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Title: Gnadenreiche, unsere Königin
Author: Jung, Franz
Language: German
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*** Start of this LibraryBlog Digital Book "Gnadenreiche, unsere Königin" ***


                              FRANZ JUNG
                            GNADENREICHE,
                            UNSERE KÖNIGIN


                               LEIPZIG
                          KURT WOLFF VERLAG
                                 1918

                   BÜCHEREI DER JÜNGSTE TAG BAND 42
               GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRÜCKNER · WEIMAR



DIE KRISE


»Ich will nicht mehr,« sagte Maria und warf die Karten hinter sich auf das
Fensterbrett. Draußen regnete es.

Der Wald klebte an den Bergwänden wie ein schleimiger, schwammiger Aussatz.

Sie spielten den ganzen Tag Karten, er gab sich Mühe, geschickt zu
verlieren. Von Zeit zu Zeit sagte sie: »Ich will nicht mehr« und warf die
Karten hinter sich auf das Fensterbrett. Sie sprach nur, was auf das Spiel
Bezug hatte. Wenige Worte. Sie sahen sich schweigend an, als ob jeder in
dem anderen etwas tief Geheimnisvolles, eine letzte Erkenntnis ergründen
müßte. Sie merkten nicht, daß sie aneinander vorbeisahen, durch die
Fenster, den Wald und die Berge hindurch in eine unendliche Ebene, in der
sie sich verloren. Von Zeit zu Zeit sagte er: »Was wird nun --« und
versuchte, sich aufzurichten. Er vergaß, daß er wohl eine Antwort überhört
haben mochte. Er nahm wieder die Karten auf und sagte einen Trumpf an.

Und doch glimmte ein Funken, für Sekunden leckten Stichflammen an die
Oberfläche empor, es zog den Körper auf und nieder, etwas Weiches,
Glitschiges, das sich ansaugte und Ekel erregte.

»Ich will nicht,« hörte er wieder und meinte, eine frische Brise müsse ihn
forttragen, hinaus, weit fort. Weg von dieser Frau, und ihm Frieden geben.
Blitzschnell durchzuckte ihn der Gedanke, daß er ihre körperliche Nähe
nicht mehr ertragen könnte, und ließ ein Gefühl von Unbehagen zurück, das
sich steigerte.

»Neulich träumte ich von dir. Du warst von mir gegangen, und ich suchte
dich. In einem Konzertgarten glaubte ich dich gefunden zu haben. Du saßest
in einem Kreise von Männern, die wie Kellner und Zuhälter aussahen, und
schienst sehr vertraut zu sein. Ihr lachtet alle sehr laut, du erzähltest
etwas und langtest ständig mit den Armen über den Tisch. Ich mußte denken,
so muß es sein wenn man den Kindern Brot schneidet, und ich entdeckte an
deinem Körper, daß er eckig war und starke Knochen hatte. Es war so, daß
man hätte sagen müssen, diese Frau hat viele Kinder. Sie ist gut für den
Staat. Ich war sehr bestürzt. Ich lief in weitem Bogen um den Tisch und
traute mich nicht mehr, mich bemerkbar zu machen. Ich fühlte, daß du von
mir sprachst. Aber seltsam, es traf mich nicht. Ich wußte wohl, daß alle
über mich lachten, aber ich war so ruhig und dachte, das ist gut so, daß
alle über mich lachen. Es ist ein so weiter Abstand. Nur die Neugierde
empfand ich, zu sehen, ob du das wirklich warst, du verstehst, ich
zweifelte noch. Einer der Männer hatte einen Buckel. Ich erinnerte mich,
daß du von einem Vetter gesprochen hattest, der nach der ganzen Schilderung
einen Buckel haben mußte. Ich war erlöst. Ich hatte Mitleid mit dir. Ohne
daß es mich quälte. Doch wollte ich Gewißheit haben, ich merkte, wie ich
mit dir rang, ich dachte mir, laß doch, es hat ja doch keinen Zweck, es ist
gut so. Ich mochte wohl lange Zeit überlegt haben, auf einmal rief ich laut
mehrmals hintereinander: Hilpert -- Hilpert. Wie wenn man kurz eine Kugel
nach dem Ziel stößt. Ich dachte, der Buckelige würde erschrecken oder
schnell sich umdrehen und nach einem Bekannten ausschauen, aber er drehte
nur langsam den Kopf mir zu und drohte lächelnd mit dem Finger. Wie wenn
ein Vater sein Kind schilt und sagt: Sei brav. Mir war, als hätte ich einen
Schlag bekommen. Ich sah, daß alle von meiner Anwesenheit wußten, sie war
selbstverständlich. Es quälte mich so, daß ich erwachte. Ich hörte dich im
Nebenzimmer im Bett, und ich gestand mir ein, du seiest vielleicht doch
anders als jene Frau.«

Sie sahen wieder lange Zeit schweigend durcheinander hindurch.

Sie hatte den Kopf gestützt und schien zu lauschen.

Er hätte es gern gesehen, wenn sie gelächelt oder irgendeine Bemerkung
gemacht hätte. Sie blieb unbeweglich und schwieg. Er dachte an die
Möglichkeit, daß sie eingeschlafen war. Er empfand seine Unruhe wachsen. Es
lastete etwas auf ihm und drohte ihn zu ersticken. Sein Atem ging kurz. Er
sah sie mit flackernden Blicken an. Seine Stimme bekam einen rissigen
Klang.

»Manchmal erinnere ich mich jenes Auftrittes, als ich mit dir in einer
fremden Stadt in ein Tanzlokal ging. Es war ein Lokal, das in sehr
schlechtem Rufe stand, aber ich wollte durchaus hin, du weißt, es spielte
ein Orchestrion.« Er sprach schneller, als wollte er etwaigen Einwendungen
zuvorkommen. Er sprach über sie hinweg wie zu einer fremden Person, die
hinter dem Fenster stand. Ach was, dachte er, ich werde es ihr zeigen,
nein, ich muß das sogar und gerade jetzt. Er suchte in ihrem Gesicht nach
Spuren von Unruhe und lächelte boshaft.

»Du mußt verstehen, ich konnte nicht anders, ich mußte hingehen und um
Entschuldigung bitten. Es war ja lächerlich, er kommt auf dich zu, schlägt
dir mit der Faust ins Gesicht und schreit, du hättest ihm Geld genommen.
Warum du nur darauf eingingst -- es war ja gleich, was er auch sagte, aber
du gebrauchtest Ausdrücke -- du sagtest damals, du wärest noch nie dort
gewesen, es war seltsam.« Er schwieg plötzlich. Ihr Gesicht bekam einen
abweisenden Zug, wurde kalt, fremd, als wollte sie einem hinzutretenden
Unbekannten zurufen: Wer spricht eigentlich hier?

Er nahm schnell die Karten wieder auf und sagte einen Trumpf an. Die
Erkenntnis seiner Feigheit war ihm so beschämend, daß das Blut in den Kopf
stieg. Er wartete nicht erst ab, ob sie auf das Spiel einging, und legte
die Karten wieder hin. Er tat es behutsam, als habe er Kostbares in den
Händen, und hielt den Kopf gesenkt.

Sie fragte leichthin: »Wo hast du deine Freundinnen eigentlich kennen
gelernt?« Er schwankte einen Augenblick, als ob er auffahren wollte, und
antwortete ruhig: »Du weißt es ja, bei jenem Fest.«

»Ich hatte das nicht von dir gedacht.« Sie sprach leise mit zitternder
Stimme, in Erinnerungen versunken: »Du solltest ganz mein sein, ich wollte
jemanden haben, zu dem ich hätte aufblicken können.«

Er stieß hervor: »Und da hast du das Schlimmste getan, was überhaupt ein
Weib tun kann . . .«

»Was habe ich denn getan . . .« sagte sie leise, »alles ist von dir
ausgegangen, du hast mich gehetzt, wo ich bei dir die Ruhe gesucht habe.«

»Und was ist schließlich, es war ja nicht so schlimm, du hättest zu mir
kommen sollen.« Eine Flut widersprechender Gedanken stieg in ihm auf.

»Du hast mich gebeten, immer ganz offen zu sein. Ich habe in der ersten
Minute unseres Zusammenseins gezittert, enttäusche mich nicht, nur du
nicht, es tut mir so weh, aber ich habe das nicht gefunden, was ich
suchte.«

»Was soll ich denn tun . . .« schrie er, brach ab und bereute seine Worte.

Sie sprach unbeirrt weiter: »Du hast mich immer allein gelassen. Du hast
deine Freunde und deine Vergnügungen. Was habe ich, und ich habe dich so
lieb . . .« Sie schwiegen wieder eine Zeitlang.

Die Stille des Zimmers und das gleichmäßige langsame Anklatschen der
Regentropfen ließen ein Grauen entstehen, das riesengroß emporwuchs. Es war
ein unförmiger Koloß, der lautlos und unabwendbar niederglitt. Es war, daß
man lauscht nach dem Knistern der erwürgten Fleischmassen und den Splittern
der zerriebenen Knochen, daß man sich sehnt nach Krachen und Getöse und man
nichts hört. Es war, als ob ihre Körper sich in einem verzweifelten Grinsen
schüttelten. Er fühlte: Vielleicht hat sie recht. Sie ist eine Spinne, ich
verstehe es nicht -- hat sie nach mir gefragt?

Sie saß ihm gegenüber wie festgebannt.

Sie starrte ihn unverwandt an. In seinen Blicken lag der Todesschrei eines
Tieres.



GNADENREICHE, UNSERE KÖNIGIN


Tanzten schwarze Ringe.

Durch das Zittern in der Luft, daß alle Bäume sich hinaufrecken und die
Knospen springen, geht die Frau. Verwachsen mit dem dampfenden Boden, ein
flimmernder Kelch. Die Sonne treibt vorwärts, die Trambahn hält. Eigentlich
hat sie gesagt, sie wird bald zurückkommen. Die Trambahn fahrt. Die Frau
trägt Bücher im Arm. Auch Briefe: Ich denke immer an dich, ich bin
hineingewachsen -- schrieb sie vor Jahren. Ihre Briefe. Aber der andere
wartet. Auch der eine. Sie fröstelt. Sie rückt hin und her. Sie schaut über
die goldenen Häuser auf die Wipfel, die sich im weiten Blau schaukeln.
Morgen werd ich's ihm sagen. Er wird sie durchdringend ansehen. Sie ist als
Kind die Straße hastig auf und ab gegangen. Der andere fürchtet sich sehr.
Er schweigt, wenn sie nur den Namen nennt. Er wird traurig, sieht sie
hilflos an. Er fragt, weiß er denn, daß du bei mir bist? Aber es ist etwas
an ihm, das sich schnell verkriechen möchte. Sie kann ihm nicht antworten.
Oder sie muß lügen. Sie wird ihn allmählich aufblättern. Er soll alle Wärme
und Schönheit haben, daß er zu ihm und ihr hinauf gedeihen mag. Er trägt
seine hohe Stirn gegen das Gesindel. Vielleicht, daß er noch gegen diese
Welt streitet. Und siegen wird, ohne sich umzusehen. Ihm ein Kamerad
werden. Sie hob mit einem Ruck ihren Kopf. Sie wurde rot. Wollte sich
umwenden. Befreit aufatmen. Vielleicht laut sprechen. Aber sie merkte, daß
alle Leute sie haßten. Um so besser.

Sie war daran, mit dem Blonden ein Nest zu bauen. Und die Kinder werden
dann alle miteinander spielen. Sie besucht mit ihm Konzerte. Über alle
Stimmen, die sie trafen, hinweg glühte ein Klang, der wuchs, sich wölbte zu
einem Dom und sie verschlang. Wie in Zeiten, da alles um die Menschen herum
noch stark war, daß sie sich selbst nicht merkten. Er blühte ihr entgegen,
aus Chorälen, die sie gemeinsam sangen. Er schwebte vor ihr, wenn sie sich
in die Augen sahen. Er strahlte über sie, wenn sie die Straße entlang
gingen. Der eine merkte dies alles und wurde unruhig, daß sie nicht zu ihm
sprach. Ich fürchte, du wirst alles zerstören, wenn du nicht zu mir
sprichst. Er beunruhigte sich. Er sprach hart und abgerissen. Er ging mit
ihr dieselbe Straße entlang. Er sprach von Chorälen. Er sprach von dem
Klang. Da spuckte sie aus. Sie wies auf Vorübergehende, die sich nach ihr
umsahen. Sie schrie: Schweine, Säue und Ähnliches. Die Leute blieben
stehen. Sie ballte die Fäuste, sie zitterte. Er merkte, daß sie ihn ganz
vergaß. Er redete auf sie ein. Er hielt sie eisern umklammert, als sie
einer fremden Frau nachstürzen wollte. Die Augen quollen hervor, dann
weinte sie lautlos. Unaufhörlich. Beängstigend. Sie hörte, wie er sagte, zu
jeder Reinheit gehört eine Sicherung, sie kann niemals zufällig sein. Er
sah, wie sie darüber hinwegglitt. Später hörte sie demütig seinen
Entwicklungen zu. Er muß vorher alles wissen, man kann nicht auf seine
Kosten leben, Bezahlung schwächt. Er erinnerte sich, daß sie ihn vor
einigen Tagen einen Heiligen genannt hatte. Er erinnerte sich, daß sie ihn
scheu gestreichelt hatte. Er war still geblieben, die Zähne
zusammengebissen. Gestöhnt, warum sagst du mir nichts. Sie fällt wieder
zusammen, vermorscht, klagt und muß um Hilfe winseln. Er wird wieder Wärter
sein. Eine Glut war über ihm zusammengeschlagen. Er hätte sich quälen
mögen, um sie zum Sprechen zu bringen. Er blieb einsam. Und wollte es
nicht. Und durfte es nicht. Sie stöhnte zwischendurch, ich bin so dreckig,
ich bin ein Hund. Er lauschte. Aber sie sagte nicht: verzeih. Sie schmähte
den Blonden. Er widersprach. Er ist schuldlos, du hast ihn genommen. Sieh,
daß ein Ende wird. Sie weinte lange. Er sprach viel. Er verteidigte ihn
heftiger, aber er schloß immer, der soll sich beweisen . . . . Es war, als
ob sie den andern schützen müßte. Er kann sich nicht beweisen, dachte sie.
Er ist noch so schwach und klein. Nun gut, hätte er da schließen wollen.
Aber sie ging aus seinen Armen und lächelte scheu. Er blieb gebannt stehen.
Er brachte keinen Laut hervor. Alles Blut drängte sich zusammen. Er blieb
zusammengekauert. Sie war sehr lange aus. Er wühlte sich in die Kissen. Ich
hab euch lieb, fühlte er und zuckte.

Es half nichts, daß ihm war, als müßte er ersticken. Daß er verbrannte. Er
blieb angeschmiedet und ohne Waffen. Er erinnerte sich, daß sie gestern
gewünscht hatte: Eine Stube voll Jungerle. Er erinnerte sich, daß manchmal
ihr Gesicht hohl und wie entschwunden war. Hergerichtet zum Schlag und
unempfindlich. Er wurde nicht erlöst, das Feuer prasselt. Eine furchtbare
Angst war um ihn: ich bin ausgestoßen. Da tauchte eine Tote vor ihm auf,
der sein Wesen unaufhaltsam zuströmte. Er dehnte sich beglückt. Er wurde
ruhiger. Er merkte, wie sehr er mit einem blassen lustigen Gesicht
verbunden war. Er sah dünne goldene Haare, einen flimmernd bleichen Körper.
Er mußte ein quälendes Gefühl zurückscheuchen, daß er sie bedrückend
empfunden hatte. Ihre Nähe war heiß und fiebrig. Auch glitschig. Aber er
sah jetzt in eine Werkstatt. Er sah ihre Kräfte an der Arbeit. Ihn
schmieden. Dort war sein Leben. Er versank in ein wohliges Träumen. Er
kroch ganz in sich zusammen. Er hörte die Schritte der Frau und wühlte sich
tiefer ein. Er hätte rufen mögen, jetzt wenigstens laßt mich in Ruh. Da
bebte er in Erschütterungen. Wie Nebel über dem Waldhange sich wölbt,
zerreißt und sich wieder fängt. Er quälte diese Frau, er drängte ihr ein
Leben auf, das in einem dunklen Land verankert war. Vor dem sie zitterte.
Sie liebt die Sonne. Sie umspannt das weite graue Feld. Sie ist im
quellenden Wasser, in den Katarakten des Stromes. Sie will leuchten und
Glück sein . . . . Er versank in ein dumpfes Weh. Und doch merkte er noch,
wie er daran ging, sich aus dem Drohenden, Ungeheuren Kräfte zu ziehen. Er
sah sich panzern. Die Augen ausschlagen. Sein Weg ging steil und schmal. Er
fühlte, jeder Schritt ist gegen die Welt. Gegen das Glück. Gegen alles
höchstes Leben. Und doch . . . .

Aber er mußte es ablehnen . . . .

Denn er mußte es ablehnen, ein Krüppel zu sein.



LÄUTERUNG


Er liegt am Boden. Hat sich eingewühlt in die harten Schollen. Eine Straße
atmet und dehnt sich, steigt, keucht schwer im Dahingleiten, reißt -- daß
er zittert und sich enger preßt. Grüne Halme ballen sich dichter, weiten
sich, Wolken tupfen auf blauem Bogen. Er möchte schreien.

Hinten drängen die vielen Menschen. Wimmeln. Weiße Schuhe. Lächelnd
verstohlen sehnsüchtig. Straffen sich. Beine. Ein Kind springt. Lockendes
Parfüm aus der Zeit, als er zwölfjährig neben einer hochgestellten Dame im
Parkett des Provinztheaters saß, die Treppe hinter einer Ingenieursgattin
hinaufstieg, die Fäuste gegen die Wand schlug und sich würgte, später:
Steine, Segel, Meer, schließlich enger zusammenkroch, heiß, Blut rieselt,
bunte lachende Menschen zueinander, alle -- Sonne --

Atmete fiebernd, schlug den Hinterkopf gegen das Grau des Himmels, fraß
sich tiefer in die Schollen, weinte und schluchzte und wollte beten, ein
Duft zog über allen und schlug nieder. Eine ferne Häuserreihe schob sich
näher.

Er wehrte sich, dachte sich die Achseln zucken. Aufstehen. Das Gesicht
abwischen. Langsam den Leuten zugehen.

Eine Gaslampe, die so lange niedergehalten war, flackert heller und surrt.

Angst schreit. Nicht sich aufblättern zu können. Die Welt zieht vorbei. Das
Blut kreist enger.

Die Gemeinschaft wird wieder brechen. Eher gegen alles, als in sich.
Revolution. Sich selbst zerstören. Glück des Gehenkten. Wenn man sich
selbst erstickt, bleibt noch ein dünnes Leben. Klingt weiter. Er hört sich
beten, anschwellen, Wände schwinden, Weiten tun sich auf, aber
angeschmiedet . . . durchbohrt . . . kreisend in fremder Qual . . . Hilfe,
knirscht er.

Jetzt baut er still, voll Sicherheit, ein Werk vor sich her. Unbeirrt. Wenn
es auch wächst, streng, fest gefügt -- er schaut kaum hin, keine Freude,
keine Zweifel, die Uhr zählt die Zeit, die Arbeit, die Steine, die er
aufschichtet, Menschen gliedern sich an. Er bebt nicht vor Ungeduld, obwohl
das Herz schlägt.

Da steht jemand auf, dreht das Licht aus.

Ein Stuhl wird gerückt.

Alle merken, daß es fast hell ist.

Während sich alle rekeln, den Kopf wieder in die Kissen wühlen, der Wächter
hängt sich die Kontrolluhr über, rafft am Tisch Papiere zusammen, Sindbad
den Seefahrer, -- sagt der Nachbar von Nr. 12 nach der hinteren Wand zu und
steigert schnarrend: Morgen, Leute. Merkwürdig, wie er die Worte quetscht.
Alle Wärter sind auf ihn ärgerlich. Meistens hören sie später, daß er ein
Schneider ist namens Erb. Sollen glauben, daß Erb Beziehungen hat, in
Verbindung mit Regierungsstellen, andererseits Intrigen, die Frau spielt
eine Rolle, will ihn los werden. Graf braucht Ehescheidung. Dann aber
lassen sie an Erb die Wut über den Schneider aus.

Erb mit dem schmalen spitzen Kopf, knallrotes Gesicht, springt im Bett auf,
wiederholt. Sieht sich enttäuscht um.

Ganz vorn an der Tür lacht ein hübscher junger Mensch. Erb schaut
strafenden Blickes hin. Der Junge schüttelt sich vor Lachen.

Erb schreit: Heute nehme ich euch alle mit raus.

Schmidt fragt: Wie denn -- raus -- mein Kopf tut mir so weh. Verzieht das
Gesicht zum Weinen. Die beiden neuen Wärter kennen ihn noch nicht und
tuscheln.

Es wird jetzt gekehrt, gewischt, Eimerklappern. Die Fenster sind
aufgerissen. Es scheint, als ob die Eisenstäbe in der Sonne glitzern
wollen.

Dann erinnert sich Schmidt, daß er einen Hammer sich vor den Kopf
geschlagen hat. Er erzählt, daß er einmal sich halb die Zunge abgebissen
hat. Er macht eine gute Figur, früher trug er schwarzen Bart, die Haare
etwas wirr. Er hat sehr viel in seinem Leben studiert. Allerdings ist er
unter gewissen Voraussetzungen bereit, heute mit Erb gleich wieder
wegzugehen, er trinkt indessen keinen Schnaps. Erb würde Wein trinken.
Beide sind schließlich vergnügt.

Der Wärter denkt, es ist ekelhaft hier drin. Man sitzt und sitzt. Die
Toilette, die zwischen den beiden Sälen eingebaut ist, stinkt. Er kocht vor
Wut. Was? Ach so, austreten. Die Wände des Kastens werden heruntergelassen.
Los! Der schiebt sich den Gang entlang. Der Kollege im anderen Saal erzählt
sich was mit seinen Leuten.

Wenn Frühling ist, singen draußen die Vögel. Einige dürfen aufstehen und
sitzen an ihrem Bett. Schmidt denkt, ob er hier von seiner Frau erzählen
soll, vielleicht wissen die was? -- Ob sie den Erb wirklich kennt --
manches stimmt ja. Schönauer liegt dem Schmidt gerade gegenüber. Er soll in
Paris Ringkämpfer gewesen sein. Schmidt denkt nach. Er weiß nicht, ob seine
Frau solche Muskelmenschen mag. Schmidt quält sich. Er gibt dem Erb keine
Antwort.

Der Oberwärter flitzt durch die Säle. Alle sind einen Augenblick in
gehobener Stimmung. Schmidt fühlt ein ungeheures Loch in seiner Seele, das
immer weiter noch reißt. Und doch glaubt er nicht an Gott. Genossen, möchte
er losheulen. Ich weiß nicht, was das für Leute sind. Einer heißt Draqua,
einer Schubert. Die Frau, die Frau, sie spricht mit allen Menschen. Er kann
sich nichts wegseufzen.

Während alle aufhorchen, die Becher werden aufs Brett gestellt, man hört
schon Tritte, ein hübsch aufgeputztes Mädchen schleppt das Tablett, einer
nimmt Becher für Becher ab, Brot mit rotem Mus, die Uhr geht ganz genau,
selbst der Wärter ißt Brot, das Mädchen mit der weißen Schürze . . .

Ein Vergnügen, wie schnell die Tage vergehen. Mehr als jede Wohltat.

Schmidt lebt in seine Leute um ihn herum mehr hinein. Hört, daß einer, den
er schon lange wegen seines gequälten Gesichtsausdrucks beobachtet, ein
Ofensetzer ist. Zu dem kommt öfters eine Frau, setzt sich zu ihm, bringt
Milch, Eier, Bonbons. Jedesmal dreht sich der Ofensetzer weg, wenn die Frau
erscheint. Einmal begleitet sie ein junger schmächtiger Mann, vielleicht
der Sohn, er steht verlegen am Bett herum, die Frau stopft dem Manne
Eßwaren in den Mund. Der spuckt wütend alles aus. Die Frau ist fiebrig an
der Arbeit. Der Mann hebt den Kopf der Hals quillt an, wird blutrot, er
gurgelt etwas, dann kann er nicht mehr sprechen, hält den Arm weit weg. Der
ganze Körper erstarrt. Die Frau dreht sich gekränkt zum Wärter um. Der
Ofensetzer möchte hinausgehen, schreitet durch den Gang, bis er gefaßt und
ins Bett geworfen wird. Die Wärter schreien, das Aas führt uns an. Die
anderen sagen: wenn einer geht, soll man ihn gehen lassen. Einige lachen
aber, wenn er Prügel bekommt.

Es geschieht sonst nichts. Nr. 5 hat die Faust in den Vorhang gewickelt,
schlägt die Fensterscheiben ein, geht dann langsam ins Bett zurück, lacht.
Draußen scheint die Sonne. Eigentlich freuen sich alle, sprechen
miteinander, fragen, warum denn eigentlich -- nur die Wärter, der Vize, der
Oberwärter -- Erb freut sich kindisch. Prophezeit, es wird noch schlimmer
kommen, das schlechte Essen muß herhalten, auch von draußen werden sie
kommen. Zwei Stunden später ist völliger Aufruhr. In allen Stockwerken. In
den anderen Häusern.

Schmidt quälte sich mehr. Er hörte in sich etwas aufbrüllen. Laut sagte er:
Ordnung muß sein. Jeder muß sich in etwas hineinfügen, sonst kann eine
menschliche Gemeinschaft nicht bestehen, da muß der eine dem andern
nachgeben, aber er fühlte zu tiefst eine qualvolle Fessel, es würgte ihn.
Er begann wieder, andere Menschen um dessentwillen zu hassen.

Dennoch wehrte sich Schmidt weniger heftig gegen das zarte einspinnende
Wesen vieler Gegenstände, die scheinbar von selbst sich zu ihm ordneten.
Der Tisch, Schrank, Stühle, die Bettstellen, der Fußboden, die Lampe --
sprachen vertraut dämmernd auf ihn ein und umrankten seine Unterhaltung mit
den Freunden in zunehmend bestätigender Herrlichkeit. Er lernte viel und
streichelte die Bettdecke zaghaft, manchmal beruhigt und voll Erwartungen,
einer bisher fremden Seligkeit den Weg bereiten zu helfen.

Draußen -- zwischen den Stäben, Verzierungen, Rosetten und Kreisen, die das
Fenster vergitterten, schwand Tag um Tag das Licht, sprach in der
Dämmerung, summte von Glück. Weiter hinaus stand ein Fabrikschornstein
starr gegen den Dunst, ein Gewimmel schwarzer Häuser, daneben ein Stück
Laubwald, der bis an den schmalen Garten heranlief. Und wieder daneben
Ackerland, die Männer vom anderen Haus gingen häufig drüber hin, aus
versteckter Feldhütte kräuselt Rauch. Schmidt hört Schaufeln, metallischen
Klang, kurzen Ruf eines Aufsehers, drei große Buchen standen allein, ganz
scharf, und weiter weg zog sich der Bahndamm. Tag für Tag.

Schmidt hörte das Rollen der Eisenbahn und lauschte, bis es verklang, die
Sirenen der Fabriken, Glockenläuten von fern her, und spürte keinerlei
Sehnsucht, so stark lebte er in sich und in allem, was ihn umgab.

Bis er auch nach Wochen selbst in den Garten hinaustrat und immer in der
Runde herum und dann kreuz und quer ging, anfangs scheu allein, dann auch
mit anderen zusammen. Kinder wurden im geschlossenen Zuge herumgeführt.
Hinkten, stolperten, schleppten sich nach, hingen so schleimig aneinander
und sangen. Schmidt ging immer den Kindern nach. Da krampfte wer sein Herz
zusammen.

Da stand auf einmal alles um ihn herum still. Wurde schwarz. Trocknete ein.
Verkroch sich. Wind pfiff.

Da rief wer.

Dann sah er den Wärter auf sich zukommen. Er hätte noch etwas schnell sagen
wollen. Aber er mußte sogleich mitgehen. Es war alles so eisig. Die Zäune,
Mauern, Stufen, die Glastür. Drin stand der Doktor, eine Frau, ein dicker
Beamter, der freundlich lächeln wollte. Plötzlich mußte er daran denken,
wie peinlich es sei, draußen sagt einer, Schmidt wird außer der Reihe
vorgerufen. Er wurde glühend rot. Sah sich scheu im Vorzimmer um. Die Dame
sprach hastig auf ihn ein. Der Doktor sagte etwas zur Dame. Der Beamte
klopfte ihm auf die Schulter. Der Doktor maß ihn mit einem scharfen Blick.
Schmidt verzog das Gesicht. Die Frau sah gleichfalls sich scheu um. Eine
Pause. Eine Frau. Dann drängte der Doktor weiter. Dem Schmidt stieg ein Haß
gegen die Frau auf. Er merkte, es beginnt schon zu schlucken, es steigt
auf. Willst Du was haben, hörte er. Alles wurde glitschig. Er klammerte
sich wo an. Er verzog noch mehr das Gesicht. Bitten kann man hier nicht,
dachte er noch. Und doch hätte er die Frau am Arm fassen wollen und auf sie
einreden. Der Haß wanderte zum Doktor. Schmidt sagte etwas leise zum
Beamten. Der verstand nicht. Wurde plötzlich größer, ein fetter Koloß.
Immerhin fühlte sich Schmidt zu ihm hingezogen. Er setzte alles daran, mit
dem Mann weiter zu reden. Er merkte, daß er der Frau unrecht tat. Sie wird
bald weinen. Er fühlte auch in sich etwas, das unsagbar weh tat. Und ihn
wohlig überzog. Dann gingen alle. Er gab die Hand. Und fiel in einen
Abgrund.

Schreiend.

Er hörte sich noch einem hinzutretenden Aufseher sagen, ich will heute
nicht in den Saal, ich will eine Zelle. Ich halt's nicht aus. Eine Zelle
für mich allein. Der bot ihm eine Zigarette an, draußen im Garten, ein paar
Züge --? Es sieht niemand.

Schmidt aber dachte, ich habe ihr sehr weh getan. Ich habe sie irgendwo
getroffen.

Dann begann er zu fiebern.

Es ist alles doch nicht so! Brüchig. Faulig. Bedreckt. Immer gefesselt,
unlösbar verstrickt, angeschmiedet. Er fühlte sich das Maul aufreißen.
Hinten im Kopf hing ein Grinsen: Vorsicht! Dann schlich er weiter. Pah. Die
Frau. Soll sie sehen . . . ich will nicht mehr. Die andern! Aber es war
keiner mehr da. Schmidt brach ganz zusammen. Er schlich im Gang herum,
pickte an die Fensterscheiben. Dachte noch, es wird dunkel, man wird bald
zur Nacht essen. Es quälte sich immer höher. Stand schließlich: Ich hab'
mich verschrieben, -- ich muß folgen, demütig sein, ich muß . . . dann
wollte er Tränen herauspressen, sich selbst beflecken, stellte Stationen
auf, haßte sich, wollte sich an die Gurgel fahren, auf heulen -- bald wird
man mich rufen, ängstigt er sich -- nein oder ja? Ja!

Er mußte lachen.

Er wurde dann gerufen.

Dann träumte er, schwer, interessiert, in Schweiß gebadet.

Er träumte voller Auf und Nieder. Versuche, Zusammenbrüche. Er träumte,
träumte zäh und krallte sich am Bettpfosten fest. Noch, als man ihm Trional
geben wollte, das er ausspie. Es nützte nichts, daß man gewaltsam die Zähne
auseinanderbrachte.

Stotternd sagte er: Lassen Sie mich doch, ich bin gleich ganz ruhig. Der
Oberwärter war geradezu erstaunt. Wollte nochmals zugreifen, ließ aber,
während er schon fest den Kopf hielt, plötzlich ab. Er nahm das Glas und
trug's hinaus, ohne dem Aufsichtführenden noch ein Wort zu sagen. Draußen
rollte die Bahn.

An einem der nächsten Morgen wurde Schmidt zum Doktor gerufen. Ein
Schreiber saß da, mit aufgedunsenem Gesicht, Triefaugen, die Hand zitterte
schrecklich, dann der Doktor, hinter einem Stoß Akten; auf einem Stuhl
dicht an der Tür nahm Schmidt Platz.

Die Personalien -- der Vater etc. Der Doktor horcht auf, der Schreiber
schreibt auf einen Wink. »Und Sie?« »Nichts.« Schmidt gibt an: Nichts.
Mutter lungenleidend. »Lieben Sie Ihre Mutter?« »Nein.« »Warum?« »Sie
lügt.« Der Doktor rückt auf dem Sessel herum. Schmidt schweigt auf die
nächste Frage.

»Ja, aber nun sagen Sie mal, wie lange leben Sie mit Ihrer Frau zusammen?«
»--« »--« »Also« -- nach einer peinlichen Pause -- »hier ist angegeben, Sie
haben sich mit einem Hammer auf die Stirn geschlagen. Sie leiden an
Krämpfen?« »Ich weiß nicht.« Der Doktor steht auf. Lang, hager, faltiges
Gesicht, die Augen blinzeln über dem Klemmer hinweg. »Kommen Sie doch
näher, fürchten Sie sich denn?« Schmidt lächelt verlegen. »Na also -- sagen
Sie mir doch, quält Sie die Frau nicht? Man weiß doch, wie das ist.«
Schüttelt den Kopf, reckt sich. »Ja?« »Nein« -- ehrlich überzeugt. Der
Doktor fragt schnell: »Trinken Sie?« »--« »Stottern Sie immer?« So ein
Hund, denkt Schmidt. Vorwurfsvoll: »Schmidt --?« »Nein.« Der Doktor legt
seine Hand Schmidt auf den Arm. »Vertrauen Sie mir doch.« »Ja, um Gottes
willen, was soll ich denn sagen,« sprudelt der hervor. »Sehen Sie, so was
tut man doch nicht.« Der zuckt die Achseln. Pause. Dann sagte er leise:
»Manchmal kann ich mich nicht halten. Ich muß einfach.« »Wie --« »Ich will
nicht mehr leben, es ist so furchtbar, ich halt's nicht aus, ich will
nicht, es ist geradezu . . .« Ein Gewicht fällt nieder. Der Doktor verzieht
nervös das Gesicht. »Sie sind jetzt sehr aufgeregt.« Schweigt. Sieht dann
zum Doktor auf. Der lächelt etwas. Man hat das Gefühl, die werden
zueinander gehen. Schmidt steht auf und sieht zur Tür. »Fehlt Ihnen hier
was?« Schmidt verbeugt sich, will gehen. »Warten Sie, lieben Sie Ihre
Frau?« »--« Doktor zuckt nervös. »Sehen Sie, Sie sind doch ein prächtiger
vernünftiger Mensch, ich glaube, Sie passen nicht zusammen, ha?« Ach --
denkt Schmidt geringschätzig, bereitet eine lange Rede vor. Dann sagt er:
»Ich prügle sie manchmal.« »--« »Ich muß. Viel schlimmer, als wenn ich mich
prügle.« Der Doktor winkt ärgerlich ab, murmelt: »Sie werden doch einen
Grund haben.« Schmidt möchte den Doktor in die Gurgel beißen. Er ist hier
so machtlos. Schmidt will sprechen. Da kommt schon der Nächste.

So glücklich wurde Schmidt, daß er fest daran glaubte, es würde ihm noch
gelingen, den Doktor zu retten.

Es blieb dabei, draußen leuchtete die Sonne blutrot. Die Vorhänge wurden
vorgezogen, es hieß schlafen gehen, und sein Glaube wuchs und wurde so
übermächtig, daß alle Glieder bebten.

In solcher Nacht lauschte Schmidt dem Ablauf jedes Lebens. Und es kam vor,
daß sein Nachbar Schubert sich aufrichtete, stöhnte, einige Worte stammelnd
starr gegen das Fenster sah. Auch Schmidt richtete sich auf, er dachte,
Schubert wird jetzt zu ihm sprechen wollen. Aber der sah angstverzerrt zum
Fenster hin, stöhnte . . . Die Augen, die Augen . . . und brach in Weinen
aus. Jammerte: Ich kann nicht hier bleiben, wand sich hin und her, bis er
nur noch krampfhaft zuckte. Es half nichts, daß der Wärter ihn festhielt,
er begann aufzustehen, es hielt ihn keine Gewalt, er schrie: Ich muß hier
fort, liebe liebe Leute. Half nichts, daß man ihn schlug, die Arme und
Beine binden wollte -- die Wärter schwitzten -- er gurgelte und stöhnte und
brachte immer neue Kraft auf, alle ringsum im Saal wurden unruhig, Schmidt
fieberte vor unerträglichstem Schmerz -- dann glitt ein leuchtender Strahl
über den Jammernden hin, er lauschte gespannt, Verzerrungen lösten sich,
man ließ von ihm ab, Schmidt sah, wie er das eingefallene Gesicht zu einem
Lächeln verzog.

Dann fühlte er, wie Schubert nebenan sich lang hinstreckte, den Kopf unter
die Decke vergrub. Er fühlte deutlich die entsetzliche Spannung hoch- und
niedergehen. Fühlte, wie dessen Körper mitging, er mußte ganz
zusammengeballt verkrochen sein. Zwar waren die Hände mit Fausthandschuhen
bedeckt am Bettpfosten angebunden, aber sein Blut bebte ruckweise, atmete
schwer und sehnsüchtig, bis er erlöst abbrach, ein lauter heller Ton
schwebte noch im Saal, dann fiel Schubert wieder völlig zusammen, der Kopf
hing zur Seite über das Bett hinaus, der Körper schrumpfte sich mit ein, es
war unschwer, auch die Hände wieder aus der Fesselung zu befreien.

Dennoch hatte alle ein ungeheuer lastendes Grauen gepackt, sie schwangen
mit diesem Körper mit und waren erstarrt, daß sie nicht mit erlöst wurden.
Eine Würgehand hielt alles nieder. Es war entsetzlich, daß niemand die
Kraft hatte, laut zu schreien. Nur der Wärter lächelte verzweifelt an
seinem Tisch. Er kam allen auf einmal klobig und eckig vor. Ein plumpes
glotzendes Stück Menschenfleisch, völlig außerhalb. Er konnte durch das
Grauen hindurch kaum deutliche Worte sprechen. Es klang blechern, klapperte
vor Unruhe, er hätte sagen wollen, auch das ist eine Krankheit wie zu
vieles Saufen oder so etwas. Schmidt sah, daß er sich lieber meilenweit
fortwünschte. Es war eine maßlose Überlegenheit vieler Menschen über den
Wärter hereingebrochen. Der dachte noch daran, daß Schubert eine junge Frau
hatte, der viele Männer auch hier im Hause nachsahen. Er erzählte dann noch
jemandem, daß Schubert bei seiner Einlieferung einen feinen Anzug hatte, er
sei sicher was Besseres und seufzte zu guter Letzt.

Schmidt wälzt sich noch ruhelos herum, in steigender Angst. Sie greifen
wieder in das Leben ein, denkt er. Widerwillen bis zum Speien. Die
Eingeweide schmerzen. Kein Fleck an seinem Körper, der nicht wieder
betastet werden wird. Es fließt ekle Weichheit über ihn. Er möchte sich
aufbäumen und ist doch so wehrlos. Sieh mal, hört er eine ferne Stimme sich
zusprechen, die Menschen sind aufeinander angewiesen. Nein, will er
schreien, doch doch, sie sollen sich ergänzen, auch trägt die Kraft des
einen viele anderen mit. Ich habe keine Kraft, begehrt er auf. Allerdings
bin ich auch zu viel mit anderen Menschen verbunden, gesteht er sich zu --
darum will ich jetzt allein sein. Aber die Glut, die über ihm ist, läßt
nicht locker: Sei doch stark. Er beginnt schon nachzugeben, Tränen steigen
auf. Wenn ich auch wollte, ich kann doch nicht, fühlt er noch. Dann ist er
bereiter. Vielleicht soll man sich wieder mitten in die Welt hineinstellen,
beschließt er. Ich habe die Frau doch nicht geliebt, fällt ihm ein. Ich muß
erst einsehen, daß sie mich völlig trägt. Vielleicht wird sie bald zu mir
kommen, fühlt er. Muß daran denken, daß sie bei ihren Besuchen immer Tränen
in den Augen hat. Es braucht nicht alles glitschig und schmierig zu sein.
Er ist schuld, daß sie nicht freier atmet. Es nützt nichts, sich selbst zu
zerstören. Alles Betrug. Warum sollen die andern ersticken, daß er nicht
leben will? Er beginnt sich glühender zu schämen. Wie ein schmerzendes Netz
liegen die Gedanken über ihm. Er muß die Knoten von innen her ausbrennen.
Freies Leben. Frohlocken.

Dann spinnt er ruhiger seine Pläne fort. Er fühlt, daß er unendlich stolz
geworden ist. Jetzt merkt er erst, daß er schon viele Menschen in sich
lebt. Sehnsucht quillt. Wenn er die Tiere liebt, Blumen, den Horizont, den
blauen Strich ferner Wälder und im Menschen das alles zusammen? Zuerst in
dem einen einmal bestimmten und gewählten Menschen -- niemals mehr Ekel
empfinden, sich gehen lassen. Mag er selbst noch gezogen, gezwungen,
bestimmt sein -- los! Er wartet alle Tage auf die Frau. Schillernder
Frühling macht alles weit, das Feld dehnt sich und lockt. Er muß ganz
schnell im Garten hin- und herlaufen. Er muß den Doktor, den Oberwärter,
gar den Professor glückstrahlend grüßen, dankend aufatmen. Das Lächeln
verstrickter Gewohnheiten ist hinter ihm. Klammert sich an. Gibt mir Kraft,
fühlt er. Ganz frei.

Wenn auch draußen die Sonne steigt und fällt, freches Grün zwitschert,
Schmidts Sehnsucht klammerte sich nicht daran. Eine andere Arbeit hielt ihn
im Bann und zwang und lockte. Es galt, sich tiefer zu festigen. So, daß er
täglich mit sich rang und Erinnerungen vor sich ausbreitete, die zwar tiefe
Wunden geschlagen hatten und immer wieder das Blut sieden ließen, aber
dennoch eine mehr regelmäßige Bewegung loslösten, auf deren Zügelung
Schmidt alle Hoffnung setzte. Darin war der Glanz seiner Umwelt mit
einbegriffen.

Er dachte -- zwischen blutheißen Schauern und bohrenden Erbitterungen -- an
den Musiker, zu dem erst noch unlängst die Frau gelaufen war: Sie muß ihm
helfen, ruft er mich nicht -- ist nicht auch dort mein Platz? Sicherlich
hat sie so gesprochen, jedenfalls lief sie hin, sie blieb Nacht für Nacht
dort, gleichwohl er sie schlug, sich selbst das Haar raufte, auf dem Boden
lag und mit den Füßen schlug. Schmidt fühlte, es wird nie sein, daß er das
begreift. Damals hatte er auch noch gejammert: Ich hab' ihr doch nichts
getan. Bald wußte er, das war es nicht. Auch der andere nicht. Ich hätte
auch sein Freund sein können, erinnerte er sich. Und das Schlimmste --
schließlich versank wieder alles. Die Frau ließ allmählich den Musiker
fallen. Es wurde eher, daß Schmidt ihn hätte verteidigen wollen, er fühlte
sich immer näher, er kam nie dazu, sich klar auszusprechen, die Frau stritt
gegen ihn, sie wurde so leidzerrissen, daß er erschrak und verstummen
mußte. Das Leid dieser Frau schob sich dazwischen und verlangte nach ihm,
fraß sich ein und erstickte alles. Das Leid dieser Frau. Manchmal war es so
lächerlich klar, daß er sie nicht liebte. Er dachte daran, Liebe ist etwas
Befreiendes, es muß aufstürmen, Empörung, ungeheueres Glück sein. Alles das
aber kann es nicht sein, grübelte er. Eher eine Erweiterung voll gräßlicher
Anstrengungen, sich zu ertragen in all dem Mehr. War der Musiker ein Stück
Holz -- mußte er nicht ein Mensch sein, der auch zu ihr strebte, und
dennoch wußten sie voneinander nichts. Sie vereinten sich niemals. Schmidt
konnte keine Antwort geben. Biß sich die Faust, das Blut sickerte. Er
stellte sich hin und hämmerte sich in den Kopf. Ich will dennoch aushalten.
Ihr Blut strömt zu einem andern, sie schließt mich aus. Gut, ich ersticke
trotzdem nicht. Aber er weinte.

Es war so schwer, wenn sie dann später zu ihm sprach, neben ihm ging, er
erlebte jede Sekunde beider Zusammensein. Das Blut sehnte sich zu beiden.
Ob er sich auch empörte, und wurde verschmäht und wandte sich gegen ihn daß
er zitterte und zerriß.

Die Birken im Garten wußten darum.

Auch die Frau kam häufiger und küßte ihn. Auch sonstige Menschen von
draußen kamen und sprachen zu ihm, Schmidt richtete sich langsam darin ein,
wenngleich überlegener. Aber er dachte: die Frau soll gehen. Ich will
aufmerken, daß ihr nichts fehlt, daß ich für sie da bin. Die Frau drängte
ihn wieder zu sich. Sie war zu scheu, ihm aufzuzeigen, ob sie litt. Das
Wesen der Frau war ihm so fremd. Er wollte ihr glauben und liebte sie.

Und zu verschweigen, daß er ins Bordell gegangen war in der Hoffnung,
aufgeblättert zu werden, emporgerissen, endlich ein neuer Mensch, um
enttäuscht wieder herauszulaufen, Gelächter hinter ihm.

So lebte Schmidt zwischen den Tagen aufblühender Klarheit. Aber es fügte
sich so, daß Schmidt, als er viel später eines Tages plötzlich auf die
Straße entlassen wurde und an der Seite der Frau zur Bahn ging durch ein
hohes altertümliches Tor hindurch, an dem kunstvolle Schmiedearbeit
besonders auffiel, fügte es sich, daß Schmidt alle äußere Sicherheit wieder
verlor, die Kameraden, Kinder, Birken und den Rauch aus der kleinen
Waldhütte.

Er erschrak vor den Menschen, die jetzt um ihn herum sein wollten. Sie
waren so aufgequollen, grob-stier, eckig und zuckten wie Hampelmänner,
waren wirklich so klobig, er ekelte sich und schrie verzweifelt in sich
hinein. Die lächerliche Bahnfahrt.

Er schritt dann am Arm der Frau ihrer Wohnung zu. Sonne grinste herbstlich.
Die Frau war mild befangen, zutunlich, zuweilen aufgeregt, sie störte nicht
und bestärkte ihn. Er wird es nie merken, daß sie vielleicht für ihn in
sich die Welt trägt. Aber Schmidt kriselte. Kruste auf Kruste fiel. Ein
Leben umspannender Schrei dehnte sich, eine namenlose Furcht -- er hörte
die Menschen sprechen, als ob sie bellen, beißen werden -- doch das Wunder
hielt stand: er wußte, von ihm selbst wird's abhängen. Sollte er auch
allein sein -- und hätte der Frau die Hand küssen wollen.



JEHAN


Jehan lebte zu der Zeit, als noch jeder ungerufen und ungestört darauf
ausgehen konnte, die Welt zu erobern. Heut zwingt das die ganze Menschheit
in den Einzelnen hinein und hängt sich mit ihrem ganzen Jammer dran.

Jehan war eigentlich ein Räuber, ein Kosak, ein Perser-Chan und ein
mächtiger König aus dem Geschlecht der Timuriden. Die Schätze Indiens, von
denen man als junger Mensch noch immer soviel hört, waren alle sein und
noch mehr: die niedergehaltene Wucht der indischen Seele, daß jeder von der
Glut seines Glaubens entflammt gegen die Sonne lodert, als ginge die
Menschen endlich einmal die Weltordnung überhaupt nichts mehr an -- am
Ganges oder sonst irgendwo, Gebetschnüre, Betel, Augenverdreher, die sich
Dolche durchs Hirn stoßen für irgendwelchen Zweck -- das alles war sein und
murmelte zu ihm hinauf. Natürlich war Jehan damit nicht so recht
einverstanden.

                   *       *       *       *       *

Denn als freier Mann aus der Steppe schämte er sich zu verachten. Höchstens
sich selbst. Und außerdem ist es eine andere Sache, einem Baschkiren einen
Fußtritt zu geben als etwa einem Säulenheiligen. Das fühlte Jehan sehr
wohl. Er wurde unruhig und schämte sich, daß er niemals späterhin die Qual
davon in seinem Tun mehr los wurde. Aber er wußte auch, daß so viel
triftiger Grund dazu gar nicht da war.

In dem jetzt verfallenen Delhi hielt Jehan seinen Hof, in einem Palast, von
einer Pracht, die zu beschreiben sich nicht mehr lohnt. In feinen Gewändern
liefen die Leute herum, riesige Burgen wurden gebaut und die so merkwürdig
aussehenden achteckigen breiten Türme, aus Gold und Elfenbein und Marmor,
dazwischen die mit Asche beworfenen Heiligen, hunderttausend Baumeister,
hunderttausend Heerführer und edle Perser. Unzählige von Lastträgern, alles
Inder und das sonstige winselnde Millionenpack. Was dabei Sonne, Mond und
Sterne an Wunder taten, die blauen Schlangen und gelbroten Schmetterlinge
und schneeweiße Bäume mit purpurnen Tupfen und langen grünen Schärpen --
kann man sich denken.

Schah Jehan unterhielt auch einen Harem mit vielen tausend Frauen. Darüber
mußte er immer weinen. Es nützte gar nichts, daß immer mehr Millionen an
seinen Burgen und Säulen bauten und arbeiteten, Tag und Nacht. Den Himmel
konnte er nicht einreißen und die Qual in seinem Herzen nicht mildern.

                   *       *       *       *       *

Jehans Vorfahren wurden noch zur Liebe gerufen. Da stellte einer den Speer
vor die Hütte zum Zeichen, daß er drinnen bei der Frau war. Die Frauen
trugen die Liebe. Und Jehan wußte nicht, hatte Mahal ihn gerufen, trägt sie
ihn. Vielleicht in den Tagen, da er als Eroberer über das Land zog. Sie
sieht seine Arbeit nicht an, fühlt er, lächelt über die Edelsteine, die er
ihr zu Füßen legt. Küßt ihn, daß es wild schmerzt. Nicht so, schreit er.
Die Haremsfrauen, die er tagsüber besucht. Dämmernd, daß er allein ist.
Jehan schreit zu Mahal. Das Lächeln frißt sich ein. Er läßt die Edlen
schlagen, die ihr Blick streift. Er baut, plündert, mordet. Mahal lächelt
und dehnt sich. Sie kniet demütig, wenn er an ihr Lager tritt, leuchtet bei
seinen Festen, daß ihn eine unerträgliche Scham zerreißt: Starr ruht sie an
seiner Seite, in Blicken unergründlich, ferner Schimmer -- weit -- jenseits
über ihn weg. Sie wird schweben, ahnt er, ein schillernder Hauch über das
Land, das ihrer Familie eigen. Ich bin der noch nicht fremd, keucht er.

Jehan wird schwach und stark zu sich selbst. Schwer lastet eine tückische
Angst, Glut schlingt. Er kann die schneeigen Felsenberge nicht ebnen. Er
windet sich am Boden, jammert zu einem ihm fürchterlich fremden Gott. Aber
Mahal blüht in Schönheit und Liebe. Blüht, reift, überschüttet die kläglich
kleine Welt. Reißt es ihn auch empor -- er glaubt nicht. Schwankend in
stechend scharfen Träumen, daß er Mahal schlägt. Für die Gewißheit ihrer
Liebe. Ruhen im Gleiten der Welt zueinander, in Mahal. Jehan erwürgt einen
Heiligen. Kein Laut. Hört nicht fremden Ruf, neues Frohlocken. Blind,
verzweifelt. Tobt.

Schatten steigen auf, züngeln.

Noch deucht ihm eine leise Stimme näher.

Dann sieht er Hogal aus seinem Geschlecht neben sich stehen. Die Schwester
spricht zu ihm, die Schwester führt ihn, die Schwester kniet neben Mahal,
die Schwester umarmt ihn. Die Schwester liebt. Jehan erkennt erschauernd,
daß Mahal liebt.

Es reißt sich aus ihm los, quillt, will zertrümmern.

Dann schlägt er sich vor die Stirn und stürzt.

                   *       *       *       *       *

Wie die Verzweiflung, drückt jetzt den König das Glück nieder.

Während Jehan draußen in jäher Machtentfaltung über das Land wächst,
niedergedrückt von der Wucht seines Glücks in das Gemach der beiden Frauen
tritt, taumelnd in der Erlösung: ich bin nicht der Herr der Welt, in der
Liebe ruht -- gebiert sich jeder neue Tag. Frohlockend gegen Gott, und die
Heiligen glauben ihm.

Jehan sitzt auf den Stufen seines Palastes und singt. Das Volk singt, die
Krieger, Bauleute. Die elfenbeinerne Pracht der Mahalssäule steigt empor
über alle Wunder der Welt. Die Perser dringen ins Land und ziehen vor
Jehans Stadt. Jehan weiß, daß sie sein Schwert in alle Winde stieben lassen
wird. Ich bin nur einer, fühlt der König -- das Volk singt. Ich bin das
Volk nicht mehr, und -- dazu ist es schon zu spät, ahnt er. Er singt,
getragen von dem Glück der Welterlösung.

Es ist zu spät -- Jehan, heißt es; wo sind deine Brüder? Jehan weiß keinen
Bruder, es schmerzt.

Eine neue Angst breitet sich, aber Jehan lächelt: Ich glaube dennoch, wird
es mich auch treffen, der eine wird zu Ende gehetzt.

Die Qual seines Stammes rast. Die Edlen empören sich. Des Königs
körperliche Hülle zittert. Eine Schlacht wird geschlagen. Ein Sohn Jehans
erkämpft den Sieg. Jehangir entthront den Vater. Stecht ihm die Augen aus,
ich will der Welt meine neuen Wunder bringen, ruft er.

Der blinde Jehan modert im Kerker mehr als dreißig Jahre. Ein Heiliger
dient ihm, des Königs Haupt deckt Asche. Jehan singt aus dem Kerker gegen
die Welt sein spätes Glück. Es wuchtet auf der Arbeit der Lastträger. Glüht
über aller Pracht und dehnt sich im Strom des heiligen Flusses.

Bis Jehangir eine neue Stadt viele tausend Meilen weiter ins Innere baut.
Denn Jehangir, geliebt in der Vereinigung der Frauen, lockt das Verhängnis,
auch wenn Jehan im Traum zu ihm spricht.

                   *       *       *       *       *

Ob wohl die beiden noch zusammenkommen?

Unter der Weltenlast der Verantwortung zur Macht, sich zu entfalten und
sich zu schenken -- daß die Liebe über das Glück sich breitet. In
Traumbildern, Maschinen und Unsterblichkeit -- statt endlich herzugehen im
Schatten aller Frauen, daß jedwedes Leben sich befreit! Daß das Glück aus
dem Wesen der Frau Gemeinschaft wird!

Wennschon einer schreit und im Alltag herumlungert, statt in der Liebe zu
verrecken.





*** End of this LibraryBlog Digital Book "Gnadenreiche, unsere Königin" ***

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