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Title: Fauna der Nassauischen Mollusken
Author: Kobelt, Wilhelm
Language: German
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                                 FAUNA
                                  DER
                        NASSAUISCHEN MOLLUSKEN

                                  VON

                          DR. WILHELM KOBELT,

                      ARZT IN SCHWANHEIM AM MAIN.

                    Mit IX lithographirten Tafeln.

     Aus den Jahrbüchern des Nassauischen Vereins für Naturkunde,
                          Jahrg. XXV u. XXVI.

                              Wiesbaden.

                           ~Julius Niedner~,

                           Verlagshandlung.

                                 1871.



Vorrede.


Die Weichthierfauna unseres Vereinsgebietes, obwohl literarisch
besser bedacht, als die vieler anderer deutschen Bezirke, ist noch
weit davon entfernt, ganz erforscht zu sein; vielmehr ist der grösste
Theil von Nassau in malacologischer Beziehung noch eine vollständige
terra incognita. Es muss dies Wunder nehmen, wenn man bedenkt, dass
in keinem Zweige der Naturgeschichte die Ausbeutung einer bestimmten
Gegend so verhältnissmässig rasch und leicht möglich ist, wie in
der Conchyliologie, während dieselbe doch andererseits auch nach
Jahre langem Studium immer Neues und Interessantes bietet und nie
zum vollständigen Abschluss kommen lässt, also für den Dilettanten,
der sich wissenschaftlich beschäftigen will, ganz besonders geeignet
ist. Der Hauptgrund für die Vernachlässigung dieses Zweigs der
Naturgeschichte scheint mir in dem Mangel billiger und dabei doch
ausreichender literarischer Hilfsmittel zu liegen. Während es genug
gute Bücher über die deutschen Pflanzen, Käfer und Schmetterlinge gibt,
fehlt es noch ganz an einer Molluskenfauna von Mitteldeutschland mit
guten Abbildungen und Berücksichtigung der anatomischen Verhältnisse;
wer die Conchylien seiner nächsten Umgebung studiren will, ist auf
dieselben kostspieligen Hilfsmittel angewiesen, wie der, welcher die
Mollusken von ganz Europa und selbst des Auslandes zu seinem Studium
macht.

Diese Erwägung veranlasste mich, nicht, wie es ursprünglich mein
Plan war, nur die über verschiedene Gegenden unseres Vereinsgebietes
veröffentlichten Arbeiten, durch meine eigenen mehrjährigen
Beobachtungen und die Fundortsangaben zuverlässiger Freunde vermehrt zu
einem Verzeichniss der Conchylien des gesammten Nassau zu verschmelzen,
sondern auch durch Beigabe ausführlicher Beschreibungen und eine
möglichst vollständige Zusammenstellung alles dessen, was über inneren
Bau, Entwicklung und Lebensweise bekannt ist, eine Grundlage zu bieten,
von der aus der Anfänger die Fauna seiner Gegend studiren und sich die
Fähigkeit zu eigenen Beobachtungen und Untersuchungen erwerben kann.

Der Vorstand des nassauischen Vereins für Naturkunde billigte meinen
Plan und machte es mir möglich, auf neun Tafeln Abbildungen unserer
sämmtlichen Schnecken, mit Ausnahme der Nacktschnecken, zu geben.

Für die Form des Werkes im Grossen und Ganzen diente mir die zweite
Auflage der Fauna von Siebenbürgen von E. A. ~Bielz~ zum Vorbild; doch
glaubte ich die lateinischen Diagnosen, deren Inhalt ja doch in den
deutschen Beschreibungen wiederholt wird, füglich weglassen zu können
und habe lieber den anatomischen Verhältnissen und der Lebensweise
mehr Raum gegönnt. Die Beschreibungen sind in der Regel fast wörtlich
die ~Rossmässlers~; es kann eben nur eine richtige Beschreibung geben,
und da es unmöglich ist, bessere als die ~Rossmässler~’schen zu
geben, so hätte der Versuch dazu nur zu einer Verschlechterung oder
im günstigsten Falle zu einer mühsamen Umschreibung führen können.
Auch eine Anzahl Abbildungen sind aus der Iconographie oder aus den
Clausiliengruppen von ~Schmidt~ copirt; doch sind dies nur Arten, die
überall gleich sind und deren Abbildungen ganz unseren nassauischen
Formen entsprechen, oder solche, deren Ausführung meine technische
Fertigkeit überstieg, wie bei den Clausilien und Pupen. Die sämmtlichen
Wassermollusken mit Ausnahme einiger Planorben und der nach ~Baudon~
copirten Pisidien, sowie der grössere Theil der Heliceen, sind
Originalabbildungen, theils von meiner Frau, theils von mir gezeichnet.
Die Abbildungen der Vitrinen verdanke ich meinem Freunde Dr. Carl
~Koch~.

Ich verkenne nicht, dass meine Arbeit nur mit Unrecht eine Fauna von
~Nassau~ genannt werden kann, während sie doch nur einzelne Theile
desselben umfasst; ich hoffe aber, dass sie den Anstoss zu einer
regeren Beschäftigung mit unseren Mollusken gibt, und dass es dadurch
in nicht zu ferner Zeit möglich sein wird, an eine wirklich umfassende
und erschöpfende Fauna von Nassau zu gehen. Ich bitte desshalb
diejenigen Mitglieder unseres Vereins, welche Lust haben, sich mit
der Fauna ihrer Umgegend zu beschäftigen, dringend, sich mit mir in
Verbindung zu setzen; ich bin gern bereit, ihnen durch Mittheilung
von Exemplaren unserer nassauischen Arten und durch Bestimmung der
gefundenen Arten das Studium zu erleichtern.

Es liegt mir noch die angenehme Pflicht ob, den zahlreichen Freunden,
welche mich bei meiner Arbeit unterstützt haben, meinen herzlichsten
Dank abzustatten, besonders den Herrn Professor ~Kirschbaum~, Hofrath
~Lehr~ und Conservator ~Römer~ in Wiesbaden, D. F. ~Heynemann~, Dr.
Carl ~Koch~, ~Dickin~ und Dr. ~Noll~ in Frankfurt, ~Trapp~ auf der
Obermühle bei Giessen und ~Ickrath~ in Schwanheim, die mir ihre
Beobachtungen freundlichst zur Veröffentlichung mittheilten, und den
Herrn Professor ~Dunker~ in Marburg, Professor ~Sandberger~ in Würzburg
und Ed. ~von Martens~ in Berlin, welche mich in anderer Weise mit
Rath und That unterstützten. Herrn Dr. Carl ~Koch~ bin ich noch ganz
besonders verbunden für die Freundlichkeit, mit welcher er mir die auf
Nassau bezüglichen Theile seiner noch ungedruckten Arbeit über die
Vitrinen, nebst den dazu gehörigen Originalabbildungen überliess.

  ~Schwanheim~ a/Main, 12. Juni 1870.

                                              $Dr. W. Kobelt.$



ALLGEMEINER THEIL.



Erstes Capitel.

Umgränzung, Literatur und Vorarbeiten.


Wenn wir die vorliegende Arbeit eine Fauna von Nassau nennen, wollen
wir damit durchaus nicht sagen, dass wir gesonnen sind, uns ängstlich
innerhalb der Gränzen des ehemaligen Herzogthums Nassau zu halten; auch
die etwas weiteren des Regierungsbezirks Wiesbaden respectiren wir
nicht überall, obschon sie sich besser den natürlichen Verhältnissen
anpassen; wir nehmen vor allem das linke Rheinufer mit der reichen
Fauna der Sümpfe und Haiden von Mombach, das Lahnthal von Marburg bis
Wetzlar und den oberen Theil der Mainebene bis nach Hanau hinauf hinzu,
und wo sichere Fundorte seltener Arten aus nicht zu weiter Entfernung
bekannt sind, stehen wir nicht an, auch diese anzuführen.

Unser Gebiet enthält somit ein ziemliches Stück Rheingebiet, das
Rheinthal mit seinen kleinen Seitenthälchen zwischen Mainz und Coblenz,
das untere Mainthal nebst der Wetterau, dem Gebiete der Nidda, und ganz
besonders das Thal der Lahn bis zu ihrer Quelle hinauf. Der Taunus,
der Westerwald, die letzten Ausläufer des rheinisch-westphälischen
Schiefergebirges und der südliche Theil des Vogelsberges machen
seinen grössten Theil zu einem reich abwechselnden Hügellande, in dem
alle Arten von Boden vertreten sind. Dem entsprechend ist auch die
Weichthierfauna eine sehr reiche, und nur wenige der bis jetzt in
Mitteldeutschland aufgefundenen Arten werden bei uns vermisst. Ueber
ihre Vertheilung im Verhältniss zur Bodenbeschaffenheit reden wir
ausführlich später.

Der erste Naturforscher, welcher die einheimischen Conchylien des
Herzogthums Nassau einer genaueren Beachtung würdigte, war der
auch sonst in vielfacher Beziehung um die Erforschung von Nassau
hochverdiente Dr. C. ~Thomae~; im Jahre 1841 veröffentlichte er mit
einem Doublettencatalog des Landesmuseums ein Verzeichniss der in der
Umgegend von Wiesbaden gefundenen Binnenconchylien, und 1849 liess er
im vierten Bande der Jahrbücher des nassauischen Vereins für Naturkunde
S. 206-226 ein ausführliches „~Verzeichniss der im Herzogthum Nassau,
insbesondere in der Umgegend von Wiesbaden lebenden Weichthiere~“
erscheinen, welches besonders die Gegenden des Rheinthals, des unteren
Lahnthals und den Südabhang des Taunus umfasst und sehr zahlreiche,
meist sehr genaue Fundortsangaben enthält. Es werden darin 64 Land-, 30
Süsswasserschnecken und 16 Muscheln angeführt.

Zwei Jahre später veröffentlichten die Herren Fridolin ~Sandberger~
in Weilburg und Carl ~Koch~ in Dillenburg in dem siebenten Band der
Jahrbücher S. 276-282 „Beiträge zur Kenntniss der Mollusken des oberen
Lahn- und Dillgebietes“. Es berücksichtigt diese Arbeit besonders
die Umgebungen von Weilburg und von Dillenburg und enthält 55 Arten
Landschnecken, 17 Süsswasserschnecken und 9 Muscheln; 8 davon sind
bei Thomae nicht angeführt. In unmittelbarem Anschluss daran folgt
dann noch ein Nachtrag zu dem Thomae’schen Verzeichniss von Dr. Frid.
~Sandberger~, meist auf die genauen Nachsuchungen des Conservators
~Römer~ gegründet und einige Berichtigungen, zahlreiche neue Fundorte
und acht für Nassau neue Arten enthaltend. Einen ferneren Nachtrag
lieferte derselbe für die Jahre 1851-52 im achten Heft der nassauischen
Jahrbücher, Abth. II. pag. 163, ebenfalls wieder neue Fundorte und 12
für Nassau neue Arten enthaltend, von denen freilich die meisten auf
Najadeen entfallen und wohl wieder zu streichen sind.

Die Angaben dieser beiden Verzeichnisse, mit einigen neuen Fundorten
vermehrt und revidirt von dem Herrn Apotheker ~Scholtz~ aus Jatroschin
in Russland, finden wir wieder in der 1861 in Wetzlar erschienenen
Badeschrift von Dr. L. ~Spengler~: „Der Kurgast in Ems“; es werden
daselbst im Ganzen 45 Arten aus der Umgegend von Ems erwähnt und einige
davon durch Holzschnitte, die freilich sehr viel zu wünschen übrig
lassen, veranschaulicht.

Endlich ist noch eine neueste Arbeit von Dr. G. ~Servain~ zu
nennen: _Malacologie des Environs d’Ems et de la vallée de la Lahn_,
eine Aufzählung der von ihm im August 1869 in der Umgebung von Ems
gesammelten Conchylien. Ausser den von ~Spengler~ angeführten Arten
finden wir noch vier ~Bourguignat~’sche Arten oder besser Un-Arten:
_Limax xanthius_, _Zonites subnitens_, _Dutaillyanus_, _Balia Rayana_
und _Ancylus gibbosus_, sowie _Anodonta Rossmässleriana Dupuy_. Der
Autor möge uns verzeihen, wenn wir diese, nur einem Franzosen _de la
nouvelle école_ unterscheidbaren Species vorläufig auf sich beruhen
lassen.

Getrennt von der Literatur über die nassauische Fauna war bisher die
über die Gegend von Frankfurt und Hanau. Hier begegnen wir schon
früher conchyliologischen Forschungen. Schon 1814 veröffentlichte der
um die Erforschung der Wetterau hochverdiente G. ~Gärtner~ in Hanau
einen „~Versuch einer systematischen Beschreibung der in der Wetterau
bis jetzt entdeckten Conchylien~“ in den Annalen der Wetterauischen
Gesellschaft III. Heft 2. pag. 281-318; es enthält diese Arbeit bereits
60 Species.

Eine Aufzählung der im Gebiete von Frankfurt vorkommenden Mollusken
veröffentlichte 1827 Herr ~Römer-Büchner~ in seinem „~Verzeichniss der
Steine und Thiere, welche in dem Gebiet der freien Stadt Frankfurt
und deren nächsten Umgebung gefunden werden~“, S. 63-67. Es enthält
dasselbe 39 Land- und 38 Süsswassermollusken, ist aber sehr flüchtig
und ungenau und ohne alle Kritik geschrieben, so dass seine Angaben nur
mit Vorsicht aufzunehmen sind.

Zuverlässiger und reichhaltiger ist die im Jahresbericht der
Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde 1847-50 auf
Seite 41-73 enthaltene Arbeit von ~Oscar Speyer~ „~Systematisches
Verzeichniss der in der Provinz Hanau und nächster Umgebung
vorkommenden Land- und Süsswasserconchylien~“. Die Frankfurter Angaben
beruhen darin grossentheils auf den Beobachtungen des verstorbenen
Schöffen C. ~von Heyden~. Daran schliessen sich als Anhang neue
Fundortsangaben aus der Wetterau, der Umgebung von Gelnhausen etc. von
D. F. ~Heynemann~.

Seit dem Anfange dieses Decenniums herrscht ein regeres Leben in der
naturwissenschaftlichen Ausbeutung der Umgegend von Frankfurt, an dem
die Malacologie nicht wenig Antheil nimmt. Insbesondere sind es die
Arbeiten von D. F. ~Heynemann~ über die Nacktschnecken, veröffentlicht
in verschiedenen Jahrgängen der Malacozoologischen Blätter, durch
welche zuerst die unbeschalten Weichthiere Nassaus, die bis dahin nur
ganz oberflächlich behandelt worden waren, einer genaueren Untersuchung
unterzogen wurden, welche unsere Fauna nicht unerheblich bereicherte.

Fernere Mittheilungen über die Mollusken des unteren Maingebietes
finden wir in der Inauguraldissertation von Dr. C. ~Noll~, „~Der Main
in seinem unteren Laufe~“, Frankfurt 1866. Es werden darin besonders
die im Main und an seinen Ufern lebenden Arten besprochen, sowie die
im Geniste angeschwemmt vorkommenden, zusammen 24 Arten Land- und 22
Süsswassermollusken.

Die neueste hierher gehörende Arbeit ist der von D. F. ~Heynemann~
in dem neunten Jahresberichte des Offenbacher Vereins für Naturkunde
veröffentlichte Vortrag „~Die Molluskenfauna Frankfurts~“, weniger eine
Aufzählung der einzelnen Arten und ihrer Fundorte, als eine Schilderung
des Gesammtbildes der Fauna mit zahlreichen interessanten Beobachtungen
und Bemerkungen. Im Ganzen werden 110 Arten aufgeführt, nämlich 69
Landschnecken, 26 Süsswasserschnecken und 15 Muscheln.

Zerstreute Fundortsangaben finden sich ausserdem noch an verschiedenen
Stellen, bei ~Schröter~, Carl ~Pfeiffer~, ~Rossmässler~, in den
~Malacozoologischen Blättern~, im ~Zoologischen Garten~ etc. Eine
Zusammenstellung derselben durch Ed. ~von Marten~s findet sich im
ersten Jahrgang des Nachrichtsblattes der deutschen malacozoologischen
Gesellschaft Nro. 8 und 9, und ein Nachtrag dazu von ~Heynemann~ in
Nro. 13.

Die übrigen Punkte unseres Gebietes sind in der Literatur noch gar
nicht vertreten und noch sehr mangelhaft untersucht; es gilt diess
besonders auch von den Umgebungen der Universitäten Giessen und
Marburg. Auch das Gränzgebiet nach Süden hin, die in der Provinz
Starkenburg gelegenen Theile der Rheinebene und der Odenwald, sind noch
kaum untersucht. Nur über die nächste Umgebung von Darmstadt finden
wir in Nro. 3 des Nachrichtsblattes von 1870 eine Aufzählung der dort
gesammelten Arten von ~Hugo Ickrath~.

Ausser den genannten Conchyliologen haben noch die Herren Hofrath
~Lehr~ und Conservator ~Römer~ in Wiesbaden, ~Dickin~ in Frankfurt
und ~Trapp~ in Biedenkopf, jetzt auf der Obermühle am Dünsberg, die
Faunen einzelner Gebiete von Nassau gesammelt und mir mündlich
oder schriftlich zur Benutzung gütigst mitgetheilt. Auch den Herren
Professor ~Dunker~ in Marburg und ~Leuckart~ in Giessen, jetzt in
Leipzig, bin ich für manche Beobachtung verpflichtet.



Zweites Capitel.

Stellung der Weichthiere im Thierreich, allgemeiner Bau, Eintheilung.


Die Weichthiere, _~Mollusca~_ oder _~Malacozoa~_, bilden eine der
grossen Unterabtheilungen im Reiche der Thiere ohne inneres Scelett,
eine Stellung, die ihnen schon ~Aristoteles~ anwies. Freilich galt im
Mittelalter mehr das System des ~Plinius~, der alles, was im Wasser
lebt, Fische, Muscheln, Krebse etc., als Wasserthiere, _Aquatilia_,
zusammenfasste und demgemäss wurden die Landschnecken entweder bei den
Würmern oder mit diesen als Anhang bei den Insecten abgehandelt. Nur
~Gesner~ unterscheidet die _Pisces_ und die _Aquatilia_ und handelt
auch die Landnacktschnecken bei den Wasserthieren ab. -- Schon ~Wotten~
1552, ~Aldrovandi~ 1605, ~Jonston~ 1632 und ~Ray~ 1693 kehren aber
darin zu ~Aristoteles~ zurück, dass sie die Thiere in blutführende
und blutleere, unseren Wirbelthieren und Wirbellosen entsprechend,
eintheilen und die Mollusca als eigene Abtheilung behandeln.

~Linné~ rechnete sie zu seiner sechsten, so viel Ungleichartiges
umfassenden Classe, den Würmern. Durch ~Cuvier~ erhielten sie endlich
die ihnen gebührende Stellung als gleichberechtigte Abtheilung neben
den Gliederthieren und Strahlthieren, und in dieser Stellung sind sie
seitdem auch geblieben.

Im Allgemeinen finden wir bei allen Mollusken, mögen sie nun einen vom
übrigen Körper abgesetzten Kopf mit Sinnesorganen besitzen oder nicht,
ein mehr oder minder vollständig entwickeltes ~Gefässsystem~, das aus
Schlag- und Blutadern besteht, zwischen denen aber fast immer Lücken
in Gestalt wandungsloser Räume, Lacunen, sich finden, und das ein
Herz -- bei einer Abtheilung auch mehrere -- zur Bewegung des Blutes
besitzt; -- ein ~Nervensystem~ aus einzelnen Nervenknoten bestehend,
die durch Fäden verbunden, aber nirgends zu einem Rückenstrang
zusammengereiht sind; -- ~Athmungsorgane~, je nach der Lebensweise
für Luft- oder Wasserathmung eingerichtet; -- stark entwickelte
~Verdauungsorgane~, die bei allen Kopfträgern mehr oder minder
entwickelte Fresswerkzeuge, bei allen Mund, Magen, Darmcanal und After
zeigen; -- einen sehr complicirt gebauten ~Fortpflanzungsapparat~, der
meistens beide Geschlechter in einem Individuum vereinigt, doch so,
dass zur Befruchtung Begattung mit anderen Individuen nöthig ist; --
mehr oder minder entwickelte ~Sinnesorgane~, die sich allerdings bei
unseren Kopflosen auf Tastapparate und Gehörorgane reduciren, während
bei den Kopfträgern noch Augen und sehr wahrscheinlich auch Organe für
Geruch und Geschmack hinzukommen; -- und endlich ~Fortbewegungsorgane~,
welche, meist in der Mittellinie, selten paarig seitlich angebracht,
nur einigen der niedersten, nur im Meere lebenden Formen, und auch
diesen nur in ihren späteren Entwicklungsstadien, fehlen, aber bei
vielen Muscheln stark verkümmert sind.

Die Körperbedeckung besteht bei allen Weichthieren aus einer musculösen
Haut, welche den ganzen Körper einschliesst; sie zeigt meistens eine
faltenförmige Verlängerung, welche einen grösseren oder kleineren
Theil des Körpers mantelartig einschliesst und desshalb auch ~Mantel~
(_Pallium_) genannt wird. In dem Raum zwischen Mantel und Körper liegen
bei vielen Mollusken die Athmungsorgane. Bei fast allen Arten sondert
der Mantel, zuweilen in seiner Substanz, noch häufiger auf der äusseren
Fläche, einen kalkhaltigen Schleim ab, aus dem sich das Gehäuse bildet.
Dieses ~Gehäuse~ (_Cochlea_ oder _Concha_) besteht aus kohlensaurem
Kalk in Form von Arragonit oder Kalkspath, mit einer, freilich geringen
Beimengung einer organischen Substanz, Muschelleim oder Conchiolin,
die bei den Schnecken 1%, bei den Muscheln etwa 2-4% der Masse
ausmacht. Bei den sogenannten nackten Schnecken liegt das Gehäuse, oder
wenigstens ein aus Kalkkörnern gebildetes Rudiment desselben innerhalb
des Mantels, bei den Gehäuseschnecken dagegen wird es, wenigstens
sobald sie das Ei verlassen haben, frei getragen; einige Arten umhüllen
es aber auch später noch mit einem Fortsatz des Mantels. Die äussere
Schale ist dann mit einer organischen ~Oberhaut~ (~_Epidermis_~)
überzogen, welche vor Ablagerung der Schale gebildet wird und diese vor
dem Einfluss von Luft und Wasser schützt.

Da man im Anfang nur die Gehäuse, als den am meisten in die Augen
fallenden und am leichtesten aufzubewahrenden Theil der Weichthiere,
beachtete, ist es natürlich, dass auch die ersten Eintheilungsversuche
nur die Gehäuse berücksichtigten. Bis auf ~Cuvier~ galt im Allgemeinen
die alte Eintheilung des ~Aristoteles~ in einschalige und zweischalige,
oder Schnecken und Muscheln, denen man meist noch die unnatürliche
dritte Categorie der vielschaligen beifügte, welche ~Aristoteles~
nicht hat und bessere Systematiker schon frühe verwarfen. ~Poli~ und
~Cuvier~ dagegen gründeten auf die Thiere und besonders auf deren
Fortbewegungsorgane die noch jetzt geltende Eintheilung. Andere fügten
noch fernere Untergattungen hinzu, und jetzt nimmt man ziemlich
allgemein sechs, mitunter auch sieben Gruppen an, die ~Cephalopoden~,
~Pteropoden~, ~Heteropoden~, ~Gastropoden~, ~Pelecypoden~ und
~Brachiopoden~, zu denen dann noch in neuester Zeit als siebente
Unterabtheilung die Meerzähne als _~Solenoconchae~_ kommen. Von
diesen Gruppen leben die drei ersten, die sechste und die siebente
nur im Meer, und es kommen für uns also nur zwei in Betracht, die
~Bauchfüsser~, ~Gastropoden~, mit einschaligem Gehäuse oder nackt, und
die ~Beilfüsser~, ~Pelecypoden~, auch Blattkiemer, _Lamellibranchiata_
(~Cuvier~), oder Muschelthiere, _Conchifera_ (~Lamarck~) genannt, mit
zweischaligem Gehäuse. Erstere nennen wir Schnecken, letztere Muscheln.

Der Bau dieser beiden Gruppen ist so durchaus verschieden, dass wir
jede für sich allein betrachten müssen. Der Hauptunterschied der Thiere
besteht darin, dass die Schnecken einen mehr oder weniger deutlich
abgesetzten Kopf mit Sinnesorganen und einen Fuss mit breiter, zum
Kriechen eingerichteter Sohle haben, während den Muscheln der Kopf
als formell gesonderter Abschnitt ganz fehlt und ihr Fuss beilförmig
zusammengedrückt oder cylindrisch oder ganz verkümmert ist.



Drittes Capitel.

Sammeln, Reinigen, Aufbewahren und Ordnen.


~Wo finden wir Mollusken?~

Die Mollusken des süssen Wassers sind so ziemlich überall verbreitet;
es dürfte kaum ein Bach zu finden sein, in dem nicht Schnecken oder
Muscheln vorkämen, selbst in warmen Quellen finden sich hier und
da Schnecken, z. B. _Bithynia thermalis_ in den Bädern von Lucca,
_Hydrobia aponensis_ in den Quellen von Abano. Im Allgemeinen sind
schnellfliessende, kalte Gebirgsbäche mit steinigem Grund viel ärmer,
als langsam fliessende oder gar die reich mit Pflanzen bewachsenen
stehenden Gewässer der Ebene. Während jene nur einige Unionen und
2-3 Limnäen und Ancylus enthalten, liefern uns die Gewässer der
norddeutschen Ebene 78 Arten; manche Gattungen, z. B. _Physa_ und
_Paludina_, und die grossen Planorben, scheinen sich, wenigstens in
unserem Gebiete, nie in’s Gebirge zu versteigen, während _Hydrobia_ nur
dem gebirgigen Theile desselben angehört.

Die ergiebigsten Fundorte für Süsswasserconchylien sind stehende
Gewässer mit schlammigem, aber nicht moorigem Grund, Gräben,
Flussbuchten, verwachsene Teiche und ganz besonders die durch
Stromregulirungen abgeschnittenen Altwasser, die oft förmlich von
_Limnaea_, _Planorbis_, _Physa_, _Valvata_, _Bithynia_, _Paludina_,
_Cyclas_, _Pisidium_, _Anodonta_, _Unio_ wimmeln. Auch in Tümpeln, die
von allen anderen isolirt ohne äusseren Ab- und Zufluss mitten im Felde
liegen, findet man nicht selten Schnecken; wie sie dorthin gekommen,
ist mitunter schwer begreiflich. Früher nahm man zur Entstehung
durch Urzeugung seine Zuflucht, aber in neuerer Zeit, wo man lieber
beobachtet als philosophirt, hat man gelernt, es auf andere Weise zu
erklären. ~Heynemann~ hat an einer aus Mexico stammenden Wasserwanze
ein Pisidium fest anhängend gefunden; hier ist also die Möglichkeit
einer Uebertragung auf weite Strecken hin durch Insecten direct
nachgewiesen. In ähnlicher Weise kann es jedenfalls auch durch Vögel
geschehen, besonders durch die oft stundenlang unbeweglich im Wasser
stehenden Reiher. Endlich ist es mir durchaus nicht unwahrscheinlich,
dass kleine Muscheln und selbst gedeckelte Wasserschnecken mitunter,
wenn lebendig verschluckt, den Darmcanal unverdaut passiren und so
verpflanzt werden können.

In solchen Gewässern sucht man am besten, wenn der Sonnenschein die
seichten Uferstrecken recht durchwärmt hat; es sammeln sich dann die
Weichthiere oft in grossen Mengen an der Sonnenseite, um die Wärme zu
geniessen. Ausserdem sucht man die Wasserpflanzen ab und fischt den
Schlamm des Bodens mit einem feinmaschigen, an einen Stock geschraubten
Netz aus. Kleine Arten erhält man mitunter in grosser Menge durch die
Larven der Köcherfliegen, Phryganeen, die, im Wasser lebend, sich aus
Steinen, Holzstückchen u. dergl., an schneckenreichen Localitäten aber
auch aus den Gehäusen kleiner Planorben, Limnäen, Valvaten, Pisidien
und _Ancylus lacustris_ Röhren bauen, was dem Sammler natürlich viele
Mühe spart. Mitunter findet man sogar noch lebende Schnecken an den
Röhren. Wo man keine Schnecken an den Phryganeengehäusen findet,
braucht man auf Ausbeute an kleineren Schnecken nicht zu hoffen.

Muscheln sucht man am besten im seichten Wasser mit der Hand vom Ufer
oder von einem Kahn aus. Als Anhalt dienen dabei die Furchen, welche
sie im Schlamm des Bodens ziehen: am einen Ende derselben steckt die
Muschel. Will man in tieferem, undurchsichtigem Wasser fischen, so thut
man gut, den Boden erst tüchtig mit einem Rechen aufzulockern, ehe
man mit dem Netz sucht, da die Muscheln sonst zu fest stecken. Reiche
Ausbeute macht man, wenn ein Teich oder ein Mühlgraben abgelassen wird;
es sind das Festtage für den Schneckensammler wie für den Käfersammler,
der dabei seine Ernte an Wasserkäfern hält.

Die Mainmuscheln kann man sehr bequem erhalten, da die Thiere an
vielen Orten zum Mästen der Schweine verwandt werden. Besonders in der
Umgegend von Schwanheim findet man ganze Haufen frischer, vollkommen
sauber ausgeleerter und unversehrter Schalen, und kann sich in aller
Bequemlichkeit die interessantesten Formen herauslesen.

Auch am Rande der Gewässer ist eine reiche Ausbeute zu machen. Auf dem
Boden und an Wasserpflanzen kriechen die Bernsteinschnecken umher,
unter Steinen, Holz u. dergl. finden sich viele Hyalinen, kleine
Helices, Pupen und Carychien; auch eine Nacktschnecke, der kleine
_Limax brunneus_, entfernt sich nicht weit vom Wasser. Man kann
sich, wie an allen schneckenreichen Localitäten, das Sammeln sehr
erleichtern, wenn man an passenden Stellen alte halbfaule Holzstücke,
Steine u. dergl. auslegt; bei trockenem Wetter sammeln sich die
Schnecken der ganzen Umgegend darunter und können dann einfach in
die Schachtel gekehrt werden. Auch Rohrhalme und selbst Glasröhrchen
kann man mit Erfolg auslegen. Nach ~Dumont~ und ~Mortillet~ kann man
namentlich den _Limax_ durch Auslegen von Knochen, deren Gelatine ihn
anzieht, leicht bekommen.

Viele kleine Arten, die man sonst nur mit Mühe einzeln erhält, kann
man bequem und in Menge, aber freilich immer nur leer finden, wenn
man im Frühjahr unmittelbar nach der ersten Fluth das von den Bächen
und Flüssen angeschwemmte Geniste durchsucht. Man nimmt sich eine
grössere Quantität mit nach Hause, wobei man berücksichtigen muss,
dass die grösste Anzahl der leeren, schwimmenden Gehäuse sich immer
auf der Oberfläche der Genisthaufen findet; dann sucht man zunächst
die grösseren Arten aus und entfernt gleichzeitig die grösseren
Holzstückchen, Rohrhalme u. dergl., den feineren Rest siebt man dann
durch und durchsucht das Durchgesiebte in kleinen Portionen auf weissem
Papier. Die kleinen _Vertigo_, _Pupa muscorum_, _Hel. costata_ und
ganz besonders _Cionella acicula_, die sonst nicht leicht zu bekommen
ist, erhält man dann in grosser Menge. Genaueres über die im Geniste
vorkommenden Schneckenarten folgt am Schlusse.

Beim Sammeln von Landschnecken müssen wir vor Allem bedenken, dass
alle Schnecken mehr oder weniger die Feuchtigkeit lieben. Nur wenige
Arten leben an trockenen Stellen und dann meist gesellig, z. B.
_Helix ericetorum_, _candidula_, _costulata_, _Bulimus detritus_ und
_tridens_, _Pupa frumentum_; aber auch diese sind bei Regen munterer
und sitzen bei trocknem Wetter wenigstens den Tag über unbeweglich.
Im Uebrigen ist es schwer, hier bestimmte Regeln aufzustellen; ich
muss für das Genauere auf den speciellen Theil verweisen. Immer ist
unter sonst gleichen Bedingungen Kalkboden reicher an Schnecken, als
kalkarmer, weil es den Thieren dort viel leichter ist, den zum Bau
ihrer Schalen nöthigen Kalk aufzunehmen.

Wo man in kalkarmen Gegenden auffallend viel Schnecken beisammen
findet, ist fast immer Kalk in der Nähe, sei es als unterirdisches
Kalklager, das den Quellen einen grösseren Kalkgehalt mittheilt, sei
es als Mörtel an alten Mauern und Ruinen. Besonders die Ruinen sind
immer reiche Fundgruben für Schnecken, die hier ausser dem Kalk in
den Trümmerhaufen auch sichere Verstecke und genügenden Schutz vor
Sommerhitze und Winterkälte finden. Sehr häufig findet man an solchen
Punkten Schnecken, die auf weit und breit in der Gegend nicht mehr
vorkommen, z. B. _Claus. lineolata_ und _Pupa doliolum_ auf den
Schlossruinen des Taunus, _Amalia marginata_ auf denen des rheinischen
Schiefergebirgs. Ja, man kann behaupten, dass fast ohne Ausnahme alle
isolirt vorkommenden, in der Fauna einer Gegend wie fremd dastehenden
Arten an solche Fundorte gebunden sind.[1]

Andere reiche Localitäten sind Hecken und bewachsene Raine. Unsere
grösseren Helixarten, _pomatia_, _hortensis_, _nemoralis_, _fruticum_
finden sich mit Vorliebe an solchen Stellen.

Der Hauptfundort für den Sammler bleibt immer der Laubwald, besonders
der Buchenwald, wenn er nicht zu trocken ist und genug Unterholz hat.
Auf den Randgebüschen und unter denselben, im feuchten Moos und auf
und unter der Bodendecke treiben sich eine Menge kleiner Arten herum,
und stundenlang kann man, an einer Stelle liegend, Laub und Moos
durchwühlen und immer neue Beute machen. Auch an den Stämmen sind Arten
von _Helix_, _Bulimus_, _Clausilia_ und _Limax_ mitunter in Menge
zu finden. Waldreiche Gegenden sind nie ganz arm an Schnecken, wenn
sie nicht rein aus Nadelholz bestehen, das, ausser vielleicht an den
Küsten des Mittelmeeres (_Hel. Homeyeri_) von den Schnecken fast ganz
gemieden wird. -- Feuchte quellige Stellen in Buchenwäldern, besonders
die Anfänge der Waldthälchen, sind fast immer sehr reich an Schnecken.
Man sucht hier zunächst die Unterseite der Steine und das Gras in deren
nächster Umgebung ab und nimmt dann von dem feuchten Laub am besten
eine tüchtige Portion mit nach Hause, um es dort zu trocknen und bequem
auszulesen. Auslegen von faulem Holz und Steinen rentirt auch hier sehr
gut. -- Ueberhaupt muss man es sich zum Gesetz machen, auf Excursionen
jeden halbwegs grossen Stein umzudrehen, da man unter ihnen meistens
die reichste Ausbeute macht.

~Seibert~ in Eberbach empfiehlt in Nro. 6 des Nachrichtsblattes für
1870 mit Recht, den Boden der halb ausgetrockneten Wiesengräben
zur Zeit der Heuernte zu untersuchen. Auch hier kann man das
Moos ausstechen und mit nach Hause nehmen, um es dort in aller
Bequemlichkeit zu durchsuchen.

Was nun die Tageszeit anbelangt, so sind bei trockenem Wetter die
Schnecken fast nur zu finden, so lange der Thau im Grase liegt, und
wenn man eine reiche Ernte von Nacktschnecken halten will, muss man
Abends nach Sonnenuntergang oder in den ersten Tagesstunden gehen.
Man findet dann oft Schnecken in Masse an Stellen, an denen man sonst
nie eine einzige gesehen hat. Bei feuchtem, regnerischem Wetter und
bedecktem Himmel bleiben die Schnecken auch bei Tag ausser ihrem
Versteck. Im Allgemeinen kann man mit ~Rossmässler~ annehmen, dass, je
trockner das Wetter, desto näher am Boden oder desto tiefer unter der
Bodendecke die Schnecken sich aufhalten.

Noch viel grösser ist natürlich der Einfluss der Jahreszeit. Man
findet freilich Schnecken zu allen Jahreszeiten, wenn nicht der Boden
ganz fest gefroren ist, und die Daudebardien, Vitrinen und _Cionella
acicula_ findet man sogar vorzugsweise im Herbst und im ersten
Frühjahr, selbst unter dem schmelzenden Schnee. Die meisten Schnecken
aber lieben die Wärme, und wenn man sie nicht in ihren Winterquartieren
aufsuchen will, muss man mit dem Sammeln warten bis nach dem ersten
tüchtigen warmen Frühlingsregen, der sie aus dem Winterschlafe weckt.
Die Wasserschnecken erscheinen nur, wenn das Wasser nicht zu kalt ist;
sonst verbergen sie sich, wie auch die Muscheln, im Schlamm. -- Im
Frühjahr findet man sehr häufig unausgewachsene Gehäuse, oder solche,
welche bei der Ueberwinterung gelitten haben, denn auch am lebenden
Thiere verwittern die Gehäuse, wie man sich besonders an den Campyläen
und Clausilien des Hochgebirgs, aber auch schon an unseren Schnecken
überzeugen kann. Ich erinnere mich z. B. kaum jemals im Frühjahr ein
glänzendes, unverwittertes Exemplar von _Clausilia laminata_ in der
Umgegend von Biedenkopf gefunden zu haben, während sie doch im Herbst
vollständig durchsichtig und rein waren, und auch an den überwinterten
_Helix nemoralis_ sah man meistens Spuren des Winters. Die beste Zeit
zum Sammeln ist desshalb im Nachsommer und im ersten Herbst; auch die
Wasserschnecken findet man dann meistens ausgewachsen.

Die zum Sammeln nöthigen Instrumente sind äusserst einfach. Ein paar
Schachteln von Holz oder Blech, ein paar Gläser mit weiter Oeffnung
oder starke Glasröhren genügen zur Aufbewahrung. Ich führe gewöhnlich
ein blechernes, zum Umhängen eingerichtetes Gefäss, in das oben im
Deckel eine 1″ weite, durch einen Kork verschliessbare und nach beiden
Seiten vorragende Blechröhre eingesetzt ist. Zweckmässig sind auch
eine Anzahl flacher Blechschachteln von gleicher Grösse, die man zu
einer Rolle zusammenpacken kann, so dass sie in der Umhängetasche nur
wenig Raum einnehmen. Complicirtere Apparate sind durchaus unnöthig.
Nur einige sehr zarte Arten, wie _Daudebardia_, _Vitrina_ und die
Nacktschnecken müssen vorsichtiger behandelt werden, wenn man sie
lebend nach Hause bringen will, besonders bei trockenem Wetter.
Man thut dann die kleinen Arten am besten in Glasröhren, die man
oben und unten gut verkorkt, die grösseren in eine gut schliessende
Blechschachtel mit etwas ~lebendem~ Moos, das aber nicht zu feucht
sein darf. Wasserschnecken bleiben in Gläsern ohne Wasser sehr lange
am Leben, während sie im Wasser rasch absterben; man nimmt sie also am
besten trocken mit. Nur bei den gedeckelten Kiemenathmern thut man gut,
eine Portion feuchter Wasserlinsen beizugeben.

Um die ganz kleinen Schnecken, die in Moder und Mulm leben und mit
den Fingern nicht gut erfasst werden können, zu sammeln, nimmt man am
zweckmässigsten ein weithalsiges Glas, dessen Kork mit einer Federspule
durchbohrt ist; mit dem freien Ende derselben kann man dann die
Schneckchen aufschöpfen und sie gleich in das Glas hinabrollen lassen.

Was man nicht lebend nach Hause bringen will, kann man gleich lebend
in ein Glas mit Spiritus werfen, das man um den Hals hängt, wie
Käfersammler zu thun pflegen.

Zum Suchen auf dem Lande gebraucht man zweckmässig einen kleinen,
starken Handrechen, den man des bequemen Unterbringens halber auch
zum Anschrauben einrichtet; es schont die Finger sehr, wenn man
damit, statt mit ihnen, die Bodendecke aufkratzt. Auch ein paar gute
Handschuhe sind an dicht mit Brennesseln bewachsenen Stellen von
entschiedenem Werthe.

Für die Wasserjagd braucht man ein starkes Netz aus einem
dichtmaschigen Zeug, das man an einen starken Stock anschrauben kann;
des Rostes wegen ist eine Vorrichtung zum Anstecken auch durchaus nicht
unpraktisch. E. A. ~Bielz~ empfiehlt statt des Netzes ein Drahtsieb mit
2″ hohem Rande aus starkem Leinen, mit dem es an dem Draht befestigt
ist; man kann es dann in trockenem Zustande wie einen Klapphut
zusammenlegen und in die Tasche stecken.

Derbe, möglichst wasserdichte Stiefeln und Kleider, auf deren
Reinerhaltung man nicht zu sehr zu sehen braucht, erklärt ~Rossmässler~
nicht mit Unrecht für Haupterfordernisse zu einer erfolgreichen
Excursion.

Hat man nun seine Ausbeute von einer Excursion glücklich nach Hause
gebracht, so beginnt die Hauptarbeit, das Reinigen der Gehäuse und das
Entfernen der Thiere aus denselben. Nur die mit den Thieren gesammelten
Gehäuse haben noch den vollständigen Glanz; leere sind schon nach
wenigen Tagen verwittert und verblichen, was besonders hervortritt,
sobald sie trocken werden. Man muss desshalb, wo es möglich ist,
immer nur lebende sammeln. Die Schnecken sind in ihrem Gehäuse durch
einen sehnigen Bandstreifen angewachsen; um denselben abzulösen und
zugleich die Schnecken zu tödten, wirft man sie in siedendes Wasser
und lässt sie darin, bis es sich soweit abgekühlt hat, dass man die
Schnecken bequem mit den Fingern herausholen kann. Dann fasst man das
Thier mit einer gekrümmten Nadel oder einem Drahthäkchen und zieht es
vorsichtig heraus. Bei vielen Arten reisst sehr gerne der hintere Theil
des Thieres, welcher die Leber enthält, ab, besonders wenn man es zu
früh aus dem Wasser genommen hat. Solche Exemplare legt man an einen
kühlen, schattigen Ort in’s Freie; Käfer und Fliegenlarven besorgen
die Reinigung dann sehr rasch und gründlich, und der Speckkäfer mit
seinen Verwandten, der Schrecken der Insectensammler, wird in den
Conchyliensammlungen gern geduldet. Bei vielen Helices mit gezahnter
Mündung und bei den Pupen ist man von vornherein auf dieses Verfahren
angewiesen, Clausilien lassen sich fast gar nicht aus dem Gehäuse
entfernen, und der Schliessapparat sperrt auch nach dem Tode noch
den Insecten den Zugang; diese lässt man einfach eintrocknen. Die
Wasserschnecken sind alle sehr leicht zu reinigen, selbst die dünnen,
vielgewundenen Planorben und die zerbrechlichen Physen.

Die Muscheln sind nicht durch ein Band, sondern durch ihre
Schliessmuskel an den Schalen befestigt. Man tödtet sie durch siedendes
Wasser, muss sie aber darin kochen lassen, damit das Wasser im Innern
der Schalen auch genügend erhitzt wird. Sobald das Thier todt ist,
klaffen die Schalen; man löst dann mit einem stumpfen Falzbein die
Muskeln von ihren Ansatzstellen und nimmt das Thier heraus.

Die ungedeckelten Schnecken sind dann zum Aufbewahren fertig; bei den
gedeckelten löst man den Deckel, der meist für die Bestimmung sehr
wichtig ist, vom Fusse ab, bestreicht seine Unterseite mit etwas Gummi
und klebt ihn auf ein Bäuschchen Baumwolle, das man in die Mündung
gesteckt hat.

Viele Wasserschnecken sind mit einer mehr oder weniger fest
aufsitzenden Schmutzkruste überzogen, die sich nur durch scharfes
Bürsten mit einer weichen Zahnbürste und Seifenwasser entfernen lässt.
Bei den sehr zerbrechlichen Arten, besonders den Limnäen, thut man gut,
die Reinigung noch am lebenden Thiere vorzunehmen, da dann das Gehäuse
weniger leicht zerbricht. Immer kann es aber nichts schaden, wenn man
auch ein ungereinigtes Exemplar von jedem Fundort in die Sammlung
legt, denn die Schmutzkruste zeigt nicht selten charakteristische
Eigenthümlichkeiten.

Auch die Muscheln bedürfen stets einer sehr gründlichen Reinigung
und ihre wahre Farbe kommt nicht selten erst heraus, wenn man sie
mit starkem Essig oder einer schwachen Mineralsäure überstreicht. Um
den charakteristischen Ueberzug zu erhalten, kann man sich begnügen,
eine Schale zu putzen. Nach dem Reinigen drückt man die beiden
Schalen zusammen und wickelt einen Faden darum, um sie in dieser
Lage zu halten, bis sie trocken sind. Um auch das Innere jederzeit
betrachten zu können, durchschneidet man das Schlossband mit einem
scharfen Messer. Der Sicherheit halber pflege ich dann beide Klappen am
Vorderrande mit einem Papierstreifen zu verbinden und Namen und Fundort
in’s Innere zu schreiben.

Ueber die Art der Aufstellung und Aufbewahrung in der Sammlung kann
man keine Vorschriften machen; es muss sich da Jeder selbst seinen
Weg suchen und die für ihn zweckmässigste Art der Aufstellung selbst
herausprobiren. Man thut gut, alle kleineren Arten aufzukleben, und
Namen und Fundort auf die Rückseite des Streifens zu schreiben; passirt
dann einmal ein Unglück und wird eine Schublade voll durcheinander
geworfen, so kann man sie leicht wieder auseinander lesen. -- Eins kann
man aber dem angehenden Sammler nicht dringend genug an’s Herz legen,
nämlich von Anfang an gleich seine Conchylien sorgfältig nach den
Fundorten getrennt zu halten, denn es ist sehr unangenehm, wenn man bei
einer Revision einmal eine interessante Varietät oder selbst eine neue
Art unter anderen findet und dann nicht mehr weiss, woher sie stammt.
Ich glaube kaum, dass ich der Einzige bin, der schliesslich im Aerger
seine früher gesammelten Sachen sämmtlich wegwarf und von Neuem anfing.

Es ist nicht zu verkennen, dass das Aufbewahren der Gehäuse nur ein
Nothbehelf ist, da es leider noch kein Mittel gibt, die für unsre
Wissenschaft viel wichtigeren Thiere bequem und mit Beibehaltung ihrer
Form aufzubewahren. Sie halten sich nur in Weingeist und schrumpfen
darin schnell zu einer formlosen Masse ein oder ziehen sich ganz in
ihr Gehäuse zurück. Will man die Thiere aufbewahren, -- und für unsre
Nacktschnecken gibt es ja kein anderes Mittel, sie unseren Sammlungen
einzuverleiben, so muss man sie in kaltem Wasser ersticken, allerdings
ein etwas grausames Verfahren. Die Thiere kriechen dann möglichst weit
aus dem Gehäuse, aber sie schwellen unnatürlich an und ziehen die
Fühler halb ein. Doch habe ich im Museum zu Leipzig Präparate, von
Herrn ~Nitsche~ angefertigt, gesehen, die ganz die natürliche Gestalt
bewahrten; dieselben wurden alsbald nach dem Tode mit Nadeln auf einer
Wachsplatte in natürlicher Stellung befestigt, die Fühler ausgestreckt
etc., und dann in starkem Weingeist gehärtet. Ich muss gestehen, dass
mich diese Präparate, die sich in Nichts von dem Thiere im lebenden
Zustande unterschieden, im höchsten Grade überraschten. Immerhin
bleibt es aber für einen Privatmann eine ziemlich kostspielige Sache.
-- Man darf hier nicht vergessen, die Thiere nach einigen Tagen aus
dem Spiritus herauszunehmen, von dem anklebenden Schleim zu reinigen
und dann in frischen Spiritus zu legen; versäumt man es, so sehen die
Schnecken schmutzig aus und der Spiritus wird rasch trüb.



Viertes Capitel.

Zucht lebender Mollusken.


Um die Lebensweise der Mollusken beobachten zu können, muss
man dieselben lebend aufbewahren und züchten, was bei einiger
Aufmerksamkeit durchaus nicht schwierig ist. Am einfachsten ist die
Zucht der Wasserschnecken und Muscheln: die jetzt als Zimmerzierde
so beliebten Aquarien sind das bequemste Mittel, um sie lebend zu
beobachten; sie verlangen darin gar keine weitere Pflege und vermehren
sich sehr stark, vorausgesetzt, dass man nicht gleichzeitig auch Fische
darin hält. Als Futter scheinen die meisten Arten Wasserschnecken
Wasserlinsen, _Ceratophyllum_ und _Hydrocharis_ zu lieben; doch
sind es eigentlich nur _Limnaea stagnalis_, _Planorbis corneus_ und
_marginatus_, welche frische Pflanzen abfressen; die anderen halten
sich mehr an die abgestorbenen Blattreste und an Algen und die sogen.
~Priestley~’sche Materie; bringt man eine mit Algen bedeckte Limnäe
aus der Freiheit in’s Aquarium, so kommen die übrigen Schnecken sofort
herbei und weiden sie förmlich ab. Im Winter kann man auch Brodkrumen
und selbst Fleischstückchen füttern. -- Die Muscheln bedürfen ausser
den im Wasser suspendirten organischen Theilchen und vielleicht den
microscopischen Algen gar keiner Nahrung; ich habe alle unsere Arten,
~Unio~, _Anodonta_, _Cyclas_, _Pisidium_ und selbst _Tichogonia_ Jahre
lang im Aquarium gehabt, ohne mich weiter um sie zu kümmern. Doch darf
man die Pflanzen darin nicht zu üppig werden lassen; im Frühjahr 1870
brachte ich einige Exemplare _Hottonia palustris_ in mein Aquarium, die
sich sehr rasch vermehrten und einen dichten Rasen bildeten; in Folge
davon gingen sämmtliche Muscheln, die zum Theil schon 1½ Jahre darin
gelebt, binnen wenigen Tagen zu Grunde. Uebereinstimmend damit findet
man in stark bewachsenen Gewässern selten Muscheln.

Etwas vorsichtiger muss man bei der Zucht der Landschnecken sein, da
man hier einerseits zu grosse Nässe, andererseits zu grosse Trockenheit
zu vermeiden hat. ~Rossmässler~ empfiehlt zur Zucht grosse Gläser, die
man unten abschneidet und mit einem groben Drahtsieb zubindet; man
füllt sie bis zu einem Drittel mit Erde und Laub, unter die man ein
paar Kalksteine legt, und stellt das Ganze in einen irdenen Untersatz,
von welchem aus man die Feuchtigkeit regulirt. Ebenso gut kann man aber
auch eine irdene Blumenscherbe nehmen, die man mit einer Glasplatte
zudeckt. Auch in Terrarien und, wie ~Seibert~ im Nachrichtsblatt 1870
bemerkt, auf dem Felsen von Aquarien, kann man mit dem besten Erfolg
Schnecken züchten. Man muss nur immer besonders darauf achten, dass
kein Schimmel entsteht.

Als Futter verwendet man am besten dünne Scheibchen Obst, Gemüse,
Rüben, Salat, Bohnen und Gurken; namentlich die letzteren werden sehr
begierig von ihnen gefressen und _Cyclostoma elegans_ wollte in der
Gefangenschaft gar kein anderes Futter anrühren. Die Daudebardien,
Vitrinen und mehrere Nacktschnecken muss man mit lebenden Schnecken
oder rohem Fleisch füttern. Im Winter stellt man sie in ein frostfreies
Zimmer und gibt ihnen durchaus kein Wasser; im Sommer stellt man sie am
besten an einen schattigen Ort im Garten.

Sorgt man dafür, dass der Untersatz immer etwas Wasser bekommt, dass
die Zahl der Exemplare in einem Topf nicht zu gross wird, und dass
kein schimmeliges Futter liegen bleibt, so kann man Jahre hindurch
immer neue Generationen züchten, wie es die Herren ~Mühlenpfordt~ in
Hannover, ~Sporleder~ in Rheden, ~Sterr~ in Donaustauf u. andere mit
dem besten Erfolge gethan haben.

Auch im Freien kann man ganz gut Schnecken züchten, indem man durch
einen Drahtkorb ihr Entweichen verhindert; man muss aber vorsichtig
sein, denn manche Arten, namentlich Nacktschnecken, graben sich mit
grosser Geschicklichkeit unter der Wand durch und entfliehen. Dagegen
hat es seine Schwierigkeit, sie im Freien an Orten, wo sie sonst nicht
vorkommen, zu acclimatisiren, auch wenn man in der Wahl der Localitäten
und der Zeit noch so vorsichtig ist und grosse Massen aussetzt.
Andererseits kommen wieder Verschleppungen unter den anscheinend
ungünstigsten Umständen nicht selten vor.



Fünftes Capitel.

Terminologie, Kunstsprache.


Um ein Conchyl mit wenig Worten genau und treffend zu beschreiben, ist
es nöthig, jeden einzelnen Theil des Gehäuses mit einem bestimmten
Namen zu belegen und auch für die verschiedenen Formen bestimmte
Ausdrücke ein für allemal zu wählen. Es ist diess natürlich von
allem Anfang an geschehen und so ist nach und nach eine bestimmte
Kunstsprache entstanden, welche namentlich von ~Rossmässler~, L.
~Pfeiffer~ u. A. ausgebildet worden ist. Wir wollen, um Anfängern
das Verständniss der späteren Beschreibungen zu erleichtern, die
wichtigsten Kunstausdrücke hier kurz mittheilen. Doch können wir,
da wir die Beschreibungen nur deutsch, ohne die gebräuchlichsten
lateinischen Diagnosen geben, die lateinischen Kunstausdrücke in den
meisten Fällen füglich übergehen.

Man unterscheidet zunächst das einschalige ~Schneckenhaus~, _~Testa~_,
von der zweischaligen ~Muschel~, _~Concha~_. An dem Schneckenhaus haben
wir die ~Spitze~, die verschiedenen ~Windungen~ oder Umgänge, und die
untere Oeffnung oder ~Mündung~. Die feine Haut, welche die Aussenfläche
des Gehäuses überkleidet und hauptsächlich die Farben enthält, nennt
man die ~Oberhaut~, _Epidermis_. Die Linie, in welcher die einzelnen
Windungen zusammenstossen, nennt man die ~Naht~, _Sutura_; die gerade
Linie dagegen, um welche die Windungen herum gewunden sind, bezeichnet
man als ~Spindel~, _Columella_. An der Unterseite des Gehäuses sehen
wir oft ein Loch, dadurch entstanden, dass die verschiedenen Windungen
sich hier nicht berühren, die Spindel also gewissermassen einen hohlen
Kegel bildet, in den man hineinsehen kann; man nennt dieses Loch den
~Nabel~, _Umbilicus_, und unterscheidet, da seine Beschaffenheit für
die Bestimmung sehr wichtig ist, verschiedene Abstufungen in der Weite
desselben; man nennt ein Gehäuse ~genabelt~, wenn die Oeffnung ziemlich
weit ist, wie bei _Helix obvoluta_, ~durchbohrt~, wenn sie eng ist,
wie bei _Helix sericea_, ~geritzt~, wenn sie nur in einem mehr oder
weniger vertieften Ritz besteht, wie bei den Clausilien. Wird der
Nabel von dem der Spindel zunächst liegenden Theile des Mündungsrandes
ganz oder zum Theil überdeckt, so nennt man das Gehäuse ~bedeckt~ --
~genabelt~, oder -- ~durchbohrt~. Der Nabel kann ausserdem noch ganz-
oder halbdurchgängig, weit, perspectivisch u. dergl. sein.

An der Mündung unterscheidet man den freien Rand des Gehäuses, den
~Mundsaum~, und den zwischen beiden Enden desselben befindlichen Theil
des letzten oder vorletzten Umganges, die ~Mündungswand~. Auf beiden
stehen nicht selten Vorsprünge, die man, je nach der Gestalt, als
~Zähne~, ~Falten~ und ~Lamellen~ bezeichnet; häufig ist der Mundsaum
auch innen mit einer Wulst, der ~Lippe~, belegt. -- Der Mundsaum
besteht aus einem ~Innen-~ oder ~Spindelrand~ und einem ~Aussenrand~,
ersterer die von der Spindel, letzterer die von der Naht entspringende
Hälfte, die in der Mitte ohne Gränze in einander übergehen. Je nachdem
die Ansatzstellen mehr oder weniger entfernt von einander liegen, nennt
man sie ~entfernt~ oder ~genähert~, und ~verbunden~, wenn sie durch
eine linienförmige Lippe auf der Mündungswand mit einander verbunden
sind. Tritt der Mundsaum ringsum deutlich vom Gehäuse los, wie bei
_Helix lapicida_, so nennt man ihn ~gelöst~.

Den von aussen sichtbaren inneren Theil des Gehäuses nennt man den
~Schlund~, den weiter nach oben gelegenen Theil desselben speciell den
~Gaumen~; ihnen entspricht auf der Aussenseite der ~Nacken~. Diese
Gegenden sind besonders bei der Beschreibung der Clausilien und Pupen
von Wichtigkeit.

Die ~Windungen~ können stielrund, niedergedrückt, d. h. breiter als
hoch, und umgekehrt zusammengedrückt, d. h. höher als breit, sein, oder
bauchig, aufgetrieben oder kantig; sind sie so niedergedrückt, dass sie
einen scharfen Rand bilden, so nennt man sie ~gekielt~ und den Rand
selbst den ~Kiel~, _~Carina~_.

Viele Schnecken haben einen an ihrem Fusse befestigten ~Deckel~,
_~Operculum~_, mit welchem sie das Gehäuse schliessen können; derselbe
ist kalkig, hornartig oder knorpelig, spiralig oder concentrisch
gestreift, und entweder ~endständig~, wenn er gerade an den
Mündungsrand anschliesst, oder ~eingesenkt~, wenn er erst weiter innen
die Oeffnung verschliesst.

Die Schnecken, welche keinen solchen Deckel besitzen, verschliessen
ihr Gehäuse, wenigstens im Winter, mitunter auch im Sommer bei grosser
Trockenheit, durch einen zeitweiligen Deckel, den ~Winterdeckel~,
_~Epiphragma~_; manche auch durch mehrere hintereinander; derselbe kann
kalkig, lederartig oder häutig sein.

Was die Richtung der Windungen anbelangt, so unterscheidet man
~rechts gewundene~ und ~links gewundene~ Gehäuse. Man erkennt die
Windungsrichtung am bequemsten, wenn man das Gehäuse aufrecht, mit der
Spitze nach oben und der Mündung nach dem Beschauer zu betrachtet; bei
den links gewundenen steht dann die Mündung nach links, bei den rechts
gewundenen nach rechts von der Spindel.

Bei den Muscheln unterscheidet man zunächst eine rechte und eine linke
Schale. Welches die rechte und welches die linke Schale sei, darüber
ist früher sehr viel gestritten worden; in neuerer Zeit ist man aber
nach dem Vorgang von ~Nilsson~ und ~Rossmässler~ so ziemlich darüber
einig, die Schale die rechte zu nennen, welche zur Rechten liegt,
wenn man die Muschel mit den Wirbeln nach oben so aufstellt, dass das
Schlossband nach dem Beschauer zu gerichtet ist. Den Schalenumfang
zerfällt man in vier Theile, den ~Ober~- oder ~Rückenrand~, an welchem
die Wirbel und das Schlossband liegen, und gegenüber den ~Unterrand~,
den ~Hinterrand~, der von den Wirbeln aus auf derselben Seite liegt,
wie das Schlossband, und gegenüber den ~Vorderrand~.

Auf jeder Schale sehen wir einen vorgetriebenen Punkt, den ~Wirbel~
oder Buckel; die beiden Wirbel liegen immer einander genau gegenüber
und nahe am Oberrand. Theilt eine durch sie hindurch gehende Linie
die Muschel in zwei ganz oder doch annähernd gleiche Theile, so
nennt man dieselbe ~gleichseitig~, im anderen Falle, der bei unseren
meisten Muscheln vorkommt, ~ungleichseitig~. Den Raum unmittelbar
vor und zwischen den Wirbeln nennt man das ~Schildchen~ (_~Areola~_,
_~Lunula~_), den hinter den Wirbeln bis zum Anfange des Hinterrandes
den ~Schild~ (_~Area~_). In diesem Raume liegt ein starkes, zähes
Band, das die beiden Schalen verbindet und durch seine Elasticität ihr
Aufklappen bewirkt, das ~Schlossband~. Der unmittelbar unter demselben
liegende Theil des Oberrandes ist meist mit ineinandergreifenden
Zähnen oder Leisten versehen, die beim Oeffnen der Schalen ein
Auseinanderweichen verhindern; man nennt die ganze Vorrichtung das
~Schloss~.

Im Innern der Schale sieht man zwei mehr oder minder deutliche Gruben
oder Eindrücke, in welchen beim lebenden Thiere die Schliessmuskeln
angeheftet sind; man nennt sie den vorderen und den hinteren
~Muskeleindruck~. Von dem einen zum anderen läuft parallel mit dem
Unterrande eine vertiefte Linie, der ~Manteleindruck~.

Was sonst noch in den Beschreibungen von Kunstausdrücken vorkommt,
bedarf keiner weiteren Erklärung. Nur noch ein paar Worte über die
Benennung der Schnecken und Muscheln. Wie es bei den kleinen, dem
Volke nicht auffallenden Thieren natürlich ist, haben nur wenige
einen gebräuchlichen deutschen Namen und die deutschen Namen, die
man ihnen in den Büchern gibt, sind zum Theil geradezu komisch,
z. B. Schnirkelschnecke für _Helix_, Frassschnecke für _Bulimus_.
Die wichtigsten sind desshalb die wissenschaftlichen, lateinischen
Namen. Nach dem System des grossen Schweden ~Linné~ bestehen dieselben
immer aus zwei Namen, der erste bezeichnet die Gattung, der zweite
die Art. Dazu kommt aber noch ein dritter Name; es sind nämlich unter
denselben Namen nicht selten ganz verschiedene Sachen beschrieben
worden; was z. B. O. F. ~Müller~ _Helix sericea_ nennt, ist etwas ganz
Anderes, als was ~Draparnaud~ mit diesem Namen bezeichnet. Um nun die
Irrthümer zu verhüten, setzt man hinter den Namen der Art noch den des
Schriftstellers, der dieselbe zuerst beschrieben, wie z. B. _Helix
sericea_ ~Draparnaud~, _Bulimus obscurus_ ~Müller~.



Sechstes Capitel.

Die wichtigsten conchyliologischen Werke.


Wir haben zwar schon im ersten Capitel die speciell auf die
nassauische Fauna bezüglichen Arbeiten aufgeführt; da aber die
wenigsten Sammler sich ganz auf Nassau beschränken werden und beim
Conchyliensammeln ebensogut und vielleicht mehr als von anderen Zweigen
der Naturwissenschaft das Wort gilt: „Beim Essen kommt der Appetit“,
so dürfte es nicht überflüssig sein, die wichtigsten, auf Deutschlands
Conchylienfauna bezüglichen Arbeiten hier anzuführen. Es sind:

  ~O. F. Müller~, _Vermium terrestrium et fluviatilium seu Animalium
  infusoriorum, helminthicorum et testaceorum non marinorum succincta
  historia. Havniae et Lipsiae_ 1773 und 1774. Zwei Bände. Die
  Mollusken werden im zweiten Bande abgehandelt.

  ~Carl Pfeiffer~, Naturgeschichte deutscher Land- und
  Süsswassermollusken. Weimar 1821-28. Drei Abtheilungen, jede mit
  8 colorirten Tafeln, gute Abbildungen deutscher Binnenconchylien
  enthaltend, aber im Text etwas veraltet.

  ~E. A. Rossmässler~, Iconographie der Land- und Süsswassermollusken
  Europas. Leipzig 1835-59. Drei Bände mit ausgezeichneten Abbildungen
  fast aller europäischen Binnenconchylien, für jeden Conchyliologen
  unentbehrlich, aber leider sehr theuer (col. 25 Thlr.) und vergriffen.

  Dr. ~L. Pfeiffer~, _Monographia Heliceorum viventium_. Leipzig
  1847-69. Mit den Supplementen bis jetzt 6 Bände, die kurze
  lateinische Beschreibung aller bekannten Heliceen enthaltend, aber
  ohne Abbildungen.

  ~Albers, Johann Christian~, die Heliceen nach natürlicher
  Verwandtschaft systematisch geordnet. Zweite Ausgabe, besorgt von
  Ed. ~von Martens~. Berlin 1860. Enthält ein natürliches System der
  Heliceen mit Beschreibung der Gattungen und Untergattungen und
  Aufzählung der Arten und ihres Vaterlandes. Zum Ordnen der Sammlung
  unentbehrlich.

  ~Adolf Schmidt~, Die kritischen Gruppen der europäischen Clausilien.
  Abth. 1. Leipzig 1857.

  ~Adolf Schmidt~, System der europäischen Clausilien und ihrer
  nächsten Verwandten. Cassel 1868.

  ~Bronn~, Die Classen und Ordnungen des Thierreichs. Bd. III, die
  Weichthiere, fortgesetzt von ~Keferstein~. Leipzig und Heidelberg
  1862-66. Eine äusserst reichhaltige und sorgfältige Zusammenstellung
  alles dessen, was über Bau, Entwicklung und Lebensweise der
  Weichthiere bekannt ist, zum genaueren Studium der anatomischen
  Verhältnisse unentbehrlich.

  ~Hartmann~, Erd- und Süsswassergasteropoden der Schweiz, St. Gallen
  1840-44; nicht systematisch und unvollständig, aber gute Abbildungen
  und zahlreiche interessante Bemerkungen auch über deutsche Arten,
  ihre Abänderungen, Missbildungen etc. enthaltend.

  ~Sturm~, Deutschlands Fauna in Abbildungen nach der Natur mit
  Beschreibung. Abtheilung VI, die Würmer. 8 Hefte, 1803-1829. Enthält
  die meisten deutschen Mollusken in oft sehr guten Abbildungen und ist
  antiquarisch mitunter sehr billig zu haben.

  ~Fr. H. Troschel~, _de Limnaeaceis seu de Gasteropodis pulmonatis,
  quae nostris in aquis vivunt_. _Berolini_ 1834. Eine kleine gute
  Monographie von _Limnaeus_, _Physa_ und _Planorbis_, namentlich auch
  auf Anatomie und Lebensweise eingehend.

Ein billiges, blos die deutschen Mollusken umfassendes Handbuch
zum Gebrauch für den Anfänger fehlt leider noch immer, und ebenso
mangelt es noch sehr an gründlichen deutschen Arbeiten über die
Süsswasserschnecken, insbesondere die Limnäen, Planorben, Valvaten,
Cyclas und Pisidien. Doch ist bei dem regen, wissenschaftlichen Leben,
das gegenwärtig unter den deutschen Malacologen herrscht, eine baldige
gründliche Bearbeitung dieser Gattungen mit Sicherheit zu hoffen.

Von Zeitschriften kommen für den deutschen Sammler noch in Betracht:

  ~Zeitschrift für Malacozoologie~, herausgegeben von ~Menke~ und
  ~Pfeiffer~, 10 Jahrgänge von 1844-53, Cassel bei Theodor ~Fischer~,
  und deren Fortsetzung

  ~Malacozoologische Blätter~, herausgegeben von Dr. L. ~Pfeiffer~, in
  demselben Verlage erscheinend. Endlich das

  ~Nachrichtsblatt der deutschen malacozoologischen Gesellschaft~,
  begonnen 1869, unter Mitwirkung von D. F. ~Heynemann~ redigirt von
  Dr. W. ~Kobelt~. In Commission bei Sauerländer in Frankfurt.



Siebentes Capitel.

Verhältniss der Weichthiere zur übrigen Natur.


In unseren Gegenden erreicht die Anzahl der Schnecken nicht leicht
jenen hohen Grad, der sie dem Ackerbau und der Gärtnerei lästig oder
selbst verderblich macht. Nur die gemeine nackte Ackerschnecke, _Limax
agrestis_, wird in warmen, nassen Jahren durch ihre Gefrässigkeit und
ihre starke Vermehrung schädlich, und hier und da hört man die Besitzer
von Treibhäusern klagen, dass ihnen Schnecken die Blumenblätter
zerfressen. Unsere Schnecken ziehen mit geringen Ausnahmen modernde
Pflanzenstoffe den frischen und unbebaute Stellen den angebauten vor.
Die Wasserschnecken thun selbstverständlich keinen Schaden, nutzen
vielmehr durch raschere Beseitigung der verwesenden Vegetabilien.

Auch der directe Nutzen für den Menschen ist bei uns sehr unbedeutend.
Unsere einzige essbare Schnecke, die Weinbergsschnecke, wird, soviel
mir bekannt, in Nassau höchstens hier und da von einzelnen Individuen
gegessen; Schneckengärten und Mästereien, wie auf der schwäbischen Alp
und in der Schweiz, existiren in Nassau nicht. Auch von der früher viel
häufigeren Benutzung der grossen Nacktschnecken zu arzneilichen Zwecken
kommen höchstens noch einzelne Fälle vor. Wichtiger dagegen sind für
die Anwohner des Mains die Anodonten und Unionen, die in zahlloser
Menge seine seichten Stellen bewohnen. Sie werden, sobald das Wasser
hinreichend gefallen und nicht mehr zu kalt ist, in Masse gesammelt
und die Thiere gekocht zum Mästen der Schweine verwendet; diese werden
davon sehr fett, nehmen aber bei ausschliesslicher Muschelnahrung
leicht einen thranigen Geschmack an.

Vielen Thieren dienen die Schnecken als willkommene Nahrung; Dachs,
Fuchs und Igel verschmähen sie durchaus nicht; ebenso die meisten
Vögel; Krähen, Dohlen und Raubvögel stellen besonders den Muscheln
nach, tragen sie oft weit vom Wasser hinweg und öffnen sie mit einem
tüchtigen Schnabelhieb auf oder vor den einen Wirbel; doch glaube ich,
dass die Krähen sich mehr an die halbtodten oder frisch gestorbenen
Muscheln halten, die man nach den Frühjahrsfluthen sehr häufig am
Ufer und zwischen den Steinen der Strombauten findet, denn sehr viele
Schalen, die ich im Grase 20-30 Schritt vom Ufer fand, waren vollkommen
unverletzt. Auch Reiher, Enten u. s. w. verzehren sehr viele Schnecken
und Muscheln; ~Brot~ fand im Magen einer Ente Anodonten von 3 Ctm.
Länge. -- Die Amphibien sind den Schnecken gegenüber auch keine
Kostverächter; Frösche und Kröten stellen namentlich den Nacktschnecken
nach, und die Kröten werden ja in manchen Gärtnereien ausschliesslich
zu diesem Zweck gehalten. Eine Eidechse, die ich im Terrarium hielt,
frass binnen sehr kurzer Zeit eine ganze Anzahl frisch ausgekrochener
_Helix nemoralis_. Die Wassersalamander fressen mit Vorliebe Hydrobien
und Pisidien; ich habe bei Biedenkopf mehrmals ihren Darmcanal ganz mit
der dort sehr häufigen _Hydrobia Dunkeri_ angefüllt gefunden.

Auch unter den Insecten haben die Schnecken manche Feinde. Die
grossen Laufkäfer verzehren manche Nacktschnecke, scheinen aber den
Gehäuseschnecken nicht viel anhaben zu können. Die Larve eines anderen
Käfers, des _Drilus flavescens_, tödtet dagegen das Thier und verpuppt
sich, nachdem sie es aufgefressen, in seinem Gehäuse; namentlich
_Helix incarnata_ scheint ihren Angriffen ausgesetzt zu sein. -- Den
Wasserraubkäfern habe ich oft zugesehen, wie sie, auf dem Gehäuse einer
Limnäe sitzend, dem Thiere auflauerten und es angriffen, sobald sein
Kopf ausserhalb des Gehäuses erschien, und aus der Anzahl der leeren
Gehäuse, die ich um diese Zeit im Aquarium fand, konnte ich ersehen,
dass die Angriffe nicht immer resultatlos blieben.

Auch verschiedene Blutegel, namentlich die der Gattung _Clepsine_
angehörigen flachen Arten, tödten manche Schnecke.

Gefährliche Feinde sind auch die Schnecken selbst. Die Daudebardien
leben ganz, die Vitrinen und manche Limacinen grossentheils von
anderen Schnecken, aber auch Pflanzenfresser scheuen sich gar nicht,
gelegentlich eine kleinere Schnecke zu verschlucken. So habe ich
_Limnaea stagnalis_ ihre eigenen Jungen sammt und sonders aufzehren
sehen, und an Landschnecken hat man ähnliche Beobachtungen gemacht.

Die Schnecken dienen einer ganzen Anzahl von Schmarotzern zur Wohnung.
Auf der Aussenseite leben einige Milben; auf den Nacktschnecken,
besonders den Arionarten, lebt _Acarus Limacum_; sie läuft sehr rasch
auf dem Körper herum und zur Athemöffnung aus und ein. ~Heynemann~
beobachtete sie nur selten auf den Nacktschnecken des Frankfurter
Gebiets, dagegen in Menge auf Westerwälder Exemplaren von _Arion
empiricorum_, bis zu 100 auf einem. In ähnlicher Weise schmarotzt eine
andere Milbe, _Limnochares Anodontae_, auf und in den Muscheln.

Weit zahlreicher als diese äusseren Schmarotzer sind die
Eingeweidewürmer der Weichthiere. Viele Parasiten der Wasservögel leben
in ihrem Jugendzustand in den Paludinen und Limnäen, vor allen die
~Distomen~ und deren Larven, die ~Cercarien~. Die grosse Sumpfschnecke,
_Paludina vivipara_, beherbergt allein 4 Arten Distomum und sämmtliche
übrigen Wasserschnecken enthalten mindestens einzelne Species.
Werden solche Schnecken von Vögeln oder anderen Thieren gefressen,
so entwickelt sich die Cercarie zum vollständigen Distomum. Auch das
für die Schafe mitunter so verderbliche _~Distomum hepaticum~_, der
Leberegel, wohnt als Larve in Schnecken; die ausgebildete Cercarie
scheint dann das Thier zu verlassen und eine Zeit lang im Wasser oder
selbst im feuchten Grase lebend zu bleiben, bis sie endlich mit dem
Futter oder Wasser in den Darmcanal der Schafe gelangt. Doch kann
sie am Ende auch mit der Schnecke von den Schafen gefressen werden;
wenigstens hat man in England beobachtet, dass die Schafe auf den Dünen
sehr gern die lebende _Helix variabilis_ fressen und davon fett werden.

Auch Würmer aus der Classe der ~Nematoden~ findet man in den Nieren
einiger Schneckenarten und selbst im Blute von _Helix pomatia_
beobachtete ~Keferstein~ einen Fadenwurm. Ein durch seine schöne
grüne Farbe ausgezeichneter, ziemlich grosser Wurm, _Leucochloridium
paradoxum_, wurde von ~Carus~ in den Fühlern von _Succinea_ entdeckt.

Alle diese Parasiten scheinen das Wohlbefinden der Schnecken durchaus
nicht zu beeinträchtigen.

Ein ganz eigenthümliches Verhältniss, vielleicht Wechselverhältniss,
findet sich zwischen unseren Flussmuscheln und einem kleinen,
karpfenartigen Fisch, dem ~Bitterling~, _~Rhodeus amarus~_; die
Embryonen des Fisches entwickeln sich nämlich in den Kiemenfächern
der Muscheln, und wahrscheinlich machen die Muschelembryonen ihre
Verwandlung auf diesem oder einem anderen Fische durch. Genaueres
hierüber im speciellen Theil.



Achtes Capitel.

System der Mollusken.


Für die Eintheilung der Binnenconchylien hat man die
verschiedenartigsten Systeme in Vorschlag gebracht, je nachdem man
das Gehäuse, oder die Fresswerkzeuge des Thieres oder das Fehlen oder
Vorhandensein einer Schleimpore am Ende des Fusses zum wichtigsten
Criterium gemacht hat. Wir befolgen im Ganzen die auf ~Cuvier~’s
System beruhende Anordnung von ~Ad. Schmidt~, weil dieselbe für die
Betrachtung der Binnenconchylien allein als die einfachste und klarste
erscheint. Sie ist wesentlich auf das Vorhandensein oder Fehlen des
Deckels und die Stellung der Augen begründet. Mit den dadurch bedingten
Verschiedenheiten gehen nämlich so durchgreifende Unterschiede
im gesammten Bau Hand in Hand, dass das System als ein durchaus
naturgemässes erscheint; die Unterschiede lassen sich auch ohne mühsame
Präparation schon mit blossem Auge erkennen. Nur bei den Heliceen
haben wir uns einige Abänderungen im Anschluss an die Eintheilung
von ~Albers-Martens~, die wenigstens für die europäischen Conchylien
durchaus mustergültig ist, erlaubt.

Wir theilen demgemäss, wie schon oben erwähnt, die gesammten Mollusken
ein in ~Kopftragende~, _~Cephalophora~_, auch ~Bauchfüsser~,
_~Gastropoda~_, genannt, und ~Kopflose~, _~Acephala~_. Die
Kopftragenden zerfallen wieder in solche ohne bleibenden Deckel,
_~Inoperculata~_, und solche mit bleibendem Deckel, _~Operculata~_.
Die Deckellosen tragen ihre Augen entweder auf der Spitze der Fühler,
_~Stylommatophora~_, oder an der Basis derselben, _~Basommatophora~_;
einige Untergruppen werden dann durch das Fehlen oder Vorhandensein
eines äusseren Gehäuses und durch das Gebiss bedingt. Die
Basommatophoren zerfallen nach ihrer Lebensweise in Land- und
Wasserschnecken, _~Terrestria~_ und _~Aquatilia~_, und ebenso die
Deckelschnecken. Die Muscheln theilen wir in solche mit und solche ohne
Athemröhre.

Das ganze System stellt sich folgendermassen dar:

                      $A. ~Cephalophora~, Schnecken.$

                      $I. Inoperculata, Deckellose.$

  1. _~Stylommatophora~_.

    a. Ohne Kiefer, _~Testacellea~_.

        1. _Daudebardia_.

    b. Mit Kiefer, ohne äussere Schale, _~Limacea~_.

        2. _Arion_.
        3. _Amalia_.
        4. _Limax_.

    c. Mit Kiefer und äusserer Schale, _~Helicea~_.

        5. _Vitrina_.
        6. _Hyalina_.
        7. _Helix_.
        8. _Cionella_.
        9. _Buliminus_.
       10. _Pupa_.
       11. _Balea_.
       12. _Clausilia_.
       13. _Succinea_.

  2. _~Basommatophora~_.

    d. _Terrestria_, _~Auriculacea~_.

       14. _Carychium_.

    e. _Aquatilia_, _~Limnaeacea~_.

       15. _Limnaea_.
       16. _Physa_.
       17. _Planorbis_.
       18. _Ancylus_.

       $II. ~Operculata~, Deckelschnecken.$

    a. _Terrestria_, _~Neurobranchia~_.

       19. _Acme_.
       20. _Cyclostoma_.

    b. _Aquatilia_, _~Prosobranchia~_.

      α. Bandzüngler, _~Taenioglossa~_.

       21. _Paludina_.
       22. _Bithynia_.
       23. _Hydrobia_.
       24. _Valvata_.

      β. Fächerzüngler, _~Rhipidoglossa~_.

       25. _Neritina_.


                        $B. ~Acephala~, Muscheln.$

  1. Thier ohne Athemröhre, _~Najadea~_.

       26. _Unio_.
       27. _Anodonta_.

  2. Thier mit Athemröhre.

    a. Schale rundlich, _~Cycladea~_.

       28. _Cyclas_.
       29. _Pisidium_.

    b. Schale dreiseitig, _~Tichogoniacea~_.

       30. _Tichogonia_.



SPECIELLER THEIL.

A. Cephalophora, Schnecken.



Erstes Capitel.

Anatomische Verhältnisse.


Den allgemeinen Bau der Schnecken kann man am besten an den nackten
Schnecken, z. B. den schwarzen Wegschnecken, studiren. Wir sehen das
Thier in Gestalt eines länglichen Schlauches, unten zu einer flachen,
muskulösen Sohle verbreitert. Die umhüllende Haut ist an einer, hier
nur einen kleinen Theil des Rückens bedeckenden Stelle besonders
glatt und muskulös. Dieser Theil ist der ~Mantel~. Er tritt an den
Seiten als eine Falte los und unter diesem Mantelrande, zwischen ihm
und dem Körper, bleibt eine Höhle, die ~Athemhöhle~, die durch einen
lochförmigen, verschliessbaren, nahe dem Mantelrande befindlichen
Schlitz mit der äusseren Luft zusammenhängt. Am vorderen Theile des
Körpers sehen wir einen deutlich abgesetzten Kopf mit den Fühlern und
der Mundöffnung. Die Afteröffnung liegt ebenfalls vornen am Eingang
der Athemhöhle. Die Schale ist nur durch einzelne Kalkkörner oder ein
flaches Kalkschild innerhalb des Mantels angedeutet.

Complicirter ist der Bau bei den Gehäuseschnecken. Hier hebt sich der
hintere Theil des Körpers von der Sohle los und windet sich spiralig in
die Höhe. Wir müssen also hier einen Vorderkörper, aus Kopf und Fuss
bestehend, und einen Hinterkörper unterscheiden, dessen Hautbedeckung
der Mantel ist, welcher gegen den Fuss hin eine kragenartige Falte,
den Mantelrand, bildet. Ein eigentlicher Unterschied zwischen der
Hautbedeckung von Kopf und Fuss und dem Mantel existirt jedoch nicht
und noch weniger ist dieser, wie man aus manchen Definitionen annehmen
sollte, noch eine weitere Bedeckung ausser der Haut. Der Hinterkörper
ist bei allen so gebauten Schnecken mit einer Schale bedeckt, die von
dem Mantel abgesondert wird. Bei allen ungedeckelten Schnecken bildet
sich der erste Anfang der Schale beim Embryo innerhalb des Mantels,
wie bei den Nacktschnecken, aber noch ehe sie das Ei verlassen, geht
der äussere Mantellappen verloren. Bei den Kiemenathmern dagegen liegt
die Schale zu allen Zeiten ausserhalb des Mantels. Wie es sich bei
_Cyclostoma_ verhält, ist meines Wissens noch nicht untersucht worden.

Der Körper der Schnecken, der nackten sowohl als der Gehäuseschnecken,
ist von einer Haut bedeckt, die aus einer dicken muskulösen
~Lederhaut~, _Cutis_, und einer dünnen Zellenschicht, dem ~Epithel~,
besteht. In ihr liegen eine Menge Drüsen, die theils Schleim, theils
Farbstoff absondern. Der Mantelrand zeigt, da er nur eine Falte der
Haut darstellt, denselben Bau; nur sind die Drüsen auffallend stärker
entwickelt und oft zu einzelnen Häufchen zusammengruppirt. Er steht am
Rücken weiter vor, wie am Bauche und bildet so einen taschenartigen
Raum, die ~Mantel-~ oder ~Athemhöhle~, welche durch einen kräftigen
Schliessmuskel geschlossen werden kann. Ihr Innenrand ist reich
mit Gefässen versehen und bildet das Athmungsorgan; Niere, Herz
und Mastdarm liegen in ihrer nächsten Nähe und der letztere mündet
unmittelbar neben ihrem Eingang. An der rechten Seite bildet der
Mantelrand eine Oeffnung, das ~Athemloch~, welches durch eigene Muskeln
geöffnet und geschlossen werden kann; bei den Kiemenathmern verlängert
sich dieses Loch mitunter zu einem Halbrohr, dem ~Athemrohr~, _~Sipho~_.

Die Schnecke ist im Gehäuse durch die Sehne eines starken symmetrisch
aus zwei Hälften zusammengesetzten Muskels, des ~Spindelmuskels~,
befestigt. Derselbe nimmt seinen Ursprung in der Nähe der Mundmasse
und durchsetzt die Haut in der Achse der ersten Windung, um sich dort
mit einem sehnigen Streifen an der Spindel zu befestigen. Bei seiner
Zusammenziehung wird natürlich der Theil des Körpers zuerst nach
hinten gezogen, an welchem er befestigt ist; der Körper knickt bei
den Deckellosen in der Mitte der Sohle der Länge nach zusammen, die
beiden Hälften legen sich aneinander und der Fuss verschwindet von vorn
nach hinten in der Oeffnung des Gehäuses und dem diese auskleidenden
Ringmuskel des Mantelrandes, der dann allein sichtbar bleibt. Bei den
Deckelschnecken dagegen knickt die Sohle der Quere nach ein, die beiden
Querhälften legen sich aneinander und dadurch kommt die Rückenseite
der hinteren Hälfte, welche den Deckel trägt, schliesslich in der
Mündung nach aussen gerichtet zu liegen und schliesst dieselbe. Von
dem Spindelmuskel entspringen noch eine Anzahl kleinerer Muskeln zur
Bewegung einzelner Theile.

Die ~Verdauungsorgane~ sind bei allen Gastropoden sehr entwickelt.
Immer finden wir einen Mund, Schlundkopf, Speiseröhre, Magen und
Darmcanal nebst anhängenden Drüsen, von denen namentlich die Leber
sehr gross ist. Der ~Mund~ ist bei allen ungedeckelten Schnecken
eine einfache Einstülpung der Haut, die unmittelbar in die Höhle des
Schlundkopfes führt; bei manchen Wasserschnecken aber, besonders den
Kiemenathmern, und bei den gedeckelten Landschnecken steht er auf
der Spitze einer Schnauze; ein einstülpbarer Rüssel, wie ihn viele
Seeschnecken haben, kommt bei unseren Binnenconchylien nicht vor.
Hinter der Mundöffnung kommen wir in die Höhle des ~Schlundkopfes~,
die von einer starken, birnförmigen Muskelmasse umgeben ist und die
Fresswerkzeuge enthält. Diese bestehen aus Zunge und Kiefer. Der
~Kiefer~ fehlt nur wenigen Gattungen aus der Gruppe der Testacelliden,
die bei uns nur durch die Gattung _Daudebardia_ vertreten werden; alle
anderen haben einen oder mehrere, von so verschiedener Form, dass
man sie mit dem besten Erfolg zur Eintheilung der Schnecken benutzen
kann. Er liegt an der oberen Wand des Schlundkopfes, unmittelbar
hinter der Mundöffnung und besteht aus einer hornigen Verdickung
der Epithelzellen, meist von brauner Farbe, und in Aetzkali nur bei
längerem Kochen löslich. Bei den ungedeckelten Landschnecken finden wir
immer nur einen ziemlich langen, nach vorn convexen Kiefer, der quer
an der oberen Wand des Schlundkopfes liegt; die Limnäen und Planorben
dagegen haben drei Kiefer, von denen einer in der Mitte, die beiden
anderen an den Seitenwänden liegen; _Physa_ hat nur ein Mittelstück,
_Ancylus_ einen Halbring von kleinen Hornstückchen. Die Deckelschnecken
haben zwei seitliche, meist nur kleine Plättchen. Aber auch im
Einzelnen ist die Form sehr verschieden. Alle Arten der Gattung _Helix_
haben z. B. vorspringende Leisten auf dem Kiefer, die nahe verwandten
Hyalinen dagegen haben einen ganz platten Kiefer mit einem zahnartigen
Vorsprung in der Mitte, und dieser Unterschied gibt den Hauptgrund
zur Trennung beider Gattungen. Von den Nacktschnecken hat _Arion_ den
Kiefer wie _Helix_, _Limax_ wie _Hyalina_. Im Allgemeinen hängt dies
auch direct mit der Lebensweise zusammen; die Pflanzenfresser haben die
stärksten Rippen auf dem Kiefer, die von faulenden Substanzen, Mulm
und Moder lebenden haben einen schwächeren, die Fleischfresser gar
keinen Kiefer; die Benutzung des Kiefers zur systematischen Eintheilung
ist demnach durchaus gerechtfertigt. Ein System freilich, das nur auf
den Kiefer ohne Berücksichtigung anderer Verhältnisse begründet ist,
wie das von ~Mörch~, ist ebensowenig ein natürliches, wie ~Linné~’s
Eintheilung der Pflanzen.

Auch zur Unterscheidung der Untergruppen, und selbst einzelner Species,
kann man mitunter die Kiefer benutzen, wie z. B. bei _Succinea putris
L._ und _Pfeifferi Rossm._, doch muss man hier sehr vorsichtig sein,
da bei einer und derselben Art die Form des Kiefers mitunter sehr
schwankt. So fand ich bei _Hel. nemoralis_ die Anzahl der Kieferleisten
von 2-9 schwankend.[2]

Die untere Seite der Schlundhöhle nimmt das andere Fresswerkzeug, die
~Zunge~, ein, eine längliche, dicke Masse aus Muskeln und Knorpeln,
mit einer feinen Membran, der ~Reibplatte~, überzogen. Die Muskeln
bestehen aus zwei starken Bündeln, die einen dreieckigen Raum zwischen
sich lassen; in diesem liegen die Knorpel, und das Ganze ist von einer
dünnen, aus faserigem Bindegewebe und Muskelfasern bestehenden Haut,
der ~Zungenhaut~, bedeckt, welche dann die Reibplatte, den wichtigsten
Theil des Schneckengebisses, trägt.

Diese ~Reibmembran~, _~Radula~_, besteht aus einer dünnen Grundmembran,
auf der eine Menge von Zähnen, in Längs- und Querreihen angeordnet,
sitzen. Sie überzieht die ganze Zunge, auch an den Seitenflächen, wo
allerdings die Zähne wenig oder gar nicht entwickelt sind, und verliert
sich nach hinten in eine knorpelige Umhüllung, die Zungenscheide. In
chemischer Beziehung besteht sie aus Chitin; sie ist in concentrirtem
Kali nur nach sehr langem Kochen löslich; durch concentrirte Säuren
wird sie braun gefärbt, und man kann die anorganischen Bestandtheile,
die freilich nur 5-6 % ausmachen, dadurch ausziehen. Eine Behauptung,
dass die Zähne aus Kieselsäure beständen, hat bis jetzt noch keine
Bestätigung gefunden.

Die Zungenzähne sind in äusserst regelmässige Längs- und Querreihen
angeordnet. Immer kann man an den Querreihen die Mittellinie erkennen,
indem der mittelste Zahn kleiner oder doch strenger symmetrisch ist,
als die fast immer etwas schiefen Seitenzähne. Am wenigsten deutlich
ist dies bei den _Helices_, am deutlichsten bei den Kiemenschnecken,
wo man Mittel- und Seitenplatten unterscheiden muss. Die Querreihen
verlaufen nur bei wenigen Arten, z. B. bei manchen Planorben,
vollständig horizontal über die Radula; meistens bilden sie einen nach
hinten, seltener nach vorn offenen Winkel, oder es ist ein gerader
Mitteltheil, an den sich die beiden Seitentheile in schräger Richtung
anschliessen.

Die Form und Grösse der Zungenzähne scheint äusserst constant;
wenigstens fand ich bei meinen Zählungen derselben, die ich bei
_Hel. nemoralis_, _hortensis_ und _sylvatica_ an einer grösseren
Anzahl von Zungen vornahm, für jede Art innerhalb eines und desselben
Gesichtsfeldes immer dieselbe Zahl Längs- und Querreihen. Doch muss ich
hier erwähnen, dass man kaum eine Schneckenzunge genauer untersuchen
kann, ohne Abnormitäten der Zähne zu finden. Bald schmelzen zwei
Längsreihen zu einer zusammen, bald schiebt sich zwischen zwei Längs-
oder Querreihen an einem beliebigen Punkte eins dritte ein; man
muss also auch hier äusserst vorsichtig mit der Verwerthung für die
Artunterscheidung sein.

Die Zahl der Längsreihen ist sehr verschieden; bei den Deckelschnecken
beläuft sie sich im Allgemeinen nur auf sieben, aber die einzelnen
Zähne sind sehr gross und mit mehreren, mitunter mit sehr vielen
Spitzen versehen. Bei den Pulmonaten dagegen sind die einzelnen Spitzen
alle selbstständig, höchstens findet man an einem Zahn noch eine
oder zwei kleine Nebenspitzen, und die Zahl der Längsreihen ist viel
bedeutender. Dementsprechend ist auch die Zunge der Deckelschnecken
bandförmig, lang und schmal, bei den Pulmonaten kürzer und bedeutend
breiter. Die grössten Schnecken haben auch die meisten Zähne.
Nachstehend gebe ich einige, auf eigenen Zählungen beruhende Zahlen,
die natürlich nur annähernde Werthe geben, da man sich leicht verzählt
und die abgenutzten Zahnreihen der Zungenspitze gar nicht zu zählen
sind.

                         Längsreihen.   Querreihen.     Summe.
  _Neritina fluviatilis_          7         90-96         650
  _Paludina vivipara_             7       100-112     750-800
  _Cyclostoma elegans_            7       120-130       8-900
  _Hyalina cellaria_             58         60-65        3700
  _Limnaea peregra_           72-75       120-125        8800
  _Succinea putris _             96         90-92        8700
  _Helix rufescens_           80-82       124-126       10000
  _Helix sylvatica_           76-80       150-155       12000
  _Helix nemoralis_           88-90           180       16000
  _Helix pomatia _              140       195-200    27-28000

Wie schon angedeutet, werden die Zungenzähne, besonders die am meisten
gebrauchten, am vorderen Ende stark abgenutzt und müssen von Zeit zu
Zeit erneuert werden. Ueber die Art und Weise dieser Erneuerung sind
die Ansichten noch verschieden. Nach ~Keferstein~ rücken Radula und
Zungenhaut gleichmässig zusammen vor, und es kommen so immer neue Zähne
an den vorderen Rand, während die Neubildung nur am hintern Ende in
der Zungenscheide stattfindet. ~Semper~ dagegen (Zum feinern Bau der
Molluskenzunge. Zeitschr. für wissensch. Zoologie IX, 1858) nimmt an,
dass von Zeit zu Zeit die Radula abgestossen werde und sich eine neue
darunter bilde, also eine vollständige Häutung stattfinde. Im letzteren
Falle wäre es aber auffallend, dass man nie eine Radula findet, die
nicht vornen abgenutzt wäre.

Wie bei dem Kiefer lässt sich auch bei der Radula ein Zusammenhang
zwischen der Form der Zungenzähne und der Lebensweise der Schnecken
nachweisen. Die Pflanzenfresser haben viereckige Zähne mit starken,
umgeschlagenen Haken, bei den Fleischfressern sind sie spitz, nadel-
oder dolchförmig, und die von Mulm und faulenden Vegetabilien lebenden
Arten stehen in der Mitte.

Bei der Wichtigkeit, die Zunge und Kiefer für die Systematik haben,
scheint mir eine genauere Angabe über die Art der Präparation nicht
unwichtig. Die des Kiefers ist am einfachsten. Man isolirt den
Schlundkopf und zieht mit einer Nadel den Kiefer davon ab, was bei
allen grösseren Arten keine Schwierigkeit hat; auch bei kleinen
gelingt es unter der Stativloupe unschwer. Ich halte die mechanische
Isolirung immer für besser, als das Kochen in Aetzkali, obwohl man
dann den Kiefer weit weniger rein bekommt, denn das Aetzkali greift
die Hornsubstanz doch immer mehr oder weniger an. Den isolirten
Kiefer reinigt man erst auf dem Finger oder unter der Loupe von dem
anhängenden Bindegewebe, bringt ihn einen Augenblick in möglichst
starken Weingeist, um das Wasser auszuziehen, und legt ihn dann in
einen Tropfen rectificirtes Terpentinöl, um den Alcohol zu verdrängen.
In diesem lässt man ihn einige Augenblicke liegen und reinigt
mittlerweile den Objectträger. Dann erwärmt man diesen etwas, bringt
einen Tropfen Canadabalsam darauf und legt den Kiefer vorsichtig in
denselben. Das Präparat bedeckt man mit einem Deckgläschen und kann es
dann aufheben, so lange man will. Damit keine Luftbläschen bleiben, die
das Bild unter dem Microscope stören, erwärmt man auch das Deckgläschen
etwas oder bestreicht es mit Terpentinöl. Bleiben doch einige Bläschen
im Balsam, so legt man das Präparat, vor Staub geschützt, einige
Stunden auf den Herd oder den warmen Ofen, doch so, dass es nicht zu
stark erhitzt wird, denn sonst beginnt der Balsam zu kochen und das
Uebel wird ärger.

Umständlicher ist die Präparation der Zunge, besonders wenn man das
Präparat aufbewahren will. Man isolirt sie am besten, indem man
den ganzen Schlundkopf in Aetzkali kocht; ich benutze dazu einen
Reagenzcylinder, aber nicht zu kurz, damit die Lauge nicht überkocht
und das Glas für die Finger nicht zu heiss wird. Sobald die Radula
allein herumschwimmt, schütte ich die gesammte Flüssigkeit in eine
weisse Untertasse, fische die Zunge heraus, neutralisire das Kali
durch einen Tropfen Salpetersäure und wasche dann die Radula in
Wasser aus. Zum Untersuchen ist sie dann fertig; will man aber das
Präparat aufbewahren, so muss man sie in ein der Zersetzung nicht
unterworfenes, nicht leicht austrocknendes Medium bringen und
hermetisch von der Luft abschliessen. Zu ersterem Zwecke hat man die
verschiedenartigsten Mischungen; ich benutze meistens eine Mischung
von Arseniklösung oder von salpetersaurer Magnesia mit Glycerin; beide
brechen das Licht weniger stark, als reines Glycerin, die Magnesia
am schwächsten, aber dafür hat sie die unangenehme Eigenschaft, sehr
rasch zu schimmeln und lässt sich nicht aufbewahren. Andere legen
die Zungen in eine Gummilösung, dann halten sie sich eine Zeit lang
ganz gut, bis das Gummi austrocknet und zu springen beginnt. In
Canadabalsam, wie gleichfalls empfohlen wird, darf man die Zungen
unserer Binnenconchylien durchaus nicht legen, da sie darin fast ganz
unsichtbar werden.

Um eine Zunge zum Aufheben zu präpariren, bringt man auf den
sorgfältig gereinigten Objectträger zunächst einen winzigen Tropfen
der Farrand’schen Lösung, -- ein Gemenge von Arseniklösung, Glycerin
und Gummilösung --, und legt die Zunge möglichst trocken mit der
rauhen Seite nach oben darauf. Die Lösung klebt etwas, und es ist
desshalb nicht schwer, die Zunge unter der Stativ-Loupe auszubreiten
und Unreinigkeiten zu entfernen. Dann bringt man vorsichtig einen
Tropfen der Conservirflüssigkeit darauf und bedeckt ihn mit dem durch
Weingeist vorsichtig gereinigten Deckgläschen. Bei einiger Uebung
lernt man leicht die richtige Menge Flüssigkeit treffen, damit nichts
an den Rändern überfliesst und das Ankleben des Lackes verhindert.
Luftbläschen entfernt man durch vorsichtiges Klopfen oder Erhitzen über
einer Spiritusflamme. Eine grosse Erleichterung gewähren Objecthalter,
zwei Korkstopfen, der untere breit, der obere an der Unterfläche
ziemlich spitz, die durch einen gebogenen, federnden Messingdraht
gegeneinander gedrückt werden und auf einem Brettchen befestigt
sind. Man bringt das Präparat dazwischen und kann dann in aller Ruhe
die überschüssige Flüssigkeit mit einem Pinsel oder einem feinen
Leinwandläppchen entfernen. Dann umzieht man den Rand des Deckgläschens
mit einer Auflösung von Siegellack in Weingeist, und überstreicht
diesen nach einigen Tagen mit schwarzem Militärlack. Solche Präparate
halten sich viele Jahre lang ohne die geringste Veränderung.[3]

Um die Präparate auf einander legen zu können, klebe ich an beide
schmale Seiten des Objectträgers ein paar Cartonstreifen, auf die ich
zugleich Namen etc. schreiben kann; zum Aufkleben bediene ich mich
einer mit französischem Terpentin versetzten Schellaklösung; nimmt
man reine Schellaklösung oder Gummi, so springen die Leisten alle
Augenblicke ab.

Aus dem hinteren, oberen Theile der Mundmasse entspringt die
~Speiseröhre~, ein enges, mitunter in Längsfalten liegendes Rohr,
das sich entweder schon nach kurzem Lauf allmählig, wie bei _Helix_
und _Limax_, oder nach langem Lauf plötzlich, wie bei _Limnaea_ und
_Planorbis_, zu einem mehr oder minder geräumigen ~Magen~ erweitert.
Meist der Einmündungsstelle des Schlundes gegenüber entspringt aus dem
Magen dann der Darm; nur bei den Kiemenschnecken erscheint der Magen
mehr zusammengebogen und die beiden Oeffnungen liegen nahe bei einander.

Der ~Darmcanal~ bildet meistens zwei starke Schlingen, die innerhalb
der Lebermasse verlaufen, und geht dann in den kurzen, geraden
~Mastdarm~ über, der an der rechten Seite, zunächst an oder in der
Athemhöhle, nach aussen mündet. Die Wand des Darmes besteht aus einer
dicken Muskelhaut mit besonders starken Längsmuskeln, und einem inneren
Ueberzug von cylindrischen Zellen; Drüsen finden sich in derselben
nirgends.

Dagegen findet man einige starke Drüsen ausserhalb des Darms, aber in
ihn einmündend. Immer sind zwei starke ~Speicheldrüsen~ vorhanden,
die zu beiden Seiten des Schlundes liegen und in ihn einmünden. Den
hintern Theil des Körpers füllt die ~Leber~ aus, aus mehreren Drüsen
bestehend, die den Darm und die Fortpflanzungs-Organe umhüllen und
in den Magen oder den obersten Theil des Darmcanals, jede mit einem
eigenen Ausführungsgange, einmünden.

Das ~Nervensystem~ ist ziemlich einfach. Wir finden weder ein in
ähnlicher Weise wie bei den Wirbelthieren die andern Nervencentren
überwiegendes Gehirn, noch eine Längsreihe strangförmig vereinigter
Nervenknoten, wie bei den Gliederthieren. Das Centralorgan ist ein
Nervenring, der unmittelbar hinter der Mundhöhle, bei den Kiemenathmern
hinter der Schnauze, den Anfang der Speiseröhre umgiebt. Er besteht aus
drei Paar Nervenknoten oder Ganglien, die durch mehrere Nervenfäden
unter einander verbunden sind. Ein Ganglienpaar liegt auf der
Oberseite des Schlundes, es giebt die Nervenäste für den Kopf und
die Sinnesorgane ab und wird das ~Hirnganglion~ genannt. Von den
beiden auf der Unterseite liegenden Paaren versorgt das eine den Fuss
und die Bewegungsorgane, ~Fussganglion~, das andere die Eingeweide,
~Visceralganglion~. Wo besonders starke Organe zu versorgen sind,
finden wir meistens noch einzelne Nervenäste zu Knoten anschwellend,
besonders im Mantel. Die Ganglien bestehen aus ziemlich grossen Zellen
mit mehreren Ausläufern, sogenannten multipolaren Ganglienzellen;
die Ausläufer gehen unmittelbar in die ziemlich breiten, blassen
Nervenfasern über, die aber nicht, wie bei den höheren Thieren, aus
Scheide und Inhalt, sondern nur aus einer gleichartigen Masse bestehen.

Die beiden unteren Ganglien sind bei den Lungenschnecken meist mit
einander verschmolzen, doch kann man an den austretenden Nerven die
Bedeutung der einzelnen Theile leicht erkennen. Bei den Kiemenathmern
sind sie weiter von einander entfernt, bei manchen Seeschnecken liegen
sie sogar, durch lange Nervenfäden verbunden, in ganz verschiedenen
Körpertheilen. Die Farbe des Nervensystems ist meist ein blasses Weiss;
bei _Limnaea_ und _Planorbis_ aber sind alle Theile gelb oder roth
gefärbt.

Die ~Sinnesorgane~ finden wir bei den Gastropoden alle fünf mehr
oder weniger entwickelt. Das ~Gefühl~ scheint seinen Hauptsitz in
den Fühlern zu haben, doch sind auch die anderen Körpertheile mehr
oder weniger empfindlich. Die Fühler oder Tentakel geben durch ihren
sehr verschiedenen Bau wichtige Anhaltspuncte für die Eintheilung.
Bei den lungenathmenden Landschnecken finden wir hohle, im Innern mit
Blut erfüllte Fühler, die wie Handschuhfinger aus- und eingestülpt
werden können. Das Einstülpen geschieht durch einen eigenen Muskel,
der, von dem Spindelmuskel ausgehend, sich kurz vor der Spitze des
Fühlers, aber noch unterhalb des Auges und des Tastorganes, ansetzt;
der vorderste Theil des Fühlers wird also bei seiner Zusammenziehung
nur in die Fühlerröhre hineingezogen, nicht in sich selbst eingestülpt;
dadurch sind die Sinnesorgane vor Zerrung geschützt. Die Ausstülpung
erfolgt ohne Muskelwirkung nur durch den Blutandrang. In die Fühler
tritt von dem Hirnganglion aus ein starker Nervenast, der unmittelbar
jenseits des Muskelansatzes zu einem Nervenknoten anschwillt, von dem
aus feine Fädchen nach der Haut gehen. ~Moquin-Tandon~ will hierin das
Geruchsorgan erkennen.

Die Landschnecken haben meistens vier Fühler, von denen aber die
unteren kleiner und einfacher gebaut zu sein pflegen; bei der zu _Pupa_
gehörigen Gattung _Vertigo_ verkümmern dieselben sogar ganz. Die
Wasserschnecken haben meistens nur zwei Fühler, und sind dieselben nur
einfache, lappen- oder borstenförmige, inwendig solide Hautlappen, die
nicht eingezogen, sondern nur zurückgezogen und unter den Mantelrand
verborgen werden können; sie enthalten auch keinen besonderen
Nervenknoten. Die gedeckelten Landschnecken haben ebenfalls nur zwei,
nicht einziehbare Fühler und gleichen hierin ganz den Kiemenschnecken.

~Gesichtsorgane~ finden sich bei allen Gastropoden, mit Ausnahme
einiger Arten, die in dem ewigen Dunkel grosser Tropfsteinhöhlen, fast
nur im Krain, leben. Sie sind sehr vollkommen gebaut, ganz ähnlich
denen der höheren Thiere. Zu äusserst liegt eine feste, bindegewebige
Haut, die sich vornen zu einer durchsichtigen Hornhaut verdünnt;
dahinter liegt eine ziemlich kugelige Linse, und den Rest des Auges
füllt die Netzhaut aus, an der man aber wieder eine innere faserige und
eine äussere körnige Schicht unterscheiden kann, zwischen denen eine
dünne Schicht farbstoffhaltiger Zellen, der Aderhaut der höheren Thiere
entsprechend liegt. Nur die unterirdisch lebende _Cionella acicula_
hat auch keine ausgebildete Augen, mindestens keine Pigmentschicht
darin. Genauere Untersuchungen an dieser Art sind mir nicht bekannt.
Die Nerven kommen nicht von dem Ganglion des Tastnerven, obwohl das
Auge der Landschnecken unmittelbar auf demselben aufsitzt, sondern von
einem eigenen Nerven, der sich schon ziemlich nahe am Gehirnganglion
von dem Tastnerven abzweigt. Ueber seine Endigungen in der Netzhaut
ist man noch nicht einig, da die schwarzgefärbte Zellenschicht eine
Untersuchung dieser Verhältnisse ausserordentlich erschwert.

Die Lage der Augen gibt für unser System einen sehr wichtigen
Eintheilungsgrund ab. Bei allen lungenathmenden Landschnecken, mit
Ausnahme der Auriculaceen und Cyclostomaceen, stehen die Augen auf der
Spitze der oberen Fühler und der ~Schmidt~’sche Name Stylommatophoren
ist davon abgeleitet. Bei den lungenathmenden Wasserschnecken sitzen
sie meistens innen neben der Fühlerbasis, bei den gedeckelten
Wasserschnecken aussen, bei den gedeckelten Landschnecken ebenfalls
aussen oder hinter der Fühlerwurzel.

Die Schärfe des Gesichtes scheint nicht sehr bedeutend zu sein; doch
können sie immerhin einige Fuss weit sehen. Ich habe oft beobachtet,
dass kriechende Schnecken ihre Fühler einzogen, sobald ich, mehrere
Fuss von ihnen entfernt stillestehend, die Hand nach ihnen ausstreckte.

Auch das ~Gehörorgan~ findet sich bei allen Gastropoden; es besteht
aus zwei kugeligen oder halbkugeligen Bläschen, die beiderseits auf
der Hinterseite der Fussganglien aufsitzen und einen oder einige
steinartige Körperchen, die Hörsteine oder Otolithen, enthalten,
die beständig in schwingender, zitternder Bewegung sind. Sie wurden
zuerst von ~John Hunter~ erkannt, und dann von v. ~Siebold~, und
besonders in neuerer Zeit von Ad. ~Schmidt~[4], genauer untersucht. Bei
kleinen Schnecken kann man leicht die zitternde Bewegung der Otolithen
beobachten, wenn man der lebenden Schnecke den Kopf abschneidet, ihn
mit einem Tropfen Wasser zwischen zwei Objectträgern presst und dann
unter das Microscop bringt; die Bewegung dauert dann ¼-½ Stunde.
Form und Zahl der Gehörsteinchen sind sehr verschieden; _Cyclostoma_,
_Hydrobia_, _Bithynia_ haben nur einen, _Neritina_ viele hunderte. Man
nimmt meistens an, dass sie aus kohlensaurem Kalk (Arragonit) bestehen,
da sie sich in Essigsäure ohne Rückstand auflösen; ~Schmidt~ macht aber
darauf aufmerksam, dass auch in dem Glycerin microscopischer Präparate,
welche längere Zeit der Wärme ausgesetzt waren, die Gehörsteinchen sich
auflösen, was mit dem chemischen Verhalten des Kalkes nicht stimmt.

Bei einigen Schnecken, _Helix_, _Limax_, _Physa_, beobachtete Ad.
~Schmidt~ einen Gang, der von der Gehörblase nach der äusseren Haut
verläuft und vermuthlich als äusserer Gehörgang die Zuleitung des
Schalles vermittelt.

Der ~Geschmacksinn~ ist bei allen Schnecken vorhanden, denn sie wählen
ihre Nahrung sehr sorgfältig aus, seinen Sitz hat man aber noch nicht
ausmachen können. Ebenso ergeht es mit dem ~Geruch~. Vorhanden ist er
jedenfalls, denn die Thiere kriechen in ganz gerader Linie auf ihre
Nahrung zu, auch wenn dieselbe so liegt, dass sie nicht gesehen werden
kann; es scheint der Geruch sogar der schärfste Sinn bei den Schnecken
zu sein und ihre Bewegungen vorzugsweise zu leiten; aber über seinen
Sitz ist man durchaus noch nicht einig. ~Moquin-Tandon~ sucht, wie
schon erwähnt, den Geruchsinn in dem Ganglion des Tastnerven, und bei
den Wasserschnecken, denen dieser Knoten fehlt, in der gesammten Haut;
aber seine Beweise dafür, Versuche an Thieren mit abgeschnittenen
Fühlern, sind durchaus nicht beweisend. Wahrscheinlicher ist die
Annahme von ~Semper~, dass ein von ihm entdecktes, in der Haut
unmittelbar hinter der Mundmasse gelegenes, sehr nervenreiches Organ,
der Sitz des Geruches sei. Genauere Untersuchungen bleiben noch
abzuwarten.

Das ~Gefässsystem~ zeigt bei allen Gastropoden die Eigenthümlichkeit,
dass die Röhrenleitung an irgend einer Stelle unterbrochen ist und
hier die Höhlungen des Körpers das freie Blut enthalten. Wir finden
bei allen ein Herz, von dem Herzbeutel umhüllt, Arterien, die sich
in feine Haargefässe auflösen, und Venen, die das Blut wieder in’s
Herz zurückführen. Aber diese Venen stehen überall, oder doch,
wie die Untersuchungen von ~Wedl~ an _Helix pomatia_ beweisen, an
den meisten Stellen nicht in directem Zusammenhang mit den feinen
Arterienverzweigungen, sondern bilden meist stärkere Stämme mit
freien Endigungen. Das Blut ergiesst sich aus den freien Enden der
Arterien in die Hohlräume zwischen den Eingeweiden und fliesst dort,
nur durch die Bewegungen des gesammten Körpers getrieben, weiter, bis
es an bestimmten Stellen durch die Venen aufgesogen und durch die
Athmungsorgane hindurch in’s Herz geführt wird.

Das ~Herz~ liegt meistens in nächster Nähe der Athemorgane, meistens
an dem Rücken des Thiers in der hinteren Ecke der Mantelhöhle,
unmittelbar am Mastdarm, nicht selten, z. B. bei _Neritina_, von
demselben durchbohrt. Es ist immer von einem Herzbeutel umgeben und
besteht aus einem dünnwandigen Vorhof und einer dickwandigen Kammer,
beide sind kegelförmig und mit der Basis auf einander aufgewachsen.
Die Oeffnung zwischen beiden wird durch Klappen geschlossen, die sich
nach der Kammer hin öffnen und also ein Zurückströmen des Blutes nicht
gestatten. Der Vorhof liegt bei allen unseren Schnecken nach vorn
gerichtet.

Aus der Herzkammer entspringt an der kegelförmigen Spitze die
grosse Körperschlagader, bei den Kiemenathmern finden wir hier auch
zwei Klappen als Verschluss, bei den Lungenathmern fehlen sie, bei
_Limax_ sogar auch die an der Oeffnung zwischen Kammer und Vorhof;
der Verschluss wird dann durch einen Ringmuskel bewirkt. Die
Schlagader giebt zunächst einen starken Ast an die Leber und die
Geschlechtsorgane, weiterhin an die Verdauungsorgane ab und verzweigt
sich dann in Kopf und Fuss. Aus den freien Enden der feinsten
Zweige tritt das Blut in die schon erwähnten Hohlräume, Lacunen
oder Sinus genannt, und wird dann von den Venen theils mit ihren
freien Enden, theils durch Oeffnungen in ihren Stämmen aufgesogen
und den Athmungsorganen zugefügt. Bei den Lungenathmern bilden die
Lungengefässe einen Ring um den Lungensack, aus dem zahlreiche
Stämmchen entspringen und sich netzartig verzweigen, um sich dann
wieder zu einem grossen Stamm zu sammeln, der in die Spitze des
Vorhofes mündet. -- Bei den Kiemenathmern dagegen strömt das Blut
frei durch den Raum innerhalb der Kieme und wird am Ende derselben
wieder von einem Stamme aufgenommen, der in’s Herz führt. Daneben
führen aber andere Stämme das Blut, ohne die Kiemen zu berühren, direct
in’s Herz. Es muss also bei den Lungenathmern das sämmtliche Blut die
Athmungsorgane passiren, um wieder in’s Herz zu gelangen, bei den
Kiemenathmern nur ein Theil.

Bei den Kiemenathmern findet sich seltsamer Weise innerhalb der Nieren
eine Oeffnung in einer Venenwand, durch die das Blut mit Wasser
verdünnt werden kann.

Das Blut selbst besteht aus einer bläulich oder röthlich gefärbten
Flüssigkeit, in der zahlreiche, farblose Blutkörperchen schwimmen.
Im Gegensatz zu dem Blute der höheren Thiere ist also hier die
Blutflüssigkeit Trägerin der Farbe. Die Blutkörperchen haben einen
deutlichen Kern und sehr häufig blasse, sternförmige Ausläufer. Die
Quantität des Blutes wechselt nach dem Fütterungszustande sehr; bei
hungernden Schnecken nimmt zunächst immer die Blutmenge ab, während der
übrige Körper unberührt bleibt.

Die ~Athmungsorgane~ sind, wie schon oben erwähnt, nach zwei
verschiedenen Typen gebaut, entweder ~Lungen~ zum Athmen der Luft
oder ~Kiemen~ zum Wasserathmen. Doch darf man sich den Unterschied
nicht entfernt so gross vorstellen, wie zwischen Wirbelthierlunge
und Fischkieme. Es ist vielmehr wesentlich derselbe Typus: ist nur
eine Stelle in der Wand des Lungensacks besonders gefässreich, ohne
sonst hervorzutreten, so nennt man sie Lunge, erhebt sie sich zu
einer gefässreichen Falte, so nennt man sie Kieme. Gewöhnlich benutzt
man diesen Unterschied als Haupteintheilungsgrund, aber dann hat
man den Uebelstand, dass man die gedeckelten Landschnecken, deren
Athmungsorgane ganz den Bau der Lungenschnecken haben, auch zu diesen
ziehen muss, obwohl sie in ihrem sonstigen Bau vollkommen mit den
Kiemenschnecken übereinstimmen. Manche helfen sich nun damit, dass sie
die Athmungsorgane derselben trotz ihres Baues für Kiemen ansehen, aber
das ist doch wohl eine etwas starke Entstellung des Thatbestandes, wenn
sie auch das System sehr vereinfacht.

Die ~Lungen~ bestehen also einfach aus einer gefässreichen Stelle
an der Decke der Mantelhöhle, die durch einen starken Muskel
verengert und erweitert werden kann; sie erhalten die Luft durch
die Athemöffnung, welche ebenfalls durch einen eigenen Ringmuskel
geöffnet und geschlossen werden kann. In ihren Gefässen kann man zwei
Netze unterscheiden, ein gröberes, aus stärkeren, mit Flimmerepithel
ausgekleideten Stämmen bestehendes, und ein feineres aus dünnen,
epithellosen Gefässchen, nach ~Semper~ sogar aus wandungslosen Lacunen.

Die ~Kiemen~ sind einfache oder verästelte Falten der Haut, in deren
Zwischenräumen das Blut ohne eigentliche Gefässe von einem Venenstamm
in den anderen übertritt. Bei _Paludina_ ist die Kieme dreieckig,
ziemlich lang, aber noch innerhalb der Mantelhöhle verborgen, bei
_Valvata_ dagegen steht sie als ein verästelter Federbusch aus dem
Athemloche hervor. Eine Verlängerung des Athemlochrandes zu einer
Athemröhre, wie bei so vielen See-Kiemenschnecken, kommt bei unseren
Arten nicht vor.

Alle Schnecken haben ~Absonderungsorgane~ zur Entfernung der
verbrauchten Körpersubstanz. Vor allen Dingen gehört hierher die
~Niere~, eine grosse Drüse mit einem Hohlraum im Inneren, die ebenfalls
wie Lunge und Herz an der Decke der Mantelhöhle liegt, meistens
zwischen diesen beiden Organen. Sie mündet entweder direct in die
Mantelhöhle, wie bei _Arion_, oder durch einen kürzeren oder längeren
Gang, den ~Ureter~, vornen in der Nähe der Afteröffnung. Die Mündung
ist fast immer von einem kräftigen Schliessmuskel umgeben. Die Niere
bildet einen weiten Sack, in dessen Innerem sich eine Menge häutiger
Falten erheben und die absondernde Oberfläche vergrössern. Das ganze
Innere ist mit einer Schicht cylindrischer Zellen mit flimmernden
Fortsätzen ausgekleidet; der Inhalt ist harnsaures Ammoniak, meistens
in festen Concretionen, die ~Swammerdam~, der Entdecker, für Kalk
ansah. ~Cuvier~ erklärte die Niere für eine Schleimdrüse, und das
Gewicht seines Namens hielt diese Ansicht gegen die richtigere von
~Wilbrand~ aufrecht, bis 1820 ~Jacobson~ die chemische Beschaffenheit
des Inhalts nachwies.

Bei den Kiemenschnecken, insbesondere bei _Paludina_, von der wir
~Leydig~[5] eine ausgezeichnete Anatomie zu verdanken haben, hat die
Niere und der dort sehr stark erweiterte Ausführungsgang wahrscheinlich
noch eine andere Verrichtung. Wie schon oben erwähnt, hat hier das
Gefässsystem in der Niere eine Lücke, durch die das Blut in die
Nierenhöhle hineintreten und sich dort mit dem eingedrungenen Wasser
vermischen kann. In welcher Weise das Blut hier verändert wird, ob eine
Veränderung regelmässig oder nur in Ausnahmsfällen stattfindet, weiss
man noch nicht.

Ausser der Niere finden wir noch bei vielen Schnecken ~Schleimdrüsen~.
Am entwickeltsten sind sie bei den nackten Landschnecken. Wir finden
hier meistens eine lange, bandförmige Drüse, die ~Fussdrüse~, die
sich innerhalb des Fusses durch den ganzen Körper hin erstreckt und
mit einer weiten Oeffnung zwischen Kopf und Fuss mündet. Ausserdem
haben viele Schnecken noch eine ~Schwanzdrüse~, die unmittelbar auf
der Schwanzspitze liegt; diese sondert, namentlich bei der Begattung,
grosse Quantitäten Schleim ab, den die Schnecken, nach ~Bouchard~, vor
der eigentlichen Begattung sehr begierig fressen.

Die ~Geschlechtsorgane~ sind bei den Lungenschnecken wesentlich anders
gebaut, als bei den Kiemenschnecken. Während nämlich die letzteren fast
sämmtlich getrennten Geschlechtes sind, sind die Pulmonaten sämmtlich
Zwitter, und zwar Zwitter in der höchsten Ausbildung, da Samen und Eier
von einer Drüse producirt werden. Nach dem Vorgange ~Meckels~ suchte
man dies dadurch zu erklären, dass man zwei ineinandergeschachtelte
Drüsen annahm, von denen die äussere Eier, die innere Samen absondere.
Es ist eine solche Einschachtelung aber nicht zu finden und neuere
Untersuchungen haben auch die Unrichtigkeit dieser Theorie direct
nachgewiesen. Eine und dieselbe Drüse, die ~Zwitterdrüse~, sondert in
ihren fingerförmigen Lappen Samen und Eier ab, ohne dass man sagen
könnte, welcher Theil besonders Eier und welcher Samen abscheide.
Von der Drüse aus gehen beide gemeinsam durch den sogenannten
~Zwittergang~ bis zu einer, an seinem Ende befindlichen Erweiterung,
der ~Samentasche~. Hier beginnt die Trennung. Die Eier, bis dahin nur
aus einem Dotter bestehend, bekommen eine Eiweisshülle und gehen durch
einen weiten Gang, den ~Eileiter~, nach unten. Im Verlaufe dieses
Ganges liegen eine Anzahl Drüsen, die den Eiern der Landpulmonaten ihre
Kalkschale liefern. In der Nähe des Ausganges verschwinden die Drüsen
und der Eileiter wird zur ~Scheide~, in die bei der Begattung der Penis
eingeführt wird.

Der Samen wendet sich von der Samentasche aus nach dem ~Samengang~,
der Anfangs nur eine enge, mit Flimmerepithel ausgekleidete Rinne
in der Wand des Eileiters darstellt, sich aber bald als freier Gang
davon loslöst und nach dem Penis führt. Auch seine Wand ist mit
zahlreichen, kleinen Drüsen besetzt, der untere Theil ist aber frei
und geht allmählig in den _Penis_ über, eine musculöse Erweiterung des
Samenganges, die durch den Blutandrang ausgestülpt und durch einen
eigenen Muskel wieder zurückgezogen werden kann.

Die äussere Geschlechtsöffnung liegt bei allen rechtsgewundenen Arten
an der rechten Seite des Halses, bei den linksgewundenen, auch wenn es
abnorme Exemplare von sonst rechtsgewundenen Arten sind, an der linken
Seite.

Bei den meisten Heliceen hat der Penis hinten einen peitschenförmigen
Anhang, das _~Flagellum~_, der mitunter länger als der Körper des
Thieres ist. In ihm und in dem hinteren Theile des Penis wird Schleim
abgesondert, der, zu einem Pfropf erhärtet, bei allen Landpulmonaten
als Samenträger, ~Spermatophore~, dient, d. h. er nimmt in eine kleine
Höhlung im Inneren den Samen auf und wird mit demselben in die Scheide
hineingeschoben.

Ausser diesen wichtigsten Bestandtheilen des Geschlechtsapparates
finden wir bei vielen Gattungen noch eine Anzahl ~Anhangsdrüsen~, über
deren Bedeutung man noch nicht im Klaren ist. Bei den meisten Arten der
Gattung _Helix_ finden wir als Anhang der Scheide einen musculösen,
ziemlich grossen Sack, der uns beim Seciren sofort in’s Auge fällt; er
enthält im Inneren ein kalkiges, pfeil- oder lanzenförmiges Gebilde,
den ~Liebespfeil~, das den inneren Raum vollständig ausfüllt. Beim
Vorspiel der Begattung wird derselbe durch Ausstülpung der an seinem
Grunde befindlichen Papille herausgetrieben und mit einer gewissen
Gewalt in die Haut der anderen Schnecke hineingestossen. Welche
Bedeutung dieser Vorgang hat, ist ganz unklar; nöthig für die Begattung
ist er sicherlich nicht, da jede Schnecke nur einmal den Pfeil
ausstösst, sich aber sehr häufig mehrfach begattet. Die Liebespfeile
zeigen sich so constant in der Form, dass man sie als werthvolles
Unterscheidungskennzeichen nahe verwandter Arten, z. B. _Helix
nemoralis_ und _hortensis_, _costulata_ und _candidula_ verwenden
kann. Man erhält sie am sichersten unzerbrochen, wenn man den ganzen
Pfeilsack ausschneidet und in einem Reagenzgläschen in Aetzkalilauge
kocht; es bleibt dann nur der Pfeil übrig.

Viele Helices haben ausserdem noch einen Anhang am Stiele der
Samenblase, das ~Divertikel~; es übertrifft mitunter an Länge die
Samenblase, sein Zweck ist aber noch unklar; bei manchen Arten nimmt
es die Spermatophore auf, aber nahe verwandte Arten haben wieder kein
Divertikel.

Ausserdem finden wir noch viele Schleimdrüsen, die besonders bei der
Begattung sehr lebhaft absondern.

Die einzelnen Theile sind bei den verschiedenen Gattungen so
verschieden gebaut, dass sie höchst wichtige Anhaltspuncte für die
Unterscheidung der Gattungen und Arten darbieten. Beobachtungen
darüber finden wir besonders in dem Werke von Adolf ~Schmidt~: der
Geschlechtsapparat der Stylommatophoren, und bei ~Moquin-Tandon~,
Histoire des mollusques terr. et fluv. de la France.

Weit einfacher ist der Bau des Geschlechtsapparates bei den
~Kiemenschnecken~. Männliche wie weibliche Organe bestehen hier aus
einer in die Lebersubstanz eingebetteten, keimbereitenden Drüse,
die immer auf der rechten Seite des Thieres liegt, und einem langen
Ausführungsgang. Bei dem Weibchen erweitert sich derselbe dicht vor
seiner Mündung zu einem _Uterus_, zu dem bei _Paludina_ noch eine
Samentasche, bei _Neritina_, nach ~Claparède~, eine Nebendrüse mit
fettigem Secret kommt. Vor dem Uterus liegt noch eine kurze Scheide,
die in die Mantelhöhle links hinter dem After einmündet. -- Bei dem
Männchen läuft der Ausführungsgang ganz auf dem Boden der Mantelhöhle
nach dem Penis zu, entweder als geschlossenes Rohr, wenn der Penis hohl
ist, oder als offene Rinne bis zur Spitze desselben, wenn er solide
ist. Der Penis liegt immer am Kopfe, dicht hinter dem rechten Fühler,
oder, wie bei _Paludina_, in einer Rinne desselben; er kann nicht
eingezogen, aber doch unter dem Mantel verborgen werden.

Die gedeckelten Landschnecken verhalten sich auch hierin ganz wie die
Kiemenschnecken.

Sämmtliche Theile des Geschlechtsapparates bestehen aus einer äusseren
Muskelschicht und einer inneren Zellenschicht mit stark flimmerndem
Epithel.



Zweites Capitel.

Entwicklung der Schnecken.


Nicht nur bei den Getrenntgeschlechtigen, sondern auch bei den Zwittern
ist zur Befruchtung eine Begattung nöthig. Nur in Ausnahmsfällen ist
eine Selbstbefruchtung, wie sie zuerst K. E. ~von Bär~ bei _Limnaea
auricularia_ beobachtete, möglich. Bekannt ist, dass ~Czermak~ von
einer _Limnaea_, die er schon als Ei isolirte, befruchtete Eier und
Nachkommen erhielt.

Bei unsern Kiemenschnecken hat man, soviel mir bekannt, eine Begattung
noch nicht beobachtet, um so häufiger bei den Pulmonaten, wo sie
entweder wechselseitig, wie bei den Heliceen, oder abwechselnd, wie bei
den Limnäen, erfolgt.

Wo die Befruchtung der Eier erfolgt, ist noch nicht ermittelt,
wahrscheinlich im oberen Theile der Saamenblase, ehe sie von Eiweiss
und Schale umhüllt sind. Eine Anzahl unserer Schnecken, _Paludina
vivipara_, _Helix rupestris_, _Balea fragilis_, _Clausilia ventricosa_,
_biplicata_, sind lebendiggebärend, d. h. die Eier werden im unteren
Theile des Uterus so lange behalten, bis das Eiweiss vollständig
aufgezehrt ist und das Junge die Eihülle verlässt. Alle anderen legen
Eier, aber in sehr verschiedener Weise. Die Landpulmonaten legen
meistens Eier mit kalkartiger Schale, die bei einigen tropischen
Arten (_Bulimus ovatus_ und _oblongus_) die Grösse eines Taubeneies
erreichen; sie sind meist kugelförmig, bisweilen auch oval oder in
zwei Spitzen ausgezogen und dann mitunter in perlschnurartige Reihen
geordnet, sonst fast immer isolirt zu kleinen Häufchen gruppirt. Ihre
Zahl ist sehr bedeutend, _Limax agrestis_ z. B. legt im Laufe eines
Sommers 3-500 Eier. Meistens werden sie in feuchter Erde, unter Laub,
Moos und Steine u. dgl. ohne weitere Sorgfalt abgesetzt; nur _Helix
pomatia_ gräbt eine kellerartige Höhle und wölbt sie oben wieder zu,
wenn die Eier abgesetzt sind. Die Wasserpulmonaten und auch _Succinea_
legen eine grössere Anzahl Eier, durch Schleim zu einem gemeinsamen
Laich zusammengeklebt, an die Blätter der Wasserpflanzen. _Neritina_
setzt ihre Eier in einer aus zwei Halbkugeln zusammengesetzten Kapsel
ab, die sie auf Steinen oder anderen Schnecken befestigt, die erste
Andeutung der oft so wunderbar complicirt gebauten Eierkapseln der
Seeschnecken.

Die Entwicklung der Eier hat man besonders bei den Wasserschnecken,
wo sie blos von dem durchsichtigen Eiweiss umgeben sind, beobachtet.
Lungenschnecken und Kiemenschnecken zeigen hier eine durchgreifende
Verschiedenheit. Bei _Limnaea_ beginnt alsbald nach der Absetzung des
Laiches die Furchung des Dotters; schon am zweiten Tage zeigen sich
die ersten Spuren des Embryos, der Fuss entwickelt sich und der Embryo
beginnt sich langsam um sich selbst zu drehen. Es bildet sich dann
der anfangs geradlinige Darmcanal mit Mund und After, der Mantel, und
auf oder vielmehr in ihm die erste Anlage der Schale; dann bilden sich
Fühler und Augen, Nervensystem, Athmungs- und Kreislaufsorgane, und
nach circa 20 Tagen sprengt der Embryo die Eihülle.

Etwas complicirter ist der Entwicklungsgang bei den Landpulmonaten, wo
man ihn, durch die Durchsichtigkeit der Eischale begünstigt, besonders
bei _Limax_ verfolgt hat. Es bilden sich hier nämlich, ausser den
bleibenden Organen, am Nacken und am Schwanzende zwei contractile
Blasen aus, die ~Nackenblase~ und die ~Schwanzblase~, und vermitteln
durch ihre Zusammenziehungen eine Art Kreislauf; mit der Entwicklung
des Herzens bilden sie sich wieder zurück. Ausserdem finden wir in der
Athemhöhle noch ein S-förmig gebogenes Organ, das Harnstoff ausscheidet
und somit als Niere dient; man nennt es die ~Urniere~; auch es
verschwindet, wenn sich die bleibenden Nieren ausbilden.

Von den Kiemenschnecken kennen wir durch ~Leydig~ sehr genau die
Entwicklung von _Paludina vivipara_; dieselbe ist unschwer zu
verfolgen, da man im Uterus stets die verschiedenen Entwicklungsstadien
beisammen findet. Characteristisch ist für dieselbe ein eigenes
Bewegungsorgan, das später wieder schwindet, das ~Segel~ oder ~Velum~,
ein mit Wimpern besetzter Wulst, mit dessen Hülfe der Embryo langsam
rotirt. Bei _Neritina_, wo sich aus vielen Eiern in einer Kapsel
immer nur ein Embryo entwickelt, dient das Segel demselben, um die
anderen Eier in die Nähe seiner Mundöffnung zu bringen, damit er sie
verschlingen kann. Nach dem Segel bilden sich dann die anderen Organe
in folgender Reihenfolge: Darm, Leber, Fuss, Sinnesorgane, Mantel,
Schale, Nervensystem, Herz, Kiemen. Wie schon oben erwähnt, ist die
Schale der Kiemenschnecken zu keiner Zeit eine innere, während die der
Pulmonaten im Ei von einem Mantellappen bedeckt wird, der später wieder
schwindet.

Die meisten Eier werden natürlich im Sommer abgesetzt, doch findet man
sie auch noch im Herbst; eine Ueberwinterung gehört aber, wenn sie
überhaupt vorkommt, zu den Seltenheiten. Viele Schnecken scheinen bald
nach beendigtem Eierlegen zu sterben; man findet, wenigstens im Sommer,
sehr häufig frisch gestorbene Schnecken. Bei _Physa_ beobachtete
es schon ~von Alten~; da diese Schnecke nach ihrem Tode sehr rasch
aus dem Gehäuse herausfällt, nahm er an, sie verlasse dasselbe vor
dem Eierlegen freiwillig und sterbe dann, ein Irrthum, den schon
Carl ~Pfeiffer~ berichtigt hat. -- Doch ist das Verhältniss durchaus
nicht so, wie bei vielen Insecten, besonders den Schmetterlingen, die
unmittelbar nach dem Eierlegen sterben; viele Schnecken legen mehrmals
Eier, und selbst in mehreren Jahren nach einander, wie es wenigstens
~Sporleder~ bei _Helix cingulata_ beobachtet hat. Es sind über diesen
Punct noch viel zu wenig Beobachtungen gemacht.

Ihre vollständige Grösse scheinen die meisten Schnecken innerhalb
eines Jahres, die Winterruhe mit eingerechnet, zu erreichen. Unter
günstigen Verhältnissen bauen viele noch im Herbst ihr Gehäuse fertig,
die anderen müssen es bis in’s Frühjahr aufschieben. Irrthümlich ist
es, aus den Wachsthumstreifen, die man mitunter am Gehäuse findet,
aufs Alter schliessen zu wollen, da dieselben durchaus nicht der Zahl
der Jahre entsprechen; die Schnecken vergrössern ihr Gehäuse mehrmals
im Jahre, so oft sie Kalk genug angesammelt haben. Der Mundsaum mit
seinen Verdickungen, Lippen und Falten ist das Letzte, was gebaut wird,
so dass man daran das fertige Gehäuse leicht erkennen kann. Doch ist
dies nicht immer der Fall. Bei _Helix personata_ habe ich beobachtet,
dass sie die Mündungslamellen schon bildet, wenn unter der Oberhaut
erst eine ganz dünne Kalkschicht vorhanden ist; es muss also hier nach
Vollendung der Mündung noch eine Verdickung der Schale stattfinden,
und zwar wahrscheinlich während der Winterruhe, denn ich fand die
dünnschaligen, durchsichtigen Exemplare noch im Spätherbst, aber nicht
mehr im Frühjahr.

Der Weiterbau des Gehäuses erfolgt, indem das Thier aus dem vorderen
Theile der Mantelfläche eine dünne Haut ausscheidet, durch die man die
Mantelgefässe sehr stark entwickelt durchscheinen sieht. In dieselbe
lagert sich dann der Kalk ab und zuletzt wird der Farbstoff von den
Drüsen des Mantelrandes ausgeschieden. Während des ganzen Vorganges
sitzt das Thier unbeweglich still, auf die Unterseite eines Blattes
oder an einen Stamm angekittet. Natürlich hängt die Grösse des
angebauten Stückes mit dem Blutreichthum, also auch mit der Art und
Menge der Nahrung zusammen.

Ueber die Dauer der normalen Entwicklung wären genauere Untersuchungen
noch sehr zu wünschen. ~Sporleder~ hat Clausilien in 4 Monaten, und
andere unter denselben Bedingungen erst in 9 Monaten ihre volle Grösse
erreichen sehen. Am schnellsten scheinen sich die Wasserschnecken zu
entwickeln; _Planorbis leucostoma_ und _Limnaea peregra_ sind schon
nach drei Monaten fortpflanzungsfähig; _Limnaea stagnalis_, die ich in
einem Aquarium zog, begattete sich zum ersten Mal in einem Alter von 4
Monaten.

Im Allgemeinen haben die Landschnecken ein bestimmtes Grössenmass,
das sie auch unter den günstigsten Lebensverhältnissen nicht leicht
überschreiten, auch wenn sie nach seiner Erreichung noch lange
leben. Wasserschnecken, und besonders einzelne Limnäen dagegen, _L.
auricularia_, _ovata_, scheinen zu wachsen, so lange sie leben, und
erreichen nicht selten eine die normale weit übertreffende Grösse.

Durchaus nicht selten kommen abnorm gebaute Schneckenhäuser vor,
namentlich verkehrt gewundene und wendeltreppenartige. Für letztere
liegt die Ursache meistens in irgend einer Verletzung, die das Thier
in seiner Jugend erlitt; wird dadurch das vordere Ende des letzten
Umganges nach unten gedrückt und bleibt etwa noch ein fremder Körper
stecken, der das Thier verhindert, wieder in die normale Richtung zu
gelangen, so muss es von seiner normalen Windungsrichtung abweichen.
Bis zu einem gewissen Grade kann man diess künstlich erreichen, wenn
man die letzte Windung bei jungen Exemplaren etwas nach unten drückt
und dann einen Wachs- oder Siegellacktropfen darüber befestigt.
Es kommen aber auch solche sogenannte ~Scalariden~ vor, bei denen
die Missbildung ohne eine nachweisbare Verletzung schon an den
Embryonalwindungen ihren Anfang nimmt, so dass man also eine angeborene
falsche Richtung annehmen muss. In den höchsten Graden dieser
Missbildung ist das Gehäuse ganz frei gewunden, ohne dass sich die
Umgänge berühren, wie es bei Planorben nicht selten ist und bei einer
Cubaner Deckelschnecke, _Choanopoma echinus Wright_, normal vorkommt,
oder der ganze Kegel ist ohne eine Spur von Windung, in Gestalt eines
Nachtwächterhornes, aufgebaut. -- Mitunter kommen auch umgekehrte
Scalariden vor, d. h. Schnecken, die sonst ein kegelförmiges Gehäuse
zu bilden pflegen, werden durch eine Verletzung veranlasst, eine
flache Scheibe zu bauen, wie ich bei _Helix fruticum_ und _nemoralis_
beobachtet habe.

Sehr interessant ist eine hierhergehörige Beobachtung von ~Sporleder~.
Ein scalar gewundener _Planorbis vortex_, den derselbe in einem Glase
hielt, suchte sich mit einem anderen, normal gebauten, zu begatten, und
von dieser Zeit an begann das normale Exemplar ebenfalls scalar weiter
zu bauen.

Ueberhaupt sind die Planorben besonders geneigt zu den seltsamsten
Windungsanomalien. ~Heynemann~ besitzt ein Exemplar, das wie ein um
einen dünnen Draht, den man später wieder herausgenommen, gewickeltes
Kordel aussieht. In Mengen hat sie einmal ~Hartmann~ in einem mit
Eichenlaub erfüllten Tümpel gefunden; er sucht die Ursache in den
Verletzungen durch die Ränder der harten Blätter. Geringere Grade
findet man sehr häufig bei _Helix lapicida_ und noch häufiger bei
_ericetorum_.

Schwerer zu erklären als die Wendeltreppenform ist die ~abnorme
Windungsrichtung~. Hier hat man die unsinnigsten Erklärungsweisen
versucht und in neuester Zeit noch sogar die Electricität zu Hülfe
genommen. Wenigstens wahrscheinlich ist eine Erklärungsweise, die
mir Herr Professor ~Dunker~ mittheilte, und die meines Wissens noch
nirgends veröffentlicht ist; derselbe nimmt nämlich an, dass die
abnorm gewundenen Exemplare aus Zwillingseiern stammten, bei denen
des Raumes wegen der eine Embryo rechts, der andere links drehen
müsse. Eine entscheidende Beobachtung dürfte sich wohl nur bei den
Arten machen lassen, die, wie manche siebenbürgische und indische
_Bulimus_, normaler Weise bald rechts, bald links gewunden vorkommen.
Eine Fortpflanzung zwischen abnorm und normal gewundenen Schnecken
ist wohl unmöglich, da mit der Windungsrichtung sich auch die Lage
sämmtlicher Organe, und also auch der Geschlechtsöffnung, ändert. Aber
auch zwei abnorm gewundene pflanzen, wenn sie sich begatten, ihre
abnorme Richtung nicht fort; ~Chemnitz~ brachte mit grossen Kosten
eine Anzahl linksgewundener _Helix pomatia_ zusammen, erhielt aber von
ihnen stets nur rechtsgewundene Nachkommen. Demgemäss findet man solche
Abnormitäten immer nur einzeln zwischen normalen Exemplaren; unter den
vielen Tausenden von _Helix pomatia_, die jährlich nach Wien gebracht
werden, finden sich nach ~Rossmässler~ höchstens 10-12 linksgewundene,
sogenannte Schneckenkönige. Von häufigerem Vorkommen ist mir nur die
von ~Hartmann~ (Erd- und Süsswassergasteropoden der Schweiz, I, p. 86)
angeführte Beobachtung von ~Mousson~ bekannt, der in einem 3′ breiten,
12′ langen Tümpel bei Wiedikon, Canton Zürich, zwölf linksgewundene
_Limnaea peregra_ beisammen fand.

Eine andere häufige Abnormität ist die ~Albinoform~, der Mangel von
Farbstoff im ganzen Gehäuse oder doch wenigstens in den Bändern; im
ersteren Falle ist auch das Thier farblos. Meistens fehlt es dann
dem Gehäuse auch an Kalk, und besonders die farblosen Binden sind
meistens durchscheinend. Die Ursache suchen manche in Armuth des
Bodens an Kalk, andere, z. B. ~Hartmann~, in Nässe und Feuchtigkeit;
beide Gründe scheinen mir nicht ausreichend, denn man findet sie auch
auf kalkreichem Boden und meistens einzeln unter der Stammform; ich
fand _Helix hortensis_ nirgends häufiger mit durchscheinenden Binden,
als an den trocknen Abhängen des Heidelberger Schlossbergs. Manche
Arten finden sich so constant an bestimmten Orten, dass man eine
Erblichkeit, wie bei den weissen Mäusen, Kaninchen u. dgl. annehmen
muss. Züchtungsversuche fehlen hier noch.

Verwandt mit ihnen sind die Schnecken mit abnorm dünnen Schalen, wie
bei den Varietäten _picea_ und _aethiops_ von _Helix arbustorum_. Hier
ist meistens die Armuth des Bodens an löslichem Kalk die Ursache, doch
kommen mitunter auch an kalkreichen Orten einzelne Exemplare vor, bei
denen man dann eine Krankheit, etwa analog der Rhachitis der Menschen,
annehmen muss.

Eine sehr interessante Missbildung fand ich einmal bei _Helix pomatia_;
das etwa halbwüchsige, sonst ganz normal gebildete Exemplar hatte
nämlich den Winterdeckel nicht ganz ablösen können, es war ein etwa 1½‴
breiter, halbmondförmiger Rand auf der einen Seite stehen geblieben,
und das Thier hatte von dem inneren Rande desselben weiter gebaut.
-- Einmal erhielt ich auch eine Weinbergsschnecke mit perlenartigen
Concretionen in der letzten Windung, und auch bei _Planorbis corneus_
habe ich dergleichen beobachtet.

Wasserschnecken findet man nicht selten mit angefressenem, cariösem
Gehäuse, mitunter so, dass ein Theil des Gewindes verloren gegangen
ist; Planorben werden dadurch ringförmig durchbohrt. Ueber die
Ursachen dieser Erscheinung werden wir weiter unten bei den Muscheln
ausführlicher reden. Landschnecken, die, wie der südeuropäische
_Bulimus decollatus_, die obersten Umgänge ihres Gehäuses in dem
Masse, wie sie weiterbauen, abwerfen, haben wir bei uns freilich
nicht, aber verwandte Erscheinungen sind bei unseren Wasserschnecken
durchaus nicht selten. Namentlich in Gebirgsquellen findet man
_Limnaea peregra_ häufig mit tief ausgefressenen Löchern, die bis auf
die verdickte Perlmutterschicht dringen, und oft sind die obersten
Windungen ganz oder zum Theil verloren. Aber auch in stehenden Wassern
findet man angefressene Exemplare; bei ~Heynemann~ sah ich sehr cariöse
_L. stagnalis_, und ein besonders zerfressenes Exemplar von _L.
palustris_, in einer Lache in der Nähe von Bornheim gefunden, hat Herr
~Dickin~ der Normalsammlung der deutschen malacologischen Gesellschaft
übergeben.

Mitunter bauen Schnecken, nachdem sie ihr Gehäuse schon abgeschlossen
und den Mundsaum fertig gebildet haben, noch einmal weiter. Besonders
häufig findet man es bei den grossen Limnaeen, bei _auricularia_ und
_ovata_, wo dann der umgewölbte Mundrand als scharfer Grat aus dem
Gehäuse vorspringt, wie es bei manchen Seeschnecken, z. B. _Tritonium_,
_Murex_, Regel ist. Aber auch bei Landschnecken kommt es vor, dann ist
freilich das angebaute Stück fast immer farblos, rauh und krüppelhaft.
Bricht man in das Gehäuse einer Schnecke ein Loch kurz oberhalb der
Mündung, so kann man nicht selten beobachten, dass das Thier dann diese
künstliche Oeffnung zum Aus- und Einkriechen benutzt, und nicht selten
baut es hier auch noch ein Stückchen an. Besonders sicher kann man
diese Missbildung, die früher für eine der grössten Seltenheiten galt,
bei Clausilien erzeugen, wenn man die Mündung mit Wachs verstopft und
etwas weiter oben eine genügend weite Oeffnung bricht.



Drittes Capitel.

Lebensweise der Schnecken.


Die Schnecken lieben im Allgemeinen Wärme und Feuchtigkeit und sind
desshalb am lebhaftesten in der warmen Jahreszeit und bei feuchtem
Wetter. Nur wenige lieben trockene Orte, wie _Helix ericetorum_,
_candidula_, _costulata_, _Bulimus tridens_ und _detritus_; doch sind
auch diese lebhafter Morgens, so lang noch der Thau liegt, und nach
einem Regen. Eine Ausnahme machen die Daudebardien, Vitrinen und
_Cionella acicula_, die nur im Spätherbst und Frühjahr, und in gelinden
Wintern auch den ganzen Winter hindurch zu finden sind, während
sie sich im Sommer, in unseren Gegenden wenigstens, verbergen; im
Hochgebirge, an der Schneegränze, sind sie allerdings den ganzen Sommer
hindurch zu finden.

Alle anderen Landschnecken verkriechen sich im Winter mehr oder weniger
tief, manche an geeigneten Orten mehrere Fuss tief, und schliessen ihre
Mündung mit einem kalkigen, häutigen oder seidenartigen Deckel, dem
Winterdeckel, _Epiphragma_; im Laufe des Winters ziehen sich viele
dann immer weiter zurück und bauen mehrere Scheidewände hintereinander,
die inneren sind aber immer dünn und häutig, auch wenn der erste kalkig
ist. Auch viele der ungedeckelten Wasserschnecken vergraben sich in den
Schlamm und schliessen ihr Gehäuse mit einem dünnen, häutigen Deckel.
Doch geschieht dies durchaus nicht regelmässig; selbst bei der strengen
Kälte im Februar 1870 fand ich die Limnaeen und Planorben meines
Aquariums, von dem ich fast täglich mehrmals das Eis entfernen musste,
zwar ruhig auf dem Boden aufsitzend, aber mit offener Mündung.

Der Beginn des Winterschlafs hängt natürlich von der Temperatur ab, ist
aber bei den verschiedenen Arten sehr verschieden. Im Winter 1869-70
habe ich _Helix ericetorum_, und zwar besonders junge, unausgewachsene
Exemplare, bis nach Weihnachten täglich im Freien und fressend
gesammelt, obwohl mehrmals vorübergehend Schnee fiel.[6] _Helix
pomatia_ dagegen verschwindet schon sehr früh und gräbt sich tief ein,
scheint aber doch mitunter der Kälte zu erliegen, denn man findet
sehr oft todte Exemplare mit Winterdeckel. Im Allgemeinen gehen die
ausgewachsenen Exemplare weit früher zur Ruhe als die noch unfertigen.

In dem Zustand des Winterschlafs steht der Stoffwechsel fast still;
das Herz schlägt statt 20-30mal in der Minute nur 2-3mal, die Athmung
ist fast gleich Null, um so geringer, je niedriger die Temperatur ist;
einiger Austausch von Sauerstoff und Kohlensäure findet aber doch immer
statt; es dient dazu die in der Lungenhöhle enthaltene Luft.

In diesem Zustand können die Schnecken niedere Frostgrade, nach
~Gaspart~ 4-5°, ohne Schaden ertragen, aber bei 8-10° sterben sie
rasch. Wasserschnecken können, ohne Schaden zu nehmen, einfrieren,
sobald aber ihr Körper selbst gefriert, sterben sie. -- In warmen
Wintern schlafen manche Schnecken gar nicht, sondern bleiben unter der
Bodendecke munter, so besonders die Clausilien, _Helix hispida_ und
andere.

Der Winterschlaf dauert meistens bis zum ersten warmen, durchdringenden
Regen, trockene Frühjahre halten die Schnecken lange in ihren
Verstecken zurück. Temperaturen, bei denen sie im Herbst noch munter
sind, scheinen ihnen im Frühjahr noch durchaus nicht zu genügen, und
die meisten Arten erscheinen erst auf dem Platz, wenn die Vegetation
schon ziemlich weit vorgeschritten ist.

Im Sommer, bei dauernder Trockenheit, verbergen sich die Schnecken
ebenfalls an möglichst feuchten und kühlen Orten, die sie mit grossem
Geschick ausfindig zu machen wissen. Es ist merkwürdig, wie diese
anscheinend so stumpfsinnigen Thiere Verstecke zu finden wissen, die
dem eifrig suchenden Sammler entgehen. Am Schlossberg zu Biedenkopf,
wo _Helix pomatia_ und _nemoralis_ auf einem beschränkten Räume zu
Tausenden vorkommen, habe ich bei trockenem Wetter oft stundenlang
gesucht, ohne ein Exemplar zu finden, bis mich ein Zufall auf die
richtige Fährte brachte; es standen dort einzelne Obstbäume, und am
Fusse derselben, in den für die Pfähle in den felsigen Boden gemachten,
mit Steinen und Moos ausgefüllten Löchern sassen die Schnecken in
dichten Klumpen. -- Manche Arten, z. B. _Helix obvoluta_, machen auch
im Sommer einen dünnen, häutigen Deckel, andere ketten sich mit der
Mündung fest an einen Stein oder einen Pflanzenstengel, und bleiben
sitzen, bis wieder Regen fällt.

Die Wasserschnecken graben sich, wenn im Sommer ihre Wohnplätze
austrocknen, in den Schlamm und dauern dort aus, so gut es geht; doch
gehen dann immer grosse Mengen zu Grunde, und mehrere trockene Sommer
hintereinander können ganze Gegenden veröden. -- In ähnlicher Weise
ist auch die Trockenlegung einer Gegend durch Drainirung, Abzugsgräben
u. dgl. im Stande, die Schneckenfauna zu verändern; in hohem Grade ist
dies, wie mir Dr. C. ~Koch~ mittheilte, um Dillenburg der Fall gewesen,
wo in Folge der immer ausgedehnteren Grubenbaue eine Menge Quellen und
mit ihnen eine ganze Anzahl der in seinem Verzeichniss angeführten
Mollusken verschwunden sind.

Viele Schnecken halten sich mit Vorliebe unter Steinen, Balken und
Baumstämmen auf, und in vielen Fällen kann man auch beim genauesten
Nachsuchen keinen Weg finden, auf dem sie darunter gelangt sind. Wie
kommen die Vitrinen und Hyalinen, die bei der geringsten Berührung
zerbrechen, an diese Stellen?

Manche Arten scheinen in verschiedenen Altersstufen ganz
verschiedene Lebensweisen zu haben. So findet man _Succinea oblonga_
in halbwüchsigem Zustande sehr häufig unter Steinen an dürren
Bergabhängen, weit vom Wasser, z. B. bei Biedenkopf am Abhange des
Eschenbergs, 3-400′ über der Thalsohle; erwachsene Exemplare habe ich
dort nie gefunden, dagegen öfter an feuchten Orten mit den anderen
Succineen, und nach einer Mittheilung von Herrn Professor ~Sandberger~
leben sie besonders an den Blättern von Aspen und Sahlweiden, wo man
wieder keine jungen findet. -- Auch _Buliminus obscurus_ lebt in der
Jugend an Baumstämmen und auf dem Laub, wo er wie eine Knospe oder ein
spitzer Gallapfel aussieht, und im erwachsenen Zustande unter Steinen
und in Mauern. Bei sorgfältiger Beobachtung dürften sich derartige
Beispiele wohl noch mehren.



Viertes Capitel.

Uebersicht der Gattungen.


  A. Thiere ohne Deckel, _Inoperculata_.

    AA. Die Augen auf den Fühlerspitzen tragend, ~Stylommatophoren~.

    a. Ohne Kiefer, _Testacellea_.

      Gehäuse klein, ganz hinten auf dem viel grösseren Körper
      sitzend und nur einen kleinen Theil desselben bedeckend.

                                           1. _Daudebardia_, ~Hartmann~.

    b. Mit hornigem Kiefer, ohne äussere Schale, _Limacea_.

      Mantel gekörnelt, Athemöffnung vor der Mitte der rechten
      Mantelseite, Körper ungekielt, am Schwanzende eine Schleimdrüse,
      keine innere Schale.

                                                 2. _Arion_, ~Férussac~.

      Mantel gekörnelt, querüber eingeschnürt, die Athemöffnung
      hinter der Mitte der rechten Seite, Körper in seiner ganzen
      Länge gekielt, keine Schleimdrüse, unter dem Mantel eine innere
      Schale.

                             3. _Amalia_ (~Moquin-Tandon~), ~Heynemann~.

      Mantel wellig gerunzelt, aber nicht eingeschnürt, die
      Athemöffnung ebenfalls hinter der Mitte, Körper nur hinten
      gekielt, ohne Schleimdrüse, unter dem Mantel eine innere
      Schale.

                                                    4. _Limax_, ~Linné~.

    c. Mit hornigem Kiefer und äusserer, gewundener Schale, _Helicea_.

      α. Gehäuse ohrförmig, scheiben- bis kugelförmig.

      Gehäuse undurchbohrt, durchsichtig, mit nur 2-3 Windungen,
      deren letzte den Haupttheil des Gehäuses ausmacht,
       im Verhältniss zum Thiere klein; Mündung weit, mit gebogenem
       Spindelrand.

                                             5. _Vitrina_, ~Draparnaud~.

       Gehäuse durchbohrt oder genabelt, meist flachgedrückt,
       mit 5-7 Windungen, glänzend. Kiefer glatt mit einem
       Vorsprung in der Mitte.

                                                 6. _Hyalina_, ~Albers~.

       Gehäuse genabelt, durchbohrt oder undurchbohrt, kugelig,
       kegel- oder scheibenförmig, Mündung breiter als hoch, schief;
       Thier mit quergeripptem Kiefer und meist mit einem Liebespfeil.

                                                    7. _Helix_, ~Linné~.

      β. Gehäuse mehr oder weniger länglich, ei-, thurm- oder
         spindelförmig.

       Mündung höher als breit, der äussere Mundsaum bedeutend
       länger, als der innere, Spindel gerade, am Grunde weder
       abgestutzt noch ausgeschnitten.

                                                 8. _Buliminus_, ~Beck~.

       Mündung eiförmig, Spindel unten quer abgestutzt, Gehäuse
       langeiförmig oder spindelförmig, glatt, glänzend.

                                              9. _Cionella_, ~Jeffreys~.

       Mündung halbeiförmig, beide Ränder gleichlang, meist
       auf der Spindel und oft auch auf den Mündungsrändern Zähne
       und Falten; Gehäuse eiförmig oder cylindrisch.

                                               10. _Pupa_, ~Draparnaud~.

       Gehäuse langgestreckt, Mündung rundeiförmig mit schwacher
       Lamelle, sonst ohne Falten. Kein Schliessapparat.

                                                11. _Balea_, ~Prideaux~.

       Gehäuse langgestreckt, spindelförmig, Mündung ei- oder
       birnförmig, mit zwei starken Lamellen, im Inneren ein
       Schliessapparat.

                                          12. _Clausilia_, ~Draparnaud~.

       Gehäuse eiförmig, undurchbohrt, bernsteinfarbig durchscheinend,
       3-4 rasch zunehmende Windungen; Mündung
       oval, sehr weit, mit einfachem Mundsaum und einfacher
       Spindel.

                                           13. _Succinea_, ~Draparnaud~.

    BB. Die Augen nicht auf der Fühlerspitze tragend, ~Basommatophoren~.

    a. Landbewohner, _Auriculacea_.

      Gehäuse spitzeiförmig, winzig klein, weiss, durchscheinend,
      mit Falten an der Spindel und zahnartigen Verdickungen am
      Mundsaum.

                                              14. _Carychium_, ~Müller~.

    b. ~Wasserbewohner~, _Limnaeacea_.

      α. Gehäuse gewunden.

       Fühler flach, dreieckig, Gehäuse rechts gewunden.

                                            15. _Limnaea_, ~Draparnaud~.

       Fühler borstenförmig, Gehäuse linksgewunden, glänzend.

                                              16. _Physa_, ~Draparnaud~.

       Fühler borstenförmig, Gehäuse scheibenförmig.

                                              17. _Planorbis_, ~Müller~.

      β. Gehäuse napfförmig, ohne erkennbare Windungen.

                                                 18. _Ancylus_, ~Linné~.


  B. Thier mit bleibendem Deckel, _Operculata_.

    AA. Landschnecken, _Pneumonopoma_.

      Gehäuse schmal, cylindrisch, klein, Augen an der inneren
      Seite der Fühlerwurzel.

                                                 19. _Acme_, ~Hartmann~.

      Gehäuse ei-kegelförmig mit stielrunden Umgängen, Deckel
      fast rund mit wenigen Spiralwindungen.

                                            20. _Cyclostoma_, ~Lamarck~.

    BB. Wasserschnecken, _Prosobranchiata_.

    a. Gehäuse thurm- bis kreiselförmig, Mündung und Deckel oben
      eckig, Kieme nicht aus der Athemöffnung vorragend, _Paludinacea_.

       Gehäuse gross, Deckel hornig mit concentrischen Anwachsstreifen.

                                              21. _Paludina_, ~Lamarck~.

       Gehäuse mittelgross, Deckel kalkig mit concentrischen
       Anwachsstreifen.

                                                22. _Bithynia_, ~Leach~.

       Gehäuse klein, Deckel hornig, spiralgestreift.

                                             23. _Hydrobia_, ~Hartmann~.

    b. Gehäuse kreisel- oder scheibenförmig, Mündung und Deckel
       rund, hornig mit vielen Windungen, Kiemen zeitweise
       federbuschförmig aus der Athemöffnung vorragend.

                                                24. _Valvata_, ~Müller~.

    c. Gehäuse halbeiförmig, Mündung halbrund, Deckel mit einem
       Fortsatz am unteren Ende der Innenseite.

                                              25. _Neritina_, ~Lamarck~.



Fünftes Capitel.


A. INOPERCULATA, Deckellose.

AA. STYLOMMATOPHORA.

a. TESTACELLEA, Halbnacktschnecken.

Gehäuse klein, nur einen kleinen Theil des Körpers deckend; Thier ohne
Kiefer, die Zunge mit lauter gleichmässigen, stachelförmigen Zähnen
bewehrt.


I. DAUDEBARDIA ~Hartmann~.

Daudebardie.

Gehäuse ohrförmig, durchbohrt, sehr glänzend, weniger leicht
zerbrechlich, als die Vitrinen, flach, wenig gewunden, der letzte
Umgang sehr rasch an Weite zunehmend, die Mündung schief, sehr weit.

Thier unverhältnissmässig gross im Verhältniss zum Gehäuse, so dass es
sich zu keiner Zeit in dasselbe zurückziehen kann, in der Ruhe, wo man
das ganz auf dem Ende des Körpers getragene Gehäuse leicht übersieht,
täuschend einer Nacktschnecke ähnlich, mit langem Hals, Fuss kurz,
nur wenig aus der Schale vorragend; im Gewinde scheint durch die sehr
durchsichtige Schale die gelbbraune Leber durch (~Hartm.~). Der Kiefer
fehlt ganz, die Zunge ist mit lauter gleichen, dornförmigen, nicht
gebogenen Zähnen besetzt. Der Geschlechtsapparat zeichnet sich durch
eine starke Blase aus, die mit einem kurzen, starken Stiel in die sehr
aufgetriebene Scheide mündet; die Ruthe ist stark, ohne Flagellum (Ad.
~Schmidt~).

Die Daudebardien leben namentlich in bergigen Gegenden unter Laub und
Steinen, meist einzeln; sie sind in unseren Gegenden nur im Spätherbst
und ersten Frühjahr zu finden, auf höheren Bergen den ganzen Sommer
hindurch. Häufig sind sie nirgends. Ihre Nahrung besteht in anderen
Schnecken, besonders Vitrinen, Hyalinen und Hel. rotundata; doch
scheuen sie auch Ihresgleichen nicht. Ihre Bewegungen sind sehr rasch
und lebhaft, aber nur bei feuchtem Wetter; Trockenheit können sie
durchaus nicht vertragen und man kann sie nur lebend nach Hause
bringen, wenn man sie in frisches, lebendes Moos setzt.

In Nassau haben wir die beiden deutschen Species, aber sie scheinen
zu den grössten Seltenheiten zu gehören und es sind von beiden erst
einzelne Exemplare aufgefunden worden. Nur bei St. Goar hat Dr.
~Noll~ die zweite Art nicht allzuselten gefunden. Die beiden Arten
unterscheiden sich folgendermassen:

  a. Gewinde die Hälfte des Gehäuses bildend,

                                                      _D. rufa_ ~Drp.~

  b. Gewinde noch nicht ein Drittel des Gehäuses bildend,

                                                  _D. brevipes_ ~Drp.~

Ich muss aber hier noch bemerken, dass mir die deutschen Daudebardien
dringend einer Revision zu bedürfen scheinen, für die freilich mein
Material nicht ausreicht. Schon ~Rossmässler~ macht darauf aufmerksam,
dass _Daud. brevipes_ der meisten Autoren nur eine junge _rufa_ sei;
der Umstand, dass meistens beide Arten zusammen vorkommen sollen, lässt
dies schon vermuthen.


1. Daudebardia rufa ~Draparnaud~.

Rothe Daudebardie.

_Syn. Helicophanta rufa_ C. ~Pfeiff.~, ~Fér.~ --

Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, in die Quere verbreitert, aber
nicht in dem Grade, wie bei _brevipes_; drei Windungen, von denen die
beiden ersten etwa die Hälfte des Querdurchmessers einnehmen. Mündung
gerundet. Farbe braunröthlich oder gelblich. Höhe 1,5 Mm. Grosser
Durchmesser 5,5, kleiner 4 Mm.

Thier in der Jugend rein weiss, später obenher bläulichgrau mit
schwarzen Fühlern und braunem, punctirtem Mantel. Fuss kurz, weiss
(~Hartm.~) Bis jetzt nur ein leeres Gehäuse von Thomae bei der Ruine
Stein bei Nassau gefunden und irrthümlich für _brevipes_ gehalten.
Findet sich ausserhalb unseres Gebietes im Siebengebirge und bei Bonn,
(~Goldfuss~), sowie bei Würzburg (~Sdbrg.~), bei Heidelberg. Sehr
selten bei Wächtersbach (~Speyer~).


2. Daudebardia brevipes ~Draparnaud~.

_Syn. Helicophanta brevipes_ C. ~Pfeiff.~

Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, sehr in die Quere verbreitert,
fast ohrförmig, aus drei Umgängen bestehend, von denen die zwei ersten
das kleine punctförmige Gewinde, der dritte fast allein das ganze
Gehäuse bilden, durchsichtig, zart, grünlichbraun, glatt, Mündung
sehr weit, fast ganz horizontal, eiförmig; Aussenrand weit vorgezogen
und stark gekrümmt, Innenrand unten etwas vor den ganz engen Nabel
zurückgebogen.

Thier in ausgewachsenem Zustande von _rufa_ nicht verschieden.
(~Hartm.~)

An der Ruine Lahneck von ~Rath~ 1851 gefunden. Bei St. Goar (~Noll~).
Bei Bonn. ~Goldfuss.~



Sechstes Capitel.

b. LIMACEA, Nacktschnecken.

Thiere ohne äussere Schale, nur mit einem schildartig ausgebreiteten,
einen Theil des Körpers deckenden Mantel.


II. ARION ~Férussac~.

Wegschnecke.

Thier nackt und träge, der Körper halbstielrund oder cylindrisch, vorn
und hinten verschmälert, unten platt. Fühler cylindrisch-kegelförmig.
Schild mässig lang, ~gekörnt~, vornen und hinten abgerundet.
Athemöffnung rund, auf der rechten Seite des Schildes vor seiner
Mitte, dicht darunter die Geschlechtsöffnung. In dem Schilde liegen
in grösserer oder geringerer Zahl zerstreute Kalkkörnchen, aber ohne
eine eigentliche Schale zu bilden; nur bei _Arion hortensis_ ~Fér.~
(_fuscus_ ~Müll.~) treten sie zu einer unvollkommenen Schale zusammen
und ~Moquin-Tandon~ stellt desshalb denselben als Untergattung
_Prolepis_ den anderen, die die Untergattung _Lochea_ bilden,
gegenüber. Die Fusssohle ist in ihrer ganzen Länge gleichbreit, hinten
und vorn abgerundet und nicht wie bei _Limax_ in drei deutliche Felder
geschieden. Am Ende des Schwanzes findet sich eine starke Schleimdrüse,
die besonders zur Begattungszeit sehr stark secernirt.

Der Kiefer ist halbmondförmig, hornig, am concaven Rande etwas
verdickt, auf der oberen Fläche mit 8-15 starken Leistchen,
die den concaven Rand zahnartig überragen. Zunge mit einem
symmetrischen, dreispitzigen Mittelzahn, der etwas kleiner ist, als
die nebenstehenden anderen Zähne des Mittelfeldes. Seitenzähne
messerförmig, etwas gekrümmt. Die gesammte Verdauung ist auf
Vegetabilien eingerichtet; der innere Bau ist ganz der im ersten
Capitel beschriebene der Gastropoden. Das Genitalsystem ist einfach
gebaut, ohne die Anhangsdrüsen von _Helix_.

Sämmtliche Arten sind träge, sehr gefrässige Thiere, die nur bei
feuchtem Wetter und Nachts umherkriechen, sonst ruhig unter Steinen,
feuchtem Holz u. dgl. sitzen. Sie sondern sehr viel Schleim ab. Die
Begattung erfolgt in derselben Weise, wie bei _Helix_; die Eier werden
zu 50-60 Stück lose unter Moos und Laub den ganzen Sommer durch
abgelegt, die Jungen erscheinen nach 4-6 Wochen.

Es kommen in Nassau vier Arten vor, die sich unterscheiden wie folgt:

Körper halbstielrund, Sohle gleichbreit, hinten und vorn abgerundet,
verwaschen dreifarbig; Thier glänzend schwarz oder rothgelb, Länge
13-15 Ctm.

  _A. empiricorum_ ~Fér.~

Körper cylindrisch, hinten und vornen verschmälert, Sohle am
Schwanzende länglich zugespitzt mit ganz undeutlichen Langsfeldern,
Farbe rothbraun, auf jeder Seite eine dunkelbraune Längsbinde, Länge
5-6 Ctm.

  _A. subfuscus_ ~Fér.~

Körper cylindrisch, schlank, hinten schnell zugespitzt, in der Ruhe
breit gerundet. Farbe grau oder weisslich mit verwaschenen schwarzen
Flecken, jederseits eine dunkle Binde; Länge 5-6 Ctm.

  _A. hortensis_ ~Fér.~

Körper cylindrisch, schlank, grünlich weiss bis hell meergrün, Kopf und
Augenträger schwarz, Sohle gelblichweiss; Länge 4-5 Ctm.

  _A. melanocephalus_ ~Faure~.


3. Arion empiricorum ~Férussac~.

_Syn. Arion ater_ ~List.~ _Limax ater_ ~Linn.~ _L. rufus_ ~Linn.~ _L.
succineus_ ~Müll.~

Körper halbstielrund mit stark gewölbtem Rücken und ganz flacher
breiter Sohle, die überall gleichbreit, nach hinten abgerundet
ist. Länge 13-15 Ctm., Breite 1¾-2½ Ctm. Schild hinten und vornen
abgerundet, in der Ruhe stark, beim Kriechen feiner gekörnt.
Athemöffnung rund, vor der Mitte des rechten Schildrandes stehend.
Körper mit groben Maschen bedeckt. Sohle undeutlich in drei
Längsstreifen getheilt, an den Seiten grau, in der Mitte heller. Ueber
dem Schwanzende in einem dreieckigen Raum die Mündung der starken
Schwanzdrüse. Farbe meistens glänzend schwarz; mitunter der Fussrand
hellbraun, gelb oder rothbraun, immer mit schwarzen Querstrichelchen;
es kommen aber auch rothe, gelbe und scharlachrothe Exemplare vor.
Unter dem Schilde über dem Lungensack liegen eine Anzahl Kalkplättchen
und Körner zerstreut. Kiefer halbmondförmig, gleichbreit, am Rande
etwas verdickt, mit 6-16 Leisten, die am concaven Rande vorspringen.
Zunge wie in der Gattungsbeschreibung angegeben.

Die Jungen weichen in der Farbe auffallend ab, manche Formen werden
wahrscheinlich als eigene Arten beschrieben; anfangs sind sie meistens
weiss, dann grau oder grünlich mit dunklerem Kopf.

Die Schnecke lebt namentlich in Waldgegenden, in feuchten
Laubwaldungen, meistens gesellig, bei Tag und bei trockenem Wetter
unter Holz und Steinen verborgen. Sie ist sehr träge in ihren
Bewegungen und frisst Pflanzenstoffe, Pilze, aber auch faules Fleisch.
Man verwandte sie früher zur Darstellung einer Schneckenbrühe für
Schwindsüchtige.

Allgemein verbreitet, dürfte wohl keinem Bezirk in Nassau fehlen.
In der Umgebung von Biedenkopf habe ich immer nur die schwarze Form
beobachtet; auch um Schwanheim überwiegt sie.


4. Arion subfuscus ~Férussac~.

Körper cylindrisch, hinten und vornen verschmälert, Schild fein
gekörnt, nach vornen gebuckelt, Athemloch in der Mitte des rechten
Randes. Länge 5-6 Ctm., Breite 6 Mm. Körper mit parallelen, feinen
Längsrunzeln. Sohle am Schwanzende länglich zugespitzt, mit
undeutlichen Längsstreifen und von einem schmalen, hinten breiteren
Saum umgeben. Zunge wie die der vorigen Art; die Zähne der Seitenfelder
mit seitlichen Einschnitten an der von der Mittellinie abgewandten
Seite. Kiefer mit abgerundeten Ecken und 10-12 nach der concaven Seite
hin convergirenden Leisten.

Farbe gelbbraun oder rothbraun, Rücken und Fühler meistens dunkler; von
den Augenträgern läuft auf jeder Seite ein dunkleres Band über Nacken,
Schild und Körper nach der Schwanzdrüse. Fussrand grau, fein schwarz
gestrichelt. Sohle gelbweiss, Schleim gelb. (~Lehmann~).

Die Schnecke lebt gesellig in Laubwaldungen und Hecken; man findet sie
namentlich nach einem Regen an Buchenstämmen. Lebensweise wie bei der
vorigen Art.


5. Arion hortensis ~Férussac~.

_Syn._ _Limax fuscus_ ~Müll.~

Körper cylindrisch, schlank, vornen an Breite abnehmend, hinten schnell
zugespitzt, in der Ruhe breit abgerundet. Schild vorn und hinten
abgerundet, in der Ruhe feinkörnig. Körper gerunzelt, die Runzeln
besonders an den Seiten in regelmässige Reihen angeordnet. Farbe
gelblich oder weissgrau, mit dunkleren Flecken oder Streifen, besonders
am Rücken, jederseits mit einer dunklen auf dem Schild lyra-artig
gekrümmten Längsbinde; Kopf und Fühler schwärzlich, Sohle gelblichweiss
mit etwas gelberem, nicht gestrichelten Rande, in der Mitte scheinen
mitunter die Eingeweide durch; Schleim glashell. Länge 4-5 Ctm., Breite
4-5 Mm.

Kiefer halbmondförmig, mit 10-15 ziemlich gleichen Leistchen, Zunge
mit 65-77 Längsreihen und 100-133 Querreihen, der Mittelzahn um
wenig kleiner, als die Seitenzähne, dreispitzig, alle Zähne kurz und
gedrungen. (~Lehmann~).

In Gärten unter Steinen und faulem Holz, ziemlich lebhaft in seinen
Bewegungen. Bei Weilburg (~Sandb~.). Um Frankfurt einzeln in Gärten
(~Heyn~). Ziemlich selten bei Ems (~Servain~).


6. Arion melanocephalus ~Faure-Biguet~.

_Syn._ _A. tenellus_ ~Müll~.

Körper cylindrisch, schlank, Schild an beiden Enden abgerundet,
unregelmässig gekörnt, Körper mit langen, feinen, elliptischen Runzeln.
Farbe bei unseren Exemplaren aus den Taunuswaldungen grünlichweiss
bis hellmeergrün, nie citron- oder orangegelb, wie ~Lehmann~ von den
Stettiner Exemplaren angiebt. Sohle hellgelb mit weissgelblichem Rande;
Kopf und Augenträger schwarz. Schleim glashell. Länge 5½ Ctm., Breite
5 Mm. Kiefer mit 5 stärkeren und 5-6 schmäleren Leisten. Zunge der von
_hortensis_ sehr ähnlich.

Häufig im Moos am Boden am Fuss der Baumstämme in den Waldungen des
Taunus.


III. AMALIA ~(Moquin-Tandon) Heynemann~.

Amalie.

Thier nackt und träge; Kiefer oben glatt, vornen ausgebuchtet und
gezähnt. Mantel gekörnelt, hinten ausgebuchtet, ~über die Mitte quer
eingeschnürt~; darunter eine kalkige, am Rande nicht häutige Platte
mit einem auf der Mitte liegenden Nucleus. Hinterleib oben ~der ganzen
Länge nach gekielt~, mit flachen, zwischen Längsfurchen in Längsreihen
hinter einander liegenden Runzeln. Sohle in drei Längsfelder getheilt.


7. Amalia marginata ~Draparnaud~.

Mantel und Körper rothgrau, obenher dunkler, an den Seiten heller. Der
Mantel ist hinten stark ausgebuchtet, namentlich wenn das Thier ruht,
und überall mit schwarzen Punkten und Schnörkeln besäet, welche auf
beiden Seiten zu je einem deutlichen Striche zusammenfliessen, der
sich, vom hinteren Mantelrande angefangen, in einem schwachen Bogen bis
zur Mitte hinzieht; von diesen Längsstreifen aus geht die Einschnürung
des Mantels über dessen Mitte hinweg. Der Körper hat oben einen
blassgelben, schmalen, aber sehr in die Augen fallenden Kiel und ist
sonst auf dem rothgrauen Grunde mit schwarzen Puncten besetzt, welche
ziemlich regelmässig in den Furchen zwischen den Runzeln stehen. Die
Runzeln, auf jeder Seite, am hinteren Mantelrande gezählt, vom Kiel bis
zur Sohle 16 Reihen, bilden schräg nach abwärts und hinten verlaufende,
auf dem Rücken stellenweise unterbrochene Perlenreihen. Der Sohlenrand
ist mit einem schwarzen, am Schwanzende stärker ausgeprägten Striche
umzogen, die Sohle gelblichweiss. Kopf mit einer vorn gabelig
getheilten Nackenleiste, mit schwarzen, wulstigen Flecken bedeckt. Auch
die Fühler sind mit schwarzen, erhabenen Puncten besetzt; ihre Knöpfe
birnförmig mit dem dünnen Ende nach oben. Die Augennerven als zwei
dunkle Streifen sichtbar. Länge 8-10 Ctm.

Die innere Schale ist oval, dick, gewölbt; mit erhabenem Nucleus,
hinter dem sich der Rand etwas herunterbiegt. (~Heynemann~.) Kiefer
weit ausgeschnitten, schmal, mit einem stumpfen Zähnchen in der Mitte,
an den Seiten flügelförmig verbreitert. Die Zungenzähne sind im
Mittelfeld schlank, lanzettförmig, mit einer Seitenspitze auf jeder
Seite; die der Seitenfelder schlank sichelförmig.

Diese schöne Schnecke, die unter allen Nacktschnecken durch ihre
feine, man möchte fast sagen vornehme Färbung auffällt, sitzt den Tag
über träge unter Steinen, besonders unter kleinen, flachliegenden, an
schattigen, nicht zu trocknen Orten, wie es scheint mit Vorliebe in
der Nähe von Ruinen. Nachts und im dunklen Raum kriecht sie lebhaft
umher; bei der Berührung sondert sie einen zähen, firnissartigen,
weissen Schleim ab. In Nassau wurde sie zuerst 1868 von mir am Schlosse
zu Biedenkopf, später auch von Dr. ~Koch~ zu Dillenburg an einem
Ackerrande vor dem Feldbacher Wäldchen unter Schalsteinen gefunden.
Auch ~Servain~ beobachtete sie unter Steinen rechts vom Fusspfad,
der von der Burg Stein nach der Ruine Nassau führt. Sie dürfte sich
wahrscheinlich auf den meisten Ruinen des rheinisch-westphälischen
Schiefergebirges finden.


IV. LIMAX ~Lister~.

Schnegel.

Körper halbstielrund, unten platt, nach vorn und hinten spindelartig
verschmälert, schlanker als Arion. ~Schild mit concentrischen
Wellenlinien~, ungefähr wie die Innenseite des letzten Daumengliedes
an der Menschenhand. Die Athemöffnung liegt hinter der Mitte des
rechten Schildrandes, die Geschlechtsöffnung hinter dem rechten
Augenträger. Unter dem Schilde liegt die innere Schale, eine ovale,
nach oben convexe Tafel mit häutigem Rande und einem Knöpfchen, der
Embryonalwindung, _nucleus_, rechts am oberen Rande. Der Rücken ist
nach hinten gekielt, eine Schwanzdrüse nicht vorhanden. Die Sohle meist
deutlich in drei Felder getheilt. Kiefer halbmondförmig, sattelartig
über die Fläche gebogen, mit einem kegelförmigen Zahn im concaven Rand.
Zunge deutlich in ein Mittelfeld und zwei Seitenfelder zerfallend, die
Zähne des Mittelfeldes sind ein- bis dreispitzig, die der Seitenfelder
hakenförmig gekrümmte Dornen.

Die Limaxarten, durch ihr Gebiss mehr auf Fleischnahrung und eine
räuberische Lebensweise angewiesen, sind viel lebhafter und beweglicher
als die Wegschnecken. Sie fressen nicht nur andere Schnecken,
sondern auch sich unter einander mit der grössten Gier auf, wenn
sie Hunger haben. Mitunter sieht man Exemplare herumkriechen, die
fast bis aufs Schild aufgefressen sind; dennoch leben sie meistens
gesellig. Ausser Fleisch scheinen modernde Pflanzenstoffe und Pilze
ihre Lieblingsnahrung zu bilden, doch verschmähen sie, besonders der
schädliche _Limax agrestis_, auch frische Pflanzenstoffe nicht.

Sie begatten sich, indem sie sich schraubenförmig um einander wickeln,
entweder am Boden, wie _Limax agrestis_, oder freischwebend in der
Luft, an einem Faden ihres eigenen Schleimes aufgehängt, wie _Limax
cinereo-niger_ und _arborum_. Die Eier sind vollkommen durchsichtig,
gelblich, bei den kleineren Arten rund, bei den grösseren oval mit
ausgezogenen Enden und zu förmlichen Schnüren zusammengeklebt; nur
_Limax arborum_, der auch in anderen Puncten abweicht, legt einzelne,
einfach eiförmige Eier. Die jungen Thiere weichen in Gestalt und
Färbung von den alten vielfach ab; sie sondern sehr viel Schleim ab
und können sich an einem Faden desselben von nicht zu bedeutender Höhe
herunterlassen, eine Fähigkeit, welche die ausgewachsenen nur bei der
Begattung, wo die Schleimsecretion ausserordentlich vermehrt ist, haben.

Durch die Bemühungen ~Heynemanns~, dem wir bei dieser Gattung
vorzüglich folgen, sind in unserem Gebiete alle acht, bis jetzt sicher
in Mitteldeutschland beobachteten Arten nachgewiesen. Dieselben lassen
sich unterscheiden, wie folgt:

  A. ~Mantel ohne dunkle Seitenstreifen.~

    a. ~Grössere Arten, 12-15 Ctm. lang.~

      Sohle in drei verschiedenfarbige, scharf geschiedene Felder
      getheilt, Körper verschieden gefärbt, aber der Mantel immer
      ungefleckt.

                                              _L. cinereo-niger_ ~Wolf~.

      Körper heller oder dunkel grau, Mantel stets gefleckt, Sohle
      einfarbig.

                                                 _L. cinereus_ ~Lister~.

      Körper und Mantel einfarbig, ohne Flecken, Sohle einfarbig.

                                                   _L. unicolor_ ~Heyn.~

      Körperfarbe hochgelb, mit einem schwärzlichen Netz überzogen,
      Mantel hinten zugespitzt, Schleim gelb, Länge 10-12
      Ctm.

                                                  _L. variegatus_ ~Drp.~

    b. ~Kleinere Arten, 4-6 Ctm. lang.~

      Körperfarbe braun, Mantel so lang wie der Körper, das
      ganze Thier durchscheinend, 4 Ctm. lang.

                                                    _L. brunneus_ ~Drp.~

      Körperfarbe grau mit schwarzen Strichelchen, Sohle gelbweiss,
      Länge 4-6 Ctm.

                                                        _L. agrestis_ L.

  B. ~Mantel mit zwei dunklen Seitenstreifen.~

      Körperfarbe hochgelb, Fühler schwarz, Schleim gelb, Mantelende
      rund.

                                                    _L. cinctus_ ~Müll.~

      Körperfarbe grau, Fühler hellfarbig, Schleim glashell, Mantelende
      spitz.

                                                   _L. arborum_ ~Bouch.~


8. Limax cinereo-niger ~Wolf~.

_Syn._ _L. maximus_ L., _antiquorum_ ~Fér.~ _(ex parte.)_

Körper halbstielrund, lang, schlank, nach hinten sehr lang und spitz
ausgezogen, das Schwanzende flossenartig gekielt. Mantel hinten spitz,
concentrisch um ein in der Mitte liegendes Centrum geringelt, immer
ungefleckt. Der Rücken mit grossen, breiten nicht geschlängelten
Runzeln. Die Sohle des Fusses meistens in drei deutliche, verschieden
gefärbte Längsstreifen eingetheilt, schwarz-weiss-schwarz. Doch ist die
Färbung nicht constant; da überhaupt die Schnecke, durch Abnahme des
Pigments alle Schattirungen von Grau bis zu einem trüben Weiss annehmen
kann, kann auch die Sohle grau-weiss-grau und selbst fast einfarbig
weissgrau werden. Eine rein weisse Varietät fand ~Heynemann~ im Taunus
und nennt sie _var. Hareri_. Länge 12-18 Ctm. Br. 2 Ctm.

Die rudimentäre Kalkschale ist viereckig, vornen schmäler als
hinten, mit einem etwas erhabenen Nabel vornen und rechts. Kiefer
halbmondförmig, der Zahn bis in gleiche Höhe mit den Seitentheilen
reichend, der convexe Rand etwas eingebuchtet. Die Zunge trägt 150-170
Längsreihen und circa 80 Querreihen, die Seitenzähne sind schon von der
15. Reihe an zweispitzig, etwa am 50. erreicht die zweite Spitze die
Höhe der ersten und verschwindet dann wieder allmählig. (~Heyn.~)

Die Schnecke scheint besonders den Gebirgswaldungen anzugehören, und
fällt durch ihre Grösse -- manche Exemplare sind ausgestreckt fast
einen Fuss lang -- alsbald in die Augen. Im Taunus findet sie sich
in den höheren Gegenden in Menge, ebenso um Dillenburg und Weilburg
(~Sdbrg.~ und ~Koch~). In der Umgebung von Biedenkopf fand ich sie nur
ganz einzeln im Schlossberg und am alten Schloss bei Breidenstein. Bei
Ems (~Servain~).


9. Limax cinereus ~Lister~.

Grauer Schnegel.

_Syn._ _L. antiquorum_ ~Fér.~ _ex parte_.

Körperform ganz wie bei _cinereo-niger_, so dass ihn manche nur für
eine Varietät desselben gelten lassen wollen, mit mittelfeinen, etwas
geschlängelten Runzeln. ~Mantel immer mit hellen Flecken~, mittelfein
gerunzelt. Sohle einfarbig weiss, in drei deutliche, aber nicht
verschieden gefärbte Längsfelder geschieden. Länge 15-18 Ctm. Breite
2 Ctm.

Kiefer mit einem starken Mittelzahn, der mitunter über den concaven
Rand hinaus vorragt. Zunge mit wenig auffallendem Mittelzahn; die
Zähne des Mittelfeldes lanzettförmig, ohne Seiteneinschnitte, die der
Seitenfelder einfach sichelförmig.

Diese für gewöhnlich als häufig angegebene Schnecke ist in unserem
Gebiete mit Sicherheit bis jetzt nur von Dr. ~Koch~ in wenigen
Exemplaren an den Mauern der Wilhelmsstrasse zu Dillenburg gefunden
worden.


10. Limax unicolor ~Heynemann~.

_Syn._ _L. cinereus_ in ~Heyn.~ Verz. d. Frankf. Nacktschn. Mal. Bl.
1861.

Mantel hinten zugespitzt, ~nie gefleckt~, mit sehr feinen Runzeln.
Körper ebenfalls fein gerunzelt, die Runzelreihen stark geschlängelt.
Fühler fein gekörnelt. Sohle einfarbig weiss. Schleim glashell. Länge
12-15 Ctm. Breite 2 Ctm.

Im botanischen Garten zu Frankfurt (~Heyn.~), bei Schwalbach (~von
Maltzan~).


11. Limax variegatus ~Draparnaud~.

Kellerschnegel.

Thier schlank, gelb oder gelbgrün gefärbt, wie mit einem dunklen
Netz überzogen, das die Runzeln und die Höhe des Rückens freilässt.
Runzeln in etwa 35 Längsreihen, auch ziemlich regelmässig in Querreihen
angeordnet. Mantel intensiver gefärbt, als der übrige Körper, und
ebenfalls mit einem dunklen Netz überzogen, das gleichsam nur an
zerrissenen Stellen die Körperfarbe durchscheinen lässt; er ist nach
hinten zugespitzt und zeigt deutlich hervortretende Wellenlinien,
deren Zahl ungefähr der der Längsreihen gleichkommt. Sohle einfarbig,
gelblich. Fühler blau. Schleim gelb. Die Kieferform ist nicht
constant, doch scheint sich der Mittelzahn nie bis zur Höhe der beiden
Seitenenden zu erheben. Die Zunge hat, wie bei _cinereus_, einfache
Mittelzähne und gegabelte Seitenzähne.

Das Schalenrudiment ist auffallend breit, mitunter am Rande häutig;
die Anwachsstreifen sind nicht besonders deutlich; ein Knöpfchen ist
nicht zu bemerken.

Diese schöne Schnecke, die, nebenbei bemerkt, in fast allen Erdtheilen
vorkommt und unter den verschiedensten Namen beschrieben worden ist,
findet sich stets nur im Bereiche der Wohnungen, besonders in Kellern
alter Häuser, in Brunnenkammern etc., meistens in grosser Menge, aber
nur selten beachtet, da man an solchen Orten nicht nach Schnecken
sucht. Beobachtet wurde sie bis jetzt nur in Frankfurt (~Heynemann~)
und von mir in Schwanheim, doch kommt sie jedenfalls noch an anderen
Puncten, wenigstens im Mainthal, vor.[7]


12. Limax brunneus ~Draparnaud~.

Brauner Uferschnegel.

_Syn._ _L. laevis_ ~Müll~.

Körper halbstielrund, spindelförmig, etwa 4 Ctm. lang, schwach gekielt.
Mantel so lang, wie der Körper, mit zwölf breiten Wellenlinien,
deren Centrum nur wenig rechts von der Mittellinie liegt; Mantelende
nicht zugespitzt. Die Runzeln des Körpers sind nur wenig erhaben,
in Längsreihen geordnet, der ganze Körper glatt und glänzend. Farbe
dunkelbraungrau bis chocoladebraun, an den Seiten und auf der Sohle
etwas heller, das ganze Thier etwas durchscheinend, so dass man
von aussen die Kalkschale erkennen kann. Dieselbe besteht in einer
länglich runden, schmalen, ziemlich langen Kalkplatte mit feinen
Ansatzstreifchen und einem fast in der Mitte sitzenden Knöpfchen.
Kiefer stark bogenförmig, der Zahn nicht die Höhe der Hörner
erreichend. Zunge wie die der übrigen Limaceen, aber die Zähne der
Seitenfelder nur einspitzig, ohne seitlichen Zahneinschnitt.

Diese Schnecke lebt nur an den allerfeuchtesten Stellen an den Ufern
der Bäche und Flüsse unter Steinen, die fast im Wasser liegen. Sie wird
wahrscheinlich an den meisten Orten übersehen, oder bei flüchtiger
Betrachtung für einen Blutegel gehalten. In den feuchten Thälern des
Taunus, namentlich in dem des Urselbaches (~Heyn.~). Am Mainufer,
Schwanheim gegenüber unter allen Steinen in Menge. An feuchten
Waldstellen bei Dillenburg und Haiger (~Koch~). Am Lahnufer bei
Biedenkopf einzeln.


13. Limax agrestis ~Linné~.

Gemeine Ackerschnecke.

_Syn._ _L. reticulatus_ ~Müll.~ -- _L. filans_ ~Hoy.~

Körper halbstielrund, schmal, nach vornen etwas abnehmend, nach hinten
lang ausgezogen, stark gekielt, 3-6 Ctm. lang. Mantel hinten quer
abgestutzt, mit sehr breiten Wellenlinien. Runzeln des Körpers gross.
Sohle einfarbig, doch mit dreifeldriger Musculatur. Schleim milchig,
sehr zäh, fadenziehend, woher der Name _filans_. Farbe von weiss
bis chocoladebraun variirend, meist mit schwarzen Strichelchen und
Flecken. Kalkplättchen fest, schmal, mit abgerundeten Ecken, schwach
concentrisch gestreift. Knöpfchen in der Mitte des vorderen Randes,
diesen etwas überragend. Der Kiefer ist ein ziemlich flach gestreckter
Halbmond mit breitem, kegelförmigem Zahn, der nicht selten die beide
Enden verbindende Linie überragt. Die Zungenzähne des Mittelfeldes sind
lanzettförmig mit seitlichen Einschnitten, der Mittelzahn kleiner, die
Seitenzähne einfach sichelförmig.

Die gemeinste Art der Gattung und unsere einzige eigentlich schädliche
Schnecke; sie ist allenthalben anzutreffen, bei Tage und trockenem
Wetter meistens unter Steinen verborgen. Sie begattet sich auf der
Erde, nicht hängend, wie die anderen Arten, und legt den ganzen
Sommer hindurch Eier, zusammen etwa 200-250 Stück. Die Jungen
sind dunkler gefärbt, sehr lebhaft und schon nach wenigen Monaten
fortpflanzungsfähig, so dass sie in warmen, feuchten Jahren zu einer
wahren Landplage werden. Man vertilgt sie, indem man die Felder mit
Asche bestreut oder noch besser mit einer verdünnten Lösung von
Chlorkalk übergiesst. Auch kann man halbfaule Breter auslegen, unter
denen sie sich dann ansammeln, und sie dort tödten. In Gärtnereien hält
man mitunter Kröten zu ihrer Vertilgung, und Ländereien, in deren Nähe
sich froschreiche Gräben befinden, sollen vor ihnen sicher sein.


14. Limax cinctus ~Müller~.

_Syn._ _L. flavus_ ~Müll.~ -- _L. tenellus_ ~Nilss.~

Körper halbstielrund, mässig hochgewölbt, nach vornen etwas
verschmälert, nach hinten lang ausgezogen, 3,5-6,5 Ctm. lang. Mantel
intensiv hochgelb, mit feinen, körnigen Wellenlinien. Rücken schmutzig
gelbgrau, mit elliptischen, in Längsfalten angeordneten, obenauf
gebräunten Runzeln; die Grundfarbe tritt nur in den Zwischenräumen
hervor. Augenträger schwarzbraun; von ihnen aus verläuft jederseits
ein dunkler Streif über Nacken, Schild und Körper bis zum Schwanzende,
gewissermassen einen Gürtel bildend, wodurch der ~Müller~’sche Name
veranlasst wurde. Sohle hellgelb, mit schmaler Längsleiste eingefasst,
Schleim gelb. Die innere Schale gleicht der von _agrestis_, ist aber
weniger gewölbt. Kiefer wenig gekrümmt mit fast geradem Vorderrande.
Die Zunge bietet nichts Auffallendes.

Eine Varietät bei der die dunkle Gürtelbinde verschwindet, ist nach
~Heynemann~ der _L. flavus_ ~Müll.~, andere z. B. ~Lehmann~, halten den
_variegatus_ für die genannte ~Müller~’sche Art, doch ist bei diesem
das Gelb nicht so auffallend, um den Namen davon zu nehmen.

Diese Schnecke lebt in den Bergwäldern an Schwämmen und faulem Holz
fressend; sie erscheint erst, wenn die Schwämme kommen. Nach ~Lehmann~
legt sie mehrmals 30-40 unzusammenhängende Eier von runder Form ins
Moos.

Beobachtet wurde sie bis jetzt nur von ~Heynemann~ im Frankfurter Wald
und im Taunus.


15. Limax arborum ~Bouchard~.

Grauer Baumschnegel.

_Syn._ _L. marginatus_ ~Müll.~ (_non_ ~Drap.~) _sylvaticus_ ~Drp.~,
_scandens_ ~Norm.~

Körper halbstielrund, Rücken hochgewölbt, Schwanzende spitz, scharf
gekielt; das ganze Thier sehr durchscheinend, 6-7 Ctm. lang. Mantel
hinten zugespitzt, mit dichten Wellenlinien, deren Centrum in der
Mitte, aber etwas nach vornen liegt, Körperrunzeln wie gewöhnlich in
Längsreihen geordnet. Fühler oft mit gekörnelten Streifen umwunden,
mit einem dunkleren Streifen, der sich auch über den Nacken und auf
den Mantel zu zwei verwaschenen Längsstreifen fortsetzt, die aber nach
innen zu scharf begränzt sind. Färbung grau, oft mit röthlichem Anflug.
Sohle einfarbig weissgrau, Schleim glashell.

Der innere Bau weicht von dem der anderen Limaxarten nicht
unbeträchtlich ab. Die innere Schale ist ein Plättchen organischen
Gewebes, in welches nur hin und wieder Kalk eingelagert ist. Der
Kiefer ist ein flacher Halbmond mit flügelartig verbreiterten Enden
und kurzem stumpfem Mittelzahn. An der Zunge sind die Zähne des
Mittelfeldes lanzettförmig, stumpf und breit, ohne Seiteneinschnitte,
die der Seitenfelder sind ebenfalls stumpf, an den Enden abgerundet,
nur die äussersten mit einem oder einigen, kaum bemerkbaren Widerhaken
versehen. Auf Grund dieser Abweichungen schlägt ~Heynemann~ (Mal. Bl.
X p. 211) vor, diese Schnecke als eine eigene Untergattung _Lehmannia_
von dem Reste der Gattung _Limax_ abzutrennen.

Die Schnecke lebt, wie schon der Name andeutet, mit Vorliebe in
Waldungen und zwar an den Stämmen der Buchen, doch auch in Gärten und
im freien Feld. Bei trockenem Wetter liegen oft eine ganze Anzahl
Exemplare zusammen in feuchten Stöcken oder Astlöchern; bei Regen
kommen sie hervor und kriechen an den Stämmen hinauf, besonders
an den Stellen, wo das Wasser herabfliesst; sie sind dann von der
aufgenommenen Flüssigkeit ganz glänzend und durchscheinend.

Ihre Eier, von denen sie mehrere Häufchen, jedes von 20-30 Stück unter
Moos und Rinde absetzen, sind einfach eiförmig, im Gegensatz zu denen
der anderen Limaxarten, die kugelrund oder in eine Spitze ausgezogen
sind.

Allenthalben im Frankfurter Wald und im Taunus. (~Heyn.~) Um Biedenkopf
von mir nicht selten, aber immer nur einzeln, an moosigen Mauern und
Brücken gefunden. In Buchenwaldungen um Dillenburg häufig. (~Koch~).



Siebentes Capitel.

V. VITRINA ~Drp.~

Glasschnecke.


~Gehäuse~ ungenabelt, aus wenigen, schnell zunehmenden, fast horizontal
entwickelten Windungen bestehend, kugelig bis ohrförmig, mit fast
verschwindendem Gewinde, durchsichtig, sehr zerbrechlich, stark
glänzend. Mündung gross, Mundsaum einfach, Spindelrand bogenförmig
ausgeschnitten, bei einigen Arten häutig.

~Thier~ schlank, gestreckt, im Verhältniss zum Gehäuse sehr gross;
der quergerunzelte Mantel schickt einen zungenförmigen Fortsatz aus,
welcher sich an die rechte äussere Wand des Gehäuses anlegt; er ist,
auch wenn das Thier ruht, immer in Bewegung und erhält dadurch das
Gehäuse glatt. Fuss ziemlich kurz, spitz. Vier Fühler, die oberen lang
und schlank, die unteren kurz. Athemöffnung auf der rechten Seite an
der Basis des Mantellappens; Geschlechtsöffnung rechts in der Mitte des
Halses. Kiefer glatt, gebogen, mit einem Vorsprung in der Mitte. Zunge
in drei Felder getheilt; die Zähnchen des Mittelfeldes sind dreispitzig
und bilden eine ziemlich gerade Linie ohne besonders ausgezeichneten
Mittelzahn; die Seitenzähne sind klein, stachelförmig verlängert und
bilden mit der Mittelreihe einen nach hinten offenen Winkel.

Die Vitrinen sind sehr auf die Feuchtigkeit angewiesen; die gesammelten
vertrocknen meist, ehe man sie nach Hause bringt, wenn man sie nicht in
lebendes Moos packt oder in ein luftdicht verschlossenes Glasröhrchen
setzt. In der Gefangenschaft kann man sie deshalb fast nur auf dem
Felsen des Aquariums halten. Sie leben nur an feuchten Orten, unter
Laub, Moos und Steinen, besonders im Gebirge. In unseren Gegenden sind
sie am muntersten in der kühlen Jahreszeit, man findet sie selbst unter
dem thauenden Schnee. Im Sommer dagegen finden sie sich nur an ganz
feuchten Stellen, z. B. in Hochgebirgen in der Nähe der Schneegränze
und im Moos in der Umgebung von Quellen. An trockenen Stellen findet
man sie dann oft in Menge todt; so fand ich sie zu Tausenden schon im
Mai unter den Randgebüschen der Mombacher Haide. Sie nähren sich von
vermodernden Substanzen, aber auch von anderen Schnecken; ich fand sie
mitunter gesellig in Pilzen, in die sie tiefe Löcher gefressen hatten.

Eier rund mit häutiger Schale; sie werden in kleinen Häufchen unter
Laub und Moos abgesetzt.

Im Gebiete unserer Fauna sind bis jetzt fünf Arten beobachtet worden,
welche sich in folgender Weise unterscheiden:

  A. Schlanke Formen mit flachem häutigem Spindelrand, der sich in
     scharf markirter Kiellinie gegen den gewölbten Theil des letzten
     Umgangs absetzt.

    a. 2 Umgänge, Gehäuse ohrförmig, wie bei _Daudebardia_,
       grünlichgelb. Höhe 1¾ Mm., Länge 4 Mm.

                                                    _V. elongata_ ~Drp.~

    b. 2½ Umgänge, Gewinde etwa die Hälfte des ganzen Gehäuses
       ausmachend; in der Mitte des Spindelrandes steht die Kiellinie
       ebensoweit von dem Rande ab, als die Projection des gewölbten
       Theiles vom letzten Umgange beträgt.

                                              _V. Heynemanni_ C. ~Koch~.

    c. 2½-3 Umgänge, Gewinde die Hälfte des Gehäuses; Kiellinie
      in der Mittellinie halb so weit abstehend vom Spindelrand, als
      die Projection beträgt.

                                                    _V. diaphana_ ~Drp.~

  B. Gedrungenere, mehr kugelige Formen mit grösserem Gewinde und
     ohne häutigen Spindelsaum, 3-3½ Windungen.

    a. Gehäuse fast kugelig, wenig in die Quere verbreitert. Mündung
       fast kreisrund, Thier grau mit dunklerem Mantel.

                                                  _V. pellucida_ ~Müll.~

    b. Gehäuse flacher, mehr in die Quere verbreitert, Mündung gestreckt
       elliptisch, Thier schieferblau mit dreifarbiger Sohle.

                                              _V. Draparnaldi_ ~Cuvier~.


16. Vitrina elongata ~Draparnaud~.

Ohrförmige Glasschnecke.

_Syn._ _Hel. semilimax_ ~Fér.~ père.

Gehäuse länglich ohrförmig, aus kaum zwei Umgängen bestehend, ganz
niedergedrückt und sehr stark nach der rechten Seite hin ausgezogen,
sehr dünn und zart, grünlichgelb gefärbt, vollkommen durchsichtig;
Gewinde punctförmig, kaum ein Drittel des ganzen Gehäuses ausmachend;
der Spindelrand mit breitem Hautsaum, dessen Breite das doppelte der
Projection von dem gewölbten Theile des letzten Umganges beträgt,
in der Nabelgegend gleichmässig verschmälert auslaufend und bis zum
vorderen Theil der Mündung reichend. Länge 4 Mm. Breite 2,75 Mm. Höhe
1,75 Mm.

Thier auffallend grösser als das Gehäuse, hellgrau. Mantel mit
schwarzen Pünctchen und Flecken; der Mantelfortsatz bedeckt die ganze
Mündung. Sohle sehr schmal, schmutzig weiss.

Diese kleine, sehr lebhafte Vitrine scheint in unserem Gebiete selten
zu sein. Bis jetzt wurde sie nur im Hohlwege nach dem alten Geisberg
bei Wiesbaden von A. ~Römer~ und am Altkönig und bei Cronberg von
dem verstorbenen Schöffen von ~Heyden~ beobachtet, dürfte aber wohl
noch an mehr Puncten im Taunus vorkommen, wenn man im ersten Frühjahr
nachsuchte.


17. Vitrina Heynemanni C. ~Koch~.

_Syn._ _V. diaphana var._ C. ~Koch~ und ~Sandb.~ Beiträge etc.

Gehäuse länglich ohrförmig, zart, grünlichgelb gefärbt und vollkommen
durchsichtig; 2½ Umgänge, welche aus punctförmiger Spira rasch
zunehmen; Mündung verlängert, Spindelrand mit breitem Hautsaum, dessen
Breite in der Mitte des Spindelrandes dieselbe Dimension hat, wie die
Projection des gewölbten Theils am letzten Umgang beträgt, in der
Nabelgegend in gleichbreitem Spiralband fortsetzt und nach dem Centrum
plötzlich verschmälert ausläuft und nicht ganz bis zum vorderen Theil
der Mündung reicht; die Kiellinie gegen den gewölbten Theil des letzten
Umgangs ist sehr scharf markirt; das Gewinde macht nicht ganz die
Hälfte des Gehäuses aus. Länge 6 Mm. Breite 4¼ Mm. Höhe 3 Mm.

Thier viel grösser als das Gehäuse, 12-15 Mm. lang, gestreckt, aber
plumper gebaut als bei _elongata_ und _diaphana_; der Mantel ragt weit
aus dem Gehäuse hervor, ist dunkelgrau gefärbt und stark querrunzelig;
der Mantellappen grau mit schwärzlichem Saum, die Spira nicht deckend.
Hals mässig unter dem Mantel hervorragend, aschgrau gefärbt mit grob
gekörneltem Kiel zwischen zwei weisslichen Vertiefungen; Stirne und
Seiten grob gekörnelt, dagegen Hals und Rücken querrunzelig mit
deutlicher Streifung von hellerem und dunklerem Grau. Fuss auffallend
hoch mit stumpfer, undeutlicher Körnelung, fast glatt. Fühler
gedrungen, conisch zugespitzt, mit feiner, quergestellter Körnelung.
(C. ~Koch~).

Diese Form unterscheidet sich von der folgenden schon durch die
hellere Farbe des Thieres, und durch ihre Lebensweise. Sie hält sich
in Waldsümpfen auf, zwischen _Chrysosplenium oppositifolium_ unter der
Bodendecke. Ihre Hauptentwicklung fällt in den Spätherbst und Anfang
des Winters; im October legt sie ihre Eier in feuchte Walderde. Bis zum
Frühjahr dauert sie an den bis jetzt beobachteten Fundstellen nicht aus.

Im Breitscheider Walde, bei Langenaubach und bei Oberdresselndorf am
nördlichen Abhang des Westerwaldes an Stellen, wo Tertiärschichten
zwischen Basalten auftreten und es das ganze Jahr hindurch feucht ist.
Bei Langenaubach ist sie zur günstigen Jahreszeit sehr häufig, sie
wurde dort von Dr. C. ~Koch~ schon 1844 beobachtet und in den Beiträgen
zur Molluskenfauna von ~Sandberger~ und ~Koch~ (Jahrbuch des nass.
Vereins VII) als Varietät von _V. diaphana_ angeführt.


18. Vitrina diaphana ~Draparnaud~.

_Syn._ _Helix limacina_ ~von Alten~. -- _Hyalina vitrea_ ~Studer~.

Gehäuse länglich niedergedrückt, stumpfohrförmig erweitert, zart,
glashell oder grün, vollkommen durchsichtig und stark glänzend;
vollkommen ausgewachsene Exemplare haben 2½ und selbst 3 Umgänge;
Rossmässler gibt nur zwei an und scheint demnach ein unfertiges
Exemplar vor sich gehabt zu haben. Gewinde etwas stärker, als
bei voriger Art, die Hälfte des Gehäuses ausmachend, der häutige
Spindelrand ist schmäler und weniger deutlich abgesetzt als bei der
vorigen Art; seine Breite beträgt in der Mitte des Randes nur die
Hälfte von der Projection des gewölbten Theiles vom letzten Umgang;
die Kiellinie verschwindet nach dem Nabel hin und fällt nach dem
vorderen Theile der Mündung hin im letzten Viertel mit dem Spindelrande
zusammen. Höhe 4-5 Mm. Breite 6-7 Mm.

Thier mit braunem, schwarzpunctirtem Mantel, sonst hellgrau, der
Mantelfortsatz fast das ganze Gehäuse bedeckend; Sohle in der Mitte
weisslich, an den Rändern dunkelgrau.

Diese Form kommt, soviel mir bekannt ist, nur an einem einzigen Puncte
in unserer Gegend vor, nämlich in einem Weidengebüsch dicht am Main
bei Mühlheim; sie wurde daselbst von Herrn ~Kretzer~ in Mühlheim
aufgefunden und ist im Frühjahr sehr häufig; wahrscheinlich stammt sie
aus dem Spessart.[8]


19. Vitrina pellucida ~Müller~ (non ~Drp.~).

Kugelige Glasschnecke.

_Syn._ _Helix limacoides_ ~von Alten~. -- _Vitrina beryllina_ Carl
~Pfeiffer~.

Gehäuse niedergedrückt kugelig, ziemlich glatt, grünlich, vollkommen
durchsichtig, 3½ Umgänge, der letzte nur wenig in die Quere
verbreitert; Mündung mondförmig rund, gross. Höhe 3-4 Mm. Breite 4-5 Mm.

Thier fahlhellgrau oder weisslich, ziemlich durchscheinend, Mantel
dunkel, schwarzpunctirt, der Mantelfortsatz kleiner, als bei den
anderen Arten; Sohle gelblichweiss.

Allenthalben in Nassau nicht selten, besonders in den gebirgigeren
Theilen. Man findet sie meistens gesellig unter Steinen und Laub,
besonders häufig im Spätherbst und Winter. Auf Ruinen, am Fusse alter
Mauern und in Buchenwäldern mit Quellen wird man sie nicht leicht
irgendwo vermissen. Gesammelt wurde sie bis jetzt: an vielen Orten um
Wiesbaden, Ruine Sonnenberg, Stein, Nassau, Runkel, Idstein (~Thomae~),
Weilmünster (~Sandberger~), bei Breitscheid, im Feldbacher Wäldchen,
bei Burg und Langenaubach (~Koch~), an vielen Puncten um Frankfurt und
im Taunus (~Heynemann~); bei Soden (C. von ~Heyden~); an vielen Puncten
um Biedenkopf von mir. Auffallend ist das massenhafte Vorkommen auf der
Mombacher Haide; ich fand im Mai 1870 tausende von leeren Exemplaren
unter dem abgefallenen Laub der kümmerlichen Büsche am Rande nach der
Hartmühle hin, an Stellen, die das ganze Jahr hindurch trocken sind.
~Koch~ im Nachr. Bl. 1871 Nro II vermuthet, dass sie vielleicht als Art
von _pellucida_ verschieden sei.


20. Vitrina Draparnaldi ~Cuvier~.

Grosse Glasschnecke.

_Syn._ _V. pellucida_ ~Drp.~ (_non_ ~Müller~); _V. major_ ~Fér.~; _V.
Audebardi_ ~Fér.~

Gehäuse flacher, als das von _pellucida_ und bedeutend grösser, dünn,
zart, glashell feingestreift, und dadurch etwas weniger glänzend, als
_pellucida_; 4 Umgänge, der letzte stärker in die Quere verbreitert, so
dass die Mündung eine gestreckt elliptische Form annimmt. Höhe 3-4 Mm.
Breite 5-8 Mm.

Thier gross, hellgrau mit dunkel schieferblauem Mantel, dessen
Fortsatz gross genug ist, um fast das ganze Gewinde zu bedecken. Sohle
deutlich in ein weisses Mittelfeld und zwei schieferblaue Seitenfelder
geschieden.

Diese ausgezeichnete Form ist in Nassau dem Anschein nach sehr
verbreitet und häufig, ist aber dennoch lange übersehen oder mit
anderen Formen verwechselt worden, obschon sie sich von _pellucida_
schon durch die Grösse und die dreifarbige Sohle, von _diaphana_ durch
den Mangel des häutigen Spindelrandes und die Grösse des Gewindes
unterscheidet. Sie gleicht in ihrer Lebensweise der _pellucida_ und
kommt mit ihr zusammen vor. Sie wurde zuerst von ~Heynemann~ auf der
Ruine Hattstein im Taunus gefunden, dann auch von dem Schöffen ~von
Heyden~ bei Rüdesheim; später an mehreren Puncten. Im Wolkenbruch bei
Wiesbaden (~Lehr~); bei Stein und Nassau sehr häufig (~Servain~); um
Dillenburg die häufigste Vitrine (~Koch~). Ich fand sie nicht selten an
verschiedenen Puncten um Biedenkopf, besonders an feuchten Waldstellen
im Martinswald. -- Bei Schlangenbad (C. ~von Heyden~). -- Bei Weilburg
im Gebück (~Sandberger~ brieflich).



Achtes Capitel.

b. HELICEA, Schnirkelschneckenartige.


VI. HYALINA ~Gray~.

Glanzschnecken.

_Syn._ _Zonites_ Ad. ~Schmidt~ _ex parte_.

Gehäuse meistens genabelt, durchscheinend, glänzend, glashell oder
hornbraun, mit 5-7 regelmässig zunehmenden Umgängen, von denen
der letzte nicht oder nur wenig nach unten gerichtet, gegen die
Mündung meistens erweitert ist. Das Gewinde ist fast stets flach,
niedergedrückt, nur bei einer Art kegelförmig erhoben. Mündung gerundet
mondförmig, Mundsaum dünn, scharf, gerade, ohne Spindelhäutchen.

Das Thier ist dem von _Helix_ äusserlich ganz gleich; es unterscheidet
sich wesentlich nur durch Kiefer und Zunge. Der Kiefer ist bei
_Hyalina_ halbmondförmig mit einem kleinen, aber scharf vortretendem
Zahne am concaven Rand und auf der Oberseite vollkommen eben, während
er hier bei den Helixarten mit Längsrippen versehen ist. Die Zunge hat
in der Mitte kurze, dreispitzige, an den Seiten längere, haken- oder
dornförmige, ungetheilte Zähne. Da die mittleren eine gerade Reihe
bilden, an die sich zu beiden Seiten die Seitenzähne im schiefen Winkel
anschliessen, zerfällt die Zunge sehr deutlich in drei Längsfelder, was
bei Helix durchaus nicht so deutlich ist.

Das Thier selbst ist zart und schlank; die Athemöffnung mündet an
der rechten oberen Seite des Halses, die Oeffnung des einfachen
Geschlechtsapparates ist etwas weiter unten. Die Geschlechtsorgane
sind einfacher, als bei Helix, ohne Pfeilsack und Schleimdrüsen; das
Flagellum ist sehr kurz oder fehlt ganz.

Sämmtliche Hyalinen leben an feuchten, moderigen Stellen, unter
faulem Holz, Steinen, oder im Mulm; sie nähren sich von vermodernden
Vegetabilien, aber auch von Pilzen und thierischen Stoffen, wie die
im Kieferbau ihnen verwandten Vitrinen und Limaxarten. Für frische
Pflanzenstoffe ist ihr Gebiss weniger geeignet, als das der ächten
Helices.

Die Hyalinen sind allgemein verbreitet; sie leben bis zu bedeutenden
Höhen und hohen Breiten. Meistens findet man mehrere Arten zusammen
an einem Fundorte. Sie legen ihre mit häutiger oder kalkiger Schale
umgebenen Eier einzeln in feuchte Erde.

~Albers-Martens~ führt als in Deutschland vorkommend 12 Arten an,
von denen acht in Nassau aufgefunden sind. Bei der schwierigen
Unterscheidung, besonders der kleinen Arten, dürfte noch eine oder die
andere Art hinzukommen. Sie lassen sich folgendermassen unterscheiden:

  A. Gehäuse niedergedrückt oder flach gewölbt, _Hyalina_ im engeren
  Sinne.

    a. Gehäuse weit genabelt, so dass der zweite Umgang im Nabel
       noch sichtbar ist.

      Umgänge 4½, Gehäuse fettglänzend, gelbgrau, unten heller,
      Mündung rund, Durchmesser 7-9 Mm.

                                                    _H. nitidula_ ~Drp.~

      Ebenso, aber der letzte Umgang sehr in die Quere verbreitert,
      die Mündung nach unten gezogen.

                                                     _H. nitens_ ~Mich.~

      Umgänge 4, Gehäuse glänzend, einfarbig horngelb bis
      grünlich, Durchmesser 4-5 Mm.

                                                    _H. nitidosa_ ~Fér.~

      Umgänge 6, Gehäuse fast scheibenförmig niedergedrückt,
      stark glänzend, oben grünlich horngelb oder grünweisslich, unten
      weisslich. Durchmesser 11-13 Mm.

                                                   _H. cellaria_ ~Müll.~

      Umgänge 5, Gehäuse etwas kugelförmig, niedergedrückt,
      rothgelb, Thier blauschwarz. Durchmesser 6-7½ Mm.

                                                     _H. nitida_ ~Müll.~

    b. Gehäuse enggenabelt, feindurchbohrt oder ungenabelt.

      Umgänge 4½, Gehäuse feindurchbohrt, glashell, glatt.
      Durchmesser 3½-4 Mm.

                                                _H. crystallina_ ~Müll.~

      Umgänge 5, Gehäuse genabelt, glashell, die Naht tief,
      Windungen höher, als bei _crystallina_, in der Mündung eine
      weisse Lippe, Durchmesser 4-4½ Mm.

                                               _H. subterranea_ ~Bourg.~

      Umgänge 6, Gehäuse ungenabelt, glashell, sehr dicht gewunden,
      Durchmesser 4-4½ Mm.

                                                     _H. hyalina_ ~Fér.~

    B. Gehäuse kegelförmig (_Conulus_ ~Fitz.~), Umgänge 6, Gehäuse
       ungenabelt, horngelb; Durchmesser 3½-4 Mm., Höhe 3 Mm,

                                                      _H. fulva_ ~Müll.~


21. Hyalina nitidula ~Draparnaud~.

Gemeine Glanzschnecke.

Gehäuse weit und tief genabelt, etwas kugelig, gedrückt, oben und
unten convex, dünn, durchscheinend, fettglänzend, fast glatt, oben
hellrothbraun, unten um den Nabel milchweisslich, aus 4½, sich wenig
erhebenden, walzenförmigen Umgängen, die sehr langsam zunehmen,
bestehend. Mündung rundmondförmig; Mundsaum einfach, scharf, nicht
geschweift; Nabel offen und tief. Höhe 3-3½ Mm., Durchmesser 7-9 Mm.

Thier hellschieferblau, auf dem Rücken und an der Fussspitze dunkler.

Diese Art unterscheidet sich von der nächstverwandten _H. cellaria_
durch die stärkere Erhebung des Gewindes und die geringere Zahl der
Umgänge, von _H. nitens_ durch die einfach runde, nicht oder nur ganz
unbedeutend quer erweiterte Mündung. Sie lebt in schattigen, feuchten
Wäldern und Hecken unter Laub, Steinen und faulem Holz und ist ziemlich
allenthalben verbreitet. An alten Baumstämmen im Nerothal (~Thomae~).
Im Gebück bei Weilburg (~Sandb.~). Im Feldbacher Wäldchen, bei Erdbach,
Langenaubach und Breitscheid bei Dillenburg (~Koch~). Im Frankfurter
Wald, im Taunus (~Heyn.~ ~Dickin~). Bei Hanau selten, bei Bischofsheim
und unterhalb Hochstadt (~Speyer~). Am Wurzelborn im Schwanheimer Wald.
(!) Um Biedenkopf allenthalben, aber ziemlich einzeln; am häufigsten in
feuchten Waldthälchen unter dem Laub.


22. Hyalina nitens ~Michaud~.

Weitmündige Glanzschnecke.

Gehäuse gewölbt, niedergedrückt, offen und ziemlich weit genabelt,
dünn, durchsichtig, matt glänzend, oben hellbraungelb, unten weisslich,
sehr wenig gestreift, fast glatt; 4½ Umgänge, von denen der letzte
grösser und besonders am Ende sehr verbreitert und herabgebogen ist,
wodurch Wirbel und Nabel sehr ausser dem Mittelpunct zu stehen kommen;
Naht wenig vertieft; Mündung eiförmig, nur wenig ausgeschnitten,
herabgebogen. Mündung geradeaus, einfach, scharf, geschweift.
Dimensionen wie bei der vorigen.

Thier heller oder dunkler schiefergrau mit dunkelblaugrauen Oberfühlern
und Rücken.

Diese Art ist eine entschieden südliche Form, die in unseren Gegenden
bei weitem nicht die Grösse erreicht, wie im Süden, wo sie der _H.
cellaria_ nichts nachgiebt. Von manchen, z. B. ~Bielz~, wird ihre
Artselbstständigkeit bezweifelt und sie als Varietät zu der vorigen
gezogen. Meiner Ansicht nach kann diess nur Folge einer Verwechslung
sein, indem man Formen von _nitidula_ mit etwas erweiterter Mündung für
_nitens_ hält; die ächte _nitens_ ist jedenfalls eine selbstständige
Art.

Sie findet sich mit der vorigen, aber seltener. Bei Mombach (~Thomae~).
Um Dillenburg in schattigen Wäldern auf Kalkboden; selten bei Erdbach
an den Steinkammern; am Wildweiberhäuschen bei Langenaubach (~Koch~).
Im Schürwald an der Babenhäuser Chaussee bei Frankfurt (~Dickin~).
Aeusserst selten im Puppenwalde bei Hanau (~Speyer~). Auf der Ruine
Frankenstein bei Darmstadt (~Ickrath~). Auf dem Falkenstein im Taunus
(~Ickrath~). Am Schlossberg und in einem Thälchen des weissen Waldes
bei Biedenkopf.


23. Hyalina nitidosa ~Férussac~.

Grünliche Glanzschnecke.

_Syn._ _Hel. pura_ ~Alder~, _viridula_ ~Mke.~, _clara_ ~Held~.

Gehäuse durchgehend, aber ziemlich eng genabelt, niedergedrückt, oben
etwas convex, dünn, durchsichtig, gelblich oder grünlich hornfarben,
glänzend, Oberseite sehr fein und regelmässig gestreift, Unterseite
weniger. Die vier, etwas gedrückten Umgänge sind durch eine flache Naht
vereinigt und erheben sich wenig; der letzte ist an der Mündung schnell
erweitert. Mündung verhältnissmässig sehr gross, gerundet mondförmig;
Mundsaum einfach und scharf. Nabel ziemlich eng, doch ganz durchgehend.
Höhe 1½-2 Mm., Durchmesser 3½-5 Mm. Thier hellblaugrau; Kopf, Hals und
Fühler dunkler.

Diese Schnecke ist die kleinste aus der Sippschaft der offen genabelten
Hyalinen und schon dadurch leicht zu erkennen; dass sie ausgewachsen,
sieht man an der raschen Zunahme des letzten Umganges.

Unter Laub und Steinen und im Moose feuchter, quelliger Stellen mit
_Hyal. crystallina_, _fulva_, _Hel. pygmaea_, _Cionella lubrica_,
_Carychium minimum_, _Vertigo 7dentata_ in den meisten Gegenden
nicht selten. Um Weilburg häufig (~Sandb.~). Bei Diez (~Schübler~
_ibid._). Im ganzen Breitscheider Walde und bei Langenaubach häufig.
Im Feldbacher Wäldchen, Thiergarten und bei Oberscheld (~Koch~). Im
Nerothal selten (A. ~Römer~). Am Beilstein (~Heyn.~). Im Frankfurter
Wald an geeigneten Stellen überall einzeln; im Mombacher Kiefernwald
(~Heyn.~). Aeusserst selten bei Wächtersbach (~Speyer~). Um Biedenkopf
an quelligen Stellen und im Moos an Bachrändern allenthalben nicht
selten, aber nie in grösserer Anzahl beisammen. Im Moose an Gräben am
Sandhof bei Frankfurt.


24. Hyalina cellaria ~Müller~.

Keller-Glanzschnecke.

Gehäuse offen genabelt, niedergedrückt, oben fast ganz flach oder
nur wenig convex, unten ganz flach, durchscheinend, glänzend, aber
nach dem Tode des Thieres bald trüb und glanzlos werdend, oben etwas
gestreift. Farbe oben schmutzig gelb, etwas grünlich, mitunter kaum
gefärbt, unten weisslich. 5-6 sich wenig erhebende, gedrückte Umgänge,
der letzte in seiner letzten Hälfte bedeutend erweitert, so dass der
Nabel ausserhalb des Mittelpunctes liegt, wenn auch nicht in dem Grade,
wie bei _nitens_. Mündung gedrückt, schiefmondförmig, fast breiter als
hoch; Mundsaum einfach, scharf, etwas geschweift. Nabel ziemlich weit
und tief. Höhe 3-4 Mm., Durchmesser 12-14 Mm.

Thier sehr schlank, weisslich, Kopf und der angränzende Theil des
Rückens nebst der Spitze der Fühler schieferblau. Die in Kellern
u. dgl. hausenden Exemplare sind heller. Die Zungenzähne sind in nach
vorn convexe Reihen geordnet, die einzelnen sind weit grösser, als bei
gleichgrossen Helices. In der Mitte steht ein kleiner, dreispitziger
Zahn, daneben je ein grösserer, dreispitziger mit drei sehr ungleichen
Spitzen; die drei zusammen bilden eine gerade Linie; daran schliessen
sich dann in einem starken Winkel jederseits 8-10 einfache, starke,
gekrümmte Dornen, die nach aussen an Grösse abnehmen. Es sind 42
Querreihen, jede mit 19-23 Zähnen, zusammen etwa 900 Zähne.

Diese grösste unserer Hyalinen lebt, wie schon der Name andeutet, mit
Vorliebe in Kellern und anderen unterirdischen Räumen, aber auch an
feuchten Stellen unter Moos, Laub und faulem Holz. Mit Sicherheit
kann man immer darauf rechnen, sie unter dem Schutt der Ruinen zu
finden. Sie ist in Nassau allgemein verbreitet. Sonnenberg, Biebricher
Schlossgarten, auf den Ruinen Adolphseck, Katz, Liebenstein, Sternberg,
Spurkenburg, Kammerburg, Rheineck; bei Dehrn und Runkel im Lahnthal, im
Hachenburger Schlossgarten (~Thomae~). Bei Weilburg im Gebück, an den
Reservoirs und verschiedenen alten Mauern in der Stadt (~Sandb.~). Bei
Dillenburg bei Burg, Breitscheid, Rabenscheid, Langenaubach, Endbach;
verbreitet, aber nirgends häufig. (~Koch~). Im Frankfurter Wald, auf
allen Ruinen des Taunus, in Kellern zu Frankfurt und Schwanheim, bei
Homburg. Um Biedenkopf, Breidenbach, Buchenau, aber immer einzeln, nur
unter dem Schutt am Schlossberg häufig; am Hartenberg bei Dexbach.


25. Hyalina nitida ~Müller~.

Dunkle Glanzschnecke.

_Syn._ _Hel. lucida_ ~Drap. autor~.

Gehäuse offen genabelt, etwas kugelförmig niedergedrückt, zart,
glänzend, feingestreift, ~rothgelb~; 5 Umgänge mit ziemlich deutlicher
Naht, zu einem kurzen Gewinde erhoben; Mündung mondförmig rund;
Mundsaum einfach und scharf, Nabel offen und tief, Höhe 3-4 Mm.,
Durchmesser 6-7 Mm.

Thier blauschwarz, nach Kiefer und Zunge eine ächte Hyaline; nach
den Beobachtungen von ~Lehmann~ (Mal. Bl. IX. S. 111) hat es einen
Liebespfeil mit trichterförmiger Krone, etwas gebogenem, fadenförmigem
Stiel und lang lancettförmiger, kaum verbreiterter Spitze, 1¾ Mm.
lang; derselbe trennt unsere Schnecke desshalb als eigene Gattung
_Zonitoides_ von den Hyalinen ab. Mit demselben Rechte müsste man dann
aber auch die Helices ohne Liebespfeil von denen mit Liebespfeil als
besondere Gattung trennen.

An feuchten, schattigen Stellen, besonders den Ufern von Bächen,
Flüssen und Teichen, aber auch fern vom Wasser, unter Steinen, Laub
und Bretern, meist in grösserer Gesellschaft. An den Ufern des Nero-
und Wellritzbaches bei Wiesbaden (~Thomae~). Im Gebück bei Weilburg
(~Sdbrg.~). An der Burger Brücke bei Dillenburg, selten. Häufig auf den
Wiesen des Nanzenbachthals (~Koch~). Am Metzgerbruch (~Heynemann~). Am
Mainufer unter Steinen und im Gras überall in grosser Menge. Ebenso um
Hanau, Gelnhausen, Wächtersbach, Schlüchtern und Steinau (~Speyer~).
Auffallend ist dagegen ihre Seltenheit in der Umgegend von Darmstadt,
wo sie ~Ickrath~ nur am Ufer des Stützebachs unfern des Kranichsteiner
Jagdschlosses einzeln fand. Im oberen Lahnthal und seinen Seitenthälern
um Biedenkopf nirgends selten.


26. Hyalina crystallina ~Müller~.

Crystall-Glanzschnecke.

Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, mit nur sehr wenig erhabenem
Gewinde, glashell, ganz durchsichtig, fast farblos mit einem schwachen
grünlichen Schein, glatt, starkglänzend, sehr zart; Umgänge 4½,
der letzte merklich breiter, als der vorhergehende; Naht ziemlich
vertieft, Mündung mondförmig, Mundsaum geradeaus, einfach. Höhe 1¼ Mm.,
Durchmesser 3½-4 Mm.

Thier sehr schlank, Fuss, Seiten und Sohle weisslich, Rücken und Mantel
schwarz.

An feuchten Orten im Moos, mit Vorliebe unter faulem Holz, durch
dessen Auslegen man sie leicht in Menge erhalten kann. Im Nerothal
bei Wiesbaden, selten (A. ~Römer~). Bei Weilburg im Gebück, Gänsberg,
Harnisch (~Sdbrg.~). Bei Dillenburg im Breitscheider Wald bei
Oberdresselndorf und im Aubachthale, verbreitet und ziemlich zahlreich
(~Koch~). Im Frankfurter Wald nur an der Oberschweinsteige im Moose am
Bach häufig (~Dickm.~). Um Biedenkopf an allen geeigneten Plätzen in
Menge; sehr häufig im Badseiferthal; eine grosse Anzahl fand ich einmal
mit _Hyal. nitida_ und _Hel. rotundata_ zusammen unter einem halbfaulen
Bret, das als Brücke über den Obergraben der Wallauer Papiermühle
diente.


27. Hyalina subterranea ~Bourguignat~.

Unterirdische Glanzschnecke.

Gehäuse genabelt, klein, stärker gewölbt, als _crystallina_, mit
der sie im Uebrigen sehr viel Aehnlichkeit hat, glashell, fast
farblos, glatt, stark glänzend, sehr zart. Umgänge 5, der letzte
merklich breiter, als der vorletzte; Naht stärker vertieft, als bei
_crystallina_; Mündung mondförmig, innen mit einer weisslichen Lippe
belegt; Mundsaum geradeaus, einfach, scharf. Dimensionen die einer
grossen _crystallina_.

Thier von dem von _crystallina_ durchaus nicht verschieden.

Diese Art wurde bisher immer mit _crystallina_ zusammengeworfen,
unterscheidet sich aber von ihr sicher durch die grössere Dicke und den
weiteren Nabel, ½ Umgang mehr, die tiefere Naht und die Lippe in der
Mündung. In Deutschland wurde sie zuerst durch ~Reinhardt~ in Berlin
nachgewiesen und bestimmte mir dieser auch einen Theil der von mir bei
Biedenkopf und von ~Dickin~ um Frankfurt gesammelten _crystallina_ als
diese Species. Sie kommt demnach mit _crystallina_ zusammen vor und
vielleicht gehören ihr die meisten Fundorte derselben ausschliesslich
an. Am Mainufer bei Schwanheim fand ich nur _subterranea_, im
feuchten Moos zahlreich umherkriechend, und allem Anschein nach ist
sie weit häufiger, als die ächte, enggenabelte _crystallina_. Eben
dieser Umstand macht mich zweifelhaft, ob sie nicht die eigentliche
_crystallina_ ~Müll.~ ist, denn die Worte O. F. ~Müllers~ passen
ebensogut auf sie und es wäre sonderbar, wenn er durch einen Zufall
gerade die in Norddeutschland sehr seltene, enggenabelte Form vor sich
gehabt hätte.

Im Moos an Grabenrändern in der Umgebung des Sandhofes bei Frankfurt.


28. Hyalina hyalina ~Férussac~.

Dichtgewundene Glanzschnecke.

Gehäuse im ausgewachsenen Zustand ungenabelt, klein, niedergedrückt,
mit ganz flachem Gewinde, glashell, fast farblos, ganz durchsichtig,
stark glänzend; die 5-6 Umgänge sind sehr dicht gewunden und nehmen
oben sehr gleichmässig an Dicke zu, nur der letzte ist etwas erweitert.
Naht ziemlich stark vertieft; Mündung sehr eng, mondförmig, Mundsaum
geradeaus, einfach; die Gegend um den ganz geschlossenen Nabel
ist trichterförmig eingesenkt. Dimensionen etwas grösser wie bei
_crystallina_.

Thier weisslich durchscheinend, Rücken und obere Fühler schwärzlich,
Leber fleischroth.

Diese seltene Schnecke wird mitunter mit _crystallina_ verwechselt, ist
aber leicht zu unterscheiden durch die grössere Zahl der Windungen,
die bei weitem engere Mündung und den Mangel des Nabels. Sie wurde in
Nassau lebend nur von Herrn A. ~Römer~ im Adamsthal in feuchtem Boden
unter Hecken an den Wurzeln von _Sphagnum_ u. dgl. gefunden. Leere
Gehäuse finden sich selten im Geniste der Flüsse.


29. Hyalina fulva ~Müller~.

Kreiselförmige Glanzschnecke.

Gehäuse sehr klein, kaum durchbohrt, kreiselförmig, kuglig, horngelb,
sehr dicht und fein gestreift, daher seidenglänzend, durchsichtig.
Umgänge 5-6, etwas niedergedrückt, mit der schwachen Andeutung eines
Kiels; Naht ziemlich tief; Mündung niedergedrückt, mondförmig, breiter
als hoch; Mundsaum geradeaus, einfach, scharf. Höhe und Durchmesser
gleich, 3-3½ Mm.

Thier schwarzbraun bis schwarz, unten heller; Fühler lang und
cylindrisch, die unteren verdickt; Fuss schmal und zugespitzt. Kiefer
oben etwas gekielt, in der Mitte mit einem kurzen, stumpfen Zähnchen.

In Waldgegenden auf feuchtem Boden in der Nähe von Gewässern, unter
Steinen und faulendem Laub; auch unter der losen Rinde am Boden
liegender Stämme. An der wilden Scheuer zu Steeten bei Runkel, selten;
in der Nähe des Adamsthales, selten (A. ~Römer~). Bei Dillenburg
mit _crystallina_; ausserdem im Feldbacher Wäldchen, im Thiergarten
und bei Oberscheld, vereinzelt (~Koch~). Ein Exemplar im Moose des
Bessunger Teiches (~Ickrath~). Am Beilstein, im Mombacher Kieferwald,
im Maingenist (~Heyn.~) An der Oberschweinsteige (~Dickin~). Einzeln
fand ich sie lebend am Mainufer bei Schwanheim. Um Biedenkopf ist sie
durchaus nicht selten in allen feuchten Thalgründen unter Steinen und
verwesendem Buchenlaub, doch meistens einzeln; in grösserer Anzahl fand
ich sie nur an der Goldküste, am Wege nach Eifa.

~Anmerkung.~ Ausser diesen Arten findet sich in Deutschland noch
eine der _nitidosa_ nächstverwandte Art, _Hyal. radiatula_ ~Alder~
(_Hammonis_ ~Ström~). Sie unterscheidet sich von ihrer Verwandten durch
die gestreifte Schale und den engeren Nabel. In Nassau ist sie meines
Wissens noch nicht gefunden worden, kommt aber nach ~Goldfuss~ im
Siebengebirge vor.

Dann die zunächst mit _cellaria_ verwandte _Hyalina glabra_ ~Studer~,
durch den engeren Nabel und stärkeren Glanz von ihr unterschieden; auch
sie ist in Nassau noch nicht aufgefunden worden.



Neuntes Capitel.

VII. HELIX ~Linné~.


Gehäuse rund, scheibenförmig bis kegel- und selbst kugelförmig; Mündung
breiter als hoch, schief, am Grunde nicht ausgeschnitten und durch das
Hereintreten der letzten Windung fast mondförmig.

Thier schlank, nicht übermässig gross im Verhältniss zum Gehäuse, so
dass es sich ganz in dasselbe zurückziehen kann; der Mantel bleibt
immer im Gehäuse eingeschlossen. Vier walzenförmige, stumpfe Fühler;
die oberen bedeutend länger als die unteren, am Ende knopfartig
verdickt, die Augen tragend.

Der innere Bau ist der oben geschilderte typische der Gastropoden.
Die Mundhöhle ist weit nach innen geschoben, kropfartig erweitert;
in ihr liegt der einfache, hornige Kiefer, halbmondförmig gebogen
und mit einer Anzahl Leisten an der convexen Seite, die am convexen
Rande Vorsprünge bilden; nie ist ein kegelförmiger Mittelzahn, wie bei
_Limax_ und _Hyalina_, vorhanden. Zunge sehr musculös; die Radula nicht
deutlich in drei Längsfelder geschieden; die Zähne kurz, in der Mitte
dreispitzig, nach den Seiten hin zweispitzig. Die Speiseröhre erweitert
sich alsbald zu einem länglichen, dünnwandigen, innen mit Drüsen und
Längsfalten bekleideten Magen. Hinter dem Pförtner münden die zwei
Ausführungsgänge der grossen, meist vierlappigen Leber. Der Darm bildet
zwei Windungen und geht dann in den Mastdarm über, der am hinteren,
oberen Rande der Mantelhöhle nach aussen verläuft und neben dem Kopfe
mündet. Auf der oberen Seite des Magens liegen zwei grosse, platte
Speicheldrüsen, deren Ausführungsgänge hinten in die Mundhöhle münden.

Die Athemhöhle ist sehr gross, dreiseitig, in der unteren Windung des
Körpers vorn und unten gelegen. In einem besonderen Behälter in ihrem
oberen Theile liegt das Herz. Die Niere liegt vor demselben, sie ist
dreieckig und aus dem oberen Ende entspringt der Ausführungsgang, der
dem Mastdarm entlang verläuft und neben oder über ihm mündet. Die
Geschlechtsorgane haben wir schon oben genauer beschrieben; sie sind
durch viele Anhangsdrüsen äusserst complicirt und münden mit einer
Oeffnung hinter dem Kopfe auf der rechten Seite. Die meisten Arten
haben einen, manche auch zwei Liebespfeile, deren Gestalt so constant
ist, dass man sie mit Erfolg für die Trennung nahe verwandter Arten
benutzen kann.

Das Nervensystem bietet nichts Auffallendes.

Alle Helices sind Zwitter: sie begatten sich meistens im Vorsommer
wechselseitig, und legen dann eine grössere oder geringere Anzahl
runder Eier mit kalkartiger Hülle, in unzusammenhängenden losen
Häufchen. Von unseren Arten ist bis jetzt nur _H. rupestris_ als
lebendiggebärend beobachtet worden.

Die Helixarten verschliessen im Winter, manche Arten, z. B. _H.
obvoluta_, auch im Sommer bei anhaltender Dürre, die Mündung ihres
Gehäuses mit einem kalkigen oder papier- oder seidenartigen Deckel;
manche Arten legen sogar mehrere hintereinander an. Es können diese
Deckel nicht den Zweck haben, die Kälte abzuhalten, da die Schale ein
ganz guter Wärmeleiter ist und also die Schnecken trotz dem Deckel
erfrieren, wenn sie nicht genügend frostfreie, sichere Winterquartiere
haben. Auch die Sommerdeckel beweisen, dass Schutz gegen die Temperatur
nicht der einzige Zweck sein kann. Es scheinen mir die Deckel vielmehr
dazu zu dienen, die Feuchtigkeit des Thieres zu erhalten, resp. die in
den Lungensäcken enthaltene Luft nicht austrocknen zu lassen. Sobald
der erste warme Regen fällt, stösst die Schnecke den Deckel, der mit
ihrem Körper in gar keinem Zusammenhang steht, ab. Entfernt man ihn im
Herbst, so machen die meisten Arten einen neuen, der aber schwächer
ausfällt, als der erste; bei öfterer Wiederholung des Versuches
verlieren sie die Kraft zur Neubildung und gehen zu Grunde.

Sämmtliche Helixarten unsrer Gegend suchen sich, sobald es anfängt
kalt zu werden, frostfreie Winterquartiere, je nach der Art mehr oder
weniger tief. Während ich _Hel. hispida_ häufig mitten im Winter bei
gelindem Wetter nahe der Oberfläche unter dem Laub gefunden habe,
geht die grosse _Hel. pomatia_ so tief wie möglich, namentlich in
Ruinen findet man sie oft mehrere Fuss tief. Meistens sind eine
Anzahl beisammen. Auch im Sommer verbergen sich die meisten Arten bei
anhaltend trocknem Wetter, und es ist merkwürdig, mit welchem Geschick
diese anscheinend so stumpfsinnigen Thiere Verstecke aufzufinden
wissen, die dem Sammler trotz des aufmerksamsten Suchens entgehen.

Alle Helices sind auf Pflanzennahrung angewiesen, verschmähen aber auch
gelegentlich animalische Kost, besonders kleinere Schnecken, nicht.

Auffallend war mir immer, dass die jungen, unausgewachsenen Schnecken
später ihre Winterquartiere beziehen und sie früher wieder verlassen,
als die ausgewachsenen. Ist vielleicht ihre Schale für die Feuchtigkeit
durchgängiger, oder können sie weniger Luft in die Athemhöhle aufnehmen?

Was den Umfang der Gattung Helix anbelangt, so fassten unter diesem
Namen ~Linné~ und O. F. ~Müller~ alle Schnecken zusammen, die ein
äusseres Gehäuse tragen und vier Fühler haben, von denen die oberen mit
Augen versehen sind. Diese Gattung enthielt aber bald so viele und so
verschieden gestaltete Arten, dass es unmöglich war, eine Art darin zu
beschreiben oder aufzusuchen. Schon ~Bruguière~ trennt desshalb alle
Arten mit langgezogenem Gehäuse, deren Mündung länger als breit ist,
unter dem Namen _Bulimus_ ab. Später erhoben ~Draparnaud~ die Vitrinen,
~Gray~ und ~Desmoulins~ die Naninen zu selbstständigen Gattungen
und in neuerer Zeit hat man noch _Hyalina_, _Zonites_, _Sagda_ und
_Leucochroa_ als Genera ausgeschieden. Trotzdem enthält die Gattung
noch so ungeheuer viele und so verschiedene Arten, dass eine fernere
Trennung in Unterabtheilungen unbedingt nothwendig erscheint. ~Lamarck~
hat schon frühe eine solche Trennung, aber auf rein willkürliche
äussere Merkmale hin unternommen, man hat sie desshalb bald wieder
aufgegeben. Besser ist das ebenfalls auf die Schalen gegründete System
von ~Pfeiffer~, nach dem man sich doch orientiren und unbekannte Arten
einordnen kann.

In der neuesten Zeit scheint man aber durch die genauesten anatomischen
Untersuchungen und die sorgfältigste Würdigung aller Verhältnisse der
richtigen natürlichen Anordnung näher zu kommen, und in Kurzem wird
vielleicht die ganze Gattung Helix in eine Anzahl selbstständige Genera
aufgelöst werden. Bis dahin müssen wir uns mit der Unterscheidung von
Untergattungen, die namentlich von ~Albers-Martens~ durchgeführt ist,
begnügen.

Zur Erleichterung der Bestimmung geben wir in Folgendem eine kurze
Characteristik der in Nassau vertretenen Untergattungen und lassen die
Bestimmungstafeln immer nur für die einzelnen Gruppen folgen.

  A. Gehäuse offen genabelt, niedergedrückt bis kreiselförmig; Mundsaum
     geradeaus, einfach, scharf.

                                                      _Patula_ ~Held~.

  B. Gehäuse durchbohrt, sehr klein, kugelig-kreiselförmig, mit
     rippenartig gefalteter, an den Rändern stachelig hervortretender
     Oberhaut.

                                                 _Acanthinula_ ~Beck~.

  C. Gehäuse sehr klein, genabelt, niedergedrückt, durchscheinend,
     Mündung fast kreisrund mit umgeschlagenem Mundsaum.

                                                   _Vallonia_ ~Risso~.

  D. Gehäuse bedeckt durchbohrt, Mündung gezahnt, auch auf der
     Mündungswand ein Zahn.

                                            _Triodopsis_ ~Rafinesque~.

  E. Gehäuse genabelt, kreisförmig niedergedrückt, behaart, Mündung
     engmondförmig mit verdicktem Mundsaum.

                                                   _Gonostoma_ ~Held~.

  F. Gehäuse genabelt oder durchbohrt, gedrückt-kugelig, häufig behaart;
     Mündung weit oder gerundet mondförmig, Mundsaum scharf,
     etwas ausgebreitet, innen meist gelippt und am Basalrand
     umgeschlagen; Farbe braun.

                                                 _Fruticicola_ ~Held~.

  G. Gehäuse weit genabelt, niedergedrückt, weiss oder gelbweiss, meist
     mit dunklen Bändern, und mit dunklem Wirbel; Mündung gerundet
     mondförmig oder fast kreisförmig, Mundsaum scharf.

                                                   _Xerophila_ ~Held~.

  H. Gehäuse gross, durchbohrt genabelt, gedrückt kugelig, mit
     mondförmiger Oeffnung und breitgelipptem Mundsaum, dessen Basalrand
     den Nabel fast ganz verdeckt.

                                                    _Arionta_ ~Leach~.

  I. Gehäuse ziemlich gross, weit genabelt, flach, der letzte Umgang
     stark herabgebogen, Mündung sehr schief, gerundet mondförmig,
     mit gelipptem, umgeschlagenem ganz lostretendem Mundsaum.

                                                 _Chilotrema_ ~Leach~.

  K. Gehäuse gross, ungenabelt, kugelig, die Umgänge gewölbt, mässig
     erweitert; Mündung stark schief und in die Quere gezogen, Mundsaum
     zurückgebogen.

                                                     _Tachea_ ~Leach~.

  L. Gehäuse sehr gross, bedeckt genabelt, kugelig, der letzte Umgang
     gross und bauchig; Mündung schief, herabgezogen, gerundet
     mondförmig; Mundsaum umgeschlagen.

                                                     _Pomatia_ ~Beck~.

Die 24 in Nassau vorkommenden Helixarten vertheilen sich auf diese
Untergruppen so, dass _Acanthinula_, _Gonostoma_, _Triodopsis_,
_Arionta_, _Chilotrema_ und _Pomatia_ je einen, _Tachea_ und _Vallonia_
je zwei, _Patula_ und _Xerophila_ je drei, und _Fruticicola_ acht
Vertreter haben.

In der Nähe unseres Gebietes, aber bis jetzt noch nicht innerhalb
desselben, findet sich noch ein Repräsentant der Untergattung _Petasia_
~Beck~, zunächst mit _Fruticicola_ verwandt, aber mit Zähnen in der
Mündung.


A. Untergattung $Patula$ ~Held~.

Kleine, flach gewundene Schnecken mit offenem Nabel; die 4-6
Umgänge gleich stark oder langsam zunehmend, mehr oder weniger
stark rippenstreifig. Mundsaum geradeaus, scharf, einfach. Kiefer
mit zahlreichen, wenig vorspringenden Rippen, schwach und dünn.
Geschlechtsapparat ohne Schleimdrüsen, ohne Liebespfeil und ohne
Flagellum. Sie bilden eine sehr wohl umgränzte natürliche Gruppe und
haben die gegründetste Aussicht, bald Gattungsrechte zu erlangen.

Unter Steinen und Holz, im Mulm fauler Bäume und in Spalten der
Felswände, allgemein verbreitet, die erste Art jedoch nur auf Kalk.

Unsere drei Arten lassen sich folgendermassen unterscheiden:

  a. Gehäuse kreiselförmig, dunkelbraun, 1,5 Mm. im Durchmesser.

                                                 _Hel. rupestris_ ~Drp.~

  b. Gehäuse niedergedrückt, hellbraun,

    4 Umgänge, Durchmesser nur 1 Mm.

                                                   _Hel. pygmaea_ ~Drp.~

    6 Umgänge, dunkelgefleckt, stumpf gekielt, Durchmesser
      6-7 Mm.

                                                _Hel. rotundata_ ~Müll.~


30. Helix rupestris ~Draparnaud~.

Felsen-Kreiselschnecke.

_Syn._ _H. umbilicata_ ~Mont.~

Gehäuse sehr klein, nur 2 Mm. hoch und 1,5 Mm. breit, offen und
ziemlich weit genabelt, mit mehr oder weniger erhobenem Gewinde,
kreiselförmig, dunkelbraun, sehr fein und dicht gestreift,
seidenglänzend, dünn, etwas durchsichtig; vier ziemlich gedrückte
Umgänge; Naht sehr vertieft; Mündung gerundet; Mundsaum geradeaus,
einfach, scharf, mit etwas genäherten Rändern.

Thier blauschwarz, nach unten zu heller; obere Fühler sehr kurz,
verdickt und stumpf, die unteren sehr klein und kaum sichtbar.

Diese Schnecke findet sich nur auf Kalkboden. Gefunden wurde sie von
A. ~Römer~ am Fusse der Kalkfelsen der wilden Scheuer bei Runkel unter
faulem Laub, und im Geniste der Rambach bei Wiesbaden. Auch ~Speyer~
fand sie im Maingenist bei Hanau. Nicht häufig an den Felsen zwischen
Ems und Oberlahnstein (~Servain~).


31. Helix pygmaea ~Draparnaud~.

Winzige Schnirkelschnecke.

Gehäuse winzig klein, nur 1 Mm. im Durchmesser bei 0,5 Mm. Höhe, weit
genabelt, scheibenförmig, hellrothbraun, sehr fein und dicht gestreift,
daher seidenglänzend, durchsichtig, dünn, zerbrechlich. 3½-4 Umgänge,
sehr langsam zunehmend, der letzte kaum breiter als der vorletzte,
so dass das Gehäuse aussieht, als sollte es der Anfang zu einem viel
grösseren sein; Naht sehr vertieft, Mündung mondförmig; Mundsaum
scharf, einfach, geradeaus.

Thier hellgrau, Fühler und Rücken dunkler; Oberfühler lang und schlank.
Augen deutlich, schwarz; Fuss kurz, die Endspitze von der Schale
bedeckt. Das Thierchen ist munter und kriecht schnell.

An feuchten, schattigen Stellen in Gesellschaft von Hyalinen und
kleinen Pupen; wohl allenthalben nicht selten, aber ihrer Kleinheit
wegen häufig übersehen. Am leichtesten erhält man sie noch aus dem
Geniste.

Gefunden wurde sie bis jetzt im Wald unter der Platte; auf einer Wiese
bei Schierstein (~Thomae~). Weilburg, im Harnisch, am Odersbacher
Weg (~Sandbrg.~). Im Feldbacher Wäldchen und im Breitscheider Wald
(~Koch~). Auf einer feuchten Wiese im Erbenheimer Thälchen an
Holzstückchen (A. ~Römer~). Um Frankfurt hier und da (~Heynemann~).
Bei Biedenkopf am Abhange des Kratzenbergs unter Steinen; im
Badseiferthälchen häufig im feuchten Moos; einzeln in allen
Waldthälchen. In den Anschwemmungen von Rhein, Main und Lahn.


32. Helix rotundata ~Müller~.

Knopfschnecke.

Gehäuse perspectivisch genabelt, 6-7 Mm. im Durchmesser,
3-4 Mm. hoch, niedergedrückt, oben gewölbt, mit strahlenförmig
geordneten, hellrothbraunen Flecken, zierlich und fein gerippt,
dünn, durchscheinend, stumpf gekielt. Umgänge reichlich 6, dicht
gewunden, sehr langsam zunehmend, über dem stumpfen, zuletzt fast
verschwindenden Kiel schwach, unter demselben stark gewölbt; Naht
ziemlich vertieft; Mündung gerundet mondförmig; Mundsaum geradeaus,
scharf, einfach.

Thier hellschieferblau bis ziemlich dunkel blaugrau, durchscheinend;
Oberfühler schlank, Fussende sehr spitz.

Allenthalben am Fusse schattiger Mauern unter Steinen und Holz, in der
Bodendecke, in alten Stöcken. Häufig auf allen Ruinen. Burg Sonnenberg,
Nerothal, Clarenthal und an vielen anderen Orten um Wiesbaden,
im Biebricher Garten, Ruine Frauenstein, Hohenstein, Adolphseck,
Nassau und Stein, Schloss Idstein (~Thomae~). Häufig um Weilburg
und Diez (~Sandbrg.~), Dillenburg (~Koch~), Frankfurt (~Heynemann~,
~Dickin~), Homburg (~Trapp~). Um Biedenkopf allenthalben. Gemein um
Ems (~Servain~). Albinos sind von dieser Form ziemlich häufig. Im
Feldbacher Wäldchen fand ~Koch~ selten eine einfarbig braune Varietät.
Ein hochgewundenes, der _Hel. conica_ ähnliches Exemplar fand ich im
Schlossberg bei Biedenkopf.

~Anmerkung.~ ~Thomae~ führt in seinem Verzeichniss noch aus dieser
Gruppe die _Hel. ruderata_ ~Stud.~ an und beruft sich dabei auf
~Rossmässler~, der diese Schnecke von Nassau anführt. Es ist dies aber
eine Verwechslung mit Nassau im sächsischen Erzgebirg, bei Frauenstein
im Kreise Dresden. Diese Schnecke unterscheidet sich von _rotundata_,
der sie sonst sehr ähnelt, durch die geringere Zahl ihrer stielrunden
Umgänge, die gewölbte Form, den Mangel der braunrothen Flecke und
die grössere Mündung. Sie findet sich in den Alpen, Sudeten und im
Erzgebirg.

Eine fünfte deutsche Art aus dieser Gruppe, _Hel. solaria_ ~Menke~,
ganz flach und sehr stark gekielt, gehört nur dem südöstlichen
Deutschland bis nach Schlesien herauf an.


B. Untergattung $Acanthinula$ ~Beck~.

33. Helix aculeata ~Müller~.

Stachelige Schnirkelschnecke.

Gehäuse sehr klein, durchbohrt, kugelig kreiselförmig, schmutzig
horngelb, durchsichtig, dünn, wenig glänzend, häutig gerippt oder
lamellenrippig, jede Rippe in der Mitte in eine häutige Wimper
verlängert, wodurch das Gehäuse, von oben oder unten angesehen, einen
strahlig-wimperigen Umkreis zeigt; Umgänge vier, fast walzenförmig;
Naht sehr vertieft; Mündung fast ganz rund, so hoch wie breit;
Mundsaum zurückgebogen, häutig; Mundränder einander genähert. Höhe und
Durchmesser gleich, 1,5-2 Mm.

Thier hellblaugrau, schleimig, Fühler und Rücken stets etwas dunkler,
die Fussspitze sehr kurz; die unteren Fühler etwas länger, als bei der
vorigen Untergattung.

Ziemlich verbreitet, aber allenthalben selten, in schattigen
Buchenwäldern unter der Bodendecke. Bei Weilburg am Gänsberg sehr
selten (~Sdbrg.~). Bei Dillenburg im Feldbacher Wäldchen, in den
letzten Jahren nicht mehr gefunden; im Steinbeul selten (~Koch~). Im
Frankfurter Wald (~Heyn.~, ~Dickin.~). An verschiedenen Puncten um
Biedenkopf in feuchten Waldthälchen (C. ~Trapp~). An der Spurkenburg,
bei Dausenau und in der Umgegend der Stadt Nassau (~Servain~). Im
Norden, in Schweden, auch schon auf Rügen, ist sie stellenweise sehr
häufig.

~Anmerkung.~ In Nordeuropa kommt noch eine andere, nahe verwandte Art
dieser Gruppe vor, _Hel. lamellata_ ~Jeffreys~, die einen Umgang mehr
hat und mit stärkeren häutigen Lamellen besetzt ist. Der nächste mir
bekannte Fundort ist Kiel (~Rossm.~).


C. Untergattung $Vallonia$ ~Risso~.

Kleine, im Mulm, unter Steinen und Moos lebende, flach gewundene
Schnecken, circa 3 Mm. im Durchmesser. Der Kiefer hat zahlreiche, aber
am Rande nur wenig vorspringende Rippen. Ein langer, glatter, conischer
Liebespfeil.

Es kommen in Deutschland zwei Arten vor, die meist zusammen lebend,
auch in Nassau gemein sind, eine stark gerippte Form, _Hel. costata_
~Müll.~, und eine glatte Form, _Hel. pulchella_ ~Müll.~ Sie werden
der gemeinsamen Lebensweise wegen von vielen für Varietäten einer
Art gehalten, z. B. von ~Rossmässler~, ~von Martens~, ~Bielz~.
Dagegen trennt sie L. ~Pfeiffer~ und auch Ad. ~Schmidt~ macht darauf
aufmerksam, dass trotz des gemeinsamen Vorkommens Zwischenformen sehr
selten oder nie gefunden werden. Wären sie grösser, so würde Niemand
auf die Idee kommen, sie für eine Art zu halten, und ich ziehe desshalb
auch vor, sie als getrennte Arten zu betrachten.


34. Helix costata ~Müller~.

Gerippte Schnirkelschnecke.

Gehäuse sehr klein, weit genabelt, gelblichweiss, halbdurchscheinend,
mit häutigen Rippen. Windungen 3½, mässig gewölbt, regelmässig
zunehmend, die letzte vornen etwas nach unten gebogen, nicht erweitert.
Mündung etwas schräg, fast cirkelrund, nur sehr wenig durch die
Mündungswand ausgeschnitten. Mundsaum weiss, zurückgebogen, fast
zusammenhängend, mit einer glänzendweissen Lippe. Höhe 1,5 Mm.,
grösster Durchmesser 3, kleinster 2,5 Mm.

Thier weiss, durchsichtig, schleimig, mit dunklen Augenpuncten auf den
deutlich unterscheidbaren Oberfühlern; die Unterfühler klein, kaum
sichtbar.

Allenthalben unter Moos und Steinen gemein, auch an trocknen Orten,
wo _pulchella_ nicht vorkommt. Bei Wiesbaden, an Felsen im Rhein- und
Lahnthal, in den Ruinen daselbst überall häufiger als die glatte Form
(~Thomae~). Ebenso im Dillthale (~Koch~), um Frankfurt und am Taunus
(~Heyn.~) und bei Biedenkopf. Bei Weilburg fand ~Sandberger~ immer nur
die glatte Form.


35. Helix pulchella ~Müller~.

Niedliche Schnirkelschnecke.

_Syn._ _Hel. costata var. pulchella_ ~Rossm.~, ~Icon.~

Gehäuse weisslich, glänzend, durchsichtig, glatt, weitgenabelt. Der
letzte der 3½ Umgänge an der Mündung nicht heruntergebogen. Mündung
schief, fast kreisförmig. Der Mundsaum zurückgebogen, mit schwächerer
weisser Lippe; die Ränder nur genähert, nicht zusammenhängend.
Dimensionen und Thier wie bei voriger Art.

Allenthalben, aber nur an feuchten Orten, namentlich an Flussufern.
Nach ~Sandberger~ kommt bei Weilburg nur sie vor, auch bei Schwanheim
am Mainufer fand ich nur _pulchella_.

Fossil im Diluvialsand von Mossbach und in den Miocänschichten von
Wiesbaden und Hochheim (~Sdbrg.~).


D. Untergattung $Gonostoma$ ~Held~.


36. Helix obvoluta ~Müller~.

Eingerollte Schnirkelschnecke.

Gehäuse offen und weit genabelt, scheibenförmig, oben und unten platt,
dunkel rothbraun, glanzlos, ziemlich fest, undurchsichtig, behaart
mit ziemlich weitläufig stehenden, einfachen, geraden, ziemlich
langen Haaren. Die sechs seitlich gedrückten, dicht gewundenen,
durch eine tiefe Naht vereinigten Umgänge bilden ein ganz flaches
oder selbst etwas concaves Gewinde. Mündung stumpf dreieckig oder
seicht dreibuchtig; Mundsaum bogig zurückgebogen, wulstig, mit einer
schmutzig-lilafarbnen oder braunröthlichen Lippe, aussen mit zwei
Eindrücken. Nabel bis zur Spitze offen. Höhe 6 Mm., grosser Durchmesser
13-14, kleiner 10-12 Mm.

Thier stark gekörnt, grau, Kopf, Oberfühler und zwei von ihnen
ausgehende Rückenstreifen schwärzlich, Fuss hellgrau, lang und spitz.
Mantel gelblichweiss mit grauschwarzen Flecken; die Unterfühler sehr
kurz. Kiefer mit 10-12 wenig vorspringenden Leisten. Nach Ad. ~Schmidt~
hat das Thier eine dicke Ruthe ohne Flagellum, kein Divertikel am
Blasenstiel und einen verkümmerten Pfeilsack ohne Pfeil.

Diese schöne Schnecke findet sich an dumpfen, feuchten Orten unter
Laub und Steinen ziemlich weit verbreitet, aber häufig nur local. Sie
scheint die hügeligen Gegenden vorzuziehen, und namentlich in Ruinen
wird man sie nicht leicht vermissen. Nur bei sehr feuchtem Wetter
findet man sie an Steinen und Grashalmen umherkriechend; bei anhaltend
trocknem Sommer verschliesst sie ihr Gehäuse, wie im Winter, mit
einem pergamentartigen Deckel. Sie ist eine der ersten Schnecken, die
Winterquartiere aufsuchen, und verkriecht sich an passenden Plätzen
mehrere Fuss tief unter Geröll und Steine.

Vereinzelt im Nerothal, häufiger auf den Ruinen Katz, Liebenstein,
Sternberg, Gutenfels, Sickingen, Waldeck, Lahneck, Marxburg,
Spurkenburg, in verschiedenen Thälern um Nassau, im Wisperthal, an
vielen Plätzen im Lahnthal (~Thomae~). Im Forstorte Hain bei Schloss
Schaumburg häufig (~Tischbein~). Um Weilburg nicht selten (~Sdbrg.~).
Bei Diez (~Schübler~). Um Dillenburg bei Oberscheld und Erdbach selten
(~Koch~). In den Ruinen des Taunus, bei Cronthal, aber nicht im
Frankfurter Wald (~Heyn.~, ~Dickin~). Nicht selten am Schlossberg bei
Biedenkopf und am Hartenberg bei Dexbach.

~Varietäten.~ ~Gärtner~ führt von Steinau bei Hanau eine Form mit
gezahnter Mündung an; dieselbe Form erhielt ich auch durch Herrn
~Becker~ vom Auerbacher Schlossberg; die beiden Wülste, welche auf dem
Mundsaum stehen und die Mündung stumpf dreibuchtig machen, sind bei ihr
stärker als normal entwickelt, doch durchaus nicht in dem Grade, wie
bei _holoserica_.

Ferner kommen mitunter Exemplare vor, die kaum die Hälfte der normalen
Grösse erreichen, aber sonst durchaus in Nichts von der Stammform
abweichen.

~Anmerkung.~ Aus dieser Gruppe kommt in Deutschland noch vor die sehr
ähnliche _Hel. holoserica_ ~Stud.~; sie gleicht unserer Art ganz in der
Form, ist aber durch die Zähne in der Mündung leicht zu unterscheiden.
Sie findet sich in den Alpen und in den schlesischen und sächsischen
Gebirgen.


E. Untergattung $Triodopsis$ ~Rafinesque~.


37. Helix personata ~Lamarck~.

Maskenschnecke.

Gehäuse bedeckt durchbohrt, gedrückt kugelig, zart, zerbrechlich,
durchscheinend, glanzlos, hornbraun, ganz und gar mit unendlich feinen
Höckerchen besetzt, die unter dem Microscop ein sehr zierliches Bild
geben, dadurch fein chagrinirt, ausserdem noch mit kurzen, geraden,
nicht sehr dicht stehenden Härchen bedeckt. Die fünf convexen, sehr
allmählich sich entwickelnden, durch eine ziemlich vertiefte Naht
vereinigten Umgänge erheben sich nur wenig zu einem abgerundeten, ganz
stumpfen Gewinde. Mündung eckig dreibuchtig, verengert; Mundsaum breit
zurückgeschlagen, scharf, aussen tief eingekerbt und am Spindelrande
auf den Nabel, der dadurch fast ganz verdeckt wird, zurückgeschlagen,
am Aussenrand etwas ausgehöhlt und mit einer stark zusammengedrückten,
braungelblichen Lippe belegt; jeder der Ränder, die in einem fast
rechten Winkel aufeinanderstossen, trägt ein kleines, weisses Zähnchen,
und auf der Mündungswand steht quer von einem Rande zum andern eine
glänzendweisse, erhabene Leiste, durch welche die Mündung sehr verengt
wird. Höhe 6 Mm., grosser Durchmesser 11-12, kleiner 9-10 Mm. Exemplare
aus Südöstreich sind mitunter bedeutend grösser.

Thier grau, Kopf, Rücken und Fühler schwarz, Sohle grau. Kiefer mit
3-5 vorspringenden Leisten und gezahntem Rand. Die Organisation
des Geschlechtsapparates nähert sich nach ~Ad. Schmidt~ auffallend
der der Campyläen, aber auch _Hel. holoserica_ zeigt, trotz ihrer
Schalenähnlichkeit mit _obvoluta_, grosse Uebereinstimmung mit dem Bau
von _personata_. Ein verhältnissmässig langer, fast kegelförmiger,
wenig gebogener Liebespfeil.

Diese schöne Schnecke steht in der deutschen und selbst der
europäischen Fauna ganz isolirt; Verwandte finden sich nur in Amerika.
Sie hält sich an denselben Fundorten auf, wie _obvoluta_, und gleicht
ihr auch in der Lebensweise, nur dass sie um vieles lebhafter ist und
bei feuchtem Wetter lustig an Steinen und Grashalmen emporkriecht.
Der Winterdeckel ist pergamentartig, weiss. Aufgefallen ist mir
immer, dass frische Exemplare im Spätherbst so ganz dünnschalig, fast
nur aus Epidermis bestehend, waren, dass man sie ohne weiteres zu
microscopischen Präparaten verwenden konnte, obwohl die Mündungszähne
fertig gebildet waren, während ich sie im Frühjahr an derselben Stelle
viel dickschaliger fand, dass sie also erst nach Vollendung der Mündung
und im Laufe des Winters die inneren Schalenschichten ablagern. Das
Gehäuse verwittert nach dem Tode sehr rasch, so dass fast nie ein
leergefundenes für die Sammlung brauchbar ist; bei _obvoluta_ ist diess
viel weniger der Fall.

Man findet sie meist nur an isolirten Puncten, aber dann stets in
grösserer Gesellschaft. Um die Ruinen Stein und Nassau (~Tho.~). Am
Webersberg bei Weilburg (~Sdbrg.~). Im Aubachthal zwischen Langenaubach
und Rabenscheid und bei Oberscheld (~Koch~). Sehr häufig im Forstorte
Hain bei Schloss Schaumburg (~Tischbein~). Ich sammelte sie in Menge am
Schlossberg bei Biedenkopf, wo sie weit häufiger als _obvoluta_ ist. Im
Taunus ist sie von den Frankfurter Sammlern noch nicht gefunden worden,
nur Herr ~Wiegand~ will ein todtes Exemplar auf der Ruine Reiffenstein
gefunden haben; doch scheint mir diess zweifelhaft, da unsre Schnecke,
wie schon erwähnt, immer in Gesellschaft vorkommt und sich also wohl
auch dort mehr Exemplare hätten finden müssen.


F. Untergattung $Fruticicola$ ~Held~.

Gehäuse genabelt oder durchbohrt, gedrückt kugelig, bisweilen behaart;
5-7 ziemlich gewölbte Umgänge; Mündung weit oder rundmondförmig;
Mundsaum scharf, innen mit einer Lippe versehen; der Basalrand
zurückgeschlagen.

Kiefer mit zahlreichen schwachen Leisten, bis zu 20, am Rande
feingezähnt, ziemlich dünn. Liebespfeile 1 oder 2, conisch oder
gekrümmt, mit mehrschneidiger Spitze.

Die Fruticicolen oder Laubschnecken leben im Gegensatz zu den vorigen
nicht auf der Erde, sondern mit Vorliebe auf Laub und Kräutern, _Hel.
hispida_ besonders auf Brennesseln. Nur _Hel. incarnata_ macht hierin,
wie in manchen anderen Puncten eine Ausnahme, sie findet sich mit den
vorigen Gruppen unter Laub und Steinen. Alle Arten lieben dunkle,
schattige Stellen, um so mehr, wie Ed. ~von Martens~ treffend bemerkt,
je dunkler sie sind. Im Allgemeinen scheinen sie mehr dem Flachland
als den Gebirgen anzugehören; im Lahnthal oberhalb Marburg fand ich
ausser _incarnata_ nur _depilata_ an einzelnen Stellen, während in dem
benachbarten, aber tiefer gelegenen und kalkreichen Dillthal, fünf, in
der Maingegend acht Arten vorkommen.

Unsere Arten lassen sich unterscheiden, wie folgt:

  A. Gehäuse kegelförmig, enggenabelt.

      Oberhaut wie bereift aussehend, die Mantelflecken des Thieres
      durch das Gehäuse durchscheinend, Mündung stark gelippt, Höhe
      9-10 Mm., Durchmesser 12-14 Mm.

                                                _Hel. incarnata_ ~Müll.~

  B. Gehäuse fast kugelig.

    a. Nabel ziemlich weit, Mundsaum innen kaum gelippt, Gehäuse 16-18
       Mm. hoch, 18-20 Mm. breit.

                                                 _Hel. fruticum_ ~Müll.~

    b. Nabel sehr weit, Mundsaum innen gelippt, Gehäuse flacher, 9-10
       Mm. hoch, 13-15 breit.

                                                 _Hel. strigella_ ~Drp.~

  C. Gehäuse niedergedrückt.

    a. Nabel ziemlich weit, Gehäuse haarig, Mündung rund, innen
       stark gelippt. Höhe 5-6 Mm., Breite 9-10 Mm.

                                                       _Hel. hispida_ L.

    b. Nabel weit, Gehäuse unbehaart, glänzend, Mündung mehr
       niedergedrückt, als bei voriger Art. Dimensionen dieselben.

                                               _Hel. depilata_ C. ~Pfr.~

    c. Nabel eng, halb vom umgeschlagenen Mundsaume bedeckt, Gehäuse
       behaart. Höhe 4 Mm., Breite 6-7 Mm.

                                                   _Hel. sericea_ ~Drp.~

    d. Nabel weit, Gehäuse glatt, schwach gekielt, der letzte Umgang
       mit einer weisslichen Gürtelbinde. Höhe 6-8 Mm., Breite
       10-14 Mm.

                                                _Hel. rufescens_ ~Penn.~

    e. Nabel offen, Gehäuse zottig behaart; Höhe 5-6 Mm., Breite
       10-12 Mm.

                                                   _Hel. villosa_ ~Drp.~

Die Unterscheidung ist durchaus nicht leicht, und namentlich die
kleineren Arten werden vielfach verkannt und verwechselt.


38. Helix incarnata ~Müller~.

Röthliche Schnirkelschnecke.

_Syn._ _Hel. sylvestris_ ~Hartmann~.

Gehäuse durchbohrt, flach kegelförmig mit wenig erhabenem, aber doch
spitz endendem Gewinde, stumpf gekielt; Farbe hellröthlichbraun bis
dunkelrothbraun mit einem weissen, durchscheinenden Kielstreifen; ein
feiner, aus winzigen Schüppchen bestehender Ueberzug lässt frische
Gehäuse wie bereift, und desshalb matt und glanzlos erscheinen; er
wischt sich aber sehr leicht ab und dann wird das Gehäuse glänzend.
Unter der Loupe erscheint es wenig gestreift, feingekörnelt. Sechs
ziemlich gewölbte, sehr allmählich zunehmende, durch eine tiefe Naht
vereinigte Umgänge. Mündung gedrückt mondförmig, Mundsaum scharf,
zurückgebogen, aussen braunroth gesäumt, innen mit einer fleischrothen,
besonders am Spindelrande stark entwickelten Lippe. Nabel sehr
eng, aber fast bis zur Spitze offen, etwas von einer Verbreiterung
des Spindelrandes bedeckt. Höhe 9-10 Mm., Breite 14-16 Mm. Die
Gebirgsexemplare sind meistens bedeutend kleiner.

Thier sehr schlank, in der Farbe veränderlich, gelbroth, schmutzig
fleischfarben, rothbraun bis schwärzlich, Fühler dunkelbraun, Augen
schwarz, Mantel mit schwarzen Flecken, die durchs Gehäuse durchscheinen
und dem lebenden Thiere ein Ansehen geben, das von dem des leeren
Gehäuses sehr verschieden ist. Kiefer stark halbmondförmig gebogen, am
concaven Rande verdickt, mit 23-30 ziemlich gleichbreiten Querleisten,
die nur durch feine Linien von einander getrennt, zu beiden Seiten
etwas gebogen sind und nicht über den concaven Rand vorragen.
Liebespfeil gekrümmt, lang, die Spitze schraubenartig rechts gewunden
mit zwei breiten Schneiden.

Eine kleine Form mit fast ganz bedecktem Nabel nannte ~Ziegler~ _Hel.
tecta_ (~Pfeiffer~; nach Ad. ~Schmidt~ ist _Hel. tecta_ ~Zgl.~ =
_vicina_ ~Rossm.~). _Hel. sericea_ ~Müll.~, nicht zu verwechseln mit
_sericea_ ~Drp.~, ist nach ~Beck~ nur eine junge _incarnata_. Im Taunus
und bei Biedenkopf findet sich eine kleine Form, die aber bis auf die
Grösse ganz mit der Stammform übereinstimmt und also nicht als eine
besondere Varietät angesehen werden kann.

Diese Schnecke findet sich ziemlich überall in unserer Provinz,
mit _Hel. obvoluta_ als regelmässige Bewohnerin der Ruinen, und
in Gebirgswaldungen unter Laub und Steinen. Sie bezieht ihre
Winterquartiere ziemlich spät; ihr Winterdeckel ist häutig mit Spuren
von Kalk, und liegt ziemlich weit zurück in der Mündung.

Gefunden wurde sie bis jetzt im Nerothal und am Kieselborn bei
Wiesbaden, auf den Ruinen Frauenstein, Adolphseck, Kammerburg,
Rheineck, Katz, Liebenstein, Sternberg, Spurkenburg, Stein, Dehrn, bei
Steeten, Runkel, Villmar, im Mühlbach-, Wörsbach- und Hasenbachthal
(~Thomae~). Bei Schloss Schaumburg (~Tischbein~). Am Karlsberge
bei Weilburg (~Sdbrg.~). Nicht häufig bei Limburg (~Liebler~). In
schattigen Wäldern auf Kalkboden um Dillenburg bei Oberscheld, Eibach,
Rabenscheid, Breitscheid und Langenaubach (~Koch~). Im Frankfurter
Wald, besonders am Königsbrunnen häufig; in den Wäldern und Ruinen des
Taunus (~Heyn.~, ~Dickin~). Um Biedenkopf fast überall ziemlich gemein,
besonders häufig um die Schlossruine. Im Schwanheimer Wald nicht häufig.


39. Helix fruticum ~Müller~.

Stauden-Schnirkelschnecke.

Gehäuse offen und tief genabelt, aus 5-6 stark gewölbten, durch eine
ziemlich tiefe Naht vereinigten Umgängen bestehend, durchscheinend,
ziemlich stark, sehr fein quergestreift und mit äusserst feinen
Spirallinien dicht umzogen, daher fast ohne Glanz, gelblichweiss oder
röthlich bis braunroth, zuweilen auf der Mitte der Umgänge mit einem
schmalen, nicht scharfbegränzten, dunkelbraunrothen Bande, Mündung
gerundet mondförmig, ziemlich weit; Mundsaum etwas nach Aussen gebogen,
besonders der Spindelrand; innen meist eine sehr flache weisse oder
bläulich irisirende schwache Lippe. Nabel bis zur Spitze offen. Höhe
16-18 Mm., Durchmesser 18-20 Mm.

Thier je nach der Farbe der Gehäuse verschieden gefärbt, in den dunklen
braunröthlich bis dunkelrothbraun, in den helleren gelblichweiss oder
fleischröthlich. Von den Fühlern laufen zwei kurze graue Striche über
den Rücken. Mantel schwarzbraun oder blauschwarz gefleckt, durch
den letzten Umgang durchscheinend, der desshalb bei dem lebenden
Thiere schön gefleckt erscheint. Liebespfeil nur 2 Mm. lang, gerade,
kegelförmig zugespitzt; an der Ruthe kein Flagellum. Kiefer hell
hornfarbig, mit 4-5, durch tiefe Zwischenräume getrennten Querleisten,
die als Zähne bedeutend über den nicht verdickten, concaven Rand
hinaustreten. Der Kiefer weicht von dem der anderen Fruticicolen so
weit ab, dass in einem darauf gegründeten System _Hel. fruticum_
von den nach ihr genannten Fruticicolen weit getrennt werden müsste,
während andererseits dann _Bul. montanus_ hierhergehören würde.

Sie findet sich in dichten Büschen und Vorhölzern, unter und auf
Stauden und Gesträuchen. Im Winter schliesst sie ihr Gehäuse durch 2-3
papierartige Deckel, die im Inneren je 2-3″, hinter einander angebracht
werden. Im Nothfall scheint sie auch animalische Nahrung nicht zu
verschmähen, denn Ad. ~Schmidt~ fand in ihrem Magen Reste eines jungen
Exemplars derselben Art, ein Cannibalismus, den ich aber auch bei
anderen grösseren Schnecken beobachtet habe.

Man kann der Farbe nach drei Varietäten unterscheiden, die einfarbig
weisse oder gelbweisse, die einfarbig rothe oder rothbraune, und die
seltnere gebänderte.

Auf dem alten Todtenhof und in der Dambach bei Wiesbaden, Lahneck, auf
dem Judentodtenhof oberhalb Nassau, in einer Schlucht unter Schadeck
bei Runkel (~Tho.~). Bei Weilburg im Frühjahr überall gemein, beide
einfarbige Varietäten ziemlich gleichmässig verbreitet (~Sdbrg.~). Bei
Sinn in Hecken nicht häufig; am Schlossberg und in der Marbach bei
Dillenburg häufig, aber nur die rothbraune Form (~Koch~). Bei Mombach
(~Lehr~). Um Frankfurt besonders häufig am Röderberg, bei Oberrad und
am Königsbrunnen. Bei Sossenheim auf Lössboden die helle Form sehr
häufig; die helle Form an Achens Mühle, die rothbraune am Steinbrücker
Teich bei Darmstadt (~Ickrath~). Im Lahnthal kommt sie noch bei Marburg
in der Marbach auf Buntsandstein ziemlich häufig vor, findet sich aber
oberhalb im Kreise Biedenkopf nicht mehr.

Die gebänderte Form bei Wiesbaden und Mombach einzeln unter der
Stammform (~Lehr~); ebenso bei Darmstadt (~Ickrath~).

Exemplare mit mehreren Bändern, wie sie ~Hartmann~ aus der Schweiz
beschreibt, sind meines Wissens in unserem Gebiete noch nicht
aufgefunden worden.


40. Helix strigella ~Draparnaud~.

Gestreifte Schnirkelschnecke.

Gehäuse offen und weit genabelt, gedrückt kugelig, aus 6 gewölbten,
durch eine ziemlich tiefe, am Ende sehr herabgebeugte Naht vereinigten
Umgängen bestehend, gestreift, wenig glänzend, hell hornbräunlich,
auf der Mitte des letzten Umgangs mit einem weisslichen Bande; oft
weichhaarig, doch mit äusserst kurzen und leicht löslichen Härchen;
Mündung etwas gedrückt, gerundet mondförmig; Mundsaum am Innenrand
zurückgebogen, innen mit einer flachen, weissen oder violetten Lippe
belegt, aussen röthlichgelb oder braunroth gesäumt, Aussenrand dem
Innenrand sich sehr nähernd; Nabel ziemlich offen, bis zur Spitze
gehend. Höhe 9-10 Mm., Breite 13-15 Mm.

Thier graugelblich mit schwärzlichen Fühlern, Mantel schwärzlich
gefleckt, ein Liebespfeil ist nicht vorhanden.

Sie gleicht in ihrer Lebensweise der vorigen, ist aber viel seltner
und scheint für gewöhnlich nur einzeln vorzukommen. Im Mühlthal bei
Wiesbaden, an der Ringmauer bei Flörsheim, bei der Marxburg zu Braubach
unter Gebüschen, Brennesseln und Gras (~Tho.~). Am Johannisberg bei
Nauheim (~Heyn.~). Einzeln am Auerbacher Schlossberg (~Ickrath~). Bei
Sossenheim (~Ickrath~). Einzeln im Frankfurter Wald. Nicht selten in
dem die Flörsheimer Kalksteinbrüche durchschneidenden Thälchen. (!)


41. Helix hispida ~Müller~.

Borstige Schnirkelschnecke.

Gehäuse offen und ziemlich weit genabelt, fast scheibenförmig
niedergedrückt mit convexem Gewinde, gelbgrau, hornfarbig bis
hellrothbraun, oft mit rothbraunen Querstreifen, meist mit einem
hellen, durchscheinenden Kielstreifen, mit kurzen, ziemlich dicht
stehenden gekrümmten Härchen bedeckt, ziemlich deutlich gestreift,
wenig glänzend; Umgänge 5-6, niedergedrückt, der letzte mit einem
schwach angedeuteten, abgerundeten Kiel. Mündung breit mondförmig,
gedrückt, breiter als hoch; Mundsaum schwach erweitert, in der Nähe des
Nabels selbst schwach zurückgebogen, scharf, innen mit einer glänzend
weissen Wulst belegt, die am Spindelrande eine stärker ausgeprägte
Lippe bildet, der aussen ein gelblichweisser Saum entspricht. Höhe
3-3½ Mm., Breite 7 Mm.

Thier gelbgrau bis schiefergrau mit zwei schwärzlichen Rückenstreifen,
schlanker, nach hinten stark zugespitzter Sohle und dünnen Oberfühlern.
Es hat zwei ¾ Mm. lange Liebespfeile, die kegelförmig zugespitzt,
an der Spitze stark ausgezogen und bisweilen etwas gekrümmt sind.
Der Kiefer ist stark halbmondförmig gebogen und am convexen Rande
verdickt; seine Querleisten, die nur durch feine Linien von einander
getrennt sind, ragen nicht über diesen Rand hinaus; die äusseren
Querleisten sind etwas gekrümmt.

In Hecken und Gestrüpp an Bachufern überall gemein. Ueberall in Nassau
(~Thomae~). Gemein um Weilburg (~Sdbrg.~), Dillenburg (~Koch~),
Frankfurt (~Heyn.~), Hanau (~Speyer~). Im oberen Lahnthal kommt sie nur
ganz isolirt vor; ich fand sie um Biedenkopf nur an dem Chausseedamm
bei Wolfgruben und erhielt sie durch meinen Bruder von dem alten
Schloss zu Breidenstein.

Nach ~von Martens~ (_Alb. Hel. H._) war sie in der Diluvialzeit
häufiger und verbreiteter, als jetzt; das häufige Vorkommen im Diluvium
beweist aber nur, dass sie schon damals mit Vorliebe an Bächen und
Flüssen lebte und desshalb häufig in deren Anschwemmungen gerieth, in
denen sie auch jetzt noch häufig ist; ein Schluss auf die relative
Häufigkeit lässt sich aber aus dem fossilen Vorkommen so wenig wie aus
dem im heutigen Geniste ziehen.


42. Helix depilata ~C. Pfeiffer~.

Haarlose Schnirkelschnecke.

Gehäuse sehr weit genabelt, gedrückt-kugelig, gestreift, glänzend,
hornfarbig. Sechs enggewundene, starkgewölbte Umgänge, der letzte mit
einer schwachen, stumpfwinkligen Kante und weisslichem Kielstreifen;
Nabel weit, durchgehend; Mündung gedrückt mondförmig; Mundsaum scharf,
gerade, innen mit einer weissen Lippe belegt; Basalrand gerade,
bildet mit dem kurzen Spindelrande einen Winkel. Höhe 4 Mm., grosser
Durchmesser 8, kleiner 7 Mm. (L. ~Pfeiffer~, ~Mon.~).

Thier von dem der _Hel. hispida_ nicht verschieden, auch die Pfeile
gleich.

Diese Art ist jedenfalls die streitigste unter unseren Fruticicolen;
man hält mitunter abgeriebene Exemplare von _sericea_, _hispida_
und selbst _rufescens_ für die ~Pfeiffer~’sche _depilata_ und
bestreitet ihr demgemäss die Artgültigkeit. Die ächte, obiger Diagnose
entsprechende _depilata_, bei der selbst mit der stärksten Loupe
Haarwurzeln nicht zu finden sind, unterscheidet sich durch den weiten
Nabel, das höhere Gewinde und die gedrücktere Mündung genügend von
_hispida_ und _sericea_, um als eigene Art angesehen zu werden.

~Varietät.~ Am Mainufer findet man mitunter eine besonders
hochgewundene und in Folge davon auch enggenabelte Form, die leicht für
eine abgeriebene _sericea_ gehalten werden kann, doch ist der Nabel
immer noch weiter und weniger bedeckt, als bei dieser Art.

Im Nerothal, Wellritzthal und um Sonnenberg bei Wiesbaden (~Thomae~).
Im Gebück bei Weilburg (~Sandb.~). Bei Diez (~Schübler~). Im Hofe
des Marstalls zu Dillenburg (~Koch~). Um Frankfurt am Mainufer nicht
selten; eine besonders grosse Form am Wendelweg. (~Dickin~).


43. Helix sericea ~Draparnaud~ (non ~Müller~).

Seidenglänzende Schnirkelschnecke.

Gehäuse durchbohrt, fast kugelig, etwas niedergedrückt, hornbraun bis
horngrau, wenig glänzend, feinbehaart mit kleinen, dichtstehenden,
weisslichen Härchen, oft mit einem schwachen Kiel und dann mit
einem weisslichen, durchscheinenden Kielstreifen. Umgänge 5, etwas
niedergedrückt, Naht ziemlich tief, Mündung gerundet, breit,
mondförmig, wenig breiter als hoch. Mundsaum kaum etwas erweitert,
fast geradeaus, höchstens der innere mit einer schmalen Lippe belegt.
Spindelrand etwas zurückgebogen, halb den Nabel deckend. Höhe 4-5 Mm.,
Breite 6-7 Mm.

Thier sehr schlank, hellschiefergrau bis gelbweisslich, mit sehr
schlanken, dunkleren Fühlern. Kiefer mit 12-14 gleichen etwas gebogenen
Leisten. Zwei kleine, stielrunde, wenig gekrümmte Pfeile.

Es wird diese Art sehr häufig verkannt, indem man etwas enger genabelte
Exemplare von _hispida_ dafür nimmt, seltener, indem man die ächte
_sericea_ für _hispida_ ansieht. Sie unterscheidet sich von derselben
sicher durch die mehr kugelige Gestalt, den engen, zum Theil bedeckten
Nabel und die weitläufiger stehenden Haare.

An feuchten Wiesen, an Bachufern, in Ruinen unter Gestrüpp. Sie
ist im Allgemeinen selten, und mehrere der angegebenen Fundorte
sind vielleicht noch zu streichen; so z. B. sicher Langenaubach bei
Dillenburg (~Koch~).

Gefunden wurde unsere Schnecke im Nerothal und unterhalb der
Dietenmühle bei Wiesbaden (~Römer~); um Weilburg mit _hispida_
zusammen, selten (~Sandb.~); Ruine Königstein, einzeln am Königsbrunnen
bei Frankfurt, Ruine Falkenstein (~Heyn.~, ~Dickin~); auf feuchten
Wiesen bei Sossenheim (~Ickrath~). Einige todte Exemplare fand ich im
Geniste der Nied bei Höchst.


44. Helix rufescens ~Pennant~.

Berg-Schnirkelschnecke.

_Syn._ _Hel. circinata_ ~Studer~, _montana_ C. ~Pfeiffer~,
_clandestina_ ~Born~.

Gehäuse offen, bald mehr, bald weniger weit genabelt, etwas kugelig
niedergedrückt, schwach gekielt, ziemlich fest, wenig durchscheinend,
fein aber ziemlich stark gestreift, daher sehr wenig glänzend, zuweilen
auch ganz matt und wie bereift; strohgelblich bis braungelb, meist
dunkler rostgelb oder bräunlich, aber unregelmässig gestreift. Die
sechs sehr allmählig zunehmenden Windungen erheben sich nur wenig zu
einem spitzwirbeligen Gewinde und sind durch eine ziemlich vertiefte
Naht vereinigt. Der letzte Umgang hat stets einen stumpfen Kiel, oft
mit einem weissen, durchscheinenden Kielstreifen. Mündung schief,
gerundet mondförmig, ziemlich weit; Mundsaum scharf, etwas erweitert,
am Innenrande zurückgebogen, aussen mit einem rothbraunen Streifen
eingefasst, innen etwas weit hinten mit einer glänzend weissen,
breiten, aber nicht sehr erhabenen Lippe belegt, die besonders auf
dem Spindel- oder Innenrande sehr stark bezeichnet ist. Nabel offen,
bis zur Spitze sichtbar, mitunter jedoch ziemlich eng. Höhe 6 Mm.,
Durchmesser 10-11 Mm.

Thier bald heller bald dunkler aschgrau; Kopf, Fühler und Rücken
dunkler, schiefergrau bis schwarz, mitunter das ganze Thier fast
schwarz, zuweilen sogar vorn fast braunroth. Der Kiefer, den ich nur
an Erdbacher Exemplaren untersuchte, ist nur wenig halbmondförmig
gekrümmt, die Enden ziemlich spitz, der concave Rand etwas verdickt;
24-26 ungleichbreite, nur durch schmale Linien geschiedene Querleisten,
die nur ganz wenig über den concaven Rand vorragen und nach den Seiten
hin etwas gekrümmt sind.

Es herrscht bei dieser Art im Namen eine ziemliche Confusion, die
durch ihre Veränderlichkeit in Grösse und Farbe noch vermehrt wird.
Wir unterscheiden mit ~Rossmässler~ die kleinere, dunkel hornbraune,
weit genabelte Form als _var. montana_. Ad. ~Schmidt~ will sie als
selbstständige Art anerkannt wissen.

Diese Art findet sich nur an wenigen, beschränkten Puncten unseres
Gebietes. Im Genist des Sonnenberger Bachs bei Wiesbaden (~Thomae~),
später auch lebend unter Steinen an der Blumsmühle von A. ~Römer~
gefunden. Am Wildweiberhäuschen und den Steinkammern bei Erdbach,
in den Ritzen der Kalkfelsen verborgen und nur bei Regenwetter zu
erlangen (~Koch~). Auf der Ruine Hattstein im Taunus (~Heynemann~).

Die Erdbacher Exemplare sind ziemlich weit genabelt, sehr dunkel und
ohne merklichen Kielstreifen, können also füglich als _var. montana_
gelten, obwohl sie durch ihr ziemlich erhabenes Gewinde und die weite,
nicht gedrückte Mündung wieder von der topischen, bei Heidelberg
vorkommenden Form abweichen; sie decken ~Rossmässlers~ Fig. 423 ganz
genau. Auf dem Hattstein kommen dunkle und helle, eng und weitgenabelte
Formen durcheinander vor, und wäre eine genaue Untersuchung der
dortigen Verhältnisse sehr zu wünschen.


45. Helix villosa ~Draparnaud~.

Zottige Schnirkelschnecke.

_Syn._ _Hel. pilosa_ ~von Alten~.

Gehäuse offengenabelt, scheibenförmig niedergedrückt, zart und dünn,
leicht zerbrechlich durchsichtig, gestreift, schwach chagrinirt,
gelblich hornfarbig bis braun, zottig, mit langen, steifen, nicht sehr
dicht stehenden Haaren. Gewinde niedrig gewölbt, Umgänge 6, etwas
niedergedrückt; Naht tief; Mündung eirund-mondförmig, breiter als hoch;
Mundsaum kaum etwas erweitert, innen etwas zurück mit einer dünnen,
breiten, glänzend weissen Wulst belegt, die auf dem Spindelrande
deutlicher als Lippe ausgeprägt ist. Höhe 5-6 Mm., Dehm. 10-12 Mm.

Thier meist gelblichgrau mit schwärzlichen Oberfühlern, von denen
aus 2 dunkle Streifen über den Rücken laufen, durch die Schale ist
ein grosser gelber Mantelfleck sichtbar. Die Fusssohle läuft in eine
scharfe Spitze aus (~v. Alten~). Kiefer mit mindestens 6, meistens mehr
flachen, gleichlaufenden Rippen.

Nur an ganz feuchten Stellen und nur bei Regenwetter umherkriechend,
sonst unter abgefallenem Laub verborgen oder an der Unterseite der
Blätter in Brombeergebüschen festsitzend. Ursprünglich in den Alpen
heimisch, ist diese Schnecke mit dem Rhein immer weiter nach Norden
gewandert, und ist, nachdem lange Zeit Speyer und Worms als die
nördlichsten Fundorte galten, in neuerer Zeit von Herrn A. ~Römer~ auch
bei Mombach gefunden worden. Herr ~Wiegand~ will sie auch bei Frankfurt
gefunden haben, doch wird diess von den übrigen Frankfurter Sammlern
entschieden in Abrede gestellt.

~Anmerkung.~ Aus der Gruppe _Fruticicola_ kommen in Deutschland
noch folgende, bis jetzt nicht mit Sicherheit in unserm Gebiete
nachgewiesene Arten vor:

_Hel. umbrosa_ ~Partsch~, der Gruppe von _rufescens_ angehörig,
aber mit stärker gewölbten Umgängen, ohne Innenlippe, der Mundrand
ausgebreitet und das Gehäuse sehr durchscheinend, dass man die
Mantelflecken des Thieres von aussen sieht. Der nächste mir bekannte
Fundort ist Sachsen.

_Hel. cobresiana_ ~von Alten~ (_unidentata_ ~Drp.~), so gross wie
_hispida_, aber eng genabelt, höher gewunden und mit einem Zahn auf dem
Innenrande der Lippe. Von ~Tischbein~ bei Bingen gefunden. (~Thomae~).
Herr Forstmeister Tischbein in Birkenfeld, an den ich desshalb schrieb,
bestätigte mir, dass er im Anfang der vierziger Jahre einmal ein
Exemplar im Rheingeniste bei Bingen, dem Anschein nach noch ziemlich
frisch, gefunden habe; dasselbe kann aber möglicherweise vom Oberrhein
her angeschwemmt gewesen sein.

Die _cobresiana_, die seit ~Römer-Büchner~ und ~Speyer~ aus
dem Frankfurter Gebiete angeführt wird, ist nach ~Heynemann~
(Nachrichtsbl. I, 13) eine _hispida_ mit Andeutung eines Zahns.
~Kreglinger~ (Binnenmollusken p. 87) dagegen versichert, dass er
die ächte _cobresiana_ aus der ~Menke~’schen Sammlung, als von Carl
~Pfeiffer~ bei Hanau gesammelt, erhalten habe. Es bleibt somit noch
zu entscheiden, ob diese Art unserem Gebiete nicht vielleicht doch
angehört.

_Hel. rubiginosa_ ~Ziegler~, zunächst mit _sericea_ verwandt, aber ohne
Schmelzleiste am Basalrand und mit dichteren, kürzeren Haaren, auch
anatomisch dadurch unterschieden, dass sie nur einen Pfeil besitzt. Sie
lebt nur an sehr feuchten Stellen, meistens gesellig. Der nächste mir
bekannte Fundort ist an der Einmündung der Sieg in den Rhein.

_Hel. carthusiana_ ~Müller~ (_carthusianella_ ~Drp.~), weiss mit
röthlichem Mundrand, starker Innenlippe und halb bedecktem Nabel.
Nächste Fundorte Kehl am oberen, Bonn am unteren Rhein.

Aus der nahe verwandten Gruppe _Petasia_ ~Beck~, kommt noch in
Mitteldeutschland die schöne kegelförmige _Helix bidens_ ~Chemnitz~
(_bidentata_ ~Gmel.~) vor, ausgezeichnet durch ihre Form, die ganz eine
Vergrösserung der _Hyalina fulva_ darstellt, und durch zwei starke,
weisse Zähne in der Mündung. Sie ist am oberen Maine durchaus nicht
selten und dürfte vielleicht bald auch Bürgerin unseres Gebietes
werden, da zwei lebende Exemplare schon von Herrn ~Kretzer~ im
Maingenist bei Mühlheim a. M. gefunden worden sind.


G. Untergattung $Xerophila$ ~Held~.

Gehäuse weit genabelt, flachgedrückt oder gedrückt kugelig, kalk- oder
kreideartig, nur an der Spitze glänzend und die Embryonalwindungen
stets dunkel, selbst schwarz; 5-6 langsam zunehmende Umgänge; Mündung
rundmondförmig oder fast kreisförmig; Mundsaum scharf, innen gelippt.

Thier mit 1-2 Liebespfeilen; Kiefer mit 6-10 starken Querleisten.

Die Arten dieser Gattung leben mit Vorliebe an trocknen, der Sonne
ausgesetzten Rainen, immer in grossen Gesellschaften, meistens zwei
Arten zusammen, und mit ihnen _Bulimus detritus_ und _tridens_.
Sie sitzen bei trocknem Wetter Tags über an Grashalmen u. dgl.
festgekittet; Nachts und bei Regenwetter kriechen sie herum. Alle
finden sich fast nur auf Kalkboden.

In unserem Gebiete finden sich drei Arten, die sich folgendermassen
unterscheiden lassen:

  a. Gewinde flach, Durchmesser 14-20 Mm.

                                               _Hel. ericetorum_ ~Müll.~

  b. Gewinde mehr erhoben, Durchmesser unter 12 Mm.

      Nabel enger, Umgänge sehr langsam zunehmend, glatt
      oder nur fein gestreift; ein langer Liebespfeil.

                                               _Hel. candidula_ ~Stud.~

      Nabel weiter, Umgänge rasch zunehmend, stark gerippt;
      zwei kurze Liebespfeile.

                                                _Hel. costulata_ ~Zgl.~


46. Helix ericetorum ~Müller~.

Haideschnirkelschnecke.

Gehäuse sehr weit genabelt, niedergedrückt, etwas scheibenförmig,
aus sechs walzenförmigen, durch eine tiefe Naht vereinigten Umgängen
bestehend, die sich nur wenig zu einem ganz flachen Gewinde oder gar
nicht erheben. Farbe entweder gelblichweiss, nie rein porcellanweiss,
was sie von _Hel. obvia_ unterscheidet -- oder braungelblich, mit oder
ohne Bänder, unregelmässig, aber zuweilen auf den oberen Umgängen
sehr deutlich gestreift, undurchsichtig, wenig glänzend, sehr fest.
Mündung fast rund, etwas mondförmig ausgeschnitten; Mundsaum gerade,
scharf, innen etwas zurück mit einem undeutlich begränzten, weissen
Wulst belegt, dem an braungelblichen Exemplaren aussen am Nacken ein
rothgelblicher Saum entspricht. Mundränder einander sehr genähert;
Nabel sehr weit, perspectivisch das ganze Gewinde zeigend. Höhe
8-9 Mm., Durchmesser 13-20 Mm.

Thier gelblich, auf dem Rücken mit zwei breiten bräunlichen Streifen,
die von der Grundfarbe nur wenig erkennen lassen; auch die Sohle ist
von zwei breiten, nach aussen dunkler werdenden, braunen Streifen
eingefasst; dieselben werden nach hinten schmäler und erscheinen nicht
selten unterbrochen, wenn das Thier kriecht. Obere Fühler schwärzlich
grau. Es hat zwei lange, gekrümmte Liebespfeile und ist dadurch immer
von der verwandten _Hel. obvia_ ~Zgl.~ zu unterscheiden, deren Pfeile
kurz und gerade sind. Bei der Begattung wird, wie ich mich in meinem
Terrarium überzeugte, von jedem Thier nur ein Liebespfeil ausgestossen.

Auffallend ist bei dieser Form die Neigung, beim Bau des letzten oder
schon des vorletzten Umganges von der normalen Windungsebene nach unten
abzuweichen, eine Erscheinung, auf die mich ~Heynemann~ aufmerksam
machte, die aber schon dem scharfen Auge ~Hartmanns~ nicht entgangen
ist. Man kann kaum eine grössere Anzahl sammeln, ohne einige darunter
zu finden, die diese Missbildung zeigen, und gar nicht selten findet
man halbscalaride Formen, bei denen der letzte Umgang ganz unter den
vorletzten herabgeht.

An sonnigen Rasenplätzen, besonders gern an Rainen und Böschungen,
und, wo sie vorkommt, immer in grösseren Mengen. Sie scheint den
Kalkboden, und zwar nur die leichter auflöslichen jüngeren Kalke,
zu bevorzugen und kommt desshalb in vielen Gegenden gar nicht, oder
nur an beschränkten Stellen vor. Lössboden verhält sich wie Kalk.
Ihr Winterquartier bezieht sie ziemlich spät, ich fand sie im Winter
1869-70 trotz der frühzeitigen Schneefälle und Fröste noch nach
Weihnachten in grosser Anzahl munter fressend und weiterbauend. In
meinem Terrarium im geheizten Zimmer blieben sie den ganzen Winter
hindurch munter und vermehrten sich. Auch im Winter 1870-71 beobachtete
ich diese Erscheinung. Im Dillthal und im oberen Lahnthal auf Schiefer
und Stringocephalenkalk kommt sie nicht vor. In der Umgebung von
Wiesbaden häufig, zumal auf den Feldern und Wegrainen nach Bierstadt,
Erbenheim und Mosbach, an der Tränke, der Schwalbacher und Platter
Chaussee; an beiden Rheinufern; bei der Schlossruine Lahneck.
(~Thomae~). Am Schellhof, Webersberg, bei Kirschhofen, am Löhnberger
Wege; gemein. Ebenso bei Diez, Oranienstein und an der unteren Lahn,
meistens grauweiss mit und ohne Bänder; die grosse gelbliche Form bei
Diez nicht selten. (~Sandbrg.~). An mehreren Puncten um Frankfurt, an
der Salpeterhütte eine constant kleinere Form, höchstens 12 Mm. im
Durchmesser (~Heyn.~). Am Auerbacher Schlossberg eine sehr grosse Form,
kleinere im Mühlthal und am Bahndamm zwischen Arheilgen und Darmstadt
(~Ickrath~). Am Eisenbahndamm vor Höchst; bei Flörsheim. Eine kleine,
ungebänderte, stark rippenstreifige Form fand ich ganz isolirt in dem
Sande der Umgebung der chemischen Fabrik Griesheim, auf einem stark mit
Sodagyps gedüngten Kleeacker nah am Main. Mit derselben kommt noch eine
grössere vor, die auf fast reinweissem Grund meistens nur ein breites,
oberhalb der Mittellinie verlaufendes Band zeigt. Sie ist jedenfalls
vom Main angeschwemmt worden, in dessen Geniste man sie häufig lebend
findet. Desshalb kommt sie auch hier und da längs des ganzen unteren
Mains auf den Wiesen vor, ohne sich jedoch auf die Dauer auf dem
kalkarmen Boden -- Alluvialthon, kein Löss -- halten zu können.

Die von ~Thomae~ unter Nr. 42 angeführte _Hel. neglecta_ vom Damm bei
Mombach ist nach ~Heynemann~ (Nachr. Bl. I, 13) nur eine etwas enger
genabelte _ericetorum_, die hier und da einzeln unter der Stammform
vorkommt.

Nabelweite und Höhe der Windungen sind überhaupt bei unserer Form sehr
wechselnd; mit dem höheren Gewinde wird der Nabel enger, und umgekehrt,
und ich habe hier Formen gefunden, die sehr stark an _variabilis_
erinnerten.


47. Helix candidula ~Studer~.

Quendelschnecke.

_Syn._ _H. thymorum_ ~von Alten~; _Hel. unifasciata_ ~Poiret~.

Gehäuse durchbohrt bis ziemlich offen genabelt, kugelig niedergedrückt,
meist kalkweiss, selten rein, dagegen meist mit feinen, zuweilen in
Flecken oder gemeinsam in Querstrahlen -- besonders auf der Unterseite
-- aufgelösten Bändern; ziemlich stark, fast undurchsichtig, wenig
glänzend, sehr fein gestreift bis glatt. Umgänge 4½-5, unten mehr
als oben gewölbt, ein gewölbtes, oben stumpfes Gewinde bildend;
Naht mittelmässig; Mündung gerundet, meist etwas gedrückt, von der
Mündungswand etwas mondförmig ausgeschnitten, kaum breiter als hoch;
Mundsaum geradeaus, scharf, innen mit einer weissen, meist ziemlich
starken Lippe belegt. Höhe 3½-6 Mm., Durchmesser 4½-9 Mm.

Thier aschgrau, Fühler und Hals dunkler. Es hat nur einen, ziemlich
langen Liebespfeil, was sie von der folgenden, mit zwei kurzen Pfeilen
versehenen Art, scheidet.

Sie kommt fast immer mit der vorigen Art zusammen vor. An den
Sandhügeln bei Mosbach und dem Hessler, bei der Hammermühle, häufig
(~Thomae~). Am Schellhofe, Webersberg und bei Kirschhofen, gemein;
ebenso bei Diez, Oranienstein und an der unteren Lahn (~Sandb.~). Bei
Frankfurt an mehreren Puncten, am Sandhof, bei Cronthal, Flörsheim. Am
Eisenbahndamm bei Nied. Ziemlich selten um Oberlahnstein (~Servain~).
Am Auerbacher Schlossberg; eine grössere Form mit bedeutend höherem
Gewinde (_var. gratiosa_ ~Stabile~) am grossen Kugelfang des
Darmstädter Exercierplatzes (~Ickrath~).


48. Helix costulata ~Ziegler~.

Rippenstreifige Schnirkelschnecke.

_Syn._ _Hel. striata_ bei ~Thomae~.

Gehäuse genabelt, gedrückt kugelig, glänzend, stark rippenstreifig,
gelblich oder gelblichweiss, meist mit mehreren schwärzlichen Binden,
die mitunter zusammenfliessen und nur um den Nabel herum einen hellen
Streifen lassen. Umgänge 5, etwas gewölbt, ziemlich rasch zunehmend,
schneller als bei _candidula_, der letzte vornen kaum herabgezogen.
Mundöffnung erweitert, gerundet, mondförmig, der Mundsaum dünn, scharf,
innen kaum gelippt. Höhe 6½ Mm., Durchmesser 8½-9½ Mm.; doch kommen
häufig kleinere Exemplare vor.

Thier mit zwei kurzen Liebespfeilen.

Auf Sandfeldern in der Nähe des Lahndammes zwischen Eberstadt und
Darmstadt (~Noll~). Auf der Mombacher Haide leere unausgewachsene
Gehäuse überall in Menge umherliegend, lebende Thiere nur an den
Abhängen der Schiessplätze und alten Schanzen an der Unterseite
der Blätter von _Verbascum_, _Potentilla_ u. dgl. (~Heyn.~). Auf
Sandfeldern bei Castel, in der Nähe von _Salsola_ einzeln (~Sandb.~)

Aus dieser Gruppe sind ferner noch zwei Arten zu erwähnen, die
allerdings nicht zu unserer Fauna gehören, aber durch Zufall
eingeschleppt wurden und sich eine Zeit lang lebend erhielten. Die eine
_Hel. candicans_ ~Zgl.~, kam vor mehreren Jahren mit ungarischem Waizen
an und soll sich, absichtlich oder unabsichtlich ausgesetzt, mehrere
Jahre lang am Bahndamm der Mainneckareisenbahn erhalten haben, ist aber
nun wieder ausgegangen. Die andere, _Hel. acuta_ ~Müll.~, kam 1870 in
einer Menge meist junger Exemplare an zwei Dattelpalmenstämmen aus
Alexandria in die Palmengärten; ob sie sich dort länger erhalten wird,
bleibt abzuwarten; den Winter 1870-71 hat sie glücklich überstanden.


H. Untergattung $Arionta$ ~Leach~.


49. Helix arbustorum ~Linné~.

Gefleckte Schnirkelschnecke.

Gehäuse bedeckt durchbohrt, kugelig, bauchig, glänzend, etwas gestreift
und auf den oberen Umgängen mit dichten, feinen Spirallinien umzogen.
Grundfarbe kastanienbraun mit einem schmalen, dunkelbraunen Bande, das
etwas über der Mitte des letzten Umgangs, und dann bis an die Spitze
über die Naht hinläuft, bei manchen Formen aber auch fehlt; ausserdem
ist das Gehäuse mit zahlreichen unregelmässigen, zuweilen in Querreihen
gestellten, strohgelben Stricheln bedeckt oder besprengt und zeigt
meist mehrere deutliche Zuwachsstreifen; die oberen Umgänge sind
meist fleckenlos und einfarbig dunkelbraun, und bilden ein stumpfes,
sich wenig erhebendes Gewinde; Mündung gerundet mondförmig; Mundsaum
zurückgebogen, ganz frei, aussen schmutziggelb gesäumt, innen mit einer
glänzendweissen Lippe belegt. Nabel eng, von einer lamellenartigen
Verbreiterung des Spindelrandes oft fast ganz verdeckt. Naht
mittelmässig, zuletzt sehr herabgekrümmt. Höhe 12-24 Mm., Durchmesser
15-27 Mm.

Thier graublau bis schwarz, über den Rücken mit zwei dunkleren
Streifen, an der Sohle braungrau, die Oberfühler an der Spitze heller.
Kiefer hornbraun mit 4-6 stark vorspringenden, ungleichen Querleisten,
die durch tiefe Zwischenräume getrennt sind und am Rande Vorsprünge
bilden; der concave Rand ist nicht verdickt. Liebespfeil 4½ Mm. lang,
mit trichterförmiger Basis, langem gekrümmtem Hals und lancettförmiger,
breitgedrückter Spitze mit zwei stumpfen Kanten.

Man kann vor allem eine flachere und eine mehr kugelige oder
kegelförmige Form unterscheiden; sie kommen zusammen vor und sind durch
Zwischenformen mit einander verbunden. Ferner kommt sie, je nachdem die
braune Grundfarbe oder die helleren Flecken überwiegen, heller oder
dunkler, und beide Farben mit und ohne Band vor. Formen mit mehreren
Bändern, wie sie ~Hartmann~ beschreibt, habe ich aus Nassau noch nicht
gesehen; auch weicht keine der Formen genügend ab, um eine der von
~Albers~ angeführten Varietäten darin zu erkennen.

In Ebenen und Vorbergen an den Ufern der Gewässer, an feuchten Stellen
und in Gärten. In Nassau ist sie nur sehr wenig verbreitet. Sie fehlt
ganz im Lahngebiet, mit Ausnahme der nächsten Umgegend von Marburg
auf buntem Sandstein, wo sie aber nach ~Dunker’s~ Ansicht absichtlich
angepflanzt ist; es kommen dort mitunter Exemplare vor, die fast
nur aus Epidermis bestehen und sich sehr der _var. picea_ nähern.
Am Rheinufer; bei Wiesbaden selten, nur im Wellritzthal (~Thomae~).
An verschiedenen feuchten Puncten in der Umgegend von Frankfurt; im
Weidengestrüpp am Main bei Oberrad (~Römer-Büchner~), im Frankfurter
Wald, am Mühlberg ohne Band (~Dickin~). Im Schwanheimer Wald nur
am Wurzelborn; am Mainufer oberhalb Nied sehr dunkel und ziemlich
dünnschalig. Im Rödelheimer Wäldchen und am grossen Rebstock häufig.

Im Herrngarten und auf der grossen Woogswiese bei Darmstadt
(~Ickrath~). Von Langenbrombach im vorderen Odenwald erhielt ich sie
durch Herrn Lehrer ~Buxbaum~. -- Mönchbruch (~Ickr.~)

Im Maingenist sind leere Gehäuse sehr häufig und manche Fundorte mögen
durch Verpflanzung mit dem Geniste bei Sommerfluthen entstanden sein.


I. Untergattung $Chilotrema$ ~Leach~.

50. Helix lapicida ~Linné~.

Steinpicker.

Gehäuse offen und ziemlich weit genabelt, linsenförmig niedergedrückt,
scharf gekielt, fest, wenig durchsichtig, sehr fein, aber vollkommen
deutlich gekörnelt, daher nur matt gelbglänzend, gelblich hornfarbig,
oben mit unregelmässigen rostbraunen Flecken, unten mit eben solchen
Streifen; die fünf platten Umgänge erheben sich nur sehr wenig und sind
durch eine seichte von dem Kiele gebildete Naht vereinigt; bei der
Mündung krümmt sich der letzte Umgang weit unter den Kiel herab und
beide Mundränder fliessen auf der Mündungswand in eine freie, gelöste
Lamelle zusammen, wodurch der Mundsaum ein zusammenhängender, gelöster
wird. Mündung quereirund, sehr schief, gedrückt; Spindelrand bis an den
Kiel zurückgebogen, weiss und scheinbar gelippt; Aussenrand erst herab
und dann ein wenig nach aussen gebogen, bei der Vereinigung mit dem
Innenrand an dem Kiel eine kleine Bucht bildend; Nabel offen, weit und
bis zur Spitze sichtbar. Höhe 8 Mm., Durchmesser 14-16 Mm.

Thier graubräunlich, fein gekörnelt; von den Oberfühlern aus gehen zwei
dunkle Linien über den Rücken; Augenpuncte schwarz, Sohle schmutzig
gelblich. Kiefer mit 4-8 starken, parallelen Rippen und gezahntem Rand.
Ein gekrümmter, an der Basis zweischneidiger Liebespfeil mit verdickter
Spitze.

Allenthalben im Gebirge verbreitet in den Fugen der Mauern, unter
Steinen, an Felsen, mitunter auch an Baumstämmen; in der Ebene seltener
und fast nur in Waldungen an Buchenstämmen. Im ganzen Gebiete gemein,
besonders an den Burgen Sonnenberg, Frauenstein, Idstein, Eppstein,
Königstein, Cronberg, Hohenstein, Adolphseck, Katz, Liebenstein,
Sternberg, auf Rheineck, Kammerburg, Sauerburg, Stein und Nassau, an
Felsen im Lahnthal bei Runkel, an der Leichtweisshöhle bei Wiesbaden
(~Thomae~). Bei Weilburg und Dillenburg gemein (~Sdbrg. Koch~). Auf
allen Ruinen des Taunus; am Bruchrainweiher an Baumstämmen (~Dickin~).
Längs der ganzen Bergstrasse häufig (~Ickrath~). Um Biedenkopf an allen
Mauern und Felsen (besonders den aus Grünstein bestehenden) gemein; an
Baumstämmen nur im Hambachskopf bei Breidenbach.

Eine constant weisse Form fand ~Koch~ bei Burg. -- _Hel. lapicida_
scheint überhaupt sehr zu Missbildungen geneigt, obwohl sie sonst den
Typus der Art ganz ungemein festhält und keine Varietäten bildet. Ich
fand sehr häufig Exemplare, bei denen der Kiel nicht ganz genau mit
der Naht zusammenfiel, sondern über dieselbe emporstand, einmal ein
solches, bei dem der letzte Umgang vollständig unter den vorletzten
herabging, so dass das Gehäuse doppelt erschien. Ein anderes Exemplar,
das ich gleichfalls bei Biedenkopf fand, zeichnete sich durch den
gänzlichen Mangel jeder Wölbung aus; die obere Fläche war platt, wie
ein Tisch.

In Folge des Aufenthaltes findet man die Gehäuse nicht selten
beschädigt und ausgebessert, und im Frühjahr, wenn sie ihre
Schlupfwinkel verlässt, sind sie mit Koth und Spinnweben überzogen, wie
_Bulimus obscurus_ und _Succinea oblonga_, bei denen man eine besondere
Absicht darin finden will.


K. Untergattung $Tachea$ ~Leach~.

Gehäuse ungenabelt, kugelig oder etwas gedrückt, weiss, röthlich oder
gelb mit scharfen Binden oder einfarbig; fünf Umgänge, der letzte
gewölbt, etwas erweitert, nach der Mündung hinabsteigend; Oeffnung
weit mondförmig, etwas eckig. Mundsaum zurückgebogen, gelippt, mit
verdicktem Spindelrand.

Der Kiefer hat 2-7 starke Querleisten und einen gezähnten Rand. Ein
Liebespfeil mit vier Schneiden.

Die Tacheen leben in Hecken, in ~und~ auf Gebüschen und selbst niederen
Bäumen, mit Vorliebe in der Nähe cultivirter Ländereien; sie lieben das
Licht, ohne sich gerade der Sonne auszusetzen. An feuchten Stellen sind
sie meist lebhafter gefärbt, an sonnigen einfarbig und heller. Unsere
beiden Arten unterscheiden sich wie folgt:

  Mundsaum dunkelkastanienbraun, Liebespfeil lang, gekrümmt.

                                                     _Hel. nemoralis_ L.

  Mundsaum weiss, Gehäuse kleiner und zierlicher, Liebespfeil
  kurz, fast gerade.

                                                _Hel. hortensis_ ~Müll.~


51. Helix nemoralis ~Linné~.

Waldschnirkelschnecke.

Gehäuse ungenabelt, kugelig, nicht stark gestreift, zuweilen etwas
runzelig, glänzend, lebhaft citrongelb bis braunroth und von allen
zwischen diesen Farben liegenden Abstufungen, zuweilen selbst
olivengrünlich oder leberbraun, in der Regel mit fünf dunkelbraunen
Bändern, von denen die beiden obersten stets die schmälsten, die
untersten die breitesten sind; durch Zusammenfliessen oder Verschwinden
mancher oder selbst aller Bänder entstehen die mannigfachsten
Combinationen. Naht ziemlich seicht, zuletzt vor der Mündung leicht
herabgekrümmt; Mündung breit und etwas eckig mondförmig; Mundsaum
mit einer starken Lippe belegt; der bogenförmig gekrümmte, ziemlich
stumpfe Aussenrand zurückgebogen, in einem merklichen Winkel mit dem
geraden, wulstigen, ganz zurückgeschlagenen und mit der Columelle
verwachsenen Innenrande sich verbindend. Mundsaum und Mündungswand
dunkelkastanienbraun gefärbt; die Lippe ist heller als der Mundsaum
selbst, der aussen dunkel graubraun gefärbt ist. Vom Nabel ist an
ausgewachsenen Exemplaren nie eine Spur. Höhe 18-25 Mm., Breite
22-28 Mm.

Thier gelblichgrau bis dunkelschwarzgrau, an den Seiten über der Sohle
oft gelb gefleckt; von den langen, dunklen Fühlern laufen über den
Rücken zwei breitere oder schmälere, hellere oder dunklere Streifen,
die meistens zwischen sich eine hellere Linie lassen, mitunter aber
auch zusammenfliessen. Sohle hellgelblichgrau bis fast schwarz. Kiefer
hornbraun mit einem dünnen Saum am concaven Rande und 2-7 starken,
ziemlich gleichbreiten Querleisten, die breiter als die Zwischenräume
sind und am Rande stark vorspringen. Liebespfeil schlank, gekrümmt,
sehr zerbrechlich, mit einer deutlichen Krone, langem, schlankem Hals
und zwei breiten und zwei schmalen Seitenkanten.

~Varietäten.~ Es kommen grössere und kleinere, kegelförmige, kugelige
und fast flach gedrückte Exemplare vor, aber zusammen an denselben
Wohnorten, so dass man sie nicht füglich als Varietäten betrachten
kann. Eher ist dies der Fall mit einer durch rosenrothe Lippe
ausgezeichneten, sehr grossen Form, der _var. roseolabiata_. Ferner
kommen Blendlinge mit durchscheinenden Bändern, wenn auch seltener
als bei _hortensis_, links gewundene und wendeltreppenartige Formen
vor. Die meisten Verschiedenheiten entstehen durch Verschwinden oder
Zusammenfliessen von Bändern; es können dadurch nach ~Heynemann~[9]
89 verschiedene Formen, -- wenn man die verschiedenen Grundfarben
berücksichtigt, noch mehr -- entstehen. Nach G. ~von Martens~
schwindet immer zuerst das zweite Band, dann das erste, dann das
vierte, das fünfte, und zuletzt erst das dritte. Solche, bei denen
das dritte Band früher verschwindet, sind im allgemeinen selten; ich
fand indess am Schlossberg bei Biedenkopf solche Formen in allen
möglichen Combinationen nicht selten, mindestens ebenso häufig, als
fünfbänderige. Am häufigsten waren dort dreibänderige mit 3. 4. 5.
oder 3. 4. 5., dann, besonders an sonnigen Hängen, die einfarbigen;
einbänderige, nur mit dem dritten Band, gehörten dort zu den grössten
Seltenheiten.

Wie sich diese Bindenvarietäten bei der Fortpflanzung verhalten, ob sie
erblich sind, und welche Verhältnisse bei der Vermischung verschiedener
Formen eintreten, ist ein ebenso interessantes, wie leicht lösliches
Problem, über welches trotzdem noch durchaus keine Beobachtungen
gemacht sind.

Allenthalben im Lande häufig, an den meisten Orten häufiger, als
_hortensis_; nur um Dillenburg findet nach Carl ~Koch~ das Gegentheil
statt, während sie in dem benachbarten Biedenkopf ganz allein herrscht.
Im Gebirg ist sie meist kleiner und dünnschaliger, als in der Ebene. Am
lebhaftesten gefärbt findet man sie in feuchten Gärten und Waldungen;
sie gibt dort oft den schönsten tropischen Schnecken an Farbenpracht
nicht nach. Die _var. roseolabiata_ findet sich wunderschön bei
Frankfurt, am Südabhang des Sachsenhäuser Mühlbergs; sehr selten sind
Exemplare mit einem durchscheinenden Bande darunter; ein einziges
Exemplar mit drei durchscheinenden Binden, von ebendort stammend, liegt
in ~Rossmässlers~ Sammlung. -- Ein links gewundenes Exemplar und einige
Blendlinge fand ich am Schlossberg bei Biedenkopf.

Sehr selten sind Exemplare mit mehr als fünf Bändern; sie entstehen
indem entweder ein Band, meistens das zweite, sich spaltet, oder ein
sechstes Band in einem Zwischenraume auftritt. Durch Herrn Professor
~Dunker~ erhielt ich unter einer grösseren Quantität _nemoralis_ aus
der Umgegend von Marburg mehrere sechsbänderige und auch ein Exemplar
mit sieben deutlichen Binden.


52. Helix hortensis ~Müller~.

Gartenschnirkelschnecke.

Gehäuse fast ganz dem von _nemoralis_ gleich, nur kleiner und zarter,
und die Lippe des Mundsaums weiss. Meistens sind alle fünf Bänder
vorhanden, oder sie fehlen sämmtlich; Verschwinden einzelner Bänder
ist selten, häufiger das Zusammenfliessen und nicht selten findet man
sämmtliche Bänder zusammengeflossen.

Thier heller als das von _nemoralis_, aber ihm sonst vollkommen gleich.
Da beide sich nicht selten fruchtbar begatten, hat man sie lange
Zeit für Varietäten einer Art erkennen wollen, bis Adolf ~Schmidt~
im Liebespfeil einen constanten Unterschied nachwies. Kiefer im
ganzen zarter und zierlicher, als bei _nemoralis_, meist nur mit
zwei Querleisten, doch auch bis zu 6 und 7 steigend, wie der von
_nemoralis_, der meistens vier Hauptleisten trägt. Liebespfeil ziemlich
gerade und viel kürzer, als bei _Hel. nemoralis_.

Von Varietäten ist besonders die Form mit brauner Lippe zu
bemerken, _var. fuscolabiata_ oder _hybrida_, von den Belgiern
sehr unnöthigerweise als _Helix Sauveuri_ ~Colbeau~ als eigene Art
unterschieden. Sie wird von vielen für einen Bastard von _hortensis_
und _nemoralis_ gehalten, doch sind entscheidende Versuche meines
Wissens noch nicht gemacht worden. Ueber sonstige Varietäten gilt
ganz dasselbe, wie über die von _nemoralis_, nur sind Exemplare mit
durchscheinenden Bändern weit häufiger.

Ziemlich allenthalben in Nassau, doch nur um Dillenburg und Nassau
an der Lahn häufiger, als _nemoralis_. ~Thomae~ nennt sie sparsam
verbreitet und führt als besondere Fundorte an: alter Todtenhof,
Geisberg, Clarenthal bei Wiesbaden, Liebenstein und Sternberg,
Oranienstein, Gutenfels. Um Biedenkopf kommt sie nur an wenigen Puncten
und ganz einzeln vor; am Schlossberg habe ich sie nie gefunden, aber
ein paar hundert ausgesetzt, die sich wohl einbürgern werden. Auch im
Garten des Breidenbacher Pfarrhauses habe ich eine Anzahl Exemplare
ausgesetzt, die sich seit mehreren Jahren fortpflanzen.

Um Frankfurt kommt sie an den meisten Puncten vor, stellenweise nur
ungebändert; hinter Oberrad am Weg nach dem Schiessplatz in den Hecken
ist etwa ein Drittel mit rosa Lippe und gebräuntem Gaumen, aber alle
ungebändert. ~Koch~ fand die _var. fuscolabiata_ auch bei Burg und
im Feldbacher Wäldchen bei Dillenburg, mit ihnen auch Exemplare mit
dunkelgelber Lippe.

~Anmerkung.~ Eine dritte Form dieser Gruppe, _Hel. sylvatica_
~Drp.~, soll nach dem Verzeichniss von ~Speyer~ auch in der Wetterau
vorkommen; es ist das jedenfalls ein Irrthum, da diese Art nördlicher
als Carlsruhe nicht vorkommt. Wahrscheinlich haben Exemplare von
_nemoralis_, bei denen die Bänder, wie bei _sylvatica_, in Flecken
aufgelöst waren, Anlass zu der Verwechslung gegeben.


53. Helix pomatia ~Linné~.

Weinbergsschnecke.

Gehäuse bedeckt durchbohrt, kugelig, bauchig, stark, doch
unregelmässig gestreift, zuweilen fast gefaltet und auf den oberen
Umgängen mit feinen Spirallinien versehen; gelblich oder bräunlich mit
schmäleren oder breiteren, dunkleren oder helleren Bändern, von denen
zuweilen einige zusammenfliessen oder verschwinden; selten sind alle
fünf Bänder vorhanden; mitunter kommen auch bänderlose Blendlinge vor.
Die fünf Umgänge nehmen schnell an Weite zu und sind durch eine stark
bezeichnete Naht vereinigt. Mündung weit, fast eirund; Mundsaum etwas
nach aussen gebogen, an ausgewachsenen Exemplaren etwas verdickt,
röthlich oder violett lederfarben; Spindelrand als eine breite
Lamelle vor den engen Nabel gezogen, der dadurch fast bedeckt wird.
Winterdeckel hart, kalkig, stark, aussen gewölbt, innen ausgehöhlt,
ganz vorn in der Mündung stehend, dahinter ist noch eine dünne,
durchsichtige Haut ausgespannt. Höhe 30-40 Mm., Breite etwa ebensoviel.

Thier schmutzig-gelblichgrau, Kopf und Fühler fein, die übrige
Oberseite des Thieres grob gekörnelt; die Zwischenräume der Körner
bilden ein vertieftes schwarzes Netz; die Augen auffallend klein.
Kiefer stark lichtbraun, mit 4-10, in der Regel 6 starken Querleisten,
die durch weite, ebene Zwischenräume getrennt sind und am Rande als
spitze Zähnchen vorspringen. Zunge 11-12 Mm. lang mit etwa 124 Längs-
und 230 Querreihen, also etwa 26000 Zähnchen. Liebespfeil 8-10 Mm.
lang, mit deutlich unterscheidbarer Krone, Kopf, Hals und Spitze.

Die Weinbergsschnecke legt mehrmals im Jahre erbsengrosse Eier mit
weisser, häutiger Schale in kleinen Häufchen in eine Höhlung, die sie
sich selbst in die feuchte Erde gräbt und dann wieder mit Lehmklümpchen
zuwölbt.

~Varietäten.~ Man kann zwei Hauptformen unterscheiden, eine mehr
kugelige, wie sie die Abbildung nach einem Exemplar aus Biedenkopf
darstellt und eine mehr kegelförmige. ~Hartmann~ nennt die erstere
_var. rustica_. Ueber die Vertheilung beider Formen in Nassau ist mir
nichts Näheres bekannt. Auf Kalkboden sind die Exemplare viel grösser
und lebhafter gefärbt, als auf Schiefer und Sandboden.

Allenthalben an sonnigen Rainen, in Hecken und Vorhölzern, aber
im Gebirge mit Vorliebe in der Nähe der Wohnungen oder an Ruinen,
wenigstens um Biedenkopf. Auffallend war mir ihr gänzliches Fehlen im
sogenannten Breidenbacher Grund.

Im Frankfurter Wald ist sie auch auf Sandboden häufig längs aller
Chausseen, welche mit Kalksteinen gedeckt werden, aber sie entfernt
sich nur selten weiter davon, als der Kalkstaub vom Winde getrieben
wird. An den mit Basalt gedeckten Chausseen habe ich sie nicht in
dieser Weise beobachtet.

Missbildungen sind nicht selten. Linksgewundene Exemplare fanden
~Sandberger~ bei Weilburg und ~Koch~ bei Dillenburg. Eine sehr schöne
Scalaride erhielt ich leer bei Biedenkopf. Noch weit häufiger findet
man Krüppel und ausgebesserte Exemplare, denn die Weinbergsschnecke
ist durch ihre Grösse und Schwere vielen Verletzungen ausgesetzt, wo
sie, wie um Biedenkopf, an steilen, steinigen Gehängen lebt; sobald sie
durch irgend einen Zufall ihren Halt verliert, kommt sie ins Rollen und
stösst nicht selten mit solcher Gewalt an, dass die Schale zerbricht.
An manchen Stellen habe ich vergeblich nach einem unverletzten
Exemplare gesucht.

Soviel mir bekannt, werden die Weinbergsschnecken in unsrer Provinz
nirgends gewerbsmässig gesammelt oder gemästet, wie es in der Umgegend
von Ulm und in den Schweizer Klöstern geschieht. Dort werden die
Weinbergsschnecken in eignen Zwingern, die mit Mauern von Sägespänen
umgeben sind, -- das Wasser scheut _Hel. pomatia_ nicht sehr, --
gemästet und, wenn sie im Winter eingedeckelt sind, versandt oder
verspeisst. Schon die Römer hatten eigene Schneckenbehälter; im
Mittelalter waren besonders die Mönche dieser Speise hold und führten
sie in Livland, Norwegen und England, wo sie früher nicht vorkam,
ein. In ähnlicher Weise ist die verwandte _Hel. aspersa_ ~Müll.~ aus
Südeuropa an verschiedenen Puncten ausserhalb ihres eigentlichen
Verbreitungsbezirkes verwildert und _Hel. punctata_ ~Müll.~ von den
baskischen Einwanderern in die Laplatastaaten eingeführt worden.



Zehntes Capitel.

VIII. BULIMINUS ~Ehrenberg~.

Frassschnecke.

Unter dem Namen _Bulimus_, wörtlich Vielfrassschnecke, aber entstanden
aus der Verketzerung von _Bulin_, womit ~Adanson~ eine Physaart
benannte, und eben so unpassend, wie der obenstehende deutsche
Büchername, fasste ~Bruguière~ alle Gehäuseschnecken zusammen, deren
Mündung höher als breit ist, also ausser den gar nicht zu den Heliceen
gehörigen Gattungen _Limnaea_, _Physa_, _Auricula_ und _Melania_ auch
_Clausilia_, _Pupa_, _Achatina_ und _Succinea_. Mit dem Bekanntwerden
grösseren Materials musste hier eine Scheidung eintreten und
~Draparnaud~ und ~Lamarck~ trennten die genannten Arten ab. Es blieb
dann der Name nur noch den Arten mit ganzrandiger, ungleichseitiger
Mündung, die höher als breit ist, und mit nicht abgestutzter Spindel.
Sie bilden aber immer noch eine ungeheure Gruppe, in der sich kaum
zurechtzufinden war, und man muss es mit Freude begrüssen, dass die
anatomische Untersuchungen der Neuzeit in diesem Chaos verschiedene
Typen, besonders durch die Kieferbildung getrennt, nachwies. Gestützt
darauf hat man die europäischen Arten, die sämmtlich einen schmalen,
nur schwach gestreiften Kiefer haben, als _Buliminus_ abgetrennt und
lässt den alten Namen den tropischen Formen mit starkgeripptem Kiefer.

Ein neuer deutscher Name wäre ebenfalls wünschenswerth, denn es ist
komisch, eine Schnecke als Vielfrassschnecke zu bezeichnen, die
durchaus nicht mehr frisst, als andere Schnecken, und wohl nirgends in
genügender Menge vorkommt, um ernstlichen Schaden zu thun. Der Form
nach könnte man sie vielleicht nicht unpassend ~Thurmschnecken~ nennen.

In der dermaligen Umgränzung stellt sich nun der Gattungscharacter, wie
folgt:

Gehäuse länglich eiförmig oder thurmförmig, die Mündung ganz, höher als
breit, der äussere Mundsaum weit länger, als der innere; die Spindel
ist gerade, am Grunde weder abgestutzt noch ausgeschnitten; Mundsaum
bald gerade und schneidend, bald verdickt oder umgeschlagen; Mündung
mit oder ohne Zähne. Keine unserer Arten überschreitet die Höhe von
20-25 Mm.

Thier dem von Helix sehr ähnlich, aber der Geschlechtsapparat einfacher
gebaut, ohne die zahlreichen Anhangsdrüsen und ohne Liebespfeil. Kiefer
halbmondförmig, schmal, mit zahlreichen flachen, streifenartigen
Querleisten.

Von den fünf deutschen Arten kommen vier in Nassau vor; sie lassen sich
leicht nach folgendem Schema unterscheiden:

  a. Mündung mit Zähnen.

                                                  _Bul. tridens_ ~Müll.~

  b. Mündung ungezähnt.

    Gehäuse kalkig, weiss oder mit braunen Streifen.

                                                 _Bul. detritus_ ~Müll.~

    Gehäuse braun, gekörnelt, 20 Mm. hoch.

                                                  _Bul. montanus_ ~Drp.~

    Gehäuse braun, nur seicht gestreift und höchstens 10 Mm.
      hoch.

                                                 _Bul. obscurus_ ~Müll.~


54. Buliminus tridens ~Müller~.

Dreizähnige Thurmschnecke.

_Syn._ _Pupa tridens_ ~Drp.~

Gehäuse mit einem feinen, schiefen, oft stark bezeichneten Nabelritz,
eiförmig-länglich, Gewinde zugespitzt, in eine stumpfe Spitze
endend, unregelmässig feingestreift, wenig glänzend, gelbbraun oder
schmutziggelblich. Die 6-7 sehr wenig gewölbten Umgänge sind durch
eine stark bezeichnete Naht vereinigt; Mündung buchtig, oben mit einem
spitzen Winkel; Mundsaum getrennt oder zuweilen durch einen Wulst von
dem Aussenrande bis zum Spindelrand auf der Mündungswand fast oder ganz
verbunden. Mundsaum gelippt mit drei Zähnen, von denen einer auf dem
Aussenrand, einer auf der vortretenden Spindel und einer näher nach dem
Aussenrande hin auf der Mündungswand steht; bei alten Exemplaren bildet
meistens die Verbindungswulst auf der Mündungswand einen vierten Zahn.
Der Lippe entspricht aussen am Mundsaum eine weissliche Einfassung.
Höhe 8-14 Mm., Breite 2½-5 Mm.

Thier leimfarbig, oben schwärzlich, an den Seiten grau. Ruthe mit
winzigem Flagellum und einer kurzen Auftreibung dicht über dem
Zurückziehmuskel; am Blasenstiel ein bis zur Eiweissdrüse reichendes
Divertikel. (Ad. ~Schmidt~). Kiefer gestreift, mit schwachem Vorsprung
in der Mitte (~Moquin-Tandon~).

An trockenen, warmen Abhängen zwischen Kräutern und Moos, oft mit den
Xerophilen zusammen, und wie diese im oberen Lahnthal und an der Dill
fehlend. Sie hält sich bei trockenem Wetter sehr verborgen und man
findet dann trotz allen Suchens nur leere abgebleichte Gehäuse. Auf
dem Hessler bei Wiesbaden, um die Kalksteinbrüche bei Hochheim, auf
Sandhügeln im Mombacher Kieferwald; Burg Stein bei Nassau (~Thomae~).
Bei Hanau am grossen Damm; in Grosssteinheim an der von Stockum’schen
Mauer; an trocknen Ruinen, auch auf Lehmboden bei Dorfelden und
Hochstadt; Schlüchtern, Steinau (~Speyer~). An den verlassenen
Steinbrüchen hinter Offenbach (~Heyn.~). An der Schwedenschanze
oberhalb Frankfurt; häufig an der Bieberer Höhe (~Dickin~). Eberstadt
bei Darmstadt; sehr grosse Exemplare einzeln auf dem Exercierplatz
(~Ickrath~). Am Eisenbahndamm zwischen Höchst und Nied, wahrscheinlich
beim Aufschütten von den Hochheimer Kalkbrüchen her importirt. Bei
Sossenheim auf Löss (~Ickrath~). Bei Ems und an der Lahneck (~Servain~).


55. Buliminus detritus ~Müller~.

Kreideweisse Thurmschnecke.

_Syn._ _Bul. radiatus_ ~Bruguière~.

Gehäuse geritzt, eirund-conisch, bauchig, stark, undurchsichtig,
unregelmässig gestreift, braungrau bis reinweiss, einfarbig oder mit
braunen, unregelmässigen Querstreifen und Flecken, nicht selten der
Wirbel graublau; 7, seltener 8 wenig gewölbte Umgänge, die sehr hoch
auf einander laufen und daher nur durch eine feine Naht bezeichnet
sind; der letzte Umgang macht reichlich die Hälfte des ganzen Gewindes
aus. Mündung senkrecht, ziemlich schmal, spitzeiförmig, innen
graubraun; der nicht zurückgeschlagene Aussenrand fast noch einmal so
lang, als der den Nabel bis auf einen Ritz verdeckende Spindelrand;
Mundsaum ziemlich deutlich weisslippig. Höhe 15-22 Mm., Breite 9 Mm.

Thier gelblich, über den Rücken hin etwas dunkler.

Diese Schnecke ist in Deutschland die einzige Vertreterin der
kreideweissen Bulimusarten, die namentlich im Orient verbreitet
sind. Da sie sich nicht im Löss findet und nur an wenigen Puncten
vorkommt, wo kein Wein gebaut wird, könnte man annehmen, dass sie mit
dem Weinstock aus dem Süden eingeführt worden sei. Dass ein solcher
Transport stattfinden kann, erhellt daraus, dass ich sie in Biedenkopf,
wo sie so wenig, wie um Dillenburg, vorkommt, häufig aus importirtem
Getreide erhalten, mitunter in solchen Mengen, dass die Frucht vor dem
Mahlen gesiebt werden musste.

Sie kommt mit den Xerophilen zusammen an kalkreichen sonnigen Hängen,
Weinbergen und auf Getreidefeldern vor. Ausserordentlich gemein um
Wiesbaden, Hochheim und Flörsheim, doch nicht an der Gebirgsseite von
Wiesbaden (~Thomae~), also nur soweit Löss und Littorinellenkalke
reichen, aber nicht auf den Taunusschiefern. Sehr häufig bei Mombach.
Bei Weilburg nur am Schellhofe auf violettem, nicht sehr kalkreichem
Schalstein, nach einer neueren Mittheilung von Herrn Professor
~Sandberger~ im Aussterben begriffen, weil der früher offene Fundort
mehr und mehr von Gebüsch überwachsen und dadurch feucht wird. Von Diez
bis Lahnstein im ganzen Lahnthale häufig (~Sdbrg.~). Um Hanau fehlt
sie, findet sich dagegen häufiger im oberen Theil der Provinz Hanau,
seltner bei Gelnhausen und Wächtersbach (~Speyer~). Am Mathildentempel
und im Mühlthale bei Darmstadt sehr häufig, meist kalkweiss
(~Ickrath~). Um Frankfurt nur auf Kalkboden (~Heyn.~). Im Ried um
Leeheim und Wolfskehlen in Unmasse auf den Feldern (~Lössboden~) von
mir gefunden; am Eisenbahndamm zwischen Höchst und Nied von Flörsheim
her eingeschleppt. Bei Cronthal (~Wiegand~).

Die Frankfurter Exemplare sind meist ächte _detritus_, rein weiss,
höchstens mit ein paar dunklen Streifen; die gestreifte Form, _var.
radiatus_, findet sich dagegen sehr schön bei Mombach und an der
Erbenheimer Chaussee bei Wiesbaden (~Lehr~). Die ganz durchscheinende,
hornfarbige Form, _var. corneus_, ist meines Wissens in Nassau noch
nicht gefunden worden; sie scheint nur dem Süden anzugehören. Rein
milchweisse Exemplare dagegen finden sich nicht ganz selten an den
Flörsheimer Kalkhügeln.


56. Buliminus montanus ~Draparnaud~.

Berg-Thurmschnecke.

Gehäuse schwach genabelt, länglich conisch, etwas bauchig,
durchscheinend, rothbraun oder braungelb, bei Blendlingen mitunter
grünlich, undeutlich gekörnelt oder eigentlich durch unregelmässige
Streifen und undeutliche, unterbrochene Spirallinien unregelmässig
gegittert; 8 ziemlich gewölbte, sehr langsam zunehmende Umgänge, durch
eine ziemlich tiefe Naht vereinigt; Mündung schief, spitzeiförmig;
Mundsaum stark zurückgebogen, scharf, innen mit einer flachen Lippe;
Aussenrand stärker gebogen, als der Innenrand, der sich vor den
Nabel zieht und nur einen deutlichen Ritz von ihm übrig lässt. Höhe
16-20 Mm., Breite 6-7 Mm.

Thier gelblichgrau, obere Fühler und Rücken schwärzlich, der Mantel
schwarz punctirt und gefleckt; oft ist das ganze Thier dunkelgefleckt.
Kiefer von dem mancher Helices aus der Gruppe Fruticicola kaum zu
unterscheiden, so dass in einem blos auf die Kiefer gegründeten Systeme
unsre Schnecke von den Fruticicolen nicht zu trennen wäre, während Bul.
detritus dann zu den Xerophilen käme.

In Berggegenden in Wäldern an den Stämmen der Bäume. Aus dem Rheinthal
sind mir Fundorte nicht bekannt, aus dem Mainthal nur der Wald am
Buchrainweiher bei Frankfurt (~Dickin~). Ruine Hattstein im Taunus
(~Heyn.~). Bei Dillenburg in den Wäldern von Oberscheld, Langenaubach
und Erdbach auf Kalkboden (~Koch~). Bei Biedenkopf ziemlich selten
am Schlossberg und am Hartenberg bei Dexbach; an letzterem Orte auch
subfossil im Kalktuff.


57. Buliminus obscurus ~Müller~.

Kleine Thurmschnecke.

Gehäuse ganz ein _Bul. montanus_ im kleinen, mit deutlichem Nabelritz,
oval länglich, ziemlich bauchig, mit verschmälerter, abgestumpfter
Spitze, ziemlich glänzend, fein gestreift, nicht gekörnelt wie
_montanus_, gelb oder rothbraun, durchsichtig, dünn; Naht ziemlich
vertieft; Umgänge sieben, gewölbt; Mündung oval, oben links durch die
Mündungswand schräg abgestutzt; Mundsaum leicht zurückgebogen, mehr
oder weniger deutlich weiss oder röthlich gelippt; Aussenrand gebogener
und länger, als der Innenrand. Höhe 8-10 Mm., Breite 3-4 Mm.

Thier heller oder dunkler blaugrau, zuweilen gelbgrau; der Oberfühler
und zwei von ihnen ausgehende Rückenstreifen dunkelgrau. Kiefer sehr
zart, dünn, gestreift, fast hufeisenförmig gebogen.

Ziemlich weit verbreitet an alten Mauern, Felsen, im Moos und Gesträuch
und unter der Bodendecke, im Sommer auch an und auf Bäumen bis ziemlich
hoch hinauf. Junge Exemplare sind fast immer und auch alte häufig mit
Koth und Spinnweben überdeckt; man übersieht sie leicht, besonders an
Bäumen, wo sie Knospen täuschend ähnlich sehen.

Im Wald bei der Gerbermühle unfern des Schindangers und in Hecken am
Hohlweg nach dem alten Gaisberg, an den Burgruinen Sonnenberg und
Scharfenstein (bei Kiedrich), Burg Stein und Nassau, Spurkenburg,
bei der „wilden Scheuer“ zu Steeten bei Runkel, im Hasenbach- und
Wörsbachthale (~Thomae~). Gemein um Wiesbaden, an der Frauensteiner
Burg (~Sandb.~), an der Walkmühle (~Lehr~), Kupfermühle (A. ~Römer~).
Bei Weilburg im Webersberg, bei Kirschhofen im Gebück (~Sandb.~). Bei
Dillenburg an den Schlossmauern, an den Steinkammern bei Erdbach,
Wildweiberhäuschen bei Langenaubach, Feldbacher Wäldchen, Thiergarten
(~Koch~). Im ganzen Taunus (~Speyer~). Königstein, Falkenstein
(~Heyn.~). An der Oberschweinsteige an Buchenstämmen sehr häufig
(~Dickin~). Auf dem Frankenstein häufig (~Ickrath~). Auf dem Malberg
bei Ems und an der Silberschmelze im Emsbachthal (~Servain~). Um
Biedenkopf an Gartenmauern, besonders solchen, die aus Grünstein
bestehen und oben mit einer Hecke bepflanzt sind, am vorderen Theile
des Schlossbergs und den Schlossmauern, sowie den unterhalb derselben
befindlichen moosigen Thonschieferfelsen, junge häufiger auf den
Kirschbäumen an der Vorderseite des Schlossbergs; am Hartenberg bei
Dexbach; meistens immer einige beisammen, doch nicht in grösseren
Mengen.

~Anmerkung.~ Ausser diesen Arten findet sich in Deutschland noch
_Bulimus quadridens_ ~Linné~, mit _tridens_ verwandt, aber links
gewunden. Sie wurde in Nassau noch nicht gefunden, kommt aber nach
~Goldfuss~ (Verh. d. naturh. Ver. Rheinl. Westph. 1856 p. 74) im
Rheinröhrig angeschwemmt, und nach ~Hartmann~ (Gastrop. I. p. 151)
auch lebend bei Neuwied in den Leien ob Friedrichstein vor. Auch bei
Creuznach sammelte sie Herr H. C. ~Weinkauff~.



Elftes Capitel.

IX. CIONELLA ~Jeffreys~.

Achatschnecke.


Gehäuse langeiförmig, gestreift oder glatt, glänzend; 6-7 Umgänge, der
letzte gerundet; Mündung eiförmig, ⅓-½ des Gehäuses ausmachend;
die Spindelsäule kurz, gebogen, mehr oder weniger abgestutzt; Mundsaum
gerade, öfter verdickt.

Thier wie bei Helix, aber mit einfacherem Geschlechtsapparat. Kiefer
wenig gebogen, zart, fein, quergestreift, am concaven Rande kaum
gezahnt. Zunge mit fast quadratischen, in gerade Querreihen geordneten
Zähnen (~Albers~).

Die Cionellen wurden anfangs zu Bulimus, dann zu Achatina, deren Name
ja von ihnen stammt, oder zu Glandina gestellt. Manche machen auch aus
ihnen drei Gattungen, _Cionella_, _Azeca_ und _Acicula_, denen immer je
eine unserer nassauischen Arten angehört. Sie leben in Mulm und Moos
mit den Hyalinen, Carychien und Vitrinen.

Es kommen in Deutschland drei Arten vor, die sich sämmtlich in Nassau
finden. Sie lassen sich leicht folgendermassen unterscheiden:

  a. Gehäuse länglich-eiförmig, glänzend horngelb.

    Mit ungezahnter Mündung.

                                                _C. lubrica_ ~Müller~.

    Mit gezahnter Mündung.

                                          _C. Menkeana_ C. ~Pfeiffer~.

  b. Gehäuse sehr klein, spindelförmig, glashell, nach dem Tode des
     Thieres milchweiss.

                                                _C. acicula_ ~Müller~.


58. Cionella lubrica ~Müller~.

Gemeine Achatschnecke.

_Syn._ _Achatina s. Bulimus lubricus_. _Ferrusacia subcylindrica_
~Bourg~.

Gehäuse rechts gewunden, länglich oval, gelb hornfarbig, glänzend,
durchsichtig. Von den 6 ziemlich bauchigen Umgängen ist der letzte fast
ebenso gross, wie alle übrigen zusammengenommen. Mündung oval, oben
und unten etwas spitz. Mundsaum verdickt, röthlich. Spindelsäule nur
undeutlich abgestutzt. Höhe 4-6½ Mm., Breite 2-2½ Mm.

Thier blaugrau, Fühler und Rücken dunkler.

In Gebirgsgegenden findet man eine constant kleinere Form, die
~Ziegler~ als _C. lubricella_ unterschied.

Unter Steinen, Moos und abgefallenem Laube, besonders am Fusse alter
Mauern und an feuchten, moosigen Ruinen allenthalben häufig, doch
fast nie in grösserer Gesellschaft beisammen. In dem ganzen Gebiete
gemein (~Thomae~). Um Weilburg, Diez, Dillenburg, sehr verbreitet, aber
nirgends häufig; eine sehr schöne grosse Form dieser Art, _var. major_,
zwischen Langenaubach und Breitscheid mit der folgenden Art, aber noch
seltener als diese, dieselbe kommt auch öfter mit der Hauptform bei
Wiesbaden vor (~Sandb.~ u. ~Koch~). Bei Hanau, Wächtersbach, Oberzell,
Schwarzenfels (~Speyer~), Frankfurt (~Heyn.~), Homburg (~Trapp~),
Darmstadt (~Ickrath~). Um Biedenkopf allenthalben, aber nur die kleine
Form und ziemlich einzeln. Im Geniste der Flüsse und Bäche überall
häufig.


59. Cionella Menkeana ~C. Pfeiffer~.

Gezahnte Achatschnecke.

_Syn._ _Carychium Menkeanum_ ~C. Pfeiffer~., _Azeca tridens_
~Pulteney~, _Achatina Goodalli_ ~Férussac~, _Azeca Matoni_ ~Leach~.

Gehäuse eirund-elliptisch, zugespitzt, Wirbel stumpflich; horngelb,
stark glänzend, durchsichtig, nach unten fast ebenso wie nach oben
verschmächtigt; Umgänge sieben, wenig gewölbt, Naht sehr wenig
vertieft. Mündung schief birnförmig, durch Zähne und Falten verengt,
senkrecht; Mundsaum durch eine auswärts gebogene Wulstleiste verbunden;
Aussenrand ziemlich gestreckt, zunächst oben eine seichte Bucht
bildend, alsdann etwas vorgezogen und mit einer deutlichen, oben mit
einem Zahne beginnenden, rothgelblichen Lippe belegt; Spindel in eine
zusammengedrückte Lamelle sich erhebend, unten abgestutzt, und mit
einem querstehenden, faltenartigen Zahne versehen; auf der Mitte der
Mündungswand eine erhabene Falte, rechts daneben ein kleines Zähnchen;
am Gaumen meistens drei Zähnchen. Der Spindelrand fehlt gänzlich, indem
sich die Lippe des Aussenrandes unmittelbar mit der Verbindungsleiste
verbindet. Höhe 6½ Mm., Breite 2 Mm.

Thier hellblaugrau mit ziemlich langen oberen und sehr kurzen unteren
Fühlern.

Diese allenthalben seltene Schnecke ist innerhalb Nassau nur in der
Gegend von Dillenburg von ~Koch~ aufgefunden worden, und zwar an einer
sehr sumpfigen, fast unzugänglichen Stelle im Breitscheider Walde sehr
einzeln und selten.


60. Cionella acicula ~Müller~.

Nadelschnecke.

Gehäuse klein, spindel-walzenförmig mit verschmälertem,
stumpfwirbeligem Gewinde, dünn, durchsichtig, fast glashell, nach
dem Tode des Thieres rasch kreideweiss und undurchsichtig werdend;
6 langsam zunehmende, wenig gewölbte Umgänge. Naht wenig vertieft;
Mündung lanzettlich, spitz, schmal, Mundsaum durch einen Umschlag der
Mündungswand zusammenhängend, geradeaus, einfach, scharf; Aussenrand
convex. Höhe 5½ Mm., Breite 1 Mm.

Thier schlank, sehr zart, schwefelgelb, Kopf und Fühler weiss; vier
walzenförmige Fühler, die oberen an der Spitze stumpf, ohne Knopf und
ohne Augen. Kiefer nicht aus einem Stück, sondern aus schmalen Lamellen
zusammengesetzt.

Allenthalben wahrscheinlich gemein, da man sie im Geniste aller Bäche
in Menge findet. Lebend trifft man sie freilich nur selten, die sich
im Sommer unter der Erde aufhält und nur im Winter, selbst bei Schnee,
hervorzukommen scheint. Ausführliche Verhandlungen über Vorkommen und
Lebensweise finden sich im ersten Jahrgange des Nachrichtsblattes der
deutschen malacozoologischen Gesellschaft.

In allen Anschwemmungen; lebend nur von ~Sandberger~ im Haingarten
bei Weilburg und von ~Koch~ im Aubachthale zwischen Langenaubach und
Rabenscheid gefunden.



Zwölftes Capitel.

X. PUPA ~Draparnaud~.

Windelschnecke.


Gehäuse nie gross, bei unseren Arten höchstens 10 Mm. hoch, meist
kleiner, bei vielen fast microscopisch, meist geritzt, zuweilen
durchbohrt, nie mit einem erweiterten Nabelloch, zuweilen ganz
ungenabelt. Gestalt walzenspindelförmig oder verlängert eiförmig,
seltener vollkommen walzen- oder eiförmig; zahlreiche Umgänge, der
letzte nicht oder nur wenig grösser, als der vorletzte. Oberfläche
glatt, gestreift oder regelmässig gerippt, meist einfarbig, grau
oder braun, nie glänzend. Mündung halbeiförmig oder eckig, oft von
Falten oder Zähnen verengert und daher buchtig. Mundsaum einfach oder
ausgebreitet, mit gleichen, fast parallelen, häufig durch einen Wulst
auf der Mündungswand verbundenen Rändern.

Thier dem von Helix sehr ähnlich, generisch kaum zu unterscheiden,
klein, schlank, mit 4 Fühlern, von denen aber die unteren sehr klein
sind und bei einer Anzahl, der Untergruppe _Vertigo_, ganz fehlen.
Athem- und Geschlechtsöffnung liegen bei den rechtsgewundenen auf der
rechten, bei den linksgewundenen auf der linken Seite. Kiefer zart,
nur wenig gebogen, feingestreift, ohne Zähne am concaven Rand, nur
zuweilen mit einem feinen Vorsprung in der Mitte. Die Zungenzähne
bilden einen nach vorn schwach convexen Bogen, der Mittelzahn ist
kleiner, als die anderen. Bei _Vertigo_ sind sie nach ~Heynemann~
dreilappig. Der Geschlechtsapparat ist einfacher, als bei den Heliceen,
ohne Anhangsdrüsen. Die Pupen legen ihre Eier in eine kleine,
selbstgegrabene Höhlung des Bodens. Einige Arten sind auch lebendig
gebärend.

Die Pupen vermitteln den Uebergang zwischen _Buliminus_ und
_Clausilia_. Von den Clausilien unterscheiden sie sich durch den Mangel
des Schliessknöchelchens und der Spindelfalte, von den Bulimusarten
durch die fast gleichlangen Mundränder und die Gestalt des Kiefers.
Doch ist hier die Gränze ziemlich unbestimmt, und manche Arten mit
gezahnter Mündung, namentlich solche, deren Thier man noch nicht
genauer kennt, schwanken noch zwischen beiden.

Die Lebensweise ist bei den verschiedenen Arten verschieden. Die
grösseren aus der ersten Unterabtheilung leben an Felswänden oder auf
dem Boden, die anderen in Mulm, in hohlen Bäumen, auf feuchten Wiesen,
unter Laub und Moos. Zu ihnen gehören unsere kleinsten Schnecken. Um
sie bequemer sammeln zu können, legt man an Stellen, wo sie häufiger
sind, halbfaule Breter oder Steine aus, unter denen sie sich sammeln;
auch kann man sie bei feuchtem Wetter mit einem engmaschigen Netz
von den Wiesen abkätschern. Nach einer von ~Scholtz~ mitgetheilten
Beobachtung von ~Charpentier’s~, die ~Heynemann~ und ich bestätigen
können, kann man sie auch in Menge erhalten, wenn man Heuhaufen, die
eine Zeit lang auf Wiesen gelegen haben, über einem weissen Tuche
ausklopft und dann den Staub untersucht. Todte Exemplare findet man in
Menge im Genist der Flüsse nach den Winterfluthen.

Will man diese winzigen Thiere microscopisch untersuchen, so zerdrückt
man das Gehäuse und spült die Scherben mit Wasser ab, oder (nach
~Heynemann~) man nimmt das Gehäuse zwischen zwei Finger und wartet
geduldig ab, bis das Thierchen hervorkommt und mit lang ausgestrecktem
Körper nach einem Ruhepuncte umher tastet; dann schneidet man mit einer
Scheere den Kopf ab und bringt ihn mit einem Tropfen Glycerin zwischen
zwei Glasplatten; ein gelinder Druck macht ihn durchsichtig genug zur
microscopischen Betrachtung.

In unserem Gebiete sind bis jetzt 12 Arten aufgefunden, die sich
folgendermassen unterscheiden:

  A. Gehäuse 8-10 Mm. hoch, länglich, ei-spindelförmig mit spitzem
     Wirbel (Gruppe _Torquilla_ ~Studer~).

      9 Umgänge, Nacken weiss mit vier durchscheinenden Strichen,
      Mündung eiförmig mit 8 Falten.

                                                 _P. frumentum_ ~Drp.~

      9 Umgänge, Gehäuse schlanker, hellbraun, verwittert violettgrau,
      Nacken nicht weiss, nur drei durchscheinende Striche,
      in der Mündung nur sieben Falten.

                                                    _P. secale_ ~Drp.~

  B. Gehäuse cylindrisch mit stumpfem oder abgerundetem Wirbel,
     5-9 Umgänge, die Mündung rundlich mit wenig oder gar keinen
     Zähnen (Gruppe _Pupilla_ ~Leach~).

      9 Umgänge, die oberen dicker als die unteren, in der
      Mündung drei wenig entwickelte Falten; Höhe 5-7 Mm.

                                                 _P. doliolum_ ~Brug.~

      6-7 Umgänge, im Nacken ein dicker weisser Wulst, auf
      der Mündungswand ein Zähnchen. Höhe 3-4 Mm,

                                                      _P. muscorum_ L.

      6 Umgänge, Gehäuse vollständig cylindrisch, zierlich gestreift,
      Mündung rundlich, zahnlos, Höhe nur 1½-2 Mm.

                                             _P. minutissima_ ~Hartm.~

      5 Umgänge, Gehäuse mehr eiförmig, ganz glatt, etwas
      glänzend, Mündung zahnlos; Höhe 2-3 Mm.

                                                  _P. edentula_ ~Drp.~

  C. Gehäuse winzig klein, mit fünf rasch zunehmenden Umgängen,
     Mündung buchtig mit 5-7 Falten; Thier ohne Unterfühler (Gruppe
     _Vertigo_ ~Müll.~).

    a. Gehäuse rechts gewunden.

      Gehäuse ziemlich bauchig, Mündung mit 5 Zähnchen und
      zwei langen Gaumenfalten.

                                             _P. septemdentata_ ~Fér.~

      Gehäuse schlanker, Mündung mit nur vier Zähnchen und
      einer Gaumenfalte.

                                                   _P. pygmaea_ ~Drp.~

      Gehäuse sehr bauchig, der letzte Umgang grösser, als
      die drei ersten zusammengenommen; in der Mündung 6, mitunter
      nur 5 Zähne.

                                                 _P. ventrosa_ ~Heyn.~

      Gehäuse ziemlich cylindrisch mit stumpfer Spitze; Mündung
      halbeiförmig mit 4 Zähnchen.

                                        _P. Shuttleworthiana_ ~Charp.~

    b. Gehäuse links gewunden.

      Gehäuse eng durchbohrt, Mündung halbeiförmig, im
      Schlund 6 Zähnchen.

                                                  _P. pusilla_ ~Müll.~

      Gehäuse kaum geritzt, Mündung fast herzförmig, im
      Schlunde nur 4 Zähnchen.

                                                _P. Venetzii_ ~Charp.~


61. Pupa frumentum ~Draparnaud~.

Achtzähnige Windelschnecke.

Gehäuse schief geritzt, ziemlich walzenförmig, mit kegelförmig
ausgezogenem, ziemlich spitzem Wirbel, dicht und sehr zart gestreift
oder vielmehr sehr fein und schräg gerippt; wenig glänzend,
braungelblich, der letzte Theil des letzten Umganges hinter der
Mündung weiss. Die 9 wenig gewölbten Umgänge sind durch eine feine,
scharfbezeichnete Naht vereinigt, an Höhe sehr allmählig zunehmend, die
beiden letzten fast gleich hoch. Mündung halbeiförmig, oben durch die
Mündungswand in einer fast geraden Linie schräg abgestutzt, verengert.
Mundsaum hufeisenförmig, wenig nach aussen gebogen, aussen mit einer
breiten, oft ziemlich dicken und erhabenen Wulst eingefasst, von der
aus auf dem Nacken nach hinten ~vier~ feine, weisse Linien -- die
durchscheinenden Gaumenfalten -- auslaufen. Inwendig ist der Mundsaum
ringsum mit 8 Falten besetzt, die in das Innere des Schlundes laufen;
vier davon stehen auf der Spindelsäule und zwei auf der Mündungswand;
von diesen letzteren steht die linke ganz tief in der Mündung, die
rechte, eigentlich aus zwei verschmolzenen bestehend, ganz vorn neben
der Einfügung des Aussenrandes, der hier einen kleinen Bogen macht und
mit dem sie zusammenhängt. Nabelritz gerade, fein, mit dem Spindelrand
einen Winkel beschreibend. Höhe 6-9 Mm., Durchmesser 2-3 Mm.

Thier oben schwärzlichgrau, Fusssohle hellgrau mit schwärzlichen
Puncten.

Gesellig an sonnigen Abhängen auf frischem, sandigem oder kalkhaltigen
Boden, im Grase und an Graswurzeln, auf und unter Steinen. Das
Vorkommen ist meist auf einen kleinen Umkreis beschränkt. Dem oberen
Lahngebiet und überhaupt den gebirgigen Theilen unseres Gebietes fehlt
sie ganz. Zwischen Fachbach und Ems (~Schenkel~ bei ~Thomae~). Auf
der Mombacher Haide; an Graswurzeln im Erbenheimer Thälchen; um die
Kalksteinbrüche von Flörsheim und Hochheim (A. ~Römer~). An letzterem
Fundorte sammelte ich sie ebenfalls sehr häufig in schattigen Parthieen
der Steinbrüche unter kleinen flachen Steinen und im Moos der sonnigen
Abhänge. Bei Rossdorf in der Wetterau (~Heyn.~). An der Ebersbacher
Papiermühle bei Darmstadt (~Ickrath~). Häufig im Geniste des Main und
Rhein. Sämmtliche mir bekannte Fundorte befinden sich auf Kalkboden
oder kalkreichem Lehm (Löss).


62. Pupa secale ~Draparnaud~.

Gerstenkorn-Windelschnecke.

Gehäuse deutlich geritzt, fast walzenförmig, nach oben zu verschmälert
und mit einem stumpflichen Wirbel endend, hellbraun, im leeren,
verwitterten Zustande violettgrau, sehr fein gestreift, ohne Glanz,
schlanker als _frumentum_; 9 sehr allmählig zunehmende, wenig gewölbte
Umgänge; Mündung halbeiförmig; Mundsaum weiss, zurückgebogen.
Aussenrand etwas eingedrückt, etwas länger als der Spindelrand; von
den 7 Falten stehen drei innen auf dem Aussenrande, und je zwei auf
der Spindel und der Mündungswand; von den letzteren ist die eine
tief eingesenkt, die andere ganz vorgerückt, mit der Einfügung des
Aussenrandes verbunden, und besteht eigentlich aus zwei Falten, einer
kleineren und einer grösseren. Aeusserlich am Nacken scheinen die
drei Falten des Aussenrandes als feine Striche durch. Um den deutlich
punctförmigen Nabelritz herum ist die Basis des letzten Umganges
kielförmig zusammengedrückt. Höhe 7 Mm., Breite 2 Mm.

Thier bräunlichgrau, Kopf, Hals und Fühler schwarzgrau, Augen schwarz.

Vorzugsweise auf Kalkboden, unter Laub und Moos am Boden. Von Herrn
Dr. ~Noll~ bei St. Goar häufig gefunden. Nach A. ~Römer~ auch auf
den bemoosten Kalkhügeln von Hochheim; aber die von dort stammenden
Exemplare in dem Wiesbadener Museum sind, wie ich mich selbst
überzeugte, nur eine schlankere Form von _frumentum_.


63. Pupa doliolum ~Bruguière~.

Fässchenschnecke.

Gehäuse mit schiefem, seichtem Nabelritz, verkehrt eiförmig-walzig,
oben breiter als unten, mit ganz abgerundeter Spitze, graugelb,
durchsichtig, ziemlich glänzend, auf den oberen Umgängen ziemlich
regelmässig rippenstreifig, auf den unteren fast glatt. Umgänge 9,
wenig gewölbt, sehr langsam zunehmend; Naht wenig vertieft; Nacken
gewölbt; Mündung halbeiförmig gerundet; Mundsaum zurückgebogen,
schwach weisslippig; auf der Mündungswand eine ziemlich erhabene,
lamellenartige Falte, welche schon an jungen Exemplaren vorhanden ist.
An der Spindel 2 Falten, davon eine ziemlich verkümmert. Höhe 5-6 Mm.,
Breite 2½ Mm.

Thier hellbraungraulich, Rücken ziemlich dunkel schwarzbraun; untere
Fühler äusserst kurz.

Unter der Bodendecke, besonders unter Steinen, mitunter sehr tief
im Boden. Sie scheint nur den gebirgigen Gegenden anzugehören. Auf
der Ruine Falkenstein bei Cronberg, (~Menke~, ~Rossmässler~); im
Sandberger’schen Garten in Weilburg, an der Lahneck (~Sandb.~),
bei Schlangenbad (C. ~von Heyden~), auf der Burg Sickingen und an
der wilden Scheuer bei Steeten (A. ~Römer~). Leere Gehäuse in den
Anspülungen des Sonnenberger Baches bei Wiesbaden (~Thomae~). Erdbach
bei Dillenburg (~Koch~), Spurkenburg, Lahneck (~Servain~).


64. Pupa muscorum ~Linné~.

Moosschraube.

Gehäuse eirund-walzenförmig, stumpf, braunroth, fast glatt, wenig
glänzend; 6-7 wenig gewölbte, sehr langsam zunehmende Umgänge; Mündung
halbrund, frei oder mit einem Zähnchen auf der Mündungswand; Mundsaum
zurückgebogen, aussen mit einem schmalen, weisslichen Wulst umgeben;
Nabel bald mehr bald weniger bezeichnet, meist ein ziemlich deutliches,
enges Loch. Höhe 3½-4 Mm., Breite 1 Mm.

Thier blassgrau, Hals, Rücken und Fühler schwärzlich.

Unter Laub, Moos und Steinen, am Fusse alter Mauern fast überall, doch
mit Vorliebe an nicht zu feuchten Stellen. Allenthalben, jedoch nicht
häufig (~Thomae~). Bei Weilburg sehr häufig (~Sandb.~). Bei Dillenburg
häufig in den Anschwemmungen der Dill (~Koch~). Häufig im Frankfurter
Wald unter Steinen und altem Holz, besonders um das Forsthaus und
an der Mörfelder Chaussee (~Dickin~). Am Kugelfang des Darmstädter
Exercierplatzes (~Ickrath~). An moosigen Grünstein-Mauern auf der
Ostseite des Biedenköpfer Schlossberges, im Moos im Pfarrgarten zu
Breidenbach. Am Bahndamm unterhalb Flörsheim. Im Geniste der Flüsse ist
_Pupa muscorum_ eine der häufigsten Schnecken; trotzdem findet sie sich
nur äusserst selten lebend im Moos des Ufers, die Feuchtigkeit scheint
ihre Ansiedelung zu hindern.


65. Pupa minutissima ~Hartmann~.

Kleinste Windelschnecke.

_Syn._ _Vertigo cylindrica_ ~Fér.~

Gehäuse winzig klein, walzenförmig, stumpf, gelblich, unter der Loupe
sehr zierlich gestreift, die drei letzten der 5-6 stark gewölbten
Umgänge einander fast gleich und durch eine ziemlich tiefe Naht
vereinigt; Mündung fast rund, Mundsaum etwas zurückgebogen; Seitenrand
etwas buchtig, oben in einem Bogen angeheftet; Nabelspalte deutlich
bezeichnet. Höhe 1½ Mm., Breite ½ Mm.

Thier gelbgrau.

Unter Moos und Steinen ziemlich verbreitet, aber ihrer Kleinheit
wegen häufig übersehen. Zwischen dem Canstein’schen Garten und dem
neuen Palais in Wiesbaden, nicht selten (~Thomae~; jetzt ist freilich
der Platz verbaut). An der Armenruhmühle bei Wiesbaden und in den
Rheinanschwemmungen zwischen Biebrich und Schierstein (A. ~Römer~).
Königstein am Taunus (~Speyer~). Im Moos an Felsen des Weilweges bei
Weilburg sehr selten; an moosigen Mauern bei Schlangenbad (~Sandb.~).
Im Lahngenist bei Biedenkopf leere Gehäuse und ein lebendes Exemplar
von mir gefunden. Nicht häufig auf der Ruine Stein (~Servain~).


66. Pupa edentula ~Draparnaud~.

Zahnlose Windelschnecke.

Gehäuse sehr klein, engdurchbohrt, walzenförmig-eirund, stumpf,
gelbbräunlich, glänzend, glatt, durchscheinend, die 5-6 Umgänge
etwas gewölbt, Naht seicht; Mündung halbeiförmig; Mundsaum getrennt,
geradeaus, scharf, einfach, zahnlos. Höhe 2 Mm., Breite ¾ Mm.

Thier?

Unter abgefallenem Laub einzeln hier und da, besonders im Herbste
zu finden. Im Feldbacher Wäldchen (~Koch~). Am Bach an der
Oberschweinsteige (~Dickin~). Nicht selten unter abgefallenem Laub
unter einzeln im Nadelholz stehenden Eichenbüschen an der Goldküste bei
Biedenkopf, aber nur im Herbst; im Frühjahr konnte ich trotz eifrigen
Suchens kein Exemplar auftreiben. Ziemlich selten an Baumwurzeln an der
Burg Nassau (~Servain~).


67. Pupa septemdentata ~Férussac~.

Siebenzähnige Windelschnecke.

_Syn._ _Vertigo antivertigo_ ~Drp.~

Gehäuse rechts gewunden, sehr klein, kaum deutlich geritzt, eiförmig,
stumpf, aus wenigen Umgängen rasch entwickelt, lebhaft braungelb,
durchsichtig, glatt, stark glänzend; Mündung etwas herzförmig durch den
an den beiden Zähnen stark eingedrückten Aussenrand. Schlund verengert,
mit sieben Zähnen; von diesen stehen zwei auf der Mündungswand, drei
auf der Spindel, und zwar der oberste kleinste genau im Winkel der
Mündungswand und der Columelle, und zwei im Gaumen, und zwar der
untere längere, faltenförmige etwas tiefer eingesenkt, als der obere,
etwas kürzere, der genau auf der Stelle steht, welche einem äusserlich
befindlichen strichförmigen Eindrucke entspricht. Mundsaum etwas
zurückgebogen; Nacken wulstartig aufgetrieben. Höhe 2 Mm., Breite
1,2 Mm.

Thier schwarzgrau, ohne Unterfühler.

Diese Schnecke lebt mit Vorliebe an feuchten Stellen mitunter fast im
Wasser, unter Laub, Moos und Steinen. Um den Canstein’schen Garten
und im Dambachthal bei Wiesbaden (~Thomae~). Am Zimmerplatz bei Burg
selten unter altem Holz (~Koch~). Am Metzgerbruch bei Frankfurt auf
feuchten Wiesen (~Speyer~). Im Moos am Rand von Gräben in der Umgebung
des Sandhofes häufig. Um Biedenkopf auf feuchten Wiesen unter Steinen
und in feuchten Waldthälchen überall gemein; ich habe nicht selten
_Hydrobia Dunkeri_ und _Pisidium fontinale_ mit ihr zusammen, mitunter
an demselben Blatte sitzend gefunden, besonders im Badseiferthälchen.


68. Pupa pygmaea ~Draparnaud~.

Zwergwindelschnecke.

_Syn._ _Vertigo vulgaris_ ~Jeffr.~

Gehäuse sehr klein, rechts gewunden, etwas schlanker, als die
vorige, walzig-eiförmig mit stumpfem Wirbel, glatt, matt glänzend,
durchscheinend, gelbbraun; 5 gewölbte Umgänge; Nacken mit einer
starken Wulst und dahinter eingedrückt; Nabel punctförmig; Mündung
halbeiförmig, fünfzähnig, ein Zahn steht auf der Mündungswand, zwei
auf dem Gaumen, wovon einer fast auf dem Mundsaum, und zwei auf der
Spindel, davon der untere sehr klein, aber nie ganz fehlend. Mundsaum
getrennt, etwas zurückgebogen, Nacken dicht hinter dem Mundsaum
wulstartig aufgetrieben. Höhe 2 Mm., Durchmesser 1 Mm.

Thier blaugrau, der obere Theil des Halses und die Fühler schwarz.

Sie gleicht in der Lebensweise der vorigen, mit der man sie häufig
zusammen findet; sie kommt aber auch an trocknen Stellen vor und ist
überhaupt viel häufiger und verbreiteter, wie sie denn auch eine der
häufigsten Arten im Geniste ist. Nicht selten findet man sie auch im
Inneren hohler Baumstämme und unter der losgesprungenen Rinde.

Um den Canstein’schen Garten in Wiesbaden, auf der Feldwiese am
Schiersteiner Weg, im Erbenheimer Thälchen, an dem Schloss Dehrn im
Lahnthale (~Thomae~). Bei Weilburg am Gänsberg und Schellhof nicht
selten im Grase (~Sandb.~). Am Burger Zimmerplatz (~Koch~). Am Wege vor
dem Forsthaus bei Frankfurt (~Dickin~). Um Biedenkopf unter Steinen und
Hecken und auf Wiesen mit der vorigen allenthalben nicht selten.


69. Pupa ventrosa ~Heynemann~.

Bauchige Windelschnecke.

Gehäuse kaum durchbohrt, kurzeiförmig, sehr bauchig, glatt, glänzend,
kastanienbraun. Vier ziemlich gewölbte, sehr rasch zunehmende Umgänge,
der letzte bedeutend grösser, als die drei ersten zusammengenommen,
an der Basis ein klein wenig zusammengedrückt. Die Mündung schief
herzförmig mit sechs oder fünf Zähnen, von denen zwei am Spindelrand
und zwei am Aussenrand immer vorhanden sind. Der fünfte ist eine hohe,
in der Mitte der Mündungswand ganz vorn stehende Falte, die alsbald
auffällt; der sechste, an der Aussenseite dicht daneben stehende Zahn
fehlt häufig. Höhe 2,5-3 Mm., Durchm. 1,5-2 Mm.

Von ~Heynemann~ am Schilfe des Oberhorstweihers bei Frankfurt entdeckt
und dort früher häufig, jetzt aber ausgestorben. In 1869 fand sie
~Ickrath~ häufig am Schilfe des Bessunger Teiches bei Darmstadt, 2-3′
über dem Schlamm munter umherkriechend, aber nur Abends zu finden;
am Tag fand man nur bei sehr genauem Nachsuchen hier und da ein
Stück unter modernden Schilfblättern am Boden; auch Morgens war sie
nicht zu finden. Seitdem hat sie ~Heynemann~ auch wieder unter einem
Heuhaufen in der Nähe des Wassers am Enkheimer Fusspfade gefunden,
und wahrscheinlich kommt sie noch an mehr Punkten in der Mainebene
vor, wohl auch sonst in Deutschland, denn ich erhielt sie aus Dänemark
und Kärnthen. Sie wird meistens für synonym mit _Vert. Moulinsiana_
gehalten, ist aber davon sehr verschieden.


70. Pupa Shuttleworthiana ~von Charpentier~.

Gehäuse tief geritzt, eiförmig, leicht gestreift, glänzend,
durchsichtig, gelbhornfarben, die Spitze wenig verschmälert, sehr
stumpf; die fünf Umgänge wenig gewölbt, der letzte am Nabelritz
etwas zusammengedrückt; Mündung halbeiförmig mit vier Zähnen, einem
zusammengedrückten auf der Mündungswand, einen spitzen am Spindelrand
und zwei kürzeren im Gaumen. Mundsaum weiss, am rechten Rande etwas
eingebogen, sehr schmal ausgebreitet, am Spindelrande etwas breiter.
Höhe 2 Mm., Durchmesser 1¼ Mm., Höhe der Mündung ⅔ Mm. (~L.
Pfeiffer~).

Selten in alten Mauern, an den nassauischen Fundorten immer mit _Balea
fragilis_ zusammen. Ich fand sie nicht ganz selten in der Mauer des
alten Kirchhofes zu Buchenau bei Biedenkopf. Am Beilstein (~Heyn.~).
Nach ~Heynemann~ gehört hierher auch die von ~Koch~ angeführte Varietät
von _pygmaea_ aus dem Breitscheider Walde und von Burg.


71. Pupa pusilla ~Müller~.

Kleine Windelschnecke.

Gehäuse sehr klein, linksgewunden, eng durchbohrt, horngelb, glänzend,
dünn, durchsichtig, äusserst fein gestreift; fünf ziemlich gewölbte
Umgänge. Naht tief; Mündung halbeiförmig; Schlund durch 6 Zähne
verengert, von denen je zwei auf Spindel, Mündungswand und Gaumen
stehen. Mundsaum fein zurückgebogen, der Nacken dahinter, namentlich
unten, wulstartig aufgetrieben. Höhe 2,2 Mm., Breite 1 Mm.

Thier weiss, der obere Hals und die Fühler aschgrau.

Ziemlich selten; an trockenen Stellen unter Steinen. Selten im
Erbenheimer Thälchen der Hammermühle gegenüber; an der Gartenmauer des
Holzhackerhäuschens bei Wiesbaden (A. ~Römer~). An der Grüneburg bei
Frankfurt (~Speyer~). Häufig am Forsthaus (~Dickin~). Am Beilstein
(~Heynemann~). Ich fand sie nicht selten mit _pygmaea_ zusammen unter
kleinen flachen Steinen in den Hecken am Südabhang des Kratzenbergs bei
Biedenkopf, und mit der vorigen in der Mauer des alten Kirchhofs in
Buchenau. Ruine Nassau (~Servain~). Bei Mönchbruch (~Ickrath~).


72. Pupa Venetzii ~von Charpentier~.

Schlanke Windelschnecke.

_Syn._ _P. angustior_ ~Jeffreys~.

Gehäuse winzig klein, linksgewunden, ziemlich schlank, mit kaum
vertieftem Nabelritz, gelb, deutlich gestreift, durchsichtig, glänzend,
Nacken in der Mitte mit einer ziemlich vertieften Längsfurche, an der
Basis höckerig; Mündung wegen eines Eindrucks der Aussenwand fast
herzförmig; Schlund verengert; auf der Mündungswand zwei ziemlich
egale Zähne, auf dem Gaumen, entsprechend der Nackenfurche, eine lange
Leiste, hinten herabgekrümmt, unter ihrem Vorderende ein kleines
Zähnchen; Spindel mit einer stark entwickelten Lamelle. Höhe 1½ Mm.,
Breite ¾ Mm.

Thier bläulichweiss, durchscheinend, Fühler graublau mit schwarzen
Augen; von ihnen aus gehen zwei graublaue Streifen über den Rücken.

Diese kleine Schnecke lebt auf moosigen Wiesen, ist aber lebend in
Nassau noch nicht gefunden worden. Ein leeres Gehäuse fand ~Koch~ am
Ufer des Aubachs bei Dillenburg. Im Maingenist findet sie sich auch,
aber selten (~Heyn.~).



Dreizehntes Capitel.

XI. BALEA ~Prideaux~.


Die Baleen gleichen an Gestalt, innerem Organismus und Lebensweise
vollkommen den Clausilien und unterscheiden sich von ihnen nur
durch den Mangel des Schliessknöchelchens und der Spirallamelle. In
Deutschland kommt nur eine Art vor.


73. Balea fragilis ~Draparnaud~.

_Syn._ _Cochlodina perversa_ ~Fér.~

Gehäuse links gewunden, geritzt, spindelförmig gethürmt, der
letzte Umgang am breitesten, olivengrünlich, hornbraun, dünn,
zart, durchsichtig, sehr fein rippenstreifig, seidenglänzend. Neun
Umgänge, sehr langsam zunehmend, gewölbt; Naht ziemlich vertieft;
Nacken aufgetrieben. Mündung gerundet birnförmig, höher als breit;
Mundsaum zusammenhängend, wenig lostretend, sehr fein weiss gesäumt,
etwas zurückgebogen. Spindel einfach, nur selten mit der Andeutung
einer Falte; auf der Mündungswand eine kleine, mit dem Mundsaum
zusammenhängende Falte. Höhe 9-11 Mm., Breite 2 Mm.

Thier bläulichgrau, Hals und Fühler dunkler, fein gekörnt, Fusssohle
gelblich, Augen schwarz, Kiefer wenig gebogen, fein gestreift, in der
Mitte etwas vorspringend. Nach den Beobachtungen von ~Sporleder~ (Mal.
Bl. VII. p. 116) bringt diese Schnecke lebendige Junge zur Welt, die
bei der Geburt schon etwas mehr als zwei Umgänge haben.

An bemoosten Mauern in den meisten Gegenden, aber stets nur auf
engbegränzten Fundorten, so dass sie häufig übersehen wird. Am
Idsteiner Schloss (~Thomae~). Beim Kalkbruch unterhalb Steeten im
Lahnthal; an Mauern bei Sonnenberg (~Römer~). Bei Dillenburg an der
Brückenmauer bei Burg (~Koch~), am Schlossberg hinter der Kirche
(~Trapp~). Reiffensteiner Schloss (~Heynemann~). Im Kreis Biedenkopf
an der Mauer des Pfarrgartens zu Breidenbach und an der alten
Kirchhofsmauer zu Buchenau, sowie auf dem Breidensteiner Schloss.

~Servain~ führt von den Mauern der Burg Nassau noch eine _Balea
Rayana_ ~Bourg.~ an; dieselbe ist für ein deutsches Auge so wenig
zu unterscheiden, wie viele andere, von Herrn ~Bourguignat~ als neu
beschriebene Arten.



Vierzehntes Capitel.

XII. CLAUSILIA ~Draparnaud~.


Gehäuse schlank, spindelförmig, meist linksgewunden, mit mehr
oder weniger spitzem Wirbel; 9-14 meist wenig gewölbte, glatte,
gestreifte oder gerippte Umgänge. Die Mündung ist unregelmässig,
eiförmig, birnförmig oder fast rund, durch Lamellen verengt und oft
gezähnt oder gefaltet, der Mundsaum zusammenhängend, meist gelöst.
Im Schlunde ein kalkiges Deckelchen auf elastischem Stiele, das sog.
~Schliessknöchelchen~, _Clausilium_.

Thier schlanker als das von _Helix_ und im Verhältniss zum
Gehäuse auffallend klein, aber sonst ihm vollkommen ähnlich. Die
Athemöffnung liegt an der linken Seite des Halses, die gemeinsame
Geschlechtsöffnung hinter dem linken Oberfühler. Der Kiefer ist
gebogen, fein quergestreift, häufig mit einem kleinen zahnförmigen
Vorsprung in der Mitte. Die Zungenzähne sind stumpf lanzettförmig, ohne
deutlichen Mittelzahn; die Zähne des Mittelfeldes haben nur schwache
Zahneinschnitte, die der Seitenfelder 2-3 kleine seitliche Zähnchen
neben dem Hauptzahn. Der Geschlechtsapparat unterscheidet sich von dem
von _Helix_ nach Adolf ~Schmidt~ fast nur durch das fehlende Flagellum
der Ruthe. Viele Arten bringen lebende Junge zur Welt.

Die Clausilien bilden eine der artenreichsten Gattungen, während
gleichzeitig der Gattungstypus von ihnen im höchsten Grade festgehalten
wird. L. ~Pfeiffer~ zählt im sechsten Bande seiner _Monographia
Heliceorum viventium_ 563 Arten auf, die Gesammtzahl dürfte sich
vielleicht auf 600 belaufen, zu denen aus den noch wenig durchforschten
Theilen des Orientes alljährlich noch eine gute Anzahl hinzukommt.
Die Unterscheidung ist natürlich nicht leicht und erfordert ein
ganz besonderes Studium; dem entsprechend haben wir auch für die
Beschreibung der Clausilien eine ganz eigene Kunstsprache. Man legt
dabei besonderes Gewicht auf die in der Mündung sichtbaren Falten
und Lamellen, die bei den einzelnen Arten merkwürdig constant sind.
Adolf ~Schmidt~ schlägt in seinem „System der europäischen Clausilien,
Cassel 1868“ vor, ein für allemal den Namen Lamellen auf die auf der
Mündungswand befindlichen Erhebungen zu beschränken, die anderen als
Falten zu bezeichnen. Wir haben dann drei Lamellen: die Oberlamelle,
die Unterlamelle und die Spirallamelle; verschiedene kleinere kommen
bei unseren Arten nicht in Betracht. Die Oberlamelle verläuft dicht
unter der Naht und parallel mit derselben, die Unterlamelle etwa in
der Mitte der Mündungswand; die Spirallamelle ist eine mit der Naht
parallele Leiste, die bald mit der Oberlamelle zusammenhängt, bald von
ihr getrennt ist. Herr ~von Vest~ bemerkt in seiner ausgezeichneten
Arbeit über den Schliessapparat der Clausilien, dass auch bei den
Arten, wo die beiden Lamellen verbunden sind, sie in der Jugend
getrennt erscheinen.

Ausserdem finden wir noch im Gaumen mehrere Falten, die ~Gaumenfalten~,
meist 1-4, und unten an der Spindel, ihren Windungen folgend, aber
häufig nicht bis in die Mündung vortretend, die immer vorhandene
~Spindelfalte~, welche als Stützpunct für den Schliessapparat von
grösster Wichtigkeit ist. Endlich haben wir noch eine im letzten
Umgang an den Gaumenfalten quer verlaufende, halbmondförmig gekrümmte,
meist von aussen als hellerer Strich erkennbare Falte zu erwähnen,
die ~Mondfalte~, an welche sich das Schliessknöchelchen anlegt; sie
findet sich übrigens nicht bei allen Arten. Den Raum zwischen Ober- und
Unterlamelle nennt man das ~Interlamellar~; es trägt bei einigen Arten
noch mehrere Fältchen.

Ueber den eigentlichen ~Schliessapparat~, der für die Gruppirung der
Clausilien sehr wichtig ist, hat namentlich Wilhelm ~von Vest~ in
seiner schon oben erwähnten Arbeit genauere Untersuchungen angestellt.
Er kommt zu der Ansicht, dass das Schliessknöchelchen nicht nur zum
Schutz gegen Feinde diene, sondern noch mehr um das Austrocknen des
Thieres zu verhüten, in ähnlicher Weise, wie nach meiner Ansicht der
Winterdeckel der Helices. Er macht darauf aufmerksam, dass die Arten,
welche nebelige Höhen und die Meeresküsten bewohnen, das schmälste
Clausilium haben. Damit stimmt eine Beobachtung überein, die ich zu
machen Gelegenheit hatte: nach dem furchtbar trocknen Sommer von 1868
hatte an dem Schlossberg zu Biedenkopf die Zahl der Helices, besonders
_nemoralis_ und _incarnata_, in sehr auffallender Weise abgenommen,
aber _Clausilia laminata_ und _nigricans_ fand ich an denselben Stellen
in unverminderter Anzahl.

In einer anderen Beziehung ist freilich das Clausilium kein Vortheil
für das Thier, wie ich an meinem Aquarium oft genug zu beobachten
Gelegenheit hatte. Fiel nämlich eine Helix vom Felsen ins Wasser, so
machte sie stunden- und tagelang alle möglichen Rettungsversuche und
rettete sich auch nicht selten auf Wasserpflanzen oder an die Wandungen
des Gefässes; Clausilien dagegen schlossen sofort ihre Mündung und
blieben unbeweglich, bis sie erstickten. Es mag damit im Zusammenhang
stehen, dass eine Verbreitung von Clausilien längs eines Flusses eben
so selten ist, wie die von Helix häufig.

Das Schliessknöchelchen ist bei den meisten Arten von aussen nicht
sichtbar; um es zu finden, muss man der Mündung gegenüber einen Theil
des letzten Umganges abbrechen. Das Schliessknöchelchen besteht aus
einem langen, dünnen, elastischen Stiel, der vornen in ein birnförmiges
oder gelapptes Blättchen übergeht. In geschlossenem Zustand stützt
es sich auf die Gaumenfalten, die Mondfalte, wenn diese vorhanden
ist, und die Spindelfalte. Kriecht das Thier heraus, so legt sich das
Knöchelchen in den Raum zwischen der Unterlamelle und der Spindelfalte,
die sogenannte ~Nische~; zieht sich das Thier zurück, so klappt es
durch die Elasticität des Stieles von selber zu. Es schliesst aber den
Raum fast bei keiner Art vollkommen ab, sondern lässt immer an der
Spindelseite etwas Raum frei.

Die Clausilien sind vorzugsweise Gebirgs- und Felsenbewohner; in der
Ebene findet man sie besonders an Steinen, alten Mauern und bemoosten
Baumstämmen. Einige Arten halten sich auch auf dem Boden unter Laub
und Moder auf. Am zahlreichsten findet man sie auf Ruinen, und hier
mitunter ganz isolirt Arten, die sonst auf viele Meilen in die Runde
nicht vorkommen, wie z. B. _Cl. lineolata_ ~Held~ auf der Ruine
Hattstein im Taunus. Wie alle Schnecken erscheinen sie auch besonders
bei feuchtem Wetter; nach einem tüchtigen Regen findet man hunderte
an Mauern, die vorher ganz unbelebt schienen. Im Sommer muss man sie
Abends spät und Morgens früh suchen. Winterquartiere beziehen sie sehr
spät, in milden Wintern gar nicht; ich habe sowohl _Claus. laminata_
als _dubia_ mitten im Winter unter der Bodendecke munter gefunden.

Ihre höchste Entwicklung erreichen sie in den südöstlichen Ausläufern
der Alpen, in Kärnthen, Krain und Dalmatien, überhaupt im Orient. Bei
uns kommen nur neun Arten vor, deren Unterscheidung, obschon nicht
immer leicht, doch nicht die Schwierigkeiten bietet, wie in reicheren
Gegenden. Besonders sind es die kleineren, von den älteren Autoren als
_rugosa_ ~Drp.~ und _obtusa_ ~Pfr.~ erwähnten Arten, deren Formenchaos
zu sichten selbst ~Rossmässler~ sich für unfähig erklärte. Dem
scharfen Auge Adolf ~Schmidts~ ist es dennoch gelungen, und seine, auf
ein wahrhaft colossales Material gestützten „Kritische Gruppen der
europäischen Clausilien“ gewähren uns einen festen Anhalt. Demgemäss
treten an die Stelle der oben genannten Arten die Namen _Claus. dubia_
~Drp.~ und _nigricans_ ~Pult.~, und kommt zur nassauischen Fauna eine
Art, _lineolata_ ~Held~, neu hinzu.

Ueber die Anordnung der Clausilien in natürliche Gruppen gehen die
Ansichten noch weit auseinander, je nachdem man das eine oder das
andere Merkmal in den Vordergrund stellt. Am natürlichsten scheint sie
durch die Berücksichtigung der Gestalt des Schliessknöchelchens sich
zu geben, aber wo es sich, wie hier, hauptsächlich um Erleichterung
der Bestimmung handelt, hält man sich am besten an die in die Augen
fallenden und ohne mühsame Präparation erkennbaren Unterschiede, wie
sie Gestalt, Sculptur und Mündungsfalten darbieten.

Nach folgendem Schema lassen sich unsre nassauischen Arten leicht
bestimmen:

  A. Gehäuse glatt, 15-20 Mm. gross, keine Mondfalte.

                                                  _Cl. laminata_ ~Mont.~

  B. Gehäuse rippenstreifig, Mondfalte ausgebildet.

    a. Spirallamelle nicht mit der Oberlamelle verbunden, eine mittlere
       Gaumenfalte vorhanden, Streifung stark, Grösse 15-18 Mm.

      α. Mundsaum ohne Fältchen.

                                                 _Cl. biplicata_ ~Mont.~

      β. Mundsaum mit zahlreichen kleinen Fältchen.

                                                    _Cl. plicata_ ~Drp.~

    b. Spirallamelle mit der Oberlamelle verbunden, nur eine obere
       Gaumenfalte vorhanden.

      aa. Höhe 15-20 Mm., Streifung stark, keine weisse Strichelung.

        α. Mündungsachse senkrecht, Interlamellar ohne Falten, die
           Lamellen in der Mündung ein sehr deutliches liegendes K
           bildend.

                                                 _Cl. ventricosa_ ~Drp.~

        β. Mündungsachse schief, Interlamellar gefältelt, auf dem
           Gaumenwulst ein in die Augen fallendes weisses
           Emailpünctchen.

                                                 _Cl. lineolata_ ~Held~.

      bb. Höhe unter 12 Mm., Gehäuse mehr oder weniger glänzend,

        α. Interlamellar mit 2-3 deutlichen Falten.

                                                  _Cl. plicatula_ ~Drp.~

        β. Interlamellar fast stets glatt, höchstens mit kleinen
           Fältchen; Gehäuse mit weissen Strichelchen an der weissen
           Naht.

          αα. Gehäuse mehr bauchig, Mündung ei-birnförmig, senkrecht.

                                                      _Cl. dubia_ ~Drp.~

          ββ. Gehäuse schlanker, kleiner, Mündung rhombisch,
              schiefstehend.

                                                 _Cl. nigricans_ ~Pult.~

        γ. Interlamellar glatt, Gehäuse nur ganz fein gestreift, ohne
           weisse Strichelchen, klein, höchstens 8 Mm. hoch; Mondfalte
           in Gestalt eines C.

                                                    _Cl. parvula_ ~Drp.~


74. Clausilia laminata ~Montagu~.

Zweizähnige Schliessmundschnecke.

_Syn._ _Cl. bidens_ ~Drp.~ (non L.).

Gehäuse kaum geritzt, spindelförmig, etwas bauchig, nicht schlank, mit
wenig verschmälerter abgestumpfter Spitze, gelbroth oder rothbraun,
ziemlich glänzend, fast durchscheinend, aber leicht verwitternd und
dann undurchsichtig; die 10-11 ziemlich gewölbten, sehr langsam
zunehmenden Umgänge sind durch eine stark bezeichnete Naht vereinigt;
Mündung ei-birnförmig, innen bei dunklen Exemplaren rothbraun,
fast stets mit einer deutlichen, bei hellen Exemplaren weisslichen
Gaumenwulst; Mundsaum nicht gelöst; durch eine mehr oder minder
starke Wulst auf der Mündungswand verbunden, wenig zurückgebogen;
die Lamellen laufen hinten sehr dicht zusammen, die oberste ist
scharf zusammengedrückt, hängt vorne mit der Verbindungswulst der
Mundränder zusammen, ist aber von der Spiral-Lamelle getrennt; die
untere sehr zusammengedrückt, bogig und steht weit nach vorn; unter
den vier Gaumenfalten, von welchen die erste, dritte und vierte in der
Gaumenwulst entspringen, ist die oberste die längste, dicht unter ihr,
an ihrem hinteren Ende steht die zweite, sehr kurze, die dritte und
vierte stehen, durch einen breiten Zwischenraum getrennt, tief unten.
Mondfalte fehlt, die Spindelfalte tritt etwas vor, bleibt jedoch immer
hinter der Unterlamelle zurück; Schliessknöchelchen vor der Spitze tief
ausgebuchtet. Höhe 12-16 Mm., Breite 3-4.

Thier grau, Kopf, Fühler und Rücken schwärzlich.

Sie lebt fast immer unter dem abgefallenen Laub, seltener an Bäumen
und Steinen und dürfte sich fast überall in Nassau finden. Bei
Biedenkopf ist sie häufig im Schlossberg und auf der Ruine Hohenfels.
Im Frühjahr fand ich immer nur stark verwitterte Exemplare; vermuthlich
rührt es daher, dass sie im Winter sich nicht tief verkriecht und bei
warmem Wetter unter dem Laub zu jeder Zeit lebendig ist. Ferner wurde
sie gesammelt von ~Sandberger~ in der Umgegend von Weilburg an mehreren
Orten, von ~Koch~ bei Dillenburg am Haunstein, bei Oberscheld, Erdbach
und Langenaubach, von ~Heynemann~ in der Umgegend von Frankfurt, von
~Thomae~ an der Lohmühle im Wolkenbruch bei Wiesbaden, an der wilden
Scheuer bei Runkel, an der Waldschmiede im Hasenbachthal. Im Taunus nur
einzeln (~Wiegand~). Am Auerbacher Schlossberg (~Ickrath~).


75. Clausilia biplicata ~Montagu~.

Gemeine Schliessmundschnecke.

_Syn._ _Cl. similis_ v. ~Charp.~

Gehäuse kaum geritzt, spindelförmig, schlank, selten etwas bauchig,
mit oben schlank ausgezogenen Windungen und etwas abgestumpfter
Spitze, ziemlich stark, wenig durchsichtig, wenig glänzend, gelblich
oder röthlich-hornbraun, dicht rippenstreifig mit weissen Fleckchen
an der Naht; 11-13 Umgänge, ziemlich gewölbt und durch eine seichte
Naht vereinigt. Mündung länglich birnförmig, schmal, an der Basis
mit einer Rinne, die dem Kamm des Nackens entspricht; am Gaumen
eine längslaufende weisse Falte; Mundsaum zusammenhängend, gelöst
vortretend, zurückgebogen, weisslich, entweder einfach oder mit einer
schwachen, selten bedeutenderen Lippe belegt; die obere Lamelle
vortretend, zusammengedrückt, stark ausgedrückt, die untere weit hinten
stehend, nicht sehr erhaben; Interlamellar nackt, selten mit einigen
Fältchen. Nacken eingedrückt, dann weiter unten etwas wulstig und ganz
unten mit einem deutlich ausgedrückten Kamm oder Kiel, der sich hinter
dem Spindelrande um die Nabelgegend, die dadurch deutlich bezeichnet
wird, herumlegt. Höhe 12-18 Mm., Breite 2½-3 Mm.

Thier gelblich- bis schwarzgrau.

Findet sich in den meisten Theilen Nassaus gemein an alten Mauern,
unter Steinen, an Baumstämmen, in Hecken und unter der Bodendecke.
In der Umgegend von Biedenkopf ist sie äusserst selten; ich fand nur
einmal einige junge Exemplare an einem gefällten Weidenstamm im Thale
von Brungershausen nach Watzenbach.


76. Clausilia plicata ~Draparnaud~.

Faltenrandige Schliessmundschnecke.

Gehäuse kaum geritzt, spindelförmig mit sehr schlank ausgezogener
Spitze, hornbraun, sehr fein rippenstreifig, oft mit eben solchen
Flecken, wie _biplicata_; die 12-14 wenig gewölbten Umgänge durch
eine scharf bezeichnete Naht vereinigt; Mündung länglich-birnförmig,
ziemlich gerundet; Mundsaum zusammenhängend, gelöst, zurückgebogen,
innen weisslich oder rothbräunlich und ~mit kleinen Fältchen
eingefasst~. Obere Lamelle gewöhnlich, untere weit hinten stehend,
nicht scharf ausgedrückt; Gaumen mit mehreren Längsfalten, von
denen man aber innen meist nur eine sieht; Nacken stärker und
schärfer gerippt, oben etwas eingedrückt, dann weiter unten ziemlich
aufgetrieben und ganz unten mit einem deutlichen Kiel oder Kamm, der
sich, wie bei _biplicata_, um die Nabelgegend schlingt und diese
dadurch genau bezeichnet. Höhe 12-16; Br. 2-3 Mm.

Sie unterscheidet sich von _biplicata_, der sie sonst, auch durch
Gestalt und Farbe des Thieres, vollkommen gleicht, durch die schlankere
Gestalt, die feinere Streifung und die Fältchen der Mündung.

Die Lebensweise gleicht vollkommen der von _biplicata_; nur ist unsere
Art weit weniger verbreitet. Von ~Heynemann~ auf dem Hattsteiner und
von ~Speyer~ auf dem Königsteiner Schloss im Taunus gefunden. Ich
besitze sie von Büdesheim bei Bingen. Schloss Idstein (~Thomae~).
Mombach (~Lehr~).


77. Clausilia ventricosa ~Draparnaud~.

Bauchige Schliessmundschnecke.

Gehäuse kaum geritzt, bauchig-spindelförmig, schwärzlich rothbraun,
wenig glänzend, schwach rippenstreifig. Spitze schlank ausgezogen;
11-12 wenig gewölbte Umgänge, die ersten 5 kaum zunehmend, der letzte
mit angeschwollenem Nacken und schwach gekielter Basis. Die Mündung
eiförmig-rund, gerade, mit fast parallelen Seitenrändern. Mundsaum
zusammenhängend, wenig gelöst, weisslich. Der Sinulus nicht gebogen;
das Interlamellar ohne Falten. Die Lamellen mittelmässig, die obere
gerade, mit der Spiralfalte verbunden, die untere vornen in zwei Aeste
gegabelt, so dass sie ein deutliches liegendes K bilden. Gaumenwulst
schwach, kirschbraun, schräg nach unten verlaufend. Im Gaumen nur
eine obere Falte, die bis über das Clausilium hinaufgeht. Mondfalte
bogenförmig. Clausilium vornen stumpfwinklig. (A. ~Schmidt~).

Höhe des Gehäuses 20 Mm., Breite 4½ Mm. Höhe der Mündung 4½ Mm., Breite
3 Mm.

Thier hellschiefergrau, auf dem Rücken dunkler, mitunter
hellbräunlichgelb.

Von der verwandten _biplicata_ unterscheidet sie sich durch die
bauchigere Gestalt, die schwächere Streifung, dunklere Farbe und
das K in der Mündung, von _plicata_ durch den Mangel der Falten. Am
nächsten verwandt und vielfach verwechselt mit ihr ist die bis jetzt
in Nassau noch nicht aufgefundene _Cl. ~Rolphii~_ ~Leach~., die sich
im Siebengebirge findet und auch dem Rheinthal nicht fehlen dürfte;
sie ist bedeutend kleiner, nur 12-15 Mm. hoch und 3½ breit, heller
braun und glänzender, meist mit einigen Fältchen am Mundsaum, wie
_plicatula_, der Nacken weniger aufgetrieben, weitläufiger gestreift,
als der vorhergehende Umgang, der Sinulus höher hinaufgezogen.

_Cl. ventricosa_ lebt unter der Bodendecke in feuchten Waldungen,
meistens am Rande von Quellen. In Nassau wurde sie bis jetzt nur
von ~Heynemann~ und ~Dickin~ äusserst selten am Bruchrainweiher im
Frankfurter Wald gefunden.


78. Clausilia lineolata ~Held~.

Rippenstreifige Schliessmundschnecke.

Gehäuse mit kurzem Nabelritz, bauchig-spindelförmig, bisweilen
rippenstreifig, mit weisslichen Fleckchen längs der Naht, bräunlich
oder schwärzlich roth, etwas seidenglänzend; Spitze concav ausgezogen,
ziemlich spitz; die 10-13 Umgänge etwas gewölbt, langsam zunehmend, der
letzte aufgetrieben, nicht eingedrückt, die Mündung rundlich-eiförmig,
meist etwas schräg, mit fast gleichlaufenden Seitenrändern; Mundsaum
zusammenhängend, wenig gelöst, etwas ausgebreitet, weisslich;
Sinulus klein, das Interlamellar gefältelt; die Oberlamelle mit der
Spirallamelle vereinigt, die untere etwas zurückstehend, vornen
häufig gabelförmig getheilt; der Gaumenwulst divergirt meistens
mit dem Mundsaum, ist an der Basis verdickt und trägt ein weisses
Emailpünctchen als Rudiment der unteren Gaumenfalte; die obere
Gaumenfalte ist deutlich, die Subcolumellarfalte vornen gebogen, wenig
erhaben; die Mondfalte etwas gebogen; das Clausilium vornen halbscharf.
Höhe 17 Mm., Br. 4 Mm. Höhe der Mündung 3⅔ Mm., Br. 2¾ Mm. (A.
~Schmidt~).

Lebensweise ähnlich der von _ventricosa_, doch auch an trockneren
Stellen und an Baumstämmen. In den badischen Rheinwaldungen und auch
sonst in Süddeutschland häufig, in unserem Gebiete aber bis jetzt erst
in wenigen Exemplaren von ~Heynemann~ auf dem Hattsteiner Schloss im
Taunus gefunden.


79. Clausilia plicatula ~Draparnaud~.

Gefältelte Schliessmundschnecke.

Gehäuse kaum geritzt, spindelförmig, etwas bauchig, mit mehr oder
weniger verschmälerter Spitze, dunkelrothbraun, fast kirschbraun,
ziemlich glänzend, fest, wenig durchscheinend, fein gerippt; die 11
wenig gewölbten Umgänge durch eine feine Naht vereinigt; Mündung
birnförmig-rund, gross, Schlund meist bräunlich gefärbt; Mundsaum
zusammenhängend, gelöst, zurückgebogen, scharf, weiss oder bräunlich,
zuweilen ziemlich verdickt, und wie gelippt; unten am Gaumen bemerkt
man oft eine flache, weissliche Wulst; obere Lamelle ganz vorn, etwas
verdickt; untere weit hinten, meist vorn abgestutzt oder zuweilen
durch ein Interlamellarfältchen fortgesetzt und ästig, einem liegenden
K ähnlich, wenn auch nicht so deutlich, wie bei _ventricosa_.
Interlamellar mit 2-3 feinen Fältchen; Nacken aufgetrieben, an der
Basis mit einem Höckerchen. Höhe 10-12, Breite 2-3 Mm.

Thier hellgrau, mit schwärzlichem Kopf, Fühlern und Rücken.

Diese sonst sehr häufige Clausilie kommt in unserem Gebiete nur an
wenigen Puncten vor. Von ~Römer~ an alten Weidenstämmen bei Wiesbaden
in der Nähe der Neumühle gefunden (~Sandb.~ und ~Koch~). Burg Stein bei
Nassau; Schloss zu Idstein (~Thomae~). Eppstein (~Dickin~). Bei Mombach
(~Lehr~).


80. Clausilia dubia ~Draparnaud~.

Zweifelhafte Schliessmundschnecke.

_Syn._ _Cl. rugosa_ C. ~Pfeiff.~, _rugosa var._ ~Rossm.~

Gehäuse mit Nabelritz, bauchig-spindelförmig, mit oben rasch
verschmälerten Windungen und zugespitztem Wirbel, gestreift,
seidenglänzend, gelbgrau, gelbbraun bis kirschbraun, dicht weiss
gestrichelt; 10-11 wenig gewölbte, meist durch eine weisse Naht
verbundene Umgänge, von denen der letzte etwas aufgetrieben und am
Grunde gekielt ist. Mündung ei-birnförmig, Mundsaum zusammenhängend,
etwas zurückgeschlagen, gelöst oder angedrückt, weisslich; Sinulus
mittelgross, etwas aufrecht; Interlamellar glatt; Oberlamelle etwas
schief, mit der Spirallamelle verbunden, Unterlamelle zurückstehend,
vorne weiss und ~in zwei längliche Knötchen ausgehend~; Gaumenwulst
breit, dem Mundsaum parallel, unten verdickt, selten fehlend;
zwei Gaumenfalten, die obere deutlich, selten über die, bisweilen
gekrümmte Mondfalte hinausreichend, die untere mitunter sehr stark,
mitunter vornen fehlend. Spindelfalte gerade und vorgestreckt;
Schliessknöchelchen unten stumpf abgerundet; an der Aussenseite etwas
winkelig. Höhe 12, Breite 3 Mm. Die Mündung kaum 3 Mm. hoch und 2 breit.

Das Thier ist oben grauschwarz, die oberen Fühler etwas heller mit
schwarzen Augen; die Seiten, das Fussende und die Sohle gelbgrau. (~Ad.
Schmidt~.)

Findet sich wohl allenthalben in Nassau im bewaldeten Hügellande;
in hiesiger Gegend mit Vorliebe an alten Buchenstämmen. In dem
Verzeichniss von ~Sandberger~ und ~Koch~ steckt sie mit _nigricans_
zusammen unter _rugosa_ ~Drp.~, wie Originalexemplare die ich von
~Koch~ aus Dillenburg erhielt, beweisen.

Eine sehr schlanke Form, die ~Schmidt~ als _var. gracilis_ beschreibt,
-- die ächte _Claus. gracilis_ C. ~Pfeiffer~ -- findet sich bei
Marburg. Am Bruchrainweiher an Baumstämmen mit _H. lapicida_
~Heynemann~. Am Auerbacher Schloss und den Darmstädter Steinbrüchen
(~Ickrath~). An Buchenstämmen im weissen Wald am Weg von Biedenkopf
nach Engelbach.


81. Clausilia nigricans ~Pulteney~.

Schwärzliche Schliessmundschnecke.

_Syn._ _Cl. obtusa_ C. ~Pfeiff.~

Gehäuse mit kurzem Nabelritz, cylindrisch-spindelförmig, ziemlich fest,
feingestreift, seidenglänzend, dunkel kirschbraun bis schwärzlich,
an der Naht weiss gestrichelt; die Spindel allmählig verschmälert,
oben spitz zulaufend; die 10-12 kaum gewölbten, fast flachen Umgänge
sind durch eine weissliche Naht vereinigt; der letzte ist an der
Basis mit einer breiten Furche versehen, stumpf gekielt. Mündung ei-
oder rhombisch-birnförmig; Mundsaum zusammenhängend, wenig gelöst und
etwas zurückgeschlagen, gelblich oder weisslich; Sinulus klein, etwas
aufgerichtet; das Interlamellar gefaltet oder glatt; die Oberlamelle
meistens gerade, mit der Spirallamelle verbunden, die untere gebogen,
vornen einfach oder gabelig; der Gaumenwulst divergirt mit dem
Mündungsrand; die obere Gaumenfalte ist deutlich und erstreckt sich bis
über die Mondfalte; die untere ist ebenfalls deutlich und fehlt vornen
niemals; Spindelfalte wenig erhaben; Mondfalte fast gerade; Clausilium
vornen abgerundet oder am äusseren Rande etwas winklig. Höhe 9-12, Br.
2½ Mm. Mündung 2½ Mm. hoch,1⅔-1¾ breit. (~Ad. Schmidt~.)

Von der _Cl. dubia_, deren _var. gracilis_ ihr besonders ähnlich
ist, unterscheidet sie sich immer durch die mehr rhombische Form
ihrer Mündung, die bogige Unterlamelle und den weniger deutlich
ausgesprochenen Kiel.

Sie ist an alten Mauern, Baumstöcken, Felsen etc. allenthalben in
Nassau gemein. Als Fundorte bekannt sind mir Wiesbaden, Cronberg im
Taunus, Frankfurt, Dillenburg, Marburg, Biedenkopf, die Taunusruinen,
Auerbacher Schlossberg, Steinbrüche bei Darmstadt. Eine kleinere
Form, nicht grösser als _parvula_, mit heller Mündung, findet sich
im Taunus; sie stimmt ganz mit _Claus. Villae Porro_, die von Ad.
~Schmidt~ als _var. minor_ zu _rugosa_ gezogen wird, dürfte aber dem
Fundorte nach unbedingt zu _nigricans_ zu rechnen sein. Sie findet
sich auch im Lahnthal unterhalb Biedenkopf in der Nähe der Karlshütte
an Grünsteinfelsen, nicht aber an den Thonschiefern, die mit denselben
wechsellagern.


82. Clausilia parvula ~Studer~.

Kleinste Schliessmundschnecke.

Gehäuse klein, geritzt, walzen-spindelförmig, sehr stumpf, dunkelbraun,
sehr fein und schwach gestreift, glänzend; Nacken fein rippenstreifig,
ziemlich eingedrückt, ziemlich unten mit einem Höcker, zwischen
welchem und dem noch tiefer liegenden kielförmigen anderen Höcker
sich eine seichte Furche befindet; Umgänge 10-11, wenig gewölbt, Naht
sehr fein, Mündung birnförmig, gelbbraun; Mundsaum zusammenhängend,
stark lostretend, zurückgebogen, einen feinen Lippensaum bildend,
gelblich-weiss; Sinulus mittelmässig, aufgerichtet; die Oberlamelle
klein, mit der Spirallamelle vereinigt, die untere tiefstehend,
mitunter vorn gabelig oder dreieckförmig; das Interlamellar glatt,
bisweilen mit einem Fältchen, Gaumenwulst oben stark, fast parallel
mit dem Mündungsrand; obere Gaumenfalte stark, bis über die deutliche,
gekrümmte Mondfalte verlängert, die untere stark, die Spindelfalte
vornen etwas gekrümmt, kaum erhaben. Clausilium vorn mit einer stumpfen
Spitze. Höhe 7-10½ Mm., Breite 1⅔-2½ Mm. Höhe der Mündung 2 Mm.,
Breite 1⅔. (A. ~Schmidt~).

Thier dunkelgrau; Hals und Fühler schwarzgrau; Fusssohle hellgrau, der
obere Theil fein gekörnt; Augen schwarz.

Lebt an Baumstämmen, alten Mauern, auch am Boden unter Laub und
Moos und ist sehr verbreitet, wenn auch nur an einzelnen Orten, wo
sie dann meist in Menge vorkommt. Oft findet sie sich mit _dubia_
und _nigricans_ zusammen. Häufig um Dillenburg (~Koch~), Weilburg
(~Sandb.~), Wiesbaden (~Römer~), Ruine Hattstein; einzeln im
Frankfurter Wald am Bruchrainweiher (~Heyn.~). Um Wiesbaden an der
Mauer unter der Schwalbacher Chaussee, bei der Gerbermühle im Nerothal,
an der Burg Stein, Gutenfels und Sickingen, an Felsen bei Dehrn,
Steeten, Villmar (~Thomae~). Doch wäre es nicht unmöglich, dass an
einigen Puncten Verwechslungen mit _Claus. nigricans var. minor (Villae
Porro)_ unterliefen.

Sehr häufig auf dem Frankenstein bei Darmstadt (~Ickrath~).



Fünfzehntes Kapitel.

XIII. SUCCINEA ~Draparnaud~.

Bernsteinschnecke.


Gehäuse ungenabelt, zart, durchsichtig, wachs- oder bernsteingelb,
oval, aus 3-4 Umgängen bestehend, von denen der letzte den grössten
Theil des Gehäuses einnimmt. Mündung gross, lang, oval, oben spitz;
die Columelle tritt frei an die Stelle des fast ganz fehlenden
Spindelrandes.

Thier fleischig, im Verhältniss zum Gehäuse sehr gross; die unteren
Fühler sehr kurz, die oberen an der hinteren Hälfte verdickt, an der
vorderen mit einer kolbigen Spitze, auf der die Augen stehen. Kiefer
glatt, halbmondförmig, mit flügelartig verbreitertem Fortsatz und einem
starken Zahn in der Mitte des concaven Randes; an den convexen Rand
schliesst sich ein quadratischer, hornartiger Fortsatz, an den sich
die Muskeln ansetzen. Die Zähne der Zunge sitzen auf quadratischen
Erhöhungen; sie gleichen im allgemeinen denen von _Helix_, die des
Mittelfeldes sind lanzettförmig, mit einem seitlichen Einschnitt,
der Mittelzahn etwas kleiner; die Seitenzähne sind mehrspitzig. Die
Athemöffnung liegt auf der rechten Seite, ziemlich hoch am Halse.
Geschlechtsapparat einfach gebaut, ohne die Anhangsdrüsen von Helix.
Die Geschlechtsöffnungen liegen dicht übereinander hinter dem rechten
Oberfühler, die weibliche oben, die männliche dicht darunter. Sie
begatten sich wechselseitig und legen Eier, die im Gegensatz zu denen
der übrigen Heliceen durch eine gemeinsame Schleimmasse umhüllt sind
und keine Kalkschale haben. Sie bilden also auch hierin den Uebergang
zu den Limnaeen.

Die Bernsteinschnecken leben an sehr feuchten Orten, an den Rändern
von Teichen und Flüssen und mit Vorliebe auf den aus dem Wasser
emporwachsenden Pflanzen. Sie gehen gern und oft ins Wasser und
schwimmen darin gerade wie die Limnäen. In ihren Bewegungen sind sie
ziemlich rasch und keck. Eine Ausnahme von der Lebensweise bildet _S.
oblonga_, von der ich die Jungen stets, Erwachsene mitunter, weit vom
Wasser an ganz trocknen Plätzen unter Steinen traf, mit Koth bedeckt,
wie _Bul. obscurus_. Diese Lebensweise scheint Regel zu sein; denn auch
~Scholz~, ~Hensche~ u. A. erwähnen sie als Ausnahme, und ich erhielt
mehrmals Exemplare zur Bestimmung, die so gefunden waren.

Die Unterscheidung der einzelnen Arten ist ebenso schwer, als die
Veränderlichkeit gross, und die Gattung ist desshalb ein Paradies für
Faunisten, die ihrer Arbeit durch eine neue Art erhöhtes Interesse
verleihen wollen.

Die Succineen leben von Pflanzenstoffen und sind sehr gefrässig.
Es kommen in Nassau drei von den 4 deutschen Arten vor, die sich
folgendermassen unterscheiden:

  A. Gehäuse gelblich, Gewinde nur einen kleinen Theil des Gehäuses
     ausmachend, 3 Umgänge mit kaum vertiefter Naht, Mündung
     ⅔-¾ des Gehäuses einnehmend.

    a. Mündung etwa ⅔ des Gehäuses, breit eirund, Thier gelblich
       mit zwei dunklen Rippenstreifen; Kiefer am concaven Rand mit
       einem Mittelzahn und zwei Seitenzähnen.

                                                        _S. putris_ L.

    b. Mündung etwa ¾ des Gehäuses, länglich eiförmig. Thier
       dunkel, Kiefer blos mit einem Mittelzahn am concaven Rand.

                                               _S. Pfeifferi_ ~Rossm.~

  B. Gehäuse grüngrau, 4 Umgänge mit sehr vertiefter Naht, Gewinde
     grösser, Mündung nur die Hälfte des Gehäuses einnehmend.

                                                  _S. oblonga_ ~Drap.~

Die vierte Art, _S. arenaria_ ~Bouch.~, schliesst sich zunächst an
_oblonga_ an, sie ist aber grösser und bauchiger, bräunlich gefärbt.
Der nächste Fundort ist Westphalen (~Goldfuss~).


83. Succinea putris ~Linné~.

Gemeine Bernsteinschnecke.

_Syn._ _Succ. amphibia_ ~Drp.~

Gehäuse eiförmig, bauchig, wachs- bis rothgelb, fettglänzend, innen und
aussen gleichfarbig, unregelmässig gestreift, der letzte Umgang bildet
fast das ganze Gehäuse; Naht kaum vertieft; Mündung wenig schief, breit
eirund, oben spitz. Mundsaum scharf und einfach. Dimensionen sehr
wechselnd, da man des scharfen Mundsaums wegen nicht bestimmen kann, ob
das Thier ausgewachsen. Höhe 15-24 Mm., Durchmesser 9-12.

Thier dick, gelblich mit zwei schwarzen Strichen über den Rücken, die
bei zurückgezogenem Thiere durchscheinen und dem Gehäuse ein fleckiges
Ansehen geben. Kiefer am concaven Rand mit einem Mittelzahn und zwei
Seitenzähnen.

Allenthalben in Nassau am Rande von Gewässern zu finden. Eine
weissliche, durch Grösse ausgezeichnete Art bei Mombach (~Thomae~).
Besonders schöne Exemplare im Scheldethale an der Hasenhütte (~Koch~).


84. Succinea Pfeifferi ~Rossmässler~.

Pfeiffers Bernsteinschnecke.

Gehäuse länger und schlanker, auch weniger durchsichtig und
stärker gestreift als bei der vorigen; der letzte Umgang weniger
stark aufgetrieben. Farbe aussen braungelb oder wachsgelb, innen
perlmutterglänzend. Mündung schief zur Axe stehend, oft mit deutlichem
Spindelumschlage.

Thier dunkelgrünbraun oder schwärzlich, unten und an den Seiten
gelblichgrau, kaum im Gehäuse Platz findend, sehr dick und schleimig.
Kiefer nur mit einem schwachen Zahn in dem sehr stark ausgeschnittenen
concaven Rande.

Vorkommen: An der Mainspitze, wo auch eine grössere weissliche Varietät
vorkommt (A. ~Römer~). Um Frankfurt (~Heyn.~). Sie soll den meisten
Angaben zu Folge besonders im Schilf an den Rändern von Teichen
vorkommen; ich fand sie bei Biedenkopf in Menge an Grünsteinen in dem
Bette des kleinen Baches, der vom Badseifertriesch nach der Billerbach
herabfliesst, ausserhalb des Wassers; dann einzeln in einem Graben
an der Ludwigshütte. An der Dietenmühle bei Wiesbaden (A. ~Römer~
b. ~Thomae~). In Unmasse am Mainufer auf dem Boden kriechend, aber
gegen den Herbst wieder verschwindend. Im Bessunger Teich und an der
Rutzebach bei Darmstadt (~Ickrath~). An der Wickerbach oberhalb der
Flörsheimer Steinbrüche.

Ob diese beiden Arten wirklich als verschiedene Arten auseinander
gehalten werden können, dürfte trotz der von Ad. ~Schmidt~ entdeckten
Verschiedenheit der Kiefer noch nicht über allen Zweifel erhaben
sein; ich habe von ~Heynemann~ eine Form aus den Rheinwaldungen bei
Knielingen erhalten, die die Gestalt von _putris_ mit der dunklen Farbe
des Thiers von _Pfeifferi_ verband und in der Gestalt des Kiefers
ungefähr in der Mitte stand.


85. Succinea oblonga ~Draparnaud~.

Längliche Bernsteinschnecke.

Gehäuse länglich eiförmig, zugespitzt, grünlich gelb oder grau,
zart, durchsichtig, wenig glänzend; 4 Umgänge, durch eine tiefe Naht
getrennt, stark gewölbt, der erste ganz winzig, punctförmig, der letzte
sehr bauchig, doppelt so gross als das Gewinde. Mündung sehr schief,
gerundet eiförmig, aber nicht so spitz, wie bei _Pfeifferi_. Höhe 3½‴.
Breite 2‴.

Thier hellgrau, Kopf und Hals dunkler, Augen schwarz; die oberen Fühler
am Grunde verdickt, an der Spitze mit einem Knöpfchen (~Pfeiffer~), der
Kiefer trägt blos in der Mitte des concaven Randes ein Zähnchen.

Lebensweise: Scheint im ganzen weniger ans Wasser gebunden, als die
vorigen Arten. Man findet sie häufig in Gärten und an Rainen, und
zwar habe ich sie nicht nur, wie ~Bielz~ (sieb. Fauna) angiebt, an
feuchten Orten, sondern viel häufiger an trockenen sonnigen Hängen, an
der Unterseite von Steinen festklebend und meist mit Schmutz bedeckt
gefunden. Auffallend war mir die Seltenheit ausgewachsener Exemplare;
die wenigen, die ich fand, waren in Hecken und an feuchten Puncten mit
anderen Succineen zusammen, wo ich fast nie junge Exemplare fand.

Bei Dillenburg an Brückenmauern, im Grase und unter Steinen, lebend bei
Burg und Haiger, jedoch nur in wenigen Exemplaren gefunden (~Koch~).
Bei Biedenkopf allenthalben, aber immer einzeln, und fast nur junge
Exemplare. Um Frankfurt (~Heyn.~). Bei Wiesbaden im Thälchen von der
Hammermühle nach Erbenheim hin und im Nerothal (~Thomae~). Einzeln am
Mainufer.

Eine eingehende Besprechung des Vorkommens siehe im Nachr. Bl. 1871 Nr.
3.



Sechzehntes Capitel.


XIV. CARYCHIUM ~O. F. Müller~.

86. Carychium minimum ~Müller~.

Zwerghornschnecke.

Gehäuse winzig klein, mit schwachem Nabelritz, oval, fast gethürmt,
wasserhell, durchscheinend, mit einem gelblichen Schein, glänzend,
sehr fein gestreift; die 5 Umgänge sind stark gewölbt, daher die Naht
stark vertieft; Mündung eiförmig; Mundsaum zurückgebogen, mit einer
feinen, aber deutlichen Lippe belegt; Aussenrand eingedrückt und
innen mit einem zahnartigen Höckerchen; auf der Mündungswand und auf
dem Spindelrande steht je ein kleiner Zahn, von denen der letztere
bedeutend grösser, als der andere ist. Höhe 1,5 Mm., Durchm. 0,5-0,8 Mm.

Thier weiss, sehr zart, schleimig, durchscheinend; nur zwei Fühler,
die kurz, unten breit, fast dreieckig sind. Die Augen stehen hinter
denselben und sind schwarz. Kiefer nach ~Moquin-Tandon~ nur wenig
gebogen und am Rande kaum gestreift. Die Geschlechtsöffnungen sind nach
demselben getrennt, die männliche liegt vor dem rechten Fühler, die
weibliche rechts an der Basis des Halses.

Diese kleine Schnecke findet sich allenthalben an feuchten Stellen,
im Moos oder unter Holzstückchen und Steinen, mitunter fast im Wasser
mit Paludinellen und Pisidien zusammen. Ihre helle Farbe lässt sie
trotz der geringen Grösse nicht leicht übersehen werden. Nach dem Tode
wird das Gehäuse schnell trüb und undurchsichtig, in diesem Zustande
findet man es in Menge im Geniste der Flüsse und Bäche. Sie dürfte wohl
nirgends in Nassau fehlen.



Siebzehntes Capitel.

Limnaeacea, luftathmende Wasserschnecken.

Die Limnaeaceen sind sämmtlich Wasserbewohner, athmen aber wie die
Landschnecken, durch Lungen. Die Augen sitzen am Grunde der Fühler, die
entweder die Gestalt von dreieckigen Lappen oder von Borsten haben.
Das Gehäuse ist ei- oder scheibenförmig und hat niemals Falten auf der
Spindel.

Sie athmen, trotz ihres Wasseraufenthaltes, Luft, und müssen demgemäss
öfter an die Oberfläche kommen, um die Luft in ihren Athemhöhlen zu
erneuern. Auch können sie eine Zeit lang ausserhalb des Wassers
aushalten, und manche Arten thun diess sehr gern; in der Trockenheit
aber gehen sie schliesslich zu Grunde. Bei trocknem Wetter und im
Winter vergraben sie sich in den Schlamm; manche Arten verwahren dann
die Mündung ihres Gehäuses mit einem Deckel, analog dem Epiphragma der
Landschnecken. Gegen Frost sind sie ziemlich unempfindlich und können
sogar ohne Schaden einfrieren, sobald nur die Kälte nicht so stark ist,
dass ihr ganzer Körper erstarrt; sobald das Eis aufthaut, kriechen sie
wieder munter umher.

Ihre Eier legen sie in grösseren oder kleineren Mengen, von Schleim zu
einem Laich zusammengekittet, an Stengel und Blätter von Wasserpflanzen.

Von den vier europäischen Gattungen sind drei auch in Nassau
aufgefunden worden; dieselben characterisiren sich folgendermassen:

  Gewinde schraubig erhoben, rechts gewunden.

                                                       _Limnnaea_ ~Lam.~

  Gewinde schraubig erhoben, links gewunden.

                                                          _Physa_ ~Drp.~

  Gewinde scheibenförmig aufgerollt.

                                                     _Planorbis_ ~Müll.~

Die vierte deutsche Gattung, _Amphipeplea_ ~Nils.~, von _Limnaea_ durch
den mangelnden Umschlag auf der Spindelsäule und den grossen Mantel,
der für gewöhnlich das ganze Gehäuse umhüllt, unterschieden, wurde
bis jetzt noch nicht in Nassau aufgefunden; der nächste mir bekannte
Fundort ist Rinteln (~Dunker~).


XV. LIMNAEA ~Lamarck~.

Schlammschnecke.

Gehäuse mit ritzförmigem, seltener lochförmigem Nabel, eirund oder
eirund-verlängert, mit spitzem, zuweilen thurmförmigem Gewinde,
meist ziemlich, oft sehr dünn, selten stark; die Umgänge erweitern
sich sehr schnell, der letzte ist meist der bedeutendste Theil des
Gehäuses und bildet es zuweilen fast allein. Mündung der Länge nach
eiförmig, oben fast stets spitz und an der Spindelseite ausgebogen.
Mundsaum einfach, scharf, durch einen lamellenartigen Umschlag der
Spindelsäule gewissermassen zusammenhängend; Spindelsäule oft frei
hervorstehend, bogig und mit einer Falte versehen; unter dem Umschlag
der Spindelsäule bleibt oft noch ein ziemlich bedeutender Nabelritz.

Thier ziemlich dick, braungelblich bis dunkel olivengrünlich, meist
gelb punctirt, glatt; der den Mund bedeckende Lappen ist vorn
ausgerandet; die beiden contractilen Fühler sind zusammengedrückt
dreieckig; innen an ihrer Basis sitzen die Augen. Fuss keilförmig, vorn
abgestutzt, hinten spitz abgerundet. Mantel ganz eingeschlossen, mit
dunklen Flecken, die meist durch den letzten Umgang hindurchschimmern.

Der Kiefer besteht aus einem Oberkiefer, einer einfachen, ziemlich
viereckigen Hornmasse ohne Leisten oder Zähnchen, und zwei lanzett-
oder halbmondförmigen Seitenkiefern, die zu seinen beiden Seiten liegen
und durch dünne Häutchen mit ihm verbunden sind. Die Zungenplatte hat
einen durch seine Kleinheit auffallenden Mittelzahn; die Zähne des
Mittelfeldes haben jederseits einen Seitenzahn und sind meistens an
der Basis sehr breit. Die Zähne der Seitenfelder sind zackig, mitunter
handförmig. Alle sind im Verhältniss zur Länge breiter als die Heliceen
und bilden eine nur wenig nach vorn gebogene Reihe.

Die Speiseröhre ist lang und dünn und erweitert sich plötzlich zu
einem nicht grossen Magen, der durch eine Quereinschnürung in zwei
Abtheilungen geschieden ist. Der Darm enthält in seiner äusseren Haut
Ablagerungen von Kalkkörnchen und Bindegewebszellen; sonst ist sein Bau
der der Pulmonaten im Allgemeinen.

Das Nervensystem ist complicirter, als bei den anderen Gattungen;
es schieben sich zwischen die drei Ganglienpaare noch einige andere
ein, und auch die normalen Ganglien zerfallen noch einmal durch
Einschnürungen, so dass jeder Nerv aus einem besonderen Knoten zu
entspringen scheint. Die Ganglien sind roth oder bläulich.

Dass Gefässsystem bietet nichts Auffallendes; das Blut ist bläulich.

Die Athemhöhle ist gross, das Loch durch einen kräftigen Ringmuskel
verschliessbar. Die eingeschlossene Luft dient nicht nur zum Athmen,
sondern auch, um, wie die Schwimmblase der Fische, das Schwimmen zu
erleichtern. Berührt man eine an der Oberfläche schwimmende Limnäe
etwas unsanft, so lässt sie einige Luftblasen entweichen, was bei den
grösseren Arten mit einigem Geräusche geschieht, und sinkt unter.

Die Geschlechtsorgane sind einfacher gebaut, als bei den Heliceen;
Pfeilsack, Schleimdrüse, Flagellum fehlen. Die männliche
Geschlechtsöffnung liegt hinter und unter dem rechten Fühler, die
weibliche in der Nähe der Athemöffnung. Sie können sich, da diese
beiden Theile zu weit von einander entfernt sind, nicht wechselseitig
begatten, sondern nur abwechselnd; häufig findet man aber ganze Ketten
zusammenhängend, wo nur das erste und das letzte Individuum nicht
gleichzeitig als Männchen und Weibchen fungiren. Es sollen mitunter
auch ringförmig geschlossene Ketten vorkommen. ~Karsch~ hat bei
_Limnaea palustris_ eine wechselseitige, ~Bär~ bei _auricularia_ eine
Selbstbefruchtung beobachtet.

Die Eier sind von einer grossen Menge klaren Eiweisses umgeben
und durch Schleim zu länglichen, raupenförmigen oder ringförmigen
Massen zusammengeklebt, die an die Blätter von Wasserpflanzen, die
untere Blattseite der Nymphäen und dgl. abgesetzt werden. Ueber die
Entwicklung siehe den allgemeinen Theil.

Abnormitäten und Krüppel sind bei den Limnäen keine Seltenheit, wenn
schon nicht so häufig, wie bei den Planorben. Auch linksgewundene
kommen vor, doch sind meines Wissens solche in unserem Gebiete noch
nicht aufgefunden worden. Eine sehr häufige Erscheinung, fast normal
zu nennen, sind netz- oder gitterförmige Eindrücke, die über den
letzten Umgang verlaufen und sich auch bei den Planorben finden.
Ihre Entstehung ist noch sehr unklar; Eindrücke von Pflanzenwurzeln
in das frischgebaute, weiche Gehäuse können es nicht sein, da sie
continuirlich über den ganzen letzten Umgang hinlaufen, obschon
dieser gewiss nicht auf einmal gebaut wurde; auch kreuzen sich
die Gitterstreifen fast regelmässig in rechten Winkeln, was für
Pflanzenwurzeln sehr auffallend wäre. Man findet dieses Gitternetz am
häufigsten bei _L. palustris_ und _auricularia_.

Die Limnäen sind sämmtlich Wasserbewohner und bewohnen mit Vorliebe
stehende und langsamfliessende, möglichst reich mit Pflanzen bewachsene
Gewässer. Sie können ziemlich rasch kriechen, aber auch schwimmen, und
zwar schwimmen sie meistens, von der Luft in der Athemhöhle getragen,
mit dem Gehäuse nach unten so, dass die nach oben gerichtete Sohle
in einer Ebene mit dem Wasserspiegel liegt, während die Fussränder
ein wenig darüber emporragen. Es sieht dann aus, als ob sie an der
unteren Fläche der auf dem Wasserspiegel ruhenden Luftschicht kröchen.
Nie sieht man Limnäen in tieferen Wasserschichten sich in gleicher
Weise bewegen, es ist also wahrscheinlich nicht die in der Athemhöhle
befindliche Luft allein, die die Bewegung ermöglicht; vielleicht wirkt
die nach oben gekrümmte Sohle nach Art eines Nachens mit; doch schwimmt
die Schnecke auch noch, wenn man die Höhlung der Sohle mit Wasser füllt.

Die Arten der Limnäen sind sehr schwer zu unterscheiden, da es
sich des scharfen Mundsaumes wegen nur schwer bestimmen lässt,
wann sie ausgewachsen sind, und sie, wie alle Wasserschnecken, in
einem ganz anderen Masse variiren, wie die Landschnecken. Fast nie
findet man in verschiedenen Gewässern dieselben Formen, ja oft sind
sie an verschiedenen Stellen desselben Gewässers ganz verschieden,
und wer einmal anfängt Varietäten aufzustellen, kann kein Ende
mehr finden. Auffallend muss diess erscheinen, da die Planorben
verhältnissmässig nur sehr wenig variiren. In einem mir vorliegenden
Briefe ~Rossmässlers~ an Prof. Alex. ~Braun~ finde ich darüber die
Bemerkung, dass diess durch die verschiedene Art der Windungszunahme
bedingt werde. Dieselbe ist bei _Limnaea_ so rasch, dass schon die
geringfügigste Abweichung an den früheren Umgängen an der Mündung einen
bedeutenden Unterschied macht. Bei den langsam zunehmenden Planorben
ist das natürlich nicht der Fall. Dazu kommt noch, dass der Mantel der
Limnäen schädlichen Einflüssen ungleich mehr ausgesetzt ist und sich
ihnen weniger entziehen kann, als bei den Landschnecken. Man muss sich
begnügen eine Anzahl Typen statt fester Arten aufzustellen und unter
diese die einzelnen Formen so gut wie möglich unterzuordnen.

Seltene Limnäen gibt es nicht; manche Arten sind vielleicht in den
Sammlungen selten, aber wo sie vorkommen, sind sie häufig, und wenn ich
von einer Limnäe höre, dass sie nur in einzelnen Exemplaren mit anderen
Arten vorkomme, bin ich, wie bei den Unionen, immer geneigt, sie für
eine abnorme Bildung zu halten.

Die Limnäen gehören besonders stehenden Gewässern, und somit vorzüglich
der Ebene an; von den neun nassauischen Arten kommen nur drei im
Gebirge vor. Im Winter sitzen sie an geschützten Stellen ruhig fest,
kriechen aber bei wärmerem Wetter wieder umher; bei strengerer Kälte
vergraben sie sich in den Schlamm und verschliessen die Mündung mit
einem dünnen häutigen Winterdeckel. Auch im Sommer, wenn die Gräben
eintrocknen, vergraben sie sich in den Schlamm, gehen aber, wenn die
Trockenheit andauert, schliesslich doch zu Grunde.

Unsere neun nassauischen Arten lassen sich folgendermassen
unterscheiden:

  a. Gewinde klein, der Umgang sehr aufgetrieben, über ⅔ des ganzen
     Gehäuses ausmachend.

    Gehäuse genabelt, Gewinde klein, der letzte Umgang fast
    das ganze Gehäuse ausmachend; der Aussenrand der Mündung
    bildet an der oberen Einfügung mit dem oberen Theil der
    Spindel einen rechten oder spitzen Winkel.

                                               _L. auricularia_ ~Drp.~

    Gehäuse kaum geritzt, Gewinde spitz, ziemlich schlank,
    höher als bei den anderen Arten, mit sehr tief eingeschnittener
    Naht, Mündung kaum ¾ des Gehäuses ausmachend, rund eiförmig,
    oben etwas abgestutzt.

                                                _L. vulgaris_ ~Rossm.~

    Gehäuse geritzt, Gewinde klein, gerundet, plumper als bei
    den anderen Arten, Mündung eiförmig, ¾ des Gehäuses ausmachend;
    der Aussenrand bildet an der oberen Einfügung mit
    dem oberen Theil der Spindel einen stumpfen Winkel.

                                                     _L. ovata_ ~Drp.~

    Gehäuse verlängert eiförmig, mit deutlichem Nabelritz,
    Mündung länglich eiförmig, kaum ⅔ des Gehäuses ausmachend.

                                                   _L. peregra_ ~Drp.~

  b. Gewinde hoch, spitz, Mündung kaum halb so hoch, als das Gehäuse,

    aa. Der letzte Umgang nicht aufgetrieben.

      α. genabelt.

        Naht sehr tief, das Gehäuse wendeltreppenartig, klein.

                                                    _L. minuta_ ~Drp.~

      β. ungenabelt.

        Gehäuse gethürmt, Mündung aussen weiss gesäumt,
        kaum ⅓ des Gehäuses ausmachend.

                                                  _L. elongata_ ~Drp.~

        Gehäuse verlängert-eiförmig, stark, undurchsichtig,
        18-30 Mm hoch; Mündung weniger als ½ der Höhe.

                                                 _L. palustris_ ~Drp.~

        Gehäuse verlängert-eiförmig, dünn, durscheinend, 10-15
        Mm. hoch; Mündung weniger als ⅓ der Höhe.

                                                  _L. fusca_ C. ~Pfr.~

    bb. der letzte Umgang stark aufgetrieben.

      Gewinde hoch, spitz, sehr schlank, die Mündung über
      ½ des Gehäuses; Gesammthöhe 30-40 Mm.

                                                     _L. stagnalis_ L.


87. Limnaea auricularia ~Draparnaud~.

Ohrförmige Schlammschnecke.

Taf. IV. Fig. 4. 5. 8.

Gehäuse genabelt, aufgetrieben blasenförmig, dünn, durchscheinend,
ziemlich glänzend, gelblichgrau, faltenstreifig bis fast ganz glatt,
oft mit krankhaften gitterförmigen Eindrücken, die dem Gehäuse ein
narbiges Ansehen geben. 4-4½ Umgänge, von denen der letzte fast allein
das Gehäuse bildet; die ersten bilden ein kurzes, spitzes, aber
stets frei und ziemlich stark hervortretendes Gewinde von 3-4 Mm.
Höhe. Mündung sehr erweitert, gross, eiförmig gerundet, oft beinahe
halbkreisförmig, oben stumpfwinkelig, an der Spindelseite durch die
Krümmung der Spindelsäule stark bogig. Mundsaum zusammenhängend; der
obere Rand bildet mit der oberen Hälfte der Spindel einen rechten
oder selbst spitzen Winkel, nie einen stumpfen, und inserirt sich
etwa in der Mitte des vorletzten Umganges ausserhalb einer Linie, die
man senkrecht von der Spitze nach dem unteren Ende der Spindel zieht.
Spindelrand zurückgebogen, gerade, und eine ziemlich lange Nabelrinne
bildend, unten in einem Bogen mit dem sehr erweiterten, etwas auswärts
stehenden, innen oft eine seichte Rinne bildenden Aussenrande
verbunden. Der Rand zeigt eine bedeutende Neigung, sich nach aussen
umzulegen. Grösse sehr wechselnd; mein grösstes Exemplar ist 32 Mm.
hoch.

Thier graugelblich mit gelben Puncten, der Mantel mit dunkleren
Flecken, die durch das Gehäuse durchscheinen.

Ich habe vorstehend die Diagnose der Schnecke gegeben, die ich mit
~Hartmann~ (Erd- und Süsswassergastropoden, I p. 63, Taf. 16) für die
ächte _auricularia_ halte, abweichend von ~Rossmässler~, dessen Form
ich nur für eine Varietät halten kann, die freilich das Ueberwiegen
der Mündung über die Umgänge in noch höherem Grade zeigt. Es ist die
von ~Hartmann~ als _var. ampla_ beschriebene Form, deren Gewinde ganz
kurz, höchstens 2 Mm. lang ist; der Mundrand inserirt sich fast in
der Mittellinie und zwar an der Naht zwischen dem zweiten und dritten
Umgang; er steigt von da nach oben, so dass er das Gewinde bedeutend
überragt, und zeigt eine grosse Neigung, sich flach nach aussen
umzulegen und selbst zurückzubiegen, so dass hinter ihm eine Rinne
entsteht; die Spindelsäule zeigt nicht die starke Biegung, wie bei der
Stammform, sie ist vielmehr fast ganz gerade und hat nur eine schwache
Spindelfalte. _L. ampla_ zeigt schon in früher Entwicklungszeit ihre
characteristische Form und könnte vielleicht mit Fug und Recht als
eigene Art abgetrennt werden.

Bildet sich diese Form noch weiter aus, so erscheint das Gewinde
vollkommen eingesenkt und ist von vornen her durchaus nicht sichtbar;
der Spindelumschlag tritt von dem Gehäuse los und steigt senkrecht in
die Höhe, so dass sich der Aussenrand oberhalb der Spitze und häufig
noch über der Mittellinie drüben ansetzt. ~Hartmann~ beschrieb diese
schöne Form als _L. ~Monnardi~_.

Beide Varietäten finden sich zusammen in den schlammigen Buchten des
Mains sehr häufig, doch _Monnardi_ seltener, als _ampla_; ebenso
am Rhein. Sie kriechen träge an Steinen und im Schlamme umher,
seltener an Wasserpflanzen, etwa noch am ersten an den Dickichten
von _Ceratophyllum_; nie habe ich sie, wie _stagnalis peregra_ und
_palustris_ und auch die Normalform, herumschwimmen sehen. Sie scheinen
nur von Algen zu leben und rühren gesunde Wasserpflanzen nicht an. Die
Durchschnittsgrösse dürfte für den Main 20-24 Mm. sein; aus dem Rhein
erhielt ich durch Herrn ~Ickrath~ Exemplare bis zu 36 Mm. Höhe, aber
dafür flacher, als ich jemals ein Exemplar im Main gefunden. In den
kleineren Flüssen unseres Gebietes scheint sie zu fehlen; doch fand ich
auch in der Wickerbach oberhalb Flörsheim schöne Exemplare.

Die Normalform scheint ihre vollkommene Entwicklung nur in grösseren,
ganz ruhigen, nicht zu stark verwachsenen Teichen zu erreichen. Das
auf Taf. IV. Fig. 4 abgebildete Exemplar erhielt ich mit ca. 100 ganz
gleichen aus einem fast ausgetrockneten Teiche bei Darmstadt. Aehnlich
wird sie wohl auch noch an anderen Puncten in unserem Gebiete vorkommen.

Einen Uebergang von der Normalform zu der _var. ampla_ bildet Taf.
IV. Fig. 8, die häufigste Form in dem oberen Lahnthal, namentlich im
Breidenbacher Grund, von wo auch das abgebildete Exemplar stammt. In
dem harten, schnell fliessenden Wasser ist das ganze Gehäuse fester
und dicker geworden, das meist angefressene Gewinde ragt weniger weit
hervor, der Mundsaum kann sich nicht weit ausbreiten oder gar umlegen,
er verliert seine regelmässige Rundung und bildet nach oben und aussen
einen Winkel und das ganze Thier ist unscheinbarer geworden. Fast
immer findet man auch bei dieser Form das Gitternetz stark entwickelt,
so dass das Gehäuse ganz mit dunklen, quadratischen Flecken bedeckt
erscheint. Ich halte diese Form für die _var. ~angulata~_ ~Hartmann~.

Eine andere Form, die ich leider nicht mit abbilden konnte, fand ich
in einigen Exemplaren im Sande des Mains nach den Hochfluthen des
Winters 1869-70, allem Anschein nach aus einem ruhigen, klaren Gewässer
weiter oberhalb herbeigeschwemmt. Sie ist ungeheuer aufgetrieben,
die Umgänge fast so stark gewölbt, wie bei _Paludina vivipara_,
dabei fast vollkommen durchsichtig und nur ganz fein gestreift; der
Mundsaum ist einfach, scharf, nicht umgebogen. ~Hartmann~ hat diese
Form _~ventricosa~_ genannt. Vermuthlich stammt sie aus der Gegend
von Hanau; wenigstens sah ich bei ~Heynemann~ ein ähnliches, dort
gesammeltes Exemplar. Aehnlich gestaltete, aber weniger durchsichtige
Exemplare finden sich mitunter im Main lebend.

An sie schliesst sich eine Form an, die ich, wie so manche andere
schöne, Herrn ~Dickin~ verdanke, aber leider erst nach Beendigung
der Tafeln erhielt. Sie nähert sich in der Form dem _L. ampullaceus_
~Rossm.~, den ich für die correspondirende Varietät von _ovata_
halte, ist aber durch das spitze Gewinde als Form von _auricularia_
characterisirt; besonders ausgezeichnet ist sie durch die auffallend
starke, fast faltenartige Rippenstreifung. Im Museum zu Frankfurt war
sie als ~_L. costellatus_ Mus. franc.~ bezeichnet. Sie stammt aus dem
Main bei Sachsenhausen.

Leider besitze ich zu wenig Material aus unserem Gebiete, um genau
die Verbreitung der einzelnen Formen in unserem Lande anzugeben, und
muss mich begnügen, die Fundortsangaben meiner Vorgänger anzuführen.
Hoffentlich habe ich später einmal Gelegenheit, die nassauischen
Limnäen eingehender zu bearbeiten.

In den Festungsgräben bei Castel und Mainz, in den Buchten des Mains
und Rheins (~Thomae~). Im Braunfelser Weiher und in der Lahn bei
Weilburg (~Sandb.~). In dem nun ausgetrockneten Weiher der Schelder
Hütte (~Koch~). Um Marburg und Giessen. Wahrscheinlich findet sie sich
noch an mehr Puncten, denn es ist unmöglich, anzugeben, welche von
den als _vulgaris_ aufgeführten Formen hierhergehören. Ich werde bei
_ovata_ näher darauf eingehen.


88. Limnaea ovata ~Draparnaud~.

Eiförmige Schlammschnecke.

Taf. IV. Fig. 6. Taf. VIII. Fig. 2.

Gehäuse geritzt, eiförmig, immer höher als breit, zart, durchscheinend,
horngelblich, ziemlich glänzend, fein und schwach gestreift; von den
4-5 schön gewölbten, durch eine stark bezeichnete Naht vereinigten
Umgängen ist der äusserste bauchig aufgetrieben, die übrigen bilden
ein kurzes Gewinde, kürzer als bei den typischen _auricularia_, aber
bei weitem stärker und gerundeter, gedrungener. Mündung eiförmig,
~oben spitz~, unten breit, an der linken Seite leicht ausgeschnitten;
Mundsaum einfach, scharf, etwas auswärts gebogen, doch bei weitem
weniger, als bei _auricularia_, und nie so ganz umgelegt. Spindelrand
mehr senkrecht, Columellarfalte meist ziemlich unmerklich; der
Umschlag lässt noch eine ziemlich bedeutende Nabelspalte offen. Grösse
erreicht nur selten die der vorigen, die Höhe überschreitet gewöhnlich
nicht 10-12 Mm. Durch Herrn ~Dickin~ erhielt die Normalsammlung der
malacologischen Gesellschaft freilich Exemplare von 27 Mm.; ähnliche
sammelte ~Ickrath~ in Menge bei Sossenheim. Nicht selten kommen,
besonders im Gebirge, zwerghafte Formen von nur 3-4 Mm. Höhe vor und
werden solche mitunter für _minuta_ genommen.

Thier dem von _auricularia_ sehr ähnlich, doch mehr einfarbig grau und
weniger lebhaft gefleckt, der Fuss ringsum lappig gekerbt.

Diese Art variirt nicht minder stark, als _auricularia_, und es kommen
Formen genug vor, die man nicht ohne Willkür herüber oder hinüber
bringen kann. Noch schlimmer ist es nach _vulgaris_ hin. Dennoch
kann ich mich nicht entschliessen, die drei Formen zu einer einzigen
Form zusammenzuziehen, da jede wieder ihren Varietätenkreis hat und
die Varietäten mitunter correspondirende sind. So kommt von _ovata_
eine stark aufgetriebene Form in stillen Teichen vor, die sich zu der
Grundform ebenso verhält, wie _ventricosa_ ~Hartm.~ zu _auricularia_,
und ähnlich auch eine Form die man mit _ampla_ vergleichen kann.

Im Laufe dieses Sommers, nachdem der Druck der Tafeln und mein
Manuscript grösstentheils abgeschlossen war, erhielt ich durch Herrn
~Dickin~ noch zwei äusserst interessante hierhergehörige Formen.
Die eine ist die ächte ~_ampullacea_ Rossm.~; das mir vorliegende
Exemplar könnte als Original zu ~Rossmässlers~ Fig. 114 gedient
haben. Die andere ist eine weitere Ausbildung der auf Taf. VIII. Fig.
2 abgebildeten, schon durch das hohe Gewinde auffallenden Form, mit
stark aufgetriebenem, dünnen, durchsichtigen, stark gestreiftem, sehr
zerbrechlichem Gehäuse; das grösste Exemplar misst 28 Mm. Höhe, die
Mündung 20 Mm., das Gewinde also fast ⅓ der Gesammthöhe. Ich nenne
diese Varietät nach ihrem Entdecker _var. ~Dickinii~_. Sie kommt mit
_ampullacea_ zusammen in Wiesengräben bei Sachsenhausen vor; auch aus
der Umgebung von Bockenheim erhielt ich jüngere Exemplare, die schon
deutlich den Typus dieser Varietät zeigten.

Vorkommen. In Gräben und Teichen, weniger in Flüssen. Im Main habe ich
sie nie beobachtet[10]. In fast allen Bächen, zumal in den Mühlteichen
(~Thomae~). In der Weil bei Weilburg (~Sandb.~). In der Aubach bei
Dillenburg, selten (~Koch~). Sehr schön in den Wiesengräben bei
Frankfurt und auch sonst in der Mainebene. Bei Erfelden im sog. Ried.
Die Zwergform bei Breidenbach, Kr. Biedenkopf. Die stark aufgetriebene
Form (Taf. VIII. Fig. 2) in Wiesengräben bei Sachsenhausen (~Dickin~).
Eine Varietät, die an _Succinea putris_ erinnert, sammelte ~Ickrath~ in
Menge bei Mönchbruch.


89. Limnaea vulgaris ~Rossmässler~.

Gemeine Schlammschnecke.

Taf. VIII. Fig. 3.

Gehäuse kaum bemerkbar geritzt, eiförmig, ziemlich bauchig, dünn,
feingestreift, hornfarbig, durchscheinend, glatt; der letzte der 4-5
Umgänge setzt sich den übrigen nicht so deutlich als Bauch entgegen,
wie bei _auricularia_ und _ovata_; Gewinde spitz und schlank, wie bei
_auricularia_, aber weit höher ausgezogen, 3-5‴ hoch, nicht so plump,
wie bei _ovata_; Naht sehr tief eingeschnitten, was dem Gehäuse fast
das Ansehen einer Scalaride gibt. Mündung eiförmig, oben abgestutzt,
sonst regelmässig und nur an der Spindelseite ein wenig durch die
Spindelfalte ausgebogen, nicht ganz ¾ der ganzen Höhe ausmachend.
Mundsaum geradeaus, einfach; an seinem oberen Ansatz, der immer weit
tiefer unter der Naht liegt, als bei _auricularia_, bildet er anfangs
einen rechten Winkel mit der Spindelsäule, wendet sich aber dann, wie
bei _auricularia_, rasch in einem fast rechten Winkel nach unten; bei
alten Exemplaren legt er sich eher nach innen, als nach aussen um.

Thier gelblichgrau mit kleinen gelblichweissen Puncten besät.

_L. vulgaris_ ist wahrscheinlich die Form unter den Limnäen, über die
am meisten Unklarheit herrscht; gewöhnlich dient sie als Rumpelkammer,
in der man alle Formen unterbringt, die man zu keiner der beiden
anderen bringen kann. _L. vulgaris_ C. ~Pfeiffer~ ist, wie schon
~Rossmässler~ nachgewiesen, nur eine junge _auricularia_ und desshalb
ganz aus der Reihe der Arten zu streichen. Dagegen ist _vulgaris_,
wie ihn ~Rossmässler~ unter Fig. 53 der Iconographie beschreibt,
entschieden eine gute und scharf characterisirte Art; die Höhe des
Gewindes und die Richtung des Mundsaumes unterscheiden ihn leicht von
_auricularia_, das schlanke Gewinde von dem plumperen _ovata_. Leider
ist Fig. 53 nicht von ~Rossmässler~ selbst lithographirt und lässt alle
möglichen Deutungen zu; auch in der Diagnose vermisse ich die Betonung
der tief eingeschnittenen Naht, die unsre Form alsbald auffallen lässt.
Wirklich habe ich mich auch nachträglich an den Originalexemplaren
der ~Rossmässler~schen Sammlung von der Richtigkeit meiner Ansicht
überzeugen können.

Demnach glaube ich diese Form entschieden als die von ~Rossmässler~
gemeinte Schnecke ansehen zu müssen, auch der schlanken Spitze und der
Glätte des Gehäuses wegen, das nur selten mit Schlamm überzogen ist und
fast nie die gitterartigen Eindrücke zeigt, die bei _auricularia_ fast
Regel sind. Auch diese Art ist variabel, wie alle Limnäen und es finden
sich Uebergänge nach allen Richtungen hin, sowohl nach _auricularia_
und _ovata_ als auch ganz besonders nach _peregra_ hin. Hier ist es in
der That nicht möglich eine Gränze zu ziehen, und die auf Taf. VIII.
Fig. 4 und 5 abgebildete Form kann ich nicht anders bezeichnen, als
wie sie auch in der ~Rossmässler~schen Sammlung bezeichnet war, als
_peregro-vulgaris_. Aber soll man desshalb alle die vier Arten zu einer
zusammenwerfen, in der man dann doch die vier Haupttypen nebst ihren
Varietätenreihen unterscheiden muss? Ich denke, nein! denn dann muss
überhaupt aller Artunterschied aufhören.

Was das Vorkommen unserer Art anbelangt, so kenne ich sie mit
Sicherheit nur aus der Salzbach bei Wiesbaden und aus mehreren Gräben
der Mainebene um Frankfurt, besonders characteristisch und schön aus
einem Graben in der Nähe des Offenbacher Bahnhofs (~Dickin~). Im oberen
Lahnthal kommt sie nicht vor. Was von den als _vulgaris_ angeführten
Formen hierher und was zu _auricularia_ und _ovata_ gehört, kann ich
natürlich nicht entscheiden; ich glaube aber kaum, dass die ächte
_vulgaris_ sehr verbreitet ist.


90. Limnaea peregra ~Draparnaud~.

Wandernde Schlammschnecke.

Taf. IV. Fig. 12.

Gehäuse ungenabelt oder mit einem deutlichen Nabelritz, verlängert
eiförmig, spitz, etwas bauchig, ziemlich dünn, fein und dicht
gestreift, hornbraun, rostgelb oder rostroth, in eisenhaltigen Quellen
und Gräben wohl auch schwarz, mattglänzend oder glanzlos. Von den
4-5, durch eine tiefe Naht vereinigten Umgängen ist der letzte viel
grösser, als das Gewinde, doch nicht in dem Masse wie bei _auricularia_
und _ovata_. Gewinde ziemlich kurz, spitz, oft der Wirbel oben
abgebrochen oder angefressen, in kohlensäurereichen Quellen oft auch
der letzte Umgang; die defecten Stellen sind aber immer durch eine Lage
Perlmuttersubstanz wieder ausgebessert. Mündung spitz eirund, oben
allmählich verschmälert. Mundsaum innen meist mit einer deutlichen
weissen Lippe belegt. Spindelrand halb so lang, als der Aussenrand.
Nabel oft ganz fehlend, oft auch noch als ein Ritz vorhanden. Höhe
wechselnd; meine grössten nassauischen Exemplare sind 18 Mm. hoch, die
meisten 12-14. Die grösste Form, die ich überhaupt besitze, aus einem
Teiche bei Ebersbach in der Lausitz, ist 23 Mm. hoch.

Thier gelbgrau, Augen schwarz mit weissen Pünctchen umgeben; Mantel
immer kaltgrau mit dunkelgrauen oder schwärzlichen Flecken, nie braun
oder gelblich. Sohle bei manchen Exemplaren hellgrau, fast weiss,
bei anderen ganz dunkelgrau, fast schwarz. Beide Formen fand ich nie
zusammen, konnte aber bis jetzt einen Unterschied weder im Gehäuse noch
in den anatomischen Verhältnissen finden.

Diese Form variirt sehr; selten gleichen sich Exemplare von
zwei Fundorten ganz. Doch fehlt es auch hier noch an genügenden
Untersuchungen, und, mir wenigstens, an genügendem Material, um
haltbare Varietäten aufstellen zu können. Im Allgemeinen lassen
sich zwei Hauptformen unterscheiden, die eine bauchiger, mit kurzem
niedrigem Gewinde und ziemlich dickschalig, die andere schlanker mit
längerem, spitzem Gewinde und dünnschaligem, weniger aufgetriebenem
Gehäuse. Erstere Form gehört mehr dem Gebirge, letztere mehr der Ebene
an, und nur bei ersterer habe ich bis jetzt Decollation und Cariosität
beobachtet. Sie ist im Gebirge um Biedenkopf die herrschende, und nur
an einem Puncte, in einem schlammigen Graben bei Elmshausen, fand ich
bis jetzt die schlankere Form, die dagegen im Mainthal die herrschende
zu sein scheint. Sie wurde von ~Hartmann~ _var. ~excerpta~_ genannt.
Von dieser Schnecke hat sich seit O. F. ~Müller~ und ~Voith~ die
Sage erhalten, auf die auch ihr Name hindeutet, dass sie nämlich im
Winter das Wasser verlasse und auf Bäume steige. Es ist diess bereits
durch ~Hartmann~ widerlegt worden. Im Gebirge um Biedenkopf habe ich
_peregra_ im Winter sehr häufig gesammelt; sie zog sich aus den Bächen
in die Quellen zurück und sass dort im Wasser an den Stengeln und
Wurzeln der perennirenden Wassergewächse; immer habe ich sie munter,
nie mit zugedeckeltem Gehäuse gefunden. Ob sie sich in Gräben, in deren
Nähe keine Quellen sind, im Winter in den Schlamm gräbt und eindeckelt,
kann ich nicht sagen; ich habe sie auch an solchen Puncten schon sehr
frühe im Frühjahr munter gefunden. Im Sommer dagegen graben sie sich in
den Schlamm ein, wenn ihre Wohnstätten austrocknen; ich fand abgelegene
Pfützen, die in jedem Sommer austrocknen, ganz von ihnen erfüllt; doch
gehen in jedem Sommer eine Menge zu Grunde.

Sie steigt hoch in die Gebirge hinauf und scheint das kalte
Gebirgswasser entschieden vorzuziehen. In unserem Gebiete findet
sie sich allenthalben, so dass es unnöthig ist, specielle Fundorte
anzugeben. Besonders schöne Exemplare fand ich in einer Quelle im
Pferdsbach bei Biedenkopf; ähnliche erhielt ich aus einer Pfütze im
Röder Wäldchen durch Herrn ~Dickin~.

Stark angefressene Exemplare erwähnt A. ~Römer~ aus einem Tümpel an
der Platte. Ich fand solche in allen Graden in den Bergquellen des
Hinterlandes; an manchen Exemplaren besteht die ganze Schale ausser
einem schmalen Streifen an der Mündung nur aus Perlmuttersubstanz und
fehlt fast das ganze Gewinde.


91. Limnaea minuta ~Draparnaud~.

Kleine Schlammschnecke.

_Syn._ _L. truncatula_ ~Müll.~

Gehäuse genabelt, oval-conisch, dünn, nicht sehr glänzend, gelblichgrau
oder hellhornbraun, fein gestreift; fünf, zuweilen sechs stark
gewölbte, durch eine tiefe Naht wendeltreppenartig abgesetzte
Umgänge; der letzte, sehr bauchige, ist etwas bedeutender, als das
conisch-spitze Gewinde. Mündung eirund, oben nur leicht stumpfwinkelig;
der Umschlag der Columelle tritt nach unten bald los, wodurch ein
deutlicher Spindelrand gebildet wird und ein deutliches Nabelloch
bleibt. Höhe 3-6 Mm., Breite 2-3 Mm.

Thier dunkelgrau, Sohle heller, Augenpuncte schwarz; Fühler kurz, sehr
zusammengedrückt, durchscheinend.

Man kann, wenn man will, eine _var. major_ und eine _var. minor_
unterscheiden, letztere die in kalten Quellwässern, erstere die in der
Ebene häufigere Form.

Diese kleinste Limnäe ist in unserem Gebiete noch verbreiteter wie
_peregra_, da sie ebenfalls im Gebirge bis zu den Quellen emporsteigt
und sich mit Vorliebe in kleinen Gewässern, besonders in den
Bewässerungsgräben der Wiesen findet. Nicht selten findet man sie auch
ausserhalb des Wassers an feuchten Mauern. Immer lebt sie gesellig.
Besonders schöne grosse Exemplare um Frankfurt am Sandhof und an der
Grüneburg (~Dickin~).


92. Limnaea elongata ~Draparnaud~.

Längliche Schlammschnecke.

_Syn._ _L. glaber_ ~Müll.~, _leucostoma_ ~Lam.~

Gehäuse ohne Nabelritz, gethürmt-verlängert, dünn, durchscheinend,
sehr fein gestreift, gelblich, des Kothüberzugs wegen aber fast
überall braun oder schwarz erscheinend. Die 7-8 durch eine tiefe
Naht vereinigten Umgänge nehmen nur sehr allmählich zu, so dass der
letzte kaum grösser ist, als der vorletzte und der drittletzte, was
dem Gehäuse ein ganz vom Limnäencharacter abweichendes Ansehen gibt.
Mündung auffallend klein, bedeutend weniger als ⅓ des Gehäuses
ausmachend, elliptisch-eiförmig, oben spitz; Mundsaum am Aussenrande
innen stets mit einer schwachen, aber deutlichen weissen Lippe belegt.
Höhe 9-10 Mm., Breite 3-4 Mm.

Thier dunkelstahlgrau, Fühler hellgrau, durchscheinend, Augen schwarz.

Diese Schnecke, die eher einem Bulimus, als einer Limnäe gleicht,
kommt in unserem Gebiete nur im Mainthal vor, wo sie auch zuerst in
Deutschland von C. ~Pfeiffer~ in einem Graben zwischen Bürgel und
Mühlheim gefunden wurde. Soviel mir bekannt findet sie sich nur auf
dem linken Mainufer im Bereich des Frankfurter Waldes in den meisten
Gräben bis nach Schwanheim hin; auch bei Mönchbruch (~Ickrath~).
Eine auffallend lange, 12-14 Mm. lange Form entdeckte ~Dickin~ im
Königsbruch im Frankfurter Wald.

~Thomae~ führt _elongata_ auch aus Wiesengräben um Idstein an; an den
Originalexemplaren im Wiesbadener Museum habe ich mich aber überzeugt,
dass es _fusca_ ist.


93. Limnaea palustris ~Draparnaud~.

Sumpf-Schlammschnecke.

Gehäuse ungenabelt, eiförmig-länglich, ziemlich stark, horngrau, meist
mit einem blaugrauen Schmutzüberzug, dicht, aber fein gestreift,
oft mit den gitterartigen Eindrücken. 7 Umgänge, der letzte wenig
bauchig, kleiner als das Gewinde, das stark und gewölbt, nie, wie bei
_stagnalis_, spitz ausgezogen ist. Mündung spitz-eirund, kürzer als
die halbe Länge des Gehäuses, inwendig dunkel violettbraun mit einer
breiten, dunklen, fast nicht erhabenen Lippe. Umschlag fest auf der
Columelle aufliegend, nur selten eine Spur von einem Nabelritz lassend.
Höhe 12-18 Mm., Breite 4-10 Mm.

Thier grünlich schwarzgrau, etwas ins Violette spielend. Sohle am
dunkelsten, der ganze Körper mit gelben Pünctchen bedeckt.

Diese Form variirt noch stärker als _peregra_ und man kann zahllose
Varietäten davon unterscheiden. Zunächst eine riesenhafte, dickschalige
Form, 20-28 Mm. hoch, 9-12 Mm. breit, mit dickschaligem, stark
geripptem Gehäuse und stets mit starken netzartigen Zeichnungen, nur in
Teichen und grösseren Sümpfen vorkommend, _var. corvus_ ~Gmel.~ Dann
eine kleinere, dünnschalige Form aus kleineren fliessenden Gräben, ohne
Gitterzeichnung und sehr fein gestreift. Man bezeichnet diese Form
gewöhnlich als _fusca_ C. ~Pfeiffer~, und wenn dies richtig ist, kann
_fusca_ von _palustris_ nicht getrennt werden. Ich möchte aber _fusca_
für die nachfolgende Form in Anspruch nehmen, die ich für specifisch
verschieden von _palustris_ halte, und die jetzt bald als _fusca_,
bald, wenn auch irrthümlich, als _elongata_ genommen wird.

In den Gewässern der Ebene, besonders in Teichen und den Altwassern der
Flüsse. Beim Turnplatz und auf der Ingelheimischen Aue bei Biebrich
(~Thomae~). Im Metzgerbruch, im Steinbruch; cariöse Exemplare bei
Bockenheim (~Dickin~). In der alten Nied bei Höchst, wo ich Exemplare
von 40 Mm. Höhe fand; in den Sümpfen und Gräben im Ried. Die kleinere,
gewöhnlich _fusca_ genannte Form in allen Gräben des Frankfurter
Waldes. In mehreren Teichen um Darmstadt (~Ickrath~).


94. Limnaea fusca C. ~Pfeiffer~?

Bräunliche Schlammschnecke.

Gehäuse ungenabelt, ziemlich dünn und durchscheinend, hornbraun,
wenig glänzend, dicht und mitunter deutlich gestreift, meist, doch
nicht immer, ohne die Gitternarben von _palustris_. 6-7 nicht sehr
rasch zunehmende Windungen, die letzte weniger aufgetrieben, als
bei _palustris_, desshalb das ganze Gehäuse viel schlanker. Mündung
kaum ⅓ des Gehäuses einnehmend, spitzeiförmig, nur wenig durch die
Mündungswand eingedrückt, Spindelsaum fest anliegend, die Falte weniger
vortretend, wie bei _palustris_, die violette Lippe im Inneren habe ich
bei keinem Exemplar beobachtet. Höhe 12-18 Mm., Breite 5-7 Mm.

Thier wie bei _palustris_.

Wie schon bei voriger Art erwähnt, ist das Recht dieser Art auf den
~Pfeiffer~’schen Namen durchaus nicht unbestreitbar, da seine Abbildung
trotz der schlanken Form die dunkle Lippe in der Mündung zeigt, und
auch seine Beschreibung auf die kleinere Form von _palustris_ passt.
Unsere Art kann aber unmöglich zu _palustris_ gehören; sie steht
zwischen dieser und _elongata_ mitten inne, und ich habe sie öfter
als _elongata_, wie als _fusca_ erhalten. Aber die Abneigung, das
Namenchaos der Limnäen noch mit einer Art zu vermehren, bringt mich zu
dem Entschluss, den ~Pfeiffer~’schen Namen vorläufig beizubehalten und
auf unsere Art zu beschränken.

Was das Vorkommen anbelangt, so kann ich über die älteren Angaben
natürlich nichts sagen; nur die von ~Thomae~ über _L. elongata_,
„Wiesengräben bei Idstein“, gehört sicher hierher. Auch die von
~Speyer~ erwähnte _var. elongata_ von _fusca_ dürfte hierhergehören,
wenigstens sah ich bei D. F. ~Heynemann~ Exemplare die er von Herrn A.
F. ~Speyer~ als _elongata_ ~Drp.~ erhalten hatte. Ich selbst sammelte
sie in den Gräben des Frankfurter und Schwanheimer Waldes nicht selten.

Wiederholen will ich noch einmal, dass ich diese Form von sehr
verschiedenen Puncten als _L. elongata_ ~Drp.~ erhalten habe, aber
stets nur von solchen, wo diese selbst nicht vorkommt; denn wenn man
beide neben einander hat, ist eine Verwechslung mit der Bulimusartigen
_elongata_ nicht mehr möglich; die Enge der Mündung und die geringe
Verschiedenheit des letzten und des vorletzten Umganges lässt sie nicht
verkennen.


95. Limnaea stagnalis ~Müller~.

Grosse Schlammschnecke.

Gehäuse ungenabelt, gestreckt-eirund mit mehr oder weniger thurmförmig
ausgezogenem, schlankem, in eine scharfe Spitze auslaufendem Gewinde,
gelblich hornfarbig, aber fast immer mit einem Kothüberzug bedeckt,
zerbrechlich, unregelmässig gestreift, auf dem letzten Umgang meist
mehr oder weniger narbig-runzelig. Von den 6-8 Umgängen ist der letzte
sehr aufgetrieben, bauchig, grösser als die übrigen zusammen, oben
mit einer stumpfen Kante und von da an oft senkrecht eingedrückt. Die
Umgänge des Gewindes sind ganz flach, das Gewinde selbst sehr schlank,
fast ausgehöhlt, mit einer sehr flachen, fast kantigen Naht. Mündung
undeutlich eirund, an der Spindelseite durch die Falte der Spindelsäule
herzförmig ausgeschnitten, unten breit gerandet. Aussenrand bogig
ausgeschweift, bei ausgebildeten Gehäusen sehr vorgezogen, selbst
umgeschlagen; der breite Umschlag der Spindel, der die beiden Ränder
verbindet, liegt dicht auf und lässt nur eine ganz unbedeutende
Nabelspalte. Von unten her kann man die ganze Spirale bis zur Spitze
übersehen und einen Draht in fast gerader Richtung bis zur Spitze
durchführen; es fehlt demgemäss die untere Naht. Höhe 40-70 Mm., Breite
22-28 Mm., doch kommen stellenweise auch viel kleinere Formen vor.

Thier schmutzig gelblichgrau bis dunkel olivengrün, mit gelblichen
Pünctchen bestreut; Sohle stets dunkler mit hellerem Rand. In
Mainlachen am rothen Hamm fand ich im Herbst 1870 ganz auffallend gelb
gefärbte Exemplare; auch die Sohle war auffallend hell mit einem
hochgelben Ring; vielleicht war hier die Nahrung Ursache, da die Thiere
nur von rothen Algen leben mussten. Bei Sossenheim in Wiesengräben fand
~Ickrath~ das Thier fast rein weiss.

Das Gehäuse variirt sehr. Am auffallendsten ist die kurze, gedrungene
Form der Schweizer Seen, fast gebaut wie _auricularia_, aber immer
sicher durch das ausgehöhlte, spitze Gewinde und die eigenthümliche
Spira erkennbar, man hat sie als _L. lacustris_ ~Studer~ unterschieden;
sie kommt nur in Seen vor und fehlt desshalb in unserem Gebiete;
dagegen haben wir die Form, welche sie an den typischen _stagnalis_
anknüpft und von ~Hartmann~ _var. media_ genannt wurde.

Ferner kann man zwei Grundformen unterscheiden, je nach dem Vorwalten
der Kante auf dem letzten Umgang oder deren Fehlen, in Folge dessen
bei der einen die Mündung viereckig, bei der anderen mehr rundlich
ist. Erstere nennt ~Hartmann~ _var. turgida_ ~Menke~, letztere
_vulgaris_ ~Leach~. Eine schlanke Form mit sehr dünnem Gehäuse ist
_var. roseolabiata_ ~Sturm~; junge Exemplare davon, vielleicht auch von
anderen Formen, veranlassten die Aufstellung einer _L. fragilis_.

~Bourguignat~, welcher aus dieser Art acht verschiedene gemacht hat,
von denen freilich drei auf Missbildungen und zwei auf unausgewachsene
Exemplare kommen, unterscheidet eine kurze, gedrungene Form als _L.
~borealis~_; sie soll besonders im Norden Europas vorkommen. Ich
erhielt Exemplare, welche seiner Abbildung vollkommen entsprechen, aber
etwas kleiner sind, durch Herrn ~Ickrath~ aus den Abflüssen kalter
Quellen bei Sossenheim, gemischt mit anderen Formen. Ihr Aufenthaltsort
sind dichtbewachsene, kleine Gräbchen mit etwa 8-9° R. Auch hier fand
ich vielfach das Thier gelb, vielleicht auch in Folge des der Art sonst
nicht zusagenden Aufenthaltsortes, an welchem sie gleichwohl sehr
häufig ist.

Eine interessante Form, die soviel mir bekannt noch nirgend beschrieben
ist, habe ich in hiesiger Gegend gefunden; es ist eine ziemlich
kantenlose Form, deren äusserer Mundsaum auffallend weit nach aussen
vorgezogen ist und sehr bedeutende Neigung zeigt, sich nach aussen
umzulegen. An ruhigen Stellen und ganz besonders im Aquarium geht die
Umbiegung so weit, dass der Rand die Aussenwand des Gehäuses berührt
und so eine 2-3 Mm. breite Hohlrinne längs des ganzen Mundsaumes
bildet; bei besonders exquisiten Exemplaren biegt er sich sogar
noch einmal weiter. Da diese Form an ihrem Fundorte ausschliesslich
und in Menge vorkommt, kann man sie nicht wohl als krankhafte Form
betrachten, sondern muss sie als ächte Varietät anerkennen, und als
solche nenne ich sie _~reflexa~_.

Als Missbildung kommen sehr lang ausgezogene Scalaridenformen mit
tiefer Naht vor.

Nur in der Ebene und besonders in grösseren Gewässern; im Gebirge
fehlt sie ganz, und im Lahnthal tritt sie erst unterhalb Limburg auf.
Im Rhein- und Mainthal ist sie dagegen allenthalben nicht selten;
so in den Festungsgräben bei Mainz und Castel (~Thomae~), im ganzen
Ried, in mehreren Teichen um Darmstadt (~Ickrath~), bei Frankfurt
(~Heynemann~, ~Dickin~), in den Lachen des Nieder Wäldchens (!);
Hanau (~Speyer~). Die _var. media_ fand Herr ~Dickin~ in mehreren
Exemplaren bei Frankfurt, sie scheint aber in den heissen Sommern
des letzten Jahrzehntes ausgegangen zu sein. Die _var. roseolabiata_
in einem Sumpfe bei Limburg (~Liebler~ bei ~Sandb.~ und ~Koch~), an
der Lamboibrücke (~Speyer~); auch hier und da in klaren Gräben der
Mainebene. Die _var. reflexa_ fand ich zuerst im Bassin des botanischen
Gartens zu Frankfurt, später in Menge in der alten Nied bei Höchst,
mit _palustris_ zusammen. In einem zum Theil durch Quellen gespeisten
Teiche vor Niederrad sind fast sämmtliche Exemplare angefressen, aber
weniger an der Spindel, als am letzten Umgang.



Achtzehntes Capitel.

XVI. PHYSA ~Draparnaud~.

Blasenschnecke.


Muntere, rasch bewegliche Thierchen mit dünnen, langen Fühlern, an
deren Grunde nach innen die Augen sitzen. Die Oeffnungen für die
Athemhöhle und die Geschlechtswerkzeuge liegen auf der linken Seite.
Mantel entweder gezackt und um den Rand des Gehäuses geschlagen, oder
einfach; der Fuss nach hinten schmal und schlank.

Gehäuse links gewunden, dünn und zerbrechlich, durchsichtig, glänzend,
ungenabelt; Mündung länglich-eiförmig, höher als breit, nach oben
verengt; Mundsaum gerade, scharf, Spindel gedreht, ohne Falten.

Sie legen durchsichtige Eier, 15-20 Stück zu einem wurmförmigen Laich
vereinigt, an Wasserpflanzen. Die irrige Angabe ~von Altens~, dass sie
dabei ihr Gehäuse verliessen, ist schon von Carl ~Pfeiffer~ widerlegt
und erklärt worden.

Die Blasenschnecken leben besonders in stehenden, reich bewachsenen
Gewässern und gehören desshalb vorwiegend der Ebene an. Im Gebirge um
Dillenburg und Biedenkopf kommen sie gar nicht vor.

Wie in ganz Deutschland kommen in Nassau auch nur zwei Arten vor,
die so verschieden sind, dass man zwei verschiedene Gattungen daraus
gemacht hat. Sie unterscheiden sich folgendermassen:

  Gewinde spitz, 6 Umgänge.

                                                       _Ph. hypnorum_ L.

  Gewinde kurz, abgestumpft, Gehäuse blasenartig aufgetrieben
  mit nur 3-4 Windungen.

                                                     _Ph. fontinalis_ L.


96. Physa hypnorum ~Linné~.

Moosblase.

Gehäuse langeiförmig mit spitzigem Gewinde, dünn, durchsichtig,
feingestrichelt, sehr glänzend, gelblich-hornfarben bis bernsteingelb;
6 Umgänge, von denen der letzte stark vergrössert ist. Mündung
spitz-eiförmig, ungleichseitig; Mundsaum scharf, der Spindelsäulenrand
etwas zurückgeschlagen, etwas ausgeschweift und schwielig,
röthlichweiss. Höhe 10-15 Mm.

Thier schwärzlich mit einfachem, ungelapptem Mantel, 8-10 Mm. lang, die
Fühler 3-4½ Mm. lang.

In Nassau bis jetzt nur an wenigen Puncten gefunden, aber dann immer
in grösserer Gesellschaft. In einem Graben an der Taunusbahn zwischen
Castel und Hochheim (~Thomae~). In einem Wiesengraben unterhalb
des Löhnberger Schlosses (~Sandb.~). Im Lamboiwald bei Hanau und
bei Bergen (~Speyer~). Im Metzgerbruch (~Heyn.~). Ich fand sie im
Hauptabzugsgraben der Schwanheimer Waldwiesen, jedoch nicht häufig. Bei
Mönchbruch (~Ickrath~).


97. Physa fontinalis ~Linné~.

Quellen-Blasenschnecke.

Gehäuse eiförmig, blasenartig aufgetrieben, blassgelblich bis
hornfarbig, glänzend, durchsichtig, sehr zart und zerbrechlich, der
Länge nach fein gestreift; 3-4 Umgänge, von denen der letzte sehr
bauchig aufgetrieben ist und fast das ganze Gehäuse ausmacht, während
die oberen ein kurzes, stumpfes Gewinde bilden. Mündung weit, länglich
eiförmig, nach oben zugespitzt, unten abgerundet; Mundsaum einfach,
scharf, geradeaus, gegen die Spindel etwas schwielig verdickt und
weisslich. Höhe 6-12 Mm., Breite 5-7 Mm.

Thier in ausgewachsenem Zustande schwärzlich violett mit
weisslichgelben Fühlern; Mantel schmutziggelb, durch zahlreiche dunkle
Puncte zierlich netzartig gezeichnet; der durchscheinende Mantel gibt
dem lebenden Thiere ein ganz nettes Aussehen. Der Mantelrand besteht
aus zwei fingerförmig geschlitzten Lappen, die das Thier für gewöhnlich
um den Schalenrand schlägt und so die ganze Schale so einhüllt, so
dass das Thier einem Schmutzklümpchen gleicht. Die Zunge ist sehr dünn
und desshalb nur sehr schwer unzerrissen zu präpariren. Sie ist vorn
zweitheilig und läuft in zwei nach Aussen gebogene Spitzen aus; der
Mittelzahn ist anscheinend aus zweien zusammengesetzt. Die Seitenzähne
sind alle gleich, sehr breit, mit 6-8 Zähnchen an einer Seite, einem
Sägeblatt ähnlich; sie stehen in schiefen Reihen, die in der Mitte in
einem sehr spitzen Winkel zusammentreffen und dadurch der Zunge ein
gefiedertes Ansehen geben. Der Kiefer ist eine schmale, dünne, in einem
Winkel gebogene Hornplatte mit undeutlicher Streifung, die bei starker
Vergrösserung durch Reihen von rundlichen Hornschüppchen hervorgebracht
erscheint.

Es gleicht diese Schnecke in ihrer Lebensweise der vorigen, findet sich
aber auch in fliessendem Wasser und ist sehr flink in ihren Bewegungen,
was sie zu einer besonderen Zierde für Aquarien, in denen sie sich sehr
gut hält, macht.

In Nassau nur wenig verbreitet. ~Thomae~ führt sie gar nicht an. Häufig
im Braunfelser Weiher (~Sandb.~). In der Umgegend von Frankfurt ist sie
nicht selten, im Metzgerbruch, in den Altwassern des Mains, wo ich sie
besonders am rothen Hamm zahlreich fand und in einem quelligen Teiche
dicht vor Niederrad. Sehr schöne Exemplare, zu denen das abgebildete
gehört, erhielt ich durch Herrn ~Wiegand~ aus Wiesenquellen bei
Sossenheim. Bei Hanau nicht selten im Lamboiwald, Bulauwald, Sumpf
hinter Rückingen; bei Dietesheim, Mühlheim, Bürgel (~Speyer~).



Neunzehntes Capitel.

XVII. PLANORBIS ~Müller~.

Tellerschnecke.


Gehäuse in eine flache, meist oben und unten vertiefte oder oben
flache und unten vertiefte Scheibe aufgerollt, so dass oben wie unten
alle Umgänge sichtbar sind. Mündung durch die Mündungswand stets mehr
oder minder mondförmig ausgeschnitten, nie kreisrund, was sie von den
Valvaten unterscheidet; Mundsaum einfach scharf, meist durch einen
flachen Wulst auf der Mündungswand verbunden, der Aussenrand stets
mehr als der Innenrand vorgezogen; daher die Mündung in Beziehung zur
Axe stets schief. Die Umgänge können stielrund, von der Seite her
bandförmig zusammengedrückt, wie bei _Pl. contortus_ sein, sind aber
meist von oben her zusammengedrückt und mehr oder weniger deutlich
gekielt.

Thier ziemlich schlank, der Kopf endet nach vorn in einen ausgerundeten
Lappen; die Fühler sind lang, borstenförmig, an der Basis etwas
verbreitert, innen neben der Basis sitzen die Augen. Fuss ziemlich
kurz, gleichbreit, vorn abgestutzt, hinten gerundet. Das ganze Thier
meistens dunkel gefärbt.

Der innere Bau gleicht im Ganzen dem der Limnäen. Der Kiefer ist
ebenfalls aus drei Stücken zusammengesetzt, aber das Mittelstück ist
im Verhältniss zu den beiden Seitenstücken weit kleiner, als bei den
Limnäen. Die Zungenzähne bilden ganz gerade Reihen über die Zungenhaut;
der Mittelzahn ist schmäler, aber nicht kürzer, als die Seitenzähne,
und fällt desshalb weniger ins Auge, als bei den Limnäen. Das Blut, das
manche Arten, z. B. der grosse _Pl. corneus_, schon bei der geringsten
unsanften Berührung von sich geben, ist röthlich. Das Nervensystem
ist, wie bei den Limnäen, gelb gefärbt, aber die Ganglien sind weniger
zahlreich.

Geschlechtsöffnung und Athemöffnung liegen auf der linken Seite,
während dem Gehäuse nach das Thier rechts gewunden ist und man
sie desshalb auch auf der rechten Seite erwarten sollte. Diese
eigenthümliche Abweichung veranlasst manche Naturforscher, die
Tellerschnecken im Gegensatz zu den Rechts- oder Linksgewundenen
als Geradeausgewundene, _Rectorsae_ zu bezeichnen. Begattung und
Entwicklung erfolgt ganz in derselben Weise, wie bei den Limnäen; die
Eier werden in ovalen Laichen abgesetzt.

Nach den Angaben von ~Ficinus~ (Zeitschr. f. d. ges.
Naturwissenschaften XXX. p. 363) zeigen die Planorben im Bau ihrer
Geschlechtstheile zwei wesentlich verschiedene Typen: die einen haben
im männlichen Glied einen durchbohrten Kalkstachel, durch welchen
das _var. deferens_ hindurchgeht, die anderen nicht. Zu den ersteren
gehören _vortex_, _leucostoma_, _contortus_, _albus_ und _spirorbis_,
zu den letzteren _corneus_, _marginatus_, _carinatus_, _complanatus_
und _nitidus_. Für die Scheidung in Unterabtheilungen scheint dieser
Unterschied nicht recht verwendbar zu sein.

Die Planorben kommen meistens mit den Limnäen zusammen vor und scheuen,
wie diese, die harten, kalten Gebirgswässer. Im Bezirk Biedenkopf fand
ich nur zwei Arten, _albus_ und _leucostoma_, und beide nicht häufig,
während die Mainebene 13 Arten beherbergt, die alle schlammigen,
bewachsenen Gräben bevölkern.

In einem Punct weichen sie aber von den Limnäen sehr ab. Während man
bei diesen, wie wir gesehen haben, kaum von „guten“ Arten sprechen
kann und sich begnügen muss, Typen mit umgebendem Variationsgebiet
aufzustellen, halten die Planorben ihren Artcharacter hartnäckig fest
und variiren kaum nennenswerth. Es ist diess eine natürliche Folge der
langsamen Zunahme der Windungen, während bei den Limnäen die rasche
Zunahme das Gegentheil bedingt.

Sehr häufig sind dagegen Abweichungen von der normalen Windungsebene,
scalare und halbscalare Formen. Man kann sicher annehmen, dass von
allen übrigen Gattungen zusammengenommen nicht soviel ganz freie
Scalariden bekannt sind, als von den kleineren Planorben. ~Hartmann~
fand einmal in einem ganz kleinen, mit Eichenlaub erfüllten Tümpel 26
mehr oder weniger scalare Exemplare von _Plan. lenticularis_. Der Grund
für diese Häufigkeit liegt in den flachen Windungen, die sich nur mit
der schmalen Seite berühren; es kann sich da leicht ein fremder Körper
dazwischen drängen und eine Abweichung verursachen. ~Hartmann~ sucht in
dem angeführten Fall die Ursache gewiss mit Recht in den Verletzungen
der neuangebauten Schalentheile durch die scharfen Ränder der
Eichblätter. Von _Pl. contortus_, dessen bandförmig zusammengedrückte
Umgänge sich mit der breiten Seite berühren, sind mir keine Scalariden
bekannt, auch nicht von _Pl. corneus_. Dagegen findet man von diesem
häufig Exemplare, die bald nach der einen, bald nach der anderen Seite
abweichen, gewissermassen hin und her schwanken und so ein sonderbar
verschrobenes Ansehen bekommen; hier ist die Berührungsfläche schon zu
gross und eine Ausgleichung kleiner Störungen leichter möglich.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit bemerken, dass auch bei den
Landschnecken Scalariden vorzüglich bei den Arten mit stielrunden
oder gekielten Umgängen, weniger oder nicht bei den von der Seite
zusammengedrückten vorkommen.

Dass man mitunter cariöse, selbst ringförmig durchbohrte Exemplare
findet, ist bereits in dem allgemeinen Theile erwähnt worden.

In unserem Bezirke kommen dreizehn Arten vor, die sich nach folgendem
Schema bestimmen lassen:

  A. Gehäuse gross, 20-30 Mm. breit, Umgänge stielrund.

                                                      _Pl. corneus_ L.

  B. Gehäuse mittelgross, 8-15 Mm. breit, mehr oder weniger flach,
     gekielt oder scharfrandig.

    a. mit echtem abgesetztem Kiel, nur 4-5 nicht ganz flache Umgänge.

      Kiel am unteren Rand der letzten Windung, nur von unten
      her sichtbar, Mündung fast rund.

                                               _Pl. marginatus_ ~Drp.~

      Kiel auf der Mitte des letzten Umgangs, von beiden Seiten
      her sichtbar, die Mündung nach aussen hin zugespitzt.

                                             _Pl. carinatus_ ~Müller~.

    b. ohne ächten Kiel, 7 ganz flach zusammengedrückte Umgänge.

                                                _Pl. vortex_ ~Müller~.

  C. Gehäuse klein, 4-6 Mm. breit.

    a. Gehäuse ungekielt.

      Umgänge 7, von der Seite zusammengedrückt, bandartig aufgerollt,
      ziemlich hoch.

                                             _Pl. contortus_ ~Müller~.

      Vier stielrunde Umgänge, der letzte nicht erweitert, innen
      mit einer weissen Lippe.

                                         _Pl. Rossmässleri_ ~Auersio~.

      Umgänge 3-4, der letzte stark erweitert mit netzartigen
      Furchen.

                                                 _Pl. albus_ ~Müller~.

      Vier Umgänge, der letzte wenig erweitert, ohne alle Sculptur.

                                                 _Pl. laevis_ ~Alder~.

    b. Gehäuse ohne ächten Kiel, aber mit einer stumpfen Kante.

      Oben concav, unten flach, 6 halbstielrunde Umgänge, der
      letzte nicht erweitert, mit schwacher Lippe.

                                              _Pl. leucostoma_ ~Mich.~

      Oben und unten concav, 5 stielrunde Umgänge, der letzte
      stark erweitert mit starker weisser Lippe.

                                             _Pl. spirorbis_ ~Müller~.

    c. Gehäuse plattgedrückt, scharfrandig, aber der Kiel nicht
       abgesetzt.

      Gehäuse oben flach, unten gewölbt, sehr klein, drei Umgänge,
      der Kiel ganz am oberen Rande des Umgangs.

                                                _Pl. cristatus_ ~Drp.~

      Gehäuse linsenförmig, von beiden Seiten gleichmässig
      zusammengedrückt, Kiel ganz in der Mitte.

                                              _Pl. complanatus_ ~Drp.~

      Gehäuse scheibenförmig, oben gewölbt, unten glatt, Kiel am
      unteren Rande des Umganges, innen 2 Querscheidewände.

                                                 _Pl. nitidus_ ~Müll.~


98. Planorbis corneus ~Linné~.

Grosse Tellerschnecke.

Gehäuse oben tief eingesenkt, unten seicht ausgehöhlt; grünlich oder
bleigrau hornfarbig, die äussere Wölbung der Umgänge am dunkelsten,
oben schwach, unten meist stark weisslich, dicht feingestreift und
daher seidenglänzend; die 5-6 ziemlich regelmässig stielrunden, oben
durch eine ausgehöhlte, unten durch eine tiefe Naht vereinigten
Umgänge nehmen reissend schnell zu, so dass die beiden ersten sehr
klein sind, der letzte Umgang ist oben etwas flach und fast stets
mit netzartigen Eindrücken versehen, mitunter wie gehämmert. Mündung
mondförmig gerundet; Mundsaum einfach, auf der Mündungswand durch eine
flache, weissliche Lage von Schalensubstanz zusammenhängend, schwarz
gesäumt, innen mit weissem Saum, dahinter der Schlund dunkelbraun. Höhe
10-12 Mm., grösster Durchmesser 30-36 Mm., kleinster 24-30 Mm.

Thier purpurschwarz, gegen das Licht wie Sammet reflectirend,
Fühlhörner sehr lang, dünn, mit verbreiterter, zusammengedrückter
Basis. Es legt mehrmals im Sommer 36-40 Eier zu flachgewölbten,
braunweissen Laichen vereinigt.

In seiner Verbreitung gleicht dieses Thier ganz der _Limnaea
stagnalis_, mit der es fast immer zusammen vorkommt. Auch es geht
nicht in die Gebirge hinauf und fehlt desshalb im ganzen Lahngebiete,
ist aber im Rhein- und Mainthal allgemein verbreitet. Im Main nur
einzeln in den durch die Uferbauten abgetrennten Tümpeln. Sehr häufig
in der Rheinebene, dem sogenannten Ried, von wo ich Exemplare erhielt,
die dem von ~Dunker~ in der neuen Ausgabe von ~Martini-Chemnitz~
abgebildeten _Pl. grandis_ durchaus nichts an Dicke nachgeben. Ich
bemerke bei dieser Gelegenheit, dass ich aus Königsberg in der Neumark
Exemplare besitze, die vollkommen so gut als Originale zu der erwähnten
Figur hätten dienen können, wie das eigentliche Original unbekannten
Fundortes in der ~Cuming~’schen Sammlung; die Art ist demnach in die
Synonymie von _Plan. corneus_ zu verweisen.

Eine sehr interessante Form findet sich im grossen Abzugsgraben
der Schwanheimer Wiesen, der schlammigen Boden und ziemlich reiche
Vegetation hat und sein Wasser aus moorigen Wiesen und einigen
Waldquellen erhält. Dieselbe ist constant flacher, als die Exemplare
aus dem Main, analog der schwedischen _var. ammonoceras_, und an den
inneren Windungen immer stark cariös, so dass manche Exemplare im
Inneren durch Verlust der Embryonalwindungen ganz durchbohrt sind;
viele hatten eine Oeffnung von 2 Mm. Durchmesser in der Mitte, ein
anderes war sogar noch an einer zweiten Stelle durchbohrt. Dabei waren
fast sämmtliche Exemplare, die ich dort sammelte, ca. 20, mehr oder
weniger abnorm gewunden, indem die Windungen an einem und demselben
Exemplar bald über, bald unter die normale Windungsebene hinausgingen.
In einigen fanden sich im letzten Umgang auch perlenartige
Perlmutterconcretionen.


99. Planorbis marginatus ~Draparnaud~.

Gerandete Tellerschnecke.

_Syn._ _Plan. complanatus_ L. (_non_ ~Drp.~), _umbilicatus_ ~Müller~.

Gehäuse mittelgross, scheibenförmig, unten fast eben, oben etwas
ausgehöhlt, hornbraun, fein aber dicht und deutlich gestreift,
daher seidenartig glänzend, mit einzelnen, entfernt stehenden
Wachsthumstreifen. Es ist meistens mit einem fest aufsitzenden, schwer
zu entfernenden Ueberzuge von schwärzlicher Farbe bedeckt; reine
Exemplare, die nach ~Hartmann~ in der Schweiz eben so häufig sein
sollen, als schwarze, habe ich nie gefunden. Die 5-6 sehr allmählig
zunehmenden Umgänge sind nach unten fast flach, nach oben stark
gewölbt, daher auch die Naht oben sehr tief, unten seicht. Der letzte
Umgang ist nicht sehr erweitert, nach unten hin durch einen deutlich
abgesetzten, fadenförmigen Kiel eingefasst, den man der ungleichen
Wölbung wegen nur von unten, nicht auch von oben sieht. Die Mündung ist
quereiförmig, nach aussen nicht zugespitzt, innen durch den Kiel auf
der Mündungswand herzförmig ausgeschnitten. Mundränder einfach, scharf,
auf der Mündungswand deutlich verbunden. Höhe 2,5 Mm., Breite 9-12 Mm.

Thier schwärzlich bis tiefschwarz, mit blässeren, bisweilen röthlichen
Fühlern; es kann sich sehr weit ins Gehäuse zurückziehen. Im Vorsommer
setzt es mehrere Laiche, jeder 10-12 Eier enthaltend, ab.

~Varietäten.~ Nicht selten findet man Exemplare, bei denen auch die
Unterseite etwas gewölbt ist, so dass der Kiel mehr in die Mitte rückt
und auch von oben her sichtbar wird. Solche Formen, die ~Jan~ als
_Plan. submarginatus_ beschrieb, werden mitunter für die folgende Art
gehalten.

In schlammigen Teichen und Gräben, an Wasserpflanzen und schwimmenden
Blättern sitzend. Im Aquarium kriecht er gern aus dem Wasser am
Glase empor und klebt sich über dem Wasserspiegel mit der Unterseite
fest. Ich weiss nicht, ob das ganz freiwillig geschieht, aber manche
Exemplare mochte ich noch so oft ablösen und ins Wasser werfen, nach
kurzer Zeit fand ich sie wieder in der alten Stellung.

Die gerandete Tellerschnecke ist weiter verbreitet, als _corneus_,
fehlt aber auch im Dillthal und im oberen Lahnthal. Dagegen findet
sie sich in den Altwassern der Ohm bei Marburg und im botanischen
Garten daselbst, vielleicht eingeschleppt, wie _Hel. arbustorum_ und
_fruticum_. Bei Giessen habe ich sie nie gesehen. Bei Weilburg nach
~Sandberger~ selten; in einem Sumpfe bei Limburg (~Liebler~). In der
ganzen Rhein- und Mainebene allenthalben gemein.


100. Planorbis carinatus ~Müller~.

Gekielte Tellerschnecke.

_Syn._ _Helix planorbis_ ~Linné~.

Gehäuse scheibenförmig, sehr zusammengedrückt, unten bis auf den
letzten Umgang ganz flach, oben eingesenkt, blass hornfarben oder
horngrau, sehr fein gestreift und daher glänzend, meistens ohne
bituminösen Ueberzug. Der letzte Umgang ist auch nach unten etwas
gewölbt, der Kiel rückt dadurch ziemlich genau in die Mitte und ist von
beiden Seiten her gleich gut sichtbar; er ist noch schärfer abgesetzt,
wie bei der vorigen Art. Die einzelnen Umgänge nehmen rascher zu als
bei _marginatus_; sie greifen an der Oberseite stärker über einander,
als an der Unterseite und scheinen dadurch oben dichter gewunden,
als unten. Naht oben tief, unten nur sehr seicht. Mündung nach
aussen zusammengedrückt und zugespitzt, innen durch den Kiel auf der
Mündungswand stark ausgeschnitten. Dimensionen wie bei _marginatus_.

Thier grau mit hellerer, durchscheinender Sohle, am Saum mit
schwärzlichen Pünctchen; Fühler bleichröthlich.

Weniger flache Exemplare, die dadurch der in der Mitte gekielten
Varietät von _marginatus_ nahe treten, nannte ~Hartmann~ _Pl. dubius_,
von ~Charpentier~ _Pl. intermedius_; durch sie wird die Unterscheidung
mitunter erschwert, so verschieden eigentlich die extremen Formen sind;
besonders häufig werden an Orten, wo der ächte _carinatus_ fehlt,
Formen von _marginatus_ dafür gehalten.

Mehr in klaren, ruhigen Gewässern, in grösseren Teichen und Seen,
in unserem Gebiete nicht sehr verbreitet. Häufig bei Marburg (C.
~Pfr.~). Nicht häufig bei Hanau im Lamboiwald, Bulauwald, den Rückinger
Schlägen, bei Mühlheim, Dietesheim (~Speyer~). In den Mainzer
Festungsgräben (~Thomae~). Hier und da in der Mainebene; in der alten
Nied bei Nied und in einer Lache an der Chaussee daselbst (!).


101. Planorbis vortex ~Müller~.

Flache Tellerschnecke.

_Syn._ _Pl. compressus_ ~Michaud~.

Gehäuse ganz flach zusammengedrückt, flacher als bei einer anderen Art,
unten ganz platt, oben etwas ausgehöhlt, durchscheinend, schmutzig
gelb, etwas glänzend, fein gestreift. Die sieben Umgänge nehmen sehr
langsam zu, sind oben etwas convex, gewissermassen dachförmig, unten
ganz platt und greifen oben mehr auf einander über, als unten, so
dass die obere Spirale enger erscheint, als die der kaum geritzten
Unternaht. Der letzte Umgang ist verbreitert und geht nach aussen
allmählig in einen scharfen, aber nicht fadenförmig aufliegenden Kiel
über, der meist unter der Mitte herläuft. Mündung lanzett-herzförmig.
Höhe etwa 1 Mm., Breite 8-10 Mm.

Thier sehr schlank, braunröthlich mit weisslichen Fühlern. Trotz seiner
Dünne ist es unschwer aus dem Gehäuse zu entfernen.

Man findet sie mit Vorliebe in den mit Wasserlinsen bedeckten Gräben
und Teichen der Ebene; aus dem Gebirge und auch aus dem unteren
Lahnthal ist mir kein Fundort bekannt; dagegen ist sie in der ganzen
Mainebene und um Mainz, sowie rheinaufwärts im Ried gemein.


102. Planorbis contortus ~Müller~.

Runde Tellerschnecke.

Gehäuse klein, scheibenförmig, aber im Verhältniss zum Umfange ziemlich
hoch, oben nur wenig eingesenkt, unten perspectivisch genabelt, braun,
sehr fein und dicht gestreift. Die sieben nur sehr wenig zunehmenden
Umgänge sind von der Seite her zusammengedrückt und sehr eng, wie ein
Riemen, aufgerollt. Mündung etwas schief, schmal, mondförmig. Höhe
1,5 Mm., Br. 4-6 Mm.

Thier braunschwarz, Fühler aschgrau, durchscheinend, an den Spitzen
wenig verdickt. Es setzt im Vorsommer 5-10 Laiche ab, die immer nur
wenige Eier enthalten.

Auch diese Art fehlt an der oberen Lahn und im Dillthal. ~Sandberger~
fand sie selten bei Weilburg, ~Thomae~ um Idstein. In der Mainebene
um Frankfurt in allen Gräben und Lachen häufig. In Gräben am Hof
Goldstein. Bei Sulzbach (~Wiegand~). Bei Hanau häufig (~Speyer~). In
einem quelligen Teiche bei Niederrad.


103. Planorbis Rossmässleri ~Auerswald~.

Rossmässlers Tellerschnecke.

Gehäuse niedergedrückt, oben etwas vertieft, unten weit ausgehöhlt,
genabelt, braungelblich, äusserst fein gestreift und daher schwach
seidenglänzend. 4 fast stielrunde Umgänge ohne Kiel oder Kante, sehr
schnell an Breite zunehmend, so dass der letzte sehr vorwaltet. Mündung
durch die Mündungswand sehr wenig mondförmig ausgeschnitten, fast
senkrecht, ziemlich gerundet, jedoch fast immer etwas gedrückt und an
dem Puncte, wo Aussenrand und Innenrand in einander übergehen, mit
einer mehr oder weniger deutlichen Andeutung einer abgerundeten Ecke.
Mundsaum mit einer starken weissen Lippe, aussen mit einem feinen,
schwarzen Saum. Höhe 1½ Mm., Br. 5 Mm.

In Gräben um Frankfurt von Herrn ~Dickin~ gefunden.


104. Planorbis albus ~Müller~.

Weissliche Tellerschnecke.

_Syn._ _Pl. hispidus_ ~Vall.~, _villosus_ ~Poir.~, _reticulatus_
~Risso~.

Gehäuse ziemlich klein, bräunlich oder grauweisslich, selten rein
weiss, sehr fein netzförmig gestreift (nicht behaart, wie manche
angeben), daher etwas rauh und nur matt glänzend, oben ziemlich flach,
nur in der Mitte etwas eingesenkt, die untere weit genabelt. Umgänge
3-4, ungekielt, gerundet, der letzte im Verhältniss zu den übrigen
auffallend erweitert, so dass ~Hartmann~ das Gehäuse nicht mit Unrecht
posthornförmig nennt, und gegen sein Ende hin fast immer frei von dem,
das übrige Gehäuse bekleidenden Schmutzüberzuge. Mündung rundlich,
nur wenig durch das Hineinragen des letzten Umganges ausgeschnitten,
weit und sehr schief. Mundsaum geradeaus, scharf, oben auffallend
vorgezogen. Höhe 1-1½ Mm., Durchmesser 4-7 Mm.

Thier sehr klein, graubräunlich mit helleren Rändern; Fühler
fadenförmig, schmutzig-gelblich.

Diese Form steigt auch in die Gebirge empor und ist desshalb allgemein
verbreitet. Einzeln findet sie sich noch in der Lahn um Biedenkopf und
höher hinauf in der Perf. Im Weiher am Steinsler Hof bei Weilburg,
bei Braunfels, in der Weil (~Sandb.~). In den Anschwemmungen der Dill
(~Koch~). Im unteren Teich des Schlossgartens zu Biebrich, in der
Wellritzbach (~Thomae~). Einzeln im Main im todten Wasser. Selten
bei Hanau im Lamboiwald, Puppenwald, Ehrensäule, nächst dem Römerbad
neben der Chaussee nach Rückingen; bei Dietesheim, Hochstadt bei der
alten Ziegelei; im Metzgerbruch bei Frankfurt; in der Teufelskaute bei
Steinheim (~Speyer~). Im Waschteiche bei Niederrad häufig.


105. Planorbis laevis ~Alder~.

Glatte Tellerschnecke.

_Syn._ _Pl. cupaecola_ ~v. Gall.~, _Moquini_ ~Req.~, _glaber_
~Jeffreys~, _regularis_ ~Hartm.~

Gehäuse niedergedrückt, beiderseits im Centrum vertieft, dünn,
durchscheinend, schmutzig hellgrüngelblich, sehr fein gestreift,
glänzend; Umgänge 4, gedrückt-stielrund, ohne Kante, ziemlich schnell
zunehmend; Mündung sehr schief, quer eiförmig-gerundet, kaum etwas
mondförmig ausgeschnitten; Mundsaum durch eine dünne aufgedrückte
Lamelle zusammenhängend, dünn, einfach. Höhe 1 Mm., Durchmesser 4 Mm.

Zunächst mit _albus_ verwandt, aber durch die Kleinheit, den Mangel
der Sculptur, sowie die geringere Erweiterung des letzten Umganges
davon genügend unterschieden. Diese erst von wenigen Fundorten bekannte
Tellerschnecke wurde nach einer gütigen Mittheilung des Herrn Professor
~Sandberger~ im Sommer 1869 durch Herrn A. ~Römer~ in mehreren
Exemplaren im Salzbach bei Wiesbaden entdeckt.


106. Planorbis leucostoma ~Michaud~.

Weisslippige Tellerschnecke.

Gehäuse scheibenförmig, niedergedrückt, oben etwas concav, unten flach,
röthlich gelb, durchscheinend, fast ganz fein gestreift, glänzend,
gewöhnlich mit einem schwärzlichen Ueberzuge bedeckt; die 6 sehr
langsam zunehmenden Umgänge sind oben sehr stark gewölbt, unten sehr
flach, der äusserste ist nur sehr wenig breiter, als der vorletzte; er
hat nach unten hin eine stumpfe Kante, auf der die Unternaht, die, wie
auch die obere, stark bezeichnet ist, hinläuft. Mündung fast gerundet,
durch die Kante aussen nur schwach eckig, ohne herzförmigen Ausschnitt,
innen mit einer schwachen, weissen Lippe. Höhe ¾-1 Mm., Br. 4-6 Mm.

Thier grau, Fühler weisslich und so lang als Kopf und Fuss des Thiers
zusammen.

Diese Form scheint in unserem Gebiet selten zu sein. ~Sandberger~ fand
sie selten in der Lahn bei Weilburg, ~Thomae~ bei Mombach. Ich selbst
fand sie nicht selten im Lahngenist bei Biedenkopf. Bei Mönchbruch
(~Ickrath~).


107. Planorbis spirorbis ~Müller~.

Gekräuselte Tellerschnecke.

Gehäuse scheibenförmig, auf beiden Seiten etwas concav, meist mehr
auf der unteren, gelblich, glatt, ziemlich glänzend, mit Ausnahme des
letzten Umganges von Schmutz bedeckt. 5 Umgänge, rascher zunehmend,
als bei _leucostoma_, stielrund, unten etwas abgeplattet, mit einer
schwachen, stumpfen Kante. Mündung gerundet, Mundsaum innen mit einer
ziemlich starken, weissen Lamelle belegt, die aussen durchscheint;
Mündungsränder auf der Mündungswand durch eine glänzende Lamelle
verbunden. Höhe ¾-1,5 Mm., Breite 3-5 Mm.

Thier roth mit braunem Kopf und Hals; Fühler hellroth, Augen schwarz.

In den Mombacher Sümpfen nicht selten (~Thomae~). Nicht selten um Hanau
an vielen Puncten (~Speyer~).


108. Planorbis cristatus ~Draparnaud~.

Kleinste Tellerschnecke.

_Syn._ _Pl. nautileus_ ~Gmel.~, _imbricatus_ ~Müll.~

Gehäuse sehr klein, ziemlich plattgedrückt, gekielt, oben fast
flach, unten offen genabelt, zerbrechlich, zart, durchscheinend,
etwas glänzend, meist aber mit Schlamm überzogen. Umgänge drei, sehr
schnell zunehmend, an den Seiten zahnartig gerippt, die Rippen oben
vorspringend, aber bei älteren mitunter ganz verschwindend. Mündung
schief, länglich rund, Mundsaum zusammenhängend, der rechte Rand
abgerundet vorgezogen, der linke seicht ausgebuchtet. Höhe 0,5 Mm.,
Breite 1-1,5 Mm.

Thier gelblichgrau. Lebt im stehenden Wasser an faulenden
Pflanzenstoffen.

In der Salzbach an der Kupfermühle, sehr selten (A. ~Römer~). Zwischen
Mombach und Budenheim (~Thomae~). In stehendem Wasser um Frankfurt
(~Heynem.~). Im Rüstersee bei Frankfurt; an der Chaussee von Hanau nach
Rückingen neben dem Römerbade links (~Speyer~).


109. Planorbis complanatus ~Draparnaud~.

Linsenschnecke.

_Syn._ _Pl. fontanus_ ~Mont.~ (_non_ ~Linné~), _Pl. lenticularis_
~Sturm~, _Pl. nitidus_ der Engländer.

Gehäuse vollkommen linsenförmig, von beiden Seiten her gleichmässig
abgeflacht und durch den scharfen Kiel in zwei Hälften getheilt, zart,
durchsichtig, sehr fein gestreift, gelblich hornfarbig. Die 4 Umgänge
greifen etwas weniger auf einander über, besonders oben, als bei der
folgenden Art, desshalb ist die Spirale verhältnissmässig grösser,
Unterseite mit deutlichem, ziemlich engem Nabelloch, Mündung spitz
herzförmig, Mundsaum einfach; Aussenrand nicht sehr vorgezogen. Höhe
1 Mm., Br. 3 Mm.

Thier graugelblich mit 2 von den Fühlern ausgehenden dunkleren Linien
über den Rücken, Augen schwarz.

An faulenden Blättern und Stengeln in stehenden Wässern. Im Salzbach
bei Wiesbaden nicht selten an Ceratophyllum (A. ~Römer~). Im
Metzgerbruch bei Frankfurt. Im Lamboiwald und an der Ehrensäule bei
Hanau (~Speyer~). In der alten Nied; in einer Lache an der Chaussee vor
Nied, aber nicht mit _nitidus_ zusammen, wie ~Rossmässler~ als Regel
angibt.


110. Planorbis nitidus ~Müller~.

Glänzende Tellerschnecke.

_Syn._ _~Segmentina lineata~_ der Engländer.

Gehäuse klein, oben gewölbt, unten ziemlich flach genabelt, gekielt,
aber der Kiel mehr nach unten gerückt, als bei voriger Art, glänzend,
durchscheinend, fein gestreift, braungelb. Die 3-4 Umgänge greifen weit
übereinander und werden durch den scharfen, aber nicht abgesetzten
Kiel in zwei ungleiche Hälften getheilt. Obernaht eine feine Spirale,
Unternaht in dem engen Nabelloch nicht sichtbar. Mündung des weit
vorgezogenen Mundsaumes wegen sehr schief, etwas schief herzförmig;
Mundsaum einfach, braun gesäumt, bogig. Im Inneren des letzten Umgangs
findet man an zwei ganz bestimmten Puncten, 2 Mm. und 3,5 Mm. von
der Mündung entfernt, das Lumen durch drei schmale, glänzend weisse
Lamellen verengt, die nur eine schmale, dreistrahlige Figur zwischen
sich lassen. Höhe 1-1½ Mm., Breite 3-4,5 Mm.

Thier schwarzbraun mit gelblichen Fühlern.

Die eigenthümlichen Verengerungen im Inneren unterscheiden diese Art
von allen anderen Planorben, und man hat sie desshalb als _Segmentina_
abtrennen wollen. ~Rossmässler~ macht schon im ersten Hefte der
Iconographie darauf aufmerksam, dass die Scheidewände, die etwas an
die Kammern der Ammoniten erinnern, immer in derselben Entfernung von
der Mündung stehen, und dass man nie mehr als zwei findet; entweder
bildet sie das Thier erst nach Vollendung des Gehäuses, dann wären die
kleineren Exemplare ausgewachsen, -- man findet aber nie Exemplare ohne
Scheidewände, -- oder es bricht sie von Zeit zu Zeit ab und baut neue
weiter vor.

In Teichen und Lachen an faulenden Rohrstengeln und Blättern, besonders
zwischen den faulenden Baumblättern am Boden; wo sie vorkommt, gemein,
aber im Gebirge ganz fehlend.

Im Bienengarten bei Nassau, selten, in den Mombacher Sümpfen
(~Thomae~). Bei Frankfurt am Sandhof, auch sonst in stehenden
Gewässern. Um Hanau nicht selten (~Speyer~). In der Alberslache bei
Schwanheim (~Ickrath~).



Zwanzigstes Capitel.

XVIII. ANCYLUS ~Geoffroy~.

Mützenschnecke.


Gehäuse napf- oder mützenförmig, mit einer kurzen je nach der Art nach
rechts oder links gewandten Spitze als Andeutung des Gewindes.

Thier die Schale ganz ausfüllend, aber sich nie aus derselben
herausstreckend, mit einer breitlappigen Oberlippe am Kopfe und
kurzen, cylindrischen, zusammenziehbaren Fühlern, an deren inneren
Seite die Augen sitzen. Fuss kurz, elliptisch. Kiefer aus mehreren
Stücken zusammengesetzt. Zunge bandförmig verlängert, die Zähnchen
alle gleichgestaltet, aber nach dem Rande hin an Grösse abnehmend, die
Reihen schräg gestellt. Athemöffnung und Geschlechtsöffnung liegen bei
der einen Art links, bei der anderen rechts, und zwar immer der Windung
entgegengesetzt. Die männliche Geschlechtsöffnung liegt hinter dem
entsprechenden Fühler, die weibliche weiter zurück, so dass sie sich
nur abwechselnd, nicht wechselseitig begatten können. Doch findet man
hier nie Ketten zusammenhängend, wie bei den Limnäen. Beim Kriechen
erscheinen nur die Fühler über dem Rande der Schale, nie der Fuss.

Man hat diese Schnecken, die ganz einer _Patella_ im Kleinen gleichen,
lange für Kiemenathmer gehalten und zu den _Cyclobranchien_ gestellt;
ihre Athmungswerkzeuge sind aber dieselben, wie bei den Limnaeen.

In neuerer Zeit trennt man die beiden bei uns vorkommenden Arten von
einander und nennt die linksgewundene Art als Gattung _Acroloxus_ oder
_Velletia_.

Sie legen 4-6 Eier auf einmal, in eine sternförmige Figur angeordnet;
Entwicklung wie bei Limnaea.

Es kommen bei uns die beiden deutschen Arten vor, _A. fluviatilis_
mit mehr runder Basis und rechtsgewunden, und _A. lacustris_ mit
schmal-ovaler, länglicher Basis und linksgewunden. Exemplare von
_fluviatilis_, bei denen ein Perpendikel vom Wirbel über das Gehäuse
hinausfällt, nennt F. ~Schmidt~ in Laibach _deperditus_; eine gute
Art dürfte es schwerlich sein. Ausserdem hat Herr ~Bourguignat~ das
Geschlecht mit einer Unzahl neuer Arten bereichert, die wir aber auf
sich beruhen lassen wollen.


111. Ancylus fluviatilis ~Linné~.

Runde Mützenschnecke.

Gehäuse napfförmig, graubräunlich, glanzlos, innen glatt, glänzend,
bläulichweiss; die Spitze nahe am hinteren Rand stehend, selbst über
denselben hinausragend, rechtsgewunden. Mündung ziemlich rund. Höhe
2-3 Mm., Längsdurchmesser 3-6 Mm., Querdurchmesser 2-4 Mm.

Thier durchscheinend, oben grauschwärzlich, Sohle heller, mit
deutlichen schwarzen Augen. Athem- und Geschlechtsöffnungen auf der
linken Seite. Sehr langsam, meist stillsitzend.

In fliessenden Gewässern an Steinen, im heissen Sommer oft über dem
Wasserspiegel angeklebt. In allen Bächen und Flüssen gemein. Aus der
Schwalbach bei Cronthal erhielt ich durch Herrn ~Wiegand~ Exemplare mit
einem eigenthümlichen graubraunen Algenüberzug, der auf allen Gehäusen
gleichmässig festsass und ihre Dicke beträchtlich erhöhte.


112. Ancylus lacustris ~Linné~.

Längliche Mützenschnecke.

Gehäuse länglich eirund, von beiden Seiten her etwas zusammengedrückt,
ziemlich flach gewölbt, sehr dünn, durchscheinend, zerbrechlich,
gelbbräunlich, innen weisslich, etwas glänzend; mitunter fein
concentrisch gestreift. Wirbel mehr in der Mitte stehend,
linksgewunden. Länge 3-5 Mm., Breite 1,5-2 Mm.

Thier durchscheinend, gelblichgrau, mit sehr kurzen Fühlern;
Athemöffnung und Genitalöffnungen auf der rechten Seite.

Nur in stehenden Gewässern an den Schilfrohren sitzend, wo es ganz
den Eindruck einer festgesogenen Schildlaus macht. Nur in der Ebene.
Im unteren Teiche des Biebricher Gartens (~Thomae~). Im Metzgerbruch
(~Dickin~). Um Hanau gemein in Teichen, Tümpeln, Sümpfen und Feldgräben
(~Speyer~). In einem quelligen Teiche vor Niederrad; in der alten
Nied und in einer Lache an der Chaussee vor Nied (!) Bei Mönchbruch
(~Ickrath~).



Einundzwanzigstes Capitel.

B. DECKELSCHNECKEN, Operculata.

~1. Gedeckelte Landschnecken.~

Terrestria.

Die gedeckelten Landschnecken haben sämmtlich ein gewundenes
Gehäuse, das durch einen auf der Rückseite des Fusses befestigten
hornigen Deckel geschlossen wird, sobald sich das Thier in sein
Gehäuse zurückzieht. Die Athmungsorgane gleichen ganz denen der
Lungenschnecken, aber der anatomische Bau des Thieres gleicht so
ganz dem der Kiemenschnecken, dass man es in neuerer Zeit vorgezogen
hat, sie als _~Neurobranchia~_, ~Netzkiemer~, zu diesen zu stellen,
ein Verfahren, das allerdings das System wesentlich vereinfacht,
aber doch kaum berechtigt sein dürfte, da die Athmungsorgane der
Land-Deckelschnecken ganz denen der übrigen Pulmonaten gleichen.

Wie die Kiemenschnecken sind sie getrennten Geschlechtes, haben so den
Mund auf der Spitze einer Schnauze und eine lange schmale bandförmige
Zunge, mit nur wenig Platten in einer Querreihe. Kiefer fehlt. Die
Männchen haben äussere Begattungswerkzeuge. Die beiden Fühler sind
nicht einziehbar.

Es kommen von den zahlreichen, meist tropischen Gattungen nur zwei in
unserem Gebiete vor, die sich folgendermassen unterscheiden:

  a. Gehäuse sehr klein, cylindrisch; Mündung mit fast parallelen
     Rändern, Deckel dünn, hornig.

                                                       _Acme_ ~Hartm.~

  b. Gehäuse mittelgross, mit stielrunden Windungen, kreisrunder
     Mündung und dickem, kalkigem Deckel.

                                                   _Cyclostoma_ ~Lam.~

In Süddeutschland kommt noch eine dritte Gattung vor, _Pomatias_
~Studer~, mit thurmförmigem, geripptem Gehäuse, ausgebreitetem Mundsaum
und hornigem Deckel. Die nördlichsten mir bekannten Fundorte sind der
Kaiserstuhl in Baden und die Felsen am Donauufer um Regensburg.


XX. ACME ~Hartmann~.

_Syn._ _Pupula_ ~Agassiz~. _Acicula_ ~Hartm.~ (_non_ ~Bielz~).

In unserem Gebiete nur eine einzige Art.


113. Acme fusca ~Walker~.

_Syn._ _Auricula lineata_ ~Drap.~

Gehäuse winzig klein, thurmförmig, fast cylindrisch, stumpf, entfernt
stehend fein gestrichelt. 6-7 flache Umgänge. Mündung halbkreisförmig,
oben spitz; Mundsaum verdickt. Deckel hornig, sehr dünn, durchsichtig,
mit wenigen, rasch zunehmenden Windungen. Höhe 3 Mm., Durchmesser
0,5 Mm.

Thier mit zwei schlanken Fühlern und kürzerer Schnauze; die Augen
liegen hinter dem Grunde der Fühler.

Diese niedliche Schnecke ist weit verbreitet, aber überall sehr selten.
Sie lebt unter Laub und Moos an sehr feuchten Stellen. Soviel mir
bekannt, wurde innerhalb unseres Gebietes erst einmal ein Exemplar
dieser Art gefunden, und zwar bei Neu-Isenburg von Herrn ~Dickin~.



Zweiundzwanzigstes Capitel.

XXI. CYCLOSTOMA ~Lamarck~.

Kreismundschnecke.


Diese mehr dem Süden angehörige Gattung ist bei uns, wie in Deutschland
überhaupt, nur durch eine Art vertreten.


114. Cyclostoma elegans ~Draparnaud~.

Zierliche Kreismundschnecke.

Gehäuse conisch-eiförmig, undeutlich genabelt, stumpflich, stark,
gelblich- oder violettgrau oder gelblich fleischfarbig, mitunter
dunkler, fast violett, mit undeutlichen, striegeligen Schattirungen,
die nach dem Wirbel hin deutlicher werden, mitunter mit feinen Binden,
fast glanzlos, von sehr regelmässigen, erhabenen Spirallinien und sehr
feinen, von jenen unterbrochenen Querstreifen sehr zierlich gegittert.
Die fünf beinahe stielrunden Umgänge nehmen ziemlich schnell zu,
laufen sehr tief aufeinander und sind daher durch eine sehr tiefe Naht
bezeichnet; der letzte Umgang ist so gross, wie das Gewinde. Mündung
fast kreisrund, oben etwas eckig und hier mit einem Wulst belegt. Der
Deckel hart und schalenartig, ganz vorn stehend, mit wenigen spiralen
Windungen.

Thier getrennten Geschlechtes, schiefergrau mit zwei walzigen,
stumpflichten Fühlern, die aber nur contractil, nicht retractil
sind, d. h. beim Einziehen werden sie nicht wie ein Handschuhfinger
eingestülpt, sondern nur zu einem kleinen Knöpfchen zusammengezogen.
Die glänzend schwarzen Augen sitzen aussen an der Basis der Fühler.
Kopf rüsselförmig verlängert, vorn abgestutzt. Die Sohle durch
eine tiefe Längsfurche in zwei Wülste getheilt, die das Thier beim
Fortschreiten abwechselnd bewegt, so dass es nicht kriecht, sondern
förmlich geht, eine Bewegung, die es noch durch Ansaugen mit dem Rüssel
zu unterstützen scheint. Das Thier ist äusserst langsam und scheu;
bei der geringsten Erschütterung zieht es sich in sein Gehäuse zurück
und schliesst den Deckel; es bricht dabei die Sohle in der Mitte quer
zusammen, so dass die beiden Hälften aufeinanderzuliegen kommen. Zunge
wie bei den Kiemenschnecken, mit 120-130 Querreihen, von denen jede
aus sieben Zahnplatten besteht. Die Mittelplatte hat drei stumpfe
Spitzen von ziemlich gleicher Grösse, mit je einem zurückgekrümmten
Haken besetzt, von denen der mittelste am grössten ist. Die erste
Seitenplatte hat ebenfalls drei Zähnchen, von denen das innerste
grösser als die beiden anderen ist. Die zweite Platte ist viel kleiner,
mit mehreren stumpfen Zähnchen, die äusserste, schräg gestellte ist wie
ein Sägeblatt mit zahlreichen kurzen Zähnchen besetzt. Die ganze Reihe
bildet einen nach vorn schwach convexen Bogen. Ein Kiefer ist nicht
vorhanden.

Beobachtungen über die Fortpflanzung der Cyclostomen sind, soviel
mir bekannt, noch nicht angestellt worden. Herr Pfarrer ~Sterr~ in
Donaustauf, ein sehr tüchtiger Schneckenzüchter, erwähnt in einem mir
von ~Heynemann~ mitgetheilten Briefe, dass er noch niemals Eier von
_Cyclostoma_ gesehen; sollte sie vielleicht lebendig gebärend sein?

In den Gehörkapseln findet sich jederseits nur ein Otolith, der nur
wenig kleiner als die Gehörkapsel ist (Ad. ~Schmidt~).

Im Nassauischen kommt diese schöne Schnecke nur an sehr wenigen,
isolirten Puncten vor. An steinigen beschatteten Orten um die
Burgruinen Liebenstein und Sternfels (~Thomae~). Zwischen Fachbach
und Ems an einem sonnigen Rain, an der Lahneck (~Sandb.~ und ~Koch~).
Unterhalb des Lurleifelsen bei St. Goarshausen (~Noll~). Alle
Exemplare, die ich von diesen Orten gesehen, sind auffallend dunkel
gefärbt, fast blaugrau. Die hellere Form findet sich an der ganzen
Bergstrasse, von Auerbach ab, sehr häufig an den Waldrändern an
dumpfigen Orten, meist tief unter Laub verborgen.

In der ~Wiegand~’schen Sammlung im Senckenbergischen Museum liegen
einige Exemplare mit dem Fundort „Bockenheimer Berg“; die Frankfurter
Sammler stellen aber dieses Vorkommen entschieden in Abrede.

Die Cyclostomen leben immer gesellig und sammeln sich auch zum
Winterschlaf in grösseren Haufen, mitunter hunderte an einer Stelle
zusammen. Gefangene Exemplare rührten keine andere Nahrung an, als
Gurkenschalen; sie haben aber, nur in ein Papier gewickelt, den
strengen Winter von 1869-70 in einem kalten Zimmer gut überstanden.



Dreiundzwanzigstes Capitel.

~2. Gedeckelte Wasserschnecken.~

$Aquatilia$ seu $Prosobranchia$.


Die gedeckelten Wasserschnecken athmen durch Kiemen, d. h. durch
sehr gefässreiche Hautfalten, welche sich im Innern der Athemhöhle
erheben und von einem Theil des Blutes durchströmt werden. Unsre
Arten haben eine kurze Schnauze, schwach entwickelte Kiefer und
eine lange bandförmige Zunge, die bei der einen Gruppe sieben, bei
der anderen weit mehr Längsreihen von Zähnen trägt. Alle sind wie
die Land-Deckelschnecken, getrennten Geschlechts und mit äusseren
Begattungswerkzeugen versehen, manche lebendig gebärend. Den inneren
Bau werden wir bei der am genauesten bekannten Art, _Paludina
vivipara_, genauer besprechen.

Gewöhnlich unterscheidet man nach dem Bau der Kiemen zwei
Hauptgruppen, die ~Kammkiemer~, _Pectinibranchiata_, mit einer kamm-
oder baumförmigen Kieme, und die ~Schildkiemer~, _Scutibranchiata
s. Aspidobranchia_, mit einer dreiseitigen, aus zwei Blättern
zusammengesetzten Kieme. Der Name Schildkiemer dürfte aber schon
desshalb nicht zu empfehlen sein, weil er nicht etwa bedeuten soll,
dass das Thier eine schildförmige Kieme habe, sondern dass die
betreffende Gattung -- _Neritina_ -- ein schildförmiges Gehäuse habe
und durch Kiemen athme. Ich ziehe desshalb vor, die Namen der beiden
Abtheilungen von den ganz verschiedenen Zungen zu nehmen und nach
~Troschel~’s Vorgang die Kammkiemer als _Bandzüngler_, _Taenioglossa_,
die Schildkiemer als ~Fächerzüngler~, _Rhipidoglossa_, zu bezeichnen.

Die in unserem Gebiete vorkommenden Gattungen lassen sich
folgendermassen unterscheiden:

  A. Gehäuse gewunden mit rundlichem oder ganz rundem Deckel.

    a. Deckel nicht ganz rund, Kieme nicht aus der Athemöffnung
       hervorragend.

      Gehäuse gross, Deckel hornig mit concentrischen Ansatzstreifen.

                                                       _Paludina_ ~Lam.~

      Gehäuse mittelgross, Deckel kalkig, concentrisch gestreift
      mit spiraler Embryonalwindung.

                                                     _Bithynia_ ~Leach~.

      Gehäuse sehr klein, Deckel hornig.

                                                     _Hydrobia_ ~Hartm.~

    b. Deckel kreisrund, Kieme baumförmig aus der Athemöffnung
       vorragend.

                                                     _Valvata_ ~Müller~.

  B. Gehäuse halbkugelig, mit halbrundem, an der Basis eingelenktem
     Deckel.

                                                   _Neritina_ ~Lamarck~.


XXII. PALUDINA ~Lamarck~.

Sumpfschnecke.

Gehäuse gedeckelt, genabelt, eiförmig oder kugelig-conisch; die
Umgänge stark gewölbt, durch eine tiefe Naht vereinigt; Mündung
rundeiförmig, an der Mündungswand abgeschnitten und oben einen stumpfen
Winkel bildend; Mundsaum einfach, scharf, zusammenhängend. Deckel mit
concentrischen Anwachsstreifen ohne spirale Embryonalwindung.

Thier getrennten Geschlechts, mit einer nicht einziehbaren Schnauze;
Fühler borsten-pfriemenförmig, wenig retractil; die Augen sitzen aussen
etwas über ihrem Fusse auf einer besonderen Anschwellung.

Von den beiden deutschen Arten kommt bei uns nur die eine vor, nämlich


115. Paludina vivipara ~Müller~.

Lebendiggebärende Sumpfschnecke.

_Syn._ _Pal. contecta_ ~Millet~, _communis_ ~Dup.~, _Pal. Listeri_
~Forbes~. _Vivipara vera_ ~Frauenfeld~.

Gehäuse genabelt, unten kugelig, oben rundlich kegelförmig, mit spitzem
Wirbel, dünn, durchscheinend, fein gestreift, schmutzig olivengrün,
bauchig. Die 7 Umgänge sind bauchig und durch eine sehr tiefe Naht
vereinigt; oben bei der Naht sind sie etwas flach; der letzte Umgang
besonders bauchig mit drei schmutzig braunrothen Binden, die sich bis
auf den viertletzten Umgang fortsetzen und hier durch eine stumpfe
Kante, die beim Embryo eine Reihe häutiger Franzen trägt, bezeichnet
sind. Wirbel sehr fein zugespitzt; auf dem letzten Umgang eine Anzahl
dunkler Wachsthumstreifen; der Mundsaum schwarz eingefasst, einfach,
gerade. Mündung etwas schräg gerundet, eiförmig, oben stumpf winkelig.
Das Gehäuse ist stets mit einer fest aufsitzenden, grauen Schmutzkruste
überzogen. Deckel hornartig, das Centrum der Ringe etwas nach links,
aussen mehr, innen weniger concav eingedrückt. Höhe 24-40 Mm., Durchm.
16-30 Mm.

Thier sehr plump und träge, hellbraun, mit Ausnahme der Sohle ganz
mit gelben Pünctchen übersäet. Fuss breit, vorn abgestumpft, hinten
schmäler und gerundet. Kopf mit kurzer Schnauze, Kiefer aus zwei
länglichen, schmalen Hornplättchen bestehend. Zunge analog der
von Cyclostoma, lang, bandförmig, mit einer Mittelplatte und drei
Seitenplatten.

Der Magen ist eine einfache, spindelförmige Erweiterung des Darms, nur
durch die Einmündung der Lebergänge als Magen kenntlich; man kann nach
~Leydig~ drei Abtheilungen darin unterscheiden, die hinter einander
liegen.

Die Fühler sind kurz, dick, pfriemenförmig; aussen etwas über der
Basis sitzen auf einer besonderen Anschwellung die Augen; hinter jedem
Fühler ist noch ein ohrförmiger Lappen. In den Gehörkapseln hunderte
von kleinen, säulenförmigen Crystallen. Das Gefässsystem bietet nichts
besonderes, das Blut ist bläulich; wie schon im allgemeinen Theil
erwähnt, findet in der Niere eine offene Communication zwischen den
Gefässen und der Nierenhöhle, also auch ein Austausch zwischen Blut und
Wasser statt. Das Athemorgan ist eine auf der rechten Seite in einem
eigenen Sacke gelegene Kieme von dreieckiger Form mit drei Blättchen am
oberen Rande. Geschlechtsorgane einfacher als bei den Lungenschnecken;
beim Weibchen findet man eine grosse Eiweissdrüse, die dem Embryo den
zu seiner Entwicklung nöthigen Nahrungsstoff liefert; der Uterus ist
sehr stark ausgedehnt, und in ihm findet man immer Junge in allen
Stadien der Entwicklung. Die männlichen Organe bestehen nur aus der
keimbereitenden Drüse, dem Ausführungsgang und dem im rechten Fühler
verborgenen männlichen Glied; auffallend ist die Existenz von zweierlei
Arten Samenthierchen, die beide zur Befruchtung zu dienen scheinen. Die
Entwicklung haben wir schon genauer betrachtet.

Das Weibchen zeichnet sich durch Grösse und stärkere Wölbung vor dem
Männchen aus. In ihnen findet man fast den ganzen Sommer hindurch
Junge in allen Stadien der Entwicklung. Die reifen haben schon vier
Windungen; die letzte hat an der Stelle der beiden oberen Binden
häutige Franzen; das ganze Gehäuse ist kugelig und durchscheinend.

Die Schnecke ist sehr träg, selten streckt sie mehr als die Spitze
des Kopfes und den Fuss aus dem Gehäuse; sie ist auch weniger
gefrässig als die anderen grossen Wasserschnecken und kann desshalb
eher als Bewohnerin des Aquariums verwendet werden. Sie findet sich
nur in weichen, schlammigen Gewässern der Ebene und fehlt desshalb
im grösseren Theile unseres Gebietes; nur in den grösseren stehenden
Gewässern zwischen Mombach und Budenheim (~Thomae~) und der Nähe
von Frankfurt im Metzgerbruch (~Heyn.~). Häufig in den Sümpfen der
Riedgegend. Im Judenteich bei Darmstadt; früher sehr häufig in dem
jetzt fast ausgetrockneten Bessunger Teich; bei Mönchbruch (~Ickrath~).

Die zweite deutsche Art, _Pal. fasciata_ ~Müller~ (_achatina Brug._)
kommt zwar schon am Niederrhein und in der Mosel vor, ist aber in
unserem Gebiete noch nicht beobachtet worden. Sie unterscheidet sich
durch die mehr kegelförmige Gestalt, weniger gewölbte Windungen, engen,
kaum sichtbaren Nabel und hellere Farbe mit deutlichen Bändern.


XXIII. BITHYNIA ~Leach~.

Gehäuse ganz eine Paludine im kleinen, ungenabelt oder kaum geritzt,
eiförmig, Windungen stark gewölbt; der Mundsaum zusammenhängend, wenig
verdickt. Deckel kalkig, ziemlich dick, concentrisch gestreift, aber
mit einer embryonalen Spiralwindung in der Mitte.

Thier dem von Paludina sehr ähnlich.

Wir haben in unserem Bezirke zwei Arten:

  a. Gehäuse undurchbohrt, eiförmig oder lang-kegelförmig, mit
     ziemlich flacher Naht und 5-7 Umgängen.

                                                   _B. tentaculata_ L.

  b. Gehäuse mit kleinem Nabelritz, bauchiger, die 5-6 Umgänge
     stark gewölbt, die Naht tiefer.

                                                 _B. Leachii_ ~Shepp.~


116. Bithynia tentaculata ~Linné~.

Unreine Sumpfschnecke,

_Syn._ _Palud. impura_ ~Lam.~

Gehäuse ungenabelt, eiförmig, bauchig, spitz, durchscheinend, glänzend,
glatt, gelblich, aber immer mit einer Schmutzkruste überdeckt. Die
Umgänge mit Ausnahme des letzten bilden ein spitzes, conisches Gewinde;
der letzte ist stark bauchig und fast so hoch, wie das Gewinde. Naht
ziemlich tief, doch seichter, als bei der folgenden Art; Mündung
eiförmig, oben spitz, wenig schief. Mundsaum etwas zurückgebogen,
fein schwarz gesäumt, innen stets mit einer deutlichen, schmalen,
weissen Lippe belegt. Nabel ganz verdeckt. Deckel stark, eiförmig, oben
zugespitzt. Höhe 6-8 Mm., Breite 3-5 Mm.

Thier violett-schwärzlich mit unzähligen goldgelben Puncten; Fuss
vorn breit, zweilappig, hinten verschmälert, zugespitzt. Fühler lang,
borstenförmig, Augen schwarz. Kiefer zwei zu beiden Seiten liegenden
Hornplättchen. Zunge mit 7 Platten in jeder Querreihe, die am Rande
eine grössere oder geringere Anzahl Zähne tragen. Sie sind ebenfalls
getrennten Geschlechts, legen aber Eier.

Die Schnecke ist sehr scheu und furchtsam und schliesst bei der
geringsten Erschütterung ihren Deckel. Sie ist gemein in allen
stehenden Wassern der Ebene; auch in langsam fliessenden Flüssen
und Bächen. In der Lahn steigt sie bis Limburg und Weilburg hinauf
(~Sandb.~). Im Rhein- und Mainthal gemein, sowohl in Gräben und Lachen,
als im Main selbst. Im Gebirge fehlt sie.


117. Bithynia Leachii ~Sheppard~.

Bauchige Sumpfschnecke.

_Syn._ _B. Troschelii_ ~Paasch~, _ventricosa_ ~Gray~, _similis_
~Speyer~.

Gehäuse kegelförmig, unten bauchig, dünn, fest, wenig glänzend, schwach
durchscheinend, gelblich hornfarben. 5-6 sehr gewölbte Umgänge, nach
der sehr tiefen Naht hin leicht zusammengedrückt; der letzte macht etwa
die Hälfte des Gehäuses aus. Mündung eiförmig gerundet, oben einen
leichten Winkel bildend; Mundsaum zusammenhängend, am Spindelrande
nicht zurückgeschlagen, der Aussenrand fast gerade. Nabel fast ganz
bedeckt. Deckel ziemlich dünn, mit sehr deutlichen concentrischen
Streifen, die paar äussersten braun. Höhe 5-10 Mm., Durchmesser 3-6 Mm.

Thier weisslich mit schwarzen Flecken und goldgelben Tüpfeln, die durch
die Schale durchscheinen, und fast farblosen, durchsichtigen Fühlern
(~Moquin-Tandon~).

Zu dieser Art gehört eine Schnecke, die sich sehr selten im
Metzgerbruch findet und dort von Herrn Dickin aufgefunden wurde. Nach
~Heynemann~ (Nachrichtsbl. I. 1869 p. 189) ist diess dieselbe Schnecke,
die ~Speyer~ in seinem Verzeichniss als _Paludina similis_ ~Férussac~
anführt.


XXIV. HYDROBIA ~Hartmann~.

118. Hydrobia Dunkeri ~Frauenfeld~.

Dunker’s Quellenschnecke.

Gehäuse abgestutzt, ziemlich gedrungen, ganz eine Paludine im Kleinen
vorstellend. Vier Windungen, die ersten nur wenig vortretend, die
vierte gross, gewölbt, an der Naht jedoch kaum eingezogen. Mündung
eiförmig, kaum gewinkelt, der rechte Mundrand nicht vorstehend.
Spindelrand kaum anliegend, nach unten leicht umgebogen; Nabelritz
mittelmässig, doch deutlich vertieft. Schale nicht sehr durchsichtig,
olivengrün, anwachsstreifig, Mündung weisslich. Länge 2,4 Mm. Breite
der letzten Windung 1,4 Mm. (Ffld.)

Thier mit breiten Fühlern, nahe deren Spitze die Augen sitzen. Fuss
gross.

Diese kleine, von ~Sandberger~ und ~Koch~ als _Paludina viridis_
angeführte Schnecke findet sich in grosser Menge in den Quellen und
deren Abflüssen im ganzen rheinisch-westphälischen Schiefergebirge,
aber nicht im Taunus und auch nicht in der Ebene; schon im Gebiet des
bunten Sandsteins bei Marburg fehlt sie. Sie sitzt mit Vorliebe an den
Blättern und in den Blattachseln von _Chrysosplenium_, _Myosotis_ und
_Beccabunga_; man findet sie den ganzen Winter hindurch. Quellwasser
scheint ihr unbedingt nöthig zu sein, denn schon wenige Schritte
von der Quelle findet man sie nicht mehr, und im Aquarium konnte
ich sie nie erhalten. Dagegen findet man sie nicht selten zwischen
durchfeuchtetem Laub nicht eigentlich mehr im Wasser; ich habe oft an
demselben Blatt mit ihr _Carychium minimum_ und _Vertigo septemdentata_
gefunden. Sie scheint von den Tritonen sehr gern gefressen zu werden.

In Quellen bei Dillenburg im Thiergarten und Aubachthale häufig; auch
bei Siegen (~Koch~). In allen Quellen um Biedenkopf in Menge (!) Bei
Elberfeld (~Goldfuss~).



Vierundzwanzigstes Capitel.

XXV. VALVATA ~Müller~.

Kammschnecke.


Gehäuse kugelig, kreisel- bis scheibenförmig, meist genabelt, mit
stielrunden Windungen, kreisförmiger Mündung und zusammenhängendem
scharfem Mundsaum. Deckel kreisrund mit vielen spiraligen Windungen.

Thier mit rüsselförmiger Schnauze, langen cylindrischen Fühlern,
welche hinten am Grunde die Augen tragen. Kiemen lang, federartig, mit
einem fadenförmigen Anhang am Grunde, den manche für eine Nebenkieme
halten, aber wohl mit Unrecht, da er keine Gefässe enthält; beim Athmen
treten beide aus der Kiemenhöhle heraus. Die beiden Kiefer sind kleine
rundliche Hornschüppchen, die, besonders am vordern Rande, gelb gefärbt
sind. Nach ~Moquin-Tandon~ findet sich zwischen beiden noch eine
rudimentäre Oberplatte.

Die Valvaten sind Zwitter, das männliche Glied liegt hinter dem
rechten Fühler, die weibliche Oeffnung auf derselben Seite unter
dem Mantelrand. Die Eier werden, von einem Laich umhüllt, von den
verschiedenen Arten in verschiedener Weise abgesetzt.

Diese Schnecken leben am liebsten in stehendem oder langsam fliessendem
Wasser mit schlammigem Grunde; die Thiere halten sich meistens im
Schlamme auf. Im Glase gehalten sind sie sehr scheu und ziehen sich bei
der geringsten Erschütterung in ihr Gehäuse zurück.

C. ~Pfeiffer~, dem wir die erste genaue Beschreibung der
deutschen Valvaten verdanken, unterscheidet fünf Arten; über die
Selbstständigkeit der beiden ersten kann man freilich im Zweifel sein
und ~Moquin-Tandon~ erklärt ohne weiters _depressa_ für eine junge
_piscinalis_. Alle fünf Arten finden sich in Nassau und lassen sich
folgendermassen unterscheiden:

  a. Gehäuse kreiselförmig, mit erhobenem Gewinde.

    Gehäuse kugelig-kreiselförmig, Deckel ganz vorn an der
    Mündung, durchbohrt genabelt.

                                                 _V. piscinalis_ ~Müll.~

    Gehäuse flacher und kleiner, offen und weit genabelt,
    Deckel weiter in die Mündung eingesenkt.

                                              _V. depressa_ C. ~Pfeiff.~

  b. Gehäuse scheibenförmig.

    Gehäuse oben und unten genabelt, Mundsaum etwas zurückgebogen.

                                                   _V. spirorbis_ ~Drp.~

    Gehäuse nur unten genabelt, oben flach, Mundsaum einfach,
    geradeaus.

                                                   _V. cristata_ ~Müll.~

    Gehäuse nach oben etwas convex, sehr klein, nur 1¼ Mm.
    Durchm., Mundsaum einfach.

                                                      _V. minuta_ ~Drp.~

Eine genaue Untersuchung dieser Familie wäre sehr zu wünschen.


119. Valvata piscinalis ~Müller~.

Stumpfe Kammschnecke.

_Syn._ _V. obtusa_ C. ~Pfr.~, _Cyclostoma obtusum_ ~Drp.~

Gehäuse kreiselförmig, etwas kugelig, schmutzig gelb, durchsichtig,
wenig glänzend, fein gestreift. Das Gewinde mit 4 stark gewölbten
Umgängen, der letzte bauchig, die übrigen schnell abnehmend, eine
stumpfe Spitze bildend. Mündung beinahe kreisrund. Mundsaum einfach.
Deckel hornartig, mit einer Spirallinie bezeichnet, von aussen etwas
vertieft, matt, von innen in gleichem Verhältniss erhaben, sehr
glänzend. Nabel tief, durch den Umschlag des Spindelrands ein wenig
verdeckt. (C. ~Pfeiff.~). Höhe und Breite gleich, 6-8 Mm.

Thier weisslich oder graugelb, durchscheinend, Fühler unten verdickt;
Fuss gross, vorn in zwei Lappen gespalten, hinten abgerundet, bedeutend
länger als die Schale. Kieme 3 Mm. lang mit 14 gefiederten Seitenfasern
auf jeder Seite, die nach der Spitze hin immer kürzer werden.

Sie legt 12-20 Eier, zu einem kugeligen, trüb durchsichtigen Laich
vereinigt, von grüner oder hochgelber Farbe, die nach 26-28 Tagen
ausschlüpfen.

In schlammigen Gräben bei Mombach und in schlammigen Buchten des
Mains; selten; leere Gehäuse in den Anspülungen des Mains häufiger.
(~Thomae~). An der Mainspitze selten. (A. ~Römer~). Häufig im Hanauer
Stadtgraben und an der Ehrensäule, selten im Main (~Speyer~). Im
Dietzischen Graben bei Hanau (~Heyn.~). In der Sulzbach sehr häufig
(~Ickrath~). Eine besonders schöne Form fand ich in Masse in der
Wickerbach kurz oberhalb der Flörsheimer Kalksteinbrüche, darunter
einzelne, welche sich sehr der _contorta_ nähern; sie ist mit der
gewöhnlichen Mainform abgebildet. Häufig im Main bei Schwanheim unter
Steinen; todte Exemplare im Sande in Menge.


120. Valvata depressa C. ~Pfeiffer~.

Niedergedrückte Kammschnecke.

Gehäuse flachkugelig, etwas kreiselförmig, hellhornfarbig,
durchscheinend, wenig glänzend, fein gestreift. Gewinde wenig erhoben,
eine abgestumpfte Spitze bildend. Umgänge 3½, durch eine tiefe Naht
vereinigt, Mündung vollständig kreisrund, etwas erweitert, Mundsaum
zusammenhängend, Nabel offen und tief. Deckel hornartig, dünn, etwas in
die Mündung eingesenkt. Höhe 3-4 Mm., Breite 4-5 Mm.

Thier hellgrau, durchsichtig, Kieme kürzer wie bei der vorigen Art.

Mit _piscinalis_ in schlammigen Gräben und Lachen. Nicht selten in
schlammigen Gräben bei Mombach. (~Thomae~). Bei Bischofsheim und
Enkheim (~Speyer~).


121. Valvata spirorbis ~Draparnaud~.

Gekräuselte Kammschnecke.

Gehäuse scheibenförmig, oben wenig, unten stark vertieft, viel weiter
genabelt als _cristata_, hornfarbig, etwas durchscheinend, fein
gestreift, wenig glänzend. 3 Umgänge, Mündung völlig rund, Mundsaum
einfach, etwas zurückgebogen. Deckel concentrisch gestreift, innen
etwas erhaben, aussen eingedrückt und etwas in der Mündung eingesenkt.
Höhe 1 Mm. Breite 2-3 Mm. (C. ~Pfeiffer~).

Thier von dem der anderen Valvaten nicht abweichend.

In Gräben am Kohlbrunnenwald bei Hanau (~Heyn.~).


122. Valvata cristata ~Müller~.

Scheibenförmige Kammschnecke.

_Syn._ _V. planorbis_ ~Drp.~

Gehäuse scheibenförmig aufgerollt, wie bei _Planorbis_, klein, flach,
oben ganz platt, nicht eingesenkt, unten weit genabelt, hellhornfarbig
mit schwärzlichem Schlammüberzug, durchscheinend, glänzend, sehr fein
gestreift. Umgänge 3, stielrund, langsam zunehmend. Mündung kreisrund,
etwas erweitert, mit einfachem, nicht umgebogenem Mundsaum. Deckel
hornig, dünn, in die Mündung etwas eingesenkt. Höhe ¾ Mm. Br. 2-3 Mm.

Thier hellgrau mit vorn zweilappigem Fuss und verhältnissmässig kurzen
Kiemen.

In Gräben und schlammigen Flussbuchten. Im Main; einzeln in der Lahn
bei Biedenkopf. Bei Hanau sehr selten im Kohlbrunnengraben, in der
Kinzig im Lamboiwald, und bei Bischofsheim (~Speyer~).


123. Valvata minuta ~Draparnaud~.

Kleinste Kammschnecke.

Gehäuse scheibenförmig, oben ein wenig gewölbt, unten genabelt,
sehr klein, hellhornfarbig, oft mit einem schwärzlichen Ueberzug,
durchsichtig, glänzend, feingestreift. 3 Umgänge. Mündung rund, mit
einfachem Saum. Deckel hornartig, mit concentrischen Ringeln, Höhe
½ Mm. Br. 1 Mm.

Thier ganz dem von _cristata_ ähnlich. Ueberhaupt unterscheidet sich
diese Art nur durch ihre geringere Grösse bei gleicher Windungszahl von
dieser.

In den Wassergräben von Mombach nicht selten, oft an
Phryganeengehäusen. (~Thomae~).



Fünfundzwanzigstes Capitel.

XXVI. Neritina ~Lamarck~.

Schwimmschnecke.


124. Neritina fluviatilis ~Müller~.

Gehäuse ungenabelt, dünn, aber sehr fest, schräg halbeiförmig, glatt,
wenig-glänzend, roth oder schmutzig violett gegittert, dazwischen mit
weissen, verlängerten Tropfenflecken, mitunter mit zwei oder drei
deutlichen Längsstreifen. Gewinde klein, ziemlich in der Mitte der
oberen Hälfte des Gehäuses stehend, flach und nur selten etwas erhoben.
Mündung halbrund. Der Columellarrand bildet eine flache, schräg nach
innen gerichtete Wand, deren Aussenrand etwas wulstig ist, so dass der
Mündungsrand gewissermassen zusammenhängend erscheint. Columellarrand
ungezähnt. Deckel aus Schalensubstanz, rothgelblich mit dunkelrothem,
dünnerem Saum, mit einem kleinen punktförmigen Gewinde und einem
lanzettförmigen Schliesszahn an der unteren Spitze; durch den letzteren
wird der Deckel auch nach dem Tode des Thiers noch an der Schale
festgehalten. Höhe 5-6 Mm. Breite 6-8 Mm.

Thier weisslich mit schwarzem Kopf und Nacken; zwei lange, weisse,
borstenförmige Fühler mit einem schwarzen Strich auf der Oberseite.
Augen auf kleinen Knöpfchen aussen an der Fühlerbasis. Der Fuss
gross, vornen abgerundet, an den Rändern durchscheinend, mitunter mit
einzelnen schwarzen Flecken. Athemöffnung auf der rechten Seite am
Hals. Zunge lang, bandförmig mit drei Mittelplatten, einer kleineren
in der Mitte, die wieder aus zwei seitlichen Hälften zusammengesetzt
ist, und zwei breiteren an der Seite; alle drei sind ganzrandig;
darauf folgt nach aussen jederseits eine ziemlich grosse Platte mit
feingezähntem Rand und dann die aus zahlreichen schmalen, gleichbreiten
Leisten zusammengesetzten Seitenplatten. Die ganze Reihe bildet einen
ziemlich starkgekrümmten Bogen; ich zählte 90-96 solcher Querreihen.

Wie die Neritinen durch ihre Zungenbewaffnung ganz isolirt unter
unseren Binnenmollusken stehen, so sind sie auch die einzigen, welche
eine feste Hülle für ihre Eier bauen, wie das so viele Seeschnecken
thun. Es ist eine rundliche Kapsel, die mit der einen Seite an Steinen,
mitunter aber auch an anderen Neritinen befestigt wird; letzterer
Umstand hat G. ~Pfeiffer~ zu der Annahme veranlasst, dass die Neritinen
ihre eigene Brut auf der Schale umhertrügen. Jede Kapsel enthält 40-60
Eier, aber nach ~Claparède~ kommt von denselben immer nur eins zur
Entwicklung, die anderen dienen dem Embryo als Nahrung. Ist derselbe
vollständig entwickelt, so springt die obere Hälfte der Kapsel ab und
das Thier ist frei.

~Varietäten.~ Mit Unrecht hat man die Formen mit deutlichen Streifen
als _var. trifasciata_ abtrennen wollen, man findet dieselben
mitten unter den anderen und durch alle möglichen Uebergänge mit
ihnen verbunden; es hat das nicht mehr Sinn, als wenn man sämmtliche
Bänderspielarten von _Hel. nemoralis_ und _hortensis_ als Varietäten
abtrennen wollte. Dagegen kommt eine kleine Form mit stark vorstehendem
Gewinde vor, von ~Rossmässler~ _var. halophila_ genannt, weil sie
in den Mansfelder Salzseen vorkommt. Sie wurde von ~Römer~ auch in
den Abflüssen der Wiesbadener Thermen, besonders zahlreich an der
Armenruhmühle gefunden; auch hier könnte man das salzige Wasser für
die Ursache ihrer Ausbildung halten. Leider stimmen damit aber andere
Thatsachen nicht überein. Ich fand nämlich dieselbe Form sehr häufig
in dem Wickerbach, der durch die bekannten Flörsheimer Steinbrüche
fliesst, und erhielt sie durch Herrn C. Koch aus der Nied bei Bonames.
Sie scheint mir demnach ~die Form der kleinen Bäche~ zu sein, wie wir
ja auch bei den Najadeen eigenthümliche Bachformen finden. Leider habe
ich noch nicht die Zeit finden können, auch die übrigen Taunusbäche
darauf zu untersuchen.

Die Neritinen sitzen träge an Steinen und unter denselben oder
anderen im Wasser liegenden und mit Algen überzogenen Gegenständen;
an Pflanzen habe ich sie nie gefunden und ebenso habe ich nie eine
Neritine schwimmen sehen; der Büchername Schwimmschnecke passt desshalb
auf unsere Art nicht besonders. Sie scheinen das ganze Jahr hindurch
in Thätigkeit zu sein, denn man findet sie mit _L. ampla_ schon sehr
zeitig im Frühjahr. Sie bevorzugt entschieden die grösseren Gewässer.
Im Rhein und Main ist sie allenthalben häufig, in der Lahn bei Weilburg
findet sie sich nach ~Sandberger~ ebenfalls in Menge, aber weiter
hinauf fehlt sie und auch in der Dill kommt sie nicht vor. Dagegen
findet sich, wie schon erwähnt, in der Salzbach bei Wiesbaden, der
unteren Nied und der Wicker die _var. halophila_. Interessant wäre zu
untersuchen, wie weit sie in den Bächen emporsteigt. In der Wickerbach
an den bekannten versteinerungsreichen Kalkbrüchen von Flörsheim
sammelte ich sie in Menge, aber nur unterhalb einer Mühle, die an dem
Puncte liegt, wo der wasserreiche Bach die Ebene betritt; oberhalb
war kein Exemplar mehr zu finden. In der Salzbach dagegen, einem viel
kleineren Gewässer, steigt sie bis in das Kesselthal von Wiesbaden
empor. In der Nied ist sie sicher bis in die Gegend von Vilbel
gefunden, kommt aber wohl noch weiter nach oben vor, wo freilich bis
jetzt noch _terra incognita_ in conchyliologischer Beziehung ist. Auch
in der untern Kinzig kommt sie nach Speyer vor, doch fehlen auch hier
die Angaben über die Höhe, bis zu welcher sie emporsteigt.



Sechsundzwanzigstes Capitel.

B. MUSCHELN.

$Acephala$ oder $Pelecypoda$.


Die Muscheln zeichnen sich vor den Schnecken durch den Besitz zweier
Schalen und den vollständig symmetrischen Bau aus, der es möglich
macht, den Körper durch einen senkrecht längs der Mitte geführten
Schnitt in zwei fast ganz gleiche Hälften zu theilen. Alle Organe,
ausser dem Darmcanal, sind doppelt vorhanden, eins auf jeder Seite.

Wir finden an den Muscheln zu äusserst die beiden Klappen der Schale,
dann innerhalb derselben die beiden entsprechenden Blätter des Mantels,
dann inwendig jederseits zwei Kiemenblätter, von derselben Gestalt,
aber kleiner, und zu innerst den eigentlichen Körper, ohne Kopf, nur
mit einer Mundöffnung, die von einigen Lippentastern umgeben wird, und
mit einem beilförmigen Fuss zur Fortbewegung.

Die paarigen Organe sind auf der einen Seite mit einander verwachsen,
oder, wie die Schalen, durch besondere Vorrichtungen verbunden, so
dass man das ganze Thier nicht unpassend mit einem eingebundenen Buche
vergleichen kann, dessen Deckel die beiden Schalen bilden.

Wie schon im allgemeinen Theile erwähnt, nennt man den Rand, an
dem die beiden Schalen mit einander verbunden sind, den Oberrand
und unterscheidet demgemäss auch rechts und links. Die beiden
Schalen sind bei unseren Arten wenigstens fast ganz gleich, nur die
Zähne des Schlosses sind an beiden verschieden, und man nennt sie
desshalb gleichklappig; ungleichklappige finden sich nur im Meer.
Sie bestehen, wie die Schneckenschalen, vorwiegend aus Kalk in der
Form des Arragonits; nur 2-4 % sind organischen Ursprungs. Wir finden
an den Schalen zu äusserst eine Oberhautschicht, die bei unseren
Arten sehr entwickelt ist und bei den Unioniden sogar über den
Schalenrand übersteht; dann folgt eine Kalkschicht, die aus kurzen,
senkrecht stehenden Prismen von Arragonit besteht, und zu innerst
die Perlmutterschicht, ebenfalls Kalk, der in dünnen, unendlich
fein gefalteten Lagen abgeschieden wird und durch die Fältelung den
bekannten Perlmutterglanz erhält. Diese innerste Lage wird stets von
der ganzen Manteloberfläche abgeschieden, so dass jede Lage die ganze
Innenfläche der Muschel auskleidet; mit demselben Stoff werden auch
Verletzungen ausgebessert und fremde Körper, die zwischen Mantel und
Schale gerathen, umhüllt.

Die Schalen sind am oberen Rande mit einander verbunden durch ein
mehr oder weniger mit Zähnen versehenes Schloss, das ein seitliches
Auseinanderweichen der beiden Klappen verhindert, und durch das
Schlossband, eine starke knorpelige, mit Epidermis überzogene und
Kalkablagerungen enthaltende Membran, die sich bei unseren Arten aussen
hinter dem Schloss von einer Klappe zur andern erstreckt und durch ihre
Elasticität die Oeffnung der Klappen bewirkt.

Die äussere Schalenfläche zeigt immer concentrische Zuwachsstreifen
um den ältesten Punct, den Wirbel, herum; aus ihrer Anzahl kann man
das Alter der Muschel schätzen, aber durchaus nicht sicher bestimmen,
da wir nicht wissen, wie oft solche Zuwachsstreifen gebildet werden.
Im Innern der Schale sehen wir die Ansätze verschiedener Muskeln,
besonders der Schliess- und Fussmuskeln, und die Linie, welche den
freien Rand des Mantels bezeichnet.

Unter den Schalen liegt zunächst der den ganzen Körper der Muschel
umhüllende ~Mantel~, ebenfalls aus zwei, an der Oberseite mit einander
verwachsenen Blättern bestehend, die genau der inneren Form der Schalen
entsprechen. Sie sind bei unseren Arten gar nicht verwachsen, oder nur
an einem so kleinen Theile ihrer Ränder, dass eine Cloaken- und eine
Athemöffnung von dem übrigen Theile der Mantelspalte abgetrennt werden.
Bei den Unioniden ist diese Oeffnung nur von einem wenig vorgezogenen,
meist mit Tentakeln besetzten Rande umgeben, bei den Cycladeen ist
sie in zwei Röhren, die sogenannten Siphonen, verlängert. Der Mantel
besteht aus einem besonders am freien Rande von Muskeln durchsetzten,
äusserst gefässreichen Bindegewebe, welches aussen und innen von einem
einfachen Epithelium überzogen ist, das innen häufig flimmert. An den
Cloakenöffnungen und den Siphonen finden sich eigene Schliessmuskeln.

Die Verdauungsorgane bestehen aus einem einfachen ~Mund~, der am
vorderen Ende des Thieres liegt; er ist von zwei Hauptfalten der Ober-
und Unterlippe, umgeben und auf diesen stehen noch zwei Paar dreieckige
Taster, die mit einer Ecke angewachsen und auf der Innenfläche mit
Flimmerepithelium überzogen sind. Sie dienen theils zum Herbeiführen
der Nahrung, theils zum Abhalten unbrauchbarer Substanzen. Eine kurze
Speiseröhre führt dann in den rundlichen, sehr einfachen Magen; der
Darm ist bei unseren Arten ebenfalls sehr einfach; er verläuft bei den
Najadeen erst eine Strecke weit nach unten, macht eine Biegung bis
fast wieder an den Magen und verläuft dann als Dickdarm und Mastdarm
gerade nach hinten. Bei den Najadeen hängen Dünndarm und Dickdarm
an der Umbiegungsstelle nur durch zwei enge Canälchen, in deren
Umgebung sich noch einige Blindsäcke finden, zusammen. Der Mastdarm
mündet durch das Herz hindurch in den Cloakenraum. Von Anhangsdrüsen
finden wir eine starke Drüse, die den Magen umhüllt und mit mehreren
Ausführungsgängen in ihn mündet, man hält sie für die Leber, hat aber
noch keinen Gallenstoff darin nachweisen können. Speicheldrüsen fehlen
unseren Arten; dagegen findet sich bei den meisten am unteren Ende
der Speiseröhre ein oft ziemlich langer, blinder Anhang, der einen
structurlosen, cylindrischen, durchsichtigen Körper, den sogenannten
~Crystallstiel~ enthält, von dessen Bedeutung man noch keine Idee hat.

Da alle Kauapparate fehlen, können die Muscheln nur ganz fein
zertheilte Nahrung, die ihnen mit dem Wasser zugeführt wird, geniessen.
Grössere, ungeniessbare Gegenstände werden durch die Lippentaster
und die Anhänge im Umfang der Cloakenöffnung wie durch ein Sieb
zurückgehalten. Nach den im Darm gefundenen Resten scheinen die
microscopischen Algen den Hauptbestandtheil der Nahrung auszumachen.

Das Gefässsystem der Muscheln ist sehr complicirt, da es nicht nur
zur Circulation, sondern auch zur Vergrösserung und Verkleinerung der
Organe durch die sogenannten Schwellgefässe dient. Alle haben ein von
einem Herzbeutel umhülltes ~Herz~, das ganz oben am Rücken dicht am
Mastdarm liegt und dasselbe mit zwei Fortsätzen umfasst; es besteht aus
einer Herzkammer und zwei Vorhöfen und giebt zwei grosse Schlagadern,
eine nach vorn und eine nach hinten ab. Ausserdem kommt aber noch ein
eigenthümliches Organ in Betracht, das nach seinem ersten Beschreiber
der ~Bojanus’sche Körper~ genannt wird und das unmittelbar unter
dem Herzbeutel liegt; es besteht aus einem doppelten Paar Röhren,
die in verschiedener Weise unter einander, mit dem Herzbeutel und
den in denselben mündenden Capillarien, sowie andererseits mit dem
freien Raum zwischen den Mantelblättern durch das sogenannte Athemloch
communiciren. Auch hängen sie mit einem in der Mittellinie unmittelbar
darunter liegenden venösen Sinus aufs innigste zusammen.

Im Gegensatz zu den Schnecken, bei denen das Blut aus den Arterien in
die Venen durch wandlose Räume, Lacunen, übergeht, haben die Muscheln
sehr ausgebildete Capillarien, welche aber zum Theil weniger dem
Kreislauf, als dem An- und Abschwellen der Theile dienen; in diesem
Falle münden noch ziemlich starke Zweige von Arterien in die Netze ein,
während sie sich bei den der Ernährung dienenden erst baumförmig auf’s
Feinste verzweigen. Die Capillarien sammeln sich nachher in Venen, die
theils in den grossen venösen Sinus, theils in das Bojanus’sche Organ,
theils direct in den Herzvorhof münden.

Aus den Gefässnetzen des Bojanus’schen Körpers sammelt sich dann die
Kiemenarterie und tritt zwischen die beiden Blätter jeder Kieme; in
denselben verzweigt sich dieselbe vielfach und sammelt sich dann an
den oberen Rand zu den Kiemenvenen, die unmittelbar in die Vorhofe
einmünden. Das Gefässsystem hängt ausser durch das Bojanus’sche Organ
und seinen Ausführungsgang auch noch durch eine, für gewöhnlich durch
einen Muskel verschlossene Oeffnung am Mantelrande in der äusseren
Kiemenvene und durch wasserführende Canälchen, die im Fusse verlaufen
und an dessen unterer Kante nach aussen münden, mit dem freien Raum
innerhalb der Schale und dem dort befindlichen Wasser zusammen, so
dass das Blut jederzeit beliebig mit Wasser verdünnt werden kann. Ob
diess im Leben regelmässig oder nur in besonderen Fällen geschieht,
ist noch zu entscheiden. Das Blut selbst ist farblos, bläulich oder
röthlich, mit farblosen, mitunter zackigen Blutkörperchen und enthält
nach C. ~Schmidt~ bei _Anodonta_ etwa 9 pro Mille, nach ~Voith~ bei
_Margaritana_ nur 3,1 pro Mille feste Bestandtheile.

Die ~Athmungsorgane~ bestehen überall in ~Kiemen~, meistens zwei
Blättern jederseits, die innerhalb des Mantels gelegen sind und ebenso
wie dieser den ganzen Körper umhüllen. Sie sind hinten unmittelbar mit
einander eine Strecke weit, soweit das Schloss reicht, verwachsen, am
deutlichsten bei den Siphonen tragenden Cycladeen, wo dann die eine
Röhre mit der Cloakenkammer über, die andere mit der Kiemenkammer unter
der Kieme zusammenhängt. Jede Kieme besteht aus zwei mit einander
verwachsenen Blättern, zwischen denen die Blut- und Wassergefässe
verlaufen. Wo die beiden Blätter am Körper angewachsen sind, weichen
sie etwas von einander und lassen einen dreieckigen Raum zwischen sich.
Bei den Najadeen ist jede Kieme noch durch Verwachsungen in Fächer
getheilt, die als Bruttaschen für die Jungen dienen; dieselben münden
durch enge Oeffnungen in eine flimmernde Rinne am freien Rande der
Kiemen. Auf den sehr complicirten microscopischen Bau, wie wir ihn
besonders durch ~Langer~[11] bei _Anodonta_ genauer kennen gelernt
haben, näher einzugehen, verbietet der Raum. Im allgemeinen hat jedes
der beiden Blätter seine eigene Arterien und Venen, die mit denen des
damit verwachsenen Blattes nicht communiciren; sie sind ausserdem von
Chitinstäbchen durchsetzt, zwischen denen Oeffnungen bleiben, die dem
Wasser freier Durchtritt gestatten. Es tritt dann in die Kiemenfächer
und aus diesen durch den Wassercanal am oberen Rande in den Cloakenraum
und so nach aussen. Es macht also das zum Athmen verbrauchte Wasser
diesen bestimmten Weg, so lange Vorrath genug da ist; nimmt man aber
die Muschel aus dem Wasser, so kann kein neues Wasser zugeführt werden,
und das verbrauchte Wasser dringt dann wieder durch einige enge sonst
unbenutzte Oeffnungen in die Kiemenhöhle, um seinen Kreislauf von neuem
zu beginnen, bis aller Sauerstoff verbraucht ist und das Thier stirbt.

Die Bewegung des Wassers innerhalb der Schalen wird für gewöhnlich
durch die Flimmerbewegung der Epithelien, welche den ganzen
Athemapparat auskleiden, bewirkt. Alle paar Minuten kommt aber dazu
noch ein allgemeiner Wasserwechsel, indem das Thier plötzlich seine
Schalen schliesst und das darin befindliche Wasser austreibt; öffnet es
dann wieder die Klappen, so strömt ganz frisches Wasser nach.

Einen Unterschied zwischen arteriellem und venösem Blute hat man bis
jetzt noch nicht nachweisen können.

Die Secretionsorgane sind nur wenig entwickelt. Die Schale wird ohne
besondere Drüsen von der ganzen äusseren Fläche des


Mantels abgesondert; der Rand bildet besonders die Prismenschicht, die
übrige Oberfläche die Perlmutter. Verletzungen des Mantels bedingen
meist Verkümmerung der Schale oder einzelnen Parthieen. Ausserdem
kommt als Secretionsorgan noch die Bojanus’sche Drüse in Betracht,
doch ist man noch weit entfernt davon, einen klaren Begriff von ihrer
Function zu haben; manche halten sie für eine Niere; da man aber nie
Harnstoffverbindungen, sondern nur Kalk in ihr gefunden hat, ist es
wahrscheinlicher, dass sie den zum Schalenbau nöthigen Kalk bereitet,
vielleicht in Form einer Verbindung von Kalk und Eiweiss, oder dass sie
zur Bildung des Pigmentes in Beziehung steht.

Das Nervensystem zeigt zunächst dieselben drei Paar Ganglien, wie bei
den Schnecken, aber weit von einander entfernt liegend und nur durch
Nervenfäden verbunden. Das erste Paar, die Mundganglien, versorgt den
vorderen Theil des Körpers, das mittlere, die Fussganglien, den Fuss
und das Gehörorgan, aber nicht die Eingeweide, und das dritte Paar,
die Kiemenganglien, die Kiemen und den hinteren Theil des Mantels.
Ausserdem finden sich aber noch eine Anzahl Ganglien, die, vom Willen
unabhängig, dem Sympathicus der höheren Thiere entsprechen und mehrfach
mit den anderen Ganglien zusammenhängen; sie versorgen die Eingeweide.

Die Sinnesorgane sind bei unseren Arten nur wenig entwickelt.
Gesichtsorgane fehlen gänzlich, während viele Seemuscheln sehr schön
entwickelte, zahlreiche Augen am Mantelrande haben; doch scheinen die
Unionen manchen Beobachtungen nach nicht ganz unempfindlich gegen das
Licht zu sein. Ob Geschmacksorgane vorhanden, ist nicht zu entscheiden;
dagegen scheint das Gefühl sehr entwickelt zu sein, und seinen
Sitz nicht nur in den Mundtastern und den Tastern am Mantelrande,
sondern auch ganz besonders im Fusse zu haben. Endlich sind bei allen
Gehörorgane vorhanden, zwei Kapseln mit je einem grossen Gehörsteine,
die bei den Cycladeen unmittelbar auf dem Fuss-Nervenknoten aufsitzen,
bei den Najadeen in einiger Entfernung davon und durch Nerven damit
verbunden, liegen.

Die Bewegungsorgane sind natürlich mannigfaltiger, als bei den
Schnecken, da zu der Ortsbewegung auch noch das Oeffnen und Schliessen
der Schalen kommt. Für die Ortsbewegung dient, wie bei den Schnecken,
der musculöse ~Fuss~, der beil- oder zungenförmig gestaltet ist,
und sowohl zum Kriechen und zum Eingraben in den Sand, als bei den
Cycladeen auch zum Klettern an Wasserpflanzen und zum Schwimmen
nach Art der Limnaeen dient. Er kann durch die Schwellorgane und
Wassergefässe sehr vergrössert werden, wenn das Thier kriechen oder
bohren will, und schiebt sich dann aus den Schalen heraus, will ihn
das Thier zurückziehen, so verkleinert es ihn, indem es durch ein
rasches Zusammenziehen das Wasser nach aussen spritzt. Das Oeffnen
der Schale bewirkt, wie schon oben erwähnt, das Schlossband, das
Schliessen die beiden, von einer Klappe zur anderen quer durch den
Körper hindurchgehenden Schliessmuskel. Damit aber diese nicht ewig
der Elasticität des Schlossbandes entgegen zu arbeiten brauchen, liegt
jedem ein starker Bindegewebestrang an, der das Oeffnen der Schale nur
bis zu einem gewissen Grade gestattet und von da ab auch noch nach dem
Tode des Thieres dem Schlossbande das Gleichgewicht hält, so dass eine
Ermüdung der Muskeln nicht so leicht eintreten kann.

Die Geschlechtsorgane sind stets paarig, aber bei den verschiedenen
Gattungen sehr verschieden gebaut. Die Cyclasarten und wahrscheinlich
auch die Pisidien sind Zwitter, die Najadeen sind getrennten
Geschlechtes, aber die keimbereitenden Drüsen sind bei Männchen und
Weibchen ganz gleich gebaut, nur, wenn Saamen oder Eier entwickelt
sind, bekommen sie verschiedene Färbung. Nach ~van Beneden~ kommen aber
auch hier Zwitter vor, bei denen ein Theil der Drüse Eier, der andere
Saamen producirt; doch behauptet ~von Hessling~, dass dann immer das
eine Geschlecht überwiege, und entweder Saamen oder Eier nicht völlig
ausgebildet seien. Auch _Tichogonia_ ist getrennten Geschlechtes. Die
engen Ausführungsgänge münden mit einer sehr feinen Oeffnung auf einem
Wärzchen, neben der Mündung des Bojanus’schen Ganges.

Bei einiger Aufmerksamkeit und Uebung soll man schon an den Schalen
die Männchen und Weibchen unterscheiden können. Nach ~von Siebold~
ist bei _Anodonta_ das Männchen breit oder elliptisch eiförmig, die
weibliche Schale länglich-eiförmig und stärker gewölbt. Die stärkere
Wölbung besonders des hinteren Theiles, führt auch ~Küster~ als
Hauptkennzeichen des Najadeenweibchens an.

Begattungswerkzeuge fehlen gänzlich.

Ein besonderes Organ, das von unseren Muscheln im ausgebildeten
Zustande nur _Tichogonia_ zu besitzen scheint, ist die Byssusdrüse,
eine Drüse, durch welche die Fäden abgesondert werden, mit welchen sich
diese Muschel an Steine, Pfähle oder andere Muscheln befestigt. Sie
besteht aus einer rundlichen Höhle, in der sich Drüsen befinden; die
Fäden werden durch einen besonderen zungenförmigen Fortsatz des Fusses,
den sogenannten Spinner, ausgezogen. Uebrigens kann unsere Muschel
jederzeit den Byssus ablösen und sich neu befestigen.



Siebenundzwanzigstes Capitel.

Entwicklung der Muscheln.


Die Entwicklung der Muscheln ist äusserst interessant, aber leider
ist es der Wissenschaft noch immer nicht gelungen, alles aufzuhellen
und den vollständigen Entwicklungsgang vom Ei bis zum ausgebildeten
Thiere zu verfolgen. Am leichtesten ist diess noch bei den Cycladeen,
da deren Junge ihre vollständige Ausbildung innerhalb des mütterlichen
Körpers durchmachen. Es haben die Thiere zu diesem Zwecke eine eigene
Bruttasche jederseits, die von der Wurzel der inneren Kiemen frei in
die Kiemenkammer herabhängt, und im Inneren gewöhnlich wieder in drei
Täschchen, von denen jedes bis zu 6 Embryonen auf sehr verschiedenen
Entwicklungsstufen enthält, zerfällt. Die Art der Befruchtung ist noch
ganz unbekannt. Beide Geschlechter sind bei den Cycladeen in einem
Individuum vereinigt. Wahrscheinlich wird der Samen frei ins Wasser
ergossen und dann von anderen Individuen wieder aufgesogen und gelangt
so zu den Eiern. Die Embryonen bestehen nach ~Leydig~ nur aus einem
Ballen Zellen mit Dotterkörnchen, ohne eine Hülle, ohne Eiweiss und
ohne Flimmerorgane; sie nähren sich von der klaren Flüssigkeit, die
von der Innenfläche der Bruttasche ausgeschieden wird. Es bilden sich
dann Fuss- und Darmkanal, deren Oberflächen ganz mit Flimmerhaaren
überzogen sind, die ersten Spuren des Byssusorgans und der Kiemen und
Schalen. Aus dem anfangs paarigen Byssusorgan wächst dann ein ziemlich
langer Byssusfaden, und die Fäden aller in einer Tasche befindlichen
Embryonen vereinigen sich zu einem gemeinsamen Stamme, der sich an der
Taschenwand befestigt. Zuletzt bilden sich die Schliessmuskeln und das
Herz, und so verlässt die Larve die Bruttasche, ohne Blutgefässe, erst
mit den Anfängen des Nervensystemes und ohne Siphonen. Nach ~Bronn~
kriechen die Jungen in diesem Zustande, indem sie schon ⅕-⅙ ihrer
späteren Grösse erreicht haben, zwischen den Wasserpflanzen umher,
befestigen sich da und dort mit Byssusfäden und bilden rasch ihre
Kiemen aus, während das Byssusorgan schwindet. Etwas abweichend von
diesem Typus entwickelt sich nach O. ~Schmidt~ der Embryo von _Cyclas
calyculata_, er hat keine Byssusdrüse und ist zu keiner Zeit an den
Wandungen der Bruttasche befestigt, sondern rotirt frei in derselben
durch zwei mit Flimmerhaaren besetzten Längswülstchen, aus denen später
die beiden Mantellappen werden.

Es findet also hier keine eigentliche Metamorphose statt; die Schalen
des Embryo entwickeln sich zu den definitiven Muschelschalen und es
bleibt nur noch eine kleine Lücke, in der sich Kreislauf und Siphonen
bilden, aufzuhellen.

Anders ist es mit den Najaden, deren sehr seltsame Entwicklung trotz
der von den bedeutendsten Naturforschern darauf verwendeten Mühe
noch immer in ihrem grössten Theile vollkommen räthselhaft ist. Wir
folgen der Arbeit von ~Forel~ (Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der
Najaden, Würzburg 1867), die ausser vollständiger Zusammenstellung des
Bekannten zahlreiche sehr schöne eigene Beobachtungen enthält.

Die Najaden sind bekanntlich getrennten Geschlechtes, und die Embryonen
entwickeln sich in den Kiemenfächern der Weibchen bis zu einem gewissen
Grade. Wie gelangen sie aber dahin? Aus dem Eierstock treten sie in
den Eileiter, und aus diesem durch einen feinen Schlitz in den Gang
am oberen Rande der inneren Kiemen und gelangen dann mit dem Strome
des Wassers in die Cloake. Von dort in die Fächer der äusseren Kiemen
können sie aber nur gegen die gewöhnliche Stromrichtung gelangen,
und es müsste geradezu für diesen Moment eine Umkehr des Stromes
erfolgen, was mir sehr unwahrscheinlich vorkommt. Es ist aber noch ein
anderer Vorgang möglich, nämlich dass die Eier durch die Cloake nach
aussen treten, dort mit dem ebenfalls ins Wasser ergossenen Sperma
der Männchen in Berührung kommen, befruchtet, und dann von den in
der Nähe befindlichen Weibchen wieder aufgesogen werden. Eine solche
Beobachtung hat wenigstens ~von Hessling~ am 2-5. Aug. 1860 an den
in der Eger sehr zahlreich lebenden Perlmuscheln gemacht. Zwischen
10-1 Uhr liessen nämlich die meisten Muscheln, wie die Untersuchung
nachher ergab, Männchen wie Weibchen, eine milchige Flüssigkeit aus
der Cloake austreten, die das Wasser trübte, aber beim Fliessen
über die Muschelbänke nach und nach wieder schwand. Durch die
Athemöffnung eingezogen würden die befruchteten Eier dann leicht in die
Kiemenfächer gelangen können. Vielleicht lassen sich im Aquarium später
entscheidende Beobachtungen hierüber machen.

In den Kiemenfächern findet man die Eier in ungeheurer Masse. ~Unger~
fand durch Zählung bei einer _Anodonta anatina_ 112000, C. ~Pfeiffer~
bei einer _Anodonta_, vermuthlich _A. cygnea_ 400000 Eier,[12]
von denen 1000 in getrocknetem Zustande nur ⅛ Gran wogen. Sie
sind sehr dicht zusammengepresst und dehnen die sonst ganz dünnen,
durchsichtigen Kiemen so aus, dass man, wie oben erwähnt, schon aus der
aufgetriebeneren, gewölbteren Schale die Weibchen erkennen kann.

In den Kiemenfächern findet nun die weitere Entwicklung statt. Der
Dotter nimmt eine dreieckige Form an und überzieht sich mit einer
dünnen Schicht vieleckiger Zellen, aus denen später die Embryonalschale
wird. Innerhalb derselben bildet sich dann die erste Anlage des
unpaarigen Schalenschliessers und das Byssusorgan. Bei dem vollständig
ausgebildeten Embryo, wie ihn die aus ~Forels~ Arbeit entlehnten
Figuren 5 und 6 auf Taf. VI. darstellen, finden wir die Körpersubstanz
in zwei seitliche Massen getrennt, die durch eine dünne, breite
Commissur verbunden sind, während bei den ausgebildeten Muscheln grade
die ganze Körpermasse in der Mitte vereinigt ist; auf ihnen stehen
an bestimmten Stellen bei _Anodonta_ 8, bei _Unio_ nur 4 aus Borsten
zusammengesetzte Stacheln, deren Bedeutung noch durchaus dunkel
ist. Ausserdem liegen noch an dem einen Ende zwei korbförmige, mit
Flimmerapparaten versehene, von ~Forel~ Räder genannte Organe, die
wahrscheinlich zur Respiration dienen; sie sind durch eine ebenfalls
mit Flimmerhaaren besetzte Brücke verbunden. Von Gefässen, Nerven oder
Verdauungsorganen findet sich auch bei dem zum Austreten reifen Embryo
keine Spur. Die Bewegungsorgane dagegen sind sehr stark entwickelt. Die
Schale ist dreiseitig mit abgestumpften Ecken, durch zahlreiche feine
Porenkanälchen durchsetzt. Das Schloss liegt an der einen Seite, ihm
gegenüber an der Ecke findet sich, mit einer Art Gelenk aufsitzend, ein
grosser, bauchiger Haken, der sich beim


Schliessen nach innen biegt. Geschlossen wird die Schale durch einen
sehr grossen, unpaaren Muskel, der ungefähr die Mitte des Körpers
einnimmt und sich schon in den ersten Tagen bildet, geöffnet durch
das Schlossband. Das einzige ausser dem Muskel entwickelte Organ ist
das Byssusorgan, ein cylindrischer Körper, der sich in einen langen
klebrigen Faden fortsetzt, welcher in vielen Windungen einen grossen
Theil des Schalenraumes ausfüllt. Das Byssusorgan liegt immer in der
rechten Schale.

Die so gestalteten Embryonen sind den ausgebildeten Najaden so
unähnlich, dass man sie für Parasiten angesehen hat und dass ~Rathke~
und ~Jacobson~ sie als eine besondere Schmarotzergattung unter dem
Namen _Glochidium_ beschrieben.

Beobachtet man Anodonten mit reifen Eiern eine Zeit lang in einem
Gefäss, so kann man sehen, dass sie immer den ganzen Inhalt eines
Kiemenfaches, in eine dichte kuchenartige Masse zusammengepresst,
ausstossen. Nach ~Forel~ ist diess aber ein abnormer, krankhafter
Vorgang; die Muschel kann in dem engen Glase nicht Sauerstoff genug
einathmen und sucht die Athemfläche zu vergrössern, indem sie die
äusseren Kiemen ihres Inhaltes entledigt. Im Aquarium, wo es an
frischem Wasser und Sauerstoff nicht fehlte, sah er die Eier mit dem
Athemwasser in Pausen von 3-4 Minuten aus der Cloake austreten, isolirt
oder zusammenhängend, aber nie zu Kuchen zusammengepresst.

Nimmt man einen Embryo aus den Kiemen oder aus einem der ausgestossenen
Kuchen noch so vorsichtig, immer findet man ihn ohne Eihülle; er öffnet
im Wasser alsbald seine Schalen und lässt sie nach einigen vergeblichen
Schliessversuchen offen; nach einigen Minuten ist er abgestorben.
Nimmt man dagegen einige spontan ausgetretene Eier vorsichtig mit
einem Uhrglase auf, so findet man die Eihülle noch ganz. So kann sich
der Embryo nach und nach an das Wasser, das ihm bei unvermitteltem
Uebergang tödtlich wird, gewöhnen; später zerreisst er dann die Schale
und lässt den Byssusfaden, der dann etwa 6-12 Mm., d. h. unendlich
viel länger als der noch immer microscopisch kleine Embryo ist, frei
hervortreten. Im Aquarium sterben alle, die meisten sehr bald, manche
hat ~Forel~ 23 und selbst 30 Tage lebend beobachtet, aber ohne dass sie
sich weiter entwickelten.

Es müssen also noch andere Umstände hinzukommen, die wir im Aquarium
den Embryonen nicht zu bieten vermögen. Hier stehen wir vor dem
dunklen Capitel der Entwicklungsgeschichte. Einige Fingerzeige hat
freilich die neuere Zeit gegeben. ~Leydig~ hat nämlich an verschiedenen
Flussfischen auf der Haut Verdickungen bemerkt, innerhalb deren er
Organismen fand, die ganz den Najadenembryonen glichen, aber keinen
Byssusfaden mehr hatten. ~Forel~ hat diese Beobachtung an Weissfischen
und Gründlingen im Main öfter gemacht; namentlich an Schwanz- und
Brustflossen und an den Kiemendeckeln sind diese eingekapselten
Embryonen gar nicht selten. Es lässt sich also vermuthen, dass sie
normaler Weise eine Zeit lang auf den Fischen schmarotzen und sich
dort soweit entwickeln, dass sie dann frei leben können. Es muss diess
ziemlich lange dauern, denn während die Embryonen höchstens 0,00088
Gran wiegen, wog die kleinste Muschel, die ~Forel~ fand, immer schon
1 Gr., also über 12000 mal mehr. Auf eine parasitische Lebensweise
deutet auch die ungeheure Anzahl der Eier hin, welche die Najaden
mit den parasitischen Würmern gemein haben, und zugleich erklärt
sich dadurch auch die verhältnissmässig geringe Fortpflanzung. Kämen
sämmtliche Embryonen zur Entwicklung, so müssten binnen kurzer Zeit
alle Gewässer mit Unionen und Anodonten angefüllt sein. Wahrscheinlich
sinken die Jungen nach ihrem Austreten aus den Kiemenfächern zu Boden,
öffnen dort, wie im Aquarium, ihre Schalen, sobald sie sich genügend
ans Wasser gewöhnt und die Eihülle gesprengt haben, und lassen den
Byssusfaden austreten. Derselbe heftet sich dann an die Fische an,
die langsam über den Boden hinschwimmen, aber von tausenden gelingt
diess vielleicht kaum einem, während die anderen zu Grunde gehen.
Nach ~Forel~ werden sie besonders von Infusionsthierchen sofort nach
ihrem Absterben aufgezehrt; C. ~Pfeiffer~ sah Limnäen sie in grosser
Menge fressen. Interessant wäre es, wenn genauere Beobachtungen diese
Parasiten besonders auf dem Bitterling, _Rhodeus amarus_, nachwiesen,
denn wie aus dem nächsten Capitel hervorgehen wird, es fände dann
zwischen diesem Fisch und unseren Muscheln ein auf Gegenseitigkeit
gegründetes Wechselverhältniss statt: die Muschelembryonen entwickelten
sich auf dem Fische, die Fischembryonen in den Kiemen der Muscheln.

Es muss also ein Vorgang stattfinden, der uns noch unbekannt ist. Eine
ganz vollständige Metamorphose, wie bei den Insecten, ist es aber
nicht, denn die Schalen bleiben erhalten und bilden kleine Höcker auf
den Wirbeln, die man namentlich bei jungen _An. cellensis_ mit blosem
Auge schon erkennen kann. Die microscopische Untersuchung lässt leicht
den Beweis führen, dass es wirklich die Embryonalschalen sind.

Was weiter aus den Embryonen wird, ist vollkommen unbekannt. Die
kleinsten Muscheln, die ~Forel~ fand, waren immerhin schon 6 Mm. lang
und vollständig wie die Erwachsenen organisirt. Meine kleinsten haben
freilich kaum die Grösse von _Pisidium obtusale_. Vielleicht leitet ein
günstiger Zufall einmal auf die richtige Spur. Wann die junge Muschel
den Fisch verlässt, und wo und wie sie dann lebt, das sind jetzt noch
vollkommen ungelöste Fragen.

Ueber die Entwicklung von _Tichogonia_ sind meines Wissens
Beobachtungen noch nicht gemacht; wahrscheinlich gleicht sie der der
übrigen Mytilaceen, die eine Zeit lang als ovale ⅕-¼ Mm. grosse
Larven mit nur einem Schliessmuskel vermittelst eines Wimpersegels frei
umher schwimmen, bis sich nach und nach die Organe entwickeln und das
Thier sich endlich festsetzt.

Jedenfalls erfolgt der Zuwachs nicht in einzelnen Absätzen, wie bei
den Schnecken, denn man findet nie Muscheln mit unvollständigem Rande,
sondern den ganzen Sommer hindurch ziemlich gleichmässig, indem der
häutige Saum, die überstehende Epidermis, fortwährend wächst und sich
in demselben Maasse Kalk in dieselbe ablagert. Dass allerdings kürzere
und längere Stillstände vorkommen, beweisen die feinen Streifen und die
stärkeren Absätze, die man an jeder Muschel findet.

Auch über das fernere Wachsthum der Muschel und deren Dauer,
sowie über ihr Alter ist man noch sehr unklar. Aus der Anzahl der
Wachsthumstreifen kann man das Alter unmöglich bestimmen, da wir
durchaus nicht wissen, wie oft jährlich das Gehäuse vergrössert wird.
Würde in jedem Jahre nur ein Zuwachsstreifen angesetzt, so müsste
man weit öfter kleine Exemplare, die für gewöhnlich ziemlich selten
sind, finden. Von der Perlmuschel weiss man aus den beaufsichtigten
Muschelbänken der Perlenbäche, dass sie 8-10 Jahre alt werden können;
sie scheinen aber in den letzten Jahren kaum mehr zu wachsen und nur an
Dicke zuzunehmen.

~Von Hessling~ behauptet freilich, dass man an Perlmuscheln, die durch
eingebrannte Jahreszahlen bezeichnet waren, ein Alter von 50-60 und
selbst von 70-80 Jahren beobachtet habe. Im Main dahier werden die
seichteren Buchten, die einzigen Wohnstätten der Unionen und Anodonten,
den Sommer über alljährlich fast vollständig ausgelesen und zwar auf
weite Strecken hin, im anderen Jahre sind sie wieder eben so reich
an Muscheln, wie vorher; es scheint mir das ein ziemlich sicherer
Beweis für ihr rasches Wachsthum zu sein. Directe Versuche, die ich
in eingesenkten Körben machte, verunglückten leider, da die Körbe von
muthwilliger Hand zerstört wurden.

Bei Unionen findet man mitunter die Ansätze der Schliessmuskeln
verkalkt; ich möchte diess, wenn die Schalen sonst normal sind, für ein
Zeichen hohen Alters halten.

Eigentliche Missbildungen sind bei den Muscheln selten. Mitunter findet
man die Schlosszähne auf der falschen Schale, rechts statt links;
man könnte diess etwa als Analogon der verkehrt gewundenen Schnecken
auffassen. Sehr häufig dagegen findet man Verkrüppelungen durch
Krankheit oder Verletzung. Hierher gehören vor allem die ~Perlen~,
wahrscheinlich immer entstanden durch das Bestreben der Muschel, einen
fremden Körper unschädlich zu machen oder eine Verletzung der Schale zu
repariren. Fremde Körper, die zwischen Mantel und Schale oder in den
Mantel hinein gerathen, werden mit derselben Perlmuttersubstanz, die
die Schale innen auskleidet, überzogen, so Sandkörnchen und sehr häufig
schmarotzende Milben. Meistens findet man die Perlen an der Innenfläche
der Schale festsitzend, seltener frei im Mantel. Mit Perlmuttersubstanz
werden auch Verletzungen reparirt; ich besitze einen _Unio batavus_
aus dem Main, der einen Defect von mehr als 1 Mm. Durchmesser,
wahrscheinlich durch den Schnabelhieb einer Krähe entstanden, mit einem
ganz dünnen Perlmutterhäutchen geschlossen hatte, um den eindringenden
Sand abzuhalten, und der wahrscheinlich den Schaden vollständig wieder
überwunden hätte, wenn nicht ein Muschelsammler dazwischen gekommen
wäre und das Thier als Schweinefutter verwendet hätte. Kleinere
perlenartige Höcker, förmliche Perlmutterblasen, findet man besonders
am hinteren Schalenrande sehr häufig; sie sind fast immer mit Sand
erfüllt, der durch irgend einen Zufall zwischen Mantel und Schale
gerathen und von dem Thier auf diese Weise unschädlich gemacht worden
ist.

Hierher gehören auch die Verkalkungen, die sich innen namentlich bei
der _An. ponderosa_ im Main durchaus nicht selten an den Ansätzen
der Schliessmuskel findet, entstanden durch Kalkablagerung in die
Bindegewebebündel, wie man sie ja analog auch bei anderen Thieren und
selbst beim Menschen findet. Meist sind die Schalen dann auch sehr
dick und machen den Eindruck eines sehr hohen Alters.

Sehr häufig sind auch im Main Krüppel, die wahrscheinlich durch eine
Quetschung des hinteren Endes entstehen, durch welche der hintere
Schliessmuskel momentan unwirksam gemacht wird. Natürlich klafft dann
die Schale am hinteren Ende, und das Thier muss, um den Schaden zu
repariren, im rechten Winkel von der alten Schale aus weiter bauen,
bis die Schalen wieder nahe genug zusammenkommen, dass das Thier in
normaler Richtung weiter bauen kann. In geringeren Graden ist diese
Form sehr häufig; in exquisiten Formen, wie ~Heynemann~ mehrere
besitzt, ist die senkrechte Wand jederseits über 1 Ctm. hoch.

Nicht selten findet man auch ungleichmässige Breite der
Zuwachsstreifen, wodurch die Schalenränder eine abnorme Richtung
bekommen, meist nur allmählig, aber mitunter bei Mantelverletzungen
auch plötzlich, so dass der Rand, meistens der Unterrand, vollständig
geknickt erscheint. Die allmählig eintretenden Abnormitäten sind
meistens Folge der äusseren Verhältnisse, unter denen das Thier lebt;
wo viele solchen Verhältnissen gleichmässig ausgesetzt sind, können
dadurch eigenthümliche Varietäten entstehen, wie _Unio platyrhynchus_
aus _pictorum_ in den Kärnthener Seen und analoge Formen auch aus
_tumidus_ in den Schweizer Seen, aus _batavus_ in dem See von Cattaro.

Eine Erscheinung, die man an den Najaden, aber wie schon bei
_Limnaea_ erwähnt, auch bei Süsswasserschnecken findet, ist die
~Cariosität, das Angefressensein der Wirbel~. In manchen Gewässern,
besonders kleinen Bächen, findet man alle Unionen angefressen;
die Wirbel sind vollständig zerstört, die Schale ist oft bis auf
die Perlmutterschicht herausgefressen. Die Zerstörung ist nicht
gleichmässig, einzelne Parthieen sind tief, andere nur oberflächlich
zerfressen, und namentlich die Zuwachsstreifen sind meistens noch
unverletzt, vermuthlich weil hier die Perlmutterschicht bis unter
die Oberhaut geht und der Zerstörung Widerstand leistet. Immer ist
die Cariosität an den Wirbeln am stärksten, aber es finden sich auch
anderweitig kleine Partikelchen herausgefressen, und zwar meistens
in dem Raum zwischen zwei Zuwachsstreifen. Immer ist die Zerstörung
auf beiden Schalen ganz oder fast ganz gleich. In anderen Gewässern
findet man alle Muscheln mit vollständig unversehrten Wirbeln. Woher
kommt diese Erscheinung? Eine Folge mechanischer Verletzungen kann
sie nicht sein; Muscheln, welche ihren Halt verloren haben und von
dem Strom zwischen Steinen gerollt und abgerieben werden, sehen ganz
anders aus; die Zuwachsstreifen sind ebenso stark angegriffen, wie die
zwischenliegenden Theile. Ich habe im Frühjahr 1867, wo eine grosse
Fluth einen Theil des Chausseedammes im Lahnthal wegriss, eine Menge
_Unio batavus_ aus dem Schutte auf den Wiesen ausgelesen, die doch
gewiss mit der furchtbarsten Gewalt in dem Kies des Dammes gerollt
worden waren; sie waren sehr abgerieben, aber die Verletzungen zeigten
keine Aehnlichkeit mit der Cariosität.

Eher könnte man vielleicht an eine Verletzung denken, die bei
dem Einbohren in den Kies der kleinen Bäche entstände; die
Muscheln in grösseren Flüssen und Teichen mit Schlammgrund wären
derselben natürlich weniger ausgesetzt, aber auch dann bleibt die
Gleichmässigkeit der Vertheilung unerklärlich, abgesehen davon, dass
für die Limnäen und Planorben diese Erklärungsweise selbstverständlich
wegfällt.

Auch an eine Verletzung durch andere Thiere, die etwa den Kalk
herausfressen wollten, ist bei den Muscheln, die gerade mit dem
cariösen Theile am Boden stecken, nicht zu denken, wenn schon mir diese
Erklärung bei Limnäen, die ich oft in Klumpen aufeinander sitzend fand,
nicht unwahrscheinlich erschien.

Es bleibt also nur noch der chemische Einfluss der im Wasser
enthaltenen Kohlensäure zur Erklärung übrig. Diese Ursache, von
allen Seiten gleichmässig wirkend, kann zwar allerdings eine auf
beiden Seiten gleiche Verletzung bewirken, aber es bleibt dann immer
noch unerklärt, warum die Auflösung nur einzelne Parthieen betrifft
und oft nur ganz einzelne, kleine Löcher in die Schale frisst. Wir
müssen also eine Ursache innerhalb des Thieres selbst annehmen, die
der Kohlensäure gestattet, die sonst durch die Oberhaut geschützte
Kalkschale anzugreifen und zu zerstören, bis die durch ihren starken
Gehalt an organischen Stoffen geschützte Perlmutter Halt gebietet. Mit
Perlmuttersubstanz sucht sich auch das Thier zu schützen, und jedem
tief eindringenden Loch entspricht eine Perlmutterverdickung an der
Innenfläche, wie man schon bei den Muscheln, noch viel deutlicher aber
bei den angefressenen Limnäen sehen kann. Jedenfalls ist hier noch sehr
viel zu erforschen. Für manche ostindische Schnecken hat ~Semper~
Zerstörung durch schmarotzende Schwämme als Ursache der Cariosität
nachgewiesen; auch an den amerikanischen Unionen beobachtete Dr. ~Noll~
häufig Zerstörungen unter der unverletzten Epidermis, die mit einer
braunen, mulmigen Masse ausgefüllt waren.

Auch bei unseren Muscheln greift die Zerstörung oft unter die
unverletzte Epidermis. Reinigt man die Schalen mit Scheidewasser, so
beobachtet man immer hier und da feine Löchelchen in der Epidermis, in
denen sich Kohlensäure entwickelt.

Eine interessante Beobachtung, die auch einiges Licht hierher wirft,
theilte mir vor kurzem Herr Forstmeister ~Tischbein~ von Birkenfeld
mit. Derselbe brachte nämlich vor circa 10 Jahren eine Anzahl Exemplare
von _L. stagnalis_ aus den schlammigen Gräben von Poppelsdorf bei
Bonn mit nach Birkenfeld, wo sie sonst nicht vorkommen, und setzte
sie dort in einem klaren Tümpel mit vollständig schlammfreiem Grunde
aus, welcher im Sommer fast ganz austrocknet. Trotz dieses ungünstigen
Wohnortes haben sich die Thiere dort fortgepflanzt, aber schon nach
kurzer Zeit -- die mir mitgetheilten Exemplare sind aus dem vierten
Jahre nach der Aussetzung -- wurden die Schalen cariös in einem Grade,
wie er mir noch nicht vorgekommen ist; es sind nicht nur tiefe Rinnen
in die Umgänge gefressen, sondern auch das ganze Gewinde ist zerfressen
und ausser dem letzten Umgang nur ein unförmlicher Stumpf übrig.
Hier ist allerdings der chemische Einfluss des kohlensäurehaltigen
Gebirgswassers die unzweifelhaft nächste Ursache, aber ebenso
unzweifelhaft ist durch die Verpflanzung der Schnecken in eine ihnen
durchaus nicht zusagende Localität die Widerstandskraft derselben gegen
den Einfluss der Kohlensäure vermindert worden.

Bemerken will ich nur noch, dass sich in Beziehung auf den chemischen
Einfluss die Moorgewässer ebenso verhalten, wie die Quellwasser,
jedenfalls in Folge der vielen vermodernden Vegetabilien, die ihnen
eine beträchtliche Quantität freie Kohlensäure mittheilen. In den
moorigen Wiesengräben um Schwanheim, in einem Teiche bei Niederrad, der
von den Abflüssen der moorigen Wiesen am Sandhof gespeist wird, sind
_Planorbis corneus_ und _Limnaea stagnalis_ stark angefressen, wie in
den Quellabflüssen des Gebirgs.



Achtundzwanzigstes Capitel.

Lebensweise der Muscheln.


Unsere Muscheln beleben sämmtliche Gewässer und sind darin ganz
allgemein verbreitet. Während die Unionen, einige Anodonten, die
Cyclasarten und Tichogonia nur das fliessende Wasser bewohnen, sind
einige andere Anodonten und die Pisidien mehr Freunde des stehenden
Wassers; die Unionen suchen kiesigen, die übrigen schlammigen Grund
auf, in dem sie meistens verborgen liegen, während _Tichogonia_ sich
durch den Byssus auf Steinen, auf anderen Muscheln und dgl. befestigt.

Uebrigens ist die Lebensweise der einzelnen Gruppen sehr verschieden.
Die Unionen und Anodonten stecken mit dem vorderen Theile des Körpers
tief im Schlamm, in dem sie sich mit dem Fusse vornen eingraben;
man sieht dann nur einen kleinen Theil der Schalen mit Athem- und
Cloakenöffnung, die erstere von den fransenartigen Manteltastern
umgeben. Nur Nachts wechseln sie mitunter ihren Platz; man sieht
dann die Bahn, in der sie gekrochen sind, im Schlamm und kann sie
an deren Ende auffinden. In dieser Lage strömt das Wasser durch die
Flimmerbewegung geleitet, zur Athemöffnung hinein und in die obere
oder Athemhöhle, von da gelangt es in die Kiemen, um durch dieselben
und ihre Zwischenräume in die untere oder Cloakenöffnung und wieder
nach aussen zu fliessen. Es dient also die Cloakenöffnung wesentlich
zum Austritt, die Athemöffnung zum Eintritt des Wassers. Demgemäss
sind auch die Oeffnungen eingerichtet; während die Ränder der Cloake
unbewehrt sind, stehen an der Athemöffnung zahlreiche, fransenartige
Taster, die sich bei der geringsten Störung wie ein Gitter vor die
Oeffnung legen und jeden grösseren Körper abhalten. Das Thier scheint
sich dieses Unterschiedes wohl bewusst zu sein, denn in meinem
Aquarium habe ich oft beobachtet, wie die Unionen bei der geringsten
Erschütterung des Gefässes sofort die Cloakenöffnung fest schliessen,
während die Athemöffnung sich nur leicht verengt und meistens erst bei
unmittelbarer Berührung ganz geschlossen wird.

Der Ortswechsel erfolgt nicht gleichmässig, wie bei den Gastropoden,
sondern mehr sprungweis; das Thier streckt seinen Fuss möglichst weit
vor und zieht dann, indem es ihn anstemmt, die mit den Wirbeln nach
oben gerichtete Schale nach. Diese Bewegung ist natürlich äusserst
langsam; C. ~Pfeiffer~ sah eine _Unio pictorum_ in vier Minuten fünf
solche Schritte machen, von denen jeder etwa 2‴ betrug.

Die Cycladeen liegen ebenfalls leicht im Schlamme oder Sand verborgen,
so dass nur die Oeffnung der Siphonen hervorsteht, aber mitunter
kriechen sie auch an den Wasserpflanzen umher oder schwimmen wie die
Limnäen, indem sie an der Oberfläche des Wassers mit der Schale nach
unten kriechen. Die Tichogonien endlich scheinen sich nur ausnahmsweise
zu bewegen, da sie für gewöhnlich mit dem Byssus auf einem andern
Gegenstande befestigt sind; ein Paar, das sich seit 6 Monaten auf einem
_Unio batavus_ befestigt in meinem Aquarium befindet, hat noch keinen
Versuch zu einem Ortswechsel gemacht. Doch ist es nicht zweifelhaft,
dass sie ihren Ort wechseln und den Byssus ablösen können, wenn sie
wollen.

Schaden können die Muscheln bei dieser Lebensweise durchaus keinen
bringen, aber auch Nutzen bereiten sie nur an wenigen Puncten. Freilich
werden sie bei uns nirgends, wie in Frankreich, gegessen, und auch die
perlenliefernde Art kommt in Nassau nicht vor. Von einiger Wichtigkeit
dagegen sind die Unionen und Anodonten den Anwohnern des Mains, die sie
im Sommer in Massen mit den Händen aus dem Main holen und die Thiere
zum Futter für die Schweine verwenden; diese werden davon sehr fett,
bekommen aber bei ausschliesslicher Muschelfütterung leicht einen
thranigen Geschmack. Aus den Schalen hat man vor einigen Jahren hier
und da Kalk gebrannt, aber in der letzten Zeit scheint diese Industrie
erloschen zu sein. Lieferungen für die Nürnberger Farbkästen sind
auch noch nicht in Aufnahme gekommen, und so liegen im Sommer ganze
Berge von Muschelschalen, wahre Kjökkenmöddingers, um die Maindörfer
herum, aus denen sich der Conchyliologe mit Musse die schönsten Suiten
herauslesen kann. Man nennt hier die Unionen einfach Muscheln, die
Anodonten Schwimmmuscheln.

Ausser dem Menschen stellen auch viele Thiere den Muscheln nach:
Füchse, auch Katzen und Hunde, von denen namentlich einzelne eine
auffallende Liebhaberei für die Muscheln zeigen, dann Reiher und
besonders Krähen, die Unionen und Anodonten oft weit vom Wasser hinweg
auf Bäume schleppen, und dann entweder durch Fallenlassen oder durch
einen kräftigen Schnabelhieb hinter den Wirbel die Schale zerstören.
~Rossmässler~ fügt auch den Blutegel als Feind an, was ich bezweifeln
möchte.

Die kleinen Pisidien und die jungen Muscheln überhaupt werden auch noch
von anderen Vögeln und ganz besonders von Tritonen, Kröten und Fröschen
aufgesucht und gefressen. Insecten und Crustaceen können ihnen nicht
viel anhaben, und manches Pisidium mag auch den Darmcanal eines Vogels
unverletzt passiren und so verpflanzt werden.

Dass auch Muscheln an Parasiten leiden, haben wir schon erwähnt.

Auf den Muscheln, soweit sie nicht in der Erde stecken, findet sich
sehr häufig eine Bryozoë, _Alcyonella fungosa_, in dichten Rasen,
namentlich in den stillen Buchten des Mains; sie ist vom ersten
Frühjahr bis Juli zu beobachten und verschwindet dann, indem sie
nur länglich runde schwarze Körperchen, die sogenannten Wintereier,
zurücklässt, die den Sommer über auf der Muschel kleben und sich im
nächsten Frühjahr entwickeln.

Ein anderer Parasit ist eine Milbe, _Hydrachna Concharum_ oder
_Limnochares Anodontae_, die, im ausgebildeten Zustande frei lebend,
ihre Eier in die Muscheln legt, und zwar entweder auf die Innenfläche
des Mantels in langen Reihen, oder in die Kiemen, seltener in die
Taster, in Klümpchen. Die Jungen, anfangs sechsbeinig, leben im Innern
der Muschel, indem sie mit ihrem spitzigen Rüssel den Saft aussaugen,
und verpuppen sich dann am hinteren Ende des Mantels in einer, aus
ihrer eigenen Haut gebildeten Cyste. Nach ~von Hessling~ werden sie oft
Ursache der Perlenbildung. Man findet sie in allen Entwicklungsstufen
das ganze Jahr hindurch. C. ~Pfeiffer~ nahm unausgewachsene Milben aus
einer Anodonte und setzte sie in Wasser; sie blieben unbeweglich, bis
er eine andere Anodonte hinein brachte, in deren Cloakenöffnung sie
sodann alsbald verschwanden.

Von den Schmarotzerwürmern ist am häufigsten _Distomum duplicatum_
in seinem Jugendzustand, weisse, eiförmige Kapseln, die Leber und
Geschlechtsorgane mitunter vollständig erfüllen; oft liegen mehrere
dieser sonderbaren, durch einen langen Schwanzanhang ausgezeichneten
Würmer in einer Cyste; beim Auskriechen werfen sie den Schwanz ab; die
weitere Entwicklung ist unbekannt.

Ein anderer nicht seltener Gast ist ein innerhalb des Herzbeutels
wohnender, egelartiger Wurm, _Aspidogaster conchicola_, mit
trichterförmigem Mund und einer Saugscheibe am Bauche; er ist oft mit
Eiern gefüllt. Seltener ist der seltsame _Bucephalus polymorphus_, ein
verzweigter, fadenförmiger Schlauch, mit Jungen im Inneren.

Selbst die Eier sind vor den Parasiten nicht sicher; Herr Kreisphysicus
Dr. ~Kloos~ theilte in der Septembersitzung der Senckenberg.
Gesellschaft mit, dass er in 1852 einmal massenhaft Fadenwürmer in
den Eiern von Unionen gefunden; auch ~Bär~ hat einen ähnlichen Fall
beobachtet. Am merkwürdigsten ist aber das Verhältniss, das zwischen
den Muscheln und einem oder einigen Fischen stattfindet. Was darüber
bekannt ist, hat Herr Dr. ~Noll~ in der Septembernummer des zool.
Gartens von 1869, mit zahlreichen eigenen Beobachtungen bereichert,
zusammengestellt, und ihm folgen wir im Nachstehenden. Er fand vom
April bis Juli und an manchen Stellen, z. B. im Metzgerbruch, bis zum
October die Fischeier in den Kiemen aller Unionenarten des Mains,
und zwar bei fast allen Exemplaren aus den stillen Tümpeln am Rande,
seltener bei Anodonten, doch bei _Anod. anatina_ im Metzgerbruch noch
im October. Sie sind gelb, etwa 3 Mm. lang, und liegen fast stets in
den Fächern der inneren Kiemen. Dort schlüpfen auch nach 4-6 Wochen
die jungen Fische aus, bleiben aber nachher noch eine Zeit lang in den
Kiemenfächern, bis sie der Muschel unbequem und von ihr herausgepresst
und durch die Cloakenöffnung nach aussen entleert werden. Nachdem man
früher bald den Stichling, bald den Kaulkopf, die aber beide Nester für
ihre Eier bauen, im Verdacht gehabt, ist man jetzt sicher geworden,
dass es die Eier des Bitterlings, _Rhodeus amarus_, unserer kleinsten
Karpfenart, sind, die hier ihre Entwicklung durchmachen. Das Weibchen
bekommt zu dem Ende, wie schon ~von Siebold~ beobachtete, zur Laichzeit
eine Legeröhre, nach ~Leydig~’s Untersuchungen eine verlängerte
Urogenitalpapille, mittelst deren es die Eier durch die Cloakenöffnung
in die Muschel bringt; da die innere Kieme näher an dieser Oeffnung
liegt, als die äussere, findet man die Fischeier fast immer in ihren
Fächern. Gerade an der Cloakenöffnung schliessen auch die Kalkschalen
der Muschel nicht unmittelbar aneinander, sondern der Schluss wird nur
durch die überstehende Epidermis bewirkt, und kann also der Fisch, wie
Dr. ~Noll~ richtig bemerkt, durch das Schliessen der Klappen von der
Muschel nicht beschädigt werden. Die weitere Entwicklung des Fisches
ist, wie mir ~Leuckart~ mündlich mittheilte, in Charkow beobachtet und
wirklich _Rhodeus amarus_ daraus erzogen worden; auch in Frankfurt
hat Herr Dr. ~Schott~ in dem Springbrunnenbassin einer Badeanstalt im
Sommer 1870 denselben Erfolg gehabt.



Neunundzwanzigstes Capitel.

Uebersicht der Familien und Gattungen.


Von den 30 Gattungen der Muscheln, die überhaupt im süssen Wasser
leben, kommen bei uns nur 5 vor, die zu drei verschiedenen Familien
gehören und sich folgendermassen unterscheiden:

  A. Schalenschliesser beide gleich.

    a. Schale 1½-2″ gross, gleichklappig, Mantel ringsum gespalten,
       keine Siphonen, Fuss zungenförmig, Thiere getrennten Geschlechts.

                                                              $Najadea.$

      1) Schloss mit Zähnen.

                                                            1. _Unio L._

      2) Schloss ohne Zähne.

                                                     2. _Anodonta Brug._

    b. Schalen höchstens ¾″ gross, meist viel kleiner, Mantel fast
       ganz verwachsen, zwei Siphonen.

                                                             $Cycladea.$

      1) Schloss in der Mitte, die zwei Siphonen getrennt.

                                                       3. _Cyclas Brug._

      2) Schale ungleichseitig, die Siphonen kurz und in ihrer ganzen
         Länge verwachsen.

                                                   4. _Pisidium C. Pfr._

  B. Schalenschliesser ungleich.

    Schalen dreiseitig, mit einem Spalt für den Byssus. Buckel
    endständig, innen mit einer Scheidewand, Mantel verwachsen,
    mit zwei Siphonalöffnungen, wovon die untere röhrig.

                                                  5. _Tichogonia Rossm._

Ausser diesen Gattungen könnte nur noch die Gattung _Margaritana_ in
Frage kommen, zu der die Flussperlenmuschel gehört, die nach ~Thomae~
in der Nister bei Hachenburg und im Main vorkommen soll; sie gleicht
ganz den Unionen, hat aber am Schloss nur Zähne, keine Lamellen. Die
Angaben über ihr Vorkommen in Nassau scheinen mir aber sämmtlich auf
Irrthümern zu beruhen.


A. NAJADEA.

Der Mantel ist seiner ganzen Länge nach gespalten; wenn er sich
zusammenlegt, bleiben noch zwei nicht in Siphonen verlängerte
Oeffnungen für die Kiemenhöhle und die Cloake. Die Kiemen dienen
gleichzeitig als Brutstätte für die Jungen. Die Thiere sind getrennten
Geschlechts. Die Schalen sind gleichklappig, ungleichseitig, mit oder
ohne Schlosszähne. Die beiden Familien unterscheiden sich nur durch die
Zähne am Schloss von _Unio_, die bei _Anodonta_ fehlen. Einen anderen
Unterschied hat man noch nicht aufzufinden vermocht.


I. UNIO ~Linné~.

Flussmuschel.

Muschel gleichklappig, ungleichseitig, hinten verschmälert und
verlängert, dick, nach hinten zu dünner; Wirbel aufgetrieben; Schloss
gezahnt. An der rechten Schale steht ein an der Spitze gekerbter,
conischer oder zusammengedrückter Schlosszahn, und unter dem
Schlossbande liegt der Länge nach eine scharfe, erhabene Leiste oder
Lamelle; an der linken Schale ist für die Aufnahme des Schlosszahnes
eine Grube zwischen zwei Zähnen, oder eigentlich zwischen zwei Hälften
eines durch diese Grube getheilten Zahnes; ebenso zur Aufnahme der
längslaufenden Lamelle eine Furche oder Rinne, von zwei längslaufenden
Falten gebildet. Ein langes, meist schmales äusseres Schlossband;
Ligamentalbucht schmal, verlängert.

Thier ganz das im ersten Capitel beschriebene.

Die Unionen sind eines der schwierigsten Capitel besonders für den
Naturforscher, der überall bestimmt umschriebene Arten sehen will;
ein solcher muss consequenter Weise die Formen aus jedem Bache mit
besonderen Namen belegen, denn ganz gleichen sie sich niemals. Begnügt
man sich aber Typen aufzustellen und in deren Umkreise die verwandten
Formen zu gruppiren, so gelingt es ziemlich leicht, alle unsere Formen
unter drei Hauptformen unterzuordnen, wobei man freilich mitunter
zweifelhaft sein kann, welcher Form man das eine oder das andere
Exemplar zutheilen soll. Der gänzliche Mangel grösserer Seen, in denen
sich eigene Formen ausbilden könnten, vereinfacht für unser Gebiet die
Verhältnisse sehr.

Unsere drei Arten unterscheiden sich folgendermassen ganz leicht:

  ~Schale keilförmig~, der Unterrand nach aussen ausgebogen, die beiden
  Zähne der linken Klappe gleichgross oder der hintere selbst grösser,
  die Höcker auf dem Wirbel in Zickzackstreifen geordnet; Farbe
  braungelb mit dunkleren Strahlen.

                                                  _U. tumidus_ ~Retz.~

  ~Schale zungenförmig~, der Unterrand in gerader Linie verlaufend oder
  selbst eingebuchtet, der hintere Zahn der linken Klappe viel kleiner,
  als der vordere oder selbst fehlend; die Höcker auf den Wirbeln
  einzelnstehend; Farbe röthlich- oder grüngelb mit nur undeutlichen
  Strahlen.

                                                      _U. pictorum_ L.

  ~Schale eirund~ oder der Unterrand noch eingebogen; Schlosszähne
  klein, zusammengedrückt, an der Spitze gekerbt; Wirbel sehr weit nach
  vornen stehend, wellig-runzelig; Farbe braungelb mit schönen grünen
  Streifen.

                                                   _U. batavus_ ~Lam~.


1. Unio tumidus ~Retzius~.

Muschel eiförmig verlängert, keilförmig bauchig, namentlich vorn
stark aufgeschwollen, nach hinten aber verschmälert und schmächtig,
schnabelförmig zulaufend, bei alten Exemplaren am Ende abgestutzt,
bei jungen spitz zugerundet; dick und schwer. Oberhaut braungelb mit
grünlichen Ringen abwechselnd und besonders am hinteren Theile mit
dunkleren Strahlen; selten einfach kastanienbraun. Die Oberfläche mit
nicht sehr tiefen concentrischen Streifen und Furchen. Oberrand seicht
gewölbt, Vorderrand stumpf zugerundet, Hinterrand spitz zugerundet oder
abgestutzt, Unterrand nach aussen ausgewölbt. Der Schild ist deutlich
bezeichnet durch zwei von den Wirbeln aus nach dem hinteren Ende hin
bogenförmig laufende, überdiess noch durch dunkle Strahlen angedeutete
Kanten, wodurch das Schild fast die Gestalt einer Ellipse erhält. Das
Schildchen ist weniger bezeichnet. Die Wirbel sind stets sehr stark
aufgetrieben, stark gegen einander geneigt und berühren sich bei
unversehrten Exemplaren stets. Unversehrte Wirbel zeigen zahlreiche
Höcker, die in Zickzackstreifen angeordnet sind; doch sind sie bei
alten Exemplaren meist abgerieben. Schlossband gelbbraun, stark.
Schlosszähne nur wenig zusammengedrückt, der rechte stark gekerbt,
länger als hoch; von den beiden Zähnen der linken Seite ist der untere
fast stets grösser und bedeutender, als der obere, nie kleiner.

Thier mit einem einfarbigen, graulich milchweissen Fuss.

Ich gebe in vorstehendem die genaue und treffende Beschreibung
~Rossmässlers~ und will nun noch einiges über die in unserem Gebiete
vorkommenden Formen bemerken. Das grösste Exemplar das ich aus
dem Main bei Frankfurt besitze, ist 108 Mm. lang, 50 Mm. an den
Wirbeln breit und 38 Mm. dick; dabei sind die Wirbel vollkommen
intact und das hintere Ende ist nur wenig abgestutzt. Ein genau
eben so grosses Exemplar erhielt ich durch Herrn Dr. ~Böttger~ aus
der Selz in Rheinhessen. Doch sind solche Exemplare sehr selten.
Als Durchschnittsgrösse betrachte ich etwa 90 Mm. Länge, 45-50 Mm.
Breite und 30-35 Mm. Dicke, man kann solche Exemplare aus jedem
Muschelhaufen am Main in grösserer Anzahl auslesen. Bei vielen findet
man am Unterrande im Widerspruch mit ~Rossmässlers~ Beschreibung eine
mehr oder minder bedeutende Einbuchtung, aber sie liegt viel weiter
nach hinten, wie bei _pictorum_, fast an der Uebergangsstelle in den
Hinterrand. Sehr häufig findet man den Hinterrand in fast gerader Linie
abgestutzt, als ob eine mechanische Gewalt die letzten Zuwachsstreifen
hier platt gedrückt hätte; bei stärkerer Ausbildung können dadurch
einerseits Formen, die an _U. littoralis_, andererseits solche, die an
_U. platyrhynchus_ erinnern, entstehen. Ich besitze ein Exemplar, das
bei 50 Mm. Breite nur 65 Mm. Länge hat. Viele Exemplare zeichnen sich
durch auffallende Dicke und Schwere der Schalen aus und kann man diese
wenn man will, _var. ~crassus~_ nennen, darf sie aber nicht für den
zu _batavus_ gehörigen _U. crassus_ ~Retz.~ nehmen, wie es mitunter
zu geschehen scheint, denn sowohl in der ~Wiegand~’schen Sammlung im
Frankfurter Museum, als bei den im Wiesbadener Museum aufgestellten
nassauischen Conchylien fand ich sie als den ächten _U. crassus_
~Retz.~ aufgestellt. Die Wirbel sind fast immer vollständig erhalten.
Diese Muschel gehört nur den grösseren Flüssen an; sie findet sich im
Rhein und im Main; in letzterem ist sie die häufigste Form. In der Lahn
scheint sie zu fehlen, denn ~Sandberger~ führt sie nicht an, und auch
ich habe in der oberen Lahn nur _batavus_ gefunden. Dagegen kommt sie
in der Selz in Rheinhessen vor.

Im Main ist eine auffallende Form nicht selten, die ich hier erwähnen
muss; der vor den Wirbeln befindliche Theil des Oberrandes ist nämlich
nicht wie bei der Normalform nach unten gekrümmt, sondern biegt sich
an seinem vorderen Ende etwas nach oben und vereinigt sich dort, wie
bei _pictorum_, in einem fast rechten Winkel mit dem Vorderrande;
es sieht dann aus, als ob die Muschel aus _tumidus_ und _pictorum_
zusammengesetzt sei.

Interessant ist noch eine andere Form aus dem Main. Sie ist flacher
und breiter als die Normalform, immer mit unverletzten Wirbeln und
sehr starken dunkelgrünen Strahlen, die man bei der Stammform nie
findet. Auffallend sind auch die dünnen, an _pictorum_ erinnernden
Schlosszähne, und die wunderschöne, lebhaft bläuliche Farbe des
Perlmutters, an der man sie schon von Weitem von den übrigen Unionen
unterscheiden kann. Ich glaubte sie desshalb früher als gute Varietät
abtrennen zu können, doch bin ich nicht sicher, ob es nicht doch nur
junge Exemplare sind, die später dickere Schlosszähne und ein weniger
schön gefärbtes Perlmutter bekommt.


2. Unio pictorum ~Linné~.

Malermuschel.

Muschel verlängert eiförmig, zungenförmig, etwas bauchig, doch nicht
eigentlich aufgeschwollen, nach hinten lang ausgezogen, doch so, dass
die Höhe anfangs nur wenig abnimmt, dann schnell verschmälert mit
schräg abgestutzter Endigung; nicht so stark, wie _tumidus_, namentlich
das hintere Ende dünn und zerbrechlich. Oberhaut röthlichgelb, hinten
grünlich mit undeutlichen feinen, grünen Strahlen, bei älteren
Exemplaren oft schmutzig grüngelb mit zahlreichen dunklen, ringförmigen
Streifen; mitunter finden sich auch rost- oder kastanienbraune Stellen,
nie deutliche grüne Strahlen, mit Ausnahme dreier undeutlicher am
hinteren Theil. Oberrand bei jungen Exemplaren vollkommen gerade, bei
älteren etwas gekrümmt, der Unterrand gerade oder etwas eingedrückt,
nur bei jungen und sehr selten bei alten nach aussen gekrümmt,
wie bei _tumidus_. Vorderrand rund, Hinterrand spitz zugerundet,
meistens schräg abgestutzt. Der Oberrand bildet, besonders bei jungen
Exemplaren, bei seiner Vereinigung mit dem Hinterrande einen deutlichen
Winkel, der auch bei alten Exemplaren noch deutlicher ist, als bei
_tumidus_. Schild schmäler und weniger deutlich, nur durch ein paar
schmutziggrüne Streifen begränzt. Wirbel ziemlich aufgetrieben,
mit einzelstehenden Höckern bedeckt, aber sich nicht berührend.
Schlossband schmal und schlank. Die Zähne immer viel schwächer und
zusammengedrückter, als bei _tumidus_, niedrig, oben horizontal
abgestutzt, aber dabei scharf und gekerbt; in der linken Schale ist der
vordere Zahn immer stärker, als der hintere, der mitunter ganz fehlt;
die Grube zwischen beiden ist sehr schmal, messerförmig.

Thier mit einem hell gelblichfahlen, nach oben hin stets dunkelgrauen
Fuss.

Auch diese Form ist in den grösseren Flüssen unseres Gebietes durchaus
nicht selten. Im Gebirg, in der oberen Lahn und Dill, fehlt sie, bei
Weilburg findet sie sich aber schon in der Lahn. In der Sulzbach nur
bis Sossenheim (~Ickrath~). Die ächte typische Form, zu ~Rossmässlers~
vorstehender Diagnose und seiner Fig. 71 passend, besitze ich aus Rhein
und Main, doch ist sie nicht die häufigste. Meistens ist der Winkel
zwischen Ober- und Hinterrand viel weniger deutlich, und nicht selten
laufen Ober- und Unterrand vollkommen parallel, um dann gleichmässig in
den Hinterrand überzugehen. Sehr häufig sind Exemplare mit eingebogenem
Unterrande; ebenso häufig findet man aber auch Exemplare, deren
Unterrand dem von _tumidus_ gleicht, dass man ohne die Zähne, die immer
ein sicheres Kennzeichen geben, zweifelhaft sein kann, wohin man sie zu
stellen hat. Immer ist die Farbe heller, als bei _tumidus_; wenn auch
alte Exemplare mitunter breite dunkle Ringe zeigen, kann man dazwischen
immer noch die Grundfarbe erkennen.

Sehr häufig auch die von C. ~Pfeiffer~ als _rostrata_ beschriebene,
nach hinten etwas schnabelförmig verlängerte Form (cf. C. ~Pfeiffer~,
Naturgesch. I. Taf. V Fig. 8).

Eine andere, sehr interessante Form erhielt ich, nachdem der Druck
der Tafeln schon beendigt, durch Herrn Dr. ~Noll~, der sie in der
Schwarzbach bei Trebur, einem Wasser mit moorigem Grunde, aber klarem
und ziemlich schnell fliessendem Wasser, gesammelt hatte. Sie ist nur
von Mittelgrösse, bis 75 Mm. lang, und erscheint in jeder Beziehung
verkümmert; die Schale ist dünn und leicht, wie bei einer Anodonte,
und die Schlosszähne sind so klein und dünn, dass man sie kaum
bemerkt. Die Farbe erscheint tiefdunkelbraun, fast schwarz, putzt man
aber gründlich, besonders mit Säure, so erscheint die gewöhnliche
hellgelbgrüne Färbung von _pictorum_ und bleiben nur mehrere breite,
dunkle Ringe. Ob diese Form als selbstständige Varietät aufzufassen
und mit einem eignen Namen zu bezeichnen ist, wage ich nicht eher zu
entscheiden, bis ich sie an Ort und Stelle gesammelt und die Art ihres
Vorkommens genauer untersucht habe.


3. Unio batavus ~Lamarck~.

Eirunde Flussmuschel.

Muschel breit eirund, zuweilen eiförmig, bauchig, gelbgrün oder
schmutzig braungrün, fast stets mit dunkelgrünen Strahlen und dunklen
concentrischen Wachsthumstreifen, vorn gerundet, hinten verlängert
und verbreitert, meist schräg abgestutzt, die Endigung selbst aber
gerundet. Unterrand leicht ausgebogen oder gerade, bei manchen
Formen auch ziemlich stark eingedrückt. Wirbel klein, ziemlich stark
bauchig, wellig-runzelig, dem Vorderrande stark genähert. Schild
zusammengedrückt, wenig bezeichnet. Schlossband schmal und schlank,
gelbbraun; Schlosszähne zusammengedrückt, klein, an der abgestumpften
Spitze deutlich eingekerbt.

Diese Art ist die in kleinen Bächen allein vorkommende und in unserem
Gebiete allgemein verbreitet. Im Main weniger häufig, als die anderen
Arten, ist sie im Gebirg die einzig herrschende. Aber eben durch
ihr Vorkommen unter den verschiedensten Verhältnissen ist sie auch
unendlich variabel, kaum dass man in zwei Bächen dieselbe Ausprägung
findet, und manche Formen können fast beanspruchen, für eigene Arten
gehalten zu werden, wie es auch von vielen Conchyliologen geschieht.
Die typische, der obigen Beschreibung entsprechende Form besitze ich
aus Main und Rhein bis 5-6 Ctm. lang und 3-3,5 Ctm. breit, von der
oberen Lahn und ihren Seitenbächen, und durch Herrn ~Kreglinger~ von
Nauheim in kleineren Exemplaren. Einzeln finden sich im Main auffallend
langgezogene Exemplare, 65 Mm. lang und nur 32 Mm. breit, beim ersten
Anblick an manche Formen von _tumidus_ erinnernd, aber durch das
gerundete Hintertheil sicher davon zu unterscheiden. Alle Mainexemplare
sind an den Wirbeln gut erhalten, mitunter abgerieben, aber nie
angefressen; es gilt diess überhaupt für die Mainmuscheln.

Als Hauptvarietät wird gewöhnlich _Unio crassus_ ~Retzius~ angeführt,
eine Form mit dickerer Schale, wenig aufgetriebenen, weiter nach hinten
stehenden Wirbeln und stärkeren Zähnen, die nach den meisten Angaben
in Main und Rhein eben so häufig sein soll, wie die Stammform. Für den
Rhein kann ich diese Angabe aus Mangel an Material nicht beurtheilen,
aber für den Main ist sie entschieden unrichtig. Man findet allerdings
hier und da grössere, besonders dickschalige Exemplare, deren Zähne
dann natürlich auch dicker sind, aber sie haben ganz die Wirbelstellung
der Stammform und sind wohl nur besonders alte Exemplare derselben; den
ächten _crassus_, wie er in der Elbe und im Neckar vorkommt, habe ich
im Main nie gefunden, und schon oben wurde erwähnt, dass in den Museen
von Frankfurt und Wiesbaden dickschalige Exemplare von _tumidus_ als
_Unio crassus_ ~Retzius~ liegen.

Sehr interessante Formen erhielt ich aus den Bächen am Südabhang
des Taunus, leider zu spät, um sie noch abbilden zu können. In der
Sulzbach und der Wickerbach findet sich eine Muschel, die ich nur mit
Zweifel hierherbringen kann, aber auch nirgends anders unterzubringen
weiss. Sie ist nach hinten auffallend verbreitert, die grösste Breite
liegt am Anfang des Hinterendes; der Oberrand steigt von den Wirbeln
an noch empor, der Unterrand ist seicht eingedrückt. Die Wirbel sind
vollkommen unversehrt, wellig-runzelig, und stehen sehr weit nach
vornen. Die Schale ist stark gewölbt, aber die Höhe der Wölbung liegt
bedeutend hinter den Wirbeln. Zähne wie bei _batavus_, aber kurz und
dünn. Farbe dunkler als bei dem typischen _batavus_, doch die Strahlen
deutlich sichtbar. Perlmutter gelblich weiss. Länge 58 Mm., wovon
42-44 auf’s Hintertheil kommen, Breite am Wirbel (diesen mitgemessen)
28, am Beginn des Hinterrandes 30 Mm., Dicke 24, an den Wirbeln nur
20 Mm. Dass diese Form zum mindestens eine gute Varietät ist, beweist
der Umstand, dass sich die charakteristische Form schon bei ganz
jungen Exemplaren -- meine kleinsten sind 2 Ctm. lang -- deutlich
ausgeprägt findet, und dass in den betreffenden Bächen, soweit ich
sie verfolgte, andere Formen nicht vorkommen. Anfangs glaubte ich
sie für _ater_ Nilsson halten zu können, aber dieser hat ein ganz
anderes Schloss und ist auch nicht so verbreitert. _Unio atrovirens_
~Schmidt~, ~Rossm.~ Icon fig. 206, kommt von allen in der Iconographie
abgebildeten batavusartigen Unionen unserer Form noch am nächsten, aber
er ist hinten zusammengedrückt, nicht aufgetrieben, wie diese. Genauere
Untersuchungen grösserer Quantitäten werden vielleicht später ~Licht~
schaffen; einstweilen mag diese schöne, zuerst von Herrn ~Ickrath~
beobachtete Unio als _var. taunica_ hier stehen bleiben.

Eine andere sehr interessante Form erhielt ich durch Herrn
~Wiegand~ aus Cronthal bei Cronberg. Sie stimmt bis auf die Grösse,
ganz mit ~Rossmässlers~ fig. 212 und der Beschreibung des _Unio
amnicus_ ~Ziegler~ aus Kärnthen; die Farbe ist dunkelbraungrün mit
undeutlichen Strahlen, der Oberrand stark gebogen, der Unterrand
leicht eingedrückt; die Wirbel stehen weit nach vorn und sind stark
angefressen; Zähne stumpf-conisch, nur wenig deutlich gekerbt. Meine
Exemplare unterscheiden sich aber von der citirten Abbildung durch die
bedeutendere Grösse, 56-58 Mm. Länge bei 30-32 Mm. Höhe, und die Farbe
des Perlmutters, die nicht unrein, sondern wunderschön bläulich weiss
ist. Siehe Taf. VI, Fig. 3.

Zu _batavus_ gehört auch noch der von ~Sandberger~ und ~Koch~
angeführte _Unio Moquinianus_ Dupuy aus der Nister bei Hachenburg. Nach
den im Wiesbadener Museum befindlichen Originalexemplaren ist es eine
mittelgrosse, stark aufgetriebene Form mit eingebogenem Unterrande
und nicht nur an den Wirbeln, sondern auch über die ganze Schale
angefressen.

Noch ist eine Form aus dem Main zu erwähnen, die mir, wenn auch in
verschiedener Ausbildung, mehrfach vorgekommen ist. Es fehlt hier das
ganze Vordertheil; der Vorderrand beginnt am Wirbel, einen stumpfen
Winkel mit dem Oberrand bildend, und läuft fast in gerader Linie nach
dem Unterrand, so dass die Muschel ganz die Gestalt eines _Donax_
bekommt. Wahrscheinlich ist eine Verletzung des vorderen Manteltheiles
mit nachfolgender Verkümmerung die Ursache, und die Form nur als eine
Missbildung aufzufassen. Schade, dass die Erklärung so nahe liegt;
man könnte sonst einen _Unio donaciformis_ daraus machen, dessen
Artgültigkeit unanfechtbar wäre!

Während des Druckes fand ich am Mainufer noch ein Exemplar von
_batavus_, das sich ausser durch Cariosität und auffallende Auftreibung
(28 Mm. Dicke bei 30 Mm. Breite) besonders durch das nach unten
gekrümmte, schnabelartig verlängerte Hintertheil auszeichnete und
dadurch an _platyrhynchus_ erinnerte. Die Muschel hatte nicht den
Habitus der gewöhnlichen Mainmuscheln und war schwerlich an dem
Fundorte zu Hause; ich vermuthe, dass sie durch den Eisgang aus einem
Seitengewässer oder vom oberen Main hergebracht worden ist.

~Anmerkung.~ ~Thomae~ führt ausser diesen drei Arten noch _Unio
margaritifer_ Retzius aus der Nister bei Hachenburg und aus dem
Main an. Ersteres Vorkommen wird von ~Sandberger~ und ~Koch~ nicht
bestätigt; dagegen führen diese _U. Moquinianus_ von gleichem Fundort
an, und vielleicht haben grosse Exemplare dieser Form von _batavus_ die
Ursache zur Verwechslung gegeben. Im Main innerhalb unseres Gebietes
ist sie weder von ~Speyer~, noch von den Frankfurter Sammlern, noch von
mir aufgefunden worden; es ist auch nach ihrer Lebensweise durchaus
nicht wahrscheinlich, dass sie hier vorkommt, da sie fast nur in den
klaren Bächen des Urgebirgs lebt. Vielleicht kann ich die Entstehung
des Irrthums aufklären. Ich fand nämlich im Main ein Exemplar von
_Anodonta piscinalis var. ponderosa_, die an Grösse, Gestalt und
Farbe so täuschend einer Flussperlmuschel glich, dass ich verschiedene
Freunde im Scherz damit täuschen konnte, natürlich nur, bis sie die
Muschel in die Hand bekamen. Ein ähnliches Exemplar kann den Anlass zu
dieser Angabe, die ~Thomae~ jedenfalls aus zweiter Hand hatte, gegeben
haben. _Unio margaritifer_ unterscheidet sich von sämmtlichen Unionen
dadurch, dass sie zwar Schlosszähne, aber keine Schlossleisten hat,
und bildet desshalb eine eigene Gattung _Margaritana_. Die nächsten
mir bekannten Fundorte sind die Jossa, ein Bach im Hanauischen, die
Gegend der oberen Nahe um Birkenfeld, und ein Bach am Südabhang des
Odenwaldes in der Nähe von Heidelberg. Im oberen Maingebiet ist sie
stark verbreitet und Gegenstand einer sorgfältigen Pflege.



Dreissigstes Capitel.

II. ANODONTA ~Bruguière~.

Teich-Enten- oder Schwimmmuschel.


Thier ganz dem von _Unio_ gleich. Die Muschel dünner und ohne
Schlosszähne, nur mit zwei stumpfen Längslamellen, die unter dem
Schlossband hinlaufen. Wirbel meist niedergedrückt. Schlossband
äusserlich, stark, überbaut.

Die Anodonten bewohnen mit Vorliebe stehendes oder langsam fliessendes
Wasser mit schlammigem Grund, finden sich aber auch in kleinen
Bächen bis hoch in’s Gebirge hinauf. Ihre Unterscheidung ist noch
viel schwieriger, als bei den Unionen, da die beiden wichtigsten
Anhaltspuncte, die Schlosszähne und die Sculptur der Wirbel, hier
wegfallen, und auch die Grösse uns durchaus im Stiche lässt, denn wir
haben kein Mittel, um zu erkennen, ob eine Muschel ausgewachsen ist
oder nicht. Demgemäss herrschen auch hier verschiedene Ansichten.
Am bequemsten machen es sich die Engländer; sie nennen einfach jede
Anodonte _An. cygnea_; ~Küster~ und ~Held~ dagegen unterscheiden 26
Arten, davon eine mit 11 Formvarietäten. Die gewöhnliche Annahme ist
6-8 Arten, von denen fünf aus Nassau angeführt werden. Ausserdem führt
~Thomae~ noch _A. intermedia Lam._ an, nennt aber dabei als synonym
_A. piscinalis Nilss._, so dass also diese Art wegfällt. Es bleiben
mithin noch _An. cygnea_, _cellensis_, _piscinalis_, _anatina_ und
_ponderosa_. Letztere ist entschieden keine gute Art, sondern nur eine
dickschaligere Form, die je nach der Gestalt zu _piscinalis_ oder
_cellensis_ gehören kann, ähnlich wie bei _Unio batavus_ und _tumidus_
eine _var. crassus_ vorkommt. Es ist somit diese Form zu streichen. Von
den vier noch übrigen halte ich _An. anatina_, ~wenigstens was im Main
vorkommend~ man so zu nennen pflegt, nicht für eine eigene Art, sondern
nur für eine mehr oder weniger unausgewachsene _piscinalis_, und es
kommt somit auch diese Form wenigstens vorläufig in Wegfall.

Es bleiben mithin für Nassau noch die drei Formen _Anod. cygnea_,
_piscinalis_ und _cellensis_ übrig, und diese unterscheiden sich wie
folgt:

  Muschel ~breit-eiförmig~, dünn, hellgelb mit lebhaft
  grünen Streifen, tiefgefurcht, Perlmutter rein milchweiss oder
  mit rothgelblichem Schein; Thier blassgelb, Fuss mennigroth.

                                                          _A. cygnea L._

  Muschel ~rauten-eiförmig~, ziemlich dickschalig, braungelb
  mit ziemlich lebhaften grünen Streifen, glatt; Perlmutter
  rein weiss oder etwas bläulich. Thier blass gelblichgrau mit
  gelblichweissem Fuss.

                                                  _A. piscinalis Nilss._

  Muschel ~länglich-eiförmig~, bauchig, dünn, olivengrün
  ohne deutliche grüne Streifen, gefurcht; Perlmutter milchbläulich,
  lebhaft irisirend.

                                                 _A. cellensis Schrött._


4. Anodonta cygnea ~Linné~.

Schwanenmuschel.

Muschel sehr gross, breit-eiförmig, bauchig, voll tiefer
ungleicher Furchen und Rippen, ziemlich dünn, glänzend. Grundfarbe
schmutzig-gelblich, mit abwechselnd grünen, gelbbräunlichen und
gelblichen concentrischen Streifen, meist deutlich, besonders nach
hinten zu, mit feinen, dichtstehenden, grüngrauen, vom Wirbel
ausgehenden Strahlen bezeichnet; da, wo das Schild sich an die Wölbung
der Schalen anschliesst, befinden sich drei dunkle, grüne Strahlen. Die
Muschel ist für ihre Grösse dünn und leicht zu nennen; innen sind die
äusserlich befindlichen Rippen und Furchen ebenfalls deutlich sichtbar;
der Oberrand ist etwas gekrümmt, doch fast horizontal; Vorder- und
Unterrand gerundet, Hinterwand etwas verlängert, von oben und unten
sich verschmälernd, in einen kurzen, stumpfen Winkel auslaufend; Schild
wenig zusammengedrückt, Kiel desselben in einem stumpfen, undeutlichen
Winkel mit der oberen Hälfte des Hinterrandes sich vereinigend; die
untere Gränze desselben ist beiderseits durch eine seichte Furche
bezeichnet. Die Leisten unter dem Schlossbande sind häufig, bei alten
Exemplaren fast stets, zu monströsen Wülsten verwachsen. (_Anod.
dentiens Mke._); das Schlossband ist sehr stark, wenig überbaut; Wirbel
meist nur wenig abgerieben, etwas aufgeschwollen, ziemlich weit nach
der Mitte des Oberrands hin stehend. Perlmutter glänzend, milchweiss
oder mit einem rothgelblichen Schein, unter den Wirbeln und in den
Muskelbahnen fast stets mehr oder weniger fleischfarben oder rosenroth
gefärbt, während es am Hinterende meist lebhaft irisirt.

Thier blassgelb, der Fuss und die dicken Theile der Mantelränder
lebhaft mennig-rothgelb; das ganze Thier sehr strotzend und fleischig
(~Rossm.~).

In grösseren Teichen, Sümpfen und Lachen mit schlammigem Boden.
~Nach Thomae~ nur im Rhein, selten. Im Möttauer Weiher (_Rudio_). In
verschiedenen Teichen um Frankfurt; besonders schöne, grosse Exemplare
in dem Teich am Kühhorns Hof (~Dickin~).

Im Lahngebiet scheint diese Art ganz zu fehlen; ~Sandberger~ und
~Koch~ führen sie nicht an, und auch ich fand im Kreise Biedenkopf nur
_cellensis_.

Von Herrn ~Dickin~ erhielt ich noch eine interessante, wohl hierher
gehörige Form mit dem Beifügen, dass er niemals eine ähnliche im
Main wieder gefunden habe, und kurz nachher fand ich ein gleiches
Exemplar. Es gleicht diese Form in ihren Umrissen ganz der _Anod.
cygnea_, ist aber kaum halb so gross und dickschalig. Sie macht mir
den Eindruck einer _cygnea_, die schon jung aus ihrem Wohnsitz in den
Main verschlagen worden und dort verkümmert ist und die habituellen
Charactere der Mainmuscheln angenommen hat. Ich werde auf diese Form
gelegentlich einer speciellen Bearbeitung der Mainmuscheln wohl näher
eingehen. Einstweilen ist sie auf Taf. IX abgebildet.


5. Anodonta piscinalis ~Nilsson~.

Fluss-Schwimmmuschel.

Muschel von mittlerer Grösse, rauten-eirund, ziemlich dickschalig,
bauchig, nicht stark gefurcht, sondern meist nur gestreift, also mit
ziemlich ebener Oberfläche; braungelb oder grünlich, um die Wirbel
fast stets rostroth und bis zum ersten starken Wachsthumstreifen fast
stets dunkel braungrau oder schiefergrau, meist mit feinen hellgrünen
Strahlen bedeckt; Vorderrand gerundet; Hinterrand in gerader oder
concaver Linie schräg herablaufend und mit dem heraufgekrümmten Ende
des schwach gerundeten Unterrandes einen kurzen, stumpf abgerundeten
oder abgestutzten Schnabel bildend; Oberrand schräg gekrümmt
aufsteigend oder zuweilen auch ziemlich horizontal; Schild sehr
zusammengedrückt, erhaben, beiderseits durch dunkle Strahlen begränzt;
Wirbel aufgetrieben, von dem vorderen Ende ziemlich weit entfernt nach
der Mitte des Oberrandes hinstehend, stets sehr wenig abgerieben;
Perlmutter meist ziemlich rein bläulich weiss, in der Wirbelgegend
meist fleischroth; Muskeleindrücke, besonders die vorderen, wegen der
ansehnlichen Dicke der Schalen ziemlich vertieft; Ligamentalbucht
ziemlich vertieft.

Thier blass gelblichgrau; Kiemen graubraun; Fuss gelblich weiss.
(~Rossm.~)

Als Varietät gehört hierher _~An. ponderosa~_ C. ~Pfeiffer~, eine
dickschaligere, aber sonst in der Gestalt ganz übereinstimmende Form,
die sich besonders im Main sehr zahlreich findet. Wahrscheinlich wohnt
sie mehr im Strome, die Stammform mehr in den ruhigen schlammigen
Buchten, doch habe ich mich noch nicht sicher davon überzeugen können.
Das abgebildete Exemplar stammt aus dem Main bei Schwanheim und wiegt
ca. 6 Loth, also immer noch viel weniger, als ~Pfeiffers~ 10 Loth
schwere Originalexemplare. Die Uebergänge von ihr bis zur gewöhnlichen
dünnschaligen _piscinalis_ kann man aus jedem Muschelhaufen am Mainufer
auslesen, und desshalb kann ich _ponderosa_ C. ~Pfr.~ nur als eine
Varietät von _piscinalis_ ansehen.

Durchaus nicht selten sind im Main Exemplare mit schnabelförmig
ausgezogenem Hinterrande, _var. rostrata_, ganz in derselben Weise
ausgebildet, wie die Kärnthener _rostrata_ ~Kokeil~, die freilich
eher zu _cellensis_ gehören dürfte. Sie ist durch alle möglichen
Uebergänge mit der Stammform verbunden und kann desshalb kaum als
eine gute Varietät gelten. Dann finden sich auffallend langgestreckte
Exemplare, deren Form sich der von _cellensis_ nähert, ebenfalls nicht
selten, aber der allgemeine Habitus, auf den ich weit mehr Gewicht
legen zu müssen glaubte, als auf ein einzelnes Kennzeichen, ist der
von _piscinalis_; erst an halbwüchsigen Exemplaren merkt man den
Unterschied von der gewöhnlichen Form, von jüngeren habe ich im Main
~immer nur eine Form~ gefunden.

Mehr in langsam fliessenden Flüssen, doch auch in stehenden Wässern,
besonders in solchen, die immer oder zeitweilig mit Flüssen in
Verbindung stehen. Im Main und wohl auch im Rhein ist sie mit
_ponderosa_ die herrschende Form, dagegen scheint sie im Lahngebiete
ganz zu fehlen. Ob die von ~Thomae~ erwähnte _ponderosa_ aus dem
Maxsainer Weiher hierher oder zu der folgenden Art gehört, kann ich bei
dem Mangel von Originalexemplaren nicht entscheiden. Im Cursaalteich
bei Wiesbaden (~Lehr~).

Die von ~Thomae~ angeführte nierenförmige Form habe ich einigemal im
Main gefunden, immer ganz einzeln unter _ponderosa_ und der Stammform;
sie ist ein Krüppel, entstanden durch Verletzung oder Verkümmerung
einer Stelle des vorderen Mantelrandes, keinesfalls, wie ~Thomae~
vermuthet, eine eigene Art.

Zu _piscinalis_ rechne ich auch die auf Taf. VII, Fig. 2 abgebildete
kleinere Form aus dem Metzgerbruch, einem aus dem Main abgeleiteten
Graben, die dort nicht grösser wird. Sie kommt ähnlich auch in anderen
kleinen Gewässern um Frankfurt vor und ist die _Anodonta anatina_ der
Frankfurter und Hanauer Faunisten und Sammler. Dieselben haben damit
insofern nicht Unrecht, als Carl ~Pfeiffer~ auf Taf. VI Fig. 2 diese
Form unverkennbar als _anatina_ abbildet. Diese _anatina_ ist dann
freilich nur eine Varietät oder wenn man so will eine Hemmungsbildung
von _A. piscinalis_, die unter ungünstigen Verhältnissen nicht zur
vollständigen Entwicklung gelangt. Etwas anderes ist es mit der _A.
anatina_, wie sie ~Rossmässler~ auffasst, und wie sie ~Brot~ in seiner
trefflichen Etude sur les Najades du Leman characterisirt; diese hat
mit _piscinalis_ nichts zu thun, sie ist viel kürzer und breiter, der
Oberrand steigt mehr an und das Perlmutter ist in der vorderen Hälfte
stark verdickt. Es ist nicht zu verkennen, dass unsere Form eine
ziemliche Aehnlichkeit mit Fig. 280 b in ~Rossmässlers~ Iconographie
hat, aber sie ist doch mit _piscinalis_ durch Zwischenformen so
verbunden und jungen Exemplaren so ähnlich, dass ich sie ohne Bedenken
als _var. ~minor~_ hierherstelle.

Auch _~Anodonta ventricosa~_ ~C. Pfeiffer~ dürfte wohl hierher gehören.
Man findet im Main gar nicht selten Exemplare, die mit Beschreibung
und Abbildung dieser Art ganz gut stimmen und doch von der typischen
_piscinalis_ nicht zu trennen sind. Ich möchte sie für Weibchen,
die Auftreibung der Schale, die nie das ganze Gehäuse gleichmässig
betrifft, für Folge der Kiemenanschwellung während der Trächtigkeit
halten.

Auch in den vom Südabhang des Taunus kommenden Bächen findet sich eine
Anodonte, die ich nur für eine eigenthümliche, durch die veränderten
Lebensbedingungen bewirkte Ausprägung von _piscinalis_ halte und als
die Form der kleinen Bäche, als _var. ~rivularis~_ bezeichnen möchte.
Leider erlaubte der Raum nicht, diese Anodonte noch abzubilden. Sie
ist auffallend lang und schmal, nur 40 Mm. an den Wirbeln breit bei
90 Mm. Länge, ein Verhältniss, das sich bei _A. piscinalis_ im Main
nur ganz ausnahmsweise findet und dann immer mit auffallender Dicke
vergesellschaftet ist, -- mässig gewölbt, die Wirbel sehr weit nach
vornen stehend, so dass sich die Länge von Vorder- und Hintertheil fast
wie 1:4 verhält; der Oberrand steigt ziemlich stark an, der untere
verläuft fast ganz horizontal und krümmt sich gegen den Hinterrand
nur leicht empor; die Wirbel sind unversehrt. Farbe ziemlich lebhaft
blaugrün mit dunkelgrünen Strahlen und dunkelbraunen Zuwachsstreifen,
Perlmutter schön bläulich weiss, nach vornen stark verdickt und fast
rein weiss.

Die Exemplare, die ich bis jetzt gesehen habe, stammten aus dem in der
Ebene verlaufenden unteren Theile der Sulzbach; ob sie im oberen Laufe
dieselbe Form behalten, konnte ich nicht untersuchen, habe auch noch
keine Anodonten aus dem eigentlichen Taunusgebiet erhalten können.


6. Anodonta cellensis ~Schrötter~.

Zellische Teichmuschel.

Muschel gross, eiförmig-länglich, bauchig, dünn, zerbrechlich,
gefurcht, olivengrün und braungestreift oder einfarbig
dunkel-olivengrün (namentlich halbwüchsige Exemplare) oder grünbraun,
nie so schön grüngestreift, wie _cygnea_, hinten vom Wirbel aus mit den
gewöhnlichen drei braungrünen Strahlen, wodurch der Schild begränzt
wird; Vorderrand gerundet, Ober- und Unterrand meist ziemlich parallel,
gestreckt, letzterer oft etwas eingedrückt, ersterer seltener etwas
ansteigend; Hinterrand schräg ablaufend und mit dem sich aufbeugenden
hinteren Ende des Unterrandes die abgestumpfte Schnabelspitze bildend;
Schild zusammengedrückt, kielförmig, nicht sehr erhaben, meist
horizontal; Wirbel wegen der sehr verlängerten hinteren Schalenhälfte
weit nach vorn stehend, ziemlich flach, meist sehr stark abgerieben,
wellig; Schlossband mittelmässig, verlängert; Ligamentalbucht
eirund, Perlmutter düster milchbläulich mit grünlichgrauem oder
schieferbläulichem Schimmer, oft mit hellölgrünen Wolkenflecken, meist
stark glänzend und blauirisirend. Die Grösse gibt der von _cygnea_ an
günstigen Orten, was die Länge betrifft, nichts nach.

Thier gelblich mit hell mennigrothem Fusse (~Rossm.~).

Ausser Exemplaren, welche dieser Beschreibung ~Rossmässlers~ vollkommen
entsprechen, findet sich noch eine andere Form, in den äusseren
Umrissen völlig gleich, wie die Abbildung auf Taf. VIII zeigt, welche
~Rossmässlers~ Fig. 280 vollkommen deckt und nur durch den mehr
herabgekrümmten Schnabel des hinteren Endes abweicht; sie zeichnet
sich aber besonders durch die Dicke ihrer Schalen aus, während die
Normalform immer sehr dünn und zerbrechlich ist; das abgebildete
Exemplar wog 5 Loth. Es ist dies eine correspondirende Form zu der
_piscinalis var. ponderosa_ ~C. Pfr.~, mit der sie wohl nicht selten
verwechselt wird, und man kann sie mit demselben Rechte _~cellensis
var. ponderosa~_ nennen. Ihr ganz ähnliche, nur stärker gewölbte, an
die _var. cordata_ ~Rossm.~ erinnernde Exemplare erhielt ich in sehr
grosser Anzahl durch Herrn Forstmeister ~Tischbein~ aus einem Teiche
bei Schaumburg; ob sie aber wirklich hierher gehören, wage ich nicht
zu behaupten, denn es finden sich darunter auch sehr viele, deren Form
mehr rautenförmig ist und sich der _ponderosa_ ~C. Pfr.~ nähert; eine
Entscheidung wird sich nur durch Untersuchung der Jugendformen, die mir
leider nicht zu Gebote stehen, treffen lassen.

Hierher gehört vielleicht auch die von ~Thomae~ angeführte _An.
ponderosa_ aus dem Maxsainer Weiher.

_An. cellensis_ scheint in unserem Gebiete die verbreitetste Form zu
sein. Die Stammform findet sich in dem unteren Teich des Biebricher
Schlossgartens (~Thomae~); in den Lehmgruben bei Darmstadt,
wunderschöne grosse Exemplare im Altrhein bei Stockstadt (~Ickrath~);
in den Bächen und Mühlgräben der Umgebung von Homburg (~Trapp~). Bei
Hanau (~Heynemann~, ~Speyer~). Im Lahngebiet ist sie die herrschende
Form. ~Sandberger~ führt sie von Weilburg aus der Lahn, ~Koch~ von
Dillenburg aus der Dill und den Mühlgräben an, doch ohne nähere Angabe
über ihre Beschaffenheit. Ich fand sie im Kreise Biedenkopf in allen,
selbst den kleineren Bächen, aber fast immer nur die dickschalige Form;
besonders schön und gross in dem mit der Lahn zusammenhängendem Teiche
an der Amalienhütte zwischen Biedenkopf und Laasphe, aus welchem auch
das abgebildete Exemplar stammt. Aus dem unteren Main ist mir nie ein
Exemplar vorgekommen, wohl aber nicht selten schmale, lange Exemplare
von _piscinalis_, die ganz die gewöhnlich als characteristisch
angenommene Gestalt von _cellensis_ haben, für mich ein Beweis, dass
man unmöglich aus den Umrissen eines einzelnen Exemplares oder gar
einer Abbildung mit Sicherheit die Art bestimmen kann zu der es gehört.

Ausser diesen drei Arten und der schon erwähnten _anatina_ kommt
in Deutschland noch eine fünfte, sehr gut characterisirte Art vor,
_Anodonta complanata_ ~Zgl.~, ausgezeichnet durch die flache Form und
die auffallende Verschmälerung des vorderen Endes. Im Elbgebiete sehr
häufig, ist sie in Nassau meines Wissens noch nicht aufgefunden worden.



Einunddreissigstes Capitel.

Cycladea.


Thiere getrennten Geschlechtes mit Siphonen zum Athmen, meist im
Schlamm steckend, können aber auch kriechen, klettern und selbst
schwimmen.


III. CYCLAS ~Bruguière~.

Kreismuschel.

Muschel gleichklappig, rundlich, fast gleichseitig, jedoch nicht ganz,
da das hintere Ende ein wenig länger ist, als das vordere. Die Schalen
sind dünn, mit starker, sehr festsitzender Epidermis überzogen. Schloss
fast in der Mitte, rechts mit zwei, links mit einem Hauptzahn.

Thier getrennten Geschlechtes, ziemlich grosse, lebendige Junge,
die man beim oberflächlichen Betrachten leicht für Pisidien halten
kann, gebärend. Der Mantel ist fast ganz verwachsen, mit zwei langen,
am Rücken verwachsenen, am vorderen Ende aber getrennten Siphonen
und einem Schlitz für den schmalen, langen Fuss. Der obere Sipho ist
kürzer, am Ende zugespitzt, der untere walzenförmig mit stumpfem Ende.

Unsere vier Arten bewohnen alle Sorten von Gewässern, sowohl
schnellfliessende, als stagnirende und selbst Wiesengräben. Sie
unterscheiden sich, wie folgt:

  a. Gehäuse bauchig bis kugelig.

    Schalen eiförmig, ziemlich dünn, sehr regelmässig fein
    gestreift, ziemlich bauchig, Schlossband aussen sichtbar.

                                                    _C. rivicola_ ~Lam.~

    Schalen fast kreisrund, gleichseitig, nur wenig und unregelmässig
    gestreift, gleichseitig, fast kugelig.

                                                   _C. cornea_ ~Pfeiff.~

    Schale rundlich-dreieckig, derb, ziemlich aufgetrieben,
    stark und sehr regelmässig gestreift, Schlossband aussen nicht
    sichtbar.

                                                  _C. solida_ ~Normand.~

    Schale rautenförmig, ziemlich flach, ungleichseitig, dünn,
    kaum gestreift.

                                                   _C. lacustris_ ~Drp.~

  b. Schalen flach mit stark vorspringenden, einen Höcker tragenden
  Wirbeln, Schlossband aussen sichtbar.

                                                  _C. calyculata_ ~Drp.~


7. Cyclas rivicola ~Lamarck~.

Ufer-Kreismuschel.

Schale kurzeiförmig bis herzförmig, ziemlich bauchig, fast
gleichseitig, mit ziemlich starken, sehr gleichmässigen, regelmässigen
Streifen, die besonders am Rande stark hervortreten, ziemlich fest und
dick, undurchsichtig, glänzend, graubraun oder gelblichbraun, meist mit
gelblichem Saum und mitunter auch mit gelblichen Ring-Binden und fast
stets mit einem oder einigen dunklen Ringen. Wirbel wenig erhoben, so
nahe am Rand, dass sie sich bisweilen berühren. Schlosszähne sehr klein
und dünn, die Seitenzähne grösser und dreieckig, aber ebenfalls sehr
dünn; Schlossband kurz, von aussen sichtbar. Die Muskeleindrücke und
die Mantelbucht sind innen kaum sichtbar; die Perlmutter ist bläulich
weiss. Länge 20-25 Mm., Höhe 15-20 Mm., Dicke 10-15 Mm.

Thier gelblichgrau oder weissgrau, mit kegelförmigem Fuss. Die Siphonen
ziemlich kurz, der untere etwas länger, am Rand vierlappig.

Die Jungen, die man fast das ganze Jahr hindurch in den äusseren Kiemen
antrifft, sind 4 Mm. gross, flach, gelblich. Man findet meistens 4-6
gleichgrosse Junge auf einmal, aber nach ~Jacobson~ gleichzeitig auch
Eier, sie werden durch die Siphonen ausgestossen.

In Rhein, Main und Lahn im Sand gemein; im Gebirge fehlend. Im
Obergraben der Gonzenheimer Mühle bei Homburg (~Trapp~). Im Main ist
sie namentlich im Sand hinter den Krippen gemein; man muss sie mit den
Fingern herauswühlen.


8. Cyclas cornea ~Linné~.

Kugelige Kreismuschel.

Muschel kugelig-bauchig, aufgeblasen, fast ganz gleichseitig, schwach
und unregelmässig gestreift, dünn, zerbrechlich, durchscheinend,
hornfarbig mit gelblichem Rand und meistens mit dunkleren Ringstreifen.
Wirbel stumpf abgerundet, mehr hervortretend, als bei voriger Art.
Vorderrand und Hinterrand gebogen, fast gleich, Oberrand convex,
Unterrand fast gerade. Die Innenseite ist bläulich weiss, der Rand
gelblich; Muskeleindrücke etwas deutlicher, als bei voriger Art. Am
Schloss sind die Innenzähne winzig klein, die beiden Seitenzähne
lamellenartig, dreiseitig, die vorderen grösser, als die hinteren.
Länge 8-10 Mm., Höhe 6-8 Mm., Dicke 4-6 Mm.

Thier weisslich.

Als Varietät kann eine auffallend stark gewölbte, fast rein kugelige
Form gelten, _var. nucleus_ ~Studer~.

In Rhein, Main und Lahn; im Gebirge fehlt sie. Im Main findet man sie
nach ~Noll~ nur an den Einmündungen der Seitenbäche. Die _var. nucleus_
fand sich früher an der Mündung des Metzgerbruch, kommt aber nach
~Dickin~ dort nicht mehr vor. In der alten Nied bei Höchst, in den
Lachen des Nieder Wäldchens.


9. Cyclas solida ~Normand~.

Gerippte Kreismuschel.

Muschel rundlich-dreieckig, etwas ungleichseitig, ziemlich bauchig,
mit starken, gleichmässigen, sehr regelmässigen Kreisrippen, ziemlich
dick, undurchsichtig, hellbraungelb, nur selten mit dunkleren Ringen,
mitunter hellgelb, besonders jüngere Exemplare. Der hintere Theil
etwas länger ausgezogen, als der vordere, beide abgerundet. Wirbel
ziemlich stark aufgetrieben, stumpf gestreift. Schlossband kurz, von
aussen nicht sichtbar. Die Mittelzähne sind kaum sichtbare Wärzchen,
die Seitenzähne deutlicher, dreiseitig. Muskeleindrücke sichtbar. Die
Innenseite ist milchweiss, mitunter mit einem leichten, bläulichen
Schimmer.

Thier weiss, mit sehr kurzen, durchsichtigen Siphonen von rother
oder orangegelber Farbe. Junge Exemplare wie das von ~Moquin-Tandon~
abgebildete, haben viel Aehnlichkeit mit _Pisidium obliquum_, sind aber
viel mehr gleichseitig. Länge 6-10 Mm., Höhe 5-7½ Mm., Dicke 4-6 Mm.

Im Sande des Maines nicht selten; lebende Exemplare bis jetzt nur von
~Wiegand~ an der Kaisersley oberhalb Frankfurt gefunden, und zwar im
Sande gerade an der Gränze des tiefsten Wasserstandes. Nach mündlichen
Mittheilungen hat Herr W. sie seitdem auch im Sande des Rheins bei
Mainz gefunden; ~Goldfuss~ fand sie bei Bonn und wird sie wohl überall
im Rhein an einzelnen Puncten vorkommen. Bei dem tiefen Wasserstand
1870 fand ich einzelne lebende Exemplare auch bei Schwanheim in den
flachen Anschwemmungen zwischen den Krippen. In die Bäche hinein geht
sie nicht; ~Friedel~ (Mal. Bl. 1870) bemerkt mit Recht, dass sie nur
den Hauptströmen und den grösseren Nebenflüssen nur, soweit dieselben
stromartig sind, angehört.


10. Cyclas lacustris ~Draparnaud~.

Muschel rund-rautenförmig, ungleichseitig, flacher als die vorigen
Arten; sehr zart und zerbrechlich, kaum gestreift, wenig glänzend.
Der obere Rand bildet mit dem hinteren einen stumpfen Winkel;
Vorderrand und Unterrand gerundet. Mittelzähne winzig klein, auch die
schmalen, dreieckigen Seitenzähne mit blosem Auge kaum sichtbar. Farbe
braungelblich mit helleren und dunkleren Ringstreifen; Innenseite
blassblau. Muskeleindrücke kaum sichtbar. Länge 8 Mm., Höhe 6-7 Mm.,
Dicke 4 Mm.

Selten in einer Rheinlache zwischen Biebrich und Schierstein (A.
~Römer~). Ich fand einige leere Schalen, die mit Leipziger Exemplaren
aus ~Rossmässlers~ Hand, nach denen vorstehende Beschreibung entworfen
ist, ganz übereinstimmten, in einer Wiesenlache im Pferdsbach bei
Biedenkopf, konnte aber trotz allen Nachsuchens keine lebenden
Exemplare auftreiben.

Ueber die Selbstständigkeit dieser Art herrschen bedeutende Zweifel;
Ad. ~Schmidt~ erklärt sie kurzweg für junge _rivicola_, ~Bielz~ für
unausgebildete _cornea_. Ich bemerke nur, dass in dem Gebirge, wo ich
diese Art gefunden, weder _rivicola_ noch _cornea_ vorkommen. Auch mit
_calyculata_, besonders mit der Form ohne Höckerchen, wird sie vielfach
verbunden; leider sind die wenigen Exemplare, die ich selbst gefunden,
zerbrochen und zur Untersuchung untauglich geworden.


11. Cyclas calyculata ~Draparnaud~.

Bucklige Kreismuschel.

Muschel zusammengedrückt, rundlich rautenförmig, dünn, durchscheinend,
sehr zerbrechlich, fein und unregelmässig gestreift, glänzend,
aussen hellgrau mit gelblichem Saume, innen dunkelgrau. Wirbel stark
aufgetrieben, nach innen gekrümmt, mit einem stark vorragenden
Höckerchen, der sitzengebliebenen Embryonalschale. Dimensionen wie bei
der vorigen.

Thier weisslich, durchscheinend, mit kurzen Siphonen.

Als Varietät zu betrachten ist _Cyclas Steinii_ ~Schmidt~,
ausgezeichnet durch das Fehlen der Höckerchen auf den Wirbeln. Ob
sie in unserem Gebiete vorkommt, weiss ich nicht, da diese kleinen
Cyclasarten noch ebenso wenig untersucht sind, wie die Pisidien.

Mehr in stehendem Wasser, in Gräben und Lachen, selbst in kleinen
Wiesengräben. In der Lahn bei Weilburg (~Sdbrg.~). Im Abfluss des
unteren Schlossgartenteichs zu Biebrich (~Th.~). In der alten Nied
bei Höchst, in den Lachen des Nieder Wäldchens, im Hauptgraben
der Schwanheimer Wiesen; im Teiche der Balbach’schen Brauerei zu
Biedenkopf einzeln. Nicht selten bei Hanau im Ausfluss der Fischteiche,
Lamboibrücke, Ehrensäule, Puppenwald, Hochstadt, Bischofsheim; in
schlammigen Gräben bei Hausen (~Speyer~). Im Amosenteich bei Darmstadt
(~Ickrath~).

Ausser diesen vorstehenden Arten führt ~Speyer~ noch eine _Cyclas
perpusilla_ ~Gärtner~ an; dieselbe ist aber keine Muschel, sondern die
Schale einer zu den Krebsen gehörigen Cypris und ~Kreglinger~[13] zieht
sie mit Unrecht zu _Pisidium obtusale_.



Zweiunddreissigstes Capitel.

IV. Pisidium ~C. Pfeiffer~.

Erbsmuschel.


Muschel sehr klein, rundlich eiförmig, stets ungleichseitig. Wirbel
mehr oder weniger aufgeblasen. Schloss mit einem Mittelzahn an der
rechten und zwei Hauptzähnen an der linken Schale, und mit länglichen,
lamellenartigen Seitenzähnen, im Verhältniss stärker, als bei Cyclas.
Schlossband sehr klein und stets auf der kurzen Seite befindlich, so
dass also hier die vordere Hälfte länger ist, als die hintere, während
bei den andern Muscheln der Fall umgekehrt ist.

Das Thier gleicht ganz dem von Cyclas, aber seine Athemröhren sind
in ihrer ganzen Länge mit einander verwachsen und bilden einen Sipho
von sehr wechselnder Form, der bei der geringsten Erschütterung
zurückgezogen wird.

Die Jungen entwickeln sich innerhalb der Kiemen des Mutterthiers, aber
nicht in einer besonderen Bruttasche, sie sind verhältnissmässig sehr
gross und man findet nur wenige auf einmal (~Baudon~).

Die Erbsmuscheln finden sich zwar auch im stehenden Wasser und kleinen
Pfützen, aber mit Vorliebe in fliessendem Wasser, in Wiesengräben,
Quellen und deren Abflüssen, im Schlamm verborgen. Sie scheinen
ziemlich lang ohne Wasser aushalten zu können; Dr. C. ~Koch~ theilte
mir mit, dass er sie in Hungerquellen gefunden habe, die 7-8 Monate im
Jahr kein Wasser haben, sie stecken dann oft mit Hydrobien, Carychien
und Vertigo zusammen im feuchten Laub oder Moos. Man sammelt sie am
besten, indem man den Schlamm durchsiebt oder in einem Netz ausspühlt.
~Baudon~ fand sie öfters an todten Thieren, Knochen u. dgl. in Menge
klebend, wahrscheinlich weil sie dem mit Nahrungsstoff gesättigten
Wasser nachgehen, und er hat sie mit Erfolg durch solchen Köder
herbeigelockt.

Die Pisidien sind bei ihrer Kleinheit natürlich noch viel schwerer
zu unterscheiden, als die Unionen, denen sie an Wandelbarkeit nicht
nachstehen. Dazu kommt, dass es noch immer an einer eingehenden
Bearbeitung der deutschen Pisidien fehlt, wie sie den englischen durch
~Jenyns~, den schwedischen durch ~Malm~, den französischen durch
~Baudon~, dessen Essai monographique ich hauptsächlich folge und auch
die Abbildungen entlehnt habe, zu Theil geworden ist. Die deutschen
Faunisten begnügen sich damit, die herkömmlichen Arten aufzuführen, und
ich kann leider von diesem Brauche nicht abweichen, da mein Material zu
unbedeutend ist und sich wesentlich auf die Umgebung von Frankfurt und
einige Puncte um Biedenkopf beschränkt.

Mit Sicherheit kommen bei uns vier Arten vor, die sich folgendermassen
unterscheiden:

  a. Schale 7-12 Mm. lang, stark gerippt, sehr ungleichseitig,
     Wirbel nach vorn geneigt.

                                                  _P. amnicum_ ~Müll.~

  b. Schale unter 6 Mm. lang.

    α. Schalen ziemlich gleichseitig.

      Muschel sehr bauchig, aufgetrieben, Wirbel vorstehend,
      Dim. ziemlich gleich, 2½-3 Mm.

                                               _P. obtusale_ ~C. Pfr.~

      Muschel weniger bauchig, fast ganz gleichseitig, blassgelb,
      Wirbel rundlich, vorspringend.

                                                  _P. pusillum_ ~Jen.~

    β. Schale sehr ungleichseitig, mit kaum vorspringenden Wirbeln.

                                               _P. casertanum_ ~Poli.~

Eine Bereicherung unserer Fauna ist sicher zu erwarten, sobald man
anfängt, diese kleinsten Muscheln etwas mehr als bisher zu beachten.


12. Pisidium amnicum ~Müller~.

Schiefe Erbsmuschel.

_Syn._ _P. obliquum_ C. ~Pfr.~, _Cyclas obliqua_ ~Lam.~

Muschel beinahe eiförmig, ungleichseitig, bauchig, doch weniger
gewölbt, als die andern Arten, unregelmässig dreieckig, wenig glänzend,
zierlich gestreift, fast gerippt, äusserlich gelblichgrau, innen
bläulich. Wirbel wenig erhaben, nach vorn geneigt. Der Hauptzahn des
Schlosses gespalten, daneben jederseits ein paar kaum wahrnehmbare
Nebenzähne, an die sich die sehr dünnen Schlossleisten anschliessen.
Länge 7-12 Mm., Höhe 6 Mm., Dicke 4-6 Mm.

Thier etwas durchscheinend, weisslich oder graulich, mit kurzem,
breiten Fuss. Athemröhre kurz, kegelförmig, am Ende schräg abgestutzt.

Die grösste unserer Erbsmuscheln liebt fliessendes Wasser, kommt aber
auch im stehenden vor; sie scheint in Nassau nicht eben häufig zu sein.
Im Sonnenberger Bach bei Wiesbaden (~Thomae~). In Wiesengräben bei
Idstein (A. ~Römer~). In der Lahn bei Marburg, selten (C. ~Pfeiffer~).
Bei Cronberg (~Dickin~). Nicht häufig bei Hanau: Bulauwald, Lamboiwald,
Ehrensäule, Wilhelmsbader Wald (~Speyer~). In der Sulzbach (~Ickrath~).
Besonders schöne, grosse Exemplare, bis zu 12 Mm. lang, fand ich in der
Wickerbach oberhalb der Flörsheimer Kalksteinbrüche sehr zahlreich.
Selten in der Rutzebach bei Darmstadt. (~Ickrath~).


13. Pisidium obtusale C. ~Pfr.~

Stumpfe Erbsmuschel.

Muschel schief herzförmig, bauchig, nur wenig ungleichseitig, sehr
fein, kaum bemerklich gestreift, glänzend, durchsichtig, gelblichweiss.
Der Unterrand scharf, die Wirbelspitzen vorstehend, sehr stumpf,
gerundet, der Wirbel ziemlich nahe an der Mitte stehend. Länge und Höhe
gleich, 2-4 Mm., Dicke 1½-3 Mm.

Thier grau, mitunter gelblich oder röthlich, mit ziemlich langem,
spitzem Fuss. Athemröhre etwas kegelig, kurz, abgestutzt, mit kleiner
ganzrandiger Oeffnung (~Moq.-Tand.~).

Im Schlamme kleinerer Wassergräben, aber auch in den Buchten des Mains.
In der Tränke bei Wiesbaden. (~Thomae~). In Lachen an der Lamboibrücke
bei Hanau (~Speyer~). Im Schwanheimer Hauptgraben. -- Ueber die
Exemplare aus dem Main bemerkt mir Herr ~Clessin~ in Dinkelscherben,
dass die Wirbel für diese Art zu weit nach vornen stehen und zu spitz
sind, sie desshalb wahrscheinlich eher zu _Pisid. conicum Baud._
gehören dürften.


14. Pisidium pusillum ~Jenyns~.

Kleinste Erbsmuschel.

Muschel sehr klein, dünn, fast gleichseitig, nur wenig bauchig, mit
rundlichen, vorspringenden Wirbeln; die Streifen sind an den Wirbeln
stärker und dichter als am übrigen Theil der Schale, so dass man zwei
deutlich abgegränzte Parthieen der Schale unterscheiden kann; glänzend,
blassgelb, die Wirbel grau. Der Hauptzahn der rechten Klappe springt
ein wenig nach Innen vor; er ist flach zusammengedrückt und zeigt
eine Furche, als ob er aus zweien zusammengeschmolzen sei; die beiden
Zähne der linken Klappe sind ebenfalls nur durch eine sanfte Furche
geschieden.

Thier weisslich, helldurchsichtig, sehr klein, der Fuss lang und
schmal, die Athemröhre kurz, fast kegelförmig. (~Baudon~).

Ich erhielt diese Art aus einigen Teichen des Taunus durch Herrn
~Dickin~. In den Waldquellen des Gebirgs, selbst im feuchten Moos
austrocknender Hungerquellen um Biedenkopf und Dillenburg.


15. Pisidium casertanum ~Poli~.

Quellen-Erbsmuschel.

_Syn._ _Pisid. fontinale_ C. ~Pfeiffer~.

Gehäuse schief herzförmig, bauchig, ungleichseitig, fein gestreift,
durchscheinend, glänzend, gelblichweiss, der untere Rand scharf. Die
Wirbel weniger erhaben. Schloss jederseits mit ~drei~ gegen einander
geneigten Hauptzähnen, von denen der mittelste sehr klein ist. Grösse
nach dem Fundorte sehr wechselnd; Länge 4-6 Mm.

Thier weisslich, durchscheinend; Fuss verlängert; Athemröhre kurz, von
sehr wechselnder Gestalt. (~Baudon~).

In stehenden und fliessenden Gewässern, besonders aber in Quellen,
allenthalben verbreitet und häufig.



Dreiunddreissigstes Capitel.

Tichogoniacea.


Muschel nachenförmig, gekielt, Buckel ganz am einen, schmalen Ende,
Schloss mit nur einem Zahn. Das Thier befestigt sich durch einen Byssus.


16. Tichogonia Chemnitzii ~Rossmässler~.

Eckwandmuschel.

_Syn._ _Mytilus Wolgae_ ~Chemn.~, _Chemnitzii_ ~Fér.~, _polymorpha_
~Pallas~, _Dreissena polymorpha_ v. ~Ben.~

Muschel nachenförmig, aufgetrieben, jede Schale von dem spitzen Wirbel
aus in einen sanften Bogen gekielt; Oberseite aufgetrieben, Unterseite
flach; von den 4 Rändern, die man an andern Muscheln unterscheiden
kann, fehlt der Vorderrand ganz; der Oberrand ist kurz, gerade, der
Unterrand fast gerade, vom Wirbel aus in geneigter Richtung nach rechts
und unten verlaufend, der Hinterrand leicht gekrümmt. Am Unterrand
schliessen die Schalen nicht ganz, so dass ein Spalt für den Byssus
bleibt. Farbe und Zeichnung sehr verschieden, meist schmutzig gelb mit
Zickzackstreifen, die an jungen Exemplaren besonders deutlich sind,
mit dem Alter verschwinden. Wirbel spitz, gegen einander gekrümmt;
Schlossband fast ganz innerhalb der Schalen in einer Rinne liegend.
Schloss nur aus einem schwachen Zahne der rechten Schale bestehend,
der in eine Grube der linken passt. Der Muskel heftet sich an eine
dreieckige Perlmutterwand, die quer in dem Winkel angebracht ist und
den Namen für unsere Art (von τειχος, Wand und γονος, Ecke) gegeben
hat. Länge 20-40 Mm.

Ich kann mich nicht entschliessen, den Rossmässler’schen Namen, der
zugleich die Hauptkennzeichen der Gattung enthält, zu Gunsten des
allerdings etwas älteren Namens Dreissena oder Dreissensia van Beneden
aufzugeben; die Priorität darf nicht die einzige Rücksicht sein, die
wir bei der Auswahl der Namen nehmen, und es ist unmöglich, die Gattung
besser, als durch den Rossmässler’schen Namen zu bezeichnen.

Es ist diese seltsame Muschel, die trotz ihres Byssus sich sehr rasch
verbreitet, zuerst 1780 von ~Pallas~ in der Wolga entdeckt worden und
hat sich seitdem sehr rasch über Europa verbreitet. Im Rhein wurde sie
nach ~Thomae~ zuerst bei Walluf gefunden und ist nun sehr häufig. Ueber
ihr Vorkommen im Main hat ~Noll~ die ersten Funde zusammengestellt, das
erste Exemplar hat ~Heynemann~ in den ersten fünfziger Jahren bei Hanau
gefunden, die ersten lebenden Thiere ~Mandel~ bei Frankfurt 1855. Jetzt
ist sie stellenweise ganz häufig und kommt z. B. bei Höchst in Masse
vor. Anführen will ich noch, dass nach einer Angabe des Herrn ~Kretzer~
in Mühlheim a./M., die mir ~Heynemann~ mittheilte, alte Schiffsleute,
welche die zum Füttern gebrauchten Muscheln genau kennen, unsere
Muschel für eine schon sehr lange im Main vorkommende Art erklären. Den
Schwanheimer Muschelsammlern dagegen ist sie erst in den letzten Jahren
bekannt geworden.

Seit etwa 6 Monaten habe ich zwei Exemplare aus dem Main auf einem
_Unio batavus_ sitzend in meinem Aquarium, wo sie sich sehr wohl zu
befinden scheinen.

Die Wanderung scheint meistens eine passive zu sein; die Muschel
hängt sich in Menge an Schiffe und Flösse, nach einer Beobachtung
~Rossmässler~’s auch an Krebse und wahrscheinlich auch an andere
Wasserthiere und wird so aus einem Flussgebiet in’s andere verschleppt.
Dem Anschein nach schadet ihr auch ein kurzer Aufenthalt im Salzwasser
nicht, denn in die untere Donau ist sie wahrscheinlich über das
schwarze Meer aus den russischen Flüssen eingeschleppt worden.

Im Rhein findet sie sich in Unmasse; ~Noll~ sah einen Tümpel unterhalb
der Lurley bei St. Goar wie gepflastert mit ihnen, und die darin
befindlichen Unionen und Anodonten mit so dichten Klumpen bedeckt, dass
sie sich nicht mehr in den Boden eingraben konnten.



Schlusscapitel.


Nassau ist nicht gross genug, um in seinen Gränzen verschiedenartige
Faunengebiete einzuschliessen; die Unterschiede der Fauna in seinen
verschiedenen Theilen können daher nicht von der geographischen Lage,
sondern nur von den Unterschieden der Bodenbeschaffenheit abhängen.
Kalkreicher und kalkarmer Boden, Ebene oder Hügelland, das sind die
Hauptfactoren, welche für die Vertheilung der Arten massgebend sind.

Eigentliche grössere Ebenen hat Nassau nicht; nur im unteren Theile
des Mainthals und hier und da am Rhein kommen einige Strecken flachen
Landes vor, die wir den gebirgigen Theilen in Beziehung auf die
Molluskenfauna als Ebenen gegenüber stellen können. Am bedeutendsten
ist die ~Mainebene~. Sie beginnt ungefähr bei Hanau und erstreckt
sich von da in zunehmender Breite mainabwärts, um im sogenannten
Riede mit der grossen Rheinebene zu verschmelzen. In alten Zeiten
ein Theil des Meeres, das sich von der Nordsee bis an die Alpen
erstreckte und später, als die Gebirgsdurchbrüche des Basaltes die
Verbindung unterbrochen und einen Binnensee daraus gemacht hatten,
ein Theil des Mainzer Beckens, gehört der Boden in seinen tieferen
Schichten ganz der Tertiärformation an, ist aber mit diluvialem Löss,
Kiesablagerungen, altem Dünensand und den alluvialen Anschwemmungen
der Flüsse überlagert und fast nur an den Rändern treten die
characteristischen Littorinellenkalke, aus zahllosen Exemplaren der
Hydrobien, die einst hier im brackischen Wasser lebten, gebildet, auf.
Entgegen dem eigentlichen Begriff müssen wir das gesammte Gebiet der
Tertiärschichten der Fauna nach noch zur Ebene rechnen.

Dieses Gebiet wird anfangs nördlich von den Ausläufern der Rhön,
südlich von denen des Spessart und dann des Odenwaldes begränzt.
Dann verliert es sich nach Norden in die sanfthügelige, noch aus
Tertiärschichten bestehende Wetterau, die in conchyliologischer
Beziehung noch dazu zu rechnen ist, aber leider noch eine _terra
incognita_ genannt werden muss. Der Ostrand des Taunus begränzt die
Westseite dieses von der Nidda durchflossenen Ländchens und tritt dann
dicht an den Main, bis nach Mainz hin kaum einen stundenbreiten Raum
zwischen sich und dem Flusse lassend. Noch schmäler wird der Raum
längs des Rheingaues, wo die Berge dicht an den Strom herantreten
und nur an wenigen Puncten Raum für eine Ebenenfauna bleibt. Nach
Süden geht die Ebene längs der Vorberge des Odenwaldes in die grosse
Rheinebene über, deren Fauna die unsere vollständig gleicht. Jenseits
des Rheines schliesst sich das hügelige Rheinhessen an, das wie in der
Bodenbeschaffenheit so wohl auch in der Fauna unserem Gebiete ähnlich
ist. Leider gilt hier in conchyliologischer Beziehung das von der
Wetterau gesagte: es ist noch _terra incognita_.

Im eigentlichen Rheinthal, der romantischen Rheinschlucht von Bingen
bis Lahnstein, ist nur an wenigen Puncten die Entwicklung einer
Ebenenfauna möglich und ebenso im unteren Lahnthal; der ganze Rest des
Gebietes gehört den Gebirgen an.

Zwischen Lahn, Rhein und Main erhebt sich der ~Taunus~, ziemlich
schroff aus der Mainebene aufsteigend und sich nach der Lahn hin
langsam abflachend. Quarzite und Taunusschiefer bilden die Hauptmasse
der Höhen, die im Feldberg und Altkönig sich bis zu 2700′ erheben.
An ihn schliessen sich von Giessen bis Marburg die Ausläufer des
basaltischen ~Vogelsberges~. Auf der nördlichen Seite der Lahn erhebt
sich das basaltische Hochplateau des ~Westerwaldes~, an seinen Abhängen
einzelne Tertiärschichten einschliessend. Das Dillthal trennt ihn von
den Ausläufern des grossen ~rheinisch-westphälischen Schiefergebirges~,
in denen die Quellen der Lahn, der Dill, der Eder und Sieg nachbarlich
zusammenliegen.

Der Zufall hat mir Gelegenheit gegeben, sowohl die Fauna des Gebirges
als die der Ebene durch mehrjähriges Sammeln genauer kennen zu lernen,
erstere in der Umgebung von Biedenkopf an der oberen Lahn, letztere
in Schwanheim am Main unterhalb Frankfurt. Eine Schilderung der Fauna
an diesen beiden Orten wird besser als alles Andere die Unterschiede
zwischen Gebirgs- und Ebenenfauna vor die Augen führen.

Biedenkopf liegt an der oberen Lahn, etwa 6-7 Stunden oberhalb
Marburg, da, wo Grünsteine der verschiedensten Art, den Rand des
Schiefergebirges durchbrechend, ihn in eine Unzahl einzelner spitzer
Bergkuppen, deren Höhe zwischen 5-600 Meter schwankt, verwandelt haben.
Die Thalsohle bei Biedenkopf liegt ca. 270 Meter über dem Meer. Die
Lahn ist dort kaum mehr als ein Bach, der in Folge der Waldverwüstungen
in den fürstlich Wittgensteinischen Wäldern in heissen Sommern fast
austrocknet. Eine Menge schmaler Thälchen ziehen sich zwischen den
Kuppen hin, sich in immer feinere Zweige spaltend, bis endlich die
kleinsten Thälchen steil emporsteigend an Quellen enden oder vielmehr
anfangen. Viele dieser Thäler sind mehrere Stunden lang, aber nirgends
über hundert Schritte breit; den horizontalen Boden bedecken Wiesen,
die steil ansteigenden Berge an den Seiten sind mit dichtem Wald,
meistens Buchenwald, bedeckt. Doch tritt in neuerer Zeit an die Stelle
des Laubwaldes auf dem durch Streuservitute erschöpften Boden immer
mehr Nadelwald. Der Ackerbau beschränkt sich auf das Lahnthal und
seine grössten Seitenthäler, in denen man den Seiten der Berge mühsam
steinige Felder abgewinnt. Breiter als eine halbe Stunde ist auch das
Lahnthal fast nirgends. Das bedeutendste Seitenthal ist das der Perf,
der sogenannte Breidenbacher Grund.

Der Boden besteht aus verschiedenen Schichtenfolgen des devonischen
und Kohlengebirges, die sämmtlich steil aufgerichtet und vielfach von
Grünsteinen durchbrochen sind. Folgen wir dem Wasserlaufe abwärts, so
finden wir zuerst ~Spiriferensandstein~, dann ~Orthocerasschiefer~;
später wechsellagern für eine Zeit lang ~Kramenzelsandsteine~ und
~Cypridinenschiefer~ und dann folgen für längere Zeit die Gesteine der
unteren, unproductiven Kohlenformation, ~Culmschiefer~ und ~flözleere
Sandsteine~. Die productiven Kohlenschichten fehlen leider, auf das
~rothe Todliegende~ folgt ein schmales ~Zechsteinband~, und dann, im
früheren kurhessischen Gebiete, der ~bunte Sandstein~. Kalkschichten
fehlen fast ganz, und das ist die Ursache, welche trotz des günstigen
Bodenreliefs die Entwicklung einer reicheren Molluskenfauna hindert.

In der That ist die Molluskenfauna durchaus nicht reich zu nennen,
weder an Arten noch an Individuen. Vorab die Wassermollusken. Von
Muscheln finden sich in den Bächen nur _Unio batavus_ und eine Form von
_Anodonta cellensis_; von Schnecken _Ancylus fluviatilis_ allenthalben,
_Limnaea auricularia_, _peregra_ und _minuta_ hier und da, aber dann
in Menge, _Planorbis albus_ und _leucostoma_ und _Valvata cristata_
einzeln in der Lahn. In den Waldquellen und deren Abflüssen kommen
noch _Hydrobia Dunkeri_ in unendlichen Mengen und einzelne Pisidien
hinzu, in einigen Teichen _Cyclas calyculata_. Fügt man dazu noch
_Limnaea ovata_ und _Cyclas lacustris_, die ich an ganz isolirten
Localitäten gefunden, so ist das Verzeichniss der Süsswasserschnecken
vollständig. Die Limnophysen mit _Limnaea stagnalis_, die _Physa_,
_Paludina_, _Bithynia_, die meisten Planorben, _Unio pictorum_ und
_tumidus_ fehlen. Muscheln finden sich überhaupt fast nur in Mühlgräben
und Teichen; die Bäche selbst mit ihrem wechselnden Wasserstand und dem
aus groben Geschieben bestehenden Boden sind nur an wenigen günstigen
Stellen von ihnen bewohnt, nirgends reich daran.

Die Landmollusken sind ebenfalls arm an Zahl der Arten und Individuen.
Allgemein verbreitet sind nur _Vitrina pellucida_, _Hyalina nitida_
~Müll.~, _Hel. rotundata_, _incarnata_, und etwa noch _Clausilia
nigricans_. Wo Grünsteine durchbrechen und in alten Grünsteinmauern
kommen zu ihnen noch _Hel. lapicida_ und einzelne _Bulimus obscurus_.
_Helix pomatia_ und _nemoralis_ sind auf die nächsten Umgebungen der
Ortschaften beschränkt und fehlen grossen Districten ganz.

Eine reiche Ausbeute gewähren eigentlich nur die Enden der kleinen
Waldthälchen mit ihrem, von Quellen durchtränkten und mit Laub
bedeckten Moosboden. In der nächsten Umgebung der Quellen, halb im
Wasser, halb ausserhalb findet man oft an einem Buchenblatte zusammen
sitzend _Hydrobia Dunkeri_, _Pisidium pusillum_, _~Carychium minimum~_
und _~Vertigo septemdentata~_; etwas weiter ab folgen dann _Vitrina
pellucida_ und _Draparnaldi_, _Hyalina ~subterranea~ (crystallina)_,
_~nitidosa~_, _nitens_, _fulva_, _nitida_, _Helix ~pygmaea~_,
_~pulchella~_, _aculeata_, _Cionella lubrica_, _Pupa ~pygmaea~_,
_Succinea putris_, _Pfeifferi_ und _oblonga_. Keine davon findet sich
eigentlich massenhaft; die häufigeren sind gesperrt gedruckt. Entfernt
man sich aus dem eigentlichen Quellgebiete, dem wasserdurchtränkten
Moose, so verschwinden die Schnecken vollständig, und nur in einzelnen
Vertretern folgen sie dem Lauf der Bäche thalabwärts.

In den ausgedehnten Buchenwäldern, welche die Berge bedecken, findet
man hier und da ein paar _Hel. rotundata_ oder _incarnata_ und an
Baumstümpfen _Claus. nigricans_; nur an zwei isolirten Stellen finden
sich an den Stämmen _Claus. dubia_ und _Helix lapicida_.

Von der allgemeinen Armuth machen nur wenige Stellen eine Ausnahme:
ein Bergabhang bei Dexbach, der sogenannte Hardenberg, wo zwischen
Kieselschiefern ein rauher Kalkstein lagert und eine Tuff bildende
Quelle zu Tage tritt; leider ist durch die Abholzung der grösste
Theil der Arten zu Grunde gegangen und damit _Bul. montanus_ aus der
dortigen Fauna verschwunden. Ferner die alten Schlossruinen Hohenfels
und Breidenstein und endlich der ~Schlossberg~ bei Biedenkopf, der
einzige wirklich reiche Fundort, was die Individuenzahl anbelangt.
Der Schlossberg ist ein ziemlich isolirt aus dem hier etwas breiteren
Lahnthal aufsteigender, kaum 400′ hoher Kegel, der den grössten Theil
der Stadt Biedenkopf trägt. Auf drei Seiten mit stattlichem Eichwald
bedeckt, ist er an seiner Südseite frei, nur mit einigen Obstbäumen
bepflanzt. Von dem alten Schlosse auf der Spitze ziehen Mauertrümmer
nach den alten Stadtmauern hinab und bieten durch den überall
zerstreuten Mörtel den Schnecken reiche Mengen Kalk. An Regentagen
im Sommer wimmelt deshalb auch die Südseite förmlich von Schnecken
und man kann kaum einen Schritt machen, ohne eine _Hel. pomatia_
oder _nemoralis_ zu zertreten. Auch im Wald sind die Schnecken sehr
zahlreich, obschon es ihm an Wasser mangelt und die Schnecken fast den
ganzen Sommer hindurch unter den Steinhaufen Schutz vor der Trocknung
suchen müssen: ein Beweis, dass der Kalk ihnen noch nöthiger ist,
als das Wasser. Mehr oder weniger häufig finden sich hier: _Vitrina
pellucida_, _Arion empiricorum_, _Limax cinereoniger_ (ausserdem
nur noch auf dem Breidensteiner Schloss beobachtet), _marginatus_,
_agrestis_, _Amalia marginata_, _Hyalina cellaria_, _nitens_, _fulva_,
_Helix rotundata_, _pygmaea_, _costata_, _pulchella_, _obvoluta_,
_personata_, _incarnata_, _lapicida_, _nemoralis_, _pomatia_, _Cionella
lubrica_, _acicula_, _Pupa muscorum_, _pygmaea_, _Bulimus obscurus_,
_Clausilia laminata_, _nigricans_, _Succinea oblonga_.

Zu den genannten Arten kommen an einigen isolirten Puncten noch
_Hel. hispida_, _Balea fragilis_, _Pupa edentula_, _pusilla_ und
_Shuttleworthiana_. Damit ist die Liste ziemlich vollständig. Ganz
fehlen mit dem löslichen Kalk die Xerophilen, zu denen man in Hinsicht
auf Lebensweise auch _Bulimus tridens_ und _detritus_ und _Pupa
frumentum_ rechnen muss. Ferner fehlen die meisten Fruticicolen,
_Hel. arbustorum_ und seltsamer Weise _Helix hortensis_, obschon sie
in dem benachbarten Dillthale bei weitem häufiger, als _nemoralis_
ist. Auffallend ist auch das Fehlen der sonst allgemein verbreiteten
_Claus. biplicata_; ich habe nur einmal an der Gränze nach Marburg hin
ein paar junge Exemplare gefunden.

In der Umgegend von ~Marburg~ kommen, obschon der Boden aus
Buntsandstein besteht, noch _Helix arbustorum_, _fruticum_ und
_hortensis_, sowie _Planorbis marginatus_ vor, ob einheimisch oder vor
Zeiten einmal angesiedelt, ist jetzt nicht mehr zu entscheiden.

Das ~Dillthal~, dem oberen Lahnthal parallel laufend, aber etwas
tiefer liegend und kalkreicher, ist auch an Mollusken reicher, aber
seine Fauna ist noch immer eine Gebirgsfauna: die Xerophilen, _Limnaea
stagnalis_, _palustris_, _Planorbis corneus_, beide Physa und _Paludina
vivipara_ fehlen auch hier. Erst im Lahnthal unterhalb Weilburg treten
_Hel. ericetorum_, _Bul. detritus_, _Limnaea stagnalis_ und _Unio
pictorum_ auf und bilden den Uebergang zu der Ebenenfauna.

Der ~Taunus~ in seinem grössten Theile beherbergt fast nur
Nacktschnecken; in den Bächen finden sich _Unio batavus_ und eine
kleine Form von _Anodonta piscinalis_, dann _Limnaea peregra_ und
_Ancylus fluviatilis_, im Moos längs ihrer Ufer die gewöhnlichen
Hyalinen. Nur in der Nähe der menschlichen Wohnungen und ganz besonders
an den Ruinen ändert sich das Verhältniss: _Vitrina pellucida_,
_Draparnaldi_, _diaphana_, _elongata_, _Helix obvoluta_, _hortensis_,
_incarnata_, _nemoralis_, _pomatia_, _Bulimus montanus_, _Pupa
doliolum_, _Clausilia biplicata_, _plicata_, _plicatula_, _dubia_,
_nigricans_, _parvula_, _laminata_ treten auf, mitunter in colossalen
Mengen, wie auf der Ruine Hattstein, wo ausser den genannten auch
noch _Helix rufescens_ und _Clausilia lineolata_ vorkommen. Im
Rheinthale finden sich ausserdem noch an einzelnen Puncten die beiden
_Daudebardia_, _Helix personata_ und _Cyclostoma elegans_.

Ein ganz anderes Bild bietet die Ebenenfauna, aber sie ist nicht an
allen Puncten gleich entwickelt. Am gleichmässigsten natürlich ist
die Fauna der Wasserconchylien, aber auch hier sind die kalkhaltigen
Gegenden reicher, als die mit kalkarmem Alluvialboden. Betrachten wir
zunächst die Fauna des Mains selber. Der Main durchfliesst die ganze
Ebene mit ziemlich starkem Gefäll und raschem Lauf; seine Ufer sind
durchschnittlich hoch, nur in der Nähe seiner Mündung sind am linken
Ufer Dämme nöthig. Durch Strombauten, Dämme und Buhnen sind zahlreiche
geeignete Wohnplätze für Muscheln und Schnecken geschaffen. Ich habe
folgende Arten darin gesammelt: _Limnaea auricularia var. ampla_,
_ovata var. obtusa_, _stagnalis_, _Physa fontinalis_, _Planorbis
corneus_, _albus_, _contortus_, _Ancylus fluviatilis_, _lacustris_,
_Bithynia tentaculata_, _Valvata piscinalis_, _cristata_, _Neritina
fluviatilis_, _Unio pictorum_, _tumidus_ und _batavus_, _Anodonta
piscinalis_, _cygnea_, _Cyclas rivicola_, _cornea_, _solida_, _Pisidium
obtusale_, _Tichogonia Chemnitzii_. Manche davon, namentlich die
Muscheln, finden sich in ungeheuren Massen, so dass der Grund an
manchen Stellen förmlich damit gepflastert ist.

In die Nebenflüsse und deren Seitenbäche dringt diese Fauna nun sehr
lückenhaft ein; _Unio pictorum_ und _tumidus_, _Cyclas solida_,
_rivicola_ und _Neritina fluviatilis_ verschwinden zuerst. Eine genaue
Untersuchung dieser Verhältnisse, zu der das jäh emporsteigende Gebirge
lockt, ist noch zu machen; leider hat es bis jetzt meine Zeit noch
nicht erlaubt, genauere Nachforschungen anzustellen.

An vielen Puncten der Ebene, z. B. um Schwanheim, sind die Wassergräben
kaum bewohnt; am verbreitetsten darin ist noch _Plan. contortus_, dann
_Limnaea fusca_ und _elongata_, welch letztere sich seltsamer Weise
auf das linke Mainufer beschränkt, und _Physa hypnorum_. _Planorbis
corneus_ nur an einer Stelle vorkommend, ist cariös. Mooriges Wasser
und kalkarmer Boden mögen die Ursache sein. Ganz anders ist es im
Lössboden, z. B. in der Umgebung von Sossenheim auf dem rechten
Mainufer, in den Sümpfen der Riedgegend und in den Rheinsümpfen bei
Mombach. In unzähligen Exemplaren, oft von riesenhafter Grösse, finden
sich dort fast alle unsre Wasserschnecken, _Hydrobia Dunkeri_ und
_Pisidium pusillum_ etwa ausgenommen.

Viel weniger gleichmässig sind die Landschnecken vertheilt. Gehen
wir auch hier vom Maine aus. Dicht am Ufer halb noch im Wasser,
finden wir eine kleine Nacktschnecke, _Limax brunneus_, _Succinea
putris_, _Pfeifferi_, besonders vom Juli ab, und _Hyalina nitida_.
Weiter ab, aber noch im jährlichen Ueberschwemmungsgebiet, wird die
Fauna reicher. _Hyalina subterranea_, _nitidosa_, _fulva_, _Helix
pygmaea_, _pulchella_, _costata_, _hispida_, _depilata_, _sericea_,
_Cionella lubrica_, _Carychium minimum_, _Succinea oblonga_ gesellen
sich dazu, an günstigen Puncten auch _Hel. fruticum_, _arbustorum_,
_hortensis_, _nemoralis_, _ericetorum_, die wohl aus dem Spessart
eingewanderte _Vitrina diaphana_ und an der oberen Gränze des
Ueberschwemmungsgebietes _Pupa muscorum_.

Vergleichen wir damit die Schnecken, welche wir im Geniste des
Mains finden. Dasselbe ist sehr reich daran, namentlich das von den
Winterfluthen angeschwemmte; das der Sommer- und Herbstfluthen
enthält weniger Land- aber mehr Wasserschnecken. Die Ursache
dieser Verschiedenheit suche ich darin, dass die Winterfluth die
zahlreichen in den Winterquartieren zu Grund gegangenen Schnecken
mitbringt, die noch an das Geniste ihrer früheren Wohnplätze
angefroren und darum leichter zu transportiren sind. Folgende Arten
wurden darin beobachtet: _Vitrina pellucida_, _Hyalina cellaria_,
_~nitidosa~_, _~nitida~_, _~crystallina~_ (_subterranea_),
_fulva_, _Helix ~pygmaea~_, _rupestris_ (~Speyer~), _rotundata_,
_~costata~_, _~pulchella~_, _~hispida~_, _~depilata~_, _sericea_,
_fruticum_, _strigella_, _bidens_ (nur in einigen Exemplaren bei
Mühlheim), _~arbustorum~_, _~ericetorum~_, _nemoralis_, _hortensis_,
_pomatia_, _Buliminus tridens_, _detritus_, _obscurus_, _Cionella
~lubrica~_, _~acicula~_, _Pupa frumentum_, _~muscorum~_, _~pygmaea~_,
_septemdentata_, _~minutissima~_, _Venetzii_, _pusilla_, _Clausilia
biplicata_, _~Carychium minimum~_, _Succinea putris_, _Pfeifferi_,
_oblonga_; _Limnaea ampla_, _Planorbis corneus_, _albus_, _Bithynia
~tentaculata~_, _Valvata cristata_, _piscinalis_, _Cyclas rivicola_.

Zusammen also 47 Arten, aber davon finden sich nur die durch
gesperrten Druck ausgezeichneten regelmässig in grösseren Quantitäten.
Dieses Verhältniss ist wichtiger, als es scheint. Wir haben im
unteren Mainthal eine ganze Anzahl Ablagerungen, die, aus ähnlichen
Anschwemmungen entstanden, eine Menge Land- und Süsswasserschnecken
enthalten und bis in die älteste Tertiärzeit zurückreichen. Natürlich
können sie, lückenhaft wie sie sind, nicht ohne Weiteres ein Bild der
damaligen Binnenconchylienfauna geben, aber wenn wir die jetzigen
Anschwemmungen in quantitativer und qualitativer Beziehung sorgfältig
mit der gesammten Fauna des Mainthals vergleichen, so erhalten wir
einen Anhaltspunct, von welchem aus wir Schlüsse auf die diluviale
und tertiäre Zeit machen können. Vielleicht wird es dann möglich
sein, auf die Alluvialthone der Mainebene, die diluvialen Löss- und
Sandablagerungen an ihren Rändern, die tertiären Kalke von Budenheim
und Flörsheim gestützt ein Bild der geschichtlichen Entwicklung unserer
Fauna in Darwinschem Sinne zu geben. Dass in dieser Periode eine
ununterbrochene Entwicklung stattgefunden, beweisen einzelne Arten, die
sich schon in der Tertiärzeit finden, wie _Hel. costata_ und die mit
den heutigen trotz der eigenen Namen vollständig identischen Limnäen.

Entfernen wir uns von dem Ueberschwemmungsgebiete des Mains, so finden
wir die Ackerfelder zu beiden Seiten meistens absolut schneckenleer,
so weit sie aus Alluvialboden bestehen. Auch der Sandstrich, der
als Rest alter Dünen von der Gegend von Rödelheim ab sich durch die
Gemarkungen von Griesheim und Schwanheim quer durchs Mainthal bis in
die Nähe des Ortes Kelsterbach erstreckt, ist absolut schneckenleer.
Ganz dasselbe gilt von der kiesigen Schwelle, die, früher eine
Kiesbank, dann eine Landzunge zwischen den Mündungen von Neckar und
Main, Rhein- und Mainebene von einander trennt. Obschon fast in ihrer
ganzen Ausdehnung mit Laubwald bedeckt, der sich ununterbrochen vom
Odenwald bis gegen Rüsselsheim hinzieht, lässt sie doch selbst bei der
sorgfältigsten Nachforschung kaum hier und da einmal eine versprengte
_Hel. pomatia_, _nemoralis_ oder _incarnata_ entdecken. Nur längs der
den Wald durchschneidenden Landstrassen, und nur soweit dieselben mit
Kalksteinen gedeckt werden, finden sich _Hel. pomatia_ und _nemoralis_,
sowie _Pupa muscorum_. Wo Basalt an die Stelle des Kalkes tritt und zu
beiden Seiten jenseits der Zone, die der Kalkstaub erreichen kann, ist
die Schneckenfauna verschwunden. Wir haben also auch hier den Beweis,
dass die Schnecken ohne grosse Bodenfeuchtigkeit existiren können und
sich gerne mit Thau und Regen begnügen, wenn sie nur Kalk zum Bau ihrer
Gehäuse finden.

Ganz anders wird das Bild, wo in der Nähe von Sachsenhausen
Littorinellenkalke in dieser Kiesschwelle auftreten. Der Sachsenhäuser
Berg mit seinen Massen von _fruticum_ und _nemoralis_, die Umgebung
der oberen Schweinsteige und des Buchrainweihers, welche immer gemeint
sind, wenn von dem Frankfurter Wald die Rede ist, sind vielleicht die
ergiebigsten Puncte für den Sammler, die er in unserem ganzen Gebiete
finden kann. Am Buchrainweiher kommen seltsamer Weise ganz isolirt in
der Ebene _Hel. lapicida_, _obvoluta_, _Bul. montanus_ und _Claus.
ventricosa_ vor.

Reich an Schnecken ist auch die Ebene wo sie aus Löss besteht, wie
z. B. um Sossenheim; _Hel. sericea_ und _strigella_ finden dort ihre
eigentliche Heimath.

Eine eigenthümliche Fauna beherbergen die ~Kalkhügel zwischen
Flörsheim und Hochheim~, der Rand eines niederen Plateaus, welches dem
südlichen Fusse des Taunus vorliegt. Ewig trocken und der glühenden
Sonne ausgesetzt sind die Abhänge trotzdem meist mit einem dichten
Moospolster bedeckt, in und auf welchem in unzählbaren Mengen _Hel.
ericetorum_, _Bul. detritus_ und _tridens_, _Pupa frumentum_ und
_muscorum_ leben; auch _Hel. pomatia_ und _nemoralis_ sind sehr
häufig. Auch hier lässt der Kalkboden die Schnecken über die mangelnde
Feuchtigkeit hinwegsehen. In dem Thale des ~Wickerbaches~, das die
Steinbrüche durchschneidet, und in dem Bache selbst ist ebenfalls eine
ziemlich reiche Fauna entwickelt: zahlreiche Hyalinen, _Hel. strigella_
und _hispida_ und im Bache _Pisidium amnicum_ und _Valvata piscinalis_
von merkwürdiger Grösse, die kleine Bachform von _Neritina fluviatilis_
und die Taunusform des _Unio batavus_ lassen den Sammler lebender
Conchylien eben so gern die Flörsheimer Steinbrüche besuchen, wie den
der Fossilien, für den hier classischer Boden ist.

Nicht minder interessant ist die alte Dünenwüste jenseits des
Rheines, die ~Mombacher Heide~. Aus schneeweissem Flugsand bestehend,
den der Wind noch hin und her treibt und zu Hügeln zusammenweht,
soweit nicht Waldanpflanzungen ihm Halt gebieten, wird sie durch
ihren stark mit Kalk und selbst mit Salztheilchen gemengten Boden,
den die Sonne an warmen Sommertagen fast zum Glühen erhitzt, zu
einem der interessantesten Orte für die Botaniker, wie für den
Hymenopterologen. Aber auch der Schneckensammler geht nicht leer aus.
Zu den obengenannten Xerophilen kommt noch, an die strandbewohnende
_Hel. striata_ der Mittelmeerküsten erinnernd, die stark gerippte _Hel.
costulata_ ~Zgl.~, deren gebleichte Gehäuse zu Tausenden auf dem Sande
herumliegen. Unter den einzelnen Büschen, die sich an geschützteren
Stellen entwickelt haben, findet man Hunderte von leeren Gehäusen der
_Vitrina pellucida_, die sonst nur in feuchten Bergwäldern lebt, (wenn
nicht eine Vergleichung der Thiere sie als specifisch verschieden
erkennen lässt).

Eine reichere Ausbeute bieten noch die Sümpfe zwischen Mombach und
Budenheim, die namentlich von ~Thomae~ genauer untersucht wurden und
für viele unserer kleinen Planorben und Valvaten die einzigen Fundorte
sind.

Stellen wir nun zum Schlusse noch einmal Gebirgs- und Ebenenfauna
einander vergleichend gegenüber, so finden wir erstere an Arten wie
an Individuen gleicherweise ärmer, am ärmsten da, wo es dem Boden
gleichzeitig auch an Kalk gebricht. Aechte Gebirgsschnecken, die
sich nie oder nur selten an besonders günstigen Puncten in der Ebene
zeigen, sind _Hydrobia Dunkeri_, _Pisidium pusillum_, _Helix lapicida_,
_personata_, _obvoluta_, _Clausilia nigricans_, _Balea fragilis_,
_Vitrina elongata_, _Draparnaldi_. Aechte Ebenenbewohner dagegen sind
in unserem Gebiete von Landschnecken: _Hel. strigella_, _sericea_,
_arbustorum_, die Xerophilen, _Bul. tridens_ und _detritus_, die
grossen Pupen und die Wasserschnecken mit Ausnahme der wenigen bei den
Gebirgsfaunen erwähnten Arten.

So ist wenigstens das Verhältniss nach unseren jetzigen Kenntnissen der
nassauischen Fauna; grosse Lücken sind darin freilich noch auszufüllen.
Hoffen wir, dass diese Arbeit dazu beiträgt, den Anstoss zu einer
lebhafteren und genaueren Durchforschung unseres Vereinsgebietes zu
geben. Ich wiederhole nochmals meine Bitte an Jeden, der sich in Nassau
oder den angränzenden Gebieten mit der so leichten und lohnenden
Erforschung der Weichthierfauna beschäftigen will, sich mit mir in
Verbindung zu setzen und mir seine Resultate mitzutheilen, damit
es dereinst möglich sein wird, ein wirklich erschöpfendes Bild der
Vertheilung der Mollusken in unserer Provinz zu geben.

  ~Schwanheim~, im Juni 1871.

                                                        $Dr. W. Kobelt.$



Erklärung der Tafeln[14].


Tafel I.

    1. Daudebardia rufa ~Drp.~
    2.     „       brevipes ~Drp.~
    3. Vitrina elongata ~Drp.~
    4.    „    Heynemanni C. ~Koch~.
    5.    „    diaphana ~Drp.~
    6.    „    Draparnaldi ~Cuv.~
    7.    „    pellucida ~Drp.~
    8. Hyalina nitidula ~Drp.~
    9.    „    nitens ~Mich.~
   10.    „    cellaria ~Müll.~
  *11.    „    nitidosa ~Fér.~, stark vergrössert.
   12.    „    nitida ~Müll.~
   13.    „    crystallina ~Müll.~
   14.    „    subterranea ~Bourg.~
  *15.    „    hyalina ~Fér.~
  *16.    „    fulva ~Müll.~
  *17. Helix rupestris ~Drp.~   }
  *18.   „   pygmaea ~Drp.~     }
  *19.   „   rotundata ~Müll.~  } vergrössert.
  *20.   „   aculeata ~Müll.~   }
  *21.   „   costata ~Müll.~    }
  *22.   „   pulchella ~Müll.~  }
   23.   „   obvoluta ~Müll.~
   24.   „   personata ~Lam.~
   25.   „   incarnata ~Müll.~
   26.   „   fruticum ~Müll.~
   27.   „   strigella ~Drp.~
   28.   „   hispida L.
   29.   „   depilata C. ~Pfr.~
   30.   „   sericea ~Drp.~
   31.   „   rufescens ~Penn.~
   32.   „   villosa ~Drp.~
   33.   „   ericetorum ~Müll.~
   33a.  „   ericetorum var. minor.
   34.   „   candidula ~Stud.~
   35.   „   costulata ~Zgl.~


Tafel II.

    1. Helix arbustorum L.
    2.   „   lapicida L.
    3.   „   nemoralis L.
    4.   „   hortensis ~Müll.~
    5.   „   pomatia L.
    6. Bul. tridens ~Müll.~
    7.   „   detritus ~Müll.~
    8.   „   montanus ~Drp.~
    9. Bul. obscurus ~Müll.~
  *10. Cionella lubrica ~Müll.~
  *11.    „     Menkeana C. ~Pfr.~
  *12.    „     acicula ~Müll.~
  *13. Pupa frumentum ~Drp.~
  *14.  „   secale ~Drp.~
  *15.  „   doliolum ~Brug.~
  *16.  „   muscorum L.
  *17.  „   minutissima ~Hartm.~
  *18.  „   edentula ~Drp.~
  *19.  „   septemdentata ~Fér.~
  *20.  „   pygmaea ~Drp.~
  *21.  „   ventrosa ~Heyn.~
  *22.  „   Shuttleworthiana ~Ch.~
  *23.  „   pusilla ~Müll.~
  *24. Pupa Venetzii ~Charp.~
  *25. Carychium minimum L.


Tafel III.[15]

   1. Balea fragilis ~Drp.~
   2. Clausilia laminata ~Mont.~
   3.     „     biplicata.
   4.     „     plicata ~Drp.~
   5.     „     ventricosa ~Drp.~
   6.     „     lineolata ~Held~.
   7.     „     plicatula ~Drp.~
   8.     „     dubia ~Drp.~
   9.     „     nigricans ~Pult.~
  10.     „     parvula ~Stud.~


Tafel IV.

  *1. Succinea oblonga ~Drp.~
  *2.     „    Pfeifferi ~Rossm.~
  *3.     „    putris L.
   4. Limnaea auricularia ~Drp.~
   5. Limnaea auricularia var. ampla ~Hartm.~
   6.     „   ovata ~Drp.~
   7.     „   stagnalis ~Müll.~
   8.     „   auricularia var. angulata.
   9.     „   truncatula ~Müll.~
  10.     „   fusca C. ~Pfr.~
  11.     „   palustris ~Drp.~
  12.     „   peregra ~Drp.~
  13.     „   elongata ~Drp.~
  14. Physa hypnorum L.
  15.   „   fontinalis L.
  16. Ancylus fluviatilis L.


Tafel V.

    1. Planorbis corneus L.
    2.     „     marginatus ~Drp.~
    3.     „     carinatus ~Müll.~
   *4.     „     vortex ~Müll.~
   *5.     „     contortus ~Müll.~
   *6.     „     Rossmässleri ~Auersw.~
   *7.     „     albus ~Müll.~
   *8.     „     laevis ~Alder.~
   *9.     „     leucostoma ~Mich.~
  *10.     „     spirorbis ~Müll.~
  *11.     „     cristatus ~Drp.~
  *12.     „     complanatus ~Drp.~
   13.     „     nitidus ~Müll.~
  *14. Acme fusca ~Walker~.
   15. Cyclostoma elegans ~Drp.~
   16. Paludina vivipara ~Müll.~
   17. Bithynia tentaculata L.
   18.    „     Leachii ~Shepp.~
   19. Hydrobia Dunkeri ~Ffld.~
  *20. Valvata piscinalis ~Müll.~
  *21.    „    depressa C. ~Pfr.~
  *22.    „    spirorbis ~Drp.~
  *23.    „    cristata ~Müll.~
  *24. Valvata minuta ~Drp.~
   25. Neritina fluviatilis ~Müll.~
   26. Ancylus lacustris L.


Tafel VI.

  1. Unio pictorum var.
  2.   „  tumidus ~Retz.~
  3.   „  batavus var. amnicus.
  4.   „  batavus ~Lam.~
  5. 6. Embryonen von Unio (nach ~Forel~).

Tafel VII.

  1. Unio pictorum L.
  2. Anodonta piscinalis var. minor.
  3.    „         „       „   ponderosa.


Tafel VIII.

  1. Anodonta cellensis var.
  2. Limnaea ovata var.
  3.    „    vulgaris ~Rossm.~
  4. 5. „    vulgaris var.


Tafel IX.

   1. Anodonta cygnea var.
   2. Cyclas rivicola ~Lam.~
   3.   „    cornea L.
   4.   „    solida Norm.
   5.   „    lacustris ~Drp.~
   6.   „    calyculata ~Drp.~
   7. Pisidium amnicum ~Müll.~
   8.[16] „    obtusale C. ~Pfr.~
   9.     „    pusillum ~Jenyns~.
  10.     „    casertanum ~Poli.~
  11. Tichogonia Chemnitzii ~Rossm.~



Inhalt.


                                                            Seite

  $Allgemeiner Theil.$

  ~Erstes Capitel.~

  Umgränzung, Literatur und Vorarbeiten                         7

  ~Zweites Capitel.~

  Stellung der Weichthiere im Thierreich, allgemeiner Bau,
  Eintheilung                                                  11

  ~Drittes Capitel.~

  Sammeln, Reinigen, Aufbewahren und Ordnen                    13

  ~Viertes Capitel.~

  Zucht lebender Mollusken                                     22

  ~Fünftes Capitel.~

  Terminologie, Kunstsprache                                   24

  ~Sechstes Capitel.~

  Die wichtigsten conchyliologischen Werke                     28

  ~Siebentes Capitel.~

  Verhältniss der Weichthiere zur übrigen Natur                30

  ~Achtes Capitel.~

  System der Mollusken                                         33


  $Specieller Theil.$

  ~A. Cephalophora.~

  ~Erstes Capitel.~

  Anatomische Verhältnisse                                     35

  ~Zweites Capitel.~

  Entwicklung der Schnecken                                    52

  ~Drittes Capitel.~

  Lebensweise der Schnecken                                    59

  ~Viertes Capitel.~

  Uebersicht der Gattungen                                     63

  ~Fünftes Capitel.~

  Testacellea, Halbnacktschnecken                              65

  ~Sechstes Capitel.~

  Limacea, Nacktschnecken                                      67

  ~Siebentes Capitel.~

  Vitrina ~Drp.~, Glasschnecke                                 79

  ~Achtes Capitel.~

  Hyalina ~Gray~, Glanzschnecke                                85

  ~Neuntes Capitel.~

  Helix ~Linné~                                                94

  ~Zehntes Capitel.~

  Buliminus ~Ehrbg.~                                          128

  ~Elftes Capitel.~

  Cionella ~Jeffreys~                                         134

  ~Zwölftes Capitel.~

  Pupa ~Draparnaud~                                           137

  ~Dreizehntes Capitel.~

  Balea ~Prideaux~                                            148

  ~Vierzehntes Capitel.~

  Clausilia ~Draparnaud~                                      149

  ~Fünfzehntes Capitel.~

  Succinea ~Draparnaud~                                       160

  ~Sechzehntes Capitel.~

  Carychium ~Müller~                                          164

  ~Siebzehntes Capitel.~

  Limnaeacea ~Lamarck~                                        164

  ~Achtzehntes Capitel.~

  Physa ~Draparnaud~                                          183

  ~Neunzehntes Capitel.~

  Planorbis ~Müller~                                          186

  ~Zwanzigstes Capitel.~

  Ancylus ~Geoffroy~                                          198

  ~Einundzwanzigstes Capitel.~

  Acme ~Hartmann~                                             200

  ~Zweiundzwanzigstes Capitel.~

  Cyclostoma ~Lamarck~                                        202

  ~Dreiundzwanzigstes Capitel.~

  Paludinacea                                                 204

  ~Vierundzwanzigstes Capitel.~

  Valvata ~Müller~                                            210

  ~Fünfundzwanzigstes Capitel.~

  Neritina ~Lamarck~                                          213

  ~Sechsundzwanzigstes Capitel.~

    B. ~Acephala~                                             216

  ~Siebenundzwanzigstes Capitel.~

  Entwicklung der Muscheln                                    223

  ~Achtundzwanzigstes Capitel.~

  Lebensweise der Muscheln                                    233

  ~Neunundzwanzigstes Capitel.~

  Uebersicht der Familien und Gattungen. Unio L.              237

  ~Dreissigstes Capitel.~

  Anodonta ~Bruguière~                                        246

  ~Einunddreissigstes Capitel.~

  Cyclas ~Bruguière~                                          253

  ~Zweiunddreissigstes Capitel.~

  Pisidium ~C. Pfeiffer~                                      258

  ~Dreiunddreissigstes Capitel.~

  Tichogoniacea                                               262

  ~Schlusscapitel~                                            264

  Erklärung der Tafeln                                        275



Register.


                                            Seite

  Absonderungsorgane                           49

  Abnormitäten                                 57

  Acanthinula Beck.                           100

  Acarus limacum                               31

  Acephala                                    216

  Achatina vid. Cionella                      134

  Achatschnecke                                --

  Acicula _Hartm._ = Acme                     201

  ~Acme~ _Hartm._                              --
    fusca Walker                               --

  Albers, die Heliceen                         28

  Albinismus                                   57

  Alcyonella fungosa                          235

  ~Amalia~ _Heyn._                             71
    marginata _Drp._                           --

  Amphipeplea _Nilss._                        165

  Ancylus _Geoffr._                           198
    fluviatilis _L._                          199
    lacustris _L._                            200

  ~Anodonta~ _Brug._                          246
    cellensis _Schrött._                      251
        „     var. ponderosa                  252
    complanata _Zgl._                         253
    cygnea _L._                               247
    dentiens _Mke._                           248
    piscinalis _Nilss._                       249
        „      var. minor                     250
        „       „   ponderosa _C. Pf._        249
        „       „   rivularis m.              251
        „       „   rostrata m.               250
        „       „   ventricosa _C. Pf._       251

  Aquatilia                                   204

  ~Arion~ _Fér._                               67
    empiricorum _L._                           68
    hortensis _Fér._                           70
    melanocephalus _Faure_                     --
    subfuscus _Fér._                           69

  Arionta _Leach._                            120

  Aspidogaster conchicola                     235

  Athemhöhle                                   35

  Athemrohr                                    36

  Athmungsorgane                               48

  Azeca tridens = Cionella _Menkeana_         136


  ~Balea~ _Prideaux_                          148
    fragilis _Drp._                            --
    Rayana _Bourg._                            --

  Bernsteinschnecke                           160

  ~Bithynia~ _Leach._                         205
    impura _Lam._                             206
    Leachii _Shepp._                          206
    similis _Speyer_                           --
    tentaculata _L._                           --
    Troschelii _Paasch_                        --
    ventricosa _Gray_                          --

  Bitterling                              32, 236

  Blasenschnecke                              183

  Bojanus’sches Organ                         218

  Bronn, Classen und Ordnungen des
    Thierreichs                                27

  Bucephalus polymorphus                      235

  ~Buliminus~ _Ehrbg._                        128
    detritus _Müll._                          131
    montanus _Drp._                           132
    obscurus _Müll._                          133
    radiatus _Brug._                          131
    tridens _Müll._                           130


  Cariosität                                  230

  ~Carychium~ _Müll._                         164
    Menkeanum = Cionella _Menk._              136
    minimum _L._                              164

  Cephalophora                                 35

  Cercarien                                    32

  ~Cionella~ _Jeffr._                         134
    acicula _Müll._                           136
    lubrica _Müll._                           135
    Menkeana _C. Pfr._                        136

  ~Clausilia~ _Drp._                          149
    bidens _Drp._                             153
    biplicata _Mont._                         154
    dubia _Drp._                              157
    gracilis _C. Pfr._                        158
    laminata _Mont._                          153
    lineolata _Held_                          156
    nigricans _Pult._                         158
    obtusa _C. Pfr._                           --
    parvula _Stud._                           159
    plicata _Drp._                            155
    plicatula _Drp._                          157
    rugosa _C. Pfr._                          157
    similis _von Charp._                      154
    ventricosa _Drp._                         155
    Villae _Porro_                            159

  Clepsine                                     31

  Cochlodina perversa _Fér._
    = Balea fragilis                          148

  Crystallstiel                               218

  ~Cyclas~ _Brug._                            253
    calyculata _Drp._                         257
    cornea _L._                               255
    lacustris _Drp._                          256
    rivicola _Lam._                           254
    solida _Norm._                            256

  ~Cyclostoma~ _Lam._                         202
    elegans _Drp._                             --


  ~Daudebardia~ _Hartm._                       65
    brevipes _Drp._                            66
    rufa _Drp._                                66

  Deckelschnecken                             200

  Deckel                                       26

  Distoma                                      32
    duplicatum                                235
    hepaticum                                  --

  Divertikel                                   51

  Dreissena _van Ben._                        262

  Drilus flavescens                            31


  Entwicklung der Schnecken                    53

     „         „  Muscheln                    223

  Epidermis                                    12

  Epiphragma                               26. 59

  Epithel                                      36


  Ferrusacia Risso = Cionella                 134

  Flagellum                                    51

  Forel, Entwicklungsgeschichte
    der Najadeen                              224

  Fruticicola _Held_                          105

  Fussdrüse                                    50

  Fussganglion                                 43


  Gärtner, G., Systematische Beschreibung
    der Wetterauer Conchylien                   9

  Gastropoden                                  35

  Gefässsystem der Schnecken                   46

      „         „  Muscheln                   218

  Gefühlsorgan                                 44

  Gehörorgan                                   45

  Geschlechtsorgane der Schnecken              50

        „            „  Muscheln              222

  Geschmacksorgan                              46

  Gonostoma _Held_                            102


  Hartmann, Erd- und Süsswassergastropoden
    der Schweiz                                29

  Helicophanta _Fér._ = Daudebardia            65

  ~Helix~ _Linné_                              94
    aculeata _Müll._                          100
    acuta _Drp._                              120
    arbustorum _L._                           120
    bidens _Chemn._                           115
    bidentata _Gmel._                         115
    candicans _Zgl._                          120
    candidula _Stud._                         118
    carthusiana _Müll._                       115
    carthusianella _Drp._                      --
    circinata _Stud._                         113
    clandestina _Born_                         --
    Cobresiana _von Alten_                    115
    costata _Müll._                           101
    costulata _Zgl._                          119
    depilata _C. Pfr._                        111
    ericetorum _Müll._                        116
    fruticum _Müll._                          108
    hispida _Müll._                           110
    holoserica _Stud._                        104
    hortensis _Müll._                         125
    incarnata _Müll._                         107
    lamellata _Jeffr._                        101
    lapicida _L._                             121
    montana _C. Pfr._                         113
    neglecta _Thomae_                         118
    nemoralis _L._                            123
    obvia _Hartm._                            117
    obvoluta _Müll._                          102
    personata _Lam._                          104
    pilosa _von Alten_                        114
    pomatia _L._                              126
    pulchella _Müll._                         102
    pygmaea _Drp._                             99
    rotundata _Müll._                          --
    rubiginosa _Zgl._                         115
    ruderata _Stud._                           --
    rufescens _Penn._                         114
    rupestris _Drp._                           98
    sericea _Drp._                            112
    striata _(Drp.) Thomae_                   119
    strigella Drp.                            109
    thymorum _von Alten_                      118
    umbilicata _Mont._                         98
    umbrosa _Partsch_                         115
    unidentata _Drp._                         --
    unifasciata _Poir._                       118
    villosa _Drp._                            114


  Heynemann, D. F.                          9. 10

  Hirnganglion                                 43

  ~Hyalina~ _Gray_                             85
    cellaria _Müll._                           89
    crystallina _Müll._                        91
    fulva _Müll._                              93
    hyalina _Fér_                              92
    lucida autor. = nitida                     90
    nitens _Mich._                             87
    nitida _Müll._                             90
    nitidosa _Fér._                            88
    nitidula _Drp._                            87
    pura _Alder_                               88
    radiatula _Alder_                          93
    subterranea _Bourg._                       91
    viridula _Mke._                            88

  Hydrachna concharum                         235

  Hydrobia _Hartm._                           209
    Dunkeri _Ffld._                            --


  Kiefer                                       37

  Kiel                                         26

  Kiemen                                       49

  Kunstsprache                                 24

  Koch, Dr. C.                                  8


  Lamellibranchia                             216

  Leber                                        43

  Lederhaut                                    36

  Liebespfeil                                  51

  Limacea                                      67

  ~Limax~ _Lister_                             72
    agrestis _L._                              77
    arborum _Bouch._                           78
    ater _L._ = Arion ater                     --
    brunneus _Drp._                            76
    cinctus _Müll._                            77
    cinereo-niger _Wolf_                       74
    cinereus _Lister_                          --
    filans _Hoy_                               77
    flavus _Müll._                             --
    laevis _Müll._                             76
    marginatus _Drp._ = Amalia marg.           71
    marginatus _Müll._                         78
    reticulatus _Müll._                        77
    scandens _Norm._                           78
    sylvaticus _Drp._                          --
    tenellus _Müll._                           77
    unicolor _Heyn._                           75
    variegatus _Drp._                          75

  ~Limnaea~ _Lam._                            165
    auricularia _Drp._                        170
        „       var. ampla _Hartm._            --
    auricularia var. angulata _Hartm._        172
    auricularia var. costellata _Mus. Franc._  --
    auricularia var. Monnardi _Hartm._        171
        „        „   ventricosa _Hartm._      172
    elongata _Drp._                           172
    fusca _C. Pfr._                           180
    glaber _Müll._                            178
    leucostoma _Drp._                          --
    minuta _Drp._                              --
    ovata _Drp._                              173
    var. ampullacea _Rossm._                  174
      Dickinii _Kobelt_                        --
    palustris _Drp._                          179
    peregra _Müll._                           176
    var. excerpta _Hart._                     177
    stagnalis _Müll._                         181
    var. reflexa _Kob._                       183
    vulgaris _Rossm._                         174

  Limnochares Anodontae                        32

  Lippe                                        25

  Lungen                                       48


  Malacozoologie, Zeitschrift für              29

  Malacozoologische Blätter                    29

  Malermuschel                                241

  Mantel                                   12. 35

  Mantelhöhle                                  36

  Margaritana _Schum._                        237

  Muscheln                                    216

     „    , Entwicklung                       223

     „    , Lebensweise                       233


  Nabel                                        25

  Nachrichtsblatt der deutschen
    mal. Gesellschaft                          29

  Nackenblase                                  54

  Naht                                         25

  Najadea                                     238

  Nematoden                                    32

  ~Neritina~ _Lam._                           213
    fluviatilis _Müll._                        --
    var. halophila _Rossm._                   215

  Niere                                        49

  Noll, Dr. C., der Main in seinem
    unteren Lauf                               10

  Nutzen der Schnecken                         30


  Operculum                                    26

  Otolithen                                    46


  ~Paludina~ _Lam._                           205
    achatina _Lam._                           207
    communis _Dup._                           205
    contecta _Millet_                          --
    fasciata _Müller_                         207
    impura _Lam._ = Bithynia tentaculata       --
    Listeri _Forbes_                          205
    vivipara _Müll._                           --
    viridis _Sandb._ u. _Koch_
      = Hydrobia Dunkeri                      209

  Patula _Held_                                98

  Pelecypoda                                  216

  Perlen                                      229

  Petasia _Beck_                              115

  Pfeiffer, Carl, Naturgeschichte              28

  Pfeiffer, Dr. L., Monographia
    Heliceorum viv.                            28

  ~Physa~ _Drp._                              183
    fontinalis _L._                           184
    hypnorum _L._                              --

  ~Pisidium~ _C. Pfr._                        258
    amnicum _Müll._                           260
    casertanum _Poli_                         261
    fontinale _C. Pfr._                        --
    obliquum _C. Pfr._                        260
    obtusale _C. Pfr._                         --
    pusillum _Jenyns_                         261

  ~Planorbis~ _Müller_                        186
    albus _Müll._                             194
    carinatus _Müll._                         191
    complanatus _L._ = marginatus             190
    complanatus _Drp._                        197
    compressus _Mich._                        192
    contortus _Müll._                         193
    corneus _L._                              188
    cristatus _Drp._                          196
    cupaecola _von Gall_                      195
    fontanus _Mont._                          197
    glaber _Jeffr._                           195
    imbricatus _Müll._                        196
    laevis _Alder_                            195
    lenticularis _Sturm_                      197
    leucostoma _Mich._                        195
    marginatus _Drp._                         190
    Moquini _Req._                            195
    nautileus _Gmel._                         196
    nitidus _Müll._                           197
    regularis _Hartm._                        195
    Rossmässleri _Auersw._                    193
    spirorbis _Müll._                         196
    vortex _Müll._                            192

  Pomatia _Beck_                              126

  Präparation, microscopische                  40

  Prosobranchia                               204

  ~Pupa~ _Drp._                               137
    angustior _Jeffr._                        147
    antivertigo _Drp._                        144
    doliolum _Brug._                          142
    edentula _Drp._                           143
    frumentum _Drp._                          140
    minutissima _Hartm._                      143
    muscorum _L._                             142
    pusilla _Müll._                           146
    pygmaea _Drp._                            145
    secale _Drp._                             141
    septemdentata _Fér._                      144
    Shuttleworthiana _Charp._                 146
    Venetzii _Charp._                         147
    ventrosa _Heyn._                          145


  Radula                                       38

  Reibmembran                                  --

  Rhodeus amarus                              239

  Römer -- Büchner                              9

  Rossmässler, Iconographie                    27


  Samengang                                    50

  Samentasche                                  --

  Sammeln, Anleitung dazu                     137

  Sandberger, Fr.                               8

  Scalariden                                   56

  Schlammschnecke                             165

  Schliessmuschel                              --

  Schloss                                      27

  Schlossband                                  --

  Schlundkopf                                  37

  Schmidt, Adolf                           28. 29

  Schwanzblase                                 54

  Schwanzdrüse                                 50

  Segel                                        54

  Segmentina _Flem._                          197

  Servain, Malacologie d’Ems                    9

  Sinnesorgane                                 44

  Sipho                                        36

  Spengler, der Kurgast zu Ems                  8

  Spermatophore                                51

  Speyer, Oscar, Verzeichniss der
    Conchylien von Hanau                        9

  Spindelmuskel                                36

  Sturm, Deutschlands Fauna                    29

  Stylommatophora                              65

  ~Succinea~ _Drp._                           160
    amphibia _Drp._                           162
    oblonga _Drp._                            163
    Pfeifferi _Rossm._                         --
    putris _L._                                --

  System der Mollusken                         33


  Tachea _Leach._                             123

  Terminologie                                 24

  Testacellea                                  65

  ~Tichogonia~ _Rossm._                       262
    Chemnitzii _Rossm._                        --

  Triodopsis _Raf._                           104

  Troschel, de Limnaeaceis                     29


  Umbilicus                                    25

  ~Unio~ _L._                                 238
    batavus _Lam._                            242
    var. amnicus _Zgl._                       244
     „  crassus _Retz._                       243
     „  Moquinianus _Dup._                    245
     „  taunica _Kob._                        244
    margaritifer _Retz._                      245
    pictorum _L._                             241
    var. rostrata _C. Pfr._                   242
    tumidus _Retz._                           239

  Ureter                                       --

  Urniere                                      --


  Vallonia _Risso_                            101

  ~Valvata~ _Müll._                           210
    cristata _Müll._                          213
    depressa _C. Pfr._                        212
    minuta _Drp._                             213
    obtusa _C. Pfr._                          211
    piscinalis _Müll._                         --
    planorbis _Drp._                          213

  Velum                                        54

  Verdauungsorgane der Muscheln                --

         „          „  Schnecken               37

  Vertigo _Müll._                             139

  Visceralganglien                             43

  ~Vitrina~ _Drp._                             79
    Audebardi _Fér._                           84
    beryllina _C. Pfr._                        83
    diaphana _Drp._                            82
    Draparnaldi _Cuv._                         84
    elongata _Drp._                            81
    Heynemanni _C. Koch_                       --
    major _Fér._                               84


  Winterschlaf                                 60


  Xerophila _Held_                            116


  Zunge                                        38

  Zwitterdrüse                                 50


[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV-XXVI. Taf. I.

C. Groschwitz lith.]

[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV-XXVI Taf. II

C. Groschwitz Lith.]

[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV.-XXVI. Taf. III.

C. Groschwitz Lith.]

[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV-XXVI. Taf. IV.

Amalie Kobelt ad nat. C. Groschwitz Lith.]

[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV-XXVI. Taf. V.

C. Groschwitz Lith.]

[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV-XXVI. Taf. VI.

Amalie Kobelt ad nat. C. Groschwitz Lith.]

[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV.-XXVI. Taf. VII.

Amalie Kobelt ad nat. C. Groschwitz Lith.]

[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV-XXVI. Taf VIII.

Amalie Kobelt ad nat. C. Groschwitz Lith.]

[Illustration: Jahrb. d. nass. V. f. Nat. XXV-XXVI. Taf. IX.

Amalie Kobelt ad nat. C. Groschwitz Lith.]



Fußnoten

[1] Genaueres über die Fauna einiger Ruinen siehe im Anhang.

[2] ~Mörch~ sagt in seiner neuen Arbeit über die Mollusken Islands,
er habe eine grössere Menge von Spiritus-Exemplaren der _Succinea
Grönlandica_ untersucht, einige davon haben Seitenzähnchen am Kiefer
wie _S. putris_, andere nicht, obgleich die Schale ganz gleich
sei. Entweder müssten also doch 2 Arten darunter sein, oder das
Vorhandensein der Seitenzähnchen hänge vielleicht vom Alter des Thiers
ab. Auch ich habe Kiefer von Succineen untersucht, die zwischen beiden
Formen in der Mitte standen.

[3] Deckgläschen und Objectträger bezieht man billigst und in bester
Qualität von dem Lieferanten des Giessener microscopischen Vereins,
Glaser H. ~Vogel~ in Giessen; die Präparirflüssigkeiten und besonders
Leistenkitt liefert ausgezeichnet rein und gut Herr Apotheker ~Mayer~
in der Hirschapotheke zu Frankfurt a. M.

[4] Cfr. Ueber das Gehörorgan der Mollusken, in ~Giebels~ Zeitschr. für
die gesammte Naturwissenschaft. 1856.

[5] F. ~Leydig~, über _Paludina vivipara_, Zeitschr. für wissensch.
Zool. II, 1850, p. 125-197.

[6] ~Anm.~ Im December 1870 habe ich dasselbe beobachtet und mich
überzeugt, dass die Schnecken unter dem Schnee lebendig waren.

[7] ~Anm.~ Nach mir noch nachträglich zugekommenen Nachrichten kommen
in vielen Kellern zu Höchst a. M. Nacktschnecken vor, die wohl unserer
Art angehören.

[8] Bei Durchmusterung der Sammlung des verstorbenen Herrn C. ~von
Heyden~, die Herr Hauptmann ~von Heyden~ der Normalsammlung der
deutschen malacozoologischen Gesellschaft zum Geschenk gemacht hat,
fand ich _Vitr. diaphana_ auch vom Altkönig.

[9] Achter Bericht des Offenbacher Vereins für Naturkunde.

[10] ~Anmerkung.~ In der langen Zeit, die zwischen der Beendigung des
Manuscriptes (Mai 1870) und der des Druckes verflossen ist, habe ich
eine Varietät von _ovata_ doch noch im Main aufgefunden, aber ganz
analog der _L. ampla_ ausgebildet, so dass ich sie noch in meiner
Arbeit „Zur Kenntniss der Untergattung _Gulnaria_“ in Mal. Bl. 1870,
als Subvarietät _obtusa_ zu _ampla_ zog. Nach Vergleichung zahlreicher
unausgewachsener Exemplare kann ich nicht mehr zweifeln, dass sie
wirklich zu _ovata_ gehört. Sie weicht auch in der Lebensweise von
_ampla_ ab: ich fand sie in grosser Gesellschaft freischwimmend in
einem Maintümpel am rothen Hamm unterhalb Frankfurt.

[11] K. ~Langer~, das Gefässsystem der Teichmuschel in d. Denkschrift
d. math. naturw. Cl. d. k. k. Acad. d. Wissensch. zu Wien. VIII und XII.

[12] Nicht 600000, wie ~Forel~ in seinem angeführten Werke irrthümlich
angiebt; siehe C. ~Pfeiff.~, Naturgesch. deutscher Land- und
Süsswassermoll. II p. 14.

[13] Systematisches Verzeichniss der in Deutschland lebenden
Binnenmollusken p. 364.

[14] Die mit * bezeichneten Figuren sind aus ~Rossmässlers~
Iconographie entlehnt.

[15] Fig. 1-4 aus der Iconographie, Fig. 6-10 aus ~Schmidts~ kritischen
Clausiliengruppen entlehnt.

[16] Fig. 8. 9 und 10 sind Copieen aus Baudon.



    +--------------------------------------------------------------+
    | Anmerkungen zur Transkription                                |
    |                                                              |
    | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen  |
    | gebräuchlich waren, wie:                                     |
    |                                                              |
    | 7dentata -- septemdentata                                    |
    | Achse -- Axe                                                 |
    | allmählich -- allmählig                                      |
    | an's -- ans                                                  |
    | anderen -- andern                                            |
    | angibt -- angiebt                                            |
    | auf's -- aufs                                                |
    | besäet -- besät                                              |
    | blosem -- blossem                                            |
    | Bret -- Brettchen                                            |
    | characteristische -- charakteristische                       |
    | cinereo-niger -- cinereoniger                                |
    | Darmcanal -- Darmkanal                                       |
    | deshalb -- desshalb                                          |
    | dies -- diess                                                |
    | eigenen -- eignen                                            |
    | einzelnstehend -- einzelstehend                              |
    | Exemplares -- Exemplars                                      |
    | Flussperlenmuschel -- Flussperlmuschel                       |
    | Gebietes -- Gebiets                                          |
    | Gebirg -- Gebirge                                            |
    | gelblich-weiss -- gelblichweiss                              |
    | gerade -- grade                                              |
    | Geschlechtes -- Geschlechts                                  |
    | gezähnt -- gezahnt                                           |
    | gibt -- giebt                                                |
    | gleicherweise -- gleicher Weise                              |
    | Grünstein-Mauern -- Grünsteinmauern                          |
    | hinteren -- hintern                                          |
    | Inhaltes -- Inhalts                                          |
    | Inneren -- Innern                                            |
    | Kiefernwald -- Kieferwald                                    |
    | Kirchhofes -- Kirchhofs                                      |
    | Lurlei -- Lurley                                             |
    | Mundsaumes -- Mundsaums                                      |
    | musculös -- muskulös                                         |
    | Nervensystemes -- Nervensystems                              |
    | Pigmentes -- Pigments                                        |
    | Puncte -- Punkte                                             |
    | Saamen -- Samen                                              |
    | schmutziggelblich -- schmutzig-gelblich                      |
    | seltener -- seltner                                          |
    | Spindelrandes -- Spindelrands                                |
    | Spiral-Lamelle -- Spirallamelle                              |
    | spitz-eiförmig -- spitzeiförmig                              |
    | Stativ-Loupe -- Stativloupe                                  |
    | stumpfwinkelig -- stumpfwinklig                              |
    | Süsswassergasteropoden -- Süsswassergastropoden              |
    | Theiles -- Theils                                            |
    | trockenen -- trocknen                                        |
    | unsere -- unsre                                              |
    | walzen-spindelförmig -- walzenspindelförmig                  |
    | Wässern -- Wassern                                           |
    | winkelig -- winklig                                          |
    |                                                              |
    | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert.               |
    | Die folgenden Änderungen wurden vorgenommen:                 |
    |                                                              |
    | S. 12 "Gehäüse" in "Gehäuse" geändert.                       |
    | S. 20 "Drahthäckchen" in "Drahthäkchen" geändert.            |
    | S. 28 "Conchyliensammlen" in "Conchyliensammeln" geändert.   |
    | S. 28 "Verwandschaft" in "Verwandtschaft" geändert.          |
    | S. 40 "sylvativa" in "sylvatica" geändert.                   |
    | S. 41 "bessten" in "besten" geändert.                        |
    | S. 44 "besondern" in "besonderen" geändert.                  |
    | S. 46 "Naturwissenchaft" in "Naturwissenschaft" geändert     |
    |       (Fußnote).                                             |
    | S. 48 "," in "." geändert.                                   |
    | S. 55 "Früjahr" in "Frühjahr" geändert.                      |
    | S. 56 "diesser" in "dieser" geändert.                        |
    | S. 59 "uud" in "und" geändert.                               |
    | S. 66 "Fer." in "Fér." geändert.                             |
    | S. 66 "Thomä" in "Thomae" geändert.                          |
    | S. 69 "breitern" in "breiteren" geändert.                    |
    | S. 70 "glasshell" in "glashell" geändert.                    |
    | S. 71 "Naktschnecken" in "Nacktschnecken" geändert.          |
    | S. 73 "4-6 Mm" in "4-6 Ctm" geändert.                        |
    | S. 82 "Oberdreslendorf" in "Oberdresselndorf" geändert.      |
    | S. 87 "Bischoffsheim" in "Bischofsheim" geändert.            |
    | S. 88 "Wildeweiberhäuschen" in "Wildweiberhäuschen"          |
    |       geändert.                                              |
    | S. 90 "Breitenbach" in "Breidenbach" geändert.               |
    | S. 91 "Oberdreslendorf" in "Oberdresselndorf" geändert.      |
    | S. 94 "Speicheldrüssen" in "Speicheldrüsen" geändert.        |
    | S. 97 "gedrücktkugelig" in "gedrückt-kugelig" geändert.      |
    | S. 101 "Jeffreyss" in "Jeffreys" geändert.                   |
    | S. 103 "Erbach" in "Erdbach" geändert.                       |
    | S. 107 "fleischfarb" in "fleischfarben" geändert.            |
    | S. 108 "hornfarb" in "hornfarbig" geändert.                  |
    | S. 108 "Vilmar" in "Villmar" geändert.                       |
    | S. 110 "Maxburg" in "Marxburg" geändert.                     |
    | S. 118 "höchtens" in "höchstens" geändert.                   |
    | S. 118 "aufgelössten" in "aufgelösten" geändert.             |
    | S. 122 "dunkele" in "dunkle" geändert.                       |
    | S. 124  geschweifte Klammer über "3.4.5." entfernt.          |
    | S. 134 "Buchstämmen" in "Buchenstämmen" geändert.            |
    | S. 134 "Wildeweiberhäuschen" in "Wildweiberhäuschen"         |
    |        geändert.                                             |
    | S. 134 "Jeffreyss" in "Jeffreys" geändert.                   |
    | S. 144 "Drp." von kursiv in gesperrt geändert.               |
    | S. 164 "Sechzehntes Capitel" eingefügt.                      |
    | S. 164 "Sechzehntes Capitel" in "Siebzehntes Capitel"        |
    |        geändert.                                             |
    | S. 165 "behannte" in "bekannte" geändert.                    |
    | S. 166 "dunkelen" in "dunklen" geändert.                     |
    | S. 169 "durscheinend" in "durchscheinend" geändert.          |
    | S. 171 "Breitenbacher Grund" in "Breidenbacher Grund"        |
    |        geändert.                                             |
    | S. 173 "Collumellarfalte" in "Columellarfalte" geändert.     |
    | S. 174 "Mach" in "Nach" geändert (Fußnote).                  |
    | S. 176 "characteristich" in "characteristisch" geändert.     |
    | S. 180 "Graben" in "Gräben" geändert.                        |
    | S. 186 "bezeichen" in "bezeichnen" geändert.                 |
    | S. 198 "denn" in "dann" geändert.                            |
    | S. 203 "Cylcostoma" in "Cyclostoma" geändert.                |
    | S. 203 "Senkenbergischen" in "Senckenbergischen" geändert.   |
    | S. 204 "Landschnecken" in "Wasserschnecken" geändert.        |
    | S. 207 "Nath" in "Naht" geändert.                            |
    | S. 209 "Goldfuss" in gesperrt geändert.                      |
    | S. 212 "Nath" in "Naht" geändert.                            |
    | S. 213 "Phyganeengehäusen" in "Phryganeengehäusen" geändert. |
    | S. 215 "Gewände" in "Gewinde" geändert.                      |
    | S. 215 "Mannsfelder Salzseen" in "Mansfelder Salzseen"       |
    |        geändert.                                             |
    | S. 216 "Kinzing" in "Kinzig" geändert.                       |
    | S. 216 "Sechsundzwangzigstes" in "Sechsundzwanzigstes"       |
    |        geändert.                                             |
    | S. 217 "gefälteten" in "gefalteten" geändert.                |
    | S. 222 "hommen" in "kommen" geändert.                        |
    | S. 227 "Bysussfaden" in "Byssusfaden" geändert.              |
    | S. 230 "Parthien" in "Parthieen" geändert.                   |
    | S. 233 "Achtundzwanzigtes" in "Achtundzwanzigstes" geändert. |
    | S. 234 "dener" in "denen" geändert.                          |
    | S. 247 "eigne" in "eigene" geändert.                         |
    | S. 249 "Kärthener" in "Kärnthener" geändert.                 |
    | S. 258 "Zweiunddreissigtes" in "Zweiunddreissigstes"         |
    |        geändert.                                             |
    | S. 263 "letzen" in "letzten" geändert.                       |
    | S. 266 "Buchwald" in "Buchenwald" geändert.                  |
    | S. 267 "Cylas" in "Cyclas" geändert.                         |
    | S. 267 "Cylus" in "Cyclas" geändert.                         |
    | S. 267 "Hydvobia" in "Hydrobia" geändert.                    |
    | S. 268 "empiricornm" in "empiricorum" geändert.              |
    | S. 272 "montanns" in "montanus" geändert.                    |
    | S. 273 "Aus beute" in "Ausbeute" geändert.                   |
    | S. 273 "nnd" in "und" geändert.                              |
    | S. 279 Errata-Fußnote entfernt, da Fehler korrigiert.        |
    | S. 279 "Jeffreyss" in "Jeffreys" geändert.                   |
    | S. 279 "Sechszehntes" in "Sechzehntes" geändert.             |
    | S. 282 "Fussdrüsse" in "Fussdrüse" geändert.                 |
    | S. 283 "Wolff" in "Wolf" geändert.                           |
    | S. 284 "Zeitchrift" in "Zeitschrift" geändert.               |
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*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Fauna der Nassauischen Mollusken" ***

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