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Title: Singapore, Malacca, Java. - Reiseskizzen von F. Jagor.
Author: Jagor, Fedor, 1816-1900
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Singapore, Malacca, Java. - Reiseskizzen von F. Jagor." ***

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  | sich am jeweiligen Ende der 3 Buchteile, abgetrennt durch eine   |
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  | befinden sich am Ende des Buchs.                                 |
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                           SINGAPORE MALACCA
                                 JAVA.

                             ~REISESKIZZEN~

                                  VON

                               F. JAGOR.

                 MIT VIERUNDZWANZIG FEDERZEICHNUNGEN.

                             [Illustration]

                              BERLIN 1866.

                       VERLAG VON JULIUS SPRINGER.

                            MONBIJOU-PLATZ 3



Das Recht der Uebersetzung ist vorbehalten.



VORWORT.


Die Absicht des Verfassers ist, in den vorliegenden Reiseskizzen,
welche achtzehn Monate einer fast fünfjährigen Reise umfassen, kurze
Schilderungen der hervorragendsten Gegenstände zu geben; die rein
persönlichen Erlebnisse und rein wissenschaftlichen Einzelnheiten sind
daher in der Regel fortgelassen worden, während Dinge, die für einen
grösseren Leserkreis von Interesse schienen, etwas ausführlicher
behandelt worden sind. -- Die Angaben über den Kaffee- und Reisbau in
Java sind zum grossen Theil aus zwei von der Maatschappij tot nut van
't algemeen herausgegebenen Schriften „de Koffij” und „de Rijst”
entnommen, viele Angaben über die Cinchonen aus: Travels in Peru and
India von Markham, der die Pflanzen nach Indien übersiedelte. Ferner
sind benutzt worden: Journal of the Indian Archipelago, Crawfurd
Dictionary, Singapore Free Press, Singapore Straits Times, Royle
fibrous plants of India, Porter Tropical agriculturist, Nassau-Lees
Tea Cultivation in India, Tijdschrift voor Nederlandsch Indie,
Tijdschrift voor taal-, land- en volkenkunde, Junghuhn's Java.

Die Bilder sind nach Originalzeichnungen und Photographien des
Verfassers ausgeführt, zum Theil von ihm befreundeten bedeutenden
Künstlern, die ihm mit der liebenswürdigsten, uneigennützigsten
Bereitwilligkeit entgegengekommen sind; die Bilder zu S. 35, 36, 50, 54,
101 nach Photographien, die zu 129, 138, 215, 218, 226 nach
Camera-lucida-Aufnahmen, so dass sie fast die Genauigkeit von
Photographien haben. Die Schiffe zu S. 7 und 50 sind Dumont d'Urville's
Atlas entnommen, die Vögel S. 198 und die Fledermaus 216 nach
ausgestopften Exemplaren gezeichnet.

       *       *       *       *       *

Die malayischen Namen sind nach der deutschen Aussprache geschrieben;
_s_ muss aber = _ss_ gesprochen werden.

1 Seemeile, 60 auf den Grad, = 1/4 deutsche Meile. 1 Mile (engl.) = 2/9
deutsche Meilen.

Bei Singapore und Malacca sind englische, bei Java folgende Maasse
gebraucht: Pariser Fuss = 0,325 M. = 1,035' rh., Paal = 1/5 preuss.
Meile = 4800' rh., Bau = 71 ares = 500 Quadratruthen.

In Singapore und Malacca wird der Pikul (= 100 Katti), wie in
China, = 133-1/3 ℔ engl. a. d. p. = 120,96 Zoll ℔, in Java = 125
℔ = 136 ℔ engl. = 123,4 Zoll ℔ gerechnet. 1 Ton = 20 Cwts. =
2240 ℔ engl. = 2032 Zoll ℔. 1 Dollar = 42,4 Sgr., 1 Rupie = 20 Sgr.

[Illustration]

In der Unterschrift zur Zeichnung S. 210 lese man Bandjar-negara statt
Wonosobo.



Inhalt.


  Singapore.

  ~Erstes Kapitel.~ Seereise. -- Flaggensprache. -- Feuer an Bord.
  -- Gefärbte See. -- Ankunft in Singapore                            3.

  ~Zweites Kapitel.~ Rhede von Singapore. -- Junken. -- Prauen. --
  Nipa-Palme. -- Rhizophoren. -- Palankinfahrt. -- Hindufest          9.

  ~Drittes Kapitel.~ Landhaus. -- Klima. -- Muskatnuss-Pflanzung.
  -- Europäer. -- Früchte. -- Nahrungsmittel. -- Diener              17.

  ~Viertes Kapitel.~ Ueberblick der Stadt. -- Strassenleben. --
  Reis. -- Chinesen. -- Malayen. -- Malayische Sprache               33.

  ~Fünftes Kapitel.~ Fischen mit Toba. -- Tiger. -- Termiten. --
  Pfeffer. -- Gambir. -- Sago                                        54.

  ~Sechstes Kapitel.~ Opium                                          70.

  ~Siebentes Kapitel.~ Gründung und schnelles Aufblühen
  Singapores. -- Rhiow. -- Seeräuberei. -- Malayische Kronik. --
  Uebersicht der Verkehrsverhältnisse, sonst und jetzt. --
  Ausbreitung der Chinesen. -- Dampfschiffe                          81.


  Malacca.

  Anblick von Malacca. -- Portugiesen. -- Chinesen. -- Melaleuca.
  -- Mission unter den Mintras und Jakuns. -- Guttapercha. --
  Neuer Pungulu in Allor-gadja. -- Rückkehr zu den Mintras. --
  Ehepärchen. -- Blasrohr. -- Pfeilgift. -- Fahrt nach Lingi. --
  Der Dato von Lingi. -- Zustände in den kleinen Malayenstaaten.
  -- Zinn. -- Leben im Walde. -- Zweckmässige Kleidung. --
  Insektenpulver. -- Chinesischer Leichenzug. -- Geschichte von
  Malacca. -- Tapioka. -- Djaggeri                                   99.


  Java.

  ~Erstes Kapitel.~ Batavia. -- Buitenzorg. -- Botanischer Garten.
  -- Gunong Salak. -- Reisbau. -- Kultursystem. -- Warongs. --
  Erdnüsse. -- Megamendong-Pass. -- Telaga warna. -- Pasanggrahans
  und Gasthäuser. -- Preanger Regentschaften. -- Bandong. --
  Junghuhn                                                          127.

  ~Zweites Kapitel.~ Reise nach Trogon. -- Strassen. --
  Waringibäume. -- Bogenschiessen. -- Religion der Javanen. --
  Vulkan Guntur. -- Erdtransport durch Wasser. -- Solfataren. --
  Theebau. -- Vulkan Papandayan. -- Telaga bodas. -- Kaffeebau.
  -- Schattenspiel. -- Hirschjagd. -- Malayische Küche. --
  Tänzerinnen in Sumedang. -- Gamelang-Musik                        142.

  ~Drittes Kapitel.~ Reise nach dem Malabar. --
  Cinchonenpflanzungen daselbst. -- Cinchonenbau in Java und
  Vorderindien. -- Tischchen deck' dich. -- Bambus. -- Gärtnerei.
  -- Pangerango                                                     167.

  ~Viertes Kapitel.~ Vulkan Tankubang-prau. -- Kostbare Waffen. --
  Tiger. -- Kawali. -- Schirme. -- Fest in Pandjalu. -- Ausbruch
  des Gelungung. -- Büffelkarren. -- Teakholz. -- Kindersee. --
  Universalmittel. -- Pfahldorf. -- Zimmet. Loro-Kidul. -- Essbare
  Vogelnester und abergläubische Gebräuche beim Einsammeln
  derselben. -- Kampf zwischen Tiger und Büffel. -- Tigerstechen.
  -- Reise nach dem Slamat. -- Rhinozerosse                         182.

  ~Fünftes Kapitel.~ Hochebene von Dïeng. Vulkane. Solfataren.
  Tempel. -- Vogelscheuchen. -- Tempel Perot. -- Affengemeinde.
  -- Bad. - Fliegende Hunde. -- Borobudor. Pavon. Mundut. --
  Sultan von Jokjokarta und seine Familie. -- Salzgewinnung. --
  Karang-tritis. -- Getäuschter Gastfreund. -- Landpächter. --
  Indigofabriken. -- Begräbnissplatz Imogiri. -- Tempel bei
  Kalasan und Prambanan. -- Surakarta. -- Der Kaiser und sein
  Hofstaat. -- Betelkauen. -- Pangerans. -- Tanz. -- Der alte
  Blücher. -- Batek. -- Berg Lawu. Raden Rio. -- Neujahrsfest in
  Surakarta                                                         209.

  ~Sechstes Kapitel.~ Festung Ambarawa. -- Samarang. Schule.
  Waisenhaus. -- Surabaya. Maschinenfabrik. -- Tempel um Malang.
  -- Ardjuno. Legende. -- Semeru. -- Lamongan. Gewitter. --
  Rückkehr nach Batavia                                             234.



Singapore.



Erstes Kapitel.

    Seereise. -- Flaggensprache. -- Feuer an Bord. -- Gefärbte See. --
    Ankunft in Singapore.


Im Juni 1857 verliess ich Hamburg und landete nach 105 Tagen in
Singapore. Für unser Schiff, das selbst bei dem besten Winde selten mehr
als sechs Seemeilen in der Stunde machte, war es eine sehr schnelle
Reise, die ohne die besondere Gunst des Wetters und den rastlosen Eifer
des Kapitäns nicht möglich gewesen wäre. Klipperschiffe fahren oft mit
mehr als doppelter Geschwindigkeit und dennoch pflegen sie den Weg kaum
in kürzerer Zeit zurückzulegen, da sie bei Windstillen, deren fünf Zonen
zu passiren sind, leicht wieder einbüssen, was sie bei gutem Winde
gewonnen haben. So kam es auf hoher See mehrere Male vor, dass bessere
Segler uns überholten, und dennoch fand sich bei Vergleichung unserer
Daten, dass sie Europa vor uns verlassen hatten, also länger unterwegs
waren, als wir.

Ausgenommen zwei kleine wüste Felsen, Martin Vas und Trinidad, die in
20-1/2° südlicher Breite vor der Küste von Brasilien liegen, sahen wir
auf der ganzen Reise kein Land; zwar hätten wir den 12,172 Fuss hohen
Pik von Teneriffa erblicken müssen, da wir nur 30 Seemeilen davon
vorüberfuhren, der Nebel verhüllte ihn aber.[1]

Als wir Ende Juli bei Tagesanbruch mit dem leisesten Luftzug an jenen
Felsen vorübertrieben, waren vom Mast aus dreizehn Schiffe in Sicht,
deren Wege sich hier kreuzten. Mit Hülfe der Marryat'schen
Flaggensignale entstand bald eine lebhafte Unterhaltung; jeder fragt und
versteht die Antwort in seiner eigenen Sprache, unbekümmert um das Idiom
seines Korrespondenten, man tauscht die Namen aus, erkundigt sich,
woher, wohin, und schliesst nach einigen Spezialfragen gewöhnlich mit
einem freundlichen Gruss. Ein schönes Schiff, nach seiner Reisedauer
gefragt, erwiderte aber barsch: das geht Niemand etwas an;
wahrscheinlich war es lange unterwegs und ärgerte sich darüber.[2]

Maury hat so anschaulich geschildert, wie das scheinbar pfadlose Meer in
Wirklichkeit von grossen Handelsstrassen durchschnitten wird, auf
welchen sich alle Schiffe bewegen, wie die Karawanen in der Wüste, und
hier befanden wir uns offenbar an einem Kreuzpunkt: Schiffe, die um das
Kap Horn, andere, die um das Kap der guten Hoffnung gekommen waren, und
solche, die von Europa kamen und nach den östlichen oder westlichen
Gestaden des stillen Meeres wollten, begegneten sich hier. Bei gutem
Winde eilen die Schiffe schnell an einander vorüber; eine so zahlreiche
Versammlung ist nur bei Windstillen auf solchen Hauptstrassen möglich.

Wir befanden uns zwischen der südlichen Grenze des SO.-Passats und der
nördlichen des westlichen Gegenstromes. Am Nachmittag begannen wir
allmälig den Einfluss des letzteren zu fühlen und schon am folgenden
Tage empfanden wir seine volle Wirksamkeit. Diese westlichen Winde sind
viel kräftiger und konstanter, als der SO.-Passat, sie brachten uns
schnell um's Kap; wir fuhren aber 5° südlich daran vorbei, sowohl um die
Agulhas-Strömung zu vermeiden, die, aus dem indischen Ozean kommend,
sich dicht um's Kap herum drängt und dann im südatlantischen Ozean
fächerförmig ausbreitet (sie wird von den heimkehrenden Schiffen
benutzt), als auch, um den Weg abzukürzen, indem wir nicht einem
Parallel-, sondern einem grössten Kreise folgten. Auf der Mercators
Projection scheint unser Kurs ein Umweg zu sein, auf dem Globus ergiebt
sich der Vortheil sogleich.

So lange wir uns in diesen Breiten befanden, waren, da der August unserm
Februar entspricht, Sturmvögel, Sturzwellen, Schnee und kaltes Wetter
unsere beständigen Begleiter, freilich hatten wir auch immer frische
Brisen, die sich zuweilen bis zum Sturm steigerten. Das Schiff war aber
schon seit Wochen darauf vorbereitet; alles, was nicht fortgestaut
werden konnte, war festgemacht, alle nicht ganz zuverlässigen Segel und
Taue durch neue ersetzt und, da gegen die Tüchtigkeit des Schiffes wie
des Kapitäns kein Zweifel bestand, so war es ein grosses Vergnügen,
pfeilschnell durch die hohen Wellen getrieben zu werden.[3]

Als wir uns schon wieder in wärmeren Breiten im indischen Ozean
befanden, brach Nachts Feuer aus. Es schlief Alles, ausgenommen der
Steuermann und vielleicht die wachthabenden Matrosen, die sich auf dem
Vorderdeck aufhielten. Durch einen Zufall wurde die Gefahr bemerkt, als
schon der ganze Salon mit dichtem Rauch erfüllt war. Die Wand einer
Kajüte brannte in hellen Flammen, und wenig fehlte, so wäre der daneben
liegende Raum, in welchem Theer, Firniss und andere Brennstoffe
aufbewahrt wurden, von der Flamme ergriffen worden und jede Rettung
unmöglich gewesen. Wir hatten 1000 Centner Pulver an Bord, die der
Rheder bis zum Tage vor der Abfahrt klug verschwiegen hatte. Das Feuer
wurde schnell gelöscht. Wie so häufig bei wirklich grosser Gefahr,
verlor Niemand den Kopf; eine gewisse Aufregung war nur an dem
Schiffsjungen zu bemerken, der als Urheber des Brandes eine Tracht
Prügel erhielt.

Am 20. September mussten wir nach der Schiffsrechnung ganz nahe bei der
Sunda-Strasse sein. 52 Tage waren vergangen, seitdem wir jene Felsen
gesehen, deren astronomisch bestimmte Lage uns zum letzten male
Gelegenheit gegeben hatte, den Gang unseres Chronometers zu prüfen.[4]
Es war ein sehr trüber Tag, alle Augen suchten den Horizont ab, um
zuerst Land zu entdecken. Endlich schien an einer Stelle der Nebel etwas
dichter zu werden; es war keine Wolke, die Form zeichnete sich immer
bestimmter, mehr und mehr Einzelheiten traten hervor, wie bei dem
Entwickeln einer Photographie, und bald lag Javahoofd deutlich vor uns
in der Gegend, wo es liegen sollte. Das Tageslicht reichte noch aus, um
uns den Felsen, die Brandung und die üppige Vegetation der Südostspitze
Java's deutlich erkennen zu lassen; da es aber nicht rathsam schien, uns
Nachts in die enge Sunda-Strasse zu wagen, so wurde beigedreht, um den
Tag abzuwarten. Javahoofd bildet den östlichen Pfeiler des einen
Hauptthores zur indischen Inselwelt. Es ist im Besitz der Holländer. Als
das zweite Hauptthor muss man die Strasse von Malacca betrachten, durch
welche der ganze Handel zwischen China und Indien geht. Es ist durch die
Niederlassungen von Pulo-Pinang, Malacca und Singapore in den Händen
der Engländer; das südliche Ufer, die Küste von Sumatra, gehört zwar den
Holländern, doch ist es für die Schifffahrt nicht geeignet, so dass die
Engländer in ungestörtem Besitze dieser Strasse sind.

[Illustration]

Von hier an war die Fahrt höchst angenehm; wie ein grosses bewegliches
Panorama zogen lange Küstenstriche von Java, Sumatra, Banca und viele
kleine Inseln, bis an den Meeresspiegel dicht bewaldet, an uns vorüber.
Gleich an der Eingangspforte ragte der Vulkan Krokotan aus dem Meere
hervor, stark rauchend, während der dahinter liegende Vulkan Pulo-Besi
nur seinen Umriss durch den Nebelschleier erkennen liess. An Anjer, wo
die Sundanesen den Schiffen gewöhnlich das erste Willkommen in der
Tropenwelt darbringen, kamen wir leider Nachts vorüber, so dass wir von
den köstlichen Früchten und anderen Erfrischungen nichts erhielten. Das
Meer wurde immer belebter, in ganzen Geschwadern erschienen die
sonderbarsten kleinen Schiffe, zwischen deren hohen Mattensegeln fast
nackte Eingeborne wie Katzen herumkletterten. Die letzten Sturmvögel
hatten uns in 26° südl. Br. verlassen, jetzt schwebten Tropikvögel hoch
über uns hin, mehrere kleine bunte Sänger kamen an Bord, um auszuruhen,
und die Matrosen litten nicht, dass die Schiffsjungen das Gastrecht
gegen sie verletzten. Auch einen Schmetterling trug uns der Wind zu und
einige glänzende Käfer.

In diesem von Inseln eingeschlossenen Meere regte sich nur ein sanfter
Luftzug, wir brauchten eine Woche bis Singapore, obgleich die Entfernung
von Javahead wenig über 500 Seemeilen beträgt. Doch war dies immerhin
noch kein ungünstiges Verhältniss. Ein Klipper, der einige Monate nach
uns in Singapore eintraf, hatte die Reise von Australien bis zu jenem
Kap in ungewöhnlich kurzer Zeit zurückgelegt, und brauchte von dort
sechs Wochen, um den Hafen zu erreichen. Die Segelschiffe sind hier so
häufigen Windstillen ausgesetzt, dass man die wahrscheinliche Reisedauer
nach Europa gehender Schiffe gewöhnlich erst von dem Tage an rechnet, wo
sie die Sunda-Strasse passirt haben. In Anjer werden alle aus- und
einfahrenden Schiffe verzeichnet und in besonderen Listen bekannt
gemacht; die Betheiligten suchen mit Ungeduld den Namen ihres Schiffes
darin, weil erst ausserhalb der Sunda-Strasse auf beständige Winde zu
rechnen ist.

Am 21. September war das Meer mit einer Substanz bedeckt, die vom Schiff
aus täuschend wie Sägespähne aussah (wahrscheinlich Cook's sea
saw-dust); sie war nicht gleichmässig über die Oberfläche vertheilt,
sondern in parallele Streifen geordnet, die 1 bis 10 Fuss breit waren
und in sehr verschiedenen Zwischenräumen einander folgten. Zuweilen
fuhren wir stundenlang durch Bänder, die nur wenige Fuss von einander
getrennt waren, dann kamen Zwischenräume von 10 bis 20 Minuten vor, die
bei unserer langsamen Fahrt Entfernungen von 1/2 bis 1-1/2 Seemeilen
entsprachen. Selbst vom Mast aus gesehen, reichten die Streifen bis an
den Horizont. Fast drei Tage lang fuhren wir durch diese Substanz, am
Nachmittag des dritten Tages wurde das Meer bewegter, die Streifen
vermischten sich, die ganze Oberfläche nahm eine gleichmässige
schmutzige Färbung an, am nächsten Morgen war die Erscheinung
verschwunden. Unter dem Mikroskop erschienen die einzelnen Partikelchen
als zierlich verflochtene Fäden; jeder Faden bestand aus einer Reihe von
Zellen, deren Scheidewände in der Mitte des Fadens flach, nach beiden
Enden hin gewölbter wurden und an den Enden selbst halbkugelförmig
waren; jede dieser Zellen war noch durch eine gerade Querwand getheilt,
längs der Mittellinie lagen Chlorophyllkügelchen. Bei dem Filtriren des
Wassers, in welchem die Substanz schwebte, röthete sich das Filtrum, wie
von Jod, die Färbung verschwand bald wieder. Es ist die von Professor
Ehrenberg im rothen Meer entdeckte, später von vielen Reisenden
beobachtete Pflanze Trichodesmium erythraeum. Wo sie vorkommt, findet
sie sich immer in ungeheurer Menge beisammen. Vielleicht entstehen diese
Pflanzen in geschützten Buchten, die durch Treibholz oder ähnliche
Hindernisse zeitweise geschlossene Becken bilden, und wuchern darin so
lange fort, bis durch einen Zufall der schützende Damm zerbrochen wird.
Dann würde der äussere Rand der Einwirkung der Wellen blossgelegt
werden, die bei so ruhiger See vielleicht gerade die rechte Kraft
besässen, um je einen schmalen Streifen vom Rande zu lösen und
fortzuschwemmen. Da dies nur bei Ebbe stattfinden könnte, indem die
Fluth die Substanz zurückdrängen würde, so entsprechen vielleicht die
grossen Zwischenräume, die wir zuweilen unter den Streifen wahrnahmen,
den Fluthzeiten.

Am Sonntag, nachdem wir zuerst das Land erblickt, kam ein leichter
Sampan auf uns zu und brachte einen malayischen Lootsen an Bord, der uns
durch die Rhiow-Strasse führte; es war ein ruhiger, intelligenter
Mensch, doch verstand er, mit Ausnahme der Schiffs-Ausdrücke, fast kein
Wort englisch. Mit Sonnenuntergang liessen wir auf der Rhede von
Singapore den Anker fallen. Natürlich gingen wir noch an's Land,
obgleich es schon Nacht war, es war entzückend wieder festen Boden unter
den Füssen zu haben, den würzigen Duft der Bäume einzuathmen, unter
Palmen zu wandeln. Einen eigenthümlichen Reiz, mit einem Anklang von
Bangigkeit, hatte es auch, die Eingeborenen vorübergleiten zu sehen, die
in der Dunkelheit so wild aussahen. Alles war so fremdartig, nicht
~eine~ europäische Kleidung war zu sehen, bevor wir das Gasthaus
erreichten, wo wir den Abend mit Champagner, Chesterkäse und englischen
Zeitungen beschlossen.



Zweites Kapitel.

    Rhede von Singapore. -- Junken. -- Prauen. -- Nipa-Palme. --
    Rhizophoren. -- Palankinfahrt. -- Hindufest.


Als wir am andern Morgen an Bord erwachten, war das Schiff von einem
Kranz von Booten umgeben, die Geschäfte mit uns machen wollten. Am
willkommensten war uns eine grosse Mannichfaltigkeit tropischer Früchte,
von denen ich nur Ananas, Cocos und Bananen kannte. Es kamen Schneider,
Schuhmacher, Wäscher, Klempner, Händler mit Getränken, Fleisch,
Geflügel, Glaswaaren, Steingut, Kuriositäten; ein wahrer schwimmender
Markt, als hätte die Stadt eine Probe geschickt von Allem, was sie zu
leisten vermag, und unser Steuermann, der nach einer Fahrt von mehr als
100 Tagen noch nicht Lust hatte, an's Land zu gehen, konnte sich hier
wenigstens einen allgemeinen Ueberblick verschaffen. Die meisten Leute
sprachen ein paar Worte englisch, alle waren von einem ungeheuren
Schachergeist besessen, am eifrigsten, lautesten und zudringlichsten
gebahrten sich die Chinesen, wie sie auch die zahlreichsten waren.

Um uns auf der Rhede lag eine grosse Anzahl stattlicher europäischer
und amerikanischer Schiffe, und hinter ihnen eine solche Musterkarte
der allersonderbarsten Fahrzeuge und Flaggen, wie sie vielleicht kein
anderer Hafen der Welt aufzuweisen haben möchte. Doch waren keine
chinesischen Junken darunter, diese fangen erst im December an, ihre
Heimath zu verlassen, wenn der NO.-Monsun in Kraft ist, und kommen
frühestens gegen Neujahr hier an.[5] Sind sie einmal hier, so richten
sie sich ganz häuslich ein, da sie vor dem Monat Juni, wenn der
SW.-Monsun beständig ist, selten zurückkehren. Obgleich ihre Zahl mit
jedem Jahre abnimmt und von europäischen Schiffen ersetzt wird, sah
ich doch einige Monate später ihrer viele hier liegen. Die Gestalt der
Junken ist aus chinesischen Bildern allgemein bekannt. Interessant ist
aber das Treiben an Bord und rings umher. Das Schiff wird gleich nach
Ankunft abgetakelt und in ein schwimmendes Waaren-Magazin verwandelt,
oder vielmehr in einen Bazar; denn die Ladung ist nicht einem
Superkargo anvertraut, sondern jeder handeltreibende Passagier (und
jeder Chinese treibt Handel) hat sein Geld in denjenigen Waaren
angelegt, die ihm den meisten Gewinn versprechen, und feilscht mit
seinen Kunden auf eigene Hand. Lange rothe Papierstreifen, mit grossen
Buchstaben bemalt, vertreten die Handelsschilder, Proben der
verkäuflichen Waaren werden an den Seiten der Junke ausgehängt. Durch
eben so viele Käufer und Verkäufer wird auch die Rückfracht beschafft,
und da die nie müssigen Chinesen, wenn sie sonst nichts zu thun haben,
die bösen Geister durch Gong-Musik und Knall-Feuerwerk vertreiben, so
herrscht immer um die Junken ein wüster Lärm. Jetzt wimmelte der Hafen
von „Prauen” aller Art, die sich aber nun bald in Bewegung setzen, um
nach den östlich gelegenen Inseln und Küsten zurückzukehren. Diese
Fahrzeuge sind nur klein, aber sehr malerisch, manche reich mit
Schnitzwerk verziert, bunt bemalt und vergoldet. Die Mattensegel und
groben Stricke aus Rotang (spanisch Rohr) oder Palmenfasern, die
hölzernen Anker und die Bewaffnung vermehren das eigenthümliche
Ansehen. Die Kabel und Taue dieser Prauen bestehen zuweilen aus
dünngespaltenem, zusammengedrehtem Stuhlrohr, häufiger aus der
schwarzen Faser, die bei der Gomutipalme (Arenga saccharifera) den
Ursprung der Blattstiele am Stamm bekleidet (daher sie bei den
Spaniern Cabo negro heisst), oder aus Coir, der Faser, welche den Kern
der Cocosnuss umgiebt, derselben, die jetzt so viel zu Fussdecken
verarbeitet wird. Beide letztere sind zwar weniger stark, als
Hanfstricke, aber leichter und elastischer. Vor Erfindung der
Ankerketten hatten viele Schiffe in den indischen Gewässern
dergleichen Kabel, und hielten vor Anker Stürme aus, bei denen
stärkere, aber weniger elastische Hanfkabel zerrissen. Zu
Passagierbooten benutzt man die weitberühmten Sampans, leichte,
bequeme, schnelle Kähne mit einem Sonnendach für den Passagier. Sie
sollen nicht europäischen Booten nachgebildet sein, sondern diesen zum
Theil als Muster gedient haben. Obgleich die Mannschaft aus vier
Ruderern und einem Steuermann besteht, sind sie sehr billig. Eine
Fahrt in solchem Boot, namentlich in der Gegend, wo die Schiffe der
Eingeborenen am dichtesten liegen, gehört zu den angenehmsten
Ausflügen und liefert eine Unzahl interessanter Genrebilder. Noch
billiger, sicherer, freilich auch viel langsamer, fährt man auf dem
Schuhboot der Chinesen; es ist fast so breit als lang, und wenn ein
schneller Raubfisch das Modell zum Sampan geliefert hat, so ist das
Schuhboot wohl der Schildkröte nachgebildet. Vorn hat es einen
Schnabel, wie andere Boote auch, an seinem abgestutzten Hintertheil
aber zwei kurze Schwänze, vorn ist natürlich auch auf jeder Seite ein
grosses, in die Tiefe schauendes Auge angebracht, sie fehlen keinem
chinesischen Fahrzeuge („no got eye, how can see?”). Gegen das Land
hin nimmt das Gewimmel der kleinen Boote und Leichter immer mehr zu,
und an der Mündung des kurzen Flusses ist ein Gedränge und Gesumme,
wie am Eingang eines Bienenkorbes.

[Illustration]

Wie bedeutend der Schiffsverkehr in Singapore, und wie sehr die deutsche
Rhederei daran betheiligt ist, zeigt folgender Auszug aus der Singapore
Free Press vom 6. Mai 1865: „Abgesehen von inländischen (d. h. nicht
europäischen und amerikanischen) Schiffen, liegen jetzt 154 grössere
Schiffe mit Raaen (square rigged vessels) im Hafen, wovon 3 britische
und 2 Kolonial-Kriegsdampfer, 2 englische, 2 amerikanische
Handelsdampfer, 2 holländische Postdampfer, 78 englische Kauffahrer, 19
hamburger, 9 bremer, 8 französische, 5 dänische, 5 preussische, 4
amerikanische, 4 holländische, 3 oldenburger, 2 hannoveraner, 2
schwedische, 2 siamesische, 1 norwegisches, 1 belgisches. Von den
Kauffahrern verhalten sich die unter deutscher Flagge (38) zu den
englischen wie 1 zu 2 und zu denen aller übrigen Nationen wie 2 zu 1
(dies würde stimmen, wenn die unter dänischer Flagge fahrenden Schiffe,
wie es früher meist der Fall war, holsteiner wären). Vor acht Jahren
lagen um dieselbe Zeit nur 60 Kauffahrer im Hafen; das Verhältniss der
deutschen zu den englischen Schiffen war damals wie 1 zu 11, und das der
deutschen zu denen aller übrigen Nationen, wie 1 zu 8. So weit haben es
Freihandel und deutscher Unternehmungsgeist gebracht. Wir würden uns
durchaus nicht wundern, wenn in wenigen Jahren das Verhältniss noch mehr
zu ihren Gunsten wäre.”

Vom Hafen aus gesehen zeigt die Insel Singapore einen langgestreckten,
stellenweis steilen Küstensaum, über den sich einige sanfte Hügelwellen
erheben. Von der Stadt ist nur ein Theil sichtbar, in der Nähe derselben
liegen viele einzelne Häusergruppen, weiterhin ist Alles mit dichtem
Wald bedeckt, der einen zusammenhängenden einförmigen immergrünen
Teppich bildet, nur in der Nähe des Strandes mit einigen Landhäusern
geschmückt. Der Anblick ist lieblich, aber nicht besonders schön, da es
an Kontrasten und hervorragenden Gegenständen fehlt. Die schöne grosse
Kirche, die künftig die Hauptzierde der Stadt sein wird, ist noch im Bau
begriffen. Die Insel liegt bekanntlich unmittelbar vor der südlichen
Spitze der malayischen Halbinsel, des südlichsten Punktes von Asien, und
ist nur durch eine Meerenge getrennt, die im Allgemeinen eine Meile, an
einer Stelle aber nur 2000 Fuss breit ist. Früher ging der ganze Handel
nach China durch diese schmale Gasse, jetzt fahren die Schiffe um die
Südseite der Insel unmittelbar an der Stadt Singapore vorbei. Die Insel
besteht, wie das gegenüberliegende Festland selbst, aus Granit und
älteren geschichteten Gesteinen, letztere nehmen den grössten Theil des
Flächenraumes ein, es ist noch nie ein Fossil darin gefunden worden;
auch fehlen alle Anhaltspunkte, um ihr relatives Alter genauer bestimmen
zu können. Uebrigens haben sie ganz den Habitus unserer ältesten
Gesteine und gehören auch wohl den ältesten Gebilden an; es sind
Sandsteine, Thone, Letten; an vielen Stellen tritt ein sehr
eisenhaltiger Thoneisenstein auf, meist in Nestern, seltener in Bänken;
bis jetzt wird er ausschliesslich zum Strassenbau benutzt, obgleich er
sich wegen seiner geringen Festigkeit wenig dazu eignet. Der Granit, der
einen viel kleineren Flächenraum einnimmt, tritt nie an die Küste, er
bildet den Centralkern der Insel; aus ihm besteht auch der höchste Punkt
derselben, Bukit-tima. Der Boden ist nicht fruchtbar, in den Niederungen
häufig versumpft; die dem Meere näher gelegenen Sümpfe sind brakisch, in
ihnen wuchert die stammlose Nipa-Palme und ein Dickicht von Mangelbäumen
(Rhizophoren), das an flachen Stellen weit in's Meer hinein reicht und
die ganze Insel, ausser wo die Ufer steil sind, mit einem Sumpfgürtel
umgiebt. Aus den Wurzeln der Nipa-Palme (Nipa fruticans) wird in Borneo
Salz gewonnen; die Blüthe liefert in den Philippinen und in Siam Zucker
und Branntwein, wie viele andere Palmen, und nach demselben später zu
beschreibenden Verfahren. In Singapore werden nur die Blätter zum Behuf
der Dachdeckung zu „Atap” verarbeitet und die ganz jungen, noch gelben
unentfalteten zur Herstellung von Cigaretten, indem man Tabak darin
einrollt. Die Ataps sind eine wesentliche Vervollkommnung ihres
Prototyps, des längs des Blattstiels gespaltenen Palmenwedels. Man
erhält sie, indem man die Seitenblätter im Drittel ihrer Länge, von der
Basis an gerechnet, umknickt, sie auf einen mehrere Fuss langen Stock
dachziegelförmig aneinander reiht und durch einen Rotang-Splitt in
dieser Lage befestigt. Die einzelnen Ataps werden beim Dachdecken wie
Dachschiefer übereinander gelegt. Ein solches Dach ist sehr leicht,
völlig regendicht, nur muss es häufiger ausgebessert werden, als ein
Ziegeldach.

Die Mangelsümpfe (mangrove swamps) werden durch die merkwürdige Ordnung
der Rhizophoraceen gebildet, die in tropischen Meeren alle flachen
Küsten umsäumen. Es sind fast die einzigen Bäume, die im Meere wachsen
und auf Kosten desselben das Land vergrössern, indem sie immer weiter
darin vordringen und mit dem dichten Faserwerk ihrer Wurzeln das durch
die atmosphärischen Wasser in das Meer geschwemmte Erdreich
zurückhalten, so dass man oft nicht weiss, ob man schon am Lande oder
noch im Meere ist. Bei keiner Pflanze tritt die Fortpflanzungsfähigkeit
so schlagend vor die Augen, als bei dieser, wo die Früchte, noch an den
Zweigen der Mutterpflanze hängend, sich schon in junge Bäume verwandeln
mit langer spindelförmiger Wurzel. Beim Abfallen bleiben sie senkrecht
im Sumpf stecken und wachsen sogleich weiter, oben Blätter, unten
Wurzeln entwickelnd, während die an den niedrigeren Zweigen hängenden,
ohne sich abzulösen, den Sumpf erreichen und darin fortwachsen. So
sendet der Wald immer einen Gürtel junger Pflanzen vor sich her, indem
er weiter in's Meer rückt. Sind die Bäumchen etwas grösser geworden, so
entspringen am Umfange des Stammes Luftwurzeln, die in einem Bogen den
Sumpf erreichen. Diese Wurzeln senden seitlich wieder Wurzeln aus, und
schliesslich steht der Stamm, der 30 bis 40 Fuss hoch wird, auf einem
domartigen Geflecht von Luftwurzeln, das bei Ebbe entblösst, bei Fluth
gewöhnlich bis an den Stamm bedeckt ist, dann hat man einen Wald im
Meer. Auch von den Aesten senken sich Luftwurzeln herab, die, wenn sie
den Boden erreichen, darin weiter wachsen als Stützen der Aeste, aber zu
selbstständigen Bäumen werden, wenn die Verbindung mit der Mutterpflanze
aufgehoben wird. Das Holz wird hauptsächlich zur Feuerung benutzt, die
Rinde zum Gerben (sie enthält mehr Tannin als die Eichenrinde), auch
zum Färben dient sie den Eingebornen. Die Rizophorenwälder sind ein
Lieblingsaufenthalt für Krokodile, Krabben, Einsiedlerkrebse und viele
Gastropoden; auch Austern sitzen an den Stämmen; mit der Behendigkeit
einer Eidechse kriecht und hüpft mittelst der Brustflossen ein
sonderbarer Fisch auf dem Schlamme umher (Periophthalmus sp. div.).
Dergleichen Sümpfe sind ein sicherer Zufluchtsort für Seeräuber,
und gewöhnlich wegen ihres dichten, für die Sonnenstrahlen
undurchdringlichen Laubdaches eine Quelle böser Miasmen. In Singapore
aber, wo sie nur einen schmalen Gürtel bilden, werden sie durch die
beständig mit einander wechselnden Land- und Seebrisen hinreichend
gelüftet.

Wie gefährlich dergleichen Sumpfwaldungen zuweilen sind, zeigt folgende
Notiz aus meinem Tagebuch: „14. Juni 1858. Als wir uns bei der dicht vor
der NW.-Küste von Borneo (5° 04' N' 115° 12' O.-Gr.) liegenden Insel
Moarro befinden, kommt ein Boot auf uns zu und meldet, dass das vor uns
vor Anker liegende Schiff, die englische Barke Anna Maclean, in Noth
sei. Unser Kapitän begiebt sich an Bord, bald darauf nehmen wir das
Schiff in's Schlepptau und bugsiren es in den Hafen von Labuan. Das
Schiff hatte, um Kohlen zu laden, auf Moarro, der Mündung eines Flusses
gegenüber, angelegt, der viele Meilen weit durch die Sumpfwälder
fliesst, aus denen hier die Küste von Borneo besteht. Der Nachts wehende
Landwind hatte ihm die giftigen Miasmen wie aus der Mündung eines
Trichters zugeführt; in wenigen (2?) Tagen war die ganze Mannschaft
theils erkrankt, theils gestorben. Der Kapitän, der Steuermann, 3
Matrosen waren todt, nur ein Mann war noch dienstfähig.”

Unser Lootse, der uns gestern durch die Rhiow-Strasse gebracht, führte
uns heut durch das Gewirr der Gassen von Singapore nach dem Handelshaus,
dem unser Schiff konsignirt war. Man hatte uns frühestens 14 Tage später
erwartet, ich fand die liebenswürdigste Aufnahme.

Zunächst wollte ich eine Fahrt durch die Stadt machen, und nahm deshalb
einen Palankin, so heissen die hiesigen Miethswagen; es sind länglich
viereckige, vierrädrige Kasten, mit Vorder- und Rücksitz, ringsum von
Jalousien umgeben und mit einem kleinen Pony bespannt, beispiellos
billig (1 Dollar pro Tag) und sehr zweckmässig, bis auf den Anstrich,
der weiss statt schwarz sein sollte. Der Kutscher war ein Kling (Telinga
von der Küste Koromandel), fast schwarz, mit einem grossen Turban und
einem Lendentuch, sonst unbekleidet, doch sah er nicht unanständig aus,
da die dunkle Farbe den Eindruck des Nackten fast aufhebt. Mitten auf
der Stirn trug er einen Fleck von rothem Ocker, so gross wie eine
Oblate. Alle Hindus haben dergleichen Abzeichen von verschiedener Form
an der Stirn, und bezeichnen dadurch die religiöse Sekte, der sie
angehören.

Ich liess mir die Tour, die ich machen wollte, ins Malayische
übersetzen, lernte die Worte nach dem Klang auswendig, und hatte die
Genugthuung, sogleich vom Kutscher verstanden zu werden, was er durch
einen Salam (Anlegen der Hände an die Stirn und Verneigung) ausdrückte.
Er ergriff das Pferd am Zügel und lief in kurzem Trabe mit ihm davon.
Einige Male setzte er sich während der Fahrt auf das vorn angebrachte
Brett und versuchte, das Pferdchen von dort aus zu lenken. Dies gelingt
aber selten auf die Dauer, da die meisten hiesigen Ponies zu eigenwillig
sind, dann muss der arme Bursche wieder absteigen und nebenher laufen.
So kamen wir bald vor die Stadt, die Landstrasse wurde immer einsamer.
Ich liess halten und stellte den Kutscher zur Rede, er vertheidigte sich
sehr fliessend, doch konnten wir gegenseitig kein Wort verstehen.
Endlich kehrte er aber um und führte den Wagen an die Stelle zurück, wo
ich eingestiegen war. Hier brachte ein vorübergehender Kling, der
Englisch verstand, Alles in Ordnung. Es ergab sich, dass der Kutscher
fast ebenso fremd war, als ich, kein Wort Malayisch verstand und nur auf
meine Ortskenntniss gerechnet hatte. Ich habe dies so ausführlich
erzählt, weil ganz ähnliche Auftritte täglich vorkommen und sie so
bezeichnend für die Art der Eingebornen sind, die auf die Frage, ob sie
Dies oder Jenes wissen oder können, immer Ja antworten, wenn sie
glauben, dass solche Kenntniss oder Fähigkeit ihnen Vortheil bringen
werde; sehen sie aber mehr Mühe als Lohn voraus, so machen sie es
natürlich umgekehrt.

Nachmittags begegnete mir eine grosse Kling-Prozession, der ich folgte.
Den Zug eröffnete eine Musikbande, dann kamen einige Paare, die lange
Stecken trugen, mit denen sie gegenseitig Schein-Angriffe machten und
parirten; sie besassen grosse Gewandtheit und Sicherheit. Ihnen folgte
paarweis ein Zug von Hindus, deren nur um die Hüften verhüllter, sonst
nackter Körper mit gelbem Turmerikpulver[6] eingerieben war. Die Meisten
trugen Hals- und Armbänder aus aufgefädelten kleinen weissen Blüthen.
Einige dieser Leute hatten sich einen etwa fusslangen Spiess durch
Lippen und Zunge, einen zweiten Spiess durch Backen und Zunge gestossen.
Andere hatten sich auf jeder Seite des Körpers in der Gegend der Hüften
zwei zwei Zoll lange Einschnitte gemacht, und durch die so entstandenen
Oesen lange Stricke gesteckt, die von davor- und dahintergehenden
Männern beständig hin- und hergezogen wurden. Unmittelbar auf sie
folgten die Götter, deren Gunst durch diese Verstümmelungen erlangt
werden sollte, theils auf Schultern getragen, theils auf Ochsenkarren
gezogen. Es waren schöne Gruppen darunter: vor den reich drapirten
Nischen, in welchen sich die Bilder der Gottheiten, von Gold und Silber
glitzernd, befanden, standen je zwei junge Hindu-Mädchen in sehr
glänzender Kleidung von Gold- und Silberbrokat, die auffallend an die
Festkleider der Mutter Gottes in katholischen Kirchen erinnerte. Sie
trugen langgestielte Wedel von weissen Federn, die sie feierlich hin-
und herbewegten. Später überzeugte ich mich, dass es keine wirklichen
Mädchen waren, sondern Knaben, die ihre Rollen so täuschend spielten.
Auf einem freien Platz vor der Stadt machte der Zug Halt. Es waren viele
Zuschauer anwesend, vorwiegend Klings, Chinesen, Malayen, fast kein
Europäer. Die Meisten kauerten, hockten, sassen auf dem Boden, nur die
hintersten Reihen standen. Jeder hatte gewiss die ihm behaglichste
Stellung eingenommen, die aber zum Theil der Art war, dass sie bei uns
kaum ein Turner auf die Dauer ausgehalten hätte. Diese Leute, die von
Jugend auf nie einen Stuhl oder Tisch benutzen, weder enge Kleider, noch
Schuhe tragen, wissen aus ihren unteren Gliedmassen viel mehr Nutzen zu
ziehen, als wir. Die Beine müssen häufig als Arme aushelfen, wobei die
Füsse die Stelle der Hände vertreten; so heben sie Sachen vom Boden auf,
ohne sich zu bücken, halten das eine Ende eines Gegenstandes mit den
Füssen fest, während sie das andere Ende mit den Händen bearbeiten.
Besonders verstehen sie sich durch die grosse Gelenkigkeit ihrer Beine
eine Auswahl bequemer Stellungen zu verschaffen und die Last des
Oberkörpers so geschickt zu balanciren, dass sie nicht ermüden können.
Selbst wenn man ihnen einen Stuhl anbietet, ziehen sie die Beine in die
Höhe und richten sich auf dem Sitz ein, als ob sie am Boden sässen.
Diese beneidenswerthe Fertigkeit ist aber leider nur in der ersten
Jugend zu erlernen, in Kinderstuben, wo es keine Stühle giebt, und nur,
wenn die Ausbildung der Füsse nicht durch Schuhe gehemmt wird.

Mitten auf dem Platz war ein grosses Feuer angezündet. Als es
ausgebrannt war, lag die Gluth fast fusshoch und hatte gegen 20 Fuss
Umfang. Die freiwilligen Märtyrer wurden bis an den Rand geführt,
sprangen hinein, gingen langsam hindurch und taumelten in einen mit
Wasser gefüllten Graben am jenseitigen Rande. Ihre Freunde liefen
herbei, ermunterten, unterstützten sie und führten sie nach einer kurzen
Erholungspause einzeln in einen grossen Kreis, den die Zuschauer offen
gelassen hatten. Hier wurden sie mit einer gewaltigen Peitsche
gegeisselt, bis sie vor Schmerz hinstürzten, worauf sie von ihren
Freunden mit triumphirendem Gemurmel durch die Reihen getragen wurden.
Es war ein ekelhaftes Schauspiel, das diese Leute von schönster
kaukasischer Rasse hier vor den Malayen und Mongolen aufführten.

[Illustration]

Ueber die Bedeutung des Festes konnte ich in Singapore nichts
Zuverlässiges erfahren, später aber fand ich in den Blaubüchern der
Präsidentschaft Madras, dass auch dort das Naruppuh-terunaul oder
Feuerfest immer noch besteht, die Theilnahme sich jedoch, ebenso wie
hier, auf die untersten Volksklassen beschränkt und überall im Abnehmen
begriffen ist. Es ist keine von der Hindu-Religion vorgeschriebene
Feierlichkeit. Nach einigen Berichten hat sie insofern eine religiöse
Bedeutung, als sie mit der Verehrung der Gottheit Durmarasawney der
Tamil, oder Veerbudrasawney der Telegu, in Beziehung steht, deren Zorn
dadurch abgewendet werden soll; nach den meisten Berichten aber hat die
Religion gar nichts damit zu schaffen, es ist nur ein alter Brauch, dem
die niederen Klassen aus roher Schaulust zugethan sind, während die
Gebildeteren fern bleiben. An manchen Orten sind es dieselben
Individuen, die alljährlich die Feuerprobe bestehen und dafür bezahlt
werden, wie andere Gaukler. Häufig aber sind es beschränkte Menschen aus
den niedrigsten Kasten und Parias, die sich zur Erfüllung eines Gelübdes
die Peinigung auferlegen. Es sollen fast nie üble Folgen eintreten,
namentlich keine Todesfälle (zwei in den Berichten erwähnte waren
jedenfalls nur mittelbar durch die Feuerprobe veranlasst), und
wahrscheinlich ist ein grosser Theil des Eindrucks der guten Aufführung
zuzuschreiben. Die indische Regierung beschloss in Folge jener Berichte,
das Fest nicht amtlich zu verbieten, da sie ihr Ziel sicherer zu
erreichen glaubte, indem sie ihren Beamten empfahl, für das allmählige
Aufhören unter der Hand nach Kräften zu wirken.



Drittes Kapitel.

    Landhaus. -- Klima. -- Muskatnuss-Pflanzung. -- Europäer. --
    Früchte. -- Nahrungsmittel. -- Diener.


Der preussische Konsul, dem ich während meines Aufenthalts in Singapore
sehr viel verdankte und der mir auch noch später, so weit der Einfluss
seiner Empfehlungen reichte, mit der freundschaftlichsten,
angelegentlichsten Fürsorge den Weg ebnete, hatte mir auf seinem
Landhause eine Wohnung einrichten lassen, die ich wenige Tage nach
meiner Ankunft bezog. Es war wohl die schönste Besitzung auf der Insel,
jetzt dient sie dem Guvernör zum Aufenthalt. Fast alle grossen Kaufleute
haben ein Haus vor der Stadt, gewöhnlich auf dem Gipfel eines Hügels, wo
die Seebrise alle Räume durchweht und abkühlt. Die hiesigen Landhäuser
sind die angenehmsten und zweckmässigsten, die ich in heissen Ländern
kennen gelernt habe, fast alle nach demselben Typus gebaut. Der leitende
Gedanke dabei ist, die bewohnten Räume allseitig von Luft umkreisen und
durchdringen zu lassen und sie gegen die Sonnengluth zu schützen. Das
Haus ruht auf steinernen Pfeilern, gegen 15 Fuss hoch, der Raum zwischen
den Pfeilern ist meist offen, nur wo es an Platz gebricht, werden
einzelne Räume zwischen den Pfeilern durch leichte Holzwände oder Gitter
abgetheilt. Der obere Stock, die eigentliche Wohnung, ist rings von
einer breiten Gallerie, Veranda, umgeben, die vom Dach weit genug
überragt wird, um gegen den Regen geschützt zu sein. An der äusseren
Seite der offenen Veranda sind dunkelgrüne Rouleaux aus feingespaltenem
Bambus angebracht, ein chinesisches Substitut für Jalousien; sie lassen
die Luft durch, schliessen aber das blendende Licht aus. Durch
rechtzeitiges Aufziehen und Herablassen derselben wird die Veranda und
die von ihr umgebene Wohnung stets angenehm kühl erhalten. Die Zimmer
haben nur Jalousien statt Glasfenster und massiver Thüren und öffnen
sich alle nach der Veranda. So ist der ganze bewohnte Kern des Hauses
ringsum von einer isolirenden Luftschicht umgeben. Von jedem
Schlafzimmer führt eine kleine Treppe in ein zur ebenen Erde
befindliches Badezimmer. Küche, Stallung, Remise, sowie die Wohnungen
der Dienerschaft befinden sich in kleinen Nebenhäusern, durch einen
bedeckten Gang mit dem Haupthause verbunden, wodurch aller widerwärtiger
Geruch und Lärm ferngehalten wird. Im Speisesaal und in den
Gesellschaftszimmern fehlt nie die Punka, ein grosser Fächer, bestehend
aus einem mit Zeug bespannten Rahmen, der von der Decke herabhängt und
durch ein Loch in der Wand mittelst einer Schnur von Aussen in Bewegung
gesetzt wird.[7] Rings um das Haus des Konsuls war ein Garten, der eine
Auswahl der schönsten Pflanzen des Archipels und neben anderen
ausländischen Zierpflanzen auch europäische Rosen enthielt, denen man
aber ansah, dass sie hier nicht heimisch sind. Der frühere Besitzer, der
auch als Botaniker bekannte Arzt Oxley, hatte durch eifriges Sammeln und
Tauschen den schönen Garten geschaffen. Da stand die Amherstia nobilis,
das einzige grössere Exemplar auf der ganzen Insel, neben der Poinciana
regia und dem Prachtstrauch Duranta Plumieri, umgeben von Ixoren in
allen Farben und ebenso mannigfaltigen Hibiscusarten, darunter die Rose
der Chinesen, von den Bedienten Schuhblume genannt, weil sie die
lackirten Schuhe ihrer Herren damit putzen, Bauhinien, Passifloren und
unter dem dichten, von sonderbar verschlungenen Luftwurzeln gestützten
Schattendach eines Ficus die herrlichsten Orchideen und epiphytischen
Farne. Fast Alles war in Blüthe, wie denn die meisten Pflanzen hier das
ganze Jahr hindurch gleichzeitig Blüthe und Frucht tragen.

Da Singapore nur 1° 17' nördlich vom Aequator liegt, so herrscht dort
ein ewiger Sommer. Der Unterschied zwischen dem längsten und kürzesten
Tag beträgt nur 7-1/2 Minuten; praktisch genommen sind also alle Tage
des Jahres durchaus gleich lang. Der Temperaturunterschied zwischen dem
Mittel des kältesten und des wärmsten Monats beträgt weniger als einen
halben Grad, die mittlere Jahreswärme 22-1/2° R. Die äussersten
Thermometerstände sind 17° und 26° R. Die Morgen sind angenehm kühl,
aber die Sonne steigt schnell so hoch, dass alles mit blendendem Lichte
und sengender Gluth übergossen sein würde, wenn nicht Wolken, häufige
Regenschauer und regelmässig wechselnde Land- und Seebrisen Licht und
Hitze milderten. Es regnet an 180 Tagen etwa 90 Zoll; im Winter etwas
mehr als im Sommer, doch vergeht selten eine Woche ohne Regen; trockene
und Regenzeit, die weiter nach den Wendekreisen hin fast ebenso
deutlich, wenn auch nicht so schroff gesonderte Jahreszeiten bilden, wie
unsere Sommer und Winter, fehlen hier in der unmittelbaren Nähe des
Aequators. Der erste Januar ist vom ersten Juli nicht zu unterscheiden.
Bei einer so beträchtlichen Regenmenge in so hoher Temperatur ist die
Feuchtigkeit der Luft immer sehr gross. Es ist sehr schwer, Eisengeräthe
gegen Rost zu schützen. Das Leder verschimmelt, Papier verstockt, der
Phosphor läuft von den Zündhölzern ab.

Der Garten ging allmälig in eine Muskatnuss-Pflanzung über, die den Rest
des „Oxley-Hügels” einnahm. Das ganze Grundstück, sowie die Fahrwege
in demselben, sind von Hecken aus Zwergbambusen umschlossen, so
gesundheitstrotzend und immergrün, wie keine andere Hecke der Welt. Die
Hauptstiele sind höchstens fingerdick; die Seitenschösse wie starker
Draht und ebenso steif, starren nach allen Richtungen hin so
gleichmässig dicht, dass die immer sorgfältig unter der Scheere
gehaltenen Hecken wie riesige Bürsten aussehen. Wer die vielen schönen,
anscheinend so gesunden Muskatbäumchen betrachtete, die mit Bevorzugung
vor jeder anderen Kulturpflanze die Häuser aller Europäer umgaben,
konnte nicht ahnen, dass diese mit so vieler Mühe und grossen Kosten
angesiedelten Fremdlinge bereits den Keim des Todes in sich trugen. Der
Muskatnussbaum (Myristica moschata) ist so oft und gut beschrieben
worden, dass ich nur Einiges erwähnen möchte, was sich besonders auf
seine Kultur in Singapore bezieht. Heimisch ist er nur auf den Molukken
und den umliegenden Inseln. Sein Produkt, die Muskatnuss und die Macis,
sind, seitdem die Europäer zuerst in jene Meere kamen, Gegenstände des
strengsten Monopols gewesen. Die Banda-Inseln, auf welche die Holländer
der leichteren Kontrolle wegen den Anbau beschränkten, obwohl ihnen dies
nie ganz gelang, lieferten Jahrhunderte hindurch allein dies Gewürz.
Nachdem die ursprüngliche Bevölkerung der Inseln, die sich dem Zwange
nicht fügen wollte, ausgerottet worden, wurde der Anbau durch Sklaven,
jetzt durch Sträflinge, betrieben, unter der Leitung von Europäern, die
zwar die Pflanzungen eigenthümlich besitzen, das Produkt aber nur an die
Regierung zu einem festgesetzten Preise verkaufen dürfen (Perkeniers).
1798, als die Engländer die Molukken inne hatten, übersiedelten sie die
Pflanze nach Sumatra, von wo sie 1819 durch Raffles nach Singapore
gebracht wurde. Ihr Anbau kam hier schnell in Mode, fast alle Landhäuser
wurden mit dergleichen Pflanzungen umgeben. Der Baum, der in seiner
Heimath 70 Fuss hoch werden soll (ich fand später in Camarines auf Luzon
einen fast 100 Fuss hohen, sehr mächtigen, wilden Muskatnussbaum, dessen
Früchte nicht grösser als kleine Kirschen, aber ganz ohne Aroma waren),
bleibt hier strauchartig und übersteigt selten 20 Fuss. Sein Habitus
hält die Mitte zwischen einem Lorbeer und einer Orange. Der einzelne
Baum ist sehr schön, eine Pflanzung aber hat ein zu einförmiges Ansehen.
Die Frucht gleicht einer Aprikose, doch läuft das Ende, an welchem der
Stiel sitzt, spitz zu, wie bei einer Birne. Ist die Frucht reif, so
springt sie auf. Dann sieht man im Innern hinter einem intensiv
karminrothen Netzwerk, der sogenannten Muskatblüthe oder Macis des
Handels, die glänzend schwarze Hülle der Nuss. Die Nuss selbst ist
schwer herauszuschälen. Erst durch sehr langes Trocknen über schwach
glimmendem Feuer schrumpft sie allmälig so weit zusammen, dass die
Hülle, welche die ursprüngliche Grösse behält, durch vorsichtiges
Klopfen zersprengt und abgelöst werden kann. Die Muskatblüthe wird an
der Sonne getrocknet und gepresst und erhält dadurch ihre gelbe Farbe.
Es dauert 9 bis 10 Jahre, bevor die aus Samen gezogenen Bäume Früchte
tragen. Ein grosser Uebelstand ist, dass die männlichen und weiblichen
Blüthen auf verschiedenen Bäumen sitzen, so dass später ein Theil der
unfruchtbaren männlichen Bäume umgehauen und durch neue weibliche
ersetzt werden muss. Gewöhnlich lässt man auf 10 weibliche Bäume einen
männlichen stehen. Während die Pflanze in Banda ohne alle Pflege
wuchert, fordert sie hier unausgesetzt die grösste Sorgfalt. Der
Uebelstand, dass sie erst nach so langen Jahren den vollen Ertrag giebt,
tritt um so mehr hervor, wenn man berücksichtigt, dass der hier übliche
Zinsfuss 12% beträgt. Trotzdem erlangte der Anbau dieses Gewürzes doch
schnell eine grosse Ausdehnung. Einerseits ist sowohl der Boden als das
Klima von Singapore für die Erzeugung der meisten andern
Kolonial-Produkte nicht geeignet. Zucker, Kaffee, Baumwolle, Cacao,
Arrow-root zu ziehen ist versucht worden, jedoch ohne rechten Erfolg.
Andererseits konnten die Muskatgärten bequem vom Besitzer übersehen
werden, da sie keine grosse Ausdehnung haben und unmittelbar sein Haus
umgeben. Auch der Umstand, dass die Pflanze in anderen tropischen
Ländern, wo man ihren Anbau versucht hatte, nicht hinreichend gedieh, um
ihr Produkt zum Handelsartikel zu machen, war nicht übersehen worden;
man hoffte dem indischen Archipel das Monopol zu bewahren. Die
Erwartungen der Pflanzer sind aber gänzlich zu Schanden geworden. Schon
bei meiner letzten Anwesenheit, 1859, begannen viele Bäume zu kränkeln
und trotz aller Bemühungen der Gärtner abzusterben. In fast allen Stufen
seiner Entwickelung wurde der Baum von verschiedenen Insekten
angegriffen. Das Uebel verbreitete sich so schnell, dass jetzt, 1864,
fast alle Pflanzungen sowohl in Pinang, als in Singapore völlig zerstört
sind. Der Verlust an Kapital wurde schon 1862 auf mehr als 500,000
Dollars angeschlagen. Durch das Aussterben der Muskatbäume haben alle
ländlichen Grundstücke eine bedeutende Entwerthung und die
Hypothekengläubiger entsprechende Verluste erlitten. Nach einer
Privatmittheilung hatte beispielsweise ein reicher Chinese 4000 Dollars
auf eine Pflanzung geliehen, die nach dem Absterben der Bäume nicht für
300 zu verkaufen war. Wäre aber das Unglück auch nicht eingetreten, so
würden doch die hochgespannten Erwartungen der Pflanzer nicht in
Erfüllung gegangen sein, da der Verbrauch und mithin auch der Preis
aller Gewürze, mit Ausnahme des Pfeffers, fortwährend abnimmt.[8]

Von der Veranda des schönen Landhauses übersah man einen grossen Theil
der Insel. Zunächst um den Fuss des Hügels und im Thal zwischen den
nächsten Anhöhen liegen in hübschen Gruppen die kleinen Häuschen der
Eingebornen, unter Bambusbüschen und Obstbäumen, von Arecapalmen
überragt, die auf langem, zierlich dünnem Schaft eine Blätterkrone
tragen, so leicht, wie ein Federbusch. Es ist die eleganteste aller
ostasiatischen Palmen, Hooker vergleicht sie mit einem vom Himmel
geschossenen Pfeil; die Eingebornen pflanzen sie aber nicht ihrer
Schönheit wegen, sondern weil sie die Arecanüsse liefert, die sie mit
dem Betelpfeffer kauen. Die besseren dieser Häuser sind aus Brettern
erbaut, viele aber nur aus Bambus, Matten, Palmenblättern und allerlei
Nothbehelf; sie stehen auf Füssen von Palmenstämmen, einige Fuss hoch
über der Erde. Der Fussboden besteht aus gespaltenen Bambusen oder
Nibongpalmen (Caryota urens), die neben einander liegen, ohne sich zu
berühren, so dass Luftzug von unten durchdringt. Das Ganze überragt wie
ein Sonnenschirm ein hohes Dach aus Palmenblättern, das auf den
Seitenwänden nicht fest aufliegt, sondern dem Luftzug eine Oeffnung
freilässt. Solche Häuschen sind recht kühl.

Nach Süden sieht man die Strasse, die zur Stadt führt, aber bald hinter
einem Hügel verschwindet, der auch den grössten Theil der Stadt
verbirgt; im Hintergrund erscheint das Meer mit seinem Inselgürtel. Nach
dem Innern zu erheben sich eine Menge kleiner Hügel; jeder der näher
gelegenen trägt auf dem Gipfel ein schönes geräumiges Landhaus, neben
welchem häufig einzelne Bäume emporragen, deren spärliche Blätterkrone
in gar keinem Verhältniss zu dem enormen Stamm zu stehen scheint. Es
sind die letzten Ueberreste des Urwaldes, der vor Kurzem noch Alles
bedeckte, sie wurden ihrer Grösse wegen als Erinnerungssäulen geschont,
können sich aber nicht in die neuen Verhältnisse schicken; ihr Stamm, an
die Feuchtigkeit und den Schatten des dichten Waldes gewöhnt, kann die
freie Luft und Sonne nicht ertragen und vertrocknet schnell. Weiterhin
werden die Landhäuser immer seltener, dichter Wald überzieht
gleichmässig die ganze Landschaft, deren Einförmigkeit nur durch sanfte
Hügelwellen unterbrochen wird. Ziemlich in der Mitte der Insel hebt sich
Bukit-tima deutlich über die kleineren Anhöhen hervor, und in äusserster
Ferne erblickt man bei heiterem Wetter hinter immer zarter abgetönten
Hügelreihen den Gunong-Pulaï, der dem jenseitigen Festlande angehört.

Zur völligen Behaglichkeit fehlte mir noch ein Diener; denn obgleich
mein Gastfreund deren über ein Dutzend hielt und den grössten Theil des
Tages nicht zu Haus war, konnte ich doch nur sehr schwer
Dienstleistungen von seinen Leuten erlangen, da es die hiesigen Diener
für eine ungerechte Zumuthung halten, einem Anderen, als ihrem Herrn
behülflich zu sein. So ist es auch bei Tisch. Ist man eingeladen, so
bringt man seinen Diener mit, weil man sonst Gefahr läuft, nichts zu
essen zu bekommen. Hinter dem Stuhl eines jeden Gastes steht dessen
Bedienter, gewöhnlich ein Chinese mit langem Zopf, oder ein Kling mit
grossem Turban. Jeder von diesen sorgt ausschliesslich für seinen Herrn
und sucht ihm die besten Stücke zu verschaffen. Oft sieht man sie sich
darum balgen, wobei sie aber immer ihr würdevolles Wesen bewahren, wie
es sich in Gegenwart grosser Herren, für welche hier alle Europäer
gelten, ziemt. Einem Freunde ihres Herrn erweisen sie auch wohl mitunter
eine kleine Gunst, verlangt aber ein Fremder etwas von ihnen, so stehen
sie wie versteinert und in ihrem feierlich-respektvollen Gesicht malt
sich die tiefste Entrüstung über die ungebührliche Zumuthung.

Alle Europäer, die auf dem Lande wohnen, bringen die Geschäftsstunden
von 9 bis 4 Uhr in der Stadt zu. Während dieser Zeit steht ihr Haus
gewöhnlich ganz leer, selbst die Bedienten sind dann meist nicht
anwesend oder schlafen so fest, dass sie ebenso gut abwesend sein
könnten. Das Haus steht offen, keine Thür ist verschlossen, man kann
frei durch alle Räume gehen, die zum Theil mit werthvollen Gegenständen
ausgestattet sind. Aber sonderbarer Weise wird nichts gestohlen.
Obgleich unter den Eingebornen Diebstähle, auch Räubereien, häufig
vorkommen, so war doch kein Fall bekannt, dass je das Haus eines
Europäers beraubt worden wäre. Die Eingebornen haben eine gewisse Scheu,
solches Grundstück zu betreten, die sich aus der Furcht vor den Hunden
nicht genügend erklären lässt; denn Hunde giebt es nicht überall, auch
würden sie entschlossenen Dieben kein Hinderniss sein. Es scheint daher
fast, wenigstens schmeicheln sich die Europäer damit, dass ein gewisser
Nimbus das Haus beschütze.[9]

Die Europäer, deren Zahl sehr gering ist und zum grossen Theil aus
wohlhabenden Kaufleuten und hoch besoldeten Beamten besteht, geniessen
in mancher Hinsicht eine bevorzugtere Stellung, als der hohe Adel in
Europa. Sie sind durch Reichthum, Bildung, Intelligenz,
Unternehmungsgeist und Ehrenhaftigkeit den anderen hier vertretenen
Nationen sehr überlegen. Ausserdem bilden Farbe und äussere Haltung eine
natürliche unübersteigliche Schranke für alle ehrgeizigen Asiaten, deren
einige ebenfalls grosse Reichthümer ansammeln. Auch der Luxus, in dem
sie leben, die Freigebigkeit, mit der sie bezahlen, sind Mittel, bei den
Asiaten Achtung zu erlangen. Einer der angenehmsten Vorzüge, die aus
diesem Verhältniss entspringen, ist das unbegrenzte Vertrauen, das alle
Europäer geniessen. Keiner von ihnen trägt Geld bei sich, und kann
dennoch in jedem Laden kaufen, was er will. Ich hatte einmal in Johore,
auf dem asiatischen Kontinent, jenseits der kleinen Meerenge, eine
Anzahl Jungen benutzt, um Thiere und Pflanzen zu sammeln. Da ich kein
Geld hatte, erhielt jeder für das, was er ablieferte, ein Stückchen
Papier, auf das ich mit Bleistift die Anzahl Cents schrieb, die er dafür
empfangen sollte. Als ich Abends abfuhr, rechnete ich die einzelnen
Zettel zusammen und gab dem ältesten Jungen einen Schein für die ganze
Summe, zahlbar in Singapore. Keiner hatte das geringste Misstrauen, sie
schienen alle so befriedigt, als hätte ich sie baar bezahlt, obgleich
wir einander völlig fremd waren. Als ich Singapore verliess, fuhr mich
mein Kutscher an den Platz der Einschiffung und setzte meinen letzten
Koffer ins Boot. Ich schuldete ihm mehrere Monate Fuhrlohn, schrieb mit
Bleistift einige ihm unverständliche Worte auf einen Zettel, den er bei
meinem Banquier abgeben sollte, er machte seinen Salam und wünschte mir
eine glückliche Reise. Sogar die Hunde, die in dergleichen Dingen immer
eine richtige Witterung haben, erkennen die bevorzugte Stellung an.
Sobald ein ganz fremder Europäer zum ersten Male das Grundstück eines
andern betritt, kommen sie ihm bis an die Hecke entgegengelaufen und
geleiten ihn freundlich bellend und wedelnd ins Haus. Wenn erst die
europäische Bevölkerung mehr zunimmt, Unbemittelte oder gar
Industrieritter hierher kommen, wird dieser Zustand natürlich aufhören.

Die Lebensweise der reicheren Europäer ist äusserst angenehm und mit
Ausnahme der zu kopiösen Mahlzeiten sehr zweckmässig. Die Billigkeit der
Landhäuser, der Dienerschaft und der Pferde erlaubt ihnen mit
verhältnissmässig geringen Kosten einen fürstlichen Haushalt zu führen.
Sie stehen gewöhnlich vor Tagesanbruch auf, nehmen ein Bad und machen
einen grossen Spaziergang. Nach einem einfachen Frühstück, um 9, fahren
sie zur Stadt, arbeiten bis um 4 in ihren meist sehr luftigen Kontoren
und kehren nach Haus zurück. Bei der Ankunft bietet der erste Diener
seinem Herrn ein Glas Sherry an und berichtet, ob etwas vorgefallen,
dann folgt Bad, Ausfahrt in eleganter offener Equipage, gegen 7 Uhr
Diner, nach Tisch wird gelesen, geplaudert, Billard gespielt. Man geht
früh zu Bett, wenn keine Gäste da sind; sonst dauern die Gesellschaften
gewöhnlich bis 11 Uhr. Mit Sonnenuntergang wird das ganze Haus
verschwenderisch beleuchtet, wenn auch kein Besuch da ist.

Frauen sind auch in der europäischen Gesellschaft wenig zahlreich. Sie
leben meist auf so kostspielige Weise, dass nur wenige Männer reich
genug sind, Frauen in dem zum herrschenden Ton gewordenen Luxus zu
erhalten. Auch vertragen dieselben meistens das Klima weniger gut als
Männer; sie werden bald apathisch, kränkeln und sind genöthigt, zur
Wiedererlangung ihrer Gesundheit nach Europa zurückzukehren. Tritt
dieser Fall nicht ein, so zwingt sie bald die Sorge für die Erziehung
der heranwachsenden Kinder zur Heimreise, während der Mann, wenn er noch
kein hinreichendes Vermögen erworben, zurückbleibt.

Wie aber fast jedes Uebel auch seine gute Seite hat, so ist der Verkehr
unter den Männern innerhalb derselben gesellschaftlichen oder eigentlich
finanziellen Schichten, denn in solche ist die hiesige Gesellschaft
streng gesondert, um so bequemer und herzlicher; während in fast allen
kleinen Kolonien, wo es Frauen und gar arme Beamten- und reiche
Kaufmannsfrauen giebt, das Leben durch die Eifersüchteleien der sonst so
liebenswürdigen Wesen sehr verbittert wird. Auch sind Frauen als
Hüterinnen des Anstandes und der Sitte in englischen Kolonien
entbehrlicher, als in jeder andern. Der starre Schematismus der
englischen Erziehung hält für das ganze Leben vor. Während kontinentale
Europäer in fernen Ländern gern jeden lästigen Zwang so bald als möglich
ablegen, sich vernachlässigen, „ihre Kaste verlieren”, bleiben die
Engländer überall Engländer -- Insulaner -- Fremde. Daher ist auch ihr
Einfluss auf die Sitten der Eingebornen ein sehr geringer. Eben so
gering sind auch die Leistungen ihrer wohl besoldeten, fein gebildeten
Missionäre im Vergleich zur Mehrzahl der katholischen, die, ungestört
durch wissenschaftliche Bildung, gesellschaftliche Stellung, häuslichen
Wohlstand und Familienbande, in besonderen Seminaren mit militärischer
Disziplin zum Bekehren erzogen, in ein viel näheres und daher
einflussreicheres Verhältniss zu ihren Täuflingen treten.

Die hiesigen englischen (aber nicht die deutschen) Häuser sind meist nur
Agenturen grösserer Firmen, deren Hauptsitz in England oder Kalkutta
ist, und die noch an mehreren andern Plätzen in China und am Archipel
ihre Kontore haben. Daher finden unter dem Personal häufige Versetzungen
statt. Als ich nach 6 Monat langer Abwesenheit Singapore wiedersah, traf
ich die Hälfte meiner Freunde nicht mehr an; sie waren nach allen
Richtungen zerstoben und durch neue Ankömmlinge ersetzt.

Unter den Europäern herrscht grosse Gastfreundschaft. Fast täglich
ist man eingeladen. Als ich mich zum ersten Male in einer solchen
Gesellschaft befand, machten die geographischen Spezialkenntnisse der
Anwesenden einen grossen Eindruck auf mich. Mein Nachbar rechts war
10 Jahre auf den Philippinen gewesen, der zur Linken hatte so eben
einen grossen Theil Borneo's durchreist; der gegenüber hatte fast
alle grösseren Inseln des Archipels besucht, auch Neu-Guinea und die
Nordküste Australiens. Ein anderer (Col., jetzt General Mac Leod) war
zu Fuss durch Birma bis an die Grenze von China gegangen, durch
Länder, die ausser ihm noch kein Europäer betreten hatte. Wie
erweiterte sich aber erst der geographische Horizont, als die Damen
die Kartoffelfrage behandelten! „Sind dies javanische oder
chinesische Kartoffeln?” -- „Neuseeländische.” -- „Ich ziehe die
kalifornischen vor.” -- Die eine bezog ihren Bedarf aus Holland, die
andere aus Neuholland. -- Europäische Gemüse und Früchte gedeihen
hier nicht. Von den hier gebauten Gemüsen sagen fast nur Bohnen und
mehrere Gurkenarten unserem Geschmack zu. Dagegen liefern die
hiesigen Gärten in grosser Fülle die besten Früchte der heissen Zone.
Am häufigsten ist die Banane oder Pisang (Musa paradisiaca), in sehr
vielen Varietäten, bei weitem die verbreitetste und nützlichste aller
tropischen Früchte. Ihr Geschmack hält die Mitte zwischen Birne und
gekochter Kartoffel; sie dient als Obst und Gemüse, und wird selbst
von Europäern reichlich gegessen, die sonst die meisten Früchte,
sogar die köstliche Ananas, aus Gesundheitsrücksichten ängstlich
vermeiden, was, so weit meine Erfahrung reicht, ein Vorurtheil ist.
Keine Frucht ist leichter zu kultiviren; sobald die Fruchttraube
abgenommen, wird der Stamm umgehauen, um für die aus der Wurzel
aufgeschossenen jüngeren Triebe Platz zu machen; so geht es fort und
fort. -- Die Ananas, malayisch Nanas (Ananas sativa), von Singapore
übertreffen an Wohlgeschmack alle in Java, Siam oder auf den
Philippinen gebauten, und werden selbst von den in europäischen
Treibhäusern gezogenen an Duft nicht übertroffen. An Süssigkeit und
Saftfülle bleiben diese aber hinter der Singapore-Ananas zurück. Sie
ist so billig, dass man sie in Verbindung mit feinem Sand benutzt, um
das Verdeck der Schiffe zu scheuern. Man isst gewöhnlich nur die
untere, süssere Hälfte und wirft die obere fort. -- Von Vielen wird
der Mangustan (Garcinia mangostana) für die Königin aller Früchte
erklärt. Sein Vorkommen ist auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt;
weder in Ost- noch Westindien gelang es bisher, ihn zu ziehen. (Es
gilt als einen der grössten Triumphe der Kunstgärtnerei, dass der
Herzog v. Devonshire einige Mangusten zur Reife gebracht hat.) -- Nur
in gewissen Jahreszeiten häufig sind die Mangos (Mangifera indica),
die, wenn sie nicht sehr gut sind, wie Aprikosen mit Terpentin, oft
aber auch wie Terpentin mit Aprikosen schmecken. Dies ist eine der
wenigen tropischen Früchte, von denen es viele durch Kultur
entstandene Varietäten giebt.

Die grösste aller Baumfrüchte ist wohl die Nangka, Jackfruit (Artocarpus
integrifolia), von denen eine einzige über einen halben Centner schwer
wird. Obgleich sie sehr angenehm würzig schmeckt, wird sie von Europäern
fast nie gegessen. Sie ist eine nahe Verwandte der Frucht des Brodbaums
(A. incisa), die hier nicht geschätzt und nur von den Eingebornen als
Gemüse genossen wird. Häufiger erscheint die Papaya auf der Tafel, die
Frucht des Melonenbaumes (Carica papaya), die weder die Grösse, noch den
Geschmack einer sehr mittelmässigen Melone erreicht. In der inneren
Höhlung liegen eine grosse Menge dunkelgrüner Kerne; sie sehen aus wie
Kapern, riechen wie Kresse und schmecken gar nicht. Der Saft der
unreifen Frucht enthält aber Fibrin, das ausser bei Pilzen noch bei
keiner Pflanze nachgewiesen wurde. Dieser Saft, ja die blosse
Ausdünstung der Blätter, mehr noch die Berührung hat die höchst
auffallende Eigenschaft, die Muskelfaser zu zersetzen, das zäheste
Fleisch zart zu machen.[10]

Sehr schön modellirt und gefärbt, wie aus Wachs gebildet, sind die
Jambusen (Eugenia spec. div.), deren einige wie Rosen duften. Sie
erfrischen, ohne den Geschmack zu befriedigen, da ihr loses, schwammiges
Zellengewebe nur schwach säuerliches Wasser enthält.

Angenehmer schmecken die Anonen-Arten, die aber in Singapore noch nicht
die verdiente Verbreitung gefunden haben.

Der Lei-tschi der Chinesen (Nephelium lichi), der in Siam so gut
fortkommt, scheint in Singapore nicht zu gedeihen; der Rambutan, eine
ihm verwandte Nephelium-Art (N. lappaceum?), ist häufig und kommt ihm im
Geschmack sehr nahe. Die fleischige Hülle haftet aber durch unzählige
Fäserchen so fest am Kern, dass ihr Genuss unbequem ist.

Apfelsinen sind in zahlreichen Varietäten vorhanden, in allen Grössen,
vom kleinen Kumqwat, nicht grösser als eine Walderdbeere, bis zur
Pumpelmuse (Citrus decumana), die fast kopfgross wird. Letztere hat zwar
einen grossen Verbreitungsbezirk, erlangt aber nur an gewissen eng
begrenzten Lokalitäten ihr volles Aroma. Am besten geräth sie in Batavia
und in Amoy. Sie ist lange nicht so saftreich, aber würziger, als alle
andren Oranien. Der Name Pumpelmuse klingt sehr holländisch, kommt aber
wahrscheinlich vom Tamil-Wort Bambalmas. Die Engländer nennen sie
gewöhnlich Shaddock nach einem Schiffskapitän, der sie von Batavia nach
Westindien übersiedelte. Dr. de Vry sagt in einem vor der British Assoc.
in Birmingham gehaltenen Vortrage, dass die Pumpelmusen in Bandong
(Java) in 2300' Meereshöhe ungeniessbare Früchte, nicht grösser, als
gewöhnliche Apfelsinen, tragen, dass er aber von einem einzigen Baum in
seinem Garten 200 ℔ Blüthen (!) gepflückt habe und dass er von 1000 ℔
Blüthen 1 ℔ Neroli bester Qualität erhielt (Chemical News. Sept. 29.
65).

Als Unkraut wuchert die Guajava (Psidium pomiferum und P. pyriferum),
deren den Holzbirnen und Aepfeln ähnlich aussehende Früchte die Stelle
unserer Quitten vertreten, ohne ihrem Aroma gleichzukommen; sie werden
fast nur eingemacht gegessen.

Eine der merkwürdigsten Früchte von allen ist der Durian (Durio
zibethinus); nach Crawfurd ist er auf dasselbe kleine Gebiet beschränkt,
wie der Mangustan und wächst auf hohen Bäumen, häufiger im Walde, als
kultivirt, hat ziemlich die Grösse und Gestalt der Ananas, aber die
pyramidalen Warzen, die seine holzige Schale bedecken, sind hart und
spitz. Bei der reifen Frucht springt die Schale an vier Stellen der
Länge nach bis zum Stiel auf und enthüllt eine weiche, weisslich gelbe,
creme-artige Substanz, welche die Zwischenräume zwischen den nussgrossen
Samenkernen ausfüllt. Sie schmeckt besser als der beste Creme, und
riecht schlechter als Knoblauch. Dieser ungemein penetrante Geruch ist
anfänglich Jedem zuwider, der Wohlgeschmack aber so gross, dass der
ursprüngliche Widerwille sich bald in eine wahrhaft leidenschaftliche
Zuneigung verwandelt. Man zahlt oft einen Dollar für das Stück, während
Ananas nur einen Cent kosten, so gross ist die Nachfrage ihrer Verehrer.
-- Hoch bezahlt sind auch steinharte, fade Birnen und Aepfel, die der
Norden von China liefert; sie sind fast ungeniessbar für neue
Ankömmlinge, aber länger Ansässige, denen sie das Obst der geliebten
Heimath versinnlichen, dichten ihnen in frommer Erinnerung einen
Wohlgeschmack an, den sie durchaus nicht besitzen.

Die Sehnsucht nach der Heimath ist ein stehender Zug bei allen
Europäern, die in diesen fernen Landen leben. Eine hübsche Sitte, die
sich darauf gründet, ist der Toast: „Auf die fernen Freunde”, der zum
Schluss des Mahls im besten Wein mit feierlicher Stille getrunken wird.

Viele hiesige Früchte, wenn auch in Gärten gewachsen, sind kaum als
veredelt zu betrachten und unterscheiden sich wenig oder gar nicht von
ihren Stammeltern im Walde. Aber auch diejenigen, die man nicht wild,
sondern nur um die Wohnungen der Menschen antrifft, haben sich nur wenig
von dem ursprünglichen Typus entfernt, da fast keine Varietäten
vorhanden sind (ebenso ist es mit den Zierblumen). Doch ist wohl nicht
zu zweifeln, dass sich aus den vorhandenen Obstarten eine eben so
grosse Menge hochedler Sorten erzielen liesse, als man in Europa aus
fast ungeniessbaren ursprünglichen Arten gezogen hat. Für's Erste ist
aber keine Aussicht auf dergleichen Versuche vorhanden. Die hiesigen
Europäer wenden ihre ganze Energie und Intelligenz dem Handel zu und
kehren, sobald sie können, nach Europa zurück. Die wenigen, die hier
bleiben, haben meist ihre Strebsamkeit verloren, sie nehmen immer mehr
von der Gleichgültigkeit der Eingebornen an. Von ihnen sind Versuche,
die so viel Zeit, Kenntniss und Mühe verlangen, kaum zu erwarten.

Ausser Obst, etwas Gemüse und Geflügel, vielen Fischen und Krebsen
liefert die Insel keine Nahrungsmittel. Es wird aber Alles in Menge
eingeführt, ja oft sind manche Artikel hier billiger, als am
Produktionsort. Hühnerfleisch und Reis isst man täglich wenigstens zwei
Mal. Hammelfleisch ist sehr theuer und gilt für einen grossen
Leckerbissen. Die besten Hammel kommen aus Bengalen, darauf folgen die
vom Peiho, weniger geschätzt sind die von Shanghai und Australien. Puter
kommen aus Java und kosten 5 bis 6 Dollars das Stück. In Singapore
können sie nicht gezogen werden, auch die eingeführten sterben bald.

Von europäischen Speisen sind namentlich die national-englischen in
Blechbüchsen immer vorhanden, sie sind meist aus englischer Fabrik,
daher weder sehr wohlschmeckend, noch mannigfaltig. In anderen Kolonien
lässt man sich dergleichen Sachen lieber aus Frankreich kommen und steht
sich besser dabei. Die gewöhnlichen Getränke sind englisches Bier,
Bordeaux-, Rheinwein. Geeisten Champagner trinkt man so häufig, dass die
chinesischen Bedienten das Wort ihrer Aussprache akkommodirt haben,
indem sie aus Cham-paign sim-kin machen.

Von der Wichtigkeit der Erfindung, Nahrungsmittel in
hermetisch-verschlossenen Büchsen aufzubewahren, bekommt man erst auf
Seereisen und mehr noch in den Kolonien, besonders in den abgelegenen
Stationen, eine richtige Vorstellung.[11] Wenn aber die Zubereitung
nicht sehr schmackhaft ist, so stellt sich nach fortgesetztem Gebrauch
allmälig ein solcher Ekel ein, dass selbst die Matrosen Salzfleisch
vorziehen. Dies tritt namentlich bei englischen Präparaten bald ein, bei
französischen habe ich es nie empfunden. Hoffentlich ist der Zeitpunkt
nicht mehr fern wo man wenigstens die für die Passagiere bestimmten
Nahrungsmittel während der ganzen Reisedauer nur durch Kälte frisch
erhalten wird. Wenn die Eismaschinen erst den nöthigen Grad von
Vollkommenheit erreicht haben, dürfte es wohl an der Zeit sein, sie mit
einem System von Röhren zu verbinden, die, mit einer schwer erstarrenden
Flüssigkeit gefüllt, einen angemessenen Raum hinreichend kalt erhalten,
um alle darin niedergelegten Nahrungsmittel völlig frisch zu bewahren.
Man sollte glauben, dass die Kosten der Einrichtung und des Betriebes,
besonders auf Dampfschiffen, wo ein kleiner Bruchtheil der vorhandenen
Kraft zu diesem Zweck abgezweigt werden könnte, beträchtlich geringer
sein würden, als die des jetzt eingeführten Gebrauchs, lebende Thiere
sammt Futter und Wärter mitzunehmen. Abgesehen aber vom Kostenpunkt
würden die Annehmlichkeiten für die Reisenden sehr gross sein. Der
Zahlmeister könnte auf jeder Station diejenigen Artikel in Fülle
einkaufen, die gerade dort am vorzüglichsten sind; statt des Fleisches
von Thieren, die durch die Seereise gelitten haben, könnte man den
Reisenden mit wahrscheinlich geringeren Kosten stets das beste, gleich
in geeigneten Stücken eingekaufte Fleisch vorsetzen. Führte man ein
solches Röhrensystem durch die von den Passagieren bewohnten
Schiffsräume, wie man Häuser durch warmes Wasser heizt, so könnte die in
niederen Breiten, besonders an Bord überfüllter Dampfschiffe, so
unerträgliche Hitze auf ein Minimum herabgedrückt werden. Namentlich
aber für die Fahrt auf dem rothen Meere, die während einiger Monate so
verrufen ist, dass die Gesellschaften während dieser Zeit genöthigt
sind, ihre Preise herabzusetzen, würde eine solche Einrichtung von
grossem Werthe sein.

Nachdem ich in dem schönen Landhause einige Wochen zugebracht, die unter
der Masse neuer Eindrücke und Bekanntschaften sehr angenehm verflogen,
entschloss ich mich, die wahrhaft fürstliche Gastfreundschaft unseres
Konsuls nicht länger in Anspruch zu nehmen, bezog eine kleine Wohnung in
der Stadt und wollte anfangen, recht fleissig zu sammeln und zugleich
Individuen der verschiedenen Rassen, welche die völlige Freiheit des
Verkehrs hier zusammenführt, zu photographiren. In Europa hatte ich viel
von der Vortrefflichkeit und Billigkeit der indischen Diener gehört und
meine Ansprüche, sowie meine Ausrüstung danach zugeschnitten. Einen
Diener wollte ich zum Sammeln und Präpariren von Thieren, einen zweiten
auf Pflanzen, einen dritten auf photographische Handleistungen
abrichten. Auch konnte ich, wenigstens im Anfang, Diener genug bekommen,
sie fanden aber keinen Geschmack an meinen Liebhabereien und verliessen
mich gewöhnlich wieder nach einigen Tagen. Durch Vermittelung eines
gefälligen Freundes wurde mir ein kleines, niedliches Bretterhaus, 100
Schritt vom Meer, das der Regierung gehörte und zur Zeit unbenutzt
stand, zur Verfügung gestellt. Ich liess mich mit meinem Gepäck darin
nieder und verlebte hier einige sehr angenehme Monate. Die
Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit, die ich ohne Ausnahme von allen
Europäern erfuhr, wird mir immer eine der liebsten Erinnerungen bleiben.
Einmal zeigte mir Jemand ein Glas voll Schlangen und Eidechsen in
Spiritus, ohne sie mir anzubieten, und ich erinnere mich noch, dass ich
von einem so unerwarteten Verfahren ganz betroffen war. Ich wüsste die
Gefälligkeiten, die mir ununterbrochen von allen Seiten erwiesen wurden,
nicht schlagender anzudeuten, als durch dies Geständniss. Der Tag
verging unter den mannigfachsten Beschäftigungen, die Abende brachte ich
gewöhnlich auf dem Landhaus irgend eines Freundes zu. Freilich fehlte es
auch nicht an allerlei kleinen Miseren, welche aber gegen die Freuden
des damaligen Lebens sehr zurücktraten. Eine dauernde Unbequemlichkeit
war die Schwierigkeit, einen guten Diener zu finden. Als ich in meinem
Häuschen die grossen Kisten geöffnet hatte und der Bediente den Inhalt
erblickte, schüttelte er bedenklich den Turban und sprach halb englisch,
halb malayisch: „Viel, viel Sachen, Herr, nehmt einen andern Diener, zu
viel Mühe!” und ging ab. Ich wagte nicht auszugehen, da das Haus nicht
verschliessbar war. Bald kam ein Platzregen, der durch das schadhafte
Dach drang und die ausgepackten Sachen durchnässte. Nach einigen Tagen
erbarmte sich meiner eine Dame und verschaffte mir ein wahres Muster von
Bedienten, der Alles allein zu machen versprach. Auch stattete sie mich
noch mit allerlei Gegenständen der Bequemlichkeit aus, um mir den
Aufenthalt in meiner neuen Wohnung angenehm zu machen. Als ich spät
Abends nach Hause kam, fand ich aber dasselbe offen, der Diener war
nicht da, weil er, wie er mir am andern Tage sagte, noch keine
Schlafmatte hatte. Um eine zu suchen, verbrachte er den grössten Theil
des zweiten Tages ohne Erfolg. Am dritten Tage kam er spät und brachte
noch einen Landsmann mit, der ihm helfen sollte; dieser schien ein
Literat zu sein, er las den ganzen Tag, deklamirte und schrieb;
verlangte ich etwas von ihm, so seufzte er und sprach: „much, much
trouble.” Nachmittags fand ich ihn in meiner Geldtasche wühlend und
entliess ihn. Den andern behielt ich noch 6 Tage, davon war er 2 Tage
krank, einmal musste er vor Gericht, ein andermal hatte er dringende
Geschäfte in Familienangelegenheiten. Nachdem ich in kurzer Zeit einige
Malayen und mehrere Klings gehabt, bekam ich einen berühmten, kleinen
Chinesen. Leider verstand er nicht malayisch und ich nicht chinesisch.
Er verstand überhaupt nichts, da er noch nicht gedient hatte, besass
aber grossen Eifer. Meine Schuhe putzte er nicht nur von aussen, sondern
auch von innen, und als ich ihm auftrug, meinen schwarzen Frack zu
reinigen, um darin bei einem amtlichen Diner des Guvernörs zu
erscheinen, wusch er ihn mit Seife und Wasser. Dadurch wurde der kleine
Bursche so berühmt. Seine angenehmste Eigenschaft aber war, dass er
immer lief, wenn ich „lakas” rief. Dies hatte für mich einen solchen
Reiz, nachdem ich mich so lange mit den faulen, mürrischen Klings
beholfen hatte, dass ich den armen Jungen fast nur in diesem schnellen
Tempo benutzte. Aber nach 6 Wochen war er's müde. Als auch er mich
verlassen hatte, blieb ich längere Zeit ohne alle Bedienung. Mein Haus
war eigentlich nur dem Scheine nach verschlossen, obgleich ich oft den
ganzen Tag und einen Theil der Nacht abwesend war. Auf meinem Balkon
hingen mehrere Thermometer ganz frei, mir ist aber nie etwas gestohlen
worden. Und doch stand das Haus auf einem Grundstück, das nur zum Theil
durch eine Hecke eingefasst war und an einer wenig frequenten, Abends
nicht beleuchteten Strasse lag. Den Grund weiss ich mir nicht zu
erklären.

Wenn aber auch ein hiesiger Diener den Anforderungen, die man in Europa
an einen solchen stellt, nicht entspricht, so kann man sich doch sehr
gute Bedienung verschaffen, wenn man für verschiedene Dienstleistungen
im Hause verschiedene Diener annimmt, was bei ihren bescheidenen
Ansprüchen nicht sehr theuer ist. Auch verlangt die Gerechtigkeit, zu
erwähnen, dass ich schliesslich einen vorzüglichen Diener bekam, treu,
anstellig, fleissig, bescheiden; zu meinem grossen Bedauern zog er sich
später in den Wäldern von Malacca ein Junglefieber zu, wodurch ich
gezwungen wurde, ihn in Singapore unter der Pflege eines Arztes
zurückzulassen.



Viertes Kapitel.

    Ueberblick der Stadt. -- Strassenleben. -- Reis. -- Chinesen. --
    Malayen. -- Malayische Sprache.


Die Stadt bildet ein Kreis-Segment, dessen Sehne, der Strand, von NO.
nach SW. streicht, während der nach NW. gerichtete Bogen im N. von
einem Kanal, in seinem weiteren Verlauf durch eine Reihe von Anhöhen
begrenzt wird. Gegen 20 dieser, im Durchschnitt 100 Fuss hohen Hügel
treten unmittelbar an den Rand der Stadt und schon beginnen die
Häuser, sich an den Abhängen in die Höhe zu ziehen. Jeder Gipfel
gewährt einige hübsche Bilder, die alle aus denselben, aber immer
anders gruppirten Elementen bestehen. Die schönste Rundsicht hat man
vom Government-hill, jetzt Fort Canning, das mitten in der Stadt
liegt. Hart an seinem Fuss fliesst der kleine Fluss, der die Stadt in
zwei Theile sondert. Die nördliche, räumlich grössere Abtheilung
enthält die meisten öffentlichen Gebäude, viele Wohnhäuser reicher
Kaufleute und Beamten, die noch unvollendete Kirche und die
Esplanade, einen schönen grossen Rasenplatz dicht am Meere, auf
welchem jeden Abend ein kleiner Korso und Cricket, das nationale
Ballspiel der Engländer, mehrere Male in der Woche auch Militärmusik
stattfindet. Auf der Südseite ist das Geschäftsleben konzentrirt.
Diese vertritt die „City”, jene das „Westend”; letzteres liegt aber
östlich. Dicht an seiner Mündung hat der Fluss nach Süden zu ein
quadratisches Stück Land von etwa 1000 Fuss Länge und Breite
angeschwemmt; Raffles, der Gründer der Stadt, hat die Trümmer eines
Hügels, der früher an der Mündung stand, darauf geschüttet. Es hängt
nur auf einer Seite mit dem Lande zusammen, zwei andre Seiten werden
vom Meere, die vierte vom Fluss gebildet. In diesem Viereck befinden
sich alle grösseren Geschäftshäuser und Speicher der Europäer sowohl,
als der Asiaten. Auf den dem Meere zugekehrten Seiten ragen
Landungsdämme ins Wasser, an welchen die Güter für die verschiedenen
Firmen unmittelbar in die daran stossenden Speicher gebracht werden.
In der Mitte des Vierecks liegt der Commercial square, der
Centralpunkt des Verkehrs für die Europäer, und vertritt fast die
Stelle einer Börse. Noch lebhafter aber ist das Gewimmel auf und an
dem kleinen Flusse: an seinen beiden Ufern liegt eine fast
ununterbrochene Reihe von Leichtern und andern kleinen Booten, welche
Waaren aus- und einladen, die von stämmigen chinesischen Kulis oder
durch Ochsenkarren weiter geschafft werden. In der Mitte bewegen sich
vom frühesten Morgen bis spät Abends dichte Züge ein- und
ausfahrender Lastboote aller Grössen.

[Illustration:

  MALAYIN (SINGAPORE)  CHINESIN (FU-TSCHAU)  CHINESE (OPIUMRAUCHER)
    BATTA (SUMATRA)      MALAYE (JOHORE)         BATTA (FRAU)
]

Die Rhede ist umschlossen von dichtbewaldeten Inseln, über die sich die
Kronen zahlreicher Palmen erheben. Gewöhnlich ist das Meer so ruhig, wie
ein Binnensee und bedeckt mit Schiffen aller Länder, zwischen denen
unzählige kleine Boote hin- und herfahren. Eine ganze Kette solcher
kleinen Eilande und Felsen liegt im Süden der Hauptinsel und setzt in
SO-Richtung den Umriss der Küste wie in einer punktirten Linie fort.
Die südlichste derselben, St. John, musste früher von allen grösseren
Fahrzeugen umschifft werden, bis man unmittelbar an der Südküste von
Singapore selbst eine Durchfahrt entdeckte, tief genug für die grössten
Schiffe. Sie wird im Süden von der Insel Blakang-mati begrenzt, welche
fleissige Bugis in ein Ananasfeld verwandelt haben, und bildet den
sogenannten neuen Hafen, New harbour, in dem jetzt die grössten
Dampfschiffe anlegen und ihre Kohlendepots haben. Es sind daselbst Docks
und Landungsbrücken errichtet, so dass die Schiffe unmittelbar am Lande
anlegen und löschen können, während in Singapore Alles durch Leichter
gelandet werden muss. New harbour hat aber so wenig Raum, dass er kaum
für die Bedürfnisse der Dampfschifffahrt ausreicht.[12]

Das bunte Treiben in den Strassen entspricht dem, was die Schiffe auf
der Rhede vermuthen liessen. Die Stadt ist der Sammelplatz aller Völker
des fernen Ostens. Weitaus überwiegend an Zahl und Bedeutung sind die
Chinesen. Dann folgen der Menge nach die Völker malayischer Rasse,
Bewohner des Archipels: Bugis, Javanen, Sundanesen, echte Malayen und
endlich die Klings, wie hier allgemein sämmtliche Bewohner
Vorder-Indiens ohne Unterschied genannt werden, obgleich das Wort, eine
Korruption von Telinga, ursprünglich nur die Eingebornen der Ostküste
der vorderindischen Halbinsel bezeichnet. Diese drei Völkerschaften
bilden die Hauptmasse; mehr vereinzelt erscheinen zwischen ihnen Araber,
Perser, Parsis, Armenier, Siamesen, Birmanen, Anamiten, Tagalen und
Juden in alttestamentarischer Tracht.

In allen Hauptstrassen der Stadt sind die Häuser im Erdgeschoss mit
fortlaufenden Bogengängen versehen, unter welchen man zwar Schutz gegen
die Sonne findet, aber nicht gegen die Zudringlichkeit der kleinen
Handelsleute, die hier als Geldwechsler, öffentliche Schreiber und
Krämer ihr Wesen treiben. Bei letzteren findet man oft das sonderbarste
Gemisch von Waaren, namentlich bei den Klings: neben europäischen Eisen-
und Kurzwaaren sieht man die verschiedensten Produkte des Archipels,
indische Medikamente, Hülsenfrüchte und mitten unter den
Nahrungsmitteln grosse Stücke Arsenik in offenen Schalen, das
namentlich nach Madras zum Einbalsamiren der Leichen, auch nach anderen
Häfen zum Präpariren der Häute geht. Eine andere in die Augen fallende
Waare, die man aber nur an den Thüren der Grosshändler trifft, sind
Kanonen von jedem Kaliber, für die immer ein guter Markt ist, da sich
hier sowohl die Seeräuber zum Angriff, als die friedlichen Kauffahrer
zur Vertheidigung ausrüsten.

Besonders auffallend im hiesigen Strassenleben ist die fast gänzliche
Abwesenheit der Frauen. Chinesen und Klings, die mit der Absicht kommen,
nachdem sie ein kleines Vermögen erworben, in ihr Vaterland
zurückzukehren, bringen keine Frauen mit, und ein grosser Theil der
Bevölkerung ist fluktuirend, kommt mit dem einen Monsun und kehrt mit
dem andern in die Heimath zurück, die Familie bleibt daheim. Von den
wenigen Frauen, die hier ansässig sind, werden die meisten, der Sitte
des Orients gemäss, im Hause gehalten. Nach den statistischen Berichten
ist das Verhältniss der Frauen zu den Männern ohnehin nur wie 1: 8, aber
auf der Strasse fehlen erstere fast ganz. Nie geht eine Frau neben ihrem
Mann, oder gar von ihm geführt, es könnte die Würde des Mannes
beeinträchtigen, ihn lächerlich machen. Die malayischen Familien gehen
gewöhnlich Einer hinter dem Andern, zuerst die Kinder, dann die Mutter,
dann der Vater und die Erwachsenen. Auch Männer gehen immer nur hinter
einander, der Vornehmste voran, die andern folgen genau nach ihrem
Range. Sie haben diese Gewohnheit wohl in der Heimath angenommen, wo nur
schmale Pfade durch den Wald führen, und befolgen sie hier auch auf den
breitesten Strassen. Derselbe Gebrauch ist unter den Indiern in Amerika
allgemein: daher der englische Ausdruck: Indian file. Manche können es
auch nicht unterlassen, wenn sie an Hecken vorbeigehen, einige Zweige
einzuknicken, wie sie es im Walde gewöhnt sind, zu thun, um den Rückweg
zu finden.

[Illustration:

   TELINGA. (BAYADERE.)       TELINGA.               JAVANE.
  BUGIS. (CELEBES.) MANN.    BALINESIN.      BUGIS. (CELEBES.) FRAU.
]

Den buntesten, interessantesten Anblick gewährt die Stadt wohl Abends
zwischen 8 und 10 Uhr. Die Strassen, in welchen die Geschäftshäuser der
europäischen Kaufleute liegen, sind dann öde und finster, aber in den
anderen Stadttheilen, besonders im Viertel der Chinesen, herrscht die
grösste Lebendigkeit. Hier sind alle Läden offen und mit grossen, bunten
Papierlaternen, die zugleich als Firmaschilder dienen, beleuchtet,[13]
alle Werkstätten in voller Thätigkeit. Längs der Häuser haben sich ganze
Reihen kleiner Geschäftsleute, Hausirer, besonders aber viele Garköche
mit ihren tragbaren Gestellen eingefunden, welche an dem einen Ende
eines Bambus die Küche, am andern sämmtliches Geschirr tragen.
Dazwischen wogt eine dichte Menschenmenge, die hier ihre Abendmahlzeit
kauft und meist gleich an Ort und Stelle verzehrt.

Die Chinesen bedienen sich zum Essen der bekannten kleinen Stäbchen;
alle andern hiesigen Asiaten essen mit den Fingern, zuweilen auf sehr
unappetitliche Weise. Noch unappetitlicher ist die Art, wie die Gäste
ihrem Wirth nach beendigter Mahlzeit ausdrücken, dass sie völlig satt
sind. Die Mehrzahl der hiesigen Bevölkerung lebt fast nur von Reis.
Viele geniessen kaum etwas anderes.[14] Fleisch und sonstige Zuspeisen
werden von den Aermeren nur in so geringer Menge dazu genossen, als bei
uns Pickles oder andre Reizmittel. Darauf sind auch die Garköche
eingerichtet; für ein paar Pfennige kann sich dort Jeder die kleinsten
Portionen seiner Lieblingsgerichte kaufen, die zuweilen auf römischen
Wagen, nicht grösser als eine Goldwage, abgewogen werden. Es sieht
drollig aus, wenn eine Anzahl chinesischer Kulis ihre Mahlzeit
einnehmen. Sie hocken um einen Eimer voll Reis, um welchen im Kreise
herum eine Anzahl pikanter Zuspeisen in kleinen Tassen stehen. Jeder
füllt sich eine geräumige Schale mit dem Nationalgericht, fasst seine
beiden Essstäbchen, die so dick wie Bleistifte und anderthalb mal so
lang sind, indem er sie mit Daumen und Mittelfinger gegen den
Zeigefinger presst, und schaufelt sich mit den beiden Enden, den Athem
dabei einziehend, eine grosse Anzahl Reiskörner zu, die einzeln, aber in
enggeschlossener Reihe, in den weit geöffneten Mund fliegen, um auf
einmal verschlungen zu werden; ab und zu holt er sich mit seinen
Stäbchen, indem er sie wie eine Zange gebraucht, ein Stück Fleisch oder
Fisch aus einer der Tassen, beisst ein wenig davon ab, legt den Rest in
seine Schale und schaufelt von neuem weiter. Es ist auffallend, wie die
hiesige chinesische Bevölkerung gesund und kräftig bleiben kann bei
einer Kost, die fast nur aus Stärkemehl besteht und an Stickstoffgehalt
selbst von der Kartoffel übertroffen wird, wenn man von dieser den 3/4
des Gewichts betragenden Wassergehalt ausser Rechnung lässt; die
chinesischen Lastträger, wenigstens die im Dienst der Europäer, essen
allerdings nicht unbedeutende Mengen Schweinefleisch.

Die Chinesen sind als sehr geschickte Köche bekannt; auch haben sie ein
grösseres Feld, als die unsrigen, da sie viele Dinge verwenden, die dem
Europäer als unrein gelten. Die von Max Müller (Science of language S.
346) nach Farrar erzählte Geschichte, welche ihm Veranlassung giebt,
eine der Annahmen über den Ursprung der Sprache als die Bau-Bautheorie
im Gegensatz zur Puh-Puhtheorie zu kennzeichnen, ist noch heute in China
unter den Europäern gang und gäbe. Ein Engländer nämlich, dem man eine
Schüssel vorgesetzt hatte, die ihm verdächtig schien und der wissen
wollte, ob es Ente sei, fragte: Quack-Quack? und erhielt die klare,
offene Antwort: Bau-Bau! Einige ihrer Leckerbissen sind für uns geradezu
Ekel erregend, z. B. faule oder angebrütete Eier, deren Schale etwas
geöffnet wird, damit der Käufer sehe, dass er nicht etwa getäuscht
werden und statt des begehrten ein frisches Ei erhalten solle.[15] Diese
Liebhaberei scheint aber doch nicht allgemein zu sein. Sie haben auch
ein Verfahren, Eier sehr lange frisch zu erhalten. Hier ist das Rezept:
2 Maas Asche, 1 Maas Salz mit Wasser zu einem Brei gemischt, mit dem die
aufzubewahrenden frischen Eier bedeckt werden.

Das chinesische Element tritt namentlich in einigen Theilen der Stadt so
sehr in den Vordergrund, dass man sich in China wähnen könnte. Alle
Handwerke, besonders solche, die Geschick und Ausdauer verlangen, werden
fast nur von Chinesen betrieben. Sie mögen wohl das fleissigste Volk auf
Erden sein, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht sieht man sie
arbeiten. Mit Ausnahme des Neujahrsfestes giebt es für sie keinen
Feiertag. Neben dem grossen Fleiss bilden auch Sparsamkeit und
Genügsamkeit sehr hervorragende Züge in ihrem Charakter. Ihr
Handwerkszeug, ihre Kleidung und ihre Nahrung sind von der einfachsten
Art, auch sind sie in fast allen ihren Genüssen sehr mässig; ihre
Tabakspfeife hat kaum die Grösse eines Fingerhuts, von einer Cigarre
rauchen sie gewöhnlich nur einige Züge hinter einander und heben den
Rest auf. Sie trinken fast nur dünnen Thee, der sehr billig ist, immer
ohne Milch und Zucker aus ganz kleinen Tässchen. Die reichsten Chinesen
gehen kaum besser gekleidet, als die armen; eine kurze, weite Hose, eine
baumwollene Jacke, und bei den Wohlhabenden Schuhe ohne Strümpfe, bilden
nebst Zopf und Fächer den ganzen Anzug.

Ein grosser Theil des Handels und der Schifffahrt ist in ihren Händen,
nur an dem direkten Handel nach Europa und Amerika bleiben sie bis jetzt
unbetheiligt.[16] Alles aber, was an Produkten des Archipels nach
Europa kommt, geht erst durch Vermittelung der Chinesen an die
europäischen Exportöre über, ebenso wie die meisten europäischen Waaren
erst durch ihre Hände zu den Eingebornen gelangen. Noch ehe ein
einheimisches Schiff Anker geworfen hat, ist schon ein Chinese an Bord,
der mit dem Patron Bekanntschaft macht, ihn während der ganzen Dauer
seines Aufenthalts nicht aus den Augen verliert, ihm Geld vorschiesst,
seine Schwächen erlauscht und ausbeutet und schliesslich Eigenthümer der
Ladung wird. Ich versuchte einige Male Muscheln oder Kuriositäten an
Bord neu angekommener Prauen zu kaufen, es gelang aber nie, da Alles
immer schon von Chinesen belegt war. Wollte ich aber von diesen einen
Gegenstand erwerben, so boten sie ihn entweder umsonst als Probe und
fragten, wie viel Pikul sie mir davon liefern sollten, oder verlangten
einen enormen Preis dafür, in der Meinung, dass der Gegenstand für mich
einen ganz besonderen Werth haben müsste.

Die Handwerke werden alle, wie schon erwähnt, in offenen Läden oder auf
der Gasse selbst betrieben, so dass man im Schlendern durch die Strassen
bequem zusehen kann. Am auffallendsten ist dabei der geringe Raum, der
dem Chinesen genügt, und die einfachen Werkzeuge, deren er sich bedient.
Unglaubliche Sparsamkeit an Zeit, Raum und Stoff, wie sie sich nur unter
einer so überdichten Bevölkerung, wie China sie besitzt, ausbilden
konnte, tritt Einem auf immer neue Weise vor Augen. In einem schmalen
Laden werden häufig zwei verschiedene Handwerke betrieben, auf der einen
Seite arbeitet ein Schneider mit einem Dutzend Gesellen, auf der andern
ein Schuster, jeder Einzelne nimmt kaum mehr Raum ein, als der Stuhl,
auf dem er hockt. Einzelne Handwerke weichen in ihren Manipulationen von
den unsrigen ab: die Zinngiesser giessen ihre Zinn- und Blei-Legirungen
auf dickes Bambuspapier, worauf es sich gleichmässig flach ausbreitet,
und benutzen die so erhaltenen dünnen Kuchen statt der gewalzten Tafeln,
die man bei uns anwendet. Noch viel dünnere Tafeln erhalten sie nach
Lockhart, indem der hockende Arbeiter mit geschickter Handbewegung je
einen Löffel voll geschmolzenen Metalls zwischen zwei auf dem Boden
liegende mit dergleichen Papier bezogene Steine schleudert, wobei er den
obersten Stein auf einen Augenblick mit den Fersen lüftet und gleich
wieder fallen lässt. Ein kleiner tragbarer Thonofen bringt zugleich die
Legirung in Fluss und erhitzt die Löthkolben. Die Drehbank besteht aus
einem rohen Gestell, in welchem horizontal eine um ihre Axe drehbare
Walze liegt. Um diese ist eine Schnur geschlungen, deren Enden an zwei
unten angebrachten Tretbrettern befestigt sind, durch welche die Walze,
wie bei uns das Rad eines Scheerenschleifers, in Bewegung gesetzt wird.
Ein Schwungrad ist nicht vorhanden. An dem, dem Arbeiter zugekehrten
Ende der Walze, das mit Harz überzogen ist, wird der zu drehende
Gegenstand, nachdem er vorher erwärmt worden, festgeklebt.

Manche Handwerke, die von Hausirern auf offener Strasse getrieben
werden, sind den Chinesen eigenthümlich. So werden zerbrochene Gläser
auf folgende Weise geflickt: Nachdem die Scherben aneinandergefügt sind,
bohrt man zu beiden Seiten des Sprunges paarweis feine Löcher, dann wird
ein feiner weicher Draht von der konvexen Seite durch ein Löcherpaar
gesteckt, an der anderen Seite fest angezogen und so abgeschnitten, dass
nur zwei kurze Enden hervorragen. Diese werden mit einem Hämmerchen
platt geschlagen, so dass dadurch zwei Nieten entstehen. Manche alte
Lampenglocken sind wohl mit 20 solcher kleinen Anker zusammengeflickt.
Man kann daraus auf den hohen Werth des Glases im Innern Chinas
schliessen. In Singapore verschwindet dieser Industriezweig immer mehr,
da hier das Glas fast so billig als in Europa ist.

Die interessanteste Strassen-Industrie ist das Flicken eiserner Pfannen;
diese Pfannen sind von sehr sprödem, dünnem Gusseisen und springen
leicht. Der chinesische Pfannenschmied schlägt erst zu beiden Seiten des
Sprunges einen dünnen Streifen Eisens ab, um die Oeffnung zu erweitern
und frischen Bruch zu erhalten, dann zündet er einen kleinen tragbaren
Kohlenofen aus feuerfestem Thon, 10 Zoll hoch, 6 Zoll Durchmesser, an,
stellt einen Schmelztiegel hinein, der einige Stückchen Eisen enthält,
und bläst an. Das Gebläse ist das Miniaturmodell eines Cylindergebläses;
jedoch noch einfacher in seiner Einrichtung, indem der Windbehälter
nicht zwei, sondern nur ein Ventil hat. Auch steht es nicht aufrecht,
sondern wird bei dem Gebrauche auf den Boden gelegt. In einem fusslangem
Bambusrohr von etwa 1-1/2 Zoll innerem Durchmesser bewegt sich als
Kolben eine am Rande mit Baumwollenwatte umgebene, an einem Stäbchen
befestigte Scheibe. In jeder Endfläche des Bambuscylinders ist eine sich
nach innen öffnende Klappe zum Eintritt der Luft angebracht. Während
durch die Bewegung des Kolbens die eine Klappe Luft einlässt, schliesst
sich die andere und umgekehrt. Die zusammengepresste Luft strömt
abwechselnd durch eins von zwei in der Wand des Bambus nahe den
Endflächen befindlichen Löchern in den Windkasten, einen hölzernen Trog
von vierseitigem Querschnitt, der mit seiner offenen Seite an dem
Bambusrohre luftdicht befestigt ist. Aus diesem Behälter entweicht die
Luft durch ein in der Mitte der dem Cylinder gegenüberliegenden Seite
befindliches Loch. An diesem nun ist ein trichterförmiges Blechrohr
befestigt, dessen Spitze in eine unter der Feuerung befindliche Oeffnung
gesteckt wird. Damit aber der Luftstrom ununterbrochen sei, was zum
Schmelzen des Eisens durchaus erforderlich ist, hängt in der Mitte des
Windkastens an der Bambuswand der Austrittsöffnung gerade gegenüber eine
zungenförmige, in den Trichter hineinragende Klappe, welche, durch den
komprimirten Luftstrom abwechselnd nach rechts oder links gestossen,
diesem den Ausgang öffnet und zugleich die Verbindung mit dem Raume
schliesst, in welchem die Luft verdünnt ist. Ist das Eisen in Fluss, so
schöpft der Arbeiter ein wenig davon auf einen mit Thon beschmierten,
mit Kohlenpulver bestäubten Lappen und drückt damit das Metall von unten
in die Spalte, indem er gleichzeitig mit der Basis eines walzenförmigen
Stückes Holzkohle auf die oben herausquellende Masse drückt, welche sich
fest anlegt, einen Theil der Spalte ausfüllt und oben und unten eine
dünne Ausbreitung bildet. Bei grösseren Sprüngen wird dann dasselbe
Verfahren so lange wiederholt und werden so viele eiserne Flicken
aneinander gereiht, bis der ganze Riss ausgefüllt ist.

Die chinesischen Einwanderer kommen fast ausschliesslich aus den beiden
südlichen Küsten-Provinzen Quang-tong und Fuh-kien und bestehen
grösstentheils aus dem elendesten Proletariat, auch sollen sich die
dortigen Behörden der Auswanderer-Schiffe bedienen, um ihre Krüppel und
Taugenichtse loszuwerden. Die Schiffe setzen sich während des NO.-Monsun
in Bewegung und treffen in Singapore frühestens um Neujahr ein. Bei der
Ankunft schuldet der Einwanderer fast immer die Ueberfahrt und
vermiethet sich auf ein Jahr ohne Lohn gegen Beköstigung und eine kleine
Geldunterstützung an einen schon ansässigen Chinesen. Dieser bezahlt
dafür die Ueberfahrt, deren Betrag mit dem Bedürfniss nach
Arbeitskräften steigt oder fällt. Ein solcher Einwanderer heisst Sinkay,
der freie Arbeiter dagegen Kuli. Nicht alle, die hier ankommen, bleiben
in Singapore, mehrere tausend landen hier jährlich auf ihrer Durchreise
nach anderen Ländern des Archipels. Die meisten kommen mit der Absicht,
nachdem sie ein kleines Kapital erübrigt, in ihre Heimath
zurückzukehren. Es scheint aber, dass dies nur der Minderzahl gelingt.
Sehr Viele ergeben sich dem Opiumgenuss und Spiel und gehen daran zu
Grunde. Einige bleiben auch im Archipel und verheirathen sich mit
eingebornen Frauen. Es giebt Familien hier, die schon seit Generationen
in europäischen Kolonien leben, grosses Ansehen und bedeutende
Reichthümer besitzen und im Verkehr mit den Europäern viele gute
Eigenschaften von diesen angenommen haben. Die Zahl der jährlich hier
ankommenden Chinesen beträgt jetzt schon weit über 10,000. Es ist aber
wahrscheinlich, dass die Auswanderung aus dem übervölkerten China sehr
zunehmen wird, da immer mehr die künstlichen Schranken fallen, welche
ihr einerseits von den chinesischen Behörden, andererseits von den
europäischen Kolonial-Regierungen entgegengestellt sind. Auch war von
China aus das Auswandern der Frauen streng verboten, wodurch die
Mehrzahl der Männer bewogen wurde, wieder in ihre Heimath
zurückzukehren. In neuester Zeit gehen aber viele Frauen sowohl nach
Kalifornien als nach dem Archipel, und wenn sie auch nicht zu den
respektabelsten gehören, so ist es doch immerhin ein Anfang. Die inneren
Unruhen in ihrem Vaterlande veranlassen seit Kurzem auch viele im
Archipel als Handwerker oder Kaufleute etablirte Chinesen, ihre Familien
nachkommen zu lassen. Noch zahlreicher sind die Einwanderungen
unabhängiger Frauen, die hier ein grosses Feld für ihre Thätigkeit
finden. Viele von ihnen werden auf Kosten der geheimen Gesellschaften
hergebracht, die den Einfluss derselben auf die Männer für ihre Zwecke
ausbeuten (im November 1863 kamen 72 in einem Schiffe an).

In den holländischen und spanischen Kolonien legt man den Chinesen
allerlei Hindernisse in den Weg, indem man ihre Anwesenheit nur an
einzelnen Lokalitäten gestattet, ihre Thätigkeit auf gewisse Gewerbe
beschränkt, sie hohen Steuern und einer lästigen Polizeiaufsicht
unterwirft: alles in der ausgesprochenen Absicht, die Eingebornen gegen
die Habsucht, Schlauheit, Gewissenlosigkeit der Chinesen zu schützen.
Trotz aller gesetzlichen Beschränkungen hat aber die Einwanderung der
Chinesen stetig zugenommen; in den Philippinen soll sie eine
beträchtliche Einnahmequelle derjenigen Beamten sein, von deren Ermessen
die Erlaubniss zum Verbleib im Lande abhängig ist. Jetzt scheinen beide
Regierungen zu einer freisinnigeren Politik übergehen zu wollen und es
ist daher zu erwarten, dass sich bald ein stets wachsender Strom von
Arbeitskräften aus China über die Inseln ergiessen und die grossen
Hülfsquellen erschliessen wird, die jetzt in den spanischen Kolonien
fast ganz schlummern und in den holländischen nur sehr unvollkommen
ausgebeutet werden. Für das chinesische Proletariat wird der Archipel
daher wohl bald eine noch grössere Bedeutung erhalten, als Amerika für
das europäische. Die Länder der einheimischen Fürsten kommen immer mehr
und mehr unter den Einfluss der europäischen Regierungen, wodurch die
Sicherheit für Person und Eigenthum zunimmt, deren Mangel bisher auch
ein grosses Hinderniss für die Ausbreitung der Chinesen war. Bis jetzt
werden noch viele im Gebiet malayischer Fürsten liegende Zinngruben von
Malacca aus betrieben.

In den englischen Niederlassungen der Meerenge ist die Einwanderung
der Chinesen immer begünstigt worden. Sie geniessen dort Ansehen und
Freiheit und Sicherheit gegen Erpressungen, wie wohl in keinem anderen
Lande der Welt. Dass aus dieser unbeschränkten Freiheit der Kolonie
ernste Gefahren erwachsen könnten, ist kaum zu befürchten, da in einem
solchen Falle sich Alles gegen die Chinesen verbinden würde.
Bedeutende Störungen haben sie freilich schon oft veranlasst; sie
bilden einen Staat im Staate; fast Alle gehören geheimen
Gesellschaften an, gegen deren Thätigkeit die Regierung nichts vermag.
In Bezug auf diese Gesellschaften sagt der Guvernör in seinem
amtlichen Berichte 1858-59: „Ein anderes grosses Hinderniss bei
Entdeckung schwerer Verbrechen sind die chinesischen Hoeys, oder
geheimen Gesellschaften.... Es ist kein Zweifel, dass diese
Gesellschaften sich dazu hergeben, den Gang der Gerechtigkeit zu
hemmen. Man nimmt allgemein an, dass sie den Ehrgeiz haben, alle
Kriminalfälle unter ihren Landsleuten vor ihr eigenes Tribunal zu
ziehen. In Civilsachen wird ihre Schlichtung von Streitigkeiten eher
günstig als anders aufgenommen, und nach ihrer Auffassung sind ihre
Ansprüche, Kriminalfälle zu entscheiden, ebenso wohl begründet. Dass
dergleichen Tribunale bestehen, unterliegt keinem Zweifel, und es ist
zu befürchten; dass, um dieselben aufrecht zu erhalten und zu
verhindern, dass man sich an unsere Gerichtshöfe wende, sowie auch, um
die Wirksamkeit der letzteren zu lähmen, die Chinesen kein Bedenken
tragen, zu den gewaltsamsten Maassregeln zu greifen. Mord und
Menschenraub sollen häufig vorkommen, um lästige Zeugen zu beseitigen,
vielleicht aber ist einige Uebertreibung in der angeblichen Häufigkeit
dieser Verbrechen.” Schliesslich zweifelt der Guvernör an der
Möglichkeit, diese Gesellschaften auf dem Wege des Gesetzes
auszurotten und glaubt, dass alle Verordnungen dagegen nur den Zweck
haben würden, die Gesellschaften noch vorsichtiger zu machen und ihren
Widerstand zu verstärken.

Ich führe aus den Artikeln der einen geheimen Gesellschaft zur Probe
zwei Paragraphen an (das Original-Dokument wurde von der Polizei in
Beschlag genommen und befindet sich gegenwärtig in der Berliner
Bibliothek): „§ 4. Vom Augenblick des Eintritts in die Brüderschaft
Hung müssen alle Brüder bei jeder Gelegenheit, wo die Brüderschaft
sich gegen die Regierung erhebt, und die Soldaten ihr Widerstand
entgegensetzen, nach ihren äussersten Kräften Hülfe leisten; sie
müssen sich bemühen, alle Gefangenen, die gemacht wurden, zu befreien,
und dürfen nichts thun, was ihrer Flucht hinderlich sein könnte. Mögen
Alle, die anders handeln, binnen eines Monats sterben, vom Blitz
getroffen, und ihre Gliedmaassen zerstreut werden.

§ 5. Vom Augenblick des Eintritts in die Brüderschaft Hung darf Keiner
gegen Bestechung Emissäre der Regierung führen, um andere Brüder
gefangen zu nehmen. Sollten Habsüchtige oder lasterhaft Gesinnte also
handeln, so mögen sie umkommen innerhalb eines Monats unter 10,000
Schwertern. Werden sie aber entdeckt, so sollen sie sicherlich von den
Brüdern erschlagen werden.”

Ausser diesen Hoeys, die von China übergesiedelt und zum Theil sehr alt
sind, werden auch fortwährend geheime Gesellschaften zu besonderen
Zwecken, namentlich zur Erhöhung der Löhne, gebildet. Ist einmal ein
Europäer von einer solchen Gesellschaft in die Acht erklärt, so kann er
keinen chinesischen Bedienten bekommen, kein Handwerker arbeitet mehr
für ihn. Zwischen den verschiedenen Gesellschaften bestehen alte Fehden,
die schon häufig zu blutigen Strassenkämpfen Veranlassung gaben,
namentlich im Jahre 1854; aber auch in der allerneuesten Zeit scheinen
dergleichen wieder in grösserem Massstabe stattgefunden zu haben, wie
aus einem interessanten Artikel der Overland Straits Times vom 21.
November 1863 hervorgeht: „Die unaufhörlichen Unruhen und Fehden der
Chinesen, die oft in Strassenkämpfe ausarten, haben ihren Ursprung in
dem gegenseitigen Hass der verschiedenen geheimen Gesellschaften, mehr
noch in dem Hass der verschiedenen Faktionen oder Clans, in welche die
Chinesen gespalten sind. Es scheint, dass die Chinesen weniger
Individualität besitzen, als irgend ein anderes Volk; sich, wie schwache
Thiere, erst in Heerden wohl fühlen, und von jeher das Bedürfniss
fühlten, sich auf diese Weise zu schaaren. In China aber bewegt sich
jede Heerde auf ihrem eigenen Gebiet, während hier Mitglieder der
verschiedensten Verbindungen nur ein gemeinschaftliches Gebiet haben und
daher häufig in Kollision kommen. In den holländischen Kolonien ist in
jedem District, wo über 100 Chinesen wohnen, einer der Angesehensten
von Amtswegen als Hauptmann angestellt, der mit anderen unter ihm
Stehenden, auch amtlich ernannten Gehülfen die chinesische Bevölkerung
in Ordnung zu halten hat und bis zu einem gewissen Grade für sie
verantwortlich ist.”

In neuester Zeit hat man sich in Singapore damit geholfen, die
vornehmsten Chinesen nach englischer Sitte zu Spezial-Konstablern zu
machen, eine Massregel, die den besten Erfolg gehabt hat. Man
beabsichtigt, künftig bei Unruhen die angesehensten Chinesen, welche
gewöhnlich die höchsten Aemter in den Gesellschaften bekleiden, nicht
eher als Konstabler zu entlassen, bis die Unruhen völlig gedämpft sind.

Bisher blieben diese Kämpfe lediglich auf die Chinesen selbst
beschränkt, natürlich nicht ohne grosse Störungen der öffentlichen
Ruhe. Erwägt man übrigens, dass die hiesige chinesische Bevölkerung
nur aus den untersten Klassen und zum Theil aus dem Auswurf der
südlichen Küstenprovinzen Chinas hervorgegangen ist, dass ihnen die
Frauen, und also die Mittel zur Begründung einer Familie, gänzlich
fehlen, dass auch nicht die Spur einer Polizeikontrolle besteht, so
kann man sich nur wundern, dass so selten ernstliche Unruhen
vorkommen. Der Grund liegt gewiss in der Leichtigkeit des Erwerbes und
in dem „Selfgovernment”, das sich unter so freien Institutionen, an
deren Erhaltung Alle ein gleiches Interesse haben, nothwendig
entwickeln muss.

Einige Chinesen haben sich grosse Reichthümer erworben und gehören zu
den geachtetsten Bürgern der Stadt; manche haben bedeutende Summen zu
öffentlichen Zwecken geschenkt. Einer der hervorragendsten unter ihnen
ist Tan-kim-tsching. Sein Haus in der Stadt ist ein so schönes Beispiel
chinesischer Bauart, dass eine kurze Beschreibung von Interesse sein
dürfte. Durch eine kunstvolle Thür in durchbrochener Arbeit tritt man in
die Vorhalle. An der rechten, wie an der linken Wand derselben steht
eine ununterbrochene Reihe geschnitzter Stühle und Tische, je zwei
Stühle und ein kleiner Tisch aus demselben Holz. Die Tische sind höher
und schmäler als die Stühle, haben aber dieselbe Tiefe, so dass die
ganze Reihe wie aus einem Guss erscheint. Durch diese Anordnung hat
jeder Gast zur Rechten oder Linken die Hälfte eines Tischchens zur
Verfügung, um den Arm aufzulegen oder seine Theetasse abzusetzen. Die
Einrichtung ist so hübsch und zweckmässig, dass sie Nachahmung verdient.
Da hier zu Lande ein harter, kühler Sitz angenehmer ist als ein warmes
Polster, so sind die Böden der Stühle gewöhnlich aus Holz oder
spanischem Rohr gefertigt. In diesem Hause aber bestehen sie aus
eigenthümlichen Steinplatten, einer Art Kalkstein, vom Ansehen des
Florentiner Ruinenmarmors,[17] dem aber die Kunst nachgeholfen, indem
sie durch gewisse Beizen an passenden Stellen Infiltrationen erzeugt
hat. Bei einigen Platten ist die von der Natur gelieferte Zeichnung sehr
geschickt benutzt und durch Hinzufügung einiger Striche und Drucke ein
ganz nettes Bildchen zu Stande gebracht worden, während man bei andern
Platten im Nachhelfen zu weit gegangen, so dass sich sogleich die Hand
des Menschen verräth. Diese Platten sollen aus Yünan und Szechuen
kommen, die Kunst, sie zu fertigen, ist aber jetzt verloren gegangen; so
erfuhr ich wenigstens später in Kanton auf vielfache Nachfrage.
Vielleicht steht ihre Wiedergeburt in Europa durch Anwendung der
Kuhlmannschen Entdeckungen bevor. Die Hinterwand der Vorhalle besteht
aus reich geschnitzter, durchbrochener Holzarbeit mit Perlmutter
eingelegt; sie wird durch zwei bis zur Decke reichende Pforten in drei
Theile getheilt. Dahinter befindet sich ein Zimmer in demselben Stil,
aber reicher dekorirt und möblirt: statt der Hinterwand ist nur eine
Reihe zierlicher Säulen, durch welche man in den mit Fliesen belegten
Hof tritt. Zu beiden Seiten desselben bildet ein vorspringendes Dach
einen gegen den Regen geschützten Gang. Am gegenüberliegenden Ende des
Hofes befindet sich die Wohnung der Frauen, Fremden nicht zugänglich. In
den vier Ecken des Hofes sind Regengossen aus gebranntem Thon
angebracht, grosse Bambusen in Form und Farbe täuschend darstellend. An
ihrem unteren Ende lehnen sich schön modellirte Nelumbium-Blätter und
Blüthen aus demselben Material gegen die Wände, und wurzeln scheinbar in
den grossen Kübeln, die das Regenwasser aufnehmen. Aus gebranntem Thon
bilden die Chinesen auch sehr schöne Reliefs, die sie mit den reichsten
Farben verzieren. Die Figuren sind zwar für unsern Geschmack zu barok,
aber ihre Nachbildungen von Pflanzen, Vögeln u. s. w. sind meisterhaft,
naturgetreu und mit vollendeter Technik ausgeführt. Sie werden zur
Verzierung der Wände, Thüren, Dächer und Giebel verwendet; auch der Hof,
dessen Wände einfach grau gestrichen und mit einer rothen Borte
eingefasst waren, enthielt eine Anzahl solcher Reliefs; ein ganzer Fries
davon lief unter dem Dach entlang.

Für Dekorationen und Kostüme zeigen die Chinesen viel Geschmack, ihre
Theatergewänder sind prachtvoll. Eine der schönsten Prozessionen, die
mir je vorgekommen, sah ich in Singapore bei Gelegenheit einer
Feierlichkeit, in welcher gewisse Götzenbilder aus einem Tempel in der
Stadt wieder nach einem Tempel vor der Stadt, ihrem gewöhnlichen
Aufenthalte, zurückgebracht wurden. Den Glanzpunkt bildeten die Kinder
reicher Eltern in Gewändern alter mythischer Helden, zum Theil zu
Pferde, von vielen Dienern begleitet. Noch reicher und origineller waren
einzelne Gruppen auf niedrigen Rollwagen, welche letztere aber durch die
Dekoration so geschickt verhüllt waren, dass man einen grossen,
künstlichen Felsen vor sich zu haben glaubte. Auf dem Felsen wuchsen
prachtvolle, phantastische Blumen, und in dem Kelche oder auf dem
äussersten Zweige sass, wie eine Elfe, ein ganz kleines, reich und
sonderbar gekleidetes Mädchen, mit einem Fächer oder einer Blume in der
Hand. Andere Felsen trugen Sträucher oder Rohr, über welchen ein Reiher
oder grosser Raubvogel schwebte, und auf dem Vogel ritt oder stand ein
ganz junger Knabe. Auf alten chinesischen Vasen sieht man wohl
dergleichen Figuren, die uns wegen ihrer Abenteuerlichkeit für eine
Verirrung der Phantasie des Malers gelten. Hier sah man alle diese
Bilder leibhaftig vor sich. Dass Drachen und Ungeheuer aller Art nicht
fehlten, versteht sich von selbst. Jede dieser Hauptgruppen war von
einem langen Zug von Kulis begleitet, die von den Reichen zu diesem
Zweck gemiethet und in schöne Livreen gesteckt werden. In den Händen
trugen sie Fahnen, Laternen, Sonnenschirme, meist von schwerer Seide,
mit reicher Stickerei, und an den Füssen Schuhe und Strümpfe, was einen
besonders feierlichen Eindruck machte, da sie sonst immer barfuss, oder
wenigstens ohne Strümpfe, gehen. Abends ging ich mit einem Freunde durch
das Chinesen-Viertel, das aber nicht illuminirt war, wie wir erwartet
hatten. In einem grossen Speicher, gedrängt voll von Zuschauern, wurde
ein Schattenspiel aufgeführt. Der Puppenspieler sang mit näselnder
Fistelstimme hinter dem aufgespannten Laken, auf welchem sich der
Schatten einer Chinesin lebhaft bewegte. Das Publikum bildete den Chor.
Die Bühne stellte ein Zimmer mit einem grossen Bett dar. Ein Anwesender
erklärte uns das Stück: Der alte Ehemann der Dame ist verreist, ihr
junger Freund, den sie von ganzem Herzen liebt, ist ins Haus
gedrungen.... Wir warteten das Ende des Stücks nicht ab, obgleich unser
Dolmetscher uns versicherte, das Beste käme noch.

Ein anderes Mal sah ich eine chinesische Leichenfeier. Vor dem Hause des
Verstorbenen stand ein gedeckter Tisch, auf welchem verzierte Gerichte
aufgestellt waren, daneben erklang rauschende Musik. Nachdem der Sarg
auf Böcke gestellt worden, führte man die Kinder des Verstorbenen
heraus, einen Knaben und zwei Mädchen. Sie waren in Sackleinen
gekleidet, ganz verhüllt; der Zopf war aufgelöst, zwischen dem losen
Haar hingen Baststreifen herunter. Nachdem die Mädchen eine Zeit lang am
Sarge geweint, gingen sie in das Haus zurück. Der Knabe legte sich mit
untergezogenen Beinen flach auf den Boden, wie ein Schwimmender, und
blieb so, mit dem Gesicht die Erde berührend, während der ganzen Dauer
der Feierlichkeit liegen. Ein Mann trat nun an den Tisch und opferte,
unter verstärkten Gongschlägen, dem Geist des Todten, indem er dabei
abwechselnd kniete und sich mit weit ausgestreckten Armen erhob. Der
Sarg war inzwischen mit einem bunten, seidenen Tuch bedeckt und mit
Blumen bestreut worden. Zum Schluss wurde den Göttern zu Ehren eine
grosse Menge Goldpapier verbrannt. Aber die verschmitzten Chinesen
machen sich kein Gewissen daraus, selbst ihre Götter zu betrügen; nur
das erste Päckchen, dessen Blätter mit Ostentation einzeln ins Feuer
geworfen wurden, bestand durchweg aus Goldpapier; bei den übrigen
Päckchen, die ungeöffnet verbrannt wurden, war nur das oberste Blättchen
vergoldet, das Uebrige gemeines Packpapier. Der Sarg wurde dann von
Kulis auf die Schultern genommen und nach dem Kirchhof getragen. Die
Musik schritt voran, neben dem Sarge gingen die Hausgenossen, es folgte
ein grosser Haufe gemeinen Volks. Die Chinesen halten sehr viel auf ihre
Gräber und legen dieselben oft schon bei Lebzeiten an, zuweilen mit
grossen Kosten. Der katholische Provikar erzählte mir, dass ein Chinese,
der zur Zeit, wo das Hasardspiel noch erlaubt war, als Spielpächter viel
Geld erworben, sich bei Lebzeiten einen kostbaren Sarg verfertigen und
ganz mit Dollars ausfüttern liess. Als vorsichtiger Mann hinterliess er
eine Stiftung zur Besoldung von vier Grabwächtern, aber bald nach seiner
Beerdigung kam eine Schaar Kulis, vertrieb die Wächter, warf den
Leichnam aus dem Sarge und theilte sich in die Beute. Die
Todtenverehrung ist für Viele die einzige religiöse Uebung; sie hängt
unmittelbar mit der grossen Ehrfurcht zusammen, welche die Kinder ihren
Eltern erweisen.

Das Familienleben, soweit man es zu sehen bekommt, d. h. das Verhältniss
zwischen Vater und Kindern, bildet einen der angenehmsten Züge im
Charakter dieses so selbstsüchtigen Volkes.

       *       *       *       *       *

Die Malayen, obwohl sie hier zu Hause sind, nehmen nur eine
untergeordnete Stellung ein. Unter den Armeniern, Persern, Arabern,
Juden und Vorderindiern sind viele grosse Kaufleute von beträchtlichem
Reichthum; die Malayen bleiben arm, sie haben weder Geschick zu
Gewerben noch zum Handel, und stehen hier an Fleiss, Ausdauer und
Umsicht den übrigen Asiaten nach. Ihnen haften mehr die ritterlichen
Tugenden und Untugenden an. Im Verhältniss zu den Andern sind sie stolz,
zurückhaltend, verschlossen, gleichgültig, ernst, fast traurig, bei
guter Behandlung aber anhänglicher, zuverlässiger, gegen Beleidigungen
empfindlicher. Im Verkehr unter einander sind sie sehr rücksichtsvoll,
sie gebrauchen keine Schimpfwörter; „orang tjelaki, Unglücklicher!”
vertritt deren Stelle. Sie lügen auch weniger als die Anderen. Während
die Handlungen des Chinesen nur durch Eigennutz, niemals durch Ehrgefühl
bestimmt zu werden scheinen, ist bei dem Malayen mit Geld oft nichts
auszurichten. Liegt er nach genossener Mahlzeit auf seiner Matte
hingestreckt, so ist es schwer, ihn durch Geldanerbietungen zum
Aufstehen zu bewegen.

Die Farbe der Malayen ist gelbbraun, bei den Vornehmen heller, bei
denen, die viel im Freien sind, dunkler. Ihr Kopfhaar ist schwarz,
schlicht, drähtig; sonst sind sie fast unbehaart. Sie sind klein,
wohlgebaut, haben zierliche Hände; ihr Gesicht ist breit, flach; die
kleine Nase hat breite Flügel, der Mund ist gross, die Lippen sind nicht
aufgeworfen, ragen aber fast so weit vor, als die Nase.

Die Malayen sind überwiegend eine seefahrende Nation; ein Theil
derselben, die Orang-laut, Seemenschen, auch Seezigeuner genannt, leben
auf Kähnen vom Einsammeln von Agar-agar, Trepang (essbare Holothurien),
Muscheln und Schildkröten, vom Fischfang, Tauschhandel und Raub; auch
die Angesessenen schlagen ihre Wohnsitze am liebsten an oder in
Flussmündungen auf. Zwei Vorstädte Singapores, Kampong-Malacca und
Rochor, jene von Malayen, diese von Bugis bewohnt, können als Beispiele
dienen. Die Häuser stehen auf Pfählen im Wasser oder am sumpfigen Ufer,
der Fussboden besteht aus Latten von Bambus oder Nibong (Caryota urens)
mit Zwischenräumen, durch welche aller Unrath entfernt wird. Die Wände
sind aus gespaltenen Bambusen, Matten oder Palmenblättern, die Dächer
aus Atap. Vor den Häusern läuft ein Steg hin, schwankend, elastisch,
voll Lücken. Bei Ebbe steht das ganze Dorf im Schlamm, die Kinder waten
darin herum, suchen Muscheln, Krabben und Würmer als Köder für die
Angeln und holen aus den Reusen die Fische, die bei der zurücktretenden
Fluth hineingeriethen. Während der Fluth steht Alles unter Wasser, dann
fahren kleine Kähne hin und her, einige kaum gross genug, um einen
kleinen Jungen zu tragen, der ganz nackt in der Spitze hockt und sich
mit den Händen fortplätschert, so dass er fast wie eine Seejungfer
aussieht. Alt und Jung angelt dann unter dem Sonnendach, vor der
Hausthür liegend.

[Illustration: ROCHOR SINGAPORE]

Die in Singapore ansässigen Malayen sind grösstentheils Bootsleute,
Fischer, Sammler von Muscheln, Korallen, Agar-agar und Waldprodukten.
Sie decken die Häuser mit Atap, flechten Körbe und Matten und verrichten
viele untergeordnete Geschäfte, auch als Gärtner werden sie von
Europäern den hiesigen Klings und Chinesen vorgezogen. Als Diener sind
sie fauler und weniger anstellig, aber treuer und bescheidener als jene.

Das wesentliche Kleidungsstück für beide Geschlechter ist der Sarong,
ein baumwollenes Tuch von der Grösse eines Plaid, aber etwas breiter,
dessen beide kürzere Ränder übereinandergelegt und zusammengenäht
werden, so dass eine Art Unterrock entsteht, der vorn in Falten
zusammengenommen und mittelst eines Knotens, seltener durch einen
Gürtel, um die Hüften befestigt wird. Die Männer tragen oft unter dem
Sarong, der dann höher aufgeschürzt ist, eine bis zur Wade reichende
Hose, fast immer ein Kopftuch und zuweilen eine Jacke. Die Frauen ziehen
über den bis an die Knöchel reichenden Sarong einen Kattunrock, der,
vorn offen, nur durch ein Paar Knöpfe zusammengehalten wird und bis ans
Knie reicht. Im Hause und auf dem Felde tragen beide Geschlechter nur
den Sarong; Nachts hüllen sie sich darin ein zum Schlafen; sie baden
sogar darin; nach dem Bade wird er gegen einen reinen vertauscht und
gewaschen; so legt selbst derjenige, der nur zwei Sarongs besitzt,
täglich frische Wäsche an.

In Singapore ist das Tragen von Waffen verboten, sonst aber sieht man
nie einen Malayen ohne Kris oder Waldmesser; die Waffe gehört zum Anzuge
und ist bei der Unsicherheit der Person in den Malayenländern wohl kaum
zu entbehren. Die Frauen gehen meist im blossen Kopf, sie haben üppiges,
schwarzes Haar, schön von Ansehen, aber hässlich anzufühlen, da es
drähtig ist und dick wie Pferdehaar. Die kleinen Kinder gehen meist ganz
nackt, doch tragen kleine Mädchen zuweilen ein silbernes Feigenblatt,
wie unsere Statuen. Zum Putz gehören bei den Frauen gestickte
Pantoffeln, goldene Haarnadeln, Ringe; zu dem der Männer Sandalen. Auf
längeren Wegen legen auch die Lastträger Sandalen von Büffelleder an,
sonst geht gewöhnlich Alles barfuss.

Einen der widerwärtigsten Eindrücke habe ich von einem Besuch bei dem
Sultan von Johore behalten. Er ist der Sohn des Tuanko-Long, der
Singapore an die Engländer abgetreten. Sein Palast, von seinem Vater
aufgeführt, ist ein grosses, steinernes Haus, von aussen ganz
stattlich, aber unbewohnt und in raschem Verfall begriffen. Der von
einer steinernen Mauer umgebene Hof ist wüst und schmutzig; auf einer
Seite desselben befand sich ein langes, niedriges, hölzernes Gebäude mit
weit vorspringendem Dach aus Palmenblättern, das dem Sultan und seinem
Hofstaat zur Wohnung dient. Nachdem ich ein Empfehlungsschreiben des
Guvernörs vorgezeigt, wurde ich vor einen verschlossenen Fensterladen
geführt, vor dem eine hölzerne Bank stand, auf der ich Platz nahm. Es
dauerte einige Zeit, bis der Laden geöffnet wurde; nun erblickte ich den
Sultan, einen noch jungen, sehr fetten Mann. Auf dem Kopf trug er eine
schmutzige Mütze, um den Unterleib ein Tuch, sonst war er völlig nackt.
Er schien eben aus dem Schlaf zu erwachen und lag auf einer Matte. Auf
drei Seiten seines Stalles hingen schmutzige Kattun-Gardinen, um ihn
kauerten einige gräuliche, alte Weiber. Er brauchte fast eine
Viertelstunde, um die wenigen Zeilen des Briefes zu lesen. Dann stierte
er mich mit idiotischem Lächeln an, gähnte und rollte sich auf ein
Kissen. Essen, Schlafen und Opiumrauchen sollen seine einzigen
Beschäftigungen sein. Der ganze Auftritt erinnerte an die
Schaustellungen von fetten Schweinen oder Riesinnen auf Jahrmärkten. In
Folge der gänzlichen Unfähigkeit des Sultans übertrugen die Engländer
willkürlich die Souveränität von Johor auf den Tumongong, einen sehr
fähigen Malayen, der durch den Rath von Europäern geleitet, eine
geordnete Verwaltung dort eingeführt hat und bedeutende Einkünfte
bezieht.

Die allgemeine Verkehrssprache hier sowohl, als in allen Küstenstädten
des Archipels, ist die malayische, die sich zu dem Zweck sehr eignet
durch leichte Aussprache, einfache Satzbildung, grosse Wortarmuth und
Unveränderlichkeit der Wörter. Die Sprache ist wohlklingender als alle
europäischen Sprachen, italienisch nicht ausgenommen, die Satzbildung
erinnert an die Sprache der Kinder; es giebt weder Deklinationen, noch
Konjugationen, die Wörter erfahren gar keine Beugung durch Veränderung
ihres Stammes oder durch Affixe. Während in unsern Sprachen die
Partikeln meist zu einsilbigen Wörtern oder zu blossen Buchstaben
eingeschrumpft sind, an denen die ursprüngliche Bedeutung längst nicht
mehr erkennbar ist, werden im Malayischen fast immer noch die Stämme
unverkürzt als Formwörter gebraucht. Max Müller (Science of lang. 279)
vergleicht den Unterschied zwischen den arischen Sprachen, welchen fast
alle in Europa gesprochenen angehören, und den turanischen, zu denen das
Malayische gezählt werden muss, mit dem zwischen einer guten und einer
schlechten Mosaik. Die arischen Wörter scheinen aus einem Guss, die
turanischen zeigen deutlich die Stellen, wo sie zusammengesetzt sind. Er
hebt hervor, weshalb die turanischen Sprachen auf dieser Stufe der
Entwickelung stehen geblieben: sie werden nämlich fast nur von Nomaden
gesprochen, die keine Literatur besitzen, wenig Verkehr mit einander
treiben, und so war es durchaus nothwendig, dass die Stammwörter ihr
deutliches Gepräge behielten und nicht durch phonetische Korruption
unkenntlich wurden.

Oft kommt im Malayischen dasselbe Wort unverändert als Hauptwort,
Zeitwort oder Formwort vor, aber auch da, wo die Sprache für das
Wurzelwort eine Vor- oder Nachsilbe verlangt, entzieht sich das hiesige
Publikum dieser geringen Mühe und braucht den Stamm meist unverändert in
den verschiedenen Redetheilen, wie es im Chinesischen geschieht. Diese
Neuerung muss wohl der überwiegend chinesischen Bevölkerung
zugeschrieben werden. Unter solchen Umständen sind geschlossene
Konstruktionen und schwierige Perioden gar nicht möglich. Man zerlegt,
was man zu sagen hat, in ganz kurze Sätze und darf sich häufige
Wiederholungen nicht verdriessen lassen. Während in unseren Sprachen
nicht nur für jeden spezifischen Begriff, sondern auch für die
Schattirungen desselben besondere Wörter vorhanden sind, hat die
malayische Sprache oft für eine ganze Gattung von Begriffen nur ein
Wort. So gering der malayische Wortschatz an und für sich aber auch ist,
so kursirt doch nur ein Bruchtheil desselben als Verkehrsmünze in
Singapore. Und wie wenig besitzen die Meisten selbst von dieser! Es ist
wunderbar, wie geringe sprachliche Mittel den Bedürfnissen eines so
grossartigen Handels genügen. Einige Beispiele für das Gesagte dürften
nicht ohne Interesse sein.

_Suda_: schon oder, _abis_: fertig, vollendet, drückt das Präteritum,
_nanti_: warten, oder _mau_: wollen, das Futurum aus, _di_ bezeichnet
das Passivum, z.B. _makan_: essen, _di makan_: gefressen werden; _tuwan
suda makan_: der Herr hat gegessen, _tuwan nanti makan_: der Herr wird
essen; _suda_: geschehen! antwortet der Bediente, wenn man ihm etwas
befiehlt; _suda!_ schreit auch der kleine Junge, wenn er Schläge
bekommt, und wünscht, dass die Gegenwart zur Vergangenheit werde; _makan
nassi_: Reis essen, überhaupt zu Mittag essen; _api makan ruma_: das
Feuer verzehrt das Haus; _angin makan layer_: der Wind bläht die Segel;
_piso makan kayu_: das Messer schneidet Holz; _saratu makan lima_: 100
frisst 5, d. h. 5% Zinsen; so frisst das Löschpapier Dinte, der Bediente
Lohn, der Kummer das Herz, und schliesslich _orang-puti makan angin_:
weisse Männer fressen Wind, d. h. gehen spazieren (den Malayen war
dieser Gebrauch so neu, dass sie erst einen Ausdruck dafür erfinden
mussten).

Unter den aus zwei Wörtern zusammengesetzten Begriffen kommen einige
hübsche Verbindungen vor: _mata_: Auge, _ayer_: Wasser, _mata-ayer_:
Brunnen, _ayer-mata_: Thräne, _mata-hari_: Sonne (das Auge des Tages),
_hidop_: leben, _mata-hari-hidop_: Osten, Sonnenaufgang; _mati_: todt,
_mata-hari-mati_: Westen, Sonnenuntergang, auch _mata-hari-djato_: das
Auge des Tages gefallen, versunken; _djalan_: gehen, Weg, Reise;
_mata-djalan_: Vortrab, Späher; _mata-kaki_: der Fussknöchel;
_mata-mata_ (Augen, Augen): der Spion, der Aufseher, der Polizist;
_besi_: Eisen, _brani_: tapfer, unternehmend, _besi-brani_: der Magnet;
_anak_: Kind, _anak-kontji_: Schlosseskind, Schlüssel; _anak-ayer_:
Bach, _anak-dayong_ (Ruder-Kind): der Ruderer; _anak-prau_: Schiffer;
_anak-duit_ (duit kommt vom holländischen deut und heisst Geld): Kind des
Geldes, Rente; _anak-songej_ (Fluss-Kind): Flussarm und viele Andere.
So sagt man Kuhkind für Kalb, Mannkind für Knabe, Fraukind für Mädchen,
Schweinekind für Ferkel, und im Kirchenstyl _anak-kambing-wolanda_:
Kind einer holländischen Ziege für Lamm Gottes; _bunga_: Blüthe,
_duit_: Geld, _tana_: Erde, und daraus _bunga-duit_: Zinsen,
_bunga-tana_: Landrente; _obad_: Medizin, _bedil_: Flinte,
_obad-bedil_: Schiesspulver; _isi_: Inhalt, _isi-negri_: die
Bevölkerung einer Stadt, _isi-prut_ (Bauch): die Eingeweide;
_bedil trada_ (nicht) _isi_: die Flinte ist nicht geladen.



Fünftes Kapitel.

    Fischen mit Toba. -- Tiger. -- Termiten. -- Pfeffer. -- Gambir. --
    Sago.


Da von der Stadt aus nach mehreren Richtungen Fahrwege ausgehen, Wagen
in Fülle vorhanden, und schnelle Sampans für Spazierfahrten immer bereit
stehen, kann man zu jeder Zeit angenehme Excursionen machen. Sehr
interessant und für den Sammler ergiebig ist eine Fahrt nach Pulo brani,
einer kleinen bei New harbour, N-O. von Blakang-mati belegenen Insel, wo
ein bei niedriger Ebbe fast trockenes Korallenriff eine reiche Ernte von
Korallen, Seeigeln, Ophiuren, Muscheln und Krebsen liefert. Unter jedem
Block, den man aufhebt, ist Leben. In jedem Tümpel haben Actinien und
verwandte Polypen ihre blumengleichen Tentakel entfaltet; in den
grösseren Becken schwimmen Schwärme kleiner einen oder ein paar Zoll
langer Fische, die in so prächtigen, intensiven, metallisch glänzenden
Farben prangen, dass man sie die Kolibris des Meeres nennen könnte. Ich
hatte oft mit einem Freunde versucht, die behenden Thierchen zu fangen,
immer vergeblich, bis wir uns endlich entschlossen, es mit Toba zu
versuchen. -- Toba oder Tuba (Dalbergia sp. div.) ist ein im Jungle
häufiger kletternder Strauch mit rothen Schmetterlingsblüthen. Wir
hatten für unsern Versuch auf dem Riff einen ziemlich kreisrunden Raum
von etwa 100 Fuss Durchmesser gewählt, der durch Zurücktreten des
Wassers bei der Ebbe ein fast abgeschlossenes Becken, etwa 1/2 Fuss
tief, bildete. Wurzel und Holz der Toba wurde zwischen Steinen zerklopft
und an verschiedenen Stellen ins Wasser geworfen. Nach wenigen Minuten
schwammen die Fische betäubt an der Oberfläche und liessen sich mit der
Hand greifen; nach 1/4 Stunde krochen Aale und andre in Löchern
verborgene Thiere hervor, nach 1/2 Stunde lagen fast alle todt auf dem
Rücken. Die Wirkung des Gifts erstreckte sich weit über unser
Wasserbecken hinaus. Ringsum waren Malayen beschäftigt, die betäubten
Fische mit der Hand zu greifen.

[Illustration: BEI NEW HARBOUR. SINGAPORE.]

Blakang-mati ist von Fiebern heimgesucht. Dr. Little schreibt sie, wohl
ohne genügenden Grund, der Nähe der Korallenbank zu. Eine Bugisfamilie,
die wir besuchten, schien sehr daran zu leiden. In ihrem praktischen,
aus Erfahrungen hervorgegangenen Aberglauben meinen sie, dass ein böser
Geist, der in den hohen Bäumen wohnt, sie hervorbringe. Daher wollten
sie diese Bäume, die ihre Hütten umgeben und feucht und ungesund machen,
umhauen.

Eine andere hübsche Excursion war nach dem 519' hohen sogenannten
Zinnberg (bukit-tima), dem höchsten Punkt der Insel. Man kann bis an
seinen Fuss im Wagen fahren, und wenn der Pony Lust hätte, bis auf den
Gipfel, auf welchem einige hohe Damar-Bäume stehen, aus deren Stamm das
geschätzte Harz reichlich ausquillt. Nach Versicherung eines
französischen Missionärs sind an seinem Fuss Spuren von Zinn und auch
von Gold gefunden worden, aber in zu geringer Menge, um zur Ausbeutung
anzuregen.

Eine kleine Abtheilung Sträflinge war hier beschäftigt, Tigerfallen
anzulegen und die Strasse von der seitlich eindringenden Vegetation zu
säubern, ein Geschäft, das oftmals wiederholt werden muss, da der Wald
sonst bald den ihm abgenommenen Boden wieder besetzt. Von der
Dichtigkeit und Undurchdringlichkeit einer solchen Waldung geben die
unsrigen keine Vorstellung. Zwischen den Hochstämmen, die sich meist
astlos bis an das 60-80' hohe Laubdach erheben, zieht sich nach allen
Richtungen ein so dichtes Gewirr von Unterholz, Schling- und
Kletterpflanzen, dass es unmöglich ist, ohne Waldmesser einzudringen.
Das grösste Hinderniss bilden die Calamusarten, Palmen, deren lange,
dünne Stämme dicht mit Stacheln besetzt sind. Die Blätter, und
namentlich deren peitschenförmig verlängerte Mittelrippe, tragen an der
unteren Seite scharfe Widerhaken, vermittelst welcher sie sich überall
festhängen, wo sie Halt finden, und so dem Stamm, der viel zu dünn und
elastisch ist, um sich selbst zu tragen, die nöthige Stütze verschaffen.
Einige Arten sollen über 1000 Fuss lang werden, nach Rumphius sogar bis
1800 Fuss;[18] sie ziehen sich wie Stricke nach allen Richtungen quer
durch den Wald; auch werden sie ja, nachdem die Blätter und Stacheln
entfernt sind, als Taue, und gespalten als Stricke, benutzt. Zu diesen
kletternden Palmen gehört auch unser spanisches Rohr oder Stuhlrohr
(Rotang der Malayen), es ist auf allen Inseln des Archipels sehr häufig
und für manche ein wichtiger Ausfuhrartikel.

Aber auch wo eine kleine Lichtung oder ein schmaler Pfad erlaubt hätte,
den Weg zu verlassen und tiefer in den Wald zu dringen, wurde ich durch
die Sträflinge daran verhindert, weil überall an solchen Stellen
Tigerfallen angelegt sind, tiefe Gruben mit Reisig und Erde so geschickt
bedeckt, dass sie selbst den vorsichtigen Tiger zuweilen täuschen. (Am
Tage vor meinem ersten Besuch waren in einer solchen Grube zwei Tiger
lebend gefangen worden.) In den Boden derselben sind häufig spitze
Pfähle eingerammt. Daher sind die Excursionen in diesem Walde, wenn man
vom Wege abweicht, sowohl durch die Tiger selbst, als auch durch die
Fallen in hohem Grade gefährlich. Meine Begleiter schienen allerdings
nur die letzte Gefahr im Auge zu haben. An einen Ueberfall von Tigern
dachten sie gar nicht, obgleich an mehreren Stellen frische Spuren zu
sehen waren.

Die Tiger spielen in Singapore eine grosse Rolle. Nach dem Urtheil der
ältesten Residenten und der am besten darüber unterrichteten Beamten
werden auf dieser kleinen Insel, die nur ein Drittel grösser ist als die
Insel Wight, jährlich 350-400 Menschen von Tigern zerrissen,[19] und
dennoch fürchtet sich Niemand vor ihnen, die Chinesen auf den
Gambirpflanzungen ausgenommen, die ausschliesslich als Opfer fallen. Ich
werde später darauf zurückkommen. Alle Versuche, das Thier auszurotten,
werden wohl fruchtlos bleiben, so lange nicht die ganze Insel von
Strassen durchschnitten und gleichmässiger bewohnt ist. Für jedes
gefangene oder getödtete Thier zahlt die Regierung 50 Dollars,[20]
ebensoviel fügt ein Verein von Privaten hinzu, der die Insel gern von
dieser Geissel befreien möchte. Aber trotz der hohen Prämie, und
obgleich ein Theil der Sträflinge zum Anlegen von Fallen verwendet wird,
scheint die Zahl der Tiger doch eher zu- als abzunehmen. Es unterliegt
keinem Zweifel, dass sie über die Meerenge schwimmen,[21] angelockt
durch die bequeme, reichliche Beute. Denn während der ersten Jahre,
nachdem die Engländer die Insel in Besitz genommen, befand sich kein
Tiger auf derselben. In einem kleinen Aufsatz des damaligen Guvernörs
John Crawfurd über den Ackerbau von Singapore, 1824, heisst es: „der
Tiger und Elephant, die für den Ackerbau in Sumatra und auf der
malayischen Halbinsel so verderblich sind, kommen in Singapore nicht
vor.”

Es ist interessant, die wirklich vorhandene Gefahr mit der gänzlichen
Verachtung derselben zu vergleichen, wie sie hier ganz allgemein
verbreitet ist. Was für eine wilde Flucht würde in Europa unter den
Spaziergängern stattfinden, wenn plötzlich in einem zoologischen Garten
die Tiger aus ihren Käfigen ausbrächen, wie Wenige würden sich wohl in
den Garten wagen, bevor die Thiere wieder eingefangen! Hier fahren aber
die Damen mit ihren Kindern ohne allen Schutz und ohne alle Furcht in
kleinen, offenen Ponywagen noch vor Tagesanbruch und nach der Dämmerung
spazieren, während zu beiden Seiten der dichte Wald, in dem notorisch
Tiger vorhanden sind, hart an die Strasse tritt. So fest ist die
Ueberzeugung von der Feigheit und Menschenfurcht dieser Thiere
eingewurzelt! Frisch angekommene Fremde sind die einzigen, die, wenn sie
von ihrer ersten Excursion heimkehren, mitunter „nicht ganz sicher sind,
aber kaum zweifeln, dass sie im Dickicht ein Paar grosse Augen sahen,
wahrscheinlich von einem Tiger,” sie werden aber regelmässig dafür
ausgelacht, weil Jedermann überzeugt ist, dass es nur ein Phantasiebild
war.

Mehr als die Tiger fürchtet man die Termiten, _rajap_ oder _ani-ani_,
auch _semut puti_, weisse Ameisen genannt, obgleich sie den Menschen
unmittelbar höchstens dann etwas belästigen, wenn die zur Paarungszeit
geflügelten Männchen und Weibchen in dichten Schaaren, Wasserhosen
vergleichbar, aus der Erde emporsteigen, in die Zimmer fliegen, nach
kurzem Herumflattern ihre Flügel verlieren und sammt diesen zu Boden
fallen. Sie kommen in solcher Menge und erscheinen gegen einen dunklen
Hintergrund so weiss, dass ihre Schwärme an die grossflockigen
Schneewetter warmer Wintertage erinnern. Nach dem Verlust ihrer Flügel
laufen sie zwar nicht unbehende, jedoch nicht schnell genug, um sich
ihren zahlreichen Feinden zu entziehen, denn Menschen (Eingeborene) und
Thiere betrachten sie als grossen Leckerbissen. Wahrscheinlich geht nach
diesem kurzen Ausflug der ganze Schwarm mit Ausnahme einiger
befruchteten Weibchen zu Grunde, die als Stammmütter einer neuen Kolonie
erzogen werden. Die Männchen kommen wohl alle um, da sie sich nicht
selbst erhalten können und für ihre Erhaltung durch die andern kein
Grund vorhanden ist; denn ein einmal befruchtetes Weibchen legt viele
Millionen Eier[22] (Berlepsch schätzt die Anzahl Eier, die eine
Bienenkönigin legen kann, auf 1-1/2 Millionen und Dr. Gerstaecker
schliesst aus der Vergleichung der Ovarien, dass ein Termitenweibchen
wenigstens 2 bis 3 mal so viel Eier legen könne). Sehr viel zahlreicher,
als die erwähnten, sind die geschlechtslosen Termiten, die Arbeiter, die
nie Flügel erhalten, sondern ihr ganzes Leben in einer Art von
Larvenzustand verbleiben. Sie wissen sich so geschickt vor dem Menschen
zu verbergen, dass sie ihm fast nie zu Gesicht kommen, wenn sie auch in
seiner unmittelbaren Nähe beschäftigt sind, ihm Haus und Habe zu
zerstören. In unterirdischen Gängen nähern sie sich den Häusern, führen
dann aus an einandergereihten Erdkügelchen einen bedeckten Gang in die
Höhe, der schnell verhärtet, da ihr Speichel wie Mörtel wirkt. Von
diesem aus schreiten sie ungesehen in ununterbrochenen Zügen zum
Angriff. Die fast fingerdicken Gänge sind leicht zu erkennen und zu
beseitigen, werden aber gewöhnlich sehr geschickt an den dunkelsten
Stellen des Hauses, in verborgenen Winkeln angelegt. Die Termiten
vernichten alles Holzwerk, Teak und Kampferholz ausgenommen; eine Kiste
von weichem Holz, von der Art, in welcher Flaschenweine Dutzendweis nach
den Kolonien gesandt werden, kann in einer Nacht gänzlich zerstört
werden, wenn sie im Freien unmittelbar auf dem feuchten Boden steht.
Metall greifen sie nicht an; in früheren Zeiten, wo man in entfernten
Kolonien nicht immer über gewissenhafte Beamte verfügen konnte, sollen
sie zwar oft das in den Regierungskassen vorhandene Geld ohne Rückstand
verzehrt haben. In den Häusern zerstören sie alle Möbel und Vorräthe,
doch gehen sie nicht in Baumwolle und fürchten sich vor Reishülsen,
deren scharfe Spitzen ihren weichen, nackten Körper wohl empfindlich
verletzen würden. In allen Speichern werden deshalb fusshoch Reishülsen
auf den Boden ausgeschüttet, bevor man Kaufmannsgüter darauf lagert, die
Pfosten aller Betten, Schränke und schweren Möbel stehen in
gusseisernen, mit Wasser oder Oel gefüllten flachen Schalen, zugleich
zum Schutz gegen Ameisen, die zwar nicht das Holz, aber die Vorräthe
fressen.

In dem Landhause eines Freundes hatten die Termiten einige mit Oelfarbe
gestrichene hölzerne Pfeiler, die das Gebäude trugen, fast aufgezehrt,
jedoch ohne die äussere Farbenschicht zu verletzen, so dass von dem
angerichteten Schaden nichts bemerkt wurde, bis jemand, der mit seinem
Stock gegen einen Pfeiler stossen wollte, diesen durchstiess. Durch die
grosse Gefahr veranlasst, wandte man sich an einen Malayen, dessen
Gewerbe das Aufsuchen und Vertreiben der Termiten war. Nach längerem,
sorgfältigem Suchen bezeichnete er eine Stelle im feuchten Rasen, etwa
30 Schritt vom Hause entfernt als diejenige, unter welcher man das Nest
finden würde. Für uns war nur eine kleine, kaum merkliche Erhöhung, auf
welcher bei genauer Untersuchung einige kleine Larven erkannt wurden,
wahrnehmbar; denn ungleich den meisten Arten, deren Baue oft mehrere
Fuss hoch über die Erde ragen, baut die fragliche Art, die Hagen als T.
gilvus beschrieben hat, unterirdisch, anscheinend ohne irgend welche
Anzeichen an der Erdoberfläche, die auf das Vorhandensein des Nestes
schliessen lassen. Der Boden, ein sandiger Lehm, wurde in einigen Zollen
unter der Oberfläche fester und zeigte Spuren von Struktur; in etwa 1
Fuss Tiefe stiessen wir auf sehr unregelmässige, wabenartige, festere
Erdmassen, bestehend aus vielfach gewundenen, einen Zoll hohen, eine
Linie dicken Wänden von oolithartigem Gefüge. Die einige Linien weiten
Zwischenräume, labyrinthische Gänge, sassen dicht voll kleiner,
geschlechtsloser Termiten (Arbeiter). Die nach oben ziemlich lockeren
Zwischenwände wurden nach unten zu fester. Unterhalb der eben
beschriebenen Erdmassen mit aufrechten Wänden, die aber in ihrem
unregelmässigen Aussehen mehr an Maeandrinen (Korallen) als an Waben
erinnerten, lagen dünne, festere, flach gewölbte Erdkrusten von
ähnlicher oolithischer Struktur, lose neben und über einander, oft an
den Rändern einander überragend, anscheinend konzentrisch um einen Kern
geordnet, durch mehrere Linien hohe fast horizontal verlaufende
Zwischenräume getrennt, die ebenfalls voll Termiten steckten. Sie waren
radial von engen, runden Quergängen durchbohrt, deren Mündungen von den
sogenannten Soldaten mit dem von Reisenden oft geschilderten Heldenmuthe
vertheidigt werden. Die Soldaten, die bei allen Termiten vorkommen, sind
geschlechtslos, arbeiten nicht; ihnen liegt der Schutz des Staates gegen
äussere Feinde und nach den Berichten mancher Reisenden auch die Polizei
ob, indem sie die Arbeiter zur Arbeit antreiben. Sie tragen am Kopfe
ausserordentlich starke, scharfe, zangenartige Kiefern, schnellen,
sobald ihnen die Hand unvorsichtig nahe gebracht wird, voll Wuth aus
ihrer Höhle und können, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, mit einem
Biss die gefaltete Cutis am Gelenk des gebogenen Zeigefingers
durchschneiden, so dass die Wunde blutet. Der Kern des ganzen Baues
bestand aus der Wohnkammer der Königin und hatte die Form eines Stückes
Toilettenseife ohne Ecken, jedoch mit dem Unterschiede, dass sie bei
etwa gleicher Dicke fast doppelt so lang und breit war. Sie bestand aus
einer sehr festen Lehmmasse ohne wahrnehmbares Gefüge, von einem
kleinen, trichterförmigen Loche durchbohrt, dem einzigen Zugang. Als ich
die Kammer aufschnitt, zeigte sich im Innern ein hohler Raum, der, weil
die Wände gleich dick waren, der äusseren Form genau entsprach. Er
enthielt die Königin, ein garstiges, fingerdickes, fast zwei Zoll
langes, walzenförmiges Thier, das den inneren Raum zum grossen Theil
ausfüllte und von einer Anzahl kleiner Termiten umgeben war,
wahrscheinlich ihrer Dienerschaft, denn sie ist unbeholfen bis zur
Hülflosigkeit, eine wurstartig aufgeschwollene Masse, voll Eierstöcke.
Der Name einer Königin ist ihr in Folge eines nicht stichhaltigen
Vergleiches mit der Bienenkönigin gegeben worden, denn sie ist eher eine
Gefangene, als eine Gebieterin. Ihre Zelle kann sie nie verlassen, sie
ist völlig wehrlos, so dass sie sich keine Nebenbuhlerin abwehren kann;
oft trifft man daher in ein und demselben Bau mehrere Königinnen in
verschiedenen Entwickelungsstufen an. Unter dem Bau der Königin war die
Erde sehr lose; verschiedene Gänge führten von dort aus nach mehreren
kleinen Nestern, die keine Königin, wenigstens keinen Königsbau
besassen, sondern nur aus den oben erwähnten wabenartigen Massen
bestanden; es waren wohl neu angelegte, bisher nur vom Mutterstaat aus
bevölkerte Kolonien. In der Absicht, sie härter zu machen, wurden einige
Stücke des Baues der Sonne ausgesetzt. Die Gänge waren dicht mit
Termiten, Arbeitern und Soldaten, angefüllt. Bald stellten sich einige
kleine, schwarze Ameisen ein, rekognoszirten, kehrten um, und nach nicht
ganz 10 Minuten erschienen lange Züge derselben Art, die im Verlauf
einiger Stunden sämmtliche Termiten, obgleich sie doppelt so gross waren
als die Ameisen, aus ihren Schlupfwinkeln holten und davon schleppten.
Es war erstaunlich, zu sehen, wie diese kleinen Thierchen die ungleich
grösseren packten und sie davon trugen. Selbst die Soldaten wurden auf
diese Weise fortgeschleppt, wobei allerdings einige der Kleinen das
Leben liessen, denn wenn sie einem Soldaten unvorsichtig nahten, schnitt
er sie mit seiner scharfen Zange mitten durch; während sie noch zuckte,
kam ein andres Thierchen desselben Stammes und rettete den Leichnam.

Smeathman, dem man die erste ausführliche Schilderung der Termiten
verdankt, giebt an, dass eine alte Königin die Grösse von 20,000 bis
30,000 Arbeiterinnen erreichen könne! was aber eine Uebertreibung zu
sein scheint. Bei Wägungen an Spiritusexemplaren, die ich mit Dr.
Gerstaecker vornahm, ergab sich für eine Termitenkönigin von T.
bellicosus (der Spezies, auf die sich Smeathman's Mittheilungen
beziehen), dem grössten Exemplare der Berliner Sammlung, 16,135 Gramm,
für ein junges, befruchtetes, aber nicht weiter entwickeltes Weibchen
0,490, also 1/33 des obigen Gewichts (ein Arbeiter von dieser Species
war nicht vorhanden). Die Termitenkönigin T. gilvus (Hagen) von
Singapore wog 5,200 Gramm, ein junges, befruchtetes Weibchen (das aber
exenterirt war) 0,068 Gr., ein Arbeiter 0,005 Gr., also etwas weniger
als das Tausendfache der verhältnissmässig grossen Königin.

Die Termiten sind in mehreren Gattungen und vielen Arten über alle
wärmeren Erdtheile verbreitet, aber nicht überall gleich zahlreich oder
schädlich. In Rochefort sind sie seit 1797 amtlich bekannt und richten
dort fortdauernd grosse Zerstörungen an. Wahrscheinlich durch Hölzer von
San Domingo eingeschleppt, verbreiteten sie sich allmälig über viele
Städte und Ortschaften der Charente inférieure, so dass sie dort zu
einer sehr ernsten Plage geworden sind und den Wohlstand des ganzen
Departements bedrohen, indem sie Gebäude, Dächer, Korn und Mehlvorräthe,
Bibliotheken, Pflanzungen u. s. w. zerstören; alle vorgeschlagenen
Schutzmittel erwiesen sich bisher erfolglos.

Eines Tages besuchte ich eine Pfeffer- und Gambir- Pflanzung, die ganz
in der Nähe von Bukit-tima lag. Ich stieg bei einem französischen
Missionär ab, der mich überallhin begleitete und mir das Chinesische der
Pflanzer verdolmetschte. Es war ein Mann, wie ich deren später noch
öfter unter den katholischen Missionären getroffen habe, der Allem
entsagt hatte, um sich seinem selbstgewählten Berufe zu opfern. Ein
kleines Vermögen, das ihm durch Erbschaft zugefallen, hatte er dazu
verwendet, eine Kirche zu bauen, für sich selbst behielt er nichts
zurück und lebte, obgleich kränklich und alt, in grosser Dürftigkeit von
dem elenden Gehalt, das für alle diese würdigen Männer ohne Unterschied
monatlich 10 Dollars beträgt. Ich besah die Pflanzung und die Fabrik in
allen Einzelnheiten, doch waren die Angaben der Chinesen so ungenau, zum
Theil durch die Schuld des Dolmetschers, der die einfachsten technischen
Fragen nicht richtig zu verstehen schien, so widersprechend, dass ich
zur Ergänzung des selbst Gesehenen vorziehe, das Uebrige einigen
gediegenen Aufsätzen zu entlehnen.

Der Pfeffer wird hier immer zusammen mit dem Gambir gebaut. Die
ausgekochten Blätter der letzteren Pflanze dienen zur Düngung der
ersteren. Auf je 10 Acres Gambir rechnet man gewöhnlich einen Acre
Pfeffer. Der Pfeffer wächst sehr leicht und scheint nur sehr geringe
Pflege zu erfordern. Mit besonderer Sorgfalt wird er jedenfalls nicht
behandelt. Nicht einmal schattengebende Bäume, die man in anderen
Ländern für das Gedeihen der Pfefferrebe nothwendig erachtet, werden ihm
gewährt. Die Hauptsorge ist die Vertilgung des Unkrauts und die
Entfernung der seitlichen Ausläufer. Er wächst, der grellsten Sonne
ausgesetzt, an Pfählen aus gespaltenen Waldbäumen, die er, wie Epheu
kletternd, mit seinen dunkelgrünen herzförmigen Blättern dicht
bekleidet. Aus dem Laube hängen in grosser Fülle die langen schmalen
Trauben hervor, mit grünen Beeren, die bei völliger Reife scharlachroth
werden. Der Anblick der Pflanzen ist sehr schön. Die Vermehrung der
Reben geschieht durch Stecklinge, nach 4 bis 5 Jahren giebt sie schon
einen geringen Ertrag, der bis zum 7ten oder 8ten Jahr zunimmt. Wenige
Jahre, nachdem er sein Maximum erreicht, vermindert sich der Ertrag fast
ebenso allmälig, als er zunahm, so dass in einer wohlgeordneten
Pflanzung alle Jahre eine Anzahl junger Pflanzen gezogen werden müssen,
die der Reihe nach an die Stelle der abgestorbenen treten. Die Rebe
trägt gleichzeitig Blüthen und Früchte. Vier Monate nach Entfaltung der
ersteren sind die Beeren zum Pflücken reif, sie sind dann grün mit einem
Stich ins Rothe und werden in flachen Körben aus Bambussplinten über
Rauchfeuer getrocknet, wobei sie schwarz werden und einschrumpfen. Das
Aroma wird grösstentheils durch Lokalität und Boden bedingt, wie beim
Wein. Uebrigens aber geben die schwersten, vollsten, am wenigsten
runzligen Körner das beste Gewürz. Lässt man die Beeren völlig reif
werden, so löst sich die äussere scharlachrothe Hülle durch Mazeration
in Wasser ab; der zurückbleibende Kern bildet den weissen Pfeffer des
Handels, der theurer als der schwarze ist, weil bei dieser
Zubereitungsart immer eine grosse Menge durch Abfallen der völlig reifen
Beeren verloren geht. Von allen Gewürzen ist Pfeffer das verbreitetste
und wohl das einzige, dessen Verbrauch auch jetzt noch immer zunimmt,
während alle übrigen immer mehr aus der Mode kommen. Zur Zeit der
Entdeckung des Seewegs nach Indien und lange nachher, bevor Zucker,
Kaffee, Thee, Indigo und die Produkte der indischen Wälder in Europa
bekannt waren, bildete Pfeffer den Hauptartikel des indischen Handels
und war Gegenstand der heftigsten Kämpfe zwischen den seefahrenden
Völkern, sowie der drückendsten Monopole, die mit der herzlosesten
Zwangsarbeit für die Eingebornen gepaart gingen. Nach Crawfurd war der
Preis des Pfeffers zu Plinius Zeiten 1 Thlr. 5 Sgr. das Pfund und blieb
so bis zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Durch das Monopol der Portugiesen
stieg er auf 1 Thlr. 10 Sgr.; als die Holländer die Portugiesen
verdrängt hatten, etwa 100 Jahre später, trieben sie den Preis auf das
Doppelte. Durch Konkurrenz der Engländer und Franzosen fiel der Preis
wieder und schwankte Jahrhunderte lang zwischen 16 und 10 Sgr. Erst in
diesem Jahrhundert fielen die Monopole, wodurch der Pfeffer auf seinen
Preis von 2-1/2 bis 3 Sgr. kam. Jetzt liefert die Westküste von Sumatra
den meisten Pfeffer. Crawfurd schätzt den Gesammtertrag des indischen
Archipels, mit Inbegriff der geringen Menge, welche Malabar, das
Vaterland des Pfeffers, jetzt noch produzirt, auf 40 Millionen Pfund.
Ausser Hinter-Indien erzeugen auch noch Guyana, Liberia, die Antillen
dies Gewürz. Die Gesammtproduktion dürfte gegenwärtig 50 Millionen Pfund
wohl nicht übersteigen.

Pfeffer und Gambir, die Haupt-Erzeugnisse des Landbaus in Singapore, das
ausserdem nur noch Kokosnüsse, Früchte und Gemüse für den eigenen Bedarf
produzirt, werden ausschliesslich durch Chinesen gewonnen. Es ist ein
mühsames, bei den gegenwärtigen Preisen der Erzeugnisse nicht sehr
lohnendes Geschäft voll Entbehrungen und wegen der vielen Tiger voll
Gefahr. Gewöhnlich sind es neuangekommene Einwanderer, die ihre
Ueberfahrt nicht zahlen können, welche von ihren reicheren Landsleuten
zu dieser Kultur verwendet werden. Nach dem Kontrakt müssen sie ein Jahr
für ihren Gläubiger arbeiten, während welcher Zeit sie nur kärgliche
Beköstigung und noch kärglicheren Lohn erhalten. Dennoch wissen sie
bald, häufig schon im ersten Jahre, etwas zu sparen und so viel Kredit
zu erwerben, dass sie ein kleines Geschäft anfangen oder als
selbstständige Arbeiter sich vortheilhaft verdingen können. Oft auch
thun sich mehrere zusammen und bewirthschaften gemeinschaftlich eine
Pflanzung. Nachdem eine passende Stelle im Walde gelichtet, wird das
Unterholz verbrannt, die gefällten Bäume bleiben liegen, da sie später
als Brennholz benutzt werden, ausser der Asche davon erhält der Boden
keinen Dünger. Man säet den Gambir (Uncaria Gambir) in Beeten, hält die
Sämlinge schattig und pflanzt aus, wenn sie 5 bis 6 Zoll hoch sind in 5
bis 6 Zoll Abstand. Hat die Pflanze eine gewisse Höhe erreicht, so wird
sie abwärts gebogen, so dass sie seitlich fortwächst. Dadurch wird die
Holzbildung gehemmt, die Blattbildung vermehrt, das Pflücken
erleichtert[23]. Nach 13 bis 14 Monaten sammelt man die ersten Blätter,
6 Monate später giebt die Pflanze den vollen Ertrag. Aber schon nach
wenigen Jahren (ca. 15) ist der Boden so erschöpft, dass die Pflanzung
aufgegeben und eine neue an einer andren Stelle errichtet werden muss.
Auf der verlassenen Stätte wuchert das so schwer zu vertilgende
Lalanggras (Saccharum imperatum), das mühsamer auszurotten ist, als
Urwald. Die Regierung fängt endlich an, durch eine bessere
Waldwirthschaft diesem Uebelstande und dem Treiben der chinesischen
Squatters ein Ende zu machen, indem sie dieselben zwingt, das Land zu
kaufen, das sie bepflanzen wollen; ein sicheres Mittel, um es in
Kulturland, statt in Graswildnisse zu verwandeln.

Das Pflücken der Blätter dauert das ganze Jahr über, jeder Strauch kommt
jährlich 3 bis 4 mal an die Reihe. Die Morgens gesammelten Blätter
werden am Nachmittag versotten, die Nachmittags gesammelten am folgenden
Morgen; ein Absud erfordert 5 bis 6 Stunden. Die Fabrikation ist sehr
einfach. Ein grosser Schuppen aus Stangen und Palmenblättern, mit
einigen Bänken aus gespaltenem Bambus versehen, die als Tisch und Betten
dienen, ist zugleich Wohnung und Fabrik. Der Kessel besteht aus einer
eingemauerten, flachen Pfanne aus Gusseisen, von etwa 3 Fuss
Durchmesser, auf welcher ein hohler Cylinder von Baumrinde steht, die in
~einem~ Stück von einem entsprechend grossen Baum abgelöst worden. Die
Fugen und die ganze Aussenseite sind mit Thon verschmiert, um sie gegen
das Feuer zu schützen. Man giesst etwas Wasser in die Pfanne, schüttet
die Blätter ein und wirft sie, nachdem sie etwa eine Stunde gesotten,
auf eine geräumige, ebenfalls aus einem Stück Baumrinde bestehende,
schräge Rinne, deren unteres Ende in den Kessel hineinragt. Der Arbeiter
knetet diese Blätter, damit das ihnen anhaftende Wasser in den Kessel
zurücklaufe. Der zur Konsistenz von dünnem Syrup eingedampfte Absud wird
in Eimer geschöpft. Ist er kühl genug, so beginnt eine eigenthümliche
Hantirung. Bekanntlich enthält der Gambir ausser der in kaltem Wasser
löslichen Catechugerbsäure auch in kaltem Wasser unlösliches Catechin;
anstatt nun einfach umzurühren, damit die Flüssigkeit überall
gleichmässig erstarre, klemmt der Arbeiter in jeden Eimer in schräger
Richtung einen Stock aus weichem Holz. Er stellt zwei solcher Eimer vor
sich hin und fährt mit jeder Hand an einem der Stöcke auf und ab. Die
Flüssigkeit verdickt sich zunächst am Stock, und da sie dort immer
abgestreift, die Masse überdies in beständiger Bewegung erhalten wird,
erstarrt sie gleichmässig, was nach Behauptung der Arbeiter durch
Umrühren nicht zu erreichen sein soll. Gewiss ist hier wieder ein
Stückchen Aberglauben im Spiel. Die hinreichend verdickte Masse wird in
flache, viereckige Kasten gefüllt, und wenn sie erhärtet ist, wie Seife
in Stücke geschnitten und im Schatten getrocknet. Die gekochten Blätter
werden noch einmal ausgesotten und schliesslich in dem Wasser
ausgewaschen, das zum Kochen der Blätter verwendet wird.

Eine Pflanzung von 5 Arbeitern enthält im Mittel 70-80,000 Sträuche und
liefert täglich 40-50 Katti (1 Katti = 1-1/3 ℔ Engl.) Gambir. Die
Arbeiter behaupten, nur das Holz eines gewissen Baumes besitze die
Eigenschaft, den Absud im Eimer erstarren zu machen und zeigten mir ihn
später, es war Artocarpus incisa. Nachher sagte man mir aber, dass jedes
weiche Holz sich dazu eigne, doch nehme man gewöhnlich einen Zweig des
eben genannten.

Gambir, besser unter dem Namen Terra japonica in Europa bekannt, wird
von den Malayen mit dem Betel gekaut, zu welchem Zweck er zuweilen noch
besonders raffinirt und in kleine, zierliche Kuchen geformt wird. Er
enthält 50-60% Gerbstoff und wird in steigender Menge nach Europa für
die Schnellgerbereien und Färbereien exportirt. Die sehr beständige,
schöne Holzfarbe der französischen Tapeten verdankt man dem Gambir. Die
Produktion wächst so schnell, als die Nachfrage, denn der Preis steigt
nicht. In Singapore nehmen die Pflanzungen ab, doch mögen wohl noch nahe
an 1000 auf der Insel vorhanden sein. Da es aber jetzt den Chinesen
nicht mehr gestattet wird, ohne alle Abgaben den Boden in Besitz zu
nehmen und den Wald zu zerstören, so ziehen sie sich mehr nach Johor.
Die Hauptproduktion ist aber auf den Inseln Bintang, Batam und Linga,
die unter holländischer Botmässigkeit stehen.

In Europa scheint einige Verwirrung in Bezug auf die Namen Gambir, Terra
japonica, Cutch, Catechu, Cachou zu herrschen. Abgesehen von den unter
dem Namen Cachou in Apotheken käuflichen Bonbons, die nur aus Lakritzen
und Salmiak bestehen, und mit Catechu (Cachou der Franzosen) nichts als
den Namen gemein haben, versteht man unter Gambir oder Terra japonica
gewöhnlich das Präparat von der Nauclea Gambir. Das eigentliche Catechu
(Cutch) dagegen wird von einer Mimose, Acacia Catechu (Willd.), und zwar
aus dem Herzen des Stammes und den Schoten, durch Auskochen und
Eindicken des Absuds gewonnen. Man erhält es namentlich aus Birma
(Pegu), Malabar und dem nördlichen Bengalen. Beide Substanzen sind
übrigens sowohl chemisch, als in Bezug auf ihre technische Verwendung
fast identisch. Das aus Arecanüssen bereitete Catechu scheint ganz vom
Markt verschwunden zu sein.

Die Chinesen auf diesen Plantagen sind es, die so häufig von Tigern
umgebracht werden. Wann der Kuli fast nackt im dichten Gebüsch hockt,
um die Blätter zu pflücken, so beschleicht ihn der Tiger von hinten
und tödtet ihn gewöhnlich mit einem Biss in den Nacken. Finden die
Kameraden den Leichnam, so verscharren sie ihn so schnell als möglich,
denn wenn die Polizei es erfährt, so zwingt sie die Leute, die
vielleicht schon stark verweste Leiche zur Stadt zu tragen, damit sie
vom Todtenbeschauer besichtigt werde, ohne ihnen dafür irgend eine
Entschädigung zu gewähren. Erwägt man, wie ungern die Chinesen einen
Schritt umsonst thun, wie höchst beschwerlich und ekelhaft der ihnen
aufgezwungene Dienst ist, und dass sie überdies schon aus der Heimath
eine heilige Scheu vor der Polizei mitbringen und jeden Kontakt mit
derselben vermeiden, berücksichtigt man ferner, dass weder ein
Passwesen, noch irgend eine Kontrolle über die sich hier aufhaltenden
Personen besteht, dass namentlich die Pflanzer in ihren entlegenen
Schlupfwinkeln im Walde fast nie aufgesucht werden, so darf man sich
nicht wundern, wenn nur eine sehr geringe Zahl dieser Todesfälle den
Behörden zu Ohren kommt. Dennoch werden im Jahr durchschnittlich 75
Fälle gemeldet, und auf der Annahme, dass die wirkliche Zahl der Opfer
wenigstens das Fünffache betrage, beruht die Angabe, dass jährlich
300-400 Personen von Tigern umgebracht werden. Ich habe mich an den
sichersten Quellen häufig über diesen Gegenstand erkundigt und kann
nur wiederholen, dass die bestunterrichteten Beamten diese Zahl eher
für zu gering, als zu gross halten. Zum Beweise, dass es auch in der
neuesten Zeit nicht besser geworden, füge ich einen Auszug aus den
Straits Times, Overland Journal, 21. Nov. 1863, bei: „Singapore. Die
Todesfälle durch Tiger sind wieder im Zunehmen. In den letzten 14
Tagen sind 7 Fälle bei der Polizei angemeldet und die verstümmelten
Leichen aufgefunden worden, die keinen Zweifel über die Ursache des
Todes liessen. Alle, die auf diese Weise ihren Tod gefunden, waren
Arbeiter auf Gambirpflanzungen.... Es ist bemerkenswerth, dass bei
diesen Leichen immer nur ein kleiner Theil des Körpers verzehrt ist,
es fehlt nur ein Bein, ein Arm, häufig nur der Kopf.”.. Der Redaktör
schliesst mit der Betrachtung: „Es ist ein Jammer, dass die Thiere
nicht ein Opfer ganz verzehren, bevor sie ein anderes angreifen, es
würde ein grosses Ersparniss an Menschenleben sein.”

Ausser den angeführten landwirthschaftlichen Produkten verdient noch
ein Industrieerzeugniss besondere Erwähnung: der Sago, welcher in
beträchtlicher Menge (jährlich für 60-70,000 Dollars) von Singapore
ausgeführt wird. Der rohe Sago kommt von Sumatra und Borneo, wird in
Singapore durch Schlämmen gereinigt und dann als Sagomehl,
grösstentheils aber, nachdem er vorher geperlt worden, als Perlsago
ausgeführt. Um es zu perlen, wird das noch etwas feuchte Mehl ein wenig
geknetet, in einem durch einen Kreuzstock weit offen gehaltenen flachen
Sack in rotirende Bewegung gesetzt, wobei sich kleine Klümpchen bilden,
die, nachdem sie durch ein grobes und ein feines Sieb gegangen, gleiche
Grösse haben. Sie werden in einer schräg eingemauerten, flachen, mit Oel
bestrichenen, eisernen Pfanne über gelindem Feuer mit einem hölzernen
Spaten vorsichtig umgerührt, wobei durch die an der Oberfläche
eintretende Kleisterbildung die Kugeln eine gewisse Festigkeit bekommen,
aber auch zusammenbacken; um sie zu trennen, werden sie noch einmal
gesiebt und dann abermals gedörrt, bis sie die gehörige Härte erlangt
haben.

Deutsche Hausfrauen pflegen die Perlform für das Kennzeichen des Sago zu
halten und unter Sago Perlen von beliebigem Stärkemehl zu verstehen. Der
eigentliche Sago ist aber das Produkt der Sagopalmen (Sagus laevis und
S. genuina), die besonders im Osten des Archipels sehr verbreitet sind;
sie liefern fast allein den Sago des Handels. Die Eingebornen gewinnen
ihn aber, besonders bei missrathener Reisernte, noch aus mehreren andern
Palmen- und Cycasarten für ihren eignen Bedarf. In Singapore kommt die
Sagopalme nur vereinzelt vor und wird nicht ausgebeutet. Die Art, den
rohen Sago zu gewinnen, habe ich nicht gesehen, sie ist von J. R. Logan
im Journal of the Ind. Arch. III. 288 ausführlich beschrieben.

Die Sagopalmen sind von sehr grossem Interesse, weil keine Pflanze,
selbst nicht die Banane und Kokospalme, bei so geringer Mühe eine solche
Menge Nahrungsstoff liefert. Die Produktion kann bei der
ausserordentlichen Fülle des Materials unbegrenzt gesteigert werden.
Wegen der jetzt gebräuchlichen, unvollkommenen Methoden der Bereitung
und besonders, weil der Sago nicht gleich an Ort und Stelle für die
Ausfuhr raffinirt wird, ist sein Preis zu hoch.[24] Nach Logan sollte
ein Pikul nicht mehr als 1/4 Dollar (11 Sgr.) kosten.

Ueber den ausserordentlichen Ertrag der Sagopalme geben folgende,
Logan's Aufsatz entnommene Angaben eine Vorstellung. In den östlichen
Inseln des Archipels, in Neu-Guinea, in Borneo und Sumatra ist die
Sagopalme am häufigsten und bildet in sumpfigen Niederungen grosse
Wälder. Dort ist Sago das Hauptnahrungsmittel. Eine Ertrag gebende
Pflanzung ist gar nicht mehr auszurotten, denn unähnlich andern Palmen
pflanzt sich die Sagopalme nicht nur durch Samen fort, sie treibt auch
Schösse aus der Wurzel, wie die Banane, und liefert so eine
ununterbrochene Ernte. Sie blüht terminal und stirbt, wenn die Früchte
reif sind, allmälig ab. Will man aber den Sago gewinnen, so wird der
Baum kurz vor der Blüthezeit umgehauen; der Stamm ist dann ein Cylinder
von 20 Zoll Durchmesser und 15-20 Fuss Länge; die Rinde bildet nur eine
dünne Schale, das ganze Innere ist mit Mark erfüllt, das aus Cellulose
und Stärkemehl besteht. Man rechnet, dass ein Baum durchschnittlich 700
℔ Stärkemehl (Sago) liefert. Nach Logan's Berechnung geben 3 Bäume mehr
Nahrungsstoff als 1 Acre Weizen und 6 Bäume mehr als 1 Acre Kartoffeln.
Ein Acre mit Sagobäumen bepflanzt, giebt, wenn er auf einmal umgehauen
wird, 5220 Bushel (= 3452 Scheffel Preuss.) oder so viel, wie 163 Acres
Weizen; und je nachdem man 7 oder 15 Jahre als den Zeitraum annimmt, den
der Baum zu seiner Entwicklung nöthig hat (darüber sind die Angaben
schwankend), kommt ein Acre Sago in seinem jährlichen Ertrag 10 oder 23
Acres Weizen gleich. (Da 163 Acres = 258,35 Morgen, so nimmt Logan etwas
mehr als 13-1/3 Scheffel Weizen pro Morgen an.)

In Berlin kostet durchschnittlich der Zentner „Kartoffel-Sago”, d. h.
geperlte Kartoffel- oder Weizen-Stärke, 10-11 Thlr., Palmen-Sago 16-17
Thlr., Tapioka-Sago, d. h. geperltes Manihot-Mehl, 22-23 Thlr. In
Singapore kostet 1 Ztr. Palmen-Sago durchschnittlich 2 Dollars als Mehl,
3 Ds. in Perlform; Tapioka-Mehl 3 Ds., Perlen 4 Ds. Die Fracht
übersteigt selten 1 Dollar per Zentner. Der grosse Unterschied im Preise
ist die Prämie der Zwischenhändler; sie zeigt, wie unvollkommen, unsere
Verkehrsverhältnisse noch sind.



Sechstes Kapitel.

    Opium.


Die hervorragendste Leidenschaft der Hinterindier, namentlich der
Chinesen, scheint die Spielsucht. In Canton spielt der hungrige Kuli mit
dem Garkoch um das Essen; gewinnt er, so speist er gratis, im andern
Fall verliert er den Einsatz und speist gar nicht. Das Spielen ist aber
hier sowohl als in Pinang und Malacca streng verboten, und wird deshalb
heimlich getrieben. Es ist ein öffentliches Geheimniss, dass die
niederen Polizeibeamten, alle selbst Asiaten, im Sold der
Spielunternehmer stehen und nicht nur die Spielhäuser nicht verrathen,
sondern sie gewöhnlich bei Zeiten warnen, wenn einmal von Seiten der
höheren Beamten ein Ueberfall gegen ein verdächtiges Haus ausgeführt
werden soll. Im Anfang des Bestehens der Kolonie waren auch Spielhäuser
gestattet, die Konzession dazu wurde, wie zum Opium- und
Branntwein-Handel dem Meistbietenden verpachtet und bildete eine der
bedeutendsten Einnahmen. Der einflussreichere Theil der europäischen
Bevölkerung fand aber hierin etwas Unsittliches; so ist denn jetzt das
Spiel seit einer Reihe von Jahren verboten, obgleich jedermann weiss,
dass die polizeilichen Mittel zur wirklichen Unterdrückung desselben
nicht vorhanden sind. In neuester Zeit wird daher die Ansicht immer
allgemeiner, dass es unter den bestehenden Verhältnissen angemessener
wäre, wieder öffentliche Spielhäuser einzurichten und sie zu einer
Steuerquelle zu benutzen, wie die Holländer und Spanier thun. -- In
diesem Sinne hat sich auch die Grand-Jury in ihrem letzten Bericht über
den Zustand der Kolonie (1865) ausgesprochen. Jedenfalls scheint es eine
grosse Inkonsequenz, das Spiel aus moralischem Zartgefühl zu verbieten
und das ~Opium~rauchen zu gestatten, das noch schlimmer ist, als
Hasardspiel, da es, einmal zur Leidenschaft geworden, den Menschen nicht
nur eben so sicher, wie jenes, moralisch und finanziell, sondern auch
physisch zu Grunde richtet. Die Ursache der Inkonsequenz liegt wohl in
dem grossen Gewinn, den die britische Regierung aus der Bereitung des
Opiums, die Kolonial-Regierung aus der Accise und die Kaufleute aus dem
Vertrieb ziehen, an dem sich übrigens nicht nur Engländer, sondern Leute
von allen Nationen mit gleichem Eifer und mit derselben Unbefangenheit
betheiligen, wie am Handel mit Tabak oder Spirituosen.

Opium ist bekanntlich der eingetrocknete Milchsaft des Gartenmohns
(Papaver somniferum) und wird besonders in der Türkei und in Indien
gewonnen. Das türkische Opium wird in Europa und Java, das indische in
China und Hinterindien genossen. In Britisch-Indien ist die
Opiumerzeugung Monopol der Regierung, in den Malwa- und andern Staaten
unter einheimischen Fürsten steht sie jedem frei; das Fabrikat zahlt
aber in Bombay einen Transitzoll von 400 Rupien per Kiste. Das Opium von
Behar, im Handel als Patna bekannt, und das von Benares, beide unter der
strengen Aufsicht englischer Beamten dargestellt, sind besser als
Malwa-Opium. Letzteres geht fast ausschliesslich nach Nord-China.[25]

Zum Rauchen ist das Opium, wie es aus Indien kommt, noch nicht geeignet;
es wird erst durch ein umständliches Verfahren, das 18 Stunden Zeit in
Anspruch nimmt, im Wesentlichen aber nur im Ausziehen der in Wasser
löslichen Bestandtheile und Eindicken des Auszugs besteht, in die von
den Rauchern beliebte Substanz ~Tschandu~ verwandelt, die wie Melasse
aussieht, aber noch konsistenter ist.[26]

Das Recht, das Tschandu zu bereiten, ist in Singapore Monopol der
Regierung, die es dem Meistbietenden verpachtet. Diese Pacht bildet ihre
~Haupt-Einnahme~; der Pächter ist immer ein Chinese, keinem Andern würde
es möglich sein, unter der hiesigen Bevölkerung eine gewinnbringende
Kontrolle auszuüben. Der Pächter, der gewöhnlich sehr reich wird,
verkauft das Tschandu an die Opiumkrämer, von denen es die Raucher in
einzelnen Dosen entnehmen. Die Wiederverkäufer erhalten gar keinen, oder
nur sehr geringen Rabatt, der höchstens für solche, die entfernt wohnen,
bis auf 8% steigt. Die Konsumenten kaufen ihr Tschandu bei dem Pächter
nicht billiger, als bei dem Kleinhändler; der Gewinn des letzteren
besteht lediglich in den Abfällen. Das Tschandu hinterlässt nämlich beim
Rauchen einen Rückstand, bestehend aus Kohle, brenzlichen Oelen, einigen
Salzen und etwas unverbranntem Opium. Dieser Rückstand heisst Tinko und
beträgt fast die Hälfte des ursprünglichen Tschandu. Er wird an die
ärmere Klasse zum halben Preis verkauft; man raucht oder verschluckt
ihn. Im ersterem Falle lässt er wieder einen Rückstand, Samsching, der
von noch Aermeren gekauft und verschluckt wird, da er nicht mehr
brennt. Aus dem Verkauf der Rückstände bestreitet der Opiumkrämer die
Miethe seines Lokals und den Unterhalt seiner Familie.

Wohlhabende rauchen ihr Opium zu Haus, Aermere bei den Krämern, die zu
dem Zweck einen besonderen Raum verfügbar halten, in welchem mehrere
Bambuspritschen angebracht sind. Diese engen, heissen, von Opiumrauch
erfüllten Räume werden als eine der Sehenswürdigkeiten Singapores
gewöhnlich von Fremden besucht. Daher sind die „Gräuel dieser Höllen,
der fürchterliche Qualm und die Entsetzen erregenden Gestalten der
Unglücklichen, die dem Laster fröhnen”, schon oft mit sehr lebhaften
Farben beschrieben worden. Ich habe diese Orte mehrere Male besucht,
fand aber den Qualm nie so unerträglich, als den Tabaksqualm mancher
deutschen Bierstuben, auch gelang es mir ebenso wenig, die schrecklichen
Folgen des Lasters gleich auf den Gesichtern der Raucher zu lesen, als
die Folgen der Trunksucht auf den Gesichtern von Stammgästen, oder die
des Spielens auf denen, die in Baden den Roulettetisch umgeben. Der
Raucher liegt auf einer Pritsche ausgestreckt, nimmt mit einer langen
Nadel eine kleine Menge Tschandu, zündet sie an, wozu einige
Geschicklichkeit gehört, da die Masse schwer brennt, und bringt sie auf
die feine Oeffnung eines birnförmig gestalteten Pfeifenkopfs, zieht den
Rauch mit einem oder einigen langen Athemzügen ein, behält ihn einige
Zeit bei sich und bläst ihn aus.

Nach Crawfurd wird an keinem Ort der Welt im Verhältniss zur Kopfzahl so
viel Opium konsumirt als in Singapore. Den Grund dafür sieht er in den
hohen Löhnen und in der überwiegend chinesischen Bevölkerung. Nach ihm
soll sich der Opiumverbrauch in Singapore zu dem in China und in Java
verhalten wie 33 zu 14 zu 4. C. giebt aber die Quellen dieser Zahlen
nicht an. Ich habe vergeblich versucht, ihre Richtigkeit zu prüfen, da
die in den mir zugänglichen Schriftstellern und Reports enthaltenen
einander so widersprechen, dass sie nicht in Einklang zu bringen sind.
Es wäre aber eine sehr interessante Arbeit für Jemand, dem ausreichendes
Material zur Verfügung steht, eine auf zuverlässige Zahlen begründete,
vergleichende Uebersicht der schnellen Zunahme des Opiumverbrauchs nicht
nur in Asien, sondern auch in Europa und Amerika aufzustellen; besonders
für ~England~ scheint Gefahr im Anzuge.

Ob die Regierung von Singapore die Macht besässe, das Opiumlaster jetzt
noch zu unterdrücken, ist eine andre Frage; ist es doch selbst in den
europäischen Polizeistaaten nicht gelungen, die Ueberhandnahme des
Tabakrauchens zu verhindern; um wie viel schwieriger wäre es in einem
Freihafen wie Singapore, wo alle Mittel zum Zwange fehlen, dem mit viel
grösserer Leidenschaftlichkeit getriebenen Opiumrauchen ein Ende zu
machen. Geradezu unmöglich wäre es vielleicht nicht, wenn der ernste
Wille vorhanden wäre und das Bestehen der Kolonie davon abhinge; gelingt
es doch dem Opiumpächter, dem Schmuggeln der Droge vorzubeugen.

Wie wenig übrigens an eine solche Maasregel gedacht wird, geht aus
folgenden Auszügen aus dem Chinese Commercial Guide, Hongkong 1863,
hervor: danach betrug die jährliche Opiumeinfuhr in China während der
letzten 10 Jahre 70,000 Kisten. Das reichte für den Bedarf nicht aus und
beförderte die Produktion in China, wo gegenwärtig 20,000 bis 30,000
Kisten durch einheimische Pflanzer erzeugt werden. Die Nettoeinnahme in
Indien beträgt ungefähr 4,000,000 £ jährlich, das Produkt kostet der
Regierung etwa 400 Rupies (40 £) per Kiste. Der Opiumbau soll dort sehr
ausgedehnt und der Preis herabgesetzt werden, um das chinesische Opium
vom Markt zu verdrängen, was, wie man glaubt, stattfinden wird, wenn das
indische zu 450 Ds. per Kiste geliefert werden kann, während sein
Durchschnittspreis in den letzten 4 Jahren 800 Ds. betrug. Die
Gesammtausfuhr aus Indien von 1798-1855 betrug 1,197,041 Kisten und
stieg von 4000 Kisten im ersten Jahre auf 78,454 im letzten Jahre, die
indische Regierung zog daraus einen Gesammtgewinn von 67,000,000 £ und
darüber. 180,000 Kisten davon wurden in den malayischen Ländern
verbraucht.... In China wird das Opium in Schan-si, Schen-si,
Kwei-tschau, Yun-nan und Sze-tschuen gebaut. Sein Preis schwankt
zwischen 25 und 30 tael per 8-1/2 ℔ Englisch.[27] Auch in der Mongolei
und in Nord- China, sowie in Fuh-kien und Hün-nan wird der Mohn gebaut.
Der Werth des gegenwärtig in China eingeführten Opiums ist dem Werth der
Ausfuhr von Thee und Seide fast gleich. Als eine Errungenschaft des
letzten Krieges ist der Opiumhandel jetzt gesetzlich erlaubt. Der
Gebrauch der Droge hat sich über das ganze Reich verbreitet und seine
Billigkeit für Raucher, die fern von der Küste wohnen, wird den
Verbrauch wohl bedeutend steigern, sowie auch die damit verbundenen
Uebel ... Die Geschichte der Anstrengungen, welche die Beherrscher
dieses heidnischen Volks gemacht haben, um die Einführung des Opiums
abzuwehren, weil sie fühlten, dass es für die Einkünfte, die
Sittlichkeit und den Gewerbfleiss ihres Volkes schädlich war, und das
gänzliche Misslingen dieser Anstrengungen bildet eines der lehrreichsten
Kapitel in den chinesischen Annalen ...

Es ist zugleich die Geschichte der Anstrengungen des christlichen Volks
der Briten, um den „umnachteten Heiden” trotz allem Widerstande, durch
Schmuggel, Bestechung der Mandarine und offenbare Gewalt, ja sogar durch
zwei Kriege das Gift aufzuzwingen. Man sieht daraus, was es mit der
civilisatorischen Mission auf sich hat, wenn sie mit dem Eigennutz
kollidirt.

Dies hat unter der Ostindischen Kompanie stattgefunden. Jetzt aber steht
Indien und seine Opiumproduktion unmittelbar unter der englischen Krone,
die nun für eigene Rechnung Opium produzirt und verkauft, und auf jede
mögliche Weise das lukrative Gewerbe auszudehnen bemüht ist. Nach der
Times vom Mai 1865 ist der jüngste Ausfall im indischen Budget
hauptsächlich der über alle Maassen gesteigerten Opiumproduktion in
Indien zuzuschreiben (man hatte aus übergrossem Eifer weite Strecken
Landes, die dafür nicht geeignet waren, mit Mohn bebaut, auch fehlte es
an geübten Händen für die so sehr vermehrte Produktion).[28] Lockhart
druckt im „Medical Missionary in China” einen im Verein mit Rev.
Medhurst für ein Blaubuch geschriebenen Aufsatz über das Opium in China
ab, der viele interessante Thatsachen enthält; besonders geht daraus die
schnelle Ausbreitung des Lasters über das ganze chinesische Reich
hervor, „es hat als ein Bächlein begonnen und wäre jetzt eben so schwer
zurückzudrängen, als die Meeresfluth.”

Als Mittel der Abhülfe schlägt Lockhart der englischen Regierung vor,
den Opiumbau in ihrem Gebiet und den Transit durch ihr Gebiet ganz zu
untersagen; die englische Regierung zieht aber aus dieser Quelle
4,000,000 £ (nach Lockhart sogar 5,000,000 £)! Ausserdem empfiehlt er
das Gebet der Missionäre, Ermahnungen an die Chinesen und ähnliche
Mittel, auch fordert er die Opiumhändler in China auf, der Quelle ihrer
Reichthümer aus Rücksicht für ihre Nebenmenschen zu entsagen. Von allen
diesen Mitteln scheint das dritte noch das wirksamste, doch ist auch von
ihm nicht viel zu erwarten, denn die ungläubigen, genusssüchtigen,
eingebildeten, die Fremden verachtenden, auf ihre alte Kultur stolzen
Chinesen sind der schlechteste Rohstoff für christliche Missionäre. In
gleichem Maasse, wie die Nachfrage, wird auch die Opiumproduktion
zunehmen. Es wird wohl schwerlich ein anderes Mittel zur Beschränkung
des Missbrauchs erfunden werden, als das, welches sich in allen
ähnlichen Fällen bewährt hat: allgemeine Zunahme des Wohlstandes und der
Bildung und der in gleichem Maasse steigenden Selbstachtung und
Selbstbeherrschung.

Nach dem Urtheil mancher Aerzte und anderer am Opiumhandel nicht
Betheiligter soll mässiger Opiumgenuss nicht schädlicher sein als
mässiger Genuss von Spirituosen. Für diese Ansicht scheinen allerdings
die Tüchtigkeit und Körperkraft der chinesischen Bevölkerung von
Singapore zu sprechen, von der nach Dr. Little jeder Dritte ein
Opiumraucher sein soll. Manche geben sogar dem Genuss des Opiums den
Vorzug vor dem der Spirituosen. Jedenfalls ist der Opiumraucher für
seine Umgebung weniger lästig, da er sich während seines Rausches am
liebsten gegen die ganze Aussenwelt abschliesst, während sich der Säufer
aufdrängt und Händel sucht. Man sieht in den Ländern, wo Opium geraucht
wird, nicht die durch Völlerei veranlassten hässlichen Auftritte, ausser
in der Nähe der von europäischen, namentlich englischen Matrosen
besuchten Branntwein-Kneipen. Mässig genossen, befähigt es zum Ertragen
von Strapazen und Entbehrungen, denen der Mensch sonst erliegen müsste,
worüber Johnston's Chemistry of comm. life sehr schlagende Beispiele
enthält. Die grosse Gefahr liegt in dem zauberhaften Reiz, den das Opium
auf seine Verehrer ausübt, in der unwiderstehlichen Gewalt, die es über
ihre Willenskraft erlangt, in der Nothwendigkeit, die Dosis allmälig zu
steigern, um gleiche Empfindungen hervorzurufen. Daher ist es besonders
für reiche Wüstlinge verderblich, die weder durch den hohen Preis der
Droge noch durch ernste Beschäftigungen verhindert werden, dies immer
bereite Mittel zum Sinnenrausch anzuwenden.

Die in vielen ärztlichen und andern Büchern beschriebenen
physiologischen Wirkungen des unmässigen Genusses auf Geist und Körper
sind vielleicht noch abschreckender als die der Trunksucht.[29]
Abgesehen von den spezifisch verschiedenen physiologischen Folgen
nehmen unmässige Opiumraucher ein ähnliches Ende, wie Säufer. Sie
verlieren ihre gesellschaftliche Stellung, bringen sich und ihre Familie
in die tiefste Noth und sterben elend auf der Gasse. Darin stimmen Alle
überein, dass es sehr viel leichter ist, sich den Trunk abzugewöhnen,
als das Opium, wenn es einmal zur Leidenschaft geworden ist; Viele
halten es für unmöglich. Auch geschieht es nie ohne grosse Qualen des
Körpers und Geistes, und nur unter grosser Gefahr für die Gesundheit.
Lockhart erzählt aber, dass im Hospital von Shanghai Tausende von
Opiumrauchern behandelt wurden, von denen viele den Gebrauch aufgaben.

Ueber die oben angedeutete schnelle Zunahme des Opiumkonsums in
~England~ haben die dortigen Zeitungen schon oft berichtet, doch scheint
man in Deutschland von dem Umfang des Uebels keine Vorstellung zu haben.
Johnston sagt: „Der Opiumverbrauch in Grossbritannien ist, mit China
oder Indien verglichen, freilich unbedeutend, die Zunahme aber sehr
beträchtlich. Die eingeführte Menge betrug 1839, 41,000 ℔;
1852, 114,000 ℔: nach 15 Jahren fast das Dreifache!”

Johnston giebt leider ebensowenig wie Crawfurd die Quellen seiner Zahlen
an, und scheint zwischen Einfuhr und Verbrauch keinen Unterschied zu
machen, was bei steuerbaren Waaren richtig ist, da solche nur, nachdem
sie für den Verbrauch im Lande versteuert worden, in den Importlisten
aufgeführt werden, während die unversteuerten, für den Transit
bestimmten, bei der Wiederausfuhr unter „Transshipment” stehen. Bei
steuerfreien Gegenständen, wie Opium, trifft aber diese Annahme gewiss
nicht immer zu, da es keinen erheblichen Unterschied in den Unkosten
machen kann, ob man eine so theure, wenig voluminöse, steuerfreie Droge
vom eignen Lager oder von den Docks aus verschifft.

In dem Annual Statement of Trade and Navigation of the United Kingdom
1864 finden sich über Opium folgende Angaben:

             Import.     Export.    Transshipment.

  1859       141,168 ℔   79,059 ℔   90,794 ℔
  1860       210,867 „   98,072 „   91,922 „
  1861       284,005 „  290,120 „   53,580 „
  1862       221,381 „  146,337 „   57,820 „
  1863       254,314 „  110,101 „  104,756 „

Der mittlere Preis ist 1 £ per ℔.[30]

Nimmt man an, dass die Einfuhr nach Abzug der Ausfuhr den Verbrauch in
England darstellt, so erhielte man als das 5jährige Mittel 1859/63:
77609,2 ℔. Es ist aber sehr fraglich, ob diese Annahme zutrifft, da 1861
284,005 ein- und 290,120 ℔ ausgeführt, also 6115 ℔ mehr aus- als
eingeführt sind, während England doch kein Opium produzirt und viel
konsumirt. Bei einem Verbrauch von 77609,2 ℔ zu 7000 Gran und einer
Bevölkerung von 30,000,000 kämen 18,11 Gran jährlich auf den Kopf. Legt
man Johnston's Zahl 114,000 ℔ für 1852 zu Grunde, so erhält man 26,6
Gran per Kopf und Jahr. (Es muss aber auch berücksichtigt werden, dass
ein beträchtlicher Theil des in England verbrauchten Opiums zur
Darstellung des Morphins auch für das Ausland verwendet wird.)

Nach Crawfurd ist der Verbrauch in Singapore per Kopf und Jahr 330 Gran,
in China 140 Gran, in Java 40 Gran. Da aber bei der in China und
Hinterindien üblichen Art, das Opium im Wege des Rauchens zu geniessen,
die Hälfte seines Nutzeffekts verloren geht, so muss man diese Mengen
halbiren, um sie mit dem Konsum in England zu vergleichen. Man erhält
dann 165, 70 und 20 Gran gegen 18, resp. 26,6 Gran in England. Nach der
Angabe des Commercial Guide, dass China jetzt 100,000 Kisten per Jahr
verbrauche, erhielte man, die Kiste zu 70 Katti Tschandu (rauchbaren
Extrakt) = 93-1/3 ℔ engl. gerechnet, 163-1/3 Gran per Kopf und Jahr bei
einer Bevölkerung von 400 Millionen, d. h. für China so viel, als
Crawfurd für Singapore annimmt!

Johnston sagt, dass trotz der grossen Zunahme des Opiumverbrauchs in
England durchaus die statistischen Daten fehlen, auf welchen man die
Annahme begründen könnte, dass der Opiumgenuss schon jetzt unter der
Bevölkerung Grossbritanniens ein Nationallaster geworden sei oder bald
werden würde. Nach ihm soll die ländliche Bevölkerung noch frei davon
sein.

Eine England eigenthümliche Form des Opiummissbrauchs, dessen
ausgedehnte Verbreitung nach J. auf unbestreitbarem Zeugniss beruht, ist
aber die folgende: Die Mütter in den Fabrikstädten geben ihre Kinder an
Pflegemütter und diese beruhigen die Kinder und bringen sie in Schlaf
durch Opium. Rev. Clay gab an, dass allein in Preston 1843, 1600
Familien die Gewohnheit hatten, Godfrey's Cordial oder eine andre ebenso
schädliche Komposition zu gebrauchen, und dass in einem der
Begräbnissklubs jener Stadt 64% der Mitglieder vor dem fünften Jahre
starben.

Seitdem scheint sich aber das Uebel auch in der ländlichen Bevölkerung
eingebürgert zu haben, wie nachfolgende wörtlich übersetzte Stellen aus
dem 6^{th.} Report of the Medical Officers to the Privy Council 1863 pg.
81 zeigen:

    „Es kann, sagt Dr. Hunter, kein Zweifel an der Wahrheit der
    entsetzlichen Thatsache sein, die fast jeder Arzt in den
    Marschländern angiebt, dass daselbst keine Tagelöhnerwohnung zu
    finden sei, in welcher man nicht die Opiatflasche sähe, und kein
    Kind, das nicht davon auf eine oder andre Weise erhielte. In
    andern Gegenden, wo Frauen ausser dem Hause arbeiten, wie in den
    Fabrikstädten, wird es den Kindern von den Pflegemüttern
    eingegeben, und man braucht sich nicht zu wundern, dasselbe
    Verfahren hier in Anwendung zu finden; aber andre Umstände treten
    hinzu, die es zu einer allgemeinen Gewohnheit machen, dieses
    System des Dokterns in einer Ausdehnung zu betreiben, wie man es
    nur in dem fraglichen Distrikt kennt.

    Die schmerzhaften Rheumatismen und Neuralgien, die in den Mooren
    immer noch häufig sind (d. h. unter älteren Leuten, aber
    wahrscheinlich ohne allen Verdacht, dass kleine Kinder daran
    leiden), behandelt man allgemein durch reichlichen Gebrauch von
    Opium, und die ganze Bevölkerung ist mit dieser Droge durchaus
    vertraut geworden. Die Drogengrosshändler berichten, dass sie
    ungeheure Mengen nach diesen Gegenden senden, und die Drogenkrämer
    verkaufen oft bis zu 200 ℔ im Jahr[31]. Sie wird in Pillen und
    Penny-Stangen verkauft und ein Laden mit guter Kundschaft versieht
    wohl an einem Samstag Abend 300-400 Kunden mit diesem Artikel. Die
    Drogisten meinen, dass ihre grössten Konsumenten nicht die
    Bewohner der Dörfer oder kleinen Städte seien, in welchen sich ihr
    Laden befand, sondern vielmehr die Bewohner kleiner Weiler oder
    einzeln gelegener Bauernhöfe in den Mooren.

    Opium wird oft unter irgend einem rothwälschen Namen verlangt, und
    die damit verbundene Vorstellung ist die einer verbotenen Lust.
    Die Menge, die ein Opiumesser zu sich nehmen kann, ist oft
    angeführt worden (etwa eine halbe Unze täglich ist nicht
    ungewöhnlich), sie findet ihre Grenze eher im Preise, als in der
    Stärke der Droge. Ein Mann in Süd-Lincolnshire beklagte sich, dass
    seine Frau 100 £ für Opium ausgegeben habe, seit seiner
    Verheirathung. Man sieht mitunter auf dem Felde einen Mann im
    Schlaf, auf seine Hacke gelehnt, -- er fährt auf, wenn man ihm
    nahe kommt, und arbeitet eine Zeit lang rüstig weiter. Ein Mann,
    der ein schweres Stück Arbeit vorhat, nimmt seine Pille als eine
    Vorbereitung, und Viele trinken ihr Bier nie, ohne ein Stück Opium
    hineinzuwerfen. Um dem volksthümlichen Geschmack zu entsprechen,
    aber zur höchsten Unbehaglichkeit für Fremde, werden dem Bier
    narkotische Mittel von den Brauern oder Wiederverkäufern
    zugesetzt. Vor einem halben Jahrhundert wurde der Bau des
    Gartenmohns für den Londoner Drogenmarkt in diesem leichten Boden
    betrieben. Damals nahm der Landmann Mohntrank mit aufs Feld, und
    jetzt bildet der Mohnkopf, obgleich der Anbau des Artikels für den
    Handel fast aufgegeben ist, den Hauptbestandtheil der Kräuterthees
    und Hausmittel der Umgegend. Bei solcher Vertrautheit mit der
    Droge ist es kein Wunder, dass ein Jeder bereit ist, sie
    anzuwenden, um ein schreiendes Kind zu beruhigen, obgleich es dann
    sicher wieder schreit, sobald es erwacht. Opiumesser sollen immer
    Proselytenmacher sein und einem Kinde wohl Opium hinter dem Rücken
    der Mutter oder Amme geben. Die beliebteste Form für Kinder ist
    Godfrey's Cordial, eine Mischung von Opium, Syrup und einer
    Infusion von Sassafras. Es ist dickflüssig und wird häufig in
    einer Theetasse geholt. Wenn die Mutter auf Feldarbeit geht und
    ihr Kind einer Wärterin übergiebt, so hält sie es für das Beste,
    ihre eigene Flasche Godfrey zurückzulassen, denn die Praeparate in
    den verschiedenen Läden sind verschieden, und es giebt keinen
    kleinen Dorfladen, der überhaupt etwas verkauft, welcher nicht
    auch seinen eigenen Godfrey verkaufte. Den Absatz der Opiate in
    diesen kleinen Läden zu steigern, ist das eifrige Bestreben
    einiger unternehmender Grosshändler. Bei den Drogisten gelten sie
    für den „Haupt-Artikel” und der Gewinn daran ist gering, wenn er
    im rohen Zustande verkauft wird. Nicht selten ist es vorgekommen,
    dass eine Pflegeamme ihren eigenen Godfrey statt desjenigen ihrer
    Clientin gereicht, und über die Wirkung erschrocken, den Wundarzt
    herbeigerufen hat, der ein halbes Dutzend kleiner Kinder im Zimmer
    umherliegend antrifft, einige schnarchend, andere schielend, alle
    bleich mit hohlen Augen, und vergiftet.”

Auch unter den wohlhabenden Klassen soll der Gebrauch immer mehr
zunehmen, namentlich bei nervösen Frauen und geistig thätigen Männern in
Form von Medizin. Nach Angabe der Aerzte und Missionäre nehmen auch in
China die Meisten das Opium zuerst als schmerzstillendes, angenehm
erregendes Mittel und gewöhnen sich allmälig so an den Genuss, dass sie
ihm nicht mehr entsagen können. De Quincey's angeblich gegen das
Opiumlaster geschriebene Buch hat auch gewiss schon manchen Proselyten
unter müssigen Reichen gemacht.

Bei solchen Verhältnissen wird man unwillkürlich an eine geistreiche
Aeusserung Huc's erinnert (Chine I, 32). Nachdem er darauf aufmerksam
gemacht, wie die Engländer durch Konterbande, Bestechung der Beamten und
offene Gewalt trotz allem Widerstande der Regierung, das Opium in China
verbreitet haben, führt er an, dass es jetzt schon im Lande selbst
gebaut wird. In seiner allerdings sehr lebhaften Phantasie sieht er die
Zeit kommen, wo die Chinesen das Opium am billigsten produziren, dann
werden die englischen Schiffe, da der Verbrauch in England so schnell
zunimmt, ihren Bedarf aus China holen. Er schliesst mit der Bemerkung:
Beim Anblick dieser Schiffe, welche den giftigen Stoff aus dem
himmlischen Reich heimtragen, um England zu vergiften, wäre es erlaubt,
auszurufen: „Laissez passer la justice de Dieu!”

Nach der Tydschrift voor Staathuiskunde en Statistiek 1863 pg. 339 war
der Opiumverbrauch in Java 1854 48,660, 1855 61,602, 1856 70,787, 1857
84,629, 1858 91,300, 1859 99,807, 1860 105,537 Katti, in 6 Jahren mehr
als das Doppelte!

Die holländische Regierung ist ernstlich bemüht, den Opium-Konsum in
Java zu vermindern, hat aber auch noch kein wirksames Mittel ersinnen
können. Obgleich die Anzahl Opiumläden verringert wurde, stieg der
Verbrauch. Zu der so schnellen Steigerung in den letzten Jahren haben
Duymaer van Twist's wohlgemeinte, aber verfehlte Maasregeln beigetragen,
welche den Verbrauch zu beschränken beabsichtigten. Nach Bleeker betrug
die Bevölkerung von Java und Madura 1860: 12,718,717 Seelen, darnach
würde der Opiumverbrauch per Kopf 77,4 Gran für das Jahr 1860 betragen,
so dass Crawfurd's Annahme, die sich auf eine wenigstens 6 Jahr frühere
Zeit bezieht, wohl eher zu hoch als zu tief gegriffen ist.

Als die gewöhnliche tägliche Dosis eines Opiumrauchers in China giebt
Lockhart 1 Drachme an (Little nimmt für Singapore etwa halb so viel an),
woraus sich bei einer Einfuhr von 67,000 Kisten die Zahl der Raucher in
ganz China auf wenig über 2 Millionen berechnet (nach meiner Rechnung
fast doppelt so viel, da eine Kiste 70 Katti = 93-1/2 ℔ x 226 Drachmen
rauchbaren Extrakts enthält); manche verbrauchen bis 10 Drachmen per
Tag, dies sind aber nur die Reichen.

Ueber die Dosen, die ein Opiumesser in Europa zu sich nimmt, führt
Husemann, Toxicologie pg. 595, höchst auffallende Thatsachen an:

    „Eine der merkwürdigsten, dem Opium wohl mehr als irgend einem
    andern Narkotikum eigenthümliche Eigenschaft ist die
    ausserordentlich verschiedene Wirkung, die es in verschiedenen
    Ländern, auf verschiedene Rassen, auf verschiedene Individuen, in
    verschiedenen Lebensaltern, unter verschiedenen Idiosynkrasien
    hervorbringt. Auf Kinder ist die Wirkung ausserordentlich intensiv
    und inkonstant. Abgesehen von 2 vielleicht nicht ganz sicheren
    Fällen, wo 1/90 und 1/20 Gran tödtlich wirkten, sind viele Fälle
    bekannt, wo Kinder bis zu 5 Jahren durch 1/6 bis 1/2 Gran getödtet
    wurden.... Die Quantitäten, an welche sich Erwachsene gewöhnen
    können, sind wahrhaft erschreckend. Mir ist eine Dame bekannt,
    welche 1/2 Unze Opiumtinktur pro Dose nahm; Bäcker erzählt von
    einem Arzt, der täglich 30 Gran Opium in Substanz verzehrte. Die
    Confessions of an Opiumeater zeigen am besten, wie weit es ein
    Europäer bringen kann. Christison erzählt von einem alten Weibe,
    das 40 Jahre lang täglich 1/2 Unze Laudanum nahm; aber dies ist
    nichts gegen den Verfasser der Confessions, der es bis zu 8000
    Tropfen des „dread agent of unimaginable pleasure” brachte.[32]
    Nach Zeviani verzehrte ein Frauenzimmer in 33 Jahren 2 Zentner
    Opium, nach Krüger Hansen ein Kranker in 1 Jahr 4700 Gran.
    Christison erzählt sogar von einer Steigerung der Gabe bis zu 17
    Unzen Laudanum!”

    Als Fälle sonderbarer Idiosynkrasien bei Erwachsenen sind in
    demselben Werk angeführt: 3 Tage anhaltende Intoxication durch 1/2
    Gran Opium; Sopor nach 1/3-1/2 Gran Opium; Vergiftung durch 1 Gran
    Opium per Clysma.



Siebentes Kapitel.

    Gründung und schnelles Aufblühen Singapores. -- Rhiow. --
    Seeräuberei. -- Malayische Kronik. -- Uebersicht der
    Verkehrsverhältnisse, sonst und jetzt. -- Ausbreitung der Chinesen.
    -- Dampfschiffe.


Singapore ist sehr neuer Entstehung. Als die Holländer nach dem Frieden
von 1815 ihre ostindischen Besitzungen zurückerhielten, die ihnen die
Engländer während der französischen Kriege abgenommen hatten, breiteten
sie mit Eifer ihren Einfluss immer weiter über jene Meere aus durch
Besitznahme neuer Territorien und durch Verträge mit einheimischen
Fürsten, die ihnen grosse Vorrechte vor anderen Nationen einräumten. In
England sowohl als in Britisch-Indien wurde damals die grosse
Wichtigkeit des indischen Archipels für den Handel wenig gewürdigt, und
es möchte vielleicht den Holländern gelungen sein, ihre Nebenbuhler
zeitweis aus diesen Gewässern ganz zu verdrängen, wenn jene nicht in Sir
Stamford Raffles einen unüberwindlichen Gegner gefunden hätten. Dieser
hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Monopol der Holländer in
jenen Meeren zum Vortheil seiner Landsleute zu brechen. Mit eben so viel
Kühnheit als Geschick und Beharrlichkeit schuf er durch die Gründung von
Singapore einen Stützpunkt für den britischen Handel in demselben
Augenblick, als die Engländer durch die traktatmässige Rückgabe Malaccas
an die Holländer den letzten Quadratfuss Landes in jenen Gegenden
verloren. Der Plan sowohl, als die Ausführung und die spätere
Vertheidigung seiner Schöpfung gegen die heftigsten Angriffe sind fast
ausschliesslich sein Werk. Es würde zu weit führen, hier alle
Hindernisse aufzuzählen, die er zu bekämpfen hatte. Am heftigsten war
natürlich der Widerstand von Seiten der Holländer, die sich in ihren
vertragsmässigen Rechten gekränkt hielten. Aber auch bei seinen
Landsleuten fand Raffles nur geringe Unterstützung, von mehreren Seiten
grossen Widerstand. Besonders von Pinang aus, das in Singapore einen
gefährlichen Nebenbuhler erkannte, wurden ihm viele Schwierigkeiten
bereitet. In England, wo die schwache Regierung der ostindischen
Kompanie nichts gegen die Beschwerden des holländischen Gesandten
vermochte, und die Wichtigkeit der neuen Kolonie nicht gewürdigt wurde,
kam es so weit, dass Lord Bathurst im offenen Parlament Raffles
desavouirte. Auch von den Direktoren der Kompanie erhielt er einen
Verweis. Nur bei den Kaufleuten fand er einige Unterstützung.

Schon 1818 hatte Raffles dem damaligen General-Guvernör von
Britisch-Indien einen Plan vorgelegt, um mitten im Archipel, am Ostende
der Malaccastrasse, als Gegengewicht gegen den holländischen Einfluss
ein Emporium zu gründen, und als im Januar 1819 Malacca aufgegeben
wurde, zauderte Raffles nicht länger mit der Ausführung. Ohne vorher auf
Instruktionen aus England zu warten, zum Theil auf eigene
Verantwortlichkeit, da er Gefahr im Verzuge sah, verschaffte er sich
bereits am 6. Februar 1819 ein Stück Land am südlichen Rande der Insel
und begann sofort die Gründung einer Stadt. Erst am 2. August 1824
schloss Crawfurd einen neuen Vertrag, wodurch den Engländern die ganze
Insel und Alles, was in einem 10 Miles breiten Gürtel darum liegt, mit
Ausnahme des entsprechenden Streifens auf der Halbinsel Johor,
überlassen wurde. Es befinden sich in diesem Gürtel 75 kleine Inseln,
deren Flächeninhalt zusammen 17 □Miles beträgt. Singapore hat
206 □Miles (ungefähr 10 deutsche Quadratmeilen), die ganze Besitzung
also 223 □M.

Ich erwähne nicht die diplomatischen Verhandlungen mit den einheimischen
Häuptlingen, deren Dispositionsfähigkeit die Holländer bestritten, noch
die Konflikte mit den letzteren, da sie zu verwickelter Art und von zu
lokalem Interesse sind, führe aber am Schluss dieses Abschnitts einige
Stellen aus einer von Raffles' malayischem Schreiber verfassten Kronik
an, welche auch als ein Beispiel der Auffassungsweise eines sehr fähigen
Eingebornen von Interesse sind.

Damals war Singapore eine von dichtem Urwald bedeckte Insel, ein
Zufluchtsort der gefürchtetsten Seeräuber. Etwa 700 Jahre früher war von
Palémbang aus eine Stadt Singa-pura (Löwenstadt) auf der Insel gegründet
worden, die aber später von den Siamesen (?) zerstört wurde. Seit
Jahrhunderten war Alles wieder mit dichtem Walde bedeckt. Erst 1811
hatte sich der Tumongong von Johor, Vater des S. 52 erwähnten, selbst
einer der verrufensten Seeräuberfürsten, am Südrande der Insel mit einem
Gefolge von etwa 150 Mann niedergelassen.

Eine der grössten Schwierigkeiten für Raffles war die Beschaffung eines
~Besitzers~ der Insel, von welchem diese rechtsgültig an die Engländer
abgetreten werden konnte. Unter den verschiedenen Prätendenten, die nach
dem Tode des letzten Sultans von Johor um die Erbschaft stritten, wählte
Raffles den Tuanko-Long, dessen Anrechte durchaus nicht ohne Zweifel
waren, und selbst diesen musste er den Holländern mit grosser
Heimlichkeit und List aus Rhiow entführen. Die Holländer hielten darauf
den Bruder Tuanko-Long's als Gegenkandidaten aufrecht, und Jahre lang
bekämpften sich die beiden Seemächte hinter diesen vorgeschobenen
Puppen. Erst 1824 wurde die Besitznahme von Singapore ausdrücklich durch
die Holländer anerkannt. Aber unter allen diesen Stürmen hatte sich der
gelegte Keim so schnell und kräftig entwickelt, dass Raffles bei seinem
letzten Besuch, 1823, die Freude hatte, in der erst 4 Jahre alten
Kolonie eine Bevölkerung von 10,000 Seelen und einen Handel von 2
Millionen Pfund Sterling vorzufinden![33] Der Grund des schnellen
Aufblühens liegt einerseits in den freien Institutionen, die immer dort
geherrscht haben, andererseits in der günstigen Lage am äussersten Ende
der malayischen Halbinsel. Da Vorder- Indien und China viel weiter
nördlich endigen, während die Halbinsel sich fast bis an den Aequator
erstreckt, das Meer dort überdies frei von Gefahren und Stürmen ist, so
drängt sich die ganze Schifffahrt zwischen Indien und China unmittelbar
an Singapore vorbei, so dass die Rhede dieser Stadt einen Theil der
grossen Handelsstrasse selbst ausmacht.

Die völlige Freiheit von allen Abgaben und aller Kontrolle, den
drückenden Monopolen gegenüber, die bis dahin immer alle in jenen Meeren
herrschende europäische Nationen zur Ausschliessung fremder Flaggen
aufrecht erhalten hatten, andererseits die Sicherheit der Person und des
Eigenthums gegenüber der Rechtlosigkeit und Lebensgefahr in den Staaten
der einheimischen Fürsten, machten Singapore bald zum Stapelplatz der
Produkte des ganzen Archipels sowohl, als zu dem der europäischen,
namentlich englischen Waaren, die von hier aus ihre Weiterverbreitung
nach allen Inseln und nahe gelegenen Küstenländern fanden. Der
Schifffahrt zwischen Indien und China bot Singapore auch grosse
Bequemlichkeiten als eine gerade in der Mitte gelegene Station. Dazu
kommen noch sehr günstige klimatische Verhältnisse, eine für die Lage
milde Temperatur, und trotz des Rhizophorensaumes, der den grössten
Theil der Insel umgiebt, sehr gesunde Luft. Den Chinesen entgingen die
Vortheile nicht, welche ihnen die englische Niederlassung darbot. Sie
strömten massenweis herbei, die Regierung begünstigte ihren Zuzug, da
sie als fleissige Arbeiter unter den trägen Völkern Hinterindiens
willkommen waren.

1826/28 erklärten die Holländer das nahe gelegene Rhiow, auf der Insel
Bintang,[34] zum Freihafen, in der Hoffnung, dadurch einen Theil des
Handels von Singapore abzuziehen und ihm einen Nebenbuhler zu schaffen.
Die Maasregel erwies sich aber als eine verfehlte, denn schon war
Singapore der Mittelpunkt eines grossen Weltverkehrs geworden: es besass
reiche Handelshäuser, Agenturen, Banken, Versicherungsgesellschaften und
grosse Waarenmagazine; -- Rhiow hatte nicht Einen Vorzug vor Singapore.
Selbst in der Lage, worin es ihm noch am meisten nahe kommt, steht es
ihm nach, da die zwischen Indien und China fahrenden Schiffe, um Rhiow
zu erreichen, einen Umweg machen müssen, während sie an Singapore
vorüberfahren, ohne einen Strich aus ihrem Kurs zu weichen. Auf Rhiow
besteht ~kein~ grosses Handelshaus; mehrere, die sich daselbst
aufthaten, wurden mit grossem Verlust wieder aufgelöst. Es ist fraglich,
ob sich die Holländer nicht geschadet haben, indem sie Rhiow zum
Freihafen erklärten, jedenfalls hat aber Singapore dadurch gewonnen, da
der Schmuggelhandel, der von dieser Stadt nach den niederländischen
Besitzungen getrieben wird, dort eine bequeme Station findet.

Ausser Raffles hat Singapore seine schnelle Entwicklung lediglich sich
selbst zu danken. Man kann sich nicht der Betrachtung entziehen, wie in
diesen sonst nur den Monopolen und der Willkür verfallenen Ländern die
Einführung gesunder, freihändlerischer Grundsätze die glänzendsten
Erfolge herbeigeführt hat: In diesem Hafen giebt es weder Einfuhr-, noch
Ausfuhrzölle, Schiffe aller Nationen sind frei von jeder Abgabe. Jeder
kommt und geht, woher und wohin es ihm beliebt.

Anfänglich stand Singapore unter der Regierung von Bencoolen (Sumatra),
dessen Guvernör Raffles war. 1826, als die Engländer gegen ihre
Besitzungen in Sumatra Malacca von den Holländern eintauschten, kam es
mit dieser Kolonie zusammen unter Pinang. 1830 erhielten Singapore,
Malacca und Pinang unter dem Namen „The Straits Settlements” einen
gemeinschaftlichen der Regierung von Bengalen untergeordneten Guvernör;
die Lokalverwaltung in jeder Kolonie führt ein Resident-Councillor.
Bisher hat aber die Bengalische Regierung auf die Entwicklung
Singapores eher hemmend, als fördernd gewirkt. Der Guvernör der
Kolonien in der Meerenge hat sehr wenig Macht und muss sich oft selbst
in reinen Lokalsachen nach Kalkutta wenden, wo die dringendsten
Verbesserungsvorschläge häufig unbeachtet liegen bleiben. Wenn einige
von dort ausgegangene Verordnungen, die für Singapore die schlimmsten
Folgen gehabt haben würden (Einführung von Tonnengeldern,
Einfuhrzöllen, einer neuen Geldwährung u. a.), nicht zur Ausführung
kamen, so ist dies nur der Wachsamkeit und Energie seiner europäischen
Bevölkerung zuzuschreiben, die gegen dergleichen Beschlüsse lebhaft
opponirte und sich direkt an das englische Parlament wendete, von dem
sie rückgängig gemacht wurden. Nicht mit Unrecht warf man der Regierung
von Kalkutta vor, dass Singapore für sie kein anderes Interesse habe,
als das einer Station zur Deportation von Sträflingen. Seine grosse
Wichtigkeit für den Handel scheint dort nie volle Würdigung gefunden zu
haben. Allem Anscheine nach wird aber binnen Kurzem die Verwaltung
dieser blühenden Besitzungen von der indischen Regierung unabhängig
gemacht und unmittelbar unter das Kolonialministerium gestellt werden.

Einer der grössten Uebelstände, die aus der Machtlosigkeit der Regierung
von Singapore hervorgehen, ist ihre Unfähigkeit die Seeräuberei zu
unterdrücken, die eher zu- als abzunehmen scheint. Wegen der
Unsicherheit der dortigen Meere sind alle Schiffe bewaffnet, und wenn
die Gelegenheit günstig ist, so greift das stärkere das schwächere an;
nur ein sehr geringer Theil der Räubereien wird bekannt. -- In seinem
Bericht von 1859 klagt der Guvernör, dass die Seeräuberei im
verflossenen Jahre sehr zugenommen habe, sowohl in Form von eigens
ausgerüsteten Unternehmungen in grossem Massstab, als von Strassenraub
auf offenem Meere, häufig von Mord begleitet; erstere in Junken, die in
Singapore armirt werden.

Die Spanier und Holländer haben bisher mehr zur Vernichtung des
Seeraubes im Archipel gethan als die Engländer. Am meisten hat aber wohl
im Verhältniss zu seinen Mitteln ein englischer Privatmann, Sir James
Brooke, der Rajah von Sarawak, geleistet. Wenn sich nicht alle vier
Seemächte, die jetzt in jenen Meeren Kolonien haben, zu
gemeinschaftlichen Massregeln auf längere Zeit vereinigen, wird es wohl
nicht gelingen, die Seeräuberei auszurotten, denn viele unbewohnte
Küsten und kleine Inseln gewähren Zufluchtsstätten, welche häufig mit
Kokos- und Sago-Palmen versehen, und von einem schützenden Wall von
Rhizophoren-Wäldern oder Korallenriffen umgürtet sind, die Trepang,
Muscheln, Schildkröten und Fische liefern, und nur durch schmale, den
Seeräubern allein bekannte, nur für ihre kleinen Boote zugängliche
Kanäle unterbrochen sind. Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern
bemannten Boote sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer
ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne
an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser
ragenden, und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren „Pankos”
gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen. Auch wechseln die Räuber
wohl Nachts ihren Aufenthalt, wenn Gefahr in der Nähe ist.

Sehr gegen den Willen der Bevölkerung hat die britisch-indische
Regierung seit dem letzten chinesischen Kriege in Singapore grosse
Befestigungen anlegen lassen, und unterhält jetzt daselbst eine
kostspielige Garnison. Singapore fühlte sich hinreichend sicher in
seinen freien Institutionen. Als neutrales Gebiet und Jedem offenes Asyl
hat es einen zu grossen Werth für alle Völker Hinterindiens, als dass
ernstliche Unruhen zu befürchten wären. Der Plan, die Stadt zu
befestigen, entstand während der indischen Revolution in Kalkutta; man
wollte den Europäern im Fall einer Empörung der Chinesen dadurch den
nöthigen Schutz gewähren. Jene finden aber ihre Sicherheit in der
Verschiedenheit der Elemente, aus welchen die dortige Bevölkerung
besteht, in dem damit verbundenen Rassenhass und viel mehr noch in dem
Interesse, das Alle gemeinschaftlich an der Aufrechthaltung der nöthigen
Ruhe und Ordnung haben. Ueberdies fürchtet man, dass im Fall eines
Krieges mit einer europäischen Seemacht Singapore grade jetzt wegen
seiner Befestigungen der Beschiessung und Zerstörung durch feindliche
Schiffe ausgesetzt sein würde.

       *       *       *       *       *

In der oben (S. 82) erwähnten Kronik (Journ. Ind. Arch. 1854, S. 585)
heisst es:

    .... Zu jener Zeit wagte kein Sterblicher durch die Strasse von
    Singapore zu fahren, selbst Djins (Genien) und Teufel fürchteten
    sich, denn dies war der Ort, den die Seeräuber benutzten, um dort zu
    schlafen und nach einem glücklichen Angriff auf die Prauen oder
    Boote eines Schiffes ihre Beute zu theilen. Dort brachten sie auch
    ihre Gefangenen um, und sie selbst bekämpften und tödteten sich
    gegenseitig bei ihren Streitigkeiten um Theilung der Beute....

    Was die Seemenschen, Oranglaut, betrifft, welche in Prauen leben, so
    sind sie wie wilde Thiere; wenn sie irgend Jemandem begegnen, so
    rudern sie gewöhnlich an's Land; wenn sie aber nicht Gelegenheit
    haben, auf diese Weise zu entkommen, so springen sie über Bord und
    tauchen wie Fische. Eine halbe Stunde vielleicht bleiben sie unter
    Wasser, worauf sie 100 oder 200 Faden entfernt wieder erscheinen.
    Männer, Weiber und selbst Kinder sind in dieser Beziehung gleich. Es
    ist unmöglich, ihre Bestürzung zu schildern, wenn sie civilisirte
    Menschen erblicken. Ihre Gesichter sehen aus, als wären sie einem
    Tiger begegnet. Mr. Farquhar bemühte sich, sie durch Geschenke von
    Reis, Geld und Kleidern zu ermuthigen, so dass sie bald zutraulich
    wurden; aber einige derer, die keine solche Gelegenheit hatten,
    waren dermaassen von Furcht befangen, dass ihnen unwohl wurde, und
    ein Bursche ertrank Teluk-ayer gegenüber ...

    Jeden Morgen pflegte Mr. Farquhar (Raffles' Agent) herumzugehen, um
    das Land zu untersuchen, aber es war mit hohem Walde bedeckt,
    ausgenommen die Mitte der Ebene, wo nur Karmuntink- und
    Sikadudu-Büsche mit einigen Kaladbäumen standen, die Seeküste war
    bedeckt mit Ambong und Malpari und Aeste davon lagen umhergestreut,
    auf der andern Seite des Flusses stand Mangrove und Seraju mit
    umherliegenden Aesten. Es war nicht ein Fleck guten Landes
    vorhanden, ausser einem Stück, 10 Faden breit, das Uebrige war eine
    Sumpffläche, ausgenommen die Hügel....

    Längs des ganzen Strandes lagen Hunderte menschlicher Schädel,
    einige alt, andre frisch, deren Haar noch daran sass, einige mit
    noch scharfen Zähnen und andre ohne Zähne, kurz in verschiedenen
    Stufen der Verwesung. Die Seemenschen wurden gefragt, wessen Schädel
    dies seien. Sie antworteten: „Dies sind die Köpfe von Menschen, die
    von den Seeräubern erschlagen worden sind. Wo immer diese Leute
    Prauen oder Schiffe angreifen, so kommen sie nach Singapore, um die
    Beute zu theilen. Hier zanken sie sich und tödten einander bei
    Vertheilung des Raubes. Einige ihrer Gefangenen binden sie am Rande
    des Strandes fest und versuchen ihre Waffen an denselben.” ...

Ueber die Unterredung mit Tuanko-Long, der heimlich aus Rhiow geholt
worden war, heisst es in der Kronik:

    „Mr. Raffles benahm sich mit grosser Höflichkeit und Hochachtung
    gegen Tuanko-Long. Ersterer begann das Gespräch mit einem Gesicht
    von Lächeln umkränzt, sehr liebreich und seinen Kopf neigend, kurz,
    sein Benehmen war süss, wie ein Meer von Honig. Wäre eines Menschen
    Herz von Stein gewesen, so hätte es schmelzen müssen beim Hören der
    sanften, süssen Worte des Mr. Raffles. Seine Stimme war wie
    entzückende Musik und darauf berechnet, Angst und Misstrauen aus den
    innersten Gedanken zu verscheuchen. Wie die tobende See, die gegen
    ein Korallenriff anprallt, sich legt, wie auf den herumschweifenden
    Wind in dunkler, stürmischer Nacht stilles, heiteres Wetter mit
    milden, duftigen Lüften folgt, im goldenen Licht eines vollen
    Mondes, so war die Wirkung der Aufrichtigkeit und Offenheit Mr.
    Raffles' auf Tuanko-Long. Freude verdrängte plötzlich den Kummer und
    sein Antlitz übergoss sich mit Huld. Sobald Mr. Raffles diese
    Veränderung wahrnahm, stand er auf, ergriff Tuanko-Long bei der
    Hand, führte ihn in eine Privat-Kajüte, wo sie bei verschlossenen
    Thüren zusammen sprachen, so dass Niemand den Gegenstand ihres
    Gespräches kennt. Nachdem sie also einige Zeit eingeschlossen
    gewesen, erschienen sie wieder, beide mit lächelndem Antlitz und
    einander die Hände gebend.”

Darauf landete Raffles mit Tuanko-Long, der immer noch grosse Angst
hatte, dass man ihn als Gefangenen nach Kalkutta bringen wolle. Tuanko
musste seine kostbarsten Kleider anlegen, worauf ihn Raffles im Namen
des General-Guvernörs von Indien zum König von Singapore proklamirte,
mit dem Titel „Sultan Mohamed Schah von Singapore und den dazu
gehörenden Buchten, Flüssen und Provinzen.”

Sobald Tuanko-Long Sultan von Singapore geworden war, trat er es an die
Englische Kompanie ab; er erhielt dafür einen Monatsgehalt von 416-1/4
Dollars, der Tumongong die Hälfte. Später wurden die Gehalte bezüglich
auf 1000 und 700 Dollars erhöht.

       *       *       *       *       *

Wie glänzend auch die von Raffles für seine Schöpfung gehegten
Erwartungen sich erfüllten, so scheint doch Alles anzudeuten, dass in
den nächsten Jahrzehnten der Verkehr in jenen Meeren sich noch in viel
schnellerem Maasse entwickeln wird als bisher. Und in demselben Maasse
wird auch die Bedeutung von Singapore als Zentralpunkt der dortigen
Schifffahrt zunehmen. Es scheint bestimmt, im fernen Osten ein zweites
Cowes werden zu sollen.[35]

Beim Anblick der bunten, ungewöhnlichen Flaggen, die auf der Rhede von
Singapore neben einander wehen, wird man unwillkürlich angeregt zur
Betrachtung der grossen Veränderungen, die in den Ländern des fernen
Ostens in neuester Zeit stattgefunden haben. In Europa erregen sie,
ausgenommen bei den am Seehandel Betheiligten, durchaus nicht die
Aufmerksamkeit, welche ihre der Erschliessung eines neuen Welttheils
gleichkommende Bedeutung verdient. Ein schneller Ueberblick derselben
wird daher gewiss von Interesse sein:

Bei der Gründung Singapores bestand in Vorder-Indien noch das
Privilegium der ostindischen Kompanie, der Handel mit China war ein
Monopol derselben und fand nur unter grossen Beschränkungen der
chinesischen Regierung statt. Japan,[36] Cochinchina, Anam, Siam, Birma
waren gänzlich, die holländischen und spanischen Kolonien, ebenso wie
die englischen mehr oder weniger gegen fremde Flaggen verschlossen, und
in den nicht unter europäischer Oberhoheit stehenden Malayenländern
wurde mehr Seeraub als Handel getrieben.

Gegenwärtig ist Vorderindien frei von allen Privilegien und Monopolen
(mit Ausnahme des Opiummonopols) und macht Riesenfortschritte. Nach
Unterdrückung des furchtbaren Militäraufstandes hatten die Engländer zu
wählen zwischen dem alten brutalen Mittel, ihre Herrschaft durch
ruinöse Militärgewalt aufrecht zu erhalten, und dem kühneren,
staatswissenschaftlichen, durch Entwicklung der natürlichen
Hülfsquellen, milde Verwaltung, Schutz des Eigenthums, die Bevölkerung
an sich zu fesseln. Sie wählten das letztere, und der Erfolg ist ein
beispielloser in der Kolonialgeschichte! Eine nach dem Kriege
aufgenommene Anleihe von 100 Millionen wurde hauptsächlich auf
grossartige Eisenbahnbauten, Kanalisation, Strassenbau und ähnliche
produktive Anlagen verwendet; grosse Gebiete unfruchtbaren
Steppenlandes wurden durch Bewässerung in reichen Kulturboden
verwandelt. In den letzten Jahren vor der Revolution hatte die
Ostindische Kompanie trotz allen Monopolen und drückenden Steuern ein
jährliches Defizit von 14,000,000 £ (fast 100 Millionen Thaler); die
schweren Steuern wurden ermässigt und geben seitdem einen viel
grösseren Ertrag, so dass schon 1863 das indische Budget, nachdem 6
Millionen auf Tilgung der Staatsschuld und 31 Millionen auf öffentliche
Bauten (namentlich Strassen) verwendet worden, einen ~Ueberschuss~
ergab!

Nur durch die schnelle Anlage von Verkehrsmitteln war es Indien möglich,
so grossen Vortheil aus der Baumwollenkrisis zu ziehen. Die Indier
fühlen sich jetzt mit Stolz als britische Unterthanen und haben alle
Ursache dazu, da Alle, Weisse und Indier, vor dem Gesetz gleich sind.

Birma, das vor 40 Jahren ein Seegestade von 1200 Miles, von Bengalen bis
Junk-Ceylon besass, hat durch zwei Kriege (1825 und 1852) seine
sämmtlichen Küstenprovinzen an die Engländer verloren und ist jetzt ein
ohnmächtiger Binnenstaat. Seitdem haben sich aber Akyab, Bassein und
namentlich Rangun unter liberaler englischer Verwaltung zu wichtigen
Handelsplätzen erhoben, durch welche die grosse Reisproduktion des
Irawaddideltas erst ihren normalen Werth im Welthandel findet. Durch
einen 1865 abgeschlossenen Vertrag ist auch der Irawaddi den Europäern
geöffnet worden, der wohl bald eine der wichtigsten Wasserstrassen der
Welt werden wird, weil er die südwestlichen Provinzen Chinas direkt mit
dem Meere verbindet. Der aufgeklärte König von Siam, durch das Schicksal
Birma's gewarnt, schloss rechtzeitig (1856 und später) mit den
europäischen Mächten Verträge, die denselben das bisher verschlossene
Land eröffneten.

In Cochinchina sind die Franzosen auf ihre Weise bemüht, eine Kolonie zu
gründen; sie haben Festungen und Kasernen erbaut und machen durch ihre
Militärmacht ihren Einfluss auf Cambodia und Anam geltend. Ob sie neben
dem Ruhm für die Idee des Christenthums und der Civilisation gekämpft zu
haben, auch materielle Vortheile erzielen werden, muss die Zukunft
lehren.[37] Jedenfalls wird die Bedeutung Saigons schnell zunehmen, da
es ein äusserst fruchtbares Hinterland mit dichter, arbeitsamer
Bevölkerung hat, die bisher allen Rechtsschutzes entbehrte. Auch hier
ist bis jetzt Reis fast der einzige Ausfuhrartikel.

In China sind seit dem Vertrag von Tien-tsin 13 Häfen geöffnet (die auf
Hainan und Formosa einbegriffen) und der Verkehr wächst mit reissender
Schnelligkeit.[38] Englische, amerikanische und deutsche Rhederei haben
die Junken fast ganz vom Küstenhandel verdrängt, und tief ins Innere des
Reichs, den Yantsekiang hinauf, dringt amerikanische und englische
Dampfschifffahrt. Spanische, französische und holländische Schiffe,
durch schützende Tarife in ihren eignen Kolonien verwöhnt, scheinen die
freie Konkurrenz nicht ertragen zu können, und sind bis jetzt
verhältnissmässig wenig betheiligt. Russland hat an der Mündung des Amur
eine Kolonie errichtet. Alle Versuche Japans, trotz der eingegangenen
Verträge wieder in seine alte Abgeschlossenheit zurückzukehren, erzielen
das Gegentheil dessen, was sie bezwecken, da jede Vertragsverletzung
neue Zugeständnisse für die Fremden zur Folge hat. Nur Korea ist noch
ebenso verschlossen wie immer, aber der Unternehmungsgeist der Kaufleute
in Japan, Niutschwang und Nikolajewsk wird dies gewiss nicht viel länger
dulden. Die Spanier haben in den Philippinen ihre Tarife ermässigt und
neben Manila, dem einzigen Hafen, in welchem bisher der Verkehr mit dem
Auslande gestattet war, vier neue Häfen eröffnet: Sual auf Luzon, Yloylo
auf Panay, Cebu auf der gleichnamigen Insel, und Zamboanga auf Mindanao,
Durch die Gründung von Sarawak hat sich auf der N-W.-Küste von Borneo
mit ihrem Antimon- und Kohlenreichthum und ihren Sagowäldern ein
beträchtlicher Handel entwickelt und wenn auch Labuan seinen
ursprünglichen Zweck, die Seeräuber der Nord- und Westküste in Zaum zu
halten, schlecht erfüllt, so wird es durch seine reichen Kohlenlager,
die erst jetzt im Grossen ausgebeutet werden, und für 2 £ per ton nach
Singapore und Hongkong geliefert werden können, sehr zur Vermehrung der
Dampfschifffahrt beitragen.[39] In Niederländisch-Indien scheint dem
früher so gepriesenen „Kultur-System”, einem genial ausgedachten mit
Konsequenz durchgeführten System von Regierungsmonopolen im grössten
Maasstabe trotz der bedeutenden Ueberschüsse, die es jährlich dem
Mutterlande lieferte, keine lange Dauer mehr bevorzustehen, da es jetzt
ausgemacht ist, dass die Ueberschüsse nur durch die seit Jahren immer
steigenden Kaffeepreise erzielt werden. Fallen die Kaffeepreise, so
fällt das Kultursystem, durch welches bis jetzt europäischer
Unternehmungsgeist von dem ausserordentlich reichen Felde, das ihm
Niederländisch-Indien darbietet, fast gänzlich ausgeschlossen war.
Australiens Bedeutung wächst mit der nur den Goldländern eigenen
Schnelligkeit, Queensland hat fast die Nordküste erreicht, eine neue
Kolonie wird westlich vom Golf von Carpentaria errichtet; bestätigt es
sich, dass das Klima dort weniger ungünstig ist als an andern Punkten
dieser Küste, so wird sie gewiss schnell Bedeutung erlangen.

Erwägt man, dass China mit einer Bevölkerung von mehr als 400
Millionen, Japan mit 50 Millionen, Cochinchina, Anam, Siam, Birma mit
wenigstens 25 Millionen hermetisch verschlossen waren und erst jetzt in
den allgemeinen Weltverkehr hineingezogen worden sind, so lässt sich
wohl voraussehen, dass in jenen Meeren Handel und Schifffahrt einen
Aufschwung nehmen müssen, wie er in der Geschichte ohne Beispiel ist.
Kein Wunder, wenn die Seemächte bemüht sind, sich dort neue Stützpunkte
zu schaffen, um sich einen Antheil an der reichen Ausbeute zu sichern.

Die neue auf gesunden Freihandelsprinzipien gegründete Kolonialpolitik
hat in jenen Meeren beispiellos glänzende Erfolge erzielt. Statt nach
dem Kriege grosse Gebietsabtretungen zu verlangen, die nur durch
kostspielige Militärverwaltung zu behaupten gewesen wären, begnügte man
sich in China, Japan, Siam mit dem Raum zur Errichtung von Kontoren und
Speichern, die den Regierungen nichts kosten als die Besoldung der
Konsulate. Unter solchen Verhältnissen ist Shanghai, an der Mündung des
Yantsekiang, erst 1844 den Europäern geöffnet, in 20 Jahren der grösste
Handelsplatz von ganz Asien geworden, -- nur London, Liverpool und
Neu-York übertreffen es noch an Tonnenzahl.

So schlagenden Beispielen gegenüber kann sich die eifersüchtige Monopol-
und Exklusionspolitik, wo sie noch als ein Vermächtniss aus früherer
Zeit besteht, nicht mehr lange halten. Freisinnigere, humanere
Anschauungen kommen immer mehr zur Geltung, und ihnen gehört die Zukunft
um so sicherer, als nicht Wohlwollen, sondern Eigennutz zu ihrer Annahme
zwingt. Die gegenseitige Eifersucht tritt nur noch da zu Tage, wo es
sich um Gründung neuer Kolonien handelt. Denn obgleich diese in den
ersten Jahren immer grosse Kosten verursachen und gewöhnlich, wenn sie
herangewachsen sind, nicht gern die Bevormundung des Mutterstaats
ertragen, so ist ihre Gründung für diesen dennoch ein grosser Gewinn:
die eingeborne Bevölkerung wird von Anfang an an die Produkte des
Mutterlandes gewöhnt; die Schifffahrt des letzteren, seine Industrie,
sein Handel nehmen einen grossen Aufschwung. Die Ansiedler lernen die
Hülfsmittel des Landes, die Produkte, den Geschmack der Eingebornen
kennen und leiten den Handel in eine Bahn, aus welcher fremde Nationen
gewöhnlich nur einen geringen Theil abzulenken vermögen.[40]

Die Erwartungen für die Zukunft gestalten sich aber noch viel
glänzender, wenn man einen zweiten Faktor in Betracht zieht: ein grosser
Theil der Bevölkerung der neu erschlossenen Länder war unter dem Druck
unbeschränkter Willkürherrschaft besitzlos. In China hatten Vorurtheil
und die gegen die Auswanderung errichteten Schranken die Arbeitskräfte
der ungeheuren Volksmenge so aufgestaut, dass sie wie in einem
abgeschlossenen See stagnirten und einen so geringen Werth hatten, dass
der angestrengteste Fleiss, verbunden mit der grössten Sparsamkeit und
Genügsamkeit kaum ausreichende Mittel für das blosse Leben gewährten.
Wie sehr aber werden Verkehr und Handel zunehmen, wenn diese latenten
Arbeitskräfte durch Auswanderung auf den günstigsten Boden versetzt,
unterstützt, von europäischem Kapital, das immer mehr seine Scheu vor
fernen Unternehmungen verliert, sich dem Anbau von Kolonialprodukten
widmen; dann werden Millionen von Proletariern zu Konsumenten werden.

Alles scheint darauf hinzuweisen, dass die Ausbreitung der Chinesen
wenigstens über die heissen Länder der Erde, wo Europäer nicht mit ihnen
konkurriren können, in den nächsten Jahrzehnten sehr zunehmen wird.
Ueber die indo-chinesische Halbinsel und den indischen Archipel sind sie
schon jetzt zahlreich verbreitet; langsam aber stetig dringen sie in
die Philippinen und in Niederländisch-Indien ein; die Nordküste von
Australien bietet ihnen ein neues fruchtbares Feld, das ihnen nicht, wie
in Südaustralien durch europäische Kolonisten streitig gemacht werden
dürfte. Die Zuckerproduktion von Bourbon ist hauptsächlich in Händen von
Chinesen, die meist von Bombay aus dahin gingen, in Tahiti bauen sie
jetzt Kaffee und Baumwolle. In Westindien haben chinesische Kulis schon
auf vielen Inseln die Negersklaven ersetzt; vielleicht ist ihnen auch in
den Südstaaten der Union diese wichtige Rolle vorbehalten.

Wie schnell aus einem armen Proletariat ein arbeitsames, wohlhabendes
Volk werden kann, zeigt die neueste Geschichte Vorderindiens auf
glänzende Weise. Von den grossen Reichthümern, welche die
Baumwollenkultur während des amerikanischen Krieges nach Indien gebracht
hat, ist oft in den Zeitungen die Rede gewesen (1861: Werth der
Baumwolle: 900,000 £; 1862, obgleich das Quantum kaum grösser war:
1,500,000 £; 1863: 4,300,000 £ Times, 15. Februar 1864.) Weniger dürfte
in Deutschland von den glänzenden Ergebnissen der Theekultur bekannt
geworden sein; sie sind so überraschend, dass ich wenigstens ganz kurz
einige Daten anführen möchte:

    Nach einem Bericht von Sir Robt. Montgomery (Times, 16. Februar
    1865) bedecken auf den westl. Vorbergen des Himalaya, wo vor 4
    Jahren nicht eine Privatpflanzung bestand, die Theegärten bereits 15
    Quadratmiles, und dehnen sich immer weiter aus. Zwischen den
    Eingebornen und den Engländern besteht jetzt das beste Einvernehmen.
    Erstere, vor wenigen Jahren so arm, dass sie kaum Kleider hatten, um
    ihre Blösse zu bedecken, zählen jetzt ihre Rupien nach Hunderten.
    Sie sind aus eigenem Antrieb um Errichtung von Schulen eingekommen,
    wo sie englisch lernen können, und wollen die Hälfte der Kosten
    tragen. Allein im Kangsathal bauen 47 Dörfer Thee. Immer mehr
    verbreitet sich der Theebau auf den Bergen, der Tabaksbau in den
    Ebenen, in kleinen von den Eingebornen angelegten Gärten und bringt
    allgemeinen Wohlstand unter die Bevölkerung. Diese Distrikte, die
    früher der Regierung bedeutende Unkosten machten, gewähren ihr jetzt
    grosse Einkünfte. Sehr viel bedeutender ist aber die Entwicklung der
    Theekultur im östlichen Himalaya und in Assam (wo die Pflanze
    einheimisch ist).

    Nassau Lees sagt in seinem aus amtlichen Quellen hervorgangenen
    Buch: „Tea Cultivation, Cotton and other agricultural experiments in
    India”: Im Jahre 1862 vertheilte die Regierung gratis 89 Tons (=
    199,360 ℔ Engl.) Theesamen und 2,400,000 Sämlinge, und doch deckte
    diese ungeheure Menge nicht entfernt die Nachfrage.... Er fügt die
    Bemerkung hinzu, die in der englischen Verwaltung jetzt als
    Grundsatz gilt: Sobald der Privatunternehmungsgeist einmal
    ordentlich von irgend einem Felde kaufmännischer Spekulation Besitz
    ergriffen, hat die Regierung nichts mehr dort zu schaffen. Das
    System der Aufmunterung ist sehr gut für den Anfang -- es kann aber
    zu weit getrieben werden. Würden z. B. durch das Versprechen
    kostenfreier Lieferung von Theesamen und -Sämlingen zu viele
    Personen plötzlich zu Theeunternehmungen veranlasst, so könnten sehr
    ernste Verwickelungen auf dem Arbeitsmarkt im westlichen Indien
    stattfinden.

Es tauchen oft Pläne auf zur Kolonisation tropischer Länder durch
Europäer. Für Bemittelte, die Pflanzungen mit Eingebornen
bewirthschaften und Produkte für den europäischen Markt bauen wollen,
giebt es in Ostasien noch ein grosses, höchst ergiebiges Feld, um bei
materiellem Wohlleben ein Vermögen, im glücklichen Falle sogar
Reichthümer zu erwerben. Ganz besonders lockende Aussichten eröffnet
ihnen die Kaffee- und Theekultur, die in ziemlicher Meereshöhe betrieben
wird, ihnen also auch in klimatischer Beziehung zusagt. Für Auswanderer
im gewöhnlichen Sinne aber ist dort nichts zu machen. Den Ackerbau
versagt ihnen schon das Klima und als Handwerker oder Kleinhändler
können sie unmöglich gegen die Chinesen aufkommen, die an Fleiss,
Mässigkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, unermüdlicher Ausdauer und
rücksichtslosem Streben nach Gewinn die Europäer so sehr übertreffen.
Fast alle Eigenschaften, die die Juden auszeichnen, besitzen die
Chinesen in noch höherem Maasse; auch darin sind sie ihnen ähnlich, dass
sie sich über alle Länder verbreiten, sich unter allen Regierungen wohl
fühlen, immer zu einander halten und sich überall durch Reichthum eine
hervorragende Stellung zu erringen wissen. Wie die Juden keinen Staat,
so können die Chinesen keine Kolonien gründen.

Vor 25 Jahren ging der einzige Weg nach Indien um das Kap der guten
Hoffnung. Um dieselbe Zeit, wo die erste transatlantische Linie versucht
wurde (1838), miethete eine Gesellschaft von Privatleuten einige
Dampfboote, um einen regelmässigen Dienst zwischen England, Lissabon und
Gibraltar einzurichten. Sie verlor 500 £ an jeder Reise, erhielt 1840,
als ihre Verluste bereits 30,000 £ betrugen, Korporationsrechte und den
Postdienst nach Indien und jenseits. Dies ist der Ursprung der mächtigen
Gesellschaft, deren Schiffe jetzt die Post für die iberische Halbinsel,
das Mittelmeer, Indien, China, Japan, Australien besorgen. Sie erhalten
dafür jährlich ungefähr 500,000 £ Subvention von der englischen
Regierung.[41] Die sehr hohe Subvention hielt bis vor Kurzem alle
Konkurrenz ab, so dass die Kompanie thatsächlich ein Monopol besass,
dessen Uebelstände dem Publikum sehr fühlbar waren. Erst vor wenigen
Jahren eröffnete die französische Gesellschaft der Messageries
impériales eine Konkurrenzlinie, wodurch die bisher so hohen Preise der
Peninsular- und Oriental-Company um etwa 20% fielen. Auch sind die
Schiffe seitdem nicht mehr so überfüllt und die Behandlung der
Passagiere ist rücksichtsvoller. Allem Anschein nach wird sich die neue
Linie neben der alten halten können, da die Berichte über ihren Betrieb
sehr günstig lauten. Nach dem Economist, 10. Juni 1865, hat im letzten
Jahr ihr Verkehr in China und Indien an Gütern um 26-1/2%, an
Passagieren 18%, an Kontanten 62% zugenommen.

Jetzt gehen regelmässige Dampferlinien von Singapore direkt nach
Malacca, Penang, Siam, Cochinchina, China, Borneo, Batavia, Ceylon,
engl. Birma, Vorderindien, dem rothen Meer und durch Anschluss nach
Europa, sowie nach den Mascarenen, Niederländisch-Indien, Australien,
Japan. Eine neue Linie zwischen China, Japan, Sandwichsinseln und
Californien ist soeben von der Regierung der Vereinigten Staaten
genehmigt und mit einem bedeutenden jährlichen Zuschuss ausgestattet
worden. Für Australien besteht bis jetzt nur eine Verbindung zwischen
seinen südlichen Kolonien und Ceylon, die für Singapore keine Bedeutung
hat. Aber wohl bald wird eine Linie durch die Torresstrasse im Anschluss
an die niederländisch-indische, nöthig werden.

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[1] Annähernd ist ein Gegenstand so viele Seemeilen über dem
Horizonte sichtbar, als die Quadratwurzel seiner Höhe in englischen
Fuss beträgt. (Raper's Navig. pg. 374.)

[2] Der als Romanschriftsteller bekannte Kapitän Marryat ist der
Erfinder dieser Telegraphie, die trotz ihrer Mängel so grosse
Dienste leistet, dass bald nach ihrem Bekanntwerden die französische
Regierung eine Verordnung erlassen hat, kraft welcher die
Versicherung aller nicht mit diesem Verkehrsmittel versehenen
Schiffe für ungültig erklärt wird. Jetzt dürfte wohl kaum noch ein
europäisches Schiff ohne Marryat's Signal-System anzutreffen sein.

Der Apparat besteht aus 15 Flaggen: 10 für die Zahlen bis 9, 5
Indexflaggen; und dem Signalbuch. Dieses zerfällt in 6 Abtheilungen
und enthält 1. Liste der englischen Kriegsschiffe; 2. Liste der
übrigen Kriegsschiffe; 3. Liste der Kauffartheischiffe aller
Nationen; 4. Leuchtthürme, Häfen, Vorgebirge, Klippen u. s. w.;
5. Auswahl von gebräuchlichen Sätzen und Gesprächen; 6. Wörterbuch.
Fünf Abtheilungen werden durch die betreffenden fünf Indexflaggen,
die sechste durch das Fehlen einer solchen bezeichnet. Der Inhalt
jeder Abtheilung ist alphabetisch geordnet; jeder einzelne Posten
hat eine Zahl, deren Reihenfolge jener alphabetischen Anordnung
entspricht. Zahlen, in denen eine Ziffer doppelt vorkommt, werden in
diesen Reihen übersprungen, weil man sonst 20 statt 10 Zahlenflaggen
haben müsste; doch hat man Mittel für besondere Fälle jede Zahl
auszudrücken.

In den ersten 4 Abtheilungen bleibt die alphabetische Reihenfolge in
allen Sprachen dieselbe; aber nicht in Abtheilung 5 und 6. Daher
sind bei Uebertragung in fremde Sprachen in diesen beiden
Abtheilungen die Sätze einmal dem englischen Signalbuch entsprechend
numerisch, und einmal alphabetisch nach der fremden Sprache
geordnet; will man sprechen, so benutzt man diese, empfängt man eine
Antwort, so benutzt man jene Anordnung. Am interessantesten und
wichtigsten ist Abtheilung 5. Sie enthält Kompass-Richtungen,
Signale, deren sich Lootsen und Lloyd's-Agenten bedienen, um
Schiffen, die in Noth sind, Befehle zu geben, Gespräche zum
allgemeinen Gebrauch, desgl. für Schiffe, die sich auf See begegnen,
Convoi- und Eskort-Signale u. s. w. Dies ist wohl das Wesentliche
dieser Universalsprache.

[3] Einige Male bei sehr hoher See versuchte ich mit dem Kapitän die
Höhe der Wellen zu schätzen. Wir wussten, dass sie immer höher
erscheinen als sie sind und nahmen darauf Rücksicht; dennoch
glaubten wir einmal ihre Höhe nicht unter 22 bis 24' annehmen zu
dürfen. Als wir aber nachmassen, so weit dies überhaupt möglich ist,
fanden wir nur 18'. Die Art, die Höhe zu bestimmen, ist in Raper's
Navig. 5th. edit. pag. 179 angegeben, wo auch mehrere von berühmten
Seefahrern gemessene Wellenhöhen angeführt sind; die grösste ist die
von Sir Jas. C. Ross im Nordatlantischen Ozean beobachtete von 36
Fuss.

[4] Die Geschwindigkeit des Schiffes wird durch das Log bestimmt,
die Richtung durch den Kompass. Aus dem Abgangsort, der Richtung und
der Geschwindigkeit ergiebt sich unter Berücksichtigung
verschiedener Korrektionen der Ort des Schiffs. Das Log besteht aus
einem beschwerten Brettchen an einer Leine mit Knoten. Es wird
gewöhnlich alle 2 Stunden ausgeworfen und bleibt auf dem Wasser
liegen, während die Leine durch die Fortbewegung des Schiffes von
einer Haspel abrollt. Sobald der Nullpunkt der Leine, ein bunter
Lappen, das Wasser berührt, wird eine kleine Sanduhr umgedreht; ist
sie abgelaufen, so zieht man die Logleine ein und zählt die
abgelaufenen Knoten. Die Länge zwischen 2 Knoten verhält sich zur
Länge einer Meile, wie die Zeit, in welcher die Sanduhr abläuft zu
einer Stunde. Setzt man die Seemeile = 6080', und die Sanduhr = 30
Sek., so hat man: Länge eines Knoten: 6080 = 30:3600 = 50-2/3' und
so viel Meilen in der Stunde, als Knoten in 30 Sekunden. Obige
Methode, den Ort eines Schiffes zu bestimmen, heisst Gissung (Dead
Reckoning), sie ist aus vielen Gründen sehr unvollkommen, weshalb
zur Berichtigung auch astronomische Ortsbestimmungen gemacht werden
müssen. Zu dem Zwecke wird die geographische Breite jeden Mittag
durch eine sehr leichte Beobachtung der Sonnenhöhe und einfache
Rechnung gefunden. Längenbestimmungen aber sind besonders zur See so
schwierig und unsicher, dass sie von Handelsschiffen fast nie
angestellt werden; diese schliessen auf die Länge aus der Differenz
zwischen der Zeit des Chronometers und der Ortszeit, die auf jedem
ordentlichen Schiff einmal täglich durch Beobachtung gefunden wird;
so dass also die annähernde Richtigkeit der Länge ganz von der
Zuverlässigkeit des Chronometers abhängt. Kriegsschiffe, die immer
mehrere gute Chronometer mitführen und Mittel zu genaueren
Beobachtungen haben, pflegen unaufgefordert Länge und Breite auf
eine Tafel zu schreiben und sie vorüber segelnden Schiffen
entgegenzuhalten, damit diese ihre eigene Rechnung prüfen und
berichtigen können.

[5] Der Südwest-Monsun fängt hier gewöhnlich Mitte oder Ende April
an und dauert bis Mitte Oktober. Am beständigsten ist er im Juni,
Juli, August. Der Nordost-Monsun beginnt im nördlichen Theil der
Chinasee Ende September oder Anfang Oktober, aber im südlichen Theil
dieser See wird er selten vor November beständig. Den grössten Theil
des Oktobers herrschen leichte wechselnde Winde. Am kräftigsten und
anhaltendsten ist er im Dezember und Januar.

[6] Vielleicht auch nur mit gelbem Ocker. Gelb ist die festliche,
die Gallafarbe in ganz Ost-Asien. Javanische Brautleute reiben sich
den Körper mit gelbem Turmerikpulver ein, die Leibgarde des
Javanischen Kaisers aus Billigkeitsrücksichten mit gelbem Ocker. In
China darf ausser der kaiserlichen Familie kein Mensch in seiner
Wohnung oder in seiner Kleidung Gelb gebrauchen oder auf gelbes
Papier schreiben. Die kleinen Prinzessinnen von Siam wurden, bevor
sie sich von mir photographiren liessen, mit Turmerik eingerieben,
das ebenso wie der Reispuder der Pariserinnen, den Teint verschönert
und die Haut erfrischt. Es ist auch ein guter Schutz gegen
Hitzpickel. Die Hauptverwendung findet der Turmerik (Curcuma sp.
div.) in der Küche zu Kurries; in Europa dient er bekanntlich in der
Färberei zur Herstellung einer ebenso schönen, als flüchtigen Farbe
und zur Bereitung von Reagenzpapier.

[7] Die Punka findet man nur in den englischen Kolonien, wo sie als
sehr zuträglich für die Gesundheit gilt. Die Holländer auf Java
fürchten den angenehmen Luftzug und behaupten, nur John Bull's
dicker Schädel könne ihn vertragen. Dagegen sitzen die Holländer,
Männer wie Frauen, unbedeckten Hauptes im Freien und geniessen die
kühle Abendluft, die in Singapore so gefürchtet wird, dass man
selbst nicht gern mit blossem Kopf auf den Balkon hinaustritt. So
hat jedes Land seinen Aberglauben.

[8] Der englische General-Konsul in Rotterdam sagt in seinem
Bericht über den Handel von Niederländisch-Indien von 1861 in Bezug
auf die Gewürze Muskat und Nelken: „Die jährliche Auktion der
Handels-Gesellschaft ergab niedrigere Preise, als je erhört waren.
Dies Ergebniss war ein neuer Beweis, dass das jährlich produzirte
Quantum in gar keinem Verhältniss steht zur stetig abnehmenden
Nachfrage ... Während der letzten 10 Jahre sind die Preise stetig
gefallen.”

[9] Kohl führt etwas ganz Aehnliches aus Ungarn an: „Der sehr reiche
Palast des Fürsten S. in Zinkendorf wird nie verschlossen, trotz des
bedeutenden Silberschatzes. Wie dies mit der sonst so allgemeinen
Unsicherheit und den dagegen angewandten Vorsichtsmaasregeln zu
vereinigen sei, weiss ich nicht.”

[10] Diese interessante Pflanze ist über ganz Indien so verbreitet,
dass ihre Abstammung aus Amerika erst in neuerer Zeit festgestellt
worden ist. Ueber ihre oben angeführten auffallenden Eigenschaften
finden sich interessante Thatsachen in: Browne's Nat. hist. of
Jamaica p. 360, der zuerst darauf aufmerksam gemacht zu haben
scheint; Heber's useful plants of India 113, der Wight's
Illustrations of ind. bot. II 36 und Dr. Holder in Memoirs of the
Wernerian soc. III citirt; Hooker's bot. Mag. 2898. -- Humboldt hat
im Thale von Aragua bestätigende Untersuchungen angestellt;
sonderbarer Weise ist aber gerade in Venezuela, wie mir Prof.
Karsten mittheilt, von den erwähnten Eigenschaften der Pflanze
nichts bekannt, während in Barbados und Jamaica nach obigen Angaben
ebenso wie in Singapore diese Eigenschaften so allgemein gekannt
sind, dass sie häufig für wirthschaftliche Zwecke benutzt werden.

Die von Vauquelin analysirten Proben (Hooker's bot. Mag.) stammten
aus Ile de France, die eine war zum Behuf des Transports nach Europa
durch Abdampfen eingetrocknet, die andere mit einer gleichen Menge
Rum vermischt worden. „Die Aehnlichkeit des Papaya-Safts mit
thierischen Substanzen ist so gross, dass man einen Betrug vermuthen
möchte.” Vauq.

Physiologen, welche die auffallenden Wirkungen auf die Muskelfaser
näher untersuchen wollen, würden wohl am besten thun, sich genügende
Mengen des frischen Saftes in hermetisch verschlossenen Flaschen
oder Büchsen, nach Appert's Methode konservirt, kommen zu lassen;
die beste Bezugsquelle dürften die westindischen Inseln sein, wo man
in der Kunst des Konservirens durch das geschäftsmässig betriebene
Einmachen der Ananas wohl geübt, und die Pflanze allgemein
verbreitet ist. -- Diese befindet sich übrigens auch in allen
botanischen Gärten, aber gewöhnlich nur in verkümmerten Exemplaren.

[11] Besonders aber in neu entdeckten Goldländern, wo unzubereitete
Nahrungsmittel, weil sie voluminöser sind, durch die sehr hohen
Transportkosten, die oft 1 Dollar per ℔ betragen, viel theurer
werden als fertig bereitete, und wo es überdies an Händen und
Einrichtungen zur Zubereitung mangelt. Wenn die Goldgräber keine
andre Spuren zurückliessen, so könnte man ihre Stationen an den
umherliegenden leeren Blechbüchsen erkennen.

[12] In New harbour sind immer grosse Niederlagen von englischer,
australischer und Borneo-Kohle. Die Kohlen von Australien und Borneo
können bei den jetzigen Heizeinrichtungen nur mit englischer
gemischt, verbrannt werden. Die Preise sind gegenwärtig (1864):
englische 8 bis 9 Dollars, Borneo 5 bis 6, australische 4 bis 5
Dollars per Ton von 20 Ctr. engl, oder ungefähr 2000 Zollpfund. --
In Berlin kostet die Last = 18 Tonnen = 72 Scheffel = ca. 6000 Pfd.
15 bis 20 Thaler, also ca. 5 bis 7 Thaler per engl. Ton.

[13] Diese Laternen bestehen aus einem mit sehr feinem festem
Papiere überzogenen, melonenförmigen Gerüst von sehr feinen
Bambussplitten. Das Papier ist mit durchsichtiger Gallerte getränkt,
einem Absud der Alge Agar-agar (Plocaria tenax und P. candida), die
auf allen felsigen Küsten des Archipels wächst und in grosser Menge
von den klugen Chinesen importirt wird, während sie in Europa so gut
wie unbekannt ist. Sie vertritt in mancher Hinsicht die Stelle der
Hausenblase und des Dextrins, giebt ein schmackhaftes Gelee und
vorzügliche Appretur für Seidenzeuge und kostet in Singapore selten
mehr als 1 Dollar per Pikul. -- Schon 1859 importirte Shanghai
allein 150000 Pikul. Die im atlantischen Ozean sehr häufige
verwandte Gattung Chondros liefert das offizinelle Karagen.

[14] Der Reis, Oriza, vom arabischen eruz, ist das
Hauptnahrungsmittel aller zivilisirten Völker Ostasiens. Die weniger
vorgeschrittenen müssen sich mit einer leichter zu erlangenden, wenn
auch noch stickstoffärmeren Kost (Sago u. s. w.) begnügen. Man hat
berechnet, dass der Reis das Hauptnahrungsmittel der Hälfte des
Menschengeschlechtes sei. In Asien ist er seit den ältesten Zeiten
bekannt; die Araber brachten ihn nach Spanien und Italien, wo er
noch jetzt mit Erfolg gebaut wird. In Amerika wurde er erst Ende des
17ten oder Anfangs des 18ten Jahrhunderts zufällig eingeführt, fand
aber in den südlichen Staaten der Union Klima und Boden so günstig,
dass der Reis von Carolina bald für den besten von allen Sorten
galt. Die dort übliche Art des Reisbaues weicht von der indischen
besonders darin ab, dass man die Felder abwechselnd trocken und
überschwemmt hält. Die dadurch erzeugten Miasmen sind so
lebensgefährlich, dass die zur Arbeit in den Reisfeldern verwendeten
Sklaven sehr schnell erlagen und durch frische ersetzt werden
mussten. Singapore baut gar keinen Reis, da es aber im Mittelpunkt
der Reis erzeugenden und Reis verzehrenden Länder liegt, so ist es
ein Stapelplatz für diesen wichtigen Handelsartikel geworden, der
hier häufig billiger als in den Produktionsländern ist.

Dass von einer so lange kultivirten, so weit verbreiteten
Nutzpflanze viele Abarten entstanden sein müssen, lässt sich
erwarten. In einer öffentlichen Sammlung in Manila waren 60
angeblich verschiedene, in den Philippinen gebaute, Abarten
ausgestellt; fast ebensoviel rechnet man in Java. Nach Porter lassen
sich aber alle auf 4 Arten zurückführen, die vielleicht selbst nur
Varietäten einer Art sind: O. sativa und praecox, beide Sumpfreis;
letzterer reift 2 Monate früher als ersterer, 4 Monate nach dem
Umpflanzen, steht ihm aber an Güte und Ertrag nach. O. montana,
Bergreis, der trocken wächst, oft in beträchtlicher Meereshöhe und
in höheren Breiten, und viel mehr Kälte vertragen kann als der
Sumpfreis, weshalb man mehrere mal versucht hat, ihn in England
einzuführen, bisher aber ohne Erfolg, da er zwar reichlich Blätter,
aber keine Körner giebt; Porter führt zwar einen einzelnen Fall an,
wo man bei Windsor reife Aehren erhielt. Endlich O. glutinosa,
Kleber-Reis, der nass und trocken wächst, aber wenig gebaut zu
werden scheint. Er wird namentlich zu verschiedenen Gebäcken (kweh)
verwendet.

[15] St. John, Far East II 254 meint, dass die Eingebornen von Bruni
durchaus keinen Geruchssinn haben, weil sie faules Fleisch, faule
Eier und faule Fische essen. Die Bewohner von Luzon haben aber einen
so sehr ausgebildeten Geruchssinn, dass sie z. B. in einer grösseren
Gesellschaft durch das Beriechen der Taschentücher die Eigenthümer
derselben zu erkennen vermögen und dennoch essen sie gern faules
Fleisch u. s. w.; wahrscheinlich, weil es ihnen gut schmeckt, so wie
viele Europäer stinkenden Käse und stinkendes Wild essen. Der
Begriff des Gestanks ist relativ: bei einem feinen Diner in
Singapore wurde mir die Butter ganz besonders angepriesen, „weil sie
einen sehr starken Fassgeschmack hatte.”

[16] Auch dies hat sich bereits geändert, wenigstens in China. Aus
dem Bericht des britischen Konsuls Robertson, Canton 1864, ergiebt
sich, dass nicht nur die Küstenschifffahrt und der Einfuhrhandel
immer mehr in die Hände der Chinesen übergehen, sondern dass auch
der Ausfuhrhandel dieselbe Bahn einschlägt. Bereits haben
chinesische Firmen aus Fu-tschau und andern Orten bedeutende
Theesendungen direkt nach England gemacht, und sogar im vorigen Jahr
(1863), während alle andren Firmen auf den europäischen Märkten
bedeutende Verluste erlitten, Gewinne erzielt, weil sie mit viel
grösserem Vortheil einkaufen und verkaufen können, ihr Geschäft mit
geringeren Unkosten betreiben, mit mässigerem Gewinn vorlieb nehmen,
und für eigene Rechnung statt für Rechnung ihrer Kommittenten
handeln. „Wenn sie sich auf dieser neuen Bahn erst sicher fühlen,
und Bankkredite erhalten, so wird es für Europäer hoffnungslos sein,
gegen sie zu konkurriren.”

[17] So nennt man einen harten Kalkmergel mit Eiseninfiltrationen,
die auf der helleren Grundmasse allerlei Figuren von Burgen, Ruinen
u. s. w. darstellen.

[18] Rumph, Kruydboek V. 97: „gewöhnlich 60-100 Faden lang, ja in
einigen Ländern hat man 200-300 Faden lange gemessen” (1 Faden =
6').

[19] Die Overl. Free Press, 8. Jan. 1864, giebt nach dem Java
Courant eine Uebersicht der in Java und den übrigen holländischen
Besitzungen im Archipel durch andre als natürliche Ursachen
vorgekommenen Todesfälle. Die Gesammtzahl der durch Tiger Getödteten
wird darin für Java auf 148 angegeben. Die Richtigkeit der Zahlen
vorausgesetzt, wäre dies unter Berücksichtigung der beiderseitigen
Bevölkerungen nur 1/300 so viel als in Singapore. Wären diese
Unglücksfälle in Java verhältnissmässig so häufig wie in Singapore,
so müssten jährlich dort 44,000 Menschen den Tigern zur Beute
fallen. -- Die Tabelle enthält auch noch andre interessante Data:

                        Java und        Andere
  Ursache des Todes.     Madura.     Besitzungen.    Total.

  Blitz                      356            10        366
  Ertrinken                  948           173       1121
  Sturz von Bäumen etc.      431            73        504
  Tiger                      148           151        299
  Rhinozeros                   4            --          4
  Krokodile                   49           125        174
  Büffel                       6            --          6
  Schlangen                   43             3         46
  Selbstmord                 127            38        165
  Andre Unfälle              393           136        529
                            2505           709       3214.

„Nach einer Angabe der Posener Provinzialblätter wurden im
Regierungsbezirk Posen vom 1. Sept. 1815 bis Ende Februar 1816, 41
Wölfe erlegt, und noch im Jahre 1819 im Kreise Wongrowitz 16 Kinder
und 3 Erwachsene von Wölfen gefressen.” (Freytag, neue Bilder aus
dem Leben des deutschen Volkes 1862, pg. 402.)

Die Einwohnerzahl im Kreise Wongrowitz betrug 1818 nach
Ortschaftsverzeichnissen des statistischen Bureaus: 26290; für 1819
kann sie schon wegen der geringen damaligen Volksbewegung nicht sehr
davon verschieden gewesen sein. Nimmt man an, dass in Singapore
täglich ein Mensch von Tigern gefressen wird, so giebt dies 180 für
6 Monat auf eine Bevölkerung von 100,000 oder 47,7 auf eine
Volksmenge gleich der im Kreise Wongrowitz, selbst wenn man diese
auf 26,500 schätzt; so dass in letzterem noch 1819 mehr als 2/5 so
viel Menschen von Wölfen gefressen wurden, als gegenwärtig in
Singapore von Tigern.

[20] In neuester Zeit angeblich sogar 100 Ds.

[21] Der Beweis ist jetzt geliefert worden; denn nach Cameron (Our
tropical possessions pg. 96) fand man eines Morgens in Netzen, die
in der Meerenge längs der Küste von Singapore aufgestellt waren,
eine Tigerin verstrickt und fast ertrunken. Von Singapore konnte sie
nicht hergekommen sein, da ganze Reihen dem Lande näher
aufgestellter Netze unversehrt waren.

[22] Doch ist dieser Punkt noch nicht genügend aufgeklärt. Smeathman
und andre nach ihm erzählen von einem König in der Kammer der
Königin.

[23] Das Manché'sche System, das durch Hooibrenk in den letzten
Jahren in Europa so grosses Aufsehen gemacht, war also bei den
chinesischen Gambirpflanzern schon lange in Anwendung.

[24] Die Borneo-Kompanie hat neuerdings Sagofabriken unter Leitung
eines europäischen Ingenieurs in Borneo angelegt, wo das Fabrikat an
Ort und Stelle zur Ausfuhr nach Europa fertig gemacht wird.

[25] Die Art der Gewinnung ist in Johnston's vortrefflichem Buch
„Chemistry of common life” nach Dr. Eatwell ausführlich beschrieben
und mit Abbildungen versehen, ohne Abbildungen auch in v. Bibra:
„Die narkotischen Genussmittel.” ...

[26] Das Verfahren ist ausführlich beschrieben von Dr. Little,
Journ. Ind. Arch. II, eine Uebersetzung davon giebt v. Bibra.

[27] 762,5 bis 915 Ds. per Kiste von 140 Katti; 6-1/2 bis 8 Thlr.
per Zollpfund.

[28] Im Budget Estimate 1864/65 war die Einnahme für Opium auf
8,200,000 £, die Ausgabe auf 2,254,161 £ veranschlagt; man hatte
also bei diesem Geschäft einen Reingewinn von 5,945,839 £ (über 40
Millionen Thaler) erwartet. Der wirkliche Gewinn war: 1861/62
4,909,804 £, 1862/63 6,199,198 £, 1863/64 4,525,506 £.

[29] „Die Möglichkeit einer chronischen Opiumvergiftung ist eine
über allem Zweifel erhabene Thatsache. Hammer bezeichnet die
Liebhaber des Opiums als wankend und schwankend, blass, abgezehrt,
mit gestrecktem Halse, entscharrten Leichnamen ähnlich ...
Oppenheim: Die Thätigkeit der Verdauungsorgane liegt ganz darnieder,
die Stuhlentleerung anfangs ungemein träge, oft in Intervallen von
8-14 Tagen erfolgend; später macht sie der Diarrhoe und Dysenterie
Platz. Die körperlichen und geistigen Kräfte und Fähigkeiten gehen
einem raschen Verfall entgegen. Schwindel, Kopfschmerz, Neuralgien,
Zittern der Gliedmaassen, Schlaflosigkeit, manchmal eine Art
Delirium tremens, Blödsinn, allgemeine Paralyse, Impotenz, auch
Blasen- und Nierenleiden stellen sich ein, und einem allmälig sich
entwickelnden Leiden der Lunge und des Herzens erliegen die
Opiumesser früher oder später.” (Husemann, Toxicologie S. 609.)

[30] Dieselben Listen ergeben folgende interessante Thatsachen. Das
Opium kommt fast ausschliesslich aus der Türkei, aus Britisch-Indien
nichts. Das meiste geht nach den Vereinigten Staaten und Holland.
Von 110,101 ℔, die 1863 exportirt wurden, gingen 40,641 nach den
Vereinigten Staaten, 28,869 ℔ nach Holland, das Transit-Opium,
104,756 ℔, nahmen diese beiden Länder ausschliesslich, Vereinigte
Staaten 93,316 und Holland 11,440 ℔. (Das nach Holland verschiffte
Opium geht nach Java.)

[31] Dr. Thudichum giebt folgenden interessanten Aufschluss über die
in einer Landstadt von Lincolnshire jährlich verkaufte Menge Opium:
„Sieben Drogisten in der Stadt Spalding verkaufen 27 Stein 3-1/2
Pfund Opium (= 436 Zollpfund) zum Theil in der Form von Laudanum.
Die Stadt nebst dem von den Drogisten versehenen Gebiet hat 21,000
Einwohner. Dies ergiebt einen Opiumverbrauch von 127 Gran per Kopf
und Jahr. Eine geringe Menge des Opiums wird für die Schafe während
des Lämmerns verwendet. Rechnet man 27 Gran von je 127 Gran zur
Deckung dieses Bedarfs, was wahrscheinlich eine übertriebene Annahme
ist, so ergiebt sich das erschreckende Verhältniss, dass der
Opiumverbrauch im Gebiet von Spalding ungefähr 100 Gran jährlich für
jedes Individuum der Bevölkerung beträgt. Opium wird von den
Erwachsenen gegessen und den Kindern eingegeben. Die Sterblichkeit
der Kinder beträgt in diesem Distrikt 21,845, während sie in ganz
England 17,731 von 100,000 Lebenden betrug. Die Bevölkerung war in
den letzten 10 Jahren im Abnehmen. Obige Menge Opium enthält nicht
die von Aerzten verwendete Menge. Die Daten über die in Spalding
verkauften Quantitäten Opium sind von Dr. Morris aus Spalding
gesammelt und mir mitgetheilt worden.”

[32] An einer andern Stelle behauptet de Quincey sogar, 12,000
Tropfen täglich genommen zu haben. Das wäre mehr als ein und ein
Zehntel Zollpfund! -- Nach dem Formulaire d. P. rechnet man das
Gewicht von 20 Tropfen Laudanum, 75 bis 110 cgr., nimmt man als
Mittel 92,5 cgr., so erhält man 555 Gramm!

[33] Das letzte Straits' Blaubuch weist für das Jahr 1864/65
abermals eine bedeutende Zunahme des Handels von Singapore nach,
dessen Werth jetzt auf 13,000,000 £ veranschlagt werden kann. Die
Einfuhr ist auf 66,182,177 Rupien (= 44,121,450 Thaler), die Ausfuhr
auf 66,339,578 Rupien (= 44,226,385 Thaler) geschätzt worden, ein
Fortschritt gegen 1863/64 von 2,712,123 Rup. bei der Einfuhr, und
von 12,363,140 bei der Ausfuhr. Die Anzahl der in Singapore
eingelaufenen grossen Schiffe (square rigged vessels) betrug
1864/65: 1697 von 780,794 Tonnengehalt, 250 Schiffe und 152,226
Tonnen mehr als 1863/64. Die Zahl der von Singapore 1864/65
ausgelaufenen grossen Schiffe betrug 1629 von 576,527 Tonnengehalt,
116 Schiffe und 16,453 Tonnen mehr als 1863/64. Die Zahl der die
Häfen von Singapore, Pinang und Malacca besuchenden britischen
Schiffe hat kaum zugenommen gegen das vorige Jahr; aber die Zahl der
unter Hamburger und Bremer Flagge fahrenden hat sich mehr als
verdoppelt ... „Es ist bemerkenswerth, dass ein Achtel der
angekommenen und ein Neuntel der ausgelaufenen Schiffe unter
deutschen Flaggen fuhren.” (Wenn die in den Listen enthaltenen
Zahlen richtig abgedruckt sind, so berechnet sich die Anzahl der
eingelaufenen deutschen Schiffe fast auf 1/6 der Gesammtzahl,
nämlich 271 von 1697, und wenn man 17 östreichische Schiffe nicht
mitrechnet, auf 1/63/4 ... Ebenso berechnet sich die Zahl der
ausgelaufenen auf 1/71/2, und wenn man 10 östreichische nicht
mitrechnet, auf 1/8 der Gesammtzahl, nämlich 216 resp. 206 von
1629 ... Unter britischer Flagge liefen 860 ein, 873 aus.)

[34] Eine schmale Meerenge trennt Rhiow vom eigentlichen Bintang.

[35] Bekanntlich erfahren viele der nach monatelanger Reise in
Europa anlangenden Schiffe erst in der engen Strasse zwischen
England und der Insel Wight ihre schliessliche Bestimmung. Ohne dass
sie ihre Fahrt zu unterbrechen oder ein Boot an's Land zu senden
brauchten, theilt ihnen der Agent ihres Rheders gewöhnlich von
~Cowes~ aus durch Flaggensignale mit, nach welchem Hafen sie steuern
sollen, um ihre Ladung auf den vortheilhaftesten Markt zu bringen.
Daher kehren die meisten Schiffe aus Ost-Asien mit der Bestimmung
„Cowes for orders” heim.

[36] Nur 2 holländische Schiffe durften jährlich zwischen Decima und
Batavia verkehren.

[37] Es ist auffallend, wie wenig Franzosen bis jetzt als grosse
Kaufleute in Ostasien vorhanden sind. -- In Singapore befindet sich
nur ein einziges französisches Haus von einiger Bedeutung.
Engländer, Amerikaner und Deutsche sind es, die an der Spitze aller
grossen Handelshäuser stehen. In Saigon ist der Handel hauptsächlich
in Händen der Chinesen. Die grössten ~europäischen~ Handelshäuser
daselbst sind deutsche.

[38] 1864 betrug die Zahl der in den 13 Häfen ein- und ausgelaufenen
nicht chinesischen Schiffe 17,976 von 6,635,505 Tons. Davon gehören
2,862,234 Tons der englischen, 2,609,390 Tons der amerikanischen und
380,135 Tons der hamburger Rhederei, der Rest vertheilt sich auf 20
verschiedene Nationen. Der Einfuhrhandel von Shanghai allein stieg
(nach dem Bericht des englischen Ministers in Peking) von 41,000,000
taels in 1860, dem Jahr vor Eröffnung des Yantsekiang und der
nördlichen Häfen, auf 81,000,000 taels in 1863 (1 tael ist etwa 2
Thlr.).

[39] Nach dem Prospekt würde die neue Gesellschaft im Stande sein,
die Kohle für 25 sl. nach Singapore zu liefern, so dass ihr bei 40
sl. ein hinreichender Gewinn verbliebe.

[40] Die Wichtigkeit, den Geschmack der Eingebornen zu
berücksichtigen, wird vielleicht in keinem Lande mehr verkannt, als
in Deutschland. Häufig kommen in den ostasiatischen Handelsplätzen
grosse Kisten mit Fabrikaten an, die durchaus werthlos sind, weil
auf den Geschmack der Konsumenten, auf das Format, das Gewicht und
die Art der Verpackung gar keine Rücksicht genommen ist, wenn auch
die Waare an und für sich vielleicht die Konkurrenz aushielte. Es
ist ein sonderbarer Dünkel solcher Fabrikanten, zu glauben, dass die
Käufer sich in ihre Launen fügen sollen, und zeugt von gänzlicher
Unkenntniss der bestehenden Verhältnisse. Ueberall, wo es Frauen
giebt, sind wechselnde Moden -- selbst im Innern von Afrika. Alle
Völker, die für andere fabriziren wollen, müssen auf das
Sorgfältigste den Geschmack derselben studiren. Die Engländer haben
dies längst eingesehen und geben sich grosse Mühe, dennoch wird es
ihnen schwer, im Innern von China gegen die Konkurrenz der
amerikanischen Fabriken aufzukommen, denen es gelungen zu sein
scheint, die nationale Geschmacksrichtung mit solchem Glück zu
treffen, dass sie in gröberen Baumwollenwaaren den dortigen Markt
beherrschen.

Die Schweizer, die keinen direkten Seehandel treiben können, haben
es nur ihrem fleissigen Studium und grossen Takte zuzuschreiben,
wenn sie ebenbürtig mit den grössten Fabrikstaaten konkurriren. In
den Philippinen sind manche Artikel ausschliesslich in ihrer Hand.
Ein befreundetes Schweizerhaus in Manila hielt eine Anzahl
geschickter Mestizen als Musterzeichner, die der wechselnden Mode
immer auf der Spur waren und liess nach ihren Zeichnungen in der
Schweiz, in China und in Italien die Baumwollen- oder Seidenstoffe
anfertigen, die dann auch immer bei den koketten Mestizinnen den
grössten Anklang fanden. Den Languti, das in Siam gebräuchliche
Lendentuch, nachzuahmen, ist noch Keinem gelungen. Schweizer,
schottische und englische Häuser haben schon Tausende darauf
verwendet -- bisher vergeblich; die gelieferten Stoffe sind
vielleicht besser oder billiger als die einheimischen, entsprechen
aber noch nicht genau dem Geschmack.

[41] Nach dem Geschäftsbericht vom 5. Decbr. 1865 besass sie 63
Schiffe von 92,353 tons und 18,270 Pferdekraft, die im letzten Jahre
einen Weg von etwa 1,500,000 Seemeilen zurückgelegt hatten (fast in
jeder Woche 1-1/2 mal so viel als der Erdumfang beträgt).



Malacca.

    Anblick von Malacca. -- Portugiesen. -- Chinesen. -- Melaleuca. --
    Mission unter den Mintras und Jakuns. -- Guttapercha. -- Neuer
    Pungulu in Allor-gadja. -- Rückkehr zu den Mintras. -- Ehepärchen.
    -- Blasrohr. -- Pfeilgift. -- Fahrt nach Lingi. -- Der Dato von
    Lingi. -- Zustände in den kleinen Malayenstaaten. -- Zinn. -- Leben
    im Walde. -- Zweckmässige Kleidung. -- Insektenpulver. --
    Chinesischer Leichenzug. -- Geschichte von Malacca. -- Tapioka. --
    Djaggeri.


Mitte April, an einem Nachmittag, bestieg ich den ~Hooghly~, ein altes,
ausrangirtes Dampfboot, welches die ganze Kriegsmarine der „Straits
Settlements” ausmachte. In seltenen Fällen wurde es gegen Seeräuber
benutzt, hauptsächlich aber diente es dazu, die Beamten der Regierung
und die Post zwischen Malacca, Pulo-Pinang und Singapore, welche
zusammen die Niederlassung der Meerenge (the Straits Settlements)
bilden, zu befördern. Seine Geschwindigkeit überstieg nicht die einer
chinesischen Junke; auch Reinlichkeit und Ordnung liessen manches zu
wünschen übrig und waren ein fortwährender Stoff zu Klagen von Seiten
der Passagiere, die aber nicht berücksichtigt wurden, da der Kapitän ein
naher Verwandter des Guvernörs war, und Reisende nur aus Gefälligkeit
mitgenommen wurden gegen eine im Verhältniss zu den sonst in diesen
Meeren üblichen Dampfschiffspreisen allerdings sehr unbedeutende
Vergütigung, Trotz mancher kleinen Mängel war die Fahrt höchst angenehm
in herrlicher, tropischer Nacht auf spiegelglattem Meere. Am andern Tage
um 2 Uhr ankerten wir auf der Rhede von Malacca in 2 Seemeilen
Entfernung vom Lande. Wir hatten 22 Stunden gebraucht, um einen Weg von
120 Seemeilen zurückzulegen.

Malacca hat eine sehr hübsche Seefront. Dicht hinter einer Reihe von
Europäern bewohnter steinerner, etwas einförmiger Häuser, deren dem
Strand zugewendete Seite mit einer Bogenreihe versehen ist, erhebt sich
ein länglicher, 100 Fuss hoher Hügel, auf dessen Gipfel die malerischen
Ruinen der von Albuquerque gebauten Kirche Madre de Dios und der Klöster
S. Paul und Hermanos de leche stehen. Zur Rechten schliesst sich an die
steinernen Häuser ein Palmenwäldchen, unter dessen Schatten sich eine
ganze Reihe Wohnungen von Portugiesen[42] und Asiaten behaglich
ausdehnt; hinter ihnen ragt tiefblau der Berg Ophir (Gunong Ledang), der
höchste Punkt des südlichen Festlandes (4320') hervor. Zur Linken, am
westlichen Abhang des Hügels, der hier nochmals zu einer kleinen Anhöhe
anschwillt, steht das „Stadthuys”, ein stattliches Gebäude aus
holländischer Zeit, theilweise von einem Angsana-Hain (Pterocarpus
Indicus) verdeckt, der sich parkartig bis zu den Ruinen auf der Kuppe
hinzieht. Die Südfront des Gebäudes ist ebenfalls der See zugekehrt,
seine Westseite begrenzt der kleine Fluss, an dessen jenseitigem Ufer
die eigentliche Stadt liegt, aus der sich die Thürme einiger Moscheen
erheben. Das kleine Flüsschen von Malacca und die Meeresströmungen haben
die Rhede so verschlämmt, dass grosse Schiffe 2 Miles vom Lande ankern
müssen. An den kleinen Inseln, wo 1511 Albuquerque's Flotte in 5-6 Faden
Tiefe lag, können jetzt nur Küstenfahrer anlegen, und nur zwei derselben
sahen wir hier vor Anker. Welch auffallender Unterschied gegen
Singapore! Und doch war vor ca. 300 Jahren Malacca der wichtigste
Handelsplatz in diesen Meeren, Hauptstadt eines mächtigen Königreichs
und auch noch zu Zeiten des holländischen Monopols ein bedeutender
Stapelplatz.

Nach langem Warten kamen einige Boote, kaum genug, um die wenigen
Passagiere zu bergen. Wie einsam und still erschien die Stadt nach dem
Schacherlärm von Singapore! Die wenigen Europäer und ihre Abkömmlinge,
die hier wohnen, sind meist Beamte oder Grundbesitzer von holländischer
Abkunft, ich fand bei ihnen eine fast noch liebenswürdigere Aufnahme,
als in Singapore und lernte einige vortreffliche Menschen kennen. Selbst
unter den Frauen schien keine Eifersüchtelei zu herrschen, keine
Ostentation, kein herausfordernder Luxus. In der Abendkühle schlenderte
man am Strande, oder genoss, auf einem Vorsprung der Küste sitzend, die
Seebrise, und wenn die jungen Mädchen Pfänderspiele vorschlugen, so
betheiligten sich alle Anwesenden in harmloser Freude daran. Es giebt
hier kein Gasthaus; ich erhielt vom Resident-Councillor eine Wohnung in
dem grossen Stadthause angewiesen, das alle Regierungs-Kanzleien
enthält, aber immer noch reichlich Raum hat, um Fremde zu beherbergen.
Eine eiserne Brücke führt über den Fluss, wohl an der Stelle der alten
Brücke, die vor 3-1/2 Jahrhunderten eine so wichtige Rolle gespielt.
Nachdem nämlich der erste Angriff der Portugiesen auf die Stadt
zurückgeschlagen worden war, bemächtigte sich Albuquerque der Brücke,
hielt sie 9 Tage lang besetzt und schnitt dadurch den Einwohnern alle
Zufuhr ab. Am folgenden Tage musste sich die Stadt nach tapferer
Gegenwehr ergeben. -- Die beiliegende Ansicht von Malacca ist von der
Brücke aufgenommen. Zur Rechten sieht man unter schattigen Bäumen die
Westfront des Stadthauses; links, am rechten Ufer des Flüsschens, liegt
die von Asiaten (Chinesen, Malayen, Klings) bewohnte Stadt.

[Illustration: MALACCA.]

Die hiesigen Chinesen stehen in besonders gutem Ruf. Der Wohlstand, den
sie hier in voller Sicherheit gegen Erpressungen geniessen, hat die bei
diesem Volk sonst so schroff hervortretende Selbstsucht sehr gemildert.
Sie sind sehr gastfrei und geben häufig bedeutende Summen für
gemeinnützige Zwecke her.

Wie sich in der Stadt die Wohnhäuser der Chinesen vor allen andern
geltend machen, so hat auch die dieser Nation eigenthümliche grosse
Verehrung der Todten, die sich in der Kostbarkeit und sorgfältigen
Erhaltung der Gräber ausspricht, der umliegenden Landschaft ihr Gepräge
aufgedrückt. Während in Singapore die reichen Kaufleute alle hübschen
Punkte um die Stadt ausgesucht haben, um ihre Wohnhäuser dort
aufzubauen, sind hier die schönsten Anhöhen in der Umgegend mit
chinesischen Gräbern bedeckt, deren einige mit grossen Kosten aufgeführt
sind. Malacca ist ein Lieblingsaufenthalt für die Chinesen. Von hier
stammen die meisten von denen, die in Singapore eine hervorragende
Stellung einnehmen, und hierher ziehen sie sich gerne zurück, um ihr
dort erworbenes Vermögen in behaglicher Ruhe zu geniessen. Viele dieser
Familien sind schon seit Generationen hier ansässig, sie heirathen nur
unter einander, so dass das malayische Blut der Stammmutter bei jeder
neuen Verbindung immer mehr gegen das chinesische zurücktritt. Wegen
ihrer langen Ansässigkeit unter Europäern und der daraus folgenden
Bekanntschaft mit dem Wesen derselben, sowie durch Reichthum und
grössere Bildung haben sie vor denjenigen ihrer Landsleute, welche die
Masse der Bevölkerung von Singapore ausmachen, Vieles voraus.

Einige Tage nach meiner Ankunft fuhr ich auf bequemer Strasse nach
Rumbia, einer mitten im Walde gelegenen Mission, 12 Miles NN-W. von
Malacca. Nachdem man die unmittelbare Umgebung der Stadt verlassen, in
der allerlei kleine Moscheen, Kapellen, Hindutempel und andre
„Josshäuser” von Gärten umgeben, malerisch durch einander liegen,[43]
führt der Weg auf einem Damm unter einer Allee weissblühender Melaleuca
(M. minor) quer über einen weiten grünen Teppich von Reisfeldern, der
mit einzelnen Gruppen von Fruchtbäumen, Cocos- und Arecapalmen
geschmückt ist, unter deren Schatten ein paar malayische Hütten liegen.
Hin und wieder kommt man noch an einer Moschee oder einem grösseren
Gehöft vorbei, welche letztere immer Chinesen gehören und oft
beträchtlichen Wohlstand verrathen. Die Melaleucas haben landschaftlich
grosse Aehnlichkeit mit unsern Birken durch den allgemeinen Habitus und
besonders durch die Silberweisse des Stammes. Wie bei diesen lösen sich
die äusseren Lagen der Korkschicht in dünnen, weissen Blättchen ab, bei
einigen Arten erreicht diese Schicht fast Zolldicke und besteht aus so
feinen Blättchen, dass sie zum Kalfatern der Schiffe verwendet wird. Von
der weissen Farbe des Stammes (kaju: Holz, puti: weiss) hat der Baum
seinen inländischen Namen; auch das Kajeput-Oel, das aus den
getrockneten Blättern einer in den Molukken vorkommenden verwandten Art
(M. leucodendron) gewonnen wird, ist danach benannt. Nach einigen Meilen
erreicht man den Wald, der sehr anmuthig, schattig und zugänglicher ist
als der Jungle bei Singapore. In Tsching, auf halbem Wege, wurde das
Pferd gewechselt; um 9 Uhr Vormittags, 2 Stunden nach der Abfahrt von
Malacca, war ich in Rumbia, wo mir der freundliche Missionär schon von
ferne entgegenkam, sobald er nur den Wagen erblickte. Er nahm mich sehr
gastlich auf, und da er ausser einigen kleinen „Waldmenschen” keine
Bedienung hatte, so ging er selbst ans Werk, mich und mein Gepäck
möglichst bequem unterzubringen. Nach einem Schwimmbade in einem von ihm
selbst gegrabenen Teich wurde gefrühstückt, und alsbald füllte sich das
Zimmer mit neugierigen ~Mintras~, deren zutrauliche, gutmüthige,
bescheidene Art den angenehmsten Eindruck machte. Hr. Bory war wiederum
ein denkwürdiges Beispiel jener katholischen Missionäre, wie man sie
zuweilen auf abgelegenen Stationen findet. Er stammte aus Paris und
hatte sich hier vor mehreren Jahren (1848) niedergelassen, ganz allein
und ohne alle Unterstützung zur Bekehrung der ~Mintras~ und ~Jakuns~,
die zu den wilden Stämmen gehören, welche die Südspitze der malayischen
Halbinsel bewohnen. Sie werden gewöhnlich mit dem gemeinschaftlichen
Namen orang-utan (Waldmenschen),[44] orang-bukit (Bergmenschen) oder
orang binua (Menschen des Binnenlandes), belegt und waren bis 1847, wo
J. R. Logan's trefflicher Aufsatz über dieselben erschien, fast
unbekannt und Gegenstand vieler Fabeln. Dass sie auf Bäumen wohnen und
Schuppen besässen, wie Fische, hat sich allerdings bestätigt. Die Jakuns
bauen noch jetzt ihre Hütten gern auf Bäumen, 20-30' über dem Boden, und
mit den Schuppen hat es insofern seine Richtigkeit, als sehr viele mit
Ichthyosis behaftet sind. Ich sah diese Hautkrankheit an mehreren
Jakuns; die meisten aber, und fast alle Mintras waren so reinlich, wie
Malayen, d. h. reinlicher als die Mehrzahl der Europäer.

Herr Bory theilte mir mit, dass er, als er vor zehn Jahren von Malacca
aus hierher gekommen war, mit einigen dieser Leute Bekanntschaft machte,
und sie bald durch seine Leutseligkeit gewann. Er erzählte ihnen
Geschichten aus der heiligen Schrift; der Kreis aufmerksamer Zuhörer
wuchs mit jedem Besuch und auch die gegenseitige Zuneigung; endlich
erbot er sich bei ihnen zu bleiben, um sie zu unterrichten und zu
Christen zu bekehren. Sein Vorschlag wurde mit Freude angenommen; nur
Ein Punkt machte grosse Schwierigkeiten. Einige Männer hatten nämlich
gehört, dass die Christen nur Eine Frau heirathen und nur durch den Tod
von ihr geschieden werden könnten. Diese Forderung schien ihnen doch gar
zu hart, aber Herr Bory blieb standhaft, und nach vieler Ueberredung
wurde sie mit angenommen. Nun lichtete man ein Plätzchen im Walde, baute
ein Bretterhaus zur Wohnung für den Missionär, ein anderes grösseres zur
Kirche, auch eine Schule; die Mittel wurden durch Almosen von Seiten der
Christen aus Malacca und Singapore aufgebracht, denn ausser 10 Dollars
monatlich erhalten diese Männer keine Unterstützung, freiwillige Almosen
ausgenommen. Die Jakuns können natürlich nichts geben. Herr Bory ging
selbstthätig mit seinen Pfleglingen ans Werk; er beschränkt sich
überhaupt nicht darauf, blosse Scheinchristen aus ihnen zu machen,
sondern sucht sie allmälig zum Betrieb des Landbaus und nützlicher
Künste anzuleiten, freilich noch mit geringem Erfolg; doch sind schon
einige kleine Gärten entstanden, mehrere Cocos- und Obstbäume
angepflanzt, einige Mintras besitzen sogar schon Büffel oder Schweine;
doch ist ihr Haupterwerb immer noch das Einsammeln der Produkte des
Waldes: Rotang, Harze, Guttapercha u. s. w. gegen die sie ihren geringen
Bedarf an Erzeugnissen eines vorgeschritteneren Gewerbfleisses
eintauschen. Herr Bory ist immer von einer Anzahl Mintras umringt,
erzieht sie wie ein Vater seine Kinder und geniesst ihr vollstes
Vertrauen, so dass sie ihn in allen Angelegenheiten erst um Rath fragen.

Wir machten eine Excursion in den Wald, von vielen Mintras begleitet,
die eifrig sammeln halfen, die Gesellschaft war übermunter, da die
Sorgfalt, mit der manche für sie so werthlose Gegenstände etikettirt und
verpackt wurden, immer neuen Stoff zum Lachen gab.

Nachmittags kam eine Anzahl Jakuns in die Mission und brachte ganze Arme
voll Zweige, die ich einlegen sollte. Diejenigen, deren Exemplare
brauchbar waren, zeigten darüber grosse Freude. So vergingen zwei Tage
auf die angenehmste Weise unter diesen gutmüthigen Menschen. Am Sonntag
versammelte sich die ganze Gemeinde, Jakuns und Mintras mit Frauen und
Kindern, um die Messe zu hören. Ihr Gesang klang recht angenehm, sie
sollen überhaupt viel Sinn für Musik haben. Alle waren sehr sauber nach
malayischer Art gekleidet, nur etwas dürftiger. Ich hatte einen
photographischen Apparat mitgebracht und nahm ihre Portraits auf, die
aber leider später verloren gingen. Das ganze Völkchen machte den
Eindruck, als fühlte es sich recht glücklich in seiner Abgeschiedenheit
unter dem Schutz des braven Missionärs.

Früher wurden sie von den piratischen Malayen, die zu ihnen kamen, aufs
ärgste betrogen, beraubt und misshandelt; sie hatten kaum einen andern
Schutz als ihren bösen Ruf als Zauberer und Giftmischer, um ihre
abergläubischen Bedrücker einigermaassen in Schranken zu halten.

Besonders erreichten diese Bedrückungen einen sehr hohen Grad, als die
Anwendung der Guttapercha zur Isolirung der elektrischen Drähte unter
Wasser und unter der Erde eine immer stärkere Nachfrage nach dieser
Substanz veranlasste.[45]

Einer Einladung folgend fuhr ich nach Allor-gadja in Naning, etwa 9
Miles NNW. von Rumbia, wo am nächsten Tage die feierliche Bestätigung
des neuen Pungulu durch den Resident-Councillor stattfinden sollte.
Naning ist ein kleines Gebiet, das landeinwärts an Malacca grenzt und
immer schmaler werdend sich bis zum Berg Ophir erstreckt. Bis zum Jahr
1842, wo es mit Malacca auf gleichen Fuss gestellt wurde, stand es zu
diesem immer in schwankenden Unterthänigkeits-Verhältnissen; statt des
Zehnten zahlte es nur einen Tribut, und der Pungulu schaltete in dem
Gebiet wie ein unumschränkter Fürst nicht nur über die Habe, sondern
auch über das Leben der Einwohner. Im Jahre 1829 beschlossen die
Engländer diesen Zuständen ein Ende zu machen. Es kostete aber zwei
Feldzüge, viele Menschenleben und die Summe von 100,000 £ um die gegen
die beabsichtigten Neuerungen ausgebrochene Empörung zu unterdrücken,
obgleich die Zahl der erwachsenen Männer in Naning zur Zeit des Krieges
1500 nicht überstieg, so dass die Unkosten etwa 450 Thaler per Kopf
betrugen. Der Feldzug endete schliesslich dadurch, dass einer der
fähigsten Empörer zu den Engländern übertrat. Der aufrührerische Pungulu
kapitulirte darauf und starb später in Malacca als Pensionär der
indischen Regierung.

Auf einem angenehmen breiten Waldweg, der dem Kriege seine Entstehung
verdankt, gelangte ich Abends nach Allor-gadja, wo die nicht
unharmonische Musik und Todtenklage der Malayen einen grossen Theil der
Nacht hindurch zu hören war. Wenige hundert Schritt vom
Regierungs-Bungalow liegen die Grabhügel dreier im Kriege gegen Naning
gefallenen englischen Offiziere, ein wenig weiter erhebt sich noch eine
Schanze aus Lehmwällen, in der sich jetzt eine friedliche Polizeistation
niedergelassen hat. Am folgenden Morgen machten wir einen Spaziergang
nach dem etwa 3 Meilen entfernten Ayer (Wasser)- panas (heiss), einer
ziemlich reichlichen Kohlensäure haltigen und einen schwachen Geruch von
Schwefelwasserstoff verbreitenden Quelle. Ihre Temperatur fand ich 9 Uhr
Vormittag 137° F. = 46,6 R. In der Nähe steht ein verfallendes Badehaus.
Die Eingeborenen benutzen das Wasser häufig als Heilmittel. Auf dem
ganzen Wege herrschte überall der rothe Thoneisenstein von Singapore bis
kurz vor der Quelle, die in angeschwemmtem Boden aufbricht, in welchem
sich viele Quarzkörner bis zu Nussgrösse vorfinden. Es ist dieselbe
Formation, in der hauptsächlich die Zinn- und Goldwäschen betrieben
werden. Nach dem Frühstück ging die Feierlichkeit ohne besonderes
Schaugepränge schnell vorüber. Der Resident-Councillor kehrte nach
Malacca zurück; ich fuhr wieder zu meinen Freunden nach Rumbia, deren
liebenswürdiges, harmloses Wesen gegen die finstere Gemessenheit der
Malayen angenehm abstach. Unterwegs sah ich neben einer kleinen Moschee
im Walde eine Pauke von 20 Fuss Länge und mehr als 2-1/2 Fuss
Durchmesser. Es war ein ausgehöhlter Baumstamm, an einem Ende offen, am
andern mit einer Büffelhaut bespannt. Es sollen derartige Pauken von
noch grösseren Dimensionen vorkommen. Ihr Zweck ist, die weit zerstreut
lebenden Gläubigen zum Gebet zu rufen. Noch spät Abends kamen die Jakuns
zur Mission und brachten mehrere Thiere, die sie für mich gesammelt
hatten.

Am folgenden Morgen überraschte ich im Walde ein junges Ehepärchen in
seinem Honigmond. Ihr Haus bestand in einem Sonnendach aus lose
zusammengefügten Palmenblättern. In einem kleinen Töpfchen kochte ihre
Mahlzeit, und während die Frau die Küche besorgte, sang ihr der Mann ein
Liedchen und begleitete sich auf einem Saiteninstrument, das aus einem
fusslangen Bambusrohr bestand, an welchem der Länge nach 3 oder 4 Enden
des kletternden Stammes einer Orchidee aufgespannt und statt der Stege
kleine Wachsklümpchen unter den Saiten angebracht waren. Der glückliche
Ehemann besass auch eine Flöte und Pfeife aus Bambus und musizirte, als
die erste Schüchternheit vorüber war, auf beiden mit grossem
Wohlgefallen ganz angenehm, nur etwas zu anhaltend. Beim Abschied drang
er mir zwei feiste Ratten auf, die er für seine eigene Tafel gemästet
hatte. Die Jakuns sind nicht wählerisch in ihren Nahrungsmitteln,
Schlangen und Ratten sind willkommene Leckerbissen. Der französische
Missionär Lefèvre erzählt: Eine ihrer geschätztesten Speisen ist ein
Honigwaben, nicht wann die Zellen mit Honig gefüllt, sondern wann die
jungen Bienen schon ausgebildet, ein Paar Tage bevor sie flügge sind;
der Waben wird dann in ein Bananenblatt gewickelt, etwas gebraten, und
das Ganze mit grossem Appetit verzehrt.

Ausser dem Waldmesser, das sie immer bei sich tragen, und das ihnen alle
Werkzeuge ersetzt, haben die Orang-bukit kaum irgend welche
Geräthschaften. Zur Jagd bedienen sie sich hauptsächlich der Blasröhre,
aus welchen sie vergiftete Pfeile schiessen. Kleinere Thiere sterben
nach einer Minute. Das Blasrohr „Sumpitan” besteht aus zwei in einander
geschobenen Bambusen, 7 Fuss lang, 3/4 Zoll Durchmesser. Die innere
Oeffnung hat etwa einen halben Zoll Durchmesser; die Pfeile sind 7 Zoll
lang und bestehen aus den Seitennerven eines Palmenwedels; an ihrem
unteren Ende ist ein 3/4 Zoll langer Kegel aus weichem Holz befestigt,
dessen Basis den hohlen Raum des Blaserohrs beinahe ausfüllt. Die sehr
scharfe Spitze ist einen halben Zoll tief in Gift getaucht und ringsum
eingeschnitten, damit sie abbreche und in der Wunde stecken bleibe.
Jeder einzelne Pfeil steckt in einem Rohrfutteral, und eine Anzahl
dieser ist durch Baststreifen eines Artocarpus so aneinander geknüpft,
dass sie sich zu einem Bündel aufrollen wie ein Latten-Rouleau und in
einer Bambuskapsel, die als Köcher dient, aufbewahrt werden können.
Genau ebenso verfertigen die Indianer in Guiana ihre Pfeile und bewahren
sie ebenso auf, mit dem einzigen Unterschied, dass die einzelnen Pfeile
nicht in besonderen Kapseln stecken, sondern unmittelbar mit einander
verknüpft und zusammengerollt werden -- ein auffallender Umstand, da
beide Völker wohl nie in Verkehr gestanden haben. Die Jakuns haben den
Ruf, geübte Sumpitanbläser zu sein. Um ihre Geschicklichkeit zu prüfen,
liess ich einen der geübtesten nach einem etwa 100 Schritt entfernten
Pisangstamm zielen; er traf ihn nachdem er zweimal vorbei geschossen;
eine 30 Schritt entfernte, 1-1/2 Zoll Durchmesser haltende Oranie zu
treffen, erklärte er für zu schwierig; auf 15 Schritt traf er sie. Bei
dem Schiessen wird der Pfeil von unten in das Blasrohr gesteckt, der
Kegel mit einer zunderartigen Substanz umwickelt, damit seitlich keine
Luft entweiche, und das Blasrohr mit beiden Händen fest gegen den Mund
gepresst. Die Luft wird mit solcher Gewalt ausgestossen, dass man einen
pfeifenden Ton hört.

Auf Veranlassung des Herrn Bory wurde das Pfeilgift in meiner Gegenwart
bereitet. Man schlug 3 Pflöcke in die Erde, setzte eine eiserne halb mit
Wasser gefüllte Pfanne darauf, zündete Feuer darunter an, that die
feingeschabte Rinde folgender Pflanzen hinein: akar-ipo (Giftwurzel)
oder lada-ipo (Giftpfeffer) eine starke Handvoll; ipo-batang
(Baumstammgift) und Sabalei je eine kleine Prise. Nach einer Minute
wurde die Rinde im Wasser mittelst der Hand stark ausgepresst und
fortgeworfen. Nachdem der Extract 4 Minuten gekocht hatte, wurde er mit
grosser Vorsicht abgegossen, wobei ein auf den Rand der Pfanne gelegter
kleiner Ballen geschabter Bambusfasern als Filtrum diente, um die noch
in der Flüssigkeit schwimmenden Rindenstückchen zurückzuhalten. Nachdem
die Pfanne sorgfältig mit Sand ausgescheuert, wurde der Absud -- etwa
1/2 Liter -- in dieselbe zurück gegossen. Man setzte, als er zu kochen
begann, einen Theelöffel voll Saft des Ipo-batang hinzu. Dieser geringen
Menge wegen hatte man einen grossen Baum gefällt, aus dessen Querschnitt
der Saft langsam ausschwitzte. Nach Zusatz dieser Substanz entstand in
der bisher klaren Flüssigkeit ein Coagulum, das zu Boden sank. Zwei
Minuten später goss man abermals die klare Flüssigkeit ab, in die man
vorher ein Stückchen durch Realgar verunreinigten Arseniks von der
Grösse eines Stecknadelknopfes geworfen hatte. -- Eine so geringe Menge
kann wohl keine Wirkung haben; auch gilt der Zusatz nach der Aussage des
Giftkochers nicht für wesentlich und unterbleibt, wenn kein Arsenik
vorhanden ist, ohne der Wirksamkeit des Pfeilgiftes zu schaden. --
Nachdem der Bodensatz beseitigt und die Pfanne abermals sehr sorgfältig
mit Sand ausgescheuert worden war, goss man wieder das Filtrat in
dieselbe zurück und dampfte es bis zur Syrupdicke ein. Das fertige Gift
wird entweder gleich auf die Pfeile gebracht, oder in kleinen Bambusen
verwahrt und soll viele Jahre lang seine Wirksamkeit behalten. -- Früher
wurden bei dem Giftkochen allerlei Zauberformeln angewendet, die Herrn
Bory's Einfluss beseitigt hat. Von den verwendeten Pflanzen konnte ich
keine blühende Exemplare erhalten und auch die eingelegten blüthenlosen
Zweige gingen später verloren, so dass eine Bestimmung nicht möglich
war. Ausser dem in meiner Gegenwart bereiteten kaufte ich noch mehrere
Kapseln voll älteren Pfeilgiftes und Köcher voll vergifteter Pfeile.
Später im physiologischen Laboratorium zu Berlin damit angestellte
Versuche ergaben sehr verschiedene Resultate. Das in meiner Gegenwart
bereitete Gift wirkte herzlähmend wie Anthiar, eben so wirkte der Saft
des Ipo-batang, den ich selbst vom Stamm eingesammelt hatte. Die
gekauften Gifte aber wirkten ausserdem noch tetanisirend wie Strychnin.
Wahrscheinlich ist der Ipo-batang-Baum = Anthiaris toxicaria oder eine
verwandte Art, und akar-ipo eine Strychnosart (letzteres ist um so
wahrscheinlicher, da akar nicht nur Wurzel sondern auch Rebe bedeutet).
Durch das Vorwiegen der einen oder andern Substanz mag wohl die
vorherrschende Wirkung auf Herz oder Nerven bedingt werden. Die von
Prof. du Bois-Reymond und Dr. Rosenthal angestellten Versuche, welche
übrigens auch die verhältnissmässige Immunität der Hühner bestätigen,
sind ausführlich beschrieben in den Monatsberichten der Berliner
Akademie 1859. 3. 319 und in Reichert und du Bois-Reymond's Archiv 1865
S. 601.

In allen Jägerkünsten sind die Waldmenschen wohlerfahren, sie wissen dem
Wild auch viele Fallen zu stellen; eine recht sinnreiche von
komplizirtem Bau beschreibt J. R. Logan. Mir zeigten sie an vielen
Stellen im Dickicht verborgen eine sehr einfache anscheinend von grosser
Wirksamkeit. Ein junger elastischer Baum war mit der Spitze zur Ende
gebogen. Bei der leichtesten Berührung eines Schnäppers schnellte er
wieder in die Höhe und durchbohrte mit der an seiner Spitze in einem
fast rechten Winkel befestigten Bambuslanze das Thier, das sich der
Falle unvorsichtig genähert hatte. Einem Aufsatz, den Herr Bory 1861 in
die Tydschr. voor indische Taal, Land en Volkenkunde einrücken liess,
entnehme ich noch einige ergänzende Daten:

Die Gesammtzahl aller Wilden auf der malayischen Halbinsel dürfte nach
H. B.'s Meinung nicht über 8-10,000 betragen; die der Mintras nicht über
2000. -- Sie halten sich für die Ureinwohner, betrachten die Malayen als
Eindringlinge und glauben von 2 weissen Affen abzustammen, aus deren
Nachkommen diejenigen, die in der Ebene blieben, allmälig Menschen
wurden, während die, welche die Berge nicht verliessen, Affen
blieben.[46] Jeder lebt für sich, als wäre er allein in der Welt. Sie
sind gleichgültig, faul, lieben die Ruhe über alles, haben wenig
Energie. Nur auf der Jagd zeigen sie Muth und Ausdauer. Allein, ohne
andre Waffen als Blasrohr, Lanze und Kris, bringen sie Tage und Nächte
im Walde zu. Sie sind friedliebend, streiten selten hartnäckig; der
geringste Zwist hat Auswanderung zur Folge. Sie hängen wenig am Boden,
verändern leicht ihren Wohnsitz, oft mehr aus Laune als aus Ueberlegung.
Der erste Eindruck, den die Mintras auf den Fremden machen, ist ein so
günstiger, dass man geneigt ist, sie für Menschen im Zustand der
Unschuld zu halten. (Herr Bory, der anfänglich auch diese Ansicht
theilte, denkt nach genauerer Bekanntschaft anders über sie).

Die Mintras, wie die andern wilden Stämme der Halbinsel haben ihre
eigene Sprache; sie hat wenig Klarheit und Bestimmtheit. Die
Mintra-Christen verlangten daher, dass ihnen der Religionsunterricht in
malayischer Sprache ertheilt würde. Alle Wilden sprechen malayisch, das
ihnen auch als Verkehrssprache mit benachbarten Stämmen nöthig ist.

Einige Tage nach meiner Rückkehr nach Malacca hatte ich Gelegenheit,
in Gesellschaft eines Bergmanns aus Cornwallis, der im Auftrag einer
englischen Gesellschaft die Ergiebigkeit der hiesigen Zinnlagerstätten
untersuchen sollte, einen Ausflug nach dem oberen Lingiflusse zu
machen, von wo wir nach dem berühmten Zinndistrikt, Songei-Udjong,
wollten. Bis zur Mündung des Lingi konnten wir das Kanonenboot der
Regierung benutzen. Wir verliessen Malacca Nachmittags um 5 Uhr und
fuhren in geringer Entfernung von der Küste, die eine ununterbrochene
Reihe lieblicher Landschaften entfaltete: im Vordergrund eine bebaute
Ebene, auf welcher sich Hügel und weiter hinten tief blaue Berge in
scharfen Umrissen erhoben. Der Sonnenuntergang war ausserordentlich
prächtig und nahm über 150° des Horizontes ein. Wir brachten die warme
Nacht 23,2° R. auf dem Verdeck zu, um 3 Uhr trat Regen ein und zwang
uns, in der kleinen, heissen Kajüte Schutz zu suchen. Wir waren der
Mündung des Lingi nahe, mussten aber noch 3 Stunden lang kreuzen,
bevor wir landen konnten, da wir Wind und Strömung gegen uns hatten.
Dieser Fluss bildet die Grenze Malaccas gegen den kleinen Malayenstaat
~Salangore~. An seiner Mündung, auf der linken (englischen) Seite,
liegt ein kleines, aus wenigen Hütten bestehendes malayisches Kampong
und daneben die Umfangsmauer eines während des Krieges mit Naning
gegründeten Forts. Das Kanonenboot setzte seine Fahrt fort, wir
blieben und hatten bis 11 Uhr mit habsüchtigen, mürrischen Leuten zu
feilschen, bevor wir zur Fahrt Fluss aufwärts um hohen Preis ein Boot
erlangten. Die breiten Mündungen dieser Flüsse sind namentlich in der
Mittagssonnengluth nicht angenehm zu befahren. Die Fluthwelle reicht
viele Meilen weit hinauf, und soweit sie das Seewasser trägt, zieht
sich zu beiden Seiten ein einförmiger Rhizophorensaum hin; erst nach
stundenlanger Fahrt flussaufwärts erscheinen einige stammlose
Nipapalmen, die allmälig häufiger werden, sobald der Salzgehalt des
Wassers hinreichend abnimmt, dann treten Pandanusarten auf, welchen
sich bald blühende Sträucher und enorme Waldbäume anschliessen, deren
einige bis auf 100 Fuss Höhe fast astlos, und glatt wie Säulen
emporragend, nur am Boden mit grossen Strebepfeilern versehen sind,
während andere vielfach verästelt, durch Luftwurzeln gestützt und nach
allen Richtungen mit Lianen, Kletterfarnen und Orchideen behangen, ein
unauflösliches Gewirre bilden. Gegen Abend wurde der Fluss immer
enger, die Windungen häufiger, endlich bogen wir in einen kleinen
Bach, unter dessen dichtem, tiefhängendem Laubdach wir ein kleines
Kampong erreichten. Am Ufer stand ein Schuppen, der als Niederlage für
das aus der Umgegend kommende Zinn dient, welches von hier aus nach
Malacca verschifft wird. Der „Dato” (Häuptling) wohnt eine Mile
landeinwärts; wir begaben uns zu ihm, um den Empfehlungsbrief des
Guvernörs abzugeben. Zu unserer Ueberraschung führte statt eines engen
Waldpfades ein Fahrweg nach seiner Wohnung; den Dato hatten bei einem
Besuche in Singapore die dort gebräuchlichen Wagen so entzückt, dass
er einen gekauft, und um ihn benutzen zu können, mitten in seinem
Walde ein Stück Strasse von einer Mile Länge gebaut hatte, auf der er
täglich spazieren fuhr. Er wohnte in einem sauberen steinernen Hause,
in dem mehrere europäische Möbel und Luxusgegenstände aufgestellt
waren. Unsere beabsichtigte Reise nach Songei-Udjong schien ihm nicht
angenehm zu sein; er machte allerlei Einwendungen dagegen, schilderte
sehr beredt die Gefahren und Strapazen, die uns bevorständen,
bedauerte uns in seiner Wohnung kein Quartier geben zu können, und
entschuldigte sich, dass die Nahrungsmittel sehr knapp seien. Zum
Glück waren wir in dieser Beziehung gut versehen. Er bat uns ihm zwei
oder drei Zwieback zu verkaufen, und als wir ihm ein Dutzend geschenkt
hatten, fragte er nach dem Preise des Bieres; wir schenkten ihm zwei
Flaschen. Nun wünschte er auch den Preis des Weines zu erfahren; wir
schenkten ihm eine Flasche und zogen uns nach dem Landungsplatz
zurück, wo wir in einer Ecke des Zinnsschuppens die Nacht zubrachten.
Der Dato hatte versprochen, uns am andern Morgen um 6 Uhr Leute zu
schicken, die uns als Träger und Führer begleiten sollten; er schlief
aber bis 12, und keiner seiner Leute wagte mit uns zu gehen. Wir
beschränkten daher unsere Excursionen auf die nächste Umgebung. Als
wir um 2 Uhr in brennender Sonne wieder zurückkehrten, war unser
Gastfreund bereits wieder schlafen gegangen; erst gegen fünf stand er
auf und begleitete uns auf einer Jagdpartie. Er war heut noch
zudringlicher als gestern und weigerte sich schliesslich geradezu uns
Träger nach Udjong zu geben. Seine Beweggründe waren uns nicht recht
klar. Da aber die Haupteinnahme-Quelle dieser kleinen Raubritter in
der gesetzlosen Ausbeutung der ihr Gebiet betretenden Zinngräber
besteht, so mag er wohl triftige Gründe gehabt haben um uns einen
näheren Einblick in sein Treiben zu wehren. Mein Gefährte hatte
Aussicht die Reise nach Songei-Udjong später mit besserem Erfolg zu
machen; so beschlossen wir denn am nächsten Morgen umzukehren, um
nicht länger mit dem unverschämten Burschen und seiner zudringlichen
Umgebung zu thun zu haben. Doch war es beinahe Mittag, als wir am
folgenden Tage nach vielen Plackereien und Prellereien die Rückreise
antreten konnten.

Das Boot, das wir nach langem Zögern endlich erhielten, hatte kaum Raum
für unser Gepäck, so dass wir auf demselben hocken mussten; es füllte
sich durch ein Leck und durch strömenden Regen schneller als es
ausgeschöpft werden konnte. Wir kehrten daher wieder um, setzten eines
der grossen am Strande liegenden Boote in Stand und fuhren darin bequem
flussabwärts. Eine Anzahl fauler Kerle, die unter dem Schuppen standen,
sahen uns müssig und mürrisch zu, doch wagten sie nicht uns zu hindern.
Bald nach Sonnenuntergang landeten wir in einer kleinen Polizeistation
auf englischem Gebiet nahe der Mündung. Der Dato von Lingi ist nur ein
kleiner Häuptling, dessen Einkünfte im Handel und in Erpressungen
bestehen, dennoch nahm er, obgleich unmittelbarer Nachbar der Engländer,
keine Notiz von dem ebenso höflichen als angelegentlichen
Empfehlungsbrief des Guvernörs; so geringen Einfluss haben die Engländer
auf diese kleinen Staaten, in denen Mord- und Raubanfälle sehr häufig
sind, ein Uebelstand, der in der Kolonie lebhaft gefühlt wird und ein
Hauptgrund, weshalb sie eine selbstständigere Regierung zu haben
wünscht. Grade während meiner Anwesenheit machte ein kleiner
Bugishäuptling aus Singapore, der angeblich für den Sultan von Johor
focht, die Umgebung des Berges Ophir unsicher und that sogar räuberische
Einfälle auf englisches Gebiet, gegen die, wenigstens zur Zeit, nicht
eingeschritten wurde.[47]

Mein Gefährte setzte am nächsten Tage die Reise bis Ponchor fort, einer
zwischen Lingi und Malacca an der Küste gelegenen Häusergruppe, ich
blieb in der Polizeistation zurück, und verbrachte eine sehr unruhige
Nacht. Denn wir befanden uns in dem Monat, in welchem die Muhamedaner,
nachdem sie von Morgens 6 bis Abends 6 gefastet, sich Nachts durch
Schmausen, Musiziren und allerlei Lärm entschädigen. Am andern Morgen
begab ich mich auch nach Ponchor, in einem kleinen Boot der Küste
folgend, deren Schönheit mich aber bald einlud, den Weg zu Fuss
fortzusetzen. Man geht bequem auf ebenem Granitsand, aus welchem grosse
oft dicht mit blühenden Orchideen bekleidete Granitblöcke hervorragen.
Meinen Freund traf ich in einem geräumigen verlassenen Schuppen, mit
freier Aussicht auf das Meer neben einer klaren Felsenquelle recht
behaglich eingerichtet. Wir durchstreiften die liebliche Gegend mit der
Vogelflinte, badeten Abends in der Brandung, assen ohne aufgedrungene
malayische Gesellschaft, und fischten Nachts bei Fackelschein.

Am folgenden Morgen besichtigten wir eine in der Nähe gelegene
Zinngrube. Zinn kommt im gediegenen Zustande in der Natur nicht vor.[48]
Alles Zinn wird aus Zinnerz oder Zinnstein, einem reinen, nur durch
mechanische Beimengungen verunreinigten Zinnoxyd gewonnen. Es tritt in
schmalen Gängen, sogenannten Stockwerken, im Granit oder andern
Eruptivgesteinen auf, die es so unregelmässig durchsetzt, dass man
häufig dadurch veranlasst wird, Tagebau darauf zu treiben; oder es kommt
in grossen regelmässig abzubauenden Gängen vor. Alles Zinn von
Cornwallis wird gegenwärtig aus solchen Gängen gewonnen; die früher
daselbst betriebenen Stockwerke sind erschöpft und liefern nichts oder
fast nichts mehr. Durch Pochen und Waschen wird das viel schwerere Erz
(sp. Gew. = 6,8 bis 7) leicht vom Ganggestein getrennt, aber nicht von
dem es gewöhnlich begleitenden Wolfram und den Arsenik- und andern
Kiesen, die ungefähr gleich schwer sind; diese entfernt man durch
Rösten, wobei sie sich zersetzen, und abermaliges Waschen.[49] Der ganze
eben beschriebene Prozess vollzieht sich in der Natur spontan, indem
durch die Einwirkung der Atmosphaerilien das Gebirge verwittert, die
Kiese sich zersetzen, lösliche Verbindungen eingehen, und sammt dem
verwitterten Gestein durch Regen und Bäche in die Tiefe geführt werden.
Wenn sich aus dem zur Ruhe gekommenen Wasser die darin schwebenden
Stoffe absetzen, bildet das Erz wegen seiner Schwere die tiefste
Schicht, auf welcher sich die Verwitterungsprodukte des Muttergesteins,
Kaolin, Quarzsand, Grus und Trümmer ablagern. Im Verlauf langer
Zeiträume bilden sich auf diese Weise Lager von grosser Mächtigkeit. Man
nennt diese erzführenden Ablagerungen in Deutschland Seifen, in Cornwall
Streamworks, in beiden Ländern hat aber ihre Ausbeutung jetzt gänzlich
aufgehört, da sie erschöpft sind. Alles Zinn von Hinterindien (Malacca,
Junk-Ceylon, Banca, Siam u. s. w.) wird aus Seifen gewonnen, die
ursprüngliche Lagerstätte ist noch gar nicht bekannt. Das Zinn von Banca
und Malacca ist fast absolut rein, und überhaupt ist Seifenzinn immer
reiner als das aus Gangerzen gewonnene.

Nach Crawfurd (Dictionary) ist das Malayische Zinngebiet ohne allen
Vergleich das ausgedehnteste und reichste der Welt und erstreckt sich
von Tavoy 14° N. bis Billiton 3° S. d. h. über 17 Breiten- und 10
Längengrade. Der grösste Theil des Gebiets ist noch mit Urwald bedeckt,
so dass man erwarten darf das Erz noch an vielen Stellen zu finden. Der
Vorrath scheint sehr gross, der Ertrag steht im Verhältniss zu den
aufgewendeten Mitteln an Kapital und Arbeitskräften. Die Gruben von
Banca werden seit 1710 betrieben, die erste Grube bei Malacca wurde 1793
eröffnet, aber erst seit 1840 findet daselbst die Ausbeutung mit
grösserem Nachdruck durch Chinesen statt. Auch in den benachbarten
Malayenstaaten, namentlich in denen der Ostküste, Kalantan und Tringano,
so wie in Siam nimmt die Zinnproduktion sehr zu, recht bedeutend ist sie
auf Junk-Ceylon.[50]

Um das Erz aus dem Seifengebirge zu gewinnen, wiederholt und vollendet
der Mensch was die Natur im Grossen gethan hat; er schlämmt und wäscht
die erzführenden Schuttmassen, bis nur das reine Erz zurückbleibt.

Die Grube vor uns wurde von 34 Chinesen bearbeitet, gehörte also zu
den kleinsten. In manchen Gruben sind mehrere Hundert Arbeiter
beschäftigt. Da das ganze, gewöhnlich 12' bis 18' mächtige Deckgebirge
abgetragen werden muss, um auf die Erzschicht zu kommen, so ist es
nicht lohnend, mit geringen Arbeitskräften die Ausbeutung zu
betreiben. Unter einer 2' dicken Schicht Ackerkrume lag eine etwa
doppelt so dicke Schicht grauen Sandes, darunter folgte eine weisse 4
bis 5 Fuss mächtige aus reinem Kaolin mit Quarzkörnern und
Glimmerblättchen bestehende Schicht, „Kong” genannt; dann eine
sechszöllige gelber Erde, die das Zinnerz enthält. Die Unterlage
bestand wieder aus demselben weissen Kong, wie die Decke. Ein
ehemaliger Bach hatte sich in dem lockeren Boden in N. S. Richtung
sein Bett bis auf die zinnführende Schicht ausgewaschen und es dann
wieder zum Theil mit Thon angefüllt, fast reinem Kaolin, durch
verkohlte Pflanzenreste schwarz gefärbt. Die Nordwand der Grube zeigte
die beschriebenen Verhältnisse in einem Profil von einer Deutlichkeit,
wie man sie sonst gewöhnlich nur in den schematischen Figuren
geognostischer Monographien findet; die grellen Farben trugen dazu
nicht wenig bei.

Man hatte zuerst den schwarzen Thon, der das alte Bett des Bachs
ausfüllte, bis auf die Erzschicht fortgeräumt, dann die östliche
Uferwand; jetzt war man beschäftigt die westliche Wand abzuräumen, indem
man sie auf die Ostseite hinübertrug. Zum Fortschaffen der Erde bediente
man sich kleiner Tragkörbe, als Leitern dienten schräg liegende
Baumstämme mit eingehauenen Stufen. Das auf dem Boden der Grube sich
ansammelnde Wasser wurde durch eine Schaufelkunst gehoben, die aus einer
Reihe flacher an einer Kette ohne Ende befestigter Bretter bestand,
welche sich in einer schrägen Rinne aufwärts bewegten und das Wasser vor
sich herfegten. Der Apparat hatte grosse Aehnlichkeit mit einer
Baggermaschine und wurde durch ein am oberen Ende angebrachtes Wasserrad
getrieben, an dessen Welle aber auch noch Tretbretter befindlich waren,
um es bei Wassermangel durch Menschenkraft in Bewegung zu setzen. In
auffallender Weise war bei der Anlage die gehörige Ausnutzung der
vorhandenen Wasserkräfte und Niveauverhältnisse übersehen worden, so
dass nach der Schätzung meines erfahrenen Begleiters wohl 5' Fall
verloren gingen. Auch war der Kasten, in welchen das Wasser des
oberschlächtigen Rades sowohl, als das aus der Grube heraufgeförderte
sich ergoss, so ungeschickt gemacht, dass immer ein sehr beträchtlicher
Wasserstand darinblieb, wodurch abermals ein erheblicher Kraftverlust
entstand. Gewöhnlich haben doch reisbauende Völker grosses Geschick in
allen Wasserbauten und hier war doppelte Veranlassung, es anzuwenden, da
das Treten des Rades nicht nur sehr anstrengend, sondern auch, falls
nicht Alle gleichzeitig aufhören, wegen des Rückschlags sehr gefährlich
ist und Beinbrüche veranlassen kann. Das erzführende Gestein wird auf
einen Haufen zusammengetragen und erst dann geschlämmt und geschmolzen,
wenn die ganze Grube leer ist.

Wir durften die Grube nur barfuss, ohne Hut und Sonnenschirm betreten.
Es finden noch mehrere andere abergläubische Beschränkungen statt, auch
zahlreiche Opfer an Vieh, Geflügel, Goldpapier, Kerzen und Schwärmern,
um die Berggeister günstig zu stimmen.

Die Besitzer der grösseren Zinngruben wohnen meist in Malacca; die
Arbeiter stehen zu diesen in demselben Verhältniss, wie die
Gambirpflanzer in Singapore zu ihrem Patron. Ein Theil dient um die
vorgeschossene Passage von China zu tilgen (Sinkay), andere um festen
Lohn, 4 bis 5 Ds. per Monat und Kost. Alle haben aber einen, wenn auch
noch so kleinen Antheil am Ertrag. Die Zinngewinnung nimmt mit jedem
Jahre zu. Einige Gruben sind so ergiebig, dass sie nach Blundell den
Eindruck machen, als würden harte Thaler aus einer grossen Vertiefung
ausgeschaufelt. Solche Erfolge veranlassten eine grosse Ausbreitung
dieses Bergbaues. Nach Blundell, der als ehemaliger Guvernör genau
unterrichtet ist, deckt aber die Hälfte der Unternehmungen kaum die
Kosten; eine Hälfte giebt mässigen Gewinn und nur 4 oder 5 sind
Haupttreffer in dieser Lotterie; denn eine solche ist nach seiner
Ansicht dieser Erwerbszweig in seinem gegenwärtigen Betrieb. Der Reiz
des Spiels hat aber die Aufschliessung vieler neuen Gruben zur Folge
gehabt. Die Erlaubniss zum Bergbau giebt die Regierung gratis, sie
erhebt aber ein Zehntel des gewonnenen Zinns als Abgabe, und verpachtet
diese Steuer, wie das Opium und Branntweinmonopol dem Meistbietenden.
Zur Verhinderung des Schmuggelns wird solches Zinn, von welchem die
Abgabe entrichtet ist, gestempelt, und steigt dadurch um 8 bis 9% an
Werth, da ungestempeltes Zinn in England höheren Eingangszoll zahlt.

Nach dem unangenehmen Eindruck, den die Malayen von Lingi auf uns
gemacht, waren mir einige Ausflüge im Gebiet von Malacca doppelt
angenehm, weil ich dabei dies Volk von einer ganz andern, sehr
vortheilhaften Seite kennen lernte. Ich wohnte in kleinen Hütten, mitten
im Walde, bei armen Leuten, die mir den besten Platz im Hause und die
besten Matten einräumten, sehr bescheiden, gefällig und höflich waren,
doch immer ohne jene Zeichen hündischer Unterwürfigkeit, mit denen viele
andere Asiaten so freigebig sind, wenn sie dadurch eine Gunst zu
erlangen hoffen. Es scheint, dass zwischen den alten Ansiedlern
holländischer Abkunft und den auf ihrem Gebiet wohnenden Malayen ein auf
gegenseitiges Zutrauen gegründeter freundschaftlicher Verkehr
stattfindet, jedenfalls bestand ein solcher zwischen meinem Freunde W.
B. und seinen Insassen. Die einfachen Sitten und die Biederkeit dieser
Ackerbau treibenden Malayen waren mir um so wohlthuender, je weniger ich
diese Eigenschaften erwartet hatte. In Lingi, dessen Bewohner von mehr
oder weniger gesetzlichem Handel, Erpressungen und gelegentlichen
Räubereien leben, traten ihre gehässigsten Eigenschaften hervor, aber
auch in Singapore werden die besseren Züge ihres Wesens von dem
Golddurst, der dort Alle ergreift, in den Hintergrund gedrängt.

Die Ausflüge um Malacca sind sehr angenehm und für den Sammler lohnend.
Zwischen dem ~Lingi~- und ~Kassang~fluss, die das Gebiet begrenzen,
ergiessen sich ausser mehreren Bächen der ~Malacca~- und der
~Dujong~fluss (nach letzterem ist die Seekuh Halicore Dugong benannt,
wobei aber irrthümlich das _j_ in ein _g_ verwandelt worden). Beide
Flüsse sind für Kähne auf mehrere Miles weit zugänglich. Ihre Ufer
wimmeln von Krokodilen, in den Bäumen klettern Vögel, Schlangen,
Eichhörnchen und Affen umher, und man ist sicher, mit reichlicher Beute
zurückzukehren, wenn man mit einer Vogelflinte versehen, auf einem aus
einem einzigen Baumstamme gezimmerten Kahne in die Tiefen des Waldes
eindringt. Ich habe nie so viele Baumschlangen gesehen, als am
Malaccafluss. In einer halben Stunde hätte ich ein Dutzend schiessen
können. Sie lagen meist aufgerollt auf das Wasser überragenden Zweigen,
von welchen sie sich herabfallen liessen und behende weiter schwammen,
wenn sie Gefahr im Anzuge glaubten. Das Zigeunerleben im Walde, so nahe
einer Hafenstadt, in der man sich immer wieder mit Vorräthen, sogar mit
Luxusgegenständen versehen kann, in Begleitung eines gelehrigen,
bescheidenen Dieners, unter gefälligen, sanften Eingebornen war so
angenehm, dass ich es jedem Touristen aufs angelegentlichste empfehlen
möchte. Wir durchstreiften den Wald nach allen Richtungen, im Boot oder
zu Fuss, und kehrten oft erst spät Abends beim Schein der Dammarfackeln
nach unserm Lagerplatz zurück, um das Gesammelte zu präpariren.

Der Grund, warum tropische Länder, die jetzt so leicht zu erreichen
sind, so selten besucht werden, liegt, wie ich glaube, besonders in der
Furcht vor dem Klima, den Giftschlangen und dem Ungeziefer. Die
ungesundesten Gegenden sind aber immer den in der Nähe Wohnenden
bekannt, und können gewöhnlich von dem, der nur zum Vergnügen reist,
vermieden werden. Uebrigens ist eine gewisse Mässigkeit in allen
Genüssen, ohne strenge Enthaltung, bei gehöriger Bewegung und angenehmer
Beschäftigung ein anerkanntes Mittel, Krankheiten fern zu halten; gegen
die gefürchtetsten, Fieber und Dysenterie, pflegen Chinin und
Opiumtinktur, zeitig angewandt, zu helfen. Das Leben in den Hafenplätzen
ist den Europäern freilich weniger zuträglich. Sie arbeiten dort lange
und oft angestrengt in Kontoren, halten reichliche Mahlzeiten, geniessen
stark gewürzte, den Durst reizende Speisen und geben sich wohl noch
andern Excessen hin. Auch die europäische Kleidung, die schon bei uns
weder schön noch besonders zweckmässig ist, wird hier zu einer wahren
Plage und der Gesundheit nachtheilig. Im Walde kleidet man sich, wie man
will. Nach mehreren Versuchen nahm ich später einen Anzug an, den ich
als besonders zweckmässig empfehlen kann: Hose und lange Jacke von
blauem Kattun (weiss würde alle Thiere verscheuchen), Schuhe aus
Segeltuch und einen chinesischen Hut in Form eines Helms. Die Jacke
vertritt zugleich die Stelle des Hemdes, ist ungefüttert, enthält aber
mehrere Taschen. Strümpfe sind sehr unbequem, barfuss gehen schwer zu
lernen, Segeltuchschuhe sind am zweckmässigsten. Reitet man durch einen
Fluss, so zieht man sie aus und hat dann gleich wieder trockene Füsse.
So lange man geht, schaden nasse Füsse nicht. Kommt man Abends ins
Quartier, so wechselt man den ganzen, gewöhnlich von Schweiss oder Regen
durchnässten Anzug, und wäscht alles, mit Ausnahme des Hutes; am andern
Tag ist alles wieder trocken. In einer so dünnen Hülle, die so leicht
gewechselt und gewaschen wird, belästigt die Hitze fast gar nicht. Es
verschwinden zugleich fast alle Terrainschwierigkeiten; denn es ist
ziemlich gleichgültig, ob man auf dem Trocknen, im Sumpf oder im Wasser
geht. Der Hut, der wegen seiner Zweckmässigkeit eine besondere
Beschreibung verdient, besteht aus dem Mark eines Baumes, angeblich
Aeschynemone aspera, so porös, leicht, die Wärme schlecht leitend, wie
Holundermark. Er ist von grösserem Umfang als der Kopf, man trägt ihn
vermittelst eines zollbreiten, geflochtenen Ringes, der innerhalb des
Hutes an seinem unteren Rande angebracht, und nur an drei oder vier
Stellen so mit ihm verbunden ist, dass die Luft ringsum zwischen Hut und
Kopf zirkuliren kann. An der hinteren Seite hängt eine kurze Gardine, um
den Nacken gegen die Sonne zu schützen. Der Ueberzug besteht aus hellem
Seidenbast, der des breiten unteren Randes aus blauem oder grünem Stoff,
um die Augen zu schützen.

Die grosse Furcht vor Schlangen und reissenden Thieren ist ganz
ungerechtfertigt. Alle Thiere fürchten sich vor dem Menschen; auch sind
die meisten Schlangen giftlos, und alle ziehen sich gewöhnlich bei
Zeiten zurück, wenn sie Menschen kommen hören. Wie schwer sie
anzutreffen sind, erfährt man am besten, wenn man ihnen eifrig
nachstellt. Wir suchten immer nach ihnen; ich zahlte für das Stück 6
pence oder 1 shilling und dennoch habe ich in vier Jahren kaum einige
hundert zusammengebracht. Ist erst die Furcht vor ihnen verschwunden,
die wohl jeder, der viele Reisebeschreibungen gelesen hat, empfindet,
wenn er zum ersten mal den tropischen Wald betritt, so sind sie leicht
zu fangen: mit einem Schlag tödtet man sie, auch ist es nicht schwer,
sie lebend zu fangen, wenn man sie mit einem Stock gegen den Boden
drückt, und sie dann unmittelbar hinter dem Kopf fest anpackt. Die
Diener, die mit mir waren, hatten anfänglich immer die grösste Furcht
vor allen, auch den ganz harmlosen Schlangen; besonders gefürchtet war
die Zunge, die für sehr giftig gilt. Hatten sie aber erst einmal
gelernt, wo die Giftzähne sitzen, und sich überzeugt, dass das Thier
sonst wehrlos ist, so trat an die Stelle der früheren Furcht eine solche
Dummdreistigkeit, dass ich oft Unglück befürchtete. Tritt man
unversehens auf eine im Kraut verborgene Schlange, so beisst sie wohl
aus Nothwehr, das ist aber auch fast die einzige Gefahr, der man von
ihnen ausgesetzt ist, und diese Gefahr ist namentlich für Europäer
gering, die gewöhnlich mehrere Personen im Gefolge haben, deren Lärmen
die Thiere früh genug warnt.

Von Insekten wird man in Indien viel weniger geplagt als im Süden
Europas. Flöhe giebt es nicht, die Läuse der Eingebornen suchen den
Europäer nicht heim; dies ist besonders sehr auffallend in den
Philippinen, wo die Eingebornen sehr viel reinlicher als die Spanier
sind. Jene baden sich täglich und pflegen ihr schönes Haar, während
diese in beidem nachlässiger sind, doch haben die Tagalen, namentlich
die Frauen, fast immer Ungeziefer im Haar, die Spanier wohl nie.

Gegen alle lästigen Insekten aber und namentlich auch gegen die
gefürchteten Moskitos schützt vollkommen das Insektenpulver, wie es auch
von Sammlungen die Ameisen fernhält. Eine Tinktur aus 1 Theil
Insektenpulver (Pyrethrum roseum), 2 Theilen Alkohol, 2 Theilen Wasser
schützt, selbst noch zehnfach mit Wasser verdünnt, alle Körpertheile,
die damit benetzt werden, absolut gegen jeden Angriff. Auf den wegen der
Moskitos so sehr verrufenen Flüssen von Siam schlief ich oft ohne
Moskitonetz ganz nackt in meinem Boot, ohne im Geringsten belästigt zu
werden; das Summen, welches sonst jeden Schlaf verscheucht, weil es die
Nähe des zum Angriff bereiten Feindes verräth, wird zu einer harmlosen
Musik, die einen im Bewusstsein der Sicherheit um so leichter
einschläfert. So schützt Benetzung des Bartes und der Hände den Jäger
auf der Wasserjagd gegen Mücken, selbst bei der starken Transpiration im
dortigen Klima wenigstens 12 Stunden. Besonders interessant ist auch die
Wirkung auf die in tropischen Ländern so sehr zahlreichen Ameisen. Vor
den Fenstern meiner Wohnung in Albay, auf Luzon, lief ein 6 Zoll breites
Brett ringsum das ganze Haus. Auf demselben bewegten sich zwei dicht
gedrängte Züge einer schwarzen Ameise in entgegengesetzter Richtung
ununterbrochen dicht neben einander hin, so dass die Oberfläche
gleichmässig schwarz erschien. Ein handbreiter Streifen dünn gestreuten
Pulvers oder verdünnter Tinktur genügte, um sie alle zu vertreiben.
Zuerst stauten sich die Züge am Rande des Streifens, dann überschritten
ihn die Vordersten, von den Nachfolgenden gedrängt; aber schon wenige
Zoll weiter zeigten sich die Merkmale der Vergiftung; sie taumelten,
setzten sich auf die Hinterbeine, bewegten ängstlich die Vorderbeine und
starben nach einer oder zwei Minuten. Bald darauf verliessen alle das
Haus.

Auch die in den Philippinen so verbreitete Krätze wird durch Waschen mit
der konzentrirten Tinktur schnell beseitigt; -- das Jucken hört
augenblicklich auf. Die fast magische Wirkung des für Menschen ganz
unschädlichen Mittels scheint noch völlig unaufgeklärt. Es ist gleich
wirksam als Pulver, als Tinktur und als Räuchermittel. Ein befreundeter
Chemiker sagt mir, dass es ihm trotz der grössten Sorgfalt nicht
gelungen sei, ein Alkaloid oder sonst eine eigenthümliche Substanz darin
zu finden, der man die Wirkung zuschreiben könnte.

Bei meiner Rückkehr nach Malacca hatte ich Gelegenheit, einen grossen
Leichenzug zu sehen, von dem man schon lange viel gesprochen hatte. Die
Mutter eines der reichsten Chinesen war vor einigen Monaten gestorben,
und heute wurde ihr einbalsamirter Körper in die Familiengruft gebracht.
Fast die ganze Stadt betheiligte sich daran. Der Resident-Councillor und
alle Magistratspersonen folgten dem Zuge, der indessen hinter den
hochgespannten Erwartungen zurückblieb. Er bestand aus einer langen
Reihe Chinesen in weissen und blauen Trauerkleidern; einige ritten auf
Pferden, die auch mit weissen oder blauen Zeugen behangen waren. Sieben
geschlachtete Schweine und sieben Ziegen, je von 4 Kulis getragen,
folgten, um draussen verspeist zu werden. Viel feierlicher als die
Schweine sahen die Ziegenböcke aus, die bis auf die schwarze Mähne und
den schwarzen Bart ganz kahl gebrüht waren. Lärmende Musik ging dem
Sarge voraus, der in einem geräumigen Zelt von äusserst kostbar
gesticktem Seidenzeug enthalten war, ihm folgte eine grosse Masse Volk,
meist Chinesen, und zuletzt die nähern Verwandten in Sackleinen und die
Nachbarinnen im blauen Hauskleide, ein weisses Tuch über die Schulter
geworfen.

Zögernd und ungern verliess ich Malacca, um einen Dampfer von Singapore
nach Borneo zu benutzen; es wurde mir schwer, mich von den lieben
Freunden zu trennen, die ich hier zurückliess und wohl nicht wiedersehen
werde.

       *       *       *       *       *

Malacca, die Hauptstadt des gleichnamigen Gebiets, liegt 2° 14' N, 112°
O v. Gr., das Klima ist trotz der Nähe des Aequators und der geringen
Meereshöhe gesund und angenehm. Der Thermometer schwankt zwischen 17 und
24° R., der Barometer zwischen 29° 8' und 30° 3' Engl. Wie Singapore
liegt auch Malacca ausserhalb der Monsuns, daher die Sicherheit seiner
Rhede.

Die Stadt soll im zwölften Jahrhundert gegründet worden sein durch einen
Fürsten von Singapore, den wahrscheinlich die Siamesen vertrieben
hatten. Sie erhob sich schnell zu grosser Bedeutung, und war bei Ankunft
der Portugiesen 1509, der reichste Handelsplatz in jenen Meeren, viel
besucht von Schiffen aus China, Japan, den Philippinen, den Inseln des
Archipels, Vorderindien und Arabien. Namentlich hatte sie zu jener Zeit
grosse Wichtigkeit als Stapelplatz der damals in Europa so geschätzten
Gewürze. Die Stadt soll über 150,000 Einwohner gehabt haben. Die
Portugiesen machten bald nach ihrem Erscheinen diesen Zuständen ein
Ende, indem sie alle Schiffe, deren sie habhaft werden konnten,
kaperten, und Schifffahrt und Handel verscheuchten. Im Jahre 1511
eroberte Albuquerque die Stadt, plünderte, verbrannte sie und tödtete
nach der eigenen Angabe der Portugiesen den grössten Theil der
Einwohner, auch Frauen und Kinder. Die Portugiesen behielten Malacca 130
Jahre lang und machten sich unglaublicher Grausamkeiten und
Treulosigkeiten schuldig. An die Stelle des früher so blühenden Handels
trat ein drückendes Monopol. Im Jahre 1641 fielen nach mehreren
vergeblichen Versuchen Stadt und Gebiet den Holländern in die Hände,
denen es 1795 die Engländer abnahmen, aber 1818 zurückgaben. 1825 kam
Malacca abermals an die Engländer, in Folge des bereits früher erwähnten
1824 in London geschlossenen Vertrages, durch welchen die
Streitigkeiten, die aus der Nebenbuhlerschaft der Engländer und
Holländer in jenen Meeren entstanden waren, zeitweis ausgeglichen
wurden. England tauschte Sumatra gegen Malacca aus; die Holländer
erkannten Singapore definitiv den Engländern zu, und beide Mächte
verständigten sich dahin, dass die Strasse von Singapore die Grenze
ihres beiderseitigen Wirkungskreises bilden solle. Dieser Vertrag ist
aber noch fortwährend eine Quelle von Streitigkeiten. Nach der
holländischen Auslegung sind die Engländer von allen Inseln des
Archipels südlich von der Strasse von Singapore ausgeschlossen, nach
der englischen Deutung nur von den unmittelbar südlich von Singapore
etwa bis Banca gelegenen Inseln.[51]

In Bezug auf die Handelspolitik machten es die Holländer nicht besser
als ihre Vorgänger. Nicht nur der Anbau von Kolonialprodukten, sogar der
des Reises, obgleich er fast das einzige Nahrungsmittel der Bevölkerung
bildet, war zu Gunsten der Produktion Javas und der Molukken verboten,
Grund und Boden fast werthlos, Entvölkerung und Verarmung die
natürlichen Folgen so brutaler Gesetze; dennoch behielt die Stadt
Malacca immer noch einen ziemlichen Handel, als einziger Stapelplatz für
die Produkte der umliegenden malayischen Staaten. Durch das Anlegen
einer englischen Kolonie auf Pulo-pinang 1786, namentlich aber durch die
Gründung des soviel günstiger gelegenen Freihafens Singapore am Ende der
östlichen Meerenge hat sich auch dieser Handel von Malacca gänzlich fort
nach jenen beiden Punkten, besonders nach dem letzteren gezogen.

Auch der Ackerbau obgleich jetzt von allen barbarischen Fesseln
befreit, macht doch nur sehr geringe Fortschritt und beschränkt sich
fast auf den Reisbau. Das Land ist zwar ziemlich reichlich bewässert,
wo dies der Fall ist, nicht unfruchtbar und wenn die einheimischen
Arbeitskräfte nicht ausreichen, so bietet das nahe Singapore deren in
Fülle, so wie es auch ein bequemer Markt für die gewonnenen Produkte
ist. Aber bis zur Einführung der neuen Landakte 1863, wurden Kapital
und Unternehmungsgeist von Malacca ferngehalten, weil die Regierung den
Käufern von Ländereien keine endgültigen Besitztitel geben konnte. In
neuester Zeit hat die Bereitung des Tapioka (Stärkemehl der Jatropa
Manihot) in Mehl und Perlform solchen Aufschwung genommen, dass sie
bereits mit Ausnahme des Zinns den Hauptausfuhr-Artikel der Kolonie
bildet. Dieser Erwerbszweig ist ganz in den Händen der Chinesen, wie
die Bereitung des Sagos in Singapore. Der Preis des Tapioka ist 3 Doll.
für Mehl, 4 Doll. für Perlen per Pikul, während Sago durchschnittlich 2
Doll. als Mehl, 3 Doll. in Perlen kostet. Auch mit Zuckerbau sind
einige Versuche gemacht worden, jedoch nur im Kleinen.

Von den Inländern wird Palmenzucker (djaggeri) aus Cocospalmen zum
Verbrauch in Malacca und in Singapore gewonnen; für weiteren Export ist
er nicht geeignet, da sich bei der rohen Bereitungsart der grösste Theil
des ursprünglichen Rohrzuckers in Traubenzucker verwandelt. Der bekannte
holländische Chemiker de Vrij hat gefunden, dass der Saft der in Java so
verbreiteten Arengpalmen, wenn bei seinem Einsammeln die gehörige
Vorsicht angewendet wird, um der so schnell eintretenden Gährung
vorzubeugen, keinen andern als reinen Rohrzucker enthält, der durch
einfaches Abdampfen krystallisirt erhalten werden kann. Sehr
wahrscheinlich verhält sich der Saft der Cocos-, Nipa- (s. S. 12),
Palmyra- (Borassus flabelliformis) und anderer Palmen ebenso. Zur
Gewinnung des Djaggeri wird die Blüthenscheide der Palme, bevor sie
aufbricht, zusammengebunden und ihre Spitze abgeschnitten, der
ausquellende Saft in Bambusen aufgefangen und in flachen, eisernen
Pfannen eingesotten. Ein- oder zweimal täglich wechselt man die Bambusen
und schneidet zugleich eine feine Scheibe des Blüthenkolbens ab, da sich
durch das Verdicken des Saftes an der Luft die Kanäle verstopfen (ein
Baum liefert jährlich 12-20 ℔ Zucker). Man trinkt den Palmensaft auch
frisch oder gegohren und bereitet Essig und Branntwein (Arak) daraus.
Dieser Arak schmeckt in Folge des mangelhaften Destillationsverfahrens
sehr schlecht und ist nicht zu verwechseln mit dem in Europa beliebten
Batavia-Arak, dessen Darstellung in Raffles' History of Java beschrieben
wird. Häufiger als der Saft werden die Früchte der Cocospalme
ausgebeutet, ihre Hauptverwendung ist zu Oel. -- Man versichert in
Malacca allgemein, dass eine im vollen Ertrag stehende Pflanzung das
Anlagekapital jährlich mit 100% verzinst; danach begreift man nicht,
warum nicht viel mehr Cocospalmen gepflanzt werden, wenn sie auch vor
dem 4ten oder 5ten Jahr kaum Früchte tragen und erst im 9ten oder 10ten
Jahre vollen Ertrag geben. Schliesslich verdient Erwähnung, dass man
sich in Malacca zum Pflücken der Nüsse besonders abgerichteter Affen
bedient, denen man vermittelst einer Leine, deren eines Ende an ihrem
Halsband befestigt ist, signalisirt, ob die von ihnen berührte Nuss
abgerissen werden soll oder nicht. Ich habe dies aber nicht selbst
gesehen.

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[42] Die Portugiesen in Hinterindien und China sind grösstentheils
so verkommen, dass sie Europäern oder ihren Abkömmlingen nicht
gleich geachtet werden. Auch haben sie sich in allen Stufen mit
allerlei fremdem Blut vermischt, so dass Menschen von reinem Weiss
durch alle Farbentöne von gelb und braun bis zum dunkelsten Schwarz
unter der allgemeinen Bezeichnung „Pottugih” zusammengefasst werden.

[43] Joss ist aus dem portugiesischen Dios in das eigenthümliche
Pigeon-Englisch der Chinesen übergegangen. Daher Josshouse =
Tempel, Josspaper = Goldpapier, Josssticks = Räucherstöcke, wie sie
vor den Altären verbrannt oder zum Anzünden der Cigarren verwendet
werden. Aus „tschin-tschin”, guten Tag, Gruss, und Joss wird
tschin-tschin-joss = beten. Ich hatte in Macao einen Steinmetz
gedungen, der mir ein unter einen Granitblock gefallenes Instrument
wiederverschaffen sollte. Am nächsten Morgen sollte er sich mit
mehreren Gehülfen, mit Stricken, Hebebäumen u. s. w. einstellen. Er
kam pünktlich, aber allein, zündete seine Josssticks an, verbrannte
Josspapier, kniete nieder und verneigte sich; ich hielt ihn für
toll, aber der Bediente erklärte mir: „oh no! dat very cleber ole
man, he makee chin-chin-devil-joss.” Leider half es nichts.

[44] Der in Europa Orang-utan genannte grosse Affe aus Borneo und
Sumatra wird von den Malayen nie also, sondern Mias genannt.

[45] Die ersten Proben Guttapercha wurden 1843 von Singapore nach
London durch Dr. D'Almeida gesandt, doch wird die Ehre der
Einführung gewöhnlich Dr. Montgomery zugeschrieben, der dafür eine
Prämie erhielt, obgleich seine Sendung später eintraf. Bei
gewöhnlicher Temperatur lederartig zähe, bei 56° R. knetbar, in
Wasser, Alkohol, Säuren, Alkalien u. s. w. unlöslich, fand sie
schnell grosse Verwendung, namentlich in der Telegraphie, da sie von
allen bekannten Körpern das grösste Isolationsvermögen besitzt.
Leider verändert sie sich, der Luft ausgesetzt, in einen sehr
spröden Körper, der rissig wird, Wasser durchlässt und dann nicht
mehr isolirt. In Singapore war die Substanz unter dem Namen
gitta-taban bekannt, und diente zur Anfertigung von Peitschen,
Eimern und allerlei Hausrath; durch Versehen erhielt sie in Europa
den Namen Gutta-percha (pertja), womit man in Singapore ursprünglich
ein ähnliches, aber schlechteres Produkt bezeichnete. Die Tabanbäume
(Isonandra gutta) waren bei der plötzlich gesteigerten Nachfrage
nach dem Stoff in den Wäldern von Singapore schnell ausgerottet, da
man den ganzen Baum fällen muss, um den Saft zu erhalten. Nach
Singapore wurden die Wälder der Malayischen Halbinsel und der
benachbarten Inseln Sumatra und Borneo in Angriff genommen. Die
Vernichtung der Guttabäume muss sehr beträchtlich sein, da ein
grosser Baum höchstens 10-15 ℔ des Saftes liefert; dennoch ist nur
vorübergehender Mangel, nicht gänzliche Ausrottung derselben zu
fürchten, da nach v. Gaffron, Resident in Borneo, (Natuurk. Tydsch.
XVI. 224) der Baum, den es nicht lohnt, vor dem 30sten Jahre zu
fällen, schon vom 15ten Jahre an leicht keimenden Samen trägt. Auch
in Borneo sind die Versuche, den Saft durch Anbohren zu gewinnen,
misslungen; er verdickt sich in diesem Fall so schnell, dass man
fast nichts erhält, klopft man die Rinde, so bekommt man etwas mehr
(etwa 1 Katti), aber der Baum geht dann eben so sicher zu Grunde als
wäre er gefällt worden. Die in mehreren technologischen Büchern
enthaltene Angabe, dass gegenwärtig durch Einschreiten der
„Guttapercha-Kompanie” die Gutta durch blosses Anzapfen gewonnen
werde, beruht wohl auf einem Irrthum. Selbst wenn der Ertrag der
angezapften Bäume nicht ganz so ungünstig wäre, würde es schwerlich
gelingen, die sorglosen Eingebornen zur Schonung der im Walde
zerstreuten Bäume aus Rücksicht für die Zukunft zu bewegen. In
Singapore ist übrigens eine solche Kompanie nicht vorhanden, und die
Londoner Guttapercha-Kompanie beschäftigt sich nur mit Beschaffung
und Verarbeitung des Rohstoffes. Nach v. Gaffron gewinnt man 5
verschiedene Sorten, die in den Handel kommen, und 3 schlechtere
Sorten, mit denen jene verfälscht werden. Der Preis der Guttapercha
war anfänglich in Singapore 8 Ds. per Pikul, ihr gegenwärtiger in
London berechnet sich nach dem Mittel der Jahre 1859/63 auf 8,73 £.
Dass aber der Preis im Verhältniss zur Abnahme der Bäume weiter
steigen sollte, ist nicht zu erwarten, da der Stoff nicht den
ursprünglich gehegten Erwartungen entspricht. Ein gefährlicher
Nebenbuhler ist ihm in Goodyear's Ebonit, oder gehärtetem Kautschuk
erwachsen; dieser hat ihn bereits aus vielen Verwendungen verdrängt,
und wird ihn, wenn seine Dauerbarkeit sich bewährt, wohl auch als
Isolator bei den unterirdischen und unterseeischen Leitungen
(oberirdische bedürfen keiner Isolation, da trockene Luft schlecht
leitet) ersetzen. Während die Einfuhr roher Guttapercha in England
nach dem Durchschnitt der Jahre 1859/63 nicht ganz 20,000 Ztr.
betrug, werden allein in Amerika jährlich 5,000,000 ℔ Kautschuk zur
Darstellung von Ebonit verbraucht (Rother's Telegraphie), so dass
die fertige Masse durch den Zusatz von Schwefel und Magnesia auf
wenigstens 80,000 Ztr. veranschlagt werden muss.

[46] Hier könnten Professor Huxley's Anhänger ausrufen: Was kein
Verstand des Verständigen sieht, das ahnet in Einfalt ein kindlich
Gemüth.

[47] Herr Blundell, Guvernör von Singapore, früher
Resident-Councillor in Malacca, sagt über diese Zustände:.. „Es
leidet keinen Zweifel, dass die winzigen, unmittelbar angrenzenden
Staaten alle zusammen in einem traurigen Zustande von Anarchie und
Unordnung sind, ohne feste Regierung, und weder Sicherheit des
Eigenthums noch der Person gewähren.... Die Häuptlinge, gleichviel
unter welchem Titel, sind raubgierig, bereit, sich jeder Partei zu
verdingen die ihren Namen kaufen, und ihren Einfluss benutzen
will.... Wir haben selbst in unserer Weisheit durch Prangen mit
Uneigennützigkeit sehr zu diesem Ergebniss beigetragen..... Die
Holländer hatten, wenigstens in den letzten Jahren ihrer Herrschaft
diese Länder fest im Zaum, und wenn sie auch nicht viel
zivilisirten, so hielten sie wenigsten Ruhe unter ihnen, und zogen
nicht unbedeutende Summen aus dem Zinnmonopol. Wir aber haben aus
einer nicht erklärten Ursache ein genau entgegengesetztes System
angenommen; nicht nur haben wir jeder Einmischung irgend einer Art
entsagt, sondern wir haben ihnen auch, mit der ausgesprochenen
Absicht unsere Uneigennützigkeit darzuthun, und ohne dass ein
Anspruch oder ein Verlangen danach gestellt worden wäre, einige der
reichsten Erzgebiete, die früher zu Malacca gehörten, überlassen, wo
mehrere hundert Menschen nützlich beschäftigt waren die dort
vorhandenen reichen Zinn- und Goldadern auszubeuten und wo jetzt die
wenigen diesen Arbeiten Obliegenden in immerwährender Gefahr
schweben von irgend einem winzigen Häuptling geplündert und ermordet
zu werden, der es sich in den Kopf setzt, dies Mittel zu ergreifen
um sich etwas Geld zu verschaffen..... Diese Gebiete sind auf bestem
Wege, Sammelplätze für Räuber u. s. w. zu werden, die uns
schliesslich zwingen werden, zum Schutz unserer eigenen Bevölkerung
das Land zu besetzen, was wir gerade durch unsere Uneigennützigkeit
zu vermeiden wünschten.”

[48] Als Seltenheit soll es zwar bei den Goldwäschen in Miask und
auch in Guyana gefunden worden sein. Von Schwefelverbindungen ist
nur der Zinnkies, ein sehr seltenes Mineral von St. Austle in
Cornwall bekannt.

[49] Zur gänzlichen Entfernung des Wolframs kennt man noch kein
bewährtes Mittel.

[50] Die Zinneinfuhr in Singapore, die den grössten Theil des auf
der Halbinsel gewonnenen Zinns umfasst, betrug 1865: 56098 Pikul =
3340 Tons (darunter ca. 6000 Pikul von Kalantan und Tringano).
Cameron giebt den Werth der Zinnausfuhr von Malacca 1863 auf 388357
£ an, was bei dem damals sehr hohen Durchschnittspreis von 27
Dollars per Pikul (der gewöhnliche Preis ist 22 Dollars) 3806 Tons
giebt; man kann also wohl 3500 Tons als Durchschnitt annehmen. Die
Zinnausfuhr von Pinang nach Europa und Amerika (meist Junk-Ceylon
Zinn) war für 1859-64: 40188 Pikul per Jahr = 2392 Tons. Banca
produzirte 1859-64 durchschnittlich: 169374 Blöcke und Billiton
13139, zusammen 182514 Bl. = 6114 Tons. So erhält man als die Summe
des in die drei Hauptniederlagen eingelieferten Zinns jährlich 12006
Tons, wozu noch der Ertrag von Siam und das direkt von den
Zinnländern nach China und Japan verschiffte zu rechnen ist, eine
bedeutende Menge, worüber aber genauere Angaben fehlen. Man ersieht
daraus, dass schon gegenwärtig das malayische Indien das meiste Zinn
produzirt; denn die Produktion von Cornwallis und Devon beträgt etwa
10,000 Tons. -- Vom Zollverein erzeugt nur Sachsen ca. 100 Tons,
auch in Oestreich wird etwas gewonnen. Nach Tschudi soll Bolivia das
reichste Zinnland der Welt, das Erz aber nicht zu verwerthen sein,
da es nur durch monatelangen Lamatransport aus den Bergen
herabgeschafft werden kann.

[51] Folgendes ist der streitige Artikel des Vertrages: „Art. 12.
Seine Niederl. Majestät nimmt die Einwendungen zurück, welche gegen
die Besitznahme des Insel Singapore durch die Unterthanen Seiner
Britischen Majestät gemacht worden sind. Seine Britische Majestät
verpflichtet sich indessen, dass keine Britische Niederlassung auf
den Carimon-Inseln oder auf den Inseln Batam, Bintang, Lingin oder
auf irgend einer der andern Inseln südlich von der Strasse von
Singapore gegründet, noch ein Vertrag von einer britischen Autorität
mit den Häuptlingen dieser Inseln geschlossen werden soll.



Java.



Erstes Kapitel.

    Batavia. -- Buitenzorg. -- Botanischer Garten. -- Gunong Salak. --
    Reisbau. -- Kultursystem. -- Warongs. -- Erdnüsse. --
    Megamendong-Pass. -- Telaga warna. -- Pasanggrahans und Gasthäuser.
    -- Preanger Regentschaften. -- Bandong. -- Junghuhn.


Anfangs Juli 1858 fuhr ich auf dem kleinen Postdampfer Palémbang, der
den für die holländischen Besitzungen bestimmten Theil der Ueberlandpost
abgeholt hatte, von Singapore nach ~Batavia~. Das Schiffchen war
musterhaft gehalten, aber trotz holländischer Reinlichkeit und
französischer Küche nicht sehr angenehm, da man sich wegen der Kleinheit
desselben nirgends der durch die Feuerung sehr erhöhten Temperatur
entziehen konnte. Uebrigens war die Fahrt zwischen unzähligen schön
belaubten Inseln sehr anziehend. Wir hielten einen Augenblick vor Rhiow
auf der Insel Bintang und vor Muntok auf Banka (das die Engländer Lord
Minto zu Ehren gern Minto nennen), um Post und Passagiere auszutauschen
und erreichten nach 60 Stunden unser Ziel, dessen Entfernung von
Singapore etwas mehr als 500 Seemeilen beträgt. Die Rhede von Batavia
erschien einsam nach der von Singapore. Ein kleiner Privatdampfer kam
uns entgegen und brachte einige Kaufleute, welche die Ankunft ihrer
Briefe nicht erwarten konnten. Wir landeten am Zollhaus; die
Untersuchung des Passagiergepäcks war nur formell und wurde mit der
grössten Höflichkeit vollzogen. In hübschen, zweispännigen Wagen fuhren
wir sogleich nach Weltevreden in das Hotel des Indes, dessen glänzend
erleuchtete Veranden und Gärten an die Conversationshäuser eleganter
Badeorte erinnerten.

Im eigentlichen Batavia wohnt fast kein Europäer mehr. Die alte, früher
als ungesund so berüchtigte Stadt enthält aber noch die zum
Geschäftsbetrieb nöthigen Gebäude, öffentliche sowohl als private.
Morgens füllt sie sich mit Beamten, Geschäftsleuten, Schiffern, abends
steht sie leer, -- so sagen wenigstens die Europäer, welche die
Eingebornen, die dann allein die Strassen beleben, nicht rechnen.
Ehemals, als Batavia von Mauern und stehenden Gewässern umgeben und die
nach holländischem Muster gebauten, schlecht gelüfteten Häuser dicht
bewohnt waren, soll die Sterblichkeit, durch allerlei Excesse, besonders
im Trinken, vermehrt, furchtbar gewesen sein. Jetzt sind die Mauern
niedergerissen, die Gräben zum Theil zugeschüttet, und die Bewohner
haben sich in die südlich von der alten Stadt belegenen Dörfer
Weltevreden, Molenvliet, Rijswijk zurückgezogen; die ehemaligen
Kolonisten, die zum grossen Theil aus Glücksjägern bestanden, sind durch
Männer aus den besten Elementen des holländischen Volks ersetzt worden;
an Stelle der früheren rohen Genüsse sind Mässigkeit und die
verfeinerten Vergnügungen einer gebildeten Gesellschaft getreten; daher
hat sich der Gesundheitszustand ausserordentlich gebessert. Weltevreden
ist überraschend hübsch, besonders Abends, wenn es in vollem Putz steht;
dann sind die immer sauber gehaltenen, meist von blühenden Hecken
eingefassten Wege reichlich besprengt und mit eleganten Equipagen
bedeckt, unzählige Lichter in matten Glaskugeln glänzen in allen
Richtungen durch das Laub. Früher war das ganze Gebiet von einem Walde
eingenommen, jetzt ist es ein schöner, grosser Park, von breiten
Strassen und Kanälen durchschnitten. Unter den Häusern sind manche
Prachtgebäude, aber auch die kleinsten schimmern durch die Bäume und
Sträucher der Vorgärten so zierlich und anspruchsvoll, als wollten sie
für kleine Paläste gelten. Jedes hat einen reich erleuchteten Portikus,
der Abends gewöhnlich durch Damen in voller Toilette geschmückt ist.
Auch die Herren sieht man um diese Zeit nur im Gesellschaftsanzug,
schwarzem Tuchfrack, Glaçéhandschuhen und schwarzer Tuchhose; die
leichte, bequeme, weisse Kleidung, mit der man in Singapore in jeder
Gesellschaft erscheint, ist hier verbannt; Hüte sieht man selten, selbst
Reiter tragen gewöhnlich keine Kopfbedeckung.

[Illustration: POSTSTATION. JAVA.]

Nach kurzem Aufenthalt fuhr ich mit einem Freunde aus Singapore in
vierspänniger Extrapost nach Buitenzorg. Das Reisen auf diese Weise ist
zwar kostspielig, doch billig im Verhältniss zu dem aufgebotenen
Apparat, wenigstens vier tüchtigen, kleinen Pferden, einem Kutscher und
zwei Läufern. Die Pferde laufen immer Galopp, alle fünf bis sechs Paal
hält der Wagen unter einem grossen Schuppen, der die ganze Breite der
Strasse überdacht. Geschäftige Kulis begiessen die Achsen mit Wasser, um
sie zu kühlen. Sobald umgespannt ist, laufen die „~Loopers~” so lange
neben den Pferden her, bis diese durch Schreien und Peitschenhiebe in
das gehörige Tempo gebracht sind und springen dann auf ein hinten am
Wagen für sie angebrachtes Brett, von wo aus sie durch Knallen und
Schreien die Pferde weiter antreiben, bis irgend eine kleine Unordnung,
die bei den eigensinnigen Pferden selten lange ausbleibt, sie wieder
zwingt, nebenher zu laufen. In vier Stunden legten wir die Strecke von
etwa 40 Paal zurück. Die Poststrasse ist vortrefflich; neben ihr läuft
ein desto schlechterer, in der nassen Jahreszeit unergründlicher, bei
trockenem Wetter im höchsten Grade holpriger Weg, auf welchem die
Frachtgüter in Büffelkarren, von denen uns lange Züge begegneten,
transportirt werden.[52] Weltevreden nebst den übrigen von Europäern
bewohnten Dörfern dehnt sich fast bis zur ersten Poststation aus, nur
werden die Häuser immer ländlicher, die Gärten grösser, und gehen
allmälig in Pflanzungen über. Hinter der zweiten Station sahen wir die
ersten Reisfelder. Das Land erscheint ganz flach, denn obgleich
Buitenzorg 850 Fuss höher liegt als Batavia, so ist die Erhebung eine so
allmälige, dass man nichts davon merkt. Erst wenn man jenem Orte näher
kommt, wird die Landschaft welliger, im Hintergrunde erscheinen die
hohen Kegelberge Salak und Pangerango, die von Batavia aus in dieser
Jahreszeit wegen der trüben Luft selten sichtbar sind.

[Illustration: SALAK VON BATU-TULIS. JAVA.]

Buitenzorg, malayisch Bogor, liegt grade südlich von Batavia und ist die
gewöhnliche Residenz des General-Guvernörs. Sein glänzender Palast ist
von einem schönen Park umgeben, an welchen sich der, allen Botanikern
wenigstens dem Rufe nach, so wohlbekannte Garten anschliesst. Er nimmt
die schmalste Stelle eines flachen Rückens ein, dessen Ostseite steil
gegen das Flüsschen Tjiliwung abfällt, während die Westseite in sanften
Wellen in ein reich bebautes, von dem Tjidani in vielen Windungen
durchflossenes Thal übergeht. Im Süden, jenseits des Wassers, begrenzen
den Horizont rechts der Salak, links der Pangerango in schönen Linien,
wie sie nur Vulkanen eigen sind.[53] Mehr noch als durch seine schöne
Lage, zeichnet sich der Garten durch seine Pflanzenschätze aus, unter
denen wohl jetzt schon alle bemerkenswertheren Nutz- und Zierpflanzen
des Archipels vertreten sind. Besonders reich ist die Sammlung der
ersteren. Fast alle von der holländischen Regierung in ihre Kolonie neu
eingeführten Kulturpflanzen haben hier ihre erste Station gemacht, und
mancher Baum, dessen zahlreich verbreitete Nachkommenschaft jetzt
wichtige Produkte liefert, steht hier noch als Stammvater seines
Geschlechts und kulturgeschichtliches Denkmal.

Von besonderem Interesse, als etwas Neues, war damals eine
Vanillepflanzung (Vanilla planifolia), die mehrere lange Spaliere
bekleidete und eine bedeutende Ernte versprach. Die Vanille war zwar
schon lange in Java eingeführt, trug aber keine Früchte, weil das Insekt
fehlte, das in Amerika die Befruchtung vollzieht. Herr Teysmann, der
„Hortulanus”, war der erste, der die künstliche Befruchtung bei dieser
Kultur anwandte, und durch reichlichen Ertrag belohnt wurde. Bei weitem
die grösste Sehenswürdigkeit war aber eine blühende Rafflesia Arnoldii,
eine der ersten, die in Java geblüht haben, da die Einführung aus
Sumatra erst vor Kurzem geglückt war. Diese merkwürdige Pflanze, eines
der grössten Wunder der Pflanzenwelt, besteht nur aus einer prächtigen
Blume von 3 - 3-1/2 Fuss Durchmesser und schmarotzt ohne Stiel und
Blätter pilzartig auf dem Stamm oder der Wurzel einer grossen Liane
(Cissus scariosa oder serrulata). Das Verdienst, sie aus Sumatra
eingeführt zu haben, gebührt ebenfalls Herrn Teysmann, aber der Ruhm,
sie in Europa zur Entfaltung zu bringen, was bei den heut vorhandenen
Mitteln und bei ernstem Willen wohl sicher gelingen müsste, ist noch zu
erlangen.

Während meines hiesigen Aufenthalts brachte eine Stafette von Junghuhn
auf Lembang ein kleines in feuchte Baumwolle verpacktes Pflänzchen, das
trotz der nächtlichen Stunde sogleich dem General-Guvernör übergeben
wurde und grosse Freude erregte. Es war der erste auf Java selbst
gepflückte Same einer Cinchona, der ~gekeimt~ hatte.

Erst in den fieberreichen tropischen Ländern lernt man den Segen des
Chinins gehörig würdigen. Der Verbrauch dieses köstlichen Heilmittels
würde noch viel grösser sein, wenn der hohe Preis es nicht Vielen
unerreichbar machte. In den südamerikanischen Wäldern haben zwar nicht
die Chinarinden im Allgemeinen, wohl aber die chininreichen
Calisaya-Rinden in Besorgniss erregender Weise abgenommen[54]. Die
holländische Regierung hatte daher lange beabsichtigt diese Bäume in
ihre Kolonien einzuführen, aber erst 1852 gelang dies dem
General-Guvernör Herrn Pahud zur Zeit als er Kolonialminister war. Die
durch Herrn Hasskarl aus Peru geholten Samen wurden theils in Java,
theils in verschiedenen botanischen Gärten in Holland ausgesäet, von
ersteren gingen unverhältnissmässig wenige auf; aber auch als die
Sämlinge von Holland in Java eintrafen, schien der Erfolg des
Unternehmens nicht gesichert; es wurde bezweifelt, ob man Bäumen, die
eine so beschränkte lokale Verbreitung haben, dass sie nie ausserhalb
ihrer eigenthümlichen Bezirke angetroffen werden, in Java das zu ihrem
Gedeihen erforderliche klimatische Medium verschaffen könnte. Die ersten
Versuche waren nicht ermuthigend, die meisten Pflanzen gingen aus; als
endlich einige blühten, fielen die Blüthen fast alle ab, ohne Samen
anzusetzen, und als man schliesslich reife Samen erhielt, wurde ihre
Keimfähigkeit bezweifelt. Durch die Ankunft des jungen Pflänzchens, dem
am folgenden Tage im Buitenzorger Garten ein Ehrenplatz angewiesen
wurde, schien die Akklimatisation dieser wichtigen Pflanzen, von denen
später noch ausführlicher die Rede ist, gesichert.

Von Seiten des General-Guvernörs fand ich eine überaus entgegenkommende
Aufnahme; auch hatte ich das Glück seine liebenswürdige Familie kennen
zu lernen. Durch die Güte meiner Freunde in der Berliner Akademie
musste ich ihm wohl sehr angelegentlich empfohlen sein; denn er bot mir
sogar den kostenfreien Gebrauch der Regierungspostpferde an, eine
Gunst, die sonst nur hohen, in Angelegenheiten der Regierung reisenden
Beamten zu Theil wird. Alle meine Einwendungen gegen eine so
ausserordentliche Begünstigung und meine Versicherung, dass ich nur zu
meiner Belehrung und zu meinem Vergnügen reise, wurden den amtlichen
Empfehlungsdokumenten gegenüber für Aeusserungen der Bescheidenheit
aufgenommen. Als ich am folgenden Abend aus dem Palast nach Hause kam,
fand ich nicht nur den Befehl, mir auf meiner Reise durch Java die
Regierungspostpferde unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, sondern
auch einen Empfehlungsbrief an alle Beamte in Java und den andern
holländischen Besitzungen. Wie sehr ich auch von einem so unverdienten
Wohlwollen überrascht war, so ahnte ich doch nicht, dass das
Empfehlungsschreiben des General-Guvernörs ein Talisman war, der den
glücklichen Besitzer für die Dauer seines Aufenthalts in Java in eine
Art von Prinzen verwandelt, wie es sonst nur im Mährchen geschieht.

Einige Tage später trat ich auf einem bescheidenen Pony meine Reise an,
da ich mich nicht für berechtigt hielt, wie ein hoher Beamter zu reisen.
Ein junger Mann, der Land und Leute genau zu kennen behauptete, schloss
sich mir an, er war sehr zuvorkommend, hatte, während ich in Buitenzorg
Ausflüge machte, meine Sachen gepackt und expedirt und begleitete mich
auf der ersten Tagereise. Unterwegs sprach er mehreremal den Wunsch aus,
dass ich ein gutes Wort für ihn bei den „Herren Residenten” einlegen
möchte, da ihm dies von grossem Nutzen sein könnte. Dies war die erste
Wirkung meines Talisman, ich war plötzlich in einen grossen Herrn
verwandelt, um dessen Gunst man sich bewarb. Das Ziel meiner Reise war
Lembang, wo Junghuhn, der Verfasser des vortrefflichen Werkes über Java,
seinen Wohnsitz aufgeschlagen hatte.

Von Batavia bis Bogor führt die Strasse fast genau nach Süd bis an den
Fuss des ~Gunong Salak~, der sich zu 6760' erhebt, dann läuft sie an
seinem Nordostrand entlang bis Gadok, wo ein Sanatarium unter Leitung
eines deutschen Arztes, des auch in Europa wohlbekannten Ornithologen
Dr. Bernstein besteht.[55] Bis Gadok hat man den Salak immer zur
Rechten, der ganze untere Theil seines Abhanges ist durch Menschenhand
in breite Terrassen gegliedert, die sich wie eine Riesentreppe bis zu
2000 Fuss Höhe hinaufziehen; es sind die ~Sawas~, Reisfelder mit
erhöhten Rändern, in denen das Gebirgswasser, bevor es die Tiefe
erreicht, gezwungen wird einen ausserordentlich vergrösserten
Flächenraum zu bewässern und dadurch für den Reisbau nutzbar zu machen.
Der Salak erscheint von hier wie eine enorme Pyramide auf einem Unterbau
von Sawas. Von der oberen Grenze der Reisfelder bis zum Gipfel ist alles
mit dichtem Wald bedeckt. Die terrassenförmigen Sawas (sawa darat)
scheinen den Berglandschaften Java's eigenthümlich zu sein; in der
grossen nördlichen Alluvialebene und auf den zentralen Tafelländern wird
der Reis in flachen mit kleinen Dämmen umgebenen Feldern (sawa dalam)
gebaut, wie in vielen andern Reisländern; sie unterscheiden sich, aus
der Ferne gesehen, vielleicht nur durch das lebhaftere Grün von unseren
Kornfeldern. In Java werden aber auch die Abhänge der Berge zum Reisbau
benutzt, indem man sie bis zu grosser Höhe mit künstlichen Teichen
umgiebt, die wie die Bänke eines Amphitheaters hinter einander
aufsteigen. Sie folgen den Konturen der Berge und bringen dadurch etwas
Architektur in die Landschaft, ein Element das sonst in tropischen
Bildern fast immer fehlt, wo das Wirken des Menschen so winzig und das
der Natur so gewaltig ist. Der Boden eines jeden dieser Teiche ist
völlig eben und an der Aussenseite von einem etwa fusshohen Damm
eingefasst, der an mehreren Stellen kleine Einschnitte hat, durch welche
das Wasser in unzähligen in der Sonne glitzernden Streifen aus den
höheren Becken in die tieferen fliesst, wodurch zugleich das Stagniren
verhindert wird. Die Art den Boden dieser Becken zu ebnen ist sehr
zweckentsprechend: die nach dem Berg zu schräg ansteigende Erde wird mit
spitzen Stöcken aufgelockert, dann lässt man den Teich bis an den Rand
voll Wasser strömen, die lockere Erde wird zu Schlamm, der sich allmälig
absetzt und einen völlig ebenen Boden bildet. Das Berieselungswasser
wird entweder unmittelbar von höher liegenden Rinnsalen, oder von
seitlich oft ziemlich fern gelegenen Bächen durch künstliche Kanäle
(Solokan) auf die Sawas geleitet. Das Wasser führt alljährlich neues
fruchtbares Erdreich aus dem Gebirge zu, eine andere Düngung erhalten
die Sawas nicht, von denen manche Jahrhunderte lang in ununterbrochener
Reihenfolge Ernten liefern sollen.

In der Broschüre Het Rijst[56] ist ein Reisbau-Kalender angeführt, nach
welchem der Javane das Jahr in zwölf sehr ungleiche, den verschiedenen
Phasen des Reisbaus entsprechende Zeiträume theilt. Danach findet das
Verpflanzen der bereits fusshohen, 40-50 Tage alten, in besonderen
Beeten gezogenen Sämlinge im März, die Erndte im Juli statt. Da aber in
Java die Jahreszeiten nur in Bezug auf die Regenmenge wesentlich von
einander abweichen, so sind künstlich bewässerte Sawas von der
Jahreszeit fast unabhängig. Daher finden an verschiedenen Orten fast
alle auf den Reisbau bezüglichen Verrichtungen gleichzeitig
nebeneinander statt; namentlich empfängt der Reisende den Eindruck, als
wären die einzelnen Verrichtungen an keine bestimmte Jahreszeit
gebunden, da er bald auf grüne, bald auf gelbe Reisfelder blickt, heute
pflanzen, morgen ernten sieht. Sawas haben deshalb einen vielfach (nach
Crawfurd 5 bis 10fach) höheren Werth als Land, das nicht zu bewässern
ist. Ausser in Sawas wird in Java auch Reis (Bergreis) in Gagas und
Tegals gebaut. Gagas sind neue Lichtungen, in denen die Bäume nur
theilweis gefällt und verbrannt sind. Man stösst an den geeigneten
Stellen mittelst eines spitzen Stockes Löcher in den Boden, in welche
man je einige Reiskörner wirft und erhält so ohne alle weitere
Vorarbeiten nach 4 bis 5 Monaten eine mässige Ernte. Durch weiteres
Aufräumen und Verbrennen der Baumstämme und Urbarmachen des Bodens
verwandelt man die Gaga in ein Tegal oder Tipar auf dem regelmässig
Bergreis gebaut wird, oder in eine Sawa falls die Stelle fortdauernd
bewässert werden kann. Gagas sind daher der Anfang aller Reiskultur. Die
roheren Völker des Archipels haben es kaum bis zu den Gagas gebracht.
Von allen Inseln des Archipels hat in Java der Reisbau die höchste Stufe
der Vollkommenheit erreicht. Noch jetzt erzeugen nur die fruchtbarsten,
zivilisirtesten Inseln -- Java, Bali, Lombok und einige der Philippinen
-- mehr Reis, als sie verzehren. Auf den Molukken fehlt der Reisbau
ganz; in Borneo, Celebes, Sumatra und manchen der Philippinen ist er
noch äusserst unvollkommen und in demselben Verhältniss stehen auch die
Bewohner auf einer tieferen Kulturstufe. Einige bauen Bergreis, doch
selten in ausreichender Menge und ersetzen den Ausfall durch bequemer zu
erlangende aber noch stickstoffärmere Nahrungsmittel, besonders
Knollengewächse und Früchte und Mark von Palmen.

Bei der Reis-Ernte, die auf trockenem Felde stattfindet, da das Wasser
schon Wochen vorher abgelassen worden, wird jeder Halm einzeln
geschnitten; es wäre ein Frevel eine so köstliche Gabe Gottes weniger
rücksichtsvoll zu behandeln. (Eine ähnliche abergläubische Verehrung hat
sich in Deutschland in Bezug auf „das liebe Brod” erhalten, während es
nicht gerade für sündlich gilt bessere und theurere Nahrungsmittel zu
vergeuden.) Der grösste Theil des Halms bleibt auf dem Felde stehen, man
lässt nur einen kurzen Stiel an der Aehre. Bei einer so zeitraubenden
Art zu ernten ist es nöthig, die ganze Bevölkerung des Dorfs, alt und
jung aufzubieten. Der Schnitterlohn ist hoch, er beträgt 1/5 bis 1/10
der Ernte. So empfängt jeder einen Antheil auch wer kein Feld besitzt.

Trotz seiner grossen Fruchtbarkeit erzeugt Java nach dem Verfasser von
„Het Rijst” nicht hinreichend Reis, um seine Bevölkerung angemessen zu
ernähren. Ein grosser Theil, fast 1/10 geht durch die fehlerhafte Art
des Enthülsens mittelst Stampfens in Holzmörsern verloren, wobei sehr
viel Körner zerbrochen, die Bruchstücke zermalmt und beim Waschen
fortgeführt werden. Die Hauptursachen des Uebels findet er aber in dem
gemeinschaftlichen Grundbesitz der Dorfbewohner, im „Kultursystem” und
in dem Ausschliessen der europäischen Privatindustrie: drei grosse
Uebelstände, und als solche von allen liberalen Beamten anerkannt, aber
schwer zu beseitigen, da mit ihnen das ganze jetzt herrschende System
fallen würde. Da noch oft vom „Kulturssytem” die Rede sein wird, so
dürfte gleich hier eine kurze Beschreibung desselben am Platz sein.

Nach einer kleinen Schrift des ehemaligen General-Guvernörs Duymaer van
Twist, betitelt „Artikel 56” war die Grundlage des vom General van den
Bosch eingeführten Kultursystems: Ein Dorf, welches den fünften Theil
seiner Reisfelder zum Bau von Produkten für den europäischen Markt
hergab, die nicht mehr Arbeit erforderten als der Reisbau, sollte von
der Grundsteuer befreit sein. Der durch Taxe festzustellende Mehrwerth
des Produkts über die schuldige Grundsteuer sollte einem solchen Dorf zu
gut kommen; die Missernten sollten für Rechnung der Regierung sein, in
sofern sie nicht durch Mangel an Eifer und Fleiss seitens der Javanen
veranlasst waren. Die Bestellung von einem Fünftel des Bodens mit
Gewächsen für den europäischen Markt befreite den Javanen von der
schuldigen Grundsteuer und der Bauer war seinen Verpflichtungen
nachgekommen, wenn er das Gewächs bis zur Reife gebracht hatte; die
Arbeit in der Fabrik sollte so viel als möglich durch freie Arbeiter
verrichtet werden, v. d. Bosch betrachtete sein System nur als ein
Mittel, um die nach dem belgischen Krieg (1830) grosse Finanznoth seines
Vaterlandes zu lindern, indem er den Anbau von Kolonialprodukten in Java
durch künstliche Mittel ausserordentlich schnell ausbreitete, viel
schneller als er sich spontan unter völliger Freiheit, besonders zu
einer Zeit entwickelt haben würde, wo der Unternehmungsgeist viel
geringer war als gegenwärtig. Aus seinen Schriften geht hervor, dass er
seine geniale Schöpfung nur als eine Uebergangsstufe zur Privatindustrie
mit freier Arbeit betrachtete; und die Absicht hatte allmälig die einmal
eingerichteten Pflanzungen an Privatleute zu verpachten; -- und auch
dies sollte nur ein Uebergang zum individuellen Grundbesitz und zur
Kolonisation durch Europäer sein. Wäre das System genau nach den obigen
Grundsätzen durchgeführt worden, so hätte die inländische Bevölkerung
wohl zufrieden sein können, denn sie war gewöhnt der an die Stelle der
einheimischen Fürsten getretenen, und daher für die Besitzerin des
Bodens geltenden Regierung 1/5 ihrer Ernte und 1/5 ihrer Zeit als Abgabe
für den Niessbrauch des Bodens zu zahlen. Das ursprüngliche System wurde
aber allmälig so verändert, dass jetzt noch, nach Duymaer van Twist,
die Regierung einfach den Inländern den Boden fortnimmt den sie zur
Erzielung von Produkten für den europäischen Markt bedarf, und die
ansässige Bevölkerung zwingt, gegen einen von ihr festgesetzten
Lohn denselben nach ihren Anordnung zu bebauen. Bei einigen
Kulturgegenständen die grössere Sorgfalt in der Bereitung erfordern,
nimmt sie die Vermittelung europäischer Privatleute zu Hülfe, denen sie
zum Theil Kapital zinsfrei vorschiesst, Frohnarbeiter stellt u. s. w.

Eine natürliche Folge des Kultursystems war, dass alle Privatindustrie
wegen der Konkurrenz, die sie dem Regierungsmonopol gemacht haben
würde, in der Regel nicht gestattet war, und wo sie ausnahmsweise
gestattet wurde, meist nur unter Beschränkungen aller Art und
eifersüchtiger Kontrolle der Regierungsbeamten, die mit grosser
diskretionärer Gewalt bekleidet, nicht gern unabhängige Europäer neben
sich duldeten. -- Ein so grossartiges und konsequent durchgeführtes
Monopolsystem hat wohl noch nie und nirgends bestanden; um so glänzender
ist der Triumph der Freihandelsprinzipien, wenn auch seine praktischen
Folgen bisher noch gering waren; denn es hat sich die Thatsache ergeben,
dass das System, „das einst bestimmt schien, ganz Java in ein grosses
Kulturland zu verwandeln, in dem die ganze Bevölkerung für Rechnung der
Regierung gewinnbringende Produkte für den europäischen baute (D. v.
T.)”, auf die Erzeugung der meisten derselben nicht mehr Anwendung
findet, weil es nicht lohnend war, dieselben mit Frohnarbeit auf von der
Bevölkerung urbar gemachtem Boden selbst unter Aufsicht ebenso fähiger
und eifriger als rechtlicher Beamten zu bauen; während gleichzeitig
Privatleute, in so weit ihnen überhaupt der Landbau gestattet war, auf
gepachtetem Boden mit nach dem Marktpreis bezahlter Arbeit in denselben
Zweigen des Ackerbaues, welche sich die Regierung aufzugeben veranlasst
sah, glänzende Ergebnisse erzielten. Die Zuckerfabrikanten, die in Folge
ihrer Kontrakte Anspruch auf sehr billige Zwangsarbeit hatten,
verzichteten in manchen Fällen darauf, weil sie freie Arbeit billiger
fanden. Ja die Regierung selbst fand es zuweilen vortheilhaft, diesen
Weg einzuschlagen: bei den Wasserbauten in Surabaya kosteten die
Erdarbeiten 1 fl. 50 d. per Kubikmeter, bei Zwangsarbeit zu 20 d.
Tagelohn, und als man freiwillige Arbeiter zu 30 d. Tagelohn annahm,
0,60 d.; 2 freiwillige Arbeiter leisteten also so viel als 7,5
Zwangsarbeiter (Tijdsch. v. Nederl. Indie 1858, II. 294). Gegenwärtig
liegt den holländischen Kammern ein Gesetzentwurf vor, wonach alle
Regierungskulturen, mit Ausnahme jedoch des Kaffeebaues, aufgegeben
werden sollen. --

[Illustration: WARONGS. JAVA.]

Hinter Gadok wird die Gegend immer schöner: einzelne Gruppen
Fruchtbäume, von Palmen überragt, erheben sich aus den Reisfeldern und
verbergen unter ihrem Laubdach die Desas (Dörfchen), deren aus Bambus
zierlich geflochtene Hütten zwischen einem Wohnhaus und einem Korbe die
Mitte halten. Jetzt hatten wir das Gedehgebirge, dessen höchster Gipfel
9326' erreicht, gerade vor uns. Es begann zu regnen, wir suchten Schutz
in einem ~Warong~; so heissen die Garküchen unter Bambusschuppen, welche
man auf allen Landstrassen Javas findet. Die in ihnen feilgebotenen
Speisen sind schmackhaft, mannichfaltig und unglaublich billig. Die
Zeche mancher Gäste beträgt nicht über 1 bis 2 Deuten, deren 160 erst
einen Gulden ausmachen. Arecanüsse, Betelpfeffer und Tabak fehlen nie im
Warong. An Speisen findet man namentlich Reis in den verschiedensten
Zubereitungen, getrocknete Fische und Ding-ding d. h. Fleisch von Hirsch
oder Büffel, das entfettet, in äusserst dünne Scheiben quer gegen die
Muskelfaser geschnitten, mit Salz und Pfeffer bestreut, an der Sonne
getrocknet und wie Zwieback gegessen wird; ferner Sambals, sehr pikante,
stark gepfefferte Salate. Ausser Thee und Palmensyrup sind zur
Erfrischung häufig Kokosnüsse, Bananen, Oranien u. s. w. vorhanden.
Ein eigenthümliches Gericht bestand aus 1/2 Zoll dicken Kuchen von
Erdnüssen, katjang-tana, (Arachis hypogaea), auf denen ein zollhoher
oranienrother Schimmel wuchs. Die Erdnüsse werden zur Grösse von Gries
zermahlen und die daraus gebackenen Kuchen wie die Roquefortkäse so
lange in dunkeln, feuchten Räumen aufbewahrt, bis sich der Schimmel
gebildet hat, der ihnen erst den so geschätzten Geschmack giebt.[57]

Um die Warongs entfaltet sich fast immer ein buntes Volksleben. Da
erholen sich die müden Lastträger unter dem Schatten eines breiten
Waringibaumes und tauschen mit den Nachbarn Neuigkeiten aus. Eine
besonders willkommene Staffage nach dem langen Aufenthalt in Singapore
waren die vielen Frauen. Sie tragen ihre kleinen nackten Kinder
rittlings auf der linken Hüfte, unterstützt durch ein über die
entgegengesetzte Schulter geschlungenes Tuch, Slendang; bei längeren
Märschen hüllen sie dieselben in ein Stück Zeug, das sie tornisterartig
auf den Rücken binden, so dass nur Kopf, Arm und Beine herausragen, wie
die Glieder einer Schildkröte aus ihrer Schale; naht ein Fremder, so
zieht das Kleine auch gleich sein Köpfchen unter das Tuch zurück. Die
ärmeren Weiber tragen hier gewöhnlich kein anderes Kleidungsstück als
einen einfachen Sarong, der entweder unmittelbar über oder unter der
Brust zusammengebunden wird und von da herabhängt. -- Starke Brüste
werden hier nicht geschätzt. Im Gegensatz zur europäischen Kleidung ist
die malayische mehr auf das Beseitigen als das Hervorheben derselben
berechnet.

[Illustration: PANGERANGO VOM MEGAMENDONG. JAVA.]

Hinter Levimalam gelangt man an den Fuss des Megamendong, der die Grenze
zwischen der Residentschaft Buitenzorg und den Preanger Landen bildet.
Die Strasse überschreitet ihn mit Verschmähung fast aller Zickzacklinien
auf einem Pass von 4620 Fuss. Daher ist dies Joch für Lastwagen nicht
übersteigbar; leichte Postchaisen gebrauchen einen Vorspann von 6
Büffeln; der Güter-Transport geschieht durch Lastträger, und wird
dadurch so vertheuert, dass er sich auf unentbehrliche Gegenstände
beschränken muss. Nur auf grossem Umwege und nicht zu allen Jahreszeiten
können die reichen Erzeugnisse des Ackerbaues aus den Preanger Landen
Batavia erreichen. Auf schwierigen Gebirgswegen werden sie in
Büffelkarren nach Tjikao, an die Grenze der grossen nördlichen Ebene,
geschafft, und setzen von dort auf dem durch Aufnahme mehrerer Bäche für
Prauen schiffbar gewordenen Tjitarum in einem grossen Bogen und vielen
Windungen die Reise bis ins Meer, und dann zur See nach Batavia fort.
Da die Transportmittel so unvollkommen und der Boden in den Preanger
Regentschaften sehr fruchtbar ist, so sind dort alle Lebensbedürfnisse
sehr billig; der Pikul Reis kostet selten mehr als 1-1/2 bis 2 fl.; es
herrscht keine sichtbare Noth, aber auch kein Wohlstand, und grosse
Einfachheit der Sitten.[58] Ein schmaler kühler Waldweg führt nach
einem nahe gelegenen kleinen See, Telaga-warna, einem alten
Kraterbecken. Die steilen Wände sind mit dichtem Wald bekleidet,
zwischen den Hochstämmen viele Baumfarne, wilde Musen und Scitamineen.
Die alten Bäume sind mit kletternden Farnen, Moosen und blühenden
Orchideen bedeckt. Das Wasser ist spiegelglatt, nicht ein Laut ertönt,
um das Gefühl der Waldeinsamkeit zu stören. Die Strasse steigt an der
Südostseite des Jochs hinab: tiefe Schluchten erlauben häufig einen
Einblick in die Struktur des Berges. Es wurde dunkel, bevor wir
~Tjipanas~ erreichten, nach einer heissen Quelle benannt, die hier in
3390 Fuss Höhe am nördlichen Abhang des ~Pangerango~ oder Gedeh-Gebirges
hervorbricht. Hier steht ein einfaches Landhaus mit einem grossen Garten
für den General-Guvernör, der zwar nur selten Zeit hat, die Besitzung zu
besuchen; der Garten liefert ihm aber in dieser Meereshöhe unter Leitung
eines europäischen Gärtners eine solche Fülle der feinsten europäischen
Gemüse für die Tafel, dass immer noch sehr viel für etwa Durchreisende
übrig bleibt, die das Glück haben, in der Wohnung des Gärtners Aufnahme
zu finden. Heute gelang es nicht. Wir ritten nach dem einen Paal weiter
entfernten Padjit, wo ein ~Pasanggrahan~ steht, d. h. ein geräumiges
Haus mit Nebengebäuden zur Aufnahme der im Dienste der Regierung
reisenden Beamten. In allen grösseren Orten giebt es Gasthäuser, in
denen nicht mehr als 5 Gulden für den Tag und die Person gefordert
werden darf. An solchen Orten, wo die Frequenz der Reisenden zu gering
ist, um die Kosten zu decken, macht die Regierung die nöthigen
Zuschüsse; an weniger besuchten Orten, besonders in den
Kaffeedistrikten, sind für die kontrolirenden Beamten Pasanggrahans
angelegt. Hier traf ich einen mir schon dem Namen nach bekannten
deutschen Arzt, der mir für den folgenden Tag einen Platz in seinem
Wagen zur Reise nach Tjandjur und Bandong anbot, was dankbar angenommen
wurde.

Am folgenden Morgen fuhr ich mit meinem neuen Bekannten, welcher
„Officier van Gezondheid” für die Preanger Regentschaften war, vor
Tagesanbruch in offenem Wagen vierspännig und von drei Vorreitern
begleitet weiter. In Folge des Geräusches, das ein über den Wagen als
Sonnendach ausgespanntes Zinkblech verursachte, wurden die Pferde so
unlenksam, dass wir, um Zeit zu gewinnen zwei davon ausspannten und
zurücksandten. Das Mittel hatte den gewünschten Erfolg. Tjandjur war
bald erreicht, wir stiegen im Bungalow des Doktors ab. Während des
Frühstücks vertrieben uns zwei zahme Hirsche und zwei Affen die Zeit.
Einer der letzteren, ein behender Hylobat, war äusserst drollig und
unerschöpflich in Neckereien gegen einen Lotong (Semnopithecus maurus),
dem er an Gewandheit sehr überlegen war.

Tjandjur ist die Hauptstadt der Preanger Regentschaften, welche die
grösste Provinz Java's bilden und an interessanten geologischen,
namentlich vulkanischen Erscheinungen, malerischer Schönheit und
schnellem Wechsel zwischen hochkultivirten Ländereien und wilden
Gebirgs- und Waldlandschaften von keiner Provinz übertroffen werden. Das
ausserordentlich sanfte, liebenswürdige, einfache, biedere Wesen der
Bewohner verleiht ihr noch einen ganz besonderen Reiz. Das Verbot des
Opiums in dieser Provinz und die Ausschliessung der Chinesen -- nur
einige sind in den Hauptorten unter der unmittelbaren Aufsicht der
europäischen Beamten zugelassen -- tragen gewiss wesentlich dazu bei die
Sitteneinfachheit aufrecht zu erhalten. Die Provinz fiel den Holländern
nicht durch Eroberung, sondern durch Verträge mit den einheimischen
Fürsten zu. Als eine Folge davon haben die von ihnen abstammenden
Regenten eine etwas unabhängigere Stellung als die in den andern
Provinzen, und da sie meistens auch grosse Einkünfte beziehen, so
führen sie einen glänzenden Hofstaat, der viele interessante
Eigenthümlichkeiten darbietet. Die Bewohner dieser Provinz und des
ganzen westlichen Theils von Java sind Sundanesen und haben ihre eigene
Sprache. Im östlichen Java wird javanisch gesprochen, an den Küsten
malayisch, welches aber auch im Innern so verbreitet ist, dass der
Reisende damit ausreicht. Wir machten dem Residenten und übrigen Beamten
unsern Besuch. Nachmittags sollte die Umgegend besichtigt werden, was
aber wegen heftigen Regens auf den folgenden Tag verschoben wurde.

15. Juli. Morgens 4 Uhr erschien zur Spazierfahrt ein vom Regenten
gesandter schöner vierspänniger Wagen mit zwei Livréebedienten vor
unserer Thür. Nachmittags machten wir, von mehreren holländischen
Beamten begleitet, einen Ritt durch Stadt und Umgegend. Die Häuser der
Europäer sind von Stein, einstöckig, geräumig, meist mit einer
Säulenhalle versehen, das Erdgeschoss ist nur wenige Fuss über dem Boden
erhaben, schöne Gärten umgeben sie. In den von den Eingebornen bewohnten
Stadttheilen herrscht nicht nur grosse Sauberkeit, auch Zierlichkeit
macht sich überall bemerkbar. Die Wände der Häuschen aus gespaltenen,
plattgedrückten, theils weissen, theils schwarz gefärbten Bambusen sind
nach hübschen Mustern geflochten. Ein gut im Stande gehaltener
Bambuszaun oder eine Hecke von blühenden Sträuchern fasst jedes Gehöft
ein.

Die Eingebornen, Männer und Weiber, kauern ehrerbietig nieder, nehmen
den Hut ab und verhüllen ihr Gesicht, sobald der Zug naht. Als wir
vorgestern von Buitenzorg heraufritten, wichen uns die schwerbeladenen
Kulis aus, verliessen den schmalen glattgetretenen Pfad und gingen auf
dem kleinen vulkanischen Gerölle, womit die Strasse beschüttet ist bis
sie an uns vorüber waren. Wenn einige es nicht gleich von selbst thaten,
so verfehlte mein Reisegefährte nicht, ihnen gebieterisch „~pinggir~”
(auf die Seite) entgegenzurufen. Auch schwer beladene Wagen wichen uns
aus.

16. Juli, 5 Uhr früh von Tjandjur abgefahren. Die Strasse nach Bandong
ist sehr bergig; wo es steil bergauf geht, werden drei Gespann Büffel
vorgelegt. Ueber den Tjitarum setzten wir in einer Fähre; der
diesseitige Bergabhang war so steil, dass die Pferde ausgespannt werden
mussten, der Wagen rollte durch seine eigene Schwere abwärts. Vier und
vierzig Menschen, die uns hier erwartet hatten, hemmten ihn vermittels
eines langen aus Büffelfell geflochtenen Strickes. Es ging sehr laut
dabei zu; den meisten Lärm machten natürlich die kleinen Jungen, die
unaufhörlich kommandirten. Um 10 Uhr Vormittags erreichten wir Bandong,
wo ich in dem gastlichen Hause des Assistent-Residenten die
liebenswürdigste Aufnahme fand. Nachmittags wurde ein geognostisch
interessanter und landschaftlich schöner Wasserfall besucht.

Bandong liegt im westlichen Theile der grossen nach ihm benannten, rings
von vulkanischen Gebirgen eingeschlossenen 2100-2200 Fuss hohen Ebene,
einem der schönsten Gebiete dieser schönen Insel. Der fruchtbare
vulkanische Tuff, aus dem der Boden besteht, von den umgebenden
Waldbergen reichlich mit Wasser versehen, welches der Fleiss der
Bewohner in unzählige Rinnen verbreitet hat, liefert jährlich zwei
Reisernten. Hier herrscht ein ewiger Frühling. Am nächsten Morgen ritt
ich zu Junghuhn hinauf, der 1400' höher in Lembang am Fuss des
Tankubang-prau noch kühler, aber auch feuchter wohnte. Ein Brief von
Humboldt verschaffte mir sogleich die herzlichste Aufnahme in dieser
sonst nur Wenigen zugänglichen Einsiedelei.[59] Die Thätigkeit des
berühmten Naturforschers war jetzt fast ausschliesslich auf die
Vermehrung und Akklimatisation der Cinchonapflanzen gerichtet.
Hier erneuerte ich auch die Bekanntschaft mit Dr. de Vrij, der als
Regierungschemiker sein Laboratorium in Bandong hatte und namentlich mit
der Bestimmung der Alkaloide der neu eingeführten Cinchonen und mit der
Untersuchung und Ermittelung der den Kulturpflanzen günstigsten
Bodenarten beauftragt war.



Zweites Kapitel.

    Reise nach Trogon. -- Strassen. -- Waringibäume. -- Bogenschiessen.
    -- Religion der Javanen. -- Vulkan Guntur. -- Erdtransport durch
    Wasser. -- Solfataren. -- Theebau. -- Vulkan Papandayan. -- Telaga
    bodas. -- Kaffeebau. -- Schattenspiel. -- Hirschjagd. -- Malayische
    Küche. -- Tänzerinnen in Sumedang. -- Gamelang-Musik.


Da der gefällige Arzt, der seit Padjet seinen Wagen mit mir getheilt,
grade eine Dienstreise nach Garut vor hatte und mir anbot ihn zu
begleiten, so arbeitete Junghuhn für mich einen Reiseplan aus, der sich
möglichst an jene Reise anschloss und mir Gelegenheit gab, einige
interessante geognostische Excursionen zu machen. Nachmittags kehrten
wir nach Bandong zurück.

Unterwegs gingen vor uns einige Frauen mit Sonnenschirmen. Als der uns
begleitende Amtsdiener sie gewahrte, rief er „payong!” (Schirm), worauf
sie alsbald die Schirme zumachten und in voller Sonne an der Seite des
Weges niederkauerten, indem sie ihr Gesicht abwandten. Die Frauen
begnügen sich nämlich nicht, wie die Männer mit dem Niederkauern,
sondern wenden als einen gesteigerten Ausdruck der Unterwürfigkeit den
Europäern den Rücken zu. Die kleinen Jungen machen es wie ihre Mütter
und nehmen aus Ehrerbietung eine Stellung an, die, da sie keine Hosen
tragen in Europa eher für den Ausdruck des Gegentheils gelten würde.

Abends war in Bandong „Receptie”, wobei mir, wie später noch oft bei
ähnlichen Gelegenheiten, das elegante Französisch auffiel, welches in
den gebildeten Kreisen sehr allgemein zu sein scheint. Deutsch verstehen
auch die Meisten, englisch nur sehr Wenige. Auch sind die Engländer
wenig beliebt, das Volk nennt sie eine „Natie (spr. nazie) van
Zeeroovers”, doch scheint trotzdem eine grosse gegenseitige Hochachtung
zu bestehen, wie sie sich wohl bei so langer zäher Nebenbuhlerschaft
entwickeln musste.

18. Juli. Der Blitz hat die Brücke über den Tjigaro zerstört; eine
Depesche meldet, dass sie vor eilf nicht hergestellt sein kann; so
fahren wir denn erst um 9 Uhr ab. Unsere Reise geht nach Trogon über die
ganze Ebene von Bandong. Links treten die sie nördlich einfassenden
Berge dicht an die Strasse, rechts breitet sich die grüne Fläche aus,
ein ungeheures Reisfeld. In dem Pasanggrahan einer jeden Distriktsstadt
stehen Erfrischungen für uns bereit: Thee, Wein, Obst und Gebäck. Der
Bedana (Distriktshäuptling) macht die Honneurs des Hauses, darf aber
nicht das Zimmer betreten ohne besondere Einladung der Reisenden und
darf sich nur setzen, wenn ihm ein Stuhl angeboten wird; sein Gefolge
kauert am Boden.

Durch das ganze Land führen schöne fahrbare Strassen, deren erste Anlage
man dem Marschal Daendels verdankt, der 1808-11, als Holland eine
französische Provinz war, hier schaltete. Sein Gedächtniss wird noch
lange in Java fortleben wegen der Energie, Willkür und Grausamkeit, die
ihn auszeichneten. Die Javanen nennen ihn tuwan- (Herr) besar- (gross)
guntur (Donner).[60] Die Flüsse werden theils auf Fähren, theils auf
Brücken überschritten. Letztere sind auf belebten Strassen aus Holz und
überdacht, gewöhnlich aber aus Bambus und, wenn auch nicht sehr
dauerhaft, doch schnell wiederherzustellen. Reist ein hoher Beamter in
wenig besuchten Gegenden, so sind oft Tage vorher hunderte von Menschen
thätig, um Wege durch den Wald zu bahnen und Brücken zu schlagen. Ausser
der Art wie ein König zu reisen kann man nur noch zu Fuss oder zu Pferde
fortkommen. Eilwagen und Omnibus sind mit Ausnahme einiger ganz kurzen
Strecken nicht vorhanden.

Mittags erreichten wir Trogon, am SO. Abhang des noch thätigen Vulkanes
~Guntur~. Wir stiegen bei dem Kontrolör ab, dessen Haus am Alun-alun
liegt, einem grossen viereckigen schön gehaltenen Rasenplatz, wie ihn
jeder grössere Ort in Java besitzt. Gewöhnlich stehen auf demselben
einige Waringibäume (Ficus benjamina und F. indica), unter deren weitem
Schattendach oft ein Trupp Reiter Platz hat. Diese herrlichen Bäume
können mit ihrem dichten Laubdach einen ausserordentlich grossen Raum
überspannen. Von den horizontalen Aesten gehen Luftwurzeln aus, die wenn
sie den Boden erreichen, darin Wurzel schlagen und dann die Funktion
selbstständiger Stämme verrichten, obgleich sie immer noch mit der
Mutterpflanze zusammenhängen (vergl. S. 13 Rhizophoren); oft
verschlingen und verstricken sich viele solcher Luftwurzeln in der Nähe
ihres Ursprungs, während sie noch dünn sind und wachsen dann zu einer
einzigen sonderbar gewundenen Säule zusammen; auf dieselbe Weise bilden
sich zwischen den Säulen Bögen, die um so flacher sind, je entfernter
von einander die zu einer solchen Säule verwachsenen Luftwurzeln
entsprangen. So entstehen herrliche natürliche Tempel mit Säulengängen,
grossen und kleinen Hallen, von einer gewöhnlich sehr regelmässig
geformten flachen Laubkuppel überwölbt. Es ist kein Wunder, wenn die
Phantasie der Menschen sie überall zu Wohnungen überirdischer Wesen
erkor. Der grösste Waringibaum auf Java soll sich in Bantam befinden;
noch viel grössere kommen in Indien vor, wo sie häufig von den Brahmanen
als Tempel benutzt werden; überall werden sie in hohen Ehren
gehalten.[61] Forbes, Oriental Memoirs I 25 erzählt von einer solchen
Feige (F. microcarpa?) an den Ufern des Nerbudda: ... „Hohe Fluthen
haben zu verschiedenen Zeiten einen beträchtlichen Theil dieses
ausserordentlichen Baumes fortgerissen, aber das was noch steht hat, um
die Hauptstämme gemessen, fast 2000 Fuss Umfang. Die überhängenden
Zweige, die noch nicht Wurzel geschlagen haben, bedecken einen viel
grösseren Raum, darunter wachsen Anonen und andre Fruchtbäume. Es sind
an 350 grössere und über 3000 kleinere Stämme vorhanden; ein jeder
sendet fortwährend Aeste und herabhängende Wurzeln aus, um neue Stämme
zu bilden.... Der Häuptling von Putnah pflegte unter diesem Baum mit
grosser Pracht zu lagern; er hatte einen Empfangssaal, Speisesaal,
Gesellschaftssaal, Schlafzimmer, Bäder, Küche und alle übrigen
Räumlichkeiten, jede in einem besonderen Zelte; dennoch bedeckte dieser
herrliche Baum das Ganze zusammen mit den Wagen, Pferden, Kamelen,
Wächtern und Dienern; während seine weitreichenden Aeste schattige
Stellen boten für die Zelte seiner Freunde mit ihren Dienern und ihrem
Vieh; und es ist bekannt, dass der Baum bei dem Marsche eines Heeres
7000 Mann Obdach gewährt hat.”

Am Alun-alun liegen fast immer die Moschee und die Häuser der ersten
inländischen Beamten. Auf einer Seite steht der Bobantjong, eine um
mehrere Stufen erhöhte Plattform, unter einem von Säulen getragenen
Ziegeldache. Auf dieser Tribüne pflegen die Regenten den Festen und
Volksversammlungen beizuwohnen, die in Folge des javanischen
Gemeinwesens periodisch auf diesen Plätzen stattfinden. Heute war die
Tribüne von einem Musikcorps eingenommen. Von Zeit zu Zeit wechselte die
wohlklingende, obgleich etwas einförmige Gamelangmusik mit einem
Sängercorps ab, das auf der andern Seite des Platzes im Schatten eines
Waringibaumes lagerte. In einiger Entfernung vor unserm Hause sassen
einige Häuptlinge behaglich auf dem Rasen, umgeben von ihren Dienern und
schossen mit Pfeil und Bogen nach einem sechzig Schritt entfernten Ziel.
Die Bogen sind kaum 3-1/2 Fuss lang und werden horizontal gehalten.
Viele schiessen gleichzeitig, so dass immer eine Menge Pfeile in der
Luft schweben, nur wenige trafen die Scheibe. Sind alle Pfeile
verschossen, so laufen kleine Jungen herbei und bringen ihren Herren die
an der verschiedenen Farbe der Federn kenntlichen Geschosse zurück.
Frauen waren bei dem Feste nicht anwesend.

Gegen Abend besuchten wir eine drei Paal entfernte, in einer Schlucht
des Guntur gelegene warme Quelle. Sie ist rings von hohen üppig
bewachsenen Felsen umgeben; ein Riesenbaum beschattet sie so wie zwei
sehr zierliche Bambus-Tempel, in denen ein Paar fromme Eingeborne ihre
Andacht verrichteten. Die Javanen sind sehr oberflächliche Muhamedaner,
etwa so wie die Indianer der spanischen Kolonien Christen sind. Der
Islam hat bei ihnen keine tiefen Wurzeln geschlagen, neben ihm aber sind
grossartige Naturerscheinungen, die einen tiefen Eindruck auf ihr Gemüth
machen, Vulkane, warme Quellen, auch Waringibäume, Gegenstände
religiöser Verehrung. Sie glauben sie von Geistern bewohnt und bringen
ihnen Opfer. Mit wirklicher Innigkeit verehren sie auch Alterthümer aus
der Hinduzeit, besonders solche, deren Kunstwerth die Leistungen der
heutigen Javanen so unendlich übertrifft, dass sie von ihnen für die
Werke höherer Wesen gehalten werden. Von den strengen Muhamedanern
unterscheiden sie sich besonders sehr vortheilhaft durch völlige
Duldsamkeit; die Frauen gehen unverschleiert und verkehren mit den
Fremden so frei wie in Europa.

19. Juli. Um 5 Uhr früh ritt ich von Trogon an der gestern besuchten
heissen Quelle vorbei, dann durch ein Bambuswäldchen und noch eine kurze
Strecke den Abhang des Guntur hinauf. Der eigentliche Kegel, ein grosser
Schutthaufen, kann nur zu Fuss erklommen werden. Der Doktor und der
Kontrolör begleiteten mich eine Strecke weit. Eine Schaar Reiter hatte
sich angeschlossen und eine noch grössere Menge von Begleitern zu Fuss.
Jeder wollte etwas tragen; Einer hatte die Karte, Andere die Hämmer
genommen; brauchte man etwas, so war nichts zur Hand. Das sind die
Unbequemlichkeiten der Vornehmen.

Mit nur wenigen Begleitern erreichte ich um 9-1/2 Uhr den Gipfel, dessen
flach gewölbte Decke aus Sand und Rapilli besteht, und von einem grossen
Krater durchbohrt ist. Sehr auffallend trat hier die von Junghuhn so
deutlich hervorgehobene Erscheinung der mit dem Kraterrande
konzentrischen Risse hervor. Die dem Rande nächsten bildeten bereits
eine tiefe senkrechte Kluft, das durch sie abgetrennte Stück Bergwand
war nahe daran in den Abgrund zu stürzen. Durch solche Einstürze wird
der Krater regelmässig erweitert. Seine Wände sind oben senkrecht,
weiter unten durch die hinab stürzenden Schuttmassen trichterförmig. In
dem ganzen weiten Kessel ist nicht ein Dike[62] wahrzunehmen, und aus
der Abwesenheit derselben, die andere Vulkane wie ein Gerüst durchsetzen
und ihnen Festigkeit geben, erklärt sich die hier so prägnant
hervortretende Erscheinung des regelmässigen Einstürzens der Wände. Aus
allen Spalten, die mit der Entfernung vom Rande immer schmäler werden,
drangen heisse Wasserdämpfe mit Chlorwasserstoff hervor; ich schätzte
ihre Temperatur auf 40° R. Der Abhang hat 22 bis 24° Neigung; das
Hinabsteigen ging schnell und bequem: wir kamen auf einen Streifen losen
Gerölles, auf dem man stehend durch seine eigene Schwere hinabrutschte,
indem man allmälig tiefer darin einsank; man hatte sich dann nur wieder
oben aufzustellen, um auf dieselbe Weise ohne alle Bemühung eine grosse
Strecke weiter befördert zu werden.

Nachmittags fuhr ich mit dem Doktor nach ~Garut~, der Residenz des
Regenten, und da dieser in Folge eines Missverständnisses nicht anwesend
war, Abends nach Trogon zurück. Unterwegs sahen wir eine sinnreiche
Verwendung der Wasserkraft, um einen Erdhügel nach einer mehrere tausend
Fuss entfernten Stelle zu schaffen. Man hatte einen in der Nähe
vorbeifliessenden Bach gegen den Hügel gelenkt, so dass er denselben
unterspülte: Büffel traten die überhängende Erde in das Wasser, welches
sie weiter führte bis zu der Stelle, wo eine kleine Mulde damit
ausgefüllt werden sollte. Dort war ein grosses Gitter von Bambus und
Reisig angebracht, welches die Erde wie in einem Sieb zurückhielt, das
Wasser durchliess.

20. Juli. Von Trogon ritten wir über Pasir-kiamis, wo in der Nähe des
Pasanggrahans eine heisse Schwefelquelle hervorbricht, in südwestlicher
Richtung durch herrlichen Hochwald auf einem neugebahnten Pfade nach
Kawa-manuk, einer Solfatara in trachytischem Gebirge mitten im üppigsten
dichten Walde. Sie soll erst 1772 bei dem Ausbruch des Papandayan
entstanden sein. Der ganze Boden ist im Umkreis von ein paar tausend
Fuss Durchmesser durch Wasser und heisse Dämpfe unterwühlt. Stösst man
ein Loch durch das zersetzte Gestein, so brechen beide mit Gewalt
hervor. Man muss durch vorsichtiges Tasten die Stellen aufsuchen, die
noch aus hartem Gestein bestehen; denn wer durch die dünne Kruste
bräche, würde in dem heissen Schlamm seinen Tod finden. Ich sah vier
grössere Becken von 20 bis 30 Fuss Durchmesser, in welchen der dünne,
dunkelgraue Schlamm hoch aufbrodelte; zuweilen spritzte er zwei Fuss
hoch. In andern Tümpeln war das Wasser bereits verdampft und hatte eine
feingeschlämmte Thonmasse zurückgelassen. An unzähligen Stellen brachen
Wasser und Wasserdämpfe hervor. Das Wasser enthielt viel
Schwefelwasserstoff. Ausser Schwefel, der sich ziemlich reichlich in
kleinen Krystallen gebildet hatte, fanden sich nur noch Gyps und Alaun
in geringer Menge. Der Trachyt kommt in allen Stufen der Zersetzung bis
zum reinen Kaolin vor. Mitten zwischen den kochenden Schlammsprudeln und
giftigen Gasen grünten und blühten noch einige Sträucher, darunter
einige schöne rothe Rhododendren, während enorme Bäume von Laub und
Rinde entkleidet, verdorrt und gebleicht am Boden lagen und ihre Aeste
emporstreckten. Den grellsten Kontrast mit dieser Scene der Verwüstung
bildete der üppige Wald, der sie dicht umgab.[63]

Als wir in den Pasanggrahan von Pasir-kiamis zurückkehrten, fanden wir
ein vortreffliches Mittagessen für uns aufgetragen, eine Aufmerksamkeit
des Regenten von Garut, die um so überraschender war, als das Haus tief
im Walde liegt. Von hier ritten wir südöstlich bis ~Tjisirupan~, auf
neuen Bambusbrücken viele Bäche überschreitend, die in westöstlicher
Richtung aus dem vulkanischen Waldgebirge in den Tjimanuk eilen, welcher
das herrliche Thal von Trogon und Garut bewässert. Der letzte Theil des
Weges führt über das untere Ende der Schuttmassen, die sich in einem
grossen Bogen bis zum Krater des Papandayan verfolgen lassen. Dieser
Vulkan hat in historischer Zeit nur einen, aber einen furchtbaren
Ausbruch gehabt. Im Juli 1772 wurde plötzlich ein grosser Theil des
bisher kegelförmigen Berges zertrümmert und ungeheure Steinmassen, der
Neigung des Bodens folgend, schoben sich bis in das Thal von Garut,
vierzig Dörfer verwüstend, und fast 3000 Menschen begrabend.

In Tjisirupan standen muthige Bergpferde bereit, die uns nach
~Tjikatjang~ brachten, einer 3770 Fuss hoch, in fast gleicher Entfernung
vom Gunong Papandayan und Tjikorai, am südlichen Abhang des sie
verbindenden Sattels gelegenen Theepflanzung, wo uns der Vorsteher, ein
junger Holländer, auf das zuvorkommendste aufnahm. Von dem Betriebe
derselben sahen wir nur wenig, da wir am andern Morgen in Begleitung
unseres freundlichen Wirthes den Papandayan besuchten. Der Theestrauch
war ganz niedrig und kugelig gehalten, so dass die Pflanzung aus einiger
Entfernung wie ein grosses Kohlfeld aussah. Tjikatjang ist eine der
grössten Theeplantagen auf Java und beschäftigt gegen 1000 freie
Arbeiter, deren Fleiss der Vorsteher sehr lobte.

Die Theekultur ist, ebenso wie die Erzeugung der meisten andern Produkte
für den europäischen Markt, von der holländischen Regierung in Java
eingeführt worden, und zwar erst seit 1835. Sie bildete einen Zweig des
„Kultur-Systems” und der Thee gehörte zu der Klasse von Erzeugnissen,
bei welchen, weil seine Herstellung bedeutende Sorgfalt erfordert, die
Vermittelung intelligenter Europäer für nöthig erachtet wurde. Die
Regierung, die zwar auch selbst Thee baute, wies geeigneten Personen das
nöthige Land an, stellte ihnen die erforderlichen Frohnarbeiter zur
Verfügung, schoss ihnen Kapital zinsfrei vor, verpflichtete dagegen die
Kontrahenten, ihr die Hälfte der Ernte zu einem bestimmten Preis zu
liefern, während ihnen über die andre Hälfte freie Verfügung zustand.
Die ersten Versuche fielen sehr ungünstig aus, der Thee war von
schlechter Beschaffenheit, die Regierung hatte grosse Verluste; die
Unternehmer richteten sich meist zu Grunde. 1849 wurden neue Verträge
abgeschlossen; die Kontrahenten übernahmen es, den Thee ohne
Zwangsarbeiter oder sonstige Hülfe der Regierung zu bauen, wogegen diese
sich verpflichtete, das Fabrikat zu einem etwas höheren Preise
abzunehmen. Sie glaubte wohl, dass ohne Zwangsarbeit wenig geliefert
werden würde, es fand aber das Gegentheil statt; die Kontrahenten, die
inzwischen den Betrieb genau kennen gelernt hatten, wussten die
Bedingungen gut auszunützen und machten glänzende Geschäfte, so dass
eine Theepflanzung zu den gewinnbringendsten Unternehmungen auf Java
gehörte. Wie gross der Gewinn gewesen sein muss, lässt sich unter anderm
daraus schliessen, dass der Vorsteher der Theepflanzung Tji-katjang,
unser Gastfreund, als einige Jahre später, nach dem Tode des Besitzers,
der Kontrakt meistbietend versteigert wurde, 600,000 Gulden bot, und
dennoch überboten wurde, obgleich der Vertrag nur noch 3 Jahre gültig
war. Zur Zeit, als die Kontrakte umgeändert wurden (1849?), erhielt man
319 ℔ Thee per Bau (1 Bau = 500 □Ruthen) zum Bruttowerth von 0,572
Gulden per ℔, 1854 dagegen 548 ℔ zum Werth von 0,821 Gulden d. h. 80%
mehr Produkt von 40% höherem Werth.[64] Die Regierung hatte von dem
grossen Fortschritt freilich keinen Vortheil, denn da der Preis, den sie
dem Fabrikanten in Java zahlte, höher war, als der Marktpreis in Europa,
trotz der hinzugekommenen Spesen, so wurde ihr das ganze Fabrikat
abgeliefert, und ihr Verlust war um so grösser, je besser die Ernte
ausfiel. Die vor Kurzem erloschenen Verträge sind daher nicht wieder
erneuert worden.[65]

Der anfänglich sehr schlechte Javathee hat sich durch Verbesserung der
Kultur und Fabrikation sehr gehoben, sein Hauptmarkt ist Holland und
Ostfriesland, er ist herber und stärker als Chinathee und steht in
dieser Beziehung dem Assamthee näher, ohne ihm jedoch an Wohlgeschmack
gleichzukommen. Nach dem Urtheil Sachverständiger wird er wohl im Stande
sein, nach Aufhören der Kontrakte seinen Platz auf dem Markt zu
behaupten und wahrscheinlich an Güte gewinnen, da das Publikum nur nach
dem wirklichen Werth, nicht nach einem mehr oder weniger genau
umschriebenen Schema zahlt.

Obgleich ich von der Bereitung des Thees nur einzelne Hantirungen mit
ansah, so möchte ich dennoch eine kurze Beschreibung des ganzen
Verfahrens geben, da es wohl nur wenig bekannt und das Produkt von so
grosser Wichtigkeit ist. Ich folge dabei einem ausführlichen Aufsatze in
der Natuurkundg. Tydsch, VII. 296.

Bei der Theefabrikation sind nur wenige Chinesen beschäftigt, in manchen
Fabriken gar keine, in den meisten zwei bis drei Individuen, die aber
dann nur in der Fabrik, nicht in der Pflanzung, thätig sind. Etwa 35
Tage nach dem Beschneiden der Sträuche, früher oder später, je nach dem
Klima, beginnt das Pflücken der Blätter, von denen sich 6-7 an den
jungen Trieben befinden. Die Pflücker der Spitzen kneifen die Spitze des
Zweiges, die Blattknospe sammt dem äussersten kaum hervorgetretenen
Blättchen ab; ihnen folgen die Pflücker der „Feinblätter”, die den
grünen Zweig unter dem dritten Blatt abkneifen, also das zweite und
dritte Blatt sammt Blattstiel sammeln; dann folgen die Pflücker der
Mittelblätter, die unter dem fünften Blatt abkneifen, mithin das vierte
und fünfte Blatt sammt Blattstiel nehmen; ist das sechste und siebente
Blatt zart genug, um verwendet zu werden, so werden sie dergestalt
abgerissen, dass ein kleines Stückchen davon am Zweig sitzen bleibt;
dies geschieht, um die in den Achseln sitzenden Knospen zu schonen, aus
denen sich Zweige für die nächste Ernte entwickeln sollen. Die eben
beschriebene Art des Pflückens gilt nur für schwarzen Thee. Zum grünen
Thee wird die Blattspitze wie zum schwarzen Thee abgekniffen, die
übrigen Blätter aber werden ohne Blattstiel abgenommen, wie oben bei dem
sechsten Blatt; der grüne Thee enthält also keine Blattstiele.[66]

Zur Bereitung des schwarzen Thees werden die eben gepflückten Blätter in
ziemlich dünnen Schichten der Sonne ausgesetzt; sehr günstig ist es,
wenn dabei ein leiser Wind weht. Die Blätter werden mehrere Male
umgewendet und durch einander geschüttet. Nach höchstens 30 Minuten, je
nach dem Wetter und der Temperatur, sind die Blätter ganz weich und
bräunlich von Farbe, sie werden dann unter Dach gebracht; säumt man
damit, so färben sie sich röthlich, ein Zeichen, dass sie an Güte
verloren haben. In dem von einem Bambusgitter umgebenen Schuppen werden
die Blätter in Haufen aufgeschüttet, es tritt Erhitzung und Gährung ein;
sobald diese einen gewissen Grad erreicht haben, gewöhnlich nach 1/2-3/4
Stunden, werden die Blätter ausgebreitet und dann von neuem gehäufelt,
dies wird vier- bis sechsmal wiederholt; sie müssen dann eine
gleichmässige bräunliche Farbe haben; an Stelle des früheren Grasgeruchs
zeigt sich schon Theegeruch.

In kleinen Mengen bringt man nun die Blätter in eingemauerte eiserne
Pfannen, die so erhitzt werden, dass nur durch Gewohnheit abgehärtete
Arbeiter im Stande sind, sie fortwährend mit der Hand darin umzurühren,
um das Versengen zu verhindern. Die durch Entwickelung von Wasserdampf
allmälig ganz feucht und weich gewordenen Blätter werden dann auf einen
Tisch geworfen und geknetet: man nimmt deren so viel, als man mit beiden
Händen fassen kann, und rollt sie zu einer Kugel zusammen, die aber
mehrere male wieder aus einander gerüttelt wird, damit die Blätter sich
nicht zu fest zusammenballen. Nach diesem ersten Kneten bleiben sie 1/2
Stunde in dünnen Lagen ausgebreitet liegen, worauf sie abermals in der
Pfanne erwärmt und wiederum geknetet werden. Diesmal werden sie aber
nicht wieder auseinander geschüttet, sondern zu Kugeln zusammengeballt,
die sich mit zwei Händen bequem umfassen lassen, und in Körben über
Kohlenfeuer getrocknet. Der Grasgeruch ist nun völlig durch das
eigentliche Theearoma ersetzt worden; der schwarze Thee ist fertig bis
auf das Sortiren, Sieben, Trocknen, Verpacken u. s. w.

Zur Bereitung des grünen Thees werden die frisch gepflückten Blätter
unmittelbar und so schnell als möglich in die angeheizten Pfannen
gebracht. Man lässt die Arbeiter nicht zu viel auf einmal pflücken, weil
die Blätter sonst leicht eine bräunliche Färbung annehmen. Nachdem sie
2-3 Minuten in der Pfanne umgerührt worden, wobei sie knistern und
knattern, werden sie schnell, damit sie nicht anbrennen, auf den Tisch
gebracht und geknetet; da sie nicht vorher an der Luft getrocknet waren,
so werden sie dabei so nass, dass die Feuchtigkeit abläuft. Die Menge
der Blätter, die man auf einmal kneten, aber nicht auf einmal mit den
Händen umfassen kann, wird gedrittheilt, um sie auszupressen; aus jedem
Drittheil formt man eine Kugel, die so fest ausgedrückt wird, dass der
grüne Saft in einem Strahl herausspritzt. Manche spülen auch diese
Kugeln in kaltem Wasser ab und pressen sie nochmals aus, um die
adstringirenden Eigenschaften zu mildern. Im Uebrigen weicht die
Bereitung des grünen Thees nur noch darin von der des schwarzen ab, dass
man jenen statt zweimal, fünfmal in die heisse Pfanne bringt und nach
jedemmal von neuem knetet, aber nicht mehr auspresst; er wird also viel
langsamer trocken, als der schwarze; andern Falls würde er seine
frische, grüne Farbe verlieren. Nach dem vierten Erhitzen in der Pfanne
enthält er nur noch wenig Feuchtigkeit und hat eine etwas schwärzliche
Farbe; die schöne bläulich grüne Farbe nimmt er bei der fünften
Erhitzung in einer nicht horizontal, sondern schräg eingemauerten Pfanne
an, wobei er 1/2 Stunde lang kräftig und schnell umgerührt wird. Er ist
dann völlig trocken. Die Spitzen der Zweige, welche auch bei dem grünen
Thee die feinste Sorte geben, werden stärker ausgepresst als die andern
Blätter, gewöhnlich auch mehrere male in reinem Wasser abgespült. Sie
werden auch, wenn sie zart und klebrig genug sind, zwischen Daum und
Zeigefinger zusammengerollt, und geben dann den „Gunpowderthee”. Das
Adstringirende, das den frischen Blättern zum Theil entzogen werden
muss, um sie geniessbar zu machen, wird also bei der Bereitung des
schwarzen Thees durch Gährung, bei der des grünen Thees durch Auspressen
und Auswaschen entfernt.

Am nächsten Morgen ritten wir den sanften Abhang des gestern erwähnten
Schuttberges hinauf bis in den Krater des Papandayan. An einer Stelle,
die die Inländer Luput nennen, konnten wir eine grosse Strecke weit eine
natürliche Treppe benutzen. Es fliesst an dieser Stelle über die
Schuttmassen ein inkrustirender sehr eisenhaltiger Bach. Die von dem
angrenzenden Wald herabfallenden Blätter und Zweige werden von dem
Wasser eine kurze Strecke weiter bewegt, wobei sie wegen der vielen
Hindernisse immer eine Richtung quer gegen den Strom annehmen; so
entsteht eine Reihenfolge kleiner Dämme, die von dem darüber
hinfliessenden Wasser durch eine Sinterkruste zu einer Treppe verbunden
werden. Schon ehe man die grosse Kraterkluft erreicht, brechen an vielen
Stellen heisse Quellen hervor, die chemische Thätigkeit nimmt immer mehr
zu und oben befindet man sich in einer Solfatara von wahrhaft riesigen
Dimensionen, eingefasst von mehrere hundert Fuss hohen senkrechten
Wänden weissgebleichten Gesteines, das in deutliche Bänke gesondert ist.
Der Boden der ungeheuren Kraterschlucht ist überall mit sublimirtem
Schwefel überzogen. An vielen Stellen sind grosse Massen desselben in
kleinen Krystallen angehäuft, an andern Stellen sind sie zu braungelben
Krusten zusammengeschmolzen, die zuweilen einen Fuss Dicke erreichen.
Auch die grossen Trachytblöcke, die jetzt frei auf dem Boden liegen,
sind mehr oder weniger zersetzt, auf allen Kluftflächen mit kleinen
Schwefelkrystallen bekleidet und lassen vermuthen, dass sie früher
relativ tiefer lagen, und dass ein grosser Theil der zu feinem Schlamm
zersetzten Kratersohle durch den Regen fortgeschwemmt worden ist.

Ein grosser Schuttwall zieht sich im Hintergrund quer von einer Seite
zur andern; man glaubt am Ende der Kraterschlucht zu stehen; hat man
aber den oberen Rand des Walles erstiegen, so sieht man jenseits alle
bereits angeführten Erscheinungen sich in noch grösserem Maasstabe
wiederholen. Im Hintergrunde erblickt man wieder einen Schuttwall, der
diesen Theil der Kluft begrenzt und hinter diesem wieder andere, und in
jedem höher liegenden Felde der ungeheuren Solfatara nimmt die chemische
Thätigkeit zu. Gegen das Ende der Kluft sah ich eine Erscheinung, die
mir noch in keiner Solfatara vorgekommen war. Der Boden war mehrere
hundert Fuss im Quadrat mit maulwurfartigen Hügeln bedeckt, die durch
gewölbte Rippen zu einem ziemlich regelmässigen Netz mit einander
verbunden waren. Beim Aufschlagen einer solchen Rippe fand sich die etwa
1/2 Zoll dicke Decke mit Schwefelkrystallen dicht bekleidet.
Wahrscheinlich war die Kruste der Kratersohle an vielen Stellen durch
die Gewalt komprimirter Dämpfe sternförmig zerborsten, so dass eine Art
von Netz entstand; wenn sich dann eine Schlammmasse darüber ausbreitete,
und durch Verdampfen allmälig plastisch wurde, so können die aus den
Spalten heraufdringenden Wasser- und Schwefelwasserstoff-Dämpfe wohl im
Stande gewesen sein dergleichen hohle Rippen zu bilden und sie mit
Schwefelkrystallen auszufüttern. An manchen Stellen brach der
Wasserdampf mit solcher Gewalt aus dem Boden hervor, dass nussgrosse
Steine im Dampfstrahle auf- und abtanzten. Kochende Schlammpfützen wie
in der Kawa-manuk waren in Menge vorhanden und der Boden in ihrer Nähe
ebenso gefährlich zu betreten. Nach Junghuhn liegt der oberste Theil der
Kraterkluft 6600' hoch und wird im Halbkreis von 700-800' hohen Wänden
überragt. Vor dem grossen Ausbruch, durch welchen die Schlucht entstand,
bildete der Berg einen geschlossenen flachen Kegel.

Wir ritten nach Tjisirupan zurück, wo wir uns von unserm Begleiter
verabschiedeten und fuhren über Trogon nach Garut, überall von
Gamelangmusik begrüsst. Der Regent war schon nach Wanaradja
vorausgegangen, wo er uns nach dem ursprünglichen Reiseplan erwartete.
Da der Doktor aber heute noch in Garut zu thun hatte, so blieben wir die
Nacht im Pasanggrahan. Während wir in der Veranda Thee tranken, tanzten
vor uns auf dem Alun-alun einige Rongengs. Der Tanz war nicht ungraziös,
aber der begleitende Gesang zu gellend. Eine grosse Schaar inländischer
Zuschauer hatte sich eingefunden; sie sahen mit lebhaftem Interesse zu;
zuweilen nahmen auch Einige an dem Tanze Theil, wofür sie einige Deuten
an die Tänzerin zu entrichten hatten. Als wir zu Bette gingen, liess der
Bedana Tanz und Musik plötzlich aufhören, und Alles musste nach Hause
gehen.[67]

22. Juli. Wir fuhren auf der linken Seite des Tjimanuk durch das reiche
Thal von Trogon-Garut nach Wanaradja, wo uns der inländische Fürst mit
einem Frühstück im Pasanggrahan erwartete. Dies war das niedlichste
Dörfchen, das ich bisher gesehen. Es besteht ganz aus Bambus, die
einzelnen Häuschen sind nach den zierlichsten Mustern aus schwarzen und
weissen Bambusstreifen geflochten; die Scheunen, Einzäunungen und
Aussenhäuschen so klein und so gefällig, dass das Ganze fast wie
hübsches Spielzeug aussieht. Nach dem Frühstück ritten wir auf schönen
muthigen Pferden des Regenten, die viel arabisches Blut enthielten,
nach dem auf dem Kamm der östlichen Thalwand gelegenen „Weissen See”
(telaga bodas.) Auf bequemer Strasse, die abwechselnd durch Wald- und
Kaffeegärten führte, erreichten wir das westliche Ufer des fast
kreisrunden Wasserbeckens. Das perlweisse Wasser sticht eigenthümlich
gegen den üppigen Wald ab, der es umsäumt. Die Farbe erhält es von dem
darin suspendirten feinen Thonschlamm, den die Thätigkeit der
Solfataren am Seeboden und am jenseitigen Ufer durch Zersetzung des
Gesteins ihm zuführt. Auf einer mit einem Sonnendach versehenen, bereit
stehenden Fähre gelangten wir an das jenseitige Ufer. An vielen Stellen
des Sees brodelte das Wasser auf und verrieth durch den
Schwefelwasserstoffgeruch die vulkanische Thätigkeit auf seinem Boden.
Ich übergehe hier die vulkanischen Phänomene, die im Wesentlichen eine,
obgleich viel schwächere, Wiederholung der in der Kawa-manuk und am
Papandayan beschriebenen sind und für die meisten der Leser kein
Interesse haben. Noch schöner als der Ritt, der uns in den Wald
hineingeführt hatte, war der Rückweg, der bei jeder Wendung eine andere
Aussicht über das vom Guntur, Papandayan und Tjikorai begrenzte Thal
des Tjimanuk gewährt. Es ist ungemein fruchtbar und reich bebaut. Auf
den Reisfeldern heben sich zahlreiche Haine von Fruchtbäumen, die je
ein Dörfchen verbergen, dunkelgrün ab. Viele Paal weit ritten wir durch
Kaffeegärten, welche in dieser Meereshöhe (2000 bis 4000') besonders
gedeihen. Diese Höhenzone ist auf Java für den Europäer ein ungemein
reizvoller Aufenthalt, das Klima ein ewiger Frühling. Der Wald zeigt
sich hier in seiner ganzen tropischen Pracht, mehr noch als in der
tieferen Zone. Zwar treten die Palmen schon merklich zurück; von den
kultivirten ist nur noch die Arengpalme (Saguerus saccharifer Bl.)
häufig, aber die Calamusarten kommen hier erst recht zur Entfaltung
und durchziehen zugleich mit riesigen Lianen, deren einige schenkeldick
werden, nach allen Richtungen den Wald, die höchsten Stämme umwickelnd,
oder wie grosse Taue von Baum zu Baum gespannt. Zierliche kleine Areca-
und Pinangapalmen, oft mit schön gefärbtem Stamm und glänzend rother
Fruchttraube und Baumfarne, die bis 40' Höhe erreichen, treten hier
zuerst auf und verleihen dem Walde einen neuen Reiz. In dieser Zone
wachsen auch die Rasamala (Altingia liquidambar), Riesenbäume, deren
Höhe nach Junghuhn's, an gefällten, unter den höchsten ausgewählten,
Individuen angestellten Messungen bis 180' erreicht, während ihre
durchschnittliche Höhe 150' beträgt. Der Waldboden ist mit einem
Teppich von Lycopodien, Farnen und Kräutern bedeckt, auf welchem sich
wilde Musen, Scitamineen, Alsophilen und Ardisien erheben. Wohl keine
Zone reizt den Sammeleifer des Gärtners in höherem Maasse; die Aeste
sitzen voll Orchideen, epiphytischer Farne und Schmarotzer; hier findet
sich Alles, was den Treibhäusern schon einzeln zum höchsten Schmuck
gereicht, in grösster Fülle beisammen.

Wo der Wald zur Anlegung von Kaffeepflanzungen gelichtet, ist es nicht
minder schön. Breite, mit dichtem Grase bewachsene Strassen führen
durch dieselben und sind zu beiden Seiten mit Hecken blüthenreicher
Sträucher eingefasst. Heute ritten wir wohl eine deutsche Meile weit
durch eine solche Pflanzung, deren Saum zu beiden Seiten des Weges aus
üppig blühenden Rosenhecken bestand. Die Kaffeesträucher tragen zwar
das ganze Jahr hindurch Blüthen und Früchte, die eigentliche Blüthezeit
fällt aber in den Herbst. Jetzt sassen Knospen in den Blattachseln, in
kleinen Büscheln zusammen, so dass die schlanken, herabhängenden, mit
glänzend dunkelgrünen, gegenständigen Blättern dicht besetzten Zweige,
wenn sie blühen, längs der Mittellinie mit einem weissen Streifen
wohlriechender Blümchen besetzt sein müssen. Ueber den Kaffeesträuchern
schwebt in 30-40 Fuss Höhe ein leichtes, durchsichtiges Laubdach von
Erythrinen, die mit den jungen Kaffeesträuchern zugleich gepflanzt
werden, um ihnen Schatten zu geben, aber viel schneller wachsen. So hat
man zur Blüthezeit ein von scharlachrothen Blumen durchwirktes Laubdach
über einem weissen Blüthenwald. Wenige Tage nach der Blüthe setzt die
Frucht an, in sechs Monaten ist sie reif, sie gleicht dann einer
dunkelrothen Kirsche, ist aber etwas länglicher. Innerhalb der
süsslichen, fleischigen Hülle sitzen 2 Kaffeebohnen,[68] jede von einer
dünnen, zähen, pergamentartigen Haut fest umschlossen, mit den flachen
Seiten gegen einander; es sind die Samen, die längliche Vertiefung in
der Mitte der flachen Seite enthält den Keim. Nach der Ernte werden
zuerst die eingesammelten Beeren auf flachen Hürden an der Sonne
getrocknet. Um sie gegen Regen und den nächtlichen Thau zu schützen,
müssen sie unter Dach gebracht werden; oft geht den Bauern bei lange
anhaltendem Regenwetter die ganze Ernte verloren, da Bohnen, die durch
Nässe schwarz oder unansehnlich geworden, im Packhaus nicht angenommen
werden. Ist nach 5-6 Wochen die Hülle trocken, so wird sie durch
Stampfen in mit Büffelfell ausgefütterten Gruben oder in hölzernen
Mörsern abgelöst. Durch abermaliges Stampfen werden die aufs neue
getrockneten Bohnen von der Pergamenthaut befreit, eine Arbeit, die
viel Vorsicht verlangt, da zerstossene Bohnen einen grossen Theil ihres
Werthes verlieren.

Zur Anlage einer Kaffeepflanzung wird zuerst der Wald gelichtet; da
der Kaffeestrauch aber Schatten liebt, so lässt man zuweilen eine
genügende Anzahl Bäume stehen und pflanzt zwischen den grossen auf dem
Boden liegenden Stämmen, die zu schwer für den Transport, dem
Vermodern preisgegeben werden. Das Erzeugniss dieser etwas rohen
Kulturmethode, die mit dem Reisbau in Gagas (S. 133) verglichen werden
kann, ist in Java als Waldkaffee bekannt. Gewöhnlich aber wird der
ganze Wald gefällt; die Stämme werden fortgeschafft oder verbrannt,
die Wurzeln ausgegraben, eine schwere Arbeit, die viele Hände und die
Anwendung des Büffels erfordert. Steiniger Untergrund muss vermieden
werden, weil die Pfahlwurzeln sonst nicht in die Tiefe dringen können,
und schon ganze Pflanzungen aus dieser Ursache zu Grunde gegangen
sind. In den gesäuberten Boden pflanzt man in 8-12 Fuss Abstand die in
besonderen Saatbeeten erzogenen oder aus abgefallenen Früchten
entsprossenen 12-15 Zoll hohen Sämlinge. Die besten Pflanzen sollen
aus dem vom Musang (Paradoxurus musanga) ausgeworfenen Samen
spriessen.[69] In der Regel, namentlich in weniger als 2500' hoch
gelegenen Pflanzungen, werden die gefällten Waldbäume durch besondere
Schatten gebende Bäume, gewöhnlich Dadap (Erythrina sp. div.),
ersetzt, die so gepflanzt werden, dass jeder Kaffeestrauch zwischen
4 Schattenbäumen steht, daher der Name Dadapkaffee zum Unterschied
von Waldkaffee. Die Pflanzungen müssen besonders in den beiden
ersten Jahren sorgfältig gejätet, die Bäume von schädlichen
Schmarotzerpflanzen und Thieren gesäubert werden. Auch Erdarbeiten
sind nöthig, um das Fortschwemmen des fruchtbaren Bodens durch die
heftigen tropischen Regen an den Bergabhängen zu verhindern.
Kunstgemässes Beschneiden der Zweige, worauf in Westindien so viel
Sorgfalt verwendet wird, weil es den Ertrag sehr vermehrt, findet in
Java bei den Regierungspflanzungen nicht statt. Im dritten Jahre trägt
der Baum die ersten Früchte, im vierten giebt er eine volle Ernte,
nach 12-14 Jahren ist der Ertrag so gering, dass er die Mühe des
Pflückens nicht mehr lohnt; der Boden ist erschöpft, die Pflanzung
wird verlassen und „abgeschrieben”. Um den Ausfall zu decken, müssen
daher die Beamten Sorge tragen, fortwährend neue Pflanzungen
anzulegen; ein Zuwachs derselben hat aber in den letzten 20 Jahren
nicht stattgefunden.[70] Früher wurden die abgeschriebenen
Kaffeegärten der inländischen Bevölkerung überlassen, die Regierung
fürchtete aber, dass es mit der Zeit an passenden Ländereien mangeln
würde, und lässt jetzt die verlassenen Pflanzungen brachliegen, damit
sie sich wieder erholen, d. h. damit durch allmälige Verwitterung des
Bodens wieder zur Erzeugung von Kaffeebohnen erforderliche Salze in
hinreichender Menge löslich werden. Man nimmt dazu im günstigsten
Falle 10 Jahre an, so dass nach dem jetzt bestehenden System ein
wenigstens 10 mal so grosser Flächenraum, als wirklich in Produktion
ist, zur Verfügung gehalten werden muss. Für Privatpflanzer, die nicht
unumschränkt über Arbeitskräfte und Grund und Boden verfügen können,
ist ein solcher fortwährender Wechsel unausführbar. Sie düngen daher
den Boden, wie in vielen andern Kolonien, und ernten durchschnittlich
von alten und jungen Bäumen zusammen je 1 ℔, während die Regierung
trotz des Wechselns nur 1/2 ℔ erhält.[71] Der mittlere Ertrag steht
aber in Java weit unter demjenigen anderer Kaffeeländer, wo man 2, ja
3 und 4 ℔ trockener, gereinigter Bohnen von jedem Baum erntet. Um so
auffallender erscheint es, dass gerade in Java der Kaffeebaum so
ausserordentlich vermehrt worden ist, dass auf dieser Insel, wenn man
die abgeschriebenen mitrechnet, vielleicht mehr Kaffeebäume vorhanden
sind, als in allen übrigen Kaffeeländern zusammen.

Nächst dem Reis, der das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung ausmacht,
hat keine andre Pflanze für Java eine so grosse Wichtigkeit, als der
Kaffeestrauch, dessen Kultur mit den dortigen Zuständen in inniger
Wechselbeziehung steht. Java war eine der ersten Kolonien, in welche die
in Mittel-Afrika einheimische, obgleich Coffea arabica genannte Pflanze
eingeführt wurde (1696); von Java verbreitete sich der Kaffeestrauch
über Amsterdam (1706) nach Surinam (1719), Westindien (1722), und von
dort nach Bourbon.[72] -- 1795 lieferte Java 18,600,000 ℔ Kaffee und der
Gewinn an diesem Artikel war schon damals die Haupteinnahme der alten
Kompanie. Als Marschal Daendels Guvernör war (1808-11), dehnte er, um
die Einkünfte der Kolonie schnell zu vermehren, den Kaffeebau mit der
ihm eigenen Energie aus, und pflanzte 45,700,000 Sträucher, wodurch er
ihre Gesammtzahl auf 72,669,860 brachte. Der gehoffte finanzielle Erfolg
trat aber nicht ein: 1811 eroberten die Engländer Java, dessen durch die
Kontinentalsperre vom europäischen Festland ausgeschlossener Kaffee
fast werthlos wurde, so dass viele Pflanzungen wieder eingingen.
Raffles, der englische Guvernör und derselbe der später Singapore
gründete, hob die Zwangsarbeit und die gezwungenen Lieferungen auf und
setzte eine Grundsteuer an die Stelle, was er vielleicht nicht gethan
haben würde, wenn die gezwungenen Kaffeelieferungen eine bedeutende
Einnahmequelle für die Regierung gewesen wären. Als 1816 die Holländer
zurückkehrten, „verpachteten” sie die vorhandenen Kaffeegärten an die
Dorfgemeinden gegen eine Abgabe, die 36-53-1/3 % vom mittleren Ertrag
der Pflanzung gleichkam; über den Rest durfte der Bauer frei verfügen,
und konnte ihn auch für einen feststehenden Preis der Regierung
überlassen. Da letztere aber auf diese Weise nicht genug Kaffee erhielt,
so verbot sie später allen Europäern, Kaffee zu kaufen, und liess es
geschehen, dass ihre Beamten, um die Produktion zu vermehren, allerlei
Zwangsmassregeln anwendeten, so dass allmälig von der freien Arbeit und
freien Verfügung nichts übrig blieb als der Name. -- 1832 wurde das
Kultursystem eingeführt, wodurch die Kaffeeproduktion schnell vermehrt
und gänzlich in die Hände der Regierung gebracht wurde. Jede Familie
eines Bergdorfes musste binnen 4 Jahren 600 Kaffeebäume pflanzen und
unterhalten und 2/5 der Ernte an die Regierung als Grundsteuer, 3/5 „zum
Marktpreis” liefern. Da es gewiss sehr schwierig ist, bei gezwungenen
Lieferungen einen Marktpreis zu ermitteln, so machte die Regierung im
Februar 1833 bekannt, dass sie selbst den Marktpreis jährlich bestimmen
würde. Der von ihr festgesetzte Preis wurde bis 1844 beibehalten, 1845
ermässigt und 1858 in eine „Belohnung” verwandelt, die nach dem
Beschluss der holländischen Kammern (Gesetz vom 2. Sept. 1854, Art. 56)
„dem bei den Regierungskulturen beschäftigten Eingebornen bei gleicher
Arbeit wenigstens gleichen Gewinn, als bei freier Kultur, gewähren
sollte.” In Folge dieser offenbar im Interesse der inländischen
Bevölkerung erlassenen Bestimmung und trotz des höheren Werthes des
Kaffee erhielt der Bauer nun 9,20 Gulden per Pikul, d. h. 0,80 Gulden
weniger als 1833 und 0,87 Gulden mehr als seit 1844. Der mittlere
Marktpreis betrug damals in Java 28,73 Gulden per Pikul, so dass dem
Bauer bei freiem Verfügungsrecht nach Abzug von 2/5 Grundsteuer noch
immer 17,23 Gulden geblieben wären, wovon er indessen den Transport bis
zum Hafen zu zahlen gehabt hätte. Dafür muss die inländische
Bevölkerung die Kaffeepflanzungen nach Anweisung der Regierungsbeamten,
die gewöhnlich keine praktische landwirthschaftliche Kenntnisse
besitzen, oft sehr fern von ihren Dörfern anlegen und unterhalten. Sie
müssen sich auf eigene Kosten verpflegen, ihr Haus und Feld steht
während der Zeit verlassen. Das Risiko, ob die schwere Arbeit nach 4
Jahren durch volle Ernten lohnen wird, ist nicht für Rechnung der
Regierung, welche die Befehle ertheilt, sondern für Rechnung der
Bevölkerung, welche sie ausführt. -- Kein Kaffee, keine Bezahlung; die
Arbeit war dann vergeblich; der Regierung entgeht nur der Gewinn, den
sie am Kaffee gemacht haben würde. Es werden jährlich Hunderttausende
von Bäumen gepflanzt, die nie Früchte tragen und der Bevölkerung nicht
den geringsten Lohn einbringen. Kein Wunder, wenn der Eifer bei diesen
Arbeiten nicht gross ist.

Es leidet wohl keinen Zweifel, dass die Zwangsarbeit, der im Verhältniss
zur Mühe ungenügende Lohn, die Hauptursache des geringen Ertrages der
Regierungspflanzungen ist, besonders bei der Unmöglichkeit einer
ausreichenden Beaufsichtigung. Die Zahl der europäischen Kontrolöre ist
so gering, dass sie trotz dem besten Willen und Eifer nicht den zehnten
Theil der ihnen anvertrauten Pflanzungen gehörig verwalten können. Ihre
Zahl beträgt etwa 200; jeder einzelne hat daher, abgesehen von den
vielen andern ihm obliegenden Geschäften, die Aufsicht zu führen über
1-1/2 Million Kaffeebäume und über die zuweilen gleichzeitige Arbeit von
mehr als 2000 Menschen, in Pflanzungen, die oft meilenweit von einander
entfernt liegen. Trotz aller Mängel, die diesem von der Regierung selbst
betriebenen Gewerbzweig anhaften, liefert derselbe jährlich so
bedeutende Ueberschüsse, dass man sich nicht wundern darf, wenn das
tiefgreifende, die Grundlage der Verwaltung ausmachende System nicht
ohne Weiteres zu Gunsten liberalerer Theorien aufgegeben wird. Es ist
freilich berechnet worden, dass diese Ueberschüsse nur einen scheinbaren
Gewinn darstellen, und dass die Regierung durch Verpachtung und Verkauf
ihrer Pflanzungen an Privatleute, selbst wenn der Ertrag derselben
dadurch nicht vermehrt würde, an Steuern und Ersparnissen viel grösseren
Vortheil ziehen würde, als gegenwärtig, besonders wenn auch das Monopol
der Handelsmaatschappij aufgehoben würde. Wenn die gewöhnliche Annahme,
dass die Pflanzungen in Händen von Privatleuten den doppelten Ertrag,
d. h. 1 ℔ per Baum liefern würden, wirklich in Erfüllung ginge, so
wäre der Gewinn einer solchen Maassregel in die Augen springend; denn
die 2/5, welche die Regierung als Steuer erhebt, wären = 4/5 des
Quantums, das sie jetzt erhält, und der Gewinn an dem fehlenden
Fünftel würde vielfach aufgewogen durch die Ersparung der gesammten
Kulturkosten und durch die Pacht der vorhandenen Pflanzungen oder die
Zinsen des Verkaufskapitals. Bevor aber nicht in andern Kaffeeländern
die Produktion hinreichend gestiegen sein wird, um die Preise
herabzudrücken und der Regierung Verlust statt Gewinn zu bereiten, ist
eine durchgreifende Aenderung des Systems wohl nicht zu erwarten.

Nach Tisch überraschte uns der gefällige Regent von Garut mit einem
Wayang (javanisches Schattenspiel, das die Stelle des Theaters
vertritt). Gespielt wurde in einem um wenige Stufen erhöhten, an einer
Seite offenen Bretterhause. Auf einem darin aufgespannten grossen
weissen Tuche erscheinen die Schatten der dramatischen Figuren, die
äusserst zierlich aus Leder ausgeschnitten, und obgleich dem Zuschauer
nur als Schatten sichtbar, reich bemalt und vergoldet sind. Die Gelenke
sind beweglich. Das Stück fing vor Sonnenuntergang an und dauerte bis
Sonnenaufgang, also ziemlich genau zwölf Stunden. Ein und derselbe Mann
spricht die ganze Nacht hindurch den Dialog, wobei er nur zuweilen durch
Gesang und Musik unterbrochen wird. Allein durch Genuss von Opium soll
es ihm möglich sein, diese grosse Anstrengung auszuhalten. Das
Schauspiel ist der javanischen Mythe entlehnt. Der Dialog wurde
javanisch rezitirt, obgleich die Zuhörer Sundanesen waren. Da wir den
Text nicht verstanden, so zogen wir uns bald zurück. Mehrere hundert
Zuhörer hatten sich eingefunden und folgten der Aufführung in regster
Spannung; trotz gelegentlicher Regenschauer hielten fast alle, auf dem
Boden vor der Bühne kauernd, bis zum Ende aus; in dem geräumigen Hause
standen nur drei Stühle für den Regenten und seine beiden Gäste.

Als wir uns am folgenden Morgen von dem gastfreien Fürsten trennten, lud
er uns zu einer jener berühmten Hirschjagden ein, die gegen Ende der
trockenen Jahreszeit, nachdem die grossen mit Alang-alang-Gras
(Saccharum Koenigii Retz.) bedeckten Flächen abgebrannt worden, in den
Preanger Regentschaften stattfinden. Das Alang-alang erreicht eine Höhe
von 3-5 Fuss. Grosse Strecken Landes sind namentlich im Süden der
Preanger Regentschaften von solchen Graswüsten bedeckt, die an die
Stelle ausgerodeter Wälder treten, sobald die Kultur in den Lichtungen
wieder aufhört. Es sind undurchdringliche Gebiete, die zahlreichen
Hirschen, Wildschweinen und Tigern zum Aufenthalte dienen. Gegen Ende
der trockenen Jahreszeit pflegt man die Graswüsten zu verbrennen; dann
finden auf dem nun zugänglichen Boden jene berühmten Hirschjagden statt,
denen ich leider nicht beigewohnt habe, die aber der Beschreibung nach
so interessant sind, dass sie wohl Erwähnung verdienen. Die inländischen
Fürsten begeben sich mit zahlreichem Gefolge auf das Jagdgebiet und
verfolgen den Hirsch auf sehr edlen, zu dem Zweck besonders
abgerichteten Pferden, welche wegen ihrer Flüchtigkeit „Kuda-burong”
(Vogelpferde) genannt werden; sie sind ungesattelt; der Reiter trägt
ausser Hut und Jagdmesser nur eine kurze Hose, die so ausgeschnitten
ist, dass er nackt auf dem nackten Pferde sitzt. Sobald ein Hirsch
sichtbar wird, verfolgt ihn das Pferd mit dem Eifer eines Jagdhundes und
sucht, wenn es ihn erreicht, dicht an seine Seite zu springen, worauf
der Reiter mit einem Hiebe des Jagdmessers, der die Rippen
durchschneidet, das Thier erlegt. In Batavia sah ich später eine solche
Jagd auf einem grossen Oelbilde von dem talentvollen inländischen
Künstler Raden Saleh dargestellt, der seine Kunst auf Kosten der
holländischen Regierung bei den besten Meistern in Europa erlernt und
nebenbei Eugène Sue das Modell zum Prinzen Djalma geliefert hat. Unser
Regent rühmte sich, auf solche Weise bereits 127 Hirsche erlegt zu
haben.

Bei dieser Gelegenheit hörte ich auch zum erstenmal eine Geschichte,
die mir später noch öfter von sehr glaubwürdigen Männern wiederholt
wurde. Ein General-Guvernör fragte bei seiner Durchreise Herrn L. B.,
einen reichen Pflanzer und grossen Tigerjäger in Salatiga, wieviel
Tiger er schon getödtet habe? Antwort: 144. Als sich der Guvernör bei
seiner Rückkehr nach einigen Tagen die Zahl schriftlich erbat, gab L.
B. 148 an. „Nun wundere ich mich nicht mehr über die grosse Summe”,
antwortete der Guvernör; „neulich waren es nur 144, und heut sind es
148.” „Allerdings,” antwortete Herr L. B., „denn gestern habe ich
vier Tiger erlegt.”

23. Juli. Von Wanaradja setzten wir in nördlicher Richtung die Reise
durch das Manukthal fort bis Tjihorrai, wo das Gebiet von Sumedang
beginnt, das gleichfalls zu den Preanger Regentschaften gehört. Junghuhn
hatte dem Assistent-Residenten unsern Reiseplan mitgetheilt und für uns
seine Unterstützung erbeten, wie dies bei reisenden Regierungsbeamten
üblich ist, bevor sie eine neue Provinz betreten. Danach waren alle
Anordnungen getroffen mit einem Aufwand von Ehrenbezeugungen, von dem
man sich in Europa keine Vorstellung macht. An der Grenze erwartete uns
ein Trupp von dreissig uniformirten Reitern mit Fahnen. Sobald wir die
für uns bereit gehaltenen Pferde bestiegen hatten, setzte sich der Zug
in Bewegung. Es war ein schöner Anblick, als die bunt kostümirten Reiter
auf den schmalen Zickzackpfaden der Bergabhänge hinter Felsen und
Baumgruppen abwechselnd erschienen und verschwanden. An mehreren Stellen
waren neue Brücken über die Bäche geworfen. Der Weg führte östlich in
das Gebirge hinein. Als wir Malembong erreichten, empfing uns ausser der
Gamelangmusik, an die wir nun schon gewöhnt waren, auch noch ein
Sängerchor. Während der Abendmahlzeit entfalteten vor unserer Veranda
ein Paar tanzende Rongengs ihre Reize beim Scheine des Mondes und
einiger Dammarfackeln, von einem zahlreichen Zuschauerkreise umgeben,
während im Hintergrunde mehrere hohe vulkanische Gipfel in die klare
Luft emporragten. Die Tänzerinnen singen beim Tanzen javanische,
gewöhnlich improvisirte Strophen. Zuweilen kommt im Gesang etwas
ergreifend Wildes vor, das auch für europäische Ohren Reiz hat.

24. Juli. Von Malembong nördlich nach Pawenáng. Hier hält der Wagen
still. Ein Trupp Reiter wartet auf uns, um uns ins Gebirge zu begleiten,
worauf wir im Wagen den Weg nach Sumedang, der Hauptstadt des Distrikts,
fortsetzen. Auf allen Stationen steht für uns der Tisch gedeckt, das
Mittagessen fertig. Wir entscheiden uns endlich für Derma-radja, wo
wilder Pfau, appetitliche malayische Karis und mannigfaltige Sambals uns
anlockten.[73] Der Bedana, der hier die Honneurs machte, ein hübscher
junger Mann, war der Sohn und muthmassliche Nachfolger des Fürsten von
Garut. Seine Höflichkeit war zwar eben so gross, als die der übrigen
Bedanas, doch sprach sich dabei gleichzeitig unverkennbar eine gewisse
Vornehmheit aus. In Sumedang schickte der Regent seinen Wagen mit einer
Einladung zu einem malayischen Ballet, die mit Vergnügen angenommen
wurde, da seine Bedajas (Privattänzerinnen) die berühmtesten im ganzen
westlichen Java sind. Der Fürst, ein mit 36 Kindern gesegneter
Familienvater, von denen zehn oder zwölf der Jüngsten in reichen,
goldgestickten Kostümen anwesend waren, empfing uns in seinem Palast an
dem Ende eines langen Saales; er war äusserst liebenswürdig gegen seine
Gäste, und entwickelte dabei eine gewisse Frivolität, wie ich sie selbst
bei einem ~javanischen~ Muhamedaner nicht vermuthet hätte. Es fanden
sich noch mehrere Europäer ein, und als die Gäste vollzählig waren, gab
er das Zeichen zum Anfange.

Vier Tänzerinnen mit goldenem, helmartigem Kopfputz, oranienrother Jacke
ohne Aermel und einem blau und weiss gestreiften Sarong, der bis zum
Boden reicht, traten in zwei Paaren am andern Ende des Saales ein. Sie
hatten Lanzen in den Händen und gingen mit niedergeschlagenen Augen
feierlich um den ganzen Saal. Bei jedem Schritt machten sie Halt und
verneigten sich nach der einen und andern Seite. Sobald dieser Umgang
vorüber, schlug die Musik eine muntere Weise an, der ein lebhafterer
Abschnitt des Tanzes folgte. Der dritte Abschnitt stellte eine
Herausforderung dar. Die Tänzerinnen trugen dabei Pfauenwedel, mit denen
sie einander verächtlich berührten. Darauf folgte der Kampf, wobei Kris,
Pfeil und Bogen angewendet wurden; er schloss damit, dass zwei
Tänzerinnen, als die Besiegten, niedersanken. Der letzte Akt schien
Trauer und Reue über das Vorgefallene auszudrücken. Leider konnte keiner
der Anwesenden die Bedeutung des Tanzes genauer erklären. Jeder
Abschnitt hatte seine besondere Musik, die zuweilen sehr ergreifend und
hinreissend war, einige male fiel auch ein Sängerchor ein.[74] Der ganze
Tanz war ungemein feierlich und ist gewiss religiösen Ursprungs. Alle
Bewegungen waren graziös und ausdrucksvoll, aber gemessen; der Ausdruck
des Gesichts blieb immer schwermüthig und sehr ehrerbietig, drückte aber
eben so wenig die wirkliche Stimmung der muthwilligen Mädchen aus, als
das stereotype Lächeln unserer Ballettänzerinnen nach anstrengenden
Sprüngen dies thut. Die nackten Füsse waren sehr schön geformt, klein
und so wohl gepflegt, wie die Hände eleganter Damen. Zwei Mädchen hatten
recht hübsche Gesichter, alle waren wohl gewachsen. Wahrscheinlich
stammen diese Bedajas noch aus der Hinduzeit, auch erinnert der Kopfputz
sehr an die Wayangfiguren.

Bei dem Assistent-Residenten sah ich eine Sammlung auf Java gefundener
Alterthümer: Bronzen von zum Theil vorzüglicher Arbeit, die einen hohen
Zustand der Kunst verriethen (die aber vielleicht von ausserhalb
eingeführt waren), und eine Sammlung von Waffen, Geräthschaften und
Schmucksachen aus Kiesel, welche, wie ich erfahren habe, jetzt nach
Leyden gekommen sind, und als Proben eines unserer Steinzeit parallelen
Zeitalters auf Java von hohem Interesse für Archäologen sein dürften.



Drittes Kapitel.

    Reise nach dem Malabar. -- Cinchonenpflanzungen daselbst. --
    Cinchonenbau in Java und Vorderindien. -- Tischchen deck dich. --
    Bambus. -- Gärtnerei. -- Pangerango.


In Sumedang trennte ich mich von meinem bisherigen so gefälligen
Reisegefährten, kehrte nach Bandong zurück und schloss mich Herrn de
Vrij an, der eine Dienstreise nach Gedong-banteng, einer mitten im
Urwalde auf dem Malabar (nach Junghuhn: Malawar) angelegten
Chinapflanzung machte, die er aus Gefälligkeit bis zu meiner Ankunft
verschoben hatte. Die Ebene von Bandong wird im Süden zum grossen Theile
von den Vorbergen des Malabar begrenzt, der sich von einer sehr breiten,
fast quadratischen Basis in sanfter Neigung über 7000 Fuss erhebt. Im
Osten scheidet ihn das enge, gewundene Thal des Tjitarum von dem
Gebirgszug, auf dessen östlichem Abhang die früher besuchte Kawa-manuk
liegt, und dessen südliches Ende der Papandayan und sein grosser
Trümmerberg bildet. Der an der südöstlichen Ecke des Malabar im tiefsten
Urwald entsprungene Tjitarum wächst durch Aufnahme vieler Bergwässer so
schnell, dass wir vor der nordwestlichen Ecke desselben Berges auf einer
Fähre übersetzen mussten. Im Galopp ging es dem Berge zu. Ein kleiner
Schaden am Wagen war unterwegs schnell ausgebessert; Bambusen stehen
überall zur Hand, sie lieferten Schienen und Hebebäume; ein
gelbblühender Hibiscusbaum, den man auch gewöhnlich an der Strasse
findet, gab seinen zähen Bast zu Stricken. Der Javane trägt auf Reisen
stets sein Haumesser an der Seite; es ist in seinen Händen ein
Universalinstrument, vermittelst dessen er den Bambus allen seinen
Bedürfnissen anzupassen weiss. Den letzten Theil des Weges legten wir zu
Pferde zurück. Zuerst durch Kaffeegärten, dann durch Urwald reitend,
erreichten wir Tjiníruan, wo in 4820' Höhe eine Chinapflanzung angelegt
ist, deren nähere Besichtigung auf morgen verschoben wurde, da wir noch
vor Sonnenuntergang den Gipfel des Berges erreichen wollten. Die
Eingebornen nennen ihn Puntjak tuwan besar: „Gipfel des grossen Herrn”,
weil ihn der General-Guvernör im Jahre vorher gelegentlich eines Besuchs
der Chinapflanzungen erstiegen hatte. Dies ist auch der Grund, warum ein
bequemer Reitweg mitten durch den Urwald bis auf die Spitze führt, deren
Höhe nach einer oben aufgestellten Tafel 7200 Fuss beträgt und einen
grossartigen Rundblick gewährt: aus dichten, zum Theil nie betretenen
Wäldern, deren dunkles Grün im Norden durch die Kulturebene von Bandong
unterbrochen wird, steigt ein ganzer Kranz von Vulkanen empor.
Gunong-guntur und -papandayan sind mit Dampfsäulen geschmückt; eine
andere, die südwestlich aus dunklem Walde hervorbricht, bezeichnet die
Solfatara des Gunong-wayang; in grösserer Ferne erblickt man die Vulkane
Tjikorai, Gelungung, Gedeh, Tjerimai und Slamat. Mit einbrechender
Dunkelheit kehrten wir nach Gedong-banteng zurück, wo ein gemüthliches
Haus mitten im Walde für die Inspektoren der Chinapflanzungen steht. Wir
brachten einen höchst angenehmen Abend inmitten der grossartigen
Einsamkeit zu, die erst spät durch vier alte Rongengs gestört wurde,
welche der Distrikthäuptling aus besonderer Aufmerksamkeit gegen seine
fremden Gäste von weither herbeigeschafft hatte.

Am folgenden Tage besichtigten wir die Cinchonapflanzungen, die in
verschiedenen Höhen auf dem Malabar angelegt sind, sowie die
Gewächshäuser, in denen lange Reihen von Töpfen mit Stecklingen und noch
viel grössere Mengen von Bambusgefässen mit je einem Samen zum Keimen
aufgestellt waren. Ueberall war musterhafte Ordnung, Sorgfalt, ohne
Rücksicht auf Kosten, und das ernste Streben sichtbar, alle Hindernisse
zu überwinden, die sich bisher der Akklimatisation dieser werthvollen
Bäume entgegengestellt hatten. Das Ergebniss hat aber den aufgewendeten
Mitteln nicht entsprochen. Die Ursache wird mit Recht der Kulturmethode
zugeschrieben, doch liegt sie noch weit mehr im „Kultursystem”, durch
welches der Fehler, auf den man bei einem ersten Versuch gefasst sein
musste, so ausserordentlich vergrössert wurde. Die Engländer, die
mehrere Jahre später Cinchonen von Südamerika nach Indien brachten in
der Absicht, den Anbau derselben Privatleuten zu überlassen, hatten
einen überaus glänzenden Erfolg, der in diesem Maasse freilich nur durch
Zusammentreffen nicht vorherzusehender Umstände herbeigeführt werden
konnte. Ihre Aussichten waren aber gleich von vornherein viel günstiger:
denn im Fall des Misslingens hätte es sich nur um einen verfehlten
Versuch im Kleinen gehandelt, und für das Gelingen desselben war die
Wahrscheinlichkeit weit grösser als in Java; denn unter den vielen, über
die verschiedensten Lokalitäten vertheilten intelligenten Privatleuten,
denen man im Falle eines ersten Misslingens die Pflanzen zu weiteren
Versuchen überlassen haben würde, wäre es doch wohl dem Einen oder dem
Andern geglückt, eine passende Kulturmethode zu finden -- (genau so ist
es mit dem Theebau in Indien gegangen, der zuerst fehlschlug und jetzt
so glänzende Resultate giebt) -- und ebenso war die fortschreitende
Verbesserung der Methoden durch die Strebsamkeit vieler an der Kultur
Betheiligten gesichert. Die fast gleichzeitige Einführung der
interessanten Pflanzen in beide Länder, und die Verschiedenheit der
Ergebnisse, in Folge der verschiedenen befolgten Systeme sind
selbstredend. Als im December 1854 die ersten Cinchonen aus Holland in
Java eintrafen,[75] wurden sie von den Herren Hasskarl und Teysmann in
einer Lichtung auf dem Gedeh in 4400' Höhe gepflanzt. Die Wahl des Orts
war, wie spätere Erfahrung lehrte, eine sehr unglückliche. Die grosse
Trockenheit und grelle Sonne in so geringer Meereshöhe und der
felsharte, nur von einer dünnen Erdschicht bedeckte Untergrund wirkten
so verderblich, dass nach 18 Monaten nur noch 300 kränkelnde Pflanzen
übrig waren. Im Dezember 1855 brachte Junghuhn 139 im botanischen Garten
von Leyden gezogene junge Pflanzen nach Java und übergab sie Herrn
Hasskarl; sechs Monate später waren 76 davon todt. Im Juni 1856 nahm Hr.
Hasskarl wegen Krankheit seinen Abschied; Junghuhn erhielt selbst die
Leitung, zugleich kam Dr. de Vrij als Chemiker nach Java und wurde mit
bei der Chinakultur angestellt.[76] Nun begann ein neues System; Geld
wurde nicht geschont, und es wurde befohlen, dass die Kultur bis zum
völligen Gelingen unter der Leitung wissenschaftlicher Männer bleiben,
dann aber in den gewöhnlichen Betrieb der Provinzialregierungen
übergehen sollte. 1857 blühten einige C. Calisaya und C. Pahudiana, 1858
trugen sie Samen. Die Samen von C. Calisaya, einer anerkannt
vorzüglichen Art, reiften aber nicht in so geringer Meereshöhe, während
C. Pahudiana reichlich Samen lieferte und auch viel üppiger wuchs als
jene. Diese Umstände verleiteten Junghuhn, dem es darum zu thun war,
schnell eine grosse Menge Pflanzen zu erhalten, letztere fast
ausschliesslich zu kultiviren und die guten Arten zu vernachlässigen,
obgleich die C. Pahudiana jedenfalls von zweifelhaftem Werth war.
Hasskarl hatte sie als C. ovata bestimmt, Junghuhn, der den Fehler
entdeckte, nannte sie C. lacumaefolia, nach einer eingebildeten
Aehnlichkeit mit dieser Spezies von Pavon; erst Howard, der berühmte
Monograph der Cinchonen, erkannte sie als eine neue, unbeschriebene Art
und nannte sie dem General-Guvernör zu Ehren C. Pahudiana. Das
Hauptversehen in Java war die ungeheure Vermehrung dieser Art, die von
Markham durchaus werthlos genannt wird: auch wollte kein Händler ihre
1862 auf die Londoner Ausstellung gesandte Rinde kaufen. De Vrij's
Urtheil ist nicht ganz so ungünstig.[77]

Folgendes war Junghuhn's Kulturmethode: Blumentöpfe, aus
Bambusinternodien bestehend, wurden mit fein gesiebter Erde gefüllt und
im Innern des Waldes in Beete von aufgeschütteter Erde eingesetzt, die
an den Abhängen der Gebirge terrassenförmig angelegt waren. Ein Dach von
trockenem Grase, von Stangen getragen, hoch genug, um Seitenlicht
einzulassen, schützte die Töpfe gegen herabfallende Regentropfen. Diese
Saatbeete waren von 200-500 Fuss Länge und zogen sich in parallelen
Reihen, wie Stufen eines Amphitheaters, zwischen den Bäumen hin. Jeder
Topf enthielt nur einen Samen. Die Erde wurde immer feucht gehalten,
indem sie zweimal täglich durch Ausdrücken eines Schwammes angewässert
wurde. Die Töpfe blieben in den Saatbeeten stehen, bis die Pflanzen etwa
einen halben Fuss hoch waren, was ungefähr 8 Monate erforderte, und
wurden während dieser Zeit alle 5 oder 8 Tage gewendet, um das
Krummwachsen der Pflanzen zu verhüten.

Zum Zweck des Anpflanzens wurden einige schöne, gerade Hauptwege längs
der Bergkämme durch den Wald geschlagen und in Entfernungen von 25 Fuss
durch Querpfade verbunden. An den Seiten dieser Fusswege waren tiefe
Gräben gezogen und mit gesäuberter Erde gefüllt, so dass etwas erhabene
Bänke mit Rinnen zur Ableitung des Regenwassers entstanden. Die jungen
Pflanzen wurden in die lose Erde dieser Bänke gesetzt, worauf 4 starke
Pfähle in den Boden getrieben und 4 oder 5 Fuss über der Spitze der
Pflanze fest verbunden wurden. Dies sollte sie ein paar Jahre lang gegen
herabfallende Zweige, tropfendes Wasser und wilde Thiere schützen. Auf
diese Weise hatte man Tausende von Fusswegen durch die Wälder geschlagen
und mit Cinchonabäumen bepflanzt.

Junghuhn hatte den entgegengesetzten Fehler von Hasskarl begangen; man
weiss jetzt, dass sein Verfahren, die Pflanzen in den dichten Schatten
der Wälder zu setzen, ganz falsch war, da sie Luft und Licht bedürfen,
um reichlich Alkaloide zu bilden. Ebenso ist es jetzt ausgemacht, dass
die Behandlung der Samen der Grund war, warum so wenige keimten. Der
Versuch, die Pflanzen durch Stecklinge zu vermehren, gab in Java sehr
ungünstige Resultate, weil die Stecklinge viel zu gross waren. Wäre man
in Java auf die später von Mac Jvor in Ootacamund mit grossem Erfolg
angewandte Methode verfallen, zur Vermehrung sehr kleine Ableger und
Knospen zu benutzen, so könnte man dort jetzt Millionen von Calisayas
statt werthloser Pahudianas besitzen.

Der Cinchonabau begann in Java im Dezbr. 1854; im Dezbr. 1860 besass
man: 8346 C. Calisaya, 108 C. lancifolia, 939,827 C. Pahudiana, zusammen
948,281; ausserdem waren 700,264 Samen ausgesäet. Während die Holländer
nach 6 Jahren mit Ausnahme der fast werthlosen C. Pahudiana nur 8454
Pflanzen besassen, erzog Herr Mac Jvor, der Dirigent der Pflanzungen in
Ootacamund (Neilgherries) in wenig mehr als einem Jahr 9732 Pflanzen,
ohne mehrere Hundert zu rechnen, die nach Java, Kalkutta, Trovancore
gesandt wurden. Mac Jvor erlangte seine Erfolge durch eine der
beschriebenen gerade entgegengesetzte Methode; er hielt den keimenden
Samen sehr trocken, pflanzte die Sämlinge in grosser Meereshöhe und
vermied namentlich den tiefen Schatten der Wälder.

An offenen Stellen wachsen die Pflanzen gut, geben reichlich Samen,
bilden eine dicke Rinde, reich an Arzneistoffen, während sie im Schatten
von Waldbäumen dünn und schwach in die Höhe schiessen und wenig Chinin
entwickeln.[78] Es ist eine anerkannte Thatsache, dass alle
Cinchonaarten den höchsten Prozentgehalt an Alkaloiden liefern, wenn sie
in der grössten Meereshöhe wachsen, in der sie überhaupt noch gedeihen.
Die strauchartigen Pflanzen sind besonders ergiebig, wenn ihr
verkrüppelter Wuchs durch die grosse Meereshöhe des Standorts veranlasst
ist. Die Engländer haben sich daher entschlossen, die Cinchonen als
Sträucher zu kultiviren, etwa wie Zimmet, so dass jährlich geerntet
werden kann. Die holländische Methode, im Schatten hoher Waldbäume zu
pflanzen, weil die Bäume angeblich in ihrer Heimath so gefunden werden,
ist schon deshalb verwerflich, weil es 30 Jahre dauert, bis die Rinde
benutzt werden kann und sie immer sehr dünn und arm bleibt. Aber selbst
wenn sie dann reich an Alkaloiden wäre, so würde der Nutzen der
Einführung ein sehr fraglicher sein, denn die entfernte Möglichkeit
einer reichen Ernte nach 30 Jahren würde in gar keinem Verhältniss
stehen zu den enormen Ausgaben der ersten Anlage, und welcher Privatmann
möchte wohl jemals ein Produkt bauen wollen, das nur alle 30 oder 40
Jahre einen einmaligen Ertrag verspricht!

Ueber den Fortschritt der Chinakultur in Indien meldet das Athenaeum vom
6. Juni 1863: „Herr Mac Jvor hat im Vermehren und Aufziehen der
Cinchonen solchen Erfolg gehabt, dass die unter seiner Leitung stehenden
Pflanzungen jetzt in der Lage sind, Tausende von jungen aus Stecklingen
gezogenen Pflanzen[79] an öffentliche Gesellschaften abzulassen, die
sich gebildet haben, um sie für den Handel anzubauen”. Herr Howard
erklärt, dass alle von kleinmüthigen Botanikern gehegten Befürchtungen,
als würden in Ostindien künstlich gezogene Cinchonen nicht dieselben
Alkaloide enthalten, wie die in Südamerika natürlich gewachsenen, ohne
Grund sind;[80] er findet nicht den geringsten Unterschied. Herrn
Markham's Bemühungen sind also mit vollem Erfolg gekrönt worden.

Ausser auf mehreren Gebirgen Ostindiens schreitet der Anbau auch auf
Ceylon schnell fort und wird immer mehr Gegenstand der Privatindustrie,
da er grösseren Vortheil verspricht als der Kaffeebau. -- Herr de Vrij,
der die Cinchonapflanzungen in den Neilgherries im Nov. 1863 gründlich
untersuchte, theilt über Herrn Mac Jvor's Erfolge noch Nachstehendes
mit: Im April 1861 hatte M. J. 463 junge Pflanzen und 172 einen Monat
alte Sämlinge, zusammen 635. Durch Stecklinge und Knospen vermehrte er
sie so, dass ihre Anzahl am 31. Dec. 1863 277,083 betrug. Eine einzige
5' hohe Pflanze von C. Uritusinga, die Hr. Howard der englischen
Regierung geschenkt hatte, kam kränkelnd im April 1862 in Ootacamund an,
sie erholte sich Ende Mai und hatte Ende Decbr. 1863 bereits 6350 junge
Pflanzen geliefert. Mac Jvor fand ein Mittel, die Samen durchschnittlich
in 14 Tagen zum Keimen zu bringen. -- Derselbe hat Herrn de Vrij
brieflich mitgetheilt, dass er vor Ende Dec. 1865 im Stande sein werde,
zwischen 3000 und 5000 ℔ Chinarinde als Ertrag der Neddiwultum-Pflanzung
zu liefern, in welche im Herbst 1862 16000 Pflanzen ausgepflanzt wurden.
Nach dem englischen System, die Pflanzen als Sträucher auszubeuten,
verzinst sich das Anlagekapital nach höchstens 4 Jahren und giebt dann
zunehmenden Ertrag, so dass bereits viele Privatleute veranlasst worden
sind, diese Kultur für eigene Rechnung zu versuchen. Im Herbst 1861
wurde die weitere Vermehrung der C. Pahudiana auf Java durch
Regierungsbeschluss untersagt. Nach einem Bericht des jetzigen
Vorstehers der Chinakultur (Tijd. v. N. I. Febr. 1866) ist gegenwärtig
unter den Pahudianas grosse Sterblichkeit eingerissen, man scheint aber
nicht Lust zu haben, den Ausfall zu ersetzen; dagegen schlägt man
Oeffnungen in die Wälder, um den Calisayas Luft und Licht zu geben, und
ist bestrebt, diese zu vermehren; ihre Anzahl ist aber immer noch sehr
gering.

Nach Dr. Hooker's Berichte (Athenaeum 17. März 1866) sind von Ceylon
reife Cinchonensamen über Kew nach Jamaica, Trinidad, Mauritius, dem Kap
der guten Hoffnung, Queensland gesandt worden. In Trinidad und
Queensland werden die Calisayas schon mit vollständigem Erfolg
kultivirt. Den Holländern gebührt zwar das Verdienst, die Cinchonen
zuerst auf die östliche Halbkugel übersiedelt zu haben (ein früherer
Versuch der Franzosen, sie in Algier einzuführen, war misslungen), die
Engländer haben aber diese werthvollen Pflanzen eigentlich erst zu einem
Gegenstande des Landbaus gemacht und sie über fast alle Länder
verbreitet, in denen sie gedeihen können.

Bei einer Reise, die wir vom Malabar aus südlich unternahmen, war durch
ein Versehen des betreffenden Beamten keine Meldung vorausgegangen. Wir
fanden daher die Waldwege in ihrem gewöhnlichen Zustande. Acht Stunden
lang kletterten wir über schlüpfrige Thonrücken und erreichten
Pamorotan, das zur Frühstückstation bestimmt war, erst so spät
Nachmittags, dass die Weiterreise für heut aufgegeben werden musste.
Hier stand ein geräumiger, aber ganz verödeter Pasanggrahan, da
dergleichen Gebäude an so abgelegenen Orten nur, wenn ein Kulturbeamter
die Station besucht, für ihn eingerichtet werden. Weil wir nicht
angemeldet waren, stand alles leer. Einige Reiter, die uns begleitet
hatten, sprengten nach verschiedenen Richtungen, um etwas für unsere
Mahlzeit herbeizuschaffen; wir stiegen inzwischen das steile Ufer des
Tjilaki hinab und kletterten durch sein felsiges Bett unter riesigen
Waldbäumen umher. Diese Gegend ist sehr spärlich bevölkert. Dichter Wald
fasst den Fluss ein, der zwischen grossen Felsblöcken dahinrauscht. Es
herrschte grosse Einsamkeit, aber keine Stille. Wer plötzlich mit
verbundenen Augen dahin versetzt würde, könnte sich in der Nähe einer
grossen Fabrik glauben; so laut und gellend klang das Geräusch der
Insekten. Besonders unangenehm und alles übertönend war ein schriller
Laut, der täuschend wie das Geräusch einer Schleifmühle klang. Andere
Insekten schienen das Schnurren vieler hundert gezahnter Räder in
schneller Bewegung nachzuahmen. Das Tosen des Wassers vervollständigte
die Illusion. Nie wieder habe ich ähnlichen Lärm in einem Walde gehört.

Als wir nach kaum zwei Stunden den Pasanggrahan wieder betraten, fanden
wir Alles wie durch Zauber verändert. Das vorher so stille Gehöft war
jetzt voll Leben und Thätigkeit, und noch immer kamen neue Züge von
Kulis und trugen allerlei Gegenstände der Bequemlichkeit herbei. In den
Schuppen waren die Pferde der Häuptlinge untergebracht; auf dem Hofe
brannten mehrere Feuer, an denen emsig gekocht und gebraten wurde. Eine
grosse Anzahl Arbeiter waren beschäftigt, frisch gefällte Bambusen
vermittelst ihrer Haumesser in allerlei Möbel, Haus- und Küchengeräth zu
verwandeln. Zwei grosse bequeme Lehnstühle waren bereits vollendet, und
eben wurde die letzte Hand an einen Tisch gelegt, dessen Platte aus
Bambussplissen bestand. Als Leuchter dienten Bambusen von entsprechendem
Durchmesser, die einen Zoll hoch über einem Knoten abgeschnitten waren,
während das entgegengesetzte längere Ende in drei Theile gespalten,
auseinandergespreizt, durch Querstäbe verbunden und mit einem Stein
beschwert, den Fuss bildete. Andere Arbeiter waren beschäftigt, das Dach
auszubessern. In dem länglich viereckigen, vorher so unwohnlichen Raum,
der uns zum Aufenthalt dienen sollte, waren an beiden Enden durch bunte
Vorhänge zwei kleine Gemächer abgetrennt worden; in jedem stand bereits
ein Bett aufgeschlagen; der ganze mittlere Theil, unser Salon, war mit
weichen Pandanusmatten belegt, und sobald wir gebadet, wurde auf dem nun
vollendeten Tische ein vortreffliches Essen aufgetragen mit sehr
mannigfaltigem Dessert, worauf Kaffee mit Cognac folgte. Es war fast wie
das „Tischchen deck' dich” im Mährchen.

Je länger man in diesen Ländern verweilt, um so mehr wächst das
Erstaunen über die unzähligen nützlichen Verwendungen einiger Pflanzen,
unter denen der Cocospalme und dem Bambus wohl die erste Stelle gebührt.
Aus Bambus baut der Javane sein Haus, aus Bambus bestehen alle seine
Möbel; in einer Bambusröhre, die dabei zwar verkohlt, aber nicht
verbrennt, kocht er auf Reisen seinen Reis an einem Bambusfeuer, wenn er
nicht etwa vorzieht, junge Bambustriebe, die ein sehr schmackhaftes
Gemüse geben, darin zu kochen.

Wie schon mehrmals angedeutet, besteht oft das ganze Gerüst des Hauses
aus Bambus; die Wände aus plattgedrückten geflochtenen Halmen; die
Dächer werden zwar gewöhnlich mit Palmenblättern oder Gras gedeckt, aber
auch mit Bambusschindeln, die wie Hohlziegel gelegt werden. Einige mit
Wasser gefüllte, von der Dachfirste paarweise herabhängende geräumige
Internodien bilden einen stets bereiten Löschapparat. Schuppen, Ställe,
Scheunen, fast sämmtliches Ackergeräth, sowie der Zaun um das Gehöft,
bestehen aus Bambus.

In einem unter dem Dach horizontal aufgehängten, an einem Ende mit einem
Loch versehenen Halm siedelt sich die kleine stachellose Biene an, die
dem Javanen das Wachs liefert, das er, wie später beschrieben werden
soll, bei dem Färben seiner Sarongs gebraucht. Zuweilen ist in einem
ganzen Dörfchen kaum ein anderes Material verwendet; der zierliche Zaun,
der es umgiebt, die Thore an beiden Enden, mit erhöhten Bänken, auf
welchen die Wache lagert, alles ist aus Bambus; neben letzterer hängt in
mehreren Exemplaren ein eigenthümliches Instrument zum Fangen der Diebe
und Bösewichte; es besteht aus zwei armdicken Bündeln dünner
Seitenzweige des dornigen Bambus, die gabelförmig an einer Stange
befestigt sind und dazu dienen, den Verfolgten am Halse zu packen.

In vielen malayischen Ländern, wo der Fluss die einzige Strasse durch
den dichten Wald bildet, erheben sich am Ufer und namentlich an den
schlammigen Mündungen Gruppen von Hütten auf Pfählen (vergl. die Ansicht
von Rochor). Wie bei den alten Pfahlbauten sind sie häufig durch eine
gemeinschaftliche Gallerie verbunden. Wenn nicht zu den Pfählen
Palmenstämme (gewöhnlich Caryota urens) verwendet sind, so besteht Alles
aus Bambus. Nirgends springt einem die Bequemlichkeit des Lebens der
Tropenbewohner mehr in die Augen, als in dergleichen Ansiedelungen.
(vergl. S. 50 unten.)

Fast die ganze mehrere hunderttausend Seelen betragende Bevölkerung der
Hauptstadt von Siam lebt in Häusern, die auf Bambusflössen schwimmen,
und in meilenlangen Reihen zu beiden Seiten des Flusses und der Kanäle
am Ufer festgemacht sind. Gefällt Einem seine Nachbarschaft nicht, so
schwimmt er mit der Ebbe oder Fluth stromab- oder aufwärts.

Für alle Arten von Gestellen, Gerüsten, Gittern, Rahmen ist der Bambus
unübertrefflich; ausser der gewöhnlichen Leiter erhält man eine etwas
weniger bequeme, aber viel tragbarere durch blosses Einhauen von Löchern
in den Halm. Er liefert ebensowohl die zierlichen Käfige für kleine
Singvögel oder Prachtkäfer, als auch die grossen, in denen bei
Festlichkeiten Tiger und Büffel kämpfen. Soll in Hongkong ein grosses
steinernes Haus gebaut werden, so führt man erst ein den äusseren
Umrissen ähnliches grösseres Gebäude aus Bambus auf, und deckt es mit
Bambus- oder Palmenblättern, unter deren schützendem Dache dann die
Arbeit, unbehindert durch Regen oder Sonnengluth, um so schneller
fortschreitet. Steinerne Theater sind, wie ich glaube, in ganz China
nicht vorhanden; selbst das Theater in Canton, das eine grosse
Zuschauermenge fasst, bestand nur aus Bambus.

Allerlei Hausrath, Stühle, Tische, Webestühle, Betten sind von Bambus;
das lange krause Geschabsel dient zum Polstern; kühlere und elastischere
Kissen erhält man, indem man eine feine Bambus- oder Rotangmatte über
zwei in ihren Mittelpunkten an den Enden eines Stabes befestigte
Scheiben straff spannt. Nicht nur die Hütte der Armen ist mit Bambus
möblirt, auch in der Wohnung des Reichen findet man ihn in Form bequemer
Schlummerstühle und in allerlei zierlichen Geräthschaften wieder. Vor
der Veranda hängen Rollvorhänge aus feingespaltenen, durch Seidenfäden
an einandergeknüpften Stäbchen, die zwar die Luft durchlassen, aber,
namentlich wenn sie dunkelgrün gefärbt sind, das Licht angenehm dämpfen.
Dort findet man auch die zierlichsten Körbchen und künstlich geschnitzte
Becher. Die lackirten Bambusdosen von Birma sind berühmt und in
Palémbang überzieht man Körbe aus dünnen Bambusspähnen mit einem Lack,
der so elastisch ist, dass man sie völlig umstülpen kann, ohne dass
Sprünge entstehen.

Ein Span von keilförmigem Querschnitt, dessen scharfe Kante von der
kieselreichen äusseren Schicht gebildet wird, giebt ein sehr scharfes
Messer; bei den feinen Piña-Webereien benutzt man nie ein anderes. Auch
zu chirurgischen Operationen wird es verwendet. Dieselbe äussere Schicht
liefert aber nicht nur ein scharfes Messer, sondern auch einen sehr
wirksamen Wetzstein, um eiserne Messer zu schärfen.

In China wird das meiste Papier aus Bambus erzeugt, auch das in Europa
für Kunstdrucke so geschätzte. Bei den Pinseln, die in China die
Schreibfedern vertreten, bestehen die Schäfte aus Bambus; gröbere Pinsel
macht man sich leicht, indem man das eine Ende eines Bambussplints so
lange mit dem Hammer klopft, bis sich die einzelnen Längsfasern
trennen.[81]

Für die Jagd und den Krieg liefert der Bambus Blasröhre, aus denen
vergiftete Pfeile geschossen werden, Pfeilschäfte und Pfeilspitzen,
Lanzen, Palissaden, spanische Reiter, auch Fusslanzen (6'' bis 2' lange,
zugeschärfte Bambusspiesse, die so in den Boden gesteckt werden, dass
nur die Spitzen hervorragen, welche mit Spreu oder lockerer Erde
bedeckt, dem barfüssigen Feinde gefährliche Wunden beibringen). Der
Dornenbambus, eine bis 40' hohe, sehr dickbuschige, vielverzweigte,
überall mit scharfen Stacheln bewehrte Art, bildet einen
undurchdringlichen Wall, gegen den selbst Artillerie kaum etwas vermag,
so dass die Holländer, durch ihre Erfahrungen im Kriege gegen die Padrys
auf Sumatra belehrt, ihn jetzt immer um ihre eigenen Festungen pflanzen.

[Illustration: BAMBUSBRÜCKE. JAVA.]

Dem Fischer liefert der Bambus unübertreffliche Flösse, Masten,
Segelstangen, Spreitzen für Mattensegel, Reusen, Fangkörbe, Speere zum
Spiessen grosser Fische und „Ausleger”, um sein schmales Boot gegen
Umschlagen zu schützen. Zu diesem Zwecke wählt man etwas bogenförmige
Halme, die dem Boot parallel, die konvexe Seite nach unten, in
Entfernung einiger Ellen vermittelst zweier Querstangen befestigt
werden. Je nach der Stärke des Windes taucht das Rohr auf der Leeseite
mehr oder weniger tief ein und stützt das Fahrzeug. Die Verwendung des
Bambus zu Brücken geht am besten aus den Zeichnungen hervor,[82]
ausserdem aber baut man auch solche, die flossartig im Wasser liegen. In
Bambusen, deren Enden in einander gefügt sind, leitet man das Wasser
grosse Strecken weit über Berg und Thal.

Eine kletternde, sehr zähe, dünne Art liefert gespalten, allerlei feines
Flechtwerk, auch Stricke, sogar Säcke. Ja selbst Jacken machen die
Chinesen aus einer kleinen Art, indem sie die Seitentriebe von der Dicke
eines Rabenkiels in halbzoll lange Stücke schneiden, wie Schmelzperlen
auf Fäden ziehen und zu quadratischen Maschen verknüpfen. Chinesische
Stutzer tragen gern dergleichen Jacken auf dem blossen Körper, um ihr
weisses baumwollenes Gewand gegen Schweiss zu schützen. Aus
Bambusblättern bestehen die Regenmäntel der Armen und die groben
Regenschirme der Höker. Die unter dem Namen Pfefferrohr in Deutschland
bekannten Stöcke und Regenschirmstiele sind Bambus. Bei den chinesischen
und japanischen Schirmen besteht das ganze Gestell aus Bambussplissen,
und der Ueberzug aus gefirnisstem Papier.

Geht man in den Wald auf eine Exkursion, so sind die Kulis schwer zu
bewegen, Tragkörbe mitzunehmen, da eine Bambuse alles Nöthige liefert,
um Körbe, Kiepen, Tragen u. s. w. in kürzester Zeit zu flechten. Zur
Bewahrung kleiner oder flüssiger Gegenstände dienen unmittelbar die
Internodien. Auch die amtlich geaichten Maasse für Flüssigkeiten und
Körner bestehen daraus.

In einem Bambusbusch stecken Musikinstrumente für ein ganzes Orchester.
Am naheliegendsten ist die Verwendung zu Flöten und Pfeifen, Wie die
Mintras Gitarren daraus machen, ist bereits erwähnt. Auch die
abscheuliche chinesische Fidel „hii-ïeng” besteht aus Bambus. (In ein
3-4'' langes, 2'' dickes, an einem Ende mit einer Schlangenhaut
trommelartig bespanntes Rohr, welches den Körper der Geige bildet, ist
seitlich ein etwa 2' langer Bambusstock eingelassen, an dessen oberem
Ende die Wirbel für zwei Saiten angebracht sind; der Steg steht auf der
Schlangenhaut.) Ein sehr angenehmes Instrument dagegen ist das Anklong,
bestehend aus einer Anzahl Rohre von graduirter Länge, die an einem
Gestell hängen und durch Aneinanderstossen in tönende Schwingungen
versetzt werden. Logan erwähnt einer Art Aeolsharfe, die er in Naning
sah und den Triumph der malayischen Kunst nennt: „Denn was könnte
kühner und sinnreicher sein als der Gedanke, einen ganzen Bambus frisch
aus dem Walde 30-40' lang durch einfaches Einschneiden einiger Löcher
in ein musikalisches Instrument zu verwandeln.”

Für religiöse Zwecke liefert der Bambus auf den Philippinen Kirchen,
Kapellen und Kreuze. (Für die Erziehung ist der Rotang beliebter und
wird stark benutzt. Das Sprichwort sagt: für jeden Indier, der geboren
wird, spriessen im Walde tausend Rotangs auf.) Die Chinesen schneiden
aus seinen knorrigen, struppigen Wurzeln phantastische Figuren für den
Tempel und den Hausaltar. Aus Bambuswurzeln bestehen auch die
eigenthümlichen Wurfhölzer in den Tempeln, durch welche die Chinesen das
Schicksal befragen, um aus der Art des Fallens auf den Erfolg einer
Unternehmung zu schliessen; in ihrer Zudringlichkeit werfen sie aber die
Hölzer so lange, bis sie endlich eine günstige Antwort erhalten.

Auch als Feuerzeug ist der Bambus in Gebrauch, und wohl allen andern bei
den Wilden üblichen Feuerzeugen vorzuziehen. Man spaltet einen recht
trockenen Halm von 2-3' der Länge nach in der Mitte, schabt aus den
inneren Wandungen die silberglänzende weiche Haut und das weiche Holz so
fein als möglich und rollt das Geschabsel zu einer losen Kugel zusammen,
die auf den Boden gelegt und mit der einen Hälfte des Halms bedeckt
wird, so dass sie oben gegen die Wölbung drückt. Von der andern Hälfte
spaltet man dann noch einen Streifen ab, so dass ein fast flaches
lattenförmiges Stück zurückbleibt, dessen eine Seite zugeschärft wird.
Mit dieser Seite geigt man auf dem Bambus, der von einem Begleiter oder
durch Pflöcke festgehalten wird, gerade über der Stelle, wo das feine
Geschabsel liegt, hin und her, indem man allmälig den Druck und die
Geschwindigkeit steigert. So entsteht ein Einschnitt quer durch die
Längsfasern, die Wärme wächst bei der starken Reibung sehr schnell, und
in dem Augenblick, wo das Gewölbe durchschnitten ist, entzündet sich das
verkohlte Holzpulver zu Funken, die in den darunter liegenden
Faserballen fallen und durch vorsichtiges Blasen allmälig zu einem
Flämmchen genährt werden. Der Versuch ist leicht anzustellen und gelingt
jedesmal, wenn alle Vorbereitungen richtig getroffen sind.

Endlich möchte ich noch einer schrecklichen Todesstrafe erwähnen, die
früher auf Bali in Gebrauch gewesen sein soll. Die Bambusen wachsen
ausserordentlich schnell und dringen mit sehr harten kieselreichen
Trieben, die wie Spitzkugeln geformt sind, aus dem Boden. Es wird
erzählt, dass man, nachdem die längeren Halme entfernt worden, den
Verbrecher horizontal über den Stumpfen aufspannte, um ihn von den
jungen Trieben durchwachsen zu lassen.

Manche Bambusarten haben sehr dicke Wände im Verhältniss zu ihrem
Durchmesser, andere sehr dünne, bei grossem Umfang. Auf dem Abhang des
Semeru (Ost-Java) mass ich sehr dünnwandige Bambusen von 70' Länge und
26'' Umfang an der Basis (Junghuhn giebt deren von 1' Durchmesser an),
die bis zur Spitze mit Wasser gefüllt waren. Diesem Wasser wird eine
besondere Heilkraft zugeschrieben. In demselben lebt ein kleines
krebsartiges Thier, das die Javanen Ikanwadr nennen, ich aber leider
nicht auffinden konnte. Noch grössere Heilkraft schreibt man den
Kieselkonkretionen zu, die sich in manchen Bambusen bilden und unter dem
Namen Tabaschir oder Bambuskampfer in den Handel kommen. Die grosse
Rolle, die der Tabaschir in der chinesischen Medizin spielt, verdankt er
wohl, wie die Bezoarsteine, seiner spontanen Entstehung. Auch als
Polirmittel wird der Tabaschir gebraucht; grosse Quantitäten gehen nach
Arabien, ihre dortige Verwendung konnte ich aber nicht ermitteln.

Von der Schönheit einer auf offenem Felde oder auf einer Anhöhe
freistehenden Bambuse, deren oben reich befiederte Halme sich bei
Windstille nach allen Seiten gleichmässig zur Erde neigen, wie die
Wassergarbe eines Springbrunnens, kann man sich nach den verkümmerten
Exemplaren in den Ecken unserer engen Treibhäuser unmöglich einen
Begriff machen. Sie übertrifft sowohl die Palme als den Baumfarn an
landschaftlicher Schönheit. Es wäre ein würdiger Versuch für einen
reichen Gartenfreund, seinen Rasenplatz mit einer Bambusgruppe zu
schmücken. Ein gemauertes, durch Röhren heizbares Becken, mit einem im
Sommer abzunehmenden Glashause würde genügen; vielleicht wären selbst
einfachere Vorrichtungen ausreichend. (Im Garten der Fürstin Butera bei
Palermo sah ich Bambusen im freien Lande, es war aber keine schöne Art.)
Rings um die Mittelgruppe könnte man niedrigere Arten mit goldgelben und
gelb und grün gestreiften Halmen setzen, deren es äusserst zierliche
giebt. Die Auswahl ist endlos; die Dicke schwankt zwischen 1 Fuss und
wenigen Millimetern, die Höhe erreicht 70-80', abgesehen von den
kletternden, welche viel länger werden; die Farbe umfasst sehr
verschiedene Töne von grün und gelb; es giebt auch gestreifte, gefleckte
und schwarze; und es trifft sich glücklich, dass gerade die schönste
aller Bambusarten im nördlichen China in einem Klima wächst, das von dem
Süd-Europas nicht allzu verschieden ist. R. Fortune, der in diesem Punkt
gewiss kompetent ist, glaubt wenigstens, dass sie in Süd-Frankreich,
Italien und ähnlichen Gegenden im Freien gedeihen möchte. Er sagt von
ihr (Residence among the Chinese pg. 189): „Die Mau-tschok ist die
schönste Bambuse der Welt -- 60-80' hoch, Stamm gerade, glatt, astlos
bis auf 20 oder 30' vom Boden, der obere, belaubte Theil so leicht und
gefiedert, dass er die Reinheit des Stammes nicht beeinträchtigt.” Wie
alle andre Arten dieser Gruppe wachsen sie sehr schnell und erreichen
ihre volle Höhe in wenigen Monaten; man sieht sie fast wachsen, wie man
zu sagen pflegt. Fortune, der häufige Messungen in den chinesischen
Bambuswäldern anstellte, fand, dass eine gesunde Pflanze 2 - 2-1/2' in
24 Stunden wächst, und zwar Nachts am schnellsten. Selbst im Treibhause
ist ihr Wachsthum enorm. Hr. Inspektor Bouché berichtet, dass eine im
freien Grunde des Palmenhauses im Berliner botanischen Garten stehende
Bambusa verticillata vom 22. Juni bis Anfang Oktober 38' emporschoss.
Vom 28. Juni bis 4. August wurde sie täglich gemessen und wuchs 10' in
38 Tagen, also durchschnittlich 3-1/2 Zoll, an einzelnen sehr warmen
Tagen aber 7, ja sogar 9 Zoll.

Bald nach unserer ersten Reise hatte ich das Vergnügen, Hrn. de Vrij
nach Tjibodas am Gedeh zu begleiten, wo die bereits mehrmals erwähnte
erste Cinchonapflanzung auf Java in 4400' Höhe von Hasskarl und Teysmann
angelegt worden war. Bei dem Gärtner in Tjipanas, das an demselben
Abhang 1100' tiefer liegt, fanden wir diesmal gute Aufnahme und
angenehme Gesellschaft aus Batavia, die sich in der hiesigen
Frühlingsluft von den Strapazen der heissen Hafenstadt erholte. Man kann
sich kaum einen angenehmem Aufenthalt denken, um Geist und Körper zu
erfrischen. Daher würde der Ort von den Bataviern noch viel zahlreicher
besucht werden, wenn nicht die sehr hohen Reisekosten und das strenge,
lästige Passwesen für sie ein Hinderniss wären.[83]

Die Gärtnerei ist nicht auf die unmittelbare Umgebung von Tjipanas
beschränkt, sondern zieht sich mehrere tausend Fuss höher den Berg
hinan, wodurch es möglich wird, viele Kultur- und Zierpflanzen aus
kälteren Breiten zu bauen. Artischocken, Spargel, Tomaten und andere
feine europäische Gemüse, die in Singapore nur als Leckerbissen aus
Blechbüchsen auf die Tafel kommen, bildeten den Hauptbestandtheil der
Mahlzeiten; Erdbeeren waren in grösster Fülle vorhanden und wurden nach
andalusischer Sitte mit Apfelsinensaft gegessen. Europäische Fruchtbäume
sind zwar auch höher oben am Berge gepflanzt und tragen das ganze Jahr
Blüthen und Früchte, doch bleiben letztere meist ungeniessbar, weil den
Bäumen die unsern Wintern entsprechende Ruhezeit fehlt. Am
schmackhaftesten sind noch die Aepfel, am ergiebigsten die Pfirsiche,
die aber nur gekocht zu geniessen sind; Erdbeeren wachsen so üppig, dass
weiter oben grosse Flächen damit bedeckt sind. Nach ihnen ist ein Gehöft
in etwa 4000' Höhe Arrebe benannt; so sprechen die Malayen das
holländische „Aardbei” aus. Man kommt an mehreren Cinchonapflanzen
vorbei, die Junghuhn von Tjibodas aus hierher versetzte, nicht nach dem
Malabar, wie Markham irrthümlich angiebt. Schöne, bequeme Reitwege
führen nach verschiedenen Richtungen, -- auch bis zum Gipfel des ganzen
Gebirges, nach Junghuhn Mandellawangi, gewöhnlich aber wohl Pangerango
genannt, auf welchem jetzt ein geräumiges, heizbares Bretterhaus steht,
wo man die Nacht zubringen kann. Die Reitpferde sind billig und gut und
können unterwegs gewechselt werden, so dass selbst Damen diesen 9230'
hohen Gipfel fast ohne alle Anstrengung erreichen können. Gruppen
riesiger Rasamalas, Baumfarne und Orchideen (die köstliche Vanda
suaveolens findet sich nirgends in grösserer Fülle) folgen auf einander,
und höher hinauf leuchten schon aus der Ferne die grossen rothen oder
gelben Blüthenbüschel des Rhododendron Javanicum, das hier gewöhnlich
epiphytisch vorkommt. Vor Kandang-badak überschreitet man auf einer
Brücke einen heissen Sturzbach, der dampfend in den Abgrund fällt. Bald
darauf kommt man an einem grossen Erdsturz, einer Scene wilder
Verwüstung, vorüber: auf einem weiten Raum wächst keine Pflanze, enorme
Felsblöcke und Schutt bedecken die Oberfläche, dazwischen liegen grosse
zertrümmerte Baumstämme und eine hohe, senkrechte Wand, ohne eine Spur
von Pflanzenwuchs, zeigt den Ort, wo sich die Erde abgelöst und dass das
Ereigniss vor Kurzem stattgefunden hat. Vom Gipfel des Berges hat man
einen ausgezeichnet schönen und weiten Umblick, dessen interessantesten
Theil der grosse Gedehkrater bildet, der mit seinen terrassenförmigen
Gesteinsbänken wie ein ungeheures antikes Theater vor dem Beschauer
liegt.



Viertes Kapitel.

    Vulkan Tankubang-prau. -- Kostbare Waffen. -- Tiger. -- Kawali. --
    Schirme. -- Fest in Pandjalu. -- Ausbruch des Gelungung. --
    Büffelkarren. -- Teakholz. -- Kindersee. -- Universalmittel. --
    Pfahldorf. -- Zimmet. -- Loro-kidul. -- Essbare Vogelnester und
    abergläubische Gebräuche beim Einsammeln derselben. -- Kampf
    zwischen Tiger und Büffel. -- Tigerstechen. -- Reise nach dem
    Slamat. -- Rhinozerosse.


Ich kann nicht läugnen, dass die bisherige Art zu reisen mir
ausserordentlich gefallen hatte, und als mir im Verkehr mit den
liebenswürdigen Männern, deren Gesellschaft ich genoss, jeden Tag die
Aussicht auf neue Wunder eröffnet wurde, die das Innere der Insel bergen
sollte, wurde mein Entschluss, mich auf einen Ponyritt durch die
Preanger Lande zu beschränken, allmälig wankend. Ich liess mich ohne
grosse Schwierigkeiten bereden, die reichen Mittel zu benutzen, die mir
der General-Guvernör mit so glänzender Liberalität zur Verfügung
gestellt hatte. Junghuhn, der mir namentlich sehr zuredete, arbeitete
für mich einen Reiseplan aus, der alle Gegenstände einschloss, die mir
von besonderem Interesse waren. Die Punkte der bemerkenswerthesten
geologischen Erscheinungen bildeten darin die Hauptmomente und waren
durch solche, welche ethnologische Eigenthümlichkeiten, malerische
Landschaften, kulturhistorische Monumente, charakteristische
Vegetationsbilder, interessantes Volksleben darboten, zu einer Kette
verknüpft, die von Lembang ausgehend, sich durch den südlichen,
gebirgigen Theil der Insel zog und dann durch das flache, nördliche
Gestadeland zurücklief. Alle hervorragenden Erscheinungen, die Junghuhn
während seiner 20jährigen, oft unter grossen Entbehrungen und Strapazen
ausgeführten Wanderungen kennen gelernt, sollte ich nun, mit allen
Bequemlichkeiten versehen, an mir vorübergleiten lassen. Jedem Tag hatte
er ein besonderes Blatt gewidmet, auf dem alles Interessante der
betreffenden Strecke verzeichnet war, immer mit Hinweis auf die
entsprechende Stelle in seinem Handbuch und Anführung der Seitenzahl. Ja
sogar Erholungsstationen an schönen Kraterseen oder in hoch gelegenen
Pasanggrahans waren hinter den anstrengenderen Exkursionen
eingeschaltet. Rechne ich dazu noch die selbst für Indien fast
unglaubliche Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit, die mir ohne
Ausnahme während der ganzen Reise zu Theil wurde, so glaube ich wohl
annehmen zu dürfen, dass noch Niemand diese schöne Insel unter
angenehmeren Verhältnissen durchstreift hat. Mit jedem Tage wuchs meine
aufrichtige Verehrung für Junghuhn. Wer nicht an Ort und Stelle, sein
Buch in der Hand, das Geschriebene geprüft, wird sich keine Vorstellung
machen können von der Genauigkeit der Beschreibung und der Klarheit, mit
der die Verhältnisse aufgefasst sind. Als er die Materialien zu diesem
Werk sammelte, fand er nur geringe Unterstützung. Mit hoher,
wissenschaftlicher Befähigung, seltenem Fleiss und eiserner Ausdauer
ausgerüstet, gab ihm seine leidenschaftliche Liebe zur Natur die Kraft,
Schwierigkeiten zu überwinden, die für die meisten unübersteiglich
gewesen wären. Mein eigenes Urtheil über ihn kann wohl nicht
unparteiisch sein, darum habe ich in Obigem nur die allgemeine Ansicht
über seine Leistungen wiederholt.

Zum Abschied machte ich mit Junghuhn noch eine Exkursion auf den
Tankubang-prau, den berühmten von zwei grossen Kratern durchbohrten
Vulkan, an dessen Fuss Lembang liegt. Nach einigen Stunden erreichten
wir unsere Hütte, die an der Stelle aufgeschlagen war, wo die beide
Krater trennende Wand im Süden die gemeinschaftliche Ringmauer trifft.
Von hier hätten wir einen Einblick in beide Schlünde haben müssen; aber
dichte Nebel verbargen jede Aussicht und liessen nur einige in unserer
Nähe stehende vermodernde Thibaudienstämme mit knorrigen phantastisch
ausgereckten Aesten erkennen. Aus dem Boden des Kraters, in mehr als
1000' Tiefe, hörte man das Sausen der aus den Spalten hervordringenden
Wasserdämpfe. Der links im Westen gelegene Kessel heisst Kawa-upas
(Gifthöhle), der im Osten gelegene Kawa-ratu. Der Boden des letzteren
liegt viel tiefer als der der Kawa-upas und war früher einmal von einer
grossen Menge kleiner Seen bedeckt, daher sein Name „ratu” = tausend
(Seen?). Bis auf einige kleine Schlammpfützen ist er jetzt trocken und
flach, mit einer erhärteten feinen Thonschlammkruste bedeckt, die über
ihren Ursprung durch Absetzen aus stehendem Wasser keinen Zweifel lässt.
An vielen Stellen hat der hervorbrechende Wasserdampf kleine
Schlammkegel von anderthalb Fuss Höhe gebildet, aus welchen er zischend,
wie aus einer Dampfmaschine, in einem weissen Strahle hervorbricht.
Ueberall, wo man mit dem Stock durch die dünne Kruste stösst, brechen
Dämpfe mit Gewalt hervor. An einem Wasserriss der Nordwand sieht man
eine interessante Erscheinung: die aus grobem Schutt gebildete Wand
enthält in unregelmässigen Zwischenräumen, horizontal über einander
gelagerte, aus feinen Schichten bestehende Thonkrusten, genau von
derselben Beschaffenheit wie die, welche jetzt den Boden des Kraters
bedecken. Sie zeigen die früheren Höhen des Seebodens an und auch sein
periodisches Verschwinden und Entstehen. Der gegenwärtige Kraterboden
war von dieser Stelle nicht sichtbar, mochte aber wohl 200' tiefer
liegen. Auf dem Grunde des westlichen Kessels, Kawa-upas, der über die
Zwischenwand leicht zu erreichen ist, hatte sich in der Südostecke,
gerade am Fuss des steilen Zwischenrückens, ein kleiner von oben nicht
sichtbarer See gebildet, der bei Junghuhn's letztem Besuch nicht
vorhanden war. Seine Länge betrug 135', die Breite etwa 50', er
unterspülte den Fuss der Gebirgswand; aus der dicht mit grossen
Schwefelzapfen ausgekleideten Höhle am jenseitigen Ufer brach mit
starker Entwickelung von Schwefelwasserstoff, hoch aufsprudelnd, das von
Thonschlamm und Schwefelblumen gelbgrau gefärbte Wasser hervor. Das
Metallikpapier meines Notizbuchs und das Silbergeld in meiner Tasche
bräunte sich schnell. Im westlichen Theil dieses Kraters liegt ein
zweiter von oben sichtbarer grösserer See, dessen blaugraues, stilles
Wasser durch den Kontrast mit jenem ganz lieblich erscheint. Kaum hatte
ich die Hütte auf dem Gipfel wieder erreicht, als es heftig zu regnen
begann. Junghuhn hatte unterdessen von dort aus einige photographische
Bilder beider Krater aufgenommen. --

Inzwischen war aus Batavia eine grosse Karosse mit Klapptritt und Wappen
für mich angekommen, sehr geeignet zum Visitefahren für eine alte
Generalin, aber nicht für meine Zwecke. Ich kaufte daher einen leichten
Reisewagen und verabschiedete mich nach mehreren kleineren Exkursionen
von Lembang, wo ich einige mir unvergessliche Tage zugebracht hatte, um
am folgenden Morgen selbstständig meine Reise nach Osten anzutreten.

[Illustration: BEDAJAS VON BANDONG. JAVA.]

Abends liess der Regent von Bandong seine Bedajas vor uns tanzen und
zeigte uns seine kostbaren Waffen. Die goldene Scheide des einen Kris
war ganz mit Diamanten besetzt; aber ausser dem sichtbaren besassen
manche Klingen einen noch höheren verborgenen Werth durch die ihnen vom
Aberglauben beigelegten Eigenschaften; es giebt Klingen, die ihren
Besitzer unverwundbar und unüberwindlich machen, andere sind hoch
geschätzt, weil sie vor Alters irgend eine berühmte That vollbracht
haben. Der obere Theil der Scheiden bestand bei fast allen aus dem
kostbaren Holze, das sich beim Absterben eines in Bantam wachsenden
Baumes, ~Tankollo~,[84] im Innern des vermodernden Stammes, auf dieselbe
Weise, wie das duftende Agalloche, bildet; es war gelb mit braunen oder
schwarzen Flecken, sogenannten Flammen, deren Gestalt und Farbe seinen
Werth bedingen. Für ein kaum handgrosses Stück, welches die Mündung
einer Krisscheide bildete, hatte der Vater des Regenten 200 Gulden
bezahlt. Einfacher, aber wegen ihrer Leistungen von dem aufgeklärten
Fürsten allen andern vorgezogen, waren zwei Jagdmesser, von der Art, wie
sie bei den bereits erwähnten Hirschjagden gebraucht werden. Diese
Klingen, welche die Rippen eines Hirsches wie dünnes Holz
durchschneiden, kommen aus dem Lande Ssalingri, dessen Eingeborne
ausserordentlich geschickt in Bearbeitung des Eisens sind. Ich fragte
den Regenten, in welchem Winkel des Archipels das Land läge? „Oh weit,
weit!” antwortete er, indem er mir das Messer reichte, das den Stempel
„Solingen” trug.

Am folgenden Tage reiste ich ab, zunächst nach dem Vulkan Tampomas. Fast
alle Tage hatten wir jetzt heftigen, lange anhaltenden Regen, obwohl wir
uns eigentlich mitten in dem trockenen Monsun befanden. Vom Tampomas
ging es nach Malembong, von bewaffneten Reitern begleitet, da es hier
viele Tiger giebt. An einer Kaffeeplantage kam uns ein Zug von 600 Kulis
entgegen, deren jeder zwei Körbe voll Kaffee trug, zusammen 75 Pfund
wiegend; die Enden der Traghölzer waren mit kleinen Fähnchen geschmückt,
manche auch mit hölzernen Glocken, deren Klang auf den schmalen
Bergpfaden an den Kuhreigen erinnerte. Nach Besichtigung einiger von
Junghuhn beschriebenen Kalksprudel und einer kleinen Kieselquelle
beschlossen wir den heissen Tag mit einem herrlichen Ritt über die mit
kurzem Gras bewachsenen Hügel, die sich hier im Westen des Tjitandui
ausbreiten. Auf muntern Bergpferden ging es im Galopp, von einer Schaar
Reiter mit Lanzen begleitet, bergauf, bergab. Unterwegs sprang ein
junger Tiger auf, und eilte lange vor uns dahin, bevor er einen Busch
fand, um sich zu verbergen. Bei Putjaran durchfurtheten wir im Angesicht
des Sawalberges den Tjitandui, in welchem die zahlreichen, nach allen
Himmelsrichtungen auseinander fliessenden Bäche dieses Berges
schliesslich ein gemeinsames Bett finden, so dass das hier bei seinem
ersten Zusammentreffen mit dem Sawal noch so unbedeutende Flüsschen,
bald nachdem es die SO-Ecke desselben Berges verlassen, schon schiffbar
wird. Wir ritten um die NW-Ecke, dann östlich bis zum schönen See
Pandjalu, der sehr fischreich und frei von Krokodilen ist, so dass man
nach Herzenslust darin schwimmen kann; in seiner Mitte liegt eine kleine
wie ein Garten gehaltene Insel.

Am folgenden Morgen schickte der Regent von Galu einen Wagen nebst
seinem „Pati,” einem alten würdigen Herrn, der nur meinetwegen das
Ungemach der Reise ertragen musste. Der Opziener (Aufseher) von Pari kam
zu Pferde an, stellte sich zur Verfügung und gab mir viele Auskunft über
die Kaffeepflanzungen, die wir zusammen besichtigten. Neun Paal von hier
liegt Kawali, ein wegen seiner Alterthümer bei den Inländern in grossem
Ansehen stehender Ort. Das Dorf enthält einen kleinen Tempel, zu dessen
sehr engem Eingange ein paar Stufen führten; das Innere war mit Matten
und Teppichen geschmückt, zwei Priester hockten darin und holten die
Gegenstände zu unserer Besichtigung einzeln hervor. Bei jedem Stück
machten sie einen tiefen Salam; mit derselben Ehrerbietung wurden die
Reliquien zurückgelegt, nachdem sie vorher in viele Tücher eingewickelt
worden. Es waren alte Hellebarden, Glocken, Räuchergefässe, Becher mit
erhabenen Figuren, den Thierkreis darstellend, und allerlei zerbrochenes
Gerümpel. Auch in Pandjalu werden dergleichen Alterthümer aufbewahrt.
Nicht weit vom Dorfe, in einem sorgfältig gepflegten Hain, liegen einige
Steine mit alten Inschriften (batu-tulis), die eben so wie die Reliquien
schon kopirt und beschrieben sind; und etwas weiter, im Walde, sprudelt
eine heilige Quelle, die dem Orte den Namen giebt.

Der Pati lud mich ein, Abends an einem Feste Theil zu nehmen, das
mehrere Tage dauern sollte, und liess mich beim schönsten Mondschein mit
seinem grossen Schirm abholen. Die Sonnenschirme zeigen in den
malayischen Ländern den Rang des Besitzers an, wie in Europa die
Epauletten den Rang der Offiziere. In Java werden 27 verschiedene
Rangstufen durch die Schirme bezeichnet, deren Farben durch den
General-Guvernör im Rath ebenso genau festgestellt sind, wie die
Uniformen in Europa. Die vornehmsten sind weiss mit goldenen Rändern,
dann folgt dem Range nach grün, blau, braun, in verschiedenen
Anordnungen. Nur bei den ersten 6 Stufen sind die Ränder von Gold, bei
den übrigen gelb. Auch in Siam spielt der Schirm eine grosse Rolle: der
Sonnenschirm von vielen Stockwerken über einander ist ein Attribut des
Königs und figurirt auf dem grossen Staatssiegel zu beiden Seiten der
pyramidalen Krone. -- Das Fest fand in einem grossen Bambusschuppen
statt, der durch bunte Behänge, Laub und Blumen geschmückt war. Vier das
Dach tragende Säulenreihen bildeten fünf Abtheilungen, in deren
mittlerer eine lange, mit Blumen verzierte Tafel stand. Auch hier zeigte
sich wieder viel Geschmack in der Dekoration. Die aus dicken Bambusen
bestehenden Säulen waren mit buntem Zeug bekleidet, mit Sockel und
Kapitäl aus Blättern und Blumen versehen, durch Bögen aus gespaltenen
jungen Palmwedeln verbunden, deren noch gelbe Seitenblätter wie Franzen
herabhingen. Der Zwischenraum bis zum Dach bestand aus leichtem
Gitterwerk, in welchem einzelne Blumen angebracht waren. An einem Ende
des Saals erhob sich ein um mehrere Stufen erhöhter, mit Matten belegter
Raum, seine Hinterwand war mit einem Teppich behangen, davor stand
vielleicht alles, was sich im Distrikt an kostbaren europäischen Möbeln
befand: eine altmodische Kommode, ein Glasschrank und ein paar verzierte
Spiegel; zu jeder Seite erhoben sich zwei grosse, mit rothem Stoff
bedeckte Paradebetten, an deren Kopfende eine solche Menge verzierter
Kissen aufgethürmt waren, dass sie bis zur Decke reichten. Als wir uns
zu Tische gesetzt hatten, begannen dreizehn Rongengs zu tanzen, --
soviel hatte ich noch nie beisammen gesehen. Hier hörte ich auch zum
erstenmal das Anklong (S. 178), dessen Klang so angenehm ist. Es wurde
bis spät geschmaust, und dies war der beste Theil des Festes. Die armen
Kinder, denen zu Ehren es gegeben wird, kommen weniger gut dabei fort;
denn nachdem sie am nächsten Tage im Fluss gebadet sind, werden am
dritten Tage den kleinen Mädchen die Zähne abgefeilt, am vierten Tag
findet die Beschneidung der Knaben statt. Das Feilen der Zähne und
Beschneiden geschieht auf den Paradebetten. Lange weisse Zähne können
die Malayen nicht leiden, sie vergleichen sie mit denen des Tigers.

Am folgenden Tage verliess ich den See von Pandjalu und fuhr im Wagen
des Regenten am östlichen Ufer des Tjitandui bis Indehiang, wo ich mich
von dem würdigen Pati verabschiedete, auf das westliche Ufer überging,
Abends einen Pasanggrahan erreichte und am folgenden Morgen den
Gelungung erstieg. Man reitet fünf Paal, steigt zwei Paal zu Fuss und
befindet sich am obersten Ende der grossen Schuttmasse, die sich im
Oktober 1822 in die früher hier vorhandene reiche Ebene wälzte.
Ein tiefes kesselförmiges Thal trennt diesen Punkt von der
gegenüberliegenden Bergwand, die sich fast senkrecht, wenigstens in sehr
steilem Winkel in WNW. erhebt. Mehrere Sturzbäche an derselben
erschienen in dieser Ferne, wie dünne Fäden. Das tiefe Kesselthal ist
jetzt schon wieder dicht bewachsen, namentlich machten sich hunderte
von Baumfarnen geltend. Dieser schöne ruhige, mit einigen Wasserbecken
geschmückte Grund ist der Krater des Gelungung, der 1822 die furchtbare
Verwüstung anrichtete.

Ich kann mir nicht versagen, Junghuhns Schilderung des Ausbruchs hier
folgen zu lassen (Hasskarl's Uebersetzung Bd. II, S. 111.), die zugleich
ein eben so schönes als treues Bild des javanischen Lebens giebt.

„In den Gegenden südostwärts von demjenigen Theile der Bergkette,
welche unter dem Namen G.-Gelungung bekannt ist, zwischen den beiden
Flüssen Tji-Wulan und Tji-Tandui, die beide, der erstere fast in
südlicher, der andere mehr in südöstlicher Richtung, der Südküste
zuströmen, lag ein reich bebautes und bevölkertes Land, das, eigentlich
eine Fortsetzung des Berggehänges, jedoch so sanft nach den niedrigen
neptunischen Hügelreihen des Südgebirges zu fällt, dass es füglich eine
~Fläche~ genannt werden kann. -- Es waren die fruchtbaren Ebenen und
Berggehänge der Provinz Tasikmalaja, Indehiang und Singaparna. -- Sie
waren weit und breit mit Reisfeldern bedeckt und mit Hunderten von
Dörfchen, die sich mit den Gruppen ihrer Kokospalmen zerstreut zwischen
den Feldern erhoben. Sie waren in allen Richtungen von Wegen
durchschnitten, bis zum Fusse der Bergkette hin und noch weit an den
Berggehängen hinauf, wo man zwischen blühenden Kaffeegärten wandelte.
--

Ueber die reichbegabten Fluren dieses ewig grünen Landes ergoss am 8.
Oktober 1822 die Mittagssonne ihren durch kein Wölkchen, durch keine
Nebel geschwächten Strahl. Das ganze Land schien verstummt, die
animalische Schöpfung lag in tiefer Ruhe, im schattigsten Dickicht sass
die Vögelschaar verborgen, und kaum ein Insektchen zirpte noch; die
Pflanzenwelt hatte alle ihre Blüthen aufgethan und dampfte ihre
ungerochenen Aromata empor in die Luft, welche, von aufsteigenden
Strömen bewegt, am Horizonte wellenförmig zitterte. Kein Blatt regte
sich, und kaum rauschte zuweilen der höchste Wedel einer Palme; wenn
dann und wann ein leises Lüftchen von der Küste her sich erhob.

Auch die Menschenwelt ruhte. Die Arbeiter hatten ihre Felder verlassen,
deren künstliche Wasserspiegel unter dem Sonnenstrahle dampften. Sorglos
lagen sie auf den Bali-balis ihrer kleinen Hütten ausgestreckt. In den
Vorhallen (Pendopo's) der Häuptlinge verstummten allmälig die Schläge
des Gamelan, unter deren sanftem, melodischem Getön die javaschen
Grossen gewohnt sind, einzuschlummern; auch der Gesang der Tanzmädchen
(Ronggengs) wurde bald nicht mehr vernommen, und nur das sanfte Girren
der Turteltauben, die in zahlreichen Käfigen vor den ländlichen
Wohnungen hängen, war mit dem Rufe eines Priesters, der von seiner
baumumgrünten Moschee herab die Herrlichkeiten Allah's und seines
Propheten verkündigte, oder mit dem Knarren einer verspäteten Pedati,
deren scheibenförmige Räder sich langsam auf der staubigen Strasse
umwälzten, gezogen von trägen Karbauen, deren Führer längst
eingeschlummert war, vielleicht das einzige Geräusch, das in den weiten
Dörfern Tasikmalaja und Singaparna erscholl. Das ganze Land lag in
tiefer Ruhe und Frieden. Die Bevölkerung hielt ihren Mittagsschlaf,
nicht ahnend, nicht träumend, dass einige Augenblicke später aus dem
Innern des G.-Gelungung „dumpf und bang” ihr -- ~Grabgesang~ ertönen
würde. Er aber ertönte. -- Es war 1 Uhr. -- Durch plötzliche Erdstösse
aus dem Schlafe geweckt, entflohen die Bewohner ihren Hütten. Ein
donnerndes, brüllendes Getöse traf ihr Ohr und Entsetzen bemächtigte
sich ihrer, als sie ihre Blicke zum G.-Gelungung wandten und eine
schwarze Rauchsäule von ungeheurem Umfange emporschiessen, sich mit
Blitzesschnelle ausbreiten, den ganzen Himmel überziehen und im Nu den
noch eben hellsten Sonnenschein in die finsterste Nacht verwandeln
sahen. -- Jetzt flohen sie bestürzt durch einander, nicht wissend,
wohin, und ungewiss ihres nächsten Looses. Noch einige Sekunden später
und ein Paar Tausend von ihnen waren begraben. Sie wurden theils bedeckt
von Schlamm, der vom Krater ausgeschleudert, in ungeheuren Massen aus
der Luft herabfiel, theils kamen sie in den Fluthen von heissem Wasser
um, das mit Schlamm und Steintrümmern vermengt, dem Krater in ungeheurer
Menge entquoll, das (als drohe eine zweite Sündfluth) zehn Minuten weit
im Umkreise Alles überströmte, alle Dörfer, Felder und Wälder
vernichtete und in einen dampfenden Pfuhl von bläulich-grauer Farbe
verwandelte, der mit Cadavern von Menschen und Thieren, mit
Häusertrümmern und zerbrochenen Baumstämmen übersäet war. Wild brachen
durch diese Schlamm- und Trümmermassen die Bäche Tji-Kunir und Tji-Wulan
hindurch; sie waren zu tobenden Fluthen angeschwollen, die Alles auf
ihrer Bahn zerstörten, alle Brücken wegspülten und weite
Ueberschwemmungen verursachten, in denen noch eine grosse Menge armer
Flüchtlinge, die sich schon gerettet glaubten, ihr Leben verloren; --
mit Menschen- und Thierleichen aller Art bedeckt, wälzten sie dann ihr
schlammiges, kochend heisses Wasser der Südküste zu, deren Bewohner, vor
diesem Anblicke entsetzt, die Flucht zu den nächsten Hügeln ergriffen.
In das Brausen der Bäche, in das Brüllen des Kraters, in das Krachen
zersplitterter Wälder, in das Knacken fortgewälzter Felsenmassen, die an
einander stiessen, und in das verzweiflungsvolle Jammergeschrei der
Tausende von Menschen, die hülflos ihren Tod vor Augen sahen, -- dröhnte
laut von oben der Donner herab, und Blitze fuhren unaufhörlich nach
allen Richtungen aus dem dichten Gewölk, das sich weit und breit über
dem Gebirge durch die schnelle Verdichtung der Dämpfe gebildet hatte.

Erst nach drei Stunden, nämlich um 4 Uhr Nachmittags, liess die
Heftigkeit des Ausbruchs nach, die sich fortwährend auf eine doppelte
Weise offenbart hatte, nämlich durch das Hervorquellen von Schlammmassen
aus dem Krater und das Herabströmen derselben und durch das
Emporschleudern in höhere Luftschichten von Schlamm, Asche und
Steinmassen, die dann als ein Alles verwüstender Regen wieder
niederfielen und auch die entfernteren Pflanzungen und Wälder, die in
etwas grösserer Entfernung lagen und dadurch auch noch verschont
geblieben waren, zerstörten. Um 5 Uhr aber war Alles vorbei. --

Zahlreiche Dörfer mit allen ihren Bewohnern, die sich drei Stunden zuvor
noch im Kreise der Ihrigen sorglos der Ruhe überliessen, oder ihre
Kinder wiegten, lagen nun begraben unter vulkanischem Schlamm und
Steintrümmern, so dass man keine Spur mehr von den Dörfern sah, und das
Terrain südöstlich vom Berge um 40-50' hoch durch die Auswurfmassen
erhöht war. Wie erschöpft von ihren Anstrengungen (gegen 5 Uhr), versank
nun die Natur in Ruhe; es wurde todtstill, und der Himmel heiter, und
der Abendstrahl derselben Sonne, die des Mittags über alle Pracht der
tropischen Vegetation, über Glück und Luxus geschienen hatte, -- jetzt
schien sie, fast spottend, über einen Schauplatz von Verwüstung, aus dem
alles Grün verschwunden war, über meilenlange, schwärzlich-graue Felder
von Schlamm und Lava, gleichsam über Schlachtfelder, welche besäet waren
mit zerknickten Baumstämmen und Cadavern von Menschen und Thieren, die
theils verstümmelt und verbrannt aus dem Schlamm hervorragten, theils in
den tobenden Fluthen des Tji-Wulan und Tji-Tandui dem Meere zutrieben.”

Das Wasser, das von den steilen Wänden des Kraters aus der Schlucht
herabfällt, fliesst in zwei tiefen Rinnen zu beiden Seiten des die
letztere ausfüllenden Schuttrückens und vereinigt sich am Ende desselben
zu einem wasserreichen Bach, Tjikunir, der in vielen Windungen durch die
Ebene fliesst und einige Meilen weiter in den Tjiwulan mündet. Der
Schuttberg ist ebenfalls reich bewachsen, namentlich mit vielen
Baumfarnen und blühenden Sträuchern; wo er aber sein Ende in der Ebene
erreicht, hört diese Vegetation plötzlich auf; nichts als Glagarohr
bedeckt die Fläche und die unzähligen kleinen Hügel, die sich aus
derselben erheben, deren durch den Ausbruch veranlasste Entstehung noch
nicht genügend erklärt ist und verschiedene Hypothesen hervorgerufen
hat. Die vulkanische Thätigkeit am Gelungung ist jetzt auf einige
Solfataren und Fumarolen beschränkt, in denen Gyps, Schwefel, Faseralaun
und Eisenchlorid gebildet wird. Auch eine Kalksinterquelle ist
vorhanden.

Wo die Glagawildniss an die fruchtbare Ebene grenzt, erwartete mich der
Bedana von Singaparna. Ich brachte die Nacht bei ihm zu, besichtigte am
folgenden Tage, durch strömenden Regen sehr behindert, das interessante
Hügelterrain und erreichte die Fahrstrasse wieder bei Tasikmalaja. Von
hier läuft der Tjitandui nach Osten, am Südrande des grossen Sawalberges
hin, mehrere Gewässer aufnehmend, bei Bandjar führt ihm der Tjimundur,
der alle vom Ostabhang desselben Berges abfliessenden Bäche, gegen 20,
aufnimmt, so grossen Wasserreichthum zu, dass er für flache Boote schon
von hier aus den grössten Theil des Jahres schiffbar ist. Wenige Paal
weiter, bei Sindang-adji, nimmt er eine südöstliche Richtung an und
schleicht in trägen Windungen durch ein niedriges Sumpfland (Rawa) bis
Kaliputjang, wo er durch die Kalkberge, die hier den Südrand Javas
einfassen und nur von einer sehr schmalen Meerenge unterbrochen in der
Insel Nusa-kumbangan fortsetzen, zu einer mehr östlichen Richtung
gezwungen wird. Etwas weiter erreicht er den kleinen, seichten Meerbusen
Segoro-anakan, „die Kindersee”, ein hässliches, seichtes, heisses, von
Mangelsümpfen eingefasstes Wasserbecken, durch die quer davor liegende
Insel Nusa-kumbangan fast ein Binnensee. Von Tasikmalaja folgt die
Strasse dem südlichen Ufer des Tjitandui bis Bandjar. Die Gegend ist
flachhüglich, weniger bebaut und bewohnt, als die bisher besuchten
reichen Distrikte; es fehlen die Sawas, weil kein Berieselungswasser von
höher gelegenen Bergen vorhanden ist. Von Bandjar, wo die Landstrasse
ihr Ende erreicht, muss die Reise zu Wasser oder zu Pferde fortgesetzt
werden; daher fanden wir hier eine grosse Menge von Büffelkarren, welche
die Produkte der Preanger Regentschaften an die Regierungspackhäuser
abgeliefert hatten, von wo aus sie in eigens dazu erbauten, sehr flach
gehenden, eisernen Frachtschiffen stromabwärts an Bantengmati vorbei,
über die fast zugeschlämmte „Kindersee”, welche Java von der Insel
Nusa-kumbangan trennt, nach Tjelatjap verschifft werden, wo jährlich
gegen 50 grosse europäische Schiffe einlaufen, um diese Produkte nach
Europa zu bringen. Bandjar hat als Stapelplatz für den südlichen Theil
der Preanger Lande dieselbe Bedeutung, wie Tjikao (S. 138) für den
nördlichen. Was oben über die mangelhaften Verkehrsmittel der Provinz
im Allgemeinen gesagt worden, gilt in erhöhtem Grade für deren südlichen
Theil, der nicht, wie der nördliche, durch eine Kulturebene, sondern
durch eine Felsenmauer begrenzt wird, welcher kein Schiff zu nahen wagt.

Die Büffelkarren (pedati) nehmen eine hervorragende Stelle in der
Staffage javanischer Landschaften ein. Es sind viereckige Körbe mit
einem Dach, wie die Wohnhäuser der Inländer, nur viel kleiner und
zierlicher. An der vom Dach überragten vorderen Giebelseite ist eine Art
Vestibulum, in welchem der Fuhrmann sitzt, man könnte fast sagen, --
wohnt, so häuslich richtet er sich bei langen Reisen ein. Oft hockt
seine Frau neben ihm, sein Regenhut, Kochtopf und sonstige kleine
Bedürfnisse hängen unter dem Dach, an den Seitenwänden. Oben am Giebel
ist immer ein Fähnchen oder eine geschnitzte Verzierung angebracht,
häufig ein Pfauenkopf; dann ist die hintere Giebelspitze mit einem
wirklichen Pfauenschwanz geschmückt. Die an der Achse festsitzenden
Räder sind Holzscheiben und bestehen gewöhnlich aus den
strebepfeilerartigen schmalen Vorsprüngen, die den am höchsten
aufstrebenden Waldbäumen als Stütze dienen. Man begegnet Zügen von mehr
als 100 Wagen hinter einander, die unter unaufhörlichem, einförmigem
Quieken langsam fortrollen und die Fuhrleute in angenehmen Schlaf
lullen. Die Büffel bewegen sich nur langsam vorwärts und müssen häufig
gebadet werden. Deshalb wählt man zu Lagerplätzen gern Stellen, an denen
sich die Thiere im Wasser oder noch lieber im Schlamm erholen können,
während die Menschen an zahlreichen kleinen Feuern ihren Reis kochen.

[Illustration: BÜFFELKARREN. JAVA.]

Von Bandjar wurde mein Wagen über die Kindersee nach Tjelatjap gesandt,
während ich die Reise zu Pferde auf schattigen Waldwegen am Rande des
niedrigen Höhenzuges fortsetzte, der die einförmige Rawa in SW.
einfasst. Der Ritt durch diese wenig besuchten Wälder war
ausserordentlich angenehm. Einen bemerkenswerthen Kontrast mit der
allgemeinen Ueppigkeit bildeten einige allein stehende 50' hohe dicke
Säulen, von denen einzelne grosse vergilbte Fächer herabhingen, während
sich über ihnen ein Riesen-Kandelaber erhob, auf dessen sparrigen,
horizontal ausgereckten Armen zuweilen ein grosser Nashornvogel sass,
der die daran sitzenden reifen Früchte verzehrte. Es waren die an der
Südküste so häufigen Fächerpalmen (Corypha gebanga), die nur einmal
Früchte tragen und dann, wie wahrscheinlich alle terminal blühende
Palmen, absterben. Die Menge der wilden Pfauen verkündete die Nähe von
Tigern; eine Gemeinschaft, deren Ursache noch nicht genügend
festgestellt ist. Auch Rhinozerosse und wilde Stiere (banteng) sind
hier häufig. Auf weiten Strecken fanden wir die Strasse mit
Teakbäumen (spr. Tiek), Tectona grandis L., bepflanzt. Sie wachsen
Anfangs schnell, später aber sehr langsam und sind erst nach 60 oder 80
Jahren für den Schiffbau zu gebrauchen, in welcher Verwendung sie alle
bekannten Hölzer übertreffen. Das Holz schadet dem Eisen nicht, wirft
sich nicht, ist kieselreich und ausserordentlich dauerhaft; Termiten
greifen es nicht an und es kann grün verwendet werden. Während
Telegraphenstangen in Preussen im günstigsten Falle 5 Jahre halten, sind
Teakstangen selbst in Indien unverwüstlich. Der ausgewachsene Baum ist
einer der mächtigsten Waldbäume. Im Westen von Java ist das Teak selten,
in Mittel- und Ost-Java bildet es grosse Wälder und leidet keine andern
Bäume neben sich, die ihm gern den Platz überlassen, da ihm der
schlechteste Boden gefällt.[85] Auch Gummibäume sind hier angepflanzt
worden, um später ausgebeutet zu werden. So ist die holländische
Regierung unablässig bemüht, durch den Anbau neuer Kulturpflanzen den
Werth ihrer Kolonie zu erhöhen.

[Illustration: HÄUSERGRUPPE IN EINEM GEBIRGSDÖRFCHEN. JAVA.]

Die Nacht brachte ich in einem ganz kleinen selten besuchten Dörfchen in
der Nähe des Gunong-gamping, bei armen sehr gefälligen Leuten zu. Einen
Theil desselben stellt die beiliegende Zeichnung dar; das grössere Haus
links im Vorgrund ist eine Reisscheune (lombong), sie steht auf vier
Steinen zum Schutz gegen heimliche Angriffe der Termiten, frei und hoch
genug über dem Boden, um der Luft den Durchzug durch die aus Bambus
geflochtenen Wände zu gestatten; diese laufen spitz nach unten zu,
wodurch der Regen unschädlich gemacht und das Hinaufklettern der Ratten
und Mäuse sehr erschwert wird. Am folgenden Morgen besuchte ich mehrere
geognostisch-interessante Punkte, den prächtigen Wasserfall Tjipipisan,
und gelangte Abends nach Kaliputjang, wo der Tjitandui auf den die Rawa
in SW. begrenzenden Höhenzug stösst. Von hier fährt man im Kahn nach
Bantengmati, einem kleinen, auf der NW.-Spitze der Insel Nusa-kumbangan
gelegenen Fort, dessen Kommandant, ein alter, lange in Indien dienender
Soldat, mich sehr freundlich aufnahm. Unter den wenigen Soldaten, aus
denen die Garnison bestand, waren auch mehrere Neger, die sich
anfänglich häufig krank meldeten, wodurch der Dienst sehr litt. Zum
Glück besass der alte Herr ein Universalmittel, das nie versagte. Jeder
Patient musste, bevor er nur überhaupt die näheren Umstände seiner
Krankheit vortragen durfte, ein Weinglas voll Ricinusöl unter den Augen
seines Vorgesetzten austrinken. Die Leute sträubten sich oft gewaltig,
genasen aber immer nach der ersten Dosis, wenigstens verlangten sie nie
eine zweite.

Nach dem langen Aufenthalt im Hochlande fand ich es hier erschlaffend
heiss; Moskitos waren so zahlreich, dass um alle Häuser Rauchfeuer
brannten. Ich folgte dem Nordrand der Insel, deren westliches Ende aus
Kalkklippen besteht, an denen bis zu beträchtlicher Höhe die Einwirkung
des Meeres sichtbar ist, obgleich es jetzt nur noch ihren Fuss bespült.
In diesen Kalkfelsen sind viele kleine Tropfsteinhöhlen, in denen aber
trotz allen Suchens keine Knochen aufzufinden waren. Da, wo die
Kalkfelsen aufhören, die Küste flach wird, treten Mangelsümpfe auf, die,
wenige felsige Stellen des Südrandes ausgenommen, das ganze übrige
Gestade der Kindersee mit einem breiten Gürtel einfassen und die Rawa
von Jahr zu Jahr vergrössern. Bevor wir bei Manundjaja, einer ärmlichen,
kleinen Häusergruppe im sumpfigen Walde, das Land betraten, besuchten
wir Paniteng, eines der merkwürdigen Dörfer, deren sich mehrere mitten
aus dem seichten Meere erheben. Es war nur im Kahn zu erreichen und
ruhte ganz auf Pfählen. Die Hütten bildeten ein Viereck und waren nach
Aussen durch eine Gallerie, nach Innen durch einen Hof von Bambuslatten
verbunden, wodurch in diesem Venedig eine Art Markusplatz entstand, auf
welchem Fische getrocknet wurden. Es war ein ärmliches, schmutziges
Dörfchen, aber interessant als ein Beispiel moderner Pfahlbauten.

Nach vielen vergeblichen Bemühungen von Manundjaja aus Karang-andjar zu
erreichen, wo die Rafflesia Padma auf den Wurzeln eines Cissus in
solcher Menge wächst, dass Junghuhn „keinen Schritt thun konnte, ohne
eine zu zertreten”, schifften wir uns nach Tjelatjap ein.
Nusa-kumbangan tritt mit der östlichen Hälfte seines Nordrandes so hart
an das Festland, dass der Meeresarm, durch welchen die Kindersee mit
dem indischen Meer in Verbindung steht, kaum die Breite eines
mittelmässigen Flusses hat. Die östliche Spitze biegt sich hornartig
nach Norden und schützt dadurch den am jenseitigen Ufer gelegenen
Hafen von Tjelatjap. Von hier bis zur Mündung des Kali-Seraju gen
Osten, bildet die Küste einen nach NW. gerichteten Bogen, und streicht
dann als flaches Gestadeland in fast gerader Richtung, die Provinzen
Banjumas und Bagelen im Süden begrenzend, bis Karang-tritis, im Gebiet
des Sultans von Jokjokarta. Dort hört der Strand plötzlich auf;
schroffe Felsenwände, die im Allgemeinen dasselbe Streichen
beibehalten, aber sehr zerrissen und vielfach ausgezackt sind, fassen
nun den Südrand der Insel bis zur östlichsten Spitze ein, nur einmal
durch eine sumpfige Ebene unterbrochen. Auf der ganzen Strecke giebt es
keinen Hafen mehr, kaum einen Zufluchtsort für Fischer. Die
Schifffahrtsbücher beschreiben die Südküste von Java als
„eisenumgürtet” (ironbound); kein Schiff wagt ihr zu nahen.

Zwischen Tjelatjap und Karang-tritis erhebt sich aus dem Flachland, etwa
im Drittel der Erstreckung, ein ins Meer hineinragender Felsenberg
Karang-bollong, der in seiner, dem Meere zugekehrten steilen Wand die
berühmten Höhlen enthält, welche die essbaren Vogelnester liefern. Ihnen
galt mein erster Besuch.

Eine sehr gute Strasse läuft dem Strande parallel nach dem isolirt
liegenden Gebirg. Vom Meer trennt sie nur ein wenige tausend Fuss
breiter Saum von dichtem grünem Rasen, auf dem Büffel weiden, oder im
Schatten von Bambusbüschen wiederkäuen. Links von der Strasse,
landeinwärts, liegen wenige Dörfer, von kleinen Feldern umgeben; der
grösste Theil des Flächenraumes wird aber von Morästen eingenommen, in
deren Pfützen und Gräben weisse, unbedeutende Nymphaeen und
kleinblättrige Limnanthemum blühen. Auch hier waren Teakbäume
angepflanzt. Im Pasanggrahan von Adiredjo traf ich drei Landsleute von
der topographischen Abtheilung, die mit Aufnahme der Provinz Banjumas
beschäftigt war. Die Aufnahmen fanden im Maassstabe von 1:10,000 statt.
Die Triangulationen waren über ganz Java beendigt, das Ausfüllen geschah
ohne Messtisch, mit Schmalkalderscher Bussole. Ich kam an mehreren
Zimmetpflanzungen vorüber und fand auch Baumwolle in kleinen Feldern
angebaut, die aber nicht recht gedeihen will, angeblich wegen der
grossen Feuchtigkeit. In Gumpangpasir sah ich das Zimmet für den Handel
bereiten. Die Pflanze (Cinnamomum zeilanicum) wird als Strauch
kultivirt. Man schneidet die Triebe, wenn sie etwa die Grösse eines
gewöhnlichen Spazierstocks haben; jeder Baum wird jährlich acht- bis
neunmal geschnitten und liefert je 2 oder 3, im Jahre also ungefähr 2
Dutzend Stöcke. Nachdem sie gleich auf der Pflanzung von Laub und
Seitenzweigen entblösst sind, werden sie bündelweis in einen Schuppen
gebracht, wo ein Arbeiter die Rinde der ganzen Länge nach aufschlitzt
und vom Stock löst. Er sitzt dabei auf dem Boden, hält das eine Ende des
Stocks mit der Hand, das andere mit den Zehen fest; eine Frau schabt mit
einem sichelförmigen, an beiden Enden mit Handgriffen versehenen Messer
die Korkschicht von der abgelösten Rinde. Die zurückbleibende
Bastschicht, welche den Zimmet des Handels giebt, wird dann in mehreren
Lagen über einander zu 3 Fuss langen Streifen an einander gelegt, die
sich beim Trocknen von beiden Rändern aus nach der Mittellinie hin
zusammenrollen. In der Sonne werden sie vollständig getrocknet.
Zweihundert solcher Rollen bilden ein Bündel.

Der Zimmetbau ist 1825 durch die Kolonial-Regierung in Java eingeführt
und später als ein Zweig des Kultursystems in grösserer Ausdehnung
betrieben worden, hat aber statt des erwarteten Gewinns immer nur
Verlust ergeben, so dass man demnächst wohl die Pflanzungen an
Privatunternehmer verpachten wird. Die Qualität ist durch sorgfältige
Kultur sehr gehoben worden, ohne jedoch der des Zimmets von Ceylon
gleichzukommen. Nach dem Durchschnitt der letzten Jahre betrug die
Ausfuhr im Mittel etwa 200,000 ℔, beinahe ein Drittel so viel als von
der „Zimmetinsel” Ceylon. Wie der Verbrauch fast aller andern Gewürze
nimmt auch der des Zimmets eher ab als zu. Die künstliche
Vertheuerung[86] dieses ursprünglich auf Ceylon und Malabar beschränkten
Gewürzes durch das erst 1833 aufgehobene Monopol hat viel zur
Verbreitung der Cassiarinde (Cassia lignea) als Surrogat
beigetragen.[87]

Ueber den breiten, aber kurzen Kali-adiredjo führt eine Bambusbrücke,
die, auf Bambusflössen ruhend, mit der Ebbe und Fluth fällt und steigt.
Zu beiden Seiten derselben standen lange Reihen eigenthümlicher
Fischapparate: kleine Häuschen auf 15' hohen Gestellen, jedes mit einem
grossen Senknetz versehen, das vermittelst einer rohen Welle und eines
Rotangstricks aufgeholt werden kann. Gegen 5 Uhr erreichte ich Djetis,
wo ein schlechter Pasanggrahan in hübscher Umgebung am westlichen Ufer
des gleichnamigen Flusses liegt, der hier in das indische Meer fällt. Am
jenseitigen Ufer erheben sich die hohen Felskuppen von Karang-bollong.

Am folgenden Morgen fuhr ich über den Fluss, der die westliche Grenze
von Ambal des südlichen Theils der Provinz Bagelen bildet; ich traf den
Assistent-Residenten und setzte in seiner angenehmen Gesellschaft den
Weg über den Felsrücken fort, der hier die flache, fast geradlinige
Küste plötzlich unterbrechend, mehrere Paal weit ins Meer ragt. Nach
wenigen Stunden erreichten wir am jenseitigen Fuss des Berges den Ort
Karang-bollong, welcher die Beamtenwohnungen und das Magazin für die
Vogelnester enthält. In der Mitte des letzteren erhob sich ein reich
geschmücktes, der Geisterkönigin Loro-kidul, Schutzpatronin der
Nestersammler, geweihtes Bett, vor welchem Früchte, Blumensträusse,
Räuchergefässe standen; eine verzierte Kiste enthielt ihre Garderobe,
die von Zeit zu Zeit auf Kosten der Regierung erneuert wird. Loro-kidul
hat eine eigene Kammerjungfer, die zur Zeit der Lese die Göttin befragt,
ob die Nester gepflückt werden dürfen oder nicht. Die Antwort lautet
gewöhnlich bejahend, zuweilen aber auch verneinend; dann wird nach
einigen Tagen wieder angefragt, und immer noch hat Loro-kidul zur
günstigen Zeit die Erlaubniss ertheilt, vielleicht aus Furcht, durch
Eigensinn ihre Kammerjungfer zu verlieren. Die Nester werden dreimal
jährlich eingesammelt. Es war jetzt gerade die Zeit, wo mit der zweiten
Lese begonnen werden sollte. Die Leute waren beschäftigt, Bambus- und
Rotangleitern in Stand zu setzen, um vom oberen Rande der Felsenmauer
aus in die Höhlen zu steigen. Vom Meere her sind sie nicht zu erreichen.
Für die grosse Höhle Gua-gedeh sollten die Vorbereitungen den nächsten
Tag fertig sein; so hatte ich denn Gelegenheit, eine dieser berühmten
Höhlen zu besuchen, wozu ein Fremder wohl nicht leicht Erlaubniss
erhält. Die Beamten, denen der Besuch freisteht, haben ihrerseits wenig
Lust, sich dem beschwerlichen und als halsbrecherisch geschilderten Gang
auszusetzen, da sie nicht die Neugier eines Reisenden besitzen.

Auf dem Gipfel des Bergrückens, der die Thalmulde, in welcher das
Packhaus liegt, vom Meer trennt, stehen drei kleine Flaggenstöcke, von
denen, wenn die See ruhig ist, so dass man gefahrlos den Eingang der
Höhle erreichen kann, weisse, im andern Falle schwarze Flaggen wehen.
Loro-kidul war liebenswürdig, 3 weisse Fähnchen winkten von der Höhe.

Hat man den gegen 1000' hohen Bergrücken erstiegen, so geniesst man eine
herrliche Aussicht. Jenseits der jähen Felsen, die wie grosse
Strebepfeiler die senkrechte Bergwand an der Seeseite stützen, breitet
sich das indische Meer, im Osten die Ebene von Bagelen, im Westen die
von Banjumas aus. Ein bequemer Pfad führt zur Meeresküste hinab, bis zu
einer Stelle, wo derselbe plötzlich an einer senkrechten Wand aufhört.
Von hier steigt man auf einer Leiter hinab, deren Seiten aus Rotang,
deren Sprossen aber aus Bambus bestehen, und von der nur das oberste um
einen Baum geschlungene Ende sichtbar ist, der übrige 90' lange Theil
der Leiter hängt frei in der Luft vor der Wand, die an dieser Stelle
nach Innen einspringt. Der Sicherheit wegen muss man barfuss gehen. Von
der untersten Sprosse tritt man auf einen kaum 1-1/2' breiten
Felsenvorsprung, in dessen Spalten einige Pflöcke eingekeilt und noch
ausserdem durch kleine Stricke an den Unebenheiten des Gesteins
befestigt sind. An diesen Pflöcken sind die beiden Enden eines
dreifachen Rotang fest gemacht, der von hier in die Tiefe hinabhängt,
und dessen unten entstehende Biegung (sogenannte doppelte Bucht) eine
27' lange Bambusleiter trägt, deren oberes Ende auch noch an den
Pflöcken des Felsenvorsprunges mit kleinen Stricken festgebunden ist.
Der ganze Apparat flösst dem Neuling wenig Zutrauen ein. Auf dem kleinen
Vorsprunge muss man sich umdrehen, um die Bambusleiter, die man nicht
sieht, mit den Füssen zu erreichen und weiter in die Tiefe zu steigen.
Auf der untersten Sprosse angelangt, befindet man sich etwa 10' über dem
Meeresspiegel. Um diese Sprosse und die die Leiter tragende
Rotangschleife ist das Ende eines mehrere 100' langen Rotangs
geschlungen, das in die Höhle führt, wo es an den Unebenheiten der Decke
vermittelst Arengstricken befestigt ist. Man geht auf diesem Rotang und
hält sich mit den Händen an einem zweiten, einige Fuss darüber
angebrachten. Es waren nur erst diese beiden Rotangs festgemacht; später
zieht man deren mehrere nach allen Richtungen. Die Nester sitzen in
Reihen an den Felswänden, werden mit der Hand gesammelt, und wenn sie
nicht erreichbar sind, mit einer Stange, deren Ende eine Schaufel mit
Netzbeutel trägt. Das Geschäft ist wohl nicht so gefährlich, als es
aussieht, denn seit 1830, wo der Besitz der Höhle an die Holländer
überging, soll nur ein Mann dabei verunglückt sein. Früher pflückte man
die Nester je einen Monat früher, wenn noch die jungen Vögel darin
lagen, die herausgeworfen und vernichtet wurden; jetzt sammelt man sie
erst, nachdem die Jungen flügge geworden sind und sichert sich dadurch
einen beständigen Ertrag. Dagegen sind die um so viel älteren Nester
nicht durchgängig von so guter Beschaffenheit. Diese Höhlen, deren 19 im
Gebirge von Karang-bollong liegen, gingen erst nach Unterdrückung des
Aufstandes von Dipo-negoro (1830) in den Besitz der holländischen
Regierung über, welche alle seit den ältesten Zeiten bei dem Sammeln
üblichen abergläubischen Gebräuche, an denen die Eingebornen so fest
hängen, beibehalten hat. Sie geben einen interessanten Einblick in die
Sitten der Javanen, weshalb ich eine kurze Beschreibung derselben theils
nach Mittheilungen, die ich an Ort und Stelle erhielt, theils nach einer
Abhandlung eines früheren Assistent-Residenten von Ambal hier beifüge.
--[88]

[Illustration: HÖHLE (GUA) GEDEH.]

Das Sammeln der Vogelnester findet dreimal im Jahre statt, die erste
Ernte, Unduan-kesongo, Ende April, die zweite, Tellor, Ende August, die
dritte, Kapat, im Dezember; der Gesammtertrag beläuft sich auf 44-45
Pikul. Vor dem Beginn der Lese erhalten die Häuptlinge der verschiedenen
Klippen Geld zur Beschaffung von 9 Büffeln, 2 Ziegenböcken, Rotangs,
Bambus, Fackeln, Opium und Weihrauch, dann werden aus der zugänglichsten
Höhle Nogasari bei recht stiller See einige Probenester geholt. Sind die
Vögel hinreichend entwickelt, so findet das Opferfest mit Wayang
(Schattenspiel) und Toppeng (Maskenspiel) statt. Nach dem Adat[89]
beginnt das Fest an einem Donnerstag Abend. Freitag früh werden die
Büffel geschlachtet und Stückchen Fleisch an dem Bollong und den
Wachthäusern geopfert, an der Klippe Madjingklak aber wird ein Geisbock
geopfert und geräuchert; diese Festlichkeiten heissen ~Ngadiran~.
Nachmittags ist Wayangspiel im Bollong. Nach Beendigung desselben bringt
die bereits erwähnte Kammerjungfer das Bett der Loro-kidul (das
„Teufelsbett”) in Ordnung, der Spiegel am Kopfende desselben wird dann
mit seidenen Kleidern behängt. Ausser dieser Frau, Tukang-gedong, darf
es Niemand berühren. Nachdem das Bett festlich geschmückt und Lampen
angezündet sind, tritt die Frau mit grossen Ehrenbezeugungen vor
dasselbe und spricht auf hochjavanisch: „Auf Befehl meines Herrn (des
Aufsehers) bringe ich Euch hier zu essen”, worauf sie sich gleich selbst
die Antwort giebt: „Ya, Mak tukang-gedong: sage dem Vater, meinem Herrn,
dass ich ihm für das mir gesandte Essen meinen Dank bezeuge.” Dann fragt
Tukang-gedong, ob Njai Kidul erlaubt, dass Nester gepflückt werden, und
ob es ohne Unglücksfall geschehen werde, worauf gewöhnlich „ja”
geantwortet wird. Während der ganzen Nacht spielt der Toppeng in der
Nähe des Packhauses bis zum folgenden Morgen. Samstag früh bringen die
Häuptlinge mit ihren Leuten die bereits verfertigten Leitern nach den
verschiedenen Klippen und treffen weitere Vorbereitungen. Den ganzen Tag
über ist Toppeng, Abends Gamelang und Tanz, wobei die Tänzerinnen zu
Ehren Loro-kiduls das Gesicht nach dem Packhause wenden. Inzwischen wird
das Essen aufgetragen. Alles setzt sich im Kreise: Schreiber, Bedana,
Mantris, die Häuptlinge der Klippen und ihre Leute; der Schreiber führt
den Vorsitz und bringt Toaste auf einen guten Erfolg aus. Jeder
Anwesende erhält eine Gabe Opium; der Tanz währt bis Mitternacht, womit
das Fest sein Ende erreicht. Sonntags gehen die Häuptlinge wieder nach
ihren Klippen, verlängern, wenn die See ruhig ist, die Leitern bis an
die Höhlen und holen einige Probenester herauf; sind diese hinreichend
ausgebildet, so werden die Leitern an den Gestellen befestigt, was
gewöhnlich 5-6 Tage erfordert. Ist Alles bereit, so wählt man, um zu
beginnen, einen Tag, der für besonders glücklich gilt. Die Zahl der
Sammler beträgt zuweilen am ersten Tage 80-90, verringert sich aber
schnell mit der Abnahme der Nester. Beim Abliefern ins Packhaus findet
wieder ein kleines Festmahl mit rothem und weissem Reis statt. Die Lese
dauert 3 Wochen bis 2 Monate, dies hängt vom Zustand der See, aber auch
von abergläubischen Rücksichten ab. Die Lese im August oder Anfangs
September ist gewöhnlich die ergiebigste. Die Zugänglichkeit der Höhlen
ist sehr verschieden; ebenso verschieden ist auch ihr Ertrag: während
die Höhle Muliran nur 1-3 Nester lieferte, gab die grosse Höhle Nogosari
im Jahre 1857 3229 ℔; der Gesammtertrag aller Höhlen in den
verschiedenen Jahren bleibt aber bis auf ganz kleine Schwankungen
derselbe, weshalb der amtlichen Büchern entnommene Ertrag von 1857 als
Norm hier angeführt werden mag. Die Nester werden sortirt in ganze,
zerbrochene und Grus. Für den Markt hat dies aber keine Bedeutung, da
die ganzen Nester mit den Bruchstücken vermengt, nach dem Gewicht
verkauft werden. Man sortirt aber auch nach drei Qualitäten: 1) weisse,
2) weniger weisse, 3) braune und schwarze. Totalertrag sämmtlicher
Höhlen 1857: ganze Nester: 196,583 Stück, zerbrochene: 109,528, Grus:
1106 ℔, Totalertrag in Pfunden: 5354. Im Durchschnitt werden die Nester
auf den öffentlichen Auktionen in Batavia 1. Qual. mit 6200 fl., die 2.
mit 5000, die 3. mit 2800 fl. per Pikul von 125 ℔ bezahlt. Ueber den
Stoff, aus dem die Nester bestehen, herrschten bis vor Kurzem sehr
abweichende Vorstellungen. Erst Dr. Bernstein beschrieb nach
wiederholten sorgfältigen Beobachtungen ihre Entstehung, sowie er auch
der Gattung Collocalia Gr., die Bonaparte wieder zu den Schwalben
gestellt hatte, in Folge genauer anatomischer Untersuchungen ihre
richtige Stellung im System in der Familie der Cypseliden anwies und
dadurch Gray's frühere Klassifikation, ohne sie zu kennen, bestätigte.

Nach Bernstein[90] kennt man von der Gattung Collocalia bis jetzt
nur 4 Arten: C. esculenta Lath., G. nidifica Lath., beide auf Java
einheimisch, C. troglodytes Gr. & Mitch., den Molukken und Philippinen
und C. francica, allein der Insel Mauritius angehörend. Die Nester von
C. esculenta, seit Jahrhunderten bekannt und oft beschrieben, haben im
Allgemeinen die Form einer der Länge nach geviertelten Eischale, die mit
einer Seite am Felsen klebt, welcher die Rückwand des Nestes bildet. Von
beiden Enden gehen flügelartige Ausbreitungen aus, die mit ihrer flachen
Basis am Gestein festsitzend, die Hauptstütze des Nestes bilden, das aus
einer sehr dünnen, durchscheinenden, weissen oder bräunlichen Masse
besteht, die am meisten Aehnlichkeit mit Hausenblase hat und wellige
Querstreifen zeigt. C. nidifica, die auf Java wohl noch häufiger ist,
als die andre Art, wohnt in weniger unzugänglichen Höhlen und baut ihre
Nester, die den andern sehr ähnlich sehen, zum grossen Theil aus
Pflanzenbestandtheilen, welche durch die leimartige Substanz an einander
geklebt werden, während die Nester von C. esculenta ausschliesslich aus
dieser Substanz bestehen. Einige hielten diesen Stoff für den
verhärteten Saft eines Baumes, Calambone,[91] andere für Seetang, vom
Vogel verzehrt und wieder ausgespieen; doch hat man in seinem Magen nie
Spuren von Pflanzenstoff, sondern nur Insekten gefunden. Einen Kropf, in
dem die Metamorphose vor sich gehen könnte, besitzt der Vogel nicht.
Bernstein fand aber an ihm ungewöhnlich entwickelte Speicheldrüsen,
besonders glandulae sublinguales, die zur Zeit des Nestbaues
ausserordentlich anschwellen, dann wieder kleiner werden und später die
gewöhnliche Grösse dieses Organs bei verwandten Vögeln nicht
übertreffen. Sie sondern einen dicken, zähen Schleim ab, der sich in
grosser Menge an der Oeffnung der Ausführungsgänge dieser Drüsen, vorn
unter der Zunge, anhäuft. Die Masse hat, oberflächlich betrachtet,
grosse Aehnlichkeit mit einer sehr dicken Lösung von Gummi Arabicum,
trocknet schnell an der Luft und stimmt auch, unter dem Mikroskop
betrachtet, vollständig mit der Substanz der Nester überein. Bernstein
beobachtete mehreremale diese Vögel beim Nestbau. Sie fliegen wiederholt
an die gewählte Stelle und drücken mit der Zungenspitze einen Tropfen
des Speichels gegen die Felswand. Dies wiederholen sie zehn- bis
zwanzigmal, ohne sich mehr als eine Elle weit vom Platz zu entfernen,
sie müssen also das Material, das sich schnell wiedererzeugt, in
grösserer oder geringerer Menge bei sich führen. So entsteht als
Grundlage des Nestes eine hufeisenförmige Erhöhung, der Vogel klammert
sich daran und vergrössert, indem er mit dem Schnabel hin- und herfährt
und den Schleim am Rande aufsetzt, das Nest, wodurch auch die oben
erwähnten Streifen entstehen. Alle diese Angaben beruhen nicht auf
Vermuthungen, sondern sind die Ergebnisse von Dr. Bernstein's
wiederholten, mit grosser Umsicht angestellten Beobachtungen.

Von Karang-bollong kehrte ich nach Tjelatjap zurück. Schon in Adiredjo
sah ich grosse Vorbereitungen für den auf den folgenden Tag
festgesetzten Empfang des neuen Residenten von Banjumas treffen. Es
erhoben sich ganze Reihen von Ehrenpforten aus Bambus, und gegen Abend
fanden sich die holländischen und inländischen Beamten mit ihrem
zahlreichen Gefolge ein, um dem Residenten von hier aus das Geleit zu
geben. Die Strasse nach Tjelatjap war mit Zügen von Lanzenträgern
bedeckt, die zu einem Rompok (Tigerstechen) entboten waren. Am folgenden
Morgen hatten sich die vornehmsten Beamten mit dem Residenten im Pendopo
des Regenten zur Erledigung der amtlichen Geschäfte versammelt. Neben
dem Residenten in einfacher Uniform sass der Tumongong (Regent) in
vollem Schmuck, den Sarong in künstliche Falten gelegt, 2 Krise an der
Seite, eine fast fusshohe cylindrische Mütze auf dem Kopf; daneben auf
dem Boden kauernd, dem Range nach geordnet, die höheren inländischen
Beamten; vor der Halle im Freien hockten mit ihrem Gefolge die Bedanas
und Aeltesten der verschiedenen Dorfschaften, um die Vertheilung der
ihre Gemeinden treffenden Steuern und Lasten mit den Regierungsbeamten
zu vereinbaren, wie es alljährlich geschieht. Nachdem die Geschäfte
abgemacht, hielt der Resident dem Tumongong eine kurze Ansprache, worauf
dieser vor die Versammlung trat und sie anredete. Darauf begaben sich
der Resident nebst dem Regenten, von fast allen in Tjelatjap anwesenden
Europäern gefolgt, nach einem Pavillon, um einen Kampf zwischen
Königstiger und Büffel mit anzusehen. Ein wohl 20' hoher cylindrischer
Bambuskäfig enthielt einen bekränzten Büffel; auf ein gegebenes Zeichen
wurde eine kleine Thür geöffnet, die zu einem daran stossenden,
kleineren, den Tiger enthaltenden Käfig führte. Alles wartete mit
Spannung, der Tiger erschien aber nicht. Erst nachdem er ziemlich lange
durch brennende Fackeln gepeinigt worden, schlüpfte er aus dem kleinen
in den grossen Käfig, zeigte aber durchaus keine Kampflust. Er lief
einigemal ängstlich im Kreise herum, bis ihm der Büffel, der ihn
anscheinend mit dem Gleichmuth eines Unbetheiligten betrachtet hatte,
einen Stoss gab, worauf der Tiger vor Angst an den Stäben in die Höhe
kletterte. Durch kochendes Wasser, Absud von Pfeffer und Lanzenstiche
wurde er von dort vertrieben. Beide Thiere wurden unaufhörlich von den
oben auf dem Käfig stehenden Leuten gereizt, bis der Tiger endlich einen
Sprung that und sich fest in das rechte Ohr des Büffels einbiss, indem
er seine Tatze zugleich in den Nacken seines Gegners tief einschlug. Der
Büffel versuchte vergeblich, ihn abzuschütteln, heulte vor Schmerz und
schleifte den Tiger mehrmals auf dem Boden rings herum. Endlich liess
dieser los und erhielt ein paar so kräftige Stösse, dass er wie todt
liegen blieb. Der Büffel beroch ihn; als aber der Tiger den Versuch
machte, nach ihm zu schnappen, erhielt er einen solchen Stoss, dass er
wieder alle Viere von sich streckte. Das Publikum war zwar noch lange
nicht befriedigt und wendete Pfeffer- und Stinkbrühen, Lanzenstiche und
brennende Fackeln an, um die erschöpften Thiere noch einmal an einander
zu bringen; aber vergeblich; die kleine Thür wurde endlich wieder
geöffnet, der Tiger durch Feuer zum Aufstehen genöthigt, schlüpfte
behend in seinen Käfig zurück.

[Illustration: FEST IN TJILATJAP. JAVA.]

Nachmittags um 5 Uhr fand auf dem Alun-alun, vor dem Hause des Regenten,
ein ~Rompok~ statt. Der grosse viereckige Platz war mit mehreren Reihen
von Lanzenträgern umgeben, es mochten ihrer wohl über 2000 sein. In der
Mitte des Vierecks standen zwei kleine, mit Stroh überschüttete Käfige
und ein dritter, höherer, in Form eines Daches. Die beiden ersten Käfige
enthalten je einen Tiger. Ein dichter Kranz von Zuschauern umgiebt die
Lanzenträger. Auf ein gegebenes Zeichen wird ein Käfig in Brand
gesteckt, der Tiger will aber durchaus nicht erscheinen. Es ist dieselbe
arme Bestie, die schon heut morgen vom Büffel so übel zugerichtet wurde;
schon fürchtet man, dass er verbrannt oder erstickt sei, als er endlich
mit dem Hintertheil zuerst zum Vorschein kommt. Kaum aber hat er sich
umgesehen, so läuft er in den brennenden Käfig zurück, und es dauert
abermals geraume Zeit, bis er zum zweitenmal heraustritt. Ohne sich vom
Platz zu rühren, mustert er genau das Terrain und späht ängstlich nach
einem Schlupfwinkel. Da er keinen Schritt thut, setzt sich das mit
Bewaffneten angefüllte dachförmige Gestell in Bewegung, aus dessen
Oeffnungen ihre langen Lanzen hervorragen. Sie zwingen endlich das
Thier, sich zu bewegen. Da der Tiger fast immer gegen die Richtung des
Windes läuft, so war die Windseite am stärksten bemannt worden. Diesmal
aber wich er mit richtigem Takt von seiner Gewohnheit ab, stürzte sich
plötzlich auf eine schwach bemannte Stelle in der Nähe unseres
Pavillons, und machte einen verzweifelten Versuch, durchzubrechen. Kaum
aber hatte er die Stelle erreicht, als er von zwanzig Lanzen durchbohrt
zu Boden sank. Man steckte den zweiten Käfig in Brand. Das muthige Thier
springt mit einem Satz heraus, stutzt, mustert seine Feinde, setzt sich
in Lauf und versucht an der Windseite einen Durchbruch, dort
zurückgedrängt, wiederholt er einige Schritte weiter denselben Versuch,
wird aber sogleich durchbohrt, indem alle Nahestehenden, unfähig, ihre
Leidenschaft zu zügeln, ihm ihre Lanzen in den Leib stossen. Der Regent
bot mir die Tiger an, da aber die Felle zerfetzt waren, und ich deren
bereits fünf besass, so begnügte ich mich damit, die Eingeweidewürmer
meiner Sammlung einzuverleiben und liess mir einige Tigerkoteletten
braten, die gegen Erwarten gut, fast wie Rindfleisch schmeckten, was die
übrigen Gäste nicht glauben wollten, die vor dem Fleisch einen gewissen
Ekel empfanden. Der Resident bestätigte aber mein Urtheil. Er hatte
früher in Banjuwangi, wo Rindfleisch nur selten vorkam, den Rücken eines
jungen Tigers in Form von Rinderbraten bereiten und einige in der
Provinz ansässige Pflanzer zum Diner einladen lassen. Das Fleisch
schmeckte ihnen vorzüglich, und sie entdeckten den Verrath erst, als sie
den Rest des Thieres in der Speisekammer hängen sahen.

Nachdem ich meine naturwissenschaftlichen und ethnographischen
Sammlungen, die auf der Reise so angewachsen waren, dass sie fast den
ganzen Platz im Wagen und einen auf dem Verdeck eingerichteten Raum
einnahmen, wohl verpackt dem Assistent-Residenten übergeben, der sie
pünktlich, wie er versprochen hatte, mit dem ersten Schiffe an unsere
Museen absandte, verliess ich Tjelatjap und begab mich nach Banjumas,
Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, wo ich einige Tage im Hause des
Residenten zubrachte. Neben der sehr geräumigen „Residenz” lag ein
zweites Haus mit breiter Veranda, eine ganze Reihe Fremdenzimmer
enthaltend, in welchen die fünf oder sechs gleichzeitig anwesenden Gäste
so unabhängig und behaglich, wie in einem guten Hotel wohnten.

In Adjibarang, einem SW. vom Slamat gelegenen Dorfe, traf ich eine
Abtheilung Topographen (Mestizen) unter Leitung eines holländischen
Hauptmanns, und war erstaunt über ihre Leistungen. Die in aequidistanten
Horizontalen aufgenommenen Messtischblätter eines reich bewässerten,
verwickelten Hügelterrains konnten sowohl in Bezug auf Genauigkeit als
auf schöne klare, reliefartige Darstellung den besten europäischen an
die Seite gestellt werden. Der Maasstab war 1: 10,000. Seit 1848 besteht
in Gombong eine Schule für Europäer und Mischlinge, zur Heranbildung von
Unteroffizieren; die besseren Schüler werden zu Topographen ausgebildet.
Ganz in der Nähe von Adjibarang ist ~Batubala~, eine wenige Fuss breite,
über hundert Fuss lange, tiefe Spalte, nahe dem Rande einer gegen 200'
hohen, senkrechten Lavawand, in welche früher die Sultane von Jokjokarta
ihnen unbequeme Personen ohne alle Form von Prozess mit auf den Rücken
gebundenen Händen werfen und elend verschmachten liessen. Von Adjibarang
bis Purwolingo, um den SO.-Fuss des Slamat herum, breitet sich zu beiden
Seiten reiches Kulturland aus, ungemein ergiebig durch fruchtbaren
Boden, reichliche Bewässerung und den Fleiss einer dichten Bevölkerung.
Während aber in den meisten Ländern die fruchtbarsten Auen sehr
einförmig sind, und nur mittelbar durch die Betrachtungen über ihren
Nutzen erfreuen, gehören die Sawas in diesen malerischen
Berglandschaften zu den schönsten Bildern, die man sehen kann. Jeder
Hügel ist fast bis zum Gipfel von Terrassen umgeben, die seinen Umrissen
folgen und diesen Denkmälern menschlichen Fleisses die Gestalt
gegliederter Baudenkmäler geben, während tausend kleine Kaskaden die
starre Form beleben.

In Purwolingo erwartete mich der Assistent-Resident. Wir legten die
erste Strecke im Wagen zurück, ritten dann bis Bobotsári und am
folgenden Tage nach Priatin. Nicht weit von der Strasse bricht die
Quelle des Kali-arus mit solcher Wasserfülle aus horizontalen Lavabänken
hervor, dass ein schnell fliessender, 5' breiter Bach daraus entsteht.
Aus einigen Löchern sprudelte das Wasser 1/2 Fuss hoch.

Etwas weiter, in der Nähe des Dorfes Seraju, liegt der malerischste
Wasserfall, den ich je gesehen (Tjipotut): vom Rande der dicht
bewachsenen Hinterwand fällt ein reichlicher Bach in ein erstes, fast
kreisrundes, flaches Becken, in dessen mittlerem Theil das Wasser einen
Teich bildet, worin mehrere Frauen badeten, während andere auf dem
ringförmigen Rande im Schatten schlanker Bambusen mit ihnen scherzten.
Aus einer Rinne stürzte das Wasser in ein zweites Becken und von da in
einen tiefen, runden Kessel, dessen finstere mit Farnen bekleideten
Tuffwände einen schönen Gegensatz zu den oberen sonnigen Becken
bildeten. Als ich vom Wasserfall zurückkehrte, sah ich meinen Begleiter
beschäftigt, Anstalten gegen den Regen zu treffen, der uns bevorstand,
d. h. er wickelte seine Uhr und Brieftasche geschickt in ein
Bananenblatt, so dass das Wasser davon, wie von einem Dache ablaufen
musste. Kaum waren die Vorbereitungen vollendet, als ein heftiger Regen
eintrat, der ununterbrochen bis Priatin anhielt, das wir nach einigen
Stunden erreichten. Herr B. war wieder ein Beispiel für die Richtigkeit
der Behauptung, die ich in Indien so oft von Aerzten und alten
Praktikern hörte, dass nämlich ein sonst gesunder Körper sich am besten
akklimatisirt, wenn er kein Wetter und keine Strapazen scheut. Obgleich
mein Gefährte schon 28 Jahre in ostindischen Diensten stand, und
namentlich als Kontrolör grosse Beschwerden erduldet hatte, war er noch
so rüstig, dass er in seiner dünnen Kattunjacke den in 3-4000' Höhe doch
ziemlich kalten Regen anscheinend ohne alle Belästigung ertrug. Der
Abend in Priatin war sehr schön. Die Kulis lagerten sich um ein
gewaltiges Wachtfeuer und erfreuten sich am Gamelang und Tanz der
Ronggengs, der bis spät in die Nacht dauerte.

Am folgenden Morgen, nachdem ich mich von meinem freundlichen Begleiter,
der nach Purwolingo zurückkehrte, verabschiedet hatte, bestieg ich den
Slamat, auf dessen östlichem Abhang Priatin in 4000' Höhe liegt. Einen
Paal weiter stehen die letzten von einigen Kaffeebauern zeitweis
bewohnten Hütten. Das Steigen wäre viel beschwerlicher gewesen, hätten
wir nicht bald Rhinozerospfade getroffen, die in bequemen Windungen bis
an den Schuttkegel führen, aus dem die Spitze des Berges besteht. Diese
Thiere müssen hier sehr häufig sein, wir trafen vielfach ihre Spuren. Im
ganzen Westen von Java kommen sie vor; der Slamat bildet aber die
östlichste Grenze ihres Verbreitungsbezirks. Das Nashorn ist so scheu,
dass man es fast nie zu Gesicht bekommt; doch werden einzelne Fälle
angeführt, wo es, wahrscheinlich in der Brunstzeit, Menschen angegriffen
hat. Die plumpen Thiere ersteigen die höchsten Berge, wo sie ihr
Lieblingsgras in Menge finden, und sind unübertrefflich im Anlegen von
Strassen: indem sie immer derselben Spur folgen, schleifen sie mit ihrem
tief herabhängenden, faltigen Lederpanzer und dem daran haftenden Sande
allmälig tiefe Rinnen mit völlig glatten Wänden selbst in das härteste
Gestein. Nicht minder wunderbar erscheint der ausgezeichnete
topographische Takt, mit welchem alle Terrainschwierigkeiten umgangen,
steile Stellen durch Zickzacklinien überwunden werden; das Wunder
erklärt sich aus der Unbeholfenheit des Thieres, dem schwierige Stellen
unzugänglich sind. -- Das Fell des Rhinozeros dient zu verschiedenen
Zwecken; als Schild lässt es keine Musketenkugel durch; die Chinesen
gebrauchen es in der Medizin. Das Horn gilt in Java als ein sicheres
Mittel gegen Schlangengift, nicht nur bei den Eingebornen, auch viele
gebildete Europäer sind von seiner Wirksamkeit so fest überzeugt, dass
sie auf Reisen gewöhnlich eine dünne Scheibe davon bei sich tragen, in
der Meinung, dass durch Auflegen der porösen Masse auf die Wunde das
Gift unfehlbar ausgezogen wird. Eine Dame, die auf diese Weise einen von
einer Schlange Gebissenen „geheilt”, hatte sogar die Hornscheibe vorher
in Essig gelegt, um sie noch wirksamer zu machen!

Nachdem wir die Waldgrenze überschritten und die Region betreten hatten,
in welcher nur einzelne Bäume aus einige Fuss hohem Grase hervorragten,
genossen wir einen prächtigen Anblick. Hinter den Vorbergen des Slamat
sah man das nördliche Flachland und hinter diesem die Java-See sich
ausbreiten, im Westen überragte der Tjerimai die kleineren Berge, im
Osten thürmte sich ein hoher Vulkan hinter dem andern auf, dahinter die
9-10,000' hohen Sindoro, Sumbing, Merapi, Merbabu; im Süden lag die
reiche Provinz Banjumas und der indische Ozean. Die beiden Meere sind
von hier fast gleichweit entfernt. Mehrere tausend Fuss unter uns
schwebte in einer horizontalen Ebene die Wolkenschicht, unzählige Cumuli
bildend, und warf auf den Erdboden scharf begrenzte Schatten, die durch
die Zwischenräume deutlich zu erkennen waren. Der schöne Anblick dauerte
nicht lange, die Cumuli verschwammen zu einer dichten, jede Aussicht
verhüllenden Nebeldecke, noch ehe wir den oberen Rand der Grasregion
erreicht hatten, die scharf, wie abgeschnitten, an den Schutthaufen
grenzt, auf dem man die letzten paar tausend Fuss zum Kraterrande
emporsteigt. Als ich mit 2-3 Begleitern oben ankam, stellte sich ein
feiner, kalter Regen ein, der uns in unserer sehr dünnen Kleidung vor
Kälte zittern machte. Allmälig kamen einige Leute mit Gepäck, es wurde
ein Wachtfeuer angezündet; gegen Abend glich der Berggipfel einem
grossen Lagerplatz. Herr B. hatte in liebenswürdigster Zuvorkommenheit
20 Kulis zu meiner Begleitung bestimmt, und dieselben mit allerlei
Geräthen der Bequemlichkeit ausgerüstet, um diese Exkursion zu einer
wahren Vergnügungsreise für mich zu machen. Als ich aber gegen Abend die
Menschen an den verschiedenen Feuern zählte, waren ihrer über 80, von
denen die grosse Mehrzahl doch nur zu ihrem Vergnügen sich betheiligt
haben konnte, da nicht anzunehmen ist, dass jeder Kuli noch drei
Unter-Kulis habe.

Aus drei Matten und ein paar Bambusen war schnell eine kleine Zelle für
mich erbaut, deren eine Seite die Felswand bildete. Allmälig füllte sie
sich mit allerlei Luxusgegenständen: ein Träger brachte eine
Lampenglocke, andre ein Waschbecken, Teller, Theetassen. Ein trockener
Rock und etwas zu essen wäre mir lieber gewesen; die Aussichten für die
Nacht waren etwas ungemüthlich, als zu meiner Freude noch spät Abends
der Koch erschien, der schon auf einem Halt unterwegs das Essen
zubereitet hatte. Mit ihm zugleich kam eine mit Baumwolle gestopfte
Matratze, worin ich eine unerwartet angenehme Nacht zubrachte, indem ich
ihr oberes Ende aufschnitt und bis an den Hals hineinkroch.

Bei ihrem Aufgang warf die Sonne den langen Schatten des Slamatkegels
auf die über der Ebene schwebende Wolkenschicht, aber bald wurde es
völlig trübe und die Aussicht beschränkte sich auf die nächsten Punkte.
Am nördlichen Abhang erblickt man einige kleine Seitenkrater, wie man
deren so viele am Aetna wahrnimmt. Gegen Mittag verliessen wir den
Gipfel. Am unteren Rande des Schuttkegels begegneten wir noch mehreren
Kulis mit Gegenständen, die uns gestern Abend sehr angenehm gewesen
wären. Sie hatten die Nacht im weichen Grase gelagert und kehrten nun
mit uns um. Als wir kaum die Rhinozerospfade betreten hatten, begann es
so heftig zu regnen, dass diese schmalen, Laufgräben ähnlichen Wege sich
in Bäche verwandelten. Um 4 Uhr Nachmittags waren wir wieder in Priatin.

Bei der Rückkehr nach Banjumas hatte ich das Vergnügen, unsern
Landsmann, den Oberst v. S., kennen zu lernen, der als Chef des
Geniewesens auf einer Inspektionsreise begriffen war und mir bis zu dem
Augenblick, wo ich Java verliess, unzählige Gefälligkeiten erzeigte.
Mein Bedienter war von den Strapazen der letzten Reise krank geworden;
der Resident von Banjumas nöthigte mir, als ich nach einigen Tagen
abreiste, einen der zuverlässigsten und intelligentesten seiner eigenen
Diener auf, der mich während meines ganzen ferneren Aufenthalts in Java
begleitete und überhäufte mich überdies mit Aufmerksamkeiten, deren ich
zum Theil erst nach meiner Abreise inne wurde.

Ich kann nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit nochmals der grossen
Gastfreundschaft in Java und der Art ihrer Ausübung zu gedenken, denn
sie bildet einen der hervorragendsten Züge im dortigen Reiseleben, der
in der Erinnerung um so deutlicher hervortritt, je mehr sich die andern
Eindrücke verwischen. -- Bei den Völkern lateinischer Abstammung wird
Einem im ersten Auflodern der Gefälligkeit so viel mehr versprochen, als
gehalten werden kann, dass Alles nothwendig auf eine höfliche Formel
hinauslaufen muss, die aber gerade, weil sie nichts kostet, so allgemein
ist, dass der oberflächliche Verkehr mit ihnen dadurch eine angenehme
Färbung erhält. Die Engländer, die das, was sie versprechen, auch
wirklich zu halten meinen, zaudern vorsichtig mit ihrem Entgegenkommen
und stossen expansive Ausländer durch ihre kalte Gemessenheit ab. In
Java wird die Formel der Spanier: „Sie sind in Ihrem Hause, dies Haus
ist das Ihrige”, zur Wahrheit, ohne je ausgesprochen zu werden; wie
überhaupt die unzähligen, dem Fremden erwiesenen Dienste, aus Furcht,
dass er sie ablehnen könnte, nie vorher angeboten werden. Dass der
Bediente nach den kleinen Gewohnheiten, den Lieblingsgerichten, den
Speisestunden seines Herrn ausgefragt, und dass danach die Hausordnung
abgeändert wird, ist durchaus nichts seltenes; aber nicht nur auf die
Dauer des Besuchs beschränkt sich die liebenswürdige Fürsorge;
mehreremale, wenn ich auf einem Berggipfel oder in einem abgelegenen
Pasanggrahan das tägliche Huhn mit Reis essen wollte, fand ich den Tisch
mit allerlei Leckerbissen besetzt, welche die Frau des Hauses, in dem
ich zuletzt eingekehrt war, dem Diener heimlich zugesteckt hatte.



Fünftes Kapitel.

    Hochebene von Dïeng. Vulkane. Solfataren. Tempel. -- Vogelscheuchen.
    -- Tempel Perot. -- Affengemeinde. -- Bad. -- Fliegende Hunde. --
    Borobudor. Pavon. Mundut. -- Sultan von Jokjokarta und seine
    Familie. -- Salzgewinnung. -- Karang-tritis. -- Getäuschter
    Gastfreund. Landpächter. -- Indigofabriken. -- Begräbnissplatz
    Imogiri. -- Tempel bei Kalasan und Prambanan. -- Surakarta. -- Der
    Kaiser und sein Hofstaat. -- Betelkauen. -- Pangerans. -- Tanz. --
    Der alte Blücher. -- Batek. -- Berg Lawu. Raden Rio. -- Neujahrsfest
    in Surakarta.


Von Banjumas führt eine schöne Strasse im Serajuthal auf der linken
(südl.) Seite des Flusses nach Bandjar-negara. Der Ort hat eine sehr
hübsche Lage. Den Hintergrund bildet eine Berglandschaft mit schönen
vulkanischen Profilen, überragt vom Sindoro und Sumbing, den beiden
Brüdern, wie sie die Schiffer nennen, die sie von der Rhede von Samarang
erblicken; im Vorgrund ziehen sich die Terrassen der Reisfelder an den
Seiten der steilsten Hügel hinan. Eine Wasserleitung, die Bandjar-negara
mit gutem Trinkwasser versorgt, überschreitet in doppelter Bogenreihe
den Fluss und sieht fast wie ein Römerwerk aus. Der Fahrweg folgt dem
Laufe des Flusses bis Wonosobo; ich setzte aber die Reise zu Pferde über
Karang-kobar und Batur nach dem berühmten Plateau von Dïeng fort. Gleich
bei Bandjar-negara führt eine malerische Bambusbrücke über den
Fluss.[92] In einem kleinen Warong daneben sah ich Yams (Dioscorea sp.)
von intensiv violetter Farbe feil bieten.

Hier beginnt die Strasse, die in Bezug auf grossartige Landschaften wohl
jede andre in Java übertrifft: zwischen Hügeln, die ganz mit Sawas
bedeckt sind, erheben sich kühne Felsen; einer derselben, der
Gunong-labet, besteht aus dem Rest einer einzigen riesigen, konzentrisch
schaligen Trachytkugel. In weiterer Ferne thürmen sich durch tiefe
Schluchten zerrissene Gebirge immer höher auf bis zum Slamat, dessen
10,630' hoher Gipfel alles überragt. Hinter Karang-kobar wird die
Landschaft noch ernster, die fast kahlen Berge zeigen ihre Modellirung
um so deutlicher. Für Reisfelder ist es hier oben zu kalt; Mais, Tabak,
Weizen und Gemüse treten an ihre Stelle. Auch Bambusen sieht man wenig
in dieser Höhe, deshalb führen hölzerne Brücken über die Bäche. Von den
Häusern sind die besseren aus Holz, die ärmeren aus Glaga, dem mehrfach
erwähnten Rohr, die Wände bestehen aus den Halmen, die Dächer aus den
Blättern.

Bei Batur (5000') betritt man im NW. die Hochebene von Dïeng, Javas
phlegräische Felder. Der Weg führt zuerst durch braune Tuffschluchten,
ganz wie bei Rom, und das Plateau ist kahl wie die Campagna. Links von
der Hauptstrasse liegt ~Kawa-dringu~, eine Vertiefung in einem
Bergabhang, der aus abwechselnden Lagen von Rapilli und Trachytblöcken
besteht, ein graubrauner Schlammsee, etwa 20' lang und 50' breit bedeckt
den Boden; die Dampfentwickelung ist so heftig, dass der Schlamm
stellenweise 4 Fuss in die Höhe geworfen wird. In geringer Entfernung,
NzO., liegt ~Telaga-dringu~, ein Wasserbecken im Boden eines alten
Kraters mit etwa 120' hohen, sanft ansteigenden Wänden. Das Wasser ist
nicht tief, selbst aus der Mitte ragen Binsen hervor. Der westliche
Abhang ist mit Gras, der östliche mit Gesträuch und Bäumen bewachsen,
die sich in Gruppen bis auf eine etwas erhabenere Felsbank in den See
hineinziehen, auf welchem viele Tauchenten den Fischen nachstellten.

[Illustration: BRÜCKE AUS BAMBUS U. ROTANG. WONOSOBO, JAVA.]

~Sumor-djalatunda~, Junghuhn nicht bekannt, daher auf seiner Karte von
Dïeng nicht angegeben, liegt ca. 1-1/2 Paal in gerader Linie östlich von
Batur, SSW. von Kaputschuan. Dicht dabei schneidet die Strasse
Batur-Dïeng am Kali-puti (weissen Bach), der aus der Kawa-dringu kommt
und hier am äusseren Abhang des Sumor vorbeifliesst; hier hat er schon
alles Sediment unterwegs abgesetzt, ist völlig klar, kalt und geruchlos.
Sumor (Brunnen) wird dieser Kratersee genannt, der ringsum von fast
senkrechten, üppig bewaldeten Wänden eingefasst ist. Der See, der den
Boden einnimmt, ist oval, seine grösste Länge in der Richtung von N.
nach S. beträgt gegen 100', sein Wasser ist dunkelgrün. Das ganze Becken
erinnert sehr an Telaga-warna am Megamendong, nur betritt man dies
letztere im Niveau des Wassers durch eine Spalte in der Kraterwand,
während hier das Seebecken unzugänglich ist. Die Wände sind 130-150'
hoch und ringsum geschlossen, wie der Kessel eines Brunnens. Die
äusseren Abhänge dieses Kraters bestehen an der einzigen Stelle, wo ich
sie entblösst fand, aus sehr feinen weissen Tuffen, in welchen einige
Schichten trachytischer Rapilli vorkommen.

Vierhundert Schritt östlich ist das ~Todtenthal~. Im Boden eines Kraters
mit sanft geneigten Wänden, die mit Gras und Bäumen bewachsen oder mit
Kohl und Tabak bepflanzt sind, liegt halb vergraben in der
Rapillischicht, die den Boden bildet, ein grosser, flacher Stein, der
schönste Trachytporphyr, den ich bis jetzt auf Java getroffen; dies ist
die Stelle, wo früher die Mofette (siehe S. 147, Anmerkung) am
heftigsten war. Ein paar Kulis erwarteten uns hier mit einem Hund und
einem Huhn, um zu versuchen, ob die Ausströmung des Gases hinreichen
würde, die Thiere zu betäuben; diese empfanden aber gar keine Wirkung.
Der Auftritt erinnerte lebhaft an die neapolitanischen, zum Prellen der
Fremden ersonnenen Kunststückchen in der Hundegrotte; hier war es
indessen eine uneigennützige Aufmerksamkeit des Häuptlings. Die
Ausströmungen scheinen fast ganz aufgehört zu haben, nur periodisch
bemerkt man noch Spuren, wie sich aus einigen am Boden liegenden
gebleichten Skeletten, sämmtlich kleinen Thieren angehörend, schliessen
liess. Der schönste Sonnenschein beleuchtete die Kohlfelder dieses nach
den Schilderungen des älteren Darwin so grausigen Ortes.

~Telaga-leri.~ Von üppigem Wald umschlossen, mit schön bewachsenen
Inseln geschmückt, breitet sich ein grosser Schlammsee aus, mit graugrün
schimmerndem, heftig wallendem Wasser, aus welchem hohe Dampfwolken
aufwirbeln. Durch die ringsum thätigen, das Gestein zersetzenden
Solfataren sind unzählige Buchten, Inseln und Landzungen entstanden. Der
Mittelpunkt der vulkanischen Thätigkeit liegt gegenwärtig am Ostufer,
aus dessen Sprudeln und Pfützen mehrere siedend heisse Bäche abfliessen,
so dass wir die Eier und Kartoffeln zu unserer Mahlzeit durch Eintauchen
darin kochen konnten. Mitten in dieser Verwüstung steht ein Schuppen,
zwischen dessen Dielen eine dichte Vegetation von Faseralaun
effloreszirt, der auch um denselben einen Teppich bildet. Dicht am
Ostrande, unmittelbar neben den kochenden Wassern fliesst ein klarer,
kalter, reiner Bach vorbei. Gegen Abend erreichten wir das eigentliche
Plateau von Dïeng, ein ovales, ringsum von Bergen eingeschlossenes Thal.
Indem wir über seine Fläche nach dem am jenseitigen Abhang (im Osten)
gelegenen Pasanggrahan ritten, zeigten sich in geringer Entfernung von
uns, zur Rechten, 4 kleine 20-25' hohe Tempel in einer Reihe, und ein
fünfter, kleinerer, etwas seitwärts.[93]

Auf der Südseite des Plateaus erhebt sich am Abhang eines kleinen Hügels
der mit schöner Skulptur reich verzierte Tempel Werkodoro und hinter ihm
eine trotz ihrer Entstehung durch Solfataren liebliche Landschaft:
kleine türkisblau und smaragdgrün glänzende Seen in blendend weissem
Tuffboden von einer zackigen Bergwand umschlossen. Die Sohle des Thales
von Dïeng ist an vielen Stellen versumpft, man kann aber grosse Strecken
weit auf Lavafliesen gehen, überall liegen Trümmer behauener Steine
umher. Auf den Abhängen stehen noch mehrere kleine mit Gesträuch
bewachsene Tempel, die meisten sind aber umgestürzt und bilden nur noch
Schutthaufen. Die gewaltigen Naturerscheinungen, die hier in seltener
Fülle als Vulkane, Solfataren, kochende Seen auftreten, scheinen dem
religiösen Aberglauben grossen Vorschub geleistet, die Bildung einer
mächtigen Priesterkaste begünstigt und die Gründung zahlreicher Tempel
veranlasst zu haben. Junghuhn entdeckte hier eine merkwürdige Inschrift,
von der bis jetzt nicht ausgemacht ist, welchem Volk und welcher Zeit
sie zugeschrieben werden muss. -- Ein mit dem Brahma- und Buddhakultus
und seinen Monumenten vertrauter Forscher würde gewiss hier sowohl als
weiter östlich in Java ein reiches Feld für seine Thätigkeit finden.

Die ganze Nacht hindurch wüthete ein heftiger Sturm aus Ost, der einen
Theil des Pasanggrahans abdeckte; er hielt den ganzen Tag über an und
legte sich erst gegen Abend. Der Wind war kalt und unbequem in dieser
Höhe (über 6000') und noch unangenehmer auf den Bergen, die sich aus dem
Plateau erheben und wie dieses baumlos sind. Die aus der heissen Ebene
mit heraufgekommenen Leute froren den ganzen Tag trotz der reichlichen
Bewegung; die hier oben Ansässigen aber ertrugen die Kälte sehr gut, und
völlig nackte kleine Jungen kauerten müssig vor den Häusern in
anscheinender Behaglichkeit. Wir verliessen das Kesselthal von Dïeng im
Süden und ritten an dem schönen Tempel Werkodoro und dem tiefblauen See
Telaga-warna vorbei, der etwas nach Schwefelwasserstoff roch. Bevor wir
den Vulkan Pakuodjo erreichten, sahen wir rechts von der Strasse einen
hohen Felspfeiler, Gunong-batu, von wo aus man eine schöne Uebersicht
des Pakuodjo hat, der aus einem geschlossenen Krater und einer grossen
Schlucht besteht. Der Sturm war jetzt so heftig, dass wir den Gipfel
nicht besteigen konnten. Der Boden des Kraters ist ganz flach, mit einer
hohen Erdschicht ausgefüllt, auf dem das herrliche rothe Rhododendron
Javanicum in ziemlicher Menge unter andern Sträuchern wächst. Eine
niedrige Zwischenwand führt in die daneben liegende Schlucht. Diese
streicht von S. nach N. mit steilem Fall; in der Mittellinie derselben
zieht sich ein grosser gewölbter Schuttberg herab und stürzt sich im N.
über den flachen Rand. Er sieht von ferne täuschend wie ein erstarrter
Lavastrom aus, ist aber nur das Ergebniss der höher oben an den
Bergwänden thätigen Solfataren, die das Gestein zersetzen und in grossen
Blöcken oder als Schuttmassen hinabstürzen; so entsteht ein langer,
schmaler Rücken von Bergtrümmern, der durch die Wirkung des
herabrieselnden Wassers auf der stark geneigten Sohle allmälig weiter
geschoben wird. Der Boden des daneben liegenden Kraters ist viel höher
und wird durch das an seinen Wänden zersetzte Gestein immer mehr
aufgehöht, da sein Rand völlig geschlossen ist. (Mittags im Schatten
12,8°R.)

Von hier besuchten wir die am Fuss des Berges Pangonan gelegene
Solfatara Tjondro di muka, wo im Jahre 1834 ein Kontrolör in den
heissen Schlamm einsank und, obgleich schnell herausgezogen, an den
Brandwunden starb. Die Stelle ist durch einen Stock bezeichnet, der von
Zeit zu Zeit erneuert wird; die Eingebornen nennen auch wohl die ganze
Solfatara „tuwan Kontrolör punja tjelaka” (das Unglück des Herrn
Kontrolör). Sie nimmt den Grund eines alten Kraters ein, dessen Wände
fast zerstört sind und dessen Boden mit grünem Rasen bedeckt ist, mit
Ausnahme derjenigen Stellen, wo die Fumarolen thätig sind. Am Abhange
des Berges Pangonan, dicht bei Tjondro di muka, ist eine ähnliche
Solfatara, aus welcher ein grosser Schlammstrom herabgeflossen ist, der
jetzt im verhärteten Zustande auf den ersten Anblick wie ein Lavastrom
aussieht. Auch zeigt er an den Stellen, wo der Abhang steiler ist, die
eigenthümliche strickförmige Textur schnellgeflossener Laven. Verfolgt
man den Strom nach oben, so findet man auf einem flachen Absatz des
Bergabhanges neben mehreren noch kochenden Schlammseen ein entleertes
Becken mit zerborstener Wand als Ursprung des erwähnten Schlammstromes.
Der Berg Pangonan enthält zwei Krater; in den südöstlichen kann man
hineinreiten, sein Boden ist sehr versumpft, weshalb ein gleichnamiges
Dorf, das früher darin stand, verlassen wurde. Auf den flachen
Terrassen, die den Kessel fast in seinem ganzen Umfange umgeben, wurde
Mais, Tabak und Kohl gebaut, der Boden war mit Binsen und grobem Gras,
die Pfützen mit Brunnenkresse bedeckt. Von zehn kleinen Tempelchen,
welche Junghuhn's Karte auf dem äusseren Abhang angiebt, fand ich nur
noch drei aufrecht, und den Schutthaufen eines vierten. Sie sind im
Grundriss quadratisch, jede Seite von 2,25 Meter Breite und 5,34 M.
Höhe, die Eingänge 0,85 M. breit, 1,83 M. hoch. Ringsum ist der Boden
mit behauenen Steinen und zertrümmerten Skulpturen bedeckt. Der Boden
des Nebenkraters wird fast ganz von einem See ausgefüllt,
Telaga-werdoto der Junghuhn'schen Karte, die Eingebornen nannten ihn
aber Merredada. Vom Zwischenrücken übersah man die Topographie des
Berges mit einem Blick. Der Abhang des Pangonan fasst die W.-Seite des
Plateaus von Dïeng ein und grenzt im N. an die Strasse Batur-Dïeng;
jenseit derselben und des Baches Dolog, im N., erhebt sich ein anderer
erloschener Vulkan, der Pager-kendeng. Am SW.-Abhange dieses Berges
liegt das früher beschriebene Telaga-leri; ein bequemer Reitweg führt
über die Kratermauer auf den Boden des Pager-kendeng-Kraters, in
welchem sich einige Menschen in elenden Hütten aus Farnstämmen und
Glaga angesiedelt hatten. Sie leben vom Anbau und der Bereitung des
Ricinusöls und Tabaks. Die Tabakbereitung ist sehr einfach. Die grünen
Blätter werden zusammengerollt, viele Rollen über einander zwischen
zwei senkrecht neben einander befestigte Bretter gelegt, fest gedrückt
und nach und nach vorgeschoben, wobei der die Bretter überragende
Theil mit einem scharfen Messer abgeschnitten wird, wie beim
Häckselschneiden. Die Streifen sind nicht dicker als ein Zwirnfaden.
Man trocknet sie zuerst an der Sonne, später über Feuer. Eine weitere
Behandlung erfährt der Tabak nicht; er wird hauptsächlich zum Kauen
verwendet, für sich allein oder mit Betel vermischt, auch macht man
Cigaretten daraus, indem man ihn in junge Seitenblätter der Nipapalme
wickelt. Am Nordostabhang liegt die Solfatara Panduh oder Sepanduh, die
wir erst bei völliger Dunkelheit erreichten. Die schwierigsten Stellen
der Strasse nach Dïeng wurden beim Schein der Fackeln zurückgelegt, die
schnell improvisirt waren, indem die Kulis im Vortrab ohne Weiteres
grosse Bündel Glaga aus den Umzäunungen rissen und anzündeten.

[Illustration: TEMPEL PEROT. JAVA.]

Leider konnte ich in Dïeng nicht länger verbleiben, da meine Ankunft in
Wonosobo bereits angemeldet war. Wir ritten in SSO.-Richtung zuerst
durch tief eingeschnittene Tuffwände nach Badak-banteng, kamen Abends
nach Telaga-mendjer, einem den Eifeler Maaren ganz ähnlichen
Wasserbecken in weissem Tuff, und am folgenden Tage nach Wonosobo. Auf
einem Maisfelde sah ich ein eigenthümliches System von Vogelscheuchen:
senkrecht gegen die Richtung eines schnellen Baches waren lange Reihen
schlanker Bambushalme in den Boden gesteckt, von deren übergebogenen
Spitzen lange in der Sonne stark glänzende Pisangblattstreifen
herabhingen. Die Spitzen der Bambusen jeder Reihe waren durch eine
straffe Schnur verbunden, die aber, wo sie den Bach überschritt, sich
bis in das Wasser hinabsenkte und ein dünnes Brett trug, das von dem
Wasser hin- und hergeschleudert wurde, und die ganze Reihe
Vogelscheuchen in Bewegung setzte.

Von Wonosobo aus bestieg ich den wegen seiner schönen regelmässigen
Kegelform ausgezeichneten Gunong-sindoro. Am Nordost-Abhang
hinabsteigend, erreichte ich spät Abends Adiredjo, wo ich bei dem Bedana
nach langem Zögern nicht sehr freundliche Aufnahme fand, da mein Besuch
nicht amtlich angemeldet war.

Ganz in der Nähe liegen zwei kleine zierliche Tempel, Perot und
Prengapus. Den Tempel Perot hat ein Feigenbaum zu seinem Postament
erwählt und mit einem Netz von Luftwurzeln umstrickt; er erhebt sich
darauf als eine dicke cylindrische Säule, die erst in 100' Höhe eine
mächtige Blätterkrone trägt. Da er bisher nie abgebildet worden, so
nahm ich eine sehr genaue Zeichnung davon auf. Am Nachmittag besuchte
ich die Quelle des Progo, der die Provinz Kadu, „den Garten von Java”,
bewässert und am Fuss von Borobudor vorbei, in den indischen Ozean
fliesst. Die schöne Quelle, die klar und sehr wasserreich aus einer mit
Farnen dicht bewachsenen Lavahöhle hervorbricht, geniesst bei den
Javanen hohe Verehrung. Kaum waren wir angekommen, als von den
umliegenden Bäumen eine Anzahl Affen (Semnopithecus maurus) herabstieg
und zutraulich dreist uns umringte. Wir fütterten sie mit Mais. Diese
Kolonie halbzahmer Affen existirt nach der später noch mehrfach
bestätigten Aussage des mich begleitenden Häuptlings schon seit alter
Zeit und überschreitet nie die Zahl 15; heute waren ihrer zwar
eigentlich 16, da eine garstige alte Aeffin ein Junges trug, das unter
dem Bauch der Mutter hing und den Kopf ängstlich hervorstreckte. Ist
das Junge aber herangewachsen, so wird es gezwungen, die Kolonie zu
verlassen, wenn es nicht ein anderes schwächeres Individuum zum
Austritt zwingen kann; es werden nie mehr als 15 geduldet, so
wenigstens erzählte man mir allgemein. Die Nacht brachte ich bei einem
vornehmen Javanen, dem Regenten von Temangung, zu, und begleitete ihn
am andern Tage zu einem ächt javanischen Bade. Wir ritten 1-1/2 Paal
weit nach einem krystallhellen Quell inmitten eines Haines. Den Boden
des geräumigen Beckens, in welchem Gold- und Silberfischchen
umherschwammen, bedeckte glänzend weisser Sand. Die Aeste eines daneben
stehenden Baumes hingen ganz voll Kalongs, während Schaaren derselben,
durch einige Schüsse aus dem Tagesschlaf geweckt, in der Luft
schwirrten. Diese Kalongs, auch fliegende Hunde oder Füchse genannt,
Pteropus edulis, sind grosse obstfressende,[94] über den ganzen
Archipel verbreitete Fledermäuse. Bei Tage hängen sie oft zu vielen
Hunderten in einem grossen Baum mit der Kralle des Daumens reihenförmig
an den Aesten, den Kopf nach unten, in ihre Flügel, die 4-5 Fuss
Spannweite erreichen, wie in einen Mantel fest eingehüllt, so dass sie
aus der Ferne wie riesige Birnen erscheinen. Werden sie nicht gestört,
so setzen sie sich erst Abends in Bewegung und richten wegen ihrer
grossen Menge beträchtlichen Schaden an, wenn sie statt über die
Früchte des Waldes über die Obstgärten des Dorfes herfallen. Dr. Oxley
erzählt (Journ. Ind. Arch. 1849), dass, als er in der Strasse von
Malacca vor Anker lag, ein Schwarm dieser Thiere mehrere Stunden
brauchte, um über ihn fortzuziehen, und Logan sah sie zu Millionen in
den Mangrove-Sümpfen am Nordrand der Insel Singapore hängen. Es ist
kaum möglich durch Netze das Obst gegen ihre Verheerungen zu schützen,
denn bekanntlich ist bei den Fledermäusen der Gehör-, Geruch- und
namentlich der Fühlsinn auf eine für uns so wunderbare Weise
entwickelt, dass sie im Stande sind gewissermaassen in die Ferne zu
fühlen, und bei völliger Dunkelheit im schnellsten Fluge jedem
Hinderniss mit der grössten Sicherheit auszuweichen. Spallanzani und
mehrere Andre nach ihm, überzeugten sich davon, indem sie geblendete
Fledermäuse in hellen Räumen, in welchen nach allen Richtungen Drähte
und Fäden gezogen waren, hin- und herfliegen liessen. Man nimmt an,
dass, abgesehen von den besonderen Apparaten, mit welchen die Nasen und
Ohren vieler Gattungen zur Verschärfung des Geruch- und Gehörsinns
versehen sind, die dünne, nackte, nervenreiche Flughaut dazu dient, den
Thieren die feinsten Unterschiede in der Temperatur, der Dichtigkeit,
dem Druck, der Bewegung, den Schwingungen der Luft wahrnehmbar zu
machen, und ihnen dadurch die Nähe fester Körper zu verrathen. -- In
Java wird der P. edulis, wie mir versichert wurde, selbst von den
Eingebornen nicht gegessen, in den Philippinen scheinen ihn die
~Europäer~ zu verschmähen, obgleich sein Fleisch sehr wohlschmeckend
ist, ähnlich dem Rebhuhn.

In wenigen Stunden erreicht man Magelang, Hauptstadt der Provinz Kadu.
Der Garten des Residenten hat eine sehr schöne Lage und enthält eine
Anzahl in der Umgebung gefundener Skulpturen, darunter einen mit
kunstvollen Basreliefs bedeckten Stein in Form eines Sarkophags.

[Illustration: KALONGS. (FLIEGENDE HUNDE.) JAVA.]

Von Magelang aus besuchte ich das 10-12 Paal gen Süden am Progofluss
gelegene ~Borobudor~, von allen Monumenten Javas das grösste, schönste,
am besten erhaltene, weit berühmt nicht nur durch die Beschreibungen von
Raffles, Crawfurd und anderen, sondern auch durch die darauf gegründeten
Arbeiten von W. v. Humboldt und Burnouf. Aus der Ferne macht es keinen
bedeutenden Eindruck; es erscheint als eine flache, breite Pyramide mit
etwas verschwommenen Umrissen und fesselt das Auge nicht durch gefällige
Gliederung der Masse. Sobald man aber näher herankommt und die grosse
Fülle schöner Skulpturen gewahrt, für welche das Gebäude gewissermassen
nur den Träger bildet, begreift man wohl den Enthusiasmus, mit dem fast
Alle, die Borobudor gesehen, davon sprechen. Folgendes ist im
Wesentlichen der Plan des Gebäudes: auf einem Hügel, dessen Seiten
terrassirt sind, und der somit ein Postament für dasselbe bildet,
erheben sich stufenförmig über einander 6 Terrassen, die mit Ausnahme
der obersten und untersten an ihrem äusseren Rande von einer Mauer
umgeben sind, so dass 4 ringsum laufende oben offene Gallerien von 2
Meter Breite entstehen, deren innere Wände doppelt so hoch als die
äusseren sind. Der Grundriss der Terrassen ist, wenn man die in der
Mitte jeder Front nach Aussen rechtwinklig vorspringenden Ausladungen
nicht berücksichtigt, quadratisch. Auf der oberen Plattform erheben sich
3 kreisrunde Terrassen über einander von je 1,68 Meter Höhe, welche 34 +
24 + 14 zusammen 72 durchbrochene glockenförmige kleine Tempel tragen,
in denen je ein Buddha sitzt. Auf der obersten Stufe erhebt sich eine
Kuppel von 20' Höhe, 50' Durchmesser. Ausser derselben enthält der ganze
Bau keinen hohlen Raum, und dieser jetzt zum Theil eingefallene, früher
geschlossene Raum war leer. In der Mitte jeder Front ist ein Thor, durch
welches eine Treppe bis zur Kuppel führt. Das ganze Gebäude besteht aus
künstlich in einander gefügten Trachytquadern. Die grösste Breite des
Monuments liegt wegen der bereits erwähnten Vorsprünge in den
Mittellinien und beträgt nach Wilsen's Messungen 114 Meter, die
Gesammthöhe mit Einschluss des Kegels, der früher auf der Kuppel stand,
30 Meter. Crawfurd giebt etwas grössere Dimensionen an, aber Wilsen's
Maasse dürften wohl die richtigen sein.[95] Nach ihm enthält die äussere
unterste Wand 480 Reliefs. Die schönsten Skulpturen befinden sich an der
inneren Wand der ersten Gallerie; sie ist horizontal in zwei Theile
getheilt und ganz bedeckt mit Reliefs von 2,70 Meter Breite, 0,90 M.
Höhe. Aber alle senkrechten Wände sind mit Reliefs, Arabesken und
Girlanden bekleidet. Wilsen giebt die Zahl der grossen Basreliefs auf
2000, die Gesammtzahl der Figuren überhaupt in den 5 Gallerien auf
20,000 an. Sämmtliche Mauern der Gallerien tragen reich verzierte
Nischen, in denen überlebensgrosse Buddhas thronen. Die Zahl der
Buddha-Figuren in den Nischen beträgt nach W. 500. Weit mehr als über
den Reichthum der Skulpturen erstaunt man über die mannigfaltigen,
sinnigen Kompositionen und die bis in die kleinsten Einzelnheiten
sorgfältige Ausführung. Die beiliegende Zeichnung giebt eines der Bilder
der ersten Gallerie wieder, das ich aufs Gerathewohl, und weil es etwas
im Schatten lag, zu einer Skizze wählte. Diese Reliefs bewahren einen
Schatz von Erinnerungen aus dem Leben der damaligen Zeit auf; eine
Inschrift oder Jahreszahl enthält das Monument aber nicht. Crawfurd
sagt, dass man aus einem räthselhaften Vers die Jahreszahl 1344 als die
Zeit der Vollendung des Baues herausgedeutet habe, die ihm nicht
unwahrscheinlich vorkommt. Andere, darunter Raffles und van Hoevell,
halten das Monument für viel älter. Nach der allgemeinsten Ansicht wurde
der Bau von buddhistischen Künstlern aus Vorderindien unter Mithülfe der
Eingebornen errichtet. Die Javanen selbst haben wohl nie eine so hohe
Kunststufe erreicht. Wie die Buddhisten nach Java gekommen, ist nicht
genügend festgestellt; Friederich glaubt, Bekehrungseifer sei die
Veranlassung gewesen; vielleicht kamen sie auch als Flüchtlinge nach den
Glaubenskämpfen mit den Brahmanen, die mit der Vertreibung der
Buddhisten aus Indien endigten (gegen 1000 n. Chr.). Das Monument ist
noch sehr wohl erhalten und kann allem Anschein nach, wenn nicht Krieg
oder Erdbeben es zerstören, noch viele Jahrhunderte bestehen. Im Kriege
gegen Dipo-negoro (1825-30) hat es etwas gelitten, da es, wie das
Grabmal der Caecilia Metella bei Rom, als fester Punkt benutzt wurde,
wozu es sich wegen seiner Lage sowohl als wegen seiner Gliederung und
Grösse sehr eignete. Sein gefährlichster Feind ist vielleicht ein
kleines Lichen, das sich langsam, aber unaufhaltsam weiter verbreitet
und schon manches schöne Bild unkenntlich gemacht hat.

[Illustration: RELIEF VON BOROBUDOR. JAVA.]

In geringer Entfernung von Borobudor liegt ein kleiner Tempel, Pavon
oder Dapor genannt, auf dessen Seite ein riesiger Feigenbaum
emporgeschossen ist, ohne dem Monument sehr zu schaden. Nach Wilsen
beträgt seine Höhe ungefähr 15 M., die Breite 10 M. Auf dem Rückweg nach
Magelang in etwa 2 Paal Entfernung von Borobudor gelangt man an den
Tempel ~Mundut~, der früher vom vulkanischen Sand des Merapi
verschüttet, erst 1834 durch den damaligen Residenten der Provinz wieder
ausgegraben wurde. An seiner Aussenseite ist er mit schönen Figuren,
Friesen und Arabesken bedeckt, welche letztere mich an die besten Sachen
erinnerten, die ich in Italien gesehen. Herr Wilsen soll auch von diesem
Tempel, dem allgemein dasselbe Alter und derselbe Kultus wie Borobudor
zugeschrieben wird, die genauesten Zeichnungen angefertigt haben. Das
Innere, dessen Decke aus einander überragenden Quadern gebildet wird, so
dass eine hohle Pyramide entsteht, enthielt drei kolossale Figuren; den
Boden bedeckte eine tiefe, fast betäubenden Moschusgeruch verbreitende
Schicht von Fledermausmist.

Um einer Verabredung zu genügen, musste ich leider noch an demselben
Abend nach Magelang zurückeilen, wo ich den Oberst v. S. traf, mit dem
ich am folgenden Tage nach Jokjokarta reiste, der Hauptstadt des
Sultans, eines der unabhängigen Fürsten auf Java. Seine Unabhängigkeit
ist freilich nur eine beschränkte, da er von der holländischen
Regierung, die einen Residenten an seinem Hofe hält, einen Gehalt
empfängt. Das Waterkastell von Jokjokarta gilt für eine grosse
Sehenswürdigkeit. Es ist der fast zerfallene Badeplatz eines früheren
Sultans, in holländisch-chinesischem Zopfstil mit javanischen
Schnörkeln. Abends hatte ich Gelegenheit, mit dem Residenten und
Obersten dem Sultan einen Besuch zu machen. Wir fuhren in den von einer
hohen Mauer umgebenen „Kraton”, der den Palast und die zum Theil sehr
ärmlichen Häuser des Hofstaates enthält, und mit seinen Höfen und Gärten
die Grösse einer kleinen Stadt hat, und gelangten durch zwei grosse von
Waringibäumen beschattete Vorhöfe in den inneren Hof. Am Thor
präsentirte die Wache, zerlumpte Kerle mit schwarzen cylindrischen
Mützen. Der Sultan erwartete uns, auf einem europäischen Sopha sitzend,
in einer offenen Halle. An den Wänden standen Stühle, ein Teppich lag
auf dem Boden. Die Möbel waren von der Art, wie man sie in Gasthäusern
zweiter Klasse in Europa findet. Der Fürst trug ein kattunenes Kopftuch,
aus dessen Falten, seitlich vom Scheitel, ein kleiner Blumenstrauss
hervorragte. Eine mit einem hohen holländischen Orden geschmückte Jacke,
Sarong und europäische Pantoffeln vollendeten den Anzug.
Gesichtsausdruck und Haltung des Sultans waren würdig und verbindlich;
der Resident nahm zur Linken, der Oberst zur Rechten Platz. Die
Unterhaltung wurde kaum hörbar leise geführt, so will es der Hofton. Auf
eine Andeutung des Residenten, dass ich gern etwas von den Gebräuchen
des Hofes sehen möchte, war der Fürst so artig, uns zu seiner Familie zu
führen. Wir gingen über den Hof nach einem grossen Pendopo, dessen sehr
hohes Dach von vielen niedrigen Holzsäulen getragen wird, zwischen denen
Lampen und Vogelkäfige von der Decke herabhingen. Auf einer Estrade
lagen grosse seidene, mit frischen Blumen bestreute Kissen, auf denen
wir Platz nahmen. Bald erschien die Gemahlin (ratu = Königin) und drei
Prinzessinnen, die den sonderbaren Titel tuwan = Herr führen. Jene
setzte sich auf ein Kissen neben den Sultan, die Herren Prinzessinnen
nahmen mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden, dem Sultan gegenüber,
Platz. Eine Reihe alter Weiber mit nacktem Oberkörper und einem über die
Brust gebundenen Tuche hockten in ehrerbietiger Entfernung. Nach einer
kurzen Unterhaltung führten wir die Fürstinnen, die nur mit einem
Sarong und einer dünnen Kattunjacke bekleidet und mit einigen Diamanten
geschmückt waren, in die Empfangshalle zurück, indem wir ihnen den Arm
gaben. Der Resident hatte die Ehre, die alte Fürstin zu führen, mir,
ohne offiziellen Rang, fiel die jüngste Prinzessin zu, ein hübsches
fünfzehnjähriges Mädchen mit grossen Augen, lebhaft und kokett und, was
ich ihr besonders hoch anrechnete, mit ganz weissen Zähnen, da sie, die
einzige in der ganzen Familie, nicht Betel kaute. In diesen vornehmen
Familien ist wahrscheinlich viel arabisches Blut; sie haben nicht die
kleinen Nasen mit breiten Flügeln der gemeinen Malayen. Nach kurzer
Unterhaltung verliessen wir den Kraton in derselben Weise, wie wir
gekommen waren. -- Abends in einer Gesellschaft beim Residenten
erschienen mehrere Pangerans (javanische Prinzen), die Obersten-Rang
hatten und holländische Uniform trugen. Ihr langes Haar war in ein
Bündel gesammelt und mit einem Kopftuch bedeckt. Einer derselben hatte
einen kleinen, garstigen Zwerg als Pagen bei sich, dem er seine
Militärmütze übergab; dieser setzte sie verkehrt auf den Kopf und
spazierte damit unter den Gästen umher.

Am folgenden Morgen fuhr ich mit einem Tumongong durch die heisse Ebene
bis Imogiri, von wo wir nach der Südküste ritten, an der sich eine
niedrige Dünenreihe hinzieht. Die heisse vom schwarzen vulkanischen Sand
des Merapi bedeckte Fläche wird von mehreren parallelen Bächen
durchströmt, die sich in den Kali-opak ergiessen, welcher dicht am Fuss
des die Ebene in Osten begrenzenden Kalkgebirges fliesst, und mit ihm
zusammen bei Karang-tritis das Meer erreicht. Wir sahen eine Falle, um
Wildschweine, deren es hier viele giebt, zu fangen: zwei mehrere hundert
Fuss lange, mit Reisig verkleidete Bambusgitter bildeten einen sehr
stumpfen Winkel und führten durch eine Oeffnung in einen langen Gang,
von dessen Decke einige starke Thüren wie Klappventile schräg von vorn
nach hinten hingen. Am flachen Strande waren viele Menschen beschäftigt,
aus dem Meerwasser Salz zu gewinnen. So weit man nach Westen sehen
konnte, war die Küste mit ihnen wie bestreut, im Osten setzten die in
hohen, sonderbaren Formen ins Meer ragenden Felsen von Karang-tritis den
Arbeiten eine Grenze. Das Verfahren war sehr umständlich: anstatt das
Seewasser in einem System von Gräben, sogenannten Salzgärten, verdunsten
zu lassen, wurde es mit Eimern, die je aus einem Blatt der Fächerpalme,
Corypha gebanga, bestanden,[96] geschöpft und auf den aus schwarzem
Sande bestehenden heissen Strand geschüttet, wo es verdampft. Ist die
obere Erdschicht hinreichend mit Salz gesättigt, so wird sie
oberflächlich aufgenommen, auf ein in Tischhöhe aufgestelltes Bambussieb
gebracht und durch Aufgüsse von Seewasser unter fortwährendem Kneten
ausgelaugt. Man lässt die abgelaufene Sole in einem Trog in der Sonne
verdampfen und konzentrirt sie im nächsten Dorf durch Sieden in irdenen
Töpfen. Das Salz ist sehr zerfliesslich, da es nicht einmal vom
Chlormagnesium gereinigt wird. Zu jedem Gestell gehörten zwei bis drei
Leute: einer trägt Wasser, der andere knetet, der dritte ruht aus, um
den Wasserträger abzulösen. Bei Sonnenschein machen 2 Mann in 5 Tagen 80
Katti Salz nach Angabe des Tumongong. Die Salzgewinnung ist in den
Fürstenländern eine Privatindustrie, im übrigen Java Regierungsmonopol.

In der Klippe Karang-tritis ist eine Tropfsteinhöhle, deren hohe
senkrechte, dem Meere zugekehrte Wand dicht mit grauen und gelben
Flechten überzogen ist. Das von oben herabsickernde kalkhaltige Wasser
durchdringt diese wie einen Schwamm und inkrustirt sie mit Kalk; die
feuchte zu Stein gewordene Kruste giebt einer neuen Vegetation von
Flechten eine willkommene Unterlage, und so erhält die Felswand einen
eigenthümlichen reich gefärbten Ueberzug, halb Stein, halb Pflanze.

Jenseits Karang-tritis ragen viele einzelne Kalkfelsen aus dem Meere
hervor, die durch die Wirkung der Brandung so phantastische Gestalten
erhalten haben, dass sie auch wohl bei aufgeklärteren Leuten als den
Javanen, Veranlassung zu Aberglauben geworden wären. Hier ist es, wo
nach Hagemann (Tijd. v. L. T. en V. 1853) die Geisterkönigin Loro-kidul,
deren Gebiet sich längs der ganzen Südküste vom Semeru bis nach
Nusa-kumbangan erstreckt und deren prächtiger Palast im Grunde des
Meeres ist, sich ihren Vertrauten in Träumen offenbart.

Gegen Mittag kam eine stattliche Reiterschaar, Herren vom inländischen
Adel mit ihrem Gefolge, zum Besuch und führten uns nach einem
Pasanggrahan, der hübsch möblirt war, weil er oft von den einheimischen
Fürsten benutzt wird, die hier das wegen der sehr starken Brandung
geschätzte Seebad benutzen. Wir hatten ein vorzügliches malayisches
Diner, bei welchem auch Büffelfell vorkam, welches wie Biskuit gegessen
wird und sehr angenehm schmeckt. Das Fell wird zu dem Zweck in sehr
feine Stücke geschnitten, in heissem Wasser eingeweicht und in Fett
gebacken, wobei es zu einer sehr porösen, spröden Masse aufschwillt.

Als wir gegen Abend, von der starken Sonnengluth sehr ermüdet, nach
Imogiri zurückritten, kamen wir an einer Indigofabrik vorbei. Schon
lange, ehe wir sie erreichten, sah ich den Besitzer, einen stattlichen
jungen Mann in leichtem Pflanzerkostüm sein Haus verlassen und durch die
Felder grade auf uns zueilen. Als er uns erreicht hatte, fasste er
zuerst der Sicherheit wegen mein Pferd am Zügel, dann grüsste er sehr
freundlich und lud uns ein, die Nacht in seinem Hause zuzubringen, indem
er zugleich das Pferd dahinführte mit dem zufriedenen Lächeln eines
Mannes, der einen guten Fang gethan hat. Ein Freund aus Jokjokarta hatte
ihm durch einen Boten gemeldet, dass wir hier vorbeikommen würden, und
er hatte uns aufgelauert. An Loskommen war nicht zu denken, auch hatte
ich keine Lust dazu; doch machte ich absichtlich einige Einwendungen,
die indessen alle triumphirend beseitigt wurden. Mein Gastfreund, sehr
gebildet und, wie ich später hörte, aus sehr guter holländischer
Familie, lebte hier ganz isolirt auf der vor Kurzem von ihm gegründeten
Fabrik, fern von allem Umgang mit Europäern. Er hatte gewiss eine
angenehme Unterhaltung für den Abend gehofft, und alles aufgeboten um
seinen Gast zu ehren, leider war ich so entsetzlich müde, dass ich über
Tisch einschlief und so schnell als möglich ins Bett schlich.

In den Fürstenländern, wo die holländische Regierung keine Produkte
baut, da der Grund und Boden dem Fürsten gehört, ist es Europäern
gestattet Ländereien zu pachten und auszubeuten: jedoch ist ihre Zahl
eine beschränkte, die Erlaubniss hängt vom Ermessen der
Kolonial-Regierung ab. Nach dem Reglement für 1857 betrug sie 68 für
Jokjo, 207 für Surakarta. Der Pächter tritt der Bevölkerung gegenüber in
die dem Landesfürsten nach dem Adat zustehenden Rechte. 2/5 des Bodens
darf er mit Produkten für den europäischen Markt bebauen, jede Familie
leistet ihm 104 Tage Frohndienst, dafür zahlt er die Grundsteuer für die
ganzen 5/5 des Bodens. Der Ertrag der übrigen 3/5 so wie die Verfügung
über die nach Abzug von 104 Tagen verbleibenden 261 Tage gehört der
Bevölkerung ohne weitere Abzüge oder Lasten.

Nach den Grundsätzen des Kultursystems sollten die Bauern in den
Regierungsländern besser gestellt sein als in den Fürstenländern; in
Wirklichkeit ist dies aber nicht der Fall, da ihre Arbeitskraft (vergl.
Kaffeekultur) bei der mangelhaften Leitung durch Beamte zum grossen
Theil verschwendet wird.

Vor allen hat sich in Jokjokarta als besonders gewinnbringend, schnell
rentirend und wenig Anlagekapital erfordernd, die Indigokultur
entfaltet, während sie in den unmittelbar unter holländischer
Botmässigkeit stehenden Provinzen, wo sie einen Theil des Kultursystems
bildet, so schlechte Resultate giebt, dass sich die Regierung veranlasst
sah die Ursachen der so verschiedenen Ergebnisse von einem fähigen
Beamten untersuchen zu lassen. Aus den Auszügen des amtlichen Berichts
(Tydsch N. I. 1860) ergeben sich ganz ähnliche Thatsachen wie bei der
Kaffee- und Theekultur (vergl. oben), die wohl allmälig die Regierung
zwingen werden aus Eigeninteresse den Ackerbau der Privatindustrie zu
überlassen. Schon jetzt hat sich die Regierung genöthigt gesehen den
Indigobau immer mehr einzuschränken.

  1840 produzirte sie auf 40844 Bau 2032097 Amstrd ℔
  1858     „       „  auf 18314 Bau  614784    „   ℔

Wie bei der Kaffeekultur bestimmt die Regierung die Lokalität auf
welcher die Eingebornen Indigo bauen müssen, das Risiko ist für Rechnung
der letzteren; erst für das fertige Produkt erhalten sie einen Preis,
der im Verhältniss zur gelieferten Arbeit so gering ist, dass der
Kolonialminister v. Rochussen es sich den Kammern gegenüber zum
Verdienste anrechnete, den Indigobau als zu drückend für die Bevölkerung
und zu unvortheilhaft für den Staat, sehr eingeschränkt zu haben. Es ist
höchst interessant und erfreulich, dass während derselben Zeit, wo die
Zwangskultur so traurige Ergebnisse lieferte, der Indigobau in Jokjo auf
gepachtetem Grund und Boden, durch freie Arbeit unter unmittelbarer
Leitung von Unternehmern die für eigene Rechnung arbeiteten, die
glänzendsten Resultate ergab.[97] Auch hierbei stellte sich wieder die
so oft bestrittene Thatsache heraus, dass der Javane bei angemessenem
Lohn gern arbeitet, und dass der Pächter über so viele Hände verfügen
kann als er braucht. Die Regierung schreibt ihren schlechten Erfolg dem
Umstand zu, dass die Pflanze den Boden aussaugt (wie bei dem Kaffeebau),
die Privatunternehmer finden aber jeden Boden geeignet, behandeln ihn je
nach seiner Beschaffenheit, melioriren und düngen ihn entsprechend.

Am folgenden Morgen begleitete mich mein lieber Gastfreund nach
Imogiri, dem nahegelegenen Begräbnissplatz der fürstlichen Familien von
Jokjokarta und Surakarta. Auf angeblich 360 unbequem hohen
Backsteinstufen steigt man in gerader Richtung den steilen Abhang eines
Hügels hinan, dessen von mehreren Umfangsmauern umschlossene Kuppe die
schmucklosen Grabsteine einer Anzahl bis auf ein oder zwei Ausnahmen
unbedeutender Personen aus fürstlichem Geblüt enthält -- theils im
Freien, theils in hölzernen Schuppen. In etwa 3/4 der Höhe sendet die
Treppe rechtwinklig zwei Seitenarme aus, und wiederholt dies, nachdem
sie unter dichtem Laubdach ein kleines künstliches Wasserbecken
überschritten, in kurzen Zwischenräumen. Diese Seitengänge werden durch
mehrere der Haupttreppe parallel laufende Gänge geschnitten, die den
Unebenheiten des Terrains entsprechend, bald flach, bald durch Reihen
von Stufen unterbrochen, verlaufen, und eine Anzahl viereckiger Räume
von verschiedener Grösse, in verschiedenen Niveaus umschliessen, in
denen Ziersträucher und viele Gewürzbäume und Oranien mit Sorgfalt
kultivirt werden.[98] Das schon 100 Jahr alte Mauerwerk ist an vielen
Stellen zerfallen; dicht belaubte Feigenbäume haben sich darauf
angesiedelt. So entstehen eine Menge allerliebster Plätzchen. Man kann
sich kaum eine passendere Lokalität für eine Picknickpartie wünschen.

Nach einem herzlichen Abschied von dem Residenten, der mich mit
Liebenswürdigkeit und Güte überhäufte, setzte ich Nachmittags meine
Reise nach Surakarta, der Hauptstadt des Kaisers oder Susuhanan fort.

Bei Kalasan, der zweiten Poststation, steht unweit der Strasse zur
Rechten ein schöner Tempel, ~Tjandi-kali-bening~. Es ist der erste, und
wohl auch der schönste einer grösseren Anzahl, die bis jenseits der
nächsten Station Prambanan zu beiden Seiten der Strasse zerstreut oder
in Gruppen beisammen liegen. Sein Grundriss ist ein aus fünf gleichen
Quadraten bestehendes Kreuz mit je einem ein Viertel so grossen Quadrat
in den vier Winkeln; er ist gegen 70' hoch, schlank, schön gegliedert
durch Pfeiler, Gesimse, Thüren und Nischen, zwischen denen sich in
harmonischer Anordnung breite Bänder von Arabesken hinziehen. Das obere
Gesims wird von einer Reihe von Figuren in Hochrelief getragen. In
einigen Nischen sitzen noch Götterbilder auf ihrem Lotussessel. Die der
Strasse zugekehrte Seite ist sehr zerfallen, ihr gegenüber liegt die
Hauptfront mit einer hohen Eingangspforte. Das sehr zerstörte Innere
enthält einen grossen Raum, an welchen vier kleinere stossen. Sie sind,
wie die Tempel von Mundut und Dïeng, durch treppenartig vorspringende
Steine überdacht. Um die schöne Ruine war ein so dichter Pisanggarten
angelegt, dass es unmöglich war, sie zu zeichnen. Hoffentlich wird man
bald von allen den herrlichen Monumenten gelungene Photographien
besitzen.

Etwa 2000 Schritt weiter auf der andern Seite der Strasse, liegt der
Tempel Tjandi-sari, welcher mehr kubisch als der vorige, gegen 50' hoch,
reich ornamentirt, mit Nischen und hohen Reliefs, an unsere schönsten
Renaissancebauten erinnert. Weniger elegant in seiner ganzen Anlage, als
Kali-bening, ist er noch reicher als jener mit Skulpturen bedeckt, die
ebenso sinnig entworfen, als kunstvoll ausgeführt sind. Man wird in
Europa erstaunen, wenn man von den Java'schen Kunstdenkmälern aus der
Zeit des Brahmakultus genaue Photographien in genügendem Maasstab
besitzen wird; da man sich bis jetzt nicht von der Vorstellung lossagen
mag, dass die Kunstwerke in jenen Ländern wohl den Beweis einer sehr
gewandten Technik und grossen Fleisses, aber nicht reicher
künstlerischer Phantasie zu liefern vermögen.

Bei der nächsten Station liegen die Ruinen von zehn oder zwölf Tempeln,
Tjandi-prambanan oder Tjandi-loro-djongrang. Es sind nur noch hohe
Trümmerhaufen quadratischer Prismen aus grauer Lava; bei manchen ist
kaum noch die ursprüngliche Form zu erkennen. Das Ganze bildet eine
grosse Ruine, die man am besten von der Mitte übersieht. Von einigen
Tempeln fielen bei ihrem Einsturz die Steine einander zu und bildeten
so Verbindungsrücken, die zum Theil mit hohen Bäumen bewachsen sind.
Der Maler sowohl als der Alterthumsforscher findet hier viel schönen
Stoff. Ueberall ragt, wenn man etwas genauer zusieht, ein Stück
Skulptur hervor, weit umher liegen die Quadern über die Ebene
zerstreut; wahrscheinlich hat ein Ausbruch des nahen Merapi den
Einsturz bewirkt. -- Etwa einen Paal weiter liegt ~Tjandi-lombok~, neun
kleinere Tempel einfach von Form, wenig verziert, ziemlich wohl
erhalten, und nordwestlich davon, in etwa gleicher Entfernung, und
ebensoweit von Tj.-loro-djongrang als von Tj.-lombok, die Ruinen von
Tj.-sewu, (die tausend Tempel), eine wahre Stadt von Ruinen. Von keinem
Punkt kann man das Ganze auf einmal übersehen, die Skizze giebt nur den
Anblick von einem willkürlich gewählten Punkt aus. Wie gern wäre ich
hier länger geblieben! und welche reiche Erndte steht auf Java dem
Alterthumsforscher und Kunstkenner bevor, der durch gründliche Studien
vorbereitet, die in so grosser Fülle vorhandenen Herrlichkeiten zum
Gegenstand seiner Forschungen machen kann.

[Illustration: TJANDI SEWU. JAVA.]

Eine herrliche Tamarinden-Allee führt auf die Hauptstadt des Susuhanan,
„das erhabene Surakarta”, oder Solo. Hier giebt es kein Gasthaus, eben
so wenig wie in Jokjo; ich fand aber die zuvorkommendste Aufnahme bei
einem schon viele Jahre hier ansässigen deutschen Arzt. Bei ihm traf ich
Oberst v. S. und bedauerte sehr, mich mit der Reise so übereilt zu
haben, da die Vorstellung bei dem „Kaiser” erst morgen stattfinden
sollte. Der Kraton ist wie in Jokjokarta von einer Mauer umschlossen und
enthält eine eben so zahlreiche Bevölkerung von Abhängigen des
Susuhanan. Sie wohnen in langen Reihen ärmlicher Hütten; schmutzige
Weiber und Kinder laufen in Menge umher. Im Vorhof des Palasts kauerten
einige Gruppen seiner Leibwache, ihr Oberkörper war nackt bis an den
Ledergürtel, der den künstlich gefalteten Sarong festhielt. Das
wohlgekämmte Haar hing lose über den Nacken; statt des Kopftuchs trugen
sie einen schmalen Kranz aus buntem Kattun, an welchem hinten zwei
grosse Flügel befestigt waren, vielleicht um die Schnelligkeit der
kaiserlichen Boten anzudeuten. Zerlumpte Soldaten präsentirten in
theatralischer Stellung Fahnen, Piken und sehr kurze Gewehre. Vor dem
Pendopo, der Empfangshalle, stand ein Musikcorps, das Fanfaren blies.
Der Kaiser, ein noch gut aussehender Greis von 72 Jahren, fast in
demselben Kostüm wie der Sultan von Jokjokarta, nur mit mehr Diamanten
geschmückt, erhob sich aus seinem Lehnstuhl und ging dem Residenten bis
an die Stufen der Halle entgegen. Um ihn kauerten Gruppen von alten
Weibern, Zwergen, Verwachsenen, Albinos, alle mit nacktem Oberkörper,
das ist Hoftracht. Je zwei oder drei hatten eine grosse messingene
Speichelurne zwischen sich. Hinter dem Kaiser sass ein recht hübsches
Mädchen, das eifrig mit ihrem Betel beschäftigt war, sie nahm ihn
mehreremale aus dem Munde, ballte mit ihren zierlichen Händchen die
Masse zu einer Kugel von der Grösse einer Pflaume zusammen, tupfte den
am Umfang ihrer Lippen haftenden Speichel damit auf und schob alles
anmuthig lächelnd in den Mund zurück.

Die Gewohnheit des Betelkauens ist bekanntlich über alle Malayenländer,
Hinterindien, einen grossen Theil von Vorderindien und China verbreitet,
färbt Lippen, Zahnfleisch, Speichel blutroth, die Zähne schwarz, was im
Lande für schön gilt. Die Chinesinnen und Mestizinnen der Philippinen,
die andere Begriffe von Schönheit haben, wissen aber ihre Zähne durch
häufiges Putzen mit der faserigen Hülle der Betelnuss weiss zu erhalten.
Der Betel besteht aus dem mit etwas kaustischem Kalk bestrichenen sehr
aromatischen Blatt des Betelpfeffers (Piper Betel oder Chavica Betel),
einer zu dem Zweck in grosser Menge gebauten Schlingpflanze, und einem
Stück des gerbestoffreichen Kernes der Arecapalme; häufig wird auch noch
Gambir und Tabak dazu genommen. Der Anblick ist anfänglich wegen des
reichlichen Speiens sehr hässlich; hat man sich einmal daran gewöhnt, so
möchte man wünschen, dass die Sitte auch in Europa bestände, da
Betelkauer nie schlecht riechenden Athem haben, während das Uebel bei
uns namentlich unter älteren Leuten so häufig ist. Das Betelkauen wird
wohl noch leidenschaftlicher getrieben als Tabakrauchen; seine
spezifische Wirkung auf den Organismus scheint bis jetzt völlig
unbekannt zu sein. Sir Emerson Tennent's Angabe (Ceylon I. pg. 112),
dass keine ärztliche Verordnung besser als der Betel im Stande wäre die
fast stickstofflose Nahrung der Eingebornen heilsam zu ergänzen, da er
zugleich antacid, tonisch und karminativ wirken soll, entbehrt nach dem
Urtheil mir befreundeter Physiologen jeder Begründung; der Betelgenuss
muss aber entweder eine nützliche oder eine angenehme Wirkung auf den
Organismus haben, sonst könnte unmöglich der Gebrauch so allgemein
sein.[99]

Nach einem kurzem Besuch verliessen wir den Kraton mit denselben
Zeremonien, wie bei der Ankunft und besuchten den unabhängigen Fürsten
Mangko-negoro, einen hübschen Mann in rüstigem Alter. Das Zeremoniell
war hier viel einfacher als bei dem Kaiser, als Ordonnanz hatte er ein
einziges, aber schönes junges Mädchen. Ich durchsuchte mit meinem
gefälligen Gastfreund fast alle Leihhäuser der Stadt in der Hoffnung
unter den verfallenen Pfändern einige schöne Waffen und andere
Kuriositäten kaufen zu können, fand aber nur wenig; noch unbefriedigter
war ich von den Kaufläden (tokos); es war fast nichts zu haben, und das
Wenige schlecht und theuer. Ein Bogen geringen Zeichenpapiers, der in
Deutschland einen Silbergroschen kostet, gilt im Innern von Java einen
Gulden, ein Bleistift schlechtester Qualität, -- gute sind nicht zu
haben, -- einen Gulden, ein Bogen Packpapier grosses Format, 1/2 Gulden
und so im Verhältniss. Hier lernte ich einen prächtigen alten Oberst
kennen, „der alte Blücher” genannt, der, die Kriegsjahre doppelt
gerechnet, 92 Jahre und fast in allen Welttheilen gedient hatte. Er
wollte mir einen sehr werthvollen Kris für unser Museum schenken, da der
Werth aber nur in der Zauberkraft liegt, die ihm der inländische
Aberglaube beilegt, -- wer ihn trägt, soll unverwundbar sein -- und sich
für den alten Herrn, der die ganze Geschichte des Zauberkris' auswendig
weiss, ruhmvolle Kriegserinnerungen an den Besitz desselben knüpfen, so
wäre es sehr unrecht gewesen, zu Gunsten der ungläubigen Berliner die
scheinlose Waffe von ihm anzunehmen.

Wir besuchten noch einen javanischen Prinzen, den Pangeran Mangko-bumi,
einen sehr lebhaften, thätigen alten Herrn, der in seinem Kraton alle
möglichen Gegenstände fabrizirt, Flinten, Büchsen, Geschirre, selbst
vollständige Gallawagen. Seine verstorbene Frau, eine Tochter oder
Schwester des vorigen Kaisers, liebte ihn so sehr und besass so viel
Selbstverläugnung, dass sie immer die schönsten jungen Mädchen ins Haus
nahm, um sie für ihn zu erziehen, ein Gebrauch der nach ihrem Tode
fortgesetzt wurde, so dass der alte Herr immer von einer Anzahl blühend
junger Frauen umgeben ist. Er war sehr liebenswürdig und lud mich ein,
einer Tanzstunde beizuwohnen, die er einer ausgewählten Zahl seiner
weiblichen Familienglieder ertheilte. Sechs Paare junger Mädchen,
darunter die schöne Prinzess Trinel (Bachstelze), sassen hintereinander
mit untergeschlagenen Beinen auf dem Boden. Nach einigen Gamelangklängen
erhoben sie sich langsam zu einem Tanz, der sehr anmuthig und
schwungvoller als der der Bedajas war, und sowohl durch seine Wendungen,
als durch das Kostüm: dünne, enganliegende Kleider, entblösste
Schultern, flatternde Schärpen und nackte Füsse, an die Tänzerinnen auf
antiken Wandgemälden erinnerte.

Vor Sonnenuntergang hatte ich noch das Vergnügen den Kaiser mit seinem
ganzen Hofstaat eine Spazierfahrt machen zu sehen. Es war ein hübscher,
etwas wilder, höchst pittoresker Zug: voran der Kaiser mit einigen
kleinen Kindern in einem grossen offenen Wagen, dem eine lange Reihe
anderer von allerlei verschollenen europäischen Moden folgte; in den
vordersten sassen Frauen und einige sehr schöne Kinder, die folgenden
enthielten die männlichen Hofbeamten und Verwandten des Kaisers. Jeden
Wagen umgab ein bunter Trupp Reiter mit blossen Beinen, flatternden
Sarongs, und enganliegenden Jacken. Der Zug bewegte sich in schnellem
Trab.

Surakarta ist der Hauptsitz einer eigenthümlichen Kunst farbige Muster
auf Kattun zu übertragen (Batek). Die Stellen des Zeuges, die beim
Eintauchen in die Farbe weiss bleiben sollen, werden auf beiden Seiten
durch einen Wachsüberzug geschützt. Zu dem Ende füllt die Zeichnerin
über Kohlenfeuer flüssig gehaltenes Wachs in ein kleines Gefäss aus
dünnstem Kupferblech und folgt mit der Spitze der wie ein Giftzahn
geformten feinen Ausflussröhre den Umrissen eines unter dem
durchscheinenden Zeuge liegenden Musters; vermittelst eines ähnlichen
Instruments mit weiterer Oeffnung werden die Zwischenräume ausgefüllt,
dieselbe Arbeit wird auf der andern Seite des Zeuges wiederholt, so dass
sich die Figuren genau decken. Ist das Zeug durch Eintauchen gefärbt, so
wird das Wachs ausgesotten. Soll noch eine Farbe aufgetragen werden, so
wird das ganze umständliche Verfahren wiederholt. Nach Eintauchung in
die zweite Farbe und Entfernung des Wachses erhält man ausser weiss,
drei Farben: zwei reine, und eine aus diesen gemischte. Das Auftragen
mancher Muster auf einen Sarong, der kaum die Grösse eines schottischen
Plaids übersteigt, erfordert 40 bis 50 Tage anhaltender Arbeit. Das
Batekmachen wird zwar auch von Lohnarbeiterinnen (monatl. für 2 fl. und
Reis) ausgeübt, die geschicktesten Zeichnerinnen sind aber vornehme
Frauen und diese Kunst bildet einen Theil ihrer Erziehung. Jedes Muster
hat seinen besonderen Namen, manches darf nur in gewissen vornehmen
Familien getragen werden und inländische Uebertreter verfallen,
wenigstens in den Fürstenländern, einer Strafe; Männer und Frauen haben
ihre besonderen Bateks. Das Muster, welches den Umschlag dieses Buches
bildet, Batek-udan-iris, das zweitvornehmste in der Familie des
Susuhanan, ist von einer Tochter des Prinzen Mangko-bumi gezeichnet, die
für eine der geschicktesten Künstlerinnen gilt.

Von Solo (Surakarta) aus besuchte ich den in gerader Richtung etwa 25
Paal östlich von hier gelegenen Gunong-lawu, der auf dem Gebiete des
Pangeran Mangko-negoro liegt. Mit javanischer Zuvorkommenheit hatte mir
dieser zu meiner Reise seinen Postzug und die Begleitung seines eigenen
Schwagers zur Verfügung gestellt. Wir überschritten den Solofluss auf
einer Fähre und setzten die Fahrt auf guter ebener Strasse bis
Karang-pandan fort. Nachdem die jungen muthwilligen Pferde allerlei
kleineren Unfug getrieben, machte das Vorderste, auf welchem ein
Postillon ritt, kehrt, die anderen folgten der Anregung, der ganze Zug
wickelte sich zu einem Knäuel zusammen, das nur sehr schwer und nicht
ohne Schaden für das Geschirr zu entwirren war.[100] In Karang pandan
besass der Fürst ein geräumiges Landhaus auf dem Gipfel eines Hügels,
mit herrlicher Aussicht auf die reich bebaute Ebene, und die immer
malerischen Sawaterrassen; im Osten begrenzte das Bild der Gunong-lawu,
im Westen der Merbabu und Merapi.

Mein Begleiter wünschte sehr, hier Halt zu machen, um von der bereits
gehabten Strapaze auszuruhen. Seine Ueberredungskünste bestanden weniger
in Worten als in Thaten und waren eines malayischen Kavaliers würdig:
nach einem verschwenderischen Frühstück, bei dem sich die malayische
Kochkunst in vollem Glanze gezeigt, erschienen, als ich mich eben auf
mein Zimmer zurückgezogen hatte, zwei junge Mädchen auf Befehl ihres
Herrn, um mich durch ihre Künste zum Bleiben zu bewegen; aber das
drähtige Haar und das übersanfte Lächeln des durch Feilen fast zahnlosen
Mundes vernichtete die Wirkung der einladenden Worte. Ich ritt nach
Pablingan, wo mehrere warme und kalte Mineralquellen hervorbrechen,
darunter ein angenehmer Sauerbrunnen, Ayer-wolanda, holländisches Wasser
genannt, weil das über Holland eingeführte Selterwasser in Java unter
diesem Namen bekannt ist. Als ich nach Karang-pandan zurückkam, hatte
sich mein vornehmer Begleiter hinreichend erholt, um nach dem am Fuss
des Lawu gelegenen Suku zu reiten, das wir gegen Sonnenuntergang
erreichten. Der Pasanggrahan stand mitten unter den interessanten von
Raffles abgebildeten und beschriebenen Tempelresten.

Am folgenden Morgen brachen wir auf, nachdem jeder vergeblich alle
Ueberredungskunst aufgeboten hatte, um den andern von der Besteigung des
Berges abzuhalten. Bis Tumba, einem kaum 2000 Schritt entfernten Dorf,
konnte man reiten und der arme „Raden Rio” verschmähte selbst diese
kleine Erleichterung nicht. Von dort aber ging es nur zu Fuss weiter.
Kaum waren wir einige hundert Schritt gestiegen, als sich mein
Begleiter, anscheinend ganz erschöpft, zu Boden warf, um etwas
auszuruhen; ich verabschiedete mich daher von ihm bis zum folgenden
Tage. Wir waren mit zahlreichem Gefolge aufgebrochen, nach einigen
Stunden Steigens waren nur noch mein Diener und zwei Kulis bei mir, mit
denen ich bald nach ein Uhr den Gipfel erreichte. An einer geschützten
Stelle waren drei Hütten aus Grasmatten, eine für den Raden, eine für
mich, eine für die Häuptlinge aufgeschlagen. Als eben die Dunkelheit
einbrach, kam zu meiner grössten Ueberraschung Raden Rio an, ausser sich
vor Ermüdung und rief mir zu: Um Gottes Willen, Herr, was suchen Sie
hier oben! liess sich in eine wollene Decke wickeln und warf sich auf
sein Lager. Der arme Teufel that mir sehr leid; es war mir gar nicht
eingefallen, dass er den Berg besteigen würde, da ich seine am frühen
Morgen zur Schau gestellte Ermüdung für eine List gehalten hatte, um
unter einem anständigen Vorwand zurückbleiben zu können; aber der
Gehorsam gegen Befehle von Höherstehenden ist in Java so absolut, dass
er nicht gewagt hatte, unten zu bleiben, obgleich es sein eigener
Schwager war, der ihm den Auftrag ertheilt hatte, mich zu begleiten. Er
brachte einen Tross von 70 bis 80 Mann mit, von denen ein Theil Gepäck
und Proviant trugen, während die anderen beschäftigt gewesen waren,
ihren Herrn mit Tragesesseln, Stricken, Hebebäumen auf den Gipfel zu
schaffen. Sein vortrefflicher Koch war auch mitgekommen und bald stand
ein schmackhaftes malayisches Diner auf einer Matte ausgebreitet.

Von einem so absoluten Gehorsam gegen Befehle Höherer, wie er in Java
besteht, hat man in Europa gar keinen Begriff. Raffles sagt an einer
Stelle (History of Java): Ebenso wie in einem ungebildeten Volk wenig
Theilung der Arbeit besteht, so auch keine Theilung der Macht im
Despotismus; der Despot ist Besitzer, alles andere ist Besitz, dieselbe
Vereinigung richterlicher, finanzieller, und exekutiver Gewalt, die im
Souverän ruht, geht an die Guvernöre der Provinzen, und von diesen
stufenweise auf die unteren Beamten über, so dass jeder Häuptling,
welches auch sein Rang sei, fast unumschränkte Gewalt hat über die
welche unter ihm stehen.

Den künstlich geebneten höchsten Punkt des Berges (10066'), den man auf
rohen Stufen ersteigt, fand Junghuhn (1838) von einer viereckigen 3'
hohen Mauer umgeben und innerhalb derselben ein hölzernes Haus, das
wohlriechende Blumen und angebrannte Kohlen enthielt. Von dem Häuschen
stand nur noch das Gerüst aufrecht, die Umfangsmauern waren unversehrt,
einige hundert Fuss weiter unten, in der Höhe unseres Lagerplatzes,
stand aber jetzt ein wohl erhaltenes Haus, das gleichfalls mit Blumen
geschmückt und von einer Umfangsmauer umgeben war.

Der Morgen war wieder ganz trübe, wir kehrten nach Suku zurück, wo Raden
Rio erst gegen Abend ankam, und ritten sogleich nach Karang-pandan, um
am andern Morgen mit Tagesanbruch nach Solo zurückkehren zu können. Auf
der reichen Kulturlandschaft erhoben sich viele steinerne geräumige
Häuser, Etablissements grosser Landpächter, die auf ihren Feldern
Produkte für den europäischen Markt, besonders Zucker und Indigo bauen.

Am 20. Oktober wurde in Solo das javanische Neujahrsfest Grebek
gefeiert. Schon früh Morgens waren alle Strassen, die zur Hauptstadt
führten, mit Zügen inländischer Häuptlinge bedeckt, die sich in ihrem
besten Schmuck, von zahlreichen Dienern begleitet, zum Fest begaben. Um
10 Uhr versammelten sich alle Europäer in der grossen Halle des
Residenzgebäudes. Gegen 11 Uhr erschienen zwei Abgesandte des Kaisers,
um den Residenten nach Hofetikette, mit kaum hörbarer Stimme zum Besuch
im Kraton einzuladen. Eine halbe Stunde später fuhr der Resident,
gefolgt von den Europäern und mehreren Pangerans in europäischer
Uniform, nach dem Kraton. Auf dem Alun-alun war ein grosser
Menschenhaufen versammelt. Durch eine Menge kleiner inländischer Beamten
und die kaiserlichen Leibwachen hindurch gelangten wir an die grosse
Empfangshalle: der Kaiser ging dem Residenten bis an die Stufen
entgegen; und sobald sich beide niedergesetzt, nahmen die Europäer und
Pangerans auf Stühlen zur Seite Platz. Dies war die Anordnung:

                                   R S
                            9       1       10
                              2 3 4 5 6 7 8

R Resident, S Susuhanan (Kaiser), 1 Speicheldosenträgerin (eine Alte),
2-8 sieben junge Mädchen mit nackten Schultern, ein goldenes Band um den
Hals, Blumen und eine Feder im Haar, die Reichsinsignien haltend und
zwar: 2 das Schwert, 3 die Pfeile, 4 den Bogen, 5 den Sonnenschirm, 6
den Schild, 7 den Säbel, 8 den Fächer. -- 9 und 10 Zwerge, alte Weiber,
Verwachsene, Albinos. Nach kurzem Verweilen begaben sich Kaiser und
Resident, unter einem vergoldeten Sonnenschirm einherschreitend, von den
Gästen gefolgt, nach der grossen Halle des Vorhofs, in welcher bereits
die übrigen kaiserlichen Gäste versammelt waren. Jetzt war, nachdem alle
Platz genommen, die Gruppirung folgende:

             S R
  +---+ +-+ +---+ +-+ +---+
  |   | | | |   | | | |   |
    B    E    V    E    B

S Susuhanan, R Resident, V Verwandte und vornehmste Beamte in Reihen
geordnet, B Beamte und Häuptlinge, alle nach ihrem Range in Reihen
geordnet, E Europäer auf Stühlen. Alle Inländer mit alleiniger Ausnahme
des Kaisers und der Pangerans kauerten am Boden. Der Kaiser trug eine
cylindrische Mütze aus weissem Glanzleinen, im Uebrigen das schon
beschriebene Kostüm. Auch die vornehmen Beamten (V) hatten cylindrische
Mützen und Jacken, meist von dunkler Farbe. In den Reihen B waren alle
bis zum Gürtel nackt; das Haar war nicht zusammengebunden, sondern
einmal gedreht über den Kopf gelegt und mit einem Kamme befestigt. Rings
um die offene Halle standen die kaiserlichen Leibwachen in bunten
Kostümen und theatralischer Haltung, die gut zum Ganzen passte. Zwei
vornehme Boten drängten sich kriechend in der Mittellinie durch die
hohen Würdenträger (V), machten in grosser Entfernung vor dem regungslos
sitzenden Kaiser Halt, und berichteten, als sie nach langer Pause einen
Wink empfangen, dass die dem Volk bestimmten Geschenke bereitständen;
dies geschah aber mit so leiser Stimme, dass der Schall wohl kaum bis
zum Kaiser dringen konnte. Nach abermaligem langem ehrerbietigem Harren,
erhielten sie einen zweiten Wink, und zogen sich rückwärts kriechend
zurück. Nun wurden die kaiserlichen Geschenke, denen ein Musikcorps
voranging, vorübergetragen; sie bestanden aus allerlei Esswaren und
Näschereien auf kolossalen verzierten Körben, jeder von 12 Kulis
getragen: bald hörte man aus dem Jauchzen des Volks auf dem Alun-alun,
dass es sich in Besitz gesetzt hatte. Inzwischen waren an die Gäste
Verzeichnisse der zu trinkenden Toaste vertheilt worden: 1. das neue
Jahr, 2. der General Guvernör, 3. der Kaiser, 4. der Resident, 5. der
Pangeran Adipati-anom (Kronprinz), 6. die kaiserliche Familie, 7. die
Blüthe und Wohlfahrt der Insel Java. Zu jedem Toast erhielt man ein
kleines Glas Madeira oder wenn man es vorzog, Thee von gleicher Farbe,
eine anzuerkennende Vergünstigung, da das Glas jedesmal ausgeleert
werden muss. Die Leibwache war in Schlachtordnung aufmarschirt und
begleitete jeden Toast mit einer Gewehrsalve. Schliesslich geleiteten
die Europäer den Kaiser in den inneren Kraton zurück, und gingen nach
Hause. Das Schauspiel war nicht ohne Interesse und erinnerte
unwillkürlich an die grossen Kirchenfeste in Rom, sowohl durch die aus
einer vergangenen Zeit geretteten malerischen aber fadenscheinigen
Kostüme, als durch die fast zur Anbetung gesteigerten Formeln der
Ehrerbietung gegen zwei dem Grabe nahen Greise, die bezeichnend die
Hauptrollen spielten; hier wie in Sankt Peter hatten die ungläubigen
Fremden, für welche das Ganze nur ein buntes Schauspiel ist, die
Ehrenplätze, während das gläubige Volk draussen steht.



Sechstes Kapitel.

    Festung Ambarawa. -- Samarang. Schule. Waisenhaus. -- Surabaya.
    Maschinenfabrik. -- Tempel um Malang. -- Ardjuno. Legende. --
    Semeru. -- Lamongan. Gewitter. -- Rückkehr nach Batavia.


Von Solo reiste ich über Bojolali und Salatiga, wo ein Regiment
Kavallerie liegt, nach Ambarawa, traf daselbst wieder den Oberst, den
seine Dienstgeschäfte dort einige Tage aufhielten, und hatte dadurch
Gelegenheit die bedeutende, erst vor wenigen Jahren begonnene, aber
beinahe vollendete Festung zu sehen. Sie soll sehr zweckmässig angelegt
sein; jedenfalls liegt sie sehr schön. Wir gingen bis zur Dunkelheit auf
den langen Reihen flacher Dächer spazieren und erfreuten uns an der
herrlichen Aussicht auf die den weiten Thalkessel rings umschliessenden
Berge. Der Merapi, Merbabu, Lawu, Sumbing, Sindoro, traten in der
durchsichtigen feuchten Abendluft so klar hervor, dass man alle
Schluchten dieser schönen Kegelberge deutlich erkennen konnte. Der
Ungaru liegt in unmittelbarer Nähe und begrenzt den Kessel von Ambarawa
im Norden durch seine flachen Vorberge. Auf diesen sieht man eine Menge
weiss getünchter Stein-Häuser durch die Bäume schimmern, ein im Innern
Javas seltener Anblick. Gegen Osten lehnt sich die Festung an die Rawa,
einen grossen Sumpf, dem sie ihre Stärke verdankt. Die Festungsgräben
sind an der inneren Seite mit dornigen Bambusen bepflanzt, die eine
undurchdringliche Hecke bilden. Ambarawa soll der Hauptwaffenplatz für
Niederländisch-Ostindien werden. Es laufen von hier drei Hauptstrassen
auseinander; die eine nördlich nach dem grossen Handelsplatz Samarang,
eine SW. über Kadu nach den westlichen, die dritte SO. über Surakarta
nach den östlichen Provinzen. Die früheren Bewohner des Thales sind auf
loyale Weise expropriirt worden, und haben ihre Desas auf den
umliegenden Hügeln erbaut. Rings um Ambarawa sieht man nichts als
Soldaten und Leute, die von ihnen leben. Zu den Erdarbeiten, die der
Festungsbau nöthig machte, ist das bereits früher erwähnte
Schwemmverfahren in sehr ausgedehntem Maasse angewendet worden (pg.
146). Die Javanen sind Meister im Wasserbau. Auch wissen sie nach
blossem Augenmaas geringe Niveauunterschiede zwischen entfernten Punkten
richtig aufzufassen, die ein Europäer nur mit Hülfe von Instrumenten zu
ermitteln vermag.

Am folgenden Morgen besichtigten wir die noch unvollendeten Gebäude zu
einem „Militärkampement” von 12000 Mann. Die Kasernen einiger
Regimenter waren bereits fertig und bewohnt. Sie sind sehr geräumig,
reinlich, luftig. An beiden Seiten laufen der ganzen Länge nach breite
Veranden hin. In den Schlafsälen fielen mir die fast quadratischen
Betten auf; der Soldat schläft hier nicht allein, jeder hat eine
Soldatin; ich sah diesen interessanten Truppentheil aber nur aus der
Ferne, da sie um 7 Uhr früh, wo die Offiziere Musterung halten, die
Schlafsäle verlassen haben müssen; sie ziehen sich dann in ein
abgesondertes Kampong zurück. Die Inländerinnen, die mit den Soldaten
wie treue Ehefrauen leben, werden von den Offizieren nicht als ein
störendes Element, sondern als ein nützliches Komplement betrachtet.
Auf dem Marsch sollen sie wichtige Dienste leisten, ohne besondere
Mühe oder Kosten zu verursachen, da sie von der reichlichen Ration des
Soldaten leben. Sie putzen diesem, wenn er vom Marsch ermüdet im
Bivuak ankommt, Waffen und Zeug, besorgen seine Wäsche, kochen das
Essen und erhalten ihn bei guter Laune, da sie selbst immer
unverdrossen sind. Der afrikanische Reisende Galton macht in seinem
„Art of travel” die Reisenden ebenfalls auf den grossen Nutzen
aufmerksam, den eine Expedition aus der Begleitung inländischer Weiber
zieht, und giebt dieselben Gründe an.

Trotz der Rawa und der vielen Gräben soll die Lage von Ambarawa nicht
ungesund sein; wahrscheinlich wegen der starken Ventilation, die sich in
einzelnen Fällen aber bis zu gefährlichen Wirbelwinden steigert. „Da wo
in niedrigen Zwischenräumen zwischen hohen Bergen z. B. auf dem Gunung
Djambu, über welchen der Weg von Ambarawa nach Kadu führt, die beiden
entgegengesetzten Luftströme (Land- und Seewind), die von N. und S.
kommen, einander in der Mitte der Insel begegnen, da entstehen zuweilen,
aber selten Wirbelwinde, höchst gefährliche Stürme, wodurch Bäume und
Häuser vom Boden gehoben, eine Zeitlang in der Luft herumbewegt und auf
weite Abstände mit fortgerissen werden.” (Jungh. I. 164.) Der Oberst
erzählte mir von einem solchen Sturm, den er hier erlebt hatte. Sein
Haus wurde völlig zertrümmert, Cocospalmen unter der Blätterkrone
abgedreht, Bäume entwurzelt und nebst Steinen durch die Luft geführt.
Gerade als dieser Sturm ausbrach, lagen sämmtliche eben erst vollendete
Pläne zur Festung, behufs einer nochmaligen Durchsicht auf einem grossen
Tische nebeneinander ausgebreitet; der Wind ergriff sie und vernichtete
fast alle, so dass die Arbeit noch einmal begonnen werden musste.

Schon lange bevor man Samarang erblickt, verkündet der immer lebhafter
werdende Verkehr die Nähe der grossen Handelsstadt. Beladene
Büffelkarren, Lastträger und Saumthiere beleben die Strasse; die Warongs
werden immer zahlreicher. Plötzlich sieht man von einer Anhöhe hinter
einer wohlbebauten Ebene die grosse Stadt mit dichtgedrängten Häusern,
und im Hintergrunde das Meer und die belebte Rhede. Ein dunkelgrüner
Saum von Cocospalmen zieht sich am Gestade hin und lässt nur
stellenweise einen weissen Sandstreifen dahinter erkennen. Im
Vordergrund liegen mehrere mit Waringis bestandene Hügel, die sich
reiche Chinesen mit vielem Geschmack, und wahrscheinlich auch mit vielem
Geld zu Begräbnissplätzen erkoren haben. Die Aussicht verschwindet bald
wieder; aber der Verkehr wird immer reger. In einer prächtigen
Tamarinden-Allee legt man die letzte Station zurück.[101] Beim
Schlendern durch die Stadt fielen mir Gruppen von Frauenzimmern auf, die
inmitten der belebten Strassen niedergekauert, im Kartenspiel vertieft
waren.

Am folgenden Morgen hatte der Resident die Güte mich an der Besichtigung
mehrerer öffentlichen Anstalten Theil nehmen zu lassen. Wir sahen zuerst
das Hospital der Gefangenen, es stand fast leer. Darauf besuchten wir
einige Schulen, in denen Kinder von Europäern und diesen gleichgestellte
Mischlinge Elementarunterricht empfingen. Sie wurden in meiner Gegenwart
im Rechnen und in der Geographie examinirt -- man hatte uns die Wahl der
Unterrichtsgegenstände überlassen -- es ging recht gut. Ueberraschend
waren die Leistungen einiger Schüler in der Geographie. Ein 16 jähriger
Knabe zeichnete in einem Zug ein gutes Bild von Asien auf die Tafel und
fügte beiläufig Europa hinzu. Auf Verlangen trug ein anderer den Lauf
der Hauptströme ein und gab die Lage der grössten Städte richtig an. Ein
Dritter zeichnete die Grenzen der grossen Reiche. Hierauf besichtigten
wir das protestantische Waisenhaus, das 64 Knaben, 128 Mädchen enthielt.
Jene bleiben bis zum 18., diese bis zum 23. Jahr in der Anstalt, wenn
sie nicht früher versorgt werden. Viele Knaben gehen in die
Militärschule von Gombong über (vgl. S. 205), andere werden bei
Privatleuten und als Subalternbeamte untergebracht. Nur wenige Kinder
sind von europäischer Abkunft; die meisten sind Mischlinge, besonders
Soldatenkinder, und nicht Waisen im eigentlichen Sinne. Die Verwaltung
der Anstalt scheint musterhaft. Ueberall herrschte untadelhafte Ordnung
und Reinlichkeit, ausser in den Kammern der ganz neu eingetretenen, die
gewöhnlich so jung sind, dass sie noch der inländischen Mutter bedürfen.
Man sollte kaum glauben, dass die netten jungen Mädchen, die in der
grossen kühlen Veranda weibliche Handarbeiten machten, aus so
schmutzigen kleinen Wilden hervorgegangen waren. Die Mädchen verlassen
die Anstalt häufig als Bräute; denn sie stehen in solchem Ruf der
Sittlichkeit und Wirthschaftlichkeit, dass namentlich Unteroffiziere und
Subalternbeamte sich gern aus ihnen eine Ehefrau wählen. So gross ist
das Zutrauen zum Vorstand, dass mancher Bräutigam, der es eilig hat,
oder die Reise nach Samarang nicht machen kann, sich wegen der Wahl
einer seinen Bedürfnissen und Neigungen entsprechenden Frau
vertrauensvoll an diesen wendet, und in fast allen Fällen soll das
Ergebniss das Zutrauen des Heirathskandidaten gerechtfertigt haben. Auch
jetzt waren zwei Bräute in der Anstalt, die uns ihre kleine durch Fleiss
und Sparsamkeit erworbene Ausstattung zeigten. Den Knaben sowohl als den
Mädchen werden, sobald sie arbeiten können, ihre Leistungen bezahlt. Die
Knaben arbeiten in Werkstätten ausser dem Hause, die Mädchen machen
Handarbeiten. Das erworbene Geld wird den Zöglingen aufbewahrt, bis sie
die Anstalt verlassen. Jede der beiden Bräute hatte auf diese Weise ein
Kapitälchen von 150 Gulden erspart. Die meisten Mädchen waren nicht
hübsch von Gesicht, die malayische Rasse scheint sich schlecht mit der
Europäischen zu vermischen (bessere Resultate giebt die Mischung von
Chinesen und Malayen). Wir besahen die Schlafsäle, die sehr luftig und
reinlich sind; jedes Mädchen hat eine eiserne Bettstelle und darüber an
der Wand ein Schränkchen, deren einige geöffnet wurden; sie enthielten
wohl geordnete, blendend weisse Wäsche, und allerlei kleine
Habseligkeiten. Zum Schluss erfreute uns die gesammte männliche und
weibliche Jugend mit einem grossen Vokal-Konzert, ich fand es sehr
hübsch, aber Oberst von S., der sich darauf zu verstehen scheint, sagte
mir später, es hätte ihm fast die Ohren zerrissen.

Das katholische Waisenhaus, das wir darauf besuchten, war im Vergleich
zu jenem schlecht gehalten, die Anzahl der Zöglinge etwa ebenso gross.
Nachmittags durchstreifte ich die Stadt mit einem gefälligen Landsmann,
der mir aber wenig Auskunft geben konnte. Eine der Sehenswürdigkeiten
Samarangs, Haus und Garten des „Major” der Chinesen entging uns, da der
Hausherr, der als Opiumpächter ein Vermögen von 5 Millionen Gulden
erworben hatte, nicht anwesend war. Wir begegneten einem Brautzug von
Arabern. Ueber dem mit Blumenschnüren behangenen Bräutigam wurde ein
grosser Sonnenschirm getragen. Alle waren reich in Seidengewänder
gekleidet, den Zug schloss eine Musikbande. -- In Samarang druckt man
Batekmuster vermittelst kupferner Formen auf die Zeuge, das übrige
Verfahren gleicht dem (S. 229) beschriebenen. Auch werden hier
golddurchwirkte seidene Sarongs gewebt, die hoch im Preise stehen.

Von Samarang fuhr ich in einem alten schlecht gehaltenen Dampfboot,
„Koningin der Nederlande” nach Surabaya. Die langsame Fahrt dauert 24
bis 28 Stunden und kostet 100 Gulden. Auf dem Vorderdecke sah es
ziemlich bunt aus; es enthielt Malayen, Klings, Araber und Mischlinge.
Angetrunkene Soldaten sangen Abends ein wildes lautes Lied; dicht neben,
fast zwischen ihnen, verrichteten zwei Araber ihre Andacht mit vielen
Prosternationen so ungestört als wären sie allein. Das Boot war so voll,
dass keine Kabine mehr zu haben war. Die beiden einzigen Sophas, die auf
dem Verdeck standen, wurden mir wiederholt von den glücklichen Besitzern
dringend und anscheinend aufrichtig angeboten; soweit geht hier die
Höflichkeit gegen Fremde.

[Illustration: AM KALI-MAS. SURABAYA.]

~Surabaya~. -- In einem Sampan fuhr ich den langen Kalimas hinauf, an
vielen malerischen sonderbaren Küstenfahrern vorbei. Am rechten Ufer
liegt eine Reihe von Offizierswohnungen, dann folgte ein Kampong, in dem
viele auffallend geschminkte Mädchen am Ufer spazieren gingen oder
badeten. Am folgenden Morgen besichtigte ich eine Fabrik, die namentlich
Maschinen für Zuckerfabriken liefert. Der Besitzer, ein geborner
Aachener, beschäftigt nur inländische Arbeiter, ist sehr mit ihnen
zufrieden, und mag von Europäern nichts wissen, obwohl er zugiebt, dass
ein solcher in Europa unter Umständen viermal so viel zu leisten vermag
als ein Javane. In Java aber wollen alle Europäer die grossen Herren
spielen und sind daher nicht gut zu brauchen. Herr B. beschäftigt gegen
500 Arbeiter und hat sie alle selbst aus gewöhnlichen Kulis
herangebildet. In vier Jahren wird aus einem solchen ein guter Former,
oder Schmied; in sechs Jahren ein Modellmacher. Die Löhne betragen für
Knaben 30 bis 40 Cents, Erwachsene verdienen 40 bis 120 c. (120 c = 1
fl. holl.), die Mandore (Aufseher) erhalten 240 c. per Tag. Die
Arbeitszeit dauert von 6 bis 12 Uhr und von 1/2-1 bis 1/2-5. Fast jeden
Morgen fehlen einige Arbeiter bei dem Appell. Sie werden dann aus ihrer
Wohnung geholt und kommen auch ohne Widerrede; holt man sie aber nicht,
so bleiben sie ruhig zu Hause liegen. Strafe erhalten sie für diese
kleinen Anwandlungen von Arbeitsscheu niemals. Alle Arbeiter empfangen
Vorschüsse, sonst würden Unregelmässigkeiten im Dienst wohl viel
häufiger sein. Kleine Diebstähle von Nägeln, Schrauben u. s. w. kommen
zuweilen vor. Wird ein Dieb ertappt, so erhält er eine Ehrenstrafe; mit
einer Art von Halsband, an dem die gestohlenen Sachen hängen, und einem
Zettel am Kopf, welcher seinen Namen und sein Vergehen anzeigt, wird der
Dieb an die Thür den Vorübergehenden zur Schau gestellt. Diese Strafe
soll ausserordentlich wirksam sein, wie bei dem starken Ehrgefühl der
Javanen nicht anders zu erwarten ist. -- Von hier besuchten wir ein
Hospital, das keinen günstigen Eindruck machte; es fehlte an Raum,
Ventilation und Kühlung. Dysenterie, Fieber, Typhus sind die
Hauptkrankheiten.

Da wegen der vorgerückten Jahreszeit keine Zeit zu verlieren war, so
fuhr ich am folgenden Tage im Omnibus nach Pasuruan durch das Deltaland
des Kali-Brantes, welcher sich bei Modjo-kerto in zwei Arme theilt,
deren einer unter dem Namen Kalimas bei Surabaya mündet, während der
andere, wasserreichere, in östlicher Richtung weiterfliesst. Zwischen
diesen beiden Armen und der Küste, die von Surabaya bis zur Mündung des
Brantes fast genau dem Meridian folgt, liegt ein durch viele natürliche
und künstliche Kanäle reich bewässertes, sehr fruchtbares Schwemmland,
ein fast gleichseitiges Dreieck von etwa 6 Meilen Seite. Die Chaussee
läuft der Küste ungefähr parallel und ist die schönste von allen, die
ich bisher hier oder in Europa gesehen, breit, fest, eben, gut
unterhalten, von hohen, alten Tamarinden beschattet. Unter diesen liegen
zahlreiche Wachthäuser von Stein, zu beiden Seiten der Strasse Reis-,
Indigo-, Zuckerfelder. Ausgedehnte Fabriken mit Dampfschornsteinen
deuten auf die grosse Entwickelung der Zuckerindustrie, die hier ihren
Hauptsitz hat und Fleiss und Wohlstand unter der Bevölkerung verbreitet.

Nach kurzem Aufenthalt in Pasuruan ritt ich südlich nach Malang, in
einem sanften Bogen zwischen den im Westen gelegenen Vulkanen Ardjuno
und Kawi und den im Osten liegenden Tengger und Semeru, jener durch die
ungewöhnliche Grösse seines Kraters (der Sandsee), dieser als der
höchste Berg Javas (11,480') ausgezeichnet.

In Malang waren Resident und Regent wegen einer Inspektionsreise
abwesend; ich traf aber einen ebenso herzlichen als wissenschaftlich
gebildeten deutschen Arzt, der hier ein grosses Hospital gegründet, das,
ähnlich wie Gadok im westlichen Java, ein Sanatarium für die Bewohner
des östlichen werden soll. Ausser der gesunden, kühlen Lage machen
herrliche Umgebungen, vortreffliche Strassen und viele in der
Nachbarschaft vorhandene Kunstdenkmäler den Aufenthalt zu einem der
angenehmsten in Java.

Da die Reise, die ich nach dem Semeru vorhatte, vor Rückkehr des
Regenten nicht unternommen werden konnte, gab mir Dr. G. seinen
Verbandmeister, einen ehemaligen Barbier aus Leipzig mit, der mich nach
den schönen Tempelruinen von Tumbang und Pakis begleitete. Am nächsten
Tage ritt ich nach Singosari, wo einige malerische Tempelruinen und auf
einem Rasenplatz aufgestellte Skulpturen, die ihre Erhaltung ihrer
Schwere verdanken,[102] an die Hauptstadt eines ehemals mächtigen
Reiches erinnern. Singosari soll schon im 3ten Jahrhundert erwähnt, im
13ten seine höchste Blüthe erreicht, die erste Gründung der Tempel im
Jahre 656 stattgefunden haben. (Hagemann Schetsen omtrent Malang). Am
folgenden Morgen stieg ich auf den Ardjuno, gegen 1 Uhr erreichten wir
die südöstliche Kuppe, die nach Junghuhn Widodaren, nach Versicherung
des Regenten von Malang aber Indrogeni heisst; die zweite, in NW.
gelegene Kuppe, die höchste des ganzen Berges, auf der auch das
trigonometrische Signal steht, heisst Pedodarén, und besteht aus
grossen, über einander gehäuften Trachytblöcken. In einer natürlichen
Höhle, gross genug, um zwei oder drei Menschen als Schlafplatz zu
dienen, lag wahrscheinlich seit vielen Monaten völlig trockenes Heu, das
für die geringe Feuchtigkeit zeugte, welche hier, oberhalb der
Monsunwinde herrscht. Auf diesem Gipfel standen, wie auf dem des Lawu,
einige jener merkwürdigen aus Steinquadern aufgeführten Baue, an die
sich eine Legende knüpft, die mir der in der altjavanischen Literatur
wohl belesene Regent von Malang bei meiner Rückkehr erzählte.

Vor langer, langer Zeit lebten fünf Brüder, Pendówo, Königssöhne von
gewaltiger Körperkraft. Um noch stärker zu werden, zogen sie sich auf
den Gipfel des Ardjuno zurück und bauten sich auf der Kuppe Indrogeni
fünf Häuser, in welchen sie als Einsiedler lebten. Sie beteten täglich
um Vermehrung ihrer Körperkraft, und da sie Allah so viel näher waren,
drang ihr Gebet um so deutlicher zu ihm. Zu derselben Zeit lag auf dem
Südabhang des Semerugipfels eine grosse von Geistern bewohnte Stadt, die
einem mächtigen König gehorchte. Der Geisterkönig hatte viele Töchter
von ausserordentlicher Schönheit. Um eine derselben bewarb sich der
mächtige Radjah von Melusina; sein Gesuch wurde aber mit Hohn
zurückgewiesen. Da wandte er sich um Hülfe an einen der fünf starken
Brüder auf dem Ardjuno. Dieser begab sich nach der Geisterstadt, kämpfte
lange mit dem stolzen König, ward aber endlich überwunden und zog sich
nun auf den höchsten Gipfel (Pedodaren) des Ardjuno zurück, wo er noch
inbrünstiger betete, als zuvor. Bald fühlte er sich auch so gestärkt,
dass er zu neuem Kampf gegen den Geisterkönig aufbrach. Noch ehe er die
Geisterstadt erreichte, kamen ihm die schönen Prinzessinnen (Widodari =
Genien), die sich in den starken Helden verliebt hatten, bis zu einer
Bergkuppe am Südabhang des Semeru entgegen, der in Folge davon noch bis
auf den heutigen Tag Widodaren heisst. Diesmal erschlug der Held den
Geisterkönig, welcher Usu hiess, gab seinem Freunde, dem Radjah von
Melusina, die schöne Prinzessin, und heirathete alle ihre Schwestern.

Ein Versuch, Javas höchsten Vulkan, den Semeru zu ersteigen, scheiterte
an der Zaghaftigkeit und Böswilligkeit des Bedana von Madjang-tenga. Ich
kam aber bis zur Kuppe von Widodaren, und hatte somit Gelegenheit, eine
der eigenthümlichsten, wildesten und grossartigsten Landschaften zu
sehen, die Java enthält. Von Malang läuft die Strasse SO., fast
rechtwinklig fünf wasserreiche Bäche durchschneidend, die vom Westabhang
des Berges Semeru her in den dicht am Ostabhang des Berges Kawi
hinfliessenden Kali-Brantes fallen. Dieser umfliesst die Vulkanengruppe
des Kawi, Kelut und Ardjuno in einem Bogen und mündet nicht weit von
seiner Quelle an der Grenze von Surabaya und Pasuruan. Südlich von
Malang kamen wir durch einen ganzen Wald von merkwürdigen, dem Waringi
verwandten Feigenbäumen. Zwischen Madjang-tenga und Widodaren am
Südwest-Abhang des Semeru, ist alles mit dichtem, feuchtem Wald bedeckt,
in welchem riesige Bambusen auftreten und bald vorherrschend werden. Ich
mass einige von 26 Zoll Umfang, es sollen noch dickere vorkommen; ihre
Höhe beträgt 60-70', sie haben sehr dünne Wände und sind bis zur Spitze
mit Wasser gefüllt, das krystallhell hervorsprudelt, wenn man die Halme
anschneidet. Die Kulis kochten ihren Reis in diesem Wasser und zogen es
dem der Bäche vor. Die hohen, dünnen, mit Wasser gefüllten Halme brechen
leicht ab und bilden auf dem Boden ein viele Fuss hohes Durcheinander
von mehr oder weniger morschen Röhren, auf denen man zuweilen wie auf
einem Gerüst geht, häufig aber auch einbricht und dann tief in den
morschen Boden einsinkt. Die Feuchtigkeit war sehr gross, selbst
Nachmittags wehte jeder Luftzug einen Thauregen von den Blättern. Ein
prachtvolles Stück Landschaft entfaltete sich am Bach Mandjing. Man
überschreitet ihn kurz vor der Stelle, wo die flache Lavabank, auf der
er bisher geflossen, plötzlich abbricht. Da der damals wasserarme Bach
nur einige flache Rinnen in der Bank ausfüllte, so konnte man trockenen
Fusses auf festem Gestein bis an den Rand des Abgrundes treten. Steht
man in der Richtung des Wasserlaufes, so erhebt sich vor Einem eine
beträchtlich höhere Tuffwand, in welche der Bach eine mehrere hundert
Fuss tiefe Kluft mit senkrechten Wänden ausgewaschen hatte, so schmal,
dass die hohen Bambusen, die auf den beiden oberen Rändern wachsen, sich
darüber kreuzen. Auf der Kuppe Widodaren, wo wir übernachteten, war es
so feucht, dass wir nur mit grosser Mühe Feuer anzünden konnten. Der
innerste Kern des trockensten Holzes, das zu finden war, wurde in dünne
Stäbchen, so fein wie Zahnstocher, geschnitten, ein anderer Theil wurde
fein geschabt und in den Händen zu Pulver zerrieben; nachdem erst
dieses, dann die Stäbchen in Brand gebracht, wurden immer grössere
Stückchen angelegt, bis zuletzt ein munteres Feuer entstand. Der Bedana
traf erst eine Stunde später im Bivuak ein und fuhr fort, seine Zweifel
gegen die Möglichkeit der Besteigung des Semeru auszusprechen. Gegen
Abend hörten wir deutlich starke Schläge, wahrscheinlich Ausbrüche des
Kraters, konnten aber wegen des dichten Nebels nichts sehen. Früh um 3
donnerte der Semeru abermals. Es war eine klare, sternhelle Nacht, der
Gipfel deutlich sichtbar, ein Feuerschein aber nicht wahrzunehmen. Um
6-1/2 Uhr früh waren wir endlich marschfertig, der Bedana stellte sich
so müde, dass er schon nach 200 Schritten zusammensank und sich erst
nach langem Zureden wieder ermannte. Nachdem wir auf Banteng- (wilde
Büffel) Wegen eine Strecke weiter gestiegen, gelangten wir an eine
Stelle, wo der Bedana das Weitergehen hartnäckig verweigerte. Quer vor
uns lag eine tiefe Schlucht, deren beide Seitenwände aber durch einen
Zwischenrücken aus Rapilli verbunden waren, es war derselbe Rücken, auf
welchem Junghuhn früher die Schlucht überschritten, die einzige
schwierige Stelle auf dem ganzen Wege. Er mag damals vielleicht etwas
leichter zugänglich gewesen sein; denn jetzt erhoben sich auf dem
scharfen Grat einzelne Pfeiler aus Rapillimasse, zu lose und zu steil,
um darüber fortklettern zu können, aber leicht zu beseitigen. Der Bedana
hielt es für zu gefährlich, den Rücken zu betreten, und verweigerte auch
den Leuten die Erlaubniss. Ich bot meine ganze Beredsamkeit auf, räumte
mit einem langen Bambus die ersten beiden Pfeiler so weit ab, dass man
hinüber konnte; aber mein Beispiel war eben so unwirksam, als meine
Bitten, keiner verliess den Rand der Schlucht. Nachdem ich so eine
Stunde gearbeitet hatte, während der Bedana und seine Leute, Betel
kauend, ruhig zusahen, überlegte ich, was zu thun sei. In einer Stunde
hätten die Leute das Hinderniss beseitigen können, in 4-5 Stunden hätten
wir dann den Gipfel erreicht. Wäre der Bedana nicht dabei gewesen, so
wären mir die Leute gewiss gefolgt, wie schon so häufig auf schwierigen
Stellen; sein Befehl hielt sie zurück. Ich musste mich zur Umkehr
entschliessen. Ohne ein Wort zu sprechen, kehrten wir nach Madjang-tenga
zurück, das wir an demselben Abend erreichten. Während ich gestern in
gespannter Erwartung und fröhlichster Stimmung nur für die Pracht des
Waldes Augen hatte, sah ich heut, niedergeschlagen durch das verfehlte
Unternehmen, nur die Hindernisse, die die üppige Vegetation dem
Reisenden in den Weg legt, und roch überall nur den Moder der faulenden
Pflanzen. Die Einförmigkeit der Heimreise wurde nur durch die Ausbrüche
des Semeru unterbrochen. Ein erster lauter Knall erfolgte um 11, dem
andre um 12, 12-1/4, 1, 2 Uhr folgten. Von 4 Uhr an donnerte es fast
eine Stunde lang mit ganz kurzen Unterbrechungen, jeder Ausbruch dauerte
etwas weniger als eine Minute, die Pausen waren gewöhnlich nicht viel
länger. Welch prachtvolles Schauspiel müssten wir auf der Gipfelplatte
gehabt haben!

Auf dem Wege nach Malang begegnete uns ein eigenthümliches Brautpaar,
der Bräutigam über 20, die Braut kaum 9 Jahre alt. Beide sassen mit
Blumen geschmückt, gelb bemalt, in einem offenen Wagen neben einander;
die Braut sah schüchtern und gelangweilt, der Bräutigam sehr albern aus.
Ueber sie hielt man einen grossen Sonnenschirm. Ein Zug geputzter Leute
mit Gamelang-Musik folgte dem Wagen. Ich erfuhr, dass sich häufig
erwachsene Männer Kinder antrauen lassen, die dann bis zu ihrer
Mannbarkeit bei den Eltern bleiben. Einen Paal östlich von der Strasse,
die von Malang nach Pasuruan führt, liegt der Wasserfall Kali-Baong, ein
von Reisenden oft besuchter schöner Punkt. Vor etwa 8 Tagen besichtigte
ihn ein Engländer, den ich in Malang kennen lernte, mit seiner Frau. Als
sie wieder nach ihrem Wagen zurückgingen, sprang ihnen plötzlich ein
grosser Tiger in den Weg, glotzte sie an und lief weiter, ohne sie
anzugreifen.

Ohne mich in Pasuruan aufzuhalten, reiste ich nach der etwa 20 Paal
weiter östlich an der Küste gelegenen Hafenstadt Probolingo, um von dort
aus noch das Tengger-Gebirge und den Lamongan zu besuchen. Das
Küstenland behält denselben Charakter, wie zwischen Surabaya und
Pasuruan, die Zuckerfelder bedecken einen sehr grossen Raum; die
Einförmigkeit der flachen Reisfelder wird angenehm unterbrochen durch
einzelne Fächerpalmen und sehr zierliche Wächterhäuschen auf hohen
Gestellen, die mitten aus den Feldern hervorragen. Häufig gehen von
ihnen nach allen Richtungen lange Stricke aus, an denen Bambusklappern
hängen. Ein kleiner Junge setzt sie in Bewegung und vermehrt den Lärm
nach Kräften, um die Vögel zu verscheuchen. Von Probolingo führt eine
fahrbare Strasse bis Paras-goang an der Südküste; die Entfernung beträgt
in gerader Linie 45 Paal (9 deutsche Meilen), das ist die schmalste
Stelle der ganzen Insel. Westlich von der Strasse erheben sich das
Tengger- und Semeru-Gebirge, östlich der fast immer thätige Lamongan.
Nur in der Mitte wird die sonst ebene Strasse von einer kleinen Erhebung
unterbrochen; südlich davon breitet sich eine weite Fläche aus, die
weiter nach Osten versumpft und an der südlichen Küste durch eine
niedrige Dünenwand eingefasst wird. In der Mitte dieser Ebene bei
Lemadjang fand ich einen pensionirten deutschen Arzt, der damit umging,
für eine Gesellschaft europäischer Kapitalisten eine Cocospflanzung von
100,000 Bäumen anzulegen. Er erwartete den Landvermesser, der ihm das
von der Regierung bereits bewilligte Pachtland überweisen sollte, um
dann gleich an die Arbeit gehen zu können. Die Pläne schienen wohl
erwogen. Zwischen den Cocos, die vor dem 9ten Jahr kaum einen
nennenswerthen Ertrag geben, sollten Cacao, die schon nach 4 Jahren, und
Erdnüsse gezogen werden, die gleich im ersten Jahre eine Ernte gewähren.
Die Erwartung, dass eine solche Pflanzung, wenn sie erst einmal in
vollem Betriebe ist, jährlich einen Nutzen von 1 Dollar per Baum, also
100,000 Ds. abwerfen werde, so übertrieben sie auch denen scheinen mag,
die nur mit den Erträgen europäischer Kulturen bekannt sind, stimmten
genau mit den Notizen überein, die ich in Malacca darüber gesammelt
hatte; nur rechnet man hier die Kosten der Anlage auf einen D. per Baum,
in Malacca auf einen halben, so dass hier jemand, nachdem er 8-9 Jahre
gewartet, jährlich 100%, dort 200% Zinsen von seinem Kapital pflücken
würde.

Das grosse Geschick der Javanen in der Beurtheilung geringer
Höhenunterschiede habe ich bereits früher gerühmt; dass sie mit grosser
Genauigkeit nach dem Stand der Sonne die Zeit zu bestimmen vermögen, ist
kein Wunder; im östlichen Java aber fand ich die Leute so ausgezeichnet
orientirt, dass sie selbst im Hause statt der Ausdrücke rechts, links,
vorn, hinten u. s. w. gewöhnlich die Himmelsrichtungen gebrauchten, z.
B, gieb mir die nordwestliche Schüssel, stelle Dich südl., komm nach
Osten u. s. w.

Nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Tengger-Gebirge, dessen rein
geognostische Ergebnisse hier nicht am Platz sind, besuchte ich noch den
Lamongan. In angenehmer Gesellschaft verlebte ich den Abend am stillen
Ufer des waldumsäumten von Tigern umschlichenen Klakasees und brach am
folgenden Morgen mit dem Adjudanten des Obersten v. S. auf, um den so
selten ruhenden Lamongan zu ersteigen, dessen Gipfel sich in unserm See
spiegelte. Man zweifelte sehr an der Ausführbarkeit unseres
Unternehmens. Junghuhn hatte bei seinen verschiedenen Besuchen nicht
einmal den Versuch machen können, da der Vulkan dann immer in voller
Thätigkeit war. Wir ritten zuerst SW. um den Rand des Sees herum, durch
Kaffeegärten, dann Ost, geradeaus durch dichten Wald, in welchem nur
zwei Stellen zur Anlage neuer Desas frisch gelichtet waren. Nach
zweistündigem Ritt erreichten wir mit der Grenze des Waldes ein ebenes
Lavafeld von etwa 9° Neigung, durch tiefe Sprünge vertikal zerklüftet
und mit einem dichten Teppich von schönen Flechten bekleidet, auf dem
wir bequem an den Fuss des Auswurfskegels gelangten. Er bestand an
dieser, der Südseite, aus ziemlich festem Sand, der stellenweis mit
Auswürflingen überschüttet war, die der Regen vom oberen Gehänge
herabgespült hatte. Das Aufsteigen auf diesem Boden war äusserst
beschwerlich, weshalb denn auch unsere Kulis nach ostjavascher Sitte
allmälig zurückblieben und einer nach dem andern hinter grossen Steinen
untertauchten. Alles Zureden, Schelten, Drohen brachte sie nicht wieder
zum Vorschein, so dass wir schliesslich mit unsichtbaren Zuhörern
sprachen. Mit ihnen verschwanden auch unsere Instrumente, darunter ein
Barometer. Nach einigen Stunden mühsamen Kletterns erreichten wir im
obersten Drittel des Kegels eine feste Lavabank, ohne Schlackendecke,
welche letztere wohl längst durch Regen und Wind in die Tiefe gestürzt
worden. Das Vorkommen einer solchen festen Bank an einem Abhang von mehr
als 30° Neigung war gewiss interessant! Sie gewährte uns ein ziemlich
sicheres Auftreten und reichte fast bis an den Gipfel. Nur die letzten
40' etwa bestanden aus gelbem Sand. Aus allen Spalten der Kuppe, bis auf
100' abwärts, drangen sehr heisse Wasserdämpfe; schweflige und salzsaure
waren durch den Geruch nicht wahrzunehmen. Links von uns, im W. zog sich
in NO.-SW.-Richtung eine gegen 100' breite, flache, muldenförmige,
bolusrothe Rinne auf 2/3 des Kegels hinab, an ihrem oberen Ende war die
Dampfentwickelung besonders stark. Die Spitze des Kegels war schon seit
einer Stunde in dichten Nebel gehüllt, der ganze Krater mit kondensirten
Dämpfen erfüllt; ich sah nichts als das Segment des Randes, auf welchem
ich stand. Nur einmal schimmerten zwei Felsenpfeiler durch den dicken
Nebel, deren Entfernung und Richtung auf eine grosse Dimension und
senkrechte Wände des Kraters schliessen liessen. Nachdem wir vergeblich
eine kurze Zeit auf etwas Aussicht gewartet, verkündete ein
Donnerschlag, von einigen grossen Regentropfen begleitet, den Anfang
eines Gewitters. Wir entschlossen uns zum Rückzug und verliessen ohne
Ergebniss den mühsam erklommenen Gipfel. Der Regen wurde zu einem wahren
Sturzbad; vorsichtig rutschten wir die nun glatte Lavabank hinab, wobei
uns beiden die Stöcke entfielen, die in gerader Richtung in die Tiefe
glitten. Der Sand, durch den Regen in einen schweren, schwarzen Brei
verwandelt, floss in breiten, flachen Massen träge abwärts. Die Steine,
durch das Wasser wie belebt, stürzten mit reissender Schnelle die neu
entstandenen Rinnen entlang, wie Sturzbäche, deren grösseres Volumen aus
Steinen bestand. In einer solchen, die ich wegen ihrer stufenförmigen
Sohle zum Hinabsteigen gewählt hatte, wurde ich mehrere Klafter weit
aufrecht stehend fortgerissen, ehe ich mich auf das Ufer retten konnte.
Die elektrischen Entladungen waren sehr stark; ein Schlag, der den Berg
traf, warf meinen Begleiter und mich gleichzeitig zu Boden, was aber
wohl hauptsächlich unserer unsicheren Basis zuzuschreiben war. Wir
hatten nun etwa die Hälfte des Abhangs zurückgelegt und folgten einer
flachen Rinne. Die durch den Regen und Wind vom oberen Gehänge gelösten
Steine hatten hier schon solche Fallkraft erlangt, dass sie in mehr als
haushohen Bögen den Berg hinabsprangen. Von beiden Seiten gelangten sie
in unsere Mulde und bildeten ein wahres Kreuzfeuer. Zeitweis flogen sie
so dicht, dass wir darauf gefasst sein mussten, zerschmettert zu werden.
Einige wenige hatten reichlich 1' Durchmesser, die meisten waren kaum
5-6'' gross. Aber selbst den grossen vorsätzlich auszuweichen, war nicht
möglich, da sie bei jedesmaligem Aufschlagen ihre Richtung änderten. Wir
waren hier hülflos dem blinden Zufall preisgegeben, retteten uns aber
endlich auf den höher gelegenen Rand, wo wir nur selten in Gefahr kamen.
Den Umständen nach befanden wir uns wohl, mein Begleiter hatte einige
schmerzhafte Quetschungen erhalten, die ihm das Athmen sehr erschwerten,
ich war mit einer starken Kontusion und einem Loch im Bein
davongekommen. Indem wir hier einige Augenblicke ausruhten, musste ich
mir gestehen, kaum jemals ein prachtvolleres, grossartigeres
Naturschauspiel in grösserer Nähe beobachtet zu haben; der peitschende
Regen trat neben den übrigen Erscheinungen ganz in den Hintergrund. Als
wir den Fuss des Kegels erreichten, hörte der Regen auf. Mein Begleiter
hatte sich auf der ganzen Tour sehr wacker gehalten, wie es sich für
einen jungen Krieger ziemt, erklärte aber zum Schluss, dass er sich das
Studium der Geologie ganz anders vorgestellt habe und keine besondere
Neigung dafür empfinde. Gegen Sonnenuntergang erreichten wir den
Pasanggrahan, gleichzeitig mit dem Oberst, der in einem Nachen von einer
Jagdpartie zurückkehrte und uns ungläubig auslachte, als wir
behaupteten, den Gipfel des Berges erstiegen zu haben.

Beinwunden heilen in heissen Ländern ausserordentlich schwer, der Arzt
in Probolingo sagte zwar, ich habe gutes „Geneesvleesch”, unterwegs
verschlimmerte sich aber die Wunde wieder und heilte erst, nachdem ich
eine Woche in völliger Ruhe unter der Pflege eines vortrefflichen
deutschen Arztes in Plantungan zugebracht hatte. Ueberdies trat auch
jetzt die Regenzeit mit solcher Entschiedenheit ein, und mein Aufenthalt
in Java hatte so sehr die ursprünglich dafür bestimmte Zeit
überschritten, dass ich theils im Dampfboot, theils zu Lande der flachen
nördlichen Küste folgend, nach Batavia zurückeilte. Besonders bedauerte
ich, von Surabaya und seiner Umgebung bei meiner ersten Anwesenheit so
wenig gesehen zu haben, da die interessanten Exkursionen nach den vielen
Regierungs- und Privatetablissements dieser in hohem Grade
gewerbthätigen Stadt nun unterbleiben mussten. Surabaya hat bei weitem
den besten Hafen von Java; hier mündet auch der bedeutendste Fluss der
Insel und die Regierung hat dort grosse Schiffswerften und
Maschinenbauanstalten, in denen unter Leitung weniger europäischer
Offiziere alle Arbeiten von Inländern ausgeführt werden.

Es war Anfang Dezember geworden, alle Tage hatten wir starke Regen; bei
Tagal, einer kleinen Hafenstadt zwischen Cheribon und Samarang, war der
Fluss so angeschwollen, dass er kaum in seinem Bett Platz hatte. Zu
beiden Seiten der durch 1 - 1-1/2 Fuss hohe Dämme geschützten
Landstrasse waren die flachen Reisfelder (nicht künstlich bewässerte
Sawas) in Seen verwandelt, aus denen einzelne Häuser wie Schiffe
hervorragten. Der Eintritt der Regenzeit hatte grosse Thätigkeit
hervorgerufen, überall wateten hoch aufgeschürzte Frauen im Sumpf und
pflanzten Reis, Männer betheiligen sich nicht an dieser Arbeit. --
Korrespondenz, Verpacken und Versenden von Sammlungen, nahmen die
wenigen Tage bis zum Abgange des Dampfers nach Singapore fast gänzlich
in Anspruch, so dass ich von Batavia und seinen interessanten Museen nur
wenig sah.

Eine Geschichte von Java, so kurz, wie die am Schluss von Singapore und
Malacca gegebenen, würde wenig mehr enthalten, als sich in jeder
grösseren Geographie findet; eine ausführlichere liegt nicht im Plan des
Buchs. So schliesse ich denn die flüchtigen Skizzen dieses
Reiseabschnitts mit dem Wunsch, dass der Spruch: „Wer Vieles bringt,
wird Manchem etwas bringen”, sich auch hier bewähren möge.

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[52] Es scheint eine grosse Härte, den armen Frachtfuhrleuten die
schöne Strasse zu verbieten; doch ist es nicht wohl zu ändern, da
ihre aus massiven Holzscheiben bestehenden, ursprünglich runden,
durch Abnutzung aber bald vieleckig gewordenen Räder die beste
Strasse in kurzer Zeit zu Grunde richten würden. Karren mit
ordentlichen Rädern ist die Benutzung der Poststrasse gestattet.

[53] Die Zeichnung ist von Batu-tulis, etwas südlich von Buitenzorg,
aufgenommen.

[54] Trotz aller Befürchtungen steht gegenwärtig der Preis des
Chinins sehr niedrig und ist seit dem Krimkrieg fortwährend
gefallen. -- Auch hat man nach einer Mittheilung, die Prof. Karsten
erhielt, jetzt bei Loxa Cinchonapflanzungen angelegt, deren Rinde
man alle 6 Jahre zu verwerthen erwartet.

[55] Am 19. April 1865 ist er, erst 36 Jahre alt, in Balanta, an der
Ostküste von Celebes, den Strapazen und Wirkungen des Klimas
erlegen, die er als Leiter einer mehrjährigen, mit grossem Erfolg
ausgeführten Entdeckungsreise in Neu-Guinea und Gilolo erduldet
hatte.

[56] Herausgegeben von der Gesellschaft zur Verbreitung
gemeinnütziger Kenntnisse in Amsterdam.

[57] Die Arachis ist ein unscheinbares, auf dem Boden kriechendes,
krautartiges Gewächs mit langgestielten Schmetterlingsblüthen. Die
Blüthen über dem Boden bleiben unfruchtbar, gewöhnlich senkt sich
aber die Schote in die Erde und reift dort 2 bis 3 Kerne von
Haselnussgrösse. Daher der Name Grundnuss. Die Pflanze gedeiht in
allen tropischen und subtropischen Ländern und wird auch im
südlichen Europa, besonders in Spanien, gebaut, wo ihre Früchte,
geröstet, als Mandeln gegessen werden. Der Anbau dieser Pflanze
nimmt seit einigen Jahrzehnten ausserordentlich zu, veranlasst
durch die Nachfrage in Europa. Fast der ganze Export aller
Produktionsländer geht nach Südfrankreich, hauptsächlich nach
Marseille, von wo aus das daraus gewonnene Oel unter dem Namen
Olivenöl über die ganze Welt verbreitet wird. Die Fabrikation hat
dort solche Vollkommenheit erreicht, dass selbst Kenner kaum im
Stande sind, einen Unterschied zwischen dem Olivenöl und dem
Katjang-Oel zu finden. Letzteres vertritt daher das Oliven- und
Mandelöl in allen seinen Anwendungen.

Bereits am 12. Juni 1852 sagte Dumas in der Société d'Encouragement:
„Olivenöl ist gegenwärtig auf einen ausserordentlich hohen Preis
gestiegen, nicht nur im südlichen Frankreich, sondern auch an den
Küsten von Italien, wo die Olivenbäume ganz verschwunden sind. Das
Oel der Arachis, deren Name fast noch ganz unbekannt, ist ohne
Zweifel eins der wichtigsten Produkte. Vor 8 oder 10 Jahren kam ein
Marseiller Haus auf den glücklichen Einfall, 4 oder 5 ℔ Katjang-Oel
nach Frankreich zu bringen, und seitdem hat die Einfuhr so
zugenommen, dass sie jetzt eine Höhe von 70 Millionen Kilogr.
erreicht. Dieser grosse Verbrauch lässt sich leicht begreifen, wenn
man in Betracht zieht, dass das Katjang-Oel fast alle Eigenschaften
des Olivenöls besitzt.” Im Journal des Débats vom 12. Oct. 1863
heisst es: Vor 20 Jahren war die Arachis von Senegambien nicht
einmal in unsern Zolllisten aufgeführt; heut werden in Frankreich
allein 500,000 Kilogr. eingeführt. Der Anbau hat so zugenommen, dass
er den Sklavenhandel auf jener Küste verdrängt hat.” Als Surrogat
für die geringen Speiseöle, an die man in Berlin gewöhnt ist, wird
aber nicht sowohl Arachis-, als das viel billigere Sesamum-Oel,
welches in noch viel grösserer Menge, namentlich von Kurratschi
eingeführt wird, verwendet.

[58] Bei Gelegenheit der Vorarbeiten für die Eisenbahn hat man einen
viel niedrigeren Pass gefunden, über welchen jetzt eine neue Strasse
mit Umgehung des Megamendong angelegt wird. Sie ist bereits bis auf
die Brücken vollendet (1865).

[59] Auch er ist bereits am 24. April 1864 in Lembang gestorben;
doch hat er sich ein bleibendes Denkmal errichtet durch sein von
Hasskarl auch ins Deutsche übersetzte Werk: Java, seine Gestalt,
Pflanzendecke und innerer Bau.

[60] Daendels hatte einen Regenten abgesetzt, weil er eine Strasse
zu steil über ein Bergjoch geführt hatte; -- aus Furcht vor einem
ähnlichen Schicksal baute ein andrer Fürst die Strasse im Zickzack
durch die Ebene.

[61] Man muss sie aber nicht, wie häufig geschieht, mit einem andern
Feigenbaum, F. religiosa, dem heiligen Baum der Buddhisten
verwechseln, der im Ganzen viel Aehnlichkeit mit unserer
Silberpappel hat und keine Seitenstämme bildet. Seine an ihrer sehr
lang ausgezogenen schwanzartigen Spitze kennbaren herzförmigen
Blätter bestehen aus einem so dichten Netzwerk fester dünner Fasern,
dass nach Entfernung der Blattsubstanz durch Mazeration und Bleichen
ein filigranartiges Skelett zurückbleibt, welches gefirnisst und
miniaturartig bemalt, jetzt häufig als Kuriosität von China
mitgebracht wird.

[62] Dike (spr.: Deik) nennt man die im flüssigen Zustand in die
Spalten der Kegelberge eingedrungene, nach dem Erkalten fest
gewordene Lava.

[63] Wie schon bei Gelegenheit der Zinnablagerungen angedeutet,
werden mit der Zeit durch Einwirkung von Wasser und Luft die
härtesten Gesteine zersetzt. Die Hauptgemengtheile der meisten
krystallinischen Gebirgsarten (nicht-krystallinische sind schon
Zersetzungsprodukte) bestehen aus Doppelverbindungen von
Thonerde-Silikaten und Alkali- (oder Kalk-) Silikaten. Erstere sind
als Thon (in reinem Zustand Kaolin) wohl bekannt. Zur Versinnlichung
der letzteren kann das künstlich dargestellte, in der Technik jetzt
vielfach angewendete Wasserglas (kieselsaures Kali oder Natron)
dienen. Erstere sind unlöslich und bleiben bei dem Verwittern des
Gesteins übrig, während die löslichen Alkali- und Kalk-Silikate
theils als solche, theils nach Einwirkung von Kohlensäure als
kohlensaure Salze durch die Gewässer fortgeschafft werden.

Was durch Luft und Wasser bei gewöhnlicher Temperatur sehr langsam,
wenn auch ununterbrochen, stattfindet, wird viel schneller bewirkt
durch heisses Wasser, heisse Dämpfe und Gase, wie sie aus hier nicht
näher zu erörternden Ursachen namentlich häufig in Vulkanen und
ihrer Nachbarschaft auftreten. Ausströmungen von heissen Gasen und
Dämpfen nennt man Fumarolen, Ausströmungen von Kohlensäure Mofetten;
da dieses Gas 1-1/2 mal so schwer ist als atmosphärische Luft, so
breitet es sich am Boden aus und bildet zuweilen, an Stellen, die
gegen den Luftzug geschützt sind, so hohe Schichten, dass Thiere,
die hineingerathen, darin ersticken. Solfataren heissen die Punkte,
in deren Dampfausströmungen die schwefelhaltigen Gase vorwiegen:
Schwefelwasserstoff, durch dessen Zersetzung der die Wände
bekleidende Schwefel gebildet wird, und schweflige Säure, die sich
beide durch Zutritt feuchter Luft in Schwefelsäure verwandeln,
endlich Schwefel in Dampfform. Während Wasser und Luft in der Art
auf die Gesteine einwirken, dass unlösliche Thonerde-Silikate übrig
bleiben, vermögen die in den Solfataren sich fortwährend bildenden
starken Säuren des Schwefels die Doppel-Silikate vollständig zu
zersetzen. So entsteht aus alkalihaltigen Doppel-Silikaten Alaun
(schwefelsaure Thonerde verbunden mit schwefelsaurem Alkali), aus
kalkhaltigen Doppelsilikaten Gyps (schwefelsaurer Kalk). Alaun und
Gyps bleiben mit dem halb zersetzten Gestein und dem stets neben
ihnen gebildeten Thone gemengt, oder werden vom Wasser gelöst und an
Nebenpunkten wieder abgesetzt. Es würde zu weit führen, die Vorgänge
in den Solfataren näher in Betracht zu ziehen; daher mögen auch die
Wirkungen der häufig auftretenden Salzsäure hier unberücksichtigt
bleiben. Zum oberflächlichen Verständniss der beschriebenen
Erscheinungen in Kawa-manuk wird das Gesagte genügen. Wesentlich
dieselben Erscheinungen wiederholen sich, wenn auch in sehr
verschiedener Intensität, in allen Solfataren; ich werde daher
später nicht wieder darauf zurückkommen.

[64] Zum Verständniss dieser Werthsteigerung bei feststehenden
Preisen muss erwähnt werden, dass der Thee in 8 Sorten, 4 schwarzen,
4 grünen, von verschiedenem Werth, abgeliefert wurde, und dass die
Fabriken gelernt hatten, die theuren Sorten in grösserer Menge zu
produziren.

[65] Der Unterschied zwischen den Ergebnissen der Theekultur durch
freie Arbeiter unter Unternehmern, die für eigene Rechnung
wirthschafteten und den Resultaten, welche die Regierung durch
Zwangsarbeit unter Aufsicht von Beamten erlangte, sind so schlagend
und volkswirthschaftlich so interessant, dass ich einen kleinen
Auszug aus Dr. W. Bosch, Vrije en gedwongen Arbeid, Tydschr. v. Ned.
Ind. 1858 II 297 anführe, in welchem folgende, amtlichen Berichten
entnommene Thatsachen gegenübergestellt sind:

  667 Arbeiter (freiwillige) produziren 1855 auf 560 Bau:
  344,849 ℔ Thee,
    also 1-1/5 Arbeiter per Bau,
    517 ℔ per Arbeiter,
    615 ℔ per Bau.

  Der Arbeitslohn ist unbekannt. Angenommen, sie hätten das ganze
  Jahr hindurch 360 Tage, à 20 Deuten, gearbeitet, dann hätte die
  Bebauung gekostet 72 fl. per Bau d. h. 80% mehr als die
  Regierung dafür zahlte; und gleichwohl kosten die 615 ℔ Thee,
  die dafür erhalten werden, nicht mehr als 12 cents pro ℔, d. h.
  nur 40 % von dem, was die Regierung dafür bezahlte; und dennoch
  hat der Arbeiter bei dem Privatmann 3mal so viel per Tag
  verdient, als der Arbeiter in Bagelen, selbst wenn dieser nicht
  mehr als 100 Tage per Jahr zu arbeiten hätte.

  4,375 Arbeiter (gezwungene) produziren 1855 auf 660 Bau:
  87,312 ℔ Thee,
    6-1/2 Arbeiter per Bau,
    22 ℔ per Arbeiter,
    132-1/2 ℔ per Bau.

  6 Arbeiter per Bau angenommen, die zusammen 40 fl. 72 c.
  erhalten, giebt 6,79 fl. per Arbeiter. Angenommen, dass Jeder
  nicht mehr als 100 Tage gearbeitet hätte, so würde der Tagelohn
  6-3/4 cents betragen, und das ℔ Thee auf 30 cents zu stehen
  kommen.

Aus diesen amtlichen Angaben geht hervor, dass freie Arbeit 25mal
produktiver war als Zwangsarbeit, dass der Boden 5mal so viel trug,
dass das Produkt der Privatleute noch nicht die Hälfte kostete,
während ihre Arbeiter 3mal so viel verdienten.

[66] Nicht sowohl die Varietät des Theestrauches, als vielmehr
Boden, Lage und Klima bedingen die Qualität (ähnlich wie beim
Wein). In China giebt es Gegenden, wo nur grüner Thee fabrizirt
wird, nicht, weil man aus den Sträuchern keinen schwarzen Thee
machen kann, sondern weil der dort gewonnene grüne Thee besser
ausfällt, als der schwarze. In Java finden solche Unterschiede
noch nicht statt; man bereitet grünen und schwarzen Thee auf
derselben Plantage.

[67] Die Rongengs sind öffentliche Tänzerinnen, sie fehlen bei
keinem grösseren Feste; ihr Tanz versetzt die Eingebornen oft in
Entzücken und reisst zuweilen selbst die Vornehmsten hin, sich
daran zu betheiligen. Ihre Kunst besteht mehr im Biegen und
Wenden der Glieder als in graziöser Fortbewegung. -- „Die
Rongeng gehört dem Staat, der Oeffentlichkeit. Ueber eine Frau,
die sich als Rongeng einschreiben lässt, verliert der Ehemann
sein Recht, sowie auch ihre Eltern.” (Brumund, Indiana.) Sie
sind völlig frei bis auf die polizeiliche und ärztliche
Kontrolle.

[68] Eigentlich Kerne.

[69] Der Musang ist ein kleines Raubthier, das nur die reifsten
Früchte nascht und nur ihre fleischige Hülle verdaut. Die nur
aus Kaffeebohnen bestehenden, vom Musang ausgeworfenen, vom
Regen abgewaschenen Häufchen werden besonders gesammelt und von
den Packhausmeistern für begünstigte Kunden aufgehoben, da sie
den wohlschmeckendsten Kaffee geben. -- Der Musang befindet sich
fast in jedem zoologischen Garten.

[70] Trotz der sehr vermehrten Bevölkerung nimmt die Zahl der
Bäume ab. 1851 zählte man: 231,693,843 und 1861: 223,301,000
fruchttragende Bäume. In dem viel kleineren, besonders aber an
Arbeitskräften so viel ärmeren Ceylon hat sich die Kaffeeproduktion,
die 1850 kaum 1/4 derjenigen von Java betrug, so gehoben, dass sie
1862 schon mehr als 2/3 derselben gleichkam. Den meisten Kaffee
liefert gegenwärtig Brasilien, das allein so viel erzeugt, als alle
übrige Kaffeeländer zusammen ... 1858/59: Brasilien 346, Java 135,
Ceylon 70, alle übrigen Kaffeeländer zusammen 155 Millionen
Zollpfund, im Ganzen also 696 Millionen Zollpfund.

[71] In den Regierungspflanzungen betrug 1854/57 die Zahl der
Kaffeebäume durchschnittlich: 295,276,073, wovon 221,295,764
fruchttragende; die Ernte 962,876 Pikul oder etwas über 1/2 ℔
per Baum. -- 1828, vor Einführung des Kultursystems, erntete man
416,000 Pikul von etwa 50,000,000 Bäumen, d. h. über 1 ℔ per
Baum, im günstigsten Jahre nach Einführung des Systems (1855)
1,264,000 Pikul von 300,000,000 Bäumen, d. h. etwas über 1/2 ℔
per Baum, so dass sich die Zahl der Bäume seit 1832 zwar
versechsfacht, der Gesammtertrag aber nur verdreifacht hatte.
Seit 1840 ist die Kaffeeproduktion auf Java, einige besonders
günstige Jahre ausgenommen, stationär geblieben. Das auf Zwang
beruhende künstliche System hatte also schon nach 8 Jahren seine
Kraft erschöpft.

[72] In Arabien war der Kaffee als Getränk wohl schon Ende des 15.
Jahrhunderts bekannt; 1556 wurde das erste Kaffeehaus in
Konstantinopel, 1652 in London, 1671 in Marseille, 1672 in Paris,
1683 in Wien errichtet. Wie man darauf gekommen sein mag, die
harten, unschmackhaften Samen zu rösten und ein Getränk daraus zu
bereiten, ist durchaus unbekannt. Es ist höchst merkwürdig, dass das
Kaffeïn, das eigentlich Wirksame im Kaffee, chemisch identisch ist
mit Theïn und beliebig aus Kaffeebohnen oder Theeblättern
dargestellt werden kann, dass es ebenfalls im Paraguaythee oder Mate
enthalten ist, und dass die Pflanzen, die es liefern, ganz
verschiedenen natürlichen Familien angehören. Noch auffallender ist
es, dass gerade diese Pflanzen von halbzivilisirten, weit von
einander entfernt wohnenden Völkern zum Getränk erkoren wurden. Die
daraus bereiteten Aufgüsse regen an, ohne zu berauschen, und haben
deshalb einen höchst wohlthätigen Umschwung in der Lebensweise der
zivilisirten Völker hervorgebracht. Ihre schnelle, immer wachsende
Verbreitung ist ein erfreuliches Zeichen zunehmender Gesittung.
Nicht erfreulich, aber recht interessant ist auch „die plumpe
Selbsttäuschung der Cichorientrinker, die aus Armuth und
Unwissenheit einen Absud geniessen, der vom Kaffee nichts weiter
hat, als die Farbe. Es dürfte kaum zweifelhaft sein, dass mit der
Aufklärung des Publikums über den wahren Werth des Kaffees die
Cichorienfabriken alsbald eingehen müssten.” (Knapp's Technologie II
83.)

[73] Folgende Rezepte stammen aus sehr guten Quellen:

1. ~Allgemeines Kari-Pulver~, 2 verschiedene Sorten. Man mische
zum Pulver No. 1 die uneingeklammerten, zum Pulver No. 2 die
eingeklammerten Gewichtstheile folgender Gewürze: Koriander 48
(8), schwarzer Pfeffer 24 (8), Curcuma 19 (8), Kümmel 12 (2),
Capsicum 6 (1), Reismehl 4 (2), Cardamom 2 (1), Nelken 1 (0),
Ingwer 0 (4), Trigonella foenum graecum 0 (6).

2. ~Krebs-Sambal:~ Zu 2 Stück feingeschnittenen Zwiebeln und 2
Stück Knoblauch setze man 3 Theelöffel Balatschong (siehe
unten), 1/2 Theelöffel Curcumapulver, 1/2 Quart Krabben- oder
Krebsschwänze, lasse alles etwas braten, füge Tomaten oder
Tamarinden, Capsicum, 1/2 Tasse Kokosmilch (siehe unten) hinzu
und lasse es schmoren.

3. ~Bengal-Kari:~ Zu 3 grossen, feingeschnittenen, in Butter
gebratenen Zwiebeln setze man folgende in einem steinernen
Mörser sehr fein gestossene mit etwas Wasser angefeuchtete
Gewürze: 2 Nelken, 1 Capsicum, 2 Theelöffel Koriander, 2 Prisen
Anis, 1 desgl. Kümmel, 2 Stück Knoblauch, 1/2 Theelöffel Zimmet
und etwas Ingwer, 1 Theelöffel Curcuma. Nachdem alles etwas
gebraten, setze man 1 ℔ in kleine Stücke geschnittenes Fleisch
dazu (Rind, Kalb, Hammel, Wild, Geflügel oder Fisch), und eine
Tasse voll Kokosmilch oder guter Brühe und lasse es schmoren.

4. ~Madras-Kari:~ Man brate 2 kleine fein geschnittene Zwiebeln in 2
Unzen Butter, setze vom Karipulver No. 2 dazu und verfahre übrigens
wie bei dem Bengal-Kari, man kann auch etwas Zitronensaft
hinzufügen.

5. ~Malayische Karis~ unterscheiden sich von den indischen
wesentlich nur durch einen viel bedeutenderen Zusatz von
Cocosmilch; sie sind daher gelblich statt braun, flüssiger,
weniger gewürzt und werden Europäern, die an starke Würzen nicht
gewöhnt sind, wohl besser schmecken. -- Zu allen Karis isst man
das 3- oder 4fache Volumen Reis, in Dampf gekocht.

6. ~Balatschong~ ist eine mehr oder weniger feste Paste, aus
gestossenen Krabben bereitet, die vorher etwas eingesalzen und
an der Sonne getrocknet worden; sie lässt sich sehr annähernd
durch ein Gemisch von Shrimp- und Anchovy-Sauce ersetzen.

7. ~Cocosmilch,~ nicht zu verwechseln mit der aromatischen,
angenehm süsslichen Flüssigkeit, die den inneren Raum junger
Kokosnüsse ausfüllt, und Allen, die tropische Küstenländer
bereist haben, in dankbarer Erinnerung bleibt, erhält man, indem
man die mandelartige Substanz, mit welcher die holzige Schale
der reifen Nuss inwendig gefüttert ist, fein raspelt, mit Wasser
vermengt und unter starkem Druck auspresst. Die erhaltene
Flüssigkeit ist eine Emulsion, ähnlich der Mandelmilch. Ist
Kokosmilch nicht zu haben, so lässt sie sich am besten durch
Thiermilch ersetzen.

[74] Der Gamelang, das javanische Orchester, ist in Raffles und
Crawfurd beschrieben und abgebildet. Die Instrumente bestehen
hauptsächlich aus sehr wohlklingenden metallischen Becken und
metallischen und hölzernen Stäben, die mit Ausnahme der grössten
Becken (Gongs), welche an Gestellen aufgehängt sind, auf
Resonanzböden oder auf straffen Stricken liegen, und wie Lauten
geschlagen werden. Pauke, Flöten und eine Art Violine sind auch
dabei. Ueber die Musik der Javanen sagt Crawfurd: „Die Musik ist
wahrscheinlich die Kunst, in welcher die Javanen im Vergleich zu den
meisten asiatischen Völkern den grössten Fortschritt gemacht haben.
Die javanischen Melodien sind wild, klagend und mehr als alle andre
asiatische Musik, vielleicht die der Perser nicht ausgenommen, dem
europäischen Ohr wohlgefällig..... Der verstorbene Dr. Crotch, ein
sehr kompetenter Richter, gab mir, nachdem er die schöne Sammlung
von Instrumenten, die Sir Stamford Raffles nach England gebracht,
besichtigt hatte, seine Meinung über dieselben sowohl, als über den
allgemeinen Charakter der javanischen Musik. Ueber die einfachen
Gongs sagte er, der Ton dieses Instrumentes sei zugleich mächtig und
süss, seine Intonation klar und vollkommen; und über die
Perkussions-Instrumente im Allgemeinen bemerkte er, dass er erstaunt
und entzückt wäre über ihre sinnreiche Anfertigung, ihre Pracht,
Schönheit und vollendete Intonation. In Bezug auf den Charakter der
javanischen Musik im Allgemeinen machte er folgende Bemerkungen:
„Die Instrumente haben alle dieselbe Skala wie die, welche durch die
schwarzen Tasten des Pianos hervorgebracht wird, in welcher so viele
der schottischen und irischen, alle chinesischen und einige der
besten indischen und nordamerikanischen Melodien komponirt sind.”

[75] Eine in Paris erworbene echte Calisaya war schon April 1852
in Batavia angekommen; sie starb, aber 2 Ableger derselben waren
1862 zu 20 Fuss hohen Bäumen herangewachsen.

[76] Am 20. Juli 1856 waren vorhanden 99 C. Calisaya, 140 C.
Pahudiana, 7 C. lanceolata, 1 C. succirubra, 3 C. lancifolia, 1
C. pubescens. (de Vrij Cultivation of Quinine in Java and
British-India.)

[77] Seine Untersuchungen ergaben sehr günstige Resultate
für die Calisaya-Rinden, nur waren, wegen der fehlerhaften
Kulturmethode im tiefen Schatten, die Rinden viel dünner als die
südamerikanischen. In der Pahudiana- Rinde fand er aber nur Spuren
von Arzneistoffen; erst 1861 entdeckte er in der Wurzelrinde einer
8jährigen Pflanze eine grössere Menge (3%) und fand später sowohl in
Java als in Britisch-Indien ~junge~ Wurzelrinde nimmer reicher an
Alkaloiden als Stammrinde. Nach einem Bericht der Tyd. N. I. Febr.
1866 scheint es, dass man jetzt in Java die jungen Wurzelrinden
ausbeuten will.

[78] Nach Professor Karsten's langjährigen an Ort und Stelle
gemachten Erfahrungen verlangen die alkaloidreichen Arten einen
relativ kalten, nebelreichen und mit Sonnenblicken wechselnden
Standort.

[79] Mac Jvor zieht gar keine Sämlinge mehr, ausser etwa von
neuen Arten -- er vermehrt nur noch durch Ableger und Knospen
(cuttings and buds). de Vrij.

[80] Herr de Vrij theilt mir mit, dass er im August 1865 in
einer Rinde von C. succirubra, aus den Neilgherries, 11% (!)
Alkaloide fand, wovon der grösste Theil aus Chinin bestand,
während die besten Perurinden selten mehr als 5% geben; und nach
Prof. Karsten fand Howard sogar in den Blättern der in Ostindien
gewachsenen C. rubra, Chinin in genügender Menge, um es
darzustellen.

[81] Andere endogene Pflanzen, besonders Pandaneen, liefern aber
auf diese Weise noch bessere Pinsel; in den Philippinen dienen
diese allgemein zum Tünchen der Wände.

[82] Siehe auch: Brücke bei Wonosobo.

[83] Die Passvorschriften sind jetzt aufgehoben.

[84] Wahrscheinlich Kleinhoffia hospita, vergl. Hasskarl
Anteekeningen over het nut ... 835.

[85] Die grössten Teakwälder kommen in den gebirgigen Theilen von
Malabar, Birma und Siam vor, sie waren eine der Hauptursachen für
die Besitznahme von Tenasserim durch die Engländer, und werden auch
wohl die Veranlassung zur allmäligen Erschliessung der nördlich von
Siam und Birma gelegenen Laosländer werden. Die regelmässige
Beschaffung einer zureichenden Menge Teakholz für die englische
Marine ist so wichtig geworden, dass wahrscheinlich demnächst die
Gründung eines Vice-Consulats in Chang-mai, der Hauptstadt von
Süd-Laos bevorsteht. -- „Malabar ausgenommen, liefert Java das beste
Teak, jenes wird für Kiele, dieses für Planken vorgezogen.
Teakschiffe sind durch gewöhnliche Abnutzung fast unzerstörbar;
Beispiele, dass sie 80 und 100 Jahre gedauert haben, sind nicht
selten.” (Mac Culloch 1859.)

[86] Selbst noch als Ceylon an die britische Krone überging,
verpflichtete sich die ostindische Kompanie, jährlich 60,000 £
für 400,000 ℔ Zimmet zu zahlen, und es wurde festgesetzt, dass
der etwaige Mehrertrag verbrannt werden sollte. (Capper Port and
trade of London 371.)

[87] Der Zimmet stammt aus Ceylon; er war schon im Alterthum
bekannt und hoch geschätzt, mehr wegen seines Wohlgeruchs, denn
als Gewürz. Man erhielt ihn über Arabien. Erst durch Entdeckung
des Seewegs nach Indien wurde sein Vaterland den Portugiesen
bekannt. Von diesen ging der Zimmethandel an die Holländer über,
die ihn nach den damals herrschenden handelspolitischen
Ansichten zum Gegenstand des strengsten Monopols machten.
Regelmässige Pflanzungen wurden zuerst 1765 angelegt, bis dahin
benutzte man nur wilde Pflanzen. Als 1796 die Engländer Ceylon
nahmen, war Zimmet das Hauptprodukt der Insel. Sie setzten das
Monopol und das damit verbundene System der Zwangsarbeit mit
unglaublicher Strenge fort. -- Wenn in irgend einem Garten eine
Zimmetpflanze aufging, so durfte sie der Besitzer des Gartens
nicht als sein Eigenthum betrachten, eben so wenig durfte er sie
vertilgen, sondern er war gezwungen, sie für die Regierung zu
pflegen und aufzuziehen; und nach dem alten holländischen Gesetz
wurde dem, der einen Zimmetbaum fällte, die rechte Hand
abgehauen (Porter). Erst 1833 wurde der Zimmetbau und -Handel
auf Ceylon freigegeben, nahm aber nicht sehr zu, weil die
englische Regierung einen Ausfuhrzoll von 200-300% ad valorem
darauf legte. Nächst Ceylon liefert Cochinchina den meisten
Zimmet. Letzterer geht nach China, wo er dem von Ceylon
vorgezogen wird.

[88] Tijdschrift voor taal-land-en. volkenkunde. 1853, I, 304.

[89] ~Adat~ heisst: alter Brauch, alte Sitte, und hat für den
Inländer Gesetzeskraft.

[90] Over de zoogenoemde eetbare Vogelnesten. -- Beiträge zur
näheren Kenntniss der Gattung Collocalia Gr.

[91] Demselben, der das duftende Agallocheholz liefert, in Java
aber nicht vorkommt.

[92] Vergl. Zeichnung: die Bündel bestehen aus Bambusen, die
Seile aus Rotang.

[93] Der mich begleitende Javane erklärte sie folgendermassen:
der grösste, ruma radja (Haus des Königs), die übrigen: Häuser
der Frauen und Verwandten, der fünfte, ruma dija punja jonge
(das Haus für den Diener). Das holländische Wort, das zur
Bezeichnung eines Dieners ins Malayische übergegangen, machte
sich sonderbar genug in dieser antiquarischen Erläuterung.

[94] Nach einer neueren Beobachtung (Proc. Zool. Soc. 1863, pag.
439) fangen sie auch Fische. Dr. Schott beobachtete in Conleeveram,
wie die Kalongs über den Teichen schwebten, die Fische mit den
Klauen packten und dann auf Tamarindenbäume flogen, um sie zu
verzehren. Er hielt sie erst für Vögel, schoss aber am andern Abend
mehrere im Akt des Fischens und wiederholte die Beobachtung
mehreremal.

[95] 1849 beauftragte der damalige General-Guvernör zwei
geschickte Zeichner, die Herren Wilsen und Schomberg, sämmtliche
Reliefs und Statuen von Borobudor für den Steindruck zu
zeichnen. Die Arbeit hat mehrere Jahre in Anspruch genommen und
soll sehr gut ausgefallen sein. -- Obgleich ich schon bei meiner
Anwesenheit in Java einige Probedrucke gesehen, scheint das
Werk, das mit erläuterndem Text erscheinen soll, noch nicht
herausgegeben zu sein. Herr W. hat auch in der Tijds. v. T. L.
en V. einen Aufsatz über Borobudor bekannt gemacht, dem obige
Maasse und noch einige der folgenden Angaben entnommen sind, nur
ist statt niederl. Ellen der gleichwerthige, bekanntere Ausdruck
Meter gesetzt.

[96] Um einen solchen Eimer zu machen, faltet man das grosse,
fächerförmige Blatt wie einen aus Papier geknifften Fächer zusammen,
näht die sich berührenden Ränder je zweier Blattspitzen, von da
an, wo sie sich theilen, zusammen, und biegt das Blatt ringförmig,
die Rippen nach Aussen, so dass die Blattspitzen und der Ansatz
des Blattstiels über einander greifen; diese werden fest
zusammengebunden und bilden die Handhabe des Eimers, der nur noch
wie das Verdeck eines Wagens oder der Ugly einer Engländerin
entfaltet zu werden braucht und die Form eines in der Richtung der
Axe durchgeschnittenen sehr flachen Kürbis hat.

[97] Nach den neuesten Nachrichten (1865) ist diese blühende
Industrie in Jokjokarta fast gänzlich zu Grunde gegangen, indem
die Pflanzen durch Insekten zerstört wurden.

[98] Dicht am Stamm vieler Bäumchen war ein mit Wasser gefüllter
poröser Topf bis an den Rand in den Boden eingegraben; das
langsam durchsickernde Wasser erhält die Wurzeln feucht, die ein
dickes Geflecht um den Topf bilden sollen. Vielleicht ist dies
Verfahren, das ich in Europa nie gesehen, in wasserarmen Gärten
oder für besondere Zwecke in der Gärtnerei anwendbar.

[99] In Mexico kauen zwar Männer und Weiber, letztere mit wahrer
Leidenschaft, ein Gummi, Cicle genannt, den verdickten Milchsaft
einer an der Westküste wild wachsenden Sapota (Zapote chico),
das in Speichel völlig unlöslich, geschmack- und geruchlos ist.
Die Substanz hat grosse Aehnlichkeit mit Guttapercha, die man
von einer ebenfalls zu den Sapotaceen gehörenden Pflanze
(Isonandra) gewinnt und wird etwa bei derselben Temperatur
plastisch; man formt Blumen und allerlei Spielereien daraus; in
der Technik findet sie noch keine Verwendung, da ihr hoher
Preis, 1 Dollar per ℔, es verhindert.

[100] Was ich für Muthwillen gehalten, hatte vielleicht einen
andern Grund. Van Dooren erzählt, dass ihn sein Kutscher bei
einer ganz ähnlichen Gelegenheit mit den Worten beruhigte:
„Fürchten Sie sich nicht, Herr, der Tiger will sich ein Pferd
holen.”

[101] Gegenwärtig (1865) ist eine Eisenbahn zwischen Samarang und
Surakarta in vollem Bau; das Samarang zunächst gelegene Stück ist
bereits mit der Lokomotive befahren worden. Dieselbe Gesellschaft
baut eine andre Bahn zwischen Batavia und Buitenzorg. Mit diesen
beiden kurzen Strecken wird sich zunächst wohl der Verkehr begnügen
müssen. Eine andre Gesellschaft, welche über ganz Java ein
Eisenbahnnetz legen wollte, kam leider mit ihren Anträgen zu spät
und erhielt keine Konzession, weil eine solche die jener ersten
Gesellschaft gemachten Zugeständnisse verletzt haben würde.

[102] Von 3 Schiffsladungen voll javanischer Kunstdenkmäler, die
Prof. Reinwardt nach Holland sandte, versank eine im Schiff Ida
en Adelaide, eine zweite im Kriegsschiff Amsterdam, die dritte
im Schiff Evereus, welches verbrannte. (Brumund Indiana.)



Register.

_Berge unter Gunong, Tempel unter Tjandi zu suchen. J = Java, M =
Malacca, S = Singapore._


  Aberglaube, 55, 116, 134, 184, 198, 222, 229.

  Ackerbau M., 117, S. 21.

  Affen, 110, 124, 139, 216.

  Agar-agar, 36, 50.

  Alang-alang, 162.

  Albuquerque, 99, 100.

  Allor-gadja, 105.

  Alterthümer, 166, 186, 241.

  Alun-alun, 143.

  Ambarawa, 235.

  Ameisen, 61, 121.

  Anam, 89.

  Ananas, 27.

  Anjer, 7.

  Anonen, 28.

  Apfelsinen, 28.

  Araber, 239.

  Arachis, 137.

  Arak, 124.

  Arecapalme, 22, 228.

  Arenga saccharifera, 10, 124.

  Arsenik, 36, 108.

  Artocarpus, 27.

  Atap, 12

  Aufbewahrung von Nahrungsmitteln, 30.

  Ausbruch des Gelungung, 187.

  Ausbr. d. Papandayan, 148.

  Australien, 91.

  Auswanderer, chines. 95.

  Auswanderer, europäische, nach trop Ländern, 94.


  Bad, 216.

  Balatschong, 165.

  Bambus, 167, 174, 242.
    Verwendungen des B., 174.
    Schönheit des B., 180.

  Bambusbrücke, 197, 210.

  Bambushecken, 19.

  Bandjar, 191.

  Bandjar-negara, 209.

  Banane, 26.

  Bandong, 29, 140, 141.

  Batavia, 127, 248.

  Batek, 229.

  Batubala, 205.

  Batur, 210.

  Bau-Bau, 38.

  Baumschlangen, 118.

  Baumwolle, 94.

  Bedajas, 165, 184.

  Begräbnisse Imogiri, 225.

  Bergmenschen, 103.

  Bergreis, 37, 133.

  Bernstein, Dr., 132, 199.

  Betelkauen, 227.

  Bewässerung, eigenthümliche, 225.

  Biene, stachellose, 175.

  Billigkeit in Singapore, 25.

  Birma, 89, 90, 92.

  Blasebalg, 41.

  Blasrohr, 107.

  Blechbüchsen, 30.

  Blücher, 229.

  Bogenschiessen, 144.

  Borneo, 14, 91.

  Borobudor, 217, 219.

  Bosch, van den, 135.

  Botanischer Garten, 129.

  Brautzug, 239, 244.

  Bronzen, 166.

  Büffelkarren, 129, 138, 192.

  Büffel und Tiger, 203.

  Buitenzorg, 128, 129.

  Bukit-tima, 23, 55.

  Calamus, 56, 178.

  Carica papaya, 27.

  Ceylon, 158, 196.

  Chaussee, schöne, 240.

  China, 90, 92.

  Chines. Auswanderer, 42, 95.

  Ch. Fehden, 45.

  Ch. geheime Gesellschaften, 44.

  Ch. Genügsamkeit, 39.

  Ch. Gräber, 101, 237.

  Ch. Handwerke, 39.

  Ch. Hoeys, 44.

  Ch. Kaufleute, 39.

  Ch. Kochkunst, 38.

  Ch. Kostüme, 47.

  Ch. Leichenfeier, 48, 121.

  Ch. Prozession, 47.

  Ch. Reisesser, 38.

  Ch. Schattenspiel, 48.

  Ch. Todtenverehrung, 101.

  Ch., Verbreitung der, 93.

  Ch. Wohnung, 45.

  Chronometer, 6.

  Cicle, 228.

  Cinchonen, 130, 141, 167, 169, 172, 173, 181.

  Citrus, 28.

  Cocos, 10, 126, 245.

  Cocosfaser, 10.

  Cocosmilch, 165.

  Cocosöl, 126.

  Cochinchina, 89, 90, 92.

  Cooks sea-sawdust, 7.

  Corypha gebanga, 192, 221.

  „Cowes for Orders”, 88.

  Curcuma, 15.


  Dachdecken, 12.

  Dadapkaffee, 157.

  Daendels, 143, 159.

  Dampfboot nach Surabaya, 239.

  Dampfschiffverkehr, 35, 95, 96.

  Dead reckoning, 6.

  Deutsche Rhederei, 11.

  Diener, 18, 28, 32.

  Dïeng, 210.

  Dike, 146.

  Ding-ding, 137.

  Djaggeri, 124.

  Drehbank C., 41.

  Durian, 29.

  Duymaer van Twist, 80, 134, 136.


  Ehepärchen, 107.

  Ehrenstrafe, 240.

  Eier einsalzen, 39.

  Einwanderung von China, 42.

  Eisenbahnen J., 237.

  Eismaschinen, 31.

  Engländer, 25, 79, 89, 142, 209.

  Erdbeeren, 181.

  Erdnüsse, 137, 245.

  Erdsturz, 181.

  Erdtransport durch Wasser, 146, 235.

  Erythrinen, 157.

  Essbare Vogelnester, 198.

  Essstäbchen, 36.

  Eugenia, 28.

  Europäer in Singapore, 23.

  Europ. Auswanderung nach tropischen Ländern, 94.

  Europ. Frauen, 25.

  Europ. Lebensweise der, 25.

  Europ., Stellung der, 24, 140, 142.


  Fahrt nach dem Lingi, 110.

  Fallen für Thiere, 109, 221.

  Fehden der Chin., 45.

  Ferne Osten, sonst u. jetzt, 89.

  Fest in Pandjalu, 187.

  Festung Ambarawa, 235.

  Feuchtigkeit, 19, 243.

  Feuer an Bord, 5.

  Feuer-Fest, 16.

  Feuerzeug von Bambus, 179.

  Fibrin, 27.

  Ficus indica, 138, 143.

  Ficus religiosa, 144.

  Fieber, 14, 118.

  Fischfang mit Toba, 55.

  Flaggensprache, 4, 88.

  Fledermäuse, 216.

  Fliegende Hunde, 216.

  Flussmündungen, 14, 50, 111.

  Franzosen in Saigon, 90.

  Frauen der Eingebornen, 36.

  Fr. in Java, 138.

  Fr. in Singapore, 25.

  Früchte S., 26.
    J., 181.

  Fumarole, 147.


  Gadok, 132, 136.

  Galton's Art of travel, 236.

  Gambir, 62, 65.

  Gamelang, 144, 166.

  Garküchen S., 36.
    J., 136.

  Garten von Buitenzorg, 129.

  G. des preuss. Konsuls, 18.

  G. am Gedeh, 181.

  Garut, 146.

  Gasthäuser, 139.

  Gastfreundschaft, 26, 183, 209, 223.

  Gedong banteng, 167.

  Gefärbte See, 7.

  Geheime Gesellsch., 44.

  Gehorsam in Java, 232.

  Geisseln, 16.

  Geisterkönigin, 197, 222.

  Gelb, 15.

  Gemüse, 26, 181.

  General-Guvernör, 129, 131.

  Geogr. Spezialkenntnisse, 26.

  Geruchssinn, 39, 217.

  Geschichte von Malacca, 122.

  Geschmack d. Eingebornen, 92.

  Gewitter auf dem Lamongan, 247.

  Gewürzhandel-Abnahme, 22.

  Giftbereitung, 108.

  Gissung, 6.

  Glasflicker, Chin., 40.

  Goldgräber, 30.

  Gomutipalme, 10, 124.

  Gräber der Chin., 101, 237.

  Grebek, 232.

  Grösster Kreis, Segeln, 5.

  Grundbesitz J., 134,
    M., 123.

  Grüner Thee, 151.

  Guajava, 29.

  Gunong Ardjuno, 241.

  G. Gedeh, 136, 139.

  G. Gelungung, 187.

  G. Guntur, 143, 145.

  G. Lamongan, 247.

  G. Lawu, 230.

  Gunong Malabar, 167.

  G. Megamendong, 138.

  G. Pakuodjo, 213.

  G. Pangerango, 129, 139, 181.

  G. Pangonan, 213.

  G. Salak, 129.

  G. Slamat, 206, 207.

  G. Semeru, 240, 242.

  Guttapercha, 104.


  Häuser der Eingebornen, 22, 136, 140, 155, 174.

  Hecken von Bambus, 19.

  Heirathen, 238, 244.

  Hibiscus, 19, 167.

  Hindufest, 15.

  Hirschjagden, 162.

  Hitzpickel, 15.

  Hochebene von Bandong, 141, 167.

  Hochebene von Dïeng, 212.

  Hocken, 16.

  Hoeys, 44.

  Hof von Surakarta, 227, 238.

  Höflichkeit gegen Fremde, 239.

  Höhlen mit essbaren Nestern, 198.

  Holländer, 18, 20, 64, 80, 84, 86, 91, 113, 122.

  Honigwaben, 107.

  Hooker über Cinchonen, 173.

  Hunde, 25.

  Hunde, fliegende, 216.

  Hut, chines., 119.


  Ichthyosis, 103.

  Imogiri, 225.

  Indian file, 36.

  Indigokultur, 224.

  Insektenpulver, 120.

  Irawaddi, 90.

  Islam, 145.


  Jackfrucht, 27.

  Jahreszeiten, 19.

  Jakuns, 103, 107.

  Jambusen, 28.

  Japan, 89, 91.

  Java, 125.

  Javahoofd, 6.

  J. Strassen, 129, 143, 240.

  J. Reisen, 128, 140, 142, 163.

  Javanen, gut orientirt, 246.

  J. Maschinenarbeiter, 239.

  J. Religion, 145.

  J. Schattenspiel, 162.

  J. Unterwürfigkeit, 140, 142.

  John Bull, 18.

  Johor, 24.

  Jokjokarta, 220.

  Junghuhn, 140, 169, 182.

  Junken, 7.


  Kabel, 10.

  Kadu, 215, 217.

  Kälte zum Aufbewahren von Nahrungsmitteln, 31.

  Kaffeepflanzung, Anblick, 155.

  Kaffee, Anlage, 157.

  Kaffee, Geschichte des, 159.

  Kaffeeproduktion, 158.

  Kaiser von Surakarta, 227, 238.

  Kajeputoel, 102.

  Kalibrantes, 240.

  Kalimas, 239.

  Kampf zwischen Tiger und Büffel, 203.

  Karang-bollong, 197.

  Karang-tritis, 222.

  Kari, 164.

  Kartoffelfrage, 26.

  Kaserne, 235.

  Kauern, 16.

  Kawa-manuk, 146.

  Kawa-dringu, 210.

  Kawali, 185.

  Kindersee, 192, 194.

  Kleiner Chinese, 33.

  Klima, tropisches, 118.

  Klima von Singapore, 19.

  Kling, 14, 35.

  Klingprozession, 15.

  Klipperschiffe, 3.

  Kochkunst, malayische, 164.

  Kohlen, 14, 35, 91.

  Kolonialpolitik, 92, 123.

  Kolonisation trop. Länder, 94.

  Kompass, 6.

  Kong, 116.

  Konsul, preuss., 17.

  Konsularbericht über Handel der Chinesen, 39.

  Korallenbank, 54.

  Korea, 91.

  Kostüme der Chinesen, 47.

  Kostüm zum Reisen, 119.

  Kraton, 220, 228.

  Kris, 51, 184, 229.

  Krokotan, 7.

  Kronik von Singapore, 87.

  Kultursystem, 91, 135, 148, 160, 196, 223.

  Kutscher, 14, 230.


  Labuan, 91, 14.

  Lamongan, 246.

  Landakte M., 123.

  Landhaus S., 18.

  Landpächter J., 223.

  Landung S., 8.

  Leben im Walde, 117.

  Legende, 241.

  Leichenfeier, Ch., 48, 121.

  Leihhäuser, 228.

  Lei-tschi, 28.

  Lingifluss, 111.

  Log, 6.

  Loopers, 128.

  Loro-kidul, 197, 198, 222.


  Macis, 20.

  Mac Ivor, 171.

  Malacca, 99.

  M., Ausflüge um, 116.

  M. Chinesen, 101.

  M. Einwohner, 101.

  M. Geschichte, 122.

  M. Rhede, 100.

  M.-Strasse, 6.

  Malang, 240.

  Malayen, 49, 117.

  Mal. Kochkunst, 164.

  Mal. Kronik, 87.

  Mal. Sprache, 52.

  Mal. Staaten, 112.

  Mangelsümpfe, 13, 111, 194.

  Mangko-bumi, 229.

  Mangko-negoro, 228.

  Mango, 27.

  Mangrove, 12, 111, 194.

  Mangustan, 27.

  Marryat's Signale, 3.

  Martin Vas, 3.

  Maschinenfabrik, 239.

  Melaleuca, 102.

  Melonenbaum, 27.

  Messageries impér., 95.

  Miasmen, 14.

  Mintras, 103, 107, 110.

  Mischlinge, 205, 238.

  Mission Rumbia, 101.

  Missionäre, 26, 62, 103.

  Mofette, 147.

  Montgomery über Thee, 94.

  Monsun, 9.

  Musang, 157.

  Musik, J., 166.

  Muskatnusspflanzung, 19.

  Muster, 92.

  Myristica moschata, 20.


  Nahrungsmittel, Aufbewahrung, 30.

  Naning, 106.

  Nangka, 27.

  Nephelium, 28.

  Nerbudda, 144.

  Neroli, 29.

  Neujahrsfest, 232.

  Nipapalme, 12, 111.

  Nusa-kumbangan, 191.


  Oel von Arachis, Sesam, Oliven, 137.

  Opium, 70.

  Opiumpacht, 71.

  Opiumpächter in Samarang, 239.

  Opiumrauchen, 72.

  Opium in Singapore, 72, 77.

  Opiumproduktion, 73.

  Opium, Gewinn daran, 74.

  Opium in England, 76.

  Opium in Java, 80.

  Orang-laut, 50, 87.

  Orang-utan, 103.

  Oranien, 28.

  Ortsbestimmung, 6.

  Ostind. Kompanie, 89, 196.


  Palankinfahrt, 14.

  Palmenzucker, 126.

  Pandjalu, Fest in, 187.

  Pangerango, 129, 139, 181.

  Papandayan, 148, 152.

  Papaya, 27.

  Papierlaternen, 36.

  Paradoxurus musanga, 157.

  Pasanggrahan, 139, 142, 174.

  Pasir-kiamis, 146.

  Passatwinde, 4.

  Pauke, grosse, 196.

  Perkeniers, 20.

  Pfahldorf, 50, 194.

  Pfannenschmied, 41.

  Pfauen, 192.

  Pfeffer, 62.

  Pfeilgift, 107.

  Philippinen, 90.

  Pik von Teneriffa, 3.

  Pisang, 26.

  Plocaria, 36.

  Ponchor, 113.

  Portugiesen, 100, 122.

  Postreisen, J., 128, 129.

  Prauen, 10.

  Preanger, 138, 140.

  Preuss. Konsul, 17.

  Priester, 186.

  Prinz Djalma, 163.

  Prinzess Bachstelze, 229.

  Prinzess. von Jokjo, 220.

  Prinzess von Siam, 15.

  Prozession, Ch., 47.

  Prozession, Klings, 15.

  Psidium, 29.

  P. u. O. Kompanie, 95.

  Pulo-besi, 7.

  Pulo-brani, 54.

  Pulo-Pinang, 6, 21.

  Pumpelmuse, 28.

  Pungulu von Naning, 105.

  Punka, 18.

  Puter, 30.


  Quak-quak, 38.


  Raden Rio, 231.

  Raffles, 20, 34, 81, 87, 88, 232.

  Rafflesia Arnoldii, 130.

  R. Padma, 194.

  Rangun, 90.

  Ratten, 107, 193.

  Rawa, 191, 236.

  Receptie, 142.

  Regenten, Preanger, 140.

  Regent von Bandong, 184.

  R. von Garut, 154, 162.

  R. von Malang, 241.

  R. von Sumedang, 165.

  Regenzeit, 19, 248.

  Reis, 37, 132.

  R. in Amerika, 37.

  Reisbau, 132, 133.

  Reisernte, 134.

  R., Geschichte des, 37.

  R., Hauptnahrungsmittel, 36.

  R. in Java, 132.

  Reisscheune, 193.

  Reisewagen, 184.

  Reiseplan von Junghuhn, 142, 182.

  Reisen in Java, 128, 129, 140, 142.

  Religion der Mintras, 110.

  R. der Javanen, 145.

  Rezepte, mal., 137, 164, 223.

  Rhederei, deutsche, 11.

  Rhinozeros, 206.

  Rhiow, 84, 127.

  Rhiow-Strasse, 108.

  Rhizophoren, 12, 111, 194.

  Ricinusöl, 194, 214.

  Rochor, 50.

  Rom, Kirchenfeste, 234.

  Rompok, 203.

  Rongengs, 154, 168.

  Rosen, 19, 156.

  Rotang, 56, 178, 198, 210.

  Rothes Meer, 31.

  Rumbia, 101.


  Sago, 37, 68, 123.

  Salangore, 111.

  Salzgewinnung, 221.

  Samarang, 236.

  Sambal, 137, 164.

  Samsching, 71.

  Sapota, 228.

  Sarg mit Dollars gefüttert, 49.

  Sawa, 132.

  Sawal, 185.

  Schattenspiel J., 162.

  Schattenspiel, S. 48.

  Schiffe der Eingebornen, 7, 9.

  Schiffsrechnung, 6.

  Schlangen, 118, 119.

  Schuhblume, 19.

  Schuhboot, 11.

  Schule f. Mischlinge, 205, 237.

  Schwarzer Thee, 150.

  Schweizer, 93.

  Seemenschen, 50, 87, 103.

  See Pandjalu, 186.

  Seeraub, 89.

  Seeräuber, 13, 36, 86.

  Sektenabzeichen, 14.

  Selterwasser, 231.

  Semeru, 240, 242.

  Sesamöl, 137.

  Siam, 89, 90, 92.

  Sichtbarkeit entfernter Gegenstände, 4.

  Singapore, 9.

  S., Anblick, 11.

  S., Billigkeit des Lebens, 25.

  S., Europäer, 29.

  S., Gastfreundschaft, 26.

  S., Gesellschaft, 26.

  S., Gründung von, 81.

  S., Lage und Boden, 12.

  S., Landung, 8.

  S., Rhede, 9, 34.

  S., Schiffsverkehr, 83.

  S., schnelles Aufblühen, 88.

  S., Strassen von, 12.

  S., Strassenkämpfe, 45.

  S., Strassenleben, 35.

  Singosari, 241.

  Sinkays, 42.

  Soldatinnen, 235.

  Solfatara, 147, 213.

  Solingen, 185.

  Sonnenschirm, 116, 142, 186.

  Sonst und jetzt im fernen Osten, 89.

  Spanier, 86.

  Span. Rohr, 56, 178, 198, 210.

  Spielsucht, 70.

  Steinplatten, verzierte, 46.

  Straits Settlements, 85, 99.

  Strassen, J., 143.

  Stürme, 236.

  Südküste J., 195, 221. 245.

  Sultan von Johore, 51.

  S. von Jokjo, 220.

  Sumedang Bedajas, 165.

  Sumpitan, 107.

  Sundastrasse, 6.

  Surabaya, 239, 248.

  Surakarta, 227, 238.

  Susuhanan, 227, 238.


  Tabakkauen, 227.

  Tabakbereitung, 214.

  Tabaschir, 175.

  Tanz, Bandong, 184.

  T. der Rongengs, 184.

  T. Sumedang, 165.

  T. Surakarta, 229.

  Tapioka, 69, 123.

  Teakholz, 193.

  Telaga bodas, 155.

  T. dringu, 210.

  T. leri, 211.

  T. mendjer, 215.

  T. werno, 139.

  Telinga, 14.

  Teneriffa, 3.

  Termiten, 58.

  Teufelsbett, 199.

  Thee, 148.

  T., grüner, 151.

  Theekontrakte, 149.

  Theekultur, 148.

  Thee, schwarzer, 150.

  T., Vorderindien, 94.

  Theure Preise, 229.

  Tiger, 56, 64, 67, 163, 185, 192, 203, 230, 244.

  Tiger und Büffel, 203.

  Tigerfallen, 55.

  Tigerjäger, 163.

  Tigerstechen, 203.

  Tinko, 71.

  Tischchen deck' dich, 174.

  Tischgespräche, 26.

  Tjandi Borobudor, 217.

  T. Kali-bening, 225.

  T. Lombok, 226.

  T. Loro djongran, 226.

  T. Mundut, 219.

  T. Pakis, 241.

  T. Pavon, 219.

  T. Perot, 215.

  T. Prambanan, 225.

  T. Sari, 226.

  T. Sewu, 226.

  T. Singosari, 241.

  T. Suku, 231.

  T. Tumbang, 241.

  T. Werkodoro, 212.

  Tjandjur, 139, 140.

  Tjelatjap, 195.

  Tjikao, 138.

  Tjipanas, 139, 181.

  Tjondro di Muka, 213.

  Toaste, 29, 233.

  Toba zum Fischen, 55.

  Tod durch Unglücksfälle, 56.

  Todesstrafe, entsetzliche, 179.

  Todtenthal, 211.

  Todtenverehrung, 101.

  Topographen, 195, 205.

  Trichodesmium, 7.

  Trinidad, 3.

  Trogon, 144.

  Tropikvögel, 7.

  Tschandu, 71.

  Turmerik, 15.


  Ungeziefer, 120.

  Unglück des Herrn Kontrolör, 213.

  Unglücksfälle, 56.

  Universalmittel, 194.


  Vanille, 130.

  Veranda, 18, 22.

  Verstümmelung, 16.

  Vertrag von, 1824 123.

  Vertrauen, 24.

  Vogelnester, essbare, 198.

  Vogelpferde, 162.

  Vogelscheuchen, 215, 245.

  Vokalkonzert, 238.

  Vorderindien, 89, 94, 168, 171, 172.

  Vrij, de, 28, 124, 141, 169, 172.


  Waffen, kostbare, 184.

  Waisenhaus, 237.

  Wald, Lärm im, 174.

  Waldkaffee, 157.

  Waldmenschen, 102, 103.

  Wanaradja, 154.

  Waringi, 138, 143.

  Warong, 136.

  Wasser zum Erdtransport,146, 235.

  Wasserfall Tjipotut, 206.

  Wayang, 48, 162.

  Wellenhöhen, 5.

  Weltevreden, 127.

  Windstillen, 3, 7.

  Wirbelwind, 236.

  Wölfe, 57.

  Wonosobo, 210.


  Yams, 210.


  Zimmet, 195.

  Zinn, 114, 117.

  Zinngiesser, 40.

  Zwangsarbeit, 136, 149, 161.

  Zweckmässige Kleidung, 119.

  Zwergbambus, 19.


Buchdruckerei von Gustav Lange in Berlin, Friedrichsstrasse, 103.


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  | Anmerkungen zur Transkription                                    |
  |                                                                  |
  | Folgende Inkonsistenzen wurden belassen, da beide Schreibweisen  |
  | üblich waren:                                                    |
  |                                                                  |
  | anderen -- andren -- andern                                      |
  | aussen -- Aussen                                                 |
  | bremer -- Bremer                                                 |
  | cents -- Cents                                                   |
  | Cocos -- Kokos                                                   |
  | Daum -- Daumen                                                   |
  | December -- Dezember                                             |
  | District -- Distrikt                                             |
  | djaggeri -- Djaggeri                                             |
  | Doppelsilikate -- Doppel-Silikate                                |
  | eigene -- eigne                                                  |
  | Eingeborene -- Eingeborne                                        |
  | Entwickelung -- Entwicklung                                      |
  | Erndte -- Ernte                                                  |
  | Extract -- Extrakt                                               |
  | Feuerfest -- Feuer-Fest                                          |
  | Gamelan -- Gamelang                                              |
  | Gebirg -- Gebirge                                                |
  | Gedehgebirge -- Gedeh-Gebirge                                    |
  | Gerbstoff -- gerbestoffreichen                                   |
  | Gesteines -- Gesteins                                            |
  | gewissermassen -- gewissermaassen                                |
  | Gliedmassen -- Gliedmaassen                                      |
  | Gutta-percha -- Guttapercha                                      |
  | Guiana -- Guyana                                                 |
  | Haupt-Artikel -- Hauptartikel                                    |
  | Haupt-Einnahme -- Haupteinnahme                                  |
  | heut -- heute                                                    |
  | Hinter-Indien -- Hinterindien                                    |
  | ipo-batang -- Ipo-batang                                         |
  | javaschen -- javanischen                                         |
  | jenseit -- jenseits                                              |
  | Johor -- Johore                                                  |
  | Junghuhns -- Junghuhn's                                          |
  | Kajeput-Oel -- Kajeputoel                                        |
  | Kari-Pulver -- Karipulver                                        |
  | Kling-Prozession -- Klingprozession                              |
  | Kolonial-Produkte -- Kolonialprodukte                            |
  | Kultur-System -- Kultursystem                                    |
  | Küsten-Provinzen -- Küstenprovinzen                              |
  | Livree -- Livrée                                                 |
  | Loro-Kidul -- Loro-kidul                                         |
  | Maasregel -- Maassregel                                          |
  | Maassstab -- Massstab                                            |
  | Mal -- mal                                                       |
  | mannichfaltig -- mannigfaltig                                    |
  | Muskatnuss-Pflanzung -- Muskatnusspflanzung                      |
  | Nipa-Palme -- Nipapalme                                          |
  | NN-W -- NNW                                                      |
  | Opium-Konsum -- Opiumkonsum                                      |
  | Orang-utan -- orang-utan                                         |
  | Ost-Asien -- Ostasien                                            |
  | paarweis -- paarweise                                            |
  | Padjet -- Padjit                                                 |
  | Pedodarén -- Pedodaren                                           |
  | Prinzessin -- Prinzess                                           |
  | Pulo-Besi -- Pulo-besi                                           |
  | Pulo-Pinang -- Pulo-pinang                                       |
  | Quack-Quack -- Quak-quak                                         |
  | Quell -- Quelle                                                  |
  | Radjah -- radja -- Rajah                                         |
  | Reis-Ernte -- Reisernte                                          |
  | Rupies -- Rupien                                                 |
  | Sago-Palmen -- Sagopalmen                                        |
  | schmäler -- schmaler                                             |
  | stellenweis -- stellenweise                                      |
  | Sträuche -- Sträucher                                            |
  | Sunda-Strasse -- Sundastrasse                                    |
  | Sze-tschuen -- Szechuen                                          |
  | theilweis -- theilweise                                          |
  | Vokal-Konzert -- Vokalkonzert                                    |
  | Vorder-Indien -- Vorderindien                                    |
  | Waaren-Magazin -- Waarenmagazin                                  |
  | Yünan -- Yun-nan                                                 |
  | zeitweis -- zeitweise                                            |
  |                                                                  |
  | Im Text wurden folgende eigentümliche Schreibweisen nicht        |
  | geändert, da es keine einheitliche Schreibweise gab:             |
  |                                                                  |
  | Adjudanten                                                       |
  | Bivuak                                                           |
  | Frohnarbeiter                                                    |
  | Gallawagen                                                       |
  | geborner                                                         |
  | Geisbock                                                         |
  | Gewandheit                                                       |
  | Kontrolör                                                        |
  | Marschal                                                         |
  | Palissaden                                                       |
  | Pumpelmuse                                                       |
  | Spähne                                                           |
  |                                                                  |
  | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen:                  |
  |                                                                  |
  | S. --- Seite "248" in "234" geändert (Inhalt).                   |
  | S. --- "Sinpapore" in "Singapore" geändert (Vorwort).            |
  | S.   3 "Strait's Times" in "Straits Times" geändert.             |
  | S.   3 "van't algemeen" in "van 't algemeen" geändert.           |
  | S.   4 "allmählig" in "allmälig" geändert.                       |
  | S.   8 "blosgelegt" in "blossgelegt" geändert.                   |
  | S.   9 "euroäipscher" in "europäischer" geändert.                |
  | S.  12 "Stockz dachiegelförmig" in "Stock dachziegelförmig"      |
  | geändert.                                                        |
  | S.  14 "O-.Gr." in "O.-Gr." geändert.                            |
  | S.  14 "Jalusien" in "Jalousien" geändert.                       |
  | S.  16 "untern" in "unteren" geändert.                           |
  | S.  17 "allmählige" in "allmälige" geändert.                     |
  | S.  18 "Jalusien" in "Jalousien" geändert.                       |
  | S.  21 "allmählig" in "allmälig" geändert.                       |
  | S.  21 "ziehn" in "ziehen" geändert.                             |
  | S.  27 "jüngern" in "jüngeren" geändert.                         |
  | S.  27 "ziehn" in "ziehen" geändert.                             |
  | S.  28 "Hookers" in "Hooker's" geändert (Fußnote).               |
  | S.  35 "Newharbour" in "New harbour" geändert (Fußnote).         |
  | S.  38 "stehn" in "stehen" geändert.                             |
  | S.  41 "Pfannenschmidt" in "Pfannenschmied" geändert.            |
  | S.  46 "hervorrragendsten" in "hervorragendsten" geändert.       |
  | S.  51 "Ansehn" in "Ansehen" geändert.                           |
  | S.  51 "gehn" in "gehen" geändert.                               |
  | S.  51 "Tuanko long" in "Tuanko-Long" geändert.                  |
  | S.  51 "seltner" in "seltener" geändert.                         |
  | S.  52 "Suveränität" in "Souveränität" geändert.                 |
  | S.  53 ":" hinter piso entfernt.                                 |
  | S.  54 "stehn" in "stehen" geändert.                             |
  | S.  54 "Sonnenaufang" in "Sonnenaufgang" geändert.               |
  | S.  54 "Newharbour" in "New harbour" geändert.                   |
  | S.  54 "trocknes" in "trockenes" geändert.                       |
  | S.  56 "Ausfuhr-Artikel" in "Ausfuhrartikel" geändert.           |
  | S.  57 "Krokodille" in "Krokodile" geändert (Fußnote).           |
  | S.  57 Summe Todesfälle in Java und Madura von 2565 in 2505 in   |
  |        der Fußnote geändert (mit dieser Anzahl sind Spalten-     |
  |        und Zeilensumme korrekt).                                 |
  | S.  57 Anzahl Selbstmorde in anderen Besitzungen von 28 auf 38   |
  |        in der Fußnote geändert (mit dieser Anzahl sind Spalten-  |
  |        und Zeilensumme korrekt).                                 |
  | S.  59 "Gerstäcker" in "Gerstaecker" geändert.                   |
  | S.  59 "stehn" in "stehen" geändert.                             |
  | S.  59 "ununterbrochnen" in "ununterbrochenen" geändert.         |
  | S.  60 "eigner" in "eigener" geändert.                           |
  | S.  61 "äussern" in "äusseren" geändert.                         |
  | S.  61 "innern" in "inneren" geändert.                           |
  | S.  64 "neuaugekommene" in "neuangekommene" geändert.            |
  | S.  67 "best unterrichteten" in "bestunterrichteten" geändert.   |
  | S.  71 "brenzlichten" in "brenzlichen" geändert.                 |
  | S.  71 "heist" in "heisst" geändert.                             |
  | S.  72 "besondern" in "besonderen" geändert.                     |
  | S.  73 "Opinmpächter" in "Opiumpächter" geändert.                |
  | S.  75 "je der" in "jeder" geändert.                             |
  | S.  75 "Anfangs" in "anfangs" geändert (Fußnote).                |
  | S.  75 "Paralysie" in "Paralyse" geändert (Fußnote).             |
  | S.  76 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert.           |
  | S.  76 "Lockhardt" in "Lockhart" geändert.                       |
  | S.  77 "Grossbritaniens" in "Grossbritanniens" geändert.         |
  | S.  78 "Nevralgien" in "Neuralgien" geändert.                    |
  | S.  78 "Landanum" in "Laudanum" geändert (Fußnote).              |
  | S.  81 "Entsehung" in "Entstehung" geändert.                     |
  | S.  82 "eigne" in "eigene" geändert.                             |
  | S.  83 ")" in Fußnote eingefügt.                                 |
  | S.  86 "versehn" in "versehen" geändert.                         |
  | S.  89 "grössern" in "grösseren" geändert.                       |
  | S.  92 "versursachen" in "verursachen" geändert.                 |
  | S.  94 "eignem" in "eigenem" geändert.                           |
  | S.  94 "Montgommery" in "Montgomery" geändert.                   |
  | S. 100 "herausfordender" in "herausfordernder" geändert.         |
  | S. 100 "do" in "so" geändert (Fußnote).                          |
  | S. 102 "äussern" in "äusseren" geändert.                         |
  | S. 102 "grössern" in "grösseren" geändert.                       |
  | S. 102 "Molucken" in "Molukken" geändert.                        |
  | S. 104 "Montgommery" in "Montgomery" geändert.                   |
  | S. 104 "trockne" in "trockene" geändert.                         |
  | S. 106 "Moscheh" in "Moschee" geändert.                          |
  | S. 107 "Erde" in "Ende" geändert.                                |
  | S. 107 "untern" in "unteren" geändert.                           |
  | S. 108 "Bambuskapfel" in "Bambuskapsel" geändert.                |
  | S. 108 "besondern" in "besonderen" geändert.                     |
  | S. 108 "ein" bei "Ballen ein geschabter" entfernt.               |
  | S. 110 "obern" in "oberen" geändert.                             |
  | S. 111 "saubern" in "sauberen" geändert.                         |
  | S. 114 "glänzlich" in "gänzlich" geändert.                       |
  | S. 114 "seltnes" in "seltenes" geändert (Fußnote).               |
  | S. 116 "lockern" in "lockeren" geändert.                         |
  | S. 118 "auf's" in "aufs" geändert.                               |
  | S. 118 "bessern" in "besseren" geändert.                         |
  | S. 118 "letzterm" in "letzterem" geändert.                       |
  | S. 118 "Turisten" in "Touristen" geändert.                       |
  | S. 119 "hintern" in "hinteren" geändert.                         |
  | S. 119 "untern" in "unteren" geändert.                           |
  | S. 119 "trockne" in "trockene" geändert.                         |
  | S. 120 "frühern" in "früheren" geändert.                         |
  | S. 118 "letztern" in "letzteren" geändert.                       |
  | S. 124 "arak" in "Arak" geändert.                                |
  | S. 127 "Abends" in "abends" geändert.                            |
  | S. 128 "Moelenvliet" in "Molenvliet" geändert.                   |
  | S. 129 "trocknem" in "trockenem" geändert.                       |
  | S. 130 "Generalguvernör" in "General-Guvernör" geändert.         |
  | S. 130 "Mitheilung" in "Mittheilung" geändert (Fußnote).         |
  | S. 133 "Gágas" in "Gagas" geändert.                              |
  | S. 133 "Tegáls" in "Tegals" geändert.                            |
  | S. 133 "Crawford" in "Crawfurd" geändert.                        |
  | S. 134 "stehn" in "stehen" geändert.                             |
  | S. 134 "Bergreiss" in "Bergreis" geändert.                       |
  | S. 134 "trocknem" in "trockenem" geändert.                       |
  | S. 135 "Niesbrauch" in "Niessbrauch" geändert.                   |
  | S. 139 "Bungalo" in "Bungalow" geändert.                         |
  | S. 139 "letztern" in "letzteren" geändert.                       |
  | S. 139 "Mosen" in "Moosen" geändert.                             |
  | S. 140 "besondern" in "besonderen" geändert.                     |
  | S. 141 "Assistentresidenten" in "Assistent-Residenten" geändert. |
  | S. 142 "nazje" in "nazie" geändert.                              |
  | S. 143 "entstehn" in "entstehen" geändert.                       |
  | S. 143 "stehn" in "stehen" geändert.                             |
  | S. 143 "gehn" in "gehen" geändert.                               |
  | S. 143 "Honeurs" in "Honneurs" geändert.                         |
  | S. 144 "gewahrt" in "gewährt" geändert.                          |
  | S. 144 "Moscheh" in "Moschee" geändert.                          |
  | S. 145 "Vulcane" in "Vulkane" geändert.                          |
  | S. 146 "überhangende" in "überhängende" geändert.                |
  | S. 149 "Bagelén" in "Bagelen" geändert.                          |
  | S. 151 "Blattsiel" in "Blattstiel" geändert.                     |
  | S. 151 "male" in "Male" geändert.                                |
  | S. 153 "grösserm" in "grösserem" geändert.                       |
  | S. 153 "obern" in "oberen" geändert.                             |
  | S. 155 "Kawah-manuk" in "Kawa-manuk" geändert.                   |
  | S. 155 "tiefern" in "tieferen" geändert.                         |
  | S. 157 doppeltes "zu" entfernt.                                  |
  | S. 159 doppeltes "in" entfernt (Fußnote).                        |
  | S. 159 "Máte" in "Mate" geändert (Fußnote).                      |
  | S. 159 "trockner" in "trockener" geändert.                       |
  | S. 163 "Súmedang" in "Sumedang" geändert.                        |
  | S. 163 "Wana-radja" in "Wanaradja" geändert.                     |
  | S. 164 "Honeurs" in "Honneurs" geändert.                         |
  | S. 164 "Malémbong" in "Malembong" geändert.                      |
  | S. 165 "innern" in "inneren" geändert.                           |
  | S. 167 "besár" in "besar" geändert.                              |
  | S. 168 "papandayan" in "-papandayan" geändert.                   |
  | S. 168 "Gelungúng" in "Gelungung" geändert.                      |
  | S. 168 "Slámat" in "Slamat" geändert.                            |
  | S. 171 "Ootocamund" in "Ootacamund" geändert.                    |
  | S. 172 ” eingefügt.                                              |
  | S. 176 "äussern" in "äusseren" geändert.                         |
  | S. 176 "Palembang" in "Palémbang" geändert.                      |
  | S. 177 "Bambusspliessen" in "Bambussplissen" geändert.           |
  | S. 178 "bestehn" in "bestehen" geändert.                         |
  | S. 178 "innern" in "inneren" geändert.                           |
  | S. 179 "verkümmetren" in "verkümmerten" geändert.                |
  | S. 179 "Seméru" in "Semeru" geändert.                            |
  | S. 180 "Teysman" in "Teysmann" geändert.                         |
  | S. 183 "eignes" in "eigenes" geändert.                           |
  | S. 184 "nnd" in "und" geändert.                                  |
  | S. 185 "Tampomás" in "Tampomas" geändert.                        |
  | S. 185 "trocknen" in "trockenen" geändert.                       |
  | S. 186 "Ansehn" in "Ansehen" geändert.                           |
  | S. 186 "Krokodillen" in "Krokodilen" geändert.                   |
  | S. 187 "Glassschrank" in "Glasschrank" geändert.                 |
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  | S. 188 "Tasikmalaju" in "Tasikmalaja" geändert.                  |
  | S. 189 "beedckt" in "bedeckt" geändert.                          |
  | S. 189 "Tasik-malaju" in "Tasikmalaja" geändert.                 |
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  | S. 194 "Muskitos" in "Moskitos" geändert.                        |
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  | S. 197 "Bagelén" in "Bagelen" geändert.                          |
  | S. 197 "letztern" in "letzteren" geändert.                       |
  | S. 197 "obern" in "oberen" geändert.                             |
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  | S. 205 "Terassen" in "Terrassen" geändert.                       |
  | S. 207 "obern" in "oberen" geändert.                             |
  | S. 208 "trockner" in "trockener" geändert.                       |
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  | S. 209 "Serájuthal" in "Serajuthal" geändert.                    |
  | S. 210 "Samárang" in "Samarang" geändert.                        |
  | S. 211 "äussern" in "äusseren" geändert.                         |
  | S. 211 "Telaga-werna" in "Telaga-warna" geändert.                |
  | S. 213 "Telaga-werno" in "Telaga-warna" geändert.                |
  | S. 217 "abgesehn" in "abgesehen" geändert.                       |
  | S. 218 "Basleriefs" in "Basreliefs" geändert.                    |
  | S. 219 "dssselbe" in "dasselbe" geändert.                        |
  | S. 220 "innern" in "inneren" geändert.                           |
  | S. 220 "Kratòn" in "Kraton" geändert.                            |
  | S. 221 "Corypha Gebanga" in "Corypha gebanga" geändert.          |
  | S. 225 "Kalásan" in "Kalasan" geändert.                          |
  | S. 226 "Bramakultus" in "Brahmakultus" geändert.                 |
  | S. 227 "herliche" in "herrliche" geändert.                       |
  | S. 227 "Jocjokarta" in "Jokjokarta" geändert.                    |
  | S. 227 "Musikkorps" in "Musikcorps" geändert.                    |
  | S. 228 "Tennant's" in "Tennent's" geändert.                      |
  | S. 229 "entblöste" in "entblösste" geändert.                     |
  | S. 230 "besondern" in "besonderen" geändert.                     |
  | S. 230 "grader" in "gerader" geändert.                           |
  | S. 232 "garnicht" in "gar nicht" geändert.                       |
  | S. 232 "Grebék" in "Grebek" geändert.                            |
  | S. 232 "stehn" in "stehen" geändert.                             |
  | S. 232 "Suverän" in "Souverän" geändert.                         |
  | S. 233 "dunckler" in "dunkler" geändert.                         |
  | S. 233 "goldnes" in "goldenes" geändert.                         |
  | S. 234 "hört" in "hörte" geändert.                               |
  | S. 234 "Schule." in Abschnittsüberschrift eingefügt.             |
  | S. 235 "ewähnte" in "erwähnte" geändert.                         |
  | S. 237 "Cocuspalmen" in "Cocospalmen" geändert.                  |
  | S. 238 "Samárang" in "Samarang" geändert.                        |
  | S. 238 "stehn" in "stehen" geändert.                             |
  | S. 240 "Pasúruan" in "Pasuruan" geändert.                        |
  | S. 240 "Seméru" in "Semeru" geändert.                            |
  | S. 241 "Indrógeni" in "Indrogeni" geändert.                      |
  | S. 242 "trocknen" in "trockenen" geändert.                       |
  | S. 244/245 "Tenger-Gebirge" in "Tengger-Gebirge" geändert.       |
  | S. 249 "Agar-Agar" in "Agar-agar" geändert.                      |
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  | S. 252 "Kalibening" in "Kali-bening" geändert.                   |
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