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Title: Märchen und Erzählungen für Anfänger - Zweiter Teil
Author: Guerber, H. A. (Hélène Adeline), 1859-1929
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Märchen und Erzählungen für Anfänger - Zweiter Teil" ***

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Archive/American Libraries.)



  [ Transcriber's Note:

    Italic text has been marked with _underscores_.
    Bold text has been marked with =equals signs=.
    Letter-spaced text has been marked with ~tildes~.
  ]



=Märchen und Erzählungen.=

Erster Teil.

With vocabulary and questions in German on the text

BY H. A. GUERBER.

Cloth. 163 pages. 60 cents.

                   *       *       *       *       *

=Märchen und Erzählungen.=

Zweiter Teil.

With vocabulary. Can be used to follow the above or as an independent
reader

BY H. A. GUERBER.

Cloth. 202 pages. 65 cents.



  Heath’s Modern Language Series

  Märchen und Erzählungen
  für Anfänger

  _EDITED WITH COMPLETE VOCABULARY_

  BY
  H. A. GUERBER

  Zweiter Teil

  D. C. HEATH & CO., PUBLISHERS
  BOSTON      NEW YORK       CHICAGO


  COPYRIGHT, 1896,
  BY H. A. GUERBER.



PREFACE.


This second part of “Märchen und Erzählungen” is intended to continue
the work begun in the first, and to bridge over the remaining space
between German for Americans and German for Germans. The stories
are carefully graded so as to enlarge the pupils’ vocabulary and to
familiarize them with many new idioms, while introducing most of the
terms used in the first part.

It is provided with a complete vocabulary, and can hence be used either
as an independent reader, or in the manner indicated in Part I; but the
questions have been omitted, as at this stage teachers prefer to frame
their own questions, which they can best adapt to the age and needs of
their pupils.

None of the tales in this little collection are original, but all
have been completely rewritten and modified to suit the purpose for
which they are intended. “Der Weihnachtsabend,” “Rosa von Tannenburg,”
“Das hölzerne Kreuz,” and “Die Taube,” can be found, related at great
length, in Christoph Schmidt’s collection of mediæval tales. “In
sicherer Hut” and “Das Neujahrslied” are two of the popular stories of
Johanna Spyri, a writer who in German literature holds about the same
place as Miss Alcott does here.

“Barbarossa” and “Anekdoten” are semi-historical folk tales of Germany,
“Der Bauer und der Advokat” is a proverb-story, and “Die zehn Feeen,”
“Tisch, Sack und Pack,” “Der Lange, der Breite und der Scharfäugige,”
and “Rübezahl” are genuine northern fairy-tales from various sources.

In the last tale only--which is by Hoffmann--have I retained a few
sentences of the original, but it has been greatly shortened to sustain
the interest of young readers, who weary of long descriptions. All
these stories can be used to advantage with more advanced pupils for
rapid sight-reading and for reproduction.

The collection of poems at the end of this little volume represents the
most famous poets of Germany; and while the most usual pieces are not
given here, care has been exercised to select such as can be easily
memorized and are suitable for pupils of all ages.

To sustain the reader’s interest and to secure sufficient incident and
action, several mediæval tales have been told in this volume. They have
not been related in the conventional mediæval style, however, because
at this stage of the pupil’s advancement it is of paramount importance
that every word and idiom should be such as can be put to immediate
use. Hence “Sie” and “Du” are used in preference to all other forms in
the conversation, the former being introduced even more freely than the
latter, because it is the person which the pupils will have the most
occasion to employ.

The stories in this reader are a means and not an end. They are merely
intended as stepping-stones to guide beginners across what often seems
to them the almost impassable Slough of Despond, which divides the two
languages, and to lead them safely to the attractive field of true
German literature.

It is in the hope that pupils will learn to love and appreciate the
standard German works all the sooner, that these efforts have been made
to shorten and simplify the preliminary stages, which have hitherto
been proverbially hard.

The writer is specially indebted to Miss Eva von Blomberg for the
kindly interest she has shown in the work, and for her help in the
reading of the proof-sheets.



Inhalt.


                                                  Seite

     I. Der Weihnachtsabend                          1

    II. Die zehn Feeen                               9

   III. In sicherer Hut                             13

    IV. Tisch, Sack und Pack                        21

     V. Barbarossa                                  30

    VI. Das Neujahrslied                            35

   VII. Rosa von Tannenburg                         47

  VIII. Der Bauer und der Advokat                   77

    IX. Das hölzerne Kreuz                          81

     X. Der Lange, der Breite und der Scharfäugige  88

    XI. Die Taube                                   96

   XII. Anekdoten                                  107

  XIII. Rübezahl                                   116

   XIV. Kleine Gedichte                            127

        VOCABULARY                                 143



Märchen und Erzählungen.



1. Der Weihnachtsabend.


In einem großen Tannenwald wanderte ein kleiner Knabe ganz allein.
Tiefer Schnee lag auf dem Boden; es war sehr kalt, und es dämmerte
schon. Der Knabe hatte ein Bündel auf dem Rücken und während er langsam
vorwärts ging, sah er ängstlich rechts und links. Endlich stand er
still. Die Thränen rannen ihm über die Wangen, die vor Kälte blau
waren, und er rief ängstlich:

„Was soll ich thun! Ich habe den Weg sicher verloren. Wo bin ich? Die
Nacht kommt, ich sehe keine Häuser, der Wald scheint endlos und ich
werde hier vor Kälte sterben, wenn die Wölfe mich nicht erst fressen!
Wenn die liebe Mutter hier wäre, würde sie sicher sagen, daß Gott
helfen würde. Nun, ich kann versuchen, ob Er das Gebet eines Kindes
erhört.“

Der Knabe kniete jetzt auf den Schnee nieder, und während er betete,
hörte er auf einmal entfernten Gesang. Erfreut sprang er auf, ging
schnell durch das dichte Gebüsch, und stand einige Minuten nachher vor
der Thür eines kleinen Hauses im Walde, aus welchem die Töne eines
Weihnachtsliedes schallten.

Die Musik klang so schön, daß das Kind die Thür öffnete, und schüchtern
herein blickte. In der Stube (Zimmer) stand ein künstlich aus Steinen,
Moos, und grünen Zweigen geformter Berg, an dessen Seite eine Höhle
war, worin Joseph und Maria standen, und wo das Christkind in einer
Krippe lag.

Vor diesem künstlich geformten Berg saßen ein Mann, eine Frau und drei
Kinder. Sie schauten das Christkind an und sangen ihr Weihnachtslied.

Als der letzte Vers zu Ende war, sprang die Frau auf, und sagte:

„Es ist so kalt. Ist wohl die Thür offen?“

Sie ging auf die Thür zu und sah dort das Gesicht des kleinen Fremden.

„Ach, Kind! Was machst du da?“ rief sie erstaunt. „Komm’ doch herein.
Du siehst ja so kalt aus!“

Sie zog den Knaben in die warme Stube, machte die Thür zu, setzte einen
Stuhl vor das Feuer und sagte freundlich:

„Setze dich dahin! Wenn du dich ein wenig erwärmt hast, kannst du mir
sagen, woher du kommst, und was du so allein in dem großen Wald thust.“

Nach einigen Minuten war der Knabe erwärmt genug, um ihre Fragen zu
beantworten. Er erzählte, daß sein Vater im Kriege gefallen, daß die
Mutter sehr krank gewesen, und daß sie auch endlich gestorben sei. Er
erzählte auch, daß er ganz allein auf der Welt sei, ohne Eltern, ohne
Verwandte und ohne Geld.

Als die Mutter starb, hatte sie ihm gesagt, daß er zu ihrer einzigen
Freundin in dem fernen Dorfe, wo sie einst gewohnt hatte, gehen solle,
und daß die Leute dort, obschon selbst sehr arm, ihm vielleicht Brot
und Hülfe geben würden, bis er groß genug wäre, um sein eigenes Brot zu
verdienen.

Als die Frau im Forsthause hörte, daß der Knabe ein verwaistes (ohne
Vater und Mutter) Kind sei, und daß er seit früh morgens gar nichts zu
essen gehabt, gab sie ihm schnell eine gute, warme Suppe, ein großes
Stück Brot, und ein Stück Weihnachtskuchen dazu.

Während der Knabe aß, und mit den drei Kindern plauderte, sprachen Mann
und Frau zusammen. Die Frau sagte:

„Lieber Mann, du hast gehört! Der Himmel hat uns das Kind sicher
hierher geschickt! Wir sind zwar nicht reich, aber wo es genug für fünf
zu essen giebt, kann ein sechster auch etwas zu essen finden. Wenn
wir unsere Kinder so jung allein in der Welt lassen müßten, wie diese
armen Eltern, würden wir sehr dankbar sein, wenn Jemand sie freundlich
aufnähme.“

„Ja, das ist wahr,“ erwiderte der Förster. „Wenn der Knabe die Wahrheit
gesprochen, und er das Kind guter ehrlicher Leute ist, soll er bei uns
ein Obdach finden.“

Der Förster rief jetzt den Knaben zu sich, stellte ihm noch einige
Fragen und las die Papiere, welche der Knabe aus seinem Bündel zog. Der
Förster fand dabei einen Brief von dem Kaplan des Regimentes, worin
geschrieben stand, daß die Eltern des Kindes gute, ehrliche Leute
gewesen, und daß der Knabe selbst ein begabtes und folgsames Kind sei.

Nachdem der Hausvater diesen Brief gelesen, zögerte er nicht länger,
dem Knaben zu sagen, daß er bei ihm bleiben solle.

August, so hieß der Knabe, war so froh hier zu bleiben, denn es gefiel
ihm in der Försterfamilie schon gar gut. Mann und Frau waren beide so
freundlich, und mit den Kindern hatte er schon Bekanntschaft gemacht.

Ehe er zu Bett ging, stand der kleine August mit den anderen Kindern
vor dem künstlich aus Moos, grünen Zweigen und Steinen geformten Berg,
und stimmte ein, als sie das Weihnachtslied noch einmal sangen.

Der Knabe, den die armen Leute so mitleidig in ihre Familie
aufgenommen, war so gut und folgsam, daß sie nie bereuten, sich seiner
erbarmt zu haben. August half immer, so viel er konnte. Er brachte
der Frau Holz und Wasser, half ihr auch sonst im Hause, und war immer
munter und dienstfertig.

Die Försterfrau sagte oft: „August, du bist ein folgsamer, fleißiger
Knabe, und wenn meine Kinder immer so folgsam sind wie du es bist,
werde ich eine glückliche Mutter sein.“

In der Dorfschule war August der fleißigste von allen Schülern, und
lernte so schnell und so gut, daß der Lehrer ihn sehr lobte. Zu Hause,
wenn er nichts für die Mutter oder für den Vater thun konnte, zeichnete
August immer.

Jedes Stück Papier, jeder glatte Stein, jedes Stück glattes Holz
war ihm dazu gut, und bald konnte er Blumen, Bäume und Tiere so gut
zeichnen, daß die Försterfamilie sie sehr bewunderte.

Als der Förster einmal auf den Jahrmarkt ging, brachte er jedem der
Kinder ein kleines Geschenk. August bekam da einen kleinen Malkasten.
Der Knabe war so glücklich über dieses Geschenk, daß er seine Freude
gar nicht genug aussprechen konnte und jetzt malte er sehr eifrig.

Eines Tages schickte ihn der Förster in das Schloß, um einige Vögel
dorthin zu bringen. Unterwegs sah August einen Mann im Walde sitzen.
Dieser malte eifrig und bemerkte August nicht, bis dieser voll
Bewunderung ausrief:

„Ach, wie schön! Da ist der Bach, und das Wasser sieht so klar aus. Da
sind die bemoosten Steine und durch die Zweige des großen Baumes kann
man hie und da einen Fleck blauen Himmels sehen.“

Der Künstler, denn es war ein Künstler, war über diese Bewunderung so
erfreut, daß er mit dem Knaben sprach, und als August ihm sagte, daß
er so gerne Blumen und Bäume zeichne, gab er ihm ein Stück Papier und
sagte ihm, daß er den Baum auf seinem Bilde abzeichnen solle.

August setzte sich neben den Künstler hin und zeichnete eifrig. Seine
Zeichnung war so gut, daß der Künstler den Förster besuchte und ihm
sagte, daß August sehr begabt sei, und daß er ein Künstler werden solle.

„Da der Knabe verwaist ist und ohne Mittel, will ich ihn in mein Haus
nehmen und ihm Unterricht geben,“ fügte er hinzu.

August ging nun mit dem Künstler in die Stadt und arbeitete sehr
fleißig, aber jede Weihnacht brachte er bei der Försterfamilie zu. Als
August siebzehn Jahre alt war, besuchte der Künstler den Förster wieder.

„Guter Förster,“ sagte er, „August ist ein guter junger Mann, und er
hat schon alles gelernt, was ich ihm lehren kann. Er wird einmal ein
berühmter Künstler werden, aber dazu sollte er jetzt nach Italien gehen
und fünf Jahre dort studieren. Das Geld zu der Reise kann ich ihm nicht
geben, aber wenn Sie es ihm geben können, werden Sie es nie bereuen.“

Der Förster sann lange nach und entschloß sich endlich, seine kleinen
Ersparnisse herzugeben, damit August nach Italien reisen könnte,
um dort die berühmten Kunstwerke und Künstler zu sehen und viel zu
studieren.

August ging; er schrieb jedes Jahr an die Försterfamilie, und die guten
Leute freuten sich immer über seine Briefe. Nachdem er fünf Jahre in
Italien gewesen, konnte August so schön malen, daß er einige Bilder
verkaufen und das geliehene Geld dem Förster zurückschicken konnte.

Zugleich sandte August einen Brief und eine große Kiste. Der Förster
las den Brief mit Freuden, denn August erzählte, wie gut es ihm
gegangen, wie viel er gelernt, und wie dankbar er dem Förster und
seiner Familie sei, für all das Gute, das sie ihm erwiesen (gethan).
Dann fuhr er fort:

„Hiermit sende ich dir ein Bild, mein erstes, und ich hoffe, daß es
euch allen gefallen wird. Zum Andenken an den Weihnachtsabend, an dem
ihr mich in euere Familie aufnahmet, habe ich eine heilige Familie
gemalt.“

Als der Förster den Brief fertig gelesen, holte er den Hammer und
öffnete die große Kiste. Daraus nahm er endlich ein wunderschönes
Bild der heiligen Familie, und die guten Leute konnten es nicht genug
bewundern.

Mehrere Jahre vergingen wieder, der Förster wurde sehr krank und er
mußte sein erspartes Geld alles verbrauchen. Während seiner Krankheit
war sein Sohn Christian Förster an seiner Stelle. Christian war ein
braver, junger Mann und that seine Pflicht sehr gut, aber ein böser
Mann, welchen der Vater einmal hatte bestrafen müssen, weil er Holz
gestohlen, schrieb dem Prinzen, daß der alte Förster krank sei, und daß
dessen Sohn träge sei.

Ohne die Sache zu untersuchen, schrieb der Prinz jetzt dem Förster
einen Brief, indem er sagte, daß er auf Neujahr das Forsthaus übergeben
solle, und daß er seine Dienste nicht mehr brauche.

Als der arme Förster diesen Brief gelesen, war er sehr traurig. „Ach,“
sagte er, „der alte Prinz, der Vater dieses jungen Mannes, hatte mir
versprochen, daß ich dieses Haus nie verlassen solle, und daß Christian
an meiner Stelle Förster sein solle, wenn ich zu alt dazu sein würde.
Das bin ich noch nicht. Ich war nur krank; aber jetzt müssen wir alle
verhungern, denn im Winter werden weder Christian noch ich Arbeit
finden.“

Christian, der verheiratet war, und zwei kleine Kinder hatte, war
ebenso traurig; aber obgleich er in die Stadt ging, um den Prinzen zu
besuchen, konnte er ihn nicht sehen.

Es war wieder Weihnachtsabend geworden. Die Försterfamilie saß wie vor
zwanzig Jahren in der warmen Stube. Der Förster schaute das schöne Bild
an, das August gemalt hatte, und als die Kinder baten:

„Großvater, wir wollen doch das schöne Weihnachtslied singen,“
antwortete er:

„Ach, Kinder, ich kann nicht singen. Ich bin zu traurig. Wo werden wir
nächste Weihnacht sein? Ach wenn der gute August nur hier wäre, würde
er auch traurig sein, denn er hat das Forsthaus auch lieb.“

Während der alte Mann so traurig sprach, hatte sich die Thür leise
geöffnet, und jetzt trat ein großer, junger Mann herein.

„Vater!“ rief er, „Vater, du hast Recht!“ Das Forsthaus ist mir sehr
lieb! Sei nicht mehr traurig, du wirst noch manche Weihnacht hier
zubringen können. Als ich gestern in der Stadt ankam, erzählte mir mein
alter Lehrer alle deine Leiden. Ich kenne den Prinzen sehr gut. Er
besuchte mich oft in Italien, und stand gern dabei, während ich meine
Bilder malte.

„Als ich hörte, daß er befohlen, daß du das Forsthaus verlassen
sollest, ging ich sogleich zu ihm, und erzählte ihm, daß der Mann,
der ihm gesagt, daß Christian unfähig sei, als Förster zu dienen, ein
Lügner sei. Der Prinz ließ den Mann kommen und fragte ihn, warum er
den Christian und die ganze Försterfamilie verleumdet habe.

„Der Mann fiel sogleich auf die Kniee, bat um Verzeihung und gestand
Alles. Der Prinz gab mir ein Schreiben, das ich dir als Weihnachtsgruß
überbringe.“

August zog jetzt ein Papier aus der Brusttasche, und gab es dem
Förster. Darin stand, daß der Förster im Hause bleiben solle, so lange
er lebe, und daß sein Sohn Christian Förster sein solle, wenn der Vater
nicht mehr stark genug sein würde, in den Wald zu gehen.

Der Prinz sicherte Vater und Sohn einen viel größeren Gehalt zu, als
sie noch je gehabt, und die ganze Familie war sehr glücklich.

Der glücklichste von allen aber war der schon jetzt berühmte Künstler
August, welcher der Försterfamilie endlich hatte helfen können, nachdem
sie ihm so lange geholfen hatte.



2. Die zehn Feeen.


Vor langen Jahren wohnte ein Bauer und seine Frau auf einem schönen
Gute in Nord-Deutschland. Das Paar war so arbeitsam, daß sie bald sehr
reich wurden; und da sie nur eine einzige Tochter hatten, ließen sie
dem Mädchen alle Freiheit, und sie arbeitete sehr wenig. Sie ging zwar
regelmäßig in die Schule und lernte viel, aber die Hausarbeit war ihr
immer zuwider, und sie wußte sehr wenig davon.

Das Mädchen, welches Elsa hieß, war so schön und so munter, daß es bald
viele Freier hatte, und als es zwanzig Jahre alt war, heiratete es
einen reichen, jungen Bauer, den es von ganzem Herzen liebte.

Das junge Weib (Frau) kam in das große Bauernhaus, wo viele Knechte
und Mädchen es erwarteten, und da die Mutter seines Mannes eine sehr
tüchtige Hausfrau gewesen war, dachten sie Alle, daß die neue Herrin
die Hausarbeit übernehmen und ihnen alle nötigen Befehle austeilen
würde.

Natürlicherweise versuchte die junge Frau dies Alles zu thun, aber da
sie sehr unerfahren war, und gar nicht an die Arbeit gewöhnt, wurde
sie bald sehr müde, und schon während der Flitterwochen weinte sie
sehr viel. Ihr Mann, dessen Mutter immer früh und spät gearbeitet
hatte, und die ihrem Haus gut obgewaltet, wurde oft ungeduldig, als er
das unordentliche Haus sah, kein Essen bereit fand und die Mägde und
Knechte umherschlendern sah.

Eines Tages, nachdem sie schon mehrere Monate verheiratet gewesen
waren, verließ er murrend das Haus, Elsa zurufend, daß es kein Wunder
sei, daß Alles so unordentlich sei, wenn sie so tagelang mit den Händen
im Schooß sitze!

Elsa weinte bitterlich, nachdem er fortgegangen war, und dachte, daß
es doch schade sei, daß sie so unwissend wäre, und daß sie zu Hause so
verwöhnt gewesen, daß sie jetzt keine gute Hausfrau wäre und ihren Mann
so unglücklich machte.

„Ach,“ seufzte sie, „hätte ich nur zehn kleine Feeen, die mir willig
dienten, dann würde ich die Arbeit fertig bringen können!“

Diese Worte waren kaum heraus, da stand ein großer Mann, in einen
grauen Mantel gehüllt, vor ihr und fragte wohlwollend:

„Nun, mein Kind, was haben Sie? Warum weinen Sie so bitterlich?“

„Ich weine, weil mein Mann nicht zufrieden ist. Ich kann die Hausarbeit
nicht besorgen. Ich kann weder die Mägde und Knechte leiten, noch Alles
in Ordnung halten. Wenn ich nur zehn Feeen da hätte, vielleicht ginge
es mir besser.“

„Nun,“ antwortete der stattliche Mann, „zehn Feeen sollen Sie haben!“

Er schüttelte seinen Mantel aus, und zehn kleine Feeen sprangen auf den
Boden und standen dienstfertig vor ihrer neuen Herrin.

„Da,“ sagte der alte Herr, „da sind Ihre neuen Diener. Sie sind treu
und sehr fleißig, und sie werden Ihnen die Hausarbeit erleichtern. Aber
da alle Leute sich sehr wundern würden, wenn sie diese kleinen Feeen
herumhantieren sähen, so will ich sie verstecken, damit sie Niemand
sehen kann. Strecken Sie Ihre Hände aus, kleine Frau.“

Elsa streckte ihre kleinen, weißen, unthätigen Hände aus und der Mann
rührte jeden Finger an und sagte: „Daumen, Zeige-Finger, Mittel-Finger,
Ring-Finger, Kleiner-Finger. Feeen, nehmt alle euere Plätze darin!“

Denselben Augenblick sprangen alle zehn kleinen Feeen auf Elsas Schooß,
und versteckten sich schnell in ihre zehn Finger!

Der alte Mann mit dem weiten Mantel verschwand auch, und die
erstaunte, kleine Frau blieb ganz allein. Sie sah ihre Finger
verwundert an. Aber bald regten sich ihre Finger ungeduldig. Die darin
versteckten kleinen Feeen waren nicht gewöhnt, träge still zu liegen,
und von ihnen aus ihrer Träumerei geweckt, sprang die junge Frau auf
und machte sich an die Arbeit.

Ihre Hände waren jetzt so flink, ihre Finger so geschickt, daß die
Arbeit lustig herging, und als Mägde und Knechte die Hausfrau so
fleißig arbeiten sahen, schämten sie sich ihrer Trägheit und arbeiteten
auch wieder fleißig wie zuvor.

Das Haus wurde bald ein Musterhaus, und der junge Hausherr sagte oft
stolz:

„Meine Mutter und meine Schwiegermutter waren beide tüchtige
Hausfrauen, aber meine Frau kann Alles noch besser und schneller thun.
Man könnte behaupten, daß sie ebensoviele flinke Diener, als Finger
hätte!“

Die schöne und glückliche Elsa lächelte oft, als sie ihn dieses sagen
hörte, denn sie hatte Niemand anvertraut, daß sie zehn geschickte,
kleine Feeen in ihren Fingern versteckt hatte.

Elsa hatte viele Kinder, und man sagt, daß ihre Töchter die kleinen
Diener erbten, denn sie waren auch fleißig und arbeitsam, und man
rühmte ihre flinken Finger überall.



3. In sicherer Hut.


In einer der schönsten Straßen in Dresden steht ein steinernes Haus.
In diesem Hause wohnt eine glückliche Familie, bestehend aus Vater,
Mutter, und drei Kindern. Die älteste Tochter ist fünfzehn Jahre alt,
der einzige Knabe zwölf Jahre alt, und das jüngste Kind, die kleine
Rita, ist erst fünf Jahre alt.

Dieses kleine Mädchen liebt das Stadtleben nicht. Sie ist viel
glücklicher auf dem Lande, und sie freut sich immer, wenn die Ferien
herankommen, daß sie Dresden wieder verlassen kann.

Eines Tages stürmte sie in das Zimmer, wo ihr Vater in einem Lehnstuhl
saß, seine große Zeitung lesend.

„Vater, lieber Vater, morgen fangen die Ferien an! Wann können wir auf
das Land gehen?“

Der Vater küßte das Kind und erwiderte zärtlich: „Wir reisen übermorgen
ab, und diesmal gehen wir in die Berge, wo es noch viel schöner ist,
als auf dem Lande.“

Rita tanzte vor Freude, als sie dieses hörte, und als sie drei Tage
später in dem kleinen Gasthof hoch auf dem Berge ankamen und sie die
schönen Wälder und die herrlichen Blumen sah, war sie sehr glücklich.

Rita sprang herum bis der Vater sie mit einer kleinen Heuschrecke
verglich. Er schickte sie bald ins Freie unter Aufsicht der
Gouvernante, die das Kind ja nicht aus den Augen lassen sollte, denn
es waren viele gefährliche Stellen im Walde, wo man sich leicht hätte
verirren können.

Nicht sehr weit von dem einsamen Gasthofe war eine kleine Hütte, wo ein
Holzhacker mit seiner Familie wohnte. Die Holzhackerfamilie bestand aus
fünf barfüßigen Knaben, welche die vornehmen Kinder erstaunt ansahen.

Der jüngste von diesen Knaben, der kleine Hans, konnte seine Augen von
dem fremden Knaben nicht abwenden, denn dieser hatte eine Peitsche, die
er laut knallen ließ.

„Oh, wenn ich nur eine solche Peitsche hätte, die so laut knallt!“
sagte Hans endlich, und sah seinen Stock, mit dem kleinen daran
befestigten Strick, traurig an, obschon er ihn bis dahin als seinen
größten Schatz angesehen.

Aber diese Peitsche konnte nicht knallen, wie diejenige des kleinen
Fremden, und jetzt hatte Hans alle Freude daran verloren.

Am folgenden Morgen kam die kleine Rita zur Thür heraus. Der Vater
stand da, und Rita lief fröhlich herum. Sie war so glücklich in den
Bergen zu sein, und als sie die schönen Blumen sah, schlug sie vor
Freude in die Hände.

Sie pflückte die Blumen und hatte bald einen großen Blumenstrauß. Nach
und nach, als der Blumenstrauß größer wurde, näherte sie sich der
kleinen Hütte, wo Hans stand. Er sah Rita an, und als sie näher trat,
sagte er:

„Ich weiß, wo schöne Blumen wachsen!“

„Schöner als diese?“ fragte Rita, den Blumenstrauß hinhaltend.

„Oh, ja; viel schöner. Dort in dem Walde sind große Büsche roter
Blumen.“

„Ach, wie herrlich!“ rief Rita entzückt. „Vater,“ schrie sie, „komm’
doch, wir wollen gleich in den Wald gehen. Der Knabe sagt, daß da große
Büsche ganz voll roter Blumen stehen. Bitte, komm’ doch!“

„Nein, Kind, nicht jetzt,“ erwiderte der Vater lächelnd. „Jetzt mußt du
in das Haus kommen, um dein Frühstück zu essen. Deine liebe Mutter ist
krank, und du sollst heute sehr artig sein.“

Rita ging jetzt in das Haus. Später aber kam sie wieder heraus, von
der Gouvernante begleitet. Sie wäre gern in den Wald gegangen, aber
die Gouvernante sagte, sie solle da bleiben, damit die Mutter sich
nicht allein fühle, denn Vater, Schwester und Bruder waren den Berg
hinabgegangen, um den Arzt für die kranke Mutter zu holen.

Bald rief die kranke Mutter die Gouvernante wieder in das Haus und Rita
blieb allein. Sie spielte eine Weile mit der Puppe, dann dachte sie an
die schönen, roten Blumen.

„Der Wald ist nicht weit,“ sagte sie zu sich selbst. „Ich will schnell
dahin gehen und einen Strauß roter Blumen für die liebe Mutter
pflücken.“

Das Kind sprang schnell fort, und kam bald in den Wald. Da war es kühl
und grün, aber zuerst sah sie keine roten Blumen.

Sie wollte eben zurückgehen, als sie durch die Bäume etwas rotes sah.
„Das sind die roten Blumen!“ rief sie entzückt, und rannte weiter in
den Wald hinein.

Als sie dahin kam, sah sie, daß die Blumen nicht mehr sehr frisch
waren. Ein wenig weiter sah sie einen anderen Busch. Die Blumen darauf
schienen viel frischer. Sie ging dahin und hatte bald beide Hände voll
Blumen.

Unterdessen war der Vater mit dem Arzte angekommen. Der Arzt sagte, daß
die Dame nicht gefährlich krank sei, und daß die gute Bergluft sie bald
wieder gesund machen würde. Darauf ging er fort.

Die Gouvernante mußte nun der Mutter vorlesen und dachte dabei, Rita
sei entweder bei dem Vater oder bei der großen Schwester. Erst als es
Zeit zum Abendessen geworden, dachte man wieder an das kleine Mädchen.

„Wo ist das Kind?“ fragte der Vater.

„Ich habe sie draußen unter dem großen Baume gelassen, als die gnädige
Frau mich rief,“ erwiderte die Gouvernante. „Aber da Sie einige Minuten
nachher zurückkamen, dachte ich, daß Rita bei ihrer Schwester sei,“
fuhr sie fort.

„Mit mir ist Rita nicht draußen gewesen,“ antwortete die große
Schwester. „Sobald der Arzt fortging, bin ich in mein Zimmer gegangen
um mich auszuruhen, denn ich war sehr müde und wollte schlafen. Rita
war aber nicht mehr unter dem Baume, als wir zurückkamen.“

Der Vater sprang jetzt erschrocken auf. „Wir müssen das Kind finden,“
rief er, und alle folgten ihm nach. Sie gingen überall hin, riefen
laut, aber sie sahen und hörten nichts von ihr.

Der Vater war blaß vor Angst. Er rief die Dienstboten des Gasthauses
herbei, um ihm zu helfen, das Kind zu suchen. Sie suchten den ganzen
Abend umsonst, und als es dunkel wurde, nahmen sie Fackeln und Laternen
und suchten die ganze Nacht. Der Holzhacker suchte auch, obschon er den
ganzen Tag gearbeitet hatte und sehr müde war.

Am Morgen erst kam er mit dem müden Vater zurück in sein Haus.

„Das kleine Mädchen muß in den Fluß gefallen sein,“ sagte er traurig.
„Ich weiß nicht, wo wir jetzt noch suchen können, ich weiß nicht wo sie
ist.“

„Aber ich weiß es!“ rief der kleine Hans.

„Du!“ rief der Vater erstaunt.

„Ja, ich weiß es,“ wiederholte Hans.

„Nun, dann zeige uns, wo sie ist,“ rief der Holzhacker.

Der kleine Hans ging sogleich in den Wald. Die zwei Väter folgten ihm.
Hans ging auf den ersten roten Busch zu und schien erstaunt, das kleine
Mädchen nicht da zu sehen.

„Wo ist sie?“ fragte er den Vater. „Sie ist hierher gekommen, um rote
Blumen zu pflücken.“

Der Holzhacker sagte: „Rote Blumen wollte sie? Dann ist sie vielleicht
weiter gegangen.“

Er ging jetzt mit dem Vater etwas weiter in den Wald. Bald kamen sie an
einen Busch, wo Jemand viele Blumen gepflückt hatte.

„Hier ist sie sicher gewesen,“ sagte der Holzhacker. „Nehmen Sie sich
in Acht, mein Herr, der Busch ist dicht an dem Abhang! Sie werden
hinunterfallen!“

„Ach!“ rief der Vater, „vielleicht ist mein armes Kind da hinunter
gefallen!“

Der Holzhacker hatte sich auf den Boden geworfen, und bog sich jetzt
über den Rand des Abgrundes.

Bald sagte er erstaunt, aber doch sehr leise: „Das Kind liegt nicht
weit von hier auf einem vorspringenden Felsen. Sie liegt so still!
Entweder ist sie fest eingeschlafen, oder ...“

„Ach!“ rief der Vater, „ich muß hinunter!“

„Das können Sie nicht, mein Herr!“ rief der Holzhacker. „Sie kennen
unsere Felsen nicht, und es ist eine gefährliche Stelle. Ich will
selbst hinuntergehen!“

Während er noch sprach, hatte der Holzhacker die Schuhe schnell
ausgezogen, das Seil, das er trug, um den Leib gebunden und das andere
Ende desselben an einem Baume befestigt.

Der Vater half ihm mit zitternden Händen und der Holzhacker sagte:
„Mein Herr, Sie wissen, daß ich nur ein armer Holzhacker bin. Wenn ich
verunglücken sollte, sorgen Sie für meine Frau und die Kinder, deren
Vater sein Leben für Ihr Kind gewagt.“

„Ja, das will ich!“ rief der Vater ernst. Er konnte nicht weiter reden,
denn die Angst um das kleine Mädchen nahm ihm die Sprache.

Als der Holzhacker eben bereit war, kamen mehrere Männer herbei. Den
ängstlichen Winken des Vaters folgend, kamen sie sehr leise herbei und
nachdem sie vernommen, daß das Kind auf einem vorbringenden Felsen
liege, halfen sie dem Holzhacker langsam hinunter. Dieser klammerte
sich mit den Händen und mit den nackten Füßen an den Felsen und als er
endlich das Kind erreichte, legte er die Hand auf dasselbe.

Sobald er Rita berührte, wachte sie auf, denn sie war wirklich nur
eingeschlafen. Sie machte eine rasche Bewegung, und wenn der Holzhacker
sie nicht festgehalten hätte, wäre sie sicher in den Abgrund hinab
gestürzt.

„Gott sei Dank!“ rief er. „Das Kind war nur eingeschlafen.“ Der
wartende Vater hörte diese Worte auch und wäre er nicht vor Angst
sprachlos gewesen, hätte auch er „Gott sei Dank!“ gerufen.

Der Holzhacker sagte jetzt zu dem Kinde: „Siehst du, Kleine, du sollst
jetzt deine Arme um meinen Hals schlingen, und festhalten, denn ich
brauche Hände und Füße zum hinaufklettern. Das Seil allein ist nicht
stark genug, und sonst müssen wir in den Abgrund fallen.“

Rita versprach festzuhalten, schlang beide Arme um den Hals des guten
Mannes und jetzt ging es langsam aufwärts.

Endlich kamen beide wohlbehalten oben an. Als der glückliche Vater sein
Kind in den Armen hielt, rief es fröhlich:

„Ach, Vater, ich bin so froh, daß du gekommen bist. Ich habe so lange
gewartet. Ich wollte die schönen Blumen pflücken und dann bin ich
plötzlich hinunter gefallen.

„Ich konnte weder hinauf noch hinunter gehen. Ich war so müde und
schläfrig, daß ich die Augen nicht mehr offen halten konnte. Doch
fürchtete ich, weiter hinunter zu fallen. Da dachte ich: Wenn ich
mein Abendgebet bete, so schickt der liebe Gott einen schönen Engel
herunter, um mich zu schützen, bis der Vater kommt. Hast du den Engel
wohl gesehen, Vater?“

„Nein, gesehen habe ich ihn nicht, aber der liebe Gott hat ihn doch
heruntergeschickt,“ rief der glückliche Vater.

Der Vater war so glücklich, sein Kind wieder wohlbehalten in den Armen
zu haben, daß er seine Freude nicht genug aussprechen konnte.

Die kleine Rita wurde von der Mutter, Schwester und Gouvernante
fröhlich empfangen; und an demselben Tage ging sie noch mit dem Vater,
um den Holzhacker und seine Familie zu besuchen.

Der wackere Mann wurde sehr reichlich belohnt, und als Rita den kleinen
Hans fragte, was er sich wohl wünschte, da er sie doch gefunden, rief
er:

„Ich möchte am allerliebsten eine große Peitsche haben, die so laut
knallen kann, wie diejenige Ihres Bruders.“

Schon am folgenden Tage wurde sein Wunsch erfüllt. Der kleine Hans
knallte mit seiner Peitsche vom Morgen bis zum Abend und war der
glücklichste Junge in dem ganzen Riesengebirge.



4. Tisch, Sack und Pack.


Vor langen Jahren wohnte ein armer Mann in einer ärmlichen Hütte mit
seiner Frau und seinen drei Söhnen Jacob, Michel und Heinrich.

„Jacob,“ sprach der Vater sehr oft, „Jacob, du wirst bald Hausherr
sein, denn ich bin sehr krank, und sterbe bald. Wenn ich nicht mehr da
bin, sollst du Mutter und Brüder wohl versorgen.“

Jacob versprach immer, daß er Mutter und Brüder wohl versorgen wolle;
aber er hielt nicht Wort, und als der Vater gestorben und begraben war,
rief er aus:

„Jetzt will ich in die Welt gehen, um mein Glück zu suchen. Michel, du
kannst mitkommen, aber Heinrich soll hier zu Hause bleiben, denn er ist
zu dumm.“

Die Mutter aber bat die zwei ältesten Brüder so sehr, daß sie den
jüngsten endlich mitnahmen.

Die zwei ältesten Söhne nahmen alles Geld und alles Essen im Hause,
aber Heinrich nahm nichts; er ließ Alles, was er hatte, seiner Mutter
und ging weinend fort.

Nachdem sie einige Stunden gegangen waren, setzten sie sich am Wege
nieder und die zwei ältesten Brüder nahmen ihre Lebensmittel und fingen
an zu essen.

Heinrich hatte keine Lebensmittel mitgebracht und die Brüder lachten
ihn aus, aber er sagte gelassen, daß er besser Hunger leiden könnte,
als seine arme, verwitwete Mutter.

Als die Brüder das hörten, schämten sie sich doch ein wenig, und gaben
ihm von ihren Lebensmitteln zu essen, ehe sie weiter gingen. Nach zwei
Tagen kamen die drei Brüder in ein Schloß, wo niemand zu sehen war.
Da die zwei ältesten sich fürchteten, zuerst einzutreten, schickten
sie den jüngsten voran. Er trat in das erste Zimmer und blieb erstaunt
stehen, denn da war ein großer Haufe kupferner Pfennige.

Die zwei Brüder folgten ihm und als sie das Geld sahen, leerten sie die
Lebensmittel schnell aus ihren Säcken und packten sie voll kupfernes
Geld. Heinrich nahm nur ein einziges Stück Geld und dann öffnete er
eine zweite Thür und trat in ein zweites Zimmer, wo ein großer Haufe
silbernen Geldes war. Als die zwei ältesten Brüder das silberne Geld
sahen, leerten sie ihre Säcke wieder, und packten sie voll Silbergeld.

Heinrich aber nahm wieder nur ein Stück Silber, dann öffnete er eine
andere Thür und trat in ein drittes Zimmer, wo ein großer Haufe Gold
war.

Als die zwei ältesten Brüder das Gold sahen, leerten sie das Silber
schnell aus ihren Säcken, füllten sie mit Gold und gingen schnell aus
dem Schlosse, denn sie hatten jetzt viele Reichtümer und fürchteten,
daß Jemand käme und sie ihnen fortnähme.

Der jüngste Bruder, der nur ein Stück Gold genommen, nahm die
Lebensmittel, und indem er seinen Brüdern folgte, aß er alles. Endlich
kamen alle drei in einen Wald. Da die zwei ältesten das schwere Gold
getragen, waren sie sehr müde, ließen ihre Säcke fallen, und legten
sich nieder, um etwas auszuruhen. Sie waren beide sehr hungrig und
hießen Heinrich in das Schloß gehen, und ihnen die Lebensmittel, die
sie dort gelassen, bringen.

„Ach,“ erwiderte Heinrich, „zu dem Schlosse will ich doch nicht allein
gehen, und ohne dieß würde ich keine Lebensmittel da finden, denn ich
habe sie ja alle gegessen!“

Als die hungrigen Brüder das hörten, wurden sie sehr böse, prügelten
den armen Heinrich, ließen ihn halbtot am Boden liegen, nahmen ihre
goldgefüllten Säcke, und gingen heim.

Der arme Heinrich durfte ihnen nicht folgen. Er hatte nichts zu essen,
und dachte endlich:

„Ich will wieder in das Schloß gehen. Vielleicht finde ich noch etwas
zu essen da, und wenigstens kann ich Gold genug fortbringen, um reich
zu sein, denn ich weiß ganz gut, daß meine Brüder mir nie ein einziges
Stück Geld geben würden.“

Er ging allein in das Schloß, ging durch die Zimmer wo Kupfer und
Silber lag, und als er in das Zimmer, wo das Gold lag, gekommen war,
nahm er seinen Rock und füllte ihn mit Goldstücken. Er wollte soeben
fortgehen, als er einen schrecklichen Lärm hörte, und als er zitternd
da stand, kamen drei große Riesen, die laut riefen:

„Wo ist der Räuber? Er soll sterben!“

Sie wollten den Jüngling töten, aber da er laut um sein Leben bat,
sagten sie endlich, daß sie es ihm lassen wollten, aber daß er ihr
Schatzhüter sein sollte.

„Damit du ja nicht Hunger leidest,“ fügten sie hinzu, „stellen wir hier
einen kleinen Tisch hin. Klopfe darauf, wenn du zu essen wünschest, und
rufe laut: ‚Lebensmittel für einen König!‘ und du wirst Alles haben,
was du nur wünschen kannst.“

Der Jüngling, der sehr hungrig war, klopfte sogleich auf den Tisch, und
in einem Augenblick war er mit vielen Speisen bedeckt, und der Jüngling
konnte nach Belieben essen.

Heinrich blieb ein ganzes Jahr hier im Schlosse. Aber da er immer
allein war, langweilte er sich endlich sehr. Eines Tages nahm er den
Tisch, rief laut:

„Hütet euere Schätze selbst, Ihr Herren Riesen,“ und ging aus dem
Schlosse.

Er ging lange und kam endlich in einen dichten Wald. Hier begegnete er
einem armen Manne, der bittend sagte:

„Geben Sie mir etwas zu essen, guter Jüngling, ich bin ja so hungrig!“

„Das will ich gern thun, armer Mann,“ sagte der Jüngling. Er stellte
seinen Tisch unter einen Baum, klopfte darauf, rief laut: „Lebensmittel
für einen König!“ und sobald der Tisch mit guten Speisen bedeckt war,
lud er den Mann zum Essen ein.

Der alte Mann aß und trank und sagte endlich:

„Das ist ein schöner Tisch! Sehen Sie, guter Jüngling, ich werde
Ihnen diesen Pack für den Tisch geben. Es ist ein wunderbarer Pack.
Öffnen Sie ihn und sagen Sie laut: ‚Soldaten herbei!‘ und Sie werden so
viele Soldaten haben, als Sie wollen. Dann sagen Sie wieder, ‚Soldaten
hinein!‘ so werden sie alle wieder in dem Pack verschwinden.“

„Nun,“ sagte Heinrich, „das ist mir schon Recht. Sie sollen den Tisch
haben. Geben Sie mir den Pack.“

Der alte Mann gab ihm den Pack, nahm den Tisch und Beide gingen ihres
Weges. Heinrich war nicht weit gegangen, so dachte er:

„Es ist doch schade, daß ich meinen guten Tisch nicht mehr habe. Was
werde ich jetzt thun, wenn ich hungrig bin?“ Dann dachte er auch: „Ich
muß sehen, ob mein Pack gut ist.“

Er öffnete den Pack und sagte laut: „Zwei hundert Husaren herbei!“

Aus dem Pack sprangen sogleich zwei hundert Husaren, auf schönen
Pferden, und der Oberst fragte ehrerbietig:

„Was wünschen Sie, mein Herr?“

„Gehen Sie den Weg entlang. Sie werden bald einem kleinen, alten Mann
begegnen. Er hat einen Tisch, bringen Sie mir denselben,“ erwiderte
Heinrich.

„Gut!“ antwortete der Oberst, und er sprengte mit seinen Husaren davon.

Nach einigen Minuten kamen sie mit dem Tische zurück. Heinrich öffnete
den Pack wieder, und rief laut:

„Zwei hundert Husaren hinein!“ und sogleich sprangen Husaren und Pferde
in den Pack.

Jetzt hatte der Jüngling Tisch und Pack und er war sehr froh. Er ging
getrost seines Weges. Endlich begegnete er einem Bettler mit einem
Sack, der ihn um etwas zu essen bat.

„Ja, das kann ich Ihnen geben,“ sagte der Jüngling. Er stellte seinen
Tisch unter einen Baum, klopfte darauf und rief laut: „Lebensmittel für
einen König!“ und in einer Minute war der Tisch mit reichen Speisen
bedeckt.

Der Jüngling lud den Bettler zum Essen ein. Er aß und trank und sagte
endlich:

„Sie haben da einen gar schönen Tisch. Geben Sie mir den Tisch. Ich
gebe Ihnen meinen Sack dafür. Es ist ein wunderbarer Sack. Öffnen Sie
ihn und sagen Sie laut: ‚Schloß heraus!‘ so wird ein schönes Schloß vor
Ihnen stehen. Dann, wenn Sie ‚Schloß hinein!‘ rufen, verschwindet das
Schloß in dem Sack.“

„Das ist mir Recht!“ sagte Heinrich und er gab seinen Tisch für den
Sack.

Er war nicht sehr weit gegangen, da dachte er: „Ach, ich möchte meinen
schönen Tisch doch wieder haben!“

So öffnete er den Pack, rief laut: „Drei hundert Uhlanen heraus!“ und
als sie alle schnell aus dem Sack krochen, gebot er ihnen, dem Bettler
nach zu gehen, und den Tisch zurückzubringen.

Die Uhlanen gehorchten sogleich. Dann öffnete Heinrich den Pack, rief
laut: „Drei hundert Uhlanen hinein!“ und sie verschwanden alle in dem
Pack. Heinrich ging getrost seines Weges und kam zuletzt in die Stadt,
wo seine Brüder jetzt wohnten. Sie aßen und tranken den ganzen Tag,
da sie jetzt so viel Gold hatten. Die Mutter hatten sie in die Stadt
mitgebracht, aber die arme Frau mußte Tag und Nacht kochen, damit ihre
Söhne genug zu essen hatten.

Heinrich ging in das Haus seiner Brüder, aber er sah so ärmlich aus,
daß sie ihn auslachten, und obwohl sie ihn in dem Stalle schlafen
ließen, gaben sie ihm kein einziges Stück Brot zu essen.

Der Jüngling, der seinen Tisch, seinen Pack und seinen Sack in dem
Garten versteckt hatte, wartete nur bis die Nacht herankam. Dann
öffnete er den Sack und rief laut, „Schloß heraus!“ In einer Minute
wurde er ein schönes Schloß da im Garten gewahr. Dann öffnete er den
Pack und rief laut: „Zwanzig Soldaten heraus!“

Sobald die Soldaten heraus waren, befahl er ihnen, das Schloß zu
bewachen, und ihn morgens um vier Uhr aufzuwecken.

Die Soldaten bewachten das Schloß sogleich, und er ging mit dem Tisch,
dem Sack und dem Pack hinein.

Dann stellte er den Tisch in das prächtige Eßzimmer, klopfte darauf
und rief laut: „Lebensmittel für einen König!“ und als der Tisch mit
den besten Speisen bedeckt war, setzte er sich und aß und trank nach
Belieben.

Dann schlief er auf einem goldenen Bette ein, und früh morgens weckten
ihn die Soldaten auf, wie er befohlen. Er nahm Tisch, Sack und Pack
und ging in den Garten. Dann öffnete er den Pack, rief laut: „Zwanzig
Soldaten hinein!“ und die zwanzig Soldaten verschwanden in dem Pack.
Dann öffnete er den Sack, rief laut: „Schloß hinein!“ und das Schloß
verschwand auch.

Heinrich versteckte Tisch, Sack und Pack und ging in den Stall, wo die
bösen Brüder ihn fanden, und ihn wieder auslachten. Sie fragten ihn
auch, warum er kein Gold aus dem Schlosse gebracht.

„Ach,“ erwiderte er stolz, „ich habe etwas Besseres als Gold,“ und er
zeigte ihnen den Tisch. Die Brüder waren erstaunt und sie sprachen von
dem Tisch mit allen ihren Freunden. Endlich hörte der König auch davon.
Er schickte zwei Offiziere und ließ dem Jüngling sagen, er solle ihm
den Tisch leihen.

Heinrich sagte: „Ja, der König kann den Tisch haben, aber wenn er mir
in drei Tagen nicht zurückgegeben ist, so erkläre ich dem König Krieg.“

Der König freute sich sehr über den Tisch. Er wollte ihn behalten. Er
ließ Zimmerleute und Schreiner kommen und sagte streng:

„Zimmerleute und Schreiner, Sie müssen binnen drei Tagen einen anderen
Tisch verfertigen, der diesem so gleich ist wie ein Ei dem anderen!“

Die Zimmerleute und Schreiner arbeiteten Tag und Nacht und binnen drei
Tagen hatten sie einen Tisch verfertigt, der dem anderen glich wie ein
Ei dem anderen.

Als der König diesen Tisch dem Jüngling schickte, klopfte er darauf und
rief laut: „Lebensmittel für einen König!“ aber da der Tisch sich nicht
sogleich deckte, merkte er, daß der König den Wundertisch noch hatte.

„Tragen Sie diesen Tisch zu dem König!“ rief er den Dienern laut zu,
„und sagen Sie ihm, daß wenn er mir meinen Wundertisch nicht sogleich
schickt, ich ihm den Krieg erklären werde.“

Als der König dieses hörte, lachte er laut, denn er dachte: „Der
Jüngling ist arm, er hat weder Soldaten noch Geld, er kann mir keinen
Schaden thun.“ Aber bald lachte der König nicht mehr, denn der Jüngling
kam vor das Schloß, öffnete den Pack, rief laut: „Hundert tausend
Infanterie und hundert tausend Kavallerie heraus!“ und in einem
Augenblick hatte er ein großes Heer (Armee) von zwei hundert tausend
Mann.

Der König fürchtete sich sehr vor diesem großen Heer, und schickte
einen Boten mit einer weißen Fahne, um dem Jüngling zu sagen, daß er
seinen Tisch wieder haben solle, und die Hand der Prinzessin dazu, wenn
er das Heer nur fortbringen wolle.

Der Jüngling sagte: „Nun, das ist mir schon Recht, aber die Hochzeit
muß noch heute stattfinden!“

Dann öffnete er den Pack, rief laut: „Hundert tausend Infanterie und
hundert tausend Kavallerie hinein!“ und das große Heer verschwand
sogleich in dem Pack. Der Jüngling ging allein in den Palast. Da wurde
er mit der schönen Prinzessin getraut und der Wundertisch wurde für
das Hochzeitsfest gebraucht. Alle Gäste aßen und tranken so viel sie
wollten, und nachdem sie lange getanzt hatten, sagte der König:

„Nun, Schwiegersohn, gehen Sie jetzt schlafen!“

„Ich muß zuerst noch einmal in den Garten gehen!“ erwiderte Heinrich.
Er ging in den Garten, machte den Sack auf, rief laut: „Schloß heraus!“
und augenblicklich stand ein schönes Schloß da. Dann ging der Jüngling
wieder in den Palast, nahm seine Braut bei der Hand, und führte sie in
sein Schloß.

Da wohnte er lange Jahre glücklich mit Frau, Mutter und Kindern. Dank
dem Tische, dem Sack und dem Pack, hatte er immer Alles, was er nur
begehren konnte. Er starb in hohem Alter und seine Kinder erbten das
Reich und die drei Wunderdinge. Diese wurden in den Keller gebracht,
da man ihrer nicht mehr bedurfte, aber da wurden sie morsch. Es kam
endlich eine Zeit, wo Krieg im Lande war. Da erinnerte sich der Erbe
des Packes. Er ließ ihn holen, aber er zerfiel in Stücke. So ging es
auch mit dem Tische und mit dem Sacke, und jetzt sind die Nachkommen
Heinrichs wieder sehr arm.



5. Barbarossa.


Auf dem Kyffhäuser Berg in Thüringen, stehen noch die Ruinen
eines uralten Schlosses, wo Friedrich Barbarossa, der rotbärtige
Hohenstauffen Kaiser, einmal wohnte.

Ein Bauer ging eines Morgens früh über den Berg; er wollte sein
Pferd, ein schönes Tier, auf den Markt bringen, um es als Streitroß
zu verkaufen. Da er das Pferd frisch nach dem Markte bringen wollte,
führte er es langsam am Zügel, und als er eine schöne, kleine, blaue
Blume an dem Weg sah, pflückte er sie, und steckte sie in sein Hutband.
Es war so neblig, daß man nicht weit sehen konnte, und Bauer und Pferd
erschraken ein wenig, als sie plötzlich einen kleinen, alten Mann vor
sich stehen sahen.

„Guten Morgen, Bauer,“ sprach er freundlich, „wohin gehen Sie?“

„Auf den Markt, um mein Pferd zu verkaufen.“

„Das Pferd da? Ein schönes Tier!“ rief der Mann. „Um welchen Preis
denken Sie es zu verkaufen?“

„Um vier hundert Thaler,“ antwortete der Bauer, „denn das Pferd ist
jung und gesund. Es wird ein prächtiges Streitroß geben.“

„Ja, das ist wahr,“ erwiderte der kleine Mann nachdenklich. „Darum
möchte ich es um den Preis kaufen. Kommen Sie mit mir, Bauer,“ fügte er
hinzu, „und ich werde Ihnen das Geld geben.“

Der Bauer, der den kleinen alten Mann noch nie gesehen, war ein wenig
erstaunt über diese Begegnung, aber dennoch erwiderte er langsam:

„Nun das ist mir schon Recht!“

„Dann folgen Sie mir!“ rief der kleine, alte Mann, und anstatt den
gewöhnlichen Weg zu gehen, führte er ihn durch Wald und Gestrüpp. Bald
kamen sie zu einem kleinen Pfad, der in eine große Höhle führte.

Der Bauer hatte nie von einer Höhle in dem Berge gehört, aber der
kleine Mann ging schnell hinein, und winkte ihm zu, mit dem Pferde
herein zu kommen.

Der Bauer war sehr erstaunt als er in die Höhle kam, denn da waren
tausende von schlafenden Pferden, und bei jedem Pferd war ein
schlafender Knecht in Rüstung.

Der kleine Mann nahm jetzt den Zügel aus der Hand des Bauers, führte
das Pferd an einen leeren Platz, band es fest, und sogleich schlief es
auch fest ein. Dann führte er den Bauer noch weiter, und brachte ihn
bald in einen weiten, unterirdischen Saal, der mit Edelsteinen und Gold
reichlich verziert war. Viel Gold und viele Edelsteine lagen in Haufen
herum, und der kleine alte Mann nahm einige Goldstücke und reichte sie
dem Bauer als den bestimmten Preis für das Pferd.

Der Bauer steckte das Gold in seine Tasche und sah sich verwundert
um. Sein Erstaunen wurde immer größer, denn mitten im Saale stand ein
großer Marmortisch. An dem Marmortisch saß ein schlafender Ritter. Er
war in voller Rüstung, nur den Helm hatte er abgelegt, der lag auf dem
Boden, mit seinem Schwerte, seiner Lanze, und seinem Schild. Der Ritter
schlief fest. Ein langer, feuerroter Bart hing ihm tief über die Brust
herab, und war fast dreimal um den Marmortisch gewachsen. Um ihn her
waren viele schlafende Ritter, die auch wie Helden aussahen, und hinter
dem Lehnstuhl des schlafenden Rotbarts stand ein kleiner, schlafender
Zwerg.

Während der Bauer erstaunt still stand, regte sich der Rotbart auf
einmal, öffnete die Augen und rief dem Zwerg ernst zu:

„Geh hinauf, mein Zwerg, und sieh, ob die Raben noch um den Berg
fliegen.“

Auf einmal wurde der Zwerg wieder lebendig, ging eilig hinaus, kam bald
wieder zurück, und meldete feierlich:

„Die Raben fliegen noch um den Berg herum.“

„Dann muß ich noch hundert Jahre schlafen!“ seufzte der Rotbart. Seine
Augen fielen wieder zu, und er schlief bald fest ein.

Der kleine Mann, der auch regungslos da gestanden, führte jetzt den
Bauer wieder hinaus, und als sie an der Öffnung der Höhle standen,
sagte er höflich:

„Sie haben da eine wunderschöne kleine Blume, in Ihrem Hutband, ich
möchte sie gar gern haben; wollen Sie sie mir gefälligst geben?“

„Ja, gewiß!“ erwiderte der Bauer. Er riß die Blume schnell aus dem
Hutband, legte sie in die Hand des alten Mannes, und wollte ihn eben
fragen, wer der schlafende Rotbart sei, und warum so viele Krieger und
Kriegsrosse in dem Berg versammelt wären, aber der kleine Mann war
verschwunden.

Der Nebel war auch dichter geworden, und der Bauer suchte vergebens
nach der Öffnung der Höhle, die er soeben verlassen. Es war erst
nachdem er einige Stunden lang umher geirrt, und der Nebel endlich vom
Winde weggeweht worden war, daß er den Heimweg finden konnte.

Er ging schweigend nach Hause, sagte seiner Familie nichts von seinem
Abenteuer, und ließ seine Frau glauben, daß er das Pferd auf dem Markte
verkauft.

Am folgenden Morgen ging er früh auf den Berg, suchte eifrig nach dem
Pfad zu der Höhle, aber konnte ihn doch nicht finden. Tagelang suchte
er vergeblich, und endlich erzählte er Alles einem alten Nachbarn, der
ihm sagte:

„Ach, du hast ja den Kaiser Friedrich Barbarossa gesehen! Meine Mutter
erzählte mir schon vor langen Jahren, als ich noch ein sehr kleiner
Bursche war, daß der Kaiser nicht gestorben sei, wie die Gelehrten es
in ihren dicken Büchern geschrieben. Er ist nach dem Heiligen Lande
gezogen, auf einem Kreuzzug, und viele Leute erzählten damals, daß er
in einem Fluß ertrunken sei, aber meine Mutter behauptete immer, das
sei nicht wahr, und sagte mir oft, daß er unter dem Kyffhäuserberg
schlafe. Ja, sie hatte doch Recht, siehst du, und sie sagte auch, daß
der Kaiser dort mit seinen Helden lange schlafen würde. Nur einmal in
hundert Jahren löst sich der Bann auf einige Minuten. Dann schickt der
Kaiser den Zwerg hinaus, um nachzusehen, ob die Raben noch um den Berg
fliegen. Wenn sie nicht mehr herumfliegen, wird der Kaiser wissen,
daß die deutsche Freiheit und Macht in Gefahr ist. Dann wird der rote
Bart den Marmortisch dreimal umringt haben. Alsdann wird der Kaiser
aufspringen, den Kriegsruf durch den Berg erschallen lassen, und dann
werden die schlafenden Helden erwachen, ihre Kriegsrosse besteigen, und
von dem Kaiser geführt, aus dem Berg heraus steigen!

„Dann wird der Kaiser seinen Helm auf dem Kopfe haben. Seinen Schild
wird er auf einen dürren Birnbaum hängen, der sogleich wieder blühen
und Früchte tragen wird. Dann wird der tapfere Kaiser für das liebe
Vaterland streiten, die Feinde besiegen, und Deutschland wird, Dank dem
Kaiser Friedrich Barbarossa, frei und noch mächtiger und größer sein,
als je zuvor.“

Der Bauer hörte diese Prophezeihung mit Freuden, aber trotzdem er
manchmal suchte, konnte er weder die Höhle noch solche schöne blaue
Blume finden, wie diejenige, welche er an dem nebeligen Morgen
gepflückt.



6. Das Neujahrslied.


Das Dorf B. liegt in einem schönen Thale, wo man grüne, mit herrlichen
Blumen bestreute Wiesen sehen kann, und wo die Nußbäume ihre kühlen
Schatten werfen. Von dem Dorf aus geht ein Fußweg den Berg steil
hinauf, und diesem Fußwege entlang stehen mehrere ärmliche Häuschen mit
kleinen Ställen.

Das kleinste Haus von allen steht am höchsten. Die Thür des Hauses ist
sehr niedrig. Das Haus hat nur zwei kleine Räume (Zimmer), und der
Stall dahinter ist auch sehr klein. Wenn die Ziege, die hineingeht,
nicht so mager wäre, könnte sie unmöglich Platz genug darin finden.

In diesem Häuschen hat der Joseph gewohnt, aber er ist schon seit vier
Jahren tot und nun wohnen seine Frau und zwei kleine Kinder allein da.

Das ältere Kind, ein gesunder, starker Bube (Knabe) heißt Sebastian
oder Basti, wie ihn die Mutter nennt, denn der Name scheint zu lang für
einen so kleinen Buben. Er ist jetzt sieben Jahre alt und sehr stolz
auf die zarte, goldlockige, fünfjährige Schwester Franziska. Diesen
langen Namen haben Mutter und Bruder nach der Sitte des Landes zu
Fränzchen abgekürzt, wenn sie das kleine lockenhaarige Kind anreden.

Diese Leute sind sehr arm, wie die meisten Bergbewohner. So lange der
Vater lebte und verdienen konnte, ging es ihnen gut, aber seit seinem
Tode muß die arme Frau von früh morgens bis spät abends arbeiten, damit
die zwei Kleinen genug zu essen bekommen.

Während des Sommers spielen die Kinder draußen, und obgleich die Mutter
so viel zu thun hat, sind ihre Kleider immer rein, sowohl wie ihre
munteren Gesichtchen.

Da die Kinder keine warmen Kleider haben, weder Mäntel noch Mützen,
noch Stiefel und Schuhe, bleiben sie während des langen Winters immer
im Hause, wo sie jedoch kein Spielzeug haben.

Wenn die Mutter Zeit hat, erzählt sie ihnen Geschichten, während sie
sich mit Stricken oder Spinnen beschäftigt, denn nur so kann sie etwas
für ihre Kinder verdienen.

Als Basti acht Jahre alt wurde, war der Herbst sehr rauh und schon im
Oktober fiel tiefer Schnee und ging nicht mehr weg. Die zwei Kinder
blieben jetzt beim Ofen, nur die Mutter ging dann und wann hinaus, um
Arbeit zu suchen oder abzuliefern und um Nahrungsmittel einzukaufen.

Den Berg hinunter zu gehen war fast unmöglich, denn der Schnee lag sehr
tief; aber die gute Mutter bahnte sich doch einen Weg. Wenn sie Arbeit
bekam, kam sie glücklich nach Hause, und, obschon sie so müde war,
setzte sie sich gleich fleißig an das Stricken oder Spinnen.

Oftmals aber konnte sie nichts verdienen; dann konnte sie kein Brot
kaufen, und da mußten sich Mutter und Kinder mit der Milch der mageren
Ziege begnügen.

Die Kinder gingen immer früh zu Bett, doch die Mutter saß stundenlang
an der Arbeit, während draußen der kalte Wind heulte und pfiff.
Die gute Mutter sang dann gewöhnlich ein Lied, damit Fränzchen den
heulenden Wind nicht höre; aber an einem Winterabend konnte sie nicht
singen.

Das Kind lag im Bette mit weit offenen Augen und schaute der Mutter zu,
endlich sagte es:

„Aber, Mutter, warum singst du doch nicht?“

„Ach, ich kann nicht,“ seufzte die müde Frau, und preßte die Hand an
die Brust, wo sie oft einen Stich fühlte nach ihren anstrengenden
Wanderungen zum Dorfe im Thal.

„Aber ich kann singen!“ rief Basti und fing an mit fester, klarer
Stimme das Lied zu singen, das die Mutter ihnen bisher immer als
Schlaflied gesungen hatte.

Als die Mutter die schöne klare Stimme hörte, schoß ihr plötzlich ein
Gedanke durch den Kopf.

„Basti,“ sagte sie, „wenn du willst, kannst du mir helfen, etwas zu
verdienen.“

„Ach, Mutter, das will ich gern thun,“ rief der kleine Sohn und wollte
sogleich aus dem Bette springen. Die Mutter aber sprach:

„Bleibe im Bett, mein Kind. Morgen werde ich dir ein Lied lehren, und
am Neujahrstag kannst du es den Dorfleuten vorsingen. Dann geben sie
dir Brot und vielleicht sogar Kuchen und Nüsse.“

Der kleine Basti freute sich so über den Gedanken, der Mutter helfen zu
können etwas zu verdienen, daß er fast nicht einschlafen konnte; und,
als ihm die Augen endlich zufielen, träumte er von Kuchen und Nüssen,
die so gut schmeckten.

Kaum war er des Morgens erwacht, so wollte er gleich das Lied lernen,
aber die Mutter sagte, daß er warten müsse, bis sie mit der Arbeit
fertig sei, und sie sich ruhig hinsetzen könne.

Der Tag schien dem ungeduldigen Basti sehr lang, und er erzählte
dem Fränzchen mehrmals, daß er ein Lied lernen solle, und daß er am
Neujahrsabend Brot und vielleicht sogar Kuchen und Nüsse heimbringen
werde.

Als es dunkel geworden und die Mutter die kleine Lampe angezündet
hatte, und die Strickarbeit zur Hand nahm, fing sie an, den ersten
Vers des Liedes zu singen. Sie wiederholte denselben mehrmals und bald
sang Basti mit. Das Fränzchen, das dem Bruder Alles nachmachte, fing
auch an zu singen, und ihre Stimme war so rein (klar), daß die Mutter
erstaunte.

Die Kinder waren beide so aufmerksam, daß sie das Neujahrslied bald
singen konnten, obschon es vier lange Verse hatte.

Neujahrsmorgen kam, die Mutter ging zur Kirche, und als sie nach Hause
kam, rief sie die zwei Kinder zu sich, zog ihnen die warmen Strümpfe
an, die sie nachts für den kalten Gang gestrickt, und hieß Basti seines
Vaters Schuhe anziehen. Zuletzt wickelte sie das kleine Mädchen in das
Tuch, das sie gewöhnlich selbst umlegte.

Die Mutter trug das Fränzchen den Berg hinunter, denn der Schnee war
so tief, daß sie nicht gehen konnte bis sie in das Dorf kamen, wo man
Pfade gemacht hatte, und wo das Gehen nicht so schwer war.

Zuerst gingen sie in den Gasthof des Dorfes und da sangen die Kinder
ihr Lied so lieblich, daß die Gäste sie sehr lobten, und mehrere
Pfennige aus der Tasche zogen, um sie den glücklichen Kindern zu geben.

Die Frau des Hauses war auch sehr freundlich. Sie gab ihnen Brot
und jedes Kind bekam eine große Handvoll Nüsse und ein großes Stück
Kuchen. Basti war so froh, daß er laut und herzlich dankte; die kleine
Schwester aber war schüchtern, und dankte nur leise, obgleich sie vor
Freude rosenrot war.

Die Kinder besuchten noch fünf oder sechs Häuser und bekamen mehr
Pfennige, Brot, Kuchen und Nüsse. Als sie aus dem sechsten Hause kamen,
war es so bitterkalt, daß die Mutter, die draußen gestanden, es nicht
mehr aushalten konnte. Das zarte Mädchen zitterte auch und konnte vor
Kälte nicht mehr singen, so nahm sie die Mutter wieder auf den Arm und
kletterte mühsam mit ihr den Berg hinauf, während Basti voraus lief so
schnell es ihm die großen Schuhe erlaubten.

Als sie wieder daheim angelangt, und als Hände und Füße wieder warm
waren, holte Basti den Korb herbei. Die Kinder bekamen jetzt zum
Abendessen Brot, ein Stück Kuchen, und einige Nüsse, und feierten so
einen fröhlichen Neujahrsabend.

Die Mutter war auch froh und sehr dankbar; sie hatte nun Brot genug für
mehrere Tage und in dem Korbe fand sie einige Pfennige, die sie sehr
gut brauchen konnte.

Der Winter dauerte noch lange. Die arme Frau mußte sich sehr
anstrengen; doch als die warme Sonne wieder schien, konnten die Kinder
wieder ausgehen und mußten nicht mehr frieren.

Die Ziege kam auch heraus, fraß schönes, frisches Gras, und gab ein
wenig mehr Milch, welche die Kinder so gerne tranken. Nur die Mutter
schien nicht froh; sie arbeitete dennoch fleißig, aber manchmal mußte
sie sich ein wenig ausruhen, denn ihre Kräfte verließen sie oft.

Sie konnte nicht mehr essen, und als Basti eines Tages das letzte Stück
Brot, das noch im Hause war, mit ihr teilen wollte, sagte sie, sie
habe keinen Hunger. Der Kleine sah die Mutter neugierig an, und fragte
kläglich:

„Bist du krank, Mutter?“

Die arme Frau erwiderte langsam:

„Mir ist nicht ganz wohl, Basti. Wenn ich morgen nach dem Dorfe
hinunter gehe, will ich zum Herrn Doktor gehen. Der wird mir einen
guten Rat geben.“

Als sie diese Worte sprach, sank sie plötzlich ohnmächtig zurück.
Der kleine Basti schaute die Mutter eine Weile an, dann nahm er das
Fränzchen bei der Hand und sagte leise:

„Die Mutter schläft, Fränzchen, komm’ mit mir; aber mache kein
Geräusch!“

Die kleine Schwester hatte weder Schuhe noch Strümpfe an, so konnte sie
nur leise gehen. Basti führte sie hinaus und nun gingen beide Kinder
den Fußweg hinunter dem Dorfe zu.

Als sie hinunter wanderten, sprach Basti ernst:

„Siehst du, Fränzchen, wir gehen nach dem Dorfe. Da werden wir unser
Lied noch einmal singen. Dann wird man uns wieder Brot, Kuchen, Nüsse
und Pfennige geben. Die Mutter hat heute nichts gegessen, und es ist
kein Brot mehr im Hause, sie wird froh sein, wenn wir Brot nach Hause
bringen.“

Die Kinder, die das Neujahrslied täglich zu Hause beim Spiele gesungen,
gingen jetzt in das Dorf. Da war alles verändert. Die Hausthüren
standen alle offen, und in dem Garten vor dem Wirtshause stand ein
großer, viereckiger Tisch.

Um den viereckigen Tisch herum saßen viele junge Leute, die aßen und
laut lachten. Als Basti sein Lied anstimmte, rief einer der jungen
Leute den anderen zu:

„Still, still, wir wollen den Gesang hören!“

Die jungen Leute -- sie waren alle Studenten -- hielten jetzt inne, und
der Führer sagte gutmütig zu den Kindern:

„Kommt näher, wir wollen das Lied hören!“

Da fing Basti wieder an, und Fränzchen stimmte ein mit ihrer silbernen,
glockenartigen Stimme. Die Studenten lauschten und hörten mit Erstaunen
diese Worte:

    „Nun ist das alte Jahr dahin,
    Ein neues ist gekommen;
    Wir wünschen, daß es euch erschien
    Zu eurem Heil und Frommen.“

Als der erste Vers zu Ende kam, lachten die Herren lauter als je, bis
der älteste, ein großer, stattlicher Mann mit einem feuerroten Bart,
wieder mit donnernder Stimme rief:

„Still doch! Ihr erschreckt die armen Kleinen.“

Bald wurde es wieder still und die Kinder, ermuntert durch einen
gütigen Wink des stattlichen Herrn, fuhren mit dem Liede fort:

    „Jetzt ist die kalte Winterzeit,
    Die Erde starrt im Eise,
    Doch ist der liebe Gott nicht weit
    Und hilft nach seiner Weise.“

Der zweite Vers war jetzt zu Ende und als die Kinder eine kleine Pause
machten, flüsterte ein junger Mann dem andern lächelnd zu:

„Gott hat uns heute wirklich vor Frost bewahrt!“ Alle lachten wieder,
aber als der Führer die Kinder ermuntert, weiter zu singen, wurde es
wieder still und Basti und Fränzchen fuhren fort:

    „Doch wird es manchem Vöglein schwer,
    Sein Futter zu erreichen,
    Und auch die Kinder ziehn umher
    Und suchen sich desgleichen.“

„Die Kinder sollen es haben!“ riefen jetzt alle Studenten, und jeder
streckte den Kindern einen Teller entgegen, worauf viele gute Sachen
waren. Basti und Fränzchen wollten aber nichts annehmen bis sie ihr
Lied fertig gesungen, und jetzt sangen sie herzlich den letzten Vers:

    „Nun bring’ euch allen früh und spät
    Das Jahr viel Heil und Segen,
    Und wer nur Gott zum Freunde hat
    Dem hilft er allerwegen.“

Jetzt klatschten die Herren laut. Der Beifall war allgemein, und der
Führer rief:

„Das ist ein schöner Wunsch! Der bringt uns Glück auf die Reise.“

Er zog das kleine Mädchen zu sich, setzte sie auf sein Knie, stellte
ihr einen Teller voll guter Dinge zu essen vor, während ein anderer
junger Mann den Basti ebenso versorgte. Die Herren waren so munter
und gütig, daß die Kinder alle Furcht vergaßen, und ihre Fragen sehr
unbefangen beantworteten. Bald vernahmen sie Alles, und als der
Führer hörte, daß die Mutter nichts zu essen gehabt, und plötzlich
eingeschlafen sei, nachdem sie gesagt, der Arzt im Dorfe würde ihr
vielleicht morgen helfen, sagte er:

„Kameraden, ich trage Ihnen eine Bergpartie an. Wir wollen diese
kleinen Wintervögel der Mutter zurückbringen, und vielleicht werde ich
dort oben meine erste Patientin finden.“

„Dein Gedanke ist vortrefflich!“ erwiderten alle.

„Aber wir wollen nicht mit leeren Händen hingehen,“ fuhr er fort.
„Jeder soll etwas zu essen hinauftragen.“

Die Herren waren alle mit diesem Plan einverstanden, und bald gingen
sie den Berg hinauf. Der kleine Basti lief als Führer voraus und das
kleine Fränzchen plauderte unaufhörlich mit dem großen Herrn, der ihre
Hand festhielt, damit sie nicht in den Bach falle.

Als die Kinder oben ankamen, sprangen sie beide jubelnd in die Hütte.
Die Mutter war unterdessen wieder erwacht, und obgleich sie nicht Kraft
besaß aufzustehen, rief sie die Kinder zu sich. Als sie zuerst keine
Antwort vernahm, erschrak sie, aber als Basti hereinstürzte, und ihr in
wenigen Worten Alles erzählte, weinte sie vor Freude.

Dem Basti folgte der stattliche Herr dicht auf den Fersen. Er allein
kam in die Hütte, und während die Kinder den anderen Herren die Ziege
zeigten, erzählte er ihrer Mutter, daß er Arzt sei und ihr helfen
wolle. Nach einiger Zeit kam er heraus und die Kameraden fragten
ängstlich:

„Nun, ist es sehr schlimm? Kannst du verschreiben?“

„Das kann ich!“ lautete die lachende Antwort, „aber ihr sollt alle
helfen, die Verschreibung geben!“

„Sprich, wir werden gehorchen,“ riefen dann alle laut.

„Die Börse heraus! Jeder soll einen Thaler geben!“

Die Herren gehorchten alle und nachdem der Arzt die Thaler gesammelt
hatte, trug er das Geld in die Hütte.

„Meine gute Frau,“ sagte er dann ernst, „Sie bedürfen stärkende Speise,
und ein wenig mehr Ruhe. Wir haben Speisen mitgebracht und hier ist
Geld, damit Sie mehr kaufen können. Sie werden sehr bald hergestellt
sein, und dann werden Sie wieder arbeiten können.“

Als die Frau die Menge Geld sah, rannten ihr die Thränen der
Dankbarkeit über das blasse Gesicht, und sie sagte ernst:

„Vergelte es Gott, mein Herr. Ach, ich bin so glücklich! Jetzt kann ich
meine Kinder bei mir behalten, und sie werden nicht der Gemeinde zur
Last fallen müssen, wie ich so sehr fürchtete.“

Eine Stunde später, als der Mond aufging, stiegen die Herren den
steilen Pfad hinunter. Noch lange hörten sie die fröhlichen Stimmen der
beiden Kinder, die ihnen nachriefen:

„Vergelt ’s Gott! Danke tausendmal, gute Herren! Vergelt ’s Gott! Auf
Wiedersehen, auf Wiedersehen!“

Die Mutter, Dank der stärkenden Speise, wurde bald stark genug, um ihre
Arbeit wieder aufzunehmen, und Alles ging jetzt viel besser als zuvor.

Am folgenden Neujahrsabend saß sie mit den beiden Kindern vor dem
Ofen. Die Kinder sprachen noch immer von den lustigen Herren. Auf
einmal klopfte es laut an die Thür. Die Mutter, die nie Besuche hatte,
öffnete, und ein Mann trat herein. Er trug ein großes Bündel, das an
sie adressiert war.

„Was ist das?“ rief sie erstaunt.

„Nun, ein Bündel für Sie, aus Berlin, und da ist auch ein Brief.“

Der Bote ging fort und die Frau las den Brief, der nur die folgenden
Worte enthielt:

„Gute Frau, Sie sind meine erste Patientin gewesen, darum fühle ich
noch großes Interesse für Sie. Meine Kameraden und ich haben den
kleinen Basti und das Fränzchen auch nicht vergessen. Wir schicken
Ihnen ein kleines Andenken zum Neujahr. Es grüßt Sie bestens

                                                             Ihr Arzt.“

„Ach, das kommt von den lustigen Herren!“ riefen die Kinder entzückt.

Die Mutter öffnete jetzt das Bündel. Darin waren warme Kleider für
Mutter und Kinder, Kuchen, Zuckerwerk, Nüsse, und Spielzeug, und in der
Tasche des warmen, wollenen Kleides, das ihr bestimmt war, fand die
Mutter eine kleine Börse. Darin waren eben so viele Thaler wie Herren,
und auf einem kleinen Stück Papier standen diese Worte:

    „Und wer nur Gott zum Freunde hat,
    Dem hilft er allerwegen!“



7. Rosa von Tannenburg.


In Schwaben stand ehemals ein stattliches Schloß, worin der Ritter von
Tannenburg, dessen Gemahlin und ihre kleine Tochter Rosa glücklich
lebten. Sie waren gute, fromme Leute, liebten einander innig, und ihre
Unterthanen und Diener waren immer wohl versorgt.

Der Ritter mußte oft in den Krieg ziehen, aber obgleich er der
tapferste Mann in dem Kaiserheer war, und die Feinde ihn fürchteten,
war er immer sehr sanft und gut gegen die Armen und Unglücklichen.

Als Rosa von Tannenburg siebzehn Jahr alt war, wurde ihre angebetete
Mutter plötzlich sehr krank, und obgleich die besten Ärzte so schnell
wie möglich herbei geholt wurden, ward ihr Zustand immer gefährlicher.

Als sie den herankommenden Tod fühlte, rief sie ihr Kind zu sich ans
Bett und sagte:

„Rosa, mein viel geliebtes Kind, du mußt mir jetzt beistehen. Sei
mutig, meine Tochter, und höre, was ich dir sagen möchte, noch ehe ich
scheide.

„Du bist jetzt kein kleines Kind mehr, und du sollst deinen Vater
trösten, wenn ich nicht mehr da bin. Du sollst auch das Haus leiten,
und vergiß ja nicht, daß eine Herrin für Vieles verantwortlich ist. Du
sollst deinen Leuten als ein Muster von Frömmigkeit, Arbeitsamkeit,
Wahrheit und allen Tugenden dienen. Bete oft, mein Kind, und der liebe
Gott wird dir helfen, deine Pflicht zu thun. Aber vergiß ja nicht, daß
du immer Wort halten mußt, und daß der Heiland uns selbst geboten hat:
Füge keinem Anderen zu, was du nicht willst, daß man dir thu’.“

Als die Mutter so gesprochen, versprach Rosa mit Thränen, Alles zu
thun, und ihre Lehren nie zu vergessen.

Nachdem die gute Mutter ihr noch viele gute Ratschläge gegeben,
verschied sie noch ehe der Ritter von Tannenburg heimgekehrt, obgleich
er so schnell wie möglich aus dem Krieg kam, um seine geliebte Frau
noch einmal zu sehen.

Natürlich waren Rosa und ihr Vater sehr, sehr betrübt, aber da sie doch
beide gute Christen waren, dankten sie Gott, daß die liebe Gattin und
Mutter glücklich im Himmel wohnen konnte, und beteten oft, daß auch sie
einmal dahin kommen könnten. Einige Tage nach dem Begräbnis mußte der
Ritter wieder in den Krieg ziehen, und die arme Rosa blieb allein im
Schlosse Tannenburg, mit ihren treuen Dienern.

Da sie jetzt den Haushalt besorgen und dazu allen Kranken und Armen
beistehen mußte, war sie immer beschäftigt, und als sie jeden Abend in
die Schloßkapelle ging, um auf dem Grabe der Mutter ihr Abendgebet zu
verrichten, war sie sehr einsam. Sie dachte, daß der Vater vielleicht
noch lange im Auslande bleiben würde, und war sehr überrascht, als er
eines Abends im Herbst spät nach Hause kam. Der arme Ritter war schwer
verwundet, und den rechten Arm konnte er in Folge eines Schwerthiebes
gar nicht brauchen. Er war nach Hause gekommen, um von diesen
gefährlichen Wunden zu genesen.

„Es kam mir sehr ungelegen, liebes Kind,“ sagte er. „Ich hätte meinem
Kaiser doch beistehen mögen, aber Gottes Wille geschehe. Ich werde hier
bei dir bleiben, bis ich genesen, und dann werde ich wieder in den
Krieg ziehen, wo einer meiner Freunde meine Truppen jetzt lenkt.“

Rosa war natürlich sehr froh, ihren Vater wieder bei sich zu haben, und
damit er die liebe Heimgegangene so wenig als möglich vermisse, that
sie Alles, was ihr möglich war, um ihm das Leben behaglich zu machen,
und um ihn zu zerstreuen und zu unterhalten.

Eines Abends, als sie beide allein im großen Saale saßen, Ritter
vor dem Feuer, und Rosa am Spinnrad beschäftigt, seufzte der Ritter
schmerzlich.

„Ach,“ dachte die liebende Rosa, „der Vater ist jetzt unglücklich. Die
Wunde schmerzt mehr als gewöhnlich, und er denkt an meine verstorbene
Mutter, die er so zärtlich liebte. Ich muß ihn unterhalten, damit er
Schmerz und Verlust ein wenig vergißt.“

Darauf rief sie heiter: „Ach, Vater, wie froh bin ich, dich hier zu
haben, und nicht allein bleiben zu müssen. Unterhalte mich, Vater,
während ich fleißig arbeite. Erzähle mir etwas aus deiner Jugendzeit.
Erzähle mir zum Beispiel (z. B.), wie du die goldene Kette um deinen
Hals gewonnen.“

„Ach, mein Kind,“ sagte der Vater lächelnd, als er der glücklichen
Jahre seiner Jugend gedachte, „ich habe dir das ja schon mehrmals
erzählt.“

„Ach, Vater, die lieben, alten Geschichten kann man nie zu oft hören.
Erzähle nur, erzähle!“

„Nun,“ sagte der Ritter, indem er sich behaglich in den Lehnstuhl
zurück lehnte, „als ich noch jung war, wurde ich als Edelknabe (Page)
an den kaiserlichen Hof gesandt, wo der Graf von Fichtenburg, dessen
Türme du von dem Erker aus sehen kannst, auch als Edelknabe diente.
Wir waren von gleichem Alter, wurden bald gute Freunde, und wurden
an demselben Tage zum Ritter geschlagen. Ach, Rosa, das war ein
prachtvolles Fest! Alle Leute der Umgegend waren gekommen, um das
Turnier zu sehen. Unter den Edelfrauen war keine so schön wie deine
Mutter, die erst siebzehn Jahre alt war, und der du sehr ähnlich bist.

„Alle Ritter sollten am Turnier Teil nehmen, und der Kaiser hatte
dem Sieger eine goldene Kette bestimmt. Die schönste der anwesenden
Jungfrauen sollte ihm dieselbe um den Hals hängen, und Alle wählten
einstimmig Mathilde, deine liebe Mutter, zu diesem Amt. Ich hatte sie
schon oft gesehen, liebte sie innig und hoffte, ihre Liebe zu gewinnen,
darum that ich mein Mögliches um den Preis aus ihrer schönen Hand zu
erhalten. Aber, obgleich ich es damals nicht wußte, liebte der Graf von
Fichtenburg deine Mutter auch, und auch er war fest entschlossen, den
Preis zu gewinnen. Das Turnier fand statt, und ich war der glückliche
Sieger. Ich erhielt die goldene Kette aus den schönen Händen deiner
lieben Mutter, und an demselben glücklichen Tage versprach sie mir
auch ihre Hand. Als der Graf das hörte, war er sehr eifersüchtig und
ungehalten, schwor daß ich ihn verraten hätte, und daß er sich rächen
werde.

„Er verließ sogleich den kaiserlichen Hof, und seitdem habe ich meinen
ehemaligen Freund nie wieder gesehen. Schon manchmal hat er meine
Diener gefährdet, hauptsächlich den armen Burkhart, und man sagt, daß
er mir noch böse ist, obgleich schon beinahe zwanzig Jahre vergangen,
und er vor zehn Jahren eine wunderschöne Gemahlin heimführte.“

Der Ritter unterbrach plötzlich seine Erzählung, denn er hörte Lärm und
Geschrei im Schloßhofe. Er sprang auf, um in den Hof zu gehen, aber
ehe er einen einzigen Schritt thun konnte, wurde die Thür gewaltsam
aufgerissen. Ein Mann in voller Rüstung stand da, und rief mit
Donnerstimme: „Ritter von Tannenburg, Sie sind mein Gefangener!“

Als die arme Rosa das hörte, fiel sie dem Ritter zu Füßen und bat
inbrünstig, ihren Vater nicht ins Gefängnis zu bringen, wo er sicher
sterben würde, da er noch schwach sei und noch nicht völlig von seiner
gefährlichen Wunde genesen.

Der Graf von Fichtenburg erwiderte höhnisch: „Vor zwanzig Jahren that
ich einen Eid, daß ich mich rächen würde. Bisher habe ich es nie
thun können, aber jetzt, da Ihr Schloß nur von Alten und Verwundeten
verteidigt, und Sie selbst krank sind, konnte ich desselben mächtig
werden. In einer Stunde werden Sie mich nach Fichtenburg begleiten, wo
Sie im Kerker bleiben werden so lange ich lebe!“

Als der Graf von Fichtenburg diese grausamen Worte gesprochen, rief er
zwei seiner Krieger, stellte sie vor die Thüre, gebot ihnen, Wache zu
halten und den Ritter nicht aus den Augen zu lassen, und ging in die
anderen Räume, um zu plündern.

Die lautweinende Rosa und ihr Vater waren jetzt allein im großen Saale,
von den zwei Knechten bewacht. Der Ritter umfing seine weinende Tochter
mit dem gesunden Arm und sprach leise:

„Rosa, meine Tochter, sei mutig, höre genau zu, und du wirst deinen
Vater noch retten können. Das Bitten hilft Nichts; mein Feind ist zu
grausam. Er hat dich glücklicherweise nicht einmal bemerkt. In einer
Stunde werde ich gebunden nach Fichtenburg gebracht. Der Graf plündert
jetzt Schloß und Hof. Er wird unsere Diener alle hinaustreiben, und
er wird sie mit dem Tode bedrohen, wenn sie sich meiner erbarmen,
oder Jemanden von meinem Zustand hören lassen. Sie werden dir nicht
einmal beistehen können, du armes Kind, denn sie fürchten sich vor des
Grafen Zorn. Mein Kind, du wirst wahrscheinlich auch in Nacht und Wind
hinausgestoßen. Du wirst auch in dem Dorf kein Obdach finden können,
denn wie schon gesagt, die Leute fürchten den Zorn des Grafen zu sehr.
Sei getrost, Rosa, sei mutig, gehe nur in den tiefen Wald hinein. Wenn
du zu der großen Eiche gekommen, gehe nach Norden. Nach einigen Stunden
wirst du die Hütte eines Kohlenbrenners finden. Er wird dir ein Obdach
geben. Erzähle ihm Alles, er heißt Burkhart, er ist mir sehr ergeben.
Er weiß, wo alle meine Freunde sind, er wird sie aufsuchen, wird ihnen
sagen, wie es mir ergangen und ihren Beistand ansprechen. Gehe, mein
Kind, gehe mit Gott, dessen Obhut dein Vater dich anvertraut, da er
dich selbst verlassen muß!“

Die arme Rosa versprach ihrem Vater, Alles zu thun, was er ihr
befohlen, umarmte ihn krampfhaft, aber noch ehe sie Alles besprochen,
kam der Graf zurück und befahl den Knechten:

„Führt den Ritter hinaus!“

Die Männer führten den Ritter hinaus, und als sie sahen, daß er zu
schwach zum Gehen war, warfen sie ihn, fest gebunden, auf einen Wagen,
in den sie ein Bündel Stroh gelegt.

Rosa war unbemerkt ihrem Vater gefolgt. Sie wollte ihn nicht verlassen
und stand da, unter den rohen Männern, ihrem Vater tröstende Worte
zuflüsternd. Der Graf von Fichtenburg achtete ihrer gar nicht, gab den
Befehl zum Aufbrechen, und alle gingen hinaus. Der Graf schloß das
leere Schloß selbst zu, und ritt dann an der Spitze seiner Schaar eilig
davon. Die arme Rosa folgte, so lange sie konnte, aber, da sie nur
Hausschuhe an hatte, und der Weg sehr steinig war, mußte sie bald inne
halten.

Die Reiter verschwanden bald in der Dunkelheit und das arme Mädchen,
das noch nie allein und zu Fuß ausgegangen war, sah sich ganz verlassen
und allein, ohne Beschützer, noch Obdach. Ihre Thränen flossen
natürlicherweise, aber da sie sehr mutig war, sagte sie bald zu sich
selbst:

„Nun, das Weinen hilft Nichts. Mein armer, verwundeter Vater ist in des
grausamen Grafen Gewalt. Ich muß ihn sobald als möglich retten; da ich
doch nicht allein reisen kann, um seine Freunde aufzusuchen, muß ich
den Kohlenbrenner aufsuchen, und das so schnell als möglich.“

Rosa schritt mutig in den dichten Wald hinein, und ging langsam
vorwärts, bis sie am Morgen früh die bezeichnete Eiche fand. Sie war
jetzt so müde und von dem Schreck so angegriffen, daß sie sich sehr
schwach fühlte. Nach einiger Zeit ging sie weiter, aber da ihre dünnen
Schuhe jetzt ganz zerrissen, und ihre des Gehens ungewohnten Füße
blutig waren, kam sie nur sehr langsam und sehr mühsam vorwärts.

Es war Abend ehe sie in einiger Entfernung ein Feuer sah, und als
sie schmerzlich hinkend dahin kam, wurde sie von dem erstaunten
Kohlenbrenner, dem Diener ihres Vaters, freudig empfangen.

„Ach, gnädiges Fräulein, wie kommen Sie hierher, zu dieser Stunde,
allein und zu Fuß?“

In einigen flüchtigen Worten erzählte sie ihm Alles, und als Burkhart
hörte, daß sein Herr von dem Grafen gefangen genommen worden, war er
sehr böse.

„Weinen Sie nicht, gnädiges Fräulein!“ rief er. „Sie werden einige Tage
hier im Walde mit meiner Frau und Tochter zubringen. Unterdessen werde
ich die Freunde Ihres Vaters aufsuchen und sie werden den bösen Grafen
schwer bestrafen für diesen Betrug.“

Er brachte das erschöpfte Mädchen in sein Haus, wo seine Frau und seine
Tochter sie freundlich und dienstfertig empfingen, und nachdem Rosa
ihnen Alles ausführlich mitgeteilt, rief der Kohlenbrenner erstaunt:

„Nein, ich kann nicht verstehen, daß der Graf Sie nicht auch ins
Gefängnis brachte. Er muß doch vermuten, daß Sie die Freunde Ihres
Vaters aufsuchen werden! Vielleicht bereut er es schon, daß er Sie
nicht auch binden ließ, und vielleicht sendet er schon heute seine
Reiter aus, um Sie einzuholen. Ich will in das Dorf gehen. Niemand
weiß, daß ich der Knecht des Ritters von Tannenburg gewesen. Da werde
ich lauschen, und ich werde bald hören, ob man Sie suchen wird.“

Burkhart, der Kohlenbrenner, brach sogleich auf, kam bald in das Dorf
von Fichtenburg, ging ins Wirtshaus, setzte sich an einen Tisch, und
trank sein Bier langsam, augenscheinlich, ohne sich um irgend Etwas zu
bekümmern. Aber dennoch lauschte er jedem Gespräch aufmerksam.

Bald kamen zwei Knechte murrend herein.

„Nun, was giebt’s?“ fragte der Wirt neugierig, indem er ihnen das Bier
einschenkte.

„Ach, der Herr schickt uns heute Morgen wieder aus, um das Fräulein von
Tannenburg einzuholen. Er hätte sie gestern so gut mitbringen können!
Aber jetzt müssen wir in aller Eile ausreiten, und überall hingehen,
bis wir sie gefunden haben.“

Burkhart hatte genug gehört! Er zahlte seine Zeche und ging langsam
hinaus, aber als er in dem Wald war, ging er eiligst nach Hause.
Sobald er da angekommen, rief er die erschrockenen Frauen zu sich, und
erzählte ihnen Alles.

„Ach,“ rief Rosa, „da mein Vater im Gefängnis ist, so gehe ich auch
gern dahin, dann werde ich ihn sehen und trösten können!“

„Ach, gnädiges Fräulein, denken Sie ja nicht daran!“ erwiderte der
Kohlenbrenner, „Sie würden ihren Vater nicht einmal sehen! Nein, Sie
dürfen nicht in die Hände des bösen Grafen fallen. Sie sollen die
Kleider meiner Tochter anziehn, sich Hände und Gesicht braunfärben
lassen, und wenn die Knechte des Grafen hierher kommen, werden sie nur
zwei Bauernmädchen sehen!“

Rosa zog die Kleider der jungen Bäuerin an, färbte sich Hände und
Gesicht braun, und der Kohlenbrenner vergrub ihre eigenen Kleider in
dem kleinen Garten. Er war soeben fertig, als die Boten des Grafen
heranritten, und fragten, ob er das gnädige Fräulein von Tannenburg
nicht gesehen?

„Nun,“ erwiderte er einfach, „ist sie nicht in ihrem Schlosse?“

„Nein, das Schloß gehört uns jetzt, aber das Fräulein suchen wir
vergebens. Der Graf hat befohlen, daß wir jedes Haus durchsuchen.“

„Nun, Ihr könnt mein Haus durchsuchen,“ lachte der Kohlenbrenner, „und
wenn Ihr klug genug seid, ein gnädiges Fräulein darin zu finden, möchte
ich es wissen,“ fügte er hinzu, nachlässig in seinem Garten weiter
arbeitend. Die Knechte gingen in das Haus, wo eine Bäuerin und ihre
zwei Töchter beschäftigt waren, und sie erkannten die hochgeborene
Jungfrau von Tannenburg nicht in ihrem ärmlichen Anzug. Sie gingen bald
fort und obwohl andere Männer auch dahin kamen, um das gnädige Fräulein
zu suchen, so erkannte keiner Rosa.

Nach einigen Tagen ging der Kohlenbrenner wieder in das Dorf, wo er die
Knechte sagen hörte, daß der Graf von Fichtenburg das gnädige Fräulein
nicht mehr suchen lassen werde, da er jetzt dächte, daß sie während der
dunklen Nacht in den Strom gefallen und darin ertrunken sei.

Burkhart ging jetzt zufrieden nach Hause, und am folgenden Morgen brach
er früh auf, um die Freunde seines Herrn aufzusuchen, und ihnen seine
Not zu klagen. Rosa betete unterdessen Tag und Nacht für ihren armen,
gefangenen Vater, und als der Kohlenbrenner nach Hause kam, eilte sie
ihm entgegen und fragte ängstlich:

„Nun, Burkhart, wann kommen die Freunde meines Vaters, um ihn zu
befreien?“

„Ach, gnädiges Fräulein,“ erwiderte der Kohlenbrenner traurig, „ich
bin überall hingegangen, aber alle Ritter sind jetzt abwesend. Der
Kaiser hat sie alle gerufen. Alle sind fort, und die Frauen, Kinder und
unfähigen Diener sind allein in den Schlössern. Alle die Edelfrauen
bedauerten Ihren kläglichen Zustand, aber sie werden Nichts thun
können, bis der Krieg zu Ende ist.“

„Dann wird mein armer Vater tot sein!“ rief Rosa verzweifelnd. „Er ist
zu krank um das Kerkerleben auszuhalten.“

Das arme Mädchen weinte bitterlich und sann Tag und Nacht, wie sie dem
lieben Vater helfen könnte. Eines Nachmittags ging sie mit Anna, des
Kohlenbrenners Tochter in den Wald, um Morcheln zu suchen. Bald sagte
Anna: „Ich habe mir schon manches Kleid mit diesen Morcheln verdient.
Der Graf von Fichtenburg ißt sie sehr gern, und jedesmal wenn ich einen
Korb voll in das Schloß trage, bekomme ich einen guten Preis dafür.“

Da ging Rosa ein Licht auf, sie sagte ihrer Gefährtin nichts davon,
aber als sie wieder in das kleine Haus gekommen, rief sie den
Kohlenbrenner zu sich und sprach:

„Lieber Burkhart, ich muß den Vater sehen, oder wenigstens einen
Versuch machen, Nachrichten von ihm zu haben. Du kannst nicht in das
Schloß gehen, man würde dich dort als einen Vasallen meines Vaters
erkennen. Ich bin so gut verkleidet, daß Niemand das gnädige Fräulein
von Tannenburg unter dieser braunen Farbe und den groben Kleidern
erkennen wird. Ich will morgen dahin gehen, unter dem Vorwand, Morcheln
zu verkaufen. Vielleicht kann ich mich nach dem Wohlsein meines teuren
Vaters erkundigen, ohne mich zu verraten.“

Der Kohlenbrenner wollte zuerst Nichts davon hören, aber endlich mußte
er das Mädchen doch gehen lassen, und früh am Morgen brach sie mit Anna
auf. Nach einem langen Gang kamen sie endlich an den Fuß des Berges,
worauf das Schloß stand. Da gebot Rosa dem Mädchen, ihre Rückkehr zu
erwarten, und kletterte allein den Berg hinauf. Als sie an das Thor
kam, hörte sie Pferde stampfen und Waffen klirren, und sie hatte nur
Zeit aus dem Weg zu treten, als der Graf mit seinen Dienern heraus
brauste. Er sah das Mädchen scharf an, und Rosa zitterte vor Angst.
Das Zittern gefiel ihm, da er den Leuten nur Furcht einflößen wollte,
und er hielt sein Pferd plötzlich an und sagte kurz:

„Was hast du in dem Korbe, und warum kommst du hierher?“

„Ich habe Morcheln zu verkaufen!“ erwiderte Rosa schüchtern.

„Oh, das ist gut, gieb sie der Pförtnerin, sie soll sie in die Küche
tragen und der Köchin sagen, daß ich sie heut’ Abend essen werde, wenn
ich von der Jagd heimkomme.“

Dann brauste der Graf weiter, und Rosa ging zitternd in den Schloßhof.
Die Pförtnerin kam ihr entgegen und als Rosa ihr den Befehl des Ritters
mitgeteilt, rief sie ungeduldig:

„Nun, dann müßtest du diese zwei Kinder hüten, während ich in die Küche
gehe!“

Die Pförtnerin nahm den Korb und ließ Rosa allein, mit zwei kleinen
Schreihälsen; aber die Kinder schrieen nicht lange, denn die sanfte
Stimme und die Schmeichelreden die sie jetzt hörten, statt ihrer Mutter
ewigen Scheltens, überraschten und entzückten sie sehr.

Sie waren ganz glücklich mit Rosa, und als die Pförtnerin, nach einer
langen Stunde, endlich zurück kam, war sie erstaunt, ihre Kinder so
vergnügt zu finden.

„Da hast du dein Geld und den leeren Korb,“ sagte sie etwas sanfter als
zuvor.

„Ich habe ein Bischen zu lange mit der Köchin geplaudert, aber es ist
so langweilig, immer hier mit den Kindern zu sein, und alle Hände voll
zu thun zu haben. Mein Mann ist Gefangenwärter, darum muß ich auch das
Essen für die Gefangenen bereiten. Kennst du kein Bauernmädchen, das
mir als Magd dienen könnte? Ich habe schon viele Mägde gehabt, aber sie
waren alle so ungeschickt, so träge, so nachlässig, daß ich sie Alle
fortschicken mußte. Könntest du nicht selbst kommen? Du gefällst mir,
und den Kindern auch, denn ich habe sie noch nie so artig gesehen.“

Rosa, deren Herz laut pochte, als sie hörte, daß der Pförtner auch
Gefangenwärter sei, dachte schnell: „Ich will hier als Magd dienen,
dann kann ich Etwas von meinem Vater hören und ihn vielleicht auch
sehen,“ aber sie sagte der Pförtnerin nur:

„Ich muß zuerst nach Hause gehen, aber wenn man da Nichts dagegen hat,
so komme ich morgen wieder, um in Ihren Dienst zu treten.“

„Ja, geh,“ sagte die Pförtnerin, „und sage deinen Eltern, daß obwohl
der Lohn nicht groß sein wird, du zu Weihnachten ein neues Kleid
bekommen wirst, wenn du recht fleißig bist.“

Rosa ging den Berg hinunter und als sie Anna wieder eingeholt, erzählte
sie ihr Alles.

„Sie können der Pförtnerin ja unmöglich dienen, gnädiges Fräulein,“
rief diese erschrocken. „Sie ist ein böses, zankhaftes Weib. Niemand
kann es in ihrem Hause aushalten, selbst die stärksten nicht, und Sie
sind auch nicht an die Arbeit gewöhnt.“

Rosa aber erwiderte nur, daß sie Alles thun und leiden könne, um ihrem
Vater nahe zu sein, und obwohl der Kohlenbrenner ihr auch sagte, daß es
sehr gewagt sei, ging sie doch früh am folgenden Morgen in das Schloß,
um der Pförtnerin zu dienen.

Die zankhafte Frau war sehr froh, Rosa zu sehen und sagte ziemlich
freundlich:

„Nun, du bist recht zeitig gekommen. Sieh, jetzt will ich dir zeigen,
wie man die Suppe für die Gefangenen zubereitet.“

Die Frau machte eine dicke, unappetitliche Suppe, goß sie in mehrere
Schüsseln, die in einem großen Korbe standen, und sagte dabei, daß sie
jetzt so viele Gefangene hätten, weil der Graf kürzlich ein Schloß
erobert hätte. Rosa hörte Allem schweigend zu, aber sie hätte laut
weinen können, als sie die derbe Kost sah, die man ihrem kranken Vater
gab. Als die Suppe fertig war, kam der Pförtner mit seinen Schlüsseln
und seiner Laterne und sagte:

„Frau, du mußt mit in den Turm. Heute noch gehe ich mit dem Herrn in
den Krieg, und er hat befohlen, daß du die Gefangenen besorgen sollst.“

„Das will ich nicht thun! Die Magd kann es thun. Ich fürchte mich in
die düsteren Gänge zu gehen. Ich fürchte mich auch vor den Gefangenen.
Das Mädchen da, das ich soeben in meinen Dienst genommen, soll das
thun,“ erwiderte die Frau.

Der Pförtner sah Rosa prüfend an und sprach:

„Nun, Mädchen, willst du die Gefangenen dreimal täglich besuchen, und
ihnen Brot, Suppe und frisches Wasser bringen?“

„Ja, das will ich gern thun,“ sagte Rosa, deren Herz vor Freude laut
pochte.

Der Pförtner nahm Schlüssel und Korb, gebot Rosa die Laterne zu tragen
und ihm zu folgen, und schritt durch den Hof. Als er an den Turm
gekommen, nahm er einen großen Schlüssel, öffnete die eiserne Thüre,
machte sie hinter sich wieder zu und sagte:

„Mädchen, diese Thür muß immer verschlossen sein, hörst du?“

Dann ging er die langen, düsteren, hallenden Gänge und Treppen entlang.
Bald kam er zu den Kerkern.

„Siehst du, Kind,“ sagte er, „der Mann in diesem Kerker ist ein Mörder.
Er ist zwar angekettet, aber er ist doch gefährlich. Öffne nur diese
kleine Pforte, setze Schüssel, Brot und Wasser da auf das Brett, und
mache schnell wieder zu.“

Er zeigte Rosa, wie sie es thun sollte, und sie war froh, als er die
Pforte wieder zuschloß, denn der Mörder schrie und fluchte laut.

Sie gingen so, von einem Kerker zum anderen. Rosas Herz pochte immer
lauter. Keine Thür wurde geöffnet, und der Gefangenwärter sagte immer:

„Gehe ja nicht da hinein, Kind, diese Leute sind alle gefährlich!“

Endlich kamen sie an die letzte Thür und der Pförtner sprach:

„Du kannst nur getrost hier hinein gehen. Hier liegt der verwundete
Ritter von Tannenburg gefangen. Er ist ein guter, frommer, ehrlicher
Mann, und es thut mir leid, daß er hier im Kerker liegen muß.“

Rosa zitterte und dachte:

„Ach, wenn mein Vater mich jetzt erkennt, ist alles verloren!“

Sie mußte doch mit der Laterne hinein gehen, aber sie hielt sie so, daß
man ihr Gesicht nicht sehen konnte. Der Pförtner achtete gar nicht auf
sie und sagte freundlich:

„Nun, Herr Ritter, wie geht es Ihnen heute?“

„Mir geht es ziemlich gut, aber Pförtner, sagt mir doch, habt Ihr noch
Nichts von meiner Tochter gehört?“

„Nein, Herr Ritter, gar Nichts. Der Graf meint, sie sei tot, aber
vielleicht ist sie doch entkommen, da man noch keine Spur von ihr
gefunden. Herr Ritter, heute noch gehe ich in den Krieg. Meine Magd
wird Ihnen Ihr Essen bringen.“

Der Ritter sah Rosa an, als er dieses hörte. Er konnte ihr Gesicht
nicht deutlich sehen, und das grobe Bauernkleid ließ ihn ein
Bauernmädchen darin vermuten. Er sprach gütig:

„Armes Kind, es ist doch traurig, daß ein so junges Geschöpf in diesen
düsteren Kerker kommen muß. Hast du keine Eltern?“

Rosa wollte nicht deutlich antworten, da sie doch fürchtete, daß der
Vater ihre Stimme erkennen würde, und sie stammelte etwas von einer
toten Mutter.

Der Ritter sprach noch einige Worte mit dem Pförtner, und dann gingen
sie wieder hinaus. Als er die Thür schloß und die Treppen hinauf stieg,
sagte der Pförtner noch einmal:

„Öffne keine andere Thüre, als die des Ritters von Tannenburg.“

Nachdem er das äußere Thor geschlossen, übergab er die Schlüssel der
zitternden Rosa, und sagte ernst:

„Hier sind die Schlüssel. Wenn du deine Pflicht nicht gut thust und
wenn ich die Gefangenen nicht wohl besorgt finde, so wirst du es büßen
müssen. Der Graf hat gesagt, daß die Person, welche die Gefangenen
besorgt, für sie verantwortlich sein sollte; so gib Acht!“

Rosa mußte versprechen, die Gefangenen gut zu hüten, ehe sie die
Schlüssel übernahm, aber sie konnte ihre Freude fast nicht verhehlen.

Noch an demselben Tage ging der Pförtner mit dem Grafen und dessen
Kriegern fort. Die Thore wurden alle geschlossen, die alten Soldaten
wurden als Wächter auf die Mauern geschickt, und die schöne, junge
Gräfin, ihre Kinder und Diener waren allein im Schlosse.

Rosa wartete ungeduldig bis Mitternacht, wusch sich Hände und Gesicht
ab, um die braune Farbe los zu sein, schlich barfuß über den Hof, mit
Schlüssel und Laterne und ging ganz allein in den Turm. Da war es so
finster und das Schreien und Fluchen der Gefangenen so fürchterlich,
daß sie vor Schreck zitterte, dennoch ging sie tapfer vorwärts, öffnete
die Thür von ihres Vaters Kerker und trat hinein.

Als der Ritter von Tannenburg das Mädchen allein hereinkommen sah, so
in der Mitte der Nacht, fragte er betroffen:

„Was ist es, mein Kind? Brennt es?“

„Nein, ich bin nur gekommen um Ihnen Nachrichten von Ihrer Tochter zu
bringen,“ erwiderte Rosa, die ihr Gesicht noch immer verborgen hielt,
und ihre Stimme veränderte.

„Oh, sprich schnell!“ rief der Ritter entzückt. „Sage mir, wo ist mein
Kind?“

„Hier!“ schluchzte Rosa und umarmte schnell ihren Vater, der fast
ohnmächtig wurde.

Nachdem sie einander umarmt und geküßt, und die erste Freude und
Überraschung vorbei war, erzählte Rosa ihrem Vater Alles und rief
endlich triumphierend:

„Vater, komm, jetzt bist du frei! Hier sind die Schlüssel, komm
schnell!“

„Ach, Rosa, mein Kind, woran denkst du?“ rief der Ritter. „Das kann ja
nicht sein. Du hast mir soeben gesagt, daß du dem Pförtner dein Wort
gegeben, die Gefangenen gut zu hüten und jetzt willst du mich befreien?
Das kann nicht sein. Mein Kind, ich verlasse diesen Kerker nicht, bis
der Graf mir die Freiheit schenkt, oder bis meine Freunde mich erlösen.
Dein gegebenes Wort ist heilig, obgleich ich unschuldig gefangen bin.“

Rosa bat und weinte vergebens, der Ritter wollte seine Freiheit nicht
nehmen, und als es tagte, mußte die traurige Rosa allein hinaufgehen,
sich Gesicht und Hände wieder braun färben, Feuer anmachen, und das
Frühstück für die Pförtnerin und deren Kinder zubereiten. Dann sprach
die Pförtnerin:

„Rosa, heute gehe ich mit beiden Kindern in das Dorf hinunter, um meine
Mutter zu besuchen. Du sollst das Essen für die Gefangenen besorgen,
und dich ausruhen, da du gestern so viel arbeiten mußtest.“

Die Pförtnerin ging fort. Rosa machte das Frühstück der Gefangenen
bereit, aber sie selbst aß nur eine Schüssel voll Suppe und hob ihr
eigenes Frühstück für ihren kranken Vater auf. Dann ging sie mit
Korb, Schlüssel und Laterne in den Turm. Sie besorgte die Gefangenen
pünktlich, wie es ihr der Pförtner befohlen, und kam zuletzt zu ihrem
Vater. Sie erzählte ihm, daß sie einen kleinen Garten zwischen zwei
leeren Flügeln im Schloßhof gefunden, wo er ungesehen die frische Luft,
die er so nötig hätte, genießen könnte, und endlich bewegte sie ihn,
dahin zu gehen.

Sie führte ihn ungesehen dahin, ließ ihn im Sonnenschein sitzen, und
sprang fort, um seinen Kerker zu reinigen. Den ganzen Tag arbeitete
sie, suchte ihren Vater nur auf Augenblicke auf, und als die Sonne
unterging, und sie ihn in den Kerker zurückführen mußte, war er
erstaunt, die Veränderung zu sehen. Die Wände waren weiß getüncht, das
hohe Fenster so klar und rein, daß viel Licht herein kommen konnte, und
Alles so rein und frisch, daß der Ort nicht wieder zu erkennen war.

Rosa weinte doch, als der Vater noch hartnäckig verweigerte, seine
Freiheit anzunehmen, und ging traurig wieder in die Pförtnerwohnung, wo
die Pförtnerin bald eintrat.

Jetzt vergingen wieder viele Tage und da Rosa den Vater nur einige
Augenblicke während des Tages sehen konnte, besuchte sie ihn heimlich
jede Nacht, um die zwölfte Stunde, obwohl sie immer sehr müde war, da
sie den ganzen Tag arbeiten mußte, um die zankende, scheltende Frau zu
befriedigen.

Sie mußte auch die Kinder hüten, wenn sie im Schloßhof spielten, wo
auch die Kinder der Gräfin, unter der Obhut einer Kinderwärterin
spielten. Diese verließ sie oft, um auf die Warte zu gehen, und ein
wenig mit den Soldaten zu plaudern.

Eines Tages, als alle vier Kinder in dem Hofe spielten, kam ein kleiner
Vogel, um aus dem großen Eimer, der über dem tiefen Brunnen mitten im
Hofe hing, zu trinken. Adalbert, der kleine Sohn des Grafen, sah den
Vogel, wollte ihn fangen und sprang schnell auf den Brunnen zu. Da er
ganz unbewacht war, kletterte er hinauf, und lehnte sich weit hinüber.
Der Vogel entwischte der kleinen, haschenden Hand und flog fort, der
Knabe aber verlor das Gleichgewicht und fiel in den Brunnen!

Die arme Mutter an ihrem Fenster, die nachlässige Kinderfrau auf dem
Turm, sowohl als Rosa, die soeben in den Hof gekommen, um nach den
Kindern zu sehen, sahen das Kind fallen. Rosa sprang an den Brunnen,
sah hinunter in die Tiefe und entdeckte, daß das Kind nicht in das
Wasser gefallen, sondern von einem großen Nagel an seinen Kleidern
fest gehalten wurde. Aber das Kleidchen riß schon, und sie sah,
daß das Kind verloren wäre, wenn eine rettende Hand nicht sogleich
Hülfe brächte. Blitzschnell dachte sie, daß es das Kind ihres Feindes
sei, aber zugleich erinnerte sie sich an ihres Vaters Lehren und war
entschlossen, ihr Leben zu wagen, um das Kind zu retten.

Sie gebot schnell der Kinderfrau, die Seile fest zu halten, sprang
selbst in den Eimer, und obgleich sie nicht wußte, ob die Seile reißen
würden, rief sie ängstlich:

„Laß mich schnell hinunter, sonst ist das Kind verloren!“

Die Kinderfrau und der Wächter, der auch herbei geeilt, thaten, wie
sie ihnen befahl, und als der letzte Faden des kleinen Rockes eben
zerreißen wollte, fing Rosa das erschrockene Kind in ihren Armen auf.

„Hinauf! Zieht uns hinauf!“ rief sie und die Beiden zogen den Eimer
hinauf.

Die angstvolle Mutter am Fenster, die vor Schreck kein Glied rühren
konnte, sah den Eimer herauf kommen, und Rosa mit ihrem Kinde darin.
Aber alle Gefahr war noch nicht vorbei, denn die Öffnung des Brunnens
war sehr weit. Als Rosa das erschrockene Kind dem Kindermädchen reichen
wollte, schwankte der Eimer, und wenig fehlte, so wäre sie mit dem
Kinde in den Brunnen gestürzt.

„Das geht nicht,“ sagte sie mit blassen Lippen. „Nehmt die Stange und
schwingt den Eimer ein wenig. Wenn er nahe kommt, nehmt mir das Kind
aus dem Arme. Ich muß mit dem anderen die Seile fest halten. Sonst sind
wir beide verloren!“

Die Gräfin sah den schwingenden Eimer, sah, daß die Kinderfrau ihr Kind
schnell faßte und auf die Erde stellte, sah Rosa einen Arm um einen der
Dachpfeiler werfen und ungefährdet auf den Boden springen, und dann
sank sie besinnungslos nieder. Als sie die Augen wieder öffnete, war
das gerettete Kind vor ihr. Sie umarmte es laut schluchzend, und fragte
nach dem mutigen Mädchen, dem sie das Leben des Kindes verdankte.

Aber als die Gräfin ihr ein Geschenk geben wollte, schlug sie es aus.

„Ach,“ sagte die schöne Edelfrau, „das ist nur eine Kleinigkeit, mein
Kind. Ich kann dich nie genug belohnen. Wenn mein Mann nach Hause
kommt, wird er dich ein wenig besser belohnen können. Aber jetzt mußt
du den Dienst der Pförtnerin verlassen, zu mir kommen und meine Kinder
hüten.“

„Ach, nein, gnädige Frau, das kann ich nicht!“ rief Rosa, die gleich
dachte: „Wenn ich nicht mehr der Pförtnerin Magd bin, kann ich den
Vater nicht mehr sehen!“

Doch fügte sie schüchtern hinzu: „Danke, gnädige Frau, aber ich kann
die Pförtnerin nicht verlassen, sie hat zu viel zu thun.“

Die Gräfin konnte nicht verstehen, wie Rosa sich weigern konnte, den
Dienst der Pförtnerin zu verlassen, aber sie bat Rosa vergebens, zu
ihr zu kommen. Es kam ihr auch sehr sonderbar vor, daß ein Mädchen
mit so groben Kleidern, und so braunen Händen und Gesicht, so fein
sprechen konnte, und sie sagte mehrmals zu sich selbst. „In Benehmen
und Sprache ist sie so wohl erzogen als ich. Wie kann sie der rohen
Pförtnerin dienen?“

Rosa mußte die Gräfin jeden Tag besuchen, und da die Gräfin sah, daß
sie schöne Früchte, guten Wein und Leckerbissen sehr freudig annahm,
gab sie ihr immer etwas Gutes zu essen. „Es ist merkwürdig,“ dachte sie
oft, „sie wird immer rot vor Freude, wenn ich ihr so Etwas gebe, und
doch ißt sie es nie in meiner Gegenwart.“

Eines Tages kam der Wächter früh zu der gnädigen Frau, bat um eine
Unterredung unter vier Augen, und erzählte ihr, daß die Magd der
Pförtnerin um Mitternacht barfuß durch den Hof gegangen, die Turmthüre
geöffnet und lange in dem Kerker geblieben.

„Gnädige Frau, sie ist wahrscheinlich die Verlobte eines der Mörder,
oder Diebe, die da gefangen sind. Sie hat die Schlüssel und wird sie
eines Nachts freilassen. Wir werden alle im Schlafe gemordet werden!“

Die Gräfin war sehr erschrocken, als sie dieses hörte, aber sie sagte
bald: „Ich habe schon oft mit der Magd der Pförtnerin gesprochen,
sie ist ein tugendhaftes Mädchen. Ich bin gewiß, daß sie nie etwas
Böses thun wird. Sie hat die Gefangenen schon seit einem Monat allein
besorgt; wenn sie sie freilassen wollte, hätte sie es schon längst
gethan. Dennoch muß ich erfahren, was diese nächtlichen Besuche
bedeuten; wachen Sie unermüdlich, und das nächste Mal, wenn sie nachts
in den Turm geht, kommen Sie sogleich hierher. Ich werde dem Mädchen
heimlich folgen und sehen, was sie mit den Gefangenen zu thun hat.“

Der Wächter versprach gut zu wachen, und am folgenden Abend schon rief
er die gnädige Frau um Mitternacht. Sie schlich leise in den Turm,
folgte Rosa die Treppen hinunter, und die Gänge entlang, und als sie
einen Lichtstrom aus der offenen Thür eines Kerkers hervorquellen sah,
versteckte sie sich hinter die Thür und lauschte atemlos.

„Ach Vater,“ hörte sie Rosa sagen, „du bist doch so krank, deine Wunde
ist so schmerzhaft, warum willst du deine Freiheit nicht annehmen? Du
weißt ja, daß der Graf kein Recht hatte, dich gefangen zu nehmen. Ich
möchte weder ihm noch seiner Familie Böses zufügen. Ja, ich habe mein
Leben sogar auf das Spiel gesetzt, um den kleinen Grafen zu retten,
obgleich ich mir sagte, daß es dem Grafen recht geschehen würde, wenn
er für seine Sünde den Verlust seines Kindes leiden müßte. Ja, mein
Vater, ich habe bisweilen so böse Gedanken, aber dann denke ich an die
gute Gräfin, die mir diesen Wein und diese Speisen gegeben, die dich
allein am Leben erhalten. Aber, Vater, man sagt, daß der Krieg noch
lange dauern kann, du wirst sterben, ehe deine Freunde dich erlösen,
nimm doch deine Freiheit an!“

„Mein Kind,“ erwiderte eine tiefe Stimme, „du hast dem Gefangenwärter
dein Wort gegeben, die Gefangenen gut zu bewachen, darum muß ich hier
bleiben, obwohl mich das Leben im Kerker tötet. Ich bin der Ritter von
Tannenburg; meine Freiheit will ich mit Ehren gewinnen, sonst bleibe
ich hier.“

Die lauschende Gräfin hatte genug gehört, sie ging leise wieder hinaus,
sagte dem Wächter, daß Alles in Ordnung sei und daß er sich um die
nächtlichen Besuche der Magd der Pförtnerin nicht mehr bekümmern
sollte, und ging zurück in ihre Gemächer.

„Ach,“ seufzte sie, „das sind gute, edle Leute! Könnte ich dem kranken
Ritter nur die Freiheit geben! Ich darf aber nicht, doch wenn mein Mann
zurückkommt, werde ich ihm Alles sagen.“

Die Gräfin war jetzt gütiger als zuvor gegen Rosa, gab ihr noch öfter
stärkende Speise und Weine, und bewunderte täglich mehr den Mut der
edlen Jungfrau, die einer rohen Frau diente, nur um ihrem Vater
tägliche Besuche abzustatten.

„Ach,“ sagte sie oft, „wäre der Krieg nur vorbei, damit ich die Qual
des armen Mädchens enden könnte.“

Eines Tages kam endlich ein Bote, mit der fröhlichen Nachricht, daß der
Krieg zu Ende sei; daß der Graf binnen zwei Tagen zurückkommen würde,
sammt Gefolge und Freunden, und daß ein großes Gastmahl stattfinden
solle. Alle waren froh, nur die arme Rosa nicht, denn sie wußte, daß
sie mit der Rückkehr des Gefangenwärters die Schlüssel hergeben müsse,
und den lieben Vater vielleicht auf längere Zeit nicht mehr sehen würde.

An dem Morgen, wo der Ritter erwartet wurde, bemerkte die Gräfin, daß
Rosa rotgeweinte Augen hatte, aber sie sagte kein Wort darüber. Bald
hörte man den frohen Klang der Trompeten, und der Graf ritt in den
Schloßhof, sprang von seinem Pferde, umarmte hastig seine Gemahlin,
und hob den Knaben, seinen Liebling, hoch empor. Dann rief er seinen
Vasallen und Freunden stolz zu:

„Seht den Burschen an! er wird bald groß genug sein, mit in den Krieg
zu gehen.“

Er küßte ihn zärtlich, und fragte:

„Ist er immer gesund gewesen während meiner Abwesenheit?“

„Ja,“ erwiderte die Gräfin, „aber dennoch hättest du ihn nicht hier
gefunden, ohne die Aufopferung und den Mut eines jungen Mädchens, das
ihn einem furchtbaren Tode entriß.“

„Was sprichst du vom Tode?“ rief der Graf erblassend; und die Frau
erzählte ihm flüchtig die Gefahr, in welcher der Knabe gewesen.

„Wo ist das Mädchen?“ rief der Graf, „ich muß es sehen, und obgleich
alle meine Reichtümer nicht genügen, um es zu belohnen, muß ich ihm
meinen Dank aussprechen.“

Auf einen Wink der Gräfin wurde Rosa herbei gerufen, und da, in mitten
aller seiner Freunde und Vasallen, rief der Graf:

„Du bist ein mutiges Mädchen, ich werde dir mein Lebenlang dankbar
sein. Meine Frau sagt mir, daß du noch gar keine Belohnung empfangen
hast, du sollst haben, was du willst, mein Kind, ich kann der Retterin
meines Kindes Nichts versagen, und wäre es die Hälfte meines Vermögens.
Sprich, was willst du?“

„Gerechtigkeit!“ rief die arme Rosa, ihm zu Füßen fallend. „Sie halten
meinen Vater gefangen! Geben Sie ihn frei!“

„Dein Vater gefangen? Wie heißt denn dein Vater?“

„Ritter von Tannenburg!“ antwortete Rosa zitternd.

„Ritter von Tannenburg!“ wiederholte der Graf, die Stirne runzelnd,
„der soll nie aus dem Kerker kommen. Ich hasse ihn!“

„Ach, Herr Graf, Sie haben Ihr Versprechen gegeben!“ rief Rosa
ängstlich.

„Aber ~das~ kann und will ich nicht thun!“ rief der Graf zornig.

Seine Freunde flüsterten zusammen und sagten: „Was heißt dies?
Tannenburg gefangen? Seine Tochter hier vergebens um seine Freiheit
flehend?“ Dann hielten sie plötzlich inne, denn die Gräfin nahm das
Wort, erzählte öffentlich ihrem Manne, daß Rosa den Vater selbst hätte
befreien können, und daß, wäre der Ritter von Tannenburg nicht ein
ehrenhafter Mann gewesen, er das Schloß Fichtenburg in seinen Händen
gehabt hätte. Er hätte die Gräfin und ihre zwei Kinder töten, und sich
reichlich entschädigen können, für Alles, was man ihm angethan.

Dann fiel sie vor ihrem Manne auf die Kniee mit dem kleinen Sohne, der
seine Bitten mit den ihrigen vereinte.

„Lieber Papa, mache Rosa glücklich. Sie hat den kleinen Adalbert aus
dem finsteren Brunnen gerettet.“

Die flehenden Stimmen von Rosa, der Gräfin und dem Kleinen, rührten
auch die harten Krieger, und sie riefen Alle laut:

„Herr Graf, Sie haben Ihr Ehrenwort gegeben. Setzen Sie den Ritter in
Freiheit, sonst ...“ fügten einige Stimmen drohend hinzu.

Aber die Drohung war nicht mehr nötig. Der Graf konnte den Bitten
seines Kindes nicht widerstehen und rief gerührt:

„Ja, der Ritter von Tannenburg soll frei sein, und da ich nicht an
Großmut zurückbleiben möchte, soll er sein Schloß und seine Reichtümer
alle zurückhaben. Kerkermeister, gehen Sie und befreien Sie den Ritter!“

„Nein!“ rief seine Frau, „das soll seine liebende Tochter, das gnädige
Fräulein von Tannenburg, selbst thun. Aber zuerst kommen Sie mit mir,
mein Kind,“ fügte die Gräfin hinzu.

Sie führte die glückliche Rosa in ihr Gemach, half ihr Gesicht und
Hände von der braunen Farbe befreien; zog ihr ein schönes, weißes
Atlaskleid an, und nachdem sie so ihres Standes würdig geschmückt war,
führte sie sie in den großen Saal, wo alle Ritter über ihre Schönheit
erstaunten.

Von dem Grafen begleitet, ging Rosa zum letztenmal in den Kerker,
öffnete die Thüre, und rief vor Freude schluchzend:

„Vater, lieber Vater, du bist frei!“

Erst nach einiger Zeit sah sie, daß ihr Vater auch reich angezogen war;
und der Graf sagte:

„Mein gnädiges Fräulein, einige Freunde sind hierher gekommen, um Ihren
Vater auf seine Erlösung vorzubereiten, denn sie fürchteten, daß die
plötzliche Freude ihm schädlich sein würde, da er noch so schwach ist.

„Aber jetzt, Tannenburg,“ fügte er hinzu, „müssen Sie mir verzeihen.
Ich bin ein ehrloser Mensch gewesen, aber wenn Sie mich wieder als
Freund annehmen wollen, werden Sie sehen, daß ich Sie für Alles
entschädigen werde.“

Der Ritter von Tannenburg, der ihn einst innig geliebt, und der ihn
gut kannte, reichte ihm freundlich die Hand, und dann gingen sie alle
zusammen in den Speisesaal, wo Rosa und ihr Vater rechts und links an
der Seite des Hausherrn saßen, und den Gästen ihre Erlebnisse erzählen
mußten. Alle bewunderten den Mut des tapferen Mädchens, das tiefe
Ehrgefühl des Vaters, die Güte der Gräfin, und die Selbstüberwindung
des Grafen.

Als die Mahlzeit beinahe zu Ende war, hörte man einen großen Lärm in
dem Schloßhof, die Thüren flogen auf, der Sohn des Kaisers trat hastig
ein, und rief laut:

„Graf von Fichtenburg, der Kaiser befiehlt Ihnen, den Ritter von
Tannenburg sogleich aus Verhaft zu lassen, ihm alle seine Güter
zurückzugeben, und ihn zu entschädigen, sonst sind Sie des Todes.“

Der Graf sprang auf und sprach:

„Ich habe den Befehl des Kaisers nicht abgewartet; hier ist der
Ritter frei, und ich habe ihm schon versprochen, ihm sein Vermögen
zurückzugeben.“

Natürlich war des Kaisers Sohn sehr erstaunt. Er ließ sich Alles
erzählen, sah die schöne Rosa bewundernd an, und ging wieder an
den kaiserlichen Hof zurück, wo er seinem Vater Alles erzählte und
hinzufügte:

„Vater, Sie haben mich schon mehrmals an das Heiraten gemahnt. Wenn
Sie mir das gnädige Fräulein von Tannenburg zur Gemahlin geben können,
werde ich sogleich heiraten, wenn es Ihnen beliebt.“

Der Kaiser war sehr froh, dies zu hören. Er schickte sogleich einen
Boten mit einem Heiratsantrag nach Tannenburg, und nach kurzer Zeit
wurde Rosa des Prinzen Gemahlin, und später sogar Kaiserin von
Deutschland!



8. Der Bauer und der Advokat.


Es war einmal ein reicher, aber sehr unwissender Bauer. Er hatte ein
schönes Gut, das er von seinem Vater geerbt hatte, war sparsam und
arbeitsam und wurde von seines Gleichen sehr geachtet.

Ungefähr zwei Stunden entfernt von seinem Gute lag eine große Stadt,
wohin er sich wöchentlich begab, um sein Vieh, Heu, Korn und noch viele
Produkte zu verkaufen. Auf dem Marktplatze, unter seines Gleichen,
hörte er Manches besprochen, und da das Thema oft Gerichtssachen
berührte, hörte er oft den Namen eines berühmten Sachwalters der Stadt.

Jedermann lobte ihn und sagte, daß er weiser und verständiger als
irgend ein anderer sei. Der Bauer, der an einem Markttage früher als
gewöhnlich seine Geschäfte abgefertigt hatte, und der schon seit langem
sehr neugierig war, den berühmten Advokaten zu sehen, ging nach seiner
Geschäftsstube. Als er eintrat, wurde er von einem Schreiber empfangen.

„Ich möchte den Advokaten sprechen,“ sagte der Bauer.

„Er ist jetzt beschäftigt, aber er wird bald wieder frei sein. Setzen
Sie sich und warten Sie ein wenig,“ erwiderte der Schreiber höflich.

Der Bauer, der es nicht eilig hatte, ließ sich das Warten gefallen, und
nach einer halben Stunde war der Advokat zu sprechen. Er ließ ihn in
sein Privatzimmer eintreten. Der Bauer sah ihn neugierig an und sagte:

„Sind Sie der Herr Advokat?“

„Ja, der bin ich,“ antwortete der berühmte Mann.

„Nun, ich habe oft gehört, daß Sie so klug sind, darum bin ich
gekommen, um Sie um eine Consultation zu bitten.“

„Nun, ich stehe Ihnen zu Diensten!“ antwortete der Advokat.

Aber da der Bauer gar nichts mehr sagte, gedachte er, ihm zu helfen.
„Wollen Sie ein Gut kaufen?“

„Nein,“ antwortete der Bauer, „dafür bin ich noch nicht reich genug!“

„Wollen Sie vielleicht Ihr Gut verkaufen?“

„Nein, Herr Advokat, behüte Gott, daß ich das Gut, das ich von meinem
Vater erbte, verkaufen muß!“

„Nun,“ sagte der Advokat, „was wollen Sie denn?“

„Eine Consultation,“ antwortete der Bauer kurz, und fügte nichts hinzu.

„Wollen Sie Ihr Testament schreiben, einen Prozeß machen, oder einen
Heiratscontract ausschreiben lassen?“ fragte der Advokat. „Sagen Sie
mir nur, wie ich Ihnen dienen kann, und ich stehe Ihnen zu Befehl.“

„Nein,“ sagte der Bauer, „ich will weder Testament, noch
Heiratscontract haben, ich wünsche nur eine Consultation, weil
Jedermann versichert, daß Sie so klug sind. Die will ich auch ehrlich
bezahlen, ich habe Geld genug dafür!“ sagte er stolz, und schlug
mächtig auf seine Geldtasche.

Der Advokat, dem ein Licht aufgegangen war, setzte sich, nahm einen
Bogen Papier und eine Feder und sagte:

„Wie heißen Sie?“

„Bernhardt,“ antwortete der Bauer, der ganz stolz war, daß der Advokat
ihm endlich die gewünschte Consultation bewilligte.

„Sind Sie ledig, oder verheiratet?“

„Verheiratet seit fünfundzwanzig Jahren.“

„Haben Sie Kinder?“

„Fünf: drei stattliche Söhne und zwei brave Töchter!“

„Wie alt sind Sie?“

„Drei und fünfzig Jahre nächsten Winter.“

„Gut!“ sagte der Advokat, schrieb hastig einige Zeilen auf den
Papierbogen, faltete ihn zusammen, und übergab ihn dem stolzen Bauern.

„Wieviel bin ich Ihnen schuldig?“ fragte er.

„Drei Thaler.“

Der Bauer zahlte ohne Murren, und ging zufrieden nach Hause.

Es war schon Nachmittag, als er dahin kam, und er war müde nach seiner
langen Fahrt. Seine Frau kam ihm entgegen und sagte:

„Bernhardt, was sollen wir thun? Sollen wir das Heu bis morgen liegen
lassen, oder sollen wir es noch heute in die Scheune bringen? Das
Wetter ist schön, keine Wolken stehen am Himmel, aber es könnte doch
ein Gewitter geben, und dann wäre das Heu verdorben.“

Der Bauer, der keinen Verlust erleben mochte, und der sich doch fast zu
müde fühlte, um noch mehrere Stunden angestrengte Arbeit auszuhalten,
konnte sich nicht entschließen, was er thun sollte. Auf einmal
erinnerte er sich an die Consultation, die er am selben Tage gekauft
hatte. Sein düsteres Gesicht heiterte sich plötzlich auf. Er zog das
Papier aus der Tasche, übergab es seiner Frau, da er selbst nicht lesen
konnte, und rief:

„Frau, da ist der Rat des klügsten Advokaten in der Stadt. Lies ihn,
wir wollen uns darnach richten.“

Die Frau entfaltete das Papier, und las:

„Verschiebe nie auf morgen, was heute geschehen kann.“

„Da!“ rief der Bauer freudig, „da ist die Antwort auf deine Frage, und
da ich sie doch ziemlich teuer bezahlen mußte, wollen wir uns darnach
richten.“

Obgleich er so müde war, ließ er wieder anspannen, ging selbst hinaus
und arbeitete bis es Nacht war, und bis alles Heu herein gebracht war.
Da es wunderschönes Wetter war, wurde er von allen seinen Nachbarn
wegen seiner Hast ausgelacht. Aber während der Nacht kam ein heftiges
Gewitter, das viel Schaden verursachte.

Der Bauer, der Dank seiner Consultation gar Nichts dabei verloren
hatte, rühmte den Advokaten, der ihm so gut geraten, und da er den Rat
nie vergaß, wurde er täglich wohlhabender. Oft hielt er seinen Wagen
vor dem Hause des Advokaten an, um seinem Ratgeber ein Paar Hühner,
einige frische Eier, oder schöne, reife Früchte zu überbringen.



9. Das hölzerne Kreuz.


Frau von Linden wohnte in einem schönen Landhause, wo sie sich jedoch
sehr einsam fühlte, da ihr Mann und ihre Kinder alle gestorben waren.
Ihre Verwandten liebte sie nicht, weil sie sehr eigennützige Leute
waren.

Die gute Frau war selbst gar nicht eigennützig, von Morgen bis Abend
dachte sie nur, wie sie den Armen und Kranken helfen könnte, und wie
sie Gutes thun könnte.

Eines Tages mußte sie in die Stadt gehen, und als ihre Geschäfte zu
Ende waren, ging sie in das Münster, um die schönen Statuen und Gemälde
zu sehen, und sich ein wenig in dem kühlen, dunkeln, heiligen Raume
auszuruhen.

Die große Kirche war um diese Stunde ganz leer und still, und nachdem
sie andächtig gebetet, ging Frau von Linden umher und bewunderte die
Gemälde und Statuen.

Sie schaute die großen Pfeiler an, schaute in die Wölbung hinauf, blieb
lange vor den schönen, heiligen Bildern stehen, und kam endlich zu der
letzten Kapelle, wo nur noch ein sehr kleines Licht brannte.

Es war in dieser Kapelle so dunkel, daß Frau von Linden wähnte
(dachte), ganz allein zu sein, bis sie ein unterdrücktes Schluchzen
hörte.

„Wer ist da?“ rief sie erstaunt.

Das Schluchzen hörte einen Augenblick auf, und eine leise, klägliche
Stimme erwiderte schüchtern: „Ich bin es.“

Frau von Linden, die an der Stimme sogleich erkannte, daß es ein Kind
war, das so leise geschluchzt hatte, sagte freundlich:

„Komm hierher Kind, und sage mir, warum du so schluchzest.“

Jetzt trat aus dem Dunkel ein kleines Mädchen hervor. Es war ein Kind
von ungefähr acht Jahren und obschon etwas ärmlich, doch sehr reinlich
gekleidet.

„Nun, Kleine,“ sagte die gute Frau, das Kind bei der Hand nehmend,
„erzähle mir jetzt, warum du ganz allein hier bist, und warum du so
kläglich weinst. Was fehlt dir wohl?“

„Ach,“ seufzte das Kind, „ich weine, denn Vater und Mutter sind beide
tot, und meine Verwandten sind alle so arm und haben so große Familien,
daß sie sich meiner nicht annehmen können. Morgen muß ich das Haus
verlassen, wo ich mit meinen Eltern so glücklich lebte, denn ich habe
kein Geld, um die Miete zu bezahlen.“

„Hast du gar keine Freunde?“ fragte die Dame erstaunt.

„Ja, der gute Priester ist mein Freund, er hat mir heute zu essen
gegeben, und dann hat er mich hierher geschickt, um Gott um Hülfe zu
bitten. Er hat gesagt, daß Gott das Gebet der verwaisten Kinder immer
erhört, und daß Er mir sicher helfen werde.“

Die Dame sagte mit Rührung:

„Der gute Priester hat Recht, mein Kind. Komm, zeige mir, wo er wohnt.
Ich möchte ihn gerne sprechen.“

Die Dame nahm das Kind bei der Hand und ging mit ihr zum Priester.
Er empfing sie sehr freundlich, sagte ihr, daß das Mädchen das Kind
ehrbarer Leute sei, und daß es sehr arm und ganz verlassen sei.

„Nun,“ erwiderte die Dame, „da das Kind ohne Mittel und ohne Freunde
ist, so will ich mich ihrer annehmen. Sie soll bei mir in meinem
Landhause wohnen. Ich werde sie in die Schule schicken, sie soll alles
lernen, was ein Mädchen wissen sollte, damit sie einmal eine gute Frau
und Mutter werden, oder damit sie einst ihr Brot verdienen kann.“

Die gute Dame nahm das verwaiste Kind mit, und hielt Wort. Das Mädchen
ging fleißig in die Schule, und als sie größer wurde, lernte sie alles,
was eine gute Hausfrau wissen muß.

Die Jahre gingen schnell vorbei, und als das Mädchen zwanzig Jahre alt
war, starb ihre Wohlthäterin. Sophie, so hieß das Mädchen, pflegte sie
zärtlich bis zu ihrem Tode, und ehe die Dame verschied, sagte sie:

„Sophie, du bist ein treues Mädchen gewesen, und es freut mich, daß du
den jungen Gärtner Hans heiraten sollst. Er ist ein guter, fleißiger
Mann, und du wirst eine glückliche Frau werden.“

Als die Dame endlich starb, hielt sie ein kleines, hölzernes Kreuz in
der Hand, das sonst immer über ihrem Bette gehangen, und das sie sehr
gern gehabt hatte.

Nachdem das Begräbnis vorüber war, kamen die Erben alle herbei, und der
Advokat nahm das Testament der guten Frau und las es ihnen vor. Die
Dame hatte der Waise eine Summe von dreitausend Thalern hinterlassen,
und dabei stand auch im Testamente:

„Sophie ist mir eben so lieb, als ob sie meine Tochter wäre. Darum soll
sie, nebst der Summe von dreitausend Thalern, die ich ihr hinterlasse,
noch etwas als Andenken haben. Sie darf selbst unter allen meinen
Habseligkeiten auswählen, was ihr am liebsten ist.“

Die Erben waren sehr entrüstet als sie dieses hörten. Schon die Summe
von dreitausend Thalern schien ihnen zu viel. Sie fürchteten, daß die
Waise etwas sehr Kostbares wählen würde. Aber, obgleich die Köchin und
die anderen Dienstboten ihr rieten, die Diamanten oder die Perlen der
verstorbenen Frau zu wählen, sagte die Waise:

„Nein, das will ich nicht thun. Die Dame hat mir schon viel gegeben.
Ich möchte die Erben nicht berauben. Der kleinste Gegenstand, den meine
Wohlthäterin geliebt, und den ich in ihren Händen gesehen, ist mir viel
lieber als Andenken, als etwas so kostbares.“

„Sehen Sie,“ fuhr sie fort, „dieses hölzerne Kreuz möchte ich am
allerliebsten haben, denn sie hielt es noch in ihrer Hand, als sie
verschied.“

Die Erben waren sehr froh, als die Waise das kleine, hölzerne Kreuz
wählte, und da sie alle fürchteten, daß das Mädchen ihre Wahl bereuen
würde, holten sie ein Papier herbei und schrieben darauf:

„Als Andenken an meine Wohlthäterin habe ich das hölzerne Kreuz
gewählt. Dieses ist mein, und ich werde nie Anspruch auf irgend etwas
Anderes machen.“

Dieses Papier mußte Sophie unterzeichnen, und sie that es gern, denn
sie war mit dem hölzernen Kreuz ganz zufrieden und verlangte nicht mehr.

Einige Zeit nachher heiratete sie den jungen Gärtner. Es ging ihnen
ganz gut, bis er eines Tages von einem Baume herunterfiel. Er war durch
diesen Fall schwer verletzt (verwundet), und als er nach einer langen
Krankheit wieder aufstehen konnte, fehlte ihm ein Arm und er konnte
nicht mehr in dem Garten arbeiten.

Die lange Krankheit hatte Sophiens Ersparnisse verzehrt, und nun sannen
sie auf Mittel und Wege, um ihr Brot zu verdienen. Endlich sagte der
Mann:

„Siehst du, mein treues Weib (Frau), ich werde nie mehr in dem Garten
schaffen (arbeiten) können. Ein kleines Geschäft aber könnte ich noch
besorgen. Es ist kein Kaufladen im Dorfe. Wenn wir das Geld, welches
dir die selige Frau in ihrem Testament hinterließ dazu brauchen
könnten, würde es leicht sein, ein kleines Haus im Dorfe zu mieten,
Waaren zu kaufen, und dann könnte ich unser Brot als Kaufmann anstatt
als Gärtner verdienen.“

Dieser Vorschlag schien der Frau sehr gut, und sie ging sogleich zu
dem Verwalter der verstorbenen Frau, um ihr Geld in Empfang zu nehmen.
Der Verwalter aber sagte ihr, daß die selige Frau in ihrem Testamente
bestimmt habe, daß das Geld ihr nur übergeben werden sollte, wenn sie
fünfundzwanzig Jahre alt geworden.

Als Sophie dieses hörte, war sie sehr traurig, und ging langsam nach
Hause, wo sie ihrem Manne alles erzählte. Nach langem Nachdenken sagte
er endlich:

„Nun, wir können unterdessen doch nicht verhungern. Vielleicht könnten
wir die nötige Summe borgen und sie nächstes Jahr zurückbezahlen, wenn
du dein Geld bekommst.“

Der Frau gefiel dieser Plan sehr gut und bald fanden sie einen
reichen Nachbarn, der ihnen das Geld gern vorstrecken wollte, und
sie versprachen ihm, das Kapital nebst Zinsen im folgenden Jahre
zurückzuzahlen.

Jetzt ging alles wieder gut bis sie auf einmal hörten, daß der
Sachwalter plötzlich auf und davon gegangen, und daß er alle ihm
anvertrauten Gelder mitgenommen hätte. Er war so heimlich fortgegangen,
daß man ihn nicht finden konnte, und bald wurde es überall bekannt, daß
er ein elender Dieb gewesen und daß er das Geld vieler Leute gestohlen
habe.

Bald erreichte die schlimme Nachricht den kleinen Laden, wo Sophie und
ihr Mann sich so viele Mühe gegeben, um alles in bester Ordnung zu
halten und ihr Brot ehrlicher Weise zu verdienen.

Als diese Nachricht auch dem Manne, der ihnen das Geld geliehen
hatte, zu Ohren kam, kam er sogleich in den kleinen Laden und sagte
Sophie, wenn sie ihm das Geld, das er ihnen geliehen, nicht sogleich
zurückbezahlten, würde er Haus und Waaren in Besitz nehmen, um sich zu
entschädigen.

Als er fortgegangen, sahen sich die Eheleute traurig an.

„Liebe Frau, was ist jetzt zu thun?“ rief der Mann in Verzweiflung.
„Das geliehene Geld können wir nicht so schnell zurückbezahlen. Der
Nachbar will nicht warten, und wir werden mit unseren drei kleinen
Kindern aus diesem Hause ziehen müssen. Wir werden alle verhungern,
denn ich kann nicht mehr arbeiten. Ich bin nicht stark genug, und mit
einem Arme bin ich so gut wie hülflos. Der liebe Gott hat uns sicher
vergessen.“

„Ach, lieber Mann, das kann nicht sein! Er vergißt seine Kinder eben so
wenig, wie wir die unsrigen. Wir wollen zu Ihm beten. Vielleicht zeigt
Er uns einen Ausweg, so daß wir unser Brot ehrlich verdienen können.“

Die Frau ging jetzt in ihr Zimmer, nahm das kleine hölzerne Kreuz, das
Andenken an ihre Wohlthäterin, küßte es und dachte:

„Ach, wie leid würde es der guten Frau thun, wenn sie wüßte, wie
unglücklich ich jetzt bin?“

Dann ließ sie das kleine Kreuz zu Boden fallen, fiel auf die Kniee und
betete inbrünstig. Ihr Herz wurde bald leichter und als sie wieder
aufstand, sah sie das Kreuz auf dem Boden liegen, und hob es sorgfältig
auf.

Ein Stückchen Holz war im Fallen davon abgebrochen. Als sie es wieder
an das Kreuz kleben wollte, sah sie zum erstenmal, daß das Kreuz hohl
war, und geöffnet werden konnte.

Als sie es geöffnet, schrie sie in freudiger Überraschung auf, denn
im Innern des hölzernen Kreuzes war ein wunderschönes Diamanten-Kreuz
versteckt.

Sogleich trug sie dasselbe zu ihrem Manne, der auch sehr darüber
erstaunt war. Als sie den Advokaten befragte, ob sie die Edelsteine
behalten dürfte, sagte er:

„Gewiß, gute Frau, die Diamanten gehören Ihnen.“

Die Erben waren sehr böse, als sie hörten, daß Sophie Diamanten in
ihrem hölzernen Kreuz gefunden, aber sie konnten keine Ansprüche
darauf machen, denn sie hatten selbst das Papier geschrieben, worin es
bestimmt hieß, daß das Kreuz Sophien gehöre.

Sophie verkaufte nun schnell die schönen Diamanten, und bekam Geld
genug, um alle ihre Schulden zu bezahlen. Das Geschäft ging jedes Jahr
besser und die Familie litt keinen Mangel mehr.

So lange sie lebte, erzählte Sophie ihren Kindern und Enkeln
(Kindeskindern) die Geschichte von dem hölzernen Kreuz, und fügte immer
bei:

„Wenn man nur seine Pflicht thut und dem lieben Gott vertraut, braucht
man Nichts zu fürchten, denn Er wird Alles gut machen, obgleich
manchmal Alles sehr finster aussieht.“



10. Der Lange, der Breite und der Scharfäugige.


Es war einmal ein alter König, der nur einen einzigen Sohn hatte, den
er sehr gern hätte heiraten sehen. Aber der junge Mann konnte keine
Braut finden, und der Vater gab ihm endlich einen goldenen Schlüssel
und sagte:

„Mein Sohn, gehe in das obere Stockwerk des Turmes, sieh dich dort um,
und sage mir, welche Prinzessin dir dort am besten gefällt.“

Der Prinz ging in das obere Stockwerk des Turmes, öffnete eine kleine,
eiserne Thür mit dem goldenen Schlüssel, und kam in ein Zimmer mit
zwölf Fenstern. Auf jedes Fenster war das Bild einer wunderschönen
Prinzessin gemalt.

Der Jüngling sah sich erstaunt um, denn die schönen Prinzessinnen
erröteten, lächelten, streckten die Hände aus, kurz, schienen lebendig;
nur konnten sie nicht sprechen. Sie waren alle so blendend schön, daß
der Prinz keine besondere auswählen konnte, und zögernd da stand, bis
er sah, daß das eine Fenster mit einem weißen Vorhang bedeckt war.

Er trat schnell zu diesem Fenster, zog den Vorhang zurück, und sah
eine sehr schöne Prinzessin, die aber so blaß und elend aussah, als ob
sie eben aus dem Grabe gestiegen wäre. Der Prinz sah sie eine Zeitlang
schweigend an, erbarmte sich ihrer, und rief laut „Diese, und keine
Andere, will ich zur Gemahlin, und sollte es mir mein Leben kosten!“

Die wunderschöne, blasse Prinzessin wurde rosenrot bei diesen Worten,
und sogleich verschwanden alle Bilder. Der Prinz ging schnell die
Treppen hinunter und erzählte seinem Vater, wie er den Vorhang von dem
Bilde gezogen und wie er die schöne, blasse, leidende Prinzessin am
liebsten haben möchte. Der König aber rief traurig:

„Ach, mein Sohn, warum hast du gerade diese blasse, leidende Prinzessin
gewählt? Du wirst jetzt große Gefahr laufen, denn die Prinzessin wird
von einem Zauberer gefangen gehalten, und Alle, die versuchten, sie zu
befreien, sind nie zurückgekommen. Aber da du dein Wort gegeben, mußt
du jetzt gehen, und ich hoffe, daß du bald wohlbehalten mit deiner
Prinzessin, heimkommen wirst!“

Der Jüngling verabschiedete sich von seinem Vater, und ritt munter
fort, um seine schöne Braut zu holen. Er kam bald in einen dichten
Wald, wo er einem großen Manne begegnete, der ihm laut zurief:

„Halt, Prinz! nehmen Sie mich in Ihren Dienst. Ich möchte mit Ihnen
gehen. Sie werden nie bereuen, daß Sie mich mitnahmen!“

„Wer sind Sie?“ fragte der Prinz kurz, „und was können Sie thun?“

„Ich heiße der Lange, und ich kann mich nach Belieben verlängern. Sehen
Sie das Nest, da, auf dem Baume? Ich will es Ihnen holen!“

Der Lange streckte sich höher und höher bis sein Kopf die Bäume
überragte, nahm das Nest, wurde plötzlich kleiner und kleiner, und
reichte es dem Prinzen.

„Das ist sehr schön!“ sagte der Prinz, „aber Vogelnester nützen mir
nicht viel. Ich möchte meinen Weg aus diesem Walde finden!“

„Nun, das ist sehr leicht,“ rief der Lange.

Er streckte sich wieder in die Höhe bis er dreimal so hoch als der
höchste Baum war, und sah sich neugierig um. In einigen Minuten wurde
er wieder klein, nahm den Zügel von des Prinzen Pferd, und führte
ihn bald aus dem dichten Walde hinaus. Da war eine weite Ebene, und
jenseits derselben konnte man große, graue Felsen sehen.

„Ach!“ sagte der Lange plötzlich, „Da ist mein Kamerad! Sie sollten ihn
auch in Ihren Dienst nehmen!“

Der Prinz sah einen kleinen, dicken Mann. Er fragte ihn neugierig, wer
er sei, und was er wohl thun könne.

„Ich bin der Breite. Ich kann mich sehr breit ausdehnen! Machen Sie
Platz und ich will Ihnen zeigen, wie weit ich mich ausdehnen kann.“

Der Lange nahm das Pferd beim Zügel und führte es schnell wieder in
den Wald. Als der Prinz sich umwandte, sah er, daß der Breite sich so
ausgedehnt, daß er die ganze Ebene füllte.

„Nun, das ist, wenigstens, etwas sehr Außerordentliches!“ rief der
Prinz erstaunt. „Breiter, du kannst mitkommen. Ich nehme dich in meinen
Dienst auf!“

Die drei Reisenden gingen weiter, und kamen bald zu einem Manne, der
die Augen verbunden hatte.

„Fürst!“ rief der Breite, „hier ist unser dritter Kamerad. Sie sollten
ihn auch in Ihren Dienst nehmen!“

„Ach!“ sagte der Fürst mitleidig, „der arme Mann ist ja blind.“

„Nein,“ rief der Mann mit den verbundenen Augen. „Ich bin nicht blind,
sondern ich habe so scharfe Augen, daß ich der Scharfäugige heiße.
Meine Augen sind so scharf, mein Prinz, daß ich durch die härtesten
Steine sehen kann, denn sie spalten sich alle sobald als ich meinen
Verband abgenommen und sie fest anschaue!“

„Nun,“ erwiderte der Prinz, „ich möchte gern wissen, was hinter jener
Felswand steht, können Sie mir das sagen?“

„Das kann ich!“ rief der Scharfäugige.

Er streifte den Verband ab und sah die Felsen fest an.

Sogleich spalteten sie sich, und der Prinz wurde ein eisernes Schloß
gewahr, wo der Zauberer die schöne Prinzessin, die er liebte, gefangen
hielt.

Da der Lange, der Breite und der Scharfäugige mit ihm waren, und
jedes Hindernis sogleich aus dem Wege schafften, kamen sie bald zu
dem eisernen Schlosse, dessen Thüren sich weit öffneten, um ihnen den
Eintritt zu erleichtern, aber die sich schlossen sobald sie hinein
gegangen waren.

Der Prinz und seine drei Gefährten sahen sich erstaunt um. Niemand war
da, um sie zu begrüßen, und nachdem der Prinz sein Pferd in den Stall
gebracht, traten sie in das Schloß.

Im Hofe, im Stall und auch im großen Saale sahen sie viele Herren
und Diener, aber alle waren versteinert. Endlich kamen sie in den
Speisesaal, wo die Diener alle versteinert waren, aber wo eine
reichlich gedeckte Tafel ihrer wartete. Sie aßen und tranken, und als
sie sich nach einem Platz zum Schlafen umsahen, öffneten sich die
Thüren weit und der Zauberer führte eine schöne, blasse Prinzessin
herein.

Der Zauberer hatte einen schwarzen Rock, einen langen, weißen Bart,
weiße Haare, und statt eines Gürtels, hatte er drei eiserne Ringe um
den Leib. Die Prinzessin trug ein weißes Kleid, eine Perlenkrone, einen
silbernen Gürtel, und sah blaß und traurig aus.

Der Prinz erkannte die Prinzessin, und wollte ihre schöne weiße Hand
küssen, aber der Zauberer rief:

„Halt, mein Prinz! Ich weiß ganz gut, daß Sie diese Prinzessin freien
wollen. Nun, Sie sollen sie haben, wenn Sie sie drei ganze Nächte
hindurch nicht einmal aus den Augen lassen. Wenn sie verschwindet,
sollen Sie, wie alle Ihre Vorgänger, auch versteinert werden.“

Der Zauberer führte die schöne Prinzessin zu einem Stuhle, in mitten
des Zimmers, und ließ sie da. Der Prinz saß an ihrer Seite und sprach
zu ihr, sie aber erwiderte kein Wort.

Er dachte, daß er wach bleiben und die schöne Prinzessin nicht aus den
Augen lassen würde, aber er schlief dennoch ein.

Der Lange, der sich dreimal um den Stuhl der Prinzessin gewickelt
hatte, schlief auch ein; so wie auch der Breite und der Scharfäugige.

Als der Morgen heranbrach, wachten sie alle auf, und sahen, daß
die Prinzessin verschwunden war. Der Prinz jammerte laut, aber der
Scharfäugige nahm seinen Verband ab, ging ans Fenster und rief:

„Jammern Sie nicht, mein Prinz. Ich sehe die Prinzessin. Hundert Meilen
von hier ist ein Wald. In diesem Walde ist eine Eiche; an der Eiche
ist eine Eichel und darin ist die Prinzessin! Wir wollen sie holen.“

Der Lange nahm den Scharfäugigen auf seine Schultern und machte sich
so lang, daß er bei jedem Schritt zehn Meilen zurücklegen konnte. In
einigen Minuten brachten sie die Eichel dem Prinzen.

„Werfen Sie sie auf den Boden, mein Prinz!“ rief der Lange, und sobald
der Prinz dieses gethan, stand die schöne Prinzessin vor ihm. In
demselben Augenblick öffneten sich die Thüren weit und der Zauberer
trat herein. Als er die Prinzessin gewahr wurde, war er so böse, daß
einer der eisernen Ringe um seinen Leib zersprang. Er führte die
Prinzessin aus dem Saale, und der Prinz und seine drei Diener waren den
ganzen Tag allein. Sie hatten genug zu essen und zu trinken, aber sie
konnten weder Zauberer noch Prinzessin finden, und sahen nichts als
versteinerte Männer.

Am Abend aber führte der Zauberer die Prinzessin wieder in den Saal,
und der Prinz und seine Gefährten wachten wieder.

Aber da sie sehr müde waren, schliefen sie endlich alle ein, und als
der Prinz aufwachte, war die Prinzessin wieder verschwunden. Er weckte
seine Diener auf. Der Scharfäugige nahm seinen Verband ab und rief laut:

„Zwei hundert Meilen von hier ist ein Berg. Auf dem Berge ist ein
Felsen. In dem Felsen ist ein Edelstein, und das ist die Prinzessin!
Wir wollen sie holen.“

Der Lange nahm den Scharfäugigen auf seinen Rücken und trug ihn schnell
zu dem Berg. Der Scharfäugige zerspaltete den Felsen mit seinen
scharfen Augen, und brachte dem Prinzen den Edelstein. Der warf ihn
auf den Boden und die schöne Prinzessin stand mitten im Saale als die
Thüren sich öffneten und der Zauberer hereintrat.

Als er die schöne Prinzessin da stehen sah, war er so böse, daß ein
zweiter eiserner Ring zersprang! Er führte die Prinzessin wieder hinaus
und ließ den Prinzen und seine Diener wieder den ganzen Tag allein. Am
Abend führte er die schöne Prinzessin zum dritten Mal herein und sagte:

„Wenn ich die Prinzessin morgen nicht hier finde, so werden Sie alle
versteinert werden!“ und ließ sie allein.

Obwohl alle sich vornahmen, nicht zu schlafen, schliefen alle doch
ein, und als der Prinz aufwachte, war die schöne Prinzessin wieder
verschwunden. Der Scharfäugige streifte seinen Verband ab und rief laut.

„Drei hundert Meilen von hier ist das schwarze Meer. Auf dem Grund
dieses Meeres ist eine Schale. In der Schale ist ein goldener Ring. Das
ist die Prinzessin. Wir müssen alle drei dahin gehen, um sie zu holen!“

Der Lange trug den Breiten und den Scharfäugigen schnell dahin,
streckte seinen Arm so weit als möglich aus, aber konnte dennoch den
Boden des Meeres nicht erreichen. Dann dehnte sich der Breite so viel
als möglich aus, und trank so viel Wasser, daß der Lange die Schale
endlich erreichen konnte. Er nahm den Ring und ging schnell zurück,
denn es war bald Zeit zum Sonnenaufgang. Er ließ den Breiten fallen und
das Wasser, das er getrunken, bildete einen See in einem Thal.

Der Lange ging aber schnell weiter und kam in das Schloß, als die
Thüren sich öffneten. In demselben Augenblick warf er den goldenen Ring
auf den Boden, und als der Zauberer herein trat, sah er die schöne
Prinzessin.

Er war so böse, sie wieder da zu finden, daß der dritte eiserne Ring
zerbarst. Dann wurde er in einen Raben verwandelt und flog pfeilschnell
davon. Alle die versteinerten Leute wurden jetzt lebendig. Die
Prinzessin wurde rosenrot, und konnte wieder sprechen. Der glückliche
Prinz führte sie seinem Vater zu, heiratete sie, und seine drei Diener,
der Lange, der Breite und der Scharfäugige, tanzten lustig bei dem
Hochzeitsfest. Sie wollten aber dem Prinzen nicht mehr dienen und
gingen in die Welt hinaus, wo man sie noch finden kann. So lautet das
Märchen!



11. Die Taube.


Auf einem ziemlich hohen Berge in Deutschland stand ein altes Schloß.
In dem Schlosse wohnte der Ritter von Falkenburg mit seiner schönen
Frau und ihrer kleinen Tochter Elsa. Der Ritter war ein sehr guter und
tapferer Mann, immer bereit, den Armen und Schwachen zu helfen.

Seine Frau, Ottilie, besuchte die Kranken und Armen und gab viele
Almosen. Die Unglücklichen kamen immer zu ihr, um ihr ihr Leid zu
klagen und konnten die Güte der schönen Frau nicht genug loben. Die
kleine Tochter Elsa war ungefähr zehn Jahre alt und blieb immer bei
ihrer Mutter.

Das Schloß war sehr einsam, denn außer dem Dorfe am Fuße des Berges
waren keine Häuser in der Nähe. Zu jener Zeit, im vierzehnten
Jahrhundert, hatten die Kinder nicht so schöne Bücher und Spielsachen
wie jetzt.

Die kleine Elsa konnte zwar lesen und schreiben, auch nähen und
stricken, aber ihre größte Freude war, in ihrem kleinen Garten viele
bunte Blumen zu ziehen.

Eines Tages als sie bei der Mutter unter einem dicht belaubten Baume im
Garten saß, hörten sie plötzlich ein Krachen und im nächsten Augenblick
fiel ihnen ein großer Raubvogel vor die Füße. Die kleine Elsa erschrak
sehr, und ihr Geschrei verscheuchte den Vogel, der schnell fortflog.

„Schrei nicht so, meine Tochter,“ sagte die Mutter. „Der Vogel ist
schon wieder fort. Es war ein Raubvogel. Er wollte uns nichts zu Leide
thun, aber verfolgte wahrscheinlich einen anderen Vogel.“

Sie hörten jetzt ein kleines Geräusch hinter sich, und fanden, unter
einem Busche, eine schöne, weiße, verwundete Taube.

Die kleine Elsa hob sie auf und sagte:

„Sieh, Mutter! die arme Taube zittert noch vor Furcht. Ich kann das
Klopfen ihres kleinen Herzens fühlen. Sieh, wie weiß ihre Federn sind,
und die Beine und Krallen sind rot wie Korallen. Was wollen wir damit
thun, liebe Mutter?“

„Nun, wir wollen sie dem Koch geben, und du sollst sie zu Mittag
essen,“ sagte die Mutter, das Kind scharf beobachtend.

„Ach, liebe Mutter, das wäre ja zu grausam!“ rief die kleine Elsa die
Mutter ängstlich ansehend.

Als sie aber die Mutter lächeln sah, rief sie freudig: „Mutter, du hast
mich wohl prüfen wollen, nicht wahr?“

„Ja, mein Kind,“ erwiderte die Mutter, „und es freut mich, daß du ein
gutes, fühlendes Herz hast. Du darfst die Taube behalten. Stecke sie in
einen Käfig, füttere sie gut, und gieb ihr frisches, klares Wasser und
reinen Sand bis sie größer und stärker ist und herumfliegen kann, ohne
den Raubvögeln zur Beute zu fallen.“

Die kleine Elsa hatte große Freude an ihrem Vogel. Bald wurde die Taube
so zahm, daß die Thür des Käfigs immer offen stand, und bald flog sie
ungehindert durchs Fenster ein und aus. Die Taube hatte das Kind so
gern, daß sie es nie lange verließ, und wenn sie auch hoch oben auf
dem Turme des Schlosses saß, flog sie herunter, sobald die kleine Elsa
pfiff.

Die Mutter sagte oft: „Deine Taube gibt dir ein gutes Beispiel, sie ist
so folgsam, daß ich hoffe, mein Töchterchen wird auch immer so schnell
meinem Rufe folgen.“

Eines Tages kam die Witwe des Ritters von Hohenburg, mit ihrer Tochter
Emma in das Schloß. Die Dame schien sehr traurig, und als sie den
Ritter von Falkenburg sah, rief sie ihm zu:

„Edler Ritter, als mein geliebter Mann so jung an einer gefährlichen
Wunde sterben mußte, hieß er mich zu Ihnen kommen, wenn ich je Hülfe
brauchte. Er sagte mir: ‚Der Ritter von Falkenburg ist ebenso gut wie
tapfer, und, da du weder Vater noch Bruder hast, mußt du ihn zu Hülfe
rufen, wenn du deren bedarfst.‘ Meine zwei Nachbarn sind beide sehr
schlecht; der eine nimmt mir meine schönen Wälder, und der andere nimmt
mein Korn und mein Gras. Wenn ich klage, lachen sie beide, und da ich
keine Verwandten habe, und ganz allein mit meiner Tochter und einigen
treuen Bedienten wohne, denken die bösen Ritter, daß sie thun können,
was ihnen beliebt. Helfen Sie mir, Herr Ritter, sonst wird mir und
meinem Kinde bald nichts mehr bleiben.“

Der Ritter von Falkenburg antwortete nicht sogleich, und die
kleine Elsa rief: „Ach, Vater, hilf doch der schönen Frau und dem
kleinen Mädchen! Als ich meine kleine Taube annahm um sie vor dem
bösen Raubvogel zu beschützen, sagte mir die Mutter, daß man einem
Schwächeren immer helfen und ihn beschützen soll.“

„Deine Mutter hat Recht,“ erwiderte der Vater. „Ich werde der Dame
helfen, so gut ich kann. Ich antwortete nur nicht sogleich, weil ich
auf einen guten Plan sann, um die beiden Ritter zu bestrafen.“

Der Ritter und seine Frau luden die Witwe jetzt ein, einige Tage im
Schloß Falkenburg zu verweilen (bleiben). Unterdessen ging der Ritter,
um ihre Feinde aufzusuchen. Er sagte ihnen, daß er die gnädige Frau von
Hohenburg unter seinen Schutz genommen habe, und daß er ihnen den Krieg
erklären würde, wenn sie sich nicht als gute Nachbarn zeigten.

Die zwei Ritter wußten so wohl, daß der Ritter von Falkenburg immer
Wort hielt, und fürchteten sich so sehr vor diesem tapferen Manne, daß
sie jetzt beide ihr Ehrenwort gaben, die gnädige Frau von Hohenburg in
Ruhe zu lassen.

Die Witwe war dem Ritter von Falkenburg sehr dankbar, als sie vernahm,
daß ihre Feinde ihr Ehrenwort gegeben, sie nicht mehr zu berauben.

Die zwei kleinen Mädchen, die unterdessen sehr gute Freundinnen
geworden waren, wären gerne zusammen geblieben, aber jetzt mußte die
Witwe mit Emma nach Hause gehen.

„Mutter, ich möchte Emma etwas geben, um ihr meine Liebe zu bezeugen,“
sagte die kleine Elsa.

„Nun, mein Kind, gieb ihr, was du willst. Wenn du ihr etwas giebst,
das du selbst schätzest (liebst), wirst du ihr deine Liebe am besten
zeigen.“

Die kleine Elsa sann eine Weile nach und dann rief sie: „Emma soll
meine Taube haben! Den Vogel habe ich am liebsten!“

Es war ihr schwer, sich von der Taube zu trennen, dennoch gab sie sie
ihrer Freundin. Da sagte der Ritter:

„Fräulein Emma, Sie werden die Taube in einen Käfig stecken müssen
bis sie Elsa vergessen hat, sonst fliegt sie sogleich wieder hierher
zurück.“

Die Freunde trennten sich jetzt und Emma und ihre Mutter gingen nach
Hause, wo die Taube in einen Käfig gesteckt wurde. Am folgenden Tage
kamen zwei Pilger in das Schloß Hohenburg. Sie hatten lange, braune
Röcke mit Kapuzen an, und erzählten viel vom Heiligen Lande, wohin sie,
wie sie sagten, eine Pilgerfahrt gemacht.

Emma und ihre Mutter hatten viele Freude an ihren Erzählungen, und als
sie am folgenden Morgen wieder weiter zogen, sagte die Dame:

„Da Sie nach Thüringen reisen, werden Sie gegen Abend im Schlosse
Falkenburg ankommen. Da werden Sie übernachten; bitte, grüßen Sie den
Ritter und seine Gemahlin von mir.“

„Ja,“ rief Emma, „bitte grüßen Sie auch das Fräulein Elsa, und sagen
Sie ihr, daß die Taube sehr wohl ist.“

Die Pilger versprachen, der Familie von Falkenburg die Grüße zu
bestellen, und da sie sagten, daß sie den Weg nach dem Schlosse nicht
kannten, schickte die gute Frau von Hohenburg einen jungen Diener mit,
um ihnen den Weg dahin zu weisen.

Dieser junge Diener war ein Italiener, sprach aber gut Deutsch. Der
Ritter von Hohenburg hatte ihn erzogen, weil seine Eltern beide tot
waren. Die Pilger dachten, der Diener verstehe nur Deutsch und während
sie ihm folgten, fingen sie an, Italienisch zu sprechen.

Der Diener wollte ihnen eben sagen, daß er Italienisch verstehe, als
er hörte, daß diese Männer keine Pilger, sondern Räuber waren. Sie
gehörten zu einer Bande von Räubern, welche der Ritter von Falkenburg
aus der Gegend getrieben hatte, und sie wollten sich jetzt rächen.

Ihr Plan war, als Pilger in das Schloß zu gehen. Sie wußten, daß man
sie da übernachten lassen würde. Sie wollten nachts ein Licht ins
Fenster stellen, zum Zeichen für ihre Verbündeten draußen, daß sie zur
Gartenthür kommen sollten. Diese Thür wollten sie dann geräuschlos
öffnen, die Verbündeten hereinlassen und dann wollten sie die Einwohner
des Schlosses töten, die Räume plündern und endlich das Schloß anzünden.

Der Jüngling hörte das alles, und einmal, als der eine Pilger über
einen Stein fiel, sah er, daß er eine stählerne Rüstung unter dem
braunen Rocke trug. Er fürchtete sich sehr, und wußte nicht, was er
thun sollte.

Bald kamen sie an einen kleinen Fluß. Das Wasser lief zwischen zwei
hohen Felsen und darüber war ein Baumstamm als Brücke geworfen. Da
sagte der älteste der Pilger:

„Vielleicht hat der Diener meine Rüstung doch gesehen. Er könnte uns
verraten. Gehe du erst hinüber; ich werde ihn dann hinübergehen heißen
und ihm folgen. Wenn wir auf die Mitte der Brücke kommen, werde ich ihn
in das Wasser hinunterstoßen und dann kann er uns nicht verraten.“

Als der junge Diener das hörte, wurde er sehr blaß vor Angst, und er
sagte zu den Pilgern:

„Ach, ich kann nicht über die Brücke gehen, mir schwindelt!“

„Nun, ich will dich hinübertragen,“ sagte der älteste Pilger.

„Nein, nein!“ rief der Diener. „Sie würden mich fallen lassen! Sehen
Sie, gute Pilger, Sie brauchen meine Hülfe nicht mehr. Von hier aus
geht der Weg gerade zum Schlosse, wo Sie übernachten sollen. Lassen Sie
mich jetzt nach Hause gehen.“

Die falschen Pilger sprachen jetzt noch ein wenig auf Italienisch, und
während der älteste sagte, daß es besser wäre, den Jüngling zu töten,
sagte der jüngere, daß er ihn solle gehen lassen. Endlich rief der
älteste:

„Nun, er kann gehen. Wir werden die Brücke in den Fluß werfen. Dann
kann Niemand hinüber, und du weißt, daß es viele Stunden braucht,
wenn man den anderen Weg herumgehen muß. Er versteht doch kein Wort
Italienisch und wenn er auch Alles verstanden hätte, könnte er unseren
Plan dem Ritter nicht früh genug sagen. Ehe ein Bote den anderen Weg
herumkommen kann, werden der Ritter und seine Familie tot und das
Schloß niedergebrannt sein.“

Endlich ließen die Pilger den Jüngling gehen, und sobald er nicht mehr
von ihnen gesehen werden konnte, lief er so schnell als möglich nach
Hause. Da erzählte er der Witwe Alles. Sie erschrak sehr und wollte den
Ritter warnen, aber es war unmöglich, schnell genug dahin zu gelangen.

Der Diener sagte: „Gnädige Frau, man kann nicht mehr über den Fluß
gehen bis man an die große Brücke, fünfzehn Meilen von hier, kommt.
Man müßte Flügel haben, um schnell genug dahin zu kommen.“

Die kleine Emma, die Alles gehört hatte, rief jetzt: „Ach, Mutter, die
Taube! die Taube! Schreibe schnell einen Brief. Wir werden ihn der
Taube um den Hals binden, und sie fliegt sicher gleich zu Elsa!“

Die Mutter verstand. Ohne eine Minute zu verlieren, schrieb sie eine
Warnung. Der kleine Brief wurde der Taube fest um den Hals gebunden und
dann wurde sie frei gelassen.

Sie flog hoch auf, und nach einigen Minuten flog sie schnell gegen
Falkenburg.

„Gott gebe, daß unsere Warnung glücklich ankommt!“ sagte die Witwe.

Sie brachte die Nacht auf dem Turm zu, wo sie betete und unermüdlich
gegen Falkenburg hinschaute, wo sie fürchtete, das rote Licht eines
Feuers zu sehen.

Unterdessen waren die Pilger in dem Schlosse von Falkenburg angekommen.
Der Ritter hieß sie willkommen, und bat sie, sich im Pilgerzimmer ein
wenig auszuruhen, und sagte, daß er ihren Erzählungen erst nach dem
Abendessen gern zuhören würde.

Die Familie von Falkenburg saß allein im Wohnzimmer als sie ein kleines
Geräusch hörten. Elsa ging an das Fenster und rief schnell: „Mutter,
hier ist meine Taube! Sieh, sie ist entflohen! Emma hat ihr ein rotes
Band um den Hals gebunden, und ach, da ist auch ein Stück Papier!“

Vater und Mutter traten jetzt näher. Der Ritter nahm das Papier,
entfaltete es und las:

„Guter Ritter von Falkenburg.

„Die zwei Pilger, die Sie im Hause haben, sind Räuber. Sie waren
gestern hier über Nacht und mein Diener hat sie über den Berg führen
müssen, da sie sagten, daß sie den Weg zu Ihrem Schlosse sonst nicht
finden würden.

„Unterwegs sprachen sie Italienisch, und Bernhardt, der in Italien
geboren ist, hat Alles verstanden. Sie haben die Brücke zertrümmert.
Diese Nacht sollen sie ein Licht in das Fenster des Pilgerzimmers
stellen. Ihre Verbündeten werden dann kommen und von den Pilgern durch
die Gartenthür herein gelassen werden. Während Sie schlafen, sollen Sie
alle ermordet werden. Die Räuber wollen das Schloß plündern und darauf
anzünden. Gott gebe, daß diese Warnung nicht zu spät kommt und Sie sich
werden verteidigen können.

                                                  „Emma von Hohenburg.“

Der Ritter war sehr erstaunt, aber jetzt, da er gewarnt worden, war
keine Gefahr mehr, und er machte schnell einen Plan, um die Räuber in
Verhaft zu nehmen.

Der Ritter rief dann seine Diener, teilte ihnen alles mit und erklärte,
was er thun wollte, um die Räuber zu verhaften. Dann ließ er die
falschen Pilger hereinkommen.

Sie fingen gleich an zu sagen, daß die Frau von Hohenburg sehr gütig
gewesen sei, und ihren Gruß schicke. Dann fingen sie an, den Ritter und
dessen Gemahlin zu loben.

Der Ritter war so böse, diese falschen Worte zu hören, daß er bald
ausrief:

„Schweigen Sie! Sie lügen! Ich weiß alles! Sie sind keine frommen
Pilger, sondern Räuber. Sie sind hierher gekommen, um mich, meine
Familie und alle meine Diener zu morden. Sie wollen durch ein Licht
in dem Fenster Ihres Zimmers Ihre Verbündeten hierher bringen, sie
durch die Gartenthür in das Schloß führen, und wenn Sie alle gemordet
und genug geplündert haben, wollen sie das Schloß in Brand stecken
(verbrennen).“

Die Pilger waren höchst erstaunt, aber ehe sie ein Wort sagen konnten,
rief der Ritter seine Diener herbei und ließ die zwei bösen Männer in
Verhaft nehmen.

Dann zündete er selbst ein Licht an, stellte es in das Fenster, und um
die bestimmte Stunde hörte man ein leises Pochen am Gartenthor.

Der Ritter, der einen Pilgerrock über seine Rüstung gezogen, ließ die
anderen Räuber in den Hof herein kommen, wo alle seine bewaffneten
Diener versteckt waren, und in einigen Minuten waren sie alle
festgebunden!

Die Familie von Falkenburg war von einem furchtbaren Tode verschont und
sie sprachen oft davon, wie wunderbar sie durch Gottes Güte gerettet
worden. Emma von Hohenburg ließ eine Taube in ihr Wappen malen, damit
Ihre Nachkommen diese Geschichte nie vergessen sollten.



12. Anekdoten.


Von Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen, werden viele sehr
unterhaltende Anekdoten erzählt, unter welchen auch folgende:

Eines Tages, als der König auf der Reise war, hielt er in einem kleinen
Dorfe an, um etwas am Wagen ausbessern zu lassen. Da er nicht sogleich
weiter fahren konnte, trat er unterdessen in die Dorfschule ein.

Es waren viele Kinder dort, und der Lehrer ließ sie lesen, schreiben,
rechnen und singen, damit der König sehen könne, wie sorgfältig er die
Kinder unterrichtet hatte. Der König hörte befriedigt zu, und als das
Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen zu Ende war stand er auf und sagte:

„Herr Lehrer, ich möchte gerne einige Fragen an die Kinder stellen,
erlauben Sie dies wohl?“

„Gewiß, Majestät, gewiß,“ erwiderte der alte Lehrer, und verbeugte sich
tief vor dem König.

„Nun, Kinder, sagte der König, jetzt habt ihr die Fragen eueres Lehrers
sehr richtig beantwortet. Jetzt wollen wir einmal sehen ob ihr meine
Fragen eben so gut beantworten könnt.“

Er nahm einen Apfel, der auf dem Pulte des Lehrers lag und fragte:

„Nun, Kinder, paßt auf. In welches Reich gehört dieser Apfel?“

Die Kinder zögerten, denn sie fürchteten sich ein wenig vor dem großen
König. Dieser wartete geduldig, und da er ein kleines Mädchen sah, das
sehr kluge, blaue Augen hatte, sagte er zu ihr:

„Kannst du mir nicht sagen, kleines Mädchen, in welches Reich dieser
Apfel gehört?“

Das kleine Mädchen antwortete sogleich: „Er gehört ins Pflanzenreich,
Herr König.“

„Das ist gut, mein Kind, das ist die richtige Antwort,“ rief der König
erfreut. „Der Apfel, so wohl wie alle Früchte und Gemüse, gehört zur
Pflanzenwelt.“

Jetzt sagte er, ein Goldstück aus der Tasche nehmend: „Könnt ihr mir
sagen, Kinder, in welches Reich dieses Goldstück gehört?“

Die Kinder blieben wieder stumm. Nur das kleine, blauäugige Mädchen
sagte endlich schüchtern:

„Das Goldstück gehört in das Mineralreich, Herr König.“

„Du hast wieder richtig geantwortet, mein Kind,“ rief der König freudig
aus. „Wer kann aber jetzt meine dritte und letzte Frage beantworten?
Welchem Reiche gehöre ich an?“

Die Kinder schwiegen wieder alle. Der König wartete eine Zeitlang sehr
geduldig, dann wiederholte er seine Frage, aber vergebens. Endlich
fielen seine Augen wieder auf das kleine Mädchen und er sagte gütig:

„Nun, mein Kind, du hast bisher meine Fragen so richtig beantwortet,
kannst du diese nicht auch beantworten? Weißt du es nicht?“

„Ja, Herr König, ich ~weiß~ es schon,“ erwiderte das Mädchen, wurde
aber rosenrot und verstummte wieder.

„Nun dann, sprich,“ fuhr der König gütig fort.

Das Mädchen zauderte noch einen Augenblick, denn sie durfte dem König
doch nicht sagen, daß er dem Tierreich angehöre. Das wäre gar zu
unhöflich, dachte sie bei sich selbst. Endlich aber blickte sie freudig
auf und sagte mit heller Stimme:

„Sie gehören dem Himmelreich an, Herr König.“

Diese Antwort gefiel dem König so gut, daß er mit Thränen in den Augen
freundlich erwiderte:

„Gott gebe, mein Kind, daß ich einmal dahin komme!“

       *       *       *       *       *

Friedrich der Große konnte nicht gut schlafen; deßhalb befahl er, daß
seine Pagen, der Reihe nach, die Nacht in einem Nebenzimmer durchwachen
sollten, damit immer Jemand bereit sei, ihm vorzulesen, wenn er es
wünschte.

Eines Nachts klingelte er um zwei Uhr Morgens. Niemand kam. Er
klingelte wieder, aber umsonst. Er rief laut, aber es kam immer Niemand
auf seinen Ruf.

Der König war jetzt recht böse; er sprang aus dem Bette, zog schnell
Schlafrock und Pantoffeln an, und ging in das Nebenzimmer, um zu sehen,
ob Niemand da sei, wie er befohlen.

Als er hereintrat, sah er einen seiner Pagen an dem Tische sitzen. Er
hatte ein Blatt Papier vor sich, die Feder in der Hand, und obgleich
der Brief, den er schrieb, noch nicht beendigt war, schlief er fest,
seinen Kopf an den Lehnstuhl geschmiegt.

„Ach, so wacht mein Page!“ dachte der König. „Er schläft gut. Wenn ich
nur ebenso gut schlafen könnte!“

Der König sah den Jüngling eine Zeitlang an, dann fuhr er zu sich
selbst fort: „Nun, der Jüngling sieht recht müde aus. Was kann er wohl
geschrieben haben, das ihn so ermüden konnte?“

Friedrich nahm das Papier und las folgendes:

    „Teure Mutter.

„Es freut mich, daß ich dir endlich ein wenig Geld schicken kann, --
Geld, das ich ehrlich verdient habe. Du weißt, mein Gehalt ist nicht
groß, darum habe ich dir bisher so wenig Geld schicken können.

„Aber jetzt hat der König befohlen, daß ein Page immer nachts im Zimmer
neben seinem Schlafgemach wachen soll. Meine Kameraden wachen nicht
gern, und sie haben mir jedesmal einen Thaler gegeben, damit ich an
ihrer Stelle wache. Schon drei Nächte hintereinander habe ich nun
gewacht, und habe so das Geld verdient, das ich dir hiermit sende. Ich
bin aber so schläfrig, daß ich die Augen fast nicht mehr offen halten
kann. Morgen kann ich nicht wieder wachen, sonst würde ich sicher
einschlafen, und dann wäre der König nicht gut bedient.“

Der Brief war nicht vollendet; hier hatte der Schlaf den Jüngling
übermannt. Der König legte das Blatt wieder hin, ging in sein
Schlafgemach, holte eine Börse voll Gold, steckte sie dem Jüngling in
die Tasche und legte sich wieder ins Bett. Später, als er ein kleines
Geräusch in dem Nebenzimmer hörte, klingelte er wieder.

Der Jüngling trat sogleich herein. Zufällig fiel seine Hand auf seine
Tasche, worin er einen harten Gegenstand fühlte. Schnell zog er ihn
heraus, und als er eine Börse voll Gold sah, brach er in Thränen aus.

„Was fehlt dir denn?“ fragte der König erstaunt.

„Ach, Majestät,“ rief der Jüngling, „ich bin in dem Nebenzimmer
eingeschlafen, weil ich so müde war. Während ich schlief, muß Jemand
in das Zimmer gekommen sein und mir diese Börse voll Gold in die
Tasche gesteckt haben. Eine solche Summe habe ich nie gehabt. Es
ist wahrscheinlich gestohlenes Gut und nun werde ich vielleicht des
Diebstahls beschuldigt werden.“

„Nein, nein!“ rief der König jetzt. „Niemand wird dich des Diebstahles
beschuldigen. Das Geld habe ich dir selbst in die Tasche gesteckt. Du
bist ein guter, ehrlicher Junge, denn ich weiß, warum du eingeschlafen
warest. Von nun an sollst du ein größeres Gehalt haben, damit du deiner
Mutter helfen kannst, ohne deine Nachtruhe zu entbehren.“

       *       *       *       *       *

Der König Friedrich hatte ein Lustschloß, wo er sich gern aufhielt und
wo er mit seinem Freunde, dem Schriftsteller Voltaire, viele schöne
Stunden verbrachte. Es fiel dem König einst ein, daß sein Schloß viel
schöner sein würde, wenn der Park nur größer wäre.

Er ließ Pläne dafür entwerfen, und als man sie ihm brachte, gefielen
sie ihm gar gut.

„Führen Sie diese Pläne sogleich aus,“ befahl er seinen Dienern. „Aber
was ist das?“ fügte er hinzu, und deutete mit dem Finger auf eine
Stelle auf dem Plane, der ihm vor Augen lag.

„Das ist das Land des Müllers von Sans-Souci, welches er durchaus nicht
verkaufen will.“

„Was! Mir nicht verkaufen will?“ rief der König. „Unverschämter Kerl!
Führt ihn sogleich hierher, er wird es mir abtreten müssen!“

Der Müller kam und der König redete ihn an:

„Nun, Müller, wollt Ihr mir Euere Mühle um einen guten Preis abtreten?“

„Nein, das will ich nicht!“ rief der Müller. „Die Mühle gehörte meinem
Vater und Großvater. Ich bin darin geboren, und gedenke darin zu
sterben und sie meinen Kindern zu hinterlassen.“

Der König zeigte dem Müller seine Pläne, erklärte ihm, warum er das Gut
kaufen wolle, und bot ihm einen sehr hohen Preis dafür.

Der Müller wollte aber die Mühle um keinen Preis verkaufen und
wiederholte sein Nein, bis der König ärgerlich (böse) wurde und heftig
ausrief:

„Wißt Ihr wohl, hartnäckiger Müller, daß ich Euch die Mühle nehmen
kann, ohne zu fragen und ohne sie zu bezahlen!“

Der Müller schmunzelte nur und erwiderte zuversichtlich:

„Ja, Herr König, aber es giebt auch Richter in Berlin, die Sie bald
dafür bestrafen würden; man kann nicht unbestraft rauben!“

Als der König diese zuversichtliche Sprache hörte, war er zuerst
erstaunt; bald aber lachte er herzlich und sprach:

„Ich bin sehr froh, daß meine Unterthanen so fest an die Gerechtigkeit
meiner Richter glauben, deßhalb soll der Müller seine Mühle behalten.“

Der Plan des Parkes wurde verändert, aber zum Andenken an dieses
Ereignis hieß der König sein Landschloß, so wie die Mühle, „Sans-Souci.“

       *       *       *       *       *

Friedrich der Große war fast immer im Kriege mit den anderen Nationen
und brauchte deßhalb immer viele Soldaten. Eines seiner Regimenter
bestand nur aus außerordentlich großen und schönen Männern. Eines Tages
stellte sich ein sehr großer und stattlicher Franzose dem Hauptmanne
vor, und sagte ihm, daß er gerne dem König von Preußen dienen würde.

Seiner Größe halber, nahm ihn der Hauptmann sogleich an, ließ ihm eine
Uniform machen, und sagte ihm, daß er so schnell als möglich Deutsch
lernen solle.

„Einstweilen,“ fügte er bei, „müßt Ihr wenigstens die Antwort auf
drei Fragen lernen. Der König hat gar scharfe Augen. Er wird sogleich
bemerken, daß Ihr neu im Dienste seid, und er wird Euch die drei Fragen
stellen, die er jedem neuen Soldaten zu stellen pflegt. Sie lauten
so: Erstens, Wie alt seid Ihr? Zweitens, Wie lange seid Ihr in meinem
Dienste. Drittens, Erhaltet Ihr pünktlich Uniform und Lohn?

„Da er immer dieselben Fragen zu stellen pflegt, und immer nach
derselben Reihenfolge, sollt Ihr die drei Antworten dazu genau lernen,
damit Ihr frischweg antworten könnt.“

Einige Zeit darauf kam der König, um das Regiment zu mustern. Als er zu
dem Franzosen kam, hielt er plötzlich still, sah ihn wohl vergnügt an,
und sagte rasch:

„Wie lange seid Ihr in meinem Dienste?“

Der Franzos, der die Frage gar nicht verstand, gab pünktlich die erste
eingelernte Antwort.

„Ein und zwanzig Jahre, Majestät.“

„Was! Wie alt seid Ihr denn?“ rief der König höchst erstaunt.

„Ein Jahr, Majestät!“

Diese Antwort überraschte den König noch mehr.

„Entweder seid Ihr verrückt oder ich bin es!“ rief der König ärgerlich.

„Beide, Majestät!“ antwortete der Soldat, der die eingelernte Antwort
auf die dritte Frage ohne Zaudern gab.

Als der Hauptmann jetzt die Sachlage erklärte, lachte der König
herzlich und befahl dem Soldaten so schnell wie möglich Deutsch zu
lernen.

       *       *       *       *       *

Eines Tages kehrte der König von Preußen in einem kleinen Dorfe ein,
und besuchte den Priester.

„Nun, guter Priester, sind Sie mit Ihren Leuten zufrieden?“ fragte der
König freundlich.

„Ja, Majestät. Es sind meistens recht brave Leute. Es thut mir nur
leid, daß die Männer das Wirtshaus der Kirche vorziehen. Sonntags gehen
sie immer ins Wirtshaus, da rauchen sie und trinken Bier, während ihre
Weiber dem Gottesdienst beiwohnen.“

„Nun!“ sagte der König, „wir wollen sehen, ob wir diesem Unfug ein Ende
machen können.“

Am folgenden Sonntag, als die Kirchenglocken läuteten, und die Frauen
in die Kirche gingen, kehrten die Männer wie gewohnt in das Wirtshaus
ein. Ein Unbekannter kam auch herein.

Die Bauern saßen wie gewöhnlich um einen großen Tisch herum. Sie
rauchten unermüdlich und sprachen wenig. Der Fremde saß auch an dem
Tisch, zündete seine Pfeife an, und rauchte auch. Bald kam der Wirt.
Er trug einen großen Krug voll Bier, stellte ihn auf den Tisch vor den
ältesten Bauer, der an dem einen Ende des Tisches saß und ging wieder
fort.

Der alte Bauer legte die Pfeife nieder, nahm den Krug in beide Hände,
hob ihn auf und trank. Als er genug getrunken hatte, reichte er den
Krug seinem Nachbarn und jetzt hörte ihn der Fremde sagen „Gieb’s
weiter!“ (Gieb das deinem Nachbarn).

Der Mann, der den Krug jetzt empfing, trank auch so viel ihm beliebte,
reichte den Krug seinem Tischnachbarn und sagte auch:

„Gieb’s weiter!“

So ging der Krug von Hand zu Hand. Jeder trank und wiederholte
dieselben Worte, „Gieb’s weiter!“ Sonst sprachen die Bauern kein Wort.
Als der Krug zweimal die Runde des Tisches gemacht, stand der Fremde
plötzlich auf, hob die Hand, und gab seinem Nachbarn eine tüchtige
Ohrfeige.

„Gieb’s weiter!“ rief er mit donnernder Stimme. „Diese Ohrfeige soll
die Runde gehen, wie der Krug eben die Runde gegangen ist.“

Der Fremde schlug jetzt den Mantel zurück und die Bauern sahen die
Uniform, die er darunter trug, und erkannten sogleich den König.

„Gieb’s tüchtig weiter!“ donnerte er wieder, seinem erstaunten Nachbarn
eine zweite und noch tüchtigere Ohrfeige gebend. „Gieb’s weiter, sage
ich und schlag tüchtig, sonst ...“

Er brauchte den Befehl nicht mehr zu wiederholen. Der Mann schlug
tüchtig! Die Ohrfeigen gingen jetzt um den Tisch herum, so schnell wie
möglich. Nachdem die Ohrfeigen mehrmals die Runde gemacht hatten, rief
der König:

„Halt! das ist jetzt der Ohrfeigen genug für heute. Aber wenn ihr
Männer Sonntag morgens hier in dem Wirtshause sitzt, anstatt in die
Kirche zu gehen, sollt Ihr etwas noch schlimmers kriegen als Ohrfeigen.“

Der König ging hinaus. Die Bauern folgten ihm sogleich und gingen jetzt
jeden Sonntag pünktlich in die Kirche und der Priester hatte nie mehr
Ursache zum Klagen.



13. Rübezahl.


Vor vielen tausend Jahren hauste ein mächtiger Geist in dem
Riesengebirge. Die Gnomen und Kobolde waren seine Unterthanen und
diese kleinen Leute waren immer sehr beschäftigt, Gold, Silber und
Edelsteine zu suchen und in den schönen unterirdischen Palast des
Berggeistes zu tragen.

Eines Tages, nachdem er fünf hundert Jahre in dem Berge geblieben war,
ohne ein einziges Mal die Oberfläche der Erde besucht zu haben, fiel
ihm ein zu sehen, was auf der Erde vorging.

Der Berggeist bestieg die höchste Kuppe des Gebirges und schaute hinab
auf das schöne Land. Während seiner langen Abwesenheit hatte sich die
Welt sehr verändert.

Die Wälder waren nicht mehr so dicht, Straßen liefen nach allen
Richtungen, nach den Dörfern, die im Thale standen, und nach den
prächtigen Schlössern, die man ringsum auf den Höhen erblickte. Statt
einer Wüste, wo Wolf und Bär hausten, sah man jetzt wogende Kornfelder
und blühende Gärten.

„Die Erde sieht nicht mehr aus wie ehemals!“ rief der Berggeist
erstaunt. „Seitdem ich zuletzt hier oben war, hat sich alles sehr
verändert! Ich muß doch einmal in das Thal gehen, um das Thun und
Treiben der Menschen näher zu betrachten.“

So sprechend, verwandelte sich der Berggeist in die Gestalt eines
Jünglings, und ging den Berg hinunter. Er beschaute Dörfer und Felder,
und kam endlich in einen prächtigen Garten, wo er das Lachen fröhlicher
Mädchen vernahm.

Der Berggeist versteckte sich hinter einen Busch, und bald sah
er mehrere muntere Jungfrauen, die auf dem schönen grünen Rasen
spielten. Eine dieser Jungfrauen war besonders reizend, und der Geist
betrachtete sie mit besonderer Freude.

Endlich seufzte er und flüsterte:

„Ach, wie schön wäre es doch, wenn ich ein so schönes Geschöpf in
meinem unterirdischen Schlosse immer unter den Augen haben könnte. Nun,
warum sollte ich sie nicht entführen?“ fuhr der Geist leise fort. „Das
wäre mir sehr leicht!“

Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er sich plötzlich in einen
Sturmwind verwandelte, die wunderschöne Jungfrau ergriff und aus dem
Kreise ihrer Gespielinnen forttrug.

Im Nu befand er sich wieder in seinem unterirdischen Palaste, wo er das
Mädchen sanft auf ein Ruhebett legte.

Dort kniete er demütig zu ihren Füßen nieder und harrte geduldig,
bis sie die schönen Augen langsam öffnete, denn sie war ohnmächtig
geworden, als der Berggeist sie so plötzlich umfangen hatte.

Endlich erwachte die schöne Prinzessin Emma mit einem Seufzer aus ihrem
Schlafe und blickte verwundert umher. Sie sah die glänzenden Wände des
Palastes, die mit Diamanten, Perlen, Rubinen, Saphiren und Amethysten
geschmückt waren, und zuletzt fiel ihr Blick auf den harrenden Jüngling
zu ihren Füßen. Als die blauen Augen endlich auf ihm ruhten, rief der
Geist:

„Schöne Jungfrau, fürchte dich nicht, du stehst unter meinem Schutze,
und Niemand soll dir jemals ein Leid zufügen.“

„Wer bist du?“ fragte Emma erstaunt.

„Ich bin der Beherrscher des Riesengebirges und du befindest dich in
meinem unterirdischen Palaste. Hier sollst du als Königin herrschen.“

Emma hörte diesen Worten schweigend zu, und als sie bemerkte, wie
demütig der Berggeist vor ihr kniete, fürchtete sie sich gar nicht
mehr, und beschloß, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, bis sie
Gelegenheit finden würde, sich aus der Gewalt des Geistes zu befreien.

Ihr Schweigen beunruhigte den Berggeist, doch schlug er ihr vor, die
Schätze seines Reiches zu beschauen. Das gefiel der Jungfrau, und sie
begleitete den Geist durch alle Zimmer und Säle des Schlosses, und
bewunderte die aufgehäuften Edelsteine und die glänzenden Metalle,
welche die Kobolde und Gnomen eifrig zu schmelzen beschäftigt waren.

Eine Zeitlang fand Emma Vergnügen daran, die Herrlichkeiten dieses
unterirdischen Reiches zu bewundern, aber endlich wurde ihr die Zeit
lang.

Als der Berggeist einmal in ihr Gemach trat, fand er sie in Thränen. Er
blieb einen Augenblick still stehen, dann fiel er auf die Kniee vor der
weinenden Schönen, und rief verzweifelnd:

„Schöne Jungfrau, was fehlt dir? Hat dich Jemand beleidigt? Hast du
einen Wunsch, so sollst du ihn erfüllt sehen, und koste es mir die
Hälfte meines Reiches! Gebiete nur, ich stehe zu deinem Dienste bereit.“

„Dann führe mich wieder nach meines Vaters Schloß,“ erwiderte Emma,
„und gieb mich meinen Eltern und Gespielinnen zurück. Ich langweile
mich zu Tode hier in deinem unterirdischen Reiche, wo ich außer dir
keine menschliche Gesellschaft habe.“

„Ist das der Grund deiner Thränen?“ rief der Berggeist aufspringend.
„Ich kann dir deine Eltern und deine Heimat nicht zurückgeben, denn ich
kann mich nicht mehr von dir trennen. Aber wenn du dich langweilst, und
dich nach der Gesellschaft deiner Gespielinnen sehnst, soll dein Wunsch
erfüllt werden. Warte nur, ich bin gleich wieder da.“

Der Geist ging hinaus auf das Feld, zog einen Korb voll Rüben aus, und
brachte sie, nebst einem Zauberstäbchen, der schönen Prinzessin.

„Sieh her!“ rief er fröhlich. „In diesem Korbe findest du alles, was du
begehrst.“

Zuerst wurde die Jungfrau sehr zornig, aber der Geist erklärte ihr,
daß sie die Rüben nur mit dem Zauberstäbchen anzurühren brauche,
einen Namen aussprechend, so würden die Gemüse sogleich in Menschen
verwandelt werden.

Der Prinzessin gefiel dieser Gedanke sehr, sie nahm das Zauberstäbchen
zur Hand, und im Nu verschwanden die Rüben und an ihrer Stelle
erblickte Emma ihre geliebte Freundin Brunhilde, alle ihre anderen
Gespielinnen und zuletzt sogar ihren Hund und ihre Katze.

Jetzt lachte Emma wieder fröhlich, und das Leben im Berge war ihr viel
erträglicher als zuvor. Nach einiger Zeit aber bemerkte die schöne
junge Herrin, daß ihre Gefährtinnen ihre frischen Farben allmählig
verloren, und daß sie immer magerer und schwächer wurden. Emma
fürchtete, daß sie krank seien, aber sie versicherten alle, daß sie
sich sehr wohl befänden.

Eines Tages aber, als die Prinzessin aus ihrem Gemache kam, sah sie,
daß die Gestalten ihrer Freundinnen so hinfällig waren, daß sie vor
Mitleid in Thränen ausbrach.

Sie lief schnell zum Berggeist, dem sie die heftigsten Vorwürfe über
seine Betrügerei machte. Der Berggeist hörte schweigend zu, aber als
die Prinzessin mit ihren Vorwürfen zu Ende war, sagte er sanft:

„Schöne Prinzessin, ich kann es leider nicht verhindern, daß die
Abbilder deiner Gefährtinnen allmählich sterben. Siehst du, es sind nur
Abbilder, und so lange noch Saft und Kraft in den Rüben war, konnten
sie frisch und lebensvoll bleiben.

„Jetzt aber sind die Säfte vertrocknet und deine Gefährtinnen können
nicht mehr lange leben. Doch warum solltest du deine schönen Augen
deßhalb ausweinen. Verwandele sie nur mit deinem Zauberstäbchen wieder
zu Rüben, und wirf sie weg. Dann werde ich dir frische Rüben bringen,
und du kannst sie nach Belieben in Menschen verwandeln.“

Diese Worte ermunterten Emma sehr; sie kehrte in ihr Gemach zurück, und
sobald sie die welken Gestalten der Gefährtinnen mit dem Zauberstäbchen
berührt, verschwanden sie, und es blieben nichts als vertrocknete Rüben
auf dem Boden liegen.

Diese wurden ohne Zögern zum Fenster hinausgeworfen, und Emma wartete
nun mit Ungeduld auf den Geist, der ihr versprochen, frische Rüben
herbeizuschaffen.

Endlich kam er und sagte verlegen, daß er vergebens frische Rüben
gesucht. Es waren keine mehr zu finden, denn der kalte Winter war
gekommen, und die Erde starrte in Eis und Schnee.

Als die Prinzessin diese Nachricht vernahm, wurde sie sehr zornig,
und machte dem Berggeiste so heftige Vorwürfe, daß er ihr versprechen
mußte, so schnell wie möglich frische Rüben wachsen zu machen.

Der arme Berggeist hatte jetzt alle Hände voll zu thun. Er rief die
Gnomen und Kobolde, hieß sie Schnee und Eis von einem Felde wegräumen,
und große Feuer darunter anzünden, damit der Boden durchwärmt würde.

Während die Kobolde und Gnomen diese Befehle ausführten, ging der
Berggeist selbst in der Gestalt eines Bauers in die nächste Stadt, wo
er einen großen Sack voll Rübensamen einkaufte.

Der Rübensamen wurde auf das Eis und Schnee befreiten Feld gesät, und
da die Gnomen die unterirdischen Feuer Tag und Nacht aufschürten,
fingen die Rüben bald an zu wachsen.

Emma wurde jeden Tag ungeduldiger, und als die ersten kleinen Rüben
wuchsen, zog der Berggeist einige heraus, um sie der Prinzessin zu
zeigen. Emma sah sie etwas verächtlich an und rief:

„Ach! wenn es so langsam geht, werde ich vor Kummer und Einsamkeit
sterben müssen, ehe die Rüben groß genug sind, um mir von Nutzen zu
sein.“

„Nein,“ versicherte der Berggeist, „es wird nicht lange dauern und du
hast Rüben die Fülle. Da sind schon einige Kleine.“

Er eilte wieder hinaus um die unterirdischen Feuer anzuschüren.
Unterdessen blieb die Prinzessin in ihrem Gemache und dachte traurig
an ihren Verlobten, den Prinzen Ratibor. Sie hätte ihm gar gerne einen
Boten geschickt, um ihm zu sagen, daß sie in dem unterirdischen Palaste
gefangen sei, und daß er schnell kommen solle, um sie zu befreien.

Als sie so nachsann und ihre Augen auf die winzigen Rüben fielen, kam
ihr ein plötzlicher Gedanke. Sie holte den Zauberstab herbei, berührte
eine Rübe, verwandelte sie in eine Biene und flüsterte ihr zu:

„Fliege hin, kleine Biene, zu meinem Verlobten, und sage ihm, daß Emma
von dem Gnomenkönig gefangen ist. Fliege schnell, und wenn du in drei
Tagen nicht zurück bist, so werde ich glauben, daß dich ein Unglück
getroffen hat.“

Die Prinzessin öffnete das Fenster, die Biene flog fort, aber auf dem
Wege wurde sie von einer Schwalbe gesehen und gefressen.

Drei Tage später nahm die Prinzessin eine andere kleine Rübe,
verwandelte sie in eine Grille, und schickte sie mit derselben
Botschaft an ihren Verlobten ab.

Die Grille wurde aber von einem langbeinigen Storche gesehen und
verschlungen. Als Emma zuletzt eine Rübe in die Gestalt einer
geschwätzigen Elster verwandelte, rief sie ihr zu:

„Sage meinem Verlobten, er solle am dritten Tage, von heute an, mit
schnellen Pferden meiner harren an der Waldecke am Fuße des Gebirges,
wo er mich zum ersten Male erblickte. Dorthin würde ich kommen, um mit
ihm zu fliehen.“

Die Elster flog schnell auf und davon, erreichte glücklich das Schloß
des Prinzen Ratibor, fand ihn in seinem Garten, und teilte ihm die
Botschaft der Prinzessin mit.

Voll Entzücken versprach der Prinz, die Prinzessin am dritten Tage am
Fuße des Berges zu erwarten. Die geschwätzige Elster flog pfeilschnell
davon, um der Prinzessin diese Botschaft zu bringen.

Unterdessen waren die Rüben mit merkwürdiger Schnelle gewachsen, und
der Berggeist kam jetzt, um der Prinzessin zu sagen, daß sie bald Rüben
die Fülle haben sollte.

Die Prinzessin schien so freundlich, daß er Mut bekam, in sie zu
dringen, ihm ihre schöne Hand zu reichen und seine Gemahlin zu werden.

Die Prinzessin lächelte, errötete und sagte endlich sehr gütig:

„Du hast mir schon so viele Beweise deiner Ergebenheit gegeben, daß ich
mir nur noch einen einzigen fordere, ehe ich deine Gemahlin werde.“

Der entzückte Berggeist rief schnell:

„Sprich, schöne Prinzessin! Ich will dir so viele Beweise meiner Liebe
geben, als du fordern wirst!“

„Nun, so zähle einmal die Rüben, welche du für mich gesät hast, und
wenn du mir ihre Anzahl genau sagen kannst, so will ich deine Frau
werden.“

Der Geist eilte fort, um sogleich die Zählung zu beginnen, und während
er so beschäftigt war, stieg Emma den Berg hinunter zu ihrem harrenden
Verlobten.

Der ahnungslose Geist zählte eifrig, bis er ans Ende kam. Eben wollte
er zur Prinzessin eilen, um ihr die Zahl anzugeben, als es ihm
plötzlich einfiel, daß er sich wohl um eine oder zwei verzählt haben
könnte.

Darum zählte er die Rüben noch einmal, und als er fertig war, fand er
drei Rüben mehr als das erste Mal.

„Ich muß mich wirklich geirrt haben,“ sagte er. „Nun will ich sie noch
einmal zählen, damit ich die richtige Zahl finde.“

Es war sehr langweilig. Am Ende wurde er aber doch fertig mit dem
Zählen, und der Berggeist rannte jetzt in seinen Palast, um der
Prinzessin zu melden, daß er Wort gehalten, und nun ihre Hand fordern
dürfe.

Die Prinzessin war aber nirgends zu finden. Sie war weder im Garten,
noch in der Schatzkammer, noch in ihren Gemächern. Der Geist suchte
vergebens überall. Endlich fing er an zu fürchten, daß die Prinzessin
entflohen sei.

Er stieg schnell auf die höchste Kuppe des Gebirges, und da sah er
mit Entrüstung, wie sie mit ihrem Verlobten auf raschen Pferden davon
jagte, und schon über die Grenze seines Reiches geflohen war.

Der Geist war so zornig, daß er in sein unterirdisches Schloß
zurückkehrte, und sich lange nicht mehr auf der Oberfläche der Erde
blicken ließ. Seit er von der Prinzessin so fein überlistet worden,
während er für sie Rüben zählte, nennen ihn die Menschen Rübezahl.



Kleine Gedichte.


1. Der Schütz.

    Mit dem Pfeil, dem Bogen,
    Durch Gebirg und Thal
    Kommt der Schütz gezogen
    Früh am Morgenstrahl.

    Wie im Reich der Lüfte
    König ist der Weih, --
    Durch Gebirg und Klüfte
    Herrscht der Schütze frei.

    Ihm gehört das Weite,
    Was sein Pfeil erreicht,
    Das ist seine Beute,
    Was da kreucht und fleucht.

                    Schiller.


2. Barbarossa.

    Der alte Barbarossa,
    Der Kaiser Friederich,
    Im unterird’schen Schlosse
    Hält er verzaubert sich.

    Er ist niemals gestorben,
    Er lebt darin noch jetzt!
    Er hat im Schloß verborgen
    Zum Schlaf sich hingesetzt.

    Er hat hinabgenommen
    Des Reiches Herrlichkeit
    Und wird einst wiederkommen
    Mit ihr zu seiner Zeit.

    Der Stuhl ist elfenbeinern,
    Darauf der Kaiser sitzt;
    Der Tisch ist marmelsteinern,
    Worauf sein Haupt er stützt.

    Sein Bart ist nicht von Flachse,
    Er ist von Feuersglut,
    Ist durch den Tisch gewachsen,
    Worauf sein Kinn ausruht.

    Er nickt als wie im Traume,
    Sein Aug’ halb offen zwinkt;
    Und je nach langem Raume
    Er einem Knaben winkt.

    Er spricht im Schlaf zum Knaben:
    „Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
    Und sieh, ob noch die Raben
    Herfliegen um den Berg.

    Und wenn die alten Raben
    Noch fliegen immerdar,
    So muß ich auch noch schlafen
    Verzaubert hundert Jahr.“

                        Rückert.


3. Des Knaben Berglied.

    Ich bin vom Berg der Hirtenknab’,
    Seh’ auf die Schlösser all’ herab;
    Die Sonne strahlt am ersten hier,
    Am längsten weilet sie bei mir:
    Ich bin der Knab’ vom Berge!

    Hier ist des Stromes Mutterhaus,
    Ich trink’ ihn frisch vom Stein heraus;
    Er braust vom Fels in wildem Lauf,
    Ich fang’ ihn mit den Armen auf:
    Ich bin der Knab’ vom Berge!

    Der Berg, der ist mein Eigentum,
    Da ziehn die Stürme rings herum;
    Und heulen sie von Nord und Süd,
    So überschallt sie doch mein Lied:
    Ich bin der Knab’ vom Berge!

    Sind Blitz und Donner unter mir,
    So steh’ ich hoch im Blauen hier;
    Ich kenne sie und rufe zu:
    Laßt meines Vaters Haus in Ruh!
    Ich bin der Knab’ vom Berge!

    Und wann die Sturmglock’ einst erschallt,
    Manch Feuer auf den Bergen wallt,
    Dann steig’ ich nieder, tret’ ins Glied
    Und schwing’ mein Schwert und sing mein Lied:
    Ich bin der Knab’ vom Berge!

                        Uhland.


4. Morgenlied.

    Die Sterne sind erblichen
    Mit ihrem güldnen Schein;
    Bald ist die Nacht entwichen,
    Der Morgen dringt herein.

    Noch waltet tiefes Schweigen
    Im Thal und überall,
    Auf frisch betauten Zweigen
    Singt nur die Nachtigall.

    Sie singet Lob und Ehre
    Dem hohen Herrn der Welt,
    Der über Land und Meere
    Die Hand des Segens hält.

    Er hat die Nacht vertrieben:
    Ihr Kindlein fürchtet nichts!
    Stets kommt zu seinen Lieben
    Der Vater alles Lichts.

                        Hoffmann v. Fallersleben.


5. Herbstlied.

    Bunt sind schon die Wälder,
    Gelb die Stoppelfelder,
    Und der Herbst beginnt.
    Rote Blätter fallen,
    Graue Nebel wallen,
    Kühler weht der Wind.

    Wie die volle Traube
    Aus dem Rebenlaube
    Purpurfarbig strahlt!
    Am Geländer reifen
    Pfirsiche mit Streifen
    Rot und weiß bemalt.

    Sieh, wie hier die Dirne
    Emsig Pflaum’ und Birne
    In ihr Körbchen legt!
    Dort mit leichten Schritten
    Jene goldne Quitten
    In den Landhof trägt!

    Flinke Träger springen,
    Und die Mädchen singen,
    Alles jubelt froh!
    Bunte Bänder schweben
    Zwischen hohen Reben
    Auf dem Hut von Stroh.

    Geige tönt und Flöte
    Bei der Abendröte
    Und im Mondenglanz;
    Junge Winzerinnen
    Winken und beginnen
    Deutschen Ringeltanz.

                        von Salis.


6. Sprüche.

    Gott grüße dich! -- Kein andrer Gruß
    Gleicht dem an Innigkeit.
    Gott grüße dich! -- Kein andrer Gruß
    Paßt so zu jeder Zeit.

    Gott grüße dich! -- Wenn dieser Gruß
    So recht von Herzen geht,
    Gilt bei dem lieben Gott der Gruß
    So viel wie ein Gebet.

                        J. Sturm.

    Wozu ist Geld doch gut?
    Wer’s nicht hat, hat nicht Mut,
    Wer’s hat, hat Sorglichkeit,
    Wer’s hat gehabt, hat Leid.

                        von Logau.

    Der Schneeball und das böse Wort,
    Sie wachsen, wie sie rollen fort;
    Eine Handvoll wirf zum Thor hinaus:
    Ein Berg wird’s vor des Nachbars Haus.

                        W. Müller.


7. Reiters Morgengesang.

      Morgenrot,
    Leuchtest mir zum frühen Tod?
    Bald wird die Trompete blasen;
    Dann muß ich mein Leben lassen,
    Ich und mancher Kamerad.

      Kaum gedacht,
    Wird der Lust ein End’ gemacht;
    Gestern noch auf stolzen Rossen,
    Heute durch die Brust geschossen,
    Morgen in das kühle Grab.

      Ach, wie bald
    Schwindet Schönheit und Gestalt;
    Thust du stolz mit deinen Wangen,
    Die wie Milch und Purpur prangen?
    Ach die Rosen welken all!

      Darum still
    Füg’ ich mich, wie Gott es will.
    Nun so will ich wacker streiten;
    Und sollt’ ich den Tod erleiden,
    Stirbt ein braver Reitersmann.

                        Fr. Hauff.


8. Mein Vaterland.

    Treue Liebe bis zum Grabe
    Schwör’ ich dir mit Herz und Hand;
    Was ich bin und was ich habe,
    Dank’ ich dir, mein Vaterland.

    Nicht in Worten nur und Liedern
    Ist mein Herz zum Dank bereit;
    Mit der That will ich’s erwidern
    Dir in Not, in Kampf und Streit.

    In der Freude wie im Leide
    Ruf’ ich’s Freund und Feinden zu:
    Ewig sind vereint wir beide,
    Und mein Trost, mein Glück bist du.

    Treue Liebe bis zum Grabe
    Schwör’ ich dir mit Herz und Hand;
    Was ich bin und was ich habe,
    Dank’ ich dir, mein Vaterland.

                        Hoffmann v. Fallersleben.


9. Sprüche.

    Der Rose süßer Duft genügt,
    Man braucht sie nicht zu brechen;
    Und wer sich mit dem Duft begnügt,
    Den wird der Dorn nicht stechen.

                        F. Bodenstedt.

    Sorgen sind meist von der Nesseln Art:
    Sie brennen, rührst du sie zu zart;
    Fasse sie nur an herzhaft,
    So ist der Griff nicht schmerzhaft.

                        E. Geibel.

      Der ist kein kühner Reiter,
      Wer nie den Sand geküßt;
      Der ist kein wackrer Streiter,
      Wer ohne Wunden ist.

    Und hat die Welt dir weh gethan,
    So greif sie frisch von neuem an,
    Bis du, trotz Sturz und Wunden,
    Im Kampf sie überwunden.

                        J. Sturm.

    Am Abend wird man klug
    Für den vergangenen Tag,
    Doch niemals klug genug
    Für den, der kommen mag.

                        Rückert.


10. Muttersprache.

    Muttersprache, Mutterlaut!
    Wie so wonnesam, so traut!
    Erstes Wort, das mir erschallet,
    Süßes, erstes Liebeswort,
    Erster Ton, den ich gelallet,
    Klingest ewig in mir fort.

    Ach, wie trüb ist meinem Sinn,
    Wenn ich in der Fremde bin,
    Wenn ich fremde Zungen üben,
    Fremde Worte brauchen muß,
    Die ich nimmermehr kann lieben,
    Die nicht klingen als ein Gruß!

    Sprache, schön und wunderbar,
    Ach, wie klingest du so klar!
    Will noch tiefer mich vertiefen
    In den Reichtum, in die Pracht;
    Ist mir’s doch, als ob mich riefen
    Väter aus des Grabes Nacht.

    Klinge, klinge fort und fort,
    Heldensprache, Liebeswort,
    Steig empor aus tiefen Grüften,
    Längst verschollnes, altes Lied,
    Leb auf’s neu’ in heil’gen Schriften,
    Daß dir jedes Herz erglüht!

    Überall weht Gotteshauch,
    Heilig ist wohl mancher Brauch;
    Aber soll ich beten, danken,
    Geb’ ich meine Liebe kund,
    Meine seligsten Gedanken:
    Sprech’ ich wie der Mutter Mund.

                        von Schenkendorf.


11. Sprüche.

    Was verkürzt mir die Zeit?
    Thätigkeit.
    Was macht sie unerträglich lang?
    Müßiggang.
    Was bringt in Schulden?
    Harren und Dulden.
    Was macht gewinnen?
    Nicht lange besinnen.
    Was bringt zu Ehren?
    Sich wehren.

                        Goethe.

    Prahl’ nicht heute: Morgen will
    Dieses oder das ich thun.
    Schweige doch bis morgen still,
    Sage dann: das that ich nun.

                        Rückert.


12. Meeresstille.

    Tiefe Stille herrscht im Wasser,
    Ohne Regung ruht das Meer,
    Und bekümmert sieht der Schiffer
    Glatte Fläche rings umher.
    Keine Luft von keiner Seite!
    Todesstille fürchterlich!
    In der ungeheuern Weite
    Reget keine Welle sich.

                        Goethe.


13. Die Teilung der Erde.

    „Nehmt hin die Welt!“ rief Zeus von seinen Höhen
    Den Menschen zu; „nehmt, sie soll euer sein.
    Euch schenk’ ich sie zum Erb’ und ew’gen Lehen;
    Doch teilt euch brüderlich darein.“

    Da eilt, was Hände hat, sich einzurichten;
    Es regte sich geschäftig jung und alt.
    Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,
    Der Junker birschte durch den Wald.

    Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,
    Der Abt wählt sich den edlen Firnewein,
    Der König sperrt die Brücken und die Straßen
    Und sprach: „Der Zehente ist mein.“

    Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen,
    Naht der Poet, er kam aus weiter Fern’;
    Ach, da war überall nichts mehr zu sehen,
    Und alles hatte seinen Herrn!

    „Weh mir! So soll denn ich allein von allen
    Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn?“
    So ließ er laut der Klage Ruf erschallen
    Und warf sich hin vor Jovis Thron.

    „Wenn du im Land der Träume dich verweilet,“
    Versetzt der Gott, „so hadre nicht mit mir.
    Wo warst du denn, als man die Welt geteilet?“
    „Ich war,“ sprach der Poet, „bei dir.

    Mein Auge hing an deinem Angesichte,
    An deines Himmels Harmonie mein Ohr;
    Verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte
    Berauscht, das Irdische verlor!“

    „Was thun?“ spricht Zeus: „die Welt ist weggegeben,
    Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein;
    Willst du in meinem Himmel mit mir leben,
    So oft du kommst, er soll dir offen sein.“

                        Schiller.


14. Ein Gleichnis.

    Jüngst pflückt’ ich einen Wiesenstrauß,
    Trug ihn gedankenvoll nach Haus;
    Da hatten, von der warmen Hand,
    Die Kronen sich alle zur Erde gewandt.
    Ich setzte sie in frisches Glas,
    Und welch ein Wunder war mir das!
    Die Köpfchen hoben sich empor,
    Die Blätterstengel im grünen Flor,
    Und allzusammen so gesund,
    Als stünden sie noch auf Muttergrund.

    So war mir’s, als ich wundersam
    Mein Lied in fremder Sprache vernahm.

                        Goethe.


15. Die zwei Tugendwege.

    Zwei sind der Wege, auf welchen der Mensch zur Tugend emporstrebt;
    Schließt sich der eine dir zu, thut sich der andre dir auf:
    Handelnd erringt der Glückliche sie, der Leidende duldend.
    Wohl ihm, den sein Geschick liebend auf beiden geführt!

                        Schiller.



VOCABULARY.


A

=Abbild=, _n._, _pl._ -er, copy, effigy.

=abbrechen=, _imp._ brach ab, _p.p._ abgebrochen, to break off, to
interrupt.

=Abend=, _m._ -es, _pl._ -e, evening, eventide; heut’ --, this evening.

=Abendessen=, _n._ supper.

=Abendgebet=, _n._ evening prayer.

=Abendröte=, _f._ evening red, nightfall.

=abends=, in the evening, evenings.

=Abenteuer=, _n._ -s, _pl._ -, adventure.

=aber=, but, though.

=abgebrochen=, _see_ abbrechen.

=abgefertigt=, disposed of, finished.

=abgenommen=, _see_ abnehmen.

=abfertigen=, to finish, to dispose of.

=Abgrund=, _m._ abyss, precipice.

=Abhang=, _m._ precipice.

=abkürzen=, to shorten, to curtail.

=ablegen=, to lay aside, take off.

=ablehnen=, _imp._ lehnte ab, _p.p._ abgelehnt, to refuse.

=abliefern=, to deliver.

=abnehmen=, _imp._ nahm ab, _p.p._ abgenommen, to take off.

=abreisen=, _imp._ reiste ab, _p.p._ abgereist, to travel off.

=abschicken=, to send away.

=abstatten=, to make, to pay.

=Abt=, _m._ abbot.

=abtreten=, to cede, to give up.

=abwarten=, to wait for.

=abwenden=, to turn aside.

=abwesend=, absent, away.

=Abwesenheit=, _f._ absence.

=abzeichnen=, to copy, to draw.

=abzustatten=, _see_ abstatten.

=ach=, ah, oh.

=Acht=, _f._ heed; sich in -- nehmen, to take care.

=acht=, eight.

=achten=, to regard, to heed, to pay attention.

=Ackermann=, _m._ farmer.

=Adalbert=, proper name.

=adressieren=, to address.

=Advokat=, _m._ lawyer; Herr --, Mr. Lawyer.

=ähnlich=, like, resembling; der du sehr -- bist, whom you resemble
closely.

=ahnungslos=, unsuspecting.

=All=, =Aller=, =Alle=, =Alles=, all, everything; dies alles, all this.

=allein=, alone, only.

=allerliebsten=, best of all, dearest.

=allerwegen=, in all ways, at all times.

=allgemein=, general.

=allmählig=, little by little.

=allzusammen=, all together.

=Almosen=, _n._ alms.

=als=, as, when, while.

=alsdann=, and then, then too.

=alt=, old.

=Alten=, old people.

=Alter=, _n._ -s, age.

=älter=, elder.

=älteste=, eldest.

=Amethyst=, _m._, _pl._ -e, amethyst.

=Amt=, _n._ -es, _pl._ Ämter, office; zu diesem --, for this office or
purpose.

=an=, by, on, in, at, to, of, with.

=andächtig=, devoutly.

=Andenken=, _n._ -s, remembrance, keepsake.

=andere=, other, other one.

=Anekdote=, _f._, _pl._ -n, anecdote.

=anfangen=, _imp._ fing an, _p.p._ angefangen, to begin.

=angeben=, to give, to tell.

=angebetete=, idolized.

=angegriffen=, _see_ angreifen.

=angehören=, _imp._ gehörte an, _p.p._ angehört, to belong to.

=angekettet=, chained.

=angekommen=, _see_ ankommen.

=Angesicht=, _n._ countenance.

=angestrengt=, hard, sustained.

=angethan=, _see_ anthun.

=angezogen=, _see_ anziehen.

=angreifen=, to attack, to exhaust, to weaken.

=Angst=, _f._, _pl._ Ängste, anxiety, fear.

=ängstlich=, anxiously, timidly.

=anhaben=, to wear, to have on.

=anhalten=, _imp._ hielt an, _p.p._ angehalten, to stop, to hold up, to
rein in.

=ankam=, _see_ ankommen.

=ankommen=, _imp._ kam an, _p.p._ angekommen, to arrive.

=anlangen=, to arrive, to reach.

=anmachen=, _imp._ machte an, _p.p._ angemacht, to make, to light, to
kindle.

=annahm=, _see_ annehmen.

=annehmen=, _imp._ nahm an, _p.p._ angenommen, to accept, to take; 83,
5, I will take charge of her.

=anreden=, to address, to speak to.

=anrühren=, to touch.

=ans= = an das, by the, from the.

=ansahen=, _see_ ansehen.

=anschauen=, _imp._ schaute an, _p.p._ angeschaut, to gaze at.

=anschüren=, to poke, to excite.

=ansehen=, _imp._ sah an, _p.p._ angesehen, to look at, to gaze at, to
consider, to view.

=ansehend=, gazing at, viewing.

=anspannen=, to harness.

=ansprechen=, to bespeak, to speak to.

=Anspruch=, _m._, _pl._ Ansprüche, claim.

=anstatt=, instead of.

=anstrengen=, sich --, to strive.

=anstrengend=, fatiguing.

=anstimmen=, to intone, to begin singing.

=antragen=, _imp._ trug an, _p.p._ angetragen, to propose.

=anthun=, to do, to perpetrate.

=Antwort=, _f._, _pl._ -en, answer, reply.

=antworten=, to answer, to reply.

=anvertrauen=, to confide, to entrust.

=anvertraut=, entrusted.

=anwesend=, present.

=Anzahl=, _f._ number.

=anziehen=, _imp._ zog an, _p.p._ angezogen, to dress, to put on.

=Anzug=, _m._ dress, attire.

=anzugeben=, _see_ angeben.

=anzünden=, _imp._ zündete an, _p.p._ angezündet, to light.

=anzunehmen=, _see_ annehmen.

=anzuschüren=, _see_ anschüren.

=Arbeit=, _f._, _pl._ -en, work.

=arbeiten=, to work.

=arbeitend=, working.

=arbeitsam=, industrious.

=Arbeitsamkeit=, _f._ industry.

=ärgerlich=, irritable, -ly, wrathfully.

=arm=, poor.

=Arm=, _m._ -es, _pl._ -e, arm.

=Armee=, _f._, _pl._ -n, army.

=Armen=, die --, the poor.

=ärmlich=, poor, poverty-stricken.

=Art=, _f._ kind, species.

=artig=, good, obedient, nice.

=Arzt=, _m._ -es, _pl._ Ärzte, doctor.

=aß=, =aßen=, _see_ essen.

=Ast=, _m._, _pl._ Äste, branch.

=atemlos=, breathless.

=Atlaskleid=, _n._ satin dress.

=auch=, also, too.

=auf=, on, upon, up, in, to; -- und davon, up and away, gone; aufs
neue, anew.

=aufblicken=, _imp._ blickte auf, _p.p._ aufgeblickt, to glance up.

=Aufbrechen=, _n._ departure.

=aufbrechen=, to depart.

=auffangen=, _imp._ fing auf, _p.p._ aufgefangen, to catch up.

=auffliegen=, _imp._ flog auf, _p.p._ aufgeflogen, to fly open or up.

=aufgegangen=, _see_ aufgehen.

=aufgehäuften=, piled up.

=aufgehen=, _imp._ ging auf, _p.p._ aufgegangen, to rise, to go up.

=aufgenommen=, _see_ aufnehmen.

=aufgerissen=, _see_ aufreißen.

=aufging=, _see_ aufgehen.

=aufhalten=, _imp._ hielt auf, _p.p._ aufgehalten, to stop, to tarry,
to pause.

=aufheben=, _imp._ hob auf, _p.p._ aufgehoben, to lift up, to keep, to
take care of.

=aufheitern=, _imp._ heiterte auf, _p.p._ aufgeheitert, to clear up, to
cheer up.

=aufhielt=, _see_ aufhalten.

=aufhören=, _imp._ hörte auf, _p.p._ aufgehört, to cease.

=aufmachen=, _imp._ machte auf, _p.p._ aufgemacht, to open.

=aufmerksam=, attentive.

=aufnähme=, _see_ aufnehmen.

=aufnahmen=, _see_ aufnehmen.

=aufnehmen=, _imp._ nahm auf, _p.p._ aufgenommen, to take up, to adopt,
to receive.

=Aufopferung=, _f._ self-sacrifice, devotion.

=aufpassen=, _imp._ paßte auf, _p.p._ aufgepaßt, to pay attention.

=aufreißen=, to burst open.

=aufschüren=, _imp._ schürte auf, _p.p._ aufgeschürt, to poke up.

=Aufsicht=, _f._ inspection, surveillance.

=aufspringen=, _imp._ sprang auf, _p.p._ aufgesprungen, to jump up.

=aufspringend=, jumping up.

=aufstand=, _see_ aufstehen.

=aufstehen=, _imp._ stand auf, _p.p._ aufgestanden, to stand up, to
rise.

=aufsteigen=, to climb up.

=aufsuchen=, _imp._ suchte auf, _p.p._ aufgesucht, to hunt up, to look
up, to visit.

=aufthun=, to open.

=aufwachen=, _imp._ wachte auf, _p.p._ aufgewacht, to wake up.

=aufwärts=, upwards.

=aufwecken=, _imp._ weckte auf, _p.p._ aufgeweckt, to awaken.

=aufzunehmen=, _see_ aufnehmen.

=aufzusuchen=, _see_ aufsuchen.

=Auge=, _n._ -s, _pl._ -n, eye; aus den Augen lassen, to lose sight of;
unter vier Augen, private conversation.

=Augenblick=, _m._, _pl._ -e, moment, instant; auf --e, for a moment,
at a time.

=augenblicklich=, instantaneously, in a moment.

=augenscheinlich=, apparently.

=August=, Augustus.

=aus=, of, out, from.

=ausbessern=, _imp._ besserte aus, _p.p._ ausgebessert, to mend.

=ausbrach=, _see_ ausbrechen.

=ausbrechen=, _imp._ brach aus, _p.p._ ausgebrochen, to break out, to
burst into.

=ausdehnen=, _imp._ dehnte aus, _p.p._ ausgedehnt, to spread out.

=ausführen=, _imp._ führte aus, _p.p._ ausgeführt, to carry out.

=ausführlich=, in detail, amply.

=ausgedehnt=, _see_ ausdehnen.

=ausgegangen=, _see_ ausgehen.

=ausgehen=, _imp._ ging aus, _p.p._ ausgegangen, to go out.

=ausgelacht=, _see_ auslachen.

=ausgezogen=, _see_ ausziehen.

=aushalten=, _imp._ hielt aus, _p.p._ ausgehalten, to endure, to stand,
to hold out.

=auslachen=, _imp._ lachte aus, _p.p._ ausgelacht, to make fun of, to
mock.

=Auslande=, im --, abroad.

=ausleeren=, to empty.

=ausliefern=, to deliver, to give up.

=ausreißen=, _imp._ riß aus, _p.p._ ausgerissen, to pull out.

=ausrief=, _see_ ausrufen.

=ausrufen=, _imp._ rief aus, _p.p._ ausgerufen, to exclaim.

=ausruhen=, _imp._ ruhte aus, _p.p._ ausgeruht, to rest.

=aussahen=, _see_ aussehen.

=ausschicken=, _imp._ schickte aus, _p.p._ ausgeschickt, to send out.

=ausschlagen=, _imp._ schlug aus, _p.p._ ausgeschlagen, to refuse, to
reject.

=ausschreiben=, _imp._ schrieb aus, _p.p._ ausgeschrieben, to write
out, to draw up; -- lassen, to have drawn up.

=ausschütteln=, to shake out.

=aussehen=, _imp._ sah aus, _p.p._ ausgesehen, to appear, to seem.

=aussieht=, _see_ aussehen.

=aussprechen=, _imp._ sprach aus, _p.p._ ausgesprochen, to express, to
speak out.

=aussprechend=, expressing.

=ausstrecken=, _imp._ streckte aus, _p.p._ ausgestreckt, to stretch out.

=austeilen=, to deal out, to give, to apportion.

=auswählen=, _imp._ wählte aus, _p.p._ ausgewählt, to choose.

=Ausweg=, _m._ way out, means.

=ausweinen=, to cry one’s eyes out.

=außer=, out, besides, except.

=äußere=, outward, outer.

=außerordentlich=, extraordinary.

=ausziehen=, to take off, to set out, to move out, to pull up.

=auszuhalten=, _see_ aushalten.

=auszuliefern=, _see_ ausliefern.

=auszuruhen=, _see_ ausruhen.


B

=Bach=, _m._ -es, _pl._ Bäche, brook.

=bahnen=, to beat a path, to break a path.

=bald=, soon.

=Band=, _n._, _pl._ Bänder, ribbon.

=band=, _see_ binden.

=Bande=, _f._ gang, band.

=Bann=, _m._ -es, spell.

=Bär=, _m._, _pl._ -en, bear.

=Barbarossa=, Frederick the Red-Beard, emperor of Germany.

=barfuß=, barefoot.

=barfüßig=, bare-footed.

=Bart=, _m._ -es, _pl._ Bärte, beard.

=bat=, =baten=, _see_ bitten.

=Bauer=, _m._ -s, _pl._ -n, peasant, farmer.

=Bäuerin=, _f._ peasant woman or girl.

=Bauernhaus=, _n._ farmhouse.

=Bauernkleid=, _n._ peasant-dress.

=Bauernmädchen=, _n._ peasant-girl.

=Baum=, _m._ -es, _pl._ Bäume, tree.

=Baumstamm=, _m._ tree-trunk.

=beantworten=, to answer.

=bedarfst=, needest; _see_ bedürfen.

=bedauern=, to regret, to pity.

=bedecken=, to deck, to cover.

=bedeuten=, to mean.

=bedienen=, to serve.

=Bediente=, _m._, _pl._ -n, servant.

=bedrohen=, to threaten.

=bedürfen=, to need, to require.

=beendigen=, to end.

=befahl=, _see_ befehlen.

=befand=, _see_ befinden.

=Befehl=, _m._ -es, _pl._ -e, order, command.

=befehlen=, _imp._ befahl, _p.p._ befohlen, to order, to command.

=befestigen=, to fasten.

=befiehlt=, _see_ befehlen.

=befinden=, _imp._ befand, _p.p._ befunden, to find, to be.

=befohlen=, _see_ befehlen.

=befragen=, to question, to ask.

=befreien=, to free, to set at liberty.

=befriedigen=, to consent, to please.

=befriedigt=, pleased.

=begab=, _see_ begeben.

=begabt=, gifted, talented.

=begeben=, sich, _imp._ begab, _p.p._ begeben, to betake one’s self.

=begegnen=, to meet.

=Begegnung=, _f._ meeting.

=begehren=, to wish, to long for.

=beginnen=, _imp._ begann, _p.p._ begonnen, to begin.

=begleiten=, to accompany, to escort.

=begnügen=, to be satisfied.

=begraben=, to bury.

=Begräbnis=, _n._ -sses, _pl._ -sse, burial.

=begrüßen=, to greet.

=behaglich=, comfortable, agreeably.

=behalten=, _imp._ behielt, _p.p._ behalten, to keep.

=behaupten=, to assert, to think.

=Beherrscher=, _m._ ruler.

=behüten=, to preserve; to watch; behüte Gott, God preserve us.

=bei=, with, by, near, about, on, in, to; -- sich selbst, to one’s self.

=beide=, both; die Beiden, both of them, both of us.

=Beifall=, _m._ -s, applause.

=beifügen=, _imp._ fügte bei, _p.p._ beigefügt, added.

=beim= = bei dem.

=Bein=, _n._, _pl._ -e, leg.

=beinahe=, nearly, almost.

=Beispiel=, _n._ example.

=Beistand=, _m._ assistance.

=beistehen=, to assist.

=beiwohnen=, _imp._ wohnte bei, _p.p._ beigewohnt, to attend.

=bekam=, =bekamen=, _see_ bekommen.

=bekannt=, known.

=Bekanntschaft=, _f._ acquaintance.

=bekommen=, _imp._ bekam, _p.p._ bekommen, to get, to receive, to
become.

=bekümmern=, to worry, to trouble.

=belaubten=, foliaged.

=beleidigen=, to offend.

=belieben=, to like; nach --, as you please.

=belohnen=, to reward.

=Belohnung=, _f._ reward.

=bemalt=, painted.

=bemerken=, to notice.

=bemoosten=, mossy.

=Benehmen=, _n._ carriage, behavior.

=beobachtend=, observing.

=berauben=, to rob.

=berauschen=, to daze, to intoxicate.

=bereit=, ready.

=bereuen=, to regret, to rue.

=Berg=, _m._ -es, _pl._ -e, mountain, hill.

=Bergbewohner=, _m._ mountaineer.

=Berggeist=, _m._ mountain spirit.

=Berglied=, _n._ mountain song.

=Bergluft=, _f._ mountain air.

=Bergpartei=, _f._ mountain excursion.

=Bernhardt=, Bernard.

=berühmt=, renowned, noted.

=berühren=, to touch, to move.

=besaß=, =besaßen=, _see_ besitzen.

=beschäftigt=, busy, occupied.

=beschauen=, to view.

=beschließen=, _imp._ beschloß, _p.p._ beschlossen, to determine.

=beschloß=, _see_ beschließen.

=beschuldigen=, to accuse.

=beschützen=, to protect.

=Beschützer=, _m._ protector.

=besiegen=, to conquer.

=besinnen=, sich, to remember, to think over.

=besinnungslos=, unconscious.

=Besitz=, _m._ possession; in -- nehmen, to take possession of.

=besitzen=, _imp._ besaß, _p.p._ besessen, to own, to possess.

=besondere=, special.

=besonders=, specially.

=besorgen=, to take care of, to look after, to see to, to tend.

=besprach=, _see_ besprechen.

=besprechen=, _imp._ besprach, _p.p._ besprochen, to talk over, to
bespeak.

=besser=, better.

=Besseres=, better.

=bestand=, _see_ bestehen.

=bestehen=, _imp._ bestand, _p.p._ bestanden, to form, to compose, to
consist.

=bestehend=, composed of.

=besten=, best; am --, best of all, in the best way.

=besteigen=, _imp._ bestieg, _p.p._ bestiegen, to mount, to bestride,
to climb.

=bestellen=, to deliver, to order.

=bestieg=, _see_ besteigen.

=bestimmen=, to appoint for, to destine to, to agree upon, to arrange
for.

=bestimmt=, positively.

=bestimmten=, agreed upon.

=bestrafen=, to punish.

=bestreuen=, to strew.

=Besuch=, _m._ -es, _pl._ -e, visit, call.

=besuchen=, to visit.

=betauen=, to cover with dew.

=beten=, to pray.

=betrachten=, to observe.

=betroffen=, amazed, struck.

=betrüben=, to sadden.

=Betrug=, _m._ cheating, treason.

=Betrügerei=, _f._ treachery.

=Bett=, _n._ -es, _pl._ -en, bed.

=Bettler=, _m._ beggar.

=beunruhigt=, troubled, made uneasy.

=Beute=, _f._ booty, prey; zu -- fallen, to be a prey to.

=bewachen=, to guard, to watch.

=bewaffneten=, armed.

=bewahren=, to preserve.

=bewegen=, to move.

=bewegte=, induced, moved.

=Beweis=, _m._, _pl._ -e, token, proof.

=bewilligen=, to consent, to grant.

=bewundern=, to admire.

=bewundernd=, admiring, -ly.

=Bewunderung=, _f._ admiration.

=bezahlen=, to pay.

=bezeichnen=, to point out.

=bezeichnete=, designated.

=bezeugen=, to testify.

=biegen=, _imp._ bog, _p.p._ gebogen, to bend.

=Biene=, _f._, _pl._ -n, bee.

=Bier=, _n._ beer.

=Bild=, _n._ -es, _pl._ -er, picture.

=bilden=, to form.

=bin=, am; _see_ sein.

=binden=, _imp._ band, _p.p._ gebunden, to bind.

=binnen=, within.

=Birnbaum=, _m._ pear-tree.

=Birne=, _f._ pear.

=birschen=, to hunt deer.

=bis=, till, until.

=Bischen=, _n._ little, trifle.

=bisher=, until now, until then.

=bist=, art; _see_ sein.

=bisweilen=, at times.

=Bitte=, _f._, _pl._ -n, entreaty, prayer.

=bitten=, _imp._ bat, _p.p._ gebeten, to beg.

=bittend=, imploring, imploringly.

=bitterkalt=, bitterly cold.

=bitterlich=, bitterly.

=blasen=, _imp._ blies, _p.p._ geblasen, to blow.

=blasse=, pale.

=blaß=, pale.

=Blatt=, _n._, _pl._ Blätter, leaf, sheet.

=Blätterstengel=, leaf-stems.

=blau=, blue.

=blauäugige=, blue-eyed.

=Blauen=, _n._ im --, in the blue, in a clear sky.

=bleiben=, _imp._ blieb, _p.p._ geblieben, to stay, to remain.

=blendend=, dazzling.

=blicken=, to glance, to see.

=blickte ... auf=, _see_ aufblicken.

=blickte ... umher=, _see_ umherblicken.

=blieb=, _see_ bleiben.

=blind=, blind.

=Blitz=, _m._ lightning, flash.

=blitzschnell=, quick as a flash.

=blühen=, to bloom.

=blühende=, blooming.

=Blume=, _f._, _pl._ -n, flower.

=Blumenstrauß=, _m._ bouquet.

=blutig=, bloody.

=Boden=, _m._ ground, floor.

=bog=, _see_ biegen.

=Bogen=, _m._ sheet, bow.

=borgen=, to borrow.

=Börse=, _f._ purse; die -- heraus, 44, 27, take out your purses.

=böse=, bad, mad, angry, cross; mir -- ist, is angry with me.

=Böses=, wicked, bad, harm.

=Bote=, _m._, _pl._ -n, messenger.

=Botschaft=, _f._ message.

=brach ... auf=, _see_ aufbrechen.

=brach ... aus=, _see_ ausbrechen.

=brachte=, _see_ bringen.

=brachte ... zu=, _see_ zubringen.

=Brand=, _m._ fire; in -- stecken, to set afire.

=brannte=, _see_ brennen.

=Brauch=, _m._ custom, use.

=brauchen=, to need, to use.

=braun=, brown.

=braunfärben=, to color brown.

=brausen=, to rush, to go noisily.

=Braut=, _f._ bride.

=brave=, good, honest, worthy.

=brechen=, _imp._ brach, _p.p._ gebrochen, to break, to pick.

=breit=, broad.

=Breite=, broad one, Broady.

=brennen=, _imp._ brannte, _p.p._ gebrannt, to burn, to sting; brennt
es? is the house afire?

=Brett=, _n._, _pl._ -er, board, shelf.

=Brief=, _m._, _pl._ -e, letter.

=bringen=, _imp._ brachte, _p.p._ gebracht, to bring.

=Brot=, _n._ bread.

=Bruder=, _m._, _pl._ Brüder, brother.

=brüderlich=, in a brotherly fashion.

=Brücke=, _f._, _pl._ -n, bridge.

=Brunhilde=, a proper name.

=Brunnen=, _m._ well.

=Brust=, _f._, _pl._ Brüste, breast, chest.

=Brusttasche=, _f._ breast-pocket.

=Bube=, _m._, _pl._ -n, boy, lad.

=Buch=, _n._, _pl._ Bücher, book.

=Bündel=, _n._ bundle.

=bunt=, gay, many-colored.

=Burkhart=, a proper name.

=Bursche=, _m._, _pl._ -n, lad, youth, boy.

=Busch=, _m._, _pl._ Büsche, bush.

=büßen=, to suffer for, to do penance for.


C

=Christen=, Christians.

=Christian=, a proper name.

=Christkind=, _n._ Christ-child.

=Consultation=, _f._ consultation, advice.


D

=da=, as, there, so, then.

=dabei=, besides, there, therein, meanwhile, with them.

=Dachpfeiler=, _m._ the pillar supporting the roof.

=dachte=, _see_ denken.

=dächte=, _subj. of_ denken.

=dafür=, for it, for that, in exchange.

=dagegen=, against it.

=daheim=, at home.

=dahin=, then, thither, there; 42, 7, gone.

=dahinkommen=, to come there.

=dahinsetzen=, _imp._ setzte dahin, _p.p._ dahingesetzt, to put there,
to place there.

=dahinter=, behind it.

=damals=, then, at that time.

=Dame=, _f._, _pl._ -n, lady.

=damit=, so that, with it.

=dämmern=, to become dark; 1, 3, es dämmerte, twilight was falling.

=Dank=, thanks, thanks to, gratitude.

=dankbar=, grateful, thankful.

=Dankbarkeit=, _f._ gratitude.

=danke=, thank you.

=danken=, to thank, to owe.

=dann=, then, at that time; -- und wann, now and then.

=daran=, on it, of it.

=darauf=, upon it, on it, thereupon, afterwards.

=daraus=, out of it.

=darein=, in it.

=darf=, dare, may; _see_ dürfen.

=darin=, in it.

=darnach=, according to that.

=darüber=, about it, over it.

=darum=, therefore.

=das=, the, that, which, who, whom.

=dasselbe=, the same.

=daß=, that.

=dauern=, to last.

=Daumen=, _m._ thumb.

=davon=, of it, about it; auf und --, up and away.

=davonfliegen=, _imp._ flog davon, _p.p._ davongeflogen, to fly away.

=davonsprengen=, _imp._ sprengte davon, _p.p._ davongesprengt, to
gallop off.

=dazu=, for that, besides.

=decken=, sich, to cover one’s self.

=deckte sich=, _see_ sich decken.

=dehnte ... aus=, _see_ ausdehnen.

=dein=, thy.

=dem=, the, to the, they, thy, which, to whom.

=demselben=, same, on the same, the selfsame.

=demütig=, humble, humbly.

=den=, the, to the, whom, that, which, the one.

=denken=, to think.

=denkst=, _see_ denken.

=denn=, because, for.

=dennoch=, still, yet, nevertheless.

=denselben=, that one, the same, it.

=der=, the, of the; _rel. pron._ who; _dem. pron._ he, it; -- bin ich,
I am he; -- eine, one of them.

=derbe=, rude, plain.

=deren=, whose, her, the latter.

=des=, of the.

=desselben=, of it, of the same.

=dessen=, whose, of which, his, the latter’s.

=deßgleichen=, the same.

=deßhalb=, therefore, on that account.

=deuten=, to point out.

=deutlich=, plainly, clearly.

=Deutsch=, German.

=deutsche=, German.

=Deutschland=, Germany.

=Diamant=, _m._, _pl._ -en, diamond.

=Diamanten-Kreuz=, _n._ cross of diamonds.

=dich=, thee, thyself.

=dicht=, thick, dense, close, closely.

=dick=, fat.

=die=, the, who, that, which, whom.

=Dieb=, _m._, _pl._ -e, thief.

=Diebstahl=, _m._ theft.

=diejenigen=, the one, that.

=dienen=, to serve.

=Diener=, _m._ servant.

=Dienst=, _m._, _pl._ -e, service.

=Dienstboten=, servants.

=dienstfertig=, obliging, obligingly.

=dies=, this.

=diese=, =dieser=, =dieses=, this, these, the latter, this one.

=dieselbe=, the same.

=diesem=, to this, this.

=dieser=, this, of these, this one, the latter.

=diesmal=, this time.

=Ding=, _n._, _pl._ -e, thing.

=dir=, to thee, to you, thee, you.

=Dirne=, _f._ maid.

=doch=, surely, still, though, but (often used to give emphasis); 15,
4, komm’ doch, do come.

=Doktor=, _m._ doctor.

=Donner=, _m._ thunder.

=donnernder=, thundering.

=Donnerstimme=, _f._ a voice like thunder.

=Dorf=, _n._, _pl._ Dörfer, village.

=Dorfleute=, -n, villagers.

=Dorfschule=, _f._ village school.

=Dorn=, _m._ thorn.

=dort=, there, yonder.

=dorthin=, thither.

=draußen=, outside, out-doors.

=drei=, three.

=dreimal=, thrice.

=dreitausend=, three thousand.

=dringen=, _imp._ drang, _p.p._ gedrungen, to press, to urge.

=dritte=, third.

=drittens=, thirdly.

=drohend=, threatening, -ly.

=Drohung=, _f._ threat.

=du=, thou.

=Duft=, _m._ perfume.

=dulden=, to endure.

=duldend=, by endurance.

=dumm=, stupid.

=dunkel=, dark.

=Dunkelheit=, _f._ darkness.

=dunklen=, dark.

=dünn=, thin.

=durch=, through, by.

=durchaus=, absolutely.

=durchsuchen=, to search, to seek through.

=durchwachen=, to watch through.

=durchwärmen=, to heat through.

=dürfen=, _modal aux._ shall, dare, may, to be able, to be allowed.

=dürr=, dry.

=düster=, dark, sombre, gloomy.


E

=eben=, just.

=Ebene=, _f._ plain, level.

=ebenso=, just as, just so, like.

=ebensoviele=, just as many.

=Edelfrau=, _f._, _pl._ -en, noble lady, gentlewoman.

=Edelknabe=, _m._ page, boy of noble family.

=Edelstein=, _m._, _pl._ -e, precious stone.

=edle=, noble.

=ehe=, before, ere.

=Eheleute=, couple, man and wife.

=ehemalige=, former.

=ehemals=, formerly.

=ehrbar=, honest.

=Ehre=, _f._ honor.

=ehrenhaft=, honorable.

=Ehrenwort=, _n._, word of honor.

=ehrerbietig=, respectful, -ly.

=Ehrgefühl=, sense of honor.

=ehrlich=, honest, -ly, upright.

=ehrlose=, dishonorable.

=Ei=, _n._, _pl._ -er, egg.

=Eiche=, _f._ oak.

=Eichel=, _f._ acorn.

=Eid=, _m._, _pl._ -e, vow, oath; 51, 18, that ich einen --, I made a
vow.

=eifersüchtig=, envious, jealous.

=eifrig=, zealous, -ly, busily.

=eigen=, own.

=eigennützig=, selfish.

=Eigentum=, _n._ property.

=Eile=, _f._ haste, speed: in aller --, in hot haste.

=eilen=, to hasten.

=eilig=, hasty, hastily, hurriedly; der es nicht -- hatte, who was in
no hurry.

=eiligst=, with the utmost speed. =eilte ... entgegen=, _see_
entgegeneilen.

=Eimer=, _m._ pail, bucket.

=ein=, =-e=, =-en=, a, one, in; -- und aus, in and out.

=einander=, one another, another.

=einem=, to one, to a.

=einen=, a, one.

=einer=, of one, of a.

=eines=, of one, of a.

=einfach=, simple, plain, simply.

=einfallen=, _imp._ fiel ein, _p.p._ eingefallen, to occur.

=einfiel=, _see_ einfallen.

=einflößen=, to infuse, to inspire.

=eingelernt=, learned by heart.

=einholen=, to overtake, to bring in.

=einige=, some, a few, a little.

=einkaufen=, to purchase, to buy.

=einkehren=, to turn into.

=einladen=, _imp._ lud ein, _p.p._ eingeladen, to invite.

=einmal=, once, sometime; auf --, all at once; noch --, once more;
nicht --, not even.

=einsam=, lonely.

=Einsamkeit=, _f._ loneliness.

=einschenken=, to pour out.

=einschlafen=, _imp._ schlief ein, _p.p._ eingeschlafen, to fall asleep.

=einst=, once, at one time.

=einstimmen=, _imp._ stimmte ein, _p.p._ eingestimmt, to chime in, join.

=einstimmig=, unanimously.

=einstweilen=, meantime.

=eintrat=, _see_ eintreten.

=eintreten=, _imp._ trat ein, _p.p._ eingetreten, to step in, to enter.

=Eintritt=, _m._ entrance.

=einverstanden=, agreed.

=Einwohner=, _m._ inhabitant.

=einzig=, only, sole, single; 27, 7, kein einziges, not a single.

=einzuholen=, _see_ einholen.

=einzukaufen=, _see_ einkaufen.

=einzurichten=, to establish.

=einzutreten=, _see_ eintreten.

=Eis=, _n._ ice.

=eisern=, iron, of iron.

=elend=, miserable.

=elfenbeinern=, of ivory.

=Elsa=, Elsie.

=Elster=, _f._ magpie.

=Eltern=, parents.

=Empfang=, _m._ receipt, reception; in -- zu nehmen, to receive.

=empfangen=, _imp._ empfing, _p.p._ empfangen, to receive, to welcome.

=empfing=, _see_ empfangen.

=emporheben=, _imp._ hob empor, _p.p._ emporgehoben, to lift up.

=emporsteigen=, to climb up, to rise up.

=emporstreben=, to struggle upward, to strive.

=emsig=, busily.

=Ende=, _n._, _pl._ -n, end; zu --, at an end.

=enden=, to end.

=endlich=, at last.

=endlos=, endless.

=Engel=, _m._ angel.

=Enkel=, _m._ grandchild.

=entbehren=, to do without, to renounce.

=entdecken=, to discover.

=entfalten=, to unfold.

=entfernt=, distant, remote, far away.

=Entfernung=, _f._ distance.

=entfliehen=, _imp._ entfloh, _p.p._ entflohen, to escape, to flee.

=entflohen=, _see_ entfliehen.

=entführen=, to kidnap.

=entgegen=, toward, to meet.

=entgegeneilen=, _imp._ eilte entgegen, _p.p._ entgegengeeilt, to
hasten to meet.

=entgegenkommen=, _imp._ kam entgegen, _p.p._ entgegengekommen, to come
to meet.

=enthalten=, _imp._ enthielt, _p.p._ enthalten, to contain, to restrain.

=enthielt=, _see_ enthalten.

=entkam=, _see_ entkommen.

=entkommen=, _imp._ entkam, _p.p._ entkommen, to escape.

=entlang=, along.

=entreißen=, _imp._ entriß, _p.p._ entrissen, to snatch from, to rescue.

=entriß=, _see_ entreißen.

=entrüstet=, dismayed.

=Entrüstung=, _f._ indignation, dismay.

=entschädigen=, to make up for, to atone.

=entschließen= (sich), _imp._ entschloß, _p.p._ entschlossen, to
decide, to make up one’s mind, to resolve.

=entschloß=, _see_ entschließen.

=entschlossen=, resolved, determined; fest --, firmly resolved.

=entweder=, either.

=entwerfen=, to draw up.

=entwichen=, vanished.

=entwischen=, to escape.

=Entzücken=, _n._ rapture.

=entzücken=, to delight, to charm.

=entzückt=, delighted.

=er=, he, it.

=erbarmen= (sich), to have compassion upon, to pity; 4, 16, sich seiner
erbarmt zu haben, to have had pity upon him.

=Erbe=, _m._, _pl._ -n, heir.

=erben=, to inherit.

=erblassend=, growing pale.

=erblichen=, paled.

=erblicken=, to catch a glimpse of.

=Erde=, _f._ earth, ground; zur -- gewandt, drooped.

=Ereignis=, _n._ event, occurrence.

=erfahren=, _imp._ erfuhr, _p.p._ erfahren, to experience, to discover.

=erfreuen= (sich), to rejoice, to be pleased.

=erfüllen=, to fulfill.

=ergangen=, _see_ ergehen; 52, 19, wie es mir ergangen, what has
happened to me.

=ergeben=, devoted.

=Ergebenheit=, _f._ devotion.

=ergehen=, _imp._ erging, _p.p._ ergangen, to happen, to go.

=erglühen=, to glow.

=ergreifen=, _imp._ ergriff, _p.p._ ergriffen, to seize.

=ergriff=, _see_ ergreifen.

=erhalten=, _imp._ erhielt, _p.p._ erhalten, to preserve, to receive,
to get.

=erhielt=, _see_ erhalten.

=erhören=, to hear, to listen to, to grant.

=erinnern= (sich), to remember.

=erkannte=, _see_ erkennen.

=erkennen=, _imp._ erkannte, _p.p._ erkennt, to recognize.

=Erker=, _m._ balcony, bow window.

=erklären=, to explain, to declare.

=erkundigen=, to inquire.

=erlauben=, to allow; -- Sie dies wohl? will you kindly allow it?

=erleben=, to experience.

=Erlebnis=, _pl._ -sse, experience, adventure.

=erleichtern=, to make easier, to lighten.

=erleiden=, to suffer.

=erlösen=, to deliver, to free, to release.

=Erlösung=, _f._ release.

=ermordet=, murdered.

=ermorden=, to murder.

=ermüden=, to weary, to tire.

=ermuntern=, to encourage, to cheer.

=ernst=, earnestly, serious.

=erobern=, to win, to conquer.

=erreichen=, to obtain, to get, to reach.

=erringen=, to attain.

=erröten=, to blush.

=erschallen=, to re-echo; -- lassen, to let resound.

=erscheinen=, to appear, to seem.

=erschien=, _see_ erscheinen.

=erschöpfen=, to exhaust.

=erschrecken=, _imp._ erschrak, _p.p._ erschrocken, to frighten, to
scare.

=erschrocken=, startled, frightened.

=Ersparnis=, _f._, _pl._ -sse, savings.

=erspart=, saved, economized.

=erst=, first, only.

=Erstaunen=, _n._ astonishment.

=erstaunen=, to astonish.

=erstaunt=, wondering, -ly, astonished.

=erstenmal=, first time.

=erstens=, firstly.

=erträglicher=, more bearable.

=ertrinken=, _imp._ ertrank, _p.p._ ertrunken, to drown.

=ertrunken=, _see_ ertrinken.

=erwachen=, to awaken.

=erwärmen=, to warm.

=erwarten=, to expect, to await.

=erweisen=, _imp._ erwies, _p.p._ erwiesen, to show, to testify.

=erwidern=, to answer, to reply, to repay, to return.

=erwiesen=, _see_ erweisen.

=erzählen=, to relate.

=Erzählung=, _f._, _pl._ -en, tale, story, anecdote.

=erzogen=, brought up, educated.

=es=, it, she, he, there; 31, 14, 5, es wird geben, it will make.

=Essen=, _n._ food, provisions, meal; zum --, to dinner.

=essen=, _imp._ aß, _p.p._ gegessen, to eat.

=Eßzimmer=, _n._ dining-room.

=Etwas=, something, anything; irgend --, anything whatever.

=etwas=, something, somewhat, a little.

=euch=, you, to you, from you.

=euer=, your, yours.

=ewig=, everlasting; ew’gen = ewigen.


F

=Fackel=, _f._, _pl._ -n, torch, light.

=Faden=, _m._, _pl._ Fäden, thread.

=Fahne=, _f._, _pl._ -n, flag.

=fahren=, _imp._ fuhr, _p.p._ gefahren, to drive, to ride.

=Fahrt=, _f._ journey, drive.

=Falkenburg=, Hawk Castle.

=Fall=, _m._ fall.

=Fallen=, _n._ falling.

=fallen=, _imp._ fiel, _p.p._ gefallen, to fall.

=fallend=, falling.

=falsch=, false.

=falten=, to fold.

=Familie=, _f._, _pl._ -n, family.

=fand=, _see_ finden.

=fand ... statt=, _see_ stattfinden.

=fangen=, _imp._ fing, _p.p._ gefangen, to catch.

=fangen ... an=, _see_ anfangen.

=fang ... auf=, catch.

=Farbe=, _f._, _pl._ -n, color.

=färben= (sich), to dye, to color.

=fassen=, to grasp, to seize, to catch.

=fast=, nearly, almost.

=faßte=, grasped.

=Feder=, _f._ pen, feather.

=Fee=, _f._, _pl._ -en, fairy.

=fehlen=, to lack, to miss, to be the matter; wenig fehlte, but little
was lacking; 82, 11, what can be the matter with you.

=feierlich=, solemnly.

=feiern=, to celebrate.

=fein=, nice, -ly, refined, clever, -ly.

=Feind=, _m._, _pl._ -e, enemy.

=Feld=, _n._, _pl._ -er, field.

=Fels=, _m._ -en, _pl._ -en, rock.

=Felswand=, _f._ precipice, rocky wall.

=Fenster=, _n._ window.

=Ferien=, holidays.

=fern=, far away, distant; aus weiter Fern’, from afar.

=Ferse=, _f._, _pl._ -n, heel; 44, 18, dicht auf den Fersen folgen, to
tread close on his heels.

=fertig=, ready, through, done, end; -- bringen, to finish.

=Fest=, _n._, _pl._ -e, feast, festival.

=fest=, fast, firm, -ly.

=festbinden=, _imp._ band fest, _p.p._ festgebunden, to bind fast.

=festgebunden=, _see_ festbinden.

=festhalten=, _imp._ hielt fest, _p.p._ festgehalten, to hold fast, to
cling.

=festhielt=, _see_ festhalten.

=festschlafen=, _imp._ schlief fest, _p.p._ festgeschlafen, to sleep
soundly.

=festzuhalten=, _see_ festhalten.

=Feuer=, _n._ fire.

=feuerrot=, fiery red.

=Feuersglut=, _f._ glowing like fire.

=Fichtenburg=, Pine Castle.

=fiel=, _see_ fallen.

=fiel ... ein=, _see_ einfallen.

=fielen ... zu=, _see_ zufallen.

=finden=, _imp._ fand, _p.p._ gefunden, to find.

=fing ... an=, _see_ anfangen.

=fing ... auf=, _see_ auffangen.

=Finger=, _m._ finger.

=finster=, dark, -ly.

=Firnewein=, _m._ last year’s wine.

=Fläche=, _f._ flat surface.

=Flachs=, _m._ flax.

=Fleck=, _m._ speck, spot.

=flehend=, imploring, entreating, -ly.

=fleißig=, diligent, -ly.

=fliegen=, _imp._ flog, _p.p._ geflogen, to fly.

=fliehen=, _imp._ floh, _p.p._ geflohen, to flee.

=fließen=, _imp._ floß, _p.p._ geflossen, to flow.

=flink=, quick, deft, nimble.

=Flitterwochen=, _f._ honeymoon.

=flog=, _see_ fliegen.

=flogen ... auf=, _see_ auffliegen.

=flog ... davon=, _see_ davonfliegen.

=flog ... fort=, _see_ fortfliegen.

=floh=, _see_ fliehen.

=Flor=, _m._ bloom.

=flossen=, _see_ fließen.

=Flöte=, _f._ flute.

=Fluchen=, _n._ cursing, swearing.

=fluchen=, to swear.

=flüchtig=, hurried, -ly, fleeting.

=Flügel=, _m._ wing.

=flüstern=, to whisper.

=Fluß=, _m._, _pl._ Flüsse, river.

=Folge=, _f._, _pl._ -n, sequel; in --, in consequence.

=folgen=, to follow, to obey.

=folgend=, following, obeying.

=folgsam=, obedient.

=folgten ... nach=, _see_ nachfolgen.

=fordern=, to ask, to demand, to require.

=Förster=, _m._ forester.

=Försterfamilie=, _f._ forester’s family.

=Försterfrau=, _f._ forester’s wife.

=Forsthaus=, _n._ house in the forest.

=fort=, off, away, gone; -- und --, on and on.

=fortbringen=, _imp._ brachte fort, _p.p._ fortgebracht, to carry off,
to bring away, to make away.

=fortfahren=, _imp._ fuhr fort, _p.p._ fortgefahren, to continue.

=fortfliegen=, _imp._ flog fort, _p.p._ fortgeflogen, to fly away.

=fortflog=, _see_ fortfliegen.

=fortgegangen=, _see_ fortgehen.

=fortgehen=, _imp._ ging fort, _p.p._ fortgegangen, to go away.

=fortgenommen=, _see_ fortnehmen.

=fortging=, _see_ fortgehen.

=fortnähme=, _see_ fortnehmen.

=fortnehmen=, _imp._ nahm fort, _p.p._ fortgenommen, to take away.

=fortschicken=, _imp._ schickte fort, _p.p._ fortgeschickt, to send
away.

=fortspringen=, _imp._ sprang fort, _p.p._ fortgesprungen, to rush off,
to run off or away.

=forttragen=, _imp._ trug fort, _p.p._ fortgetragen, to carry off.

=forttrug=, _see_ forttragen.

=Frage=, _f._, _pl._ -n, question.

=fragen=, to ask, to question.

=Franziska=, Frances.

=Franzose=, _m._, _pl._ -en, Frenchman.

=fraß=, _see_ fressen.

=Frau=, _f._, _pl._ -en, woman, wife, mistress.

=Fräulein=, _n._ young lady, miss.

=frei=, free.

=Freie=, _n. and f._ open air.

=freien=, to woo.

=Freier=, _m._ suitor, lover.

=Freiheit=, _f._ liberty, freedom; alle --, quite free.

=freilassen=, _imp._ ließ frei, _p.p._ freigelassen, to set free.

=fremd=, strange, unusual.

=Fremde=, _m. and f._ stranger, a strange land.

=fressen=, _imp._ fraß, _p.p._ gefressen, to eat (like an animal).

=Freude=, _f._, _pl._ -n, pleasure, joy.

=freudig=, joyfully.

=freuen= (sich), to rejoice.

=Freund=, _m._, _pl._ -e, friend.

=Freundin=, _f._, _pl._ -nen, female friend.

=freundlich=, friendly, kindly.

=freut=, _see_ freuen; es -- mich, I am glad.

=frieren=, to freeze.

=frisch=, fresh, in good condition, boldly.

=frischer=, fresher.

=frischweg=, promptly, fluently.

=froh=, glad, happy.

=fröhlich=, gladly, merrily, happily.

=fromm=, pious, God-fearing.

=Frommen=, welfare, piety; 42, 10, --, to save and bless you.

=Frömmigkeit=, _f._ piety.

=Frost=, _m._, _pl._ Fröste, frost, cold.

=Frucht=, _f._, _pl._ Früchte, fruit.

=früh=, early.

=früher=, earlier.

=Frühstück=, _n._ breakfast.

=fügen=, to do, to resign, to behave; 48, 3-4, Golden Rule.

=fügte ... bei=, _see_ beifügen.

=fügte ... hinzu=, _see_ hinzufügen.

=fühlen=, to feel.

=fühlend=, sensitive, feeling.

=führen=, to lead.

=führen ... aus=, _see_ ausführen.

=Führer=, _m._ leader.

=fuhr ... fort=, _see_ fortfahren.

=führt ... hinaus=, _see_ hinausführen.

=führte ... zu=, _see_ zuführen.

=Fülle=, _f._ quantity, lots.

=füllen=, to fill.

=fünf=, five.

=fünfjährige=, five-year-old.

=fünfundzwanzig=, twenty-five.

=fünfzehn=, fifteen.

=fünfzig=, fifty.

=für=, for.

=Furcht=, _f._ fear.

=furchtbar=, frightful, terrible.

=fürchten= (sich), to be afraid.

=fürchterlich=, frightful.

=Fürst=, _m._, _pl._ -en, prince.

=Fuß=, _m._, _pl._ Füße, foot; zu --, afoot.

=Fußweg=, _m._ path.

=Futter=, _n._ food.

=füttern=, to feed.


G

=gab=, _see_ geben.

=Gang=, _m._, _pl._ Gänge, walk, corridor.

=ganz=, quite, all, whole.

=gar=, very; -- nichts, nothing at all.

=Garten=, _m._, _pl._ Gärten, garden.

=Gartenthor=, _n._ garden gate.

=Gartenthür=, _f._ garden door.

=Gärtner=, _m._ gardener.

=Gast=, _m._, _pl._ Gäste, guest.

=Gasthof=, _m._ inn, hotel.

=Gastmahl=, _n._ banquet.

=Gattin=, _f._ wife.

=geachtet=, esteemed, respected.

=geantwortet=, _see_ antworten.

=gearbeitet=, _see_ arbeiten.

=geben=, _imp._ gab, _p.p._ gegeben, to give; -- Sie ihn frei, set him
free; gebe Gott, God grant.

=Gebet=, _n._ prayer.

=gebeten=, _see_ bitten.

=gebieten=, _imp._ gebot, _p.p._ geboten, to command, to bid.

=Gebirge=, _n._ chain of mountains.

=geblieben=, _see_ bleiben.

=geboren=, born.

=gebot=, _see_ gebieten.

=gebracht=, _see_ bringen.

=gebraucht=, _see_ brauchen.

=gebunden=, _see_ binden.

=Gebüsch=, _n._, _pl._ -e, bush, thicket, brush.

=gedacht=, _see_ gedenken; caught a glimpse of.

=Gedanke=, _m._, _pl._ -n, thought.

=gedankenvoll=, thoughtful, -ly.

=gedeckte=, covered, decked.

=gedenken=, _imp._ gedachte, _p.p._ gedenkt, to remember, to think, to
wish, to fancy, to intend.

=Gedicht=, _n._, _pl._ -e, poem.

=geduldig=, patient, -ly.

=geeilt=, _see_ eilen.

=geerbt=, _see_ erben.

=Gefahr=, _f._, _pl._ -en, danger.

=gefährden=, to injure.

=gefährlich=, dangerous, -ly.

=Gefährte=, _m._, _pl._ -n, companion.

=Gefährtin=, _f._ companion.

=gefallen=, _imp._ gefiel, _p.p._ gefallen, to please.

=gefallen=, _see_ fallen _or_ gefallen.

=gefälligst=, if you please, most kindly.

=gefangen=, imprisoned.

=Gefangener=, _m._ prisoner.

=Gefangenwärter=, _m._ jailor.

=Gefängnis=, _n._, _pl._ -sse, prison; ins -- zu bringen, to take to
prison.

=gefiel=, _see_ gefallen.

=Gefolge=, _n._ suite, train.

=gefolgt=, _see_ folgen.

=geformt=, formed.

=gefressen=, _see_ fressen.

=geführt=, _see_ führen.

=gefunden=, _see_ finden.

=gegangen=, _see_ gehen; 6, 25, wie wohl es ihm --, how well he had
thrived.

=gegeben=, _see_ geben.

=gegen=, toward, to.

=Gegend=, _f._ neighborhood.

=Gegenstand=, _m._ object.

=Gegenwart=, _f._ presence.

=gegessen=, _see_ essen.

=gehabt=, _see_ haben.

=Gehalt=, _m._ salary.

=geh’=, _see_ gehen; 52, 20, gehe mit Gott, God be with you; 62, 26,
gehe ja nicht, be sure not to go.

=gehalten=, _see_ halten.

=gehangen=, _see_ hangen.

=gehe ... hinein=, _see_ hineingehen.

=gehen=, _imp._ ging, _p.p._ gegangen, to go, to walk.

=Gehen=, _n._ walking.

=geholfen=, _see_ helfen.

=gehorchen=, to obey.

=gehöre ... an=, _see_ angehören.

=gehören=, to belong to.

=gehört=, _see_ hören _or_ gehören.

=geht=, _see_ gehen; wie -- es Ihnen? how are you? mir -- es, I am; das
-- nicht, that won’t do.

=gehüllt=, _see_ hüllen.

=Geige=, _f._, _pl._ -n, violin.

=geirrt=, _see_ irren.

=Geist=, _m._ spirit, mind.

=gekauft=, _see_ kaufen.

=gekleidet=, _see_ kleiden.

=gekommen=, _see_ kommen.

=geküßt=, _see_ küssen.

=gelallet=, lisped.

=Geländer=, _n._ espalier.

=gelangen=, to arrive, to get at.

=gelassen=, cool, -ly; _see_ lassen.

=gelb=, yellow.

=Geld=, _n._, _pl._ -er, money.

=Geldtasche=, _f._ purse, money-bag.

=Gelegenheit=, _f._ opportunity.

=gelegt=, _see_ legen.

=Gelehrte=, _m._, _pl._ -n, learned man.

=gelernt=, _see_ lernen.

=gelesen=, _see_ lesen.

=geliebt=, beloved, _see_ lieben.

=geliehen=, _see_ leihen.

=geliehene=, loaned.

=Gemach=, _n._, _pl._ Gemächer, apartment.

=gemacht=, _see_ machen.

=Gemahlin=, _f._ wife.

=gemahnt=, _see_ mahnen.

=Gemälde=, _n._ paintings.

=gemalt=, _see_ malen.

=Gemeinde=, _f._, _pl._ -n, parish; der -- zur Last fallen, to be a
burden on the parish.

=gemordet=, _see_ morden.

=Gemüse=, _n._ vegetables.

=genau=, exact, -ly, close, -ly.

=genesen=, _imp._ genas, _p.p._ genesen, to recover.

=genießen=, _imp._ genoß, _p.p._ genossen, to enjoy.

=genommen=, _see_ nehmen.

=genug=, enough.

=genügen=, to suffice.

=geöffnet=, _see_ öffnen.

=gepflückt=, _see_ pflücken.

=geplaudert=, _see_ plaudern.

=geplündert=, _see_ plündern.

=gerade=, straight, just.

=geraten=, _see_ raten, succeeded.

=Geräusch=, _n._, _pl._ -e, noise, bustle.

=geräuschlos=, noiseless.

=Gerechtigkeit=, _f._ justice.

=gerettet=, _see_ retten.

=gerettete=, rescued.

=Gerichtssachen=, _f._ law matters.

=gern=, -e, willingly; -- haben, to like; -- thun, be fond of doing;
24, 21, das will ich -- thun, I shall gladly do so.

=gerufen=, _see_ rufen.

=gerührt=, moved.

=gesagt=, _see_ sagen.

=gesammelt=, _see_ sammeln.

=gesandt=, _see_ senden.

=Gesang=, _m._, _pl._ Gesänge, song, singing.

=gesät=, _see_ säen.

=Geschäft=, _n._, _pl._ -e, business.

=Geschäftsstube=, _f._ office.

=geschehen=, _imp._ geschah, _p.p._ geschehen, to happen, to take
place, to be done; recht -- würde, would serve right.

=Geschenk=, _n._, _pl._ -e, present, gift.

=Geschichte=, _f._, _pl._ -n, story, history.

=geschickt=, clever, skillful.

=geschickt=, _see_ schicken.

=geschlagen=, _see_ schlagen; 50, 7, zum Ritter --, received the
accolade.

=geschlossen=, _see_ schließen.

=geschluchzt=, _see_ schluchzen.

=geschmiegt=, leaning.

=geschmückt=, decked out, decorated.

=Geschöpf=, _n._, _pl._ -e, creature.

=geschossen=, shot.

=Geschrei=, _n._ cry, clamor.

=geschrieben=, _see_ schreiben.

=geschwätzig=, talkative, chattering.

=gesehen=, _see_ sehen.

=Gesellschaft=, _f._ company.

=gesetzt=, placed, set.

=Gesicht=, _n._, _pl._ -er, face.

=Gesichtchen=, _n._ little face.

=Gespielin=, _f._, _pl._ -nen, playmate.

=Gespräch=, _n._, _pl._ -e, conversation.

=gesprochen=, _see_ sprechen.

=Gestalt=, _f._, _pl._ -en, form, figure.

=gestand=, _see_ gestehen.

=gestanden=, _see_ stehen _or_ gestehen.

=gesteckt=, _see_ stecken.

=gestehen=, _imp._ gestand, _p.p._ gestanden, to confess.

=gestern=, yesterday.

=gestiegen=, _see_ steigen.

=gestohlen=, _see_ stehlen.

=gestorben=, _see_ sterben.

=gestrickt=, _see_ stricken.

=Gestrüpp=, _n._ underbrush.

=gestürzt=, hurled down.

=gesucht=, _see_ suchen.

=gesund=, healthy, sound.

=gesungen=, _see_ singen.

=getanzt=, _see_ tanzen.

=geteilt=, divided, portioned.

=gethan=, _see_ thun.

=getragen=, _see_ tragen.

=getraut=, married, _see_ trauen.

=getreuster=, most faithful.

=getrieben=, _see_ treiben.

=getroffen=, _see_ treffen.

=getrost=, happy, comforted, without fear, contentedly.

=getrunken=, _see_ trinken.

=getüncht=, tinted; weiß --, whitewashed.

=gewachsen=, _see_ wachsen.

=gewagt=, risky, _see_ wagen.

=gewählt=, _see_ wählen.

=gewahr werden=, to perceive, to become aware of.

=Gewalt=, _f._, _pl._ -en, power, violence, might.

=gewaltsam=, violent, -ly.

=gewarnt=, _see_ warnen.

=gewartet=, _see_ warten.

=geweckt=, _see_ wecken.

=gewesen=, _see_ sein.

=gewickelt=, _see_ wickeln.

=gewinnen=, _imp._ gewann, _p.p._ gewonnen, to win, to conquer.

=gewiß=, certain, -ly.

=Gewitter=, _n._ thunder-storm.

=gewöhnen=, to accustom, to use.

=gewohnen=, to get used to.

=gewöhnlich=, ordinary, usual, -ly.

=gewohnt=, _see_ wohnen _or_ gewohnen.

=gewonnen=, _see_ gewinnen.

=geworden=, _see_ werden; 8, 4, es war ... --, had come.

=geworfen=, _see_ werfen.

=gewünscht=, wished for.

=gezogen=, _see_ ziehen.

=gib=, _see_ geben; -- Acht, look out, beware.

=gieb=, _see_ geben; was giebt’s? what is the matter? es --, there is
_or_ are; gieb’s weiter, pass it along.

=gießen=, _imp._ goß, _p.p._ gegossen, to pour.

=gilt=, is equivalent; -- bei dem lieben Gott den Gruß, the greeting is
equivalent in God’s sight to.

=ging=, _see_ gehen.

=ging ... auf=, _see_ aufgehen.

=ging ... aus=, _see_ ausgehen.

=ging ... weg=, _see_ weggehen.

=ging ... zurück=, _see_ zurückgehen.

=ginge=, _see_ gehen; 11, 9, -- es mir besser, I would get along
better.

=gingen ... fort=, _see_ fortgehen.

=gingen ... hin=, _see_ hingehen.

=gingen ... hinauf=, _see_ hinaufgehen.

=gingen ... hinaus=, _see_ hinausgehen.

=gingen ... zu=, _see_ zugehen.

=glänzend=, glittering, shining.

=Glas=, _n._, _pl._ Gläser, glass, vase.

=glatt=, smooth.

=glauben=, to believe.

=gleich=, like, same, right away.

=Gleiche=, _f._ equal; seines Gleichen, his equals.

=gleichen=, _imp._ glich, _p.p._ geglichen, to liken, to resemble.

=Gleichgewicht=, _n._ balance.

=Gleichnis=, _n._ simile.

=glich=, _see_ gleichen.

=Glied=, _n._, _pl._ -er, limb, ranks.

=glockenartig=, bell-like.

=Glück=, _n._ luck, fortune, happiness.

=glücklich=, happy, lucky, fortunate, -ly.

=glücklicherweise=, fortunately.

=gnädige=, gracious, noble.

=Gnom=, _m._, _pl._ -en, gnome.

=Gold=, _n._ gold.

=golden=, golden.

=goldgefüllten=, gold-filled.

=goldlockig=, golden-haired.

=Goldstück=, _n._, _pl._ -e, gold pieces.

=goß=, _see_ gießen.

=Gott=, God; -- sei Dank, thank God.

=Gottesdienst=, _m._ divine service.

=Gotteshauch=, _m._ the breath of God.

=Gouvernante=, _f._ governess.

=Grab=, _n._, _pl._ Gräber, grave.

=Graf=, _m._, _pl._ -en, count.

=Gräfin=, _f._ countess.

=Gras=, _n._, _pl._ Gräser, grass.

=grau=, gray.

=grausam=, cruel.

=greifen=, _imp._ griff, _p.p._ gegriffen, to seize, to grasp, to catch
hold of.

=Grenze=, _f._, _pl._ -n, boundary.

=Griff=, _m._ touch, handle.

=griff=, _see_ greifen.

=Grille=, _f._ cricket.

=grob=, rough, rude.

=groß=, large, big, tall, great.

=Größe=, _f._ size.

=größer=, larger, greater.

=Großmut=, _f._ generosity.

=größte=, greatest.

=Großvater=, _m._ grandfather.

=Gruft=, _f._, _pl._ Grüfte, vault.

=grün=, green.

=Grund=, _m._ bottom.

=Gruß=, _m._, _pl._ Grüße, greeting, compliments.

=grüßen=, to greet; 46, 10, es grüßt Sie bestens, cordial greetings
from.

=güldnen=, golden.

=Gürtel=, _m._ girdle.

=gut=, good, well, very well, all right.

=Gut=, _n._, _pl._ Güter, estate, property, goods.

=Güte=, _f._ kindness, goodness.

=Gute=, -s, _n._ good.

=gütig=, kind, -ly, benevolent.

=gütiger=, kinder.

=gutmütig=, good-natured, -ly.


H

=Haar=, _n._ hair.

=haben=, _imp._ hatte, _p.p._ gehabt, to have.

=Habseligkeit=, _f._, _pl._ -en, possessions.

=habt=, _see_ haben.

=hadern=, to quarrel.

=halb=, half.

=halber=, on account of.

=half=, _see_ helfen.

=Hälfte=, _f._ half.

=hallend=, echoing.

=Hals=, _m._, _pl._ Hälse, neck.

=halt=, stop.

=halten=, _imp._ hielt, _p.p._ gehalten, to hold, to keep.

=Hammer=, _m._, _pl._ Hämmer, hammer.

=Hand=, _f._, _pl._ Hände, hand; in die Hände schlagen, to clap; alle
Hände voll zu thun haben, to be very busy; zur --, in her hand, at hand.

=handelnd=, by doing.

=Handvoll=, handful of.

=hangen=, _imp._ hing, _p.p._ gehangen, hung.

=hängen=, _imp._ hängte, _p.p._ gehängt, to hang.

=Hans=, Johnny.

=hantieren=, to skip, to go about.

=Harmonie=, _f._ harmony.

=Harren=, _n._ waiting.

=harren=, to wait; meiner --, to wait for me.

=harrend=, waiting.

=hart=, hard, tough.

=härtesten=, hardest.

=hartnäckig=, obstinate, -ly.

=haschend=, snatching.

=hassen=, to hate.

=Hast=, _f._ haste.

=hast=, _see_ haben.

=hastig=, hasty, hastily.

=hat=, =hatte=, =hatten=, =hätte=, =hätten=, _see_ haben; hätte ...
müssen, would have to; hätte ... mögen, might have.

=hatte ... an=, _see_ anhaben.

=Haufe=, _m._ heap.

=Hauptmann=, _m._ captain.

=hauptsächlich=, principally.

=Haus=, _n._, _pl._ Häuser, house; nach --, home; zu Hause, at home.

=Hausarbeit=, _f._ housework.

=Häuschen=, _n._ little house, cottage.

=hausen=, to dwell.

=Hausfrau=, _f._ mistress of the house.

=Haushalt=, _m._ household.

=Hausherr=, _m._ master of the house.

=Hausschuh=, _m._, _pl._ -e, slipper.

=Hausthür=, _f._, _pl._ -en, house-door.

=Hausvater=, _m._ father of the family.

=Heer=, _n._, _pl._ -e, army.

=heftig=, violent, -ly.

=Heil=, _n._ welfare, happiness.

=Heiland=, _m._ Lord, Saviour.

=heilig=, holy, sacred.

=heim=, home.

=Heimat=, _f._ home.

=heimbringen=, _imp._ brachte heim, _p.p._ heimgebracht, to bring home.

=heimführen=, _imp._ führte heim, _p.p._ heimgeführt, to bring home.

=heimgegangene=, gone home, deceased.

=heimkehren=, _imp._ kehrte heim, _p.p._ heimgekehrt, to return home.

=heimkommen=, _imp._ kam heim, _p.p._ heimgekommen, to come home.

=heimlich=, secret, -ly.

=Heimweg=, _m._ way home, road home.

=Heinrich=, Henry.

=Heirat=, _f._ marriage.

=heiraten=, to marry.

=Heiratsantrag=, marriage proposal.

=Heiratscontract=, marriage contract.

=heißen=, _imp._ hieß, _p.p._ geheißen, to call, to name, to mean, to
bid.

=heiter=, gay, gaily, clear.

=heitern=, to clear up, to grow brighter.

=heiterte ... auf=, _see_ aufheitern.

=Held=, _m._, _pl._ -en, hero.

=Heldensprache=, _f._ language of heroes.

=helfen=, _imp._ half, _p.p._ geholfen, to help.

=hell=, clear, bright.

=Helm=, _m._ helmet.

=her=, here, hither; hin und --, hither and thither, back and forth.

=herab=, down, downward.

=herabhangen=, _imp._ hing herab, _p.p._ herabgehangen, to hang down,
to suspend.

=heranbrach=, _see_ heranbrechen.

=heranbrechen=, _imp._ brach heran, _p.p._ herangebrochen, to dawn, to
break.

=herankommen=, _imp._ herankam or kamen heran, _p.p._ herangekommen,
to arrive, to come up, to approach.

=herankommend=, approaching.

=heranreiten=, _imp._ ritt heran or heran ritt, _p.p._ herangeritten,
to ride up.

=heraus=, out, outspoken.

=herauskommen=, _imp._ kam heraus _or_ herauskam, _p.p._
herausgekommen, to come out.

=herausziehen=, to pull out.

=herbei=, to the fore, up.

=herbeiholen=, _imp._ holte herbei, _p.p._ herbeigeholt, to fetch, to
send for, to bring out.

=herbeikommen=, _imp._ kam herbei, _p.p._ herbeigekommen, to come, to
assemble.

=herbeirufen=, _imp._ rief herbei, _p.p._ herbeigerufen, to call up.

=herbeischaffen=, to procure.

=herbeizuschaffen=, _see_ herbeischaffen.

=Herbst=, _m._, _pl._ -e, autumn, fall.

=Herbstlied=, _n._ autumn song.

=herein=, in, within.

=hereinlassen=, _imp._ ließ herein, _p.p._ hereingelassen, to admit.

=hereinstürzen=, _imp._ stürzte herein, _p.p._ hereingestürzt, to rush
in, to burst in.

=hereintrat=, _see_ hereintreten.

=hereintreten=, _imp._ trat herein, _p.p._ hereingetreten, to step in.

=herfliegen=, to fly thither.

=hergeben=, _imp._ gab her, _p.p._ hergegeben, to give up.

=hergehen=, _imp._ ging her, _p.p._ hergegangen, to walk or go here, to
go on, to happen.

=Herr=, _m._ Mr., master, lord; mein --, sir; -- Ritter, Sir Knight;
24, 15, Ihr Herren Riesen, Messrs. the Giants.

=Herrin=, _f._ mistress.

=herrlich=, lovely, splendid.

=Herrlichkeit=, _f._, _pl._ -en, magnificence.

=herrschen=, to rule.

=herstellen=, _imp._ stellte her, _p.p._ hergestellt, to place here, to
restore.

=herum=, around, about.

=herumfliegen=, _imp._ flog herum, _p.p._ herumgeflogen, to fly around.

=herumgehen=, _imp._ ging herum, _p.p._ herumgegangen, to go around.

=herumspringen=, _imp._ sprang herum, _p.p._ herumgesprungen, to jump
around, to frisk.

=herunter=, down, downward.

=herunterfallen=, _imp._ herunterfiel, _p.p._ heruntergefallen, to fall
down.

=herunterfiel=, _see_ herunterfallen.

=herunterschicken=, _imp._ schickte herunter, _p.p._ heruntergeschickt,
to send down.

=hervor=, out, forth.

=hervorquellen=, to stream out.

=Herz=, _n._, _pl._ -en, heart.

=herzhaft=, heartily.

=herzlich=, heartily.

=herzugeben=, _see_ hergeben.

=Heu=, _n._ hay.

=heulen=, to howl.

=heulend=, howling.

=Heuschrecke=, _f._ grasshopper.

=heute=, to-day; heut’ abend, this evening.

=hie=, here; -- und da, now and then, here and there.

=hielt=, _see_ halten.

=hielt ... an=, _see_ anhalten.

=hielt ... inne=, _see_ innehalten.

=hielt ... still=, _see_ stillhalten.

=hier=, here; von -- aus, from now on, henceforth.

=hierher=, here thither.

=hiermit=, herewith.

=hieß=, _see_ heißen.

=hilf=, _see_ helfen; -- doch, do help.

=hilft=, _see_ helfen.

=Himmel=, _m._ heaven, sky; Himmels, heavenly.

=Himmelreich=, _n._ kingdom of heaven.

=hin=, thither.

=hinab=, down.

=hinabgehen=, _imp._ ging hinab, _p.p._ hinabgegangen, to go down.

=hinabgenommen=, taken down there.

=hinauf=, up, upward.

=hinaufgehen=, _imp._ ging hinauf, _p.p._ hinaufgegangen, to go up.

=hinaufklettern=, _imp._ kletterte hinauf, _p.p._ hinaufgeklettert, to
climb up.

=hinaufschauen=, _imp._ schaute hinauf, _p.p._ hinaufgeschaut, to gaze
up.

=hinauftragen=, _imp._ trug hinauf, _p.p._ hinaufgetragen, to carry up.

=hinaus=, out, outside, without.

=hinausführen=, _imp._ führte hinaus, _p.p._ hinausgeführt, to lead out.

=hinausgeworfen=, _see_ hinauswerfen.

=hinauswerfen=, to cast out.

=hinausstoßen=, _imp._ stieß hinaus, _p.p._ hinausgestoßen, to turn
out, to utter.

=hinaustreiben=, _imp._ trieb hinaus, _p.p._ hinausgetrieben, to drive
out.

=Hindernis=, _n._, _pl._ -sse, hindrance.

=hindurch=, through, throughout.

=hinein=, within, in, inside.

=hineingehen=, _imp._ ging hinein, _p.p._ hineingegangen, to go in.

=hineinschreiten=, _imp._ schritt hinein, _p.p._ hineingeschritten, to
stride in.

=hineintragen=, _imp._ trug hinein, _p.p._ hineingetragen, to carry in.

=hinfällig=, decrepit.

=hing=, _see_ hangen.

=hingesetzt=, sat down there.

=hing ... herab=, _see_ herabhangen.

=hingehen=, _imp._ ging hin, _p.p._ hingegangen, to go thither.

=hingegangen=, _see_ hingehen.

=hinhalten=, _imp._ hielt hin, _p.p._ hingehalten, hold out to.

=hinhaltend=, holding out.

=hinkend=, limping.

=hinlegen=, to put down.

=hinschauen=, to gaze at.

=hinsetzen= (sich), _imp._ setzte hin, _p.p._ hingesetzt, to sit down
there, to put, to place.

=hinstellen=, _imp._ stellte hin, _p.p._ hingestellt, to put, to place.

=hinter=, behind.

=hintereinander=, consecutive.

=hinterlassen=, _imp._ hinterließ, _p.p._ hintergelassen, to leave, to
will.

=hinterließ=, _see_ hinterlassen.

=hinüber=, over to the other side.

=hinübergehen=, to go over to the other side.

=hinübertragen=, to carry over to the other side.

=hinunter=, down; 18, 8, Ich muß --, I must go down there.

=hinunterfallen=, _imp._ fiel hinunter, _p.p._ hinuntergefallen, to
fall down.

=hinuntersteigen=, _imp._ stieg hinunter, _p.p._ hinuntergestiegen, to
climb down.

=hinunterstoßen=, _imp._ stieß hinunter, _p.p._ hinuntergestoßen, to
push down.

=hinzufügen=, _imp._ fügte hinzu, _p.p._ hinzugefügt, to add.

=Hirtenknab’=, _m._ shepherd boy.

=hob ... auf=, _see_ aufheben.

=hob ... empor=, _see_ emporheben.

=hoch=, high.

=hochgeboren=, of noble birth.

=höchst=, high, -ly.

=höchsten=, highest.

=Hochzeit=, _f._ wedding.

=Hochzeitsfest=, _n._ wedding-feast.

=Hof=, _m._, _pl._ Höfe, court, yard.

=hoffen=, to hope.

=höflich=, polite, -ly.

=Höhe=, _f._ height; in die --, upward.

=hohem=, high; -- Alter, good old age.

=Hohenstaufen=, imperial family name.

=höher=, taller, higher.

=Hohenburg=, _f._ High Castle.

=hohl=, hollow.

=Höhle=, _f._, _pl._ -n, cave.

=höhnisch=, scornful, jeeringly.

=holen=, to get, to fetch.

=holten ... herbei=, _see_ herbeiholen.

=Holz=, _n._ wood.

=hölzern=, wooden.

=Holzhacker=, _m._ wood-cutter.

=Holzhackerfamilie=, _f._ the family of the wood-cutter.

=hören=, to hear.

=höre ... zu=, _see_ zuhören.

=hörte ... auf=, _see_ aufhören.

=Huhn=, _n._, _pl._ Hühner, chicken.

=Hülfe=, _f._ help.

=Hund=, _m._ dog.

=hülflos=, helpless.

=hüllen=, to wrap.

=hundert=, hundred.

=Hunger=, _m._, hunger; -- leiden, to starve.

=hungrig=, hungry.

=Husar=, _m._, _pl._ -en, hussar.

=Hut=, _m._, _pl._ Hüte, hat; _f._, _pl._ -en, protection, shelter,
keeping.

=Hutband=, _n._, hat-band.

=hüten=, to watch, to guard.

=Hütte=, _f._, _pl._ -n, hut, cottage.


I

=ich=, I; -- bin es, it is I; ich’s = ich es.

=ihm=, him, to him, to it, to her.

=ihn=, him, it, them, to them.

=ihnen=, to them; 36, 11, ging es -- gut, all went well with them.

=Ihnen=, to you, to them, them, for you.

=Ihr=, you; ihr, your, to her, her, their.

=ihrer=, for them, to her, from her.

=ihrigen=, hers.

=im=, = in dem, in the.

=immer=, always.

=immerdar=, always there.

=in=, in.

=inbrünstig=, fervently.

=indem=, in which, while.

=Infanterie=, _f._ infantry.

=inmitten=, in the middle, in the midst.

=innehalten=, _imp._ hielt inne, _p.p._ innegehalten, to be silent,
stop.

=Innere=, inside.

=innig=, dearly.

=Innigkeit=, _f._ fervor.

=Interesse=, _n._, _pl._ -n, interest.

=irdisch=, earthly; das irdische verlor, lost all temporal blessings.

=irgend=, any.

=irren=, to err, to wander.

=ist=, _see_ sein, -- mir’s doch, it seems to me.

=ißt=, _see_ essen.

=Italien=, _n._ Italy.

=Italiener=, _m._ Italian.

=Italienisch=, Italian.


J

=ja=, yes, indeed, surely, do (used to give emphasis).

=Jacob=, James.

=Jagd=, _f._, _pl._ -en, hunt, chase.

=jagen=, to rush, to gallop.

=Jahr=, _n._, _pl._ -e, year.

=Jahrhundert=, _n._ century.

=Jahrmarkt=, _m._ yearly market, fair.

=Jammern=, _n._ lamentations.

=jammern=, to lament.

=je=, ever, always.

=jede=, each, every, each one.

=Jedermann=, every one.

=jedesmal=, each time.

=jedoch=, still, though.

=Jemand=, somebody.

=jene=, that.

=jenseits=, on the other side.

=jetzt=, now.

=Joseph=, Joseph.

=Jovis=, Jove.

=jubeln=, to rejoice.

=jubelnd=, rejoicing.

=Jugendzeit=, _f._ youth.

=jung=, young.

=Junge=, _m._, _pl._ -n, lad, boy, youth.

=jünger=, younger.

=Jungfrau=, _f._, _pl._ -en, young lady.

=Jüngling=, _m._, _pl._ -e, youth, young man.

=jüngst=, a short time ago.

=jüngste=, youngest.

=Junker=, _m._ huntsman.


K

=Käfig=, _m._ cage.

=Kaiser=, _m._ emperor.

=Kaiserheer=, _n._ imperial army.

=Kaiserin=, _f._ empress.

=kaiserlich=, imperial.

=kalt=, cold, -ly.

=Kälte=, _f._ cold.

=kam=, =-en=, =käme=, =-n=, _see_ kommen.

=kam ... entgegen=, _see_ entgegenkommen.

=kam ... heraus=, _see_ herauskommen.

=kam ... vor=, _see_ vorkommen.

=kam ... zurück=, _see_ zurückkommen.

=kamen ... an=, _see_ ankommen.

=kamen ... herbei=, _see_ herbeikommen.

=Kamerad=, _m._, _pl._ -en, comrade.

=Kampf=, _m._ battle, fight, struggle.

=kann=, _see_ können; 44, 24, das kann ich, indeed I can.

=kannst=, _see_ können.

=kannte=, _see_ kennen.

=Kapelle=, _f._ chapel.

=Kapital=, _n._ capital.

=Kaplan=, _m._ chaplain.

=Kapuzen=, _pl._ hoods.

=Katze=, _f._ cat.

=kaufen=, to buy.

=Kaufladen=, _m._ shop.

=Kaufmann=, _m._, _pl._ Kaufleute, merchant.

=kaum=, scarcely, hardly.

=Kavallerie=, _f._ cavalry.

=kehrte ... ein=, _see_ einkehren.

=kehrte ... zurück=, went back.

=kein=, not any, not a, not one.

=Keller=, _m._ cellar.

=kennen=, _imp._ kannte, _p.p._ gekannt, to know.

=Kerker=, _m._ prison, cell, dungeon.

=Kerkerleben=, _n._ prison-life.

=Kerkermeister=, _m._ jailer.

=Kerl=, _m._ fellow.

=Kette=, _f._, _pl._ -n, chain.

=Kind=, _n._, _pl._ -er, child.

=Kinderfrau=, _f._ nurse.

=Kinderwärterin=, _f._ nurse.

=Kindeskinder=, _pl._ grandchildren.

=Kindlein=, _n._ little child.

=Kinn=, _n._ chin.

=Kirche=, _f._, _pl._ -n, church.

=Kirchenglocke=, _f._, _pl._ -n, church-bell.

=Kiste=, _f._, _pl._ -n, box.

=Klage=, _f._ complaint, lament.

=klagen=, to complain; um ihre Leiden zu --, to tell their woes.

=kläglich=, pitiful, mournfully.

=klammern=, to cling, to clutch.

=Klang=, _pl._ Klänge, sound.

=klang=, _see_ klingen.

=klar=, clear.

=klatschen=, to clap.

=kleben=, to glue.

=Kleid=, _n._, _pl._ -er, dress, garment.

=Kleidchen=, _n._ little dress.

=kleiden=, to clothe.

=klein=, small, little.

=Kleine=, little one.

=Kleiner-Finger=, _m._ little finger.

=Kleinigkeit=, _f._ trifle.

=klettern=, to climb.

=klingen=, _imp._ klang, _p.p._ geklungen, to sound, to ring.

=klingeln=, to ring.

=Klirren=, _n._ clash.

=Klopfen=, _n._ beating, knocking.

=klopfen=, to rap, to knock; es klopfte, there was a knock.

=Kluft=, _f._, _pl._ Klüfte, gap, cleft, gulf.

=klug=, smart, wise.

=klügsten=, wisest.

=Knabe=, _m._, _pl._ -n, boy.

=knallen=, to snap, to crack.

=Knecht=, _m._, _pl._ -e, man-servant, squire.

=Knie=, _n._, _pl._ -e, knee.

=knieen=, to kneel.

=kniete ... nieder=, _see_ niederknieen.

=Kobold=, _m._, _pl._ -e, dwarf.

=Koch=, _m._ cook.

=Köchin=, _f._ cook.

=Kohlenbrenner=, _m._ charcoal-burner.

=kommen=, _imp._ kam, _p.p._ gekommen, to come.

=König=, _m._, _pl._ -e, king.

=Königin=, _f._ queen.

=können=, to be able, can; 79, 27, es könnte geben, there might be.

=Kopf=, _m._, _pl._ Köpfe, head.

=Köpfchen=, _n._ little head.

=Koralle=, _f._, _pl._ -n, coral.

=Korb=, _m._, _pl._ Körbe, basket.

=Körbchen=, _n._ little basket.

=Korn=, _n._ corn, grain.

=Kornfeld=, _n._, _pl._ -er, grain-field.

=Kost=, _f._ food, board.

=kostbar=, costly, precious.

=Kosten=, _pl._ the costs.

=kosten=, to cost; koste es mir, even if it were to cost me.

=Krachen=, _n._ the cracking.

=Kraft=, _f._, _pl._ Kräfte, strength.

=Kralle=, _f._, _pl._ -n, claw.

=krampfhaft=, convulsively.

=krank=, sick, ill.

=Kranken=, sick people.

=Krankheit=, _f._ sickness.

=Kreis=, _m._, _pl._ -e, circle.

=kreucht und fleucht=, creeps and flies (_poet._).

=Kreuz=, _n._ cross.

=Kreuzzug=, _m._ crusade.

=kriechen=, _imp._ kroch, _p.p._ gekrochen, to creep, to crawl.

=Krieg=, _m._, _pl._ -e, war.

=kriegen=, to get.

=Krieger=, _m._ warrior.

=Kriegsroß=, _n._ war-horse.

=Kriegsruf=, _m._ battle-cry.

=Krippe=, _f._, _pl._ -n, manger.

=krochen=, _see_ kriechen.

=Krone=, _f._ crown, calyx.

=Krug=, _m._, _pl._ Krüge, crock, jug.

=Küche=, _f._, _pl._ -n, kitchen.

=Kuchen=, _m._ cake.

=kühl=, cool; =-er=, cooler.

=kühner=, bolder, more daring.

=Kummer=, _m._ grief, sorrow.

=Kund geben=, to proclaim, to make known.

=Künstler=, _m._ artist.

=künstlich=, artistic, -ally.

=Kunstwerk=, _n._, _pl._ -e, work of art.

=kupfern=, of copper.

=Kuppe=, _f._ top, peak.

=kurz=, short, -ly, in short.

=kürzlich=, recently.

=küssen=, to kiss.

=küßte=, _see_ küssen.


L

=lächeln=, to smile.

=lächelnd=, smiling.

=Lachen=, _n._ laughter.

=lachen=, to laugh.

=lachten ... aus=, _see_ auslachen.

=Laden=, _m._ store, shop.

=lag=, _see_ liegen.

=Lampe=, _f._ lamp.

=Land=, _n._, _pl._ Länder, land, country; auf dem Lande, in the
country.

=Landhaus=, _n._ country-seat.

=Landhof=, _m._ yard of a country-house, rural court.

=lang=, long.

=langbeinig=, long-legged.

=lange=, a long time.

=Lange= (=der=), the long one, Longy.

=länger=, longer; auf längere Zeit, for some time.

=langsam=, slow, -ly.

=längst=, longest; schon --, long ago, already.

=langeweilen= (sich), to be bored, to find the time long.

=langweilig=, boring, tiresome.

=Lanze=, _f._, _pl._ -n, lance.

=Lärm=, _m._ noise, bustle.

=las=, _see_ lesen.

=las ... vor=, _see_ vorlesen.

=lassen=, _imp._ ließ, _p.p._ gelassen, to leave, to let.

=Last=, _f._, _pl._ -en, burden.

=laß=, _see_ lassen.

=Laterne=, _f._, _pl._ -n, lantern.

=Lauf=, _m._ course.

=laufen=, _imp._ lief, _p.p._ gelaufen, to run.

=lauschen=, to listen.

=lauschend=, listening.

=laut=, loud, -ly, aloud.

=lauten=, to run, to say.

=läuten=, to ring.

=lauter=, louder.

=lautrufen=, to cry loudly.

=lautweinend=, weeping.

=leben=, to live.

=Leben=, _n._ life; 89, 21, at the risk of my life.

=lebendig=, alive, lively.

=Lebenlang=, as long as I live.

=Lebensmittel=, _n._ provisions, food.

=lebensvoll=, full of life, lively.

=Leckerbissen=, _pl._ delicacies.

=ledig=, unmarried, single.

=leer=, empty.

=leeren=, to empty.

=legen=, to put, to lay.

=legen ... nieder= (sich), _see_ niederlegen.

=legte ... hin=, _see_ hinlegen.

=Lehen=, _n._ fief, fee.

=lehnen=, to lean.

=lehnte ... ab=, _see_ ablehnen.

=Lehnstuhl=, _m._, _pl._ Lehnstühle, armchair.

=Lehre=, _f._, _pl._ -n, lessons, teachings.

=lehren=, to teach.

=Lehrer=, _m._ teacher.

=Leib=, _m._, _pl._ -er, body.

=leicht=, easy, easily.

=leichter=, easier.

=Leid=, _n._, _pl._ -en, wrong, sorrow, trouble; was zu leide thun, to
harm; ein -- zufügen, do any harm.

=leid=, used with sein and thun: es thut mir --, I am sorry.

=leiden=, _imp._ litt, _p.p._ gelitten, to suffer, to endure.

=leidende=, suffering; die Leidenden, sufferers.

=leider=, the more is the pity.

=leihen=, _imp._ lieh, _p.p._ geliehen, to lend, to borrow.

=leise=, soft, -ly.

=leiten=, to keep, to govern, to direct.

=lenken=, to lead, to turn.

=lernen=, to learn.

=Lesen=, _n._ reading.

=lesen=, _imp._ las, _p.p._ gelesen, to read.

=lesend=, reading.

=letzte=, last.

=leuchten=, to light.

=Leute=, people.

=Licht=, _n._, _pl._ -e, light; ging ein -- auf, a light dawned upon.

=Lichtstrom=, _m._ stream of light.

=liebe=, dear, beloved.

=Liebe=, _f._ love; =-n=, beloved ones.

=lieben=, to love.

=liebend=, loving, in love.

=Liebeswort=, _n._ word of love.

=lieb haben=, to be fond of, to like.

=lieblich=, sweet, -ly.

=Liebling=, darling, favorite.

=liebsten=, dearest; am -- ist, likes best.

=Lied=, _n._, _pl._ -er, song.

=lief=, _see_ laufen.

=lief ... voraus=, _see_ vorauslaufen.

=liegen=, _imp._ lag, _p.p._ gelegen, to lie.

=lies=, _see_ lesen.

=ließ=, _see_ lassen; -- holen _or_ kommen, sent for; -- binden, bade
them bind; -- vermuten, made him suppose; -- sagen, sent word.

=Linden=, a proper name.

=links=, left, to the left.

=Lippe=, _f._, _pl._ -n, lip.

=litt=, _see_ leiden.

=Lob=, _n._ praise.

=loben=, to praise.

=lockenhaarige=, curly-haired.

=Lohn=, _m._ pay, reward.

=los=, rid; -- zu sein, to get rid of.

=lösen= (sich), to loose, to untie, to release, to solve.

=lud ... ein=, _see_ einladen.

=Luft=, _f._, _pl._ Lüfte, air.

=lügen=, to lie.

=Lügner=, _m._ liar.

=Lust=, _f._ pleasure.

=lustig=, merry, merrily.

=Lustschloß=, _n._ castle in the country.


M

=machen=, to do, to make; sich --, to set to; -- Sie Platz, make room.

=machst=, _see_ machen.

=Macht=, _f._, _pl._ Mächte, power, might.

=machte ... auf=, _see_ aufmachen.

=machte ... zu=, _see_ zumachen.

=mächtig=, powerful, -ly.

=mächtig werden=, to become master of, to take possession of.

=mächtiger=, mightier.

=Mädchen=, _n._ girl, maid.

=mag=, _see_ mögen.

=Magd=, _f._, _pl._ Mägde, maid-servant.

=mager=, thin.

=Mahlzeit=, _f._ meal.

=mahnen=, to admonish, to recommend.

=Majestät=, _f._ majesty.

=Mal=, _n._ time.

=malen=, to paint.

=Malkasten=, _m._ paint-box.

=man=, one, they, people.

=manche=, many a.

=Manches=, many a thing.

=manchmal=, often, many a time.

=Mangel=, _m._ want.

=Mann=, _m._, _pl._ Männer, man, husband; 29, 12, men.

=Mantel=, _m._, _pl._ Mäntel, cloak.

=Märchen=, _n._ fairy-tales.

=Maria=, Mary.

=Markt=, _m._, _pl._ Märkte, market, commerce, trade; auf den --, to
market.

=Marktplatz=, market-place.

=Markttag=, _m._ market-day.

=marmelsteinern=, of marble.

=Marmortisch=, _m._ marble table.

=Mauer=, _f._, _pl._ -n, wall.

=Meer=, _n._ sea.

=Meeresstille=, _f._ calm at sea.

=mehr=, more, longer.

=mehrere=, several.

=mehrmals=, repeatedly.

=Meile=, _f._, _pl._ -n, mile.

=mein=, my, mine.

=meinen=, to think, to mean.

=meisten=, most; =-s=, mostly.

=melden=, to announce.

=Menge=, _f._, _pl._ -n, multitude, quantity.

=Mensch=, _m._, _pl._ -en, man, human being.

=menschlich=, human.

=merken=, to notice, to mark.

=merkwürdig=, wonderful, marvelous.

=Metall=, _n._ metal.

=mich=, me.

=Michel=, Michael.

=Miene=, _f._ mien.

=Miete=, _f._ rent.

=mieten=, to rent, to hire.

=Milch=, _f._ milk.

=Mineralreich=, _n._ mineral kingdom.

=Minute=, _f._, _pl._ -n, minute.

=mir=, me, from me, to me; 40, 27, -- ist nicht ganz wohl, I don’t feel
quite well.

=mit=, with, to, along, too.

=mitbringen=, _imp._ brachte mit, _p.p._ mitgebracht, to bring along.

=mitgebracht=, _see_ mitbringen.

=mitgenommen=, _see_ mitnehmen.

=mitgeteilt=, _see_ mitteilen.

=mitkommen=, _imp._ kam mit, _p.p._ mitgekommen, to come along.

=Mitleid=, _n._ compassion.

=mitleidig=, compassionate, -ly.

=mitnahmen=, _see_ mitnehmen.

=mitnehmen=, _imp._ nahm mit, _p.p._ mitgenommen, to take along.

=mitsingen=, _imp._ sang mit, _p.p._ mitgesungen, to sing too.

=Mittag=, _m._ noon, dinner.

=Mitte=, _f._ middle.

=mitteilen=, _imp._ teilte mit, _p.p._ mitgeteilt, to impart, to inform.

=Mittel=, _n._ means, way.

=Mittelfinger=, _m._ middle-finger.

=mitten=, in the middle, in the midst.

=Mitternacht=, _f._ midnight.

=möchte=, would like; _see_ mögen; -- gar gern haben, would very much
like to have.

=mögen=, _imp._ mochte, _p.p._ gemocht, to be able (may, might, can,
would, etc.).

=möglich=, possible, -ly; ich that mein mögliches, I did my best.

=Monat=, _m._, _pl._ -e, month.

=Mond=, _m._ moon.

=Mondenglanz=, moonlight.

=Moos=, _n._, _pl._ -e, moss.

=moosig=, mossy.

=Morcheln=, mushrooms.

=morden=, to murder.

=Mörder=, _m._ murderer.

=Morgen=, _m._ morning; am --, in the morning; heut’ --, this morning.

=morgen=, to-morrow, the morrow.

=Morgengesang=, morning song.

=Morgenlied=, morning song.

=Morgenrot=, morning red, sunrise.

=morgens=, in the morning, mornings.

=Morgenstrahl=, morning sunbeam.

=morsch=, moldy.

=müde=, tired.

=Mühe=, pains, trouble; sich -- geben, to take pains.

=Mühle=, _f._ mill.

=mühsam=, painful, -ly.

=Müller=, _m._ miller.

=Münster=, _m._ cathedral.

=munter=, gay, jolly, merry.

=Murren=, _n._ murmur.

=murrend=, cross, muttering, murmuring.

=Musik=, _f._ music.

=Muster=, _n._ pattern, model.

=Musterhaus=, _n._ model house.

=mustern=, to review.

=müssen=, to be obliged, to be forced, must, ought.

=muß=, _see_ müssen; 61, 20, mußt mit, must come with me.

=Müßiggang=, _m._ idleness.

=Mut=, _m._ courage.

=mutig=, brave, -ly.

=Mutter=, _f._, _pl._ Mütter, mother.

=Muttergrund=, native soil.

=Mutterhaus=, home.

=Mutterlaut=, familiar sound.

=Muttersprache=, native language.

=Mütze=, _f._, _pl._ -n, cap.


N

=nach=, after, according to, to, for, toward; -- und --, little by
little.

=Nachbar=, _m._, _pl._ -n, neighbor.

=nachdem=, after.

=Nachdenken=, _n._ meditation.

=nachdenklich=, thoughtful, -ly, meditatively.

=nachfolgen=, _imp._ folgte nach, _p.p._ nachgefolgt, to follow.

=nachher=, after, afterwards, later.

=Nachkommen=, _pl._ descendants.

=nachlässig=, careless, -ly.

=nachmachen=, _imp._ machte nach, _p.p._ nachgemacht, to imitate, to
copy.

=Nachmittag=, _m._ afternoon; =-s=, in the afternoon.

=Nachricht=, _f._, _pl._ -en, news.

=nachriefen=, _see_ nachrufen.

=nachrufen=, _imp._ rief nach, _p.p._ nachgerufen, to call after, to
cry.

=nachsann=, _see_ nachsinnen.

=nachsehen=, _imp._ sah nach, _p.p._ nachgesehen, to see to, to look
after.

=nachsinnen=, _imp._ sann nach, _p.p._ nachgesonnen, to reflect, to
think over.

=nächste=, next.

=nachsuchen=, _imp._ suchte nach, _p.p._ nachgesucht, to hunt for, to
seek.

=Nacht=, _f._, _pl._ Nächte, night.

=Nachtigall=, _f._ nightingale.

=nächtlich=, nightly.

=Nachtruhe=, _f._ quiet _or_ peace of night, night-rest.

=nachts=, at night.

=nackt=, naked, bare.

=Nagel=, _m._ nail.

=nahe=, near, near by, close.

=Nähe=, _f._ neighborhood.

=nahen=, to draw near.

=nähen=, to sew.

=näher=, nearer.

=nähern=, to approach, to draw near.

=nahm=, =-en=, _see_ nehmen.

=nahm ... ab=, _see_ abnehmen.

=nahm ... mit=, _see_ mitnehmen.

=Nahrungsmittel=, _n._ food, provisions.

=Name=, _m._, _pl._ -n, name.

=Nation=, _f._, _pl._ -en, nation.

=natürlich=, natural, -ly, of course.

=natürlicherweise=, as a matter of course.

=Nebel=, _m._ fog.

=nebelig= _or_ =neblig=, foggy.

=neben=, beside, next.

=Nebenzimmer=, _n._ adjoining room.

=nebst=, beside.

=nehme ... auf=, _see_ aufnehmen.

=nehmen=, _imp._ nahm, _p.p._ genommen, to take.

=nehmend=, taking.

=nehmt=, _see_ nehmen; -- mir das Kind aus dem Arme, take the child
from me.

=nehmt ... hin=, take.

=nein=, no.

=nennen=, _imp._ nannte, _p.p._ genannt, to name.

=Nessel=, _f._, _pl._ -n, nettle.

=Nest=, _n._, _pl._ -er, nest.

=neu=, new; von neuem an, anew.

=neugierig=, inquisitive, -ly.

=Neujahr=, _n._ New Year.

=Neujahrsabend=, _m._ New Year’s eve.

=Neujahrslied=, _n._ New Year’s song.

=Neujahrsmorgen=, _m._ New Year’s morn.

=Neujahrstag=, _m._ New Year’s day.

=nicht=, no, not.

=nichts=, nothing, in no wise, naught.

=nie=, never.

=nicken=, to nod.

=nieder=, down, below.

=niederbrennen=, _imp._ brannte nieder, _p.p._ niedergebrannt, to burn
down.

=niedergebrannt=, _see_ niederbrennen.

=niederknieen=, to kneel down.

=niederlegen= (sich), _imp._ legte nieder, _p.p._ niedergelegt, to lie
down.

=niedersetzen= (sich), _imp._ setzte nieder, _p.p._, niedergesetzt, to
sit down.

=niedersinken=, _imp._ sank nieder, _p.p._ niedergesunken, to sink down.

=niedrig=, low.

=niemals=, never.

=Niemand=, -en, nobody.

=nimm ... an=, _see_ annehmen.

=nimmermehr=, nevermore.

=nirgend=, nowhere.

=noch=, yet, still, again; weder ... --, neither ... nor; -- nicht, not
yet; -- einmal, once more.

=Nord=, _m._ -en, north.

=Nord-Deutschland=, Northern Germany.

=Not=, _f._ need, trouble, want; ihnen seine -- zu klagen, to tell them
of his woes.

=nötig=, necessary; -- haben, to need.

=Nu=, im --, in the twinkling of an eye.

=nun=, well, now, therefore; von -- an, henceforth.

=nur=, only.

=Nuß=, _f._, _pl._ Nüsse, nut.

=Nußbaum=, _m._, _pl._ Nußbäume, nut-tree.

=Nutz=, _m._, _pl._ -en, use; von -en, of use.

=nützen=, to be of use; -- mir nicht viel, are not of much use to me.


O

=ob=, whether, if.

=Obdach=, _n._ shelter, home.

=oben=, up, above; dort --, up yonder.

=obere=, top, above.

=Oberfläche=, _f._ surface.

=Oberst=, _m._, _pl._ -e, captain.

=obgewaltet=, _see_ obwalten.

=obgleich=, although.

=Obhut=, _f._ protection.

=obschon=, although.

=obwalten=, to direct.

=obwohl=, although.

=oder=, or.

=Ofen=, _m._, _pl._ Öfen, stove, oven.

=offen=, open.

=öffentlich=, publicly.

=Officier=, _m._, _pl._ -e, officer.

=öffnen=, to open.

=Öffnung=, _f._, _pl._ -en, opening.

=oft=, often.

=öfter=, oftener.

=oftmals=, often, oftentimes.

=ohne=, without; -- dies, besides.

=ohnmächtig=, unconscious.

=Ohr=, _n._, _pl._ -en, ear.

=Ohrfeige=, _f._ box on the ear.

=Oktober=, _m._ October.

=Ordnung=, _f._ order; in --, all right.

=Ort=, _m._, _pl._ Örter, place, spot.

=Ottilie=, a proper name.


P

=Paar=, _n._, _pl._ -e, pair, couple.

=Pack=, _m._, _pl._ Päcke, pack.

=packen=, to pack, to seize.

=Page=, _m._, _pl._ -n, page.

=Palast=, _m._, _pl._ Paläste, palace.

=Pantoffel=, _m._, _pl._ -n, slipper.

=Papier=, _n._, _pl._ -e, paper.

=Papierbogen=, _m._ sheet of paper.

=Park=, _m._ park.

=paßt=, suits.

=paßt ... auf=, pay attention; _see_ aufpassen.

=Patientin=, _f._ patient.

=Pause=, _f._, _pl._ -n, pause.

=Peitsche=, _f._, _pl._ -n, whip.

=Perle=, _f._ pearl.

=Perlenkrone=, _f._ crown of pearls.

=Person=, _f._, _pl._ -en, person.

=Pfad=, _m._, _pl._ -e, path.

=Pfeife=, _f._ pipe.

=Pfeil=, _m._ arrow.

=Pfeiler=, _m._ pillar.

=pfeilschnell=, quick as a flash (arrow).

=Pfennig=, _m._, _pl._ -e, penny.

=Pferd=, _n._, _pl._ -e, horse.

=pfeifen=, _imp._ pfiff, _p.p._ gepfiffen, to whistle.

=pfiff=, _see_ pfeifen.

=Pfirsche=, _f._, _pl._ -n, peach.

=Pflaume=, _f._ plum.

=Pflanzenreich=, _n._ vegetable kingdom.

=Pflanzenwelt=, _f._ vegetable world.

=pflegen=, to be in the habit, to tend, to nurse; 113, 22, 25, is in
the habit of.

=Pflicht=, _f._ duty.

=pflücken=, to pick, to gather.

=Pforte=, _f._, _pl._ -n, gate, gateway, wicket.

=Pförtner=, _m._ porter.

=Pförtnerin=, _f._ portress.

=Pförtnerwohnung=, _f._ lodge.

=Pilger=, _m._ pilgrim.

=Pilgerfahrt=, _f._ pilgrimage.

=Pilgerrock=, _m._ pilgrim garb.

=Pilgerzimmer=, _n._ pilgrim’s room.

=Plan=, _m._, _pl._ Pläne, plan.

=Platz=, _m._, _pl._ Plätze, place, spot.

=plaudern=, to chatter.

=plötzlich=, suddenly.

=plündern=, to rob, to spoil.

=Pochen=, _n._ beating, knocking.

=pochen=, to beat, to knock.

=Poet=, _m._, _pl._ -en, poet.

=Pracht=, _f._ magnificence.

=prächtig=, fine, grand, splendid.

=prachtvoll=, magnificent.

=prahlen=, to boast.

=prangen=, to make parade, to deck themselves.

=Preis=, cost, price, prize.

=pressen=, _imp._ preßte, _p.p._ gepreßt, to press, to urge.

=Prinz=, _m._, _pl._ -en, prince.

=Prinzessin=, _f._ princess.

=Produckt=, produce, sum.

=Privatzimmer=, _n._ private room.

=Prozeß=, _m._, _pl._ -sse, lawsuit.

=Prophezeihung=, _f._ prophecy.

=prüfen=, to try, to test.

=prügeln=, to beat.

=Pult=, _n._ desk.

=pünktlich=, carefully, punctual, -ly.

=Puppe=, _f._, _pl._ -n, doll.

=Purpur=, _m._ purple.

=purpurfarbig=, purple-colored.


Q

=Qual=, torment.

=Quitte=, _f._, _pl._ -n, quince.


R

=Rabe=, _m._, _pl._ -n, crow, raven.

=rächen= (sich), to revenge one’s self.

=Rand=, _m._, _pl._ Ränder, edge.

=rannte=, _see_ rennen.

=rasch=, quick, quickly, fast.

=Rasen=, _m._ turf, grass.

=Rat=, _m._ advice, counsel.

=raten=, _imp._ riet, _p.p._ geraten, to advise.

=Ratgeber=, _m._ adviser.

=Ratibor=, a proper name.

=Ratschlag=, _m._, _pl._ Ratschläge, advice.

=rauben=, to rob, to steal.

=Räuber=, _m._ robber.

=Raubvogel=, _m._, _pl._ Raubvögel, bird of prey.

=rauchen=, to smoke.

=rauh=, cold, rough, hard, raw.

=Raum=, _m._, _pl._ Räume, room, place.

=Rauschen=, _n._ rustle.

=Rebe=, _f._, _pl._ -n, vine.

=Rebenlaub=, _n._ vine-leaf.

=Rechnen=, _n._ arithmetic.

=rechnen=, to do sums.

=Recht=, right; -- haben, to be right; das ist mir schon --, that suits
me perfectly.

=recht=, right; rechts, to the right.

=reden=, to talk.

=redete ... an=, _see_ anreden.

=regelmäßig=, regular, -ly.

=regen= (sich), to move, to stir.

=Regiment=, _n._, _pl._ -er, regiment.

=Regung=, _f._ motion.

=regungslos=, motionless.

=reich=, rich, richly.

=Reich=, _n._, _pl._ -e, kingdom.

=reichen=, to give, to hand.

=reicher=, richer.

=reichlich=, richly.

=Reichtum=, _m._, _pl._ Reichtümer, wealth.

=reif=, ripe.

=reifen=, to ripen.

=Reihe=, _f._, _pl._ -n, turn; der -- nach, in turn.

=Reihenfolge=, _f._ succession.

=rein=, clear, clean, pure.

=reinigen=, to clean.

=reinlich=, neat, -ly, clean, -ly.

=Reise=, _f._, _pl._ -n, journey; auf der -- war, was traveling.

=reisen=, to journey.

=reisen ... ab=, _see_ abreisen.

=Reisende=, _m._, _pl._ -n, traveler.

=reißen=, _imp._ riß, _p.p._ gerissen, to tear.

=reiten=, _imp._ ritt, _p.p._ geritten, to ride.

=Reiter=, _m._ rider, horseman, cavalryman.

=Reitersmann=, _m._ cavalryman.

=reizend=, bewitching.

=rennen=, _imp._ rannte, _p.p._ gerannt, to run.

=retten=, to rescue, to save.

=rettende=, saving, rescuing.

=Retterin=, _f._ rescuer.

=richten=, to direct; (sich), to act.

=Richter=, _m._ judge.

=richtig=, right.

=Richtung=, _f._, _pl._ -en, direction.

=rief=, _see_ rufen.

=rief ... aus=, _see_ ausrufen.

=rief ... zu=, _see_ zurufen.

=riefen ... laut=, _see_ lautrufen.

=Riese=, _m._, _pl._ -n, giant.

=Riesengebirge=, mountains in Germany.

=rieten=, _see_ raten.

=Ring=, _m._, _pl._ -e, ring.

=Ringeltanz=, ring-around-a-rosy dance.

=Ring-Finger=, _m._ ring-finger.

=rings=, around; ringsum, all around.

=rinnen=, rann, geronnen, trickle.

=riß=, _see_ reißen.

=riß ... aus=, _see_ ausreißen.

=Rita=, Daisy.

=ritt=, _see_ reiten.

=Ritter=, _m._ knight; Herr --, Sir Knight; zum Ritter geschlagen,
knighted.

=Rock=, _m._, _pl._ Röcke, coat.

=rohen=, rude, rough.

=Rosa=, Rose.

=Rose=, _f._, _pl._ -n, rose.

=rosenrot=, pink, rosy red.

=Roß=, _n._, _pl._ -sse, steed.

=rot=, red; wird --, gets red.

=Rotbart=, _m._ Barbarossa.

=rotbärtig=, red bearded.

=rotgeweint=, reddened by tears.

=Rübe=, _f._, _pl._ -n carrot.

=Rübensamen=, _m._ carrot-seed.

=Rübezahl=, _m._ the carrot counter.

=Rubin=, _m._, _pl._ -e, ruby.

=Rücken=, _m._ back.

=Rückkehr=, _f._ return.

=Ruf=, _m._, _pl._ -e, call.

=rufen=, _imp._ rief, _p.p._ gerufen, to call, to exclaim.

=Ruhe=, _f._ rest, peace.

=Ruhebett=, _n._ lounge.

=ruhen=, to rest.

=ruhig=, quiet, -ly.

=rühmen=, to praise.

=rühren=, to touch, to move.

=Rührung=, _f._ emotion.

=Ruine=, _f._, _pl._ -n, ruin.

=Runde=, _f._ rounds.

=runzelnd=, wrinkling.

=Rüstung=, _f._, _pl._ -en, armor.


S

=Saal=, _m._, _pl._ Säle, hall.

=Sache=, _f._, _pl._ -n, matter, affair, thing.

=Sachlage=, _f._ state of affairs, matter.

=Sachwalter=, _m._ lawyer.

=Sack=, _m._, _pl._ Säcke, sack, bag.

=säen=, to sow.

=Saft=, _m._, _pl._ Säfte, sap, juice.

=sagen=, to say, to tell.

=sah=, _see_ sehen.

=sah ... an=, _see_ ansehen.

=sah ... aus=, _see_ aussehen.

=sah ... um=, _see_ umsehen.

=sammeln=, to gather, to assemble.

=sammt=, with, together with.

=Sand=, _m._ sand.

=sandte=, _see_ senden.

=sanft=, soft, -ly, gentle, mild, -ly.

=sang=, _see_ singen.

=sang ... mit=, _see_ mitsingen.

=sank=, _see_ sinken.

=sank ... nieder=, _see_ niedersinken.

=sank ... zurück=, _see_ zurücksinken.

=sann=, _see_ sinnen.

=sann ... nach=, _see_ nachsinnen.

=Sans-Souci=, without a care.

=Saphiren=, sapphires.

=saß=, _see_ sitzen.

=Schaar=, _f._, _pl._ -en, troop.

=Schade=, _m._, _pl._ -n, harm, damage, pity; es ist --, it is a pity.

=schaden=, to harm.

=schädlich=, injurious.

=schaffen=, to work, to remove.

=Schale=, _f._ shell.

=schallen=, to resound.

=schämen= (sich), to be ashamed.

=scharf=, sharp, -ly.

=Scharfäugige=, the sharp-eyed, Sharpy.

=Schatten=, _m._ shadow.

=Schatz=, _m._, _pl._ Schätze, treasure.

=schätzen=, to prize.

=Schatzhüter=, _m._ guardian of treasure.

=Schatzkammer=, _f._ treasure-room.

=schauen=, to gaze, to look at.

=schaute ... an=, _see_ anschauen.

=schaute ... hinauf=, _see_ hinaufschauen.

=schaute ... zu=, _see_ zuschauen.

=scheiden=, _imp._ schied, _p.p._ geschieden, to die, to depart, to
separate.

=Schein=, _m._ splendor, glow.

=scheinen=, _imp._ schien, _p.p._ geschienen, to seem, to appear.

=Schelten=, _n._ scolding.

=scheltende=, scolding.

=schenken=, to give, to grant.

=Scheune=, _f._ barn.

=schicken=, to send.

=schickte ... ab=, _see_ abschicken.

=schickte ... aus=, _see_ ausschicken.

=schien=, _see_ scheinen.

=schießen=, _imp._ schoß, _p.p._ geschossen, to shoot.

=Schild=, _m._, _pl._ -e, shield.

=Schlaf=, _m._ sleep.

=schlafen=, _imp._ schlief, _p.p._ geschlafen, to sleep.

=schlafend=, sleeping.

=Schlafgemach=, _n._ bedroom.

=Schlaflied=, _n._ lullaby.

=schläfrig=, sleepy.

=Schlafrock=, _m._ dressing-gown.

=schlagen=, _imp._ schlug, _p.p._ geschlagen, to strike, to fight, to
clap, to slap.

=schlang=, _see_ schlingen.

=schlecht=, bad, wicked.

=schleichen=, _imp._ schlich, _p.p._ geschlichen, to slip, to creep.

=schlendernd=, loitering, loafing.

=schlich=, _see_ schleichen.

=schlief ... ein=, _see_ einschlafen.

=schließen=, _imp._ schloß, _p.p._ geschlossen, to close, to lock.

=schließt ... zu=, _see_ zuschließen.

=schlimm=, bad, wicked; =-er=, _comp._

=schlingen=, _imp._ schlang, _p.p._ geschlungen, to clasp.

=schloß=, _see_ schließen.

=Schloß=, _n._, _pl._ Schlösser, castle, lock.

=Schloßhof=, _m._, _pl._ Schloßhöfe, castle court-yard.

=Schloßkapelle=, _f._ chapel of the castle.

=schluchzen=, _n._ sobbing.

=schluchzen=, to sob.

=schluchzend=, sobbing.

=schlug=, _see_ schlagen.

=schlug ... aus=, _see_ ausschlagen.

=schlug ... vor=, _see_ vorschlagen.

=schlug ... zurück=, _see_ zurückschlagen.

=Schlüssel=, _m._ key.

=schmecken=, to taste.

=Schmeichelreden=, caressing words.

=schmelzen=, to melt.

=Schmerz=, _m._ pain.

=schmerzen=, to ache, to pain.

=schmerzhaft=, painful, -ly.

=schmerzlich=, painful, -ly, deeply.

=schmunzeln=, to grin.

=Schnee=, _m._ snow.

=Schneeball=, _m._ snowball.

=schnell=, quick, -ly.

=Schnelle=, _f._ rapidity.

=schon=, already.

=schön=, fine, beautiful.

=Schöne=, _f._ beauty.

=schöner=, more beautiful.

=Schönheit=, _f._ beauty.

=Schoß=, _m._ lap.

=schoß=, _see_ schießen.

=Schreck=, _m._ fright, terror.

=schrecklich=, frightful.

=Schreiben=, _n._ a document, a paper, writing.

=schreiben=, _imp._ schrieb, _p.p._ geschrieben, to write.

=Schreiber=, _m._ clerk.

=schreien=, _imp._ schrie, _p.p._ geschrieen, to scream, to cry.

=Schreien=, _n._ screaming.

=Schreihals=, _m._, _pl._ -hälse, squaller.

=Schreiner=, _m._ joiner.

=schreiten=, _imp._ schritt, _p.p._ geschritten, to stride, to walk.

=schrie=, _see_ schreien.

=schrie ... auf=, aufschreien, to exclaim.

=schrieb=, _see_ schreiben.

=Schrift=, _f._, _pl._ -en, writing.

=Schriftsteller=, _m._ author.

=Schritt=, _m._, _pl._ -e, step, stride.

=schritt=, _see_ schreiten.

=schritt ... hinein=, _see_ hineinschreiten.

=schüchtern=, shy, shyly.

=Schuh=, _m._, _pl._ -e, shoe.

=Schuld=, _f._, _pl._ -en, debt.

=schuldig=, owe, indebted, guilty.

=Schule=, _f._, _pl._ -n, school.

=Schüler=, _m._ scholar.

=Schulter=, _f._ shoulder.

=Schüssel=, _f._, _pl._ -n, dish.

=schütteln=, to shake.

=Schutz=, _m._ protection.

=Schütz=, _m._ archer.

=schützen=, to guard, to protect.

=Schwaben=, Swabia.

=schwach=, weak, -ly.

=Schwachen=, weak people.

=schwächer=, weaker.

=Schwalbe=, _f._, _pl._ -n, swallow.

=schwankte=, tipped.

=schwarz=, black.

=schweben=, to hover, to flutter.

=Schweigen=, _n._ silence.

=schweigen=, _imp._ schwieg, _p.p._ geschwiegen, to be silent; -- Sie,
be silent.

=schweigend=, silent, -ly.

=schwer=, heavy, serious, hard, difficult.

=Schwert=, _n._, _pl._ -er, sword.

=Schwerthieb=, _m._ sword-thrust.

=Schwester=, _f._, _pl._ -n, sister.

=schwiegen=, _see_ schweigen.

=Schwiegermutter=, _f._ mother-in-law.

=Schwiegersohn=, _m._ son-in-law.

=schwindelt=, dizzy; mir --, I am dizzy.

=schwinden=, to vanish.

=schwingen=, to swing, to brandish.

=schwingend=, swinging.

=schwor=, _see_ schwören.

=schwören=, _imp._ schwur, _p.p._ geschworen, to swear, to take an oath.

=Sebastian=, a proper name.

=sechs=, six.

=sechster=, sixth.

=See=, _m._ lake.

=Segen=, _m._ blessing.

=sehen=, _imp._ sah, _p.p._ gesehen, to see; zu -- war, was to be seen.

=sehnen=, to long for.

=sehr=, very, much, great, -ly, a great deal.

=seht ... an=, _see_ ansehen.

=sei=, =seid=, _see_ sein.

=Seil=, _n._, _pl._ -e, rope.

=sein=, his, its, her.

=sein=, _imp._ war, _p.p._ gewesen, to be; _sometimes used for_ to
have.

=seit=, since.

=seitdem=, since then.

=Seite=, _f._, _pl._ -n, side, direction.

=selben=, selfsame.

=selbst=, self, even.

=Selbstüberwindung=, _f._ self mastery.

=selige=, blessed, soulful.

=senden=, _imp._ sandte, _p.p._ gesandt, to send.

=sendet ... aus=, _see_ aussenden.

=setzen=, to put, to place, to set; sich --, to sit.

=setzte ... dahin=, _see_ dahinsetzen.

=setzte ... hin=, _see_ hinsetzen.

=seufzen=, to sigh.

=Seufzer=, _m._ sigh.

=sich=, one’s self, herself, himself, itself.

=sicher=, sure, -ly, safe.

=sichern=, to assure.

=sicherte ... zu=, _see_ zusichern.

=Sie=, you.

=sie=, she, it, they, them.

=sieben=, seven.

=siebzehn=, seventeen.

=Sieger=, _m._ victor.

=siehe=, _see_ sehen.

=siehest ... aus=, _see_ aussehen.

=Silbergeld=, _n._ silver money.

=silbern=, of silver.

=sind=, _see_ sein.

=Singen=, _n._ singing.

=singen=, _imp._ sang, _p.p._ gesungen, to sing.

=sinken=, _imp._ sank, _p.p._ gesunken, to sink.

=Sinn=, _m._ mind.

=sinnen=, _imp._ sann, _p.p._ gesonnen, to think, to reflect.

=Sitte=, _f._, _pl._ -n, custom.

=sitzen=, _imp._ saß, _p.p._ gesessen, to sit.

=so=, so, thus, like, you don’t mean to say so; -- wie, just like.

=sobald=, as soon as.

=soeben=, just.

=sogar=, even.

=sogleich=, right away.

=Sohn=, _m._, _pl._ Söhne, son.

=solch=, such, such a.

=Soldat=, _m._, _pl._ -en, soldier.

=sollen=, to be obliged, shall, ought, etc.

=sollst=, _see_ sollen.

=sollte=, should; _see_ sollen.

=sonderbar=, strange, queer.

=sondern=, but.

=Sonnenaufgang=, _m._ sunrise.

=Sonnenschein=, _m._ sunshine.

=Sonntag=, _m._ Sunday.

=sonst=, besides, unless, or, or else.

=Sophie=, Sophy.

=Sorge=, _f._, _pl._ -n, care, trouble.

=sorgen=, to care for, to take care of.

=sorgfältig=, careful, -ly.

=Sorglichkeit=, _f._ carefulness.

=sowohl=, as well as.

=spalten=, to split, to crack.

=sparsam=, economical.

=spät=, late, -ly.

=später=, later.

=Speicher=, _m._ granary, magazine.

=Speise=, _f._, _pl._ -n, meat, food, dish.

=speisen=, to dine.

=Speisesaal=, _m._ dining-room.

=sperren=, to block, to close.

=Spiel=, _n._, _pl._ -e, play, game; auf das -- gesetzt, to set at
stake; gute Miene zum bösen -- zu machen, to face trouble bravely.

=spielen=, to play.

=Spielsachen=, toys.

=Spielzeug=, _n._ plaything.

=Spinnen=, _n._ spinning.

=Spinnrad=, _n._ spinning-wheel.

=Spitze=, _f._, _pl._ -n, head, point.

=sprach=, _see_ sprechen.

=Sprache=, _f._, _pl._ -n, language, speech, talk.

=sprachlos=, speechless, -ly.

=sprang=, _see_ springen.

=sprang ... auf=, _see_ aufspringen.

=sprang ... fort=, _see_ fortspringen.

=sprechen=, _imp._ sprach, _p.p._ gesprochen, to speak, to talk; zu --,
to be spoken to.

=sprengte ... davon=, _see_ davonsprengen.

=sprich=, _see_ sprechen.

=springen=, _imp._ sprang, _p.p._ gesprungen, to jump, to spring.

=Spruch=, _m._, _pl._ Sprüche, maxims.

=Spur=, _f._, _pl._ -en, trace.

=Stadt=, _f._, _pl._ Städte, city.

=stählern=, of steel.

=Stall=, _m._, _pl._ Ställe, stable.

=stammeln=, to stammer.

=stampfen=, to stamp.

=Stand=, _m._ rank; Ihres Standes würdig, suitable to her rank.

=stand=, _see_ stehen.

=stand ... auf=, _see_ aufstehen.

=Stange=, _f._, _pl._ -n, pole.

=starb=, _see_ sterben.

=stark=, strong, -ly.

=stärkende=, strengthening.

=stärker=, stronger.

=stärkste=, strongest.

=starren=, to be stiff, to bristle.

=statt=, instead.

=stattfinden=, _imp._ fand statt, _p.p._ stattgefunden, to take place,
to occur.

=stattlich=, tall, stately.

=Statue=, _f._, _pl._ -n, statue.

=stechen=, _imp._ stach, _p.p._ gestochen, to prick.

=stecken=, to put, to place.

=stehen=, _imp._ stand, _p.p._ gestanden, to stand, to be.

=stehlen=, _imp._ stahl, _p.p._ gestohlen, to steal.

=steigen=, _imp._ stieg, _p.p._ gestiegen, to climb.

=steil=, steep, straight.

=Stein=, _m._, _pl._ -e, stone.

=steinern=, of stone.

=steinig=, stony.

=Stelle=, _f._, _pl._ -n, place, spot, position.

=stellen=, to put, to place, to post.

=stellte ... hin=, _see_ hinstellen.

=stellte ... vor=, _see_ vorstellen.

=sterben=, _imp._ starb, _p.p._ gestorben, to die.

=Stern=, _m._, _pl._ -e, star.

=stets=, ever, always.

=Stich=, _m._, _pl._ -e, pain, stitch.

=Stiefel=, _m._, _pl._ -- _or_ -n, boot.

=stieg=, _see_ steigen.

=stieg ... auf=, _see_ aufsteigen.

=stieg ... empor=, _see_ emporsteigen.

=stieg ... nieder=, went down.

=stiegen ... hinunter=, _see_ hinuntersteigen.

=still=, still, quiet, -ly; 41, 27, be quiet; 42, 14, -- doch, do be
quiet.

=Stille=, _f._ stillness.

=stillhalten=, to stop.

=stillstehen=, to stand still.

=Stimme=, _f._, _pl._ -n, voice.

=stimmte ... ein=, _see_ einstimmen.

=stirbt=, _see_ sterben.

=Stirne=, _f._ forehead.

=Stock=, _m._, _pl._ Stöcke, stick.

=Stockwerk=, _n._ story, floor.

=stolz=, proud, -ly; -- auf, proud of.

=Stoppelfelder=, stubble-fields.

=Storch=, _m._, _pl._ Störche, stork.

=strahlen=, to beam, to shine.

=Straße=, _f._, _pl._ -n, street, road.

=strecken=, to stretch.

=streckte ... aus=, _see_ ausstrecken.

=Streif=, _m._, _pl._ -en, streak.

=streifte ... ab=, pulled off.

=Streit=, _m._ battle, fight.

=streiten=, _imp._ stritt, _p.p._ gestritten, to fight, to struggle.

=Streiter=, _m._ fighter.

=Streitroß=, _n._ war-horse.

=streng=, stern, -ly.

=Strick=, _m._, _pl._ -e, rope, cord.

=Strickarbeit=, _f._ knitting-work.

=stricken=, to knit.

=Stricken=, _n._ knitting.

=Stroh=, _n._ straw.

=Strom=, _m._, _pl._ Ströme, stream, river.

=Strumpf=, _m._, _pl._ Strümpfe, stocking.

=Stube=, _f._, _pl._ -n, room.

=Stück=, _n._, _pl._ -e, piece.

=Stückchen=, _n._ little piece.

=Student=, _m._, _pl._ -en, student.

=studieren=, to study.

=Stuhl=, _m._, _pl._ Stühle, chair.

=stumm=, dumb, silent.

=Stunde=, _f._, _pl._ -n, hour, lesson.

=stünden=, _poet. for_ stehen.

=stundenlang=, for hours at a time.

=stürmen=, to rush, to storm.

=Sturmglock’=, _f._ alarm-bell.

=Sturmwind=, _m._ storm-wind.

=Sturz=, _m._ fall.

=stürzen=, to fall, to hurl.

=stützen=, to support, to rest.

=suchen=, to seek.

=suchte ... auf=, _see_ aufsuchen.

=suchte ... nach=, _see_ nachsuchen.

=Süd=, _m._ south.

=Summe=, _f._ sum.

=Sünde=, _f._ sin.

=Suppe=, _f._, _pl._ -n, soup.

=süß=, sweet.


T

=Tafel=, _f._ board.

=Tag=, _m._, _pl._ -e, day; eines Tages, one day.

=tagelang=, all day long, for days at a time.

=tagen=, to dawn.

=täglich=, daily.

=Tannenburg=, Pine _or_ Fir Castle.

=Tannenwald=, _m._ pine-forest.

=tanzen=, to dance.

=tapfer=, brave, -ly.

=tapferste=, bravest.

=Tasche=, _f._, _pl._ -n, pocket.

=Taube=, _f._ dove, pigeon.

=tausend=, thousand.

=tausendmal=, thousand times.

=Teil=, _m. and n._, _pl._ -e, part.

=teilen=, to share, to divide.

=teilte ... mit=, _see_ mitteilen.

=Teilung=, _f._ division.

=Teller=, _m._ plate.

=Testament=, _n._ will.

=teuer=, dear, precious.

=Thal=, _n._, _pl._ Thäler, valley.

=Thaler= = thaler (German dollar).

=That=, _f._, _pl._ -en, deed.

=that=, _see_ thun.

=Thätigkeit=, _f._ activity.

=Thema=, _n._ theme, subject.

=Thor=, _n._, _pl._ -e, gate, gateway, wicket.

=Thräne=, _f._, _pl._ -n, tear.

=Thron=, _m._, _pl._ -en, throne.

=Thun=, _n._ doings.

=thun=, _imp._ that, _p.p._ gethan, to do, to make; was --, what’s to
be done.

=Thür=, =-e=, _f._, _pl._ Thüren, door.

=Thüringen=, Thuringia.

=thust=, _see_ thun; -- du stolz mit, art thou proud of.

=thut ... auf=, _see_ aufthun.

=tief=, deep, -ly, low.

=Tiefe=, _f._, _pl._ -n, depth.

=tiefer=, lower, deeper.

=Tier=, _n._, _pl._ -e, animal.

=Tierreich=, _n._ animal kingdom.

=Tisch=, _m._, _pl._ -e, table.

=Tischnachbar=, _m._ neighbor at table.

=Tochter=, _f._, _pl._ Töchter, daughter.

=Töchterchen=, _n._ little daughter.

=Tod=, _m._ death; sind Sie des Todes, you are a dead man.

=Todesstille=, _f._ deathly stillness.

=Ton=, _m._, _pl._ Töne, sound, tone.

=tot=, dead.

=töten=, to kill.

=träge=, lazy, indolent.

=tragen=, _imp._ trug, _p.p._ getragen, to carry, to wear, to bear.

=trage ... an=, _see_ antragen.

=Träger=, _m._ porter.

=Trägheit=, _f._ laziness.

=trank=, _see_ trinken.

=trat=, _see_ treten.

=trat ... ein=, _see_ eintreten.

=Traube=, _f._, _pl._ -n, grape.

=trauen=, to marry.

=Traum=, _m._, _pl._ Träume, dream.

=träumen=, to dream.

=Träumerei=, _f._, _pl._ -en, dream, fancy, day-dream.

=traurig=, sad, -ly.

=traut=, cozy.

=treffen=, to hit, to befall.

=Treiben=, _n._ working, doing.

=treiben=, _imp._ trieb, _p.p._ getrieben, to drive, to do.

=trennen=, to part.

=Treppe=, _f._, _pl._ -n, stair.

=treten=, _imp._ trat, _p.p._ getreten, to step, to tread.

=treu=, true, faithful.

=trinken=, _imp._ trank, _p.p._ getrunken, to drink.

=triumphierend=, triumphantly.

=Trompete=, _f._ trumpet.

=Trost=, _m._ consolation.

=trösten=, to comfort.

=tröstende=, comforting.

=trotz=, in spite of.

=trotzdem=, although, in spite of.

=trüb=, sad, doleful.

=trug=, _see_ tragen.

=Truppe=, _f._, _pl._ -n, troop.

=Tuch=, _n._, _pl._ Tücher, shawl.

=tüchtig=, good, thorough, -ly.

=Tugend=, _f._, _pl._ -en, virtue.

=tugendhaft=, virtuous.

=Tugendwege=, _pl._ paths of virtue.

=Turm=, _m._, _pl._ Türme, tower.

=Turmthüre=, _f._ tower-door.

=Turnier=, _n._, _pl._ -e, tournament.


U

=üben=, to practice, to use.

=über=, over, across, above, at.

=überall=, everywhere.

=überbringen=, _imp._ brachte über, _p.p._ übergebracht, to deliver, to
bring over.

=übergab=, _see_ übergeben.

=übergeben=, _imp._ übergab, _p.p._ übergegeben, to hand over to
surrender.

=überlisten=, to outwit.

=übermannen=, to overpower, to master, to overcome.

=übermorgen=, day after to-morrow.

=übernachten=, to spend the night.

=übernehmen=, _imp._ übernahm, _p.p._ übergenommen, to undertake.

=überragen=, to tower above.

=überraschen=, to surprise.

=überrascht=, surprised.

=Überraschung=, _f._ surprise.

=überschallen=, to sound above.

=überwinden=, to conquer.

=überwunden=, _see_ überwinden.

=Uhlan=, _m._, _pl._ -en, lancer.

=Uhr=, _f._, _pl._ -en, hour, o’clock.

=um=, around, about, concerning, in order to, at, for, so as to.

=umarmen=, to hug, to clasp.

=umfangen=, _imp._ umfing, _p.p._ umfangen, to clasp, to hug.

=umfing=, _see_ umfangen.

=Umgegend=, _f._ surroundings, neighborhood.

=umher=, around, about.

=umherblicken=, _imp._ blickte umher, _p.p._ umhergeblickt, to glance
about.

=umherschlendern=, to loiter around.

=umherziehen=, _imp._ zog umher, _p.p._ umhergezogen, to go around.

=umlegen=, _imp._ legte um, _p.p._ umgelegt, to put on, to don.

=umringen=, to surround.

=umsahen=, _see_ umsehen.

=umsehen=, _imp._ sah um, _p.p._ umgesehen, to look around.

=umsonst=, in vain.

=umwandte=, _see_ umwenden.

=umwenden=, _imp._ wandte um, _p.p._ umgewandt, to turn around.

=unappetitlich=, unappetizing.

=unaufhörlich=, incessantly.

=unbefangen=, easy, easily.

=Unbekannter=, _m._ unknown man.

=unbemerkt=, unnoticed.

=unbestraft=, unpunished.

=unbewacht=, unwatched.

=und=, and.

=unerfahren=, inexperienced.

=unermüdlich=, unweariedly.

=unerträglich=, unbearable.

=unfähig=, incapable.

=Unfug=, _m._ disorder, misdemeanor.

=Ungeduld=, _f._ impatience.

=ungeduldig=, impatient, -ly.

=ungefähr=, about, nearly.

=ungefährdet=, unharmed.

=ungehalten=, indignant, -ly, angry.

=ungeheuer=, immense.

=ungehindert=, unhindered.

=ungelegen=, inopportune; kam mir sehr --, was very inconvenient for me.

=ungeschickt=, awkward, -ly.

=ungesehen=, unseen.

=ungewohnt=, unaccustomed.

=Unglück=, _n._ misfortune.

=unglücklich=, unhappy.

=Unglücklichen=, unhappy people.

=unhöflich=, unpolite, -ly.

=Uniform=, _f._ uniform.

=unmöglich=, impossible.

=unordentlich=, disorderly.

=uns=, us, to us.

=unschuldig=, innocent.

=unser=, our.

=unsrigen=, ours.

=unter=, under, among.

=unterbrach=, _see_ unterbrechen.

=unterbrechen=, _imp._ unterbrach, _p.p._ unterbrochen, to interrupt.

=unterdessen=, meanwhile, in the mean time.

=unterdrückt=, suppressed.

=untergehen=, _imp._ ging unter, _p.p._ untergegangen, to set, to go
down.

=unterging=, _see_ untergehen.

=unterhalten=, _imp._ unterhielt, _p.p._ unterhalten, to entertain.

=unterhaltend=, entertaining.

=Unterhaltung=, _f._ conversation.

=unterirdisch=, subterranean.

=Unterredung=, _f._ conversation.

=Unterricht=, _m._ lesson, tuition.

=unterrichten=, to teach.

=untersuchen=, to investigate.

=Unterthan=, _m._, _pl._ -en, subject, vassal.

=unterwegs=, on the way.

=unterzeichnen=, to sign.

=unthätig=, incapable.

=unverschämt=, impudent.

=unwissend=, ignorant.

=uralt=, very old, antique.

=Ursache=, _f._ cause.


V

=Vasall=, _m._, _pl._ -en, vassal.

=Vater=, _m._, _pl._ Väter, father.

=Vaterland=, _n._ native country.

=verabschieden=, _imp._ verabschiedete, _p.p._ verabgeschiedet, to take
leave.

=verabschiedete=, _see_ verabschieden.

=verächtlich=, contemptuously.

=verändern=, to change.

=Veränderung=, _f._ change.

=verantwortlich=, answerable, responsible.

=Verband=, _m._ bandage.

=verbergen=, _imp._ verbarg, _p.p._ verborgen, to hide.

=verbeugen=, to bow.

=verborgen=, hidden.

=verbracht=, _see_ verbringen.

=verbrauchen=, to spend.

=verbrennen=, _imp._ verbrannte, _p.p._ verbrannt, to burn up.

=verbringen=, _imp._ verbrachte, _p.p._ verbracht, spent.

=verbunden=, bound, bandaged.

=Verbündete=, _m._ ally.

=verdanken=, to owe.

=verdienen=, to earn, to deserve.

=verderben=, _imp._ verdarb, _p.p._ verdorben, to spoil, to ruin.

=verdorben=, _see_ verderben.

=vereinen=, to be unanimous, to unite.

=vereint=, unanimously, united.

=verfertigen=, to make, to finish.

=verfolgen=, to pursue.

=vergangen=, _see_ vergehen.

=vergaß=, _see_ vergessen.

=vergebens=, vainly.

=vergeblich=, vainly.

=vergehen=, _imp._ verging, _p.p._ vergangen, to pass.

=vergelten=, _imp._ vergalt, _p.p._ vergolten, to reward; vergelt’ es
Gott, God reward you.

=vergessen=, _imp._ vergaß, _p.p._ vergessen, to forget.

=verging=, _see_ vergehen.

=vergiß=, _see_ vergessen.

=vergleichen=, _imp._ verglich, _p.p._ verglichen, to compare.

=verglich=, _see_ vergleichen.

=Vergnügen=, _n._ pleasure.

=vergnügen=, to satisfy, to please.

=vergnügt=, contented, pleased.

=vergraben=, _imp._ vergrub, _p.p._ vergraben, to bury.

=vergrub=, _see_ vergraben.

=Verhaft=, _m._ arrest.

=verhaften=, to arrest.

=verhehlen=, to conceal, to hide.

=verheiraten=, to marry.

=verhindern=, to prevent.

=verhungern=, to starve.

=verirren=, to go astray, to lose.

=verkaufen=, to sell.

=verkleiden=, to disguise.

=verkürzen=, to shorten.

=verlangen=, to demand, to request.

=verlängern=, to lengthen.

=verlassen=, _imp._ verließ, _p.p._ verlassen, to leave, to forsake.

=verlegen=, embarrassed.

=verletzen=, to wound, to hurt.

=verleumden=, to slander.

=verlieren=, _imp._ verlor, _p.p._ verloren, to lose.

=verließ=, _see_ verlassen.

=Verlobte=, _m. and f._ betrothed.

=verloren=, _see_ verlieren.

=Verlust=, _m._, _pl._ -e, loss.

=vermissen=, to miss.

=Vermögen=, _n._ fortune.

=vermuten=, to suspect, to suppose.

=vernahm=, _see_ vernehmen.

=vernehmen=, _imp._ vernahm, _p.p._ vernommen, to hear, to learn.

=verraten=, _imp._ verriet, _p.p._ verraten, to betray.

=verrichten=, to do, to say.

=verrückt=, crazy.

=Vers=, _m._, _pl._ -e, verse.

=versagen=, to deny, to refuse.

=versammeln=, to collect, to assemble.

=verscheiden=, _imp._ verschied, _p.p._ verscheiden, to die, to depart.

=verscheuchen=, to drive away.

=verschiebe=, postpone; 80, 12, never put off till to-morrow what you
can do to-day.

=verschied=, _see_ verscheiden.

=verschließen=, _imp._ verschloß, _p.p._ verschlossen, to lock.

=verschlingen=, _imp._ verschlang, _p.p._ verschlungen, to swallow.

=verschlossen=, _see_ verschließen.

=verschlungen=, _see_ verschlingen.

=verschollen=, obsolete, forgotten.

=verschonen=, to spare.

=verschreiben=, _imp._ verschrieb, _p.p._ verschrieben, to prescribe.

=Verschreibung=, _f._, _pl._ -en, prescription.

=verschwand=, _see_ verschwinden.

=verschwinden=, _imp._ verschwand, _p.p._ verschwunden, to vanish.

=verschwunden=, _see_ verschwinden.

=versetzen=, to set, to deck, to stud, to speak (_poet._).

=versichern=, to assure.

=versorgen=, to care for, to take care of, to provide.

=versprach=, _see_ versprechen.

=Versprechen=, _n._ promise.

=versprechen=, _imp._ versprach, _p.p._ versprochen, to promise.

=verstand=, _see_ verstehen.

=verständig=, intelligent, knowing.

=verstecken=, to hide.

=verstehen=, _imp._ verstand, _p.p._ verstanden, to understand.

=versteinern=, to petrify.

=verstorben=, dead.

=verstummte=, was silent.

=Versuch=, _m._, _pl._ -e, attempt.

=versuchen=, to try, to taste.

=verteidigen=, to defend.

=vertiefen=, to sink, to burrow.

=vertrauen=, to trust.

=vertrieben=, driven away.

=vertrocknet=, dried up.

=verunglücken=, to fall, to come to grief.

=verursachen=, to occasion.

=verwaist=, orphaned.

=Verwalter=, _m._ director, lawyer.

=verwandeln=, to transform.

=Verwandte=, _m._, _pl._ -n, relative.

=verweigern=, to refuse.

=verweilen=, to tarry, to spend.

=verwitwen=, to widow.

=verwitwete=, widowed.

=verwöhnen=, to spoil.

=verwundet=, wounded.

=verwundern=, to wonder at.

=verwundert=, amazed, wonderingly.

=Verwundeter=, _m._, _pl._ -en, wounded.

=verzählen=, to miscount.

=verzaubert=, bewitched, under a spell.

=verzehren=, to devour, to squander.

=verzeihen=, _imp._ verzieh, _p.p._ verziehen, to forgive.

=Verzeihung=, _f._ forgiveness.

=verziert=, decorated.

=verzweifelnd=, despairing, -ly.

=Verzweiflung=, _f._ despair.

=Vieh=, _n._ cattle.

=viel=, much, many, very.

=vieles=, much, many things.

=vielleicht=, perhaps.

=vier=, four.

=viereckig=, four-cornered.

=vierzehnten=, fourteenth.

=Vogel=, _m._, _pl._ Vögel, bird.

=Vogelnest=, _n._, _pl._ -er, bird’s nest.

=voll=, full, full of.

=vollenden=, to finish, to accomplish.

=voller=, complete.

=völlig=, wholly, completely.

=Voltaire=, a French writer.

=vom= = von dem.

=von=, from, of, by, with, about.

=vor=, before, in front of, through, by, ago.

=voran=, ahead.

=voraus=, ahead.

=vorauslaufen=, _imp._ lief voraus, _p.p._ vorausgelaufen, to run ahead.

=vorbei=, over, passed.

=vorbereiten=, to prepare.

=Vorgänger=, _m._ predecessor.

=vorgehen=, _imp._ vorging, _p.p._ vorgegangen, to happen.

=vorging=, _see_ vorgehen.

=Vorhang=, _m._ curtain, veil.

=vorkommen=, _imp._ kam vor, _p.p._ vorgekommen, to appear, to seem.

=vorlesen=, _imp._ las vor, _p.p._ vorgelesen, to read aloud.

=vornahmen=, _see_ vornehmen.

=vornehm=, well bred, distinguished.

=vornehmen=, _imp._ nahm vor, _p.p._ vorgenommen, to determine, to
undertake.

=vors= = vor das.

=Vorschlag=, _m._ proposal.

=vorschlagen=, to propose.

=vorsingen=, _imp._ sang vor, _p.p._ vorgesungen, to sing to.

=vorspringend=, projecting.

=vorstellen=, _imp._ stellte vor, _p.p._ vorgestellt, to place before,
to introduce.

=vorstrecken=, to advance, to lend.

=vortrefflich=, excellent.

=vorüber=, over.

=Vorwand=, _m._ pretext, excuse.

=vorwärts=, forward, on.

=Vorwurf=, _m._, _pl._ Vorwürfe, reproach.

=vorziehen=, to prefer.

=vorzubereiten=, _see_ vorbereiten.

=vorzulesen=, _see_ vorlesen.


W

=Waare=, _f._, _pl._ -n, ware.

=wach=, awake.

=Wache=, _f._ watch.

=wachen=, to watch, to wake.

=wachsen=, _imp._ wuchs, _p.p._ gewachsen, to grow.

=wachste ... auf=, _see_ aufwachsen.

=Wächter=, _m._ sentinel.

=wackere=, brave, bold, worthy.

=Waffe=, _f._, _pl._ -n, weapon.

=Wagen=, _m._ carriage, wagon.

=wagen=, to risk, to venture.

=Wahl=, _f._ choice.

=wählen=, to choose.

=wähnen=, to fancy, to mention.

=wahr=, true; nicht --? is not that so?

=während=, as, while, during.

=Wahrheit=, _f._ truth.

=wahrscheinlich=, probably.

=Waise=, _m. and f._ orphan.

=Wald=, _m._, _pl._ Wälder, wood.

=Waldecke=, _f._ corner of the woods.

=wallen=, to surge, to wave.

=walten=, to reign.

=Wand=, _f._, _pl._ Wände, wall.

=wandern=, to wander, to stray.

=Wanderung=, _f._, _pl._ -en, wanderings.

=Wange=, _f._, _pl._ -n, cheek.

=wann=, when.

=Wappen=, _n._ coat of arms.

=war=, =waren=, _see_ sein.

=ward=, _see_ werden.

=wäre=, =wären=, _subj. of_ sein.

=warfen=, _see_ werfen.

=warm=, warm.

=warnen=, to warn.

=Warnung=, _f._ warning.

=Warte=, _f._ watch-tower; auf die -- gehen, to go up on the watch
tower.

=Warten=, _n._ waiting; ließ sich das -- gefallen, waited willingly.

=warten=, to wait.

=wartende=, waiting.

=warum=, why.

=was=, what, that, which; -- haben Wie? what is the matter with you?

=waschen= (sich), _imp._ wusch, _p.p._ gewaschen, to wash.

=Wasser=, _n._ water.

=weckten ... auf=, _see_ aufwecken.

=weder=, neither; -- ... noch, neither ... nor.

=Weg=, _m._, _pl._ -e, road, way; an dem Wege, by the roadside.

=weg=, away.

=wegen=, on account.

=weggeben=, to give away.

=weggehen=, _imp._ ging weg, _p.p._ weggegangen, to go away.

=weggeweht=, _see_ wegwehen.

=wegräumen=, to clear away, to remove.

=wegwehen=, _imp._ wehte weg, _p.p._ weggeweht, to blow away.

=Weh=, woe; -- mir, woe is me; -- thun, to hurt.

=wehren=, to defend.

=weht=, blows.

=Weib=, _n._, _pl._ -er, wife, woman.

=weigern=, to refuse; (sich), to defend one’s self.

=Weih=, _m._ kite.

=Weihnacht=, _f._, _pl._ -en, Christmas.

=Weihnachtsabend=, _m._ Christmas eve.

=Weihnachtskuchen=, _m._ Christmas cake.

=Weihnachtslied=, _n._ Christmas carol.

=Weihnachtsgruß=, _m._ Christmas greeting.

=weil=, because, for.

=Weile=, _f._, _pl._ -n, while, time.

=weilen=, to tarry.

=Wein=, _m._, _pl._ -e, wine.

=weinen=, to weep.

=Weinen=, _n._ weeping.

=weinend=, weeping.

=Weise=, _f._, _pl._ -n, way.

=weisen=, _imp._ wies, _p.p._ gewiesen, to show, to point out.

=weiser=, wiser.

=weiß=, white.

=weiß=, _see_ wissen.

=weit=, far, spacious, wide, broad.

=Weite=, _f._ space, distance.

=weiter=, farther, further on.

=welche=, which, who, that.

=welken=, to fade.

=Welle=, _f._, _pl._ -n, wave.

=Welt=, _f._, _pl._ -en, world.

=wenig=, little, small in quantity.

=wenigstens=, at least.

=wenn=, if, when.

=wer=, who, he who; wer’s, he who it.

=werden=, _imp._ ward, wurde, _p.p._ geworden, to become, to be, to
grow, to get, shall, should.

=werfen=, _imp._ warf, _p.p._ geworfen, to throw, to cast.

=Wetter=, _n._ weather.

=wickeln=, to wrap, to wind.

=widerstehen=, to resist.

=wie=, as, how, like.

=wieder=, again.

=wiederholen=, to repeat.

=Wiedersehen=, _n._ seeing again; auf --, farewell.

=wiederkommen=, to come again.

=Wiese=, _f._, _pl._ -n, meadow.

=Wiesenstrauß=, _m._ bouquet of wild flowers.

=wieviel=, how much.

=wild=, wild.

=will=, _see_ wollen.

=Wille=, _m._ will; Gottes --, the will of God.

=willig=, willingly.

=willkommen=, welcome.

=willst=, _see_ wollen.

=Wind=, _m._, _pl._ -e, wind.

=Wink=, _m._, _pl._ -e, sign.

=winken=, to wave, to signal, to motion.

=winkte ... zu=, _see_ zuwinken.

=Winter=, _m._ winter.

=Winterabend=, _m._ winter evening.

=Wintervögel=, _m._, _pl._ winter birds.

=Winterzeit=, _f._ winter time.

=Winzerinnen=, the women gathering grapes.

=winzig=, tiny.

=wir=, we.

=wird=, _see_ werden.

=wirf=, _see_ werfen.

=wirklich=, really.

=wirst=, _see_ werden.

=Wirt=, _m._ innkeeper.

=Wirtshaus=, _n._ inn, hotel.

=wissen=, _imp._ wußte, _p.p._ gewußt, to know.

=Witwe=, _f._ widow.

=wo=, where.

=wöchentlich=, weekly.

=wogend=, tossing, waving.

=woher=, from where, whence.

=wohin=, whither.

=wohl=, well; 2, 10, Ist wohl die Thür offen? Can it be that the door
is open? -- ihm, blessed is he.

=wohlbehalten=, unharmed, in good condition.

=wohlhabender=, richer.

=Wohlsein=, _n._ good health, well-being.

=Wohlthäterin=, _f._ benefactress.

=wohlwollend=, kindly, benevolent, -ly.

=wohnen=, to live, to dwell.

=Wohnzimmer=, _n._ sitting-room.

=Wölbung=, _f._ dome.

=Wolf=, _m._, _pl._ Wölfe, wolf.

=Wolke=, _f._, _pl._ -n, cloud.

=wollen=, to wish, to want, will, shall, should, would.

=wollenen=, of wool.

=wonnesam=, blissful.

=woran=, of what, on which.

=worauf=, on which.

=worden=, _see_ werden.

=worin=, in which, wherein.

=Wort=, _n._, _pl._ -e, _or_ Wörter, word, promise; -- halten, to keep
a promise; nahm das --, spoke.

=wozu=, wherefore.

=wuchsen=, _see_ wachsen.

=Wunde=, _f._, _pl._ -n, wound.

=Wunder=, _n._ wonder.

=wunderbar=, wonderful, -ly.

=Wunderdinge=, magical objects.

=wundern= (sich), to wonder.

=wundersam=, marvelous.

=wunderschön=, very beautiful.

=Wundertisch=, _m._ magic table.

=Wunsch=, _m._, _pl._ Wünsche, wish.

=wünschen=, to wish.

=Wüste=, _f._ desert.

=wurde=, _see_ werden; -- gewahr, became aware of.

=würde=, _subj. of_ werden.

=würdig=, worthy.

=wusch sich=, _see_ sich waschen.

=wußte=, _see_ wissen.


Z

=Zahl=, _f._ number.

=zahlen=, to pay.

=zählen=, to count.

=Zählung=, _f._ count, sum.

=zahm=, tame.

=zankende=, =zankhaft=, quarrelsome.

=zart=, delicate, tender, -ly, gingerly.

=zärtlich=, tenderly.

=Zauberer=, _m._ magician.

=Zauberstäbchen=, _n._ wand.

=Zaudern=, _n._ hesitation.

=zaudern=, to hesitate.

=z. B.= _abbreviation for_ zum Beispiel, for example, e.g.

=Zeche=, _f._, _pl._ -n, bill, score.

=zehn=, ten.

=Zehente=, _n._ tenth.

=Zeichen=, _n._ sign.

=zeichnen=, to draw.

=Zeichnung=, _f._, _pl._ -en, drawing.

=Zeigefinger=, _m._ index-finger.

=zeigen=, to show.

=ziehe ... herum=, roam around.

=Zeile=, _f._, _pl._ -n, line.

=Zeit=, _f._, _pl._ -en, time.

=zeitig=, timely; recht --, in good time.

=Zeitlang=, a certain space of time.

=Zeitung=, _f._, _pl._ -en, newspaper.

=zerbarst=, _see_ zerbersten.

=zerbersten=, _imp._ zerbarst, _p.p._ zerborsten, to burst asunder.

=zerfallen=, _imp._ zerfiel, _p.p._ zerfallen, to fall to pieces.

=zerfiel=, _see_ zerfallen.

=zerreißen=, _imp._ zerriß, _p.p._ zerrissen, to tear; -- wollen, was
on the point of tearing to pieces.

=zerrissen=, _see_ zerreißen.

=zerspalten=, to split to pieces.

=zersprang=, _see_ zerspringen.

=zerspringen=, _imp._ zersprang, _p.p._ zersprungen, to explode, to
burst.

=zerstreuen=, to amuse.

=zertrümmern=, to destroy.

=Ziege=, _f._, _pl._ -n, goat.

=ziehen=, _imp._ zog, _p.p._ gezogen, to draw, to pull, to go, to grow,
to tramp.

=ziehn ... umher=, are going the rounds.

=zieht=, _see_ ziehen.

=ziemlich=, quite, pretty.

=Zimmer=, _n._ room.

=Zimmerleute=, carpenters.

=Zins=, _m._, _pl._ -e, interest.

=Zittern=, _n._ trembling.

=zittern=, to tremble.

=zitternd=, trembling.

=zog=, _see_ ziehen.

=zog ... an=, _see_ anziehen.

=zog ... aus=, _see_ ausziehen.

=zog ... heraus=, _see_ herausziehen.

=zog ... zurück=, _see_ zurückziehen.

=zögern=, to hesitate.

=zögernd=, hesitating.

=Zorn=, _m._ anger, wrath.

=zornig=, angry, angrily.

=zu=, for, to, at, too.

=zubereiten=, to prepare.

=zubringen=, _imp._ brachte zu, _p.p._ zugebracht, to spend, to pass.

=Zuckerwerk=, _n._ sweets, candy.

=zuerst=, at first.

=zufallen=, _imp._ fiel zu, _p.p._ zugefallen, to close, to shut.

=zufällig=, accidentally.

=zufielen=, _see_ zufallen.

=zuflüsternd=, whispering to.

=zufrieden=, satisfied, contented.

=zufügen=, _imp._ fügte zu, _p.p._ zugefügt, to do, to add.

=zuführen=, _imp._ führte zu, _p.p._ zugeführt, to lead to.

=zugehen=, _imp._ ging zu, _p.p._ zugegangen, to go towards, to occur,
to pass.

=Zügel=, _m._ rein, bridle.

=zugleich=, at the same time.

=zuhören=, _imp._ hörte zu, _p.p._ zugehört, to listen.

=zuletzt=, finally, at last.

=zum= = zu dem.

=zumachen=, _imp._ machte zu, _p.p._ zugemacht, to shut.

=zündete ... an=, _see_ anzünden.

=Zunge=, _f._, _pl._ -n, language, tongue.

=zur= = zu der.

=zurief=, _see_ zurufen.

=zurückbezahlen=, to pay back.

=zurückbleiben=, _imp._ blieb zurück, _p.p._ zurückgeblieben, to remain
behind, to be outdone.

=zurückbringen=, _imp._ brachte zurück, _p.p._ zurückgebracht, to bring
back.

=zurückführen=, _imp._ führte zurück, _p.p._ zurückgeführt, to lead
back.

=zurückgeben=, _imp._ gab zurück, _p.p._ zurückgegeben, to give back.

=zurückgehen=, _imp._ ging zurück, _p.p._ zurückgegangen, to go back.

=zurückhaben=, to get back.

=zurückkam=, _see_ zurückkommen.

=zurückkommen=, _imp._ kam zurück, _p.p._ zurückgekommen, to come back.

=zurücklegen=, to go over.

=zurücklehnen=, _imp._ lehnte zurück, _p.p._ zurückgelehnt, to lean
back.

=zurückschlagen=, to throw back.

=zurückschicken=, _imp._ schickte zurück, _p.p._ zurückgeschickt, to
send back.

=zurücksinken=, _imp._ sank zurück, _p.p._ zurückgesunken, to sink back.

=zurückziehen=, _imp._ zog zurück, _p.p._ zurückgezogen, to draw back,
to retire.

=zurückzugeben=, _see_ zurückgeben.

=zurückzuzahlen=, to pay back.

=zurufen=, _imp._ rief zu, _p.p._ zugerufen, to call to.

=zurufend=, calling to.

=zusammen=, together.

=zuschauen=, _imp._ schaute zu, _p.p._ zugeschaut, to gaze at.

=zuschließen=, _imp._ schloß zu, _p.p._ zugeschlossen, to lock, to shut.

=zuschloß=, _see_ zuschließen.

=zusichern=, _imp._ sicherte zu, _p.p._ zugesichert, to assure.

=Zustand=, _m._ condition, state.

=zuversichtlich=, confidently.

=zuvor=, before.

=zuwider=, distasteful.

=zuwinken=, _imp._ winkte zu, _p.p._ zugewinkt, to sign, to wave.

=zwanzig=, twenty.

=zwar=, it is true.

=zwei=, two.

=Zweig=, _m._ branch, twig.

=zweite=, second.

=zweitens=, secondly.

=Zwerg=, _m._, _pl._ -e, dwarf.

=zwinken=, to blink.

=zwischen=, between.

=zwölf=, twelve.

=zwölfte=, twelfth.



  [ Transcriber's Note:

      Every effort has been made to replicate this text as faithfully
      as possible, including inconsistencies in spelling and
      hyphenation. Obvious typographical and punctuation errors
      repaired.
  ]





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Märchen und Erzählungen für Anfänger - Zweiter Teil" ***

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