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Title: Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des Sächsischen Obererzgebirges (Zweites Heft) - Ein Beitrag zur speciellern Kenntniß desselben, seines - Volkslebens, der Gewerbsarten, Sitten und Gebräuche
Author: Lindner, Johann Traugott
Language: German
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*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des Sächsischen Obererzgebirges (Zweites Heft) - Ein Beitrag zur speciellern Kenntniß desselben, seines - Volkslebens, der Gewerbsarten, Sitten und Gebräuche" ***

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Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek
Dresden at http://www.slub-dresden.de )



    Anmerkungen zur Transkription


    Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+.

    Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~.

    Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des
    Buches.



    Wanderungen

    durch die interessantesten Gegenden

    des

    Sächsischen Obererzgebirges.

    Ein Beitrag

    zur speciellern Kenntniß desselben, seines Volkslebens, der
    Gewerbsarten, Sitten und Gebräuche

    vom

    Finanzprocurator +Lindner+
    in Schwarzenberg.

    Verfasser der »Holzordnung von 1560 und der Gegenwart.«


    Zweites Heft.

    mit 4 lithographirten Ansichten.


    Annaberg,
    +Rudolph+ und +Dieterici+.
    1845.



Inhalt.

Zweite Wanderung.


                                                            Seite

    Von Zwickau aus nach dem Obergebirge                        1

    Kainsdorf (mit Ansicht)                                     6

    Wiesenburg                                                  8

    Wildenfels                                                  9

    Schloß Stein mit seinem nachbarlichen Schlosse Hartenstein 11

    Hartenstein                                                13

    Kirchberg                                                  14

    Schneeberg                                                 16

    Burkhardtsgrün                                             21

    Unterblauenthal (mit Ansicht)                              23

    Eibenstock                                                 25

    Der Rockenstein (mit Ansicht)                              30

    Schönheide                                                 31

    Karlsfeld                                                  32

    Der Auersberg                                              35

    Wildenthal (mit Ansicht)                                   40

    Specification aller Bergtheile und Kuxe etc.               43



Druck der Teubner'schen Officin in Leipzig



Wanderungen durch das Obererzgebirge.



Zweite Wanderung.



Von Zwickau[1] aus nach dem Obergebirge.


Wer etwa vor 15 oder 20 Jahren die alte Schwanenstadt mit ihrem
wunderlichen Dach- und Giebelwerk, den regellosen Fenstern und den
häufig in Stein eingehauenen Schnörkeln zum letzten Male sah und sich
an die menschenleeren, hin und wieder mit Gras bewachsenen Gassen,
sowie an den Gürtel von Mauerwerk, womit Kaiser Heinrich der Vogler
vor Jahrhunderten schon die Häuserschaar mit seiner Menschheit
eingeschnallt hatte, erinnert, und kommt jetzt unvermuthet dahin -- der
wird sich die Augen reiben und ungewiß sein, ob er träume oder wache.
Hohe, Palästen ähnliche Gebäude haben sich in und außer der Stadt
erhoben, und vielen alten unförmlichen Häusern hat man bereits die
Jacke abgezogen, um sie für die Ansprüche der Zeit in ein passenderes
Gewand zu hüllen. Die Organisation eines Appellationsgerichts, einer
Kreisregierung, eines Kreiskrankenhauses u. s. w. hat die Stadt und
die nahe Umgegend ungewöhnlich lebendig gemacht und wird sie in
unglaublicher Eile mit einer seegensvollen Gewerblichkeit beglücken,
wenn die bald vollendete Eisenbahn den Steinkohlenreichthum in weite
Gegenden rastlos verfrachtet. Die Tuchmacherei, das Krempelsetzen,
das Messerschmieden und wie sonst alle die Beschäftigungsarten der
Zwickauer Bürger in der Vorzeit geheißen haben, stellen sich gegen
die Gewerbsweisen der Gegenwart in den Hintergrund, weil es rathsamer
erscheint, nach dem zu greifen, was besser lohnt.

Die Lebensherrlichkeiten in Zwickau sprechen jeden Fremden um so
mehr an, als er sich von dem Personal der Mittel- und Unterbehörden
und vielen andern des Bürgerthums mit Herzlichkeit, Wohlwollen und
fröhlichem Scherz in den Stunden der Erholung umflochten sieht. Hier
wandelt in den Sommerabenden Mancher dem Bergkeller zu und trägt, wenn
auch nicht gerade den letzten, Obolus über den Styx für den finstern
Charon, hier Pippig genannt. Wie leicht söhnt sich hier nicht Jeder
unter dem Schatten der Linden mit den Mühen des Lebens aus, und wie
sehr fühlt sich hier das Herz gestärkt, wenn es Sorge und Kummer
drückt. Nur dann wird das Gemüth zu ernsten Betrachtungen gestimmt,
wenn man das Schloß Osterstein im Innern der Stadt ins Auge faßt.
Einst von Wiprecht Grafen von Groitzsch erbaut, ist es gegenwärtig ein
Landesarbeitshaus für Verbrecher und Taugenichtse, welche es stets
vollzählig, wohl auch übercomplet, zu erhalten wissen: denn wir leben
in der Zeit philanthropischer Maximen und Humanitäts-Hätscheleien,
welche derartige Häuser zu einem Mittelding zwischen Straf- und
Ausfütterungs-Anstalten umgewandelt haben. In der Gegenwart, wo in
dicker Bevölkerung Müßiggang und Genußsucht mit allen ihren Lockungen
an der Entsittlichung rütteln und der Strafrechtspflege in die Hände
arbeiten; wo man ringsumher über Abnahme, Vernachlässigung und
Erkaltung des religiösen Sinnes für Kirche und Schule klagt und aus
einer solchen moralischen Versumpfung die Verbrechen aufsteigen sieht,
wie giftige Schwaden, in einer solchen Periode -- ist das Princip der
Butterbemmen für einen ungezogenen Jungen am unrechten Orte. In einer
solchen Zeit sollte der Untersuchungsarrest, bei erlangter Gewißheit
der Uebelthat, hart, der Aufenthalt in den Strafanstalten aber, nach
Maasgabe der Individualitäten, kurz, jedoch abschreckend sein, ohne
deshalb Leben und Gesundheit zu gefährden. So ist es aber gegenwärtig
umgekehrt: der Sträfling wird zwar zur Arbeit angehalten, auch wohl
angestrengt, was er, ehe er Verbrecher wurde, hätte freiwillig thun
sollen; allein inmitten einer namhaften Kammeradschaft findet er gute
Kost, Reinlichkeit in Wäsche und Betten und, bei einer Gefügigkeit
gegen seine Aufseher und Zuchtmeister, eine nicht unfreundliche
Behandlung. Nach Ablauf der Strafzeit legt er seine eigenen Kleider
wieder an, die gar oft zu enge geworden sind, weil er sich in der
Anstalt fett gefüttert hat, und kehrt zu den Seinigen zurück, wenn
er es nicht vorzieht, unter Wegs wieder zu stehlen oder sonst das
Gleis des frühern Lebensweges zu befahren, um bald in die Arbeits-
und Speisesäle der Anstalt wieder einzutreffen. Es ist thatsächlich
und wir finden es in öffentlichen Blättern überall bestätiget, daß
in den Ländern, wo in den Strafanstalten das Humanitätsprincip
vorwaltet, sich die Verbrecher in denselben von Jahr zu Jahr in der
Art vermehren, daß allenthalben auf Erweiterung und wohl gar auf
ganz neue Localitäten Bedacht genommen werden muß. Ist die Strafzeit
abgelaufen und hat sich der Verbrecher, wie man zu sagen pflegt, mit
dem Gesetz ausgesöhnt: so trifft nun den Entlassenen, im schroffen
Gegensatz zur philanthropischen Hätschelei, eine Art moralische
Vernichtung, +welche in dem Verluste aller politischen Ehrenhaftigkeit+
besteht und bis zum Grabe reicht. Ist er Handwerker -- er kann nicht
mehr bei Innungsversammlungen erscheinen; wäre er zum Soldatenstand
tauglich -- dieser mag ihn nicht; und wollte er in der Ferne Arbeit
suchen -- so verfolgt ihn das Schaamgefühl, wenn er Obrigkeiten und
Polizeidienern seine Legitimation vorlegen soll, denn diese erzählt,
daß er ein Sträfling war. Keine gute Handlung, welcher Art sie auch
sei, kein Fleiß, kein musterhaftes Betragen giebt ihm den Stab zur
Aufrechthaltung in die Hand, um die äußere Ehre wieder zu gewinnen, er
kann nicht Cymbelträger in seiner Gemeinde werden. Wie schmal ist nicht
die Kluft zum Rückfall! Sie füllt kein Besserungsverein aus, weil das
Gebet des Herrn: »+Vergieb uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern
Schuldigern+« bei der Criminalrechtspflege keine Geltung hat.

Balthasar Cossa, ein neapolitanischer Edelmann, war zu Anfange des
funfzehnten Jahrhunderts ein Seeräuber; um dem Strafrechte zu entgehen,
floh er mit seinen geraubten Schätzen in ein Kloster, verschleierte
sich in scheinbare Tugend, wurde Papst und nannte sich Johann XXIII.
Der ehrlose Schmidt Glöckner in Unterwalden errang mit seiner
anrüchigen Schaar in der Schlacht bei Morgarten 1543 durch Tapferkeit
seine bürgerliche Ehre wieder. Warum soll in unserer sentimentalen Zeit
ein Verbrecher, nach überstandener Strafzeit und wenn er Jahrelang
ein unbescholtenes Leben führte, bis ans Grab aller Ehrenhaftigkeit
verlustig bleiben, und warum sollen Weib und Kinder die Schmach des
Mannes und Vaters tragen helfen, bis sie der Tod abruft? Ach! ihr
braven Besserungsvereiner, euer Schaffen und Thun heißt: -- Bahne
kehren im Schneesturm![2]

Doch, wir verfolgen unsere Wanderung und betrachten nur noch flüchtig
das Krankenstift, welches seine Entstehung dem Herrn Medicinalrath
~Dr.~ Unger in Zwickau verdankt und für das sächsische Gebirge und
Voigtland bestimmt sein soll, wenn chronische Kranke und Gebrechliche
ärztliche Hülfe bedürfen. Die Absicht ehrt allerdings die vielfachen
Bemühungen und die Männer, welche zu der Abführung pecuniär die Hände
boten. Ob aber das »sächsische Erzgebirge« von dieser großartigen
Anstalt für seine Leidende im Allgemeinen Gebrauch machen kann --
wird die Zukunft lehren. Das Gebäude selbst ist palastartig und mit
solchen Verzierungen versehen, die nicht leicht der innern Bestimmung
entsprechen. Es ist ein persischer Shawl, unter welchem Schmerz und
Elend Linderung und Abhülfe finden sollen.

Das Pfahlbürgerthum, welches nicht mehr durch Mauern, Graben und Thore
vom Ringe getrennt ist, freut sich nun der bequemern »Annäherung«,
hobelt und glättet an seinem Häuserwerk und läßt geschmackvolle
Wohnungen an seinen fruchtreichen Gärten aufsteigen, daß die innere
Stadt alle Hände voll nehmen muß, um sich nicht überflügeln zu lassen,
besonders wenn der Eisenbahnhof seine Lebendigkeit entfaltet haben
wird. Und in der That, man geht von dem ehemaligen Schneeberger Thore
an der Mulde hinauf bis nach Silberstraße wie in einem sogenannten
Englischen Park. Hier tritt uns die umfängliche Schaafwollespinnerei
des Herrn Kreisoberforstmeisters von Leipziger entgegen; da breiten
sich stattliche Güter und freundliche Häuser am rechten Ufer der
Mulde aus, welche erstere wohlhabende und reiche Steinkohlenbauern
bewohnen; es ist Schedewitz mit seinem Kirchthurm, welcher im Kleinen
aussieht wie eine verkehrt aufgestellte Möhre, und Bockwa; oben von
einer stattlichen Höhe herab, schaut Oberhohndorf, welches über und
unter der Erde seine geseegneten Ernten hält, ins Thal hernieder. Unten
in der Thalsohle breiten sich lange und breite verangerte Flächen
hin, um welche herum, nah und fern, Dampfmaschinen ihre schwarzen
Rauchsäulen in die Lüfte schieben und den Steinkohlenarbeitern
Wasserlosung verschaffen. Hinter Oberhohndorf zieht sich durch die
Felder hinauf ein Dörflein mit einer Schaar menschenleerer Häuser
-- so scheint es -- es sind alles Kauen über Steinkohlenschächten,
deren Besitzer von früher Zeit her keine gemeinschaftliche Fahrt und
Förderung unter sich haben mochten und lieber ihre Feldbreiten nach
Steinkohlen für sich durchlöcherten. Der größere Kostenaufwand durch
Absenkung so vieler Schächte, die Verschwendung an Schachthölzern und
der Verlust an nutzbarem Boden für Haldenstürze, An- und Abfuhren der
Steinkohlenkäufer, konnte keine nützlichere Gemeinschaft für die Eigner
der Steinkohlenfelder erringen.

Eine lange umbuschte Hügelreihe steigt vom Schlosse Planitz hernieder
und taucht ihre Füße in die gekräuselten Wellen der Mulde. Hier in



Kainsdorf


ist seit einigen Jahren ein großartiges Eisenhüttenwerk entstanden,
welches auch Königl. Marienhütte genannt wird. Die centralisirte Kraft
einer Actiengesellschaft schuf schnell eine Schaar räumlicher Gebäude;
allein wie alle menschliche Unternehmungen ihr Gedeihen erst in
mehrjährigen Erfahrungen und in endlosen Versuchen ihre Lehrer finden,
so ist es auch hier.

[Illustration:

    N. d. Nat. v. F. König.
    Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg.

KÖNIGIN MARIEN-HÜTTE.]

Und da wir nicht zu den Technikern der Eisenwerke selbst gehören, so
bleibt das Schicksal dieses Werks Männern vom Fache überlassen mit dem
Wunsche, daß keiner der Herrn Actionäre Abel heißen möge, wenn sie mit
Kains-Dorf in engere Berührung kommen.

Interessanter ist für den Wanderer der unterirdische Steinkohlenbrand
ohnfern des vorgedachten Eisenhüttenwerks am Galgen- und Schenkberg
Planitzer Seits. Dieser Brand ist gegen 250 Jahre bekannt und
erwärmt die über ihm liegenden Stein- und Erdschichten so, daß im
Winter sich weder Schnee noch Eis darauf erhalten kann und er daher
bei großer Kälte der Aufenthalt für Hasen und Rebhühner in den
Winternächten wurde. Der Brand selbst ist offenbar durch Zersetzung
des Schwefelkieses bei dem Zutritt atmosphärischer Luft entstanden,
und kann seinem Weitergreifen nur durch Absperrung derselben mit
Erfolg entgegen gearbeitet werden. Der Brand selbst ist wahrscheinlich
nur eine natürliche Verkoksung im Großen. Der Herr ~Dr.~ Geitner in
Schneeberg hat sich das Verdienst erworben, dieses stets erwärmte
Kohlenfeld contractlich vom Eigentümer, Herrn Kammerherrn von Arnim,
an sich zu bringen, um eine Kunstgärtnerei darüber anzulegen, die
Jeder sich zeigen lassen möge, der zum Vergnügen das Gebirge bereist.
Tropische Gewächse gedeihen wunderschön, und für die Küche werden fast
in jeder Jahreszeit Früchte und Gemüse gezogen, die man in andern
Gärtnereien, die einer solchen natürlichen Erdwärme entbehren, nur in
Sommermonaten erhalten kann.

In der Thalebene am rechten Ufer der Mulde hin führt uns der Weg
durch Niederhaßlau, Bogenstein, Oberhaßlau und Silberstraße, zwischen
lachenden Wiesen und Laubholz; hinter und unter Fruchtbäumen schauen
freundliche Wohnungen hervor, gelehnt an einen steilen Bergrücken,
welcher theilweise der Uebergangsformation angehört, und lauschen nach
der stets lebendigen Landstraße. Unterhalb des erstgenannten Dorfes hat
man in der Grauwake Zinnober entdeckt und sich darauf mit Bergarbeit
eingelegt. Wer überhaupt des Sinnes ist, die Steinkohlenformation
von Zwickau mit seiner vergrabenen Flora, welche ihren Untergang in
Zeitperioden fand, die keine Geschichte kennt, näher ins Auge zu
fassen, der vergesse nicht, sich deshalb an den eben so gefälligen als
kenntnißreichen Herrn Hauptmann von Gutbier in Zwickau zu wenden, von
welchem die umfänglichsten und lehrreichsten Nachrichten zu erlangen
sind.

Das Dorf Oberhaßlau, welches nur durch die Mulde von der nachbarlichen
Silberstraße, sonst »Arme Ruh« geheißen,[3] getrennt wird, wird von
einer Menge Häusern überschaut, welche sich an einem mit Kiefern
bewachsenen steilen Gebirge sonnen und an die Villen der Weinberge
bei Dresden erinnern. Das hier herrschende Uebergangsgebirge gruppirt
sich mit Laub- und Nadelgrün in mannigfaltigen Formen, und das
Mühlwehr unter der Brücke staucht das Wasser zurück, damit der kleine
hinter dem Gasthof gelegene Park und die romantischen Partien umher
in seiner Spiegelfläche kokettiren können. Die kleinen anmuthigen
Naturschönheiten, welche, etwa eine Geviertmeile groß, das Thal und
seine Gehänge umflattern, werden mit ihren Dörfchen und ihren herum
gezettelten Häusern mit einer wahren Musterkarte von Justizverwaltung
in der Art umschlungen, daß, wie z. B. in Zschocken, drei verschiedene
Gerichtsbarkeiten bestehen. Es giebt neben der Königl. Sächsischen
auch Fürstlich Schönburgische, Standesherrschaftl. Wildenfelsische,
Adelig Arnimsche, des Raths zu Zwickau Afterlehnsche und andere Herrl.
Patrimonial-Justizpflege, so daß die Gerichtsbefohlenen für ihr Geld
überall mit Gerechtigkeit versorgt werden können, wenn sie es nicht
vorziehen, ihr Geld in die Lade zu legen.



Wiesenburg.


Von Silberstraße aus verläßt man die Mulde und wandert der Chaussee
entlang nach dem eigentlichen Obergebirge und seinen Fernsichten.
Doch wer eben nicht mit der Zeit geizig zu sein braucht, wird sich
auch vielfach belohnt finden, im Muldenthale fort zu schlendern und
die alten Burgen und Schlösser zu Wiesenburg, Wildenfels, Stein und
Hartenstein zu betrachten, die, wie alte willkürlich aufgerichtete
Wachtthürme, wahrscheinlich unter Kaiser Heinrich dem Vogler gegen den
Andrang der rebellischen Wenden zu Ende des neunten Jahrhunderts erbaut
worden sind und später die Bestimmung erhielten, durch Burggrafen
von Reisenden einen Zolltribut oder wohl auch die ganze Baarschaft
einfordern zu lassen.

Die alte Wiesenburg mit ihren Zubehörungen erkaufte den 2. Nov. 1663
der Churfürst Johann Georg II. um 65,000 Thlr. von Philipp Ludwigen
Erben zu Norwegen. Die Ueberbleibsel von der ehemaligen, vielleicht
sehr stattlichen Burg wurden bis vor etlichen Jahren für den Sitz des
Justizamtes benutzt, welches in einem finstern Parterrneste sich im
Sehen übte, wie die Eulen in der Dämmerung. Ein alter unbehülflicher
Thurm und ein niedriges, aber langgestrecktes Mauerwerk konnte
mit einem gummiguttifarbigen Staubmantel, mit dem man denselben
wunderlicher Weise vor mehreren Jahren bekleidete, nur verlieren. Die
Gebäude des fiscalischen oder sogenannten Kammergutes, das ehemalige
von Nostitzische Sommerhaus, so wie daß hier der rühmlich bekannte
Dichter und Defensor Döhnel seine Lieder singt und Vertheidigungen
schreibt -- lassen eine angenehme Erinnerung zurück.

Zu der Menge von Burgen und Schlössern, welche sich an den Ufern der
Mulde erheben, gehört auch



Wildenfels


mit nicht viel mehr als 1200 Einwohnern in 145 Häusern. Wer und wenn
das Schloß erbauet -- ist nicht genau bekannt. Lehmann in seiner
Chronik sagt, daß dasselbe im Jahr 1410 Konrad von Tettau besessen
habe. Die Bauart der Schlösser an der Mulde läßt wohl vermuthen, daß
sie damals eine andere Bestimmung hatten, als den Reisenden aufzulauern
und denselben Hab und Gut abzunehmen, wie mehrere Geschichtschreiber
glauben. Im 4. Jahrhundert haben offenbar die Hermunduren das
Schönburgische Gebiet bewohnt, und nach ihnen sind die Thüringer
aufgetreten, bis auch sie von den Slaven vertrieben wurden, welche
beinahe ein ganzes Jahrhundert die Schönburgischen Gaue cultivirten und
unter fränkischer Herrschaft gegen einen Tribut gesichert fanden, bis
die Sorben, welche man zur Annahme der christlichen Religion zu zwingen
gedachte, gar böse Händel gegen die Franken, Sachsen und Thüringer
anfingen, welche zu rohen Aufständen ausarteten und so lange blutige
Kämpfe mit abwechselndem Glücke herbeiführten, bis Heinrich I., Herzog
von Sachsen, gegen sie auftrat und ihre Selbständigkeit bald ganz
vernichtete. Dabei ließ er es aber nicht bewenden, die Sorben für die
Gegenwart unterjocht zu haben, sie sollten es auch für die Zukunft
bleiben. Deshalb führte er überall zu ihrer Bewachung Burgen auf und
legte deutsche Kolonien unter ihnen an. Darum sind die alten Burgen und
Schlösser als Denkmäler der rohen Vorzeit zu betrachten, insoweit sie
nicht im baulichen Wesen und für die Wohnlichkeiten der Fürsten, Grafen
und Adeligen in der Gegenwart erhalten worden sind. Die neuere Zeit hat
es auch möglich gemacht, daß bürgerliche Geldaristokratie derartige
Schlösser und Burgen erwerben kann, und man will wissen, daß hier und
da der Tribut von den Dingpflichtigen auf gleiche Weise eingebracht
wird, wie die ehemaligen Burggrafen zu thun gewohnt waren.

Wildenfels oder vielmehr das benachbarte Kalkgrün ist übrigens noch
bekannt wegen des schwarz- und weißgeaderten und bunten Marmors,
welcher für Bildhauer hier gebrochen, der Abgang hingegen zu Kalk
gebrannt wird, wodurch die Gegend umher an Lebendigkeit und Erwerb
gewinnt. Wildenfels hat einen Lehnshof, bei welchem hin und wieder
solche alte Lehnsschnörkel noch bestehen, welche der neuern Zeit nicht
zusagen. So muß z. B. der Lehnträger des sogenannten Gotteswald in
Lößnitz Jahr für Jahr Tags vor Michaelis früh vor Sonnenaufgang im
Lehnshof Wildenfels erscheinen und mit vier weißen Pfennigen die Lehn
am Gotteswald erneuern.

Das



Schloß Stein mit seinem nachbarlichen Schlosse Hartenstein,


welches erstere kaum ein Stunde Weges von Wildenfels entfernt liegt,
macht einen interessanten Eindruck, der mehr der Ueberraschung
angehört, wenn man in das Innere der Burg eintritt und sich in einen
in Felsen gehauenen Speisesaal versetzt sieht, welcher in heißen
Sommertagen ehemaliger herrischer Größe Kühlung zum Gelage darbot.
Gegenwärtig wird ein Theil der innern Räumlichkeiten für ökonomische
Zwecke benutzt, während die dem Verfalle entgegengehenden übrigen
Parzellen Marder und Ratten, zum Schrecken des Federviehes und zum
Nachtheil aller freß- und eßbaren Dinge, als würdige Repräsentanten
längst vermoderter Herrlichkeiten bewohnen.

Hier führt eine eiserne Brücke über die Mulde, welche die Gegenwart
hervorgerufen hat. Von den Passanten wird ein mäßiger Brückenzoll
erhoben, welcher aber mehr für den beträgt, der das am linken Ufer
gelegene Schweizerhäuschen nicht umgehen kann; denn es ist keine
Sennerei, wo man Molkenkur, wohl aber Wein, Schnaps und Bier, öfters
auch Concert und Schmäuse findet. Die Herrschaft Stein war ehedem nur
ein Schloß und Rittergut, welches zur Grafschaft Hartenstein gehörte.
Von den Besitzern der letztern wurde gedachtes Schloß Stein unter
andern an die Herrn Trützschler von Eichelberg verafterlehnt. Als
aber dieses Geschlecht ausgestorben war, fiel dasselbe als eröffnetes
Lehn nebst Oelsnitz den Herrn von Schönburg anheim. Im Jahre 1632
übernahmen dasselbe Otto, Veit und Albrecht der obern Linie um 23,000
fl.

Nach Veits Absterben ward Otto Albrecht einziger Besitzer und
vererbte es an seinen einzigen Sohn Ludwig. Nach dessen Tode im Jahre
1701 sollte jeder von seinen vier Söhnen eine Herrschaft bekommen,
gleichwohl waren deren nur drei vorhanden. Es wurde daher ein Theil
von der Grafschaft Hartenstein abgerissen, zu dem Rittergute Stein
geschlagen und zu einer Herrschaft erhoben, -- so ohngefähr wie
sich heut zu Tage kleine Dynasten den Rang »Königl. Hoheit« selbst
ertheilen, -- welche Ludwig Friedrich erhielt, bei dessen Nachkommen
sie sich noch gegenwärtig befindet.

Nur durch die mannigfaltigen Besitzveränderungen lassen sich die
wunderlichen Jurisdictionsverhältnisse der Schönburgischen Besitzungen
erklären, welche den Unterthanen zugewiesen sind. Ohngefähr 1702 ist
das Amt Stein nach Lößnitz verlegt worden.

Die Prinzenhöhle am rechten Ufer der Mulde ist aus der Geschichte des
sächsischen Prinzenraubes 1455 und daß sich Wilhelm von Mosen und
Schönfels mit dem Prinzen Ernst sich in derselben bis zur Ablieferung
verborgen hielten, hinlänglich bekannt; auch hat man von derselben,
sowie vom Schlosse Stein und Hartenstein, Bilder mancherlei Art.

Zwischen Stein und der Prinzenhöhle zieht sich ein enges Thal hinauf
nach Hartenstein und Thierfeld, welches sich in der Nachbarschaft des
Oertchens Raum ausmündet. Es wird das Tiefthal genannt und ist in
demselben seiner Erstreckung nach periodisch auf Quecksilber gebaut
worden, ohne auf nachhaltige Anbrüche zu kommen, die dem Aufwand
entsprochen hätten. Die Spuren von vorkommendem Zinnober sind daselbst
seit 1566 schon bekannt, und da das bergmännische Sprüchwort: Erz führt
wieder zu Erz -- nicht ohne Bedeutung ist, so läßt sich vermuthen, daß
später geregelter Bergbau seine Seegnungen mit sich bringen wird.

Auf einem gegen 1300 Fuß hohen, aus Thon- und Chlorit-Schiefer
bestehenden Berge, welcher der Baslerberg heißen soll, ruht die alte
weitläufige Burg



Hartenstein


und schaut hernieder auf seine Wälder und schöne Wildstände, von
welchen ersteren sich die Mehltheuer mit ihren herrlichen Buchen, unter
welchen Botaniker interessante Pflanzen finden sollen, auszeichnet.
Die Geschichte weist zurück auf ihre ehemaligen Besitzer bis auf die
Burggrafen von Meißen aus dem Wolfersbach-Hartensteiner Stamm, Meinher
oder Meinhard I. u. s. w. bis auf Alfred Fürsten von Schönburg, welcher
in diplomatischem Beruf für das Kaiserhaus Oesterreich in Stuttgart
lebte, vor einigen Jahren starb und seine Grafschaft Hartenstein
an seinen Bruder, den Fürsten Victor zu Schönburg-Waldenburg,
wahrscheinlich durch Vergleich mit den Gleichberechtigten,
vererbfällte. Die rühmliche Baulust des Letztern wird hoffentlich das
hier und da defect gewordene Schloß nach seiner geschmackvollen Weise
in der Architectur wieder stattlich herstellen.

Die Schönburgischen Receßherrschaften mit Wildenfels zählten mit
Schluß des Jahres 1837 eine Bevölkerung von 201,480 Köpfen, deren
professioneller Verkehr hauptsächlich in Weberei und Strumpfwürkerei,
mithin in periodischem Wohlleben und Darben besteht, wogegen Landbau
und Viehzucht ihre Seegnungen nie ganz versagen.

Der Wanderer, dem es hauptsächlich darum zu thun ist, die Anmuth der
Natur zu genießen und die Ueberbleibsel der Bauwerke längst verronnener
Jahrhunderte zu betrachten, wird es nicht übel aufnehmen, wenn ihn
der kundige Führer über Wildenfels zurück bringt und die Chaussee von
Zwickau nach Schneeberg zu erreichen strebt, welche durch das obere
Ende des Wildenfelser Dorfes Weisbach führt. Hier liegen sieben
Gasthöfe auf einem engen Raum zusammen, wie Schiffe auf der Rhede, und
legen ihre Schröpfköpfe an die oft magern Geldkatzen der Fuhrleute, was
wenigstens für die aufwärts fahrenden Frachtwagen nicht zu vermeiden
ist, weil Alles Vorspann haben muß und die Wirthe dafür sorgen.

Von hier aus genießt man eine weitgedehnte Aussicht nach Nord und West
und übersieht die Dörfer Härtensdorf, Grüna, Schönau, Zschocken und
mehrere andere mit ihren weitgestreckten Fluren, welche ringsumher eine
auffallende mordorérothe Farbe haben, wie sich der Kobaltinspector
Beyer in seinen Beiträgen für Bergbaukunde ausdrückt, was theilweise
von dem dort häufig vorkommenden purpurrothen Mandelstein und
Eisenthontrümmern herrühren mag. Hinter dem sogenannten Kuchenhäuschen
an der Chaussee, wo Kaffee, Kuchen und Windbeutel zu haben sind, zieht
sich ein mit Wald bedecktes Gebirge, der kleine Hirschstein genannt,
empor, von dessen Gipfel aus sich eine Fernsicht nach Leipzig, in das
Voigtland und nach den Reußischen Länderchen eröffnet, welche, wenn es
die Klarheit der Atmosphäre gestattet, nicht unbeschaut und unbewundert
bleiben darf. Fast ringsumher eine endlose Ebene, ein trocknes Meer,
auf welchem in größerer Entfernung Städte und Dörfer, Laubhölzer und
lange Zeilen von Alleen, vielleicht an Kunststraßen, in kürzern oder
längern Streifen wie Seetang erscheinen und an dem entferntesten Saum
des Himmels verschwimmen. Nicht fern vom Standpunkte des Beobachtet
steigt ein dicker, riesenhafter Mast aus seiner Hafenstadt empor und
überschaut das Küstenland rund umher; es ist -- der 268 Fuß hohe
Marienthurm von Zwickau. Wir steigen an dem südwestlichen Abhange
hernieder und machen einen Abstecher nach



Kirchberg.


Ein in enge Granitschluchten zerrissenes Terrain zwischen dem Geiers
und Borsberg bewohnen etwa 3940 Menschen in circa 430 Häusern.
Der Haupttheil des Städtchens dehnt sich ziemlich steil auf einem
Granitkegel hinauf und hat sich mit Thor und Mauern gesichert,
gegen wen? weiß Niemand, während die übrigen Wohnungen bald enge,
bald wunderlich verzettelt in den kleinen Thälern mit herkömmlicher
Behaglichkeit in mancherlei Baugeschmack umhergeschoben sind. Ein Stück
draußen im freien Feld hat sich seit einigen Jahren ein stattliches
Gebäude erhoben, in welchem das Königl. Landgericht seinen Sitz hat. Es
ist Schade, daß die erforderlichen Räumlichkeiten für diese wichtige
Justizpflege nicht in der Stadt ermittelt werden konnten. Wer Kirchberg
zum ersten Male sieht, wird geneigt zu glauben, daß es ein großartiges
Schießhaus für den Ort sei, oder zwischen der Stadt und dem Landgericht
die Heimathsangehörigkeit noch streitig ist. Für die Einwohnerschaft
Kirchbergs wäre auch das Landgericht in conversioneller Beziehung
offenbar nützlich gewesen, wenn es inmitten ihrer Häusergruppen
Platz fand, da derselben bei aller ihrer Gemütlichkeit von frühern
Zeiten her manche Gelegenheit abgehen mußte, gleichen Schritt mit den
Richtungen des Volkssinnes zu halten. Die Menge von Tuchrahmen, welche
überall an sonnigen Stellen errichtet sind, lehret schon von weitem,
daß Tuchmacherei und Färberei die Hauptnahrung im Orte ist und eine
hervorragende Wohlhabenheit im Verhältniß zu dem gesammten Bürgerthum
errungen hat. Das Weißbier Kirchbergs ist eben so weit und breit
berühmt, als es verschroten und schon lange Reihen von Jahren nach
Leipzig verführt wird. Deshalb findet man auch die weißbierdurstige
Einwohnerschaft zu Kirchberg im Arbeitsnegligee sehr fleißig in
ihren Schenkstätten, wo sie die Lebendigkeit ihrer Unterhaltung in
Cigarrendampf hüllen und gerne dem eintretenden Fremden das schaumige
Glas präsentiren. Doch wir eilen weiter und nehmen den Weg nach
Grießbach und der goldenen Höhe, von wo aus ein ganz anderes Panorama
nach dem Obergebirge ausgebreitet liegt, welches mit der Fernsicht
nach Zwickau nichts gemein hat. Zunächst im Vorgrunde liegt



Schneeberg


mit seiner etwa aus 6700 Köpfen bestehenden Einwohnerschaft. Was über
diese Stadt, seinen Bergbau, Gewerbsweisen und politischen Zustände
gesagt werden kann, findet sich umständlicher in Karl Lehmanns
Chronik der freien Bergstadt Schneeberg vom Jahre 1837, als der Zweck
vorstehender kleinen Schrift es zu wiederholen gestattet. Die Stadt
Schneeberg fand ihre Entstehung theils in dem nachbarlichen, theils
in dem Reichthum der erschürften Silbererze in dem Stadtberge und am
Fuße desselben, eben so wie fast alle Bergstädte des Obererzgebirges.
Es ist mehr als wahrscheinlich, daß der Bergbau in und um dem ältern
Nachbarörtchen -- Neustädtel -- früher im regen Aufschwunge war, als
Schneeberg zur Stadt wurde, die 1517 Fuß über dem Meer liegt.

Die Geschichte hat ein seltenes Beispiel von reichem Seegen des
Bergbaues auf der Grube St. Georg in Schneeberg aufbewahrt, welches
wohl kaum seines gleichen wieder gefunden hat. Auf gedachter Grube, in
der Nachbarschaft der jetzigen Stadtkirche nehmlich, kam man im Jahre
1477 auf eine Masse gediegenen Silbers, 1 Lachter (3½ Elle) lang und
breit und ½ Lachter hoch, welche 400 Centner wog. Herzog Albert speiste
auf dieser riesenhaften Erzstuffe, welche nothdürftig zum Sitzen
vorgerichtet worden war, und äußerte dabei: »Unser Kaiser Friedrich
ist zwar gewaltig und reich, ich weiß aber doch, daß er jetzt keinen
solchen stattlichen Tisch hat.«

Es konnte nicht fehlen, daß, durch solche Seegnungen des Bergbaus
aufgefordert, sich die Gegend sehr bald bevölkerte und eine Stadt
entstehen ließ, welche an Gewerblichkeit in eben dem Verhältnisse
gewann, als die Bereitung des Kobalt zur blauen Farbe entdeckt und für
Jahrhunderte hinaus den Bergbau in freudigem Umtriebe und dem Bergvolk
selbst ein stabiles Auskommen versprach. Hatten früher die reichen
Silberbrüche den raschen Betrieb des Bergbaues ins Leben gerufen, so
mußte dieser allmählig erschlaffen, wenn die Bergleute fast allerwärts
statt auf Silber auf Kobalt trafen, den doch Niemand zu benutzen wußte;
sie nannten ihn deshalb: Silberräuber, verweßtes Silber u. s. w. und
ließen sogar in der Kirche zu Neustädtel Gott bitten, daß er sie vor
Kobalt bewahren möge. Und wenn der Bergmann traurig von der Grube kam,
sagte man: »er hat den Kobalt gesehen,« weshalb derselbe in jener Zeit
für ein Gespenst oder sonst für eine unheimliche Vision gehalten wurde.
Jetzt ist es anders; denn wenn auch das Ausbringen an Silbererzen nur
periodisch auftritt, so sind die Reichthümer an guten Kobalten doch für
späte Zeiten hinaus um so beharrlicher, als sich fast kein europäisches
Land in Ansehung der Qualität und Quantität mit Sachsen messen kann.
Daher erklären sich die vielen Kobaltpaschereien nach dem benachbarten
Böhmen, wo er in schlechterer Beschaffenheit zwar vorkommt, aber durch
sächsischen erst zu einer guten Waare verarbeitet werden kann[4].

Die Ergiebigkeit des jugendlichen Bergbaues und die Vermehrung des
Bergvolkes wurden zur Ursache für die Erbauung und Erweiterung der
Stadt Schneeberg, für Anlegung und Ausbreitung des Handels und Wandels,
sowie für die Gewerblichkeit des Bürgerthums, um dem Bedarf ringsumher
zu gnügen, wozu sich sehr frühzeitig eine Art luxuriösen Lebens in
Kleidung und Haushalt gesellte; denn Melzer in seiner Beschreibung von
Schneeberg sagt schon im Jahre 1684:

»Eine andere Nahrung hatte man auch weyland von Schleierwirken, davon
auch mancher zu guten Mitteln kam, massen denn sonsten anderswo in
keiner Stadt dergleichen Gattung mehr, als hier gemachet und ausgenehet
worden sind. Aber nunmehro ist an dieser Stadt das Klippeln und der
Spitzenhandel kommen.«

Noch jetzt ist die Stadt an Nahrungsquellen geseegnet und übt ihre
Ueberlegenheit über einen weiten Umkreis hier mehr dort weniger
gedeihlich aus, so daß inmitten des Reichthums und der Wohlhabenheit
eine namhafte Schaar Arme wie Fliegen an einem Milchgeschirre kleben,
um wenigstens den Geruch vom Inhalte einzuziehen. Es ist überall eine
traurige Folge, daß, je größer und wohlhabender eine gewerbliche Stadt
oder Ort ist, in welchem ein üppiges Leben in luxuriösen Gebäuden
geführt, Kleiderpracht und Möbelwesen zur Schau getragen und kokettirt
wird, der Pauperismus wie Schmarotzerpflanzen in gleichem Schritte
wuchert. Die Macht des Beispiels und der Drang zur Nachahmung in
Kleidung und Kost, sowie die Sucht in rauschenden Vergnügungen, häufig
auf Kosten der Gesittung, machen den Boden aus, auf welchem die
Mittellosigkeit um sich greift, die Arbeitslust verkümmert und den
kleinen, aber doch zufriedenen Hausstand für ein Siechthum erzieht,
aus welchem keine Hoffnung für Genesung hervorgeht. Und wenn die
dicke Bevölkerung des Obererzgebirges in den Fabriken, Manufacturen
und eigentümlichen Gewerbsweisen, die man fast allerwärts antrifft,
ihren Grund hat, mithin viele fleißige Hände, bei magerem Verdienst,
in Anspruch genommen werden, auf welche der wohlhabende und mit allen
Lebensbequemlichkeiten ausstattete Principal herabschaut und daneben
sich in Speisen und Getränken aus allen Zonen der Erde mit den Seinigen
ein Gütliches thut: so kann es nicht fehlen, daß die Arbeiter beiderlei
Geschlechts, die, wie ihre Altvordern, bis zum Grabe im Schweiß des
Angesichts ihr Brod essen und Cichorienkaffee trinken, auch bei der
Langsamkeit des Fortrückens auf den Stufen der Cultur, ebenfalls von
einer Sehnsucht nach Lebensgenüssen ergriffen werden, der sie sehr
bald, wenn auch nur in vermindertem Maaßstabe, zum Opfer verfallen.
Aus diesen Zuständen geht der eigentliche Pauperismus hervor, der
unheilvoll sich mehrt und allen Behörden Sorge und Noth bereitet,
Verbrechen brütet, gegen welche keine Strafanstalt schirmt und kein
Besserungsverein die Rückfälle mindert.

Das gemeine Bergvolk (versteht sich, im bessern Sinne des Wortes) macht
die Handlanger zwischen dem Seegen der Erde und den Gewerkschaften
der Blaufarbenwerke, ohne je eine Aussicht zu haben, für sich und
ihre meist zahlreichen Familien im Verlauf einer Woche ein Pfund
Fleisch in dem Topf zu sehen[5]. Ob es nicht ein gegen den Erz- und
Kolbaltpasch sehr heilsames Mittel wäre, wenn der gemeine Bergmann
einen Groschen mehr Schichtlohn bekäme, um sich dadurch vor Noth und
Sorge zu schützen, mögen wir nicht entscheiden. Und wenn die Klöppel-
und Nähmädchen im gleichen Verhältnisse zu ihren wohlhabenden, oft
reichen Spitzenherrn, Factoren und Verkäufern stehen, wie die gemeinen
Bergleute zu den Seegnungen ihrer Reviere, und jene täglich mit einem
wohlbesetzten Tische versorgt sehen: so stellt sich die Sehnsucht
heraus, wenn auch unter sehr modificirten Formen, ebenfalls ein
genußreicheres Leben zu führen, und sollte es mit gänzlicher Zerrüttung
des Hausstandes und auf Kosten der Gesittung verbunden sein.

Zwar kann Schneeberg der Sinn für Wohlthätigkeit und die Sorgfalt der
obrigkeitlichen Armenpflege nicht abgesprochen werden; allein für
die immer noch im Wachsen begriffene Schaar von Mittellosen -- aber
Genußsüchtigen -- kann von namhaften Summen aus dem Armenfonds doch nur
eine kleine Dividende ausfallen, wie überall im Obergebirge, wo sich
die Bevölkerung um diese oder jene Gewerbsweise dicht zusammengedrängt
hat. Der sogenannte Mittelstand, d. h. solche Familien, welche bei
mäßiger Regsamkeit ihren Hausstand aufrecht erhalten, ohne Schulden
zu machen, ihr Glas Bier trinken und zum Sonntag »ein Huhn im Topfe«
haben, ist im Verhältniß zu denen, welche bei aller Thätigkeit
doch kaum das liebe Leben hinbringen, viel zu selten, als daß er
einen erquicklichen Uebergang von Reichthum und Wohlhabenheit zu
dem Pauperismus bilden könnte, vielmehr erscheint ersterer immer in
schroffen Gegensätzen zu letzterm und nöthiget dem Unpartheiischen die
Wünsche zur Abhülfe ab, ob er schon nicht weiß, wie dies anzufangen ist.

Wir verlassen die sonst freundliche Stadt, wo jeder Fremde eine
fidele Aufnahme findet, und gehen auf der südlichen Seite des
Schneeberges nach dem ausgedehnten Neustädtel hinab. Blicken wir
zurück, so sehen wir, daß Schneeberg am südlichen Abhange seine Häuser
reichlicher ausgebreitet hat, als am nördlichen Abfalle; denn wie ein
Kurzwaarenhändler in der Jahrmarktsbude feine Nürnberger Häuserchen in
schiefer Richtung aufterrassirt hat, um das Bunterlei den Kauflustigen
entgegen zu stellen, ebenso haben sich in ordnungsloser Bequemlichkeit
zwischen Baumgruppen und Blumengesträuch eine Menge Wohnungen auf- und
übereinander gekästelt, um die Wärme der Sonne und die Aussicht auf das
sogenannte Gebirge zu genießen, wo hauptsächlich ihr Silber-, Kobalt-
und Wismuthreichthum im Abbaue begriffen ist.

Kaum eine Viertelstunde Wegs von Schneeberg hat Neustädtel seine 268
Häuser, welche ohngefähr 2500 Menschen bewohnen, in eine lange etwas
unregelmäßige Haye aufgestellt und läßt Jahr für Jahr In- und Ausländer
in den mannigfaltigsten Verrichtungen auf der zwischen hinlaufenden
Chaussee die Revue passiren. Rings um das Städtchen erheben sich
Zechenhäuser, Kauen und Göpel mit hoch aufgestürzten Halden und
gewähren eine wohlansprechende Lebendigkeit.

Von hier aus nach Eibenstock erhebt sich das Gebirge, welches unter
dem Namen der »Zschorlauerhöhe« bekannt ist, und bald gelangt man
in ein flachmuldiges Thal, welches die Abfallwasser von dem großen
und tiefen Filzteiche hinab nach Zschorlau führt. Dieser Teich,
welcher hauptsächlich die Wasser für Künste, Pochwerke und Wäschen im
Bergwerksreviere liefert, richtete am 4. Februar 1784 durch seinen
Dammbruch ein großes Unglück zu Zschorlau und Auerhammer an. Nicht
genug, daß die Fluth in beiden Orten 7 Häuser mit Vieh und Habe von
Grund aus wegriß und 30 beschädigte: es fanden auch 18 Menschen den
Tod. Diese ungeheuere Wassermasse spürte man noch, als die damit
bereicherte Mulde die Elbe bei Dessau erreichte.

Kaum ist dies flache Thal, durch welches das Gewässer des Filzteiches
seinen verderblichen Weg genommen hatte, überschritten, so beginnt der
grobkörnige Granit, welcher den ganzen Landgerichtsbezirk Eibenstock
einnimmt und häufig noch weit hinaus sich erstreckt. Daher kommt es
auch, daß die Chausseen durchgängig in einem vortrefflichen Zustande
sind und zur Unterhaltung den Aufwand bei weitem nicht so steigern,
wie es in dem Schieferterrain ganz unvermeidlich ist. In diesen
Granitbezirken ist die Natur ernster und rauher, als alle die Gegenden,
die wir von Zwickau durchwandert haben. Wie ungeheure Ladschober in
der Heuerndte, reihen sich die Granitberge, meist in Kegelabschnitten,
dicht aneinander und lassen ihre Mäntel, von Fichtengrün, hinab auf
ihre verschränkten Füße rollen, welche Forellengewässer bespült. Von



Burkhardtsgrün


aus hat man bei der Chausseegeldereinnahme eine Fernsicht auf das
sogenannte sächsische Sibirien, welches diese Benennung in keinerlei
Weise verdient. Hier und ringsumher ist der Vogelfang üblich und, wie
in andern Gebirgsländern, zu einer Leidenschaftlichkeit ausgebildet,
daß der Fang eines Stiglitz, Hänfling, Buchfinken u. s. w. gegen halb
oder ganz erfrorne Hände und Füße viel höher steht. Nicht leicht wird
es in der Gegend umher, und namentlich in Schönheide, Stützengrün,
Hundshübel und mehreren Orten, eine bewohnte Stube geben, wo nicht
eine Schaar Vögel in engen Käfigen gefangen gehalten werden. Besonders
ist den Hammerschmieden der Krinitz oder Kreuzschnabel von hoher
Wichtigkeit, und sie glauben, daß er, wie in andern Gegenden das
Meerschweinchen, den Krankheitsstoff von siechen Kindern in sich
aufnimmt, weshalb sie diesen Vogel mit seinem engen Häuschen, in
welchem er sich kaum drehen kann, unter die Wiegen derselben stellen.
Wer versichern will, daß er bei einem Hammerschmied gewesen sei, ohne
einen Krinitz bei ihm gesehen zu haben, wird immer den Verdacht einer
Lüge auf sich laden.

Das einsilbige Wörtchen »Grün« bezeichnet allezeit den geebneten und
ovalrund zubereiteten Platz, auf welchem ein Vogelheerd eingerichtet
ist oder werden soll, und da das Obergebirge und das Voigtland
eine sehr bedeutende Menge von Ortschaften zählt, die sich mit
-- grün -- endigen, so liegt es sehr nahe, daß in frühern Zeiten
die vorgerichteten Stellen, welche man mit Wohnungen zu bebauen
gedachte, ebenfalls das »Grün« geheißen, wie wir es von den Harzer und
Fränkischen Uebersiedlern wissen, welche ihre Bauplätze ausrodeten,
Steingerölle ausreutheten und dann die Namen Alberode, Wernigerode,
Freireuth, Berreuth u. s. f. in Gebrauch setzten, wie es schon früher
die Sorben und Wenden gethan hatten.

Doch wir verlassen dieses Dörflein mit seinem Läppchen
Patrimonialgerichtsbarkeit und dem nachbarlichen Steinberg, welcher
sich 2102 Fuß über das Meer erhebt, und steigen der Chaussee entlang
hinab in das Thal der Mulde, wo wir noch einige Häuser als Ueberreste
des ehemaligen Hammerwerks Wolfsgrün oder Rothenhammer treffen. Die
Chaussee, welche in gerader und steiler Linie herabführt, hat
mehrmals dem Fuhrwesen Unglück zugefügt, was die Straßenbaucommission
bewog, sie theilweise an beiden Thalgehängen abzuwerfen und in
sanfte Krümmungen zu bringen. Leider giebt es noch viele solche
Straßenschnitzer, die hoffentlich nach und nach ausradirt werden, wie
wir wegen der Thierquälerei hoffen dürfen.

Es ist der Mühe werth, wenn wir einen kleinen Abstecher machen und das
kaum eine Viertelstunde von hier entfernte



Unterblauenthal


besuchen, welches ein gewisser ~D.~ Plawe aus Leipzig vor Jahrhunderten
zu einem Hammerwerk erbaute.

[Illustration:

    N. d. Nat. v. F. König.
    Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg.

BLAUENTHAL]

Es kann sein, daß damals dieses zwischen schroffe Granitberge
eingebettete wunderliebliche Thal grausenhaft wild und wenig einladend
für eine Ansiedelung gewesen ist; allein die damalige Zeit hatte auch
die Erziehungsweisen nicht, durch welche der Sinn für Naturschönheiten
angeregt und dafür empfänglich gemacht wird. Dieses Hammerwerk besitzt
gegenwärtig Herr Reichel aus Leipzig, von welchem wir den Reichelschen
Garten kennen, und unser Blauenthal ist somit in die rechten Hände
gekommen, welche das Nützliche mit dem Schönen zu vereinigen wissen.
Um die hübsche Villa -- hier das Herrnhaus genannt, wie auf allen
Hammerwerken -- liegen anmuthige Gärten und Gewächshäuser, fleißig
bearbeitete Felder dehnen sich über hohe Berge hinauf, und nützliche
Bäume schießen an Wegen, Ecken und Winkeln empor, die Parthien
annehmlicher zu machen.

Die große Bockau eilt rauschend aus ihrer Felsenschlucht heraus,
dreht hastig an dem Räderwerk des Hohofens und der Mühle und eilt der
Mulde zu, an deren Gewand sie sich hängt und mit ihr, anständigen
Wandels, kosend und sorgenlos dahin wallet, wie ein Sterblicher, der
die Schicksale seiner Zukunft nicht kennt. Kleine Tagewässer und
Quellen steigen von hohen Bergen hernieder, wässern den Blumenschmelz
der Wiesen und Berggehänge, wachsen unterwegs, bis sie die Ufer der
Bockau und Mulde erreicht haben, über welche sie sich überkugelnd
werfen, um ihr Fortun frühzeitig in der Welt zu suchen. Noch andere
kristallhelle Gewässer, in Verhätschelei herangezogen, weichen nicht
leicht von ihrer Heimath, und sollten sie zu Bockbier gekocht werden.
Die Nacht verwandelt dieses herrliche Eisenwerk in ein Feenreich: In
Finsterniß gehüllte Gegenstände werden durch das pausenartige Aufzucken
der Gichtflamme erhellet, wie von fernem Wetterleuchten; den weit
aufragenden Schornsteinen auf den Frisch- und Zainhütten entströmt
garbenförmig glühende Lösche zum Spiel der Winde, und die riesigen
Hämmer tosen durch die Nacht unter Heulen und Pfeifen des Gebläses.
Dem Unkundigen ist es zu verzeihen, wenn er in nächtlichen Stunden
derartige Erscheinungen aus der Ferne sieht, wenn er solche für die
Wehen einer im Anzuge begriffenen Eruption oder eines brennenden
Schwefellagers in der Solfatara bei Neapel zu erklären gemeinet ist.

Am östlichen Abhange der Spitzleithe, welcher aus schönen Granit
zusammengesetzt ist, dessen fleischrother Feldspath ein herrliches
Gemenge bildet, welches für architektonische Zwecke benutzt werden
sollte, liegt ein sehr alter Eisensteinbergbau, welcher noch im
Umtriebe steht; die Mulde fließt an seinem Fuße hin und hat sich ihr
Bette tiefer in die Gebirgsmassen eingegraben, als bei Blauenthal. An
beiden Ufern hat sich der Granit in dicken Ballen aufgespeichert, als
sollten diese verladen und zu Wasser verfrachtet werden; besonders
nimmt sich der Weinstock (eigentlich der Windischknok) wunderschön
aus. Alles ist in dunkles Fichtengrün gehüllt, in und auf welchem die
Sänger des Waldes ihre Lieder der Einsamkeit flöten. Inmitten dieser
Thalung liegt das Schindlersche Blaufarbenwerk, wozu Erasmus Schindler
am 7. September 1650 landesherrliche Concession erhielt und das von
ihm den Namen trägt. Hier giebt es keine menschliche Nachbarschaft,
als die, welche zum Umtriebe des Werkes gehören, und der Rechenwärter
an der Mulde da, wo der Schneeberger Flößgraben seinen Anfang nimmt.
Hier schwebt auch eine überbaute hölzerne Brücke hoch über dem Fluß,
durch dessen Felsen am rechten Ufer ein Weg zur Durchfuhre nach Bockau
gesprengt werden mußte , was eben keine leichte Aufgabe gewesen sein
mag. Von hier aus, etwa 1½ Stunde Wegs rückwärts über Unterblauenthal
erreicht man



Eibenstock[6]


auf einem großen offenen Gebirgsplateau 1993 Fuß über dem Meere. In
einer ordnungslosen Behaglichkeit dehnen sich über 400 beschindelte
Häuser, häufig nur auf einem Bocke stehend mit Schrotholz, nach
allen Richtungen aus, welche ohngefähr von 4850 Menschen bewohnt
werden. Ursprünglich war der Ort nur ein Dorf, und das kleine im Thal
hinfließende Wasser wird heute noch der Dorfbach geheißen. Erst im Jahr
1546 erhielt dieser Häuserwirrwarr die Stadtgerechtigkeit mit vielen
Befreiungen und Gerechtsamen, damit aber freilich nicht die Form einer
Stadt, vielmehr blieb es der Zukunft vorbehalten, den verschobenen
Verkästelungen der Häuser durch Bauflickwerk und Einschiebsel ein
Ansehen zu verleihen, wie es die Gegenwart beurkundet. Man theilte das
Städtlein in das Krottenseeer-, Ringer-, Rehmer- und Bacherviertel
ein und suchte sich eine Justiz- und Verwaltungsform zu verschaffen,
wie es eben die auftauchenden verschiedenartigen Elemente gestatten
wollten, indem sich ein Bergamt, welches dem damals wichtigen Zinn-
und Eisensteinbergbau vorstand, wenigstens die Concurrenz bei der
Wohlfahrtspolizei vorbehielt: denn das Städtchen bekam das Prädicat
einer freien Bergstadt. Der Rath bekam freilich nur ein Läppchen der
Rechtspflege, weil das Kreisamt Schwarzenberg die volle Jurisdiction
und Obergerichtsbarkeit über die Stadt, so wie über die drei Freihöfe,
welche inmitten derselben liegen, unmittelbar behielt. Die Freihöfe
sind große Güter mit verschiedenen Berechtigungen und Befreiungen,
welche von der Indulgenz der Landesfürsten ausgegangen waren, um,
wenn diese im Obergebirge jagten, ein bequemliches Unterkommen und
Beihilfen zu finden. Dieser Hakemak in der Justizpflege und Verwaltung,
Berechtigungen und Befreiungen zwischen Rath und Bergamt, den Freihöfen
gegenüber, wurde bis in die neuere Zeit herauf die Ursache mancher
Streitigkeiten und Zerwürfniße, besonders da diese, ob sie schon in der
Stadt liegen, sich nicht zur Gemeinde zählen ließen[7]. Die frühern
Beschäftigungsarten des Bürgerthums waren nächst dem Bergbau das
Klempner- und Flaschnerhandwerk, und es gab noch 1827 nicht weniger
als 73 Meister davon im Orte. Die Bereitung von Medicinalwaaren
für den Olitätenhandel, wozu von der Landesregierung Concession
ertheilet wurde, brachte viel Geld ins Land und hob die Fabrikanten
zur Wohlhabenheit empor, gab aber auch zugleich die mannigfaltige
Gelegenheit, daß ein großer Theil von gebrannten Wässern, welche für
die Anfertigung der Arzeneien nöthig waren, unter dem allgemeinen
Prädicat »Schnaps« im Orte selbst vergläselt wurde bis auf den
heutigen Tag, obschon die Medicinalbereitung sehr beschnitten worden
ist und ihrem völligen Erlöschen entgegen geht: denn der Branntwein
oder Schnaps von Eibenstock, besonders der Englischbittere, ist
weit umher von den Trinkbrüdern gekannt. So wie nun die männliche
Einwohnerschaft durch vorgenannte Erwerbsweisen und rühmlichen Fleiß
ihren Hausstand immer flott zu erhalten, sich auch noch hie und
da etwas zu ersparen wußte, so steigerte sich auch fast allgemein
das Familienleben für ein bequemeres Fortkommen dadurch, daß Klara
Angermann, Tochter eines Oberförsters in der byalistocker Gegend,
das Tambouriren 1775 in Eibenstock bekannt machte, als sie ihren
Oheim, den Förster Angermann, aufsuchte, was sie selbst früher in
einem Nonnenkloster zu Thorn erlernt hatte: ein seltenes Beispiel
von etwas Nützlichem, wenn von Klöstern die Rede ist. Dorothee
Nier verbreitete diese Tambourirarbeit über einen großen Theil des
Erzgebirges und Voigtlandes, wodurch, weil sie das Petinetnähen
gleichzeitig mit ausbildete, das Spitzenklöppeln ziemlich in den
Hintergrund gestellt wurde oder mit jenem wechselte, je nachdem dieses
oder jenes periodisch besser lohnte. Doch in eben dem Verhältniß,
wie sich diese Nahrungszweige steigerten und mehr oder weniger zur
Wohlhabenheit und selbst zu Reichthum führten, nistete sich auch Neid
und Misgunst bei denjenigen ein, welche nicht gleichen Schritt zu
halten vermochten. Daher entwickelten sich Entzweiungen im Bürgerthume,
die bald zu Factionen wurden, welche sich im Gemeindewesen kund
gaben. Die eine verwarf Gemeindebeschlüsse blos deshalb, weil sie die
andere unterstützte, und der Rath war immer zu ohnmächtig, mit Kraft
dazwischen zu treten, oder schwach genug, sich selbst auf die Seite
der oder jener Parthei zu stellen, wodurch der Geist des Widerspruchs
noch mehr gesteigert wurde. Deshalb organisirten sich die Partheien
in zwei Branchen, welche Appellanten und Appellaten genannt wurden.
Eine grün montirte Schützencompagnie stellte sich später einer blauen
dergleichen gegenüber, und diese unterhielten einen langen ärgerlichen
Hader blos deshalb mit einander, weil diese blau und jene grün
aussahen, was allerdings an Gellerts Nachtwächter erinnert. Seit 1834
wurde ein Justizamt, welches später in ein Landgericht überging, ebenso
ein Hauptzollamt in Eibenstock errichtet, deren anständige Gebäude,
mit dem neuen Handlungslocale der Kaufleute Gebrüder Dörffel, und dem
Gasthofe zur Stadt Leipzig an der Karlsbader Straße nicht nur einen
freundlichen Eindruck machen, sondern auch der Nahrung und Gesittung
offenbar förderlich sein müssen. Insonderheit versteht es der Herr
Landgerichtsdirector, die Zerrissenheiten unter der Einwohnerschaft
durch Annäherung und Versöhnung auszuglätten und allgemeiner
Verträglichkeit Raum zu verschaffen. Seine Bemühungen sind meist nicht
ohne Erfolg geblieben.

Eibenstock ist eigentlich auch der Sitz eines Oberforstmeisters;
gegenwärtig wohnt ein wohlrenommirter Oberförster hier, dessen
Waldbestände unter die vorzüglichsten gehören sollen. Er ist Inhaber
der goldenen Verdienstmedaille, und dessen Gattin erhielt erst
neuerdings eine Prämie, angeblich wegen ihrer Verdienste um den
Pflanzgarten ihres Ehegatten; wir wissen den Zusammenhang nicht genau.

Rings um die Stadt breitet sich Ackerland aus, was durchschnittlich
gut gepflegt und bearbeitet wird, deshalb aber seine Seegnungen
nicht schuldig bleibt, wenn Abnormitäten der Witterung nicht
dazwischen treten. Auch giebt es daselbst eine musterhafte Viehzucht,
die hauptsächlich durch eine Kunstwässerung großer Wiesenflächen
außerordentlich begünstiget wird. In Gebirgsgegenden, wo man über
Wasser disponiren kann und nur so viel weiß, daß die Bäche nicht bergan
laufen, ist es eine sehr leichte Arbeit, Wässerungen anzulegen. Allein
von dem Gefälle des Wassers die möglichste Höhe der Leitung nach den
Formen des Grundstücks herauszufinden, ohne einem Gleichberechtigten
zu nahe zu treten, und das Wasser selbst gleichmäßig in rieselndem
Zustand auf die mannigfaltigst gestaltete Oberfläche zu vertheilen,
dazu gehört ein genaues Nivellement, aber auch ein Uebereinkommen
mit den Nachbarn, welches in Eibenstock durch wechselseitige Recesse
erreicht wird, nach welchen der Wechsel der Wässerung und die Dauer
derselben bestimmt wird. Der sogenannte Dorfbach und der Grüner Graben,
welcher in Wildenthal an der großen Bockau gefaßt ist und in frühern
Zeiten für bergmännische Zwecke nach Eibenstock geleitet wurde,
deshalb aber auch noch gegenwärtig dem Bergamte Johanngeorgenstadt
zur Disposition geblieben ist, geben das Wasser für die gesammte
Wiesenwässerung, durch welche eine Quantität an Heu und Grummt von
circa 18--20,000 Zentner jährlich erzielet und der Viehzucht ringsumher
außerordentlicher Vorschub geleistet wird.

Erst im Jahre 1579 wurde die Straße von hier über Schönheide nach
Auerbach in der Nähe des Krünitzberges, welcher in Westen mit seiner
Waldung 2300 Fuß Meereshöhe aufsteigt, durchbrochen, während Eibenstock
in seinem Bacher- und Rehmerviertel wegen seiner Häuserverkästelung
nicht ohne Schwierigkeit kaum ordinäres Fuhrwerk durchließ. Deshalb ist
auch seit etwa zwei Jahren eine Chaussee durch das Bacherviertel und
den Gottesacker mit vielem Aufwand und Widerspruch angelegt, dadurch
aber einer Menschen- und Viehqual größtentheils abgeholfen worden.

Von dem Gipfel des Krünitzberges aus übersieht man noch einmal das
dicht zusammengedrängte Budenwerk Eibenstocks mit seinen drei langen
Zipfeln, aus dem die Gebäude der Neuzeit hervorragen und gefallsüchtig
ihre Ueberlegenheit den zwergartigen Häuserlein umher kund thun. Gegen
Mittag dehnt sich eine hohe Bergwand, die Heckleithe und Wintergrün
genannt, nach dem Ellbogen und Zeisiggesang hinauf, allenthalben
mit dem dunkeln Grün von Fichtenwald überdeckt. Dieser giebt der
Landschaft ein ernstes und finsteres Ansehen, was den Flachländern
Gelegenheit zu dem Prädicate »Sächsisches Sibirien« gegeben hat. Wie
oft mag diesem Titel in der freundlichen Auberge bei Meischnern zu
Eibenstock widersprochen worden sein! Wir verlassen den geselligen
und anziehenden Verkehr des Städtchens und wandern nach dem etwa eine
Stunde entfernten Schönheide, wo wir zunächst auf der Hälfte des Weges



den Rockenstein


erreichen. Schüchtern, wie das böse Gewissen, schaut durch mit
Bartflechten behangene Fichten in die Tiefe hernieder ein Granitklumpen
mit einem dergleichen Kegel, den er auf seinen Achseln trägt, und
droht diesen auf den Wanderer herabzuschleudern. Die Mythe sagt, daß
einst ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen
Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in
Wald gehüllten Granitknoten gesucht, hier aber von ihrem Verfolger
entdeckt und von dem Felsen hinabgestürzt worden, indem nur der Rocken
zurückgeblieben sei.

[Illustration:

    N. d. Nat. v. F. König.
    Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg.

DER ROCKENSTEIN]

Ein jäher Rand läuft vom Rockenstein tief hinab in ein enges felsiges
Thal, wohin ohne Gebrauch der Hände nicht füglich zu gelangen ist.
Die Mulde polirt allenthalben Granitbrocken für Straßenpflaster,
ohne Abnahme zu finden. Am linken Ufer derselben thürmen sich
amphitheatralisch riesenhafte Gestalten von Granitkegeln auf und
erinnern an Liebethal in der sächsischen Schweiz. Bald reihen sie
sich wie Zähne zusammen, bald lassen sie Zwischenräume und locken
zu der Vorstellung hin, daß die ganze Parthie ein Bruchstück von
der Kinnlade des fabelhaften Drachen sein möge. Der grünsammten
Wiesenstreif, welcher diesem wunderlichen Felsenkabinet zur Einfassung
dient, das Herumklettern dürftiger Nadelhölzer an den Seitenflächen
und das muntere Waldgeflügel, welches in den Rissen und Spalten sein
Eldorado für seine Nachkommenschaft gefunden hat, machen aus dieser
Einsamkeit ein liebliches Bild, über welches nur ein dünner Schleier
von Schauerlichkeit gewoben ist.

Von dem Hammerwerk



Schönheide,


welches sich wie eine freundliche Villa an einem gegen Morgen gelegenen
Bergabhange sonnet und wegen seiner Eisengießerei einen Namen erworben
hat, ist kaum eine halbe Stunde Wegs nach dem großen, bevölkerten Dorfe
gleichen Namens[8]. In frühern Zeiten besaßen die Edlen von Planitz
Schönheide, Stützengrün und Neustädtel bei Schneeberg, welche Gegenden
mit ungeheuren Waldungen bedeckt waren. Diese Ortschaften mit ihrem
Areal erkaufte daher am 23. December 1563 Churfürst August für 28,300
Mfl., um dem blühenden Bergbau einen nachhaltigen Vorschub zu leisten.
Aus einer tiefen Schlucht, die Ziegenleithe geheißen, steigt gegen
Mittag ein muldiges Thal empor, welches von mehr als 6500 Menschen
bewohnt wird, deren Gewerbsarten im Handel mit Petinetwaaren, Spitzen-,
Eisen-, Flaschner-, Klempner- und Bürstenbinderwaaren bestehen, womit
im erstern das Ausland und die Messen bezogen, letztere hingegen auf
Jahrmärkten und Hausirhandel verstrichen werden. Die Namen Gehrischer,
Oschatz, Leistner, Unger und einige andere haben in Ansehung der
Umfänglichkeit ihres Handelsgeschäftes im In- und Ausland einen
guten Klang von der Vorzeit auf die Gegenwart übergeführt. Selbst
die Menge von großen Wohngebäuden, wenn sie auch der Form nach des
architektonischen Geschmacks der Neuzeit entbehren, zeugen von der
frühzeitigen Wohlhabenheit ihrer Besitzer. Der Glanz der Morgensonne
spiegelt sich in dem Fensterreichthum, welchen die Giebelseiten der
Häuser ihr entgegenhalten, welche Erscheinung wohlgeeignet ist, den
Fremden glauben zu machen, daß es ein umfängliches Schadenfeuer sein
dürfte, da Schönheide aus meilenlanger Ferne gesehen werden kann.

Der obere Theil des Ortes trägt einige enge und tiefe Einschnitte
in dem Granite, welche wasserleer mit kleinen Häusern bebauet sind
und Winkel genannt werden. Daher Fuchs-, Ascher- und Markerswinkel.
Ein langer kräftiger Menschenschlag, worunter Mädchen und Frauen ein
wohlgenährtes Ansehen haben, hübsch geformte Gesichterchen tragen und
beiderlei Geschlechter in ihrer Sprachweise die Nachbarschaft des
Voigtlandes verrathen, bewohnt dies interessante, großartige Dorf,
dessen Häuser sich gefallsüchtig an dem sanftern Gelände zu beiden
Seiten hinaufgelagert, in der Thalung aber sich in dicke Massen
zusammengeschoben haben. Am obern Ende des Ortes überschaut das
Auge eine Meilen lange und breite Fichtenwaldung gegen Südost; eine
Reihe Granitberge von untergeordneter Höhe tragen dieselbe auf ihren
Schultern, sie bildet einen See mit dunkelgrünem Wasser, dessen Wellen
erstarret sind. In den Thälern und Schluchten gedachter Waldungen sind
Eisenhüttenwerke und kleine Oekonomien mit gewässerten Wiesenrändern
eingeklemmt, was aus größerer Entfernung nicht beobachtet werden
kann, wenn man nicht etwa die Lichtblicke der Hohöfen zur Nachtzeit
veranschlagen will.

Wenn man seinen Wanderstab von Schönheide nach dem Lattermannschen
Eisenhüttenwerk Rautenkranz über die Mulde fortsetzt, so kommt man etwa
in 2 Stunden von Süden her nach



Karlsfeld.


Frostig und anmuthlos liegen etwa 80 Häuser, in welche ohngefähr
1000 meist mittellose Leute eingepackt sind, wie Schwalben auf einem
Blitzableiter, mager und kalt an einem Bächlein hin, welches sein
Dasein Moorboden und Torflagern verdankt und die Wilzsch genannt
wird. Das Auge findet ringsumher keinen Punkt, auf welchem es mit
Wohlgefallen ruhen könnte; dunkles Nadelholz umringt das kärgliche
Eigenthum und das undankbare Areal der Einwohnerschaft, welches vor
etlichen und dreißig Jahren noch keine Furche Feld hatte, die der
Dürftigkeit Kartoffeln für den Hunger liefern konnte. Diese bezog man
von Eibenstock und der Nachbarschaft. Für die ersten Ansiedler mußte es
daher eine Art Verwegenheit sein, Nahrung hier zu suchen und sich in
das Dunkel der Fichten einzuhüllen, welche mit keinem Laubholz wechseln
und so der Einförmigkeit einen wohlthuenden Anstrich verliehen.

In der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts erhielt der in der
obergebirgischen Geschichte eben so rühmlich bekannte als reiche Veit
Hans Schnorr zu Schneeberg durch Cession von Herrn von Carlowitz auf
Alten-Schönfels die Gerechtsame zu Anlegung eines Eisenhüttenwerks
und bekam dafür 1679 ein landesherrliches Privilegium. Schnorr soll
zu Ehren des frühern Grundbesitzers und Cedenten von Carlowitz seinem
neuen Anbau den Namen Karlsfeld gegeben haben. Ein Eisenhüttenwerk
bedarf viel fleißige Hände und zu allen Zeiten eine Schaar Wagen
für die An- und Abfuhre der Materialien und der fertigen Waare;
daher bauten sich sehr bald eine Menge Menschen in hölzernen
Hütten an, eben groß genug für den einfachen Hausstand, der noch
gegenwärtig allenthalben sichtbar ist. Besonders mehrten sich auch
die Nagelschmiede, weil sie sich das Eisen auf der Achsel an ihren
Schmiedstock tragen konnten. Die Volksvermehrung bestimmte den Besitzer
des Hammerwerks, eine Kirche zu erbauen, die den einzigen Gegenstand
der Ueberraschung im Orte ausmacht, weil sie eine wohlgefällige Rotunde
bildet, die man in einem solchen verkümmerten Orte nicht vermuthet.

Gedachter Schnorr hatte im Obergebirge viele Besitzungen, besonders
von Hammerwerken und andern entopischen Fabriken, und fabelhaft würde
seine Theilnahme an dem vaterländischen Bergbau genannt werden müssen,
wenn er nicht die Anzahl Gruben und Grubenantheile selbst genannt und
aufgezählt hätte, die er gleichzeitig baute. Der Seltenheit halber
mag das von ihm gefertigte Verzeichniß diesem Schriftchen als Beilage
dienen.

Gegenwärtig ist das Hammerwerk Karlsfeld eingegangen, weshalb die
Einwohnerschaft zum größern Theil in eine Verkümmerung der Mittel zur
Forthilfe gerathen ist, welche schon lange her zum ernsten Gegenstand
der Berathung Seiten der Verwaltungsbehörden erhoben worden sind, ohne
daß der Nothstand nur genüglich und beharrlich abgedämmt werden konnte.
Denn wenn schon für den Kartoffelbau durch Urbarmachung von Waldboden,
welchen das Finanzministerium unter billigen Bedingungen an die
Einwohnerschaft seit einigen Jahren überlassen hat, nicht ungünstige
Resultate erlangt worden sind, sich auch eine Wanduhrenfabrik durch
wohlwollende Unterstützung des Herrn Kammerrath Anger in Leipzig
organisirt und unter Aufsicht des Herrn Oberförster Thiersch und des
Herrn Kaufmann Friedrich Dörffel in Eibenstock entfaltet hat: so wird
der Erfolg des Ackerbaues immerhin nur von günstigen Jahrgängen in
dieser rauhen Gegend abhängig bleiben und letztere, wenn sie auch jetzt
gegen 40 Personen beschäftigt, in den Versuchen zum größern Aufschwunge
in der Concurrenz mit den Schwarzwäldern um so leichter verkümmern, als
sie bei aller Sorgfalt ihrer Vorsteher Mangel an hinlänglichen Buchen
und Ahorn oder den für ihr Geschäft tauglichen Hölzern leidet und die
Zufuhre aus entfernten Gegenden nicht füglich gestattet.

Nicht uninteressant ist das Vorkommen von Haselnüssen und Resten von
Laubhölzern in den Torflagern unmittelbar bei Karlsfeld, wo gegenwärtig
außer den kümmerlichen Vogelbeerbäumen (~Sorbus aucuparia~) jene
Holzarten kein Gedeihen finden. Es scheint das dortige Klima vor vielen
Jahrhunderten jenen Hölzern günstiger gewesen zu sein.

Ohnfern des tristen Karlsfeld, wo es keinem Sperling gefällt, liegt
die sogenannte Weitersglashütte, wo aus Mangel an tauglichem Material
für die Fabrikation des Krystallglases nur Hohlglas und Flaschen
gefertiget werden. Ihre Lage ist der von Karlsfeld gleich; rings
umher eine dichte Verschanzung von Schwarzwald, gestattet sie durch
Hinzukommen von Waldhutung eine eben nicht sehr lohnende Viehzucht;
nur Preißel- und Heidelbeere gedeihen im Ueberfluß und werden in
dortiger Gegend häufig für den häuslichen Gebrauch als für den Handel
eingesammelt.

Wendet man sich von hier aus gegen Nordost, so kommt man allmälig
oberhalb Rehhübel, wo sich ein Eisensteinbergbau befindet, nach einem
anderweiten Torfstich, der den prosaischen Namen »Sauschwemme« trägt,
und von hier aus bequem auf den



Auersberg,


welcher, mit dem Riesenberge verwachsen, 3175 Fuß über das Meer
emporsteigt. Er hat sich wie alle seine Nachbarn, der Riesen-,
Esels- und andere Berge, bis über den Scheitel in einen Mantel von
Fichtengrün[9] gehüllt und würde die Fernsichten verkümmern, wenn nicht
schnurgerade Schneußen von seinem Fuße an bis zu seinem Gipfel gehauen
wären, welche oben nach einem hölzernen Thürmlein hin zusammen laufen.
Von diesem aus und durch die in den Mantel gerissenen Schlitze schweift
der Blick wonnetrunken weit hinab in die Gauen des Voigtlandes, die
reußischen Metzflecklein, mit monarchischer Wasserfarbe überstrichen,
und bewundert die Täuschungen, wie Städte, Dörfer und Fluren ganz
andere Richtungen angenommen zu haben scheinen, als diejenigen sind,
die man anzunehmen pflegt, welche Geschäftsreisen nöthig machen. Hier
spähet das Auge nach einem befreundeten Dörflein vergeblich, denn
es liegt mehr links oder rechts als man wähnte, wenn es nicht ein
bekannter Berg, ein Kirchthurm von sonderbarer Bauart eher erkennen
läßt. Dort verschwimmen zwischen Feld und Wiesen, Hainen und Fluren,
in dünne Schleier gehüllt, fern vom Fuße des Hügellandes oder an den
Zehen der Gebirge die Gegenstände der Erdfläche und verklären sich beim
Niedergang der Sonne in der Abendröthe, über welche allmälig die Nacht
ihren Vorhang niederfallen läßt.

Auf den Kulmen des Auersberges errichtete vor einigen Jahren
die dankbare Jägerei ihren heimgegangenen Vorgesetzten der
Kreisoberforstmeisterei ein Denkmal. Es besteht aus einem großen
Granitwürfel, sinnig genug für eine durchlebte herrliche Zeit,
die sich in bequemliche Verhältnisse gewickelt hatte und welche
Cotta's systematische Forstwirthschaftslehre verwischte, wie den
Schweiß vom Fensterglas, um heller zu sehen. So rüttelt die Zeit
des Fortschritte an veraltetem Bauwerke; es sinkt zusammen und ein
zweckmäßigeres tritt an seine Stelle, ohne daß der Bauherr eine
fernere Zukunft fürchtet, in welcher das Menschengeschlecht auch
dieses tadeln kann: denn der Würfel hat -- sechs Flächen. Aus dem
faltenreichen Mantel von Fichtengrün, welches eine kaum übersehbare
Fläche einnimmt, steigen hier und dort Rauchsäulen auf, ohne ihren
Platz zu verändern, es sind Meiler oder Zechenhäuser, denen hier und
da Zinn- und Eisensteinbergbau ihre Entstehung gab, oft an Stellen,
wohin kein Sonnenstrahl fällt. Ein Theil solcher versteckt liegender
und gebrechlicher Wohnungen, wo kein Bergbau mehr getrieben wird, ist
den nähern Ortschaften, als Heimathsbezirk, zugewiesen und bildet
mit diesen monströse Figuren, wie z. B. Steinheidel mit den Häusern
am Fellbach, Erlabrunn, dem Teumerhaus u. s. w. Und dennoch können
diese verzettelten Nester eines sogenannten Wanderschulmeisters nicht
entbehren, weil es immerhin gefährlich für die Kinder bleiben würde,
im Sommer durch dicke Waldungen und Säuern Stundenweit nach einer
Schule zu laufen, was außer der bessern Jahreszeit, im Winter, nicht
immer für Erwachsene rathsam sein möchte. Daher trifft man in diesen
einsamen Zechenhäusern oft mehrere Familien mit einer namhaften Schaar
Kinder von jedem Alter, dürftig und kaum halbbekleidet in einer Stube
eingedrückt beisammen, in welcher Tag und Nacht ein wunderlich zusammen
gestoppelter Kasten geheitzt wird, der Ofen heißt und eine Röhre
führt von nicht selten 1½ Quadratelle Größe, für Kartoffelgebäck, was
Götzen, nackete Mahd, rauche Mahd, Bröckelgötzen, Brändeln u. s. w.
geheißen wird. Es kann nicht anders kommen, daß, da ein derartiger
Genuß für alle Stubenbewohner und die männliche Angehörigkeit, wenn
diese von ihren Meilerstätten und Gruben heimkehren, für eine Mahlzeit
ausreichen und unmittelbar darauf der Kaffee, d. h. Zichoriengetränk
mit Ziegenmilch angehaucht, aufgetragen werden muß, wobei der Zucker
nur in sehr seltenen Fällen vorkommt, eine fast unausstehliche
Wärme um so mehr unterhält, als diese Mahlzeiten und das gefärbte
Getränk sich immerfort wiederholen. Dies macht auch zugleich eine
warme Bekleidung und gar häufig die Betten im Winter entbehrlich,
wo oft Kinder und Erwachsene, auch wohl die nützliche Ziege, auf
eingetragenem Waldgras gemeinschaftlich in der Nachbarschaft des
Ofens, wie an einem Krater, schlafen. Nicht selten trifft man es, daß
die Thür zum Innern des Hauses gar nicht verschlossen oder verriegelt
ist; was wollten auch Diebe wegtragen? Die Fenster zur Stube sind
gewöhnlich großen Theils mit flachen Spänen und Papier verklebt
und noch Basilicum und Muscatenstöckchen, sorgsam in den Scherben
abgebrochener Kaffeetöpfe gepflegt, vor die Spalten geschoben, damit
der Luftzug die Klöpplerinnen nicht stört. Die in diesem Dachsbau
befindlichen Knaben, denen das Klöppeln selten zusagt, laufen in der
bessern Jahreszeit im Walde umher, schleppen Brennholz herbei, suchen
Futter für die Ziege, sammeln Schwämme und leben, wie Krammtsvögel,
von Erd-, Heidel-, Preißel- und Brommbeeren. Und wie zufrieden lebt
gleichwohl eine Schaar Menschen in einem solchen Neste! Sie Alle kennen
die höhern Lebensgenüsse nicht, haben mithin kein Verlangen darnach,
weil eine überwarme Stube, hinlängliche Kartoffeln, Kaffee und Milch
die Summe der Gegenstände ausmachen, die ihre Zufriedenheit bedingt,
unter welcher sie sich auch im Winter einschneien lassen und einander
in Krankheits- und Entbindungsfällen beistehen, so gut als es möglich
sein kann. Man muß es selbst sehen, wenn der Familienvater von der
Grube oder von dem Kohlengehau kommt, das schmutzige Gewand von sich
wirft und sich bequemlich an den reinlichen, oft selbst gebauten Tisch
setzt, wo die Hausfrau das für ihn aufbewahrte Futter aufgetragen hat,
weil die Tischzeit vorüber war. Kinder von diversem Alter strecken sich
um ihn her auf den Bauch, das Kinn unterstützt mit beiden Armen, und
bewundern den Appetit des Vaters; abwechselnd hält er ihnen den vollen
Löffel vor den Mund und sie sperren auf wie junge Staare, wenn die
Alten die Atzung bringen. Nach dieser Abfütterung wird die Tabakspfeife
angezündet und der Länge nach von der breiten Ofenbank Besitz genommen,
von wo aus sich die Bewegung des Vogelviehes auf ihren Sprunghölzern
so lange am besten beobachten läßt, bis der Schlaf eintritt, der sich
durch das Herabfallen der Pfeife anzukündigen pflegt.

Vor mehrern Jahren, als mich bei einer mineralogischen
Exkursion zwischen Oberwiesenthal und Rittersgrün in den späten
Nachmittagsstunden ein Gewitter überraschte, zog ich es vor, in einem
alten Zechenhause zu übernachten; die guten kinderreichen Leute konnten
mir nichts bieten, als Kartoffeln und Milch, sowie Waldgras zum Lager,
womit ich schon deshalb zufrieden war, weil es nichts Besseres gab. Ein
Knabe von ohngefähr zwei Jahren schlief, halbnackend, zwischen zwei
jungen Ziegen, die die sogenannte Stube mit bewohnten, ich möchte sagen
-- wie ein Prinz -- wenn ich nicht wüßte, daß diese nicht oft so zu
ruhen pflegten.

Diese Art von Armuth ist diejenige, welche dem Pauperismus in
Städten, besonders in denjenigen, welche Fabriken haben, schroff
entgegen steht, weil sie zur Zeit periodischer Provinzialnoth
der Unterstützungsmittel weit weniger bedarf, als die mit allen
Gattungen der Lebensgenüsse bekannte und sittlich verschlechterte,
mittellose Schaar der Fabrikstädte. Wem Glück oder Zufall alle
Lebensherrlichkeiten von seiner Selbstständigkeit an zur Seite stellte
und das Weinglas in die Hand schob; wer die Qual der Nahrungssorgen
und den Nothschrei nach Hilfe nur aus öffentlichen Blättern kennt
und, dem Auftrag der Regierungen oder Unterstützungsvereine folgend,
sich in die Gegenden begiebt, wo sich die Noth fest gefressen
hat, um durch eigene Anschauungen von der Wahrheit des sich kund
gegebenen Elendes zu überzeugen und die Hilfsmittel für Abwendung
oder Linderung desselben zu normiren -- der bringt gar oft ein Bild
davon in seine Heimath zurück, vor welchem sich die Haare sträuben:
denn der Referent abstrahirt von sich und ihm ist die Möglichkeit
fremd, daß es Familien geben kann, welche mit so geringem Futter, halb
nackt und ohne Betten, dennoch zufrieden leben können. Hingerissen
von eigner Theilnahme, greift er nach der Brieftasche, notirt sich
die Kopfzahl, den Bedarf an Kleidungsstücken und wollenen Decken
für das Nachtlager; der assistirende Richter aus der Nachbarschaft
winkt heimlich den Bewohnern des armseligen Nestes, daß sie recht
lamentiren möchten, um von dem anwesenden Herrn recht viel zu bekommen;
sie thun es, fallen wohl gar vor ihm nieder: denn wer streckt nicht
gerne beide Hände nach dem unbekannten Glücke aus! Allein von nun an
artet die mittellose Zufriedenheit in ein Verlangen und Streben nach
fernerweiter Unterstützung aus und greift nach jedem Mittel, welches
dazu förderlich zu sein scheint. Dadurch aber schaart sich der sonst
zufriedene und mit der Weltherrlichkeit unbekannt gebliebene Arme an
den Provinzialpauperismus und allgemach an die sittliche Verdorbenheit
an, gegen dessen Umsichgreifen oder für dessen Abhilfe es noch
kein ausreichendes Mittel gab. »Denn die verbreiteten Klagen über
Abnahme des Volkswohlstandes haben ihren Grund mehr darinnen, daß die
Forderungen beinahe aller Volksklassen an das Leben und dessen Genuß so
sehr gesteigert sind«.[10]



Wildenthal.


Tief, aber immer noch in einer Meereshöhe von 2250 Fuß eingebettet,
liegt das Eisenhüttenwerk gleiches Namens in der Umarmung des
Auersberges und des Zeisiggesanges. Die große Bockau durchrauscht
das Oertchen, dreht das gangbare Zeug in Hütten und Hohöfen, sendet
von hier aus seinen halben Wasserschatz mittelst des sogenannten
Grünergraben für ökonomische Zwecke nach Eibenstock, während die
andere Hälfte in seiner engen Wiege über Granitblöcke hinab nach
Unterblauenthal in die Mulde strömt.

[Illustration:

    N. d. Nat. v. F. König.
    Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg.

WILDENTHAL.]

Gegen Ende des sechszehnten Jahrhunderts besaß dieses Hammerwerk ein
Herr von Wildenfels, und es ist wahrscheinlich, daß dasselbe die
Hälfte des Namens von ihm erhielt. Im Jahre 1655 kam es in den Besitz
des Hammermeisters Michael Gottschalch und blieb in den Händen seiner
Nachkommenschaft bis in die neuere Zeit. Die ursprünglichen Besitzer
der Eisenhüttenwerke hießen +Hammermeister+, arbeiteten mit vor den
Feuern, und ihre häuslichen Zustände mögen sich wenig von denen der
andern Hüttenleute unterschieden haben, bis sich der Absatz von Eisen
feste Bahn gebrochen und einen größern Gewinn gesichert hatte. Von nun
an kauften sich Geldmenschen aus der Nähe und Ferne Hammerwerke an, wie
sich die Gelegenheiten darboten, bauten sich mit großartigen Häusern
an, brachten Gerichtsbarkeiten an sich und herrschten als Hammerherrn
über die bildungslose und arme, schwarze und rothe Schaar des Berg-
und Hüttenvolkes bald wohlthätig, bald vernichtend, je nachdem Herz und
Gemüth des Besitzers für den Anblick seiner in Dürftigkeit lebenden
Arbeiter empfänglich war oder nicht. Die Neuzeit hat indessen manches
Empörende verwischt, was sonst Sitte hieß, und viele Hammerwerke in
die Hände von Männern geliefert, die, wie ein guter Genius, über das
Familienleben der Hammerschmiede, Bergleute, Köhler u. s. w. wohlthätig
walten und Gelegenheit geben, ihre Kinder einen zeitgemäßen Unterricht
genießen zu lassen, den die Eltern und Großeltern bei den sogenannten
Hammerpräceptoren, welche eine Art Knechtlohn erhielten, nicht finden
konnten, weil der Lehrer selbst noch Bildung brauchte. Darum aber
pflanzen sich die Anekdoten der Hammerschmiede, wie sie sich in frühern
Jahren so häufig begegneten und von den drolligen und unbeholfenen
Ansichten und Urtheilen über Dinge der Außenwelt Zeugniß geben, nur
sehr dürftig fort.

Das Herrnhaus in Wildenthal schaut von einer Anhöhe, wie sich's
gebührt, überlegen auf eine Schaar ärmlicher Hütten hernieder, zwischen
welche sich jedoch seit mehrern Jahren ein freundliches Posthaus,
welches dermalen die noch freundlichere Familie des Postverwalters
Priem besitzt, so wie ein restaurirtes Wirthshaus eingeschoben haben.

Man sieht es diesen Gebäuden an, daß sie in Privathänden sind.
Ueberraschend ist das fiscalische Forsthaus, im italienischen Styl vor
ohngefähr ein Dutzend Jahren erbaut. Es ist ein verflogener Kakadu
unter einer Gesellschaft Dohlen, der vergeblich nach Pommeranzenwäldern
und Cypressenhainen umherschaut. Doch wenn es dem Zwecke entspricht --
wem geht's was an?

Das Oertchen hat seit etwa 20 Jahren an seiner Wildheit gar sehr
verloren: es führt eine Chaussee nach Karlsbad hindurch, die in der
Badesaison sehr lebendig wird; der Besitzer des Werks und noch einige
andere Einwohner sind theils wissenschaftlich gebildet, theils sonst
gut unterrichtet, was zur sittlichen Abrundung der geistesarmen
Bevölkerung der Vergangenheit viel beitragen mußte und sich auch jetzt
schon dadurch kund giebt, daß man gern aus der Nachbarschaft Parthien
dahin macht und sich von der wildromantischen Natur umarmen läßt,
Kaffee trinkt und Forellen speis't.



Beilage.


+Specification+

der Bergktheile und Kuxe mit Schluß Trinitatis 1696, welche Herr Veit
Hannß Schnorr, wohl-meritirter Stadtrichter und Kobald-Contrahent zu
Schneebergk, wie auch Besitzer derer Hammerwerke Carlsfeld, Aue und
Neidhardtsthal etc. zu dieser Zeit alleinig gebauet und zu mehrerer
Nachricht und Bewunderung, der Posterität, anhero einverleibet worden.



Specification


Aller und jeder Bergktheile und Kuxe, welche von mir Veit Hannß
Schnorr ~sen.~ unter denen Bergkaemtern Schneebergk, Schwarzenbergk,
Eibenstock, Johann-Georgenstadt und Voigtsbergk, Bauet und in Fristen
hält, alß:

      Zechen zu Schneebergk.                                | Kuxe.
                                                            |
  Schindlern             Fundgrube                118  Kuxe.|
    dito             Ober nechste Maas            118   "   |
  Fleischer              Fundgrube                118   "   |
  Unruhe                 Fundgrube                118   "   |
  St. Ulrich             Fundgrube                118   "   |
  Beschertes Glück       Fundgrube                118   "   |
  Emanuel                Fundgrube                118   "   |
  Alte Sebastian         Fundgrube                118   "   |
  Nahmen Jesus Stolln                             120   "   |
                                                ------------|  1064
  St. Andreas            Fundgrube                 66½  "   |
  Sonnenwirbel           Fundgrube                 66½  "   |
  Reichenschatz          Fundgrube                 66½  "   |
      dito           Untere 1. Maas                66½  "   |
                            2. Maas                66½  "   |
  Glück                  Fundgrube                 66½  "   |
  Hülfe Gottes           Fundgrube                 66½  "   |
  Christian              Fundgrube                 66½  "   |
  Himmelfahrt            Fundgrube                 66½  "   |
                                                ------------|   598½
  Rosenkranz             Fundgrube                 48   "   |
                     Obere  1. Maas                48   "   |
                            2. Maas                48   "   |
                     Untere 1. Maas                48   "   |
  St. Thomas             Fundgrube                 48   "   |
  David ufe 3. Linien    Fundgrube                 48   "   |
                                                ------------|   288
                                                            |-------
                                                            |  1950½

                                                            | Kuxe.
      Hiernächst verbliebene Summe trage her                |  1950½
  Nach Wilhelm Mohre Fundgrube die untere                   |
                            2. Maas                48  Kuxe.|
  Junge Rappolt          Fundgrube                 48   "   |
  Alte Rappolt           Fundgrube                 48   "   |
  Heilige Creutz         Fundgrube                 48   "   |
                                                ------------|   192
  Heilige Dreifaltigkeit Fundgrube                 65   "   |
                untere nechste Maas                65   "   |
  Kalbe                  Fundgrube                 65   "   |
                      Obere 1. Maas                65   "   |
                     Untere 1. Maas                65   "   |
                            2. Maas                65   "   |
  Gnadenbrunnen          Fundgrube                 65   "   |
  St. Anthonus           Fundgrube                 65   "   |
                     Untere 1. Maas                65   "   |
                     Untere 2. Maas                65   "   |
  Hoffnung               Fundgrube                 65   "   |
                                                ------------|   715
  Sorge Gottes, beim Heber  Fdgrbe.                43⅔  "   |
                      Obere 1. Maas                43⅔  "   |
                      Obere 2. Maas                43⅔  "   |
                                                ------------|   131
  Peter Paul             Fundgrube                 54   "   |
                     Untere 1. Maas                54   "   |
                            2. Maas                54   "   |
                            3. Maas                54   "   |
  St. Michael            Fundgrube                 54   "   |
  Naßerott               Fundgrube                 54   "   |
  Junge Peter Paul       Fundgrube                 54   "   |
  Agatha                 Fundgrube                 54   "   |
                                                ------------|   432
  St. Michael in der Schlehm Fundgrube                      |   128
                       -----------                          |
  Himmelfahrt am Fürstenberge Fundgrube            64   "   |
                  Obere  1. Maas                   64   "   |
                  Untere 1. Maas                   64   "   |
                  Obere  2. Maas                   64   "   |
                  Erbstolln                        64   "   |
                                                ------------|   320
                                                            |-------
                                                            |  3868½

                                                            | Kuxe.
           Hierneben bestehende Summe                       |  3868½
  Rosenkränzer Stolln am Rosenberge                         |    25⁷/₁₂
  Alte St. Anna          Fundgrube                 42⅔ Kuxe.|
  Neue St. Anna          Fundgrube                 42⅔  "   |
                  Untere nechste Maas              42⅔  "   |
  Gnade Gottes           Fundgrube                 42⅔  "   |
  Daniel                 Fundgrube                 42⅔  "   |
                  Obere  1. Maas                   42⅔  "   |
                         2. Maas                   42⅔  "   |
                         3. Maas                   42⅔  "   |
                  Untere 1. Maas                   42⅔  "   |
                         2. Maas                   42⅔  "   |
                         3. Maas                   42⅔  "   |
  Heiligen Christ        Fundgrube                 42⅔  "   |
                  Obere nechste Maas               42⅔  "   |
                  Untere nechste Maas              42⅔  "   |
  St. Wenzel             Fundgrube                 42⅔  "   |
  Zoppschuh              Fundgrube                 42⅔  "   |
  Mohren                 Fundgrube                 42⅔  "   |
                                                ------------|   725⅓
  Siebenschlem           Fundgrube                 55½  "   |
                  Obere  1. Maas                   55½  "   |
                  Untere 1. Maas                   55½  "   |
                         2. Maas                   55½  "   |
                         3. Maas                   55½  "   |
                         4. Maas                   55½  "   |
  Maria Magdalena        Fundgrube                 55½  "   |
                  Obere  1. Maas                   55½  "   |
                         2. Maas                   55½  "   |
                  Untere 1. Maas                   55½  "   |
                         2. Maas                   55½  "   |
                         3. Maas                   55½  "   |
                         4. Maas                   55½  "   |
  Türken                 Fundgrube                 55½  "   |
  Sieben Höfer           Fundgrube                 55½  "   |
  Uf Siebenschleher Zug  Fundgrube                 55½  "   |
                                                ------------|   888
                                                            |---------
                                                            |  5507⁵/₁₂

                                                            | Kuxe.
      Verbliebene Summe trage anhero                        |  5507⁵/₁₂
  Lamb Gottes          Fundgrube                    64 Kuxe.|
  Osterlamb            Fundgrube                    64  "   |
                  Untere nechste Maas               64  "   |
                                                ------------|   192
  Alten Schaffstaller  Fundgrube                    23  "   |
                  Obere nechste Maas                23  "   |
                  Untere nechste Maas               23  "   |
  Jungen Schaffstaller Fundgrube                    23  "   |
                  Nechste Maas                      23  "   |
  Star. Kennmanns Fundgrube                         23  "   |
  Gregori Fundgrube                                 23  "   |
  St. Jacob Fundgrube                               23  "   |
  Alte Mohren Fundgrube                             23  "   |
                  1. Maas                           23  "   |
  Junge Mohren Fundgrube                            23  "   |
  Michaelis Fundgrube                               23  "   |
                                                ------------|   276
  Adam Höber Fundgrube                              16  "   |
                  Obere 2. Maas                     16  "   |
                  Untere nechste Maas               16  "   |
                  Obere 3. Maas                     16  "   |
  Neujahr Fundgrube                                 16  "   |
  Dorothea Fundgrube                                16  "   |
  Wieder Kehrung Fundgrube                          16  "   |
  St. Oß-Waldt Fundgrube                            16  "   |
                  Obere nechste Maas                16  "   |
                                                ------------|   144
                                                            |
      Gesellschafter Zugke, als:                            |
                                                            |
  St. Martin Fundgrube                              16  "   |
  St. Michael Fundgrube                             16  "   |
  Feldt Reß Fundgrube                               16  "   |
  St. Jacob Fundgrube                               16  "   |
                  Untere 1. Maas                    16  "   |
                         2. Maas                    16  "   |
                         3. Maas                    16  "   |
                         4. Maas                    16  "   |
                                                ------------|---------
                            ~Lat.~                 128      |  6119⁵/₁₂

                                                            | Kuxe.
             Unten stehende Summe anhero                    |  6119⁵/₁₂
             Dann Gesellschafter Zugke             128 Kuxe.|
  Fastnacht Fundgrube                               16  "   |
  Zwickische Fundgrube                              16  "   |
                    Obere 1. Maas                   16  "   |
                          2. Maas                   16  "   |
  Naßius Fundgrube                                  16  "   |
                   Untere 1. Maas                   16  "   |
                          2. Maas                   16  "   |
                                            ----------------|   240
  Elisabeth beim Weißhäubtel Fundgrube              14  "   |
                    Obere nechste Maas              14  "   |
                    Einer Wasserlaufft              14  "   |
                                            ----------------|    42
  Quergeschick Fundgrube                             8  "   |
                    1. untere Maas                   8  "   |
                    2.   dergl.                      8  "   |
                    3.   dergl.                      8  "   |
                    4.   dergl.                      8  "   |
                                            ----------------|    40
  Mauderer Fundgrube                                 4  "   |
                    Obere nechste Maas               4  "   |
  Grüne Pürk Fundgrube                               4  "   |
                   Untere nechste Maas               4  "   |
                                            ----------------|    16
  St. Michaeler Maaßen, alß:                                |
          1. nechste St. Michael Fundgrube          16  "   |
          2. Maas                                   16  "   |
                                            ----------------|    32
  Weiße Hirsch, Fundgrube beim Auerhammer           29  "   |
                    1. Maas                         29  "   |
                    2. Maas                         29  "   |
                    Erbstolln                       29  "   |
                                            ----------------|   116
  Brüderschaft am Magnetenbergk Fdgrbe.            128  "   |
  Sechs Brüder allda Fundgrube                     122  "   |
  Ferner noch eine Fundgrube                       122  "   |
                                            ----------------|   372
                                                            |---------
                                                            |  6977⁵/₁₂

                                                            | Kuxe.
                                                            |
             umbstehende Summe anhero                       |  6977⁵/₁₂
  Christi Himmelfahrt über Muldenhammer                     |
                    Fundgrube                       22  "   |
  St. Samuel              Fundgrube                 22  "   |
                    Nechste 1. Maas                 22  "   |
                            2. Maas                 22  "   |
                                              --------------|    88
  Trost Ißrael in der Aue Fundgrube                 66  "   |
                      Obere 2. Maas                 66  "   |
                            3. Maas                 66  "   |
                            4. Maas                 66  "   |
                            5. Maas                 66  "   |
  Nahe Irrgang, die obere 3. Maas                   66  "   |
                          4. Maas                   66  "   |
  Carols Fundgrube,   obere 3. Maas                 66  "   |
                                              --------------|   528
  Irrgang in der Aue      Fundgrube                 24  "   |
                      Obere 1. Maas                 24  "   |
                            2. Maas                 24  "   |
                     Untere 1. Maas                 24  "   |
                            2. Maas                 24  "   |
  Nach der Himmelfahrt Christi Fundgrube                    |
                            3. Maas                 24  "   |
                            4. Maas                 24  "   |
                            5. Maas                 24  "   |
                            6. Maas                 24  "   |
                            7. Maas                 24  "   |
                                              --------------|   240
  Himmelfahrt zur Aue,    Fundgrube                 16  "   |
                    Nechste 1. Maas                 16  "   |
                            2. Maas                 16  "   |
                                              --------------|    48
                                                            |---------
                                            ~Summa~         |  7881⁵/₁₂
                                                            |
      Auer Hammer Zechen und Kuxe.                          |
                                                            |
  St. Andreas am Lumbach, Fundgrube                128 Kuxe.|
                   Obere 1. Maas                   128  "   |
                                              --------------|
  zu übertragen                                    256  "   |

                                                            | Kuxe.
                                        Uebertrag  256 Kuxe.|
                    Obere 2. Maas                  128  "   |
                    Obere 3. Maas                  128  "   |
  St. Johannes, Fundgrube allda                    128  "   |
                                                ------------|   640
  St. Michael am Fellbach, Fundgrube               128  "   |
  Ritter St. Georgen, Fundgrube                    128  "   |
  Frische Glück, Fundgrube                         128  "   |
  Hoffnung, Fundgrube                               64  "   |
                   Untere 2. Maas                  128  "   |
                          3. Maas                  128  "   |
  Nach St. Michael in Liganden 1. Fdgrbe.          128  "   |
                   Untere 1. Maas                  128  "   |
                          2. Maas                  128  "   |
                          3. Maas                  128  "   |
                          4. Maas                  128  "   |
  Ehrenfriedt, Fundgrube                           128  "   |
                    Obere 1. Maas                  128  "   |
                          2. Maas                  128  "   |
                          3. Maas                  128  "   |
                   Untere 1. Maas                  128  "   |
                          2. Maas                  128  "   |
                          3. Maas                  128  "   |
  Margaretha, Fundgrube                            128  "   |
                    Obere 1. Maas                  128  "   |
                   Untere 1. Maas                  128  "   |
  St. Veit, Fundgrube                              128  "   |
                    Obere 1. Maas                  128  "   |
                          2. Maas                  128  "   |
                   Untere 1. Maas                  128  "   |
                          2. Maas                  128  "   |
                          Wasserlauf               ---  "   |
                                                ------------|  3264
                                                            |------
                                             ~Summa~        |  3904

                                                            | Kuxe.
      Carlsfelder Zechen-Kuxe.                              |
                                                            |
  St. Martin am Steinbach, Fundgrube               128 Kuxe.|
                  Untere 1. Maas                   128  "   |
                  Untere 2. Maas                   128  "   |
                                                ------------|   384
  St. Margaretha, Fundgrube                                 |
                  Untere 2. Maas                   128  "   |
                         3. Maas                   128  "   |
                         4. Maas                   128  "   |
                                                ------------|   384
  St. Michael am Steinbach, Fundgrube                       |
                   Obere 4. Maas                   128  "   |
                         5. Maas                   128  "   |
                         6. Maas                   128  "   |
                         Stolln                     64  "   |
                                                ------------|   448
  St. Martin am Hammerberge, Fundgrube             128  "   |
                  Obere nechste Maas               128  "   |
                  Untere nechste Maas              128  "   |
                  Erbstolln                        128  "   |
                                                ------------|   512
  St. Johannes am Brückenberge, Fundgrube          128  "   |
                  Obere nechste Maas               128  "   |
                  Untere nechste Maas              128  "   |
                  Erbstolln                        128  "   |
                                                ------------|   512
  St. Christoph am Rehhübel, Fundgrube             104  "   |
                  Obere nechste Maas               104  "   |
                  Untere nechste Maas              104  "   |
                                                ------------|   312
  St. Christoph am Steinbächel, Fundgrube          128  "   |
                  Untere nechste Maas              128  "   |
                                                ------------|   256
  Drei Brüder am Rehhübel, Fundgrube                96  "   |
                  Obere nechste Maas                96  "   |
                  Untere nechste Maas               96  "   |
                  Erbstolln                         96  "   |
                                                ------------|   384
                                                            |------
                                                            |  3192

                                                            | Kuxe.
                                    ~Trsprtirt~             |  3192
  Maria Himmelfahrt am Rehehübel, Fundgrube        112 Kuxe.|
                  Obere nechste Maas               112  "   |
                  Untere nechste Maas              112  "   |
                                                ------------|   336
  Streit der Hoffnung am Rehehübel, Fundgrube       96  "   |
                  Obere nechste Maas                96  "   |
                  Untere nechste Maas               96  "   |
                                                ------------|   288
  Neujahr bei Carlsfeld uf Zwitter, Fundgrube       94  "   |
                  Obere nechste Maas                94  "   |
                  Untere nechste Maas               94  "   |
                                                ------------|   282
  Neugebohren Kindel in Neudeckergrund, Fundgrube  128  "   |
                  Obere nechste Maas               128  "   |
                  Untere nechste Maas              128  "   |
                                                ------------|   384
  St. Bartholomäus am Riesenberge, Fundgrube       128  "   |
                  Obere nechste Maas               128  "   |
                  Untere nechste Maas              128  "   |
                                                ------------|   384
  Elisabeth, Fundgrube am Henneberg                         |   128
  Hoffnung am Steinbach, Fundgrube                  48  "   |
                  Obere 2. Maas                    128  "   |
                        3. Maas                    128  "   |
                                                ------------|   304
  St. Michael am Riesenberge, Fundgrube             96  "   |
                  Untere 2. Maas                    96  "   |
                  Obere 2. Maas                     96  "   |
                        2. Maas                    128  "   |
                        3. Maas                    128  "   |
                        4. Maas                    128  "   |
                                                ------------|   672
  Creutz Erhöhung am Hirschberge, Fundgrube        128  "   |
                                                ------------|
                                                            |------
                              zu übertragen        128  "   |  5970

                                                            | Kuxe.
                                    Uebertrag      128 Kuxe.|  5970
                  Obere nechste Maas               128  "   |
                  Untere nechste Maas              128  "   |
                                                ------------|   384
  St. Johannes am Brückenberge Fundgrube           128  "   |
                  Obere nechste Maas               128  "   |
                 Untere nechste Maas               128  "   |
                                                ------------|   384
  St. Nicolaus Fundgrube In Carlsfeldt              72  "   |
                  Obere nechste Maas                72  "   |
                 Untere nechste Maas                72  "   |
                                                ------------|   216
  300 Lachter Seeffengebürge                                |   128
  Zeisig am Zeisiggesange, Fundgrube               128  "   |
                  Obere 1. Maas                    128  "   |
                 Untere 1. Maas                    128  "   |
                  Obere 2. Maas                    128  "   |
                 Untere 2. Maas                    128  "   |
                  Obere 3. Maas                    128  "   |
                 Untere 3. Maas                    128  "   |
                                                ------------|   896
  Heiligen Creutz, Fundgrube                       128  "   |
                  Obere 1. Maas                    128  "   |
                  Obere 2. Maas                    128  "   |
                                                ------------|   384
  Fundgrube in der Weitterwiese uf Zwitter         ---  "   |
                  Obere 2. Maas                    128  "   |
                        3. Maas                    128  "   |
                 Untere 2. Maas                    128  "   |
                        3. Maas                    128  "   |
                                                ------------|   512
  Eisenhuth am Fastenberge Fundgrube               128  "   |
                 Obere nechste Maas                128  "   |
                Untere nechste Maas                128  "   |
                                                ------------|   384
  Segen Gottes über der Weiderwiese, Fundgrube      72  "   |
                 Obere nechste Maas                 72  "   |
                Untere nechste Maas                 72  "   |
                                                ------------|   216
                                                            |------
                                 zu übertragen              |  9474

                                                            | Kuxe.
                                      Uebertrag             | 9474
  Fröhlichs Zeche, Fundgrube                                |   16
  Schwarze Bären, Fundgrube                                 |   96
  Schwarzen Bären Maas                                      |   96
  Rothe Löwen an der 9. Fundgrube                  128  "   |
                   Obere nechste Maas              128  "   |
                  Untere nechste Maas              128  "   |
                                                ------------|  384
  St. Bartholomäus Fundgrube                        32  "   |
                   Obere nechste Maas               32  "   |
                  Untere nechste Maas               32  "   |
                                                ------------|   96
  Glückauf, Valtin Ende Fundgrube                   64  "   |
                        1. Maas                     64  "   |
                        2. Maas                     64  "   |
                                                ------------|  192
  Neujahr in Johanngeorgenstadt                             |     ⅛
  Vogelgesänger Stolln, daselbst                            |   16
  Junge Sybilla am Rehehübel, Fundgrube             16  "   |
                   Obere nechste Maas               16  "   |
                  Untere nechste Maas               16  "   |
                                                ------------|   48
  Neujahrs Stolln                                           |   96
  6. Lehen Flöß ufn Graupenberge                            |   48
                                                ------------|
                                      ~Summa~               | 10562⅛
                                                            |
      Schwefel-Hüttner Zechen und Kuxe.                     |
                                                            |
  Vogelgesang über der Schwefelhütt, Fundgrube     128  "   |
                  Untere nechste Maas              128  "   |
                                                ------------|   256
  Hoffnung zur Zschorlau, Fundgrube                         |   128
  Roth Kübel ufn Hundshübel, Fundgrube                      |   128
  St. Markus am Volkmannsbach, Fundgrube                    |   128
  St. Johannes an der Holzecke, Fundgrube           64  "   |
                   Obere nechste Maas               64  "   |
                   Erbstolln                       128  "   |
                                                ------------|   256
                                                            |-------
                                      ~Summa~               |   896

                                                            | Kuxe.
      Ellefelder Zechen und Kuxe.                           |
                                                            |
  St. Christoph zu Schönbrunn, Fundgrube           128 Kuxe.|
                    Erste Maas                     128  "   |
                    Andere Maas                    128  "   |
                                                ------------|   384
  Rothestrauß Fundgrube zu Schönbrunn              128  "   |
                    Erste Maas                     128  "   |
                    Andere Maas                    128  "   |
                                                ------------|   384
  Großestrauß Fundgrube zu Lauterbach               64  "   |
                    Erste Maas                      64  "   |
                    Andere Maas                     64  "   |
                                                ------------|   192
  Schwarze Strauß, Fundgrube allda                          |   128
  St. Andreas, Fundgrube am Aelschachen            128  "   |
                    Erste obere Maas               128  "   |
                    Erste untere Maas              128  "   |
                                                ------------|   384
  Glückaufs Fundgrube am Heidenschachen            128  "   |
                    Erste obere Maas               128  "   |
                    Erste untere Maas              128  "   |
                                                ------------|   384
  Seegen Gottes Fundgrube zu Falkenstein           128  "   |
  Catharina Fundgrube zu Zöbitz                     64  "   |
                                                ------------|   192
                                                            |------
                                      ~Summa~               |  2048


~Summa Summarum~ Aller Bauenden und in Fristen Häldende Kux, alß:

  Schneebergk und selbigen Bezirk                   7881⁵/₁₂   Kux.
  Hammerwerk Auer Hammmer                           3904       "
  Hammerwergk Carlsfeldt                           10562⅛      "
  Hammerwergk Schwefelhütt                           896       "
  Hammerwergk Ellefeldt                             2048       "
                                                  ----------------
                                       Thutt       25291¹³/₂₄  Kux.

                                                    Kuxe.

                              Uebertrag            25291¹³/₂₄
             Hierzu noch
  St. Galle, Fundgrube in der Sauschwemm  64 Kux.
             1. nechste Maas              64 "
             2. nechste Maas              64 "
                                    -------------    192
                                                   ---------
                                   ~Summa~         25483¹³/₂₄



Fußnoten:


[1] Im Jahre 1837 mit 7239 Einwohnern in 890 Häusern, ohne Militär und
ohne die Sträflinge im Arbeitshause.

[2] Im Laufe des vorigen Winters (von 1843--44) meldeten sich bei dem
Amtsfrohn in Schwarzenberg zwei angebliche Forststräflinge an, um ihre
Gefängnißstrafe zu verbüßen. Sie wurden beigesteckt, ließen sich eine
Zeit lang füttern und mußten später bekennen, daß sie gar nicht zu
den Sträflingen gehörten, sondern sich nur dafür ausgegeben hätten,
um gefüttert zu werden. Im Amte Grünhayn bat ein Sträfling, welcher
wegen Eigenthumsvergehen seine Strafzeit abgesessen hatte, den Beamten
dringend, daß er ihn nur noch 14 Tage im Arrest behalten möge, weil er
nicht wisse, was er zu Hause machen solle.

[3] Man sehe Schneebergs Chronik von Karl Lehmann Theil I. Pag. 6. Das
Silbererz wurde von Schneeberg nach Zwickau gefahren, wo bis zum Jahre
1510 die Münze war. Dies gab Veranlassung die Arme Ruh Silberstraße zu
nennen.

[4] Kobalt (in böhmischer Sprache kowlty, d. h. vererzt, erzartig) ist
das Mineral, aus welchem die Schmalte in ihren verschiedenen Qualitäten
nach bleibenden Mustern bereitet wird. Diese blauen Farben werden
hauptsächlich wegen ihrer Feuerbeständigkeit in den Porzellainfabriken
verbraucht.

[5] Im Jahre 1842 hatte Schneeberg in seinem Reviere 1530 Arbeiter,
von den Obersteigern abwärts gerechnet, und ein Ausbringen von 866,295
Thlr. 6 Gr.

[6] Nach Körners Nachrichten von Bockau heißt Eibenstock so viel als:
Hibanj, ein Aufstand, Aufsitz der auswandernden Völker, und -- stogk
-- ein Stand oder Stillstehen. Demnach ist ohne Zweifel Eibenstock
der Ort, auf welchem sich die Wenden niederließen und anbaueten, weil
ihre Freiheit und ihre heidnische Religion bedrohet waren, gleichwohl
aber zu Anfange des 12. Jahrhunderts zur christlichen Religion
bekehrt worden sind. Kein Ort im Erzgebirge trägt so viele Spuren
des wendischen Ursprunges an sich, als Eibenstock, wie die Namen:
Krottensee, Windisch-Wiesen, Windisch-Knok, Kunitzwald, Denitzgrund und
Wilzbach und viele andere lehren.

[7] Im Jahr 1546 erging, nach Oettels und Lehmanns Chroniken, ein
Befehl an den Hauptmann zu Schneeberg, in welchem Folgendes erfordert
wurde: »Was die Gebrechen des Ampts Schwarzenberg anlangen thut, in
denen wollen wir deiner Anzeigung nach, was die angemasten freien Höffe
und gueter, welche in vor zeitten gar umb ein geringes auch zum Teil
umbsonst, aus dem +Rittergut+ vngeburlicherweiß, erlangt sevn mugen
des Berichts gewertig sein, wie sie in irrer gelegenheit vnd umbkreis
besichtiget vnd befunden worden, sampt den bestendigen vrsachen, mit
was grundt, tittel vnd schein dieselben befunden; alsdann wollen wir
uns darauf nach gehabter notturfftiger erwegung auch vernehmen lassen,
damit den Sachen der pilligkeit nach abgeholfen werde.«

[8] Im Jahre 1537 soll Urban Männel das erste Haus erbauet, der Ort
selbst aber schon 1596 eine eigene Kirche erhalten haben, nachdem er
bis dahin nach Auerbach eingepfarrt war. Siehe Lehmanns Chronik.

[9] Die Staatswaldungen der sonstigen Kreisoberforstmeisterei zu
Schneeberg mit Grünhayn und Stollberg halten 61,000 Acker, aus welchen
jährlich ohngefähr 41,300 Klaftern geschlagen werden.

[10] ~Dr.~ Schmidt über die Zustände der Verarmung in Deutschland, ihre
Ursachen und die Mittel ihnen abzuhelfen. Zittau und Leipzig 1837.
Melchior Schüler, Geschichte des Landes Glarus, Zürich bei Schulthes
1836.



    Weitere Anmerkungen zur Transkription


    Offensichtlich fehlerhafte Zeichensetzung wurde stillschweigend
    korrigiert.

    Die Abbildungen wurden in das zugehörige Kapitel verschoben.

    Korrekturen (der korrigierte Text ist in {} eingeschlossen):

    Inhaltsverzeichnis: Burhardtsgrün → Burkhardtsgrün
      {Burkhardtsgrün} 21

    S. 2: sühnt → söhnt
       Wie leicht {söhnt} sich hier nicht Jeder

    S. 14: Kaffe → Kaffee
      wo {Kaffee}, Kuchen und Windbeutel zu haben sind

    S. 20: sogenante → sogenannte
      die Aussicht auf das {sogenannte} Gebirge zu genießen

    S. 21: aufdas → auf das
      Fernsicht {auf das} sogenannte sächsische Sibirien

    S. 25/26 doppelte Zeile gelöscht
      {die Concurrenz bei der Wohlfahrtspolizei vorbehielt: denn das}

    S. 26: Medicininalwaaren → Medicinalwaaren
      Die Bereitung von {Medicinalwaaren} für den Olitätenhandel

    S. 28: Nachwächter → Nachtwächter
       was allerdings an Gellerts {Nachtwächter} erinnert

    S. 31/32: Giebelseitender → Giebelseiten der
      welchen die {Giebelseiten der} Häuser

    S. 49 Muldenhammmer → Muldenhammer
      Christi Himmelfahrt über {Muldenhammer}





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des Sächsischen Obererzgebirges (Zweites Heft) - Ein Beitrag zur speciellern Kenntniß desselben, seines - Volkslebens, der Gewerbsarten, Sitten und Gebräuche" ***

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