Nullen, aber sie sollen nur
als Momente des Verhältnisses, als Bestimmungen des
Differential-Koefficienten d x/ d y genommen werden.

In diesem Begriff des Unendlichen ist das Quantum wahrhaft zu einem
qualitativen Daseyn vollendet; es ist als wirklich unendlich gesetzt;
es ist nicht nur als dieses oder jenes Quantum aufgehoben, sondern
als Quantum überhaupt.  Es bleibt aber die Quantitätsbestimmtheit als
Element von Quantis, Princip, oder sie wie man auch gesagt hat, in
ihrem ersten Begriffe.

Gegen diesen Begriff ist aller Angriff gerichtet, der auf die
Grundbestimmung der Mathematik dieses Unendlichen, der
Differentialund Integralrechnung, gemacht worden ist.  Unrichtige
Vorstellungen der Mathematiker selbst veranlaßten es, wenn er nicht
anerkannt worden ist; vornehmlich aber ist die Unvermögenheit, den
Gegenstand als Begriff zu rechtfertigen, Schuld an diesen
Anfechtungen.  Den Begriff kann aber die Mathematik, wie oben
erinnert worden, hier nicht umgehen; denn als Mathematik des
Unendlichen schränkt sie sich nicht auf die endliche Bestimmtheit
ihrer Gegenstände ein,--wie in der reinen Mathematik der Raum und die
Zahl und deren Bestimmungen nur nach ihrer Endlichkeit betrachtet und
auf einander bezogen werden--; sondern sie versetzt eine von daher
aufgenommene und von ihr behandelte Bestimmung in Identität mit ihrer
entgegengesetzten, wie sie z.B. eine krumme Linie zu einer geraden,
den Kreis zu einem Polygon u.s.f. macht.  Die Operationen, die sie
sich als Differential- und Integralrechnung erlaubt, sind daher der
Natur bloß endlicher Bestimmungen und deren Beziehungen gänzlich
widersprechend und hätten darum ihre Rechtfertigung allein in dem
Begriff.

Wenn die Mathematik des Unendlichen daran festhielt, daß jene
Quantitäts-Bestimmungen verschwindende Größen d. h. solche, die nicht
mehr irgend ein Quantum, aber auch nicht Nichts, sondern noch eine
Bestimmtheit gegen Anderes sind, so schien nichts klarer, als daß es
keinen solchen Mittelzustand, wie man es nannte, zwischen Seyn und
Nichts gebe.--Was es mit diesem Einwurfe und sogenannten
Mittelzustande auf sich habe, ist oben bereits bei der Kategorie des
Werdens, Anmerk. 4. gezeigt.  Allerdings ist die Einheit des Seyns
und Nichts kein Zustand; ein Zustand wäre eine Bestimmung des Seyns
und Nichts, worein diese Momente nur etwa zufälligerweise gleichsam
als in eine Krankheit oder äußerliche Affektion durch ein
irrthümliches Denken gerathen sollten; sondern diese Mitte und
Einheit, das Verschwinden oder eben so das Werden, ist vielmehr
allein ihre Wahrheit.

Was unendlich sey, ist ferner gesagt worden, sey nicht vergleichbar
als ein Größeres oder Kleineres; es könne daher nicht ein Verhältniß
von Unendlichen zu Unendlichen, noch Ordnungen oder Dignitäten des
Unendlichen geben, als welche Unterschiede der unendlichen
Differenzen in der Wissenschaft derselben vorkommen.--Es liegt bei
diesem schon erwähnten Einwurfe immer die Vorstellung zu Grunde, daß
hier von Quantis die Rede seyn solle, die als Quanta verglichen
werden; daß Bestimmungen, die keine Quanta mehr sind, kein Verhältniß
mehr zu einander haben.  Vielmehr ist aber das, was nur im Verhältniß
ist, kein Quantum; das Quantum ist eine solche Bestimmung, die außer
ihrem Verhältniß ein vollkommen gleichgültiges Daseyn haben, der ihr
Unterschied von einem anderen gleichgültig seyn soll, da hingegen das
qualitative nur das ist, was es in seinem Unterschiede von dnem
Anderen ist.  Jene unendlichen Größen sind daher nicht nur
vergleichbar, sondern sind nur als Momente der Vergleichung, des
Verhältnisses.

Ich führe die wichtigsten Bestimmungen an, welche in der Mathematik
über dieß Unendliche gegeben worden sind; es wird daraus erhellen,
daß denselben der Gedanke der Sache, übereinstimmend mit dem hier
entwickelten Begriffe, zu Grunde liegt, daß ihre Urheber ihn aber als
Begriff nicht ergründeten und bei der Anwendung wieder
Auskunftsmittel nöthig hatten, welche ihrer besseren Sache
widersprechen.

Der Gedanke kann nicht richtiger bestimmt werden, als Newton ihn
gegeben hat.  Ich trenne dabei die Bestimmungen ab, die der
Vorstellung der Bewegung und der Geschwindigkeit angehören, (von
welcher er vornehmlich den Namen Fluxionen nahm), weil der Gedanke
hierin nicht in der gehörigen Abstraktion, sondern konkret, vermischt
mit außerwesentlichen Formen erscheint.  Diese Fluxionen erklärt
Newton (Princ. mathem. phil. nat.  L. 1. Lemma XI. Schol.) dahin, daß
er nicht untheilbare--eine Form, deren sich frühere Mathematiker,
Cavalleri und andere, bedienten, und welche den Begriff eines an sich
bestimmten Quantums enthält,--verstehe, sondern verschwindende
Theilbare.  Ferner nicht Summen und Verhältnisse bestimmter Theile,
sondern die Grenzen (limites) der Summen, und Verhältnisse.  Es werde
die Einwendung gemacht, daß verschwindende Größen kein letztes
Verhältniß haben, weil es, ehe sie verschwunden, nicht das Letzte,
und wenn sie verschwunden, keines mehr ist.  Aber unter dem
Verhältnisse verschwindender Größen sey das Verhältniß zu verstehen,
nicht eh sie verschwinden, und nicht nachher, sondern mit dem sie
verschwinden ( quacum evanescunt ).  Eben so ist das erste Verhältniß
werdender Größen, das mit dem sie werden.

Nach dem damaligen Stande der wissenschaftlichen Methode wurde nur
erklärt, was unter einem Ausdrucke zu verstehen sey; daß aber dieß
oder jenes darunter zu verstehen sey, ist eigentlich eine subjektive
Zumuthung oder auch eine historische Forderung, wobei nicht gezeigt
wird, daß ein solcher Begriff an und für sich nothwendig ist und
innere Wahrheit hat.  Allein das Angeführte zeigt, daß der von Newton
aufgestellte Begriff dem entspricht, wie die unendliche Größe sich in
der obigen Darstellung aus der Reflexion des Quantums in sich ergab.
Es sind Größen verstanden, in ihrem Verschwinden, d. h. die nicht
mehr Quanta sind; ferner nicht Verhältnisse bestimmter Theile,
sondern die Grenzen des Verhältnisses.  Es sollen also sowohl die
Quanta für sich, die Seiten des Verhältnisses, als damit auch das
Verhältniß, insofern es ein Quantum wäre, verschwinden; die Grenze
des Größen-Verhältnisses ist, worin es ist und nicht ist; dieß heißt
genauer, worin das Quantum verschwunden, und damit das Verhältniß nur
als qualitatives Quantitäts-Verhältniß, und die Seiten desselben
ebenso als qualitative Quantitäts-Momente erhalten sind.--Newton fügt
hinzu, daß daraus, daß es letzte Verhältnisse der verschwindenden
Größen gebe, nicht zu schließen sey, daß es letzte Größen,
Untheilbare, gebe.  Dieß wäre nämlich wieder ein Absprung von dem
abstrakten Verhältnisse auf solche Seiten desselben, welche für sich
außer ihrer Beziehung einen Werth haben sollten, als Untheilbare, als
etwas, das ein Eins, ein Verhältnißloses seyn würde.

Gegen jenen Mißverstand erinnert er noch, daß die letzten
Verhältnisse nicht Verhältnisse letzter Größen seyen, sondern Grenzen,
denen die Verhältnisse der ohne Grenze abnehmenden Größen näher sind
als jeder gegebene d. h. endliche Unterschied, welche Grenze sie aber
nicht überschreiten, so daß sie Nichts würden.--Unter letzten Größen
hätten nämlich, wie gesagt, Untheilbare oder Eins verstanden werden
können.  In der Bestimmung des letzten Verhältnisses aber ist sowohl
die Vorstellung des gleichgültigen Eins, des verhältnißlosen, als
auch des endlichen Quantums entfernt.  Es bedürfte aber weder des
Abnehmens ohne Grenze, in das Newton das Quantum versetzt und das nur
den Progreß ins Unendliche ausdrückt, noch der Bestimmung der
Theilbarkeit, welche hier keine unmittelbare Bedeutung mehr hat, wenn
die geforderte Bestimmung sich zum Begriffe einer Größebestimmung,
die rein nur Moment des Verhältnisses ist, fortgebildet hätte.

In Rücksicht der Erhaltung des Verhältnisses im Verschwinden der
Quantorum findet sich (anderwärts, wie bei Carnot, Réflexions sur la
Métaphysique du Calcul Infinitésimal.) der Ausdruck, daß vermöge des
Gesetzes der Stätigkeit die verschwindenden Größen noch das
Verhältniß, aus dem sie herkommen, ehe sie verschwinden, behalten.
--Diese Vorstellung drückt die wahre Natur der Sache aus, insofern
nicht die Stätigkeit des Quantums verstanden wird, die es im
unendlichen Progreß hat, sich in sein Verschwinden so zu kontinuiren,
daß im Jenseits seiner wieder nur ein endliches Quantum, ein neues
Glied der Reihe entsteht; ein stätiger Fortgang wird aber immer so
vorgestellt, daß die Werthe durchloffen werden, welche noch endliche
Quanta sind.

In demjenigen Übergange dagegen, welcher in das wahrhafte Unendliche
gemacht wird, ist das Verhältniß das stätige; es ist so sehr stätig
und sich erhaltend, daß er vielmehr allein darin besteht, das
Verhältniß rein herauszuheben, und die verhältnißlose Bestimmung, d.
i. daß ein Quantum, welches Seite des Verhältnisses ist, auch außer
dieser Beziehung gesetzt, noch Quantum ist, verschwinden zu machen.
--Diese Reinigung des quantitativen Verhältnisses ist insofern nichts
anders, als wenn ein empirisches Daseyn begriffen wird.  Dieß wird
hierdurch so über sich selbst erhoben, daß sein Begriff dieselben
Bestimmungen enthält, als es selbst, aber in ihrer Wesentlichkeit und
in die Einheit des Begriffes gefaßt, worin sie ihr gleichgültiges,
begriffloses Bestehen verloren haben.

Gleich interessant ist die andere Form der newtonischen Darstellung
der in Rede stehenden Größen, nämlich als erzeugender Größen oder
Principien.  Eine erzeugte Größe (genita) ist ein Produkt oder
Quotient, Wurzeln, Rechtecke, Quadrate, auch Seiten von Rechtecken,
Quadraten;--überhaupt eine endliche Größe.--"Sie als veränderlich
betrachtet, wie sie in fortdauernder Bewegung und Fließen zu- oder
abnehmend ist, so verstehe er ihre momentanen Inkremente oder
Dekremente unter dem Namen von Momenten.  Diese sollen aber nicht für
Theilchen von bestimmter Größe genommen werden ( particulae finitae ).
Solche seyen nicht selbst Momente, sondern aus Momenten erzeugte
Größen; es seyen vielmehr die werdenden Principien oder Anfänge
endlicher Größen zu verstehen."--Das Quantum wird hier von sich
selbst unterschieden, wie es als ein Produkt oder Daseyendes, und wie
es in seinem Werden, in seinem Anfange und Princip, das heißt, wie es
in seinem Begriffe, oder was hier dasselbe ist, in seiner
qualitativen Bestimmnng ist; in der letztern sind die quantitativen
Unterschiede, die unendlichen Inkremente oder Dekremente, nur Momente;
erst das Gewordene ist das in die Gleichgültigkeit des Daseyns und
in die Äußerlichkeit übergegangene, das Quantum.--Wenn aber diese in
Ansehung der Inkremente oder Dekremente angeführten Bestimmungen des
Unendlichen, von der Philosophie des wahrhaften Begriffs anerkannt
werden müssen, so ist auch sogleich zu bemerken, daß die Formen
selbst von Inkrementen u.s.f. innerhalb der Kategorie des
unmittelbaren Quantums und des erwähnten stätigen Fortgangs fallen,
und vielmehr sind die Vorstellungen von Inkrement, Zuwachs, Zunahme
des x um d x oder i u.s.f. als das in den Methoden vorhandene
Grundübel anzusehen;--als das bleibende Hinderniß, aus der
Vorstellung des gewöhnlichen Quantums die Bestimmung des qualitativen
Quantitätsmoments rein herauszuheben.

Gegen die angegebenen Bestimmungen steht die Vorstellung von
unendlich-kleinen Größen, die auch im Inkrement oder Dekrement selbst
steckt, weit zurück.  Nach derselben sollen sie von der
Beschaffenheit seyn, daß nicht nur sie gegen endliche Größen, sondern
auch deren höhere Ordnungen gegen die niedrigere, oder auch die
Produkte aus mehrern gegen eine einzelne zu vernachlässigen seyen.
--bei Leibnitz hebt sich die Forderung dieser Vernachlässigung,
welche die vorhergehenden Erfinder von Methoden, die sich auf diese
Größe bezogen, gleichfalls eintreten lassen, auffallender hervor.
Sie ist es vornehmlich, die diesem Kalkul beim Gewinne der
Bequemlichkeit den Schein von Ungenauigkeit und ausdrücklicher
Unrichtigkeit in dem Wege seiner Operation giebt.--Wolf hat sie in
seiner Weise, die Sachen populär zu machen, d. h. den Begriff zu
verunreinigen und unrichtige sinnliche Vorstellungen an dessen Stelle
zu setzen, verständlich zu machen gesucht.  Er vergleicht nämlich die
Vernachlässigung der unendlichen Differenzen höherer Ordnungen gegen
niedrigere, mit dem Verfahren eines Geometers, der bei der Messung
der Höhe eines Berges um nicht weniger genau gewesen sey, wenn der
Wind indeß ein Sandkörnchen von der Spitze weggeweht habe, oder mit
der Vernachlässigung der Höhen der Häuser, Thürme bei der Berechnung
der Mondfinsternisse (Element.  Mathes. univ. Tom. I. El. Analys.
math. P. II. C. I. s. Schol.).

Wenn die Billigkeit des gemeinen Menschenverstandes eine solche
Ungenauigkeit erlaubt, so haben dagegen alle Geometer diese
Vorstellung verworfen.  Es dringt sich von selbst auf, daß in der
Wissenschaft der Mathematik von einer solchen empirischen Genauigkeit
ganz und gar nicht die Rede ist, daß das mathematische Messen durch
Operationen des Kalkuls oder durch Konstruktionen und Beweise der
Geometrie, gänzlich vom Feldmessen, vom Messen empirischer Linien,
Figuren u.s.f. unterschieden ist.  Ohnehin zeigen, wie oben angeführt,
die Analytiker durch die Vergleichung des Resultats, wie es auf
streng geometrischem Wege und wie es nach der Methode der unendlichen
Differenzen erhalten wird, daß das eine dasselbe ist als das andere,
und daß ein Mehr oder Weniger von Genauigkeit ganz und gar nicht
Statt findet.  Und es versteht sich von selbst, daß ein absolut
genaues Resultat nicht aus einem Verfahren herkommen könne, das
ungenau wäre.  Jedoch kann wieder auf der anderen Seite das Verfahren
selbst, jener Vernachlässigung aus dem Grunde der Unbedeutenheit, des
Protestirens gegen die angeführte Rechtfertigungsweise unerachtet,
nicht entbehren.  Und dieß ist die Schwierigkeit, um welche die
Bemühungen der Analytiker gehen, das hierin liegende Widersinnige
begreiflich zu machen, und es zu entfernen.

Es ist in dieser Rücksicht vornehmlich Eulers Vorstellung anzuführen.
Indem er die allgemeine Newtonische Definition zu Grunde legt,
dringt er darauf, daß die Differentialrechnung die Verhältnisse der
Inkremente einer Größe betrachte, daß aber die unendliche Differenz
als solche ganz als Null zu betrachten sey, (Institut.  Calc.
different.  P. I. C. III.).--Wie dieß zu verstehen ist, liegt im
Vorhergehenden; die unendliche Differenz ist Null nur des Quantums,
nicht eine qualitative Null, sondern als Null des Quantums vielmehr
reines Moment nur des Verhältnisses.  Sie ist nicht ein Unterschied
um eine Größe; aber darum ist es einer Seits überhaupt schief, jene
Momente, welche unendlich-kleine Größen heißen, auch als Inkremente
oder Dekremente, und als Differenzen auszusprechen.  Dieser
Bestimmung liegt zu Grunde, daß zu der zuerst vorhandenen endlichen
Größe etwas hinzukomme oder davon abgezogen werde, eine Subtraktion
oder Addition, eine arithmetische, äußerliche Operation vorgehe.  Der
Übergang von der Funktion der veränderlichen Größe in ihr
Differential ist aber anzusehen, daß er von ganz anderer Natur ist,
nämlich wie erörtert worden, daß er als Zurückführung der endlichen
Funktion auf das qualitative Verhältniß ihrer Quantitätsbestimmungen
zu betrachten ist.--Anderer Seits fällt die schiefe Seite für sich
auf, wenn gesagt wird, daß die Inkremente für sich Nullen seyen, daß
nur ihre Verhältnisse betrachtet werden; denn eine Null hat überhaupt
keine Bestimmtheit mehr.  Diese Vorstellung kommt also zwar bis zum
Negativen des Quantums und spricht es bestimmt aus, aber faßt dieß
Negative nicht zugleich in seiner positiven Bedeutung, von
qualitativen Quantitätsbestimmungen, die, wenn sie aus dem
Verhältnisse gerissen und als Quanta genommen werden wollten, nur
Nullen wären.--Lagrange ( Théorie des fonct. analyt.  Introd. )
urtheilt über die Vorstellung der Grenzen oder letzten Verhältnisse,
daß wenn man gleich sehr gut das Verhältniß zweier Größen sich
vorstellen könne, so lange sie endlich bleiben, so gebe dieß
Verhältniß dem Verstande keinen deutlichen und bestimmten Begriff,
sobald seine Glieder zugleich Null werden.--In der That muß der
Verstand über diese bloß negative Seite, daß die Verhältnißglieder
Nullen als Quanta sind, hinausgehen, und sie positiv, als qualitative
Momente auffassen.--Was aber Euler (am angeführten Ort _. 84 ff.)
weiter in Betreff der gegebenen Bestimmung hinzufügt, um zu zeigen,
daß zwei sogenannte unendlich kleine Größen, welche nichts anders als
Nullen seyn sollen, doch ein Verhältniß zu einander haben und
deßwegen auch nicht das Zeichen der Null, sondern andere Zeichen für
sie im Gebrauch seyen, kann nicht für genügend angesehen werden.  Er
will dieß durch den Unterschied des arithmetischen und geometrischen
Verhältnisses begründen; bei jenem sehen wir auf die Differenz, bei
diesem auf den Quotienten, obgleich das erstere zwischen zwei Nullen
gleich sey, so sey es deßwegen doch das geometrische nicht; wenn 2:1
= 0:0, so müsse wegen der Natur der Proportion, da das erste Glied
doppelt so groß sey als das zweite, auch das dritte Glied doppelt so
groß als das vierte seyn; O:O soll also nach der Proportion als das
Verhältniß von 2:1 genommen werden.--Auch nach der gemeinen
Arithmetik seyn n.O = O; es sey also n:1 = O:O.--Allein eben dadurch,
daß 2:1 oder n:1 ein Verhältniß von Quantis ist, entspricht ihm nicht
ein Verhältniß noch eine Bezeichnung von O:O.

Ich enthalte mich, die Anführungen zu vermehren, indem die
betrachteten zur Genüge gezeigt haben, daß in ihnen wohl der
wahrhafte Begriff des Unendlichen liegt, daß er aber nicht in seiner
Bestimmtheit herausgehoben und gefaßt worden ist.  Indem daher zur
Operation selbst fortgegangen wird, so kann es nicht geschehen, daß
in ihr die wahrhafte Begriffsbestimmung sich geltend mache; die
endliche Quantitätsbestimmtheit kehrt vielmehr zurück und die
Operation kann der Vorstellung eines bloß relativ-kleinen nicht
entbehren.  Der Kalkul macht es nothwendig, die sogenannten
unendlichen Größen den gewöhnlichen arithmetischen Operationen des
Addirens u.s.f., welche sich auf die Natur endlicher Größen gründen,
zu unterwerfen, und sie somit als endliche Größen für einen
Augenblick gelten zu lassen und als solche zu behandeln.  Der Kalkul
hätte sich darüber zu rechtfertigen, daß er sie das eine Mal in diese
Sphäre herabzieht und sie als Inkremente oder Differenzen behandelt,
und daß er auf der anderen Seite sie als Quanta vernachlässigt,
nachdem er so eben Formen und Gesetze der endlichen Größen auf sie
angewendet hatte.

Über die Versuche der Geometer, diese Schwierigkeiten zu beseitigen,
führe ich noch das Hauptsächlichste an.

Die ältern Analytiker machten sich hierüber weniger Skrupel; aber die
Bemühungen der Neueren gingen vornehmlich dahin, den Kalkul des
Unendlichen zur Evidenz der eigentlich geometrischen Methode
zurückzubringen und in ihr die Strenge der Beweise der Alten (-
Ausdrücke von Lagrange--) in der Mathematik zu erreichen.  Allein da
das Princip der Analysis des Unendlichen höherer Natur, als das
Princip der Mathematik endlicher Größen ist, so mußte jene von selbst
sogleich auf jene Art von Evidenz Verzicht thun, wie die Philosophie
auch auf diejenige Deutlichkeit keinen Anspruch machen kann, die die
Wissenschaften des Sinnlichen, z.B. Naturgeschichte hat, und wie
Essen und Trinken für ein verständlicheres Geschäfte gilt, als Denken
und Begreifen.  Es wird sich demnach nur um die Bemühung handeln, die
Strenge der Beweise der Alten zu erreichen.

Mehrere haben versucht, den Begriff des Unendlichen ganz zu entbehren,
und ohne ihn das zu leisten, was an den Gebrauch desselben gebunden
schien.--Lagrange spricht z.B. von der Methode, die Landen erfunden
hat, und sagt von ihr, daß sie rein analytisch sey und die unendlich
kleinen Differenzen nicht gebrauche, sondern zuerst verschiedene
Werthe der veränderlichen Größen einführe, und sie in der Folge
gleichsetze.  Er urtheilt übrigens, daß darin die der
Differentialrechnung eignen Vorzüge, Einfachheit der Methode und
Leichtigkeit der Operationen verloren gehe.--Es ist dieß wohl ein
Verfahren, das mit demjenigen etwas Entsprechendes hat, von welchem
Descartes Tangentenmethode ausgeht, die weiterhin noch näher zu
erwähnen ist.  Soviel, kann hier bemerkt werden, erhellt sogleich im
Allgemeinen, daß das Verfahren überhaupt, verschiedene Werthe der
veränderlichen Größen anzunehmen, und sie nachher gleichzusetzen,
einem anderen Kreise mathematischer Behandlung angehört, als die
Methode des Differential-Kalkuls selbst und die späterhin näher zu
erörternde Eigenthümiichkeit des einfachen Verhältnisses, auf welches
sich die wirkliche konkrete Bestimmung desselben zurückführt, nämlich
der abgeleiteten Funktion zu der ursprünglichen, nicht herausgehoben
wird.

Die Ältern unter den Neuern, wie z.B. Fermat, Barrow und andere,
die sich zuerst des Unendlich-Kleinen in derjenigen Anwendung
bedienten, welche später zur Differential- und Integralrechnung
ausgebildet wurde, und dann auch Leibnitz und die Folgenden, auch
Euler, haben immer unverhohlen, die Produkte von unendlichen
Differenzen, so wie ihre höhern Potenzen nur aus dem Grunde weglassen
zu dürfen geglaubt, weil sie relativ gegen die niedrige Ordnung
verschwinden.  Hierauf beruht bei ihnen allein der Fundamentalsatz,
nämlich die Bestimmung dessen, was das Differential eines Produkts
oder einer Potenz sey, denn hierauf reducirt sich die ganze
theoretische Lehre.  Das Übrige ist Theils Mechanismus der
Entwickelung, Theils aber Anwendung, in welche jedoch, was weiterhin
zu betrachten ist, in der That auch das höhere oder vielmehr einzige
Interesse fällt.--In Rücksicht auf das Gegenwärtige ist hier nur das
Elementarische anzuführen, daß aus dem gleichen Grunde der
Unbedeutenheit als der Hauptsatz, die Curven betreffend, angenommen
wird, daß die Elemente der Curven, nämlich die Inkremente der
Abscisse und der Ordinate, das Verhältniß der Subtangente und der
Ordinate zu einander haben; für die Absicht, ähnliche Dreiecke zu
erhalten, wird der Bogen, der die dritte Seite eines Dreiecks zu den
beiden Inkrementen, des mit Recht vormals sogenannten
charakteristischen Dreiecks, ausmacht, als eine gerade Linie, als
Theil der Tangente, und damit das eine der Inkremente bis an die
Tangente reichend angesehen.  Diese Annahmen erheben jene
Bestimmungen einer Seits über die Natur endlicher Größen; anderer
Seits aber wird ein Verfahren auf die nun unendlich genannten Momente
angewendet, das nur von endlichen Größen gilt, und bei dem nichts aus
Rücksicht der Unbedeutenheit vernachiässigt werden darf.  Die
Schwierigkeit, von der die Methode gedrückt wird, bleibt bei solcher
Verfahrungsweise in ihrer ganzen Stärke.

Es ist hier eine merkwürdige Procedur Newtons anzuführen; (Princ.
Math. phil. nat.  Lib.  II. Lemma II. Propos.  VII.)--die Erfindung
eines sinnreichen Kunststücks, uni das arithmetisch unrichtige
Weglassen der produkte unendlicher Differenzen oder höherer Ordnungen
derselben bei dem Finden der Differentialien, zu beseitigen.  Er
findet das Differential des Produkts,--woraus sich dann die
Differentialien der Quotienten, Potenzen u.s.f. leicht herleiten,
--auf folgende Art.  Das Produkt, wenn x, y, jedes um die Hälfte
seiner unendlichen Differenz kleiner genommen wird, geht über in x
y--xdy/2--ydx/2 + dxdy/4; aber wenn man x und y um ebenso viel
zunehmen läßt, in x y + xdy/2 + ydx/2 + dxdy/4. Von diesem zweiten
Produkt nun das erste abgezogen, bleibt y d x + x d y als Überschuß,
und dieß sey der Überschuß des Wachsthums um ein ganzes dx und dy,
denn um dieses Wachsthum sind beide Produkte unterschieden; es ist
also das Differential von xy.--Man sieht in diesem Verfahren fällt
das Glied, welches die Hauptschwierigkeit ausmacht, das Produkt der
beiden unendlichen Differenzen, dxdy, durch sich selbst hinweg. Aber
des newtonischen Namens unerachtet muß es gesagt werden dürfen, daß
solche, obgleich sehr elementarische Operation, unrichtig ist; es ist
unrichtig, daß (x + dx/2) (y + dy/2)--(x--dx/2) (y--dy/2) = (x + dx)
(y + dy)--xy.  Es kann nur das Bedürfniß seyn, den Fluxionen-Kalkul
bei seiner Wichtigkeit zu begründen, was einen Newton dahin bringen
konnte, die Täuschung solchen Beweisens sich zu machen.

Andere Formen, die Newton bei der Ableitung des Differentials
gebraucht, sind an konkrete auf Bewegung sich beziehende Bedeutungen
der Elemente und deren Potenzen gebunden.--Beim Gebrauche der
Reihenform, der sonst seine Methode auszeichnet, liegt es zu nahe zu
sagen, daß man es immer in seiner Macht habe, durch das Hinzufügen
weiterer Glieder die Größe so genau zu nehmen, als man nöthig habe,
und daß die weggelassenen relativ unbedeutend, überhaupt das Resultat
nur eine Näherung sey, als daß er nicht auch hier mit diesem Grunde
sich begnügt hätte, wie er bei seiner Methode der Auflösung der
Gleichungen höherer Grade durch Näherung die höheren Potenzen, die
bei der Substitution jedes gefundenen noch ungenauen Werthes in die
gegebene Gleichung entstehen, aus dem rohen Grunde ihrer Kleinigkeit
wegläßt; s.  Lagrange Equations Numériques p. 125.

Der Fehler, in welchen Newton bei der Auflösung eines Problems durch
das Weglassen wesentlicher höherer Potenzen verfiel, der seinen
Gegnern die Gelegenheit eines Triumphs ihrer Methode über die seinige
gab, und von welchem Lagrange in seiner neuerlichen Untersuchung
desselben (Théorie des fonct. analyt. 3me P. Ch.  IV.) den wahren
Ursprung aufgezeigt hat, beweist das Formelle und die Unsicherheit,
die im Gebrauche jenes Instruments noch vorhanden war.  Lagrange
zeigt, daß Newton dadurch in den Fehler fiel, weil er das Glied der
Reihe vernachlässigte, das die Potenz enthielt, auf welche es in der
bestimmten Aufgabe ankam.  Newton hatte sich an jenes formelle
oberflächliche Princip, Glieder wegen ihrer relativen Kleinheit
wegzulassen, gehalten.--Es ist nämlich bekannt, daß in der Mechanik
den Gliedern der Reihe, in der die Funktion einer Bewegung entwickelt
wird, eine bestimmte Bedeutung gegeben wird, so daß sich das erste
Glied oder die erste Funktion auf das Moment der Geschwindigkeit, die
zweite auf die beschleunigende Kraft, und die dritte auf den
Widerstand von Kräften beziehe.  Die Glieder der Reihe sind hiermit
hier nicht nur als Theile einer Summe anzusehen, sondern als
qualitative Momente eines Ganzen des Begriffs.  Hiedurch erhält das
Weglassen der übrigen Glieder, die der schlechtunendlichen Reihe
angehören, eine gänzlich verschiedene Bedeutung, von dem Weglassen
aus dem Grunde der relativen Kleinheit derselben.


*) In einfacher Weise finden sich bei Lagrange in der Anwendung der
Theorie der Funktionen auf die Mechanik, in dem Kapitel von der
geradlinigten Bewegung, beide Rücksichten neben einander gestellt
(Théorie des fonct. 3me P. Ch.  I. art. 4.).  Der durchloffene Raum
als Funktion der verflossenen Zeit betrachtet, giebt die Gleichung x
= ft; diese als f (t + ë) entwickelt giebt

ft + ëft + [ë'[hoch 2]]/2. f"t + u.s.w.

Also der während der Zeit durchloffene Raum stellt sich in der Formel
dar, ëft + [ë[hoch 2]]/2. f't + [ë[hoch 3]]/2.3. f"t + u.s.w.  Die
Bewegung, vermittelst der dieser Raum durchloffen wird, ist also,
wird gesagt, d. h. weil die analytische Entwickelung mehrere und zwar
unendlich viele Glieder giebt,--zusammengesetzt aus verschiedenen
partiellen Bewegungen, deren der Zeit entsprechende Räume seyn werden
ëft, [ë[hoch 2]]/2. f"t, [ë[hoch 3]]/[2.3]. f"t, u.s.w. die erste
partielle Bewegung ist, in bekannter Bewegung die
formell=gleichförmige mit einer durch f't bestimmten Geschwindigkeit,
die zweite die gleichförmig beschleunigte, die von einer dem f't
propertionirten beschleunigenden Kraft herkommt.  "Da nun die übrigen
Glieder sich auf keine einfache bekannte Bewegung beziehen, so ist
nicht nöthig, sie besonders in Rücksicht zu nehmen, und wir werden
zeigen, daß man von ihnen in der Bestimmung der Bewegung zu Anfang
des Zeitpunkts abstrahiren kann." Dieß wird nun gezeigt, aber
freilich nur durch die Vergleichung jener Reihe, deren Glieder alle
zur Bestimmung der Größe des in der Zeit durchloffenen Raumes
gehörten, mit der art. 3 für die Bewegung des Falls angegebenen
Gleichung x = at + bt[hoch 2], als in welcher nur diese zwei Glieder
vorkommen.  Aber diese Gleichung hat selbst nur diese Gestalt, durch
die Voraussetzung der Erklärung, die den durch analytische
Entwicklung entstehenden Gliedern gegeben wird, erhalten; diese
Voraussetzung ist, daß die gleichförmig beschleunigte Bewegung
zusammengesetzt sey, aus einer formell-gleichförmigen mit der im
vorhergehenden Zeittheile erlangten Geschwindigkeit fortgesetzten
Bewegung, und einem Zuwachse, (dem a in s = at[hoch 2] d.i. dem
empirischen Koefficienten), welcher der Kraft der Schwere
zugeschrieben wird,--einem Unterschiede, der keineswegs in der Natur
der Sache irgend eine Existenz oder Grund hat, sondern nur der
fälschlich physikalisch gemachte Ausdruck dessen ist, was bei einer
angenommenen analytischen Behandlung herauskommt.

Die Newtonsche Auflösung enthielt jenen Fehler, nicht weil in ihr
Glieder der Reihe, nur als Theile einer Summe, sondern weil das Glied,
das die qualitative Bestimmung, auf die es ankam, enthält, nicht
berücksichtigt wurde.

In diesem Beispiele ist der qualitative Sinn dasjenige, wovon das
Verfahren abhängig gemacht ist.  Im Zusammenhange hiermit kann
sogleich die allgemeine Behauptung aufgestellt werden, daß die ganze
Schwierigkeit des Princips beseitigt seyn würde, wenn statt des
Formalismus, die Bestimmung des Differentials nur in die ihm den
Namen gebende Aufgabe, den Unterschied überhaupt einer Funktion von
ihrer Veränderung, nachdem ihre veränderliche Größe einen Zuwachs
erhalten, zu stellen, die qualitative Bedeutung des Princips
angegeben, und die Operation hiervon abhängig gemacht wäre.  In
diesem Sinne zeigt sich das Differential von x[hoch n], durch das
erste Glied der Reihe, die durch die Entwickelung von (x + dx)[hoch
n] sich ergiebt, gänzlich erschöpft.  Daß die übrigen Glieder nicht
berücksichtigt werden, kommt so nicht von ihrer relativen Kleinheit
her;--es wird dabei nicht eine Ungenauigkeit, ein Fehler oder Irrthum
vorausgesetzt, der durch einen anderen Irrthum ausgeglichen und
verbessert würde; eine Ansicht, von welcher aus Carnot vornehmlich
die gewöhnliche Methode der Infinitesimalrechnung rechtfertigt.
Indem es sich nicht um eine Summe, sondern um ein Verhältniß handelt,
so ist das Differential vollkommen durch das erste Glied gefunden;
und wo es fernerer Glieder, der Differentiale höherer Ordnungen
bedarf, so liegt in ihrer Bestimmung nicht die Fortsetzung einer
Reihe als Summe, sondern die Wiederholung eines und desselben
Verhältnisses, das man allein will, und das somit im ersten Glied
bereits vollkommen bestimmt ist.  Das Bedürfniß der Form einer Reihe
des Summirens derselben und was damit zusammenhängt, muß dann ganz
von jenem Interesse des Verhältnisses getrennt werden.

Die Erläuterungen, welche Carnot über die Methode der unendlichen
Größen giebt, enthalten das Geläutertste und aufs Klarste exponirt,
was in den oben angeführten Vorstellungen vorkam.  Aber bei dem
Übergange zur Operation selbst treten mehr oder weniger die
gewöhnlichen Vorstellungen, von der unendlichen Kleinheit der
weggelassenen Glieder gegen die andern ein.  Er rechtfertigt die
Methode vielmehr durch die Thatsache, daß die Resultate richtig
werden, und durch den Nutzen, den die Einführung unvollkommner
Gleichungen, wie er sie nennt, d. h. solcher, in denen eine solche
arithmetisch unrichtige Weglassung geschehen ist, für die
Vereinfachung und Abkürzung des Kalkuls habe, als durch die Natur der
Sache selbst.

Lagrange hat bekanntlich die ursprüngliche Methode Newtons, die
Methode der Reihen, wieder aufgenommen, um der Schwierigkeiten,
welche die Vorstellung des Unendlich-Kleinen, so wie derjenigen,
welche die Methode der ersten und letzten Verhältnisse und Grenzen
mit sich führt, überhoben zu seyn.  Es ist von seinem
Funktionen-Kalkul, dessen sonstige Vorzüge in Rücksicht auf Präcision,
Abstraktion und Allgemeinheit anerkannt genug sind, als hierher
gehörig nur dieß anzuführen, daß er auf dem Fundamentalsatze beruht,
daß die Differenz, ohne daß sie Null werde, so klein angenommen
werden könne, daß jedes Glied der Reihe die Summe aller folgenden an
Größe übertreffe.--Es wird auch in dieser Methode von den Kategorien
vom Zuwachs und von der Differenz der Funktion angefangen, deren
veränderliche Größe den Zuwachs erhalte, womit die lästige Reihe
hereinkommt, von der ursprünglichen Funktion; so wie im Verfolg die
wegzulassenden Glieder der Reihe nur in der Rücksicht, daß sie eine
Summe constituiren, in Betracht kommen, und der Grund, sie
wegzulassen, in das Relative ihres Quantums gesetzt wird.  Die
Weglassung ist also hier auch nicht für das Allgemeine auf den
Gesichtspunkt zurückgeführt, der Theils in einigen Anwendungen
vorkommt, worin, wie vorhin erinnert, die Glieder der Reihe eine
bestimmte qualitative Bedeutung haben sollen und Glieder außer Acht
gelassen werden, nicht darum weil sie unbedeutend an Größe sind,
sondern weil sie unbedeutend der Qualität nach sind; Theils aber
fällt dann die Weglassung selbst in dem wesentlichen Gesichtspunkte
hinweg, der sich für den sogenannten Differential-Koefficienten erst
in der sogenannten Anwendung des Kalkuls bei Lagrange bestimmt
heraushebt, was in der folgenden Anmerkung ausführlicher
auseinandergesetzt werden wird.

Der qualitative Charakter überhaupt, der hier an der in Rede
stehenden Größenform in demjenigen, was dabei das Unendlichkleine
genannt wird, nachgewiesen worden ist, findet sich am unmittelbarsten
in der Kategorie der Grenze des Verhältnisses, die oben angeführt
worden, und deren Durchführung im Kalkul zu einer eigenthümlichen
Methode gestempelt worden ist.  Was Lagrange von dieser Methode
urtheilt, daß sie der Leichtigkeit in der Anwendung entbehre, und der
Ausdruck Grenze keine bestimmte Idee darbiete, davon wollen wir das
Zweite hier aufnehmen, und näher sehen, was über ihre analytische
Bedeutung aufgestellt wird.  In der Vorstellung der Grenze liegt
nämlich wohl die angegebene wahrhafte Kategorie der qualitativen
Verhältnißbestimmung der veränderlichen Größen, denn die Formen, die
von ihnen eintreten, dx und dy, sollen schlechthin nur als Momente
von dy/dx genommen, und dx/dy selbst als ein einziges untheilbares
Zeichen angesehen werden.  Daß hiermit für den Mechanismus des
Kalkuls besonders in seiner Anwendung der Vortheil verloren geht, den
er davon zieht, daß die Seiten des Differential-Koefficienten von
einander abgesondert werden, ist hier bei Seite zu setzen.  Jene
Grenze soll nun Grenze von einer gegebenen Funktion seyn;--sie soll
einen gewissen Werth in Beziehung auf dieselbe angeben, der sich
durch die Weise der Ableitung bestimmt.  Mit der bloßen Kategorie der
Grenze aber wären wir nicht weiter, als mit dem, um das es in dieser
Anm. zu thun gewesen ist, nämlich aufzuzeigen, daß das
Unendlichkleine, das in der Differentialrechnung als dx und dy
vorkommt, nicht bloß den negativen, leeren Sinn einer nicht endlichen,
nicht gegebenen Größe habe, wie wenn man sagt, eine unendliche Menge,
ins unendliche fort und dergleichen, sondern den bestimmten Sinn der
qualitativen Bestimmtheit des Quantitativen, eines Verhältnißmoments
als eines solchen.  Diese Kategorie hat jedoch so noch kein
Verhältniß zu dem, was eine gegebene Funktion ist, und greift für
sich nicht in die Behandlung einer solchen und in einen Gebrauch, der
an ihr von jener Bestimmung zu machen wäre, ein; so würde auch die
Vorstellung der Grenze, zurückgehalten in dieser von ihr
nachgewiesenen Bestimmtheit, zu nichts führen.  Aber der Ausdruck
Grenze enthält es schon selbst, daß sie Grenze von Etwas sey, d. h.
einen gewissen Werth ausdrücke, der in der Funktion veränderlicher
Größe liegt; und es ist zu sehen, wie dieß konkrete Benehmen mit ihr
beschaffen ist.--Sie soll die Grenze des Verhältnisses seyn, welches
die zwei Inkremente zu einander haben, um welche die zwei
veränderlichen Größen, die in einer Gleichung verbunden sind, deren
die eine als eine Funktion der andern angesehen wird, als zunehmend
angenommen worden;--der Zuwachs wird hier unbestimmt überhaupt
genommen und insofern von dem Unendlichkleinen kein Gebrauch gemacht.
Aber zunächst führt der Weg, diese Grenze zu finden, dieselben
Inkonsequenzen herbei, die in den übrigen Methoden liegen.  Dieser
Weg ist nämlich folgender.  Wenn y = fx, soll fx, wenn y in y + k
übergeht, sich in fx + ph + qh[hoch 2] + rh[hoch 3] u.s.f. verändert,
hiermit ist k = ph + qh[hoch 2] u.s.f. und k/h = p + qh + rh[hoch 2]
u.s.f.  Wenn nun k und h verschwinden, so verschwindet das zweite
Glied außer p, welches p nun die Grenze des Verhältnisses der beiden
Zuwächse sey.  Man sieht, daß h als Quantum = 0 gesetzt wird, aber
daß darum k/h nicht zugleich = 0 seyn, sondern noch ein Verhältniß
bleiben soll.  Den Vortheil, die Inkonsequenz, die hierin liegt,
abzulehnen, soll nun die Vorstellung der Grenze gewähren; p soll
zugleich nicht das wirkliche Verhältniß, das = 0/0 wäre, sondern nur
der bestimmte Werth seyn, dem sich das Verhältniß unendlich d.i. so
nähern könne, daß der Unterschied kleiner als jeder gegebene werden
könne.  Der bestimmtere Sinn der Näherung in Rücksicht dessen, was
sich eigentlich einander nähern soll, wird unten betrachtet werden.
--Daß aber ein quantitativer Unterschied, der die Bestimmung hat,
kleiner als jeder gegebene seyn zu können nicht nur, sondern seyn zu
sollen, kein quantitativer Unterschied mehr ist, dieß ist für sich
klar, so evident als irgend etwas in der Mathematik evident seyn kann;
damit aber ist über dy/dx = 0/0 nicht hinausgekommen worden.  Wenn
dagegen dy/dx = p d.i. als ein bestimmtes quantitatives Verhältniß,
angenommen wird, wie dieß in der That der Fall ist, so kommt
umgekehrt die Voraussetzung, welche h = 0 gesetzt hat, in
Verlegenheit, eine Voraussetzung, durch welche allein k/h = p
gefunden wird.  Giebt man aber zu, daß k/h = 0 ist, und mit h = 0
wird in der That von selbst auch k = 0; denn der Zuwachs k zu y
findet nur unter der Bedingung statt, daß der Zuwachs h ist; so wäre
zu sagen, was denn p seyn solle, welches ein ganz bestimmter
quantitativer Werth ist.  Hierauf giebt sich sogleich die einfache,
trockne Antwort von selbst, daß es ein Koefficient ist und aus
welcher Ableitung er entsteht,--die auf gewisse bestimmte Weise
abgeleitete erste Funktion einer ursprünglichen Funktion.  Begnügte
man sich damit, wie denn in der That Lagrange sich der Sache nach
damit begnügt hat, so wäre der allgemeine Theil der Wissenschaft des
Differential-Kalkuls und unmittelbar diese seine Form selbst, welche
die Theorie der Grenzen heißt, von den Zuwächsen, dann deren
unendlicher oder beliebiger Kleinheit, von der Schwierigkeit, außer
dem ersten Gliede oder vielmehr nur dem Coefficienten des ersten
Gliedes die weitern Glieder einer Reihe, als welche durch die
Einführung jener Zuwächse unabwendbar sich einfinden, wieder
wegzubringen, befreit; außerdem aber auch von dem weitern, was damit
zusammenhängt, von den formellen Kategorien vor allem des Unendlichen,
der unendlichen Annäherung, und der weitern hier ebenso leeren
Kategorien von kontinuirlicher Größe Die Kategorie von der
kontinuirlichen oder fließenden Größe stellt sich mit der Betrachtung
der äußerlichen und empirischen Veränderung der Größen, die durch
eine Gleichung in die Beziehung, daß die Eine eine Funktion der
Andern ist, gebracht sind, ein; da aber der wissenschaftliche
Gegenstand der Differentialrechnung ein gewisses (durch den
Differential-Koefficienten gewöhnlich ausgedrücktes) Verhältniß,
welche Bestimmtheit ebensowohl Gesetz genannt werden kann, ist, so
ist für diese specifische Bestimmtheit die bloße Kontinuität Theils
schon eine fremdartige Seite, Theils aber auf allen Fall die
abstrakte und hier leere Kategorie, da über das Gesetz der
Kontinuität gar nichts damit ausgedrückt ist.--Auf welche formelle
Definitionen dabei vollends verfallen wird, ist aus meines verehrten
Hrn.  Collegen, Prof. Dirksen, scharfsinniger allgemeinen Darstellung
der Grundbestimmungen, die für die Deduktion des Differential-Kalkuls
gebraucht werden, welche sich an die Kritik einiger neueren Werke
über diese Wissenschaft anschließt und sich in den Jahrb. f.
wissensch.  Kritik, 1827 Nr. 153 ff., befindet, zu ersehen, es wird
daselbst S. 1251 sogar die Definition angeführt: "Eine stätige oder
kontinuirliche Größe, Kontinuum, ist jede Größe, welche man sich im
Zustande des Werdens gedenkt, so daß dieses Werden nicht sprungweise,
sondern durch ununterbrochenen Fortgang geschieht." Das ist doch wohl
tautologisch dasselbe, was das definitum ist. und welche man sonst,
wie Bestreben, Werden, Gelegenheit einer Veränderung für nöthig
erachtet, gereinigt.  Aber dann würde gefordert zu zeigen, was denn p,
außer der, für die Theorie ganz genügenden trocknen Bestimmung, daß
es weiter nichts als eine aus der Entwickelung eines Binomiums
abgeleitete Funktion ist, noch für eine Bedeutung und Werth, d. i.
welchen Zusammenhang und Gebrauch für weiteres mathematisches
Bedürfniß habe; hiervon soll die zweite Anmerkung handeln.--Es folgt
aber zunächst hier noch die Auseinandersetzung der Verwirrung, welche
durch den angeführten, in den Darstellungen so geläufigen Gebrauch
der Vorstellung von Annäherung in das Auffassen der eigentlichen,
qualitativen Bestimmtheit des Verhältnisses, um das es zunächst zu
thun war, gebracht worden ist.

Es ist gezeigt worden, daß die sogenannten unendlichen Differenzen
das Verschwinden der Seiten des Verhältnisses als Quantorum
ausdrücken, und daß das, was übrig bleibt, ihr Quantitätsverhältniß
ist, rein insofern es auf qualitative Weise bestimmt ist; das
qualitative Verhältniß geht hierin so wenig verloren, daß es vielmehr
dasjenige ist, was eben durch die Verwandlung endlicher Größen in
unendliche resultirt.  Hierin besteht, wie wir gesehen, die ganze
Natur der Sache.--So verschwinden im letzten Verhältnisse z.B. die
Quanta der Abscisse und Ordinate; aber die Seiten dieses
Verhältnisses bleiben wesentlich die eine, Element der Ordinate, die
andere Element der Abscisse.  Indem die Vorstellungsweise gebraucht
wird, daß man die eine Ordinate sich der anderen unendlich nähern
läßt, so geht die vorher unterschiedene Ordinate in die andere
Ordinate, und die vorher unterschiedene Abscisse in die andere
Abscisse über; aber wesentlich geht nicht die Ordinate in die
Abscisse, oder die Abscisse in die Ordinate über.  Das Element der
Ordinate,--um bei diesem Beispiele von veränderlichen Größen stehen
zu bleiben, ist nicht als der Unterschied einer Ordinate von einer
anderen Ordinate zu nehmen, sondern ist vielmehr als der Unterschied
oder die qualitative Größenbestimmung gegen das Element der Abscisse;
das Princip der einen veränderlichen Größe gegen das der andern steht
im Verhältnisse miteinander.  Der Unterschied, indem er nicht mehr
Unterschied endlicher Größen ist, hat aufgehört, ein Vielfaches
innerhalb seiner selbst zu seyn; er ist in die einfache Intensität
zusammengesunken, in die Bestimmtheit eines qualitativen
Verhältnißmoments gegen das andere.

Diese Beschaffenheit der Sache wird aber dadurch verdunkelt, daß das,
was so eben Element z.B. der Ordinate genannt worden, so als
Differenz oder Inkrement gefaßt wird, daß es nur der Unterschied des
Quantums einer Ordinate zwischen dem Quantum einer andern Ordinate
sey.  Die Grenze hat hiermit hier nicht den Sinn des Verhältnisses;
sie gilt nur als der letzte Werth, dem sich eine andere Größe von
gleicher Art beständig so nähere, daß sie von ihm, so wenig als man
will, unterschieden seyn könne, und daß das letzte Verhältniß, ein
Verhältniß der Gleichheit sey.  So ist die unendliche Differenz das
Schweben eines Unterschieds eines Quantums von einem Quantum, und die
qualitative Natur, nach welcher dx wesentlich nicht eine
Verhältnißbestimmung gegen x, sondern gegen dy ist, tritt in der
Vorstellung zurück.  Man läßt dx[hoch 2] gegen dx verschwinden, aber
noch vielmehr verschwindet dx gegen x, dieß heißt aber wahrhaftig: es
hat nur ein Verhältniß zu dy.--Es ist den Geometern in solchen
Darstellungen immer vorzüglich darum zu thun, die Annäherung einer
Größe an ihre Grenze begreiflich zu machen, und sich an diese Seite
des Unterschiedes des Quantums vom Quantum, wie er kein Unterschied
und doch noch ein Unterschied ist, zu halten.  Aber die Annäherung
ist ohnehin für sich eine nichts sagende und nichts begreiflich
machende Kategorie; dx hat die Annäherung bereits im Rücken, es ist
nicht nahe noch ein Näheres; und unendlich nahe heißt selbst die
Negation des Naheseyns und des Annäherns.

Indem es nun damit geschehen ist, daß die Inkremente oder unendlichen
Differenzen nur nach der Seite des Quantums, das in ihnen
verschwindet, und nur als Grenze desselben betrachtet worden sind, so
sind sie so als verhältnißlose Momente gefaßt.  Es würde die
unstatthafte Vorstellung daraus folgen, daß es erlaubt sey, in dem
letzten Verhältnisse etwa Abscisse und Ordinate, oder auch Sinus,
Cosinus, Tangente, Sinus versus und was alles noch, einander gleich
zu setzen.--Diese Vorstellung scheint zunächst darin obzuwalten, wenn
ein Bogen als eine Tangente behandelt wird; denn auch der Bogen ist
wohl inkommensurabel mft der geraden Linie, und sein Element zunächst
von anderer Qualität als das Element der geraden Linie.  Es scheint
noch widersinniger und unerlaubter, als die Verwechslung der Abscisse,
Ordinate, des Sinus versus, Cosinus u.s.f. wenn quadrata rotundis,
wenn ein ob zwar unendlich kleiner Theil des Bogens, für ein Stück
der Tangente, genommen, und somit als gerade Linie behandelt wird.
--Allein diese Behandlung ist von der gerügten Verwechslung
wesentlich zu unterscheiden; sie hat ihre Rechtfertigung darin, daß
in dem Dreieck, weilches das Element eines Bogens und die Elemente
seiner Abscisse und der Ordinate zu seinen Seiten hat, das Verhältniß
dasselbe ist, als wenn jenes Element des Bogens das Element einer
geraden Linie, der Tangente wäre; die Winkel, welche das wesentliche
Verhältniß konstituiren, d. i. dasjenige, das diesen Elementen bleibt,
indem von den ihnen zugehörigen endlichen Größen abstrahirt wird,
sind die nämlichen.--Man kann sich hierüber auch ausdrücken, gerade
Linien, als unendlichklein, seyen in krumme Linien übergegangen, und
das Verhältniß ihrer in ihrer Unendlichkeit sey ein Kurvenverhältniß.
Da nach ihrer Definition die gerade Linie der kürzeste Weg zwischen
zwei Punkten ist, so gründet sich ihr Unterschied von krummer Linie
auf die Bestimmung von Menge, auf die geringere Menge des
Unterscheidbaren auf diesem Wege, was also eine Bestimmung von
Quantum Ist.  Aber diese Bestimmung verschwindet in ihr, sie als
intensive Größe, als unendliches Moment, als Element genommen; somit
auch ihr Unterschied von der krummen Linie, der bloß auf dem
Quantumsunterschiede beruhte.--Also als unendlich behält gerade Linie
und Bogen kein quantitatives Verhältniß und damit, auf den Grund der
angenommenen Definition, auch keine qualitative Verschiedenheit mehr
gegeneinander, sondern geht jene vielmehr in diese über.

Verwandt, jedoch zugleich verschieden, von der Gleichsetzung
heterogener Bestimmungen ist die für sich unbestimmte und völlig
gleichgültige Annahme, daß unendlich kleine Theile desselben Ganzen
einander gleich seyen; jedoch angewandt auf einen in sich heterogenen
d. i. mit wesentlicher Ungleichförmigkeit der Größebestimmung
behafteten Gegenstand, bringt sie die eigenthüniliche Verkehrung
hervor, die in dem Satze der höhern Mechanik enthalten ist, daß in
gleichen und zwar unendlichkleinen Zeiten unendlichkleine Theile
einer Kurve in gleichförmiger Bewegung durchloffen werden, indem dieß
von einer Bewegung behauptet wird, in der in gleichen endlichen d. i.
existirenden Zeittheilen endliche, d. i. existirende ungleiche Theile
der Kurve durchloffen werden, d. i. also von einer Bewegung, die als
existirend ungleichförmig ist und so angenommen wird.  Dieser Satz
ist der Ausdruck desjenigen in Worten, was ein analytisches Glied,
das sich in der oben auch angeführten Entwickelung der Formel von
ungleichförmiger übrigens einem Gesetze gemäßen Bewegung ergiebt,
bedeuten soll.  Ältere Mathematiker suchten Ergebnisse der neu
erfundenen Infinitesimal-Rechnung, die ohnehin immer mit konkreten
Gegenständen zu thun hatte, in Worte und Sätze auszudrücken und sie
in geometrischen Verzeichnungen darzustellen, wesentlich um sie für
die Lehrsätze nach gewöhnlicher Beweise-Art zu gebrauchen.  Die
Glieder einer mathematischen Formel, in welche die analytische
Behandlung die Größe des Gegenstands z.B. der Bewegung zerlegte,
erhielten dort eine gegenständliche Bedeutung, z.B. der
Geschwindigkeit, beschleunigende Kraft u.s.f. sie sollten nach
solcher Bedeutung richtige Sätze, physikalische Gesetze geben und
nach der analytischen Verbindung auch ihre objektiven Verknüpfungen
und Verhältnisse bestimmt seyn, wie z.B. eben daß in einer
gleichförmig beschleunigten Bewegung eine besondere den Zeiten
proportionale Geschwindigkeit existire, außerdem aber ein Zuwachs von
der Kraft der Schwere her, immer hinzukomme.  Solche Sätze werden in
der modernen, analytischen Gestalt der Mechanik durchaus als
Ergebnisse des Kalkuls aufgeführt unbekümmert darum, ob sie einen
reellen Sinn d. i. dem eine Existenz entspräche, für sich an ihnen
selbst hätten, und um einen Beweis eines solchen; die Schwierigkeit,
den Zusammenhang solcher Bestimmungen, wenn sie im ausgesprochenen
reellen Sinn genommen werden, z.B. den Übergang von jener
schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit zu einer gleichförmigen
beschleunigten, begreifflich zu machen, gilt dafür, durch die
analytische Behandlung ganz beseitigt zu seyn, als in welcher solcher
Zusammenhang einfache Folge der nunmehrigen festen Autorität der
Operationen des Kalkuls ist.  Es wird für einen Triumph der
Wissenschaft ausgegeben, durch den bloßen Kalkul über die Erfahrung
hinaus Gesetze, d. i.  Sätze der Existenz, die keine Existenz haben,
zu finden.  Aber in der erstern noch naiven Zeit des
Infinitesimal-Kalkuls sollte von jenen Bestimmungen und Sätzen, in
geometrischen Verzeichnungen vorgestellt, ein reeller Sinn für sich
angegeben und plausibel gemacht, und sie in solchem Sinne zum Beweise
von den Hauptsätzen, um die es zu thun war, angewendet werden, (--man
sehe den newtonischen Beweis von seinem Fundamentalsatze der Theorie
der Gravitation in den Princ. mathem. philosophiae naturalis lib. I.
Sect. II. Prop. I. verglichen mit Schuberts Astronomie (erster Ausg.
III. B. _. 20), wo zugestanden wird, daß es sich nicht genau so, d.
i. in dem Punkte, welcher der Nerv des Beweises ist, sich nicht so
verhalte, wie Newton annimmt--).

Es wird nicht geläugnet werden können, daß man sich in diesem Felde
vieles als Beweis, vornehmlich unter der Beihülfe des Nebels des
Unendlich-Kleinen hat gefallen lassen, aus keinem andern Grunde als
dem, daß das, was herauskam, immer schon vorher bekannt war, und der
Beweis, der so eingerichtet wurde, daß es herauskam, wenigstens den
Schein eines Gerüstes von Beweis zu Stande brachte;--einen Schein,
den man dem bloßen Glauben oder dem Wissen aus Erfahrung immer noch
vorzog.  Ich aber trage kein Bedenken, diese Manier für nicht mehr
als eine bloße Taschenspielerei und Charlatanerie des Beweisens
anzusehen, und hierunter selbst newtonische Beweise zu rechnen, ins
Besondere die zu dem so eben angeführten gehörigen, wegen welcher man
Newton bis an den Himmel und über Keppler erhoben hat, das was dieser
bloß durch Erfahrung gefunden, mathematisch dargethan zu haben.

Das leere Gerüste solcher Beweise wurde errichtet, um physische
Gesetze zu beweisen.  Aber die Mathematik vermag überhaupt nicht
Größenbestimmungen der Physik zu beweisen, insofern sie Gesetze sind,
welche die qualitative Natur der Momente zum Grunde haben; aus dem
einfachen Grunde, weil diese Wissenschaft nicht Philosophie ist,
nicht vom Begriffe ausgeht, und das Qualitative daher, insofern es
nicht lemmatischerweise aus der Erfahrung aufgenommen wird, außer
ihrer Sphäre liegt.  Die Behauptung der Ehre der Mathematik, daß alle
in ihr vorkommenden Sätze streng bewiesen seyn sollen, ließ sie ihre
Grenze oft vergessen; so schien es gegen ihre Ehre, für
Erfahrungssätze einfach die Erfahrung als Quelle und als einzigen
Beweis anzuerkennen; später ist das Bewußtseyn hierüber gebildeter
geworden; eh dieses aber über den Unterschied sich nicht klar wird,
was mathematisch beweisbar ist und was nur anderwärts genommen werden
kann, wie darüber was nur Glieder analytischer Entwickelung und was
physikalische Existenzen sind, kann die Wissenschaftlichkeit sich
nicht zu strenger und reiner Haltung herausbilden.--Jenem Gerüste
newtonischen Beweisens aber wird ohne Zweifel noch dasselbe Recht
widerfahren, das einem anderen grundlosen newtonischen Kunstgebäude
aus optischen Experimenten und damit verbundenem Schließen angethan
worden ist.  Die angewandte Mathematik ist noch voll von einem
gleichen Gebräue aus Erfahrung und Reflexion, aber wie vonjener Optik
seit geraumer Zeit bereits ein Theil nach dem andern anfing in der
Wissenschaft faktisch ignorirt zu werden mit der Inkonsequenz jedoch,
das Übrige obgleich damit Widersprechende noch gewähren zu lassen,
--so ist es auch Faktum, daß bereits ein Theil jener trügerischen
Beweise, von selbst in Vergessenheit gerathen oder durch andere
ersetzt worden ist.

Anmerkung 2.Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung
abgeleitet.

In der vorigen Anmerkung ist Theils die Begriffsbestimmtheit des
Unendlich-Kleinen, das in dem Differential-Kalkul gebraucht wird,
Theils die Grundlage seiner Einführung in denselben betrachtet worden;
Beides sind abstrakte und darum an sich auch leichte Bestimmungen;
die sogenannte Anwendung aber bietet größere Schwierigkeiten sowohl
als auch die interessantere Seite dar; die Elemente dieser konkreten
Seite sollen der Gegenstand dieser Anmerkung seyn.--Die ganze Methode
der Differentialrechnung ist in dem Satze, daß dx[hoch n] = nx[hoch n
1]dx, oder f(x+i)-fx/i = P, d.i. gleich dem Koefficienten des ersten
Gliedes des nach den Potenzen von dx oder i entwickelten Binomiums x
+ d, x + i, absolvirt.  Man bedarf weiter nichts zu erlernen; die
Ableitung der nächsten Formen, des Differentials eines Produkts,
einer Exponentialgröße und sofort ergiebt sich daraus mechanisch; in
wenig Zeit, vielleicht in einer halben Stunde--mit dem Finden der
Differentiale ist das umgekehrte, das Finden der ursprünglichen
Funktion aus jenen, die Integration gleichfalls gegeben,--kann man
die ganze Theorie inne haben.  Was allein länger aufhält, ist die
Bemühung es einzusehn, begreifflich zu machen, daß nachdem der eine
Umstand der Aufgabe, das Finden jenes Koefficienten, auf analytische
d. i. ganz arithmetische Weise, durch die Entwickelung der Funktion
der veränderlichen Größe, nachdem diese durch einen Zuwachs die Form
eines Binomiums erhalten, so leicht bewerkstelligt worden, es auch
mit dem andern Umstand, nämlich mit dem Weglassen der übrigen Glieder
der entstehenden Reihe außer den ersten, seine Richtigkeit habe.
Wäre es der Fall, daß man jenen Koefficienten allein nöthig hätte, so
wäre mit der Bestimmung desselben Alles, was die Theorie betrifft,
--wie gesagt in weniger als einer halben Stunde abgethan, und das
Weglassen der weitern Glieder der Reihe machte so wenig eine
Schwierigkeit, daß vielmehr von ihnen, als Gliedern der Reihe (als
zweiten, dritten u.s.f.  Funktionen ist ihre Bestimmung schon mit der
Bestimmung des ersten gleichfalls absolvirt), gar nicht die Rede wäre,
da es um sie ganz und gar nicht zu thun ist.

Es kann die Bemerkung vorangeschickt werden, daß man es der Methode
des Differentialkalkuls wohl sogleich ansieht, daß sie nicht für sich
selbst erfunden und aufgestellt worden ist; sie ist nicht nur nicht
für sich begründet, als eine andere Weise analytischen Verfahrens,
sondern die Gewaltsamkeit, Glieder, die sich aus Entwickelung einer
Funktion ergeben, indem doch das Ganze dieser Entwickelung
vollständig zur Sache zu gehören angenommen ist,--weil die Sache als
der Unterschied

der entwickelten Funktion einer veränderlichen Größe, nachdem dieser
die Gestalt eines Binomiums gegeben worden, von der ursprünglichen,
angesehen wird,--geradezu wegzulassen, widerspricht vielmehr durchaus
allen mathematischen Grundsätzen.  Das Bedürfniß solcher
Verfahrungsweise, wie die ihr an ihr selbst mangelnde Berechtigung,
weist sogleich darauf hin, daß anderswo der Ursprung und die
Grundlage sich befinden müsse.  Es geschieht auch sonst in den
Wissenschaften, daß das, was als das Elementarische vornehin gestellt
ist und woraus die Sätze der Wissenschaft abgeleitet werden sollen,
nicht einleuchtend ist, und daß es sich ausweist, vielmehr in dem
Nachfolgenden seine Veranlassung und seine Begründung zu haben.  Der
Hergang in der Geschichte des Differential-Kalkuls thut dar, daß er
in den verschiedenen sogenannten Tangential-Methoden vornehmlich, die
Sache gleichsam als in Kunststücken, den Anfang genommen hat; die Art
des Verfahrens, nachdem es auch auf weitere Gegenstande ausgedehnt
worden, ist spater zum Bewußtseyn und in abstrakte Formeln gebracht
worden, welche nun auch zu Principien zu erheben versucht wurde.

Als die Begriffsbestimmtheit des sogenannten Unendlich-Kleinen ist
die qualitative Quantitäts-Bestimmtheit solcher, die zunächst als
Quanta im Verhältniß zu einander gesetzt sind, aufgezeigt worden,
woran sich die empirische Untersuchung knüpfte, jene
Begriffs-Bestimmtheit in den Beschreibungen oder Definitionen
nachzuweisen, die sich von dem Unendlich-Kleinen, insofern es als
unendliche Differenz und dergleichen genommen ist, vorfinden.--Dieß
ist nur im Interesse der abstrakten Begriffsbestimmtheit als solcher
geschehen; die weitere Frage wäre, wie von ihr der Übergang zur
mathematischen Gestaltung und Anwendung beschaffen wäre.  Zu dem Ende
ist zuerst das Theoretische, die Begriffsbestimmtheit, noch weiter
vorzunehmen, welche sich an ihr selbst nicht ganz unfruchtbar zeigen
wird; alsdenn ist das Verhältniß derselben zur Anwendung zu
betrachten, und bei beidem nachzuweisen, so weit es hier angeht, daß
die allgeineinen Folgerungen zugleich demjenigen, um was es in der
Differentialrechnung zu thun ist, und der Art, wie sie es
bewerkstelligt, angemessen sind.

Zunächst ist daran zu erinnern, daß die Form, welche die in Rede
stehende Begriffsbestimmtheit im Mathematischen hat, bereits
beiläufig angegeben ist.  Die qualitative Bestimmtheit des
Quantitativen ist zuerst im quantitativen Verhältniß überhaupt
aufgewiesen, es ist aber auch schon bei der Nachweisung der
unterschiedenen sogenannten Rechnungsarten (s. d. betreff.  Anm.)
anticipirt worden, daß das nachher an seiner eigenthümlichen Stelle
noch zu betrachtende Potenzenverhältniß es ist, worin die Zahl durch
Gleichsetzung ihrer Begriffsmomente, der Einheit und der Anzahl als
zu sich selbst zurückgekehrte gesetzt ist, und damit das Moment der
Unendlichkeit, des Fürsichseyns, d. i. des Bestimmtseyns durch sich
selbst, an ihr erhält.  Die ausdrückliche qualitative
Größenbestimmtheit bezieht sich somit, wie gleichfalls schon erinnert,
wesentlich auf Potenzenbestimmungen, und da die Differentialrechnung
das Specifische hat, mit qualitativen Größenformen zu operiren, so
muß ihr eigenthümlicher mathematischer Gegenstand die Behandlung von
Potenzenformen seyn, und die sämmtlichen Aufgaben und deren
Auflösungen, zu deren Behuf die Differentialrechnung gebraucht wird,
zeigen es, daß das Interesse allein in der Behandlung von
Potenzenbestimmungen als solchen liegt.

So wichtig diese Grundlage ist, und sogleich an die Spitze etwas
Bestimmtes stellt, statt der bloß formellen Kategorien von
veränderlichen, kontinuirlichen oder unendlichen Größen und
dergleichen, oder auch nur von Funktionen uberhaupt, so ist sie noch
zu allgemein; andere Operationen haben gleichfalls damit zu thun;
schon das Erheben in die Potenz und Wurzelausziehen, dann die
Behandlung der Exponentialgrößen und Logarithmen, Reihen, die
Gleichungen höherer Ordnungen haben ihr Interesse und ihre Bemühung
allein mit Verhältnissen, die auf Potenzen beruhen.  Ohne Zweifel
müssen sie zusammen ein System der Potenzenbehandlung ausmachen; aber
welches unter den verschiedenen Verhältnissen, worein
Potenzenbestimmungen gesetzt werden können, dasjenige sey, das der
eigentliche Gegenstand und das Interesse für die Differentialrechnung
ist, dieß ist aus dieser selbst, d. i. aus den sogenannten
Anwendungen derselben zu entnehmen.  Diese sind in der That die Sache
selbst, das wirkliche Verfahren in der mathematischen Auflösung eines
gewissen Kreises von Problemen; dieß Verfahren ist früher gewesen,
als die Theorie oder der allgemeine Theil, und Anwendung ist dasselbe
später genannt worden nur in Beziehung auf die nachher erschaffene
Theorie, welche die allgemeine Methode des Verfahrens Theils
aufstellen, Theils ihr aber Principien, d. i.  Rechtfertigung geben
wollte.  Welche vergebliche Bemühung es gewesen ist, für die
bisherige Auffassungsweise des Verfahrens Principien aufzufinden,
welche den Widerspruch, der dabei zum Vorschein kommt, wirklich
lösten, statt ihn nur durch die Unbedeutenheit des nach dem
mathematischen Verfahren nothwendigen hier aber wegzulassenden, oder
durch die auf dasselbe hinauslaufende Möglichkeit der unendlichen
oder beliebigen Annäherung und dergleichen zu entschuldigen oder zu
verstecken, ist in voriger Anmerkung gezeigt worden.  Wenn aus dem
wirklichen Theile der Mathematik, der die Differentialrechnung
genannt wird, das Allgemeine des Verfahrens anders abstrahirt würde,
als bisher geschehen ist, so würden sich jene Principien und die
Bemühung mit denselben auch als entbehrlich zeigen, wie sie an ihnen
selbst sich als etwas Schiefes und im Widerspruche Bleibendes
ausweisen.

Wenn wir diesem Eigenthümlichen durch einfaches Aufnehmen des in
diesem Theile der Mathematik Vorhandenen nachforschen, so finden wir
als Gegenstand à) Gleichungen, in welchen eine beliebige Anzahl von
Größen (wir können hier überhaupt bei zwei stehen bleiben) zu einem
Ganzen der Bestimmtheit so verbunden sind, daß diese erstens ihre
Bestimmtheit in empirischen Größen, als festen Grenzen und dann in
der Art der Verbindung mit denselben, so wie ihrer Verbindung
untereinander, haben; wie dieß überhaupt in einer Gleichung der Fall
ist; indem aber nur Eine Gleichung für beide Größen (und ebenso
relativ wohl mehrere Gleichungen für mehrere Größen, aber immer
weniger, als die Anzahl der Größen ist--) vorhanden ist, gehören
diese Gleichungen zu den unbestimmten; und daß zweitens eine Seite,
wie diese Größen hier ihre Bestimmtheit haben, darin liegt, daß sie
(wenigstens eine derselben) in einer höhern, als die erste Potenz, in
der Gleichung vorhanden sind.

Hierüber sind zunächst einige Bemerkungen zu machen, für's Erste, daß
die Größen nach der ersten der angegebenen Bestimmungen ganz nur den
Charakter solcher veränderlichen Größen haben, wie sie in den
Aufgaben der unbestimmten Analysis vorkommen.  Ihr Werth ist
unbestimmt, aber so daß wenn anderswoher ein vollkommen bestimmter
Werth, d. i. ein Zahlenwerth für die eine kommt, auch die andere
bestimmt, so die eine, eine Funktion der andern, ist.  Die Kategorien
von veränderlichen Größen, Funktionen und dergleichen sind darum für
die specifische Größebestimmtheit, die hier in Rede steht, nur
formell, wie vorhin gesagt worden ist, weil sie von einer
Allgemeinheit sind, in welcher dasjenige Specifische, worauf das
ganze Interesse des Differentialkalkuls geht, noch nicht enthalten
ist, noch daraus durch Analyse explicirt werden kann; sie sind für
sich einfache, unbedeutende, leichte Bestimmungen, die nur erst
schwierig gemacht werden, insofern das in sie gelegt werden soll,
damit es dann aus ihnen abgeleitet werden könne, was nicht in ihnen
liegt, nämlich die specifische Bestimmung der Differentialrechnung.
--Was alsdenn die sogenannte Konstante betrifft, so kann über sie
bemerkt werden, daß sie zunächst als eine gleichgültige empirische
Größe ist, bestimmend für die veränderlichen Größen bloß in Ansehung
ihres empirischen Quantums, als Grenze ihres Minimums und Maximums;
die Art der Verbindung aber der Konstanten mit den veränderlichen
Größen ist selbst eines der Momente für die Natur der besonderen
Funktion, welche diese Größen sind.  Umgekehrt sind aber auch die
Konstanten selbst Funktionen; insofern z.B. eine gerade Linie den
Sinn hat, Parameter einer Parabel zu seyn, so ist dieser ihr Sinn
dieß, daß sie die Funktion y[hoch 2]/x ist; wie in der Entwickelung
des Binomiums überhaupt, die Konstante, welche der Koefficient des
ersten Entwickelungsgliedes ist, die Summe der Wurzeln, der des
zweiten, die Summe der Produkte derselben zu zwei und zwei u.s.f.
also diese Konstanten hier überhaupt Funktionen der Wurzeln sind; wo
in der Integralrechnung die Konstante aus der gegebenen Formel
bestimmt wird, wird sie insofern als eine Funktion von dieser
behandelt.  Jene Koefficienten werden wir dann weiter in einer
anderen Bestimmung als Funktionen betrachten, deren Bedeutung im
Konkreten es ist, worauf das ganze Interesse geht.

Das Eigenthümliche nun aber, wodurch die Betrachtung der
veränderlichen Größen sich in der Differentialrechnung von ihrer
Beschaffenheit in den unbestimmten Aufgaben unterscheidet, ist in das
Angegebene zu setzen, daß wenigstens eine jener Größen oder auch alle
sich in einer höhern Potenz als die erste befinde, wobei wieder
gleichgültig ist, ob sämmtliche von derselben höhern oder von
ungleichen Potenzen sind; ihre specifische Unbestimmtheit, die sie
hier haben, liegt allein darin, daß sie in solchem
Potenzenverhältnisse Funktionen von einander sind.  Dadurch ist die
Veränderung der veränderlichen Größen qualitativ determinirt, damit
kontinuirlich, und diese Kontinuität, die für sich wieder nur die
formelle Kategorie überhaupt einer Identität, einer sich in der
Veränderung erhaltenden, gleichbleibenden Bestimmtheit ist, hat hier
ihren determinirten Sinn und zwar allein in dem Potenzenverhältnisse,
als welches kein Quantum zu seinem Exponenten hat, und die nicht
quantitative, bleibende Bestimmtheit des Verhältnisses der
veränderlichen Größen ausmacht.  Daher ist gegen einen andern
Formalismus die Bemerkung zu machen, daß die erste Potenz nur Potenz
im Verhältniß zu höhern ist; für sich ist x nur irgend ein
unbestimmtes Quantum.  So hat es keinen Sinn, für sich die
Gleichungen y = ax + b, der geraden Linie oder s = ct die der
schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit zu differentiren; wenn aus y =
ax, oder auch aus y = ax + b, a = dy/dx, oder ds/dt = c aus s = ct
wird, so ist ebenso sehr a = y/x, die Bestimmung der Tangente oder
s/t = c. die der schlechten Geschwindigkeit.  Letztere wird als dy/dx
exponirt im Zusammenhange dessen, was für die Entwickelung der
gleichförmig beschleunigten Bewegung ausgegeben wird; aber daß ein
Moment von einfacher, schlechtgleichförmiger, d. i. nicht durch die
höhere Potenz eines der Momente der Bewegung bestimmter
Geschwindigkeit, im Systeme solcher Bewegung vorkomme, ist, wie
früher bemerkt, selbst eine leere, allein in der Routine der Methode
gegründete Annahme.  Indem die Methode von der Vorstellung des
Zuwachses, den die veränderliche Größe erleiden solle, ausgeht, so
kann Freilich auch eine solche, die nur eine Funktion von erster
Potenz ist, auch einen Zuwachs erleiden; wenn nun hierauf, um das
Differential zu finden, der Unterschied der hierdurch entstandenen
zweiten Gleichung von der gegebenen genommen werden soll, so zeigt
sich das Leere der Operation, daß, wie bemerkt, die Gleichung vor und
nach derselben, für die sogenannten Zuwächse dieselbe ist als für die
veränderlichen Größen selbst.

ß)  Durch das Gesagte ist die Natur der zu behandelnden Gleichung
bestimmt, und es ist nun anzugeben, auf welches Interesse sich die
Behandlung derselben gerichtet findet.  Diese Betrachtung kann nur
bekannte Resultate, wie sie der Form nach in der Lagrange'schen
Auffassung insbesondere vorhanden sind, geben; aber ich habe die
Exposition so ganz elementarisch angestellt, um die damit vermischten
heterogenen Bestimmungen zu entfernen.--Als die Grundlage der
Behandlung der Gleichung von angegebener Art zeigt sich, daß die
Potenz innerhalb ihrer selbst als ein Verhältniß, als ein System von
Verhältnißbestimmungen, gefaßt wird.  Die Potenz ist oben als die
Zahl angegeben worden, insofern sie dazu gekommen ist, daß ihre
Veränderung durch sie selbst bestimmt, ihre Momente, Einheit und
Anzahl identisch ist, wie früher nachgewiesen, vollkommen zunächst im
Quadrat, formeller, was hier keinen Unterschied macht, in den höhern
Potenzen.  Die Potenz nun, da sie als Zahl--wenn man den Ausdruck
Größe als den allgemeinern vorzieht, so ist sie an sich immer die
Zahl,--eine Menge ist, auch als Summe dargestellt, kann zunächst
innerhalb ihrer in eine beliebige Menge von Zahlen zerlegt werden,
die ohne alle weitere Bestimmung gegen einander und gegen ihre Summe
sind, als nur daß sie zusammen dieser gleich sind.  Aber die Potenz
kann auch in eine Summe von solchen Unterschieden discernirt werden,
die durch die Form der Potenz bestimmt sind.  Wird die Potenz als
Summe genommen, so ist auch die Grundzahl derselben, die Wurzel als
Summe gefaßt, und beliebig nach mannigfaltiger Zerlegung, welche
Mannigfaltigkeit aber das gleichgültige empirisch-Quantitative ist.
Die Summe als welche die Wurzel seyn soll, auf ihre einfache
Bestimmtheit, d. i. ihre wahrhafte Allgemeinheit zurückgeführt, ist
das Binomium; alle weitere Vermehrung der Glieder ist eine bloße
Wiederholung derselben Bestimmung und daher etwas Leeres.Es gehört
nur zum Formalismus derjenigen Allgemeinheit, auf welche die Analysis
nothwendigen Anspruch macht, wenn statt (a + b)[hoch n] für die
Potenzenentwicklung zu nehmen, (a + b + c + d...)[hoch n] gesagt wird,
wie dieß auch in vielen andern Fällen gethan wird; es ist solche
Form, so zu sagen, nur für eine Koketterie des Scheins der
Allgemeinheit zu halten; in dem Binomium ist die Sache erschöpft; es
wird durch dessen Entwickelung das Gesetz gefunden, und das Gesetz
ist die wahrhafte Allgemeinheit, nicht die äußerliche nur leere
Wiederholung des Gesetzes, welche allein es ist, die durch jenes a +
b + c + d... hervorgebracht wird.  Worauf es ankommt, ist allein die,
hiermit qualitative Bestimmtheit der Glieder, welche sich durch die
Potenzirung der als Summe angenommenen Wurzel ergiebt, welche
Bestimmtheit allein in der Veränderung, die das Potenziren ist, liegt.
Diese Glieder sind somit ganz Funktionen der Potenzirung und der
Potenz.  Jene Darstellung nun der Zahl, als Summe einer Menge von
solchen Gliedern, welche Funktionen der Potenzirung sind, alsdenn das
Interesse, die Form solcher Funktionen, und ferner diese Summe aus
der Menge solcher Glieder, zu finden, insofern dieses Finden allein
von jener Form abhängen muß,--dieß macht bekanntlich die besondere
Lehre von den Reihen aus.  Aber hierbei haben wir wesentlich das
fernere Interesse zu unterscheiden, nämlich das Verhältniß der zu
Grunde liegenden Größe selbst, deren Bestimmtheit, insofern sie ein
Komplex d. i. hier eine Gleichung, ist, eine Potenz in sich schließt,
--zu den Funktionen ihrer Potenzirung.  Dieß Verhältniß, ganz
abstrahirt von dem vorhin genannten Interesse der Summe wird sich als
der Gesichtspunkt zeigen, der sich als der einzige, den die
Differentialrechnung sich vorsetzt, aus der wirklichen Wissenschaft
ergiebt.

Es ist jedoch vorher noch eine Bestimmung zu dem Gesagten
hinzuzufügen, oder vielmehr eine, die darin liegt, zu entfernen.  Es
wurde nämlich gesagt, daß die veränderliche Größe, in deren
Bestimmung die Potenz eintritt, angesehen werde, innerhalb ihrer
selbst als Summe und zwar als ein System von Gliedern, insofern diese
Funktionen der Potenzirung sind, womit auch die Wurzel als eine Summe,
und in der einfach bestimmten Form als Binomium betrachtet werde;
x[hoch n] = (y + z)[hoch n] = (y + ny[hoch n-1] z +....) Diese
Darstellung ging für die Entwickelung der Potenz, d. i. für das
Erlangen ihrer Potenzirungsfunktionen, von der Summe als solcher aus;
es ist jedoch hier nicht um eine Summe als solche noch um die daraus
entspringende Reihe zu thun, sondern von der Summe ist nur die
Beziehung aufzunehmen.  Die Beziehung als solche der Größen ist das
was einer Seits übrig bleibt, nachdem von dem plus einer Summa als
solcher abstrahirt wird, und was anderer Seits für das Finden der
EntwicklungsFunktionen der Potenz erforderlich ist.  Solche Beziehung
aber ist schon darin bestimmt, daß hier der Gegenstand eine Gleichung,
y[hoch m] = ax[hoch n] auch schon ein Komplex von mehrern
(veränderlichen) Größen ist, der eine Potenzenbestimmung derselben
enthält.  In diesem Komplex ist jede dieser Größen schlechthin als in
der Beziehung auf die andere mit der Bedeutung, könnte man sagen,
eines plus an ihr selbst,--als Funktion der andern Größen gesetzt;
ihr Charakter, Funktionen von einander zu seyn, giebt ihnen diese
Bestimmung des plus, eben damit aber eines ganz unbestimmten, nicht
eines Zuwachses, Inkrements und dergleichen.  Doch diesen abstrakten
Gesichtspunkt konnten wir auch auf der Seite lassen; es kann ganz
einfach dabei stehen geblieben werden, daß nachdem die veränderlichen
Größen in der Gleichung als Funktionen von einander, so daß diese
Bestimmtheit ein Verhältniß von Potenzen enthält, gegeben sind, nun
auch die Funktionen der Potenzirung einer jeden mit einander
verglichen werden,--welche zweiten Funktionen durch gar nichts
Anderes weiter als durch die Potenzirung selbst bestimmt sind.  Es
kann zunächst für ein Belieben oder eine Möglichkeit ausgegeben
werden, eine Gleichung von den Potenzen ihrer veränderlichen Größen
auf ein Verhältniß ihrer Entwickelungsfunktionen zu setzen; ein
weiterer Zweck, Nutzen, Gebrauch hat erst das Dienliche solcher
Umgestaltung davon anzugeben; durch ihre Nützlichkeit allein ist jene
Umstellung veranlaßt worden.  Wenn vorhin von der Darstellung dieser
Potenzirungsbestimungen an einer Größe, die als Summe in sich
different genommen werde, ausgegangen worden, so diente dieß nur
Theils zur Angabe von welcher Art solche Funktionen seyen, Theils
liegt darin die Weise sie zu finden.

Wir befinden uns hiermit bei der gewöhnlichen analytischen
Entwickelung, die für den Zweck der Differentialrechnung so gefaßt
wird, daß der veränderlichen Größe ein Zuwachs, dx, i gegeben und nun
die Potenz des Binomiums durch die Gliederreihe, die ihm angehört,
explicirt wird.  Der sogenannte Zuwachs aber soll nicht ein Quantum,
nur eine Form seyn, deren ganzer Werth ist, zur Entwickelung
behülflich zu seyn; was man eingestandenermaßen, am bestimmtesten von
Euler und Lagrange, und in der früher erwähnten Vorstellung der
Grenze, will, sind nur die sich ergebende Potenzenbestimmungen der
veränderlichen Größen, die sogenannten Koefficienten zwar des
Zuwachses und der Potenzen desselben, nach denen die Reihe sich
ordnet und zu denen die unterschiedenen Koefficienten gehören.  Es
kann hierzu etwa bemerkt werden, daß indem nur um der Entwickelung
willen ein Zuwachs angenommen ist, der ohne Quantum sey, es am
geschicktesten gewesen wäre, (das Eins) dafür zu nehmen, indem
derselbe in der Entwickelung immer nur als Faktor vorkommt, womit
eben der Faktor Eins den Zweck erfüllt, daß keine quantitative
Bestimmtheit und Veränderung durch den Zuwachs gesetzt werden solle;
dagegen dx mit der falschen Vorstellung von einer quantitativen
Differenz, und andere Zeichen, wie i, mit dem hier unnützen Scheine
von Allgemeinheit behafftet, immer das Aussehen und die Prätension
von einem Quantum und dessen Potenzen haben; welche Prätension dann
die Mühe herbeibringt, sie dessenungeachtet wegzubringen und
wegzulassen.  Um die Form einer nach Potenzen entwickelten Reihe zu
behalten, könnten die Exponentenbezeichnungen als indices ebenso gut
dem Eins angefügt werden.  Aber es muß ohnehin von der Reihe und von
der Bestimmung der Koefficienten nach der Stelle, die sie in der
Reihe haben, abstrahirt werden, das Verhältniß zwischen allen ist
dasselbe; die zweite Funktion wird ganz ebenso aus der ersten, als
diese aus der ursprünglichen abgeleitet, und für die als die zweite
gezählte ist die erste abgeleitete wieder ursprüngliche Funktion.
Wesentlich aber geht das Interesse nicht auf die Reihe, sondern ganz
allein auf die sich aus der Entwickelung ergebende Potenzenbestimmung
in ihrem Verhältniß zu der für sie unmittelbaren Größe.  Anstatt also
jene als den Koefficienten des ersten Gliedes der Entwickelung zu
bestimmen, da ein Glied als das erste in Beziehung auf die andern in
der Reihe folgenden bezeichnet wird, eine solche Potenz als eines
Zuwachses aber, wie die Reihe selbst hierher nicht gehören, wäre der
bloße Ausdruck abgeleitete Potenzenfunktion oder wie vorhin gesagt
wurde, eine Funktion des Potenzirens der Größe vorzuziehen, wobei als
bekannt vorausgesetzt wird, auf welche Weise die Ableitung als
innerhalb einer Potenz eingeschlossene Entwickelung genommen wird.

Wenn nun der eigentliche mathematische Anfang in diesem Theile der
Analytik nichts weiter ist, als das Finden der durch die
Potenzen-Entwickelung bestimmten Funktion, so ist die weitere Frage,
was mit dem damit erhaltenen Verhältnisse anzufangen ist, wo es eine
Anwendung und Gebrauch hat, oder in der That, für welchen Zweck
solche Funktionen gesucht werden.  Durch das Finden von Verhältnissen,
an konkreten Gegenständen, welche sich auf jene abstrakte
analytische zurückführen lassen, hat die Differentialrechnung ihr
großes Interesse erhalten.

Über die Anwendbarkeit aber ergiebt sich zunächst aus der Natur der
Sache, ohne noch aus den Fällen der Anwendung selbst zu schließen,
vermöge der aufgezeigten Gestalt der Potenzenmomente, von selbst
Folgendes.  Die Entwickelung der Potenzengrößen, wodurch sich die
Funktionen ihrer Potenzirung ergeben, enthält, von näherer Bestimmung
abstrahirt, zunächst überhaupt die Herabsetzung der Größe auf die
nächst niedrigere Potenz.  Die Anwendbarkeit dieser Operation findet
also bei solchen Gegenständen statt, bei welchen gleichfalls ein
solcher Unterschied von Potenzenbestimmungen vorhanden ist.  Wenn wir
nun auf die Raumbestimmtheit reflektiren, so finden wir, daß sie die
drei Dimensionen enthält, die wir, um sie von den abstrakten
Unterschieden der Höhe, Länge und Breite zu unterscheiden, als die
konkreten bezeichnen können, nämlich die Linie, die Fläche und den
totalen Raum; und indem sie in ihren einfachsten Formen und in
Beziehung auf Selbstbestimmung und damit auf analytische Dimensionen
genommen werden, haben wir die gerade Linie, die ebene Fläche und
dieselbe als Quadrat, und den Kubus.  Die gerade Linie hat ein
empirisches Quantum, aber mit der Ebene tritt das Qualitative, die
Potenzenbestimmung ein; nähere Modificationen, z.B. daß dieß gleich
auch mit den ebenen Kurven geschieht, können wir, insofern es
zunächst um den Unterschied bloß im Allgemeinen zu thun ist,
unerörtert lassen.  Hiermit entsteht auch das Bedürfniß, von einer
höheren Potenzenbestimmung zu einer niedrigern und umgekehrt
überzugehen, indem z.B. lineare Bestimmungen aus gegebenen
Gleichungen der Fläche u.s.f. oder umgekehrt abgeleitet werden sollen.
--Die Bewegung ferner, als an der das Größenverhältniß des
durchloffenen Raumes und der dazu gehörigen verflossenen Zeit zu
betrachten ist, zeigt sich in den verschiedenen Bestimmungen einer
schlechtgleichförmigen, einer gleichförmig beschleunigten, einer
abwechselnd gleichförmig beschleunigten und gleichförmig retardirten,
--in sich zurückkehrenden Bewegung; indem diese unterschiedenen Arten
der Bewegung nach dem Größenverhältnisse ihrer Momente, des Raums und
der Zeit, ausgedrückt werden, ergeben sich für sie Gleichungen aus
unterschiedenen Potenzenbestimmungen, und insofern es Bedürfniß seyn
kann, eine Art der Bewegung oder auch der Raumgrößen, an welche eine
Art gebunden ist, aus einer anderen Art derselben zu bestimmen, führt
die Operation gleichfalls das Übergehen von einer Potenzenfunktion zu
einer höhern oder medrigern herbei.--Die Beispiele dieser zwei
Gegenstände mögen für den Zweck, zu dem sie angeführt sind, genügen.

Der Anschein von Zufälligkeit, welchen die Differentialrechnung in
ihren Anwendungen präsentirt, würde schon vereinfacht werden, durch
das Bewußtseyn über die Natur der Gebiete, in welchem die Anwendung
statt finden kann, und über das eigenthümliche Bedürfniß und die
Bedingung dieser Anwendung.  Nun aber kommt es weiter innerhalb
dieser Gebiete selbst darauf an, zu wissen, zwischen welchen Theilen
der Gegenstände der mathematischen Aufgabe ein solches Verhältniß
statt finde, als durch den Differentialkalkul eigenthümlich gesetzt
wird.  Es muß gleich vorläufig bemerkt werden, daß hierbei zweierlei
Verhältnisse zu beachten sind.  Die Operation des Depotenzirens einer
Gleichung, sie nach den abgeleiteten Funktionen ihrer veränderlichen
Größen betrachtet, giebt ein Resultat, welches an ihm selbst wahrhaft
nicht mehr eine Gleichung, sondern ein Verhältniß ist; dieses
Verhältniß ist der Gegenstand der eigentlichen Differentialrechnung.
Eben damit auch ist zweitens das Verhältniß vorhanden von der höhern
Potenzenbestimmung (der ursprünglichen Gleichung) selbst zu der
niedrigern (dem Abgeleiteten).  Dieß zweite Verhältniß haben wir hier
zunächst bei Seite zu lassen; es wird sich als der eigenthüniliche
Gegenstand der Integralrechnung zeigen.

Betrachten wir zunächst das erste Verhältniß, und nehmen zu der aus
der sogenannten Anwendung zu entnehmenden Bestimmung des Moments,
worin das Interesse der Operation liegt, das einfachste Beispiel an
den Kurven vor, die durch eine Gleichung der zweiten Potenz bestimmt
sind.  Bekanntlich ist unmittelbar durch die Gleichung das Verhältniß
der Koordinaten gegeben in einer Potenzenbestimmung.  Folgen von der
Grundbestimmung sind die Bestimmungen der mit den Koordinaten
zusammenhängenden anderen geraden Linien, der Tangente, Subtangente,
Normale u.s.f.  Die Gleichungen aber zwischen diesen Linien und den
Koordinaten sind lineare Gleichungen; die Ganzen, als deren Theile
diese Linien bestimmt sind, sind rechtwinklichte Dreiecke von geraden
Linien.  Der Übergang von der Grundgleichung, welche die
Potenzenbestimmung enthält, zu jenen linearen Gleichungen enthält nun
den angegebenen Übergang von der ursprünglichen Funktion, d. i.
welche eine Gleichung ist, zu der abgeleiteten, welche ein Verhältniß
ist, und zwar zwischen gewissen in der Kurve enthaltenen Linien.  Der
Zusammenhang zwischen dem Verhältnisse dieser Linien und der
Gleichung der Curve ist es, um dessen Finden es sich handelt.

Es ist nicht ohne Interesse, von dem Historischen hierüber so viel zu
bemerken, daß die ersten Entdecker ihren Fund nur auf eine ganz
empirische Weise anzugeben wissen, ohne eine Rechenschaft von der
völlig äußerlich gebliebenen Operation geben zu können.  Ich begnüge
mich hierüber mit der Anführung Barrow's, des Lehrers Newtons.  In
seinen lect.  Opt. et Geom., worin er Probleme der höhern Geometrie
nach der Methode der Untheilbaren behandelt, die sich zunächst von
dem Eigenthümlichen der Differentialrechnung unterscheidet, giebt er
auch, "weil seine Freunde in ihn gedrungen," (lect.  X.) sein
Verfahren, die Tangente zu bestimmen, an.  Man muß bei ihm selbst
nachlesen, wie diese Angabe beschaffen ist, um sich eine gehörige
Vorstellung zu machen, wie das Verfahren ganz als äußerliche Regel
angegeben ist,--in demselben Style, wie vormals in den arithmetischen
Schulbüchern die Regel de tri oder noch besser die sogenannte
Neunerprobe der Rechnungsarten vorgetragen worden ist.  Er macht die
Verzeichnung der Linienchen, die man nachher die Inkremente im
charakteristischen Dreieck einer Kurve genannt hat, und giebt nun die
Vorschrift als eine bloße Regel, die Glieder als überflüssig
wegzuwerfen, die in Folge der Entwickelung der Gleichungen, als
Potenzen jener Inkremente oder Produkte zum Vorschein kommen, (
etenim isti termini nihilum valebunt ); ebenso seyen die Glieder, die
nur aus der ursprünglichen Gleichung bestimmte Größen enthalten,
wegzuwerfen (das nachherige Abziehen der ursprünglichen Gleichung von
der mit den Inkrementen gebildeten) und zuletzt für das Inkrement der
Ordinate die Ordinate selbst und für das Inkrement der Abscisse die
Subtangente zu substituiren.  Man kann, wenn es so zu reden erlaubt
ist, das Verfahren nicht schulmeistermässiger angeben;--die letztere
Substitution ist die für die Tangentenbestimmung in der gewöhnlichen
Differentialmethode zur Grundlage gemachte Annahme der
Proportionalität der Inkremente der Ordinate und Abscisse mit der
Ordinate und Subtangente; in Barrows Regel erscheint diese Annahme in
ihrer ganz naiven Nacktheit.  Eine einfache Weise, die Subtangente zu
bestimmen, war gefunden; die Manieren Robervals und Fermats laufen
auf Ähnliches hinaus,--die Methode, die größten und kleinsten Werthe
zu finden, von der der Letztere ausging, beruht auf denselben
Grundlagen und demselben Verfahren.  Es war eine mathematische Sucht
jener Zeiten, sogenannte Methoden, d. i.  Regeln jener Art zu finden,
dabei aus ihnen auch ein Geheimniß zu machen, was nicht nur leicht,
sondern selbst in einer Rücksicht nöthig war, aus demselben Grunde,
als es leicht war,--nämlich weil die Erfinder nur eine empirische
äußerliche Regel, keine Methode, d. i. nichts aus anerkannten
Principien Abgeleitetes, gefunden hatten.  Solche sogenannte Methoden
hat Leibnitz von seiner Zeit, und Newton ebenfalls von derselben und
unmittelbarer von seinem Lehrer aufgenommen; sie haben durch die
Verallgemeinerung ihrer Form und Anwendbarkeit den Wissenschaften
neue Bahnen gebrochen, aber damit zugleich das Bedürfniß gehabt, das
Verfahren aus der Gestalt bloß äußerlicher Regeln zu reißen, und
demselben die erforderliche Berechtigung zu verschaffen gesucht.

Analysiren wir die Methode näher, so ist der wahrhafte Vorgang dieser.
Es werden erstlich die Potenzenbestimmungen (versteht sich der
veränderlichen Größen), welche die Gleichung enthält, auf ihre ersten
Funktionen herabgesetzt.  Damit aber wird der Werth der Glieder der
Gleichung verändert; es bleibt daher keine Gleichung mehr, sondern es
ist nur ein Verhältniß entstanden zwischen der ersten Funktion der
einen veränderlichen Größe zu der ersten Funktion der andern; statt
px = y[hoch 2] hat man p : 2y oder statt 2 ax--x[hoch 2] = y[hoch 2]
hat man a--x : y, was nachher als das Verhältniß dy/dx bezeichnet zu
werden pflegte.  Die Gleichung ist Gleichung der Curve, dieß
Verhältniß, das ganz von derselben abhängig, aus derselben (oben nach
einer bloßen Regel) abgeleitet ist, ist dagegen ein lineares, mit
welchem gewisse Linien in Proportion sind; p : 2y oder a--x : y sind
selbst Verhältnisse aus geraden Linien der Kurve, den Koordinaten und
den Parameters; aber damit weiß man noch nichts.  Das Interesse ist,
von andern an der Kurve vorkommenden Linien zu wissen, daß ihnen
jenes Verhältniß zukommt, die Gleichheit zweier Verhältnisse zu
finden.--Es ist also zweitens die Frage, welches die geraden, durch
die Natur der Kurve bestimmten Linien sind, welche in solchem
Verhältnisse stehen?--dieß aber ist es, was schon früher bekannt war,
daß nämlich solches auf jenem Wege erhaltenes Verhältniß das
Verhältniß der Ordinate zur Subtangente ist. dieß hatten die Alten
auf sinnreichem geometrischen Wege gefunden; was die neuern Erfinder
entdeckt haben, ist das empirische Verfahren, die Gleichung der Kurve
so zuzurichten, daß jenes erste Verhältniß geliefert wird, von dem
bereits bekannt war, daß es einem Verhältnisse gleich ist, welches
die Linie enthält, hier die Subtangente, um deren Bestimmung es zu
thun ist.  Theils ist nun jene Zurichtung der Gleichung methodisch
gefaßt und gemacht worden,--die Differentation,--Theils aber sind die
imaginären Inkremente der Koordinaten und das imaginäre hieraus und
einem ebensolchen Inkremente der Tangente gebildete,
charakteristische Dreieck erfunden worden, damit die Proportionalität
des durch die Depotenzirung der Gleichung gefundenen Verhältnisses
mit dem Verhältnisse der Ordinate und der Subtangente nicht als etwas
empirisch nur aus der alten Bekanntschaft Aufgenommenes, sondern als
ein Erwiesenes dargestellt werde.  Die alte Bekanntschaft jedoch
erweist sich überhaupt und am unverkennbarsten in der angeführten
Form von Regeln als die einzige Veranlassung und respektive
Berechtigung der Annahme des charakteristischen Dreiecks und jener
Proportionalität.

Lagrange hat nun diese Simulation verworfen, und den
ächtwissenschaftlichen Weg eingeschlagen; seiner Methode ist die
Einsicht zu verdanken, worauf es ankommt, indem sie darin besteht,
die beiden Übergänge, die für die Auflösung der Aufgabe zu machen
sind, zu trennen und jede dieser Seiten für sich zu behandeln und zu
erweisen.  Der eine Theil dieser Auflösung,--indem wir für die nähere
Angabe des Ganges bei dem Beispiele der elementarischen Aufgabe, die
Subtangente zu finden, bleiben,--der theoretische oder allgemeine
Theil, nämlich das Finden der ersten Funktion aus der gegebenen
Kurvengleichung, wird für sich regulirt; derselbe giebt ein lineares
Verhältniß, also von geraden Linien, die in dem Systeme der
Kurvenbestimmung vorkommen.  Der andere Theil der Auflösung ist nun
die Findung derjenigen Linien an der Kurve, welche in jenem
Verhältnisse stehen.  Dieß wird nun auf die direkte Weise (Théorie
des Fonct.  Anal.  II. P. II. Chap.) bewerkstelligt, d. i. ohne das
charakteristische Dreieck, nämlich ohne unendlichkleine Bogen,
Ordinaten und Abscissen anzunehmen und diesen die Bestimmungen von dy
und dx, d. i. von den Seiten jenes Verhältnisses und zugleich
unmittelbar die Bedeutung der Gleichheit desselben mit der Ordinate
und Subtangente selbst zu geben.  Eine Linie (wie auch ein Punkt) hat
allein ihre Bestimmung, insofern sie die Seite eines Dreiecks
ausmacht, wie auch die Bestimmmung eines Punkts nur in einem solchen
liegt.  Dieß ist, um es ini Vorbeigehen zu erwähnen, der
Fundamentalsatz der analytischen Geometrie, welcher die Coordinaten,
wie, was dasselbe ist, in der Mechanik das Parallelogramm der Kräfte
herbeiführt, das eben darum der vielen Bemühung um einen Beweis ganz
unbedürftig ist.--Die Subtangente wird nun als die Seite eines
Dreiecks gesetzt, dessen weitere Seiten die Ordinate und die darauf
sich beziehende Tangente ist.  Letztere hat als gerade Linie zu einer
Gleichung p = aq, (+ b hinzuzufügen ist für die Bestimmung unnütz und
wird nur um der beliebten Allgemeinheit hinzugesetzt);--die
Determination des Verhältnisses p/q fällt in a, den Koefficienten von
q, der die respective erste Funktion der Gleichung ist, überhaupt
aber nur als a = p/q betrachtet zu werden braucht als, wie gesagt,
die wesentliche Determination der geraden Linie, die als Tangente an
die Kurve applicirt ist.  Indem nun ferner die erste Funktion der
Kurvengleichung genommen wird, ist sie ebenso die Determination einer
geraden Linie; indem ferner die eine Koordinate p der ersten geraden
Linie und y, die Ordinate der Kurve, als dieselben genommen werden,
daß also der Punkt, in welchem jene als Tangente angenommene erste
gerade die Kurve berührt, gleichfalls der Anfangspunkt der durch die
erste Funktion der Kurve bestimmten geraden Linie ist, so kommt es
darauf an, zu zeigen, daß diese zweite gerade Linie mit der ersten
zusammenfällt, d. h.  Tangente ist; algebraisch ausgedrückt, daß
indem y = fx und p = Fq ist, und nun y = p, also fx = Fq angenommen
wird, auch f'x = F'q.  Daß nun die als Tangente applicirte gerade,
und jene aus der Gleichung durch deren erste Funktion determinirte
gerade Linie zusammenfallen, daß die letztere also Tangente ist; dieß
wird mit Zuhilfnahme des Increments i der Abscisse und des durch die
Entwickelung der Funktion bestimmten Increments der Ordinate gezeigt.
Hier kommt denn also gleichfalls das berüchtigte Increment herein;
aber wie es zu dem so eben angegebenen Behufe eingeführt wird, und
die Entwickelung der Funktion nach demselben, muß von dem früher
erwähnten Gebrauch des Inkrements für das Finden der
Differentialgleichung und für das charakteristische Dreieck, wohl
unterschieden werden.  Der hier gemachte Gebrauch ist berechtigt und
nothwendig; er fällt in den Umkreis der Geometrie, indem es zur
geometrischen Bestimmung einer Tangente als solcher gehört, daß
zwischen ihr und der Kurve, mit der sie einen Punkt gemeinschaftlich
hat, keine andere gerade Linie, die gleichfalls in diesen Punkt fiele,
durchgehen könne.  Denn mit dieser Bestimmung ist die Qualität der
Tangente oder Nicht-Tangente auf den Größenunterschied zurückgeführt,
und diejenige Linie ist die Tangente, auf welche die größere
Kleinheit--schlechthin in Ansehung der Determination, auf welche es
ankommt, falle.  Diese scheinbar nur relative Kleinheit enthält
durchaus nichts Empirisches, d. i. von einem Quantum als solchem
Abhängiges, sie ist qualitativ durch die Natur der Formel gesetzt,
wenn der Unterschied des Moments, von dem die zu vergleichende Größe
abhängt, ein Potenzenunterschied ist; indem derselbe auf i und i[hoch
2] hinauskommt, und i, das zuletzt doch eine Zahl bedeuten soll, dann
als ein Bruch vorzustellen ist, so ist i[hoch 2] an und für sich
kleiner als i, so daß selbst die Vorstellung von einer beliebigen
Größe, in der man i nehmen könne, hier überflüssig und sogar nicht an
ihrem Orte ist.  Ebendamit hat der Erweis der größern Kleinheit
nichts mit einem Unendlich-Kleinen zu thun, das hiermit hier
keineswegs hereinzukommen hat.

Wäre es auch nur um der Schönheit und des heutigstags mehr vergessen,
aber wohlverdienten Ruhmes willen, daß ich noch Descartes
Tangentenmethode anführen will; sie hat übrigens auch eine Beziehung
auf die Natur der Gleichungen, über welche dann noch eine fernere
Bemerkung zu machen ist.  Descartes trägt diese selbstständige
Methode, worin die geforderte lineare Bestimmung gleichfalls aus
derselben abgeleiteten Funktion gefunden wird, in seiner, sonst auch
so fruchtbar gewordenen Geometrie (liv.  II. p. 357 ss.  Oeuvres
compl. ed.  Cousin Tom.  V.) vor, indem er in derselben die große
Grundlage von der Natur der Gleichungen und deren geometrischer
Konstruktion und der damit sosehr erweiterten Analysis auf die
Geometrie überhaupt, gelehrt hat.  Das Problem hat bei ihm die Form
der Aufgabe, gerade Linien senkrecht auf beliebige Orte einer Kurve
zu ziehen, als wodurch Subtangente u.s.f. bestimmt wird; man begreift
die Befriedigung, die er daselbst über seine Entdeckung, die einen
Gegenstand von allgemeinem wissenschaftlichen Interesse der damaligen
Zeit betraf, und die sosehr geometrisch ist und dadurch so hoch über
den oben erwähnten bloßen Regelmethoden seiner Nebenbuhler stand,
ausdrückt: j'ose dire que c'est ceci le problème le plus utile et le
plus général, non seulement que je sache, mais même que j'aie jamais
desire de savoir en géometrie.--Er legt für die Auflösung die
analytische Gleichung des rechtwinklichten Dreiecks zu Grund, das
durch die Ordinate des Punkts der Kurve, auf welcher die im Probleme
verlangte gerade Linie senkrecht seyn soll, dann durch diese selbst,
die Normale, und drittens durch den Theil der Achse, der durch die
Ordinate und Normale abgeschnitten wird, durch die Subnormale,
gebildet wird.  Aus der bekannten Gleichung einer Kurve wird nun in
jene Gleichung des Dreiecks der Werth es sey der Ordinate oder der
Abscisse substituirt, so hat man eine Gleichung des zweiten Grades
(und Descartes zeigt, wie auch Kurven, deren Gleichungen höhere Grade
enthalten, sich hierauf zurückführen), in welcher nur noch die eine
der veränderlichen Größen und zwar im Quadrat und in der ersten
Potenz vorkommt;--eine quadratische Gleichung, welche zunächst als
eine sogenannte unreine erscheint.  Nun macht Descartes die Reflexion,
daß wenn der auf der Kurve angenommene Punkt als Durchschnittspunkt
derselben und eines Kreises vorgestellt wird, dieser Kreis die Kurve
noch in einem anderen Punkte schneiden wird, und alsdenn sich für die
zwei damit entstehenden und ungleichen x, zwei Gleichungen mit
denselben Konstanten und von derselben Form ergeben;--oder aber nur
Eine Gleichung mit ungleichen Werthen von x.  Die Gleichung wird aber
nur Eine, für das Eine Dreieck, in welchem die Hypotenuse auf die
Kurve senkrecht, Normale, ist, was so vorgestellt wird, daß man die
beiden Durchschnittspunkte der Kurve durch den Kreis, zusammenfallen,
diesen also die Kurve berühren lasse.  Damit aber fällt auch der
Umstand der ungleichen Wurzeln des x oder y der quadratischen
Gleichung hinweg. Bei einer quadratischen Gleichung von zwei gleichen
Wurzeln nun aber ist der Koefficient des Gliedes, das die Unbekannte
in der ersten Potenz enthält, das Doppelte der nur Einen Wurzel; dieß
nun giebt eine Gleichung, durch welche die verlangten Bestimmungen
gefunden sind.  Dieser Gang ist für den genialen Griff eines ächt
analytischen Kopfes anzusehen, wogegen die ganz assertorisch
angenommene Proportionalität der Subtangente und der Ordinate mit den
unendlich klein seyn sollenden sogenannten Inkrementen der Abscisse
und der Ordinate ganz zurücksteht.

Die auf die angegebene Weise erhaltene Endgleichung, welche den
Koefficienten des zweiten Gliedes der quadratischen Gleichung
gleichsetzt der doppelten Wurzel oder Unbekannten, ist dieselbe,
welche durch das Verfahren des Differentialkalkuls gefunden wird.
x[hoch 2]--ax--b = 0 differentiirt giebt die neue Gleichung 2x--a = 0;
oder x[hoch 3]--px--q = 0 giebt 3x[hoch 2]--p = 0. Es bietet sich
hierbei aber die Bemerkung an, daß es sich keineswegs von selbst
versteht, daß solche abgeleitete Gleichung auch

richtig ist.  Bei einer Gleichung mit zwei veränderlichen Größen, die
darum, daß sie veränderliche sind, den Charakter unbekannte Größen zu
seyn nicht verlieren, kommt, wie oben betrachtet wurde, nur ein
Verhältniß heraus, aus dem angegebenen einfachen Grunde, weil durch
das Substituiren der Funktionen der Potenzirung an die Stelle der
Potenzen selbst der Werth der beiden Glieder der Gleichung verändert
wird, und es für sich selbst noch unbekannt ist, ob auch zwischen
ihnen bei so veränderten Werthen noch eine Gleichung Statt finde.
Die Gleichung dy/dx = P drückt gar nichts weiter aus, als daß P ein
Verhältniß ist, und es ist dem dy/dx sonst kein reeller Sinn
zuzuschreiben.  Von diesem Verhältniß = P ist es aber ebenso noch
unbekannt, welchem andere Verhältnisse es gleich sey; solche
Gleichung, die Proportionalität, giebt demselben erst einen Werth und
Bedeutung.--Wie angegeben wurde, daß man diese Bedeutung, was die
Anwendung hieß, anderswoher, empirisch aufnahm, so muß bei den hier
in Rede stehenden durch Differentation abgeleiteten Gleichungen
anderswoher gewußt werden, ob sie gleiche Wurzeln haben, um zu wissen,
ob die erhaltene Gleichung noch richtig sey.  Dieser Umstand wird
aber in den Lehrbüchern nicht ausdrücklich bemerklich gemacht; er
wird wohl dadurch beseitigt, daß eine Gleichung mit einer unbekannten,
auf Null gebracht, sogleich y gesetzt wird, wodurch dann bei der
Differentation allerdings ein dy/dx, nur ein Verhältniß herauskommt.
Der Funktionen-Kalkul soll es allerdings mit Funktionen der
Potenzirung oder die Differentialrechnung mit Differentialien zu thun
haben, aber daraus folgt für sich noch keineswegs, daß die Größen,
deren Differentialien oder Funktionen der Potenzirung genommen werden,
selbst auch nur Funktionen anderer Größen seyn sollen.  In dem
theoretischen Theile, der Anweisung, die Differentiale, d. i. die
Funktionen der Potenzirung abzuleiten, wird ohnehin noch nicht daran
gedacht, daß die Größen, die nach solcher Ableitung zu behandeln
gelehrt wird, selbst Funktionen anderer Größen seyn sollen.

Noch kann in Ansehung des Weglassens der Konstante bei dem
Differentiiren bemerklich gemacht werden, daß dasselbe hier den Sinn
hat, daß die Konstante für die Bestimmung der Wurzeln im Falle ihrer
Gleichheit gleichgültig ist, als welche Bestimmung durch den
Koefficienten des zweiten Gliedes der Gleichung erschöpft ist.  Wie
im angeführten Beispiele von Descartes die Konstante das Quadrat der
Wurzeln selbst ist, also diese aus der Konstante ebenso wie aus den
Koefficienten, bestimmt werden kann; indem sie überhaupt, wie die
Koefficienten, Funktion der Wurzeln der Gleichung ist.  In der
gewöhnlichen Darstellung erfolgt das Wegfallen der sogenannten nur
durch + und--mit den übrigen Gliedern verbundenen Konstanten durch
den bloßen Mechanismus des Verfahrens, daß um das Differential eines
zusammengesetzten Ausdrucks zu finden, nur den veränderlichen Größen
ein Zuwachs gegeben, und der hierdurch formirte Ausdruck von dem
ursprünglichen abgezogen wird.  Der Sinn der Konstanten und ihres
Weglassens inwiefern sie selbst Funktionen sind und nach dieser
Bestimmung dienen oder nicht, kommt nicht zur Sprache.

Mit dem Weglassen der Konstanten, hängt eine ähnliche Bemerkung
zusammen, die über die Namen von Differentation und Integration,
gemacht werden kann, als früher über den endlichen und unendlichen
Ausdruck gemacht wurde, daß nämlich in ihrer Bestimmung vielmehr das
Gegentheil von dem liegt, was der Ausdruck besagt.  Differentiiren
bezeichnet das Setzen von Differenzen; durch das Differentiiren aber
wird eine Gleichung vielmehr auf weniger Dimensionen herabgebracht,
durch das Weglassen der Konstante wird ein Moment der Bestimmtheit
hinweggenommen; wie bemerkt, werden die Wurzeln der veränderlichen
Größe auf eine Gleichheit gesetzt, die Differenz also derselben
aufgehoben.  In der Integration hingegen soll die Konstante wieder
hinzugesetzt werden; die Gleichung wird dadurch allerdings, aber in
dem Sinne integrirt, daß die vorher aufgehobene Differenz der Wurzeln
wieder hergestellt, das Gleichgesetzte wieder differentiirt wird.
--Der gewöhnliche Ausdruck trägt dazu bei, die wesentliche Natur der
Sache in Schatten zu setzen und Alles auf den untergeordneten, ja der
Hauptsache fremdartigen Gesichtspunkt Theils der unendlich kleinen
Differenz, des Increments und dergleichen, Theils der bloßen
Differenz überhaupt zwischen der gegebenen und der abgeleiteten
Funktion, ohne deren specifischen, d. i. den qualitativen Unterschied
zu bezeichnen, zu stellen.

Ein anderes Hauptgebiet, in welchem von dem Differentialkalkul
Gebrauch gemacht wird, ist die Mechanik; von den unterschiedenen
Potenzen-Funktionen, die sich bei den elementarischen Gleichungen
ihres Gegenstandes, der Bewegung ergeben, sind deren Bedeutungen
bereits beiläufig erwähnt; ich will dieselben hier direkt aufnehmen.
Die Gleichung, nämlich der mathematische Ausdruck, der
schlechtgleichförmigen Bewegung c = s/t oder s = ct, in welcher die
durch offenen Räume den verflossenen Zeiten nach einer empirischen
Einheit c, der Größe der Geschwindigkeit, proportionirt sind, bietet
für die Differentation keinen Sinn dar; der Koefficient c ist bereits
vollkommen bestimmt und bekannt, und es kann keine weitere
Potenzenentwicklung Statt finden.--Wie s = at[hoch 2], die Gleichung
der Bewegung des Falles, analysirt wird, ist früher schon erinnert;
--das erste Glied der Analyse ds/dt = 2 at wird in die Sprache und
resp. in die Existenz so übersetzt, es solle ein Glied einer Summe (-
welche Vorstellung wir längst entfernt haben), der eine Theil der
Bewegung seyn und zwar solle dieser der Kraft der Trägheit, d. i.
einer schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit so zukommen, daß in den
unendlich-kleinen Zeittheilen die Bewegung gleichförmig, in den
endlichen Zeittheilen d. h. in der That existirenden aber
ungleichförmig sey.  Freilich ist fs = 2at; und die Bedeutung voll a
und von t für sich bekannt, so wie daß hiermit die Bestimmung von
gleichförmiger Geschwindigkeit einer Bewegung gesetzt ist; da a =
s/[t[hoch 2]] ist 2 at = 2s/t überhaupt; damit aber weiß man im
geringsten nichts weiter; nur die fälschliche Annahme, daß 2at ein
Theil der Bewegung als einer Summe sey, giebt den fälschlichen Schein
eines physikalischen Satzes.  Der Faktor selbst, a, die empirische
Einheit--ein Quantum als solches--wird der Schwere zugeschrieben;
wenn die Kategorie der Kraft der Schwere gebraucht wird, so ist
vielmehr zu sagen, daß eben das Ganze s = at[hoch 2] die Wirkung oder
besser das Gesetz der Schwere ist.--Gleichmäßig ist der aus ds/dt =
2at abgeleitete Satz, daß wenn die Schwere aufhörte zu wirken, der
Körper mit der am Ende seines Falles erlangten Geschwindigkeit den
doppelten Raum von dem, welchen er durchloffen hat, in einer der
Dauer seines Falles gleichen Zeit zurücklegen würde.--Es liegt hierin
auch eine für sich schiefe Metaphysik; das Ende des Falles, oder das
Ende eines Zeittheils, in welchem der Körper gefallen, ist immer
selbst noch ein Zeittheil; wäre es kein Zeittheil, so wäre Ruhe und
damit keine Geschwindigkeit angenommen, die Geschwindigkeit kann nur
nach dem Raume angesetzt werden, welcher in einem Zeittheil, nicht an
seinem Ende, durchloffen worden ist.--Wenn nun aber vollends in
andern physikalischen Gebieten, wo gar keine Bewegung vorhanden ist,
wie z.B. im Verhalten des Lichts (außer dem, was seine
Fortpflanzung im Raume genannt wird) und Größenbestimmungen an den
Farben, eine Anwendung der Differentialrechnung gemacht wird und die
erste Funktion von einer quadratischen Funktion hier auch
Geschwindigkeit genannt wird, so ist dieß für einen noch
unstatthafteren Formalismus der Erdichtung von Existenz anzusehen.
-Bewegung, welche durch die Gleichung s = at[hoch 2] vorgestellt wird,
finden wir, sagt Lagrange in der Erfahrung vom Falle der Körper; die
einfachste Bewegung derselben würde die seyn, deren Gleichung s =
ct[hoch 3] wäre, aber die Natur zeige keine Bewegung dieser Art; wir
wüßten nicht was der Koefficient c bedeuten könnte.  Wenn dem wohl so
ist, so giebt es dagegen eine Bewegung, deren Gleichung s[hoch 3] =
at[hoch 2] ist,--das kepplerische Gesetz der Bewegung der Körper des
Sonnensystems; was hier die erste abgeleitete Funktion 2at/[3s [hoch
2]] u.s.f. bedeuten soll, und die fernere direkte Behandlung dieser
Gleichung durch die Differentation, die Entwicklung der Gesetze und
Bestimmungen jener absoluten Bewegung von diesem Ausgangspunkte aus,
müßte dagegen wohl als eine interessante Aufgabe erscheinen, in
welcher die Analysis im würdigsten Glanze sich zeigen würde.

Für sich bietet so die Anwendung des Differential-Kalkuls auf die
elementarischen Gleichungen der Bewegung kein reelles Interesse dar;
das formelle Interesse kommt von dem allgemeinen Mechanismus des
Kalkuls.  Eine andre Bedeutung aber erhält die Zerlegung der Bewegung
in Beziehung auf die Bestimmung ihrer Trajektorie; wenn dieses eine
Kurve ist und ihre Gleichung höhere Potenzen enthält, bedarf es der
Übergänge von geradlinigten Funktionen als Funktionen der Potenzirnng,
zu den Potenzen selbst, und indem jene aus der ursprünglichen
Gleichung der Bewegung, welche den Faktor der Zeit enthält, mit
Elimination der Zeit zu gewinnen sind, ist dieser zugleich auf die
niedrigern Entwicklungsfunktionen herabzusetzen, aus welchen jene
Gleichungen linearer Bestimmungen erhalten werden können.  Diese
Seite führt auf das Interesse des andern Theils der
Differentialrechnung.

Das Bisherige hat den Zweck gehabt, die einfache specifische
Bestimmung des Differential-Kalkuls herauszuheben und festzustellen,
und dieselbe in einigen der elementarischen Beispiele nachzuweisen.
Diese Bestimmung hat sich ergeben darin zu bestehen, daß aus einer
Gleichung von Potenzenfunktionen der Koefficient des
Entwicklungsgliedes, die sogenannte erste Funktion gefunden, und das
Verhältniß, welches diese ist, in Momenten des konkreten Gegenstands
aufgewiesen werde, durch welche so erhaltene Gleichung zwischen den
beiden Verhältnissen diese Momente selbst bestimmt sind.  Es ist
ebenso von dem Princip der Integralrechnung kurz zu betrachten, was
sich aus dessen Anwendung, für die specifische konkrete Bestimmnng
derselben ergiebt.  Die Ansicht dieses Kalkuls ist dadurch schon
vereinfacht und richtiger bestimmt worden, daß er nicht mehr als
Summationsmethode genommen wird, wie er im Gegensatz gegen das
Differentiiren, wo der Zuwachs als das wesentliche Ingrediens gilt,
genannt wurde, und womit er in wesentlichem Zusammenhang mit der Form
der Reihe erschien.--Die Aufgabe dieses Kalkuls ist zunächst ebenso
die theoretische oder vielmehr formelle, als die der
Differentialrechnung, bekanntlich aber die umgekehrte von dieser;--es
wird hier von einer Funktion ausgegangen, die als abgeleitete, als
der Koefficient des nächsten aus der Entwicklung einer aber noch
unbekannten Gleichung entsprungenen Gliedes betrachtet wird, und aus
ihr soll die ursprüngliche Potenzen-Funktion gefunden werden; die in
der natürlichen Ordnung der Entwicklung als ursprünglich anzusehende
wird hier abgeleitet und die früher als abgeleitet betrachtete ist
hier die gegebene oder überhaupt die anfangende.  Das Formelle dieser
Operation scheint nun aber bereits durch den Differential-Kalkul
geleistet zu seyn; indem darin überhaupt der Übergang und das
Verhältniß von der ursprünglichen zu der Entwicklungsfunktion
festgestellt ist.  Wenn hierbei Theils schon um die Funktion, von der
auszugehen ist, anzusetzen, Theils aber den Übergang von ihr zu der
ursprünglichen zu bewerkstelligen, nothwendig in vielen Fällen zu der
Form der Reihe die Zuflucht genommen werden muß, so ist zunächst
festzuhalten, daß diese Form als solche mit dem eigenthümlichen
Prinzip des Integrirens unmittelbar nichts zu thun hat.

Der andere Theil nun aber der Aufgabe des Kalkuls erscheint in
Rücksicht auf die formelle Operation die Anwendung derselben.  Diese
ist nun selbst die Aufgabe, nämlich die Bedeutung in dem oben
angegebenen Sinne zu kennen, welche die ursprüngliche Funktion von
der gegebenen als ersten Funktion betrachteten eines besondern
Gegenstandes hat.  An sich könnte auch diese Lehre bereits in der
Differentialrechnung ganz abgethan zu seyn scheinen; allein es tritt
ein weiterer Umstand ein, der die Sache nicht so einfach seyn läßt.
Indem nämlich in diesem Kalkul sich ergeben, daß durch die erste
Funktion der Gleichung einer Kurve das Verhältniß, welches ein
lineares ist, erhalten worden, so weiß man damit auch, daß die
Integration dieses Verhältnisses die Gleichung der Kurve im
Verhältnisse der Abscisse und Ordinate giebt; oder wenn die Gleichung
für die Ebene einer Kurve gegeben wäre, so würde die
Differentialrechnung über die Bedeutung der ersten Funktion solcher
Gleichung bereits gelehrt haben sollen, daß diese Funktion die
Ordinate als Funktion der Abscisse, hiermit die Gleichung der Kurve
darstellte.

Nun kömmt es aber darauf an, welches von den Bestimmungsmomenten des
Gegenstandes in der Gleichung selbst gegeben ist; denn nur von dem
Gegebenen kann die analytische Behandlung den Ausgang nehmen und von
da zu den übrigen Bestimmungen des Gegenstands übergehen.  Es ist z.
B. nicht die Gleichung eines Flächenraums der Kurve, noch etwa des
durch ihre Umdrehung entstehenden Körpers, noch auch eines Bogens
derselben, sondern nur das Verhältniß der Abscisse und Ordinate in
der Gleichung der Kurve selbst gegeben.  Die Übergänge von jenen
Bestimmungen zu dieser Gleichung selbst können daher nicht schon in
der Differentialrechnung behandelt werden; es wird für die
Integralrechnung aufgespart, diese Verhältnisse zu finden.

Ferner aber ist gezeigt worden, daß die Differentiirung der Gleichung
von mehreren veränderlichen Größen, die Entwicklungspotenz oder
Differential-Koefficienten, nicht als eine Gleichung, sondern nur als
ein Verhältniß giebt; die Aufgabe ist dann für dieß Verhältniß,
welches die abgeleitete Funktion ist, ein zweites in den Momenten des
Gegenstandes anzugeben, das jenem gleich sey.  Dagegen ist das Object
der Integralrechnung das Verhältniß selbst der ursprünglichen zu der
abgeleiteten, hier gegeben seyn sollenden Funktion, und die Aufgabe
ist, die Bedeutung der zu findenden ursprünglichen Funktion in dem
Gegenstande der gegebenen ersten Funktion anzugeben, oder vielmehr
indem diese Bedeutung z.B. die Ebene einer Kurve oder die zu
rectificirende, als geradlinigt vorgestellte Kurve u.s.f. schon als
das Problem ausgesprochen ist, zu zeigen, daß solche Bestimmung durch
eine ursprüngliche Funktion gefunden werde und welches das Moment des
Gegenstandes sey, welches hierfür zur Ausgangs- (der abgeleiteten)
Funktion, angenommen werden müsse.

Die gewöhnliche Methode nun, welche die Vorstellung der Differenz als
des Unendlichkleinen gebraucht, macht sich die Sache leicht; für die
Quadratur der Kurven also nimmt sie ein unendlich kleines Rektangel,
ein Produkt der Ordinate in das Element d. i. das Unendlichkleine der
Abscisse, für das Trapez, das zu einer seiner Seiten den
unendlichkleinen, jenem unendlichkleinen der Abscisse
gegenüberstehenden Bogen habe; das Produkt wird nun in dem Sinne
integrirt, daß das Integral die Summe der unendlich vielen Trapeze,
die Ebene, deren Bestimmung verlangt wird, nämlich die endliche Größe
jenes Elements der Ebene gebe.  Ebenso formirt sie aus den
Unendlichkleinen des Bogens, und der dazu gehörigen Ordinate und
Abscisse ein rechtwincklichtes Dreieck, in welchem das Quadrat jenes
Bogens gleich sey der Summe der Quadrate der beiden andern
Unendlichkleinen, deren Integration den Bogen als einen endlichen
giebt.

Dieß Verfahren hat die allgemeine Entdeckung, welche diesem Gebiete
der Analysis zu Grunde liegt, zu seiner Voraussetzung, hier in der
Weise, daß die quadrirte Kurve, der rectificirte Bogen u.s.f. zu
einer gewissen durch die Gleichung der Kurve gegebenen Funktion, in
dem Verhältniß der sogenannten ursprünglichen Funktion zu der
abgeleiteten steht.  Es handelt sich darum zu wissen, wenn ein
gewisser Theil eines mathematischen Gegenstandes (z.B. einer Kurve)
als die abgeleitete Funktion angenommen werde, welcher andere Theil
desselben durch die entsprechende ursprüngliche Funktion ausgedrückt
ist.  Man weiß, daß wenn die durch die Gleichung der Kurve gegebene
Funktion der Ordinate als abgeleitete Funktion genommen wird, die
relativ ursprüngliche Funktion der Größenausdruck der von dieser
Ordinate abgeschnittenen Area der Kurve ist, daß wenn eine gewisse
Tangentenbestimmung als abgeleitete Funktion angesehen wird, die
ursprüngliche Funktion derselben die Größe des zu dieser
Tangentenbestimmung gehörigen Bogens ausdrückt, u. s. f. daß nun aber
diese Verhältnisse, das eine einer ursprünglichen Funktion zu der
abgeleiteten, das andere von den Größen zweier Theile oder Umstände
des mathematischen Gegenstandes, eine Proportion bilden, dieß zu
erkennen und zu beweisen, erspart sich die Methode, die das
Unendlichkleine und die mechanische Operation mit demselben gebraucht.
Das eigenthümliche Verdienst des Scharfsinns ist, aus den
anderwärts her bereits bekannten Resultaten herausgefunden zu haben,
daß gewisse und welche Seiten eines mathematischen Gegenstandes, in
dem Verhältnisse von ursprünglicher und von abgeleiteter Funktion
stehen.

Von diesen beiden Funktionen ist die abgeleitete, oder wie sie
bestimmt worden ist, die Funktion der Potenzirung, hier in diesem
Kalkul die gegebene, relativ gegen die ursprüngliche, als welche erst
aus jener durch die Integration, gefunden werden soll.  Allein sie
ist nicht unmittelbar gegeben, noch ist es für sich schon gegeben,
welcher Theil oder Bestimmung des mathematischen Gegenstands als die
abgeleitete Funktion angesehen werden soll, um durch Zurückführung
derselben auf die ursprüngliche den andern Theil oder Bestimmung zu
finden, deren Größe das Problem verlangt.  Die gewöhnliche Methode,
die, wie gesagt, sogleich gewisse Theile des Gegenstandes als
unendlich klein, in der Form abgeleiteter Funktionen, vorstellt,
welche sich aus der ursprünglich gegebenen Gleichung des Gegenstandes
überhaupt durch die Differentiirung bestimmen lassen, (--wie für die
Rektifikation einer Kurve, die unendlichkleinen Abscissen und
Ordinaten), nimmt dafür solche, welche sich mit dem Gegenstande des
Problems, (in dem Beispiele, dem Bogen) der ebenso als unendlichklein
vorgestellt wird, in eine Verbindung bringen lassen, die in der
Elementar-Mathematik festgestellt ist, und wodurch, wenn jene Theile
bekannt sind, auch dieser bestimmt ist, dessen Größe zu finden
aufgegeben ist; so werden für die Rektifikation die angegebenen drei
Unendlichkleinen in die Verbindung der Gleichung des rechtwinklichten
Dreiecks gebracht, für die Quadratur die Ordinate mit der
unendlichkleinen Abscisse in die Verbindung eines Produkts, indem
eine Ebene überhaupt arithmetisch als Produkt von Linien angenommen
ist.  Der Übergang von solchem sogenannten Elemente der Ebene, des
Bogens u.s.f. zur Größe der Ebene, des Bogens u.s.f. selbst, gilt
dann nur als das Aufsteigen von dem unendlichen Ausdruck zum
endlichen, oder zur Summe der unendlich vielen Elemente, aus denen
die verlangte Größe bestehen soll.

Es kann daher nur oberflächlich gesagt werden, daß die
Integralrechnung bloß das umgekehrte, überhaupt jedoch schwierigere
Problem der Differentialrechnung sey; das reelle Interesse der
Integralrechnung geht vielmehr ausschließlich auf das Verhältniß der
ursprünglichen und der abgeleiteten Funktion in den konkreten
Gegenständen, zu einander.

Lagrange ist ebenso wenig in diesem Theile des Kalkuls darauf
eingegangen, die Schwierigkeit der Probleme auf die glatte Weise
jener direkten Annahmen abzuthun.  Es wird zur Erläuterung der Natur
der Sache beitragen, gleichfalls das Nähere seines Verfahrens aus
einigen wenigen Beispielen anzugeben.  Dasselbe macht es sich eben
zur Aufgabe, für sich zu beweisen, daß zwischen besondern
Bestimmungen eines mathematischen Ganzen z.B. einer Kurve, ein
Verhältniß von der ursprünglichen zu der abgeleiteten Funktion Statt
finde.  Dieß kann nun aber in diesem Felde vermöge der Natur des
Verhältnisses selbst, welches am mathematischen Gegenstande, krumme
mit geraden Linien, lineare Dimensionen und Funktionen derselben mit
Ebenen-Flächen-Dimensionen und deren Funktion u.s.f. also qualitativ
verschiedene in Beziehung bringt, nicht auf direkte Weise
bewerkstelligt werden, die Bestimmung läßt sich so nur als die Mitte
zwischen einem Größern und Kleinern auffassen.  Hiermit tritt von
selbst wohl wieder die Form eines Zuwachses mit Plus und Minus ein,
und das rüstige: Développons, ist an seiner Stelle; aber wie die
Zuwächse hier nur arithmetische, endliche Bedeutung haben, davon ist
vorhin gesprochen worden.  Aus der Entwicklung jener Bedingung, daß
die zu bestimmende Größe größer als die eine leicht bestimmbare
Grenze und kleiner als die andere sey, wird dann z.B. hergeleitet,
daß die Funktion der Ordinate die abgeleitete erste Funktion zu der
Funktion der Area ist.

Die Rektifikation der Kurven, wie sie von Lagrange aufgezeigt wird,
indem er von dem archimedischen Princip ausgeht, hat das Interesse,
die Übersetzung der archimedischen Methode in das Princip der neuern
Analysis einzusehen,

was einen Blick in das Innere und in den wahrhaften Sinn des auf die
andere Art mechanisch betriebenen Geschäftes thun läßt.  Die
Verfahrungsweise ist der so eben angegebenen nothwendig analog; das
archimedische Princip, daß der Bogen einer Kurve größer ist, als
seine Chorde und kleiner als die Summe zweier an den Endpunkten des
Bogens, gezogenen Tangenten, insoweit sie zwischen diesen Punkten und
ihrem Durchschnittspunkt enthalten sind, giebt keine direkte
Gleichung.  Die Übertragung jener archimedischen Grundbestimmung in
die moderne analytische Form ist die Erfindung eines Ausdrucks, der
für sich eine einfache Grundgleichung sey, während jene Form nur die
Forderung aufstellt, zwischen einem zu Großen und zu Kleinen, die
sich jedesmal bestimmt haben, ins Unendliche fortzugehen, welches
Fortgehen wieder immer nur ein neues zu Großes und ein neues zu
Kleines jedoch in immer engern Grenzen giebt.  Vermittelst des
Formalismus des Unendlichkleinen wird sogleich die Gleichung dz[hoch
2] = dx[hoch 2] + dy[hoch 2] angesetzt.  Die lagrangesche Exposition
ausgehend von der angegebenen Grundlage zeigt hingegen auf, daß die
Größe des Bogens die ursprüngliche Funktion ist zu einer abgeleiteten,
von der das eigenthümliche Glied selbst eine Funktion aus dem
Verhältnisse einer abgeleiteten zu der ursprünglichen der Ordinate
ist.

Weil in dem archimedischen Verfahren, wie dann später in der
kepplerschen Behandlung stereometrischer Gegenstände, die Vorstellung
vom Unendlichkleinen vorkommt, so ist dieß so oft als eine Autorität
für den Gebrauch, der von dieser Vorstellung in dem
Differentialkalkul gemacht wird, angeführt worden, ohne daß das
Eigenthümliche und Unterscheidende herausgehoben worden wäre.  Das
Unendlichkleine bedeutet zunächst die Negation des Quantums als eines
solchen, d. i. eines sogenannten endlichen Ausdrucks, der vollendeten
Bestimmtheit, wie sie das Quantum als solches hat.  Ebenso ist in den
darauf folgenden berühmten Methoden des Valerius, Cavalleri u. a.,
die sich auf die Betrachtung der Verhältnisse geometrischer
Gegenstände gründen, die Grundbestimmung, daß das Quantum als solches
der Bestimmungen, welche nur im Verhältnisse zunächst betrachtet
werden, für diesen Behuf auf die Seite gestellt und sie hiernach als
ein Nicht-Großes sollen genommen werden.  Aber Theils ist hiermit das
Affirmative überhaupt, welches hinter der bloß negativen Bestimmung
liegt, nicht erkannt und herausgehoben, welches sich oben abstrakt
als die qualitative Größebestimmtheit, und diese bestimmter in dem
Potenzenverhältnisse liegend, sich ergeben hat;--Theils aber, indem
dieß Verhältniß selbst wieder eine Menge näher bestimmter
Verhältnisse in sich begreift, wie das einer Potenz und deren
Entwicklungsfunktion, so haben sie auch wieder auf die allgemeine und
negative Bestimmung desselben Unendlichkleinen gegründet und daraus
abgeleitet werden sollen.  In der eben ausgehobenen lagrangeschen
Exposition ist das bestimmte Affirmative, das in der archimedischen
Entwicklungsweise der Aufgabe liegt, gefunden und damit dem mit einem
unbegrenzten Herausgehen behafteten Verfahren seine richtige Grenze
gegeben worden.  Das Große der modernen Erfindung für sich und ihre
Fähigkeit vorher intraktable Probleme zu lösen, und die früher
lösbaren auf eine einfache Weise zu behandeln, ist allein in die
Entdeckung des Verhältnisses der ursprünglichen zu den sogenannten
abgeleiteten und der Theile, welche an dem mathematischen Ganzen in
solchem Verhältnisse stehen, zu setzen.  Die gemachten Anführungen
mögen für den Zweck genügen, das Eigenthümliche des Verhältnisses von
Größen herauszuheben, welches der Gegenstand der in Rede stehenden
besondern Art des Kalkuls ist.  Diese Anführungen konnten sich auf
einfache Probleme und deren Auflösungsweisen beschränken; und weder
wäre es für die Begriffsbestimmung, um die es hier allein zu thun war,
zweckmäßig gewesen, noch hätte es in dem Vermögen des Verfassers
gestanden, den gesammten Umfang der sogenannten Anwendung der
Differential- und Integralrechnung vorzunehmen und die Induktion, daß
das aufgezeigte Princip derselben zu Grunde liege, durch die
Zurückführung aller ihrer Probleme und deren Lösungen darauf, zu
vervollständigen.  Das Beigebrachte hat aber hinreichend gezeigt, daß
wie jede besondere Rechnungsweise eine besondere Bestimmtheit oder
Verhältniß der Größe zu ihrem Gegenstande hat, und ein solches das
Addiren, Multipliciren, das Erheben in Potenzen und Ausziehen der
Wurzeln, die Rechnung mit Logarithmen, Reihen u.s.f., konstituirt,
ebenso der Differential- und Integralkalkul; für das diesem Kalkul
Angehörige möchte der Name des Verhältnisses einer Potenzenfunktion
und der Funktion ihrer Entwicklung oder Potenzirung der passendste
seyn, weil er der Einsicht der Natur der Sache am nächsten liegt.
Nur wie die Operationen nach den andern Größenverhältnissen, wie
Addiren u.s.f. bei diesem Kalkul überhaupt gleichfalls gebraucht
werden, werden auch die Logarithmen--Kreisund Reihen-Verhältnisse
angewendet, insbesondere um Ausdrücke zum Behuf der erforderlichen
Operationen des Ableitens der ursprünglichen aus den
Entwicklungsfunktionen traktabler zu machen.  Mit der Reiheform hat
die Differential- und Integralrechnung wohl das nähere Interesse
geineinschaftlich, die Entwicklungsfunktionen, welche bei den Reihen
die Koefficienten der Glieder heissen, zu bestimmen; aber indem das
Interesse jenes Kalkuls nur auf das Verhältniß der ursprünglichen
Funktion zu dem nächsten Koefficienten ihrer Entwicklung geht, will
die Reihe in der nach Potenzen, die mit jenen Koefficienten versehen
sind, geordneten Menge von Gliedern eine Summe darstellen.  Das
Unendliche, das bei der unendlichen Reihe vorkommt, der unbestimmte
Ausdruck des Negativen des Quantums überhaupt, hat mit der
affirmativen Bestimmung, welche im Unendlichen jenes Kalkuls liegt,
nichts gemein.  Ebenso ist das Unendlichkleine, als der Zuwachs,
vermittelst dessen die Entwicklung in die Form der Reihe fällt, nur
ein äußeres Mittel für die Entwickelung, und seine sogenannte
Unendlichkeit ohne alle andere Bedeutung, als die, sonst gar keine zu
haben, als die jenes Mittels; die Reihe, da sie in der That es nicht
ist, die verlangt wird, führt ein Zuviel herbei, welches wieder
wegzubringen, die überflüssige Mühe macht.  Von dieser Mühe ist die
Methode Lagrange's, der die Form der Reihe vorzugsweise wieder
aufgenommen hat, gleichfalls gedrückt; obgleich sie es ist, durch
welche in dem, was die Anwendung genannt wird, die wahre
Eigenthümlichkeit sich heraushebt, indem ohne die Formen von dx, dy u.
s.f. in die Gegenstände hinein zu zwängen, direkt derjenige Theil
nachgewiesen wird, dem an ihnen die Bestimmtheit der abgeleiteten (-
Entwickelungs--) Funktion zukommt, und es sich damit zeigt, daß die
Form der Reihe hier nicht das ist, um das es sich handelt.In der
obenangeführten Kritik (Jahrb. für wissensch.  Krit.  II. B. 1827. Nr.
155. 6. folg.) finden sich interessante Äußerungen eines gründlichen
Gelehrten des Faches, Um.  Spehr's, aus seinen neuen Principien des
Fluentenkalkuls, Braunschw. 1826. angeführt, die nämlich einen
Umstand betreffen, der wesentlich zu den Dunkelheiten und dem
Unwissenschaftlichen in der Differentialrechnung beitrage, und
stimmen mit dem überein, was über das allgemeine Verhältniß der
Theorie dieses Kalkuls gesagt worden ist: "man hat" heißt es daselbst,
"rein arithmetische Untersuchungen, welche freilich von allen
ähnlichen zunächst auf die Differentialrechnung Bezug haben, nicht
von der eigentlichen Diff.-Rechnung gesondert, ja diese
Untersuchungen wohl gar, wie Lagrange, für die Sache selbst gehalten,
während man diese nur als Anwendung jener ansah.  Diese
arithmetischen Untersuchungen begreifen die Regeln der Differentation,
die Ableitung des taylorschen Lehrsatzes u.s.w. ja selbst die
verschiedenen Integrationsmethoden in sich.  Es ist ganz umgekehrt
der Fall, jene Anwendungen sind es gerade, welche den Gegenstand der
eigentlichen Differential-Rechnung ausmachen, und alle jene
arithmetischen Entwicklungen und Operationen setzt sie aus der
Analysis voraus."--Es ist aufgezeigt worden, wie bei Lagrange die
Trennung der sogenannten Anwendung von dem Verfahren des allgemeinen
Theils, das von den Reihen ausgeht, eben dazu dient, die
eigenthümliche Sache der Differ.-Rechnung für sich zum Vorschein zu
bringen.  Aber bei der interessanten Einsicht des Hrn.  Vfs., daß
eben die sogenannten Anwendungen es sind, welche den Gegenstand der
eigentlichen Differ.-Rechnung ausmachen, ist es zu verwundern, wie
derselbe sich in die (ebendas. angeführte) formelle Metaphysik von
kontinuirlicher Größe, Werden, Fließen u.s.f. hat einlassen und
solchen Ballast noch mit neuem gar hat vermehren wollen; formell sind
diese Bestimmungen, indem sie nur allgemeine Kategorien sind, welche
eben das Specifische der Sache nicht angeben, die aus den konkreten
Lehren, den Anwendungen, zu erkennen und zu abstrahiren war.

Anmerkung 3.  Noch andere mit der qualitativen Größenbestimmtheit
zusammenhängende Formen.

Das Unendlichkleine der Differentialrechnung ist in seinem
affirmativen Sinn als die qualitative Größenbestimmtheit, und von
dieser näher aufgezeigt worden, daß sie in diesem Kalkul als
Potenzenbestimmtheit nicht nur überhaupt, sondern als die besondere
des Verhältnisses einer Potenzenfunktion zu der Entwicklungspotenz
vorhanden ist.  Die qualitative Bestimmtheit ist aber auch noch in
weiterer, so zu sagen, schwächerer Form vorhanden, und diese, wie
auch der damit zusammenhängende Gebrauch des Unendlichkleinen und
dessen Sinn in diesem Gebrauche, soll noch in dieser Anmerkung
betrachtet werden.

Es ist, indem wir vom Vorhergehenden ausgehen, in dieser Rücksicht
zuerst daran zu erinnern, daß die unterschiedenen
Potenzenbestimmungen von der analytischen Seite zunächst so
hervortreten, daß sie nur formell, und ganz homogen darin sind, daß
sie Zahlengrößen bedeuten, die als solche jene qualitative
Verschiedenheit gegeneinander nicht haben.  Aber in der Anwendung auf
räumliche Gegenstände zeigt sich das analytische Verhältniß ganz in
seiner qualitativen Bestimmtheit, als das Übergehen von linearen zu
Flächenbestimmungen, von geradlinigten zu krummlinigten u.s.f.  Diese
Anwendung bringt es ferner mit sich, daß die räumlichen ihrer Natur
nach in Form von kontinuirlichen Größen gegebenen Gegenstände in
diskreter Weise gefaßt werden, die Fläche also als eine Menge von
Linien, die Linie als eine Menge von Punkten u.s.f.  Diese Auflösung
hat das einzige Interesse, die Punkte, in welche die Linie, die
Linien, in welche die Fläche u.s.f. aufgelöst ist, selbst zu
bestimmen, um von solcher Bestimmung aus analytisch, d. h. eigentlich
arithmetisch fortgehen zu können; diese Ausgangspunkte sind für die
zu findenden Größebestimmungen die Elemente, aus welchen die Funktion
und Gleichung für das Konkrete, die kontinuirliche Größe, abgeleitet
werden soll.  Für die Probleme, wo sich nornehmlich das Interesse
zeigt, dieß Verfahren zu gebrauchen, wird im Elemente für den Ausgang
ein für sich selbst Bestimmtes verlangt, gegen den Gang, der indirekt
ist, indem er im Gegentheil nur mit Grenzen beginnen kann, zwischen
welchen das Fürsichbestimmte liege, auf das als sein Ziel er losgehe.
Das Resultat läuft in beiden Methoden dann auf dasselbe hinaus, wenn
sich nur das Gesetz des weitern Fortbestimmens finden läßt, ohne die
geforderte vollkommene d. h. sogenannte endliche Bestimmung erlangen
zu können.  Kepplern wird die Ehre zugeschrieben, zuerst den Gedanken
jener Umkehrung des Ganges gehabt und das Diskrete zum Ausgangspunkte
gemacht zu haben.  Seine Erklärung, wie er den ersten Satz in
Archimed's Kreismessung verstehe, drückt dieß auf eine einfache Weise
aus.  Der erste Satz Archimed's ist bekanntlich, daß der Kreis einem
rechtwinklichten Dreieck gleich ist, dessen eine Kathete dem
Halbmesser, die andere dem Umfange des Kreises gleich ist.  Indem
Keppler den Sinn dieses Satzes so nimmt, daß die Peripherie des
Kreises ebenso viele Theile als Punkte, d. i. unendlich viele habe,
deren jeder als die Grundlinie eines gleichschenklichten Dreiecks
betrachtet werden könne, u.s.f., so spricht er die Auflösung des
Kontinuirlichen in die Form des Diskreten aus.  Der Ausdruck des
Unendlichen, der hierbei vorkommt, ist noch weit entfernt von der
Bestimmung, die er in dem Differentialkalkul haben soll.--Wenn nun
für solche diskrete eine Bestimmtheit, Funktion gefunden ist, so
sollen sie ferner zusammengefaßt werden, wesentlich als Elemente des
Kontinuirlichen seyn.  Da aber eine Summe von Punkten keine Linie,
eine Summe von Linien keine Fläche giebt, werden die Punkte schon
sogleich als lineare genommen, wie die Linien als flächenhafte.  Weil
jedoch zugleich jene Lineare noch keine Linien seyn sollen, was sie
seyn würden, wenn sie als Quantum genommen würden, so werden sie als
unendlich klein vorgestellt.  Das Diskrete ist nur eines äußerlichen
Zusammenfassens fähig, in welchem die Momente den Sinn von diskretem
Eins behalten; der analytische Übergang von denselben geschieht nur
zu ihrer Summe, er ist nicht zugleich der geometrische von dem Punkte
in die Linie, oder von der Linie in die Fläche u.s.f.; dem Elemente,
das als Punkt oder als Linie seine Bestimmung hat, wird daher
zugleich auch mit jenem die lineare, dieser die Flächenqualität
gegeben, damit die Summe als von kleinen Linien eine Linie, als von
kleinen Flächen eine Fläche werde.

Das Bedürfniß, dieß Moment des qualitativen Übergangs zu erhalten und
dafür zu dem Unendlich-kleinen die Zuflucht zu nehmen, muß als die
Quelle aller der Vorstellungen angesehen werden, welche, indem sie
jene Schwierigkeit ausgleichen sollen, an ihnen selbst die größte
Schwierigkeit sind.  Diese Nothhülfe entbehrlich zu machen, müßte
gezeigt werden können, daß in dem analytischen Verfahren selbst,
welches als ein bloßes Summiren erscheint, in der That schon ein
Multipliciren enthalten ist.  Aber in dieser Rücksicht tritt eine
neue Annahme, welche die Grundlage in dieser Anwendung arithmetischer
Verhältnisse auf geometrische Figurationen ausmacht, ein, nämlich daß
das arithmetische Multipliciren auch für die geometrische Bestimmung
ein Übergang in eine höhere Dimension,--die arithmetische
Multiplikation von Größen, die ihrer räumlichen Bestimmungen nach
Linien sind, zugleich eine Produktion des Linearen zur
Flächenbestimmung sey; 3mal 4 lineare Fuße giebt 12 lineare Fuße,
aber 3 lineare Fuße, mal 4 linearen Fußen giebt 12 Flächenfuße und
zwar Quadratfuße, indem die Einheit in beiden als diskreten Größen
dieselbe ist.  Die Multiplikation von Linien mit Linien bietet sich
zunächst als etwas Widersinniges dar, insofern die Multiplikation
überhaupt Zahlen betrifft, d. i. eine Veränderung von solchen ist,
welche mit dem, in das sie übergehen, mit dem Produkte ganz homogen
sind, und nur die Größe verändern.  Dagegen ist das, was
Multipliciren der Linie als solcher mit Linie hieße,--es ist, ductus
lineae in lineam, wie plani in planum genannt worden, es ist auch
ductus puncti in lineam--eine Veränderung nicht bloß der Größe,
sondern ihrer als qualitativer Bestimmung der Räumlichkeit, als einer
Dimension; das Übergehen der Linie in Fläche ist als Außersichkommen
derselben zu fassen, wie das Außersichkommen des Punktes die Linie,
der Fläche ein ganzer Raum ist.  Es ist dieß dasselbe, was so
vorgestellt wird, daß die Bewegung des Punktes die Linie u.s.f. sey;
aber die Bewegung schließt die Zeitbestimmung ein, und erscheint so
in jener Vorstellung mehr nur als eine zufällige, äußerliche
Veränderung des Zustands; es ist aber die Begriffsbestimmtheit, die
als Außersichkommen ausgedrückt worden, zu nehmen,--die qualitative
Veränderung, und welche arithmetisch ein Multipliciren, der Einheit
(als des Punktes u.s.f.) in die Anzahl (in die Linie u.s.f.) ist.--Es
kann hiezu noch bemerkt werden, daß bei dem Außersichkommen der
Fläche, was als ein Multipliciren von Fläche in Fläche erscheinen
würde, sich der Schein eines Unterschiedes des arithmetischen und
geometrischen Producirens so ergiebt, daß das Außersichkommen der
Fläche, als ductus plani in planum arithmetisch eine Multiplikation
der zweiten Dimensionsbestimmung mit solcher, hiermit ein Product von
vier Dimensionen gäbe, das aber durch die geometrische Bestimmung auf
drei herabgesetzt wird.  Wenn auf der einen Seite die Zahl darum,
weil sie das Eins zu ihrem Princip hat, die feste Bestimmung für das
äußerliche Quantitative giebt, so sehr ist ihr Produciren formell; 3.
3 als Zahlbestimmung genommen sich selbst producirend ist 3. 3. 3. 3;
aber dieselbe Größe als Flächenbestimmung sich producirend wird bei 3.
3. 3 zurückgehalten, weil der Raum als ein Hinausgehen vom Punkte,
der nur abstrakten Grenze, aus vorgestellt, seine wahrhafte Grenze,
als konkrete Bestimmtheit von der Linie aus in der dritten Dimension
hat.  Der angeführte Unterschied könnte sich in Rücksicht der freien
Bewegung, worin die eine die räumliche Seite, unter der geometrischen
Bestimmung (im kepplerischen Gesetze s[hoch 3] : t[hoch 2]), die
andere, die zeitliche Seite unter der arithmetischen steht, von
Wirksamkeit zeigen.

Wie das Qualitative, das hier betrachtet wird, von dem Gegenstande
der vor.  Anm. verschieden ist, kann nun ohne weitere Bemerkung von
selbst erhellen.  In dieser lag das Qualitative in der
Potenzenbestimmtheit; hier ist dasselbe, wie das Unendlichkleine, nur
als Faktor arithmetisch gegen das Produkt, oder als Punkt gegen die
Linie, Linie gegen Fläche u.s.f.  Der qualitative Übergang nun, der
von dem Diskreten, als in welches die kontinuirliche Größe aufgelöst
vorgestellt wird, zu dem Kontinuirlichen zu machen ist, wird als ein
Summiren bewerkstelligt.

Daß aber die angebliche bloße Summation in der That eine
Multiplikation, also den Übergang von der linearen in die
Flächenbestimmung in sich selbst enthält, erscheint am einfachsten in
der Art, wie zum Beispiel gezeigt wird, daß der Flächeninhalt eines
Trapezes gleich sey dem Produkt der Summe der beiden
gegenüberstehenden parallelen Linien in die halbe Höhe.  Diese Höhe
wird nur als die Anzahl von einer Menge diskreter Größen vorgestellt,
welche summirt werden sollen.

Diese Größen sind Linien, die parallel zwischen jenen zwei
begrenzenden Parallelen liegen; es sind deren unendlich viele; denn
sie sollen die Fläche ausmachen, sind aber Linien, welche also um ein
Flächenhaftes zu seyn, zugleich mit der Negation gesetzt werden
müssen.  Um der Schwierigkeit zu entgehen, daß eine Summe von Linien
eine Fläche geben sollte, werden Linien sogleich als Flächen aber
gleichfalls als unendlich dünne angenommen, denn ihre Determination
haben sie allein in dem Linearen der parallelen Grenzen des Trapezes.
Als parallel und durch das andre Paar der geradlinigten Seiten des
Trapezes begrenzt, können sie als die Glieder einer arithmetischen
Progression vorgestellt werden, deren Differenz dieselbe überhaupt
ist, aber nicht bestimmt zu werden braucht, und deren erstes und
letztes Glied jene beiden Parallelen sind; die Summe solcher Reihe
ist bekanntlich das Produkt jener Parallelen in die halbe Anzahl der
Glieder.  Dieß letzte Quantum ist nur ganz relativ auf die
Vorstellung von den unendlich vielen Linien Anzahl genannt; es ist
die Größebestimmtheit überhaupt eines Kontinuirlichen,--der Höhe.  Es
ist deutlich, daß was Summe heißt, zugleich ein ductus lineae in
lineam, Multipliciren von Linearem mit Linearem, nach obiger
Bestimmung ein Hervorgehen von Flächenhaftem ist.  In dem einfachsten
Falle nun eines Rektangels überhaupt a b ist jeder der beiden
Faktoren eine einfache Größe, aber schon in dem weitern selbst
elementarischen Beispiele vom Trapez ist nur der eine Faktor das
Einfache der halben Höhe, der andere dagegen wird durch eine
Progression bestimmt; er ist gleichfalls ein Lineares, dessen
Größebestimmtheit aber verwickelter ist; insofern sie nur durch eine
Reihe ausgedrückt werden kann, so heißt analytisch, d. h.
arithmetisch das Interesse, sie zu summiren; das geometrische Moment
darin aber ist die Multiplikation, das Qualitative des Übergangs aus
der Dimension der Linie in die Fläche; der eine Faktor ist diskret
nur für die arithmetische Bestimmung des andern genommen worden, und
ist für sich, wie dieser, die Größe eines Linearen.

Das Verfahren, Flächen als Summen von Linien vorzustellen, wird aber
auch häufig gebraucht, wo nicht eine Multiplikation als solche zu
Behufe des Resultates Statt hat.  Dieß geschieht, wo es nicht darum
zu thun ist, die Größe in der Gleichung als Quantum anzugeben,
sondern in einer Proportion.  Es ist z.B. eine bekannte Art zu
zeigen, daß eine Kreisfläche sich zur Fläche einer Ellipse, deren
große Achse der Diameter jenes Kreises ist, verhalte wie die große
zur kleinen Achse, indem jede dieser Flächen als die Summe der ihr
zugehörigen Ordinaten genommen wird; jede Ordinate der Ellipse
verhält sich zu der entsprechenden des Kreises wie die kleine zur
großen Achse, also wird geschlossen, verhalten auch die Summen der
Ordinaten d. i. die Flächen ebenso.  Diejenigen, welche dabei die
Vorstellung der Fläche als eine Summe von Linien vermeiden wollen,
machen die Ordinaten mit der gewöhnlichen ganz überflüssigen Aushülfe
zu Trapezen von unendlich kleiner Breite; da die Gleichung nur eine
Proportion ist, kommt nur das Eine der zwei linearen Elemente der
Fläche in Vergleichung.  Das andere, die Abscissenachse, ist in
Ellipse und Kreis als gleich, als Faktor arithmetischer
Größebestimmung also gleich = 1 angenommen, und die Proportion daher
ganz nur von dem Verhältniß des einen bestimmenden Moments abhängig.
Zur Vorstellung der Fläche sind die zwei Dimensionen nothwendig; aber
die Größebestimmung, wie sie in jener Proportion angegeben werden
soll, geht nur auf das eine Moment allein; der Vorstellung damit
nachgeben oder aufhelfen, daß die Vorstellung von Summe zu diesem
einen Momente hinzugefügt wird, ist eigentlich eine Verkennung dessen,
worauf es hier für die mathematische Bestimmtheit ankömmt.

Was hier auseinandergesetzt worden, enthält auch das Kriterium für
die früher erwähnte Methode der Untheilbaren des Cavalleri, die damit
ebenso gerechtfertigt ist, und der Zuflucht zu dem Unendlichkleinen
nicht bedarf.  Diese Untheilbaren sind Linien, indem er eine Fläche,
oder Quadrate, Kreisflächen, indem er eine Pyramide oder Konus u.s.f.
betrachtet; die als bestimmt angenommene Grundlinie, Grundfläche
nennt er die Regel; es ist die Konstante, in Beziehung auf eine Reihe
das erste oder letzte Glied derselben; mit ihr werden jene
Untheilbaren parallel, also in gleicher Bestimmung in Rücksicht der
Figur betrachtet, Der allgemeine Grundsatz Cavalleri's ist nun,
(Exerc.  Geometr.  VI.--das spätere Werk-Exerc.  I. p. 6.), daß alle
sowohl ebene, als körperliche Figuren im Verhältnisse aller ihrer
Indivisibilien sind, diese kollektive und wenn etwa ein
gemeinschaftliches Verhältniß in solchen Statt findet, distributive
mit einander verglichen."--Er vergleicht zu diesem Behufe in den
Figuren von gleicher Grundlinie und Höhe gemacht, die Verhältnisse
von den Linien, die parallel mit jener und in gleicher Entfernung mit
ihr gezogen werden; alle solche Linien einer Figur haben eine und
dieselbe Bestimmung, und machen deren ganzen Inhalt aus.  Auf solche
Weise beweist Cavalleri z.B. auch den elementarischen Satz, daß
Parallelogramme von gleicher Höhe im Verhältnisse ihrer Grundlinie
sind; jede zwei Linien, in gleicher Entfernung von der Grundlinie und
mit ihr parallel, in beiden Figuren gezogen, sind in demselben
Verhältnisse der Grundlinien, also die ganzen Figuren.  In der That
machen die Linien nicht den Inhalt der Figur als kontinuirlicher aus,
aber den Inhalt, insofern er arithmetisch bestimmt werden soll; das
Lineare ist sein Element, durch welches allein die Bestimmtheit
desselben gefaßt werden muß.

Wir werden hierbei darauf geführt, auf den Unterschied zu reflektiren,
der in Ansehung dessen Statt findet, worein die Bestimmtheit einer
Figur fällt, nämlich entweder ist sie beschaffen, wie hier die Höhe
der Figur, oder ist sie äußere Grenze.  Insofern sie als äußere
Grenze ist, giebt man zu, daß der Gleichheit oder dem Verhältnisse
der Grenze die Kontinuität der Figur so zu sagen folgt; z.B. die
Gleichheit der Figuren, die sich decken, beruht darauf, daß die
begrenzenden Linien sich decken.  Bei Parallelogrammen aber von
gleicher Höhe und Grundlinie ist nur die letztere Bestimmtheit eine
äußere Grenze; die Höhe, nicht die Paralleleität überhaupt, auf
welcher die zweite Hauptbestimmung der Figuren, ihr Verhältniß,
beruht, führt ein zweites Princip der Bestimmung zu den äußern
Grenzen herbei.  Der euklidische Beweis von der Gleichheit der
Parallelogramme, die gleiche Höhe und Grundlinie haben, führt sie auf
Dreiecke zurück, auf äußerlich begrenzte Kontinuirliche; in
Cavalleri's Beweis, zunächst über die Proportionalität von
Parallelogrammen, ist die Grenze Größebestimmtheit als solche
überhaupt, welche als an jedem Paare von Linien, die mit gleichem
Abstand in beiden Figuren gezogen werden, genommen, explicirt wird,
Diese gleichen oder in gleichem Verhältniß mit der Grundlinie
stehenden Linien, kollektiv genommen, geben die in gleichem
Verhältnisse stehenden Figuren.  Die Vorstellung eines Aggregats von
Linien geht gegen die Kontinuität der Figur; allein die Betrachtung
der Linien erschöpft die Bestimmtheit, auf welche es ankommt,
vollkommen Cavalleri giebt häufige Antwort auf die Schwierigkeit, als
ob die Vorstellung von den Untheilbaren es mit sich führe, daß der
Anzahl nach unendliche Linien oder Ebenen verglichen werden sollen,
(Geom.  Lib.  II. Prop. 1. Schol.); er macht den richtigen
Unterschied, daß er nicht die Anzahl derselben, welche wir nicht
kennen,--d. i. vielmehr die, wie bemerkt worden, eine zu Hülfe
genommene leere Vorstellung ist,--sondern nur die Größe, d. i. die
quantitative Bestimmtheit als solche, welche dem von diesen Linien
eingenommenen Raume gleich ist, vergleiche; weil dieser in Grenzen
eingeschlossen ist, ist auch jene seine Größe in dieselben Grenzen
eingeschlossen; das Kontinuirliche ist nichts anderes, als die
Untheilbaren selbst, sagt er; wäre es etwas außer diesen, so wäre es
nicht vergleichbar; es würde aber ungereimt seyn, zu sagen, begrenzte
Kontinuirliche seyen nicht miteinander vergleichbar.

Man sieht, daß Cavalleri dasjenige, was zur äußerlichen Existenz des
Kontinuirlichen gehört, von demjenigen unterscheiden will, worin
dessen Bestimmtheit fällt und das für die Vergleichung und zum Behufe
von Theoremen über dasselbe allein herauszuheben ist.  Die Kategorien,
die er dabei gebraucht, daß das Kontinuirliche aus den Untheilbaren
zusammengesetzt sey oder bestehe und dergleichen, sind freilich nicht
genügend, weil dabei die Anschauung des Kontinuirlichen oder, wie
vorhin gesagt, dessen äußerliche Existenz, zugleich in Anspruch
genommen wird; statt zu sagen, "daß das Kontinuirliche nichts anderes
ist, als die Untheilbaren selbst," würde es richtiger und damit auch
sogleich für sich klar heißen, daß die Größebestimmtheit des
Kontinuirlichen keine andere ist, als die der Untheilbaren selbst.
--Cavalleri macht sich nichts aus der schlechten Folgerung, daß es
größere und kleinere Unendliche gebe, welche aus der Vorstellung, daß
die Untheilbaren das Kontinuirliche ausmachen, von der Schule gezogen
werde, und drückt weiterhin (Geom.  Lib.  VII. Praef.) das
bestimmtere Bewußtseyn aus, daß er durch seine Beweisart keineswegs
zur Vorstellung der Zusammensetzung des Kontinuirlichen aus dem
Untheilbaren genöthigt sey; die Kontinuirlichen folgen nur der
Proportion der Untheilbaren.  Er habe die Aggregate der Untheilbaren
nicht so genommen, wie sie in die Bestimmung der Unendlichkeit, um
einer unendlichen Menge von Linien oder Ebenen willen, zu verfallen
scheinen, sondern insofern sie eine bestimmte Beschaffenheit und
Natur der Begrenztheit an ihnen haben.  Um denn aber doch diesen
Stein des Anstoßes zu entfernen, läßt er sich die Mühe nicht
verdrießen, noch in dem eigens dafür hinzugefügten siebenten Buche,
die Hauptsätze seiner Geometrie auf eine Art zu beweisen, welche von
der Einmischung der Unendlichkeit frei bleibe.--Diese Manier reducirt
die Beweise auf die vorhin angeführte, gewöhnliche Form des Deckens
der Figuren, d. i. wie bemerkt worden, der Vorstellung der
Bestimmtheit als äußerer Raumgrenze.

Über diese Form des Deckens kann zunächst noch diese Bemerkung
gemacht werden, daß sie überhaupt eine so zu sagen kindliche Hülfe
für die sinnliche Anschauung ist.  In den elementarischen Sätzen über
die Dreiecke werden zwei solche neben einander vorgestellt, und indem
von ihren je sechs Stücken gewisse drei als gleich groß mit den
entsprechenden drei des andern Dreiecks angenommen werden, so wird
gezeigt, daß solche Dreiecke einander kongruent seyen, d. i. jedes
auch die übrigen drei Stücke gleich groß mit denen des andern habe,
--weil sie vermöge der Gleichheit nach jenen drei ersten einander
decken.  Die Sache abstrakter gefaßt, so ist eben um dieser
Gleichheit jeden Paars der in beiden einander entsprechenden Stücke,
nur Ein Dreieck vorhanden; in diesem sind drei Stücke als bereits
bestimmt angenommen, woraus denn die Bestimmtheit auch der drei
übrigen Stücke folgt.  Die Bestimmtheit wird auf diese Weise als in
drei Stücken vollendet aufgezeigt; für die Bestimmtheit als solche
sind somit die drei übrigen Stücke ein Überfluß, der Überfluß der
sinnlichen Existenz, d. i. der Anschauung der Kontinuität.  In
solcher Form ausgesprochen, tritt hier die qualitative Bestimmtheit
im Unterschiede von dem hervor, was in der Anschauung vorliegt, dem
Ganzen als einem in sich kontinuirlichen; das Decken läßt diesen
Unterschied nicht zum Bewußtseyn kommen.

Mit den Parallellinien und bei den Parallelogrammen tritt, wie
bemerkt worden, ein neuer Umstand, Theils die Gleichheit nur der
Winkel Theils die Höhe der Figuren ein, von welcher letztern deren
äußere Grenzen, die Seiten der Parallelogramme, unterschieden sind.
Hierbei kommt die Zweideutigkeit zum Vorschein, inwiefern bei diesen
Figuren außer der Bestimmtheit der einen Seite, der Grundlinie,
welche als äußere Grenze ist, für die andere Bestimmtheit, die andere
äußere Grenze, nämlich die andere Seite des Parallelogramms, oder
aber die Höhe zu nehmen ist.  Bei zwei solchen Figuren von einerlei
Grundlinie und Höhe, wovon das eine rechtwinklich ist, das andere
sehr spitze, damit zu den gegenüberstehenden sehr stumpfe Winkel hat,
kann der Anschauung letzteres leicht größer scheinen, als das erstere,
insofern sie die vorliegende große Seite desselben als bestimmend
nimmt, und nach der Vorstellungsweise Cavalleri's die Ebenen nach
einer Menge von parallelen Linien, durch welche sie durchschnitten
werden können, vergleicht; die größere Seite könnte als eine
Möglichkeit von mehrern Linien, als die senkrechte Seite des
Rechtecks giebt, angesehen werden.  Solche Vorstellung giebtjedoch
keinen Einwurf gegen Cavalleri's Methode an die Hand; denn die in
beiden Parallelogrammen für die Vergleichung vorgestellte Menge von
parallelen Linien setzt die Gleichheit ihrer Entfernung von einander
oder von der Grundlinie zugleich voraus, woraus folgt, daß die Höhe,
und nicht die andere Seite des Parallelogramms, das andere
bestimmende Moment ist.  Dieß ändert sich aber ferner, wenn zwei
Parallelogramme mit einander verglichen werden, die von gleicher Höhe
und Grundlinie sind, aber nicht in Einer Ebene liegen, und zu einer
dritten Ebene verschiedene Winkel machen; hier sind die parallelen
Durchschnitte, die entstehen, wenn man sich die dritte Ebene durch
sie gelegt und sich parallel mit sich fortbewegend vorstellt, nicht
mehr gleich weit von einander entfernt, und jene zwei Ebenen sind
einander ungleich.  Cavalleri macht sehr sorgfältig auf diesen
Unterschied, den er als einen Unterschied von transitus rectus und
transitus obliquus der Untheilbaren bestimmt, (gleich in Exercit.  I.
n.  XII. ff. wie schon in der Geometr.  I. II.) auf merksam, und
schneidet damit oberflächlichen Mißverstand ab, der nach dieser Seite
entstehen könnte.  Ich erinnere mich, daß Barrow in seinem
obenangeführten Werke (Lect.  Geom.  II. p. 21), indem er die Methode
der Untheilbaren gleichfalls gebraucht, jedoch sie bereits mit der
von ihm aus auf seinen Schüler Newton und die sonstigen
mathematischen Zeitgenossen, darunter auch Leibnitz, übergegangenen
Annahme der Gleichsetzbarkeit eines krummlinigten Dreiecks, wie das
sogenannte charakteristische ist, mit einem geradlinigten, insofern
beide unendlich d. h. sehr klein seyen, versetzt und verunreinigt hat,
--einen eben dahin gehenden Einwurf Tacquet's, eines damaligen in
neuen Methoden gleichfalls thätigen, scharfsinnigen Geometers,
anführte.  Die von diesem gemachte Schwierigkeit bezieht sich
ebenfalls darauf, welche Linie und zwar bei Berechnung konischer und
sphärischer Oberflächen als Grundmoment der Bestimmung für die auf
Anwendung des Diskreten gestützte Betrachtung genommen werden solle.
Tacquet wende gegen die Methode der Untheilbaren ein, daß wenn die
Oberfläche eines rechtwinklichten Kegels berechnet werden solle, so
werde nach jener atomistischen Methode das Dreieck des Kegels als
zusammengesetzt aus den geraden, mit der Grundlinie parallelen auf
die Achse senkrechten Linien vorgestellt, welche zugleich die Radien
der Kreise sind, aus denen die Oberfläche des Kegels bestehe.  Wenn
nun diese Oberfläche als Summe der Peripherien, und diese Summe aus
der Anzahl ihrer Radien, d. i. der Größe der Achse, der Höhe des
Kegels, bestimmt werde, so sey solches Resultat mit der sonst von
Archimed gelehrten und bewiesenen Wahrheit im Widerspruch.  Barrow
zeigt nun dagegen, daß für die Bestimmung der Oberfläche nicht die
Achse, sondern die Seite des Dreiecks des Kegels als diejenige Linie
genommen werden müsse, deren Umdrehung die Oberfläche erzeuge, und
welche daher, und nicht die Achse, als die Größebestimmtheit für die
Menge der Peripherien angenommen werden müsse.

Dergleichen Einwürfe oder Unsicherheiten haben ihre Quelle allein in
der gebrauchten unbestimmten Vorstellung der unendlichen Menge von
Punkten, aus denen die Linie, oder von Linien, aus denen die Fläche u.
s.f. bestehend angesehen wird; durch diese Vorstellung wird die
wesentliche Größebestimmtheit der Linien oder Flächen in Schatten
gestellt.--Es ist die Absicht dieser Anmerkungen gewesen, die
affirmativen Bestimmungen, die bei dem verschiedenen Gebrauch, der
von dem Unendlich-kleinen in der Mathematik gemacht wird, so zu sagen
im Hintergrunde bleiben, aufzuweisen und sie aus der Nebulosität
hervorzuheben, in welche sie durch jene bloß negativ gehaltene
Kategorie gehüllt werden.  Bei der unendlichen Reihe, wie in der
archimedischen Kreismessung bedeutet das Unendliche nichts weiter,
als daß das Gesetz der Fortbestimmung bekannt ist, aber der
sogenannte endliche Ausdruck, d. i. der arithmetische, nicht gegeben,
die Zurückführung des Bogens auf die gerade Linie nicht
bewerkstelligt werden kann; diese Inkommensurabilität ist die
qualitative Verschiedenheit derselben.  Die qualitative
Verschiedenheit des Diskreten mit dem Kontinuirlichen überhaupt,
enthält gleichfalls eine negative Bestimmung, welche sie als
inkommensurabel erscheinen läßt, und das Unendliche herbeiführt, in
dem Sinne, daß das als diskret zu nehmende Kontinuirliche nun kein
Quantum nach seiner kontinuirlichen Bestimmtheit mehr haben soll.
Das Kontinuirliche, das arithmetisch als Produkt zu nehmen ist, ist
damit diskret an ihm selbst gesetzt, nämlich in die Elemente, die
seine Faktoren sind, zerlegt; in diesen liegt seine Größebestimmtheit;
sie sind als ebendamit, daß sie diese Faktoren oder Elemente sind,
von einer niedrigern Dimension, und insofern die Potenzenbestimmtheit
eintritt, von einer niedrigern Potenz als die Größe, deren Elemente
oder Faktoren sie sind.  Arithmetisch erscheint dieser Unterschied
als ein bloß quantitativer, der Wurzel und der Potenz oder welcher
Potenzenbestimmtheit es sey; jedoch wenn der Ausdruck nur auf das
Quantitative als solches geht, z.B. a : a[hoch 2] oder d.a[hoch 2]
= 2a : a[hoch 2] = 2 : a, oder für das Gesetz des Falles, t : at[hoch
2] so giebt er die nichtssagenden Verhältnisse von 1 : a, 2 : a, 1:
at; die Seiten müßten gegen ihre bloß quantitative Bestimmung durch
die unterschiedene qualitative Bedeutung auseinander gehalten werden,
wie s : at[hoch]2; wodurch die Größe als eine Qualität ausgesprochen
wird, als Funktion der Größe einer andern Qualität.  Hierbei steht
dann bloß die quantitative Bestimmtheit vor dem Bewußtseyn, mit der
nach ihrer Art ohne Schwierigkeit operirt wird, und man kann kein
Arges daran haben, die Größe einer Linie mit der Größe einer andern
Linie zu multipliciren; aber die Multiplikation dieser selben Größen
giebt zugleich die qualitative Veränderung des Überganges von Linie
in Fläche; insofern tritt eine negative Bestimmung ein; sie ist es,
welche die Schwierigkeit veranlaßt, die durch die Einsicht in ihre
Eigenthümlichkeit und in die einfache Natur der Sache gelöst, aber
durch die Hilfe des Unendlichen, wodurch sie beseitigt werden soll,
vielmehr nur in Verworrenheit gesetzt und ganz unaufgelöst erhalten
wird.



Drittes Kapitel.  Das quantitative Verhältniß.


Die Unendlichkeit des Quantums ist dahin bestimmt worden, daß sie das
negative Jenseits desselben ist, das es aber an ihm selbst hat.  Dieß
Jenseits ist das Qualitative überhaupt.  Das unendliche Quantum ist
als die Einheit beider Momente, der quantitativen und der
qualitativen Bestimmtheit, zunächst Verhältniß.

Im Verhältnisse hat das Quantum nicht mehr eine nur gleichgültige
Bestimmtheit, sondern ist qualitativ bestimmt als schlechthin bezogen
auf sein Jenseits.  Es kontinuirt sich in sein Jenseits; dieses ist
zunächst ein anderes Quantum überhaupt.  Aber wesentlich sind sie
nicht als äußerliche Quanta auf einander bezogen, sondern jedes hat
seine Bestimmtheit in dieser Beziehung auf das Andere.  Sie sind so
in diesem ihrem Andersseyn in sich zurückgekehrt; was jedes ist, ist
es in dem Andern; das andere macht die Bestimmtheit eines jeden aus.
--Das Hinausgehen des Quantums über sich hat also jetzt diesen Sinn,
weder daß es sich nur in ein Anderes noch in sein abstraktes Anderes,
in sein negatives Jenseits veränderte, sondern darin zu seiner
Bestimmtheit gelangt ist; es findet sich selbst in seinem Jenseits,
welches ein anderes Quantum ist.  Die Qualität des Quantums, seine
Begriffsbestimmtheit, ist seine Äußerlichkeit überhaupt, und im
Verhältniß ist es nun so gesetzt, in seiner Äußerlichkeit, an einem
andern Quantum, seine Bestimmtheit zu haben, in seinem Jenseits das
zu seyn, was es ist.

Es sind Quanta, welche die Beziehung, die sich ergab, auf einander
haben.  Diese Beziehung ist selbst auch eine Größe; das Quantum ist
nicht nur im Verhältniß, sondern es selbst ist als Verhältniß gesetzt;
es ist ein Quantum überhaupt, das jene qualitative Bestimmtheit
innerhalb seiner hat.  So als Verhältniß drückt es sich als in sich
geschlossene Totalität und seine Gleichgültigkeit gegen die Grenze
aus, dadurch daß es die Äußerlichkeit seines Bestimmtseyns innerhalb
seiner selbst hat, und in ihr nur auf sich bezogen, somit an ihm
selbst unendlich ist.

Das Verhältniß überhaupt ist

1.  das direkte Verhältniß.  In demselben tritt das Qualitative noch
nicht als solches für sich heraus; es ist noch in keiner weitern
Weise, als der des Quantums, daß dieses in seiner Äußerlichkeit
selbst seine Bestimmtheit zu haben gesetzt ist.--Das quantitative
Verhältniß ist an sich der Widerspruch der Äußerlichkeit und der
Beziehung auf sich selbst, des Bestehens der Quantorum und der
Negation derselben;--er hebt sich auf, indem zunächst

2.  im indirekten Verhältnisse, die Negation des einen Quantums als
solche mit in der Veränderung des andern, und die Veränderlichkeit
des direkten Verhältnisses selbst, gesetzt wird;

3.  im Potenzenverhältniß aber macht sich die in ihrem Unterschiede
sich auf sich beziehende Einheit als einfache Selbstproduktion des
Quantums geltend; dieß Qualitative selbst endlich in einfacher
Bestimmung und identisch mit dem Quantum gesetzt, wird das Maaß.

--Über die Natur der folgenden Verhältnisse ist Vieles in den
vorhergehenden Anmerkungen, welche das Unendliche der Quantität, d. i.
das qualitative Moment an derselben, betreffen, anticipirt worden;
es bleibt daher nur der abstrakte Begriff dieser Verhältnisse
auseinander zu setzen.

A.  Das direkte Verhältniß.

1.  Im Verhältnisse, welches als unmittelbar das direkte ist, liegt
die Bestimmtheit des einen Quantums gegenseitig in der Bestimmtheit
des andern.  Es ist nur Eine Bestimmtheit oder Grenze beider, die
selbst Quantum ist, der Exponent des Verhältnisses.

2.  Der Exponent ist irgend ein Quantum, aber in seiner Äußerlichkeit
an ihm selbst sich auf sich beziehendes, qualitativ bestimmtes
Quantum ist er nur, insofern er den Unterschied seiner, sein Jenseits
und Andersseyn an ihm selbst hat.  Dieser Unterschied des Quantums an
ihm selbst aber ist der Unterschied der Einheit und der Anzahl; die
Einheit--das Fürsich-bestimmtseyn; die Anzahl--das gleichgültige Hin-
und Hergehen an der Bestimmtheit, die äußere Gleichgültigkeit des
Quantums.  Einheit und Anzahl waren zuerst die Momente des Quantums;
jetzt im Verhältnisse, dem insofern realisirten Quantum, erscheint
jedes seiner Momente als ein eignes Quantum, und als Bestimmungen
seines Daseyns, als Begrenzungen gegen die sonst nur äußerliche,
gleichgültige Größebestimmtheit.

Der Exponent ist dieser Unterschied als einfache Bestimmtheit d. h.
er hat unmittelbar die Bedeutung beider Bestimmungen an ihm selbst.
Er ist erstens Quantum; so ist er die Anzahl; wenn die eine Seite des
Verhältnisses, welche als Einheit genommen wird, als numerisches Eins
ausgedrückt ist, und sie gilt nur für solches, so ist die andere, die
Anzahl, das Quantum des Exponenten selbst.  Zweitens ist er die
einfache Bestimmtheit als das Qualitative der Seiten des
Verhältnisses; wenn das Quantum der einen bestimmt ist, ist auch das
andere durch den Exponenten bestimmt, und es ist völlig gleichgültig,
wie das erste bestimmt wird; es hat als für sich bestimmtes Quantum
keine Bedeutung mehr, sondern kann ebenso gut jedes Andere seyn, ohne
die Bestimmtheit des Verhältnisses zu ändern, die allein auf dem
Exponenten beruht.  Das eine, welches als Einheit genommen ist,
bleibt, wie groß es werde, immer Einheit, und das andere, wie groß es
ebenso dabei werde, muß dieselbe Anzahl jener Einheit bleiben.

3.  Hiernach machen beide eigentlich nur Ein Quantum aus, das eine hat
gegen das andere, nur den Werth der Einheit, nicht einer Anzahl; das
andre nur den der Anzahl; nach ihrer Begriffsbestimmtheit sind sie
selbst somit nicht vollständige Quanta.  Diese Unvollständigkeit aber
ist eine Negation an ihnen und dieß nicht nach ihrer Veränderlichkeit
überhaupt, nach der das Eine (und jedes ist Eines der beiden) alle
mögliche Größe annehmen kann, sondern nach der Bestimmung, daß wenn
das eine verändert wird, das andere um ebenso viel vermehrt oder
vermindert wird; dieß heißt, wie gezeigt, nur das Eine, die Einheit,
wird als Quantum verändert, die andere Seite, die Anzahl, bleibt
dasselbe Quantum von Einheiten, aber auch jene bleibt ebenso nur als
Einheit geltend, sie werde als Quantum verändert wie sie wolle.  Jede
Seite ist so nur eines der beiden Momente des Quantums, und die
Selbstständigkeit, die zu dessen Eigenthümlichkeit gehört, ist an
sich negirt; in diesem qualitativen Zusammenhange sind sie als
negative gegen einander zu setzen.

Der Exponent soll das vollständige Quantum seyn, indem die Bestimmung
der beiden Seiten in ihm zusammenläuft; er hat aber in der That als
Quotient selbst nur den Werth der Anzahl, oder der Einheit.  Es ist
keine Bestimmung vorhanden, welche der Seiten des Verhältnisses als
die Einheit oder als die Anzahl genommen werden müße; die eine, das
Quantum B an dem Quantum A als der Einheit gemessen, so ist der
Quotient C die Anzahl solcher Einheiten; aber A selbst als Anzahl
genommen, ist der Quotient C die Einheit, welche zu der Anzahl A für
das Quantum B erfordert wird; dieser Quotient ist als Exponent somit
nicht als das gesetzt, was er seyn soll,--das Bestimmende des
Verhältnisses, oder als seine qualitative Einheit.  Als diese ist er
nur gesetzt, insofern er den Werth hat, die Einheit der beiden
Momente, der Einheit und der Anzahl, zu seyn.  Indem diese Seiten
zwar als Quanta, wie sie in dem expliciten Quantum, dem Verhältnisse,
seyn sollen, vorhanden sind, aber zugleich nur in dem Wertbe, den sie
als dessen Seiten haben sollen, unvollständige Quanta zu seyn und nur
als eines jener qualitativen Momente zu gelten, so sind sie mit
dieser ihrer Negation zu setzen; womit ein seiner Bestimmung
entsprechenderes reelleres Verhältniß entsteht, worin der Exponent
die Bedeutung des Produkts derselben hat; nach dieser Bestimmtheit
ist es das umgekehrte Verhältniß.

B.  Das umgekehrte Verhältniß.

1.  Das Verhältniß, wie es sich nun ergeben, ist das aufgehobene
direkte Verhältniß; es war das unmittelbare, somit noch nicht
wahrhaft bestimmte; nunmehr ist die Bestimmtheit so hinzugekommen,
daß der Exponent als Produkt, Einheit der Einheit und der Anzahl,
gilt.  Nach der Unmittelbarkeit konnte er gleichgültig ebensowohl als
Einheit wie als Anzahl genommen werden, wie vorhin gezeigt worden;
womit er auch nur als Quantum überhaupt und damit vorzugsweise als
Anzahl war; die eine Seite war die Einheit, und als Eins zu nehmen,
zu welcher die andere eine fixe Anzahl sey, die zugleich der Exponent
ist; dessen Qualität war somit nur dieß, daß dieß Quantum als festes
genommen oder vielmehr das Feste nur den Sinn des Quantums hat.

In dem umgekehrten Verhältnisse nun ist der Exponent gleichfalls als
Quantum ein unmittelbares, und irgend eines als festes angenommen.
Aber dieß Quantum ist nicht fixe Anzahl zu dem Eins des andern
Quantums im Verhältnisse; dieses im vorhergehenden feste Verhältniß
ist nun vielmehr als veränderlich gesetzt; wenn zum Eins der einen
Seite ein anderes Quantum genommen wird, so bleibt nun die andere
nicht mehr dieselbe Anzahl von Einheiten der ersten.  Im direkten
Verhältnisse ist diese Einheit nur das gemeinschaftliche beider
Seiten; sie als solche kontinuirt sich in die andere Seite, in die
Anzahl; die Anzahl selbst für sich, oder der Exponent, ist gegen die
Einheit gleichgültig.

Wie nunmehr aber die Bestimmtheit des Verhältnisses ist, wird die
Anzahl als solche gegen das Eins, zu dem sie die andere Seite des
Verhältnisses ausmacht, verändert; je nachdem zum Eins ein anderes
Quantum genommen wird, wird sie eine andere.  Der Exponent ist daher
zwar auch nur ein unmittelbares nur beliebig als fest angenommenes
Quantum, aber er erhält sich nicht als solches in der Seite des
Verhältnisses, sondern diese und damit das direkte Verhältniß der
Seiten ist veränderlich.  Hiermit ist, in dem nunmehrigen
Verhältnisse, der Exponent, als das bestimmende Quantum, negativ
gegen sich als Quantum des Verhältnisses, hiermit als qualitativ als
Grenze gesetzt, daß also das Qualitative für sich im Unterschied
gegen das Quantitative hervortritt.--In dem direkten Verhältnisse ist
die Veränderung der beiden Seiten nur die Eine Veränderung des
Quantums, als welches die Einheit, die das Gemeinschaftliche ist,
genommen wird, um so viel also die eine Seite vergrößert oder
vermindert wird, um so viel auch die andere; das Verhältniß selbst
ist gegen diese Veränderung gleichgültig, sie ist ihm äußerlich.  Im
indirekten Verhältnisse aber ist die Veränderung, obgleich nach dem
gleichgültigen quantitativen Momente auch beliebig, innerhalb des
Verhältnisses gehalten, und auch dieß beliebige quantitative
Hinausgehen durch die negative Bestimmtheit des Exponenten, als durch
eine Grenze, beschränkt.

2.  Diese qualitative Natur des indirekten Verhältnisses ist noch
näher, nämlich in ihrer Realisation zu betrachten, und die
Verwicklung des Affirmativen mit dem Negativen, die darin enthalten
ist, auseinander zu setzen.--Es ist das Quantum gesetzt, als
qualitativ das Quantum d. i. sich selbst bestimmend, als Grenze
seiner an ihm sich darstellend.  Es ist hiermit erstens eine
unmittelbare Größe als einfache Bestimmtheit, das Ganze als seyendes,
affirmatives Quantum.  Aber zweitens ist diese unmittelbare
Bestimmtheit zugleich Grenze; dafür ist es in zwei Quanta
unterschieden, die zunächst andere gegeneinander sind; aber als deren
qualitative Bestimmtheit, und zwar dieselbe als vollständig ist es
die Einheit der Einheit und der Anzahl, Produkt, dessen Faktoren sie
sind.  So ist der Exponent ihres Verhältnisses eines Theils in ihnen
identisch mit sich, und das Affirmative derselben, wonach sie Quanta
sind; andern Theils ist er als die an ihnen gesetzte Negation die
Einheit an ihnen, nach der zunächst jedes, ein unmittelbares,
begrenztes Quantum überhaupt, zugleich so ein begrenztes ist, daß es
nur an sich identisch mit seinem Andern ist.  Drittens ist er als die
einfache Bestimmtheit, die negative Einheit dieser seiner
Unterscheidung in die zwei Quanta und die Grenze ihres gegenseitigen
Begrenzens.

Nach diesen Bestimmungen begrenzen sich die beiden Momente innerhalb
des Exponenten und sind das eine das Negative des andern, da er ihre
bestimmte Einheit ist; das eine wird um so vielmal kleiner, als das
andere größer wird, jedes hat insofern seine Größe, als es die des
andern an ihm hat, als dem andern mangelt.  Jede kontinuirt sich auf
diese Weise negativ in die andere; soviel sie an Anzahl ist, hebt sie
an der andern als Anzahl auf, und ist, was sie ist, nur durch die
Negation oder Grenze, die an ihr von der andern gesetzt wird.  Jede
enthält auf diese Weise auch die andere, und ist an ihr gemessen,
denn jede soll nur das Quantum seyn, das die andere nicht ist; für
den Werth jeder ist die Größe der andern unentbehrlich und damit
untrennbar von ihr.

Diese Kontinuität jeder in der Andern macht das Moment der Einheit
aus, wodurch sie im Verhältnisse sind;--der Einen Bestimmtheit, der
einfachen Grenze, die der Exponent ist.  Diese Einheit, das Ganze,
macht das Ansichseyn einer jeden aus, von dem ihre vorhandene Größe
unterschieden ist, nach welcher jedes nur ist, insofern sie der
andern von ihrem gemeinsamen Ansichseyn, dem Ganzen, entzieht.  Aber
sie kann nur so viel, als sie diesem Ansichseyn gleich macht, der
andern entziehen, sie hat an dem Exponent ihr Maximum, der nach der
angegebenen zweiten Bestimmung die Grenze ihrer gegenseitigen
Begrenzung ist.  Und indem jede nur insofern Moment des Verhältnisses
ist, als sie die andere begrenzt und damit von der andern begrenzt
wird, so verliert sie diese ihre Bestimmung, indem sie sich ihrem
Ansichseyn gleich macht; die andere Größe wird nicht nur darin Null,
sondern sie selbst verschwindet, da sie nicht bloßes Quantum, sondern
was sie als solches ist, nur als solches Verhältnißmoment seyn soll.
So ist jede Seite der Widerspruch der Bestimmung, als ihres
Ansichseyns, d. i. der Einheit des Ganzen, das der Exponent ist, und
der Bestimmung, als Verhältnißmomentes; dieser Widerspruch ist wieder
die Unendlichkeit, in einer neuen eigenthümlichen Form.

Der Exponent ist Grenze der Seiten seines Verhältnisses, innerhalb
deren sie gegeneinander zu- und abnehmen, dem sie nach der
affirmativen Bestimmtheit, die er als Quantum ist, nicht gleich
werden können.  So als Grenze ihres gegenseitigen Begrenzens ist er
à) ihr Jenseits, deni sie sich unendlich nähern, aber das sie nicht
erreichen können.  Diese Unendlichkeit, als in der sie sich ihm
nähern, ist die schlechte des unendlichen Progresses; sie ist selbst
endlich, hat in ihrem Gegentheil, in der Endlichkeit jeder Seite und
des Exponenten selbst, ihre Schranke, und ist daher nur Näherung.
Aber ß) die schlechte Unendlichkeit ist hier zugleich gesetzt, als
das was sie in Wahrheit ist, nämlich nur das negative Moment
überhaupt, nach welchem der Exponent gegen die unterschiedenen Quanta
des Verhältnisses die einfache Grenze als das Ansichseyn ist, auf das
ihre Endlichkeit, als das schlechthin Veränderliche, bezogen wird,
aber schlechthin von ihnen verschieden, als ihre Negation, bleibt.
Dieß Unendliche, dem sich dieselben nur annähern können, ist dann
gleichfalls als affirmatives Diesseits vorhanden und gegenwärtig; das
simple Quantum des Exponenten.  Darin ist das Jenseits, mit dem die
Seiten des Verhältnisses behaftet sind, erreicht; es ist an sich die
Einheit beider oder damit an sich die andre Seite einer jeden; denn
jede hat nur so viel Werth, als die andere nicht hat, ihre ganze
Bestimmtheit liegt so in der andern, und dieß ihr Ansichseyn ist als
affirmative Unendlichkeit einfach der Exponent.

3.  Hiermit aber hat sich der Übergang des umgekehrten Verhältnisses
in eine andere Bestimmung ergeben, als es zunächst hatte.  Diese
bestand darin, daß ein Quantum als unmittelbares zugleich auf ein
anderes die Beziehung hat, um so viel größer zu seyn, als dieses
kleiner ist, durch negatives Verhalten gegen das andere zu seyn, was
es ist; ebenso ist eine dritte Größe die gemeinsame Schranke dieses
ihres Größerwerdens.  Diese Veränderung ist hier, im Gegensatze gegen
das Qualitative als feste Grenze, ihre Eigenthünilichkeit; sie haben
die Bestimmung von veränderlichen Größen, für welche jenes Feste ein
unendliches Jenseits ist.

Die Bestimmungen aber, die sich gezeigt und die wir zusammen zu
fassen haben, sind, nicht nur, daß dieß unendliche Jenseits zugleich
als ein gegenwärtiges und irgend ein endliches Quantum ist, sondern
daß seine Festigkeit, wodurch es solches unendliches Jenseits gegen
das Quantitative ist, und die das Qualitative des Seyns nur als
abstrakte Beziehung auf sich selbst ist, sich als Vermittelung seiner
in seinem Andern, den Endlichen des Verhältnisses, mit sich selbst,
entwickelt hat.  Das Allgemeine hiervon liegt darin, daß überhaupt
das Ganze als Exponent die Grenze des gegenseitigen Begrenzens der
beiden Glieder, also die Negation der Negation, somit die
Unendlichkeit, affirmatives Verhalten zu sich selbst, gesetzt ist.
Das Bestimmtere ist, daß an sich der Exponent schon als Produkt die
Einheit der Einheit und der Anzahl, jedes der beiden Glieder aber nur
das eine dieser beiden Momente ist, wodurch er sie also in sich
schließt und in ihnen an sich sich auf sich bezieht.  Aber der
Unterschied ist im umgekehrten Verhältnisse zur Äußerlichkeit des
quantitativen Seyns entwickelt, und das Qualitative nicht bloß das
Feste, noch nur die Momente unmittelbar in sich einschließend,
sondern in dem außersichseyenden Andersseyn sich mit sich
zusammenschließend vorhanden.  Diese Bestimmung ist es, die sich als
Resultat in den Momenten, die sich gezeigt, heraushebt.  Der Exponent
ergiebt sich nämlich als das Ansichseyn, dessen Momente in Quantis
und in deren Veränderlichkeit überhaupt realisirt ist; die
Gleichgültigkeit ihrer Größen in ihrer Veränderung stellt sich als
unendlicher Progreß dar; was dem zu Grunde liegt, ist, daß in ihrer
Gleichgültigkeit dieß ihre Bestimmtheit ist, ihren Werth in dem
Werthe des andern zu haben, somit à) nach der affirmativen Seite
ihres Quantums an sich das Ganze des Exponenten zu seyn.  Ebenso
haben sie ß) für ihr negatives Moment, für ihr gegenseitiges
Begrenzen die Größe des Exponenten, ihre Grenze ist die seinige.  Daß
sie keine andere immanente Grenze, eine feste Unmittelbarkeit, mehr
haben, ist in dem unendlichen Progresse ihres Daseyns und ihrer
Begrenzung, in der Negation jedes besondern Werthes, gesetzt.  Diese
ist hiernach die Negation des Außersichseyns des Exponenten, das in
ihnen dargestellt ist, und dieser, d. i. zugleich selbst ein Quantum
überhaupt, und in Quanta auch ausgelegt, ist damit gesetzt, als das
in der Negation ihres gleichgültigen Bestehens sich Erhaltende, mit
sich Zusammengehende, so das Bestimmende solchen Hinausgehens über
sich, zu seyn.

Das Verhältniß ist hiermit zum Potenzenverhältniß bestimmt.

C.  Potenzverhältniß.

1.  Das Quantum in seinem Andersseyn sich identisch mit sich setzend,
sein Hinausgehen über sich selbst bestimmend, ist zum Fürsichseyn
gekommen.  So qualitative Totalität, indem sie sich als entwickelt
setzt, hat sie zu ihren Momenten die Begriffsbestimmungen der Zahl,
die Einheit und die Anzahl; die letztere ist noch im umgekehrten
Verhältnisse eine nicht durch die erstere selbst als solche, sondern
anderswoher, durch ein Drittes bestimmte Menge; nun ist sie nur durch
jene bestimmt gesetzt.  Dieß ist der Fall im Potenzenverhältnisse, wo
die Einheit, welche Anzahl an ihr selbst ist, zugleich die Anzahl
gegen sich als Einheit ist.  Das Andersseyn, die Anzahl der Einheiten,
ist die Einheit selbst.  Die Potenz ist eine Menge von Einheiten,
deren jede diese Menge selbst ist.  Das Quantum als gleichgültige
Bestimmtheit verändert sich; aber insofern diese Verändernng ein
Erheben in die Potenz ist, ist dieß sein Andersseyn rein durch sich
selbst begrenzt.--Das Quantum ist so in der Potenz als in sich selbst
zurückgekehrt gesetzt; es ist unmittelbar es selbst und auch sein
Andersseyn.

Der Exponent dieses Verhältnisses ist nicht mehr ein unmittelbares
Quantum, wie im direkten, und auch im umgekehrten Verhältnisse.  Er
ist im Potenzenverhältniß ganz qualitativer Natur, diese einfache
Bestimmtheit, daß die Anzahl die Einheit selbst, das Quantum in
seinem Andersseyn mit sich selbst identisch ist.  Darin liegt
zugleich die Seite seiner quantitativen Natur, daß die Grenze oder
Negation nicht als unmittelbar seyendes, sondern das Daseyn als in
sein Andersseyn kontinuirt gesetzt ist; denn die Wahrheit der
Qualität ist eben dieß, Quantität, die unmittdbare Bestimmtheit als
aufgehobene, zu seyn.

2.  Das Potenzenverhältniß erscheint zunächst als eine äußere
Veränderung, in welche irgend ein Quantum versetzt wird; es hat aber
die engere Beziehung auf den Begriff des Quantums, daß dieses in dem
Daseyn, zu welchem es in jenem Verhältnisse fortgebildet ist,
denselben erreicht, ihn auf vollständige Weise realisirt hat; dieß
Verhältniß ist die Darstellung dessen, was das Quantum an sich ist,
und drückt dessen Bestimmtheit oder Qualität aus, wodurch es sich von
anderem unterscheidet.  Das Quantum ist die gleichgültige, als
aufgehoben gesetzte Bestimmtheit, das heißt, die Bestimmtheit als
Grenze, welche ebenso sehr keine ist, in ihr Andersseyn sich
kontinuirt, in ihm sich also identisch mit sich bleibt; so ist es im
Potenzenverhältniß gesetzt; sein Andersseyn, Hinausgehen über sich in
ein anders Quantum, als durch es selbst bestimmt.

Vergleichen wir den Fortgang dieser Realisirung in den bisherigen
Verhältnissen, so ist die Qualität des Quantums, als Unterschied
seiner von sich selbst gesetzt zu seyn, überhaupt dieß, Verhältniß zu
seyn.  Als direktes Verhältniß ist es als solcher gesetzte
Unterschied nur erst überhaupt oder unmittelbar, so daß seine
Beziehung auf sich selbst, die es gegen seine Unterschiede, als der
Exponent hat, nur als die Festigkeit einer Anzahl der Einheit gilt.
Im umgekehrten Verhältniß ist das Quantum in negativer Bestimmung ein
Verhalten seiner zu sich selbst,--zu sich als seiner Negation, in der
es aber seinen Werth hat; als affirmative Beziehung auf sich ist es
ein Exponent, der als Quantum nur an sich das Bestimmende seiner
Momente ist.  Im Potenzenverhältniß aber ist es in dem Unterschied
als seiner von sich selbst vorhanden.  Die Äußerlichkeit der
Bestimmtheit ist die Qualität des Quantums, diese Äußerlichkeit ist
so nun seinem Begriffe gemäß als sein eigenes Bestimmen, als seine
Beziehung auf sich selbst, seine Qualität, gesetzt.

3.  Damit aber, daß das Quantum gesetzt ist, wie es seinem Begriffe
gemäß ist, ist es in eine andere Bestimmung übergegangen; oder wie es
auch ausgedrückt werden kann, daß seine Bestimmung nun auch als die
Bestimmtheit, das Ansichseyn auch als Daseyn ist.  Es ist als Quantum,
insofern die Äußerlichkeit oder Gleichgültigkeit des Bestimmtseyns
(--daß es das ist, wie man sagt, was vergrößert oder vermindert
werden kann) nur einfach oder unmittelbar gilt und gesetzt ist; es
ist zu seinem Andern, der Qualität, geworden, insofern jene
Äußerlichkeit nun als vermittelt durch es selbst, so als ein Moment
gesetzt ist, daß es eben in ihr sich auf sich selbst bezieht, Seyn
als Qualität ist.

Zunächst erscheint also die Quantität als solche der Qualität
gegenüber; aber die Quantität ist selbst eine Qualität, sich auf sich
beziehende Bestimmtheit überhaupt, unterschieden von der ihr andern
Bestimmtheit, von der Qualität als solcher.  Allein sie ist nicht nur
eine Qualität, sondern die Wahrheit der Qualität selbst ist die
Quantität; jene hat sich als in diese übergehend gezeigt.  Die
Quantität ist dagegen in ihrer Wahrheit die in sich selbst
zurückgekehrte, nicht gleichgültige Äußerlichkeit.  So ist sie die
Qualität selbst, so daß außer dieser Bestimmung nicht die Qualität
als solche noch etwas wäre.--Daß die Totalität gesetzt sey, dazu
gehört der gedoppelte Übergang, nicht nur der der einen Bestimmtheit
in ihre andere, sondern ebenso der Übergang dieser andern, ihr
Rückgang, in die erste.  Durch den ersten ist nur erst an sich die
Identität beider vorhanden;--die Qualität ist in der Quantität
enthalten, die aber damit noch eine einseitige Bestimmtheit ist.  Daß
diese umgekehrt ebenso in der ersten enthalten, sie ebenso nur als
aufgehobene ist, ergiebt sich im zweiten Übergang,--der Rückkehr in
das erste; diese Bemerkung über die Nothwendigkeit des doppelten
Übergangs ist von großer Wichtigkeit für das Ganze der
wissenschaftlichen Methode.

Das Quantum nunmehr als gleichgültige oder äußerliche Bestimmung, so
daß es ebenso als solche aufgehoben, und die Qualität und das ist,
wodurch etwas das ist, was es ist, ist die Wahrheit des Quantums,
Maaß zu seyn.

Anmerkung.

Es ist oben, in den Anmerkungen über das Quantitativ-Unendliche
auseinander gesetzt worden, daß dieses so wie die Schwierigkeiten,
die sich darüber ergeben, in dem qualitativen Momente, das sich im
Quantitativen hervorthut, ihren Ursprung haben, und wie das
Qualitative des Potenzenverhältnisses insbesondere, in die
mannigfaltigen Entwickelungen und Verwickelungen ausgeht; als der
Grundmangel, der die Auffassung des Begriffes verhindert, wurde auf
gezeigt, daß bei dem Unendlichen nur nach der negativen Bestimmung,
die Negation des Quantums zu seyn, stehen geblieben und nicht zu der
einfachen Bestimmung, dem Affirmativen, daß dieses das Qualitative
ist, fortgegangen wird.--Hier bleibt nur übrig, noch eine Bemerkung
über die in der Philosophie geschehene Einmischung von Formen des
Quantitativen in die reinen qualitativen Formen des Denkens, zu
machen.  Besonders ist es das Potenzenverhältniß, welches in neuerer
Zeit auf Begriffsbestimmungen angewendet worden ist.  Der Begriff in
seiner Unmittelbarkeit wurde die erste Potenz, in seinem Andersseyn
oder der Differenz, dem Daseyn seiner Momente, die zweite, und in
seiner Rückkehr in sich oder als Totalität die dritte Potenz genannt.
--Hiergegen fällt sogleich auf, daß die Potenz so gebraucht eine
Kategorie ist, die dem Quantum wesentlich angehört;--es ist bei
diesen Potenzen nicht an die potentia,... des Aristoteles gedacht.
So drückt das Potenzenverhältniß die Bestimmtheit aus, wie dieselbe
als der Unterschied, wie er im besondern Begriffe des Quantums ist,
zu seiner Wahrheit gelangt, aber nicht wie derselbe am Begriffe als
solchem ist.  Das Quantum enthält die Negativität, welche zur Natur
des Begriffs gehört, noch gar nicht in dessen eigenthümlicher
Bestimmung gesetzt; Unterschiede, die dem Quantum zukommen, sind
oberflächliche Bestimmungen für den Begriff selbst; sie sind noch
weit entfernt, bestimmt zu seyn, wie sie es im Begriffe sind.  Es ist
in der Kindheit des Philosophirens, daß wie von Pythagoras
Zahlen--und erste, zweite Potenz u.s.f. haben insofern vor Zahlen
nichts voraus,--zur Bezeichnung allgemeiner, wesentlicher
Unterschiede gebraucht worden sind.  Es war dieß eine Vorstufe des
reinen denkenden Erfassens; nach Pythagoras erst sind die
Gedankenbestimmungen selbst erfunden, d. i. für sich zum Bewußtseyn
gebracht worden.  Aber von solchen weg zu Zahlenbestimmungen
zurückzugehen, gehört einem sich unvermögend fühlenden Denken an, das
nun im Gegensatze gegen vorhandene philosophische Bildung, die an
Gedankenbestimmungen gewohnt ist, selbst das Lächerliche hinzufügt,
jene Schwäche für etwas Neues, Vornehmes und für einen Fortschritt
geltend machen zu wollen.

Insofern der Potenzen-Ausdruck nur als Symbol gebraucht wird, so ist
dagegen so wenig zu sagen, als gegen die Zahlen oder Symbole anderer
Art für Begriffe; aber zugleich ebenso viel, als gegen alle Symbolik
überhaupt, in welcher reine Begriffs- oder philosophische
Bestimmungen dargestellt werden sollen.  Die Philosophie bedarf
solche Hülfe nicht, weder aus der sinnlichen Welt, noch aus der
vorstellenden Einbildungskraft, auch nicht aus Sphären ihres
eigenthümlichen Bodens, welche untergeordnet sind, deren Bestimmungen
daher nicht für höhere Kreise und für das Ganze passen.  Das Letztere
geschieht, wenn überhaupt Kategorien des Endlichen auf das Unendliche
angewendet werden; die geläufigen Bestimmungen von Kraft, oder
Substantialität, Ursache und Wirkung u.s.f. sind gleichfalls nur
Symbole für den Ausdruck z.B. lebendiger oder geistiger
Verhältnisse, d. i. unwahre Bestimmungen für dieselben, so noch mehr
die Potenzen des Quantums und gezählte Potenzen, für dergleichen und
für spekulative Verhältnisse überhaupt.--Wenn Zahlen, Potenzen, das
Mathematisch-Unendliche und dergleichen nicht als Symbole, sondern
als Formen für philosophische Bestimmungen, und damit selbst als
philosophische Formen sollen gebraucht werden, so müßte vor Allem
ihre philosophische Bedeutung, d. i. ihre Begriffsbestimmtheit
aufgezeigt werden.  Geschieht dieß, so sind sie selbst überflüssige
Bezeichnungen; die Begriffsbestimmtheit bezeichnet sich selbst, und
ihre Bezeichnung ist allein die richtige und passende.  Der Gebrauch
jener Formen ist darum weiter nichts, als ein bequemes Mittel, es zu
ersparen, die Begriffsbestimmungen zu fassen, anzugeben und zu
rechtfertigen.



Dritter Abschnitt.  Das Maaß.

Im Maaße sind, abstrakt ausgedrückt, Qualität und Quantität vereinigt.
Das Seyn als solches ist unmittelbare Gleichheit der Bestimmtheit
mit sich selbst.  Diese Unmittelbarkeit der Bestimmtheit hat sich
aufgehoben.  Die Quantität ist das so in sich zurückgekehrte Seyn,
daß es einfache Gleichheit mit sich als Gleichgültigkeit gegen die
Bestimmtheit ist.  Aber diese Gleichgültigkeit ist nur die
Äußerlichkeit, nicht an sich selbst, sondern in Anderem die
Bestimmtheit zu haben.  Das Dritte ist nun die sich auf sich selbst
beziehende Äußerlichkeit; als Beziehung auf sich ist es zugleich
aufgehobene Äußerlichkeit, und hat an ihr selbst den Unterschied von
sich,--der als Äußerlichkeit das quantitative, als in sich
zurückgenommene, das qualitative Moment ist.

Indem die Modalität, unter den Kategorien des transcendentalen
Idealismus, nach der Quantität und Qualität, auf Einschiebung der
Relation, aufgeführt wird, so kann derselben hier erwähnt werden.
Diese Kategorie hat daselbst die Bedeutung, die Beziehung des
Gegenstandes auf das Denken zu seyn.  Im Sinne jenes Idealismus ist
das Denken überhaupt dem Ding-an-sich wesentlich äußerlich.  Insofern
die andern Kategorien nur die transcendentale Bestimmung haben, dem
Bewußtseyn, aber als das Objektive desselben, anzugehören, so enthält
die Modalität, als die Kategorie der Beziehung auf das Subjekt,
insofern relativ die Bestimmung der Reflexion in sich; d.h. die
Objektivität, welche den andern Kategorien zukomme, mangelt denen der
Modalität; diese vermehren, nach Kants Ausdruck, den Begriffe als
Bestimmung des Objekts nicht im mindesten, sondern drücken nur das
Verhältniß zum Erkenntnißvermögen aus, (Kr. d. rein.  Vern. 2te Aufl.
s.  S. 99, 266).--Die Kategorien, die Kant unter der Modalität
zusammenfaßt, Möglichkeit, Wirklichkeit und Nothwendigkeit, werden in
der Folge an ihrer Stelle vorkommen; Kant hat die unendlich wichtige
Form der Triplicität, so sehr sie bei ihm nur erst als ein formeller
Lichtfunken erschienen, nicht auf die Gattungen seiner Kategorien
(Quantität, Qualität u.s.f.) wie auch diesen Namen, nur auf deren
Arten angewendet; daher hat er nicht auf das Dritte der Qualität und
Quantität kommen können.

Bei Spinoza ist der Modus nach Substanz und Attribut gleichfalls das
Dritte; er erklärt ihn für die Affektionen der Substanz, oder für
dasjenige, was in einem Andern ist, durch welches es auch begriffen
wird.  Dieses Dritte ist nach diesem Begriffe nur die Äußerlichkeit
als solche; wie sonst erinnert worden, daß bei Spinoza überhaupt der
starren Substantialität die Rückkehr in sich selbst fehlt.

Die hier gemachte Bemerkung dehnt sich allgemeiner auf die Systeme
des Pantheismus aus, welche der Gedanke etwas ausgebildet hat.  Das
Seyn, das Eine, die Substanz, das Unendliche, das Wesen ist das Erste;
gegen dieses Abstraktum kann das Zweite, alle Bestimmtheit,
überhaupt als das nur Endliche, nur Accidentelle, Vergängliche,
Außer- und Unwesentliche u.s.f., ebenso abstrakt zusammengefaßt
werden wie in dem ganz formalen Denken gewöhnlich und zunächst
geschieht.  Aber es drängt sich zu sehr der Zusammenhang dieses
Zweiten mit dem Ersten auf, um es nicht zugleich in einer Einheit mit
demselben zu fassen, wie das Attribut bei Spinoza die ganze Substanz
ist, aber von dem Verstand, selbst einer Beschränkung oder Modus,
gefaßt; der Modus aber, das Nichtsubstantielle überhaupt, das nur aus
einem Andern gefaßt werden kann, macht so das andere Extrem zu der
Substanz, das Dritte überhaupt, aus.  Der indische Pantheismus hat in
seiner ungeheuern Phantasterei gleichfalls, abstrakt genommen, diese
Ausbildung erhalten, die sich durch ihr Maßloses hindurch als ein
mässigender Faden zu einigem Interesse zieht, daß Brahm, das Eine des
abstrakten Denkens durch die Gestaltung in Wischnu besonders in der
Form Krischnas, zu dem Dritten, Siwa, fortgeht.  Die Bestimmung
dieses Dritten ist der Modus, Veränderung, Entstehen und Vergehen,
das Feld der Äußerlichkeit überhaupt.  Wenn diese indische Dreiheit
zu einer Vergleichung nut der christlichen verleitet hat, so ist in
ihnen zwar ein gemeinsames Element der Begriffsbestimmung zu erkennen,
aber über den Unterschied ist wesentlich ein bestimmteres Bewußtseyn
zu fassen; derselbe ist nicht nur unendlich, sondern die wahrhafte
Unendlichkeit macht den Unterschied selbst aus.  Jenes dritte Princip
ist seiner Bestimmung nach das Auseinanderfahren der substantiellen
Einheit, in ihr Gegegentheil, nicht die Rückkehr derselben zu sich,
--das Geistlose vielmehr, nicht der Geist.  In der wahrhaften
Dreiheit, ist nicht nur Einheit, sondern Einigkeit, der Schluß zur
inhaltsvollen und wirklichen Einheit, die in ihrer ganz konkreten
Bestimmung der Geist ist, gebracht.  Jenes Princip des Modus und der
Veränderung schließt wohl die Einheit nicht überhaupt aus; wie
nämlich im Spinozismus eben der Modus als solcher das Unwahre und nur
die Substanz das wahrhafte ist, Alles auf diese zurückgeführt werden
soll, welches dann ein Versenken alles Inhalts in die Leerheit, in
nur formelle, inhaltslose Einheit ist, so ist auch Siwa wieder das
große Ganze, von Brahm nicht unterschiedene, Brahm selbst; d. h. der
Unterschied und die Bestimmtheit verschwindet nur wieder, aber wird
nicht aufbewahrt, nicht aufgehoben, und die Einheit wird nicht zur
konkreten Einheit, die Entzweiung nicht zur Versöhnung zurückgeführt.
Das höchste Ziel für den in die Sphäre des Entstehens und Vergehens,
der Modalität überhaupt versetzten Menschen ist die Versenkung in die
Bewußtlosigkeit, die Einheit mit Brahm, die Vernichtung; dasselbe ist
das buddhistische Nirvana, Nieban u.s.f.

Wenn nun der Modus überhaupt die abstrakte Äußerlichkeit, die
Gleichgültigkeit gegen die qualitativen wie gegen die quantitativen
Bestimmungen ist, und es im Wesen auf das Äußerliche, Unwesentliche
nicht ankommen soll, so wird auch wieder in Vielem zugestanden, daß
alles auf die Art und Weise ankomme; der Modus wird damit selbst für
wesentlich zum Substantiellen einer Sache gehörig erklärt; in welcher
sehr unbestimmten Beziehung wenigstens dieß liegt, daß dieß
Äußerliche nicht so abstrakt das Äußerliche sey.

Hier hat der Modus die bestimmte Bedeutung das Maaß zu seyn.  Der
Spinozistische Modus, wie das indische Princip der Veränderung ist
das Maaßlose.  Das griechische selbst noch unbestimmte Bewußtseyn,
daß Alles ein Maaß hat, so daß selbst Parmenides nach dem abstrakten
Seyn die Nothwendigkeit, als die alte Grenze, die Allem gesetzt ist,
eingeführt, ist der Anfang eines viel höhern Begriffs als die
Substanz und der Unterschied des Modus von derselben enthält.-Das
entwickeltere, reflektirtere Maaß ist die Nothwendigkeit; das
Schicksal, die Nemesis, schränkt sich im Allgemeinen auf die
Bestimmtheit des Maaßes ein, daß was sich vermesse, zu groß, zu hoch
mache, auf das andere Extrem der Herabsetzung zur Nichtigkeit
reducirt, und damit die Mitte des Maaßes, die Mittelmäßigkeit,
hergestellt werde.--Das Absolute, Gott ist das Maaß aller Dinge, ist
nicht stärker pantheistisch als die Definition: das Absolute, Gott
ist das Seyn, aber unendlich wahrhafter.--Das Maaß ist zwar
äußerliche Art und Weise, ein Mehr oder Weniger, welches aber
zugleich ebenso in sich reflektirt, nicht bloß gleichgültige und
äußerliche, sondern an sich seyende Bestimmtheit ist; es ist so die
konkrete Wahrheit des Seyns; in dem Maaße haben darum die Völker
etwas Unantastbares, Heiliges verehrt.

Es liegt in dem Maaße bereits die Idee des Wesens, nämlich in der
Unmittelbarkeit des Bestimmtseyns identisch mit sich zu seyn, so daß
jene Unmittelbarkeit durch diese Identität-mit-sich zu einem
Vermittelten herabgesetzt ist, wie diese ebenso nur durch diese
Äußerlichkeit vermittelt aber die Vermittelung mit sich ist;--die
Reflexion, deren Bestimmungen sind, aber in dieseni Seyn schlechthin
nur als Momente ihrer negativen Einheit.  Im Maaße ist das
Qualitative quantitativ; die Bestimmtheit oder der Unterschied ist
als gleichgültig, damit ist es ein Unterschied, der keiner ist; er
ist aufgehoben; diese Quantitativität macht als Rückkehr in sich,
worin sie als das Qualitative ist, das An- und Fürsichseyn aus,
welches das Wesen ist.  Aber das Maaß ist erst an sich oder im
Begriffe das Wesen; dieser Begriff des Maaßes ist noch nicht gesetzt.
Das Maaß noch als solches ist selbst die seyende Einheit des
Qualitativen und Quantitativen; seine Momente sind als ein Daseyn,
eine Qualität und Quanta derselben, die nur erst an sich untrennbar,
aber noch nicht die Bedeutung dieser reflektirten Bestimmung haben.
Die Entwicklung des Maaßes, enthält die Unterscheidung dieser Momente,
aber zugleich die Beziehung derselben, so daß die Identität, welche
sie an sich sind, als ihre Beziehung aufeinander wird, d. i. gesetzt
wird.  Die Bedeutung dieser Entwickelung ist die Realisation des
Maaßes, in der es sich zu sich selbst ins Verhältniß, und damit
zugleich als Moment setzt; durch diese Vermittelung wird es als
Aufgehobenes bestimmt; seine Unmittelbarkeit wie die seiner Momente
verschwindet, sie sind als reflektirte; so als das hervorgetreten,
was es seinem Begriffe nach ist, ist es in das Wesen übergegangen.

Das Maaß ist zunächst unmittelbare Einheit des Qualitativen und
Quantitativen, so daß

erstens ein Quantum ist, das qualitative Bedeutung hat, und als Maaß
ist.  Dessen Fortbestimmung ist, daß an ihm, dem an sich bestimmten,
--der Unterschied seiner Momente, des qualitativen und quantitativen
Bestimmtseyns, hervortritt.  Diese Momente bestimmen sich weiter
selbst zu Ganzen des Maaßes, welche insofern als Selbstständige sind;
indem sie sich wesentlich aufeinander beziehen, wird das Maaß

zweitens Verhältniß von specifischen Quantis, als selbstständigen
Maaßen.  Ihre Selbstständigkeit beruht aber wesentlich zugleich auf
dem quantitativen Verhältnisse und dem Größenunterschiede; so wird
ihre Selbstständigkeit ein Übergehen in einander.  Das Maaß geht
damit im Maaßlosen zu Grunde.--Dieß Jenseits des Maaßes ist aber die
Negativität desselben nur an sich selbst; es ist dadurch

drittens die Indifferenz der Maaßbestimmungen, und als reell mit der
in ihr enthaltenen Negativität das Maaß gesetzt, als umgekehrtes
Verhältniß von Maaßen, welche als selbstständige Qualitäten
wesentlich nur auf ihrer Quantität und auf ihrer negativen Beziehung
aufeinander beruhen, und damit sich erweisen, nur Momente ihrer
wahrhaft selbstständigen Einheit zu seyn, welche ihre
Reflexion-in-sich und das Setzen derselben, das Wesen, ist.

Die Entwickelung des Maaßes, die im Folgenden versucht worden, ist
eine der schwierigsten Materien; indem sie von dem unmittelbaren,
äußerlichen Maaße anfängt, hätte sie einer Seits zu der abstrakten
Fortbestimmung des Quantitativen (einer Mathematik der Natur)
fortzugehen, anderer Seits den Zusammenhang dieser Maaßbestimmung mit
den Qualitäten der natürlichen Dinge anzuzeigen, wenigstens im
Allgemeinen; denn die bestimmte Nachweisung des aus dem Begriffe des
konkreten Gegenstandes hervorgehenden Zusammenhangs des Qualitativen
und Quantitativen gehört in die besondere Wissenschaft des Konkreten;
wovon Beispiele in der Encykl. der philos.  Wissensch. 3te Aufl. _.
267 u. 270 Anm. das Gesetz des Falles und das der freien himmlischen
Bewegung betreffend, nachzusehen sind.  Es mag hierbei dieß überhaupt
bemerkt werden, daß die verschiedenen Formen, in welchen sich das
Maaß realisirt, auch verschiedenen Sphären der natürlichen Realität
angehören.  Die vollständige, abstrakte Gleichgültigkeit des
entwickelten Maaßes d. i. der Gesetze desselben kann nur in der
Sphäre des Mechanismus Statt haben, als in welchem das konkrete
Körperliche nur die selbst abstrakte Materie ist; die qualitativen
Unterschiede derselben haben wesentlich das Quantitative zu ihrer
Bestimmtheit; Raum und Zeit sind die reinen Äußerlichkeiten selbst,
und die Menge der Materien, Massen, Intensität des Gewichts, sind
ebenso äußerliche Bestimmungen, die an dem Quantitativen ihre
eigenthümliche Bestimmtheit haben.  Dagegen wird solche
Größebestimmtheit des abstrakt Materiellen schon durch die Mehrheit
und damit einen Konflikt von Qualitäten, im Physikalischen, noch mehr
aber im Organischen gestört.  Aber es tritt hier nicht bloß der
Konflikt von Qualitäten als solchen ein, sondern das Maaß wird hier
höhern Verhältnissen untergeordnet, und die immanente Entwicklung des
Maaßes vielmehr auf die einfache Form des unmittelbaren Maaßes
reducirt.  Die Glieder des animalischen Organismus haben ein Maaß,
welches als ein einfaches Quantum im Verhältniß zu andern Quantis der
andern Glieder steht; die Proportionen des menschlichen Körpers sind
die festen Verhältnisse von solchen Quantis; die Naturwissenschaft
hat noch weithin, von dem Zusammenhange solcher Größen mit den
organischen Funktionen, von denen sie ganz abhängig sind, etwas
einzusehen.  Aber von der Herabsetzung eines immanenten Maaßes zu
einer bloß äußerlich determinirten Größe ist die Bewegung das nächste
Beispiel.  An den Himmelskörpern ist sie die freie nur durch den
Begriff bestimmte Bewegung, deren Größen hiermit ebenso nur von
demselben abhängen (s. oben), aber von dem Organischen wird sie zur
willkürlichen oder mechanisch-regelmäßigen, d. h. überhaupt
abstrakten formellen Bewegung herunter gesetzt.

Noch weniger aber findet im Reich des Geistes eine eigenthümliche,
freie Entwicklung des Maaßes Statt.  Man sieht z.B. wohl ein, daß
eine republikanische Verfassung, wie die atheniensische oder eine
durch Demokratie versetzte aristokratische nur bei einer gewissen
Größe des Staats Platz haben kann; daß in der entwickelten
bürgerlichen Gesellschaft die Mengen von Individuen, welche den
verschiedenen Gewerben angehören, in einem Verhältnisse mit einander
stehen; aber dieß giebt weder Gesetze von Maaßen noch eigenthümliche
Formen desselben.  Im Geistigen als solchen kommen Unterschiede von
Intensität des Charakters, Stärke der Einbildungskraft, der
Empfindungen, der Vorstellungen u.s.f. vor; aber über dieß
Unbestimmte der Stärke oder Schwäche geht die Bestimmung nicht hinaus.
Wie matt und völlig leer die sogenannten Gesetze ausfallen, die
über das Verhältniß von Stärke und Schwäche der Empfindungen,
Vorstellungen u.s.f. aufgestellt werden, wird man inne, wenn man die
Psychologien nachsieht, welche sich mit dergleichen bemühen.



Erstes Kapitel.  Die specifische Quanitität.


Die qualitative Quantität ist zunächst ein unmittelbares specifisches
Quantum; das

zweitens, als sich zu Anderem verhaltend, ein quantitatives
Specificiren, ein Aheben des gleichgültigen Quantums wird.  Dieses
Maaß, ist insofern eine Regel und enthält die beiden Momente des
Maaßes unterschieden, nämlich die ansichseyende quantitative
Bestimmtheit, und das äußerliche Quantum.  In diesem Unterschiede
werden aber diese beiden Seiten zu Qualitäten, und die Regel zu einem
Verhältnisse derselben; das Maaß stellt sich daher dar

drittens als Verhältniß von Qualitäten, die zunächst Ein Maaß haben;
das sich aber ferner so zu einem Unterschiede von Maaßen in sich
specificirt.

A.  Das specifische Quantum.

1.  Das Maaß ist die einfache Beziehung des Quantums auf sich, seine
eigene Bestimmtheit an sich selbst; so ist das Quantum qualitativ.
Zunächst ist es als unmittelbares Maaß, ein unmittelbares, daher als
irgend ein bestimmtes, Quantum; ebenso unmittelbar ist die ihm
zugehörige Qualität, sie ist irgend eine bestimmte Qualität.--Das
Quantum als diese nicht mehr gleichgültige Grenze sondern auf sich
beziehende Äußerlichkeit, ist so selbst die Qualität, und
unterschieden von dieser geht es nich über sie hinaus, so wie diese
nicht über dasselbe hinausgeht.  Es ist in die einfache Gleichheit
mit sich zurückgekehrte Bestimmtheit; eins mit dem bestimmten Daseyn,
so wie dieses mit seinem Quantum.

Wenn man aus der erhaltenen Bestimmung einen Satz machen will, so
kann man sich ausdrücken: Alles, was da ist, hat ein Maaß.  Alles
Daseyn hat eine Größe, und diese Größe gehört zur Natur von Etwas
selbst; sie macht seine bestimmte Natur und sein Insichseyn aus.
Etwas ist gegen diese Größe nicht gleichgültig, so daß wenn sie
geändert würde, es bliebe was es ist, sondern die Änderung derselben
änderte seine Qualität.  Das Quantum hat als Maaß aufgehört Grenze zu
seyn, die keine ist; es ist nunmehr die Bestimmung der Sache, so daß
diese, über dieß Quantum vermehrt oder vermindert, zu Grunde ginge.
--Ein Maaß, als Maaßstab im gewöhnlichen Sinne, ist ein Quantum, das
als die an sich bestimmte Einheit gegen äußerliche Anzahl willkürlich
angenommen wird.  Eine solche Einheit kann zwar auch in der That an
sich bestimmte Einheit seyn, wie Fuß und dergleichen ursprüngliche
Maaße; insofern sie aber als Maaßstab zugleich für andere Dinge
gebraucht wird, ist sie für diese nur äußerliches, nicht ihr
ursprüngliches Maaß.--So mag der Erddurchmesser, oder die Pendellänge,
als specifisches Quantum für sich genommen werden.  Aber es ist
willkürlich, den wievielsten Theil des Erddurchmessers oder der
Pendellänge und unter welchem Breitengrade man diese nehmen wolle, um
sie als Maaßstab zu gebrauchen.  Noch mehr aber ist für andere Dinge
ein solcher Maaßstab etwas Äußerliches.  Diese haben das allgemeine
specifische Quantum wieder auf besondere Art specificirt, und sind
dadurch zu besondern Dingen gemacht.  Es ist daher thöricht, von
einem natürlichen Maaßstab der Dinge zu sprechen.  Ohnehin soll ein
allgemeiner Maaßstab nur für die äußerliche Vergleichung dienen; in
diesem oberflächlichsten Sinne, in welchem er als allgemeines Maaß
genommen wird, ist es völlig gleichgültig, was dafür gebraucht wird.
Es soll nicht ein Grundmaaß in dem Sinne seyn, daß die Naturmaaße der
besondern Dinge daran dargestellt und daraus nach einer Regel, als
Specifikationen Eines allgemeinen Maaßes, des Maaßes ihres
allgemeinen Körpers, erkannt würden.  Ohne diesen Sinn aber hat ein
absoluter Maaßstab nur das Interesse und die Bedeutung eines
Gemeinschaftlichen, und ein solches ist nicht an sich, sondern durch
Übereinkommen ein Allgemeines.

Das unmittelbare Maaß ist eine einfache Größenbestimmung; wie z.B.
die Größe der organischen Wesen, ihrer Gliedmaßen und so fort.  Aber
jedes Existirende hat eine Größe, um das zu seyn, was es ist, und
überhaupt um Daseyn zu haben.--Als Quantum ist es gleichgültige Größe,
äußerlicher Bestimmung offen und des Auf- und Abgehens am Mehr und
Weniger fähig.  Aber als Maaß ist es zugleich von sich selbst als
Quantum, als solcher gleichgültiger Bestimmung, verschieden und eine
Beschränkung jenes gleichgültigen Hin- und Hergehens an einer Grenze.

Indem die Quantitätsbestimmtheit so an dem Daseyn die gedoppelte ist,
das eine Mal die, an welche die Qualität gebunden ist, das andere Mal
aber die, an der unbeschadet jener hin- und hergegangen werden kann,
so geschieht das Untergehen von Etwas, das ein Maaß hat, darin daß
sein Quantum verändert wird.  Dieß Untergehen erscheint eines Theils
als unerwartet, insofern an dem Quantum, ohne das Maaß und die
Qualität zu verändern, geändert werden kann, andern Theils aber wird
es zu einem als ganz Begreiflichen gemacht, nämlich durch die
Allmähligkeit.  Zu dieser Kategorie wird so leicht gegriffen, um das
Vergehen von einer Qualität oder von Etwas vorstellig zu machen oder
zu erklären, indem man so dem Verschwinden beinahe mit den Augen
zusehen zu können scheint, weil das Quantum die als äußerliche, ihrer
Natur nach veränderliche Grenze gesetzt ist, hiermit die Veränderung,
als nur des Quantums, sich von selbst versteht.  In der That aber
wird nichts dadurch erklärt; die Veränderung ist zugleich wesentlich
der Übergang einer Qualität in eine andere, oder der abstraktere von
einem Daseyn in ein Nichtdaseyn; darin liegt eine andere Bestimmung
als in der Allmähligkeit, welche nur eine Verminderung oder
Vermehrung, und das einseitige Festhalten an der Größe ist.

2.  Daß aber eine als bloß quantitativ erscheinende Veränderung auch
in eine qualitative umschlägt, auf diesen Zusammenhang sind schon die
Alten aufmerksam gewesen, und haben die der Unkenntniß desselben
entstehenden Kollisionen in populären Beispielen vorgestellt; unter
den Namen des Kahlen, des Haufens sind hierher gehörige Elenchen
bekannt, d. i. nach des Aristoteles Erklärung, Weisen, wodurch man
genöthigt wird, das Gegentheil von dem zu sagen, was man vorher
behauptet hatte.  Man fragte: macht das Ausraufen Eines Haares vom
Kopfe oder einem Pferdeschweife kam, oder hört ein Haufe auf ein
Haufe zu seyn, wenn ein Korn weggenommen wird.  Dieß kann man
unbedenklich zugeben, indem solche Wegnahme nur einen und zwar selbst
ganz unbedeutenden quantitativen Unterschied ausmacht; so wird Ein
Haar, Ein Korn weggenommen, und dieß so wiederholt, daß jedesmal nach
dem, was zugegeben worden, nur Eines weggenommen wird; zuletzt zeigt
sich die qualitative Veränderung, daß der Kopf, der Schweiff kahl,
der Haufe verschwunden ist.  Man vergaß bei jenem Zugeben nicht nur
die Wiederhohlung, sondern daß sich die für sich unbedeutenden
Quantitäten (wie die für sich unbedeutenden Ausgaben von einem
Vermögen) summiren, und die Summe das qualitativ Ganze ausmacht, so
daß am Ende dieses verschwunden, der Kopf kahl, der Beutel leer ist.

Die Verlegenheit, der Widerspruch, welcher als Resultat herauskommt,
ist nicht etwas Sophistisches im gebräuchlichen Sinne des Worts, als
ob solcher Widerspruch eine falsche Vorspiegelung wäre.  Das Falsche
ist, was der angenommene Andere, d. h. unser gewöhnliches Bewußtseyn
begeht, eine Quantität nur für eine gleichgültige Grenze d. h. sie
eben im bestimmten Sinne einer Quantität zu nehmen.  Diese Annahme
wird durch die Wahrheit, zu der sie geführt wird, Moment des Maaßes
zu seyn und mit der Qualität zusammenzuhängen, konfondirt; was
widerlegt wird, ist das einseitige Festhalten an der abstrakten
Quantumsbestimmtheit.--Jene Wendungen sind darum auch kein leerer
oder pedantischer Spaß, sondern in sich richtig und Erzeugnisse eines
Bewußtseyns, das ein Interesse an den Erscheinungen hat, die im
Denken vorkommen.

Das Quantum, indem es als eine gleichgültige Grenze genommen wird,
ist die Seite, an der ein Daseyn unverdächtig angegriffen und zu
Grunde gerichtet wird.  Es ist die List des Begriffes ein Daseyn an
dieser Seite zu fassen, von der seine Qualität nicht ins Spiel zu
kommen scheint,--und zwar so sehr', daß die Vergrößerung eines Staats,
eines Vermögens u.s.f. welche das Unglück des Staats, des Besitzers
herbeiführt, sogar als dessen Glück zunächst erscheint.

3.  Das Maaß ist in seiner Unmittelbarkeit eine gewöhnliche Qualität
von einer bestimmten ihr zugehörigen Größe.  Von der Seite nun, nach
welcher das Quantum gleichgültige Grenze ist, an der ohne die
Qualität zu ändern hin- und hergegangen werden kann, ist seine andere
Seite, nach welcher es qualitativ, specifisch ist, auch unterschieden.
Beides sind Größebestimmungen Eines und desselben; aber nach der
Unmittelbarkeit, in der zuerst das Maaß ist, ist ferner dieser
Unterschied als ein unmittelbarer zu nehmen, beide Seiten haben
hiernach auch eine verschiedene Existenz.  Die Existenz des Maaßes,
welche die an sich bestimmte Größe ist, ist dann in ihrem Verhalten
zu der Existenz der veränderlichen, äußerlichen Seite, ein Aufheben
ihrer Gleichgültigkeit, ein Specificiren desselben.

B.  Specificirendes Maaß.

Dasselbe ist

erstlich eine Regel, ein Maaß äußerlich gegen das bloße Quantum;

zweitens specifische Quantität, welche das äußerliche Quantum
bestimmt;

drittens verhalten sich beide Seiten als Qualitäten von specifischer
Quantitätsbestimmtheit gegeneinander, als Ein Maaß.

a.  Die Regel.

Die Regel oder der Maaßstab, von dem schon gesprochen worden, ist
zunächst als eine an sich bestimmte Größe, welche Einheit gegen ein
Quantum ist, das eine besondere Existenz ist, an einem andern Etwas,
als das Etwas der Regel ist, existirt,--an ihr gemessen, d. i. als
Anzahl jener Einheit bestimmt wird.  Diese Vergleichung ist ein
äußerliches Thun, jene Einheit selbst eine willkürliche Größe, die
ebenso wieder als Anzahl (der Fuß als eine Anzahl von Zollen) gesetzt
werden kann.  Aber das Maaß ist nicht nur äußerliche Regel, sondern
als specifisches ist es dieß, sich an sich selbst zu seinem Andern zu
verhalten, das ein Quantum ist.

b.  Das specificirende Maaß.

Das Maaß ist specifisches Bestimmen der äußerlichen Größe, d. i. der
gleichgültigen, die nun voi einer andern Existenz überhaupt an dem
Etwas des Maaßes gesetzt wird, welches zwar selbst Quantum, aber im
Unterschiede von solchem das Qualitative, bestimmend das bloß
gleichgültige, äußerliche Quantum, ist.  Das Etwas hat diese Seite
des Seyns-für-Anderes an ihm, der das gleichgültige Vermehrt- und
Vermindertwerden, zukommt.  Jenes immanente Messende ist eine
Qualität des Etwas, dem dieselbe Qualität all einem andern Etwas
gegenübersteht; aber an diesem zunächst relativ mit maaßlosem Quantum
überhaupt gegen jene, die als messend bestimmt ist.

An Etwas, insofern es ein Maaß in sich ist, kommt äußerlich eine
Veränderung der Größe seiner Qualität; es nimmt davon nicht die
arithmetische Menge an.  Sein Maaß reagirt dagegen, verhält sich als
ein Intensives gegen die Menge, und nimmt sie auf eine eigenthümliche
Weise auf; es verändert die äußerlich gesetzte Veränderung, macht aus
diesem Quantum ein Anderes, und zeigt sich durch diese Specifikation
als Fürsichseyn in dieser Äußerlichkeit.--Diese
specifisch-aufgenommene Menge ist selbst ein Quantum, auch abhängig
von der andern oder ihr als nur äußerlichen Menge.  Die specificirte
Menge ist daher auch veränderlich, aber darum nicht ein Quantum als
solches, sondern das äußere Quantum als auf eine konstante Weise
specificirt.  Das Maaß hat so sein Daseyn als ein Verhältniß, und das
Specifische desselben ist überhaupt der Exponent dieses Verhältnisses.

Im intensiven und extensiven Quantum ist es, wie sich bei diesen
Bestimmungen ergab, dasselbe Quantum, welches das einemal in der Form
der Intensität, das anderemal in der Form der Extensität vorhanden
ist.  Das zu Grunde liegende Quantum erleidet in diesem Unterschiede
keine Veränderung, dieser ist nur eine äußere Form.  In dem
specificirenden Maaße hingegen ist das Quantum das eine Mal in seiner
unmittelbaren Größe, das andere Mal aber wird es durch den
Verhältnisexponenten in einer andern Anzahl genommen.

Der Exponent, der das Specifische ausmacht, kann zunächst ein fixes
Quantum zu seyn scheinen, als Quotient des Verhältnisses zwischen dem
äußerlichen und dem qualitativ bestimmten.  Aber so wäre er nichts
als ein äußerliches Quantum; es ist unter dem Exponenten hier nichts
Anderes als das Moment des Qualitativen selbst zu verstehen, welches
das Quantum als solches specificirt.  Das eigentlich immanente
Qualitative des Quantums ist, wie sich früher ergeben hat, nur die
Potenz-Bestimmung.  Eine solche muß es seyn, welche das Verhältniß
konstituirt, und die hier als die an sich seyende Bestimmung dem
Quantum als der äußerlichen Beschaffenheit gegenübergetreten ist.
Dieses hat zu seinem Princip das numerische Eins, das dessen
An-sich-Bestimmtseyn ausmacht; und die Beziehung des numerischen Eins
ist die äußerliche und die nur durch die Natur des unmittelbaren
Quantums als solchen bestimmte Veränderung besteht für sich in dem
Hinzutreten eines solchen numerischen Eins und wieder eines solchen
und so fort.  Wenn so das äußerliche Quantum in arithmetischer
Progression sich verändert, so bringt die specificirende Reaktion der
qualitativen Natur des Maaßes eine andere Reihe hervor, welche sich
auf die erste bezieht, init ihr zu- und abnimmt, aber nicht in einem
durch einen Zahlexponenten bestimmten, sondern einer Zahl
inkommensurabeln Verhältnisse, nach einer Potenzenbestimmung.

Anmerkung.

Um ein Beispiel anzuführen, so ist die Temperatur eine Qualität, an
der diese beiden Seiten, äußerliches und specificirtes Quantum zu
seyn, sich unterscheiden.  Als Quantum ist sie äußerliche Temperatur
und zwar auch eines Körpers als allgemeinen Mediums, von der
angenommen wird, daß ihre Veränderung an der Skale der arithmetischen
Progression fortgehe und daß sie gleichförmig zuoder abnehme, wogegen
sie von den verschiedenen in ihr befindlichen besondern Körpern
verschieden aufgenommen wird, indem dieselben durch ihr immanentes
Maaß die äußerlich empfangene Temperatur bestimmen, die
Temperatur-Veränderung derselben nicht der des Mediums oder ihrer
untereinander im direkten Verhältnisse entspricht.  Verschiedene
Körper in einer und derselben Temperatur verglichen, geben
Verhältnißzahlen ihrer specifischen Wärmen, ihrer Wärme-Kapacitäten.
Aber diese Kapacitäten der Körper ändern sich in verschiedenen
Temperaturen, womit das Eintreten einer Veränderung der specifischen
Gestalt sich verbindet.  In der Vermehrung oder Verminderung der
Temperatur zeigt sich somit eine besondere Specifikation.  Das
Verhältniß der Temperatur, die als äußerliche vorgestellt wird, zur
Temperatur eines bestimmten Körpers, die zugleich von jener abhängig
ist, hat nicht einen festen Verhältnissexponenten; die Vermehrung
oder Verminderung dieser Wärme geht nicht gleichförmig mit der Zu-
und Abnahme der äußerlichen fort.--Es wird hierbei eine Temperatur
als äußerlich überhaupt angenommen, deren Veränderung bloß äußerlich
oder rein quantitativ sey.  Sie ist jedoch selbst Temperatur der Luft
oder sonst specifische Temperatur.  Näher betrachtet würde daher das
Verhältniß eigentlich nicht als Verhältniß von einem bloß
quantitativen zu einem qualificirenden, sondern von zwei specifischen
Quantis zu nehmen seyn.  Wie sich das specificirende Verhältniß
gleich weiter bestimmen wird, daß die Momente des Maaßes nicht nur in
einer quantitativen und einer das Quantum qualificirenden Seite einer
und derselben Qualität bestehen, sondern im Verhältnisse zweier
Qualitäten, welche an ihnen selbst Maaße sind.

c.  Verhältniß beider Seiten als Qualitäten.

l.  Die qualitative, an sich bestimmte Seite des Quantums ist nur als
Beziehung auf das äußerlich Quantitative; als Specificiren desselben
ist sie das Aufheben seiner Äußerlichkeit, durch welche das Quantum
als solches ist; sie hat so dasselbe zu ihrer Voraussetzung und fängt
von ihm an.  Dieses aber ist von der Qualität selbst auch qualitativ
unterschieden; dieser Unterschied beider ist in der Unmittelbarkeit
des Seyns überhaupt, in welcher das Maaß noch ist, zu setzen, so sind
beide Seiten qualitativ gegeneinander, und jede für sich ein solches
Daseyn; und das eine zunächst nur als formelle, an ihm unbestimmte
Quantum ist das Quantum eines Etwas und seiner Qualität, und wie sich
deren Beziehung auf einander nun zum Maaße überhaupt bestimmt hat,
gleichfalls die specifische Größe dieser Qualitäten.  Diese
Qualitäten sind nach der Maaßbestimmung im Verhältniß zu einander;
diese ist ihr Exponent, sie sind aber an sich schon im Fürsichseyn
des Maaßes aufeinander bezogen, das Quantum ist in seinem Doppelseyn
als äußerliches und specifisches, so daß jede der unterschiedenen
Quantitäten diese zweifache Bestimmung an ihr hat und zugleich
schlechthin mit der andern verschränkt ist; eben darin allein sind
die Qualitäten bestimmt.  Sie sind so nicht nur für einander seyendes
Daseyn überhaupt, sondern untrennbar gesetzt; und die an sie
geknüpfte Größebestimmtheit ist eine qualitative Einheit,--Eine
Maaßbestimmung, in der sie ihrem Begriffe nach, an sich
zusammenhängen.  Das Maaß ist so das immanente quantitative Verhalten
zweier Qualitäten zu einander.

2.  Im Maaß tritt die wesentliche Bestimmung der veränderlichen Größe
ein, denn es ist das Quantum als aufgehoben, also nicht mehr als das,
was es seyn soll uni Quantum zu seyn, sondern als Quantum und
zugleich als etwas Anderes; dieß Andere ist das Qualitative, und wie
bestimmt worden, nichts anderes als das Potenzenverhältniß desselben.
Im unmittelbaren Maaße ist diese Veränderung noch nicht gesetzt; es
ist nur irgend und zwar ein einzelns Quantum überhaupt, an das eine
Qualität geknüpft ist.  Im Specificiren des Maaßes, der
vorhergehenden Bestimmung, als einer Veränderung des bloß äußerlichen
Quantums durch das Qualitative ist Unterschiedenheit beider
Größebestimmtheiten und damit überhaupt die Mehrheit voll Maaßen an
einem gemeinschaftlichen äußerlichen Quantum gesetzt; das Quantum
zeigt sich erst als daseyendes Maaß in solcher Unterschiedenheit
seiner von sich selbst, indem es, ein und dasselbe (z.B. dieselbe
Temperatur des Mediums), zugleich als verschiedenes und zwar
quantitatives Daseyn (--in den verschiedenen Temperaturen der in
jenem befindlichen Körper) hervortritt.  Diese Unterschiedenheit des
Quantums in den verschiedenen Qualitäten--den verschiedenen Körpern,
--giebt eine weitere, diejenige Form des Maaßes, in welcher beide
Seiten als qualitativ bestimmte Quanta sich zu einander verhalten,
was das realisirte Maaß genannt werden kann.

Die Größe ist als eine Größe überhaupt veränderlich, denn ihre
Bestimmtheit ist als eine Grenze, die zugleich keine ist; die
Veränderung betrifft insofern nur ein besonderes Quantum, an dessen
Stelle ein anderes gesetzt wird; die wahrhafte Veränderung aber ist
die des Quantums als solchen; dieß giebt die, so gefaßt, interessante
Bestimmung der veränderlichen Größe in der höhern Mathematik; wobei
nicht bei dem Formellen der Veränderlichkeit überhaupt stehen zu
bleiben, noch andere als die einfache Bestimmung des Begriffs
herbeizunehmen ist, nach welcher das Andere des Quantums nur das
Qualitative ist.  Die wahrhafte Bestimmung also der reellen
veränderlichen Größe ist, daß sie die qualitativ, hiermit, wie zur
Genüge gezeigt worden, die durch ein Potenzenverhältniß bestimmte ist;
in dieser veränderlichen Größe ist es gesetzt, daß das Quantum nicht
als solches gilt, sondern nach seiner ihm andern Bestimmung, der
qualitativen.

Die Seiten dieses Verhaltens haben nach ihrer abstrakten Seite als
Qualitäten überhaupt irgend eine besondere Bedeutung, z.B. Raum und
Zeit.  In ihrem Maaßverhältniß als Größebestimmtheiten zunächst
überhaupt genommen, ist die eine davon Anzahl, die in äußerlicher,
arithmetischer Progression auf- und abgeht, die andere eine Anzahl,
die durch jene, welche Einheit für sie ist, specifisch bestimmt wird.
Insofern jede ebenso nur eine besondere Qualität überhaupt wäre,
läge kein Unterschied in ihnen, welche von den beiden, in Rücksicht
auf ihre Größen-Bestimmung als die bloß äußerlich quantitative, und
welche als die in quantitativer Specifikation sich verändernde
genommen werde.  Wenn sie sich z.B. als Wurzel und Quadrat
verhalten, ist es gleichviel, an welcher die Vermehrung oder
Verminderung als bloß äußerlich, in arithmetischer Progression
fortgehend, und welche dagegen an diesem Quantum sich specifisch
bestimmend angesehen wird.

Aber die Qualitäten sind nicht unbestimmt verschieden gegen einander,
denn in ihnen soll als Momenten des Maaßes die Qualifikation
desselben liegen.  Die nächste Bestimmtheit der Qualitäten selbst ist,
der einen, das Extensive, die Äußerlichkeit an ihr selbst zu seyn,
der andern, das Intensive, das Insichseyende oder Negative gegen jene.
Von den quantitativen Momenten kommt hiernach jener die Anzahl,
dieser die Einheit zu, im einfachen direkten Verhältnisse ist jene
als der Dividend, diese als Divisor, im specificirenden Verhältniß
jene als die Potenz oder das Anderswerden, diese als Wurzel zu nehmen.
Insofern hier noch gezählt, d. i. auf das äußerliche Quantum, (das
so als die ganz zufällige, empirischgenannte Größebestimmtheit ist)
reflektirt, hiermit die Veränderung gleichfalls auch als in
äußerlicher, arithmetischer Progression fortgehend genommen wird, so
fällt dieß auf die Seite der Einheit, der intensiven Qualität, die
äußerliche, extensive Seite hingegen ist als in der specificirten
Reihe sich verändernd darzustellen.  Aber das direkte Verhältniß (wie
die Geschwindigkeit überhaupt, s/t) ist hier zur formellen, nicht
existirenden, sondern nur der abstrahirenden Reflexion angehörigen
Bestimmung herabgesetzt; und wenn noch im Verhältniß von Wurzel und
Quadrat (wie in s = at[hoch 2]) die Wurzel als empirisches Quantum
und in arithmetischer Progression fortgehend, die andere Seite aber
als specificirt zu nehmen ist, so ist die höhere dem Begriffe
entsprechendere Realisation der Qualifikation des Quantitativen diese,
daß beide Seiten in höhern Potenzenbestimmungen (wie s[hoch 3] =
at[hoch 2] der Fall ist) sich verhalten.

Anmerkung.

Das hier Erörterte in Rücksicht des Zusammenhangs der qualitativen
Natur eines Daseyns und seiner Quantitätsbestimmung im Maaße, hat
seine Anwendung in dem schon angedeuteten Beispiel der Bewegung,
zunächst daß in der Geschwindigkeit, als dem direkten Verhältnisse
von durchlaufenem Raume und verflossener Zeit, die Größe der Zeit als
Nenner, die Größe des Raums dagegen als Zähler, angenommen wird.
Wenn Geschwindigkeit überhaupt nur ein Verhältniß vom Raum und der
Zeit einer Bewegung ist, so ist es gleichgültig, welches von beiden
Momenten als die Anzahl oder als die Einheit betrachtet werden soll.
Aber Raum, wie in der specifischen Schwere das Gewicht, ist
äußerliches, reales Ganzes überhaupt, somit Anzahl, die Zeit hingegen,
wie das Volumen, ist das Ideelle, das Negative, die Seite der
Einheit.--Wesentlich aber gehört hierher das wichtigere Verhältniß,
daß in der freien Bewegung,--zuerst der noch bedingten--, des Falls,
Zeitund Raum-Quantität, jene als Wurzel, diese als Quadrat,--oder in
der absolutfreien Bewegung der Himmelskörper die Umlaufszeit und die
Entfernung, jene um eine Potenz tiefer als diese,--jene als Quadrat,
diese als Kubus gegen einander bestimmt seyen.  Dergleichen
Grundverhältnisse beruhen auf der Natur der im Verhältniß stehenden
Qualitäten, des Raums und der Zeit, und der Art der Beziehung, in
welcher sie stehen, entweder als mechanische Bewegung d. i. als
unfreie, durch den Begriff der Momente nicht bestimmte, oder als Fall
d. i. bedingtfreie, oder als absolutfreie himmlische Bewegung;--
welche Arten der Bewegung ebensowohl als deren Gesetze auf der
Entwicklung des Begriffs ihrer Momente, des Raums und der Zeit,
beruhen, indem diese Qualitäten als solche, an sich d. i. im Begriffe
sich als untrennbar erweisen, und ihr quantitatives Verhältniß das
Fürsichseyn des Maaßes, nur Eine Maaßbestimmung ist.

In Rücksicht auf die absoluten Maaßverhältnisse darf wohl erinnert
werden, daß die Mathematik der Natur, wenn sie des Namens von
Wissenschaft würdig seyn will, wesentlich die Wissenschaft der Maaße
seyn müsse,--eine Wissenschaft für welche empirisch wohl viel, aber
eigentlich wissenschaftlich d. i. philosophisch, noch wenig gethan
ist.  Mathematische Principien der Naturphilosophie,--wie Newton sein
Werk genannt hat,--wenn sie diese Bestimmung in einem tiefern Sinn
erfüllen sollten, als er und das ganze bakonische Geschlecht von
Philosophie und Wissenschaft hatte, müßten ganz andere Dinge
enthalten, um ein Licht in diese noch dunkeln aber höchst
betrachtungswürdigen Regionen zu bringen.--Es ist ein großes
Verdienst, die empirischen Zahlen der Natur kennen zu lernen, z.B.
Entfernungen der Planeten von einander; aber ein unendlich größeres,
die empirischen Quanta verschwinden zu machen, und sie in eine
allgemeine Form von Quantitätsbestimmungen zu erheben, so daß sie
Momente eines Gesetzes oder Maaßes werden;--unsterbliche Verdienste,
die sich z.B. Galilei in Rücksicht auf den Fall, und Keppler in
Rücksicht auf die Bewegung der himmlischen Körper erworben hat.  Sie
haben die Gesetze, die sie gefunden haben, so erwiesen, daß sie
gezeigt haben, daß ihnen der Umfang der Einzelnheiten der Wahrnehmung
entspricht.  Es muß aber noch ein höheres Beweisen dieser Gesetze
gefordert werden; nämlich nichts anders als daß ihre
Quantitätsbestimmungen aus den Qualitäten, oder bestimmten Begriffen,
die bezogen sind, (wie Zeit und Raum) erkannt werden.  Von dieser Art
des Beweisens findet sich in jenen mathematischen Principien der
Naturphilosophie, so wie in den fernern Arbeiten dieser Art, noch
keine Spur.  Es ist oben bei Gelegenheit des Scheins mathematischer
Beweise von Naturverhältnissen, der sich auf den Mißbrauch des
Unendlichkleinen gründet, bemerkt worden, daß der Versuch, solche
Beweise eigentlich mathematisch d. h. weder aus der Empirie noch aus
dem Begriffe, zu führen, ein widersinniges Unternehmen ist.  Diese
Beweise setzen ihre Theoreme, eben jene Gesetze, aus der Erfahrung
voraus; was sie leisten, besteht darin, sie auf abstrakte Ausdrücke
und bequeme Formeln zu bringen.  Das ganze reelle Verdienst, das
Newton im Vorzug gegen Keppler in Beziehung auf die nämlichen
Gegenstände zugeschrieben wird, wird, das Scheingerüste von Beweisen
abgezogen,--ohne Zweifel bei gereinigterer Reflexion über das, was
die Mathematik zu leisten vermag und was sie geleistet hat, einst mit
deutlicher Kenntniß auf jene Umformung des Ausdrucks S Encyklop. der
philos.  Wissensch.  Anm. zu _. 270. über die Umformung des
kepplerischen s[hoch 3]/t[hoch 2] in [s[hoch 2]./t[hoch 2] in das
newtonische, indem der Theil s/t[hoch 2] die Kraft der Schwere
genannt worden ist. und der den Anfängen nach eingeführten
analytischen Behandlung, eingeschränkt werden.

C.  Das Fürsichseyn im Maaße.

1.  In der so eben betrachteten Form des specificirten Maaßes ist das
Quantitative beider Seiten qualitativ bestimmt, (beide im
Potenzen-Verhältniß); sie sind so Momente Einer Maaßbestimmtheit von
qualitativer Natur.  Dabei sind aber die Qualitäten nur erst noch als
unmittelbare, nur verschiedene gesetzt, die nicht selbst in jenem
Verhältnisse stehen, in welchem ihre Größebestimmtheiten sind,
nämlich außer solchem Verhältnisse, keinen Sinn noch Daseyn zu haben,
was die Potenzenbestimmtheit der Größe enthält.  Das Qualitative
verhüllt sich so, als nicht sich selbst, sondern die
Größebestimmtheit specificirend; nur als an dieser ist es gesetzt,
für sich aber unmittelbare Qualität als solche, die außerhalb dessen,
daß die Größe von ihr in Differenz gesetzt wird, und außer ihrer
Beziehung auf ihre andere, noch für sich bestehendes Daseyn habe.  So
Raum und Zeit gelten beide außer jener Specifikation, die ihre
Größebestimmtheit in der Bewegung des Falles oder in der
absolutfreien Bewegung erhält, als Raum überhaupt, Zeit überhaupt,
der Raum bestehend für sich außer und ohne die Zeit als dauernd, und
die Zeit als für sich fließend unabhängig vom Raume.

Diese Unmittelbarkeit des Qualitativen gegen seine specifische
Maaßbeziehung ist aber ebenso sehr mit einer quantitativen
Unmittelbarkeit und der Gleichgültigkeit eines Quantitativen an ihm
gegen dieß sein Verhältniß verknüpft; die unmittelbare Qualität hat
auch ein nur unmittelbares Quantum.  Daher hat denn das specifische
Maaß auch eine Seite zunächst äußerlicher Veränderung, deren Fortgang
bloß arithmetisch ist, von jenem nicht gestört wird, und in welche
die äußerliche, darum nur empirische Größebestimmtheit fällt.
Qualität und Quantum auch so außer dem specifischen Maaße auftretend,
sind zugleich in der Beziehung auf dieses; die Unmittelbarkeit ist
ein Moment von solchen, die selbst zum Maaße gehören.  So sind die
unmittelbaren Qualitäten dem Maaße auch angehörig, gleichfalls in
Beziehung, und stehen nach der Größebestimmtheit in einem Verhältniß,
welches als außerhalb des specificirten, der Potenzbestimmung, selbst
nur das direkte Verhältniß, und unmittelbares Maaß ist.  Diese
Folgerung und deren Zusammenhang ist näher anzugeben.

2.  Das unmittelbar bestimmte Quantum als solches ist, wenn es auch
als Maaßmoment sonst an sich in einem Begriffszusammenhang begründet
ist, in der Beziehung zu dem specifischen Maaße als ein äußerlich
gegebenes.  Die Unmittelbarkeit, die hiermit gesetzt ist, ist aber
die Negation der qualitativen Maaßbestimmung; dieselbe wurde vorhin
an den Seiten dieser Maaßbestimmung aufgezeigt, welche darum als
selbstständige Qualitäten erschienen.  Solche Negation und das
Zurückkehren zur unmittelbaren Quantitätsbestimmtheit liegt in dem
qualitativbestimmten Verhältnisse insofern, als das Verhältniß
Unterschiedener überhaupt deren Beziehung als Eine Bestimmtheit
enthält, die hiermit hier im Quantitativen, unterschieden von der
Verhältnißbestimmung, ein Quantum ist.  Als Negation der
unterschiedenen qualitativbestimmten Seiten ist dieser Exponent ein
Fürsichseyn, das Schlechthin-bestimmtseyn; aber ist solches
Fürsichseyn nur an sich; als Daseyn ein einfaches, unmittelbares
Quantum, Quotient oder Exponent als eines Verhältnisses der Seiten
des Maaßes, dieß Verhältniß als ein direktes genommen; aber überhaupt
die als empirisch erscheinende Einheit in dem Quantitativen des
Maaßes.--Im Falle der Körper stehen die durchloffenen Räume im
Verhältnisse des Quadrats der verflossenen Zeiten; s = at[hoch 2];
--dieß ist das specifisch-bestimmte, ein Potenzenverhälntiß des Raums
und der Zeit, das andere, das direkte Verhältniß, käme dem Raum und
der Zeit, als gegeneinander gleichgültigen Qualitäten, zu, es soll
das des Raumes zu dem ersten Zeitmomente seyn, derselbe Koefficient,
a, bleibt in allen folgenden Zeitpunkten;--die Einheit als ein
gewöhnlichts Quantum fur die übrigens durch das specificirende Maaß
bestimmte Anzahl.  Sie gilt zugleich als der Exponent jenes direkten
Verhältnisses, welches der vorgestellten schlechten, d. i. formellen,
nicht durch den Begriffs specifisch bestimmten Geschwindigkeit
zukommt.  Solche Geschwindigkeit existirt hier nicht, so wenig als
die früher erwähnte, die dem Körper am Ende eines Zeitmoments
zukommen sollte.  Jene wird dem ersten Zeitmomente des Falles
zugeschrieben, aber dieser sogenannte Zeitmoment ist eine selbst nur
angenommene Einheit, und hat als solcher atomer Punkt kein Daseyn;
der Anfang der Bewegung,--die Kleinheit, die für diesen vorgegeben
wird, könnte keinen Unterschied machen,--ist sogleich eine Größe und
zwar eine durch das Gesetz des Falles specificirte Größe.  Jenes
empirische Quantum wird der Kraft der Schwere zugeschrieben, so daß
diese Kraft selbst keine Beziehung auf die vorhandene Specifikation,
(die Potenzenbestimmtheit), auf das Eigenthümliche der Maaßbestimmung
haben soll.  Das unmittelbare Moment, daß in der Bewegung des Falles
auf eine Zeiteinheit (--eine Sekunde und zwar die sogenannte erste--)
die Anzahl von etwa fünfzehn räumlichen Einheiten, die als Fuße
angenommen sind, komme, ist ein unmittelbares Maaß, wie die Maaßgröße
der menschlichen Gliedmaaßen, die Distanzen, Durchmesser der Planeten
u.s.f.  Die Bestimmung solchen Maaßes fällt anderswohin, als
innerhalb der qualitativen Maaßbestimmung hier des Gesetzes des
Falles selbst; wovon aber solche Zahlen, das nur unmittelbar, daher
als empirisch erscheinende eines Maaßes, abhängen, darüber haben uns
die konkreten Wissenschaften noch keinen Aufschluß gegeben.  Hier
haben wir es nur mit dieser Begriffsbestimmtheit zu thun; diese ist,
daß jener empirische Koefficient das Fürsichseyn in der
Maaßbestimmung ausmacht, aber nur das Moment des Fürsichseyns,
insofern dasselbe an sich und daher als unmittelbares ist.  Das
andere ist das Entwickelte dieses Fürsichseyns, die specifische
Maaßbestimmtheit der Seiten.--Die Schwere, im Verhältnisse des
Fallens, einer zwar noch halb bedingten und nur halbfreien Bewegung,
ist nach diesem zweiten Momente als eine Naturkraft anzusehen, so daß
durch die Natur der Zeit und des Raums ihr Verhältniß bestimmt ist,
und daher in die Schwere jene Specifikation, das Potenzenverhältniß,
fällt; jenes das einfache direkte Verhältniß drückt nur ein
mechanisches Verhalten der Zeit und des Raumes aus, die formelle,
äußerliche hervorgebrachte und determinirte Geschwindigkeit.

3.  Das Maaß hat sich dahin bestimmt, ein specificirtes
Größenverhältniß zu seyn, das als quantitativ das gewohnliche
außerliche Quantum an ihm hat; dieses aber ist nicht ein Quantum
überhaupt, sondern wesentlich als Bestimmungsmoment des Verhältnisses
als solchen; es ist so Exponent, und als nun unmittelbares
Bestimmtseyn ein unveränderlicher Exponent, somit des schon erwähnten
direkten Verhaltnisses derselben Qualitäten, durch welches zugleich
ihr Größenverhältniß zu einander specifisch bestimmt wird.  Dieses
direkte Verhältniß ist im gebrauchten Beispiel des Maaßes der
Fallbewegung gleichsam anticipirt und als vorhanden angenommen; aber
wie bemerkt existirt es in dieser Bewegung noch nicht.--Es macht aber
die weitere Bestimmung aus, daß das Maaß nun auf die Weise realisirt
ist, daß seine beiden Seiten Maaße, unterschieden als unmittelbares,
äußerliches, und als in sich specificirtes, sind, und es die Einheit
derselben ist.  Als diese Einheit enthält das Maaß das Verhältniß, in
welchem die Größen durch die Natur der Qualitäten bestimmt und
different gesetzt sind, und dessen Bestimmtheit daher ganz immanent
und selbstständig, zugleich in das Fürsichseyn des unmittelbaren
Quantums, den Exponenten eines direkten Verhältnisses, zusammen
gegangen ist; seine Selbstbestimmung ist darin negirt, indem es in
diesem seinem Andern die letzte, fürsichseyende Bestimmtheit hat; und
umgekehrt hat das unmittelbare Maaß welches an ihm selbst qualitativ
seyn soll, an jenem erst in Wahrheit die qualitative Bestimmtheit.
Diese negative Einheit ist reales Fürsichseyn, die Kategorie eines
Etwas, als Einheit von Qualitäten, die im Maaßverhältnisse sind;
--eine volle Selbstständigkeit.  Unmittelbar geben die beiden, welche
sich als zwei verschiedene Verhältnisse ergeben haben, auch ein
zweifaches Daseyn, oder näher solches selbstständige Ganze ist als
Fürsichseyendes überhaupt zugleich ein Abstoßen in sich selbst in
unterschiedene Selbstständige, deren qualitative Natur und Bestehen
(Materialität) in ihrer Maaßbestimmtheit liegt.



Zweites Kapitel.  Das reale Maaß


Das Maaß ist bestimmt zu einer Beziehung von Maaßen, welche die
Qualität unterschiedener selbstständiger Etwas, geläufiger: Dinge
ausmachen.  Die so eben betrachteten Maaßverhältnisse gehören
abstrakten Qualitäten, wie dem Raume und der Zeit, an; zu den im
bevorstehenden zu betrachtenden sind specifische Schwere, weiterhin
die chemischen Eigenschaften die Beispiele, welche als Bestimmungen
materieller Existenzen sind.  Raum und Zeit sind auch Momente solcher
Maaße, die aber nun weitern Bestimmungen untergeordnet, nicht mehr
nur nach ihrer eigenen Begriffsbestimmung sich zu einander verhalten.
Im Klange z.B. ist die Zeit, in welcher eine Anzahl der
Schwingungen erfolgt, das Räumliche der Länge, Dicke, des
schwingenden Körpers, unter den Bestimmungsmomenten; aber die Größen
jener ideellen Momente sind äußerlich bestimmt, sie zeigen sich nicht
mehr in einem Potenzen-, sondern in gewöhnlichem direkten
Verhältnisse gegeneinander, und das Harmonische reducirt sich auf die
ganz äußerliche Einfachheit von Zahlen, deren Verhältnisse sich am
leichtesten auffassen lassen, und damit eine Befriedigung gewähren,
die ganz der Empfindung anheimfällt, da für den Geist keine
Vorstellung, Phantasiebild, Gedanke und dergleichen ihn Erfüllendes
vorhanden ist.  Indem die Seiten, welche nun das Maaßverhältniß
ausmachen, selbst Maaße, aber zugleich reelle Etwas sind, sind ihre
Maaße zunächst unmittelbare Maaße und als Verhältnisse an ihnen,
direkte Verhältnisse.  Es ist das Verhältniß solcher Verhältnisse zu
einander, welches nun in seiner Fortbestimmung zu betrachten ist.

Das Maaß, wie es so nunmehr reales ist, ist

erstens ein selbstständiges Maaß einer Körperlichkeit, das sich zu
andern verhält und in diesem Verhalten dieselben, so wie damit die
selbstständige Materialität, specificirt.  Diese Specifikation, als
ein äußerliches Beziehen zu vielen Andern überhaupt ist das
Hervorbringen anderer Verhältnisse, somit anderer Maaße, und die
specifische Selbstständigkeit bleibt nicht in einem direkten
Verhältnisse, bestehen, sondern geht in specifische Bestimmtheit, die
eine Reihe von Maaßen ist, über.

Zweitens sind die dadurch entstehenden direkten Verhältnisse, an sich
bestimmte und ausschließende Maaße, (Wahlverwandschaften); indem aber
ihr Unterschied von einander zugleich nur quantitativ ist, so ist ein
Fortgang von Verhältnissen vorhanden, der zum Theil bloß äußerlich
quantitativ ist, aber auch durch qualitative Verhältnisse
unterbrochen wird, und eine Knotenlinie von specifischen
Selbstständigen bildet.

Drittens aber tritt in diesem Fortgange für das Maaß die
Maaßlosigkeit überhaupt, und bestimmter die Unendlichkeit des Maaßes
ein, in welcher die sich ausschließenden Selbstständigkeiten Eins mit
einander sind, und das Selbstständige in negative Beziehung zu sich
selbst tritt.

A.  Das Verhältniß selbstständiger Maaße.

Die Maaße heißen nun nicht mehr bloß unmittelbare, sondern
selbstständige, insofern sie an ihnen selbst zu Verhältnissen von
Maaßen, welche specificirt sind, so in diesem Fürsichseyn Etwas,
physikalische, zunächst materielle Dinge sind.  Das Ganze, welches
ein Verhältniß solcher Maaße ist, ist aber

a.  zunächst selbst unmittelbar; so sind die beiden Seiten, welche als
solche selbstständige Maaße bestimmt sind, außer einander an
besondern Dingen bestehend, und werden äußerlich in Verbindung
gesetzt;

b.  die selbstständigen Materialitäten sind aber, was sie qualitativ
sind, nur durch die quantitative Bestimmung, die sie als Maaße haben,
somit durch selbst quantitative Beziehung auf andere, als different
dagegen (sogenannte Affinität) und zwar als Glieder einer Reihe
solchen quantitativen Verhaltens bestimmt;

c.  dieses gleichgültige mannigfaltige Verhalten schließt sich
zugleich zum ausschließenden Fürsichseyn ab;--sogenannte
Wahlverwandschaft.

a.  Verbindung zweier Maaße.

Etwas ist in sich als Maaßverhältniß von Quantis bestimmt, welche
ferner Qualitäten zukommen, und das Etwas ist die Beziehung von
diesen Qualitäten.  Die eine ist dessen Insichseyn, wonach es ein
Fürsichseyendes,--Materielles--ist, (wie intensiv genommen, das
Gewicht, oder extensiv, die Menge aber von materiellen Theilen); die
andere aber ist die Äußerlichkeit dieses Insichseyns, (das Abstrakte,
Ideelle, der Raum.) Diese Qualitäten sind quantitativ bestimmt, und
das Verhältniß derselben zu einander macht die qualitative Natur des
materiellen Etwas aus;--das Verhältniß des Gewichts zum Volumen, die
bestimmte specifische Schwere.  Das Volumen, das Ideelle, ist als die
Einheit anzunehmen, das Intensive aber, das in quantitativer
Bestimmtheit und in der Vergleichung mit jenem als extensive Größe,
Menge von fürsichseyenden Eins erscheint, als die Anzahl.--Das reine
qualitative Verhalten der beiden Größebestimmtheiten, nach einem
Potenzenverhältniß ist darin verschwunden, daß in der
Selbstständigkeit des Fürsichseyns (--materiellen Seyns--) die
Unmittelbarkeit zurückgekehrt ist, an welcher die Größebestimmtheit
ein Quantum als solches, und das Verhältniß eines solchen zu der
andern Seite ebenfalls in dem gewöhnlichen Exponenten eines direkten
Verhältnisses bestimmt ist.

Dieser Exponent ist das specifische Quantum des Etwas, aber er ist
unmittelbares Quantum und dieses, damit die specifische Natur von
solchem Etwas, ist nur in der Vergleichung mit andern Exponenten
solcher Verhältnisse bestimmt.  Er macht das specifische
An-sich-bestimmtseyn, das innere eigenthümliche Maaß von Etwas aus;
aber indem dieses sein Maaß auf dem Quantum beruht, ist es auch nur
als äußerliche, gleichgültige Bestimmtheit, und solches Etwas ist
dadurch der innerlichen Maaßbestimmung ungeachtet veränderlich.  Das
Andere, zu dem es als veränderlich sich verhalten kann, ist nicht
eine Menge von Materie, ein Quantum überhaupt; hiergegen hält sein
specifisches Ansichbestimmtseyn aus, sondern ein Quantum, das
zugleich ebenso Exponent solchen specifischen Verhältnisses ist.  Es
sind zwei Dinge, von verschiedenem inneren Maaße, die in Beziehung
stehen, und in Verbindung treten; wie zwei Metalle voll verschiedener
specifischer Schwere;--welche Gleichartigkeit ihrer Natur, daß es z.
B. nicht ein Metall ist, von dessen Verbindung mit Wasser die Rede
wäre, sonst zur Möglichkeit solcher Verbindung erforderlich sey,
gehört nicht hierher zu betrachten.--Einer Seits erhält sich nun
jedes der beiden Maaße in der Veränderung, die an dasselbe durch die
Äußerlichkeit des Quantums kommen sollte, weil es Maaß ist, anderer
Seits aber ist dieses Sich-erhalten selbst ein negatives Verhalten zu
diesem Quantum, eine Specifikation desselben, und da dasselbe
Exponent des Maaß Verhältnisses ist, eine Veränderung des Maaßes
selbst und zwar eine gegenseitige Specifikation.

Nach der bloß quantitativen Bestimmung wäre die Verbindung ein bloßes
Summiren der zwei Größen der einen, und der zwei der andern Qualität,
z.B. die Summe der beiden Gewichte und der beiden Volumen bei der
Verbindung zweier Materien von verschiedener specifischer Schwere, so
daß nicht nur das Gewicht des Gemisches gleich jener Summe bliebe,
sondern auch der Raum, den dasselbe einnimmt, gleich der Summe jener
Räume.  Allein nur das Gewicht findet sich als die Summe der Gewichte,
--die vor der Verbindung vorhanden waren; es summirt sich die Seite,
welche als die für sichseyende zum festen Daseyn und damit von
bleibendem unmittelbaren Quantum geworden ist,--das Gewicht der
Materie, oder was für dasselbe nach der Rücksicht der quantitativen
Bestimmtheit gilt, die Menge der materiellen Theile.  Aber in die
Exponenten fällt die Veränderung, indem sie der Ausdruck der
qualitativen Bestimmtheit, des Fürsichseyns als Maaß-Verhältnisse
sind, welches, indem das Quantum als solches die zufällige,
äußerliche Veränderung durch Zusatz, der summirt wird, erleidet,
zugleich sich als negirend gegen diese Äußerlichkeit erweist.

Dieses immanente Bestimmen des Quantitativen, da es, wie gezeigt,
nicht am Gewichte erscheinen kann, erweist sich an der andern
Qualität, welche die ideelle Seite des Verhältnisses ist.  Für die
sinnliche Wahrnehmung kann es auffallend seyn, daß sich nach der
Vermischung zweier specifisch verschiedener Materien eine Veränderung,
--gewöhnlich eine Verminderung,--des summirten Volumens zeigt; der
Raum selbst macht das Bestehen der außereinanderseyenden Materie aus.
Aber dieß Bestehen, gegen die Negativität, welche das Fürsichseyn in
sich enthält, ist das nicht an sich Seyende, das Veränderliche; der
Raum wird auf diese Weise als das, was er wahrhaft ist, als das
Ideelle gesetzt.

Es ist aber hiermit nicht nur die eine der qualitativen Seiten als
veränderlich gesetzt sondern das Maaß selbst, und damit die darauf
gegründete qualitative Bestimmtheit des Etwas hat sich so gezeigt,
nicht an ihm selbst ein Festes zu seyn, sondern, wie das Quantum
überhaupt, seine Bestimmtheit in andern MaaßVerhältnissen zu haben.

b.  Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen.

1.  Wenn Etwas, das mit Anderm vereint wird, und ebenso dieß Andere
nur durch die einfache Qualität bestimmt, das wäre, was es ist, so
würden sie in dieser Verbindung nur sich aufheben, aber Etwas, das
Maaßverhältniß in sich ist, ist selbstständig, aber dadurch zugleich
vereinbar mit einem eben solchen; indem es in dieser Einheit
aufgehoben wird, erhält es sich durch sein gleichgültiges,
quantitatives Bestehen, und verhält sich zugleich als specificirendes
Moment eines neuen Maaßverhältnisses.  Seine Qualität ist eingehüllt
in das Quantitative; damit ist sie ebenso gleichgültig gegen das
andere Maaß, kontinuirt sich in dasselbe und in das neue gebildete
Maaß hinein; der Exponent des neuen Maaßes ist selbst nur irgend ein
Quantum, äußerliche Bestimmtheit; stellt sich als Gleichgültigkeit
darin dar, daß das specifisch-bestimmte Etwas mit andern eben solchen
Maaßen eben dergleichen Neutralisirungen der beiderseitigen
Maaßverhältnisse eingeht; in nur Einem, von ihm und einem andern
gebildeten, drückt sich seine specifische Eigenthümlichkeit nicht aus.

2.  Diese Verbindung mit Mehrern, die gleichfalls Maaße an ihnen sind,
giebt verschiedene Verhältnisse, die also verschiedene Exponenten
haben.  Das Selbstständige hat den Exponenten seines
An-sich-bestimmtseyns nur in der Vergleichung mit andern; die
Neutralität mit andern aber macht seine reelle Vergleichung mit
denselben aus; es ist seine Vergleichung mit ihnen durch sich selbst.
Die Exponenten dieser Verhältnisse aber sind verschieden, und es
stellt hiermit seinen qualitativen Exponenten als die--Reihe dieser
verschiedenen Anzahlen dar, zu denen es die Einheit ist;--als eine
Reihe von specifischem Verhalten zu Andern.  Der qualitative Exponent
als Ein unmittelbares Quantum drückt eine einzelne Relation aus.
Wahrhaft unterscheidet sich das Selbstständige durch die
eigenthümliche Reihe der Exponenten, die es, als Einheit angenommen,
mit andern solchen Selbstständigen bildet, indem ein anderes
derselben ebenso mit ebendenselben in Beziehung gebracht und als
Einheit angenommen, eine andere Reihe formirt.--Das Verhältniß
solcher Reihe innerhalb ihrer macht nun das Qualitative des
Selbstständigen aus.

Insofern nun solches Selbstständiges mit einer Reihe von
Selbstständigen eine Reihe von Exponenten bildet, scheint es zunächst
von einem Andern außer dieser Reihe selbst, mit welchem es verglichen
wird, dadurch unterschieden zu seyn, daß dieses eine andere Reihe von
Exponenten mit denselben Gegenüberstehenden macht.  Aber auf diese
Weise wären diese beiden Selbstständigen nicht vergleichbar, insofern
jedes so als Einheit gegen seine Exponenten betrachtet wird, und die
beiden aus dieser Beziehung entstehenden Reihen unbestimmt andere
sind.  Die beiden, die als Selbstständige verglichen werden sollen,
sind zunächst gegen einander nur als Quanta unterschieden; ihr
Verhältniß zu bestimmen, bedarf es selbst einer gemeinschaftlichen
fürsichseyenden Einheit.  Diese bestimmte Einheit ist nur in dem zu
suchen, worin die zu vergleichenden, wie gezeigt, das specifische
Daseyn ihres Maaßes haben, also in dem Verhältnisse, das die
Verhältnissexponenten der Reihe zu einander haben.  Dieß Verhältniß
der Exponenten selbst ist aber nur so für sichseyende, in der That
bestimmte Einheit, als die Glieder der Reihe dasselbe, als ein
konstantes Verhältniß unter einander, zu beiden haben; so kann es
ihre gemeinschaftliche Einheit seyn.  In ihr also liegt allein die
Vergleichbarkeit der beiden Selbstständigen, die als sich nicht mit
einander neutralisirend, sondern als gleichgültig gegen einander
angenommen wurden.  Jedes abgesondert außerhalb der Vergleichung ist
die Einheit der Verhältnisse mit den gegenüberstehenden Gliedern,
welche die Anzahlen gegen jene Einheit sind, somit die Reihe von
Exponenten vorstellen.  Diese Reihe ist dagegen umgekehrt die Einheit
für jene beiden, die verglichen miteinander, Quanta gegeneinander
sind; als solche sind sie selbst verschiedene Anzahlen ihrer so eben
aufgezeigten Einheit.

Diejenigen aber ferner, welche mit den gegenüber stehenden unter sich
verglichenen beiden oder vielmehr Vielen überhaupt, die Reihe der
Exponenten des Verhaltens derselben abgeben, sind an ihnen selbst
gleichfalls Selbstständige, jedes ein specifisches Etwas von einem
ihm an sich zuständigen Maaßverhältniß.  Sie sind insofern
gleichfalls jedes als Einheit zu nehmen, so daß sie an den erst
genannten unter sich bloß verglichenen Beiden oder vielmehr
unbestimmt Mehrern eine Reihe von Exponenten haben, welche Exponenten
die Vergleichungszahlen der so eben genannten unter sich sind; so wie
die Vergleichungszahlen der nun einzeln auch als selbstständig
genommenen unter sich gleichfalls umgekehrt die Reihe der Exponenten
für die Glieder der ersten Reihe sind.  Beide Seiten sind auf diese
Weise Reihen, in denen jede Zahl erstens Einheit überhaupt ist gegen
ihre gegenüber stehende Reihe, an der sie ihr Fürsichbestimmtseyn als
eine Reihe von Exponenten hat; zweitens ist sie selbst einer der
Exponenten für jedes Glied der gegenüberstehenden Reihe; und drittens
Vergleichungszahl zu den übrigen Zahlen ihrer Reihe, und hat als
solche Anzahl, die ihr auch als Exponent zukommt, ihre
für-sich-bestimmte Einheit an der gegenüber stehenden Reihe.

3.  In diesem Verhalten ist die Art und Weise wieder gekehrt, wie das
Quantum als fürsichseyend, nämlich als Grad gesetzt ist, einfach zu
seyn, aber die Größebestimmtheit an einem außer ihm seyenden Quantum,
das ein Kreis von Quantis ist, zu haben.  Im Maaße aber ist dieß
Äußerliche nicht bloß ein Quantum und ein Kreis voll Quantis, sondern
eine Reihe von Verhältnißzahlen, und das Ganze derselben ist es,
worin das Fürsich-bestimmtseyn des Maaßes liegt.  Wie beim
Fürsichseyn des Quantums als Grad der Fall ist, hat in diese
Äußerlichkeit seiner selbst sich die Natur des selbstständigen Maaßes
verkehrt.  Seine Beziehung auf sich ist zunächst als unmittelbares
Verhältniß, und damit besteht sogleich seine Gleichgültigkeit gegen
Anderes nur in dem Quantum.  In diese Äußerlichkeit fällt daher seine
qualitative Seite, und sein Verhalten zu Anderem wird zu dem, was die
specifische Bestimmung dieses Selbstständigen ausmacht.  Sie besteht
so schlechthin in der quantitativen Art und Weise dieses Verhaltens,
und diese Art und Weise ist so sehr durch das Andere als durch es
selbst bestimmt, und dieß Andere ist eine Reihe von Quantis, und es
selbst gegenseitig ein solches.  Aber diese Beziehung, in welcher
sich zwei Specifische zu etwas, zu einem Dritten, dem Exponenten,
specificiren, enthält ferner dieß, daß das Eine darin nicht in das
Andere übergegangen, also nicht nur eine Negation überhaupt, sondern
Beide darin negativ gesetzt sind, und indem jedes sich gleichgültig
darin erhält, seine Negation auch wieder negirt ist.  Diese ihre
qualitative Einheit ist somit für sich seyende ausschließende Einheit.
Die Exponenten, welche zunächst Vergleichungszahlen unter sich sind,
haben in dem Momente des Ausschließens erst ihre wahrhaft
specifische Bestimmtheit gegeneinander an ihnen und ihr Unterschied
wird so zugleich qualitativer Natur.  Er gründet sich aber auf das
Quantitative; das Selbstständige verhält sich erstens nur darum zu
einem Mehrern seiner qualitativ andern Seite, weil es in diesem
Verhalten zugleich gleichgültig ist; zweitens ist nun die neutrale
Beziehung durch die in ihr enthaltene Quantitativität nicht nur
Veränderung, sondern als Negation der Negation gesetzt, und
ausschließende Einheit.  Dadurch ist die Verwandtschaft eines
Selbstständigen zu den Mehrern der andern Seite nicht mehr eine
indifferente Beziehung, sondern eine Wahlverwandtschaft.

c.  Wahlverwandtschaft.

Es ist hier der Ausdruck Wahlverwandtschaft, wie auch im
vorhergehenden Neutralität, Verwandtschaft, gebraucht worden,--
Ausdrücke, die sich auf das chemische Verhältniß beziehen.  Denn in
der chemischen Sphäre hat wesentlich das Materielle seine specifische
Bestimmtheit in der Beziehung auf sein Anderes; es existirt nur als
diese Differenz.  Diese specifische Beziehung ist ferner an die
Quantität gebunden, und ist zugleich nicht nur die Beziehung auf ein
einzelnes Anderes, sondern auf eine Reihe solcher ihm
gegenüberstehenden Differenten; die Verbindungen mit dieser Reihe
beruhen auf einer sogenannten Verwandtschaft mit jedem Gliede
derselben, aber bei dieser Gleichgültigkeit ist zugleich jede
ausschließend gegen andere; welche Beziehung entgegengesetzter
Bestimmungen noch zu betrachten ist.--Es ist aber nicht nur im
Chemischen, daß sich das Specifische in einem Kreise von Verbindungen
darstellt; auch der einzelne Ton hat erst seinen Sinn in dem
Verhalten und der Verbindung mit einem andern und mit der Reihe von
andern; die Harmonie oder Disharmonie in solchem Kreise von
Verbindungen macht seine qualitative Natur aus, welche zugleich auf
quantitativen Verhältnissen beruht, die eine Reihe von Exponenten
bilden, und die Verhältnisse von den beiden specifischen
Verhältnissen sind, die jeder der verbundenen Töne an ihm selbst ist.
Der einzelne Ton ist der Grundton eines Systems, aber ebenso wieder
einzelnes Glied im Systeme jedes andern Grundtons.  Die Harmonien
sind ausschließende Wahlverwandtschaften, deren qualitative
Eigenthümlichkeit sich aber ebenso sehr wieder in die Äußerlichkeit
bloß quantitativen Fortgehens auflöst.--Worin aber das Princip eines
Maaßes für diejenigen Verwandtschaften, welche (chemische oder
musikalische oder andere) Wahlverwandtschaften unter und gegen die
andern sind, liege, darüber wird im Folgenden in Betreff der
chemischen noch eine Bemerkung vorkommen; aber diese höhere Frage
hängt mit dem Specifischen des eigentlichen Qualitativen aufs engste
zusammen, und gehört in die besondern Theile der konkreten
Naturwissenschaft.

Insofern das Glied einer Reihe seine qualitative Einheit in seinem
Verhalten zu dem Ganzen einer gegenüberstehenden Reihe hat, deren
Glieder aber gegeneinander nur durch das Quantum, nach welchem sie
sich mit jenem neutralisiren, verschieden sind, so ist die
speciellere Bestimmtheit in dieser vielfachen Verwandtschaft
gleichfalls nur eine quantitative.  In der Wahlverwandtschaft als
ausschließender, qualitativer Beziehung entnimmt das Verhalten sich
diesem quantitativen Unterschiede.  Die nächste Bestimmung, die sich
darbietet, ist: daß nach dem Unterschied der Menge, also der
extensiven Größe, der unter den Gliedern der einen Seite für die
Neutralisirung eines Gliedes der andern Seite Statt findet, sich auch
die Wahlverwandtschaft dieses Gliedes zu den Gliedern der andern
Reihe, mit denen allen es in Verwandtschaft steht, richte.  Das
Ausschließen als ein festeres Zusammenhalten gegen andere
Möglichkeiten der Verbindung, welches dadurch begründet wäre,
erschiene so umgewandelt in um so viel größere Intensität, nach der
früher nachgewiesenen Identität der Formen von extensiver und
intensiver Größe, als in welchen beiden Formen die Größenbestimmtheit
eine und dieselbe ist.  Dieß Umschlagen der einseitigen Form der
extensiven Größe auch in ihre andere, die intensive, ändert aber an
der Natur der Grundbestimmung, welche das Eine und dasselbe Quantum
ist, nichts; so daß hiermit in der That kein Ausschließen gesetzt
wäre, sondern gleichgültig entweder nur Eine Verbindung oder
ebensowohl eine Kombination unbestimmt von wie vielen Gliedern, wenn
nur die Portionen, die von ihnen einträten, in Gemäßheit ihrer
Verhältnisse untereinander dem geforderten Quantum entsprechend wären,
Statt haben könnte.

Allein die Verbindung, die wir auch Neutralisation genannt haben, ist
nicht nur die Form der Intensität; der Exponent ist wesentlich
Maaßbestimmung, und damit ausschließend; die Zahlen haben in dieser
Seite ausschließenden Verhaltens ihre Kontinuität und
Zusammenfließbarkeit mit einander verloren; es ist das Mehr oder
Weniger, was einen negativen Charakter erhält, und der Vorzug, den
ein Exponent gegen andere hat, bleibt nicht in der Größenbestimmtheit
stehen.  Ebenso sehr ist aber auch diese andere Seite vorhanden, nach
welcher es einem Momente wieder gleichgültig ist von mehrern ihm
gegenüber stehenden Momenten das neutralisirende Quantum zu erhalten,
von jedem nach seiner specifischen Bestimmtheit gegen das Andere; das
ausschließende, negative Verhalten leidet zugleich diesen Eintrag von
der quantitativen Seite her.--Es ist hiermit ein Umschlagen von
gleichgültigem, bloß quantitativem Verhalten in ein qualitatives und
umgekehrt ein Übergehen des specifischen Bestimmtseyns in das bloß
äußerliche Verhältniß gesetzt;--eine Reihe von Verhältnissen, die
bald bloß quantitativer Natur, bald specifische und Maaße sind.

Anmerkung.

Die chemischen Stoffe sind die eigenthümlichsten Beispiele solcher
Maaße, welche Maaßmomente sind, die dasjenigr, was ihre Bestimmung
ausmacht, allein im Verhalten zu andern haben.  Säuren und Kalien
oder Basen überhaupt erscheinen als unmittelbar an sich bestimmte
Dinge, aber vielmehr als unvollkommene Körperelemente, als
Bestandtheile, die eigentlich nicht für sich existiren, sondern nur
diese Existenz haben, ihr isolirtes Bestehen aufzuheben und sich mit
einem andern zu verbinden.  Der Unterschied ferner, wodurch sie als
selbstständige sind, besteht nicht in dieser unmittelbaren Qualität,
sondern in der quantitativen Art und Weise des Verhaltens.  Er ist
nämlich nicht auf den chemischen Gegensatz von Säure und Kali oder
Basis überhaupt, eingeschränkt, sondern ist zu einem Maaße der
Sättigung specificirt, und besteht in der specifischen Bestimmtheit
der Quantität der sich neutralisirenden Stoffe.  Diese
Quantitäts-Bestimmung in Rücksicht auf die Sättigung macht die
qualitative Natur eines Stoffes aus, sie macht ihn zu dem, was er für
sich ist, und die Zahl, die dieß ausdrückt, ist wesentlich einer von
mehrern Exponenten für eine gegenüber stehende Einheit.--Solcher
Stoff steht mit einem andern in sogenannter Verwandtschafft; insofern
diese Beziehung rein qualitativer Natur bliebe, so wäre,--wie die
Beziehung der magnetischen Pole oder der Elektricitäten,--die eine
Bestimmtheit nur die negative der andern, und beide Seiten zeigten
sich nicht auch zugleich gleichgültig gegeneinander.  Aber weil die
Beziehung auch quantitativer Natur ist, ist jeder dieser Stoffe fähig
mit Mehrern sich zu neutralisiren, und nicht auf einen gegenüber
stehenden eingeschränkt.  Es verhält sich nicht nur die Säure und das
Kali oder Basis, sondern Säuren und Kalien oder Basen zu einander.
Sie charakterisiren sich zunächst dadurch gegen einander, je nachdem
eine Säure z.B. von einem Kali mehr bedarf um sich mit ihm zu
sättigen, als eine andere.  Aber die fürsichseyende Selbstständigkeit
zeigt sich darin, daß die Verwandtschaften sich ausschließend
verhalten und eine vor der andern den Vorzug hat, indem für sich eine
Säure mit allen Kalien, und umgekehrt, eine Verbindung eingehen kann.
Es macht so den Hauptunterschied einer Säure gegen eine andere aus,
ob sie zu einer Basis eine nähere Verwandtschaft habe, als eine
andere, d. i. eine sogenannte Wahlverwandschaft.

Über die chemischen Verwandtschaften der Säuren und Kalien ist das
Gesetz gefunden worden, daß wenn zwei neutrale Solutionen gemischt
werden, wodurch eine Scheidung und daraus zwei neue Verbindungen
entstehen, diese Produkte gleichfalls neutral sind.  Es folgt hieraus,
daß die Mengen von zwei kalischen Basen, die zur Sättigung einer
Säure erfordert werden, in demselben Verhältnisse zur Sättigung einer
andern nöthig sind; überhaupt wenn für ein Kali als Einheit genommen
die Reihe der Verhältnißzahlen bestimmt worden ist, in denen die
verschiedenen Säuren dasselbe sättigen, so ist für jedes andere Kali
diese Reihe dieselbe, nur daß die verschiedenen Kalien gegen einander
in verschiedenen Anzahlen zu nehmen sind;--Anzahlen, die wieder ihrer
Seits eine eben solche beständige Reihe von Exponenten für jede der
gegenüber stehenden Säuren bilden, indem sie ebenso zujeder einzelnen
Säure sich in demselben Verhältnisse beziehen, als zujeder andern.
--Fischer hat zuerst diese Reihen aus den richterischen Arbeiten in
ihrer Einfachheit herausgehoben; s. in s.  Anmerkungen zur
Übersetzung von Berthollets Abhandlung über die Gesetze der
Verwandtschaft in der Chemie, S. 232. und Berthollet Statique
chimique I. Part. p. 134. ff.--Die, seit dieß zuerst geschrieben
worden, nach allen Seiten hin so sehr ausgebildete Kenntniß von den
Verhältnißzahlen der Mischungen der chemischen Elemente, hier
berücksichtigen zu wollen, würde auch darum eine Abschweifung seyn,
da diese empirische zu einem Theil aber auch nur hypothetische
Erweiterung innerhalb derselben Begriffsbestimmungen eingeschlossen
bleibt.  Aber über die dabei gebrauchten Kategorien, ferner über die
Ansichten der chemischen Wahlverwandtschaft selbst und ihrer
Beziehung auf das Quantitative, so wie über den Versuch, dieselbe auf
bestimmte physikalische Qualitäten zu gründen, mögen noch einige
Bemerkungen hinzugefügt werden.

Bekanntlich hat Berthollet die allgemeine Vorstellung von der
Wahlverwandtschaft durch den Begriff von der Wirksamkeit einer
chemischen Masse modificirt.  Diese Modification hat, was wohl zu
unterscheiden ist, auf die Quantitäts-Verhältnisse der chemischen
Sättigungs-Gesetze selbst keinen Einfluß, aber das qualitative Moment
der ausschließenden Wahlverwandtschaft als solcher wird nicht nur
geschwächt, sondern vielmehr aufgehoben.  Wenn zwei Säuren auf ein
Kali wirken, und diejenige, von welcher gesagt wird, daß sie eine
größere Verwandtschaft zu derselben habe, auch in dem Quantum
vorhanden ist, welches fähig ist, das Quantum der Basis zu sättigen,
so erfolgt nach der Vorstellung der Wahlverwandtschaft nur diese
Sättigung; die andere Säure bleibt ganz unwirksam und von der
neutralen Verbindung ausgeschlossen.  Nach jenem Begriffe der
Wirksamkeit einer chemischen Masse hingegen, ist jede von beiden
wirksam in einem Verhältniß, das aus ihrer vorhandenen Menge und
ihrer Sättigungsfähigkeit oder sogenannten Affinität zusammengesetzt
ist.  Berthollets Untersuchungen haben die nähern Umstände angegeben,
unter welchen die Wirksamkeit der chemischen Masse aufgehoben wird,
und eine (stärker verwandte) Säure die andere (schwächere)
auszutreiben und deren Wirkung auszuschließen, somit nach dem Sinne
der Wahlverwandtschaft thätig zu seyn scheint.  Er hat gezeigt, daß
es Umstände, wie die Stärke der Kohäsion, Unauflösbarkeit der
gebildeten Salze im Wasser, sind, unter welchen jenes Ausschließen
Statt findet, nicht die qualitative Natur der Agentien als solche,
--Umstände, welche wieder durch andere Umstände z.B. die Temperatur
in ihrer Wirkung aufgehoben werden können.  Mit der Beseitigung
dieser Hindernisse tritt die chemische Masse unverkümmert in
Wirksamkeit, und das, was als rein qualitatives Ausschließen, als
Wahlverwandtschaft erschien, zeigt sich nur in äußerlichen
Modifikationen zu liegen.

Berzelius wäre es vornehmlich, der weiter über diesen Gegenstand zu
hören ist.  Derselbe stellt aber in seinem Lehrbuche der Chemie über
die Sache nichts Eigenthümliches und Bestimmteres auf.  Es sind die
berthollet'schen Ansichten aufgenommen und wörtlich wiederhohlt, nur
mit der eigenthümlichen Metaphysik einer unkritischen Reflexion
ausstaffirt worden, deren Kategorien also allein sich für die nähere
Betrachtung darbieten.  Die Theorie geht über die Erfahrung hinaus,
und erfindet Theils sinnliche Vorstellungen, wie sie nicht selbst in
der Erfahrung gegeben sind, Theils wendet sie Denkbestimmungen an,
und macht sich auf beide Weise zum Gegenstande logischer Kritik.  Wir
wollen daher das in jenem Lehrbuche selbst III. Band I. Abth. (übers.
von Wöhler S. 82. ff) über die Theorie Vorgetragene vornehmen.
Daselbst nun liest man, "daß man sich vorstellen müsse, in einer
gleichförmig gemischten Flüssigkeit sey ein jedes Atom vom
aufgelösten Körper von einer gleichen Anzahl von Atomen des
Auflösungsmittels umgeben; und wenn mehrere Substanzen zusammen
aufgelöst sind, so müssen sie die Zwischenräume zwischen den Atomen
des Auflösungsmittels unter sich theilen, so daß, bei einer
gleichförmigen Mischung der Flüssigkeit, eine solche Symmetrie in der
Lage der Atome entstehe, daß alle Atome der einzelnen Körper sich in
Beziehung zu den Atomen der andern Körper in einer gleichförmigen
Lage befinden; man könne daher sagen, daß die Auflösung durch die
Symmetrie in der Stellung der Atome, so wie die Verbindung durch die
bestimmten Proportionen charakterisirt sey."--Dieß wird hierauf durch
ein Beispiel der Verbindungen erläutert, die aus einer Auflösung von
Kupferchlorid, zu welcher Schwefelsäure hinzugesetzt wird, entstehen;
aber an diesem Beispiele wird freilich weder aufgezeigt, daß Atome
existiren, noch daß eine Anzahl von Atomen der aufgelösten Körper
Atome der Flüssigkeit umgeben, freie Atome der beiden Säuren sich um
die (mit dem Kupferoxid) verbunden bleibenden lagern, noch daß die
Symmetrie in der Stellung und Lage, noch daß Zwischenräume zwischen
den Atomen existiren,--am allerwenigsten daß die aufgelösten
Substanzen die Zwischenräume der Atome des Auflösungsmittels unter
sich theilen.  Dieß hiesse, daß die aufgelösten da ihre Stellung
nehmen, wo das Auflösungsmittel nicht ist,--denn die Zwischenräume
desselben sind die von ihm leeren Räume,--somit daß die aufgelösten
Substanzen sich nicht im Auflösungsmittel befinden, sondern wenn auch
dasselbe umgebend und umlagernd, oder von demselben umgeben und
umlagert,--außerhalb desselben, also gewiß auch von ihm nicht
aufgelöst sind.  Man sieht somit nicht ein, daß man sich solche
Vorstellungen machen müsse, welche in der Erfahrung nicht aufgezeigt
sind, im Wesentlichen sich sogleich widersprechen, und sonst auf
andere Weise nicht erhärtet sind.  Dieß könnte nur durch die
Betrachtung dieser Vorstellungen selbst, d. i. durch Metaphysik,
welche Logik ist, geschehen, durch diese aber werden sie so wenig als
durch die Erfahrung bestätigt,--im Gegentheil!--Übrigens giebt
Berzelius zu, was auch oben gesagt worden, daß die Sätze Berthollets
der Theorie von den bestimmten Proportionen nicht entgegen seyen,--er
fügt freilich hinzu, daß sie auch den Ansichten von der
Korpuskularphilosophie, d. i. der vorhin angeführten Vorstellungen
von den Atomen, der Erfüllung der Zwischenräume der auflösenden
Flüssigkeit durch die Atome der festen Körper u.s.f. nicht entgegen
seyen,--diese letztere grundlose Metaphysik hat aber wesentlich
nichts mit den Proportionen der Sättigung selbst zu thun.  Das
Specifische, was in den Sättigungsgesetzen ausgedrückt ist, betrifft
somit nur die Menge von selbst quantitativen Einheiten (nicht Atomen)
eines Körpers, mit welcher sich die quantitative Einheit (ebenso
wenig ein Atom) eines andern gegen erstern chemisch differenten
Körpers neutralisirt; die Verschiedenheit besteht allein in diesen
verschiedenen Proportionen.  Wenn dann Berzelius, ungeachtet seine
Proportionenlehre ganz nur eine Bestimmung von Mengen ist, doch auch
von Affinitätsgraden spricht, z.B. S. 86. indem er die chemische
Masse Berthollets als die Summe des Affinitätsgrades aus der
vorhandenen Quantität des wirksamen Körpers erklärt, statt dessen
Berthollet consequenter den Ausdruck capacité de saturation gebraucht,
so verfällt er damit selbst in die Form intensiver Größe.  Dieß ist
aber die Form, welche das Eigenthümliche der sogenannten dynamischen
Philosophie ausmacht, die er früher S. 29. a. a.  O. "die speculative
Philosophie gewisser deutschen Schulen" nennt, und zum Besten der
vortrefflichen "Korpuskularphilosophie" nachdrücklich verwirft.  Von
dieser dynamischen Philosophie giebt er dort an, daß sie annehme, die
Elemente in ihrer chemischen Vereinigung durchdringen sich, und die
Neutralisation bestehe in dieser gegenseitigen Durchdringung; dieß
heißt nichts Anders, als daß die chemisch differenten Partikeln, die
als Menge gegeneinander sind, in die Einfachheit einer intensiven
Größe zusammengehen, was sich auch als Verminderung des Volums kund
giebt.  Dagegen sollen in der Korpuskulartheorie auch die chemisch
verbundenen Atome sich in den Zwischenräumen, d. h. außereinander
erhalten, (Juxtaposition); Grad der Affinität hat in solchem
Verhalten als einer nur extensiven Größe, eines Perennirens von Menge,
keinen Sinn.  Wenn ebendas angegeben wird, daß die Erscheinungen der
bestimmten Proportionen für die dynamische Ansicht ganz unvorgesehen
gekommen seyen, so wäre dieß nur ein äußerlicher historischer Umstand,
abgesehen davon, daß die richterschen stöchiometrischen Reihen, in
der fischerschen Zusammenstellung bereits Berthollet bekannt und in
der ersten Ausg. dieser Logik, welche die Nichtigkeit der Kategorien
erweist, auf denen die alte wie die neuseynwolleude
Korpuskulartheorie beruht, angeführt sind.  Irrthümlich aber urtheilt
Berzelius als ob unter der Herrschaft "der dynamischen Ansicht" die
Erscheinungen der bestimmten Proportionen "für immer" unbekannt
geblieben wären,--in dem Sinne, daß jene Ansicht sich nicht mit der
Bestimmtheit der Proportionen vertrüge.  Diese ist auf allen Fall nur
Größebestimmtheit, gleichgültig ob in extensiver und intensiver Form,
--so daß auch Berzelius, so sehr er an der erstern Form, der Menge,
hängt, selbst die Vorstellung von Affinitätsgraden gebraucht.

Indem hiermit die Verwandschaft auf den quantitativen Unterschied
zurückgeführt ist, ist sie als Wahlverwandschaft aufgehoben; das
Ausschließende aber, das bei derselben Statt findet, ist auf Umstände
zurückgeführt, d. i. auf Bestimmungen, welche als etwas der
Verwandschaft Äußerliches erscheinen, auf Kohäsion, Unauflöslichkeit
der zu Stande gekommenen Verbindungen u.s.f.  Es kann mit dieser
Vorstellung zum Theil das Verfahren bei der Betrachtung der Wirkung
der Schwere verglichen werden, wo das, was an sich der Schwere selbst
zukommt, daß der bewegte Pendel durch sie nothwendig zur Ruhe
übergeht, nur als der zugleich vorhandene Umstand des äußern
Widerstands der Luft des Fadens u.s.f. genommen und der Reibung
allein statt der Schwere zugeschrieben wird.--Hier für die Natur des
Qualitativen, welches in der Wahlverwandschaft liegt, macht es keinen
Unterschied, ob dasselbe in der Form jener Umstände als seiner
Bedingungen erscheint und aufgefaßt wird.  Es beginnt mit dem
Qualitativen als solchen eine neue Ordnung, deren Specifikation nicht
mehr nur quantitativer Unterschied ist.

Wenn nun sonach der Unterschied der chemischen Affinität in einer
Reihe quantitativer Verhältnisse sich genau feststellt gegen die
Wahlverwandsehaft als eintretender qualitativer Bestimmtheit, deren
Verhalten mit jener Ordnung keineswegs zusammenfällt, so wird dieser
Unterschied wieder in völlige Verwirrung durch die Art geworfen, in
welcher mit dem chemischen Verhalten das elektrische in neuern Zeiten
in Verbindung gebracht wird, und die Hoffnung von diesem tiefer seyn
sollenden Princip aus über das wichtigste, das Maaßverhältniß, einen
Aufschluß zu erhalten, wird gänzlich getäuscht.  Diese Theorie, in
welcher die Erscheinungen der Elektricität und des Chemismus
vollkommen identificirt werden, insofern sie das Physikalische und
nicht bloß die Maaßverhältnisse betrifft, ist hier nicht in nähere
Betrachtung zu nehmen, und nur insofern zu erwähnen, als die
Unterschiedenheit der Maaßbestimmungen dadurch verworren wird.  Für
sich selbst ist sie seicht zu nennen, weil die Seichtigkeit darin
besteht, das Verschiedene mit Weglassung der Verschiedenheit
identisch zu nehmen.  War hierbei die Affinität betrifft, so ist sie,
indem so chemische Processe mit elektrischen, ingleichen mit Feuer
und Licht-Erscheinungen, identificirt werden, "auf Neutralisation
entgegengesetzter Electricitäten" reducirt worden.  Die
Identifikation der Elektricität und des Chemismus selbst ist es
beinahe komisch (S. 63. a. a.  O.) in folgender Weise dargestellt zu
finden, daß "die eletrischen Phänomene wohl die Wirkung der Körper
auf größern oder geringern Abstand, ihre Anziehung vor der
Vereinigung (d. i. das noch nicht chemische Verhalten)--und das durch
diese Vereinigung entstehende Feuer (?) wohl erklären, aber uns über
die Ursache der mit einer so großen Kraft, nach Vernichtung des
entgegengesetzten elektrischen Zustandes, fortdauernden Vereinigung
der Körper keinen Aufschluß geben;" d. h. die Theorie giebt den
Aufschluß, daß die Electricität die Ursache des chemischen Verhaltens
sey, daß aber die Electricität über das, was im chemischen Processe
chemisch ist, keinen Aufschluß gebe.--Damit, daß die chemische
Differenz überhaupt auf den Gegensatz positiver und negativer
Elektricität zurückgeführt wird, wird die Affinitätsverschiedenheit
der auf die eine und auf die andere Seite fallenden Agentien unter
sich als die Ordnung von zwei Reihen elektropositiver und
elektronegativer Körper bestimmt.  Bei dem Identificiren der
Elektricität und des Chemismus ihrer allgemeinen Bestimmung nach,
wird schon dieß übersehen, daß die erstere überhaupt und deren
Neutralisirung flüchtig ist und der Qualität der Körper äußerlich
bleibt, der Chemismus in seiner Aktion und besonders in der
Neutralisation die ganze qualitative Natur der Körper in Anspruch
nimmt und alterirt.  Ebenso flüchtig ist innerhalb der Elektricität
ihr Gegensatz von positiver und negativer; er ist ein so Unstätes,
daß er von den geringsten äußerlichen Umständen abhängig ist, und in
keinen Vergleich gestellt werden kann mit der Bestimmtheit und
Festigkeit des Gegensatzes von Säuren z.B. gegen die Metalle u.s.w.
Die Veränderlichkeit, die in diesem chemischen Verhalten, durch
höchst gewaltsame Einwirkungen z.B. einer erhöhten Temperatur u.s.f.
statt finden kann, steht in keinem Vergleich mit der
Oberflächlichkeit des elektrischen Gegensatzes.  Der fernere
Unterschied nun innerhalb der Reihe jeder der beiden Seiten zwischen
mehr oder weniger positiv-elektrischer, oder mehr oder weniger
negativ-elektrischer Beschaffenheit, ist vollends sowohl ein völlig
Unsicheres als Unkonstatirtes.  Aus diesen Reihen der Körper aber
(Berzelius am ang.  Ort S. 64. f.) "nach ihren elektrischen
Dispositionen soll das elektrochemische System entstehen, welches
sich von allen am besten eigne, eine Idee voll der Chemie zu geben;"
diese Reihen werden nun angegeben; wie sie aber in der That
beschaffen sind, darüber wird S. 67. hinzugefügt:

"daß dieß ungefähr die Ordnung dieser Körper sey, aber diese Materie
sey so wenig untersucht, daß sich noch nichts ganz Gewisses
hinsichtlich dieser relativen Ordnung bestimmen lasse."--Sowohl die
Verhältnißzahlen jener (von Richter zuerst gemachten)
Affinitätsreihen, als die höchst interessante von Berzelius
aufgestellte Reduktion der Verbindungen von zwei Körpern auf die
Einfachheit weniger quantitativen Verhältnisse sind ganz und gar
unabhängig von jenem elektrochemisch seyn sollenden Gebräue.  Wenn in
jenen Proportionen und in deren seit Richter nach allen Seiten hin
gewonnenen Ausdehnung der experimentale Weg der richtige Leitstern
gewesen, so kontrastirt für sich damit umsomehr die Vermischung
dieser großen Entdeckungen mit der außer dem Weg der Erfahrung
liegenden Öde der sogenannten Korpuskulartheorie; nur dieser Anfang,
das Princip der Erfahrung zu verlassen, konnte es motiviren, noch
weiter jenen früher von Ritter vornehmlich angefangenen Einfall
wieder aufzunehmen, feste Ordnungen von elektropositiven und
elektronegativen Körpern, die zugleich chemische Bedeutung haben
sollten, aufzustellen.

Schon die Nichtigkeit der Grundlage, die für die chemische Affinität
in dem Gegensatze von elektropositiven und elektronegativen Körpern,
wenn dieser für sieh auch faktisch richtiger wäre, als er ist,
angenommen wird, zeigt sich bald selbst auf dem experimentalen Wege,
was denn aber wieder zu weiterer Inkonsequenz führt.  Es wird S. 73.
(a. a. O.) zugestanden, daß zwei sogenannte elektronegative Körper,
wie Schwefel und Sauerstoff auf eine viel innigere Art sich mit
einander verbinden, als z.B. der Sauerstoff und das Kupfer,
obgleich letzteres elektropositiv sey.  Die auf den allgemeinen
Gegensatz von positiver und negativer-Elektricität basirte Grundlage
für die Affinität muß hier hiermit gegen ein bloßes Mehr oder Weniger
innerhalb Einer und derselben Reihe von elektrischer Bestimmtheit
zurückgestellt werden.  Der Verwandschaftsgrad der Körper, wird nun
hieraus geschlossen, hänge demnach nicht allein von ihrer
specifischen Unipolarität (mit welcher Hypothese diese Bestimmung
zusammenhängt, thut hierher nichts, sie gilt hier nur für das
Entweder des Positiven und das Oder des Negativen) ab; der
Verwandschaftsgrad müsse hauptsächlich von der Intensität ihrer
Polarität im Allgemeinen hergeleitet werden.  Hier geht somit näher
die Betrachtung der Affinität zu dem Verhältniß der Wahlverwandschaft
über, um die uns vornehmlich zu thun ist; sehen wir, was sich denn
für diese nun ergiebt.  Indem sogleich (ebendas.  S. 73.) zugestanden
wird, daß der Grad dieser Polarität, wenn sie nicht bloß in unserer
Vorstellung existire, keine konstante Quantität zu seyn scheine,
sondern sehr von der Temperatur abhänge, so findet sich nach allem
diesem als Resultat angegeben, nicht nur, daß jede chemische Wirkung
so ihrem Grunde nach ein elektrisches Phänomensey, sondern auch was
Wirkung der sogenannten Wahlverwandschaft zu seyn scheine, nur durch
eine in gewissen Körpern stärker, als in andren vorhandene
elektrische Polarität bewirkt werde.  Zum Beschlusse des bisherigen
Herumwindens in hypothetischen Vorstellungen bleibt es somit bei der
Kategorie stärkerer Intensität, welche dasselbe Formelle als die
Wahlverwandschaft überhaupt ist, und diese damit, daß sie auf eine
stärkere Intensität elektrischer Polarität gestellt wird, im
geringsten nicht weiter auf einen physikalschen Grund bringt als
vorher.  Aber auch das was hier als größere specifische Intensität
bestimmt seyn soll, wird späterhin nur auf die bereits angeführten,
von Berthollet aufgezeigten Modifikationen zurückgeführt.

Das Verdienst und der Ruhm von Berzelius wegen der auf alle
chemischen Verhältnisse ausgedehnten Proportionenlehre durfte für
sich kein Abhaltungsgrund seyn, die Blöße der angeführten Theorie
auseinander zu setzen; ein näherer Grund aber, dieß zu thun, muß der
Umstand seyn, daß solches Verdienst in einer Seite der Wissenschaft,
wie bei Newton, Autorität für ein damit in Zusammenhang gesetztes
grundloses Gebäude von schlechten Kategorien zu werden pflegt, und
daß gerade solche Metaphysik dasjenige ist, was mit der größten
Prätension ausgegeben und ebenso nachgesprochen wird.

Außer den Formen des Maaßverhältnisses, die sich auf die chemische
Affinität und Wahlverwandschaft beziehen, können auch noch andere in
Rücksicht auf Quantitäten, die sich zu einem System qualificiren,
betrachtet werden.  Die chemischen Körper bilden in Beziehung auf
Sättigung ein System von Verhältnissen; die Sättigung selbst beruht
auf der bestimmten Proportion, in welcher die beiderseitigen Mengen,
die eine besondere materielle Existenz gegeneinander haben, sich
verbinden.  Aber es giebt auch Maaßverhältnisse, deren Momente
untrennbar sind und nicht in einer eignen von einander verschiedenen
Existenz dargestellt werden können.  Diese sind das, was vorhin die
unmittelbaren selbstständigen Maaße genannt, und die in den
specifischen Schweren der Körper repräsentirt sind.--Sie sind
innerhalb der Körper ein Verhältniß von Gewicht zum Volumen; der
Verhältnissexponent, welcher die Bestimmtheit einer speeifischen
Schwere zum Unterschiede von andern ausdrückt, ist bestimmtes Quantum
nur der Vergleichung, ein ihnen äußeres Verhältniß in einer äußern
Reflexion, das sich nicht auf das eigne qualitative Verhalten zu
einer gegenüber stehenden Existenz gründet.  Es wäre die Aufgabe
vorhanden, die Verhältnißexponenten der Reihe der specifischen
Schweren, als ein System aus einer Regel zu erkennen, welche eine
bloß arithmetische Vielheit zu einer Reihe harmonischer Knoten
specificirte.--Dieselbe Forderung fände für die Erkenntniß der
angeführten chemischen Verwandtschaftsreihen statt.  Aber die
Wissenschaft hat noch weit, um dahin zu gelangen, soweit als dahin,
die Zahlen der Entfernungen der Planeten des Sonnensystems in einem
Maaßsysteme zu fassen.

Die specifischen Schweren, ob sie gleich zunächst kein qualitatives
Verhältniß zu einander zu haben scheinen, treten jedoch gleichfalls
in qualitative Beziehung.  Indem die Körper chemisch verbunden, auch
nur amalgamirt oder synsomatisirt werden, zeigt sich gleichfalls eine
Neutralisation der specifischen Schweren.  Es ist vorhin die
Erscheinung angeführt worden, daß das Volumen, auch des Gemisches von
chemisch gegen einander eigentlich gleichgültig bleibenden Materien,
nicht von gleicher Größe mit der Summe des Volumens derselben vor der
Vermischung ist.  Sie modificiren in dieser gegenseitig das Quantum
der Bestimmtheit, mit dem sie in die Beziehung eintreten, und geben
sich auf diese Weise als sich qualitativ verhaltend gegen einander
kund.  Hier äußert sich das Quantum der specifischen Schwere nicht
bloß als eine fixe Vergleichungszahl, sondern als eine Verhältnißzahl,
die verrückbar ist; und die Exponenten der Gemische geben Reihen von
Maaßen, deren Fortgang von einem andern Princip bestimmt wird, als
den Verhältnißzahlen der specifischen Schweren, die miteinander
verbunden werden.  Die Exponenten dieser Verhältnisse sind nicht
ausschließende Maaßbestimmungen; ihr Fortgang ist ein kontinuirlicher,
aber enthält ein specificirendes Gesetz in sich, das von den formell
fortgehenden Verhältnissen, in denen die Mengen verbunden werden,
verschieden und jenen Fortgang mit diesem inkommensurabel macht.

B.  Knotenlinie von Maaßverhältnissen.

Die letzte Bestimmung des Maaßverhältnisses war, daß es als
specifisch ausschließend ist; das Ausschließen kommt der Neutralität
als negativer Einheit der unterschiedenen Momente zu.  Für diese
fürsichseyende Einheit, die Wahlverwandtschaft, hat sich in Ansehung
ihrer Beziehung auf die andern Neutralitäten kein weiteres Princip
der Specifikation ergeben; diese bleibt nur in der quantitativen
Bestimmung der Affinität überhaupt, nach der es bestimmte Mengen sind,
welche sich neutralisiren, und damit anderen relativen
Wahlverwandtschaften ihrer Momente gegenüberstehen.  Aber ferner um
der quantitativen Grundbestimmung willen kontinuirt sich die
ausschließende Wahlverwandtschaft auch in die ihr andern
Neutralitäten, und diese Kontinuität ist nicht nur äußerliche
Beziehung der verschiedenen Neutralitäts-Verhältnisse, als eine
Vergleichung, sondern die Neutralität hat als solche eine
Trennbarkeit in ihr, indem die, aus deren Einheit sie geworden ist,
als selbstständige Etwas, jedes als gleichgültig, mit diesem oder mit
andern der gegenüberstehenden Reihe, ob zwar in verschiedenen
specifisch bestimmten Mengen sich zu verbinden, in Beziehung treten.
Dadurch ist dieß Maaß, das auf einem solchen Verhältnisse in ihm
selbst beruht, mit eigner Gleichgültigkeit behaftet; es ist ein an
ihm selbst Äußerliches und in seiner Beziehung auf sich ein
Veränderliches.

Diese Beziehung des Verhältnißmaaßes auf sich ist verschieden von
seiner Äußerlichkeit und Veränderlichkeit, als seiner quantitativen
Seite, es ist als Beziehung auf sich gegen diese, eine seyende,
qualitative Grundlage;--bleibendes, materielles Substrat, welches,
zugleich als die Kontinuität des Maaßes in seiner Äußerlichkeit mit
sich selbst, in seiner Qualität jenes Princip der Specification
dieser Äußerlichkeit enthalten müßte.  Das ausschließende Maaß nach
dieser nähern Bestimmung nun, in seinem Fürsichseyn sich äußerlich,
stößt sich von sich selbst ab, setzt sich sowohl als ein anderes nur
quantitatives, als auch als ein solches anderes Verhältniß, das
zugleich ein anderes Maaß ist; ist als an sich selbst specificirende
Einheit bestimmt, welche an ihr Maaßverhältnisse producirt.  Diese
Verhältnisse sind von der obigen Art der Affinitäten, in welchen ein
Selbstständiges sich zu Selbstständigen anderer Qualität und zu einer
Reihe solcher verhält, verschieden; sie finden an einem und demselben
Substrate, innerhalb derselben Momente der Neutralität statt; das
Maaß bestimmt sich von sich abstoßend zu andern nur quantitativ
verschiedenen Verhältnissen, welche gleichfalls Affinitäten und Maaße
bilden abwechselnd mit solchen, welche nur quantitative
Verschiedenheiten bleiben.  Sie bilden auf solche Weise eine
Knotenlinie von Maaßen auf einer Skale des Mehr und Weniger.

Es ist ein Maaßverhältniß vorhanden; eine selbstständige Realität,
die qualitativ von andern unterschieden ist.  Ein solches Fürsichseyn
ist, weil es zugleich wesentlich ein Verhältniß von Quantis ist, der
Äußerlichkeit und der Quantumsveränderung offen; es hat eine Weite,
innerhalb deren es gegen diese Veränderung gleichgültig bleibt und
seine Qualität nicht ändert.  Aber es tritt ein Punkt dieser Änderung
des Quantitativen ein, auf welchem die Qualität geändert wird, das
Quantum sich als specificirend erweist, so daß das veränderte
quantitative Verhältniß in ein Maaß und damit in eine neue Qualität,
ein neues Etwas, umgeschlagen ist.  Das Verhältniß, das an die Stelle
des ersten getreten, ist durch dieses bestimmt Theils nach der
qualitativen Dieselbigkeit der Momente, die in Affinität stehen,
Theils nach der quantitativen Kontinuität.  Aber indem der
Unterschied in dieses Quantitative fällt, verhält sich das neue Etwas
gleichgültig gegen das Vorhergehende, ihr Unterschied ist der
äußerliche des Quantums.  Es ist also nicht aus dem vorhergehenden,
sondern unmittelbar aus sich hervorgetreten; d. i. aus der
innerlichen, noch nicht ins Daseyn getretenen specificirenden Einheit.
--Die neue Qualität oder das neue Etwas ist demselben Fortgange
seiner Veränderung unterworfen und sofort ins Unendliche.

Insofern der Fortgang von einer Qualität in stätiger Kontinuität der
Quantität ist, sind die einem qualificirenden Punkte sich nähernden
Verhältnisse quantitativ betrachtet, nur durch das Mehr und Weniger
unterschieden.  Die Veränderung ist nach dieser Seite ['Seice' bei
Henning/A.R.] eine allmählige.  Aber die Allmähligkeit betrifft bloß
das Äußerliche der Veränderung, nicht das Qualitative derselben; das
vorhergehende quantitative Verhältniß, das dem folgenden unendlich
nahe ist, ist noch ein anderes qualitatives Daseyn.  Nach der
qualitativen Seite wird daher das bloß quantitative Fortgehen der
Allmähligkeit, das keine Grenze an sich selbst ist, absolut
abgebrochen; indem die neu eintretende Qualität nach ihrer bloß
quantitativen Beziehung eine gegen die verschwindende unbestimmt
andere, eine gleichgültige ist, ist der Übergang ein Sprung; beide
sind s als völlig äußerliche gegeneinander gesetzt.--Man sucht sich
gern durch die Allmähligkeit des Übergangs eine Veränderung
begreiflich zu machen; aber vielmehr ist die Allmähligkeit gerade die
bloß gleichgültige Änderung, das Gegentheil der qualitativen.  In der
Allmähligkeit ist vielmehr der Zusammenhang der beiden Realitäten,
--sie werden als Zustände, oder als selbstständige Dinge genommen,
--aufgehoben; es ist gesetzt, daß keine die Grenze der andern,
sondern eine der andern schlechthin äußerlich ist; hiermit wird
gerade das, was zum Begreiffen nöthig ist, wenn auch noch so wenig
dazu erfordert wird, entfernt.

Anmerkung.

Das natürliche Zahlensystem zeigt schon eine solche Knotenlinie von
qualitativen Momenten, die sich in dem bloß äußerlichen Fortgang
hervorthun.  Es ist eines Theils ein bloß quantitatives Vor- und
Zurückgehen, ein fortwährendes Hinzuthun oder Wegnehmen, so daß jede
Zahl dasselbe arithmetische Verhältniß zu ihrer vorhergehenden und
nachfolgenden hat, als diese zu ihrer vorhergehenden und
nachfolgenden u.s.f.  Aber die hierdurch entstehenden Zahlen haben
auch zu andern vorhergehenden oder folgenden ein specifisches
Verhältniß, entweder ein solches vielfaches von einer derselben als
eine ganze Zahl ausdrückt, oder Potenz und Wurzel zu seyn.--In den
musikalischen Verhältnissen, tritt ein harmonisches Verhältniß in der
Skale des quantitativen Fortgehens durch ein Quantum ein, ohne daß
dieses Quantum für sich auf der Skale zu seinem vorhergehenden und
nachfolgenden ein anderes Verhältniß hätte, als diese wieder zu ihren
vorhergehenden und nachfolgenden.  Indem folgende Töne vom Grundtone
sich immer mehr zu entfernen oder Zahlen durch das arithmetische
Fortgehen nur noch mehr andere zu werden scheinen, thut sich vielmehr
auf einmal eine Rückkehr, eine überraschende Übereinstimmung hervor,
die nicht durch das unmittelbar vorhergehende qualitativ vorbereitet
war, sondern als eine actio in distans, als eine Beziehung zu einem
Entfernten, erscheint; der Fortgang an bloß gleichgültigen
Verhältnissen, welche die vorhergehende specifische Realität nicht
ändern oder auch überhaupt keine solche bilden, unterbricht sich auf
einmal, und indem er in quantitativer Rücksicht auf dieselbe Weise
fortgesetzt ist, bricht somit durch einen Sprung ein specifisches
Verhältniß ein.

In chemischen Verbindungen kommen bei der progressiven Änderung der
Mischungsverhältnisse solche qualitative Knoten und Sprünge vor, daß
zwei Stoffe auf besondern Punkten der Mischungsskale, Produkte bilden,
welche besondere Qualitäten zeigen.  Diese Produkte unterscheiden
sich nicht bloß durch ein Mehr und Weniger von einander, noch sind
sie mit den Verhältnissen, die jenen Knotenverhältnissen nahe liegen,
schon vorhanden, etwa nur in einem schwächern Grade, sondern sind an
solche Punkte selbst gebunden.  Z. B. die Verbindungen voll
Sauerstoff und Stikstoff geben die verschiedenen Stikstoffoxyde und
Salpetersäuren, die nur an bestimmten Quantitäts-Verhältnissen der
Mischung hervortreten und wesentlich verschiedene Qualitäten haben,
so daß in dazwischen liegenden Mischungsverhältnissen keine
Verbindungen Von specifischen Existenzen erfolgen.--Die Metalloxyde,
z.B. die Bleioxyde bilden sich auf gewissen quantitativen Punkten
der Oxydation, und unterscheiden sich durch Farben und andere
Qualitäten.  Sie gehen nicht allmählig in einander über, die zwischen
jenen Knoten liegende Verhältnisse geben kein Neutrales, kein
specifisches Daseyn.  Ohne durch Zwischenstufen durchgegangen zu seyn,
tritt eine specifische Verbindung auf, die auf einem
Maaßverhältnisse beruht, und eigene Qualitäten hat.--Oder das Wasser,
indem es seine Temperatur ändert, wird damit nicht bloß mehr oder
weniger warm, sondern geht durch die Zustände der Härte, der
tropfbaren Flüssigkeit und der elastischen Flüssigkeit hindurch;
diese verschiedenen Zustände treten nicht allmählig ein, sondern eben
das bloß allmählige Fortgehen der Temperatur-Änderung wird durch
diese Punkte mit einemmale unterbrochen und gehemmt, und der Eintritt
eines andern Zustandes ist ein Sprung.--Alle Geburt und Tod, sind,
statt eine fortgesetzte Allmähligkeit zu seyn, vielmehr ein Abbrechen
derselben, und der Sprung aus quantitativer Veränderung in
qualitative.

Es giebt keinen Sprung in der Natur, wird gesagt; und die gewöhnliche
Vorstellung, wenn sie ein Entstehen oder Vergehen begreifen soll,
meint, wie erinnert, es damit begriffen zu haben, daß sie es als ein
allmähliges Hervorgehen oder Verschwinden vorstellt.  Es hat sich
aber gezeigt, daß die Veränderungen des Seyns überhaupt nicht nur das
Übergehen einer Größe in eine andere Größe, sondern Übergang vom
Qualitativen in das Quantitative und umgekehrt sind, ein
Anders-werden, das ein Abbrechen des Allmähligen und ein
Qualitativ-Anderes gegen das vorhergehende Daseyn ist.  Das Wasser
wird durch die Erkältung nicht nach und nach hart, so daß es
breiartig würde und allmählig bis zur Konsistenz des Eises sich
verhärtete, sondern ist auf einmal hart; schon mit der ganzen
Temperatur des Eispunktes, wenn es ruhig steht, kann es noch seine
ganze Flüssigkeit haben, und eine geringe Erschütterung bringt es in
den Zustand der Härte.

Bei der Allmähligkeit des Entstehens liegt die Vorstellung zu Grunde,
daß das Entstehende schon sinnlich oder überhaupt wirklich vorhanden,
nur wegen seiner Kleinheit noch nicht wahrnehmbar, so wie bei der
Allmähligkeit des Verschwindens, daß das Nichtseyn oder das Andere an
seine Stelle Tretende gleichfalls vorhanden, nur noch nicht bemerkbar
sey;--und zwar vorhanden nicht in dem Sinne, daß das Andere in dem
vorhandenen Andern an sich enthalten, sondern daß es als Daseyn, nur
unbemerkbar, vorhanden sey.  Es wird damit das Entstehen und Vergehen
überhaupt aufgehoben, oder das An-sich, das Innere, in welchem etwas
vor seinem Daseyn ist, in eine Kleinheit des äußerlichen Daseyns
verwandelt, und der wesentliche, oder der Begriffsunterschied in
einen äußerlichen, bloßen Größeunterschied.--Das Begreiflichmachen
eines Entstehens oder Vergehens aus der Allmähligkeit der Veränderung
hat die der Tautologie eigene Langweiligkeit; es hat das Entstehende
oder Vergehende schon vorher ganz fertig und macht die Veränderung zu
einer bloßen Änderung eines äußerlichen Unterschiedes, wodurch sie in
der That nur eine Tautologie ist.  Die Schwierigkeit für solchen
begreifen wollenden Verstand liegt in dem qualitativen Übergang von
Etwas in sein Anderes überhaupt und in sein Entgegengesetztes;
dagegen spiegelt er sich die Identität und die Veränderung als die
gleichgültige, äußerliche des Quantitativen vor.

Im Moralischen, insofern es in der Sphäre des Seyns betrachtet wird,
findet derselbe Übergang des Quantitativen ins Qualitative statt; und
verschiedene Qualitäten erscheinen, sich auf eine Verschiedenheit der
Größe zu gründen.  Es ist ein Mehr und Weniger, wodurch das Maaß des
Leichtsinns überschritten wird, und etwas ganz Anderes, Verbrechen,
hervortritt, wodurch Recht in Unrecht, Tugend in Laster übergeht.--So
erhalten auch Staaten durch ihren Größenunterschied, wenn das Übrige
als gleich angenommen wird, einen verschiedenen qualitativen
Charakter.  Gesetze und Verfassung werden zu etwas Anderem, wenn der
Umfang des Staats und die Anzahl der Bürger sich erweitert.  Der
Staat hat ein Maaß seiner Größe, über welche hinausgetrieben er
haltungslos in sich zerfällt, unter derselben Verfassung, welche bei
nur anderem Umfange sein Glück und seine Stärke ausmachte.

C.  Das Maaßlose

Das ausschließende Maaß bleibt in seinem realisirten Fürsichseyn
selbst, mit dem Momente quantitativen Daseyns behaftet, darum des
Auf- und Absteigens an der Skale des Quantums fähig, auf welcher die
Verhältnisse sich ändern.  Etwas oder eine Qualität als auf solchem
Verhältnisse beruhend, wird über sich hinaus in das Maaßlose
getrieben, und geht durch die bloße Änderung seiner Größe zu Grunde.
Die Größe ist die Beschaffenheit, an der ein Daseyn mit dem Scheine
von Unverfänglichkeit ergriffen und wodurch es zerstört werden kann.

Das abstrakte Maaßlose ist das Quantum überhaupt als in sich
bestimmungslos, und als nur gleichgültige Bestimmtheit, durch welche
das Maaß nicht verändert wird.  In der Knotenlinie der Maaße ist sie
zugleich als specificirend gesetzt; jenes abstrakte Maaßlose hebt
sich zur qualitativen Bestimmtheit auf; das neue Maaßverhältniß, in
welches das zuerst vorhandene übergeht, ist ein Maaßloses in
Rücksicht auf dieses, an ihm selbst aber ebenso eine für sich-seyende
Qualität; so ist die Abwechslung von specifischen Existenzen
miteinander und derselben ebenso mit bloß quantitativbleibenden
Verhältnissen gesetzt,--sofort ins Unendliche.  Was also in diesem
Übergehen vorhanden ist, ist sowohl die Negation der specifischen
Verhältnisse, als die Negation des quantitativen Fortgangs selbst;
das fürsichseyende Unendliche.--Die qualitative Unendlichkeit, wie
sie am Daseyn ist, war das Hervorbrechen des Unendlichen am Endlichen,
als unmittelbarer Übergang und Verschwinden des Diesseits in seinem
Jenseits.  Die quantitative Unendlichkeit hingegen ist ihrer
Bestimmtheit nach schon die Kontinuität des Quantums, eine
Kontinuität desselben über sich hinaus.  Das Qualitativ-Endliche wird
zum Unendlichen; das Quantitativ-Endliche ist sein Jenseits an ihm
selbst, und weist über sich hinaus.  Aber diese Unendlichkeit der
Specifikation des Maaßes setzt ebensowohl das Qualitative wie das
Quantitative als sich in einander aufhebend, und damit die erste,
unmittelbare Einheit derselben, welche das Maaß überhaupt ist, als in
sich zurückgekehrt und damit selbst als gesetzt.  Das Qualitative,
eine specifische Existenz, geht in eine andere so über, daß nur eine
Veränderung der Größebestimmtheit eines Verhältnisses vorgeht; die
Veränderung des Qualitativen selbst in Qualitatives ist damit als
eine äußerliche und gleichgültige, und als ein Zusammengehen mit sich
selbst gesetzt; das Quantitative hebt sich ohnehin als umschlagend in
Qualitatives, das An- und Für-Sichbestimmtseyn, auf.  Diese so sich
in ihrem Wechsel der Maaße in sich selbst kontinuirende Einheit ist
die wahrhaft bestehenbleibende, selbstständige Materie, Sache.

Was hiermit vorhanden ist, ist à) eine und dieselbe Sache, welche als
Grundlage in ihren Unterscheidungen und als perennirend gesetzt ist.
Schon im Quantum überhaupt beginnt dieß Abtrennen des Seyns von
seiner Bestimmtheit; groß ist etwas, als gleichgültig gegen seine
seyende Bestimmtheit.  Im Maaße ist die Sache selbst bereits an sich
Einheit des Qualitativen und Quantitativen,--der beiden Momente, die
innerhalb der allgemeinen Sphäre des Seyns, den Unterschied ausmachen,
und wovon das Eine das Jenseits des Andern ist; das perennirende
Substrat hat auf diese Weise zunachst an ihm selbst die Bestimmung
seyender Unendlichkeit. ß) Diese Dieselbigkeit des Substrats ist
darin gesetzt, daß die qualitativen Selbstständigkeiten, in welche
die maaßbestimmende Einheit abgestoßen ist, nur in quantitativen
Unterschieden bestehen, so daß das Substrat sich in dieß sein
Unterscheiden kontinuirt; ç) in dem unendlichen Progresse der
Knotenreihe ist die Kontinuirung des Qualitativen in das quantitative
Fortgehen, als in eine gleichgültige Veränderung, aber ebenso die
darin enthaltene Negation des Qualitativen, und zugleich damit der
bloß quantitativen Äußerlichkeit, gesetzt.  Das quantitative
Hinausweisen über sich zu einem Andern, als anderem Quantitativen
geht unter in dem Hervortreten eines Verhältnißmaaßes, einer Qualität,
und das qualitative Übergehen hebt sich eben darin auf, daß die neue
Qualität selbst nur ein quantitatives Verhältniß ist.  Dieß Übergehen
des Qualitativen und des Quantitativen in einander geht auf dem Boden
ihrer Einheit vor, und der Sinn dieses Processes ist nur das Daseyn,
das Zeigen oder Setzen, daß demselben ein solches Substrat zu Grunde
liegt, welches ihre Einheit sey.

In den Reihen selbstständiger Maaßverhältnisse sind die einseitigen
Glieder der Reihen unmittelbare qualitative Etwas, (die specifischen
Schweren, oder die chemische Stoffe, die basischen oder kalischen,
die sauren z.B.), und dann die Neutralisationen derselben, (-
worunter hier auch die Verbindungen von Stoffen verschiedener
specifischer Schwere zu begreiffen sind--) sind selbstständige und
selbst ausschließende Maaßverhältnisse, gegeneinander gleichgültige
Totalitäten fürsichseyenden Daseyns.  Nun sind solche Verhältnisse
nur als Knoten eines und desselben Substrats bestimmt.  Damit sind
die Maaße und die damit gesetzten Selbstständigkeiten zu Zuständen
herabgesetzt.  Die Veränderung ist nur Änderung eines Zustandes und
das Übergehende ist als darin dasselbe bleibend gesetzt.

Um die Fortbestimmung, welche das Maaß durchloffen hat, zu übersehen,
so fassen sich die Momente derselben so zusammen, daß das Maaß
zunächst die selbst unmittelbare Einheit der Qualität und der
Quantität ist als ein gewöhnliches Quantum, das aber specifisch ist.
Hiermit als nicht auf Anderes, sondern auf sich beziehende
Quantitätsbestimmtheit ist es wesentlich Verhaltniß.  Daher ferner
enthält es seine Momente als aufgehobene und ungetrennte in sich; wie
immer in einem Begriffe, ist der Unterschied in demselben so, daß
jedes von dessen Momenten selbst Einheit des Qualitativen und
Quantitativen ist.  Dieser hiermit reale Unterschied ergiebt eine
Menge von Maaßverhältnissen die als formelle Totalitäten in sich
selbstständig sind.  Die Reihen, welche die Seiten dieser
Verhaltnisse bilden, sind für jedes einzelne Glied, das als einer
Seite zugehörig sich zu der ganzen gegenüberstehenden Reihe verhält,
dieselbe konstante Ordnung.  Diese, als bloße Ordnung, noch ganz
äußerliche Einheit, zeigt sich zwar als immanente specificirende
Einheit eines fürsichseyenden Maaßes unterschieden von seinen
Specifikationen; aber das specificirende Princip ist noch nicht der
freie Begriff welcher allein seinen Unterschieden immanente
Bestimmung giebt, sondern das Princip ist zunächst nur Substrat, eine
Materie, für deren Unterschiede, um als Totalitäten, zu seyn, d. i.
die Natur des sich selbst gleich bleibenden Substrats in sich zu
haben, nur die äußerliche quantitative Bestimmung vorhanden ist, die
sich als Verschiedenheit der Qualität zugleich zeigt.  Die
Maaßbestimmnng ist in dieser Einheit des Substrats mit sich selbst
eine aufgehobene, ihre Qualität ein durch das Quantum (bestimmter,
äußerlicher Zustand.--Dieser Verlauf ist ebensowohl die realisirende
Fortbestimmung des Maaßes, als sie das Herabsetzen desselben zu einem
Momente ist.



Drittes Kapitel.  Das Werden des Wesens.


A.  Die absolute Indifferenz.

Das Seyn ist die abstrakte Gleichgültigkeit, wofür, da sie für sich
als Seyn gedacht werden soll, der Ausdruck Indifferenz gebraucht
worden ist,--an der noch keine Art von Bestimmtheit seyn soll; die
reine Quantität ist die Indifferenz als aller Bestimmungen fähig, so
aber daß diese ihr äußerlich, und sie aus sich keinen Zusammenhang
mit denselben hat; die Indifferenz aber, welche die absolute genannt
werden kann, ist, die durch die Negation aller Bestimmtheiten des
Seyns, der Qualität und Quantität und deren zunächst unmittelbaren
Einheit, des Maaßes, sich mit sich zur einfachen Einheit vermittelt.
Die Bestimmtheit ist an ihr nur noch als Zustand d. i. als ein
qualitatives Äußerliches, das die Indifferenz zum Substrate hat.

Das aber, was so als qualitatives Äußerliches bestimmt worden, ist
nur ein Verschwindendes; als so äußerlich gegen das Seyn ist das
Qualitative als das Gegentheil seiner selbst nur das sich Aufhebende.
Die Bestimmtheit ist auf diese Weise an dem Substrate nur noch
gesetzt als ein leeres Unterscheiden.  Aber eben dieß leere
Unterscheiden ist die Indifferenz selbst als Resultat.  Und zwar ist
sie so das Konkrete, das in ihm selbst durch die Negation aller
Bestimmungen des Seyns mit sich vermittelte.  Als diese Vermittelung
enthält sie die Negation und Verhältniß, und was Zustand hieß, ist
ihr immanentes, sich auf sich beziehendes Unterscheiden; eben die
Äußerlichkeit und deren Verschwinden macht die Einheit des Seyns zur
Indifferenz, und ist also innerhalb dieser, welche damit aufhört, nur
Substrat und an ihr selbst nur abstrakt zu seyn.

B.  Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren.

Es ist nun zu sehen, wie diese Bestimmung der Indifferenz an ihr
selbst und sie damit als fürsichseyend gesetzt ist.

1.  Die Reduktion der zunächst als selbstständig geltenden
Maaßverhältnisse begründet Ein Substrat derselben; dieses ist deren
Kontinuirung in einander, somit das untrennbare Selbstständige, das
in seinen Unterschieden ganz vorhanden ist.  Für diesen Unterschied
sind die in ihm enthaltenen Bestimmungen, die Qualität und die
Quantität vorhanden, und es kommt ganz nur darauf an, wie diese an
ihm gesetzt sind.  Dieß aber ist dadurch bestimmt, daß das Substrat
zunächst als Resultat, und an sich die Vermittelung, aber diese so an
ihm noch nicht als solche gesetzt ist; wodurch dasselbe zunächst
Substrat und in Ansehung der Bestimmtheit als die Indifferenz ist.

Der Unterschied ist daher an ihr wesentlich zunächst der nur
quantitative äußerliche; und es sind zwei unterschiedene Quanta eines
und desselben Substrats, welches auf diese Weise die Summe derselben,
somit selbst als Quantum bestimmt wäre.  Die Indifferenz ist aber
dieses feste Maaß, die ansichseyende absolute Grenze nur in Beziehung
auf jene Unterschiede so, daß sie nicht an ihr selbst Quantum wäre,
und in irgend einer Weise als Summe oder auch Exponent Andern, es sey
Summen, Indifferenzen, gegenüber träte.  Es ist nur die abstrakte
Bestimmtheit, welche in die Indifferenz fällt; die beiden Quanta um
als Momente an ihr gesetzt zu seyn, sind veränderlich, gleichgültig,
größer oder kleiner gegeneinander.  Durch die feste Grenze ihrer
Summe beschränkt aber verhalten sie sich zugleich nicht äußerlich,
sondern negativ gegeneinander; was nun die qualitative Bestimmung ist,
in der sie zu einander stehen.  Sie sind darnach im umgekehrten
Verhältnisse zu einander.  Von dem frühern formellen umgekehrten
Verhältnisse ist dieses dadurch unterschieden, daß hier das Ganze ein
reales Substrat, und jede der beiden Seiten gesetzt ist, selbst an
sich dieß Ganze seyn zu sollen.

Nach der angegebenen qualitativen Bestimmtheit ist der Unterschied
ferner als von zwei Qualitäten vorhanden, deren eine durch die andere
aufgehoben wird, aber als in Einer Einheit gehalten und sie
ausmachend, von der andern untrennbar ist.  Das Substrat selbst ist
als die Indifferenz gleichfalls an sich die Einheit der beiden
Qualitäten; jede der Seiten des Verhältnisses enthält daher ebenso
sie beide in sich, und ist nur durch ein Mehr der einen Qualität und
das Weniger der andern und umgekehrt unterschieden; die eine Qualität
ist durch ihr Quantum, in der einen Seite nur die überwiegende, die
andere in der andern.

Jede Seite ist somit an ihr selbst ein umgekehrtes Verhältniß; dieses
Verhältniß kehrt als formelles an den unterschiedenen Seiten zurück.
Diese Seiten selbst kontinuiren sich so auch nach ihren qualitativen
Bestimmungen in einander, jede der Qualitäten verhält in der andern
sich zu sich selbst, und ist in jeder der beiden Seiten nur in einem
verschiedenen Quantum.  Ihr quantitativer Unterschied ist jene
Indifferenz, nach der sie sich in einander kontinuiren, und diese
Kontinuation ist als Dieselbigkeit der Qualitäten in jeder der beiden
Einheiten.--Die Seiten aber, jede als das Ganze der Bestimmungen,
hiermit die Indifferenz selbst enthaltend, sind so gegeneinander
zugleich als selbstständig gesetzt.

2.  Das Seyn ist nun als diese Indifferenz, das Bestimmtseyn des
Maaßes nicht mehr in seiner Unmittelbarkeit; sondern dasselbe auf die
so eben aufgezeigte entwickelte Weise;--Indifferenz als es an sich
das Ganze der Bestimmungen des Seyns, welche zu dieser Einheit
aufgelöst sind;--ebenso Daseyn, als Totalität der gesetzten
Realisation, in welcher die Momente selbst die ansichseyende
Totalität der Indifferenz, von ihr als ihrer Einheit getragen, sind.
Weil aber die Einheit nur als Indifferenz und damit nur als an sich
festgehalten, und die Momente noch nicht als fürsichseyend, d. i.
noch nicht an ihnen selbst und durcheinander sich zur Einheit
aufhebend, bestimmt sind, so ist damit überhaupt die Gleichgültigkeit
ihrer selbst gegen sich als entwickelte Bestimmtheit vorhanden.

Dieß so untrennbare Selbstständige ist nun näher zu betrachten.  Es
ist immanent in allen seinen Bestimmungen und bleibt in ihnen in der
Einheit mit sich ungetrübt von ihnen, aber hat à) als an sich die
Totalität bleibend die Bestimmtheiten, welche in ihr aufgehoben sind,
nur grundlos an ihr hervortretend.  Das Ansich der Indifferenz und
dieß ihr Daseyn ist unverbunden; die Bestimmtheiten zeigen sich auf
unmittelbare Weise an ihr; sie ist ganz in jeder derselben; deren
Unterschied hiermit zunächst als ein aufgehobener, also als
quantitativer gesetzt; aber eben damit nicht als das Abstoßen ihrer
von sich selbst, sie nicht als selbstbestimmend, nur als äußerlich
bestimmtseyend und bestimmtwerdend.

ß)  Die beiden Momente sind in umgekehrtem quantitativem Verhältnisse;
--ein Hin- und Hergehen an der Größe, das aber nicht durch die
Indifferenz, welche eben die Gleichgültigkeit dieses Hinund Hergehens
ist, sondern hiermit nur äußerlich bestimmt ist.  Es wird auf ein
Anderes hingewiesen, das außerhalb ihr ist und in welchem das
Bestimmen liegt.  Das Absolute als Indifferenz hat nach dieser Seite
den zweiten Mangel der quantitativen Form, daß die Bestimmtheit des
Unterschieds nicht durch dasselbe determinirt ist, wie es daran den
ersten hat, daß die Unterschiede an ihm nur überhaupt hervortreten, d.
i. das Setzen desselben etwas Unmittelbares nicht seine Vermittelung
mit sich selbst ist.

ç)  Die quantitative Bestimmtheit der Momente, welche nun Seiten des
Verhältnisses sind, macht die Weise ihres Bestehens aus; ihr Daseyn
ist durch diese Gleichgültigkeit dem Übergehen des Qualitativen
entnommen.  Aber sie haben ein von diesem ihrem Daseyn verschiedenes,
ihr an sichseyendes Bestehen darin, daß sie an sich die Indifferenz
selbst, jede selbst die Einheit der beiden Qualitäten ist, in welche
das qualitative Moment sich spaltet.  Der Unterschied der beiden
Seiten beschränkt sich darauf, daß die eine Qualität in der einen
Seite mit einem Mehr, in der andern mit einem Weniger, und die andere
darnach umgekehrt gesetzt ist.  So ist jede Seite an ihr die
Totalität der Indifferenz.--Jede der beiden Qualitäten einzeln für
sich genommen, bleibt gleichfalls dieselbe Summe, welche die
Indifferenz ist; sie kontinuirt sich aus der einen Seite in die
andere, und wird durch die quantitative Grenze, die dabei in ihr
gesetzt wird, nicht beschränkt.  Hieran kommen die Bestimmungen in
unmittelbaren Gegensatz, welcher sich zum Widerspruch entwickelt, was
nun zu sehen ist.

3.  Nämlich jede Qualität tritt innerhalb jeder Seite in die Beziehung
zu der andern, und zwar so daß auch, wie bestimmt worden ist, diese
Beziehung nur ein quantitativer Unterschied seyn soll.  Sind beide
Qualitäten selbstständig,--etwa genommen wie von einander unabhängige,
sinnliche Materien, so fällt die ganze Bestimmtheit der Indifferenz
auseinander; ihre Einheit und Totalität wären leere Namen.  Sie sind
aber vielmehr zugleich so bestimmt, daß sie in Einer Einheit befaßt,
daß sie untrennbar sind, jede nur Sinn und Realität in dieser einen
qualitativen Beziehung auf die andere hat.  Darum nun aber, weil ihre
Quantitativität schlechthin von dieser qualitativen Natur ist, reicht
jede nur so weit, als die andere.  Insofern sie als Quanta
verschieden seyn sollten, ginge die eine über die andere hinaus und
hätte in ihrem Mehr ein gleichgültiges Daseyn, welches die andere
nicht hätte.  Aber in ihrer qualitativen Beziehung ist jede nur
insofern die andere ist.--Hieraus folgt dieß, daß sie im
Gleichgewicht sind, daß um soviel die eine sich vermehrte oder
verminderte, die andere gleichfalls zu- oder abnähme, und in
demselben Verhältnisse zu- oder abnähme.

Aus dem Grunde ihrer qualitativen Beziehung kann es daher zu keinem
quantitativen Unterschiede und keinem Mehr der einen Qualität kommen.
Das Mehr, um welches das eine der in Beziehung stehenden Momente
über das andere hinaus wäre, wäre nur eine haltungslose Bestimmung,
oder dieß Mehr wäre nur wieder das andere selbst; in dieser
Gleichheit beider aber ist keines vorhanden, denn ihr Daseyn sollte
nur auf der Ungleichheit ihres Quantums beruhen.--Jeder dieser seyn
sollenden Faktoren verschwindet ebenso, indem er über den andern
hinaus als indem er ihm gleich seyn soll.  Jenes Verschwinden
erscheint so, daß von der quantitativen Vorstellung aus das
Gleichgewicht gestört und der eine Faktor größer genommen wird, als
der andere; so ist das Aufheben der Qualität des andern und seine
Haltungslosigkeit gesetzt; der erstere wird das überwiegende, daß der
andere mit beschleunigter Geschwindigkeit abnimmt und von dem ersten
überwältigt wird, dieser also sich zum einzigen Selbstständigen macht;
aber damit sind nicht mehr zwei Specifische und Faktoren, sondern
nur das eine Ganze.

Diese Einheit so gesetzt als die Totalität des Bestimmens, wie sie
selbst darin als Indifferenz bestimmt ist, ist der allseitige
Widerspruch; sie ist somit so zu setzen, als dieser sich selbst
aufhebende Widerspruch, zur fürsichseyenden Selbstständigkeit
bestimmt zu seyn, welche die nicht mehr nur indifferente, sondern die
in ihr selbst immanent negative absolute Einheit zum Resultate und
Wahrheit hat, welche das Wesen ist.

Anmerkung.

Das Verhältniß eines Ganzen, das seine Bestimmtheit in dem
Größenunterschiede qualitativ gegen einander bestimmter Faktoren
haben soll, wird bei der elliptischen Bewegung der Himmelskörper
gebraucht.  Dieß Beispiel zeigt zunächst nur zwei Qualitäten im
umgekehrten Verhältnisse zu einander, nicht zwei Seiten, deren jede
selbst die Einheit beider und ihr umgekehrtes Verhältniß wäre.  Bei
der Festigkeit der empirischen Grundlage wird die Konsequenz
übersehen, auf welche die in dieselbe gebrachte Theorie führt,
nämlich das zu Grunde liegende Faktum zu zerstören, oder indem dieses,
wie gehörig, festgehalten wird, die Leerheit der Theorie gegen
dasselbe darzuthun.  Das Ignoriren der Konsequenz läßt Faktum und die
ihm widersprechende Theorie ruhig nebeneinander bestehen.--Das
einfache Faktum ist, daß in der elliptischen Bewegung der
Himmelskörper sich ihre Geschwindigkeit beschleunigt, indem sie sich
dem Perihelium, und sich vermindert, indem sie sich dem Aphelium
nähert.  Das Quantitative dieses Faktums ist durch den unermüdlichen
Fleiß des Beobachtens genau bestimmt und dasselbe weiter auf sein
einfaches Gesetz und Formel zurückgeführt, somit alles geleistet, was
wahrhaft an die Theorie zu fordern ist.  Aber dieß hat dem
reflektirenden Verstande nicht genügend geschienen.  Zur sogenannten
Erklärung des Phänomens und seines Gesetzes werden eine Centripetal-
und Centrifugalkraft, als qualitative Momente der Bewegung in der
krummen Linie, angenommen.  Ihr qualitativer Unterschied besteht in
der Entgegensetzung der Richtung, und in quantitativer Rücksicht
darin, indem sie als ungleich bestimmt sind, daß wie die eine zu-,
die andere abnehmen soll, und umgekehrt; dann auch ferner, daß das
Verhältniß derselben wieder umschlage, daß nachdem die
Centripetalkraft eine Zeitlang zugenommen, die Centrifugalkraft aber
abgenommen, ein Punkt eintrete, wo die Centripetalkraft ab-, die
Centrifugalkraft dagegen zunehme.  Dieser Vorstellung widerspricht
aber das Verhältniß ihrer wesentlich qualitativen Bestimmtheit
gegeneinander.  Durch diese sind sie schlechthin nicht auseinander zu
bringen; jede hat nur Bedeutung in Rücksicht auf die andere; insofern
also eine einen Überschuß über die andere hätte, insofern hätte sie
keine Beziehung auf diese und wäre nicht vorhanden.--Bei der Annahme,
daß die eine das einemal größer sey als die andere, wenn sie als
größere in Beziehung auf die kleinere stünde, tritt das oben Gesagte
ein, daß sie absolut das Übergewicht erhielte, und die andere
verschwände; die letztere ist als das Verschwindende, Haltungslose
gesetzt, und an dieser Bestimmung ändert es nichts, daß das
Verschwinden nur allmählig geschehen, und ebenso wenig, daß so viel
sie abnähme an Größe, der erstern zuwachsen soll; dieses geht mit der
andern zu Grunde, da was sie ist allein insofern ist, insofern die
andere ist.  Es ist eine sehr einfache Betrachtung, daß wenn z.B.
wie vorgegeben wird, die Centripetalkraft des Körpers, indem er sich
dem Perihelium nähert, zunehmen, die Centrifugalkraft hingegen um
ebenso viel abnehmen soll, die letztere nicht mehr vermöchte, ihn der
erstern zu entreißen, und von seinem Centralkörper wieder zu
entfernen; im Gegentheil da die erstere einmal das Übergewicht haben
soll, so ist die andere überwältigt, und der Körper wird mit
beschleunigter Geschwindigkeit seinem Centralkörper zugeführt.  Wie
umgekehrt, wenn die Centrifugalkraft an der unendlichen Nähe des
Apheliums die Oberhand hat, es ebenso widersprechend ist, daß sie nun
im Aphelium selbst von der schwächern überwältigt werden sollte.--Es
erhellt ferner, daß es eine fremde Kraft wäre, welche diese Umkehrung
bewirkte, dieß heißt, daß die bald beschleunigte, bald retardirte
Geschwindigkeit der Bewegung nicht aus der angenommenen Bestimmung
jener Faktoren erkannt oder, wie es genannt wird, erklärt werden
könne, welche gerade deswegen angenommen worden sind, um diesen
Unterschied zu erklären.  Die Konsequenz des Verschwindens der einen
oder der andern Richtung und damit der elliptischen Bewegung
überhaupt, wird um des feststehenden Faktums willen, daß diese
Bewegung fortdauert und aus der beschleunigten in die retardirte
Geschwindigkeit übergeht, ignorirt und verborgen.  Die Annahme des
Umschlagens der Schwäche der Centripetalkraft im Aphelium in eine
überwiegende Stärke gegen die Centrifugalkraft, und umgekehrt beim
Perihelium, enthält Theils dasjenige, was oben entwickelt worden, daß
jede der Seiten des umgekehrten Verhältnisses an ihr selbst dieß
ganze umgekehrte Verhältniß ist; denn die Seite der Bewegung vom
Aphelium zum Perihelium,--der überwiegend seyn sollenden
Centripetalkraft,--soll noch die Centrifugalkraft enthalten, aber im
Abnehmen, wie jene zunimmt; in eben dem umgekehrten Verhältniß soll
sich in der Seite der retardirten Bewegung die überwiegende und immer
überwiegender werdende Centrifugalkraft zur Centripetalkraft befinden,
so daß auf keiner Seite eine derselben verschwunden sey, sondern nur
immer kleiner werde bis zur Zeit ihres Umschlagens zum Überwiegen
über die andere.  Es rekurrirt damit nur an jeder Seite das, was der
Mangel an diesem umgekehrten Verhältniß ist, daß entweder jede Kraft
selbstständig für sich genommen wird, und mit dem bloß äußerlichen
Zusammentreffen derselben zu einer Bewegung, wie im Parallelogramm
der Kräfte, die Einheit des Begriffs, die Natur der Sache, aufgehoben
ist, oder daß, indem beide sich qualitativ durch den Begriff zu
einander verhalten, keine ein gleichgültiges, selbstständiges
Bestehen gegen die andere erhalten kann, was ihr durch ein Mehr
zugetheilt werden sollte; die Form der Intensität, das sogenannte
Dynamische, ändert nichts, da es selbst in dem Quantum seine
Bestimmtheit hat, und damit ebenso nur so viel Kraft äußern kann, d.
h. nur insoweit existirt, als es an der entgegengesetzten Kraft sich
gegenüber stehen hat.  Theils aber enthält jenes Umschlagen aus dem
Überwiegen in das Gegentheil die Abwechslung der qualitativen
Bestimmung von Positiven und Negativen; das Zunehmen der einen ist
ebenso viel Verlust der andern.  Der untrennbare qualitative
Zusammenhang dieses qualitativen Gegensatzes ist in der Theorie in
ein Nacheinander auseinander gerückt; aber damit bleibt sie die
Erklärung dieser Abwechslung sowohl als vornehmlich dieses
Auseinanderrückens selbst schuldig.  Der Schein von Einheit, der noch
in dem Zunehmen der einen mit ebenso vielem Abnehmen der andern liegt,
verschwindet hier vollends; es ist ein bloß äußerliches Erfolgen
angegeben, das nur der Konsequenz jenes Zusammenhangs, nach der
insofern die eine überwiegend geworden, die andere verschwinden muß,
widerspricht.

Dasselbe Verhältniß ist auf die Attraktiv- und Repulsivkraft
angewendet worden, um die verschiedene Dichtigkeit der Körper zu
begreifen; auch das umgekehrte Verhältniß der Sensibilität und
Irritabilität, hat dazu dienen sollen, um aus dem Ungleichwerden
dieser Faktoren des Lebens die verschiedenen Bestimmungen des Ganzen,
der Gesundheit, wie auch die Verschiedenheit der Gattungen der
Lebendigen zu begreifen.  Jedoch die Verwirrung, und der Galimathias,
in welchen sich dieß Erklären, das eine naturphilosophische Grundlage
der Physiologie, Nosologie, und dann der Zoologie werden sollte, in
dem unkritischen Gebrauche dieser Begriffsbestimmungen verwickelte,
hat hier zur Folge gehabt, daß dieser Formalismus bald wieder
aufgegeben worden ist, der in der Wissenschaft besonders der
physikalischen Astronomie in seiner ganzen Ausdehnung fortgeführt
wird.

Insofern die absolute Indifferenz die Grundbestimmung der
spinozistischen Substanz zu seyn scheinen kann, so kann hierüber noch
bemerkt werden, daß sie dieß allerdings in der Rücksicht ist, daß in
beiden alle Bestimmungen des Seyns, wie überhaupt jede weitere
konkrete Unterscheidung von Denken und Ausdehnung u.s.f. als
verschwunden gesetzt werden.  Es ist überhaupt gleichgültig, wenn bei
der Abstraktion stehen geblieben werden soll, wie dasjenige, was in
diesem Abgrund untergegangen ist, in seinem Daseyn ausgesehen habe.
Aber die Substanz als Indifferenz ist Theils mit dem Bedürfniß des
Bestimmens und mit der Rücksicht auf dasselbe verbunden; sie soll
nicht die Substanz des Spinoza bleiben, deren einzige Bestimmung das
Negative ist, daß in ihr alles absorbirt sey.  Bei Spinoza kommt der
Unterschied, die Attribute, Denken und Ausdehnung, alsdann auch die
Modi, die Affekten und alle übrigen Determinationen, ganz empirisch
herbei; es ist der Verstand, selbst ein Modus, in welchen dieß
Unterscheiden fällt; die Attribute stehen zur Substanz und zu
einander in keiner weitern Bestimmtheit, als daß sie die Substanz
ganz ausdrücken, und ihr Inhalt, die Ordnung der Dinge als
ausgedehnter und als Gedanken dieselbe ist.  Durch die Bestimmung der
Substanz als Indifferenz kommt aber die Reflexion auf den Unterschied
hinzu, er wird nun gesetzt, als das was er bei Spinoza an sich ist,
nämlich als äußerlicher, und damit näher als quantitativer.  Die
Indifferenz bleibt so in ihm wohl sich immanent, wie die Substanz,
--aber abstrakt, nur an sich; der Unterschied ist nicht ihr immanent,
als quantitativer ist er vielmehr das Gegentheil der Immanenz, und
die quantitative Indifferenz ist vielmehr das Außersichseyn der
Einheit.  Der Unterschied ist damit auch nicht qualitativ aufgefaßt,
die Substanz nicht als das sich selbst Unterscheidende, nicht als
Subjekt bestimmt.  Die nächste Folge in Rücksicht auf die Kategorie
der Indifferenz selbst ist, daß an ihr der Unterschied von
quantitativer und qualitativer Bestimmung auseinander fällt, wie in
der Entwicklung der Indifferenz sich ergab; sie ist die Auflösung des
Maaßes, in welchem beide Momente unmittelbar als eins gesetzt waren.

C.  Übergang in das Wesen.

Die absolute Indifferenz ist die letzte Bestimmung des Seyns, ehe
dieses zum Wesen wird; sie erreicht aber dieses nicht.  Sie zeigt
sich noch der Sphäre des Seyns anzugehören, indem sie noch als
gleichgültig bestimmt, den Unterschied als äußerlichen, quantitativen
an ihr hat.  Dieß ist ihr Daseyn, womit sie sich zugleich in dem
Gegensatze befindet, gegen dasselbe als nur das an sichseyende
bestimmt, nicht als das fürsichseyende Absolute gedacht zu seyn.
Oder es ist die äußere Reflexion, welche dabei stehen bleibt, daß die
Specifischen an sich oder im Absoluten dasselbe und eins sind, daß
ihr Unterschied nur ein gleichgültiger, kein Unterschied an sich ist.
Was hier noch fehlt, besteht darin, daß diese Reflexion, nicht die
äußere Reflexion des denkenden, subjektiven Bewußtseyns, sondern die
eigene Bestimmung der Unterschiede jener Einheit sey, sich aufzuheben,
welche Einheit denn so sich erweist, die absolute Negativität, ihre
Gleichgültigkeit gegen sich selbst, gegen ihre eigene
Gleichgültigkeit, ebenso sehr als gegen das Andersseyn zu seyn.

Dieß Sich-Aufheben der Bestimmung der Indifferenz aber hat sich
bereits ergeben; sie hat sich in der Entwicklung ihres Gesetztseyns
nach allen Seiten als der Widerspruch gezeigt.  Sie ist an sich die
Totalität, in der alle Bestimmungen des Seyns aufgehoben und
enthalten sind; so ist sie die Grundlage, aber ist nur erst in der
einseitigen Bestimmung des Ansichseyns und damit sind die
Unterschiede, die quantitative Differenz und das umgekehrte
Verhältniß von Faktoren, als äußerlich an ihr.  So der Widerspruch
ihrer selbst und ihres Bestimmtseyns, ihrer an sich seyenden
Bestimmung und ihrer gesetzten Bestimmtheit ist sie die negative
Totalität, deren Bestimmtheiten sich an ihnen selbst und damit diese
ihre Grundeinseitigkeit, ihr Ansichseyn, aufgehoben haben.  Gesetzt
hiermit als das, was die Indifferenz in der That ist, ist sie
einfache und unendliche negative Beziehung auf sich, die
Unverträglichkeit ihrer mit ihr selbst, Abstoßen ihrer von sich
selbst.  Das Bestimmen und Bestimmtwerden ist nicht ein Übergehen,
noch äußerliche Veränderung, noch ein Hervortreten der Bestimmungen
an ihr, sondern ihr eignes Beziehen auf sich, das die Negativität
ihrer selbst, ihres Ansichseyns, ist.

Die Bestimmungen, als solche abgestoßene, gehören aber nun nicht sich
selbst an, treten nicht in Selbstständigkeit oder Äußerlichkeit
hervor, sondern sind als Momente;--erstens der ansichseyenden Einheit
angehörig, nicht von ihr entlassen, sondern von ihr als dem Substrate
getragen und nur von ihr erfüllt; und zweitens als die Bestimmungen,
die der fürsichseyenden Einheit immanent, nur durch deren Abstoßen
von sich, sind.  Sie sind statt Seyender, wie in der ganzen Sphäre
des Seyns nunmehr schlechthin nur als Gesetzte, schlechthin mit der
Bestimmung und Bedeutung, auf ihre Einheit, somit jede auf ihre
andere und Negation, bezogen zu seyn,--bezeichnet mit dieser ihrer
Relativität.

Damit ist das Seyn überhaupt und das Seyn oder die Unmittelbarkeit
der unterschiedenen Bestimmtheiten ebenso sehr als das Ansichseyn
verschwunden, und die Einheit ist Seyn, unmittelbare vorausgesetzte
Totalität, so daß sie diese einfache Beziehung auf sich nur ist,
vermittelt durch das Aufheben dieser Voraussetzung, und dieß
Vorausgesetztseyn und unmittelbare Seyn selbst nur ein Moment ihres
Abstoßens ist, die ursprüngliche Selbstständigkeit und Identität mit
sich nur ist, als das resultirende, unendliche Zusammengehen mit sich;
so ist das Seyn zum Wesen bestimmt, das Seyn, als durch Aufheben des
Seyns einfaches Seyn nnt sich.



Zweites Buch.  Das Wesen.

Die Wahrheit des Seyns ist das Wesen.


Das Seyn ist das Unmittelbare.  Indem das Wissen das Wahre erkennen
will, was das Seyn an und für sich ist, so bleibt es nicht beim
Unmittelbaren und dessen Bestimmungen stehen, sondern dringt durch
dasselbe hindurch, mit der Voraussetzung, daß hinter diesem Seyn noch
etwas Anderes ist, als das Seyn selbst, daß dieser Hintergrund die
Wahrheit des Seyns ausmacht.  Diese Erkenntniß ist ein vermitteltes
Wissen, denn sie befindet sich nicht unmittelbar beim und im Wesen,
sondern beginnt von einem Andern, dem Seyn, und hat einen vorläufigen
Weg, den Weg des Hinausgehens über das Seyn oder vielmehr des
Hineingehens in dasselbe zu machen.  Erst indem das Wissen sich aus
dem unmittelbaren Seyn erinnert, durch diese Vermittlung findet es
das Wesen.--Die Sprache hat im Zeitwort: Seyn, das Wesen in der
vergangenen Zeit: gewesen, behalten; denn das Wesen ist das
vergangene, aber zeitlos vergangene Seyn.

Diese Bewegung, als Weg des Wissens vorgestellt, so erscheint dieser
Anfang vom Seyn und der Fortgang, der es aufhebt und beim Wesen als
einem Vermittelten anlangt, eine Thätigkeit des Erkennens zu seyn,
die dem Seyn äußerlich sey und dessen eigene Natur nichts angehe.

Aber dieser Gang ist die Bewegung des Seyns selbst.  Es zeigte sich
an diesem, daß es durch seine Natur sich erinnert, und durch dieß
Insichgehen zum Wesen wird.

Wenn also das Absolute zuerst als Seyn bestimmt war, so ist es jetzt
als Wesen bestimmt.  Das Erkennen kann überhaupt nicht bei dem
mannigfaltigen Daseyn, aber auch nicht bei dem Seyn, dem reinen Seyn,
stehen bleiben; es dringt sich unmittelbar die Reflexion auf, daß
dieses reine Seyn, die Negation alles Endlichen, eine Erinnerung und
Bewegung voraussetzt, welche das unmittelbare Daseyn zum reinen Seyn
gereinigt hat.  Das Seyn wird hiernach als Wesen bestimmt, als ein
solches Seyn, an dem alles Bestimmte und Endliche negirt ist.  So ist
es die bestimmungslose einfache Einheit, von der das Bestimmte auf
eine äußerliche Weise hinweggenommen worden; dieser Einheit war das
Bestimmte selbst ein Äußerliches, und es bleibt ihr nach diesem
Wegnehmen noch gegenüber stehen; denn es ist nicht an sich, sondern
relativ, nur in Beziehung auf diese Einheit, aufgehoben worden.--Es
wurde oben schon erinnert, daß wenn das reine Wesen als Inbegriff
aller Realitäten bestimmt wird, diese Realitäten gleichfalls der
Natur der Bestimmtheit, und der abstrahirenden Reflexion unterliegen,
und dieser Innbegriff sich zur leeren Einfachheit reducirt.  Das
Wesen ist auf diese Weise nur Produkt, ein Gemachtes.  Die äußerliche
Negation, welche Abstraktion ist, hebt die Bestimmtheiten des Seyns
nur hinweg von dem, was als Wesen übrig bleibt; es stellt sie
gleichsam nur an einen andern Ort, und läßt sie als seyende vor wie
nach.  Das Wesen ist aber auf diese Weise weder an sich, noch für
sich selbst; es ist durch ein Anderes, die äußerliche, abstrahirende
Reflexion; und ist für ein Anderes, nämlich für die Abstraktion und
überhaupt für das ihm gegenüber stehen bleibende Seyende.  In seiner
Bestimmung ist es daher die in sich todte, leere Bestimmungslosigkeit.

Das Wesen aber, wie es hier geworden ist, ist das, was es ist, nicht
durch eine ihm fremde Negativität, sondern durch seine eigne, die
unendliche Bewegung des Seyns.  Es ist An-und-Fürsichseyn; absolutes
Ansichseyn, indem es gleichgültig gegen alle Bestimmtheit des Seyns
ist, das Andersseyn und die Beziehung auf anderes schlechthin
aufgehoben worden ist.  Es ist aber nicht nur dieß Ansichseyn; als
bloßes Ansichseyn wäre es nur die Abstraktion des reinen Wesens;
sondern es ist ebenso wesentlich Fürsichseyn; es selbst ist diese
Negativität, das sich Aufheben des Andersseyns und der Bestimmtheit.

Das Wesen als die vollkommene Rückkehr des Seyns in sich ist so
zunächst das unbestimmte Wesen; die Bestimmtheiten des Seyns sind in
ihm aufgehoben; es enthält sie an sich; aber nicht wie sie an ihm
gesetzt sind.  Das absolute Wesen in dieser Einfachheit mit sich hat
kein Daseyn.  Aber es muß zum Daseyn übergehen; denn es ist
An-und-Fürsichseyn, das heißt, es unterscheidet die Bestimmungen,
welche es an sich enthält; weil es Abstoßen seiner von sich oder
Gleichgültigkeit gegen sich, negative Beziehung auf sich ist, setzt
es sich somit sich selbst gegenüber, und ist nur insofern unendliches
Fürsichseyn als es die Einheit mit sich in diesem seinem Unterschiede
von sich ist.--Dieses Bestimmen ist denn anderer Natur, als das
Bestimmen in der Sphäre des Seyns, und die Bestimmungen des Wesens
haben einen andern Charakter als die Bestimmtheiten des Seyns.  Das
Wesen ist absolute Einheit des An-und-Fürsichseyns; sein Bestimmen
bleibt daher innerhalb dieser Einheit, und ist kein Werden noch
Übergehen, so wie die Bestimmungen selbst nicht ein Anderes als
anderes, noch Beziehungen auf Anderes sind; sie sind Selbstständige
aber damit nur als solche, die in ihrer Einheit mit einander sind.
--Indem das Wesen zuerst einfache Negativität ist, so hat es nun die
Bestimmtheit, welche es nur an sich enthält, in seiner Sphäre zu
setzen, um sich Daseyn und dann sein Fürsichseyn zu geben.

Das Wesen ist im Ganzen das, was die Quantität in der Sphäre des
Seyns war; die absolute Gleichgültigkeit gegen die Grenze.  Die
Quantität aber ist diese Gleichgültigkeit in unmittelbarer Bestimmung,
und die Grenze an ihr unmittelbar äußerliche Bestimmtheit, sie geht
ins Quantum über; die äußerliche Grenze ist ihr nothwendig, und ist
an ihr seyend.  Am Wesen hingegen ist die Bestimmtheit nicht; sie ist
nur durch das Wesen selbst gesetzt; nicht frey, sondern nur in der
Beziehung auf seine Einheit.--Die Negativität des Wesens ist die
Reflexion, und die Bestimmungen reflektirte, durch das Wesen selbst
gesetzte und in ihm als aufgehoben bleibende.

Das Wesen steht zwischen Seyn und Begriff und macht die Mitte
derselben und seine Bewegung den Übergang von Seyn in den Begriff aus.
Das Wesen ist das An-und-Fürsichseyn, aber dasselbe in der
Bestimmung des Ansichseyns; denn seine allgemeine Bestimmung ist, aus
dem Seyn herzukommen, oder die erste Negation des Seyns zu seyn.
Seine Bewegung besteht darin, die Negation oder Bestimmung an ihm zu
setzen, dadurch sich Daseyn zu geben, und das als unendliches
Fürsichseyn zu werden, was es an sich ist.  So giebt es sich sein
Daseyn, das seinem Ansichseyn gleich ist, und wird der Begriff.  Denn
der Begriff ist das Absolute, wie es in seinem Daseyn absolut oder an
und für sich ist.  Das Daseyn aber, das sich das Wesen giebt, ist
noch nicht das Daseyn, wie es an und für sich ist, sondern wie das
Wesen es sich giebt, oder wie es gesetzt wird, daher noch von dem
Daseyn des Begriffs unterschieden.

Das Wesen scheint zuerst in sich selbst, oder ist Reflexion; zweitens
erscheint es; drittens offenbart es sich.  Es setzt sich in seiner
Bewegung in folgende Bestimmungen,

I. als einfaches, ansichseyendes Wesen in seinen Bestimmungen
innerhalb seiner;

II. als heraustretend in das Daseyn, oder nach seiner Existenz und
Erscheinung;

III. als Wesen, das mit seiner Erscheinung eins ist, als Wirklichkeit.



Erster Abschnitt.  Das Wesen als Reflexion in ihm selbst.

Das Wesen kommt aus dem Seyn her; es ist insofern nicht unmittelbar
an und für sich, sondern ein Resultat jener Bewegung.  Oder das Wesen
zunächst als ein unmittelbares genommen, so ist es ein bestimmtes
Daseyn, dem ein anderes gegenüber steht; es ist nur wesentliches
Daseyn gegen unwesentliches.  Das Wesen ist aber das an und für sich
aufgehobene Seyn; es ist nur Schein, was ihm gegenüber steht.  Allein
der Schein ist das eigene Setzen des Wesens.

Das Wesen ist erstens Reflexion.  Die Reflexion bestimmt sich; ihre
Bestimmungen sind ein Gesetztseyn, das zugleich Reflexion in sich ist;
es sind

zweitens diese Reflexions-Bestimmungen oder die Wesenheiten zu
betrachten.

Drittens macht sich das Wesen als die Reflexion des Bestimmens in
sich selbst, zum Grunde, und geht in die Existenz und Erscheinung
über.



Erstes Kapitel.  Der Schein.


Das Wesen aus dem Seyn herkommend scheint demselben gegenüber zu
stehen; dieß unmittelbare Seyn ist zunächst das Unwesentliche.

Allein es ist zweitens mehr als nur unwesentliches, es ist wesenloses
Seyn, es ist Schein.

Drittens dieser Schein ist nicht ein Äußerliches, dem Wesen Anderes,
sondern er ist sein eigner Schein.  Das Scheinen des Wesens in ihm
selbst ist die Reflexion.

A.  Das Wesentliche und das Unwesentliche.

Das Wesen ist das aufgehobene Seyn.  Es ist einfache Gleichheit mit
sich selbst, aber insofern es die Negation der Sphäre des Seyns
überhaupt ist.  So hat das Wesen die Unmittelbarkeit sich gegenüber,
als eine solche, aus der es geworden ist, und die sich in diesem
Aufheben aufbewahrt und erhalten hat.  Das Wesen selbst ist in dieser
Bestimmung seyendes, unmittelbares Wesen, und das Seyn nur ein
Negatives in Beziehung auf das Wesen, nicht an und für sich selbst,
das Wesen ist also eine bestimmte Negation.  Seyn und Wesen verhalten
sich auf diese Weise wieder als Andere überhaupt zu einander, denn
jedes hat ein Seyn, eine Unmittelbarkeit, die gegen einander
gleichgültig sind, und stehen diesem Seyn nach in gleichem Werthe.

Zugleich aber ist das Seyn im Gegensatze gegen das Wesen, das
Unwesentliche, es hat gegen dasselbe die Bestimmung des Aufgehobenen.
Insofern es sich jedoch zum Wesen nur überhaupt als ein Anderes
verhält, so ist das Wesen nicht eigentlich Wesen, sondern nur ein
anders bestimmtes Daseyn, das Wesentliche.

Der Unterschied von Wesentlichem und Unwesentlichem hat das Wesen in
die Sphäre des Daseyns zurückfallen lassen; indem das Wesen, wie es
zunächst ist, als unmittelbares seyendes, und damit nur als Anderes
bestimmt ist gegen das Seyn.  Die Sphäre des Daseyns ist damit zu
Grunde gelegt, und daß das, was das Seyn in diesem Daseyn ist,
An-und-Fürsichseyn ist, ist eine weitere dem Daseyn selbst äußerliche
Bestimmung; so wie umgekehrt das Wesen wohl das An-und-Fürsichseyn
ist, aber nur gegen Anderes, in bestimmter Rücksicht.--Insofern daher
an einem Daseyn ein Wesentliches und ein Unwesentliches von einander
unterschieden werden, so ist dieser Unterschied ein äußerliches
Setzen, eine das Daseyn selbst nicht berührende Absonderung eines
Theils desselben, von einem andern Theile; eine Trennung, die in ein
Drittes fällt.  Es ist dabei unbestimmt, was zum Wesentlichen oder
Unwesentlichen gehört.  Es ist irgend eine äußerliche Rücksicht und
Betrachtung, die ihn macht, und derselbe Inhalt deswegen bald als
wesentlich, bald als unwesentlich anzusehen.

Genauer betrachtet, wird das Wesen zu einem nur Wesentlichen gegen
ein Unwesentliches dadurch, daß das Wesen nur genommen ist, als
aufgehobenes Seyn oder Daseyn.  Das Wesen ist auf diese Weise nur die
erste oder die Negation, welche Bestimmtheit ist, durch welche das
Seyn nur Daseyn, oder das Daseyn nur ein Anderes wird.  Das Wesen
aber ist die absolute Negativität des Seyns; es ist das Seyn selbst,
aber nicht nur als ein Anderes bestimmt, sondern das Seyn, das sich
sowohl als unmittelbares Seyn, wie auch als unmittelbare Negation,
als Negation, die mit einem Andersseyn behaftet ist, aufgehoben hat.
Das Seyn oder Daseyn hat sich somit nicht als Anderes, denn das Wesen
ist, erhalten, und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare ist
nicht bloß ein unwesentliches Daseyn, sondern das an und für sich
nichtige Unmittelbare; es ist nur ein Unwesen, der Schein.

B.  Der Schein.

1.  Das Seyn ist Schein.  Das Seyn des Scheins besteht allein in dem
Aufgehobenseyn des Seyns, in seiner Nichtigkeit; diese Nichtigkeit
hat es im Wesen, und außer seiner Nichtigkeit, außer dem Wesen ist er
nicht.  Er ist das Negative gesetzt, als Negatives.

Der Schein ist der ganze Rest, der noch von der Sphäre des Seyns
übrig geblieben ist.  Er scheint aber selbst noch eine vom Wesen
unabhängige unmittelbare Seite zu haben und ein Anderes desselben
überhaupt zu seyn.  Das Andere enthält überhaupt die zwei Momente des
Daseyns und des Nichtdaseyns.  Das Unwesentliche, indem es nicht mehr
ein Seyn hat, so bleibt ihm vom Andersseyn nur das reine Moment des
Nichtdaseyns, der Schein ist dieß unmittelbare Nichtdaseyn, so in der
Bestimmtheit des Seyns, daß es nur in der Beziehung auf Anderes, in
seinem Nichtdaseyn Daseyn hat; das Unselbstständige, das nur in
seiner Negation ist.  Es bleibt ihm also nur die reine Bestimmtheit
der Unmittelbarkeit, es ist als die reflektirte Unmittelbarkeit, das
ist, welche nur vermittelst ihrer Negation ist, und die ihrer
Vermittelung gegenüber nichts ist, als die leere Bestimmung der
Unmittelbarkeit des Nichtdaseyns.

So ist der Schein, das Phänomen des Skepticismus oder auch die
Erscheinung des Idealismus eine solche Unmittelbarkeit, die kein
Etwas oder kein Ding ist, überhaupt nicht ein gleichgültiges Seyn,
das außer seiner Bestimmtheit und Beziehung auf das Subjekt wäre.  Es
ist, erlaubte sich der Skepticismus nicht zu sagen; der neuere
Idealismus erlaubte sich nicht, die Erkenntnisse, als ein Wissen vom
Ding-an-sich anzusehen; jener Schein sollte überhaupt keine Grundlage
eines Seyns haben, in diese Erkenntnisse sollte nicht das
Ding-an-sich eintreten.  Zugleich aber ließ der Skepticismus
mannigfaltige Bestimmmungen seines Scheins zu, oder vielmehr sein
Schein hatte den ganzen mannigfaltigen Reichthum der Welt zum Inhalte.
Ebenso begreift die Erscheinung des Idealismus den ganzen Umfang
dieser mannigfaltigen Bestimmtheiten in sich.  Jener Schein und diese
Erscheinung sind unmittelbar so mannigfaltig bestimmt.  Diesem
Inhalte mag also wohl kein Seyn, kein Ding, oder Ding-an-sich zu
Grunde liegen; er für sich bleibt wie er ist; er ist nur aus dem Seyn
in den Schein übersetzt worden; so daß der Schein innerhalb seiner
selbst jene mannigfaltigen Bestimmtheiten hat, welche unmittelbare,
seyende, andere gegen einander sind.  Der Schein ist also selbst ein
unmittelbar Bestimmtes.  Er kann diesen oder jenen Inhalt haben; aber
welchen er hat, ist nicht durch ihn selbst gesetzt, sondern er hat
ihn unmittelbar.  Der leibnitzische, oder kantische, fichtesche
Idealismus, wie andere Formen desselben, sind so wenig als der
Skepticismus über das Seyn als Bestimmtheit, über diese
Unmittelbarkeit, hinausgekommen.  Der Skepticismus läßt sich den
Inhalt seines Scheins geben; es ist unmittelbar für ihn, welchen
Inhalt er haben soll.  Die leibnitzische Monade entwickelt aus ihr
selbst ihre Vorstellungen; aber sie ist nicht die erzeugende und
verbindende Kraft, sondern sie steigen in ihr als Blasen auf; sie
sind gleichgültig, unmittelbar gegen einander, und so gegen die
Monade selbst.  Ebenso ist die kantische Erscheinung ein gegebener
Inhalt der Wahrnehmung, er setzt Affektionen voraus, Bestimmungen des
Subjekts, welche gegen sich selbst und gegen dasselbe unmittelbar
sind.  Der unendliche Anstoß des fichteschen Idealismus mag wohl kein
Ding-an-sich zu Grunde liegen haben, so daß er rein eine Bestimmtheit
im Ich wird.  Aber diese Bestimmtheit ist eine dem Ich, das sie zu
der seinigen macht und ihre Äußerlichkeit aufhebt, zugleich
unmittelbare, eine Schranke desselben, über die es hinausgehen kann,
welche aber eine Seite der Gleichgültigkeit an ihr hat, nach der sie
ob zwar im Ich, ein unmittelbares Nichtseyn desselben enthält.-2. Der
Schein also enthält eine unmittelbare Voraussetzung, eine unabhängige
Seite gegen das Wesen.  Es ist aber von ihm, insofern er vom Wesen
unterschieden ist, nicht zu zeigen, daß er sich aufhebt und in
dasselbe zurückgeht; denn das Seyn ist in seiner Totalität in das
Wesen zurückgegangen; der Schein ist das an sich nichtige; es ist nur
zu zeigen, daß die Bestimmungen, die ihn vom Wesen unterscheiden,
Bestimmungen des Wesens selbst sind, und ferner, daß diese
Bestimmtheit des Wesens, welche der Schein ist, im Wesen selbst
aufgehoben ist.

Es ist die Unmittelbarkeit des Nichtseyns, welche den Schein ausmacht;
dieß Nichtseyn aber ist nichts Anderes als die Negativität des
Wesens an ihm selbst.  Das Seyn ist Nichtseyn in dem Wesen.  Seine
Nichtigkeit an sich ist die negative Natur des Wesens selbst.  Die
Unmittelbarkeit oder Gleichgültigkeit aber, welche dieß Nichtseyn
enthält, ist das eigene absolute Ansichseyn des Wesens.  Die
Negativität des Wesens ist seine Gleichheit mit sich selbst, oder
seine einfache Unmittelbarkeit und Gleichgültigkeit.  Das Seyn hat
sich im Wesen erhalten, insofern dieses an seiner unendlichen
Negativität diese Gleichheit mit sich selbst hat; hierdurch ist das
Wesen selbst das Seyn.  Die Unmittelbarkeit, welche die Bestimmtheit
am Scheine gegen das Wesen hat, ist daher nichts anderes, als die
eigene Unmittelbarkeit des Wesens; aber nicht die seyende
Unmittelbarkeit, sondern die schlechthin vermittelte oder reflektirte
Unmittelbarkeit, welche der Schein ist;--das Seyn nicht als Seyn,
sondern nur als die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Vermittlung;
das Seyn als Moment.

Diese beiden Momente, die Nichtigkeit aber als Bestehen, und das Seyn
aber als Moment, oder die an sich seyende Negativität und die
reflektirte Unmittelbarkeit, welche die Momente des Scheins ausmachen,
sind somit die Momente des Wesens selbst; es ist nicht ein Schein
des Seyns am Wesen, oder ein Schein des Wesens am Seyn vorhanden, der
Schein im Wesen ist nicht der Schein eines Andern; sondern er ist der
Schein an sich, der Schein des Wesens selbst.

Der Schein ist das Wesen selbst in der Bestimmtheit des Seyns.  Das,
wodurch das Wesen einen Schein hat, ist, daß es bestimmt in sich, und
dadurch von seiner absoluten Einheit unterschieden ist.  Aber diese
Bestimmtheit ist ebenso schlechthin an ihr selbst aufgehoben.  Denn
das Wesen ist das Selbstständige, das ist als durch seine Negation,
welche es selbst ist, sich mit sich vermittelnd; es ist also die
identische Einheit der absoluten Negativität und der Unmittelbarkeit.
--Die Negativität ist die Negativität an sich; sie ist ihre Beziehung
auf sich, so ist sie an sich Unmittelbarkeit; aber sie ist negative
Beziehung auf sich, abstoßendes Negiren ihrer selbst, so ist die an
sich seyende Unmittelbarkeit das Negative oder Bestimmte gegen sie.
Aber diese Bestimmtheit ist selbst die absolute Negativität und dieß
Bestimmen, das unmittelbar als Bestimmen das Aufheben seiner selbst,
Rückkehr in sich ist.

Der Schein ist das Negative, das ein Seyn hat aber in einem Andern,
in seiner Negation; er ist die Unselbstständigkeit, die an ihr selbst
aufgehoben und nichtig ist.  So ist er das in sich zurückgehende
Negative, das Unselbstständige, als das an ihm selbst
Unselbstständige.  Diese Beziehung des Negativen oder der
Unselbstständigkeit auf sich, ist seine Unmittelbarkeit; sie ist ein
Anderes als es selbst; sie ist seine Bestimmtheit gegen sich, oder
sie ist die Negation gegen das Negative.  Aber die Negation gegen das
Negative ist die sich nur auf sich beziehende Negativität, das
absolute Aufheben der Bestimmtheit selbst.

Die Bestimmtheit also, welche der Schein im Wesen ist, ist unendliche
Bestimmtheit; sie ist nur das mit sich zusammengehende Negative; sie
ist so die Bestimmtheit, die als solche die Selbstständigkeit, und
nicht bestimmt ist.--Umgekehrt die Selbstständigkeit als sich auf
sich beziehende Unmittelbarkeit ist ebenso schlechthin Bestimmtheit
und Moment und nur als sich auf sich beziehende Negativität.--Diese
Negativität, die identisch mit der Unmittelbarkeit, und so die
Unmittelbarkeit, die identisch mit der Negativität ist, ist das Wesen.
Der Schein ist also das Wesen selbst, aber das Wesen in einer
Bestimmtheit, aber so daß sie nur sein Moment ist, und das Wesen ist
das Scheinen seiner in sich selbst.

In der Sphäre des Seyns entsteht dem Seyn als unmittelbarem, das
Nichtseyn gleichfalls als unmittelbares gegenüber, und ihre Wahrheit
ist das Werden.  In der Sphäre des Wesens findet sich zuerst das
Wesen und das Unwesentliche, dann das Wesen und der Schein gegenüber;
das Unwesentliche und der Schein als Reste des Seyns.  Aber sie beide,
so wie der Unterschied des Wesens von ihnen, bestehen in weiter
nichts, als darin, daß das Wesen zuerst, als ein unmittelbares
genommen wird, nicht wie es an sich ist, nämlich nicht als die
Unmittelbarkeit, die als die reine Vermittelung oder als absolute
Negativität Unmittelbarkeit ist.  Jene erste Unmittelbarkeit, ist
somit nur die Bestimmtheit der Unmittelbarkeit.  Das Aufheben dieser
Bestimmtheit des Wesens besteht daher in nichts weiter, als in dem
Aufzeigen, daß das Unwesentliche nur Schein, und daß das Wesen
vielmehr den Schein in sich selbst enthält, als die unendliche
Bewegung in sich, welche seine Unmittelbarkeit, als die Negativität
und seine Negativität als die Unmittelbarkeit bestimmt und so das
Scheinen seiner in sich selbst ist.  Das Wesen in dieser seiner
Selbstbewegung ist die Reflexion.

C.  Die Reflexion.

Der Schein ist dasselbe, was die Reflexion ist; aber er ist die
Reflexion als unmittelbare; für den in sich gegangenen, hiermit
seiner Unmittelbarkeit entfremdeten Schein, haben wir das Wort der
fremden Sprache, die Reflexion.

Das Wesen ist Reflexion; die Bewegung des Werdens und Übergehens, das
in sich selbst bleibt; worin das unterschiedene schlechthin nur als
das an sich negative, als Schein bestimmt ist.--In dem Werden des
Seyns liegt der Bestimmtheit das Seyn zu Grunde, und sie ist
Beziehung auf Anderes.  Die reflectirende Bewegung hingegen ist das
Andere als die Negation an sich, die nur als sich auf sich beziehende
Negation ein Seyn hat.  Oder indem diese Beziehung auf sich eben dieß
Negiren der Negation ist, so ist die Negation als Negation vorhanden,
als ein solches, das sein Seyn in seinem Negirtseyn hat, als Schein.
Das Andere ist hier also nicht das Seyn mit der Negation oder Grenze,
sondern die Negation mit der Negation.  Das Erste aber gegen dieß
Andere, das Unmittelbare oder Seyn, ist nur diese Gleichheit selbst
der Negation mit sich, die negirte Negation, die absolute Negativität.
Diese Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit ist daher nicht ein
Erstes, von dem angefangen wird, und das in seine Negation überginge;
noch ist es ein seyendes Substrat, das sich durch die Reflexion
hindurch bewegte; sondern die Unmittelbarkeit ist nur diese Bewegung
selbst.

Das Werden im Wesen, seine reflektirende Bewegung, ist daher die
Bewegung von Nichts zu Nichts, und dadurch zu sich selbst zurück.
Das Übergehen oder Werden hebt in seinem Übergehen sich auf; das
Andere, das in diesem Übergehen wird, ist nicht das Nichtseyn eines
Seyns, sondern das Nichts eines Nichts, und dieß, die Negation eines
Nichts zu seyn, macht das Seyn aus.--Das Seyn ist nur als die
Bewegung des Nichts zu Nichts, so ist es das Wesen; und dieses hat
nicht diese Bewegung in sich, sondern ist sie als der absolute Schein
selbst, die reine Negativität, die nichts außer ihr hat, das sie
negirte, sondern die nur ihr Negatives selbst negirt, das nur in
diesem Negiren ist.

Diese reine absolute Reflexion, welche die Bewegung von Nichts zu
Nichts ist, bestimmt sich selbst weiter.

Sie ist erstlich setzende Reflexion; sie macht zweitens den Anfang
von dem vorausgesetzten Unmittelbaren, und ist so äußerliche
Reflexion.

Drittens aber hebt sie diese Voraussetzung auf, und indem sie in dem
Aufheben der Voraussetzung zugleich voraussetzend ist, ist sie
bestimmende Reflexion.

1.  Die setzende Reflexion.

Der Schein ist das Nichtige oder Wesenlose; aber das Nichtige oder
Wesenlose hat sein Seyn nicht in einem Andern, in dem es scheint,
sondern sein Seyn ist seine eigne Gleichheit mit sich; dieser Wechsel
des Negativen mit sich selbst hat sich als die absolute Reflexion des
Wesens bestimmt.

Diese sich auf sich beziehende Negativität ist also das Negiren ihrer
selbst.  Sie ist somit überhaupt so sehr aufgehobene Negativität als
sie Negativität ist.  Oder sie ist selbst das Negative und die
einfache Gleichheit mit sich oder Unmittelbarkeit.  Sie besteht also
darin sie selbst und nicht sie selbst und zwar in Einer Einheit zu
seyn.-Zunächst ist die Reflexion die Bewegung des Nichts zu Nichts,
somit die mit sich selbst zusammengehende Negation.  Dieses
Zusammengehen mit sich ist überhaupt einfache Gleichheit mit sich;
die Unmittelbarkeit.  Aber dieß Zusammenfallen ist nicht Übergehen
der Negation in die Gleichheit mit sich als in ihr Andersseyn,
sondern die Reflexion ist Übergehen als Aufheben des Übergehens; denn
sie ist unmittelbares Zusammenfallen des Negativen mit sich selbst;
so ist dieß Zusammengehen erstlich Gleichheit mit sich, oder
Unmittelbarkeit; aber zweitens ist diese Unmittelbarkeit die
Gleichheit des Negativen mit sich, somit die sich selbst negirende
Gleichheit; die Unmittelbarkeit, die an sich das Negative, das
Negative ihrer selbst ist, dieß zu seyn was sie nicht ist.

Die Beziehung des Negativen auf sich selbst ist also seine Rückkehr
in sich; sie ist Unmittelbarkeit, als das Aufheben des Negativen;
aber Unmittelbarkeit schlechthin nur als diese Beziehung oder als
Rückkehr aus einem, somit sich selbst aufhebende Unmittelbarkeit.
--Dieß ist das Gesetztseyn; die Unmittelbarkeit rein nur als
Bestimmtheit oder als sich reflectirend.  Diese Unmittelbarkeit, die
nur als Rückkehr des Negativen in sich ist,--ist jene Unmittelbarkeit,
welche die Bestimmtheit des Scheins ausmacht, und von der vorhin die
reflectirende Bewegung anzufangen schien.  Statt von dieser
Unmittelbarkeit anfangen zu können, ist diese vielmehr erst als die
Rückkehr, oder als die Reflexion selbst.  Die Reflexion ist also die
Bewegung, die, indem sie die Rückkehr ist, erst darin das ist, das
anfängt oder das zurückkehrt.

Sie ist Setzen, insofern sie die Unmittelbarkeit als ein Rückkehren
ist; es ist nämlich nicht ein Anderes vorhanden, weder ein solches,
aus dem sie, noch in das sie zurückkehrte; sie ist also nur als
Rückkehren oder als das Negative ihrer selbst.  Aber ferner ist diese
Unmittelbarkeit die aufgehobene Negation und die aufgehobene Rückkehr
in sich.  Die Reflexion ist als Aufheben des Negativen, Aufheben
ihres Anderen, der Unmittelbarkeit.  Indem sie also die
Unmittelbarkeit als ein Rückkehren, Zusammengehen des Negativen mit
sich selbst ist, so ist sie ebenso Negation des Negativen als des
Negativen.  So ist sie Voraussetzen.--Oder die Unmittelbarkeit ist
als Rückkehren nur das Negative ihrer selbst, nur dieß, nicht
Unmittelbarkeit zu seyn; aber die Reflexion ist das Aufheben des
Negativen seiner selbst, sie ist Zusammengehen mit sich; sie hebt
also ihr Setzen auf, und indem sie das Aufheben des Setzens in ihrem
Setzen ist, ist sie Voraussetzen.--In dem Voraussetzen bestimmt die
Reflexion die Rückkehr in sich, als das Negative ihrer selbst, als
dasjenige, dessen Aufheben das Wesen ist.  Es ist sein Verhalten zu
sich selbst; aber zu sich als dem Negativen seiner; nur so ist es die
insichbleibende, sich auf sich beziehende Negativität.  Die
Unmittelbarkeit kommt überhaupt nur als Rückkehr hervor und ist
dasjenige Negative, welches der Schein des Anfangs ist, der durch die
Rückkehr negirt wird.  Die Rückkehr des Wesens ist somit sein sich
Abstoßen von sich selbst.  Oder die Reflexion in sich ist wesentlich
das Voraussetzen dessen, aus dem sie die Rückkehr ist.

Es ist das Aufheben seiner Gleichheit mit sich, wodurch das Wesen
erst die Gleichheit mit sich ist.  Es setzt sich selbst voraus, und
das Aufheben dieser Voraussetzung ist es selbst; umgekehrt ist dieß
Aufheben seiner Voraussetzung die Voraussetzung selbst.--Die
Reflexion also findet ein Unmittelbares vor, über das sie hinausgeht,
und aus dem sie die Rückkehr ist.  Aber diese Rückkehr ist erst das
Voraussetzen des Vorgefundenen.  Dieß Vorgefundene wird nur darin,
daß es verlassen wird; seine Unmittelbarkeit ist die aufgehobene
Unmittelbarkeit.--Die aufgehobene Unmittelbarkeit umgekehrt ist die
Rückkehr in sich, das Ankommen des Wesens bei sich, das einfache sich
selbst gleiche Seyn.  Damit ist dieses Ankommen bei sich das Aufheben
seiner und die von sich selbst abstoßende, voraussetzende Reflexion,
und ihr Abstoßen von sich ist das Ankommen bei sich selbst.

Die reflektirende Bewegung ist somit, nach dem Betrachteten, als
absoluter Gegenstoß in sich selbst zu nehmen.  Denn die Voraussetzung
der Rückkehr in sich,--das woraus das Wesen herkommt und erst als
dieses Zurückkommen ist--, ist nur in der Rückkehr selbst.  Das
Hinausgehen über das Unmittelbare, von dem die Reflexion anfängt, ist
vielmehr erst durch dieß Hinausgehen; und das Hinausgehen über das
Unmittelbare ist das Ankommen bei demselben.  Die Bewegung wendet
sich als Fortgehen unmittelbar in ihr selbst um, und ist nur so
Selbstbewegung,--Bewegung, die aus sich kommt, insofern die setzende
Reflexion voraussetzende, aber als voraussetzende Reflexion
schlechthin setzende ist.

So ist die Reflexion sie selbst, und ihr Nichtseyn; und ist nur sie
selbst, indem sie das Negative ihrer ist, denn nur so ist das
Aufheben des Negativen zugleich als ein Zusammengehen mit sich.

Die Unmittelbarkeit, die sie als Aufheben sich voraussetzt, ist
schlechthin nur als Gesetztseyn, als an sich aufgehobenes, das nicht
verschieden ist, von der Rückkehr in sich, und selbst nur dieses
Rückkehren ist.  Aber es ist zugleich bestimmt als Negatives, als
unmittelbar gegen eines, also gegen ein Anderes.  So ist die
Reflexion bestimmt; sie ist, indem sie nach dieser Bestimmtheit, eine
Voraussetzung hat, und von dem Unmittelbaren, als ihrem Andern
anfängt, äußere Reflexion.

2.  Die äußere Reflexion.

Die Reflexion als absolute Reflexion ist das in ihm selbst scheinende
Wesen, und setzt sich nur den Schein, das Gesetztseyn, voraus; sie
ist als voraussetzende unmittelbar nur setzende Reflexion.  Aber die
äußerliche oder reale Reflexion setzt sich als aufgehoben, als das
Negative ihrer voraus.  Sie ist in dieser Bestimmung verdoppelt; das
einemal als das Vorausgesetzte, oder die Reflexion in sich, die das
Unmittelbare ist.  Das andere Mal ist sie die als negativ sich auf
sich beziehende Reflexion; sie bezieht sich auf sich als auf jenes
ihr Nichtseyn.

Die äußerliche Reflexion setzt also ein Seyn voraus, erstens nicht in
dem Sinne, daß seine Unmittelbarkeit nur Gesetztseyn oder Moment ist,
sondern vielmehr, daß diese Unmittelbarkeit die Beziehung auf sich,
und die Bestimmtheit nur als Moment ist.  Sie bezieht sich auf ihre
Voraussetzung so, daß diese das Negative der Reflexion ist, aber so
daß dieses Negative als Negatives aufgehoben ist.--Die Reflexion in
ihrem Setzen, hebt unmittelbar ihr Setzen auf, so hat sie eine
unmittelbare Voraussetzung.  Sie findet also dasselbe vor, als ein
solches von dem sie anfängt, und von dem aus sie erst das Zurückgehen
in sich, das Negiren dieses ihres Negativen ist.  Aber daß dieß
Vorausgesetzte ein Negatives oder Gesetztes ist, geht dasselbe nichts
an; diese Bestimmtheit gehört nur der setzenden Reflexion an, aber in
dem Voraussetzen ist das Gesetztseyn nur als aufgehobenes.  Was die
äußerliche Reflexion an dem Unmittelbaren bestimmt und setzt, sind
insofern demselben äußerliche Bestimmungen.--Sie war das Unendliche
in der Sphäre des Seyns; das Endliche gilt als das Erste, als das
Reale, von ihm wird als dem zu Grunde liegenden und zu Grund liegen
bleibenden angefangen, und das Unendliche ist die gegenüber stehende
Reflexion in sich.

Diese äußere Reflexion ist der Schluß, in welchem die beiden Extreme,
das Unmittelbare und die Reflexion in sich, sind; die Mitte desselben
ist die Beziehung beider, das bestimmte Unmittelbare, so daß der eine
Theil derselben, die Unmittelbarkeit nur dem einen Extreme, die
andere, die Bestimmtheit oder Negation, nur dem andern Extreme
zukommt.

Aber das Thun der äußeren Reflexion näher betrachtet, so ist sie
zweitens Setzen des Unmittelbaren, das insofern das Negative oder
Bestimmte wird; aber sie ist unmittelbar auch das Aufheben dieses
ihres Setzens; denn sie setzt das Unmittelbare voraus; sie ist im
Negiren das Negiren dieses ihres Negirens.  Sie ist aber unmittelbar
damit ebenso Setzen, Aufheben des ihr negativen Unmittelbaren, und
dieses, von dem sie als von einem Fremden anzufangen schien, ist erst
in diesem ihrem Anfangen.  Das Unmittelbare ist auf diese Weise nicht
nur an sich, das hieße für uns oder in der äußeren Reflexion,
dasselbe was die Reflexion ist, sondern es ist gesetzt, daß es
dasselbe ist.  Es ist nämlich durch die Reflexion als ihr Negatives
oder als ihr Anderes bestimmt, aber sie ist es selbst, welche dieses
Bestimmen negirt.--Es ist damit die Äußerlichkeit der Reflexion gegen
das Unmittelbare aufgehoben; ihr sich selbst negirendes Setzen ist
das Zusammengehen ihrer mit ihrem Negativen, mit dem Unmittelbaren
und dieses Zusammengehen ist die wesentliche Unmittelbarkeit selbst.
--Es ist also vorhanden, daß die äußere Reflexion nicht äußere,
sondern ebenso sehr immanente Reflexion der Unmittelbarkeit selbst
ist; oder daß das was durch die setzende Reflexion ist, das an und
für sich seyende Wesen ist.  So ist sie bestimmende Reflexion.

Anmerkung.

Die Reflexion wird gewöhhlicher Weise in subjektivem Sinne genommen,
als die Bewegung der Urtheilskraft, die über eine gegebene
unmittelbare Vorstellung hinausgeht, und allgemeine Bestimmungen für
dieselbe sucht oder damit vergleicht.  Kant setzt die reflektirende
Urtheilskraft, der bestimmenden Urtheilskraft entgegen.  (Kritik der
Urtheilskraft.  Einleit.  S. XXIII. f.) Er definirt die Urtheilskraft
überhaupt als das Vermögen, das Besondere als enthalten unter dem
Allgemeinen zu denken.  Ist das Allgemeine (die Regel, das Princip,
das Gesetz) gegeben, so ist die Urtheilskraft, welche das Besondere
darunter subsumirt, bestimmend.  Ist aber nur das Besondere wozu sie
das Allgemeine finden soll, so ist die Urtheilskraft bloß
reflektirend.  Die Reflexion ist somit hier gleichfalls das
Hinausgehen über ein Unmittelbares zum Allgemeinen.  Das Unmittelbare
wird theils erst durch diese Beziehung desselben auf sein Allgemeines
bestimmt als Besonders; für sich ist es nur ein Einzelnes, oder ein
unmittelbares Seyendes.  Theils aber ist das, worauf es bezogen wird,
sein Allgemeines, seine Regel, Princip, Gesetz; überhaupt das in sich
reflektirte, sich auf sich selbst beziehende, das Wesen oder das
Wesentliche.

Es ist aber hier nicht, weder von der Reflexion des Bewußtseyns, noch
von der bestimmteren Reflexion des Verstandes, die das Besondere und
Allgemeine zu ihren Bestimmungen hat, sondern von der Reflexion
überhaupt die Rede.  Jene Reflexion, der Kant das Aufsuchen des
Allgemeinen zum gegebenen Besondern zuschreibt, ist, wie erhellt,
gleichfalls nur die äußere Reflexion, die sich auf das Unmittelbare
als auf ein gegebenes bezieht.

--Aber es liegt darin auch der Begriff der absoluten Reflexion; denn
das Allgemeine, das Princip oder Regel und Gesetz, zu dem sie in
ihrem Bestimmen fortgeht, gilt als das Wesen jenes Unmittelbaren, von
dem angefangen wird, somit dieses als ein Nichtiges, und die Rückkehr
aus demselben, das Bestimmen der Reflexion, erst als das Setzen des
Unmittelbaren nach seinem wahrhaften Seyn; also das was die Reflexion
an ihm thut und die Bestimmungen, die von ihr herkommen, nicht als
ein jenem Unmittelbaren Äußerliches, sondern als dessen eigentliches
Seyn.

Die äußerliche Reflexion war auch gemeint, wenn der Reflexion
überhaupt, wie es eine Zeitlang Ton in der neuern Philosophie war,
alles Üble nachgesagt und sie mit ihrem Bestimmen als der Antipode
und Erbfeind der absoluten Betrachtungsweise angesehen wurde.  In der
That geht auch die denkende Reflexion, insofern sie sich als
äußerliche verhält, schlechthin von einem gegebenen, ihr fremden
Unmittelbaren aus, und betrachtet sich als ein bloß formelles Thun,
das Inhalt und Stoff von außen empfange, und für sich nur die durch
ihn bedingte Bewegung sey.--Ferner, wie sich sogleich bei der
bestimmenden Reflexion näher ergeben wird, sind die reflektirten
Bestimmungen anderer Art, als die bloß unmittelbaren Bestimmungen des
Seyns.  Letztere werden leichter als vorübergehende, bloß relative,
in der Beziehung auf Anderes stehende zugegeben; aber die
reflektirten Bestimmungen haben die Form des An-und-Fürsichseyns; sie
machen sich daher als die Wesentlichen geltend, und statt übergehend
in ihre entgegengesetzten zu seyn, erscheinen sie vielmehr als
absolut, frei und gleichgültig gegen einander.  Sie widersetzen sich
daher hartnäckig ihrer Bewegung, das Seyn derselben ist ihre
Identität mit sich in ihrer Bestimmtheit, nach welcher sie, ob sie
sich zwar gegenseitig voraussetzen, in dieser Beziehung sich
schlechthin getrennt erhalten.

3.  Bestimmende Reflexion.

Die bestimmende Reflexion ist überhaupt die Einheit der setzenden und
der äußeren Reflexion.  Dieß ist näher zu betrachten.-1. Die äußere
Reflexion fängt vom unmittelbaren Seyn all, die setzende vom Nichts.
Die äußere Reflexion, die bestimmend wird, setzt ein Anderes, aber
das Wesen, an die Stelle des aufgehobenen Seyns; das Setzen setzt
seine Bestimmung nicht an die Stelle eines Anderen; es hat keine
Voraussetzung.  Aber deswegen ist es nicht die vollendete,
bestimmende Reflexion; die Bestimmung, die es setzt, ist daher nur
ein Gesetztes; es ist Unmittelbares, aber nicht als sich selbst
gleich, sondern als sich negirend, es hat absolute Beziehung auf die
Rückkehr in sich, es ist nur in der Reflexion in sich, aber es ist
nicht diese Reflexion selbst.

Das Gesetzte ist daher ein Anderes, aber so, daß die Gleichheit der
Reflexion mit sich schlechthin erhalten ist; denn das Gesetzte ist
nur als Aufgehobenes, als Beziehung auf die Rückkehr in sich selbst.
--In der Sphäre des Seyns, war das Daseyn das Seyn, das die Negation
an ihm hatte, und das Seyn der unmittelbare Boden und Element dieser
Negation, die daher selbst die unmittelbare war.  Dem Daseyn
entspricht in der Sphäre des Wesens das Gesetztseyn.  Es ist
gleichfalls ein Daseyn, aber sein Boden ist das Seyn, als Wesen oder
als reine Negativität; es ist eine Bestimmtheit oder Negation nicht
als seyend, sondern unmittelbar als aufgehoben.  Das Daseyn ist nur
Gesetztseyn; dieß ist der Satz des Wesens vom Daseyn.  Das
Gesetztseyn steht einer Seits dem Daseyn, anderer Seits dem Wesen
gegenüber, und ist als die Mitte zu betrachten, welche das Daseyn mit
dem Wesen und umgekehrt das Wesen mit dem Daseyn zusammenschließt.
--Wenn man sagt, eine Bestimmung ist nur ein Gesetztseyn, so kann
dieß daher den doppelten Sinn haben; sie ist dieß im Gegensatze gegen
das Daseyn, oder gegen das Wesen.  In jenem Sinne wird das Daseyn für
etwas Höheres genommen, als das Gesetztseyn, und dieses der äußern
Reflexion, dem Subjektiven zugeschrieben.  In der That aber ist das
Gesetztseyn das Höhere; denn als Gesetztseyn ist das Daseyn, als das
was es an sich ist, als Negatives, ein schlechthin nur auf die
Rückkehr in sich bezogenes.  Deswegen ist das Gesetztseyn nur ein
Gesetztseyn in Rücksicht auf das Wesen, als die Negation des
Zurückgekehrtseyns in sich selbst.

2.  Das Gesetztseyn ist noch nicht Reflexions-Bestimmung; es ist nur
Bestimmtheit, als Negation überhaupt.  Aber das Setzen ist nun in
Einheit mit der äußern Reflexion; diese ist in dieser Einheit
absolutes Voraussetzen; das heißt, das Abstoßen der Reflexion von
sich selbst, oder Setzen der Bestimmtheit als ihrer selbst.  Das
Gesetztseyn ist daher, als solches Negation; aber als vorausgesetztes
ist sie als in sich reflektirte.  So ist das Gesetztseyn
Reflexions-Bestimmung.

Die Reflexions-Bestimmung ist von der Bestimmtheit des Seyns, der
Qualität, unterschieden; diese ist unmittelbare Beziehung auf Anderes
überhaupt; auch das Gesetztseyn ist Beziehung auf Anderes, aber auf
das Reflektirtseyn in sich.  Die Negation als Qualität ist Negation
als seyend; das Seyn macht ihren Grund und Element aus.  Die
Reflexionsbestimmung hingegen hat zu diesem Grunde das Reflektirtseyn
in sich selbst.  Das Gesetztseyn fixirt sich zur Bestimmung, eben
darum, weil die Reflexion die Gleichheit mit sich selbst in ihrem
Negirtseyn ist; ihr Negirtseyn ist daher selbst Reflexion in sich.
Die Bestimmung besteht hier nicht durch das Seyn, sondern durch ihre
Gleichheit mit sich.  Weil das Seyn, das die Qualität trägt, das der
Negation ungleiche ist, so ist die Qualität in sich selbst ungleich,
daher übergehendes, im Andern verschwindendes Moment.  Hingegen die
Reflexionsbestimmung ist das Gesetztseyn als Negation, Negation die
zu ihrem Grunde das Negirtseyn hat, also sich in sich selbst nicht
ungleich ist, somit wesentliche, nicht übergehende Bestimmtheit.  Die
Sich-selbst-Gleichheit der Reflexion, welche das Negative nur als
Negatives, als Aufgehobenes oder Gesetztes hat, ist es, welche
demselben Bestehen giebt.

Um dieser Reflexion in sich willen erscheinen die
Reflexionsbestimmungen als freie, im Leeren ohne Anziehung oder
Abstoßung gegen einander schwebende Wesenheiten.  In ihnen hat sich
die Bestimmtheit durch die Beziehung auf sich befestigt und unendlich
fixirt.  Es ist das Bestimmte, das sein Übergehen und sein bloßes
Gesetztseyn sich unterworfen, oder seine Reflexion in Anderes in
Reflexion in sich umgebogen hat.  Diese Bestimmungen machen hierdurch
den bestimmten Schein aus, wie er im Wesen ist, den wesentlichen
Schein.  Aus diesem Grunde ist die bestimmende Reflexion die außer
sich gekommene Reflexion; die Gleichheit des Wesens mit sich selbst
ist in die Negation verloren, die das Herrschende ist.

Es sind also an der Reflexionsbestimmung zwei Seiten, die zunächst
sich unterscheiden.  Erstlich ist sie das Gesetztseyn, die Negation
als solche; zweitens ist sie die Reflexion in sich.  Nach dem
Gesetztseyn ist sie die Negation als Negation; dieß ist somit bereits
ihre Einheit mit sich selbst.  Aber sie ist dieß nur erst an sich;
oder sie ist das Unmittelbare als sich an ihm aufhebend, als das
Andere seiner selbst.--Insofern ist die Reflexion in sich bleibendes
Bestimmen.  Das Wesen geht darin nicht außer sich; die Unterschiede
sind schlechthin gesetzt, in das Wesen zurückgenommen.  Aber nach der
andern Seite sind sie nicht gesetzte, sondern in sich selbst
reflektirt; die Negation als Negation, ist in Gleichheit mit ihr
selbst, nicht in ihr Anderes, nicht in ihr Nichtseyn reflektirt.

3.  Indem nun die Reflexionsbestimmung sowohl reflektirte Beziehung in
sich selbst, als auch Gesetztseyn ist, so erhellt unmittelbar daraus
ihre Natur näher.  Als Gesetztseyn nämlich ist sie die Negation als
solche, ein Nichtseyn gegen ein Anderes, nämlich gegen die absolute
Reflexion in sich oder gegen das Wesen.  Aber als Beziehung auf sich
ist sie in sich reflektirt.--Diese ihre Reflexion und jenes
Gesetztseyn sind verschieden; ihr Gesetztseyn ist vielmehr ihr
Aufgehobenseyn; ihr Reflektirtseyn in sich aber ist ihr Bestehen.
Insofern es nun also das Gesetztseyn ist, das zugleich Reflexion in
sich selbst ist, so ist die Reflexionsbestimmtheit die Beziehung auf
ihr Andersseyn an ihr selbst.--Sie ist nicht als eine seyende,
ruhende Bestimmtheit, welche bezogen würde auf ein Anderes, so daß
das Bezogene und dessen Beziehung verschieden von einander sind,
jenes ein Insichseyendes, ein Etwas, welches sein Anderes und seine
Beziehung auf dieß Andere von sich ausschließt.  Sondern die
Reflexions-Bestimmung ist an ihr selbst die bestimmte Seite, und die
Beziehung dieser bestimmten Seite als bestimmter, das heißt, auf ihre
Negation.--Die Qualität geht durch ihre Beziehung in Anderes über; in
ihrer Beziehung beginnt ihre Veränderung.  Die Reflexionsbestimmung
hingegen hat ihr Andersseyn in sich zurückgenommen.  Sie ist
Gesetztseyn, Negation, welche aber die Beziehung auf Anderes in sich
zurückbeugt, und Negation, die sich selbst gleich, die Einheit ihrer
selbst und ihres Andern und nur dadurch Wesensheit ist.  Sie ist also
Gesetztseyn, Negation, aber als Reflexion in sich ist sie zugleich
das Aufgehobenseyn dieses Gesetztseyns, unendliche Beziehung auf sich.



Zweites Kapitel.  Die Wesenheiten oder die Reflexions-Bestimmungen.


Die Reflexion ist bestimmte Reflexion; somit ist das Wesen bestimmtes
Wesen, oder es ist Wesenheit.

Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in sich selbst.  Das Wesen
als unendliche Rückkehr in sich ist nicht unmittelbare, sondern
negative Einfachheit; es ist eine Bewegung durch unterschiedene
Momente, absolute Vermittelung mit sich.  Aber es scheint in diese
seine Momente; sie sind daher selbst in sich reflektirte Bestimmungen.

Das Wesen ist zuerst einfache Beziehung auf sich selbst; reine
Identität.  Dieß ist seine Bestimmung, nach der es vielmehr
Bestimmungslosigkeit ist.

Zweitens die eigentliche Bestimmung ist der Unterschied; und zwar
theils als äußerlicher oder gleichgültiger Unterschied, die
Verschiedenheit überhaupt; theils aber als entgegengesetzte
Verschiedenheit oder als Gegensatz.

Drittens als Widerspruch reflektirt sich der Gegensatz in sich selbst
und geht in seinen Grund zurück.

Anmerkung.

Die Reflexions-Bestimmungen pflegten sonst in die Form von Sätzen
aufgenommen zu werden, worin von ihnen ausgesagt wurde, daß sie von
Allem gelten.  Diese Sätze galten als die allgemeinen Denkgesetze,
die allem Denken zum Grunde liegen, an ihnen selbst absolut und
unbeweisbar seyen, aber von jedem Denken, wie es ihren Sinn fasse,
unmittelbar und unwidersprochen als wahr anerkannt und angenommen
werden.

So wird die wesentliche Bestimmung der Identität in dem Satze
ausgesprochen: Alles ist sich selbst gleich; A=A. Oder negativ: A
kann nicht zugleich A und nicht A seyn.  Es ist zunächst nicht
abzusehen, warum nur diese einfachen Bestimmungen der Reflexion in
diese besondere Form gefaßt werden sollen, und nicht auch die andern
Kategorien, wie alle Bestimmtheiten der Sphäre des Seyns.  Es ergäben
sich die Sätze z.B. Alles ist, Alles hat ein Daseyn u.s.f. oder
Alles hat eine Qualität, Quantität u.s.w.  Denn Seyn, Daseyn u.s.f.
sind als logische Bestimmungen überhaupt Prädikate von Allem.  Die
Kategorie ist ihrer Etymologie und der Definition des Aristoteles
nach, dasjenige, was von dem Seyenden gesagt, behauptet wird.--Allein
eine Bestimmtheit des Seyns ist wesentlich ein Übergehen ins
Entgegengesetzte; die negative einer jeden Bestimmtheit ist so
nothwendig als sie selbst; als unmittelbaren Bestimmtheiten steht
jeder die andere unmittelbar gegenüber.  Wenn diese Kategorien daher
in solche Sätze gefaßt werden, so kommen ebenso sehr die
entgegengesetzten Sätze zum Vorschein; beide bieten sich mit gleicher
Nothwendigkeit dar, und haben als unmittelbare Behauptungen
wenigstens gleiches Recht.  Der eine erforderte dadurch einen Beweis
gegen den andern, und diesen Behauptungen könnte daher nicht mehr der
Charakter von unmittelbar wahren und unwidersprechlichen Sätzen des
Denkens zukommen.

Die Reflexions-Bestimmungen dagegen sind nicht von qualitativer Art.
Sie sind sich auf sich beziehende und damit der Bestimmtheit gegen
Anderes zugleich entnommene Bestimmungen.  Ferner indem es
Bestimmtheiten sind, welche Beziehungen an sich selbst sind, so
enthalten sie insofern die Form des Satzes schon in sich.  Denn der
Satz unterscheidet sich vom Urtheil vornehmlich dadurch, daß in jenem
der Inhalt die Beziehung selbst ausmacht, oder daß er eine bestimmte
Beziehung ist.  Das Urtheil dagegen verlegt den Inhalt in das
Prädikat, als eine allgemeine Bestimmtheit, die für sich und von
ihrer Beziehung, der einfachen Copula, unterschieden ist.  Wenn ein
Satz in ein Urtheil verwandelt werden soll, so wird der bestimmte
Inhalt, wenn er z.B. in einem Zeitworte liegt, in ein Particip
verwandelt, um auf diese Art die Bestimmung selbst und ihre Beziehung
auf ein Subjekt zu trennen.  Den Reflexions-Bestimmungen dagegen als
in sich reflektirtem Gesetztseyn liegt die Form des Satzes selbst
nahe.--Allein indem sie als allgemeine Denkgesetze ausgesprochen
werden, so bedürfen sie noch eines Subjekts ihrer Beziehung, und dieß
Subjekt ist: Alles; oder ein A, was ebenso viel als Alles und Jedes
Seyn bedeutet.

Eines Theils ist diese Form von Sätzen etwas Überflüssiges; die
Reflexions-Bestimmungen sind an und für sich zu betrachten.  Ferner
haben diese Sätze die schiefe Seite, das Seyn, Alles Etwas, zum
Subjekte zu haben.  Sie erwecken damit das Seyn wieder, und sprechen
die Reflexions-Bestimmungen, die Identität u.s.f. von dem Etwas als
eine Qualität aus, die es an ihm habe; nicht in spekulativem Sinne,
sondern daß Etwas als Subjekt in einer solchen Qualität bleibe als
seyendes, nicht daß es in die Identität u.s.f. als in seine Wahrheit
und sein Wesen übergegangen sey.

Endlich aber haben die Reflexions-Bestimmungen zwar die Form sich
selbst gleich und daher unbezogen auf Anderes und ohne
Entgegensetzung zu seyn; aber wie sich aus ihrer nähern Betrachtung
ergeben wird,--oder wie unmittelbar an ihnen, als der Identität, der
Verschiedenheit, der Entgegensetzung erhellt--sind sie bestimmte
gegen einander, sie sind also durch ihre Form der Reflexion, dem
Übergehen und dem Widerspruche nicht entnommen.  Die mehrern Sätze,
die als absolute Denkgesetze aufgestellt werden, sind daher, näher
betrachtet, einander entgegengesetzt, sie widersprechen einander und
heben sich gegenseitig auf.--Wenn Alles identisch mit sich ist, so
ist es nicht verschieden, nicht entgegengesetzt, hat keinen Grund.
Oder wenn angenommen wird, es giebt nicht zwei gleiche Dinge d. h.
Alles ist von einander verschieden, so ist A nicht gleich A, so ist A
auch nicht entgegengesetzt u.s.f.  Die Annahme eines jeden von diesen
Sätzen läßt die Annahme der andern nicht zu.--Die gedankenlose
Betrachtung derselben zählt sie nach einander auf, so daß sie in
keiner Beziehung auf einander erscheinen; sie hat bloß ihr
Reflektirtseyn in sich im Sinne, ohne ihr anderes Moment, das
Gesetztseyn oder ihre Bestimmtheit als solche zu beachten, welche sie
in den Übergang und in ihre Negation fortreiBt.

A.  Die Identität.

1.  Das Wesen ist die einfache Unmittelbarkeit als aufgehobene
Unmittelbarkeit.  Seine Negativität ist sein Seyn; es ist sich selbst
gleich in seiner absoluten Negativität, durch die das Andersseyn und
die Beziehung auf Anderes schlechthin an sich selbst in die reine
Sichselbstgleichheit verschwunden ist.  Das Wesen ist also einfache
Identität mit sich.

Diese Identität mit sich ist die Unmittelbarkeit der Reflexion.  Sie
ist nicht diejenige Gleichheit mit sich, welche das Seyn oder auch
das Nichts ist, sondern die Gleichheit mit sich, welche als sich zur
Einheit herstellende ist, nicht ein Wiederherstellen aus einem Andern,
sondern dieß reine Herstellen aus und in sich selbst; die
wesentliche Identität.  Sie ist insofern nicht abstrakte Identität,
oder nicht durch ein relatives Negiren entstanden, das außerhalb
ihrer vorgegangen wäre, und das Unterschiedene nur von ihr abgetrennt,
übrigens aber dasselbe außer ihr als seyend gelassen hätte, vor wie
nach.  Sondern das Seyn und alle Bestimmtheit des Seyns hat sich
nicht relativ, sondern an sich selbst aufgehoben; und diese einfache
Negativität, des Seyns an sich, ist die Identität selbst.

Sie ist insofern noch überhaupt dasselbe, als das Wesen.

Anmerkung 1.

Das Denken, das sich in der äußern Reflexion hält, und von keinem
andern Denken weiß, als der äußern Reflexion, kommt nicht dazu, die
Identität wie sie so eben gefaßt worden ist, oder das Wesen, was
dasselbe ist, zu erkennen.  Solches Denken hat immer nur die
abstrakte Identität vor sich, und außer und neben derselben den
Unterschied.  Es meint, die Vernunft sey weiter nichts als ein
Webstuhl, auf dem sie den Zettel, etwa die Identität, und dann den
Eintrag, den Unterschied, äußerlich mit einander verbinde und
verschlinge; oder auch wieder analysirend jetzt die Identität
besonders herausziehe, und dann auch wieder den Unterschied daneben
erhalte, jetzt ein Gleichsetzen, und dann auch wieder ein
Ungleichsetzen sey;--ein Gleichsetzen, indem man vom Unterschiede,
--ein Ungleichsetzen, indem man vom Gleichsetzen abstrahire.--Man muß
diese Versicherungen und Meinungen von dem, was die Vernunft thue,
ganz bei Seite gestellt lassen, indem sie gewissermassen bloß
historische sind, und vielmehr die Betrachtung von Allem, was ist, an
ihm selbst zeigt, daß es in seiner Gleichheit mit sich sich ungleich
und widersprechend, und in seiner Verschiedenheit, in seinem
Widerspruche, mit sich identisch, und an ihm selbst, diese Bewegung
des Übergehens einer dieser Bestimmungen in die andere ist, und dieß
darum, weil jede an ihr selbst das Gegentheil ihrer selbst ist.  Der
Begriff der Identität, einfache sich auf sich beziehende Negativität
zu seyn, ist nicht ein Produkt der äußern Reflexion, sondern hat sich
an dem Seyn selbst ergeben.  Da hingegen jene Identität, die außer
dem Unterschied, und der Unterschied, der außer der Identität sey,
Produkte der äußern Reflexion und der Abstraktion sind, die sich
willkürlicher Weise auf diesem Punkte der gleichgültigen
Verschiedenheit festhält.

2.  Diese Identität ist zunächst das Wesen selbst, noch keine
Bestimmung desselben; die ganze Reflexion, nicht ein unterschiedenes
Moment derselben.  Als absolute Negation ist sie die Negation, die
unmittelbar sich selbst negirt; ein Nichtseyn und Unterschied, der in
seinem Entstehen verschwindet, oder ein Unterscheiden, wodurch nichts
unterschieden wird, sondern das unmittelbar in sich selbst
zusammenfällt.  Das Unterscheiden ist das Setzen des Nichtseyns, als
des Nichtseyns des Andern.  Aber das Nichtseyn des Andern ist
Aufheben des Andern, und somit des Unterscheidens selbst.  So ist
aber das Unterscheiden hier vorhanden, als sich auf sich beziehende
Negativität, als ein Nichtseyn, das das Nichtseyn seiner selbst ist;
ein Nichtseyn, das sein Nichtseyn nicht an einem andern, sondern an
sich selbst hat.  Es ist also der sich auf sich beziehende, der
reflektirte Unterschied vorhanden, oder reine, absolute Unterschied.

Oder die Identität ist die Reflexion in sich selbst, welche dieß nur
ist, als innerliches Abstoßen, und dieß Abstoßen ist es als Reflexion
in sich, unmittelbar sich in sich zurücknehmendes Abstoßen.  Sie ist
somit die Identität als der mit sich identische Unterschied.  Der
Unterschied ist aber nur identisch mit sich, insofern er nicht die
Identität, sondern absolute Nichtidentität ist.  Absolut aber ist die
Nichtidentität, insofern sie nichts von ihr Anderes enthält, sondern
nur sich selbst, das heißt, insofern sie absolute Identität mit sich
ist.

Die Identität ist also an ihr selbst absolute Nichtidentität.  Aber
sie ist auch die Bestimmung der Identität dagegen.  Denn als
Reflexion in sich setzt sie sich als ihr eigenes Nichtseyn; sie ist
das Ganze, aber als Reflexion setzt sie sich als ihr eigenes Moment,
als Gesetztseyn, aus welchem sie die Rückkehr in sich ist.  So als
ihr Moment ist sie erst die Identität als solche als Bestimmung der
einfachen Gleichheit mit sich selbst, gegen den absoluten Unterschied.

Anmerkung 2.

Ich werde in dieser Anmerkung die Identität als den Satz der
Identität näher betrachten, der als das erste Denkgesetz aufgeführt
zu werden pflegt.

Dieser Satz in seinem positiven Ausdrucke A=A, ist zunächst nichts
weiter, als der Ausdruck der leeren Tautologie.  Es ist daher richtig
bemerkt worden, daß dieses Denkgesetz ohne Inhalt sey und nicht
weiter führe.  So ist die leere Identität, an welcher diejenigen
festhangen bleiben, welche sie als solche für etwas Wahres nehmen und
immer vorzubringen pflegen, die Identität sey nicht die
Verschiedenheit, sondern die Identität und die Verschiedenheit seyen
verschieden.  Sie sehen nicht, daß sie schon hierin selbst sagen, daß
die Identität ein Verschiedenes ist; denn sie sagen, die Identität
sey verschieden von der Verschiedenheit; indem dieß zugleich als die
Natur der Identität zugegeben werden muß, so liegt darin, daß die
Identität nicht äußerlich, sondern an ihr selbst, in ihrer Natur dieß
sey, verschieden zu seyn.--Ferner aber indem sie an dieser unbewegten
Identität festhalten, welche ihren Gegensatz an der Verschiedenheit
hat, so sehen sie nicht, daß sie hiermit dieselbe zu einer
einseitigen Bestimmtheit machen, die als solche keine Wahrheit hat.
Es wird zugegeben, daß der Satz der Identität nur eine einseitige
Bestimmtheit ausdrücke, daß er nur die formelle eine abstrakte,
unvollständige Wahrheit enthalte.--In diesem richtigen Urtheil liegt
aber unmittelbar, daß die Wahrheit nur in der Einheit der Identität
mit der Verschiedenheit vollständig ist, und somit nur in dieser
Einheit bestehe.  Indem behauptet wird, daß jene Identität
unvollkommen ist, so schwebt diese Totalität, an der gemessen die
Identität unvollkommen ist, als das Vollkommene dem Gedanken vor;
indem aber auf der andern Seite die Identität als absolut getrennt
von der Verschiedenheit festgehalten und in dieser Trennung als ein
Wesentliches, Geltendes, Wahres genommen wird, so ist in diesen
widerstreitenden Behauptungen nichts zu sehen, als der Mangel, diese
Gedanken, daß die Identität als abstrakte wesentlich, und daß sie als
solche ebenso unvollkommen ist, zusammenzubringen; der Mangel des
Bewußtseyns über die negative Bewegung, als welche in diesen
Behauptungen die Identität selbst dargestellt wird.--Oder indem sich
so ausgedrückt wird, die Identität sey wesentliche Identität als
Trennung von der Verschiedenheit, oder in der Trennung von der
Verschiedenheit, so ist dieß unmittelbar die ausgesprochene Wahrheit
derselben, daß sie darin besteht, Trennung als solche zu seyn, oder
in der Trennung wesentlich, das ist, nichts für sich, sondern Moment
der Trennung zu seyn.

Was nun die sonstige Beglaubigung der absoluten Wahrheit des Satzes
der Identität betrifft, so wird sie insofern auf die Erfahrung
gegründet, als sich auf die Erfahrung jedes Bewußtseyns berufen wird,
daß es, wie man ihm diesen Satz, A ist A, ein Baum ist ein Baum,
ausspreche, es denselben unmittelbar zugebe und darin befriedigt sey,
daß der Satz als unmittelbar klar durch sich selbst, keiner andern
Begründung und Beweises bedürfe.

Eines Theils ist diese Berufung auf die Erfahrung, daß allgemein
jedes Bewußtseyn ihn anerkenne, bloße Redensart.  Denn man will nicht
sagen, daß man das Experiment mit dem abstrakten Satze A=A an jedem
Bewußtseyn gemacht habe.  Es ist insofern weiter nicht Ernst mit
jener Berufung auf wirklich gemachte Erfahrung, sondern sie ist nur
die Versicherung, daß wenn man die Erfahrung machte, sich das
Resultat des allgemeinen Anerkennens ergeben würde.--Wäre aber nicht
der abstrakte Satz als solcher, sondern der Satz in konkreter
Anwendung gemeint, aus der jener erst entwickelt werden sollte, so
bestünde die Behauptung von seiner Allgemeinheit und Unmittelbarkeit
darin, daß jedes Bewußtseyn, und selbst in jeder seiner Äußerungen
ihn zu Grunde lege, oder daß er implicite in jeder liege.  Allein das
Konkrete und die Anwendung ist ja eben die Beziehung des einfachen
Identischen auf ein von ihm verschiedenes Mannigfaltiges.  Als Satz
ausgedrückt, wäre das Konkrete zunächst ein synthetischer Satz.  Aus
dem Konkreten selbst oder seinem synthetischen Satze würde die
Abstraktion den Satz der Identität wohl durch Analyse herausbringen
können; aber in der That hätte sie die Erfahrung nicht gelassen wie
sie ist, sondern verändert; denn die Erfahrung enthielt vielmehr die
Identität in Einheit mit der Verschiedenheit, und ist die
unmittelbare Widerlegung von der Behauptung, daß die abstrakte
Identität als solche etwas Wahres sey, denn das gerade Gegentheil,
nämlich die Identität nur vereinigt mit der Verschiedenheit, kommt in
jeder Erfahrung vor.

Auf der andern Seite wird aber auch die Erfahrung mit dem reinen
Satze der Identität, nur zu oft, gemacht, und es zeigt sich in dieser
Erfahrung klar genug, wie die Wahrheit, die er enthält, angesehen
wird.  Wenn nämlich z.B. auf die Frage: was ist eine Pflanze? die
Antwort gegeben wird: eine Pflanze ist--eine Pflanze, so wird die
Wahrheit eines solchen Satzes, von der ganzen Gesellschaft, an der
sie erprobt wird, zugleich zugegeben, und zugleich ebenso einstimmig
gesagt werden, daß damit Nichts gesagt ist.  Wenn einer den Mund
aufthut, und anzugeben verspricht, was Gott sey, nämlich Gott
sey--Gott, so findet sich die Erwartung getäuscht, denn sie sah einer
verschiedenen Bestimmung entgegen; und wenn dieser Satz absolute
Wahrheit ist, wird solche absolute Rednerei sehr gering geachtet; es
wird nichts für langweiliger und lästiger gehalten werden, als eine
nur dasselbe wiederkäuende Unterhaltung, als solches Reden, das doch
Wahrheit seyn soll.

Näher diese Wirkung der Langeweile bei solcher Wahrheit betrachtet,
so macht der Anfang: die Pflanze ist--, Anstalten etwas zu sagen,
eine weitere Bestimmung vorzubringen.  Indem aber nur dasselbe
wiederkehrt, so ist vielmehr das Gegentheil geschehen, es ist Nichts
herausgekommen.  Solches identische Reden widerspricht sich also
selbst.  Die Identität, statt an ihr die Wahrheit und absolute
Wahrheit zu seyn, ist daher vielmehr das Gegentheil; statt das
unbewegte Einfache zu seyn, ist sie das Hinausgehen über sich in die
Auflösung ihrer selbst.

Es liegt also in der Form des Satzes, in der die Identität
ausgedrückt ist, mehr als die einfache, abstrakte Identität; es liegt
diese reine Bewegung der Reflexion darin, in der das Andere nur als
Schein, als unmittelbares Verschwinden auftritt; A ist, ist ein
Beginnen, dem ein Verschiedenes vorschwebt, zu dem hinausgegangen
werde; aber es kommt nicht zu dem Verschiedenen; A ist--A: die
Verschiedenheit ist nur ein Verschwinden; die Bewegung geht in sich
selbst zurück.--Die Form des Satzes kann als die verborgene
Nothwendigkeit angesehen werden, noch das Mehr jener Bewegung zu der
abstrakten Identität hinzuzufügen.--So kommt auch ein A, oder eine
Pflanze oder sonst ein Substrat hinzu, das als ein unnützer Inhalt
keine Bedeutung hat; aber er macht die Verschiedenheit aus, die sich
zufälligerweise beizugesellen scheint.  Wenn statt des A und jedes
andern Substrats, die Identität selbst genommen wird,--die Identität
ist die Identität,--so ist ebenso zugegeben, daß statt dieser
gleichfalls jedes andere Substrat genommen werden könne.  Wenn sich
daher einmal darauf berufen werden soll, was die Erscheinung zeigt,
so zeigt sie dieß, daß in dem Ausdrucke der Identität auch
unmmittelbar die Verschiedenheit vorkommt;--oder bestimmter nach dem
Obigen, daß diese Identität das Nichts, daß sie die Negativität, der
absolute Unterschied von sich selbst ist.

Der andre Ausdruck des Satzes der Identität: A kann nicht zugleich A
und Nicht-A seyn, hat negative Form; er heißt der Satz des
Widerspruchs.  Es pflegt darüber, wie die Form der Negation, wodurch
sich dieser Satz vom vorigen unterscheidet, an die Identität komme,
keine Rechtfertigung gegeben zu werden.--Diese Form liegt aber darin,
daß die Identität als die reine Bewegung der Reflexion, die einfache
Negativität ist, welche der angeführte zweite Ausdruck des Satzes
entwickelter enthält.  Es ist A ausgesprochen und ein Nicht-A, das
Rein-Andre des A, aber es zeigt sich nur um zu verschwinden.  Die
Identität ist also in diesem Satze ausgedrückt,--als Negation der
Negation.  A und Nicht-A, sind unterschieden, diese unterschiedenen
sind auf ein und dasselbe A bezogen.  Die Identität ist also als
diese Unterschiedenheit in Einer Beziehung oder als der einfache
Unterschied an ihnen selbst hier dargestellt.

Es erhellt hieraus, daß der Satz der Identität selbst und noch mehr
der Satz des Widerspruchs nicht bloß analytischer, sondern
synthetischer Natur ist.  Denn der letztere enthält in seinem
Ausdrucke nicht nur die leere, einfache Gleichheit mit sich, sondern
nicht allein das Andere derselben überhaupt, sondern sogar die
absolute Ungleichheit, den Widerspruch an sich.  Der Satz der
Identität selbst aber enthält, wie an ihm gezeigt wurde, die
Reflexions-Bewegung, die Identität als Verschwinden des Andersseyns.

Was sich also aus dieser Betrachtung ergiebt, ist, daß erstens der
Satz der Identität oder des Widerspruchs, wie er nur die abstrakte
Identität im Gegensatz gegen den Unterschied, als Wahres ausdrücken
soll, kein Denkgesetz, sondern vielmehr das Gegentheil davon ist;
zweitens, daß diese Sätze mehr, als mit ihnen gemeint wird, nämlich
dieses Gegentheil, den absoluten Unterschied selbst, enthalten.

B.  Der Unterschied.

1.  Der absolute Unterschied.

Der Unterschied ist die Negativität, welche die Reflexion in sich hat;
das Nichts, das durch das identische Sprechen gesagt wird; das
wesentliche Moment der Identität selbst, die zugleich als Negativität
ihrer selbst, sich bestimmt und unterschieden vom Unterschied ist.

1.  Dieser Unterschied ist der Unterschied an und für sich, der
absolute Unterschied, der Unterschied des Wesens.--Er ist der
Unterschied an und für sich, nicht Unterschied durch ein Äußerliches,
sondern sich auf sich beziehender, also einfacher Unterschied.--Es
ist wesentlich den absoluten Unterschied als einfachen zu fassen.  Im
absoluten Unterschiede des A und Nicht-A von einander ist es das
einfache Nicht, was als solches denselben ausmacht.  Der Unterschied
selbst ist einfacher Begriff.  Darin, drückt man sich aus, sind zwei
Dinge unterschieden, daß sie u.s.f.--Darin, das heißt, in einer und
derselben Rücksicht, in demselben Bestimmungsgrunde.  Er ist der
Unterschied der Reflexion, nicht das Andersseyn des Daseyns.  Ein
Daseyn und ein anderes Daseyn sind gesetzt als außereinanderfallend,
jedes der gegen einander bestimmten Daseyn hat ein unmittelbares Seyn
für sich.  Das Andre des Wesens dagegen ist das Andre an und für sich,
nicht das Andre als eines andern außer ihm Befindlichen; die
einfache Bestimmtheit an sich.  Auch in der Sphäre des Daseyns erwies
sich das Andersseyn und die Bestimmtheit von dieser Natur, einfache
Bestimmtheit, identischer Gegensatz zu seyn; aber diese Identität
zeigte sich nur als das Übergehen einer Bestimmtheit in die andere.
Hier in der Sphäre der Reflexion tritt der Unterschied als
reflektirter auf, der so gesetzt ist, wie er an sich ist.

2.  Der Unterschied an sich ist der sich auf sich beziehende
Unterschied; so ist er die Negativität seiner selbst, der Unterschied
nicht von einem Andern, sondern seiner von sich selbst; er ist nicht
er selbst, sondern sein Anderes.  Das Unterschiedene aber vom
Unterschiede ist die Identität.  Er ist also er selbst und die
Identität.  Beide zusammen machen den Unterschied aus; er ist das
Ganze und sein Moment.--Es kann ebenso gesagt werden, der Unterschied
als einfacher ist kein Unterschied; er ist dieß erst in Beziehung auf
die Identität; aber vielmehr enthält er als Unterschied ebenso sie
und diese Beziehung selbst.--Der Unterschied ist das Ganze und sein
eignes Moment; wie die Identität ebenso sehr ihr Ganzes und ihr
Moment ist.--Dieß ist als die wesentliche Natur der Reflexion und als
bestimmter Urgrund aller Thätigkeit und Selbstbewegung zu betrachten.
--Unterschied wie die Identität machen sich zum Momente oder zum
Gesetztseyn, weil sie als Reflexion die negative Beziehung auf sich
selbst sind.

Der Unterschied, so als Einheit seiner und der Identität, ist an sich
selbst bestimmter Unterschied.  Er ist nicht Übergehen in ein Anderes,
nicht Beziehung auf Anderes außer ihm; er hat sein Anderes, die
Identität an ihm selbst; so wie diese, indem sie in die Bestimmung
des Unterschieds getreten, nicht in ihn als ihr Anderes sich verloren
hat, sondern in ihm sich erhält, seine Reflexion in sich und sein
Moment ist.

3.  Der Unterschied hat die beiden Momente, Identität und Unterschied;
beide sind so ein Gesetztseyn, Bestimmtheit.  Aber in diesem
Gesetztseyn ist jedes Beziehung auf sich selbst.  Das eine, die
Identität ist unmittelbar selbst das Moment der Reflexion in sich;
ebenso ist aber das andere, der Unterschied, Unterschied an sich, der
reflektirte Unterschied.  Der Unterschied, indem er zwei solche
Momente hat, die selbst die Reflexionen in sich sind, ist
Verschiedenheit.

2.  Die Verschiedenheit.

1.  Die Identität zerfällt an ihr selbst in Verschiedenheit, weil sie
als absoluter Unterschied in sich selbst, sich als das Negative ihrer
setzt, und diese ihre Momente, sie selbst und das Negative ihrer,
Reflexionen in sich, identisch mit sich sind; oder eben weil sie ihr
Negiren unmittelbar selbst aufhebt, und in ihrer Bestimmung in sich
reflektirt ist.  Das Unterschiedne besteht als gegen einander
gleichgültig verschiedenes, weil es identisch mit sich ist, weil die
Identität seinen Boden und Element ausmacht; oder das Verschiedene
ist das, was es ist, eben nur in seinem Gegentheile, der Identität.

Die Verschiedenheit macht das Andersseyn als solches der Reflexion
aus.  Das Andere des Daseyns hat das unmittelbare Seyn zu seinem
Grunde, in welchem das Negative besteht.  In der Reflexion aber macht
die Identität mit sich, die reflektirte Unmittelbarkeit, das Bestehen
des Negativen und die Gleichgültigkeit desselben aus.

Die Momente des Unterschiedes sind die Identität und der Unterschied
selbst.  Verschiedene sind sie als in sich selbst reflektirte, sich
auf sich beziehende; so sind sie in der Bestimmung der Identität,
Beziehungen nur auf sich; die Identität ist nicht bezogen auf den
Unterschied, noch ist der Unterschied bezogen auf die Identität;
indem so jedes dieser Momente nur auf sich bezogen ist, sind sie
nicht bestimmt gegen einander.--Weil sie nun auf diese Weise nicht an
ihnen selbst unterschiedene sind, so ist der Unterschied ihnen
äußerlich.  Die Verschiedenen verhalten sich also nicht als Identität
und Unterschied zu einander, sondern nur als Verschiedene überhaupt,
die gleichgültig gegeneinander und gegen ihre Bestimmtheit sind.

2.  In der Verschiedenheit als der Gleichgültigkeit des Unterschieds,
ist sich überhaupt die Reflexion äußerlich geworden; der Unterschied
ist nur ein Gesetztseyn oder als aufgehobener, aber er ist selbst die
ganze Reflexion.--Dieß näher betrachtet, so sind beide, die Identität
und der Unterschied, wie sich so eben bestimmt hat, Reflexionen;
jedes Einheit seiner selbst und seines Andern; jedes ist das Ganze.
Damit aber ist die Bestimmtheit, nur Identität oder nur Unterschied
zu seyn, ein Aufgehobenes.  Sie sind darum keine Qualitäten, weil
ihre Bestimmtheit durch die Reflexion in sich zugleich nur als
Negation ist.  Es ist also dieß Gedoppelte vorhanden, die Reflexion
in sich als solche, und die Bestimmtheit als Negation, oder das
Gesetztseyn.  Das Gesetztseyn ist die sich äußerliche Reflexion; es
ist die Negation als Negation; hiermit an sich zwar die sich auf sich
beziehende Negation und Reflexion in sich; aber nur an sich; es ist
die Beziehung darauf als auf ein Äußerliches.

Die Reflexion an sich und die äußere Reflexion, sind somit die zwei
Bestimmungen, in die sich die Momente des Unterschiedes, Identität
und Unterschied, setzten.  Sie sind diese Momente selbst, insofern
sie sich nunmehr bestimmt haben.--Die Reflexion an sich ist die
Identität, aber bestimmt, gleichgültig gegen den Unterschied zu seyn;
nicht den Unterschied gar nicht zu haben, sondern sich als mit sich
identisch gegen ihn zu verhalten; sie ist die Verschiedenheit.  Es
ist die Identität, die sich so in sich reflektirt hat, daß sie
eigentlich die Eine Reflexion der beiden Momente in sich ist, beide
sind Reflexionen in sich.  Die Identität ist diese eine Reflexion
beider, die den Unterschied nur als einen gleichgültigen an ihr hat,
und Verschiedenheit überhaupt ist.--Die äußere Reflexion dagegen ist
der bestimmte Unterschied derselben nicht als absolute Reflexion in
sich, sondern als Bestimmung, wogegen die an sich seyende Reflexion
gleichgültig ist; seine beiden Momente, die Identität und der
Unterschied selbst, sind so äußerlich gesetzte, nicht an und für sich
seyende Bestimmungen.

Diese äußerliche Identität nun ist die Gleichheit, und der äußerliche
Unterschied die Ungleichheit.--Die Gleichheit ist zwar Identität,
aber nur als ein Gesetztseyn, eine Identität, die nicht an und für
sich ist.--Ebenso die Ungleichheit ist Unterschied, aber als ein
äußerlicher, der nicht an und für sich der Unterschied des Ungleichen
selbst ist.  Ob Etwas einem andern Etwas gleich ist oder nicht, geht
weder das eine noch das andere an; jedes derselben ist nur auf sich
bezogen; ist an und für sich selbst was es ist; die Identität oder
Nichtidentität als Gleichheit und Ungleichheit ist die Rücksicht
eines Dritten, die außer ihnen fällt.

3.  Die äußere Reflexion bezieht das Verschiedene auf die Gleichheit
und Ungleichheit.  Diese Beziehung, das Vergleichen, geht von der
Gleichheit zur Ungleichheit, und von dieser zu jener herüber und
hinüber.  Aber dieses herüber- und hinübergehende Beziehen der
Gleichheit und Ungleichheit ist diesen Bestimmungen selbst äußerlich;
auch werden sie nicht auf einander, sondern jede für sich nur auf ein
Drittes bezogen.  Jede tritt in dieser Abwechslung unmittelbar für
sich hervor.--Die äußerliche Reflexion ist als solche sich selbst
äußerlich; der bestimmte Unterschied ist der negirte absolute
Unterschied; er ist somit nicht einfach, nicht die Reflexion in sich,
sondern diese hat er außer ihm; seine Momente fallen daher aus
einander, und beziehen sieh auch als gegen einander äußerliche, auf
die ihnen gegenüber stehende Reflexion in sich.

An der sich entfremdeten Reflexion kommen also die Gleichheit und
Ungleichheit als gegen einander selbst unbezogene hervor, und sie
trennt sie, indem sie sie auf ein und dasselbe bezieht, durch die
Insoferns, Seiten und Rücksichten.  Die Verschiedenen, die das eine
und dasselbe sind, worauf beide, die Gleichheit und Ungleichheit,
bezogen werden, sind also nach der einen Seite einander gleich, nach
der andern Seite aber ungleich, und insofern sie gleich sind,
insofern sind sie nicht ungleich.  Die Gleichheit bezieht sich nur
auf sich, und die Ungleichheit ist ebenso nur Ungleichheit.

Durch diese ihre Trennung von einander aber heben sie sich nur auf.
Gerade, was den Widerspruch und die Auflösung von ihnen abhalten soll,
daß nämlich Etwas einem Andern in einer Rücksicht gleich, in einer
andern aber ungleich sey;--dieß Auseinanderhalten der Gleichheit und
Ungleichheit ist ihre Zerstörung.  Denn beide sind Bestimmungen des
Unterschiedes; sie sind Beziehungen aufeinander, das eine, zu seyn,
was das andere nicht ist; gleich ist nicht ungleich, und ungleich ist
nicht gleich; und beide haben wesentlich diese Beziehung, und außer
ihr keine Bedeutung; als Bestimmungen des Unterschiedes ist jedes das
was es ist, als unterschieden von seinem andern.  Durch ihre
Gleichgültigkeit aber gegen einander, ist die Gleichheit nur bezogen
auf sich, die Ungleichheit ist ebenso eine eigene Rücksicht und
Reflexion für sich; jede ist somit sich selbst gleich; der
Unterschied ist verschwunden, da sie keine Bestimmtheit gegen
einander haben; oder jede ist hiermit nur Gleichheit.

Diese gleichgültige Rücksicht, oder der äußerliche Unterschied hebt
somit sich selbst auf, und ist die Negativität seiner an sich selbst.
Er ist diejenige Negativität, welche in dem Vergleichen dem
Vergleichenden zukommt.  Das Vergleichende geht von der Gleichheit
zur Ungleichheit, und von dieser zu jener zurück; läßt also das eine
im andern verschwinden, und ist in der That die negative Einheit
beider.  Sie ist zunächst jenseits des Verglichenen so wie jenseits
der Momente der Vergleichung, als ein Subjektives, außerhalb ihnen
fallendes Thun.  Aber diese negative Einheit ist in der That die
Natur der Gleichheit und Ungleichheit selbst, wie sich ergeben hat.
Eben die selbstständige Rücksicht, die eine jede ist, ist vielmehr
die ihre Unterschiedenheit und damit sie selbst aufhebende Beziehung
auf sich.

Nach dieser Seite, als Momente der äußern Reflexion und als sich
selbst äußerlich, verschwinden die Gleichheit und Ungleichheit in
ihre Gleichheit zusammen.  Aber diese ihre negative Einheit ist
ferner auch an ihnen gesetzt; sie haben nämlich die an sich seyende
Reflexion außer ihnen, oder sind die Gleichheit und Ungleichheit
eines Dritten, eines Andern als sie selbst sind.  So ist das Gleiche
nicht das Gleiche seiner selbst, und das Ungleiche als das Ungleiche
nicht seiner selbst, sondern eines ihm ungleichen, ist selbst das
Gleiche.  Das Gleiche und das Ungleiche ist also das Ungleiche seiner
selbst.  Jedes ist somit diese Reflexion, die Gleichheit, daß sie sie
selbst und die Ungleichheit, die Ungleichheit, daß sie sie selbst und
die Gleichheit ist.

Gleichheit und Ungleichheit machten die Seite des Gesetztseyns, gegen
das Verglichene oder das Verschiedene aus, das sich als die an sich
seyende Reflexion gegen sie bestimmt hatte.  Aber dieses hat damit
seine Bestimmtheit gegen sie ebenfalls verloren.  Eben die Gleichheit
und Ungleichheit, die Bestimmungen der äußerlichen Reflexion, sind
die nur an sich seyende Reflexion, welche das Verschiedene als
solches seyn sollte, sein nur unbestimmter Unterschied.  Die an sich
seyende Reflexion ist die Beziehung auf sich ohne Negation, die
abstrakte Identität mit sich; damit eben das Gesetztseyn selbst.--Das
bloß Verschiedene geht also durch das Gesetztseyn über in die
negative Reflexion.  Das Verschiedene ist der bloß gesetzte
Unterschied, also der Unterschied, der keiner ist, also die Negation
seiner an ihm selbst.  So die Gleichheit und Ungleichheit selbst, das
Gesetztseyn, geht durch die Gleichgültigkeit oder die an sich seyende
Reflexion zurück in die negative Einheit mit sich; in die Reflexion,
welche der Unterschied der Gleichheit und Ungleichheit an sich selbst
ist.  Die Verschiedenheit, deren gleichgültige Seiten ebenso sehr
schlechthin nur Momente als Einer negativen Einheit sind, ist der
Gegensatz.

Anmerkung.

Die Verschiedenheit wird, wie die Identität, in einem eigenen Satze
ausgedrückt.  Übrigens bleiben diese beide Sätze in der
gleichgültigen Verschiedenheit gegeneinander gehalten, so daß jeder
für sich gilt ohne Rücksicht auf den andern.

Alle Dinge sind verschieden, oder: Es giebt nicht zwei Dinge, die
einander gleich sind.--Dieser Satz ist in der That dem Satze der
Identität entgegengesetzt, denn er sagt aus: A ist ein Verschiedenes,
also A ist auch nicht A; oder A ist einem andern ungleich, so ist es
nicht A überhaupt, sondern vielmehr ein bestimmtes A. An die Stelle
des A im identischen Satze kann jedes andere Substrat gesetzt, aber A
als Ungleiches nicht mehr mit jedem andern vertauscht werden.  Es
soll zwar nicht ein Verschiedenes von sich, sondern nur von Anderem
seyn; aber diese Verschiedenheit ist seine eigene Bestimmung.  Als
mit sich identisches A ist es das Unbestimmte; aber als Bestimmtes
ist es das Gegentheil hiervon, es hat nicht mehr nur die Identität
mit sich, sondern auch eine Negation, somit eine Verschiedenheit
seiner selbst von sich an ihm.

Daß alle Dinge verschieden sind von einander, ist ein sehr
überflüssiger Satz, denn im Plural der Dinge liegt unmittelbar die
Mehrheit und die ganz unbestimmte Verschiedenheit.--Der Satz aber: es
giebt nicht zwei Dinge, die einander vollkommen gleich sind, drückt
mehr, nämlich die bestimmte Verschiedenheit aus.  Zwei Dinge sind
nicht bloß zwei; die numerische Vielheit ist nur die Einerleiheit,
sondern sie sind durch eine Bestimmung verschieden.  Der Satz, daß es
nicht zwei Dinge giebt, die einander gleich sind, fällt dem
Vorstellen,--auch nach der Anekdote, an einem Hofe auf, wo ihn
Leibniz vorgebracht und die Damen veranlaßt haben soll, unter
Baumblättern zu suchen, ob sie nicht zwei gleiche finden.--Glückliche
Zeiten für die Metaphysik, wo man sich am Hofe mit ihr beschäftigte,
und wo es keiner andern Anstrengung bedurfte, ihre Sätze zu prüfen,
als Baumblätter zu vergleichen!--Der Grund, daß jener Satz auffallend
ist, liegt in dem Gesagten, daß zwei oder die numerische Mehrheit
noch keine bestimmte Verschiedenheit enthält, und daß die
Verschiedenheit als solche in ihrer Abstraktion zunächst gleichgültig
gegen die Gleichheit und Ungleichheit ist.  Das Vorstellen, indem es
auch zur Bestimmung übergeht, nimmt diese Momente selbst als gegen
einander gleichgültige auf, so daß das eine ohne das andere, die
bloße Gleichheit der Dinge ohne die Ungleichheit zur Bestimmung
hinreiche, oder daß die Dinge verschieden seyen, wenn sie auch nur
numerisch Viele, verschiedene überhaupt, nicht ungleiche sind.  Der
Satz der Verschiedenheit hingegen drückt aus, daß die Dinge durch die
Ungleichheit von einander verschieden sind, daß ihnen die Bestimmung
der Ungleichheit so sehr zukomme als die der Gleichheit, denn erst
beide zusammen machen den bestimmten Unterschied aus.

Dieser Satz nun, daß allen Dingen die Bestimmung der Ungleichheit
zukommt, bedürfte eines Beweises; er kann nicht als unmittelbarer
Satz aufgestellt werden, denn die gewöhnliche Weise des Erkennens
selbst fotdert für die Verknüpfung verschiedener Bestimmungen in
einem synthetischen Satze einen Beweis oder das Aufzeigen eines
Dritten, worin sie vermittelt sind.  Dieser Beweis müßte den Übergang
der Identität in die Verschiedenheit, und dann den Übergang dieser in
die bestimmte Verschiedenheit, in die Ungleichheit darthun.  Dieß
pflegt aber nicht geleistet zu werden; es ergab sich darin, daß die
Verschiedenheit oder der äußerliche Unterschied, in Wahrheit in sich
reflektirter, Unterschied an ihm selbst ist, daß das gleichgültige
Bestehen des Verschiedenen das bloße Gesetztseyn, und damit nicht
äußerlicher, gleichgültiger Unterschied, sondern Eine Beziehung der
beiden Momente ist.

Es liegt darin auch die Auflösung und Nichtigkeit des Satzes der
Verschiedenheit.  Zwei Dinge sind nicht vollkommen gleich; so sind
sie gleich und ungleich zugleich; gleich schon darin, daß sie Dinge
oder zwei überhaupt sind, denn jedes ist ein Ding und ein Eins so gut
als das andere,jedes also dasselbe, was das andere; ungleich aber
sind sie durch die Annahme.  Es ist somit die Bestimmung vorhanden,
daß beide Momente, die Gleichheit und die Ungleichheit, in Einem und
demselben verschieden, oder daß der außereinanderfallende Unterschied,
zugleich eine und dieselbe Beziehung ist.  Somit ist sie in
Entgegensetzung übergegangen.

Das Zugleich der beiden Prädikate wird zwar durch das Insofern aus
einander gehalten; daß zwei Dinge insofern sie gleich, _insofern_
nicht ungleich, oder nach einer Seite und Rücksicht gleich, nach der
andern Seite und Rücksicht aber ungleich sind.  Damit wird die
Einheit der Gleichheit und Ungleichheit aus dem Dinge entfernt, und
was seine eigene, und die Reflexion der Gleichheit und Ungleichheit
an sich wäre, als eine dem Dinge äußerliche Reflexion festgehalten.
Diese ist es aber somit, die in einer und derselben Thätigkeit die
zwei Seiten der Gleichheit und Ungleichheit unterscheidet, somit in
Einer Thätigkeit beide enthält, die eine in die andere scheinen läßt
und reflektirt.--Die gewöhnliche Zärtlichkeit für die Dinge aber, die
nur dafür sorgt, daß diese sich nicht widersprechen, vergißt hier wie
sonst, daß damit der Widerspruch nicht aufgelöst, sondern nur
anderswohin, in die Subjektive oder äußere Reflexion überhaupt
geschoben wird, und daß diese in der That die beiden Momente, welche
durch diese Entfernung und Versetzung als bloßes Gesetztseyn
ausgesprochen werden, als aufgehobene und auf einander bezogene in
Einer Einheit enthält.

3.  Der Gegensatz.

Im Gegensatze ist die bestimmte Reflexion, der Unterschied vollendet.
Er ist die Einheit der Identität und der Verschiedenheit; seine
Momente sind in Einer Identität verschiedene; so sind sie
entgegengesetzte.

Die Identität und der Unterschied sind die Momente des Unterschiedes
innerhalb seiner selbst gehalten; sie sind reflektirte Momente seiner
Einheit.  Gleichheit und Ungleichheit aber sind die entäußerte
Reflexion; ihre Identität mit sich ist nicht nur die Gleichgültigkeit
eines jeden gegen das von ihm Unterschiedene, sondern gegen das
An-und-Fürsichseyn, als solches; eine Identität mit sich gegen die in
sich reflektirte; sie ist also die nicht in sich reflektirte
Unmittelbarkeit.  Das Gesetztseyn der Seiten der äußerlichen
Reflexion ist daher ein Seyn; so wie ihr Nichtgesetztseyn ein
Nichtseyn.

Die Momente des Gegensatzes näher betrachtet, so sind sie das in sich
reflektirte Gesetztseyn oder Bestimmung überhaupt.  Das Gesetztseyn
ist die Gleichheit und Ungleichheit; sie beide in sich reflektirt
machen die Bestimmungen des Gegensatzes aus.  Ihre Reflexion in sich
besteht darin, daß jedes an ihm selbst die Einheit der Gleichheit und
Ungleichheit ist.  Die Gleichheit ist nur in der Reflexion, welche
nach der Ungleichheit vergleicht, somit durch ihr anderes
gleichgültiges Moment vermittelt; ebenso die Ungleichheit ist nur in
derselben reflektirenden Beziehung, in welcher die Gleichheit ist.
--Jedes dieser Momente ist also in seiner Bestimmtheit das Ganze.  Es
ist das Ganze, insofern es auch sein anderes Moment enthält; aber
dieß sein anderes ist ein gleichgültig seyendes, so enthält jedes die
Beziehung auf sein Nichtseyn, und ist nur die Reflexion in sich oder
das Ganze als sich wesentlich auf sein Nichtseyn beziehend.

Diese in sich reflektirte Gleichheit mit sich, die in ihr selbst die
Beziehung auf die Ungleichheit enthält, ist das Positive; so die
Ungleichheit die in ihr selbst die Beziehung auf ihr Nichtseyn, die
Gleichheit enthält, ist das Negative.--Oder beide sind das
Gesetztseyn; insofern nun die unterschiedene Bestimmtheit als
unterschiedene bestimmte Beziehung des Gesetztseyns auf sich genommen
wird, so ist der Gegensatz eines Theils das Gesetztseyn in seine
Gleichheit mit sich reflektirt; andern Theils dasselbe in seine
Ungleichheit mit sich reflektirt; das Positive und Negative.--Das
Positive ist das Gesetztseyn als in die Gleichheit mit sich
reflektirt; aber das reflektirte ist das Gesetztseyn, das ist, die
Negation als Negation, so hat diese Reflexion in sich die Beziehung
auf das Andere zu ihrer Bestimmung.  Das Negative ist das Gesetztseyn
als in die Ungleichheit reflektirt; aber das Gesetztseyn ist die
Ungleichheit selbst, so ist diese Reflexion somit die Identität der
Ungleichheit mit sich selbst und absolute Beziehung auf sich.--Beide
also, das in die Gleichheit mit sich reflektirte Gesetztseyn hat die
Ungleichheit, und das in die Ungleichheit mit sich reflektirte
Gesetztseyn hat auch die Gleichheit an ihm.

Das Positive und das Negative sind so die selbstständig gewordenen
Seiten des Gegensatzes.  Sie sind selbstständig, indem sie die
Reflexion des Ganzen in sich sind, und sie gehören dem Gegensatze an,
insofern es die Bestimmtheit ist, die als Ganzes in sich reflektirt
ist.  Um ihrer Selbstständigkeit willen machen sie den an sich
bestimmten Gegensatz aus.  Jedes ist es selbst und sein Anderes,
dadurch hat jedes seine Bestimmtheit nicht an einem andern, sondern
an ihm selbst.--Jedes bezieht sich auf sich selbst, nur als sich
beziehend auf sein Anderes.  Dieß hat die doppelte Seite; jedes ist
Beziehung auf sein Nichtseyn als Aufheben dieses Andersseyns in sich;
so ist sein Nichtseyn nur ein Moment in ihm.  Aber andern Theils ist
hier das Gesetztseyn ein Seyn, ein gleichgültiges Bestehen geworden;
das andre seiner, das jedes enthält, ist daher auch das Nichtseyn
dessen, in welchem es nur als Moment enthalten seyn soll.  Jedes ist
daher nur, insofern sein Nichtseyn ist, und zwar in einer identischen
Beziehung.

Die Bestimmungen, welche das Positive und Negative konstituiren,
bestehen also darin, daß das Positive und das Negative erstens
absolute Momente des Gegensatzes sind; ihr Bestehen ist untrennbar
Eine Reflexion; es ist Eine Vermittelung, in welcher jedes durch das
Nichtseyn seines Andern, damit durch sein Anderes oder sein eigenes
Nichtseyn ist.--So sind sie Entgegengesetzte überhaupt; oder jedes
ist nur das Entgegengesetzte des Andern; das eine ist noch nicht
positiv, und das andre noch nicht negativ, sondern beide sind negativ
gegen einander.  Jedes ist so überhaupt erstens insofern das Andre
ist; es ist durch das Andre, durch sein eignes Nichtseyn, das was es
ist; es ist nur Gesetztseyn; zweitens es ist insofern das Andre nicht
ist; es ist durch das Nichtseyn des Andern das was es ist; es ist
Reflexion in sich.--Dieses beides ist aber die eine Vermittelung des
Gegensatzes überhaupt, in der sie überhaupt nur Gesetzte sind.

Aber ferner dieß bloße Gesetztseyn ist in sich reflektirt überhaupt;
das Positive und Negative ist nach diesem Momente der äußern
Reflexion gleichgültig gegen jene erste Identität, worin sie nur
Momente sind; oder indem jene erste Reflexion die eigne Reflexion des
Positiven und Negativen in sich selbst, jedes sein Gesetztseyn an ihm
selbst ist, so ist jedes gleichgültig gegen diese seine Reflexion in
sein Nichtseyn, gegen sein eigenes Gesetztseyn.  Die beiden Seiten
sind so bloß verschiedene, und insofern ihre Bestimmtheit, positiv
und negativ zu seyn, ihr Gesetztseyn gegen einander ausmacht, so ist
jede nicht an ihr selbst so bestimmt, sondern ist nur Bestimmtheit
überhaupt; jeder Seite kommt daher zwar eine der Bestimmtheiten von
Positivem und Negativem zu; aber sie können verwechselt werden, und
jede Seite ist von der Art, daß sie ebenso gut als positiv wie als
negativ genommen werden kann.

Aber das Positive und Negative ist drittens nicht nur ein Gesetztes,
noch bloß ein Gleichgültiges, sondern ihr Gesetztseyn oder die
Beziehung auf das andere in einer Einheit, die nicht sie selbst sind,
ist in jedes zurückgenommen.  Jedes ist an ihm selbst positiv und
negativ; das Positive und Negative ist die Reflexionsbestimmung an
und für sich; erst in dieser Reflexion des Entgegengesetzten in sich
ist es positiv und negativ.  Das Positive hat die Beziehung auf das
Andere, in der die Bestimmtheit des Positiven ist, an ihm selbst;
ebenso das Negative ist nicht Negatives als gegen ein anderes,
sondern hat die Bestimmtheit, wodurch es negativ ist, gleichfalls in
ihm selbst.

So ist jedes Selbstständige, für sich seyende Einheit mit sich.  Das
Positive ist wohl ein Gesetztseyn, aber so daß für es das Gesetztseyn
nur Gesetztseyn, als aufgehobenes ist.  Es ist das
Nichtentgegengesetzte; der aufgehobene Gegensatz, aber als Seite des
Gegensatzes selbst.--Als positiv ist zwar Etwas bestimmt in Beziehung
auf ein Andersseyn, aber so daß seine Natur dieß ist, nicht ein
Gesetztes zu seyn; es ist die das Andersseyn negirende Reflexion in
sich.  Aber das Andere seiner, das Negative, ist selbst nicht mehr
Gesetztseyn oder Moment, sondern ein selbstständiges Seyn; so ist die
negirende Reflexion des Positiven in sich bestimmt, dieß sein
Nichtseyn von sich auszuschließen.

So das Negative als absolute Reflexion ist nicht das unmittelbare
Negative, sondern dasselbe als aufgehobenes Gesetztseyn; das Negative
an und für sich, das positiv auf sich selbst beruht.  Als Reflexion
in sich negirt es seine Beziehung auf Anderes; sein Anderes ist das
Positive, ein selbstständiges Seyn;--seine negative Beziehung darauf
ist daher, es aus sich auszuschließen.  Das Negative ist das für sich
bestehende Entgegengesetzte, gegen das Positive, das die Bestimmung
des aufgehobenen Gegensatzes ist; der auf sich beruhende ganze
Gegensatz, entgegengesetzt dem mit sich identischen Gesetztseyn.

Das Positive und Negative ist hiermit nicht nur an sich positiv und
negativ, sondern an und für sich.  An sich sind sie es, insofern von
ihrer ausschließenden Beziehung auf Anderes abstrahirt, und sie nur
nach ihrer Bestimmung genommen werden.  An sich ist etwas positiv
oder negativ, indem es nicht bloß gegen Anderes so bestimmt seyn soll.
Aber das Positive oder Negative nicht als Gesetztseyn und damit
nicht als Entgegengesetztes, ist es jedes das Unmittelbare, Seyn und
Nichtseyn.  Das Positive und Negative sind aber die Momente des
Gegensatzes, das Ansichseyn derselben macht nur die Form ihres
Reflektirtseyns in sich aus.  Es ist etwas an sich positiv, außer der
Beziehung auf das Negative; und es ist etwas an sich negativ, außer
der Beziehung auf das Negative; in dieser Bestimmung wird bloß an dem
abstrakten Momente dieses Reflektirtseyns festgehalten.  Allein das
ansichseyende Positive oder Negative heißt wesentlich, daß
entgegengesetzt zu seyn, nicht bloß Moment sey, noch der Vergleichung
angehöre, sondern die eigene Bestimmung der Seiten des Gegensatzes
ist.  An sich positiv oder negativ sind sie also nicht außer der
Beziehung auf Anderes, sondern daß diese Beziehung und zwar als
ausschließende, die Bestimmung oder das Ansichseyn derselben ausmacht;
hierin sind sie es also zugleich an und für sich.

Anmerkung.

Es ist hier der Begriff des Positiven und Negativen anzuführen, wie
er in der Arithmetik vorkommt.  Er wird darin als bekannt
vorausgesetzt; weil er aber nicht in seinem bestimmten Unterschiede
aufgefaßt wird, entgeht er nicht unauflösbaren Schwierigkeiten und
Verwicklungen.  Es haben sich so eben die beiden realen Bestimmungen
des Positiven und Negativen ergeben,--außer dem einfachen Begriffe
ihrer Entgegensetzung,--daß nämlich das erstemal, ein nur
verschiedenes, unmittelbares Daseyn zu Grunde liegt, dessen einfache
Reflexion in sich unterschieden wird von seinem Gesetztseyn, der
Entgegensetzung selbst.  Diese gilt daher nur als nicht an und für
sich seyend, und dem Verschiedenen zwar zukommend, so daß jedes ein
Entgegengesetztes überhaupt ist, aber auch gleichgültig dagegen für
sich besteht, und es einerley ist, welches der beiden
entgegengesetzten Verschiedenen als positiv oder als negativ
betrachte werde.--Das andremal aber ist das Positive das an sich
selbst Positive, das Negative das an sich selbst Negative, so daß das
Verschiedene nicht gleichgültig dagegen, sondern dieß seine
Bestimmung an und für sich ist.--Diese beiden Formen des Positiven
und Negativen kommen gleich in den ersten Bestimmungen vor, in denen
sie in der Arithmetik gebraucht werden.

Das + a und--a sind zuerst entgegengesetzte Größen überhaupt; a ist
die beiden zum Grunde liegende, ansichseyende Einheit, das gegen die
Entgegensetzung selbst gleichgültige, das hier ohne weitern Begriff
als todte Grundlage dient.  Das--a ist zwar als das Negative, das + a
als das Positive bezeichnet, aber das eine ist so gut ein
Entgegengesetztes als das andere.

Ferner ist a nicht nur die einfache zum Grunde liegende Einheit,
sondern als + a und--a, ist sie die Reflexion dieser
Entgegengesetzten in sich; es sind zwei verschiedene a vorhanden und
es ist gleichgültig, welches von beiden inan als das positive oder
negative bezeichnen will; beide haben ein besonderes Bestehen und
sind positiv.

Nach jener ersten Seite ist + y--y = 0; oder in--8 + 3, sind die 3
positiven, negative im 8. Die Entgegengesetzten heben sich in ihrer
Verbindung auf.  Eine Stunde Wegs nach Osten gemacht, und ebenso viel
zurück nach Westen hebt den erst gemachten Weg auf; so viel Schulden,
um so viel weniger Vermögen, und so viel Vermögen vorhanden ist, so
viel hebt sich von den Schulden auf.  Die Stunde Wegs nach Osten ist
zugleich nicht der positive Weg an sich, noch der nach Westen der
negative Weg; sondern diese Richtungen sind gleichgültig gegen diese
Bestimmtheit des Gegensatzes; nur eine dritte außer ihnen fallende
Rücksicht macht die eine zur positiven, die andere zur negativen.  So
auch die Schulden sind nicht an und für sich das Negative; sie sind
es nur in Beziehung auf den Schuldner; für den Gläubiger sind sie
sein positives Vermögen; sie sind eine Summe Geld, oder was es sey
von einem gewissen Werth, das nach außerhalb seiner fallenden
Rücksichten Schulden oder Vermögen ist.

Die Entgegengesetzten heben sich zwar in ihrer Beziehung auf, so daß
das Resultat gleich Null ist; aber es ist in ihnen auch ihre
identische Beziehung vorhanden, die gegen den Gegensatz selbst
gleichgültig ist; so machen sie Eines aus.  Wie so eben von der Summe
Geld erinnert worden, die nur Eine Summe ist, oder das a, das nur Ein
a ist im + a und--a; auch der Weg, der nur ein Stück Wegs ist, nicht
zwei Wege, deren einer nach Osten, der andere nach Westen ginge.  So
auch eine Ordinate y, die dasselbe ist, auf dieser oder jener Seite
der Axe genommen; insofern ist + y--y = y; sie ist nur die Ordinate,
es ist nur Eine Bestimmung und Gesetz derselben.

Ferner aber sind die Entgegengesetzten nicht nur Ein Gleichgültiges,
sondern auch zwei Gleichgültige.  Sie sind nämlich als
Entgegengesetzte auch in sich Reflektirte, und bestehen so als
Verschiedene.

So sind in--8 + 3 überhaupt elf Einheiten vorhanden; + y,--y, sind
Ordinaten auf der entgegengesetzten Seite der Axe, wo jede ein gegen
diese Grenze und gegen ihren Gegensatz gleichgültiges Daseyn ist; so
ist + y--y = 2 y.--Auch der nach Osten und nach Westen zurückgelegte
Weg, ist die Summe einer zweifachen Bemühung, oder die Summe von zwei
Zeitperioden.  Ebenso ist in der Staatsökonomie ein Quantum von Geld,
oder von Werth, nicht nur dieß Eine Quantum als Mittel der Subsistenz,
sondern es ist ein verdoppeltes; es ist Mittel der Subsistenz sowohl
für den Gläubiger als den Schuldner.  Das Staatsvermögen berechnet
sich nicht bloß als Summe des baaren Gelds und des sonstigen Werths
von den Immobilien und Mobilien, der im Staate vorhanden ist, noch
weniger aber als Summe, die übrig bliebe nach Abzug des passiven
Vermögens vom activen, sondern das Kapital, wenn seine active und
passive Bestimmung sich auch zur Null reducirten, bleibt erstens
positives Kapital; als + a--a = a; aber zweitens indem es auf
vielfältige Weise passives, verliehenes und wieder verliehenes ist,
ist es dadurch ein sehr vervielfältigtes Mittel.

Nicht nur aber sind die entgegengesetzten Größen, einer Seits bloß
entgegengesetzte überhaupt, anderer Seits reale oder gleichgültige.
Sondern ob zwar das Quantum selbst das gleichgültig begrenzte Seyn
ist, so kommt doch an ihm auch das an sich Positive und das an sich
Negative vor.  Das a z.B. insofern es kein Zeichen hat, gilt dafür,
daß es als positives zu nehmmen sey, wenn es zu bezeichnen ist.  Wenn
es nur überhaupt ein entgegengesetztes werden sollte, so könnte es
ebenso gut als--a genommen werden.  Aber das positive Zeichen wird
ihm unmittelbar gegeben, weil das Positive für sich die
eigenthümliche Bedeutung des Unmittelbaren, als mit sich identischen,
gegen die Entgegensetzung hat.

Ferner indem positive und negative Größen addirt oder subtrahirt
werden, gelten sie als solche, die für sich positiv und negativ seyen,
und es nicht bloß durch die Beziehung des Addirens oder Subtrahirens,
auf diese äußerliche Weise werden.  In 8--(- 3) heißt das erste
Minus entgegengesetzt gegen 8, das zweite Minus aber (- 3) gilt als
entgegengesetztes an sich, außer dieser Beziehung.

Näher tritt dieß bei der Multiplikation und Division hervor; hier ist
das Positive wesentlich als das Nichtentgegengesetzte, das Negative
hingegen als das Entgegengesetzte zu nehmen, nicht beide Bestimmungen
auf gleiche Weise nur als Entgegengesetzte überhaupt.  Indem die
Lehrbücher in den Beweisen, wie sich die Zeichen in diesen beiden
Rechnungsarten verhalten, bei dem Begriffe der entgegengesetzten
Größen überhaupt stehen bleiben, so sind diese Beweise unvollständig
und verwickeln sich in Widersprüche.--Plus und Minus erhalten aber
bei der Multiplikation und Division die bestimmtere Bedeutung von
Positivem und Negativem an sich, weil das Verhältniß der Faktoren,
Einheit und Anzahl gegen einander zu seyn, nicht ein bloßes
Verhältniß des Mehrens und Minderns ist, wie bei dem Addiren und
Subtrahiren, sondern ein qualitatives; womit auch Plus und Minus die
qualitative Bedeutung des Positiven und Negativen erhält.--Ohne diese
Bestimmung und bloß aus dem Begriffe entgegengesetzter Größen, kann
leicht die schiefe Folgerung gezogen werden, daß wenn--a.-a =--a[hoch
2] ist, umgekehrt +a.--a = +a[hoch 2] gebe.  Indem der eine Faktor
die Anzahl und der andere die Einheit, und zwar der voranstehende wie
gewöhnlich die erstere bedeutet, so unterscheiden sich die beiden
Ausdrücke--a.+a und +a.-a dadurch, daß im erstern +a die Einheit
und--a die Anzahl, und im andern es umgekehrt ist.  Es pflegt nun
beim erstern gesagt zu werden, wenn ich +a nehmen soll--a mal, so
nehme ich +a nicht bloß a mal, sondern zugleich auf die ihm
entgegengesetzte Weise, +a mahl--a; also da es Plus ist, so habe ich
es negativ zu nehmen, und das Produkt ist--a[hoch 2].--Wenn aber im
zweiten Falle--a zu nehmen ist +a mal, so soll--a gleichfalls
nicht--a mal genommen werden, sondern in der ihm entgegengesetzten
Bestimmung nämlich +a mal.  Nach dem Räsonnement des ersten Falles
folgt also, daß das Produkt +a[hoch 2] seyn müsse.--Ebenso bei der
Division.

Diese Konsequenz ist nothwendig, insofern Plus und Minus nur als
entgegengesetzte Größen überhaupt genommen werden; dem Minus wird im
ersten Falle die Kraft zugeschrieben, das Plus zu verändern; aber im
andern sollte Plus nicht dieselbe Kraft über Minus haben, ungeachtet
es so gut eine entgegengesetzte Größebestimmung ist, als dieses.  In
der That hat Plus diese Kraft nicht, denn es ist hier nach seiner
qualitativen Bestimmung gegen Minus zu nehmen, indem die Faktoren ein
qualitatives Verhältniß zu einander haben.  Insofern ist also das
Negative hier das an sich Entgegengesetzte als solches, das Positive
aber ist das Unbestimmte, Gleichgültige überhaupt; es ist wohl auch
das Negative, aber des Andern, nicht an ihm selbst.--Eine Bestimmung
als Negation kommt also allein durch das Negative herein, nicht durch
das Positive.

So ist denn auch--a.--a = +a[hoch 2], darum weil das negative a nicht
bloß auf die entgegengesetzte Weise, (so würde es zu nehmen seyn,
mit--a multiplicirt) sondern weil es negativ genommen werden soll.
Die Negation der Negation aber ist das Positive.

C.  Der Widerspruch.


1.  Der Unterschied überhaupt enthält seine beiden Seiten als Momente;
in der Verschiedenheit fallen sie gleichgültig auseinander; im
Gegensatze als solchem sind sie Seiten des Unterschiedes, eines nur
durchs andere bestimmt, somit nur Momente; aber sie sind ebenso sehr
bestimmt an ihnen selbst, gleichgültig gegen einander und sich
gegenseitig ausschließend; die selbstständigen
Reflexions-Bestimmungen.

Die eine ist das Positive, die andere das Negative, aber jene als das
an ihm selbst Positive, diese als das an ihm selbst Negative.  Die
gleichgültige Selbstständigkeit für sich hat jedes dadurch, daß es
die Beziehung auf sein anderes Moment an ihm selbst hat; so ist es
der ganze in sich geschlossene Gegensatz.--Als dieses Ganze ist jedes
vermittelt durch sein Anderes mit sich, und enthält dasselbe.  Aber
es ist ferner durch das Nichtseyn seines Andern mit sich vermittelt;
so ist es für sich seyende Einheit und schließt das Andere aus sich
aus.

Indem die selbstständige Reflexions-Bestimmung in derselben Rüksicht,
als sie die andere enthält, und dadurch selbstständig ist, die andere
ausschließt, so schließt sie in ihrer Selbstständigkeit ihre eigene
Selbstständigkeit aus sich aus; denn diese besteht darin, die ihr
andre Bestimmung in sich zu enthalten und dadurch allein nicht
Beziehung auf ein äußerliches zu seyn, aber ebenso sehr unmittelbar
darin, sie selbst zu seyn und die ihr negative Bestimmung von sich
auszuschließen.  Sie ist so der Widerspruch.

Der Unterschied überhaupt ist schon der Widerspruch an sich; denn er
ist die Einheit von solchen, die nur sind, insofern sie nicht eins
sind,--und die Trennung solcher, die nur sind als in derselben
Beziehung getrennte.  Das Positive und Negative aber sind der
gesetzte Widerspruch, weil sie als negative Einheiten, selbst das
Setzen ihrer, und darin jedes das Aufheben seiner und das Setzen
seines Gegentheils ist.--Sie machen die bestimmende Reflexion als
ausschließende aus; weil das Ausschließen Ein Unterscheiden, und
jedes der Unterschiedenen als Ausschließendes selbst das ganze
Ausschließen ist, so schließt jedes in ihm selbst sich aus.

Die beiden selbstständigen Reflexions-Bestimmungen für sich
betrachtet, so ist das Positive das Gesetztseyn als in die Gleichheit
mit sich reflektirt; das Gesetztseyn, das nicht Beziehung auf ein
Anderes ist, das Bestehen also, insofern das Gesetztseyn aufgehoben
und ausgeschlossen ist.  Damit aber macht sich das Positive zur
Beziehung eines Nichtseyns,--zu einem Gesetztseyn.--So ist es der
Widerspruch, daß es als das Setzen der Identität mit sich durch
Ausschließen des Negativen sich selbst zum Negativen von einem macht,
also zu dem Andern, das es von sich ausschließt.  Dieses ist als
Ausgeschlossenes frei von dem Ausschließenden gesetzt; hiermit als in
sich reflektirt und selbst ausschließend.  So ist die ausschließende
Reflexion Setzen des Positiven, als ausschließend das Andre, so daß
dieß Setzen unmittelbar das Setzen seines Andern, es ausschließenden,
ist.

Dieß ist der absolute Widerspruch des Positiven, aber er ist
unmittelbar der absolute Widerspruch des Negativen; das Setzen beider
ist Eine Reflexion.--Das Negative für sich betrachtet gegen das
Positive ist das Gesetztseyn als in die Ungleichheit mit sich
reflektirt, das Negative als Negatives.  Aber das Negative ist selbst
das Ungleiche, das Nichtseyn eines andern; somit ist die Reflexion in
seine Ungleichheit vielmehr seine Beziehung auf sich selbst.--Die
Negation überhaupt ist das Negative als Qualität, oder unmittelbare
Bestimmtheit; das Negative aber als Negatives, ist es bezogen auf das
Negative seiner, auf sein Anderes.  Wird dieß Negative nur als
identisch mit dem ersten genommen, so ist es, wie auch das erstere,
nur unmittelbar; sie werden so nicht genommen als Andere
gegeneinander, somit nicht als Negative; das Negative ist überhaupt
nicht ein Unmittelbares.--Indem nun ferner aber ebenso sehr jedes
dasselbe ist, was das Andere, so ist diese Beziehung der Ungleichen
ebenso sehr ihre identische Beziehung.

Dieß ist also derselbe Widerspruch, der das Positive ist, nämlich
Gesetztseyn oder Negation, als Beziehung auf sich.  Aber das Positive
ist nur an sich dieser Widerspruch; das Negative dagegen der gesetzte
Widerspruch; denn in seiner Reflexion in sich, an und für sich
Negatives oder als Negatives identisch mit sich zu seyn, hat es die
Bestimmung, daß es Nichtidentisches, Ausschließen der Identität sey.
Es ist dieß, gegen die Identität identisch mit sich zu seyn, hiermit
durch seine ausschließende Reflexion sich selbst von sich
auszuschließen.

Das Negative ist also die ganze, als Entgegensetzung auf sich
beruhende Entgegensetzung, der absolute sich nicht auf Anderes
beziehende Unterschied; er schließt als Entgegensetzung die Identität
von sich aus; aber somit sich selbst, denn als Beziehung auf sich
bestimmt er sich als die Identität selbst, die er ausschließt.

2.  Der Widerspruch löst sich auf.

In der sich selbst ausschließenden Reflexion, die betrachtet wurde,
hebt das Positive und das Negative jedes in seiner Selbstständigkeit
sich selbst auf; jedes ist schlechthin das Übergehen oder vielmehr
das sich Übersetzen seiner in sein Gegentheil.  Dieß rastlose
Verschwinden der Entgegengesetzten in ihnen selbst ist die nächste
Einheit, welche durch den Widerspruch zu Stande kommt; sie ist die
Null.

Der Widerspruch enthält aber nicht bloß das Negative sondern auch das
Positive; oder die sich selbst ausschließende Reflexion ist zugleich
setzende Reflexion; das Resultat des Widerspruchs ist nicht nur Null.
--Das Positive und Negative machen das Gesetztseyn der
Selbstständigkeit aus; die Negation ihrer durch sie selbst hebt das
Gesetztseyn der Selbstständigkeit auf.  Dieß ist es, was in Wahrheit
im Widerspruche zu Grund geht.

Die Reflexion in sich, wodurch die Seiten des Gegensatzes sich zu
selbstständigen Beziehungen auf sich machen, ist zunächst ihre
Selbstständigkeit als unterschiedener Momente; sie sind so nur an
sich diese Selbstständigkeit, denn sie sind noch entgegengesetzte,
und daß sie es an sich sind, macht ihr Gesetztseyn aus.  Aber ihre
ausschließende Reflexion hebt dieß Gesetztseyn auf, macht sie zu
fürsichseyenden Selbstständigen, zu solchen, die nicht nur an sich,
sondern durch ihre negative Beziehung auf ihr Anderes selbstständig
sind; ihre Selbstständigkeit ist auf diese Weise auch gesetzt.  Aber
ferner machen sie sich durch dieß ihr Setzen zu einem Gesetztseyn.
Sie richten sich zu Grunde, indem sie sich bestimmen als das mit sich
Identische, aber darin vielmehr als das Negative, als ein mit sich
Identisches, das Beziehung auf Anderes ist.

Allein diese ausschließende Reflexion ist näher betrachtet, nicht nur
diese formelle Bestimmung.  Sie ist ansichseyende Selbstständigkeit,
und ist das Aufheben dieses Gesetztseyns und durch dieß Aufheben erst
fürsichseyende und in der That selbstständige Einheit.  Durch das
Aufheben des Andersseyns oder Gesetztseyns ist zwar wieder das
Gesetztseyn, das Negative eines Andern, vorhanden.  Aber in der That
ist diese Negation nicht wieder nur erste unmittelbare Beziehung auf
Anderes, nicht Gesetztseyn als aufgehobene Unmittelbarkeit, sondern
als aufgehobenes Gesetztseyn.  Die ausschließende Reflexion der
Selbstständigkeit, indem sie ausschließend ist, macht sich zum
Gesetztseyn, aber ist ebenso sehr Aufheben ihres Gesetztseyns.  Sie
ist aufhebende Beziehung auf sich; sie hebt darin erstens das
Negative auf und zweitens setzt sie sich als Negatives, und dieß ist
erst dasjenige Negative, das sie aufhebt; im Aufheben des Negativen
setzt und hebt sie zugleich es auf.  Die ausschließende Bestimmung
selbst ist auf diese Weise sich das Andre, dessen Negation sie ist;
das Aufheben dieses Gesetztseyns ist daher nicht wieder Gesetztseyn
als das Negative eines Andern, sondern ist das Zusammengehen mit sich
selbst, das positive Einheit mit sich ist.  Die Selbstständigkeit ist
so durch ihre eigene Negation in sich zurückkehrende Einheit, indem
sie durch die Negation ihres Gesetztseyns in sich zurückkehrt.  Sie
ist die Einheit des Wesens, durch die Negation nicht eines Andern,
sondern ihrer selbst identisch mit sich zu seyn.


3.  Nach dieser positiven Seite, daß die Selbstständigkeit im
Gegensatze, als ausschließende Reflexion sich zum Gesetztseyn macht,
und es ebenso sehr aufhebt, Gesetztseyn zu seyn, ist der Gegensatz
nicht nur zu Grunde, sondern in seinen Grund zurückgegangen.--Die
ausschließende Reflexion des selbstständigen Gegensatzes macht ihn zu
einem Negativen, nur Gesetzten; sie setzt dadurch ihre zunächst
selbstständigen Bestimmungen, das Positive und Negative, zu solchen
herab, welche nur Bestimmungen sind; und indem so das Gesetztseyn zum
Gesetztseyn gemacht wird, ist es überhaupt in seine Einheit mit sich
zurückgekehrt; es ist das einfache Wesen, aber das Wesen als Grund.
Durch das Aufheben der sich an sich selbst widersprechenden
Bestimmungen des Wesens, ist dieses wiederhergestellt, jedoch mit der
Bestimmung, ausschließende Reflexionseinheit zu seyn,--einfache
Einheit, welche sich selbst als Negatives bestimmt, aber in diesem
Gesetztseyn unmittelbar sich selbst gleich und mit sich
zusammen-gegangen ist.

Zunächst geht also der selbstständige Gegensatz durch seinen
Widerspruch in den Grund zurück; jener ist das Erste, Unmittelbare,
von dem angefangen wird, und der aufgehobene Gegensatz oder das
aufgehobene Gesetztseyn ist selbst ein Gesetztseyn.  Somit ist das
Wesen als Grund ein Gesetztseyn, ein Gewordenes.  Aber umgekehrt hat
sich nur dieß gesetzt, daß der Gegensatz oder das Gesetztseyn ein
Aufgehobenes, nur als Gesetztseyn ist.  Das Wesen ist also als Grund
so ausschließende Reflexion, daß es sich selbst zum Gesetztseyn macht,
daß der Gegensatz, von dem vorhin der Anfang gemacht wurde und der
das Unmittelbare war, die nur gesetzte, bestimmte Selbstständigkeit
des Wesens ist, und daß er nur das sich an ihm selbst Aufhebende, das
Wesen aber das in seiner Bestimmtheit in sich Reflektirte ist.  Das
Wesen schließt als Grund sich von sich selbst aus, es setzt sich;
sein Gesetztseyn,--welches das Ausgeschlossene ist,--ist nur als
Gesetztseyn, als Identität des Negativen mit sich selbst.  Dieß
Selbstständige ist das Negative, gesetzt als Negatives; ein sich
selbst Widersprechendes, das daher unmittelbar im Wesen als seinem
Grunde bleibt.

Der aufgelöste Widerspruch ist also der Grund, das Wesen als Einheit
des Positiven und Negativen.  Im Gegensatze ist die Bestimmung zur
Selbstständigkeit gediehen; der Grund aber ist diese vollendete
Selbstständigkeit; das Negative ist in ihm selbstständiges Wesen,
aber als Negatives; so ist er ebenso sehr das Positive als das in
dieser Negativität mit sich Identische.  Der Gegensatz und sein
Widerspruch ist daher im Grunde so sehr aufgehoben, als erhalten.
Der Grund ist das Wesen als die positive Identität mit sich; aber die
sich zugleich als die Negativität auf sich bezieht, sich also
bestimmt und zum ausgeschlossenen Gesetztseyn macht; dieß Gesetztseyn
aber ist das ganze selbstständige Wesen, und das Wesen ist Grund, als
in dieser seiner Negation identisch mit sich selbst und positiv.  Der
sich widersprechende selbstständige Gegensatz war also bereits selbst
der Grund; es kam nur die Bestimmung der Einheit mit sich selbst
hinzu, welche dadurch hervortritt, daß die selbstständigen
Entgegengesetzten jedes sich selbst aufhebt, und sich zu dem andern
seiner macht, somit zu Grunde geht, aber darin zugleich nur mit sich
selbst zusammengeht, also in seinem Untergange, das ist, in seinem
Gesetztseyn oder in der Negation vielmehr erst das in sich
reflektirte, mit sich identische Wesen ist.

Anmerkung 1.

Das Positive und Negative ist dasselbe.  Dieser Ausdruck gehört der
äußern Reflexion an, insofern sie mit diesen beiden Bestimmungen eine
Vergleichung anstellt.  Es ist aber nicht eine äußere Vergleichung,
welche zwischen denselben, ebenso wenig als zwischen andern
Kategorien anzustellen ist, sondern sie sind an ihnen selbst zu
betrachten, d. h. es ist zu betrachten, was ihre eigene Reflexion ist.
An dieser aber hat es sich gezeigt, daß jedes wesentlich das
Scheinen seiner im Andern und selbst das Setzen seiner als des Andern
ist.

Das Vorstellen, insofern es das Positive und Negative nicht
betrachtet, wie sie an und für sich sind, kann aber allerdings an das
Vergleichen verwiesen werden, um das Haltlose dieser Unterschiedenen,
die von ihm als fest einander gegenüber angenommen sind, aufmerksam
zu werden.  Eine geringe Erfahrung in dem reflektirenden Denken wird
es schon wahrnehmen, daß wenn etwas als positiv bestimmt worden,
indem man nun von dieser Grundlage weiter geht, sich dasselbe
unmittelbar unter der Hand in Negatives verkehrt hat, und umgekehrt
das negative Bestimmte in Positives, daß das reflektirende Denken
sich in diesen Bestimmungen verwirrt und sich widersprechend wird.
Die Unbekanntschaft mit der Natur derselben ist der Meinung, diese
Verwirrung sey etwas Unrechtes, das nicht geschehen soll und schreibt
sie einem subjektiven Fehler zu.  Dieses Übergehen bleibt in der That
auch bloße Verwirrung, insofern das Bewußtseyn über die
Nothwendigkeit der Verwandelung nicht vorhan den ist.--Es ist aber,
auch für die äußere Reflexion, eine einfache Betrachtung, daß fürs
erste das Positive nicht ein unmittelbar Identisches ist, sondern
Theils ein Entgegengesetztes gegen das Negative, und daß es nur in
dieser Beziehung Bedeutung hat, also das Negative selbst in seinem
Begriffe liegt, Theils aber, daß es an ihm selbst die sich auf sich
beziehende Negation des bloßen Gesetztseyns oder des Negativen also
selbst die absolute Negation in sich ist.--Ebenso das Negative, das
dem Positiven gegenüber steht, hat nur Sinn in dieser Beziehung auf
dieß sein Anderes; es enthält also dasselbe in seinem Begriffe.  Das
Negative hat aber auch ohne Beziehung auf das Positive ein eigenes
Bestehen; es ist mit sich identisch; so ist es aber selbst das, was
das Positive seyn sollte.

Vornemlich wird der Gegensatz vom Positiven und Negativen in dem
Sinne genommen, daß jenes (ob es gleich seinem Namen nach das
Ponirtseyn, Gesetztseyn ausdrückt) ein Objectives seyn soll, dieses
aber ein Subjektives, welches nur einer äußern Reflexion angehöre,
das an und für sich seyende Objective nichts angehe, und ganz und gar
nicht für dasselbe vorhanden sey.  In der That, wenn das Negative
nichts anders als die Abstraktion einer subjektiven Willkür oder eine
Bestimmung einer äußerlichen Vergleichung ausdrückt, so ist es
freilich für das objektive Positive nicht vorhanden, d. h. dieses ist
nicht an ihm selbst auf eine solche leere Abstraktion bezogen; aber
dann ist ihm die Bestimmung, daß es ein Positives sey, gleichfalls
nur äußerlich.--So gilt, um ein Beispiel von dem fixen Gegensatze
dieser Reflexions-Bestimmungen anzuführen, das Licht überhaupt für
das nur Positive, die Finsterniß aber für das nur Negative.  Aber das
Licht hat in seiner unendlichen Expansion und der Kraft seiner
aufschließenden und belebenden Wirksamkeit wesentlich die Natur
absoluter Negativität.  Die Finsterniß dagegen, als Unmannigfaltiges
oder der sich nicht selbst in sich unterscheidende Schooß der
Erzeugung, ist das einfache mit sich Identische, das Positive.  Sie
wird als das nur Negative in dem Sinne genommen, daß sie als bloße
Abwesenheit des Lichts für dasselbe ganz und gar nicht vorhanden seye,
--so daß dieses, indem es sich auf sie bezieht, sich nicht auf ein
Anderes, sondern rein auf sich selbst beziehen, also diese nur vor
ihm verschwinden soll.  Aber bekanntlich wird das Licht durch die
Finsterniß zum Grau getrübt; und außer dieser bloß quantitativen
Veränderung erleidet es auch die qualitative, durch die Beziehung
darauf zur Farbe bestimmt zu werden.--So ist z.B. auch die Tugend
nicht ohne Kampf; sie ist vielmehr der höchste, vollendete Kampf; so
ist sie nicht nur das Positive, sondern absolute Negativität; sie ist
auch nicht nur in Vergleichung mit dem Laster Tugend, sondern ist an
ihr selbst Entgegensetzung und Bekämpfung.  Oder das Laster ist nicht
nur der Mangel der Tugend,--auch die Unschuld ist dieser Mangel,--und
nicht nur für eine äußere Reflexion von der Tugend unterschieden,
sondern an sich selbst ihr entgegengesetzt, es ist böse.  Das Böse
besteht in dem Beruhen auf sich, gegen das Gute; es ist die positive
Negativität.  Die Unschuld aber, als Mangel sowohl des Guten als des
Bösen, ist gleichgültig gegen beide Bestimmungen, weder positiv noch
negativ.  Aber zugleich ist dieser Mangel auch als Bestimmtheit zu
nehmen, und einer Seits ist sie als die positive Natur von Etwas zu
betrachten, als sie sich anderer Seits auf ein Entgegengesetztes
bezieht, und alle Naturen aus ihrer Unschuld, aus ihrer
gleichgültigen Identität mit sich, heraustreten, sich durch sich
selbst auf ihr Anderes beziehen und dadurch zu Grunde richten, oder,
im positiven Sinne, in ihren Grund zurückgehen.--Auch die Wahrheit
ist das Positive als das mit dem Objecte übereinstimmende Wissen,
aber sie ist nur diese Gleichheit mit sich, insofern das Wissen sich
negativ gegen das Andere verhalten, das Object durchdrungen und die
Negation, die es ist, aufgehoben hat.  Der Irrthum ist ein Positives,
als eine Meinung des nicht an und für sich seyenden, die sich weiß
und behauptet.  Die Unwissenheit aber ist entweder das gegen Wahrheit
und Irrthum Gleichgültige, somit weder als positiv noch als negativ
bestimmt und die Bestimmung derselben als ein Mangel gehört der
äußeren Reflexion an, oder aber als objektiv, als eigene Bestimmung
einer Natur, ist sie der Trieb, der gegen sich gerichtet ist; ein
Negatives, das eine positive Richtung in sich enthält.--Es ist eine
der wichtigsten Erkenntnisse, diese Natur der betrachteten
Reflexions-Bestimmungen, daß ihre Wahrheit nur in ihrer Beziehung auf
einander, und damit darin besteht, daß jede in ihrem Begriffe selbst
die andere enthält, einzusehen und festzuhalten; ohne diese
Erkenntniß läßt sich eigentlich kein Schritt in der Philosophie thun.

Anmerkung 2.

Die Bestimmung der Entgegensetzung ist gleichfalls zu einem Satze
gemacht worden, dem sogenannten Satze des ausgeschlossenen Dritten.

Etwas ist entweder A oder Nicht-A; es giebt kein Drittes.


Dieser Satz enthält zuerst, daß Alles ein Entgegengesetztes ist, ein
entweder als positiv oder als negativ Bestimmtes.--Ein wichtiger Satz,
der darin seine Nothwendigkeit hat, daß die Identität in
Verschiedenheit und diese in Entgegensetzung übergeht.  Allein er
pflegt nicht in diesem Sinne verstanden zu werden, sondern soll
gewöhnlich so viel heißen, daß einem Dinge von allen Prädikaten
entweder dieses Prädikat selbst oder sein Nichtseyn zukomme.  Das
Entgegengesetzte bedeutet hier bloß den Mangel oder vielmehr die
Unbestimmtheit; und der Satz ist so unbedeutend, daß es nicht der
Mühe werth ist, ihn zu sagen.  Wenn die Bestimmungen süß, grün,
viereckig genommen,--und es sollen alle Prädikate genommen
werden--und nun vom Geiste gesagt wird, er sey entweder süß oder
nicht süß, grün oder nicht grün, u.s.f. so ist dieß eine Trivialität,
die zu nichts führt.  Die Bestimmtheit, das Prädikat, wird auf Etwas
bezogen; das Etwas ist bestimmt, sagt der Satz aus; nun soll er
wesentlich dieß enthalten, daß die Bestimmtheit sich näher bestimme,
zur Bestimmtheit an sich, zur Entgegensetzung werde.  Statt dessen
geht er aber in jenem trivialen Sinne von der Bestimmtheit nur über
zu ihrem Nichtseyn überhaupt, zurück zur Unbestimmtheit.

Der Satz des ausgeschlossenen Dritten unterscheidet sich ferner vom
oben betrachteten Satze der Identität oder des Widerspruchs, der so
hieß: es giebt nicht etwas, das zugleich A und Nicht-A ist.  Er
enthält, daß es nicht Etwas gebe, welches weder A noch Nicht-A, daß
es nicht ein Drittes gebe, das gegen den Gegensatz gleichgültig sey.
In der That aber giebt es in diesem Satze selbst das Dritte, das
gleichgültig gegen den Gegensatz ist, nämlich A selbst ist darin
vorhanden.  Dieß A ist weder +A noch--A, und ebenso wohl auch +A
als--A.--Das Etwas, das entweder +A oder Nicht-A seyn sollte, ist
hiermit auf +A sowohl als Nicht-A bezogen; und wieder, indem es auf A
bezogen ist, solle es nicht auf Nicht-A bezogen seyn, so wie nicht
auf A, indem es auf Nicht-A bezogen ist.  Das Etwas selbst ist also
das Dritte, welches ausgeschlossen seyn sollte.  Indem die
entgegengesetzten Bestimmungen, im Etwas ebenso sehr gesetzt als in
diesem Setzen aufgehobene sind, so ist das Dritte, das hier die
Gestalt eines todten Etwas hat, tiefer genommen, die Einheit der
Reflexion, in welche, als in den Grund die Entgegensetzung zurückgeht.

Anmerkung 3.

Wenn nun die ersten Reflexions-Bestimmungen, die Identität, die
Verschiedenheit und die Entgegensetzung, in einem Satze aufgestellt
worden, so sollte noch vielmehr diejenige, in welche sie als in ihre
Wahrheit übergehen, nämlich der Widerspruch, in einen Satz gefaßt und
gesagt werden: Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend, und
zwar in dem Sinne, daß dieser Satz gegen die übrigen vielmehr die
Wahrheit und das Wesen der Dinge ausdrücke.--Der Widerspruch, der an
der Entgegensetzung hervortritt, ist nur das entwickelte Nichts, das
in der Identität enthalten ist, und in dem Ausdrucke vorkam, daß der
Satz der Identität Nichts sage.  Diese Negation bestimmt sich weiter
zur Verschiedenheit und zur Entgegensetzung, welche nun der gesetzte
Widerspruch ist.

Es ist aber eines der Grundvorurtheile der bisherigen Logik und des
gewöhnlichen Vorstellens, als ob der Widerspruch nicht eine so
wesenhafte und immanente Bestimmung sey, als die Identität; ja wenn
von Rangordnung die Rede, und beide Bestimmungen als getrennte
festzuhalten wären, so wäre der Widerspruch für das Tiefere und
Wesenhaftere zu nehmen.  Denn die Identität ihm gegenüber ist nur die
Bestimmung des einfachen Unmittelbaren, des todten Seyns; er aber ist
die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit; nur insofern etwas in
sich selbst einen Widerspruch hat, bewegt es sich, hat Trieb und
Thätigkeit.

Der Widerspruch wird gewöhnlich fürs erste von den Dingen, von dem
Seyenden und Wahren überhaupt, entfernt; es wird behauptet, daß es
nichts Widersprechendes gebe.  Er wird fürs andre dagegen in die
subjektive Reflexion geschoben, die durch ihre Beziehung und
Vergleichung ihn erst setze.  Aber auch in dieser Reflexion sey er
nicht eigentlich vorhanden, denn das Widersprechende könne nicht
vorgestellt noch gedacht werden.  Er gilt überhaupt, sey es am
Wirklichen oder in der denkenden Reflexion, für eine Zufälligkeit,
gleichsam für eine Abnormität und vorübergehenden
Krankheitsparoxysmus.

Was nun die Behauptung betrifft, daß es den Widerspruch nicht gebe,
daß er nicht ein Vorhandenes sey, so brauchen wir uns um eine solche
Versicherung nicht zu bekümmern; eine absolute Bestimmung des Wesens
muß sich in aller Erfahrung finden, in allem Wirklichen wie in jedem
Begriffe.  Oben beim Unendlichen, das der Widerspruch ist, wie er in
der Sphäre des Seyns sich zeigt, ist das Gleiche bereits erinnert
worden.  Die gemeine Erfahrung aber spricht es selbst aus, daß es
wenigstens eine Menge widersprechender Dinge, widersprechender
Einrichtungen u.s.f. gebe, deren Widerspruch nicht bloß in einer
äußerlichen Reflexion, sondern in ihnen selbst vorhanden ist.  Er ist
aber ferner nicht bloß als eine Abnormität zu nehmen, die nur hier
und da vorkäme, sondern ist das Negative in seiner wesenhaften
Bestimmung, das Princip aller Selbstbewegung, die in nichts weiter
besteht, als in einer Darstellung desselben.  Die äußerliche
sinnliche Bewegung selbst ist sein unmittelbares Daseyn.  Es bewegt
sich etwas nur, nicht indem es in diesem Jetzt hier ist, und in einem
andern Jetzt dort, sondern indem es in einem und demselben Jetzt hier
und nicht hier, indem es in diesem Hier zugleich ist und nicht ist.
Man muß den alten Dialektikern die Widersprüche zugeben, die sie in
der Bewegung aufzeigen, aber daraus folgt nicht, daß darum die
Bewegung nicht ist, sondern vielmehr daß die Bewegung der daseyende
Widerspruch selbst ist.

Ebenso ist die innere, die eigentliche Selbstbewegung, der Trieb
überhaupt, (Appetit oder Nisus der Monade, die Entelechie des absolut
einfachen Wesens) nichts anderes, als daß Etwas in sich selbst, und
der Mangel, das Negative seiner selbst, in einer und derselben
Rücksicht ist.  Die abstrakte Identität mit sich ist noch keine
Lebendigkeit, sondern daß das Positive an sich selbst die Negativität
ist, dadurch geht es außer sich und setzt sich in Veränderung.  Etwas
ist also lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthält,
und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und
auszuhalten.  Wenn aber ein Existirendes nicht in seiner positiven
Bestimmung zugleich über seine negative überzugreiffen und eine in
der andern festzuhalten, den Widerspruch nicht in ihm selbst zu haben
vermag, so ist es nicht die lebendige Einheit selbst, nicht Grund,
sondern geht in dem Widerspruche zu Grunde.--Das spekulative Denken
besteht nur darin, daß das Denken den Widerspruch und in ihm sich
selbst festhält, nicht aber daß es sich, wie es dem Vorstellen geht,
von ihm beherrschen und durch ihn sich seine Bestimmungen nur in
andere oder in Nichts auflösen läßt.

Wenn in der Bewegung, dem Triebe und dergleichen der Widerspruch in
die Einfachheit dieser Bestimmungen für das Vorstellen verhüllt ist,
so stellt sich hingegen in den Verhältnißbestimmungen der Widerspruch
unmittelbar dar.  Die trivialsten Beispiele, von Oben und Unten,
Rechts und Links, Vater und Sohn und so fort ins Unendliche,
enthalten alle den Gegensatz in Einem.  Oben ist, was nicht Unten ist;
Oben ist bestimmt nur dieß, nicht Unten zu seyn, und ist nur,
insofern ein Unten ist; und umgekehrt; in der einen Bestimmung liegt
ihr Gegentheil.  Vater ist das Andre des Sohnes, und Sohn das Andre
des Vaters und jedes ist nur als dieß Andre des andern; und zugleich
ist die eine Bestimmung nur in Beziehung auf die andere; ihr Seyn ist
Ein Bestehen.  Der Vater ist außer der Beziehung auf Sohn auch etwas
für sich; aber so ist er nicht Vater, sondern ein Mann überhaupt; wie
Oben und Unten, Rechts und Links auch in sich reflektirte, außer der
Beziehung etwas sind; aber nur Orte überhaupt.--Die Entgegengesetzten
enthalten insofern den Widerspruch, als sie in derselben Rücksicht
sich negativ auf einander beziehende oder sich gegenseitig aufhebende
und gegen einander gleichgültige sind.  Die Vorstellung, indem sie
zum Momente der Gleichgültigkeit der Bestimmungen übergeht, vergißt
darin ihre negative Einheit und behält sie somit nur als Verschiedene
überhaupt, in welcher Bestimmung Rechts nicht mehr Rechts, Links
nicht mehr Links u.s.f. ist.  Indem sie aber Rechts und Links in der
That vor sich hat, so hat sie diese Bestimmungen vor sich als sich
negirend, die eine in der andern, und in dieser Einheit zugleich sich
nicht negirend, sondern jede gleichgültig für sich seyend.

Das Vorstellen hat daher wohl allenthalben den Widerspruch zu seinem
Inhalte, kommt aber nicht zum Bewußtseyn desselben; es bleibt
äußerliche Reflexion, die von der Gleichheit zur Ungleichheit, oder
von der negativen Beziehung zum Reflektirtseyn der Unterschiedenen in
sich, übergeht.  Sie hält diese beiden Bestimmungen einander
äußerlich gegenüber und hat nur sie, nicht aber das Übergehen,
welches das Wesentliche ist, und den Widerspruch enthält, im Sinne.
--Die geistreiche Reflexion, um diese hier zu erwähnen, besteht
dagegen im Auffassen und Aussprechen des Widerspruchs.  Ob sie zwar
den Begriff der Dinge und ihrer Verhältnisse nicht ausdrückt und nur
Vorstellungsbestimmungen zu ihrem Material und Inhalt hat, so bringt
sie dieselben in eine Beziehung, die ihren Widerspruch enthält und
durch diesen hindurch ihren Begriff scheinen läßt.--Die denkende
Vernunft aber spitzt, so zu sagen, den abgestumpften Unterschied des
Verschiedenen