Home
  By Author [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Title [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Language
all Classics books content using ISYS

Download this book: [ ASCII ]

Look for this book on Amazon


We have new books nearly every day.
If you would like a news letter once a week or once a month
fill out this form and we will give you a summary of the books for that week or month by email.

Title: Geflügelte Worte - Der Citatenschatz des deutschen Volkes
Author: Büchmann, Georg, Robert-tornow, Walter
Language: German
As this book started as an ASCII text book there are no pictures available.
Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Geflügelte Worte - Der Citatenschatz des deutschen Volkes" ***

This book is indexed by ISYS Web Indexing system to allow the reader find any word or number within the document.



[Transcriber's Note/Transkriptionsnotizen: Die Erstausgabe
der "Geflügelten Worte" war bereits 1864 erschienen; die vorige
(18.) Auflage von 1895 schloss mit dem Kapitel "Citate aus Sagen
und Volksmärchen" und hatte "Hannemann! geh' du voran! Du hast die
grössten Stiefeln an, (Dass dich das Tier nicht beissen kann)" als
letzten Eintrag. Ausführliche Transkriptionsnotizen zu möglicherweise
unklaren Textstellen der vorliegenden "vermehrten und verbesserten"
19. Auflage von 1898 haben wir am Ende dieses Textes zusammengestellt.

Schreibweisen des Originals haben wir so weit wie möglich beibehalten;
allerdings sind häufige Abkürzungen zur besseren Lesbarkeit hier ohne
Leerzeichen belassen (d.h.; z.B.; u.s.w.; u.A.). Wir haben *fett*
gesetzten Text mit *Sternsymbolen* dargestellt; dabei wurde das
Genitiv-s -- wie im Original -- nicht mit einbezogen: "*Schiller*s";
~gesperrt~ gesetzten Text haben wir mit ~Tilden~ umgeben und _kursiv_
gesetzten Text mit _Unterstrichen_; außerdem findet sich #extra fett#
gesetzter Text zwischen #Nummernzeichen#.]



Geflügelte Worte


Der Citatenschatz des deutschen Volkes

gesammelt und erläutert

von

Georg Büchmann.


Fortgesetzt von Walter Robert-tornow.


Neunzehnte vermehrte und verbesserte Auflage.


Berlin

Haude & Spener'sche Buchhandlung (F. Weidling)


1898.



[Illustration: Georg Büchmann Portrait]

[Illustration: Georg Büchmann Signatur]



DES

DEUTSCHEN KAISERS UND KÖNIGS

VON PREUSSEN

WILHELMS II.

MAJESTÄT

IN TIEFSTER EHRFURCHT

ZUGEEIGNET.



Vorwort

zur neunzehnten Auflage.


Auf Wunsch des verewigten ~Walter Robert-tornow~ habe ich die
Herausgabe dieser ersten seinem Ableben folgenden Auflage der
"Geflügelten Worte" übernommen. Der verdienstvolle Nachfolger des
unvergesslichen ~Georg Büchmann~ sollte das Erscheinen der achtzehnten
Auflage des Buches und mit ihr die Drucklegung des hunderttausendsten
Exemplares nur um wenige Monate überleben. Alles in der Zwischenzeit
von ihm gesammelte und ihm zugegangene Material wurde, soweit es sich
als brauchbar erwies, in dieser neuen Auflage verarbeitet. Dasselbe
gilt von den zahlreichen späteren Funden und Einsendungen. Es darf
getrost behauptet werden, dass auch die vorliegende neunzehnte Auflage
des "Büchmann" eine "vermehrte und verbesserte" genannt zu werden
verdient, und dass das Buch abermals um einen Schritt derjenigen
Vollkommenheit näher gebracht wurde, die für ein solches Werk
überhaupt erreichbar ist, und die zu erreichen seit mehr als dreissig
Jahren das Bestreben seiner Herausgeber war. Die Freunde des Buches
werden sehen, dass eine stattliche Anzahl neuer "geflügelter Worte"
hinzugetreten ist, und dass auch sonst zahlreiche Verbesserungen und
Berichtigungen älterer Angaben zu verzeichnen sind. Das "Gedenkblatt"
wurde durch einen Lebensabriss ~Robert-tornows~, verfasst von Dr. Georg
Thouret, erweitert und die "Einleitung" einer gründlichen Umarbeitung
unterzogen.

Allen, die durch freundliche Ratschläge und Einsendungen oder
Quellennachweise zur Vervollkommnung des Buches beigetragen haben, sei
hier herzlichster Dank gesagt! Soweit die Beiträge keine Verwendung
gefunden haben, unterliegen sie noch der Prüfung und gelangen,
soweit sie brauchbar sind, später zur Benutzung. Ich bitte um gütige
freiwillige Mitarbeit auch für die Zukunft. Einsendungen werden durch
Vermittlung der Verlagshandlung erbeten.

Möge von der vorliegenden Auflage gesagt werden können, dass sie
pietätvoll im Sinne ~Büchmanns~ und ~Robert-tornows~ das Werk
fortzuführen und weiterzubilden bestrebt war. Einen weiteren Anspruch
erhebt sie nicht.

  Berlin.

    Konrad Weidling.

  Dezember 1897.



Inhalt.

                                                             _Seite_


      Gedenkblatt

          Georg Büchmann                                          XI
          Walter Robert-tornow                                   XVI

      Einleitung                                                XXII

      Geflügelte Worte

         I. Aus der Bibel                                          1
        II. Aus Sagen und Volksmärchen                            94
       III. Aus deutschen Schriftstellern                        118
        IV. Aus dänischen Schriftstellern                        268
         V. Aus französischen Schriftstellern                    269
        VI. Aus englischen Schriftstellern                       290
       VII. Aus italienischen Schriftstellern                    312
      VIII. Aus spanischen Schriftstellern                       315
        IX. Aus russischen Schriftstellern                       318
         X. Aus griechischen Schriftstellern                     320
        XI. Aus lateinischen Schriftstellern                     365
       XII. Aus der Geschichte
                Hellas                                           442
                Rom                                              454
                Italien                                          462
                Spanien                                          469
                Polen                                            470
                Frankreich                                       471
                Amerika                                          500
                Holland                                          500
                England                                          502
                Deutschland und Österreich                       506

      Namen-Verzeichnis der Urheber "Geflügelter Worte"          564

      Register

          Deutsche Sprache                                       571
          Französische Sprache                                   729
          Englische Sprache                                      734
          Italienische Sprache                                   737
          Spanische Sprache                                      738
          Griechische Sprache                                    739
          Lateinische Sprache                                    744



Gedenkblatt.[1]


*Georg Büchmann* wurde geboren zu Berlin am 4. Januar des Jahres 1822.
Er besuchte daselbst das Joachimsthalsche Gymnasium bis zum Jahre 1841,
besonders gefördert durch die trefflichen Pädagogen August ~Meineke~
und Ludwig ~Wiese~, und er studierte, ebenfalls in Berlin, anfänglich
Theologie, bald aber, angezogen durch ~Boeckh~ und ~Panofka~,
klassische Philologie und Archäologie bis zum Jahre 1844.

[Fußnote 1: Das Gedenkblatt für Georg Büchmann schrieb ~Walter
Robert-tornow~; den Lebensabriss Robert-tornows verfasste Dr. ~Georg
Thouret~.]

Durch die damals noch herrschende Hegelsche Philosophie gewann er
früh eine glänzende Dialektik. Die Jugendgenossen wissen von seiner
Redegewandtheit und von seinem schlagenden Witz zu berichten; doch
trieb er keinen Missbrauch mit diesen Gaben, denn sein bester Freund
aus jenen und späteren Tagen schreibt über ihn: "Mit der Freude an
seinem Schaffen vereinte er die anspruchsloseste Bescheidenheit. Streng
gegen sich selbst, war er liebevoll gegen Andere, anerkennend und voll
Wohlwollen. Nur der Lüge und hohlen Phrase, oder der Unduldsamkeit
gegenüber konnte er schroff werden."

Nach Absolvierung der Universität nahm ~Büchmann~ in der Nähe von
Warschau eine Hauslehrerstelle an, erlernte dort die polnische Sprache
und erwarb sich im Oktober 1845 in Erlangen den philosophischen
Doktorgrad auf Grund seiner Dissertation "~Über die charakteristischen
Differenzen zwischen den germanischen und slawischen Sprachstämmen~".
Demnächst ging er nach Paris, befestigte seine Kenntnisse in der
französischen Sprache und gab Unterricht an einem dortigen Institut.

Im Jahre 1848 in seine Vaterstadt zurückgekehrt, machte ~Büchmann~
das Lehrerexamen, erledigte das Probejahr am "Collège" und wurde,
nachdem er drei Jahre lang an der Saldernschen Realschule zu
Brandenburg a. d. Havel unterrichtet hatte, im April 1854 Oberlehrer
an der Friedrich-Werderschen Gewerbeschule in Berlin. Hier gehörte
er dreiundzwanzig und ein halbes Jahr hindurch zu den geachtetsten
Lehrkräften und zählte in der von Professor ~Herrig~ gegründeten
"Gesellschaft für neuere Sprachen" zu den Leitsternen.

Hervorragend war Georg ~Büchmanns~ Leichtigkeit in der Aneignung
lebender Sprachen. Das Griechische, Hebräische und Lateinische trieb
er lediglich in den Jugendjahren (nur dass er letzteres noch in
seinen romanischen Abzweigungen, besonders im Provençalischen, eifrig
verfolgte), wählte dann das Französische und Englische zu seinem
Spezialstudium und Lehrgegenstand und machte sich daneben vertraut mit
dem Spanischen, Italienischen, Polnischen, Dänischen und Schwedischen.
Die Ergebnisse seiner Forschungen legte er gelegentlich nieder in
Schulprogrammen und Zeitschriften. So findet sich in den Programmen der
Saldernschen Realschule ausser seiner obenerwähnten Doktordissertation
eine Abhandlung "~Über Wort- und Satzfügung im Neuschwedischen~", in
dem Jahresbericht für 1858 der Berliner Gewerbeschule ein feinsinniger
Essay über ~Longfellow~ und im Herrigschen "Archiv" eine vielbelobte
Arbeit "~Beiträge zur englischen Lexikographie~". Ferner hatte er den
wesentlichsten Anteil an der Neubearbeitung zur sechzigsten Auflage
des ~französischen Wörterbuches von Thibaut~, die er mit ~Wüllenweber~
herausgab.

Auf weitere Kreise suchte Georg ~Büchmann~ zu wirken, als er mit
seinem Schulfreunde Ludwig ~Pomtow~ eine Reihe anmutiger "~Märchen~"
herausgab, deren einige noch heute in Sammlungen fortleben. Auch
hielt er am 22. Januar 1862 im Saale des Berliner Schauspielhauses
einen zündenden Vortrag "~Über den Berliner Adresskalender~", worin
er seine vielseitige Sprachkenntnis zur Erklärung der üblichsten
und der seltsamsten Familiennamen benutzte. Aber das Gebiet seiner
eigensten Befähigung ging ihm erst auf, als er die Bekanntschaft zweier
Werke machte, in denen Engländer und Franzosen ihren Reichtum an
landesüblichen Citaten auszubreiten versuchten.

Diese Bücher führen den Titel: "Handbook of Familiar Quotations"
[Chiefly from English Authors (by J. R. P.). A new Edition. London
1853]--und: "L'Esprit des Autres" [par Edouard ~Fournier~. Paris
1855]. Sie regten Georg ~Büchmanns~ launiges Naturell und seinen durch
grosse Belesenheit unterstützten Scharfsinn zu Forschungen an über die
geistige Scheidemünze aus aller Herren Ländern, welche in Deutschland
umläuft. Bald gelang es ihm, seine Vorgänger durch Stofffülle und
Zuverlässigkeit weit zu übertreffen.

Zunächst hielt ~Büchmann~ nun im Herrigschen Verein, 1863, einen
Vortrag über "gefälschte Citate" und er sprach dann, 1864, im Saale des
Berliner Schauspielhauses über "landläufige Citate" im allgemeinen,
denen er in bestimmter, erweiterter Auffassung (vrgl. die Einleitung)
bei dieser Gelegenheit den seitdem weltbekannten Namen "Geflügelte
Worte" gab. In demselben Jahre noch erschien im bescheidenen Umfange
von 220 Seiten sein Buch "~Geflügelte Worte. Der Citatenschatz des
deutschen Volkes~". Schon aus dem Inhalte dieser ersten Auflage ist
ersichtlich, welche weiten, über den engeren Kreis der landläufigen
Citate im gewöhnlichen Sinne erheblich hinausgehenden Grenzen
~Büchmann~ dem neuen, von ihm geschaffenen sprachwissenschaftlichen
Begriffe des "geflügelten Wortes" zog. In der dreizehnten Auflage, der
letzten von ihm herausgegebenen (1882) schrieb er:

  "Die ganz willkürlich gewählte Benennung 'Geflügelte Worte',
  welche ich diesem Buche gab, ist allgültig geworden und über
  Deutschlands Grenzen hinausgedrungen. Es erschien 1871 in Holland
  unter dem Titel 'Gevleugelde Woorden' ein klägliches Machwerk,
  welches mich ausbeutete, ohne dass mein Name darin auch nur
  erwähnt wurde. Eine sehr erfreuliche, in der Anlage sich eng an
  mein Buch anschliessende, aber trotzdem selbständige dänische
  Bearbeitung des Stoffes hat 1878 Oscar ~Arlaud~ in Kopenhagen
  unter dem Titel 'Bevingede Ord' geliefert und die Citate der
  dänischen Sprache hinzugefügt. Im Jahre 1881 liess er ein ebenso
  lobenswertes Supplement erscheinen. Arvid ~Ahnfeld~ gab 1880 in
  Stockholm eine Citatensammlung unter dem Titel 'Bevingade Ord'
  heraus, zu welcher die meinige und Oscar ~Arlauds~ benutzt worden
  sind und welche ausserdem die schwedischen und finnischen Citate
  bringt".[2]

[Fußnote 2: Italien und Ungarn traten hinzu. "Chi l'ha detto?" des
~Giuseppe Fumagalli~, Mailand 1895 und "Szájrul szájra" (d.h. "von Mund
zu Mund") von ~Tóth Béla~, Budapest 1895.]

Selbstverständlich lockte ~Büchmanns~ und seiner Mitarbeiter
Bienenfleiss bis in die jüngste Zeit hinein manche litterarische
Drohnen herbei, die ihren Plagiaten ein mehr oder minder schäbiges
Mäntelchen umhingen, sich Wörter und Namen aus dem Büchmannschen
Buchtitel aneigneten und die Ausbeutung so gründlich betrieben, dass
sie sogar die Druckfehler mit übernahmen. Einen wesentlichen Abbruch
konnten sie indessen dem Werke ~Büchmanns~ nicht thun, weil die
gebildeten Kreise des deutschen Volkes eine feine Empfindung in Dingen
des litterarischen Anstandes besitzen, und weil ~Büchmanns~ Werk in
jeder neuen Auflage für sich selbst sprach.

Ausserdem, dass seine vortreffliche Arbeit den wohlverdienten Anklang
in den weitesten Kreisen fand, wurde Georg ~Büchmann~ erfreut durch
die Verleihung des Professortitels und des Ordens vom roten Adler.

Es war gut für ihn, dass er nun eine eigene Thätigkeit besass, welche
ihn alle Unbilden des Lebens vergessen machte; denn, krankend an den
Folgen eines schweren Sturzes, musste er sich im Jahre 1877 in den
Ruhestand versetzen lassen. "Alle seine Schüler", so heisst es in dem
Programm der Gewerbeschule vom Jahre 1878, "bewahren der anregenden
und bildenden Kraft seines Unterrichts und der persönlichen Wärme,
die er ihnen entgegentrug, das dankbarste und ehrenvollste Andenken;
alle seine Kollegen zollen ihm ihre Hochachtung, viele verehren in ihm
dankbar ihr Vorbild und Muster in ihrem amtlichen Wirken".

Fortan lebte Georg ~Büchmann~, gepflegt von seiner Gattin, der
bekannten Malerin Helene ~Büchmann~, der wir sein wohlgetroffenes
Bildnis verdanken, das in einer Radierung von Hans Meyer unser Buch
schmückt, ganz der Ausgestaltung seines Werkes, versenkt in das
Studium der Weltlitteratur und angeregt durch einen schliesslich über
neunhundert Namen aufweisenden Briefwechsel.[3]

[Fußnote 3: D.h. die überwiegende Zahl dieser Korrespondenten
wandte sich ~Einmal~ an Büchmann, einige öfters; ein regerer
Gedankenaustausch, wie z.B. mit dem Germanisten Robert ~Hein~, konnte
nur mit sehr Wenigen stattfinden.]

Er hatte in der "Einleitung" jeder Auflage um Zusätze und
Berichtigungen gebeten, und ein solcher Appell an die Philologie
findet in deutschen Herzen immer ein Echo. In der damals von Paul
Lindau redigierten "Gegenwart" vom 27. September 1879 sprach Georg
~Büchmann~ in dem Aufsatz "~Sechshundert Korrespondenten~" seinen
lebhaften Dank aus für den vielfältigen Nutzen, der seiner Sammlung aus
solcher freiwilligen Mitarbeiterschaft erwachsen sei. Gegen Ende dieses
Artikels heisst es:

  "'Geflügelte Worte' sind vorhanden. Es war meine Pflicht, sie
  zu sammeln und ihren Quellen nachzuspüren. Die Frage, ob ihre
  Anwendung nützlich oder schädlich, zu empfehlen oder abzuraten
  sei, hatte ich mir nicht vorzulegen. Sie sind als eine Ergänzung
  des deutschen Wortvorrats und Wörterbuches zu betrachten. Das
  lesende Publikum zollt ihrer Sammlung einen Beifall, der mich
  erfreut und mich anspornt, die betretene Bahn nach Kräften zu
  erweitern und noch gangbarer zu machen".

Bald nach dem Erscheinen der dreizehnten Auflage der "Geflügelten
Worte", vom Herbst des Jahres 1882 an, sah sich der leidende Autor
genötigt, jeder ernsten Thätigkeit zu entsagen. Ein allmähliches
Hinschwinden aller Lebenskräfte trat ein, und am 24. Februar 1884 gab
ein erlösender Tod ihm die ewige Ruhe.

Sein Name wird unvergessen bleiben, so lange es auf Erden gebildete und
gründliche Deutsche giebt.

       *       *       *       *       *

*Walter Robert-tornow* wurde am 14. Juli 1852 auf Ruhnow
in Hinterpommern geboren. Zeit seines Lebens blieb ihm das
"Horizontgefühl" seiner Jugend, wie er es nannte, lebendig, und
immer von neuem ergriff ihn die Sehnsucht nach den "weissen, reinen"
Wolken des pommerschen Himmels, nach den rauschenden Buchenkronen
und den hochwipfligen Fichten an den stillen, tiefen Landseen voll
Wasserrosen, und nach den in duftigem Schimmer wogenden Getreidefeldern
seiner vielverlästerten, hinterpommerschen Heimat. Leider war ihm das
köstliche Erbteil des Pommernstammes, die derbe Leibesgesundheit,
versagt. Nie empfand er seine körperliche Gebrechlichkeit schmerzlicher
als im Jahre 1870.

Während einer Kur auf Helgoland lernte der dreijährige Knabe spielend
lesen, d.h. die Kunst, die er später und bis zum letzten Atemzuge als
Handwerk betrieb. Die gehaltvolle Bücherei des Vaters, der nicht nur
in der Landwirtschaft, sondern auch in den Wissenschaften heimisch war,
und die gesunde Luft eines wohlhabenden und hochgebildeten Elternhauses
begünstigten die geistige Entwicklung des begabten Jünglings. Mit
besonderer Vorliebe pflegte gerade er die künstlerischen Traditionen
der Familie, der eine Rahel, die Gattin Varnhagens von Ense, und ihr
Bruder, der Dichter Ludwig Robert, entsprossen waren. Sein Lehrer in
Ruhnow und für immer sein Freund wurde der Philologe Dr. Isler, und
die originelle Lebensanschauung dieses ausgezeichneten Mannes, bei
dem sich Stoizismus und humorvolle Skepsis wundersam mischten, wirkte
nachhaltig auf den Schüler ein. Aus den Epigrammen in ~Robert-tornows~
"Begleitbuch" (Berlin 1888) sprechen verwandte Überzeugungen und
Stimmungen.

Im Sommer 1870 bezog unser Freund die Berliner Universität, um
philologische und kunsthistorische Vorlesungen zu hören. Am meisten zog
ihn zunächst die klassische Philologie an, und er hatte bei gediegenen
Kenntnissen und einem angeborenen Spürsinn das Zeug zum Philologen.
Zum Abschlusse jahrelanger, aber oft unterbrochener Studien schrieb er
eine lateinische Abhandlung "über die symbolische und mythologische
Bedeutung der Bienen und des Honigs bei den Alten", liess aber die
Arbeit liegen und veröffentlichte sie erst volle achtzehn Jahre
später.[4]

[Fußnote 4: De apium mellisque apud veteres significatione et
symbolica et mythologica. Berolini 1893. In das philologische Gebiet
gehört ausserdem seine Herausgabe der 2. Auflage von Abels "deutschen
Personennamen", Berlin 1889.]

Eine Zeit lang zeichnete er neben den Universitätsstudien auf der
Berliner Kunstakademie, weil ein der Familie befreundeter Maler
Portraitiertalent bei ihm entdeckt haben wollte. Diesen Versuch gab er
bald auf; denn Neigung und Talent zogen ihn mächtig zur Poesie. Er übte
und verstand die Kunst, Verse aller Art zu schmieden. Schon bei seiner
Arbeit über die Bienen übertrug er für sich das 4. Buch von Virgils
Georgica in deutsche Jamben, dann machte er sich daran, die Elegieen
des Theognis in Reimen nachzudichten; Versuche aus dem Englischen
schlossen sich später an, bis ihm zuletzt, am Ende seines Lebens, auf
diesem Gebiete ein Meisterwerk gelang: die Übersetzung der "Gedichte
des Michelangelo Buonarotti", die erst nach seinem Tode erscheinen
konnte (Berlin 1896).

Durch unausgesetzte Beschäftigung mit der deutschen Litteratur erwarb
er sich eine aussergewöhnliche Belesenheit. Gute Bücher las er immer
wieder und übte sein an sich starkes Gedächtnis durch Auswendiglernen.
In Lessings Werken fühlte er sich zu Haus, so dass er getrost die
9. Auflage von Stahrs Biographie des Dichters besorgen konnte. Aber
am vertrautesten von allen Dichtern war und blieb ihm Goethe, "sein
Tröster, der, aus Sturm und Drang zur Weisheit gekommen, der Menschheit
ein Meer von Schönheiten erschuf". Auch Heine gehörte zu seinen
Lieblingen, weil ihn dessen Schreibweise bezauberte und sein Schicksal
rührte. Gern wandte er die Mahnung dieses Dichters: "Baue dein Hüttchen
im Thal!" auf sich selbst an. Schon der Umstand, dass Heine nach den
Musikkatalogen der am häufigsten komponierte deutsche Lyriker sein
soll, genügte ihm, um ihn zäh gegen alle Angriffe zu verteidigen. Die
schöne Schrift "Goethe in Heines Werken" (Berlin 1883) darf als die
reifste Frucht seiner liebsten Studien bezeichnet werden.

Unter den deutschen Prosaikern standen die tiefinnerlichen Humoristen
seinem Herzen am nächsten. Scherrs "Michel", Kellers "Grüner Heinrich",
Vischers "Auch Einer", Roseggers "Waldschulmeister" und Reuters
"Stromtid" waren ihm unentbehrliche Bücher, am unentbehrlichsten der
grüne Heinrich.

Im Februar 1877 trat ~Robert-tornow~ noch von Pommern aus in nähere
Beziehungen zu Büchmann und den "Geflügelten Worten". Damals begann
er dem Verfasser Stoff zuzusenden; beide wechselten dann während
dreier Jahre in steigendem Einverständnisse Briefe und wurden endlich
Freunde, als ~Robert-tornow~ i. J. 1880 mit seinen Eltern nach Berlin
übersiedelte.[5] Vier Jahre später starb Büchmann, aber er hatte
sein Werk bereits ganz in die Hände des Freundes gelegt. Auch hätte
er keinen passenderen Nachfolger finden können. Denn Belesenheit und
Gedächtniskraft, Sprachgefühl und Geschmack, Arbeitslust und Musse,
alles fand sich zusammen, um diesen für das verantwortungsvolle Amt
geschickt zu machen.

[Fußnote 5: In das Haus seines verstorbenen Onkels Ferdinand
Robert-tornow Er schilderte das originelle Heim dieses seiner
Zeit berühmten Sammlers und Kunstkenners in einer formvollendeten
Monographie. Vgl. deutsche Rundschau XVII, Dezember 1890.]

Wie der Ährenleser dem Schnitter, so folgte ~Robert-tornow~ Büchmann
nach und sammelte mit demselben Fleisse, den er an seinem Vorgänger
neidlos pries. Stillschweigend besserte er das Vorhandene und führte
die schon von Büchmann angestrebte chronologische Anordnung des
Stoffes innerhalb der einzelnen Kapitel durch. Das reizvolle Kapitel
"Geflügelte Worte aus Sagen und Volksmärchen" ist sein Werk; im ganzen
buchte er 730 neue Citate und Ausdrücke. Ausserdem arbeitete er ein
umfangreiches, durch die Fülle der Schlagwörter nahezu untrügliches
Register aus, um die Benutzung des Buches so bequem wie möglich zu
machen. Endlich gelang ihm, was dem verdienstvollen Begründer trotz
aller Mühe nicht hatte gelingen wollen, nämlich eine feste Definition
für den Begriff eines geflügelten Wortes in sprachwissenschaftlichem
Sinne, die genau mit Büchmanns Absichten übereinstimmt (s. Einleitung).
Genug, er sparte keine Mühe, um das schöne Buch auf der Höhe zu
erhalten. Es wurde ein Stück auch seines Lebens und beeinflusste seinen
eigenen Stil in Poesie und Prosa. Er dichtete am liebsten und besten in
der Epigrammform und verwuchs mit den geliebten "Geflügelten Worten"
so innig, dass er in der Todesstunde nur in Citaten sprach.

Wenn bei einem Buche wie diesem der Erfolg als Massstab für seinen
Wert gelten darf, so erkannte die gebildete Welt ~Robert-tornows~
Weiterarbeit willig an. Denn während bis zu Büchmanns Tode 13 Auflagen
und 57000 Exemplare der "Geflügelten Worte" verbreitet waren, erlebte
~Robert-tornow~ die Freude und gerechte Genugthuung, mit der 18.
Auflage das hundertste Tausend zu erreichen.

Seit dem Jahre 1888 lebte er als Bibliothekar des Königlichen
Hauses in einem heimlichen und anheimelnden Winkel des alten
Hohenzollernschlosses. Gehört Einsamkeit zur Vertiefung und bedeutet
Geselligkeit das beste Gegengift gegen Vergrübeln, ist also
Abwechselung in Beidem das Beste, so führte er hier ein beneidenswertes
Dasein. Hinter diesen gewaltigen Mauern, welche Stille! Hier hauste
er wie ein Zauberer im Märchen. Aber wer ihn suchte und zu finden
wusste, der traf ihn stets aufgeräumt und immer hilfsbereit. Seine
Zelle öffnete sich für alle ehrlichen Seelen. Allen war er da Etwas,
gar manchem Viel, jedem aber etwas Besonderes. Er verstand sich auf
Menschenschicksale. Denn auch in seinem Herzen hatten Leidenschaften
getobt, auch um seine Seele hatten dunkle Gewalten gestritten: er aber
hatte sich in selbsterlebten Liedern frei gesungen und sich zum Siege,
zum echten Lebenshumor durchgekämpft. Nicht unerwähnt darf bleiben,
dass er dankbar die steigende Anerkennung und Gunst des Hofes empfand
und sich über die äusseren Ehrungen, die ihm zu teil wurden, herzlich
freute.

Ward es ihm in der Grossstadt zu eng und zu laut, so flüchtete er
hinaus in den Frieden der Wälder, oder an die See und nach Helgoland,
seiner "Insel der Seligen", oder pilgerte zusammen mit Herman Grimm in
die Tiroler Berge. Ein Besuch Pommerns schloss gewöhnlich solche Reisen
ab.

Obwohl längst mit dem Gedanken an einen frühen Tod vertraut, suchte
und verstand er als echter Lebenskünstler es doch, sein Dasein
auszuspinnen, bis ihn der Tod auf Helgoland am 17. September 1895
überraschte.

~Walter Robert-tornow~ wird seinen bescheidenen Platz in der deutschen
Litteraturgeschichte erhalten. Eine stets schwankende Gesundheit und
übertriebene Selbstkritik beeinträchtigten seine Leistungsfähigkeit.
Auch scheute er die Öffentlichkeit je länger je mehr, obwohl er mit
gespannter Aufmerksamkeit den Kampf der Geister verfolgte. Er liebte
die Arbeit in der Stille, und seine Stärke war die Treue und Sauberkeit
im Kleinen, "in tenui labor", und hierin hat er Grosses für die
"Geflügelten Worte" geleistet. Durch sie wird die Arbeit seines Lebens
Früchte tragen und sein Gedächtnis dauernd fortleben.



Einleitung.


Als Georg ~Büchmann~ im Jahre 1864 zuerst jenen köstlichen Schatz
hob, der unter stetiger Vermehrung den Inhalt des vorliegenden Werkes
bildet, gab er seiner Sammlung den willkürlich gewählten, dem Homer
entlehnten Titel "Geflügelte Worte".

Bis dahin hiess "geflügelte Worte" nur, was es bei Homer heisst,
nämlich "schnell von den Lippen des Redenden enteilende, zum Ohre des
Hörenden fliegende Worte". Weil ~Büchmann~ jedoch unter diesem Namen
einen neuen, von ihm selbst geschaffenen Begriff in die deutsche
Sprachwissenschaft einführte, musste er eine möglichst scharfe
Erklärung Dessen, was er wollte, zu geben versuchen. Er sagte darüber:

  "Die allgemeinen Verständigungsmittel der Menschen sind nicht nur
  die in ihrer Form fertigen, Jedem zu Gebote stehenden einzelnen
  Wörter; es haben sich daneben auch im Laufe der Zeit stehende,
  fertige Formen von Wortzusammenstellungen und Gedanken entwickelt,
  für welche eine allgemeine Bezeichnung nicht vorhanden ist,
  und welche je nach ihrer Natur Redensarten, sprichwörtliche
  Redensarten, Sprüche, Sprichwörter u.s.w. genannt werden. Lässt
  sich von den meisten dieser Gedankenformen weder die Zeit, in
  welcher, noch die Umstände, unter welchen sie entstanden sind,
  angeben, so giebt es doch eine Gruppe derselben, die sich auf
  einen bestimmten litterarischen oder historischen Ausgangspunkt
  zurückführen lassen. Diese sind in dem folgenden Büchlein unter
  dem Titel: "Geflügelte Worte" gesammelt und mit den Attesten ihres
  oft überraschend versteckten Ursprungs versehen worden; mag der
  Name "geflügelte Worte" nun richtig gewählt sein oder nicht. So
  viel über den Gedanken und den Namen des Buchs. Der Ausführung des
  Gedankens treten namentlich zwei Schwierigkeiten in den Weg; die
  Schwierigkeit der Abgrenzung des geflügelten Wortes gegen das
  Sprichwort und die andere, festzustellen, ob ein Wort allgemein
  genug ist, um den Rang eines geflügelten Wortes beanspruchen zu
  dürfen. Was die erstere anbetrifft, so entsteht oft die Frage, ob
  ein Schriftsteller ein schon vorher umlaufendes Wort für seine
  Zwecke angewendet hat, oder ob er selbst der Schöpfer seines
  Worts ist. Denn auch die Sprichwörter fallen nicht wie Manna vom
  Himmel; jedes derselben hat seinen speciellen Autor, seinen ersten
  Erfinder; viele derselben sind ohne Zweifel Sprüche aus verloren
  gegangenen oder noch nicht wieder aufgefundenen Schriftstellern.
  Selten nur ist man so glücklich, von dem Schriftsteller selbst zu
  erfahren, ob ein Wort, das er anwendet, auf seiner eigenen Mühle
  gemahlen oder fremde Ware ist. In zweifelhaften Fällen wird hier
  dem Sammler als Regel gelten dürfen, die erste schriftstellerische
  Quelle getrost anzumerken und es dann der spätern Forschung
  zu überweisen, ob das Wort schon in früheren Tagen im Volke
  verbreitet gewesen ist."

Es mag zunächst auffallend erscheinen, dass ~Büchmann~ in der
vorstehenden Erklärung das Wort "Citat" vermeidet. Dies ist kein
Zufall. Der engere Begriff des landläufigen Citates in dem allgemein
üblichen Sinne der ~bewussten Anführung~ eines fremden Satzes deckte
sich nämlich nicht ganz mit dem Inhalte schon der ersten Auflage des
Buches. Schon dort sind als geflügelte Worte verzeichnet die bei uns
landläufigen ~Anwendungen~ von Aussprüchen und Ausdrücken der Dichter,
Denker, Propheten, Redner, Geschichtsschreiber und Mythographen,
~einschliesslich des metaphorischen Gebrauches von Ereignissen und
typisch gewordenen Namen~. Mit dem Untertitel "Citatenschatz des
deutschen Volkes" wollte ~Büchmann~ sein Werk einführen und wenigstens
dem grössten Teile des Inhaltes nach kennzeichnen, soweit er nicht
eine Erweiterung des Begriffes "Citat" überhaupt beabsichtigte. Aus
begreiflichen Gründen wurde denn auch dieser Untertitel beibehalten,
obschon er dem allgemeinen Sprachgebrauche gegenüber zu eng war und
mehrfach zu nicht ganz unberechtigten Bedenken strenger Begriffswächter
Anlass geboten hat. ~Büchmann~ sagte darüber in einer seiner Vorreden,
dass das Buch unter dem alten Titel, unter dem es sich beim Publikum
eingeführt hätte, weiter erscheinen müsse, und dass "weder Autor
noch Verleger das Werk unter einem anderen, als dem gewohnten Namen,
gewissermassen in einer Vermummung dem Publikum vorführen könnten".

~Büchmann~ musste bald erkennen, dass seine erste Erklärung den
Inhalt seines Buches nicht erschöpfte, und so brachte er denn in der
Einleitung zur achten Auflage vom Jahre 1874 den nachfolgenden kürzeren
Versuch:

  "In jeder Sprache, so auch in der deutschen, giebt es neben
  der unendlichen Fülle von Sprichwörtern, Stich-, Kraft- und
  Schlagworten, deren Urheber gänzlich unbekannt sind, eine
  verhältnissmässig kleine Zahl solcher Worte, deren Ursprung sich
  urkundlich belegen lässt. Letztere sind, soweit sie dem deutschen
  Volke angehören, in diesem Buche unter dem Namen 'Geflügelte
  Worte' zusammengestellt."

Doch auch diese Erklärung konnte ~Büchmann~ nicht auf die Dauer
befriedigen, daher fasste er sich bald ganz kurz und urteilte:

  "'Geflügelte Worte' nenne ich solche Worte, welche, von
  nachweisbaren Verfassern ausgegangen, allgemein bekannt geworden
  sind und allgemein wie Sprichwörter angewendet werden".

Diese, den Inhalt des Buches ebenfalls nur teilweise deckende
Definition behielt ~Büchmann~ bis in die dreizehnte Auflage letzter
Hand vom Jahre 1882 bei, indem er annahm, dass sein Buch selbst die
beste Definition enthalte.

Erst ~Robert-tornow~ gelang es, eine feste Umgrenzung des Begriffes
"geflügeltes Wort" im Sinne ~Büchmanns~ zu finden. Diese, auch heute
noch gültige Erklärung lautet:

  *"Ein geflügeltes Wort ist ein in weiteren Kreisen des
  Vaterlandes dauernd angeführter Ausspruch, Ausdruck oder Name,
  gleichviel welcher Sprache, dessen historischer Urheber, oder
  dessen litterarischer Ursprung nachweisbar ist. Immer muss
  man möglichst bestimmt sagen können: '#da# steht es #zuerst#
  geschrieben', oder: 'aus #der# Stelle ist es abgeleitet', oder:
  '#Der# hat es hervorgerufen', #und#: 'es hat sich bei den
  Gebildeten #eingebürgert#'."*

Diese Begriffsbestimmung umschliesst Alles, was ~Büchmann~ in seiner
Sammlung unter dem Namen "Geflügelte Worte" vereinigt hat und steht
daher, weil ~Büchmann~ einen neuen Begriff in die deutsche Sprache
einführte, ebenso ausserhalb der Kritik, wie die Bezeichnung, die der
Finder eines neuen Sternes seiner Entdeckung giebt.

Wenn nun auch hiermit die Definition des "geflügelten Wortes" im
sprachwissenschaftlichen Sinne erledigt ist, so darf doch nicht
übersehen werden, dass auch ihrer Durchführung zwei erhebliche
Schwierigkeiten sich entgegenstellen.

Die erste wurde schon vorhin erwähnt. Sie besteht darin, dass
der Begriff des "landläufigen Citates" sich nicht voll mit dem
"geflügelten Worte" im Sinne ~Büchmanns~ deckt. Diese, wohl unbewusste
Erweiterung, die ~Büchmann~ dem Begriffe "~Citat~" gab, hat mancherlei
Missverständnisse, auch von hochgeschätzter Seite zur Folge gehabt.
Denn viele "geflügelte Worte" im ~Büchmann~schen Sinne sind längst
als "Wörter" in die deutsche Sprache übergegangen und gehören
trotzdem in diese Sammlung, weil ihr historischer oder litterarischer
Ursprung sich nachweisen lässt. Die zweite Schwierigkeit ist noch
grösser, weil sie es nicht mit Einzelnen zu thun hat, sondern mit
dem deutschen Sprachgebrauche überhaupt, der sich des Ausdruckes
"geflügeltes Wort" nach ~Büchmanns~ Einführung immer mehr und mehr
bemächtigte und in dessen Anwendung weit über die Grenzen, die ihm
~Büchmann~ gezogen hatte, im Laufe der Zeit hinausgegangen ist.
Der vulgäre Sprachgebrauch versteht unter einem geflügelten Worte
jeden Ausspruch, der in allgemeinem Gebrauch als Citat von Mund
zu Mund fliegt, gleichgültig ob der historische Urheber oder der
litterarische Ursprung nachweisbar ist oder nicht, und gleichgültig
auch, ob das Wort schon wirklich ~dauernd~ dem deutschen Sprachschatze
einverleibt ist. Diese, durch einen lässigen Sprachgebrauch entstandene
Begriffserweiterung veranlasst nun wieder manche Freunde und Leser
des Buches in ihm Dinge zu suchen, die in dem, durch ~Büchmann~
geschaffenen sprach~wissenschaftlichen~ Sinne gar nicht hineingehören.
Die Herausgeber dieses Buches wissen von der gewaltigen Anzahl von
Zuschriften zu berichten, die oft mit den Ausdrücken des lebhaftesten
Erstaunens angebliche geflügelte Worte in dem Buche vermissen,
~ohne dass dabei daran gedacht wird, dass ein allgemein bekannter
und gebrauchter Ausspruch u.s.w. erst durch den bestimmten Nachweis
seines historischen Urhebers oder litterarischen Ursprungs zu einem
geflügelten Worte wird~. Nur um Beispiele zu erbringen, die sich leicht
ins Hundertfache vermehren liessen, sei hier gesagt, dass Citate wie
"Als ich noch im Flügelkleide in die Mädchenschule ging", "honny soit
qui mal y pense", "sint ut sunt aut non sint", "sic transit gloria
mundi" darum keine geflügelten Worte sind, weil ihr Ursprung bis jetzt
noch nicht hat nachgewiesen werden können. Manche bekannten Redensarten
und Ausdrücke, die in alten Auflagen des Buches als "geflügelt"
standen, sind später wieder in Fortfall gekommen, weil die angegebene
Quelle sich nicht als stichhaltig erwies. Sie mögen in den Büchern der
Plagiatoren, die sich dieses Ausschusses aus alten ~Büchmann~-Auflagen
bemächtigt haben, um den Eindruck grösserer "Reichhaltigkeit" zu
machen, nachgelesen werden.

Zum Kennzeichen des geflügelten Wortes gehört neben der Nachweisbarkeit
seines Ursprunges und seiner Landläufigkeit auch, dass es ~dauernd~
in den Sprachgebrauch der Gebildeten übergegangen ist. Gerade in
dieser Hinsicht muss der Herausgeber doppelt vorsichtig sein, weil
die wandelbare Gunst der Menge schon nach wenigen Jahren oft nichts
mehr von den Schlagworten weiss, die kurz vorher in aller Munde waren.
Und so ist es denn auch kein Zufall, dass in dem vorliegenden Buche
die letzten geflügelten Worte nach zeitlicher Ordnung aus dem Jahre
1888 stammen. Bedachtsam muss hier weiter gearbeitet werden, und immer
muss man an die Weisung denken, die ~Büchmann~ seinen Nachfolgern
hinterliess, dass nämlich die Prüfung, Ordnung und Sichtung des
vorhandenen Inhaltes weit wichtiger wäre als die Vermehrung.

Nur als Curiosum sei erwähnt, dass von manchen Lesern verlangt wird,
es sollten in das Buch auch solche Citate, insbesondere aus unseren
deutschen Klassikern, aufgenommen werden, die zwar noch nicht allgemein
gebräuchlich sind, aber doch verdienten, wegen der Tiefe und Schönheit
der in ihnen enthaltenen Gedanken zu geflügelten Worten zu werden.

Die Erfordernisse eines "geflügelten Wortes" sind also nach den
vorstehenden Darlegungen:

1. dass sein litterarischer Ursprung oder sein historischer Urheber
~nachweisbar~ ist;

2. dass es nicht nur allgemein bekannt ist sondern auch in den
Gebrauch der deutschen Sprache überging und allgemein gebraucht oder
~angewendet~ wird;

3. dass diese Anwendung nicht nur eine zeitweilige, sondern eine
~dauernde~ ist, wobei natürlich "Dauer" nicht "Ewigkeit" heissen soll.

Hinsichtlich der ersten Bedingung ist, soweit sie nicht schon früher
erläutert wurde, zu bemerken, dass historische Forschungen hier wie
anderwärts leicht bis an die Grenze des Mythus führen nach dem Satze,
dass "alles Gescheite schon gedacht worden ist".

Wenn wir Homer, Aesop, die Bibel, oder die Edda als Quellen angeben, so
schwankt die Beantwortung der Frage, ob das betreffende Wort wirklich
da zuerst geschrieben stehe, ganz beträchtlich, ja sie schwankt
eigentlich immer, denn Niemand kann sicher wissen, ob nicht etwa
mancher aus Goethe viel citierte Spruch seine Form oder seinen Inhalt
befreundetem oder anderem Einfluss verdankt. Und dennoch bleibt er ein
"geflügeltes Wort" aus Goethes Werken, denn für uns steht er bestimmt
da zuerst geschrieben, wenn sich keine ältere Parallelstelle nachweisen
lässt. ~Parallelstellen finden aber nur dann Aufnahme, wenn sie für
die Genesis oder für die Wandlungen des "geflügelten Wortes" von
wesentlicher Bedeutung sind; während Parodien nur dann eingeschaltet
werden, wenn deren Urheber erweislich ist.~

Die zweite Bedingung, die Beantwortung der Frage, ob ein Wort so
allgemein geworden ist, dass es "geflügelt" genannt zu werden verdient,
lässt sich nur durch Beobachtung und Umfrage lösen. Von vornherein
muss sich Jeder vor dem Irrtum hüten, als ob ihm und seinen besonderen
Kreisen geläufige Worte deswegen allein schon geflügelte Worte seien,
und als ob ein ihm nicht geläufiges, vielleicht gar nicht bekanntes
Wort deswegen aus der Reihe der geflügelten Worte zu streichen sei.

Obwohl Mancher daran zweifelt, giebt es dabei doch recht untrügliche
Proben. Wird nämlich ein Wort von unbelesenen Leuten überhaupt, oder
von vielen Gedächtnisschwachen falsch, oder von mehreren Witzigen in
übertragener Bedeutung angeführt, dann ist es gewiss ein "geflügeltes";
ist es aber vielen belesenen und gedächtnisfrischen Leuten fremd, dann
ist es schwerlich "geflügelt".

Mit blossem Taktgefühl oder ästhetischem Belieben kommt man bei diesem
Werke nicht weiter. Der Begriff des geflügelten Wortes zieht dem
Sammler strenge Schranken, und es wäre allerdings viel bequemer, dem
Buche durch hineingesprengte Citate eigener leichtfertiger Wahl den
Anschein grösseren Stoffreichtums zu geben.

Bei der Sorgfalt, mit der die Bearbeitung dieser Sammlung länger als
dreissig Jahre hindurch stattgefunden hat, darf gesagt werden, nicht
nur, dass die Hauptarbeit gemacht ist, sondern auch, dass es kaum
geflügelte Worte in irgendwie erheblicher Anzahl geben wird, die der
"Büchmann" nicht verzeichnet. Was aber von bekannten Aussprüchen und
Redensarten hier fehlt, ist in seinem Ursprünge noch nicht nachweisbar
und darum auch nicht "geflügelt".

Nicht ganz so sicher wird man den vorstehenden Satz umkehren können
dahin, dass alle in dieser Sammlung verzeichneten Worte auch
ausnahmslos "geflügelt" sind oder wenigstens einmal "geflügelt"
waren. Manch ein Wort wird wohl als "blinder Passagier" in dem
Schifflein dieses Buches mitschwimmen, ohne sich genügend über seine
Landläufigkeit, soweit sie wenigstens für die Gegenwart noch in Frage
kommt, ausweisen zu können, oder das mit einem Ursprungsatteste
versehen ist, dessen Angaben spätere historische oder litterarische
Forschungen als unrichtig erweisen werden. Jeder, der sich ernstlich
damit befasst, wird merken, dass es nicht leicht ist, die Klasse
der geflügelten Worte aus dem Gesamtschatz aller heimischen und
eingewanderten Worte und Wendungen herauszuheben, und er muss einsehen,
dass auch dem Erfahrenen bei der Bestimmung eines "geflügelten Wortes"
Irrtümer nicht erspart bleiben.

Wenn nun der Sammler geflügelter Worte mit inniger Freude seinen Vorrat
überschaut, weil es ihm immer und immer wieder dabei vor die Seele
tritt, wie hoch der durchschnittliche Bildungsgrad seines Volkes im
Vergleich zu anderen Nationen ist, so ist er doch keineswegs in der
glücklichen Lage Desjenigen, der es sich zur Aufgabe gestellt hat,
die Perlen und Goldkörner, die in reichster Fülle über die deutsche
Litteratur zerstreut sind, zusammenzulesen; er hat es im Gegenteil oft
genug mit dem Staube der Alltäglichkeit zu thun. Zieht Jenen vielleicht
gerade das Ungewöhnliche und Seltene an, so ist er verpflichtet, auf
das Gewöhnliche und Gebräuchliche sein Augenmerk zu richten, mag er
sich auch oft daran erfreuen können, dass das Gebräuchliche zugleich
ein tiefer, schön ausgeprägter Gedanke ist. Nicht der gediegene Inhalt
nämlich macht Worte zu geflügelten, sondern der oft zufällige Eindruck
auf einen grösseren Kreis von Lesern und mehr noch von Hörern. Die
Kanzel, das Theater, das Schulkatheder, die Rednerbühne, der Gesang,
die Zeitschrift sind die Vermittler derselben. Daher kommt es, dass die
dramatische Litteratur ihrer mehr liefert, als die lyrische oder die
epische, und dass aus der lyrischen Poesie mehr solche fliessen, die
komponiert worden sind und gesungen werden, als andere. Daher kommt es
auch, dass mancher Liebling des Volks und der Musen in diesem Buche
unvertreten bleibt, und dass Meisterstücke der Lyrik, ausgezeichnete
Romane, überhaupt Werke, die in den seltenen Stunden stiller Weihe
die Seele erquicken und deren Publikum stets der einzelne Mensch oder
höchstens ein traulich geschlossener enger Kreis ist, eine überaus
geringe Ausbeute zu den geflügelten Worten geben. Diese entstehen auf
dem Markte des Lebens und im Strudel der Öffentlichkeit.

Viele werden das Werk nur als ~Nachschlagebuch~ wert halten und
benutzen, Manche jedoch werden den in ihm behandelten Stoff tiefer
fassen als eine Hilfswissenschaft zur Erkenntnis des Seelenlebens der
Völker. Diesen, unseren eigentlichen ~Lesern~ kann es nicht darauf
ankommen, sich zu merken, wie man richtig zu citieren habe, geschweige
auf oberflächliche Vielwisserei; sondern ihre Grundfrage wird lauten:
"Welche geistigen Strömungen haben Deutschland im 19. Jahrhundert
befruchtet?" "Und was hat Deutschland an die anderen Nationen
weitergegeben?" werden sie fragen, wenn sie die ähnlichen Werke für
Frankreich, Italien, Ungarn, England, Holland, Dänemark und Schweden
vergleichend lesen.

Im 20. Jahrhundert kommen hoffentlich die Deutschen als Spendende
mehr und mehr in Betracht. Allmählich erfüllt sich ja ~Friedrichs des
Grossen~ Prophezeiung: "Il pourra arriver que notre langue polie et
perfectionnée s'étende, en faveur de nos bons écrivains, d'un bout de
l'Europe à l'autre. Ces beaux jours de notre littérature ne sont pas
encore venus: mais ils s'approchent." Schon sind wir längst nicht mehr
nur die Übersetzenden, sondern wir werden auch fleissig übersetzt, und
~Goethes~ "Weltlitteraturepoche" tritt immer lebendiger ans Licht.



I.

Geflügelte Worte aus der Bibel.[6]


Da die Bibel unter allen Büchern der Erde das bekannteste ist, so sind
die Sprachen mit volkstümlichen Ausdrücken aus ihr reichlich getränkt.
So die deutsche Sprache:

"Der Mensch wird nackt geboren wie Adam, er ist keusch wie Joseph,
weise wie Salomo, stark wie Simson, ein gewaltiger Nimrod, der wahre
Jakob, ein ungläubiger Thomas; er ist ein langer Laban, ein Riese
Goliath, ein Enakskind; er lebt wie im Paradiese, dient dem Mammon
und hat Mosen und die Propheten, oder er stimmt, arm wie Lazarus
oder ein blinder Tobias, Jeremiaden an, sehnt sich zurück nach den
Fleischtöpfen Ägyptens, bekommt eine Hiobspost über die andere und
muss Uriasbriefe bestellen, wobei er von Pontius zu Pilatus zu laufen
hat. Vielleicht ist er ein Saul unter den Propheten, ein barmherziger
Samariter oder ein Pharisäer, der Judasküsse giebt; noch schlimmer,
wenn er ein Kainszeichen an der Stirn trägt oder wenn man ihn
zur Rotte Korah zählen muss, aber möglicherweise gehört er zu dem
unschädlichen Geschlechte der Krethi und Plethi, oder er ist nichts als
ein gewöhnlicher Philister. Jedenfalls müssen ihm der Text, die Epistel
und die Leviten gelesen werden, damit er den alten Adam ausziehe und er
nicht länger wie in Sodom und Gomorrha lebe, in ägyptischer Finsternis
und babylonischer Verwirrung. Doch wie dem auch sei, er sehnt sich
danach, alt zu werden wie Methusalem, und wenn es mit ihm Matthäi am
letzten ist, wird er aufgenommen in Abrahams Schoss."

[Fußnote 6: Aus diesem Kapitel (15. Aufl.) ging des Pfarrers Paul
~Grünberg~ sorgfältige Studie "über den Gebrauch und Missbrauch der
Bibel in der deutschen Volks- und Umgangssprache" hervor ("Biblische
Redensarten" Henninger, Heilbronn 1888), der wiederum unsere 17.
Auflage manchen Aufschluss verdankte.]

Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, dass "wahrer Jakob", "langer
Laban", "von Pontius zu Pilatus" (statt: von Herodes zu Pontius
Pilatus) Anlehnungen oder Entstellungen sind.

Neben solchen der Bibel entnommenen Worten, Namen und Redensarten
sind eine Menge biblischer Sprüche im Munde des Volkes, die oft zu
bequemerem Gebrauch umgestaltet, ja sogar profaniert worden sind.

Es wird in dem Folgenden Luthers Bibelübersetzung citiert,[7] denn
diese allein ist seit mehr als drei Jahrhunderten Volksbuch; und so
findet man denn auch, weil sie das Volk aus der Bibel citiert, Worte
hier eingereiht, die streng genommen nicht biblisch, sondern luthersch,
ja sogar manchmal vorluthersch sind. Auch bleibt in diesem Kapitel die
Reihenfolge der Bücher so unchronologisch, wie sie uns durch Luther zur
Gewohnheit wurde.--

[Fußnote 7: Wo in diesem Buche Luthers Werke ohne weiteren Zusatz
citiert werden, ist die Erlanger Ausgabe gemeint.]

       *       *       *       *       *

Ein wüster Zustand der Verwirrung heisst uns nach

*1. Mose* 1, 2 ein

      *Tohuwabohu*

(nach den hebräischen Ausdrücken für "wüste und leer").--

1. Mos. 1, 3 steht:

      *Es werde Licht.--*

1. Mos. 1, 12 schliesst:

      *Und Gott sahe, dass es gut war.--*

Den Menschen nennen wir nach 1. Mos. 2, 7 einen

      *Erdenkloss.--*

Nach 1. Mos. 2, 9 u. 17, wo von dem "Baum des Erkenntnisses Gutes und
Böses" die Rede ist, dessen Früchte der Herr dem ersten Menschenpaar zu
geniessen verbietet (s. 3, 2-6), wurden die Worte üblich:

      *Vom Baum der Erkenntniss essen*

und:

      *Die verbotene Frucht.--*

Nach 1. Mos. 2, 18 citieren wir:

      *Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei,*

und:

      *Mann und Frau sind Eins*

nach 1. Mos. 2, 24: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter
verlassen und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein Ein Fleisch"
(vrgl. Matth. 19, 5).--

Aus 1. Mos. 2, 23, wo Adam von Eva sagt: "Das ist doch Bein von meinen
Beinen, und Fleisch von meinem Fleisch", entnehmen wir:

      *Fleisch von meinem Fleisch und Bein von meinem Bein.--*

1. Mos. 3, 5 lesen wir das Schlangenwort: "Und werdet sein wie Gott und
wissen, was gut und böse ist". Die Vulgata giebt: "Eritis sicut Dii".
"Und werdet sein wie die Götter". Wir aber citieren die Stelle so, wie
sie ~Goethe~ in der Schülerscene des "Faust" anwendet:

      *Eritis sicut Deus, scientes bonum et malum.*

      Und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

  Die Verwendung bei Goethe dürfte durch ~Agrippa von Nettesheim~
  vermittelt sein, der im Anfange seines Werkes "de incertitudine
  et vanitate omnium scientiarum", Köln 1527, sich dahin äussert,
  die Wissenschaft erhebe zu Gott nur im Sinne dieses Spruches der
  Schlange. "Eritis sicut Deus" wurde zum Titel eines die Philosophen,
  besonders Fr. Th. Vischer, verspottenden Romans erkoren, der 1855
  anonym zu Hamburg erschien und dessen fromme Verfasserin Wilhelmine
  Canz hiess.--

Nach dem Sündenfall heisst es 1. Mos. 3, 7 von Adam und Eva, sie
"wurden gewahr, dass sie nackend waren; und flochten Feigenblätter
zusammen, und machten ihnen Schürzen". Hiernach ward uns das

      *Feigenblatt*

ein bildlicher Ausdruck für "schamhafte Verhüllung".--

1. Mos. 3, 16 spricht Gott zu Eva: "dein Wille soll deinem Manne
unterworfen sein, und

      *#Er# soll dein Herr sein".--*

1. Mos. 3, 19 steht:

      *Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brod essen,*

und:

      *Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.*

Dies citieren wir auch mit Sirach 41, 11 (vrgl. 42, 13 u. Pred. Sal.
12, 7) in der Form:

      *Alles, was aus der Erde kommt, muss wieder zur Erde werden.--*

1. Mos. 4, 9 fragt Kain:

      *Soll ich meines Bruders Hüter sein?--*

Der Ausdruck

      *himmelschreiend*

beruht auf 1. Mos. 4, 10; 18, 20; 19, 13; 2. Mos. 3, 7; 22, 23; Jakobi
5, 4. Die alte Dogmatik hatte hieraus den Begriff der "schreienden
Sünden", der "peccata clamantia" gebildet und diese in folgenden Versen
aufgezählt:

      _Clamitat ad coelum vox sanguinis et Sodomorum,
      Vox oppressorum, viduae, pretium famulorum._

      *Es schreit zum Himmel*
      _die Stimme des Bluts und der Sodomiter, die Stimme der
      Unterdrückten, der Witwe, der Arbeiter Lohn._--

Nach 1. Mos. 4, 15: "Und der Herr machte ein Zeichen an Kain, dass ihn
niemand erschlüge", reden wir von einem

      *Kainszeichen*

in dem fälschlichen Sinne, als stünde geschrieben, dass der Herr
sichtbarlich Kain zum Mörder stempelte.--

1. Mos. 5, 24 heisst es von Henoch: "Und dieweil er ein göttlich Leben
führte, nahm ihn Gott hinweg

      *und ward nicht mehr gesehen".*

Dies Wort ist oft dichterisch als Schlusseffekt verwendet worden.--[8]

[Fußnote 8: Z.B. von ~Wieland~ am Schlusse des "Musarion"; von ~Goethe~
am Schlusse der Ballade "der Fischer"; von ~Schiller~ in der "Braut von
Messina", als Manuel dem Chor seine Liebe enthüllt; und von ~Tiedge~
am Schlusse des Gedichtes "Jenny" in Beckers "Taschenb. z. gesell.
Vergnüg." Leipzig 1804. S. 259.]

Nach diesem Spruch (oder nach 1. Mos. 6, 9) sagt man auch:

      *Ein göttliches Leben führen,*

ohne mehr an Henochs oder Noahs Wandel zu denken, sondern im
Märchensinne des Schlaraffenlebens.--

Zur Bezeichnung eines sehr hohen Alters dient

      *Methusala,* _gewöhnlich:_ *Methusalem,*

welcher nach 1. Mos. 5, 27 das Alter von 969 Jahren erreichte.--

      *Den Weg alles Fleisches gehen*

für "zu Grunde gehen" entnehmen wir wohl aus 1. Mos. 6, 12-13: "Da
sahe Gott auf Erden, und siehe, sie war verderbet; denn alles Fleisch
hatte seinen Weg verderbet auf Erden. Da sprach Gott zu Noah: Alles
Fleisches Ende ist vor mich gekommen, denn die Erde ist voll Frevels
von ihnen; und siehe da, ich will sie verderben mit der Erde". Auch 1.
Kön. 2, 2: "ich gehe hin den Weg aller Welt", ist zu beachten und Hiob
16, 22 (s. unten).--

1. Mos. 6, 4 steht:

      *Berühmte Leute.--*

Nach 1. Mos. 6, 17; 7, 10 u. 17; 9, 11 u. 15; Psalm 29, 10; Weisheit
10, 4; Sirach 40, 27; Matth. 24, 38 u. 39; 2. Petri 2, 5; 3, 6 reden
wir mit Luther von einer

      *Sündflut*

anstatt von einer _Sintflut_ (Sint-Fluot d. i. grosse Flut), wie die
genaueren Gelehrten nun zu schreiben pflegen.--

      *Das Ölblatt,*

welches nach 1. Mos. 8, 11 die zweite von Noah ausgesandte Taube
heimbrachte, gilt bis heute als Zeichen der Beschwichtigung, der
Versöhnung und des Friedens.--

1. Mos. 8, 21 (vrgl. 1. Mos. 6, 5) steht:

      *Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.--*

Zur Bezeichnung eines leidenschaftlichen Jägers dient Noahs Enkel

      *Nimrod*

nach 1. Mos. 10, 9: "Daher spricht man: Das ist

      *ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn*

wie Nimrod".--

      *Menschenkind*(_er_),

kommt 1. Mos. 11, 5 und sonst noch sehr oft in der Bibel vor,
namentlich im Hesekiel.--

      *Babylonische Verwirrung*

stammt aus 1. Mos. 11, 9: "Daher heisset ihr Name Babel, dass der Herr
daselbst verwirret hatte aller Länder Sprache ..."--

      *Gnade vor deinen* (_meinen_) *Augen finden*

beruht auf 1. Mos. 18, 3; 19, 19; 2. Mos. 33, 12. 13. 16. 17.--

1. Mos. 18, 14 (vrgl. Jerem. 32, 27) steht: "Sollte dem Herrn etwas
unmöglich sein?" und danach Jerem. 32, 17 "und ist kein Ding vor dir
(Herr) unmöglich", was dann bei Luk. 1, 37 (vrgl. Matth. 19, 26; Mark.
10, 27; Luk. 18, 27) also lautet:

      *bei Gott ist kein Ding unmöglich.--*

Auf 1. Mos. 19 beruht

      *Sodom und Gomorrha,*

eine oft in der Bibel wiederkehrende Bezeichnung lasterhafter Stätten.--

      *Mit Blindheit geschlagen werden*

steht 1. Mos. 19, 11; 5. Mos. 28, 28; 2. Kön. 6, 18 und "Weisheit" 19,
16.--

      *Zur Salzsäule werden*

heisst uns "vor Entsetzen erstarren" nach 1. Mos. 19, 26 "Und sein
(Lot's) Weib sahe hinter sich und ward zur Salzsäule". Der Herr hatte
zu Lot und den Seinen gesagt, als die Engel sie fortführten aus dem der
Vernichtung anheimfallenden Sodom (17): "Errette deine Seele und siehe
nicht hinter dich".--

Nach 1. Mos. 22, 17; 32, 12; 41, 49; Jesaias 10, 22; 1. Kön. 4, 20;
Hosea 1, 10; Gebet Asariae 36; Römer 9, 27 und anderen ähnlichen
Schriftstellen sagen wir

      *Wie Sand am Meer.--*

Aus 1. Mos. 23, 4. 9. 20; 49, 30; 50, 13 kommt uns das Wort:

      *Erbbegräbnis.--*

1. Mos. 23, 6 heisst es: "begrabe deinen Todten in unsern ehrlichsten
Gräbern", Sirach 38, 16: "bestatte ihn ehrlich zum Grabe" und 2. Macc.
4, 49: "und liessen sie ehrlich zur Erde bestatten". Hieraus bildeten
wir das Wort

      *ein ehrliches Begräbnis.--*

Nach 1. Mos. 25, 34 nennen wir etwas Wertloses, wofür etwas Wertvolles
preisgegeben wird,

      *ein Linsengericht;*

denn für ein solches mit Brod verkaufte Esau dem Bruder Jakob seine
Erstgeburt (vrgl. Ebr. 12, 16).--

      *Gotteshaus*

wird für "Kirche" oder "Tempel" gebraucht nach 1. Mos. 28, 22; Richter
17, 5; Matth. 12, 4. Kühnerweise schrieb Zesen sich diese Erfindung zu
[s. unt. a.a.O. bei "Gottestisch"].--

Nach 1. Mos. 31, 20; 2. Sam. 15, 6 sagen wir:

      *Einem das Herz stehlen*

und danach:

      *Herzensdieb.--*

      *Die Kinder Israël*

werden 1. Mos. 32, 32 und auch sonst häufig in der Bibel genannt.--

1. Mos. 33, 9 steht

      *Behalt, was du hast,*

was sich Offenbar. Joh. 3, 11 in der Form: "Halt, was du hast"
wiederholt, während es ebenda 2, 25 heisst: "(Doch) was ihr habt, das
haltet, (bis dass ich komme)".--

Nach 1. Mos. 34, 1 wird ganz willkürlich von Männern auf Freiersfüssen
gesagt:

      *ausgehen, um die Töchter des Landes zu besehen;*

denn Jakobs und Leas ~Tochter~ Dina, so steht geschrieben, "ging
heraus, die Töchter des Landes zu ~sehen~".--

Nach 1. Mos. 37, 27: "Es ist unser Bruder, Fleisch und Blut", nennen
wir die nächsten Angehörigen unser

      *Fleisch und Blut.--*

1. Mos. 37, 35 steht für "sterben":

      *in die Grube fahren,*

ein oft in der Bibel wiederkehrender Ausdruck.--

      *Habeat sibi,*

      meinetwegen,

oder, wie Luther übersetzt: "Sie hab's ihr", ist aus 1. Mos. 38, 23
entlehnt (vrgl. ~Sueton~: "Julius Cäsar", 1).--

      *Keusch wie Joseph*

ist entwickelt aus 1. Mos. 39.--

Pharaos Traum, 1. Mos. 41, von "sieben schönen fetten Kühen", die von
"sieben hässlichen und mageren Kühen" gefressen und von "sieben dicken
und vollen Ähren", die von "sieben mageren Ähren" verschlungen werden,
wird von Joseph dahin gedeutet, dass in ganz Ägyptenland "sieben reiche
Jahre" und nach denselben "sieben Jahre teure Zeit" kommen würden.
Hiernach sprechen wir von

      *Fetten Jahren* _und_ *mageren Jahren.--*

Aus 1. Mos. 41, 43, wo geschrieben steht, dass Pharao vor Joseph her
ausrufen liess: "Der ist des Landes Vater" stammt

      *Landesvater,*

oder aus Cicero "pr. Sest." 57: "pater patriae", "Vater des
Vaterlands".--

      *Benjamin*

als Bezeichnung des jüngsten Kindes und Lieblingssohnes beruht auf 1.
Mos. 42, 4 und 43, 6 und 14.--

Nach 1. Mos. 44, 4; 1. Sam. 24, 18; 25, 21 und Jerem. 18, 20 sagen wir:

      *Gutes mit Bösem vergelten.*

"Arges um Gutes thun" steht Psalm 35, 12; 38, 21 und: "Vergeltet nicht
Böses mit Bösem" 1. Petri 3, 9; daher unser:

      *Böses mit Bösem vergelten.--*

       *       *       *       *       *

Nach *2. Mos.* 1, 14: "Und (die Ägypter) machten ihnen (den Kindern
Israel) ihr Leben sauer, mit schwerer Arbeit in Thon und Ziegeln und
mit allerlei Fröhnen auf dem Felde", sagen wir:

      *Einem das Leben sauer machen.--*

Wir sprechen von einem gesegneten Lande,

      *darinnen Milch und Honig fliesst*

nach 2. Mos. 3, 8. Der Ausdruck wiederholt sich häufig in der Bibel und
ist auch in den klassischen Sprachen bekannt.--[9]

[Fußnote 9: Vrgl. Gualterus ~Robert-tornow~: "De apium mellisque apud
veteres significatione et symbolica et mythologica" (Berolini apud
Weidmannos, 1893, p. 82-85).--]

      *Zeichen und Wunder,*

2. Mos. 7, 3 wiederholt sich ebenfalls oft in der Bibel. Auch im Aelian
(2. Jahrh. n. Chr.; "Variae historiae" 12, 57) findet sich der Ausdruck
σημεῖα καὶ τέρατα, also in derselben Form, wie im Neuen
Testament an vielen Stellen, z.B. Matth. 24, 24.--

      *Der Finger Gottes*

beruht zunächst auf 2. Mos. 8, 19, wo die Zauberer, weil Aaron Läuse
aus dem Staube entstehen lassen konnte, zu Pharao sprechen: "Das ist
Gottes Finger". Luk. 11, 20 spricht Jesus vom Austreiben der Teufel
"durch Gottes Finger".--

Wir reden von der

      *Ägyptischen Finsternis*

nach 2. Mos. 10, 22: "Da ward eine dicke Finsternis in ganz Ägyptenland
drei Tage".--

2. Mos. 14, 17. 18 und Psalm 46, 11 heisst es:

      *Ehre einlegen.--*

2. Mos. 15, 10: "Da liessest du deinen Wind blasen, und das Meer
bedeckte sie .. "Flavit spiritus tuus et operuit eos mare" ... rief
ein viel citiertes Wort hervor. Auf die Vernichtung der gegen England
gesandten Riesenflotte Philipps II., der Armada, durch die August-
und Septemberstürme d. J. 1588 schlugen nämlich die Holländer in
Middleburg eine Dank- und Denkmünze. Die eine Seite trägt mit den Wogen
kämpfende Schiffe und die Umschrift: "Flavit Jehovah et dissipati
sunt" ("Jehovah" in hebräischen Lettern auf einem Gewölk: vergl.
Van Loon "Nederlandsche Historipenningen" 1, 392). Die andere Seite
zeigt als Sinnbild des Protestantismus eine auf meerumbrandetem Fels
festgegründete Kirche, darunter des Moritz von Nassau Wappenschild und
um den Rand die Worte: "Allidor non laedor" ("mag es an mir anprallen,
wird es doch an mir abprallen"). Irrtümlich schreibt ~Addison~
("Spectator" No. 293) eine solche Denkmünze mit der Inschrift:
"Afflavit Deus et dissipantur" der Königin Elisabeth von England zu,
und ~Schiller~ bringt, nach ~Mercier~ ("Portrait de Philippe second"
Amst. 1785. "Précis historique" p. IX), in der Anmerkung zu seinem
Gedicht "Die unüberwindliche Flotte" (1786, "Thalia" II, 71) denselben
Irrtum nebst der nun durch ihn landläufig gewordenen Änderung der
Devise:

      *Afflavit Deus et dissipati sunt,*

die er am Schluss des Gedichtes also übersetzt:

      "Gott der Allmächt'ge blies,
      Und die Armada flog nach allen Winden".

  Dies lautet in ~Racines~ "Athalie" (1691) 5, 6, 3-4:

      "Comme le vent dans l'air dissipe la fumée,
      La voix du tout-Puissant a chassé cette armée ..."

  und in Martin ~Crugots~ "Der Christ in der Einsamkeit" (1756,
  J. Korn, Breslau): "Der Allmächtige blies und zerstäubete die
  Unüberwindliche wie Spreu, welche der Wind zerstreuet". Vrgl. "Martin
  Crugot, der ältere Dichter der unüberwindlichen Flotte Schillers".
  Urkundlich nachgewiesen von Karl Hermann Manchot (Bremen, C. W.
  Roussell, 1886. S. 23).--

Auf 2. Mos. 16, 15. 33. 35 (vrgl. Psalm 78, 24; Joh. 6, 31. 49. 58),
beruht:

      *Manna in der Wüste.--*

Wollen wir bezeichnen, dass sich jemand nach einer äusserlich besseren
Lage zurücksehnt, so sagen wir mit Anlehnung an 2. Mos. 16, 3 (vrgl. 4.
Mos. 11): "Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben, durch des Herrn
Hand, da wir bei den Fleischtöpfen sassen", dass er sich zurücksehnt
nach

      *den Fleischtöpfen Ägyptens.--*

2. Mos. 21, 24; 3. Mos. 24, 20; 5. Mos. 19, 21; Matthäi 5, 38 steht:

      *Auge um Auge, Zahn um Zahn.--*

Die Verehrung des Reichtums und die Sucht nach Metallbesitz bezeichnen
wir fälschlich nach 2. Mos. 32 (wo wörtlich 'gegossenes Kalb' steht)
mit

      *Anbetung des goldenen Kalbes; Tanz ums goldene Kalb;*

denn in der betreffenden Stelle handelt es sich um ein Götzenbild,
welches die Israeliten allerdings anbeteten und umtanzten, zu dessen
Herstellung sie sich aber ihres goldenen Geschmeides entäussert hatten;
auch liefert Ch. ~Beke~ (in "The Idol of Horeb: Evidence that the
Golden Image was a Cone and not a Calf", 1871) den Beweis, dass die
eigentliche Bedeutung des hebräischen Wortes nicht "Kalb", sondern
"Kegel" ist.--

Aus 2. Mos. 23, 6; 5. Mos. 16, 19; 24, 17; 27, 19; 1. Sam. 3, 3; Hiob
34, 12 (vrgl. auch Sprichw. 17, 23; 18, 5; Jes. 10, 2) entnehmen wir:

      *das Recht beugen,*

nach Luther, der so übersetzt, gleichviel ob in der Vulgata
"declinare", "opprimere", "subvertere" oder "pervertere" steht. Aber es
entstand unabhängig von ihm aus den Vulgataworten (5. Mos. 27, 19 vrgl.
dazu 24, 17 und Hiob 34, 12): "maledictus, qui pervertit iudicium ..."
die Wendung:

      *das Recht verdrehen*

Und daraus:

      *Rechtsverdreher*

Und:

      *Rechtsverdrehung.--*

Nach 2. Mos. 32, 27: "... Gürte ein jeglicher sein Schwert auf seine
Lenden ..." sagen wir für "sich kampfbereit machen":

      *Seine Lenden mit dem Schwert gürten.--*

2. Mos. 33, 11 steht geschrieben: "Der Herr aber redete mit Mose

      *von Angesicht zu Angesicht,*

wie ein Mann mit seinem Freunde redet".--

       *       *       *       *       *

Auf *3. Mos.* 16 (vrgl. 4. Mos. 7, 16ff.; 15, 24; 28 u. 29) beruht der
Ausdruck:

      *Sündenbock,*

von welchem Vers 21 und 22 geschrieben steht: "Da soll denn Aaron seine
beide Hände auf sein Haupt legen, und bekennen auf ihm alle Missethat
der Kinder Israel, und alle ihre Übertretung in allen ihren Sünden; und
soll sie dem Bock auf das Haupt legen, und ihn durch einen Mann, der
vorhanden ist, in die Wüste laufen lassen: dass also der Bock alle ihre
Missethat auf ihm in eine Wildnis trage".--

Aus 3. Mos. 19, 18: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst"
("als dich selbst": Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 31; Röm. 13, 9)
entsprangen die Worte:

      *Nächstenliebe*

und (Gal. 5, 14):

      *Liebe deinen Nächsten als dich selbst.--*

3. Mos. 19, 32 lautet: "Vor einem grauen Haupt sollt ihr aufstehen und
die Alten ehren"; daher wir sagen:

      *Ein graues Haupt ehren.--*

Aus 3. Mos. 19, 36: "Ihr sollt nicht ungleich handeln am Gericht, mit
der Elle, mit Gewicht, mit Maas" stammt die Wendung:

      *Mit gleicher Elle messen.--*

3. Mos. 20, 4 steht für "gegen Einen nachsichtig sein": dem Menschen

      *Durch die Finger sehen.--*

3. Mos. 24, 11-16 (vrgl. Daniel 7, 25) lesen wir von Einem, der "des
Herrn Namen lästert" und danach 2. Macc. 13, 6 das Wort:

      *Gotteslästerer*

und 2. Macc. 15, 24, wie Matth. 26, 25; Mark. 2, 7; 3, 28; 14, 64; Luk.
5, 21:

      *Gotteslästerung.*

Hier giebt der Grundtext:

      *Βλασφημία,*

      *Blasphemie*,

was bei den Hellenen lediglich "Lästerung" bedeutete.--

3. Mos. Kap. 25 ist überschrieben "Feier- und Jubeljahr", und es wird
darin den Kindern Israel befohlen, jedes fünfzigste Jahr mit dem
Schall der Posaune (hebräisch: jobel) als ein Erlassjahr anzukündigen,
"da jedermann wieder zu dem Seinen kommen soll". Eigentlich müsste
es also "Jobeljahr" heissen; aber schon im 6. Jahrh. n. Chr. nennt
~Arator~ ("de actib. Apostol." II, 677) dieses jüdische Festjahr "annus
iubilaeus". Wir sagen nun von einer seltenen Wiederholung, sie komme

      "_alle_ *Jubeljahr'* _mal_",

und die katholische Kirche feiert noch heute alle fünfundzwanzig Jahre
ein gewinnbringendes Jubel- und Gnadenjahr, welches zuerst Bonifacius
VIII. i. J. 1300 für eine hundertjährige Wiederkehr eingesetzt hatte.
Die Worte "Jubel, jubeln, jubilieren, Jubelfest, Jubiläum, Jubilar,
Jubelgreis ", sind alle davon herzuleiten.--

3. Mos. 26, 6; 1. Macc. 7, 50; 9, 57; 14, 11 steht:

      *Friede im Lande.--*

       *       *       *       *       *

Aus *4, Mos.* 6, 25: "Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir
und sei dir gnädig" entnehmen wir:

      *Sein Angesicht leuchten lassen über Jemandem.--*

4. Mos. 9, 23 heisst es von den Kindern Israel: "Nach des Herrn Munde
lagen sie und nach des Herrn Munde zogen sie, dass sie auf des _Herrn
Hut_ warteten ..." Dieser Spruch und andere auf den Wachtdienst im
Tempel bezügliche Stellen des alten Testamentes (s. 3. Mos. 8, 35; 4.
Mos. 9, 19; 1. Chron. 24, 32; Nehemia 12, 45; Sacharja 3, 7) trugen bei
zur Bildung des Sektennamens

      *Herrnhuter.*

Nämlich der Zimmermann Christian ~David~ aus Mähren begründete im Jahre
1722 auf Berthelsdorf, dem Oberlausitzischen Gut des frommen ~Grafen
Zinzendorf~, mit neun Anderen am ~Hutberge~ eine Niederlassung, aus der
die "evangelische Brüdergemeinde" hervorwuchs. Er, der Haushofmeister
Georg ~Heitz~ und der Magister Christian Gottfried ~Marche~ benannten
in des Spenders Abwesenheit den Ort "Herrnhut" und ~David~ schrieb
darüber (s. Ersch und Grubers "Encyclopädie" unter "Brüder-Unität"):
"Wir gaben diesem Orte nach dem dabei gelegenen ~Hutberge~ den Namen
~Herrnhut~, teils deswegen, weil wir uns immer dabei erinnern sollten,
dass der Herr über uns Hüter und Wächter ist, teils um uns täglich zu
erinnern, dass wir auch auf der Hut und Wache sein sollen".--

Für Riesenkind, riesig starker Mensch, sagen wir nach 4. Mos. 13, 23.
29. 34 und anderen Stellen des alten Testamentes

      *Enakskind.--*

Aus 4. Mos. 14, 34; 5. Mos. 31, 6. 8; Psalm 74, 11 schöpfen wir das Wort

      *die Hand abziehen von Einem.--*

Die Bezeichnung eines Haufens wüster Polterer durch

      *die Rotte Korah*

ist 4. Mos. 16, 5 entnommen.--

Auf 4. Mos. 31, 26. 27; Josua 22, 8; Eichter 5, 20 beruht:

      *Den Raub unter sich teilen.--*

      *Dorn im Auge*

ist aus 4. Mos. 33, 55 gebildet, wo es heisst:

    "Werdet ihr aber die Einwohner des Landes nicht vertreiben vor eurem
    Angesicht, so werden euch die, so ihr überbleiben lasset, zu Dornen
    werden in euren Augen--".--

       *       *       *       *       *

*5. Mos.* 1, 17 (vrgl. Sprichw. 24, 25; Joh. 7, 24) steht: "Keine
Person sollt ihr im Gericht ansehen" und Hiob 34, 19 heisst es von Gott
(vrgl. Hiob 13, 10; Maleachi 1, 9; Sir. 35, 16; Matth. 22, 16; Mark.
12, 14; Luk. 20, 21; Apostelg. 10, 34. 35; Röm. 2, 11; 2. Kor. 19, 7;
Gal. 2, 6; Ephes. 6, 9; Col. 3, 25; Jak. 2, 1): "Der doch nicht ansieht
die Person der Fürsten und kennt den Herrlichen nicht mehr, denn den
Armen". Daher verlangen wir mit 1. Petri 1, 17, man solle richten

      *Ohne Ansehen der Person.--*

Nach 5. Mos. 4, 26 sagen wir:

      *Himmel und Erde zu Zeugen* (_an_)*rufen.--*

5. Mos. 4, 29; 6, 15; 10, 12; 26, 16; 30, 2; 30, 6; 30, 10; Josua 22,
5; 23, 14; 1. Kön. 2, 4; 8, 48; 2. Kön. 23, 3. 25; Jerem. 32, 41 steht
geschrieben:

      *Von ganzem Herzen und von ganzer Seele--*

und 5. Mos. 30, 19 und 31, 28:

      *Himmel und Erde zu Zeugen nehmen.--*

Aus 5. Mos. 8, 3 ist:

      *Der Mensch lebt nicht vom Brot allein*

entnommen, was wir Matth. 4, 4 und mit Wortumstellung Luk. 4, 4 lesen.--

Für "Einen unbarmherzig strafen" sagen wir:

      *Einen steinigen*

nach 5. Mos. 13, 10; 17, 5; 21, 21. 24.--

      *Seine milde Hand aufthun*

stammt aus 5. Mos. 15, 11 (vrgl. Psalm 104, 28; 145, 16): "Es werden
allezeit Arme sein im Lande; darum gebiete ich dir und sage, dass du
deine Hand aufthust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist in deinem
Lande" und Psalm 37, 21: "Der Gerechte ist barmherzig und milde".--

5. Mose 21, 1-9 wird angeordnet, dass da, wo ein Erschlagener liege,
dessen Mörder unbekannt sei, die Ältesten der nächsten Stadt über einer
jungen Kuh, der der Hals abgehauen ist, ihre Hände waschen und dabei
sagen sollen: "Unsere Hände haben das Blut nicht vergossen, so haben
es auch unsere Augen nicht gesehen; sei gnädig deinem Volke Israel,
dass du, der Herr, erlöset hast, lege nicht das unschuldige Blut auf
dein Volk Israel u.s.w.". Hierauf beruht die uns nach Psalm 26, 6 oder
besser Ps. 73, 13 (vrgl. Pilatus bei Matth. 27, 24) geläufige Wendung:

      *Ich wasche meine Hände in Unschuld,*

oder:

      *Seine Hände in Unschuld waschen.--*

Aus 5. Mos. 22, 26 "Sünde des Todes werth" und 1. Joh. 5, 16. 17 "Sünde
zum Tode" stammt das Wort:

      *Todsünde.--*

Aus 5. Mos. 24, 1. 3 (vrgl. Matth. 5, 31; 19, 7; Mark. 10, 4; Luk. 16,
18; 1. Kor. 7, 10) stammt der

      *Scheidebrief.--*

      *Du sollst dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden*

steht 5. Mos. 25, 4 (vrgl. 1. Kor. 9, 9; 1. Timoth. 5, 18). Noch
heute wird in Syrien das im Freien ausgebreitete Getreide gedroschen,
indem man mit einem ochsenbespannten hölzernen Stuhlschlitten
darüberhinfährt, unter dessen Kufen scharfe Steine befestigt sind.--

5. Mos. 25, 18 findet sich:

      *müde und matt.--*

5. Mos. 27, 15-26 steht zwölfmal: "und alles Volk soll sagen: Amen";
Matth. 5, 37: "Eure Rede sei ja, ja ..." und Offenb. Joh. 22, 20: "Ja,
ich komme bald, Amen". Daher unser:

      *Ja und Amen zu Etwas sagen.--*

Aus 5. Mos. 28, 29, wo dem, der nicht auf des Herrn Stimme hörte,
prophezeit wird: "Und wirst tappen im Mittage, wie ein Blinder tappet
im Dunkeln", citieren wir:

      *im Dunkeln tappen.*

Vrgl. Hiob 5, 14; 12, 25.--

      *Vom Scheitel bis zur Sohle*

sagen wir nach 5. Mos. 28, 35; 2. Sam. 14, 25 und Hiob 2, 7, obwohl
wir eigentlich "von der Fusssohle an bis auf die Scheitel" citieren
müssten.--

Aus 5. Mos. 28, 37 (vrgl. 1. Kön. 9, 7; 2. Chron. 7, 20; Hiob 17, 6;
Jerem. 24, 9; Hes. 14, 8) entnehmen wir:

      *zum Sprichwort werden*

und:

      *zur Fabel werden.--*

Eine Person oder Eigenschaft, die Einem Unehre macht, nennen wir einen

      *Schandfleck*

nach 5. Mos. 32, 5: "Sie sind Schandflecken und nicht seine Kinder",
und nach Sir. 20, 26: "Die Lüge ist ein hässlicher Schandfleck an einem
Menschen" und 47, 21: "... und bringest deiner Ehre einen Schandfleck
an".--

      *Jemanden wie seinen Augapfel behüten*

ist aus 5. Mos. 32, 10 und Psalm 17, 8. (Sacharja 2, 8: "Wer euch
antastet, der tastet seinen Augapfel an".)--

      *Traubenblut*

für "Wein" finden wir 5. Mos. 32, 14.--

5. Mos. 32, 35 (Röm. 12, 19; Ebr. 10, 30) spricht der Herr:

      *Die Rache ist mein.--*

      *Mann Gottes*

steht 5. Mos. 33, 1 und sonst noch sechzigmal im alten Testamente.--

       *       *       *       *       *

*Josua* 1, 14; 8, 3; Richter 3, 29; 18, 2; 20, 17; 1. Chronika 6, 18;
11, 12 finden wir:

      *streitbare Männer,*

Josua 17, 1:

      *Ein streitbarer Mann.--*

Josua 3, 7 verspricht der Herr, "Josua gross zu machen vor dem ganzen
Israel", 4, 14 beginnt: "An dem Tage machte der Herr Josua gross vor
dem ganzen Israel", und in der "Historie von der Susanne und Daniel"
64 heisst es: "Und Daniel ward gross vor dem Volk". Daher stammt die
unserer jüdischen Bevölkerung geläufige Redensart:

      *Gross vor den Leuten.--*

Josua 6, 5. 10. 16. 20; 1. Thess. 4, 16 steht:

      *Feldgeschrei.--*

Nach Josua 10, 24; Psalm 74, 3; Ev. Joh. 13, 18 und Ebräer 10, 29 sagen
wir:

      *Einen mit Füssen treten.--*

Josua 24, 15 steht:

      *Ich* (_aber_) *und mein Haus wollen dem Herrn dienen.--*

Josua 24, 16; 1. Samuelis 14, 45; 2. Sam. 20, 20; Römer 3, 4. 6 und
öfters in den paulinischen Briefen lesen wir:

      *Das sei ferne!*

  vrgl. "Das sei ferne von dir" (1. Mos. 18, 25) und "Das sei ferne von
  mir" (1. Mos. 40, 7).--

       *       *       *       *       *

Das *Buch der Richter* 2, 10 (vrgl. 2. Kön. 22, 20; 2. Chronik. 34, 28;
1. Macc. 2, 69 und auch 1. Mos. 25, 8) schenkt uns das Wort:

      *zu seinen Vätern versammelt werden.--*

Im Buch der Richter 5, 6 (vrgl. Psalm 125, 5) steht: "... die da auf
Pfaden gehen sollten, die wandelten durch

      *krumme Wege".--*

Im Buche der Richter 6, 12 und Ruth 5, 6 steht:

      (_Ein_) *streitbarer Held.--*

Als Bezeichnung des Losungswortes für eine Partei gebrauchen wir nach
dem Buch der Richter 12, 5. 6:

      *Schiboleth.*

Die Gileaditer hatten sich bei einer Furt des Jordans aufgestellt und
richteten an jeden Ephraiter, der hinüber wollte, die Frage: "Bist
du ein Ephraiter? Wenn er dann antwortete: Nein; so hiessen sie ihn
sprechen: Schiboleth; so sprach er: Siboleth und konnte es nicht reden.
So griffen sie ihn" u.s.w.--

Löst jemand eine Aufgabe mit fremder Hülfe, so nennen wir das:

      *mit fremdem Kalbe pflügen,*

nach dem Vorgange Simsons, dessen Weib die Auflösung eines von ihm
aufgegebenen Rätsels seiner Verschwiegenheit entlockt und den Ratenden
mitgeteilt hatte, worauf er zu ihnen (nach dem Buche der Richter 14,
18) sprach: "Wenn ihr nicht hättet mit meinem Kalbe gepflüget, ihr
hättet mein Rätsel nicht troffen".--

      *Brandfuchs*

wird (nach ~Hase~: "Ideale und Irrtümer", Lpz. 1872, S. 116) der
Student im zweiten Semester genannt, weil ihm, dem "Fuchs", dann einige
Haare hinter dem Ohre mit einem Fidibus angebrannt wurden, damit er von
nun ab ein Brandfuchs im Kampfe gegen die Philister würde, wie (nach
dem Buche der Richter 15) Simson gegen die Felder, Gärten und Weinberge
der Philister dreihundert Füchse aussendete, von denen je zwei einen
Brand zwischen ihren Schwänzen hatten.--

      *Philister*

für Nichtstudent, Widersacher des Studententums, soll darauf beruhen,
dass, als am Ende des 17. Jahrhunderts[10] bei Händeln in Jena zwischen
den Studenten und den Einwohnern der Johannisvorstadt ein Student
erschlagen worden war, der Oberpfarrer und Generalsuperintendent Lic.
theol. ~Götze~ ihm die Leichenrede über den im Buche der Richter (16)
viermal vorkommenden Text gehalten habe:

      "*Philister über dir,*

Simson". (vrgl. ~Schmeitzel~ in den "Wöchentlichen Hallischen
Anzeigen", 1746 Sp. 177 und E. B. ~Wiedeburg~ "Beschreib. d. Stadt
Jena", Jena 1785, S. 155.)

[Fußnote 10: In "Jena und Umgegend, Taschenbuch für Fremde" von H.
Ortloff wird jedoch das Jahr 1624 angegeben.]

  Hingegen nach ~Oskar Justinus~ ("Schlesische Zeitung" Nr. 520, 1879)
  haben diejenigen Häuser der ehemaligen Universitätsstadt Helmstädt,
  welche in irgend einer Beziehung zur Universität standen, Tafeln
  mit einem Simson, der einem Löwen den Rachen aufreisst. Dies vom
  Kaiser Maximilian verliehene Siegel hätte zuwege gebracht, dass
  man alle, welche nicht unter diesem Zeichen standen, also alle
  Nichtakademiker, mit dem Namen der von Simson bekämpften Philister
  belegte. Friedrich ~Kluge~ bezweifelt diese Deutung mit Recht in
  seinem "historischen Wörterbuche der Studentensprache" (K. J.
  Trübner. Strassburg 1895).--

Dass sich ein Volk erhebt

      *wie Ein Mann*

ist ein Wort, das wir dem Buche der Richter 20, 1. 8. 11; Esra 2, 64;
3, 1. 9; 6, 20 und Nehemia 7, 66; 8, 1 entlehnen.--

       *       *       *       *       *

*1. Samuelis* 1, 15; Psalm 42, 5 und 62, 9 entstammt:

      *Sein Herz ausschütten.--*

Nach 1. Samuelis 3, 11 (vrgl. 2. Könige 21, 12): "Wer das hören wird,
dem werden seine beiden Ohren gellen" und Jeremias 19, 3: "ich will ein
solch Unglück über diese Stätte gehen lassen, dass, wer es hören wird,
ihm die Ohren klingen sollen"...sagen wir, dass Einem

      *die Ohren gellen* _oder_ *klingen.--*

1. Samuelis 3, 13 (vrgl. Hiob 21, 5; Matth. 6, 16) heisst es von Eli,
"dass er wusste, wie seine Kinder sich schändlich hielten, und hätte
nicht einmal

      *sauer dazu* _ge_*sehen".--*

Nach 1. Samuelis 5, 9 und 11 sagen wir:

      *Einen grossen Rumor machen.--*

Nach 1. Samuelis 9, 2, wo es von Saul heisst: "der war ein junger
feiner Mann" sagt man wohl:

      *ein feiner junger Mann;*

doch wird darunter nicht mehr, wie dort, ein stattlich gewachsener,
sondern ein wohlanständiger Jüngling verstanden und auch spöttisch ein
ladenmässig geschniegelter.--

Das von ~Goethe~ am Ende von "Wilhelm Meister's Lehrjahren"
angewendete:

      *Saul, der Sohn Kis, ging aus, seines Vaters Eselinnen zu
          suchen und fand ein Königreich*

erklärt sich aus 1. Samuelis, Kap. 9 und 10.--

      *Wie kommt Saul unter die Propheten?*

hat folgenden Ursprung. Einer Prophetenschar begegnend und vom Geiste
Gottes ergriffen, fing Saul auch an, unter ihnen zu weissagen, und sie
sprachen (1. Samuelis 10, 11); "Ist Saul auch unter den Propheten?" und
"Daher", heisst es 1. Samuelis 10, 12, "ist das Sprichwort kommen: Ist
Saul auch unter den Propheten?" (vrgl. 1. Sam. 19, 24.)--

      *Ein Mann nach dem Herzen Gottes*

beruht auf 1. Samuelis 13, 14 und Apostelg. 13, 22.--

1. Samuelis 16, 7 steht geschrieben: "Ein Mensch siehet, was vor Augen
ist, der Herr aber siehet das Herz an". Hieraus schöpfen wir unser:

      *Gott sieht aufs Herz.--*

Nach 1. Samuelis 17 nennen wir einen hochgewachsenen Mann einen

      *Goliath* _oder einen_ *Riesen Goliath.--*

Als ein Beispiel inniger Freundesliebe gelten uns

      *David und Jonathan*

nach 1. Samuelis 18, 1-7; 19, 1; 20, 17; 23, 18; 2. Samuelis 1, 26; 21,
7 (s. unten: 1. Macc. 10 und 11).--

Nach 1. Samuelis 25, 17. 25; 2. Samuelis 20, 1, wo aber "Mann" steht,
sagen wir:

      *Ein heilloser Mensch.--*

       *       *       *       *       *

*2. Samuelis* 8, 13 lesen wir:

      *Sich einen Namen machen.--*

Das bekannte Wort:

      *Krethi und Plethi,*

d.h. die Kreter (nach anderen die Karer) und Philister, welche die
Leibwache des Königs bildeten, steht 2. Samuelis 8, 18; 15, 18;
20, 7. 23; 1. Könige 1, 38. 44; 1. Chronica 19, 17 und es ist uns
gleichbedeutend mit "allerlei Pöbel".--

Als nach 2. Samuelis 10, 5 und 1. Chronika 20, 5 der Ammoniterkönig
Hanon den abgesendeten Dienern des Königs David hatte die Haare scheren
lassen, liess David ihnen sagen: "Bleibet zu Jericho, bis euer Bart
gewachsen", woraus jene volkstümliche Abfertigung an einen frühklugen
Unbärtigen entstand:

      *Gehe nach Jericho und lass dir den Bart wachsen.--*

Nach 2. Samuelis 11, 14 u. 15 nennt man einen Brief, welcher dem
Überbringer Unheil bringt:

      *Uriasbrief,*

denn David schickte an Joab den Uria mit einem Briefe des Inhalts:
"Stellet Uria an den Streit, da er am härtesten ist, und wendet euch
hinter ihm ab, dass er erschlagen werde und sterbe". Und also geschah
es.--

2. Samuelis 12, 5 steht:

      *Kind des Todes,*

1. Sam. 26, 16; Psalm 79, 11; 102, 21: "Kinder des Todes".--

Aus 2. Samuelis 15, 14 stammt:

      *Kein Entrinnen.--*

2. Samuelis 16, 7 u. 8 nennt Simei den David einen

      *Bluthund;*

und Sirach 34, 27 lautet: "Wer dem Arbeiter seinen Lohn nicht giebt,
der ist ein Bluthund".--

2. Samuelis 18, 9 berichtet von Absalom, der auf einem Maultier ritt:
"da das Maulthier unter eine grosse dicke Eiche kam, behing sein
Haupt an der Eiche und schwebete zwischen Himmel und Erde, aber sein
Maulthier lief unter ihm weg". Danach brauchen wir die Wendung:

      *zwischen Himmel und Erde schweben.--*

Aus 2. Samuelis 18, 33 und 19, 4 stammt:

      *O mein Sohn Absalom!--*

       *       *       *       *       *

*1. Könige* 2, 2 sagt der sterbende David zu seinem Sohne Salomo:

      *sei ein Mann.--*

1. Könige 3, 7 spricht Salomo zu Gott: "... bin ... ein kleiner Knabe,
weiss nicht weder meinen Ausgang noch Eingang". Daher sagen wir:

      *nicht aus noch ein wissen.--*

Auf 1. Könige 3, 16-28 beruht:

      *Salomonisches Urteil.*

Es wird da eine junge Mutter von einer anderen bei Salomo verklagt,
sie habe der Schlummernden ihr eigenes im Schlaf erdrücktes Kind
untergeschoben und sich deren lebendes genommen, was die Bezichtigte
läugnet. Um die Wahrheit herauszubringen, entscheidet der König, das
lebendige Kind solle mit dem Schwert in zwei Teile geteilt werden
und jeder eine Hälfte zufallen. Die eine willigt darein, die andere
aber will dann lieber ganz verzichten, "denn ihr mütterliches Herz
entbrannte über ihren Sohn". Da sprach Salomo: "Gebt dieser das Kind
lebendig und tötet es nicht; die ist die Mutter."--

      *Weise wie Salomo, Weisheit Salomos* _oder_ *Salomonis,
          salomonische Weisheit*

beruht auf 1. Könige 4, 29. 30. 31. 34; 5, 7. 12; 10, 4. 6. 7. 8. 23.
24; 11, 41; 2. Chronika 1, 10. 11. 12; 9, 3. 5. 6. 7. 22. 23; Luk. 11,
31 und dem Titel des apokryphischen Buches "die Weisheit Salomons an
die Tyrannen".--

1. Könige 12, 11 sprechen "die Jungen, die mit ihm aufgewachsen waren"
zu Rehabeam, Salomos Sohn, er möge dem um Erleichterung flehenden Volke
antworten: "mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ~Ich~ aber
will euch

      *mit Scorpionen* (_d.h. mit Geisseln_) *züchtigen".--*

1. Könige 22, 22 und 23 ist die Rede von "einem falschen Geist in aller
Propheten Munde" (vrgl. Jesais 9, 15; Jerem. 5, 31; 6, 13; 14, 14; 23,
25 und 26), danach reden wir mit Matth. 7, 15; 24, 11; Mark. 13, 22; 2.
Petri 2, 1; 1. Joh. 4, 1; Offenb. 16, 13; 15, 20 und 20, 10 von

      *falschen Propheten.--*

       *       *       *       *       *

Aus *2. Könige* 4, 40 entnehmen wir den Klageruf über schlechtes Essen:

      *der Tod im Topf!--*

       *       *       *       *       *

*1. Chronica* 13, 18 steht:

      *Friede sei mit dir.--*

1. Chronica 13, 19 sagen die Fürsten der Philister von David: "wenn er
zu seinem Herrn Saul fiele, so möchte es uns unsern Hals kosten"; daher
die Wendung:

      *es kostet den Hals.--*

1. Chronica 17, 34; Psalm 106, 1; 107, 1; 118, 1. 29; 1. Maccab. 4, 24;
Gesang der drei Männer im Feuer, 89, (vrgl. 2. Chronika 7, 3; Psalm
136, 1; Esra 3, 11) steht:

      *Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet
          ewiglich.--*

       *       *       *       *       *

*Esra* 9, 6 schliesst: "unsere Missethat ist über unser Haupt
gewachsen und unsere Schuld ist gross bis in den Himmel". Danach sagen
wir:

      *Sich Etwas über den Kopf wachsen lassen.--*

       *       *       *       *       *

Für "Alles was dazu dient, eine leere Stelle auszufüllen", sagen wir:

      *Lückenbüsser,*

nach *Nehemia* 4, 7: "da aber Saneballat, und Tobia, und die Araber,
und Ammoniter, und Asdoditer höreten, dass die Mauern zu Jerusalem
zugemacht waren, und dass sie die Lücken angefangen hatten zu büssen
(veraltet für: "ausbessern, flicken"), wurden sie sehr zornig".--

       *       *       *       *       *

      *Im Sack und in der Asche trauern* (_oder_) *Busse thun*

beruht auf *Esther* 4, 1 und 3 (vrgl. Jes. 58, 5; Jerem. 6, 26; Jona 3,
6; 1. Maccab. 3, 47; Matth. 11, 21; Luk. 10, 13).--

       *       *       *       *       *

In dem Buche *Hiob* 1, 1 u. 8; 2, 3 (vrgl. 2. Sam. 15, 3; Ps. 25, 21)
wird Hiob bezeichnet als

      *schlecht* (_d. i. schlicht_) *und recht.--*

Eine unglückliche Botschaft nennen wir eine

      *Hiobspost*

nach Hiob 1, 14. 16. 17 und 18; während

      *Arm wie Hiob*

sich auf das ganze Buch oder noch passender auf Hiob 17, 6 stützt: "Er
hat mich zum Sprichwort unter den Leuten gesetzt".--

      *Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der
          Name des Herrn sei gelobet*

steht Hiob 1, 21.--

Wenn wir bei einem grossen Schrecken sagen, dass uns

      *die Haare zu Berge stehen,*

so citieren wir damit Hiob 4, 15: "Und da der Geist vor mir über ging,
standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe".

      Sir. 27, 15 "gehen" Einem die Haare zu Berge.--

Hiob 8, 9 heisst es:

      (_Denn_) *wir sind von gestern* (_her und wissen nichts_).--

Aus Hiob 10, 22: "(Ehe denn ich hingehe) in das Land, da es stockdick
finster ist ..." schöpfen wir das Wort:

      *stockfinster.--*

Aus Hiob 15, 32: "und sein Zweig wird nicht grünen" ist die Redensart:

      *auf keinen grünen Zweig kommen*

wahrscheinlich entstanden.--

      *Ein leidiger Trost*

sagen wir nach Hiob 16, 2: "Ihr seid allzumal leidige Tröster".--

      *Den Weg gehen, den man nicht wiederkommt*

stammt aus Hiob 16, 22: "Aber die bestimmten Jahre sind gekommen und
ich gehe hin des Weges, den ich nicht wiederkommen werde". S. oben:
"Den Weg alles Fleisches gehen".--

Nach Hiob 12, 18: "Sie (die Gottlosen) werden sein ... wie Spreu, die
der Sturmwind wegführet," sagen wir von etwas Haltlosem, Vergänglichem,
es sei

      *wie Spreu im Winde.*

  Vrgl. Psalm 1, 4 "wie Spreu, die der Wind zerstreuet", Psalm 35, 5
  "wie Spreu vor dem Winde", sowie Hosea 13, 3 und Zephanja 2, 2.--

Hiob 21, 23; Tobias 5, 28 (vrgl. 8, 15; 14, 15); Sir. 30, 14 und 2.
Macc. 9, 20 lesen wir:

      *frisch und gesund.--*

Auf Hiob 25, 3; Psalm 97, 11; 112, 4; Matth. 4, 16 beruht:

      *Es geht mir ein Licht auf.--*

Hiob 27, 2 steht:

      *So wahr Gott leb*(_e_)*t.--*

Aus Hiob 27, 6: "... mein Gewissen beisst mich nicht" kam uns das Wort:

      *Gewissensbisse.--*

Hiob 29, 10 heisst es: "Da die Stimme der Fürstin sich verkroch und
ihre Zunge an ihrem Gaumen klebte"; Ps. 22, 16: "Meine Kräfte sind
vertrocknet wie ein Scherben und meine Zunge klebet an meinem Gaumen";
Ps. 137, 6: "Meine Zunge müsse an meinem Gaumen kleben, wo ich deiner
(Jerusalem) nicht gedenke"; Klagelieder 4, 4; "Dem Säuglinge klebt
seine Zunge am Gaumen vor Durst" und Hesekiel 3, 26: "Ich will die
Zunge an deinem Gaumen kleben lassen, dass du verstummen sollst".
Danach sagen wir:

      *Es klebt einem die Zunge am Gaumen*

vor Durst, Schreck, Schwäche oder Angst.--

Hiob 29, 16 steht: "Ich war

      *ein Vater der Armen",*

danach wir auch sagen:

      *Armenvater.--*

"Man hat mich in Dreck getreten und gleich geachtet dem

      *Staub und Asche"*

steht Hiob 30, 19 (vrgl. "Erde und Asche" 1. Mos. 18, 27; Sirach 10, 9;
"Erde und Staub" Sir. 17, 31).--

Aus Hiob 31, 17: "Habe ich meinen Bissen allein gegessen und nicht der
Waise auch davon gegessen?" 18: "Denn ich habe mich von Jugend auf
gehalten wie ein Vater ..." oder aus Sirach 4, 10: "Halte dich gegen
die Waisen wie ein Vater ..." bildeten wir das Wort:

      *Waisenvater.--*

Nach Hiob 36, 26: "Siehe, Gott ist gross und unbekannt" sagt man
von einem sich in Werken offenbarenden, sonst unsichtbar bleibenden
bedeutenden Geist:

      *Der grosse Unbekannte.*

So wurde (nach J. Ebertys "Walter Scott" 1, 143, 318, 322; 2, 42) der
anonyme Verfasser des "Waverley" genannt ("The great Unknown") und
Lenau singt ("der Hagestolz"):

      "Die Schädelpfeif' hat auch geraucht,
      Als drin das Leben brannte,
      Als noch der Raucher drein gehaucht,
      Der grosse Unbekannte".--

Des Herren Worte an das Meer:

      *Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter; hie sollen
          sich legen deine stolzen Wellen;*

finden sich Hiob 38, 11. Gewöhnlich wird, wie in Schillers "Räubern"
(2, 1), verkürzt citiert:

      *Bis hierher und nicht weiter!*

~Goethe~ legt die in dem Verse 11 enthaltenen Endworte in der Form:
"Werden sich schon legen die stolzen Wellen", der Postmeisterin in
"Stella" (1) in den Mund. Die Worte "und nicht weiter" sind sowohl in
der von Franzosen und Engländern richtig angeführten Übersetzung:

      *Nec plus ultra,*

wie in der Umformung, die wir damit vorgenommen:

      *Non plus ultra,*

eine Bezeichnung des höchsten Grades einer Eigenschaft geworden.--

Hiob 39, 30 (vrgl. Habakuk 1, 8) heisst es vom "Adler": "wo ein Aas
ist, da ist er", danach wir mit Matth. 24, 28 und Lukas 17, 37 sagen:

      *Wo* (_aber_) *ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.--*

Auf Hiob 42, 3: "... Darum bekenne ich, dass ich habe unweislich
geredet, dass mir zu hoch ist und nicht verstehe", oder auf Psalm 139,
6 (vrgl. 131, 1): "Solches Erkenntnis ist mir zu wunderlich und zu
hoch, ich kann es nicht begreifen" oder auf den "Sprüchen Salomons" 24,
7: "Weisheit ist dem Narren zu hoch"--beruht das Wort:

      *Das ist mir zu hoch.--*

       *       *       *       *       *

*Psalm* 1, 1: "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen; noch
tritt auf den Weg der Sünder; noch sitzet, da die Spötter sitzen ..."
liefert uns die Worte:

      *Sitzen, da die Spötter sitzen,*

oder:

      *Auf der Bank der Spötter sitzen.--*

Aus Psalm[11] 2, 1: "Warum toben die Heiden?" mag das Wort

      *Heidenlärm*

entstanden sein, was dann für "grosser Lärm" gebraucht ward und
in diesem Sinne des Gewaltigen Worte hervorrief wie "Heidengeld",
"Heidenprofit", "heidenmässig viel Geld".--

[Fußnote 11: Die folgenden Psaltercitate sind aus Luthers
Bibelübersetzung, wie sie ~jetzt~ vorliegt. In seiner ersten
Übersetzung von 1524 ("Der Psalter deutsch, nach Art ebräischer
Sprache") kommen manche in ganz anderer Form vor. Seine zweite
Übersetzung ist von 1531; aber in den späteren Ausgaben wurde noch
vieles geändert, so dass der heutige Text erst von 1545 stammt.]

Aus Psalm 2, 11: "Dienet dem Herrn mit Furcht und freuet euch mit
Zittern" stammt

      *mit Furcht und Zittern,*

was sich Tobias 13, 5; Ephes. 6, 5 und Philipp. 2, 12 wiederholt. Hiob
4, 14 und Ps. 55, 6 steht: "Furcht und Zittern", 1. Kor. 2, 3: "Mit
Furcht und grossem Zittern".--

Aus Psalm 4, 4: "Erkennet doch, dass der Herr seine Heiligen wunderlich
führet" stammt:

      *wunderlicher Heiliger*

und

      *Gott führt seine Heiligen wunderlich.--*

Aus Psalm 4, 9 (Vulgata): "in pace in idipsum dormiam et requiescam"
entnehmen wir, ohne dass dort vom Tode die Rede ist, unseren Wunsch für
einen Verstorbenen:

      *Requiescat in pace!*

      *Er ruhe in Frieden!*

und wenden ihn auch auf einen Lebenden an, den wir zu den Toten
werfen.--

Psalm 7, 10 (vrgl. Psalm 26, 2; Jerem. 11, 20; 17, 10; 20, 12;
Offenbar. 2, 23) bringt uns:

      *Herzen und Nieren prüfen.--*

Psalm 8, 6 steht:

      *Von Gott verlassen sein*

(vrgl. Psalm 22, 2; Matth. 27, 46; Mark. 15, 34).--

      *Reden ist Silber*

beruht wohl auf Psalm 12, 2: "Die Rede des Herrn ist lauter, wie
durchläutertes Silber" und Sprüche 10, 20: "Der Gerechten Zunge ist
köstliches Silber"; aber welcher Weise setzte hinzu: "Schweigen ist
Gold"? Der Prediger Salomo 3, 7 sagt nur: "Schweigen, Reden hat seine
Zeit". Manche nennen für "Reden ist Silber und Schweigen ist Gold" den
Koran als Quelle, bezeichnen aber klüglich nie die Sure, in der es
Mohammed offenbart habe.--

      *Zum Spott der Leute werden*

sagen wir nach Psalm 22, 7: "Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein
Spott der Leute und Verachtung des Volks".--

      *Jugendsünden*

entstand aus Psalm 25, 7: "Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend".--

Es heisst Psalm 34, 20:

      *Der Gerechte muss viel leiden,*

und 35, 20:

      *Die Stillen im Lande,*

ferner 37, 3:

      *Bleibe im Lande und nähre dich redlich.--*

Aus Psalm 39, 3: "Ich bin verstummet und still und schweige der Freuden
und muss mein Leid in mich fressen" stammt das Wort:

      *Sein Leid in sich fressen.--*

Psalm 41, 9 heisst es: "Sie haben ein

      *Bubenstück*

über mich beschlossen: wenn er liegt, soll er nicht wieder aufstehen".--

Aus Psalm 42, 2 citieren Dürstende:

      *Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser.--*

Den Ausdruck:

      *Falsche Zunge* _und_ *falsche Zungen*

lesen wir Psalm 52, 6; 120, 2; Sprüche 6, 17; 12, 19; 26, 28; Micha 6,
12.--

Psalm 73, 19 (s. Gefl. Worte aus der Geschichte: Schill) heisst es:

      *Ein Ende mit Schrecken nehmen.--*

Aus Psalm 75, 9 ist der Scherz entwickelt:

      *Die Gottlosen kriegen die Neige,*

oder:

      *Der Rest ist für die Gottlosen;*

denn der Herr wird dort als ein Schenk dargestellt, der uns aus einem
Becher starken Weines tränkt; aber "die Gottlosen" heisst es weiter,
"müssen alle trinken und die Hefen aussaufen". Jeremias 25, 15-28
reicht der Herr dem Propheten einen "Becher Weins voll Zorn" zum
Ausschenken.--

      *Jammerthal,*

(Psalm 84, 7; nach der Vulgata Ps. 83, 7: "vallis lacrymarum") ist
längst vor Luther aus dieser Bibelstelle gebildet worden.

  ~Hugo von Trimberg~ (1260-1309) wendet es in "Dem Renner", Vers 235
  und 896 an. (Nach der Erlanger Handschrift, herausg. in Bamberg
  1834-36.) In Grimms Wörterbuch sind eine Menge Stellen angegeben, wo
  es citiert wird.--

Psalm 90, 10 steht:

  *Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn's hoch kommt, so sinds
  achtzig Jahr, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und
  Arbeit gewesen.*

Hiernach sagen wir, es erreiche Einer

      *das Alter des Psalmisten* _oder_ *das Psalmistenalter.--*

Psalm 91, 12 bringt:

      *Auf* (_den_) *Händen tragen,*

was, mit Berufung auf diese Stelle, Matth. 4, 6 und Luk. 4, 11
wiederholen. Es wird von den Engeln gesagt, die dafür sorgen, dass der
Fuss des Getragenen nicht an einen Stein stosse; und es bedeutet daher
"mit Engelsgüte behandeln".--

Aus Psalm 92, 8: "Die Gottlosen grünen, wie das Gras, und die
Übelthäter blühen alle" entnehmen wir:

      *Grünen und blühen.*

"Blühen und grünen" soll "Israel" nach Jesaias 27, 6.--

Psalm 94, 15 steht:

      (_Denn_) *Recht muss* (_doch_) *Recht bleiben.--*

Das nach Psalm 104, 15 "Und dass der Wein erfreue des Menschen Herz"
gebildete:

      *Der Wein erfreut des Menschen Herz*

  ist der Anfang eines Trinkliedes von ~Gleim~ (Sämtl. Werke, hrsg. v.
  Körte, II, 166), der Ausspruch Bruder Martins in ~Goethes~ "Götz"
  (1. Akt), ferner der Anfang der Arie Nr. 3 aus dem musikalischen
  Quodlibet "Der Kapellmeister von Venedig" v. ~Breitenstein~ (Danzig
  bei "Wedel, ersch. nach Mozarts "Don Juan"), endlich der Anfang
  eines von Zelter 1795 komponierten Liedes von ~Karl Müchler~ in
  F. W. A. ~Schmidts~ "Neuem Berlinischen Musenalmanach" (1797, S.
  45), das fälschlich J. H. ~Voss~ zugeschrieben und irrig in Fr. v.
  ~Sonnenbergs~ Gedichte (Rudolst. 1808) aufgenommen wurde, (vrgl.
  Sprüche Salomons 31, 6. 7; Prediger 10, 19; Sirach 32, 34-35; 40,
  20.)--

      *Das auserwählte Volk*

werden die Juden genannt nach Psalm 105, 43: "also führte er sein Volk
aus mit Freuden und seine Auserwählten mit Wonne" und nach 2. Macc. 5,
19: "Gott hat das Volk nicht auserwählt um der Stätte willen, sondern
die Stätte um des Volkes willen."--

      *Vor den Riss treten,*

d.h. "Verluste durch Einsetzung der eigenen Person wieder gut machen",
ist ein biblischer Gedanke, s. Psalm 106, 23, Hesekiel 13, 5 und 22,
30. An der ersten Stelle lautet der Ausdruck: "den Riss aufhalten", an
der zweiten: "vor die Lücken treten", an der dritten: "wider den Riss
stehen".--

      *Eine durstige Seele*

steht Psalm 107, 9 und ebenda (vrgl. Baruch 2, 18):

      *Eine hungrige Seele.--*

Nach Psalm 107, 42: "... aller Bosheit wird das Maul gestopfet werden"
(vrgl. Matth. 22, 34; Titus 1, 11) sagen wir:

      *Einem das Maul stopfen.*

  "Lügenmäuler verstopfen" steht Psalm 63, 12, "den Mund stopfen" Psalm
  40, 10 u. Luk. 11, 53.--

      *Augen haben und nicht sehen und Ohren haben und nicht hören*

beruht auf Psalm 115, 5. 6; 135, 16. 17; Jer. 5, 21; Hesek. 12, 2;
Weisheit 15, 15.--

Psalm 116, 11 steht:

      *Omnis homo mendax,*

      Alle Menschen sind Lügner.--

Im Texte von Psalm 127, 2: "Denn seinen Freunden giebt er's schlafend",
liegt das Wort:

      *Gott giebt's den Seinen im Schlafe,*

oder:

      *Dem Gerechten giebt's der Herr im Schlafe.--*

Als Umgestaltung von Psalm 127, 3: "Siehe, Kinder sind eine Gabe des
Herrn" mag gelten:

      *Viel Kinder, viel Segen.--*

Psalm 143, 2: "... gehe nicht in's Gericht mit deinem Knechte; denn vor
dir ist kein Lebendiger gerecht" giebt uns das Wort:

      *Mit Einem ins Gericht gehen.--*

Psalm 145, 15 und 16 (s. oben 5. Mos. 15, 11) steht das Tischgebet:

    *Aller Augen warten auf Dich und Du giebst ihnen ihre Speise zu
    seiner Zeit. Du thust Deine Hand auf und erfüllest alles, was lebet,
    mit Wohlgefallen.--*

       *       *       *       *       *

Der weise Salomo, der "dreitausend Sprüche redete" (1. Könige 4, 32),
und der den Sprichwörtern die allgemeingültige Bezeichnung der

      *Weisheit auf der Gasse*

(*Sprüche Salomons* 1, 20: "Die Weisheit klaget draussen, und lässet
sich hören auf den Gassen") verschafft hat, wird natürlich oft
citiert.--


"Sprüche" 1, 10 lautet:

      (_Mein Kind,_) *wenn dich die bösen Buben
          locken, so folge nicht.--*

"Sprüche" 2, 16 warnt vor "eines andern Weib, und die nicht dein ist,
die

      *glatte Worte*

giebt".--

"Sprüche" 3, 12 enthält:

      *Welchen der Herr liebet, den strafet er,*

was sich Ebräer 12, 6 ähnlich wiederholt (s. auch Offenbar. Joh. 3, 19):

      *We*(_lche_)*n der Herr lieb hat, den züchtigt er.--*

"Sprüche" 4, 24 lesen wir: "Thue von dir den verkehrten Mund und lass
das

      *Lästermaul*

ferne von dir sein".--

"Sprüche" 5, 4 heisst es im schlimmen, Ebräer 4, 12 und Offenb. Joh. 1,
16 u. 2, 12 im guten Sinne von einer scharfen Rede, sie sei wie

      *ein zweischneidig*(_es_) *Schwert.*

Gedankenlos wird heute dies Wort so citiert, als sei im allgemeinen
ein Schwert gemeint, dessen eine Schärfe Heil, dessen andere Unheil
bringe.--

"Sprüche" 8, 14 steht: "Mein ist beides

      *Rat und That";*

während es Jeremias 32, 19 heisst: "Gross von Rat und mächtig von
That".--

      *Gestohlenes Wasser schmeckt süss,*

sagen wir nach "Sprüche" 9, 17: "Die verstohlenen Wasser sind süsse"
(vrgl. 20, 17) und

      *Unrecht Gut gedeiht nicht,*

nach "Sprüche" 10, 2: "Unrecht Gut hilft nicht" (vrgl. Sirach 5, 10;
41, 12 u. unter Kap. X: Sophokles).--

      *Dies irae,*

der Tag des Zorns, d.h. des Gerichts Gottes, steht, wie "Sprüche" 11,
4 "dies ultionis" und Hesekiel 7, 19 "dies furoris", in der Vulgata
Römer 2, 5 (vrgl. Offenb. 6, 16. 17; 11, 18) und bildet den Anfang des
Liedes von ~Thomas von Celano~ (13. Jahrh.), das beim katholischen
Traueramte ertönt und in ~Goethes~ "Faust" dem reuigen Gretchen im Dome
entgegenbraust.--

"Sprüche" 12, 10 bietet:

      *Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes.--*

"Sprüche" 13, 24 steht: "Wer seiner Ruthe schonet, der hasset seinen
Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtiget ihn bald", (vrgl. Sirach 30,
1.) Hiernach ist gebildet:


      *Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es.--*

"Sprüche" 14, 13: "Nach dem Lachen kommt Trauern, und nach der Freude
kommt Leid" und Lukas 6, 25: "... Wehe euch, die ihr hier lachet, denn
ihr werdet weinen und heulen" sind die Quellen des Wortes:


      *Nach Lachen kommt Weinen.--*

Nach "Sprüche" 16, 9 (Vulgata): "Cor hominis disponit viam suam, sed
Domini est dirigere gressus eius", bei ~Luther~: "Des Menschen Herz
schläget seinen Weg an, aber der Herr allein giebt, dass er fortgehe"
ist gebildet:

      *Homo proponit, sed Deus disponit.*

      *Der Mensch denkt, Gott lenkt.*

      *L'homme propose et Dieu dispose.*

  Der lateinische Spruch kommt schon in dem englischen Gedichte W.
  ~Langlands~ "Piers Ploughmans Vision", (Mitte des 14. Jahrh.) V. 6644
  und V. 13,994 vor. An ersterer Stelle heisst es: "Homo proponit,
  sprach ein Dichter, und Plato hiess er, und Deus disponit sprach er;
  lass Gott seinen Willen thun".--

      *Hochmut kommt vor dem Fall*

ist gebildet nach "Sprüche" 16, 18: "Stolzer Mut kommt vor dem Fall"
(vgl. Tobias 4, 14: "Hoffart ... ist ein Anfang alles Verderbens" und
Sirach 3, 30: "Hochmut thut nimmer gut und kann nichts denn Arges
daraus erwachsen").--

"Sprüche" 19, 17 steht:

      *Wer sich des Armen erbarmet, der leihet dem Herrn.--*

"Sprüche" 24, 8 lautet: "Wer ihm selbst Schaden thut, den heisst man
billig einen

      *Erzbösewicht".*

Als solcher wird Maccabäer 15, 3 Nicanor bezeichnet, der aber anderen
Schaden zu thun trachtet.--

Aus "Sprüche" 24, 15: "Laure nicht als ein Gottloser, auf das Haus des
~Gerechten~, verstöre ~seine Ruhe~ nicht" mag sich der Ausdruck

      *Schlaf des Gerechten*

entwickelt haben (andere leiten ihn her aus 3. Mos. 26, 6; aus Psalm 3,
6, 7; 4, 9; 127, 2; oder aus Sprüche Sal. 3, 24).--

"Sprüche" 24, 29: "Wie man mir thut, so will ich wieder thun", wird
verkürzt zu:

      *Wie du mir, so ich dir.--*

"Sprüche" 25, 11 bringt uns:

      *Güldene Äpfel in silbernen Schalen.--*

"Sprüche 25, 22 steht geschrieben: wer seinem Feinde Gutes thut, wird
"Kohlen auf sein Haupt häufen" d.h. er wird dessen Wangen vor Schamröte
erglühen machen. Nach dem Apostel Paulus (Röm. 12, 20) citieren wir
dies Wort also:

      *Feurige Kohlen auf sein* (_oder: Jemandes_) *Haupt sammeln.--*

Nach "Sprüche" 26, 27: "Wer eine Grube machet, der wird darein fallen"
(vrgl. Psalm 7, 16; 9, 16; 57, 7; Predig. Sal. 10, 8; Sirach 27, 29)
ist gebildet:

      *Wer ändern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.*

  Vrgl. ~Hesiod~, (Werke und Tage, Vers 265): "οἷ τ' αὐτῷ κακὰ τεύχει
  ἀνὴρ ἄλλῳ κακὰ τεύχων" (Der Mann, der einem andern
  Böses bereitet, bereitet das Böse sich selbst.)--

       *       *       *       *       *

*Prediger Salomo* 1, 2 und 12, 8 ruft: "Es ist alles ganz eitel",
danach wir sagen:

      *Alles ist eitel.*

Auch wird der lateinische Text citiert:

      *Vanitas vanitatum, et omnia vanitas.--*

1, 7 (vrgl. Sirach 40, 11) heisst es:

      *Alle Wasser laufen ins Meer.--*

1, 8: ... "das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich
nimmer satt" liess uns das Wort bilden:

      *Ein Nimmersatt.--*

1, 9:

      *und geschiehet nichts Neues unter der Sonne.--*

3, 1:

      *Ein jegliches hat seine Zeit.--*

3, 11:

      (_Er aber thut_) *Alles* (_fein_) *zu seiner Zeit.--*

3, 12: "Darum merke ich, dass nichts besseres darinnen ist, denn
fröhlich sein und ihm

      *(sich) gütlich thun*

in seinem Leben".--

3, 13: "Denn ein jeglicher Mensch, der da isset und trinket und hat
guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist

      *eine Gabe Gottes".--*

5, 18: "... welchem Menschen Gott Reichtum und Güter und Gewalt giebt,
dass er davon isset und trinket für sein Teil und fröhlich ist in
seiner Arbeit; das ist

      *eine Gottes-Gabe".--*

4, 12: "Einer mag überwältigt werden, aber zween mögen widerstehen;
denn eine dreifältige Schnur reisst nicht leicht entzwei", daher wohl
stammt:

      *Doppelt reisst nicht* _oder:_ *Doppelt hält besser.--*

9, 4:

       *Ein lebendiger Hund ist besser weder* (_d.h. als_) *ein toter
           Löwe.--*

Nach dem Prediger Salomo 10, 15: "Die Arbeit der Narren wird ihnen
sauer" und nach Sirach 7, 16: "Ob dirs sauer wird mit deiner Nahrung
und Ackerwerk, das lass dich nicht verdriessen" sagen wir:

      *Es wird Einem sauer*

und:

      *Saure Arbeit.--*

Pred. Sal. 10, 16 bietet:

      *Wehe dir Land, dess König ein Kind ist.--*

Aus Pred. 12, 1: "Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn
die bösen Tage kommen und die Jahre herzutreten, da du wirst sagen: sie
gefallen mir nicht", entnehmen wir:

      *Das sind Tage, von denen wir sagen: Sie gefallen uns nicht.--*

12, 12 steht:

      *Viel Büchermachens ist kein Ende.--*

       *       *       *       *       *

*Das Hohelied Salomons* (1, 15; 4, 1; 5, 12) schenkt uns das Wort:

      *Taubenaugen*

und (8, 6):

      *Liebe ist stark wie der Tod.--*

       *       *       *       *       *

Nach *Jesaias* 5, 7: "Des Herrn Zebaoth Weinberg aber ist das Haus
Israel" (vrgl. Matth. 20, 1 ff.) sprechen wir vom

      *Weinberg des Herrn.--*

Jesaias 8, 14 und 1. Petri 2, 8 findet sich:

      *Stein des Anstossens* (_gewöhnlich:_ *des Anstosses),*

während Römer 9, 32 und 33 "Stein des Anlaufens" gesagt wird.--

Wenn die christliche Poesie den Fürsten der Finsternis

      *Lucifer*

      (Lichtbringer)

nennt, so stützt sie sich auf Jesaias 14, 12: "Wie bist du vom Himmel
gefallen, du schöner Morgenstern!" da die lateinische Bibel für
"Morgenstern" "Lucifer" setzt.--

      *Der Grund- und Eckstein*

sagen wir von dem Wesentlichen eines Werkes nach Jesaias 28, 16:
"... ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen
köstlichen Eckstein."

  (Vrgl. Psalm 118, 22: "Der Stein, den die Bauleute verworfen, ist
  zum Eckstein geworden" und Jer. 51, 25-26: "... ich will an dich, du
  schädlicher Berg ... dass man weder Eckstein noch Grundstein aus dir
  nehmen könne". S. auch unter den "Gefl. Worten aus der Geschichte":
  Süvern.)--

Jesaias 34, 8 (u.a.a.O.) steht:

      *Der Tag der Rache.--*

Nach Jesaias 38, 1: "... Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben" ...
sagen wir für "sein Testament machen":

      *Sein Haus bestellen.--*

Wer vergeblich mahnt, den nennen wir einen

      *Prediger in der Wüste*

nach Jesaias 40, 3: "Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste"
(vrgl. Jes. 53, 1: "... wer glaubt unserer Predigt?"); nach der Vulgata:

      *vox clamantis in deserto,*

was, gedeutet auf Johannes den Täufer, Matth. 3, 3, Mark. 1,3, Luk.
3, 4 und Johannes 1, 23 wiederholt wird. Genau genommen wäre zu
übersetzen: "Es ist die Stimme eines Rufenden: In der Wüste (bereitet
dem Herrn den Weg, auf dem Gefilde machet eine Bahn unserm Gotte)".
Hieraus und aus Jesaias 42, 20: "Man predigt wohl viel, aber sie
halten es nicht; man sagt ihnen genug, aber sie wollen es nicht hören"
bildete man wohl das Wort:

      *Tauben Ohren predigen.--*

Aus Jesaias 48, 4 "und deine Stirn ist ehern" ist entnommen:

      *Eherne Stirn,*

oder, wie Lessing (1755 "Miss Sara Sampson" 2, 4) sagt:

      *Eiserne Stirn,*

die er auch der "frons ferrea" der Angeberschar bei ~Plinius~
(Panegyricus, 35) verdanken kann.--

In der Vulgata lautet Jesaias 49, 20: "... Angustus est mihi locus, fac
spatium mihi, ut habitem".--"Der Raum ist mir zu eng, mach' mir Platz,
auf dass ich wohnen kann!" In seinem "Il poeta di teatro" (zuerst
ersch. Lond. 1808) II, 14 "la rivoluzione teatrale", 2, singt Filippo
~Pananti~ da Mugello, wohl darauf anspielend:

      E donde nascon le rivoluzioni?
      Dai lumi dei filosofi? dal peso
      Dell' ingiustizia, delle imposizioni?
      So che questo si dice; anch' io l'ho inteso.
      Ma tutto si riduce, al parer mio,
      Al dire, ~esci di li, ci vo' star io.~

      Und woher kommen Revolutionen?
      Von Philosophenlichtern? Von den Banden
      Der Ungerechtigkeit, der Steuerfronen?
      Ich weiss, so sagt man; und ich hab's verstanden.
      Doch scheint mir alles drauf hinaus zu gehen,
      Zu sagen: ~pack' dich fort, ich will hier stehen!~

~Giusti~ wiederholte fast buchstäblich die beiden letzten Verse in
einem Sonett (1829) mit dem Zusatz: "come dice un poeta da Mugello"
"wie's ein Poet Mugellos ausgedrückt". Wir aber citieren die
Schlusssentenz in der französischen Fassung des Grafen Saint-Simon
("Catéchisme des industriels". Paris 1823, s. "Oeuvres" Paris 1875.
Vol. VIII, p. 53):

      *ôte-toi de là, que je m'y mette!--
      Ein Himmel, wie ein Sack*

sagen wir nach Jesaias 50, 3: "Ich kleide den Himmel mit Dunkel und
mache seine Decke als einen Sack".-- Wer geduldig, still und willig
anderen nachgiebt, von dem sagen wir, nach Jesaias 53, 7 und Apostelg.
8, 32, er sei

      *wie ein Lamm.--*

Wer da schweigt, wo er reden sollte, von dem sagen wir, er sei

      *Ein stummer Hund*

nach Jesaias 56, 10: "Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle
nichts: stumme Hunde sind sie, die nicht strafen; sind faul, liegen und
schlafen gerne".--

      *Kopfhänger* _und_ *Kopfhängerei*

bilden wir nach Jesaias 58, 5: "Sollte das ein Fasten sein, das ich
erwählen soll, dass ein Mensch seinem Leibe des Tages über Leid thue
oder seinen Kopf hänge wie ein Schilf ...", aus Jeremias 48, 39: "Wie
heulen sie! Wie schändlich hängen sie die Köpfe!" und aus Sirach 19,
23: "Derselbige Schalk kann den Kopf hängen und ernstlich sehen und ist
doch eitel Betrug".--

Von Leuten, die Böses sinnen, sagen wir, dass sie

      *Basiliskeneier ausbrüten*

nach Jesaias 59, 5: "Sie brüten Basiliskeneier und wirken Spinnwebe.
Isset man von ihren Eiern, so muss man sterben, zertritt man sie aber,
so fährt eine Otter heraus", (vrgl. ~Plinius~: "Basiliskenblick".)--

       *       *       *       *       *

Nach *Jeremias* 4, 20 und 11, 16 reden wir von einem

      *Mordgeschrei,*

nach Jeremias 12, 6 von

      *Zeter schreien,*

und nach Amos 3, 9 und Judith 14, 16 von

      *Zetergeschrei,*

woraus wir gebildet haben

      *Mord und Zeter schreien* _und_ *Zeter Mordio.--*

Das übliche Bild vom

      *Lockvogel*

findet sich zuerst bei Jeremias 5, 27: "ihre Häuser sind voller Tücke,
wie ein Vogelbauer voller Lockvögel ist"; und bei Sirach 11, 81: "Ein
falsch Herz ist wie ein Lockvogel auf dem Kloben und lauert, wie er
dich fangen möge", (vrgl. auch: Lockspitzel.)--

Jeremias 7, 11: "Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen
genannt ist, für eine Mördergrube?" citiert Matth. 21, 13 (vrgl. Luk.
19, 46) in der Form: "Mein Haus soll ein Bethaus heissen. Ihr aber habt
eine Mördergrube daraus gemacht", und wir citieren danach ganz ungenau,
wenn wir statt "aus jemandes Hause ..." sagen:

      *Aus seinem Herzen eine Mördergrube machen.--*

Jeremias 12, 13 (vrgl. Sirach 11, 11) heisst es von den Gottlosen:
"sie lassen es ihnen [= sich] sauer werden, aber sie werden es nicht
geniessen", daher wir sagen:

      *Es sich* _oder_ *Sich's sauer werden lassen.--*

Auf Jeremias 13, 23: "Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein
Parder seine Flecken?" beruht:

      *Mohrenwäsche, einen Mohren weiss waschen.*

Die Griechen sagten sprichwörtlich: "Einen Aethiopier abreiben". (S.
~Aesop~, Fab. 13 rec. v. Halm, ~Lucian~ "An den Ungebildeten", 28 und
~Zonaras~ 15, 4.)--

"Gnade und Barmherzigkeit" findet sich sehr oft in der Schrift; aber

      *ohne Gnade und Barmherzigkeit,*

wie wir zu sagen pflegen, beruht wohl auf Jeremias 16, 5: "... ich
habe meinen Frieden von diesem Volk weggenommen, spricht der Herr,
samt meiner Gnade und Barmherzigkeit", wobei dann noch vorschweben mag
Psalm 56, 8: "Gott stosse solche Leute ohne alle Gnade hinunter" oder
Psalm 59, 14: "Vertilge sie ohne alle Gnade" und 2 Macc. 5, 12: "Und
hiess die Kriegsknechte erschlagen ohne alle Barmherzigkeit" oder Ebr.
10, 28: "Wenn jemand das Gesetz Mosis bricht, der muss sterben ohne
Barmherzigkeit".--

Jeremias 26, 23 lesen wir, dass Jojakim des hingerichteten Uria
"Leichnam unter dem

      *gemeinen Pöbel.*

begraben" liess.--

Jeremias 31, 34 spricht der Herr: "ich will ihnen ihre Missethat
vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken", danach wir sagen:

      *vergeben und vergessen.--*

Jeremias 32, 7-8 steht geschrieben: "Du hast das nächste Freundrecht
dazu, ... denn du hast Erbrecht dazu und du bist der Nächste". Daraus
stammt das vielcitierte Lieblingswort der Frau Pastorin in Fritz
~Reuters~ "Ut mine Stromtid" (1862-64):

      *Ich bin die Nächste dazu.--*

Jeremias 32, 34 steht:

      *versiegelt und verbrieft.--*

Nach Jeremias 33, 8: "Er hält weder Treue noch Glauben" sagen wir:

      *Treue und Glauben halten.--*

Jeremias 50, 43 (s. Hesekiel 30, 16) heisst es vom Könige zu Babel:
"ihm wird so

      *angst und bange werden,*

wie einer Frau .......". Nach Sirach 4, 19 sagen wir:

      *angst und bange machen,*

  ("bange und angst" steht 1. Maccab. 13, 2).--

Nach Jeremias 51, 6: "Fliehet aus Babel, damit ein jeglicher seine
Seele errette ...", 51, 9: "Wir heilen Babel, aber sie will nicht heil
werden ...", 51, 24: "ich will Babel vergelten alle ihre Bosheit,
die sie an Zion begangen ..." 51, 25: "Siehe, ich will an Dich, du
schädlicher Berg ..." und nach anderen Bibelstellen dient

      *Babel*

uns zur Bezeichnung einer sündhaften Grossstadt. Wer bildete danach das
für Paris übliche Wort:

      *Seinebabel?--*

Aus Jeremias 51, 39 (s. auch 57) entnehmen wir:

      *Den ewigen Schlaf schlafen,*

denn es heisst dort: "Ich will sie ... trunken machen, dass sie
fröhlich werden und einen ewigen Schlaf schlafen, von dem sie
nimmermehr aufwachen sollen, spricht der Herr".--

       *       *       *       *       *

Nach *"Klaglieder Jeremiae"* bilden wir:

      *Jeremiade.--*

Aus 2, 11 (vrgl. Baruch 2, 18) entnehmen wir:

      *sich die Augen ausweinen.--*

2, 12 (vrgl. Apostelg. 5, 5 und 10; 12, 23) bringt uns die übliche
Wendung für "sterben":

      *Den Geist aufgeben.--*

3, 41: "Levemus corda nostra cum manibus ad Dominum in coelos" "Lasst
uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel" scheint die
Quelle des

      *Sursum corda!*

      empor die Herzen!

zu sein, womit der katholische Priester die "Praefatio", den Lobgesang
beginnt, welcher den "Canon missae", die Einsegnung des Brotes und
Weines, einleitet. Die Gemeinde respondiert dann: "habemus ad Dominum"
"wir haben sie zum Herrn (emporgerichtet)". Schon Cyprian, der
Kirchenvater (3. Jahrh.), erwähnt diesen Brauch ("De dominica oratione"
"Über das Gebet des Herrn", 31).--

       *       *       *       *       *

*Hesekiel* 3, 19 (vrgl. 33, 9) lautet: "Wo du aber den Gottlosen
warnest und er sich nicht bekehret von seinem gottlosen Wesen und Wege:
so wird er um seiner Sünde willen sterben; aber du hast eine Seele
errettet". Daher rührt unser:

      *dixi et salvavi animam meam,*

Ich habe gesprochen (d.h. gewarnt) und meine Seele gerettet (d.h. mein
Gewissen beruhigt).--

Hesekiel 17, 21 steht:

      *In alle Winde zerstreut.--*

Hesekiel 17, 24 u. 21, 26 (vrgl. Sprüche Sal. 29, 23; Xenophon
"Anabasis" 6, 3; Luk. 14, 11 u. 18, 14) citieren wir mit Matth. 23, 12
in dieser Form:

    *Wer sich selbst erhöhet, der wird erniedriget, und wer sich selbst
        erniedriget, der wird erhöhet.--*

Hesekiel 33, 14. 16. 19; 45, 9 entnehmen wir:

      *Thun was recht und gut ist.--*

       *       *       *       *       *

Auf Nebucadnezars Traum im *Daniel* 2, 31-34 beruht das Wort:

      *Koloss mit* _oder_ *auf thönernen Füssen.--*

Für "Warnungsruf" sagen wir:

      *Mene Tekel*

nach Daniel 5, 25. König Belsazer gab ein wüstes Mahl. Plötzlich sah er
entsetzt an der hell bestrahlten Wand des Saales entlang sich Finger
einer Menschenhand bewegen und die Worte verzeichnen: "Mene, Mene,
Tekel, Upharsin". Daniel, zur Deutung dieser rätselhaften Ausdrücke
herbeigerufen, las den Untergang des Reiches heraus. Der König starb
in der folgenden Nacht. Die in Vers 27 enthaltene Verdolmetschung des
Wortes "Tekel": "man hat dich in einer Wage gewogen und zu leicht
gefunden", hat der deutschen Sprache die Wendung zugeführt:

      *In einer Wage gewogen und zu leicht befunden werden.--*

Daniel 9, 27 (11, 31; 12, 11; 1. Maccab. 1, 57; Matth. 24, 15; Mark.
13, 14) bietet:

      *Gräuel der Verwüstung.--*

       *       *       *       *       *

Auf *Hosea* 8, 7 (vrgl. "ut sementem feceris, ita metes"): "Sie säen
Wind und werden Ungewitter einernten", "ventum seminabunt, et turbinem
metent" beruht:

      *Wer Wind säet, wird Sturm ernten.--*

       *       *       *       *       *

*Joël* 2, 13 steht: "Zerreisset eure Herzen und nicht eure Kleider" und
Psalm 7, 2-3: "Hilf mir ...; dass sie nicht, wie Löwen, meine Seele ...
zerreissen ..." Hieraus entstand uns wohl das Wort

      *herzzerreissend.--*

       *       *       *       *       *

Nach *Amos* 5, 7 u. 24; 6, 12 reden wir von

      *Recht und Gerechtigkeit.--*

Amos 5, 12 steht: "... ich weiss ..., wie ihr die Gerechten dränget und

      *Blutgeld*

nehmet und die Armen ... unterdrücket". Auch werden Matth. 27, 6 mit
diesem Wort die dreissig Silberlinge bezeichnet, für die Judas Jesum
verriet.--

       *       *       *       *       *

Nach *Jona* 4, 11 sprach der Herr: "Und mich sollte nicht jammern
Ninive's, solcher grossen Stadt, in welcher sind mehr denn hundert und
zwanzig tausend Menschen, die

      *Nicht wissen* (_Unterschied_), *was rechts oder links ist,*

dazu auch viele Tiere?"--

       *       *       *       *       *

*Micha* 7, 3 steht: "die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen "Schaden
zu thun, und drehen es, wie sie wollen", und Sirach 19, 22 heisst es
vom "Schalk": er "kann die Sache drehen, wie er's haben will". Danach
sagen wir:

      *Es* _oder_ *Eine Sache drehen, wie man will.--*

       *       *       *       *       *

*Zephanja* 1, 11 heisst es: "Heulet, die ihr in der Mühle wohnet; denn
das ganze

      *Krämervolk*

ist dahin und alle, die Geld sammeln sind ausgerottet", woher wohl Adam
~Smith~ den Ausdruck

      *nation of shopkeepers*

nahm. Er sagt in seinem Werk "Wealth of Nation" (1775; II, 4; Kap.
7, Part. 3): "Einen grossen Staat gründen zu dem einzigen Zweck ein
Volk von Kunden aufzuziehen, mag beim ersten Blick als ein nur für ein
Krämervolk geeigneter Plan erscheinen". Und vor ihm, 1766, heisst es
in einem Traktat des Dekans von Gloucester, ~Tucker~: "Was von einem
Krämer wahr ist, ist auch von einem krambesitzenden Volk wahr".--

       *       *       *       *       *

Nach *Haggai* 2, 7 (vrgl. 2, 22 u. Ebr. 12, 26), wo der Herr verheisst,
er werde "Himmel und Erde und das Meer und das Trockne bewegen", sagen
wir:

      *Himmel und Erde in Bewegung setzen.--*

       *       *       *       *       *

Nach *Sacharja* 8, 23; Apost. 10, 28; 21, 39 und 22, 3 wird gesagt:

      *Ein jüdischer Mann.--*

       *       *       *       *       *

Das *Maleachi* 3, 16 und Matth. 23, 5 vorkommende Wort

      *Denkzettel*

erklärt sich aus 4. Mos. 15, 38-39, wo der Herr durch Moses den Kindern
Israel befiehlt, dass sie "Läpplein an den Fittigen ihrer Kleider"
tragen, bei deren Anblick sie an alle Gebote denken sollen (vrgl. das
ähnliche "Denkmahl" 5. Mos. 6, 8; 11, 18 und dazu Sprüche 3, 3; 7, 3).--

       *       *       *       *       *

Aus dem Buche *"Die Weisheit Salomons an die Tyrannen"* 15, 12: "Sie
halten auch das menschliche Leben für einen Scherz, und menschlichen
Wandel für einen Jahrmarkt" ... entnehmen wir den

      *Jahrmarkt des Lebens.--*

       *       *       *       *       *

Im Buche *Judith* 6, 3 steht:

      *sterben und verderben.--*

       *       *       *       *       *

*Tobias* 2, 9 lesen wir: "Tobias aber fürchtete Gott mehr, denn den
König" ..., danach uns Paulus in der Apostelgeschichte 5, 29 die Lehre
giebt:

      *Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.--*

Ein alter Reimspruch:

      *Was du nicht willst, das dir geschieht,
      Das thu' auch keinem andern nicht,*

oder:

      *Was du nicht willst, das man dir thu',
      Das füg' auch keinem Andern zu,*

ist die Umformung von Tobias 4, 16: "Was du nicht willst, das man
dir thue, das thue einem Andern auch nicht", (vrgl. Matth. 7, 12 und
Luk. 6, 31.) Man nimmt an, das Buch Tobiae stamme aus dem ersten
vorchristlichen Jahrhundert, und so könnte man diesen Spruch auch
auf den Rabbi ~Hillel~ zurückführen, der von 70 vor bis 10 n. Chr.
lebte. Nach dem Talmudtraktat Sabbath (fol. 31 a) hat nämlich dieser
Synedrialvorsitzende und Mischnalehrer einst einem Heiden, der ins
Judentum aufgenommen werden wollte, gesagt: "Was dir unlieb ist, füge
deinem Nebenmenschen nicht zu; das ist das ganze Gesetz u.s.w." Wir
citieren das Wort auch lateinisch nach ~Lampridius~ (51), welcher vom
Kaiser ~Alexander Severus~ († 235 n. Chr.) berichtet: "Er rief öfter
aus, was er von einigen Juden oder Christen gehört und behalten hatte:

      *Quod tibi fieri non vis, alteri ne feceris,*

liess es, wenn er jemanden rügte, durch den Ausrufer ausrufen, und
liebte diesen Spruch so, dass er ihn sowohl an seinen Palast wie auch
an öffentliche Gebäude anschreiben liess". Doch hätte der Kaiser diese
Weisheit auch von den Heiden erfahren können: denn schon im 4. Jahrh.
v. Chr. sagte ~Isokrates~ (3, im Nikokles, 61) ἃ πάσχοντες
ὑφ' ἑτέρων ὀργίζεσθε, ταῦτα τοῖς ἄλλοις μὴ ποιεῖτε. (Worüber ihr
zürnt, wenn ihr es von andern erleidet, das thut den andern nicht.) Der
Spruch findet sich ferner im ~Seneka~ (ep. 94) und in der syrischen
Redaktion des Buches "von den sieben weisen Meistern" (von Fr.
Bäthgen, Lpz. 1879, S. 4), sowie in der arabischen Bearbeitung dieser
Erzählung in "1001 Nacht". (Deutsche Ausgabe. Hagen-Habicht, B. 15, S.
117.) u.s.w.--

      *Ein guter Gesell*

sagen wir nach Tobias 5, 6.--

      "*Der gute Engel*

Jemandes sein" oder "Einem als solcher zur Seite stehen", ist aus
Tobias 5, 29 (vrgl. 2. Makk. 15, 23) entlehnt, wo Tobias zur Frau
seines Sohnes von diesem spricht: "Ich glaube, dass der gute Engel
Gottes ihn geleite".--

Die Worte aus Tobias 6, 3:

      *O Herr, er will mich fressen!*

wendet man im gewöhnlichen Leben an, um ein unverstecktes, unhöfliches
Gähnen damit zu rügen. Weil man aber gähnt, wo es langweilig ist, so
kritisiert man damit auch eine solche Gesellschaft, oder man sagt
kurzweg:

      *Tobias sechs, Vers drei.--*

       *       *       *       *       *

*Jesus Sirach* 3, 11 steht:

      "*Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser,*

aber der Mutter Fluch reisset sie nieder."--

3, 24 lesen wir:

      (_Und_) *was deines Amtes nicht ist, da lass deinen Vorwitz;*

und nach 3, 27: "Denn wer sich gern in Gefahr giebt, der verdirbt
darinnen" wird citiert:

      *Wer sich in Gefahr begiebt, kommt darin um.--*

      *Wider den Strom schwimmen*

ist entnommen aus Sirach 4, 31: "Strebe nicht wider den Strom" (vrgl.
Juvenal 4, 89: "nunquam direxerit brachia contra torrentem").--

Sirach 7, 15 (vrgl. Matth. 6, 7): ... "wenn du betest, so mache nicht
viele Worte" ist die Quelle der Redewendungen:

      *Viele Worte machen*

und:

      *Nicht viele Worte machen.--*

Sirach 7, 40 steht:

      *Was du thust,* (_so_) *bedenke das Ende.*

Ist nach diesem Spruch der lateinische gemacht:

      *Quidquid agis, prudenter agas et respice finem,*

Was du beginnest, beginne es klug und bedenke das Ende, der schon im
Mittelalter (z.B. in den "Gesta Romanorum", c. 103) citiert wird?
Andere mittelalterliche Schriften (Edélestand du Méril, Poésies
inédites du moyen-âge, p. 162) berufen sich hinsichtlich dieses
Ausspruches auf ~Aesop~ (Fab. 45, bei Halm; vrgl. 45b): ... τῶν
ἀνθρώπων τοὺς φρονίμους δεῖ πρότερον τὰ τέλη τῶν πραγμάτων σκοπεῖν,
εἶθ' οὕτως αὐτοῖς ἐπιχειρεῖν--"klugen Leuten ziemt es,
zunächst das Ende eines Unternehmens ins Auge zu fassen, und es erst
dann also ins Werk zu setzen". Ferner ist zu erinnern an V. 27 aus den
pseudo-pythagoräischen "goldenen Sprüchen": "βουλεύου δὲ πρὸ ἔργου,
ὅπως μὴ μωρὰ πέληται]"--"Überlege vor der That, damit nichts
Thörichtes daraus entstehe".

  ~Hans Sachs~ erzählt in dem 1557 geschriebenen

      "Mensch, was du thust, bedenk' das End,
      Das wird die höchst' Weisheit genennt."

  (I, 4), dass ein Philosoph aus Athen diese Weisheit für tausend
  Goldstücke zu Rom dem Kaiser Domitianus verkauft habe, und
  glaubt irrtümlich, diese Geschichte sei im Sueton zu finden. Im
  "Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 50 wird erzählt, dass
  der Tyrann Dionysius einst einen Philosophen unter den Kaufleuten
  sitzen sah und ihn fragte, was er zu verkaufen hätte. Er antwortete:
  "Weisheit" und bestimmte den Preis dafür auf 400 Gulden. Dionys
  bezahlte den Preis, und der Philosoph sagte ihm unsern Spruch her.--

Sirach 9, 24 steht:

      *Das Werk lobt den Meister.--*

Auf Sirach 10, 12 "Heute König, morgen tot" beruht

      *Heute rot, morgen tot.--*

Aus Sirach 11, 29 stellen wir um:

      *Du sollst niemand rühmen vor seinem Ende.*

  vrgl. auch: nemo ante mortem beatus.--

Aus Sirach 11, 34 citieren wir:

      *Nichts Gutes im Sinne haben.--*

Sirach 13, 1 steht:

      *Wer Pech angreift,* (_der_) *besudelt sich* (_damit_).--

Aus Sirach 18, 20: "Hilf dir zuvor selber, ehe du andere arzneiest"
entsprang:

      *Arzt, hilf dir selber!*

Lukas 4, 23 wird es schon als Sprichwort angeführt.--

      *Seine Worte auf der Goldwage wägen*

stützt sich auf Sirach 21, 27: "Die unnützen Wäscher plaudern, das
nichts zur Sache dienet; die Weisen aber wägen ihre Worte mit der
Goldwage" und 28, 29: "Du wägest dein Gold und Silber ein; warum wägest
du nicht auch deine Worte auf der Goldwage?"

  In einem Fragmente des Varro aus der Satire Περίπλους (Buch
  2 περὶ φιλοσοφίας) kommt der Ausdruck in der Form "unum
  quodque verbum statera aeraria pendere" ebenfalls vor. (Ausg. v.
  Bücheler, No. 419.)--

      *Eine sitzen lassen*

sagen wir nach Sirach 22, 4: "Eine vernünftige Tochter kriegt wohl
einen Mann, aber eine ungerathene Tochter lässt man sitzen und sie
bekümmert ihren Vater".--

Mit ~Bürger~ ("Die Weiber von Weinsberg" Strophe 6) reden wir von

      *Weiberlist*

nach Sirach 25, 18: "Es ist keine List über Frauen List".--

      *Einem den Rücken bläuen*

entnehmen wir aus Sirach 30, 12: "bläue ihm den Rücken, weil er noch
klein ist, auf dass er nicht halsstarrig und dir ungehorsam werde".--

      *Heute mir, morgen dir*

stammt wohl aus Sirach 38, 23: "Gedenke an ihn wie er gestorben, so
musst du auch sterben. Gestern war es an mir, heute ist es an dir".--

      *Früh aufstehen*

für "gescheidt sein" sagen wir nach Sirach 39, 5, wo es von dem
~Gelehrten~ und ~Weisen~ heisst: "und denkt, wie er früh aufstehe, den
Herrn zu suchen, der ihn geschaffen hat, und betet vor dem Höchsten".--

      *Nichts Besseres zu hoffen, noch zu erwarten haben*

citieren wir aus Sirach 41, 3: "O Tod, wie wohl thust du dem Dürftigen,
4: Der da schwach und alt ist, der in allen Sorgen steckt und nichts
Besseres zu hoffen, noch zu erwarten hat!"--

Sirach 41, 26 steht:

      *Gut machet Mut.--*

Sirach 42, 4:

      *Rechtes Maß und Gewicht halten.--*

Sirach 50, 24:

      *Nun danket alle Gott,*

was als der Anfang eines 1644 verfassten Kirchenliedes von Martin
~Rinckhart~ (1585-1649) am bekanntesten ist.--

       *       *       *       *       *

Nach *Baruch* 2, 25 sagen wir:

      *jämmerlich umkommen.--*

       *       *       *       *       *

*1. Maccabäer* 10, 18 und 11, 30 wird Jonathan, des Mathathias Sohn, in
den Briefen der Könige Demetrius und Alexander

      *Bruder Jonathan*

angeredet, womit jetzt scherzend die Nordamerikaner bezeichnet werden.
Der bibelfeste ~Washington~ nämlich soll nach einem ergebnislosen
Kriegsrat, auf seinen Freund ~Jonathan Trumbull~, den Gouverneur von
Connecticut zielend, ausgerufen haben: "da müssen wir Bruder Jonathan
zu Rate ziehen", und diese Bezeichnung soll dann, sprichwörtlich
geworden, auf die Nordamerikaner überhaupt angewandt worden sein. Oder
meinte Washington jenen anderen Jonathan, den Sohn Sauls, der (s. oben
2. Sam. 1, 26) von seinem Freunde David "Bruder Jonathan" genannt
wird?--

Es giebt Petschafte mit der Inschrift "1. Maccabäer 12, 18" weil
daselbst steht:

      *Und bitten um Antwort.--*

Aus 2. Maccabäer 3, 38 schöpfen wir das Wort:

      *Mit dem Leben davon kommen.--*

2. Maccabäer 4, 11 heißt es vom Hohenpriester Jason: "die guten
löblichen Sitten, von den alten Königen geordnet, that er gar ab ...",
daher wir sagen:

      *Eine löbliche Sitte.--*

2. Maccabäer 7, 28 ist die Quelle des Wortes:

      *Aus Nichts hat Gott die Welt erschaffen;*

denn es heisst da: "Siehe an Himmel und Erde, und alles, was darinnen
ist: dies hat Gott alles aus nichts gemacht, und wir Menschen sind auch
so gemacht".--

       *       *       *       *       *

Auf der *Historie von der Susanne und Daniel* beruht der Ausdruck

      *Daniel*

für "weiser Richter", welcher durch ~Shakespeares~ "Kaufmann von
Venedig" (4, 1) volkstümlich geworden ist. Shylock nennt dort die in
Gestalt eines Richters auftretende Porzia einen Daniel, und Graziano
wiederholt das Wort, den Shylock verhöhnend.--

       *       *       *       *       *

Auf *Matthäus* 3, 10 (vrgl. Luk. 3, 9): "Es ist schon die Axt den
Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht
bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen ..." beruht:

      *die Axt an die Wurzel legen.--*

Matth. 3, 11 (vrgl. Luk. 3, 16) heisst es: "Ich taufe euch mit Wasser
zur Busse: der aber nach mir kommt....., der wird euch mit dem heiligen
Geist und mit Feuer taufen". Daher reden wir, jedoch ohne den Sinn
festzuhalten, von einer

      *Feuertaufe.--*

Aus Matth. 3, 12: "Und er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand; er
wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber
die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer", citiert man:

      *Die Spreu vom Weizen sondern.--*

Matth. 3, 17 lesen wir:

      *Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe;*

(vrgl. Jesaias 42, 1; Matth. 17, 5; Mark, 1, 11; Luk. 3, 22; 2. Petri
1, 17).--

Matth. 4, 10, sowie Luk. 4, 8 steht das Wort Jesu zum Teufel:

      *Hebe dich weg von mir, Satan!*

      *Apage, Satana!*

(In ähnlicher Weise redet Christus den Petrus an: Matth. 16, 23 und
Mark. 8, 33.)--

Matth. 5, 3: "Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι" ("Selig sind
die am Geiste Armen") übersetzte Luther: "Selig sind, die da geistlich
(veraltet für "geistig") arm sind", woraus wir die Worte gebildet haben:

      *arm an Geist,*

      *geistesarm* _und_ *Geistesarmut.--*

Matth. 5, 14 spricht Jesus zu den Jüngern: "Ihr seid das Licht der
Welt", nach der Vulgata: "Vos estis lux mundi", woraus uns wohl für
einen bedeutenden Geist die Bezeichnung "ein

      *lumen mundi"*

entsprang. "Lumina civitatis" (Staatsleuchten) nannte ~Cicero~
("Catil." 3, 10, 24) berühmte Männer.--

      *Sein Licht unter den Scheffel stellen*

und

      *Sein Licht vor den Leuten leuchten lassen*

stammt aus Matth. 5, 15 und 16: "Man zündet auch nicht ein Licht an und
setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet
es denen allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor
den Leuten" u.s.w. (vrgl. Mark. 4, 21; Luk. 8, 16 und 11, 33.)--

      *Kein Jota,* _oder_ *nicht ein Jota*

beruht auf Matth. 5, 18. Der griechische Text hat dort statt des
Lutherischen "--wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe":
"ἰῶτα ἕν--οὐ μὴ παρέλθῃ" (in der Vulgata: "iota unum--non
praeteribit" d.h. "~nicht ein Jota~ wird zergehen"). Der ganze Satz
(vrgl. Luk. 16, 17) lautet: "Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird
nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch Ein Titel vom Gesetz, bis
dass es alles geschehe". Daher auch unser:

      *Kein Titel,* _oder_ *Tütel,* _oder_ *Tittel,* _oder_
          *Tittelchen.--*

Nach Matth. 5, 26 sagen wir:

      *der letzte Heller.--*

Matth. 5, 37 steht:

      *Eure Rede aber sei, ja, ja, nein, nein; was drüber ist, das ist
          vom Übel.--*

Matth. 5, 45: "... er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und
über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" giebt uns
das Wort:

      *Seine Sonne scheinen lassen über Gerechte und Ungerechte.--*

Giebt jemand prahlerisch aller Welt etwas kund, so tadeln wir, dass er
es

      *ausposaune,*

nach Matth. 6, 2: "Wenn du nun Almosen giebst, sollst du nicht lassen
vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den
Gassen".--

      *Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut*

lesen wir Matth. 6, 3.--

Matth. 6, 9-13 (vrgl. Luk. 11, 2. 4) steht das

      *Vaterunser,* _lateinisch:_ *Paternoster,*

dessen vierte Bitte

      *das tägliche Brot*

und dessen siebente Bitte das "Erlöse uns von dem Übel" bietet.
Hiernach sagt man im Volke von einem bösen Weibe: "Sie ist aus der
siebenten Bitte", oder man nennt sie kurzweg:

      *Böse Sieben.*

Nach Andern soll dieser Ausdruck von den sieben Todsünden entlehnt
sein. Auch werden an manchen Stellen der heiligen Schrift böse Sieben
angeführt. So heisst es:

  Sprüche 26, 25: "Denn es sind sieben Gräuel in seinem Herzen"; Matth.
  12, 45: "So gehet er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die
  ärger sind, denn er selbst" (Luk. 11, 26);--Mark. 16, 9: "Jesus aber,
  da er auferstanden war frühe am ersten Tage der Sabbather, erschien
  er am ersten der Maria Magdalena, von welcher er sieben Teufel
  ausgetrieben hatte";--Luk. 8, 2: "Maria, die da Magdalena heisset,
  von welcher waren sieben Teufel ausgefahren".

Andere wiederum leiten "böse Sieben" von einem im 15. Jahrh. erwähnten
Kartenspiele, Karnüffel, Karnöffel, Karnuffel oder Karnoffel genannt,
her. Darin war die siebente Karte von oben der Teufel, der alle anderen
Karten stach. Man nannte diese Karte die "böse Sieben". (Cyriacus
~Spangenberg~ veröffentlichte: "Wider die bösen Sieben ins Teufels
Karnöffelspiel". Jena 1562; Eisl. 1562; Frankf. 1562.)--

Aus Matth. 6, 20 schöpfen wir das Wort:

      *Schätze sammeln, die weder Motten noch Rost fressen.--*

Matth. 6, 21 (vrgl. Luk. 12, 34) steht geschrieben:

      *Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.--*

Der Spruch Matth. 6, 24:

      *Niemand kann zween Herrn dienen*

hat in Luk. 16, 13 die Form erhalten: "Kein Hausknecht kann zween Herrn
dienen".--

Aus Matth. 6, 24 ist auch:

      *Mammon* _und_ *Mammonsdiener*

für "Reichtum" und "Geldmensch" entnommen. Es heisst daselbst: "Ihr
könnet nicht Gott dienen und dem Mammon" (d.h. dem syrischen Gott des
Reichtums). Der Mammon wird auch erwähnt Luk. 16, 9. 11. und 13.--

Matth. 6, 27 (vrgl. Luk. 12, 25) lautet: "Wer ist unter euch, der

      *seiner Länge ~Eine~ Elle zusetzen*

möge, ob er gleich darum sorget?"--

Matth. 6, 34, lesen wir:

      *Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine Plage habe,*

was wir gewöhnlich verkürzen in:

      *Jeder Tag hat seine Plage.--*

Matth. 7, 1 (vrgl. Luk. 6, 37) steht:

      *Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet.--*

Den Ausdruck:

      *Splitterrichter*

bilden wir aus Matth. 7, 3-5: "Was siehest du aber den Splitter in
deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?"
u.s.w. (vrgl. Luk. 6, 41). Doch ist nach Dr. Zunz ("ges. Schrift." III,
294. Berl. 1876) der Priester und Mischnalehrer ~Tarfon~ der wahre
Urheber dieses Spruches.--

      *Die Perlen vor die Säue werfen*

ist gebildet nach Matth. 7, 6: "Ihr sollt das Heiligtum nicht den
Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen".--

      *Suchet, so werdet ihr finden*

steht Matth. 7, 7 und Luk. 11, 9 (Sprüche Sal. 2, 4-5 ist wohl die
Quelle).--

Aus Matth. 7, 9: "Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn
bittet um Brot, der ihm einen Stein biete?" entnehmen wir:

      *einen Stein statt Brot geben.--*

Auf Matth. 7, 15: "Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in
Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber sind sie reissende Wölfe"
beruht:

      *Wölfe in Schafskleidern.--*

Matth. 7, 16 und 20 (vrgl. 12, 33 und Luk. 6, 44) steht:

      *an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.*

Ein griechisches Sprichwort (Paroemiogr. Graeci. 1, 252, ed. Leutsch.)
ist: ἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρονἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρον.--

Matth. 7, 26 lesen wir Jesu Gleichnis von dem "thörichten Manne", der

      *Sein Haus auf den Sand bauete,*

so dass Regen und Wind es zu Falle brachten.--

Matth. 8, 12; 13, 42. 50; 22, 13; 24, 51; 25, 30 und Luk. 13, 28 steht,
dass in der Hölle, in "der äussersten Finsternis", sein wird

      *Heulen und Zähnklappen.--*

Aus Matth. 8, 20 oder aus Lukas 9, 58, wo Jesus von sich spricht: "Die
Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber
des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege", entnehmen wir
zur Bezeichnung äusserster Armut das Wort:

      *Nicht haben, wo man sein Haupt hinlege.--*

Matth. 8, 22, sowie Luk. 9, 60 bietet Jesu Wort:

      *Lass die Toten ihre Toten begraben.--*

Matth. 9, 12 und fast ebenso Mark. 2, 17 und Luk. 5, 31 spricht Jesus:

      *Die Starken* (_d.h._ *die Gesunden) bedürfen des Arztes nicht,
      sondern die Kranken.--*

Matth. 10, 14 (sowie Mark. 6, 11; Luk. 9, 5 und Apost. 13, 51) bringt
uns für "verachtungsvoll von dannen gehen" das Wort:

      *Den Staub von den Füssen schütteln.--*

Matth. 10, 16 enthält:

      *Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.--*

Nach Matth. 10, 27 und Luk. 12, 3 wird citiert:

      *Auf den Dächern (von den Dächern) predigen.--*

Nach Matth. 10, 38 (vrgl. 16, 24; Mark. 8, 34; 10, 21; Luk. 9, 23; 14,
27; Joh. 19, 17) sagen wir von jemandem, der ein Leid zu tragen hat:

      *Er trägt sein Kreuz*

und

      *Sein Kreuz auf sich nehmen*

und danach:

      *Ein Kreuzträger.--*

Matth. 11, 15 findet sich das häufig wiederholte:

      *Wer Ohren hat zu hören, der höre.--*

Matth. 11, 28 lesen wir: "Kommet her zu mir alle, die ihr

      *mühselig und beladen*

seid, ich will euch erquicken".--

Nach Matth. 11, 30: "... mein Joch ist sanft und meine Last ist
leicht", sagen wir:

      *Ein sanftes Joch.--*

Nach Matth. 12, 24. 27, sowie Luk. 11, 15. 18. 19 (vrgl. 9, 34 und
Mark. 3, 22) sagt man:

      *den Teufel durch Beelzebub austreiben.--*

Matth, 12, 30 und Luk. 11, 23 (vrgl. 9, 50) steht:

      *Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.--*

Auf Matth. 12, 31 (vrgl. Mark. 3, 28; Luk. 12, 10; Ebr. 6, 4) beruht:

      *Sünde wider den heiligen Geist.--*

Das von ~Luther~ volkstümlich gefasste und deshalb, wie er im
"Sendbriefe vom Dolmetschen" vom 8. Sept. 1530 (§ XIV) mitteilt, von
ihm zur Übersetzung des Urtextes (ἐκ ... τοῦ περισσεύματος τῆς καρδίας
τὸ στόμα λαλεῖ) Matth. 12, 34 (vrgl. Luk. 6, 45) gewählte:

      *Wess das Herz voll ist, dess gehet der Mund über,*

lautet wörtlich übersetzt im Französischen:

      *De l'abondance du coeur la bouche parle.--*

Matth. 13, 12; 25, 29; Mark. 4, 25; Luk, 8, 18; 19, 26:

      *Wer da hat, dem wird gegeben,*

fand seinen französischen Schliff in:

      *On ne prête qu'aux riches.--*

Aus Matth. 13, 13 (s. oben Psalm 115, 5) schöpfen wir das Wort:

      *Mit sehenden Augen nicht sehen.--*

Matth. 13, 21 sowie Mark. 4, 17 übersetzt Luther "πρόσκαιρος"
mit

      *wetterwendisch,*

d.h. unbeständig, sich wendend und ändernd wie das Wetter. ~Vor~ Luther
lässt es sich in dieser übertragenen Bedeutung nicht nachweisen.--

Nach Matth. 13, 25 citieren wir:

      *Unkraut zwischen den Weizen säen.--*

Matth. 13, 57 (s. Mark. 6, 4; Luk. 4, 24; Joh. 4, 44): "Ein Prophet
gilt nirgend weniger, denn in seinem Vaterlande und in seinem Hause",
wird gemeiniglich gekürzt in:

      *Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande.--*

Matth. 15, 11 (vrgl. Mark. 7, 15) enthält:

      *Was zum Munde eingehet, das verunreinigt den Menschen nicht.--*

Aus Matth. 15, 27 stammt:

      *Brosamen, die von des Herrn Tische fallen.--*

      *Brosamen, die von des Reichen Tische fallen*

beruht auf Luk. 16, 21.--

Aus Matth. 16, 3: "Könnet ihr denn nicht auch die Zeichen dieser Zeit
urteilen?" ist entlehnt:

      *Zeichen der Zeit.--*

Matth. 16, 24 (Mark. 8, 34; Luk. 9, 23) spricht Jesus zu seinen
Jüngern: "Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst ..."
Danach reden wir von:

      *sich selbst verleugnen*

und von

      *Selbstverleugnung,*

ein Moralbegriff, der noch über den der "Nächstenliebe" (3. Mos.
19, 18; Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 21; Röm. 13, 9; Gal. 5, 14)
hinausgeht, weil er schon das "Thut wohl denen, die euch hassen"
(Matth. 5, 44; Luk. 6, 27) in sich schliesst, und der seine Wurzel in
dem Gebote (2. Mos. 23, 5) hat: "Versäume gerne das Deine um seinet
(d.h. des Feindes und Hassers) willen".--

Aus Matth. 17, 4: "Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir
hier drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine", und
aus den ähnlichen Stellen Markus 9, 5 und Lukas 9, 33 hat sich der
Volksmund die Redensart:

      *Hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen*

zurechtgelegt.--

Matth. 19, 6 und Markus 10, 9 steht:

      *Was* (_nun_) *Gott zusammengefüget hat, das soll der Mensch
          nicht scheiden.--*

Matth. 19, 30 (vrgl. Matth. 20, 16; Markus 10, 31 und Luk. 13, 30)
bietet:

      (_Aber viele, die da sind_) *die ersten werden die letzten
          und die letzten werden die ersten sein.--*
Auf Matth. 20 (vrgl. Jesaias 5, 7) beruhen die

      *Arbeiter im Weinberg.--*

Für "späte Zeit" ist Matth. 20, 6 und 9 entnommen:

      *Elfte* (_nicht: zwölfte_) *Stunde.--*

Matth. 20, 12 steht:

      *Des Tages Last und Hitze getragen haben.--*

Matth. 20, 16 und 22, 14 findet sich:

      (_Denn_) *viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet.--*

Nach Matth. 22, 11 entschuldigen wir uns, dass wir

      *kein hochzeitlich Kleid anhaben.--*

Matth. 22, 21; Markus 12, 17; Luk. 20, 25 liest man:

      (_So_) *gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was
          Gottes ist.--*

Matth. 23, 3: "Alles nun, was sie (die Schriftgelehrten und Pharisäer)
euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und thut es; aber nach
ihren Werken sollt ihr nicht thun. Sie sagen es wohl, und thun es
nicht", ist die Quelle unseres

      *Haltet Euch an meine Worte und nicht an meine Werke!*

  Nach ~Livius~ 7, 32 sagte der Consul Valerius (343 v. Chr.) "facta
  mea, non dicta vos, milites, sequi volo"--"Soldaten, ich will, dass
  ihr meinen Thaten, nicht meinen Worten folget".--

Matth. 23, 15 lautet: "Wehe euch, Schriftgelehrten und Pharisäern,
ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, dass ihr ~Einen~
Judengenossen machet (ποιῆσαι ἕνα προσήλυτον); und wenn er
es geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr,
denn ihr seyd". Mit Hinzuziehung des griechischen Textes bildete man
hieraus das verächtliche Wort:

      *Proselytenmacherei.--*

Auf Matth. 23, 23 und Lukas 11, 42: "Dies sollte man thun und jenes
nicht lassen" beruht:

      *Eines thun und das andere nicht lassen.--*

Von Leuten, die im Nichtigen gewissenhaft und im Wichtigen gewissenlos
sind, sagen wir, dass sie

      *Mücken seigen* (_d.h. durch ein Sieb entfernen_) *und Kameele
          verschlucken,*

wie Jesus nach Matth. 23, 24 zu den Schriftgelehrten und Pharisäern
sprach: "Ihr verblendete Leiter, die ihr Mücken seiget und Kameele
verschlucket".--

Matth. 23, 27 werden die Schriftgelehrten und Pharisäer Heuchler
genannt und

      "*Übertünchte Gräber,*

welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller
Totenbeine und alles Unflats".--

Matth. 24, 2 (vrgl. Mark. 13, 2; Luk. 19, 44; 21, 6) spricht Jesus in
Jerusalem: "Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der
nicht zerbrochen werde". Danach sagt man von Dingen und Verhältnissen,
die der völligen Zerstörung entgegengehen:

      *Es wird kein Stein auf dem andern bleiben.--*

Mit dem Bürger in ~Goethes~ "Faust" (I "vor dem Thore") citieren wir

      *Krieg und Kriegsgeschrei*

aus Matth. 24, 6: "Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen
..."--

In Bild und Wort verdanken wir den

      *Posaunenengel*

Matth. 24, 31: "Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen ..."
(vrgl. Offenb. Joh. 8, 2).--

Auf Matth. 25, 15-28, wo von den "vertraueten Centnern" und deren
Verwertung erzählt wird, beruht der Ausdruck:

      *Talent.*

Das griechische "*τάλαντον*", in der Vulgata "*_talentum_*",
von ~Luther~ in diesem Kapitel mit "Centner" übersetzt, ist späterhin zu
einem allen westeuropäischen Völkern gemeinsamen Ausdrucke für geistige
Anlagen geworden (s. im Register "anvertrautes Pfund").--

Auf Matth. 25, 18 und 25 beruht:

      *Sein Pfund vergraben*

mit Hinzuziehung des ähnlichen Gleichnisses bei Lukas 19 (s.
weiterhin), da hier nur von "Centnern" die Rede ist.--

Matth. 25, 32 u. 33 heisst es von "des Menschen Sohn": "Und werden
vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander
scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und
wird

      *die Schafe zu*(_seine_)*r Rechten* (_stellen, und_) *die Böcke
          zur Linken".*

Dies wurde zum beliebten Vergleich guter mit bösen Menschen.--

Auf Matth. 26, wo geschrieben steht, dass die anderen Jünger schlafen,
während Judas den Herrn verrät, beruht das Wort:

      *Der Verräter schläft nicht;*

und auf Matth. 26, 15: "Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm
30 Silberlinge" der Ausdruck:

      *Judaslohn.--*

Wenn wir in bitteren Leiden wünschen:

      *Dieser Kelch mag an mir vorübergehen,*

so wenden wir ungenau Worte Christi an, die Matth. 26, 39. 42; Lukas
22, 42; Markus 14, 36 angegeben werden.--

Matth. 26, 10 spricht Jesus von dem Weibe, die köstliches Wasser auf
sein Haupt goss: "Sie hat ein gutes Werk an mir gethan". Daher unser
Wort:

      *Ein gutes Werk an Einem thun.--*

Matth. 26, 41 und Markus 14, 38 lesen wir:

      *Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.--*

Matth. 26, 48 u. 49 (vrgl. Luk. 22, 48) heisst es von Judas: "Und
der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: welchen ich
küssen werde, der ist's, den greifet. Und alsobald trat er zu Jesu und
sprach: Gegrüssest seyst du, Rabbi! und küssete ihn". Darauf beruht der
Ausdruck:

      *Judaskuss,*

und einen

      *Judas*

nennen wir danach einen falschen, verräterischen Menschen.--

      *Sehen, wo es hinaus will*

sagen wir nach Matth. 26, 58: "Petrus ... setzte sich bey den Knechten,
auf dass er sähe, wo es hinaus wollte".--

Matth. 26, 73 sprechen die Umstehenden zu Petro, als er Jesum zum
zweiten Male verleugnet hatte: "Wahrlich, du bist

      *auch Einer von Denen*

(nämlich: die mit Ihm waren); denn deine Sprache verrät dich". Der
Titel von Fr. Th. ~Vischer~'s Buch "Auch Einer" (1879) wurzelt in
diesen Worten.--

      *Matthäi am letzten sein*

in der Bedeutung: "Seinem Ende oder seinem Verderben nahe sein" beruht
auf dem Schlusse des Evangeliums Matthäi: "(bis an der Welt) Ende".
"Matthäi am letzten" citiert Luther im "Katechismus" (4. Hauptst. 1.
B.).--

       *       *       *       *       *

Aus *Markus* 1, 7; Luk. 3, 16; Joh. 1, 27 (vrgl. Apost. 13, 25)
entnehmen wir die Redeweise:

      *Nicht wert sein, einem die Schuhriemen aufzulösen.--*

Nach Mark. 3, 30: "Denn sie sagten: er hat einen unsaubern Geist"
citieren wir:

      *Unsauberer Geist.*

  Von der Macht Jesu über die "unsauberen Geister", oder "den
  unsauberen Geist", welcher Luk. 4, 33 "unsauberer Teufel" heisst, ist
  die Rede Matth. 10, 1; Mark. 1, 23-27; 5, 2-9; 9, 25; Luk. 4, 33-35;
  8, 29; Mark. 3, 11; vom Ausfahren des "unsauberen Geistes" ausser an
  einigen der citierten Stellen: Matth. 12, 43 u. Luk. 11, 24.--

      *Ihre Zahl ist Legion*

beruht auf Mark. 5, 9, wo der "unsaubere Geist" spricht: "Legion heisse
ich, denn unser ist viel" und Luk. 8, 30, wo der Teufel sagt, dass er
"Legion" heisse; "denn es waren viel Teufel in ihn gefahren".--

Mark. 6, 26 heisst es vom Herodes "er ward betrübt", weil Herodias ihn
um des Täufers Haupt gebeten, "doch um des Eides willen und derer, die
am Tische sassen, wollte er sie nicht lassen

      *eine Fehlbitte thun".*

Im Text aber steht gerade diese Wendung nicht, so dass wir damit nicht
Markus, sondern Luther citieren.--

      *Das Scherflein der Witwe*

beruht auf Mark. 12, 42 und Luk. 21, 1-4, wo jedoch von "zwei
Scherflein" (= einem Heller) die Rede ist;

      *der Glaube macht selig*

auf Mark. 16, 16: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig
werden: wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden". ("Wer's
glaubt, wird selig", sagt das Volk zu einer wenig glaubwürdigen
Erzählung.)--

      *Mit Zungen reden*

ist Mark. 16, 17 entnommen; auch kommt es Apostelgeschichte 2, 4;
10, 46; 19, 6 und 1. Korinth. 14 vielmals vor. In den ersten beiden
Stellen, wo es "mit neuen" und "mit andern Zungen" lautet, bedeutet es
"in fremden Sprachen reden", in den folgenden Stellen ohne Beiwort hat
es den Sinn "vom heiligen Geist erfüllt reden".--

       *       *       *       *       *

Aus *Lukas 1*, 66 citieren wir:

      *Was wird* (_eigentlich: will_) *aus dem Kindlein werden!*

aus Luk. 2, 13:

      *Die Menge der himmlischen Heerscharen;*

aus Luk. 2, 52:

      *Zunehmen an Alter und Weisheit;*

und aus Luk. 6, 38:

            *Gebet, so wird euch gegeben.*

      *Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Mass* (_wird man
          in euren Schoss geben: denn eben_)
      *mit dem Mass, da ihr* (_mit_) *messet, wird man euch wieder
          messen.*

(vrgl. Matth. 7, 2 u. Mark. 4, 24.)--

Nach Luk. 9, 55: "Welches Geistes Kinder" citiert man:

      *Wess Geistes Kind.--*

Luk. 10, 7 und 1. Tim. 5, 18 heisst es:

      (_Denn_) *ein Arbeiter ist seines Lohnes wert,*

während es Matth. 10, 10 "seiner Speise" lautet.--

Das Gleichnis vom

      *barmherzigen Samariter,*

Luk. 10, 30-37, schliesst Jesus:

      (_So_) *gehe hin und thue desgleichen.*

Wir reden danach auch von einem

      *Samariterdienst.--*

Nach Luk. 10, 34 citieren wir:

      *Öl in die Wunden giessen,*

und nach 10, 40 und 41 sprechen wir von der

      *geschäftigen Martha.--*

Wenn wir sagen, dass wir

      *das bessere Teil erwählt haben,*

so gestalten wir den Ausdruck in Luk. 10, 42 um: "Maria hat das gute
Theil erwählet".--

Luk. 10, 42 steht:

      *Eins aber ist not.--*

Aus Luk. 12, 19: "Liebe Seele..., habe nun Ruhe" ist abgeleitet:

      *Nun hat die liebe Seele Ruh'.--*

Das "Nötige sie, hereinzukommen", Luk. 14, 23, übersetzt die Vulgata
mit:

      *Compelle intrare.*

In dieser Form wurde es zur Rechtfertigung der gegen die Ketzer
angewendeten Gewalt gebraucht und dient noch heute dazu, um die
Ausübung irgend eines Zwanges auszudrücken. Viel wird auch citiert das
sich unmittelbar an diese Worte anschliessende:

      *auf dass mein Haus voll werde.--*

Auf Luk. 15, 11-32 beruht:

      *der verlorene Sohn,--*

welcher V. 18 heimzukehren und zum Vater zu sagen beschliesst:

      *pater, peccavi*[12]

      (Vater, ich habe gesündiget).

[Fußnote 12: So ruft schon der goldgequälte Midas bei ~Ovid~ ("Met."
11, 132) zum Bacchus:

      "Da veniam, Lenaee pater; peccavimus . . ."

      "Vater Lenaeus, verzeih'; ich habe gesündiget . . ."]

V. 21 führt er diesen Vorsatz aus, worauf der verzeihende Vater

      *ein fettes Kalb*

(wörtlich: "ein gemästetes" V. 23) zu Ehren des Wiedergefundenen
schlachten lässt.--

Aus Lukas 16, 8 (vrgl. 20, 34): "... die Kinder dieser Welt sind
klüger, denn die Kinder des Lichts..." leiten wir die Worte her:

      *Kinder der Welt,*
      *Weltkind,*
      *Weltklug* _und_ *Weltklugheit.--*

Lukas 16, 9 und 11 bietet das Wort:

      *Ungerechter Mammon.--*

Aus Lukas 16, 19 ist:

      *Herrlich und in Freuden leben;*

aus Lukas 16, 20:

      *Arm wie Lazarus*

  (dessen Name in "Lazareth" und "Lazzaroni" verewigt ist);

aus Lukas 16, 22 und 23:

      *In Abrahams Schoss.--*

Lukas 16, 26 sagt Abraham, den Lazarus im Schoss liegend, vom Himmel
herab zu dem aus der Hölle emporflehenden Reichen: "... über das Alles
ist zwischen uns und euch

      *eine grosse Kluft*

befestiget, dass die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können
nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren".--

      *Moses und die Propheten haben*

dient uns als scherzhafte Hindeutung auf den Geldbesitz der Juden.
Luk. 16, 29 sagt nämlich Abraham zu dem aus der Hölle für seine fünf
Brüder bittenden Reichen: "Sie haben Moses und die Propheten; lass sie
dieselbigen hören". Hieraus ist das Wort entlehnt und dessen falsche
Anwendung mag daher rühren, dass "Moos haben" für "Geld haben" damit
verquickt wurde.

  Das jüdische Wort "Moos" für "Geld" ist der schlecht gesprochene
  Pluralis eines nur im Junghebräischen der Mischna vorkommenden
  Wortes, welches im Singularis eine kleine Münze = 1/6 Denar bedeutet
  (Buxtorf, Lexikon Talmud. S. 1236).--

Auf Grund der Evangelien überhaupt und besonders nach Lukas 18, 10ff.
ist uns der

      *Pharisäer*

zum Typus der Selbstgerechtigkeit geworden, dessen Gebet Lukas 18, 11:

      *Ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie andre Leute*

wir solchen Selbstgerechten gern ironisch in den Mund legen; während
das Gebet des Zöllners, Lukas 18, 13:

      *Gott sei mir Sünder gnädig!*

noch heut mit bescheidenem Ernst aus dem Herzen des Demütigen quillt.
Aus demselben Verse citieren wir im Sinne des zerknirscht Insichgehens
das Wort:

      *an seine Brust schlagen,*

das Nahum 2,8, wie bei den Griechen und Römern, im Sinne der Betrübnis,
Luk. 2, 3. 48 in dem der Verwunderung vorkommt.--

Man pflegt einen Menschen, den man bei allen öffentlichen Lustbarkeiten
findet:

      *Zachäus auf allen Kirchweihen*

zu nennen, weil der kleine Zachäus, der aus Drang, Jesum zu sehen, auf
einen Baum steigt, im Evangelium des Tages der Kirchweihung, Luk. 19,
1-10, vorkommt, also regelmässig am Kirchweihtage genannt wird.--

Aus dem Gleichnis Luk. 19, 12-23 "Von vertrauten Pfunden" schöpfen wir
die nicht unmittelbar darin enthaltenen Worte:

      *anvertrautes Pfund,*

was für "Geistesgaben" angewendet wird (s. oben "Talent"), und:

      *Mit seinem Pfunde wuchern.--*

Luk. 19, 40 (s. Habakuk 2, 11) spricht Jesus von den Jüngern:

      *Wo diese* (_werden_) *schweigen,* (_so_) *werden die Steine
          schreien.*

In der "Legenda aurea" des ~Jacobus a Voragine~ (2. Hälfte des 13.
Jahrh.), Cap. 181 "De sancto Pelagio papa" (S. 833, Graesses Ausg.)
wird von Beda Venerabilis († 735) erzählt, er habe sich im hohen
Alter, als er blind geworden, führen lassen, und sein Führer habe
ihm in einem steinigen Thale vorgeredet, es harre dort eine grosse
Menschenmenge seiner Predigt. Am Ende derselben hätten die Steine Amen
gerufen. Diese Legende erzählt L. Th. ~Kosegarten~ unter dem Titel:
"Das Amen der Steine" ("Legenden", neue Aufl., Berl. 1810, 1. Bd., 1.
Bch., XVII), darinnen es heisst:

      *Wenn Menschen schweigen, werden Steine schrei'n.--*

Luk. 21, 26 steht:

      *Warten der Dinge, die* (_da_) *kommen sollen.--*

Luk. 21, 35 (vrgl. Hiob 43, 19) spricht Jesus: "wie ein

      *Fallstrick*

wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen".--

Luk. 22, 6 (vrgl. Apostelg. 24, 68) steht:

      *Ohne Rumor.--*

Aus Luk. 23, 6-12 erklärt sich die Redensart:

      *von* _Herodes (fälschlich:_ *Pontius) zu Pilatus schicken*
          _oder_ *laufen.--*

Das Luk. 23, 16 und 22 enthaltene:

      *Züchtigen und loslassen*

ist ein den Handwerkern gewöhnlicher Ausdruck geworden. Der Küfer
sagt, er könne züchtigen und loslassen, d.h. zum Wein Wasser zusetzen
oder nicht; der Schuhmacher, wenn er Schuhe mit Riemen gemacht hat, er
könne sie züchtigen und loslassen, d.h. zubinden und aufbinden u.s.w.--

      *Denn so man das thut am grünen Holz, was will am dürren werden!*

steht Lukas 23, 31.--

Lukas 24, 36 und Joh. 30, 19. 21. 26 spricht Jesus:

      *Friede sei mit euch!*

      *Pax vobiscum!--*

       *       *       *       *       *

*Johannes* 1, 46 spricht Nathanael zum Philippus:

      *Was kann von Nazareth Gutes kommen?--*

Joh. 1, 51 (vrgl. Hesekiel 1, 1, Apostelgesch. 7, 55 und 10, 11) finden
wir:

      *Den Himmel offen sehen.--*

Joh. 2, 15 (vrgl. Matth. 21, 12; Mark. 11, 15 und Luk. 19, 45) heisst
es von Jesus: "... er machte eine Geissel aus Stricken und ~trieb~ sie
alle ~zum Tempel hinaus~", nämlich die Viehhändler und Wechsler. Daher

      *zum Tempel hinaus treiben*

uns für "unsanft entfernen" üblich wurde.--

      *Wie Nikodemus kommen bei der Nacht*

beruht auf Joh. 3, 2 wo erzählt wird, dass der Pharisäer Nikodemus,
"ein Oberster unter den Juden", zu Jesu kam "bey der Nacht" (s. auch
7, 50 und 19, 39), der mit ihm redete vom Wege zum ewigen Leben, der
Wiedergeburt im Geiste. "Wie mag solches zugehen?" fragt Nikodemus, und
(V. 10): "Jesus antwortete und sprach zu ihm:

      *Bist Du ein Meister in Israel und weisst das nicht?"--*

Auf Joh. 8, 7, wo Jesus spricht: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der
werfe den ersten Stein auf sie" beruht:

      *Den ersten Stein auf jemanden werfen.--*

Nach Joh. 8, 57: "Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht
fünfzig Jahr alt und hast Abraham gesehen?" wurde die Redeweise

      *Er hat schon Vater Abraham gesehen*

in den Rheinlanden gebräuchlich für "er ist über fünfzig Jahre alt".--

Joh. 9, 4 steht: "Ich muss wirken die Werke dess, der mich gesandt hat,
so lange es Tag ist;

      *es kommt die Nacht, da niemand wirken kann".*

(vrgl. Goethes "Noch ist es Tag" u.s.w.).--

      *Was du thust, das thue bald*

spricht Joh. 13, 27 Jesus zu Judas Ischarioth.--

Joh. 18, 38 enthält die Frage des Pilatus:

      *Was ist Wahrheit?--*

Der Ausruf des Pilatus, Joh. 19, 5: "Sehet, welch ein Mensch!" ist in
lateinischer Form:

      Ecce homo!

ein Wort geworden, womit man in der Kunst die Darstellung eines
leidenden Christus mit der Dornenkrone bezeichnet.--

Joh. 19, 22 steht des Pilatus Grundsatz:

      *Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.--*

Die Worte des auferstandenen Jesu zu Maria aus Joh. 20, 17 lauten in
der Vulgata:


      *Noli me tangere!*

      (Rühre mich nicht an!).--

      *Ungläubiger Thomas*

ist aus Joh. 20, 24-29 entwickelt, wo der Jünger Thomas nicht eher an
die Auferstehung Jesu glauben mag, als bis er dessen Wunden betastet
hat.--

Joh. 21, 23 sagen die anderen Jünger von dem Johannes:

*Dieser Jünger stirbt nicht.--*

       *       *       *       *       *

Aus der *Apostelgeschichte S. Lucae* 2, 5 und 10, 35 ist entlehnt:

      *Allerlei Volk,*

aus 2, 11:

      *Juden und Judengenossen;*

aus 2, 12:

      *Was will das werden?*

und aus 2, 13:

      *voll süssen Weines sein.--*

Apost. 4, 20 steht:

     *Non possumus*

"~wir können es ja nicht~ lassen, dass wir nicht reden sollten, was wir
gesehen und gehöret haben".

ebenda 4, 32:

      *Ein Herz und eine Seele.--*

Nach dem Zauberer Simon (Apost. 8, 9-24), der die Gabe der Mitteilung
des Geistes durch Händeauflegen von den Aposteln für Geld erhandeln zu
können glaubte, nennen wir Schacher mit geistlichen Ämtern

      *Simonie.--*

Apost. 9, 5 und 26, 14 steht der bei den vorchristlichen Griechen und
Römern schon übliche[13] Vergleich:

      *Wider den Stachel löcken.*

[Fußnote 13: "πρὸς κέντρον λακτίζειν"--Aeschyl. "Agam."
1624; Eurip. "Bakch." 795; s. auch Plaut. "Truc." 4, 2, 55 u. Terent.
"Phorm." 1, 2, 28: "contra stimulum calcare".]

  "Löcken" ist so viel als "mit den Beinen ausschlagen", und das
  dem Ausdrucke zu Grunde liegende Bild ist das eines vor den Pflug
  gespannten Rindes, welches gegen den Stachelstock des Treibers
  eigensinnig ausschlägt.--

      *Aus einem Saulus ein Paulus werden*

oder:

      *Seinen Tag von Damaskus erleben*

erläutert sich aus dem Anfange des 9. Kap. der Apostelgeschichte.
Apost. 9, 15 spricht der Herr von Saulus: "Dieser ist mir

      *ein auserwähltes Rüstzeug".--*

Der Bekehrung des Saulus Apost. 9, 18 ist entlehnt:

      *Wie Schuppen von den Augen fallen.--*

Apost. 18, 21 steht geschrieben: "*τοῦ θεοῦ θέλοντος ...*"
("will's Gott ..."), ebenso 1. Kor. 4, 19 ("So der Herr will ..."),
Ebr. 6, 3 ("So es Gott anders zulässt ...") und ähnlich Jak. 4, 15 ("So
der Herr will ..."). Danach sprechen wir:

      "*Will's Gott*" oder: "*So Gott will*".--

Apost. 20, 35 bringt:

      *Geben ist seliger denn Nehmen.*

Nach ~Plutarchs~ "Sprüchen von Königen und Feldherren" hat ~Artaxerxes~
gesagt: "Geben ist königlicher denn Nehmen" (τὸ προσθεῖναι
τοῦ ἀφελεῖν βασιλικώτερόν ἐστι).--

Wenn wir sagen:

      *zu den Füssen eines Lehrers sitzen,*

so citieren wir Paulus, der Apost. 22, 8 berichtet: "Ich bin ein
jüdischer Mann, geboren zu Tarsen in Cilicien, und erzogen in
dieser Stadt, zu den Füssen Gamaliels, gelehret mit allem Fleiss im
väterlichen Gesetz ..."--

Apost. 26, 24 enthält:

      *Paule, du rasest,*

und:

      *Die grosse Kunst macht Dich rasen(d).--*

       *       *       *       *       *

Aus dem *Römerbrief* citieren wir:

1, 20:

      *Also dass sie keine Entschuldigung haben;*


3, 23: "Denn es ist hier kein Unterschied; sie sind allzumal Sünder..."
wird gewöhnlich so citiert:

      *Wir sind Sünder allzumal.--*

5, 5:

      *Hoffnung* (_aber_) *lässt nicht zu Schanden werden.--*

Nach Römer 6, 6, Epheser 4, 22, Kolosser 3, 9, wo "der alte Mensch"
gebraucht wird, ist

      *der alte Adam*

gebildet, ein Wort, das auf der Anschauung und Sprachweise des Paulus
beruht (Römer 5, 14 ff. und 1. Korinth. 15, 45), wonach dem ersten Adam
als Urheber der Sünde und des Todes in Christus der zweite Adam als
Urheber des Lebens und der Unsterblichkeit gegenübergestellt wird. Das
hebräische Wort "Adam" heisst auf deutsch "Mensch". Ist "alter Adam"
zuerst von Luther gebraucht worden?

  Es kommt im 4. Hauptstück des Katechismus vor; in seiner Predigt am
  Sonntag Lätare, die andere Predigt; in der 9. Passionspredigt; in der
  anderen Predigt am Tage der heiligen Dreifaltigkeit; in der Predigt
  am 16. Sonntag und in der am 19. Sonntag nach der Dreifaltigkeit.--

Nach Römer 7, 18: "... Wollen habe ich wohl, aber Vollbringen das Gute
habe ich nicht" und nach Philipper 2, 13: "Gott ist es, der in euch
wirket beides, das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen"
reden wir vom

      *Wollen und Vollbringen.--*

Nach Röm. 7, 22 und Ephes. 3, 16 sagen wir:

      *der inwendige Mensch.--*

Röm. 10, 2: "ich gebe ihnen das Zeugnis, dass sie eifern um Gott, aber
mit Unverstand", bietet uns das Wort:

      *eifern mit Unverstand.--*

      *Heidenblindheit* _und_ *blinder Heide*

stammt aus Röm. 11, 25: "Blindheit ist Israel eines Teils widerfahren,
so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei"; und noch
deutlicher aus Eph. 4, 17: "So sage ich..., dass ihr nicht mehr
wandelt, wie die andern Heiden ...", 18: "welcher Verstand verfinstert
ist und sind entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch ... die
Blindheit ihres Herzens".--

Röm. 12, 11 steht:

      *Schicket euch in die Zeit;*

  auch Eph. 5, 16 und Koloss. 4, 5 lautet es bei Luther ebenso, während
  Bunsen hier strenger übersetzt: "Kaufet die Zeit aus", d.h. "wendet
  die Zeit gescheidt an".--

Röm. 12, 15: "Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den
Weinenden" liefert uns die Wendung:

      *Sich freuen mit den Fröhlichen.--*

Römer 13, 7 bietet:

      *Ehre, dem* (_die_) *Ehre gebühret.--*

Aus Röm. 14, 22: "... Selig ist, der sich selbst kein Gewissen macht in
dem, das er annimmt" schöpfen wir:

      *Sich kein* (oder ein) *Gewissen aus Etwas machen.--*

       *       *       *       *       *

Im *1. Korintherbrief* heisst es: 1, 19 (s. Jesaias 29, 14), dass Gott
verwerfen will

      *Den Verstand der Verständigen*

(s. Schillers "Die Worte des Glaubens" 1798).--

1. Kor. 1, 23 lautet: "Wir aber predigen den gekreuzigten Christum,

      *den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Thorheit".*

Dem griechischen Text nach:

      *Ἰουδαίοις μὲν σκάνδαλον, Ἕλλησι δὲ μωρίαν.*

Hiernach sagen wir von einem anstössigen Ärgernis, es sei

      *Ein Skandal.--*

1. Kor. 3, 8 lautet: "Der aber pflanzet und der da begiesset, ist

      *einer wie der andere.*

Ein jeglicher aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit".
Man bezieht aber heute "Es ist einer wie der andere" auf die
Schlechtigkeit.--

1. Kor. 3, 10 (vrgl. 15, 10) bietet das demutsvolle

      *Von Gottes Gnade(n).*

      *Dei gratia,*

was schon im 5. Jahrhundert Kirchenfürsten und vom 6. Jahrhundert an
auch weltliche Herrscher im Sinne der Demut vor ihren Titel setzten.

  Als Theodolinde (592) nach ihrer zweiten Vermählung zu Monza eine,
  Johannes dem Täufer geweihte, Basilica bauen liess, legte sie in
  deren Schatz eine goldene Krone nieder mit der Umschrift: "Agilulf,
  von Gottes Gnaden König von Italien u.s.w."--

1. Kor. 5, 6 heisst es:

      *Euer Ruhm ist nicht fein.--*

Aus 1. Kor. 5, 7 und 8 entnehmen wir

      "*den alten Sauerteig*

der Bosheit und Schalkheit", dem der "Süssteig der Lauterkeit und der
Wahrheit" gegenübergestellt ist.--

1. Kor. 7, 38 steht:

      *Welcher verheiratet, der thut wohl: welcher aber nicht
          verheiratet, der thut besser;*

1. Kor. 11, 3 und Ephes. 5, 23:

      *Der Mann ist des Weibes Haupt;*

1. Kor. 13, 1: "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und
hätte der Liebe nicht; so wäre ich

      *ein tönend*(_es_) *Erz oder eine klingende Schelle".--*

Nach 1. Kor. 13, 2 (vrgl. Matth. 17, 20; 21, 21 und Mark. 11, 23) wird
citiert:

      *Der Glaube versetzt Berge.*

  Das "Berge versetzen" stammt aus Hiob 9, 5, vrgl. 14, 18; 18, 4.--

1. Kor. 13, 9 bietet:

      (_Denn_) *unser Wissen ist Stückwerk.--*

Aus 1. Kor. 13, 11: "Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind
und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge" ... entsprang
der Vers:

      *Sunt pueri pueri, pueri puerilia tractant,*

Kinder sind Kinder doch stets, und Kindisches treiben die Kinder; doch
welcher Klosterschulmann ihn aus dieser Quelle schöpfte, ist noch eine
offene Frage.--

1. Kor. 13, 13:

      *Glaube, Hoffnung, Liebe*

wird gewöhnlich in der Form:

      *Glaube, Liebe, Hoffnung*

citiert (vrgl. 1. Thessalonicher 1, 3; 5, 8).--

Nach 1. Kor. 14, 9 sagen wir:

      *In den Wind reden* (_oder_ *sprechen,* _oder_ *schwatzen).--*

Es heisst 1. Kor. 14, 34:

      Mulieres in ecclesiis taceant,

      Eure Weiber lasset schweigen unter der Gemeine,

was mit Umänderung in die Einzahl so citiert wird:

      *Mulier taceat in ecclesia*

(vrgl. 1. Timoth. 2, 12). Eine Gnome ~Menanders~ (s. Meineke: "Fragm.
Com. Graec." 4, 347) lautet schon: Ἱστοὶ γυναικῶν ἔργα, κοὐκ ἐκκλησίαι
(Webstühle sind Frauenwerk, Gemeindeversammlungen nicht).--

Nach 1. Kor. 15, 33: "Böse Geschwätze verderben gute Sitten", oder wie
~Bunsen~ übersetzt: "Schlechter Umgang verdirbt (besser: "verderbt")
gute Sitten", sagen wir:

      *Böse Beispiele verderben gute Sitten,*

      (*Φθείρουσιν ἤθη χρήσθ' ὁμιλίαι κακαί*),

~Hausrath~ ("Neutestamentliche Zeitgeschichte", II, S. 398) sagt
darüber etwas schulmeisternd:

  "So sehr ~Paulus~ die Citate liebte, die aus den griechischen
  Schriftstellern sind sparsam und bestehen ausschliesslich aus
  allgemeinen, sprichwörtlich gewordenen Citaten griechischer Dichter.
  1. Kor. 15, 33 recitiert Paulus einen iambischen Trimeter aus
  der "Thaïs" des Menander (Menander, ed. Meineke, S. 75); aber er
  verfehlt das Versmass und lässt sich einen üblen Hiatus zu Schulden
  kommen, der nur zu deutlich verrät, wie sein Ohr an den Wohlklang
  griechischer Prosodie nicht gewöhnt ist. Der Spruch selbst aber:
  "schlechter Umgang verdirbt gute Sitten", ist ein hellenischer
  Gemeinplatz, den niemand aus Büchern lernte. Vielmehr hat sich Paulus
  denselben wohl gelegentlich auf der Strasse aufgelesen, wie den
  unmittelbar vorhergehenden Satz seines Briefes: "Lasset uns essen
  und trinken, denn morgen sind wir tot", den er auf dem Sockel der
  Sandansäule des benachbarten Anchiale gesehen haben dürfte".

vrgl. Weisheit Salomos 4, 12: "Denn die bösen Exempel verführen und
verderben einem das Gute".--

1. Kor. 15, 55 lesen wir:

      *Tod, wo ist dein Stachel!*

      (_Hölle, wo ist dein Sieg!_)

und 16, 22 nach der Vulgata, wo jedoch "sit anathema" steht:

      *Anathema sit* (_er sei verflucht_)!

Bei Luther heisst es: "Der sei Anathema".--

       *       *       *       *       *

Der *2. Korintherbrief* bietet 3, 6:

      (_Denn_) *der Buchstabe tötet, aber der Geist machet lebendig;*

daher wir auch, vom eigentlichen Sinne abweichend, sagen:

      *Der tote Buchstabe.--*

2. Kor. 9, 7 steht:

      *Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.--*

11, 11 und 12, 2 (vrgl. Galater 1, 20) steht:

      *Gott weiss es.--*

Aus 2. Kor. 11, 26 (vrgl. Galater 2, 4) citieren wir:

      *Falsche Brüder.--*

Mit aus 2. Kor. 12, 2 "derselbige ward entzückt bis in den dritten
Himmel" mag der Ausdruck für den höchsten Grad freudiger Erregung
herrühren:

      *Im siebenten Himmel sein.*

Aber er fliesst auch noch aus anderen Quellen. Abraham Geiger sagt
in seiner gekrönten Preisschrift "Was hat Mohammed aus dem Judentum
aufgenommen?" (Bonn 1833, S. 65-66): "Die Anzahl der Himmel wurde ihm
wohl von den Juden überliefert, und ihre Ansicht von sieben Himmeln,
welche durch die verschiedenen Namen, die vom Himmel angegeben sind,
herrührt, ging auch auf ihn über". Diese "sieben Himmel" werden im
Koran Sure 2, 17, 40, 65, 67, 71 erwähnt, werden Sure 23 "sieben Wege"
und Sure 78 "sieben Vesten" genannt, und es wird angenommen, dass in
der Nacht Alkadar, vom 23. zum 24. des Monats Rhamadan der Koran durch
den Engel Gabriel aus dem siebenten Himmel herabgebracht wurde.--

2 Kor. 12, 7 lautet: "... auf dass ich mich nicht der hohen Offenbarung
überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in's Fleisch, nämlich des Satans
Engel, der mich mit Fäusten schlage ...--" Daher sagen wir:

      *ein Pfahl im Fleisch.--*

       *       *       *       *       *

Nach *Galater* 6, 9 (vrgl. 2. Thess. 3, 13): "Lasset uns aber Gutes
thun und nicht müde werden", sagen wir:

      *Nicht müde werden, Gutes zu thun.--*

       *       *       *       *       *

*Epheser* 4, 23: "Erneuert euch aber im Geist eures Gemüths"; 24: "Und
ziehet den neuen Menschen an ..." (vrgl. Colosser 3, 9-10) verdanken
wir das Wort:

      *Einen neuen Menschen anziehen.--*

Aus Epheser 6, 6: "(Ihr Knechte, seid gehorsam) nicht mit Dienst allein
vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte
Christi" stammt

      *Augendienerei.--*

Epheser 6, 16 u. 17 entnehmen wir den

      *Schild des Glaubens*

und das

      *Schwert des Geistes.--*

       *       *       *       *       *

*Philipper* 2, 14 (vrgl. 1. Petri 4, 9 "ohne Murmeln") lesen wir:

      (_Thut alles_) *ohne Murren* (_und ohne Zweifel_).--

Philipper 4, 3 schreibt ~Paulus~ von seinen Gehülfen, "welcher Namen
sind in dem

      *Buch des Lebens".*

Hiermit ist das 2. Mos. 32, 32 erwähnte "Buch" gemeint, in dem der Herr
die Gerechten anschreibt und aus dem er die Sünder tilgt (vrgl. Psalm
69, 29; Daniel 12, 1; Luk. 10, 20; Offenb. 3, 5; 13, 8; 17, 8; 20, 12
u. 15; 21, 27). Ebräer 12, 23 spricht mit Bezug auf dieses "Buch" von
"der Gemeine der Erstgebornen, die im Himmel angeschrieben sind", daher
uns die Wendung kommt:

      *Gut* (_oder schlecht_) *angeschrieben sein.--*

       *       *       *       *       *

Nach *1. Thessalonicher* 5, 2 (vrgl. Matth. 24, 42-44; Luk. 12, 39 und
2. Petri 3, 10) soll der Tag des Herrn

      *Wie ein Dieb in der Nacht kommen.--*

1. Thess. 5, 21: "Prüfet aber alles, und das Gute behaltet" wird
citiert in der Form:

      *Prüfet alles, und behaltet das Beste.--*

Auf 1. Thess. 5, 22: "Meidet allen bösen Schein" beruht:

      *Den Schein vermeiden.--*

       *       *       *       *       *

Der *2.* Brief an die *Thessalonicher* enthält 3, 10:

      *So jemand nicht will arbeiten, der soll auch nicht essen.--*

       *       *       *       *       *

Im *1.* Briefe an *Timotheus* steht

1, 19:

      *am Glauben Schiffbruch erlitten haben;*

5, 6:

      *lebendig todt,*

6, 5:

      *Schulgezänk(e),*

womit Luther *παραδιατριβαί* übersetzt;

6, 10:

      *Geiz ist eine Wurzel alles Übels;*

6, 12 (vrgl. unt. "Goethe": "Dieser ist ein Mensch gewesen" u.s.w.):
"Kämpfe den guten Kampf des Glaubens", wonach wir von

      *Glaubenskämpfen*

reden und davon, dass wir

      *Einen guten Kampf kämpfen*

oder (nach 2. Tim. 4, 7 s. unter "Dieser ist ein Mensch gewesen ...")

      *Einen guten Kampf gekämpft haben.--*

       *       *       *       *       *

Im Briefe an *Titus* 1, 15 schreibt ~Paulus~:

      *Den Reinen ist alles rein.*

(2. Samuelis 22, 27 und Psalm 18, 27 heisst es: "Bei den Reinen bist du
rein".)--

       *       *       *       *       *

*1. Petri* 4, 7 steht: "Das Ende aller Dinge" und Sirach 40, 25 (vrgl.
Jes. 62, 11; 49, 6; Jer. 25, 30; Sacharja 9, 10; Matth. 28, 20): "Bis
ans Ende der Welt" und Apostelg. 13, 47; "Bis an's Ende der Erde".
Hiernach sagen wir mit König Georgs V. von Hannover Proklamation von
1865 aus Anlass des fünfzigjährigen Besitzes von Ostfriesland:

      *Bis an's Ende aller Dinge.--*

1. Petri 5, 8 heisst es:

      (_Der Teufel_) *gehet umher wie ein brüllender Löwe,* (_und
          suchet, welchen er verschlinge_).--

       *       *       *       *       *

Nach *2. Petri* 2, 18: "... sie reden stolze Worte, da nichts hinter
ist ..." sagen wir:

      *Es ist Nichts dahinter.--*

       *       *       *       *       *

*1. Johannes* 2, 18; 4, 3; 2. Joh. 7 wird im griechischen Text der
Bösewicht

      *ὁ ἀντίχριστος,*

      _der_ *Antichrist,*

genannt. Luther übersetzt "Widerchrist", doch giebt er Daniel 12 die
Überschrift "Vom Antichrist" und Off. Joh. 17: "eine Beschreibung des
antichristlichen Reichs".--

1. Joh. 2, 19 steht:

      *Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns;*

und 5, 19: *Die* (_ganze_) *Welt lieget im Argen.--*

       *       *       *       *       *

*Ebräer* 1, 14 finden wir:

      *Dienstbare Geister.--*

Nach Ebräer 4, 12: "... das Wort Gottes ist schärfer denn kein
zweischneidig Schwert und durchdringet, bis dass es scheidet ... Mark
und Bein" sagen wir:

      *Mark und Bein durchdringend.--*

Ebräer 10, 27 lautet: "(so wir muthwillig sündigen ... haben wir ...)
ein schreckliches Warten des Gerichts und des

      *Feuereifers,*

der die Widerwärtigen verzehren wird".--

Ebräer 12, 4 lautet: "ihr habt noch nicht

      *bis aufs Blut*

widerstanden über dem Kämpfen wider die Sünde".--

Aus Ebräer 13, 14 entlehnen wir:

      *keine bleibende Stätte* (_wörtlich: Stadt_) *haben.--*

Und Ebräer 13, 16 lesen wir:

      *Wohlzuthun und mitzutheilen* (_vergesset nicht_).--

       *       *       *       *       *

*Jacobus* 1, 22-23 steht geschrieben: "Seid ...

      *Thäter des Worts*

und nicht Hörer allein ... Denn so jemand ist ein

      *Hörer des Worts*

und nicht ein Thäter; der ist gleich einem Manne, der sein leibliches
Angesicht im Spiegel beschauet".--

      *Seine Zunge im Zaum halten*

sagen wir nach Jacobus 1, 26: "So aber sich jemand unter euch lässt
dünken, er diene Gott, und hält seine Zunge nicht im Zaum, sondern
verführet sein Herz: dess Gottesdienst ist eitel".--

Jakobus 3, 7 lesen wir: "... alle Natur der Thiere und der Vögel und
der Schlangen und der

      *Meerwunder*

werden gezähmet und sind gezähmet von der menschlichen Natur".--

      *Sub reservatione Jacobea,*

das heisst: "unter dem Vorbehalt, wie ihn Jakobus macht", beruht auf
Jacobus 4, 15: "So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder
das thun".--

       *       *       *       *       *

Weil sich "der Herr" Jesaias 41, 4; 44, 6 und 48, 12 "der Erste und der
Letzte" nennt, schreibt ihm die *Offenbarung Johannis* 1, 8 u. 11; 21,
6; 22, 13 das Wort zu: "Ich bin

      *das A und das O",*

was sich daraus erklärt, dass A (Alpha) der erste und O (Omega) der
letzte Buchstabe des griechischen Alphabets ist. Heute bedeutet dies
soviel wie: "Alles in Allem", "das Wichtigste und Liebste", "Anfang und
Ende".--

      *Getreu bis in den Tod*

ist entlehnt aus Offenb. 2, 10: "... sei getreu bis in den Tod, so will
ich dir die Krone des Lebens geben".--

Offenb. 3, 15-16 lesen wir: "Ich weiss deine Werke, dass du

      *weder kalt noch warm*

bist. Ach dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber

      *lau*

bist, und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem
Munde".--

Offenb. 4, 8, sowie 14, 11 heisst es:

      *keine Ruhe Tag und Nacht,*

was in der Form:

      *keine Ruh' bei Tag und Nacht*

in ~Moscheroschs~ "Totenheer" (1643) S. 203 der ~Dittmar~schen Ausgabe
und ferner in dem ~Daponte~schen Text der Mozartschen Oper "Don Juan"
vorkommt.--

Offenb. 5, 1-6 steht:

      *ein Buch* (_geschrieben inwendig und auswendig, versiegelt_)
          *mit sieben Siegeln,*

was für ein schwer verständliches Buch, wie überhaupt für alles schwer
Verständliche angewendet wird.--

Offenb. 6, 1 findet sich: "Und ich hörete der vier Thiere eins sagen,
als

      *mit einer Donnerstimme:*

komm, und siehe zu".--

Wenn man sagen hört, dass jemand

      *auf einem faulen Pferde,*

d.h. auf schlimmen Wegen der Hölle, ertappt worden sei, so ist dies
missverständlich gesetzt für: "auf einem fahlen Pferde" von denen,
welche die Quelle des Worts nicht kennen. In der Offenb. 6, 8 steht:
"Und ich sahe, und siehe, ein fahl Pferd und der darauf sass, dess Name
hiess Tod und die Hölle folgte ihm nach".-- Offenb. 14, 13 spricht der
Geist zu Johannes von denen, die in dem Herrn sterben: dass sie ruhen
von ihrer Arbeit; denn

      *ihre Werke folgen ihnen nach.--*

In der Offenbarung Johannis 15, 7 heisst es: "sieben güldene Schalen
voll Zorns Gottes", und 16, 1: "giesset aus die Schalen des Zorns
Gottes", woraus wir entnommen haben:

      *die Schale des Zorns ausgiessen.--*

Aus Offenb. 20, 2-3: "und er griff den Drachen, die alte Schlange,
welche ist der Teufel und der Satan, und band ihn tausend Jahre und
warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und versiegelte oben darauf,
dass er nicht mehr verführen sollte die Heiden, bis dass vollendet
würden tausend Jahr; und darnach muss er los werden eine kleine Zeit",
so wie aus 20, 7: "Und wenn tausend Jahre vollendet sind, wird der
Satanas los werden aus seinem Gefängnis" ward entwickelt:

      *Der Teufel ist los.--*

       *       *       *       *       *

Das in den Psalmen und im Habakuk vorkommende Wort "Sela" bezeichnet
ein Finale im musikalischen Vortrage und daher sagen wir, wenn wir mit
einer Sache glücklich zu Ende kamen:

      *Abgemacht! Sela!*



II.

Geflügelte Worte aus Sagen und Volksmärchen.


Aus den Sagen und Volksmärchen citieren wir dauernd eine Anzahl
Ausdrücke und Namen, deren Auftauchen zu erforschen nicht ohne Reiz ist.

       *       *       *       *       *

In ~Homers~ "Iliade" (3, 6) heisst es von den Kranichen:

      "ἀνδράσι Πυγμαίοισι φόνον καὶ κῆρα φέρουσαι",

      "welche Verderben und Tod darbringen Pygmäischen Männern".

Diese klassischen Däumlinge (wörtlich: "Fäustlinge"), die

      *Pygmäen,*

wurden uns zum spasshaften Symbol für die Auflehnung kleiner Geister
gegen Geistesheroën, weil sie den Tod des Riesenbruders Antaeus (s.
weiterhin) am Herkules zu rächen gedachten und gegen den schlafenden
Halbgott zu Felde zogen, d.h. auf seinen Gliedern herumkrabbelten und
sein Haupt in Belagerungszustand versetzten, ohne ihn im mindesten zu
schädigen. Der Gewaltige wachte auf, lachte, sammelte all die kleinen
Helden in sein Löwenfell und brachte sie seinem Arbeitgeber Eurystheus.

  (Vrgl. ~Philostrat~, "Icon." 2, 22. -- Frans de Vriendt, gen. Floris,
  der "niederländische Rafaël", 1520-1570, zeichnete diese Scene, und
  H. Cock verbreitete das Blatt durch den Kupferstich.)--

       *       *       *       *       *

Eine anmutige Mundschenkin nennen wir eine

      *Hebe*

nach ~Homer~ ("Il." 4, 2), wo beim Zeus den Göttern "πότνια Ἥβη
ἐῳνοχόει"--"die herrliche Hebe Wein einschenkt", welche er
("Od." 11, 603) als "καλλίσφυρον"--"die mit den schönen
Knöcheln" preist.--

       *       *       *       *       *

Im ~Homer~ erscheint uns auch zuerst der "Οὔλυμπος",

      *Olymp,*

ein Berg auf Thessaliens und Macedoniens Grenze, als "Sitz der
Unsterblichen", oder "Göttersitz" ("Il." 8, 456 "ἀθανάτων ἕδος";
"Od." 6, 42-46 "θεῶν ἕδος"). Späteren Dichtern
(s. ~Sophokles~ "Frg." 490, Nauck; ~Aristophanes~ "Thesmoph." 1068
ff.; ~Vergil~ "Ecl." 5, 56-57) heisst dann auch das Himmelsgewölbe,
auf dem die Götter wohnen, "Olymp"; während wir damit die obersten
Sitzreihen im Theater wohl deswegen bezeichnen, weil sie dem wolken-
und götterreichen Plafond zunächst liegen.--

       *       *       *       *       *

      *Ganymed*

ist uns das Urbild eines erfreulichen Mundschenken nach ~Homers~
Schilderung ("Il." 20, 232 ff.):

                  "[... ἀντίθεος Γανυμήδης
      ὃς δὴ κάλλιστος γένετο θνητῶν ἀνθρώπων
      τὸν καὶ ἀνηρείψαντο θεοὶ Διὶ οἰνοχοεύειν
      κάλλεος εἵνεκα οἷο, ἵν' ἀθανάτοισι μετείῃ".

                  "Ganymedes, den Göttern vergleichbar,
      Welcher der Schönste war von allen sterblichen Menschen;
      Ihn ja rafften die Götter empor, Zeus' Becher zu füllen,
      Wegen der schönen Gestalt, dass er lebe mit ewigen Göttern".--

       *       *       *       *       *

Bei ~Homer~ ("Il." 24, 25-30) findet sich auch die erste Hindeutung auf

      *Das Urteil des Paris,*

das zu unzähligen Darstellungen verwertet ward und noch heut citiert
wird, wo es gilt, einen Streit um Frauenschönheit zu entscheiden.
Here und Athene zürnten Ilion wegen der frevelhaften Verblendung des
Alexandros (Paris),

      "ὃς νείκεσσε θεὰς, ὅτε οἱ μέσσαυλον ἵκοντο,
      τὺν δ' ᾔνησ' ἥ οἱ πόρε μαχλοσύνην ἀλεγεινήν",

      "welcher die Göttinnen schmähte, als ihm ins Gehöfte sie kamen,
      und die pries, die zum Lohn ihm verderbliche Üppigkeit anbot".

nämlich Aphrodite, der er als der Schönsten den Apfel gab (vrgl.
~Euripides~ "Hec." 633, "Troad." 930). Die Vorgeschichte hierzu liefert
~Lucian~ ("dial. marin." 5; vrgl. in des Proclus "Chrestomathie":
"Kyprien", wo der Apfel noch unerwähnt ist) also:

Die zur Hochzeit des Peleus und der Thetis nicht gebetene Eris
(Discordia, Göttin der Zwietracht) rollte einen goldenen Apfel mit der
Aufschrift "Die Schöne soll mich bekommen" dahin zwischen die Gäste,
wo Here, Athene und Aphrodite weilten, die alsbald in Zwist gerieten,
welcher von ihnen der Apfel gebühre. Für ein Streitobjekt entnehmen wir
daraus den bildlichen Ausdruck:

      *Apfel der Zwietracht, Zankapfel, Erisapfel,*

der uns zuerst bei ~Justinus~ (XII, 15; XVI, 3) als "malum Discordiae"
und "Discordiae malum" begegnet.[14] Dieser Zwist der Göttinnen rief
dann eben das den trojanischen Krieg entfesselnde "Urteil des Paris"
hervor, das "iudicium Paridis" (s. Kap. XI: Vergil "Aen." 1, 27).--

[Fußnote 14: ~Justinus~ (2. Jahrh. n. Chr.) excerpierte den ~Pompeius
Trogus~ (um 20 v. Chr.), der also schon das Wort gebraucht haben mag.]

       *       *       *       *       *

Ein unzertrennliches Freundespaar nennen wir

      *Orest und Pylades*

nach den beiden Vettern, Freunden und Schwägern, deren gemeinsame Rache
an Aegisth und Klytemnestra wegen Agamemnons Ermordung des ~Hagias
von Troezen~ "Heimkehr" schilderte (s. Proclus: "Chrestomathie").
Als bester Freund und Waffengefährte des Orest beim Rachezug und bei
Iphigeniens Heimführung begegnet uns dann Pylades bei ~Aeschylus~
("Choëph." 557), bei ~Sophokles~ ("Elektra" 15) und bei ~Euripides~
("Orest." 388, 705-712, 773, 779 ff., 859 ff, 927 ff, 991 ff,
1042-1076, 1370 ff, 1586-7; "Elektra" 82-85, 835-837, 870-879; "Iphig.
Taur." 94 ff, 296-300, 307 ff, 469, 570-579, 621, 643-691, 868). Darum
spricht ~Cicero~ ("de fin." 2, 26) von "Pyladeïscher Freundschaft"
("Pyladea amicitia"). Am berühmtesten ist der Beiden edler Wettstreit,
welcher von ihnen sterben soll (s. ~Euripides~ "Orest." 1046-1076;
"Iphig. Taur." 570-579, 621, 643-679 und danach M. ~Pacuvius~, den
~Cicero~ "Laelius" 2, 24 citiert; vrgl. ~Cic.~ "de fin." 2, 24 und
~Ovid~ "ex Pont." 3, 2, 85-86).--

       *       *       *       *       *

Für ein vielgestaltiges wandelbares Wesen gab uns der Meergott

      *Proteus* (Πρωτεύς)

den Namen. ~Homer~ singt ("Od." 4. 416-418 u. 456-458) zuerst von
dessen Fähigkeit, sich in Alles zu verwandeln, was auf Erden webt und
lebt, um nicht Rede stehen zu müssen.--

       *       *       *       *       *

Einen himmlischen Aufenthalt nennen wir ein

      *Elysium*

nach ~Homers~ "Odyssee" 4, 565-568, an welcher Stelle der überwältigte
Proteus dem Menelaos das "an der Erde Grenzen" liegende "Elysische
Gefilde" ("Ἠλύσιον πεδίον") also ausmalt:

      "τῇ περ ῥηίστη βιοτὴ πέλει ἀνθρώποισιν·
      οὐ νιφετός, οὔτ' ἂρ χειμὼν πολὺς οὔτε ποτ' ὄμβρος,
      ἀλλ' αἰεὶ Ζεφύροιο λιγὺ πνείοντος ἀήτας
      Ὠκεανὸς ἀνίησιν ἀναψύχειν ἀνθρώπους".

      "Wo in behaglicher Ruhe den Menschen das Leben dahinfliesst:
      Dort ist kein Schnee, kein schneidender Sturm, kein strömender
          Regen,
      Sondern der Ocean sendet empor zur Erquickung der Menschen
      Immer den luftigen Hauch des frischhinwehenden Zephyrs".--

       *       *       *       *       *

      *Nektar und Ambrosia*

als "Göttertrank und Götterspeise" finden wir bei Homer ("Od." 5, 93;
vrgl. 5, 199-201), wo Kalypso Hermes den Tisch deckt:

      "ἀμβροσίης πλήσασα, κέρασσε δὲ νέκταρ ἐρυθρόν
      αὐτὰρ ὁ πῖνε καὶ ἦσθε διάκτορος ἀργειφόντης  ".

      "Füllte Ambrosia auf und mischt' ihm rötlichen Nektar;
      Hierauf ass er und trank, der argostötende Bote".

  Sonst wurde Ambrosia auch oft als Trank oder als Salböl der Götter
  angesehen.--

       *       *       *       *       *

Ein durch dämonischen Zauber fesselndes Weib nennen wir eine

      *Circe*

nach ~Homer~ ("Od." 10, 210 ff.), wo die Göttin Κίρκη, die
lockige und ränkevolle, den Odysseus zur Liebe verleitet; obwohl er sie
fürchtete, weil sie seine Gefährten in Schweine verwandelt hatte.--

       *       *       *       *       *

Von den Enkeln Neptuns, den Riesenbrüdern Otos und Ephialtes,
überliefert ~Homer~ ("Od." 11, 305-320), dass sie die Götter also
bedrohten:

      "Ὄσσαν ἐπ' Οὐλύμπῳ μέμασαν θέμεν, αὐτὰρ ἐπ' Ὄσσῃ
      Πήλιον εἰνοσίφυλλον, ἵν' οὔρανος ἄμβατος εἴη".

      "Ossa zu höh'n auf Olympos gedachten sie, aber auf Ossa
      Pelion, rege von Wald, um hinauf in den Himmel zu steigen".

Apoll aber tötete vorher die Überkühnen. Für ein gewaltiges, gleichsam
Himmel und Erde bewegendes Beginnen brauchen wir daher das Wort:

      *Den Pelion auf den Ossa stülpen* _oder_ *türmen wollen.--*

       *       *       *       *       *

Im ~Homer~ ("Od." 11, 582-92) berichtet Odysseus vom Tantalus, er
habe ihn in der Unterwelt zur Büssung seiner Frevel bis zum Knie im
Wasser stehend gefunden, das hinwegschwand, sowie er sich zum Trinken
neigte, während die Fruchtzweige zu seinen Häupten vom Winde entführt
wurden, wenn er sich nach ihnen reckte. Für die Qualen unbefriedigten
Verlangens bildete sich daher das Wort

      *Tantalusqualen.--*

       *       *       *       *       *

Weiterhin (593-600) erzählt Odysseus, dass er in der Unterwelt auch den
Sisyphus sah, welcher dort zur Strafe für seine Erdensünden ein immer
wieder herabrollendes Felsstück (s. Kap. X: "Hurtig mit Donnergepolter"
u.s.w.) immer von neuem einen Berg hinaufzuwälzen hatte. Danach nennen
wir, wie ~Properz~ (3, 8: "Sisyphios labores") eine mühevolle und
ergebnislose Arbeit eine

      *Sisyphusarbeit.--*

       *       *       *       *       *

Circe warnt im ~Homer~ ("Od." 12, 39 ff.) den Odysseus vor den Sirenen,
jenen beiden zauberisch singenden Wesen, die den Schiffer Weib und Kind
vergessen machten, ihn an sich lockten und töteten. Hiernach nennen wir
ein liebreizendes, durch Schmeicheltöne ins Verderben lockendes Weib
eine

      *Sirene*

und sprechen von bezauberndem

      *Sirenengesang*

und von einer verführerischen

      *Sirenenstimme.--*

       *       *       *       *       *

Ein Wesen, das uns zu raten giebt, nennen wir eine

      *Sphinx;*

denn die thebanische Sphinx, welche nach ~Cinaethos~, des Milesiers,
"Oedipodie" (s. ~Proclus~ "Chrestomathie") keine "Bestie" ("θηρίον"),
sondern eine "Wahrsagerin" ("χρησμολόγος"), nach anderen
jedoch (~Apollodor~ III, 5, 8) ein Geschöpf war mit Weibsgesicht,
Löwenkörper und Vogelflügeln, diese Sphinx, die ~Hesiod~
("Theog." 326) "Echidnas und Orthys' Tochter", "die furchtbare"
("ὀλοήν") und "ein Verderben für die Kadmeer" ("Καδμείοισιν
ὄλεθρον") nennt, sie gab den Thebanern Rätsel auf und tötete
deren viele, die an der Auflösung verzagten, bis Oedipus auf
ihre Frage: "Wer ist morgens vierbeinig, mittags zweibeinig, abends
dreibeinig?" die kluge Antwort: "der Mensch" zu geben wusste, worauf
sie sich selbst (oder er ihr) das Leben nahm.

  Belegstellen s. bei Heyne zu ~Apollodor~ a.a.O. u. ferner:
  ~Aeschylus~ "Sieb. geg. Th." 526, 543; ~Sophokles~ "Oedip. tyr."
  1179; ~Euripides~ "Phoen." 6, 745, 784ff., 1297, 1442ff., 1668ff.;
  ~Hygin.~ 67; ~Ausonius~ "Griphus" 38-41 u.a.m.--

       *       *       *       *       *

Nach dem ~homerischen~ Hymnus auf Apoll (285-289) baute sich dieser
Gott der Musen und Dichter am Fusse des "Πάρνησος",

      *Parnass*

(Berg in Phokis) einen Tempel. Auch der "Ἑλικών",

      *Helikon*

(Berg in Böotien) ist Aufenthalt der Musen, die dort tanzen und sich in
der Quelle "Ἱππουκρήνη",

      *Hippokrene*

baden (~Hesiod~ "Theog." 1ff.). Diesen Musenquell liess der Hufschlag
des als Spross Neptuns und der Medusa von der Erde zu den Göttern
schwebenden Flügelrosses

      *Pegasus*

(~Hesiod~ "Th." 284: "Πήγασος ἵππος") entspringen (~Ovid~
"Met." 5, 257: "Dura Medusaei quem praepetis ungula rupit") und wer
sich mit dem Wasser dieses "Rossquells" "die Lippen netzte", d.h. wer
daraus trank, wurde ein Dichter (s. ~Persius~ "Prolog.": "Nec fonte
labra prolui caballino" und andere Stellen bei J. Mallet "Quaestiones
Propertionae" Gött. 1882 S. 4-7, wo nachgewiesen wird, dass diese
Vorstellung auf alexandrinische Dichter zurückgeht).--

       *       *       *       *       *

Im ~Hesiod~ ("Theog." 227) begegnet uns zuerst die Tochter der Eris,
Lethe (Λήθη, die Vergessenheit). Der mythische Fluss

      *Lethe*

wurde nach ihr benannt und aus diesem,

      *aus dem Strom der Vergessenheit trinken*

die abgeschiedenen Seelen, die vom Elysium zu verklärtem Dasein
übergehen (vrgl. ~Vergil~ "Aen." 6, 714-715: "Lethaei ad fluminis undam
... longa oblivia potant").--

       *       *       *       *       *

~Hesiod~ ("Theog." 313) erwähnt zuerst die Tochter Typhons und
Echidnas, "Ὕδρην ... λύγρ' εἰδυῖαν Λερνειήν", "die Verderben
brütende, Lernaeische

      *Hydra* _oder_ *Hyder",*

wozu der Scholiast (p. 257) treffend bemerkt, sie versinnbildliche
das Böse, das immer wieder sein Haupt erhebt, so sehr man es auch
vernichten will. Herkules tötete aber die Hydra, obgleich nach
~Apollodor~ (II, 5, 2) "μιᾶς κοπτομένης κεφαλῆς δύο ἀνεφύοντο",
"ihr zwei Köpfe wiederwuchsen, wenn einer abgehauen war".

  Vrgl. ~Ovid~ "Met." 9, 71-74. Die Zahl ihrer Häupter wird verschieden
  angegeben. Vrgl. ~Pisander~ aus Kamiros bei Pausan. II, 37. p. 399,
  400; ~Alcaeus~ beim Scholiasten zu Hesiod, a.a.O.; ~Euripides~ "Herc.
  fur." 419; ~Diodor~ 4, 21; ~Hygin.~ "Fab." 30.--

       *       *       *       *       *

Von ~Hesiod~ (9. Jahrh. v. Chr.) wird auch zuerst

              *die goldene Zeit*
      _oder_: *das goldene Zeitalter*

erwähnt ("Werke und Tage" 109-123). Es ist das saturnische Zeitalter
gemeint, "wo die Menschen sorglos ohne Arbeit und Weh dahinlebten, wie
die Götter, ohne Altersbeschwer, immer tafelfreudig, und starben, als
schliefen sie ein; wo der Acker von selbst Frucht trug" u.s.w.

  Vrgl. ~Aratus~ "Phaenomena" 96-106; ~Tibull~ 1, 3, 35; ~Ovid~ "Amor."
  3, 8, 40; "Met." 1, 89-112; d. Verf. d. "Aetna" V. 9 u. ~Claudian~
  "Lob d. Stilicho" 1, 85.--S.: Eichhoff in "Fleckeisens Jahrb. f.
  Philol. u. Pädag." 120, 581. Viele einschlagende Stellen der alten
  Komödiendichter giebt ~Athenaeus~ 6 p. 267 E.-270 A. Auch schrieb
  ~Eupolis~ ein "χρυσοῦν γένος".--

       *       *       *       *       *

In der attischen Komödie des fünften Jahrhunderts v. Chr. finden wir
unter anderen Zügen der "goldenen Zeit" bei ~Krates~ (s. Athenaeus
a.a.O.): "παρατίθου τράπεζα"--"Tisch, decke dich!", dem wir
im deutschen Märchen wieder begegnen als

      *Tischlein, decke dich!--*

~Telekleides~ aber singt (ebenda): "ὀπταὶ κίχλαι μετ'
ἀμητίσκων εἰς τὴν φάρυγ' εἰσεπέτοντο"--"Gebratene Krammetsvögel
mit kleinen Kuchen flogen Einem in den Schlund hinein"; während sie
nach ~Pherekrates~ (ebenda), sehnsüchtig verspeist zu werden, Einem
"περὶ τὸ στόμ' ἐπέτοντο"--"um den Mund herumflogen". Der
gleichen Vorstellung entsprang unser:

      *Gebratene Tauben, die Einem ins Maul fliegen,*

von denen schon 1536 ~Hans Sachs~ ("Gedichte", Nürnb. 1558, S. 544)
in seinem "Schlaweraffen Landt" weiss, so wie das in "les navigations
de Panurge" (in d. 1547 zu Valence ersch. Nachdruck d. "Gargantua u.
Pantagruel" von Rabelais) vorkommende:

      *Il attend, ques les alouettes lui tombent toutes rôties*
      (er erwartet, dass ihm die Lerchen ganz gebraten herabfallen).--

Das Märchen vom Lande der Faullenzer (mittelhochdeutsch "slur"), bei uns

      *Schlaraffenland*

genannt, ist den europäischen Völkern gemeinsam. "Das Schluraffenlandt"
heisst es 1494 in Sebastian ~Brants~ "Narrenschiff" (Zarncke, S. 104),
während es bei Hans ~Sachs~ (a. a. O.) "Schlaweraffen Landt" und
"Schlauraffenlandt" lautet (s.: J. Pöschel in "Beitr. z. Gesch. d.
deutschen Spr. u. Lit." Bd. 5, Halle 1878 u. F. Liebrechts Nachträge
dazu in Gräbers "Zeitschr. f. roman. Philol." 3, 127).--

       *       *       *       *       *

Aus ~Hesiod~ ("W. u. T." 94 ff.) entnehmen wir ferner das beliebte Wort
für etwas Unheilbergendes und Unheilausströmendes:

      *Büchse der Pandora* _oder_ *Pandorabüchse.*

Die Menschen, so erzählt er, lebten, bevor Zeus ihnen zur Strafe für
den Feuerdiebstahl des Prometheus die Pandora mit der schreckensvollen
Büchse sandte, ohne Drangsal, Krankheit und Alter:

      "ἀλλὰ γυνὴ χείρεσσι, πίθου μέγα πῶμ' ἀφελοῦσα
      ἐσκέδασ' ἀνθρώποισι, δ' ἐμήσατο κήδεα λυγρά"

      "Aber das Weib hob ab von der Büchse den mächtigen Deckel,
      Streute mit Händen daraus: für die Menschheit sann sie auf
          Trübsal".

Nur die Hoffnung blieb tückisch in der Büchse zurück.--

       *       *       *       *       *

Auch besingt ~Hesiod~ ("Theog." 311) zuerst den

      "Κέρβερον ὠμηστὴν, ἀίδεω κύνα χαλκεόφωνον,
      πεντηκοντοκάρηνον, ἀναιδέα τε κρατερόν τε ..."

"Cerberus, der rohes Fleisch frisst, den Höllenhund mit der ehernen
Stimme, den fünfzigköpfigen, frechen und starken", dessen Wächteramt
vor den Thoren des Hades ~Vergil~ ("Aen." 6, 417ff.) u.a. schildern.
Wir nennen daher einen grimmigen Thürhüter einen

      *Cerberus.--*

       *       *       *       *       *

Im ~Aeschylus~ (525-456 v. Chr.) finden wir zuerst den Argus
("Ἱκέτιδες" 805), welcher die von der eifersüchtigen Juno in eine Kuh
verwandelte Io zu hüten hatte, erwähnt als "den Alles sehenden Wächter"
-- "τὸν πάνθ' ὁρῶντα φύλακα". Daher nennen wir scharfe
aufmerksame Augen

      *Argusaugen.--*

       *       *       *       *       *

      *Die Gelegenheit beim Schopf* _oder_ *bei der Stirnlocke fassen*

citieren wir aus dem griechischen Mythus, nach welchem der durch ~Ion
von Chios~ († 422 v. Chr.) besungene, in Olympia als Gott verehrte
(~Pausanias~ V, 14) Kairos (Καιρός, Occasio, die günstige
Gelegenheit) mit lockigem Vorhaupt und kahlem Nacken im Davonfliegen
geschildert wurde, da man die gute Gelegenheit hintennach zu spät
ergreift. So beschreibt ihn uns (um 280 v. Chr.) im 13. Epigramm
~Posidipp~ ("Griech. Anthologie" IV) als vom ~Lysipp~ plastisch
dargestellt.

  ~Ausonius~ (Epigr. 12) nennt nur deshalb ~Phidias~ als den Meister,
  weil ihm dessen Name besser in den Vers passt. Vrgl. auch ~Phaedrus~
  ("Fab." V, 8) und ~Kallistrat~ ("Stat." 6).--

       *       *       *       *       *

Aus ~Sophokles~ (496-406 v. Chr.) erfahren wir ("Trach." 549ff.),
dass der wegen seines Angriffs auf Deïanira von deren Gatten Herkules
durch einen Giftpfeil getötete Kentaur Nessus der Begehrten sterbend
riet, sein Blut als Liebesmittel aufzubewahren, damit sie den Herkules
dauernd an sich fesseln könne. Als dieser sich nun in Iole verliebte,
sandte ihm die Gattin ein mit dem giftigen Blute bestrichenes
Opferhemd. Herkules zog es an und verfiel in so rasenden Schmerz, dass
er den Flammentod wählte. Daher gilt uns als etwas die höchste Pein
Verursachendes das

      *Nessushemd.--*

       *       *       *       *       *

Grundloses, plötzliches Entsetzen nennen wir, wie die Alten, einen

      *panischen Schrecken,*

oder, nach dem französischen "panique", eine

      *Panik;*

denn Griechen und Römer führten den im Heerlager durch blinden Lärm
hervorgerufenen nächtlichen Schrecken (seltener den bei Tage) auf Pan
zurück. Im ~pseudoeuripideischen~ "Rhesus" (36 ff.) fragt Hektor den
Chor, der ihn nachts zu den Waffen ruft:

      "ἀλλ' ἦ Κρονίου Πανὸς τρομερᾷ
      μαστίγι φοβεῖ, φυλακὰς δὲ λιπών
      κινεῖς στρατιάν;"

      "Sag', bist du erschreckt von dem schwirrenden Schwung
      Der Geissel des Pan, des Kroniden, und liess'st
      Den Posten im Stich, erregend das Heer?"

  ~Eratosthenes~ ("Katast." 27) meldet vom Pan, er habe durch
  Blasen auf einer Seemuschel die Titanen in die Flucht gejagt, und
  ~Hygin~ ("Poet. Astr." 2, 28) lässt ihn dasselbe durch Werfen mit
  Muscheln erreichen. ~Valerius Flaccus~ (3, 46) hingegen besingt den
  nächtlichen Schrecken, den Pans Stimme verbreitet, und ~Plutarch~
  ("Is. u. Osir." 14) erwähnt die durch Pane und Satyrn in Ägypten
  erregten "panischen Schrecken" ("ταραχὰς πανικάς");
  während ~Polyaenus~ ("Strateg." 1, 2) die Feinde des bacchischen
  Heeres durch Pans wildes, vom Echo vermehrtes Geschrei in die Flucht
  treiben lässt (vrgl. Auct. "de incredibilibus" 11, ed. Teucher 1796).
  Die 11. "~orphische Hymne~" nennt Pan (7):


      "φαντασιῶν ἐπαρωγέ, φόβων ἔκπαγλε βροτείων",

      "Bringer der Schreckphantasie'n, Erreger der menschlichen Ängste",

  (23):

      "Πανικὸν ἐκπέμπων οἶστρον ἐπὶ τέρματα γαίης",

      "Bis zu den Grenzen der Erd' entsendend das panische Rasen".

  Und nicht allein Dichter und Mythographen, auch Geschichtsschreiber
  wissen davon zu erzählen.

  ~Xenophon~ ("Anab." 2, 2) und ~Aeneas Tacticus~ (27) geben
  verschiedene Mittel an, nachts im Lager die Mannszucht aufrecht zu
  erhalten, damit nicht der "panische Schrecken" um sich greife. Dies
  muss sehr nötig gewesen sein; denn ~Pausanias~ (10, 23) berichtet
  über die von den Macedoniern geschlagenen Gallier unter Brennus:
  "In der Nacht befiel sie ein panischer Schrecken ("φόβος Πανικός")
  ... sie glaubten Pferdegetrappel zu hören und den Feind
  zu sehen und huben an, sich in ihrer Verblendung untereinander
  anzugreifen und zu töten".

  Die Römer schrieben nach ~Dionys von Halikarnass~ (5, 16) dem
  Faunus die Eigenschaften Pans zu, Phantome, seltsame Geräusche und
  Schrecken ("τὰ Πανικά") nachts im Heerlager hervorzurufen.
  ~Cicero~ bringt das Wort stets in griechischer Form ("πανικός"
  sc. "φόβος" u. "πανικά" sc. "δείματα") und bezieht es einmal
  ("Att." 5, 20) auf den Kriegsschrecken, sonst ("Att." 14, 3;
  16, 1; "Ad. fam." 16, 23) auf leere Schreckversuche oder
  Schreckensgerüchte anderer Art. In Hirts "Bilderbuch"
  (II, S. 160, Vign. 4) findet sich die Abbildung eines antiken
  Terracottareliefs, das den "panischen Schrecken" darstellt.--


       *       *       *       *       *

Aus der alten, im pseudoplatonischen "Axiochus" (371 e) und in
des ~Aeschines~ "Dialogen" (3, 21) flüchtig berührten, uns erst
von ~Hyginus~ (168) erzählten Mythe, dass die Töchter des Danaus,
ausgenommen Hypermnestra, zur Strafe des Gattenmordes verdammt waren,
in der Unterwelt beständig Wasser in ein leckes Fass zu schöpfen,
entwickelte sich das sprichwörtliche Bild für Verschwendung
"ὁ τετρημένος πίθος", "das durchlöcherte Fass" (s. ~Aristoteles~
"Oekon." 1, 6) und für vergebliche Arbeit "εἰς τὸν τετρημένον πίθον
ἀντλεῖν", "in das durchlöcherte Fass schöpfen" (s. ~Xenophon~
"Oekon." 7, 40). ~Lucian~ nennt dieses Fass zuerst ("Hermot." 61):
"ὁ τῶν Δαναίδων πίθος".

      *Das Fass der Danaiden*

füllen zu wollen, ist uns daher ein Bild bodenloser Anstrengung und
Vergeudung.--

       *       *       *       *       *

"Ζεὺς ὑέτιος", "Zeus der Regenspender" tritt uns zuerst im
~Aristoteles~ ("de mundo" 7) entgegen. Die Griechen verehrten ihn
an mehreren Orten (s. ~Pausanias~ 2, 19; 9, 39), und er ist auf der
Antoninussäule zu Rom geflügelt dargestellt. Wasserströme fliessen vor
ihm nieder. Im ~Tibull~ (1, 7, 26) finden wir, dass am Nil "kein dürres
Gras zum Regenspender Zeus (Pluvio Jovi) flehe", wonach wohl Goethe in
"Wanderers Sturmlied" (1771) und im 22. "Epigramm" (Venedig 1790) vom

      *Jupiter pluvius*

singt, den er in Deutschland zum geflügelten Wort gemacht hat.--

       *       *       *       *       *

~Aristoteles~ (Πολιτ. Σαμ. Frg. 523, ed. Rose, vrgl. Tzetzes
zu Lykophron 488) erzählt die Anekdote vom ~Ancaeus~, dem mythischen
König auf Samos, und dessen Knecht. Ancaeus pflanzte Weinstöcke, und
der Knecht prophezeite ihm, er würde sterben, ehe er Wein davon tränke.
Als nun der Wein reifte, sagte Ancaeus er würde es doch noch erleben;
aber der Knecht orakelte:

      *Πολλὰ μεταξὺ πέλει κύλικος καὶ χείλεος ἄκρου*

      Zwischen dem Rande der Lipp' und des Bechers kann Viel sich
          ereignen.

Und richtig! Ancaeus wurde von einem Wildschwein getötet, bevor er
seinen Wein getrunken. Dieser Spruch wird auch gern lateinisch citiert:

      *Multa cadunt inter calicem supremaque labra;*

in England sagt man statt dessen:

      There is many a slip--t'wixt cup and lip;

im französischen "Reinecke Fuchs" lautet V. 5468:

      Entre bouche et cuillier--Avient souvent grand encombrier!

und bei uns heisst es nach Fr. ~Kinds~ Gedicht "Ankaeos" (1802
verf.--S. "Gedichte" v. Fr. K. Lpz. 1817. I, 85):

      *Zwischen Lipp' und Kelchesrand
      Schwebt der finstern Mächte Hand.--*

       *       *       *       *       *

~Theokrit~ (um 250 v. Chr.) schildert zuerst den Liebling der Venus,
den Adonis, als blühend (I, 109), schön (XV, 127), rosig, achtzehn-
oder neunzehnjährig und so flaumbärtig, dass sein Kuss nicht sticht
(XV, 85, 128-130). Auch Bion (I, 1, 2, 5, 6, 7, 37, 38, 63, 67, 71,
79, 92), ~Vergil~ ("Ecl." 10, 18), ~Properz~ (2, 13, 53), ~Ovid~
("Met." X, 522) und die ~apollodorische~ "Bibliothek" (III, 14, 4)
preisen seine Schönheit und Zartheit. Daher nennen wir einen gar zu
schönen jungen Mann einen

      *Adonis.--*

       *       *       *       *       *

Wenn wir von dem Zauber reden, der die Seele dessen stärkt, der den
Boden der Heimat wieder betritt, so citieren wir gern den mythischen
Beherrscher Libyens, den Riesen

      *Antaeus,*

welchen Herkules nur dadurch besiegen konnte, dass er ihn vom Erdboden
emporhob und also erwürgte, weil jenem die Kräfte im Ringkampf wuchsen,
wenn er die Erde berührte, die für seine Mutter galt (s. ~Apollodors~
"Bibl." 2, 5, 11; ~Lucan~ 4, 598-616; ~Philostrat.~ "Icon." 2, 21).--

       *       *       *       *       *

Einen höllenstrengen Richter nennen wir einen

      *Rhadamanth*

nach dem "Ῥαδάμανθυς", von dem es in ~Apollodors~
"Bibliothek" (III, 1, 2) heisst, dass er "im Hades mit Minos Recht
spreche" ("ἐν ᾅδου μετὰ Μίνωος δικάζει"), welche beiden
Brüder ~Cicero~ ("Tusc." 1, 5, 10) "die unerbittlichen Richter" und
("Tusc." 1, 41, 98), zusammen mit Aeacus und Triptolemus "die einzig
wahren Richter" nennt. ~Vergil~ ("Aen." 6, 566) erwähnt hingegen allein
des Rhadamanth "überaus hartes Regiment" ("durissima regna"), mit dem
er Geständnisse auspresse, und ~Claudian~ (5, 478 ff.) nennt ihn im
Gegensatz zu Minos "den gestrengen Bruder" ("rigidum fratrem"), der
die Sünder zur Strafe mit wilden Tieren zusammenkoppele; während er
bei ~Homer~ noch als der "gottgleiche, blonde Sohn des Zeus und der
Europa nach Euböa reist und im Elysium weilt" ("Il." 14, 322; "Od."
4, 564; 7, 322) und ~Pindar~ ("Pyth." 2, 133) nur andeutet, dass er
"den Täuschungen abhold" sei ("οὐδ' ἀπάταισι θυμὸν τέρπετα ἔνδοθεν").--

       *       *       *       *       *

~Diodor~ (um d. Mitte d. 1. Jahrh. v. Chr.) erzählt uns zuerst (Buch
4), dass Prokrustes in Attika die des Weges Kommenden auf ein Bett
legte, nach dessen Länge er die zu Kleinen reckte und die zu Grossen
kürzte. So wurde uns das

      *Prokrustesbett*

ein Bild für jegliche Art gewaltsamen Ausdehnens oder Abkürzens.--

       *       *       *       *       *

In demselben Buche ~Diodors~ wird uns, wie in der Apollodorischen
"Bibliothek" (2, 55), als eine Kraftleistung des Herkules berichtet,
dass er des Augias, Königs von Elis, seit vielen Jahren nicht
gesäuberten Rinderstall in einem Tage von Dung befreite, indem er zwei
Flüsse hindurchleitete. Daher reden wir, wenn es gilt, massenhaft
angehäufte Missstände zu durchbrechen und zu beseitigen, mit ~Lucian~
(Alex. 1: "Τὴν Αὐγείου βουστασίαν ἀνακαθήρασθαι") und mit
~Seneca~ (Apoc. 7: "cloacas Augeae purgare"), von einem

      *Augiasstall,*

dessen Reinigung

      *herkulische Kraft*

erfordere, und sprechen, mehr im Hinblick auf diese als auf die anderen
elf Arbeiten jenes Halbgottes, von einer

      *Herkulesarbeit.--*

       *       *       *       *       *

Heiligzuhaltendes, dessen Bewahrung uns Schutz gewährt, nennen wir ein

      *Palladium*

nach jenem Pallasbilde von Holz, das in Ilion zuerst, als ein vom
Himmel gefallenes, verehrt und sorgsam behütet wurde, da sein Besitz
die Stadt unüberwindlich machen sollte (s. ~Vergil~ "Aen." I, 164ff.
und dazu Heyne).--

       *       *       *       *       *

Die geheime Ratgeberin eines Staatslenkers nennen wir seine

      *Egeria*

weil, nach Livius 1, 19 und 21 (vrgl. Valerius Maximus 1, 2, 1; Vergil
"Aen." 7, 763 u. 775; Ovid "Amor." 2, 13, 18, "Fast." 3, 154; 261 sqq.;
4, 669; "Met." 15, 432 sqq.; 547 sqq.; Juvenal 3, 12 sqq.; Dionys v.
Halik. 2, 60 sqq.), König Numa behauptete, von jener Nymphe, seiner
Gemahlin, in nächtlichen Zusammenkünften zu erfahren, was er zu thun
habe. Diese geheime Zwiesprache verlegen Manche in einen Hain bei
Aricia, Andere in einen Hain vor der Porta Capena bei Rom.--

       *       *       *       *       *

Aus einem Wirrsal, einem

      *Labyrinth,*

leitet uns, wie Theseus, der

      *Faden der Ariadne,* _der_ *Ariadnefaden,*

von dem wir im ~Ovid~ ("Her." 10, 103; "Met." 8, 172; "Fast." 3, 462)
und ~Hygin~ (42) lesen. Danach nennen wir ein handliches Büchlein, das
uns durch die verschlungenen Pfade einer Wissenschaft führt, einen

      *Leitfaden.--*

       *       *       *       *       *

Bei ~Ovid~ (43 v.-17 n. Chr.) finden wir auch ("Met." 8, 183-235;
vrgl. ~Hygin~ 40) die Erzählung von Ikarus, der trotz des Daedalus
väterlicher Warnung mit den wachsverklebten Flügeln der Sonne zu nahe
flog, so dass sie schmolzen und er im Meere ertrank. Hiernach nennen
wir ein tollkühnes, missglückendes Wagnis einen

      *Ikarusflug.--*

       *       *       *       *       *

Das Urbild aller greisen, frommen und treuliebenden Ehepaare ist für uns

      *Philemon und Baucis,*

die nach ~Ovid~ ("Met." 8, 620-725) Jupiter und Merkur gastlich
aufnahmen, ohne sie noch als Götter erkannt zu haben, die dafür ihre
Hütte zum Tempel verwandelt sahen, dessen Diener sie werden durften,
und die, auf Verlangen zur selbigen Stunde sterbend, in eine Eiche
und eine Linde umgestaltet wurden, welche gepaart an Phrygiens Höhen
wuchsen, von Gläubigen bekränzt. ~Hagedorn~ ("Werke" 1793; II, 197) und
danach ~Goethe~ (1802 "Was wir bringen"; 1809 "Wahlverwandtschaften"
II, 1 und 1833 "Faust" II, 5) brachten weiteren Kreisen Deutschlands
den Stoff nahe, den bereits ~La Fontaine~ ("Philemon et Baucis")
verwertet hatte.--

       *       *       *       *       *

      *Morpheus,*

in dessen Armen wir Schlafende ruhen lassen, besitzt nach ~Ovid~
("Met." 11, 634-693), als ein Sohn des Schlafgottes Somnus, die Macht,
Traumgestalten hervorzurufen ("μορφή", die Gestalt; danach:
"Μορφεύς", der Gestaltende).--

       *       *       *       *       *

In der 107. Fabel des ~Hyginus~ (bl. um 10 v. Chr.) tötet Apoll in der
Gestalt des Paris den Achill durch einen Pfeilschuss in die Ferse. Hier
war die Stelle, wo er sterblich war; denn bis auf die Ferse, an der sie
ihn hielt, hatte Thetis den Neugeborenen in den unverwundbar machenden
Styx getaucht (s. Fulgentius 3, 7). Wir nennen daher die schwache,
verwundbare Stelle eines Menschen seine

      *Achillesferse*

(von den Ärzten wird der sich von der Wade zur Ferse hinziehende
Sehnenstrang "Achillessehne" genannt).--

       *       *       *       *       *

Nach ~Hyginus~ (Fab. 178) tötete Cadmus den Drachen, der den
kastalischen Quell bewachte, und säete dessen Zähne aus und pflügte
sie unter. Daraus entsprossen dann Krieger, die sich, bis auf fünf,
einander erschlugen. Hiernach nennen wir eine Saat der Zwietracht

      *Drachensaat,*

obwohl es richtig wäre, von einer "Drachenzahnsaat" zu reden.--

       *       *       *       *       *

Wir pflegen zu sagen, dass ein neubelebt aus dem Zusammenbruch des
Bestehenden hervorgehender Staat oder Mensch sich erhebe, wie ein

      *Phönix aus der Asche;*

denn also schildert ~Claudian~ (44 "Phoenix", 102: "origo per cinerem")
die Wiedergeburt des indischen Wundervogels, der, alt geworden, sich
im eigenen Neste verbrenne, um verjüngt aus der Asche zu erstehen. Die
weiteren Phönixmythen s. b. ~Creuzer~ ("Symbolik" II, 163ff.; 3. Aufl.
1841) und bei Th. ~Graesse~ ("Sagen des Mittelalters" Dresd. 1850).--

       *       *       *       *       *

Die Märchensammlung "Tausend und ein Nacht" liefert uns aus "Aly Baba
und die vierzig Räuber" die schatzerschliessende Zauberformel:

      *Sesam! öffne dich!*

Dieser Sesamblüte der orientalischen Sage ähnelt

      *die blaue Blume*

der deutschen, von der J. ~Grimm~ ("Deutsche Mythol." 3. Aufl. Gött.
1854, S. 1152) schreibt:

  "Die ungenannte blaue Wunderblume (S. 916, 924), die dem Hirten, wenn
  er sie unversehens aufgesteckt hat, plötzlich seine Augen öffnet
  und den bisher verborgenen Eingang zum Schatz entdeckt (S. 923),
  erscheint desto geheimnisvoller, weil sie gar nicht angegeben werden
  kann. Der Name Vergissmeinnicht, den sie sich gleichfalls selbst
  beilegt, soll bloss ihre Bedeutsamkeit ausdrücken und mag erst im
  Verlauf der Zeit auf Myosotis angewandt worden sein".

In des ~Novalis~ Roman "Heinrich von Ofterdingen" (1802) erfüllt
die "blaue Blume" die Sehnsucht des Titelhelden. So wurde sie zum
Losungswort der Romantik.--

       *       *       *       *       *

Aus dem Tierepos haben wir den schon um 1200 vorkommenden Namen des
Wolfes

      *Isegrim* (_Eisenhelm_)

zur Bezeichnung eines grimmigen Menschen entnommen.--

       *       *       *       *       *

Für ein zurückgesetztes, zur niedrigsten Hausarbeit verwendetes Mädchen
giebt uns das deutsche Märchen den Namen

      *Aschenbrödel* _oder_ *Aschenputtel.--*

       *       *       *       *       *

Eine schwäbische Sage, die Gustav ~Schwab~ nach mündlicher
Überlieferung in seiner Ballade "Der Reiter und der Bodensee" (1826, s.
"Gedichte" Stuttg. 1828-9) dem deutschen Volke schenkte, lautet also:
Über die Schneefläche des zugefrorenen Bodensees sprengt ahnungslos
ein Reiter, der, jenseits angekommen, tot vom Ross sinkt, als er
hört, welcher Gefahr er entronnen. Wir erinnern daher bei ähnlichen
Schrecken nach unbewusst überstandenem Unheil an den

      *Reiter über den Bodensee.--*

       *       *       *       *       *

Aus der norwegisch-isländischen Sage citieren wir für wilde Kampfeswut
und Ingrimm die

      *Berserkerwut;*

denn in der "älteren Edda" (16, 23 Simrock) heisst es:

      "Zu Sorgen und Arbeit || hatte die Söhne
      Arngrim gezeugt || mit Eyfura,
      Das Schauer und Schrecken || von Berserkerschwärmen
      Über Land und Meer || gleich Flammen lohten".--

       *       *       *       *       *

In der "jüngeren Edda" (1, 27 Simrock) lesen wir von einem der zwölf
göttlichen Asen, vom Heimdall: "Er bedarf weniger Schlaf als ein Vogel
und sieht sowohl bei Nacht als bei Tag hundert Rasten weit; er hört
auch das Gras in der Erde und die Wolle auf den Schafen wachsen, mithin
auch alles, was einen stärkeren Laut giebt". Mit der Wendung

      *Das Gras wachsen hören*

bezeichnen wir daher noch heut eine übermenschliche Feinspürigkeit.--

       *       *       *       *       *

Wenn ein zuverlässiger Hüter und Warner von uns ein

      *Treuer Eckart* _oder ein_ *Getreuer Eckart*

genannt wird, so entlehnen wir diesen Namen der nordischen, auf
deutscher Grundlage ruhenden Wilkinasage. Eckart rettet als Erzieher
der Harlunge diese vor einem Überfall. Dann finden wir ihn vor Frau
Holles wilder Jagd als Warner, dass die Leute aus dem Wege gehen (s.
~Grimm~: "deutsche Mythol." S. 887), und am Venusberge, dass niemand
hineingehe (s. "Heldenbuch" ges. 1472 und "die Mohrin" verf. 1453 von
H. v. ~Sachsenheim~). Schon bei ~Agricola~ ("Sprichw." Hagenau, 1584)
heisst das 667. Sprichwort: "Du bist der treue Eckart; du warnest
jedermann", ~Tieck~ gab (1799) die romantische Erzählung heraus: "Der
getreue Eckart und Der Tannenhäuser" und ~Goethe~ schrieb (1813) die
Ballade "Der getreue Eckart".--

       *       *       *       *       *

Einen verführerischen Wüstling nennen wir einen

      *Don Juan*

nach dem Helden einer spanischen Sage des 14. Jahrhunderts, die sich
an eine historische Person knüpft, den Don Juan Tenorio, einen Freund
Peters des Grausamen. Der Sage nach hatte er die Tochter eines Komturs
entführen wollen, den er im Zweikampf erstach. Die dem Gefallenen
errichtete Bildsäule ladet er höhnend zum Abendessen, und jener

      *Steinerne Gast*

findet sich wirklich ein und überliefert den Sünder der Hölle. Dies
Wort citieren wir im Sinne ~Schillers~, der ("Piccolomini" IV, 6 a. E.)
den vor sich hinbrütenden Max einen "steinernen Gast" schelten lässt,
"der uns den ganzen Abend nichts getaugt". Die Don-Juan-Sage ging in
mannigfacher Gestaltung über die Bühnen Spaniens (zuerst 1634 durch
Tirso de Molina), Italiens, Frankreichs und Englands, bis die Musik
unseres ~Mozart~ (1787) dem Libretto Lorenzo ~Dapontes~ (s. Kap. VII)
zum Siege über alle Vorgänger verhalf.--

       *       *       *       *       *

Einen bösen Ehemann nennen wir einen

      *Blaubart*

nach dem ursprünglich altfranzösischen Märchen "Raoul, Le Chevalier
Barbe-Bleue", in dem dieser blutdürstige Ritter seine sechs
Gemahlinnen wegen ihrer Neugier tötet. Auch seine siebente würde er
getötet haben, hätte man ihn nicht erschlagen.--

       *       *       *       *       *

Aus dem im Anfang des 16. Jahrhunderts auftauchenden Märchen "Von den
7 Schwaben" (herausg. v. Richard Michael Bück in Bartsch-Pfeiffers
"Germania". Neue Reihe V. 317) ist die Aufforderung des sechsten unter
ihnen, der bald "Gelbfüssler", bald "Jokele", bald "Hansele" heisst,
allgemein gebräuchlich geworden:

      "*Hannemann! geh' du voran!*
      *Du hast die grössten Stiefeln an*",
      (Dass dich das Tier nicht beissen kann).--



III.

Geflügelte Worte aus deutschen Schriftstellern.


Dem 13. Jahrhundert gehört

      *Neue Besen kehren gut*

an, was zuerst[15] in *Freidank*s "Bescheidenheit" (W. Grimms Vrîdanc
15: "Von Dieneste" g. E.) in der Form vorkommt:

      Der niuwe beseme kert vil wol
      ê daz er stoubes werde vol.
      (Der neue Besen kehrt sehr wohl,
      Eh' dass er Staubes werde voll.)--

[Fußnote 15: Vrgl. über Dieses und Ähnliches die "~Einleitung~",
in der gesagt ist, dass auch Sprichwörter nicht vom Himmel fallen,
sondern stets ihren ersten Urheber haben müssen. Falls also nicht
aus der Form des ersten Befundes mit Sicherheit hervorgeht, dass ein
bereits gebräuchliches Sprichwort vorliegt, kann der Sammler die erste
schriftstellerische Quelle getrost anmerken. Die spätere Forschung
möge dann untersuchen, ob das Wort schon in früheren Tagen im Volke
verbreitet war.]

       *       *       *       *       *

      *Das fünfte Rad am Wagen*

stammt aus *Herbort* von Fritzlars (1. Decennium des 13. Jahrh.) "Liet
von Troye" 83 "so zele man mich zem fünften Rade" oder aus "~Vrîdanc~"
41 "Von Guote und Uebele":

      der wagen hât deheine stat
      dâ wol stê daz fünfte rat.
      (Der Wagen hat keine Stelle,
      Wo das fünfte Rad wohl angebracht wäre.)--

       *       *       *       *       *

      *Den Mantel nach dem Winde kehren*

findet sich zuerst in *Gottfried von Strassburg*s (um 1215) "Tristan
und Isolt" (262, 32 f. Massmann, Leipz. 1843) in der Form:

      man sol den mantel keren,
      als ie die winde sint gewant.--

       *       *       *       *       *

Aus dem "Sachsenspiegel" (1219-1233) *Eike von Repkow*s, eines Schöffen
aus der Nähe von Magdeburg, stammt:

      *Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.*

Es lautet bei ~Homeyer~ ("Des Sachsenspiegels erster Teil oder das
Sächsische Landrecht nach der Berliner Handschrift von 1369"; 3. Ausg.,
Berlin 1861, 2. Buch, Artikel 59, § 4): "Die ok irst to der molen kumt,
die sal erst malen".--

       *       *       *       *       *

      *Wer seinen Kindern giebt das Brot
      Und leidet nachmals selber Not,
      Den soll man schlagen mit der Keule tot,*

befindet sich an manchem Stadtthore Norddeutschlands neben einer
aufgehängten Keule angebracht. Dieser Spruch ist einer Erzählung des
*Rüdiger von Hünchhover* entnommen, der in Urkunden 1290-1293 erscheint
(Herrigs Archiv 7, 340). Sie heisst "Der Schlägel" und lautet also:
"Ein alter Mann, der sein ganzes Vermögen seinen Kindern überlassen
hat, die ihn nun schlecht behandeln, weiss in ihnen den Glauben zu
erwecken, dass er noch einen Schatz zurückbehalten habe, worauf sie
ihn wieder in Ehren halten. Nach seinem Tode finden aber die Kinder
in der vermeintlichen Schatzkiste nichts als einen Schlägel, mit der
Beischrift, dass man einem jeden, der seine ganze Habe seinen Kindern
übergiebt und infolgedessen in Not und Elend lebt, mit diesem Schlägel
das Gehirn einschlagen müsse".

  ("Koloczaer Codex altdeutscher Gedichte" von Graf ~Mailáth~ und
  ~Köffinger~, S. 155, und v. ~der Hagens~ "Gesamtabenteuer" 49,
  vrgl. auch "Meister Stephans Schachbuch", ein mittelniederdeutsches
  Gedicht des 14. Jahrhunderts, herausgegeben von W. Schlüter 1889-90,
  V. 4730-4881.) Nach ~Thiele~ "Danmarks Folkesagen", I, 107 wird in
  Dänemark diese Geschichte von Olaf Bagger in Odense unter Friedrich
  II. (1559-1588) erzählt.--

       *       *       *       *       *

      *Die Welt will betrogen sein*

steht in der Form "die wellt die will betrogen syn" in ~Sebastian~
*Brant*s (1458-1521) 1494 erschienenen "Narrenschiff" (Ausg. Zarncke,
S. 65, Sp. 1). Man führt es oft in der lateinischen Form an:

      *Mundus vult decipi.*

So heisst es schon in Sebast. ~Franks~ 1533 erschienenen "Paradoxa",
No. 236 (247): "Die Welt will betrogen und belogen sein und nur mit
Wahn geäfft und regiert werden, wie jener Mönch sagt, der für sein
Thema hält:

      Mundus vult decipi
      darumb bin ich hie,

dem man zu Lohn alle Säcke voll stiess". Hierin sieht Dr. ~Weinkauff~
(Birlingers "Alemannia", VI, 1. S. 48 u. 49) die Grundlage von

      *Mundus vult decipi, ergo deciplatur*

      (Die Welt will betrogen sein, darum sei sie betrogen);

während ~Thuanus~ (Bch. 12, anno 1556) dies lateinische Wort auf den
päpstlichen Legaten ~Caraffa~ (späteren Papst Paul IV., † 1559)
zurückführt.--

       *       *       *       *       *

      *Grobian*

ist auch ein Wort ~Sebastian Brants~ aus dem "Narrenschiff" (Zarncke,
S. 71 u. 72). Er spricht dort von einem "neuen Heiligen, Grobian
geheissen", den er weiterhin "Sankt Grobian" nennt.--

       *       *       *       *       *

      *Hanswurst*

findet sich zum ersten Male in der Form ~Hans Worst~ in der
niederdeutschen Übersetzung von ~Sebastian Brants~ "Narrenschiff"
(Rostock 1519, No. 76, 83, Ausg. ~Zarncke~, S. 75, Sp. 2). Bei Brant
selbst steht ~hans myst~. ~Hans Mist~ ist auch der Name eines Bauern in
einem Fastnachtspiele des 15. Jahrh. (~Keller~ I, S. 342). Hans Worst
wiederholt sich bei ~Luther~ in der "Vermahnung an die Geistlichen,
versammelt auf dem Reichstag zu Augsburg", 1530, im Abschnitte "Vom
ehelosen Stande"; in der Predigt über die "Auferstehung der Toten", B.
19, 133; in "Wider den Meuchler zu Dresden" (1531), 25, 105; und in
"Wider Hans Worst" (Wittenberg 1541, 26, 4) sagt ~Luther~:

  "Dies Wort, Hans Worst, ist nicht mein, noch von mir erfunden,
  sondern von andern Leuten gebraucht wider die grossen Tölpel, so klug
  sein wollen, doch ungereimt und ungeschickt zur Sache reden und thun".

Schon hieraus möchte man schliessen, dass Luther an eine volkstümliche
Bühnengestalt gedacht hat, besonders aber aus den kurz darauf folgenden
Worten:

  "Wohl meinen etliche, ihr haltet meinen gnädigen Herrn (den
  Kurfürsten von Sachsen) darum für Hans Worst, dass er von Gottes, dem
  ihr feind seid, Gaben stark, fett und volliges Leibes ist. Also hab
  ichs auch oft gebraucht, sonderlich und allermeist in der Predigt".

Die heut übliche Form "Hans Wurst" steht erst in ~Fischarts~
"Gargantua" (1575. c. 8. g. E.): "Trink alzeit for den durst--So tringt
dich kain durst--Mein Hans Wurst".--

       *       *       *       *       *

      *Calembourg*

entstammt nach der von Philarète ~Chasles~ ("Études sur l'Allemagne
ancienne et moderne", Paris 1854, p. 83) aufgestellten und in ~Littrés~
Lexikon gebilligten Etymologie dem Schwankbuche Philipp *Frankfurter*s
"Der Pfaffe von Kalenberg" (nachweisbar erst Ende des 15. Jahrh.
geschrieben, vielleicht schon im 11. Jahrh.). Aus Calembourg haben wir
dann zur Bezeichnung hervorragend schlechter Wortwitze

      *Kalauer*

gemacht, wobei wohl an Leder und die geringere Qualität der Stiefel
gedacht worden ist, wie sie die Stadt Kalau liefert. Andere wollen
wissen, der Ausdruck rühre daher, dass Ernst Dohm seine guten Witze dem
"Kladderadatsch" Sommers aus Kalau sandte.--

       *       *       *       *       *

Der Name

      *Amerika*

entstand nach dem des Amerigo (Americus) Vespucci auf den Vorschlag
des Buchhändlers und Professors Martin *Waldseemüller* (Hylacomylus in
St.-Dié), welcher Vespuccis dritte Reise nach der "Neuen Welt" i. J.
1507 herausgab (vrgl. A. v. Humboldt "Examen critique de l'histoire et
de la géographie du nouveau continent". IV., 97ff. 104-6).--

       *       *       *       *       *

      *Die Geister platzen aufeinander*

steht in *Luther*s (1483-1546) auf das Münzersche Treiben in Altstadt
bezüglichem Briefe (vom 21. August 1524) "an die Fürsten zu Sachsen von
dem aufrürischen Geiste", B. 53, Nr. 108, S. 255ff, in der Form: "Man
lass die Geister auf einander platzen und treffen".--

       *       *       *       *       *

Nach dem "Was ist das?" zum 8. Gebot in ~Luthers~ "Katechismus" (1529)
sollen wir

      *Alles zum Besten kehren,*

und im dritten Hauptstück heisst es: "Vater unser, der du bist im
Himmel.--Was ist das? Gott will uns damit locken, dass wir glauben
sollen, er sei unser rechter Vater". Hiernach ist

      *Er will uns damit locken*

ein geflügeltes Wort geworden. Ebenda zählt Luther in der Erklärung der
"vierten Bitte" des "Vaterunsers" auch

      *Gute Freunde, getreue Nachbarn*

zu "unserem täglichen Brod".--

      *Wasser thuts freilich nicht*

stammt aus dem vierten Hauptstück.--

      *Die Kunst geht nach Brot,*

(d.h. "die Kunst geht betteln",) was in ~Lessings~ "Emilia Galotti",
1, 2 vorkommt, steht bei ~Luther~, B. 64, S. 183: "Kunst gehet itzt
nach Brot, aber Brot wird ihr wieder nachlaufen und nicht finden". Bei
Neander: "Ethice vetus et sapiens", (Lpz. 1590) steht S. 338 unter
"Proverbia Germanorum" bereits: "Kunst gehet nach Brot".--

       *       *       *       *       *

Aus ~Luthers~ "Ein' feste Burg ist unser Gott" (im Klugschen
Gesangbuche von 1529, S. 21) wird citiert:

      *Mit unsrer* (_eigentl.: unser_) *Macht ist nichts getan,*

ferner:

      *Das Wort sie sollen lassen stan,*

und:

      *Lass fahren dahin.*

  Letzteres benutzte ~Schiller~ im "Reiterliede" (Schillers
  Musenalmanach für 1798, S. 137) am Schluss von "Wallensteins Lager":

      Lass fahren dahin, lass fahren!

  ~Bürger~ singt in Strophe 14 des Gedichtes "der Bruder Graurock und
  die Pilgerin" (1777):

      Lass fahren! Hin ist hin!--

       *       *       *       *       *

Für "Legende" braucht ~Luther~ "~Lugenda~" in seiner "Predigt am
25. Sonntag nach der heiligen Dreifaltigkeit, Anno 1537, in tempio
parochine", B. 6, S. 244: "Sonderlich hat die Lugenda von den
Wunderzeichen Franzisci ein Sack voll erlesener, grosser, schändlicher
Lügen". ~Lugende~ steht in Grimmelshausens "wunderbarlichem Vogelnest",
(1672) II, 13. Später wurde aus Lugenda "Lügende" und "Lüg-Ente". In
"~Schelmuffskys~ Curiöser und sehr gefährlicher Reisebeschreibung zu
Wasser und Lande, von E. S.[16] Gedruckt zu Schelmerode in diesem Jahr"
(1696) heisst es zu Anfang: "so wusste ich allmalen so eine artige
~Lüg-Ente~ vorzubringen". Daraus ist

      *Ente*

für Zeitungslüge geworden. Grimm jedoch sagt im "Wörterbuch": Man
nennt eine in Zeitungen verbreitete, gleichsam fortschwimmende,
wieder auftauchende Fabel oder Lüge heute gewöhnlich Ente; früher
hiess es blaue Ente; blau ist nebelhaft, nichtig; einem etwas Blaues
vormachen, blauen Dunst machen bedeutet vorlügen". Es folgen dann
mehrere Belegstellen, wobei zu bemerken ist, dass auch im Französischen
"canard" und im Spanischen "ánade" für Zeitungslüge gebraucht wird.--

[Fußnote 16: Der Verfasser war der einunddreissigjährige Christian
~Reuter~, dessen Leben und Werke Friedrich Zarncke beschrieb. Vrgl. Bd.
IX d. "Abhandl. d. philol.-hist. Classe der Kgl. sächs. Gesellsch. d.
Wissensch." No. 5. Lpz. S. Hirzel. 1884.]

       *       *       *       *       *

Allgemein wurde, doch ohne jegliche Gewähr, auf ~Luther~ der Spruch
zurückgeführt:

      *Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,*
      *Der bleibt ein Narr sein Lebelang;*

auch die Lutherstube auf der Wartburg ist jetzt damit geschmückt.
~Xanthippus~ ("Spreu" IV, München 1883) hat wohl mit Recht als die
Quelle den italienischen Reim bezeichnet:

      "Chi non ama il vino, la donna e il canto
      Un pazzo egli sara e mai un santo."

      "Wer nicht liebt Gesang und Weib und Wein,
      Der wird ein Narr und nie ein Heiliger sein."

Zum ersten Male, scheint es, tritt die Luther-Legende im "Wandsbecker
Bothen" von 1775, No. 75 in folgender "Devise an einen Poeten" auf:

      Dir wünsch' ich Wein und Mädchenkuss,
      Und deinem Klepper Pegasus
      Die Krippe stets voll Futter!
      Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
      Der bleibt ein Narr sein Lebenlang.
      Sagt Doktor Martin Luther.

  Nach ~Redlich~ ("Die poetischen Beiträge zum Wandsbecker Bothen",
  Hamburg 1871, S. 57) machte wahrscheinlich ~Joh. Heinrich Voss~ diese
  Verse, also nicht ~Claudius~, wie W. ~Roeseler~ ("Mathias Claudius
  und sein Humor", Berlin 1873, S. 41) annimmt. Dann teilt ~Voss~ den
  oben citierten Vers 1777 im "Musenalmanach" (Hamburg, S. 107) mit
  der Überschrift "Gesundheit" und der Unterschrift "Dr. M. Luther"
  mit. Auch sein 1777 gedichtetes Lied: "An Luther" (~Voss~: "Sämmtl.
  Gedichte" Königsb. 1802. B. 4, S. 60) endet mit jenen Worten, und
  aus seiner Anmerkung S. 294, ersehen wir, dass Hamburger Pastoren
  in dem Abdrucke des Spruches im Musenalmanach eine Verunglimpfung
  Luthers erblickten und deshalb Vossens Wahl zum Lehrer am Johanneum
  vereitelten. Über den Ursprung gab Voss keine Auskunft. ~Herder~
  ("Volkslieder", 1. T. Leipz. 1778, S. 12) schliesst die Zeugnisse
  über Volkslieder mit:

      Wer nicht liebt, Weib, Wein und G'sang,
      Der bleibt ein Narr sein Leben lang.
      Luther.

  ~Karl Müchler~ giebt in dem zuerst in F. W. A. Schmidts "Neuem
  Berliner Musenalmanach für 1797", S. 48 gedruckten Trinkliede "Der
  Wein erfreut des Menschen Herz" ("Lieder geselliger Freude",
  herausg. von J. F. Reichardt, 1797, 2. Abtlg. S. 15) jeder Strophe
  die Kehrreime:

      -- -- Was Martin Luther spricht:
      Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
      Der bleibt ein Narr sein Lebelang;
      Und Narren sind wir nicht.

  Auch in ~Methfessels~ "Allgemeinem Commers- und Liederbuch",
  Rudolstadt 1818, schliesst das ~von Lichtensteinsche~ Lied "Wo der
  geistige Freudenbringer":

      Drum singt, wie Doktor Luther sang:
      Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
      Der bleibt ein Narr sein Leben lang.

  Wenn in den "Epistolis obscurorum virorum" (Lips. 1864, p. 371)
  gesagt wird: "Quamvis Salomon dicat: musica, mulier et vinum
  laetificant cor hominis, primo Proverbiorum XII". "Obgleich Salomon
  sagt: Musik, Weib und Wein erfreuen des Menschen Herz, erstes Buch
  der Sprüche 12", so ist das ein erdichtetes Citat, da es kein erstes
  Buch der Sprüche Salomos giebt.--

       *       *       *       *       *

      *Dunkelmänner,*

die wörtliche Übersetzung von "obscuri viri", hat folgenden Ursprung:
der für die Reformation kämpfende Humanist ~Reuchlin~ gab, um sein
Ansehen im Streite gegen die kölner Papisten, Pfefferkorn, Hochstraten,
Arnold von Tongern, Ortuinus Gratius u.s.w. zu stärken, 1514 seinen
Briefwechsel mit berühmten Leuten: "Epistolae clarorum virorum" heraus.
Von ihm befreundeter Seite, es werden Crotus Rubianus, Ulrich Hutten,
Jacob Fuchs, Eobanus Hesse, Petreius Eberbach genannt, erschien 1515
der erste, 1517 der zweite Band "Epistolae obscurorum virorum" (Briefe
unberühmter Leute), die so abgefasst sind, als kämen sie von seinen
Feinden, und die auch an Ortuinus Gratius gerichtet sind. Zuerst
frohlockten diese; als sie aber merkten, dass sie gemeint seien,
erschien 1518 die Gegenschrift: "Lamentationes obscurorum virorum,
non prohibitae per sedem Apostolicam". So bekam "obscuri viri",
eigentlich "unberühmt" im Gegensatz zu "clari viri", den Nebensinn
von Obscuranten, Finsterlingen, "Dunkelmännern". Letzterer Ausdruck
scheint erst im 19. Jahrhundert gebildet worden zu sein. In der von
~Bentzel-Sternau~ herausgegebenen Zeitschrift "Jason", Jahrgang 1809,
III. Band, S. 271 wird gesagt: "Bekannt ist es, welche heilsame
Wirkung die Briefe der Dunkelmänner auf den Lesenden (den kranken
Erasmus) hervorbrachten." ~Hoffmann von Fallersleben~ brachte in den
"Unpolitischen Liedern" (1. T. 1840) ein Gedicht "Dunkelmannstracht"
und H. ~Heine~: "Wintermärchen" (1844), Kap. 4, sagt von Köln:

      Ja, hier hat einst die Klerisei
      Ihr frommes Werk getrieben,
      Hier haben die Dunkelmänner geherrscht,
      Die Ulrich von Hutten beschrieben.--

       *       *       *       *       *

~Ulrich~ *von Hutten* (1488-1523) ist wegen seines Wahlspruches:

      *Ich hab's gewagt,*

zu erwähnen, welcher sich zuerst auf dem Titelblatt seiner
Übersetzungen der "Conquestiones" (wahrscheinlich--nach Böcking--1520
erschienen) sowie als Unterschrift in der, nach Böcking gleichfalls
1520 erschienenen "Klag über den Lutherischen Brandt zu Mentz (Mainz)"
findet. Ebenso beschliesst Hutten mit diesem Spruch das Vorwort zu
seinem "Gesprächbüchlein" (1521) und in demselben seinen Dialog in
Prosa: "Die Anschauenden", und er hängt ihn fast stets seinen deutschen
Versen als Schluss, ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden, an. Im
Zusammenhang steht es am Schluss seiner "Klag und Vormahnung gegen den
übermässigen unchristlichen Gewalt des Bapsts zu Rom", wo es heisst:

      Wohlauf, wir haben Gottes Gunst,
      Wer wollt in solchem bleiben d'heim?
      Ich hab's gewagt, das ist mein Reim.

Auch beginnt ein 1521 gedrucktes Lied von ihm:

      Ich hab's gewagt mit Sinnen,

dessen sechste Strophe schliesst:

      Bin unverzagt,
      Ich hab's gewagt,
      Und will des Ends erwarten.

Er sah in diesem deutschen Wahlspruch eine Übersetzung seines
lateinischen, bereits 1517 als Motto seinem "Phalarismus" vorgesetzten
und auch später noch, z.B. in der Vorrede "an alle freien Männer
Deutschlands" (ad liberos in Germania omnes) von ihm angewendeten
Wahlspruches:

      *Jacta est alea.*

      Gefallen ist der Würfel.

(vrgl. Menander unt. "Gefl. Worte aus Griech. Schriftst.").--

       *       *       *       *       *

Nach dem Buchdrucker ~Johann~ *Ballhorn* (eigentlich Balhorn), der
seit 1531 in Lübeck (nach Balthasar ~Schuppius~ zu Soest in Westfalen)
thätig war, heisst

      *ballhornisieren* _oder_ *verballhornen*

so viel wie "verschlimmbessern", "lächerliche Veränderungen in
einem Schriftstück anbringen". Der erste, welcher Johann Ballhorn
erwähnt, ist ~Schuppius~ in dem "Kalender" (1659) S. 588 und 601. An
der ersten Stelle heisst es: "wie Johann Ballhorn, der Buchdrucker
zu Soest in Westfalen, welcher das ABCbuch vermehrt und verbessert
herausgehen liess"; und an der zweiten: "als ich dasselbe erbrochen,
lag darin dieses Pasquill, auctior et correctior, wie Johann Ballhorn
zu schreiben pflag". Andere leiten "verballhornen" von dem jedoch
durch Johann Ballhorn nur gedruckten Buche "Lübeckische Statuta"
u.s.w., (1586) ab, weil die darin vorgenommenen und dem allein auf dem
Titelblatt genannten Ballhorn fälschlich zugeschriebenen Verbesserungen
allseitigen Tadel gefunden hätten. Noch Andere schieben ihm zu, dass
er dem auf der letzten Seite der Fibeln üblichen Hahn ein paar Eier
untergelegt habe. Eine Fibel mit dem Bilde des Hahnes, im Jahre 1583
gedruckt zu Hamburg, befindet sich in der dortigen Stadtbibliothek. In
"Deutscher Recht- nicht Schlechtschreibung" (S. 5, Berlin 1877) wird
"Johann Ballhorn von Buxtehude" genannt; einen solchen giebt es nicht.--

       *       *       *       *       *

Aus dem "Esopus", (4, 62; 1548) des ~Burchard~ *Waldis* (1490-1556)
stammt:

      *Das ist für die Katze,*

oder, wie man im Königreich Sachsen zu sagen pflegt:

      *Das ist der Katze,*

d.h. das lohnt nicht, das bringt nichts ein. Der Ausdruck ist ein Rest
der dort befindlichen Erzählung "Vom Schmied und seiner Katze". Ein
Schmied nahm sich vor, von seinen Kunden nichts für seine Arbeit zu
verlangen, sondern die Bezahlung ihrem eigenen Willen anheimzustellen;
sie begnügten sich aber mit dem blossen Danke. Nun band er seine fette
Katze in der Werkstatt an, und wenn ihn die Kunden mit leeren Worten
des Dankes verliessen, sagte er: "Katz, das geb ich dir!" Die Katze
verhungert, und der Schmied beschliesst, es zu machen wie die anderen
Handwerker.[17] ~Seume~ glaubte, die Schnurre rühre von ~Taubmann~
her; denn er schreibt in seinem Buche "Mein Leben", ziemlich gegen
Ende: "so dass ich -- -- -- weiter nichts erntete, als ein freundliches
'Wir bleiben Euch in Gnaden gewogen', wovon doch am Ende selbst
Taubmanns Katze ihr Bischen Geist aufgab".

[Fußnote 17: S. ~Balthasar Schuppius~ "Freund in der Not" (1657) S.
229, "der Kurtzweilige Zeitvertreiber" von 1666, S. 41 und ~Abraham~ a
St. ~Clara~ "Huy und Pfuy der Welt".]

  In den "Deutschen Rechtssprichwörtern" von Graf und Dietherr, 2.
  Ausg., Nördlingen 1869, S. 267 steht "vom Danke kann man keine Katze
  füttern" und in der Anmerkung a: "von'n danke kan man keine katten
  futtern". Es ist also ebenso möglich, dass ~Waldis~ seine Erzählung
  daraus herspann, wie, dass diese Worte aus ihr entsprangen.--

       *       *       *       *       *

      *Lehrstand, Nährstand, Wehrstand*

wird bei Erasmus *Alberus* (1500-53) zum ersten Male angedeutet. In
seiner "Predigt vom Ehestand" aus dem Jahre 1546 (auf der Königl.
Bibliothek in Berlin) heisst es Bogen 6: "Der Priester muss lehren, die
Oberkeit wehren, die Bauerschaft nähren" und in seinem "Buch von der
Tugend und Weisheit, nämlich 49 Fabeln" (Frankfurt a. M. 1550, Fabel
47, Morale):

      "Fein ordentlich hat Gott die Welt
      Mit dreien Ständen wohl bestellt.
      Wenn die sich nur wüssten zu halten,
      So liess Gott immerdar hin walten.
      Ein Stand muss ~lehrn~, der andre ~nährn~,
      Der dritt' muss bösen Buben ~wehrn~".

  In Luthers "Tischreden", 1560, (B. 59, S. 207) heisst es:

  "Amt eines treuen Seelsorgers".

  "~Nähren~ und ~wehren~ muss in einem frommen, treuen Hirten und
  Pfarrherrn beisammen sein ... sonst wenn das ~Wehren~ nicht da ist,
  so frisst der Wolf die Schafe desto lieber, da sie wohl gefüttert und
  feist sind. ... Ein Prediger muss ein Kriegsmann und ein Hirte sein.
  ~Nähren ist lehren~, und das ist die schwerste Kunst; darnach soll
  er auch Zähne im Maule haben und ~wehren~ oder streiten können". In
  den "Tischreden" (ed. Förstemann, Abt. 3, S. 415) steht Kap. XXXVII,
  § 118: "Einem Lehrer gebührt, dass er gewiss lehre, nähre und wehre"
  und bei Bindseil "Colloquia latina", V. p. 280: "Id eo ad Doctorem
  pertinet nehren und wehren docere et confutare". "Nähramt, Wehramt"
  kommt bei Luther am Schluss der Schrift "Ob Kriegsleute u.s.w." vor,
  und "Vom Nähr- und Lehrstande" u.s.w. ist die Überschrift zu Sirach
  39. Im ~Wencel Scherffer~ ("Geist- und Weltliche Gedichte", Brieg
  1652, S. 74) werden die drei Beine einer von den Herzögen zu Liegnitz
  und Brieg erlegten dreibeinigen Bache auf die drei Stände: "den
  Regier-, Lehr- und Nährstand" gedeutet und "Wehr-Lehr-Nähr-Her-Stand"
  betitelt Friedrich von ~Logau~ einen seiner Verse (Salomons von
  Golau Deutscher Sinn-Getichte drey Tausend. Breslau. In Verlegung
  Caspar Klossmanns. 1654 ersch. jedoch ohne Jahresangabe. 2. Tausend
  8. Hundert No. 21). Die drei Substantiva "Wehrstand, Lehrstand,
  Nährstand" findet man in der Überschrift, welche ~Weidner~ dem 3.,
  4. und 5. Teile von ~Zincgrefs~ "Apophthegmata" (1653-55) giebt.
  ~Zeller~ erläutert ("Geschichte der Philosophie", II, 1, 764) die
  drei Stände in Platos "Staat" durch diese deutschen Bezeichnungen.--

In der Schrift des ~Erasmus Alberus~ "Ein Dialogus oder Gespräch
etlicher Personen vom Interim" (1548; Blatt Diiij) heisst es:

      (_Gehe hin, und_) *thu, das du nicht lassen kannst.*

  ~Lessing~ wiederholt es in "Emilia Galotti" (1772), 2, 3; v. ~Hippel~
  in den "Lebensläufen nach aufsteigender Linie", I, 5 (1778) sagt:
  "Er thue, was er nicht lassen kann"; in ~Wielands~ "Pervonte" (1778)
  heisst es von Vastola, als diese den Pervonte küssen muss (2. Teil);
  sie "that was sie nicht lassen konnte"; ~Schiller~ in "Wilhelm
  Tell", I, 1 lässt Tell sagen: "ich hab' gethan, was ich nicht lassen
  konnte".--

       *       *       *       *       *

      *Atlas*

für "Landkartensammlung" führte Gerhard *Mercator* (Kremer; 1512-94)
durch sein Werk ein "Atlas sive geographicae meditationes de fabrica
mundi et fabricati figura", (Atlas oder geographische Betrachtungen
über die Erschaffung der Welt und über die Gestalt der erschaffenen
Welt) Duisburg 1595.--

       *       *       *       *       *

Der Pastor in Frankfurt a. O. Andreas *Musculus* (Mensel; 1514-81)
gab 1556 die Schrift heraus "Vom zuluderten zucht und ehrerwegnen
pluderichten Hosen Teuffel vermanung und warnung", auf deren neuer
Auflage v. J. 1629[18] der Hosenteufel bezeichnet wird als "Dess
jetzigen Weltbeschreyten verachten und verlachten Al-modo Kleyder
Teuffels Alt-Vatter". Dies sehen wir als die Quelle des üblichen
Wortes

      *Modeteufel*

an (mit Julius ~Lessing~: "Der Modeteufel" S. 5; Berl. 1884.
"Volkswirtschaftl. Zeitfr." Heft 45).--

       *       *       *       *       *

In Johann *Fischart*s (1547-89) "Gargantua" (S. 160) lesen wir: "Duck
dich Seel, es kommt ein Platzregen," was vielleicht die Quelle des
bekannten Wortes ist:

      "*Freue dich, liebe Seele, jetzt kommt ein Platzregen*",

wie unter einer in den vierziger Jahren des 19. Jahrh. zu Berlin
erschienenen kolorierten Zeichnung steht, die einen dicken
schweisstriefenden Herrn darstellt, der, an einem Tisch sitzend, die
Hand nach einem vollen Glase Berliner Weissbier ausstreckt.--

~Fischart~ verdanken wir auch den tief ins Volk gedrungenen Witz

      *Jesu-wider*

(für "Jesuit", "Jesuiter"); denn er reimt in seinem "Jesuitenhütlein"
(1580, Kap. 4):

        "Aber weil der Nam Wider Christ
        Noch etlichen zuwider ist,
      Welche doch noch zu gewinnen weren:
      So that den Namen ich verkehren

        Und setzt das förderst rechts darhinder,
        Auff dass mans finden könt dest minder,
      Macht Christ Wider und Jesu Wider
      Für Wider Christ, den sonst kennt jeder".--

[Fußnote 18: Dieser nach des ~Musculus~ Tode erschienene Nachdruck
fehlt in der Kgl. Bibliothek zu Berlin, ist aber vorhanden in der
reichhaltigen Costume-Bibliothek des Freiherrn von Lipperheide in
Berlin.]

       *       *       *       *       *

Johannes Olorinus *Variscus* (Johann Sommer; 1559-1622) erzählt
in "Ethographia Mundi", (1609, 1. T., 17. Regel) unter andern
Lügengeschichten, dass jemand, ans Ende der Welt gekommen, dort

      *Die Welt mit Brettern vernagelt*

oder, wie er sagt, "verschlagen" gefunden habe.--

       *       *       *       *       *

      *Gas*

ist ein von *van Helmont* (1577-1644) in Brüssel erfundenes Wort. In
seinen "Opera omnia", (ed. M. B. Valentini, 1707) heisst es S. 102, Sp.
12 § 14 nach Erwähnung des von ihm entdeckten Gases: "Hunc spiritum,
incognitum hactenus, novo nomine ~gas~ voco" (Diese bislang unbekannte
Art Luft benenne ich mit dem neuen Namen "Gas").--

       *       *       *       *       *

Friedrich *von Logau* (1604-55) sang in seinen Sinngedichten (Salomons
von Golau deutscher Sinn-Getichte drey Tausend. Breslau. In Verlegung
Caspar Klossmanns ersch. 1654 jedoch ohne Jahresangabe. 1. Tausend, 8.
Hundert, No. 2) nach vollendetem dreissigjährigen Kriege:

      "Gewaffneter Friede".

      "Krieg hat den Harnisch weg gelegt, der Friede zeucht ihn an,
      Wir wissen was der Krieg verübt, wer weiss was Friede kann?"

und (3. Tausend, 5. Hundert, No. 78):

      "Der geharnischte Friede".

      "Der Friede geht im Harnisch her, wie ist es so bestellt?
      Es steht dahin; er ist vielleicht die Pallas unsrer Welt".

Danach sagen wir:

      *ein bewaffneter Friede.--*

Eben daher citieren wir (2. Tausend, 4. Hundert, No. 34):

      "Der Mai".

      "*Dieser Monat ist ein Kuss, den der Himmel giebt der Erde,
      Dass sie jetzund seine Braut, künftig eine Mutter werde*".--

~Logaus~ Sinngedichte ("Die Liebe". 2. Tausend, 4. Hundert, No. 14):

      "Nenne mir den weiten Mantel, drunter alles sich verstecket;
      Liebe thuts, die alle Mängel gerne hüllt und fleissig decket",

und (2. Taus., 9. Hundert) "Christliche Liebe":

      "Liebe kaufte neulich Tuch, ihren Mantel zu erstrecken,
      Weil sie, was durch dreissig Jahre Krieg verübt, soll alles
          decken",

sind wohl unsere Quellen, wenn wir sagen, dass wir etwas

      *Mit dem Mantel der Liebe zudecken.*

       *       *       *       *       *

In Friedrich Wilhelm ~Gotters~ "Gedichten" (I, S. 91; Gotha 1787)
heisst es in der Romanze "Die Trauer" (1774):

      "Elise, die gern Thränen stillt,
      Verirrte gerne leitet,
      Und über kleine Schwächen mild
      Der Liebe Mantel breitet".

  Es sei hierbei erinnert an "Sprüche Salomonis" 10, 12: "Liebe decket
  zu alle Übertretungen", an 1. Petri 4, 8: "Die Liebe decket auch der
  Sünden Menge" und an das (nach dem "Corpus iuris canonici", Dist. 96,
  c. 8) dem Kaiser Konstantin zugeschriebene Wort: "er würde, wenn er
  mit eigenen Augen einen Priester oder Einen im Mönchsgewande sündigen
  sähe, seinen Mantel ausziehen und ihn so damit bedecken, dass Niemand
  ihn gewahre" ("chlamydem meam expoliarem et cooperirem eum, ne ab
  aliquo videretur").--

       *       *       *       *       *

Aus ~Paul~ *Gerhardt*s (1606-76) Kirchenliede "Nun ruhen alle Wälder"
(Geistliche Lieder und Psalmen", Berlin 1653) stammt die Frage:

      *Wo bist du, Sonne* (_ge_)*blieben?--*

Auch citiert man die erste Zeile seines 1649 gedichteten Liedes vom
Folgenden abgelöst, also:

      *Wach auf, mein Herz, und singe!--*

       *       *       *       *       *

Ein Weihnachtslied von *Johann Rist* (1607-67) beginnt:

      *Ermunt're dich, mein schwacher Geist.--*

       *       *       *       *       *

      *Nürnberger Trichter*

beruht auf dem Titel eines Buches von *Harsdörffer* (1607-58):
"Poetischer ~Trichter~, die Teutsche Dicht- und Reimkunst, ohne Behuf
der lateinischen Sprache, in VI Stunden einzugiessen", das 1648 ohne
Namen in ~Nürnberg~ erschien.

Das Bild vom Trichter ist nicht seine Erfindung, da er sich in der
Vorrede auf "H. ~Schickards~ Hebreischen Trichter" (Tüb. 1627) bezieht,
und ein solcher Trichter schon in der lateinischen Komödie "Almansor,
sive ludus literarius" des Mart. ~Hayneccius~ (Lpz. 1578) 5, 5, genannt
wird. Vrgl. ~Zincgref-Weidner~ ("Apophthegmata", T. 3, Amst. 1653, S.
227): "Der Drechter Almansoris, mit welchem man den Leuten ingegossen,
ist lang verlohren". "Mit einem Trichter eingiessen" steht bereits bei
Sebast. ~Franck~ ("Sprichw." 1541, II, 107 b). "Eintrichtern" sagen wir
jetzt. Franz ~Trautmann~ gab 1849-50 in Nürnberg ein humoristisches
Blatt "der Nürnberger Trichter" heraus.--

       *       *       *       *       *

Philipp *von Zesen* (1619-89), wendete

      *lustwandeln*

in "Der Adriatischen Rosemund" (1645) zum ersten Male für "spazieren
gehen" an. Mit seinen anderen, S. 366 daselbst zusammengestellten
Verdeutschungen drang er nicht durch; aber "lustwandeln" erhielt sich,
weil es den Spott ganz besonders hervorrief. Christian ~Weise~ macht
sich in dem satirischen Romane (1672) "Die drei ärgsten Erznarren in
der ganzen Welt", Kap. 11 darüber lustig, sowie ~Grimmelshausen~
in "Des weltberühmten Simplicissimi Pralerey und Gepräng mit seinem
Teutschen Michel u.s.w." (o. O. u. J. Kap. 5 g. E.). Im obengenannten
Verzeichnisse bildete Zesen das Wort

      *Gottestisch* (_für Altar_)

wohl mit Anlehnung an 1. Kor. 10, 21 "Teilhaftig sein des Herrn
Tisches".--

       *       *       *       *       *

Samuel *Rodigast* (1649-1708) dichtete das evangelische Gesangbuchlied:

      *Was Gott thut, das ist wohlgethan.--*

       *       *       *       *       *

Wenn in unfeinen Kreisen die Geliebte eines Menschen als seine

      *Charmante*

(noch gemeiner: Schockscharmante) bezeichnet wird, so ist dieser
Ausdruck dem Französischen nicht unmittelbar entnommen, da "sa
charmante" einem Franzosen in diesem Sinne unverständlich ist.
"Charmante" ist vielmehr eine der Geliebten des Helden in Christian
*Reuter*s (geb. 1665) die entarteten Simpliciaden geisselnden
Romane "Schelmuffskys Wahrhafftige, Curiöse und sehr gefährliche
Reisebeschreibung zu Wasser und zu Lande, in hochteutscher Frau
Muttersprache eigenhändig und sehr artig an den Tag gegeben von E. S".
(Hamburg 1696.)--[19]

[Fußnote 19: S. die Anmerkung unter "Ente".]

       *       *       *       *       *

Das Ende der 2. Strophe im Liede Erdmann *Neumeister*s (1671-1756):
"Herr Jesu Christ, mein Fleisch und Blut" lautet:

      Herr Jesu Christ! wo du nicht bist,
      Ist Nichts, das mir erfreulich ist;

was geschmacklos umgestaltet wurde in:

      *Wo du nicht bist, Herr Organist,
      Da schweigen alle Flöten.--*

       *       *       *       *       *

Als Bezeichnung Berlins findet sich

      *Spree-Athen*

wohl zuerst in dem Gedichte des Erdmann *Wircker* zu Friedrichs I. Lobe
"An seiner königl. Majestät zu Preussen im Nahmen eines andern", worin
es heisst:

      "Die Fürsten wollen selbst in deine Schule gehn,
      Drumb hastu auch für Sie ein Spree-Athen gebauet".

  (In dem Buche "Märkische neun Musen, welche sich unter dem
  allergrossmächtigsten Schutz Sr. koenigl. Majestät in Preussen als
  Ihres allergnädigsten Erhalters und ändern Jupiters bey glücklichen
  Anfang Ihres Jubel-Jahres auff dem Franckfurtischen Helicon
  frohlockend aufgestellt" Erste Assemblée verlegts Johann Völcker
  1706. S. 59.)--

       *       *       *       *       *

      *Bramarbas*

für "Prahlhans" ist dem satirischen Gedichte eines nicht bekannten
Verfassers "Cartell des Bramarbas an Don Quixote" entnommen, das
Philander ~von der Linde~ (Burchard Menke 1675-1732) in der zu
seinen "Vermischten Gedichten", (Leipz. 1710) den Anhang bildenden
"Unterredung von der deutschen Poesie" mitteilt. Hiernach gab
~Gottsched~ ("Deutsche Schaubühne", Leipz. 1741, III) dem Lustspiele
~Holbergs~ "Jacob von Tyboe eller den stortalende Soldat" (oder der
grosssprecherische Soldat), das er in der Übersetzung ~Dethardings~
veröffentlichte, den Titel "Bramarbas oder der grosssprecherische
Officier", weil, wie er sich in der Vorrede äussert, der Name Tyboe "in
unserer Sprache keine Anmut gehabt haben würde"; er setzt hinzu, dass
er diesen Namen dem Philander von der Linde entlehnt habe.--

       *       *       *       *       *

Ein sorglos bei seinem Tagewerk Singender und überhaupt ein laut
Vergnügter wird gern

      *Johann, der muntre Seifensieder*

genannt nach der Anfangs- und Schlusszeile des Friedrich *von
Hagedorn*schen (1708-54) Gedichtes "Johann der Seifensieder" ("Versuch
in poetischen Fabeln und Erzehlungen" 1. Buch, Hamb. 1738). Auch
spricht man kurzweg von einem

      *muntren Seifensieder,*

wie denn schon ~Gleim~ ("An die Freude". S. Voss: "Musenalm." f. 1798;
S. 88) dichtet:

      "Alle muntren Seifensieder
      Sind verschwunden aus der Welt!
      Hagedorns und meine Lieder
      Singt kein Trinker und kein Held!"

  ~Hagedorn~ schöpfte den Stoff aus ~La Fontaines~ ("Fables" VIII, 2)
  "Le savetier et le financier", nur machte er aus dem "Schuhflicker"
  einen "Seifensieder", indem er wohl "savetier" von "savon" ableitete.
  Die Moral der Geschichte stammt aus Horaz (Epist. 1, 7, 95): "vitae
  me redde priori"; "gieb mich meiner alten Lebensart zurück!"--

       *       *       *       *       *

*von Haller* (1708-77) sagt in dem Gedichte "Falschheit menschlicher
Tugenden" im "Versuche schweizerischer Gedichte" (1732 in Bern zuerst
anonym erschienen):

      "Ins Innre der Natur dringt kein erschaffner Geist;
      Zu glücklich, wann sie noch die äussre Schale weist".

Dieser Behauptung widerspricht ~Goethe~ heftig in den Gedichten
"Allerdings" (1820, 3. Heft der Morphologie) und "Ultimatum" (zuerst in
der Ausg. von 1827). Aus dem Ersteren citieren wir ~Hallers~ Wort also:

      *In's Innre der Natur
      Dringt kein erschaffner Geist,
      Glückselig! wem sie nur
      Die äussre Schale weis't!--*

In demselben Buche Hallers (S. 47) steht zu lesen:

      "Unselig Mittelding von Engeln und von Vieh!
      Du prahlst mit der Vernunft und du gebrauchst sie nie".

~Brockes~ trat in seinem "Irdischen Vergnügen in Gott" (1748; 133. 9,
S. 344) diesen Gedanken breit, dem der Altonaer Goldschmied Joachim
Lorenz ~Evers~ die knappe Form gab:

      *Was ist der Mensch? Halb Tier, halb Engel.*

So nämlich beginnt seine Nr. 369 der 1797 erschienenen "Vierhundert
Lieder", die "der geselligen und einsamen Fröhlichkeit gewidmet" sind.

  Bemerkt sei hier, dass ~Hallers~ Verse wohl ~Goethe~ ("Faust",
  "Prolog im Himmel", 43-44) zu den Worten des Mephistopheles über den
  Menschen anregten:

      "Er nennt's Vernunft und braucht's allein,
      Nur tierischer als jedes Tier zu sein".--

       *       *       *       *       *

      *Sternwarte*

ist ein von *Popowitsch* ("Untersuchungen vom Meere", Frankf. u. Leipz.
1750, S. 89) geschaffener Ausdruck. Nicht ~Haller~ bildete das Wort,
wie ~Jahn~ ("Deutsches Volkstum", VIII, 1, 6) angiebt.--

       *       *       *       *       *

*Baumgarten* (1714-62) hielt 1742 zu Frankfurt a. O. über die
Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis Vorlesungen, welche er unter dem
Namen "Aesthetica", Frankfurt a. O. 1750-58, herausgab. Daraus entstand

      *Aesthetik.--*

       *       *       *       *       *

*Gellert*s (1715-69) Fabel "Der Tanzbär" (B. 1 der "Fabeln u.
Erzählungen", Lpz. 1746) liefert uns das Begrüssungswort für einen
Heimkehrenden:

      *Petz ist wieder da!*

womit die Bären des Waldes sich freudig anbrummen, als der Tanzbär zu
ihnen zurückgekommen ist.--

Aus ~Gellerts~ Erzählung (B. 1): "Die Widersprecherin" haben wir uns
zur Bezeichnung einer Widerspruch liebenden Frau das Wort:

      *Der Hecht, der war doch blau*

zurecht gemacht, welches in dieser Form nicht darin vorkommt. Es
handelt sich in der Fabel darum, ob ein Hecht zu blau oder zu wenig
blau gesotten ist; dem Hausherrn ist er's zu wenig, der Hausfrau zu
sehr. Da Jener bei seiner Meinung beharrt, so fällt Ismene darob in
Ohnmacht, aus der sie Nichts zu erwecken vermag. Ihr Tod scheint
gewiss. Der tiefbetrübte Mann bricht in die Klage aus:

      "Wer hiess mich dir doch widerstreben,
      Ach der verdammte Fisch! Gott weiss, er war nicht blau!"
      Den Augenblick bekam sie wieder Leben.
      "Blau war er", rief sie aus, "willst Du Dich noch nicht geben?"--

~Gellerts~ Erzählung "Der Greis" (B. 1) schliesst:

          (_Er ward geboren,_)
      *Er lebte, nahm ein Weib und starb.*

Hiermit ahmte Gellert des ~Chr. Gryphius~ Epigramm nach ("Poetische
Wälder". Anderer Teil. Bresl. u. Leipz. 1718, S. 439):

      "Ein sechzigjähr'ger Mann ward unlängst beigesetzt;
      Er kam auf diese Welt, ass, trank, schlief, starb zuletzt.--

Die Schlussworte aus ~Gellerts~ Erzählung "Der sterbende Vater" (1748;
B. 2), worin der Vater dem ältesten Sohn ein Juwelenkästchen, dem
jüngeren nichts vermacht, heissen:

      *Für Görgen ist mir gar nicht bange,
      Der kommt gewiss durch seine Dummheit fort.--*

Aus ~Gellerts~ Erzählung "Das junge Mädchen" (B. 2) wird citiert:

      *Vierzehn Jahr' und sieben Wochen,*

womit dies heiratslustige Wesen eine irrige Angabe ihres Vaters
verbessert, als er ihre vierzehn Jahre als Einwand gegen einen
Eheschluss anführt. Es ist die Bearbeitung einer Anekdote im
"Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 351.--

Aus ~Gellerts~ Erzählung "Der Bauer und sein Sohn" (B. 2) führen wir an:

      *Die Brücke kommt. Fritz, Fritz! wie wird dir's gehen?*

was auch umgestaltet wird zu:

      *Fritz, Fritz! Die Brücke kommt!--*

Weit verbreitet ist eine geschmacklose Travestie des Beginns von
~Gellerts~ "Morgengesang" ("Geistliche Oden und Lieder" 1757):

      "Mein erst Gefühl sei Preis und Dank!"--

Aus ~Gellerts~ Liede "Zufriedenheit mit seinem Zustande" (a.a.O.) sind
die Verse:

      *Geniesse, was dir Gott beschieden,
      Entbehre gern, was du nicht hast.
      Ein jeder Stand hat seinen Frieden,
      Ein jeder Stand auch seine Last.*

In dem folgenden Liede "Vom Tode" beginnt die zweite Strophe:

      *Lebe, wie du, wenn du stirbst,
      Wünschen wirst, gelebt zu haben.*

Vielleicht ist dieser Gedanke dem frommen Spruchdichter ~Antoine Faure~
(1551-1624) entlehnt, dessen Quatrain No. 48 (Ausg. v. 1612) lautet:

      Puisque tu sais quel moyen il faut suivre
      Pour vivre bien, pourquoi ne vis-tu pas
      Pour bien mourir ainsi, qu'à ton trépas
      Tu voudrais bien avoir su toujours vivre?

Faures Quatrains waren noch im 18. Jahrh. ein sehr verbreitetes
Spruchbuch. Doch mögen Faure und Gellert aus ~Marc Aurel~ geschöpft
haben, der (5, 29) lehrt: "Wie du beim Hinscheiden gelebt zu haben
wünschest, so kannst du jetzt schon leben" (Ὡς ἐξελθὼν ζῆν διανοῇ,
οὕτως ἐνταῦθα ζῆν ἔξεστιν). In des Christian ~Germann~ aus
Memmingen Stammbuch schrieb 1766 ~Gellert~ zu einem Todtenkopf die
Worte:

      "Fac ea, quae moriens facta fuisse velis".

(s. "Deutsche Stammbücher" der Brüder Keil. 1893 Nr. 1729).--

       *       *       *       *       *

*Lichtwer* (1719-83) gab 1748 zu Leipzig "Vier Bücher Aesopischer
Fabeln" ohne Namen heraus. In der 22. Fabel des 1. Buches "Die Katzen
und der Hausherr" lautete, wie in der Ausgabe von 1758, der 1. Vers der
2. Strophe:

      Mensch und Tiere schliefen feste,

während in der zu Berlin und Stralsund 1762 mit Namen erschienenen
Ausgabe die Fabel umgeändert ist, mit den Worten

      *Tier' und Menschen schliefen feste,*

beginnt und ferner die Worte

      *So ein Lied, das Stein erweichen,
      Menschen rasend machen kann,*

enthält, welche in den beiden früheren Auflagen gar nicht vorkommen.
Die Fabel schliesst:

      *Blinder Eifer schadet nur.--*

Der Anfang von ~Lichtwers~ Fabel (4, 24) "Die Kröte und die
Wassermaus":

      "Von dem Ufer einer See
      Krochen annoch Abends späte
      Eine Wassermaus und Kröte
      An den Bergen in die Höh"

begeisterte den Berliner Hofschauspieler ~Rüthling~ zu folgenden
Versen:[20]

      "Eines Abends noch sehr späte
      Gingen Wassermaus und Kröte
      Einen steilen Berg hinan".

      "Da sprach die Wassermaus zur Kröte:
      Eines Abends es war schon späte
      Gehen wir diesen Berg hinan".

      "Da sprach zur Wassermaus die Kröte:
      Eines Abends noch sehr späte
      Gehen wir diesen Berg hinan!"

      "Und so gingen Wassermaus und Kröte
      Eines Abends noch sehr späte
      Diesen steilen Berg hinan".

[Fußnote 20: Zu finden in der Intendanturbibliothek des Berliner Kgl.
Schauspielhauses (Französischestr. 36) als Einlage im Souffleurbuch von
"Richard's Wanderleben" (Lustspiel in 4. Aufz. nach d. Englischen des
John O. Keefe frei bearbeitet v. G. Kettel), zuerst aufgeführt 1831.]

Hieraus hat sich das "geflügelte Wort" gebildet:

      *Eines Abends spöte
      Gingen Wassermaus und Kröte
      Einen steilen Berg hinan ...*

was dann verschieden fortgesetzt zu werden pflegt.--

       *       *       *       *       *

*Gleim* (1719-1803) sagt in den "Fabeln", Berlin 1756 (anonym), S. 9 am
Schlusse der 4. Fabel: "Der Löwe, der Fuchs":

      (_Denn_) *was von mir ein Esel spricht,
      Das acht' ich nicht.--*

Im "Musenalmanach für das Jahr 1798", hrsg. von J. H. Voss, dichtet
~Gleim~:

      "Beim Lesen eines wizreichen Buchs".

      "Wiz auf Wiz!
      Bliz auf Bliz!
      Schlag auf Schlag!
      Ob's auch einschlagen mag?"

Hieraus entstammt unser:

      *Witz auf Witz! Schlag auf Schlag!*

  vrgl. ~Raupachs~ "Schleichhändler" (1828)2, 9, wo der Bader Schelle
  sagt: "Und so ging der Witz immer weiter, Schlag auf Schlag".--

       *       *       *       *       *

Fr. K. *von Moser* (1723-98) schrieb an ~Hamann~ ein "Treuherziges
Schreiben eines Layen-Bruders im Reich an den

      *Magum im Norden*

oder doch in Europa, 1762" (Mosers "Moral. u. pol. Schrift." Bd. 1,
Frankf. a. M. 1766, S. 503). Hamann adoptierte das Wort sofort und
nannte sich

      *Magus im Norden* _und_ *Magus des Nordens.--*

       *       *       *       *       *

Anton Friedrich *Büsching* (1724-93) übersetzte "Geographie" zuerst mit

      *Erdbeschreibung.*

Der 1. Teil seiner "Erdbeschreibung" erschien 1754 in Hamburg.--

       *       *       *       *       *

*Klopstock* (1724-1803) singt wiederholt in seiner Ode "der Zürchersee"
(1750), Dichterunsterblichkeit sei

      *des Schweisses der Edlen wert.--*

      *Saat, von Gott gesäet, dem Tage der Garben zu reifen,*

was ~Klopstock~ 1758 auf seiner Meta Grab in Ottensen bei Altona setzen
liess, was seine zweite Gattin 1803 ihm auf's Grab setzte, und womit
~Rückert~ sein Gedicht "Die Gräber zu Ottensen" schliesst, ist der 845.
Vers des 11. Gesangs des "Messias" (1768). ~Klopstock~ lehnt sich hier
an Vers 5 und 6 des 125. Psalms an: "Die mit Thränen säen, werden mit
Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und
kommen mit Freuden und bringen ihre Garben".--

       *       *       *       *       *

Immanuel *Kant*s (1724-1804)

      *kategorischer Imperativ*

kommt zuerst in seiner 1785 zu Riga herausgegebenen "Grundlegung der
Metaphysik der Sitten" vor, wo es im zweiten Abschnitt heisst: "Alle
~Imperativen~ gebieten entweder ~hypothetisch~ oder ~categorisch~.
Jene stellen die praktische Notwendigkeit einer möglichen Handlung als
Mittel zu etwas Anderem was man will (oder doch möglich ist, dass man
es wolle) zu gelangen vor. Der categorische Imperativ wird der sein,
welcher diese Handlung als für sich selbst, ohne Beziehung auf einen
andern Zweck, als objektiv notwendig vorstellt". Weiterhin sagt Kant:
"Dieser ~Imperativ~ mag der ~der Sittlichkeit~ heissen".--

       *       *       *       *       *

Karl Wilhelm *Ramler*s (1725-98) Ode: "Der Triumph", worin er Friedrich
den Grossen feierte, beginnt:

      *Schäme dich, Kamill,*
      (Dass du mit vier Sonnenpferden
      In das errettete Rom zogst),

weil der König am 30. März 1763 nach dem Friedensschlusse dem
festlichen Empfange der Berliner aus dem Wege gegangen war.--

      *Ja, Bauer! das ist ganz was Anders,*

steht in ~Ramlers~ "Fabellese" (Berlin 1783-90), 1, 45 in der Fabel
"Der Junker und der Bauer", einer Umschmelzung der Fabel Michael
Richeys, welche in dessen "Deutschen Gedichten" (herausg. von
Gottfried Schütz in Hamburg von 1764-66) im 1. Bande unter dem Titel
"Duo quum faciunt idem, non est idem" (Wenn zwei dasselbe thun, ist's
nicht dasselbe) die einhundertneunzehnte Nummer der 4. Abt. "Sinn- und
Scherzgedichte" ist, und wo der entsprechende Vers lautet:

      Ja, Bauer, das ist ganz ein anders!

Die dort erzählte Geschichte ist alt.--[21]

[Fußnote 21: ~Halliwell~ "Dictionary of archaic and provincial words",
Lond. 1844-1845, führt die alte sprichwörtliche Redensart "The case is
altered, quoth Plowden" (der Fall ist ein anderer, sprach Plowden) auf
diesen ausgezeichneten Juristen zur Zeit der Königin Maria von England
(1553-58) zurück. In "Tales and quicke Answeres", (o. J. um 1535) wird
sie von einem Bauer in Seeland erzählt; (Shakespeare Jest-Boocks. W.
Carew Hazlitt. Lond. 1860. Vol. I. 2. Abt. S. 134, No. 121); auch
~Erasmus~ in "Ecclesiastae sive de ratione concionandi" (2. Ausg.,
1536, S. 454) nennt sie eine Seeländische Geschichte. Nach "Luthers
Tischreden", Eisleben, 1566, S. 612 erzählte sie ~Luther~ 1546. Dort
heisst es: "Da sprach der Schultes: 'War's meine Kuh? Das ist ein ander
Ding'. In "~Bidermanni~ ex societate Jesu Acroamatum libri 3" wird in
3, 1, 13 sprichwörtlich "die Kuh des Praetor" angeführt. Eine andere
Geschichte, in der einem Bauer doppeltes Recht, das zweite Mal mit den
Worten: "Mein Bauer, das wär ein anders" in Aussicht gestellt wird,
erzählt ~Grimmelshausen~ im "Wunderbarlichen Vogelnest", 1, 6 (1672);
er wiederholt sie im "Deutschen Michel", 8.]

       *       *       *       *       *

      *Ach, wie ist's möglich dann,
      Dass ich dich lassen kann*

ist der Anfang eines um 1750-1780 entstandenen Volksliedes. ("Deutscher
Liederhort" von Erk und Böhme, 1893, No. 548.) Zur ersten Strophe sind
zwei hinzugedichtet; diese drei bilden den jetzt üblichen Text, den
~Georg Scherer~ ("Volkslieder", 1868, No. 40) mitteilt. Der neue Text
ist komponiert von Moritz ~Ernemann~: "Acht Lieder. Berlin 1825"; darin
steht unter dem Texte: ~Hel~. (mina) ~v. Chézy~ (1783-1856).

  Die jetzt übliche Melodie hat ~Friedrich Kücken~ (geb. 1810, †
  1882) komponiert. Die "Gartenlaube" machte Louis Böhmer (†
  1860) zum Dichter und Komponisten des Liedes, was ~Hoffmann von
  Fallersleben~ "Unsere volkstümlichen Lieder", 3. Aufl., Leipzig 1869,
  S. 159 eine Schrulle nennt. Erk schrieb darüber an Büchmann: "Der
  Bummelante Böhner kann nichts dazu, dass ihm unverständige Leute die
  Melodie zugeschrieben haben".--

       *       *       *       *       *

      *Morgen, morgen! nur nicht heute!*[22]
      (Sprechen immer träge Leute)

ist der Anfang des Liedes "Der Aufschub" von Christian Felix *Weisse*
(1726-1804) in dessen "Liedern für Kinder", 1766, verm. Aufl. Mit neuen
Melodien v. J. A. ~Hiller~, (Leipz. 1769, S. 104-5). Laut Vorrede sind
die Lieder von S. 100 an hier neu hinzugekommen.--

[Fußnote 22: "Also das Eilige auf Morgen" sprach ~Archias~ lächelnd zu
Pelopidas und steckte den Brief zu sich, welchen ihm dieser als eilig
überbrachte. Das "οὐκοῦν εἰς αὔριον τὰ σπουδαῖα" wurde nach
~Plutarch~ ("Pelopidas" c. 10) sprichwörtlich in Griechenland.]

       *       *       *       *       *

Aus Gotthold Ephraim *Lessing*s (1729-81) "Sinngedichten" (1753)
citieren wir den Schluss des ersten "Die Sinngedichte an den Leser":

      (Wer wird nicht einen Klopstock loben?
      Doch wird ihn Jeder lesen?--Nein.)

      *Wir wollen weniger erhoben
      Und fleissiger gelesen sein.*

Geschöpft sind diese Verse aus ~Martials~ (4, 49) Spottworten an den
Dichter Flaccus:

      "Confiteor: laudant illa, sed ista legunt",

      Ja; dich preisen sie hoch, doch lesen thuen sie mich".--

Aus ~Lessings~ "Liedern" (1, 6) citiert man ungenau, aber verbessernd
den Schluss der "Antwort eines trunknen Dichters":

      *Zu viel kann man wohl trinken,
      Doch trinkt man nie genug.*

Im Text heisst es: "Doch nie trinkt man genug".--

Aus ~Lessings~ "Hamburger Dramaturgie", 101.-104. Stück, (1768) stammt:

      *Seines Fleisses darf sich jedermann rühmen.--*

Aus "Emilia Galotti" (1772) 1, 4 ist

      *Weniger wäre mehr*

durch ~Wielands~ Vermittelung entstanden, welcher im Neujahrswunsche
der Zeitschrift "Merkur" von 1774 den Ausspruch des Prinzen:

      "Nicht so redlich, wäre redlicher"

folgendermassen umformte:

"Und minder ist oft mehr, wie Lessings Prinz uns lehrt".

  (Siehe ~Hesiod~: "die Hälfte ist mehr als das Ganze" und ~Cervantes~,
  in dessen "Don Quijote" [1, 6 g. E.] der Pfarrer den "Schatz
  mannichfaltiger Dichtungen" also kritisiert: "como ellas no fueran
  tantas, fueran mas estimadas", "wären es nicht so viele, so hätten
  sie mehr Wert").--

Das oft wiederholte Wort aus "Emilia Galotti":

    *Raphael wäre ein grosser Maler geworden, selbst wenn er ohne Hände
      auf die Welt gekommen wäre,*

lautet in derselben Scene eigentlich also:

    "Oder meinen Sie, Prinz, dass Raphael nicht das grösste malerische
    Genie gewesen wäre, wenn er unglücklicher Weise ohne Hände wäre
    geboren worden?"

  (~Seneca~ "De beneficiis", IV, 21: "Artifex est etiam, cui ad
  excercendam artem instrumenta non suppetunt", "auch der ist ein
  Künstler, dem zur Ausübung der Kunst die Werkzeuge mangeln").--

Aus "Emilia Galotti" 2, 7 u. 8 wird citiert:

      *Perlen bedeuten Thränen,*

womit ~Lessing~ einen Aberglauben wieder auffrischt, der bereits im 9.
Jahrh. verbreitet war. Zu jener Zeit erschienen die "Traumlehren" des
~Astrampsychus~ und des ~Nicephorus~ (her. v. Rigaltius. Par. 1603),
in denen es heisst: "οἱ μάργαροι (bei Niceph.: "μαργαρῖται")
δηλοῦσι δακρύων ῥόον", "Perlen bedeuten einen Thränenstrom".--

Aus "Emilia Galotti" 4, 7 stammt:

      *Wer über gewisse Dinge den Verstand* (_5, 5:_ *seinen Verstand*)
      *nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.*

Gewiss kam der in spanischer Litteratur so bewanderte ~Lessing~ auf
diese Wendung durch Baltazar ~Gracians~ Wort: "Muchos por faltos de
sentido, no le pierden"-- "Viele verlieren den Verstand deshalb nicht,
weil sie keinen haben" ("Oraculo manual" § 35, 1637 zuerst erschienen,
übersetzt von Arth. ~Schopenhauer~: "Handorakel" 3. Aufl. 1877, S.
22).--

In "Emilia Galotti" 4, 7 heisst es ferner:

      (_Ha, Frau,_) *das ist wider die Abrede.*

  ~Schiller~ lässt in "Kabale und Liebe", 2, 3, Ferdinand, und im
  "Fiesco", 2, 9, den Mohren diese Worte sagen. Fr. ~Kind~ legt sie in
  der Wolfschluchtscene des "Freischütz" dem Jägerburschen Max in den
  Mund.--

"Emilia Galotti", 5, 2 steht:

      *Hohngelächter der Hölle;*

und 5, 6:

      *Wer lacht da?* (_Bei Gott, ich glaub', ich war es selbst_).--

Ebenda 5, 7 ruft Emilia, als sie die Rose zerpflückt hat, die ihrem
gemordeten Verlobten Appiani galt, und sie nun, den Dolch im Herzen,
niedersinkt:

      *Eine Rose gebrochen, ehe der Sturm sie entblättert.--*

"Nathan der Weise" (1779) enthält 1, 2:

      *Es ist Arznei, nicht Gift, was ich dir reiche,*

wobei ~Lessing~ wohl an Romeos Worte in "Romeo und Julia", 5, 2:

      Come cordial, not poison,

      Komm Medizin, nicht Gift,

gedacht hat, und 1, 3 (ähnlich 3, 10):

      *Kein Mensch muss müssen.--*

Als Bekräftigung dient uns das in Lessings "Nathan" 1, 5 sechsmal
vorkommende Wort des Klosterbruders:

      *Sagt der Patriarch.--*

Viel citiert werden auch die Worte Nathans 2, 5:

      *Nur muss der Eine nicht den Andern mäkeln,
      Nur muss der Knorr den Knubben hübsch vertragen,
      Nur muss ein Gipfelchen sich nicht vermessen,
      Dass es allein der Erde nicht entschossen.--*

Der Schluss vom 2. Akt des "Nathan" ist:

                           *Der wahre Bettler ist*
      (_Doch einzig und allein_) *der wahre König!--*

4, 2 steht dreimal:

      *Thut nichts, der Jude wird verbrannt.--*

und 4, 4:

      *Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten.--*

       *       *       *       *       *

Aus Christoph Martin *Wieland*s (1733-1813) "Idris und Zenide", 3, 10
(1768) citieren wir:

      *Ein Wahn, der mich beglückt,
      Ist eine Wahrheit wert, die mich zu Boden drückt,*

was vielleicht dem Worte ~Grays~ aus "On the Prospect of Eton College"
nachgebildet ist:

      Where ignorance is bliss,
      't is folly to be wise.
      Wo Nichtwissen Seligkeit,
      Ist es Thorheit klug zu sein.--

~Wieland~ ist ferner durch seine Worte in "Musarion" (1768 B. 2, V.
142, in späteren Ausgaben, V. 135):

      Die Herren dieser Art blend't oft zu viel Licht;
      Sie seh'n den Wald vor lauter Bäumen nicht,

der Schöpfer der Redensart:

      *Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen*

geworden, die er in seiner "Geschichte der Abderiten" (1774), V. 2
wiederholt. ~Blumauer~ bestätigt diese Autorschaft Wielands durch
"Aeneis", B. 2, Str. 9:

      Er sieht oft, wie Herr Wieland spricht,
      Den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Eigentlich aber hat Wieland nur ein älteres Wort "die Stadt vor lauter
Häusern nicht sehen" umgeändert, welches J. Eiselein ("Sprichwörter" S.
576) falsch auf Agricola zurückführt, und das französischen Ursprungs
ist.[23] Auch fühlt man sich erinnert an Ovids (Trist. 5, 4, 9 und 10):

      "Nec frondem in silvis, nec aperto mollia prato
      Gramina, nec pleno flumine cernit aquas."

      "Weder die Blätter im Wald, noch auf sonniger Wiese die zarten
      Gräser, noch im Fluthstrom weiss er das Wasser zu seh'n."

und an des Properz (1, 9. 16): "Medio flumine quaerere aquam", mitten im
Fluss das Wasser suchen".--

[Fußnote 23: Edouard Fournier "l'Esprit des Autres", 7. Ausg., S. 2
citiert ein Lied eines poitevinischen Bauern:

      La hauteur des maisons
      Empêch' de voir la ville.

Dies Citat scheint aus der Luft gegriffen. Die Redensart steht vielmehr
in "Les bigarrures et touches du seigneur des Accords. Avec les
Apophthegmes du Sieur Gaulard. Et les Écraignes dijonnoises. Dernière
édition, revue et beaucoup augmentée. Paris. Jean Richter 1603". Der
besondere Titel des zweitgenannen Werkes ist: "Les contes facétieux du
sieur Gaulard, gentilhomme de la Franche Comté Bourguignotte" (sic!).
(1. Ausg. 1582.) S. 21 heisst es: "Als er in Paris war und durch die
Strassen ging, sprach er: Jeder sagte mir, ich würde eine so grosse
und schöne Stadt sehen; aber man machte sich über mich lustig; denn
man kann sie nicht sehen wegen der Menge von Häusern, die den Umblick
verhindern". Sam. ~Gerlach~ teilt dann in "Eurapeliae" (Lübeck 1639),
3. Hundert, No. 7-29 närrische Reden und Wendugen des M. Gaulard mit
und erzählt No. 24 die eben erwähnte Äusserung.--~Zincgref-Weidner~
("Apophthegmata", 3. T. 1653 S. 55 und 5. T. 1655 S. 112) wiederholt
die Geschichte und nennt den Erzähler (S. 118) Herrn Gaulardt, Baron
aus Burgundien.]

In ~Wielands~ "Oberon" (1780) steht

1, 1:

      *Ritt in das alte romantische Land,*

5, 30:

      *Nichts halb zu thun ist edler Geister Art,*

7, 75:

      *Ein einz'ger Augenblick kann Alles umgestalten.--*

Aus ~Wielands~ Singspiel "Alceste", 4, 2 wird citiert:

      *Noch lebt Admet* (_in deinem Herzen_).

1, 2 heisst es:

                *noch
      Lebt dein Admet.--*

       *       *       *       *       *

August Ludwig *von Schlözer* (1735-1809) wurde in gerechtem Zorn über
die Hinrichtung der "Hexe" Anna Göldi aus Glarus zum Schöpfer des Wortes

      *Justizmord.*

Nämlich in seinen "Staatsanzeigen" (1782-93; 2. Bd., S. 273) steht ein
Aufsatz von ihm: "Abermaliger Justizmord in der Schweiz 1782". In der
Fussnote heisst es:

  "Ich verstehe unter diesem neuen Worte die Ermordung eines
  Unschuldigen, vorsätzlich, und sogar mit allem Pompe der heiligen
  Justiz, verübt von Leuten, die gesetzt sind, dass sie verhüten
  sollen, dass ein Mord geschehe oder, falls er geschehen, doch gehörig
  gestraft werde".

Von "assasins juridiques", Justizmördern, sprach übrigens schon
~Voltaire~ in einem Briefe an Friedrich II. (Apr. 1777).--

       *       *       *       *       *

Aus Gottlieb Konrad *Pfeffel*s (1736-1809) "Tobakspfeife" (1782
gedichtet, 1783 im Vossischen "Musenalmanach" S. 159 erschienen)
citiern wir:

      *Gott grüss Euch, Alter! Schmeckt das Pfeifchen?*

und:

      *Ein andermal von euren Thaten!--*

       *       *       *       *       *

In Gottlob Wilhelm *Burmann*s (1737-1805) "Kleinen Liedern für kleine
Jünglinge" (Berlin und Königsberg 1777) beginnt das Lied "Arbeit" also:

      *Arbeit macht das Leben süss.--*

       *       *       *       *       *

Von Matthias *Claudius* (1740-1815) citieren wir:

      *Ach, sie haben
      Einen guten Mann begraben;
      Und mir war er mehr*

aus seinem Gedichte "Bei dem Grabe meines Vaters" (I. und II. T.
d. "Wandsbecker Bothen", Hamburg 1775, S. 96); aus seinem 1775 im
Vossischen "Musenalmanach" auf das Jahr 1776 erschienenen, von
Joh. André ("Musikal. Blumenstrauss", Offenbach 1776) komponierten
"Rheinweinlied":

      *Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben,*

und aus seinem im Vossischen "Musenalmanach" auf das Jahr 1786
erschienenen Liede "Urians Reise um die Welt" die Anfangsverse:

      *Wenn jemand eine Reise thut,
      So kann er was verzählen.--*

       *       *       *       *       *

Die Bezeichnung einer unmöglichen Existenz durch:

      *Messer ohne Klinge, an welchem der Stiel fehlt*

gehört Georg Christoph *Lichtenberg* (1742-99), der im Göttingenschen
Taschen-Kalender von 1798 ein "Verzeichnis einer Sammlung von
Gerätschaften, welche in dem Hause des Sir H. S. künftige Woche
verauktioniert werden sollen", angeblich "nach dem Englischen"
mitteilt, in welchem Verzeichnis unser Wort den ersten Auktionsartikel
bildet.--

       *       *       *       *       *

Joh. Gottfried *Herder* (1744-1803) nannte (in der 1801 bis 1803
erschienenen "Adrastea", Bd. 3, im Artikel "Kunst-Sammlungen in
Dresden", S. 52-56) Dresden wegen seiner Kunstschätze ein "Deutsches
Florenz", woraus

      *Elb-Florenz*

entstanden ist.--

Aus seinem Gedichte "Der gerettete Jüngling" (in der Sammlung der
Legenden, die Herder in seinen "Zerstreuten Blättern", 6. Sammlung,
Gotha 1797, S. 285-289 gab) wird citiert:

      *Eine schöne Menschenseele finden
      Ist Gewinn.--*

Aus ~Herders~ Gedicht "Der Gastfreund" wird

      Nur über meinen Leichnam geht der Weg

nicht nach ~Schillers~ Fassung ("Wallenst. Tod" 5, 7):

      Erst über meinen Leichnam sollst du hingehn,

sondern nach ~Körners~ ("Hedwig" 3, 10) also citiert:

      *Nur über meine Leiche geht der Weg.--*

~Herders~ Gedicht "Die wiedergefundenen Söhne" ("Adrastea" 2, 200-204,
Lpz. 1801) bietet:

      *Was die Schickung schickt, ertrage!
      Wer ausharret wird gekrönt.*

Die erste Zeile stammt wohl aus ~Shakespeares~ (Heinrich VI., T. 3, 4,
3):

      "What fates impose, that men must needs abide".--

Der von ~Herder~ bearbeitete "Cid" (1805) beginnt:

      *Trauernd tief sass Don Diego.--*

Im 28. Gesange heisst es:

      *Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!
      -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
      Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid!--*

Der 51. Gesang enthält:

      "Auf ins Feld! Es geht zum Siege,
      Krieger, gen Valencia!"

was wir nach Pius Alex. ~Wolffs~ "Preciosa" (1821) 4, 12 in der Form
citieren:

      *Auf* (_denn_)*--nach Valencia!*

  ~Reinhold Köhler~, "Herders Cid und seine französische Quelle", (Lpz.
  1867) hat nachgewiesen, dass mit Ausnahme von 14 Romanzen Herders
  Cid eine bald mehr bald weniger treue metrische Übertragung einer
  namenlosen französischen Prosabearbeitung der spanischen Cid-Romanzen
  in der "Bibliothèque universelle des Romans", (1783, Juli) ist. Die
  22 ersten Romanzen erschienen in der "Adrastea" 5, 165-239, Leipz.
  1803.--

       *       *       *       *       *

Karl Arnold *Kortum*[24] (1745-1824) lässt in T. I, Kap. 19 der 1784
in Münster erschienenen "Jobsiade" bei den wunderlichen Antworten des
Examinanden stets die Verse wiederkehren:

      *Über diese Antwort des Kandidaten Jobses
      Geschah allgemeines Schütteln des Kopfes.--*

[Fußnote 24: Nicht: ~Kortüm~.]

       *       *       *       *       *

In Trapps "Braunschweigischem Journal", 11. Stück, Novemberheft 1790,
schlägt der Sprachreiniger Joachim Heinrich *Campe* (1746-1818) auf S.
280-282:

      *Zerrbild*

oder: "Zerr-gemälde" für "Karikatur" vor und für "Delicatesse" auf S.
282:

      *Zartgefühl,*

  was ~Weigand~ ohne Begründung auf ~Lessing~ zurückführt.
  In ~Wielands~ "Pervonte" (1778) wird das Wort noch wie
  "Zärtlichkeitsgefühl" gebraucht, wenn (3. Teil) Vastola sagt:

      "Wo nimmt es wohl Pervonte her,
      Dass unser einer sich von Zartgefühlen nähre?"--

In seiner Schrift "Über die Reinigung und Bereicherung der deutschen
Sprache" (Dritter Versuch. Verb. u. verm. Ausg., Brnschw. 1794,
Ausübender Teil, S. 284) empfahl ~Campe~ für "Rendez-vous" das Wort
"Stell-dich-ein", welches wir jetzt

      *Stelldichein*

schreiben. Ebenda (S. 14) spricht er von dem "anfangs so laut
verworfenen, nachher von vielen guten Schriftstellern angenommenen
Wort":

      *Umwälzung*

für "Revolution". Dies Wort hatte er in den "Briefen aus Paris" zum
ersten Male versucht, welche im "Braunschweigischen Journal" abgedruckt
wurden. Im 3. Bd., 1789, 2. Brief aus Paris, steht S. 303:

      *Staatsumwälzung.--*

       *       *       *       *       *

Aus Friedrich Justin *Bertuch*s (1747-1822) Lied "Das Lämmchen"
("Wiegenliederchen", Altenburg 1772, S. 30) wird

      *Ein junges Lämmchen, weiss wie Schnee,*

und:

      Die Freuden, die man übertreibt,
      Die Freuden werden Schmerzen.

in der Form citiert:

      *Die Freuden, die man übertreibt,
      Verwandeln sich in Schmerzen.--*

       *       *       *       *       *

Gottfr. Aug. *Bürger*s (1748-94) Gedicht "Die Weiber von Weinsberg"
(1774) enthält:

      *O weh, mir armen Korydon!,*

eine Klage, die sich ursprünglich auf den in unerwiderter Liebe zum
schönen Alexis hinschmachtenden Schäfer Korydon in ~Vergils~ 2.
Ecloge[25] bezieht, der den Namen seinem Vorbilde Theokrit entlehnte,
in dessen 4. Idylle Korydon handelnd auftritt, während er Idylle 5, 6
nur erwähnt wird. Bürger benutzte ein altes Studentenlied, in dem ein
Vers beginnt:

      O weh, mir armen Choridon, o weh!

("Studentenlieder des 17. und 18. Jahrh.", herausg. v. Rob. u. Rich.
Keil, 1861, S. 171.) Zu erinnern ist hier auch noch an das Gedicht des
Adam Olearius:

      "Coridons Klage über die jetzige verkehrte Welt".--

[Fußnote 25: Vrgl. Vers 69:

      "Ah, Corydon, Corydon! Quae te dementia cepit!"
      "Korydon, Korydon, Ach! Welch Wahnsinn hat dich ergriffen!"

Wonach dann bei Iuvenal 9, 102 "O Corydon, Corydon!" so viel heisst,
wie "O du Hans Narr!"--]

In ~Bürgers~ "Lenore" (Göttinger Musenalmanach von 1774, S. 214)
Strophe 1, 3 steht:

      *Bist untreu, Wilhelm, oder todt?--*

Strophe 2, 2 bietet:

      *Des langen Haders müde.--*

und Strophe 9, 1 u. 2 enthält das Wort:

      *Hin ist hin!
      Verloren ist Verloren!--*

Der 6. Vers der 20. Strophe dieses Gedichtes, der mehrmals darin
wiederholt wird:

      *Die Toten reiten schnell!*

ist nicht Bürgers Erfindung, sondern (nach ~Althof~ "Leben Bürgers"
Göttingen 1798, S. 37) dem Munde eines Bauermädchens entnommen, das er
einst im Mondschein singen hörte:

      Der Mond, der scheint so helle,
      Die Toten reiten so schnelle,
      Fein's Liebchen, graut dir nicht?

Diese wenigen Worte hätten ihm nie wieder aus dem Sinne gewollt,
und aus ihnen hätte sich nach und nach das gewaltige Lied "Lenore"
gestaltet.

  Nach ~Herders~ erst 1815 nach seinem Tode erschienener Recension
  (Ausg. Suphan, Bd. 20, S. 377-379) des Althofschen Buches hat
  Herder in seiner Kindheit in einer Weltecke in Ostpreussen oft ein
  Zaubermärchen erzählen hören, in dem der Refrain (und zwar mit einer
  Antwort vermehrt) gerade die Strophe war, die Bürger singen hörte.
  Der Geliebte nämlich reitet mit der Geliebten in einer kalten,
  mondhellen Winternacht und spricht sie im Weiterreiten wiederholt an:

      Der Mond scheint hell,
      Der Tot reit't schnell,
      Feinsliebchen, grauet dir?

  worauf sie antwortet:

      Und warum sollt's mir grauen?
      Ist doch Feinslieb bei mir.

  "Die Toten reiten schnell", heisst es auch in dem in "Des Knaben
  Wunderhorn" (B. II, S. 19; 1. Ausg. 1808) mitgeteilten Liede
  "Lenore", welches die Überschrift hat: "Bürger hörte dieses Lied
  nachts in einem Nebenzimmer". L. ~Erk~ hält es nicht für ein
  Volkslied. Die Überschrift "Aus dem Odenwald", welche es in der 2.
  Ausg. v. J. 1846 bekommen hat, enthält wohl nur eine Mutmassung.
  Erk hat kein solches Lied im Odenwald ausfindig machen können. In
  der Bearbeitung von Achims ~von Arnim~ und Clemens' ~Brentano~ "Des
  Knaben Wunderhorn", die ~Birlinger~ und ~Crecelius~ 1876 lieferten,
  steht es T. 2, S. 263 und ist betitelt "Die Toten reiten schnell".
  In ~Heines~ "Französischen Zuständen", Brief XIII vom 25. Juli 1840
  heisst es:

  "Auf den hiesigen Boulevards-Theatern wird jetzt die Geschichte
  Bürgers, des deutschen Poeten, tragiert; da sehen wir, wie er, die
  Leonore dichtend, in Mondschein sitzt und singt: Hurrah! les morts
  vont vite--mon amour, crains-tu les morts?"

  Schon Mme de Staël (1813: "De l'Allemagne" XIII) citierte bei
  Besprechung Bürgers das "Les morts vont vite".--

Aus der Schlussstrophe der "Lenore" ist:

      *Geduld! Geduld! wenn's Herz auch bricht!--*

Aus ~Bürgers~ "Der Kaiser und der Abt" ("Gedichte", Götting. 1778)
stammt:

      *Drei Männer umspannten den Schmerbauch ihm nicht,*

und:

      *Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
      Hätt' sicher aus Häckerling Gold schon gemacht.--*

~Bürgers~ Ballade "Die Entführung, oder Ritter Karl von Eichenhorst und
Fräulein Gertrude von Hochburg" (Januar 1778) beginnt:

      *Knapp', sattle mir mein Dänenross,
      Dass ich mir Ruh erreite.--*

~Bürgers~ "Trost" (vermutlich 1786):

      *Wenn dich die Lästerzunge sticht,
      So lass dir dies zum Troste sagen:
      Die schlechtsten Früchte sind es nicht,
      Woran die Wespen nagen,*

stand zuerst im Göttinger Musenalmanach für 1787, S. 7.--

       *       *       *       *       *

Ludw. Heinr. Christoph *Hölty*s (1748-76) 1775 verfasstes, im
Vossischen Musenalmanach für 1776 zuerst gedrucktes Rheinweinlied
beginnt:

      *Ein Leben wie im Paradies.--*

Im Jahrgange 1777 des erwähnten Almanachs erschien auch zuerst ein 1776
gedichtetes Lied:

      *Wer wollte sich mit Grillen plagen?*

aus dem dann noch die Verse bekannt sind:

      *O, wunderschön ist Gottes Erde
      Und wert darauf vergnügt zu sein.--*

Im Jahrgang 1778 desselben Almanachs steht ~Höltys~ ebenfalls 1776
gedichtetes Lied:

      *Rosen auf den Weg gestreut
      Und des Harms vergessen!*

Diese beiden Lieder fanden durch J. F. Reichardts Composition die
weiteste Verbreitung.

Endlich finden wir im Vossischen Musenalmanach von 1779 ~Höltys~ Lied:

      *Üb' immer Treu und Redlichkeit,*

das nach der Melodie des Liedes "Ein Mädchen oder Weibchen" aus Mozarts
"Zauberflöte" (1791) gesungen zu werden pflegt.--

       *       *       *       *       *

Aus *Goethe* (1749-1832) sind folgende geflügelte Worte. In "Götz von
Berlichingen" (1773) 1. Akt, erwidert Götz den Wunsch Weislingens, er
möge Freude an seinem Sohn Karl erleben, mit dem Spruche:

      *Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.--*

Kurz darauf antwortet Weislingen dem ihm mit den Worten: "Ein fröhlich
Herz!" zutrinkenden Götz:

      *Die Zeiten sind vorbei! --*
      (_vrgl. das lächelnde "Tempi passati"._)

       *       *       *       *       *

In ~Goethes~ "Clavigo" 1, 1 (1774) sagt Carlos:

      *Man lebt nur einmal in der Welt;*

und Akt 2 am Ende:

      *Da macht wieder jemand einmal einen dummen Streich.--*

Im 4. Akt gegen Ende sind:

      *Luft! Luft! Clavigo!*

die Worte der sterbenden Marie Beaumarchais.--

       *       *       *       *       *

In "Dichtung und Wahrheit" (14. Buch) gedenkt Goethe seines am 19. Juli
1774 gedichteten Schwankverses "Diné zu Coblenz". Er schildert sich
darin bei Tische zwischen Lavater und Basedow sitzend. Lavater belehrt
einen Geistlichen über die Geheimnisse der Offenbarung; Basedow beweist
einem Tanzmeister, dass die Taufe ein veralteter Gebrauch sei; Goethe
widmet sich unterdessen den Genüssen der Mahlzeit:

      *Prophete rechts, Prophete links,
      Das Weltkind in der Mitten.--*

       *       *       *       *       *

In den "Leiden des jungen Werthers" (1774) B. II, unterm 24. Dez. 1771
lesen wir: "Und das

      *Glänzende Elend,*

die Langeweile unter dem garstigen Volke, das sich hier neben einander
sieht!"

  In ~Gellerts~ Fabel "Damokles" (1746) hiess es schon:

      "Bei aller Herrlichkeit stört ihn des Todes Schrecken
      Und lässt ihn nichts, als teures Elend schmecken".

Dies deutet weiterhin auf ~Ovid~, der ("Met." 11, 133) den Midas in
Verzweiflung vor seinen in Gold verwandelten Speisen zum Bacchus beten
lässt:

      " ... miserere, precor, speciosoque eripe damno".

      "Sei barmherzig und mach' mich frei von dem glänzenden Übel!"--

       *       *       *       *       *

In der "Iris" (Jacobis), Bd. 2, St. 3, März 1775, S. 161-224 erschien
~Goethes~ Singspiel "Erwin und Elmire", das im 1. Auftritte des 1.
Aufzuges die Worte enthält:

      *Ein Schauspiel für Götter,*
      (Zwei Liebende zu sehn!)

  ~Goethe~ mochte hierzu durch ~Gellerts~ Lustspiel "Die zärtlichen
  Schwestern" (1747) angeregt worden sein, worin es (2, 6) heisst:
  "Kann wohl ein schönerer Anblick sein, als wenn man zwei zärtliche
  sieht, die es vor Liebe nicht wagen wollen, einander die Liebe zu
  gestehen?"--

In "Erwin und Elmire" (a. a. O. S. 242) steht auch das Gedicht "Neue
Liebe, neues Leben" mit dem Anfangsvers:

      *Herz! mein Herz? was soll das geben?--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Goethes~ Ballade "Der Fischer"[26] wird citiert:

      *Kühl bis ans Herz hinan!*

und:

      *Halb zog sie ihn, halb sank er hin.--*

[Fußnote 26: In "Volks- und anderen Liedern, mit Begleitung des
Fortepiano. In Musik gesetzt von Siegm. Frhr. v. Seckendorff", Weimar
1779, S. 5, in demselben Jahre von ~Herder~ ("Volkslieder", 2. T., S.
3) als "Das Lied vom Fischer" wieder abgedruckt.]

       *       *       *       *       *

Aus der Ballade "Erlkönig" (1782 im Singspiel "Die Fischerin"
erschienen, 1781 gedichtet) wird citiert:

      *Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt.--*

       *       *       *       *       *

Aus dem Gedichte "Das Göttliche" (zuerst im Tiefurter Journal, 1782,
No. 40) citieren wir:

      *Edel sei der Mensch,
      Hülfreich und gut.--*

       *       *       *       *       *

Das von ~Goethe~ am 7. September 1783 an einen Fensterpfosten des
Bretterhäuschens auf dem Gickelhahn bei Ilmenau geschriebene Lied:

      *Über allen Gipfeln ist Ruh*

schliesst:

      *Warte nur, balde
      Ruhest du auch!--*

       *       *       *       *       *

Am 16. März 1787 schrieb ~Goethe~ in Bezug auf seine "Iphigenie" in
Caserta:

      *So eine Arbeit wird eigentlich nie fertig.--*

"Iphigenie", 1787, bietet in 1, 2 die Worte der Titelheldin:

      *Das Land der Griechen mit der Seele suchend*

und:

      *Ein unnütz Leben ist ein früher Tod*

und:

      *Das Wenige verschwindet leicht dem Blick,
      Der vorwärts sieht, wie viel noch übrig bleibt,*

ferner die des Arkas:

      *Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort
      Der Frauen weit geführt.--*

In ~Goethes~ "Iphigenie" 1, 3 stehen die Worte des Thoas:

      *Du sprichst ein grosses Wort gelassen aus*

und:

      *Man spricht vergebens viel, um zu versagen;
      Der andre hört von allem nur das Nein;*

in 2, 1 die Worte des Pylades:

            *Lust und Liebe sind die Fittige
      Zu grossen Thaten;*

endlich in 3, 1 die Worte des Orest an Iphigenie:

      *Zwischen uns sei Wahrheit!*

die Friedrich Wilhelm IV., der belesene Fürst, am 11. Apr. 1847 dem
vereinigten Landtage zurief.--

       *       *       *       *       *

      *Das Beste ist gut genug*

ist entnommen aus ~Goethes~ "Italiänischer Reise", unter "Neapel", am
Ende des 2. Briefes vom 3. März 1787, wo es heisst: "In der Kunst ist
das Beste gut genug".--

       *       *       *       *       *

~Aristophanes~, der Dichter des von Goethe 1787 übersetzten Lustspiels
"Die Vögel" wird im Epiloge zu dieser Übersetzung von ~Goethe~

            *der ungezogene
      Liebling der Grazien*

genannt, ein Wort, das später gern auf Heinrich ~Heine~ angewendet
wurde. Vielleicht zuerst 1846 von L. ~Schücking~ (s. dessen
"Lebenserinnerungen" 1886, Bd. 2, S. 137 und 140).--

       *       *       *       *       *

Aus ~Goethes~ "Egmont" (1788) werden die Worte 3, 2:

      *Ich versprach dir einmal Spanisch zu kommen*

von demjenigen citiert, welcher mit einem Rohrstocke droht.--

Clärchens Lied in "Egmont", Akt 3:

      *Freudvoll
      Und leidvoll,
      Gedankenvoll sein;
      Langen
      Und Bangen
      In schwebender Pein,
      Himmelhoch jauchzend,
      Zum Tode betrübt,
      Glücklich allein
      Ist die Seele, die liebt,*

wurde uns zu einer Kette von "Geflügelten Worten". "Langen" hat hier
die Bedeutung von "Verlangen tragen", "sich sehnen" (englisch: to
long), und wird oft in "Hangen" verändert.

  Geschah dies zuerst durch ~Beethoven~, der 1810 die Musik zum
  Egmont mit dieser Veränderung drucken liess? In der Handschrift
  des Egmont auf der Königl. Bibliothek zu Berlin steht von ~Goethes~
  Hand: "Langen"; "Hangen" wurde wohl durch die 'schwebende Pein'
  hervorgerufen. Das Volk singt wie der vermeintliche Schneidergeselle
  in ~Heines~ "Harzreise" (1824):

      Freudvoll und leidvoll,
      Gedanken sind frei.

  "Zum Tode betrübt" entlehnte ~Goethe~ den Worten Jesu (Matth. 26, 38;
  Mark. 14, 34):

      "Meine Seele ist betrübt bis an den Tod".--

Auch sind die gegen Ende des 5. Aktes von Egmont gesprochenen Worte zu
verzeichnen:

    *Süsses Leben! schöne freundliche Gewohnheit des Daseins und
        Wirkens!
      von dir soll ich scheiden!--*

       *       *       *       *       *

Aus dem Singspiele "Die ungleichen Hausgenossen", woran ~Goethe~
1785-89 arbeitete, ist das zuerst in Schillers Musen-Almanach für
1796 veröffentlichte Gedicht: "Antworten bei einem gesellschaftlichen
Fragespiel". Daraus führen wir an die Worte eines "Erfahrenen":

      *Geh' den Weibern zart entgegen,
      Du gewinnst sie auf mein Wort.
      Und wer rasch ist und verwegen,
      Kommt vielleicht noch besser fort.
      Doch, wem wenig d'ran gelegen
      Scheinet, ob er reizt und rührt,
      Der beleidigt, der verführt.--*

       *       *       *       *       *

Aus dem 1789 im 8. Bd. von "Goethes Schriften" (Leipz., Göschen)
erschienenen Gedichte "Beherzigung" wird die Schlussstrophe citiert:

      *Eines schickt sich nicht für alle!
      Sehe jeder, wie er's treibe,
      Sehe jeder, wo er bleibe,
      Und wer steht, dass er nicht falle.*

  Der letzte Vers beruht auf 1. Korinther 10, 12: "... wer sich lässt
  dünken, er stehe, mag wohl zusehen, dass er nicht falle", während
  der erste Vers aus lateinischer Quelle geflossen zu sein scheint.
  Vrgl. ~Cicero~ pro Roscio Amerino 42, 122: "Non in omnes, arbitror,
  omnia convenire"; ~Properz~ 4, 9, 7: "Omnia non pariter rerum sunt
  omnibus apta"; ~Tacitus~ "Ann." 6, 54: "non eadem omnibus decora" und
  ~Plinius~ "Epist." 6, 27: "non omnibus eadem placent, nec conveniunt
  quidem".--

Unmittelbar hinter diesem Gedichte stand dasjenige, welches jetzt
"Erinnerung" heisst:

      *Willst du immer weiter schweifen?
      Sieh', das Gute liegt so nah.
      Lerne nur das Glück ergreifen:
      Denn das Glück ist immer da.*

Das Gedicht: "Frisches Ei, gutes Ei" endigt:

      *Begeisterung ist keine Heringsware,
      Die man einpökelt auf einige Jahre.--*

Das Gedicht: "Wie du mir, so ich dir" heisst:

      *Mann mit zugeknöpften Taschen,
      Dir thut niemand was zu lieb;
      Hand wird nur von Hand gewaschen;
      Wenn du nehmen willst, so gieb!*

vrgl.: "manus manum lavat".--

       *       *       *       *       *

Aus ~Goethes~ "Tasso" (1790) citieren wir:

      *Du siehst mich lächelnd an, Eleonore,* (1, 1)
      (_Und siehst dich selber an und lächelst wieder_);

      *Die Stätte, die ein guter Mensch betrat,
      Ist eingeweiht;* (1, 1)

      *Es bildet ein Talent sich in der Stille,
      Sich ein Charakter in dem Strom der Welt;* (1, 2)

      (_Doch--haben alle Götter sich versammelt
      Geschenke seiner Wiege darzubringen:_)

      *Die Grazien sind leider ausgeblieben.* (2, 1)--

Das 2, 1 vorkommende:

      "So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt"

wird in der Form citiert:

      *Man merkt die Absicht und man wird verstimmt.--*

In derselben Scene finden wir das Wort Tassos:

      *Erlaubt ist, was gefällt,*

was dem

      libito fè licito

aus ~Dantes~ "Hölle" V, 55 nachgeahmt zu sein erscheint, aber von
Goethe aus ~Tassos~ Schäferspiel "Aminta" entnommen ist, worin die
zweite Strophe des Chorliedes am Ende des ersten Aktes mit den Worten
schliesst:

            "ein goldnes, glückliches Gesetz,
      Das die Natur schrieb: Wenn's gefällt, so ziemt's,"

wie überhaupt die begeisterten Worte über die goldene Zeit, die Goethe
hier dem Tasso in den Mund legt, eine Umschreibung dieses Chorgesanges
sind. Zu Grunde liegt wohl dem Allem das freche "si libet, licet", was
Julia zu ihrem Stiefsohn Caracalla sagte, als er sie zum Weibe begehrte
(bei ~Spartian~: "Antonin. Caracalla", c. 10). -- Die Prinzessin erhebt
dann bei Goethe sofort den Spruch des Dichters zu dem einfach schönen:

      "Erlaubt ist, was sich ziemt",

wozu sie ihm den Weg durch die Worte weiset:

      *Willst du genau erfahren, was sich ziemt,
      So frage nur bei edlen Frauen an.*

  Die Gegenüberstellung des "Erlaubt ist, was gefällt", und des
  "Erlaubt ist, was sich ziemt", verdankte Goethe entweder dem
  Schäferdrama "Il pastor fido" (1585) des ~Guarini~ (Mailand. 1807. S.
  368ff.), der in bewusstem Gegensatze zu Tassos Worten singt: "Wenn es
  sich ziemt, gefällt's" (piaccia, se lice"), oder er entnahm es diesen
  ihm wohl durch Herder zugänglich gemachten Versen des Jakob ~Balde~
  (geb. 1603, gest. 1668; "Poemata" Colon. 1660. "Lyric." IV, Od. 14.
  Str. 12):

            "Ardente Roma: QVOD LIBET, HOC LICET
      Clament NERONES: QVOD LICET, HOC LIBET;
              TRAJANE, dices. At nec omne
            Quod licet, hoc libeat regenti."

  Herder arbeitete, ehe der "Tasso" erschien, an einer Übersetzung
  des Balde. In der "Terpsichore" I. T. 1795 lautet bei ihm die obige
  Strophe (s. "Sämtl. Werke", her. v. B. Suphan, Bd. 27, S. 67):

      "_Neronen_ singen, während dem Brande Roms:
      '_Erlaubt ist, was beliebet_'. Mein König singt:
          '_Nur was erlaubt ist, das beliebt mir_'.
          Königen auch ist erlaubt nicht Alles".--

       *       *       *       *       *

Aus ~Goethes~ "Faust. Ein Fragment". (Echte Ausgabe. Leipzig, Göschen.
1790) wird citiert:

      Nacht.

      _Faust:_      *Da steh' ich nun, ich armer Thor!
                    Und bin so klug, als wie zuvor.
                    Es möchte kein Hund so länger leben!
                    Urväter Hausrat.
                    Welch Schauspiel! aber ach! ein Schauspiel nur!
                    Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!*

      _Geist:_      (_So schaff ich_) *am sausenden Webstuhl der Zeit.*

      _Faust:_      *Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen.
                    Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen.
                    Wenn es euch nicht von Herzen geht.*

      _Wagner:_     (_Allein_) *der Vortrag macht des Redners Glück.*

      _Faust:_      *Es trägt Verstand und rechter Sinn
                    Mit wenig Kunst sich selber vor.*

      _Wagner:_     (_Und_) *wie wir's dann zuletzt so herrlich weit
                        gebracht.--*

      Faust. Mephistopheles.
      (Seit der Ausgabe von 1808: Studierzimmer.)

      _Mephist.:_   *Ich sag' es dir: ein Kerl, der spekuliert,
                    Ist wie ein Tier, auf* (_einer Heide. Seit 1808:_)
                        *dürrer Heide
                    Von einem bösen Geist im Kreis herum geführt,
                    Und rings umher liegt schöne grüne Weide.--*

      (Schülerscene.)

      _Mephist.:_   *In spanische Stiefel eingeschnürt.*

      _Mephist.:_   *Irrlichteriere(n)*

      _Schüler:_    *Mir wird von allem dem so dumm,[27]
                    Als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum.*

      _Schüler:_    *Denn was man schwarz auf weiss besitzt
                    Kann man getrost nach Hause tragen.*

[Fußnote 27: In den späteren Bearbeitungen: *von alle dem.*]

      _Mephist.:_   *Es erben sich Gesetz' und Rechte
                    Wie eine ew'ge Krankheit fort.*

      _Mephist.:_   (_Vernunft wird Unsinn, Wohlthat Plage;_)
                    *Weh dir, dass du ein Enkel bist!*
                    (_Vom Rechte, das mit uns geboren ist,
                    Von dem ist leider nie die Frage._)

      _Mephist.:_   *Im Ganzen--haltet euch an Worte!
                    Am besten ist's auch hier, wenn ihr nur Einen hört
                    Und auf des Meisters Worte schwört.*

  (vrgl. ~Horaz~ "Epist." I, 1, 14, "jurare in verba magistri".)

      _Mephist.:_   *Denn eben wo Begriffe fehlen,
                    Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.*

      _Mephist.:_   *Ich bin des trocknen Tons nun satt.*

      _Mephist.:_   *Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen.*

      _Mephist.:_   *Doch der den Augenblick ergreift,
                    Das ist der rechte Mann.*

      _Mephist.:_   *Besonders lernt die Weiber führen;
                    Es ist ihr ewig Weh und Ach
                    So tausendfach
                    Aus einem Punkte zu kurieren.*

      _Schüler:_    *Das sieht schon besser aus! Man sieht doch, wo
                        und wie.*

      _Mephist.:_   *Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
                    Und grün des Lebens goldner Baum.*

      _Mephist.:_   (_Folg' nur dem alten Spruch und meiner Muhme,
                        der Schlange_),
                    *Dir wird gewiss einmal bei deiner Gottähnlichkeit
                        bange!*

      _Mephist.:_   *Sobald du dir vertraust, sobald weisst du
                        zu leben.--*

      Auerbach's Keller in Leipzig.

      _Siebel:_     (_Fühlt man erst recht_) *des Basses Grundgewalt.*

      _Brander:_    *Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied!*

      _Brander:_    *Hatte sich ein Ränzlein angemäst't
                    Als wie der Doktor Luther.*

      _Mephist.:_   (_Mit_) *wenig Witz und viel Behagen.*

      _Frosch:_     *Mein Leipzig lob' ich mir!
                    Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.*

  Schon in einer Beschreibung Leipzigs vom Jahre 1768 heisst es "Paris
  im Kleinen" (Düntzers Faust, 2. Aufl.) und in dem seltenen Buche
  "Gepriesenes Andencken von Erfindung der Buchdruckerey ...", Lpzg.
  1740, singt der Magister und Rektor in Sangerhausen, Christian
  Gottlob ~Kändler~ (S. 139):

      "So schlecht der Fremde von uns spricht,
      So untersteht er sich doch nicht,
      Was Leipzig drucket zu verschmähen,
      Papier und Littern sind zu schön,
      Er denkt zum Schluss: Paris zu sehen,
      Allein er siehet Leipzig stehn".

      _Mephist.:_   *Den Teufel spürt das Völkchen nie,
                    Und wenn er sie beim Kragen hätte.*

      *Spanien, das Land des Weins und der Gesänge*

entwickelte sich aus den Worten des Mephistopheles:

                    "Wir kommen erst aus Spanien zurück,
                    Dem schönen Land des Weins und der Gesänge".

      _Frosch:_     *Denn wenn ich judicieren soll,
                    Verlang' ich auch das Maul recht voll.*

      _Brander:_    *Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen
                        leiden,
                    Doch ihre Weine trinkt er gern.*

      _Alle
          singen:   _*Uns ist ganz kannibalisch wohl
                    Als wie fünfhundert Säuen.--*

      Hexenküche.

      _Mephist.:_   (_Auch_) *die Kultur, die alle Welt beleckt,*
                    (_Hat auf den Teufel sich erstreckt_).

      _Mephist.:_   *Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.*

      _Mephist.:_   *Dies ist die Art, mit Hexen umzugehn.*

      _Mephist.:_   (_Denn_) *ein vollkommner Widerspruch
                    Bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für
                        Thoren.*

      _Mephist.:_   *Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte
                        hört,
                    Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.--*

      Strasse.

      _Faust:_      *Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
                    Meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?--*

      Abend.

      _Margarete:_  *Nach Golde drängt,
                    Am Golde hängt
                    Doch Alles!*

      _Mephist.:_   *Gleich schenken? Das ist brav! Da wird er
                        reüssieren!--*

      Der Nachbarin Haus.

      _Mephist.:_   *Es ist eine der grössten Himmelsgaben,
                    So ein lieb Ding im Arm zu haben.*
                    (_In späteren Ausgaben:_ *'s ist* _u.s.w._)

      _Margarete:_  *Das ist des Landes nicht der Brauch.*

      _Mephist.:_   *Durch zweier Zeugen Mund
                    Wird allerwegs die Wahrheit kund.*

(Dies ruht auf 5. Mos. 19, 15: "Es soll kein einzelner Zeuge wider
jemand auftreten, sondern in dem ~Munde zweier~ oder dreier ~Zeugen~
soll die Sache bestehen" und auf Joh. 8, 17: "Auch stehet in eurem
Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis ~wahr~ sei", vrgl. 5.
Mos. 17, 6; Matth. 18, 16; 2. Kor. 13, 1; 1. Tim. 5, 19.)

      _Faust:_      *Wer recht behalten will und hat nur eine Zunge
                    Behält's gewiss.--*

      Gretchens Stube.

      _Gretchen:_   *Meine Ruh' ist hin.
                    Mein Herz ist schwer.--*

      Marthens Garten.

      _Faust:_      *Name ist Schall und Rauch,
                    Umnebelnd Himmelsgut.*

      _Margarete:_  *Es thut mir lang schon weh',
                    Dass ich dich in der Gesellschaft seh'.*

      _Faust:_      *Es muss auch solche Käuze geben.*

      _Faust:_      *Ahnungsvoller Engel* (_du_)!

      _Faust:_      *Du hast nun die Antipathie!*

      _Margarete:_  *Ich habe schon so viel für dich gethan,
                    Dass mir zu thun fast nichts mehr übrig bleibt.*

      _Mephist.:_   *Die Mädels sind doch sehr interessiert,
                    Ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch.
                    Sie denken, duckt er da, folgt er uns eben auch.*

      _Mephist.:_   *Hab' ich doch meine Freude d'ran!--*

      Dom.

      _Gretchen:_   *Nachbarin! Euer Fläschchen!--*

Aus ~Goethes~ 1794 erschienenem "Reinecke Fuchs" stammt:

      *Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen.--*

       *       *       *       *       *

Im 11. Kap. des 2. Buches von "Wilhelm Meisters Lehrjahren" (erschienen
1795 und 1796) kommt in dem am Schlusse stehenden Liede des
Harfenspielers (gedichtet 1782):

      *O Trank der süssen Labe!*

vor. Das Lied erhielt später unter "Balladen" den Titel: "Der Sänger".
Hier sind die Worte verändert in:

      *O Trank Toll süsser Labe!--*

Die Worte des Harfenspielers in "Wilhelm Meisters Lehrjahren" 2, 13:

      *Wer nie sein Brot mit Thränen ass,
      Wer nie die kummervollen Nächte
      Auf seinem Bette weinend sass,
      Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte*

schrieb die Königin Luise in ihr Tagebuch, als sie auf der Flucht
nach Königsberg am 3. Dez. 1806, von einem Schneesturm überfallen, zu
Ortelsburg in ein Bauernhaus einkehren musste. Goethe spricht sich
bewegt hierüber aus in den "Sprüchen in Prosa" (n. 153. Werke 19, 43.
Hempel. vrgl. "Du speisest sie mit Thränenbrot" ... Ps. 80, 6 und "Der
Betrübten Brot" Hosea 9, 4).--

Aus der sich bei ~Goethe~ anschliessenden Strophe:

      Ihr führt ins Leben uns hinein,
      Ihr lasst den Armen schuldig werden,
      Dann überlasst ihr ihn der Pein;
      *Denn alle Schuld rächt sich auf Erden,*

ist der letzte Vers sehr bekannt. Dahinter steht bei ~Goethe~ ein
anderer Gesang des Harfenspielers, welcher beginnt:

      *Wer sich der Einsamkeit ergiebt,
      Ach! der ist bald allein!--*

      *Das Land, wo die Citronen blüh'n,*

ist aus dem Liede "Mignon" (Wilhelm Meisters Lehrjahre 3, 1): "Kennst
du das Land, wo die Citronen blüh'n?"--

In der 3. Strophe heisst es:

      *Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg,*

was auf unklare Menschen angewendet zu werden pflegt.--

In "Wilhelm Meisters Lehrjahren" 4, 9 stehen Philines Worte:

      *wenn ich dich lieb habe, was geht's dich an!*

~Goethe~ citiert sie in "Wahrheit und Dichtung", 14. Buch, also: "Jenes
wunderliche Wort (~Spinozas~): "Wer Gott recht liebt, muss nicht
verlangen, dass Gott ihn wieder liebe", mit allen den Vordersätzen,
worauf es ruht, mit allen den Folgen, die daraus entspringen,
erfüllte mein ganzes Nachdenken. Uneigennützig zu sein in Allem, am
uneigennützigsten in Liebe und Freundschaft, war meine höchste Lust,
meine Maxime, meine Ausübung, so dass jenes freche spätere Wort

      *Wenn ich dich liebe, was geht's dich an*

mir recht aus dem Herzen gesprochen ist". Das Wort ~Spinozas~ steht
in seiner Ethik, pars V, propositio XIX in der Form: "Qui Deum amat,
conari non potest, ut Deus ipsum contra amet".--

Wir citieren die Überschrift des 6. Buches von "Wilhelm Meisters
Lehrjahren", wenn wir

      *Bekenntnisse einer schönen Seele*

sagen.--

       *       *       *       *       *

~Goethes~ Ballade "Der Zauberlehrling" (zuerst in Schillers
Musen-Almanach für 1798, S. 32) enthält die Worte:

      *Die ich rief, die Geister,
      Werd' ich nun nicht los;*

und aus seiner Ballade "Der Schatzgräber" (zuerst ebenda S. 46) wird
citiert:

      *Tages Arbeit! Abends Gäste!
      Saure Wochen!   Frohe Feste!--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Goethes~ Sonett in "Was wir bringen" (Vorspiel bei Eröffnung des
neuen Schauspielhauses zu Lauchstädt: 26. Juni 1802; 19. Auftritt) wird
citiert:

      *In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.*

Dies Sonett befindet sich mit dem Titel "Natur und Kunst" auch in dem
"Epigrammatisch" überschriebenen Abschnitte seiner Gedichte.--

       *       *       *       *       *

Im Wieland-Goetheschen "Taschenbuch auf das Jahr 1804", S. 97 steht
~Goethes~ "Tischlied" zum 22. Jan. 1802:

      *Mich ergreift, ich weiss nicht wie,
      Himmlisches Behagen;*

und S. 113 das Gedicht "Schäfers Klagelied", das nach Zelters
"Briefwechsel mit Goethe" (I, S. 21 und 41) schon 1802 bekannt war. Am
Ende der zweiten Strophe befinden sich, die das träumende Hinabwandeln
des Schäfers vom Berge schildernden Zeilen:

      *Ich bin heruntergekommen
      Und weiss doch selber nicht wie,*

die wir in ganz anderem Sinne ("heruntergekommen" in übertragener
Bedeutung) citieren.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Goethes~ (ebenda S. 115-116 zuerst erschienenem) Gedichte "Trost
in Thränen" wurde üblich:

      *Die Sterne, die begehrt man nicht.*

S. 150 ebenda lässt ~Goethe~ am Ende des Gedichtes "Frühlingsorakel"
den Kuckuck seinen eigenen Namen

      *Mit Grazie in infinitum*

wiederholen.--

       *       *       *       *       *

Aus dem zu Schillers Todtenfeier am 10. Aug. 1805 von der Lauchstädter
Bühne erklungenen ~Goethe~schen "Epiloge zu Schillers Glocke" blieben
die folgenden Worte der vierten Strophe haften:

      *Denn er war unser!* (_Mag das stolze Wort
      Den lauten Schmerz gewaltig übertönen!_)
      *Und hinter ihm in wesenlosem Scheine,
      Lag, was uns Alle bändigt, das Gemeine.*

  Erschienen im "Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1806" her. v.
  Huber, Lafontaine, Pfeffel u. A., Tübingen, J. G. Cotta; wiederholt
  und erneut bei der Vorstellung am 10. Mai 1815; abgedruckt in den
  "Sämtl. Werk." 6, 423. Stuttg. u. Tüb., J. G. Cotta 1840.--

       *       *       *       *       *

Aus dem in Tübingen, 1808, bei Cotta (8. Band von ~Goethes~ Werken)
erschienenen "Faust" wird citiert:

      Zueignung (gedichtet 1797).

      *Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten.--*

      Vorspiel auf dem Theater.

      _Direktor:_   (_Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt.
                    Allein_) *sie haben schrecklich viel gelesen.*

      _Dichter:_    *Was glänzt, ist für den Augenblick geboren,
                    Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.*

      _Direktor:_   *Wer Vieles bringt, wird Manchem etwas bringen.*

      _Lustige
          Person:_  *Greift nur hinein in's volle Menschenleben!*

      _Lustige
          Person:_  *Und wo ihr's packt, da ist's interessant.*

      _Lustige
          Person:_  *Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen,
                    Ein Werdender wird immer dankbar sein.*

      _Direktor:_   *Der Worte sind genug gewechselt,
                    Lasst mich auch endlich Thaten seh'n.--*

      Prolog im Himmel.

      _Der Herr:_   *Es irrt der Mensch, so lang er strebt.*

      _Der Herr:_   *Ein guter Mensch, in seinem dunkeln Drange
                    Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.*

      _Mephist.:_   *Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern.--*

      Faust. Der Tragödie erster Teil.
      Nacht.

      _Wagner:_     *Zwar weiss ich viel, doch möcht' ich alles wissen.*

      _Faust:_      *Was du ererbt von deinen Vätern hast.
                    Erwirb es, um es zu besitzen.*

      _Faust:_      *Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der
                        Glaube;
                    Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.--*

      Vor dem Thor.

      _Bürger:_     *Nein, er gefällt mir nicht, der neue Burgemeister!*

      _Andrer
          Bürger:_  *... hinten, weit in der Türkei.*

      _Faust:_      *... ein dunkler Ehrenmann.*

      _Faust:_      *Was man nicht weiss, das eben brauchte man,
                    Und was man weiss, kann man nicht brauchen.*

      _Faust:_      *Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.*
                   _Die eine will sich von der andern trennen;
                   Die eine hält mit derber Liebeslust
                   Sich an die Welt mit klammernden Organen;
                   Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
                   Zu den Gefilden hoher Ahnen._

  Schon Wieland lässt in dem lyrischen Drama "Die Wahl des Herkules"
  (1773) diesen, zwischen Tugend und Begehrlichkeit schwankenden
  Halbgott ausrufen:

      "Zwei Seelen--ach, ich fühl' es zu gewiss!
      Bekämpfen sich in meiner Brust
      Mit gleicher Kraft." ...

  Und lange vor Wieland singt ~Racine~ (1639-1699) im dritten Gesange
  seiner "Cantiques spirituels", "Plainte d'un Chrétien sur les
  contrariétés qu'il éprouve au dedans de lui-même", den er dem
  siebenten Kapitel des "Römerbriefes" entlehnte, wo Paulus den Kampf
  seines inneren und äusseren Menschen schildert:

      "Mon Dieu, quelle guerre cruelle!
      Je trouve deux hommes en moi:
      L'un veut, que plein d'amour pour toi,
      Mon coeur te soit toujours fidèle,--
      L'autre, à tes volontés rebelle,
      Me révolte contre la loi".

      "L'un tout esprit et tout céleste,
      Veut, qu'au ciel sans cesse attaché,
      Et des biens éternels touché,
      Je compte pour rien tout le reste,
      Et l'autre par son poids funeste
      Me tient vers la terre penché". etc.

  ~Wieland~ und ~Goethe~ setzten für "deux hommes" unwillkürlich "deux
  âmes" als den üblichen Begriff. Sie kannten wohl die Lehre des
  Mani (3. Jahrh. n. Chr.), von deren Anhängern Balthasar ~Bekker~
  ("Bezauberte Welt" I. Buch, XVIII. Hauptstück § 7; holländ. 1691,
  deutsch 1693 Amsterd.) sagt: "Sie halten gar dafür, dass jeder Mensch
  zwo Seelen habe, deren eine allezeit wider die andere streite". Und
  Beide hatten gewiss in ~Xenophons~ "Cyropaedie" VI, 41 des wider
  Willen sündhaft verliebten Araspes Vermuthung gelesen, "er müsse
  ohne Frage zwei Seelen haben (δύο γὰρ, ἔφη, ὦ Κῦρε, σαφῶς ἔχω
  ψυχάς), denn ~eine~ Seele könne nicht böse ~und~ gut sein,
  noch zugleich etwas wollen und es auch nicht wollen." Bereits in
  den "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1793-1795) lässt
  ~Goethe~ den "Alten" von "Ferdinand" sagen, er habe seiner Eltern
  grundverschiedene Gemüthsarten in sich vereinigt, so dass "seine
  Freunde zu der Hypothese ihre Zuflucht nehmen mussten, dass der junge
  Mann wohl zwei Seelen haben mochte"; und weiterhin heisst es da
  "die gute Seele schien die Oberhand zu gewinnen". ~Hierzu~ brauchte
  ~Goethe~ Racine nicht; seine Faustworte aber strömen klar aus jener
  Quelle.--

      _Faust:_      (_Du hast wohl recht:_) *ich finde nicht die Spur
                        Von einem Geist, und alles ist Dressur.*--

      Studierzimmer.

      _Faust:_      *mein geliebtes Deutsch.*

      _Mephist.:_   *Wozu der Lärm? was steht dem Herrn zu Diensten?*

      _Faust:_      *Das also war des Pudels Kern!*

      _Faust:_      *Der Kasus macht mich lachen.*

      _Mephist.:_   *der Geist, der stets verneint!*

      _Mephist.:_   *Beisammen sind wir, fanget an!*

      _Mephist.:_   *Du bist noch nicht der Mann, den Teufel fest zu
                        halten!--*

      Studierzimmer.

      _Mephist.:_   *Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir
                        bewusst.*

      _Faust:_      *Was willst du armer Teufel geben?*

      _Faust:_      *Verweile doch! Du bist so schön!*

                    (vrgl. T. II, 5 "Grosser Vorhof des Palastes".)

      _Mephist.:_   *Blut ist ein ganz besondrer Saft.*

  Schon in Christian Heinrich ~Postels~ Singspiel "Die Gross-Muthige
  Thalestris oder Letzte Königin der Amazonen" (Hamburg. Vorgestellet
  anno 1690) heisst es im "anderen Auftritt":

      "Blut ist der Safft vor allen Säfften,
      Der tapfren Muth im Herzen kann ernähren".--

      Hexenküche.

      _Mephist.:_   *Ein stiller Geist ist Jahre lang geschäftig;
                    Die Zeit nur macht die feine Gährung kräftig.*

      _Tiere:_      (_Wir kochen_) *breite Bettelsuppen.--*

      Walpurgisnacht.

      _Mephist.:_   *süsser Pöbel.*

  (G. v. ~Loeper~ führt dies Wort in seiner Ausgabe des Faust auf ein
  "dolce plebe" im Ariost zurück, giebt aber keine Stelle an.)

      _Mephist.:_   *Die Müh' ist klein, der Spass ist gross.*

      _Mephist.:_   *Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.*

  (vrgl. "Maximes et réflexions morales du Duc de la Rochefoucauld"
  1782, No. 43 "L'homme croit souvent se conduire lorsqu'il est
  conduit".)--

      Feld.

      _Mephist.:_   *Sie ist die erste nicht.* (_Nicht Goethes
                        Erfindung, sondern ein altes Wort._)--

      Kerker.

      _Faust:_      *Der Menschheit ganzer Jammer fasst mich an.*

      _Margarete:_  *Heinrich! Mir graut's vor dir.--*

       *       *       *       *       *

Das Bild

      *der rote Faden*

wird in ~Goethes~ "Wahlverwandtschaften" (1809), II. 2, also erklärt:

  "Wir hören von einer besonderen Einrichtung bei der englischen
  Marine: Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis
  zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, ~dass ein roter Faden
  durch das Ganze durchgeht~, den man nicht herauswinden kann, ohne
  alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind,
  dass sie der Krone gehören.

  Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden der Neigung und
  Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet".

~Goethe~ citiert den roten Faden noch einmal in den
"Wahlverwandtschaften", II, 4 zur Einleitung eines Stücks von Ottiliens
Tagebuch: "Manches Eigene von innigerem Bezug wird an dem roten Faden
wohl zu erkennen sein."

  "Dieser rote Faden" schrieb Lothar ~Bucher~ ("National-Zeit." 8. Juli
  1865 Morgenbl.), "sieht in Wirklichkeit gar nicht rot aus, sondern
  gelb". Das war aber damals nur bei den in Chatham angefertigten
  Tauen der englischen königlichen Marine der Fall, während die aus
  Portsmouth rot, die aus Plymouth blau und die aus Pembroke grün
  gekennzeichnet wurden. Jetzt ist der rote Faden allein üblich, was zu
  Goethes Zeit sich ebenso verhalten haben wird. Seit 1776 besteht der
  Brauch in Englands Flotte. Als Unterscheidungszeichen für Zwillinge
  kommt "der rote Faden" 1. Mos. 38, 28 u. 30 vor.--

      *Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen*

(d.h. in der Region der Ideale) steht im Tagebuche Ottiliens
("Wahlverwandtschaften", II, 7) und wird oft vergeblich in ~Lessings~
"Nathan" gesucht. Dort sagt I, 6 der Tempelherr zu Daja: "Weib macht
mir die Palmen nicht verhasst, worunter ich so gern sonst wandle".--

       *       *       *       *       *

      *Nur der Lump ist bescheiden*

entlehnen wir ~Goethes~ Versen aus dem zuerst 1810 im "Pantheon"
gedruckten, von Zelter komponierten Gedichte "Rechenschaft":

      Nur die Lumpe sind bescheiden,
      Brave freuen sich der That.

Goethe mag hierauf, wie Schopenhauer ("Par. u. Paral." 2, 496; Lpzg.
1877) bemerkte, durch ~Cervantes~ gekommen sein, welcher in den seiner
"Reise auf den Parnass" angehängten Verhaltungsregeln für Dichter auch
diese giebt: "Jeder Dichter, den seine Verse lehrten, dass er einer
sei, achte und schätze sich hoch, indem er sich an das Sprichwort
halte: ein Lump sei, wer sich für einen Lump hält" ("ruin sea el que
por ruin se tiene!").--

       *       *       *       *       *

      *Hier sind wir versammelt zu löblichem Thun*

ist der 1. Vers von ~Goethes~ am 26. März 1810 nach Berlin gesandtem
und in den "Gesängen der Liedertafel", 1811, No. 44, zuerst gedrucktem
Liede: "Ergo bibamus" (s. auch "Geflügelte Worte aus der Geschichte").
Das Lied sollte, wie Reinhold ~Steig~ (Goethe-Jahrbuch XVI, S. 186 ff.)
aus den Akten der Singakademie nachwies, den Geburtstag der ~Königin
Luise~ post festum verherrlichen. "Wunderlichst in diesem Falle!" Als
"Ein Spätling zum 10. März" ist es wirklich in der Handschrift vom
Dichter bezeichnet. ~Zeller~ setzte es in Musik.--

       *       *       *       *       *

Das in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit seinen
Verwandten ~genial~ oder, wie man damals sagte, ~genialisch~
entstandene Wort:

      *Geniestreich*

hat seine schriftstellerische Weihe durch ~Goethe~ im 1814
geschriebenen 3. Teile, im 19. Buche, von "Dichtung und Wahrheit"
gefunden, wo er kurz nach der Definition: "Genie ist die Kraft des
Menschen, welche durch Handeln und Thun Gesetz und Regel giebt", sagt:
"Wenn einer zu Fusse, ohne recht zu wissen warum und wohin, in die Welt
lief, so hiess dies eine Geniereise, und wenn einer etwas Verkehrtes
ohne Zweck und Nutzen unternahm, ein Geniestreich".

Als ältere Stellen sind anzuführen:

  Alman. de belletr. 1782 S. 100, wo es von den Sturm- und
  Drang-Dichtern (nach Grimm) heisst: "die Herrn samt ihren
  Geniestreichen ... sind beinahe vergessen"; dann erschien 1786 ein
  Buch unter dem Titel "Folgen einer akademischen Mädchenerziehung, mit
  unter einige Geniestreiche. Kein pädagogischer Roman"; und endlich
  schrieb Schiller am 1. Nov. 1790 an Koerner über die wahrscheinliche
  Verheirathung Goethens mit "Mamsell Vulpius", es könnte ihn doch
  verdriessen, "wenn er mit einem solchen Geniestreich aufhörte".--

       *       *       *       *       *

Das häufige Zurückweisen auf Shakespeare bezeichnen wir mit dem Titel
eines im "Morgenblatt für gebildete Stände", 1815, No. 113, am 12. Mai
erschienenen Aufsatzes von ~Goethe~:

      *Shakespeare und kein Ende.--*

       *       *       *       *       *

~Goethes~ zuerst für die Ausgaben von 1815 vereinigte Sammlung
"Sprichwörtlich" liefert uns den Vers:

      *Alles in der Welt lässt sich ertragen,
      Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen;*

was bei ~Luther~ (B. 57, S. 128) "Gute Tage können wir nicht vertragen"
lautet; und das aus dem "Epilog zum Trauerspiel Essex" abgelöste, von
~Goethe~ am 18. Okt. 1813, dem Schlachttage von Leipzig gedichtete:

      *Der Mensch erfährt, er sei auch, wer er mag,
      Ein letztes Glück und einen letzten Tag.--*

Aus dem Abschnitt "Sprüche" (zugleich auch aus dem "Westöstlichen
Divan. Buch der Sprüche") citieren wir das nach Ev. Joh. 9, 4 (s. Kap.
I dieses Buches) gebildete:

      *Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann!
      Die Nacht tritt ein, wo niemand wirken kann.--*

In ~Goethes~ "Sprüchen in Prosa", Abt. 2 heisst es:

"Es giebt

      *problematische Naturen,*

die keiner Lage gewachsen sind, in der sie sich befinden, und denen
keine genug thut".

  Hiernach gab Friedrich Spielhagen einem seiner Romane den Titel
  "Problematische Naturen" (1860). ~Goethe~ schrieb auch in der
  "Geschichte der Farbenlehre" (III. Abt. "Bacon v. Verulam"): "Man
  durchsuche Dictionnaire, Bibliotheken, Nekrologe, und selten wird
  sich finden, dass eine problematische Natur mit Gründlichkeit und
  Billigkeit dargestellt worden ..." und er wandte das Wort noch einmal
  an, als er in Jena am 8. Okt. 1827 zu Eckermann ("Gespräche" III,
  143) vom Kuckuck sagte: "Er ist eine höchst problematische Natur, ein
  offenbares Geheimniss, das aber nichtsdestoweniger schwer zu lösen,
  weil es so offenbar ist".--

       *       *       *       *       *

Aus ~Goethes~ "West-östlichem Divan" (1819) stammt das beliebte
Aufsatzthema:

      *Mach't nicht so viel' Federlesen!
      Setz't auf meinen Leichenstein:
      Dieser ist ein Mensch gewesen
      Und das heisst ein Kämpfer sein.*

Eigentlich aber sagt dort im "Buch des Paradieses" in dem Gedichte
"Einlass" der Dichter zur Huri:

      Nicht so vieles Federlesen!
      Lass mich immer nur herein:
      Denn ich bin ein Mensch gewesen
      Und das heisst ein Kämpfer sein.

(vrgl.: "Ma vie est un combat".) Man hat wohl den Schlussreim des
unter "Epigrammatisch" befindlichen, 1815 erschienenen ~Goethe~schen
Gedichtes "Grabschrift" beim Citieren damit verschmolzen:

      "Auf deinem Grabstein wird man lesen:
      Das ist fürwahr ein Mensch gewesen".

  vrgl. 1. Tim. 6, 12: "Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife
  das ewige Leben ..." und 2. Tim. 4, 7: "Ich habe einen guten Kampf
  gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten".--

~Goethes~ "Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des
West-östlichen Divans" (1819) tragen das Motto:

      "Wer das Dichten will verstehen
      Muss ins Land der Dichtung gehen;
      *Wer den Dichter will verstehen
      Muss in Dichters Lande gehen".*

In den "Noten" selbst sagte Goethe, unter "Eingeschaltetes": "Der
Dichter steht viel zu hoch, als dass er Partei machen sollte"; ein
Ausspruch, der durch ~Freiligraths~ Gedicht "Aus Spanien" (1841) zu dem
geflügelten Wort wurde:

      *Der Dichter steht auf einer höhern Warte
      Als auf den Zinnen der Partei.*

  Hierauf antwortete ~Herwegh~ mit dem Gedichte "Die Partei", dessen
  Schlussverse lauten:

      ~Ich~ hab' gewählt, ich habe mich entschieden,
      Und ~meinen~ Lorbeer flechte die ~Partei~!--

       *       *       *       *       *

Aus dem 2. Buche der ~Goethe~schen "Zahmen Xenien" (1823) wurde üblich:

      *Im Auslegen seid frisch und munter!
      Legt ihr's nicht aus, so legt was unter;*

aus dem 4.:

      *Liegt dir Gestern klar und offen,
      Wirkst du heute kräftig frei,
      Kannst auch auf ein Morgen hoffen,
      Das nicht minder glücklich sei;*

aus dem 5.:

      *Sollen dich die Dohlen nicht umschrei'n,
      Musst nicht Knopf auf dem Kirchturm sein,*

und:

      *Jeder solcher Lumpenhunde
      Wird vom zweiten abgethan;*

aus dem 6. (zuerst in Wendts Musen-Almanach für 1831, S. 42, "Die
vereinigten Staaten"):

      *Amerika, du hast es besser,*

und aus dem 7.:

      *Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis,
      Wenn man ihn wohl zu pflegen weiss.--*

       *       *       *       *       *

Im Jahre 1827 schenkte uns ~Goethe~ das Wort

      *Weltliteratur.*

Zu dieser Zeit entstand sein also betiteltes Gedicht (in
"Epigrammatisch"); in seinen "Sprüchen in Prosa ..." heisst es gegen
Ende der 6. Abteilung: "Jetzt da sich eine Weltliteratur einleitet,
hat, genau besehen, der Deutsche am meisten zu verlieren; er wird wohl
thun, dieser Warnung zu gedenken". Auch findet sich bei Goethe (Cotta
1840. XXXII, 433-8) unter "Ferneres über Weltliteratur" ein Wink, wie
sich der Einzelne dieser Erscheinung gegenüber gedeihlich zu verhalten
habe. Endlich sprach er zu Eckermann 31. Jan. 1827: "Nationalliteratur
will jetzt nicht viel sagen, die Epoche der Weltliteratur ist an der
Zeit, und jeder muss jetzt dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen";
und (15. July 1827): "Es ist sehr artig, dass wir jetzt, bei dem engen
Verkehr zwischen Franzosen, Engländern und Deutschen, in den Fall
kommen, uns einander zu corrigieren. Das ist der grosse Nutzen, der bei
einer Weltliteratur herauskommt und der sich immer mehr zeigen wird".--

       *       *       *       *       *

Aus ~Goethes~ 1831 vollendetem, 1833 bei Cotta in Stuttgart
erschienenen 2. Teil des "Faust" wird citiert:

      1. Akt. Anmutige Gegend.

      _Faust.:_       *Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.--*

      Kaiserliche Pfalz.

      _Kanzler:_      *Natur und Geist--so spricht man nicht zu
                          Christen,*

      _Mephist.:_     *Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn.--*

      Weitläufiger Saal.

      _Gärtnerinnen:_ *Denn das Naturell der Frauen
                      Ist so nah mit Kunst verwandt.--*

      2. Akt. Hochgewölbtes, enges gotisches Zimmer.

      _Baccalaureus:_ *Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist.*

      _Mephist.:_     *Original, fahr' hin in deiner Pracht.
                      Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
                      Das nicht die Vorwelt schon gedacht.*

  (s. des ~Terenz~: "Nullum est iam dictum...)

                      *Wenn sich der Most auch ganz absurd geberdet,
                      Es giebt zuletzt doch noch 'nen Wein.--*

      5. Akt. Grosser Vorhof des Palastes.

      _Faust:_        *Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
                      Der täglich sie erobern muss.
                      Es kann die Spur von meinen Erdetagen
                      Nicht in Aeonen untergehn.--*

      Bergschluchten, Wald, Fels, Einöde.

      _Chorus
          mysticus:_  *Das Unzulängliche
                      Hier wird's Ereignis;*
                      _Das Unbeschreibliche,
                      Hier ist's gethan;_
                      *Das Ewig-Weibliche
                      Zieht uns hinan.--*

       *       *       *       *       *

Der Anfang eines Gedichtes des Johann Heinrich *v. Reitzenstein*:
"Lotte bey Werthers Grabe", Wahlheim 1775, das in demselben Jahre in
Wielands "Teutschem Merkur" und im "Rheinischen Most", No. 7, erschien,
lautet:

      *Ausgelitten hast du--ausgerungen.*

  _Schiller_ mag hierdurch zu den Versen seines "Siegesfestes" angeregt
  worden sein:

      "Ausgestritten, ausgerungen
      Ist der lange schwere Streit."--

       *       *       *       *       *

Friedr. Leop. *Graf zu Stolberg* (1750-1819) hat uns durch das "Lied
eines alten schwäbischen Ritters an seinen Sohn" mit dem Verse
beschenkt:

      *Sohn, da hast du meinen Speer*

Das Lied stand zuerst im "Wandsbecker Bothen", 1774, No. 77 vom 14.
Mai.--

       *       *       *       *       *

Johann Martin *Miller*s (1750-1814)

      *Für mich ist Spiel und Tanz vorbei*

ist der Anfangsvers der 2. (in seinen Gedichten, Ulm 1783,
fortgelassenen) Strophe des zuerst im Göttinger Musen-Almanach auf
1773 gedruckten, dort L. unterzeichneten "Klagelied eines Bauern",
(komponiert von Frh. v. Seckendorff (?) und Chr. Dan. Schubart). Aus
~Millers~ 1776 gedichtetem, zuerst im Vossischen Musen-Almanache für
1777 gedrucktem Liede "Zufriedenheit" (komponiert von Mozart, aber
erfolgreicher von Neefe) sind bekannt der Anfang:

      *Was frag' ich viel nach Geld und Gut,
      Wenn ich zufrieden bin?*

sowie die Endverse der 2. Strophe:

      *Je mehr er hat, je mehr er will,
      Nie schweigen seine Klagen still.*

  vrgl. Seneca "de benef." 2, 27: "Eo maiora cupimus, quo maiora
  venerunt"--"wir begehren um so mehr, je mehr uns zufiel"; Justinus
  6, 1: "... more ingenii humani, quo plura habet, eo ampliora
  cupientis"--"nach Art des Menschengeistes, der je mehr er hat, um so
  mehr begehrt ..."; und Luther B. 57, S. 345: "Je mehr er hat, je mehr
  er haben will"; ähnlich B. 62, S. 144.--

       *       *       *       *       *

      *Im Grab' ist Ruh'*

ist der Anfangs- und Schlussvers eines im Göttinger Musenalmanach für
1792 (S. 16) enthaltenen Gedichtes "Die Ruhe im Grabe", unterzeichnet
"Ung.", während die Komposition "Langhansen" unterzeichnet ist.[28]
Nach dem "Versuch eines Chiffernlexikons" u.s.w. von ~Redlich~ (Hamburg
1875, S. 30) ist *Langhansen* (1750-1816) der Verfasser. (S. "Chr.
Erh. ~Langhansens~ u.s.w. Gedichte, nach dem Tode d. Verf. her. v.
Ulr. v. ~Schlippenbach~", Mitau 1828, S. 28.) ~Heines~ "Buch der
Lieder" ("Junge Leiden" 1817-21. "Bergstimme") verschaffte dem Wort die
weiteste Verbreitung.--

[Fußnote 28: Der eigentliche Komponist war Georg Carl Claudius,
vrgl. "Als der Grossvater die Grossmutter nahm". Ein Liederbuch für
altmodische Leute. 2. Aufl. Lpzg. 1887, hersausg. von Gustav Wustmann,
S. 584.]

       *       *       *       *       *

Aus der von Mozart 1791 komponierten "Zauberflöte" Emanuel
*Schikaneder*s (1751-1812), der einen Plan Ludwig ~Gisekes~,
Schauspielers und Choristen am Schikanederschen Theater (s. ~Jahn~
"Mozart", T. IV, S. 603, Leipz. 1859), benutzte, stammt:

      *Dies Bildnis ist bezaubernd schön.
      Ich kann nichts thun, als dich beklagen,
      Weil ich zu schwach zu helfen bin.*

      *Zur Liebe will* (_nicht: kann_) *ich dich nicht zwingen.*[29]

      *In diesen heil'gen Hallen
      Kennt man die Rache nicht,*

und:

      *Das höchste der Gefühle.--*

[Fußnote 29: ~Wieland~ "Ausgewählte Briefe", Zürich 1815, Bd. 3, S.
176 schreibt 9. Jan. 1774 an Gleim: "Ich begreife nichts von dem, was
Herr H.*** (Heinse) von mir will. Man kann doch wohl niemand zur Liebe
zwingen".--]

       *       *       *       *       *

August Cornelius *Stockmann*s (1751-1821)

      *Wie sie so sanft ruhn*

steht im Leipz. Musen-Almanach auf das Jahr 1780, S. 214 und ist "Der
Gottesacker" betitelt. Friedrich Ludwig ~Beneken~ setzte das Lied in
Musik.--

       *       *       *       *       *

~Johann Heinrich~ *Voss* (1751-1826) ist zu nennen wegen des im
"Vossischen Musenalmanache" von 1782 befindlichen, von Joh. Abraham
Peter ~Schulz~ komponierten Liede

      *Seht den Himmel, wie heiter!*

und wegen des Distichons mit der Unterschrift X. im "Vossischen
Musenalmanache", 1792, S. 71:

      ~Auf mehrere Bücher.~
          Nach Lessing.

      Dein redseliges Buch lehrt mancherlei Neues und Wahres,
      Wäre das Wahre nur neu, wäre das Neue nur wahr!

was in dieser Form citiert wird:

      *Das Neue daran ist nicht gut, und das Gute daran ist nicht neu.*

Die Stelle, nach welcher das Distichon gemacht ist, steht in Lessings
"Briefen, die neueste Litteratur betreffend" (111. Brief, 1760, 12.
Juni) und heisst: "wenn es erlaubt ist, allen Worten einen andern
Verstand zu geben, als sie in der üblichen Sprache der Weltweisen
haben, so kann man leicht etwas Neues vorbringen. Nur muss man mir
auch erlauben, dieses Neue nicht immer für wahr zu halten".--

       *       *       *       *       *

A. G. ~Eberhard~ ("Blicke in Tiedges und Elisas Leben", S. 19) erzählt
von Christoph Aug. *Tiedge* (1752-1841):

  "~Einmal~ vorzüglich musste ich seine andauernde Geduld bei meinen
  wiederholten Kritteleien ganz vorzüglich bewundern. Als ich nämlich
  im Manuskript der Urania auf eine Stelle stiess, die einen sehr
  ansprechenden Gedanken enthielt, äusserte ich gegen ihn, dass er
  daraus ein wahres Kleinod für die Stammbuchsentenzen-Schreiberinnen
  bereiten könnte, wenn er sich die Mühe gäbe, sie möglichst gedrängt
  und glatt in der äusseren Form und hierdurch recht mund- und
  gedächtnisgerecht zu machen. Er machte sich sogleich an diese
  Arbeit, aber immer hatte ich noch bald diese, bald jene Ausstellung
  zu machen, bis der Hauptgedanke möglichst zusammengedrängt war, die
  darin befindlichen Gegenstände symmetrisch gegenübergestellt und die
  Verse, zwei und drei, gleich lang waren. Durch den eingeworfenen
  Scherz, dass es schon einiger Mühe wert sei, eine klassische
  Stammbuchsentenz für Mit- und Nachwelt zurecht zu machen, entstand
  endlich die Stelle:

      Sei hochbeseligt oder leide:
      Das Herz bedarf ein zweites Herz.
      *Geteilte Freud' ist doppelt Freude,
      Geteilter Schmerz ist halber Schmerz.*

  Zwar hätte ich wohl gegen "doppelt" statt "doppelte" noch eine
  Einwendung zu machen gehabt; allein ich unterliess es, um ihn nicht
  aus seiner guten Laune zu bringen und ungeduldig zu machen. Meine
  Prophezeihung ist auch so in Erfüllung gegangen: jene Stelle hat
  in dem Munde unzähliger Leser fortgelebt und ist in eine Menge von
  Stammbüchern eingeschrieben und eingekritzelt worden".

Die Verse 221-224 des vierten Gesangs der "Urania" (1801) sind die
citierten. ~Rückert~ hat darüber eine Glosse gedichtet (Ges. poet.
Werke in 12 Bänden, 7, 326).

  v. ~Treitschke~ ("Historische und politische Aufsätze", 4. Aufl.
  Leipz. 1871, 1. Bd.) sagt in dem Aufsatz "Lessing", (Leipz. 1863) S.
  70: "Das widrige Sprichwort, das in jenen weichlichen Tagen von Mund
  zu Munde ging, das Wort "geteilter Schmerz ist halber Schmerz" hatte
  der Jüngling (Lessing) schon mit der stolzen Gegenrede abgewiesen:

    "Was nutzt mir's, dass ein Freund mit mir gefällig weine?
    Nichts, als dass ich in ihm mir zwiefach elend scheine."

So wäre das Tiedgesche Wort ein älteres Sprichwort? Es fehlt dafür
jeder Beweis. Der Gedanke freilich ist nicht neu, denn schon ~Cicero~,
Laelius, cap. 6, § 22, sagt: "et secundas res splendidiores facit
amicitia et adversas partiens communicansque leviores" (anteilnehmende
Freundschaft macht das Glück strahlender und erleichtert das Unglück)
und ~Seneca~, Epistolae, 6: "Nullius boni sine socio iucunda possessio
est" (ohne Genossen ist kein Glücksbesitz erfreulich).--

       *       *       *       *       *

Christoph *Kaufmann* (1753-1795), der herrnhutische Arzt und Apostel
der Geniezeit, schlug ~Klinger~, der ihm 1776 in Gotha sein Drama
"Wirrwarr" vorlas, dafür den Titel

      "*Sturm und Drang*"

vor und gab damit der ganzen Litteraturperiode vom Anfange der 70er
bis in die Mitte der 80er Jahre ihren dauernden Namen. Klinger schrieb
darüber an ~Goethe~ (s. "Verhandlungen der 8. Versamml. deutsch.
Philologen und Schulmänner in Darmstadt" S. 48, Darmst. 1846): dass ihm
~Kaufmann~ "den Titel Sturm und Drang aufdrang, an dem später mancher
Halbkopf sich ergötzte".

  (vrgl. "Chr. Kaufmann" von H. Düntzer, Leipzig 1882, S. 69 und
  Riegers "Klinger", Darmst. 1880, S. 163).--

       *       *       *       *       *

Der Anfangsvers eines Liedes von Chr. Ad. *Overbeck* (1755-1851), das
zuerst im Vossischen Musenalmanach (v. J. 1776, S. 49) steht und von
Mozart componiert wurde, wird abgerissen citiert:

      *Komm, lieber Mai, und mache (!)*

als bedeute dies "mache" soviel wie "eile dich!", während der Dichter
fortfährt:

      "die Bäume wieder grün!"--

Ferner beginnt, auch in "Frizchens Liedern" (Hamburg 1781, S. 72), ein
von F. F. Hurka komponiertes Lied ~Overbecks~:

      *Das waren mir selige Tage.--*

       *       *       *       *       *

Aus Aloys *Blumauer*s (1755-1798) "Virgils Aeneis travestirt", (Wien
1784-1788), Bd. 2, Strophe 54 stammen die Worte des seine Gemahlin
vermissenden Aeneas:

      *Kreusa!--Schatzkind!--Rabenvieh,
      Wo hat dich denn der Teufel?*

Im Text steht aber der letztere Vers vor dem ersteren.--

       *       *       *       *       *

Balthasar Gerhard *Schumacher* (geb. 1755) brachte in der "Haude und
Spenerschen Zeitung" am 17. Dezember 1793 unter dem Titel "Berliner
Volksgesang" ein Lied mit den Anfangsworten:

      *Heil dir im Siegeskranz,*

welches nichts ist, als eine Umarbeitung des "Liedes für den dänischen
Unterthan an seines Königs Geburtstag zu singen in der Melodie des
englischen Volksliedes: God save the King". Heinrich ~Harries~
dichtete es und veröffentlichte es am 27. Januar 1790 im "Flensburger
Wochenblatt". Es beginnt also:

      "Heil Dir dem liebenden
      Herrscher des Vaterlands!
      Heil, ~Christian~, Dir!"

Nach Hoffmann von Fallersleben ("Unsere volksthümlichen Lieder"
2. Aufl. Lpzg. 1859. S. 66) schuf der Hoforganist John ~Bull~ die
englische Hymne zur Zeit der Errettung König Jakobs I. vom Tode durch
die Pulververschwörung im November 1605; während nach Friedrich
Chrysander ("Jahrbuch für musikalische Wissenschaften", Lpzg. 1863,
B. I. S. 380ff.) Henry ~Carey~ die Hymne, wie Händel sein "Dettinger
Te Deum", zur Feier von König Georgs II. Sieg bei Dettingen über die
Franzosen im Frühling 1743 dichtete und mit Joh. Christoph ~Schmidts~
Hülfe komponierte. Doch ist Chrysanders Begründung minder stichhaltig,
als sie heute Manchem erscheint.--

       *       *       *       *       *

Aus Aug. Friedr. Ernst *Langbein*s (1757--1835) 1803 verfasstem
Gedichte "Die Wehklage", ("Neuere Gedichte", Tübingen 1812) Strophe 1
stammt:

      *Schon sieben--und Georg nicht hier!*

und aus der 14. Strophe des in den "Gedichten" (1788) erschienenen
"Abenteuers des Pfarrers Schmolke und Schulmeisters Bakel":

      *Sperr' oculos!*

      (Sperre die Augen auf!).

Sein ebenda erschienenes Gedicht "Die neue Eva" endigt:

      Tadeln können zwar die Thoren,
      Aber klüger handeln nicht,

woraus der Volksmund gemacht hat:

      *Tadeln können zwar die Thoren,
      Aber besser machen nicht!--*

Der Anfang des 1810 verfassten ~Langbein~schen Gedichtes "Der Zecher"
lautet:

      *Ich und mein Fläschchen sind immer beisammen.--*

Altväterische, verschwundene Zeiten bezeichnen wir mit der Anfangszeile
eines (1813 in Beckers "Taschenbuch zum geselligen Vergnügen"
erschienenen) ~Langbein~schen Liedes:

      *Als der Grossvater die Grossmutter nahm.*

Dies Wort erkor Gustav Wustmann zum Titel seiner vortrefflichen
Sammlung der wackeren Gesänge unserer Gross- und Urgrosseltern, die nur
noch leise aus der Kinderzeit in uns nachklangen. (3. Aufl. Leipzig
1895. Fr. Wilh. Grunow.)--

      *Das verschweigt des Sängers Höflichkeit*

ist der Kehrreim eines in Berlin (bei S. F. Lischke, jetzt Karl Paez)
erschienenen Liedes, welches beginnt:

      Als der liebe Gott die Welt erschaffen,
      Schuf er Fische, Vögel, Löwen, Affen,

und dessen Verfasser unbekannt ist. Jedoch eine 1804 gedichtete
Erzählung ~Langbeins~ "Die Weissagung" (Langbeins neuere Gedichte,
Tübingen 1812, S. 237) hebt an:

      In einem Städtlein, dessen Namen
      Des Dichters Höflichkeit verschweigt,

und in "Allerhand für Stadt und Land", Jahrg. 1808, 8. Stück, Zittau,
herausg. v. G. B. ~Flaschner~, steht S. 117 ein Lied: "Des Dichters
Höflichkeit", dessen Strophen mit dem Kehrreime "Das verschweigt des
Sängers Höflichkeit" schliessen.--

       *       *       *       *       *

      *Namen nennen dich nicht*

ist der Anfang eines im Göttinger Musen-Almanach von 1786, S. 127
erschienenen Liedes Wilhelm *Ueltzen*s (1758-1808). Ludwig ~Berger~
(1812) komponierte es und Goethe legte dann 1813 dieser Komposition
sein Lied "Alles kündet dich an" unter, das den Titel "Gegenwart" trägt.

  Später schuf ~Georg Neumann~ (im "Rheinischen Odeon" Jahrg. 1.
  Koblenz 1836) das Lied dadurch um, dass er den 5 Strophen desselben 5
  neue Strophen vorstellte. Er hatte die Verwegenheit, diese Umwandlung
  als ein von ihm verfasstes Gedicht zu bezeichnen und es in die
  "Gedichte von Karl Georg Neumann, Königl. Preuss. Regierungs- und
  Medicinalrate a. D." S. 80, Aachen 1841, aufzunehmen. Hier führt es
  den Titel: "An Charlotte, 1792".--

       *       *       *       *       *

In *Schiller*s (1759-1805) "Räubern" (1781), 2, 3 lesen wir Karl Moors
Worte:

      *Ich kenne dich, Spiegelberg,*

oft umgestellt in:

      *Spiegelberg, ich kenne dich,*

      (_aber ich will nächstens unter euch treten und_)

      *fürchterlich Musterung halten;*


und am Ende des zweiten Aktes:

      *Ich fühle eine Armee in meiner Faust.*

Im 4. Akte schliesst in der 5. Scene Moors Gesang von Brutus und Cäsar

      *Geh' du linkwärts, lass mich rechtwärts geh'n,*

was an 1. Mos. 13, 9 erinnert: "Willst du zur Linken, so will ich zur
Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken". Weiterhin
ruft der alte Moor:

      *Bist du's, Hermann, mein Rabe?*

der Raben gedenkend, die nach 1. Könige 17, 4 und 6 dem Elias Nahrung
zuführten.

5, 1 enthält Franz Moors Worte:

      *Hab' mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben!*

und die letzten Worte des Schauspiels:

      *Dem Mann kann geholfen werden,*

sind eine ganz triviale Redensart geworden.--

      *Konfiszierter Kerl*

ist wahrscheinlich auch auf Schiller zurückzuführen. Karl Hoffmeister
("Schillers Leben für den weiteren Kreis seiner Leser", T. 1, Kap. 4)
erzählt über diese Redensart folgendes:

  "Als Schiller einst den Freunden die Worte vortrug, die Franz Moor im
  Anfange des fünften Aktes zu Moser spricht: 'Ha! was, du kennst keine
  drüber (über den Vatermord)? Besinne dich nochmals--Tod, Himmel,
  Ewigkeit, Verdammnis schwebt auf dem Laute deines Mundes! keine
  einzige drüber?' da Öffnete sich die Thür, und der hereintretende
  Aufseher sah Schillern halb in Verzweiflung die Stube auf- und
  abrennen. 'Ei, so schäme man sich doch', sagte er, 'wer wird denn
  so entrüstet sein und fluchen!' Als er den Rücken gekehrt, rief
  ihm Schiller, zu den lachenden Gesellen gewandt, das Wort aus den
  "Räubern" nach: '~Ein konfiszierter Kerl~!'" Jedoch dieser Ausdruck
  findet sich nirgends in den "Räubern", sondern in "Kabale und Liebe",
  1, 2, wo Musikus Miller von Sekretär Wurm sagt: "~Ein konfiszierter~
  widriger ~Kerl~, als hätte ihn irgend ein Schleichhändler in die
  Welt meines Herrgotts hineingeschachert". Im Personenverzeichnis
  zu "Fiesco" wird Muley Hassan, Mohr von Tunis, als "konfiszierter
  Mohrenkopf" bezeichnet.

      *Und darum Räuber und Mörder*

steht nicht in der ersten Ausgabe der "Räuber" (Frankfurt u. Leipz.
1781), sondern in der noch heute allen Bühnen-Aufführungen zu Grunde
liegenden Umarbeitung, welche ~Schiller~ mit seinem Stücke für das
Mannheimer Theater auf Andrängen des Intendanten Dalberg vornahm, im 4.
Akt, Sc. 17 (Neue für die Mannheimer Bühne verbesserte Aufl. Mannheim
1782).--

       *       *       *       *       *

Aus ~Schillers~ Gedichte "Kastraten und Männer" (in der "Anthologie auf
das Jahr 1782. Gedruckt in der Buchdruckerei zu Tobolsko", S. 125) in
seiner späteren Umbildung "Männerwürde" genannt, stammt:

      *Zum Teufel ist der Spiritus,
      Das Phlegma ist geblieben.*

Das Bild ist vom Destillationsprozesse hergenommen, bei dem nach
Herstellung des Spiritus eine wässerige, fade schmeckende Flüssigkeit
zurückbleibt, welche früher "Phlegma" hiess. In derselben "Anthologie"
bietet in dem Gedichte: "In einer Bataille. Von einem Offizier", S. 49
(später "Die Schlacht" genannt):

      *Das wilde eiserne Würfelspiel*

eine viel citierte Umschreibung für Kampf und Krieg.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Schillers~ ebenda abgedrucktem Gedichte "An Minna", S. 190, wird
citiert:

      *Meine Minna geht vorüber?
      Meine Minna kennt mich nicht?--*

       *       *       *       *       *

~Schillers~ "Verschwörung des Fiesco" (1783) bietet 1, 5 Gianettino
Dorias Fluch:

      *Donner und Doria!,*

und aus 3, 4 pflegt man zu citieren:

      *Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan; der Mohr kann gehen,*

während es an Ort und Stelle "Arbeit", nicht "Schuldigkeit" heisst.

3, 5 steht Fiescos Drohung:

      (Fahre wohl, Doria, schöner Stern.)
      *Auch Patroklus ist gestorben,
      Und war mehr als du;*

ein Citat aus ~Homers~ "Iliade" 21, 106 und 107, wo Achill dem um sein
Leben flehenden Lykaon zuruft:

      *Ἀλλά, φίλος, θάνε καὶ σύ. τίη ὀλοφύρεαι οὕτως;
      Κάτθανε καὶ Πάτροκλος, ὅπερ σέο πολλὸν ἀμείνων.*

      Stirb denn auch du, lieber Freund! Warum wehklagest Du also?
      Starb ja doch auch Patroklos, der sehr viel besser als du war.--

      *Verderben, gehe deinen Gang!*

heisst es im "Fiesco" am Ende von 5, 1.

  Man erinnert sich dabei an Shakespeares "Julius Caesar" 3, 2:

              "Mischief, thou art afoot,
      Take thou what course thou wilt!"
              "Unheil, du bist im Zuge,
      Nimm, welchen Lauf du willst!"

Im "Fiesco" 5, 4 steht:

      *Deutsche Hiebe;*

5, 16 spricht Fiesco: "Was zerrst du mich so am Mantel?--er fällt!"
Verrina (mit fürchterlichem Hohne): "Nun, wenn der Purpur fällt, muss
auch der Herzog nach!" (Er stürzt ihn ins Meer.) Dies wird also citiert:

      *Wenn der Mantel fällt, muss der Herzog nach.--*

       *       *       *       *       *

Aus "Kabale und Liebe" (1784) 2, 2 ist:

      *Legt's zu dem Übrigen,*

was ~Schiller~ später auch in "Maria Stuart" 1, 1 gebraucht. Ferner
finden wir in "Kabale und Liebe":

5, 3:

      *Unglückseliges Flötenspiel!*

5, 7:

      *Die Limonade ist matt, wie deine Seele.--*

       *       *       *       *       *

~Schillers~ Gedicht "An die Freude" ("Thalia", I. Bd. 1787, 2. Heft, S.
1-5) enthält:

      *Freude, schöner Götterfunken;
      Seid umschlungen, Millionen!*

und:

      *Wem der grosse Wurf gelungen.*

Das Wort dieses Gedichtes:

      *Wer ein holdes Weib errungen,
      Mische seinen Jubel ein!*

hat am Schlusse von Beethovens Oper "Fidelio" und im Finale seiner
neunten Symphonie die musikalische Weihe gefunden; jedoch lautet es da:

      Wer ein solches Weib errungen,
      Stimm' in unsern Jubel ein!

  (nach der auf ~Beethovens~ Wunsch durch F. ~Treitschke~ umgearbeiteten
  ~Sonnleitner~schen Übersetzung des Operettentextes ~Bouillys~:
  "Léonore ou l'amour conjugal").--

Weitere Citate aus dem Gedicht "An die Freude" sind:

      *Unser Schuldbuch sei vernichtet!*

und

      *Männerstolz vor Königsthronen!
      Dem Verdienste seine Kronen.--*

       *       *       *       *       *

Der Anfang des Schillerschen Gedichtes "Resignation" ("Thalia", I. Bd.
2. Heft) lautet:

      *Auch ich war in Arkadien geboren.*

(Siehe "Et ego in Arcadia".) Aus demselben Gedichte gebrauchen wir die
beiden Strophenanfänge:

      *Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder*

und:

      *Mit gleicher Liebe lieb' ich meine Kinder,*

sowie die beiden Strophenschlüsse:

      *Die Weltgeschichte ist das Weltgericht*

und:

      *Was man von der Minute ausgeschlagen,
      Giebt keine Ewigkeit zurück.--*

       *       *       *       *       *

In ~Schillers~ "Don Carlos" (1787) 1, 1 stehen die Worte, mit denen Don
Carlos in der "Rheinischen Thalia" von 1785 jedoch nicht begann:

      *Die schönen Tage in Aranjuez
      Sind nun zu Ende.*

Aus derselben Scene citieren wir:

                      *Brechen Sie
      Dies rätselhafte Schweigen;[30]

                           O wer weiss,
      Was in der Zeiten Hintergrunde schlummert;*[31]

und:

      *Wo alles liebt, kann Karl allein nicht hassen.*

[Fußnote 30: In der "Rheinischen Thalia" von 1785: "Nur brechen Sie
dies grauenvolle Schweigen".]

[Fußnote 31: Ebenda in 2, 3.]

Sc. 2:

      *Wer kommt?--Was seh' ich?--O, ihr guten Geister!
      Mein Roderich![32]

      Du sprichst von Zeiten, die vergangen sind;--

                                    O der Einfall
      War kindisch, aber göttlich schön;[33]

      Sprich mir von allen Schrecken des Gewissens,
      Von meinem Vater sprich mir nicht.*

[Fußnote 32: Ebenda. "Was seh' ich?--O, ihr guten Geister! Mein
Rodrigo".]

[Fußnote 33: Ebenda.]

Beim Citieren wird statt "meinem Vater" je nach Umständen der
Gegenstand des Entsetzens eingeschaltet.

Sc. 4 enthält:

      *Grosse Seelen dulden still;*

Sc. 5:

      *Ein Augenblick, gelebt im Paradiese,
      Wird nicht zu teuer mit dem Tod gebüsst;*[34]

[Fußnote 34: Ebenda.]

Sc. 6:

                             (_Deswegen
      Vergönn' ich Ihnen zehen Jahre Zeit_)
      *Fern von Madrid* (_darüber nachzudenken_),[35]

und was ~Schiller~ bereits vorfand:

      *Die Sonne geht in meinem Staat nicht unter.*[36]

[Fußnote 35: Ebenda.]

[Fußnote 36: Ebenda. "Die Sonne geht in meinem Reich nicht unter".]

  Der Gedanke findet sich schon im Keime bei ~Herodot~ (7, 8), wo
  ~Xerxes~ († 465 v. Chr.) zu seinem Kriegsrate von dem Feldzugsplane
  gegen die Athener spricht: "Wenn wir uns Die und deren Nachbarn aus
  dem Reiche des Phrygiers Pelops unterwerfen, so thun wir dar, dass
  Persien dann an den Aether des Zeus grenzt. Denn ~dann~ "χώρην
  γε οὐδεμίαν κατόψεται ἥλιος ὁμουρέουσαν τῇ ἡμετέρῃ" ~wird
  die Sonne auf kein Land mehr herabblicken, das an das unsrige
  grenzt~; vielmehr werde ich, ganz Europa mit euch durchstreifend,
  alle Länder zu einem Lande vereinigen". Die erste Aldiner Ausgabe des
  Herodot wurde 1502 in Venedig gedruckt. 1585 wurde zu Turin bei der
  Vermählung des Herzogs von Savoyen mit Katharina von Österreich ein
  Schäferdrama "Il pastor fido" von ~Guarini~ aufgeführt, in dessen
  Prolog es heisst:

                  Altera figlia
      Di qel Monarca, a cui
      Nè anco, quando annotta, il Sol tramonta.

      Hehre Tochter jenes Monarchen, dem die Sonne auch dann
      nicht untergeht, wenn es nachtet.

  Balthasar ~Schupp~ sagt in der "Abgenötigten Ehrenrettung" (1660),
  S. 665: "Der König in Spanien ist ein grosser Potentat; er hat einen
  Fuss stehen im Orient, den anderen im Occident, und die Sonne gehet
  nimmer unter, dass sie nicht in etlichen seiner Länder scheine".
  Nach ~Edmund Dorer~ "An Calderon zum 25. Mai 1881" ("Die Gegenwart",
  4. Juni 1881, S. 361) hat es ein König von Spanien zuerst gesagt.
  Welcher? wann? wo?--

In ~Schillers~ "Don Carlos" 1, 6 findet man ferner die Worte:

      *Hier ist die Stelle, wo ich sterblich bin;*[37]

und:

      *Wenn ich einmal zu fürchten angefangen,
      Hab' ich zu fürchten aufgehört.*[38]

  (Ob Schiller hier an ~Shakespeares~ "Othello", 3, 3 gedacht hat:

      to be once in doubt
      Is once to be resolved,
      Einmal zweifeln macht mit Eins entschlossen?)--

Die Worte derselben Scene:

                                           *Der Knabe
      Don Karl fängt an, mir fürchterlich zu werden*[39]

soll ~Ludwig Devrient~ einst in der Weinstube von Lutter und Wegener in
Berlin, Charlottenstrasse No. 49, dem Kellner Karl zugerufen haben, als
dieser ihm die stark aufgelaufene Rechnung reichte.--

[Fußnote 37: In der "Rheinischen Thalia" von 1785.]

[Fußnote 38: Ebenda.]

[Fußnote 39: Ebenda "Dieser Knabe Don Karl u.s.w."]

Im "Don Carlos" 1, 9 steht:

      *In des Worts verwegenster Bedeutung,*

und:

      *Arm in Arm mit dir,
      So fordr' ich mein Jahrhundert in die Schranken.*

2, 1 bietet:

*In seines Nichts durchbohrendem Gefühle,*[40]

was Alba in Sc. 5 in der Form: "In meines Nichts durchbohrendem
Gefühle" wiederholt.

[Fußnote 40: In der "Rheinischen Thalia" von 1785.]

Ebenda 2, 2 steht:

                          *Wer ist das?
      Durch welchen Missverstand hat dieser Fremdling
      Zu Menschen sich verirrt?*[41]

                      *Dreiundzwanzig Jahre!
      Und nichts für die Unsterblichkeit gethan;*[42]

[Fußnote 41: Ebenda.]

[Fußnote 42: Ebenda heisst es: "Dreiundzwanzig Jahre und König Philipps
Sohn, und nichts gebaut und nichts zertrümmert unter diesem Monde".]

2, 8:

      (_Poesie!--Nichts weiter._--) *Mein Gehirn
      Treibt* (_öfters_) *wunderbare Blasen auf,*
      (_Die schnell, wie sie entstanden sind, zerspringen._)

      *Die Liebe ist der Liebe Preis,*[43]

      *Beim wunderbaren Gott--das Weib ist schön;*

[Fußnote 43: Ebenda.]

2, 15:

      *Unrecht leiden schmeichelt grossen Seelen.*[44]

[Fußnote 44: Ebenda.]

3, 10:

               *Stolz will ich
      Den Spanier;*

      (_Ich mag es gerne leiden,_) *wenn auch der Becher überschäumt,
      Wenn solche Köpfe feiern,* (_welch ein Verlust für meinen Staat_):

      *Ich kann nicht Fürstendiener sein,*

      *Die Ruhe eines Kirchhofs.*

                               *Geben Sie
      Gedankenfreiheit!*

was gern erweitert wird zu:

      *Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!*

      *Sonderbarer Schwärmer,*

                                *Anders,
      Begreif' ich wohl, als sonst in Menschenköpfen
      Malt sich in diesem Kopf die Welt.*

4, 21:

                            (_Königin!_)
      *O Gott, das Leben ist doch schön!*

was auch also angeführt wird:

      *O Königin, das Leben ist doch schön!*

und in der letzten Scene des letzten Aktes:

      *So sehen wir uns wieder,*

was auch in der "Braut von Messina" vorkommt, als Isabella ihre Tochter
wiedersieht. Die vom König gesprochenen Schlussworte des "Don Carlos"
lauten:

                  *Kardinal, ich habe
      Das Meinige gethan. Thun Sie das Ihre.--*

       *       *       *       *       *

Aus der in ~Schillers~ Monatsschrift "Die Horen" (Tübingen, Cotta,
1795; IV. Bd., 10. Heft, S. 72) enthaltenen "Elegie", welche später den
Titel "Der Spaziergang" erhielt, wird der Anfang citiert:

      *Sei mir gegrüsst, mein Berg, mit dem rötlich strahlenden Gipfel!*

und aus dem 134. Verse:

      *Der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht;*

sowie der Schlussvers:

      *Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Schillers~ (ebenda, IV. Bd., 11. Heft, S. 17 anonym erschienenen)
"Teilung der Erde" stammt:

      *Was thun? spricht Zeus,*

und:

      *Willst du in meinem Himmel mit mir leben,
      So oft du kommst, er soll dir offen sein.--*

       *       *       *       *       *

In dem Gedichte "Die Ideale" (S. 135 des Schillerschen Musen-Almanachs
für das Jahr 1796, Neustrelitz) redet der Dichter die fliehende Zeit
also an:

      *So willst du treulos von mir scheiden?--*

       *       *       *       *       *

Aus dem Gedichte "Würde der Frauen", ebenda S. 186, ist:

      *Ehret die Frauen! sie flechten und weben
      Himmlische Rosen ins irdische Leben.*

was oft geschmacklos travestiert wird.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Schillers~ "Xenien" (Musen-Almanach für das Jahr 1797) gehören
folgende Citate hierher:

das Distichon "Wissenschaft":

      *Einem ist sie die hohe, die himmlische Göttin, dem Andern
      Eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt,*

aus dem Distichon "Kant und seine Ausleger":

      *Wenn die Könige bau'n, haben die Kärrner zu thun.*

"Sonntagskinder" (aus Vereinigung zweier Distichen entstanden,
deren erstes "Geschwindschreiber" betitelt war), die heute schon
lehren wollen, was sie gestern gelernt, werden in dem gleichnamigen
Doppeldistichon mit:

      *Ach, was haben die Herrn doch für ein kurzes Gedärm!*

abgefunden.--

              *Das grosse gigantische Schicksal,
      Welches den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt,*

steht im 35. und 36. Verse der ~Schiller~schen Parodie "Shakespeares
Schatten". -- Aus den auf die "Xenien" ebenda folgenden "Tabulae
votivae" (Votivtafeln) ~Schillers~ wird citiert:

      Pflicht für jeden.

      *Immer strebe zum Ganzen! und, kannst du selber kein Ganzes
      Werden, als dienendes Glied schliess' an ein Ganzes dich an!*

      Der Schlüssel.

      *Willst du dich selber erkennen, so sieh', wie die Andern es
          treiben;
      Willst du die Andern versteh'n, blick' in dein eigenes Herz,*

und aus dem Distichon

      Wahl.

      (_Kannst du nicht Allen gefallen durch deine That und dein
          Kunstwerk,
      Mach' es Wenigen recht;_) *Vielen gefallen ist schlimm.--*

Endlich bietet uns ("Mus.-Alm." 1797) ~Schillers~ Gedicht

      "*Das Mädchen aus der Fremde*"

die Verse:

      *Doch eine Würde, eine Höhe
      Entfernte die Vertraulichkeit,*

und seine "Nadowessische Todtenklage" (ebenda) das schalkhaft auf
Lebende angewandte:

      *Mit dem Anstand, den er hatte ...*

und seine Ballade "Ritter Toggenburg" (ebenda) den Vers:

      *Und so sass er, eine Leiche ...--*

Aus ~Schillers~ "Hoffnung" (10. Stück der Horen von 1797, S. 107) sind
die Endverse bekannt:

      *Und was die inn're Stimme spricht,
      Das täuscht die hoffende Seele nicht.--*

       *       *       *       *       *

Der Musen-Almanach für 1798 enthält eine Reihe ~Schiller~scher
Balladen. Aus dem "Ring des Polykrates" (S. 24) wird citiert Strophe 9:

      *Des Lebens ungemischte Freude
      Ward keinem Irdischen zu Teil,*

und Strophe 11:

      *Noch Keinen sah ich fröhlich enden,
      Auf den mit immer vollen Händen
      Die Götter ihre Gaben streun;*

endlich Strophe 16:

      *Hier wendet sich der Gast mit Grausen.--*

aus dem "Handschuh" (S. 41) stammt:

      *Die Damen in schönem Kranz*

und:

      *Den Dank, Dame, begehr' ich nicht.--*

Aus ~Schillers~ "Taucher" (S. 119) wird citiert:

      *Wer wagt es, Rittersmann oder Knapp,
      Zu tauchen in diesen Schlund?

      Da unten aber ist's fürchterlich,
      Und der Mensch versuche die Götter nicht;

      Unter Larven die einzig fühlende Brust;

      Lasst, Vater, genug sein das grausame Spiel,*

gewöhnlich citiert in der Form:

      *Lass, Vater, genug sein des grausamen Spiels.--*

Ebenda stehen (S. 221) "Die Worte des Glaubens", worin im Anfange der
zweiten Strophe:

      *Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
      Und würd' er in Ketten geboren,*

und am Schlusse der dritten, mit Benutzung des 1. Kor. 1, 19
vorkommenden "Verstands der Verständigen":

      (_Und_) *was kein Verstand der Verständigen sieht,
      Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt.--

Aus der Ballade "Die Kraniche des Ibykus" (ebenda S. 267) wird citiert:

      *Wer zählt die Völker, nennt die Namen?

      Es steigt* (_nicht: es ragt_) *das Riesenmass der Leiber
      Hoch über Menschliches hinaus.*

und

      *Sieh' da, sieh' da, Timotheus,
      Die Kraniche des Ibykus!--*

Aus dem "Gang nach dem Eisenhammer" (ebenda S. 306):

Str. 7:

      *Red'st du von Einem, der da lebet?*

Str. 14:

      *Dess freut sich das entmenschte Paar.*

Str. 25 u. 28:

      *Der ist besorgt und aufgehoben.*

Str. 28:

      *Herr, dunkel war der Rede Sinn.*

Str. 30:

      *Dies Kind, kein Engel ist so rein.--*

       *       *       *       *       *

In seinem im Okt. 1798 bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar
gesprochenen "Prolog" zu "Wallensteins Lager" schuf ~Schiller~ die
Worte:

      *Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze,*
      (_Denn_) *wer den Besten seiner Zeit genug
      Gethan, der hat gelebt für alle Zeiten.*

  (s. unten Horaz: "principibus placuisse ..." u.s.w.)

      *Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
      Es wächst der Mensch mit seinen grössern Zwecken.*

  (vrgl. ~Seneca~: "Natur. quaest." III, praef.: "Crescit animus,
  quoties coepti magnitudinem attendit".)

      *Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt,
      Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;

      Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.--*

In "Wallensteins Lager" (1798), 5. Auftritt, ruft der erste Jäger, als
die Marketenderin kommt:

                             *Was? der Blitz!
      Das ist ja die Gustel aus Blasewitz.*

Im 6. Auftritt wirft der Wachtmeister einem Jäger vor, dass ihm

      *der feine Griff und der rechte Ton*

fehle, den man nur in des Feldherrn Nähe lernen könne. Der Jäger
erwidert darauf:

      *Wie er räuspert und wie er spuckt,
      Das habt ihr ihm glücklich abgeguckt.*

was aus ~Molières~ "Femmes savantes" 1, 1 entlehnt ist, wo Armande sagt:

      Wer sich nach andern bilden will und achten.
      Hat ihren guten Sitten nachzutrachten.
      Das heisst gewiss sein Vorbild nicht erreichen,
      Im Räuspern nur und Spucken (tousser et cracher) ihm zu gleichen.

  ~Moland~ sagt in seiner Molière-Ausgabe, VII, Paris 1864: "Molière
  bringt hier nur eine sprichwörtliche Redensart, die zu seiner Zeit
  gebräuchlich war, in Verse", und führt zum Beleg "Francien" von
  ~Sorel~, Buch XI an: "ce n'est pas imiter un homme que peter et
  tousser comme lui".

Der Anfang der Kapuzinerpredigt[45] in "Wallensteins Lager" lautet:

      *Heisa, juchheia! Dudeldumdei!
      Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!*

[Fußnote 45: Manche meinen, das Wort "Kapuzinade" sei nach dieser
Schwankpredigt gebildet, aber es ist älter als Schillers "Wallensteins
Lager", und wer es zuerst brauchte, ist noch unentschieden.]

Es treten im Lager zwei Arquebusiere auf, philisterhafte Gesellen, die
sich zweimalige Kritiken zuziehen, im 10. Auftritt:

      (_Lass sie gehen, sind_) *Tiefenbacher,
      Gevatter Schneider und Handschuhmacher,*

und im 11. Auftritt:

      (_Schad' um die Leut; sind sonst wackre Brüder_)
      *Aber das denkt wie ein Seifensieder.*

Aus dem Schlussworte des letzten von Körner, Zahn, Zelter und Zumsteeg
komponierten Chorgesanges in "Wallensteins Lager" wird citiert:

      *Und setzet ihr nicht das Leben ein,
      Nie wird euch das Leben gewonnen sein.--*

       *       *       *       *       *

Dem Musen-Almanach für das Jahr 1799 entnehmen wir folgende Citate: aus
~Schillers~ Ballade "Der Kampf mit dem Drachen" (S. 151):

      *Was rennt das Volk, was wälzt sich dort
      Die langen Gassen brausend fort?

      Mut zeiget auch der Mameluck,
      Gehorsam ist des Christen Schmuck;*

aus seiner "Bürgschaft" (S. 176);

      *Möros, den Dolch im Gewande;

      Das sollst du am Kreuze bereuen;

      Zurück! du rettest den Freund nicht mehr;*

      (_Der fühlt_) *ein menschliches Rühren;*

      (_Und_) *die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn.*

Endlich wird aus der "Bürgschaft" citiert:

      *Ich sei, gewährt mir die Bitte,
      In eurem Bunde der dritte,*

was kein ursprünglicher Einfall Schillers war, sondern vielmehr einer
der Fundstellen dieser Ballade entlehnt ist. (S. Register: Dionys der
Jüngere.)--

Aus "Des Mädchens Klage" (ebenda, S. 208) und dann, um zwei Strophen
verkürzt, als Theklas Lied ("Piccolomini" 3, 7) wird citiert:

      *Ich habe genossen das irdische Glück;
      Ich habe gelebt und geliebet.--*

Die Schlussverse der letzten Strophe des Gedichts vom Jahre 1799: "An
Goethe, als er den 'Mahomed' von Voltaire auf die Bühne brachte":

      *Der Schein soll nie die Wirklichkeit erreichen,
      Und siegt Natur, so muss die Kunst entweichen*

erfuhren nach ~Schillers~ Tode eine bizarre Umgestaltung.

  Es giebt nämlich eine alte, gewöhnlich in die Zeit Karls V. von
  Frankreich verlegte, aber bereits in einem viel älteren französischen
  Roman enthaltene Sage, nach welcher ein französischer Ritter,
  Aubry, von einem seiner Waffengefährten, Robert Macaire, dessen
  Name in Frankreich eine typische Bezeichnung für einen Hallunken
  geworden ist, meuchlings erschlagen, und die Ermordung Aubrys durch
  das feindselige Betragen des Hundes des Getöteten gegen den Mörder
  ans Tageslicht gebracht wird. Diese Sage wurde zu einem Melodrama
  verarbeitet, in welchem ein dressierter Pudel die Hauptrolle spielte,
  der den Pariser Janhagel in Begeisterung versetzte. 1816 gab sich
  die königliche Bühne in Berlin dazu her, den Pudel auftreten zu
  lassen, was, wie ~Zelter~ (Brief 246) an ~Goethe~ schreibt, die
  Berliner zu dem Witze veranlasste, dass "den Hund aufs Theater
  bringen" eigentlich "das Theater auf den Hund bringen" sei. Auch
  der Grossherzog von Weimar, ein grosser Hundeliebhaber, wünschte
  den vierbeinigen Schauspieler auf seiner Bühne zu sehen, stiess
  aber auf Widerstand bei ~Goethe~, dem Intendanten. Der Pudel wurde
  jedoch heimlich verschrieben, Goethe ging am Abend der Theaterprobe,
  am 20. März 1817, mit eigenmächtiger Urlaubserteilung nach Jena,
  reichte nach der am 12. April stattgehabten Aufführung den Abschied
  ein und erhielt darauf von Karl August folgende Zeilen: "Aus den mir
  zugegangenen Äusserungen habe ich die Überzeugung gewonnen, dass der
  Geheimrat von Goethe wünscht, seiner Funktion als Intendant enthoben
  zu sein, welches ich hiermit genehmige". Die Tagesblätter veränderten
  die obigen Verse Schillers demzufolge also:

      Dem Hundestall soll nie die Bühne gleichen
      Und kommt der Pudel, muss der Dichter weichen,

  und nannten den Pudel den "Schicksalspudel". Goethe selbst erwähnt
  in den "Annalen" unter dem Jahre 1817 von diesen Vorkommnissen
  nichts.--[46]

[Fußnote 46: ~Carl Eberwein~ "Weimarer Sonntagsblatt", 1857, S. 312. In
Gotthardis "Weimarischen Theaterbildern" II, 168 soll diese Travestie
mit einer kleinen Variante stehen.]

       *       *       *       *       *

Schwindet ein Wesen oder ein Werk ohne Ruhm dahin, so hört man sagen,
dass es

      *Klanglos zum Orkus hinab*

ging, ein Wort, welches den Schluss von ~Schillers~ "Nenie" bildet
(ged. 1. Okt. 1799).--

       *       *       *       *       *

Aus "Hektors Abschied" (zuerst in den "Gedichten von Friedrich
~Schiller~", 1. T., Leipz. 1800) wird citiert:

      *Will sich Hektor ewig von mir wenden?*

und

      *Theures Weib, gebiete deinen Thränen!*

  (In Goedekes "Historisch-kritischer Ausg.", T. 11, wird das Gedicht
  mit der Jahresbezeichnung 1780-93 versehen, was wohl heissen soll,
  dass die ältere Form, wie sie in den "Räubern", 4, 4 vorliegt, aus
  dem Jahre 1780, die neuere aus dem Jahre 1793 stammt.)--

       *       *       *       *       *

Im "Musen-Almanach für das Jahr 1800" S. 243, erschien ~Schillers~
"Lied von der Glocke"; daraus werden als Citate verwendet die Worte:

      *Von der Stirne heiss
      Rinnen muss der Schweiss ...;

      Zum Werke, das wir ernst bereiten,
      Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;

      Wenn gute Reden sie begleiten,
      Dann fliesst die Arbeit munter fort;

      Nehmet Holz vom Fichtenstamme;

      Die schwarzen und die heitern Lose;

      Errötend folgt er ihren Spuren;

      O zarte Sehnsucht, süsses Hoffen.
      Der ersten Liebe goldne Zeit!
      Das Auge sieht den Himmel offen,[47]
      Es schwelgt das Herz in Seligkeit;

      O dass sie ewig grünen bliebe,
      Die schöne Zeit der jungen Liebe;

      Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
      Wo Starkes sich und Mildes paarten,
      Da giebt es einen guten Klang;

      Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
      Ob sich das Herz zum Herzen findet;

      Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang;

      Doch mit des Geschickes Mächten
      Ist kein ew'ger Bund zu flechten,
      Und das Unglück schreitet schnell;

      Wohlthätig ist des Feuers Macht,
      Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht;

            Mütter irren (!)

            Leer gebrannt
            Ist die Stätte;

      Ein süsser Trost ist ihm geblieben,
      Er zählt die Häupter seiner Lieben,
      Und sieh! ihm fehlt kein teures Haupt;*

[Fußnote 47: Anschluss an Joh. 1, 51: s. Kapitel I.]

  (Die Berliner sagten 1813 von Bernadottes geringen Verlusten bei
  Grossbeeren und Dennewitz nach ~Häussers~ "Deutscher Geschichte", 3.
  Aufl., Bd. 4, S. 267:

      _Er zählt die Häupter seiner Lieben,
      Und sieh! es fehlten ihm nur sieben._)

      *... die Gattin ..., die teure;

      ... das Auge des Gesetzes wacht;

      Wenn sich die Völker selbst befrei'n,
      Da kann die Wohlfahrt nicht gedeih'n;

          Da werden Weiber zu Hyänen;

      Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
      Verderblich ist des Tigers Zahn;
      Jedoch der Schrecklichste der Schrecken,
      Das ist der Mensch in seinem Wahn.--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Schillers~ Drama "Die Piccolomini" (1800) wird citiert:

      *Spät kommt ihr, doch ihr kommt* (1, 1),

wobei bemerkt werden mag, dass schon in der Odyssee, 23, 7 von Odysseus
gesagt wird, er komme nach Hause, obwohl er spät komme. (Ursprünglich
begannen weder "Don Carlos" noch die "Piccolomini" mit ihren so
berühmten Worten. Der Anfang der "Piccolomini" lautete:

      Gut, dass Ihr's seid, dass wir Euch haben! wusst' ich doch,
      Graf Isolani bleibt nicht aus.)

      *Was ist der langen Rede kurzer Sinn?* (1, 2.)

      *Des Dienstes immer gleichgestellte Uhr.* (1, 4.)

      *In deiner Brust sind deines Schicksals Sterne.* (2, 6.)

      *Wohl ausgesonnen, Pater Lamormaín!* (2, 7.)

      *Wär' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit,
      Man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen* (_ebenda_).

      (_O, der ist aus dem Himmel schon gefallen,
      Der an der Stunden Wechsel denken muss!_)

      *Die Uhr schlägt keinem Glücklichen* (3, 3),

was gewöhnlich in der Form citiert wird:

      *Dem Glücklichen schlägt keine Stunde;*

      *Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an,
      Wenn man den sichern Schatz im Herzen trägt* (3, 4),

      *Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme* (3, 8),

was als Nebentitel des von ~Hauff~ unter dem Namen H. ~Clauren~ und
gegen diesen geschriebenen Romans "Der Mann im Monde" (1825) noch
bekannter geworden ist;

      *Das eben ist der Fluch der bösen That,
      Dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären* (5, 1).

  Derselbe Gedanke wird schon im "Agamemnon" des ~Äschylus~, 758 so
  ausgesprochen: "Die gottlose That erzeugt mehre, die ihrem Geschlecht
  gleichen", und von ~Saxo Grammaticus~ († 1204) in seiner Erzählung
  von "Hamlet" folgendermassen: "Das eben ist der Fluch der Schuld,
  dass sie immer wieder Reiz und Veranlassung zu neuer Schuld enthalten
  muss". (Simrock, "Quellen des Shakespeare", 2. Aufl., I., 104.)--

       *       *       *       *       *

Aus "Wallensteins Tod" wird citiert:

1, 4:

      *Ernst ist der Anblick der Notwendigkeit;*

      *Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht
      Und die Gewohnheit nennt er seine Amme;*

      *Sei im Besitze, und du wohnst im Recht;*

1, 5:

      *Ich hab' hier bloss ein Amt und keine Meinung.*

2, 2:

      *Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort:*

      *Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit--
      Leicht bei einander wohnen die Gedanken,
      Doch hart im Raume stossen sich die Sachen.*

2, 3:

      *Es giebt im Menschenleben Augenblicke;*

      *Und Ross und Reiter sah ich niemals wieder.*

2, 6:

      *Dank vom Haus Österreich!*

3, 9:

      *Das war kein Heldenstück, Octavio!*

3, 10:

      *Nacht muss es sein, wo Friedlands Sterne strahlen;*

  (Gern wird für "Sterne strahlen" hier "Sterne glänzen" gesagt, weil
  es weicher klingt.)

3, 13:

      *Du hast's erreicht, Octavio!*

was gewöhnlich so citiert wird:

      *Du hast's gewollt! Octavio!*

      *Da steh' ich, ein entlaubter Stamm!*

3, 15:

      *So ist's, mein Feldherr!*

      *Daran erkenn' ich meine Pappenheimer*

3, 18:

      *Max, bleibe bei mir!*

4, 10:

      *Keines Überfalls gewärtig;*

      *Gekeilt in drangvoll fürchterliche Enge;*

      *Man sagt, er wollte sterben.*

Theklas Monolog in 4, 12 enthält:

      *Was ist das Leben ohne Liebesglanz?*

und schliesst:

      *Das ist das Loos des Schönen auf der Erde!*

5, 5 findet sich:

      *Ich denke einen langen Schlaf zu thun,
      Denn dieser letzten Tage Qual war gross;*

und 5, 11:

      *Des Menschen Engel ist die Zeit.--*

       *       *       *       *       *

Aus "Maria Stuart" (1801) citieren wir

      4, 6: "Graf! dieser Mortimer starb Euch sehr gelegen",

in der Form:

      *Der starb Euch sehr gelegen.*

Die Schlussverse aus "Maria Stuart" lauten:

                             *Der Lord lässt sich
      Entschuldigen; er ist zu Schiff nach Frankreich.--*

       *       *       *       *       *

In ~Schillers~ Gedicht "Der Antritt des neuen Jahrhunderts"
("Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1802". S. 167) heisst es:

      *Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
      Und das Schöne blüht nur im Gesang.*

Ebenda, S. 231, steht "Voltaires Pucelle und die Jungfrau von Orleans",
später "Das Mädchen von Orleans" genannt. Daraus wird citiert:

      *Es liebt die Welt das Strahlende zu schwärzen
      Und das Erhab'ne in den Staub zu zieh'n.*

       *       *       *       *       *

Aus der zweiten Scene des Prologes zur "Jungfrau von Orleans", die
zuerst 1801 in Leipzig aufgeführt wurde, und deren erster Druck unter
dem Titel: "Kalender auf das Jahr 1802. Die Jungfrau von Orleans"
u.s.w. (Berlin, Unger) erschien, wird citiert:

      *Wie kommt mir solcher Glanz in meine Hütte?*

aus der dritten:

      *Mein ist der Helm, und mir gehört er zu;
      Nichts von Verträgen, nichts von Übergabe.*

Der Anfangsvers der ersten Strophe des Monologs Johannas:

      *Lebt wohl ihr Berge, ihr geliebten Triften,*

wird, wie ihr Schlussvers:

      *Johanna geht, und nimmer kehrt sie wieder,*

bei einem Abschiede angewendet. Die Worte des Königs Karl (VII, 1, 2):

      *Drum soll der Sänger mit dem König gehen,
      Sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen,*

erscheinen mit ihrem "Drum" als eine Schlussfolge aus den
vorhergehenden Betrachtungen Karls; citiert wird das Wort, indem man
für "Drum" eigenmächtig "Es" setzt.

      *Mit dem Volke soll der Dichter gehen,*
      Also les' ich meinen Schiller heut'!

sagt ~Freiligrath~.

Ferner sind uns aus der "Jungfrau von Orleans" folgende Stellen
geläufig:

      *Kann ich Armeen aus der Erde stampfen?
      Wächst mir ein Kornfeld in der flachen Hand?* (1, 3)

  (wobei zu bemerken, dass nach ~Plutarchs~ "Cäsar", K. 33, Pompeius
  einst geprahlt hatte, er könne Armeen aus der Erde stampfen;)

      *Nichtswürdig ist die Nation, die nicht
      Ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre* (1, 5);

1, 9:

      *Ein Schlachten war's, nicht eine Schlacht zu nennen;*[48]

[Fußnote 48: Solche Gegenüberstellung findet sich bereits: ~Livius~ 5,
44; 22, 48; 23, 40; 25, 14; ~Curtius~ 4, 15; ~Tacitus~, hist. 3, 77:
"pugna" und "caedes"; ~Livius~ 2, 53 und 5, 45; ~Tacitus~, hist. 4, 33:
"proelium" und "caedes"; ~Livius~ 28, 16: "pugna" und "trucidatio velut
pecorum".]

1, 10:

      *Von wannen kommt dir diese Wissenschaft?*

  (Schiller ahmte sich selbst in diesem Verse nach; denn in "Macbeth",
  1, 5 (1801) übersetzt er das Shakespearesche 1, 3 vorkommende:

                   _Say from whence
      You owe this strange intelligence?_

  also:

                 _Sagt, von wannen kam euch
      Die wunderbare Wissenschaft?_)

1, 10:

      *Unsinn, du siegst, und ich muss untergeh'n!*

3, 6:

      *Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.*

4, 1:

      *Ach, es war nicht meine Wahl!*

5, 14:

      *Wie wird mir? Leichte Wolken heben mich;*

und der Schlussvers des ganzen Dramas:

      *Kurz ist der Schmerz, und ewig ist die Freude!--*

       *       *       *       *       *

~Schillers~ Gedicht "An die Freunde" ("Taschenbuch für Damen auf das
Jahr 1803", Tübingen, Cotta, S. 1 u. 2) enthält das Wort:

      (_Und_) *der Lebende hat recht*

dann die Umschreibung für Theaterbühne:

      *Die Bretter, die die Welt bedeuten*

S. 201 und S. 202 daselbst steht das Gedicht: "Thekla. Eine
Geisterstimme", aus dem der Endvers citiert wird:

      *Hoher Sinn liegt oft in kind'schem Spiel.--*

       *       *       *       *       *

Aus der "Braut von Messina" (1803) sind bekannt der Anfangsvers

      *Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb,*

  der vielleicht aus dem Wort des Apothekers in Shakespeares "Romeo und
  Julie" (5, 1) entstand:

      "My poverty, but not my will, consents",

  oder aus Dantes ("Inferno" 12, 87):

      "Necessità 'l c' induce e non diletto".

Nachdem Don Manuel zum ersten Male die Bühne verlassen hat, ertönt das
Wort des Chors:

      *Etwas fürchten und hoffen und sorgen
      Muss der Mensch für den kommenden Morgen.*

Ferner citieren wir:

1, 7:

      *Ein jeder Wechsel schreckt den Glücklichen;*

2, 5:

      *Die ist es oder keine sonst auf Erden!*

3, 4:

      *Blendwerk der Hölle!*

3, 5:

      *Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe!*

4, 4:

      *Nicht an die Güter hänge dein Herz,
      Die das Leben vergänglich zieren!
      Wer besitzt, der lerne verlieren,
      Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz;*

4, 7:

      *Auf den Bergen ist Freiheit!

      Die Welt ist vollkommen überall,
      Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.

      Das Leben ist der Güter höchstes nicht,
      Der Übel grösstes aber ist die Schuld.*

  Der zweite Vers ist die Übersetzung von ~Ciceros~ [ad. fam. VI, 4,
  2]: ("nec esse ullum malum praeter culpam".--A. W. v. ~Schlegel~
  versah diese Verse mit Bezug auf ~Müllners~ Drama "Die Schuld", 1816,
  im Wendtschen Musen-Almanach von 1832 mit der Überschrift: "Unter
  Müllners Bildnis" und Carl ~Bagger~ ["Digtninger, gamle og nye",
  1836] schreibt:

            [In ein Stammbuch.]

      Das Leben ist der Güter höchstes nicht,
      Der Übel grösstes aber sind die Schulden).--

       *       *       *       *       *

Der erste Vers aus ~Schillers~ Romanze "Der Jüngling am Bache", welche
in dem am 12. Okt. 1803 in Weimar aufgeführten und 1806 erschienenen
"Parasiten" 4, 4 eingeflochten ist, lautet:

      *An der Quelle sass der Knabe.*

  Der "Parasit" ist von ~Schiller~ aus ~Picards~ "Médiocre et Rampant
  ou le moyen de parvenir" (1797) weniger übersetzt als übertragen; die
  Schillersche Romanze hat mit der Picards nur die Stimmung gemein,
  so dass obiges Citat durchaus Schiller angehört, während jedoch der
  Schluss der Romanze:

      *Raum ist in der kleinsten Hütte
      Für ein glücklich liebend Paar*

  seine Entstehung wohl einer Reminiscenz verdankt. Nämlich in
  ~Wielands~ "Musarion" (1768), Bd. 1, stottert Fanias: "Gewiss sehr
  viel Ehre! Allein mein Haus ist klein"; worauf die Schöne versetzt:
  "Und wenn es kleiner wäre, für eine Freundin hat die kleinste
  Hütte Raum" und in J. A. ~Leisewitzens~ "Julius von Tarent" (1776)
  2, 3 ruft Bianca: "Diese Hütte ist klein; Raum genug zu einer
  Umarmung.--Dies Feldchen ist enge--Raum genug für Küchenkräuter und
  zwei Gräber; und dann, Julius, die Ewigkeit;--Raum genug für die
  Liebe!"--


       *       *       *       *       *

Aus ~Schillers~ Ballade "Der Graf von Habsburg" ("Taschenbuch für Damen
auf das Jahr 1804", Tübingen, Cotta) stammt:

      *die kaiserlose, die schreckliche Zeit!*

aus dem "Siegesfest" (ebenda):

      *Von des Lebens Gütern allen
      Ist der Ruhm das höchste doch;
      Wenn der Leib in Staub zerfallen,
      Lebt der grosse Name noch,*

sowie:

      *Trink ihn aus, den Trank der Labe,
      Und vergiss den grossen Schmerz.--*

Der vorletzte Vers des von ~Schiller~ 1804 für Beckers "Taschenbuch"
verfassten Gedichtes "Der Alpenjäger" lautet:

      *Raum für alle hat die Erde.--*

       *       *       *       *       *

Citate aus "Wilhelm Tell" (1804) sind Tells Worte an Ruodi den Fischer
(1, 1):

      *Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt;*

Ruodis Antwort:

      *Vom sichern Port lässt sich's gemächlich raten;*

Ferner Ruodis:

      *Da rast der See und will sein Opfer haben;*

Tells Worte an den Hirten (s.: Erasmus ~Alberus~):

      *Ich hab' gethan, was ich nicht lassen konnte;*

und der Schlussvers der ersten Scene:

      *Wann wird der Retter kommen diesem Lande?*

In der zweiten Scene wendet Gertrud ein Wort an, das nur die
Wiederauffrischung eines alten Sprichworts ist:

      *Dem Mutigen hilft Gott!*[49]

[Fußnote 49: s.: Fortes fortuna adiuvat.]

Der zweite Akt führt uns aus der ersten Scene zu:

      *Ich bin der letzte meines Stamms;*

  wobei zu erinnern ist, dass bereits Friedr. Leop. Graf zu ~Stolberg~
  in seiner "Romanze" (1774; "ges. W." der Brüder Stolberg T. 1, S. 56)
  sang:

      "Er, der letzte seines Stammes
      Weinte seiner Söhne Fall".

Aus derselben Scene des "Tell" citieren wir:

      *Ans Vaterland, ans teure, schliess dich an,
      Das halte fest mit deinem ganzen Herzen,
      Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft;*

und:

      *Es lebt ein anders denkendes Geschlecht.*

2, 2 bietet:

      *Wir sind ein Volk und einig woll'n wir handeln,*
und gegen Ende:

      *Wir wollen sein ein einzig* (_nicht: einig_) *Volk von Brüdern,
      In keiner Not uns trennen und Gefahr.*

Aus 3, 1 entnehmen wir die Worte Walthers:

      *Was da fleucht und kreucht,*

gewöhnlich in der Form sämtlicher späteren Auflagen:

      *Was da kreucht und fleucht,*[50]

Worte, die sich an 1. Mos, 7, 14 anlehnen.

[Fußnote 50: Schon ~Walther von der Vogelweide~ singt (nach Simrocks
Übersetzung, 6. Aufl., Leipz. 1876, S. 5) im Gedichte "Wahlstreit"
(1198): "Was kriechet oder flieget", vrgl. ~Homers~ "Ilias" 17, 447:
"ὅσσα τε γαῖαν ἔπι πνείει τε καὶ ἕρπει", ~Herodot~ 1, 140:
"τἆλλα ἑρπετὰ καὶ πετεινά" u.s.w.--]

Aus derselben Scene brauchen wir drei Worte Tells:

      *Früh übt sich, was ein Meister werden will;*

      *Die Axt im Haus erspart den Zimmermann;*

      *Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.*

3, 3 enthält des Rudenz Worte:

      *Allzu straff gespannt, zerspringt der Bogen.*[51]

[Fußnote 51: ~Amasis~, König von Ägypten (570-526) sagte vom Bogen
(Herodot II, 173): "εἰ γὰρ δὴ τὸν πάντα χρόνον ἐντεταμένα εἴη,
ἐκραγείη ἄν"--"denn bliebe er alle Zeit gespannt, so würde
er wohl zerbrechen". Er entschuldigte damit seinen Hang, die
Regierungsmühen mit Trinkgelagen abwechseln zu lassen. Dann leiht
Phädrus (3, 4, 10) dem ~Aesop~ die Weisheit, der Geist brauche Spiel,
um wieder denkfrisch zu werden, denn: "Cito rumpes arcum, semper
si tensum habueris"--"du zerbrichst den Bogen schnell, wenn du ihn
stets gespannt haben willst". ~Grimmelshausens~ "Simplicissimus"
IV, 1 bietet: "Wann man den Bogen überspannet, so muss er endlich
zerbrechen". Doch Schiller schöpfte wohl aus F. M. ~Klingers~
Trauerspiel: "Die Zwillinge" (1774), wo es 2, 2 heisst: "wir wollen den
Bogen nicht zu stark spannen, damit die Sehne halte".]

4, 2 spricht der sterbende Attinghausen:

      *Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,
      Und neues Leben blüht aus den Ruinen;*

      *Seid einig--einig--einig!*

Aus Tells Monolog 4, 3 wird citiert:

      *Durch diese hohle Gasse muss er kommen,
      Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht.--Hier
      Vollend ich's.
              Die Gelegenheit ist günstig.
      Dort der Hollunderstrauch verbirgt mich* (_ihm_);

      *Mach deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt!
      Fort musst du, deine Uhr ist abgelaufen;*

            *in gährend Drachengift hast du
      Die Milch der frommen Denkart mir verwandelt;*

  (wobei wohl 5. Mos. 32, 33 "Ihr Wein ist Drachengift" und Lady
  Macbeth ["Macbeth" 1, 5] vorgeschwebt hat, die vom Gemüt ihres Mannes
  sagt, es sei "zu voll von der Milch der Menschenliebe";)

      *Es lebt ein Gott zu strafen und zu rächen;

      Entränn' er jetzo kraftlos meinen Händen* (_nämlich der Pfeil_),
      *Ich habe keinen zweiten zu versenden;*

endlich:

      *Auf dieser Bank von Stein will ich mich setzen,*

was schon des auffallenden Stils wegen citiert wird.

Aus dem darauf folgenden Gespräch Tells mit dem Flurschützen ist
bekannt:

      *Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben,
      Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt,*

die Umänderung eines älteren Sprichworts: "Niemand kann länger Frieden
haben, als seinem Nachbar beliebt".

Dann ruft der getroffene Gessler (4, 3):

      *Das ist Tells Geschoss!*

Und nun singen die barmherzigen Brüder:

      *Rasch tritt der Tod den Menschen an.--*

Aus dem durch ~Schillers~ Tod (1805) unvollendet gebliebenen
"Demetrius" citieren wir:

      *Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen,*

wodurch ein oft dagewesener Gedanke[52] für uns seine bleibende Form
erhielt.--

[Fußnote 52: S. ~Cicero~ "d. off." 2, 22: "non enim numero haec
iudicantur, sed pondere"; ~Plinius d. jüng.~ B. 2, Ep. 12: "numerantur
enim sententiae, non ponderantur"; ~Moses Mendelssohn~ (Ges. W. 3,
370; an Nicolai): "Stimmen ... wollen gewogen und nicht gezählt sein";
~Wieland~ (1774. "Abderiten" 5, 3), der da meint, es komme nicht auf
"majora" (das Mehr), sondern auf "saniora" (das Vernünftigere) an;
~Lichtenberg~ (1777. Ausg. v. 1867 B. 2, 3, 236), der es bedauert,
"dass wir so oft die Stimmen nur zählen können. Wo man sie wägen kann,
soll man es nie versäumen"; ~Klopstock~ (Aug. 1800. "Die Wage"): "Du
zählst die Stimmen; wäge sie--" und endlich ~Schiller~ selbst (1801.
"Maria Stuart" 2, 3): "Nicht Stimmenmehrheit ist des Rechtes Probe",
(vrgl. Stahls "Autorität nicht Majorität!")] der in "Trogalien zur
Verdauung der Xenien, Kochstädt, zu finden in der Speisekammer", 1797
zu lesen ist.--


       *       *       *       *       *

Chr. Fürchteg. *Fulda*, Lehrer am Pädagogium zu Halle, ist der
Verfasser eines Spottverses gegen Goethes und Schillers "Xenien":

      Die neumodischen Distichen.

       -  u  u   -   -  - -  -     u   u - u u   -   -
      *In Weimar und in Jena macht man Hexameter wie der.
      Aber die Pentameter sind doch noch excellenter,*

       *       *       *       *       *

Nikolaus *Sturm*, mit dem Klosternamen ~Marcellinus~ (1760-1819), ist
Verfasser eines Liedes, dessen Anfang lautet:

      *Nach Kreuz und ausgestand'nen Leiden.*

("Lieder, zum Teil in bayerischer Mundart von P. Marcelin ~Sturm~,
ehemaligem Augustiner". 1819 No. 15.)--

       *       *       *       *       *

Joh. Peter *Hebel* (1760-1826) "Schatzkästlein des rheinischen
Hausfreundes" (1811) erzählt eine Geschichte "Die zwei Postillone":

  "Diese Postillone, welche zwischen Dinkelsbühl und Ellwangen fuhren,
  hatten von zwei Handelsleuten stets so schlechte Trinkgelder
  erhalten, dass sie sich vornahmen, die Herren freigebiger zu machen.
  Einst traf es sich, dass der Dinkelsbühler Schwager, den einen
  dieser Handelsleute fahrend, auf der Landstrasse dem Postillon von
  Ellwangen begegnete, welcher den anderen Handelsmann fuhr. Keiner
  will dem anderen ausweichen. Zuerst zanken sich die Postillone,
  und als die Reisenden sich in den Wortwechsel mischen, schlägt der
  Ellwanger Postillon dem Passagier in dem gegenüberstehenden Postwagen
  mit der Peitsche ins Gesicht, worauf der Postillon aus Dinkelsbühl
  ein Gleiches an dem anderen Passagier that. Nachdem sie ihre
  gegenseitigen Passagiere durchgepeitscht hatten, trennten sie sich.
  Diesmal gab jeder der beiden Reisenden ein besseres Trinkgeld.--Hebel
  lässt den einen Postillon sagen: 'Du sollst meinen Passagier nicht
  hauen; er ist mir anvertraut und zahlt honett, oder ich hau' den
  Deinigen auch'."

Der Volksmund hat die Worte des Postillons verkürzt zu:

      *Haust Du meinen Juden, so hau' ich Deinen Juden.*

  ~Hebel~ erklärt in der Vorrede, dass mehrere der mitgeteilten
  Geschichten anderswo bereits zu hören oder zu lesen waren, und dass
  er auf diese Kinder des Scherzes und der Laune, denen er ein nettes
  und lustiges Röcklein angehängt, keine weiteren Ansprüche mache. Wem
  entlehnte er diesen Schwank?--

       *       *       *       *       *

Durch Aug. Friedr. Ferd. von *Kotzebue*s (1761-1819) Lustspiel "Die
Indianer in England" (1789 zu Reval aufgeführt, 1790 zu Leipzig
erschienen) ist der Name der Tochter des Nabob von Mysore,

      *Gurli,*

eine Bezeichnung für ein gefühlvoll-naives Frauenzimmer geworden. Auch
citiert man den Sammeltitel einiger Schriften ~Kotzebues~:

      *Die jüngsten Kinder meiner Laune*

(Leipz. 1793-97) gewöhnlich in der Form:

      *Das jüngste Kind meiner Laune,*

mit welchem Scherzworte der Tischler Valentin in ~Raimunds~
"Verschwender" 3, 7 seine Pepi vorstellt.--

       *       *       *       *       *

Die Anfangsverse von ~Kotzebues~ 1802 verfasstem, von Himmel
komponierten Liede (im Februarheft des "Freimütigen" von 1803) "Trost
beim Scheiden" (zuerst "Gesellschaftslied" genannt) citieren wir in der
Form:

      *Es kann ja nicht immer so bleiben
      Hier unter dem wechselnden Mond,*

und den Anfang von dessen vierter Strophe also:

      *Wir sitzen so fröhlich beisammen,
      Wir haben einander so lieb;*

während es ursprünglich "Es kann schon nicht Alles so bleiben" hiess
und "Wir haben uns Alle so lieb".--

       *       *       *       *       *

Der Anfangsvers einer 1810 erschienenen Romanze ~Kotzebues~ aus seinem
Lustspiele "Der arme Minnesinger" (Alman. dram. Spiele, 9. Jhrg. S.
146) heisst:

      *Über die Berge mit Ungestüm.*

Das Lied wurde 1811 allgemein bekannt durch Carl Maria von Webers
Composition, die seine erste war.--

       *       *       *       *       *

      *Rinaldo Rinaldini*

wurde zur stehenden Bezeichnung für einen räuberhaften Gesellen
durch des Chr. Aug. *Vulpius* (1762-1827) ehemals weitverbreiteten
Schauerroman "Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptman; eine romantische
Geschichte unsers Jahrhunderts" (Leipz. 1797 ff.). In seiner
Zeitschrift "Janus" veröffentlichte ~Vulpius~ im Jahre 1800 "Romanzen
und Lieder über Rinaldini". Die zweite "Romanze" dort (1, 371) beginnt:
"In des Waldes düstern Gründen", und wurde zum Volkslied (vrgl. den
"Liederhort" von Erk und Böhmer). Diesen Anfangsvers citieren wir in
der Form:

      *In des Waldes tiefsten Gründen,*

wohl mit Anlehnung an ~Schiller~, der in seiner "Kassandra" (1802)
singt:

      "In des Waldes tiefste Gründe
      Flüchtete die Seherin."--

       *       *       *       *       *

Die letzte Strophe des Gedichtes "Das Grab" von Joh. Gaudenz Gusert
Graf von *Salis-Seewis* (1762-1834) lautet ("Götting. Mus.-Alman." f.
1788):

      *Das arme Herz, hienieden
      Von manchem Sturm bewegt,
      Erlangt den wahren Frieden
      Nur, wo es nicht mehr schlägt.--*

       *       *       *       *       *

Der Anfang des Weihnachtsliedes:

      *Morgen, Kinder, wird's was geben,
      Morgen werden wir uns freu'n,*

wird oft angewendet. Es steht in Splittegarbs Liedersammlung, Berlin
1795, 2. Aufl., S. 317, wurde aber schon vor 1783 von Joh. Phil.
Kirnberger in Berlin komponiert. Nach einer Familientradition war der
Verfasser der Schulvorsteher Martin Friedrich Philipp *Bartsch* in
Berlin († 1833).--

       *       *       *       *       *

      *Unterbrochenes Opferfest*

ist der Titel einer ~von Winter~schen, 1796 erschienenen Oper, deren
Text von F. X. *Huber* herrührt.--

       *       *       *       *       *

Joh. Gottfr. *Seume* (1763-1810) bietet uns in dem Gedichte "Der Wilde"
("Gedichte", Riga, 1801) die Worte:

      (_Ein Kanadier, der noch_) *Europens
      Übertünchte Höflichkeit* (_nicht kannte_).

      (_Seht,_) *wir Wilden sind doch bess're Menschen,
      Und er schlug sich seitwärts in die Büsche.*

  Zuerst erschien das Gedicht in Schillers "Neuer Thalia" (Bd. 3 S. 255
  Lpz. 1793) und begann:

      "Ein Amerikaner, der Europens ..."--

In der "Zeitung für die elegante Welt", 1804, No. 23, liess ~Seume~ das
Gedicht "Die Gesänge" erscheinen, dessen erste Strophe:

      Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
      Ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
      Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
      Bösewichter haben keine Lieder,

im Volksmunde umgewandelt worden ist in:

      *Wo man singt, da lass dich ruhig nieder;
      Böse Menschen haben keine Lieder.*

  Schon ~Luther~ sagt in seinem Gedichte "Frau Musica" (Klugs
  Gesangbuch, Wittenberg 1543):

      Hie kann nicht sein ein böser Mut,
      Wo da singen Gesellen gut,

  und ~Cervantes~ "Don Quijote", II 34 (1615) gegen Ende:

      Senora, donde hay musica, no puede haber cosa mala.
      Gnädige Frau, wo Musik ist, da kann nichts Böses sein.

Die Parodie der Seumeschen Verse von David ~Kalisch~:

      *Wo man raucht, da kannst du ruhig harren,
      Böse Menschen haben nie Cigarren*

steht im "Humoristisch-satirischen Volkskalender des Kladderadatsch"
von 1850, S. 27.--

       *       *       *       *       *

*Jean Paul* (Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825) machte zum
Schauplatz seiner Satire "Das heimliche Klaglied der jetzigen Männer"
(Bremen 1801) das Landstädtchen[53]

      *Krähwinkel,*

das dadurch, wie dann durch ~Kotzebues~ Lustspiel "Die deutschen
Kleinstädter" (1803), die Bedeutung eines Klatschnestes erhielt. Auch
schrieb ~Kotzebue~ "Des Esels Schatten oder der Process in Krähwinkel"
im "Almanach dramatischer Spiele für 1810" (Riga 1809). Danach nennt
man jedes kleinstädtisch aufgebauschte Ereignis eine

      *Krähwinkelei.--*

[Fußnote 53: Crawinkel, von ~Jahn~ (nach H. Pröhle in "Fr. Ludwig Jahns
Leben") in einem Briefe von 1825 Krähwinkel genannt, ist ein Dorf bei
Laucha im Kreise Eckartsberga unweit von Jena; Krehwinkel, ein Weiler
im Oberamt Schorndorf in Württemberg; Krähwinkel, ein Dorf im Kreise
Solingen des Regierungsbezirks Düsseldorf.]

Ferner gab Jean Paul (1804-5) den Roman

      "*Flegeljahre*"

heraus, nachdem er schon in seinem "Siebenkäs" (1795 Band 2, Kap. 5)
schrieb: "Wenn der Mensch über die Tölpeljahre hinüber ist, so hat er
noch jährlich einige Tölpelwochen und Flegeltage zurückzulegen".--

Auch ist wohl ~Jean Paul~ als der Schöpfer des Worts

      *Weltschmerz*

anzusehen. In seinem 1810 begonnenen posthumen Werke "Selina oder
über die Unsterblichkeit" (ersch. 1827; s. Bd. 2, S. 132) sagt er
von Gott: "~Nur sein~ Auge sah alle die tausend Qualen der Menschen
bei ihren Untergängen. Diesen Weltschmerz kann er, so zu sagen, nur
aushalten durch den Anblick der Seligkeit, die nachher vergütet."
Hier also bedeutet das Wort entweder "Qualen aller Menschen" oder
"schmerzliches Mitgefühl Gottes für das Weltelend". ~Heine~ jedoch
verlegte den "Weltschmerz" dann in die empfindsame Menschenseele, indem
er in seiner pariser Schrift "Aus der Gemälde-Ausstellung von 1831"
bei der Besprechung des Bildes von Delaroche: "Oliver Cromwell vor
Karls I. Leiche" ausruft: "Welchen grossen Weltschmerz hat der Maler
hier mit wenigen Strichen ausgesprochen". Es bedeutet hier "Schmerz
für den fühlenden Menschen über die Vergänglichkeit alles Irdischen".
An Jean Paul und Heine lehnte sich dann Julius ~Mosen~ an, der da sang
("Gedichte" 1836, S. 93: "Weltsünde" Str. 2):

      "Und meine Seele riss entzwei der Schmerz,
      Doch der mich schlug, den hört' ich also sagen:
      Das ist der Weltschmerz, den einst Gott getragen!"

und ferner ("Ahasver" 1838, Gesang 1 Str. 10) im Sinne eines die ganze
Welt umfassenden heroischen Schmerzes:

      "Zur Zeit nur eines Volkes Todesschmerzen,
      Zur Zeit die Noth nur einer einz'gen Stadt,
      Trägt er den Weltschmerz bald in seinem Herzen".

~Heine~ wiederum wendet dann das Wort in der Vorrede (1854) zu den
"Geständnissen" ironisch an im Sinne des Mitleids für das Weltelend,
das auch "Schufte von Gefühl" hegen. Wir aber brauchen "Weltschmerz"
heut im Sinne von "schmerzlichem oder eingebildetem Ekel an Welt und
Leben"; und dazu schlug abermals ~Heine~ die Brücke, obwohl er das
Wort da in "Weltqual" ummodelt, durch folgende 1840 geschriebene Stelle
("Ges. W." Strodtmann, 12, 230): "Wenn ich auch am Tage wohlbeleibt
und lachend dahinwandle durch die funkelnden Gassen Babylon's, glaubt
mir's! sobald der Abend herabsinkt, erklingen die melancholischen
Harfen in meinem Herzen, und gar die Nacht erschmettern darin alle
Pauken und Cymbeln des Schmerzes, die ganze Janitscharenmusik der
Weltqual, und es steigt empor der entsetzlich gellende Mummenschanz
..."--

       *       *       *       *       *

Das 1793 von Johann Martin *Usteri* (1763-1827) verfasste Lied:

      *Freut euch des Lebens,
      Weil noch das Lämpchen glüht;
      Pflücket die Rose,
      Eh' sie verblüht!*

erschien zuerst als Einzeldruck 1793 in Zürich und dann mit Nägelis
Komposition in Böheims "Freimaurer-Liedern mit Melodien" (Berlin
1795).--

       *       *       *       *       *

Ludwig Ferdinand *Huber* (1764-1804) nannte Goethes 1803 zuerst in
Weimar aufgeführtes und 1804 erschienenes Trauerspiel "Die natürliche
Tochter" (im "Freimütigen" von 1803, No. 170, S. 678)

      *marmorglatt und marmorkalt.*

(L. F. Hubers "Sämtliche Werke seit dem Jahre 1802", 2. T., S. 240.)--

       *       *       *       *       *

Der Prediger Friedr. Wilh. Aug. *Schmidt* zu *Werneuchen* (1764-1838)
hat in seinem Gedichte "Der Mai 1795" ("Neuer Berliner Musen-Almanach
für 1797", S. 86) Anlass zu der Redensart gegeben:

      *Sich freuen wie ein Stint,*

indem er sang:

      "O sieh; wie alles weit und breit,
      Von lindem Schmeichelwind
      Mit Wonneblüten überstreut,
      An warmer Sonne minnt!
      Vom Storche bis zum Spatz sich freut,
      Vom Karpfen bis zum Stint!"--

       *       *       *       *       *

Aus Wenzel ~Müllers~ Singspiele "Das Neu-Sonntagskind" (1793 zuerst
aufgeführt, 1794 zuerst in Pressburg gedruckt), Text von Joachim
*Perinet* (1765-1816), stammt:

      Wer niemals einen Rausch hat g'habt,
      Der ist ein schlechter Mann,

was in der Form:

      *Wer niemals einen Rausch gehabt,
      Der ist kein braver Mann*

citiert wird und sein Vorbild hat in den Versen, die wir bei ~Keil~ in
den "Deutschen Studentenliedern des 17. u. 18. Jahrh.", S. 33 finden:

      Denn wer sich scheut, ein Rausch zu han,
      Der will nicht, dass man ihn soll kennen,
      Und ist gewiss kein Biedermann.--

       *       *       *       *       *

Joh. Friedr. *Kind* (1768-1843) ist zu nennen wegen:

      *Komm doch näher, liebe Kleine!*

aus seinem Gedichte "Der Christabend" (das auch Citat aus Mozarts "Don
Juan" sein kann); und aus seinem Text zu Karl Maria von Webers zuerst
am 18. Juni 1821 in Berlin aufgeführtem "Freischütz" citieren wir:

      *Glaubst du, dieser Adler sei dir geschenkt?
      Werft* (_eigentlich:_ *Stürz't) das Scheusal in die Wolfsschlucht!
      Samiel, hilf!* _oder:_ *Hilf, Samiel!
      Er war von je ein Bösewicht;
      Ihn traf des Himmels Strafgericht!
      Was gleicht wohl auf Erden
      Dem Jägervergnügen!--*

       *       *       *       *       *

Von Friedr. Dan. Ernst *Schleiermacher* (1768-1834) rührt her:

      *In sieben Sprachen schweigen.*

In "Zelters Briefwechsel mit Goethe" (V. S. 413) sagt Zelter in
einem Briefe vom 15. März 1830: "nun muss ich schweigen, (wie unser
Philologus Bekker, den sie den Stummen in sieben Sprachen nennen)";
und ~Halm~ "Nekrolog auf Immanuel Bekker" ("Sitzungsber. d. bayerisch.
Akad. d. Wissensch." 1872, S. 221) sagt: "Schleiermachers geistreiches
Wort, Bekker schweige in sieben Sprachen, ist zu einem geflügelten
geworden".

      *Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden
          schafft.*

wird in Berlin auch auf ~Schleiermacher~ zurückgeführt. Wo findet es
sich aber in ~dieser Form~ zuerst gedruckt?--

       *       *       *       *       *

~Ernst Moritz~ *Arndt* (1769-1860) beginnt sein "Vaterlandslied" (1812):

      *Der Gott, der Eisen wachsen liess,
      Der wollte keine Knechte;*

und ferner verdanken wir ihm das Wort:

      *Soweit die deutsche Zunge klingt,*

welches den dritten Vers der sechsten Strophe seines Gedichtes "Des
Deutschen Vaterland" bildet, das 1813 zu Ostern erschien (s. "Deutsche
Wehrlieder für das Kgl. preuss. Frei-Corps", 1. Samml.) und 1825 von
Gustav ~Reichardt~ komponiert wurde.--

Schliesslich citieren wir auch den Titel von ~Arndts~ 1813 zu Leipzig
bei W. Rein erschienener Schrift: "Der Rhein, Teutschlands Strom, aber
nicht Teutschlands Gränze" in der Form:

      *Der Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze.*

Diese Worte schmücken Afingers Arndtdenkmal in Bonn.--

       *       *       *       *       *

~Friedr.~ *Voigt* (1770-1814) beginnt ("Lieder für das Herz; zur
Beförderung eines edlen Genusses in der Einsamkeit", Lpz. 1799) ein
Lied "Elisas Abschied":

      *Noch einmal, Robert, eh' wir scheiden,*
      (Komm an Elisas klopfend Herz).

Ursprünglich stand Heinrich statt Robert da (s. den ersten Druck in der
deutschen Monatsschrift, August 1798, S. 281 ff.).--

       *       *       *       *       *

      *Den Bürgermeister ausgenommen*

steht in dem Gedichte "Die Ausnahme" von Andreas *Wilke* († 1814
zu Grabow in Mecklenburg-Schwerin als Vorsteher einer Privatschule).
Entlehnt hat er wohl den Schwank einer Erzählung im "Vademecum für
lustige Leute" (8. T., Berlin 1781, S. 68, No. 130). Danach sagt ein
Fremder in einer kleinen Stadt nach der Mahlzeit zum Gastwirt, er habe
so gut gegessen wie irgend einer im Lande. Der Wirt, ein Ratsherr des
Städtchens, versetzt darauf: "den Herrn Bürgermeister ausgenommen".
Als der Fremde dies bestreitet, muss er vor Gericht einen Gulden
Strafe zahlen. Dabei aber bemerkt er: "Der Kerl, der mich hier vor
Gericht gebracht hat, ist der grösste Narr der Christenheit--Sie, Herr
Bürgermeister, ausgenommen".--

       *       *       *       *       *

      *Alles, was ist, ist vernünftig*

ist eine Umformung der Worte Georg Wilh. Friedr. *Hegel*s (1770-1831)
in der Vorrede zu seinen: "Grundlinien der Philosophie des Rechtes"
(1821):

      Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich
          ist, das ist vernünftig;

(Aristot. Ethic. Nicom. I, 8, § 1). ~Pope~ "Essay on Man", 1, 289 hat:

      Whatever is, is right,

      Alles was ist, ist recht so.--

       *       *       *       *       *

Das Motto der Briefe ~Rahels~:

      *Still und bewegt*

entlehnte ~Varnhagen v. Ense~ aus Joh. Christ. Friedr. *Hölderlin*s
(1770-1843) "Hyperion" (Tübingen 1797-99, Bch. 2, Brief 2: "Wie
der Sternenhimmel, bin ich still und bewegt"), eingedenk der Worte
Goethes (1795) über Rahel: "Sie ist, soweit ich sie kenne, in jedem
Augenblicke sich gleich, immer in einer eigenen Art ~bewegt, und doch
ruhig~,--kurz, sie ist, was ich eine schöne Seele nennen möchte",
(vrgl. "Rahel, ein Buch des Andenkens für ihre Freunde". Berlin 1833.
S. 98.) Wahrscheinlich ist ~Hölderlins~ Vergleich eine Übertragung von:
"in motu immotum", dem Motto des Kardinals Luigi Este († 1586), das
mit dem Emblem des sternenbedeckten Firmaments die Devise jenes Fürsten
bildete.--

      *Der König rief, und alle, alle kamen,*

ist der Anfang eines von H. *Clauren* (Carl Heun 1771-1854) gedichteten
Liedes, dessen erster Druck das Datum "Gnadenfrei, den 24. Juni 1813"
trug, "in Kommission zu haben bei W. G. Korn in Breslau und bei
Gröbenschütz in Berlin".--

       *       *       *       *       *

Der Anfangsvers eines Liedes von ~August~ *Mahlmann* (1771-1826) in
~Beckers~ "Taschenbuch zum geselligen Vergnügen" (1802, S. 278, 279)
lautet:

      *Ich denk' an euch, ihr himmlisch schönen Tage*
          (der seligen Vergangenheit!).--

       *       *       *       *       *

Von Friedrich von *Schlegel* (1772-1829) ist:

      *Der Historiker ist ein rückwärts gekehrter Prophet.*

Es steht in dem von seinem Bruder August Wilhelm und ihm
herausgegebenen "Athenaeum", Berlin 1798-1800, Bd. 1, Stück 2, S. 20
unter "Fragmente".--

      *Göttliche Grobheit*

ist aus Fr. v. ~Schlegels~ Roman "Lucinde" (Berlin 1799) entwickelt, in
dem es S. 30 heisst:

  "Ich wollte Dir erst beweisen und begründen, es liege ursprünglich
  und wesentlich in der Natur des Mannes ein gewisser tölpelhafter
  Enthusiasmus, der gern mit allem Zarten und Heiligen herausplatzt,
  nicht selten über seinen eigenen treuherzigen Eifer hinstürzt und mit
  einem Wort leicht ~bis zur Grobheit göttlich ist~".

  ~Koberstein~ ("Grundriss", 5. Auflage, 4. Band, S. 696) sagt: "Die
  Gegner (der Romantiker) griffen den Ausdruck Fr. Schlegels 'göttliche
  Grobheit', dessen er sich in der 'Lucinde' bedient hatte, auf und
  wandten ihn häufig auf die Kritik und Polemik der neuen Schule
  an". (?) Hiernach wäre der erste, welcher "göttliche Grobheit"
  anwendete, nicht E. T. A. ~Hoffmann~ gewesen. (?) In seiner Erzählung
  im Berlinischen Taschen-Kalender von 1821: "Die Irrungen. Fragment
  aus dem Leben eines Phantasten" heisst es im Kapitel "Traum und
  Wahrheit": "O Baron, sprach die Jungfrau, du hast Mut und nicht fremd
  blieb dir göttliche Grobheit".--

       *       *       *       *       *

Von *Novalis* (Friedrich Freiherr von Hardenberg 1772-1801) ist das im
Schlegel-Tieckschen Musenalmanach für 1802 mitgeteilte:

      *Wenn ich ihn nur habe,
      Wenn er mein nur ist,*

sowie das ebenda befindliche:

      *Wenn alle untreu werden,
      So bleib' ich dir doch treu.*

  Max von ~Schenkendorf~ ("Gedichte", Cotta 1815, S. 141 "Erneuter
  Schwur". Junius 1814. An Friedrich Ludwig Jahn.) wiederholte diese
  Verse, nur dass er "euch" statt "dir" setzte und die Gefährten seiner
  Jugend damit besang.--

       *       *       *       *       *

Nach R. ~Köpke~: "Ludwig Tieck, Erinnerungen aus dem Leben des
Dichters" (I, 210 und 211) ist ~Ludwig~ *Tieck* (1773-1853) der
Schöpfer des Wortes:

      *Waldeinsamkeit.*

Es heisst daselbst: "Als Tieck sein Märchen 'Der blonde Eckbert'
(1797) im Kreise der Freunde aus dem Korrekturbogen vorlas, erfuhr das
Wort, welches im Mittelpunkt desselben stand, ~Waldeinsamkeit~, eine
scharfe Kritik, ~Wackenroder~ erklärte, es sei unerhört und undeutsch,
wenigstens müsste es heissen: "Waldeseinsamkeit". Die Übrigen stimmten
bei. Umsonst suchte ~Tieck~ sein Wort durch ähnliche Zusammensetzungen
zu verteidigen. Er musste endlich schweigen, ohne überzeugt zu
sein, strich es aber nicht aus und gewann ihm das Bürgerrecht in
der Litteratur". ~Tieck~ selbst erzählt dies in seiner 1841 in der
"Urania", (S. 133 ff.) erschienenen Novelle "Waldeinsamkeit", nennt
jedoch das Jahr 1796.--

Das Wort

      *romantisch,*

das 1734 im "Bernischen Spectateur" neben dem bis dahin üblichen
"romanisch" zuerst[54] vorkommt, erlangte seine allgemeine
Bedeutung als litterarischer Parteiname, nachdem ~Tieck~ 1800 seine
Gesamtgedichte unter dem mit vollster Unbefangenheit gewählten Titel
"Romantische Dichtungen" herausgegeben hatte (s. R. ~Köpke~: "Ludwig
Tieck, Erinnerungen aus dem Leben des Dichters", I, 265; s. auch
II, 172). Erst A. W. ~Schlegel~ stellte in "Charakteristiken und
Kritiken" (Königsberg 1801) die klassische Poesie des Altertums und die
romantische des Mittelalters und der Neuzeit als auf ganz verschiedene
Weise entstanden gegenüber. ~Romantic~ wird nach ~Friedländer~
("Darstell. aus d. Sittengesch. Roms", 5. Aufl. 1881. Bd. 2, S. 245)
im Englischen schon Mitte des 17. Jahr. von Personen und Naturscenen
gebraucht.--

[Fußnote 54: S. "Die Gegenwart" XXVII, S. 71 "Klassisch und
Romantisch." Eine Wortstudie von H. Breitinger.]

Ein Losungswort für und gegen die Romantik war einst Tiecks:

      *Mondbeglänzte Zaubernacht.*

Nämlich im Prolog und am Schlusse seines "Kaiser Oktavianus" (1804)
glossiert er das Thema:

      Mondbeglänzte Zaubernacht,
      Die den Sinn gefangen hält,
      Wundervolle Märchenwelt,
      Steig' auf in der alten Pracht!

~Uhland~ verwendet das Wort in seiner Glosse "Der Romantiker und
Recensent".--

       *       *       *       *       *

Amadeus Gottfr. Adolf *Müllner*s (1774-1829) Worte in dem Drama "Die
Schuld" (aufgeführt 1813, ersch. 1816) 2, 5:

      (Und) erklärt mir, Oerindur,
      Diesen Zwiespalt der Natur!
      (Bald möcht' ich in Blut sein Leben
      Schwinden seh'n, bald--ihm vergeben)

hat der Volksmund also umgestaltet:

      *Erkläret* (_löset_) *mir, Graf Oerindur,
      Diesen Zwiespalt der Natur.--*

       *       *       *       *       *

Von ~Luise~ *Brachmann* (1777-1822) citieren wir den ersten Vers ihres
Gedichtes "Columbus":

      *Was willst du, Fernando, so trüb und so bleich?--*

       *       *       *       *       *

~De la Motte~ *Fouqué*s (1777-1843) "Trost" ("Frauentaschenbuch für
1816" S. 187) beginnt:

      *Wenn alles eben käme,
      Wie du gewollt es hast.--*

       *       *       *       *       *

      *Zahlen beweisen*

oft erweitert zu:

      *Zahlen beweisen, sagt Benzenberg,*

müsste eigentlich heissen: "Zahlen entscheiden"; denn so lautet es an
vielen Stellen der Schriften des rheinischen Physikers und Publicisten
Joh. Friedr. *Benzenberg* (1777-1846). Verbreitet wurde der Ausdruck
besonders durch die "Kölnische Zeitung". Als nämlich 1833 der Stadt
Köln das Stapelrecht genommen und ihr zum Ersatz ein Freihafen gegeben
wurde, entspann sich unter den Beteiligten ein lebhafter Streit über
den Nutzen oder den Schaden der neuen Einrichtung, welcher in der
genannten Zeitung unter der abwechselnden Überschrift "Zahlen beweisen"
und "Zahlen beweisen nicht" ausgefochten wurde. Der Karneval von 1834
bemächtigte sich der Frage und verschaffte durch allerlei drollige
Wendungen und Zusätze dem Worte Eingang in die weitesten Kreise.--

       *       *       *       *       *

In Clemens *Brentano*s (1778-1842), Lustspiel "Ponce de Leon" (1804),
5, 2, sagt der Haushofmeister Valerio zu einem Schulmeister mit Bezug
auf eine erwartete Musikantenschar: "Diese schlechten Musikanten
und guten Leute aber werden sich unter Eurer Anführung im Walde
versammeln". Hieraus entstand durch E. T. A. ~Hoffmann~ ("Seltsame
Leiden eines Theater-Direktors", anonym, Berl. 1819, S. 198, u. "Kater
Murr", 1820, 2. Abschn.) und ~Heinrich Heine~ ("Ideen. Das Buch le
Grand", 1826, Kap. 13) das Dictum:

      *Gute Leute und schlechte Musikanten.*

~Brentano~ wird dadurch zu seinem Worte angeregt worden sein, dass die
Amme in Shakespeares "Romeo und Julia" (IV, 5) die Musikanten "Ihr
guten Leute" anspricht, denen weiterhin Peter sagt: "Es heisst 'Musik
mit ihrem Silberklang', weil solche Kerle, wie ihr, kein Gold fürs
Spielen kriegen".--

       *       *       *       *       *

Aus dem zuerst im "Neuen Liederbuch für frohe Gesellschaften",
Hamburg 1808, S. 91, sodann im Sommer 1810 bei J. A. Böhme in Hamburg
erschienenen "Gesellschaftslied: Im Kreise froher kluger Zecher, in
Musik gesetzt fürs Piano-Forte von Karl ~Döbbelin~" stammt:

      *Wir Menschen sind ja alle Brüder.*

(Schon Maleachi 2, 10 ruft aus: "Haben wir nicht alle einen Vater?")
Das Lied ist unterzeichnet *Ludwig*. Ist damit ~Johannes Ludwig~
gemeint, der Verfasser der "Lieder und Gedichte für Freunde der Natur
und häuslichen Glückseligkeit", Hildburghausen 1802? Später steht
~Zschokkes~ Name unter dem Liede. Nach dem "Nekrolog der Deutschen"
(IV, 281) soll Christian Gottlob ~Otto~, Professor der Mathematik an
der Fürstenschule zu Meissen (1763-1826) der Verfasser sein.--

       *       *       *       *       *

      *Volkstum*

ist Friedrich Ludwig *Jahn*s (1778-1852) Erfindung. Er gab "Das
deutsche Volkstum" 1810 zu Lübeck heraus. In der bereits 1808
geschriebenen, dem Buche vorangehenden "Erklärung", erwähnt er, dass
er schon früher eine Schrift "Volkstum" verfasst habe, die verloren
gegangen sei.--

      *Turnen*

ist ein ebenfalls von ~Jahn~ um jene Zeit eingeführtes Wort. Er
eröffnete 1811 den ersten Turnplatz in der Hasenhaide bei Berlin.
Turner (mit turnieren in Verbindung) steht bereits gegen 1650 bei
~Moscherosch~, "Philander von Sittewald", II, 146. (Althochdeutsch
turnan = wenden, lenken).--

       *       *       *       *       *

      (_Das Publikum, das ist_) *ein Mann,
      Der alles weiss und gar nichts kann,*

beginnt ein Gedicht "Das Publikum" von ~Ludwig~ *Robert* (1778-1832),
welches nach dem Nekrolog von W. Alexis für Robert (im "Freimütigen",
Juli 1832) "von Mund zu Munde" ging (s. "Ludw. ~Roberts~ Schriften".
Mannh. 1838. T. I, S. 19). Ernst ~von Wildenbruch~ in seinem "Christoph
Marlow" (1884) lässt Ben Jonson sagen (Akt 3, Sc. 5): "Ein Recensent,
siehst du, das ist ein Mann, der Alles weiss und gar nichts kann".--

Aus ~Roberts~ Gedicht "An L. Tieck. Promenaden eines Berliners in
seiner Vaterstadt" (1824) stammt das Wort (s. "Morgenblatt" vom 21.
Sept. 1824 und L. Roberts "Schriften" II, 125):

      *Hof-Demagoge.*

("So nämlich nenn' ich keinen Berliner! Hof-Demagogen sind Männchen,
Die allem Volke den Hof machen Und bei jeder Gelegenheit Für massigen
Preis, Was preussisch ist, preisen".)

  Dies wurde der Spitzname für den aus Münchengosserstädt stammenden
  Berliner Schriftsteller Friedrich ~Förster~, der ein eifriger
  Liberaler und Hofgelegenheitsdichter war. Später nannte ein Kritiker
  der "Nachträge zu den Reisebildern (1831)" im "Konversationsblatt"
  Heinrich ~Heine~ einen "Salondemagogen" (s. "Ges. W." XX, 225, 1876),
  woraus dann das harmlosere Witzwort "Salontiroler" entsprungen sein
  mag, was Berthold ~Auerbach~ in seinem Roman "Auf der Höhe" gebraucht
  und das von ~Defregger~ zum Titel und Inhalt eines Gemäldes (Berliner
  Nationalgalerie) auserkoren ward, nur dass dort nicht das Waldkind im
  Salon, sondern der Salonmensch unter den Wäldlern die komische Figur
  spielt.--

       *       *       *       *       *

Der "Denkspruch" von ~Karl~ *Streckfuss* (1779-1844):

      Im Glück nicht stolz sein und im Leid nicht zagen,
      *Das Unvermeidliche mit Würde tragen,*
      Das Rechte thun, am Schönen sich erfreuen,
      Das Leben lieben und den Tod nicht scheuen,
      Und fest an Gott und bess're Zukunft glauben,
      Heisst leben, heisst dem Tod sein Bitt'res rauben,

findet sich in seinen "Gedichten" (Lpzg. 1811) und ist im
Inhaltsverzeichnisse mit der Jahreszahl 1809 versehen. Die zweite Reihe
wurde zum "geflügelten Worte".

  Nach den Mitteilungen seiner Söhne bestimmte Streckfuss 1831, als die
  Cholera in Berlin herrschte, in seinem Testamente, dass jene Verse
  auf sein Grab gesetzt werden sollten. Sie befinden sich auch auf
  seinem namenlosen Grabstein auf dem alten Dreifaltigkeitskirchhofe
  in Berlin vor dem Hallischen Thore. 1843, ein Jahr, ehe Streckfuss
  starb, liess die litterarische Gesellschaft, deren Vorsteher
  er war, ihn durch Franz ~Kugler~ zeichnen und die, mit dem von
  ihm eigenhändig geschriebenen Denkspruch versehene Zeichnung
  lithographisch vervielfältigen.--Der gleiche Gedanke ist schon früh
  den Griechen aufgestiegen. Vrgl. ~Theognis~, 591-594 (Poetae lyrici
  graeci, ed. Bergk. Leipz. 1882, 4. Aufl. Tom. II):

      Τολμᾶν χρή, τὰ διδοῦσι θεοὶ θνητοῖσι βροτοῖσιν,
        ῥηϊδίως δὲ φέρειν ἀμφοτέρων τὸ λάχος,
      λίην χαλεποῖσιν ἀσῶ φρένα, μηδ' ἀγαθοῖσιν
        τερφθῇς ἐξαπίνης, πρὶν τέλος ἄκρον ἰδεῖν.

      (_Der Mensch soll dulden, was die Gottheit sendet,
        Und, wie das Loos auch fällt, es leicht ertragen.
        Im Leid lass nie dein Herz zu tief verzagen,
      Im Glück nicht jubeln, eh' du weisst, wie's endet!_)

  und die Worte des ~Kleobulus~ bei Diogenes Laertius (I, 6 u. 4, 93):

      εὐτυχῶν μὴ ἴσθι ὑπερήφανος ἀπορήσας μὴ ταπεινοῦ.

      (_Sei nicht übermütig im Glück, nicht kleinmütig im Unglück._)

  Conz († 1827) übersetzt den am Ende des "Handbuches des Epiktet"
  (Stuttgart o. J.) befindlichen Vers (der nach Simplicius dem
  ~Kleanthes~, Schüler des Zeno und Lehrer des Chrysippus, angehört):

      Ὅστις δ' ἀνάγκῃ συγκεχώρηκεν καλῶς

      (_Wer sich der Notwendigkeit in schöner Weise fügt_)

  mit Benutzung der Streckfussischen Worte:

      _Und wer das Unvermeidliche mit Würde trägt._

  Die erste Zeile der Streckfussischen Grabschrift entsprang wohl dem
  Verse

      "Im Glücke bin ich stolz, verzagt in Kümmernissen"

  aus ~Gellerts~ Gedicht "Das natürliche Verderben des Menschen" (s.
  "Geistliche Oden und Lieder" 1757).--

       *       *       *       *       *

Aus der zuerst 1809 aufgeführten "Schweizerfamilie" Joseph ~Weigls~
mit Text von Ignaz Friedr. *Castelli* (1781-1862) citieren wir:

      *Setz' dich, liebe Emeline,
      Nah', recht nah zu mir.--*

       *       *       *       *       *

Der Anfang eines Liedes von ~Johann Rudolf~ *Wyss d. J.* (1781-1830)
lautet:

      *Herz, mein Herz, warum so traurig?
      Und was soll das Ach und Weh?*

  Es erschien im Schweizeralmanach "Alpenrosen" 1811 zuerst in Berner
  Mundart:

      "Herz, myn Herz, warum so trurig?"--

       *       *       *       *       *

Adalbert *v. Chamisso*s (1781-1831):

      *Der Zopf, der hängt ihm hinten,*

(1822. "Tragische Geschichte". Zuerst in "Moosrosen" auf das Jahr 1826,
herausg. von Wolfgang ~Menzel~, Stuttg. 1826, S. 395, 396) ist ebenso
bekannt, wie sein

      *Das ist die Zeit der schweren Not,*

was zuerst in einem im Juni 1813 von ~Chamisso~ an J. ~Hitzig~ aus
Kunersdorf geschriebenen Briefe vorkommt (J. Hitzig: "Leben und Briefe
von Ad. v. Chamisso", I., S. 343, Leipz. 1839), wo es heisst: "Gott
verzeihe mir meine Sünden!

                    Thema.
      Das ist die schwere Zeit der Not,
      Das ist die Not der schweren Zeit,
      Das ist die schwere Not der Zeit,
      Das ist die Zeit der schweren Not".

Diese vier Zeilen führen in den Werken Chamissos jetzt den Titel
"Kanon".--

In ~Chamissos~ "Nachtwächterliede" (1826; Werke 3, 95 Lpz. Weidmann,
1836) lautet die dritte Strophe:

      "Hört, ihr Herrn, so soll es werden:
      Gott im Himmel, wir auf Erden,
      *Und der König absolut,
      Wenn er unsern Willen thut.*
      Lobt die Jesuiten!"--

Auch wird aus ~Chamissos~ "Frauen-Liebe und -Leben" 2 ("Gedichte" 1831
n. A.) citiert:

      *Er, der herrlichste von allen.*

  vrgl. Hiob 1, 3: "Er war herrlicher, denn Alle, die gegen Morgen
  wohneten".--

       *       *       *       *       *

Max von *Schenkendorf* (1783-1817) sagt in der vorletzten Strophe von
"Schills Geisterstimme" (1809):

      *Für die Freiheit eine Gasse!*

Theodor ~Körner~ sagt nach ihm in seinem "Aufruf" (von 1813) "Frisch
auf, mein Volk! die Flammenzeichen rauchen", wo es den Anfang des
vorletzten Verses der ersten Strophe bildet:

      *Der Freiheit eine Gasse!*

  Dass Arnold von Winkelried, wie erzählt wird, sich mit diesen Worten
  1386 in der Schlacht bei Sempach in die Speere der Feinde gestürzt
  habe, lässt sich nicht nachweisen. Im Liede ~Halbsuters~, das von
  Liliencron in den "historischen Volksliedern der Deutschen vom 13.
  bis 16. Jahrh.", 1. Bd. S. 125-140 mitteilt, wird nur Strophe 27 "Ein
  Winkelried" genannt und Strophe 29 von ihm gesagt:

      Hie mit da tet er fassen
      ein arm voll spiess b'hend;
      den sinen macht er gassen,
      sin leben hat ein end.

  ~Herwegh~ besang Winkelrieds That mit einem Gedichte, dessen Titel
  und Kehrreim: "Der Freiheit eine Gasse!" ist. Ähnlich sagte schon um
  61 n. Chr. ~Seneca~ ("de provid." 2), indem er schildert, wie Cato
  Uticensis sich nach der Niederlage bei Thapsus (46 v. Chr.) das Leben
  nahm: "Una manu latam libertati viam faciet"--"mit einer Hand wird er
  der Freiheit eine breite Bahn schaffen".--

Auch citieren wir den Anfangsvers von ~Schenkendorfs~ Liede (1813):

      *Freiheit, die ich meine,*
      Die mein Herz erfüllt,
      Komm' mit deinem Scheine,
      Süsses Engelsbild!--

       *       *       *       *       *

      *Was vergangen, kehrt nicht wieder;
      Aber ging es leuchtend nieder,
      Leuchtet's lange noch zurück!*

bildet in den Gedichten ~Karl~ *Förster*s (1784-1841), herausg. v. L.
~Tieck~, Leipz. 1843, I. S. 60 den Anfang des Gedichtes "Erinnerung und
Hoffnung".--

       *       *       *       *       *

Das von ~Pius Alex.~ *Wolff* (1784-1828) nach des Cervantes Novelle:
"la gitanilla de Madrid" gedichtete Drama "Preciosa" (zum ersten Male
in Berlin 14. März 1821 auf die Bühne gekommen) enthält 1, 5:

      *Herrlich! Etwas dunkel zwar--
      Aber 's klingt recht wunderbar,*

und

      *Leb' wohl, Madrid!* (_Nie wende sich dein Glück!_)--

Der 2, 1 vorkommende Reim:

      Wird man wo gut aufgenommen,
      Muss man ja nicht zweimal kommen,

lautet als stehendes Citat gefälliger so:

      *Wird man wo gut aufgenommen,
      Muss man nicht gleich wiederkommen.--*

2, 2 enthält Preciosas Gesang:

      *Einsam bin ich nicht alleine,*

(s. "Geflügelte W. a. d. Geschichte". "Rom": Scipio.)--

Aus 3, 2 der "Preciosa" sind die Worte Pedros:

      *Auf der grossen Retirade*, und:
      *Peter des Plaisirs*

für "maitre de plaisir", und

      *Thut nichts, könnt's noch öfter hören;*

aus Sc. 3 u. 8:

      *Donnerwetter Parapluie;*

Die Stelle der dritten Scene lautet:

      Pedro:      Parapluie!

      Ambrosio:   Flucht nicht so grässlich!

      Pedro:      Donnerwetter!

Pedro spricht gern in wälschen, von ihm missverstandenen Wörtern,
und so wird jenes "Parapluie" von ihm aus "parbleu" verzerrt, das
seinerseits aus "par Dieu" entstand, wie "Potsdonnerwetter" aus
"Gottsdonnerwetter".--

       *       *       *       *       *

Ernst Benj. Sal. *Raupach* (1784-1852) lässt seinen "König Enzio"
(1831) zweimal sagen:

      *Das Glück war niemals mit den Hohenstaufen.*

  (Akt 2, Sc. 2, Auftritt 5 und Akt 4, Sc. 2, Auftritt 8.)--

       *       *       *       *       *

Adolf *Bäuerle*s (1784-1869) Lied "Was macht denn der Prater?" aus
seinem von Wenzel ~Müller~ komponierten Operntext "Aline" (aufgef. in
Wien am 9. Okt. 1822) hat den Refrain:

      "Ja nur ein' Kaiserstadt, ja nur ein Wien".

Dies Lied wurde in K. v. ~Holteis~ "Die Wiener in Berlin" (4. Jahrb. d.
Bühne für 1825) eingeschoben, und man citiert es im Wiener Dialekt:

      *'s giebt nur a Kaiserstadt, 's giebt nur a Wien!*

"Es giebt nur a Wien" steht übrigens schon in einer 1781 in Wien
erschienenen, namenlosen Schrift "Schwachheiten der Wiener".--

       *       *       *       *       *

Ein altes jüdisches Sprichwort: "Butterbrot fällt uf's Ponim" (d.h.
aufs Gesicht, vom hebräischen "panim") hat Ludwig *Börne* (1786-1837)
zu dem Worte verarbeitet (Ges. Schr., 3, 276):

      *Minister fallen, wie Butterbrode, gewöhnlich auf die*
          _gute_ *Seite.--*

In seiner "Rede auf Jean Paul" (Ges. Schr., 1, 313) sagt ~Börne~ (vrgl.
Kap. IX ~Heraklits~ "*πάντα ῥεῖ*"):

      *Nichts ist dauernd als der Wechsel,*

was ~Heine~ als Motto seiner "Harzreise" (1824) verwendet.--

In den "Briefen aus Paris" schreibt ~Börne~ unter dem 4. Nov.
1831 (Ausg. 1833: IX, 83): "Salvandy ist einer von den ~bequemen
Carlisten~, die in ~Pantoffeln und im Schlafrock~ die Rückkehr
Heinrichs V. abwarten". Dies Wort verwandte der preussische Minister
des Auswärtigen, Frhr. v. ~Manteuffel~, als er am 8. Jan. 1851 in der
ersten Kammer über eine etwaige Beamtenrevolution sagte: "Ja, meine
Herren, ich erkenne eine solche ~Revolution~ für sehr gefährlich,
gerade weil man sich dabei in ~Schlafrock und Pantoffeln~ beteiligen
kann, während der Barrikadenkämpfer wenigstens den Mut haben muss,
seine Person zu exponieren". Daher stammt der Ausdruck:

      *Revolutionäre in Schlafrock und Pantoffeln.*

  Börne wird nur ein in Paris wohl längst bekanntes Wort ~Napoléons~
  umgemodelt haben, welcher, nach den "Memoires de Mdme la Duchesse
  d'Abrantés" (Par. 1832, VI, 40), kurz bevor er die Tempel der Pariser
  Theophilanthropen schloss (Décret des 1. Consuls vom 4. Okt. 1801),
  deren Religion "une religion en robe de chambre" nannte.--

       *       *       *       *       *

      *Der Karnickel hat angefangen!*

steht in folgender von dem Reimer und Kupferstecher Heinrich
*Lami* (1787-1849) in Verse gebrachten Geschichte, "Eigennützige
Dienstfertigkeit" (s. "Mixpickel (sic!) und Mengemus, eingemacht von H.
~Lami~", Magdeburg 1828, S. 21 und 22): Der Pudel eines über den Markt
wandelnden Herrn zerreisst ein lebendiges Kaninchen, das zu dem Kram
einer Hökerin gehört. Obwohl der Herr ihr zehnfachen Ersatz bietet,
besteht die Verkäuferin, in der Absicht, ihn zu prellen, darauf, dass
er mit ihr "auf die Obrigkeit" gehen soll. Ein Schusterjunge, der
dem Streite zugehört hat, nimmt Partei für den Herrn und verspricht,
gegen ein Trinkgeld zu bezeugen, "det der Karnickel hat angefangen"
(dass das Kaninchen angefangen hat). Der Ausdruck ist jetzt auch ins
Französische übergegangen. Am Schluss eines Artikels "Aménités" der
Pariser Zeitung "Le Bien public", No. 66, 7. März 1877, heisst es:
"Encore une fois,

      c'est le lapin qui a commencé!"--

       *       *       *       *       *

Aus Ludwig *Uhland*s (1787-1862) "Wanderliedern" (7, "Abreise"; 14.
Sept. 1811; zuerst gedruckt im "Deutschen Dichterwald", S. 32, Tübingen
1813, wo es die Bezeichnung 6 trägt) wird citiert:

      *Von Einer aber thut mir's weh;*

aus ~Uhlands~ "Frühlingsglauben" ("Frühlingslieder", 2; 21. März 1812;
zuerst ebenda S. 5):

      *Nun muss sich Alles, Alles wenden,*

und:

      *Die Welt wird schöner mit jedem Tag;
      Man weiss nicht, was noch werden mag;*

aus ~Uhlands~ "Freier Kunst" (24. Mai 1812, zuerst gedruckt im
"Deutschen Dichterwald", S. 3):

      *Singe, wem Gesang gegeben,*

was Chamisso 1831 zum Motto seiner "Gedichte" erkor; aus "Des Sängers
Fluch" (3. u. 4. Dez. 1814; Gedichte, Stuttg. u. Tüb., Cotta, 1815, S.
335) das vielfach travestierte:

      *Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut,
      Und was er spricht, ist Geissel, und was er schreibt, ist Blut;*

ferner:

      *Noch eine hohe Säule zeugt von verschwundener Pracht;*

und:

      *Versunken und vergessen.--*

Aus der "Schwäbischen Kunde" (6. Dez. 1814), ebenda S. 287 wird citiert:

      *Der wackre Schwabe* (_oft verwandelt in:_ *Ein wackrer Schwabe)
          forcht sich nit;*

aus ~Uhlands~ "Vaterländischen Gedichten. Am 18. Okt. 1816":

      *Untröstlich ist's noch allerwärts;*

aus "Bertran de Born" ("Morgenblatt von 1829", No. 283. 6. Nov.):

                          *Deines Geistes
      Hab' ich einen Hauch verspürt.--*

       *       *       *       *       *

Aus dem einaktigen, 1836 erschienenen Vaudeville Karl *Blum*s
(1786-1844): "Ein Stündchen vor dem Potsdamer Thor", ist wohl nur in
Norddeutschland geläufig:

      *O Kyritz, mein Vaterland!--*

       *       *       *       *       *

Aus Louis *Angely*s (1788-1835): "Fest der Handwerker" (Angelys
"Vaudeville und Lustspiele", Berlin 1828-34, II. 11) sind die Worte des
Maurerpoliers Kluck:

      *Positus, ich setz' den Fall,*

mit Anlehnung an ~Jean Pauls~ "Posito, gesetzt Sie werden unser
Landmesser" (in dem "heimlichen Klaglied der jetzigen Männer", "4.
Ruhestunde") und:

      *Darum keine Feindschaft nicht!*
      (_eigentlich: "Dadrum keene Feindschaft nich"_)

sowie die Redensart Hähnchens des Tischlers:

      *Allemal derjenige, welcher,*

besonders in Berlin übliche Citate geblieben.--

Aus demselben Lustspiele erhielt sich auch Hähnchens Wort

      *Nie ohne dieses.--*

       *       *       *       *       *

Arthur *Schopenhauer* (1788-1860) braucht in seinen 1856-1860
geschriebenen "Materialien zu einer Abhandlung über den argen Unfug,
der in jetziger Zeit mit der deutschen Sprache getrieben wird" (A.
Sch.'s "Handschriftlicher Nachlass", her. v. J. Frauenstädt. Lpz. 1864.
S. 66) zuerst das Wort

      *Zeitungsdeutsch.--*

       *       *       *       *       *

Aus Joseph Freiherr *v. Eichendorff*s (1788-1857) Gedichte "Der frohe
Wandersmann" (1822), zuerst gedruckt in der Novelle "Aus dem Leben
eines Taugenichts", (Berlin 1826. S. 4-5) wird der Anfang citiert:

      *Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
      Den schickt er in die weite Welt.--*

       *       *       *       *       *

Aus Friedrich *Rückert*s (1788-1866) Gedichte "Welt und Ich" wird
citiert:

      *Wenn die Rose selbst sich schmückt,
      Schmückt sie auch den Garten.*

Es stand zuerst im "Deutschen Musen-Almanach" von ~Chamisso~ und
~Schwab~, 1834, No. 19, S. 41. 42.--

       *       *       *       *       *

Aus Ferdinand *Raimund*s (1790-1836) Zauberspiele "Der Diamant des
Geisterkönigs", (1824) 2, 19 wird citiert:

      *Ich bin dein Vater Zephises
      Und habe dir nichts zu sagen als dieses.--*

In ~Raimunds~ romantischem Original-Zaubermärchen (1826) "Der Bauer als
Millionär" oder "Das Mädchen aus der Feenwelt", 2, 6, singt die Jugend:

      Scheint die Sonne noch so schön.
      Einmal muss sie untergeh'n,

was durch Heinr. ~Heine~ ("Buch der Lieder", Vorrede zur 2. Aufl. 1837)
in der Umformung Citat wurde:

      *Und scheint die Sonne noch so schön,
      Am Ende muss sie untergeh'n.--*

In ~Raimunds~ romantisch-komischem Märchen (1828) "Der Alpenkönig und
der Menschenfeind" (1, 20 u. 21) singt die arme Kohlenbrennerfamilie
"Glühwurm" beim Verlassen ihres vom reichen "Rappelkopf" gekauften
Hauses, das sie in Leid und lärmendem Zwist bewohnt, fünfmal die Verse:

      *So leb' denn wohl du stilles Haus.*
      _Wir ziehn betrübt aus dir hinaus._--

       *       *       *       *       *

Aus Theodor *Körner*s (1791-1813) "Hedwig" 2, 10 citieren wir:

      *Die Pferde sind gesattelt* (_gnäd'ger Herr_)

als Beispiel für eine unbedeutende Rolle, da es die einzigen Worte
sind, die ein auftretender Diener in jenem Stück zu sprechen hat.--

Aus ~Körners~ "Aufruf" (1872. "Frisch auf, mein Volk! ...") stammt:

      *Vergiss die treuen Toten nicht!--*

       *       *       *       *       *

Aus Franz *Grillparzer*s (1791-1813) "Ahnfrau" (1816) ist anzuführen:

      *Den Jüngling ziert Bescheidenheit,*

eine Umstellung der Worte gegen Ende des ersten Aufzuges:

      Ziert Bescheidenheit den Jüngling,
      (Nicht verkenn' er seinen Wert,)

welche auch die bekannte Travestie hervorgerufen haben:

      *Bescheidenheit ist eine Zier,
      Doch kommt man weiter ohne ihr.--*

Aufzug 3 der "Ahnfrau" bietet:

      *Ja, ich bin's, du Unglücksel'ge,
      Bin der Räuber Jaromir;*

auch dies ist verändert, da zwischen beiden Versen fünfzehn andere des
ursprünglichen Textes weggelassen werden.--

In ~Grillparzers~ "Abschied von Wien" (1842) wird Wien

      *Capua der Geister*

genannt, weil Capua bei den Alten wegen seiner entnervenden Üppigkeit
berühmt war.--

       *       *       *       *       *

      *Ich bin ein Preusse, kennt ihr meine Farben?*

wurde zum Geburtstage ~Friedrich Wilhelms III.~ 1830 von J. B.
*Thiersch* (1794-1855) verfasst und steht in den "Liedern und Gedichten
des Dr. Bernhardt Thiersch, von seinen Freunden in und bei Halberstadt
für sich herausgegeben" (Halberstadt 1833).--

       *       *       *       *       *

Graf August *v. Platen* (1796-1835) sagt in einem titellosen Gedichte
vom Jahre 1818:

      *So viel Arbeit um ein Leichentuch!--*

       *       *       *       *       *

August Heinrich *Hoffmann von Fallersleben* (1798-1874) dichtete 1822
das Lied:

      *Du siehst mich an und kennst mich nicht.*

Es erschien zuerst in seinen "Gedichten", Breslau 1827, S. 114. Sein
auf Helgoland entstandenes Lied:

      *Deutschland, Deutschland über alles*

erschien zuerst als Einzeldruck am 1. September 1841 zu Hamburg,
und zwar mit Haydns Melodie zu "Gott erhalte Franz den Kaiser",
wodurch Hoffmann die österreichische Volkshymnenweise geschickt nach
Deutschland hinüberspielte.--

       *       *       *       *       *

Aus dem 1826 zum ersten Male auf der Königstädtischen Bühne in Berlin
gegebenen Singspiele von Karl *v. Holtei* (1798-1880): "Der alte
Feldherr" sind folgende zwei Liederanfänge:

      *Denkst du daran, mein tapferer Lagienka?*

eine Nachbildung des 1815 gedichteten Liedes von Emile ~Debraux~:

      Te souviens-tu, disait un capitaine
      Au vétéran qui mendiait son pain?

("Chants et chansons populaires de la France par H. L. Delloye", Paris
1843, 2. Serie, No. 1), und

      *Ford're niemand mein Schicksal zu hören!--*

Der Anfang des 1827 geschriebenen Mantelliedes aus ~Holteis~ "Lenore"
(zum ersten Male aufgeführt zu Berlin, 12. Juni 1828) lautet:

      *Schier dreissig Jahre bist du alt,
      Hast manchen Sturm erlebt.*

Das Lied fand die weiteste Verbreitung, weil es nach der schönen alten
Volksweise gesungen wird: "Es waren drei Reiter gefangen".--

       *       *       *       *       *

Aus Heinrich *Heine* (1799-1856) citieren wir das 1822 in den
"Gedichten" mit der Überschrift "An Karl von U(echtritz). Ins
Stammbuch" abgedruckte:

      (_Anfangs wollt' ich fast verzagen
      Und ich glaubt' ich trüg' es nie,
      Und ich hab' es doch getragen,_--)
      *Aber fragt mich nur nicht wie?--*

Und aus seiner ebenda befindlichen, 1819 gedichteten Romanze "Die
Grenadiere":

      *Was schert mich Weib, was schert mich Kind?*
      (_Lass sie betteln gehn, wenn sie hungrig sind._)

  Dies entsprang den Versen der altschottischen Ballade "Edward,
  Edward" (s. Percy: "Reliques of ancient english poetry", 2. ed.,
  London 1767, p. 59):

      "And quhat wul ze leive to zour bairns and zour wife,
            Quhan ze gang ovir the sea, O?
      The warld is room, late them beg throw life,
                  Mither, mither."

  Nach Herder (Suphan, Bd. 25, S. 20, Berl. 1885), aus dem Heine wohl
  schöpfte:

      "Und was willst lassen dein'm Weib und Kind
            wann du gehst übers Meer--o!
      Die Welt ist Raum!--lass's betteln drinn
                  Mutter, Mutter."--

Aus ~Heines~ "Lyrischem Intermezzo" (1823 mit den "Tragödien"
erschienen) sind die Anfangsverse der Gedichte (No. 1 u. 9):

      *Im wunderschönen Monat Mai,*

und:

      *Auf Flügeln des Gesanges,*

sowie (No. 39) die Verse aus dem zuerst im Berliner "Gesellschafter"
vom 9. Okt. 1822 gedruckten Gedichte: "Ein Jüngling liebt' ein Mädchen":

      *Es ist eine alte Geschichte,
      Doch bleibt sie immer neu.--*

Aus ~Heines~ "Heimkehr" (No. 2) ist das zuerst im Berliner
"Gesellschafter" vom 26. März 1824 abgedruckte:

      *Ich weiss nicht, was soll es bedeuten,
      Dass ich so traurig bin;
      Ein Märchen aus alten Zeiten,
      Das kommt mir nicht aus dem Sinn,*

mit dem Schlusse:

      *Und das hat mit ihrem Singen
      Die Lorelei gethan;*

ferner der Schluss des zuerst in den "Rheinblüten" (Taschenbuch auf das
Jahr 1825) abgedruckten Gedichtes (No. 19):

      Sei mir gegrüsst, du grosse,
      Geheimnisvolle Stadt,

mit dem überraschenden Wortspiel:

      (_Die Thore jedoch, die liessen
      Mein Liebchen entwischen gar still;_)
      *Ein Thor ist immer willig,
      Wenn eine Thörin will;*

und aus dem (ebenda zuerst gedruckten) Gedichte (No. 38) "Mensch,
verspotte nicht den Teufel" die Zeile:

      *Mensch bezahle deine Schulden;*

sowie der Anfang des Liedes (No. 64):

      *Du hast Diamanten und Perlen*

mit seinem Kehrreim:

      *Mein Liebchen, was willst du mehr?*[55]

welches mit der Notiz "Geschrieben im Herbst 1823" zuerst in der
Hamburger Zeitschrift "Die Biene" vom 31. Jan. 1826 erschien; und das
in No. 66 enthaltene:

      *Die Leutnants und die Fähnderichs,
      Das sind die klügsten Leute.--*

[Fußnote 55: Eine Anlehnung an den Kehrreim in Goethes "Nachtgesang":
"Schlafe! ~was willst du mehr~?" (vrgl. "Goethe in Heines Werken" v. W.
Robert-tornow. 1883. S. 11) der dem "Dormi, ~che vuoi di più~?" eines
von Reichardt komponierten italienischen Volksliedes nachgebildet ist,
welches Viehoff ("Goethes Gedichte" I, 110; 3. Aufl. 1876) mitteilt.]

Am Schlusse eines Gedichtes in der "Harzreise" (1824; Ges. W. I, 63)
nennt ~Heine~ sich einen "Ritter von dem heil'gen Geist"; ein Wort, das
uns in der Form

      *Ritter vom Geist*

durch ~Gutzkows~ Roman "Die Ritter vom Geiste" (1850-52) geläufig
wurde.--

Aus dem siebenten Gedichte des zweiten Cyklus von ~Heines~ "Nordsee"
(1826), "Fragen", wird der Schlussvers citiert:

      *Und ein Narr wartet auf Antwort.--*

Alle bisher angeführten Heinecitate finden sich im "Buch der Lieder".--

In den "Englischen Fragmenten" (1828, Kap. 12, Vorrede von 1830) nennt
sich ~Heine~ "so recht

      *europamüde".*

Ernst ~Willkomm~ schrieb dann (1838) einen Roman "Die Europamüden",
und ~Immermann~ citierte das Wort im "Münchhausen" (Düsseld. 1839. I,
18). Im Vorwort zu A. ~Weills~ "Sittengemälden aus dem elsässischen
Volksleben", 1847 (Ges. W. XIV, 151), und im "Romancero", 1846-51
(Ges. W. XVIII, 79 u. 122), wendet Heine selbst das Wort wiederum an.--

Aus ~Heines~ "Neuem Frühling" (1831), No. 6, stammt:

      *Wenn du eine Rose schaust,
      Sag', ich lass' sie grüssen.--*

Aus Kap. 24 von ~Heines~ "Atta Troll" (Kap. 1-24 ersch. 1843 in der
"Zeitung für die elegante Welt") ist:

      *Kein Talent, doch ein Charakter,*

und aus Kap. 27 des "Atta Troll" (ersch. Hamb. 1847), wo Heine von den
jungen Freiheitsdichtern im Gegensatz zu den alten Romantikern singt:

      "Das sind ja des Völkerfrühlings
      Kolossale Maienkäfer,
      Von Berserkerwut ergriffen!"

citieren wir den

      *Völkerfrühling.*

  Fürst ~Bismarck~ schloss seine Reichstagsrede am 2. März 1885 mit
  dem Satz: "Es liegt eine eigentümliche prophetische Voraussicht
  in unserem alten nationalen Mythus, dass sich, so oft es den
  Deutschen gut geht, wenn ein deutscher Völkerfrühling wieder, wie
  der verstorbene Kollege Völk sich ausdrückte, anbricht, dass dann
  auch stets der Loki nicht fehlt, der seinen Hödur findet, einen
  blöden, dämlichen Menschen, den er mit Geschick veranlasst, den
  deutschen Völkerfrühling zu erschlagen, respektive niederzustimmen".
  Joseph ~Völks~ Rolle im öffentlichen Leben begann aber erst nach
  dem Erscheinen des "Atta Troll", so dass er wohl schwerlich vor
  ~Heine~ vom "Völkerfrühling" gesprochen haben wird. ~Heine~ singt
  schon in seinem "Poseidon" (1825-26 "Die Nordsee" I, 5) von Hellas'
  leuchtendem "Menschenfrühling" und Friedrich ~Delbrück~ schrieb ein
  Buch "Über die Verehrung gegen Eltern und der Frühling der Natur
  verglichen mit dem Frühling des Menschengeschlechts". Magdeburg
  1799.--

Schliesslich citiert man aus ~Heines~ "Neuen Gedichten", 1844 (Jolanthe
und Marie):

      *Blöde Jugendeselei,*

und aus dem "Romancero" (1846-51 "Zwei Ritter") als Muster verkommenen
Polentums:

      *Krapülinski und Waschlapski.--*

       *       *       *       *       *

Aus Wilhelm *Hauff*s (1802-27) Liede "Reiters Morgengesang" (gedichtet
1824 nach dem schwäbischen Volksliede) citieren wir, das Vergängliche
menschlicher Pracht betonend:

      *Gestern noch auf stolzen Rossen,*
      (_Heute durch die Brust geschossen,
      Morgen in das kühle Grab!_).

und:

      *... ach, wie bald
      Schwindet Schönheit und Gestalt!--*

       *       *       *       *       *

Aus Nikolaus *Lenau*s (1802-50) Liede "Der Postillon" hört man oft den
Anfangsvers citieren:

      *Lieblich war die Maiennacht.--*

       *       *       *       *       *

Aus des Wieners ~Friedrich Kaiser~ Posse "Verrechnet", deren Kouplets
von Johann Nepomuk *Nestroy* (1802-62) sind, blieb

      Es muss ja nicht gleich sein,
      -- es hat ja noch Zeit,

in der Form bekannt:

      *Muss es denn gleich sein?--*

       *       *       *       *       *

Ludolf *Wienbarg* (1802-72) versah sein Buch "Aesthetische Feldzüge",
1834, (nach ~Strodtmann~ "Heines Leben" I, S. 432, auf den Vorschlag
seines Verlegers ~Julius Wilh. Campe~) mit einer Widmung an

      *das junge Deutschland,*

und im folgenden Jahre richtete W. ~Menzel~ ("Litteraturblatt", 11. und
13. Sept.) seinen ersten Angriff auf die junge Litteratur, der er zum
Zeichen der Verachtung ihres kosmopolitischen Strebens den Namen "la
jeune Allemagne" gab.--

      *Des Lebens Unverstand mit Wehmut zu geniessen,
      Ist Tugend und Begriff;*

stammt aus dem Anfange dieses Jahrhunderts und hat nicht, wie die
"Braunschweiger Anzeigen" (Okt. 1876. St. 232. S. 2809) behaupten,
den weiland braunschweigischen Hof-Buchbinder Joh. Engelh. Voigts zum
Verfasser, sondern den General und Oberhofmarschall des Kurfürsten von
Hessen, Hans Adolf *von Thümmel* († 1851), der in dem Glauben, ein
Dichter zu sein, viele ähnliche Verse beging. Die obigen begeisterten
einen Kandidaten der Theologie, A. L., dazu, ins Fremdenbuch der
Rudelsburg folgende Worte (mit Zeichnung) einzutragen:

      Und wer des Lebens Unverstand
      Mit Wehmut will geniessen,
      Der lehne sich an eine Wand
      Und strample mit den Füssen.--

Derselbe v. Thümmel soll auch der Verfasser sein von:

      *Im Schatten kühler Denkungsart.*

Möglicherweise aber sind ~diese~ Worte Eigentum des oben genannten
~Voigts~, wie in dem angeführten Artikel der "Braunschweiger Anzeigen",
allerdings ohne Beleg, versichert wird.--

       *       *       *       *       *

Aus Gust. Albert *Lortzing*s (1803-51) zuerst 1837 in Berlin
aufgeführter Oper "Czar und Zimmermann" citieren wir:

      *O, ich bin klug und weise,
      Und mich betrügt man nicht.*

und:

      *Es ist schon lange her--*

endlich:

      *O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!*

Der Text zu dieser komischen Oper ist nach ~Hoffmann von Fallersleben~
("Unsere volkstümlichen Lieder", No. 817, Nachtrag) von Salomon ~Reger~
(1804-57); nach dem Textbuche Hermann Mendels (Herausg. d. musikal.
Convers.-Lex.) hat aber ~Lortzing~ den Operntext selbst gedichtet, und
nur das Czarenlied stammt von Salomon *Reger* her.--

       *       *       *       *       *

Aus Eduard *Mörike*s (1804-75) Gedichten ist in Süddeutschland als
Citat anzusehen:

      *Sommerweste.*

Nämlich in dem Gedichte "An meinen Vetter" (1. Ausg. der Gedichte,
Stuttg. u. Tüb. 1838, S. 208-9) heisst es:

      Lieber Vetter! Er ist eine
      Von den freundlichen Naturen,
      Die ich Sommerwesten nenne.--

       *       *       *       *       *

      *Setze dir neben mir,
      Dir steh'n zu seh'n, das jammert mir,*

und:

      *Was ist mich das, mein Kind, mit dich!
      Du isst mich nich, du trinkst mich nich,*

und:

      *Du bist mich doch nich krank?*

sind einem, die in Berlin gewöhnliche Verwechselung von ~mir~ und
~mich~ verspottenden Gedichte des Hofschauspielers *Rüthling* (†
1849) entnommen, lauten jedoch im Originale ("Museum komischer
Vorträge", No. 1, 11. Aufl., Berlin) etwas anders.--

       *       *       *       *       *

Aus den Gedichten von Karl Friedrich Heinrich *Strass* (1803-64)
citieren wir den Anfang eines von ihm 1842 gedichteten, von ~Chemnitz~
umgearbeiteten und von C. G. ~Bellmann~ komponierten Liedes:

      *Schleswig-Holstein, meerumschlungen.--*

       *       *       *       *       *

Ludwig *Feuerbach* (1804-72) schrieb in seiner Anzeige von
~Moleschotts~ "Lehre der Nahrungsmittel für das Volk" i. J. 1850 das
geflügelt gewordene Wort:

      *Der Mensch ist, was er isst,*

wobei ihm ~Brillat-Savarin~ (s. unter Kap. V) vorgeschwebt haben mag.
Da nun ~Feuerbachs~ Satz von den Gegnern des Materialismus noch platter
aufgefasst wurde, als er gemeint war, so gab Feuerbach zur Erläuterung
die Schrift heraus "Das Geheimnis des Opfers oder der Mensch ist, was
er isst" (Ges. Werke. Lpz. 1864-66. X). Darin heisst es (S. 6):

  "Gott ist, was er isst; er isst Ambrosia, d.h. also Unsterblichkeit
  oder unsterbliche Speise, also ist er ein Unsterblicher, ein Gott;
  der Mensch dagegen isst Brot, isst Früchte der Erde, also Irdisches,
  Nicht-Ambrosisches, Sterbliches, also ist er ein Mensch, ein
  Sterblicher".

Und weiterhin (S. 26) fragt er:

  "Sind die Juden nicht auch deswegen von den Heiden so verspottet
  und gehasst worden, weil sie die Speisen verschmähten, welche diese
  liebten? ... Liegt aber diesem Hasse nicht der Gedanke zu Grunde: Wer
  nicht ~isst~, was wir essen, der ~ist~ auch nicht, was wir sind?"--

       *       *       *       *       *

Aus Louis *Schneider*s (1805-78) Schwank "Der reisende Student" stammt:

      *Ungeheure Heiterkeit*
      (_Ist meines Lebens Regel_),

welches er der Melodie des Beauplanschen Liedes "C'est le galop qui
fait le bonheur de ma vie" als Text unterlegte.--

L. ~Schneiders~ Lustspiel "Der Kurmärker und die Picarde" giebt uns,
als Einlage das Lied:

      *O Tannebaum, o Tannebaum,
      Wie grün sind deine Blätter!*

  Dies entsprang (nach dem "Deutschen Liederhort" von Erk und Böhmer,
  1893, No. 175 a, b, c, d u. 176) aus dem zwischen 1550 und 1580 auf
  einem fliegenden Blatt gedruckten Liede (s. Strophe 9, die sich
  wiederholt in No. 121 des 1582 erschienenen Ambraser Liederbuches)
  "Es hing ein Stallknecht seinen Zaum u.s.w.":

      "O Tanne, du bist ein edler Zweig,
      Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit,
      Wenn alle Bäume dürre sein,
      So grünest du, edles Tannenbäumelein".--

       *       *       *       *       *

Der Anfang des von Ida Gräfin *Hahn-Hahn* (1805-80) 1835 verfassten
Liedes:

      *Ach wenn du wärst mein eigen!*

wird allgemein citiert, jedoch soll nach ~Erk~ und ~Böhmer~ ein
Volkslied aus dem 16. Jahrh. den gleichen Anfang haben.--

       *       *       *       *       *

Das vor 1826 entstandene, von ~Mendelssohn~ komponierte Gedicht Eduard
Freiherr *von Feuchtersleben*s (1806-49) "Nach altdeutscher Weise"
beginnt:

      Es ist bestimmt in Gottes Rat,
      Dass man, was man am liebsten hat,
      Muss meiden,

und schliesst:

      *Wenn Menschen auseinandergehn,
      So sagen sie: auf Wiedersehn!*
      _Ja Wiederseh'n!_

Die Anfangszeilen jedoch citieren wir in der Form, die der Komponist
ihnen gab:

      *Es ist bestimmt in Gottes Rat,
      Dass man vom Liebsten, was man hat,
      Muss scheiden.--*

       *       *       *       *       *

Friedrich *Halm* (Pseudonym für Eligius Franz Joseph Freiherr v.
~Münch-Bellinghausen~; 1806-71) bietet in dem Drama "Der Sohn der
Wildnis" (1842):

      *Zwei Seelen und ein Gedanke,
      Zwei Herzen und ein Schlag!--*

       *       *       *       *       *

Den

      *Staatshämorrhoidarius*

erfand Graf Franz *Pocci* (1807-76) für die Münchener "Fliegenden
Blätter". Der "Staatshämorrhoidarius" Poccis gelangte in dieser
Zeitschrift zum Abdruck in elf Nummern aus den Jahren 1844-47.--

       *       *       *       *       *

Johann Hermann *Detmold* (1807-51), der nachmalige Minister und
Bundestagsgesandte, schrieb als konservativer Abgeordneter der
deutschen Nationalversammlung 1849 die vielbelachte illustrierte
Satire "Thaten und Meinungen des Herrn Piepmeyer, Abgeordneten zur
konstituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt am Mayn". Heft 2 p.
8 übt Piepmeyer eine Rede ein und spricht tiefnachdenklich: "Eine
verräterische Camarilla, eine brutale Soldateska!" Daher das Schlagwort:

      *Vertierte Soldateska.--*

       *       *       *       *       *

David Friedrich *Strauss* (1808-74) gab 1847 in Mannheim die Schrift
heraus "Der Romantiker auf dem Thron der Caesaren oder Julian der
Abtrünnige", worin er die Auffrischung des Heidentums durch Julianus
Apostata mit der der protestantischen Orthodoxie durch Friedrich
Wilhelm IV. verglich. Diesen König nannte man seitdem oft den

      *Romantiker auf dem Throne.--*

       *       *       *       *       *

      *Sie sollen ihn nicht haben,
      Den freien deutschen Rhein*

ist der Anfang eines 1840 von Nicolaus *Becker* (1809-45) gedichteten
Liedes, das zuerst im Rheinisch. Jahrbuch, 1841, S. 365 stand.--

       *       *       *       *       *

      *Struwwelpeter*

ist der Titel einer 1845 erschienenen Kinderschrift von Heinrich
*Hoffmann-Donner* in Frankfurt a. M. (geb. 1809). In der Form
"Strubbelpeter" kommt das Wort früher vor. Als Goethe 1765-68 in
Leipzig studierte, nannte ihn die Frau des Kupferstechers Stock "den
Frankfurter Strubbelpeter" und zwang ihn, sich das Haar auskämmen zu
lassen (s. "Kunst und Leben" aus Försters Nachlass hrsg. v. H. Kletke.
1873. S. 102 ff.).--

Auch der die Suppe verschmähende

      *Suppenkasper*

ist aus ~Hoffmanns~ Schrift bekannt.--

       *       *       *       *       *

      *O lieb', so lang du lieben kannst,*

ist der Anfang von Ferdinand *Freiligrath*s (1810-76) Gedichte "Der
Liebe Dauer", das, 1830 verfasst, zuerst im "Morgenblatt für gebildete
Leser", Stuttgart, No. 271, 12. Nov. 1841 stand.

Auch ~Freiligraths~ Gedichttitel

      *Der Blumen Rache*

wurde zum geflügelten Wort. Doch nimmt man hier Blumen in übertragenem
Sinn und denkt an weibliche Rache, während in dem Gedichte wirkliche
Blumen durch ihren Duft ein schlummerndes Mädchen tödten, aus Rache
dafür, dass sie von ihr grausam aus der Erde gerissen wurden.--

       *       *       *       *       *

      *Rrr! ein ander Bild!*

sind die Worte des Guckkästners in des pseudonymen ~Brennglas~
(*Glasbrenner*s) "Berlin, wie es ist--und trinkt" (Lpz. 1832-50). Aus
denselben Heften ist:

      *Auch eine schöne Gegend!*
      (_eigentlich: Ooch 'ne scheene Jejend._)

Diese Redensart kommt in einem Gespräche zweier Berliner Frauen vor,
die einander fragen, wo ihre beiderseitigen Söhne im Freiheitskriege
gefallen seien. Auf die Antwort der Einen: "Bei Leipzig", erfolgt nun
die oben angeführte Äusserung im breitesten Berliner Dialekt.

  Heinrich ~Heine~ schaffte dem Worte weitere Verbreitung; denn er sagt
  im "Tannhäuser" (1836):

      Zu Hamburg sah ich Altona,
      ~Ist auch eine schöne Gegend,~

  im "Ex-Nachtwächter":

      ~Das ist eine schöne Gegend
      Ebenfalls.~

  und in "Himmelfahrt" (Letzte Gedichte, 1853-55):

      Sie (die Spree) fliesst gemütlich über, wenn's regent
      Berlin ist ~auch eine schöne Gegend~.

Vielleicht kam ~Glasbrenner~ auf diese Wendung durch ~Tiecks~
"Gestiefelten Kater" (1797), worin (3, 5) der König sagt:

      "Auch eine hübsche Gegend. Wir haben doch schon
          eine Menge schöner Gegenden gesehen".--

       *       *       *       *       *

In der No. 395 der Münchener "Fliegenden Blätter" (1852) befindet sich
ein "Die Wassersnoth in Leipzig" betiteltes Gedicht, das anfängt:

      *In der grossen Seestadt Leipzig,*

und in dessen Verlauf sich die bekannten Zeilen finden:

      *Auf dem Dache sitzt ein Greis,
      Der sich nicht zu helfen weiss.*

Das Gedicht ist unterzeichnet G. H. und der Dichter war nach einer
Mitteilung der Redaktion der "Fliegenden Blätter" ein damals in Kiel
lebender stud. jur. G. J. F. ~Hansen~. Es wird aber behauptet, dass das
Gedicht schon vor 1852 in Leipzig allgemein bekannt war.--

       *       *       *       *       *

Die in Gustav *Raeder*s (1810-68) Posse "Robert und Bertram oder
die lustigen Vagabonden" (1859) häufig vorkommende und vielfach
umgestaltete Redensart Bertrams:

      *Weiter* (_oder:_ *Sonst) hat es keinen Zweck*

ist ein sehr gebräuchliches Wort geworden, ebenso wie das in seiner
Zauberposse "Der artesische Brunnen" (ersch. 1860) oft im Munde
Balthasars vorkommende:

      *Meine Mittel erlauben mir das!--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Fritz~ *Reuter*s (1810-74) "Ut mine Stromtid" (ersch. 1862-64)
Kap. 3 wird Inspektor Bräsigs Äusserung zu Karl Havermann citiert:

      *Darin bin ich dir über.--*

       *       *       *       *       *

      *Alles schon dagewesen,*

pflegt Rabbi Ben Akiba in Karl *Gutzkow*s (1811-78) "Uriel Acosta"
(1847) in den verschiedensten Formen zu wiederholen [s.: Prediger
Salomo 1, 9].--

       *       *       *       *       *

Wir sprechen, um die Richtung des Komponisten ~Richard~ *Wagner*
(1813-83) und seiner Anhänger zu bezeichnen, auf Grund seiner Schrift:
"Das Kunstwerk der Zukunft" (Leipz. 1850) von

      *Zukunftsmusik.*

In der "Niederrheinischen Musikzeitung" von 1859, No. 41 schrieb deren
damaliger Redakteur, Prof. Ludwig ~Bischoff~: "All' die Ungegohrenheit,
der Schwindel, all' die Eitelkeit, all' die Selbstbespiegelung, all'
die Trägheit, der Zukunft zuzuschieben, was man selbst leisten müsste,
all' die Hohlheit und Salbaderei der ästhetischen Schwätzer--wie schön
fasst sich das alles in dem einen Wort 'Zukunftsmusik' zusammen".
~Wagner~ antwortete darauf (s. "Das Judentum in der Musik" S. 36):
"Prof. Bischoff in der Kölnischen Zeitung verdrehte meine Idee
eines 'Kunstwerkes der Zukunft' in die lächerliche Tendenz einer
Zukunftsmusik". Jedoch adoptierte ~Wagner~ später das Spottwort; denn
er gab 1861 eine Schrift "Zukunftsmusik. Brief an einen französischen
Freund" heraus. Übrigens ist die Idee nicht ganz Wagners Eigentum.
Schon in Rob. ~Schumanns~ "Gesammelten Schriften" (Bd. I, S. 46) findet
man unter den Aufzeichnungen Florestans die Bemerkung aus dem Jahre
1833: "Eine Zeitschrift für zukünftige Musik fehlt noch"! und Karl
~Gaillard~, Redakteur der "Berliner musikalischen Zeitung", sagt No.
24, Jahrgang 1847 derselben: "Schafft sich Herr Berlioz ein eigenes
Orchester an, so mag er dirigieren, soviel es ihm beliebt, und seinen
musikalischen Hokuspokus, genannt 'die neue Musik' oder 'die Musik der
Zukunft', treiben", (vrgl. die gründliche Erörterung Wilh. ~Tapperts~
in dessen "Wagner-Lexikon", Lpz. 1877, S. 45.)--

       *       *       *       *       *

~Emanuel~ *Geibel*s (1815-84) Lied "Der Zigeunerbube im Norden" beginnt:

      "Fern im Süd' das schöne Spanien,
      Spanien ist mein Heimathland,
      Wo die schattigen Kastanien
      Rauschen an des Ebro Strand."

Danach sagen wir:

      *Spanien, das Land der Kastanien"--*

Aus ~Geibels~ Lied "Wo still ein Herz von Liebe glüht" wird citiert:

      *O rühret, rühret nicht daran!*

und aus seinem Gedichte "Hoffnung" ("Zeitstimmen", Lübeck 1841, S. 15):

      *Es muss doch Frühling werden.--*

       *       *       *       *       *

Johannes *Scherr* (1817-86) gab dem ersten Kapitel des achten Buches
seines Werkes "Blücher und seine Zeit" (1862-63) die auf Napoléon I.
bezügliche Überschrift:

      *Kaiserwahnsinn;*

danach dann (1864) in der "Verlorenen Handschrift" Gustav *Freytag*s
(geb. 1816) Professor Werner von der Meisterschaft spricht, mit welcher
Tacitus die eigentümlichen Symptome und den Verlauf des

      *Caesarenwahnsinns*

schildert.--

       *       *       *       *       *

~Georg~ *Herwegh*s (1817-75) Gedicht "Aus den Bergen" bietet:

      *Raum, ihr Herren, dem Flügelschlag
      Einer freien Seele*

und sein Gedicht "Strophen aus der Fremde" schliesst:

      *Das arme Menschenherz muss stückweis brechen.*

Es stand zuerst in Rückerts "Musenalmanach" (Lpz. 1840, S. 246 ff.)
und darauf in den "Gedichten eines Lebendigen" (Zürich u. Winterthur
1841).--

       *       *       *       *       *

Der Titel eines Walzers von Johannes Strauss:

      (_An der Donau_)
      *An der schönen blauen Donau*

ist der Kehrreim der ersten beiden Strophen des Gedichtes "An
der Donau" aus den "Stillen Liedern" (Lpz. 1839) von Karl *Beck*
(1817-79).--

       *       *       *       *       *

Es giebt eine alte Anekdote[56] von einem Reisenden, der im Auslande
Bienen von der Grösse eines Schafes gesehen zu haben vorgab, während
die Bienenkörbe nicht grösser gewesen seien, als die in der Heimat,
und der dann auf die Frage "Wie die Bienen denn hineinkämen?" die
Antwort giebt: "Dafür lass' ich sie selbst sorgen." Diese Anekdote hat
~Wilhelm~ *Camphausen* (geb. 1818) in den "Düsseldorfer Monatsheften"
illustriert und einem für sein Vaterland begeisterten Russen die
volkstümlich gewordene Antwort

      *Der Bien' muss*

in den Mund gelegt.--Von demselben Künstler ist die Illustration zu dem
berühmten Worte eines Unteroffiziers an einen Soldaten:

      *Was nutzt mich der Mantel, wenn er nicht gerollt ist?*

welche auf No. 23 der "Münchener Bilderbogen", 5. Aufl., steht und
schon 1847 in den "Fliegenden Blättern", Bd. V. No. 98 unter dem Titel:
"Der einjährige Freiwillige auf dem Marsche" zu finden war.--

[Fußnote 56: S. den Lügenmärchen-Anhang zur 6. Ausgabe des
"~Laienbuches~" (Schiltbürger) von 1597, deren einziges bekanntes
Exemplar sich auf der Wiener Hofbibliothek befindet; ferner:
~Melanders~ "Jocor. atq. serior. centur. aliq." No. 115 (Frkf.
1603), Olorin. ~Variscus~ "Ethogr. mundi", T. 1 No. 2 (Magdb. 1609),
Nicod. ~Frischlini~ "Beb. et Pogii facetiae, item additamenta Phil.
Hermotimi", p. 304 (Amst. 1660), "~Kurtzweiliger Zeitvertreiber~" von
1666, S. 117 unter "Aufschneidereien", und ~Abraham a Santa Clara~ in
"Huy und Pfuy! der Welt" (1680) unter "Ross".]

       *       *       *       *       *

Aus der "Wacht am Rhein", gedichtet 1840 von ~Max~ *Schneckenburger*
(1819-49) stammt:

      *Lieb Vaterland, magst ruhig sein!*

Das 1854 von Carl ~Wilhelm~ komponierte Lied wurde erst im Jahre
1870 volkstümlich. Anton ~Langer~ in Wien verfasste im Aug. 1872
eine Entgegnung darauf unter dem Titel "Donauwacht". Als Antwort auf
dieses antideutsche Pasquill schrieb F. F. *Masaidek* (geb. 1840), ein
Mitarbeiter des Wiener Figaro, ein Gegenpasquill:

      *Die Wacht am Alserbach,*

das am 23. Aug. 1872 in der "Deutschen Zeitung" und im "Figaro"
erschien und Tags darauf vom "Vaterland", der "Tagespresse", der
"Wehrzeitung", dem "Volksfreund" und dem "Extrablatt" abgedruckt
wurde. Der Titel hat sich in Österreich erhalten und dient heute zur
Bezeichnung der exaltierten Schwarzgelben.--

       *       *       *       *       *

Aus der Posse "Berlin, wie es weint und lacht" von ~David~ *Kalisch*
(1820-75) stammt:

      *Alles muss verrungeniert werden,*
      (_Alles muss ruiniert werden,_)

und:

      *Was ich mir dafür kaufe!*
      (_eigentlich:_ *Wat ick mir dafor kofe!)*
      (_im Sinne von: Was ich mir daraus mache!_).--

Das Wort

      *'s Geschäft bringt's mal so mit sich*

stammt aus ~Kalischs~ "Berlin bei Nacht";

      *Darin bin ich komisch*

und:

      *So'n bischen Französisch,
      Das ist doch ganz wunderschön*

aus seiner Posse "Der gebildete Hausknecht".

      *So lasst ihm doch das kindliche Vergnügen*

ist aus der Posse "Namenlos" von ~Pohl~ und ~Kalisch~. ~Kalisch~ ist
auch der Schöpfer der typisch gewordenen Gestalten des "Kladderadatsch"
(begründet 1848): des ewigen Quartaners

      *Karlchen Miessnick,*

des schlagfertigen Berliner Spiessbürgerpaares

      *Müller und Schultze*

und des breitspurig jüdelnden

      *Zwückauör* (_Zwickauer_),

der auch in ~Kalischs~ gleichzeitiger Posse "100,000 Thaler" als
Börsenspekulant mit Herrn Zittauer auftritt und nach Max ~Rings~
"Erinnerungen", ein Breslauer Urbild gehabt haben soll.--

       *       *       *       *       *

      *Gegen Demokraten
      Helfen nur Soldaten*

ist der Schluss des Gedichtes *v. Merckel*s "Die fünfte Zunft", das
als fliegendes Blatt im Aug. oder Sept. 1848 erschien, in den "Zwanzig
patriotischen Liedern" von ~v. Merckel~ (Berlin 1850) wieder abgedruckt
wurde und in ~Paul Lindaus~ "Gegenwart" vom 16. Nov. 1878 zu finden
ist. Sehr bekannt wurde das Wort als der Titel einer 1848 zu Berlin
erschienenen Broschüre, die ein Oberst ~v. Griesheim~ verfasst haben
soll (s. Graf Roons Denkwürdigkeiten 1, 270).

  Wenn Karl ~Braun-Wiesbaden~ in "Nur ein Schneider" den Schneider
  sagen lässt, der Prinz von Oranien-Nassau habe seit 1787 den
  Grundsatz im Munde geführt: "Gegen Demokraten helfen nur Soldaten",
  so ist das wohl nur eine Erfindung.--

       *       *       *       *       *

      *Wie denken Sie über Russland?*

ist der Titel eines in Berlin 1861 erschienenen Lustspiels von Gustav
*v. Moser* (geb. 1825).--

       *       *       *       *       *

      *Es wär' so schön gewesen,
      Es hat nicht sollen sein*

ist die Umgestaltung von

      Behüet dich Gott! es wär' zu schön gewesen,
      Behüet dich Gott, es hat nicht sollen seyn!

im XIV. Stück des "Trompeter von Säkkingen" (1854) Viktor *v.
Scheffel*s (1826-1886).--

       *       *       *       *       *

In "Immanuel Kant. Ein Denkmal seiner unsterblichen Philosophie, dem
deutschen Volke geweiht von Fr. M. *Freystadt*" (1. u. 2. Aufl.,
Königsb. 1864; S. 16) nennt der Verfasser

      *Königsberg die Stadt der reinen Vernunft*

und fügt in einer Anmerkung hinzu: "Schreiber dieses war der Erste, der
Königsberg den gedachten Ehrentitel gab in einem Korrespondenzartikel
für die Leipziger Allgemeine Zeitung während der vierziger Jahre dieses
Säculums". (Jahrgang und Nummer giebt er nicht an.) Dies Wort scheint
frei nach Heinrich Heine gebildet zu sein, der 1828-29 im 2. T. der
"Reisebilder" (Ges. W. II, 12) von Berlin "der gesunden Vernunftstadt"
spricht.--

       *       *       *       *       *

Julius *Stettenheim*s (geb. 1831) ergötzlicher Lügenberichterstatter
und Verdreher geflügelter Worte

      *Wippchen*

ist zur typischen Figur geworden und viel citiert wird dessen oft
wiederkehrende und meistens überflüssige Wendung:

      *Verzeihen Sie das harte Wort!*

  (vrgl. "Wippchens sämtliche Berichte" von ~Julius Stettenheim~
  1878ff.). "Verzeiht ein hartes Wort mir!" sagt schon in ~Herders~
  "Cid." (I, 21) Doña Uraca zu ihrem sterbenden Vater.--

       *       *       *       *       *

Aus Wilhelm *Busch*s (geb. 1832) "Max und Moritz, eine Bubengeschichte
in sieben Streichen" (Münch. 1865) ist der Vers verbreitet:

      *Dieses war der erste Streich,
      Doch der zweite folgt sogleich.--*

       *       *       *       *       *

Aus Hermann *Salingré*s (1833-79) Posse "Graupenmüller" (1865) wird
citiert:

      *Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.--*

Der Titel eines 1876 als Manuscript gedruckten Lustspiels von Julius
*Rosen* (Nikolaus Duffek 1833-92) lautet:

      *O diese Männer!*

Schon in dem ~Richardson~schen Romane "Sir Charles Grandison" (1753),
Bd. 3, Brief 16 heisst es:

      "O these men!"--

       *       *       *       *       *

Als am 9. Sept. 1865 zu Danzig ein auf Rechnung des Herrn Friedrich
Heyn erbautes Fregattschiff "Marineminister von Roon" von Stapel
gelassen wurde, ward dabei ein vom Regierungsrat *Wantrup* († 1891)
verfasstes Gedicht gesprochen, aus dessen Anfangszeilen:

      _Vom Fels zum Meere weh'n des Königs Fahnen,
      Und auch die blaue Salzflut grüssen ihre Farben
      Schwarzweiss_--*so reinlich und so zweifelsohne*

die letzten fünf Worte unvergänglich geworden sind.--

       *       *       *       *       *

Ein sonst unbekannter, nun verstorbener Schriftsteller *Hogarten* ist
der Verfasser des weitverbreiteten Verses:

      *Geniess't im edlen Gerstensaft
      Des Weines Geist, des Brotes Kraft.*

Er schrieb diese Worte im Auftrage der Berliner Tivolibrauerei, deren
Saalgebäude sie seit 1869 schmücken. Als Kuriosum sei erwähnt, dass
sich der Dichter, dem man einen Friedrichsd'or bot, zwanzig dafür
erstritt.--

       *       *       *       *       *

In einem Feuilletonartikel "tote Seelen" in der "Neuen freien Presse"
(31. März 1875; wieder abgedruckt in "Halb-Asien", 2. Aufl. 1879. II,
81 ff.), der das Treiben jüdischer Wucherer in Galizien geisselte,
schuf Karl Emil *Franzos* (geb. 1848) das Schlagwort:

      *Jedes Land hat die Juden, die es verdient,*

und nannte es den "Schlüssel zur neueren Geschichte der Juden".
Antisemiten und Philosemiten zogen gegen das Wort los, es hallte wieder
in der europäischen Presse und blieb geflügelt. ~Franzos~ hat es
offenbar dem Satze nachgebildet: "Chaque pays a le gouvernement qu'il
mérite", der auf ~Proudhon~ zurückgeführt zu werden pflegt. Ob mit
Recht, bleibt noch zu erforschen. Andere meinen, Friedrich ~Gentz~ sei
des Gedankens Vater.

      *Halb-Asien*

wird ein Teil des von der Kultur nur überfirnissten Osteuropas genannt,
nachdem ihn Karl Emil ~Franzos~ zuerst im Feuilleton der "Neuen freien
Presse" (Herbst 1875, "Von Wien nach Czernowitz") so bezeichnete.
Franzos citierte sich dann selbst, als er (Jan. 1876) das Buch
herausgab: "Aus Halb-Asien. Kulturbilder aus Galizien, der Bukowina,
Südrussland und Rumänien".--

       *       *       *       *       *

In der No. 28 der "Züricher Post" vom 2. Februar 1888 steht ein
satirisches Lied von Karl *Henckell* (geb. 1864), das den Titel:
"Lockspitzellied" führt. Davon stammt das Wort

*Lockspitzel*

als Verdeutschung von "agent provocateur". Die Bezeichnung "Spitzel"
für Spion entstammt der österreichischen Volkssprache.--



IV.

Geflügelte Worte aus dänischen Schriftstellern.


Durch Ludwig Freiherr von *Holberg*s (1684-1754) 1722 erschienenes
Lustspiel "Der politische Kannegiesser" hat das Wort

      *Kannegiesser*

die Bedeutung eines politischen Schwätzers bekommen, und wir leiten
selbst Wörter davon ab wie:

      *kannegiessern, Kannegiesserei.*

Der Titel eines anderen Lustspiels von Holberg:

      *Don Ranudo de Colibrados*

ist die Bezeichnung eines von Adelstolz aufgeblähten, bettelhaften
Menschen geworden. Ranudo ist Anagramm von O du Nar(r).--



V.

Geflügelte Worte aus französischen Schriftstellern.

Einen Menschen, dem die Wahl zwischen zwei gleich wertvollen
Gegenständen schwer wird, vergleichen wir mit

      *Buridans Esel.*

Um zu beweisen, dass keine Handlung ohne einen bestimmenden Willen
stattfinden könnte, soll sich ~Buridan~, ein französischer Philosoph
des 14. Jahrh., des Bildes eines Esels bedient haben, der in gleichem
Abstande von zwei Bündeln Heu, gleichmässig von beiden angezogen,
notwendigerweise verhungern müsse. Er mag dies mündlich gethan haben,
denn in Buridans Werken ist der entsprechenden Stelle vergeblich
nachgespürt worden. Durch ~Schopenhauer~ ("Die beiden Grundprobleme der
Ethik" 2. Aufl., S. 58) wissen wir, dass ~Bayle~ († 1706) im Artikel
"Buridan" die Grundlage alles seitdem darüber Geschriebenen ist.
Schopenhauer sagt daselbst ferner:

"Auch hätte Bayle, da er die Sache so ausführlich behandelt, wissen
sollen, was jedoch auch seitdem nicht bemerkt zu sein scheint, dass
jenes Beispiel .... weit älter ist als Buridan. Es findet sich im Dante,
der das ganze Wissen seiner Zeit inne hatte, vor Buridan lebte und
nicht von Eseln, sondern von Menschen redet, mit folgenden Worten,
welche das vierte Buch seines Paradiso eröffnen:

      Intra duo cibi distanti e moventi
      D'un modo, prima si morria di fame
      Che liber' uomo l'un recasse a' denti.

(Zwischen zwei gleich entfernten und gleich anlockenden Speisen würde
der Mensch eher sterben, als dass er bei Willensfreiheit eine von ihnen
an die Zähne brächte.) Ja, es findet sich schon im Aristoteles 'über
den Himmel', 2, 13 mit diesen Worten: 'Ebenso was über einen heftig
Hungernden und Dürstenden gesagt wird, wenn er gleich weit von Speise
und Trank absteht, denn auch dieser muss in Ruhe verharren'. ~Buridan~,
der aus diesen Quellen das Beispiel überkommen hatte, vertauschte
den Menschen gegen einen Esel, bloss weil es die Gewohnheit dieses
dürftigen Scholastikers ist, zu seinen Beispielen entweder Sokrates
oder Plato oder asinum zu nehmen".--

       *       *       *       *       *

      (_Mais_) *où sont les neiges d'antan?*

      Wo ist der Schnee des verflossenen Jahres?

ist der Kehrreim der "Ballade des Dames du temps jadis" François
*Villon*s (1431-61), in der er die Vergänglichkeit aller weiblichen
Schönheit des Leibes und der Seele besingt.--

       *       *       *       *       *

      *L'appétit vient en mangeant*

      Je mehr man hat, je mehr man will,

eigentlich: "Die Esslust kommt beim Essen", steht in des François
*Rabelais* (1483-1553) "Gargantua", Kap. 5. Das im "Leben des Gargantua
und Pantagruel" vorkommende und seitdem für Nachäfferei angewendete

      *Les moutons de Panurge*

      Die Schafe des Panurge

findet seine Erklärung darin, dass in der Erzählung Panurge einem eine
Herde Schafe mit sich führenden Viehhändler, der sich auf demselben
Schiff befindet, ein Schaf abkauft und es über Bord wirft, worauf
alsdann die ganze Herde nachspringt.

      *Horror vacui*

      Grauen vor dem Leeren

lässt sich auf "Gargantua et Pantagruel" 1, 5: "Natura abhorret vacuum"
zurückführen.

      *Deficiente pecu, deficit omne, nia*

      (Mangelt im Beutel die Bar--mangelt's an Jeglichem,--schaft,)

heisst es in "Gargantua und Pantagruel", III, 41 (1546).--

       *       *       *       *       *

Clément *Marot* (1495-1544) schilderte (1531) in einer poetischen
Epistel an den König (Au Roy pour avoir esté des-robbé), wie ihn sein
Diener bestohlen habe, "ein Fresser, Trunkenbold, ein unverschämter
Lügner, ein falscher Spieler, Spitzbube, Flucher, Lästerer, dem man auf
hundert Schritt anriecht, er werde an den Galgen kommen,

      sonst der beste Kerl von der Welt",

      *au demeurant le meilleur fils du monde".--*

       *       *       *       *       *

Der Kanzelredner Pierre *Charron* (1541-1603) sagt am Anfang der
Vorrede des ersten Buches seines "Traité de la Sagesse" (Bordeaux
1601): "La vraie science et le vrai étude de l'homme, c'est l'homme".
Diesen Satz citieren wir englisch nach Pope, der ihn (1733) in seinem
Lehrgedichte "Essay on Man" 2, 1 also wiedergab:

      *The proper study of mankind is man.*

      "Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch"

sagt ~Goethe~ in den "Wahlverwandschaften" II, 7 am Ende.--

       *       *       *       *       *

      *Chronique scandaleuse*

ist der Titel einer historischen Schrift über Louis XI., die man
~Jean de Troyes~ zugeschrieben hat, die aber von Ludwigs XI. écuyer
und maître d'hôtel ~Denis Hesselin~ inspiriert, wenn nicht verfasst
ist. Die Schrift heisst ursprünglich "Chroniques du très-chréstien et
victorieux Louys de Valois, unziesme de ce nom". Erst ein Buchhändler,
der 1611 diese Schrift wieder abdruckte, gab ihr den Titel "Chronique
scandaleuse", den sie ihrem Inhalte nach nicht verdient. (Aubertin
"Hist. de la littérature franç. au moyen-âge", II, 271).--

       *       *       *       *       *

Einen schmachtenden Liebhaber nennen wir nach einer Person des Romans
"Astrée" (1619) von *d'Urfé* (1567-1625) statt Céladon:

      *Seladon.--*

       *       *       *       *       *

Réne *Descartes* (Renatus Cartesius, 1596-1650) bezeichnet als die
erste und sicherste Erkenntnis des Philosophen (s. "Princip. Philos."
1, 7 u. 10. Amst. 1644) den Satz: "ego

      *cogito, ergo sum".*

      Ich denke, also bin ich.--

       *       *       *       *       *

Aus 4, 3 des "Cid" (1636) von Pierre *Corneille* (1606-84) ist:

      *Et le combat cessa, faute de combattants,*

      Und endlich schwieg der Kampf, da es an Kämpfern fehlte.--

       *       *       *       *       *

Jean *Rotrou* (1609-50) schrieb in seiner zuerst 1636 gegebenen Komödie
"Les Sosies" (IV, 4):

      "Point point d'Amphytrion (sic!), où l'on ne disne point",

      "Amphitryon ist hin, wenn er uns nicht mehr sättigt".

Dieser Vers wurde wohl dadurch angeregt, dass bei ~Plautus~
("Amphitruo" III, 3, 13 s. auch 2, 70) Jupiter unter des Titelhelden
Maske den Blepharo durch Sosias zum Frühstück bitten lässt, und er rief
~Molières~ Worte hervor ("Amphitryon" 1668, III, 5):

      "Le véritable Amphitryon
      Est l'Amphitryon où l'on dîne".

      Amphitryon, der echte rechte,
      Ist der Amphitryon, bei dem man tafelt".

So wurde denn "L'Amphitryon où l'on dîne" in Frankreich "geflügelt" und
danach erlangte auch bei uns, ohne Beziehung auf Plautus,

      *Amphitryon*

die Bedeutung eines gefälligen Gastgebers.--

       *       *       *       *       *

      *Die Kastanien aus dem Feuer holen,*

      *Tirer les marrons du feu,*

entlehnen wir der Fabel Jean de *La Fontaine*s (1621-95), 9. Bch., 17
"Der Affe und die Katze". Der Affe Bertram bewegt die Katze Raton,
geröstete Kastanien aus dem Feuer zu holen, die er sofort verspeist,
bis eine Magd dazu kommt, worauf beide Tiere fliehen. "Raton war nicht
zufrieden, sagt man", schliesst die Fabel, welche schon im 16. Jahrh.
von Sim. ~Majoli~ in "Dies caniculae" lateinisch und von Noël du ~Fail~
in "Eutrapel" französisch, im 17. von Jac. ~Regnerius~ lateinisch und
von Guil. ~Bouchet~, Pierre ~Deprez~, Is. ~Benserade~ französisch
erzählt wurde, vrgl. Fabel 17 in des Armeniers ~Vartan~ († 1271)
Fabelsammlung (Paris 1825).--

       *       *       *       *       *

Nach *Molière*s (Jean Baptiste ~Poquelin~ 1622-73) Komödie "Le dépit
amoureux" (1656) reden wir von einem

      *dépit amonreux,*

      verliebtem Trotze.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Molières~ "l'Amour médecin" (1665) 1, 1 dienen Sganarelles Worte
an den Goldschmied Josse:

      *Vous êtes orfèvre, Monsieur Josse*

      Sie sind ein Goldschmied, Herr Josse

zur Verspottung eigennützigen Rates. Herr Josse nämlich hatte ihm
geraten, seiner Tochter zur Bekämpfung ihrer Melancholie eine Garnitur
von Rubinen, Diamanten und Smaragden zu kaufen.--

       *       *       *       *       *

Als Sganarelle, der Holzhauer, in Molières "le Médecin malgré lui"
(1666) 1, 6 den Preis des von ihm gefällten Holzes angiebt, will
er sich auf kein Feilschen einlassen. Anderswo könne man das Holz
allerdings billiger bekommen; aber

      *Il y a fagots et fagots;*

      Zwischen Holz und Holz ist ein Unterschied;

und als er, wider seinen Willen den Arzt spielend, die Lage der Leber
und des Herzens verwechselt und auf diesen Irrtum aufmerksam gemacht
wird, erwidert er 2, 6:

      *Nous avons changé tout cela,*

      Wir haben das Alles geändert.--

       *       *       *       *       *

Aus 1, 1 des ebenfalls 1666 erschienenen "Misanthrope" sind die Worte
des Alceste bekannt:

      *L'ami du genre humain n'est point du tout mon fait.*

      Wer aller Menschen Freund, der ist der meine nicht.--

       *       *       *       *       *

      *Tartufe,*

die Hauptperson in "le Tartufe", (1667) ist ein allgemein
verständlicher Ausdruck für "Scheinheiliger" geworden.

  (Molière selbst schrieb: Tartuffe. Tartufo kommt als Bezeichnung
  eines bösartigen Menschen in Lippis "Malmantile" vor, der
  handschriftlich in Frankreich vor dem Tartufe in Umlauf war. S.
  Littré.)--

      *Les envieux mourront, mais non jamais l'envie.*

      Die Neider sterben wohl, doch nimmermehr der Neid,

in 5, 3 des "Tartufe" ist ein älteres, von ~Molière~ in die Litteratur
eingeführtes Sprichwort, welches ~Quitard~ ("Dictionnaire des
proverbes") aus Philippe ~Garniers~ 1612 in Frankfurt erschienener
Sammlung citiert.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Molières~ "George Dandin" (1668), 1, 9 sollten wir: "Vous l'avez
voulu; vous l'avez voulu, George Dandin, vous l'avez voulu" bei
selbstverschuldetem Missgeschick citieren; statt dessen sagen wir:

      *Tu l'as voulu, George Dandin, tu l'as voulu.*

      Du hast es so haben wollen, George Dandin, du hast es so haben
          wollen.--

       *       *       *       *       *

In ~Molières~ "Fourberies de Scapin" (1671) 2, 11 wiederholt Géronte
siebenmal:

      *Que diable allait-il faire dans cette galère!*

      Was zum Teufel hatte er auf jener Galeere zu suchen?

womit wir auf den Unvorsichtigen zielen, der, wie man zu sagen
pflegt, in ein Wespennest gestochen hat. Schon früher hatte Molières
Jugendfreund, ~Cyrano de Bergerac~, in "le Pédant joué", 2, 4 dies
Wort angewendet; doch erfahren wir aus ~Grimarests~ "Leben Molières",
Paris 1715, dass es Cyrano samt der ganzen Scene, in der es vorkommt,
nur Molières vertraulichen Mitteilungen verdankte und während dessen
Abwesenheit in der Provinz seinem Lustspiel einverleibte; dass dann
~Molière~ nach seiner Rückkehr zur Hauptstadt sich seines geistigen
Eigentums, als er die "Fourberies de Scapin", schrieb, mit den
Worten "Je reprends mon bien où je le trouve" wiederbemächtigte, was
umgeändert in

      *Je prends mon bien où je le trouve*

      Ich nehme mein Eigentum, wo ich es finde,

ein geflügeltes Wort wurde. "Je reprends mon bien où je le trouve"
ist aber wohl nur eine Übersetzung des Rechtssatzes "Ubi rem meam
invenio, ibi vindico", der auf L. 6 Dig. "De rei vindicatione" (I, 9)
beruht: "ubi enim probavi rem meam esse, necesse habebit possessor
restituere".--

       *       *       *       *       *

In ~Molières~ "Les Femmes savantes", (1672) 3, 2 sagt Armande:

      *Nul n'aura de l'esprit, hors nous et nos amis!*

      Keiner soll Geist haben als wir und unsere Freunde!--

       *       *       *       *       *

Einen Menschen, der sich einbildet, krank zu sein, nennen wir einen

      *Malade imaginaire*

nach ~Molieres~ Komödie "Le Malade imaginaire" (1673), aus der uns
Argans Seufzer (2, 11) geläufig wurde:

      *Ah, il n'y a plus d'enfants!*

      Ach, es giebt keine Kinder mehr!--

       *       *       *       *       *

      *Juste milieu*

      Richtige Mitte

kommt zuerst vor in Blaise *Pascal*s (1623-62) "Pensées sur la
religion" (3, 3, Amst. 1692; 1. Ausg. Par. 1670). ~Ludwig Philipp~
wandte das Wort auf seine innere Politik an ("Nous chercherons à nous
tenir dans un juste-milieu également éloigné des excès du pouvoir
populaire et des abus du pouvoir royal" ... s. den "Moniteur universel"
vom 31. Januar 1831) und gab damit seinem Regierungssystem den
bleibenden Namen.--

       *       *       *       *       *

Aus Nicolas *Boileau-Despréaux*s (1636-1711) 9. Epistel, Anfang, ist:

      *Rien n'est beau que le vrai; le vrai seul est aimable.*

      Schön ist das Wahre nur; das Wahre nur ist lieblich.

Aus seiner Satire 1, 52 stammt:

      *J'appelle un chat un chat et Rolet un fripon.*

      'ne Katze nenn' ich Katz' und Rolet einen Schelm.

Dieser Rolet war ein Prokurator von schlechtestem Rufe; öffentlich mit
ihm anbinden war gewagt, und ~Boileau~ glaubte sich damit zu helfen,
dass er seinem Verse die Randbemerkung hinzufügte: "Rolet, Gastwirt
bei Blois". Nun wollte aber der Zufall, dass bei Blois wirklich ein
Gastwirt Rolet wohnte, den dieser unbeabsichtigte Angriff in nicht
geringe Wut versetzte. Der Dichter hatte Mühe ihn zu besänftigen.--

Der Schlussvers des zweiten Gesanges der "Art poétique" des ~Boileau~
lautet:

      *Un sot trouve toujours un plus sot, qui l'admire*

      Ein Thor fand immer noch den Tropf, der ihn bewundert.--

       *       *       *       *       *

In *Nolant de Fatouville*s "Arlequin, Empereur dans la Lune",
aufgeführt 1684, (Ghérardi "Théâtre italien", B. 1) macht Harlekin, der
sich für den Kaiser im Monde ausgegeben hat, dem Doktor, dessen Tochter
er heiraten will, eine Beschreibung der Mondbewohner; bei jedem Zuge
dieser Beschreibung bemerken die Umstehenden: "C'est tout comme ici"
und zwar neunmal. Daraus entstand das bekannte

      *tout comme chez nous,*

      ganz wie bei uns.

~Holberg~ benutzt im "Ulysses" 2, 2 diese Wendung häufig in dänischer
Form (ligesaa hos os).--

       *       *       *       *       *

      *Embarras de richesses,*

      Reichtumsnot,

ist der Titel einer Komödie des Abbé *d'Allainval* († 1753).--

       *       *       *       *       *

Philipp Néricault *Destouches* (1680-1754) sagt in der Komödie "Le
Glorieux" (zuerst gegeben 18. Jan. 1732) 2, 5:

      *La critique est aisée, et l'art est difficile,*

      Die Kritik ist leicht, und die Kunst ist schwer;

in 3, 5 befindet sich der dem ~Horaz~ (Epist. 1, 10, 24 "Naturam
expellas etc.") nachgebildete Vers:

      *Chassez le naturel, il revient an galop.*

      Vertreib't das Naturell, es kommt im Nu zurück.--

       *       *       *       *       *

Das Bild für eine komisch grosse Erregung in kleinem Kreise,

      *Sturm im Glase Wasser,*

verdanken wir Charles de Sécondat, Baron de *Montesquieu* (1689-1755),
welcher die Wirren in der Zwergrepublik San Marino "tempête dans un
verre d'eau" nannte (s. Balzacs "le Curé de Tours" p. 281, Oeuvr.
compl. Par. 1857).

  Ihm floss dieser Vergleich wohl aus den Alten zu. In ähnlichem Sinne
  nämlich war zur Zeit ~Ciceros~ (s. "de leg." 3, 16) "excitare fluctus
  in simpulo" (Stürme im Schöpflöffel erregen) sprichwörtlich; und im
  ~Athenaeus~ ("Deipnos." VIII, 19) verspottet der Flötenspieler Dorion
  die Tonmalerei des Zitherspielers Timotheos, der einen Seesturm
  spielen wollte, mit den Worten: "er habe in einem siedenden Kochtopfe
  schon einen grösseren Sturm gehört".--

       *       *       *       *       *

Von Worten François Marie Arouet de *Voltaire*s (1694-1778) sind
bekannt: aus "Candide":

    *Tout est pour le mieux dans le meilleur des mondes possibles,*

    Alles ist aufs beste bestellt in der besten der möglichen Welten,

ein von ~Leibniz~ in "Theodicaea", (1710) 1, 8 (---- nisi inter omnes
possibiles mundos optimus esset, Deus nullum produxisset, Gott hätte
keine Welt geschaffen, wenn sie nicht unter allen möglichen die beste
wäre) ausgesprochener und von ~Voltaire~ in diesem Romane verspotteter
Gedanke; dann Vers 1, 7 der Komödie "Charlot":

      *Et voilà justement comme on écrit l'histoire*

      Und das ist just die Art, wie man Geschichte schreibt,

während er ein Jahr früher, 24. Sept. 1766, an Madame du Deffand
in Prosa geschrieben hatte: "Et voilà comme on écrit l'histoire".
In ~Voltaires~ "Jeannot et Colin" lesen wir: "Toutes les histoires
anciennes, comme le disait un de nos beaux esprits, ne sont que des
fables convenues" und vermuten Voltaire selbst in dem "Schöngeist", der
uns so die Geschichte eine

      *fable convenue*

      vereinbarte, zugegebene Fabel

nennen lehrte. Andere rathen auf ~Fontenelle~, wie Garnier in seiner
Voltaire-Ausgabe T. XXI, p. 237 ohne Fundstelle.--

       *       *       *       *       *

Aus dem ersten Gesange von ~Voltaires~ "Henriade" ist der 31. Vers:

      *Tel brille au second rang, qui s'éclipse au premier,*

      Oft glänzt im zweiten Rang, wer ganz erlischt im ersten;

aus der Vorrede zum "Enfant prodigue":

      *Tous les genres sont bons, hors le genre ennuyeux,*

      Alle Kunstgattungen sind gut, mit Ausnahme der langweiligen
          Kunstgattung,

  (von ~Wieland~ am Ende seiner "Sendschreiben an einen jungen
  Dichter", von ~Goethe~ in dem am 11. Juni 1792 gesprochenen Epilog
  [s. seine "Theaterreden"], nachgeahmt);

aus "le Mondain":

      *Le superflu, chose très-nécessaire,*

      Das Überflüssige, ein höchst notwendiges Ding.--

       *       *       *       *       *

      *Der Salomon des Nordens*

wird ~Friedrich der Grosse~ zuerst in ~Voltaires~ "Ode an die Preussen
bei der Thronbesteigung Friedrichs" (1740) und später oft in den
Briefen genannt.

~Voltaires~:

      *Ecrasez l'infâme*

findet sich in seinem Briefwechsel mit einigen ihm befreundeten
Freigeistern in dem Zeitraume von 1759-68. Man trifft diesen Ausdruck,
und ähnliche, in seiner Korrespondenz mit Friedrich dem Grossen,
Helvetius, Diderot, d'Alembert, Marmontel, Thieriot, dem Advokaten
Christin, dem Grafen d'Argental, Marquis d'Argens, Madame d'Épinay und
Damilaville. Namentlich zeichnete Voltaire seine Briefe an d'Alembert
oft und an Damilaville, den anonymen Verfasser eines "Enthüllten
Christentums", einen seiner zuverlässigsten Freunde, gewöhnlich statt
mit seinem Namen mit Écr. l'inf... oder auch wohl Écrlinf, so dass die
mit der Eröffnung staatsgefährlicher Briefe betrauten Beamten dies für
den Namen des Absenders hielten. Der Ausdruck "L'infâme" findet sich
zum ersten Mal in einem Briefe Friedrichs des Grossen an den Marquis
d'Argens vom 2. Mai 1759, dann in einem Briefe, den der König am 18.
Mai 1759 aus Landshut an Voltaire richtet, und zuletzt in einem Brief
Voltaires am 27. Jan. 1768 an Damilaville. Das Wort scheint später aus
Voltaires Korrespondenz zu verschwinden, weil es eine ihm gefährliche
Berühmtheit bekommen mochte. Aus sämtlichen Stellen geht hervor, dass
"infâme" als weibliches Eigenschaftswort zu denken ist, zu dem man
daher ein entsprechendes Hauptwort zu ergänzen hat. Voltaire wünschte,
das zu ergänzende Hauptwort solle "superstition", Aberglaube, sein,
was sich aus vielen seiner Briefe ergiebt, z.B. 1) aus einem vom 23.
Jan. an d'Alembert, 2) aus einem vom 29. Aug. 1762 an den König, 3) aus
einem vom 28. Nov. 1762 an d'Alembert, und 4) aus einem vom 21. Juni
1770 an denselben. Voltaire meinte mit "Aberglauben" die Kirche (nicht
die Religion).--

       *       *       *       *       *

      *Séide, Seïde,*

der Sklave Muhameds, ist durch ~Voltaires~ Tragödie "Le fanatisme ou
Mahomed le prophète" (1739) die Bezeichnung für einen fanatischen
Nachbeter und Anhänger geworden.--

Ebenda 2, 4 spricht Mahomed das Wort aus, das Beaumarchais zum Motto
nahm:

      *Ma vie est un combat,*

      Mein Leben ist ein Kampf.

  Dieser Gedanke war nicht neu; denn nach der Vulgata lautet ~Hiob~
  7, 1 "Militia est vita hominis" ("des Menschen Leben ist ein
  Kampf", nach Luther: "Muss nicht der Mensch immer im Streit sein
  auf Erden?"); ~Euripides~ ("Die Hülfeflehenden" 550) sagt:
  "πάλαισμά θ' ἡμῶν ὁ βίος" ("Unser Leben ist ein Kampf") und
  ~Seneca~ schreibt im 96. Briefe: "Vivere militare est", "leben heisst
  kämpfen" (vrgl. "Gefl. Worte aus lateinischen Schriftst." und 1. Tim.
  6, 12; 2. Tim. 4, 7 sowie ~Goethes~ "Denn ich bin ein Mensch gewesen
  u.s.w.").--

       *       *       *       *       *

In ~Voltaires~ "Discours sur l'homme", 6, lesen wir:

      "Mais malheur à l'auteur qui veut toujours instruire!
      *Le secret d'ennuyer est celui de tout dire".*

      Doch wehe dem Poët, der lehrt in jeder Zeile!
      Wer Alles sagt, besitzt die Kunst der Langenweile.--

       *       *       *       *       *

      *Le style, c'est l'homme,*

      Wie der Stil, so der Mensch,

ist eine Umänderung der Worte des Grafen George Louis Leclerc de
*Buffon* (1707-88) in seiner Antrittsrede in der Akademie: "Recueil
de l'Académie" (1753, S. 337) "le style est l'homme même". Die Lesart
späterer Ausgaben lautet aber: "le style est de l'homme même".--

       *       *       *       *       *

      *Où peut-on être mieux
      Qu'au sein de sa famille?*

      Tout est content, le coeur, les yeux.
      Vivons, aimons comme nos bons aieux!

  (Wo kann man besser weilen, als im Schosse seiner Familie? Alles ist
  befriedigt, das Herz, die Augen. Leben wir, lieben wir, wie unsre
  guten Voreltern!)

ist aus Jean François *Marmontel*s (1723-99) am 5. Januar 1769 zuerst
aufgeführten, von Grétry komponierten "Lucile".--

      *Ils sont passés, ces jours de fête,*

      Sie sind vorbei, des Festes Tage,

stammt aus *Anseaume*s am 20. Sept. 1769 zuerst aufgeführten Oper "Le
Tableau parlant".--

       *       *       *       *       *

      *Les extrêmes se touchent*

ist in Louis Sebastien *Mercier*s (1740-1814) "Tableau de Paris" (Amst.
1782-88) die Überschrift vom 348. Kapitel des vierten Bandes. Es kommt
ferner vor bei ~Anquetil~ in "Louis XIV, sa Cour et le Régent", (Paris
1789) 1. Bd. (1674-80).-- ~Labruyère~ ("Caractères", 1687) sagt: "Une
gravité trop étudiée devient comique; ce sont comme des extrémités qui
se touchent", und ~Pascal~ ("Pensées", 1692): "Les sciences ont deux
extrémités qui se touchent".

  ~Epiphanius~ (4. Jahrh.) "Adversus haereses" I. 3, t. 2 führt
  als berühmten Ausspruch heidnischer Philosophen an: "αἱ
  ἀκρότητες, ἰσότητες, extremitates, aequalitates". In des Aristoteles
  "Moral. Eudemiorum" lib. 3, c. 7, 1234 steht: ἔστι δ' ἐναντιώτερον
  τοῖς ἀκροῖς τὸ μέσον ἢ ἐκεῖνα ἀλλήλοις, διότι τὸ μὲν μετ'
  οὐδετέρου γίνεται αὐτῶν τὰ δὲ (τὰ ἄκρα) πολλάκις μετ' ἀλλήλων.
  (Extrema frequenter una habitant.) Der Commentator zu ~Cassiani~ (†
  um 448) "Collationes", c. 16, ~Alardus Gazaeus~ sagt: "videtur haec
  sententia (nimitates aequalitates) proverbialis locutio ex Aristotele
  desumpta II, Ethik 6".--

       *       *       *       *       *

Évariste Vicomte de *Parny* (1753-1814) singt ("Poësies", Par. 1777,
Lettre 4):

      "La peine est aux lieux qu'n habite
      Et le bonheur où l'on n'est paso".

      "Die Qual ist überall, wo wir auch hausen,
      Und wo wir nicht sind, ist das Glück".

Dies citieren wir mit der Schlusszeile von "Des Fremdlings Abendlied",
das ~Schmidt von Lübeck~ 1808 im "Taschenbuch zum geselligen Vergnügen"
veröffentlichte, in folgender Form:

      *Da, wo du nicht bist, ist das Glück!*

  ~Zelter~ komponierte das Lied und dann ~Schubert~, der es aber
  veränderte und "Der Wanderer" betitelte. Bei ihm schliesst es:

      "Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück!"--

       *       *       *       *       *

Jean François *Collin d'Harleville*s (1755-1806) stolze Redensart in
"Malice pour malice" (1793), 1, 8:

      Impossible est un mot que je ne dis jamais,

      "Unmöglich" ist ein Wort, dass ich nie ausspreche,

mochte ~Napoléon I.~ vorschweben, als er aus Dresden am 9. Juli 1813
(s. "Correspondance") an den Kommandanten von Magdeburg, Grafen
Lemarois, schrieb: "'Ce ~n'est pas possible~', m'écrivez-vous: ~cela
n'est pas français~"--"'Es ist nicht möglich', schreiben Sie mir: Das
ist unfranzösisch". Hieraus entsprang das geflügelte Wort

      *Impossible n'est pas un mot français.--*

       *       *       *       *       *

Anthelme *Brillat-Savarin* (1756-1826) begann seine "Physiologie du
goût" (1825) mit den "Aphorismes du professeur", deren viertes lautet:

      *Dis-moi ce que tu manges, je te dirai ce que tu es.*

      Sage mir, was du isst, und ich sage dir, was du bist.

  S. ~Feuerbachs~ "Der Mensch ist, was er isst".--

       *       *       *       *       *

Das ganz unverbürgte Wort des Müllers von Sanssouci an Friedrich
den Grossen: "Ja, wenn das Berliner Kammergericht nicht wäre", hat
François Guillaume Jean Stanislas ~Andrieux~ (1759-1833) den Stoff zu
einer poetischen Erzählung "der Müller von Sanssouci" (1797) geliefert.
Daraus wird der Vers:

      Oui, si nous n'avions pas de juges à Berlin,

      Ja, wenn wir in Berlin nicht Richter haben würden,

auch in Deutschland citiert und zwar in der Fassung

      *Il y a des juges à Berlin.*

  ~Lehmanns~ "Florilegium politicum auctum", (Frankfurt 1662, 1. T., S.
  332, No. 46) erzählt eine ähnliche Geschichte, von der eine persische
  Version aus der Zeit des Chosrev Nuschirvan (531-79) in Wüstenfelds
  "Zeitschrift der deutschen Morgenländischen Gesellschaft" (18, 406;
  1864) mitgeteilt wird.--

       *       *       *       *       *

      *Allons, enfants de la patrie!*

      Auf, Kinder des Vaterlands!

ist der Anfang des in der Nacht vom 24. zum 25. April 1792 in
Strassburg von dem Ingenieuroffizier Joseph *Rouget de Lisle*
(1760-1836) gedichteten und komponierten "Chant de guerre de l'armée du
Rhin" ("Schlachtgesang der Rheinarmee").

  Am 25. April trägt er das Lied beim Maire Dietrich vor und schickt es
  an demselben Tage mit Widmung an den Oberbefehlshaber der Rheinarmee,
  Marschall de Luckner. Ende Mai oder Anfang Juni erschien es anonym,
  mit der Widmung auf zwei Queroctav-Blättern. Am 30. Juli singen es
  die Marseiller Verbündeten bei ihrem Einzuge in Paris, und von nun an
  nimmt es die Bezeichnung "Marseillaise" an. Eine Originalausgabe ist
  in Strassburg i. E. Dann erschien das Lied als "Le Chant des Combats"
  1793 im "Almanach des Muses" zu Paris und 1796 in den "Essais en vers
  et en prose" par Joseph Rouget de Lisle" (Paris. P. Didot l'ainé.
  An 5'e de la republique. S. 57-59) unter dem Titel: "Le Chant des
  Combats, vulgairement L'Hymne des Marseillois. Aux Mânes de Sylvain
  Bailly, premier Maire de Paris".--

       *       *       *       *       *

Anne Louise Germaine Baronne *de Staël*-Holstein, geb. Necker
(1766-1817) sagt in ihrem Buch "Corinne, ou L'Italie" (1807; L. 18,
Ch. 5): "Überlegenheit von Geist und Seele fürchtet man mit Unrecht;
diese Überlegenheit ist vielmehr höchst sittlicher Natur; denn ("tout
comprendre rend très-indulgent") "Alles richtig verstehen macht sehr
nachsichtig ..." Hieraus scheint der stets auf Frau von ~Staël~
zurückgeführte weiter greifende Satz gebildet zu sein:

      *Tout comprendre c'est tout pardonner.*

      Alles verstehen ist Alles verzeihen.--

       *       *       *       *       *

François Auguste Vicomte de *Chateaubriand* (1768-1848) schildert
am Schluss seines Buches "Les Martyrs ou le triomphe de la religion
chrétienne" ("Oeuvres" t. 21. p. 132, Paris 1836), wie Alles in Rom
donnert und kracht, als ein edles Märtyrerpaar den Tigern in der Arena
preisgegeben wird, wie die Götterbilder wanken und man, wie einst in
Jerusalem, eine Stimme rufen hört:

      *Les dieux s'ent vont.*

Dies Wort brachte ~Heine~ bei uns auf, der 1833 ("Romantische Schule".
"Werke". Strodtmann. VI, 101) schrieb: "Les dieux s'en vont, Goethe ist
todt." ~Chateaubriand~ aber schöpfte aus Flavius Josephus, der ("de
bello judaico" VI, 5, 3) unter den Vorzeichen von Jerusalems Untergang
anführt, die Priester hätten zu Pfingsten im Tempel ein Getöse verspürt
und den vielstimmigen Ruf gehört: "Wir gehen fort von hier!"--

       *       *       *       *       *

Das in Camille *Jordan*s (1771-1821) "Vrai sens du vote national sur le
consulat à vie" (1802, S. 46) enthaltene

      "Le couronnement de l'édifice"

      *die Krönung des Gebäudes*

ist durch ~Napoléon III.~ zum Schlagworte geworden. Er wendete es in
einem Schreiben an den Staatsminister ~Rouher~ an, das sein Dekret
über vorzunehmende Reformen vom 20. Januar 1867 begleitete. Schon am
14. Febr. 1853 hatte er in seiner Eröffnungsrede des Parlaments gesagt:
"La liberté n'a jamais aidé à fonder d'édifice politique durable; elle
le couronne quand le temps l'a consolidé". (Die Freiheit hat niemals
ein dauerhaftes Staatsgebäude gründen helfen; sie krönt es, wenn die
Zeit es befestigt hat".)--

       *       *       *       *       *

Aus ~Méhuls~ zuerst 1807 in Paris und in Deutschland 1809 aufgeführtem
"Joseph in Ägypten", Text von Alexandre *Duval* (1767-1842), Akt 1 ist:

      *Ich war Jüngling noch an Jahren.--*

       *       *       *       *       *

Artikel 340 des "Code *Napoléon*" (vom 20. März 1804) lautet:

      *La recherche de la paternité est interdite.*

      Die Erforschung der Vaterschaft ist untersagt.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Boieldieus~ zuerst 1812 aufgeführtem "Johann von Paris", dessen
Text von *St. Just* gedichtet ist, stammt:

      *Welche Lust gewährt das Reisen!--*

Aus einer Romanze der zuerst 1814 in Paris aufgeführten Oper ~Isouards~
"Joconde" (3. Aufz. No. 1), Text von *Étienne* (1778-1845) stammt:

      "(On pense, on pense encore
      A celle qu'on adore,)
      *Et l'on revient toujours
      A ses premiers amours."*

      "An Die man denkt und denkt,
      Der's Herz man einst geschenkt
      Und stets kommt man zurück
      Aufs erste Liebesglück."

  Viele citieren den Vers verderbend: "premières amours", weil sie
  wähnen, die männliche Form sei ganz unzulässig; aber im "Dictionnaire
  de l'Académie" (v. J. 1800) steht unter "Amour (Liebschaft)":
  "~presque~ toujours feminin au pluriel ..." und ~Etienne~ bedurfte
  des Jambenflusses halber dieser Ausnahme von der Regel.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Boieldieus~ 1825 zuerst aufgeführten Oper "Die weisse Dame", deren
Text von Augustin Eugène *Scribe* (1791-1861) ist, stammt:

      *Ha! welche Lust, Soldat zu sein!*

       *       *       *       *       *

Aus *Scribe*s und Germain *Delavignes*s(1790-1868) von Hermann Mendel
übersetztem Texte zu ~Meyerbeers~ zuerst in Paris 1831 aufgeführtem
"Robert der Teufel" ist:

      (_Ja_) *das Gold ist nur Chimäre,*

das auch den Franzosen in der Form spruchhaft wurde:

      Oui, l'or est une chimère.--

       *       *       *       *       *

      *Revanche für Pavia!*

ist der Nebentitel des Lustspiels "Die Erzählungen der Königin von
Navarra" (1851) von *Scribe* und Ernest *Legouvé* (geb. 1807).--

       *       *       *       *       *

      *Les enfants terribles*

erfand der Satirenzeichner Paul *Gavarni* (Sulpice Guillaume Chevalier,
1801-66) für eine seiner komischen Bilderfolgen.--

       *       *       *       *       *

Das Lied:

      *Reich mit des Orients Schätzen beladen,*

ist die Übersetzung von ~Léon~ *Halévy*s (1802-82):

      "Un beau navire à la riche carène etc.",

die der Dresdener Oberpfarrer Karl ~Kirsch~ 1829 lieferte (s.
"Troubadour, eine Sammlung von Romanzen, Liedern und Nocturnes, Worte
von Karl Kirsch". Lpzg. o. J., Industrie-Comptoir). Den Titel "La
jeune Indienne" übertrug er mit "das Hindumädchen"; die erste Zeile
lautete jedoch: "Reich mit des Orients Segen beladen". Der Komponist
Louis ~Huth~ veränderte es zu der oben angegebenen Fassung. Hiernach
wären die Angaben ~Hoffmann v. Fallerslebens~ ("Unsere volkstümlichen
Lieder", No. 741) umzugestalten. Jedenfalls kannte der Übersetzer die
Verse aus ~Schillers~ "Ring des Polykrates":

      "Mit fremden Schätzen reich beladen,
      Kehrt zu den heimischen Gestaden
      Der Schiffe mastenreicher Wald."--

       *       *       *       *       *

Aus Eugène *Sue*s (1804-57) "le Juif errant" (1844-45) ist

      *Rodin*

für die Bezeichnung eines Jesuiten typisch geworden.--

       *       *       *       *       *

      *Chauvin,*

ein Rekrut, tritt in dem am 19. März 1831 im Theater "Folies
dramatiques" mit vielem Beifall aufgeführten Lustspiele der Gebrüder
*Cogniard* (Théodore, 1806-72, und Hippolyte, 1807-82,) "La cocarde
tricolore" auf. Im "Figaro" (28. Jahrg., Sér. 3, No. 41) behauptet ein
alter Pariser, er habe diesen Haudegen persönlich gekannt. Nach Littré
ist es jedoch nur eine auf volkstümlichen Zeichnungen vorkommende
Figur, die, eines verblendeten und beschränkten Patriotismus Gefühle in
Bezug auf Napoléons I. Erfolge und Misserfolge ausdrückend, demjenigen
den Namen gab, der übertriebene und lächerliche Ansichten über
Vaterlandsliebe und Krieg hat.--

       *       *       *       *       *

      *La propriété. c'est le vol!*

      Eigentum ist Diebstahl,

sagt Pierre-Joseph *Proudhon* (1809-65) in "Qu'est-ce que c'est que la
propriété? ou: Recherches sur le principe du droit et du gouvernement"
(Paris 1840). ~Brissot~ schrieb bereits in seinen "Recherches
philosophiques sur le droit de propriété et sur le vol considéré dans
sa nature" (1780): "La propriété exclusive est un vol dans sa nature".
Übrigens sagen schon im 13. Jahrh. die Weisheitssprüche hinter Jehuda
Tibbons Ermahnungsschrift (Berlin 1852), dass Eigentum, d.h. Geld,
Diebstahl ist; und "Eigentum ist etwas Abscheuliches" heisst es in
~Morellys~ "Le Code de la nature" (Amsterd. 1755).--

       *       *       *       *       *

      *Le spectre rouge* (_de 1852_)

      *Das rothe Gespenst* (_von 1852_)

ist der Titel einer Broschüre M. A. *Romieu*s (4'e Edit. Berlin 1851),
in welcher er für Frankreich den Bürgerkrieg prophezeit.--

       *       *       *       *       *

      (_Le_) *Demi-monde*

      Halbwelt

ist der Titel eines 1855 veröffentlichten Romans von ~Alexandre~
*Dumas* dem Jüngeren (geb. 1824).--

       *       *       *       *       *

      *Auf, nach Kreta!*

ist aus ~Offenbachs~ Operette "Die schöne Helena" (1865), deren Text
von Henry *Meilhac* (geb. 1832) und Ludovic *Halévy* (geb. 1834)
herrührt.--



VI.

Geflügelte Worte aus englischen Schriftstellern.


      *Utopien*

(d.h. Nirgendreich aus dem griechischen οὐ, nicht, und
τόπος, Ort) nennen wir ein von der Phantasie geschaffenes,
ideales, unmögliches Land nach der von Thomas *Morus* (1480-1535) 1516
verfassten Schrift "De optimo reipublicae statu deque nova insula
Utopia" ("über den besten Zustand des Staates und über die neue Insel
Utopien").--

       *       *       *       *       *

In Sir Philip *Sidney*s (1554-86) "Arcadia", 3, die erst nach seinem
Tode erschien, steht:

      My better half

      _meine_ *bessere Hälfte.--*

       *       *       *       *       *

In englischer Sprache citieren wir:

      *My house is my castle,*

      Mein Haus ist meine Burg,

die Umformung eines Rechtsspruches bei Sir Edward *Coke* (1551-1633),
der ("Institutes", T. 3, R. 162, Abschnitt "Gegen das Bewaffnetgehen")
den Satz "Es darf Jemand Freund und Nachbarn versammeln, um sein Haus
gegen Diejenigen zu verteidigen, welche ihn berauben oder töten oder
ihm darin Gewalt anthun wollen", also begründet:

      For a man's house is his castle.

      Denn eines Mannes Haus ist seine Veste.

Er sagt ferner in "Semaynes Case" (5, Report 91): "Das Haus eines
Jeglichen ist ihm gleich wie seine Burg und seine Veste, sowohl zu
seiner Verteidigung gegen Beleidigung und Gewalt wie zu seiner Ruhe".
Doch hätten wir es kaum nötig, diesen alten Rechtsspruch englisch zu
citieren, da er im Haimburger Stadtrecht von 1244 deutsch lautet: "Wir
wollen auch, daz einem jegeleichen purger sein Haus seine Veste sei".
(~Osenbrüggen~ "Der Hausfrieden", Erlangen 1857, S. 3 und 4.)--

       *       *       *       *       *

~Francis~ *Bacon* (1561-1626) veröffentlichte "Essayes. Religious
Meditations. Plaies of perswasion and disswasion". (Scene and allowed.
Print. f. H. Hooper. Chancery Lane. 1597.) Der besondere Titel der
zweiten, auf dem Gesamttitel als "Religious Meditations" bezeichneten
Abteilung lautet: "Meditationes sacrae". (Londini. Excud. Joh. Windel.)
Nur diese "Meditationes sacrae" erschienen hier in lateinischer
Sprache, und in deren 11. Artikel "De Haeresibus" steht die Stelle:
"nam et ipsa scientia potestas est" (denn die Wissenschaft selbst ist
Macht). 1598 wurde dieser Sammelband bei demselben Verleger wieder
abgedruckt, nur dass in dieser Ausgabe die "Religious meditations"
auch englisch erschienen; hier im 11. Artikel "Of Heresies" ist Obiges
übersetzt: for (denn)

      *knowledge* (_itself_) *is power,*

      *Wissenschaft* (_selbst_) *ist Macht.*

Im "novum organum" 1, 3 (vrgl. 2, 1 u. 3) begründet es Bacon also:

  "scientia et potentia humana in idem coincidunt, quia ignoratio
  causae destituit effectum" (Der Menschen Wissen und Macht fällt in
  Eins zusammen, weil Unkenntnis jeden Erfolg vereitelt).--

       *       *       *       *       *

*Shakespeare* (1564-1616), der hier nach der sogenannten
~Schlegel-Tieck~schen Übersetzung citiert wird, in der jedoch dreizehn
Dramen von Wolf Graf ~Baudissin~ bearbeitet sind, bietet im "Hamlet" 1,
2:

      *Schwachheit, dein Nam' ist Weib!*

      *Frailty, thy name is woman!*

Vordem übersetzte ~Wieland~:

      *Gebrechlichkeit, dein Nam' ist Weib!*

~Raupach~ ("Die Schleichhändler", Akt 2 geg. Ende) bildete daraus die
Travestie:

      *O Verstellung, dein Name ist Kieckebusch!--*

Im "Hamlet" 1, 2 heisst es ferner:

      *Er war ein Mann, nehmt Alles nur in Allem,
      Ich werde nimmer seines Gleichen seh'n,*

      *He was a man, take him for all in all,
      I shall not look upon his like again,*

wie auch Antonius vom Brutus im "Cäsar", 5, 5 sagt:

      *Dies war ein Mann;*

      *This was a man!*

"Hamlet" 1, 4 steht:

      (_Du kommst in_) *so fragwürdiger Gestalt,*

      (_Thou com'st in_) *such a questionable shape,*

      *Etwas ist faul im Staate Dänemark;*

      *Something is rotten in the state of Denmark;*

1, 5:

      (_But soft! methinks,_) *I scent the morning air,*

      (_Doch still! mich dünkt_) *ich witt're Morgenluft,*

(was in ~Bürgers~ "Lenore", Str. 28 wiederholt wird);

      *Es giebt mehr Ding' im Himmel und auf Erden,
      Als eure Schulweisheit sich träumen lässt;*

      *There are more things in heaven and earth, Horatio,
      Than are dreamt of in our philosophy;*

      *Die Zeit ist aus den Fugen,*

      *The time is out of joint.*

"Hamlet" 2, 2 steht:

      *Kürze ist des Witzes Seele,*

      *Brevity is the soul of wit;*

  auch hört man die Übersetzung: "Kürze ist des Witzes Würze";

      *Mehr Inhalt, wen'ger Kunst;*

      *More matter, with less art;*

      *Zweifle an der Sonne Klarheit,
      Zweifle an der Sterne Licht,
      Zweifl', ob lügen kann die Wahrheit,
      Nur an meiner Liebe nicht;*

      *Doubt thou, the stars are fire,
      Doubt that the sun doth move;
      Doubt truth to be a liar;
      But never doubt, I love;*

      *Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode;*

      *Though this be madness, yet there is method in it;*

      *Kaviar für das Volk;*

      *Caviare to the general;*

      *Behandelt jeden Menschen nach seinem Verdienst, und wer ist vor
          Schlägen sicher?*

      *Use every man after his desert, and who should 'scape whipping?*

      *Was ist ihm Hekuba, was ist er ihr,
      Dass er um sie soll weinen?*

      *What's Hecuba to him, or he to Hecuba,
      That he should weep for her?*

  In ~Homers~ "Iliade" (6, 449 ff.) sagt Hektor zu Andromache, dass ihn
  sogar der Hekuba, seiner Mutter, künftiges Leid minder bekümmere, als
  ihres, der Gattin.

Aus Hamlets Monolog in 3, 1 ist:

      *Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.*

      *To be or not to be, that is the question.*

      (_s' ist_) *ein Ziel
      Aufs innigste zu wünschen* (_näml. der Todesschlaf_).

      *'tis a consummation
      Devoutly to be wish'd;*

      *Der angebor'nen Farbe der Entschliessung
      Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;*

      *And thus the native hue of resolution
      Is sicklied o'er with the pale cast of thought.*

Das Wort Hamlets ebenda:

      Get thee to a nunnery,

      Geh' in ein Kloster,

wird bei uns in der Form citiert:

      *Geh' in's Kloster,*

  so von ~Heine~ in den "Romancero"-Gedichten: "Die alte Rose" und "Der
  Exnachtwächter".--

Ferner enthält diese Scene Ophelias:

      *O welch' ein edler Geist ist hier zerstört!*

      *O what a noble mind is here o'erthrown!*

Aus 5, 1 ist Hamlets Ausruf:

      *Ach, armer Yorick!*

      *Alas, poor Yorick!*

  Lorenz ~Sterne~ veröffentlichte seine "Predigten" (London 1760
  und 1766) unter dem Namen Yorick, womit er sich keine geringe
  Schmeichelei sagte, da Hamlett den Yorick, des Königs Spassmacher, 5,
  1 einen "Burschen von unendlichem Humor, voll von den herrlichsten
  Einfällen" nennt. Auch ~Sternes~ "Sentimentale Reise" erschien nach
  seinem Tode (1768) unter dem Namen Yorick.--

Aus 5, 2 werden Hamlets letzte Worte citiert:

      *Der Rest ist Schweigen.*

      *The rest is silence.--*

       *       *       *       *       *

Aus dem 1. Teile von ~Shakespeares~ "König Heinrich IV." wird der
Beiname Heinrich Percys,

      *Hotspur, Heisssporn*

auf einen heissblütigen, ritterlichen Jüngling angewendet. 2, 4 bietet
die Worte des Kellners Franz:

      *Gleich, Herr, gleich!*

      *Anon, Sir, anon!*

und die drei Worte des Falstaff:

      *So lag ich, und so führt'*(_e_) *ich meine Klinge,*

      *Here I lay, and thus, I bore my point;*

      (_Wenn Gründe_) *so gemein wie Brombeeren* (_wären_),

      (_If reasons were_) *as plenty as blackberries;*

      *Hol' die Pest Kummer und Seufzen! Es bläst einen Menschen auf,
          wie einen Schlauch,*

      *A plague of sighing and grief; it blows a man up like a bladder.*

Auch fordert Falstaff dort mehrfach "a cup of sack", "ein Glas Sekt",
worunter ein südlicher Wein zu verstehen ist. Das Wort

      *Sekt* (_oder Sect_)

soll zuerst in Berlin und bald in ganz Deutschland die Bedeutung
"Champagner" dadurch bekommen haben, dass sich Ludwig ~Devrient~,
die Rolle des Falstaff weiter spielend, in der Weinstube von Lutter
und Wegener in Berlin (Charlottenstr. 49) also sein schäumendes
Lieblingsgetränk zu bestellen pflegte.

4, 2 bietet Falstaffs

      *Futter für Pulver* (_oder:_ *Kanonenfutter*),

      *Food for powder.*

5, 1 gegen Ende finden wir Falstaffs:

      *Ich wollte, es wäre Schlafenszeit, Heinz, und Alles gut.*

      I would it were bedtime, Hal, and all well.*

5, 4 sagt Prinz Heinrich, als er den sich tot stellenden Falstaff unter
den Gefallenen auf dem Schlachtfelde erblickt:

      *Ich könnte besser einen Bessern missen,*

      *I could have better spared a better man,*

und ebenda sagt Falstaff:

      *Das bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht.*

      *The better part of valour is discretion.*

Im zweiten Teil von ~Shakespeares~, "König Heinrich IV.", 4, 4 haben
wir des Königs Worte:

      *Dein Wunsch war des Gedankens Vater, Heinrich,*

      *Thy wish was father, Harry, to that thought.*

  Es liesse sich annehmen, dass irgendwie des ~Demosthenes~ Gedanke (3.
  Olynthische Rede § 19): "ὃ γὰρ βούλεται, τοῦθ' ἕκαστος καὶ οἴεται"
  (Jeder bildet sich die Dinge so ein, wie er sie sich wünscht)
  bis zu Shakespeare gelangt wäre, der ihm dann seine dauernde
  Form gab.--

       *       *       *       *       *

In ~Shakespeares~ "Julius Cäsar", 1, 2 sagt Cäsar:

      *Er denkt zu viel, die Leute sind gefährlich.*

      *He thinks too much; such men are dangerous.*

Das in 3, 1 vorkommende Wort des Antonius:

      Zuletzt, doch nicht der letzte meinem Herzen,

      Tho' last, not least in love,

ist in der Form, in der es Lear, 1, 1 zu Cordelia spricht

      *Du jüngste, nicht geringste,*

      _Although_ *the last, not least,*

geläufiger (Shakespeare fand es bereits in ~Spensers~ [† 1599] "Colin
Clout", 444 vor).

In "Julius Cäsar" 3, 2 finden wir die Worte des Antonius:

      *Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann;
      Das sind sie Alle, Alle ehrenwert.*

      *For Brutus is an honourable man,
      So are they all, all honourable men.*

Die Umwandlung einer aus ~Plutarchs~ "Caesar" 69 entlehnten Stelle
(ὄψῃ δέ με περὶ Φιλίππους) lautet in ~Shakespeares~ "Julius
Caesar" 4, 3:

      *Bei Philippi sehen wir uns wieder.--*

       *       *       *       *       *

In Shakespeares "Heinrich V.", 2, 1 (und in den "Lustigen Weibern von
Windsor" 2, 1) sagt Nym:

      *Das ist der Humor davon,*

      *There's the humour of it,*

was sich in derselben Scene viermal in der Form

      that is the humour of it

wiederholt. Aus 4, 3 führen wir ein uns nur in englischer Form:

      *Household words*

      (_Alltagsworte_)

geläufiges Wort an. Es ist dadurch so bekannt geworden, dass
Charles ~Dickens~ es zum Titel eines viel gelesenen litterarischen
Unterhaltungsblattes wählte.--

       *       *       *       *       *

In ~Shakespeares~ "Richard III.", 1, 1 steht:

      *the winter of our discontent.*

      *Der Winter unseres Missvergnügens;*

5, 4:

      *Ein Pferd! ein Pferd!* (_m_)*ein Königreich für'n Pferd*

      *A horse! a horse! my kingdom for a horse!*

Beim Citieren wird dieses Wort häufig travestiert, so dass statt "ein
Pferd" der jedesmalige Gegenstand des Wunsches gesetzt wird.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Shakespeares~ "Heinrich VIII.", 4, 2 stammt:

      *Men's evil manners live in brass; their virtues
      We write in water.*

      Der Menschen Sünden leben fort in Erz;
      Ihr edles Wirken schreiben wir ins Wasser.

  Shakespeare hat hier offenbar Thomas ~Mores~ "History of Richard
  III.", 1557, S. 57 benutzt: "Men use, if they have an evil turne, to
  write it in marble, and whoso doth us a good a tourne, we write it in
  duste". (Hat man ein Ungemach erfahren, so pflegt man es in Marmor
  zu schreiben, und jede uns erwiesene Wohlthat schreiben wir in den
  Staub).--

       *       *       *       *       *

Aus ~Shakespeares~ "Sommernachtstraum" 5, 1 entnehmen wir:

      *Des Dichters Aug' in schönem Wahnsinn rollend,*

      *The poets eye, in a fine frenzy[57] rolling;*

ferner des die Satzglieder verdrehenden Prologusspielers Worte "That
is the true beginning of our end" ("Das ist das wahre Beginnen unseres
Endes", anstatt "Das ist das wahre Endziel unseres Beginnens"), die wir
in der Form:

      *Das ist der Anfang vom Ende,*

oder französisch citieren:

      *C'est le commencement de la fin,*

was in den "Hunderttagen" zu seinem Erstaunen Talleyrand zugeschrieben
wurde (s. Fournier: "l'Esprit dans l'histoire", Par. 1882, 4. Aufl.
S. 438); endlich rufen wir aus derselben Scene ironisch einem
grossprahlenden Redner zu:

      *Gut gebrüllt, Löwe!

      *Well roared, lion!--*

[Fußnote 57: Horaz, Od. III, 4: amabilis insania.]

       *       *       *       *       *

~Shakespeares~ "Kaufmann von Venedig" bietet 1, 2:

      *Gott schuf ihn, also lasst ihn für einen Menschen gelten.*

      *God made him, and therefore let him pass for a man;*

2, 2:

      *Das ist ein weiser Vater, der sein eigen Kind kennt,*

      *It is a wise father, that knows his own child,*

(Telemachs Worte: "Odyssee", I, 215-16). Aus 4, 1 wird citiert:

      *Ich steh' hier auf meinen Schein.*

      *I stay here on my bond.--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Shakespeares~ "Sturm" ist:

      *Caliban*

für einen ungefügen, plumpen Gesellen sprichwörtlich; aus 2, 2 ist:

      *Die Not bringt einen zu seltsamen Schlafgesellen,*

      *Misery acquaints a man with strange bedfellows.--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Shakespeares~ "Romeo und Julia" citieren wir die Namen der
streitenden Familien Montague und Capulet, als Typen des Parteizwistes
zweier Häuser, in der Form:

*Montecchi und Capuletti;*

aus "Romeo und Julia", 2, 2:

      *Der Narben lacht, wer Wunden nie gefühlt,*

      *He jests at scars, that never felt a wound;*

      *Was ist ein Name? Was uns Rose heisst,
      Wie es auch hiesse, würde lieblich duften;*

      *What 's in a name? that which we call a rose,
      By any other name would smell as sweet;*

aus 3, 5:

      *Es war die Nachtigall und nicht die Lerche;*

      *It was the nightingale and not the lark;*

aus 5, 3:

              *O, wackrer Apotheker!
      Dein Trank wirkt schnell.*

              *O, true apothecary!
      Thy drugs are quick.--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Shakespeares~ "Macbeth", 1, 3, ist anzuführen (diesmal nach
~Schillers~ Übersetzung, nur dass er "rennt" statt "rinnt" nahm):

              *Komme, was kommen mag,
      Die Stunde rinnt auch durch den rauh'sten Tag;*

              *Come what come may,
      Time and the hour runs through the roughest day;*

aus 1, 5:

      *Zu voll von Milch der Menschenliebe,*

      *Too full of the milk of human kindness.*

(vrgl. Schillers "Tell" 4, 3). Hat Shakespeare dabei an 1. Petri 2, 2
gedacht: "Und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch, als
die jetzt geborenen Kindlein, auf dass ihr durch dieselbige zunehmet?"

Aus "Macbeth" 5, 1 wird citiert:

      *Alle Wohlgerüche Arabiens,*

      *All the perfumes of Arabia.--*

       *       *       *       *       *

In ~Shakespeares~ "Mass für Mass" 5, 1 kommt

      *tooth of time*

vor, was ~Wieland~ ("Abderiten", im "Teutschen Merkur", 1774, 1 n. 2,
IV, 12 u. "Peregrinus Proteus", 1791, 3) mit

      *Zahn der Zeit*

in Deutschland einbürgerte. Übrigens findet sich die "scharfzahnige
Zeit" bereits bei ~Simonides aus Keos~ († 468 v. Chr.); s. Stobaeus
"Eclog. Phys." I, 8, 22 u. vrgl. Ovid, "Metam." 15, 234-5 u. 872.--

Auch der Titel von ~Shakespeares~ Lustspiel:

      *Verlor'ne Liebesmüh'*

nach ~Tieck~:

      *Liebes-Leid und Lust*

      *Love's labour's lost*

wird citiert; ebenso lebt bei uns der Titel seines Lustspiels

      *Comedy of errors*

in dieser Form:

      *Eine Komödie der Irrungen*

und der Titel seines Lustspiels:

      *Viel Lärm*(_en_) *um Nichts,*

      *Much ado about nothing.--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Shakespeares~

      *Othello,*

dessen Name sprichwörtlich für einen eifersüchtigen Ehemann wurde, 1, 3
wird citiert:

      *Thu' Geld in deinen Beutel!*

      *Put money in thy purse!*

aus 5, 2:

      *Hast du zur Nacht gebetet, Desdemona?*

      *Have you prayed to-night, Desdemona?--*

       *       *       *       *       *

Aus ~Shakespeares~ "König Lear" 3, 2 stammt des Narren trübes Wort
(vrgl. "Was ihr wollt" 5. a. E.):

      *Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag;*

      *For the rain it raineth every day;*

aus 3, 4:

      *Kundiger Thebaner;*

      *Learned Theban;*

und aus 4, 6:

      *Ja, jeder Zoll ein König!*

      *Ay, every inch a king!*

und:

      *Narr des Glücks.*

      *Fool of fortune.*

Letzteres kommt auch in "Timon von Athen", 3, 6 und in der Form
"fortune's fool" in "Romeo und Julia", 3, 1 vor.--

       *       *       *       *       *

In der ersten Folio-Ausgabe Shakespeares (London 1623) folgt
dem Vorworte eine Reihe von Gedichten, zunächst ~Ben~ *Jonson*s
(1574-1637): "Dem Gedächtnisse des Autors, meines geliebten William
Shakespeare" u.s.w. In diesem Gedichte steht:

      *He was not of one age, but for all times,*

      Nicht seiner Zeit nur, allen Zeiten lebt er,

sowie die unsterblich gewordene Bezeichnung des zu Stratfort am Avon
geborenen Shakespeares:

      *sweet swan of Avon,*

      süsser Schwan vom Avon,

welche Jonson wohl ~Horaz~ nachbildete, der ("Od." 4, 2, 25)
Pindar--"Dircaeum cycnum"--"den Schwan vom Dirkequell" nennt, weil
dieser in des Dichters Heimat floss und der singende Schwan dem Apoll
geweiht war.--

       *       *       *       *       *

Henry *More* (1614-87) behauptet im "Encheiridion metaphysicum" (1671),
"die Körper hätten bloss drei Dimensionen, die Geister aber vier". Diese

      *vierte Dimension,*

worunter wir jetzt gewöhnlich blühenden Unsinn verstehen, ist uns
besonders durch Friedrich ~Zöllners~ (1834-82) "Die transcendentale
Physik und die sogenannte Philosophie" (Lpz. 1879) in tiefstem Ernst
verkündet worden.

  Er spricht dort vom "Württembergischen Prälaten Friedr. Christ.
  ~Oetinger~ (1702-82. Sämtl. Schriften, hrsg. v. ~Ehmann~, Pfarrer
  in Unteriesingen bei Tübingen, Stuttg. 1868), der S. 314 über die
  Philosophie seines Freundes ~Fricker~ (1729-66, Pfarrer von Dettingen
  unter Urrach) sagt: "Zu diesen arithmetischen Schlussfolgen gehört
  auch ein geometrisch Concept, nämlich das Intensum oder die vierte
  Dimension".--

       *       *       *       *       *

Der Theologe Thomas *Tully* oder Tullius, (1620-79) wird von John
~Tillotson~ (1630-94) bewundernd citiert wegen des Satzes: "Dii
immortales ad usum hominum fabricati paene videantur" ("fast scheinen
die unsterblichen Götter zum Nutzen der Menschen erschaffen zu sein").
Tillotson umschreibt das dann also ("Sermons" Lond. 1712; vol. 1 p.
696, Serm. 93): "if God were not a necessary Being of himself, he
might almost seem to be made on purpose for the use and benefit of
Men" ("wäre Gott nicht an und für sich notwendigerweise da, er müsste,
scheint es, eigens zu Nutz und Frommen der Menschheit geschaffen
werden"). Und hieraus schöpfte ~Voltaire~ ("Épitre à l'Auteur du livre
des trois imposteurs") den berüchtigten Vers:

      *Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer,*

      Und gäb' es keinen Gott, wir müssten ihn erfinden.--

       *       *       *       *       *

John *Bunyan*s (1628-88)

      "*Vanity Fair*"

(Markt der Eitelkeit) aus "the Pilgrims Progress", (1678-84) hat
~Thackeray~ zum Titel eines satirischen Romans (1847) gewählt.--

       *       *       *       *       *

      *Lilliput*

ist bei Jonathan *Swift* (1667-1745) "Gullivers Reisen" (1726) der Name
des Märchenlandes der daumenhohen

      *Lilliputer oder Lilliputaner.--*

      *John Bull*

als Bezeichnung des englischen Volkes stammt aus John *Arbuthnot*s
(1675-1735) politischer Satire "History of John Bull" (1712). Ein
Hoforganist John Bull komponierte i. J. 1605 das Volkslied "God save
the king" (vrgl. Heil Dir im Siegerkranz). Weil dieser Tondichter so
Volksthümliches schuf, mag Arbuthnot darauf verfallen sein, dessen
Namen auf das Volk im Ganzen anzuwenden. George ~Colmans~ Schauspiel
"John Bull" (1805), das in Karl ~Blums~ Übertragung bei uns (1825)
aufgeführt wurde, gab aber wohl erst dem Worte Flügel.--

       *       *       *       *       *

Alexander *Pope* (1688-1744) sang in seiner "Ode on St. Cecilia's day"
(1708):

      "... 'tis no crime to love"

      (Lieben ist kein Verbrechen).

In ~Gellerts~ Lustspiel "Die zärtlichen Schwestern" (1747) sagt
Lottchen (1, 11), sie halte "die vernünftige Liebe für kein grösser
Verbrechen, als die vernünftige Freundschaft", und Siegmund ruft aus
(2, 10): "Julchen widersteht ja seiner Liebe. Ist es ein Verbrechen?
was kann ich dafür, dass sie mich rührt?" Dann sagt Marwood in
~Lessings~ "Miss Sara Sampson" (1755; 4, 8): "Es ist kein Verbrechen
geliebt haben; noch viel weniger ist es eines, geliebt worden sein,
aber die Flatterhaftigkeit ist ein Verbrechen". Und ebenda (5, 10)
spricht die sterbende Sara: "Noch liebe ich Sie, Mellefont, und wenn
Sie lieben ein Verbrechen ist, wie schuldig werde ich in jener Welt
erscheinen!" In ~Wielands~ "Grazien" (1770; 2. B.) spricht Amor: "Ist
euch lieben ein so gross Verbrechen?" und C. F. ~Weisse~ übersetzt
~Popes~ Worte in seinen "kleinen lyrischen Gedichten" (Lpz. 1772;
Bd. 3, 5. 183) mit: "Ist Lieben ein Verbrechen?" So entstand der
Anfangsvers des schon 1810 bekannten Liedes eines Unbekannten:

      *Ist denn Lieben ein Verbrechen?--*

*Hénault* schrieb den Vers:

      *Indocti discant, et ament meminisse periti.*

      Laien, die mögen hier lernen und Kenner sich freu'n der
          Erinn'rung.

als Motto auf sein "Abrégé chronologique de l'histoire de France"
(1744) und teilte in der 3. Aufl. dieses Abrisses (1749) mit, dass er
ihn den Reimen ~Popes~ entnommen habe:

      "Content, if hence th' unlearn'd their wants may view,
      The learn'd reflect on what before they knew",
      "Froh, wenn hiernach den Laien sein Kenntnismangel kränkt,
      Und abermals der Kenner sein Wissen überdenkt".

(Pope "Essay on Criticism" 1711, V. 744-5).--

       *       *       *       *       *

Samuel *Richardson* (1689-1761) gab uns das Muster eines Damenhelden in

      *Lovelace,*

einer Figur seines Romans "Clarissa Harlowe" (1749), und ist für uns
der Urheber des Wortes

      *sentimental,*

denn "sentimental" wird in seinem Romane "Sir Charles Grandison" (1753.
Bd. 6, Brief 52) durch liegende Schrift als neu und ungewöhnlich
bezeichnet und im Index angeführt. Zwölf Jahre später erschien
~Sternes~ Buch "Yorick's sentimental journey", dessen Verdeutscher
J. J. Ch. ~Bode~ (1768) den Titel auf ~Lessings~ Rat mit "Yoricks
empfindsame Reise" wiedergab. In der Vorrede führt Bode Lessings eigene
Worte also an:

  "Es kommt darauf an, Wort durch Wort zu übersetzen, nicht eines durch
  mehrere zu umschreiben. Bemerken Sie sodann, dass "sentimental"
  ein neues Wort ist. War es Sterne erlaubt, sich ein neues Wort zu
  bilden, so muss es eben darum auch seinem Übersetzer erlaubt sein.
  Die Engländer hatten gar kein Adjectivum von 'sentiment', wir
  haben von 'Empfindung' mehr als eines: 'empfindlich, empfindbar,
  empfindungsreich', aber diese sagen alle etwas anderes. Wagen Sie
  'empfindsam'! wenn eine mühsame Reise heisst, bei der viel Mühe
  ist, so kann ja auch eine empfindsame Reise heissen, bei der viel
  Empfindung war; ich will nicht sagen, dass Sie die Analogie ganz auf
  Ihrer Seite haben dürften. Aber was sich die Leser vor's erste bei
  dem Worte noch nicht denken, mögen sie sich nach und nach dabei zu
  denken gewöhnen".

Lessing bildete also das Wort:

      *empfindsam*

nach "sentimental", das er irrtümlich für eine Erfindung Sternes
hielt. Noch 1769 braucht ~Herder~ in seinen "Kritischen Wäldern" stets
"Empfindbarkeit".--

       *       *       *       *       *

Aus ~Benjamin~ *Franklin*s (1706-90) "Weg zum Reichtum" ist:

      *Three removes are as bad as a fire.*

      Dreimal umziehen ist so gut, wie einmal abbrennen,

ebendaher ist:

      *Early to bed and early to rise,
      Makes a man healthy, wealthy and wise,*

      Früh zu Bett, früh auf der Reise,
      Macht gesund und reich und weise.--

       *       *       *       *       *

Das gelegentlich einmal von Samuel *Johnson* (1709-84) gebrauchte
und von seinem Biographen ~Boswell~ (im 66. Lebensjahre Johnsons)
mitgeteilte

      *Hell is paved with good intentions,*

      Die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert,

führt ~Walter Scott~ in seinem Werke "Die Braut von Lammermoor" (1819),
B. 1, Kap. 7 auf einen englischen Theologen zurück. Wahrscheinlich
meint er Georg ~Herbert~ († 1632), der in "Iacula prudentum" (S. 11,
Ausg. von 1651) denselben Gedanken in der Form:

      Hell is full of good meaning and wishings

ausspricht. Wir sagen auch:

      *Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.*

Vielleicht lehnt sich dies Wort an ~Jesus Sirach~ 21, 11: "Die
Gottlosen gehen zwar auf einem feinen Pflaster, dess Ende der Höllen
Abgrund ist".--

       *       *       *       *       *

Oliver *Goldsmith* (1728-74) hat es schwerlich geahnt, dass die im
zweiten Akt seiner Komödie "Der gutmütige Mann" (1760) vorkommenden
Worte Loftys:

      *Massregeln, nicht Menschen*

      *Measures, not men*

einst ein mit Erbitterung angewendetes politisches Schlagwort werden
würden. So sagt der Verfasser der "Juniusbriefe" in Unkunde über die
Quelle des Citats: "Massregeln und nicht Menschen ist der gewöhnliche
Ruf angeblicher Mässigung. Das ist eine elende Heuchelei, von Schurken
aufgebracht und von Narren in Umlauf gesetzt"; und ~Burke~ in seinen
"Gedanken über die Gründe der jetzigen Unzufriedenheit", 1773: "Von
diesem Kaliber ist die heuchlerische Phrase: Massregeln, nicht
Menschen, eine Art Zauberformel, wodurch manche sich jede Ehrenpflicht
abschütteln".

Aus ~Goldsmiths~ "The Hermit", stanza 8, wird citiert:

      *Man wants but little here below,
      Nor wants that little long,*

      Hienieden braucht der Mensch nicht viel,
      Noch braucht er's lange Zeit,

während ~Young~ schon in "Nightthoughts" (1741) 14, 118 sagt:

      Man wants but little, nor that little long.--

       *       *       *       *       *

William *Cowper* (1731-1800) ist zu nennen wegen der im Gedichte "The
task" (1785) Buch 4 enthaltenen Bezeichnung des Thees:

      *The cups,
      That cheer, hut not inebriate.*

      Die Schalen,
      Die erheitern, nicht berauschen.--

       *       *       *       *       *

Richard Brinsley *Sheridan* (1751-1816) liefert uns den Titel seiner
berühmten Komödie (1777), der auf so viele gesellige Vereinigungen
angewendet wird:

      *The school for scandal.*

      _Die_ *Lästerschule.--*

       *       *       *       *       *

Das bei Robert *Burns* (1759-96) in dem Gedichte: "Is there for honest
poverty" vorkommende

      For a' that and a' that

übersetzt ~Freiligrath~ mit:

      *Trotz alledem und alledem.*

~Schmidt-Weissenfels~ sagt in einem biographischen Bei- und Nachtrag:
"Lassalle und Freiligrath" ("Gegenwart" vom 26. Mai 1877):

  "Wenn aus dem Briefwechsel in dieser Zeit noch etwas erwähnenswert
  ist, so ist es die sichtliche Liebhaberei, mit welcher Lassalle
  das Lieblingswort Freiligraths: 'Trotz alledem und alledem' darin
  mehrfach citiert. Freiligrath führte es schon in der glücklichen
  Poetenzeit, die er früher am Rhein verlebte, im Munde, hatte
  es dann nach Burns zum Titel und Gedankengang eines seiner
  leidenschaftlichsten revolutionären Gedichte[58] benutzt, und
  seitdem war es zu einem geflügelten Wort geworden. Aber eifersüchtig
  war der Dichter darauf, dass ihm das Urheberrecht daran gewahrt
  bleibe; auch trug es sein Siegel als Wahlspruch".--

[Fußnote 58: "Neuere politische und sociale Gedichte" von F.
Freiligrath, Köln 1849. 1. Heft, S. 62. vrgl. auch Ferd. Freiligraths
"ges. Dicht". Stuttg. Göschen, 1870, S. 44 und 172.]

       *       *       *       *       *

William *Wordsworth* (1770-1850) bietet aus "My heart leaps up" das von
~Lewes~ zum Motto des ersten Buches von "Goethes Leben" auserkorene:

      *The child is* (_the_) *father of the man.*

      *Das Kind ist des Mannes Vater.--*

       *       *       *       *       *

Aus Thomas *Campbell*s (1777-1844) "Lochiel's Warning" ist das von
~Byron~ als Motto für "Dantes Prophezeiung" gewählte:

      (_'T is the sunset of life gives me mystical lore
      And_) *coming events cast their shadows before.*

      (_Der Abend des Lebens giebt mir geheimnisvolle Weisheit,
      Und_) *künftige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.--*

       *       *       *       *       *

Thomas *Moore* (1779-1852) beginnt ein schwermütiges Lied seiner
"Irischen Melodieen" (1807-34):

      "'tis the last rose of summer."

Danach nennen wir, ohne auf den Text weiter einzugehen, den holden
Gegenstand der Liebesneigung eines bejahrten Herrn seine

      *letzte Rose.--*

       *       *       *       *       *

Aus Lord George *Byron*s (1783-1824) Tagebuche sind bekannt die von ihm
mit Bezug auf den unerwarteten Erfolg der beiden ersten Gesänge seines
"Childe Harold" geschriebenen Worte:

      *I awoke one morning and found myself famous,*

      Ich erwachte eines Morgens und fand mich berühmt!

und aus "Childe Harold", 4, 79 citiert man die Bezeichnung als:

      *Niobe of Nations.*

      Niobe der Nationen.

In seinem "Don Juan" (11, 45 und 13, 49; ersch. 1823) giebt ~Byron~
als Zahl der Londoner höheren Schichte reicher hochnäsiger Nichtsthuer
"etwa Viertausend" ("about twice two thousand") an und so (11, 54),
auch nach Lanne, als die Zahl der "lebenden Schriftsteller": etwa
"Zehntausend" ("ten thousand"). Vor ihm bezeichnete man die obere
Schichte mit "the upper-crust", dann aber sagte man, wohl die erwähnten
beiden Stellen des elften "Don Juan"--Gesanges vermengend, meistens:

      *The upper ten thousand,* oder *The upper ten,*

      *Die oberen Zehntausend.*

Oder wäre schon Edmund ~Burke~ hier als Quelle anzusehen? Dieser
versteht nämlich (1793. "Remarks on the policy of the allies ...";
"Works", Lond. 1815 VII, p. 140-1) "ganz England" unter dessen 35000
Grundbesitzern und spricht von 10000 adligen Kavalleristen als von der
Kraft Preussens, die 1792 gegen Frankreich zog.--

       *       *       *       *       *

Washington *Irving* (1783-1859) veröffentlichte 1837 eine Skizze "The
Creole Village", in der er den Wunsch ausspricht, es möge unter den
unschuldigen Bewohnern dieses Dorfes

      "the almighty dollar"

      *der allmächtige Dollar*

immer verachtet bleiben. In "Wolfert's Roost and other Papers" (1855)
brachte er dann die kleine Erzählung wieder und sagt in einer
Anmerkung (p. 48), jener Ausdruck sei zuerst von ihm damals gebraucht
und inzwischen landläufig geworden.--

       *       *       *       *       *

Der Dichter und Komponist von (Tell me the tales that to me were so
dear)

      *Long, long, ago*

      *Lang', lang' ist's her*

ist T. H. *Bayly* (Cramers Vocal Gems, No. 1).--

       *       *       *       *       *

      "The last of the Mohicans"

      *Der letzte Mohikaner*

(1826), und

      "The Path-Finder"

      *Der Pfadfinder*

(1840) sind Romantitel James Fenimore *Cooper*s (1789-1851).--

       *       *       *       *       *

Aus James Robinson *Planché*s (1796-1880) englischem, von Th. ~Hell~
verdeutschten Texte zu Karl Maria ~von Webers~ am 12. April 1826 in
London zuerst aufgeführten "Oberon" stammt:

      *Mein Hüon, mein Gatte!*

scherzhaft erweitert durch:

      *Im Schlafrock von Watte!*

nach dem musikalischen Quodlibet "Fröhlich" (von L. ~Schneider~), das
in den 30er Jahren in Berlin gegeben wurde, und in dessen 1. Akte der
Oberon-Text also parodiert wird:

      Alexander, mein Gatte,
      Im Schlafrock von Watte!--

       *       *       *       *       *

Edward George Lytton *Bulwer* (1803-73) nennt die Deutschen in der
Vorrede zu "Ernest Maltravers", London 1837, "das Volk der Dichter und
Kritiker". Wir citieren gewöhnlich:

      *Volk der Dichter und Denker.*

  Vielleicht weckte diesen Gedanken Frau von ~Staël~, die in der
  Vorrede vom 1. Oktober 1813 zu ihrem Buche "De l'Allemagne" schreibt,
  sie habe vor drei Jahren Preussen und die umliegenden nordischen
  Länder "la patrie de la pensée" genannt.--

       *       *       *       *       *

Aus dem Titel von Charles *Darwin*s (1809-82) Werk "On the origin of
species by means of natural selection or the preservation of favoured
races in the

      *struggle for life"*

(1859) sind die letzten Worte:

      *Kampf ums Dasein*

ins Leben übergegangen. Angeregt zu diesem Schlagworte wurde Darwin
durch ~Malthus~, der schon in seinem "Essay on the principles of
population" (London 1798) von "struggle for existence" gesprochen hatte.

  In der alten fünfaktigen Einteilung von Schillers "Wallensteins
  Tod" endete der dritte Akt mit einem, bei der neuen Einteilung
  fortgebliebenen Monologe Buttlers, in dem die Worte vorkommen:

      "Nicht Grossmut ist der Geist der Welt,
      Krieg führt der Mensch, er liegt zu Feld,
      Muss um des Daseins schmalen Boden fechten".--



VII.

Geflügelte Worte aus italienischen Schriftstellern.


Der erste Vers von *Dante* ~Alighieris~ (1265-1321) "Göttlicher
Komödie" ("Hölle" 1, 1) lautet:

      *Nel mezzo del cammin di nostra vita,*

      Auf halbem Wege dieser Lebensreise,

und der letzte Vers der Inschrift über der Höllenpforte ("Hölle" 3, 9):

      *Lasciate ogni speranza, voi ch' entrate*

      Beim Eintritt hier lasst alle Hoffnung fahren!

Aus 5, 121 der "Hölle" citiert man:

          *Nessun maggior dolore
      Che ricordarsi del tempo felice
      Nella miseria.*

        Kein grössrer Schmerz ist denkbar,
      Als sich erinnern glücklich heit'rer Zeit
      Im Unglück.

Derselbe Gedanke findet sich bereits in des ~Boëtius~ († 524 oder 526
n. Chr.) "Tröstung der Philosophie", 2, 4, welche Schrift Dante gern
las: "In omni adversitate fortunae infelicissimum genus infortunii est
fuisse felicem", "Bei aller Schicksalstücke ist Glücklichgewesensein
die unseligste Unglücksart".--

       *       *       *       *       *

Rodomonte, wovon man

      *Rodomontade*

ableitete, ist der Name eines heidnischen Helden in Lodovico *Ariosto*s
(1474-1533) "Rasendem Roland" (ersch. 1515). Er ist dem des "Rodamonte"
(Bergzertrümmerer) in ~Bojardos~ "Verliebtem Roland" (ersch. 1495)
sinnzerstörend nachgebildet.--

       *       *       *       *       *

      *Furia Francese*

      französischer Ungestüm

erscheint zuerst bei Antonius *de Arena* († 1544) "Ad compagnones",
S. 11 und entstand wohl aus dem

      *furor teutonicus*

      deutscher Ungestüm

bei ~Lucanus~ († 65 v. Chr.) "Pharsalia", 1, 255. 256. Auch
~Petrarca~ († 1374), Canzone 5, v. 53 spricht von "tedesco furor".--

       *       *       *       *       *

      *Se non è vero, è* (_molto_) *ben trovato*

      (Wenn es nicht wahr ist, ist es sehr gut erfunden)

steht in Giordano *Bruno*s (1550-1600) "Gli eroici furori" (Paris
1585, 2. T., 3. Dialog, vrgl. "Opere di Giordano Bruno", hrsg. von Ad.
Wagner, Leipz. 1830, Bd. 1, S. 415). Doch gab hiermit ~Bruno~ nur einer
schon vor ihm üblichen Wendung die knappere Form (s. Fumagalli "Chi
l'ha detto?" 1895. S. 349).--

       *       *       *       *       *

Aus ~Mozarts~ zuerst 1787 aufgeführtem "Don Juan", dessen italienischer
Text von Lorenzo *Daponte* (1749-1838) verfasst und durch Friedr.
~Rochlitz~ verdeutscht wurde, stammt 1, 1 (s. "Gefl. Worte aus der
Bibel": Offenb. Joh.):

      *Keine Ruh' bei Tag und Nacht*

und:

      *Das ertrage, wem's gefällt;*

sowie 1, 9:

      *Reich' mir die Hand mein Leben!*

und 2, 6:

      *Weiter* (_Sonst_) *hast du keine Schmerzen?*

was auch in der Form citiert wird:

      *Hast du sonst noch Schmerzen?--*

       *       *       *       *       *

      *Cosi fan tutte*

      (So machen's alle Weiber)

ist der Titel einer zuerst 1790 in Wien aufgeführten komischen Oper
~Mozarts~, deren Text auch von Lorenzo ~Daponte~ herrührt.--

       *       *       *       *       *

      *Mich fliehen alle Freuden,*

was oft travestiert wird, ist der Anfang eines Liedes aus dem komischen
Singspiele "Die schöne Müllerin" (la molinara) von Giovanni *Paesiello*
(1741-1816), das vermutlich Christian Gottlob ~Neefe~ (1748-98)
übersetzt hat. Das italienische Lied beginnt:

      "Nel cor più non mi sento

      Brillar la gioventù".

Aus ~Rossinis~ zuerst 1813 in Venedig aufgeführtem "Tancred", Akt I,
citieren wir:

      *di tanti palpiti,*

      *nach so langen Leiden.--*

Aus ~Donizettis~ zuerst 1836 in Neapel aufgeführter Oper "Belisar",
deren italienischer Text nach Eduard ~von Schenks~ gleichnamigem
Trauerspiel von Salvatore *Cammarano* gedichtet und von J. ~Hähnel~
verdeutscht wurde, wird citiert Akt 2. Sc. 3:

      *Trema, Bisanzio!*

      *Zitt're Byzanz!--*



VIII.

Geflügelte Worte aus spanischen Schriftstellern.


Einen närrischen Verfechter veralteter Anschauungen nennen wir einen

      *Don Quijote,*

nach dem Titelhelden des Romanes von Miguel de *Cervantes* (1547-1616):
"El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha" (1. T. 1605. 2. T.
1615). Nach dem Kampfross des Don Quijote nennen wir einen elenden Gaul
eine (richtiger einen)

      *Rosinante*

(spanisch: "Rocinante", zusammengesetzt aus "rocin", Klepper und
"antes", früher). Don Quijote gab dem Pferde diesen Namen, weil dadurch
ausgedrückt würde, was es einst als blosser Reitklepper gewesen, und
was es jetzt als die Perle aller Rosse der Welt geworden wäre.

Nach der Erkorenen Don Quijotes bezeichnen wir eine Geliebte als

      *Dulcinea;*

wir lassen verblendete Draufgänger, die Windmühlen für Riesen halten,
wie Don Quijote (I, 8),

      *mit Windmühlen kämpfen,*

      (molinos de viento acometer)

und nennen einen Kopfhänger, wie Sancho Pansa (I, 19) seinen von
Schlägen zerbläuten Herrn, einen

      *Ritter von der traurigen Gestalt*

      (El Caballero de la Triste Figura).--

       *       *       *       *       *

Der Titel eines Lustspiels von Don Pedro *Calderon* (1600-81) ist:

      "El secreto á voces",

wonach Carlo ~Gozzi~ (Venezia. Colombani 1772, Tom. 4) sein in Modena
bereits 1769 gegebenes Stück

      "Il pubblico secreto"

verfasste, das zuerst (1781) F. W. ~Gotter~ für uns bearbeitete, unter
dem Titel:

      "_Das_ *öffentliche Geheimnis*",

und später Karl ~Blum~ (1786-1844) unter dem Titel:

      "_Das_ *laute Geheimnis*".

  ~Schiller~ citiert schon in einem Brief an Koerner (4. Sept. 1794):
  "Was man in einer Zeitung und auf dem Katheder sagt, ist immer ein
  öffentliches Geheimnis".--

Auch citieren wir deutsch ~Calderons~ Lustspieltitel "La vida es sueño":

      *Das Leben ein Traum.--*

Von ~Calderon~ stammt auch (aus dem vor 1644 erschienenen Stück "In
diesem Leben ist Alles wahr und Alles Lüge") der Ausspruch her:

      Ultima razon de Reyes ...

      "Das letzte Wort der Könige

(im Kriege sind Pulver und Kugeln").--Ludwig XIV. wählte hiernach für
die französischen Geschütze (wohl um 1650, da sie sich nicht früher
findet) die schlecht-lateinische Inschrift:

      Ultima ratio regum,

welche durch Beschluss der Assemblée vom 17. Aug. 1796 verpönt
wurde.--In Preussen tritt nach Preuss ("Oeuvres de Frédéric-le-Grand"
XI, p. 118)

      *Ultima ratio regis*

seit 1742 als Kanonen-Inschrift auf. Alle Bronzegeschütze Friedrichs
des Grossen trugen sie, die eisernen aus Haltbarkeitsrücksichten
nicht; weshalb sie bei den meistens eisernen Festungsgeschützen ganz
fortblieb. Daher rührt es, dass heut die Inschrift nur bei preussischen
Feldgeschützen vorkommt und nicht bei Festungsgeschützen, gleichviel ob
sie aus Bronze, Eisen oder Stahl sind.--



IX.

Geflügelte Worte aus russischen Schriftstellern.


Iwan *Turgenjew* (1818-83) schreibt in den "Literatur- und
Lebens-Erinnerungen" (VI.--"Deutsche Rundschau", Febr. 1884. S. 249 u.
253) über den Helden seines Romans "Väter und Söhne" (1862): "Die Figur
des Basarow ist das Ebenbild eines jungen, kurz vor dem Jahre 1860
verstorbenen, in der Provinz lebenden Arztes, den ich kennen gelernt
hatte, und in dem mir das verkörpert zu sein schien, was man später
~Nihilismus~ nannte". Und ferner: "Das von mir erfundene Wort

      *Nihilist*

wurde von Vielen angegriffen, die nur auf eine Gelegenheit, einen
Vorwand warteten, die Bewegung, die sich der russischen Gesellschaft
bemächtigt hatte, aufzuhalten. Nicht im Sinne eines Vorwurfs, einer
Kränkung hatte ich dieses Wort gebraucht, vielmehr als einzig richtigen
Ausdruck für ein historisches Faktum; es wurde aber zu einem Werkzeuge
falscher Anklagen--ja beinahe zu einem Brandmal der Schande gemacht".--

Allerdings gab ~Turgenjew~ dem Worte "Nihilist" seine heutige, auf die
russischen Umstürzler allein bezügliche Bedeutung; aber erfunden hat er
es ebensowenig, wie das Wort "Nihilismus". Schon i. J. 1799 schrieb
Fr. H. ~Jacobi~ ("Werke" 3, 44) an Fichte, dass er den Idealismus
in der Philosophie "Nihilismus" schelte; 1804 schrieb Jean Paul
("Vorschule der Aesthetik" Abt. I, § 4):

  "Wenn der Nihilist das Besondere in das Allgemeine durchsichtig
  zerlässet und der Materialist das Allgemeine in das Besondere
  versteinert und verknöchert, so muss die lebendige Poesie eine solche
  Vereinigung beider verstehen und erreichen, dass jedes Individuum
  sich in ihr wiederfindet",

und 1838 lehrte ~Krug~ in seinem "Handwörterbuch der philosophischen
Wissenschaften" ("Supplem." 2. Abt. S. 83):

  "Im Französischen heisst auch der ein 'Nihiliste', der in der
  Gesellschaft, und besonders in der bürgerlichen, nichts von Bedeutung
  ist (nur zählt, nicht wiegt oder gilt), desgl. in Religionssachen
  nichts glaubt.[59] Solcher socialen oder politischen oder religiösen
  Nihilisten giebt es freilich weit mehr, als jener philosophischen
  oder metaphysischen, die alles Seiende vernichten wollen".

[Fußnote 59: Im Jahre 1846 spricht Meinhold in der Vorrede zur zweiten
Auflage seiner Novelle "Maria Schweidler die Bernsteinhexe" (p. XXIV)
von der "nihilistischen Kritik" der Evangelien.--]

In der ersten Ausgabe v. J. 1828 (3, 58) erklärte ~Krug~ "Nihilismus"
noch kurzweg als "eine in sich selbst zerfallende Behauptung", so dass
inzwischen die politische Bedeutung des Wortes in Frankreich entstanden
sein wird.



X.

Geflügelte Worte aus griechischen Schriftstellern.


*Homer* verdanken wir den Ausdruck:

      ἔπεα πτερόεντα,

      *geflügelte Worte,*

welcher 46mal in der "Iliade", 58mal in der "Odyssee" vorkommt. Er wird
seit dem Erscheinen des vorliegenden Buches, also seit 1864, allgemein
auf den in ihm behandelten Stoff angewendet, so dass ~Georg Büchmann~
als Urheber der ~wissenschaftlichen~ Bedeutung dieses Wortes zu nennen
ist (vrgl. die "Einleitung").--Auch drang die Bezeichnung in die
holländische, dänische, schwedische und französische Sprache ein (vrgl.
vorne das "Gedenkblatt"). Carlyle brauchte in seinem 1838 geschriebenen
Essay über Walter Scott den Ausdruck "winged words" schon in dem Sinne
der "citierbaren Sentenzen".--

      *Nestor,*

der älteste und weiseste Grieche in der "Iliade" (1, 247 ff. und
anderwärts) hat hervorragenden Greisen seiner Art den Namen gegeben.--

Das kriegerische Volk, welches in Homers "Iliade" dem Achill
unterthänig ist, gab uns für jede, mit dem Schwerte, der Feder oder der
Zunge kampfbereite Gefolgschaft seinen Namen:

      *Myrmidonen.--*

"Iliade" 1, 599 und "Odyssee" 8, 326 steht:

      ἄσβεστος γέλως;

"Odyssee" 20, 346:

      ἄσβεστον γέλω,

      *unauslöschliches Gelächter,*

woraus wir

      *homerisches Gelächter*

gemacht haben, was sich vielleicht zuerst als "rire homérique"
in Frankreich findet, wie z.B. in den aus den achtziger Jahren
des achtzehnten Jahrhunderts stammenden "Memoires de la Baronne
d'Oberkirch" (cap. 29): "on partit d'un éclat de rire homérique".--

       *       *       *       *       *

"Iliade" 2, 204 und 205 steht:

      *Οὐκ ἀγαθὸν πολυκοιρανίη, εἷς κοίρανος ἔστω,
      Εἷς βασιλεύς ...*

      Niemals frommt Vielherrschaft im Volk; nur Einer sei Herrscher,
      Einer König allein ...

So schliesst ~Aristoteles~ (Metaph. 12. 10 gegen Ende) seine Theologie
im Gegensatz zu der Speusippischen Sonderung der Wesenklassen.--

"Iliade" 2, 212-277 schildert uns das Urbild eines boshaften
Schwätzers, den "hässlichsten Mann vor Ilion",

      *Thersites,*

wie er zeternd den Agamemnon frech verleumdet und vom Odysseus mit
Worten und Schlägen unter dem heiteren Beifall der Achaier zum
Schweigen gebracht wird.--

Das "Iliade" 2, 408. 563 u. 567 und sonst noch 22mal vorkommende
βοὴν ἀγαθόςβοὴν ἀγαθός (im Schlachtruf tüchtig), ein Beiwort des
Menelaus und des Diomedes, hat ~Voss~[60] frei übersetzt mit

      *Rufer im Streit.--*

[Fußnote 60: Job. Heinrich Voss gab seit 1777 einzelne Stücke der
Odyssee heraus, dann 1781 die ganze Odyssee und 1793 die Iliade.]

Aus "Iliade" 4, 164, 165 und 6, 448, 449 ist:

      *Ἔσσεται ἦμαρ, (ὅτ' ἄν ποτ' ὀλώλῃ Ἴλιος ἱρή--)*

      *Einst wird kommen der Tag, (da die heilige Ilios hinsinkt--).*

Auf Grund der Erwähnung "Stentors mit der ehernen Stimme, der so laut
schreien konnte wie fünfzig andere", ("Iliade", 5, 785) nennen wir eine
ungewöhnlich laute Stimme eine

      *Stentorstimme.--*

In "Iliade" 6, 142 werden die Menschen harmlos als solche bezeichnet,
"die des Feldes Frucht essen", "οἳ ἀρούρης καρπὸν ἔδουσιν"
(vrgl. auch "Odyssee" 8, 222; 9, 89; 10, 101) was wir im verächtlichen
Sinne nach ~Horaz~ (Epist. I, 2, 27) lateinisch citieren:

      (_Nos numerus sumus et_) *fruges consumere nati,*

      (Wir sind Nullen) geboren allein zum Essen der Feldfrucht.--

"Iliade" 6, 484 steht:

      *δακρυόεν γελάσασα,*

      *Unter Thränen lächelnd*

nimmt Andromache ihr Söhnchen dem scheidenden Hektor ab.--

Aus "Iliade" 12, 243 ist:

      *Εἷς οἰωνὸς ἄριστος ἀμύνεσθαι περὶ πάτρης.*

      Ein Wahrzeichen nur gilt! das Vaterland zu erretten!--

In der "Iliade" 15, 496 lesen wir:

      *... οὔ οἱ ἀεικὲς ἀμυνομένῳ περὶ πάτρης Τεθνάμεν ...*

      Nicht ruhmlos ist's, für des Vaterlandes Errettung sterben.

Dies erweiterte ~Tyrtäus~ (s. Bergk "Poet. lyr. graec." p. 397 frgm.
10) also:

      τεθνάμεναι γὰρ καλὸν ἐνὶ προμάχοισι πεσόντα
      ἄνδρ' ἀγαθὸν περὶ ᾗ πατρίδι μαρνάμενον,

      Schön ist der Tod für den tapferen Mann, der unter den Kämpfern
      Fiel in den vordersten Reih'n, als er fürs Vaterland focht.

Wir citieren aber die kürzere Form, welche ~Horaz~ ("Od." III., 2, 13)
dieser Empfindung lieh:

      *Dulce et decorum est pro patria mori,*

      Glorreich und süss ist sterben fürs Vaterland.--

"Iliade" 21, 107 steht:

      κάτθανε καὶ Πάτροκλος, ὅπερ σέο πολλὸν ἀμείνων,

      *Auch Patroklus ist gestorben und war mehr als du,*

(s. Schillers "Fiesko" 3, 5). Es war nach ~Diog. Laertius~ (IX, 11,
n. 6, 67) ein Lieblingsvers des Philosophen ~Pyrrhon~, und nach
~Plutarch~ ("Alexander" 54) soll ~Kallisthenes~ diesen Vers wiederholt
ausgesprochen haben, als er bei Alexander in Ungnade gefallen war.--

Ferner wird citiert das "Iliade" 17, 514; 20, 435; "Odyssee" 1, 267; 1,
400; 16, 129 vorkommende:

      *Θεῶν ἐν γούνασι κεῖται,*

      *Das liegt _oder_ ruht im Schosse der Götter.--*

       *       *       *       *       *

Der dritte Vers der "Odyssee" kündet von dem gereisten Manne, der

      *πολλῶν δ' ἀνθρώπων ἴδεν ἄστεα καὶ νόον ἔγνω,*

      *Vieler Menschen Städte gesehn* _und Sitten gelernt hat._--

"Odyssee" 1, 149 lautet:

      Οἱ δ' ἐπ' ὀνείαθ' ἑτοῖμα προκείμενα χεῖρας ἴαλλον,

      *Und sie erhoben die Hände zum lecker bereiteten Mahle.--*

Aus "Odyssee" 1, 170 wird die Frage an den Fremdling citiert:

      *τίς πόθεν εἴς ἀνδρῶν?*

      *unde gentium?*

      *Woher der Männer?--*

Nach "Odyssee" 2, 94-109 sprechen wir von

      *Penelopearbeit*

als einer stets von vorn beginnenden, nie fortschreitenden Arbeit.
~Penelope~ hatte ihren Bewerbern Gehör versprochen, sobald sie für
ihren Schwiegervater Laertes ein Totengewand fertig gewebt haben würde,
vernichtete aber bei Nacht, was sie den Tag über geschaffen hatte.
Schon ~Plato~ ("Phaed." p. 84 A) citiert diese "Arbeit ohne Ende"
("ἀνήνυτον ἔργον").--

Auf "Odyssee" 3, 214-215:

      "εἰπέ μοι ἠὲ ἑκὼν ὑποδάμνασαι, ἦ σέ γε ~λαοὶ~
      ἐχθαίρουσ' ἀνὰ δῆμον ~ἐπισπόμενοι θεοῦ ὀμφῇ~",

      "Sag', ob willig Du Dich demütigst, oder das ~Volk~ Dich
      Etwa hasst in dem Lande, ~befolgend die Stimme des Gottes?~"

beruht vielleicht

      *Vox populi, vox Dei,*

      *Volkes Stimme, Gottes Stimme,*

Eher stammt es jedoch aus ~Hesiods~ ("Werke u. Tage" 763-764. Ausg.
Goettling):

      "Φήμη δ' οὔ τις πάμπαν ἀπόλλυται, ἥντινα πολλοὶ
      Λαοὶ φημίζουσι. θεός νύ τις ἐστὶ καὶ αὐτή".

      "Nie wird ganz ein Gerücht sich verlieren, das vielerlei Volkes
      Häufig im Munde geführt; denn ein Gott ist auch das Gerücht
          selbst".

  ~Aeschines~ ("c. Tim." 129) wendet diese Stelle an, ~Demosthenes~
  ("d. fals. legat." 243) antwortet darauf und ~Aeschines~ ("d. fals.
  legat." 144) entgegnet ihm wiederum. Auch ~Aristoteles~ ("Nikom.
  Ethik" 1153b 27), ~Dio Chrysostomus~ (37 extr.) u.A. citieren die
  Verse ~Hesiods~, die also im Alterthum ein "geflügeltes Wort" waren.
  Schon Alcuin (735-804 n. Chr.) bekämpft das "Vox populi, vox Dei"
  ("Capitulare admonitionis ad Carolum". Baluzzi Miscell, I, p. 376,
  Paris 1678) also: Auf diejenigen muss man nicht hören, die zu sagen
  pflegen 'Volkes Stimme, Gottes Stimme', da die Lärmsucht des Pöbels
  immer dem Wahnsinn sehr nahe kommt".--

Der als Führer und Ratgeber des Telemach aus der "Odyssee" und wohl
noch mehr aus ~Fénélons~ "Télémaque" bekannte

      *Mentor*

gilt als Bezeichnung eines Erziehers.--

"Odyssee" 4, 349, 365, 384 und 401 taucht Proteus auf als

      γέρων ἅλιος,

      *Meergreis.*

(vrgl. die Vossische Übersetzung: der "untrügliche Greis des Meeres";
des "meerdurchwallenden Greises"; "ein Greis des salzigen Abgrunds";
"der untrügliche ~Meergreis~.")--

"Odyssee" 6, 208 und 14, 58 steht:

      *δόσις δ' ὀλίγη τε φίλη τε,*

      So gering die Gabe auch ist, so angenehm ist sie doch.--

Aus der Erzählung von der Hadesstrafe des Sisyphus ("Odyssee" 11,
593-600. S. unt. Kap. II, "Sisyphusarbeit") citiert man V. 598:

      αὖτις ἔπειτα πέδονδε κυλίνδετο λᾶας ἀναιδής,

      wieder entrollte darauf in die Eb'ne der schändliche Felsblock,

weil Voss (Musenalmanach für 1778 S. 149) die Tonmalerei des in lauter
Daktylen dahinstürzenden Hexameters also wiedergeben zu müssen glaubte:

      *Hurtig mit Donnergepolter* (_entrollte der tückische Marmor_),

und die drei ersten im griechischen Texte gar nicht vorhandenen Wörter
dieser Übersetzung zum Citate geworden sind.

  In der frühesten Form, wie sie ein Brief von Voss an Gleim vom 27.
  März 1777 aufbewahrt, finden wir:

      "Und wie ein Wetter herunter entrollte der tückische Felsen."

  Bernays fügt hinzu ("Homers Odyssee von J. H. Voss", Stuttg. 1881,
  S. LXI): "Es sei hier bemerkt, dass auch Pope diese Verse mit
  besonderer Anstrengung behandelt und ihnen das stärkste Mass sinnlich
  nachahmender Bewegung zu erteilen versucht hat:

      "The huge round stone, resulting with a bound,
      Thunders impetuous down, and smokes along the ground."

  Wie sehr auch Voss den Popeschen Homer verachtete und bespöttelte,
  zu seinem Donnergepolter liess er sich wahrscheinlich doch durch den
  Engländer verleiten".--

"Odyssee" 12, 208-12 enthält die Trostworte des Odysseus an seine
Ruderer, die vor der Scylla erschrecken:

      "ὦ φίλοι, οὐ γάρ πώ τι κακῶν ἀδαήμονες εἰμέν.
      ... καί που τῶνδε μνήσεσθαι ὀίω".

      Freunde, wir sind ja bisher nicht ungeübt in Gefahren ...
      Und ich hoffe, wir werden uns einst auch dieser erinnern".

Die letzten Worte citieren wir nach ~Vergils~ leicht veränderter
Wiedergabe ("Aen." 1, 203):

      *... forsan et haec olim meminisse juvabit,*

      Dereinst wird auch dieses vielleicht zur Erinnerungsfreude.--

"Odyssee" 17, 218 steht:

                          (κακὸς κακὸν ἡγηλάζει),
      ὡς αἰεὶ τὸν ὁμοῖον ἄγει θεὸς ὡς τὸν ὁμοῖον.

                          (Ein Taugenichts führet den andern),
      Wie doch stets den Gleichen ein Gott gesellet zum Gleichen!

Hieraus mag den Griechen das von ~Plato~ (Symp. 195b.) überlieferte
Sprichwort "ὡς ὅμοιον ὁμοίῳ αἰεὶ πελάζει", entsprungen
sein, was von ~Cicero~ (Cato M. 3, 7) mit "pares cum paribus facillime
congregantur" wiedergegeben wird und von uns mit:

      *Gleich und gleich gesellt sich gern.--*

Das Trostwort "Odyssee" 20, 18 lautet:

      (Τέτλαθι δὴ κραδίη.) *καὶ κύντερον ἄλλο ποτ' ἔτλης.*

      Dulde nur still, mein Herz! Schon Schnöderes hast du erduldet!

  Horaz "Od." 1, 7, 30: "O fortes peioraque passi Mecum saepe viri,
  Nunc vino pellite curas"; "Sat." 2, 5, 21: "Et quondam maiora tuli";
  u. Ovid. "Trist." 5, 11, 7: "Perfer et obdura".--

      *Sardonisches Lachen*

stammt aus "Odyssee" 20, 301-2:

      "μείδησε δὲ θυμῷ Σαρδάνιον μάλα τοῖον",

      "er lächelte so recht sardonisch in sich hinein".

  ~Pausanias~ (X, 17, 7) meint, auf der Insel Sardo wachse ein Kraut,
  nach dessen Genuss man vor Lachen sterbe.--

       *       *       *       *       *

*Hesiod* (9. Jahrh. v. Chr.) gebraucht:

      Πλέον ἥμισυ παντός

      *Die Hälfte ist mehr als das Ganze,*

(Vers 40, Ausg. ~Goettling~, des an seinen Bruder Perses gerichteten
Gedichtes "Werke und Tage".) Hesiod und Perses hatten das väterliche
Erbe unter sich geteilt; die ungerechten Richter, die den armen Poeten
nötigten, die Hälfte seines Eigentums dem Perses zu überlassen, nennt
er in jenem Verse: "Thoren! Sie wissen nicht, um wieviel die Hälfte
mehr ist als das Ganze!" Denn Hesiod verwaltete den Rest seiner Habe
so weise, dass er nichts eingebüsst zu haben schien, während sich des
Bruders Vermögen durch Trägheit mehr und mehr verringerte.--

Ebenda, 289, bietet ~Hesiod~:

      *Τῆς δ' ἀρετῆς ἱδρῶτα θεοὶ προπάροιθεν ἔθηκαν*
      (Ἀθάνατοι· μακρὸς δὲ καὶ ὄρθιος οἶμος ἐπ' αὐτὴν).

      Schweiss verlangen die Götter, bevor wir die Tugend erreichen;
      Lang und steil ist der Pfad, der uns zu dem Gipfel hinanführt.--

Ebenda, 309, sagt Hesiod:

      Ἔργον δ' οὐδὲν ὄνειδος.

      *Arbeit schändet nicht.--*

       *       *       *       *       *

Nach alter Rhapsodensitte (s. Demodokos bei Homer "Odyss." 8, 499)
singt *Alkman* (bl. um 610 v. Chr.; frg. 31): "ἐγὼ δ' ἀείσομαι, ἐκ
Διὸς ἀρχόμενος" (ich werde singen, von Zeus beginnend).
Darnach lautet der Anfang der "Phainomena", eines Lehrgedichtes des
~Aratus~, so wie der Anfang des 17. Idylls seines Freundes ~Theokrit~
(bl. um 250 v. Chr.) "Ἐκ Διὸς ἀρχώμεσθα" (von Zeus lasst
uns beginnen). ~Vergil~ "Eclogen", 3, 60 überträgt es mit:

      *Ab Jove principium,*

was ~Statius~ (1. Jahrh. n. Chr.) im prosaischen Prooemium zum 1. Buch
seiner "Silvae" und ~Calpurnius~ (1. Jahrh. n. Chr.) in Ecloge 4, 82
wiederholten.--

       *       *       *       *       *

      (Ἐξ ὄνυχος τὸν λέοντα γράφειν)

      *Ex ungue leonem* (_pingere_),

      (_Der Klaue nach den Löwen malen, d.h. aus einem Glied auf die
          ganze Gestalt schliessen_)

wird von ~Plutarch~ ("De defectu oraculorum", 3) auf *Alcäus* (bl. um
610 v. Chr.), von ~Lucian~ ("Hermotimus", 54) auf ~Phidias~ (geb. um
500 v. Chr.) zurückgeführt. Es findet sich sprichwörtlich schon bei dem
Mimendichter ~Sophron~ aus Syrakus (5. Jahrh. v. Chr.).--

~Alcäus~ bezeichnet es zwar als Sprichwort, ist aber für uns die Quelle
von

      *Im Weine* (_liegt_) *die Wahrheit,*

was noch öfter in der lateinischen (nicht antiken) Form citiert wird:

      *In vino veritas,*

denn er zuerst singt (frgm. 16, Bergk): "οἶνος ... ἀνθρώποις
δίοπτρον"--"der Wein ist ein Spiegel für die Menschen" und (frgm. 57):
"οἶνος, ὦ φίλε παῖ, καὶ ἀλάθεα ..." "Wein, liebes Kind,
(wird) auch Wahrheit (genannt)".

  Vrgl. Theognis (500): "ἀνδρὸς ... οἶνος ἔδειξε νόον"--"Wein
  offenbart des Menschen Sinn"; Äschylus (fragm. 13): "κάτοπτρον
  εἴδους χαλκός ἐστ', οἶνος δὲ νοῦ"--"des Wuchses Spiegel
  ist das Erz, der Wein des Sinns"; Ion (bei Athen. X, p. 477):
  "τῶν ἀγαθῶν βασιλεὺς οἶνος ἔδειξε φύσιν"--"Wein, der die
  Edlen beherrscht, deckte das Innerste auf"; Plato ("Symp." 33) nennt
  als Sprichwort: "οἶνος ... ἦν ἀληθής"--"der Wein ist wahr"
  (d.h. macht, dass man die Wahrheit sagt); Theokrit (29, 1) ebenfalls
  mit Anlehnung an Alcäus:

      "Οἶνος, ὦ φίλε παῖ, λέγεται καὶ ἀλάθεα·
      Κἄμμε χρὴ μεθύοντας ἀλαθέας ἔμμεναι."

      "Wahrheit nennet man auch, o geliebtester Knab', den Wein:
      Und so müssen wir nun, wie Betrunkene, wahr nur sein".

  Auch Plinius ("N. H." XIV, 28): "vulgoque veritas iam attributa vino
  est"--"gewöhnlich wird dem Wein die Wahrheit zuerteilt"; ferner
  Plutarch ("Artaxerx." 15), Athenäus II, 6 p. 37 u.a.m.--

Ein Freudengesang des ~Alcäus~ (12, Schneidewin 20. B.) auf den Tod des
Tyrannen von Lesbos, Myrsilos, beginnt:

      Νῦν χρὴ μεθύσθην,

was wir nach ~Horaz~ (Od. I, 37, 1) lateinisch citieren:

      *Nunc est bibendum,*

      Jetzt muss getrunken werden!--

       *       *       *       *       *

Bekannte Worte sind die Inschriften des Apollotempels in Delphi, das:

      *γνῶθι σεαυτόν,*

      *Erkenne dich selbst,*

      *(Nosce te,*

wie Cicero, Tuscul. 1, 22, 52 übersetzt), das Einem der sieben Weisen,
bald dem *Thales* (um 620 - 543 v. Chr.), bald dem *Chilon*, bald
anderen zugeschrieben wird, und das von ~Terenz~ ("Andria" I, 1, 34)
durch

      *Ne quid nimis*

übersetzte, bald auf *Chilon*, bald auf *Solon* (um 640 - 559 v. Chr.),
bald auf *Sokrates* (469-399 v. Chr.), endlich im allgemeinen auf die
Sieben Weisen zurückgeführte

      *μηδὲν ἄγαν,*

      Nichts zu viel.

  (~Diogenes Laërtius~ I, 1 n. 14, 41; I, 2 n. 16, 63; II, 5 n. 16, 32;
  IX, 11 n. 8, 71. vrgl. Theognis 219, 335 und 401.)--

      *De mortuis nil nisi bene,*

      Über die Toten (sprich) nur gut,

ist wahrscheinlich eine Übersetzung des von ~Diogenes Laërtius~ (I, 3
n. 2, 70) überlieferten Wortes des *Chilon*:

      τὸν τεθνηκότα μὴ κακολογεῖν.

Doch führt ~Plutarch~ "Solon", c. 21 (Anfang) den Spruch in etwas
anderer Form auf Solon zurück. ~Thucydides~ sagt II, 45: "τὸν γὰρ
οὐκ ὄντα ἅπας εἴωθεν ἐπαινεῖν", "Den, der nicht mehr ist, pflegt
Jeder zu loben".--

       *       *       *       *       *

*Epimenides* aus Kreta (um 596 v. Chr.) galt den Alten als der
Verfasser des Verses:

      "Κρῆτες ἀεὶ ψεῦσται, κακὰ θηρία, γαστέρες, ἀργαί",

den Luther in der "Epistel S. Pauli an Titum" (1, 12) also übersetzt:
"Die Creter sind immer Lügner, böse Tiere und faule Bäuche". Danach
sagen wir von einem trägen Schlemmer, er sei ein

      *fauler Bauch.--*

       *       *       *       *       *

In *Äsop*s (6. Jahrh. v. Chr.)[61] Fabel 27: "Der flöteblasende
Fischer" (citiert wird hier stets die Halmsche Ausgabe) versucht ein
Fischer erst vergeblich durch Flötenspiel die Fische an sich zu locken:
dann greift er zum Netz und spricht, als sie nun vor ihm auf dem
Strande hüpfen: "ὦ κάκιστα ζῶα, ὑμεῖς, ὅτε μὲν ηὔλουν, οὐκ ὠρχεῖσθε,
νῦν δὲ ὅτε πέπαυμαι, τοῦτο πράττετε"--"O ihr schlechtes
Getier, als ich flötete, wolltet ihr nicht tanzen, nun ich aber
aufhöre, thut ihr's!" Diese Fabel erzählte Cyrus in Sardes höhnend
den Gesandten der Ioner und Äoler, weil die Ioner, als er sie bitten
liess, vom Krösus abzufallen, nicht auf ihn hörten, nun aber, da er
die Herrschaft erlangt, gehorsamst bereit waren. Er schliesst:
"Παύεσθέ μοι ὀρχεόμενοι, ἐπεὶ οὐδ' ἐμέο αὐλέοντος ἠθέλετε κβαίνειν
ὀρχεόμενοι"--"Höret auf vor mir zu tanzen, denn als ich euch flötete,
da wolltet ihr nicht herauskommen und tanzen!" (Herodot I, 141.) Der
Evangelist ~Matthäus~ (11, 17; vrgl. Luk. 7, 32) kürzt das äsopische
Wort also: "ηὐλήσαμεν ὑμῖν καὶ οὐκ ὠρχήσασθε". Und wir entnehmen
aus Luthers Übersetzung "Wir haben euch gepfiffen und ihr
wolltet nicht tanzen" unser:

      *Nach Jemandes Pfeife tanzen sollen.--*

[Fußnote 61: Die "geflügelten Worte" aus griechischen Fabeln sind zwar
dem 6. Jahrh. unter Äsop eingereiht, aber es ist wohl möglich, dass
keines von ihnen dem Fabelerzähler Äsop sein Dasein verdankt, da die
auf uns gekommene Sammlung "äsopischer" Fabeln diesen Namen mit keinem
besseren Rechte führt, als die der "anakreontischen" Gedichte den des
Anakreon.]

Wie der Fuchs in ~Äsops~ Fabel (33 u. 33b) "Der Fuchs und die
Trauben" sagen wir, das Misslingen unserer Pläne nicht der eigenen
Unzulänglichkeit, sondern den Umständen zuschreibend:

      *Die Trauben sind sauer,*

      (ῥᾷγες ὀμφακίζουσι μάλα)

wenn sie für uns zu hoch hängen.--

Aus ~Äsops~ Fabel 97 "Der Bauer und die Schlange" und 97'b "Der
Wanderer und die Natter" entlehnen wir:

      *Eine Schlange am Busen nähren;*

(vrgl. Petron. 77: "tu viperam sub ala nutricas").--

Zu den äsopischen Fabeln (158) wird auch eine Erzählung des Sophisten
~Prodikus~ (bl. um 430 v. Chr.) in seinen "Horen" gerechnet, die wir
in Xenophons "Denkwürdigkeiten" (2, 1, 21) durch den Mund des Sokrates
erfahren, wonach Herkules als Jüngling in der Einöde zwei Wege vor sich
sah, den zur Wollust und den zur Tugend, und lange zweifelte, welchen
er einschlagen solle (vrgl. Cicero "de off." 1, 32). Wir citieren
danach:

      *Herkules am Scheidewege.--*

Aus ~Äsops~ Fabel (200) "Die Dohle und die Eule" und 200'b "Die Dohle
und die Vögel" stammt:

      *Sich mit fremden Federn schmücken.--*

In ~Äsops~ Fabel (203) "Der Prahler" und (203'b) "Der prahlerische
Fünfkämpfer" rühmt sich jemand, dass er in Rhodus einst einen
gewaltigen Sprung gethan, und beruft sich auf die Zeugen, welche
es dort mit angesehen hätten. Einer der Umstehenden antwortet ihm:
"Freund, wenn's wahr ist, brauchst du keine Zeugen. ~Hier ist Rhodus,
hier springe~" (ἰδοὺ ἡ Ῥόδος, ἰδοὺ καὶ τὸ πήδημα), was lateinisch
in der Form citiert wird:

      *Hic Rhodus, hic salta.--*

Aus ~Äsops~ Fabel (232) "Der Hund und der Koch" wird kurz
herausgegriffen:

      *παθήματα--μαθήματα.*

      *Leiden sind Lehren.*

  vrgl. Paulus im Ebräerbriefe 5, 8: "ἔμαθεν ἀφ' ὧν ἔπαθε τὴν
  ὑπακοήν"--"er lernte an dem, was er litt, Gehorsam".--

Die 237b. Fabel "Die Hasen und die Frösche" schliesst: "ὁ μῦθος
δηλοῖ· ὅτι οἱ δυστυχοῦντες ἐξ ἑτέρων χείρονα πασχόντων
παραμυθοῦνται", "die Fabel lehrt, dass die Unglücklichen aus den
schlimmeren Leiden Anderer Trost schöpfen" (vrgl. Thucyd. 7, 75; Seneca
"Über den Trost, an Polybius" 31). Mit einer leichten Veränderung des
Sinnes wurde hieraus im Mittelalter ein Hexameter gebildet, den wir
bei ~Dominicus de Gravina~ ("Chronic. de reb. in Apul. gest. ab anno
1333-50", s. "Raccolta di varie croniche etc." Nap. 1781. II, 220)
also citiert finden: "iuxta illud verbum poëticum: gaudium est miseris
socios habuisse poenarum", "nach jenem Dichterwort: Wonne für Jeden im
Leid ist Leidensgefährten zu haben". Dann bietet ~Marlowes~ "Faustus"
(1580): "Solamen miseris socios habuisse doloris", "Trost für Jeden
im Leid ist Schmerzensgefährten zu haben"; während die heute übliche,
schon von Spinoza ("Ethik" 4, 57; ersch. 1677) als sprichwörtlich
bezeichnete Form lautet:

      *Solamen miseris socios habuisse malorum.*

      Trost für Jeden im Leid ist Unglücksgefährten zu haben.--

Aus ~Äsops~ Fabel (240) "Die Löwin und der Fuchs" und (240'b) "Die
Löwin" stammt:

      *Eins, aber es ist ein Löwe.*

      (ἕνα ... ἀλλὰ λέοντα.)--

In der 246. Fabel antwortet der Fuchs dem in der Höhle krank liegenden
Löwen auf dessen Frage, warum er nicht näher trete: "ὅτι ὁρῶ ἴχνη
πολλῶν εἰσιόντων, ὀλίγων δὲ ἐξιόντων", "weil ich die Spuren
vieler Hineingehenden, aber weniger Hinausgehenden sehe". Schon Plato
("Alcib." I. p. 123 A) citiert diese Stelle und Horaz ("Epist." 1, 1,
74 nach ~Lucilius~ bei Nonius p. 303 u. 402) überträgt sie also: "Quia
me vestigia terrent", "Omnia te adversum spectantia, nulla retrorsum",
woraus sich das "geflügelte Wort" entwickelte:

      *Vestigia terrent,*

      Die Spuren (der verunglückten Vorgänger) schrecken ab.

So antwortete (nach Zincgref "Apophth.", Strassb. 1626. S. 49) Kaiser
Rudolf I. auf die Frage, ob er nicht nach Rom reisen wolle, um die
Salbung vom Papst zu empfangen: "Vestigia terrent". Gleich dem Fuchs in
der Fabel wollte er nicht, wie seine Vorgänger,

      *Sich in die Höhle des Löwen wagen.--*

Aus ~Äsops~ Fabel (258) "Der Löwe und der wilde Esel" und (260) "Der
Löwe, der Esel und der Fuchs" entlehnen wir:

      *Löwenanteil,*

d.h. den unverschämt grossen Anteil, den sich der Stärkere kraft des
Rechts des Stärkeren zuspricht. Auf Grund dieser Fabel heisst in
der Rechtswissenschaft (s. Lex. 29, § 2; Dig. pro socio 17, 2) ein
Gesellschaftsvertrag, wonach der eine Teilnehmer allen Nachteil trägt,
der andere allen Nutzen zieht, eine

      *societas leonina.--*

Fabel 304 "Der verschwenderische Jüngling und die Schwalbe" erzählt,
wie ein Jüngling, der seine Habe bis auf einen Mantel verthan, auch
diesen verkaufte, als er die erste Schwalbe heimkehren sah, weil es
nun schon Sommer sei (οἰόμενος ἤδη θέρος εἶναι). Danach
aber fror es noch so, dass die Schwalbe tot blieb und der frierende
Verschwender ihr Worte des Zornes über die Täuschung nachrief. Hieraus
stammt wohl das von Aristoteles (Nik. Eth. I, 6) überlieferte Wort:
"μία χελιδὼν ἔαρ οὐ ποιεῖ" "Eine Schwalbe macht keinen
Frühling", welches wir, auf Äsop zurückgreifend, also citieren:

      *Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.--*

Nach ~Athenäus~, 14, p. 616 E (vrgl. Plutarch "Agesilaos" 36) sagte
der Ägypterkönig ~Tachos~ zum Spartanerkönig Agesilaos: Ὤδινεν
ὄρος, Ζεῦς δ' ἐφοβεῖτο, τὸ δ' ἔτεκεν μῦν (der Berg kreisste, Zeus
geriet in Angst, der Berg aber gebar eine Maus). ~Horaz~ machte daraus
("Ars poëtica", 139) auf die hochtrabend beginnenden Dichterlinge den
Spottvers:

      *Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus.*

      Wie das Gebirg' auch kreisst, es kommt nur 'ne schnurrige Maus
         'raus,

(vrgl. ~Phädrus~ "Fabeln" IV. 22). Die erste Anwendung dieses wohl
ursprünglich Äsopischen Wortes im Deutschen scheint am Ende des 12.
Jahrh. in ~Hartmanns von der Aue~ "Erec", 9048, vorzukommen.--

       *       *       *       *       *

Ein Wort des griechischen, ohne Habe aus seinem Vaterlande fliehenden
Philosophen *Bias* (bl. um 570 v. Chr.) nahm der "Wandsbecker Bote" in
der lateinischen Form:

      *Omnia mea mecum porto*

      Alles Meinige trage ich bei mir

zum Motto. ~Claudius~ veranstaltete dann eine Sammlung seiner Werke
unter dem Titel "Asmus omnia sua secum portans oder: Sämtliche Werke
des Wandsbecker Boten", 8 Bde., Hamburg 1774-1812. ~Cicero~ "Paradoxa",
1, 1, 8 stellt die Worte so: "Omnia mecum porto mea". Bei ~Valerius
Maximus~ 7, 2, externa, 3 heisst es: "ego, inquit, vero bona mea mecum
porto". ~Seneca~ legt einen fast wörtlich, dem Sinne nach ganz gleichen
Ausspruch dem Philosophen *Stilpon* (bl. um 300 v. Chr.) bei, im 9.
Briefe und in der Schrift "Über die Standhaftigkeit der Weisen", Kap.
5 u. 6; so auch ~Plutarch~ "Über Seelenruhe", Kap. 17. (S. ~Zeller~
II, 1, p. 234'5.) ~Phädrus~ führt 4, 21 den Ausdruck auf den Dichter
*Simonides* von Keos (556-469 v. Chr.) zurück, dem wir auch nach
~Claudians~ Verse ("Ep." 4, 9):

      "Fors iuvat audentes, Cei sententia vatis",

      "Wagende fördert das Glück, so sagte der Dichter von Keos",

  (andere Lesart:

      "Fors iuvat audaces, prisci sententia vatis",

      "Herzhafte fördert das Glück, so sagte ein uralter Sänger")

mittelbar das

      *Fortes fortuna adiuvat*

verdanken sollen, was sich zuerst bei ~Terenz~ ("Phormio" 1, 4), dann
bei ~Cicero~ ("Tusc." 2, 4, 11; "de fin." 3, 4, 16 kurz weg "fortuna
fortes") findet, dem ~Livius~ (34, 37) schon als altes Sprichwort gilt
und ähnlich vom älteren ~Plinius~ ("Epist." 6, 16 des Neffen Plinius)
citiert wurde bei Erforschung des Vesuvausbruchs, wobei er trotzdem
sein Leben verlor.

  vrgl. auch ~Ennius~ bei Macrobius 6, 6; ~Vergil~ "Aen." 10, 284;
  ~Tibull~ 1, 2, 16 ("fortes adiuvat ipsa Venus"); ~Livius~ 8, 29;
  ~Ovid~ "Ars am." 1, 608; "Met." 10, 586; "Fast." 2, 782, ~Seneca~
  "Epist." 94 und oben ~Schillers~ "Dem Mutigen hilft Gott".--

Ferner nannte ~Simonides~ (nach Plutarch: "De Gloria Atheniensium"
3) "τὴν μὲν ζωγραφίαν ποίησιν σιωπῶσαν, τὴν δὲ ποίησιν ζωγραφίαν
λαλοῦσαν", worüber Lessing in der Vorrede seines "Laokoon
oder Über die Grenzen der Malerei und Poësie" bemerkt: "Die blendende
Antithese des griechischen Voltaire, dass

  *die Malerei eine stumme Poësie und die Poësie eine redende Malerei*

sei, stand wohl in keinem Lehrbuche. Es war ein Einfall, wie
~Simonides~ mehrere hatte, dessen wahrer Teil so einleuchtend ist, dass
man das Unbestimmte und Falsche, welches er mit sich führt, übersehen
zu müssen glaubt".

  Schon ~Plutarch~ gab (a.a.O.) die Erläuterung, beide Künste seien
  ("ὕλῃ καὶ τρόποις μιμήσεως") "in den Gegenständen wie in
  der Art der Nachahmung" verschieden.

~Goethes~ Satz (s. Eckermann "Gespräche" 23. März 1829), dass

      *die Baukunst eine erstarrte Musik*

sei, hat wohl in des ~Simonides~ Worten seine Wurzel, wenn er auch
zunächst durch Mdme de ~Staëls~ "Corinne" (1807) angeregt sein mag,
die (4, 3) vor dem St. Petersdom ausruft: "La vue d'un tel monument
est comme une musique continuelle et fixée ..." Nach ~Schelling~
("Vorlesungen über Philosophie der Kunst" S. 576 und 593) würde der
Satz lauten:

      *Die Architektur ist die erstarrte Musik,*

und Schopenhauer lässt sich ("Die Welt als W. u. V." 2, 519) über das
"Witzwort" aus, dass

      *Architektur gefrorne Musik*

sei.--

       *       *       *       *       *

      *Sphärenharmonie (*_oder_ *Sphärenmusik)*

ist nach des *Pythagoras* (geb. um 582 v. Chr.) Annahme das Tönen der
sich im Raume bewegenden Planeten. (~Zeller~ "Die Philos. d. Griech. in
ihrer gesch. Entw." I, p. 398 ff. 4. Aufl. Lpzg. 1876).--

      *Philosophie*

soll als technischer Ausdruck für die Wissenschaft der Philosophie
(nach einer Angabe des Plato-Schülers Heraklides aus Pontus, deren
historische Wahrheit jedoch bezweifelt wird) auch dem ~Pythagoras~
seine Entstehung verdanken (~Zeller~ a. a. O. I, p. 1 ff.).--

Nach Plutarch ("Über das Hören" 13) sagte ~Pythagoras~, ihm habe sich
aus der Philosophie das "μηδὲν θαυμάζειν" ergeben, ein
Lehrsatz, den wir nach ~Horaz~ ("Epist." 1, 6, 1) also citieren:

      *Nil admirari!*

      Nichts anstaunen!--

      *Kosmos*

für "All", "Weltall" soll nach Diogenes Laërtius 8, 48 zuerst von den
Pythagoräern gebraucht worden sein. (~Zeller~ a. a. O. I, p. 409'3, und
"Doxographi Graeci" ed. H. Diels. Berlin 1879, p. 327'8). Eigentlich
hiess "Κόσμος" "Ordnung", als welche den Pythagoräern aber
das All erschien, da die Zahlen ihnen die Dinge waren und zugleich ein
System bildeten.--

      *Ipse dixit,*

      Er selbst hat's gesagt,

das Cicero "de natura deorum", I, 5, 10 als das Wort überliefert,
womit die Schüler des Pythagoras des Meisters Lehren priesen, ist uns
in der lateinischen Form ebenso zur Hand, wie das griechische:

      *αὐτὸς ἔφα,*

das der Scholiast zu Vers 196 der "Wolken" des ~Aristophanes~ erhalten
hat.--

       *       *       *       *       *

*Theognis* (bl. um 540 v. Chr.) bringt uns zuerst den Gedanken (V.
327-8):

      ἁμαρτωλαὶ ... ἐν ἀνθρώποισιν ἕπονται θνητοῖς ...

      Fehltritte haften den sterblichen Menschen an.

~Sophokles~ "Antig." 1023-4, ~Euripides~ "Hippol." 615 und ein
unbekannter Tragiker (bei Nauck "frgm. poët. trag." 261) sagen dasselbe
mit ähnlichen Worten, während es in dem Epigramm auf die bei Chäronea
Gefallenen (V. 9 beim Demosthenes "pro corona" § 289) heisst: "μηδὲν
ἁμαρτεῖν ἐστι θεῶν ..."--"In nichts irren ist eine Eigenschaft
der Götter". Dann bietet ~Cicero~ ("Philipp." 12, 2): "Cuiusvis hominis
est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare"--"Jeder
Mensch kann irren, nur der Dumme im Irrtum verharren". Wir pflegen
hiernach zu sagen:

      *errare humanum est,*

      *Irren ist menschlich.*

  vrgl. Seneca Rhetor controvers. 4, 3 und Hieronymus epist. 57, 12:
  "errasse humanum est".--

Des ~Theognis~ (398):

      τὸν δ' ἀγαθὸν (νόον) τολμᾶν χρή

gab wohl Horaz ("Epist." I, 2, 40) wieder mit seinem knappen:

      *Sapere aude*

      Wage es, weise zu sein!--

~Theognis~ (583) singt ferner:

      *Ἀλλὰ τὰ μὲν προβέβηκεν, ἀμήχανόν ἐστι γενέσθαι
      Ἀργά· τὰ δ' ἐξοπίσω τῇ φυλακῇ μελέτω.*

      Was nun einmal geschehen, lässt ungescheh'n niemals sich machen;
      Aber für Das, was da kommt, sorge mit wachsamem Sinn!

Diesem Spruch des von den Alten gern citierten Dichters mögen des
~Plautus~ Worte ("Aulul." 4, 10, 15) entstammen:

      Factum illud: fieri infectum non potest,

      Geschehen ist's: ungeschehen kann's nicht gemacht werden,

und ("Trucul." 4, 2, 21):

      Stultus es, qui facta infecta facere verbis postules,

      Dumm bist du, weil du Geschehenes durch Worte ungeschehen machen
          willst;

wir sagen danach:

      *Geschehene Dinge lassen sich nicht ungeschehen machen*
und:

      *Geschehenes ungeschehen machen wollen.--*

       *       *       *       *       *

Mit dem Klagelaut des sterbenden Singschwans ("Cycnus musicus" s.
Brehms "Thierleben" 1879, II, 3 S. 446: "sein letztes Aufröcheln
ist klangvoll wie jeder Ton, welchen er von sich giebt") vergleicht
*Äschylus* (525-456 v. Chr.) eines Menschenkindes schwungvolle Worte
vor dem Tode, indem er ("Agam." 1445) Klytämnestra von Kassandra sagen
lässt:

      "ἡ δέ τοι, κύκνου δίκην
      τὸν ὕστατον μέλψασα θανάσιμον γόον",

      "Jene, die nach Art des Schwans
      Zu singen anhub letzten Todesklaggesang".

~Cicero~ wendet ("de orat." 3, 2, 6) denselben Vergleich auf L.
Crassus an, der starb, kurz nachdem er eine Rede gehalten: "Illa
tanquam cycnea fuit divini hominis vox"--"Das war gleichfalls die
Schwanenstimme des göttlichen Menschen". Und so nennen wir die letzte
Schöpfung eines dahingeschwundenen Geistes sein

      *Schwanenlied*

oder seinen

      *Schwanengesang.--*

       *       *       *       *       *

*Pindar* (521-441 v. Chr.) bietet die Worte ("Olymp." 1, 1):

      *Ἄριστον μὲν ὕδωρ,*

      Das Beste ist das Wasser;

und ("Pyth." 8, 136, vrgl. unten Horaz "Od." IV, 7, 16 mit Anm.):

      *Σκιᾶς ὄναρ ἄνθρωποι,*

      Eines Schattens Traum (sind) die Menschen.--

Aus einem uns verlorenen Gesange ~Pindars~ hat sich ein Bruchstück
erhalten (s. Boeckh: "Frgm." 151 und Plato: "Gorgias" 484 b), worin es
mit Bezug auf die Tötung und Beraubung des Geryon durch Herkules heisst:

      "νόμος ὁ πάντων βασιλεὺς
      θνατῶν τε καὶ ἀθανάτων
      ἄγει δικαιῶν τὸ βιαιότατον
      ὑπερτάτᾳ χειρί."

      "Das Gesetz (sc. der Natur, das dem Stärkeren Recht giebt),
      der König über alle Sterblichen und Unsterblichen, waltet
      mit allmächtiger Hand, das Gewaltsamste billigend".

~Herodot~ (3, 38) citiert ausser dem Zusammenhang: "[ὀρθῶς μοι
δοκέει Πίνδαρος ποιῆσαι νόμον πάντων βασιλέα φήσας εἶναι".--"Pindar
scheint mir in seinem Dichten recht zu haben, wenn er sagt:
'das Herkommen ist König über Alle'"; und wiederum anders
(7, 104): "ἔπεστι γάρ σφι δεσπότης νόμος ... (ἐπικρατέειν
ἢ ἀπόλλυσθαι)"--"über ihnen steht nämlich als Despot das Gesetz (zu
siegen oder zu sterben)". Diesen Stellen entsprang das Wort:

      *Usus tyrannus,*

      Der Brauch ist Tyrann,

was im Hinblick auf des ~Horaz~ ("A. P." 71-72) "usus Quem penes
arbitrium est et ius et norma loquendi", "Über die Sprache verfügt
der Gebrauch, Recht giebt er und Regel", gewöhnlich auf Sprachliches
bezogen wird, wie denn schon Luther (29, S. 258) sagt: "Die natürliche
Sprache ist Frau Kaiserin".--

       *       *       *       *       *

Auf *Heraklit* (bl. um 500 v. Chr.) wird der bekannte Satz
zurückgeführt, dass Alles ewig wechsle (vrgl. oben Kap. III: Börne):

      *Πάντα ῥεῖ,*

      Alles fliesst.

Nach ~Aristoteles~ "de coelo" 3, 1 (vrgl. "Metaph." 1, 6 n. "de anima"
2, 2), während er nach ~Plato~ ("Kratyl." 402 a.) gesagt haben soll:
"πάντα χωρεῖ" ("Alles bewegt sich fort").--

       *       *       *       *       *

*Sophokles* (496-406 v. Chr.) sagt im "Oedipus auf Kolonos" 1026-7:

      "... τὰ γὰρ δόλῳ
      τῷ μὴ δικαίῳ κτήματ' οὐχὶ σώζεται".

Wir citieren dies nach ~Paulus Diaconus~ (p. 222. Muell.) aus ~Naevius~
(† 204) also:

      *Male parta male dilabuntur*

(vrgl. dasselbe bei ~Cicero~ "Philipp." II, 27 ohne Quellenangabe und
~Plautus~ "Poenulus" 4, 2, 22: "Male partum, male disperit") und auf
Deutsch, aber aus den "Sprüchen ~Salomonis~" 10, 2 schöpfend, in der
Form:

      *Unrecht Gut gedeiht nicht.--*

Auch citieren wir den Anfang des herrlichsten Chors der "Antigone"
(331-2) des ~Sophokles~:

      *Πολλὰ τὰ δεινὰ, κοὐδὲν ἀν-
      θρώπου δεινότερον πέλει,*

      Vieles Gewalt'ge lebt, und nichts
      Ist gewaltiger, als der Mensch;

sowie der Titelheldin sanftes Wort (516):

      *Οὔ τοι συνέχθειν, ἀλλὰ συμφιλεῖν ἔφυν,*

      *Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da.--*


Die in dem Scholion zu des ~Sophokles~ "Antigone", 620, angeführten
Verse eines ~unbekannten griechischen Tragikers~:

      Ὅταν δ' ὁ δαίμων ἀνδρὶ πορσύνῃ κακά,
      Τὸν νοῦν ἔβλαψε πρῶτον, ᾧ βουλεύεται,

citieren wir in der schlecht lateinischen Form:

      *Quos Deus perdere vult, dementat prius,*

      Die, welche Gott verderben will, verblendet er vorher.

(~Velleius Paterculus~ II, 118: "Ita se res habet, ut plerumque
fortunam mutaturus deus consilia corrumpat". ~Publilius Syrus~, 490 bei
Ribbeck: "Stultum facit Fortuna, quem vult perdere".) Ein Fragment bei
Lykurg advers. Leocratem § 92 lautet ähnlich:

      ὅταν γὰρ ὀργὴ δαιμόνων βλάπτῃ τινά,
      τοῦτ' αὐτὸ πρῶτον ἐξαφαιρεῖται φρενῶν
      τὸν νοῦν τὸν ἐσθλόν.--

       *       *       *       *       *

      *Vier Elemente,*

Feuer, Wasser, Luft, Erde, stellte *Empedokles* (geb. 490 v. Chr.) in
seinem Lehrgedichte "über die Natur" auf.--

       *       *       *       *       *

*Herodot* (484-428 v. Chr.) sagt (2, 10), das Land zwischen den
Gebirgen nördlich von Memphis sei einst ein Meerbusen gewesen, gerade
wie das Gebiet um Ilion u.s.w., "wenn es erlaubt ist, so Kleines mit
Grossem zu vergleichen"--"ὡς ... εἶναι σμικρὰ ταῦτα μεγάλοισι
συμβαλεῖν", und er braucht dieselbe entschuldigende Wendung
(4, 99; nur steht dort ταῦτα vor σμικρά), als er die Küste
Skythiens mit der Attikas vergleicht. Daher rührt wohl ~Vergils~ Wort
("Georgica" 4, 176) gelegentlich des Vergleichs der Bienen-Arbeit mit
der der blitzeschmiedenden Cyclopen:

      *Si parva licet componere magnis,*

      Wenn man Kleines mit Grossem vergleichen darf.

  (vrgl. "Ecl." 1, 24; Ovid "Met." 5, 416-7 u. "Trist." 1, 3, 25 u. 1,
  5, 28).--

Ebenso ist das übliche, die Glaubwürdigkeit beschränkende

      *Relata refero*

      (Ich erzähle Erzähltes)

auf ~Herodot~ zurückzuführen, der (7, 152) auseinandersetzt: "ἐγὼ
δὲ ὀφείλω λέγειν τὰ λεγόμενα, πείθεσθαί γε μὲν οὐ παντάπασι
ὀφείλω, καί μοι τοῦτο τὸ ἔπος ἐχέτω ἐς πάντα λόγον"--"mir liegt ob
zu erzählen, was erzählt wird, aber mir liegt nicht immer ob es zu
glauben; und dies Wort soll mir bei Allem gelten, was ich erzähle"
(vrgl. dieselbe Vorsicht 1, 183; 4, 173, 187, 195; 6, 137).--

       *       *       *       *       *

In des *Euripides* (480-406 v. Chr.) "Orestes" 234 schlägt Elektra dem
kranken Bruder vor aufzustehen, denn:

      μεταβολὴ πάντων γλυκύ

      Abwechselung ist immer angenehm,

  was den Griechen "geflügelt" wurde: denn Aristoteles ("Nikom. Eth."
  7, 15) citiert: "Abwechselung ist das Allerangenehmste, wie der
  Dichter sagt" ("μεταβολὴ δὲ πάντων γλυκύτατον κατὰ τὸν ποιητήν").

Als Übersetzung dieses Wortes lässt sich aus der nachchristlichen
römischen Litteratur (s. Valerius Maximus II, 10 ext. I; Phädrus II,
Prolog 10; Justinus "Praefatio")

      varietas delectat[62]

herleiten; wir aber citieren:

      *variatio delectat,*

      Abwechselung ergötzt,

was sich nirgends findet. Der muntere Dichter und Komponist August
Schäffer († 1879) irrt, wenn er eins seiner Lieder beginnt:

      "Delectat variatio
      Das steht schon im Horatio".--

[Fußnote 62: So wird es richtig citiert in Hans Clauerts "wercklichen
Historien" (1591, cap. XV) und mit dem Zusatz versehen: "Wie der
Teuffel sagt, da er Buttermilch mit einer Mistgabel ass".]

In des ~Euripides~ "Iphigenie in Tauris" (568) sagt Orest, er lebe
unglücklich:

      κοὐδαμοῦ καὶ πανταχοῦ,

      Sowohl nirgends als auch überall;

~Seneca~ schreibt ("epist." 2, 2):

      Nusquam est, qui ubique est,

      Nirgends lebt, wer überall lebt;

~Martial~ (7, 73, 6):

      Quisquis ubique habitat, ... nusquam habitat,

      Wer überall haust, haust nirgends;

Und so sagen wir denn:

      *Überall und nirgends sein.--*

       *       *       *       *       *

Ein Vers des Dichters und pythagoräischen Philosophen *Epicharmus* (5.
Jahrh. v. Chr.) findet sich im pseudoplatonischen "Axiochus" 366 und
in des Äschines "Dialogen" III, 6 also verstümmelt:

      Ἁ δὲ χεὶρ τὰν χεῖρα νίζει· δός τι, καὶ λαβέ τι

      Die Hand wäscht die Hand: Gieb etwas und nimm etwas.

Liest man den Schluss mit C. Fr. Hermann ("Gesch. d. plat. Philos."
S. 306) "λάβοις τί κα" "so magst du auch etwas kriegen",
so ergiebt sich der gute Sinn des Goetheschen "Wie du mir, so ich
dir". Schon bei den Griechen wurde "χεὶρ χεῖρα νίπτει" geflügeltes
Wort (s. Menander "Monostich." 543 und die Stellen S. 274
im "Epicharm." von Lorenz Berl. 1884). Wir citieren es nach ~Senecas~
"Verkürbissung des Claudius" und ~Petronius~ c. 45 lateinisch in der
Form:

      *manus manum lavat*

und übersetzen:

      *Eine Hand wäscht die andere.--*

       *       *       *       *       *

Die Worte des (401 v. Chr. †) *Choerilos* von Samos (s. Kinkel.
"Frgm. Epic. Graec." I, p. 271. fr. 10; 1877):

      Πέτρην κοιλαίνει ῥανὶς ὕδατος ἐνδελεχείῃ

      *Der Tropfen höhlt den Stein* (_durch Beharrlichkeit_)

citieren wir auch in der lateinischen Form

      *Gutta cavat lapidem non vi sed saepe cadendo*

  Der Tropfen höhlt den Stein nicht durch Kraft, sondern durch häufiges
  Niederfallen.

Ovid ("ex Ponto" 4, 10, 5) singt: "Gutta cavat lapidem" ... fährt dann
aber fort "consumitur annulus usu" ("der Ring wird durch den Gebrauch
abgenutzt"). Das "non vi sed saepe cadendo" war schon im 16. Jahrh.
bekannt, da es folgende Verse hervorrief, welche sich in Giordano
Brunos Lustspiel "Il candelajo" ("Der Lichtzieher", 1582) III, 6 finden:

      "Gutta cavat lapidem, non bis sed saepe cadendo:

      Sic homo fit sapiens, bis non sed saepe legendo".

  ("Der Tropfen höhlt den Stein, nicht durch zweimaligen, sondern durch
  öfteren Fall: so wird der Mensch weise, nicht durch zweimaliges,
  sondern durch öfteres Lesen").--

       *       *       *       *       *

Ein Wort des *Sokrates* (469-399 v. Chr.) in Xenophons Memorabilien 1,
3, 5, das ~Cicero~ "de finibus" 2, 28, 90 in der Form "cibi condimentum
est fames" (Hunger ist der Speise Würze) mitteilt, erscheint schon im
13. Jahrh. im Deutschen. In ~Freidanks~ "Bescheidenheit" (Wilh. Grimms
"Vridanc", 39) heisst es bereits unter "Von dem Hunger":

      *Der Hunger ist der beste Koch.--*

Nach ~Sokrates~ (s. Cornificius "ad. Herenn." 4, 28, 39; Quintilian
9, 3, 85; Aulus Gellius 19, 2; Athenäus "Deipnos." 4, p. 158F; Diog.
Laërtius II, 5, n. 16, 34: "ἔλεγε, τοὺς μὲν ἄλλους ἀνθρώπους ζῆν,
ἵν' ἐσθίοιεν· αὑτὸν δὲ ἐσθίειν, ἵνα ζώῃ" "er sagte, andere Leute
lebten, um zu essen; er aber esse, um zu leben") citieren wir auch

      *Wir leben nicht, um zu essen; wir essen, um zu leben.--*

       *       *       *       *       *

*Hippokrates* (um 460-370 v. Chr.) hat im Anfange der Schrift
"Prognostikon" ein Menschenantlitz, auf dem sich die Kennzeichen des
nahenden Todes einstellen, so vortrefflich zu schildern gewusst, dass
man noch jetzt ein solches Gesicht

      *Hippokratisches Gesicht*

      *facies hippocratica*

nennt. Wer aber nannte es zuerst so?--

Den Anfang der "Aphorismen" des ~Hippokrates~ "Ὁ βίος βραχὺς,
ἡ δὲ τέχνη μακρή" citieren wir in der lateinischen Form:

      *Vita brevis, ars longa* (_vrgl. Seneca "de brev. v." 1_),

      Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang;

und ebenso, den Schluss: "Ὁκόσα φάρμακα οὐκ ἰῆται, σίδηρος ἰῆται,
ὅσα σίδηρος οὐκ ἰῆται, πῦρ ἰῆται (ὅσα δὲ πῦρ οὐκ ἰῆται, ταῦτα χρὴ
νομίζειν ἀνίατα)", das Motto von Schillers "Räubern":

      "*Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat,

      quae ferrum non sanat, ignis sanat.*

(Quae vero ignis non sanat, insanabilia reputari oportet")--"Was
Arzneien nicht heilen, heilt das Messer; was das Messer nicht heilt,
heilt Brennen; was aber Brennen nicht heilt, muss als unheilbar
angesehen werden".--

       *       *       *       *       *

Aus *Thucydides* (um 454-396 v. Chr.) 1, 22 ist bekannt:

      Κτῆμα ἐς ἀεί

      Ein Besitztum auf immer.--

2, 45 lässt ~Thucydides~ den Perikles zu den Witwen der gefallenen
Athener Folgendes sprechen: "τῆς τε γὰρ ὑπαρχούσης φύσεως μὴ χείροσι
γενέσθαι ὑμῖν μεγάλη ἡ δόξα καὶ ἦς ἂν ἐπ' ἐλάχιστον ἀρετῆς περὶ
ἢ ψόγου ἐν τοῖς ἄρσεσι κλέος ἦ." "Ihr werdet grossen Ruhm
ernten, wenn Ihr Euch nicht schwächer erweiset, als die Natur Euch
schuf, und am meisten Die, von der unter den Männern im Guten wie im
Bösen am Wenigsten gesprochen wird!" Dadurch wurde das Wort gebildet:

      *Die beste Frau ist die, von der man am Wenigsten spricht.--*

       *       *       *       *       *

Als in des *Aristophanes* (um 444-380) "Vögeln" unter dem Schwarm auch
eine Eule herbeifliegt, fragt (V. 301) Euelpides: "τίς γλαῦκ' Ἀθήναζ'
ἤγαγε"; "Wer hat die _Eule_ nach _Athen_ gebracht?" sc.: "wo
schon so viele sind"; denn die Eule, kein seltener Vogel dort, war
Athenes Wappentier und prangte auf den Münzen der Stadt, die (nach V.
1106: "Γλαῦκες ὑμᾶς οὔποτ' ἐπιλείψουσι" ... "An Eulen wird
es euch nie mangeln") schlechtweg "Eulen" hiessen. So ward denn wohl

      *Eulen nach Athen (tragen)*

im Sinne von "etwas Überflüssiges leisten" ein griechisches Sprichwort
(vrgl. Suidas: "Γλαῦκα εἰς Ἀθήνας"), welches uns zum "geflügelten
Wort" wurde durch ~Aristophanes~ und ~Cicero~ ("Γλαῦκ' εἰς Ἀθήνας"
v. "Fam." 6, 3; 9, 3; "Quint. fr." 2, 16).--

V. 376 der "Vögel" des ~Aristophanes~:

      ἀλλ' ἀπ' ἐχθρῶν δῆτα πολλὰ μανθάνουσιν οἱ σοφοί,

      aber wer klug ist, der lernt fürwahr von dem Feinde gar Vieles

kürzt ~Ovid~ ("Metam." 4, 428) zu dem Schlagwort ab:

      *Fas est et ab hoste doceri*

      Recht ist's, auch vom Feinde zu lernen.--

Ebenfalls in des ~Aristophanes~ "Vögeln" (V. 821 u. sonst) wird die von
den Vögeln in die Luft gebaute Stadt

      νεφελοκοκκυγία

      *Wolkenkukuksheim*

genannt, was gleichbedeutend mit "Phantasiegebilde" gebraucht wird.--

In des ~Aristophanes~ "Plutos" steht (1151):

      πατρὶς γάρ ἐστι πᾶσ' ἵν' ἂν πράττῃ τις εὖ

      Ein Vaterland ist jedes (Land), wo es einem gut geht.

(vrgl. die Parallelstellen bei Nauck: "Tragic. graec. fragm." S. 691).
Dies lautet bei Cicero "Tusc." 5, 37 (verm. herrührend vom Tragiker
~Pacuvius~, † 130 v. Chr.)

      Patria est, ubicunque est bene,

      Das Vaterland ist allenthalben, wo es gut ist;

und hierin sehen wir die Quelle des als Kehrreim des Liedes "Froh bin
ich und überall zu Hause" ("Gedichte" von Fr. Hückstädt, Rostock 1806.
S. 144-5) bekannten Wortes:

      *Ubi bene, ibi patria,*

      Wo (es mir) gut (geht), da (ist mein) Vaterland.--

       *       *       *       *       *

*Plato* (um 427-347 v. Chr.) sagt im "Phaedon" 91 c.: "ὑμεῖς μέντοι,
 ἂν ἐμοὶ πείθησθε, σμικρὸν φροντίσαντες Σωκράτους, τῆς δὲ ἀληθείας
πολὺ μᾶλλον", "wenn ihr mir folget, so kümmert ihr euch
um Sokrates ein wenig, viel mehr aber um die Wahrheit". Dieses Wort
überliefert uns ~Ammonius~ ("Leben d. Aristot.") in der zugespitzten
Form: "φίλος μὲν Σωκράτης, ἀλλὰ φιλτάτη ἡ ἀλήθεια", "Sokrates
ist mir lieb, aber die Wahrheit am allerliebsten". Wir citieren
es in lateinischer Sprache und setzen für "Sokrates" "Plato":

      *Amicus Plato, sed magis amica veritas,*

      Plato ist mir lieb, aber die Wahrheit ist mir noch lieber,

wie es sich schon in des ~Cervantes~ "Don Quijote" (c. 51. T. II,
ersch. 1615) findet; während ~Luther~ ("de servo arbitrio" z. A.)
schreibt: "Amicus Plato, amicus Socrates, sed praehonoranda (höher zu
schätzen) veritas" (vrgl. Aristot. 1096, a, 14. Bekker).--

In "Tim. 26, e" stellt ~Plato~ "πλασθέντα μῦθον" "die
erdichtete Fabel" und "ἀληθινὸν λόγον" "die wahre
Überlieferung" einander gegenüber. Auch wendet er "μῦθος"
und "λόγος" einzeln in demselben Sinne an, weshalb F. A.
~Wolf~ ("zu Platos Phaedon". Berl. 1811. S. 27) diese Worte mit

      *Dichtung und Wahrheit*

übersetzte, indem er auf den gleichen Gebrauch in des Aristoteles
"Poëtik" hinwies. Vor ihm hatte schon G. E. ~Lessing~ ("Vossische
Zeitung" v. 12. Juni 1751) "Erdichtung und Wahrheit" und J. G. ~Jacobi~
(in d. Aufs. "Dichtkunst. Von der poetischen Wahrheit". S. 9 u. 17, mit
dem er im Okt. 1774 die "Iris" eröffnete) den Ausdruck

      *Wahrheit und Dichtung*

angewendet. ~Goethe~ nannte dann (1811) seine Lebensbeschreibung
"Dichtung und Wahrheit", welcher Titel nach seinem Tode durch ~Riemer~
und ~Eckermann~ in "Wahrheit und Dichtung" keck verändert wurde.--

Aus ~Platos~ "Gorgias", 1, citieren wir das damals schon
sprichwörtliche "κατόπιν ἑορτῆς" stets in der lateinischen
Form:

      *post festum,*

      nach dem Fest,

d.h. "zu spät, wenn alles, weswegen man kommt, vorüber ist"; obgleich
sich die Römer dieses Ausdrucks selbst nicht bedienten.--

      *Platonische Liebe*

nennt man diejenige, welche sich zu der geliebten Person nicht durch
Sinnenreiz hingezogen fühlt, sondern durch die Schönheit der Seele und
des Charakters; platonisch heisst sie, weil ~Plato~ im "Gastmahl" sie
von Pausanias also erklären lässt.--

      *Deus ex machina*

beruht auf ~Plato~, der ("Kratylos", p. 425, D) den ~Sokrates~ sagen
lässt: "wir müssten uns denn auch unsererseits mit der Sache so
abfinden, wie die Tragödiendichter, die ihre Zuflucht zu den Maschinen
nehmen, wenn sie in Verlegenheit sind, und die Götter herbeischweben
lassen, indem wir sagten, die ursprünglichen Wörter hätten die Götter
eingeführt und deshalb wären sie richtig".--

~Platos~ "Gesetze" rügen (p. 625), dass die meisten es nicht einsehen,
"dass ihr Lebelang stets alle Städte mit allen Städten in beständigem
Kriege wären", und es heisst ferner dort (pag. 626): "dass naturgemäss
stets alle Städte mit allen Städten in unversöhnlichem Kriege wären",
und nicht nur diese, sondern dass auch "Dorf gegen Dorf, Haus gegen
Haus, Mensch gegen Mensch, ein Jeder gegen sich selbst Krieg führe", ja
"dass Alle mit Allen auf Kriegsfuss seien" ("πολεμίους εἶναι πάντας
πᾶσι"). Hiernach heisst es vielleicht bei ~Lucilius~ (Lachm. v.
1020):

      "insidias facere, ut si hostes sint omnibus omnes",

      "sie legen Fall'n, als wären Alle Allen Feind'",

und gewiss bei ~Hobbes~ ("De cive" .... als Mscpt. gedr. 1642,
ersch. Amst. 1648 .... c. 1, 12):--"es ist unleugbar, dass Krieg der
natürliche Zustand der Menschen war, bevor die Gesellschaft gebildet
wurde, und zwar nicht einfach der Krieg, sondern der

      *Krieg Aller gegen Alle",*

      *Bellum omnium in omnes,*

während sich in seinem "Leviathan" (engl. Lond. 1651, latein. Amst.
1668) c. 18 der Ausdruck also wiederholt:

      *Bellum omnium contra omnes.--*

       *       *       *       *       *

      *Kosmopolit*

      *Weltbürger*

stammt nach ~Diogenes Laërtius~ VI, 2 n. 6, 63 von *Diogenes* dem
Cyniker (412-323 v. Chr.), der auf die Frage, woher er sei, sich
"κοσμοπολίτης" nannte.

  ~Cicero~ erzählt ("Tusc." 5, 37, 108): "Als Sokrates gefragt wurde,
  aus welchem Lande er sei, antwortete er: 'Aus der Welt'. Denn er
  hielt sich für einen Einwohner und Bürger der ganzen Welt". Dass
  dies Wort mit Unrecht auf Sokrates zurückgeführt wird, darüber vrgl.
  ~Zeller~ II, 1, p. 160'6 und 277'4. (3. Aufl., Lpz. 1875.)--

       *       *       *       *       *

*Aristoteles* (384-322 v. Chr.) sagt uns, der Mensch (ἄνθρωπος)
sei von Natur (φύσει) ein

      *πολιτικὸν ζῷον* ("Polit." 1, 2), *ζῷον πολιτικόν* (3, 6),

      *politisches Geschöpf, geselliges Wesen, geselliges Tier,*

  "Der Mensch ein gesellicht Thier" ist die Überschrift eines Verses
  von Friedrich von ~Logau~ (Salomons von Golau Deutscher Sinngetichte.
  Drey Tausend. Breslau. In Verlegung Caspar Klossmanns. 1654 ersch.
  Jedoch ohne Jahresangabe. 3. Tausend, 10. Hundert No. 95).--

~Aristoteles~ spricht ("Hist. animal." 6, 3) davon, dass sich im
Weissen des Eies das Herz des werdenden Vogels "als ein Blutfleck"
anzeige, "welcher Punkt, wie ein Lebewesen, hüpfe und springe"
("Στίγμη αἱματίνη ἐν τῷ λευκῷ ἡ καρδία· τοῦτο δὲ τὸ σημεῖον πηδᾷ
καὶ κινεῖται, ὥσπερ ἔμψυχον"). Theodorus ~Gaza~ († 1478)
übertrug die letzten Worte also: "quod ~punctum salit~ iam et movetur
ut animal". Volcher ~Coiter~ ("Exercitat. anatom." Norib. 1573) citiert
dies: "punctum salit", und dann nennen ~Aldovrandi~ ("Ornithol." Frcf.
1610; L. 14 c. 1) und W. ~Harvey~ ("Exercit. d. gener. anim." 17; Lond.
1651) "den hüpfenden Punkt", der sich (s. Schiller "Der Genius" 1795)
"verborgen im Ei reget":

      *punctum saliens,*

welch'

      *springender Punkt*

("der Lebenspunkt, der Punkt, auf den Alles ankommt") von uns
meistens übertragen auf das in geistiger Beziehung als Hauptsache
Hervorspringende angewandt wird.--

Im ~Aristoteles~ ("De incessu animalium" cap. 2 n. 8) findet sich der
Satz "Die Natur macht Nichts vergeblich" ([ἡ φύσις οὐδὲν ποιεῖ
μάτην) (natura nihil frustra facit) und es scheint, als habe
man zerstreuterweise hieraus das dann viel gebrauchte Wort mit völlig
anderer Bedeutung gebildet:

      *Natura non facit saltus*

      *Die Natur macht keinen Sprung* (_wörtl. keine Sprünge_)

(vrgl. Linné "Philosophia botanica" 1751 unter 77); denn es wird (cap.
8) bald darauf das Springen (ἅλσις, ~saltus~) der Tiere
besprochen.

  Julius ~Frauenstädt~ leitet es irrig in seiner Einleitung von
  Schopenhauers "sämtl. Werken" (S. 22. 2. Aufl. Lpz. 1877) kurzweg aus
  obiger Aristotelesstelle her.--

Auf dem von ~Aristoteles~ ("Histor. animal." 8, 28) überlieferten
Sprichworte: "ἀεὶ φέρει τι Λιβύη καινόν", "immer bringt Afrika
etwas Neues" beruht:

      *Quid novi ex Africa?*

      Was giebt es Neues aus Afrika?

  (vrgl. ~Aristot.~ "de generat. animal." 2, 5, ~Anaxilas~,
  Komödiendichter um 350 v. Chr. bei ~Athen.~ 14, p. 623 E., ~Plin.~
  "Nat. hist." 8, 17: "vulgare Graeciae dictum: semper aliquid novi
  Africam afferre" und ~Nicephorus Gregoras~ [um 1350] "Histor.
  Byzant.", p. 805, 23, ed. Schopen).--

~Aristoteles~ ("de anima" 3, 4) sagt: "ὥσπερ ἐν γραμματείῳ
ᾧ μηδὲν ὑπάρχει ἐντελεχείᾳ γεγραμμένον" ("wie auf einer Tafel, auf
der wirklich nichts geschrieben ist"). Hierzu fügt Trendelenburg das
Wort ~Alexanders aus Aphrodisias~ (um 200 v. Chr.): "ὁ νοῦς ... ἐοικὼς
πινακίδι ἀγράφῳ" ("die Vernunft, einer unbeschriebenen Tafel
gleichend"), das ~Plutarch~ "Aussprüche d. Philos". 4, 11
(χαρτίον, "Blatt" für "Tafel" setzend) den Stoikern zuschrieb.
Wir citieren lateinisch

      *Tabula rasa,*

      abgewischte Schreibtafel;

was nach Prantl ("Gesch. d. Logik") zuerst bei ~Ägidius a Columnis~
(† 1316) vorkommt.

  "Tabellae rasae" lesen wir zwar schon bei ~Ovid~ ("Ars Amandi" 1,
  437) aber ohne jene Beziehung auf Geistiges.--

~Aristoteles~ ("Problemata" 30, 1) fragt: "Διὰ τί πάντες
ὅσοι περιττοὶ γεγόνασιν ἄνδρες, ἢ κατὰ φιλοσοφίαν, ἢ πολιτικὴν,
ἢ ποίησιν, ἢ τέχνας, φαίνονται μελαγχολικοὶ ὄντες ..." "Woher kommt es,
dass all' die Leute, die sich in der Philosophie, oder in der Politik,
oder in der Poesie, oder in den Künsten auszeichneten, offenbar
Melancholiker sind?" Hieraus bildete Seneca ("de tranquill, anim." 17,
10) den uns geläufigen Satz:

      *Nullum magnum ingenium sine mixtura dementiae fuit.*

      Es hat keinen grossen Geist ohne eine Beimischung von Wahnsinn
         gegeben.--

Im ~Aristoteles~ ("Oekonom." 1, 6) lesen wir: "Καὶ
τὸ τοῦ Πέρσου, καὶ τὸ Λίβυος ἀπόφθεγμα εὖ ἂν ἔχοι· ὁ μὲν
γὰρ ἐρωτηθεὶς τί μάλιστα ἵππον πιαίνει,

      ὁ τοῦ δεσπότου ὀφθαλμὸς

ἔφη· ὁ δὲ Λίβυος, ἐρωτηθεὶς ποία κόπρος ἀρίστη, τὰ τοῦ δεσπότου ἴχνη, ἔφη."
"Sowohl des Persers, wie des Libyers Ausspruch ist gut,
denn Jener sagte auf die Frage, was ein Pferd am Besten mäste:

      *Das Auge des Herrn;*

während der Libyer auf die Frage, welcher Dünger am Besten sei, sagte:
des Herrn Fussstapfen". ~Columella~ (4, 18) vermengt diese Worte, indem
er schreibt: "oculos et vestigia domini res agro saluberrimas", "die
Augen und Fussstapfen des Herrn seien die heilsamsten Dinge für den
Acker", und ~Plinius~ ("Nat. hist.", 18, 2) kürzt dies also: "majores
fertilissimum in agro

      *oculum domini*

esse dixerunt".--"Die Altvordern sagten, am fruchtbringendsten für den
Acker sei das Auge des Herrn".--

Im ~Aristoteles~ ("Analyt." prior. B. 18 p. 66 ed. Bekker) steht:
"Ὁ δὲ ψευδὴς λόγος γίνεται παρὰ τὸ πρῶτον ψεῦδος", "der
falsche Satz entspringt dem falschen Grundgedanken" oder "die falsche
Conclusion der falschen Prämisse". Hieraus stammt für "Grundirrtum"

      *Das πρῶτον ψεῦδος,*

das wir jedoch nach dem Sprachgebrauch, der "ψεῦδος" nicht
als "Irrtum" sondern als "absichtliche Täuschung" nimmt, oft als
"Grundbetrug" oder "Urlüge" aufzufassen und theologisch anzuwenden
geneigt sind.--

       *       *       *       *       *

*Theophrast* (um 372-287 v. Chr.) pflegte (nach Diogen. Laërt. V. 2 n.
10, 40) zu sagen: "πολυτελὲς ἀνάλωμα εἶναι τὸν χρόνον",
"Zeit sei eine kostbare Ausgabe". Hieraus scheint hergeleitet:

      *Zeit ist Geld,*

was wir auch englisch ausdrücken:

      *Time is money.*

In Bacons "Essayes" ("Of Dispatch" 1620) heisst es: "Time is the
measure of business, as money is of wares: and business is bought at a
deare hand, where there is small dispatch" (Zeit ist der Arbeitmesser,
wie Geld der Waarenmesser ist: und Arbeit wird teuer, wenn man nicht
sehr eilt).--

       *       *       *       *       *

Der Redner *Pytheas* (um 340 v. Chr.) sagte (nach Plutarch
"Staatslehren" 6 n. "Demosthenes" 8, sowie nach

Aelian "variae hist." 7, 7) von den Reden des von ihm unaufhörlich
angefeindeten Demosthenes, dass sie "nach Lampendochten röchen"
(ἐλλυχνίων ὄζειν) und noch heute sagen wir

      *nach der Lampe riechen*

von jeder litterarischen Arbeit, welche ohne Anmut der Form nächtliches
Studium verrät.--

       *       *       *       *       *

Bei ~Stobäus~ (Serm. LXVI, p. 419. Gesn.) finden wir des *Menander*
(342-290 v. Chr.):

      Τὸ γαμεῖν, ἐάν τις τὴν ἀλήθειαν σκοπῇ,
      Κακὸν μέν ἐστιν, ἀλλ' ἀναγκαῖον κακόν.

      Heiraten ist, wenn man die Wahrheit prüft,
      Ein Übel, aber ein

      *notwendiges Übel.*

  ~Malum necessarium~, die lat. Übersetzung, steht in des ~Lampridius~
  (4. Jahrh. n. Chr.) "Alexander Severus" 46.--

~Plutarch~ überliefert uns in der "Trostrede an Apollonius", dessen
Sohn gestorben war, (p. 119'e; cap. 34) den Vers des ~Menander~:

      "*Ὃν οἱ θεοὶ φιλοῦσιν ἀποθνήσκει νέος*",

den ~Plautus~ ("Bacch." 4, 7, 18) also übersetzt:

      "quem di diligunt adolescens moritur"

und der bei uns zu lauten pflegt:

      *Wen die Götter lieben, der stirbt jung.--*

~Menanders~ Wort "ἀνεῤῥίφθω κύβος" ("der Würfel falle!"--Überl.
v. Athenäus XIII, p. 559 c.) citierte ~Cäsar~, als er 49 v. Chr.
den Rubicon überschritt, in griechischer Sprache, wie Plutarch
("Pompeius", 60 und "Ausspr. v. Kön. u. Feldh.") ausdrücklich
hervorhebt. Sueton hingegen lässt ihn lateinisch sagen ("Caesar" 32):

      *Alea iacta est!*

      *Der Würfel ist gefallen!*

(Erasmus verbessert: "Iacta esto alea!" "Der Würfel falle!") Huttens
Wahlspruch (s. Kap. III) "Jacta est alea" hat hier seine Quelle.--

Die 422. Gnome der "Monostichen" des ~Menander~

      *Ὁ μὴ δαρεὶς ἄνθρωπος οὐ παιδεύεται*

      *Wer nicht geschunden wird, wird nicht erzogen*

stellte ~Goethe~ als Motto vor den 1. Teil seiner Selbstbiographie.--

Eine Komödie ~Menanders~

      *Ἑαυτὸν τιμωρούμενος*

kam auf uns durch des ~Terenz~ Komödie

      *Heautontimorumenos,*

      "Der Selbstpeiniger".

       *       *       *       *       *

Die nach ~Diogenes Laërtius~ (VII, 1 n. 19, 23) von dem Stoiker *Zeno*
(geb. 340 v. Chr.) aufgestellte (von ~Porphyrius~ im "Leben des
Pythagoras" aber auf diesen zurückgeführte, in ~Plutarchs~ Schrift "Die
Menge der Freunde" und in dem ~Pseudo-Aristotelischen~ Buch "Magna
Moralia" II, 15 citierte) Definition des Freundes "Ἄλλος ἐγώ"
wenden wir an in der lateinischen und deutschen Form:

      *Alter ego,*

      *Ein zweites Ich.*

  Bei ~Cicero~ findet sich "me alterum" "ad. fam." 7, 5, 1; "ad Attic."
  3, 15, 4; 4, 1, 7; "Alterum me" "ad fam." 2, 15, 4; "verus amicus
  est tanquam alter idem" "de amic." 21, 80; bei Ausonius "alter ego"
  praef. 2, 42 (4. Jahrh. n. Chr.). Der griechische Romanschreiber
  ~Eustathius~ [6. Jahrh.? 12. Jahrh.?] sagt dreist von sich: "Ein
  zweites Ich; denn also bezeichne ich den Freund". ~Hercher~ "Erotici
  Graeci" 2, p. 164, 25; vrgl. 165, 18. Späterhin nahm "Alter ego" die
  Bedeutung eines Stellvertreters der souveränen Gewalt an.--

       *       *       *       *       *

Am Schlusse jeder Beweisführung des Mathematikers *Euklid* (bl. um 300
v. Chr.) heisst es:

      ὅπερ ἔδει δεῖξαι,

      *quod erat demonstrandum,*

      was zu beweisen war.--

Des (um 270 v. Chr. bl.) Philosophen *Bion* Witz: "Εὔκολον τὴν
εἰς Ἅιδου ὁδόν· καταμύοντας γοῦν κατιέναι", "der Weg zum Hades ist
leicht; man kommt ja mit geschlossenen Augen hinab" (s. Diog. Laërt.
IV, c. 7, n. 3, § 49) wird von uns in der kürzeren Form des Vergil
citiert ("Aen." 6, 126):

      *Facilis descensus Averno,*

      Das Hinabsteigen in die Unterwelt ist leicht;

worauf dann folgt, dass das Wiederauftauchen daraus schwer sei.--

       *       *       *       *       *

*Philo Judaeus* († 54 n. Chr.) sagt ("de migr. Abrahami" 15, p.
449, Mangey) von den ägyptischen Zauberern: "ἀπατᾶν δοκοῦντες
ἀπατῶνται" (sie glaubten zu betrügen und wurden betrogen). Danach
schreibt der gern citierende Apostel ~Paulus~ im 2. Briefe an
Thimotheus 3, 13 auch von den Magiern Ägyptens: "Mit den bösen Menschen
aber und verführerischen wird es je länger je ärger, "verführen
und werden verführt" ("πλανῶντες καὶ πλανώμενοι"). Dann
sagt ~Porphyrius~ in seines Lehrers Plotin Leben (16): "οἳ--ἐξηπάτων
καὶ αὐτοὶ ἠπατημένοι" ("die betrogen und selbst betrogen
waren") und ~Augustinus~ ("Bekenntnisse" 7, 2): "deceptos illos et
deceptores", und G. E. ~Lessing~ ("Nathan" 3, 7) verdeutschte in der
Parabel von den drei Ringen das Wort also:

      *Betrogene Betrüger.*

  {vrgl. ~Margarete von Navarra~ in dem 1543 erschienenen "Heptameron"
  Novelle 1, 6, 15, 23, 25, 28, 45, 51, 62; ~Cardanus~ († 1576) "De
  subtilitate", 1663, III, 551; ~Cervantes~ "Don Quijote" 2, 33 (1615)
  u.s.w.; ~Moses Mendelssohn~ ("Ges. Schr.", 1843, III, 115; Brief vom
  9. 2. 1770 an Bonnet über eine Sekte): "Wollen wir sagen, dass alle
  ihre Zeugen Betrogene und Betrüger sind?" Eine komische Oper von
  Guilet et Gaveaux (1799) heisst "Le trompeur trompé".}--

       *       *       *       *       *

Flavius *Josephus* (37 n. Chr.--nach 93) sagt in seiner Schrift "Gegen
Apion" (II, 16) von Moses im Gegensatze zu Minos: "Ὁ δὲ ἡμετέρος
νομοθέτης εἰς μὲν τούτων οὐδοτιοῦν ἀπεῖδεν, ὡς δ' ἄν τις εἴποι
βιασάμενος τὸν λόγον,

      θεοκρατίαν

ἀπέδειξε τὸ πολίτευμα, Θεῷ τὴν ἀρχὴν καὶ τὸ κράτος ἀναθείς"--"Unser
Gesetzgeber richtete jedoch auf Alles Dieses gar nicht sein Augenmerk;
er machte die Staatsverfassung zu einer

      *Theokratie*

(Gottesherrschaft), wenn man sich so gewaltsam ausdrücken darf, indem
er Gott die obrigkeitliche Macht beilegte".--

       *       *       *       *       *

Einen Spruch des *Epiktet* (geb. um 50 n. Chr.) teilt ~Aulus Gellius~
17, 19, 6 in der lateinischen Form mit:

      *Sustine et abstine,*

      ἀνέχου καὶ ἀπέχου,

      *Leide und meide.--*

       *       *       *       *       *

*Plutarch* (geb. um 50 n. Chr., † 120 n. Chr.) erzählt in seiner
Biographie des L. ~Aemilius Paullus~ (Kap. 5), dass dieser sich aus
unbekannten Gründen von seiner Gattin, Papiria, habe scheiden lassen.
Plutarch vermutet, dass der Scheidungsgrund ein ähnlicher gewesen
sei, wie derjenige eines gewissen Römers. Dieser habe sein Weib
fortgeschickt und alsdann auf die Fragen seiner Freunde: "Ist sie
denn nicht sittsam? Nicht schön von Gestalt? Schenkte sie Dir denn
keine Kinder?" ihnen seinen Schuh hingestreckt und gefragt: "Ist er
nicht fein? Ist er nicht neu? Aber Niemand von Euch sieht, an welcher
Stelle mein Fuss gedrückt wird, (οὐκ ἂν εἰδείη τὶς ὑμῶν. καθ' ὅτι
θλίβεται μέρος οὑμὸς πούς)". Hierauf fusst die Stelle
des ~Hieronymus~ (adv. Jovin. 1, 48): "Legimus quendam apud Romanos
nobilem, cum eum amici arguerent, quare uxorem formosam et castam et
divitem repudiasset, protendisse pedem et dixisse eis: Et hic soccus,
quem cernitis, videtur vobis novus et elegans, sed nemo scit praeter
me, ~ubi me premat~." Hier findet sich zuerst das bekannte Bild unseres
Sprachschatzes:

      *Nicht wissen* _und_ *wissen, wo Einen der Schuh drückt.--*

Durch *Lucian*s (um 160 n. Chr.) Abhandlung "wie man Geschichte
schreiben müsse" wurde die thracische Stadt

      *Abdera*

für immer als lächerlich gebrandmarkt; und sie wurde als solche in
Deutschland berühmt durch ~Wielands~ im "teutschen Merkur" 1774, 1. und
2. erschienene "Geschichte der

      *Abderiten".--*

       *       *       *       *       *

Bei *Sextus Empiricus* (Ende des 2. Jahrh. n. Chr.; "Adversus
mathematicos", 287; Imm. Bekker, Berl. 1842; S. 665) steht:

      ὀψὲ θεῶν ἀλέουσι μύλοι, ἀλέουσι δὲ λεπτά.

  Lange zwar mahlen die Mühlen der Götter, doch mahlen sie Feinmehl.
  (Ähnlich in "Orac. Sibyll." 8, 14. ed. Friedlieb, Lpz. 1852.)

In Eiseleins "Sprichwörtern" wird das Wort ohne jeglichen Beleg auf
~Plutarch~ zurückgeführt. ~Sebastian Franck~ ("Sprichwörter", 1541, II,
119'b) führt an: "Sero molunt deorum molae, Gottes Mühl stehet oft lang
still" und "die Götter mahlen oder scheren einen langsam, aber wohl",
ferner einige Zeilen weiter unten "Der Götter Mühl machen langsam Mehl,
aber wohl", und ~Logau~ (1654) III, 2, 24 macht daraus:

      *Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein.*
      (Ob aus Langmut er sich säumet, bringt mit Schärf
      er alles ein.)

Daraus dürfte die bekannte Redensart: "Langsam, aber sicher" entstanden
sein.--

       *       *       *       *       *

*Plotin* († 270 n. Chr.) bereichert unsere Sprache um zwei
"geflügelte Worte". Wir lesen bei ihm (Enn. I, 6 p. 57; Ausg. v.
Kirchhoff I, S. 12): "οὐ γὰρ πώποτε εἶδεν ὀφθαλμὸς ἥλιον,
ἡλιοειδὴς μὴ γεγενημένος, οὐδὲ τὸ καλὸν ἂν ἴδοι ψυχὴ μὴ καλὴ
γενομένη", "Nie hätte das Auge je die Sonne gesehen, wäre es nicht
selbst sonnenhafter Natur; und wenn die Seele nicht schön ist, kann sie
das Schöne nicht sehen". Hieraus stammt

      *Schöne Seele*

und der ~Goethe~sche Vers (1823. "Zahme Xenien". Bd. 3):

      *Wär' nicht das Auge sonnenhaft,
      Die Sonne könnt' es nie erblicken.*

Mit diesem Gedanken lehnte ~Plotin~ sich an ~Plato~ an, der in seinem
"Staat" p. 508 sagt: "Das Gesicht ist nicht die Sonne ... aber das
sonnenähnlichste ... unter allen Werkzeugen der Wahrnehmung", und der
ebenda weiter unten "Erkenntnis und Wahrheit, wie Licht und Gesicht,
für sonnenartig" erklärt.--

       *       *       *       *       *

*Julianus Apostata* (331-363 n. Chr.) meint (oratio VI ed. Ez.
Spanhemius, 1696, p. 184), "es dürfe nicht Wunder nehmen, dass wir
zu der, gleich der Wahrheit, einen und einzigen Philosophie auf den
verschiedensten Wegen gelangen. Denn auch wenn Einer nach Athen reisen
wolle, so könne er dahin segeln oder gehen und zwar könne er als
Wanderer die Heerstrassen benutzen oder die Fusssteige und Richtwege
und als Schiffer könne er die Küsten entlang fahren oder wie Nestor das
Meer durchschneiden". Damals galt noch Athen als Ziel der Gebildeten,
später wurde es Rom. "Es führen viele Wege nach Athen" liegt im obigen
Satz und mochte sich in das uns geläufige Wort verwandeln:

      *Es führen viele Wege nach Rom,*

wofür jedoch sichere Belege noch zu suchen sind.--

       *       *       *       *       *

*Proclus* (412, 485 n. Chr.) nennt in seinem Commentar zu Platos
"Timaeus" (154c) den "οὐρανός" (Himmel) die

      *πέμπτη οὐσία*

      *Quintessenz*

      (Das fünfte Seiende)

und auch in dem "Leben des Aristoteles" von ~Ammonius~ (Westermann,
"vitarum scriptores Graeci minores", 1845, p. 401) wird die "εʹ οὐσία"
erwähnt. Damit ist nach Aristoteles ("De mundo", Kap. 2) der
Äther gemeint, der dort "ein anderes Element als die vier, ein
göttliches, unvergängliches" genannt wird. (Aristot. "Meteor." 1, 3;
"de coelo", 1, 3; "de gen. an.", 2, 3.) Proclus ist die Quelle für das
Wort. Viel später jedoch wurde der heut damit verknüpfte Begriff des
feinsten Extrakts, der innersten Wesenheit oder des Kerns einer Sache
in dies Wort hineingelegt. ~Raimundus Lullus~ gab 1541 sein Buch "De
secretis naturae sive Quinta essentia" heraus, in dem er zu Anfang
des zweiten Teiles diese "Quintessenz" als Allheilmittel preist, und
1570 erschien Leonhart ~Thurneysser~ zum Thurns "Quinta essentia, das
ist die höchste Subtilitet, Krafft und Wirkung ... der Medicina und
Alchemia" ... In der Vorrede stellt er die "Quinta Essentz Olea" neben
den "Stein der Weisen", den "lapis philosophorum". Im 13. Buch nennt er
sich einen Schüler des Theophrastus ~Paracelsus~, der also der Vater
des Schwindels mit der "Quintessenz" sein wird, wie er so manchen
anderen Schwindels Vater gewesen ist.--



XI.

Geflügelte Worte aus lateinischen Schriftstellern.[63]

[Fußnote 63: Aus diesem Kapitel (15. Aufl.) ging A. ~Otto~'s Werk
hervor: "Die Sprichwörter und sprichwörtlichen Redensarten der Römer"
(Lpzg., Teubner, 1890), eine vortreffliche Arbeit, der dieses Buch
manchen wertvollen Aufschluss verdankte.]


      *Jeder ist seines Glückes Schmied*

ist nach der dem ~Sallust~ zugeschriebenen Schrift "de republica
ordinanda" 1, 1, wo es heisst: "quod in carminibus Appius ait, fabrum
esse suae quemque fortunae", auf ~Appius~ *Claudius* (Consul 307 v.
Chr.) zurückzuführen. ~Plautus~ ("Trin." 2, 2, 84: "sapiens ipse fingit
fortunam sibi") schreibt diese Fähigkeit nur dem Weisen zu; während
ein von Cornelius ~Nepos~ (Atticus 11, 6) mitgeteilter Jambus eines
Unbekannten wiederum aussagt:

      *Sui cuique mores fingunt fortunam* (_hominibus_).

      Jedes Menschen Glück schmiedet ihm sein Charakter.--

       *       *       *       *       *

Als Citatenquelle ist *Plautus* (um 254-184 v. Chr.) zu erwähnen mit:

      *Nomen atque omen,*

      Name und zugleich Vorbedeutung,

aus dem "Persa", 4, 4, 74, und mit dem ebenda 4, 7, 19 vorkommenden,
von ~Terenz~ im "Phormio" 3, 3, 8 angewendeten

      *Sapienti sat* (_est)!_

      Für den Verständigen genug!

  (d.h. für ihn bedarf es keiner weiteren Erklärung).--

      *Oleum et operam perdidi*

      Öl und Mühe habe ich verschwendet

kommt in des ~Plautus~ "Poenulus" 1, 2, 119 vor und wird dort von einer
Dirne gebraucht, die sich vergebens hat putzen und salben lassen.
~Cicero~ überträgt es auf Gladiatoren ("Ad familiares" 7, 1); dann wird
damit auf das verschwendete Öl der Studierlampe angespielt (Cicero "Ad
Atticum" 13, 38; "Iuvenal" 7, 99).--

Allgemein bekannt ist auch des ~Plautus~ Komödientitel

      *Miles gloriosus*

      Der ruhmredige Kriegsmann.

Das Original dieses Stückes war von einem uns unbekannten griechischen
Dichter und hiess "Ἀλαζών" ("der Marktschreier",
"Aufschneider", "Gloriosus"), wie ~Plautus~ (2, 1, 8 u. 9) selbst
bezeugt.--

      *Summa summarum,*

      Alles in allem,

finden wir zuerst bei ~Plautus~ ("Truculentus" 1, 1, 4).--

Im "Trinummus" (5, 2, 30) des ~Plautus~ heisst es:

      *Tunica propior pallio.*

      *Das Hemd ist mir näher als der Rock.--*

Bei ~Plautus~ ("Stichus" 5, 4, 52 "Casina" 2, 3, 32) kommt

      *Ohe iam satis!*

      Oh, schon genug!

vor, das sich auch bei ~Horaz~ (Sat. 1, 5, 12) und ~Martial~ (4, 91, 6
u. 9) findet.--

       *       *       *       *       *

*Ennius* (239-169 v. Chr.) wird in ~Ciceros~ "Laelius" 17, 64 citiert
mit:

      *Amicus certus in re incerta cernitur,*

      Den sicheren Freund erkennt man in unsicherer Sache.--

Schon ~Euripides~ (Hec. 1226) sagt ähnlich:

      "Ἐν τοῖς κακοῖς γὰρ οἱ ἀγαθοὶ σαφέστατοι Φίλοι".

      "Denn in der Not sind gute Freund' am sichersten".--

       *       *       *       *       *

In 1, 1, 99 der "Andria" des *Terenz* (185-155 v. Chr.) erzählt Simo,
wie er sich erst über des Sohnes Pamphilus Thränen beim Begräbnis einer
Nachbarin gefreut, dann aber der Verstorbenen hübsche Schwester unter
den Leidtragenden bemerkt habe ... "Das fiel mir gleich auf. Haha! Das
ist's!

      *Hinc illae lacrumae!"*

      "Daher jene Thränen!"

Dies Wort wird bereits von ~Cicero~ ("pro Caelio", c. 25) und von
~Horaz~ ("Epistel" 1, 19, 41) citiert.--

Aus 1, 2, 23 der "Andria" des ~Terenz~ ist die Antwort des Davus:

      *Davus sum, non Oedipus,*

      Davus bin ich, nicht Ödipus,

d.h. "ich verstehe dich nicht, denn ich kann nicht so geschickt Rätsel
lösen wie Ödipus".--

Aus der "Andria" 1, 3, 13:

      Inceptio est amentium, haud amantium,

      Ein Beginnen von Verdrehten ist's, nicht von Verliebten,

ist in den Gebrauch übergegangen:

      *Amantes, amentes,*

      Verliebt, verdreht,

was wohl zuerst in dem Titel des 1604 in 3. Auflage erschienenen
Lustspiels "Amantes amentes" von ~Gabriel Rollenhagen~ vorkommt. "Amens
amansque" (verdreht und verliebt) findet sich übrigens schon bei
~Plautus~ "Merc." Prolog. 81.--

Aus der "Andria" 2, 1, 10 und 14 ist:

      *Tu si hic sis, aliter sentias,*

      Wärst du an meiner Stelle, du würdest anders denken;

      *Interim fit* (_eigentlich: fiet_) *aliquid;*

      Unterdessen wird sich schon irgend etwas ereignen;

  (in des Plautus "Mercator" 2, 4, 24 heisst es: aliquid fiet).--

Aus 3, 3, 23 sind die Worte:

      *Amantium irae amoris integratio* (_est_)

      Der Liebenden Streit die Liebe erneut,

eine Verschönerung des Menandrischen "ὀργὴ φιλούντων
μικρὸν ἰσχύει χρόνον", "Nicht lange währt der Zorn der Liebenden" (s.
Stobäus Serm. LXI, p. 386. 11); aus 4, 1, 12:

      *proximus sum egomet mihi,

      Jeder ist sich selbst der Nächste.--*

Aus dem "Eunuch" (Prolog 41) des ~Terenz~ stammt:

      *Nullum est iam dictum, quod non sit dictum prius,*

      Es giebt kein Wort mehr; das nicht schon früher gesagt ist;

  (s. Goethe: "Wer kann was Dummes ...")--

Aus 4, 5, 6 kommt uns das damals schon sprichwörtliche

      *Sine Cerere et Libero friget Venus*

      Ohne Ceres und Bacchus bleibt Venus kalt.

Bereits ~Euripides~ sagte ("Bacchae", 773):

      οἴνου δὲ μηκέτ' ὄντος, οὐκ ἔστιν Κύπρις.

      Wo's keinen Wein mehr giebt, giebt's keine Liebe.--

In des ~Terenz~ "Heautontimorumenos" (s. auch unter: Menander) 1, 1, 25
heisst es:

      *Homo sum; humani nihil a me alienum puto,*

      Mensch bin ich; nichts, was menschlich, acht' ich mir als fremd.

Es liegt hier wohl zweifellos die Übersetzung eines, schon im
Menanderschen Original befindlich gewesenen Wortes vor.--

Aus des ~Terenz~ "Adelphi" 4, 1, 21 citieren wir den erschreckten Ruf
des Syrus, als er Ctesiphos Vater plötzlich erblickt, über den er
gerade mit jenem spricht:

      *Lupus in fabula!*

(~Cicero~ "ad. Attic." 13, 33 wendet das Wort an, das schon bei
~Plautus~ "Stich." 4, 1, 71 in der Form "ecce tibi lupum in sermone"
vorkommt.) Zu übersetzen wäre: "Wenn man vom Wolf spricht, ist er
nicht weit"; doch wollen andere Ausleger den Volksglauben der Alten
hineinziehen, dass man beim Anblick eines Wolfes verstummen müsse (s.
Voss z. Vergils Ecl. 9, 54 u. Meineke zu Theokrits Id. 14, 22), da ja
auch die plötzliche Ankunft dessen, von dem wir reden, uns verstummen
mache.--

"Adelphi" 4, 7, 21-23 heisst es:

      "Ita vita est hominum, quasi, cum ludas tesseris;
      Si illud, quod maxume opus est iactu, non cadit,
      Illud quod cecidit forte, id arte ut corrigas".

      "So gleicht des Menschen Leben einem Würfelspiel:
      Wenn just der Wurf, den man am meisten braucht nicht fällt,
      So korrigiert man, was der Zufall gab, durch Kunst".

Aus dieser Stelle stammt

      *corriger la fortune*

"das Glück verbessern", d.h. "falsch spielen", was sich in ~Hamiltons~
1713 erschienenen "Mém. d. Grammont" K. 2, in ~Prévosts~ "Manon
Lescaut" (1743) 27, 1 und auch in ~Lessings~ "Minna von Barnhelm"
(1767) 4, 2 findet.

  ~Molière~ (1663 "L'École des Femmes" 4, 8) hat "corriger le hazard"
  beim Würfelspiel, aber durch "bonne conduite". In ~Regnards~ "Le
  Joueur" (1696) 1, 10 weiss Toutabas, wenn's sein muss, "par un
  peu d'artifice d'un sort injurieux corriger la malice"; und in G.
  ~Furquhars~ "Sir Harry ~Wildair~" (1701) Akt 3 z. A. sagt "Monsieur
  Marquis" in seinem Kauderwelsch: "Fortune give de Anglis Man de
  Riches, but Nature give de France Man de Politique to correct unequal
  Distribution".--

      *Duo cum faciunt idem, non est idem,*

      Wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe,

ist eine Verkürzung der Stelle "Adelphi" 5, 3, 37:

      Duo cum idem faciunt, ...,
      Hoc licet impune facere huic, illi non licet.

      Wenn zwei dasselbe thun, ... so darf der Eine
      es ungestraft thun, der Andere nicht.--

Aus des ~Terenz~ "Phormio" 1, 2, 18 stammt:

      *Montes auri pollicens;*

      _Berge Goldes_ *(goldene Berge) versprechen*(_d_).

  Wenn ~Georg Ebers~ ("Ägypten in Bild und Wort" S. 17) den
  Komödiendichter ~Menander~ aus Athen an seine Geliebte schreiben
  lässt: "Ich habe von Ptolomäus ... Briefe ..., in denen er mir mit
  königlicher Freigebigkeit ~goldene Berge~ verspricht", so ist dies
  nur eine freie Übersetzung von "τῆς γῆς ἀγαθά, die Güter
  der Erde". In des ~Plautus~ "Miles gloriosus" 4, 2, 73 kommen aber
  schon "argenti montes", "Berge von Silber", vor und im "Stichus"
  1, 1, 24-5 heisst es: "Neque ille sibi mereat Persarum montes, qui
  esse aurei perhibentur", "Und er möchte sich die Perserberge nicht
  erwerben, die von Gold sein sollen". Auch ~Varro~ (bei "Nonius" p.
  379) singt von diesen Perserbergen:

      "Non demunt animis curas ac religiones
      Persarum montes, non atria divitis Crassi";

      "Weder die Berge der Perser, noch Hallen des prunkenden Crassus
      Können die Herzen befreien von Angst und von nagenden Skrupeln";

  während der Perserkönig im ~Aristophanes~ ("Acharn." 81) nach
  achtmonatlichem Sitzen auf goldenen Bergen (ἐπὶ χρυσῶν ὀρῶν)
  eine Befreiung anderer Art fand. Es scheint, als deute unser
  Gudrunepos (vor 1200) mit seinem (V. 493) "und waere ein berc golt,
  den naeme ich niht dar umbe" auf eine gemeinsame indogermanische
  Quelle.--

Aus des ~Terenz~ "Phormio" 2, 2, 4 ist:

      *Tute hoc intristi; tibi omne est exedendum,*

      Du hast es eingerührt; Du musst es auch ganz ausessen;

aus 2, 4, 14:

      *Quot homines, tot sententiae,*

      So viel Leute, so viel Ansichten,

was schon ~Cicero~ ("De fin." 1, 5, 15) anführt, (vrgl. unten: Horaz
"Sat." 2, 1, 27.)--

       *       *       *       *       *

      *Oderint, dum metuant,*

      Mögen sie hassen, wenn sie nur fürchten,

aus der Tragödie "Atreus" des *Accius* (170-104 v. Chr.), citierten
bereits ~Cicero~ (1. "Philipp." 14, 34, "pr. Sest." 48, "de offic." 1,
28) und ~Seneca~ ("Üb. d. Zorn" 1, 20, 4; "Üb. d. Gnade" 1, 12, 4 u. 2,
2, 2). Nach ~Sueton~ ("Calig." 30) war es ein Lieblingswort des Kaisers
Caligula.--

       *       *       *       *       *

Bei *Lucilius* († 103 v. Chr.) steht (ed. Lachmann, Berl. 1877, v. 2,
ebenso bei ~Persius~ 1, 2):

      *Quis leget haec?*

      Wer wird das (Zeug) lesen?--

Auch stammt nach ~Macrobius~ ("Saturnalien", 6, 1, 35)

      *non omnia possumus omnes*

      wir können nicht Alle Alles

von ~Lucilius~ her und wurde von ~Furius Antias~ citiert. ~Vergil~
verwendete es Ecloge 8, 63. ~Homer~ mag des Gedankens Vater sein, denn,
dass ~einem~ Menschen nicht alle Gaben verliehen seien, spricht er
öfters aus (s. "Iliade" 4, 320; 13, 729 u. "Odyssee" 8, 167).--

       *       *       *       *       *

*Varro* (116-27 v. Chr.) "De lingua latina" VII, 32 (n. Otfr. Müllers
Ausg.) sagt: "Sed canes, quod latratu signum dant, ut signa canunt,
canes appellatae". Dies ist spöttisch umgestaltet worden zu:

      *canis a non canendo*

Hund wird "canis" genannt, weil er nicht singt (non canit)

  (s. Quintilians "lucus a non lucendo").--

Auch citieren wir das von ~Gellius~ (1, 22, 4 u. 13, 11, 1) als Titel
einer ~Varro~nischen Schrift angeführte:

      *Nescis, quid vesper serus vehat.*

      Du weisst nicht, was der späte Abend bringt.--

       *       *       *       *       *

*Cicero* (106-43 v. Chr.) nennt "pro Roscio Amerino", 29 die
Mordgesellen, die zu Sullas Zeiten Gutsbesitzer ermordeten und dann
deren Güter betrügerisch an sich zu bringen und vorteilhaft zu
verschachern wussten:

      sectores collorum et bonorum,

      *Halsabschneider* _und_ *Güterschlächter.--*

Im Anfange der 1. Rede "in Catilinam" finden wir das auch bei Livius 6,
18 und bei Sallust "Catilina" 20, 9 vorkommende, ungeduldige

      *Quousque tandem ...?*

      Wie lange noch ...?--

In Ciceros "Catilina" 1, 1 (vrgl. Martial IX, 71); IV, 25, 56, sowie
"pro rege Deiotaro" 11, 31 und "de domo sua" 53, 137 steht:

      *O tempora! O mores!*

      O Zeiten! O Sitten!

  Im "Hofmeister" (1774) von R. ~Lenz~ citiert es (5, 10) der
  Schulmeister Wenzeslaus, und als Refrain von ~Geibels~ "Lied vom
  Krokodil" (1840) fand es die weiteste Verbreitung.--

In ~Ciceros~ "Catilina" 2, 1 findet sich:

      *Abiit, excessit, evasit, erupit.*

      Er ging, er machte sich fort, er entschlüpfte, er entrann.--

      *Videant consules ne quid res publica detrimenti capiat,*

      Die Konsuln mögen dafür sorgen, dass die Republik keinen
          Schaden leidet


bildete, seit man vom 6. Jahrh. an die Diktatur nicht mehr in Rom
anwenden wollte, das sogenannte senatus-consultum ultimum, welches die
Konsulargewalt zu einer diktatorischen machte (s. ~Cicero~ "pr. Mil."
26, 70, "in Catil." I, 2, 4, "Phil." 5, 12, 34, "Fam." 16, 11, 3;
~Cäsar~ "de bell. civ." 1, 5, 3; 1, 7, 4; Liv. 3, 4, ~Sallust~ "Catil."
29, ~Plutarch~ "C. Gracch." 14 u. "Cic." 15.)--

Aus ~Ciceros~ "de fin." 5, 25, 74 stammt:

      *Consuetudo* (_quasi_) *altera natura,*

      *Die Gewohnheit ist* (_gleichsam_) *eine zweite Natur;*

~Galenus~ ("De tuenda valetudine", cap. 1) bietet die heute übliche
Form: "Consuetudo est altera natura". Schon in des ~Aristoteles~
"Rhetorik", 1370a 6 (Bekker) heisst es: "die Gewohnheit ist der Natur
gewissermassen ähnlich" (τὸ εἰθισμένον ὥσπερ πεφυκὸς ἤδη
γίγνεται).--

In ~Ciceros~ "Tuscul." 1, 17, 39 heisst es:

      *Errare .. malo cum Platone, .. quam cum istis vera sentire,*

      Lieber will ich mit Plato irren, als mit denen (den Pythagoreern)
          das Wahre denken.--

      *Di minorum gentium*

(wörtlich: "Götter aus den geringeren Geschlechtern") nennen wir die
untergeordnete Schicht einer Klasse Menschen mit Beziehung auf das
"maiorum gentium di" (d.h. "die oberen zwölf Götter" bei ~Cicero~
"Tusc." 1, 13, 29), Bezeichnungen, die daraus entsprangen, dass
Tarquinius ausser den von Romulus berufenen "patres maiorum gentium"
("Senatoren aus den hervorragenden Geschlechtern") auch "patres
minorum gentium" ("Senatoren geringerer Herkunft") berief (vrgl. Cicero
"d. rep." 2, 20; Liv. 1, 35, 6 und dazu das "Patrici minorum gentium"
bei Cic. "Fam." 9, 21 und Liv. 1, 47, 7).--

Aus ~Ciceros~ I. "Philippica", 5, 11 und zugleich aus "De finibus" 4,
9, 22, (vrgl. Livius 23, 16 im Anfang, wo es in nicht übertragener
Bedeutung steht) stammt die für eine den Staat bedrohende Gefahr
gebräuchlich gewordene Wendung:

      *Hannibal ad* (~nicht: ante~) *portas.*

    su  Hannibal (ist) an den Thoren.

Diese Redensart, wie die Erinnerung an Catilina und an das aus ~Livius~
(XXI, 7: "dum ea Romani parant consultantque, iam Saguntum summa vi
oppugnabatur") geschöpfte Wort:

      *Dum Roma deliberat, Saguntum perit,*

      Während Rom beratschlagt, geht Sagunt zu Grunde,

(auch in der Form:

      *Roma deliberante Saguntum perit*

citiert) wurden von ~Goupil de Préfeln~ in einer Sitzung der
konstituierenden Versammlung von 1789 zu dem unrichtigen Citate
vermischt:

      *Catilina est aux portes, et l'on délibère.*

Er stichelte damit auf ~Mirabeau~, der diesem Worte dadurch erst recht
Bahn verschaffte, dass er es in seiner berühmten Rede zur Abwendung des
Bankerotts wiederholte und variirte.--

In ~Ciceros~ II. "Philippica" 14, 35, "pro Milone" 12, 32 und "pro
Roscio Amerino" 30, 84 und 31, 86 wird das uns geläufige

      *cui bono?*

      (Wozu?)

      *(A quoi bon?)*

eigentlich: "Wem zum Nutzen?" ausdrücklich als ein Wort des L.
*Cassius* bezeichnet. Aus der zuletzt angeführten Stelle ersehen
wir, dass L. Cassius, ein Mann von äusserster Strenge, bei den
Untersuchungen über Mord den Richtern einschärfte, nachzuforschen, "cui
bono", wem zum Nutzen das Ableben des Ermordeten war.--

Cicero spricht in seiner Rede "pro Roscio Amer." 16, 47: "Homines
notos sumere odiosum est, cum et illud incertum sit, velintne hi sese
nominari" ("angesehene Leute nennen, ist eine heikle Sache, da es auch
zweifelhaft ist, ob sie selbst genannt werden wollen"). Daher sagen
wir, wenn es gescheidter ist, keine Namen zu nennen:

      *Nomina sunt odiosa,*

      Namen sind verpönt.--

Aus ~Ciceros~ Rede "pro Milone" 4, 10 ist bekannt:

      *Silent leges inter arma.*

      Im Waffenlärm schweigen die Gesetze.

~Lucanus~ ahmt diese Worte ("Pharsalia" I, 277) also nach: "Leges bello
siluere coactae".--

Die altrömische Formel des Richters, der nicht entscheiden kann, ob
Schuld oder Unschuld vorliegt, das

      *Non liquet*

citieren wir aus Cicero "pro Cluentio" 28, 76 (vrgl. Gellius 14, 2.
g. E. und das "liquet" bei Cicero "Caecin." 10; Quintilian "Instit."
3, 6, 12): "Deinde homines sapientes, et ex vetere illa disciplina
iudiciorum, qui neque absolvere hominem nocentissimum possent, neque
eum, de quo esset orta suspicio, pecunia oppugnatum, re illa incognita,
primo condemnare vellent, ~non liquere~ dixerunt." "Darauf gaben
einsichtige Männer von der alten Schule der Geschwornengerichte,
die weder solchen Verbrecher freisprechen konnten, noch ihn, gegen
Den, wie man munkelte, mit Bestechung der Richter vorgegangen war,
vor Untersuchung dieser Sache im ersten Termin verurteilen wollten,
folgenden Spruch ab: ~es ist nicht aufgeklärt~."--

Weil ~Cicero~ seine Reden gegen Antonius im Vergleich mit den
gewaltigen Reden des ~Demosthenes~ gegen Philipp von Macedonien
"Philippische" nannte, so nennt man noch heute jede Donnerrede eine

      *Philippika.--*

Der Titel der ~Cicero~nischen Rede "de domo sua" ist in der älteren
Lesart

      *pro domo*

      für das eigene Haus

zum allgemeinen Ausdruck für jede Thätigkeit geworden, die auf
Erhaltung der eigenen Habe abzielt, und wir nennen danach eine der
Selbstverteidigung oder dem eigenen Vorteil dienende Rede eine

      *oratio pro domo.--*

Aus ~Ciceros~ ("De harusp. respons." 20, 43) Redewendung: "resistentem,
longius, quam voluit, popularis aura provexit", "Die Volksgunst trieb
den Widerstrebenden weiter, als er wollte", stammt das später von
Vergil, Horaz, Livius und Quintilian ähnlich angewandte Wort:

      *aura popularis,*

      Hauch der Volksgunst.--

      *Suum cuique*

      *(Jedem das Seine)*

finden wir bei ~Cicero~ "de offic." 1, 5; "de natur. deor." 3, 15, 38;
"de leg." 1, 6, 19; (vrgl. ~Tacitus~: "Annalen", 4, 35, ~Plinius~:
"Natur. hist." 14, 6, 8 und den ähnlichen Gedanken bei ~Theognis~ 332
u. 546).

  "De finibus" 5, 23, 67 sagt ~Cicero~: "Iustitia in suo cuique
  tribuendo cernitur", "Die Gerechtigkeit erkennt man daran, dass sie
  Jedem das Seine zuerteilt"; und "suum cuique tribuere" ist eine
  Rechtsregel ~Ulpians~ ("Corp. iur. civ." "Digest." I, 1 "de iustitia
  et iure" § 10); daher es in ~Shakespeares~ "Andronicus" 1, 2 heisst:
  "Suum cuique spricht des Römers Recht". Friedrich I. von Preussen
  wählte das "Suum cuique" zur Inschrift vieler Medaillen und Münzen
  und zum Motto des am 17. Januar 1701 gestifteten Ordens vom schwarzen
  Adler, und seitdem blieb es Preussens Wahlspruch.--

Das von ~Cicero~ "de offic." 1, 10, 33 als "abgedroschenes Sprichwort"
citierte

      *Summum ius, summa iniuria*

      Das höchste Recht (ist) das höchste Unrecht

scheint eine spätere Fassung des Sprichwortes in des ~Terenz~
"Heautontimorumenos" 4, 5 zu sein:

      Dicunt: ius summum saepe summa est malitia.

      Man pflegt zu sagen: Das höchste Recht ist oft die höchste
          Bosheit.

  ~Luther~ 21, 254 schreibt: "Wie der Heide Terentius sagt: 'Das
  strengest Recht ist das allergrossest Unrecht'". (23, 295 führt
  Luther das Wort auf ~Scipio~ zurück.)--

Aus ~Ciceros~ "de offic." 1, 16, 52, wo es sich um allgemeine
Gefälligkeiten gegen Jedermann handelt, wie z.B. dass wir es Jedem
gestatten müssen, sich an unserem Feuer das seinige anzuzünden,
citieren rauchende Gelehrte, um Feuer bittend:

      *Ab igne ignem.*

      Vom Feuer Feuer.--

"De offic." 1, 22, 77 enthält den von ~Cicero~ selbst verfertigten Vers:

      *Cedant arma togae, concedat laurea laudi,*

      Es mögen die Waffen der Toga, d.h. dem Friedensgewande,
          nachstehen, der Lorbeer der löblichen That,


worüber er sich in der Rede "in Pisonem" 29 und 30 eines Weiteren
auslässt, während er nur "cedant arma togae" in der 2. "Philippica" 8
schreibt.--

Aus "de offic." 1, 31, 110 kennen wir das schon hier von ~Cicero~
als Sprichwort citierte, in "ad familiares" 3, 1 und 12, 25 wieder
vorkommende und von ~Horaz~ in der "Kunst zu dichten", 385, angewendete

      *Invita Minerva;*

      Wider den Willen der Minerva;

aus "de offic." 3, 1, 3:

      *ex malis eligere minima;*

      *von zwei Übeln das kleinere wählen;*

  "minima de malis" war nach 3, 29, 105 sprichwörtlich.--

Aus ~Ciceros~ "de offic." 3, 33, 117 (sed aqua haeret, ut aiunt) und
aus "ad Quintum fratrem" 2, 8 (in hac causa mihi aqua haeret) stammt:

      *Hic haeret aqua,*

      Hier stockt es.--

Aus ~Cicero~ "de legibus" 3, 3, 8 citieren viele:

      (_his_) *salus populi suprema lex* (_esto_),

      Für diese (nämlich für die Regierenden) sei das Wohl des Volkes
          das vornehmste Gebot.--


In "de finibus" 2, 32, 105 führt ~Cicero~ als Sprichwort an:

      *Iucundi acti labores;*

      Angenehm (sind) die gethanen Arbeiten;

und er fügt hinzu, auch ~Euripides~ sage nicht übel: "Suavis laborum
est praeteritorum memoria", was in dessen "Andromeda" (nach Stobaeus:
"Florib." 29, 57) also lautete: "Ἀλλ' ἡδύ τοι σωθέντα μεμνῆσθαι
πόνων".--

Aus ~Ciceros~ "de natur. deor." 3, 40 citieren wir:

      *Pro aris et focis* (_certamen_);

      (Kampf) um Altar und häuslichen Herd.--

In "pro Milone" 29, 79 sagt ~Cicero~: "Liberae sunt nostrae
cogitationes" (Frei sind unsere Gedanken), und L. 48 der "Digesten" 19,
18 heisst es aus ~Ulpians~ lib. III ad Edictum: "Cogitationis poenam
nemo patitur" (Für seinen Gedanken wird niemand bestraft). Das ist
umgewandelt worden zu dem sprichwörtlichen:

      *Gedanken sind zollfrei,*

was sich wohl zuerst bei ~Luther~ ("Von weltlicher Oberkeit, wie man
ihr Gehorsam schuldig sei". 1523) findet.--

Aus ~Ciceros~ "pro Sestio" cap. 45 stammt:

      *Otium cum dignitate,*

      Musse mit Würde,

oder, wie dort steht: "cum dignitate otium". Der Sinn ist: "behagliche
Ruhe, verbunden mit einer angesehenen Stellung". Auch im Anfange der
Schrift "de oratore" ist es zu finden und in Ciceros Briefen "ad.
famil." 1, 9, 21 wird es als ein häufig von ihm angewendetes Wort
erwähnt.--

In diesen Briefen ~Ciceros~ "ad famil." 5, 12 steht:

      Epistola non erubescit,

      Ein Brief errötet nicht,

häufig umgestellt in:

      *Literae non erubescunt,*

auch in:

      *Charta non erubescit.--*

      *Imperium et libertas*[64]

      Herrschaft und Freiheit

stammt aus ~Ciceros~ 4. Rede gegen Catilina, IX, 19, wo er dem Senat
zuruft: "Bedenket, wie in einer Nacht die so mühsam befestigte
Herrschaft (quantis laboribus fundatum ~imperium~) und die so trefflich
begründete Freiheit (quanta virtute stabilitam ~libertatem~) fast zu
Grunde ging!" Die Rede schliesst mit der Forderung, dass der Senat
"über die Herrschaft und die Freiheit Italiens" (de ~imperio~, de
~libertate~ Italiae) die Entscheidung treffen möge.--

[Fußnote 64: ~Lord Beaconsfield~ (Disraeli) sagte in einer Rede beim
Lord-Mayors-Mahl am 10. Nov. 1879: "Einer der grössten Römer wurde
nach seiner Politik gefragt. Er antwortete: imperium et libertas".
Die Nationalzeitung vom 28. Nov. 1879 (Morgen-Ausg.) teilte mit, dass
auf ihre Anfrage bei dem Lord die Antwort erfolgt sei, die Quelle
der citierten Worte fände sich im 1. Buche von ~Bacons~ "Advancement
of Learning". (Ausg. Spedding, Ellis und Heath, vol. III, p. 303.)
Bacon übersetzt daselbst das in des ~Tacitus~ "Agricola" 3 vorkommende
"principatum ac libertatem", wofür er "imperium et libertatem"
schreibt, mit: "government and liberty". Dass ein nach seiner Politik
gefragter grosser Römer diese Aussage gethan habe, ist also ein Irrtum.]

       *       *       *       *       *

      *Ut sementem feceris, ita metes*

      Wie du gesäet, so wirst du ernten,

dies Wort des M. *Pinarius Rufus* steht bei ~Cicero~ "de oratore", 2,
65, 261. Ihm mochte des ~Aristoteles~ Satz (Rhetor. 3, 3) vorschweben:
"σὺ δὲ ταῦτα αἰσχρῶς μὲν ἔσπειρας, κακῶς δὲ ἐθέρισας", "was
du hier böse gesäet, das hast du schlimm geerntet". (vrgl. in
der Vulgata Hiob 4, 8: "et seminant dolores et metunt eos", nach
Luther: "Die da Mühe pflügten und Unglück säeten, ernteten sie auch
ein". Galater 6, 8: "Quae enim seminaverit homo, haec et metet", nach
Luther Gal. 6, 7: "Denn was der Mensch säet, das wird er ernten", dann
Sprüche Sal. 22, 8; 2. Cor. 9, 6 und "Gefl. Worte a. d. Bibel" Hosea 8,
7.)--

       *       *       *       *       *

Aus einigen Hexametern des Julius *Cäsar* (100-44 v. Chr.) über Terenz,
die in dessen Biographie von ~Sueton~ (p. 294, 35, ed. Roth) enthalten
sind, hat man vermittelst eines falsch gesetzten Kommas die Bezeichnung

      *vis comica*

      Kraft der Komik

herausgelesen. Die betreffenden Verse heissen:

      Lenibus atque utinam scriptis adiuncta foret vis,
      Comica ut aequato virtus polleret honore
      Cum Graecis;

      Wenn sich doch Kraft dir zu deinem gefälligen Dichten gesellte,
      Dass dein Wort in der Komik die nämliche Geltung erreiche,
      Wie sie die Griechen besitzen!

Es ist in ihnen daher von einer "virtus comica", nicht aber von einer
"vis comica" die Rede. ("Klein. Schrift, in latein. u. deutscher
Sprache" von Fr. Aug. ~Wolf~, herausg. von G. Bernhardy, II, p. 728).--

       *       *       *       *       *

Aus *Lucretius* (98-55 v. Chr.) "Über die Natur" ist 1, 102:

      *Tantum religio potuit suadere malorum.*

      Zu so verderblicher That vermochte der Glaube zu raten.--

Aus 1, 149; 1, 205; 2, 287 wird citiert:

      *De nihilo nihil,*

      *Aus Nichts wird Nichts,*

was ~Persius~ ("Satiren" 3, 84) wiederholt. ~Lucretius~ hatte seine
Ansicht aus ~Epikur~ entlehnt, der (nach Diog. Laërtius 10, n. 24,
38) an die Spitze seiner Physik den Grundsatz stellte: "οὐδὲν γίνεται
ἐκ τοῦ μὴ ὄντος", "Nichts wird aus dem Nichtseienden". Vor Epikur
hatte schon ~Melissus~ gesagt, dass aus Nichtseiendem nichts
werden kann (~Überweg~ "Geschichte der Philosophie des Altertums", 1,
S. 63), wie auch ~Empedokles~ die Ansicht bekämpft, dass Etwas, was
vorher nicht war, entstehen könne (ebenda 1, S. 66). ~Aristoteles~
("Physik" 1, 4) sagt, ~Anaxagoras~ habe die übliche Ansicht der
Philosophen für wahr gehalten, dass aus dem Nichtseienden Nichts
entstünde ("οὐ γινομένου οὐδενὸς ἐκ τοῦ μὴ ὄντος"). In ~Mark
Aurels~ (121-180 n. Chr.) "Selbstbetrachtungen" 4, 4 heisst es: "denn
von Nichts kommt Nichts, so wenig als Etwas in das Nichts übergeht".--

Aus 2, 1 und 1 ist berühmt:

      *Suave, mari magno, turbantibus aequora ventis,
      E terra magnum alterius spectare laborem.*

      Bei der gewaltigsten See, bei Wogen aufwühlenden Winden
      Anderer grosses Bemüh'n vom Land aus seh'n, ist behaglich.--

       *       *       *       *       *

Aus *Sallust*s (86-35 v. Chr.) "Jugurtha" 10 ist:

      *concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur.*

      Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das
          Grösste.--

       *       *       *       *       *

Aus dem 187. Spruch des *Publilius Syrus* (bl. um 50 v. Chr.):

      Heredis fletus sub persona risus est,

      Das Weinen des Erben ist ein maskiertes Lachen,

  oder aus den sogenannten "Varronischen Sentenzen" (12): "sic flet
  heres, ut puella nupta viro; utriusque fletus non apparens risus",
  "Ein Erbe weint wie eine Braut; Beider Weinen ist heimliches Lachen"
  (vrgl. auch Horaz "Sat." 2, 5, 100-104)

scheint:

      *Lachende Erben*

hervorgegangen zu sein. Schon 1622 kommt in Baden ein "Lacherbengeld"
vor (vrgl. Rau: "Grundsätze der Finanzwissenschaft", 5. Ausgabe 1864;
§ 237, S. 371 Anm. a) und Friedrich ~von Logau~ schreibt (Salomons
von Golau Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend. Breslau. In Verlegung
Caspar Klossmanns. 1654, jedoch ohne Jahresangabe erschienen. Zweite
"Zugabe" zum 3. Tausend "unter wehrendem Druck eingetroffen" No. 78 u.
79):

      "Lachende Erben".
      "Wann Erben reicher Leute die Augen wässrig machen
      Sind solcher Leute Thränen nur Thränen von dem Lachen."

          \*/*\*/

      "Die Römer brauchten Weiber, die weinten für das Geld;
      Obs nicht mit manchem Erben sich ebenso verhält?"

Dann heisst es in ~Othos~ "Evangelischem Krankentrost" (1664), S. 1034:
"Freu' dich, liebes Mütlein; traure, schwarzes Hütlein, heisst's bei
lachenden Erben".--

Die 245. Sentenz des ~Publilius Syrus~:

      Inopi beneficium bis dat qui dat celeriter

      Dem Armen giebt eine doppelte Wohlthat, wer schnell giebt,

wird verkürzt zu:

      *Bis dat qui cito dat*

      Doppelt giebt, wer gleich giebt.--

       *       *       *       *       *

*Vergil* (70 v.-19 n. Chr.) bietet "Eclogen" 1, 6, die manchmal als
Hausinschrift verwendeten Worte des behaglich gelagerten Hirten Tityrus:

      *Deus nobis haec otia fecit,*

      Ein Gott hat uns diese Musse geschaffen.

"Ecl." 2, 1:

      *Formosum pastor Corydon ardebat Alexin,*

      Corydon glühte, der Hirt, für die schöne Gestalt des Alexis

ist namentlich durch die verdrehte Übersetzung:

      Der Pastor Corydon briet einen wunderschönen Hering

bekannt, die Christian ~Weise~ in seiner vom 27. Sept. 1692 datierten
Vorrede zu ~Zincgrefs~ "Apophthegmata" (Frankf. u. Leipz. 1693) erwähnt.

"Ecl." 2, 65 sagt Corydon von seiner Liebe:

      *Trahit sua quemque voluptas.*

      Jeden reisst seine Leidenschaft hin.

"Ecl." 3, 93 warnt Damoetas die Blumen und Erdbeeren pflückenden Knaben:

      *Latet anguis in herba,*

      Die Schlange lauert im Grase

(vrgl. "Georgica" 4, 457-459).--"Ecl." 3, 104 fordert Damoetas den
Menalcas auf, ihm zu sagen, in welcher Gegend der Himmel nur drei
Klafter breit sei, "und", fügt er hinzu, "wenn Du darauf antworten
kannst,

      *eris mihi magnus Apollo",*

      dann wirst Du für mich gross wie Apoll sein".

Danach pflegt man Fragen, deren Beantwortung man nicht erwartet, mit
diesem Spruche zu begleiten.--

"Ecl." 3, 108 heisst es:

      *Non nostrum tantas componere lites,*

      Nicht unseres Amtes ist's, solchen Streit beizulegen;

"Ecl." 3, 111:

      *Claudite iam rivos, pueri; sat prata biberant.*

      Schliess't nun die Rinnen, ihr Knechte! genugsam getränkt sind
          die Wiesen.

"Ecl." 10, 69:

      *Omnia vincit Amor.*

      Alles besiegt der Gott der Liebe.--

~Vergils~ "Georgica" 1, 30 bietet die Bezeichnung eines weit entlegenen
Eilandes:

      *Ultima Thule,*

      Die äusserste Thule.--

"Georgica" 1, 145 heisst es: "Labor omnia vicit inprobus", was citiert
wird in der Form:

      *Labor omnia vincit improbus;*

      Die unablässige Arbeit besiegt alles;

"Georgica" 2, 490:

      *Felix, qui potuit rerum cognoscere causas;*

      Glücklich, Wer zu erkennen vermocht' die Gründe der Dinge!

"Georgica" 3, 284:

      *Sed fugit interea, fugit irreparabile tempus.*

      Doch unterdessen entfliehet die Zeit, flieht unwiederbringlich.--

      *Tantaene animis caelestibus irae!*

      So heftiger Zorn in der Seele der Götter!

ruft ~Vergil~ "Aeneïde" 1, 11 aus und in ~Shakespeares~ "Heinrich VI."
T. II, Akt 2, Sc. 2 ruft es Glocester dem Kardinal Beaufort zu.--

Nach "Aen." 1, 26-7

      *manet alta mente repostum*

      bleibt (der Juno) tief in die Seele gesenkt

"das Urteil des Paris" (s. Kap. II), weil danach Venus für die Schönere
galt.--

"Aen." 1, 33 heisst es:

      *Tantae molis erat Romanam condere gentem.*

      Solcherlei Mühsal war es, das römische Volk zu begründen,

was ~Herder~ dem vierten Teile seiner "Ideen zur Philosophie der
Geschichte der Menschheit" (Riga und Leipzig 1791) in der Form: "Tantae
molis erat Germanas condere gentes" als Motto voranstellte.

  Eine Artikelüberschrift in den "Deutschen Blättern" von F. A.
  Brockhaus (1814) sagte: "Germanam" und "gentem", indem sie im übrigen
  mit der Herderschen Fassung übereinstimmte.--

"Aen." 1, 118 lautet:

      ~(Apparent)~ *rari nantes in gurgite vasto*

      Wenige (sieht man) nur in dem riesigen Flutschwall schwimmen.--

"Aen." 1, 135 beschwichtigt Neptun die Winde mit seinem

      *Quos ego!*

      Euch werd' ich!--

Viel citiert wird auch "Aen." 1, 204:

      *Per varios casus, per tot discrimina rerum,*

      Durch so verschied'ne Geschicke, so viele gefährliche Lagen.--

Das Wort des Äneas "Aen." 2, 3:

      *Infandum, regina, iubes renovare dolorem*

ist auch in der ~Schiller~schen Übersetzung (Gedichte von Friedrich
Schiller, 1. T., Leipz., Crusius, 1800) üblich:

      *O Königin, Du weckst der alten Wunde*

      *Unnennbar schmerzliches Gefühl.--*

Aus "Aen." 2, 6 ist:

      *Et quorum pars magna fui.*

      Und worin ich eine grosse Rolle spielte.--

Berühmt ist der Warnungsruf des Laokoon, als er das Krieger bergende
Riesenpferd vor Trojas Mauern sieht, "Aen." 2, 49:

      *Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.*

      Was es auch ist, ich fürchte die Griechen auch dann, wenn sie
          schenken.

Uns hat dieser Vers für eine verdächtige Gabe, die Vorteil verspricht
und mit Nachteil droht, den Ausdruck:

      *Danaergeschenk*

zugeführt, wohl nach des ~Seneca~ ("Agam." 624) "Danaum fatale munus".
~Vergil~ mag dabei des griechischen Sprichwortes gedacht haben, das
~Sophokles~ ("Ajax" 644) also überliefert: "Ἐχθρῶν ἄδωρα δῶρα, κοὐκ
ὀνήσιμα", "Der Feinde falsche Gaben sind Nichts wert". Als die
Trojaner dennoch das hölzerne Ross in die Stadt ziehen, fährt
~Vergil~ ("Aen." 2, 247, s. auch ~Aeschylus~: "Agamemnon" 1070 ff.)
fort:

      Tunc etiam fatis aperit Cassandra futuris
      Ora. Dei iussu non unquam credita Teucris.

Da nun thut auch

      *Kassandra*

                      den Mund auf, Unheil verkündend,
      Die auf Apollos Geheiss nie Glauben gefunden in Troja.--

"Aen." 2, 274 mahnt der Dichter an den siegprangenden Hektor, im
Hinblick auf den nun verwundeten, mit dem Ausruf:

      *Quantum mutatus ab illo* (_Hectore)!_

      Wie anders gegen jenen (Hektor von damals)!--

In der Schilderung von Trojas Brande heisst es "Aen." 2, 311:

      *Iam proximus ardet Ucalegon,*

      Schon brennt's bei dem Nachbarn Ucalegon,

und nach dem Brande "Aen." 2, 325:

      *Fuimus Troes,*

      Trojaner sind wir ~gewesen~,

und "Aen." 2, 354:

      *Una salus victis nullam sperare salutem,*

      Ein Heil bleibt den Besiegten allein, ~kein~ Heil mehr zu
          hoffen.--

"Aen." 2, 774 und 3, 48 schildert Aeneas also sein Entsetzen über den
Anblick der Schatten seiner Crëusa und des Polydorus:

      *Obstupui, steteruntque comae, et vox faucibus haesit.*

      Ich war starr, und mir hob sich das Haar, und die Stimme
          versagte.--

"Aen." 3, 57 bietet:

      *Auri sacra fames!*

      O, fluchwürdiger Hunger nach Gold!,

"Aen." 4, 175:

      *Viresque acquirit eundo,*

      Und Kräfte bekommt sie (die Fama) durchs Gehen,

was auch geändert wird zu:

      *Fama crescit eundo,* _oder nur_ *Crescit eundo,*

      Das Gerücht wächst, indem es sich verbreitet.--

"Aen." 4, 569-570 steht:

      *Varium et mutabile semper femina*

      Ein Weib ist stets ein wankendes und veränderliches Wesen.

Nach ~Verdis~ "Rigoletto" (Text von ~Piave~. 1851) citieren wir dies
Wort auch italienisch:

      *Donna e mobile.--*

"Aen." 4, 625 lesen wir:

      *Exoriare aliquis nostris ex ossibus ultor!*

      Rächer, erstehe du mir dereinst aus meinen Gebeinen!

  Der grosse Kurfürst, sagt man, citierte diese Worte, als er,
  vom Kaiser preisgegeben, am 29. Juni 1679 den Frieden von St.
  Germain-en-Laye unterzeichnete; und der spanische General Diego Leon
  rief sie bei seiner Exekution (1841) den auf ihn feuernden Soldaten
  Esparteros entgegen, was Freiligrath zu seinem Gedicht "Aus Spanien"
  begeisterte, dessen Motto und Refrain jener Spruch bildet.--

"Aen." 5, 320 heisst es bei Gelegenheit des dort geschilderten
Wettlaufspiels, dass Nisus der erste war und ihm Salius

      *longo sed proximus intervallo*

      nach langem Zwischenraum, doch als der Nächste

folgte. Schon ~Plinius~ der ~Jüngere~ wendet das Wort in den "Briefen"
(7, 20) auf seinen eigenen litterarischen Wert im Vergleich zu dem des
Tacitus an.--

"Aen." 5, 814-815 verheisst Neptun, Aeneas und die Seinen würden das
Land erreichen, bis auf Einen ...

      "Unum pro multis dabitur caput",

      "_Ein_ Haupt wird für Viele geopfert".

Und wirklich: Palinurus, der Steuermann, wird als Sühne von dem Gott in
die Fluten geworfen, während die Andern entrinnen. Daher rührt unser

      *Unus pro multis,*

      vEiner für Viele,*

was wir aber im Sinne eines Sichopferns, eines öffentlichen Eintretens
für Meinungsgenossen, zu brauchen pflegen.--

"Aen." 6, 95 steht:

      *Tu ne cede malis, sed contra audentior ito.*

      Weiche dem Unheil nicht, noch ~mutiger~ geh' ihm entgegen!--

Des Aeneas Begleiter, der

      *fidus Achates,*

      *der getreue Achates,*

"Aen." 1, 188 und auch sonst erwähnt, ist zum Muster eines treuen
Freundes geworden.

  Das erste deutsche Reisehandbuch erschien zu Ulm im Verlage Georg
  Wildeysers unter dem Titel: "Martini Zeilleri Fidus Achates
  oder Getreuer Reisegefert u.s.w." und es befindet sich ein
  Exemplar der dritten Auflage vom Jahre 1661 auf der Giessener
  Universitätsbibliothek. ~Zeiller~ war nach Joechers Gelehrtenlexikon
  ein Pfarrersohn in Ulm, Ephorus des Gymnasiums, Inspektor der
  deutschen Schulen, Censor der philosophischen und historischen
  Bücher, "aber dabei sehr leichtgläubig".--

"Aen." 6, 261 heisst es:

      *Nunc animis opus, Aenea, nunc pectore firmo!*

      Jetzt, Aeneas, bedarf es des Muts, jetzt kräftigen Herzens.--

Aus "Aen." 6, 620 wird citiert:

      *Discite iustitiam moniti, et non temnere divos.*

      Lernet, gewarnt, recht thun und nicht missachten die Götter.

Aus "Aen." 6, 727 ist:

      *Mens agitat molem;*

      Der Geist bewegt die Materie;

aus "Aen." 6, 583:

      *Parcere subiectis et debellare superbos,*

      Die Unterworfenen schonen, die Übermüt'gen besiegen;

aus "Aen." 7, 312:

      *Flectere si nequeo superos, Acheronta movebo;*

      Kann ich die Götter für mich nicht erweichen, so lock' ich die
          Hölle;

aus "Aen." 8, 560:

      *O mihi praeteritos referat si Juppiter annos!*

      O, wenn Zeus mir gäbe zurück die vergangenen Jahre!--

Die Tonmalerei in "Aen." 8, 596:

      *Quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum,*

      Dröhnend erschüttert das lockere Feld vierfüssiger Hufschall,

wandelt der Dichter "Aen." 11, 875 um, indem er "cursu" statt "sonitu",
"Lauf" statt "Schall" und "quadrupedoque" statt "quadrupedante" setzt.--

Als Motto dienen oft Apolls Worte an Julus nach dessen glorreicher
Waffenthat, "Aen." 9, 641:

      *Sic itur ad astra!*

      So steigt man zu den Sternen!--

Aus "Aen." 10, 63, 64:

      Quid me alta silentia cogis rumpere?

      Warum zwingst Du mich, das tiefe Schweigen zu brechen?

ist entnommen:

      *altum silentium*

      tiefes Schweigen. --

"Aen." 10, 467 findet sich:

      *Stat sua cuique dies,*

      Jedem steht sein Tag bevor! --

      *Experto credite,*

      Glaub't es dem, der es selbst erfuhr,

steht "Aen." 11, 283. Es ist auch in ~Ovid~ "Ars amandi" 3, 511 zu
finden und, umgestellt in "crede experto", bei ~Silius Italicus~
"Punica", 7, 395. "Experto crede" heisst es in des heiligen
Bernhard Ep. 106 und im Prologus zum 1. Buche des "Policraticus"
von ~Johannes von Salesbury~ († c. 1180). Dann kommt es in den
maccaronischen Gedichten des ~Antonius de Arena~ († 1544): "Ad
compagnones", im dritten Verse des "consilium pro dansatoribus" zu
"Experto crede Roberto" erweitert, vor, was ~Neander~ "Ethice vetus
et sapiens" (Leipz. 1590, S. 89) als sprichwörtlich anführt. Ed.
~Fournier~ "l'Esprit des Autres" (6. Ausg. 1881, S. 32) citiert einen
mittelalterlichen Vers: "Quam subito, quam certo, experto crede
Roberto". Endlich wird in ~Moscheroschs~ 1643 erschienenen "Gesichte
Philanders von Sittewald" (in "der Welt Wesen") als ratgebender Führer
des Autors erwähnt:

      *Expertus Robertus. --*

Das Wort ~Vergils~:

      *Sic vos non vobis,*

ist uns vom jüngeren ~Donatus~ ("Leben des Vergil", 17) also
überliefert: Vergil habe einst an das Thor des Augustus ein für den
Kaiser schmeichelhaftes Distichon anonym angeschrieben. Bathyll, ein
schlechter Dichter, habe sich für den Verfasser ausgegeben und sei
deshalb von Augustus mit Ehren und Gaben bedacht worden. Um die Blösse
des unverschämten Poeten aufzudecken, schrieb ~Vergil~ darauf den
obigen Halbvers viermal unter einander an das Thor. Augustus forderte
die Ergänzung dieses Versanfangs. Vergebens versuchten sich Einige
daran. Da kam endlich Vergil, und nachdem er unter das erst erwähnte
Distichon die Worte gesetzt hatte: "Hos ego versiculos feci, tulit
alter honores" (Ich schrieb hier diese Verschen, die Ehren ein And'rer
davontrug) ergänzte er die Anfänge so:

      Sic vos non vobis nidificatis aves,
      Sic vos non vobis vellera fertis oves,
      Sic vos non vobis mellificatis apes,
      Sic vos non vobis fertis aratra boves.

d. i.:

      So bau't ihr Nester, o Vögel, nicht für euch,
      So trag't ihr Wolle, o Schafe, nicht für euch,
      So mach't ihr Honig, o Bienen, nicht für euch.
      So zieh't ihr Pflüge, o Rinder, nicht für euch. --

       *       *       *       *       *

*Horaz* (65-8 v. Chr.) gab 24 oder 23 v. Chr. die drei ersten Bücher
seiner "Oden" heraus; aus diesen ist in Deutschland geläufig I, 1, 7:

      *Mobilium turba Quiritium,*

      Die Schaar der wankelmütigen Quiriten;

I, 3, 9:

      *Aes triplex circa pectus,*

      *Mit dreifachem Erz gepanzert.*

I, 3, 37:

      *Nil mortalibus arduum est,*

      Nichts ist Sterblichen allzuschwer;

I, 4, 15:

      *Vitae summa brevis spem nos vetat inchoare longam,*

      Die kurze Summe des Lebens verbietet uns eine lange Hoffnung
          anzufangen;

I, 9, 13:

      *Quid sit futurum cras, fuge quaerere,*

      Was morgen sein wird, frage nicht;

I, 11, 8:

      *Carpe diem,*

      Beute den Tag aus;

I, 16, 22:

      *Compesce mentem*

      Beherrsche deinen Unmut;

I, 22, 1:

      *Integer vitae scelerisque purus,*

      Der im Wandel Reine und von Schuld Freie;

I, 24, 7:

      *Nuda ... Veritas*

      *die nackte Wahrheit;*

I, 24, 9:

      *Multis ille bonis flebilis occidit,*

      Von vielen Guten beweint, starb er hin;

I, 28, 15:

      *Omnes una manet nox,*

      Auf Alle harrt ein und dieselbe Nacht;

I, 32, 1:

      *Poscimur,*
      Wir werden vom Geist ergriffen;

      (vrgl. ~Ovid~, "Metam." 5, 333).--

"Oden" II, 3, 1:

      *Aequam memento rebus in arduis
      Servare mentem.*

      Bedenk' es, wie du standhaft im Ungemach
      Den Gleichmut wahrest;

II, 3, 25:

      *Omnes eodem cogimur,*

      Zum selben Ort hin (d.h. zum Orcus) müssen wir Alle;

II, 6, 13:

      *Ille terrarum mihi praeter omnes
      Angulus ridet,*

      Jenes Plätzchen lächelt mir vor allen anderen auf der Erde zu,

was sich  als Hausinschrift nicht selten findet;

II, 10, 5:

      *Aurea mediocritas,*

      *Goldene Mittelstrasse*

II, 14, 1 u. 2:

      *Eheu fugaces, Postume, Postume
      Labuntur anni ...*

      O weh, die Jahre, Postumus, Postumus,
      Entgleiten flüchtig ....

II, 16, 27:

      *Nihil est ab omni
      Parte beatum;*

      Es giebt kein vollkommenes Glück.--

"Oden" III, 1, 1:

      *Odi profanum vulgus et arceo;*

      Ich hasse die uneingeweihte Menge und halte sie fern;

III, 1, 2:

      *Favete linguis!*

      Hütet die Zungen! (d.h. zanket und schwatzet nicht! seid
          andächtig!)


Aus ~Cicero~ (de divin. I, 45, 102 u. II, 40, 83) ergiebt sich, dass
dieser Ruf von Alters her bei öffentlichen Religionshandlungen in Rom
üblich war.

III, 3, 1:

      *Iustum et tenacem propositi virum;*

      Den Biedermann, der seinem Entschlusse treu;

III, 3, 7:

      *Si fractus illabatur orbis,
      Impavidum ferient ruinae;*

      Ob berstend auch einstürzt der Himmel,
      Stirbt in den Trümmern der Held doch furchtlos;

III, 4, 65:

      *Vis consili expers mole ruit sua;*

      Kraft ohne Weisheit stürzt durch die eig'ne Wucht;

III, 16, 17:

      *Crescentem sequitur cura pecuniam;*

      Dem wachsenden Geld folgt die Sorge;

III, 24, 6:

      *dira necessitas;*

      Die furchtbare Notwendigkeit;

III, 29, 55:

      *Mea virtute me involvo;*

      *Ich hülle mich in meine Tugend ein;*

III, 30, 1:

      *Exegi monumentum aere perennius;*
      Ein Denkmal habe ich mir gesetzt, dauernder als Erz:

III, 30, 6:

      *Non omnis moriar,*
      Nicht ganz werde ich sterben.--

"Oden" IV. Buch (ersch. um 18 v. Chr.) 1. 3:

      *Non sum qualis eram;*
      Ich bin nicht mehr, der ich war;

  (vrgl. ~Ovid~, "Tristia" 3, 11, 25: "Non sum qui fueram");

IV, 7, 16:

      *Pulvis et umbra sumus;*

      Staub und Schatten sind wir;

  (vrgl. Kap. X. ~Pindar~ "Pyth." 8, 136, ferner ~Sophokles~ "Elektra"
  1159 und ~Euripides~ "Meleagros" Frg. 536, ed. Nauck).

Aus IV. 9, 45:

      "Non possidentem multa vocaveris
      Recte beatum"

      "Nicht den, der viel besitzt, wirst du mit Recht
      glücklich nennen"

mag der Widerspruchsgeist

      *Beati possidentes!*

      Glücklich die Besitzenden!

entwickelt haben. Dieser Ausdruck wurde durch die Juristen üblich,
die nicht im "Corpus iuris", wohl aber sonst oft von "beatitudines
possessionis" ("Vorteilen, die der Besitz gewährt") und von "beati
possidentes" reden.

IV, 12, 28:

      *Dulce est desipere in loco,*

      Lieblich ist's, zu seiner Zeit den Thoren spielen,

was ~Seneca~ ("De tranquill. anim." 15, g. End.) in der Form "aliquando
et insanire iucundum est" auf einen griechischen Dichter zurückführt.
Vielleicht meint er ~Menanders~ "καὶ συμμανῆναι δ' ἔνια δεῖ",
"man muss mit Andern auch mal thöricht sein" (bei Clemens Alexandrinus
"Stromat." VI, p. 204; Bentley: συμμανῆναι für συμβῆναι).--

Aus den "Epoden" (um 30 v. Chr.) des ~Horaz~ ist bekannt 2, 1:

      *Beatus ille, qui procul negotiis*
      (_Ut prisca gens mortalium_)
      *Paterna rura bobus exercet suis*
      (_Solutus omni fenore;_)

      Glückselig, wer dem Treiben der Geschäfte fern
        Gleichwie die Menschheit alter Zeit
      Mit eignen Rindern sein ererbtes Gut bepflügt
        Von allen Wucherplagen frei.--

Den "Satiren" des Horaz entnehmen wir I (ersch. 35 v. Chr.) 1, 24:

      (_Quamquam_) *ridentem dicere verum*
      (_Quid vetat?_)

      (_Doch_) *lächelnd die Wahrheit sagen* (_was hindert daran?_),

welche Stelle meistens umgeändert wird in:

      *Ridendo dicere verum.*

I, 1, 69 und 70:

      *Mutato nomine de te fabula narratur;*

      Die Geschichte handelt von dir, nur der Name ist geändert;

I, 1, 106:

      *Est modus in rebus, sunt certi denique fines;*

      Es ist Mass und Ziel in den Dingen, es giebt, mit einem Worte,
          bestimmte Grenzen;

I, 3, 6:

      *ab ovo usque ad mala;*

      Vom Ei bis zu den Äpfeln,

d.h. vom Anfange des Mahles, wo Eier gereicht wurden, bis zu dessen
Ende, wo man die Früchte auftrug, bedeutet: "von Anfang bis zu Ende,
ohne Unterlass, ohne Unterbrechung".

Aus "Sat." I, 4, 34:

                        dummodo risum
      Excutiat sibi, non hic cuiquam parcet amico,

      Wenn er nur Lachen für sich erweckt, wird er keinen Freund
          verschonen,

entstand wohl das schon bei ~Quintilian~ "de institut. orat." 6, 3, 28
als sprichwörtlich angeführte (Propositum illud:

      Potius amicum, quam dictum perdendi)

      *Lieber einen Freund verlieren, als einen Witz.*

  (~Boileau~, Sat. 9, 22 hat:

      Mais c'est un jeune fou qui se croit tout permis,

      Et qui pour un bon mot va perdre vingt amis.

  ~Quitard~ "Dictionnaire des proverbes", Paris 1842, p. 44 führt auf:
  "Il vaut mieux perdre un bon mot qu'un ami").--

"Sat." I, 4, 62 sagt ~Horaz~, nachdem er ein klangvolles Fragment des
~Ennius~ angeführt hat:

      "invenias etiam disiecti membra poetae".

(Nach ~Wieland~: "Ihr werdet auch in den zerstückten Gliedern den
Dichter wieder finden"). Daraus stammt unser:

      *disiecta membra poëtae.*

~Horaz~ scheint dies Wort dem ~Polybius~ zu verdanken, nur dass er es
anders verwendet. Letzterer meint (1, 4), wer nur Einzelforschungen
treibe, könne aus den Bruchstücken nicht auf den grossen Gang und
Zusammenhang der Geschichte schliessen, ebenso wenig, wie Die, welche
nur "die zerstreuten Gliedmaassen" ("διεῤῥιμμένα τὰ μέρη") eines
Körpers vor sich sähen, aus dem Einzelnen nachweisen können, wie
das Ganze in seiner lebendigen Schöne gewesen sei.

I, 4, 85:

      *Hic niger est, hunc tu, Romane, caveto,*

      Das ist eine schwarze Seele; vor ihm, o Römer, hüte dich;

I, 5, 100:

      *Credat Iudaeus Apella,*
      *Das glaube der Jude Apella,*

  (d.h.: Glaube es, wer es will; ich glaube es nicht);

I, 9, 59:

      *Nil sine magno vita labore dedit mortalibus,*

      Das Leben gab dem Sterblichen Nichts ohne grosse Arbeit;

I, 9, 71:

      *Unus multorum.*

      Einer von den Vielen, vom grossen Haufen, ein Dutzendmensch;

I, 9, 78:

      *Sic me servavit Apollo,*

      So hat mich Apollo gerettet;

  ein Anklang an das homerische ("Iliade" 20, 443) "τὸν δ' ἐξήρπαξεν
  Ἀπόλλων"--"doch schnell entrückt ihn Apollon", nämlich den
  von Achill bedrängten Hektor.

I, 10, 72:

      *Saepe stilum vertas,*

      Oft wende den Griffel,

d.h. "feile den Ausdruck" (indem du mit dem oberen breiteren Ende des
Griffels verwischest, was du mit dem unteren spitzen in die Wachstafel
gegraben hast).

"Satir." II, (wahrscheinlich 30 v. Chr.) 1, 27 steht:

      " ... quot capitum vivunt, totidem studiorum
      Milia"--

woraus mit Anlehnung an des Terenz ("Phormio" 2, 4) "Quot homines, tot
sententiae" gebildet wurde:

      *Quot capita, tot sensus!*

      So viel Köpfe (es giebt), so viele Meinungen (giebt es);

II, 2, 17 u. 18:

      --cum sale panis
      Latrantem stomachum bene leniet,

      "Brot mit Salz wird den bellenden Magen gut besänftigen",

woraus wir entnehmen:

      *Bellender* _oder_ *knurrender Magen.*

II, 3, 243 lesen wir von den Söhnen eines Reichen, die das Teuerste,
Nachtigallen, massenhaft zu vertilgen liebten:

      *Par nobile fratrum,*

      Ein edles Brüderpaar, so wie man höhnisch sagt: "ein Paar nette
          Burschen!"

II, 6, 1 steht:

      *Hoc erat in votis;*

      Dies gehörte zu meinen Wünschen!

II, 6, 49:

      *Fortunae filius,*

      *Sohn des Glücks* _oder_ *Glückskind.--*

Die "Episteln" des Horaz bieten I (ersch. 20 od. 19 v. Chr.) 1, 14:

      *Iurare in verba magistri,*

      Auf des Meisters Worte schwören;

I, 1, 54:

      (O cives, cives, quaerenda pecunia primum est;)
      *Virtus post nummos;*

      Bürger, o Bürger, ihr müsset zunächst Reichtümer erstreben;
      Tugend erst nach dem Gelde!

I, 1, 76 nennt ~Horaz~ das römische Volk:

      belua multorum capitum,

      *Ein vielköpfiges Ungeheuer,*

oder wie wir auch übersetzen hören:

      *eine vielköpfige Bestie;*

I, 2, 14:

      *Quidquid delirant reges, plectuntur Achivi;*

      Wie auch immer die Könige (Agamemnon und Achilles)
          wüten, die Griechen, sie büssen's (d.h. das Volk büsst es);

I, 2, 16:

      *Iliacos intra muros peccatur et extra;*

      G'rade wie drinnen in Ilions Burg wird draussen gefrevelt;

I, 2, 40:

      *Dimidium facti, qui coepit, habet;*

      wer nur begann, der hat schon halb vollendet,

was dem bei Aristoteles viermal (s. im Index von Bonitz "ἥμισυ")
vorkommenden Sprichwort ("ἡ ἀρχὴ ἥμισυ παντός", "der Anfang ist die
Hälfte des Ganzen") nachgebildet ist, welches Lucian ("Hermotimos" 3)
fälschlich dem Hesiod zuschreibt, während es Jamblichus dem Pythagoras
("Leben d. Pyth." 29) zuweist. Der horazische Vers schliesst mit den
Worten (vrgl. Kap. X.: Theognis):

      *Sapere aude*

      Wage es, weise zu sein!

I, 2, 62:

      *Ira furor brevis est;*

      Der Zorn ist eine kurze Raserei;

I, 2, 69:

      *Quo semel est imbuta recens, servabit odorem
      Testa diu.*

      Lange wird neues Geschirr noch ~danach~ riechen, womit man's
      Füllte zuerst.

I, 6, 67 enthält:

      *Si quid novisti rectius istis,
      Candidus imperti; si non, his utere mecum;*

      Wenn du was Besseres weisst, als dies hier,
      Teil' es mir redlich mit; wenn nicht, so benutze, wie ich, dies;

was an des ~Isokrates~ (436-339 v. Chr.) Wort anklingt ("Ad Nicocl." §
39): "χρῶ τοῖς εἰρημένοις, ἢ ζήτει βελτίω τούτων". "Benutze das
Gesagte, oder suche etwas Besseres, als dies!"

I, 10, 24:

      *Naturam expollas furca; tamen usque recurret;*

      Treibst du Natur mit dem Knüppel auch aus, sie kommt doch zurück
          stets,*

(s. Kap. V: "Chassez le naturel etc.").--

I, 11, 27:

      *Caelum non animum mutant, qui trans mare currunt;*

      Wer über See geht, der wechselt das Klima und nicht den Charakter;

~Horaz~ entlehnte diesen Gedanken den Griechen.

  Schon ~Aeschines~ (in "Ctesiph." 78) sagte: "ὅστις ἐστὶν οἴκοι φαῦλος,
  οὐδέποτ' ἦν ἐν Μακεδονίᾳ καλὸς κἀγαθός· οὐ γὰρ τὸν τρόπον
  ἀλλὰ τὸν τόπον μετήλλαξεν"--"Wer daheim ein Feigling ist, war
  nie in Macedonien ein Held; denn er wechselte nicht den Charakter,
  sondern den Ort". Und vor ihm ~Bias~ (s. Stobaeus "Floril." p. 51 ed.
  Gessner): "Τόπων μεταβολαὶ οὔτε φρόνησιν διδάσκουσιν, οὔτε ἀφροσύνην
  ἀφαιροῦνται"--"Ortswechsel belehrt weder den Verstand, noch nimmt
  er Einem den Unverstand".--

I, 11, 28 bietet (vielleicht nach des Aristophanes "Fröschen", 1498, wo
"διατριβὴ ἀργός", "faule Thätigkeit" vorkommt): "strenua ...
inertia", woraus unser

      *geschäftiger Müssiggang*

entsprungen ist, wenn wir es nicht aus des ~Phaedrus~ 2, 5 "occupata in
otio" oder aus ~Senecas~ ("Üb. d. Kürze d. Leb." 11. g. E.) "desidiosa
occupatio", (ebenda 12) "iners negotium", und ("Üb. d. Ruhe d. Seele"
12) "inquietam inertiam" herleiten wollen. Joh. Elias ~Schlegels~
Lustspiel "Der geschäftige Müssiggänger" (im vierten Bd. von Gottscheds
"Deutscher Schaubühne ..." Lpz. 1743) machte das Wort in Deutschland
geläufig.--

I, 12, 19 steht:

      *Concordia discors*

      Zwieträchtige Eintracht,

(_~Ovid~, "Metam." 1, 433 hat: discors concordia_);

I, 17, 35:

      *Principibus placuisse viris, non ultima laus est,*

      Wer den vorzüglichsten Männern gefiel, dess Ruhm ist gering nicht;

Danach schrieb ~Marcellinus~ in seinem Leben des "Thukydides" § 35:
"ὁ γὰρ τοῖς ἀρίστοις ἐπαινούμενος καὶ κεκριμένην δόξαν λαβὼν
ἀνάγραπτον εἰς τὸν ἔπειτα χρόνον κέκτηται τὴν τιμήν;" "Wer von
den Besten gelobt wurde und diesem Lobe entsprach, dess Ruhm wird
ewig unvergänglich sein"; und dann ~Schiller~ im "Prolog" (1798) zu
"Wallensteins Lager":

      (_Denn_) *wer den Besten seiner Zeit genug
      Gethan, der hat gelebt für alle Zeiten.--*

I, 17, 36 finden wir:

      *Non cuivis homini contingit adire Corinthum;*

      Nicht einem Jeglichen wird es zu Teil, nach Korinth zu gelangen;

(d.h. hier: das Höchste zu erreichen. Es ist die Übersetzung des
griechischen Sprichworts "οὐ παντὸς ἀνδρὸς
εἰς Κόρινθον ἔσθ' ὁ πλοῦς", dessen frivole Deutung man ~Gellius~
1, 8, 4 nachlesen kann. Korinth bot aber auch ideale Genüsse und die
Seefahrt von Rom dorthin war ein Wagnis. Daraufhin zielt der
horazische Vers.)

I, 18, 71 steht:

      *Et semel emissum volat irrevocabile verbum;*

      Und, einmal entsandt, fliegt unwiderruflich das Wort hin.--

I, 18, 84 steht:

      *Nam tua res agitur, paries cum proximus ardet;*

      Brennet des Nachbars Wand, so bist du selber gefährdet;

I, 19, 19:

      *O imitatores, servum pecus;*

      O Nachahmer, sklavisches Gezücht!--

Aus dem zweiten Buch der "Episteln", das in den letzten Lebensjahren
des ~Horaz~ erschien, ist 2, 102:

      *Genus irritabile vatum.*

      Das reizbare Geschlecht der Dichter.--

Aus der "Kunst zu dichten" des ~Horaz~ entlehnen wir dem Verse 4 (mit
leichter Umwandlung) den Vergleich für eine unharmonische Dichtung:

      *Desinit in piscem mulier formosa superne;*

      In einen Fischschwanz endet das oberhalb prachtvolle Weibsbild;

aus Vers 5:

      *Risum teneatis, amici?*

      Würdet Ihr, Freunde, Euch da des Lachens erwehren?

Vers 9 u. 10:

                      *Pictoribus atque poëtis
      Quidlibet audendi semper fuit aequa potestas,*

      Maler und Dichter, erlaubt war stets euch jegliches Wagstück;

Vers 11:

      *Hanc veniam petimusque damusque vicissim;*

      Diese Vergünstigung fordern wir selbst und gewähren sie Ander'n;

  als Citat wird dies ganz allgemein von gegenseitigen Diensten
  gebraucht; ~Horaz~ bezieht es auf die dichterischen Freiheiten, die
  er andern Poeten gestatten und sich selbst erlaubt wissen will;

aus Vers 19:

      *non erat his locus;*

      Das war hier nicht am Platze;

aus Vers 25 u. 26:

      *Brevis esse laboro obscurus fio;*

      Ich bemühe mich kurz zu sein und werde dunkel;

aus Vers 39 u. 40:

            *Versate diu, quid ferre recusent,
      Quid valeant humeri;*

      Überleget euch lang', was die Schultern verweigern,
      Was sie zu tragen vermögen;

Vers 78:

      (_Grammatici certant, et_) *adhuc sub iudice lis est,*

      Da sind die Forscher nicht eins, und der Streit hängt noch
          vor dem Richter,

woraus das übliche Scherzwort entsprungen sein mag:

      *Darüber sind die Gelehrten noch nicht einig;*

aus Vers 97:

      *sesquipedalia verba*

      ellenlange Wörter.--

Vers 147 rühmt von Homer, dass er den trojanischen Krieg nicht

      *ab ovo*

      vom Ei (der Leda an, aus dem Helena hervorging),

d.h. "vom ersten, entlegensten Anfang" an zu erzählen beginne, sondern
den Zuhörer (V. 148) sofort

      *in medias res*

      Mitten in die Dinge hinein

führe.--

Vers 173 nennt den Greis:

      *Laudator temporis acti*

      Lobredner der Vergangenheit.--

Aus Vers 276: "Dicitur et plaustris vexisse poemata Thespis" (Man sagt,
dass Thespis seine Dramen auf Wagen umhergefahren habe) ist der

      *Thespiskarren*

entlehnt. Doch irrt sich ~Horaz~ in seiner Angabe, da der Wagen der
ältesten griechischen Komödie angehört, während Thespis der älteste
attische Tragödiendichter war.--

Vers 333 steht:

      *Aut prodesse volunt aut delectare poetae.*

      Entweder wollen die Dichter uns nützlich sein oder ergötzen.

Vers 343 spricht ~Horaz~ vom Dichter:

      (_Omne tulit punctum qui miscuit_) *utile dulci*

      Jeglichen Beifall errang, wer Lust und Nutzen vereinte,

woraus die Redensart stammt:

      *Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.*

Diese letzten Worte scheinen aus ~Polybius~ entlehnt zu sein, der (1,
4) sagt, man könne "aus der Geschichte ~zugleich Nutzen und Vergnügen~
schöpfen" ("ἅμα καὶ τὸ χρήσιμον καὶ τὸ τερπνὸν ἐκ τῆς ἱστορίας
λαβεῖν").

  (S. auch ~Lucian~ "Wie man Geschichte schreiben muss" 9, "Über den
  Tanz" 33, "Anacharsis" 6 u. 10.)--

Aus Vers 359:

      Indignor, quandoque bonus dormitat Homerus.

      Ich ärgere mich, wenn der vortreffliche Homer auch
          einmal schläft (d.h. im Ausdruck nachlässig ist)

wird fälschlich als eine Entschuldigung für Schlummerköpfe citiert:

      *Quandoque bonus dormitat Homerus.*

      Zuweilen schlummert ja selbst der vortreffliche Homer.--

Ebenso irrig ist oft aus Vers 361 das

      *Ut pictura poësis: ...*

      (Ein Gedicht gleicht darin einem Gemälde, dass ...)

herausgerissen citiert worden, als bedeute es: "Malerei und Poesie
haben die gleichen Gesetze". (vrgl. Kap. X: "Simonides").--

Von einer Schrift, zu deren Lektüre man gern zurückkehrt, citiert man
den Ausgang des 365. Verses:

      *Decies repetita* (_poësis_) *placebit.*

      Zehnmal wiederholt, wird sie gefallen.

Solche Schrift wird zu jenen gehören, deren Verfasser das berühmte:

      *Nonumque prematur in annum,*

      Und bis ins neunte Jahr muss sie verborgen bleiben (d.h. gefeilt
          werden),

den Ausgang des 388. Verses, beherzigt haben.--

Von Einem, der sich als Mann bewährt, sagen wir mit Vers 413:

      *Multa tulit, fecitque puer, sudavit et alsit,*

      Viel hat, in Hitze und Frost, schon als Kind er gethan und
          erlitten.--

       *       *       *       *       *

Des *Livius* (59 v.-17 n. Chr.) Redewendung (4, 2, 11):

      "potius sero, quam nunquam,"

      (Lieber spät, als niemals),

citieren wir französisch:

      *Mieux vaut tard, que jamais.--*

Im ~Livius~ steht (38, 25, 13): "cum iam plus in mora periculi quam in
ordinibus conservandis praesidii esset, omnes passim in fugam effusi
sunt"--"Als schon mehr Gefahr im Verzuge, als Hilfe im Aufrechterhalten
der Heeresordnung lag, strömten Alle in planloser Flucht auseinander".
Hieraus bildete sich das Wort:

      *periculum in mora,*

      *Gefahr im Verzuge.*

39, 26, 9 enthält das Drohwort "nondum omnium dierum solem
occidisse"--"es sei noch nicht die Sonne aller Tage untergegangen", was
wir kürzen zu:

      *Es ist noch nicht aller Tage Abend.--*

       *       *       *       *       *

Bei *Tibull* (54-19 v. Chr.) 2, 5, 23 steht:

      *Roma aeterna.*

      *Das ewige Rom.--*

       *       *       *       *       *

*Propertius* (48-16 v. Chr.) bietet uns 2, 10, 5-6:

      "Quod si deficiant vires audacia certe
      Laus erit: *in magnis et voluisse sat est,"*

      Wenn auch die Kräfte versagen, so wird doch das kühne Beginnen
      Rühmlich sein: schon genügt's, hat man nur Grosses gewollt.

  Joh. ~Agricola~ von Eisleben ("Terent. Andria" Berl. 1544, d. 4, 1)
  nennt dies eine Sentenz Platonis. Wieso?--Anklingt ~Tibulls~ (4, 1,
  7): "Est nobis voluisse satis"--"Uns genügt's, gewollt zu haben".--

Aus des ~Propertius~ Pentameter (3, 21, 10):

      Quantum oculis, animo tam procul ibit amor,

      Wie aus den Augen sie schwand, schwand auch die Lieb' aus dem
          Sinn,

scheint herzurühren:

      *Aus den Augen, aus dem Sinn.--*

       *       *       *       *       *

Aus dem Pentameter des *Ovid* (43 v.-17 n. Chr.) "Heroiden" 13, 84:
"Bella gerant alii! Protesilaus amet" ist offenbar das berühmte
Distichon entstanden:

      *Bella gerant alii! tu, felix Austria, nube!
      Nam quae Mars aliis, dat tibi regna Venus!*

      Kriegführ'n lasse die Andren! du, glückliches *Österreich*,
          freie!
      Mehrer des Reiches ist Mars Anderen, Venus nur dir!

  "Felix Austria" findet sich schon auf einem Siegel Herzog Rudolfs
  IV. vom Jahre 1363 (vrgl. Dr. Franz Kürschner: "Herzog Rudolfs IV.
  Schriftdenkmale"). Dass, wie man meinte, Matthias Corvinus des
  Distichons Urheber sei, erwies Béla von Tóth als Irrtum (s. dessen
  "Szájrul szájra" (von Mund zu Munde), Budapest 1895, S. 22-25). Bis
  jetzt ist der ovidkundige Verfasser der Verse noch unerforscht.--

Aus Ovids "Amores" 3, 4, 17 stammt:

      *Nitimur in vetitum semper, cupimusque negata,*

      Zu dem Verbotenen neigen wir stets und begehren Versagtes;

oder wie es in einem Altdorfer Stammbuch v. J. 1722 übersetzt wird:

      "Unser Tichten, Trachten, Ringen
      Geht nur nach verbotnen Dingen."

(vrgl. "Deutsche Stammbücher" von den Gebrüdern Keil, 1893 No. 912).--

"Amor" 3, 8, 55 (und "Fasti" 1, 217) bieten:

      *Dat census honores,*

      Die Einkünfte geben die Ehren;

"Amor." 3, 11, 7 vrgl. "Ars amandi" 2, 178:

      *Perfer et obdura* (_dolor hic tibi proderit olim_)

      Trage und dulde: dir wird ~der~ Schmerz dermaleinst noch nützen.

  ("Tristia" 5, 11, 7 lautet: "Perfer et obdura, multo graviora
  tulisti", eine Übertragung von ~Homers~ "Odyss." 20, 18 [s. Kap. X].
  Vor ~Ovid~ sang ~Catull~ 8, 11: "Obstinata mente perfer, obdura", und
  ~Horaz~ "Sat." 2, 5, 39: "Persta atque obdura").--

Brief 17, 166 steht:

      *An nescis longas regibus esse manus?*

      Weisst du denn nicht, wie weit reichet der Könige Hand?

  Schon bei ~Herodot~ (8, 140) heisst es von Xerxes: "καὶ γὰρ δύναμις
  ὑπὲρ ἀνθρώπον ἡ βασιλέος ἐστι καὶ χεὶρ ὑπερμήκης", denn
  der König hat auch die Gewalt über den Menschen und eine über die
  Maassen lange (d.h. weitreichende) Hand".--

Aus ~Ovids~ "Kunst zu lieben" ("Ars amandi") 1, 99 ist das Wort über
die Frauen bekannt:

      *Spectatum veniunt, veniunt spectentur ut ipsae,*

      Zum Seh'n kommen sie hin, hin kommen sie, dass man sie sehe.

Aus 2, 13 der "Kunst zu lieben" wird citiert:

      Nec minor est virtus, quam quaerere,
            *Parta tueri.*

      Weniger schwer, als Erwerben, ist's nicht:
            Erworb'nes bewahren;

wohl eine Reminiscenz aus ~Demosthenes~ ("Olynth.") 1, 23, der da
sprach: "πολλάκις δοκεῖ τὸ φυλάξαι τἀγαθὰ τοῦ κτήσασθαι χαλεπώτερον
εἶναι", "oft scheint es schwerer zu sein, Schätze zu bewahren,
als sie zu besitzen".-- Der 91. Vers der Ovidischen "Mittel
gegen die Liebe" ("Remedia amoris") heisst:

      *Principiis obsta* (_sero medicina paratur_).

      Sträube dich gleich im Beginn (zu spät wird bereitet der
          Heiltrank).

Auch wird "Principiis obsta" oft aus dem Zusammenhange gerissen und
"wehre dich gegen Principien!" darunter verstanden. ~Ovid~ mag dabei an
des ~Theognis~ Rath gedacht haben (v. 1133):

      "Κύρνε, παροῦσι φίλοισι κακοῦ καταπαύσομεν ἀρχήν,
      ζητῶμεν δ' ἕλκει φάρμακα φυομένῳ."

      "Heilen wir, wo Freunde weilen,
      Böses, Kyrnos, gleich zur Stunde!
      Lass' uns mit dem Balsam eilen,
      Wenn im Wachsen ist die Wunde!"--

Aus ~Ovids~ "Metamorphosen" 1, 7 ist die Bezeichnung des Chaos
verbreitet:

      *Rudis indigestaque moles*

      Eine rohe, verworrene Masse;

"Met." 2, 13 und 14, bringt die Schilderung der Nymphen:

      *Facies non Omnibus una,
      Nec diversa tamen* (_qualem decet esse sororum_):

      Nicht gleich sind alle von Antlitz,
      Und doch auch nicht verschieden (so wie sich's gehöret bei
          Schwestern);

"Met." 2, 137:

      *Medio tutissimus ibis*

      In der Mitte wirst du am sichersten gehen.

"Met." 3, 136 und 137:

      *Dicique beatus
      Ante obitam nemo supremaque funera debet,*

      Niemanden soll man
      Glücklich heissen, bevor er gestorben und eh' er begraben.

  (vrgl. Kap. XII: "nemo ante mortem beatus".)

"Met." 5, 416-7:

      *Si componere magnis parva mihi fas est,*

      Wenn es mir erlaubt ist, Kleines mit Grossem zu vergleichen,

  (s. Kap. X: Herodot 2, 10 und 4, 99.);

"Met." 6, 376 die das Quaken der Frösche malenden Worte:

      *Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere tentant,*

      Ob in der Tiefe sie quaken, sie quaken doch, nur um zu schimpfen;

"Met." 7, 20-1 die Worte der sich in aufkeimender Liebe zu Iason
überraschenden Medea:

            *Video meliora proboque;
      Deteriora sequor.*

            Wohl seh' ich das Bess're und lob' es:
      Aber ich folge dem Schlecht'ren.

  (vrgl. Euripides: "Medea", 1078-9 und "Hippol." 380.)--

Aus "Met." 9, 711 stammt:

      *Pia fraus,*

      *Frommer Betrug;*

und aus "Met." 15, 234:

      *Tempus edax rerum,*

      Die Zeit, welche die Dinge zernagt;

  (auch in den "Epistolis ex Ponto" 4, 10, 7 wendet Ovid "tempus edax"
  an. "Edax vetustas" [zernagendes Alter] steht "Metam." 15, 872; vrgl.
  oben: "Zahn der Zeit").--

Aus ~Ovids~ "Fasti" (Festkalender) 1, 218 wird citiert:

      *Pauper ubique iacet,*

      Ein Armer hat allerwärts einen niederen Stand,

und aus 6, 5:

      *Est deus in nobis, agitante calescimus illo,*

      In uns wohnet ein Gott, wir erglüh'n durch seine Belebung.--

Aus ~Ovids~ "Tristia" sind bekannt 1, 9, 5 u. 6:

      *Donec eris felix, multos numerabis amicos:
      Tempora si fuerint nubila, solus eris*

      Freunde, die zählst du in Menge, so lange das Glück dir noch
          hold ist,
      Doch sind die Zeiten umwölkt, bist du verlassen allein;

  (vrgl. ~Theognis~ 115, 643, 697, 857, 929 u. ~Plautus~ "Stichus" IV,
  1, 16.)--

"Trist." 3, 4, 25: "bene qui latuit, bene vixit" in der Form:

      *Bene vixit, qui bene latuit*

      Glücklich lebte, wer in glücklicher Verborgenheit lebte,

  (nach Epikurs: "λάθε βιώσας", "bleibe verborgen im Leben!"
  s. Plutarch p. 1128 ff. u. Useners "Epicurea" 1887, 8. 326 u. 327.)--

"Trist." 4, 3, 37:

      *Est quaedam flere voluptas!*

      Im Weinen liegt eine gewisse Wonne;

"Trist." 5, 10, 37:

      *Barbarus hic ego sum, quia non intelligor ulli,*

      Ein Barbar bin ich hier zu Land, da mich keiner versteh'n kann.--

In ~Ovids~ "Briefen aus dem Pontus" 1, 2, 143 stammt das Wort:

      *Besser sein als sein Ruf,*

denn er sagt dort von Claudia: "ipsa sua melior fama", sie sei selbst
besser als ihr Ruf. Dann erwidert Figaro auf Almavivas Vorwurf, er
stehe in abscheulichem Rufe (réputation), in "Figaros Hochzeit" (1784)
3, 3, von ~Beaumarchais~: "Et si je vaux mieux qu'elle?" "Und wenn ich
nun besser bin, als mein Ruf?" Und in ~Schillers~ "Maria Stuart" (1801)
3, 4 heisst es:

      *Ich bin besser, als mein Ruf.*

Auch ~Goethe~ verwendet das Wort gegen Ende des siebenten Buches von
"Dichtung und Wahrheit".

  Des Perikles Wort bei Thucydides 2, 41: "Die Stadt sei noch besser,
  als ihr Ruf (ἀκοῆς κρείσσων)" kann nicht als Quelle angesehen
  werden, weil der Sinn wesentlich abweicht.--

Ebenda bei ~Ovid~ 3, 4, 79 (s. oben: Properz 2, 10, 5-6) steht:

      *Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas,*

      Wenn's auch an Kräften gebricht, so ist doch der Wille zu loben.--

       *       *       *       *       *

Aus dem ersten (um 12 v. Chr. verf.) Buche der "Astronomica" des
*Manilius* wurde V. 104, der von der menschlichen Vernunft aussagt:

      Eripuitque Jovi fulmen viresque tonandi,

      Und selbst Zeus entriss sie den Blitz und die Donnergewalten,

vom Kardinal ~Polignac~ (1745. "Anti-Lucretius" 1, 96) in folgender
Umgestaltung gegen Epikur gerichtet, der den Griechen ihre Götter
raubte:

      Eripuit fulmenque Jovi Phoeboque sagittas.

      Zeus entriss er den Blitz und dem Phoebus entriss er die Pfeile.

Hiernach schmiedete man in Paris für des Freiheitsapostels und
Blitzableiter-Erfinders, Benjamin ~Franklins~, Porträtbüste von Houdhon
den Vers:

      Eripuit coelo fulmen, mox sceptra tyrannis,

      Erst entriss er dem Himmel den Blitz, dann den Herrschern die
          Scepter.

Nach Condorcet (Oeuvr. compl. Par. 1804. V. 230-1. "Vie de Turgot") war
der Minister ~Turgot~ († 1781) der Verfasser dieses Lobspruches, doch
mass sich Friedrich ~v. d. Trenck~ in seinem Verhör vor den Richtern
zu St. Lazare in Paris (9. Juli 1794) die Urheberschaft bei (s. G.
Hiltl: "Des Frh. v. Trenck letzte Stunden. Nach d. Akt. d. Droit publ.
u. Archiv. Mittheil." Gartenlaube 1863. No. I). Heute wird gewöhnlich
citiert:

      *Eripuit coelo fulmen, sceptrumque tyrannis.--*

       *       *       *       *       *

      *Klassischer Zeuge*

beruht auf folgendem Satz des *Verrius Flaccus* (um Chr. G.) im Auszuge
bei Paulus Diaconus (p. 56, 15; Müller): "classici testes dicebantur
qui signandis testamentis adhibebantur"--"klassische Zeugen pflegte
man die zur Testamentsunterzeichnung Verwendeten zu nennen". Wir aber
brauchen das Wort verallgemeinernd, wie "sicherer Bürge".

  "Classici" hiessen die zur ersten Vermögensklasse eingeschätzten
  Steuerzahler (vrgl. "infra classem" bei Paul. Diac. p. 113, 12 u.
  Gellius VI, 13, 1).--

       *       *       *       *       *

Im 6. Briefe des jüngeren *Seneca* (4-65 n. Chr.) heisst es:

      *Longum iter est per praecepta, breve et efficax per exempla.*

  Lang ist der Weg durch Lehren, kurz und erfolgreich durch Beispiele
  (s. Phaedrus 2, 2, 2: "exemplis discimus", "an Beispielen lernen
  wir").--


Auf der Stelle des 7. Briefes:

      Homines dum docent discunt

beruht:

      *Docendo discitur,* _oder:_ *Docendo discimus*

      Durch Lehren lernen wir.--

Im 23. Briefe heisst es:

      (_Mihi crede,_) *res severa est verum gaudium,*

      (Glaube mir,) eine ernste Sache ist eine wahre Freude.

  Diese Worte standen als Weihespruch am alten Gewandhause in Leipzig
  und stehen nun wieder dort am neuen Konzerthause. Der Musikdirigent
  ~Langer~ übersetzte sie: "eine schwere Sache ist ein wahrer Spass".--

Aus dem 96. Briefe wird citiert:

      *Vivere* (_mi Lucili_) *militare est,*

      Leben, mein Lucilius, heisst kämpfen,

      (s. Kap. V: "ma vie est un combat").--

Der 106. Brief schliesst mit dem vorwurfsvollen: "Non vitae, sed
scholae discimus" (leider lernen wir nicht für das Leben, sondern für
die Schule). Wir stellen es um und citieren belehrend:

      *Non scholae, sed vitae discimus,*

      Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.--

Im 107. Briefe wird mit Anlehnung an Verse des Stoikers ~Kleanthes~
(4. Jahrh. v. Chr.), die ~Epiktet~ (c. 52. Ausg. v. Chr. Gottl. Heyne.
Lpzg. 1783) überliefert, das Wort geschaffen:

      *Ducunt volentem fata, nolentem trahunt,*

      Den Willigen führt das Geschick, den Störrischen schleift
          es mit.--

      *Licentia poetica,*

      *Poetische Licenz,*

ist entlehnt aus ~Senecas~ "Natural. quaest." II, 44, wo es heisst:
"poeticam ista licentiam docent". (vrgl. ~Cicero~ "de orat." 3, 38,
wo "poetarum licentiae" und ~Phaedrus~ 4, 25, wo "poetae more ... et
licentia" steht. ~Lucians~ "Gespräch mit Hesiod" nennt diese Licenz:
τὴν ἐν τῷ ποιεῖν ἐξουσίαν).-- Vielleicht ist auch

      *per aspera ad astra*

      über rauhe Pfade zu den Sternen

aus ~Seneca~ geschöpft, in dessen "rasendem Herkules" Vers 437 lautet:

      Non est ad astra mollis e terris via.

      Der Weg von der Erde zu den Sternen ist nicht eben.--

       *       *       *       *       *

      *Das Wasser trüben*

beruht auf *Phaedrus* (bl. etwa 30 nach Chr.), B. 1, Fab. 1, wo der am
oberen Laufe des Baches stehende Wolf komischerweise dem weiter unten
stehenden Lamme frech zuruft:

      Cur (inquit), turbulentam fecisti mihi
      Aquam bibenti?

      Warum hast du mir, der ich trinke, das Wasser trübe gemacht?

  Von "Schafen", die "schöne Borne" durch "darein treten" "trübe
  gemacht" haben, ist übrigens auch die Rede ~Hesekiel~ 34, 18-19
  (vrgl. 32, 2 und 13).--

Die Verse des ~Phaedrus~ (I, 10):

      Quicumque turpi fraude semel innotuit,

      Etiamsi verum dicit, amittit fidem ...

gab ~von Nicolay~ (1737-1820) in seinem Gedichte "Der Lügner" also
wieder:

      Man glaubet ihm selbst dann noch nicht,
      Wenn er einmal die Wahrheit spricht.

Danach hat sich die landläufig gewordene genauere Übertragung gebildet:

      *Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht;
      Selbst dann, wenn er die Wahrheit spricht.*

  Dieser Gedanke wird schon dem ~Demetrius Phalereus~ (4. Jahrh. v.
  Chr.) zugeschrieben von Stobaeus ("Florileg." 12, 18).--

Behandelt ein äusserst Minderwertiger eine gefallene Grösse schlecht,
so reden wir vom

      *Eselstritt;*

denn, als der Esel sah, wie ~Phaedrus~ (1, 21) erzählt, dass Eber und
Stier den sterbenden Löwen ungestraft misshandelten, da schlug er ihm
mit den Hufen ein Loch in die Stirn.--

In der Fabel des ~Phaedrus~ (1, 24) "Der geplatzte Frosch und der
Ochse" (Rana rupta et bos) heisst es vom Frosch, dass er, "vom Neid
über solche Grösse erregt (tacta invidia tantae magnitudinis), sich so
lange aufgebläht habe (inflavit pellem), um ihr gleichzukommen, bis er
"mit geplatztem Leibe dalag" (rapto iacuit corpore). Daher sagen wir
von einem Dünkelhaften, er sei wie ein

      *aufgeblasener Frosch,*

oder kurzweg, er sei

      *aufgeblasen,*

oder:

      *ein aufgeblasener Mensch;*

und daher stammt auch ~Martials~ in sechs Distichen (9, 98) zwölfmal
vorkommendes, gegen einen Neider seines Ruhmes gerichtetes "Rumpitur
invidia" und unser:

      *Vor Neid bersten* _oder_ *platzen.*

Die Fabel war nicht des ~Phaedrus~ Erfindung. Schon ~Horaz~ kannte sie
(vrgl. "Sat." 2, 3, 314) und ~Vergil~ ("Ecl." 7, 26) lässt Thyrsis
singen:

      "Pastores, hedera nascentem ornate poetam,
      Arcades, invidia rumpantur ut ilia Codro."

      "Schmücket, arkadische Hirten, den werdenden Dichter mit Epheu,
      Dass dem Kodrus vor Neid die Eingeweide zerbersten".--

       *       *       *       *       *

*Valerius Maximus* (bl. um 30 n. Chr.) spricht im "Prologus" von sich
als

      *mea parvitas,*

und ~Aulus Gellius~ (bl. um 150 n. Chr.) XII, 1, 24 sagt danach von
sich:

      *mea tenuitas,*

      *Meine Wenigkeit,*

was zuerst ~Opitz~ ("Prosodia Germanica oder Buch von der Teutschen
Poeterey", Kap. 5, Brieg 1624) gebraucht.--

       *       *       *       *       *

In des älteren *Plinius* (23-79 n. Chr.) "Natur. hist." 23, 8 heisst es
in einem Gegengiftrecept: "addito salis grano" (unter Hinzufügung eines
Salzkörnchens), was citiert wird umgestaltet in:

      *cum grano salis*

      (mit einem Salzkörnchen, d.h. mit einem Bischen Witz).

Ebenda (29, 19) meldet ~Plinius~ vom Basilisken, dass er den Menschen
tödten solle, wenn er ihn nur ansehe ("hominem si aspiciat tantum
dicitur interimere"). Daher unser:

      *Basiliskenblick.*

  (vrgl. unter Jesaias "Basiliskenei").--

Ein Wort, das ~Plinius~ häufig im Munde führte:

      *Nullus est liber tam malus, ut non aliqua parte prosit,*

      Kein Buch ist so schlecht, dass es nicht in irgend einer
          Beziehung nütze,

wird vom ~jüngeren Plinius~ in B. 3, Ep. 5 mitgeteilt.

  (vrgl. ~Varros~ (fr. 241, Bücheler): "neque in bona segete nullum
  est spicum nequam, neque in mala non aliquod bonum"--"weder giebt's
  gute Saat ohne eine schlechte Ähre, noch schlechte ohne irgend eine
  gute").--

       *       *       *       *       *

*Persius* (34-62 n. Chr.) bietet in "Satire" 1, 1:

      *O quantum est in rebus inane;*

      O wie viel Leeres ist in der Welt;

in 1, 28:

      *At pulchrum est digito monstrari et dicier: hic est!*

      Schön ist's doch, wenn man auf dich zeigt und der Ruf tönt: Der
          ist's!

  (vrgl. ~Horaz~, Od. 4, 3, 22: "monstror digito praetereuntium");

und in "Satire" 1, 46, wie ~Juvenal~ 6, 164:

      *Rara avis*

      (Ein seltener Vogel)

in dem uns geläufig gewordenen Sinn für "ein seltenes Wesen" überhaupt;
während Horaz ("Sat." II, 2, 26) die Worte zwar auch schon anwendet,
aber in nicht übertragener Bedeutung.--

       *       *       *       *       *

*Quintilian* (um 35-95) fragt ("de institutione oratoria" 1, 6):
"Dürfen wir einräumen, dass einige Worte von ihren Gegenständen
abstammen, wie z.B. lucus, Wald, weil er, durch Schatten verdunkelt,
nicht sehr licht ist (luceat)?" Daher rührt:

      *Lucus a non lucendo.*

      Wald wird "lucus" genannt, weil es darin dunkel ist

      (non lucet),

was nach dem Scholiasten Lactantius Placidus (zu Statius "Achilleis" 3,
197) auf einen unbekannten Grammatiker ~Lykomedes~ zurückgeht. Aus 10,
7 ist:

      *Pectus est* (_enim_) *quod disertos facit* (_et vis mentis_).

      Sinn und Verstand ist's, was den Redner macht.

So übersetzte M. ~Haupt~, sehr gegen die Übersetzung eifernd: Das Herz
macht beredt.--

In ~Quintilians~ "Declamationes" (350, Burmanns und Dussault) heisst
es: "caedes videtur significare sanguinem et ferrum"--"Mord" (d.h. in
juridischem Sinne) "scheint

      *Blut und Eisen*

zu bedeuten" (d.h. eine Tödtung durch eine Eisenwaffe, die Blut
fliessen lässt). ~Arndt~ mochte dies dunkel vorschweben als er sang
(1800, in dem Gedichte "Lehre an den Menschen" Str. 5; s. "Gedichte"
Grfsw. 1811. S. 39-41 und das Inhaltsverzeichnis):

      "Zwar der Tapfre nennt sich Herr der Länder
      Durch sein Eisen, durch sein Blut".

Nach ihm ruft Max ~von Schenkendorf~ aus ("Das eiserne Kreuz"):

      "Denn nur Eisen kann uns retten,
      Und erlösen kann nur Blut
      Von der Sünde schweren Ketten,
      Von der Bösen Übermut".

Und in einem Aufsatz ~Schneckenburgers~ "Über Deutschland und
die europäische Kriegsfrage" (geschr. Ende Okt. 1840, auszüglich
abgedruckt im "Schwäb. Merkur" v. 30. Aug. 1870) lesen wir: "Der bei
den Franzosen obwaltende Mangel an gediegener Volksbildung und echter
Religiosität, das reizbare, oberflächliche, aller Gründlichkeit bare,
leidenschaftsloser Belehrung unzugängliche, schnell absprechende
Wesen ihres Nationalcharakters, die grobe Entsittlichung beinahe
aller Klassen begründen meine Zweifel und scheinen für die absolute
Notwendigkeit einer Eisen- und Blutkur zu sprechen". Otto ~von
Bismarck~ aber verlieh dem Wort erst Flügel, als er am 30. Sept.
1862 in der Abendsitzung der Budgetkommission des preussischen
Abgeordnetenhauses sprach: "Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse
werden die grossen Fragen der Zeit entschieden--das ist der Fehler von
1848 und 1849 gewesen--sondern

      *durch Eisen und Blut".--*

*Lucanus* (39-65 n. Chr.), "Pharsalia" 1, 128 bietet:

      *Victrix causa diis placuit, sed victa Catoni,*

      Die siegreiche Sache gefiel den Göttern, aber die unterliegende
          dem Cato,

und 1, 135:

      *Stat magni nominis umbra,*

      Er steht da, der Schatten eines grossen Namens,

eigentlich vom Pompejus gesagt, verkürzt in:

      *Stat nominis umbra,*

      Eines Namens Schatten steht da,

das Motto der "Juniusbriefe" (ersch. im "Public. Advertiser" vom 21.
Jan. 1769-12. Mai 1772. London). In der "Pharsalia" 1, 256 steht:

      *Furor teutonicus,*

      Deutsches Ungestüm,

  (vrgl. "Furia Francese").--

       *       *       *       *       *

*Petronius Arbiter* (1. Jhrh. n. Chr.) bringt die Sentenz: "qualis
dominus, talis et servus", die wir also im Munde führen:

      *Wie der Herr, so der Knecht.--*

       *       *       *       *       *

*Martial* (um 40-102 n. Chr.) lässt 6, 19 den Advokaten Posthumus,
der in seiner Rede von Cannae, von Mithridates, von den Puniern, von
Marius, Sulla u.s.w. spricht, auffordern, zu den drei gestohlenen
Ziegen zurückzukommen, um die sich der Streit dreht. Diese
Martialstelle bildet die Grundlage der Redensart:

      *Um auf besagten Hammel zurückzukommen,*

die in der französischen Farce des 14. oder 15. Jahrhundert "l'Advocat
Patelin"[65] vorkommt.

[Fußnote 65: ~Littré~ "Histoire de la langue française", 5. éd., Paris
1869, Bd. 2, p. 30 u. 45 erklärt die Farce für anonym: der Verfasser
müsse in den letzten Jahren des 14. und den ersten des 15. Jahrhunderts
gelebt haben (pag. 50). Schon 1470 (p. 46) kommt "pateliner" vor.
Pierre ~Blanchet~, dem man "Patelin" zuschrieb, starb 1519 als
Sechzigjähriger, wäre also 1470 erst ein zehnjähriger Knabe gewesen.]

  "Patelin, ein verhungerter Advokat, braucht für seine Frau und
  sich Tuch. Er tritt in den Laden eines Tuchhändlers, den er durch
  Lobpreisungen seines verstorbenen Vaters und seiner verstorbenen
  Tante rührt. Als er diese zum Geprelltwerden geeignete Stimmung
  im Verkäufer erweckt hat, giebt er sich den Anschein, als sei er
  von der Güte eines Stückes Tuch, das er in dem Laden erblickt, wie
  geblendet. Er sei nicht gekommen, um Einkäufe zu machen, aber der
  Güte solcher Waren könne er nicht widerstehen, und wohl sehe er, dass
  die ersparten Goldstücke, die er zu Hause liegen habe, heran müssten.
  Der Händler, den die Aussicht auf ein vorteilhaftes Geschäft noch
  mehr für Herrn Patelin einnimmt, ist sofort bereit, ihm sechs Ellen
  Tuch mitzugeben, und Herr Patelin ladet ihn ein, sich gleich seine
  Bezahlung zu holen und bei ihm zu speisen. Der Tuchhändler kommt,
  vernimmt aber von der Frau des Advokaten zu seinem Erstaunen, dass
  der Mann schon seit elf Wochen gefährlich krank, gerade jetzt im
  Sterben liegt und also unmöglich heute Tuch gekauft haben kann. Da
  er nun gar den Kranken selbst in verschiedenen Sprachen phantasieren
  hört, so zieht er sich endlich, halb überzeugt, halb zweifelnd
  zurück. Bald darauf wird derselbe Tuchhändler von seinem Schäfer um
  Hammel betrogen und klagt. Der Schäfer wendet sich an den Advokaten
  Patelin, der ihm den Rat erteilt, auf alle Fragen des Richters nichts
  zu antworten als "Bäh". Im Termin erscheinen nun der Tuchhändler als
  Kläger und der Schäfer als Verklagter in Begleitung seines Anwalts.
  Der Kläger ist über das unerwartete Erscheinen Patelins so bestürzt,
  dass er seines Prozesses vergisst und den Anwalt beschuldigt, ihn um
  sechs Ellen Tuch betrogen zu haben. Der Richter ruft ihm daher zu:

      _Sus_, *revenons à ces moutons!*[66]

      Wohlan, lasst uns auf die besagten Hammel zurückkommen!

[Fußnote 66: So heisst es in der letzten Ausgabe des "l'Advocat
Patelin" vom ~Bibliophile Jacob (Paul Lacroix)~. In früheren heisst es:

      *à nos moutons!*

und so wird es gewöhnlich in Frankreich citiert.--]

Da der Kläger trotzdem fortfährt, in der Auseinandersetzung des
Thatbestandes das gestohlene Tuch und die gestohlenen Hammel zu
verwechseln, so wird er mit seiner Klage abgewiesen.

  {~Rabelais~ citiert das Wort bereits 1532, statt "revenir" stets
  "retourner" anwendend, in "Gargantua und Pantagruel", 1, 1; 1,
  11; 3, 34, ~Grimmelshausen~ "Der abenteuerliche Simplicissimus",
  Mompelgart 1669 (herausg. von ~Keller~, Stuttgart 1854, I. S. 34),
  sagt: "Aber indessen wieder zu meiner Heerd zu kommen". ~Kotzebue~
  lässt im Lustspiele "Die deutschen Kleinstädter" (Leipz. 1803) den
  Bürgermeister Staar zu Krähwinkel die Worte sagen: "Wiederum auf
  besagten Hammel zu kommen". Auch im Englischen findet sich jetzt das
  Wort. Es heisst in "German Home Life", Lond. 1876, p. 17: "But to
  return to our sheep"}.--

~Martial~ bietet ferner 8, 56:

      *Sint Maecenates, non deerunt, Flacce, Marones.*

      Wenn's Mäcene nur giebt, mein Flaccus, dann giebt's auch
          Vergile!--

Der Name des

      *Maecen*(_as_)

war durch die Gedichte des Vergil, Horaz und Properz zur typischen
Bezeichnung eines Gönners und Beschützers der Künste geworden und ist
es geblieben.--

Es heisst 12, 51:

      *semper homo bonus tiro est,*

      Ein guter Mensch bleibt immer ein Anfänger,

(d.h.: er wird oft getäuscht, weil er immer unbefangen bleibt wie ein
Kind). Es wird auch citiert:

      *Bonus vir semper tiro;*

denn so schrieb ~Goethe~ das Wort in seine "Maximen und Reflexionen"
(3. Abteilung).-- Aus "De spectaculis, 31;

      Cedere maiori virtutis fama secunda est;
      Illa gravis palma est quam minor hostis habet,

      Wer dem Gewalt'geren weicht, dess Mut gilt gleichsam als zweiter;
      Das ist der schmerzliche Ruhm für den geringeren Feind,

ist:

      *Cedo maiori*

      Vor dem Grösseren trete ich zurück

entlehnt (s. Kap. XII: "Der Starke weicht einen Schritt zurück").

      *Maiori cedo*

lautet es in den Sentenzen der unter dem Namen "Dionysius Cato" schon
im 4. Jahrh. bekannten Spruchsammlung.--

       *       *       *       *       *

Aus *Juvenal* (etwa 47-113 n. Chr.) wird citiert Satire 1, 30:

      *Difficile est satiram non scribere;*

      Es ist schwer, (da) ~keine~ Satire zu schreiben;

1, 74:

      *Probitas laudatur et alget;*

      Rechtschaffenheit wird gepriesen und friert dabei;

1, 79:

      (_Si natura negat_) *facit indignatio versum;*

      Wenn das Talent es versagt, so schmiedet Entrüstung die Verse;

1, 168:

      *Inde irae et lacrumae,*

      Daher Zorn und Thränen,

was mit Anlehnung an Terenz, "Andria", 1, 1:

      "*Hinc illae lacrumae!*"

umgemodelt wird zu:

      *Inde illae irae,* _oder_ *Hinc illae irae;*

      (Daher jener Zorn).

2, 24:

      *Quis tulerit Gracchos de seditione querentes?*

      Wer wohl die Gracchen erträgt, die um Aufruhr Klagen erheben?

  d.h. wer hört auf den, der das, wogegen er eifert, selbst thut? D. J.
  Strauss übersetzte:

      "Ist es auch billig, darf man fragen,

      Wenn Gracchen über Aufruhr klagen?"--

2, 63:

      *Dat veniam corvis, vexat censura columbas!*

      Alles verzeihen die Krittler den Raben und peinigen die Tauben;

  (d.h.: die Sittenrichter sind milde gegen die Männer und streng gegen
  die Frauen).

4, 91 steht:

      *Vitam impendere vero;*

      Sein Leben dem Wahren weihen,

  (J. J. ~Rousseaus~ Wahlspruch);

6, 223 höhnt ein herrisches Weib ihren Mann, der sich sträubt, einen
Sklaven ohne Schuldbeweis zu kreuzigen, dass er einen Sklaven für einen
Menschen halte, und schliesst kategorisch:

      *Hoc volo, sic iubeo; sit pro ratione voluntas;*

      Ich will's: also befehl' ich's: statt Grundes genüge der Wille

  (oft wird "Sic volo" etc. citiert; so von ~Luther~ 31, S. 150).--

6, 242 und 243:

      "Nulla fere causa est, in qua non femina litem
        Moverit"

      "Kaum giebt's einen Prozess, wo den Streit nicht hätte begonnen
        Irgend ein Weib"

scheint die Grundlage manches Wortes zu sein. So heisst es in
~Richardsons~ Romane "Sir Charles Grandison" (1753) 1, Brief 24: "Such
a plot must have a woman in it" (hinter solchem Anschlage muss eine
Frau stecken); und es wird häufig citiert:

      "*Cherchez la femme*" _oder_ "*Où est la femme?*"

~Juvenal~ 7, 154 lesen wir von den Lehrern, die den Schülern bis zur
Erschlaffung immer wieder dieselbe Geistesspeise auftischen müssen:

      _Occidit miseros_ *crambe repetita* _magistros_.

      _Immer wieder_ *aufgewärmter Kohl* _tötet die armen Schullehrer_.

Hiernach entstand der Ausdruck

      *Kohl*

für "langweiliges Geschwätz" (~Weigand~ nahm dies in der 1. Aufl.
d. "Wörterbuches" an, während er in der 2. Aufl. das Wort aus der
Gaunersprache herleitet. ~Grimms~ "Deutsch. Wörterb." hält aber die
Beziehung auf Iuvenal aufrecht).

  Das Wort des ~Juvenal~ enthält eine Anspielung anf das griechische
  Sprichwort "δὶς κράμβη θάνατος", "zweimal hintereinander
  Kohl ist der Tod" (vrgl. ~Basilius Magnus~, † 379, vol. 3, epist.
  186 u. 187, ed. Hemsterhuys, und ~Suidas~ unter "κράμβη").
  Jedoch in Deutschland drang diese Anschauung nicht durch. So singt
  z.B. Wilhelm Busch in "Max und Moritz" von dem Kohl der Witwe Bolte:

      "Wofür sie besonders schwärmt,

      Wenn er wieder aufgewärmt".--

~Juvenal~ 7, 202 liefert uns:

      "Corvus albus",

      *Ein weisser Rabe,*

als Bezeichnung für einen Ausnahmemenschen.-- 8, 83-84 heisst es:

      "Summum crede nefas, animam praeferre pudori
      Et propter vitam vivendi perdere causas".

      "Als grösste Sünde gelt' es dir,
      Der Ehre vorzuzieh'n das Leben
      Und um das liebe Leben hier
      Des Daseins Ziele aufzugeben!"

Hieraus wird citiert, es sei verwerflich:

      *propter vitam vivendi perdere causas,*

und daraus dann die Warnung gemacht:

      *Non propter vitam vivendi perdere causas!--*

10, 81 bietet als das Verlangen des römischen Volkes:

      *Panem et circenses;*

      Brot und Circusspiele;

10, 356:

      *Mens sana in corpore sano;*

      Gesunde Seele in gesundem Körper;

14, 47:

      *Maxima debetur puero reverentia.*

      Die höchste Scheu sind wir dem (zu erziehenden) Knaben schuldig.--

       *       *       *       *       *

*Tacitus* (52-117 n. Chr.) nimmt sich in den unter Trajan geschriebenen
"Annalen" I, 1 vor,

      *sine ira et studio*

      Keinem zu Lieb' und keinem zu Leid

(eigentlich: "ohne Zorn und ohne Vorliebe", d.h. "ohne Parteilichkeit",
"vorurteilsfrei") zu schreiben, wobei ihm der ~Sallust~ische Satz (51,
13) vorschweben mochte: "in maxuma fortuna minuma licentia est; neque
studere, neque odisse, sed minume irasci decet" ("In der höchsten
Glückslage liegt die geringste Freiheit; man soll da weder Vorliebe,
noch Hass zeigen, am allerwenigsten aber Zorn").-- "Annalen" 1, 7 steht:

      *ruere in servitium,*

      sie stürzen sich in die Knechtschaft.--

      *Durch seine Abwesenheit glänzen*

ist ein Taciteïscher Edelstein in Chénierscher Fassung. ~Tacitus~
erzählt ("Annalen", B. 3, letztes Kap.), dass, als unter der Regierung
des Tiberius Iunia, die Frau des Cassius und Schwester des Brutus,
starb, sie mit allen Ehren bestattet ward; nach römischer Sitte wurden
dem Leichenzuge die Bilder der Vorfahren vorangetragen;

      "aber Cassius und Brutus leuchteten gerade dadurch hervor,
      dass man ihre Bildnisse ~nicht~ sah";

      "~sed praefulgebant~ Cassius atque Brutus, eo ipso, ~quod~
      effigies eorum ~non visebantur~".

Daraus machte J. ~Chénier~ in der Tragödie "Tibère", 1, 1:

      Cnéius: Devant l'urne funèbre on portait ses aïeux:
              Entre tous les héros qui, présents à nos yeux,
              Provoquaient la douleur et la reconnaissance,
              Brutus et Cassius *brillaient par leur absence.*

  (Dem Aschenkruge voraus trug man die Bildnisse ihrer Vorfahren. Unter
  allen den Helden, die unsern Schmerz und unsere Dankbarkeit weckten,
  glänzten Brutus und Cassius durch ihre Abwesenheit.)--

       *       *       *       *       *

Der jüngere *Plinius* (62-113 n. Chr.) teilt uns in Ep. VII, 9 mit:
Aiunt multum legendum esse, non multa.

      *multum, non multa,*

      Vieles, nicht vielerlei,

hat hierin seinen Ursprung, ebenso wie

      *non multa, sed multum.*

Plinius meint wahrscheinlich die Stelle im ~Quintilian~ X, 1, 59:
"multa magis quam multorum lectione formanda mens" ("der Geist ist
mehr durch viele als durch vielerlei Lektüre zu bilden"), vrgl. auch
"schrecklich viel gelesen haben".--

Ep. VIII, 9 bietet "~illud iners quidem, iucundum tamen nil agere~"
("das zwar unerspriessliche, aber angenehme Nichtsthun"), was wir in
italienischer Form also citieren:

      *il dolce far niente.*

      Das süsse Nichtsthun.

Übrigens sagte bereits ~Cicero~ ("de oratore" II, 24): "Nihil agere ...
delectat", "Nichts thun ist angenehm": und wer weiss, wie Viele schon
vor ihm diese Bemerkung machten?--

       *       *       *       *       *

      *Tres faciunt collegium,*

      Drei machen ein Kollegium aus,

ist ein "Digesten" 87, "de verborum significatione" 50, 16 in der
Form: "*Neratius Priscus* tres facere existimat collegium--" (Neratius
Priscus meint, dass drei ein Kollegium ausmachen) vorkommender
Rechtsspruch, welcher die Bedeutung hat, dass wenigstens drei Personen
da sein müssen, um die Grundlage einer Art der juristischen Person,
einen Verein zu bilden. (Priscus lebte um 100 n. Chr.) Im gewöhnlichen
Leben besagt der Spruch, dass wenigstens drei Studenten im Auditorium
sein müssen, wenn der Professor lesen soll, oder dass ein Trinkgelage
zu Dreien bereits behaglich ist.--

      *Ultra posse nemo obligatur*

      Über sein Können hinaus ist Niemand verpflichtet

ist die Umformung des Rechtssatzes vom ~jüngeren~ *Celsus* (um 100 n.
Chr.): Impossibilium nulla obligatio est (s. "Digesten" Lib. 50, Tit,
17, L. 185).--

       *       *       *       *       *

      *Klassischer Schriftsteller*

stammt aus dem Satz des *A. Gellius* (XIX, 8, 15 Hertz; bl. um 125-175
n. Chr.): "classicus adsiduusque scriptor, non proletarius". Nach
sonstigem Sprachgebrauche würde dies geheissen haben: "ein zur ersten
Vermögensklasse gehörender und zur höchsten Steuer verpflichteter
Schriftsteller, kein Proletarier", hier aber steht es zum ersten Male
in der übertragenen Bedeutung: "ein vornehmer Autor ersten Ranges,
kein untergeordneter" d.h. "ein mustergültiger Schriftsteller" (vergl.
~Verrius Flaccus~: "Klassischer Zeuge").--

       *       *       *       *       *

Aus dem Satze des *Tertullian* (um 145-220 n. Chr.) "Über das Fleisch
Christi" 5: "Und gestorben ist Gottes Sohn; es ist ganz glaubwürdig,
weil es ungereimt ist. Und begraben, ist er auferstanden; es ist
gewiss, weil es unmöglich ist", hat sich entwickelt:

      *Credo, quia absurdum.*

      Ich glaube es, weil es widersinnig ist.

  Diese Worte stehen ~nicht~ bei Augustinus, wie oft behauptet wird.--

       *       *       *       *       *

*Ulpian* (um 170-228) schuf den Rechtssatz (Lib. 56 ad. Edict.--Digest.
XLVII, X, 1, § 5):

  "Ein unseren Kindern zugefügtes Unrecht berührt unsere eigene Ehre
  so sehr, dass einem Vater die Klage wegen erlittenen Unrechts auf
  seinen Namen zusteht, wenn ihm einer den Sohn, selbst mit dessen
  Einwilligung, verkaufte; dem Sohn aber steht sie nicht zu, weil das
  kein Unrecht ist, was einem geschieht, der es so haben will" ("quia
  nulla est iniuria quae in volentem fiat").

Aus den Schlussworten entwickelte sich das übliche

      *Volenti non fit iniuria*

      (Dem, der es so haben will, geschieht kein Unrecht).--

       *       *       *       *       *

In des *Terentianus Maurus* (nach ~Lachmann~ Ende des 3. Jahrh. n.
Chr.) "Carmen heroicum", einem Teile seines Gedichtes "De literis,
syllabis et metris", lautet Vers 258:

      (_Pro captu lectoris_) *habent sua fata libelli.*

      (Ganz wie der Leser sie fasst,) so haben die Büchlein ihr
          Schicksal.--

       *       *       *       *       *

      *Roma locuta* (_est_), *causa finita* (_est_)

      Rom hat gesprochen, die Sache ist zu Ende

ist zurückzuführen auf *Augustinus* (354-430 n. Chr.), Sermo 131, No.
10: "Iam enim de hac causa (Pelagiana) duo concilia missa sunt ad sedem
apostolicam. Inde etiam rescripta venerunt: ~causa finita est~; utinam
aliquando finiatur error". ("Denn es sind schon in Sachen des Pelagius
zwei Concilien zum päpstlichen Stuhle entsandt worden. Auch kamen von
da die Rescripte: die Sache ist zu Ende. Wenn doch einmal der Irrtum
ein Ende nähme!") Nämlich die Synoden zu Karthago und Mileve (416)
untersuchten den Gnadenbegriff des Pelagius. Infolgedessen wurden
Pelagius und Caelestius bis zum Widerruf exkomniuniciert. Innocenz I.
bestätigte den Synodalbeschluss, welchen Augustinus mit den angeführten
Worten seiner Gemeinde mitteilte. Wer aber hat zuerst die dem "Causa
finita est" voranstehenden Worte in: "Roma locuta est" zusammengezogen?
(Die Rescripte des Papstes vom Jahre 417 stehen bei Augustinus Epist.
181 und 182).--

       *       *       *       *       *

      *Si vis pacem, para bellum,*

      Wenn du Frieden haben willst, sei kriegsbereit,

ist wohl den Worten des *Vegetius* (Ende 4. Jahrh. n. Chr.) entlehnt:
"Qui desiderat pacem, praeparet bellum" ("Epitome institutorum rei
militar." 3. prolog.)--

       *       *       *       *       *

      *O si tacuisses, philosophus mansisses*

      Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben

erklärt sich aus des *Boëtius* (um 473-525 n. Chr.) "Tröstung der
Philosophie" 2, 17:

  "Als jemand einen Mann, der den falschen Namen eines Philosophen
  nicht zum Vorteil wahrer Tugend, sondern aus hochmütiger Eitelkeit
  führte, mit Schmähung angegriffen und hinzugefügt hatte, dass er bald
  erfahren würde, wenn jener nämlich die zugefügten Beleidigungen sanft
  und geduldig trüge, ob derselbe ein Philosoph sei, so trug letzterer
  einige Zeit lang Geduld zur Schau, und gleichsam höhnend über die
  erlittene Schmähung fragte er: "Merkst Du nun endlich, dass ich ein
  Philosoph bin?" Darauf sagte der erste recht beissend: "Intellexeram,
  si tacuisses" ("Ich hätt's gemerkt, wenn Du geschwiegen hättest").
  Mit anderen Worten: "Du wärst ein Philosoph geblieben, wenn Du
  geschwiegen hättest". Ist die Bibel die erste Quelle dieses Wortes?
  In Hiob 13, 5 heisst es: "Wollte Gott, ihr schwieget: so würdet ihr
  weise"; in Sprüche Salomonis 17, 28: "Ein Narr, wenn er schwiege,
  würde auch weise gerechnet und verständig, wenn er das Maul hielte".
  Vielleicht spielt der heilige ~Bernhard~ († 1153) darauf an, wenn
  er in der "Praefatio in librum de diligendo Deo" sagt: "Accipite
  de mea paupertate quod habeo, ne tacendo philosophus puter" (Nehmt
  von meiner Armut an, was ich habe, damit ich nicht wegen meines
  Schweigens für einen Philosophen gelte).--

       *       *       *       *       *

      *In flagranti* (_crimine comprehensi_)

      *Auf frischer That ertappt*

stammt aus dem von *Tribonian* († 545) und neun anderen Juristen
529 n. Chr. edierten "Codex Justinianeus", einem Teile des "Corpus
iuris" (1. 13. C. 9, 1). Dort steht: "in ipsa rapina et adhuc flagrante
crimine comprehensi."--

Ebendaher stammt (1. 27. C. 3, 28) das "levis notae macula adspergi",
"mit einem kleinen Schandflecken bespritzt werden", daher wir kurz sagen

      *levis nota*

      ein leichter Verweis.

  (vrgl. "Handlexikon zu den Quellen des römischen Rechts" von H. G.
  Heumann. 6. Aufl. 1884.)--

       *       *       *       *       *

      *Ut, re, mi, fa, sol, la, si,*

die italienische Benennung der Töne durch ~Guido~ von ~Arezzo~ (11.
Jahrh.), bildete man aus den Anfangssilben der ersten Strophe der
sapphischen Ode von *Paulus Diaconus* († 797) an den heiligen
Johannes:

      *Ut* _queant laxis_ *re*_sonare fibris_
      *Mi*_ra gestorum_ *fa*_muli tuorum_
      *Sol*_ve polluti_ *la*_bii reatum_
      *S*_ancte_ *J*_ohannes!_

      Dass mit leichtem Herzen die Jüngerscharen
      Deine Wunderthaten besingen können,
      Nimm hinweg die Schuld von den Sünderlippen,
      Heil'ger Johannes!

  (Des Wohlklangs wegen setzten dann die Italiener für "ut" "do",
  während die Franzosen bei "ut" blieben).--

       *       *       *       *       *

      *Secunda Petri*

oder:

      *Altera pars Petri*

wird für "Urteilsvermögen" gebraucht nach dem 2. Buche "de iudicio"
("Über das Urteil") der "Sententiarum" des *Petrus Lombardus* (†
1164).--

       *       *       *       *       *

Das kanonische Recht enthält im 6. Buch der "Decretalen" (B. 5, Tit.
12, Reg. 43) den Grundsatz von *Bonifacius VIII.* († 1303):

      *Qui tacet, consentire videtur.*

      Wer schweigt, von dem wird angenommen, dass er zustimmt.

Es erinnert an des ~Sophokles~ Worte ("Trach." 814): "οὐ κάτοισθ' ὅθ'
οὕνεκα ξυνηγορεῖς σιγῶσα τῷ κατηγόρῳ;" "begreifst du nicht, dass
du durch dein Schweigen dem Ankläger beipflichtest?" (vrgl. auch
~Euripides~ "Orest." 1592 "Iphig. Aul." 1142 und ~Terenz~ "Eunuch"
3, 2). ~Bonifacius~ verbessert übrigens den zu weit greifenden Satz
durch den folgenden aus des ~Paulus~ lib. 56 ad Edictum (v. l. 142. D.
50, 17; l. 11 § 4. 7 D. 11, 1; l. 13 § 11 D. 19, 2) geschöpften: "Is
qui tacet non fatetur, sed nec utique negare videtur" ("Wer schweigt,
pflichtet nicht etwa bei, sondern scheint nur nicht schlechtweg Nein zu
sagen"), vrgl. Windscheid "Pandekten" 1, § 72 u. 10.--

       *       *       *       *       *

Aus der 1277 verfassten "Alexandrëis"[67] des ~Philippe~ *Gualtier* de
Châtillon (5, 301) stammt:

      *Incidis in Scyllam, cupiens vitare Charybdin,*

      Während du wünschst, die Charybdis zu meiden, verfällst du der
          Scylla.

[Fußnote 67: Der Titel der ersten Ausgabe lautet: "Alexandri Magni
Regis Macedonum vita per Gualtherum Episcopum Insulanum heroico carmine
elegantissime scripta. 1513"; und im 5. Buch lesen wir dort:

      "Incidis in scillam cupiens vitare caribdim".]

Dieser Vers ist einem griechischen Sprichworte bei ~Apostolius~ 16, 49
(Paroemiogr. Graeci ed. Leutsch II, 672) nachgebildet, das sich aus
Homers "Odyssee" (XII, 85-110) entwickelte, wo die Gefahren der beiden
Meeresstrudel Scylla und Charybdis zuerst geschildert werden. Auch
setzt man für "Incidis" "Incidit" und dann für "cupiens" "qui vult".
Homerischer als Gualtier sagen wir:

      *Aus der Scylla in die Charybdis gerathen;*

denn Homer schildert die Scylla zuerst.--

       *       *       *       *       *

Im Gedichte W. *Langland*s (Mitte des 14. Jahrh.) "Piers Ploughman's
Vision" V. 12, 908 heisst es:

      Clarior est solito post maxima nebula (sic!) Phoebus.

      Glänzender scheinet, als sonst, nach mächtigen Wolken die Sonne.

Das Citat ist in dieser unrichtigen Form durch Jahrhunderte bis in
~Binders~ "Novus Thesaurus Adagiorum Latinorum" (2. Ausg., Stuttgart
1866) gewandert; berichtigt, enthält es das bekannte, schon in ~Sebast.
Francks~ "Sprichwörter" (1541, II, 104'a) aufgenommene:

      *Post nubila Phoebus.*

      (Nach Wolken die Sonne).

Vielleicht beruht das Wort auf Tobias 3, 23: "... nach dem Ungewitter
lässest du die Sonne wieder scheinen".--

       *       *       *       *       *

      *In dulci iubilo ...*

      In süssem Jubel ...

beginnt ein Weihnachtslied, das aus einer des Mystikers ~Suso~ Leben
enthaltenden Handschrift des 14. Jahrh. stammt und somit nicht, wie
oft behauptet wurde, von dem 1440 gest. ~Petrus Dresdensis~ herrührt
(s. Hoffmann v. Fallersleben: "In dulci jubilo" S. 8. Hannover 1854).
Das Wort findet sich später in Studentenliedern und hat dort den Sinn
von in "Saus und Braus".--

       *       *       *       *       *

      *De omni re scibili et quibusdam aliis*

      Über alles Wissbare und einiges Andere

wird auf ~Giovanni~ *Pico*, Graf. *v. Mirandola* († 1494)
zurückgeführt, der in Rom (1486) 900 Thesen bekannt machte, die er
sich öffentlich zu verteidigen erbot. In der elften rühmt er sich,
vermittelst der Zahlen zur Entdeckung und zum Verständnis von Allem zu
gelangen, was man erfahren könne (ad omnis scibilis investigationem et
intellectionem). Citiert wird auch:

      *De omnibus rebus et quibusdam aliis.--

       *       *       *       *       *

      Fortiter in re, suaviter in modo*

      Stark in der That, milde in der Art

ist zurückzuführen auf den vierten Jesuitengeneral *Aquaviva*
(1543-1615), der in "Industriae ad curandos animae morbos" (Venedig
1606) sagt: "Dass die Art der Regierung stark und mild sein muss, lehrt
nicht allein die sich gleich bleibende Autorität der heiligen Väter,
sondern das lehren auch in reichem Masse unsere Satzungen", und nach
weitläufiger Erörterung dieses Grundsatzes schliesst: "~Fortes in fine
assequendo et suaves in modo~ assequendi simus" (Lasst uns stark sein
in der Erreichung des Ziels und milde in der Art es zu erreichen). Wohl
möglich, dass hierzu des Sophisten ~Himerius~ (4. Jahrh. n. Chr. "Or."
7, 15, Firmin Didot) "πρᾷος τοὺς λόγους, ὀξὺς τὰ πράγματα",
"mild im Reden, schneidig im Handeln" die Anregung gab; während der
Wortlaut aus der "Weisheit Salomonis" zu stammen scheint, wo von
der Weisheit geschrieben steht (8, 1): "Sie reichet von einem Ende
zum andern gewaltiglich und regieret alles wohl"; nach der Vulgata:
"attingit ergo a fine usque ad finem fortiter et disponit omnia
suaviter".--

       *       *       *       *       *

Nach ~Berners~ Vermutung ("Lehrb. d. deutsch. Strafrechts" 1879.
S. 120. Anm.) ist der römische Rechtsgelehrte Prosper *Farinacius*
(1544-1618) der Urheber des Ausdrucks

      *Corpus delicti,*

welchen ~Klein~ ("Grunds, d. gem. deutsch, peinl. Rechts" 1799. § 68)
zuerst mit

      *Thatbestand*

übersetzt habe. Bei ~Farinacius~ (1581. Quaest. I, n. 6) steht:
"Primum Inquisitionis requisitum est probatio corporis delicti", "Das
erste Erfordernis richterlicher Untersuchung ist die Prüfung des
Thatbestandes", und weiterhin (Quaest. 2, n. 1-30) handelt er eingehend
vom "Corpus delicti".--

       *       *       *       *       *

Von dem Wittenberger Professor Friedrich *Taubmann* (1565-1613) ist:

      *Quando conveniunt Ancilla, Sibylla, Camilla,
      Garrire incipiunt et ab hoc et ab hac et ab illa!*

      Ancilla, Sibylla, Camilla, wenn Die sich wiedersehn,
      Gleich geht's mit Schnattern los über Die und dann Die und dann
          Den!

  was sich in der Form:

      Quando conveniunt Margretha, Catharina, Sybilla (sic!) etc.

  wohl zuerst im "Kurtzweiligen Zeitvertreiber" von 1666, S. 56 findet.
  In der Form:

      Quando conveniunt Catharina, Sibylla, Camilla,
      Sermones faciunt vel ab hoc vel ab hac vel ab illa

  steht es als Kanon in ~Göpels~ Kommersbuch, 2. Ausg., S. 357, No.
  249. In Grotefends grösserer latein. Grammatik (II, 87. 4. Aufl.
  1824) heisst es "Catharina, Rosina, Sibylla" u. sonst wie oben.--

       *       *       *       *       *

      *Et in Arcadia ego*
      (Auch ich war in Arkadien)

setzte der Maler Bartolommeo *Schidone* (1559-1615) auf sein im Palast
Sciarra-Colonna in Rom befindliches Gemälde unter einen am Boden
liegenden Totenkopf, den zwei junge Hirten ergriffen betrachten.
Bekannter wurde jedoch das Wort durch Nic. ~Poussin~ († 1663), der
es auf dem Grabhügel eines Landschaftsgemäldes anbrachte, welches im
Louvre hängt und in einer etwas veränderten, kleineren Wiederholung im
Besitze des Herzogs von Devonshire ist. Auch ist es als Basrelief auf
Poussins Grabmonument zu sehen, das Chateaubriand in San Lorenzo in
Lucina zu Rom setzen liess. In den Jahren 1765-80 wurde dann das Bild
oft durch den Stich verbreitet und von Oeser, Bach u.A. nachgeahmt. Die
älteste deutsche Übersetzung des Wortes ist wohl die in J. G. ~Jacobis~
"Winterreise" (ersch. 1769, vrgl. seine "Sämtl. Werke", Halle 1770,
II, S. 87): "Wenn ich auf schönen Fluren einen Leichenstein antreffe,
mit der Überschrift: "~Auch ich war in Arkadien~"; so zeig' ich den
Leichenstein meinen Freunden, wir bleiben stehen, drücken uns die Hand
und gehen weiter".

  So redet Joh. Benj. ~Michaelis~ in einem 1771 bei Gross in
  Halberstadt gedruckten Brief an "An Herrn Canonicus Gleim" (31. 7.
  1771) von einem "unvermuteten Grabmal mit der Aufschrift: ~Auch ich
  war in Arkadien~". In ~Wielands~ "Pervonte" (1778) heisst es:

      "Und auch nicht eine dieser Schönen
      Schien nach der Grabschrift sich zu sehnen:
      Auch ich lebt' in Arkadia!"

  und am Schlusse:

      "Und ruft mit Wehmut aus: "Du arme Vastola,
      Auch du warst in Arkadia!"

  (~Delille~ übersetzte es in seinem 1782 erschienenen Lehrgedicht
  "Les Jardins", Str. 3, V. 139 mit: "Et moi aussi je fus pasteur dans
  l'Arcadie".) Das letzte Stück von ~Weissens~ Kinderfreund (24. T.
  1782) schliesst mit dem Schäferspiel: "Das Denkmal in Arkadien"; und
  ~Herder~ schreibt 1785 ("Ideen" VII, 1, Werke, I. X. S. 41): "Auch
  ich war in Arkadien ist die Grabschrift aller Lebendigen in der sich
  immer verwandelnden, wiedergebärenden Schöpfung". ~Schiller~ beginnt
  seine "Resignation" (1786): "Auch ich war in Arkadien geboren" (s.
  Kap. III), und ~Herder~ wiederum schliesst 1787 sein Gedicht "Die
  Erinnerung" (nach dem Spanischen) mit dem entsetzlichen Reim:

      "Lies die Inschrift glänzend schön:
      Auch hier ist Arkadien!"

  und 1789 sein "Angedenken an Neapel" fast noch ärger:

      Doch ein Hauch wird lispelnd zu euch wehen;
      Ich, auch ich war in Arkadien!

  Garlieb ~Merkels~ "Erzählungen" (1800) haben das Motto: "Auch ich
  war in Arkadien", und Herzog ~Emil August von Sachsen-Gotha~ schrieb
  einen Roman: "Kyllenion, oder: Ein Jahr in Arkadien", Gotha 1815.
  Endlich wählte ~Goethe~ "Auch ich in Arkadien" zum Motto beider, 1816
  und 1817 erschienenen Bände seiner "italienischen Reise", während
  E. T. A. ~Hoffmann~ in dem Motto zum 2. Abschnitt des 1. Bandes
  der "Lebensansichten des Kater Murr" (Berl. 1821-2) wieder zu dem
  üblichen "anch ich war in Arkadien" zurückkehrte.--

       *       *       *       *       *

      *Vademecum*

("Gehe mit mir") in der Bedeutung "Taschenbuch, Begleitbuch fürs
Leben", ist der Titel des Buches von ~Johann Peter~ *Lotichius*:
"Vade mecum sive epigrammatum novorum centuriae duae", Frankfurt
a. M. 1625 (Vademecum oder zwei Hunderte neue Epigramme). Als der
Horazübersetzer Pastor ~Lange~ über das kleine Format von ~Lessings~
"Schriften" spöttelte: er wolle wohl seine gesammelten Werke zu einem
"Vademecum" machen, veröffentlichte dieser: "Ein Vademecum für den
Herrn Sam. Gotth. Lange, Pastor in Laublingen, in diesem Taschenformate
ausgefertiget von Gottfr. Ephr. Lessing" (Berl. 1754). Hiernach bekam
"Vademecum" den spöttischen Sinn: "Denkzettel fürs Leben". Ohne Bezug
auf Litterarisches findet sich das Wort vor ~Lotichius~ in Frankreich,
da schon 1532 in des ~Rabelais~ "Gargantua und Pantagruel" (II, 28)
Panurge ein Ledertäschchen sein "Vademecum" nennt.--

       *       *       *       *       *

      *Pia desideria*

      *Fromme Wünsche*

ist der Titel einer Schrift des belgischen Jesuiten ~Hermann~ *Hugo*
(Antwerpen 1627). Joh. Georg ~Alpinus~ übertrug sie unter dem Titel
"Himmelflammende Seelenlust. Oder Hermann Hugons Pia Desideria, d.i.
Gottselige Begierden u.s.w." (Frankfurt 1675). Der lateinische Titel
wurde 1675 von Philipp Jakob ~Spener~ für jene in der Geschichte der
Religion bedeutende Schrift gewählt, wodurch er, der Verinnerlichung
des Glaubens das Wort redend, der starren Orthodoxie gegenübertrat. Von
da rührt der Widerhall her, den das Wort bekam.--

       *       *       *       *       *

      *In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus autem
          caritas,*
      In notwendigen Dingen Einheit, in zweifelhaften Freiheit, in
          allen aber liebendes Dulden,

kommt in der Form vor: "si nos servaremus in necessariis unitatem,
in non necessariis libertatem, in utrisque charitatem, optimo certe
loco essent res nostrae" in "Paraenesis votiva pro Pace Ecclesiae.
Ad Theologos Augustanae Confessionis. Auctore Ruperto Meldenio
Theologo". Diese Schrift ist in zwei Exemplaren in Kassel und Hamburg
wiederaufgefunden worden und scheint (vrgl. Fr. Lücke: "Über das Alter
u.s.w. des kirchlichen Friedensspruches, In necessariis etc. Gott.
1850. S. 46.) dem Inhalte nach zwischen 1622 und 1625 erschienen zu
sein, der Titelvignette nach ist sie in Frankfurt a. M. gedruckt. Über
~Rupertus~ *Meldenius* ist sonst nichts bekannt. Schon 1628 wird der
Spruch, der vor Meldenius nicht nachzuweisen ist, in einer in Frankfurt
a. O. gedruckten Schrift eines Gregor ~Frank~ in der Form angeführt:
"servemus in necessariis unitatem, in non necessariis libertatem, in
utrisque charitatem".--

       *       *       *       *       *

Thomas *Hobbes* (1588-1679) sagt ("De Cive" Par. 1646; 1, 8): "Quoniam
autem jus ad finem frustra habet, cui jus ad media necessaria
denegatur, consequens est, cum unusquisque se conservandi jus habeat,
ut unusquisque jus etiam habeat ~utendi omnibus mediis, et agendi omnem
actionem, sine qua conservare se non potest~"--"Weil dem, welchem
man das Recht versagt, die nötigen Mittel anzuwenden, das Recht, zum
Zweck zu streben, nichts hilft, so folgt daraus, dass, da Jeder das
Selbsterhaltungsrecht hat, auch jeder berechtigt ist, ~alle Mittel
anzuwenden und jede That, ohne die er sich selbst nicht erhalten kann,
zu vollziehen~". Hieraus scheint der Satz

      *Der Zweck heiligt die Mittel*

entnommen zu sein, der gemeinhin fälschlich als Quintessenz der
Jesuitenmoral gilt. Der Jesuitenpater Hermann ~Busenbaum~ schreibt
allerdings in seiner "Medulla theologiae moralis" ("Kern der
Moraltheologie" 1650. Lib. IV, Cap. III, Dub. VII, Art. II § 3): "cum
finis est licitus etiam media sunt licita"-- "da der Zweck erlaubt ist,
sind auch die Mittel erlaubt" und (Lib. VI, Tract. VI, Cap. II, Dub.
II, Art. I § 8): "cui licitus est finis, etiam licent media"--"Wem
der Zweck erlaubt ist, dem sind auch die Mittel erlaubt". An der
ersten Stelle schliesst er aber ausdrücklich verwerfliche Mittel aus
und an der zweiten wird auch nur Zulässiges zur Erreichung des Zwecks
empfohlen. Man riss seine Worte aus dem Zusammenhange und deutete sie
so, als habe Busenbaum gemeint, man dürfe sich zur Erreichung eines
guten Zwecks schlechter Mittel bedienen, weil diese dadurch geheiligt
würden. ~Pascal~ scheint das zuerst in die Welt gesetzt zu haben,
da er (1656. "Les provinciales, ou lettres ...", 7. lettre) einen
Jesuiten sagen lässt: "nous corrigeons le vice du moyen par la pureté
de la fin"--"wir verbessern die Lasterhaftigkeit des Mittels durch die
Reinheit des Zwecks".--

       *       *       *       *       *

Einschneidender war aber ~Pascal~, als er im 9. seiner "Lettres
provinciales" die jesuitische "doctrine des restrictions mentales" an
den Pranger stellte. Diese "~restrictio mentalis~", oder, wie wir heut
sagen:

      *reservatio mentalis,*

"der Gedankenvorbehalt des Eidleistenden" findet sich zuerst bei dem
Jesuiten Hermann *Busenbaum* (1600-68) in der "Medulla theologiae
moralis" (III, 2), nachdem schon der Jesuit ~Sanchez~ ("Opus morale",
Colon. 1614; III, 6, § 15) gesagt hatte: "si quis ... iuret se non
fecisse aliquid, quod re vera fecit, vel aliam diem ab ea, in qua
facit, vel quodvis aliud additum verum, re vera non mentitur, nec est
periurus ..." ("Schwört einer, er habe etwas nicht gethan, was er doch
gethan hat, indem er einen anderen Tag, als den der That, oder irgend
etwas anderes wahrheitsgemässes hinzufügt, so ist er thatsächlich kein
Lügner oder Meineidiger").--

       *       *       *       *       *

Benedictus de *Spinoza* (1632-77) sagt im "Tractatus politicus" cap. 1,
§ 4 (1677): "Sedulo curavi,

      *humanas actiones non ridere, non lugere,
          neque detestari, sed intelligere."*

"Ich habe mich eifrig bemüht, des Menschen Thun weder zu belachen, noch
zu beweinen, noch es zu verabscheuen, sondern es zu begreifen". Und so
citieren wir auch, wenn wir von einem Philosophen sagen, er betrachte
die Dinge

      *sub specie aeternitatis,*

      (unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit),

den ~Spinoza~, der in seiner "Ethik" (1677) den Satz aufstellt (5,
29-31), der Geist sei ewig, "quatenus res sub aeternitatis specie
concipit" ("insofern er die Dinge unter der Form der Ewigkeit
begreife").--

       *       *       *       *       *

Im "Corpus Iuris Hungarici" (Tyrnaviae 1751, tom. II p. 424) findet
sich im Decretum II (~Mariae~ II, Ungariae regis quadragesimi octavi)
ann. 1751, Artic. 37 die Wendung: "... miseram ... contribuentem plebem
gravantes exactiones ..." (die das arme zahlende Volk bedrückenden
Steuern). Diese Worte gelten als Quelle des üblichen:

      *misera contribuens plebs,*

      das arme steuerzahlende Volk.

Da jedoch ein daktylischer Versschluss hierin erklingt, so könnte auch
eine noch unentdeckte ältere Dichterstelle zu Grunde liegen.--



XII.

Geflügelte Worte aus der Geschichte.


Hellas.

      *Die Schiffe hinter sich verbrennen*

pflegt man zu sagen, um damit auszudrücken: sich die Möglichkeit des
Zurückweichens abschneiden. ~Plutarch~ "Über die Tugenden der Frauen"
erzählt unter "Trojanerinnen" (vrgl. Polyaenus: "Strat." 8, 25, 2),
wie nach Trojas Fall (12. Jahrh. v. Chr.) Flüchtlinge zu Schiff in die
Tibergegend verschlagen und dort dadurch sesshaft wurden, dass ihre
klugen Weiber die Schiffe verbrannten (κατέφλεξαν τὰ πλοῖα).

  Schon ~Dionys von Halikarnass~ 1, 52 erwähnt diese That und ~Vergil~
  ("Aen." 5, 605 u. 659 ff. u. 793-5) verlegt deren Schauplatz nach
  Sicilien und lässt die von Juno angestiftete Iris den ersten Brand
  schleudern und die Trojanerinnen zur Nachahmung aufreizen. Dass
  Ferdinand ~Cortez~ am 26. Juli 1519 in Mexiko bei Entdeckung einer
  Verschwörung die Schiffe zerstören liess, um jede Verbindung nach
  aussen abzuschneiden, ist erfunden. (Duro: "Las Joyas de Isabel la
  Católica, las Naves de Cortès y el Salto de Alvacado". Madrid 1882).--

       *       *       *       *       *

      *Nemo ante mortem beatus*

      (Niemand ist vor seinem Ende glücklich zu preisen)

ist die lateinische Abkürzung der Worte *Solon*s († 559 v. Chr.):
"πρὶν δ' ἂν τελευτήσῃ, ἐπισχεῖν, μηδὲ καλέειν κω ὄλβιον, ἀλλ'
εὐτυχέα". (~Herodot~ I, 32; ~Arrian~, 7, 16, 7; s. auch ~Sophokles~,
Oedip. tyr. 1497-1500, Trach. 1-3 u. Ovid, Met. 3, 136-7 und Jesus
Sirach 11, 29), die er zu dem lydischen Könige

      *Krösus*

sprach, dessen Name uns nach ~Herodot~ I, 50 ff. und ~Ovid~ Trist. 3,
7, 42 zur Bezeichnung eines schwer Keichen dient.--

       *       *       *       *       *

~Aristoteles~ überliefert ("De partib. animal." I, 5), dass *Heraklit*
(um 500 v. Chr.), als er sich in einem Backofen wärmte, seine
Besucher getrost eintreten hiess (ἐκέλευσε αὐτοὺς εἰσιέναι
θαῤῥοῦντας), denn auch hier seien Götter (εἶναι γὰρ ἐνταῦθα
θεούς). Dies citieren wir in der lateinischen Form:

      *Introite, nam et hic Dii sunt!*

      Tretet ein, denn auch hier sind Götter!

die man in der Vorrede zu Aulus Gellius unverbürgt las, bis Salmasius
dafür den heraklitischen Spruch "Vielwisserei belehrt den Geist nicht"
richtig setzte, und die uns als Motto von Lessings "Nathan" geläufig
wurde.--

       *       *       *       *       *

~Plutarch~ ("Themistokles" 3, "Aussprüche von Königen und Feldherren",
"Politische Aussprüche" 4, "Über den Forschritt in der Tugend",
"Vom Nutzen, den man aus seinen Feinden schöpfen kann"), ~Cicero~
("Tusculanae" 4, 19) und ~Valerius Maximus~ (8, 14, externa 1)
überliefern die Worte des *Themistokles* (527-460):

      *Der Sieg des Miltiades* (_bei Marathon_) *lässt mich nicht
          schlafen.--*

       *       *       *       *       *

      *Xanthippe,*

die Frau des Sokrates (um 469-399), ist die Bezeichnung einer ihren
Ehemann durch Gezänk plagenden Frau und überhaupt eines zänkischen
Weibes geworden. Das Volk macht daraus mit Betonung der ersten Silbe:

      *Zanktippe.*

Diese *Xanthippe* hat nach ~Cicero~ ("Tusc." 3, 15, 31; vergl. "de
off." 1, 26, 90) am Sokrates gerühmt, sein Gesichtsausdruck (vultus)
sei beim Ausgehen und beim Wiederkommen

      *Semper idem*,

      *Immer derselbige,*

gewesen, und der Erzähler fügt hinzu: "Jure erat semper idem vultus,
cum mentis, a qua is fingitur, nulla fieret mutatio" ("Mit Recht war
der Ausdruck immer derselbe, weil der Geist, durch den er entsteht,
unverändert blieb"). Uns wurde das aus dem Satzgefüge gelöste "semper
idem" zum Wahlspruch der Beständigkeit.--

      *Θάλαττα, θάλαττα!*

      Die See! die See!

war nach ~Xenophons~ "Anabasis" 4, 7, 17 der Freudenruf der nach
der Schlacht von Kunaxa (401 v. Chr.) übriggebliebenen zehntausend
griechischen Söldner des jüngeren Cyrus, als sie unter Xenophons
Führung heimziehend, das Meer wiedererblickten. Dies "Thalatta!
Thalatta"! machte erst ~Heine~ durch sein Gedicht "Meergruss" (1826-6.
"Nordsee" 2. Cyklus No. 1) weiteren Kreisen zum geläufigen Wort.--

       *       *       *       *       *

*Dionys der Ältere* (Tyrann von Syrakus 405-367) kurierte den
Schmeichler ~Damokles~, der ihn wegen seines Wohllebens für den
glücklichsten Sterblichen erklärt hatte, dadurch von seinem Wahn, dass
er ihn die Freuden der Königstafel kosten, aber über seinen Sitz ein
blinkendes Schwert an einem Pferdehaar von der Decke herab hängen
liess und ihm also bald klar machte, wie wenig glücklich der sei, über
dessen Haupt der Schrecken schwebe (vergl. ~Cicero~ "Tusc." 5, 21 u.
~Gellert~ "Fabeln" B. 1). Danach wurde uns das

      *Damoklesschwert*

ein Sinnbild mitten im Genuss drohender Gefahr.--

       *       *       *       *       *

Der Cyniker *Diogenes* (412-323), erzählt ~Diogenes Laërtius~ (VI, 2
n. 6, 41), zündete sich am Tage eine Laterne an, ging umher und sagte:
"Ich suche einen Menschen". Obschon ~Phaedrus~ (B. 3, 19) das Wort dem
~Aesop~ beilegt, so ist der

      *Diogeneslaterne*

doch ihr Recht verblieben.

  Auch das choragische Monument des Lysikrates zu Athen pflegt so
  bezeichnet zu werden. Eine Nachbildung dieses Monuments stellte der
  Architekt ~Fontaine~ in den ersten Jahren des 1. Empire auf einen
  südlich vom Schlosse St. Cloud bis Mitte Jan. 1871 befindlichen Turm,
  der damals vom Mont Valérien aus zerstört wurde. Jeder Pariser kannte
  sie unter dem Namen "Diogeneslaterne".--

       *       *       *       *       *

Dem *Demosthenes* (385-322 v. Chr.) wirft sein Feind ~Aeschines~ ("geg.
Ktesiph." 52) eine Anzahl neugebildeter Wörter und Redensarten vor,
worunter auch (für "Geld")

      τὰ νεῦρα τῶν πραγμάτων,

      *nervus rerum,*

      Thatennerv.

Wenn also der Philosoph ~Bion~ (bl. um 270 v. Chr.) sagte, "τὸν
πλοῦτον νεῦρα πραγμάτων", "Reichtum sei der Thatennerv" (s.
Diog. Laërt. IV, 7 n. 3, 48), so ist er ebensowenig der Urheber des
Wortes, wie es ~Krantor~, der Schüler Platos, war, der (nach Sext.
Empiricus "adv. Ethic." S. 557. Imm. Bekker) den "Reichtum" sagen
lässt: "ἐν μὲν εἰρήνῃ παρέχω τὰ τερπνά, ἐν δὲ πολέμοις νεῦρα τῶν
πράξεων γίνομαι", "im Frieden verschaffe ich Freuden, im Kriege
werde ich zum Thatennerv". Doch wandte ~Krantor~ das Wort zuerst auf
den Krieg an. Auch ~Cicero~ nannte ("Philipp." 5, 2) "nervos belli
pecuniam", "Geld die Nerven des Krieges", und ("De imp. Cn. Pomp." 7,
17) "vectigalia nervos rei publicae", "Steuern die Nerven des Staates"
und Vespasians Feldherr ~Mucianus~ (s. Tacitus "Hist." 2, 84) sagte
oft, dass Gelder "belli civilis nervos", "die Nerven des Bürgerkrieges"
seien. ~Plutarch~ ("Agis et Cleom.", 27) meint, dass der Mann wohl eine
tiefe Einsicht ins Kriegswesen gehabt habe, der da zuerst sprach:
"τὰ χρήματα νεῦρα πραγμάτων", "Geld ist der Thatennerv".
Auch fand der Gedanke dauernden Anklang. Wir begegnen ihm wieder
bei den ~Scholiasten~ zu ~Pindars~ "Olymp." 1, 4, bei ~Libanius~,
4. Jahrh. n. Chr. (Orat. 46, Vol. II, p. 477 ed. Reiske. Altenb. u.
Lpzg. 1791-7), bei ~Photius~, um 250 n. Chr. ("Lexik." unter Μεγάνορος
πλοῦτον), bei ~Suidas~, um 1000 n. Chr. (II, 1, 173 n. 970) u.s.w.

Dann sagte der deutsche Kaiser ~Heinrich V.~ (1106-25) zum polnischen
Gesandten, stolz auf das Gold und Silber seines Schatzes deutend:
"Dieser

      *nervus rerum agendarum*

soll euch (Polen) schon zu Paaren treiben" (vrgl. Arth. Kleinschmidt
"Zur Gesch. des Adels, bes. in Deutschl." in "Uns. Zeit" 1874. I, 147),
und der Marschall ~Trivulzio~ sprach zu Ludwig XII. (1498-1515):

      *Zum Kriegführen sind dreierlei Dinge nötig, Geld, Geld, Geld!*

(vrgl. "Kurtzweil. Zeitvertreib." o. O. 1668. S. 49-50).

  ~Macchiavelli~ hingegen bestreitet, dass Geld der Nerv des Krieges
  sei ("Discorsi" 1518 u. 1522, Überschr. d. 10. Kap. vom 2. B.) und
  führt das Wort auf Quintus Curtius zurück, der es auf den Krieg
  zwischen Antipater und Sparta bezogen habe, wovon sich jedoch in
  dem uns von Curtius noch Vorliegenden nichts findet. Ohne Angabe
  der Quelle citieren das Wort ferner ~Agricola~ (No. 281 s. Sprichw.
  1529: "Nervi bellorram pecuniae") und ~Rabelais~ ("Garg. u. Pant." 1,
  46. Ao. 1533: "Les nerfs des batailles sont les pécunes"), während
  ~Champollion~ (1576 "De repbl.") wiederum meint, "Geld sei der
  Staatsnerv" ("rei publicae nervos in pecunia consistere") u.s.w.--

Der Richtereid in Athen enthielt die Stelle (s. ~Demosthenes~ "in
Timocr." 149-151 u. "de corona" z. A.): "ἀκροάσομαι τοῦ τε κατηγόρου
καὶ τοῦ ἀπολογουμένου ὁμοίως ἀμφοῖν", "ich will anhören
den Kläger und den Verklagten, Beide gleicherweise". Auch findet
sich dieser Gedanke oft bei den Alten (s. Leutsch u. Schneidewin
"Paroemiogr. graec." II, 759) in der Form:

      "μήτε δίκην δικάσῃς, πρὶν ἀμφοῖν μῦθον ἀκούσῃς

      "Richte nicht, ehe du nicht in Verhör nahmst beide Parteien!"

Im Euripides (Heraclid, 179-180) heisst es:

      τίς ἂν δίκην κρίνειεν, ἢ γνοίη λόγον,
      πρὶν ἂν παρ' ἀμφοῖν μῦθον ἐκμάθῃ σαφῶς;

      Wer mag zur Einsicht kommen, wer erkennt zu Recht,
      Bevor er Beider Rede nicht genau erforscht?

Seneca ("Medea" 2, 2, 199-200) schöpfte hieraus wohl sein:

      "Qui statuit aliquid, parte inaudita altera,
      Aequum licet statuerit, haud aequus fuit".

      "Wer etwas beschliesst, ohne die andere Partei gehört zu
      haben, handelt nicht billig, selbst wenn er Billiges beschlossen
      hat".

Dies scheint die Quelle des Wortes

      *Audiatur et altera pars*

zu sein, was Pauli (1522, "Schimpf und Ernst" No. 259) mit dem Zusatz
bringt: "Es steht nit umbsunst auf allen richthüssern" und mit der
Übersetzung: "Man soll den andern Teil auch verhören".

  In dem grossen Rathaussaale zu Nürnberg steht die Inschrift: "Eins
  manns red ist eine halbe red, Man soll die teyl verhören bed" (s.
  Agricola, 1529, "Sprichw." 43, 69), in der Vorhalle des Römers zu
  Frankfurt a. M. liest man: "Eyns mans redde ein halbe redde, Man
  sal sie billich verhören bede" und ebenfalls im Römer trägt Kaiser
  Lothars († 1137) Bild den Wahlspruch: "audi alteram partem" ("höre
  die andere Partei"), da er (nach dem "Kurtzweiligen Zeitvertreiber"
  1666, S. 87) zu sagen pflegte: "Mit Urteil sprechen gar nicht eile,
  Bis du gehört hast beide Teile", vrgl. ferner die Stellen bei Graf
  und Dietherr: "Rechtssprüchwörter" S. 433, No. 266-273 u. S. 435
  besonders Note 9.--

       *       *       *       *       *

Als der vertriebene *Dionys der Jüngere* (Tyrann von Syrakus 367-43) in
Korinth Schullehrer war, erzählte er dem Philosophen ~Aristoxenus~ (s.
das Bruchstück aus dessen "Leben des Pythagoras" in den gleichnamigen
Werken des Porphyrius § 59-61 und des Jamblichus c. 33) sein Erlebnis
mit den beiden befreundeten Pythagoreern Phintias und Damon. Phintias,
von ihm zum Tode verurteilt, habe sich eine Frist erbeten, um seine
und des Freundes Vermögensangelegenheiten zu ordnen, da sie in
Gütergemeinschaft lebten, und ihm, dem Älteren, das zieme. Damon sei
als Bürge zurückgeblieben. Niemand aber habe an des Phintias Wiederkehr
geglaubt, und als er dennoch pünktlich erschien, um das Urteil an
sich vollstrecken zu lassen, da habe er, Dionys, die beiden Getreuen
umarmt und geküsst und sie gebeten, ihn für würdig zu halten, ihn in
ihren Freundschaftsbund als Dritten aufzunehmen ("ἀξιῶσαι
τρίτον αὑτὸν εἰς τὴν φιλίαν παραδέξασθαι"). ~Schiller~ behandelte
diesen auch von ~Cicero~ ("Tusc." 5, 22; "de off." 3, 10; "de fin." 2,
24, 79), ~Diodor~ (B. 2, T. 2, S. 85. Dindorf), ~Hygin~ (Fab. 257),
~Valerius Maximus~ (4, 7, ext. 1), ~Polyaenus~ ("Strateg." 5, 22) und
~Lactantius~ ("Üb. d. Gerechtigk." 17) überlieferten Stoff in der
Ballade "Die Bürgschaft" (s. Kap. III), und in seiner Fassung citieren
wir den Wunsch des besänftigten Tyrannen:

      *Ich sei, gewährt mir die Bitte,
      In eurem Bunde der Dritte.*

Der Bericht des ~Aristoxenus~ schliesst damit, dass die Freunde dem
Dionys diese Bitte rund abschlagen. Schiller aber schöpfte aus ~Hygin~,
der dies übergeht, den Phintias "Möros" nennt und ihn zur Hochzeit der
Schwester gehen lässt; doch lag ihm wohl noch eine andere der genannten
Quellen vor, da bei ~Hygin~ allein das Wort "der Dritte" fehlt. Auch
wird losgelöst citiert:

      *Der Dritte im Bunde* _und_ *im Bunde der Dritte.--*

       *       *       *       *       *

*Alexanders des Grossen* (reg. 336-323) Ausspruch

      *Wenn ich nicht Alexander wäre, möchte ich wohl Diogenes sein*

bringt ~Diogenes Laërtius~ VI, 2 n. 6, 32. ~Plutarch~ führt ihn an
vielen Stellen (z.B. "Alexander", 14, und "Über das Glück Alexanders
des Grossen") stets in der Form an: "Wenn ich nicht Alexander wäre, so
würde ich Diogenes sein".--

       *       *       *       *       *

Ein gewisser *Medius* (um 330 v. Chr.) tritt bei ~Plutarch~ ("Über den
Schmeichler und den Freund" c. 24) als Chorführer der Schmeichler im
Gefolge ~Alexanders des Grossen~ auf und erteilt den Rat: ("[θαῤῥοῦντας
ἅπτεσθαι καὶ δάκνειν ταῖς διαβολαῖς, διδάσκων ὅτι κἂν θεραπεύσῃ τὸ
ἕλκος ὁ δεδηγμένος, ἡ οὐλὴ μένει τῆς διαβολῆς") "kühn mit Verleumdungen
zu packen und zu beissen, damit, wenn auch des Gebissenen Wunde heilt,
doch die Narbe der Verleumdung bleibe". Hieraus ist das Wort entlehnt,
das schon bei F. ~Bacon~ (1605. "De dignit. et augment. scient". B. 8.
c. 2. Parab. 34) als sprichwörtlich bezeichnet wird:

      *Audacter calumniare, semper aliquid haeret.*

~Joh. Olorinus~ (1609. "Ethogr. Mundi" 9. Regel) citiert es so:

      *Calumniare audacter, semper aliquid haeret,*

      Nur kühn verleumden! Etwas bleibt immer haften.

Auch wird (z.B. von Goethe "Dicht. u. Wahrh." B. 10) allein angeführt:

      *Immer bleibt etwas hängen!*

und ebenso lateinisch:

      *Semper aliquid haeret.--*

       *       *       *       *       *

In des älteren ~Plinius~ "Natur. hist." (35, 36, § 10) lesen wir,
dass Alexanders des Grossen Hofmaler *Apelles* († 308 v. Chr.) dem
überpeinlichen Maler Protogenes vorwarf, dieser könne nicht so gut wie
er "manum de tabula tollere", "die Hand vom Bilde thun". In der Form
des warnenden Zurufs

      *Manum de tabula!*

      *Hand vom Bild!*

wurde das Wort in allgemeinerer Bedeutung gang und gäbe.

Ebenda (§ 12) führt ~Plinius~

      *Nulla dies sine linea!*

      Kein Tag sei ohne einen Strich!

auch auf ~Apelles~ zurück, der sich täglich wenigstens etwas in
seiner Kunst üben wollte. (Die Stelle bei ~Plinius~ lautet: "Apelli
fuit alioqui perpetua consuetudo nunquam tam occupatum diem agendi,
ut non lineam ducendo exerceret artem, quod ab eo in proverbium
venit", "Apelles machte es sich zur stehenden Gewohnheit, keinen Tag
vorübergehen zu lassen, ohne sich wenigstens durch einen Strich in
seiner Kunst geübt zu haben, was durch ihn sprichwörtlich wurde).--

Endlich bietet uns ~Plinius~ dort des ~Apelles~ Zornruf:

      *Schuster, bleib' bei deinem Leisten!*

wie wir das lateinische

      *Ne sutor supra* (_nicht: ultra_) *crepidam!*

frei übersetzen. Apelles nämlich pflegte die von ihm vollendeten
Gemälde für die Vorübergehenden so auszustellen, dass er dahinter
versteckt ihre Urteile zu hören vermochte. Ein Schuhmacher tadelte
nun einmal, dass die Schuhe auf dem Bilde eine Öse zu wenig hätten,
und Apelles brachte die fehlende an. Als dann aber der Tadler, stolz
auf diesen Erfolg, auch den Schenkel zu bemängeln sich unterfing,
rief der unwillige Maler hinter dem Bilde hervor: "Was über den Schuh
hinausgeht, muss der Schuster nicht beurteilen", (vrgl. ~Valerius
Maximus~ 8, 12, externa 3 u. Athenaeus "Deipnosophisten" 8.)--

       *       *       *       *       *

      *Εὕρηκα!*

      Ich hab's gefunden!

rief (nach ~Vitruvius~ IX, im Anfang) *Archimedes* aus, als er bei der
Untersuchung des Goldgehaltes einer für König Hiero II. von Syrakus
(reg. 269-215) angefertigten Krone das Gesetz des specifischen Gewichts
entdeckte. Zwei andere Aussprüche des ~Archimedes~ sind:

      δός μοι ποῦ στῶ καὶ κινῶ τὴν γῆν

(nach Pappos, ed. Hultsch, L. VIII, p. 1060), oder (nach Simplicius in
Phys. ed. Brandis, S. 424 a):

      δός μοι πᾶ βῶ καὶ κινῶ τὰν γᾶν

      gieb mir einen Punkt, wo ich hintreten kann, und ich bewege die
          Erde!

oder (nach Tzetzes, hrsg. v. J. Bekker):

      δόμμυ πᾶ βῶ καὶ χαριστίωνι τὰν γᾶν κινάσω πᾶσαν

      gieb mir einen Punkt, wo ich hintreten kann, so will ich mit
          meinem Werkzeug die ganze Erde bewegen,

und:

      *Noli turbare circulos meos,*

      *Störe meine Kreise nicht,*

womit er den auf ihn eindringenden Feind zurückwies, der ihn in
mathematischen Betrachtungen störte.

  Im Valerius Maximus (8, 7, ext. 7) lautet die ~alte~ Lesart: "noli,
  obsecro, istum circulum disturbare". In ~neueren~ Ausgaben ist nach
  den besseren Handschriften das Wort "circulum" weggelassen. Nach
  den Prolegomena eines ungenannten alten Autors zu dem Neuplatoniker
  ~Porphyrios~ (abgedr. in "Scholia in Aristotelem" von ~Brandis~,
  Berl. 1836, S. 8) waren die Worte des Archimedes: "τὰν κεφαλὰν
  καὶ μὴ τὰν γραμμάν". "Nimm meinen Kopf, aber lass unberührt, was
  ich gezeichnet habe".--

       *       *       *       *       *

Einen zu teuer erkauften Erfolg nennt man einen

      *Pyrrhussieg,*

weil *Pyrrhus*, König von Epirus, nach der gewonnenen Schlacht bei
Asculum 279 v. Chr., ausrief: "Noch einen solchen Sieg über die Römer
und wir sind verloren!" (~Plutarch~, "Leben des Pyrrhus" c. 21 u.
"Aussprüche von Königen und Feldherren" unter "Pyrrhus"; ~Cassius Dio~,
I, S. 40. Imm. Bekker.)--

       *       *       *       *       *

Einem schmähsüchtigen Recensenten geben wir den Namen des griechischen
Rhetors

      *Zoïlus*

(um 270 v. Chr.), der sich durch hämische Kritiken Platos und Homers
berüchtigt machte.--

       *       *       *       *       *

*Antigonus I. Gonatas*, König von Macedonien († 240 v. Chr.), sagte
nach Plutarch ("Apophth. reg. et imp." u. "Isis u. Osiris"; bei
Didot. Paris 1868. S. 217, 47 und 445, 41): οὐ ταῦτά μοι σύνοιδεν ὁ
λασανοφόρος, "davon weiss mein Kammerdiener nichts", als ihn ein
gewisser Hermodotus in einem Gedichte "Sohn der Sonne" und "Gott"
genannt hatte. Dieses Wort fand in Frankreich seinen Schliff. Wir lesen
in ~Montaignes~ "Essais" L. 3, Ch. 2 (ersch. 1588): "Mancher galt der
Welt als ein Wunder, an dem seine Frau und sein Bedienter nicht einmal
etwas Bemerkenswertes sahen. Wenige Menschen sind von ihrem Gesinde
bewundert worden", wozu sein Erklärer ~Coste~ anmerkt: "Man muss in
hohem Grade Held sein, sagte der Marschall ~von Catinat~ († 1712), um
es in den Augen seines Kammerdieners zu sein (il faut être bien héros
pour l'être aux yeux de son valet de chambre)". Doch soll dieses Wort
(nach den Briefen des Frl. Aïssé, S. 161 Ausg. v. J. Ravenel. Paris
1853) schon von der zu den Précieusen des 17. Jahrh. zählenden Mdme.
~Cornuel~ gesagt worden sein. Bei uns lautet es

      *für einen Kammerdiener giebt es keinen Helden*

und wird von ~Hegel~ ("Phaenomenologie" Bamb. u. Würzb. 1807, S. 116
u. "Philos. d. Gesch." 3. Aufl. Berlin 1848, S. 40) und von ~Goethe~
("Wahlverw." 1809, T. II, K. 5 u. "Sprüche in Prosa" Abt. 5) mit dem
Zusatz beleuchtet, dass jeder nur von Seinesgleichen geschätzt werden
könne. ~Kant~ aber fasste es anders auf, denn er schrieb (Ausg. v.
Hartenstein VIII, S. 618 in "Frgm. aus d. Nachl." † 1804): "Dass ein
Fürst vor seinem Kammerdiener viel verliert, kommt daher, weil kein
Mensch gross ist", was Schopenhauer ("Welt als Wille u. Vorstellung"
II, 439) breiter ausführt. Aus dieser Selbsterkenntnis entsprang des
Antigonus Wort.--

       *       *       *       *       *

Einem gelehrten und gestrengen Kunstrichter geben wir den Namen eines

      *Aristarch,*

des berühmten Grammatikers um 150 v. Chr., der sich mit Kritik,
namentlich Homers, beschäftigte.--


Rom.

~Livius~ 5, 48, ~Florus~ 1, 13 und ~Festus~ S. 372 (Ausg. v. O. Müller)
überliefern, dass der Gallierkönig *Brennus* (390 v. Chr.), als die
besiegten Römer sich sträubten, die auferlegten 1000 Pfund Gold
Kriegskontribution nach den zu schweren Gewichten der Feinde abzuwägen,
höhnend auch noch sein Schwert in die Wagschale geworfen und dabei
gerufen habe: "Wehe den Besiegten!" (Vae victis!) Danach sagen wir noch
heute

      *Sein Schwert in die Wagschale werfen,*

wenn von gewaltsamen Entscheidungen die Rede ist, und citieren das

      *Vae victis!*

wie es bereits ~Plautus~ ("Pseudolus" 5, 2, 19) that.--

Der zweite punische Krieg wurde 218 v. Chr. in Karthago also
eröffnet, dass der römische Abgesandte, die Toga zu einer Falte
zusammenbauschend, sprach: "hierin tragen wir Krieg und Frieden für
Euch: nehmet, was Ihr wollt"; (Liv. 21, 18: tum Romanus sinu ex toga
facto "hic" inquit "vobis bellum et pacem portamus; utrum placet,
sumite"; s. auch Dio Cassius, Frgm. 55, 10). Und als ihm zugerufen
wurde, er möge geben, was er wolle, entfaltete er den Bausch des
Gewandes und sagte: er gäbe den Krieg. Hierauf beruht das geflügelte
Wort:

      *Krieg und Frieden in den Falten seiner Toga tragen.--*

       *       *       *       *       *

Im Jahre 217 v. Chr. sprach P. *Scipio* (nach ~Livius~ XXII, 22, 14)
vor Sagunt zum Präfekten Bostar: "habita fides ipsam plerumque obligat
fidem" ("gehegtes Vertrauen verpflichtet meistens das Vertrauen
selbst", d.h. "die, denen man Vertrauen zeigt, fühlen sich dadurch auch
zum Vertrauen verpflichtet"). Dieses Wort wurde in der Form

      *Vertrauen erweckt Vertrauen*

folgendermassen zu einem "geflügelten". ~Lehmann~ schrieb in seinem
"Florilegium politic. auct." (Frkf. 1662, I, 346 No. 38) "Fides
facit fidem"; ~Krummacher~ übersetzte das in seiner 43. Parabel "Das
Rotkehlchen" (Duisburg. 1805) mit "Freundliches Zutrauen erweckt
Zutrauen"; Pastor ~Schmaltz~ sagte am 12. Sept. 1830 in der Kirche
zu Neustadt-Dresden: "Vertrauen erweckt Vertrauen"; König ~Friedrich
August II. v. Sachsen~ liess sich, als Prinzregent, das Manuskript
der Schmaltzischen Predigt geben und sprach am 20. Sept. (laut
der "Dankadresse an S. Kgl. H. d. Prinz. Friedr. Aug., Mitreg. d.
Königr. Sachs." Dresd. 22. Sept. 1830) zu den Anführern der Dresdener
Kommunalgarde: "Vertrauen erregt wieder Vertrauen, darum vertrauen
Sie auch mir"; die Überbringer der Adresse sagten darauf: "Lassen
Sie künftig das Wort 'Vertrauen erweckt wieder Vertrauen' als das
Panier des sächsischen Volkes gelten". Endlich rief ~Friedrich Wilhelm
IV.~ in der Thronrede am 11. April 1847 dem preussischen vereinigten
Landtage zu: "Ich gedenke der Worte eines königlichen Freundes:
'Vertrauen erweckt Vertrauen'". Heute lebt das Wort auch in den unteren
Volksschichten.--

Auch sagte ~Scipio~ (nach Cicero "de rep." 1, 17, 27 und "de off." 3,
1, 1): "nunquam se minus solum esse, quam cum solus esset"--"er sei
nie weniger allein, als wenn er allein sei". Dies kernige Wort wandte
~Goethe~ ins Elegische, indem er seinen Harfner ("Wilhelm Meister" 2,
13) singen lässt:

      "Ja! lasst mich meiner Qual!
      Und kann ich nur einmal
      Recht ~einsam~ sein,
      Dann ~bin ich nicht allein~."

Und dies wurde als Citat geläufig durch Pius Alexander ~Wolffs~
"Preciosa" (1821), die aber liebebeseeligt singt (2, 2):

      *Einsam bin ich nicht alleine,*
      Denn es schwebt ja, süss und mild,
      Um mich her im Mondenscheine
      Dein geliebtes teures Bild.--

       *       *       *       *       *

Das eine hartnäckig verteidigte Ansicht bezeichnende

      *Ceterum censeo,*

      Übrigens bin ich der Meinung,

ist eine Verkürzung des Ausspruches: "Ceterum censeo Carthaginem esse
delendam" (übrigens bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden
müsse), den *der ältere Cato* (234-149) mit Bezug auf den 3. punischen
Krieg so oft gethan haben soll.

  (vrgl. ~Plutarch~ "Cato major", 27: δοκεῖ δέ μοι καὶ Καρχηδόνα μὴ
  εἶναι. ~Diodor~ B. 37 bei Constantin Porphyrogeneta
  "von Tugenden und Lastern"; ~Cicero~ "über das Greisenalter" K. 6;
  ~Livius~, L. 49, Epitome; ~Florus~ 2, 15: delendam esse Carthaginem;
  ~Valerius Maximus~ 8, 15, 2; ~Velleius Paterculus~ 1, 13; ~Aurelius
  Victor~ "de viris illustribus", K. 47: Carthaginem delendam censuit;
  ~Plinius~, N. H., 15, 20.--Englische und französische Schriftsteller
  sprechen nie von "Ceterum censeo", stets von "Carthago delenda").--

~Catos~:

      *Ein Haruspex muss das Lachen bezwingen, wenn er den andern
          sieht,*

(strengwörtlich: "Er wundere sich, dass ein Haruspex[68] nicht lacht,
wenn er einen Haruspex gesehen habe". "Mirari se, quod non rideret
haruspex, haruspicem cum vidisset") hat ~Cicero~ ("de divinatione" 2,
24, 51) uns aufbewahrt, (vrgl. auch ~Cicero~ "de natura deorum" 1,
26, 71: "mirabile videtur, quod non rideat haruspex, cum haruspicem
viderit.") Statt Haruspex wird oft Augur[69] citiert.--

[Fußnote 68: Ein Priester, der den Willen der Götter aus den
Eingeweiden der Opfertiere herauslas.]

[Fußnote 69: Ein Priester, der aus dem Flug und Ruf der Vögel
weissagte.]

       *       *       *       *       *

Nach *Lucullus* († vermutlich 57 v. Chr.), der ungeheure Reichtümer
erworben hatte und den Schluss seines Lebens in verschwenderischer
Üppigkeit verbrachte, nennen wir ein ausgesucht feines Gastmahl

      *lucullisch.--*

       *       *       *       *       *

~Tusculanum~ (sc. rus, Tusculanischer Landsitz) war der Name mehrerer
Güter ~bei~ Tusculum, dem jetzigen Frascati, auf welche sich die
Rommüden, Varro, Hortensius, Pompeius, Cicero, Caesar, L. Crassus, M.
Crassus, Balbus, Metellus und Lucullus, zurückzuziehen pflegten. Wir
nennen also den ruhigen Landsitz eines Grossstädters fälschlich sein

      *Tusculum*

  (s. die Belegstellen aus Cicero, Plinius und Martial in den Lexicis
  von Forcellini und Freund).--

       *       *       *       *       *

      *Den Rubicon überschreiten*

sagt man von einem folgenschweren Entscheidungsschritt, wie es der
Übergang *Caesar*s (Januar 49 v. Chr.) über den Rubicon war, weil
dadurch der Bürgerkrieg entfesselt wurde (s. Kap. X bei ~Menander~).--

Das Wort Cäsars an seinen auf stürmischer See verzagenden Bootsmann
(48 v. Chr. an Illyriens Küste)

      *Du trägst den Cäsar und sein Glück,*

      Καίσαρα φέρεις καὶ τὴν Καίσαρος τύχην (συμπλέουσαν)

  teilt ~Plutarch~ "Cäsar", 38 mit (vrgl. Plutarch "Über das Glück
  der Römer", 6, und "Aussprüche von Königen und Feldherren". Ebenso
  ~Appian~ de bell. civ. II, 47, doch ohne συμπλέουσαν. Florus
  4, 2 und Cassius Dio 41, 46 kennen nur: "Du trägst den Cäsar".)--

~Plutarch~ ("Leben Cäsars", Kap. 11 und "Aussprüche von Königen und
Feldherren") hat auch das Wort aufbewahrt, welches ~Cäsar~ beim Anblick
eines elenden Alpenstädtchens seinen Begleitern zurief:

      (_Ich möchte_) *lieber der Erste hier, als der Zweite in Rom*
          (_sein_).--

Den Ausspruch ~Cäsars:~

      *Veni, vidi, vici,*

      *Ich kam, ich sah, ich siegte,*

mit dem er seinen bei Zela (2. Aug. 47 v. Chr.) schnell errungenen Sieg
brieflich dem Freunde Amintius in Rom anzeigte, überliefert ~Plutarch~
in seinen "Aussprüchen von Königen und Feldherren" (s. auch ~Plutarch~
"Cäsar", 50, ~Seneca~ "Suasoriae" II, § 22, Bursian, ~Cassius Dio~ 42,
48, ~Polyaenus~ "Strat." 1, 30). Nach ~Sueton~ ("Cäsar", 37) prangten
diese Worte als Inschrift auf einer bei Cäsars pontischem Triumphzuge
einhergetragenen Tafel.--

Es wird bestritten, dass ~Julius Cäsar~ († 44 v. Chr.) bei seiner
Ermordung mit dem Ausrufe:

      *Auch Du, mein Brutus!*

zu Boden gesunken sei, mit dem ~Shakespeare~ ("Julius Cäsar" 3, 1) ihn
sterben lässt, und der in ~Schillers~ "Räubern" (4, 5 im Römergesang,
Strophe 4) benutzt ist. ~Sueton~ ("Julius Cäsar", K. 82) teilt mit,
dass er bei der ersten Wunde ein einziges Mal aufgeseufzt, aber kein
Wort geäussert habe. Freilich fügt er hinzu, dass Einige erzählen, er
habe dem auf ihn eindringenden Brutus auf griechisch zugerufen: "Auch
du gehörst zu Jenen? auch du, mein Kind?" (καὶ σύ τέκνον).
~Cassius Dio~ 44, 19, erzählt, Cäsar hätte wegen der Menge der auf ihn
Eindringenden Nichts sagen noch thun können, sondern habe sich verhüllt
und sei durch viele Wunden ermordet worden. Er fügt hinzu: "Das ist am
verbürgtesten. Doch damals sagten schon Einige, dass er zum Brutus, der
heftig auf ihn losstiess, sprach: Auch du, mein Kind?" Es wird auch
kurzweg gesagt:

      *Tu quoque?*

      Auch Du?--

       *       *       *       *       *

~Sueton~ ("Leben des Augustus", 87), erzählt, dass Kaiser *Augustus*
(reg. 31 v.-14 n. Chr.) im täglichen Leben gewisse Worte oft
wiederholt, z.B. von faulen Schuldnern häufig gesagt habe, sie würden

      *ad Calendas graecas,*

      an den griechischen Kalenden,

d.h. am Nimmermehrstage, bezahlen. Denn "Calendae" hiess im römischen
Kalender der erste Tag jedes Monats ein Zahlungstermin der Römer,
während die Griechen keine solche "Kalenden" hatten.--

      *Σπεῦδε βραδέως,*

      *Festina lente.*

      *Eile mit Weile,*

führte ~Augustus~ auch oft im Munde, (vrgl. ~Sueton~ "Leben d. Aug.",
25 u. ~Polyaenus~ "Strateg." 8, 24.) ~Sophokles~ ("Antigone", v. 231)
bringt schon einen ähnlichen Gedanken.--

Nach dem ~jüngeren Seneca~ ("De clementia" 1, 9) schenkte ~Augustus~
auf den Rat der Gattin Livia dem Verschwörer L. C. ~Cinna~ das Leben
und sprach dabei die edlen Worte: "Cinna ... ex hodierno die inter
nos amicitia incipiatur", "Cinna ... vom heutigen Tage an möge unsere
Freundschaft beginnen!" Wir citieren dies aus ~Corneilles~ "Cinna"
(1693) 5, 3 in gedrängter Kürze also:

      *Soyons amis, Cinna!*

      Seien wir Freunde, Cinna!--

Auch wird der Verzweiflungsruf des ~Augustus~, den er bei der Nachricht
von der Niederlage im Teutoburger Walde (Sept. d. J. 9 n. Chr.)
ausstiess, also citiert:

      *Varus, gieb mir meine Legionen wieder!*

während ~Sueton~ ("Leb. d. Aug.", 23) überliefert:

      "Quinctili Vare, legiones redde".--

~Sueton~ ("Leben des Claudius", 21) überliefert uns auch das Wort:

      *Ave, imperator, morituri te salutant.*

      Heil, dir Kaiser! Die dem Tode Geweihten begrüssen dich.

Als nämlich Kaiser ~Claudius~ (reg. 41-54) zur Feier der Vollendung des
Abzugskanals aus dem Fucinersee ein blutiges Seegefecht gab, begrüssten
ihn mit obigen Worten die Fechter. Des Kaisers Gegengruss: "Seid
gegrüsst" nahmen sie irrtümlich für die Erlaubnis, nicht zu kämpfen,
so dass Claudius sie drohend zum Kampfe antreiben musste. (S. ~Cassius
Dio~, 60, 50.)--

       *       *       *       *       *

Der Verschwörung gegen Kaiser ~Claudius~ verdächtigt, wurde ~Caecina
Paetus~ (42 n. Chr.) zum Tode verurteilt. Da stiess sich seine Gattin
*Arria* den Dolch in den Busen, zog ihn aus der Wunde und reichte ihn
dem Gatten zum Selbstmorde mit dem heldenmütigen Ruf:

      *Paete, non dolet!*

      Paetus, es schmerzt nicht!

Diesen Ausruf nennt bereits ~der jüngere Plinius~ († 79 n. Chr.
"Epist." 3, 16) "unsterblich". Wir citieren ihn auch nach der Wortfolge
bei ~Martial~ (1, 14) also:

      *Non dolet, Paete!--*

       *       *       *       *       *

~Sueton~ ("Leben des Vespasian", 23) und ~Cassius Dio~ (66, 14) teilen
die Entstehung eines in verschiedenen Fassungen, auch in der Form:

      *Non olet,*

      *Geld stinkt nicht,*

bekannten Ausspruches des *Vespasian* (reg. 69-79) mit. Als ihn sein
Sohn Titus wegen einer auf Bedürfnisanstalten (daher: Vespasiennes)
gelegten Steuer getadelt hatte, hielt er ihm das erste aus dieser
Steuer eingekommene Geld vor die Nase und fragte ihn, ob es röche.
Und als dieser die Frage verneinte, sagte er: "Und dennoch ist es aus
Harn". Auf ~Vespasians~ Wort bezieht sich ~Juvenal~ 14, 204:

      Lucri bonus est odor ex re qualibet.

      Der Geruch des Gewinns ist gut, woher dieser auch stamme.--

       *       *       *       *       *

Aus ~Sueton~ ("Leben des Titus", 8) kennen wir das, wie er sagt,
"merkenswerte und mit Recht gelobte" Wort, das Kaiser *Titus* (reg.
79-81) einst bei Tafel ausrief, als ihm einfiel, dass er an jenem Tage
noch Keinem etwas Gutes gethan habe:

      (_Amici,_) *diem perdidi.*

      (_Freunde,_) *ich habe einen Tag verloren.*

Nach ~Zincgref~ ("Apophth." Strassb. 1626, S. 137) führte Herzog
~Friedrich der Weise~, Kurfürst von Sachsen, das deutsche Wort im
Munde.--

       *       *       *       *       *

Als Kaiser ~Konstantin~ 312 n. Chr. wider Maxentius zog, erschien ihm
am Mittagshimmel ein Kreuz und die Worte "τούτῳ νίκα", "damit
siege!", wie Eusebius ~Pamphili~ (bl. um 320) im "Leben Konstantins"
1, 28 berichtet. Wir citieren dies Geheiss lateinisch in der Form der
Verheissung:

      (_In_) *hoc signo vinces,*

      In diesem Zeichen wirst du siegen.--

       *       *       *       *       *

      *Kollation,*

womit im gemeinen Leben ein einfaches Mahl bezeichnet wird, ist
der Klostersprache entlehnt, wo es das Abendessen der Mönche an
Fasttagen bedeutete, weil dann vor dem Essen je ein Kapitel aus des
Kirchenlehrers Johannes ~Cassianus~ († 440 n. Chr.) "Collationes
patrum Sceticorum" (d.h. geistliche Gespräche der Mönche in der
sketischen Wüste) vorgelesen wurde. (Die "Collationes" erschienen erst
1559 in Basel).--


Italien.

Francesco ~da Buti~, einer der ältesten Erklärer ~Dantes~, erwähnt zu
der Stelle des "Fegefeuers" XXIV, 23 und 24, dass Papst *Martin IV.*
(1281-85), wenn er aus dem Konsistorium kam, zu sagen pflegte: "Wieviel
haben wir für die heilige Kirche Gottes gelitten!

      *Ergo bibamus!"*

      (Darum wollen wir einmal trinken!)

Das Wort ist besonders als Titel des ~Goethe~schen im Kap. III
erwähnten Liedes ("Hier sind wir versammelt ...") bekannt, in welchem
"Ergo bibamus" neunmal vorkommt. In den Bemerkungen "Zur Farbenlehre"
(Polemischer Teil, No. 391, Tüb. 1810) sagt Goethe:

  "Es fällt uns bei dieser Gelegenheit ein, dass Basedow, der ein
  starker Trinker war und in seinen besten Jahren in guter Gesellschaft
  einen sehr erfreulichen Humor zeigte, stets zu behaupten pflegte:
  die Conclusion 'Ergo bibamus' passe zu allen Prämissen. Es ist schön
  Wetter, ergo bibamus! Es ist ein hässlicher Tag, ergo bibamus! Wir
  sind unter Freunden, ergo bibamus! Es sind fatale Bursche in der
  Gesellschaft, ergo bibamus! So setzte auch Newton sein ergo zu den
  verschiedensten Prämissen."--

       *       *       *       *       *

      *Ei des Columbus*

ist die Umänderung der volkstümlichen spanischen Redensart

      "Hänschens Ei".

In ~Calderons~ "La dama duende" ("Die Dame Kobold"), bald nach dem 4.
Nov. 1629 aufgeführt, 2. Aufz., heisst es:

                  Ahora sabes
      lo del huevo de Iuanelo,
      que los ingenios mas grandes
      trabajaron en hacer
      que en un bufete de jaspe
      se tuviese en pié, y Iuanelo
      con solo llegar, y darle
      un golpecillo, le tuvo?

                 Das andere (Geheimnis)
      Kennst du doch, mit Hänschens Ei?
      Womit viele hoch erhabne
      Geister sich umsonst bemühten,
      Um auf einen Tisch von Jaspis
      Solches aufrecht hinzustellen;
      Aber Hänschen kam und gab ihm
      Einen Knicks nur, und es stand.

Die Redensart "Hänschens Ei" ward von ~Vasari~ in seinen
"Künstlerbiographien" (1. Aufl. 1550) umgestaltet auf den Baumeister
Filippo ~Brunelleschi~ übertragen. Als dieser bei einer Versammlung
von Architekten aus allen Ländern, welche (vor 1421) nach Florenz
berufen worden waren, um zu beraten, wie man den unvollendeten Bau
des Domes Santa Maria del fiore mit einer Kuppel abschliessen könnte,
seinen kühnen Plan entwickelte, wurde er bitter verhöhnt, und nun
nahm er im gerechten Zorn erst dann wieder an den Beratungen teil,
nachdem an ihn eine ehrenvolle Einladung ergangen war. "Die anderen
Baumeister", erzählt der Anekdotenliebhaber ~Vasari~, hätten gern
gesehen, dass er seine Meinung eingehend entwickelt und sein Modell
gezeigt hätte, wie sie die ihrigen. Das wollte er nicht; aber er
machte den inländischen und ausländischen Meistern den Vorschlag, dass
derjenige, welcher ein Ei der Länge nach fest auf eine Marmorplatte
stellen könnte, die Kuppel bauen solle, da sich hierin ihr Talent
zeigen würde. Nachdem man also ein Ei genommen hatte, versuchten sich
alle diese Baumeister, es aufrecht stehen zu lassen; aber keinem
gelang es. Als man nun den ~Filippo~ das Ei aufrecht hinzustellen
aufforderte, nahm er es mit Grazie, stiess es mit dem schmalen Ende auf
die Marmorplatte und brachte es so zum Stehen. Als die Künstler riefen,
dass sie es so auch hätten machen können, antwortete ihnen Filippo
lachend, sie würden es auch verstanden haben, die Kuppel zu wölben,
wenn sie sein Modell oder seine Zeichnung gesehen hätten. Und so wurde
beschlossen, dass er beauftragt werden sollte, den Bau zu leiten". Auf
Brunelleschi passte das Beispiel vom Ei trefflich, weil die von ihm
und Ghiberti vollendete Kuppel in der That die Form eines an der Spitze
eingedrückten Eies hat. ~Benzoni~ ("Geschichte der neuen Welt" 1, 5,
Venedig 1565) überträgt diese Erzählung auf ~Columbus~, räumt jedoch
ein, dass er den Vorgang, der sich nach der ersten Reise des Columbus
auf einem ihm zu Ehren gegebenen Gastmahl des Kardinals ~Mendoza~
(1493) zugetragen haben soll, nur ~durch Hörensagen~ wisse (~Voltaire~,
"Essai sur les moeurs", [1739], chap. 144; ~Humboldt~, "Kritische
Untersuchungen über die historische Entwickelung der geographischen
Kenntnisse von der neuen Welt", II. Bd., S. 394).--

       *       *       *       *       *

      *Qui mange du pape, en meurt*

      Wer isst, was vom Papst kommt, stirbt daran

stammt aus der Zeit des Papstes ~Alexander VI. Borgia~ († 1503), weil
er ihm unbequeme Personen dadurch bei Seite schaffte, dass er ihnen bei
seinen Gastmählern mit Gift gemischten Wein vorsetzte. Warum wird das
Wort nur französisch citiert? Wer meldet es zuerst?--

       *       *       *       *       *

      *Aut Caesar aut nihil*

      Entweder Cäsar oder Nichts

war die unter einem Kopfe des römischen Cäsar angebrachte Devise
~Cesare~ *Borgia*s († 1507).--

       *       *       *       *       *

~Julius Meyer~ ("Correggio", Leipz. 1871, S. 23) spricht von einer
bekannten Erzählung,

  "die, soweit sich verfolgen lässt, zuerst der Pater Resta aufbrachte:
  bei einer Anwesenheit in Bologna habe *Correggio* (1494-1534) vor
  dem Bilde der heiligen Cäcilia von Rafael (früher in der Kirche S.
  Giovanni in Monte) ausgerufen:

      *Anch' io sono pittore!*

      Auch ich bin Maler!

  Zur Zeit, als der Meister allenfalls in Bologna gewesen sein könnte,
  d.h. im Jünglingsalter, war die Cäcilia noch gar nicht dort;
  überhaupt werden wir sehen, dass er höchst wahrscheinlich so wenig in
  Bologna wie in Rom gewesen ist. Möglich, dass die Fabel entstanden,
  indem man hinsichtlich der Komposition in einer Figur auf dem Bilde
  der heiligen Martha von Correggio eine Art von Wiederholung des
  Paulus aus der Cäcilia des Rafael zu finden meinte u.s.w."

Es wäre wünschenswert gewesen, wenn Julius ~Meyer~ angegeben hätte, wo
Resta (ungefähr um 1700) die fragliche Äusserung gethan haben soll.
Seine Kunstbriefe in den "Lettere pittoriche" des Bottari enthalten die
Geschichte nicht.--

       *       *       *       *       *

      *Ad maiorem Dei gloriam,*

      Zum grösseren Ruhme Gottes

kommt sehr häufig in den "Canones et decreta oecumenici concilii
Tridentini" (1545-1563) vor.--

       *       *       *       *       *

In einer portugiesischen Sammlung von Kernsprüchen (Collecç. polit. d.
apophth. memorav. p. D. Pedr. Jos. Suppico de ~Moraes~, Lissab. 1733,
T. 2, B. 2, S. 44) wird von Papst *Julius III.* (1550-55) erzählt, er
habe einem portugiesischen Mönche, der ihn bemitleidete, weil er mit
der Herrschaft über die ganze Welt belastet sei, geantwortet: "Wenn Ihr
wüsstet, mit wie wenig Aufwand von Verstand die Welt regiert wird, so
würdet Ihr Euch wundern". Dies mag der Ursprung des Wortes sein:

      *An nescis, mi fili, quantilla prudentia mundus regatur* (_oder:_
          *regatur orbis*)?

      Weisst du denn nicht, mein Sohn, mit wie wenigem
      Verstande die Welt regiert wird?

womit (nach Lundblad: "Schwedischer Plutarch") Axel *Oxenstjerna*
(1583-1654) seinen Sohn beschwichtigte, der sich dem Posten eines
schwedischen Gesandtschaftschefs nicht gewachsen fühlte. Andere nennen
Andere als Urheber des Wortes.--

       *       *       *       *       *

Dass ~Galilei~ (1564-1642) die Abschwörung seiner Lehre von der
Bewegung der Erde mit dem Worte:

      *Eppur si muove!*

      Und sie bewegt sich doch!

begleitet habe, ist eine Erfindung, die das "Dictionnaire des portraits
historiques anecdotes et traits remarquables des hommes illustres"
(Paris, Lacombo, 1768-9, Bd. II) als eine Thatsache auftischt.
(~Wohlwill~, "Der Inquisitionsprozess des Galileo Galilei", Berl. 1870.
Karl von Gebier, "Galileo Galilei und die römische Kurie". Stuttg.
1876, I, S. 310).--

       *       *       *       *       *

      *Teleskop* (_eigentlich Teleskopium_)

für "Fernrohr" (erf. 1608) schlug zuerst der gelehrte Gräcist
*Demiscianus* dem Fürsten ~Cesi~ vor (vrgl. K. v. Gebler "Galileo
Galilei ..." Stuttg. 1876. I, 24).--

       *       *       *       *       *

      *Elle est grande dans son genre, mais son genre est petit*,

      Sie ist gross in ihrem Gebiete, aber ihr Gebiet ist klein,

sagte die Sängerin Angelica *Catalani* (1782-1849) von der Sängerin
Henriette ~Sontag~ an der Tafel des Beerschen Hauses in Berlin (Holtei:
"Vierzig Jahre" IV, Berlin 1843-44, S. 33). Es scheint aber, als habe
die Catalani das Wort einem Alexandriner entnommen: "Dans son genre il
est grand, mais son genre est petit", dessen Quelle noch zu erforschen
wäre.--

       *       *       *       *       *

      *L'Italia farà da se,*

      Italien wird ganz allein fertig werden,

gewöhnlich als Devise des italienischen Freiheitskampfes von 1849
hingestellt, wurde nach ~Reuchlin~ ("Geschichte Italiens", II, 1, S.
155) vom damaligen Minister des Auswärtigen in Piemont, *Pareto*,
vielmehr den "Interventionsgelüsten der französischen Radikalen ins
Gesicht geschleudert". v. ~Treitschke~: "Bundesstaat und Einheitsstaat"
nennt es den Wahlspruch ~Cesare~ *Balbo*s (1789-1853); nach ~Theodor
Mundt~, "Italienische Zustände", 1, 58 war diese Devise vom König
von Sardinien *Karl Albert* (1798-1849) und seinem Kaplan Vincenza
*Gioberti* (1801-52) zuerst ausgegangen.

  Ernesto Masi sagt in seinem Buche "Il segreto del re Carlo Alberto"
  (Bologna. 1891), dass der König die Worte in einem Ministerrat 1845
  ausgesprochen habe. Leopardi aber, 1848 ausserordentlicher Gesandter
  des Königs beider Sizilien am Hofe von Sardinien, erzählt, dass in
  einem Gespräche mit dem Könige am 12. Juni dieser zu ihm sagte: Man
  hat mir die Worte "L'Italia farà da se" zugesprochen; ich habe sie
  nicht erfunden, mir aber angeeignet, und ich glaube, dass man nichts
  Geeigneteres sagen könnte" (Narrazioni storiche, Turin 1856, cap. 49,
  pag. 230). vrgl. Fumagalli.--

       *       *       *       *       *

Nach ~Massari~ "La vita ed il regno di Vittorio-Emanuele II. di
Savoia", Mailand 1878, sagte Minister d'Azeglio zu *Vittorio
Emanuele II.* (reg. 1849-1878) im Anfange seiner Regierung: "Die
Geschichte zählt so wenig Könige, die Ehrenmänner sind, dass es eine
schöne Aufgabe wäre, jetzt die Reihe zu beginnen." "Soll ich also
dieser König-Ehrenmann sein?" fragte der König ihn lächelnd. Beim
Jahresschlusse wurde der König aufgefordert, seinen Namen in die
Volkszählliste der Stadt Turin einzuzeichnen. Er schrieb in die Rubrik
"Stand und Stellung":

      "*Rè galantuomo*".

      (König und Ehrenmann.)

       *       *       *       *       *

*Cavour*s (1810-61) Grundsatz, den er noch an seinem Todestage, am 6.
Juni 1861, dem Pater Giacomo aussprach, lautete:

      *Libera chiesa in libero stato*

      *Freie Kirche im freien Staat.*

(s.v. ~Treitschke~: "Cavour", Heidelb. 1869 und in "Hist. u. polit.
Aufs." 4. Aufl., 2. Bd. Lpz. 1871, S. 244; ferner ~Fumagalli~.)

  ~Montalembert~ äussert dasselbe in der Vorrede zu seinen Werken
  (Paris 1860, I, S. XI) also: "mit einem Worte, ~die freie Kirche in
  einer freien Nation~ ist das Programm gewesen, das mich zu meinen
  ersten Anstrengungen angefeuert hat u.s.w."--

      *Cri de douleur*

      *Schmerzensschrei*

ist ein geflügeltes Wort durch ~Cavour~ geworden, der es 1856 auf dem
Friedenskongress in Paris anwendete, als er daselbst Beschwerde über
den Druck erhob, den Österreich auf Italien ausübte. Auch sagte ~Victor
Emanuel~ in der Thronrede von 1859:

  "Den Verträgen treu, bin ich doch nicht taub gegen den
  Schmerzensschrei, der aus allen Teilen Italiens zu mir dringt".--


Spanien.

König *Ferdinand V.* (1479-1516) von Spanien verlieh (nach Bandini:
"Leb. d. Amerigo Vespucci". III. Abschn.) dem ~Columbus~ i. J. 1493 den
Wappenspruch:

      "Por Castilla y por Leon
      Nuebo mundo alló Colon".

(Für Castilien und Leon fand Columbus eine neue Welt.) Es scheint, als
tauche hier zum ersten Male das Wort

      *Neue Welt*

auf, welches dann (vrgl. Kap. III: "Amerika") namenhafte Bedeutung
erlangte.--

       *       *       *       *       *

      *Krieg bis aufs Messer*

antwortete der spanische Feldherr Don José de *Palafox* (1780-1847) bei
der Belagerung von Saragossa 1808 auf die Aufforderung der Franzosen
zur Übergabe.--


Polen.

      *Der König herrscht, aber er regiert nicht*

ist in der lateinischen Form:

      *Rex regnat, sed non gubernat*

von Jan *Zamoiski* († 1605) im polnischen Reichstage gesagt worden.
Später schrieb ~Hénault~ ("Mémoires", S. 161) von Madame des Ursins:
"Elle gouvernait, mais elle ne régnait pas"; aber am bekanntesten wurde
das Wort durch ~Thiers~, der in den ersten Nummern der von ihm mit
Armand ~Carrel~ und dem Buchhändler ~Sautelet~ gegründeten, zum ersten
Male 1. Juli 1830 erschienenen Zeitung "Le National" den Satz verfocht:

      *Le roi règne et ne gouverne pas.--*

       *       *       *       *       *

      *Finis Poloniae!*

      Das Ende Polens!

wurde dem polnischen Feldherrn Thaddäus ~Kosciuszko~ (1746-1817) in
No. 24 der amtlichen "Südpreussischen Zeitung" vom 25. Oktober 1794
in den Mund gelegt. ~Kosciuszko~ sei in der Schlacht bei Maciejowice
am 10. Okt. 1794 auf der Flucht in einem Sandhügel stecken geblieben;
dort hätten ihm die Kosaken das Pferd unter dem Leibe erschossen und
ihn, als er herabsprang, am Hinterkopf verwundet. Auf vier Stangen sei
er darauf in das Lager gebracht worden, wo er seinen Säbel abgeliefert
und dabei gerufen hätte: "Finis regni Poloniae". In einem vom 12. Nov.
1803 datierten Briefe an Louis Philippe ~Ségur~, der diesen Ruf in sein
"Tableau historique et politique de l'Europe de 1786-96, contenant
l'histoire de Frédéric Guillaume II, Paris 1800" aufgenommen hatte,
leugnet ~Kosciuszko~ ihn ab.

  Dieser Brief, der sich in der Urkundensammlung der Familie ~Ségur~
  befindet, ist in ~Amédée Renées~ Übersetzung von ~Cesare Cantùs~
  "Historia de cento anni" (B. 1, S. 419) abgedruckt und von ~Karl
  Blind~ in der "Gartenlaube" von 1868, No. 27 und später in der
  "Gegenwart" vom 11. Aug. 1877 nach einer von Ch. Ed. ~Chojezki~
  mitgeteilten französischen Urschrift übersetzt.

Die Polen antworteten auf den untergeschobenen Weheruf mit dem
Dombrowski-Marsche eines unbekannten Verfassers:

      Jeszcze Polska nie zginȩla etc.

dessen Übersetzung:

      *Noch ist Polen nicht verloren*

selbst für uns Deutsche ein Alltagswort geworden ist. Dieser Marsch
wurde zuerst von der polnischen Legion gesungen, welche ~Dombrowski~
1796 unter ~Bonaparte~ in Italien sammelte. ("Vorlesungen über
slawische Litteratur und Zustände" von ~Adam Mickiewiecz~. Deutsche
Ausgabe Leipzig 1843, T. II, S. 258, 269, 324.)--


Frankreich.

Da nach ~Prosper Mérimée~ ("Chronique du règne de Charles IX", 1829,
Vorr. S. 7) *Ludwig XI.* (1461-83) "Diviser pour régner" sagte, so mag
auf diesen zurückzuführen sein:

      *Divide et impera!*

      Entzweie und gebiete!

Heinrich ~Heine~ freilich führte es weiter zurück, indem er aus
Paris am 12. Jan. 1842 schrieb: "König Philipp hat die Maxime seines
macedonischen Namensgenossen, das 'Trenne und Herrsche!' bis zum
schädlichsten Übermass ausgeübt" (Ges. W. X, 38).--

       *       *       *       *       *

      *Tel est notre bon plaisir*

      Dies ist unser gnädiger Wille

steht zuerst in der Form: "Tel est notre plaisir", in einer Ordonnanz
König *Karl*s *VIII.* (1470-98) von Frankreich vom 12. März 1497.
(Collection des Ordonnances des Rois.) Das "bon" findet sich in keiner
Verfügung der Könige Frankreichs, und der Satz bedeutet nichts Anderes,
als "Placet".--

       *       *       *       *       *

      *Chevalier sans peur et sans reproche*

      *Ritter ohne Furcht und Tadel*

ist der Beiname des heldenmütigen ~Bayard~ († 1524). So wird er
genannt im Titel des sehr seltenen, auf der Bibliothèque nationale zu
Paris unter "I. n'27 1200 Réserve" in den Katalog eingetragenen Buches:
"La tresioyeuse plaisante et recreative hystoire composée par le loyal
serviteur des faiz gestes triumphes et prouesses du bon ~chevalier sans
paour et sans reprouche~, le gentil seigneur de Bayart" etc. 1527.
(Es giebt auch eine Ausgabe von 1525.) Das Beiwort kommt unverändert
unzählige Male in dem Buche vor. Nach La Croix du Maine schrieb
Bouchet: "Panégyrique du Chevalier sans reproche, messire Louys de la
Trimouille" (Poitiers, chez Jaques Bouchet, 1527). De la Trimouille
fiel in der Schlacht bei Pavia (1525).--

       *       *       *       *       *

*Franz I.* (1494-1547) lassen die meisten historischen Darstellungen
nach seiner Besiegung und Gefangennahme in der Schlacht bei Pavia
(1525) mit einem Briefe an seine Mutter auftreten, dessen Kürze sie
gewöhnlich ausdrücklich hervorheben.

      *Tout est perdu, fors* (_modern: hors_) *l'honneur!*

      *Alles ist verloren, nur die Ehre nicht!*

soll Alles gewesen sein, was in diesem Muster von Lakonismus gestanden
habe. Jedoch ist dieser von ~Dulaure~ aufgefundene und in dessen
"Geschichte von Paris" (1837, B. 3, S. 209) abgedruckte Brief länger
und lautet:

  "Madam! Sie zu benachrichtigen, welches der Ausgang meines Unglücks
  ist, so ist mir vor allen Dingen nur die Ehre und das gerettete
  Leben geblieben (de toutes choses ne m'est demouré que l'honneur et
  la vie qui est sauve), und weil diese Nachricht Ihnen in unserem
  Missgeschick einigen Trost bereiten wird, habe ich gebeten, dass man
  mich diesen Brief schreiben lasse, was man mir gefällig bewilligt
  hat" u.s.w.--

       *       *       *       *       *

      *Le quart d'heure de Rabelais,*

"die Viertelstunde des Rabelais" (das heisst: "die letzte
Viertelstunde im Wirtshause, in welcher man seine Zeche zu
bezahlen hat") ist auf eine Anekdote aus dem Leben des ~Rabelais~
zurückzuführen, die sich in einer 50 oder 60 Jahre nach dessen Tode
von dem Priester und Rechtslicentiaten ~Antoine le Roy~ in Meudon
zusammengestellten Foliohandschrift "Elogio Rabelaesina"[70] findet.
Aus Rom zurückberufen, war ~Rabelais~ im Gasthause zu Lyon in
Geldverlegenheit. Da lässt er die Ärzte der Stadt benachrichtigen, dass
ein ausgezeichneter Doktor von weiten Reisen heimgekehrt sei und ihnen
seine Beobachtungen mitzuteilen wünsche. Sie erscheinen. Er behandelt,
verkleidet und mit verstellter Stimme, die schwierigsten Fragen der
Heilkunst. Plötzlich nimmt er eine geheimnisvolle Miene an, schliesst
die Thüren und spricht: "Hier habe ich ein feines Gift aus Italien
mitgebracht, um Euch vom König und seinen Kindern zu befreien". (Dies
wäre denn die ~Viertelstunde~ gewesen, welche Rabelais benutzte, um
sich aus Geldverlegenheit zu retten.) Sofort verlassen ihn Alle; nach
wenigen Augenblicken wird er festgenommen, mit Bedeckung nach Paris
gebracht und vor den König geführt. ~Rabelais~ erscheint, ohne noch
länger Geberde und Stimme zu verstellen. ~Franz I.~ lächelt, entlässt
huldvoll die bestürzten Lyonnaiser und behält ~Rabelais~ zum Abendessen
bei sich.--

[Fußnote 70: No. 8704 der Pariser Nationalbibliothek.]

       *       *       *       *       *

*Heinrich IV.* von Frankreich (reg. 1589-1610) hat (nach den der
"Geschichte Heinrichs des Grossen", 1681, von ~Hardouin de Péréfixe~
angehängten "Denkwürdigen Worten") einst zum Herzog von Savoyen gesagt:
"-- wenn Gott mir noch Leben schenkt, so will ich es so weit bringen,
dass es keinen Bauer in meinem Königreiche giebt, der nicht im Stande
sei, ein Huhn in seinem Topfe zu haben". Das wurde dann erweitert zu:

      *Je veux que le dimanche chaque paysan ait sa poula au pot.*

      *Ich wünsche, dass Sonntags jeder Bauer sein Huhn im Topfe hat.*

Als ~Heinrich IV.~, so wird erzählt,[71] von seinem Beichtvater wegen
seiner vielen Liebschaften getadelt ward, liess er ihm Tage lang
Rebhühner auftragen, bis er sich beschwerte, dass er

      *toujours perdrix*

essen müsse. Der König erwiderte, dass er ihm die Notwendigkeit
der Abwechselung habe einleuchtend machen wollen. Doch erwähnt kein
französisches Wörterbuch diesen Ausspruch. Dass er, obgleich in keinem
spanischen Wörterbuche befindlich, auch in Spanien bekannt ist, ergiebt
sich aus dem Bänkelsängerliede "Curiosa Relacion Poetica, En Coplas
Castellanas del verdadero aspecto del mundo y estado de las mujeres"
(Barcelona 1837), worin es heisst:

            como dice el adagio

      Que cansa de comer perdices

(d.h. wie das Sprichwort sagt, dass man es müde wird, Rebhühner zu
essen).--

[Fußnote 71: Eine Ermittelung der Quelle wäre hier sehr erwünscht.]

       *       *       *       *       *

      *Petit-maîtres*

      Herrchen

nannte man während der Zeit der Fronde (1648-53) eine politische
Partei, an deren Spitze der grosse ~Condé~, dessen Bruder ~Conti~
und der Herzog ~von Longueville~ standen, weil sie die Herren (les
maîtres) des Staats sein wollten. Voltaire, der dies ("Louis XIV" ch.
3) berichtet, fügt hinzu: "Man giebt jenen Namen heutzutage anmassenden
und schlechterzogenen jungen Leuten". Heute versteht man darunter so
viel wie "Stutzer".

  Nach den Mémoiren der Mdme de Motteville (Amst. 1739: I p. 407)
  nannte man die jungen vornehmen Waffengefährten und Günstlinge des
  Condé, mit denen er in dem Salon der Königin Anne d'Autriche zu
  erscheinen liebte, deswegen "petits-Maîtres", weil er selbst der Herr
  des Staates zu sein schien.--

       *       *       *       *       *

Das Wort *Ludwig*s *XIV.* (reg. 1643-1715):

      *L'État c'est moi,*

      Der Staat bin ich,

ist unverbürgt und jedenfalls nicht im April 1655 vor dem Parlamente
gesagt worden, wie erzählt wird. ~Chéruel~ (1855, "Administration
monarchique en France", B. II, S. 32-34) sagt:

  "Hierher versetzt man nach einer verdächtigen Tradition die Erzählung
  von der Erscheinung Louis' XIV. im Parlament, im Jagdrock, eine
  Peitsche in der Hand, und hierhin verlegt man die berüchtigte Antwort
  auf die Bemerkung des ersten Präsidenten, der das Interesse des
  Staates hervorhob: 'Ich bin der Staat'. Statt dieser dramatischen
  Scene zeigen uns die zuverlässigsten Dokumente den König, wie
  er allerdings dem Parlament Schweigen gebietet, aber ohne einen
  unverschämten Hochmut zur Schau zu tragen".

  Ein handschriftliches Journal, das ~Chéruel~ erwähnt, schliesst die
  Erzählung der Scene im Parlament also:

  "Nachdem Seine Majestät sich schnell erhoben hatten, ohne dass irgend
  Jemand in der Versammlung ein einziges Wort gesagt, kehrten Sie nach
  dem Louvre und von da nach dem Walde von Vincennes zurück, woher
  Sie am Morgen gekommen waren und wo Sie vom Herrn Kardinal erwartet
  wurden".

Hierzu fügt Edouard ~Fournier~ ("l'Esprit dans l'histoire", 3. Auflage,
S. 271):

  "Also Mazarin erwartet den König, um von ihm zu erfahren, wie Alles
  abgelaufen ist, und namentlich um zu hören, wie der junge Fürst seine
  gewiss vom Kardinal selbst angefertigte Lektion aufgesagt hat; und
  in diese vom Kardinal eingegebene Lektion, von der der Schüler nicht
  mit einem Worte abweichen durfte, sollte sich eine für die Macht des
  alten Ministers wenigstens ebenso beunruhigende, wie für das Ansehen
  des Parlaments drohende Phrase, wie 'Ich bin der Staat' plötzlich
  eingeschlichen haben? Das ist unmöglich. Der Staat war noch nicht
  Ludwig XIV.; er war noch immer Mazarin".

~Dulaure~ ("Histoire de Paris", 1853, S. 387) behauptet freilich:

  "Er unterbrach einen Richter, der in einer Rede die Worte 'der König
  und der Staat' gebrauchte, indem er mit Hoheit ausrief: 'L'État c'est
  moi'".

Ludwig XIV. hätte damit allerdings nur ausgesprochen, was seine
Höflinge empfanden. Sein Bewunderer und Günstling, der Bischof
~Bossuet~, schrieb (Oeuvres XXIII, p. 643; Par. 1864) vom Fürsten:
"tout l'état est en lui" und verglich ihn mit Gott. Nach der "Revue
britannique" (Mai 1851, S. 254) wäre aber Königin Elisabeth von England
Urheberin des Wortes.--

       *       *       *       *       *

      *Tant de bruit pour une omelette* (_au lard_)!

      So viel Lärm um einen Eierkuchen (mit Speck)!

führen französische Schriftsteller auf den Dichter *Desbarreaux* (†
1675) zurück. Dieser bestellte während eines Ungewitters an einem
Freitag, also einem Fasttage, im Wirtshause einen Eierkuchen mit Speck.
Als der fromme Wirt dies Gericht widerstrebend auftrug, erfolgte
ein heftiger Donnerschlag, so dass der Ärmste vor Entsetzen in die
Kniee sank. Da ergriff Desbarreaux seinen Eierkuchen und warf ihn zur
Beruhigung des Mannes mit jenen Worten aus dem Fenster ("Oeuvres de
Voltaire", édit. Beuchot, tom. 43, p. 511).--

       *       *       *       *       *

Der Herzog *von Montausier* (1610-90) von Ludwig XIV. 1668 zum
Gouverneur des Dauphin ernannt, lies durch ~Bossuet~ und ~Huet~
Ausgaben der alten Klassiker

      *in usum delphini*

      zum Gebrauch für den Dauphin

besorgen, worin die anstössigen Stellen aus dem Texte weggelassen und
erst am Schlusse zusammengestellt sind. Seitdem wendet man diesen
Ausdruck auf alle aus Sittlichkeitsgründen verstümmelte Schriften an.--

       *       *       *       *       *

Aus der Zeit seiner Regentschaft (1715-23) stammt des Herzogs *Philipp
von Orléans* Wort

      *Roué*

      Geräderter, Galgenschwengel,

womit dieser Fürst die lichtscheuen Genossen seiner Gelage zu
bezeichnen liebte (s. "Mémoir. compl. et authent. du duc de
~Saint-Simon~". Nouv. édit. 40 voll. Par. 1843. Tome XXIII, p. 20, Tome
XXV, 61). Heute wird es gebraucht wie "vornehmer Wüstling".--

       *       *       *       *       *

Der Grosskaufmann und Handelsintendant Jean Claude Marie *Vincent*,
Seigneur *de Gournay* (1712-59) sprach in einer Versammlung von
Physiokraten, vermutlich im September d. J. 1758, das zur Parole der
Freihandelsschule gewordene Wort:

      *Laissez faire, laissez passer!*

      Gewerbefreiheit! Handelsfreiheit!

  "Laissez-nous faire!" hatte aber schon ein Grosskaufmann Legendre,
  wahrscheinlich François Legendre, der Verfasser eines damals
  verbreiteten Rechenbuches, in einer von Colbert vermutlich im Jahre
  1680 berufenen Versammlung von Kaufleuten gesagt.--

Aus ~Vincent de Gournays~ Munde stammt auch (nach Baron Grimms
"Correspondance", Juli 1764) das Wort:

      *Bureaukratie.*

  (vrgl. A. Oncken in "Berners Beiträgen zur Geschichte der
  Nationalökonomie" No. 2. S. 1-131: "Die Maxime 'Laissez faire et
  laissez passer', ihr Ursprung, ihr Werden. Ein Beitrag zur Geschichte
  der Freihandelslehre." Bern, 1886).--

       *       *       *       *       *

      *Il n'y a que le premier pas qui coûte*,

      Es kommt nur auf den ersten Schritt an,

erklärt uns ~Gibbon~ ("History of the decline" u.s.w. 1776-88, VII,
cap. 39, Anm. 100) mit den Worten:

"Der katholische Märtyrer hatte sein Haupt eine beträchtliche Strecke
entlang in seinen Händen getragen; doch machte einmal bei einer
ähnlichen Erzählung eine Dame meiner Bekanntschaft die Bemerkung: la
distance n'y fait rien, il n'y a que le premier pas qui coûte". Schon
~Condillac~ bringt ("Cours d'études", "Art d'écrire" II, 10, Parma
1775) diese Geschichte, spricht aber ganz allgemein von einer "femme
d'esprit", und auch ~Louvet de Couvrays~ "Faublas" (1787) giebt in der
Vorrede an: "Une femme d'esprit dit: il n'y a que le premier pas qui
coûte". ~Littré~ teilt unter "pas" die Condillacsche Geschichte mit.
~Quitard~ hingegen berichtet im "Dictionnaire des proverbes", Frau *du
Deffand* (1697-1780) habe es zum Kardinal Polignac gesagt, als dieser
die Länge des Weges betonte, den der auf dem Montmartre enthauptete
heilige Dionysius bis nach Saint-Denis mit seinem Haupte in den Händen
zurücklegte; und allerdings rührt es von ihr her, denn sie selbst nennt
sich in einem Briefe vom 7. Juli 1763 an d'Alembert als Verfasserin des
Wortes.

  vrgl. "Trois Mois à la Cour de Frédéric." Lettres inédites de
  d'Alembert publiées et annotées par Gaston Maugras. Paris, 1886. p.
  28.--

       *       *       *       *       *

Der Zeit Ludwigs XV. (reg. 1723-74) gehört (nach ~Hénault~ "Mémoires",
S. 4) ein Wort des damals mit der Bewachung des Buchhandels betrauten
Grafen *d'Argental* an. Er hatte den Litteraten Abbé ~Desfontaines~ vor
sich laden lassen, um ihm einen Verweis wegen des Missbrauchs seiner
Feder zu erteilen. Als Desfontaines sich folgendermassen entschuldigte:
"Aber ich muss doch leben, Excellenz", antwortete d'Argental:

      *Je n'en vois pas la nécessité.*

      Ich sehe nicht ein, dass das nötig ist.

~Voltaire~ erzählt dasselbe in einem Briefe vom 23. Dez. 1760 an
den Marchese ~Albergati Capacelli~ in Bologna; doch nennt er nicht
d'Argental, sondern spricht nur von einem Staatsminister.--L.
F. ~Huber~ begann eine Recension in der Jenaer allgemeinen
Litteraturzeitung: "Monseigneur, ich muss ja doch leben, sagte
ein Pasquillant zum Polizeilieutenant *Sartine*, der ihm sehr
aristokratisch antwortete, dass er die Notwendigkeit dessen nicht
einsähe". (L. F. Hubers sämtliche Werke seit dem Jahre 1802. 2. T. S.
151.) Jean Jacques ~Rousseau~ ("Emile", Buch 3, 1761) lässt "einen
Minister" das Wort zu "einem unglücklichen satirischen Schriftsteller"
sagen. Nach dem "Commentaire historique sur les oeuvres de lauteur
de la Henriade" (1776, in ~Voltaires~ "Oeuvres complètes", Gothaer
Ausg., Bd. 48, S. 99) hörte ~Desfontaines~ (1685-1745) dies Wort von
*d'Argenson* (1652-1721), dem Chef der Pariser Polizei. ~Schiller~
notierte im Entwurfe zu einem Trauerspiele "Die Polizei": 'Die bekannte
Replik: Ich muss aber ja doch leben, sagt der Schriftsteller--Das
seh' ich nicht ein, antwortet Argenson'. (Schillers Werke,
Historisch-kritische Ausg. von Karl Goedeke, 1. Bd. S. 262.)--

       *       *       *       *       *

Die Inschrift des Berliner Invalidenhauses v. J. 1748

      *Laeso et invicto militi*

      Dem verwundeten, doch unbesiegten Krieger

soll vom Marquis *d'Argens* (1704-71) herrühren (s. ~König~: "Vers.
ein. hist. Schild. der Residenz Berlin", T. 5, Bd. 1, S. 100, Berlin
1798; und Gallus: "Gesch. d. Mark Brandenb." B. 6, S. 130. Züllich. u.
Freyst. 1805). Camille ~Paganet~ ("Hist. de Fréd. le Gr.", Vol. 1,
Livr. 2, p. 416. Par. 1830) giebt jedoch *Maupertuis* (1698-1759) als
Verfasser an.--

       *       *       *       *       *

      *Après nous le déluge!*

      Nach uns die Sündflut!

(d.h. "wir leben frech und flott darauf los, nach uns geschehe, was
da will!") soll die Marquise von *Pompadour* (1720-64) gesagt haben
(s. "Mém. de Mdme. du Hausset". 1824: "Essai sur la marq. de Pomp."
S. 19 u. Mlle. Fel in "Le Reliquaire de M. Q. de la Tour" par Ch.
Desmaze. Par. 1874, S. 62). Benutzt ist wohl das Wort eines unbekannten
griechischen Dichters

      ἐμοῦ θανόντος γαῖα μιχθήτω πυρί

      Nach meinem Tode geh' die Welt in Flammen auf,

welches ~Cicero~ ("de fin." 3, 19, 64), ~Seneca~ ("de clem." 2, 2, 2)
und ~Stobaeus~ ("Ecl." 2, 6, 7) citieren. ~Tiberius~ soll es (nach
~Cassius Dio~, 48, 23) mit Vorliebe gebraucht haben und ~Nero~ sprach,
als es einst in seiner Gegenwart angeführt wurde: "Vielmehr schon
während ich lebe" und steckte Rom in Brand (s. ~Sueton~ "Nero" 38 u.
~Zonaras~ 11, 3).--

       *       *       *       *       *

Nach ~Fournier~ ("Paris démoli", Einleit. p. 39) entstand das Wort

      *Restaurant*

für Speisehaus 1765 in Paris dadurch, dass ein gewisser *Boulanger*
über die Thür seines Speisehauses, mit Verhunzung der Stelle, Matth.
11, 28 setzte: "Venite ad me omnes, qui stomacho laboratis, et ego vos
restaurabo". (Kommt her zu mir Alle, die ihr am Magen leidet, und ich
will euch erquicken.)--

       *       *       *       *       *

      *Mystificieren, Mystification*

stammt von dem im 18. Jahrhundert entstandenen

      mystifier,

wovon:

      mystification und mystificateur

abgeleitet worden sind, Worte, die erst 1835 in das Wörterbuch der
französischen Akademie aufgenommen wurden. "Mystifier" wurde für den
bis zur Narrheit eitlen und leichtgläubigen Dichter ~Poinsinet~ (†
1769) von seinen Bekannten erfunden, die sich die wunderlichsten
Scherze mit ihm erlaubten, ihm z.B. vorschlugen, sich das Amt des
Ofenschirms beim Könige zu kaufen, und ihn bewogen, sich zu diesem
Zwecke wochenlang die Schenkel zu rösten, um sich an die Kaminhitze zu
gewöhnen (s. ~Littré~; ~Grimms~ Korrespondenz, 15. Sept. 1764; Jean
~Monets~ Memoiren, Bd. 2).--

       *       *       *       *       *

      *Le silence du peuple est la leçon des rois*

      Das Schweigen des Volkes ist eine Lehre für die Könige

ist aus der am 27. Juli 1774 zu St. Denis für Ludwig XV. gehaltenen
Leichenrede des Abbé *de Beauvais*, Bischofs von Senez († 1790),
hergestellt, in welcher es heisst: "Le peuple n'a pas sans doute le
droit de murmurer, mais sans doute aussi il a le droit de se taire, ~et
son silence est la leçon des rois~". (Sermons panégyriques et oraisons
funèbres de l'abbé de Beauvais, Paris 1807, 1 vol., p. 243.)

  ~Mirabeau~ wendete das Wort am 15. Juli 1789, dem Tage nach dem Falle
  der Bastille, in der Nationalversammlung also an: "Le silence des
  peuples est la leçon des rois".--

       *       *       *       *       *

Die erste Sammelausgabe der Werke *Chamfort*s (1746-94) ist von
Ginguéné im Jahre 3 besorgt. Der 1. Bd. enthält eine "Notiz über
das Leben ~Chamforts~", in welcher es (S. 58) von ihm heisst: "Der
Mann, der unseren in feindliche Länder ziehenden Soldaten als Devise
vorgeschlagen hatte:

      *Guerre aux châteaux! Paix aux chaumières!*"

      *Krieg den Palästen! Friede den Hütten!*

Im Protokoll der Konventsitzung vom 2. Pluviôse im Jahre 2 wird über
die Feier des Jahrestags des 21. Januar berichtet: "Die Jakobiner
begaben sich darauf nach dem Platz der Revolution an den Fuss der
Bildsäule der Freiheit, um dort den Schwur zu leisten: Tod den
Tyrannen, Friede den Hütten!"--

~Chamfort~ "Caractères et Anecdotes" (Oeuvres choisies, éd. A.
Houssaye, p. 80) giebt unbestimmt einen geistreichen Mann als den
Erfinder des Wortes an:

      *La France est une monarchie absolue, tempérée par des chansons.*

      Frankreich ist eine absolute, durch Gassenhauer gemässigte
          Monarchie.

       *       *       *       *       *

Nach der Ermordung Pauls, Kaisers von Russland, im Jahre 1801 sagte ein
russischer Grosser zu Graf Münster, dem hannöverschen Gesandten:

      *Le despotisme, tempéré par l'assassinat, c'est notre Magna
          charta.*

      Der durch Meuchelmord gemässigte Despotismus ist unsere
          Verfassung.

  Von ~Lanfrey~ ("Histoire de Napoléon I.", Tom. 2, Kap. 6 gegen Ende)
  wird als geistreiches Wort ~Talleyrands~ bei dieser Gelegenheit
  angeführt: "L'assassinat est le mode de déstitution usité en
  Russie". "Der Meuchelmord ist der in Russland übliche Modus der
  Thronentsetzung."--

       *       *       *       *       *

Nach ~Barrau~ ("Histoire de la révolution", 2. Ausg., S. 134) hätte
Abbé *Maury* (Mitgl. d. Constit. 1789-91) in der Constituante,
unterbrochen von lärmenden Kerlen auf der Tribüne, mit dem Ausrufe:
"Monsieur le Président, faites taire ces sansculottes" den Ausdruck:

      *sans-culottes*

geschaffen, der sich so erklärt, dass die Republikaner die sonst
übliche Kniehose (culotte) mit der bis zu den Füssen reichenden
(pantalon) vertauscht hatten. Nach ~Bourloton et Robert~ ("La commune,
Paris 1872, S. 169) hätte er es lärmenden Frauen auf der Tribüne
zugerufen. Will man aber Peter ~Duponceau~ glauben, so citierte ~Maury~
nur ein schon bekanntes Wort, das zuerst Baron ~Steuben~ in Washingtons
Winterlager von 1777-78 den abgerissenen "tapferen Offizieren der
Revolutionsarmee beigelegt" habe. (vrgl. Friedr. Kapp: "Leb. d. amerik.
Generals Fr. W. v. Steuben" S. 97. Berlin 1858.)--

       *       *       *       *       *

      *Il est peu de distance de la roche Tarpéienne au Capitole,*

sagte *Mirabeau* (1749-91) in seiner Rede vom 22. Mai 1790; d.h.
"selbst ein Senator kann als Hochverräter zum Tode verurteilt werden".
~Jouy~ wiederholte das Wort in dem Text zu Spontinis zuerst am 15.
Dez. 1807 aufgeführten Oper "la Vestale" (3, 3) in der Form: "La roche
Tarpéienne est près du Capitole" "Nicht weit vom Capitol da steht
Tarpejens Klippe".--

       *       *       *       *       *

      *Vandalismus*

ist zum ersten Male von *Grégoire*, Bischof von Blois, in einem
Berichte an den Konvent gebraucht worden. "Ich schuf dies Wort, um die
Sache zu töten", sagt er in seinen "Memoires" (t. 1, p. 346, Ausg. von
1837).--

       *       *       *       *       *

      *Sans phrase(s)*

      *Ohne Redensarten*

ist verkürzt aus: "La mort sans phrases", was bei der Abstimmung über
die Art der Behandlung Ludwigs XVI. in der Konventsitzung vom 17.
Januar 1793 *Sieyès* (1748-1836) gesagt haben soll, aber nicht gesagt
hat, wie aus "Le Moniteur", 20. Jan. 1793, hervorgeht. Sieyès stimmte
mit: "La mort". Auch sagte er:

      *Ils veulent être libres et ne savent pas être justes.*

      Sie wollen frei sein und verstehen nicht gerecht zu sein.

Ebenfalls soll er zuerst im Jahre 1793 das später von ~Napoléon III.~
aufgenommene Wort:

      *Natürliche Grenzen*

auf den Rhein angewendet haben. (~Ludwig Häusser~, "Deutsche
Geschichte", 3. Aufl., Bd. 2, S. 19.) Der Gedanke kommt schon 1444
in einem Manifeste des Dauphin, später ~Ludwig XI.~, vor, und wurde
Gegenstand einer lebhaften litterarischen Fehde am Ende des 15. und
Anfange des 16. Jahrhunderts.--

       *       *       *       *       *

Bertrand *Barère* (1755-1841) sagte am 26. Mai 1794 im Konvent
(s. "Moniteur" vom 29. Mai): "Wenn voriges Jahr die von Houchard
befehligten Truppen alle Engländer vertilgt hätten, anstatt durch ihre
Anwesenheit unsere Festungen zu vergiften, so wäre England in diesem
Jahr nicht wieder gekommen, um unsere Grenzen anzugreifen.

      *Nur die Toten kehren nicht zurück,*

      *Il n'y a que les morts qui ne reviennent pas,*

aber die Könige und ihre Sklaven sind unverbesserlich; sie müssen
verschwinden, wenn Sie wollen, dass der Friede Bestand habe, wenn Sie
wollen, dass die Freiheit gedeihe". Einige Tage später wiederholte er
das blutige Wort (~Macaulay~: "Bertrand Barère") und ~Napoléon I.~
citierte es auf St. Helena mit Bezug auf sich am 17. Juli und am 12.
Dez. 1816. (~O'Meara~, "Napoléon in exile".)--

       *       *       *       *       *

Die männliche Jugend von Paris, die nach dem 9. Thermidor 1794 sich
zum Vorkämpfer der Contrerevolution aufwarf, soll den Namen

      *Jeunesse dorée*

      Goldjugend (reiche junge Leute)

als Spitznamen geführt haben. ~Adolf Schmidt~ ("Pariser Zustände
während der Revolutionszeit von 1789-1800", Jena 1874, T. I, No. 12:
"Die Mythe von der Jeunesse dorée") weist aber nach, dass der Ausdruck
nur einmal von dem Romanschreiber ~Pagès~ im zweiten, anfangs 1797
erschienenen Teile seiner "Geheimen Geschichte der französischen
Revolution" in der Form: "die Pariser Jugend, welche man auch la
jeunesse dorée nannte" gebraucht wurde, ohne je weiter vorzukommen,
bis im Jahre 1824, gleichsam mit einem Schlage, die Taufe der Pariser
Jugend der Revolutionszeit als "Jeunesse dorée" durch ~Mignet~,
~Thiers~, ~Thibaudeau~ und ~Prudhomme~ vollzogen ward. Wir bezeichnen
heute damit die üppige Jugend der Hauptstädte.--

       *       *       *       *       *

      *Ils n'ont rien appris ni rien oublié*

      *Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen*

schrieb 1796 *de Panat* an ~Mallet du Pan~ ("Mém. et Corresp. de Mall.
du Pan." rec. p. Sayous. II, 197).--

       *       *       *       *       *

      *La grande nation*

      *Die grosse Nation*

nannte General *Bonaparte* die Franzosen in der Proklamation, die er
1797 beim Verlassen Italiens an die Italiener richtete (s. Lanfrey:
"Nap. I." 1, 10 Anf.). Er wiederholte es oft[72] und hat noch am
31. Okt. 1816 auf St. Helena vor Las Cases (s. dess. "Mémorial de
Sainte Hélène") behauptet, er sei der Erfinder des Wortes. Ob er
es wirklich war, lässt sich bezweifeln; denn (nach ~Glaser~: "Graf
Joseph Maistre" Berl. 1865. S. 17) schrieb J. ~Maistre~ schon 1794 an
Vignet des Etoles: "Was ihren Hochmut betrifft, so bedenken Sie nur,
dass es unmöglich ist, Glied einer ~grossen Nation~ zu sein, ohne es
zu fühlen" ... und auch ~Goethe~ brauchte den Ausdruck "~die grosse
Nation~" von den Franzosen bereits in den 1793 und 1795 geschriebenen
"Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten". ~Napoléon III.~ aber hob die
Autorschaft seines Oheims ausdrücklich in dem Schreiben hervor, das
er u. d. 12. Apr. 1869 zur Verherrlichung von dessen 100. Geburtstage
durch eine Pensionserhöhung der Veteranen an den Minister Rouher
richtete.--

[Fußnote 72: Vrgl. ~Laurent~: "Gesch. d. Kais. Nap." K. 6; ~Lanfrey~
III, 4: ~Häusser~: "Deutsch. Gesch." 3. Aufl. II, 575-6: "Une année de
la vie de l'Emp. Napol." p. A. D. B. M. ..., lieut. de grenad. 3. Ausg.
Berl. 1816. S. 142, 3; ~Hinrichs~: "Polit. Vorles." Halle 1843. I, 224.]

       *       *       *       *       *

      *C'est plus qu'un crime, c'est une faute,*

      Das ist mehr als ein Verbrechen, das ist ein Fehler,

soll Polizeiminister *Fouché* (1763-1820), andere nennen ~Talleyrand~,
über die Hinrichtung (20. 3. 1803) des Herzogs ~d'Enghien~ durch Konsul
~Bonaparte~ gesagt haben.--

       *       *       *       *       *

~Barère~ ("Mémoires", Par. 1842, T. 4, p. 447) erzählt, dass
*Talleyrand* (1754-1838) 1807 in einer Unterredung mit dem spanischen
Gesandten ~Jzquierdo~, der ihn an seine zu Gunsten Karls IV. von
Spanien gemachten Versprechungen erinnerte, gesagt habe:

      *La parole a été donnée à l'homme pour déguiser sa pensée.*

      *Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu
          verbergen,*

was als eine witzige Umdrehung des Satzes von ~Molière~ ("Le mariage
forcé" Sc. 6. Pancrace) erscheint:

"La parole a été donnée à l'homme pour expliquer sa pensée."

Heinrich ~Heine~ hingegen schreibt ("Ideen. Das Buch Le Grand" 1826.
Kap. XV; Ges. W. I, 296) ersteres Wort ~Fouché~ in der Form zu:

      *Les paroles sont faites pour cacher nos pensées.*

Vor ~Talleyrand~ und ~Fouché~ jedoch liess ~Voltaire~ (Dialog 14 "Der
Kapaun und das Masthuhn") den Kapaun sagen: "Die Menschen bedienen
sich des Gedankens nur, um ihre Ungerechtigkeiten zu begründen, und
sie wenden die Worte nur an, um ihre Gedanken zu verbergen"; und vor
Voltaire sagte ~Young~ († 1765) in der Satire "Universal passion, the
love of fame", II, v. 207:

      Where nature's end of language is declined,
      And men talk only to conceal the mind.

      Wo man den Zweck der Sprachnatur verneint
      Und man nur spricht, zu hehlen, was man meint.

Der Gedanke ist den Alten entlehnt; denn schon in der Spruchsammlung
des sogenannten ~Dionysius Cato~ lautet das 26. Distichon des 4. Buches:

      Perspicito tecum tacitus quid quisque loquatur;
      Sermo hominum mores et celat et indicat idem;

      Ganz im Stillen bedenk' es mit dir, was Einer gesprochen;
      Menschliche Rede verhüllt die Gesinnung so, wie sie sie anzeigt;

nachdem längst zuvor ~Plutarch~ ("de recta ratione audiendi" c. 7,
p. 41 D.) bemerkte: αἱ δὲ τῶν πολλῶν διαλέξεις καὶ μελέται
σοφιστῶν ... τοῖς ὀνόμασι παραπετάσμασι χρῶνται τῶν διανοημάτων ...
(Die meisten Sophisten brauchen in ihren Streitübungen und Kunstreden
die Worte als dichten Schleier für die Gedanken.)--

       *       *       *       *       *

      *Der Kaffee muss heiss wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein
          wie ein Engel, süss wie die Liebe sein*

und:

      *Surtout pas de zêle!*

      Vor allen Dingen keinen Eifer!

oder:

      *Pas trop de zêle!*

      Nur nicht zu viel Eifer!

oder:

      *Trop de zêle!*

      Zu viel Eifer!

sind Worte, die auch auf ~Talleyrand~ zurückgeführt zu werden pflegen;
und für dessen Abneigung gegen grosse Dienstbeflissenheit giebt Mdme
de Rémusat (Mémoires, 1880, Bd. 3, S. 174) allerdings die Quelle mit
Talleyrands Worten an seinen Nachfolger Champagny, als er ihm die
Ministerialbeamten vorstellte: "Vous les trouverez fidèles, habiles,
exacts, ~mais, gràce à mes soins, nullement zélés~". Sie fügt hinzu,
dass Talleyrand dies dann dem Kaiser erzählte, der darüber lachte.--

       *       *       *       *       *

      *Légitimité, Legitimität*

für: "Recht der angestammten Fürsten" ist nach ~Thiers~ ("Consulat
et Empire", t. XVIII, p. 445) eine von ~Talleyrand~ erfundene
Bezeichnung.--

       *       *       *       *       *

Als am 7. Sept. 1812 an der Moskwa die Sonne aufging, rief *Napoléon
I.* seinen Offizieren mit den Worten

      *Voilà le soleil d'Austerlitz!*

      *Das ist die Sonne von Austerlitz!*

die siegreiche Schlacht vom 2. Dez. 1805 ins Gedächtnis zurück, (vrgl.
~Ségur~ "Hist. de Napol. et de la grande armée pend. l'année 1812",
VII, 9.)--

      *Du sublime au ridicule il n'y a qu'un pas*

      *Vom Erhabnen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt*

sagte ~Napoléon I.~ auf seiner Flucht aus Russland mehrmals zu seinem
Gesandten ~de Pradt~ in Warschau (Dez. 1812).[73] Er gab damit nur
einem oft dagewesenen Gedanken seine bleibende Form. ~Marmontel~ (†
1799) sagte bereits: "En général, le ridicule touche au sublime"
(Oeuvr., t. V, p. 188). ~Wieland~ ("Die Abderiten", Bd. 3, Kap. 8;
1774): "Die ~Dummheit~ hat ihr ~Sublimes~ so gut als der Verstand, und
wer darin bis zum ~Absurden~ gehen kann, hat das Erhabne in dieser Art
erreicht, was für gescheute Leute immer eine Quelle von Vergnügen ist,
und ~Thomas Paine~ ("The age of reason", 1794, T. II. g. E. Anm.):
"Wenn Schriftsteller und Kritiker vom Erhabnen sprechen, so sehen sie
nicht, wie nahe es an das Lächerliche grenzt".--

[Fußnote 73: S. ~de Pradts~ "Hist. de l'ambassade dans le Grandduché
de Varsovie en 1812", Berl. 1816.--Schon in den "Mémoires de Madame de
Rémusat 1802-8", publiés par son petit-fils Paul de ~Rémusat~, Paris
1880, T. III, p. 55 u. 56 heisst es: "Bonaparte hat oft gesagt, dass
nur ein Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen wäre".]

       *       *       *       *       *

Das ~Napoléon I.~ zugeschriebene Wort

      *Tout soldat français porte dans sa giberne le bâton de maréchal
          de France*

      Jeder französische Soldat trägt den Marschallstab in seiner
          Patronentasche

steht in "La vie militaire sous l'Empire" par E. ~Blaze~, (Par. 1837)
1, S. 5 und wird S. 394 in der Form wiederholt: "Nous avons tous un
brevet de maréchal de France dans notre giberne". Nach den "Mémoires
de Madame de Rémusat 1802-1808" (T. III., Paris 1880, p. 86 u. 87)
wurden die Nachrichten aus Deutschland 1806 nach der Schlacht bei
Jena aus einer Stadt Braunschweigs vom Briefe eines vermeintlichen
Soldaten begleitet, in dem es heisst: "Nichtsdestoweniger ist es wahr,
sagte man, dass ein Soldat, welcher zu sich sagen kann: Es ist nicht
unmöglich, dass ich Marschall, Fürst oder Herzog wie jeder Andre werde,
durch diesen Gedanken ermutigt werden muss".--

       *       *       *       *       *

      *Die soziale Frage*

ist, wie von ~Treitschke~ in einer Vorlesung "Über den Sozialismus"
am 5. März 1879 lehrte eine von ~Napoléon I.~ erfundene und später
auch von ~Napoléon III.~ angewendete Phrase, die zum Klappern der
demokratischen Tyrannei gehörte.--

       *       *       *       *       *

Man liess den *Grafen von Artois*, später *Karl X.*, in der
"Restauration" im Moniteur mit einem Programme debütieren, das
gewöhnlich umgestaltet wird zu:

      *Il n'y a rien de changé en France, il n'y a qu'un Français de
          plus,*

      Es ist Nichts in Frankreich geändert, es ist nur ein Franzose mehr
          vorhanden.

Es ist dies aber dem Grafen ~von Artois~ untergeschoben nach der
"Revue contemporaine" vom 15. Febr. 1854 (S. 53), wo *Beugnot*, der
zeitweilige, mit der Leitung der Regierungspresse beauftragte Minister
des Innern, folgende Entstehungsgeschichte des Wortes giebt. Er hatte
den Grafen ~von Artois~ am Tage seines Einzuges, 12. April 1814, gegen
11 Uhr abends verlassen, um sich zu Herrn ~von Talleyrand~ zu begeben.

  "Ich fand ihn", erzählt er, "mit den Herren Pasquier, Dupont de
  Nemours und Angles im Gespräch über den Verlauf des Tages, den man
  einstimmig als vortrefflich anerkannte. Talleyrand erinnerte daran,
  dass nun auch ein Artikel im Moniteur notwendig wäre, und Dupont
  bot sich an, ihn zu verfassen. 'Nein', erwiderte Talleyrand, 'er
  würde zu poetisch ausfallen. Ich kenne Sie. Beugnot ist der Mann
  dazu. Er kann gleich ins Bibliothekzimmer gehen und schnell einen
  Artikel schreiben, den wir dann an Sauvo schicken'.--Ich mache mich
  an die Arbeit, die erst nicht schwierig war. Als ich aber an die
  Antwort des Prinzen auf Talleyrands Anrede komme, stocke ich. Einige
  einem tiefen Gefühle entsprungene Worte machen durch den Ton, in
  dem sie gesagt werden, durch die Gegenwart der Dinge, durch die sie
  veranlasst worden sind, Eindruck; handelt es sich aber darum, sie
  ohne diese Umgebung aufs Papier zu bringen, so sind sie kalt, zum
  Unglück vielleicht lächerlich. Ich gehe also zu Talleyrand zurück und
  teile ihm meine Verlegenheit mit. 'Nun', antwortete er, 'was hat denn
  der Prinz gesagt?'--'Nichts Erhebliches; er schien mir sehr bewegt
  und vor allen Dingen bestrebt, seinen Zug fortzusetzen'.--'Nun,
  wenn Ihnen das, was er gesagt, nicht passt, so machen Sie ihm eine
  Antwort'.--'Eine Rede, die er nicht gehalten hat?'--'Da ist doch
  keine Schwierigkeit. Machen Sie eine gute, zu der Person und zu dem
  Augenblick passende Rede, und ich bürge dafür, der Prinz heisst
  sie gut und wird nach zwei Tagen glauben, er hat sie gehalten. Er
  wird sie gehalten haben, und von Ihnen wird nicht weiter die Rede
  sein'.--Gut.--Ich gehe, versuche eine zweite Fassung und bringe
  sie zur Censur zurück.--'Das geht nicht', sagt Talleyrand, 'der
  Prinz macht keine Antithesen und erlaubt sich nicht die geringste
  Redefloskel. Seien Sie kurz, einfach und sagen Sie etwas, was für
  die Redenden und Zuhörenden mehr passt, weiter nichts'.--'Mir
  scheint', fiel Pasquier ein, 'dass viele Gemüter von der Furcht vor
  den Veränderungen bewegt sind, welche die Rückkehr der bourbonischen
  Prinzen veranlassen muss; vielleicht müsste man diesen Punkt zart
  berühren'.--'Sehr gut', sagte Talleyrand, 'das empfehle ich Ihnen
  auch'. Ich versuche eine andere Redaktion und werde zum zweiten
  Male abgewiesen, weil ich mich nicht kurz gefasst habe und der Stil
  gekünstelt sei.--Endlich gelingt mir folgende, ~die im Moniteur
  abgedruckt ist, und wo ich den Prinzen sagen lasse~: 'Kein Zwist
  mehr, Friede und Frankreich. Endlich sehe ich es wieder! und nichts
  ist darin geändert, ausser dass ~ein~ Franzose mehr vorhanden ist'
  (et rien n'y est changé, si ce n'est qu'il s'y trouve un Français de
  plus). 'Dies Mal ergebe ich mich', sagte endlich der grosse Tadler.
  'Dies ist die Rede des Prinzen. Ich sage gut dafür, dass er sie
  gehalten hat. Sie können jetzt ruhig sein'."

In der "Revue rétrospective", 2. série, t. IX., p. 459 heisst es: "Der
Graf von Artois, der am folgenden Tage die Erzählung seines Einzuges
las, rief aus: 'Das habe ich ja nicht gesagt'. Man machte ihn darauf
aufmerksam, dass er es notwendigerweise gesagt haben müsse, und die
Redensart blieb historisch".--

       *       *       *       *       *

Das Wort, welches General ~Cambronne~ in der Schlacht bei Waterloo (18.
Juni 1815) gesagt haben soll:

      *La garde meurt et ne se rend pas,*

      *Die (alte) Garde stirbt und ergiebt sich nicht,*

hat er selbst, der sich bei Waterloo ergab und nicht blieb, stets auf
das Entschiedenste in Abrede gestellt. Trotzdem hat man die Statue,
welche ihm in seiner Geburtsstadt Nantes errichtet wurde, mit dem
Ausspruche geziert. Nach ~Fournier~ ("l'Esprit dans l'histoire", 2.
Ausg., Paris 1860, S. 361) ist der Journalist *Rougemont* der Erfinder
dieses Wortes, das er am 19. Juni 1815 im "L'Indépendant" abdrucken
liess.[74] Übrigens erhoben die Söhne des Generals ~Michel~ gegen die
Inschrift an Cambronnes Statue Protest und beanspruchten die Worte für
ihren Vater.--

[Fußnote 74: S. ~Larousse~ "Fleurs historiques", p. 440 bis 447; des
Obersten ~Dehnel~ "Erinnerungen deutscher Offiziere in britischen
Diensten aus den Kriegsjahren von 1805-1816"; "Das Leben des Freiherrn
Hugh von Halkett, königlich hannoverschen Generals der Infanterie.
Nach dessen hinterlassenen Papieren und Quellen entworfen von E. ~von
dem Knesebeck~, königlich hannoverschen Generalmajor", Stuttgart 1865;
General ~von Fransecky~ "Militair-Wochenblatt", 25. April 1876. Nach
Roger ~Alexandre~ "Le Musée de la conversation" (1892, p. 158) hätte
die Phrase zuerst am 24. Juni 1815 im "Journal genéral de la France"
gestanden.]

       *       *       *       *       *

Man nennt das Zwischenreich von 1815:

      *Les Centjours,*

      *Die Hunderttage,*

obgleich es über diese Zeit hinausging. Die Schuld trägt der
~Seinepräfekt~, der *Ludwig XVIII.*, (reg. 1814-24), der am 19. März
aus Paris entschwunden war, bei seinem Wiedereinzuge am 8. Juli als
schlechter Rechner in seiner Anrede "hundert Tage" aus Paris abwesend
sein liess.--

Derselbe Monarch nannte bald nach dem Einzuge dankbar die gefügige
zweite Kammer

      *Chambre introuvable*

      eine Kammer, wie sie sich so leicht nicht wiederfindet.

Später jedoch, als sich die Gefügigkeit bis zu unbequemem Fanatismus
steigerte, eignete sich der Hohn den Ausdruck für jede Kammer an, die
monarchischer sein will als der Monarch.--

      *L'exactitude est la politesse des rois*

      *Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige*

ist auch ein Wort ~Ludwigs XVIII.~ (vrgl. Oelsners Brief aus Paris v.
8. Juli 1817 im "Briefw. zw. Varnhagen v. Ense und Oelsner" I, 119 und
"Souvenirs de J. Laffite" Par. 1844. I, 150).--

       *       *       *       *       *

~Las Cases~ teilt im "Mémorial de Sainte Hélène" (Paris 1823-24) unter
dem 8. April 1816 folgendes Wort mit, das ~Napoléon I.~ ihm gegenüber
aussprach:

  _Bei dem gegenwärtigen Zustande der Dinge kann ganz_ *Europa binnen
  zehn Jahren kosakisch* _sein_ *oder* _ganz_ *republikanisch* (_toute
  en républiques).--

       *       *       *       *       *

Über das Wort

      *doctrinaire*

sagt ~Duvergier de Hauranne~ ("Histoire du gouvernement parlamentaire",
t. III, p. 534): "~Guizot~ ... gehörte einer Kammerfraktion (im Jahre
1816) an, die, obwohl sie das Ministerium unterstützte, sich mehr
als einmal von ihm getrennt hatte, und deren anerkannter Führer,
Herr Royer-Collard, bereits von dem "Nain jaune réfugié" (einer
französischen, in Brüssel entstandenen Zeitung) einen später berühmt
gewordenen Namen, den Namen 'doctrinaire' erhielt". Andere erzählen,
dass ~Royer-Collard~ in einer Lehranstalt der "Prêtres de la doctrine
chrétienne", auch kurz "doctrinaires" genannt, erzogen wurde. Als
er nun 1816 in der Kammer eine Rede hielt, habe ein Mitglied der
Rechten ausgerufen: "Voilà bien les doctrinaires!" (Da haben wir
die Doktrinäre!) und so sei die politische Bedeutung des Wortes
"doctrinaire" für unpraktische Verfechter wissenschaftlicher Theorien
entstanden. Sonst kommt das Wort schon in ~Balzacs~ († 1654) "Le
Socrate chrétien", Disc. 10, vor. --

       *       *       *       *       *

Den Sturz der bourbonischen Herrschaft kündigte ein prophetisches Wort
*Salvandy*s (1795-1856) an. Dieser, damals französischer Gesandter in
Neapel, nahm an einem Balle Teil, den der ~Herzog von Orléans~ (Ludwig
Philipp) am 5. Juni 1830 im Palais Royal zu Ehren seines Schwagers,
des Königs von Neapel, gab. ~Salvandy~ hat diesen Ball im "Livre des
Cent-et-un", Bd. 1, beschrieben. "Als ich", erzählt er, "am Herzog
von Orléans vorbeiging, dem man von allen Seiten Komplimente über die
Pracht seines Festes machte, sagte ich jenes Wort zu ihm, welches
die Zeitungen am folgenden Tage wiederholten: 'Das ist ein ganz
neapolitanisches Fest, mein Prinz,

      *nous dansons sur un volcan,*

      *wir tanzen auf einem Vulcan'."*

  "Nous ~marchons~ sur des volcans" wurde schon 1794 von Robespierre
  ~citiert~ (s. H. Taine: "Les origines de la France contemporaire", II
  "La revolution", T. III, p. 193, Paris 1885).--

       *       *       *       *       *

Als einige Tage vor der Einsetzung des Juli-Königtums (1830) die Frage
erhoben wurde, ob der neue König den Namen "Philipp der Siebente"
annehmen sollte, erklärte *Dupin* der Ältere (1783-1865): "Der Herzog
von Orleans sei auf den Thron berufen worden,

      *nicht weil, sondern obgleich*

      non parce que, mais quoique

er ein Bourbon sei".--

       *       *       *       *       *

Der ~Herzog von Orléans~, der spätere König *Ludwig Philipp* (reg.
1830-1848), endigte am 31. Juli 1831 seine erste Proklamation als
General-Statthalter des Königreichs mit der Phrase:

      *La charte sera désormais une vérité.*

      Die Verfassung wird künftighin eine Wahrheit sein.

  ~Dupin der Ältere~ (s. dessen Mémoiren II, p. 151) schrieb diese
  Proklamation nach den Ideen des Herzogs. S. Näheres in ~Roger
  Alexandres~ "Musée de la Conversation" 1892, S. 58.--

       *       *       *       *       *

Am 16. Sept. 1831 meldete der "Moniteur" (p. 1594), der "Courrier"
erzähle nach dem "Preussischen Staatsanzeiger", was sich am 15. und 16.
August (nach der blutigen Einnahme Warschaus) zugetragen habe, und füge
hinzu.... "L'ordre et la tranquillité sont entièrement rétablis dans
la capitale" ("Ordnung und Ruhe sind in der Hauptstadt völlig wieder
hergestellt"). Selbigen Tages zeigte der Minister Graf ~Sebastiani~ den
Abgeordneten in Paris das Ereignis an und citierte dabei: "au moment
où l'on écrivait, la tranquillité régnait à Varsovie." Darauf erschien
im Journal "La Caricature" eine Zeichnung von ~Grandville~ et Eugène
~Forest~, die einen russischen Soldaten unter Leichen darstellte und
die Unterschrift trug:

      "*L'ordre règne à Varsovie.*"

  S. R. Alexandre: "Musée de la conversation" 1892, p. 262. Nach
  der Abendausgabe der Nationalzeitung vom 29. Nov. 1880 hätte der
  russische Feldherr ~Paskiewitsch~ diese Worte am 8. Sept. 1831 dem
  Kaiser Nikolaus geschrieben, doch weiss J. ~Tolstoy~ "Essai sur le
  feldmaréchal Paskewitch", Paris 1835, nichts davon.--

       *       *       *       *       *

~Victor~ *Cousin* (1792-1867) soll (nach Joh. ~Jacoby~ "Heinr. Simon"
2. Aufl. S. 110) gesagt haben:

      *Preussen, das klassische Land der Schulen und Kasernen.*

Aber wann und wo? In seinem "Rapport sur l'état de l'instruct. publ.
dans quelq. pays de l'Allem. et particul. en Prusse (Par. 1832)" steht
es nicht.--

       *       *       *       *       *

      *Entente cordiale,*

      Herzliches Einverständnis,

ein Ausdruck zur Bezeichnung des Verhältnisses zwischen England und
Frankreich, datiert nach ~Littré~ aus der Adresse der französischen
Deputirtenkammer von 1840 bis 1841. ~Metternich~ ("Nachgel. Papiere"
Wien 1883. VII, p. 27) führte das Wort auf *Guizot* (1787-1874)
zurück.--

       *       *       *       *       *

      *La France marche à la tête de la civilisation*

      *Frankreich marschiert an der Spitze der Civilisation*

entsprang ~Guizots~ Vorlesungen über "Geschichte der Civilisation in
Europa" (Paris 1845, 1. Vorlesung). Erst sagte er nur:

  "Es hiesse zu weit gehen, wollte man behaupten, dass Frankreich immer
  und in allen Richtungen an der Spitze der Völker geschritten sei"
  (qu'elle est marché toujours dans toutes les directions à la tête des
  nations),

dann aber weiterhin:

  "Geisteshelle, Geselligkeit und sympathisches Wesen sind Frankreichs
  Grundzüge und die seiner Civilisation; und diese Eigenschaften
  machten es ganz besonders geeignet, an der Spitze der europäischen
  Civilisation zu marschieren (à marcher à la tête de la civilisation
  européenne)".--

       *       *       *       *       *

Prinz *Louis Napoléon* hielt als ~Präsident~ auf seiner Rundreise durch
Frankreich bei einem Banquet, das ihm die Handelskammer von Bordeaux am
9. Oktober 1852 gab, eine Rede, in welcher

      *L'empire, c'est la paix*

      Das Kaiserreich ist der Friede

vorkam. Der "Kladderadatsch" vom 7. Nov. 1852 formte es prophetisch um
in: "L'empire c'est l'épée".--

       *       *       *       *       *

*Mac Mahon* (1808-92) schrieb am 9. Sept. 1855 im Krimkriege auf
dem erstürmten Malakoff, als ihm vom Oberbefehlshaber durch einen
Adjutanten mitgeteilt wurde, die Russen hätten Vorbereitungen
getroffen, um das Werk in die Luft zu sprengen, mit Bleistift auf ein
Stückchen Papier an den Oberbefehlshaber:

      *J'y suis, et j'y reste.*
      Ich bin da und ich bleibe da.

  (vrgl. "Die französischen Marschälle der Gegenwart" von Hauptmann
  ~Zernin~ in der "Gegenwart", 1881, No. 24, S. 371).--

       *       *       *       *       *

Im Kriegsmanifeste vom 3. Mai 1859 verhiess *Napoléon III.* (reg.
1852-70) "ein freies Italien bis zum Adriatischen Meere", eine
Verheissung, die in der Form

      *Frei bis zur Adria*

ein geflügeltes Wort geworden ist. In der Vorrede zu "Frei bis zur
Adria. Österreichische Regierungsgeschichte in Italien" von ~Gustav
Rasch~ (Berlin 1860) wird das Wort als Wahlspruch Italiens angeführt.--

       *       *       *       *       *

Auf eine Interpellation von Thiers am 14. April 1867 im gesetzgebenden
Körper über die auswärtigen Beziehungen antwortete Eugène *Rouher*
(1814-84) am 16. unter anderm:

  "Der Tag vom 3. Juli (Schlacht bei Sadowa) war ein schwerer für
  die Männer, welche die Geschicke dieses Landes leiten. Sowohl das
  Militär wie die öffentliche Meinung hatte geglaubt, Preussen werde
  seinen kühnen Versuch teuer bezahlen müssen; man hielt es für
  gewiss, dass es eine Schlappe erleiden werde. Seinem Erfolge, diesem
  unvorhergesehenen Ereignisse gegenüber, fühlten wir

      *patriotische Beklemmungen*"

      "*angoisses patriotiques".*"

Das Wort wiederholte er weiterhin in seiner Antwort noch einmal.--

       *       *       *       *       *

Im Sept. 1867 sagte *Napoléon III.* in Lille: "Seit den letzten
vierzehn Jahren, als ich zum ersten Male die Norddépartements besuchte,
sind sehr viele meiner Hoffnungen in Erfüllung gegangen und grosse
Fortschritte gemacht worden; allein auch

      *schwarze Punkte*

oder:

      *dunkle Punkte*

      *points noirs*

haben unsern Horizont umwölkt". ~Rouher~ sagte dann im Juli 1870 im
Corps Législatif: "Die Expedition nach Mexiko ist der einzige dunkle
Punkt in dem glänzenden Bilde".--

       *       *       *       *       *

Interpelliert, ob Alles in Kriegsbereitschaft sei, antwortete der
Kriegsminister Marschall *Leboeuf* (1809-88) 1870:

      (_Nous sommes_) *archiprêts,*

      Wir sind erzbereit.--


Amerika.

      *Lynchjustiz* (_Lynch law_),

d.i. "Volksjustiz", schreibt sich von John ~Lynch~ her, welcher gegen
Ende des 16. Jahrhunderts, als die Kolonialgesetze in den Vereinigten
Staaten keinen zuverlässigen Schutz gewährten, von den Bewohnern in
Nordcarolina mit unumschränkter gesetzgeberischer, richterlicher und
vollziehender Gewalt und Macht bekleidet wurde. Man sagt auch für
"Lynchjustiz ausüben" kurzweg

      *lynchen.--*

       *       *       *       *       *

Benjamin *Franklin* (1706-90) antwortete, wenn man sich in Paris bei
ihm nach den Fortschritten der Revolution in Amerika erkundigte:

      *Ça ira!*

      's wird schon gehen!

Die französische Revolution ergriff das Wort und machte es zu ihrem
Hymnus. In den "Briefen von Friedrich ~Matthisson~" (Zürich 1802, S.
146) meldet der 15. Brief (Nismes, 22. März 1792): "Der allgemeine
Nationalgruss ist jetzt: 'Ça ira!', worauf 'Cela va!' (es geht schon)
erwidert wird".--


Holland.

      *Peter Meffert,*

ein Name, den man gebraucht, um einen spürnasigen, ausplaudernden,
eitlen Hans in allen Gassen zu bezeichnen, ist nach Dr. Gustav
~Schwetschkes~ "Geschichte des L'Hombre" (Halle 1863, S. 26) der
Name des im 17. Jahrh. renommierten Spielkartenfabrikanten Pieter
~Mefferdt~ in Amsterdam. In Johann ~Laurembergs~ 4. Scherzgedicht
"Von altmodischer Poesie und Reimen" (V. 348, Hafn. 1648) wird die
Spielkarte daher scherzweise "Peter Mefferts Boek" genannt.

  In den wertvollen Sammlungen des Herrn ~von Berlepsch~ in
  Gross-Stöckheim bei Wolfenbüttel befand sich ein gedruckter
  Spielkarten-Umschlag, auf welchem der Nachfolger Peter Mefferts
  den Ruhm seines Vorgängers verkündet. So hat auch ~Boiteau~ in den
  "Cartes à jouer", S. 114 die Abbildung eines Treffbuben (Carte
  des Flandres, 17. siécle) mit der Zettelschrift PIETER MEFFERDS.
  ~Lappenberg~ in seiner Ausg. Johann Laurembergs, Stuttgart 1861,
  bemerkt: "Peter Meffert heft Waaren feil, ist eine scherzhafte
  Redensart zu Lübeck". Bald wurde Peter Meffert eine allgemeine
  Bezeichnung. In Christian ~Weises~ 1680 am 6. März in Zittau
  aufgeführtem "Lustspiel von einer zweifachen Poetenzunft" wird Peter
  Meffert als Primus einer Schule genannt. Im "Leipziger Musenalmanach
  aufs Jahr 1777", S. 45, heisst es in dem J. W. G. (Goethe?)
  unterzeichneten Epigramm "Auf einem gewissen Horcher im Parterr."
  1769:

      Schreib! um der Welt nichts zu verschweigen,
      Darfst du nur Mefferts Jünger seyn,
      Von allen seinen Schmierereyn,
      Ist auch das Schlechtste nur sein eigen."

  Das 39. Gedicht in dem seltenen Buche ~Gleims~ "Sinngedichte"
  (auf der Gleim-Bibliothek in Halberstadt) trägt den Titel: "Peter
  Meffert. Nach dem Italiänischen des Paolo Rolli" und beginnt: "Was
  will nicht alles Peter Meffert seyn?" (Rollis "Rime" erschienen
  1717.) Dasselbe Gedicht steht auch bei ~Klotz~ ("Deutsche Bibliothek
  der schönen Wissenschaften" Bd. 4, Str. 13, Halle 1770) in einer
  Kritik des obengenannten Gleimschen Buches. ~Wieland~ beklagte
  sich in einem Briefe an Gleim vom 9. Mai 1770 ("Ausgew. Briefe von
  Wieland" II, S. 365), dieser habe sein Amadis-Manuscript einem "Peter
  Meffert" gezeigt, einem "homunculus", der "poetisches Almosen" zu
  Musenalmanachen zusammenbettele und aus dem Zusammenhang gerissene
  Stellen "allenthalben wieder vorweise". J. G. ~Jakobi~ schrieb an
  Gleim (s. dessen Nachlass zu Halberstadt) am 20. Okt. 1775: "die
  Peter Mefferts haben, wie der leidige Teufel, überall ihr Spiel. Wir
  aber singen fort und lieben uns".--

       *       *       *       *       *

Klassiker-Ausgaben, welche durch wörtliche Übersetzung des Textes der
Denkträgheit des Lernenden frönen, werden als Ausgaben

      *ad modum Minellii*

      in Minellis Art

bezeichnet nach dem Rektor der Erasmus-Schule in Rotterdam Jan
~Minelli~ († 1683), der sich zuerst darin hervorthat.--

       *       *       *       *       *

      *Blue-stocking,*

      *Bas bleu,*

      *Blaustrumpf,*

d.h. eine Dame, die sich unter Vernachlässigung ihrer Häuslichkeit in
unerfreulicher Weise wissenschaftlich hervorthut, hatte ursprünglich
keineswegs die missbilligende Nebenbedeutung, die wir dem Ausdrucke
jetzt beilegen, und bezeichnete in der Mehrheit nur Gesellschaften,
in denen Kartenspiel verpönt und deren Hauptzweck geistvolle
Unterhaltung war. Die Bildung solcher Gesellschaften schreibt man
gewöhnlich den drei Damen: Lady ~Montague~, Frau ~Vesey~ und Frau
~Ord~ zu. In diesen Gesellschaften zeichnete sich durch Anmut in der
Unterhaltung der Gelehrte ~Stillingfleet~ († 1771) aus, der im
Anzuge vernachlässigt, in blauen Kniestrümpfen erschien. Das soll den
holländischen Admiral *Boscawen* veranlasst haben, diese Versammlungen
"Blaustrumpfgesellschaften" zu nennen, um damit zu bezeichnen, dass in
ihnen nur geistige Begabung, nicht der glänzende Anzug den Ausschlag
gab.

  vrgl. ~Boswell~ "Leben Johnsons", 72. Lebensjahr und das Vorwort zu
  Miss ~Hannah Mores~ Gedicht "Der Bas bleu oder Konversation". Nach
  ~Doran~ ("Eine Dame des vorigen Jahrhunderts", Kap. 11, London 1873)
  werden Herrn Stillingfleets blaue Strümpfe zum ersten Mal in einem
  Briefe der Lady Montague vom Jahre 1757 erwähnt.--


England.

Über die um 1680 politische Bedeutung gewinnenden Wörter

      *Whig* _und_ *Tory*

sagt ~Macaulay~, "Geschichte von England", B. 1, K. 2 (S. 253 Ausg.
Tauchnitz):

  "In Schottland hatten einige der verfolgten Kirchenabtrünnigen,
  durch Bedrückung zur Verzweiflung getrieben, den Primas ermordet,
  gegen die Regierung die Waffen ergriffen, einige Vorteile über die
  königlichen Truppen errungen, und sie waren erst zur Ruhe gebracht
  worden, als Monmouth sie bei Bothwell Bridge geschlagen hatte.
  Diese Eiferer waren sehr zahlreich unter den Bauern des westlichen
  Nieder-Schottlands, die gewöhnlich "Whigs", genannt wurden. So wurde
  der Name Whig den presbyterianischen Eiferern Schottlands beigelegt
  und auf diejenigen englischen Politiker übertragen, welche Neigung
  zeigten, dem Hofe gegenüberzutreten und protestantische Dissidenten
  mit Nachsicht zu behandeln. Zur selben Zeit gewährten die Sümpfe
  Irlands geächteten Papisten eine Zuflucht. Diese Leute hiessen
  damals "Tories". Daher wurde der Name Tory Engländern gegeben, die
  nicht dazu beitragen wollten, einen katholischen Prinzen vom Thron
  auszuschliessen".

"Whig" bedeutet ursprünglich saure Molken; das irische Wort "Tory" ist
angeblich soviel wie Räuber.--

       *       *       *       *       *

Es war auf der englischen Flotte Sitte gewesen, den Mannschaften ihre
Portion Rum ungemischt zu liefern, was manchen Rausch hervorbrachte
und die Mannszucht störte. Deswegen verfügte 1740 Admiral *Vernon*,
dass der Rum mit Wasser vermischt verabfolgt werden solle. Schon früher
hatte der Admiral, der gewöhnlich einen Rock von kameelhärenem Zeug
(grogram) trug, von seinen Leuten deshalb den Beinamen "Old Grog"
erhalten. Der Name

      *Grog*

ging nun auf das von ihm erfundene Getränk über.--

       *       *       *       *       *

Das Sir ~Robert~ *Walpole* (1676-1745) zugeschriebene Wort

      *Ein jeder Mensch hat seinen Preis*

ist in dieser Schroffheit nicht von ihm gesagt worden. In ~Coxes~
"Memoirs of the life and administration of Sir Robert Walpole" (IV, S.
369) heisst es von ihm: "Redefloskeln verachtete er. Die Auslassungen
vorgeblicher Patrioten schrieb er ihren oder ihrer Angehörigen
eigennützigen Absichten zu und sagte von ihnen: 'Alle diese Leute haben
ihren Preis'!"--

       *       *       *       *       *

*Nelson*s (1758-1805) Tagesbefehl in der Schlacht bei Trafalgar am 21.
Okt. 1805 lautete:

      *England expects that every man will do his duty.*

      England erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht thun wird.

(vrgl. "The dispatches and lettres of Vice-Admiral Lord Viscount
Nelson", Bd. 7, S. 150, London 1845-46.)--

       *       *       *       *       *

Dr. ~Johann Jakoby~ bemerkte am 5. Juni 1848 in einer Rede vor Berliner
Wahlmännern, dass *O'Conell* (1775-1874) sich einst den

      *bestverleumdeten Mann*

der drei Königreiche genannt habe. Das Wort ist vielfach auf Andere
übertragen und variiert worden. So sagte Fürst Bismarck im preussischen
Landtage am 16. Jan. 1874: "Gehen Sie von der Garonne, um mit der
Gascogne anzufangen, bis zur Weichsel, von dem Belt bis zur Tiber,
suchen Sie an den heimischen Strömen der Oder und des Rheins umher, so
werden Sie finden, dass ich in diesem Augenblicke wohl die am stärksten
und--ich behaupte stolz!--die am besten gehasste Persönlichkeit in
diesem Lande bin". Seitdem hört man häufiger:

      *bestgehasster Mann.--*

       *       *       *       *       *

Am 6. April 1852 schrieb das "Albany Evening Journal": "Ein Freund
wünscht, dass wir ankündigen, er werde sich zu geeigneter Zeit
erlauben, ein neues Wort in das Wörterbuch einzuführen. Der Zweck
der beabsichtigten Neuerung ist, die jetzt vorhandene Nötigung zu
vermeiden, zwei Wörter, die oft vorkommen, zu gebrauchen, wo eins
genügen würde. Das Wort ist

      *Telegram*

      (Telegramm)

statt 'telegraphische Depesche'" u.s.w. Der Erfinder war der Amerikaner
E. P. *Smith* aus Rochester.--

       *       *       *       *       *

      *Der rechte Mann an der rechten Stelle*

      *The right man in the right place*

ist aus einer Rede A. H. *Layard*s entwickelt, die er am 15. Januar
1855 im Unterhause hielt, und worin er sagte: "Ich habe immer geglaubt,
dass Erfolg das unvermeidliche Ergebnis sein werde, wenn man sowohl
dem Landheere wie der Flotte freie Bewegung gönnte, und wenn wir den
rechten Mann abordneten, um die rechte Stelle zu füllen".--

       *       *       *       *       *

Der Güterverwalter des Grafen Erne in der irischen Grafschaft Mayo,
der englische Kapitän James *Boycott* († 1897), drückte die Pächter
seines Herrn derart, dass ihm das empörte Volk Arbeit und Kauf
versagte. Unter starkem militärischen Schutz brachten im November
1880 orangistisch gesinnte Arbeiter aus Ulster seine Ernte ein, seine
Vorräte in Sicherheit und geleiteten ihn selbst nach einem anderen Ort.
Seitdem reden wir in Fällen, wo das Volk zu ähnlicher Selbsthilfe gegen
einen Arbeitgeber greift, von

      *boycotten*

und nennen ein solches Verfahren auch kurzweg einen

      *Boycott.*

Der Ausdruck "boycotting" (boykottieren) soll zum ersten Male in einer
Dubliner Zeitung vom 13. November 1880 gestanden haben.--


Deutschland und Österreich.

Bischof Chrodegang von Metz stellte um 760 zur Besserung der
verwilderten Geistlichkeit eine Lebensregel, einen Kanon auf. Dieser
Kanon verpflichtete sie, sich nach der Morgenandacht vor dem Bischof
oder dessen Stellvertreter zu versammeln, der ihnen ein Kapitel der
Bibel, besonders aus dem 3. Buche Mose, ~Leviticus~ genannt, vorlas,
das religiöse Gesetze, namentlich für Priester und Leviten enthält,
woran er dann die nötigen Rügen und Ermahnungen knüpfte. Hiervon
wurde nachmals ein Saal, wo dies geschah, "Kapitelstube", eine solche
Gemeinschaft "Domkapitel" genannt, und es erklären sich so die üblichen
Worte:

      *Die Leviten lesen, das Kapitel lesen* _oder_ *abkapiteln, den
          Text lesen.--*

       *       *       *       *       *

Von *Lothar I.* (795-855), der vom Kaiser zum Mönch wurde, stammt nach
Matthias Borbonius ("Delitiae Poetarum Germanorum" 1, 685; Frkf. 1612),
das Wort her: "Omnia mutantur, nos et mutamur in illis" ("Alles ändert
sich und wir ändern uns mit"), was uns in der Form geläufig ist:

      *Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.*

      Die Zeiten ändern sich und wir uns in ihnen.--

Dass der Parteiruf:

      *Hie Welf, hie Waiblingen!*

zuerst 1140 in der Schlacht bei Weinsberg vernommen worden sei, gehört
nach Jaffé ("Gesch. d. Deutsch. Reich. unt. Conrad III." Hann. 1845, S.
35) ins Reich der Fabel. Dr. ~Souchay~ ("Deutsche Geschichte"), kennt
den Ruf in der Form: "Hie Welf, hie Waiblinger!"; in G. ~Webers~
"Weltgeschichte", S. 229 heisst es: "Hie Welf, hie Waibling!"
Waiblingen war der Name einer hohenstaufischen Burg, anderthalb Meilen
von Stuttgart.--

       *       *       *       *       *

Nach der Übergabe von Weinsberg (S. 36 bei Jaffé) wurde, so wird
erzählt, den Frauen erlaubt, mit dem, was sie auf den Schultern tragen
können, frei abzuziehen. Da kamen sie heraus, eine Jede ihren Mann
auf dem Rücken tragend. Man drang in *Konrad III.* diese Arglist zu
ahnden. Er aber entgegnete:

      "Ein Königswort darf nicht geändert werden"

(~Zincgref~, "Apophthegmata", Strassb. 1626, S. 29 und 30), woraus
~Bürger~ in der Ballade "Die Weiber von Weinsberg", Strophe 11, Vers 3
und 4 gemacht hat:

      *Ein Kaiserwort soll man nicht dreh'n, noch deuteln.*

Die Erzählung ist unhistorisch. Zum "Hohenlied", 1, 4 bringt schon der
Midrasch eine ähnliche Anekdote; s. ~Tendlau~ "Das Buch der Sagen und
Legenden jüdischer Vorzeit", S. 54; ~Bernheim~ in den "Forschungen zur
deutschen Geschichte", XV. S. 239 ff.--

       *       *       *       *       *

Von ~Ludwig dem Eisernen~, zweitem Landgraf von Thüringen (1140-72),
erzählt die "Düringische Chronik" von Joh. Rothe (hrsg. von R. ~von
Liliencron~, Jena 1859, S. 292), er wäre im Anfang seiner Regierung
so milde und gut gewesen, dass der Übermut der Mächtigen zunahm und
das Volk hart bedrückt wurde. Da habe er sich einst im Thüringer
Walde auf der Jagd verirrt und habe beim *Schmied von Ruhla*, der
ihn nicht kannte, nächtliche Unterkunft gefunden. Die Nacht durch
habe der Schmied emsig gearbeitet, und wenn er mit dem Hammer auf das
Eisen schlug, so habe er dabei auf den Landgrafen und seine Lässigkeit
fluchend und scheltend gerufen: "Nun werde hart", was einen so tiefen
Eindruck auf den Fürsten machte, dass er von Stunde an nach dem Rechten
sah und wieder Zucht und Ordnung im Lande herstellte (~Otho Melander~
"Joco-Seria" 1603, No. 328). Diese Sage bearbeitete Wilh. ~Gerhard~
(Gedichte, B. 2, S. 24, Leipz. 1826) im Gedichte: "Der Edelacker", aus
dem die Worte des Schmieds in der Form:

      *Landgraf! werde hart!*

zum Citate geworden sind.--

       *       *       *       *       *

Das Wort:

      *Caesar non supra grammaticos,*

      Der Kaiser hat über Grammatiker nicht zu gebieten,

welches durch das von Burchard ~Waldis~ in der Fabel "Wie ein Sauhirt
zum Abt wird" mitgeteilte Sprichwort: "Die Schreibfeder muss Kaiserin
bleiben" wiedergegeben und von ~Molière~ "Les Femmes savantes" 2, 6 zu:

      *La grammaire qui sait régenter jusqu'aux rois*

      Die Grammatik, welche sogar die Könige zu beherrschen weiss,

verarbeitet wird, bezieht sich auf Kaiser ~Sigismund~, der nach des
~Cuspinianus~ Kaiserchronik (unter "Sigismund") auf dem Kostnitzer
Konzil (1414-18) "Schisma" als männliches Hauptwort brauchte und,
deswegen vom Erzbischof ~Placentinus~ gerügt, lateinisch ausrief:
"Placentinus, Placentinus, wenn du auch Allen gefallen solltest,
gefällst Du uns keineswegs, da Du meinst, dass wir weniger Autorität
besitzen als der Grammatiker Priscianus, den, wie Du behauptest,
ich verletzt habe"; vrgl. ~Zincgref~ "Apophth.", Strassb. 1626, S.
60.[75]--~Menzel~ "Geschichte der Deutschen", 3. Aufl., Kap. 325:
"Konzilium zu Konstanz", lässt ohne Angabe der Quelle den Kaiser sagen:
"Ego sum rex Romanus et supra grammaticam" (Ich bin Römischer König und
über der Grammatik).--

[Fußnote 75: ~Sueton~ "Über berühmte Grammatiker" 22 und ~Cassius Dio~
57, 17 erzählen: Als Tiberius sich eines unlateinischen Wortes bedient
und Atteius Capito geäussert hatte, wenn es auch kein lateinisches Wort
sei, so würde es von nun an eins werden, sagte Marcellus: "Menschen, o
Kaiser, kannst Du das Bürgerrecht wohl geben, aber nicht Wörtern".]

       *       *       *       *       *

      *O sancta simplicitas!*

      *O heilige Einfalt!*

soll *Huss* 1415 (nach ~Zincgref-Weidner~, Amsterdam 1653, 3. T., S.
383) auf dem Scheiterhaufen ausgerufen haben, als er sah, wie ein Bauer
(nach von ~Loeper~: "Faust", sowie von Karl ~von Gebler~: "Nachklänge",
1880, 1. Bd., S. 182: "ein altes Mütterchen") in blindem Glaubenseifer
sein Stück Holz zu den Flammen herbeitrug. Doch wird schon in der
lateinischen Fortsetzung der Kirchengeschichte des Eusebius († 340)
durch ~Rufinus~ († 395) B. 10, K. 3 die "sancta simplicitas" erwähnt,
mit der ein Bekenner auf dem ersten Konzil zu Nicaea (325) einen bis
dahin unüberwindlichen Philosophen zum Schweigen brachte und bekehrte.
"Johann Huss und das Konzil zu Costnitz" nach E. de Bonnechose (Leipz.
1848, S. 254) enthält nichts von einem solchen Ausrufe des Huss.--

       *       *       *       *       *

Bei jeder Kaiserkrönung in Deutschland rief der kaiserliche Herold:

      *Ist kein Dalberg da?*

worauf der anwesende ~Dalberg~ vom neugekrönten Kaiser den Ritterschlag
als erster Reichsritter empfing. Zum ersten Male wird dieser einem
~Dalberg~ gewährte Ritterschlag bei der römischen Kaiserkrönung
~Friedrichs III.~ im Jahre 1452 erwähnt. ("Zeitschrift für deutsche
Kulturgeschichte". Neue Folge I, S. 101.)--

       *       *       *       *       *

      *Den gestrigen Tag suchen*

erklärt sich aus Wolf Büttners "627 Histoiren von Claus Narren"
(Eisleb. 1572. 21, 51), wonach der Hofnarr *Claus* († 1515) den
Kurfürsten Johann Friedrich, welcher klagt: "Den Tag haben wir übel
verloren" also tröstet: "Morgen wollen wir alle fleissig suchen und den
Tag, den du verloren hast, wohl wieder finden."--

       *       *       *       *       *

Ein 1833 erschienener Roman von ~Ludwig Bechstein~ führte den Titel:

      *Das tolle Jahr.*

Der Roman behandelt die Geschichte der Stadt Erfurt im Jahre 1509, das
wegen städtischer Wirren also benannt wurde. Heute pflegen wir das Jahr
1848 so zu nennen.--

       *       *       *       *       *

In ~Zincgref-Weidners~ "Apophthegmata" (Lpzg. 1693, S. 10) heisst es:
"Als er (*Maximilian I.*, † 1519) auf eine Zeit gar vertraulich
Gespräch hielte mit etlich seiner Leuten von einem und andern Land
und Königreich, fället er unter andern auch dieses Urteil: 'Wenn es
möglich wäre, dass ich Gott sein könnte und zween Söhne hätte, so
müsste mir der älteste Gott nach mir und der andre König in Frankreich
sein'". Die Redensart

      *leben wie Gott in Frankreich,*

die allein in Deutschland gebräuchlich ist, lässt sich nur aus dieser
Anekdote erklären. Man muss annehmen, dass Maximilian in den Mund
gelegt wurde, sein erster Sohn müsse Gott, sein zweiter Gott in
Frankreich sein.--

       *       *       *       *       *

Der Ablasskrämer Johann *Tetzel* (1455-1519) pflegte zu sagen: "sobalde
der pfennige ins becken geworffen und clünge sobalde vere die sele,
dafür er geleget, ym Himmel" (s. "Görlitzer Annalen" 1509-1542 von
Bürgermeister Joh. Hass; abgedr. in d. "Zeitschr. f. histor. Theolog."
4. Heft, Jahrg. 1842, S. 173). Hans ~Sachs~ in seinem Sang "Die
Wittenbergisch Nachtigall, Die man yetz höret vberall" (1523) legte
dann den Ablasskrämern die Verse in den Mund:

      "Legt ein gebt euwer hilff und stewr
      Und lösst die seel auss dem Fegfewr
      Bald der guldin im Kasten klinget
      Die Seel sich auff gen hymel schwinget".

Dies hat sich zu dem geflügelten Wort umgeformt:

      *Sobald das Geld im Kasten klingt,
      Die Seele aus dem Fegfeuer springt.*

Freilich hat ~Tetzel~ in seiner Antithese gegen Luthers 27. These
("Statim ut iactus numus in cistam tinnierit evolare dicunt animam")
gesagt, dass eine geläuterte Seele sich auch ohnedem zu Gott
aufschwinge, aber er hat damit nicht ganz die reinigende Kraft solcher
Spende abgeleugnet. (vrgl. Kayser: "Geschichtsquellen über Tezel"
Annab. 1877. S. 13).--

       *       *       *       *       *

*Luther* soll am 18. April 1521 vor dem Reichstage zu Worms seine
Antwort auf die Frage, ob er widerrufen wolle, mit den Worten
geschlossen haben:

      *Hier stehe ich! Ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen.*

Diese Worte stehen an dem Lutherdenkmale, welches 1868 in Worms
enthüllt wurde. Nach der ältesten Darstellung hat er aber nur die im
Sprachgebrauche der Zeit gewöhnlichen Worte: "Gott helfe mir, Amen!"
gesprochen. ("Theologische Studien und Kritiken" von Hundeshagen
und Riehm, 1869, 3. Heft, S. 517; ~Ranke~: "Deutsche Geschichte im
Zeitalter der Reformation", 6. Aufl., Bd. 1, S. 336.)--

       *       *       *       *       *

Mit dem die Richtigkeit einer Rechnung bekräftigenden Worte:

      *nach Adam Riese*

erwecken wir das Andenken des Vaters der modernen Rechenkunst, des
Bergbeamten Adam ~Ryse~ in Annaberg (1482-1559), dessen Rechenbuch 1523
zu Erfurt erschien.--

       *       *       *       *       *

      *Bruder Studio*

erklärt ~Scheube~ ("Aus den Tagen unserer Grossväter", S. 174) also:
"Als der Gründer der Universität Jena, Kurfürst *Johann Friedrich der
Grossmütige* von Sachsen, aus seiner Gefangenschaft bei Kaiser ~Karl
V.~ entlassen, am 24. Sept. 1552 feierlichen Einzug hält in seiner
neuen Hochschule, da erfreut er sich besonders an der stattlichen
Anzahl der ihn jubelnd empfangenden, kräftig frischen Jünglinge. 'Sieh!
das ist Bruder Studium!' spricht er lächelnd zu dem im Wagen an seiner
Seite sitzenden ~Lukas Cranach~, indem er auf die ihn umgebenden
Musensöhne deutet. Das Wort schlägt ein, und bald wird es zur
allgemeinen Bezeichnung des deutschen Studenten, als die es wohl bis an
das Ende aller Dinge fortleben wird".--

       *       *       *       *       *

      *Fiat iustitia, et pereat mundus*

wird in den "Loci communes" (1563) des ~Joh. Manlius~ II, p. 290
als Wahlspruch Kaiser *Ferdinand*s *I.* (reg. 1556-64) angegeben, und
~Zincgref~ ("Apophth." Strassb. 1626, S. 107) sagt von diesem Kaiser:
"Es war ihm auch diese Rede sehr gemein: 'Das Recht muss seinen Gang
haben und sollte die Welt darüber zu Grunde gehen'."--

       *       *       *       *       *

Dass

      *die Türkei der kranke Mann*

genannt wird, erklärt sich also: Auf der Münchener Staatsbibl.
(Cod. germ. 4055, S. 148-153) befindet sich ein Lied des Chorherrn
zu Baumburg J. Albert *Poysel*, "Der Türk ist krank", 1683 (von
~Ditfurth~. "Histor. Volksl. von 1648-1746", No. 45, Heilbr. 1877), in
dem es heisst:

      Mein Hirn das schwindt, mein Haupt empfindt
      Ohnmachten und Hinfallen;
      ... ... ... ... ...
      Mein Alkoran und mein Divan
      In schwerer Schwachheit liegen;
      Mein g'habte Macht, mein g'führte Pracht
      Liegen fast in den Zügen.

No. 47 daselbst (Münchener Staatsbibl., Cod. germ. 4088, S. 117) von
demselben Verfasser ist betitelt:

      Suldans Krankheit. 1684.

Der Sultan klagt darin über seine Krankheit, und es wird ihm von zehn
Ärzten über dieselbe Aufklärung erteilt. Schon zu Ende des 17. Jahrh.
hatte Sir ~Thomas Roe~, Botschafter ~Jakobs II.~ in Konstantinopel,
geschrieben, dass das Osmanenreich dem Körper eines alten Mannes
gleiche, der, mit Krankheit bedeckt, den Anschein der Gesundheit
annehme, obwohl sein Ende nahe sei. In ~Montesquieus~ "Lettres
Persanes" (1721), I, Brief 19 heisst es dann: "Ich habe mit Erstaunen
die Schwäche der Osmanen gesehen. Dieser kranke Körper wird nicht durch
eine milde und massige Diät erhalten, sondern durch gewaltsame Mittel,
die ihn unaufhörlich erschöpfen und untergraben" .... und ~Voltaire~
(Correspondance XVI) schrieb an Katharina II.: "Votre Majesté dira que
je suis un malade bien impatient et que les Turcs sont beaucoup plus
malades". Nach H. v. Treitschke ("Deutsche Geschichte im 19. Jahrh."
IV, 331) nannte ~Ancillon~ den Sultan zuerst einen "kranken Mann".

Endlich enthält ein 1854 im englischen Parlamente verteiltes Blaubuch
die Unterredungen von ~Nikolaus I.~ mit dem britischen Gesandten Sir
George ~Hamilton Seymour~ in Petersburg in den Monaten Januar bis
April 1853. Am 14. Januar hatte der Kaiser der Pforte als eines an
Altersschwäche leidenden Kranken erwähnt, der plötzlich unter den
Händen sterben könnte. ~Seymour~ hatte über das Gespräch nach London
an Lord ~Russell~ berichtet. Auf des letzteren Rückäusserung, die
Auflösung des Patienten würde doch vielleicht noch länger, vielleicht
noch hundert Jahre dauern, sagte der Kaiser zum Gesandten am 20.
Februar 1853: "Ich wiederhole Ihnen, dass der Kranke im Sterben
liegt".--

       *       *       *       *       *

Über

      *Alter Schwede*

bemerkte ~von Treitschke~ in einem Vortrage an der Berliner Universität
über "Geschichte des preussischen Staates" (Sommer 1879), der Ausdruck
sei dadurch entstanden, dass der grosse Kurfürst (1640-88) alte
gediente schwedische Soldaten in seine Dienste zu treten veranlasste.
Diese Leute seien vornehmlich zu Unteroffizieren gemacht worden,
weil sie Rekruten gut zu drillen verstanden; sie hiessen "die alten
Schweden". ~Weigand~ erklärt die Redensart als "Mann von altem Schrot
und Korn"; "~Der richtige Berliner~" (4. Aufl., 1882, S. 92) als
"gemütliche Anrede".--

       *       *       *       *       *

In der Schlacht am Speierbache am 14. Nov. 1703 im spanischen
Erbfolgekriege waren die deutschen Truppen, unter ihnen die von ihrem
Erbprinzen geführten Hessen-Kasseler, geschlagen worden. Am 13. Aug.
1704 verloren die Franzosen die Schlacht bei Höchstedt (Blenheim).
Als ihr Feldherr, Marschall ~Tallard~, gefangen vor den *Erbprinzen
von Hessen* geführt wurde, rief ihm dieser entgegen: "Ah, monsieur
le maréchal, vous êtes très-bien venu, voilà de la revanche pour
Speierbach".

      *Revanche für Speierbach*

ist noch heute ein in Hessen und Westfalen geläufiges Wort.--

       *       *       *       *       *

Nach ~Erman~ ("Mémoires pour servir à l'histoire de Sophie Charlotte,
reine de Prusse" Berlin 1801, p. 197) beklagte sich *Leibniz*
(1646-1716), die Königin Sophie Charlotte frage immer noch weiter, auch
wenn er ihr ein philosophisches Problem gelöst habe: sie verlange,

      *le pourquoi du pourquoi*,

      *das Warum des Warums*

zu erfahren.--

       *       *       *       *       *

1716 wurde auf Grund einer Denkschrift des Grafen Karl ~Truchsess~
eine Reform wegen der Kriegsgefälle des platten Landes in dem Amt
Brandenburg versucht, und der Graf und vier von den preussischen
Ständen wurden zur Beratung nach Berlin beschieden. Ein Erbieten der
vier preussischen Herren, die 220000 Thaler jährlich, auf die der
König rechnete, in bisheriger Weise aufzubringen und dies mit dem
dazu berufenen Landtage zu vereinbaren, lehnte *Friedrich Wilhelm I.*
(reg. 1713-40) durch folgende Randbemerkung vom 25. April 1716 an die
Kommission ab:

  "sie sollen mir ihre Meinung schreiben, ob das nicht angeht sonder
  mein prejudice, dass ich den Landtag lasse ausschreiben; und gebe
  auch 4000 Thlr. Diäten. Aber die Hubenkommission soll ihren Fortgang
  haben. Ich komme zu meinem Zweck und stabiliere die Souveränität und
  setze die Krone fest wie einen

      *rocher von bronze,*

und lasse den Herren Junkers den Wind von Landtag. Man lasse den Leuten
Wind, wenn man zum Zweck kommt. Ich erwarte ihr sentiment". (~Droysen~:
"Gesch. der Preuss. Polit.", Berl. 1855-81, IV, 2. Abtl. S. 198.)
Daher scheint es unhistorisch, dass ein Bericht der Stände Preussens
über die neue Besteuerung die Worte enthalten habe: Tout le pays sera
ruiné (das ganze Land wird ruiniert werden), und dass der König dazu
folgende Randbemerkung beigefügt habe: "Tout le pays sera ruiné? Nihil
kredo,[76] aber das Kredo,[77] dass die Junkers ihre Autorität Nie
pozwolam[78] wird ruiniert werden. Ich stabiliere die Souveränetät wie
einen Rocher von Bronze". Wer erzählt das zuerst?--

[Fußnote 76: Davon glaub' ich Nichts.]

[Fußnote 77: glaub' ich.]

[Fußnote 78: "Ich erlaube es nicht", Worte, mit denen jedes polnische
Reichstagsmitglied einen Beschluss verhindern konnte.]

       *       *       *       *       *

Wir nennen einen Aufschneider und seine Aufschneidereien einen

      *Münchhausen* _und_ *Münchhausiaden.*

Freiherr Karl Friedrich Hieronymus ~von Münchhausen~, auf Bodenwerder
bei Hannover (1720-97) hatte sich durch die Erzählung unglaublicher
Abenteuer, die er selbst erlebt haben wollte, einen Namen gemacht, so
dass bereits im "Vademecum für lustige Leute" T. 8 (Berl. 1781, S.
92, No. 175) sechzehn "M--h--s--nsche Geschichten", und Teil
9 (1783. S. 76, No. 166) "Noch 2 M--Lügen" vorkommen. Auch gab er
Veranlassung zu dem 1785 in London erschienenen, vom Professor ~Raspe~
in englischer Sprache verfassten Buche: "Baron Münchhausens Erzählung
seiner wundersamen Reisen und Campagnen in Russland", das ~Bürger~ ins
Deutsche übertrug. (~Raspe~ war nach "the Gentleman's Magazine for
January 1856", S. 2, storekeeper at Dolcoath Mine, in Cornwall und
schrieb hier das Buch.) ~Immermanns~ humoristischer Roman "Münchhausen"
erschien 1838-39.--

       *       *       *       *       *

Das Wort *Friedrichs des Grossen* (reg. 1740-86):

      *Gazetten müssen nicht geniert werden*

ist einem Briefe des Kabinetsministers Grafen ~Podewils~ vom 5.
Juni 1740 an Minister ~von Thulmeyer~ entlehnt, welchem darin der
Wille des Königs mitgeteilt wird, dem Redakteur der Berliner Zeitung
unbeschränkte Freiheit zu lassen, in dem Artikel "Berlin" von
demjenigen, "was anitzo hier vorgeht", zu schreiben, was er will,
ohne dass er censiert werde. "Ich nahm mir zwar die Freiheit", fährt
~Podewils~ fort, "darauf zu regerieren, dass der ***sche Hof über
dieses Sujet sehr pointilleux sei. Se. Majestät erwiderten aber,
dass Gazetten, wenn sie interessant sein sollten, nicht geniert
werden müssten" (J. D. E. ~Preuss~, "Friedrich der Grosse. Eine
Lebensgeschichte". B. 3, S. 251).--

       *       *       *       *       *

Am 22. Juni 1740 berichteten Staatsminister ~von Brand~ und
Konsistorialpräsident v. ~Reichenbach~ an Friedrich II., dass wegen
der römisch-katholischen Soldatenkinder, besonders zu Berlin,
römisch-katholische Schulen angelegt wären, die zu allerlei
Inkonvenienzen, namentlich aber dazu Gelegenheit gegeben hätten,
dass wider des Königs ausdrücklichen Befehl aus Protestanten
römisch-katholische Glaubensgenossen gemacht worden wären. Dies
habe der Generalfiskal berichtet. Sie fragten nun an, ob die
römisch-katholischen Schulen bleiben, oder welche andere Antwort sie
dem Generalfiskal geben sollten. Der König schrieb an den Rand:

  "Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der Fiscal nuhr
  das Auge darauf haben, das keine der andern abrug Tuhe, den hier mus
  ein jeder nach seiner Fasson Selich werden".

(~Büsching~, "Charakter Friedrichs II., Königs von Preussen".) Danach
citiert man als Wort des Königs:

      *In meinem Staate kann jeder nach seiner Façon selig werden.*

  Er mochte in den "Mémoires, ou oeconomies royales d'état,
  domestiques, politiques et militaires de Henri le Grand" par
  Maximilien de Bethune, due de ~Sully~ (Amst. 1725, tom. I ch. 19)
  gelesen haben: "plût a Dieu ... que vous fussiez si prudent que de
  laisser à chacun gagner Paradis comme il l'entend".--

       *       *       *       *       *

In dem Aufsatz "Die Tänzerin Barbarina" von Louis ~Schneider~ ("Der
Bär", Berlin, 10. Jan. 1880, S. 25) wird erzählt, dass, als Graf
~Dohna~ für die Bemühungen seines Haushofmeisters C. L. ~Mayer~ in der
Überführung der Tänzerin nach Berlin im Jahre 1744 auf eine besondere
Belohnung desselben antrug, der König geantwortet habe: "Kriegt nichts!
hat nur seine

      *verfluchte Schuldigkeit*

gethan". Hat der König dieses Wort zuerst gebraucht? oder ist es schon
vorher angewendet worden? Gewöhnlich sagt man:

      *Verfluchte Pflicht und Schuldigkeit.--*

       *       *       *       *       *

Als ~Friedrich der Grosse~ 1745 der Kaiserin Elisabeth von
Russland sein Bildnis von Antoine Pesne sandte, gab er ihr in dem
Begleitschreiben den Namen einer

      *Semiramis des Nordens,*

den ~Voltaire~ später auf Katharina II. anwandte (s. Strauss "Voltaire"
1. Aufl. S. 294).--

       *       *       *       *       *

      *Der Philosoph von Sanssouci*

nannte Friedrich II. sich selbst, indem er 1752 die erste Sammlung
seiner Werke unter dem Titel herausgab: "Oeuvres du Philosophe de
Sanssouci. Au Donjon du Château. Avec privilège d'Apollon".--

       *       *       *       *       *

~Friedrichs~ Reitergeneral Hans Joachim von ~Zieten~ (nicht: Ziethen)
erwarb sich den Namen:

      *Zieten aus dem Busch*

(nach "Zieten", Gedenkblätter zum 8. Okt. 1880. S. 23) schon 1744 durch
die dem Feinde sehr unbequeme und den bedrängten Waffengefährten höchst
erfreuliche Plötzlichkeit seines Erscheinens.--

       *       *       *       *       *

Am 23. Sept. 1757 schrieb ~Friedrich der Grosse~ aus Erfurt an Marquis
~d'Argens~ eine Épître, worin er den Vorsatz, seinem Leben ein Ende zu
machen, deutlich ausspricht. ~Voltaire~, dem diese Epistel zu Gesichte
gekommen war, schrieb unmittelbar darauf an den König zwei Briefe, um
ihn zu bitten, dass er noch länger leben möchte. In der Antwort des
Königs vom 9. Okt. kommt vor:

      Pour moi, menacé de naufrage,
      Je dois, en affrontant l'orage,
      *Penser, vivre et mourir en Roi.*

In ~Schubarts~ Hymnus "Friedrich der Grosse, März 1786" ("Sämtl. Ged."
Stuttg. 1786. II, 406) heisst es:

      Du schwurst im Drange der grössten Gefahr,
      Als König zu denken, zu leben, zu sterben.

Dieser Hymnus wurde in Berlin nachgedruckt; am Tage der Ausgabe wurden
7000 Exemplare verkauft: eine Wache vor dem Hause musste dem Andrange
wehren. (Journal von und für Deutschland, 1786, 2, 165.)--

       *       *       *       *       *

Vor der Schlacht bei Zorndorf (25. Aug. 1758) rief ~Friedrich~ dem
Garde-Major ~von Wedel~ zu, als ihm die ersten zerlumpten Kosaken als
Kriegsgefangene vorgeführt wurden:

      (_Sehe er hier_,) *mit solchem Gesindel muss ich mich
          herumschlagen.*

  (vrgl. ~Archenholz~: "Gesch. d. siebenjähr. Krieges", Berl. 1793. I,
  168.)--

       *       *       *       *       *

      *Der Fürst ist der erste Diener seines Staats*

hat ~Friedrich der Grosse~ sechsmal und stets in französischer Form
geschrieben. So heisst es in ~Friedrichs~ "Mémoires de Brandebourg" (T.
1, p. 123 der Ausg. der Werke ~Friedrichs~ durch ~Preuss~): "Un prince
est le premier serviteur et le premier magistrat de l'État", und es
wiederholt sich in verschiedenen Wendungen, bei denen einmal das Wort
"domestique", einmal das Wort "premier ministre" gebraucht wird, an
folgenden Stellen: T. 8, p. 65; T. 9, p. 197; T. 24, p. 109; T. 27,
p. 297 und kommt ausserdem in dem im Archiv liegenden eigenhändigen
'Testament politique' des Königs vor.

  ~Hettner~ ("Gesch. d. deutsch. Literat, im 18. Jahrh." 2. Buch. "D.
  Zeitalt. Friedr. d. Gr." 3. Aufl., Brnschwg. 1879, S. 14) glaubt das
  Wort auf ~Massillon~ zurückführen zu dürfen, "welcher die Knaben-
  und Jünglingsjahre Friedrichs aufs tiefste beschäftigte". In den
  berühmten Fasten-Predigten (Petit-Carême), die ~Massillon~ auf Befehl
  des Regenten dem 9jährigen König ~Ludwig XV.~ (im Jahre 1717) hielt,
  steht nämlich: "Sire, die Freiheit, welche die Fürsten ihren Völkern
  schuldig sind, ist die Freiheit der Gesetze: Ihr seid nur der Diener
  und Vollstrecker des Gesetzes". (Vous n'en êtes que le ministre et
  le premier dépositaire.) Diese Anschauung von den Regentenpflichten
  ist aber noch älter. Schon in ~Calderon~ "Das Leben ein Traum"
  (zuerst gedruckt 1635), Akt I, steht: "~Seneca~ sagte, dass ein
  König der demütige Sklave seines Staates wäre". Es ist die Stelle
  aus "De clementia" I, 19 gemeint: "(rex) probavit, non rempublicam
  suam esse, sed se reipublicae". Und sogar schon von ~Tiberius~
  überliefert ~Sueton~ ("Tib." 29), dass er gesagt habe, "ein guter
  und heilbringender Fürst müsse dem Senat dienen und der gesamten
  Bürgerschaft ("bonum et salutarem principem ... senatui servire
  debere et universis civibus...").--

       *       *       *       *       *

Am Schluss des "Exposé du gouvernement prussien" ~Friedrichs des
Grossen~ heisst es:

"Dies sind einige meiner Betrachtungen und Gedanken über die Regierung
dieses Landes, welches, so lange es nicht eine grössere Konsistenz und
bessere Grenzen haben wird, von Fürsten regiert werden muss, die

      *toujours en vedette*

      *immer auf dem Posten*

sein und die Ohren aufsperren müssen, sich von einem Tag zum andern
gegen die verderblichen Pläne ihrer Feinde zu verteidigen".--

       *       *       *       *       *

Die Randschrift des Königs zu einer Anfrage des Ministeriums vom 18.
Dez. 1766 hinsichtlich der Instandsetzung der schadhaft gewordenen
Langen Brücke in Berlin "Buchholtz hat kein Geld dazu" lebt in der Form:

      *Dazu hat Buchholtz kein Geld*

noch heute im Volksmunde.

  (~Buchholtz~ wurde 1753 Hof-Etats-Rentmeister, dann Kriegs-
  und Domänenrat, sowie Königlicher Trésorier. S. "Johann August
  Buchholtz", nach Familienpapieren erzählt vom Hauptmann J. B.
  Buchholtz in der Berliner Wochenschrift "Der Bär", 1881, No. 11, S.
  157 u.s.w., sowie "Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine",
  April 1878, S. 12.)--

       *       *       *       *       *

Die unklassische Inschrift der 1780 vollendeten königlichen Bibliothek
zu Berlin

      *Nutrimentum spiritus*

      Nahrung des Geistes

verdankt ihren Ursprung wohl einer Lektüre ~Friedrichs des Grossen~,
der "Histoire ou vie tirée des monumens anecdotes de l'ancienne Égypte"
des Abbé ~Terrasson~ (Amst. 1732, S. 70), ein Werk, das ~Friedrich~
in einem Briefe aus Ruppin vom 23. März 1733 an Herrn von ~Grumbkow~
lobte. Die Überschrift der Bibliothek in Theben lautete nach Diodor 1,
49, 3: "ψυχῆς ἰατρεῖον" ("Klinik für die Seele").

  Übrigens gebrauchte der König während der Zeit des Baues die
  Ausdrücke "aliment de l'esprit" und "nourriture de l'âme" (s.
  ~Preuss~: "Oeuvres de Frédéric-le-Grand", XXIV, p. 27 und XXV, p.
  18). ~Ad. Streckfuss~ ("500 Jahre Berliner Geschichte" 3. Aufl., 1.
  Bd., 8. Abteil., 13. u. 14. Kap.) nennt ohne Beleg als Verfasser
  der Inschrift ~Quintus Icilius~, der jedoch ein zu guter Lateiner
  war, um nicht zu wissen, dass "spiritus" ohne Beiwort nur "Hauch"
  oder "Athem" heisst. "Nutrimentum" oder "Pabulum ingenii" wäre
  unanfechtbar gewesen. Nach ~Thiébault~ ("Mes souvenirs de vingt ans
  de séjour à Berlin, ou Frédéric le Grand" I, 283; Paris 1804) wählte
  der König die Inschrift gerade gegen den Rath des Quintus Icilius.--

       *       *       *       *       *

Nach Ed. ~Vehse~ ("Preussen" IV, 175) steht in einer Kabinetsordre
~Friedrichs des Grossen~ von 1785 (ein Datum giebt er nicht an):

      *Ich bin es müde, über Sklaven zu herrschen.*

Der Satz entspricht völlig ~Friedrichs~ erleuchtetem Sinn. Noch
sechzehn Tage vor seinem Tode verfügte er in der Kabinetsordre vom 1.
Aug. 1786 über die Besiedelung urbar gemachten Landes bei Tilsit: "Die
Bauern, welche da angesetzt werden, müssen ihre Güter alle eigentümlich
haben, weil sie keine Sklaven sein sollen" (s. ~Preuss~: "Friedr. d.
Gr." 1834. IV, 259-60).--

       *       *       *       *       *

Im Jahre 1770 war in Jena

      "*Schwefelbande*"

der Name einer als roh berüchtigten Studentenverbindung

  (s. H. A. O. Reichardts Selbstbiographie, überarbeitet und
  herausgegeben von Hermann Uhde, Stuttg. 1877).--

       *       *       *       *       *

Eine veraltete, allbekannte Anekdote nennen wir einen

      *Meidinger*

wegen der Sammlung "Auserlesener Histörchen", die den Lesestoff der
1783 erschienenen, vielgebrauchten französischen Grammatik Johannes
Val. *Meidinger*s bildeten.--

      *Ein Rothschild*

wird ein schwer reicher Mann genannt nach dem Begründer des
Handlungshauses zu Frankfurt a. M., Mayer Anselm Rothschild
(1743-1812), und nach den Erben seines Namens und Rufes.--

       *       *       *       *       *

      *Tempi passati!*

geht auf Kaiser *Joseph II.* (geb. 1741; gest. 1790) zurück.
~Archenholtz~ "England und Italien" (1785) erzählt im 2. Bande, S. 46,
bei Gelegenheit der Beschreibung des Dogenpalastes in Venedig: "Unter
andern ist hier die ausserordentliche Begebenheit vorgestellt, wie
Kaiser Friedrich I. 1172 vom Papst Alexander zu Venedig vom Bann mit
grossen Feierlichkeiten losgesprochen wurde. Der Kaiser liegt hier der
Geschichte gemäss zu den Füssen des Papstes und erhält die Absolution.
Es wird erzählt, dass man, als Kaiser Joseph II. diesen Palast besah,
geglaubt habe, ihm nicht dies Gemälde zeigen zu dürfen, und daher
bemüht gewesen sei, seine Aufmerksamkeit auf andere Gegenstände
zu richten; allein vergebens. Der Kaiser ward es gewahr, man sagte
ihm mit dem grössten Glimpf, wovon die Rede sei, worauf er lächelnd
versetzte: "Tempi passati!" (s. Kap. III das schwermütige: "Die Zeiten
sind vorbei!") Das in Rede stehende Gemälde ist von ~Federigo Zuccaro~
(† 1609) und hängt in dem Saale des grossen Rats (sala del maggior
consiglio) rechts nach der Piazetta zu.--

       *       *       *       *       *

Nach ~Georg Webers~ "Weltgeschichte" (12. Aufl., I, 819) sagte der
Minister Fürst Wenzel Anton von *Kaunitz* (1711-94) zu ~Joseph II.~:
"Ein ganzes

      *Volk in Waffen*

ist an Majestät dem Kaiser ebenbürdig".--

       *       *       *       *       *

      *Ruhe ist die erste Bürgerpflicht*

ist einem öffentlichen Anschlagzettel auf blassrotem Papier mit
deutschen Lettern entlehnt, welchen der Minister Graf *von der
Schulenburg-Kehnert* am Montag nach der Schlacht bei Jena an die
Strassenecken Berlins heften liess, und welcher lautete: "Der König
hat eine Bataille verlohren. Jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht.
Ich fordere die Einwohner Berlins dazu auf. Der König und seine Brüder
leben! Berlin, den 17. Oktober 1806. Graf v.d. Schulenburg". Ein
Exemplar des Anschlages befindet sich im Märkischen Provinzial-Museum
zu Berlin.--

       *       *       *       *       *

Die Bezeichnung des Freiherrn ~vom und zum Stein~ als

      *Alles Bösen Eckstein,
      Alles Guten Grundstein,
      Aller Deutschen Edelstein*

(in der Fassung "Des Guten Grundstein" etc., Inschrift an dem am 9.
Juli 1872 auf der Burg Nassau enthüllten Steindenkmale) rührt nach
einer "Biographie Steins" des Freiherrn A. v. ~Seld~ (s. H. ~Pröhles~
"Germania", S. 289) von dem Geheimen Ober-Regierungsrat *Süvern*
(1775-1829) in Berlin her. Der Spruch wurde nach Streckfuss ("500 Jahre
Berliner Geschichte" X. Abt., 5. Kap., 3. Aufl., 1880) im Jahre 1808
bekannt. (Wodurch?) In ~Schmidts~ "Neuem Nekrolog der Deutschen", 9.
Jahrgang (1831), stehen unter einem Stahlstiche des Freiherrn vom Stein
die Worte:

      *Des Rechtes Grund-Stein,
      Dem Unrecht ein Eck-Stein,
      Der Deutschen Edel-Stein.*

S. 572 stehen dieselben Worte als Motto von Steins Biographie. In den
"Erinnerungen an Minister vom Stein" (Altenburg 1832) befindet sich
sein Titelbild mit derselben Unterschrift, und in "Steins Lebensabend"
von Dr. ~Wiesman~ (Münster 1831, S. 35) heisst es: "Noch von einer
späten Nachwelt wird mit hoher Achtung genannt werden der edle Name
dieses grossen Mannes, unter dessen Bild die dankbaren Zeitgenossen die
bedeutungsvollen und treffenden Worte setzten:

      Freiherr von Stein,
      Des Rechtes Grund-Stein,
      Dem Unrecht ein Eck-Stein,
      Der Deutschen Edel-Stein".

Sicherlich dachte der Verfasser des Steinspruchs dabei an Jesaias 28,
16: "... ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein,
einen köstlichen Eckstein ..." (s. Kap. I).--

       *       *       *       *       *

      *Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!*

(Erweiterung des Ausdrucks in Psalm 73, 19: "ein Ende mit Schrecken
nehmen") rief Ferdinand *von Schill* (1776-1809) am 12. Mai 1809 auf
dem Marktplatze von Arneburg an der Elbe der begeisterten Schar zu, die
ihm von Berlin aus nachgezogen war. (~Haken~ in "Ferdinand von Schill",
Lpz. 1824, Bd. 2, S. 88, setzt hinzu: "Dieser Ausdruck war seiner
Vorstellung so geläufig, dass er sich desselben zum öftern bediente".)
Es berührt komisch, dass schon ~Aesops~ Hasen (Halm 237 c) ähnlich
sagen: "βέλτιον ... θανεῖν ἅπαξ ἢ διὰ βίον τρέμειν",
"Besser auf einmal sterben, als sein Leben lang in Schrecken sein".
Dies scheint aus ~Homer~ zu stammen, bei dem wir Il. 15, 511 lesen:

      βέλτερον, ἢ ἀπολέσθαι ἕνα χρόνον ἠὲ βιῶναι,
          ἢ δηθὰ στρεύγεσθαι ἐν αἰνῇ δηιοτῆτι.

Besser, die Wahl des Todes beschleunigen oder des Lebens, Als so lang'
hinschmachten in schreckensvoller Entscheidung. und Odyss. 12, 350:

      Βούλομ' ἅπαξ πρὸς κῦμα χανὼν ἀπὸ θυμὸν ὀλέσσαι,
          ἢ δηθὰ στρεύγεσθαι ...

      Lieber will ich auf einmal den Geist in den Fluten verhauchen,
      Als noch lang' hinschmachten...--

       *       *       *       *       *

1811 verteidigte Finanzminister Graf *Wallis* in Wien eine Verfügung,
durch die er die Reduzierung der Bankozettel auf ein Fünftel ihres
Nennwerts anordnete, ~Metternich~ im Ministerrate gegenüber unter
andern mit den Worten:

      *Was gemacht werden kann, wird gemacht.--*

       *       *       *       *       *

Den Namen "Schar der Rache" gab Major Freiherr Ludwig Adolf Wilhelm
*von Lützow* (1782-1834) im Freiheitskriege der von ihm gesammelten
Freischar. Gewöhnlich wird citiert:

      *Korps der Rache.--*

       *       *       *       *       *

In der Beilage III, Abs. 5 zu *Friedrich Wilhelm III.* (reg. 1797-1840)
Verordnung vom 17. März 1813 über die Organisation der Landwehr (gedr.
in d. Hartungschen Holbuchdruckerei) heisst es: "Jeder Landwehrmann
wird als solcher durch ein Kreuz von weissem Blech mit der Inschrift

      *Mit Gott für König und Vaterland*

bezeichnet, welches vorn an der Mütze angeheftet wird". "Pro deo,
rege et patria" (Für Gott, König und Vaterland) war nach der Berliner
Zeitschrift "Der Bär" (1879, No. 16) schon 1701 der Wahlspruch einer
Landmiliz zu Bernau bei Berlin.--

      *So fluscht et bäter,* _oder_: *Dat fluscht bäter*

      (So geht es besser von statten)

rief in der Schlacht bei Grossbeeren am 23. Aug. 1813 die pommersche
Landwehr, die im Regen unbrauchbaren Flinten umkehrend und mit
Kolbenschlägen auf die Schädel der Feinde einhauend.

  In Gustav ~Partheys~ "Jugenderinnerungen" (1871; I, 397) heisst es
  über einen Hauptmann von Rode: "Keinen grösseren Gefallen konnte
  er seinen Leuten thun, als wenn er ihnen erlaubte, die Gewehre
  umzukehren und mit dem Kolben zu arbeiten. 'Det fluscht besser'!
  pflegten sie in ihrem Plattdeutsch zu sagen, und diese Redensart
  ist lange in manchen Berliner Kreisen einheimisch gewesen, ja man
  erzählte sich, dass auch dem Kronprinzen von Schweden dieses seltsame
  Wort zu Ohren gekommen, und er sich nach der Bedeutung erkundigt.
  Als man ihm dieselbe deutlich gemacht, habe er zu den Pommern und
  Uckermärkern gesagt: Eh bien, flouchez toujours!"--

       *       *       *       *       *

Nach v. ~Treitschke~ ("Deutsche Gesch. im 10. Jahrh.", Lpz. 1879, 1.
B., S. 504) wurde ~Blücher~ am 19. Okt. 1813, während er die Russen
gegen das Gerberthor in Leipzig führte, zum ersten Male von den Kosaken
mit dem Ehrennamen begrüsst:

      *Marschall Vorwärts!--*

       *       *       *       *       *

Am 23. Nov. 1814 schrieb Jacob ~Grimm~ an seinen Bruder Wilhelm
(Briefwechs. d. Brüd. Grimm. Weimar 1881) vom Wiener Kongress her,
der im September begonnen hatte: "Wie dieser Tage der prince de Ligne
sagte: "le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas". Gewöhnlich
wird dies Spottwort des österreichischen Feldmarschalls ~Karl Josef
Fürst~ von *Ligne* († Dez. 1814) in der Form citiert:

      *Le congres ne marche pas, il danse.*

~Varnhagen von Ense~ ("Galerie v. Bildnissen aus Rahels Umg. u.
Briefwchs." Lpz. 1836. I, 92) schreibt: "Der Fürst von Ligne erlebte
noch den grossen Kongress von Wien, wo die Feste leichter als die
Geschäfte in Gang kamen, und sein berühmtes Wort veranlasst wurde:

      Der Kongress tanzt wohl, aber geht nicht".--

       *       *       *       *       *

H. v. ~Treitschke~ ("Hist. u. polit. Aufs.", 4. Aufl., Lpz. 1871, I,
171) sagt in "Hans von Gagern" (München 1861): "Man kennt *Blücher*s
Toast nach Waterloo (18. 6. 1815):

      *Mögen die Federn der Diplomaten nicht wieder verderben, was das
          Volk mit so grossen Anstrengungen errungen!"--*

       *       *       *       *       *

Über den Ausdruck:

      *den Schwerpunkt nach Ofen verlegen*

sagt der namenlose Verfasser (Kertbeny, ~Benkert~) der "Spiegelbilder
der Erinnerung" (1869. III, S. 189, in der "Geschichte eines
Stiefgrossvaters"):

  "Österreichs Schwerpunkt liegt in Budapest. Dies 'geflügelte Wort'
  sprach zuerst dessen Erfinder *Friedrich von Gentz* 1820 im Kabinete
  ~Metternichs~ aus; im ungarischen Reichstage erklang dies Schlagwort
  zuerst aus dem Munde des grossen Grafen ~Széchenyi~; 1840 rief
  ~Massimo d'Azeglio~ dies Wort Österreich zu, um es zu bewegen,
  seine fixe Idee des Besitzes von Oberitalien aufzugeben; dies Wort
  sprach Graf Camillo ~Cavour~ 1857 in Compiègne aus, und diesen
  guten Rat erlaubte sich Graf ~Bismarck-Schönhausen~ 1863 in einer
  Zirkulardepesche Österreich schriftlich (?), 1866 praktisch auf dem
  Schlachtfelde zu erteilen."

Graf ~Beust~ äusserte in der Sitzung der österreichischen Delegationen
vom 19. Aug. 1869, die Redensart entstamme einer Unterredung Bismarcks
mit dem österreichischen Gesandten ~Karolyi~.--

       *       *       *       *       *

Karl von ~Holtei~ erzählt ("Vierzig Jahre" IV, 61; vrgl. VI, 137;
2. Aufl. 1859), Zacharias *Werner* (1768-1823) pflegte "in Zeiten
seiner Wiener Heiligkeit", (also von 1814 an bis zu seinem Tode, 1823)
~Goethe~ nur mit

      *d*(_ies_)*er grosse Heide*

zu bezeichnen ["ein Ausdruck, den der liebenswürdige Grillparzer--wenn
er Werners ostpreussischen Dialekt nachahmt, unwiderstehlich!--gar
nicht vergessen kann"]. Dies mag ~Heine~ zu Ohren gekommen sein, von
dem ~Goethe~ ("Norderney 1826. "Ges. W." her. v. Strodtmann 1, 138
u.a.a.O.) auch öfters "der grosse Heide" genannt wird, bis er dann in
seinem Buche "Über Deutschland", 1834 ("Ges. W." 5, 228) meint, "man"
lege diesen Namen ~Goethe~ bei, doch sei er "nicht ganz passend" wegen
des unverkennbaren Einflusses des Christentums auf diesen Dichter.
~Goethes~ "Heidentum" betonte übrigens schon vor ~Werner~ im Jahre 1811
(aus Dresden am 24. Mai an J. Bertram; vrgl. "Sulp. Boisserée" Stuttg.
1862, 1, 129) Sulpice ~Boisserée~, ohne jedoch vom "grossen Heiden" zu
reden.--

       *       *       *       *       *

Es wird behauptet, dass die letzten Worte, die *Goethe* am 22. März
1832 vor seinem Tode sprach:

      *Mehr Licht!*

gewesen seien; er soll jedoch eigentlich gesagt haben: "Macht doch den
zweiten Fensterladen auch auf, damit mehr Licht hereinkomme".--

       *       *       *       *       *

Gustav ~Freytag~ erzählt in "~Karl Mathy~. Geschichte seines Lebens"
(Lpzg. 1872, S. 49), dass dieser 1831 als junger Kameralpraktikant eine
kleine Schrift "Vorschläge über die Einführung einer Vermögenssteuer in
Baden", Karlsruhe 1831, bei der badischen zweiten Kammer einreichte,
und dass seine Arbeit nach einem rühmenden Bericht Karl *Rotteck*s
(1775-1840) mit grosser Anerkennung unter der damals neuen Bezeichnung:

      *Schätzbares Material*

der Kammerbibliothek einverleibt wurde. Dieses Wort fand Anklang. So
hielt am 15. Mai 1851 Fürst ~Schwarzenberg~ beim Schluss der Dresdener
Ministerkonferenzen eine Ansprache, in der es unter anderm hiess:

  "Endlich liegen uns ~schätzbare Materialien~ vor, welche von den
  aus unserer Mitte gewählten Kommissionen mit tiefer Sachkenntnis,
  mit gründlichem Fleiss und dankenswerter Ausdauer zu tage gefördert
  worden sind, und welche, wenn sie gehörig benutzt werden, zur
  zweckmässigen Ausbildung und Verbesserung der Bundesverfassung, somit
  zur Erstarkung und zur Wohlfahrt des Bundes wesentlich beitragen
  können".

("Berliner Konstitutionelle Zeitung", 17. Juni 1851, Morgenausg.; 26.
Juni 1851, Abendausg.)--

       *       *       *       *       *

Bei dem Festschmause in Halle im Jahre 1834 aus Anlass der Vollendung
des neuen Universitätsgebäudes erhielt der Oberleiter des Baues,
Oberbaurat *Matthias* seinen Toast. Kurz darauf erhebt er sich und
beginnt: "Meine Herren:

      *Unvorbereitet wie ich bin-- --*

hm! hm!-- --Unvorbereitet wie ich bin-- --hm! hm!"--Weiter geht es
nicht, und er zieht harmlos aus seiner Brusttasche ein fertiges
Manuskript hervor, welches er in aller Gemütsruhe herunterliest.
Das erregte viel Heiterkeit, und das Wort ist in Halle zuerst zum
geflügelten geworden.[79] Die Wendung wird scherzhaft umgestaltet zu:

      *Unvorbereitet wie ich mich habe.--*[80]

[Fußnote 79: ~Gutzkow~: "Rückblicke auf mein Leben", Berlin 1875, S.
242, führt die Redensart auf Fr. L. ~Schmidt~, Direktor des Hamburger
Stadttheaters, zurück, der bei seinem 25jährigen Direktionsjubiläum
1840 ganz wie Oberbaurat ~Matthias~ 1834 verfahren sein soll; doch nennt
Hermann ~Uhde~, der Herausgeber der "Denkwürdigkeiten von Fr. L.
Schmidt", Jena 1875 ("das Stadttheater in Hamburg", 1879, S. 132 u.
133) diese Gutzkowsche Anekdote einen bedauerlichen Irrtum.]

[Fußnote 80: In Linz bezeichnet man den verstorbenen Direktor des
dortigen Gymnasiums, Dr. ~Columbus~, als den Urheber dieses lapsus
linguae.]

       *       *       *       *       *

Einen vorzüglichen Cicerone nennen wir einen

      *Baedeker,*

indem der Koblenzer Buchhändler Karl ~Baedeker~ (1801-59) im Jahre
1836 Prof. J. A. ~Kleins~ "Rheinreise von Mainz bis Köln, Handbuch
für Schnellreisende" (Fr. Röhling, Koblenz 1828) in zweiter Auflage
neubearbeitet herausgab, welches Buch der Keim ward zu den jetzt
allbeliebten Baedekerschen Reisehandbüchern für Europa und den Orient,
die nach des Begründers Tode von dessen Söhnen fortgesetzt worden
sind.--

       *       *       *       *       *

Wir lesen in einem Aufsatze "Ungewöhnliche Charaktere" in den "Neuen
Preussischen Provinzialblättern" (hrsg. v. A. ~Hagen~, B. VI, S.
228) von einem 1839 in Königsberg gestorbenen alten, überstudierten
Kandidaten und Hospitaliten ~Johann Wilhelm Fischer~. Seine armselige
Gestalt zog ihm, der viel auf den Strassen lag, erst die allgemeine
Aufmerksamkeit und bald den allgemeinen Anruf:

      *Guten Morgen, Herr Fischer!*

zu, der ihn so verdross, dass er wiederholt bei der Polizei und selbst
bei dem königlichen Throne um Abhilfe bat. (S. "Der Königsberger
Freimütige", 4. Febr. 1852, No. 29).--

       *       *       *       *       *

      *Der beschränkte Unterthanenverstand,*

diese Blüte bureaukratischer Überhebung, entstand folgendermassen: 1837
hob der König von Hannover die Verfassung seines Landes auf. Sieben
Göttinger Professoren protestierten dagegen, unter ihnen Professor
~Albrecht~ aus Elbing. Von vielen Seiten erhielten diese Professoren
beistimmende Adressen; auch wurde eine, die von ~Prince Smith~ verfasst
war, von Einwohnern Elbings an ~Albrecht~ gerichtet. ~Jakob~ van
~Riesen~ in Elbing sendete dem preussischen Minister des Innern ~von
Rochow~ eine Abschrift davon ein, worauf folgende Antwort erfolgte,
deren Original in der Elbinger Stadtbibliothek liegt:

  "Ich gebe Ihnen auf die Eingabe vom 30. v. M., mit welcher Sie
  mir die von mehreren Bürgern Elbings unterzeichnete Adresse an
  den Hofrath und Professor Albrecht überreicht haben, hierdurch
  zu erkennen, dass mich dieselbe mit unwilligem Befremden erfüllt
  hat. Wenn ich auch annehmen will, dass es nur Gewissenszweifel
  gewesen sind, welche den Professor Albrecht bewogen haben, die ihm
  angesonnene Eidesleistung für unstatthaft zu halten, so bin ich
  doch so weit entfernt, die in der Erklärung des Albrecht und seiner
  Göttinger Amtsgenossen ausgesprochene Beurtheilung des Verfahrens
  Sr. Majestät des Königs von Hannover dadurch gerechtfertigt oder
  auch nur entschuldigt zu finden, dass ich solche vielmehr für
  eine ebenso unbesonnene als tadelnswerthe und nach diesseitigen
  Landesgesetzen selbst strafbare Anmassung halte. Die Unterzeichner
  der Adresse an den Professor Albrecht laden daher mit Recht denselben
  Vorwurf auf sich, indem sie jene Erklärung billigen und loben und
  dadurch die Gründe derselben zu den ihrigen machen. Es ziemt dem
  *Unterthanen*, seinem Könige und Landesherrn schuldigen Gehorsam zu
  leisten und sich bei Befolgung der an ihn ergehenden Befehle mit der
  Verantwortlichkeit zu beruhigen, welche die von Gott eingesetzte
  Obrigkeit dafür übernimmt; aber es ziemt ihm nicht, die Handlungen
  des Staatsoberhauptes *an den Massstab seiner beschränkten Einsicht*
  anzulegen und sich in dünkelhaftem Übermute ein öffentliches Urteil
  über die Rechtmässigkeit derselben anzumassen u.s.w. u.s.w.

    Berlin, den 15. Januar 1838.

      Der Minister des Innern und der Polizei,

        von ~Rochow~".

Aus den Worten des dritten Absatzes des mitgeteilten Schriftstückes:
"Es ziemt dem Unterthanen nicht, die Handlungen des Staatsoberhauptes
an den Massstab seiner beschränkten Einsicht anzulegen", ist unser Wort
gemacht worden. ~Georg Herwegh~ wendete es in seinem im Dez. 1842 aus
Königsberg an ~Friedrich Wilhelm IV.~ von Preussen gerichteten Briefe
an.

  In den "Erinnerungen" von J. D. H. ~Temme~ (Feuilleton der
  "Frankfurter Zeitung", 2. April 1879) steht: "Jener bekannte Satz
  des preussischen Polizeiministers ~von Rochow~, vielmehr seines
  Geheimrates ~Seiffart~: der beschränkte Unterthanenverstand" u.s.w.
  In einer Fussnote wird hinzugefügt: "Auch der Geheimrat Seiffart
  war nicht der Vater der berüchtigten Phrase vom beschränkten
  Unterthanenverstande. Ein mir befreundeter Rat des Rochowschen
  Ministeriums teilt mir folgendes über die kleine Geschichte mit:
  -- -- -- Die Angelegenheit gehörte zu dem Decernat des Herrn
  Seiffart. Herr Seiffart hatte einen Hilfsarbeiter, einen hochmütigen,
  übermütigen jungen Assessor; -- -- er hatte auch den Bescheid
  auf den Elbinger Bericht abzufassen, und er hatte darin jene
  Phrase angebracht. Dem Herrn Seiffart war sie wohl aus der Seele
  geschrieben; er liess sie stehen; auch der Herr von Rochow, wie
  feine Umgangsformen er auch besass, war nicht der Mann, der sie
  hätte unterdrücken mögen. Mein Freund nannte mir auch den Namen des
  jungen Assessors; ich erinnere mich desselben aber nicht mehr mit
  Bestimmtheit und mag daher hier nicht Gefahr laufen, vielleicht einen
  unrichtigen zu nennen".--

       *       *       *       *       *

Die grüne Patina, welche so wirkungsvoll edle alte Bronzen überzieht,
und dann im allgemeinen jeden altertümlichen Reiz, nennen wir mit
*Friedrich Wilhelm IV.* (reg. 1840-1861):

      *den verschöne*(_r_)*nden Rost der Jahrhunderte;*

denn dieser König sprach bei der Huldigung in Königsberg am 10.
September 1840:

  "So wolle Gott unser preussisches Vaterland sich selbst, Deutschland
  und der Welt erhalten, mannigfach und doch Eins, wie das edle Erz,
  das, aus vielen Metallen zusammen geschmolzen, uns ein einziger
  Edelstein ist,--keinem andern Rost unterworfen, als dem verschönenden
  der Jahrhunderte."--

       *       *       *       *       *

~Friedrich Wilhelm IV.~ empfing 1842 den jugendlichen Dichter ~Herwegh~
mit den Worten:

      *Ich liebe eine gesinnungsvolle Opposition.--*

Er sagte in der am 11. April 1847 vor dem Vereinigten Landtage
gehaltenen Thronrede:

  "Möchte doch das Beispiel des einen glücklichen Landes, dessen
  Verfassung die Jahrhunderte und eine

      *Erbweisheit*

  ohne Gleichen, aber kein Stück Papier gemacht haben, für uns
  unverloren sein und die Achtung finden, die es verdient".

Am 15. April citierte Freiherr ~Vincke~ das Wort mit dem Zusatze:
"Erbweisheit der Engländer". Doch war es so nicht gemeint gewesen.
~Eberty~ ("Gesch. d. preuss. Staats", VII, 265) sagt: "Von den
Eingeweihten aber erfuhr man nachträglich, dass Mecklenburg gemeint
war".--

       *       *       *       *       *

      *Zwischen mich und mein Volk soll sich kein Blatt Papier drängen*

ist umgestaltet aus den Worten ~Friedrich Wilhelms IV.~ (in derselben
Rede): "Es drängt mich zu der feierlichen Erklärung -- -- --,
dass ich nun und nimmermehr zugeben werde, dass sich zwischen unsern
Herr Gott im Himmel und dieses Land ein ~beschriebenes Blatt~,
gleichsam eine zweite Vorsehung eindränge..."--

       *       *       *       *       *

      *Rechtsboden*

ist auf diejenige Stelle derselben Thronrede zurückzuführen, an welcher
der König den Landtag anruft, ihm zu helfen, "den Boden des Rechts (den
wahren Acker der Könige) immer mehr zu befestigen und zu befruchten".--

       *       *       *       *       *

In der am 21. März 1848 erschienenen Proklamation ~Friedrich Wilhelms
IV.~ "An mein Volk, an die deutsche Nation" kommen die Worte vor:

      *Preussen geht fortan in Deutschland auf!--*

       *       *       *       *       *

      *Auf den breitesten Grundlagen*

steht zuerst in einer am 22. März 1848 einer Deputation der Städte
Breslau und Liegnitz erteilten Antwort des Königs, deren Beginn lautet:
"Nachdem ich eine konstitutionelle Verfassung auf den breitesten
Grundlagen verheissen habe..." Das Wort wurde in dem königlichen
Propositionsdekret vom 2. April an den vereinigten Landtag wiederholt.
Es findet sich dann in dem Manifeste (datiert Schönbrunn, 6. Okt.
1848) wieder, wodurch Kaiser ~Ferdinand~ seine zweite Abreise von Wien
ankündigte.--

       *       *       *       *       *

~Friedrich Wilhelm IV. ~führte den Ausdruck:

      *Racker von Staat*

oft im Munde (s. "Briefe von Alexander von Humboldt an Varnhagen
von Ense", Lpz. 1840, S. 274). W. ~Hoffmann~ erzählt darüber in
"Deutschland einst und jetzt im Lichte des Reiches Gottes" (Berl. 1868,
S. 299):

  "Ein Bauer aus dem Regierungsbezirk Merseburg, dem der König eine
  unbillige Forderung, die er mündlich vorbrachte, nicht gewähren
  konnte und sich dabei auf den 'Staat und dessen Ordnung' berief,
  hatte nämlich geantwortet: 'O! ich wusste wohl, dass nicht mein
  geliebter König mir entgegensteht, sondern der Racker von Staat'.
  Dieses Bauers Wort gebrauchte der König im Scherze, oft auch in
  Ironie".--

       *       *       *       *       *

*Heinrich LXXII.*, Fürst Reuss zu Lobenstein und Ebersdorf, hat durch
einen seiner wunderlichen Erlasse der deutschen Sprache:

      *Auf einem Prinzip herumreiten*

und das daraus gebildete

      *Prinzipienreiter*

zugeführt. Dieser Erlass stand im "Adorfer Wochenblatt", wurde vom
"Halleschen Courier" nachgedruckt, ging aus letzterem in die "Vossische
Zeitung" (18. Sept. 1845) über und lautet:

  "Ich befehle hiermit Folgendes in's Ordrebuch und in die
  Spezial-Ordrebücher zu bringen. Seit 20 Jahren ~reite Ich auf einem
  Prinzip herum~, d.h. Ich verlange, das ein jeglicher bei seinem
  Titel genannt wird. Das geschieht stets nicht. Ich will also hiermit
  ausnahmsweise eine Geldstrafe von 1 Thlr. festsetzen, der in Meinem
  Dienste ist, und einen Andern, der in meinem Dienste ist, nicht bei
  seinem Titel oder Charge nennt".

    Schloss Ebersdorf, den 12. Oktober 1844.

      ~Heinrich LXXII.~--

       *       *       *       *       *


      *Rühmlichst abwesend*

nannte die amtliche Zeitung den Prinzen ~Waldemar von Preussen~, der,
in Ostindien weilend, dem Begräbnis seiner Mutter in Berlin am 18.
April 1846 nicht beiwohnen konnte. So berichtet ~Varnhagen~ in seinem
Tagebuche unter dem 18. April 1846 und unter dem 22. April sagt er, der
Verfasser jener amtlichen Anzeige sei der Geheimrat und Archivdirektor
~Georg Wilhelm~ *von Raumer* († 1856).--

       *       *       *       *       *

In einer Sitzung der Kurie der drei Stände des Vereinigten Landtages
am 5. Juni 1847 (s. "Der erste Preuss. Landt. in Berl." Berlin 1847,
2. Abt., 10. Heft, S. 1387) sprach der Abgeordnete ~Hermann~ *von
Beckerath* (1801-1870) das oft citierte Wort:

      *Meine Wiege stand am Webstuhl meines Vaters.--*

Am 8. Juni 1847 sagte ebenda ~David~ *Hansemann* (1790-1864) (s. die
soeben citierte Samml., 2. Abt., 13. Heft. S. 1507):

      "Bei Geldfragen hört die Gemütlichkeit auf",

was gewöhnlich in der Form citiert wird:

      *In Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf.*

~Lessings~ Anton im "jungen Gelehrten" (3, 12) bemerkt schon: "Ich bin
ein wenig hitzig, zumal in Geldsachen."--

       *       *       *       *       *

Auf einer Äusserung des Fürsten *Metternich* (1773-1859), die sich in
dessen Brief vom 19. Nov. 1849 an ~Prokesch~ (vrgl. "Aus d. Nachlasse
d. Grf. Prokesch-Osten. Briefwechsel mit Herrn v. Gentz u. Fürsten
Metternich". Wien, 1881; Bd. II, S. 343) findet, beruhen die Worte:

      *Italien ein geographischer Begriff*

und:

      *Deutschland ein geographischer Begriff.*

Metternich sagt daselbst: "Ich habe in meiner Controverse mit Lord
Palmerston in den italienischen Fragen im Sommer 1847[81] den Ausspruch
gefällt, dass der nationale Begriff 'Italien' ein geographischer
sei, und mein Ausspruch: l'Italie est un nom géographique, welcher
Palmerston giftig ärgerte, hat sich das Bürgerrecht erworben. Mehr oder
weniger--wie dies auf alle Vergleiche passt--gilt derselbe Begriff für
das Deutschland, welches bei der Menge in der zweiten Linie der Gefühle
und der Strebungen steht, während es von reinen oder berechnenden
Phantasten (also von ehrlichen und kniffigen) auf die oberste Stelle
erhoben wird".--

[Fußnote 81: Nach Karl ~Hillebrands~ "Gesch. Frankr. v. Ludw. Phil. bis
Nap. III." 1879. II, 689 enthielt schon Metternichs Memorandum an die
Grossmächte vom 2. Aug. 1814 dieses Wort.]

       *       *       *       *       *

*Uhland* schloss am 22. Jan. 1848 im Frankfurter Parlament seine Rede
gegen die Erblichkeit der Kaiserwürde und den Ausschluss Österreichs
mit den Worten: "Glauben Sie, meine Herren, es wird kein Haupt über
Deutschland leuchten, das nicht mit einem vollen

      *Tropfen demokratischen Öls*

gesalbt ist".--

       *       *       *       *       *

      *Viribus unitis*

      Mit vereinten Kräften

ist der vom Kaiser ~Franz Joseph I.~ durch "Allerhöchste
Entschliessung" vom 12. Februar 1848 angenommene Wahlspruch. Dessen
Schöpfer ist Ritter Joseph *v. Bergmann*, Lehrer der Söhne Erzherzogs
Karl. Das vom Kaiser am 4. März 1849 von Olmütz aus erlassene
Manifest, wodurch er die Auflösung des Reichstages von Kremsier
verkündete, schliesst: "Gross ist das Werk, aber gelingen wird es den
vereinten Kräften".--

       *       *       *       *       *

In der 1. Sitzung des Vereinigten Landtages von 1848 am 2. April sprach
Graf Adolf Heinrich *Arnim-Boytzenburg* (1803-68) in der Debatte über
die Adresse an den Thron ein in verschiedenen Fassungen, z.B. in dieser:

      *Die Regierung muss der Bewegung stets einen Schritt voraus sein,*

oft citiertes Wort in folgendem Zusammenhange aus:

  "Das Ministerium hat sich ferner gesagt, dass in einer Zeit, wie
  die seines Eintritts, es nicht ratsam sei, hinter den Erfahrungen
  der drei letzten Wochen und deren Ergebnissen in den übrigen
  deutschen Staaten zurückzubleiben, sondern, dass es ~besser sei,
  den Ereignissen um einen Schritt voranzugehen~, damit nicht erst
  durch einzelne Konzessionen Einzelnes gegeben und immer wieder von
  dem Strom der Zeit überflutet werde, sondern damit das, was gewährt
  werden könne, auf Einmal gegeben, Geltung und Dauer gewinne".--

       *       *       *       *       *

In der Sitzung vom 14. Juni 1848 der preussischen Nationalversammlung
nannte ~Georg~ *Jung* bei Gelegenheit des ~Reichensperger~schen
Antrags, welcher aus Anlass einer angeblichen Misshandlung des Herrn
~von Arnim~ eine Kommission zur Untersuchung dieser Angelegenheiten zu
ernennen vorschlug, solche Ausschreitungen: das

      *Schaumspritzen jugendlicher Freiheit.--*

       *       *       *       *       *

~Von Treitschke~ ("Histor. u. polit. Aufsätze" 4. Aufl., Lpz. 1871.
I, 429, im Aufsatze "F. C. Dahlmann", Freiburg 1864) spricht über das
Vertrauen zu den rettenden Thaten der "Kabinette der bewaffneten
Furcht in Wien und Berlin" und über die auch in die Hallen von St.
Paul hereinbrechende Reaktion und sagt dann: "Kein geringerer Mann als
*Dahlmann* hat das unselige Wort:

      *Rettende That*

erfunden". (Friedrich Christoph ~Dahlmann~, geb. 1785, gest. 1860.)--

       *       *       *       *       *

Aus der deutschen konstituierenden Nationalversammlung ist das Wort des
Präsidenten ~von Gagern~ in der 22. Sitzung am 24. Juni 1848:

      *der kühne Griff,*

tief ins Volk gedrungen. Er sprach:

  "Wer soll die Centralgewalt schaffen? Meine Herren! ich habe diese
  Frage von dem Standpunkte des Rechtes und von dem Standpunkt der
  Zweckmässigkeit vielfach beurteilen hören; ich würde bedauern,
  wenn es als ein Prinzip gälte, dass die Regierungen in dieser
  Sache gar nichts sollten zu sagen haben; aber vom Standpunkte der
  Zweckmässigkeit ist meine Ansicht bei weiterer Überlegung wesentlich
  eine andere, als die der Majorität im Ausschuss...... Meine Herren!
  Ich thue ~einen kühnen Griff~ und ich sage Ihnen: wir müssen die
  provisorische Centralgewalt selbst schaffen".

Der stürmische Jubelruf, mit dem ~Gagerns~ Wort aufgenommen wurde,
verschaffte diesem seinen Widerhall, und doch hatte Gagern nur ein Wort
seines Vorredners Karl *Mathy* (1807-1868) wiederholt, der, von der
Ansicht ausgehend, dass auch die Einzelstaaten bei Begründung einer
deutschen Centralgewalt gehört werden müssten, gesagt hatte:

"... sollten die Regierungen einzelner Staaten unterlassen, dem
Beispiele zu folgen, dem Beispiele treuer Pflichterfüllung gegen das
gesammte Vaterland, welches die Versammlung, wie ich nicht zweifle,
geben wird, dann meine Herren, ja dann wäre uns ein ~kühner Griff~ nach
der Allgewalt nicht nur erlaubt, sondern durch die Not geboten".

Vielleicht schwebten ~Schillers~ Worte vor ("Gesch. d. 30jähr. Krieges"
B. 3, vorletzter Absatz):

"Die Geschichte ... sieht sich zuweilen durch Erscheinungen belohnt,
die gleich einem ~kühnen Griff~ aus den Wolken in das berechnete
Uhrwerk der menschlichen Unternehmungen fallen".--

       *       *       *       *       *

      *Das ist das Unglück der Könige, dass sie die Wahrheit nicht
          hören wollen*

sagte ~Johann~ *Jacoby* (1805-77) am 2. November 1848 als Mitglied
der von Friedrich Wilhelm IV. empfangenen Deputation der Berliner
Nationalversammlung.

  Möglicherweise kam dieses Wort, dem Erregten in jenem Augenblick
  natürlich unbewusst, aus ~Herders~ "Cid" (2, 32), wo Graf von Cabra
  zum sterbenden König Don Sancho spricht:

      "Ach, der Kön'ge hartes Schicksal,
      Dass, wenn man sie nicht mehr fürchtet,
      Dann nur ihnen Wahrheit spricht".

  Worauf der Cid leise, dass es den Verscheidenden nicht beleidige,
  hinzufügt:

      "Auch zu andern, andern Zeiten
      Sagt man ihnen wohl die Wahrheit;
      Aber ~sie~, sie hören nicht--".--

       *       *       *       *       *

In der Nacht vom 9. u. 10. Novemb. 1848, als die Bürgerwehr und die
Gewerke Berlins der Nationalversammlung bewaffneten Schutz anboten,
sprach der damalige Präsident der Versammlung Hans Victor *von Unruh*
(1806-1886): "Ich wäre entschieden der Meinung, dass hier nur

      *passiver Widerstand*

geleistet werden könne, und dass die wahre Entscheidung über
die schwere Krisis, welche durch die jetzigen Ratgeber der Krone
hereingebrochen ist, in der Hand des Landes liege. So lange die Presse,
so lange das Vereins- und Versammlungsrecht nicht von neuem geknebelt
ist, hat das Land die Mittel in den Händen, ohne Blutvergiessen den
Sieg über die Bestrebungen der Reaktion herbeizuführen", und im
weiteren Verlauf seiner Rede wiederholte er: "wir dürfen, wenn wir den
Boden im Lande nicht verlieren wollen, den Gewaltschritten der Krone
nur passiven Widerstand entgegensetzen".--

       *       *       *       *       *

Der Ausdruck:

      *Bassermannsche Gestalten*

zur Bezeichnung zerlumpter Galgenvögel entstand auf Grund des am 18.
Nov. 1848 im Frankfurter Parlamente vom Abgeordneten Friedrich Daniel
*Bassermann* (1811-1855) erstatteten Berichts über Berliner Zustände:

  "Spät kam ich (in Berlin) an, durchwanderte aber noch die Strassen
  und muss gestehen, dass mich die Bevölkerung, welche ich auf
  denselben, namentlich in der Nähe des Sitzungslokals der Stände,
  erblickte, erschreckte. Ich sah hier ~Gestalten~ die Strassen
  bevölkern, die ich nicht schildern will".

  Das Wort wurde schnell populär. Schon die Überschrift des zweiten
  Heftes vom Band 1 der "Bibliothek moderner Räubergeschichten"
  (Berlin, C. Schultze, 1851) lautet: "Bassermannsche Gestalten".--

       *       *       *       *       *

Der Abgeordnete ~Julius~ *Kell* sagte in der Sitzung der sächsischen
zweiten Kammer am 15. Febr. 1849:

      *Die Gründe der Regierung kenne ich nicht; aber ich muss sie
          missbilligen.--*

       *       *       *       *       *

Der Minister des Auswärtigen, Freiherr Otto Theodor *von Manteuffel*
(1805-1882), äusserte in der 8. Sitzung der Preussischen Zweiten Kammer
vom 3. Dez. 1850 das zum Citat gewordene Wort:

      *Der Starke weicht einen Schritt zurück*

in diesem Zusammenhange:

  "Das Misslingen eines Planes hat immer etwas Schmerzliches; es wirkt
  aber verschieden auf den Schwachen. Der Schwache gelangt dadurch
  in eine Gereiztheit; ~der Starke tritt wohl einen Schritt zurück~,
  behält aber das Ziel fest im Auge und sieht, auf welchem andern Wege
  er es erreichen kann". (S. Kap. XI. ~Martial~ "De Spectaculis" 31.)--

       *       *       *       *       *

      *Autorität, nicht Majorität*

ist die Zusammenfassung folgender Betrachtungen, die Friedrich
Julius *Stahl* (1802-1861) am 15. April 1850 in der 11. Sitzung des
Volkshauses des Erfurter Parlaments anstellte:

  "Wie können vollends die Anhänger jenes Systems mit solcher
  Zuversicht jetzt vor uns hintreten, nach den Erfahrungen von 1848?
  Standen sie da der entfesselten Bewegung nicht ebenso gegenüber wie
  jener Zauberlehrling den Gewässern, die er heraufbeschworen hatte
  und nicht mehr zu bannen vermochte? Sie hatten den Spruch vergessen,
  sie zu bannen, oder vielmehr dieser Spruch stand nicht in ihrem
  Lexikon: denn dieser Spruch heisst 'Autorität'. Da wollen sie die
  Gewässer besprechen mit einem Zauberspruche ihres Systems: Majorität,
  Majorität!"

Die Fassung: "~Autorität, nicht Majorität~" findet sich zuerst in
einer, 1851 im Selbstverlage des Verfassers erschienenen Schrift von E.
~Knönagel~: "Autorität--nicht Majorität--beherrscht die Welt. Epistel
in 12 Capiteln wider den Aberglauben am Constitutionalismus. An Bürger
und Bauer, Städter und Landmann." ~Stahl~ hatte am 5. März 1852 in der
Ersten Kammer die Aristokratie verherrlicht. Als er am 12. Dez. 1852
bei einem ihm zu Ehren im Englischen Hause zu Berlin, Mohrenstrasse No.
49, gegebenen Festmahle von Gesinnungsgenossen eine silberne Säule
empfing, die auf der einen Seite die Inschrift: "Zur Erinnerung an den
5. März 1852 von gleichgesinnten Männern des Regierungsbezirks Köslin",
auf der anderen

      "Autorität, nicht Majorität"

trug, wies er in der Erwiderungsrede darauf hin, dass er diesem
Grundsatze seines Lebens zum ersten Male in jenem Parlamente Ausdruck
gegeben habe. Im weiteren Verlaufe seiner Erwiderung wandte er das
berüchtigte Wort an: "Die Wissenschaft bedarf der Umkehr", was
gewöhnlich in der Form citiert wird:

      *Die Wissenschaft muss umkehren,*

  ("Neue Preussische Zeitung", No. 291, 15. Dez. 1852.)--

       *       *       *       *       *

Für die ~Klodt v. Jürgensburg~schen Rossebändiger vor dem königlichen
Schlosse in Berlin erfand in der Reaktionszeit nach 1850 der Oberlehrer
Dr. Julius *Bartsch* († 1867 zu Berlin) die Bezeichnung:

      *der gehemmte Fortschritt und der beförderte Rückschritt.--*

       *       *       *       *       *

      *Die grossen Städte müssen vom Erdboden vertilgt werden*

hat *von Bismarck* nicht gesagt. Er äusserte in der 46. Plenarsitzung
der zweiten Kammer vom 20. März 1852 in Erwiderung gegen den
Abgeordneten ~Harkort~:

  "Wenn der Herr Abgeordnete auch die Äusserung hier wiederholt hat,
  dass die Regierung dem Volke misstraue, so kann ich ihm sagen, dass
  auch ich allerdings der Bevölkerung der ~grossen Städte~ misstraue,
  so lange sie sich von ehrgeizigen und lügenhaften Demagogen leiten
  lässt, dass ich aber dort das wahre preussische Volk nicht finde.
  Letzteres wird vielmehr, wenn ~die grossen Städte~ sich wieder einmal
  erheben sollten, sie zum Gehorsam zu bringen wissen, ~und sollte es
  sie vom Erdboden tilgen~".--

       *       *       *       *       *

~von Bismarck~ schrieb 1853 (ohne Datum) seiner Schwester vom
Frankfurter Bundestage: "Ich gewöhne mich daran, im Gefühle gähnender
Unschuld alle Symptome von Kälte zu ertragen und die Stimmung

      *gänzliche*(_r_) *Wurschtigkeit*

in mir vorherrschend werden zu lassen, nachdem ich den Bund allmählich
mit Erfolg zum Bewusstsein des durchbohrenden Gefühls seines Nichts zu
bringen nicht unerheblich beigetragen zu haben mir schmeicheln darf"
(L. Hahn: "Fürst Bismarck", Berl. 1878, I, S. 45).--

       *       *       *       *       *

~Heinrich~ *Leo*s (1799-1878) Kraftausdruck:

      *Skrophuloses Gesindel!*

steht im Geschichtlichen Monatsbericht vom Juni, "Volksblatt für Stadt
und Land", 1853, No. 61, wo es heisst:

"Gott erlöse uns von der europäischen Völkerfäulnis und schenke
uns einen ~frischen, fröhlichen Krieg~, der Europa durchtobt, die
Bevölkerung sichtet und das ~skrophulose Gesindel~ zertritt, was jetzt
den Raum zu eng macht, um noch ein ordentliches Menschenleben in der
Stickluft führen zu können".

      *Der frische fröhliche Krieg*

steht noch einmal in ~Leos~ "Volksblatt für Stadt und Land", 1859, No.
35:

  "Ein langer Friede häuft nach des Verfassers Argument eine Menge
  fauler Gährungsstoffe auf. Drum thut uns ein frischer, fröhlicher,
  die Nationen, namentlich die die europäische Bildung tragenden
  Nationen tiefer berührender Krieg bitter Not" u.s.w.--

       *       *       *       *       *

      *Aufkläricht*

stammt ebenfalls von ~Leo~. (S. ~Wilhelm Harnisch~: "Briefe an seine
Tochter", Essen 1841, S. 11, 12, 19, 20, 27, 29, 50, 113, 202.)--

       *       *       *       *       *

Glaubwürdiger Überlieferung nach hat ein von Colberg 1855 (s.
Rangliste) nach Graudenz versetzter und vom dortigen Militärgericht
vernommener, humoristischer Artillerielieutenant *Haase* ausgesagt:
"Mein Name ist Haase, ich weiss von gar Nichts und bin bereit, diese
meine Aussage zu beschwören." Daher das Wort:

      *Ich weiss von Nichts. Mein Name ist Haase.--*

       *       *       *       *       *

Der ~Prinz-Regent von Preussen~, der nachmalige deutsche Kaiser
*Wilhelm der Grosse* hielt am 8. Nov. 1858 eine Ansprache an das am 5.
von ihm gebildete Ministerium, in der vorkam ("Nationalz." v. 25. Nov.
1858, Abendausg.): "In Deutschland muss Preussen

      *moralische Eroberungen*

machen durch eine weise Gesetzgebung bei sich" u.s.w. Nach der
"Hannoverschen Tagespost" wiederholte er als König das Wort am 30.
August 1866 beim Empfang einer Deputation aus Hannover.--

       *       *       *       *       *

Nach der Entlassung des Ministeriums ~von der Pfordten~ hatten
die Gemeindebevollmächtigten der Stadt Würzburg die Absicht,
den königlichen Professor an der Universität Würzburg und
Appellationsgerichtsrat Dr. ~Weis~, mit dem die Regierung bisher im
Kampfe gelegen hatte, zum rechtskundigen Bürgermeister zu wählen.
Staatsminister ~von Neumayr~ berichtete darüber an König ~Max II.~ von
Baiern und erhielt darauf folgende (in No. 137 der "Neuen Münchener
Zeitung" von 1859 abgedruckte) Entscheidung des Monarchen zu Antwort:

  "Den politischen Kampf gegen Dr. ~Weis~ in irgend welcher Form
  fortzuführen, halte ich für durchaus nicht mehr geeignet;

      *Ich will Frieden haben mit Meinem Volke*

  ~und den Kammern~; deshalb habe ich das Ministerium gewechselt, und
  es ist infolge dessen auch die ~Weis~sche Frage in das Stadium des
  Vergessens von Meiner Seite eingetreten. Von diesem Gesichtspunkte
  aus widerstrebt es Meinem Gefühle, den Dr. ~Weis~ zu befördern; Ich
  werde aber der Sache ihren jetzigen naturgemässen Lauf lassen und
  habe nicht das Geringste dagegen, wenn derselbe zum Bürgermeister
  von Würzburg gewählt wird, werde ihn vielmehr ohne Anstand nach den
  bestehenden gesetzlichen Normen in dieser Eigenschaft bestätigen".

Heinrich von ~Sybel~ berichtet in seinem Buche "Die Begründung des
deutschen Reiches durch Wilhelm I." (1889. Bd. 2, S. 301), dass
Ludwig Karl Heinrich ~Freiherr~ *von der Pfordten* (1811-1880) dieses
Wort dem Könige soufflierte. Man hatte "einen kleinen Staatsstreich"
in Bayern geplant, "Auflösung der Kammer, Oktroyierung eines neuen
Wahlgesetzes, und was sonst solche Rettungen zu begleiten pflegt". Als
aber der Prinz von Preussen das Ministerium Manteuffel stürzte, musste
auch ~v. d. Pfordten~ in München weichen und er rieth seinem König,
den Forderungen der Kammer nachzugeben, die Schuld des Zwistes auf
die Minister zu schieben und jene beruhigende Wendung zu gebrauchen.
"Der von dem Staatsstreichminister erfundene Satz wurde zu einem
populären Schlagwort, auf welches während der späteren preussischen
Verfassungswirren jeder Bayer mit patriotischem Stolze hinwies, ohne
zu ahnen, dass Bayern die Erhaltung seines allerdings hohen Ruhmes,
niemals einen Bruch seiner Verfassung erlebt zu haben, in erster Linie
dem Prinzen von Preussen verdankte". (In ~Schillers~ "Maria Stuart", 1,
6 heisst es:

      Nicht eine Welt in Waffen fürchtet sie,
      So lang' sie Frieden hat mit ihrem Volke.)--

       *       *       *       *       *

~Gyulai~ erkannte (1859, nach dem Gefechte bei Palestro), dass seine
einzige Rettung der schleunige Übergang über den Tessin sei, und so gab
er am 1. Juni den Befehl:

      *sich rückwärts zu konzentrieren,*

ein Ausdruck, der dadurch geschichtlich wurde, der aber schon vordem in
Militärkreisen üblich war.

Nämlich in einem aus Bautzen, 21. Sept. 1813 datierten Briefe des
Obersten ~von Müffling~ an General ~von dem Knesebeck~ heisst es:
"Kömmt er (Napoléon) endlich aus seinem Loch--schnell rückwärts
konzentriert u.s.w." (G. H. ~Pertz~: "D. Leben d. Feldm. Gr. v.
Gneisenau", Berl. 1869, Bd. 3, S. 360).--

       *       *       *       *       *

Der preussische Minister Alexander Gustav Adolf ~Graf~ *von
Schleinitz* (1807-1885) gebrauchte im Jahre 1859 hinsichtlich des
französisch-österreichischen Krieges den Ausdruck:

      *die Politik der freien Hand.*

~Bismarck~ bediente sich desselben Ausdrucks am 22. Jan. 1864 im
Abgeordnetenhause.--

       *       *       *       *       *

Der Österreichische Minister Johann Bernhard ~Graf~ *von Rechberg*
(geb. 1806) sagte in seiner Antwortdepesche nach Berlin hinsichtlich
der Anerkennung Italiens (1861):

      *Garantien, die das Papier nicht wert sind, anf dem sie
          geschrieben stehen.--*

       *       *       *       *       *

      *Angenehme Temperatur*

ist eine Redeblume des preussischen Kriegsministers Albrecht Theodor
Emil ~Graf~ *von Roon* (1803-1879). Er begleitete in der Sitzung des
Herrenhauses am 23. Januar 1862 die Einbringung des Gesetzentwurfs
wegen Abänderung des Gesetzes über die Verpflichtung zum Kriegsdienst
vom 3. Sept. 1814 mit den Worten:

  "Ich habe über die Bedeutung dieses Gesetzentwurfes mich an diesem
  Orte eigentlich näher auszusprechen: sein Zusammenhang mit der
  Organisation des königlichen Heeres ist unverkennbar, und da ich
  bereits zweimal Gelegenheit gehabt habe, ~die angenehme Temperatur~,
  welche in diesem Hause in Betreff jener grossen Massregel herrscht,
  zu fühlen, so wäre es eine Art von Undankbarkeit, wenn ich die Herren
  mit einer weitläufigen Auseinandersetzung der Notwendigkeit und
  Nützlichkeit des fraglichen Gesetzentwurfes ermüden wollte".--

       *       *       *       *       *

In einer Abendsitzung der Budgetkommission des preussischen
Abgeordnetenhauses, 30. Sept. 1862, sagte *von Bismarck*, "im Lande
giebt es eine Menge

      *catilinarischer Existenzen,*

die ein grosses Interesse an Umwälzungen haben". Danach gab Theodor
~König~ einem Roman den Titel: "Eine catilinarische Existenz" (Breslau
1865).--

       *       *       *       *       *

      *Zeitungsschreiber ein Mensch, der seinen Beruf verfehlt hat*

wurde in dieser Form nicht von ~Bismarck~ gesagt, beruht aber auf einer
Äusserung von ihm. Als eine Ergebenheits-Deputation aus Rügen an den
König, welche dieser am 10. November 1862 empfing, einige Tage zuvor
dem Minister-Präsidenten ihre Aufwartung machte, äusserte dieser, nach
dem Kreisblatte der Insel Rügen, "die Regierung werde Alles aufbieten,
ein Verständnis mit dem Abgeordnetenhause herbeizuführen, dass aber die
~oppositionelle Presse~ diesem Streben zu sehr entgegenwirke, indem
sie zum ~grossen Teil in Händen von Juden und unzufriedenen, ihren
Lebensberuf verfehlt habenden Leuten~ sich befinde".--

       *       *       *       *       *

      *Macht geht vor Recht*

hat ~Bismarck~ nie gesagt. Am 27. Januar 1863 sprach ~Bismarck~ im
Abgeordnetenhause: "Conflicte werden, da das Staatsleben nicht still
zu stehen vermag, zu Machtfragen; wer die Macht in Händen hat, geht
dann in seinem Sinne vor". Graf Maximilian *von Schwerin* (1804-1872)
erwiederte darauf: "Ich erkläre, dass ich den Satz in dem die Rede des
Herrn Minister-Präsidenten kulminierte: 'Macht geht vor Recht' ...
nicht für einen Satz halte, der die Dynastie in Preussen auf die Dauer
stützen kann ..., dass dieser vielmehr umgekehrt lautet:

      *Recht geht vor Macht* _u.s.w._"

~Bismarck~, der während dieser Rede seines Gegners nicht anwesend war
und erst später, wieder in den Saal eingetreten, vernommen hatte,
dass man ihm den Ausspruch: "Macht geht vor Recht" untergelegt hatte,
verwahrte sich dagegen, worauf Graf ~von Schwerin~ erwiderte, er
erinnere sich nicht gesagt zu haben, der Minister-Präsident habe
diese Worte gebraucht, sondern nur, dass dessen Rede in diesem Satze
kulminiere. Noch am 1. Februar 1868 wehrte sich ~Bismarck~ dagegen im
preussischen Landtage, als ihm Twesten eine Redewendung missdeutete.
Bismarck sagte damals: "Ich möchte nicht, dass aus diesem meinem
Worte durch die Geburtshilfe des Herrn Vorredners ein ~fliegendes
Wort~ gemacht werde, wie aus einem früheren, welches ich niemals
ausgesprochen habe, dass Macht vor Recht gehe."

  (S. Habakuk 1, 3, wo ~Luther~ "Es gehet Gewalt über Recht", das
  er in der "Auslegung des Habakuk" als ein "gemein Sprichwort"
  bezeichnet, hineintrug. Seit ~Agricola~ lautet dies in den
  Sprichwörtersammlungen: "Gewalt geht für Recht" und ~Spinozas~
  "Tract. polit." cap. II, § 8 bietet: "quia unusquisque tantum iuris
  habet, quantum potentia valet", weil jeder so viel Recht hat, als er
  Macht hat.)--

       *       *       *       *       *

      (_Das_) *innere Düppel*

stand zum ersten Male nach der Erstürmung der Düppeler Schanzen durch
die Preussen am 18. April 1864 in der Form "Düppel im Innern" im
Politischen Tagesberichte der "~Norddeutschen Allgemeinen Zeitung~" vom
30. Sept. 1864.--

       *       *       *       *       *

Seitdem Georg *Büchmann* (1822-84) den vorliegenden "Citatenschatz des
deutschen Volkes" erscheinen liess, also seit 1864, wurde der Name

      *Büchmann*

vielfach für citatenreiche Leute (z.B.: "Sie sind ja der reine
Büchmann!") oder zum Titel solcher Bücher (z.B.: "Der rothe Büchmann",
"Der ungeflügelte Büchmann") verwendet.--

       *       *       *       *       *

Aus authentischer Quelle kann versichert werden, dass Feldmarschall
Frhr. v. ~Manteuffel~ als preussischer Gouverneur von Schleswig im Okt.
1865 das ihm von antipreussischen Zeitschriften aufgebürdete Wort:

      *Wir haben heidenmässig viel Geld*

nie gesagt hat.--

       *       *       *       *       *

An der Spitze des Morgenblattes der Wiener Zeitung "Die Presse" vom 18.
Juni 1866 steht:

"Wien, 17. Juni. Die bis heute Abend eingetroffenen Nachrichten
entsprechen nicht der Wichtigkeit des Moments. Die militairische
Situation betrachten wir in einem unten folgenden Artikel. Hier
konstatieren wir bloss, dass nach den eingetroffenen Nachrichten die
Preussen viele Theile Sachsens besetzt haben, und dass preussische
Truppen nicht bloss in Hannover und Kurhessen, sondern auch in
Darmstadt eingerückt wären. Die Preussen entwickeln überhaupt eine

      *affenähnliche Beweglichkeit".*

Das Wort ist umgestaltet worden in:

      *affenartige Beweglichkeit, affenmässige Geschwindigkeit* _u.s.w._

Der Verfasser des Artikels war der damalige Mitarbeiter der Presse
August *Krawani*.--

       *       *       *       *       *

      *Der preussische Schulmeister hat die Schlacht bei Sadowa
          gewonnen*

ist die Umformung eines Ausspruchs des Geheimrats Dr. Oskar *Peschel*
(1826-75), Professors der Erdkunde in Leipzig, welcher in einem
Aufsatze des von ihm redigierten Blattes "Ausland" ("Die Lehren der
jüngsten Kriegsgeschichte", No. 29 17. Juli 1866, S. 695, Spalte 1)
schrieb:

  "Wir sagten eben, dass selbst der Volksunterricht die Entscheidung
  der Kriege herbeiführe: wir wollen jetzt zeigen, dass, wenn die
  Preussen die Österreicher schlugen, ~es ein Sieg der preussischen
  Schulmeister über die österreichischen Schulmeister~ gewesen
  sei"; und (Spalte 2): "Die Mathematik ist der Wetzstein, und in
  diesem Sinne darf man wohl sagen, die ~preussischen Schulmeister~
  haben in dem ersten Abschnitt des böhmischen Feldzuges ~über die
  österreichischen gesiegt~".--

       *       *       *       *       *

      *Berechtigte Eigentümlichkeiten*

steht in den vom 3. Okt. 1866, Schloss Babelsberg datierten Patenten
der Besitzergreifungen von Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt
durch König *Wilhelm I.*--

       *       *       *       *       *

Graf *Bismarck* soll den Schluss seiner am 11. März 1867 im
Norddeutschen Reichstage gehaltenen Rede:

      "Meine Herren, arbeiten wir rasch!

      *Setzen wir Deutschland, so zu sagen, in den Sattel! Reiten wird
          es schon können",*

nach der Spenerschen Zeitung vom 28. März 1874 in einem Gespräche mit
zwei Abgeordneten selbst als "geflügeltes Wort" bezeichnet haben. Im
Zoll-Parlament sagte er am 18. Mai 1868: "Dem Herrn Vorredner gebe ich
zu bedenken, dass

      *ein Appell an die Furcht in deutschen Herzen niemals ein Echo
          findet".--*

       *       *       *       *       *

Als es sich im Anfange des Jahres 1869 darum handelte, das in Preussen
noch vorfindliche Vermögen des Kurfürsten von Hessen mit Beschlag zu
belegen, wurde Graf ~Bismarck~, dem damaligen Minister-Präsidenten,
der Vorhalt gemacht, er werde die ihm schon zur Verfügung stehenden
geheimen Fonds, um unbekannte Summen vermehrt, zur Korruption der
Presse und anderen sich der Aufsicht entziehenden Zwecken verwenden.
Es handelte sich nämlich nicht bloss um die verhältnismässig kleinen
Revenuen aus dem in Beschlag genommenen Vermögen des Kurfürsten,
sondern auch um die Zinsen der 16 Millionen Thaler, welche dem König
von Hannover erst bewilligt und dann einbehalten waren, und mit deren
Verwendung das Abgeordnetenhaus sich erst am Tage vorher beschäftigt
hatte. Darauf antwortete Graf ~Bismarck~ am 30. Jan. 1869:

  "Ich bin nicht zum Spion geboren meiner ganzen Natur nach; aber
  ich glaube, wir verdienen Ihren Dank, wenn wir uns dazu hergeben,
  bösartige ~Reptilien~ zu verfolgen bis in ihre Höhlen hinein,
  um zu beobachten, was sie treiben. Damit ist nicht gesagt, dass
  wir eine halbe Million geheimer Fonds brauchen können; ich hätte
  keine Verwendung dafür und möchte die Verwendung für solche Summen
  nicht übernehmen. Es werden sich andere Verwendungen finden, die
  Ihre nachträgliche Genehmigung und Zustimmung finden werden. Auf
  dem hessischen Hofvermögen haften, wie man sagt, Verpflichtungen
  dem Lande gegenüber, Baupflichten, die übernommen worden sind. Es
  wird eine Ehrenpflicht der Regierung sein, wenn sie in dem Besitz
  der Fonds ist, solche Schulden zu tilgen; aber machen Sie uns aus
  dem bedauerlichen Zwange, dass wir Gelder auch zu anderen Zwecken
  verwenden müssen, keinen Vorwurf; probieren Sie selbst erst, ob Sie
  Pech anfassen können, ohne sich zu besudeln".

Auf Grund dieser Äusserung nannte man die einbehaltenen Gelder den

      *Reptilienfonds,*

später nannte man dann

      *Reptil*

Jeden, der in der Presse thätig, Beziehungen zu den Behörden hat. Graf
~Bismarck~ sagte darüber im Reichstage, 9. Febr. 1876, Folgendes:

  "Dieser Beisatz "offiziös" und diese Verdächtigungen irgend
  eines Blattes, je nachdem man es gerade braucht, als eines
  "subventionierten" durch das Wort "Reptilie" ist ja eine wirksame
  Hülfe in der publizistischen Diskussion. Das Wort Reptilie,
  Reptilienvater, Reptilienpresse in der Meinung, wie es gebraucht
  wird, kommt mir immer vor, als wenn Leute, die mit dem Gesetze in
  Konflikt treten, auf die Polizei schimpfen und sie Diebsjäger und
  dergleichen nennen. Reptilie--wie entstand das Wort? Unter Reptilien
  verstanden wir Leute, die in Höhlen--bildlich gedacht, kurz und gut
  in verwegener Weise intriguieren gegen die Sicherheit des Staats
  und man hat das nun umgedreht und nennt jetzt Reptile diejenigen,
  die das aufzudecken streben. Mit diesem Sprachgebrauch will ich
  nicht rechten. Es ist ja ganz einerlei; ich erkläre nur, dass es
  Reptile des auswärtigen Amts in dem Sinne, wie Gegner den Ausdruck
  gebrauchen, absolut nicht giebt".

  ~Burke~ hatte jedoch schon das Wort Reptilien im Unterhause für die
  Magistrate von Middlesex verwendet (Lord Mahon VII, 13), und der
  Major Scott, ~Hastings~ Organ, nannte Burke selbst "jenes Reptil,
  Herr Burke" (Macaulay "Warren Hastings"). Der Vergleich des Reptils
  für Pressorgane scheint übrigens aus Frankreich zu stammen (vrgl.
  "Gegenwart" XXVI, 45 u. 48) und Zeitungsschreiber werden so von
  ~Dickens~ genannt (z.B. "Pickwick Papers" Ch. 15; vrgl. auch Georg
  Winter: "Unbeflügelte Worte", 1888, S. 349.)--

       *       *       *       *       *

Am 13. Febr. 1869 sagte Graf ~Bismarck~ im Herrenhause: "Es wird
vielleicht auch dahin kommen zu sagen:

      *Er lügt wie telegraphiert".--*

       *       *       *       *       *

In Graf ~Bismarcks~ telegraphischer Mitteilung vom 28. Juli 1870 an den
Gesandten des Norddeutschen Bundes in London, Grafen Bernstorff, heisst
es:

  "Nach Eintritt der patriotischen Beklemmungen des Ministers Rouher
  hat Frankreich nicht aufgehört, uns durch Anerbietungen auf Kosten
  Deutschlands und Belgiens in Versuchung zu führen. Im Interesse des
  Friedens bewahrte ich das Geheimnis und behandelte sie dilatorisch".

Das Wort

      *dilatorische Behandlung*

für "hinhaltende Behandlung" bürgerte sich seitdem in Parlamenten und
Zeitungen ein.--

       *       *       *       *       *

      *Vor Paris nichts Neues*

schloss eine Depesche des Generals Eugen Anton Theophil *von
Podbielski* (1814-79) aus Ferrières vom 25. Sept. 1870, seine Depeschen
aus Versailles vom 8. und 11. Okt. 1870 und eine aus Versailles vom 26.
Jan. 1871, während die vom 18. Okt. 1870 so beginnt.--

       *       *       *       *       *

Heinrich *von Treitschke* (1834-96) gebrauchte in den "Historischen
und politischen Aufsätzen" (1. Aufl., Lpz. 1870) in dem Aufsatze
"Fichte und die nationale Idee" den Ausdruck "~Brustton der tiefsten
Überzeugung~", was viel citiert wird als

      *Brustton der Überzeugung.--*

       *       *       *       *       *

~Heinrich Bernhard~ *Oppenheim* (1819-80) richtete (nach dem Feuilleton
"Pamphletliteratur" der "Nationalzeitung" vom 20. April 1872) gegen die
jugendlichen Professoren der Nationalökonomie das Wort

      *Kathedersocialisten*

und gab i. J. 1872 die Schrift heraus: "Der

      *Kathedersocialismus".*

Dieser Spottname rief eine Flut von Gegenschriften hervor und blieb
haften.--

       *       *       *       *       *

Am 14. Mai 1872 sagte Fürst *Bismarck* im deutschen Reichstage:

      *Nach Canossa gehen wir nicht.--*

       *       *       *       *       *

~Emil~ *du Bois-Reymond* (1818-96) schloss seine 1872 zu Leipzig
gehaltene und erschienene, dann in mehreren Auflagen, sowie in
französischer, englischer, italienischer und serbischer Übersetzung
verbreitete Rede über die "Grenzen des Naturerkennens" mit den Worten:
"In Bezug auf die Rätsel der Körperwelt ist der Naturforscher längst
gewöhnt, mit männlicher Entsagung sein ignoramus auszusprechen. In
Rücksicht auf die durchlaufene siegreiche Bahn, trägt ihn dabei das
stille Bewusstsein, dass, wo er jetzt nicht weiss, er wenigstens unter
Umständen wissen könnte und dereinst vielleicht wissen wird. In Bezug
auf das Rätsel aber, was Materie und Kraft seien und ~wie sie zu denken
vermögen~, muss er ein für allemal zu dem viel schwerer abzugebenden
Wahrspruch sich entschliessen:

      *Ignorabimus".*

      "Wir werden es nie wissen."

Dies Wort wiederholte er 1881 in der Rede über "Die sieben Welträtsel"
und es ist nun aus den Kreisen der Fachmänner in weitere, besonders in
gläubige Schichten gedrungen.

  Im Juli 1858 hatte ~du Bois-Reymond~ in der "Gedächtnisrede auf
  Johannes Müller" gesagt, es habe ~Müller~ nie verdrossen, "als das
  Ergebnis nach so langer und mühsamer Erörterung den altschottischen
  Wahrspruch niederzuschreiben: 'Ignoramus'". Dies "Ignoramus" ("wir
  wissen es nicht") ist somit der Keim seines "geflügelten Wortes".
  "Ignoramus" war die Formel der Geschworenen Altenglands im Fall ihrer
  Unentschiedenheit, ob eine Anklage begründet oder unbegründet sei.
  Nach R. ~Gneist~ ("Englische Verfassungsgeschichte" 1882, S. 604,
  Anm.) suchte König Karl II. dies "Ungeheuer", wie er es nannte, zu
  beseitigen, das "in den Jahren 1680-82 in der City von London gewütet
  habe", als es sich für die Krone um die Frage handelte, "ob Verrat
  und Aufruhr in London und Middlesex strafbar sei oder nicht".--

       *       *       *       *       *

      *Kulturkampf,*

von Rudolf *Virchow* (geb. 1821) in einem von ihm 1873 verfassten
Wahlprogramme der Fortschrittspartei angewendet, ist dadurch zum
"geflügelten Worte" geworden. In diesem Programme heisst es:

  "Aber obwohl sie (die Fortschrittspartei) dabei nur zu oft unterlegen
  ist, so hat sie es doch als eine Notwendigkeit erkannt, im Verein
  mit den andern liberalen Parteien die Regierung in einem Kampfe zu
  unterstützen, der mit jedem Tage mehr den Charakter eines grossen
  Kulturkampfes der Menschheit annimmt".

Hierüber sagte ~Virchow~ am 16. Okt. 1876 in Magdeburg:

  "M. H., bei der vorigen Wahl hat die Fortschrittspartei ein
  Wahlmanifest erlassen, in dem zuerst das Wort ~Kulturkampf~ gebraucht
  worden ist. Vielleicht wissen Sie nicht, dass ich der Erfinder
  dieses Wortes bin. Ich habe es zuerst in dieses Manifest, das ich
  verfasst habe, hineingeschrieben und zwar mit vollem Bewusstsein;
  denn ich wollte damals den Wählern gegenüber konstatieren, dass
  es sich ~nicht um einen religiösen~ Kampf handle, nicht um einen
  konfessionellen Kampf, sondern dass hier ein ~höherer, die ganze
  Kultur betreffender Kampf vorliege~, ein Kampf, der von diesem
  Standpunkte aus weiter zu führen sei".

Vor ~Virchow~ hatte jedoch Ferdinand *Lassalle* (1825-64) in den
"Demokratischen Studien" (Hamb. 1861, II, 505, hersg. v. L. Walesrode)
einen im Nov. 1858 geschriebenen Aufsatz "Gotthold Ephraim Lessing"
über Adolf ~Stahrs~ "Leben Lessings" veröffentlicht, an dessen Ende er
"Kulturkampf" also anwendet:

  "Die Katharsis, welche dieses Werk in jedem eines geistigen Eindrucks
  nur einigermassen fähigen Gemüt hinterlassen wird, ist die, es zu
  erheben über die Qualen und Konflikte, die ihm selber zustossen.
  Eines edlen, eines nur irgend ~wahrhaft~ bescheidenen Gemüts wird
  sich eine edle Gleichgültigkeit bemächtigen gegen Alles, was uns
  selbst widerfahren kann in einem Kulturkampf, in welchem die Grössten
  und Besten langsam und qualvoll verblutet sind".

Also ist ~Virchow~ nur der Urheber der besonderen Bedeutung des
Wortes "Kulturkampf", für den Kampf des Staates gegen die Macht der
katholischen Kirche.--

       *       *       *       *       *

      *Diokletianische Verfolgung*

ist ein Wort des Bischofs *Martin* von Paderborn († 1879).--

       *       *       *       *       *

Eine Äusserung Graf Gyula (Julius) *Andrassy*s (1823-90) gegenüber
der Delegation, dass in Berlin anlässlich der Verhandlungen über das
Berliner Memorandum nichts Bindendes in Betreff der Orientpolitik
entschieden worden sei, sondern dass die Mächte ganz einfach
beschlossen hätten, sich über ihre Haltung gegenüber den einzelnen
Phasen der Orientereignisse ~von Fall zu Fall~ zu verständigen, ist
von Oppositionsblättern dahin generalisiert worden, als hätte er im
Allgemeinen die

      *Politik von Fall zu Fall*

als den Grundsatz seiner Staatskunst ausgesprochen. Er hat später
selbst gegen die Auffassung Widerspruch erhoben.--

       *       *       *       *       *

      *Vom Vornehmsten herab bis zum Künstler*

entstand in der Sitzung des deutschen Reichstages vom 25. Jan. 1876,
in der Graf *Frankenberg* sagte, dass im Palazzo Caffarelli, der
deutschen Botschaft in Rom, "alle Gesellschaftsklassen, von den
vornehmsten Fremden bis zu den dort einheimischen Künstlern" (Unruhe
und Heiterkeit links) "ihren Centralpunkt der Geselligkeit finden". In
der weiteren Debatte griff Prof. Albert *Hänel* (geb. 1833) das Wort
in der Form auf: "bis zu den Künstlern herunter", eine Deutung, der
Graf Frankenberg also entgegentrat: ... "wenn ich es gesagt haben soll,
so verwahre ich mich entschieden dagegen, dass ich der Aristokratie
der Kunst und des Geistes eine niedrigere Stufe einräumte, als der
Aristokratie des Blutes und der Geburt" (Bravo!).--

       *       *       *       *       *

Franz *Reuleaux* (geb. 1829) bezeichnete als Vertreter des deutschen
Reiches auf der Weltausstellung zu Philadelphia die, in der Ausstellung
vorgeführten deutschen Massenartikel in seinen "Briefen aus
Philadelphia" (1876) mit dem Ausdrucke:

      *Billig und schlecht.*

In der Reichstagssitzung vom 10. Mai 1879 behauptete der Abgeordnete
~Zimmermann~, dass ~Reuleaux~ seinen Ausdruck dem kurz vorher
erschienenen Artikel des amerikanischen Blattes "the Sun" entnommen
habe, welches als Motto für die deutsche Ausstellung in Philadelphia
die Worte "ugly and cheap" (hässlich und billig) vorgeschlagen habe.
Diese Bezeichnung beruht offenbar auf dem "Cheap and nasty" "billig und
garstig", das schon Th. ~Carlyle~ (Collect. Works. Vol. XI, Essays vol.
VI, "Shooting Niagara". Chap. 7. August 1867) als ein "vulgar proverb"
anführt und es der "Shoddy-Wirtschaft" ins Gesicht wirft. Das Wort
~Reuleauxs~ ist eine Variation auf dasselbe Thema. Reuleaux wurde wegen
seines Ausspruches vielfach angegriffen und antwortete auf die Angriffe
u.A. in der Morgennummer der "Nationalzeitung" vom 13. August 1892, wo
er erklärte, dass sein Wort nur eine epigrammatische Bedeutung hätte
haben sollen.

  Schon ~Hans Sachs~ sagt in seinem, 1527 geschriebenen Spruchgedichte
  "Der Eygennutz":

      "All's auf die Eil, wolfeil und schlecht,
      Man findt weng Arbeit mehr gerecht."--

       *       *       *       *       *

~Richard~ *Wagner* (1813-83) sprach zum Publikum nach der Aufführung
der "Götterdämmerung" am 18. Aug. 1876 in Bayreuth: "Sie haben jetzt
gesehen, was ~wir~ können; wollen ~Sie~ jetzt;--Und wenn Sie wollen,
werden wir eine Kunst haben". So citiert ~Wagners~ Worte Paul ~Lindau~
in seinen "Nüchternen Briefen aus Bayreuth" (1. Aufl. 1876). Gewöhnlich
wird gesagt:

      *Wenn Sie eine Kunst haben wollen, so haben Sie eine.--*

       *       *       *       *       *

      (_Königliche Hoheit_), *kommen Sie 'rein in die gute Stube!*

redete im Sept. 1876, als Kaiser ~Wilhelm I.~ Leipzig besuchte, eine
Leipzigerin den ihrem Hause als Gast zugewiesenen Prinzen ~Friedrich
Karl von Preussen~ an.--

       *       *       *       *       *

Im Reichstage sagte Fürst *Bismarck* am 19. Febr. 1878: "Die
Vermittelung des Friedens denke ich mir nicht so, dass wir nun bei
divergierenden Ansichten den Schiedsrichter spielen und sagen: so soll
es sein, und dahinter steht die Macht des deutschen Reiches, sondern
ich denke sie mir bescheidener, ja--ohne Vergleich im übrigen stehe ich
nicht an, Ihnen etwas aus dem gemeinen Leben zu citieren--mehr die eines

      *ehrlichen Maklers,*

der das Geschäft wirklich zustande bringen will".--

       *       *       *       *       *

      *Der sogenannte arme Mann*

ist ein Ausdruck, den Graf Franz *von Ballestrem* (geb. 1834) im
Reichstage am 5. Juli 1879 gebrauchte.--

       *       *       *       *       *

In der Sitzung des preussischen Abgeordnetenhauses vom 12. Nov. 1879
sprach Minister Albert *von Maybach* (geb. 1822):

      _Ich glaube, dass_ *die Börse* _hier als_ *ein Giftbaum* _wirkt
          u.s.w._

Der Vergleich schädlicher Einflüsse mit denen eines Giftbaumes ist
selbstverständlich älter.--

       *       *       *       *       *

Fürst *Bismarck* sagte im Reichstage am 4. März 1881: "Ich habe
mit meinem Gute Varzin früher dem Kreise Schlawe angehört. Der
Kreisausschuss befand sich unter der Leitung ganz fester politischer
Gegner von mir von der äussersten Rechten, und ich habe denn doch als
Minister in meinem Privatleben für meine amtlichen ministeriellen
Sünden zu büssen gehabt, bis ich schliesslich sah, dass ich der
schwächere war und die Flucht ergriff! Mir war die Thür offen. Ich hatte

      *die Klinke zur Gesetzgebung*

und bewirkte, dass ich aus dem Kreise Schlawe ausgeschieden und in den
duldsameren Rummelsburger Kreis übergeführt wurde.--

       *       *       *       *       *

Anlässlich des Ausfeldischen Antrages, betreffend die Abänderung des
Artikels 32 der Reichsverfassung, sagte der Abgeordnete *Sabor* in der
Reichstagssitzung vom 17. Dez. 1884 (s. "Stenogr. Berichte" I, 435):
"Der Herr Reichskanzler will nicht, dass das Wahlrecht in dem Umfange,
wie es jetzt besteht, gelten bleibe" (Widerspruch rechts) "und wenn man
ihm darin nachgiebt, ist er bereit, in eine Verfassungs-Änderung zu
willigen, ist sogar bereit, die Diäten zu bewilligen. Das lässt tief
blicken" (Heiterkeit) "in die Maschine,--lässt einen Einblick thun in
die geistige Werkstatt, in der die soziale Reform bereitet wird" ...
Hieraus stammt die übliche erheiternde Redensart:

      *Das lässt tief blicken, sagt Sabor.*

Natürlich ist die Redensart: "Das lässt tief blicken" weit älter. Erst
mit dem scherzhaften Zusatz "sagt Sabor" ist das Wort ein geflügeltes.--

       *       *       *       *       *

Gegen Ende seiner Reichstagsrede, am 6. Februar 1888, über das Bündnis
Deutschlands und Österreich-Ungarns vom 7. Oktober 1879 sagte Fürst
*Bismarck* mit Bezug auf Russlands drohende Haltung: "Wir können
durch Liebe und Wohlwollen leicht bestochen werden--vielleicht zu
leicht--aber durch Drohungen ganz gewiss nicht! Wir Deutschen fürchten
Gott, aber sonst Nichts in der Welt, und die Gottesfurcht ist es
schon, die uns den Frieden lieben und ehren lässt". Alsbald wurden die
demütig-stolzen Worte dieser Warnrede Bismarcks:

      "*Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst Nichts in der Welt!*"

über den Erdball verbreitet und fort und fort citiert. Und so stehen
sie denn hier als Schlussstein des deutschen Citatenschatzes und
zugleich in dankbarer Erinnerung an den gottbegnadeten Schöpfer
geflügelter Worte.

  Schon bei ~Livius~ (32, 32, 14) sagt König Philipp von Macedonien:
  "neminem equidem timeo praeter deos immortales" ("ich fürchte Niemand
  ausser den unsterblichen Göttern"). In ~Konrad von Würzburgs~ (†
  1287) Gedicht "Dër Wërlte lôn" (S. 7, her. v. Fr. Roth 1843) spricht
  die Frau Welt zum Ritter Wirent von Grafenberg: "Ich entfürhte nieman
  âne got, der ist gewaltic über mich." So lässt auch ~Racine~ (1691)
  in seiner "Athalie" (1, 1) den Hohenpriester Joas zum Feldhauptmann
  Abner sprechen: "Je crains Dieu, cher Abner et n'ai point d'autre
  crainte". Mit Auslassung der Anrede setzte ~Chodowiecki~ diese Worte
  unter seinen berühmten Stich "Der Abschied des Jean Calas". Dann sagt
  E. M. ~Arndt~ in dem Gedichte "Die alten und die neuen Teutschen"
  ("Lieder für Teutsche im Jahr der Freiheit 1813" S. 76) von unsern
  Vätern: "Sie fürchteten Gott und Nichts weiter".--



Namen-Verzeichnis

der Urheber "Geflügelter Worte".


      Accius      371.
      Aeschylus      340.
      Aesop      331.
      Alberus, Erasmus      130.
      Alcäus      329.
      Alexander der Grosse      449.
      Alkmann      328.
      Allainval, d'      277.
      Amos      51.
      Andrassy, Graf      558.
      Andrieux      284.
      Angely      243.
      Anseaume      282.
      Antigonus I. Gonatas      452.
      Apelles      450.
      Appius Claudius      365.
      Aquaviva      434.
      Arbuthnot      302.
      Archimedes      451.
      Arena, Antonius de      313.
      Argens, d'      480.
      Argenson, d'      480.
      Argental, d'      479.
      Ariost      313.
      Aristophanes      348.
      Aristoteles      353.
      Arndt, E. M.      227.
      Arnim-Boytzenburg, Graf Adolph Heinrich      539.
      Arria      460.
      Artois, Graf von (Karl X.)      491.
      Augustinus      429.
      Augustus, Kaiser      459.
      Aulus Gellius      428.

      Bacon, Franc.      291.
      Bäuerle      240.
      Balbo, Cesare      468.
      Ballestrem, Graf      561.
      Ballhorn      128.
      Barère      485.
      Bartsch, M. Ph. Friedr.      222.
      Bartsch, Julius      544.
      Baruch      57.
      Bassermann, Friedr. Dan.      542.
      Baumgarten      139.
      Bayly, T. H.      310.
      Beauvais, Abbé de      482.
      Beck, Karl      261.
      Becker, Nikolaus      256.
      Beckerath, v., Abgeordn.      537.
      Benzenberg      233.
      Bergmann, Jos. Ritter v.      538.
      Bertuch, Justin      156.
      Beugnot      491.
      Bias      335.
      Bion, der Philosoph      359.
      Bismarck, Fürst      544. 549. 552. 556. 561. 562.
      Blücher, Fürst      528.
      Blum, Karl      243.
      Blumauer      189.
      Börne, Ludwig      240.
      Boëtius      430.
      Boileau      276.
      Bois-Reymond, Emil du      556.
      Bonaparte s. Napoléon.
      Bonifacius VIII.      432.
      Borgia, Cesare      465.
      Boscawen, Admiral      502.
      Boulanger      481.
      Brachmann, Luise      232.
      Brant, Sebastian      120.
      Brennus      454.
      Brentano, Clemens      233.
      Brillat-Savarin      283.
      Bruno, Griordano      313.
      Büchmann, Georg      551.
      Bürger      156.
      Büsching      144.
      Buffon      281.
      Bulwer      310.
      Bunyan      302.
      Burmann, Gottlob Wilh.      152.
      Burns, Robert      317.
      Busch, Wilhelm      265.
      Busenbaum, Jesuit      440.
      Byron      308.

      Caesar, Julius      381. 457.
      Calderon      316.
      Cammarano, Salvatore      314.
      Campbell, Thomas      308.
      Campe, Joach. Heinr.      155.
      Camphausen, Wilhelm      261.
      Cassius, L.      375.
      Castelli      237.
      Catalani, Angelika      467.
      Cato der Ältere      456.
      Cavour      468.
      Celsus, der Jüngere      428,
      Cervantes      315.
      Chamfort      482.
      Chamisso, Adalb. v.      237.
      Charron      271.
      Chateaubriand      285.
      Chilon      330.
      Choerilos      346.
      Chronika      27.
      Cicero      372.
      Claudius, Appius      365.
      Claudius, Matthias      153.
      Clauren, H.      229.
      Claus, Hofnarr      510.
      Cogniard      288.
      Coke, Sir E.      290.
      Collin d'Harleville      283.
      Cooper      310.
      Corneille      272.
      Correggio      465.
      Cousin, Victor      497.
      Cowper, William      307.

      Dahlmann, Friedr. Christoph      540.
      Daniel      50.
      Dante      312.
      Daponte      313.
      Darwin      311.
      Delavigne      287.
      Demiscianus      467.
      Demosthenes      445.
      Desbarreaux      477.
      Descartes      272.
      Destouches      277.
      Detmold, Joh. Herm.      256.
      Diogenes d. Cyniker      352. 445.
      Dionys der Ältere      444.
      Dionys der Jüngere      448.
      Du Deffand, Mdme      479.
      Dumas der Jüngere      289.
      Dupin der Ältere      496.
      Duval, Alexandre      286.

      Ebräerbrief      90.
      Eichendorff, v.      244.
      Eike von Repkow      119.
      Empedokles      344.
      Ennius      367.
      Epicharmus      345.
      Epiktet      360.
      Epimenides      331.
      Esra      27.
      Esther      28.
      Étienne      286.
      Euklid      359.
      Euripides      344.

      Farinacius, Prosper      435.
      Ferdinand I.      513.
      Ferdinand V. von Spanien      469.
      Feuchtersieben, E. v.      255.
      Feuerbach, Ludwig      253.
      Fischart, Joh.      132.
      Flaccus, Verrius      413.
      Förster, Karl      239.
      Fouché      487.
      Fouqué, de la Motte      232.
      Frankenberg, Graf      559.
      Frankfurter, Philipp      122.
      Franklin, Benjamin      305. 500.
      Franz I. v. Frankreich      472.
      Franzos, Karl Emil      266.
      Freidank      118.
      Freiligrath      257.
      Freystadt, M.      264.
      Freytag, Gustav      260.
      Friedrich der Grosse      517.
      Friedrich Wilhelm I.      516.
      Friedrich Wilhelm III.      527.
      Friedrich Wilhelm IV.      534.
      Fulda      218.

      Gavarni, Paul      287.
      Geibel, Em.      260.
      Gellert      139.
      Gellius, A.      428.
      Gentz, Friedrich v.      528.
      Gerhardt, Paul      134.
      Gioberti      468.
      Glasbrenner      257.
      Gleim      143.
      Goethe      159. 530.
      Goldsmith      306.
      Gottfried von Strassburg      119.
      Grégoire, Bischof      484.
      Grillparzer      245.
      Gualtier, Philippe      432.
      Guizot      497.
      Gutzkow, Karl      259.

      Haase, Lieutenant      546.
      Hänel, Albert      559.
      Hagedorn, Frdr. v.      138.
      Haggai      52.
      Hahn-Hahn, Gräfin Ida      255.
      Halévy, Léon      287.
      Halévy, Ludovic      289.
      Haller, Albrecht von      138.
      Halm      255.
      Hansemann, David, Abgeordn.      537.
      Harsdörffer      135.
      Hauff      251.
      Hebel      219.
      Hegel      228.
      Heine      247.
      Heinrich IV. v. Frankreich      474.
      Heinrich LXXII. Fürst Reuss      536.
      Helmont, van      133.
      Hénault,      304.
      Henckell, Karl      267.
      Heraklit      342. 443.
      Herbort      118.
      Herder      153.
      Herodot      344.
      Herwegh, Georg      261.
      Hesekiel      49.
      Hesiod      327.
      Hessen, Erbprinz von      515.
      Hiob      28.
      Hippokrates      347.
      Historie von der Susanne und Daniel      59.
      Hobbes      439.
      Hoelderlin      229.
      Hoelty      159.
      Hoffmann-Donner, Heinr.      256.
      Hoffmann v. Fallersleben      246.
      Hogarten      266.
      Holberg      268.
      Holtei, Karl v.      246.
      Homer      320.
      Horaz      392.
      Hosea      50.
      Huber, F. X.      222.
      Huber, L. F.      225.
      Hugo, Hermann      438.
      Huss, Johann      509.
      Hütten, Ulrich v.      127.
      Hylacomylus      122.

      Irving, Washington      309.

      Jacoby, Johann      541.
      Jahn, F. L.      234.
      Jakobus      91.
      Jean Paul      223.
      Jeremias      46. 48.
      Jesaias      42.
      Jesus Sirach      54.
      Joël      50.
      Johann Friedrich der Grossmütige, Kurfürst v. Sachsen    512.
      Johannes, Evangelist      78.
      Johannes, Epist.       90.
      Johannes, Offenbarung      91.
      Johnson, Samuel      305.
      Jona      51.
      Jonson, Ben      301.
      Jordan, Canaille      285.
      Joseph II.      523.
      Josephus Flavius      360.
      Josua      20.
      Judith      52.
      Julianus, Kaiser      362.
      Julius Caesar      381. 457.
      Julius III., Papst      466.
      Jung, Georg, Abgeordn.      539.
      Juvenal      423.

      Kalisch, David      262.
      Kant      145.
      Karl VIII.      472.
      Karl X. (Graf v. Artois)      491.
      Karl Albert      468.
      Kaufmann, Christoph      188.
      Kaunitz      524.
      Kell, Julius      242.
      Kind, Friedrich      226.
      Klopstock      144.
      Könige, Buch der      26.
      Körner, Theodor      245.
      Konrad III.      507.
      Kortum      155.
      Kotzebue      220.
      Krawani      552.

      La Fontaine      273.
      Lami, Heinrich      241.
      Langbein      190.
      Langhansen      185.
      Langland, W.      433.
      Lassalle, Ferdinand      558.
      Layard, A. H.      505.
      Leboeuf      500.
      Legouvé      287.
      Leibniz      515.
      Lenau      251.
      Leo, Heinrich      545.
      Lessing, Gotthold Ephraim      147.
      Lichtenberg      153.
      Lichtwer      142.
      Ligne, Fürst de      528.
      Livius      406.
      Logau, von      133.
      Lortzing      252.
      Lothar I., Kaiser      506.
      Lotichius, Peter      437.
      Lucanus      419.
      Lucian      361.
      Lucilius      371.
      Lucrez      381.
      Lucullus      457.
      Ludwig, Joh.      234.
      Ludwig XI.      471.
      Ludwig XIV.      475.
      Ludwig XVIII.      494.
      Ludwig Philipp      496.
      Lützow, Major von      526.
      Lukas, Evang.      73. 80.
      Luther, Dr. Martin      122. 512.

      Mac Mahon      498.
      Maccabäer      58.
      Mahlmann, August      229.
      Maleachi      52.
      Manilius      412.
      Manteuffel, Freiherr von      542.
      Marcellinus      177.
      Markus, Evang.       71.
      Marmontel      282.
      Marot      271.
      Martial      420.
      Martin, Bischof      558.
      Martin IV., Papst      462.
      Masaidek      262.
      Mathy, Karl      540.
      Matthäus, Evangel.      59
      Matthias, Oberbaurat      530.
      Maupertuis      481.
      Maury, Abbé      483.
      Maximilian I., Kaiser      510.
      Maybach, Minister      561.
      Medius      449.
      Meidinger      523.
      Meilhac, H.      289.
      Meldenius, Rupertus      439.
      Menander      357.
      Mercator, Gerhard      131.
      Mercier      282.
      Merckel, v.      263.
      Metternich, Fürst      537.
      Micha      51.
      Miller, Joh. Mart.      184.
      Mirabeau      484.
      Mörike, Eduard      253.
      Molière      273.
      Montausier, Herzog von      477.
      Montesquieu      278.
      Moore, Thomas      308.
      More, Henry      301.
      Morus, Thomas      290.
      Moser, Fr. K. v.      144.
      Moser, G. v.      264.
      Moses      3.
      Müllner      232.
      Münch-Bellinghausen, v.      255.
      Musculus, Andreas      131.

      Napoléon I.
        (Code)      286.
        (Gener. Bonaparte)      486.
        (Kaiser)      489.
      Napoléon III.      498. 499.
      Nehemia      28.
      Nelson      504.
      Neratius Priscus      428.
      Nestroy      251.
      Neumeister, Erdmann      136.
      Nolant de Fatouville      277.
      Novalis      230.

      O'Connell      504.
      Oppenheim, H. B.      556.
      Orléans, Herzog Philipp von      478.
      Overbeck, Chr. Ad.      189.
      Ovid      407.

      Paesiello oder Paisiello      314.
      Palafox      470.
      Panat, de      486.
      Pareto      468.
      Parny, Évariste de      282.
      Pascal      276.
      Paulus, Apostel      81.
      Paulus Diaconus      431.
      Perinet, Joachim      226.
      Persius      417.
      Peschel, Oskar Ferd.      552.
      Petronius Arbiter      420.
      Petrus, Apostel      89.
      Petrus Lombardus      432.
      Pfeffel      152.
      Pfordten, Minister v. d.      547.
      Phaedrus      415.
      Philo Judaeus      359.
      Pico, Graf von Mirandola      434.
      Pinarius Rufus, M.      380.
      Pindar      341.
      Planché, James Robinson      310.
      Platen, Graf      246.
      Plato      350.
      Plautus      365.
      Plinius der Ältere      417.
      Plinius der Jüngere      427.
      Plotin      362.
      Plutarch      360.
      Pocci, Franz Graf      255.
      Podbielski, General v.      555.
      Pompadour, Marquise von      481.
      Pope      303
      Popowitsch      139.
      Poysel, J. Albert      513.
      Proclus      363.
      Properz      407.
      Proudhon      288.
      Psalmen      32.
      Publilius Syrus      382.
      Pyrrhus, König      452.
      Pythagoras      338.
      Pytheas      356.

      Quintilian      418.

      Rabelais      270.
      Räder, Gustav      258.
      Raimund      244.
      Ramler      145.
      Raumer, G. W. v.      537.
      Raupach      240.
      Rechberg, Graf v., Minister      548.
      Reger, Salomon      253.
      Reitzenstein, v.      184.
      Reuleaux, Franz      559.
      Reuter, Christian      136.
      Reuter, Fritz      259.
      Richardson      304.
      Richter, Buch der      21.
      Richter (Jean Paul)      223.
      Rist, Joh.      135.
      Robert, Ludwig      235.
      Rodigast, Samuel      136.
      Romieu, M. A.      289.
      Roon, v., Kriegsminister      548.
      Rosen      265.
      Rotrou, Jean      272.
      Rotteck      530.
      Rougemont, Journalist      493.
      Rouget de Lisle      284.
      Rouher      499.
      Rückert      244.
      Rüdiger von Hünchhover      119.
      Rüthling      253.

      Sabor, Abgeordneter      562.
      Sacharja      52.
      Salingré, Hermann      265.
      Salis-Seewis, v. 221.
      Sallust      382.
      Salomo      37. 41. 42. 52.
      Salvandy      495.
      Samuel      23.
      Sartine      480.
      Scheffel, Jos. Vict. v.      264.
      Schenkendorf, Max v.      238.
      Scherr, Johannes      260.
      Schidone      436.
      Schikaneder      185.
      Schill, Ferdinand v.      525.
      Schiller      192.
      Schlegel, Friedrich v.      229.
      Schleiermacher      227.
      Schleinitz, Alex, v., Minister      548.
      Schlözer, Ludw. v.      152.
      Schmied von Ruhla      508.
      Schmidt-Werneuchen      225.
      Schneckenburger, Max      262.
      Schneider, Louis      254.
      Schopenhauer      243.
      Schulenburg-Kehnert, Graf v. d.      524.
      Schumacher, B. G.      189.
      Schwerin, Graf v.      550.
      Scipio      455.
      Scribe      287.
      Seneca, der Jüngere      413.
      Seume      222.
      Sextus Empiricus      361.
      Shakespeare      292.
      Sheridan      307.
      Sidney, Sir Philip      290.
      Sieyès      484.
      Simonides von Keos      336.
      Smith, E. P.      505.
      Sokrates      330. 347.
      Solon      330. 442.
      Sommer, Joh.      133.
      Sophokles      342.
      Spinoza      441.
      St. Just      286.
      Staël, Mdme de      284.
      Stahl, Friedrich Julius      543.
      Stettenheim, Julius      265.
      Stilpon      336.
      Stockmann, Aug. Cornel      186.
      Stolberg, Fr. L. Graf zu      184.
      Strass, H. F. H.      253.
      Strauss, David Friedr.      256.
      Streckfuss, Karl      235.
      Sturm, Nicolaus      219.
      Sue, Eug.      288.
      Süvern      525.
      Swift      302.
      Syrus, Publilius      382.

      Tacitus      426.
      Talleyrand      487.
      Taubmann      435.
      Terentianus Maurus      429.
      Terenz      367.
      Tertullian      428.
      Tetzel, Joh.      511.
      Thales      330.
      Themistokles      443.
      Theognis      339.
      Theophrast      356.
      Thiersch, J. B.      246.
      Thucydides      348.
      Thümmel, Hans Ad. v.      252.
      Tibull      407.
      Tieck      230.
      Tiedge      187.
      Titus, Kaiser      461.
      Tobias      52.
      Treitschke, Heinrich v.      555.
      Tribonian      431.
      Tully, Thomas      302.
      Turgenjew, Iwan      318.

      Ueltzen, Wilhelm      192.
      Uhland, Ludw.      242. 538.
      Ulpian      429.
      Unruh, Hans Victor v.      541.
      Urfé, d'      272.
      Usteri      225.

      Valerius Maximus      416.
      Variscus, Joh. Olorinus      133.
      Varro      371.
      Vegetius      430.
      Vergil      383.
      Verrius Flaccus      413.
      Vespasian      461.
      Victor Emanuel II.      468.
      Villon, F.      270.
      Vincent de Gournay      478.
      Virchow, Rudolph      557.
      Voigt, Friedrich      228.
      Voltaire      278.
      Voss, Joh. Heinr.      186.
      Vrîdanc      118.
      Vulpius, Chr. Aug.      221.

      Wagner, Richard      259. 560.
      Waldis, Burchard      129.
      Waldseemüller, Martin      122.
      Wallis, Graf      526.
      Walpole, Sir Robert      504.
      Wantrup      265.
      Weisse, Chr. Felix      147.
      Werner, Zacharias      529.
      Wieland      150.
      Wienbarg, Ludolf      251.
      Wilhelm der Grosse, Kaiser      546. 552.
      Wilke, Andreas      228.
      Wircker, Erdmann      137.
      Wolff, Pius Alex.      239.
      Wordsworth      308.
      Wyss d. J.      237.

      Xanthippe      444.

      Zamoiski      470.
      Zeno      358.
      Zephanja      51.
      Zesen, Philipp v.      135.



Register.


  (In den früheren Auflagen des Buches wurden im Register die neu
  hinzugekommenen geflügelten Worte mit einem * und die Zusätze und
  Verbesserungen mit einem + bezeichnet. Diese Einrichtung, welche nur
  dem unlauteren Wettbewerb nützte, kommt von nun an in Fortfall, damit
  den zahlreichen Plagiatoren des "Büchmann", die "glücklich von andern
  Gefund'nes fröhlich erkannt und geschätzt" haben, die Entwendung der
  neuen Erwerbungen und Verbesserungen nicht mehr so leicht, wie bisher
  gemacht wird.)


1. Deutsche Sprache.

      A und O      91
      Aas (Wo ein) ist, da sammeln sich die Adler      32
      Abbrennen (Dreimal Umziehen ist so schlimm wie einmal)      305
      Abdera, Abderiten      361
      Abend (Es ist noch nicht aller Tage)      406
      Abends (Eines) spöte u.s.w.      143
      Abends (Tages Arbeit!) Gäste!      172
      Aber das denkt wie ein Seifensieder      205
      Aber (Das Wenn und das)      158
      Aber die Pentameter sind doch noch excellenter      218
      Aber fragt mich nur nicht wie?      247
      Abgegeben (Hab' mich nie mit Kleinigkeiten)      192
      Abgeguckt (Das habt ihr ihm glücklich)      204
      Abgelaufen (Deine Uhr ist)      217
      Abgemacht, Sela!      93
      Abglanz (Am farbigen) haben wir das Leben      183
      Abkapiteln      506
      Abraham (Er hat schon Vater) gesehen      79
      Abrahams Schoss      75
      Abrede (Das ist wider die)!      149
      Absalom (O mein Sohn)      26
      Absicht (Man merkt die) und man wird verstimmt      165
      Absolut (Und der König), wenn er unsern Willen thut      238
      Absurd (Wenn sich der Most auch ganz) geberdet u.s.w.      183
      Abwesend (Rühmlichst)      537
      Abwesenheit (Durch seine) glänzen      426
      Abziehen (Seine Hand) von Einem      16
      Ach, armer Yorik!      294
      Ach, der ist bald allein!      171
      Ach, es war nicht meine Wahl!      213
      Ach, sie haben einen guten Mann begraben u.s.w.      153
      Ach, (Und was soll das) und Weh?      237
      Ach, was haben die Herrn doch für ein kurzes Gedärm      201
      Ach, wenn du wärst mein eigen!      254
      Ach, wie bald schwindet Schönheit und Gestalt!      251
      Ach, wie ist's möglich dann, dass ich dich lassen kann      146
      Achates (Der getreue)      389
      Achillesferse      113
      Adam (Der alte)      81
      Adam Riese      512
      Adler (Glaubst du dieser) sei dir geschenkt?      226
      Adler (Wo ein Aas ist, da sammeln sich die)      32
      Admet (Noch lebt)      152
      Adonis      109
      Adria (Frei bis zur)      498
      Ägyptens (Die Fleischtöpfe)      12
      Ägyptische Finsternis      11
      Ändert (Es) sich die Zeit      217
      Äonen (Es kann die Spur von meinen Erdetagen nicht in)
          untergehn      183
      Äpfel (Güldene) in silbernen Schalen      40
      Ärgernis (Den Juden ein) und den Griechen eine Thorheit      83
      Ästhetik      139
      Affenartige Beweglichkeit      552
      Affenmässige Geschwindigkeit      552
      Ahnungsvoller Engel      170
      Alexander, mein Gatte u.s.w.      310
      Alexander (Wenn ich nicht) wäre, so u.s.w.      449
      Alle, Alle kamen      229
      Alle (Mich fliehen) Freuden      314
      Alle Jubeljahr' mal      15
      Alle Schuld rächt sich auf Erden      171
      Alle Wasser laufen ins Meer      41
      Alle (Wenn) untreu werden u.s.w.      230
      Alle Wohlgerüche Arabiens      299
      Alledem (Trotz) und Alledem!      307
      Allein der Vortrag macht des Redners Glück      167
      Allein (Es ist nicht gut, dass der Mensch) sei      3
      Allein mir fehlt der Glaube      174
      Allein sie haben schrecklich viel gelesen      174
      Allein (Wer sich der Einsamkeit ergiebt, ach, der ist
          bald)      171
      Alleine (Einsam bin ich nicht)      239. 456
      Allemal derjenige welcher      243
      Allen (Er, der herrlichste von)      238
      Aller Augen warten auf dich, und du giebst ihnen ihre
          Speise      37
      Aller Deutschen Edelstein      524
      Aller (Krieg) gegen Alle      352
      Aller (Noch ist nicht) Tage Abend      406
      Allerlei Volk      80
      Allerwärts (Untröstlich ist's noch)      243
      Alles Bösen Eckstein u.s.w.      524
      Alles (Dem Reinen ist) rein      89
      Alles freudig an die Ehre setzen      212
      Alles Guten Grundstein      524
      Alles hat seine Zeit      41
      Alles in der Welt lässt sich ertragen u.s.w.      180
      Alles ist Dressur      176
      Alles ist eitel      41
      Alles ist verloren, nur die Ehre nicht!      473
      Alles muss verrungeniert werden      262
      Alles (Nun muss sich Alles,) wenden      242
      Alles (Prüfet) und behaltet das Beste      88
      Alles schon dagewesen      259
      Alles was aus der Erde kommt, muss wieder zu Erde werden      4
      Alles was ist, ist vernünftig      228
      Alles wissen und gar nichts können      234
      Alles (Wo) liebt, kann Karl allein nicht hassen      197
      Alles zu seiner Zeit      41
      Alles zum Besten kehren      123
      Allgemeines Schütteln des Kopfes      155
      Allmächtige (Der) Dollar      309
      Allwissend bin ich nicht, doch viel ist mir bewusst      176
      Allzu straff gespannt, zerspringt der Bogen      217
      Allzumal (Wir sind Sünder)      81
      Alpha und Omega      91
      Als der Grossvater die Grossmutter nahm      191
      Als dienendes Glied schliess' an ein Ganzes dich an!      201
      Als wie der Doktor Luther      168
      Als wie fünfhundert Säuen      169
      Alserbach (Die Wacht am)      262
      Also, dass sie keine Entschuldigung haben      81
      Alt (Schier dreissig Jahre bist du), u.s.w.      247
      Alte (Das) stürzt, es ändert sich die Zeit      217
      Alte (Es ist eine) Geschichte u.s.w.      248
      Alte Garde      493
      Alten (Der) Wunde unnennbar schmerzliches Gefühl      386
      Alten (Ein Märchen aus) Zeiten      248
      Alten (Von Zeit zu Zeit seh' ich den) gern      174
      Alter Adam      81
      Alter (Das) des Psalmisten      35
      Alter (Gott grüss' Euch)! Schmeckt das Pfeifchen?      152
      Alter Sauerteig      84
      Alter Schwede      514
      Alter (Zunehmen an) und Weisheit      73
      Am besten ist's auch hier, wenn ihr nur Einen hört u.s.w.      168
      Am Ende muss sie untergeh'n      244
      Am farbigen Abglanz haben wir das Leben      183
      Am Glauben Schiffbruch erleiden      89
      Am Golde hängt doch Alles      169
      Am Kreuze bereuen      205
      Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben!      153
      Am sausenden Webstuhl der Zeit      167
      Ambrosia      98
      Amen (Gott helfe mir!)      512
      Amen (Ja und) zu Etwas sagen      19
      Amerika      122
      Amerika, du hast es besser!      182
      Amme (Die Gewohnheit nennt er seine)      210
      Amphitryon      273
      Amt (Ich hab' hier bloss ein) und keine Meinung      210
      Amtes (Was deines) nicht ist, da lass deinen Vorwitz      54
      An Alter und Weisheit zunehmen      73
      An der Quelle sass der Knabe      214
      An der schönen blauen Donau      261
      An der Spitze der Civilisation marschieren      497
      An einem Kaiserwort soll man nicht drehn noch deuteln      507
      An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen      64
      An seine Brust schlagen      76
      Anbetung des goldenen Kalbes      13
      Anblick (Ernst ist der) der Notwendigkeit      210
      Ander (Rrrr! ein) Bild!      257
      Andere (Die) Partei hören      447
      Anders als sonst in Menschenköpfen u.s.w.      200
      Anders (Ein) denkendes Geschlecht      216
      Anders (Wie) wirkt dies Zeichen auf mich ein      167
      Andre (Einer wie der)      83
      Anfang (Der) vom Ende      297
      Angeborne Farbe der Entschliessung      293
      Angefangen (Der Karnickel hat)      241
      Angekränkelt (Von des Gedankens Blässe)      293
      Angemäs't (Hatte sich ein Ränzlein)      168
      Angenehme (Das) mit dem Nützlichen verbinden      405
      Angenehme Temperatur      548
      Angeschrieben (Gut oder schlecht) sein      88
      Angesicht (Sein) leuchten lassen über jemandem      15
      Angesicht (Von) zu Angesicht      13
      Angesichts (Im Schweisse deines) sollst du dein Brot essen      4
      Angst und bange machen      48
      Angst und bange werden      48
      Ans Vaterland, ans teure, schliess dich an u.s.w.      216
      Ansehn (Ohne) der Person      17
      Anstand (Mit dem), den er hatte      202
      Anstosses (Der Stein des)      42
      Antaeus      109
      Antichrist      90
      Antipathie (Du hast nun die)!      170
      Antwort (Über diese) des Kandidaten Jobses u.s.w.      155
      Antwort (Und bitten um)      58
      Antwort (Und ein Narr wartet auf)      249
      Anvertrautes Pfund      76
      Anziehen (Einen neuen Menschen)      87
      Apella (Das glaube der Jude)!      398
      Apfel der Zwietracht      96
      Apotheker (O wackrer)! Dein Trank wirkt schnell      299
      Apell (Ein) an die Furcht findet kein Echo in deutschen
          Herzen      553
      Arabiens Wohlgerüche      299
      Aranjuez (Die schönen Tage in) sind nun zu Ende      196
      Arbeit (Dann fliesst die) munter fort      208
      Arbeit macht das Leben süss      153
      Arbeit (Saure)      42
      Arbeit schändet nicht      328
      Arbeit (So eine) wird eigentlich nie fertig      162
      Arbeit (So viel) um ein Leichentuch!      246
      Arbeit (Tages), Abends Gäste!      172
      Arbeit (Wenn gute Reden sie begleiten, dann fliesst die)
          u.s.w.      208
      Arbeiten (Wer nicht) will, der soll auch nicht essen      89
      Arbeiter (Ein) ist seines Lohnes wert      73
      Arbeiter im Weinberg      67
      Architektur (Die) ist die erstarrte Musik      337
      Argen (Die Welt liegt im)      90
      Argusaugen      105
      Ariadnefaden      111
      Aristarch      454
      Arkadien (Auch ich war in)      196. 436
      Arm an Geist      60
      Arm in Arm mit dir u.s.w      199
      Arm wie Hiob      28
      Arm wie Lazarus      75
      Arme (Das) Herz, hienieden u.s.w      221
      Arme (Das) Menschenherz muss stückweis brechen      261
      Arme (Der sogenannte) Mann      561
      Armee (Ich fühle eine) in meiner Faust      192
      Armeen (Kann ich) aus der Erde stampfen?      212
      Armen (O weh mir), Korydon!      156
      Armen (Wer sich des) erbarmet, der leihet dem Herrn      40
      Armenvater      30
      Armer Korydon      156
      Armer (Was willst du) Teufel geben?      176
      Armer Yorick!      294
      Art (Dies ist die) mit Hexen umzugehen      169
      Art (Nichts halb zu thun, ist edler Geister)      152
      Arznei, nicht Gift      149
      Arzt, hilf dir selber!      56
      Arztes (Die Gesunden bedürfen des) nicht u.s.w.      64
      Asche (In Sack und) trauern      28
      Asche (Staub und)      30
      Asche (Wie ein Phönix aus der) erstehen      113
      Aschenbrödel, Aschenputtel      114
      Athen (Eulen nach) tragen      349
      Atlas      131
      Auch Du, mein Brutus?      458
      Auch eine schöne Gegend!      257
      Auch Einer von Denen      71
      Auch ich war in Arkadien geboren      196. 436
      Auch Patroklus ist gestorben und war mehr als du      194. 323
      Auf besagten Hammel zurückzukommen      420
      Auf dass mein Haus voll werde      74
      Auf deinem Grabstein wird man lesen u.s.w.      181
      Auf dem Dache sitzt ein Greis u.s.w.      258
      Auf dem Posten sein      521
      Auf den Bergen ist Freiheit!      214
      Auf den besagten Hammel zurückkommen      420
      Auf den breitesten Grundlagen      535
      Auf den Brettern, die die Welt bedeuten      213
      Auf den Dächern predigen      65
      Auf den Sand bauen (Sein Haus)      64
      Auf den Zinnen der Partei stehen      181
      Auf denn--nach Valencia!      155
      Auf der Bank der Spötter sitzen      32
      Auf der Goldwage abgewogene Worte      56
      Auf der grossen Retirade      239
      Auf der Menschheit Höhen wohnen      212
      Auf des Meisters Worte schwören      168
      Auf dieser Bank von Stein will ich mich setzen      218
      Auf einem faulen (fahlen) Pferde ertappt      92
      Auf einem Prinzip herumreiten      536
      Auf einem Vulkan tanzen      496
      Auf einer höhern Warte stehen      181
      Auf Flügeln des Gesanges      248
      Auf frischer That ertappt      431
      Auf Händen tragen      35
      Auf Jemanden den ersten Stein werfen      78
      Auf Jemandes Haupt feurige Kohlen sammeln      40
      Auf keinen grünen Zweig kommen      29
      Auf, nach Kreta!      289
      Auf, nach Valencia!      155
      Auf seinem Bette weinend sitzen      171
      Auf seinen Schein stehen      298
      Auf's Innigste zu wünschen      293
      Aufeinanderplatzen      122
      Aufgeben (Seinen Geist)      49
      Aufgeblasen      416
      Aufgeblasener Frosch      416
      Aufgeblasener Mensch      416
      Aufgehoben (Besorgt und)      203
      Aufgenommen (Wird man wo gut), muss man nicht gleich
          wiederkommen      239
      Aufgewärmter Kohl      424
      Aufkläricht      545
      Aufstehen (Früh)      57
      Aufthun (Seine milde Hand)      18
      Augapfel (Wie seinen) behüten      20
      Aug' (Des Dichters) in schönem Wahnsinn rollend      297
      Auge (Das) des Gesetzes wacht      209
      Auge (Das) des Herrn      355
      Auge (Das) sieht den Himmel offen      208
      Auge (Dorn im)      17
      Auge um Auge, Zahn um Zahn      12
      Auge (War' nicht das) sonnenhaft u.s.w      362
      Augen (Aller) warten auf Dich u.s.w.      37
      Augen (Aus den), aus dem Sinn      407
      Augen (Es fällt Einem wie Schuppen von den)      81
      Augen (Gnade vor Jemandes) finden      7
      Augen haben und nicht sehen      37
      Augen (Mit sehenden) nicht sehen      66
      Augen (Sich die) ausweinen      48
      Augenblick (Doch der den) ergreift, das ist der rechte
          Mann      168
      Augenblick (Ein einz'ger) kann alles umgestalten      152
      Augenblick (Ein) gelebt im Paradiese u.s.w.      197
      Augenblick (Was glänzt ist für den) geboren u.s.w.      174
      Augenblicke (Es giebt im Menschenleben) u.s.w.      210
      Augendienerei      88
      Augiasstall      110
      Auguren, die sich gegenseitig verlachen      456
      Aus dem Strom der Vergessenheit trinken      102
      Aus dem Tempel jagen      78
      Aus den Augen, aus dem Sinn      407
      Aus der Asche erstehen wie ein Phönix      113
      Aus der Erde stampfen (Armeen)      212
      Aus der Scylla in die Charybdis gerathen      433
      Aus einem Punkte zu kurieren      168
      Aus einem Saulus ein Paulus werden      80
      Aus Gemeinem ist der Mensch gemacht u.s.w.      210
      Aus Häckerling Gold machen      158
      Aus Nichts hat Gott die Welt erschaffen      58
      Aus Nichts wird Nichts      381
      Aus seinem Herzen eine Mördergrube machen      46
      Ausbrüten (Basiliskeneier)      45
      Auseinandergehn (Wenn Menschen) u.s.w.      255
      Auserwählt (Wenige sind)      68
      Auserwählte (Das) Volk      36
      Auserwähltes (Ein) Rüstzeug      80
      Ausessen, was man sich eingebrockt hat      371
      Ausgegangen (Sie sind von uns), aber u.s.w.      90
      Ausgehen, um die Töchter des Landes zu besehen      9
      Ausgelitten hast du, ausgerungen      184
      Ausgenommen (Den Bürgermeister)      228
      Ausgesonnen (Wohl), Pater Lamormain!      209
      Ausgestand'nen (Nach Kreuz und) Leiden      219
      Ausgiessen (Die Schale des Zorns)      93
      Ausharret (Wer), wird gekrönt      154
      Auslegen (Im) seid frisch und munter u.s.w.      182
      Ausposaune      61
      Ausschütten (Sein Herz)      23
      Austerlitz (Die Sonne von)      489
      Austreiben (Den Teufel durch Beelzebub)      65
      Ausweinen (Sich die Augen)      48
      Ausziehen (Den alten Adam)      81
      Autorität, nicht Majorität!      543
      Avon (Der süsse Schwan vom)      301
      Axt (Die) an die Wurzel legen      59
      Axt (Die) im Haus erspart den Zimmermann      217

      Babel      48
      Babylonische Verwirrung      7
      Baedeker      531
      Bändigt (Was uns Alle), das Gemeine      174
      Bäumen (Den Wald vor) nicht sehen      150
      Bald (Was du thust, das thue)!      79
      Bald (Wie) schwindet Schönheit und Gestalt!      251
      Balde (Warte nur), ruhest du auch!      162
      Ballhorn, ballhornisieren      128
      Bange (Angst und) machen      48
      Bange (Angst und) werden      48
      Bangen (Langen und) in schwebender Pein      163
      Bangewerden bei seiner Gottähnlichkeit      168
      Bank (Auf der) der Spötter sitzen      32
      Bank (Auf dieser) von Stein will ich mich setzen      218
      Barmherziger Samariter      73
      Barmherzigkeit (Ohne Gnade und)      47
      Bart (Gehe nach Jerichow und lass dir den) wachsen      25
      Basiliskenblick      417
      Basiliskeneier ausbrüten      45
      Bassermannsche Gestalten      542
      Basses (Des) Grundgewalt      168
      Bauch (Ein fauler)      331
      Baucis      112
      Bauen (Hütten)      67
      Bauen (Sein Haus auf den Sand)      64
      Bauer (Ja) das ist ganz was Anders!      145
      Bauer (Jeder) soll Sonntags sein Huhn u.s.w.      474
      Baukunst (Die) ist eine erstarrte Musik      337
      Baum (Grün ist des Lebens goldner)      168
      Baum (Vom) der Erkenntnis essen      3
      Becher (Wenn auch der) überschäumt      199
      Bedenke das Ende!      55
      Bedenkt (Wer gar zu viel), wird wenig leisten      217
      Bedeuten (Die Bretter, die die Welt)      213
      Bedeuten (Ich weiss nicht, was soll es)      248
      Bedeutung (In des Wortes verwegenster)      199
      Beelzebub (Den Teufel durch) austreiben      65
      Beförderter Rückschritt      544
      Befrei'n (Wenn sich die Völker selbst) u.s.w.      209
      Begehr' (Den Dank, Dame,) ich nicht      202
      Begehrt (Die Sterne, die) man nicht    173
      Begeistrung ist keine Häringsware u.s.w.    165
      Begleiten (Wenn gute Reden sie) u.s.w.    208
      Begraben (Ach, sie haben einen guten Mann)    153
      Begraben (Lass die Toten ihre Toten)     64
      Begräbnis (Ein ehrliches)       8
      Begriff (Des Lebens Unverstand mit Wehmut zu geniessen, ist
          Tugend und)    251
      Begriff (Ein geographischer)    537
      Begriffe (Denn eben wo) fehlen, da u.s.w.    168
      Behagen (Mich ergreift, ich weiss nicht wie, himmlisches)    173
      Behagen (Mit wenig Witz und viel)    168
      Behalt, was du hast      8
      Behaltet das Beste!     88
      Behandelt jeden nach Verdienst u.s.w.    293
      Behandlung (Dilatorische)    555
      Behüt dich Gott! es wär' zu schön gewesen u.s.w.    264
      Behüten (Jemanden) wie seinen Augapfel     20
      Bei der Nacht kommen wie Nikodemus     78
      Bei Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf    537
      Bei Gott ist kein Ding unmöglich      7
      Bei Philippi sehen wir uns wieder    296
      Bei seiner Gottähnlichkeit bange werden    168
      Beide Theile hören   447
      Beim wunderbaren Gott--das Weib ist schön!    199
      Bein (Mark und) durchdringend     90
      Bein von meinem Bein      3
      Beisammen (Ich und mein Fläschchen sind immer)    191
      Beisammen sind wir, fanget an!    176
      Beispiele (Böse) verderben gute Sitten     85
      Bekenntnisse einer schönen Seele    172
      Beklagen (Ich kann nichts thun, als dich), weil u.s.w.    185
      Beklemmungen (Patriotische)    499
      Beladen (Mühselig und)     65
      Beladen (Reich mit des Orients Schätzen)    287
      Beleckt (Die Kultur, die alle Welt)    169
      Bellender Magen    399
      Benjamin     10
      Benzenberg (Zahlen beweisen: sagt)   232
      Berechtigte Eigentümlichkeiten    552
      Bereiten (Zum Werke, das wir ernst) u.s.w.    208
      Bereitetes (Lecker) Mahl    324
      Bereuen (Das sollst du am Kreuze)    205
      Berg (Der kreissende) gebiert eine Maus    335
      Berg (Einen steilen) hinan    143
      Berg (Sei mir gegrüsst, mein), mit dem u.s.w.   200
      Berge (Der Glaube versetzt)     84
      Berge (Die Haare stehen Einem zu)     28
      Berge (Goldene) versprechen   370
      Berge (Lebt wohl ihr), ihr geliebten Triften!    212
      Berge (Über die) mit Ungestüm   220
      Bergen (Auf den) ist Freiheit   214
      Berserkerwut    115
      Bersten vor Neid    416
      Berühmte Leute      6
      Beruf (Zeitungsschreiber, ein Mensch, der seinen)verfehlt
          hat    549
      Berufen (Viele sind), aber Wenige sind auserwählet     68
      Besagter Hammel    420
      Bescheiden (Nur der Lump ist)    178
      Bescheidenheit (Den Jüngling ziert)   245
      Bescheidenheit ist eine Zier    245
      Beschränkter Unterthanenverstand   532
      Beschränkung (In der) zeigt sich erst der Meister    173
      Besen (Neue) kehren gut    118
      Besitze (Sei im) und du wohnst im Recht    210
      Besitzen (Erwirb es, um es zu)    174
      Besitzt (Wer) der lerne verlieren!   214
      Besonders lernt die Weiber führen u.s.w.    168
      Besondrer (Blut ist ein ganz) Saft    176
      Besorgt und aufgehoben    203
      Besser (Amerika, du hast es)!    182
      Besser (Das fluscht)!    527
      Besser (Das sieht schon) aus, man sieht doch wo und wie?    168
      Besser einen Besseren missen können    295
      Besser sein als sein Ruf    411
      Besser (Tadeln können zwar die Thoren, aber) machen nicht    190
      Bessere (Das) Teil der Tapferkeit ist Vorsicht    295
      Bessere (Das) Teil erwählt haben     73
      Bessere Hälfte   290
      Besseres (Nichts) zu hoffen, noch zu erwarten haben     57
      Bess're (Wir Wilden sind doch) Menschen    222
      Beste (Behaltet das)!     88
      Beste (Das) ist gut genug    162
      Beste (Die Frau ist die), von der man am Wenigsten spricht     348
      Beste (Hunger ist der) Koch    347
      Bestellen (Sein Haus)     43
      Besten (Alles zum) kehren    123
      Besten (Wer den) seiner Zeit genug u.s.w.    204. 402
      Bestgehasster Mann    504
      Bestie (Vielköpfige)      400
      Bestimmt (Es ist) in Gottes Rat u.s.w.      255
      Bestverleumdeter Mann      504
      Besudelt (Wer Pech angreift, der) sich damit      56
      Bette (Auf seinem) weinend sitzen      171
      Betrogen (Die Welt will) sein      120
      Betrogene Betrüger      359
      Betrübt (Zum Tode)      163
      Betrügt (Mich) man nicht      252
      Betrug (Ein frommer)      410
      Bettelsuppen (Breite)      176
      Bettler (Der wahre) ist der wahre König      150
      Beugen (Das Recht)      13
      Beutel (Thu' Geld in deinen)!      300
      Bewaffneter (Ein) Friede      133
      Beweglichkeit (Affenähnliche)      552
      Bewegt (Still und)      229
      Bewegt (Und sie) sich doch      467
      Bewegt (Von manchem Sturm)      221
      Bewegung (Die Regierung muss der) stets einen Schritt voraus
          sein      539
      Beweisen (Zahlen), sagt Benzenberg      232
      Bewusst (Viel ist mir)      176
      Bezahle (Mensch) deine Schulden!      248
      Bezwingen (Ein Haruspex muss das Lachen), wenn er den andern
          sieht      456
      Bien' (Der) muss      262
      Bild (Ein ander)!      257
      Bild (Hand vom)!      450
      Bildnis (Dies) ist bezaubernd schön      185
      Billig und schlecht      559
      Bin der Räuber Jaromir!      245
      Bin so klug als wie zuvor      167
      Bindet (Es prüfe, wer sich ewig), ob u.s.w.      208
      Bis an's Ende aller Dinge      89
      Bis an der Welt Ende      89
      Bis aufs Blut      90
      Bis aufs Messer (Krieg)      470
      Bis hierher und nicht weiter!      31
      Bis in den Tod      92
      Bis zum Künstler herunter      559
      Bischen (So'n) Französisch, das ist doch u.s.w.      263
      Bist du ein Meister in Israel und weisst das nicht?      78
      Bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt      161
      Bist du's, Hermann, mein Rabe?      192
      Bist untreu, Wilhelm, oder todt?      157
      Bitte (Ich sei, gewährt mir die) in eurem u.s.w.      206. 449
      Bitten (Und) um Antwort      58
      Blässe (Des Gedankens)      293
      Bläst (Kummer und Seufzen) einen Menschen auf u.s.w.      295
      Blätter (Wie grün sind deine)!      254
      Bläuen (Einem den Rücken)      57
      Blasen (Mein Gehirn treibt wunderbare) auf      199
      Blasewitz (Das ist ja die Gustel von)!      204
      Blasphemie      15
      Blatt (Kein) Papier soll sich zwischen mich und mein Volk
          drängen      535
      Blau (Der Hecht, der war doch)!      140
      Blaubart      116
      Blaue Blume      114
      Blauen (An der schönen) Donau      261
      Blaustrumpf      502
      Bleib' bei deinem Leisten (Schuster)!      451
      Bleib' (Wenn Alle untreu werden, so) ich dir doch treu      230
      Bleibe bei mir (Max)!      211
      Bleibe im Lande und nähre dich redlich!      34
      Bleiben (Es kann ja nicht immer so) u.s.w.      220
      Bleiben (Recht muss Recht)      35
      Bleibende (Keine) Stätte haben      91
      Bleich (Was willst du, Fernando, so trüb und so)?      232
      Blendwerk der Hölle!      214
      Blick' in dein eigenes Herz      201
      Blicken (Das lässt tief), sagt Sabor      562
      Blickt (Was er) ist Wut      242
      Blinder Eifer schadet nur      142
      Blinder Heide      82
      Blindheit (Mit) geschlagen werden      7
      Blitz (Was? der)! Das ist ja die Gustel u.s.w.      204
      Blöde Jugendeselei      250
      Bloss (Ich hab' hier) ein Amt und keine Meinung      210
      Blühen und grünen      35
      Blüht (Das Schöne) nur im Gesang      211
      Blüht (Des Lebens Mai) einmal und nicht wieder      196
      Blüht (Neues Leben) aus den Ruinen      217
      Blume (Die blaue)      114
      Blumen (Der) Rache      257
      Blut (Bis aufs)      90
      Blut ist ein ganz besonderer Saft      176
      Blut (Mein Fleisch und)      9
      Blut und Eisen      418
      Blut (Und was er schreibt, ist)      242
      Blutgeld      51
      Bluthund      25
      Bodensee (Der Reiter über den )     115
      Böcke und Schafe      70
      Börse, ein Giftbaum      561
      Böse Beispiele verderben gute Sitten      85
      Böse Buben      37
      Böse Menschen haben keine Lieder      222
      Böse Sieben      61
      Böse von Jugend auf      6
      Bösem (Gutes mit) vergelten      10
      Bösen (Alles) Eckstein      524
      Bösen (Den) sind sie los, die Bösen sind geblieben      169
      Bösen (Der Fluch der) That      210
      Bösen (Wenn es dem) Nachbar nicht gefällt      218
      Böses mit Bösem vergelten      10
      Bösewicht (Er war von je ein)      226
      Bogen (Allzu straff gespannt, zerspringt der)      217
      Botschaft (Die) hör' ich wohl, allein u.s.w.      174
      Boycott, boycotten      505. 506
      Bramarbas      137
      Brandfuchs      22
      Brauch (Das ist des Landes nicht der)      170
      Brauch (Fromm und schlicht nach altem)      170
      Brauchte (Was man nicht weiss, das eben) man      175
      Brav (Gleich schenken? Das ist)!      169
      Brave (Der) Mann denkt an sich selbst zuletzt      215
      Braver (Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein)
          Mann      226
      Brechen (Das arme Menschenherz muss stückweis)      261
      Brechen Sie dies rätselhafte Schweigen!      197
      Breite Bettelsuppen      176
      Breiteste Grundlagen      535
      Bretter (Die), die die Welt bedeuten      213
      Brettern (Welt mit) vernagelt      133
      Bringen (Wer Vieles bringt, wird Manchem Etwas)      174
      Bringt (Not) Einen zu seltsamen Schlafgesellen      298
      Brombeeren (So gemein wie)      295
      Bronze (Rocher von)      516
      Brosamen, die von des Reichen Tische fallen      66
      Brot (Das tägliche)      61
      Brot (Der Mensch lebt nicht vom) allein      17
      Brot (Die Kunst geht nach)      123
      Brot (Einen Stein statt) geben      63
      Brot (Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein) essen      4
      Brot (Wer nie sein) mit Thränen ass u.s.w.      171
      Brot (Wer seinen Kindern giebt das) u.s.w.      119
      Brotes (Des Weines Geist, des) Kraft      266
      Bruder Jonathan      58
      Bruder Studio      512
      Bruders (Soll ich meines) Hüter sein?      4
      Brücke (Die) kommt. Fritz, Fritz! u.s.w.      141
      Brüder (Falsche)      87
      Brüder (Wir Menschen sind ja Alle)      234
      Brüdern (Ein einzig Volk von)      216
      Brüllender (Umhergehen wie ein) Löwe      90
      Brust (An seine) schlagen      76
      Brust (In deiner) sind deines Schicksals Sterne      209
      Brust (Unter Larven die einzig fühlende)      203
      Brust (Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner)!      175
      Brustton der Überzeugung      556
      Brutus (Auch du, mein)?      458
      Brutus ist ein ehrenwerter Mann u.s.w.      296
      Buben (Wenn dich die bösen) locken u.s.w.      37
      Bubenstück      34
      Buch (Das) des Lebens      88
      Buch mit sieben Siegeln      92
      Buchholtz (Dazu hat) kein Geld      521
      Buchstabe (Der) tötet      86
      Buchstabe (Toter)      86
      Büchermachens (Viel) ist kein Ende      42
      Büchmann      551
      Büchse (Die) der Pandora      104
      Bürgermeister (Den) ausgenommen      228
      Bürgerpflicht (Ruhe ist die erste)      524
      Büsche (Er schlug sich seitwärts in die)      222
      Bull (John)      302
      Bunde (Im) der Dritte      206. 449
      Bureaukratie      478
      Burgemeister (Nein, er gefällt mir nicht, der neue)      175
      Buridans Esel      269
      Busch (Wie Zieten aus dem) kommen      519
      Busen (Eine Schlange am) nähren      332
      Busse (In Sack und Asche) thun      28
      Butter (Eine tüchtige Kuh, die ihn mit) versorgt      201
      Butterbrote (Minister fallen wie) u.s.w.      240
      Byzanz (Zittre)!      314

      Cäsar und sein Glück      458
      Caesarenwahnsinn      261
      Calembourg      122
      Caliban      298
      Canossa (Nach) gehen wir nicht      556
      Capua der Geister    245
      Capuletti (Montecchi und)    298
      Carl (Der Knabe) fängt an mir fürchterlich zu werden    198
      Carl (Wo alles liebt, kann) allein nicht hassen    197
      Carlchen Miessnick   263
      Cassandra    387
      Casus (Der) macht mich lachen    176
      Categorischer Imperativ    145
      Catilinarische Existenzen    549
      Céladon    272
      Cerberus    104
      Charakter (Es bildet sich ein) in dem Strom der Welt    165
      Charakter (Kein Talent, doch ein)    250
      Charakterbild (Sein) schwankt in der Geschichte    204
      Charmante    136
      Charybdis    433
      Chauvin(ismus)    288
      Chimäre (Das Gold ist nur)    287
      Chor der Rache (s. Korps der Rache)    526
      Christen (Gehorsam ist des) Schmuck    205
      Christen (Natur und Geist--so spricht man nicht zu)    183
      Cigarren (Böse Menschen haben nie)    222
      Circe     98
      Citronen (Das Land, wo die) blüh'n    171
      Civilisation (An der Spitze der) marschieren    497
      Clavigo (Luft! Luft!)!    160
      Colibrados (Don Ranudo di)    268
      Collation    462
      Columbus (Das Ei des)    463
      Concentrieren (Sich rückwärts)    548
      Confiscierter Kerl    193
      Corydon (O weh, mir armen)    156
      Cultur (Die), die alle Welt beleckt    169
      Culturkampf    557

      Da giebt es einen guten Klang    208
      Da hast du meinen Speer!    184
      Da ist die Welt mit Brettern vernagelt    133
      Da macht wieder jemand einmal einen dummen Streich    160
      Da rast der See und will sein Opfer haben    215
      Da schweigen alle Flöten    137
      Da steh' ich, ein entlaubter Stamm    210
      Da steh' ich nun, ich armer Thor u.s.w.    167
      Da stellt ein Wort zu rechter Zeit sich ein    168
      Da unten aber ist's fürchterlich u.s.w.   203
      Da wendet sich der Gast mit Grausen    202
      Da werden Weiber zu Hyänen    209
      Da wird er reüssieren!      169
      Da, wo du nicht bist, ist das Glück!      283
      Dächern (Von den) predigen      65
      Dänemark (Etwas ist faul im Staate)!      292
      Dänenross (Knapp', sattle mir mein)      158
      Dagewesen (Alles schon)      259
      Dahinter (Es ist Nichts)      90
      Dalberg (Ist kein) da?      510
      Damaskus (Seinen Tag von) erleben      80
      Dame, (Den Dank), begehr' ich nicht      202
      Damen (Die) in schönem Kranz      202
      Damoklesschwert      445
      Danaërgeschenk      387
      Danaïdenfass      107
      Daniel      59
      Dank (Den) Dame begehr' ich nicht      202
      Dank vom Haus Österreich!      210
      Dankbar (Ein Werdender wird immer) sein      174
      Danke (Ich) dir Gott, dass ich nicht bin wie andre Leute      76
      Danket dem Herrn, denn er ist freundlich u.s.w.      27
      Danket (Nun) alle Gott!      57
      Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn      183
      Daran erkenn' ich meine Pappenheimer      211
      Darin bin ich dir über      259
      Darin bin ich komisch      263
      Darinnen (Das Land) Milch und Honig fliesst      10
      Darüber sind die Gelehrten noch nicht einig      404
      Darum keine Feindschaft nicht!      243
      Darum Räuber und Mörder?      193
      Das A(lpha) und das O(mega)      91
      Das Ach und Weh (Und was soll das)?      237
      Das also war des Pudels Kern!      176
      Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit u.s.w.      217
      Das Alter des Psalmisten      35
      Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden      405
      Das arme Herz, hienieden u.s.w.      221
      Das arme Menschenherz muss stückweis brechen      261
      Das Auge des Gesetzes wacht      209
      Das Auge des Herrn      355
      Das Auge sieht den Himmel offen u.s.w.      208
      Das auserwählte Volk      36
      Das (Behaltet) Beste      88
      Das bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht      295
      Das bessere Teil erwählt haben      73
      Das Beste ist gut genug      162
      Das Buch des Lebens      88
      Das denkt wie ein Seifensieder    205
      Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse u.s.w.       6
      Das eben ist der Fluch der bösen That u.s.w.    210
      Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren    174
      Das Ei des Columbus    463
      Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch   271
      Das Eine thun und das Andre nicht lassen     68
      Das (Einem) Leben sauer machen     10
      Das (Einem) Maul stopfen     36
      Das Ende aller Dinge     89
      Das entmenschte Paar    203
      Das Erhab'ne in den Staub zieh'n    211
      Das ertrage, wem's gefällt    313
      Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan    184
      Das ewige Rom   407
      Das Fass der Danaïden    107
      Das Fleisch ist schwach     70
      Das fluscht besser!    527
      Das fünfte Rad am Wagen    118
      Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!    205
      Das Geschäft bringt's mal so mit sich    263
      Das glaube der Jude Apella!    398
      Das Glück ist immer da    165
      Das Glück war niemals mit den Hohenstaufen    240
      Das Gold ist nur Chimäre    287
      Das goldene Kalb     13
      Das goldene Zeitalter    102
      Das Gras wachsen hören    115
      Das grosse gigantische Schicksal u.s.w.    201
      Das Gute daran ist nicht neu u.s.w.    186
      Das Gute liegt so nah    165
      Das habt ihr ihm glücklich abgeguckt    204
      Das halte fest mit deinem ganzen Herzen    216
      Das hat mit ihrem Singen die Lorelei gethan    248
      Das Hemd ist mir näher als der Rock   366
      Das höchste der Gefühle    186
      Das innere Düppel    551
      Das ist das Loos des Schönen auf der Erde    211
      Das ist das Unglück der Könige, dass sie die Wahrheit nicht hören
          wollen    541
      Das ist der Anfang vom Ende    297
      Das ist der Finger Gottes     10
      Das ist der Fluch der bösen That u.s.w.    210
      Das ist der Humor davon   296
      Das ist der Katze    129
      Das ist des Landes nicht der Brauch    170
      Das ist des Pudels Kern    176
      Das ist die Art mit Hexen umzugehn    169
      Das ist die Sonne von Austerlitz!    489
      Das ist die Stelle, wo ich sterblich bin    198
      Das ist die Zeit der schweren Not    237
      Das ist ein weiser Vater, der sein eigen Kind kennt    298
      Das ist für die Katze    129
      Das ist fürwahr ein Mensch gewesen    180
      Das ist ganz was Anders    145
      Das ist hier die Frage    293
      Das ist ja die Gustel von Blasewitz!    204
      Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe     59
      Das ist mir zu hoch     32
      Das ist Tell's Geschoss    218
      Das ist wider die Abrede!    149
      Das jüngste Kind meiner Laune    220
      Das junge Deutschland    251
      Das Kaiserreich ist der Friede    498
      Das Kapitel lesen    506
      Das Kind ist des Mannes Vater    308
      Das klassische Land der Schulen und Kasernen   497
      Das kleinere Übel wählen    378
      Das Korps der Rache    526
      Das lässt tief blicken, sagt Sabor    562
      Das Land, darinnen Milch und Honig fliesst     10
      Das Land der Griechen mit der Seele suchend    162
      Das Land der Kastanien    260
      Das Land der Schulen und Kasernen    497
      Das Land des Weins und der Gesänge    169
      Das Land, wo die Citronen blüh'n    171
      Das Leben ein Kampf    281
      Das Leben ein Traum    316
      Das Leben ist der Güter höchstes nicht u.s.w.   214
      Das Leben ist doch schön!    200
      Das Leben ist ernst, die Kunst heiter    204
      Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang    348
      Das liegt (ruht) im Schoosse der Götter    323
      Das Loos des Schönen auf der Erde    211
      Das Mädchen aus der Fremde    202
      Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg    171
      Das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst verwandt   183
      Das Neue daran ist nicht gut, und das Gute nicht neu    186
      Das Ölblatt      6
      Das Phlegma ist geblieben    194
      Das Proton-Pseudos    356
      Das Psalmistenalter erreichen     35
      Das Publikum, das ist ein Mann u.s.w.    234
      Das Recht beugen     13
      Das Recht verdrehen     13
      Das Riesenmass der Leiber    203
      Das rote Gespenst    289
      Das ruht im Schoosse der Götter    323
      Das Schaumspritzen jugendlicher Freiheit   539
      Das Scherflein der Wittwe     72
      Das Schöne blüht nur im Gesang    211
      Das Schwert des Damokles    445
      Das Schwert des Geistes     88
      Das Schwert in die Wagschale werfen    454
      Das sei ferne!         21
      Das sieht schon besser aus, man sieht doch wo und wie    168
      Das sind die klügsten Leute      249
      Das sind Tage, von denen wir sagen: Sie gefallen uns nicht     42
      Das sollst du am Kreuze bereuen!    205
      Das Spiel des Lebens sieht sich heiter an u.s.w.    209
      Das Strahlende schwärzen    211
      Das tägliche Brot     61
      Das täuscht die hoffende Seele nicht    202
      Das tolle Jahr    510
      Das Unglück der Könige u.s.w.    541
      Das Unglück schreitet schnell    208
      Das unterbrochene Opferfest   222
      Das Unvermeidliche mit Würde tragen    235
      Das Unzulängliche hier wird's Ereignis    184
      Das Urteil des Paris     96
      Das verschweigt des Sängers Höflichkeit    191
      Das vielköpfige Ungeheuer    400
      Das Volk der Dichter und Denker    311
      Das Volk in Waffen   524
      Das war ein Mann!    292
      Das war kein Heldenstück, Octavio!   210
      Das waren mir selige Tage!    189
      Das Warum des Warums wissen wollen    515
      Das Wasser trüben   415
      Das Weltkind in der Mitten    160
      Das Wenige verschwindet leicht dem Blick u.s.w.        162
      Das Wenn und das Aber    158
      Das Werk lobt den Meister     56
      Das wilde, eiserne Würfelspiel    194
      Das Wollen und Vollbringen     82
      Das Wort sie sollen lassen stan    123
      Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind    174
      Dasein (Kampf um's)    311
      Daseins (Schöne, freundliche Gewohnheit des)    164
      Dass (Also) sie keine Entschuldigung haben     81
      Dat fluscht bäter!    527
      Dauernd (Nichts ist) als der Wechsel    240
      David und Jonathan     24
      Davon schweigt des Sängers Höflichkeit    191
      Davonkommen (Mit dem Leben)     58
      Dazu (Der Nächste)     47
      Dazu hat Buchholtz kein Geld    521
      Dein Gehirn treibt wunderbare Blasen auf    199
      Dein Trank wirkt schnell    299
      Dein Wunsch war des Gedankens Vater    295
      Deine Uhr ist abgelaufen    217
      Deines Geistes hab' ich einen Hauch verspürt    243
      Dem Gerechten giebt's der Herr im Schlafe     37
      Dem Glücklichen schlägt keine Stunde   209
      Dem Kaiser geben, was des Kaisers ist     68
      Dem Mann kann geholfen werden    193
      Dem Menschen ist die Sprache gegeben, seine Gedanken zu
          verbergen   487
      Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze    204
      Dem Mutigen hilft Gott    216
      Dem Ochsen, der da drischt u.s.w.     18
      Dem Reinen ist alles rein     89
      Dem Unrecht ein Eckstein    525
      Dem Verdienste seine Kronen    196
      Demi-monde    289
      Demokraten (Gegen) helfen nur Soldaten    263
      Demokratischen (Tropfen) Öls    538
      Den alten Adam ausziehen     81
      Den Besten seiner Zeit genug gethan haben    204.  402
      Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben    169
      Den Bürgermeister ausgenommen    228
      Den Dank, Dame, begehr' ich nicht    202
      Den Dolch im Gewande    205
      Den ersten Stein auf jemanden werfen     78
      Den ewigen Schlaf schlafen     48
      Den Geist aufgeben     49
      Den gestrigen Tag suchen    510
      Den Hals kosten     27
      Den Himmel offen sehen     78
      Den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Thorheit     83
      Den Jüngling ziert Bescheidenheit   245
      Den Mantel nach dem Winde kehren    119
      Den Pelion auf den Ossa stülpen wollen     99
      Den Raub unter sich teilen      16
      Den Reinen ist alles rein      89
      Den Rubicon überschreiten      457
      Den Rücken bläuen      57
      Den Schein vermeiden      88
      Den Schwerpunkt nach Ofen verlegen      528
      Den Seinen giebt's Gott im Schlaf      37
      Den Staub von den Füssen schütteln      64
      Den Teufel durch Beelzebub austreiben      65
      Den Teufel spürt das Völkchen nie u.s.w.      169
      Den Text lesen      506
      Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen      150
      Den Weg alles Fleisches gehen      5
      Den Weg gehen, den man nicht wiederkommt      29
      Denk' (Ich) an euch, ihr himmlisch schönen Tage      229
      Denkart (Die Milch der frommen)      217
      Denke (Ich) einen langen Schlaf zu thun      211
      Denken (Wie) Sie über Russland?      264
      Denkendes (Ein anders) Geschlecht      216
      Denker (Das Volk der Dichter und)     311
      Denkst du daran, mein tapferer Lagienka?      246
      Denkt (Das) wie ein Seifensieder      205
      Denkt (Der brave Mann) an sich selbst zuletzt      215
      Denkt (Er) zuviel u.s.w.      296
      Denkungsart (Im Schatten kühler)      252
      Denkzettel      52
      Denn alle Schuld rächt sich auf Erden      171
      Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht u.s.w.      210
      Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann u.s.w.      296
      Denn das Naturell der Frauen ist so nah mit Kunst
          verwandt      183
      Denn der Regen der regnet jeglichen Tag      300
      Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden      4
      Denn eben wo Begriffe fehlen u.s.w.      168
      Denn er war unser!      174
      Denn ich bin ein Mensch gewesen u.s.w.      180
      Denn so das geschieht am grünen Holz u.s.w.      78
      Denn so man das thut am grünen Holze u.s.w.      78
      Denn was er sinnt ist Schrecken u.s.w.      242
      Denn was man schwarz auf weiss besitzt u.s.w.      167
      Denn wenn ich judicieren soll u.s.w.      169
      Denn wo das Strenge mit dem Zarten u.s.w.      208
      Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz      62
      Der allmächtige Dollar      309
      Der alte Adam      81
      Der alte Sauerteig      84
      Der alten Wunde unnennbar schmerzliches Gefühl      386
      Der Anblick der Notwendigkeit (Ernst ist)      210
      Der Andre hört von allem nur das Nein      162
      Der Anfang vom Ende      297
      Der angebornen Farbe der Entschliessung u.s.w.      293
      Der Antichrist      90
      Der Apfel der Zwietracht      96
      Der Appetit kommt beim Essen      270
      Der Arbeiter ist seines Lohnes wert      73
      Der beförderte Rückschritt      544
      Der beschränkte Unterthanenverstand      532
      Der beste Koch (Hunger ist)      347
      Der bestgehasste Mann      504
      Der Bewegung um einen Schritt voraus sein      539
      Der Bien' muss      262
      Der Blitz! Das ist ja die Gustel u.s.w.      204
      Der Blumen Rache      257
      Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt      215
      Der Brustton der Überzeugung      556
      Der Buchstabe tötet u.s.w.      86
      Der Casus macht mich lachen      176
      Der den Augenblick ergreift, das ist der rechte Mann      168
      Der Deutschen Edelstein      525
      Der Dichter steht auf einer höhern Warte u.s.w.      181
      Der Dinge warten, die da kommen sollen      77
      Der Dritte im Bunde      206. 449
      Der ehrliche Makler      561
      Der Einfall war kindisch, aber göttlich schön      197
      Der Erisapfel      96
      Der Erscheinungen Flucht      200
      Der erste Diener seines Staates      520
      Der Erste (Lieber) hier, als der Zweite in Rom      458
      Der erste Streich (Dieses war)      265
      Der ersten Liebe goldene Zeit      208
      Der feine Griff und der rechte Ton      204
      Der Finger Gottes      10
      Der Fluch der bösen That      210
      Der Flügelschlag einer freien Seele      261
      Der Freiheit eine Gasse!      238
      Der frische fröhliche Krieg      545
      Der Frömmste (Es kann) nicht in Frieden bleiben u.s.w.      218
      Der Fürst ist der erste Diener des Staats      520
      Der gehemmte Fortschritt und der beförderte Rückschritt      544
      Der Geist der Medizin ist leicht zu fassen      168
      Der Geist, der stets verneint      176
      Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach      70
      Der Geist macht lebendig      86
      Der Geiz ist die Wurzel alles Übels      89
      Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes      39
      Der Gerechte muss viel leiden      34
      Der getreue Achates      389
      Der getreue Eckart      115
      Der Glaube macht selig      72
      Der Glaube versetzt Berge      84
      Der Gott, der Eisen wachsen liess u.s.w.      227
      Der Gottlose kriegt die Neige      34
      Der grosse Heide      529
      Der grosse Unbekannte      31
      Der Grund- und Eckstein      43
      Der Güter höchstes      214
      Der gute Engel Jemandes sein      54
      Der gute Mensch in seinem dunklen Drange      174
      Der hat gelebt für alle Zeiten      204. 402
      Der Hecht, der war ~doch~ blau!      140
      Der Herr giebt's dem Gerechten im Schlafe      37
      Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen u.s.w.      28
      Der Herrlichste von Allen      238
      Der Historiker ist ein rückwärts gekehrter Prophet      229
      Der Hollunderstrauch verbirgt mich ihm      217
      Der Humor davon      296