Home
  By Author [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Title [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Language
all Classics books content using ISYS

Download this book: [ ASCII | HTML | PDF ]

Look for this book on Amazon


We have new books nearly every day.
If you would like a news letter once a week or once a month
fill out this form and we will give you a summary of the books for that week or month by email.

Title: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1866) - Neue Folge. Dreizehnter Band.
Author: Various
Language: German
As this book started as an ASCII text book there are no pictures available.
Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1866) - Neue Folge. Dreizehnter Band." ***

This book is indexed by ISYS Web Indexing system to allow the reader find any word or number within the document.



Libraries.)



  ##################################################################
                     Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand des Jahrganges 1866 des ‚Anzeigers
für Kunde der deutschen Vorzeit‘ so weit wie möglich originalgetreu
wiedergegeben. Einzelne Satzzeichen wurden bei offensichtlichen
Druckfehlern stillschweigend korrigiert, ausgenommen in Zitaten, welche
stets unverändert übernommen wurden. Inkonsistente Schreibweisen und
Sperrungen, sowie alle Namen und fremdsprachigen Zitate wurden so
belassen, wie im Text angegeben.

Die Kombination aus langem und kurzem s (ſs) ersetzt im Originaltext
meistdas gebräuchlichere Schriftzeichen ‚ß‘, seltener auch ‚ss‘.
Diese uneinheitliche Schreibweise wurde so beibehalten. Man beachte
die damals übliche Endung ‚-niſs‘ bei Begriffen wie ‚Verzeichnis‘,
‚Kenntnis‘ usw.

Auf den Seiten 21 und 22 werden Apostrophensymbole verwendet, welche
einem hochgestellten, langestreckten Buchstaben ‚s‘ ähneln, um die
Endung ‚er‘ oder ‚ern‘ (z.B. in ‚sondern‘) abzukürzen. Diese Symbole
wurden hier mit einfachen Apostrophen wiedergegeben. Auf Seite 141
werden Dehnungslaute durch hochgestellte Tilden dargestellt; dies wird
hier durch die Kombination ^{~} wiedergegeben.

Einzelne Buchstabenverwechslungen (z.B. u/n, e/o, usw.) wurden ohne
ausdrückliche Angabe verbessert. Aufgrund des verwendeten Schriftsatzes
sind im Original einige Stellen nur undeutlich erkennbar (vornehmlich
Umlautpunkte und Bindestriche); diese wurden sinngemäß ergänzt. Darüber
hinaus wurden die folgenden Stellen korrigiert:

    S. 4/5: 'erforfordert' → 'erfordert' (Fehler durch Seitentrennung)
    S. 8: 'anhenger vnd hellfer vud' → 'anhenger vnd hellfer vnd'
    S. 14: Zeilennummer '6' → '7'
    S. 19: 'Enstehung' → 'Entstehung'
    S. 20: 'die letzgenannten' → 'die letztgenannten'
    S. 40: 'Geschichtsforforschung' → 'Geschichtsforschung'
    S. 60: 'Dokmenten' → 'Dokumenten'
    S. 61: 'Herzog Christohp's' → 'Herzog Christoph's'
    S. 84 (Fußnote): 'bey Nacht, Vnd als' → 'bey Nacht, vnd als'
    S. 99: 'das stritt ge Holz' → 'das strittige Holz'
    S. 116: 'ΑΡΤΕΜΙC' → 'ΑΡΤΕΜΙΣ'
    S. 123: 'Cöln' → 'Köln' (innerhalb dieses Abschnitts harmonisiert)
    S. 176: 'anchlug' → 'anschlug'; 'Bibiothek' → 'Bibliothek'
    S. 184 (Fußnote): 'Jahresreszahl' → 'Jahreszahl'
    S. 217: 'in ruiniösem Zustande' → 'in ruinösem Zustande'
    S. 224: 'interressanter' → 'interessanter'
    S. 237 (1. Fußnote): 'Jahrszahl' → 'Jahreszahl'
    S. 241: 'des Plateau' → 'des Plateaus'
    S. 251: 'tutugent' → 'tugent'
    S. 253: 'reichsohnmitttelbaren' → 'reichsohnmittelbaren'
    S. 292: 'auf welchen chen' → 'auf welchen'
    S. 345: 'vorgeschlagegenen' → 'vorgeschlagenen'
    S. 347: '33' → '20,033'
    S. 351: doppeltes 'der'; eines entfernt
    S. 373,: 'böser Bergleut' → 'boͤser Bergleut'; (Fußnote, Z. 8): 'G.
      Amur, 1985': Dieses Zitat ist im Jahre 1866 unmöglich; da die
      korrekte Jahreszahl aber nicht ermittelt werden konnte, wurde im
      Text lediglich ein Fragezeichen hinzugesetzt [?].
    S. 376 (2. Fußnote): 'zu unsern Zei- in' → 'zu unsern Zeiten in';
      (4. Fußnote): 'in Possession hahaben' → 'in Possession haben'
    S. 382: doppeltes 'und'; eines entfernt.
    S. 391: 'Corespondenz' → 'Correspondenz'
    S. 405 (Fußnote): 'gegeschehen' → 'geschehen'
    S. 416: 'Holzschntten' → 'Holzschnitten'
    S. 424: 'haben' Der Buchstabe 'a' wurde im Original auf dem Kopf
      stehend gedruckt.
    S. 431: 'Kulturgegeschichte' → 'Kulturgeschichte'
    S. 433: 'zu sehen; Darunter' → 'zu sehen; darunter'
    S. 436: Listennummer 18 wurde im Original ausgelassen; die
      fortlaufende Nummerierung wurde wiederhergestellt.

Der Ausdruck [*Pfund] ersetzt das entsprechende Zeichen. Mit der
Bezeichnung [*Illustration] werden bildhafte Darstellungen umschrieben,
die in den laufenden Text eingebunden wurden. Das Caret-Symbol (^)steht
für hochgestellte Zeichen; mehrere aufeinander folgende Zeichen werden
dabei mit geschweiften Klammern gruppiert: ^{hochgestellt}. Von der
Nomalschrift abweichende Schriftschnitte werden durch die folgenden
Sonderzeichen dargestellt:

  kursiv:      _text_
  fett:        =text=
  gesperrt:    /text/

Andere Schriftarten, wie Fraktur oder serifenlose Schrift, werden mit
~Tilden~ umgeben; eine Unterscheidung zwischen diesen Schrifttypen
erscheint aber für das Verständnis des Textes nicht notwendig.

  ##################################################################



                               ANZEIGER

                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                              Neue Folge.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                            [Illustration]

                           Dreizehnter Band.

                            Jahrgang 1866.

    /Nürnberg/, im Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des
                         germanischen Museums.



Redaction des Anzeigers:


/August Essenwein/, I. Vorstand des germanischen Museums.

/Georg Karl Frommann/, Dr. philos., II. Vorstand und Vorstand der
Bibliothek.

/August v. Eye/, Dr. philos., Vorstand der Kunst- und
Alterthumssammlung.



Beiträge

zu vorliegendem Bande haben geliefert:


    _Baader_, Jos., Conservator am k. Archiv in Nürnberg.

    _Barack_, K. A., Dr., fürstl. fürstenberg. Hofbibliothekar, in
    Donaueschingen.

    _Birlinger_, Anton, Dr., in München.

    _Bodemann_, Eduard, königl. Rath und Sekretär an der königl.
    öffentl. Bibliothek zu Hannover.

    _Erbstein_, A., Dr. jur., Conservator bei der Kunst- und
    Alterthumssammlung des german. Museums.

    _Erbstein_, J. R., Dr. jur., I. Sekretär des german. Museums.

    _Ettmüller_, Ludwig, Dr., Universitäts-Professor, in Zürich.

    _Flegler_, Alexander, Dr., Archivvorstand des german. Museums.

    _Födisch_, Jul. Ernest, Dr., gräfl. Czernin’scher Bibliothekar, zu
    Petersburg in Böhmen.

    _Förster_, Ernst, Dr., in München.

    _Franck_, J., k. Subrektor, in Annweiler.

    _Greiner_, Ulrich, _P._, in Graz.

    _Häser_, H., Dr., Professor an der Universität zu Breslau.

    _Heister_, Karl von, General, in Naumburg.

    _Hektor_, Enno, Sekretär an der Bibliothek des german. Museums.

    _His-Heusler_, Ed., Mitglied der Direktion der Kunstsammlung zu
    Basel.

    _Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst_, Fürst Friedrich Karl,
    Durchl., in Kupferzell.

    _Jahn_, Albert, Dr., eidgenöss. Bibliothekar, in Bern.

    _Janſsen_, L. J. F., Dr., Conservator am Alterthums-Museum in
    Leiden.

    _Kerler_, C. D., Dr., Universitätsbibliothekar, in Erlangen.

    _Klein_, Karl, Professor, in Mainz.

    _Latendorf_, Friedr., Dr., Gymnasiallehrer, in Schwerin.

    _Lexer_, Matthias, Dr., Universitäts-Professor, in Freiburg.

    _Liebenau_, H. v., Dr., in Lucern.

    _Lochner_, G. W. K., Dr., qu. k. Studienrektor u. Stadtarchivar, zu
    Nürnberg.

    _Platzer_, Leonh., k. Landrichter, zu Sulzbach.

    _Roth von Schreckenstein_, K. H. Freiherr, Dr., Vorstand des
    fürstl. fürstenb. Hauptarchivs in Donaueschingen.

    _Schlüter_, E., Dr., Obergerichtsrath a. D., zu Stade.

    _Schmieder_, Pius, _P._, Archivar, in Lambach in Oberösterreich.

    _Sighart_, Joachim, Dr., k. Lyceal-Professor, in Freising.

    _Sommer_, G., k. Bauinspektor, in Zeitz.

    _Toll_, Artilleriemajor a. D., in Coblenz.

    _Volger_, Dr., Direktor der Realschule des Johanneums in Lüneburg.

    _Walderndorff_, Hugo Graf v., auf Hauzenstein bei Regensburg.

    _Wattenbach_, W., Dr., Universitäts-Professor, in Heidelberg.

    _Weller_, Emil, in Nürnberg.

    _Will_, Cornelius, Dr., fürstl. Thurn- und Taxis’scher Archivar, in
    Regensburg.

    _Zingerle_, Ignaz Vincenz, Dr., Universitäts-Professor, in
    Innsbruck.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                      1866.    Nº 1.    Januar.



Wissenschaftliche Mittheilungen.

Der „fränkische Krieg“.

Mitgetheilt von /Jos. Baader/, kgl. Archivconservator, in Nürnberg.

Das Schloſs Absberg, 2 Stunden von Gunzenhausen entfernt, war einst
der Sitz der mächtigen und angesehenen Adelsfamilie von Absberg, die
schon im 10. Jahrhundert in den Urkunden genannt wird. Muth, Tapferkeit
und kriegerischer Unternehmungsgeist zeichnete alle Mitglieder dieses
Hauses aus; aber nicht immer nahmen sie es genau mit Mein und Dein, so
daſs Absberg schon in alter Zeit als Raubnest verrufen war.

Eine traurige Berühmtheit erlangte in dieser Beziehung namentlich Hanns
Thomas von Absberg, der Sohn des Ritters Hanns Georg von Absberg.
Es gab kaum eine Fehde, an der er sich nicht betheiligte. Als Hanns
von Geislingen und Götz von Berlichingen in den Jahren 1507 bis 1512
Nürnberg, Augsburg und andere Reichſstädte befehdeten, war Hanns Thomas
einer ihrer eifrigsten Helfershelfer. Er zeichnete sich besonders durch
seine Grausamkeit aus, indem er den gefangenen Städtern nicht selten
die Hände oder Finger abhieb. Im Jahre 1512 nahm er Anton Tetzel den
Jüngern und Anton Hornung, beide von Nürnberg, auf freier Landstraſse
gefangen. Wegen dieser landfriedenbrüchigen Handlung wurde er von
Kaiser Maximilian in die Acht gethan.

Später banden er und sein Vater mit den Grafen von Oettingen an.
In dieser Fehde -- es war im Jahre 1520 -- warb Hanns Thomas unter
andern gegen 50 gereisige Pferde. Mit diesen legte er sich in einen
Hinterhalt, um den Grafen Joachim von Oettingen niederzuwerfen. Dieser
befand sich nämlich auf dem Bundestage zu Augsburg. Im Heimreiten
wurde er nicht weit von Donauwörth von Hanns Thomas angerennt,
niedergeworfen, beraubt und auf den Tod verwundet, so daſs er kurz
hernach seinen Geist aufgab. Des Absbergers vorzüglichste Helfer bei
dieser That waren Cuntz von Rosenberg und Christoph Marschalk von
Pappenheim. Der Kaiser sprach Acht und Aberacht gegen sie aus, und
Georg Truchseſs zu Waldburg erhielt von ihm den Befehl, ihre Schlösser
Absberg, Enkering und Waldmannshofen wegzunehmen. Das geschah, und
Hanns Thomas glaubte, die über ihn verhängte Acht und die Wegnahme der
Schlösser sei das Werk des Schwäbischen Bundes und der Reichsstädte,
bevorab Nürnbergs. Er schwor, sich an ihnen zu rächen, und floh
dann nach Böhmen. Hier fand er bei seinen Standesgenossen die beste
Aufnahme und alle mögliche Unterstützung. Auch unter dem bambergischen
und markgräflichen Adel auf dem Gebirge und im Voigtlande hatte er
zahlreiche Freunde. Mit Hilfe derselben überfiel er die Angehörigen
der Grafen von Oettingen, des Schwäbischen Bundes und insbesondere
der Reichsstädte, die er auf die Burgen seiner Genossen schleppte und
um hohes Geld schatzte. Die Schlösser der Familien Aufseſs, Sparneck,
Gutenberg, Schott, Giech und vieler anderer standen ihm zu jeder Zeit
offen, wenn er sich von seinen Raubzügen in schneller Flucht zurückzog
und Gefangene mit sich schleppte. Manche Mitglieder dieser Familien
thaten ihm dabei Reitersdienste. Auch am Rhein und Main, und überhaupt
in ganz Franken hatte Hanns Thomas zahlreiche Anhänger und Helfer, von
denen wir hier nur die von Thüngen -- ein fehdelustiges Geschlecht
-- nennen wollen. Sein vorzüglichstes und ein gefürchtetes Werkzeug,
namentlich wenn es an’s Händeabhauen gieng, war sein Knecht Veit
Scharpf.

Hanns Thomas verschonte Niemand, selbst nicht des Kaisers Diener.
Nachdem er den Weigand von Thunhaim, einen Edelmann, Johann Lucas,
Verweser des Schatzmeisteramts, und den Sohn des Dr. Gregorius
Lamparter, als sie vom Reichstag zu Worms nach Augsburg reiten wollten,
am Knütlinger Steig niedergeworfen und mit sich fortgeschleppt hatte,
fieng, verwundete oder tödtete er im Jahre 1522 in der Gegend von Laber
und Dietfurt und zwischen Bayreuth und Pottenstein noch mehrere Bürger
von Augsburg, Nürnberg und St. Gallen. Mehreren derselben, unter Andern
auch dem Dr. Leupolt Jorian von Wien, schlug er die rechte Hand ab.
Einige dieser Hände schickte er an den Rath zu Nürnberg, mit dem Gruſs:
„Der Absberger habe noch ein Schwert, und an diesem müsse sich der Rath
die Zähne ausbeiſsen.“

Diese Thaten des Absbergers verbreiteten groſsen Schrecken unter den
Reichsstädten und bei ihren Bürgern und Kaufleuten. Um diesen Greueln
ein Ende zu machen, beschloſs der Schwäbische Bund im J. 1523, den
Grafen von Oettingen und den Reichsstädten Bundeshilfe zu leisten und
mit dem bündischen Kriegsvolke die Schlösser des Hanns Thomas und
seiner adelichen Helfershelfer zu brechen und unschädlich zu machen. Es
ist dieses der sogenannte „Fränkische Krieg“ dessen Beschreibung wir
hier nach einer gleichzeitigen Handschrift mittheilen:

/Hernachuolgt der Frannckisch krieg/ vnd welcher gestalt den
grauen von Oettingen bey haubtleuten vnd räten des Schwäbischen
bundts die hilff wider Hannsen Thoman von Abtsperg, seine helffer vnd
vnterschlaipffer erkannth, voltzogen, vnd was auff derhalben fürgenomen
heertzug gegen ain yeden derselben vehduerwannten, auch derselben
schlos vnd guetern gehanndelt vnd ausgericht ist:

Erstlich das den grauen von Oettingen alls bundsverwannten wider
Hannsen Thoman von Abtsperg, deſselben helffer, ennthalter,
vnferschlaipfer, etzer, trenncker vnd fürschieber, auch derselben
heuser vnd gueter nach vermög der bundtsainigung soll geholffen werden
mit der ainfachen vnd ganntzen hilff der bundtsstennde, nemlich mit
tausend pferden vnd zehentausend fuesknechten sambt einem notturfftigen
geschütz, zu prechung der schloſser vnd einem solchen heerzug tuglich,
wie dann derhalb ein anschlag vff alle bundtsstennde nach irer vnd
eins yeden stannds gepüraus zu vnterhaltung deſselben kriegsvolcks vnd
geschütz gerechent vnd gemacht ist.

Zu solcher bünttischen hilff vnd dem kriegsvolck haben ain erber
rate diser löblichen statt[A], alls in diser mutwilligen vehde für
annder bundsstennde hoch vergeweltigt vnd beschwert, den stennden des
Schwäbischen bundts vff ir pittlich ersuchen vnd derselben stennde
costen vnd schaden neben irem zeugmaister Matern Herder dargelihen
das geschütz sambt seiner zugehöre, nemlich 2 scharpfmetzen, die 70
[*Pfund], 2 quartaunen, die 40 [*Pfund], 2 nachtgallen, die 4 [*Pfund],
4 notschlangen, die 20 [*Pfund], 6 veltschlangen, die 8 [*Pfund],
6 halbschlangen, die 5 [*Pfund] eysen schieſsen, 60 hacken mit iren
pocken. Zu solchem geschütz sindt noch ettliche stuckhpüxen, alls
singerin und quartaunen von andern Bundtsstennden dargelihen vnd für
den Ottenwaldt gefürt worden.

Vnd zuvor ee man solche hilff mit der tat fürgenomen, haben die
bundtsrete alle diejenigen, so durch warhafft glaublich ansagen vnd
erfarung angetzaigt vnd Hannsen Thomans von Abtsperg vehde taylhaftig
gewest, zu der purgation vff den bundtstag, Jubilate zu Nordlingen
Anno 1523 gehalten, erfordert, die zum tayl erschienen sindt,
denselben gehorsamen ist ein artickel, darauf sy sich purgiren sollen,
fürgehalten wie hernach volgt:

Artickel des aydes der purgation: Ein yeder soll schweren, das er
Hannsen Thoman von Abtsberg, Cuntzen von Rosenberg, Cristoffen
Marschalch, derselben knechten vnd helffershelffern zu vnd in der vehd
oder entleibung, wider und an graue Joachim von Oettingen seligen
fürgenomen vnd beganngen, desgleichen wider die bundsstennde, ire
verwandten vnd vnterthanen mit erstechen, hendtabhauen vnd anderer
beschedigung vnd wege weder durch sich selbs, seine Diener oder
verwandten nit gefärlich, sunder allein der gestalt und mainung, wie
anheut durch ine angetzaigt ist, geraten, geholffen, gedient, behaust,
gehoft, geetzt, getrenckt, enthalten oder ainichen fürschub gethan
oder solchs alles samentlich oder sunderlich zu beschehen verschafft
oder gestattet habe. Zu dem ist ainem yeden nach gelegenhait seiner
verhandlung, damit er besagt, ein sundrer artickel fürgehalten, darvff
er sich hat purgiern müſsen.

Hernach uolgen die namen der vom adel, so sich mit dem aide gerainiget
haben: Herr Cunrat Schott vff Streitberg, Herr Zeisloff von Rosenberg,
Herr Martin von Wildenstain, Sigmund von Wirsberg, rittere, Nickel
Herdegen zum Kulm, Peter von Waldenrot, ambtman zu Pairreut, Albrecht
von Alatzhaim.

Item, welche auch erfordert, erschienen, sich gern purgiert hetten,
den es abgeschlagen: Jorg von Embs, pfleger zu Osternoe, Wilhalm von
Felberg, Philips von Perlichingen der elter, Wolff von Perlichingen,
sein bruder, Philips von Masbach daselbst, Lorentz von Plaſsenburg,
Cristoff von Sparneck, Wolff von Sparneck, Gatt von Sparneck, Sebastian
von Sparneck, Hector von Guttenberg, Achatz von Guttenberg, Philips von
Guttenberg [alle] zu Guttenberg, Wilhelm von Felberg, Panngratz von
Aufsess.

Item welche erfordert vnd nit erschynen sindt: Martin Sützel zu
Balbach, Hanns Jorg von Thüngen zum Reuſsenberg, Rued Sützel zu
Balbach, Franntz von Alatzhaim, Rued von Alatzhaim, Wolff von
Alatzhaim, Wolff Heinrich von Aufseſs zu Truppach, Jorg Wolff von Gich
zum Krügelstain, Hanns Jorg von Aschhausen.

Item so sind dise hernachbenanten vom adel allererst im antzug des
büntischen kriegsvolcks für die bundsräte, so dem heer stättigs in der
nehen nachgefolgt, zu der purgation erfordert, die sich auch purgirt
haben: Eustachius von Thüngen, Caspar von Thüngen, Jorg von Thüngen
[alle] vffm Reuſsenberg, Diether von Gemingen, Jorg vom Hirschhorn,
Weyrich von Gemingen, Hanns Dürrigel zum Rigelstain, Bernhart Goller,
Heintz von Lüchau zum Hartlas. Albrecht von Wirsberg hat geschriben, er
lige tötlich krannck. Sopald sein sach pesser werde, woll er für die
bundsrete komen und sich purgiren.

Auff solch der bundsräte erfordern derer, so sich purgiert vnd, wie
vorgemelt, Hannsen Thomans von Abtspergs vehd vnd pösen handlung
verwant vnd glaubhaftig angetzaigt gewest, sind dieselben vff den aide,
den yder mit erhaben fingern zu Gott vnd den heyligen schweren mueſsen
vnd geschworen haben, gefreyt vnd diser zeit v̈berzugs gesichert,
wiewol man es genntzlich darfür acht, das dieselben ire aide mit der
warhait vnd mit Gott nit haben thun mügen, sunder mer iren muetwillen
gepraucht, wie dann die anndern Hannsen Thomans vehduerwanten vom adel
an vil ortten offenlich gesagt vnd bekannt, das die, so sich mit dem
aide gerainiget, in diser vehd mer dann ander haben Hansen Thoman von
Abtsperg geraten, geholffen, vntergeschlaipft vnd sunst alle hilff
erzaigt, auch darauf von etlichen vom adl ires mainaids halb gescholten
sindt.

/Vom anzug des kriegsuolckhs vnd wer zu oberstem veldthaubtman vnd
kriegsräten gebraucht ist/: Nachmals vff volendung der purgation der
besagten Hansen Thomans von Abtsperg vehduerwanten ist das kriegsvolckh
zu roſs vnd fues, deſsgleichen auch das geschütz vnd desselben zugehöer
am montag den fünffzehenden tag des monats Juny Anno &c. 1523 zu
Dinkelspühel alles ankomen vnd vff Dinstag den sechzehenden Juny von
Dinkelspühel aus dem negsten gegen Poxberg[B] getzogen.

In solchem zuge ist von haubtleuten vnd räten des schwebischen bunds
zu einem obersten velthaubtman aufgeworffen vnd gebraucht Herr Jörg
Truchsäss zu Walburg vnd herr zu Wolfeckh &c., vnd zu einem haubtman
v̈ber den raisigen zeug Herr Rudolf von Ehingen, ritter, vnd v̈ber
das fuesfolckh zu haubtman Jacob von Wernau, ein edlman. Denselben
dreyen haubtleuten sind von den stennden des bunds noch vier kriegsräte
zugeordent, nemlich Herr Sebastian vom Losenstain, bairischer haubtman,
Burckhart Marschalck von Pappenhaim, Wolff Böhmer, Nürmbergischer
haubtman, vnd N. Dornsperger, burgermaister von V̈berlingen, also
das von wegen der churfürsten vnd fürsten des schwäbischen bunds
auff disem zug gewest ist Herr Sebastian vom Losenstain vnd Herr
Rudolf von Ehingen, ritter, von wegen der grauen vnd prelaten vnd
der ritterschafft Burckhart Marschalck von Pappenhaim vnd Jacob von
Wernau, vnd dann von wegen der stett Wolff Böhmer vnd N. Dornsperger
von V̈berlingen, alle obgenannt. Dieselben haben neben Herr Jorgen
Truchsassen alls obersten veldthaubtman vermög irer instruction alle
Handlung dises kriegs ausrichten sollen.

/Instruction von gemainer versamlung des bunds/, neben andern
meinem gnedigen herrn, herrn Jörgen Truchsässen, freyherrn zu Walburg,
alls oberstem veldthaubtmans in dem öttingischen zug gegeben, für wene
er ziehen vnd wie er sich mit den schloſsen vnd heusern, so er die
erobert, vnd iren zugehörigen guetern vnd sunst halten soll: Item es
soll von ime zum ersten für Boxberg gezogen vnd daſselb schloss, so es
gewunen vnd erobert wurd, verprennt zerriſsen vnd eingeebent, vnd die
gueter zu gemeins bunds handen genomen werden.

Item er soll Wilhalmen von Felbergs tayl erfordern, souil er im
Velberg[C] hat, vnd, so ime die von Felberg, gebrüder vnd vettern, nit
aufthun vnd ine zu angezaigtem teyl laſsen wolten, sich alsdann für
Velberg schlahen vnd legern vnd vntersteen, daſselbig schloſs Velberg
zuerobern, vnd so das beschicht, domit wie mit Poxberg handln. So aber
die von Felberg ime aufthuen vnd Wilhalms tayl einantworten, so soll
gemelter tayl allein ausgebrennt, abgeprochen vnd zerriſsen, vnd den
andern Felbergern iren tayl zuretten vergunt, zudem sollen auch alle
güter, Wilhalmen von Felberg zugehörig, wo er die hat, ein vnd zu des
bunds handen genomen werden.

Item er soll Cuntzen von Rosenberg seine schloſser vnd heuser, nemlich
Gnetza, Waltmanshouen vnd Vttenhouen[D] alle drey vnd yedes innsonnder
verprennen vnd in grundt zerreiſsen vnd die zugehörigen Dörffer,
flecken vnd gueter in gemains bunds pflichten vnd hannden einnemen,
vnd sunderlich Waltmanshouen den flecken vmb die vngehorsam, ime dem
obersten veldthaubtman erzaiget, plündern vnd pranntschatzen.

Item er soll den Abtsperg auch ausprennen vnd zu grundt zerreiſsen vnd
sein zugehörende güter wie anndere zu gemains bunds hannden vnd pflicht
einnemen.

Item das schloſs Aschhausen,[E] Jorgen von Aschhausen zugehörig,
erobern vnd alsdann daſselb wie die andern verprennen vnd abthun,
vnd seine zugehorende Dörffer vnd güter in gemains bunds hannden vnd
pflicht nemen.

Item dergleichen mit dem schloſs Damersheim[F] handln, aber die gueter
doselbst den kinden eingeben.

Item er soll auch Rueden Sützel seinen tayl an Balbach[G] ausbrennen
vnd gar zerschlaipfen, vnd seine gueter, wie oblaut, in gemains bunds
handen einnemen.

Item vnd in gleichem fall mit Franntz Rüden tayl an Wachbach[H]
hanndln.

Item yemandts verordnen, Emkering,[I] das Herr Asmus von Abtsperg ist,
mitsambt seiner zugehörigen oberkeit, alls zollen, forst vnd glait &c.,
in des bunds hannden und namen einzunemen, das einkomen aigentlich
zuerkundigen vnd darüber einen ambtman zusetzen, vnd der frauen iren
widem allain dauon verfolgen zulassen.

Item er soll denen von Pappenhaim vnd innhaber Pappenheim schreiben
vnd sy dohin vermögen, gemainem bundt Cristoff Marschalcks tayl an
Pappenhaim vnd was ime sunst für gülten doselbst zustee, einzuantworten
vnd sich zuuerschreiben, dem bundt domit zugewarten vnd öffnung
deſselben tails zugeben vnd Cristoffen Marschalck nimer einzulaſsen,
vnd so sy das thun, domit genügig zusein. Wo aber die Marschalck sich
dess widersetzten, so soll für Pappenheim getzogen vnd dagegen wie
gegen andern schloſsen gehandlt werden.

Zu dem, wie verlaut, die von Dietfurt[J] vmb ires zusehens willen vnd
das sy gestatt vnd gar nichts dartzu gethan haben, das der bündischen
verwandten bey inen erbarmlich vnd vnrechtlich erstochen vnd entleibt
worden sind, zuplündern vnd zuprantschatzen.

Item vnd nachdem für den Reuſsenberg[K] zuziehen, denselben zuerobern
vnd domit, auch seinen zugehörigen Dörffern vnd guetern fürzugeen vnd
zuhandln verlaſsen, ist doch nachmals vff das anbringen, meins gnedigen
Herrn von Würtzburgs halben beschehen, beratschlaget, sodern die von
Thüngen, die vorausganngen citation nit wollen wiſsen haben, nochmals
erscheinen, so wolle gemaine versamblung ir verantworttung hören vnd
vernemen vnd furter darin ir gelegenhait hanndln, vnd so sy, die
von Thüngen, zu der purgation gelassen werden, dasselb dem obersten
veldthaubtman sambt gemainer versamblung anzaigen. So sy aber nit
erscheinen vnd dem obersten veldthaubtman nichts zuwiſsen gethan wurde,
so soll sich der oberst veldthaubtman auch darfür ziehen, vnd so er
dene erobert, dem Reussenberg wie andern schloſsen mit verprennen vnd
zerreiſsen, auch einnemung seiner zugehörigen güter thun vnd sich daran
nichts verhindern laſsen.

Gebirge[L]: Item angetzaigter oberster veldthaubtman soll Hector,
Achatzen vnd Philipsen von Guttenberg ire schlosser, Alt- vnd
Neuguttenberg, einnemen, die verprennen vnd zu grunde zerreiſsen vnd
abthun, vnd ir zugehorende güter in gemains bunds handen ziehen, doch
des jungen Jorgen tayl vnd güter souil möglich verschonen.

Item vnd dergestalt gegen Kottnau dem schloſs, denen von Guttenberg
zugehörig, zuhandln.

Item er soll auch Wolff Hainrichen von Aufsess zu Truppach v̈berziehen,
sein schloſs einnemen vnd mit demselben vnd seinen zugehörigen gütern
gleich wie mit Alt- vnd Neuguttenberg handlen, das verprennen vnd
abthun vnd die zugehorende güter in des bunds handen vnd pflichten
nemen.

Item dergleichen gegen Jorg Wolf von Gich zum Krügelstain, seinem
schloſs vnd seinen gütern zuhandln.

Item vnd nit minder gegen Waltstain, Oprod, Gattendorff, Sparneck vnd
Weisdorff den schloſsen, denen von Sparneck zugehorig, fürnemen, die
alle erreiſsen, verprennen vnd gar abwegk thun vnd ir zugehorende
gueter in gemains bunds handen ziehen vnd verpflichten.

Item auch gegen Perlshaim[M], Jorgen von Embs zugehorig, obgemelter mas
vnd gestalt handln.

Item nach Sebastian von Gich vnd Wolffen von Streitberg, die Hannsen
Thoman von Abtsperg hilfflich gewest sein, sollen im zug von dem
obersten veldthaubtman gefragt vnd [wann] sy erfarn, sollen dieselben
zwen von ime dem obersten veldthaubtmann vnd den kriegsräten zu der
purgation erfordert vnd gegen inen vnd iren gütern nach begegneten
Dingen gehanndelt werden.

Item wiewol von gemainer bundsuersamlung Pangratz von Aufses zum
Freyenfels nit zu der Purgation gelaſsen ist, doch aus vrsach
vnd svnderlich vff meins gnedigen herrn von Bamberg fürbitt, von
seinendwegen beschehen, zugelaſsen, so sich derselb Pangratz für sich
vnd sein erben gegen gemainen bundsstenden notturfftiglich verschreibt,
das er Hans Thomans von Abtspergs vehd aus vnd alslang die weret,
denselben Hans Thoman, Cristoffen Marschalken, ire anhenger vnd hellfer
vnd ander des bunds widerwerttige wiſsentlich nit enthalten, hausen,
hofen, etzen, trencken noch fürschieben, auch die zeitlanng für sich
selbs mit der tat wider die bundsstennde sament oder sunderlich nit
sein noch thun wöll, soll er von gemainen bundsstenden v̈berzugs vnd
beschedigung vertragen vnd gesichert sein.

Aber die nachgemelten sollen, so man im antzug ist, für die versamblung
des bunds zu der purgation erfordert [werden], vnd wo sy sich nit
purgiren oder so sy zu der purgation nit gelaſsen, so soll gegen iren
schloſsern vnd gütern wie gegen andern gehandlt werden:

Item alle Inhaber des schloſs Thüngen, item Diettrich von Gemmingen zu
Guttenberg, Vlrich von Gemmingen zu Michelfeldt, Bernhart Goller, Jorg
vom Hirschhorn, Bastian von Helmstat zu Eſsclingen, Hanns Dürrigel zum
Rigelstain, Albrecht von Wirsberg zu Selbitz.

Item der oberst veldthaubtman soll die innhaber zum Strit[N] erfragen
laſsen vnd die darnach dem bundt antzaigen. Die sollen alsdann auch
citirt vnd erfordert werden. Dann man wais nit, ob es Heintzen von
Lüchau zugehört oder nit.

(Fortsetzung folgt.)


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Nürnberg.]

[Fußnote B: Einige Stunden von Mergentheim entfernt und den von
Rosenberg zugehörig.]

[Fußnote C: Einige Stunden von Bocksberg entfernt und zum Rittercanton
Odenwald gehörig.]

[Fußnote D: Alle in der Gegend von Uffenheim und Aub gelegen und zum
Ritterort Odenwald gehörig.]

[Fußnote E: Ebenfalls in Franken und im Ritterort Odenwald gelegen.]

[Fußnote F: Tagmersheim bei Monheim.]

[Fußnote G: Nicht weit von Mergentheim.]

[Fußnote H: Bei Mergentheim.]

[Fußnote I: Bei Kipfenberg.]

[Fußnote J: An der Altmühl. Hier wurde dem Dr. Jorian von Wien die Hand
abgehauen und sein Fuhrmann sowie der augsburgische Bote, Namens Jorg
Santwerfer, erstochen, ohne daſs die von Dietfurt den Thätern Einhalt
thaten oder nacheilten.]

[Fußnote K: Den von Thüngen im Ritterort Rhön-Werra zuständig.]

[Fußnote L: Unter dieser Bezeichnung versteht man einen Theil der
nachmaligen Markgrafschaft Brandenburg-Culmbach und des bischöflich
bambergischen Gebietes. Die nachstehenden Orte gehören zum Gebirge; die
meisten liegen im Fichtelgebirge.]

[Fußnote M: Beroldsheim an der Altmühl.]

[Fußnote N: Streit (?), 3 Stunden von Bayreuth.]



Hanns Schneider’s Spruch von 1492.

Von Rektor Dr. /Lochner/, Stadtarchivar, zu Nürnberg.


Zu den schon bekannten gedruckten Sprüchen Hanns Schneider’s: einem auf
die Einnahme von Hohenkräen, einem zweiten auf den weitern im Auftrag
des Kaisers übernommenen Zug gegen die Raubschlösser, beide aus 1512
und beide in echt vaterländischem Geiste gegen die innere Uneinigkeit
der Stände und den räuberischen Adel gerichtet -- der zweite besonders
in seinen ersten Zeilen ein Zeugniſs, daſs Kaiser Maximilian für die
Worte seines „Dichters und Sprechers“ zugänglich war, -- dann dem von
Erbauung der Stadt Annaberg in Schöttgen und Kreysig’s dipl. Nachlese
der Historie von Ober-Sachsen, XI, 77; ferner dem vom Ungehorsam der
Venediger (in Hormayr’s Taschenb. 1833, 263 u. bei Soltau, 203), und
einem nicht politischen, sondern bürgerlich-satirischen (in Keller’s
altdeutsch. Erzähl. 138), -- können wir einen, der vielleicht des
damaligen römischen Königs Augenmerk zuerst auf ihn richtete und ihm
die königliche Gunst zuwendete, hinzufügen. Er ist veranlaſst durch
das im Mai 1492 auf dem Lechfeld bei Augsburg unter dem Oberbefehl
Markgraf Friedrich’s von Brandenburg zusammengezogene stattliche
Reichsherr, welches die Aufgebung Regensburgs von Herzog Albrecht
von Bayern nöthigenfalls erzwingen sollte. Glücklicherweise kam es
nicht zu diesem Aeuſsersten; Albrecht entsagte seinen Ansprüchen
auf die Stadt die sich ihm übrigens freiwillig ergeben hatte, und
das Heer gieng, ehe es zum Kampfe kam, auseinander. Nachdem nun der
Dichter diesen Anlaſs im Allgemeinen berührt und seine Freude, daſs
Regensburg dem Reiche wiedergegeben sei, ausgesprochen hat, ergeht
er sich in echt patriotischen Ergüssen für den gerade damals von
Frankreich schwergekränkten römischen König Maximilian, dem die
bereits per Procura angetraute Fürstin Anna von Bretagne König Karl
VIII. von Frankreich mit Gewalt entrissen und seine dem französischen
König schon verlobte Tochter Margaretha schmählich wiedergeschickt
hatte. Er fordert ihn auf, diese Verachtung zu rächen, die Kurfürsten,
die andern Fürsten und den Adel, dann die Kriegsleute aufzubieten,
die Priesterschaft Segen und Glück für seine Waffen erflehen zu
lassen, und dann das Heer in zwei Theile zu theilen, mit dem einen
gegen Frankreich, mit dem andern gegen die Türken zu ziehen. Aus dem
Ganzen spricht ein treues und tüchtiges, für das nur durch Einheit zu
erreichende Wohl des Vaterlandes warm fühlendes und über die innere
Zerrissenheit, wie über die von auſsen angethane Schmach entrüstetes
Gemüth. Es läſst sich leicht denken, daſs König Max von dieser
Gesinnung sich wohlthuend angesprochen fühlte und dem Dichter den Titel
verlieh, unter dem er in Nürnberg erwähnt wird, nämlich „Königlicher
Majestät Sprecher“. Die nachfolgende Abschrift ist aus dem in Will.
Nor. Bibl. befindlichen Foliobande I, 425 genommen und mit allen,
auch handgreiflichen Irrthümern buchstäblich getreu wiedergegeben.
Ueber den Anlaſs sehe man Gemeiner’s Regensburger Chronik und auſser
den Handbüchern deutscher Reichsgeschichte besonders bayerische
Specialgeschichten nach.


    _Von dem kaiserlichen Heer so sich im 1492 jarn von Regenspurg
    wegen auf dem Lechveldt gesamelt hatt._

    Man spricht mir offt vmb dichten zu
    Ich soll mich brauchen spat vnnd fru
    Das ich die newen leuff betracht
    Ich pesorg Ich wurdt darumb veracht
    Dan niemandt will für gutt mer han        5
    Die straff die man hatt ettwan than
    Vor zeitten dorsten thorolt straffen
    Wo trew vnnd warheyt wolt entschlaffen
    Vnnd wen die heupter mail entpfiengen
    Das sy die rechten  straſs nit giengen        10
    So schneit man Inndj tischtuch ab
    Das mindert ein der eeren hab
    Soll man yetz solich zipffel schneiden
    So must sich menges tischtuch leiden
    Doch will yeder der beſser sein        15
    Darumb wirff Ich ein annders drein
    Darmit das ich verdin kein haſs
    Ir weisen Herrnn merkent baſs
    Da man hatt zweiundneuntzig zalt
    Da hetz ein wunderliche gestalt        20
    Der adel denn man pillich ert
    Der nett sich allenthalben entpert
    Vnnd zugent zu  mit heres krafft
    Fürsten Herrn vnnd die ritterschafft
    Geistlich vnnd weltlich die da hetten        25
    Ein schonen zeug vnnd die von stetten
    Die kamen starck mit roſs vnd Leuten
    Ich gedacht mir was wil das bedeuten
    Es fuget sich an eim  morgen fru
    Da zugens all dem Lechfelt zu        30
    Vnnd Marggraff Fridrich hochgeborn
    Denn hett der keyser auserkorn
    Zum obersten haubtmann Inn dem feldt
    Da sach man menge schone zeldt
    Vnnd hubschen zeug mang stolczen man        35
    Der Marggraff furt des kaysers fan
    vnnd ruckt dem payerlandt vil zu nech
    In kurtzen tagen vber lech
    Da lag das Heer ein ziemlich weil
    vonn Landsperg lecht ein halbe meil        40
    Des must verderben menger man
    Der nie kein schuld an Sachen gewan
    Ich fragt ein weisen wolbedacht
    wer solchen zeug hatt zamenbracht
    Der sprach mein Hanns du waist doch wol        45
    Das ein Romischer Kayser sol
    Des heiligen reychs ein merer sein
    Deſs hatt man Im genumen ein
    Regenspurg war vom reich gefallen
    Die preist man vor denn stetten allen        50
    Die hand begangen spott vnnd schand
    Hertzog Albrecht auſs peierland
    Dem hand sie sich fur eigen geben
    Vnnd wolten wider die ordnung streben
    wie Kayser Karl ordnetz reich        55
    Das hatt ytz Kayser Fridereich
    Durch die vrsach vnnd annder mer
    Ein solchen zeug gesendet her
    vnnd sicht denn handel auch darbey
    Wer korsam oder vnkorsam sey        60
    vnnd was die cristenheyt anfecht
    weſs er sich doch vertrosten mocht
    Doch hatt das Herr durch vrsach ru
    Ich sprach was thut der Kunig darzu
    Er sprach der Kunig ist hart bekummert        65
    Dann sein anschlag sein zertrummert
    Was er Inn Franckreich spottes dult
    Das geschicht Im doch on all sein schult
    Die Im hilff beistand solten thon
    Die hand selbs weder frid noch son        70
    Do wir so sagen vonn dem ding
    Inn dem so kumbt der Romisch Kunig
    vnnd hett vom Kayser gewaltes acht
    Was er Im Handel pschluſs vnnd macht
    Das er darbey beleiben solt        75
    Deſs was Im menge peirin holt
    Das sie dem volck Inn kurtzen recken
    Nit dorfften mer Ir narung strecken
    vnnd etlich lecht Inn Schwaben auch
    Jedoch gab man dem handel nach        80
    Das Her prach auff zog wider hein
    Vnnd nam der Kunig Landsperg ein
    Wems darnach wird ist mir nit kund
    Das reich die fursten vnnd der pund
    Die zoegen heim doch ettlich nicht        85
    Die auſs des kaysers geschefft vnnd pflicht
    Geschick wurden einzunemen
    Regenspurg die sich pillich schemen
    Das sie vonn reich gefallen warn
    Onn alle not bei gutten Jaren        90
    Nun sind sie widerumb darbey
    Des sei gott gelobet der Kayser frey
    Das er lat sagen was man wil
    Doch gefaltſsm nicht so mischt ers spil
    Vnnd gibt denn Landen annder kartten        95
    Thett wir nach rechter ordnung wartten
    was vnns der Kayser schuff vnnd hieſs
    Das wir das theten on verdriſs
    vnnd hielten  cristenliche gesatz
    So wer wir vor der Turcken tratz        100
    Die vnns dem glauben vast zusetzen
    vnnd menig cristennmensch letzen
    Die on das leiden theur vnnd Hunger
    Das schreibt vnns yetz der Kunig von Vngern
    Dem Romischen Kunig vmb hilff vnd rath        105
    Es hab gethan noch nie als not
    Der Turck sei Im der ganntz zumechtig
    das wer vnns pillich bas betrechtig
    dann das wir selbs einander pstritten
    vnnd volck vmpringen cristen leuten        110
    Als itz die kuniglich Maiestat
    Inn teutschen Landen furkummen hat
    Inn peyern Lannd vnnd Inn Schwaben
    Es ist nit recht das solt Ir glauben
    Dann peid teil sollen pillich bitten        115
    das sollich auffrur wer vermitten
    Seit vnns doch gott allein nit heur
    Gesenndet hat ein groſse teur
    die schwarlich hatt geweret lang
    darum leut reich vnnd arm trang        120
    Gott wol sie alles leides ergetzen
    vnd das wir treulich zamen setzen
    Keiser kunig fursten vnnd Herrn
    vnnd das wir vnnsern glauben meren
    Dann es hatt nie so not gethon        125
    Des biſs gemant du kuniglich kron
    Maximilian du trewer helt
    Got hat dich auserwelt
    Das du solt sein ein auffenthalt
    der cristenschar mit dem gewalt        130
    Wiewol du verachtet pist
    Das wil dir gott zu rechter frist
    Sein hilff vnnd gnad vonn himel sennden
    das du die Sachen magst volenden
    daran der welt ligt schwer vnd kumer        135
    das hofft meng hertz auff disen sumer
    Gott will dir selb thun hilff bekandt
    das du der groſsen schmach vnnd schand
    die dir Inn franckreich bescheen sind
    An deinem weib vnd deinem kind        140
    das du pald thust widergelt
    das rueff vnnd schreib Inn all die welt
    Voraus den Fursten hochgeboren
    die dem heiligen reich hant geschworen
    vnnd glieder seind des heiligen reichs        145
    dieselben mon vnd mut ein gleichs
    da wirstu horen oder nicht
    wer dir mit treuen ist verpflicht
    vnnd wer dir hilff versagen thut
    der furt Im schilt die kur nit gut             150
    vnnd gwint sein eer ein groſsen tadel
    darnach so man dann allen adel
    Fursten Grauen Ritter vnnd knecht
    Ob man dir zuhilff komen  mocht
    Ob man darmit das vbel geschweigt             155
    Si sind auch selb darauff genaigt
    das sie Ir err gut gleich
    Setzen zum haus vonn osterreich
    Die schmach thut in Im hertzen wee
    Darnach so man aber mee             160
    die  frumen knecht die ye vnd ye
    der kuniglichen Maiestat mit groſser mye
    Gedint han vil menig Jar
    Wann du zusamen bringst solche schar
    So man dann alle pristerschafft             165
    vnnd pitt auch selbs vmb gottes krafft
    Das er vns gluck vnnd hail wol geben
    So schickt sich vnnser krigen eben
    Als Josue der gott selbs bat
    Das sich die sunn nit schub von stat             170
    Biſs er denn feinden angesigt
    Wann dein volck solcher witze pflicht
    So schickt Inn namen gotz zusamen
    In Maria vnnd Sant Gorgen namen
    Vnnd mach zwen hauffen aus deim her             175
    den ein schick mit streittes wer
    Hin in die Engen Turcken clug
    da finstu frumer cristen gnug
    die solich rays dir helffen enden
    Denn andern tayl soltu senden             180
    Inn Franckreich ann den vbeltheter
    Man all dis welt Ir keiner verstetter
    Vnnd gib dem handel vor austrag
    wer itz Inn diesem landen hab clag
    Richt denn vor das es hab bestand
    So mag dir werden hilff bekand             185
    Dann Hertzog Christoff hochgeborn
    vnnd hertzog Wolffgang auserkorn
    Sy hond dir offt groſs beistand gethon
    Sy soltu nit In nöten lon             190
    Das wird der kuniglichen wirdigkeyt
    Ein eer wa mans Inn landen seit
    Gott woll das alle Sache vnnd die
    Werd hingelegt on alle mie
    vnnd niemand mer trag neid noch haſs             195
    So gieng es aller welt des baſs
    vnnd mocht der armen werden rath
    Als Hanns Schneider gesprochen hat.

/Anm./ 7. _dorsten_, wagten, durften. -- _thorolt_, die Herolde.
-- 9. _mail_, Makel. Und wenn die Häupter sich eines Makels schuldig
machten. -- 11. Bekannte Strafe dessen, der sich einen Makel an seiner
Ehre zugezogen hatte. Graf Eberhard der Greiner strafte so seinen Sohn,
den Grafen Ulrich. -- 18. Statt _baſs_ vielleicht zu lesen _daſs_.
-- 22. _entpert_, empört. -- 31. Markgraf Friedrich von Brandenburg,
Markgrafen Albrecht’s Sohn. -- 40. _lecht_, leicht, vielleicht, etwa.
Ebenso auch 79. -- 55. Kaiser Karl IV., insofern er die goldne Bulle
gab. -- 56. _Das_, verstehe _des_, darum, deshalb; wie unten 132. --
59. „und sieht bei dem Handel auch“ etc. -- 63. Statt _Herr_ ist zu
lesen _Heer_. -- 67. Entziehung der bereits per procura ihm angetrauten
Anna von Bretagne und Zurücksendung der dem König Karl VII. verlobten
Margaretha, Maximilian’s Tochter. -- 70. _Son_, Sühne, Versöhnung; die
innern Zwiste der deutschen Fürsten unter sich. -- 75. Statt _er_ ist
zu lesen _es_. -- 76. _peirin_, nicht Bäuerin, sondern Bayerin, wie
nachher (79.) von Schwaben geredet wird. -- 77. „das Volk in kurzen
Röcken“, die Kriegsleute. -- 79. _lecht_, leicht, vielleicht, etwa;
wie oben 40. -- 87. _Geschick_, geschickt. -- 88. Constructio per
synesin. -- 96. _wartten_, beachten, befolgen. -- 100. _Tratz_, Trotz;
-- vor sein (einem Dinge), entgegentreten, hindern. -- 101. _vast_,
sehr, stark. -- 102. _letzen_, Schaden zufügen, verletzen. -- 103.
_theur_, _die theure_, Theurung; so auch 118. -- 107. „Der Türke sei
ihm der ganz (gar) zu mächtige“. -- 108. _bas betrechtig_, besser
betrachtenswerth, besser zu bedenken. -- 109. _pstritten_, bestritten,
bekämpften. -- 112. _fürkommen_, zuvorgekommen, verhindert. -- 117.
_allein nit_, nicht allein, nicht nur. -- 119. _schwarlich_, schwer,
beschwerlich, zur Beschwerde. -- 120. „und bedrängte arme und reiche
Leute“. -- 126. _des biſs_, des (dessen, daran) sei. -- 127. Statt
_trewer_ möchte man lesen _tewrer_. -- 129. Aufenthalt, Stütze, Schutz;
(_der cristenheit zu auffenthalt_, im Antrag der ungarischen Botschaft
zu Nürnberg am 31. Oct. 1522, Türkenhilfe betreffend). -- 131. Es
scheint _sehr_ zu fehlen. -- 132. Statt _das_ verstehe _des_ (deshalb,
dazu), wie oben 56. -- 135. _Schwer_, Last, Beschwerde. -- 140. Dieser
Beleidigung erwähnt auch Celtis in der Eleg. IX. amorum II: Perfida
non nostras rapuit tunc Gallia sponsas, Contemnens natam, Maxmiliane,
tuam. -- 141. _Widergelt_, Vergeltung. -- 143. Die Kurfürsten. -- 146.
„Dieselben mahne und muthe ein Gleiches.“ -- 152. den gesammten Adel.
-- 153. Ritter und Knechte, d. h. Adelige mit und ohne Ritterwürde. --
157. Wol für _er_ (_eer_, Ehre, 192.) _und gut_? -- 160. _mee_, mehr,
ferner. -- 161. _die frumen knecht_ können doch nur die Landsknechte
sein. Daſs aber K. Max ihnen nicht eben gewogen war, ist bekannt. --
162. _mye_, ebenso wie 194. _mie_, Mühe. -- 172. _Witze_, Klugheit.
-- _pflicht_, pflegt, übt. -- 177. _in die Engen Turcken?_ -- 182.
„Mahne alle diese Welt (Leute), keiner von ihnen tritt dir hindernd
in den Weg,“ -- oder besser noch: geht dir (weigernd) aus dem Weg,
tritt zurück. -- 185. _vor_, vorher. -- 193. „daſs jede Sache und auch
diese“. -- 194. _hingelegt_, beigelegt. -- 196. _des baſs_, desto
besser. -- 197. _der armen_, der armen Leute, der Bauern.



Ein Teppich mit Darstellungen aus der Geschichte Tristans and Isoldens.

Von Dr. A. /von Eye/.

(Hiezu eine Beilage.)


Dem Scharfblicke des auf dem Gebiete der praktischen Alterthumskunde
rühmlichst bekannten Historienmalers, Prof. G. Eberlein zu Nürnberg
ist es gelungen, aus verstecktem Winkel im Dome zu Erfurt ein
merkwürdiges Denkmal der Mitte des 14. Jahrhunderts an das Licht zu
ziehen: einen gestickten Teppich mit Darstellungen aus der Sagenreihe
von Tristan und Isolde, der um so mehr veröffentlicht zu werden
verdient, als der Gegenstand in jüngster Zeit wieder von mehr als einer
Seite in das weitere Interesse gezogen ist.

Der Teppich besteht aus Leinwand, die den neueren Leistungen gegenüber
zwar nicht als sehr fein, aber als auſserordentlich gleichmäſsig
gesponnen und gewebt erscheint. Die Stickerei ist mit Wolle in Art
eines kurzen, von oben nach unten laufenden Plattstichs ausgeführt.
An den zahlreichen Stellen, wo jene zerstört, sieht man, wie vor
Ausführung der Arbeit die Zeichnung mit kräftigen schwarzen Strichen
auf die Leinwand gebracht wurde und zwar von so geübter Hand, daſs
die Nadel, obwohl mit Geschick geführt, dem Schwung der Linien nicht
überall hat folgen können. So weit der dehnbare Stoff eine genaue
Messung zuläſst, hält derselbe nach altem Pariser Maſs 12′ 4″ in der
Länge und 2′ 6″ in der Breite.

Die Anordnung der bildlichen Darstellungen ist in der Weise getroffen,
daſs die einzelnen Scenen -- sechsundzwanzig an der Zahl -- je durch
Säulen und mehrfach gebrochene Rundbogen geschieden sind, so daſs sie
gewissermaſsen aus den Durchsichten eines romanischen Bogenganges
hervortreten. Die ganze Reihenfolge ist aber in zwei gleiche Hälften
getheilt und nach den beiden Langseiten des Teppichs so übereinander
gestellt, daſs die Köpfe gegenseitig zugekehrt sind, so daſs, wenn
wir uns den Teppich als Tischgedeck denken -- was ohne Zweifel seine
ursprüngliche Bestimmung war -- jeder der Gäste die auf ihn fallenden
Bilder in richtiger Lage vor sich hatte. Die in der Mitte, auſserhalb
der Rundbogen entstehenden Zwischenräume sind durch Halbfiguren
bekleideter Engel ausgefüllt, welche, auf gezinnte Vorsprünge
gestellt, ebenfalls die Köpfe einander zuwenden. Das Ganze ist von
einer erklärenden Schriftreihe umgeben, deren Buchstaben indeſs zu
groſs angelegt sind, als daſs jede Abtheilung den ihr zugehörigen
Text aufzunehmen vermocht hätte. Deshalb sind auch nicht alle Bilder
erwähnt; von den genannten ist die Erklärung so kurz angegeben,
daſs ersichtlich bei dem Beschauer eine hinreichende Bekanntschaft
mit der Erzählung vorausgesetzt wurde. Um die Schrift läuft noch,
füllend und abschlieſsend, ein Arabeskenkranz, in welchem, abwechselnd
mit symmetrischen Laubverzierungen, die gebrochenen Rundbogen sich
wiederholen und unter denselben geflügelte, abenteuerliche Gestalten,
die, den oben erwähnten Engeln einigermaſsen entsprechend, an Gestalt
sich gleich bleiben, aber in der Bekleidung und Haltung von einander
abweichen.

Jede Scene ist aus zwei oder mehreren Figuren vor landschaftlichem
Hintergrunde zusammengesetzt. Die Einzelnheiten des letzteren sind aber
fast nur noch aus der zu Grunde liegenden Zeichnung zu erkennen; Luft
und Boden, von welchen die erstere leichte Angaben von Wolken, der
zweite von Berg und Thal enthält, sind so regelmäſsig von Stickerei
entblöſst, daſs gezweifelt werden muſs, ob sie überhaupt jemals
ausgefüllt waren. Einzelne conventionell gehaltene Bäume und Blätter
machen eine Ausnahme.

Was den Ursprung des Teppichs betrifft, so weisen die Inschriften
unzweifelhaft auf Niederdeutschland. Da dieselben, wie bemerkt, in
ihrem Verlaufe die einzelnen Darstellungen nicht decken, auch nur sehr
nothdürftig erklären, geben wir sie hier im Zusammenhange: /hie/.
/hebit/. /sich/. /dye/. /materie/. /vom/. /tristram/. /vnde/. /von/.
/der/. /schon/. /ysalden/. /he/. /ersleit/. /he/. /den/. /worm/.
/hie/. /brengit/. /der/. /rote/. /ritter/. /daz/. /hobt/. /vor/.
/den/. /kong/. /hi/. /vint/. /yzalde/. /tristām/. /in/. /dem/. /rore/.
/hi/. /wist/. /tristār/. /die/. /sungē/. /dem/. /Konge/. /hi/. /vurt/.
/t’rstram/. /die/. /schon/. /ysalden/. /mitem/. /heym/. zcu. lande.
/hi/. /rit/. /tristram/. /von/. /houe/. /hi/. /kumt/. /yzalde/. /zu/.
/tristrā/. /in/. /den/. /gartē./ -- Zweifelhaft bleiben in dieser
Schrift die Worte: /vurt/... mitem /heym/, welche, da sie dem Orte
nach auf die Ankunft des liebenden Paares beim Könige sich beziehen,
mehr nach dem Sinn, als nach den Buchstaben gelesen worden. Vielleicht
verursachte diese Unklarheit ein Schreibfehler des Zeichners, der sich
auch sonst einige Male, sowohl in der Schrift, wie in den Bildern
geirrt hat und gewöhnlich durch die stickende Hand verbessert worden
ist.

Daſs den bildlichen Darstellungen die Bearbeitung der Sage durch
Gottfried von Straſsburg nicht zu Grunde liege, beweiset sogleich die
erste derselben. Ob dieses mit dem älteren Gedichte des Eilhard von
Oberge der Fall, ist aus den erhaltenen Bruchstücken desselben nicht
zu ersehen. Am meisten, doch auch nicht völlig, stimmt die Bilderreihe
mit der Erzählung des alten Volksbuches überein, wie dasselbe durch
Simrock seine letzte Bearbeitung erfahren. Möglich, daſs die im Munde
des Volkes fortgepflanzte Geschichte eine mehrfache Ausbildung erlitt,
und daſs eine derselben dem Verfertiger unseres Teppichs, wenn er die
übrigen Bearbeitungen kannte, doch vorzugsweise behagte. Jedenfalls ist
die abweichende Auffassung der Sage auf dem Gebiete der bildenden Kunst
auch für die Literaturgeschichte nicht ohne Interesse.

Wir sehen zunächst den König Marke und seinen Neffen Tristan, auf
einer jener nachenförmigen Ruhebänke, wie sie bereits auf Siegeln und
Miniaturen des 12. Jahrhunderts vorkommen, im Gespräch begriffen,
einander gegenübersitzend; oben die Schwalbe mit dem langen Frauenhaar
-- bekanntlich ein Motiv der Sage, welches Gottfried von Straſsburg
mit einigem Nachdruck zurückweiset. -- Auf dem folgenden Bilde zieht
Tristan aus, die Eigenthümerin des Haares zu suchen und als Gattin für
Marke zu gewinnen. Der König steht unter dem Thore seines Palastes; der
kühne Abenteurer reicht ihm vom Pferde herab zum Abschiede die Hand. --
Dem entscheidenden Drachenkampfe sind die drei folgenden Abtheilungen
gewidmet, -- bezeichnend für die Geschmacksrichtung der Zeit, welche
die bekannten Bestiarien noch über ein halbes Jahrhundert lang als
Hauptbestandteil ihrer Verzierungskunst festhielt. In der ersten bohrt
der Ritter vom Rosse aus dem feuerspeienden Ungethüm die Lanze in den
Rachen; in der zweiten bekämpft er es zu Fuſs mit dem Schwerte; in
der dritten schneidet er demselben die Zunge aus. Die beiden letzten
Scenen bewegen sich bereits vor den Rohrkolben des Sumpfes, welcher im
Gedichte, wie in der Volkserzählung eine Rolle spielt.

[Illustration: tristram·die·schon·ysalden

Z. A. f. K. d. d. V-Z. 1866 Nº 1]

Den Haupthelden verlassend, wendet sich der Künstler sodann in vier
Bildern zu dessen Nebenbuhler, dem falschen Truchseſs, der hier der
rothe Ritter genannt wird und in der Stickerei durch rothes Haupt-
und Barthaar kenntlich gemacht ist. Zunächst sehen wir ihn mit einem
Knappen reitend, durch lebhafte Handbewegung den Eifer der Unterhaltung
kundgebend. Sodann läſst er seine Diener, deren im Volksbuche vier
genannt werden, von welchen auf dem Teppich der Raum aber nur drei
anzubringen erlaubte, auf sein Schwert sich Verschwiegenheit geloben,
-- eine Scene, die der Dichter Gottfried ebenfalls nicht aufgenommen,
wie er überhaupt, dem Zuge seines künstlerischen Schaffens folgend,
mehr an der Vertiefung der Charaktere und glänzenden Ausstattung seiner
Haupthelden arbeitet, deren Erscheinung die rascher vorübergehenden
Gegensätze wie im künstlichen Spiegellichte zu heben vorzugsweise
bestimmt sind, während die Volkssage, in ihrer Art mehr den ethischen
Gehalt der Erzählung bewegend, die bösen Mächte in entschiedeneren
Gegensatz zu den guten stellt. -- Im achten Bilde schlägt der rothe
Ritter dem von Tristan getödteten Drachen das Haupt ab. Diese
Darstellung wird besonders interessant, indem sie auf die Entstehung,
gewissermaſsen die innere Geschichte des Teppichs einiges Licht wirft.
Während nämlich der Ritter, von einem Knappen begleitet, mit noch
erhobenem Schwerte vor dem Drachen steht, liegt dessen Kopf bereits,
vom Rumpfe getrennt, auf dem Boden. Der Zeichner hat unrichtiger
Weise in den aufgesperrten Rachen eine Zunge versetzt, die indeſs von
der Stickerin unausgefüllt geblieben. Es scheint, das die letztere,
ohne Zweifel eine Frau aus vornehmem Hause, das Verdienst der ganzen
Conception der Arbeit hatte und zur Ausführung derselben einen Künstler
herbeizog, der zwar eine geschickte Hand besaſs, aber, ohne genauere
Kenntniſs des Gegenstandes, nur nach den Angaben der Bestellerin
arbeitete, daſs diese endlich in Vollendung der Aufgabe sorgte, daſs
darin der Geschichte ihr Recht widerfahre. -- Im neunten Bilde bringt
der rothe Ritter das Drachenhaupt, dessen Last er in gekrümmter
Stellung mühsam emporhebt, dem Könige von Irland. Dasselbe ist noch
immer weit geöffnet und diesmal ohne Zunge gezeichnet.

Auf den übrigen Bildern dieser Seite des Teppichs sehen wir die
Prinzessin Isolde, mit ihrer Magd Brangäne das Haus ihres Vaters
verlassend, um den wahren Ueberwinder des Drachen aufzusuchen; ferner
dieselben, wie sie den ermatteten Tristan im Rohre finden, und diesen,
wie er von den beiden Frauen in den Palast des Königs geführt wird;
endlich den sich im Bade erquickenden Helden, von Isolden, die
ihn als Ueberwinder ihres Oheims Morolt erkannt, mit dem Schwerte
bedroht. Brangäne hält in der letzten Darstellung ihre Gebieterin vom
feindlichen Vorgehen zurück, indem sie ihre Arme um deren Hals schlingt.

Die folgende Seite beginnt mit einer Unterredung zwischen den beiden
Frauen und dem Könige. In der nächsten Darstellung erscheint Tristan,
von Isolden eingeführt, dem Könige die Zunge des Drachen darbietend.
-- Vom Gedicht sowohl, wie vom neueren Volksbuche abweichend, doch
zu dem oben Angedeuteten einen verstärkten Beleg fügend, stellen die
beiden folgenden Scenen wiederum den rothen Ritter in den Vordergrund.
Während dieser nach den beiden genannten Quellen nur der Verachtung
preisgegeben wird und auſser Landes zieht, sehen wir ihn hier gefangen
vor den König gebracht und sodann in dessen Gegenwart mit dem Schwerte
hingerichtet.

Die beiden folgenden Darstellungen sind die in der Beilage, in einem
Drittel des Maſsstabes, wiedergegebenen. Tristan fährt mit Isolde und
Brangäne im Schiffe von Irland ab. Die Königin übergibt der letzteren
im Abschiede den verhängniſsvollen Liebestrank. An der anderen Seite
der Säule sehen wir das Schiff vor dem Könige Marke landen. Dieser
unterstützt die Prinzessin beim Aussteigen; Tristan legt, vom bösen
Bewuſstsein getrieben, die Hände zum Beweise seiner Treue auf die
Brust, noch ehe er begrüſst wird; Brangäne harrt, nachdem sie das
Hündchen ihrer Herrin übernommen, des Augenblicks, wo auch sie das
Fahrzeug verlassen kann. -- Weiter sehen wir Brangäne, in den Kleidern
der Prinzessin an das Lager des Königs geführt; das Hochzeitsmahl,
dessen Gäste nur die vier bekannten Personen ausmachen; ferner den
verklagten Tristan, der vom Hofe wegziehend von der trauernden Isolde
Abschied nimmt; denselben im Garten, durch die in den Bach geworfenen
Stäbe die junge Königin zur geheimen Zusammenkunft ladend; den
geheimniſskundigen Zwerg, vor dem König die Beschuldigung der Hofleute
bekräftigend, und als vorletzte die berühmte, im Mittelalter oft zu
bildlichen Darstellungen benutzte Scene, wie König Marke und der Zwerg
vom Baume über dem Brunnen das liebende Paar belauschen und dieses, das
Bild derselben im Spiegel des Wassers erblickend, durch unverfängliche
Reden sie täuscht. -- Die letzte Darstellung bietet eine Parallele zu
dem Ausgange des rothen Ritters. Wie dieser durch sein angemaſstes
Verdienst Ruhm und Leben des Haupthelden gefährdet und, überführt, mit
dem Tode bestraft wird, so geschieht Gleiches mit dem Zwerge, der durch
sein scheinbar lügenhaftes Vorgehen die Ehre der Königin wie Tristan’s
in Verdacht gebracht. Wir sehen Marke, den Zwerg bei den Beinen
haltend, im Begriff, ihn in den Brunnen zu werfen, -- eine Wendung der
Erzählung, die wiederum in keiner der genannten schriftlichen Quellen
ihre Begründung findet, die als Schluſs zugleich auf das Ganze der hier
gezeichneten Dichtung ein eigenthümliches Licht wirft.

Die Zeit der Entstehung des Teppichs anlangend, weisen das darauf in
Anwendung gebrachte Costüm, die Waffen u. s. w. mit Entschiedenheit auf
die Mitte des 14. Jhdts. Seinerseits bietet der Teppich zur Erweiterung
der Kulturkunde dieser Zeit nicht unerhebliche Anhaltspunkte. --
Die Tracht könnte man eine burgundische nennen; sie enthält neben
der Einfachheit und Knappheit der Mode dieser Epoche überhaupt die
ersten Anfänge jener auffallenden Wucherungen, welche den Reichthum
der burgundischen Lande, wie den übersprudelnden Sinn seiner
Bewohner charakterisierte und im Laufe der nächsten hundert Jahre zu
Ausschreitungen trieb, wie wir sie nur in der Blüthe der Zopfperiode
wiederfinden. In der Haustracht sind Männer wie Frauen mit dem engen
Kleide angethan, das, auf der Brust zugeknöpft oder genestelt, bei
ersteren hoch an den Hals hinanreicht und auf den Lenden zu Ende geht,
bei den letzteren tief und grade ausgeschnitten ist und in langen,
schlichten Falten hinabhängt. Die Aermel dieses Kleides sind, dem
Schnitte des Ganzen angemessen, für gewöhnlich ebenfalls enganliegend
und weit auf die Hand reichend. Doch zeigen sich bei den vornehmeren
Personen bereits die Abweichungen, die später eine so weit gehende
eigene Ausbildung erfuhren. Bei den Männern weitet sich der Aermel
sogleich von der Achsel an und beginnt unter dem Ellenbogen sackförmig
herabzuhängen, während er sich am Handgelenk wieder eng anlegt. Doch
erscheint derselbe auch schon unmittelbar unter dem Oberarm getheilt,
so daſs ein kurzer, weiter Oberärmel und ein langer, anschlieſsender
Unterärmel entstehen. Bei den Frauen bleibt derselbe zwar unverändert;
doch bekommt er eine Klappe auf der Schulter und damit in Verbindung
stehend einen langen, schmalen Hängeärmel. Die Farbe des Obergewandes
ist durchgehend weiſs; nur bei den Frauen hat das Kleid oben einen
schmalen, unten einen breiten Besatz; auch laufen farbige Streifen von
der Hüfte herab, die, wie die erwähnten Hängeärmel, bei den Fürstinnen
goldfarbig erscheinen. Wo die Prinzessin im Freien auftritt, trägt
sie ein kurzes, gezaddeltes Mäntelchen, von grüner oder rother Farbe,
das nur den rechten Arm frei läſst. Die Beinkleider der Männer sind
enganliegend und meistens von getheilter Farbe. Die Schuhe haben
bereits lange Spitzen und auf dem Fuſse bisweilen noch den aus älterer
Zeit stammenden inneren Ausschnitt. Beide Geschlechter tragen den,
lose die Hüften umgebenden, breiten Gürtel, bisweilen mit metallenen
Buckelrosetten besetzt. Selbst der Zwerg entbehrt dieser Zierde nicht;
doch dem zur Hinrichtung geführten rothen Ritter ist sie abgenommen.

Als Kopfbedeckung tragen fürstliche Personen stets eine zinnoberfarbige
Krone, die Männer, soweit sie nicht gerüstet auftreten, ein entblöſstes
Haupt mit rund umher, bis zur Höhe des Nackens abgeschnittenem Haare,
nach Art der später gebräuchlich werdenden Kolbe, jedoch gescheitelt.
Knappen erscheinen einige Male mit einer dunkelfarbigen Gugel.
Brangäne trägt auf dem frei herabhängenden Haare einen Rosenkranz; die
Prinzessin wird sogleich nach ihrer Verheiratung durch die bekannte
gekräuselte Spitzenhaube als Frau gekennzeichnet. Die Rüstung besteht
in allen Fällen aus dem einfachen Kampfhelm mit der Halsbrünne, dem
sogen. Lendner und Eisenhandschuhen. Nur der Truchseſs fuhrt eine
eigenthümliche, oben mit einem Busch, vorn mit einem Schirm versehene
Kopfbedeckung, die im Uebrigen zwar helmförmig, doch, nach der gelben
Farbe der Stickerei zu schlieſsen, wol nur die Bedeutung einer
vornehmeren Art der Kapuze haben soll. -- Die Schwerter sind noch
breit von Klinge und erinnern mit ihrem starken Knopf und der geraden
Parierstange an die frühere Zeit. Die Schilde haben die gewöhnlich
vorkommende Form des gleichseitigen Dreiecks mit zugerundeter Spitze.
Ueberhaupt sind Waffen sparsam zugetheilt und nur da gegeben, wo sie im
Augenblick gebraucht werden. -- Die Pferde tragen einfaches Zaumzeug
und hohe Sättel über kleinen Decken.

Von Hausgeräthen kommt wenig vor. Die Sessel haben stets die oben
erwähnte alterthümliche Form und unterscheiden sich nur durch die
Breite, je nachdem sie bestimmt sind, eine oder mehrere Personen
aufzunehmen. Beim Hochzeitsmahl ist der Tisch mit einem tief
herabhängenden weiſsen Tuche bedeckt. Zwei groſse Brodlaibe, eine
offene und eine verdeckte Schüssel deuten das ganze Mahl an. Die
letzteren sind ebenfalls genau dieselben, welche in den Miniaturen
der beiden vorhergehenden Jahrhunderte angetroffen werden, und es ist
ersichtlich, wie der Zeichner bei der äuſseren Ausstattung seiner
Scenen mehr die älteren Vorbilder als die umgebende Wirklichkeit vor
Augen hatte, -- eine Wahrnehmung, die sich ja nicht allein in der
mittelalterlichen Kunst bemerklich macht. -- Die Wanne, in welcher
Tristan das stärkende Bad nimmt, ist in Art der Himmelbetten mit einem
rothgefütterten Vorhang überdeckt. Das Bett, in welchem der König
gegen die gewöhnliche Auffassung völlig bekleidet liegt, hat eine hohe
Kopflehne und rothgemusterte Decke.

Obwohl die Gesichter in der Zeichnung keineswegs ohne Ausdruck sind,
wird die Stimmung des Gesprächs doch stets sehr glücklich durch
entsprechende Handbewegung versinnlicht. In der Ruhe ist die linke
Hand gewöhnlich in den Gürtel gesteckt. Der König sitzt mit gekreuzten
Beinen, auch so der alten Sitte gemäſs an die Würde seines Richteramtes
erinnernd.

Nahe liegt eine Vergleichung unseres Teppichs mit dem im Kloster
Wienhausen im Hannoverschen befindlichen, dessen Bilderschmuck
denselben Gegenstand behandelt[A]. Gemeinsam haben beide die
niederdeutschen Inschriften und, dadurch bezeugt, wol den Ort ihres
Ursprungs. Doch tritt in der Sprache des letztgenannten der Charakter
des Plattdeutschen entschiedener hervor. -- Dem Alter nach mögen sie
dreiſsig bis vierzig Jahre auseinander liegen; denn, während der
Erfurter Teppich über die Mitte des 14. Jahrhunderts eher hinausgeht,
versetzen die ganze Anlage, das Costüm, die Waffen, namentlich die
längliche Form der Schilde den Wienhauser gegen die bisherige Annahme
übereinstimmend in die erste Hälfte. Der letztere behandelt die Fabel
ausführlicher; doch führt er sie nur bis zur Abfahrt Tristan’s und
Isoldens von Irland. Wahrscheinlich enthielt ein zweiter entsprechender
Teppich die andere Hälfte der Erzählung; denn nur der Wienhauser ist
ein Teppich im eigentlichen Sinne, während wir den Erfurter für ein
ursprüngliches Tischgedeck erklären muſsten. Ohne Zweifel diente jener
neben mehreren ähnlichen Stücken, um als Tapete oder Rücklaken die
Wände zu decken. Schon die vollständige Ausfüllung des Hintergrundes
und die dadurch bedingte Steifheit des Stoffes lieſsen einen anderen
Gebrauch nicht zu.

Was die künstlerische Ausstattung betrifft, so hat zwar auch die
Wienhauser Stickerei die Eintheilung der Rundbogen; doch sind unter
dieselben nur die darauf vorkommenden Wappen gestellt. Die vorgeführten
Scenen reihen sich ohne trennende Einfassung aneinander. Erhielt
der Erfinder der Erfurter Arbeit schon dadurch einen Vortheil, daſs
er seine einzelnen Bilder durch passende Umrahmung hervorhob, so
steigerte er deren malerische Wirkung noch mehr durch kunstgerechte
Behandlung und lebendigere Bewegung der Figuren. In dieser Beziehung
ist der letztgenannte dem Wienhauser Teppich trotz dessen gröſserem
Farbenschmucke bei weitem überlegen, und verdiente derselbe gewiſs
eine so vollständige Veröffentlichung, wie sie jener in trefflichem
Farbendruck erfahren.


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Abgebildet in H. W. H. Mithof’s verdienstvollem Werke:
„Archiv für Niedersachsens Kunstgeschichte“, II, Taf. 6.]



Johannes Nas.


Am 9. Juli 1577 wandte sich Georg Ilsung zu Tratzburg, Landvogt in
Schwaben, in einem längeren Schreiben an den Erzherzog Ferdinand und
ersuchte diesen, er möchte Joh. Nas nach Augsburg senden, damit er dort
predige. Da dasselbe zur Würdigung des viel geschmähten Polemikers
bedeutungsvoll ist, theile ich die wichtigeren Stellen daraus mit:

    „Gnedigister Herr! Als sich verschine fasten zue getragen, als der
    Ehrwürdig vnd hochgelert Hrr Nas Doctor Barfuesser ordens etlich
    seiner geschefft halben von Brixen hieher gen Augspurg khomen vnd
    von dem Abt zue S. Vlrich alhie erbetten worden, dz er ihme zue
    gefallen dieselb fasten predigett, hatt er alhie ain solichen
    beharlich’ Zuelauf von den Lutterischen bekhomen, das offt von 4
    bis in 5000 Personen an seiner Predig gewesen. Es haben sich auch
    aus denselben gar vil vernemen lassen, da gedachter Hrr Nas alleweg
    alhie bleiben wurd, dz sy ihre Lutterische Kirchen verlassen vnd
    merer theils an sein des Nasen Predig gehen vnd vil andere auch
    mit ihnen davon ziechen wollten. Die weil den die Lutterischen
    Predicanten alhie diser Zeit gar widerwertig vndter einand’,
    vnd schier kheiner predigt wie der ander, dardurch den der gemain
    man sich fast ergert vnd ihn solche Irrunge khomen, dz er nit
    waiſs, wem er schier mer zue gehen soll, so werr vnzweifelig zue
    hoffen, da gedachter Hrr Nas ein Zeit lang alhie Predigen solt,
    er wurde in solchem Zwitracht merchlich grossen nutz schaffen
    khinden. Derhalben so bin ich nit allain von obgedachtem Abt,
    sond’ auch von vilen anseliche catholischen vnd zum theil auch
    Lutterischen leutten alhie angesprochen vnd gebetten worden, auf
    wege zue gedenckhen, wie vilgemelter Hrr Naſs, wo nit lenger,
    iedoch nur auf ein Jar lang hieher gebracht werden möcht.“ -- „An
    ietzo bey eingefalner Zwispalt der Lutterischen gar ein gewünste
    gelegenheit vorhanden, also da gedachter Hrr Nas alhie predigen
    solt, das comuny omnium indizio in khain Zweifel zue stellen, er
    wurde den gemainen man den Lutterischen predicanten gar endtziechen
    vnd an sich henckhen, welches dan nit allain für sich selbst ein
    christenlichs guets werckh were, sond’ es wurde auch daraus
    volgen, dz die catholischen alhie desto mer ruggens bekhomen vnd
    sich der Lutterisch teglichen trutz vnd gewalts desto bas erwehren
    khindten, bis Gott der almechtig verner gnad vnd ainigkhait im
    glauben verliehe. Darzue dan der Hrr Nas sua innata facundia ein
    treffenlich anfang machen, vnd die Lutterischen Predicanten nit
    baſs verdruckht vnd gestrafft werden möchten.“

Ilsung’s Schreiben, welches im Statthaltereiarchive zu Innsbruck
liegt, gibt für die Beredsamkeit und das Wirken des Joh. Nas ein
schönes Zeugniſs und bestätigt, daſs er nicht ohne Grund in einem
Vertheidigungsbriefe sagen konnte: „wie vil hat Gott durch mich, den
die Jesuitten also neiden, zu München vnd Ingelstatt von Ketzerthumb
zur catholischen Kirchen bracht. So waiſs ich, daſs so oft der Dr.
Canisius zu Straubing einen Menschen bekhert hat, also, daſs Ir etlich
tausend ad unitatem khomen sein vnd dise heuchler dörffen lestern, es
sey nit gratia gratum faciens.“ --

    /Innsbruck./      /Dr. Zingerle./



Beschreibung einer Pilgerfahrt in das gelobte Land, aus dem 14. Jahrh.


In der Papierhandschrift Nr. 500 unseres Klosterarchivs finde ich
unter kanonistischen und ordensgeschichtlichen Materien eine etwa
bisher unbekannte Beschreibung einer Pilgerfahrt in’s h. Land aus
dem 14. Jahrhundert, jedoch jedenfalls von einer Hand des 15. Jahrh.
abgeschrieben. Potthast’s Wegweiser etc., S. 1002 erwähnt das
Schriftchen wenigstens nicht.

Die Widmung, welche der Beschreibung vorangeht, beginnt
folgendermassen: „Reuerendissimo patri ac domino suo domino Petro
abbati Aule Regie, Cisterciensis ordinis, Pragensis dyoecesis
Gwilhelmus de Waldenfels miles“... Diesen füge ich die Stellen, welche
die Persönlichkeit des Verfassers betreffen, bei. „Accepti (schreibt
er) beneficij immemor esse nolens mente reuoluo sedula beneficiorum
opera, que mihi anno preterito in domo vestra, aula regia, hylariter
et benignis affectibus plus quam duobus mensibus et mee familie
ostendistis et uolente domino eisdem exhibitoribus, cum ad uos reuersus
fuero gratuite et omni studio respondebo. Et nunc quidem quia apud
dominum meum Thalariandum Petragoricum (!) tituli beati Petri ad
vincula presbiterum cardinalem in curia Auione moram facere adhuo me
oportet amplius quam putabam, eo quod dominus meus multum fuit de
meo aduentu de sua gracia jocundatus et negocia mea omnia, de quibus
apud uos existens dixeram uobis, ad finem iam disposuit seu disponit
et ordinat peroptatum, hys finitis per Coloniam Agrippinam propter
quedam negocia ibidem terminanda rediens ad uos in Aulam regiam
reuertar volente domino perpetue permansurum. Trahit me ad vos amor
vester, allicit me dulcissima habitacio domus vestre, et percipue
vestrorum filiorum deuocio et nil me retrahere potest nisi mors sola.“
Die Schrift selbst betreffend schreibt er: „Verumtamen libellum
meum, quem ad instanciam prefati domini mei Cardinalis /de statu
terre sancte/ compilaui, vobis, vt rogastis et ego vt promisi per
Franciscum Christiani de Praga seruitoris mei transmitto.“ Die Widmung
der dem Abt von Königinhof übermachten Abschrift datiert „Auione a. d.
1337 in die sancti Michaelis“.

„Incipit prologus in librum de quibusdam partibus ultramarinis et
precipue de terra sancta. Sicut audiuimus sic et vidimus in ciuitate
domini -- ut a me vestra preclara ad dominum et ad terram ipsius
deuocio requisiuit.“ Als Ursache seiner Pilgerfahrt gibt er an: „Ipsam
igitur (sc. hanc benedictam terram) tamquam patriam et hereditatem ex
fide Christi mihi quodammodo debitam visitare a puericia desideraui,
ut viderent testes oculi, que proposita sepius erant auri.“ Der
eigentliche Text beginnt: „Egressus igitur de Alemannia, terra
natiuitatis mee, et pertransiens Lambardiam“ und schlieſst: „Quod nobis
prestare dignetur qui est benedictus in secula seculorum Amen. Explicit
liber de quibusdam ultramarinis partibus et precipue de terra sancta
compilatus per nobilem virum dominum Gwilhelmum de Boldensole (sic!)
ad instanciam reuerendi patris ac domini Thalayrandi Petragonicum
(!) tituli sancti Petri ad vincula presbiteri cardinalis Anno dn̄i
Millesimo tricentesimo tricesimo sexto.“ Die Beschreibung umfaſst
28 Blatt groſs 8., ca. 30 zeilig, einspaltig. Sollte diese Schrift
noch ganz unbekannt sein, so verdient selbe jedenfalls eine nähere
Untersuchung. Die Angaben scheinen genau zu sein.

/Lambach/ in Oberösterreich.

    /P. Pius Schmieder/, Archivar.



Alter Zauber- oder Segensspruch.


[Illustration]

Im Diöcesan-Museum zu Freising findet sich ein geschmackvoller Tisch
der gothischen Zeit (c. 1450). Derselbe zeigt auf der Platte eine
Inschrift, welche zweimal angebracht ist, einmal von unten nach oben,
dann von oben nach unten. Die Buchstaben sind so untereinander gesetzt,
wie sie hier getreu abgebildet sind.

Offenbar ist dieses ein Zauber- oder Segensspruch, der den am Tische
Sitzenden nach allen Seiten hin schützen sollte. Findet sich diese
Inschrift auch anderswo, und wie ist sie zu erklären?

    /Freising./      Professor Dr. /Sighart/.



Gengenbach’s Bundschuh.


Karl Gödeke’s Monographie und „Grundriſs“ kennen drei Ausgaben jenes
Gedichts; ich beschreibe hier eine vierte:

Der Bundtschu

        Diß biechlein sagt von dem bo |
        sen fürnemen der Bundtschuher, wye es sich |
        angefengt geendet vnd aus kumen ist.

(Holzschnitt: Bauer mit der Bundesfahne, links der Bundschuh, rechts
ein Täfelchen mit der verkehrten Jahrzahl: 4151.)

    =ɑ= Pamphilus Gengenbach X S F.
        Nyt me yetzundt ist mein beger
        Ob yenen ainer vom bundschu wer
        Dem da für kem dieß schlecht gedicht
        Bit ich er wels verachten nicht
        So kumpt er nit yn solche not
        Als mancher yetz ist bliben todt
        Vngehorsam gott vngestrofft nit lot

o. O. u. J. (Nürnberg, 1514). 4 Bl. 4. Das Gedicht nimmt die ersten 4½
Seiten ein. -- In München.

        SO ich betracht yetzund die welt
        Fynd ich ain ding dz mir miſsfeltt
        Das ist die groſs vngehorsamkait.
        /Nürnberg./        /E. Weller./



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                      1866.    Nº 1.    Januar.



Chronik des germanischen Museums.


Vor Allem haben wir unseren freundlichen Lesern heute die angenehme
Mittheilung zu machen, daſs eine für unser nationales Institut
hochwichtige Angelegenheit, die lange verhandelte Vorstandsfrage, die
auf vorjähriger Generalversammlung des Gesammtverwaltungsausschusses
unserer Anstalt, wie letzte Septemberchronik berichtet, noch nicht
zum Austrage zu bringen war, mit dem Schlusse des alten Jahres
ihre endliche Lösung gefunden hat. Nach Entgegennahme des von der
Commission, die unterm 3. Oct. 1864 mit Einleitung der Vorstandswahl
betraut worden war, unterm 28. Decbr. v. J. gegebenen ausführlichen
Berichtes haben von den dermalen 31 bei der Vorstandswahl
Stimmberechtigten bis zum 22. Januar d. J., als dem zur Eröffnung der
Wahlzettel festgesetzten Tage, 29 ihre Stimmen abgegeben und diese fast
mit Einhelligkeit für Herrn /August Essenwein/, Professor an der
technischen Hochschule zu Graz, sich ausgesprochen. Da nun derselbe
gedachter Wahlcommission, in entgegenkommendster Behandlung der ihm
von dieser gemachten Vorschläge, eventuell bereits zur Annahme einer
etwa auf ihn fallenden Wahl sich bereit erklärt hatte, so durften wir
ihn sogleich auch als I. Vorstand unseres Institutes begrüſsen, wenn
auch die Uebernahme des Amtes selbst wol erst nach einigen Monaten wird
erfolgen können. Möge der Eintritt, möge das Wirken des Erkornen dem
bisher glücklich durchgeführten nationalen Werke im vollsten Maſse zum
Segen gereichen!

Auch sonst noch ist uns das neue Jahr äuſserst günstig entgegengetreten.

Mit Freuden haben wir da zunächst zu melden, daſs Se. Hoheit, Herzog
/Ernst von Sachsen-Altenburg/ gnädigst geruhte, dem german. Museum
aus der herzogl. Staatskasse eine abermalige Beihülfe von 100 Thlrn.
reichen zu lassen.

Nächstdem minderte sich die unserer Anstalt durch die Erwerbung der
freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen erwachsene Schuld auf’s Neue
um 200 fl., indem als auſserordentlicher Beitrag zu diesem Zwecke auf
allerhöchsten Befehl Seiner Königl. Hoheit des /Groſsherzogs von
Hessen/ die Summe von 100 fl. uns zugieng, und Se. Durchlaucht,
Fürst /Günther von Schwarzburg zu Rudolstadt/ der in unserer
Augustchronik besprochenen fürstlichen Stiftung schon jetzt ein
weiteres gnädigstes Geschenk von gleichfalls 100 fl. zu eben diesem
Zwecke uns zuzuwenden geruhte.

Das unten folgende Verzeichniſs der jüngst verwilligten Geldbeiträge
läſst, zum Theil schon in Folge neuerrichteter Pflegschaften, deren
wir auch heute eine gröſsere Anzahl aufzuführen in der angenehmen
Lage sind, einen erfreulichen Zuwachs erkennen; namentlich ist die
Betheiligung deutscher Gemeindevertretungen und deutscher Vereine
und Genossenschaften an der Förderung unseres nationalen Institutes
augenfällig im Steigen.

Von Geschenken, die unseren Sammlungen neuerdings zugiengen, haben
wir hier hervorzuheben: ein Exemplar des prachtvoll ausgestatteten
Werkes von Bodemann „Xylographische und typographische Incunabeln der
k. öffentlichen Bibliothek zu Hannover“, das wir als ein weiteres
allergnädigstes Geschenk Sr. Majestät des Königs von /Hannover/
unserer Bibliothek einzureihen hatten; was sodann die Kunst- und
Alterthumssammlung betrifft: einen Gypsabguſs der im Oberbayer. Archive
f. vaterl. Gesch. 1851/52 besprochenen interessanten Ingolstatter
Inschrift, den wir der Güte des dortigen Herrn Magistratsrathes
/Berthold/ verdanken, sowie ferner vom Magistrate der Stadt
/Herford/ sehr willkommene Abdrücke der dort noch vorhandenen
alten Siegel- und Münzstempel. Wie von Seiten des in unserer letzten
Chronik genannten Magistrates der Stadt Burg, so sind uns neuerdings,
wie wir mit Dank hier zu berichten haben, auch von den Magistraten der
Städte /Königsberg/ und /Culm/ in Preuſsen Verzeichnisse der
in ihren Archiven befindlichen Urkunden zugestellt worden.

In dem am 4. Januar zu Wetzlar in hohem Alter verstorbenen und in den
weitesten Kreisen betrauerten, um historische Forschung hochverdienten
Stadtgerichtsdirektor a. D. /Dr. Paul Wigand/ hat auch unsere
Anstalt einen vielfach bewährten, treuen Freund verloren. Dem
Gelehrtenausschusse unseres Institutes gehörte der Verstorbene seit dem
14. Febr. 1854 an.

Einen weiteren hochverehrten Freund unseres Instituts, der namentlich
auch hier in Nürnberg selbst an der Förderung unserer Bestrebungen in
regster Weise Antheil genommen hat, verloren wir in dem durch seine
tüchtigen Arbeiten um die vaterländische Geschichte hochverdienten
Senior der philosophischen Facultät der Universität Leipzig, Professor
Dr. jur. et phil. /Ernst Wilhelm Gottlieb Wachsmuth/, der im 82.
Jahre seines Lebens, im 55. seines Doktorats und nach zurückgelegtem
100. Semester erfolgreichster akademischer Lehrthätigkeit zu unserem
und aller seiner Freunde und Schüler innigstem Leidwesen am 23. Januar
verschieden ist. Mitglied des Gelehrtenausschusses unserer Anstalt war
der Verstorbene seit dem 1. März 1855.

Seinen Austritt aus ebengedachtem Ausschusse hat uns Herr /v. Retberg
auf Wettbergen/ in München angezeigt.

Weitere Vertretung unserer Interessen fanden wir durch Errichtung
neuer Pflegschaften in /Hammerstein/ (Preuſsen) und in /Vicenza/,
sowie in den bayerischen Ortschaften: /Aichach/, /Amorbach/, /Dachau/,
/Immenstadt/, /Kandel/, /Kissingen/, /Landshut/, /Mühldorf/, /Neunburg
v. W./, /Rottenburg/, /Scheſslitz/, /Schöllkrippen/, /Selb/,
/Türkheim/, /Uffenheim/, /Volkach/ und /Waldkirchen/.

An neuen, während der letzten 4 Wochen uns angemeldeten Geldbeiträgen
haben wir, auſser den oben bereits angeführten, noch zu verzeichnen:

    Aus =öffentlichen= und =Vereins-Kassen=: Von der
    Bürgermeisterei /Engers/ (Preuſsen) 2 fl., vom Magistrate zu
    /Herford/ (Preuſsen) 8 fl. 45 kr. (einm.), vom Magistrate zu
    /Mülheim/ a. d. Ruhr 3 fl. 30 kr. (einm.), von der Gemeinde
    /Sinsheim/ (Baden) 5 fl., von der Stadtgemeinde /Velden/
    (Bayern) 1 fl., von der Stadtgemeinde /Winnenden/
    (Württemberg) 4 fl. (einm.) und vom Stadtrathe zu /Waldenburg/
    (Sachsen) 3 fl. 30 kr. (auf 5 Jahre); ferner von den württemb.
    Landkapiteln /Neckarsulm/ 10 fl. (einm.) und /Oberndorf/
    5 fl. (einm.); sodann vom Turnverein zu /Baden/ (Oesterreich)
    2 fl. 27 kr. (einm.), vom Männergesangvereine zu /Cassel/
    3 fl. 30 kr., von der Mittwochsgesellschalt in /Eschenau/
    (Bayern) 4 fl., von der Turngemeinde /Heidenheim/
    (Württemberg) 2 fl. (einm.), vom Bürgervereine in /Stralsund/
    8 fl. 45 kr., von der Bürgergesellschaft /Ulm/ 3 fl. (einm.),
    vom Verschönerungsvereine zu /Velden/ 15 kr., von der
    Gesellschaft Concordia in /Weiſsenburg/ a. S. 2 fl., vom
    Leseverein daselbst 3 fl., vom Liederkranze und vom Turnvereine
    daselbst je 1 fl. 45 kr. und von der Gesellschalt „Tivoli im
    Fichtelgebirge“ zu /Wunsiedel/ 1 fl.

    Von =Privaten=: /Amberg/: Dr. Bauer, k. Regimentsarzt,
    1 fl.; /Andernach/: Notar Henrich 1 fl. 10 kr. (einm.);
    /Arnsberg/: Appellationsgerichtsrath Stündeck 2 fl. (statt
    früher 1 fl. 45 kr.); /Aussig/: Apotheker Viktor Hermann
    Walter 4 fl. 40 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.); /Bautzen/:
    Regierungsrath Klengel 3 fl. 30 kr.; /Dachau/ (Bayern): Karl
    Pfaffenzeller, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Eduard Ziegler, Posthalter
    und Bierbrauer, 3 fl.; /Dresden/: Minna Buchel, geb. Meiſsner
    5 fl. 15 kr. (statt früher 3 fl. 30 kr.); /Dorpat/: Dr.
    Theodor Beise, Universitäts-Syndicus, 1 fl. 53 kr.; /Markt
    Erlbach/: Ungenannter 30 kr. (einm.); /Furth/ a. W.: Notar
    Joseph Kohn 1 fl.; /Gotha/: Kreisgerichtsdirektor Berlet 1
    fl. 45 kr., Forstrechnungsrath Glenk 1 fl. 45 kr., Hofrath Jacobs
    (†) 1 fl. 45 kr., Oberschulrath Dr. Marquard 1 fl. 45 kr.;
    /Hamburg/: Dr. phil. M. H. N. aus Essen 3 fl. 30 kr. (einm.),
    Dr. H. Gries, Sekretär des Vereins für hamburg. Geschichte, 3 fl.
    30 kr.; /Heilbronn/: Dr. med. Friedr. Betz 1 fl., Kaufmann
    Gustav Fuchs 1 fl., Kaufmann Georg Heerle 1 fl., Stadtschultheiſs
    Klett 1 fl. (einm.), Stadtpfarrer C. H. Krauſs in Lauffen a. N.
    1 fl., Dr. Hermann Lamparter, Fabrikbesitzer, in Waldau, 2 fl.,
    Apotheker Phil. Lang 1 fl. 45 kr.; /Holleschau/ (Mähren):
    Theod. Hoppe in Gumpoldskirchen 44 kr. (einm.); /Immenstadt/
    (Bayern): Pfarrer Höſs in Miſsen 2 fl.; /Kempten/:
    Groſshändlers-Wittwe Gruber in Lindau 2 fl. 15 kr., Ed. v. Pfister,
    Groſshändler, in Lindau 1 fl. 45 kr.; /Lausanne/: Gottfried
    von Bülow 7 fl. (einm.); /Leipzig/: Ernst Julius Einsiedel,
    Steinmetzmeister, 1 fl. 45 kr.; /Lüneburg/: Medicinalrath
    Dr. Hillefeld 1 fl. 45 kr., Obergerichtsrath Jochmus 1 fl. 45
    kr., Obergerichtsrath Uebbelohde 1 fl. 45 kr. (statt früher 1 fl.
    10 kr.); /Mariazell/: Pharmazeut Bernard Röſsler 1 fl. 10
    kr.; /Mühldorf/ (Bayern): Hugo von Peter, k. Notar, 1 fl. 45
    kr.; /Neustadt/ a./S.: Bez.-Ger.-Dir. Böhe 2 fl. (einm.),
    Leonhard Geigel, kgl. Bez.-Amtmann, 1 fl., Karl Hohmann, kgl.
    Pfarrer, in Herschfeld 1 fl., Bez.-Ger.-Rath Kiliani 1 fl. (einm.),
    Bez.-Ger.-Assessor Krieger 1 fl. (einm.); /Neuwied/: Lohmann,
    erster Pfarrer der älteren evangelischen Gemeinde, 1 fl. 45 kr.;
    /Obergünzburg/ (Bayern): Karl Zangerle, kgl. Notar, 1 fl. 45
    kr.; /Oberstdorf/ (Bayern): Fr. Heller, k. Pfarrer, 1 fl.;
    /Oederan/ (Sachsen): Rittergutspächter Klinger in Börnichen
    1 fl. 45 kr. (einm.); /Pforzheim/: Gastwirth G. Autenrieth
    1 fl. 30 kr., Steinhändler Gustav Bacherer 1 fl., Fritz Becker,
    Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., Alphons Benckiser, Chemiker, 1 fl.
    45 kr., August Benckiser, Gieſserei-Besitzer, 1 fl. 45 kr.,
    Gastwirth Betsch 1 fl. 30 kr., Ed. Bichler, Bijouterie-Fabrikant,
    1 fl. 45 kr., Lorenz Biſsinger, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45
    kr., Ludwig Diener, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Carl
    Dillenius, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Ernst Dillmann,
    Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Kaufmann August Dreiſs 1 fl.
    45 kr., Theodor Fahrner, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr.,
    Kaufmann L. Franzmann 1 fl., Aug. Gerwig, Bijouterie-Fabrikant,
    1 fl. 45 kr., Karl Gruner, II. Bürgermeister, 1 fl. 45 kr.,
    Peter Gülich, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Kaufmann
    A. Homberger, 1 fl. 45 kr., A. Katz, Bijouterie-Fabrikant, 1
    fl., Heinr. Keller, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., C. Kling,
    Etuis-Macher, 1 fl., Bankier A. Kuhn 1 fl. 45 kr., Friedrich Kurz,
    Bijouterie-Fabrikant, 1 fl., Theod. Lenz, Bijouterie-Fabrikant,
    1 fl., Ludwig Lucan, Estampeur, 1 fl., Gottlob Majer,
    Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Gastwirth Ed. Mayer 1 fl. 45
    kr., Aug. Nösgen, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Apotheker
    G. Pregizer 1 fl. 45 kr., L. Reimann, Chemiker, 1 fl. 45 kr., C.
    E. Rohreck, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 30 kr., Adolph Roller,
    Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr. F. Roths, Bijouterie-Fabrikant,
    1 fl., Maler Karl Ruf 1 fl., G. Saacke, Bijouterie-Fabrikant, 1
    fl. 45 kr., Kaufmann Ad. Schad, 1 fl., Kaufmann F. Ad. Schenck
    1 fl. 45 kr., Hermann Schlesinger, Bijouterie-Fabrikant, 1
    fl. 45 kr., Kaspar Schmidt, Oberbürgermeister, 1 fl. 45 kr.,
    Heinrich Schober, Bijouterie-Fabrikant 1 fl., Louis Schober,
    Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Apotheker A. Schuhmacher 1
    fl. 45 kr., A. Süſsdorff, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Jul.
    Trautz, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Christian Ungerer,
    Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr., Steinhändler Friedr. Walz 1
    fl. 45 kr., J. F. Zerrenner, Bijouterie-Fabrikant, 1 fl. 45 kr.;
    /Salzungen/: Dr Hermann Hoffmann, Apotheker, 4 fl. (statt
    früher 2 fl.); /Schäſsburg/: Professor Joseph Haltrich 24
    kr. (einm.); einige Schüler des Gymnasiums daselbst 1 fl. 24
    kr. (einm.); /Scheſslitz/ (Bayern): Franz Ludwig Kreppel,
    k. Notar, 1 fl. 12 kr.; /Schongau/ (Bayern): Eduard De
    Crignis, k. Posthalter, 2 fl. 42 kr.; /Schwartau/ (Fürstenth.
    Lübeck): Mitglieder des Gemeinderaths 3 fl. 30 kr. (einm.);
    /Stralsund/: Maurermeister Th. Teichen 1 fl. (einm.);
    /Thiengen/ (Baden): Marie Fischer, Fabrikbesitzerin, 1 fl.
    45 kr.; /Ulm/: Finanzrath Blessing 1 fl. (einm.), Ritter von
    Elvert, k. Art.-Oberst, 2 fl. (einm.), M. D. Kieser in Winnenden
    1 fl. (einm.), Stadtrath Pfander in Winnenden 1 fl. (einm.);
    /Wunsiedel/: Landrichter Bergmann 1 fl., Kaufmann Karl
    Rockstroh in Dörflas 24 kr.

    Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie
    wir hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


    I. Für das Archiv.

    ~Dr. A. Flegler~, Archivvorstand des german. Museums:
    3298 a. Uebergabsbrief der Barbara Puchmairin für ihre Töchter.
    1478. Pgm.

    ~Gustav Lomler~, Oberlehrer, in Salzungen:
    3299. Vier Autographen.

    ~Titot~, Oberamtspfleger, in Heilbronn:
    3300. Stiftung des Johannes Zudel für die Johanniskirche in Worms.
    1354. Pgm.

    ~Magistrat der Stadt Culm~:
    3301. Verzeichniſs der die Stadt Culm betreffenden Urkunden von
    1257 bis 1645. Pap.

    ~Magistrat der Stadt Königsberg~:
    3302. Verzeichniſs der im städtischen Archiv zu Königsberg
    befindlichen Urkunden von 1251-1717. (325 Nummern.) Pap.


    II. Für die Bibliothek.

    ~Dr. Aug. Schleicher~, Hofrath und Professor, in Jena:
    18,872. Ders., Christian Donaleitis litauische dichtungen; erste
    volst. ausg. mit glossar. 1865. 8.

    ~A. Heusler~, Vater, Universitäts-Professor, in Basel:
    18,873. Ders., Mittheilungen aus den Basler Rathsbüchern aus den
    Zeiten des dreiſsigjähr. Krieges. 8. Sonderabdr.

    ~Dr. J. M. Söltl~, k. geh. Hausarchivar u. Professor, in München:
    18,874. Ders., Max II., König von Bayern. 1865. 8.
    18,875. Auentinus, Imp. Henrici quarti Caes. Aug. vita. 1518. 4.

    ~Dr. C. E. v. Malortie~, k. hannov. Staats- u. Haus-Minister,
    Oberhofmarschall u. geh. Rath, Excellenz, in Hannover:
    18,876. Ders., Beiträge zur Geschichte des Braunschw.-Lüneburg.
    Hauses u. Hofes; 5. Heft. 1866. 8.

    ~Josef Haltrich~, Gymnasial-Professor, in Schäſsburg: 18,877.
    Ders., Plan zu Vorarbeiten für ein Idiotikon der siebenbürg.-sächs.
    Volkssprache. 1865. 8.

    ~Dr. G. D. Teutsch~, Pfarrer, in Agnetheln:
    18,878. Ders., Abriſs der Geschichte Siebenbürgens; 2. Aufl., 1.
    Heft. 1865. 8.

    ~C. W. Kreidel’s~ Verlag in Wiesbaden:
    18,879. Schliephake, Geschichte von Nassau; 2. Halbband. 1866. 8.

    ~Vandenhoeck & Ruprecht’s~ Verlag in Göttingen:
    18,880. Müldener, bibliotheca historica; 12. Jahrg., 2. Heft.
    1864. 8.

    ~Rudolph Weigel~, Verlagshandlung, in Leipzig:
    18,881. v. Retberg, kulturgeschichtliche Briefe. 1865. 8.

    ~P. A. Frind~, bischöfl. Notar, k. k. Gymnasialdirektor, in Eger:
    18,882. Ders., die Kirchengeschichte Böhmens; II. Bd. 1866 8.
    18,883. Programm des k. k. Staats-Obergymnasiums zu Eger. 1865. 8.

    ~J. G. Böſsenecker~, Verlagsbuchhandl., in Regensburg:
    18,884. Mettenleiter, aus der musikalischen Vergangenheit bayrischer
    Städte. 1866. 8.

=Dr. E. Zober=, Professor und Stadtbibliothekar, in Stralsund:

    18,885. Ders., d. Vereinigung des ehemaligen Pommerns u. Rügens mit
    d. preuſs. Staate. 1865. 8.

    18,886. v. Bohlen, die Erwerbung Pommerns durch die Hohenzollern.
    1865. 8.

    18,887. Dalmer, Sundia liberata. 1865. 4.

    18,888. v. Krassow, Beiträge zur Kunde Neu-Vor-Pommerns u. Rügens
    etc. 1865. 8.

    18,889. Pyl, Margareta von Ravenna. 1865. 8.

    18,890. v. Rosen, der Fensterschmuck der Wallfahrtskirche zu Kentz.
    1865. 8.

=Historischer Verein für Ermland=. in Braunsberg:

    18,891. Ders., Zeitschrift etc. VIII. Heft. 1865. 8.

    18,892. Monumenta historiae Warmiensis; II. Abth., 8. Lief. 1865. 8.

=Abtheilung des Künstlervereins für bremische Geschichte und
Alterthümer= in Bremen:

    18,893. Dies., Jahrbuch; II. Bd., 1. Hälfte. 1865. 8.

=César Daly=, Architekt, in Paris:

    18,894. Ders., revue générale de l’architecture etc.; 23. vol., no.
    1-8. 1865. 2.

=Friedr. Butters=, k. Gymnasialprofessor, in Zweibrücken:

    18,895. Ders., Pantaleon Candidus. 1865. 4. Progr.

=Akadem. Leseverein an der k. k. Universität= zu Wien:

    18,896. Ders., 4. Jahresbericht, 1864-65. 8.

=Dr. Friedr. Ried=, groſsh. geh. Hofrath u. Professor, in Jena:

    18,897. Materialien zur Genealogie verschiedener adeliger Familien.
    Pap.-Ils. Fasz. 18. u. 19. Jhdt. 2.

=Gustav Lomler=, Oberlehrer, in Salzungen:

    18,898. Gernhard, Diarium oder Tag-Register, dessen was sich Zeit
    des Auffenthalts des sel. Herrn D. Mart. Lutheri auf der Veste
    Coburg.... zugetragen. 1730. 4.

    18,899. Wagner, de originibus Saalfeldi. 1826. 8.

    18,900 Wagner, ausführliche Beschreibung der an dem Tischlermeister
    J. G. S. Amende verübten schreckl. Mordthat. 1831. 8.

    18,901. 14. Jahresbericht des Hauptvereins Meiningen-Hildburghausen
    der Gustav-Adolfstiftung; 1863-64. 8.

    18,902. Gerstner, die Buchdruckerkunst in ihrer Bedeutung für
    Wissenschaft, Staat und Wirthschaft. 1865. 8. Mit 5 Beilagen.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Eisinger=, Stadtrechner, in Offenburg:

    4958. Burggräflich nürnbergischer Dreier von 1622.

=Fr. Deuster= in Kitzingen:

    4959. Ein im Schwabenberg bei Kitzingen aufgefundener Sporn.

=F. S. Eislin=, Stadtrechner, in Thiengen:

    4960. Schaffhausener Silbermünze von 1633 und Zwölfkreuzerstück von
    Friedrich Magnus von Baden.

    =Lepsius=, Appell.-Gerichtsrath, in Naumburg:
    4961. Lackabdruck vom Siegelstock des Visitators der
    Deutschordensballei Thüringen.

    =Magistrat der Stadt Burg=:
    4962. 2 Lackabdrücke des Stadtsiegels von Burg.

    =Ungenannter in Nürnberg=:
    4963. Nürnberger Heller vom Ende des 14. Jhdts.

    =G. Lomler=, Oberlehrer, in Salzungen:
    4964. 8 neuere Siegelabdrücke.

    =Dr. Fr. Ried=, groſsh. geh. Hofrath und Professor, in Jena:
    4965. Sammlung von 55 älteren und neueren, vorzugsweise
    Gildesiegeln.

    =F. Schöntag=, Subrektor, in Wunsiedel:
    4966. Karte von Deutschland von Nic. Vischer, auf Seide gedruckt.

    =C. W. Neumann=, Oberlieutenant und Adjutant, in Regensburg:
    4967. Photographie nach Prekel’s Porträtmedaillon des Don Juan
    d’Austria.

    =P. A. Frind=, bischöfl. Notar und k. k. Gymnasialdirektor, in
    Eger:
    4968. 22 Lackabdrücke älterer Siegelstöcke.

    =Waldvogel=, Pfarrer, in Schweinspoint:
    4969. Pfahlstiefel aus der früheren Marxheimer Brücke.

    =Schnizlein=, Dekan, in Ansbach:
    4970. Silberne Medaille auf den Ryswiker Frieden.
    4971. Thaler der Stadt Schw. Hall, 1712.
    4972. 6 kleinere Silbermünzen.

    =Müller=, Pfarrer, in Pleinfeld:
    4973. Ansicht von Burg und Markt Kipfenberg, Photographie.
    4974. 3 kleinere Silbermünzen.

    =Dr. H. Becker= in Dortmund:
    4975. 12 niederländ. Kupfermünzen vom 17. u. 18. Jhdt.

    Schnizlein, Stadtgerichtsassessor, in Nürnberg:
    4976. Konstanzer Silberkreuzer, 14 Kupfermünzen vom 17. u. 18.
    Jhdt. und 5 Kupfermarken.

    =E. Ziegler=, Juwelier, Gold- und Silberarbeiter, in Nürnberg:
    4977. Brabanter Silbermünze König Philipp’s II. von 1562.

    =K. Berthold=, Wachszieher und Magistratsrath, in Ingolstatt:
    4978. Gypsabguſs der am Schloſsthore zu Ingolstatt eingehauenen
    Inschrift von 1368.

    =D. Soldau’s= Buch- und Verlagshandlung in Norden:
    4979. Photogr. Ansicht der Stadt Norden.

    =S. Frosser=, Bürgermeister, in Herford:
    4980. 14 Lackabdrücke von Herforder Stadt-, Gilde- u. a. Siegeln.
    4981. 25 Lackabdrücke von den im Archiv zu Herford befindlichen
    Münzstempeln.

    =Frl. Clementine Hennig= in Schleiz:
    4982. Sporn vom 16. Jhdt.



Chronik der historischen Vereine.


/Anzeiger der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften./
Philosophisch-historische Classe. II. Jahrgang. 1865. Nr. I.-XXIX.
Wien. 1865. 8.

/Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte/,
herausgegeben von dem /historischen Vereine von und für
Oberbayern/. Sechsundzwanzigster Band. Erstes Heft. 8.

Kleine Hülfsmittel beim Studium der Bayerischen Geschichte. Von Dr.
Chr. Häutle. Erste Serie. I. Richtige Zählungsweise der gleichnamigen
Wittelsbachischen Regenten in Bayern. II. Schema der Regierungsjahre
aller Wittelsbacher in Bayern. III. Chronologische Darstellung der
sämmtlichen Landestheilungen in Bayern. -- Die Reihenfolgen der
Gerichts- und Verwaltungsbeamten Altbayerns nach ihrem urkundlichen
Vorkommen vom XIII. Jahrhundert bis zum Jahre 1803. Mitgetheilt von
Ernest Geiſs. Erste Abtheilung. Oberbayern.

Sechsundzwanzigster /Jahres-Bericht/ desselben Vereins. Für das
Jahr 1863. Erstattet in der Plenarversammlung am 1. August 1864 durch
den ersten Vorstand Friedrich Hektor Grafen Hundt. München, 1864. 8. 77
Stn.

/Kirchenschmuck. Ein Archiv für kirchliche Kunstschöpfungen und
christliche Alterthumskunde./ Herausgegeben unter der Leitung des
/christlichen Kunstvereins der Diöcese Rottenburg/. Redigirt von
Pfarrer Laib und Dekan Dr. Schwarz. XVIII. Band, zweite Hälfte. Achter
Jahrgang 1865. Viertes Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8.

Archäologische Notizen: Schnitzer und Maler; Testament des Herzogs
Johann von der Pfalz; die schwarzen Muttergottesbilder; u. A. -- Ein
Gang durch 80 Kirchen.

/Zeitschrift für die Geschichte und Alterthumskunde Ermlands./ Im
Namen des /historischen Vereins für Ermland/ herausgegeben vom
Domcapitular Dr. Eichhorn. Achtes Heft. Mainz, 1865. Verlag von Franz
Kirchheim. 8.

Die Prälaten des ermländischen Domcapitels. Vom Domcap. Dr. Eichhorn.
-- Zur Geschichte des kopernikanischen Systems. Fortsetzung des dritten
Artikels. Von Prof. Dr. Beckmann. -- Geschichte der Heiligenlinde.
Forts. Von Curatus Kolberg. -- Remowe in Warmien. Von Obersteuerinsp.
v. Winkler. -- Chronik des Vereins.

/Monumenta Historiae Warmiensis./ II. Abtheilung. Scriptores Rerum
Warmiensium oder Quellenschriften zur Geschichte Ermlands. Im Namen des
historischen Vereins für Ermland herausgegeben von Carl Peter Woelky
und Johann Martin Saage. Achte Lieferung. Band III. Bogen 1-12. Mainz,
1865. Verlag von Franz Kirchheim. 8.

Series Episcoporum Warmiensium. -- Johannes Plastwici, Decani
Warmiensis, Chronicon de vitis episcoporum Warmiensium. -- Acta de
interceptione castri Allenstein.

/Schriften des Vereins für die Geschichte der Stadt/ Berlin.
Erster Band. Heft I. Die Chronik der Cölner Stadtschreiber von
1542-1605. -- Die Wendland’sche Chronik von 1648-1701. Berlin. In
Commission bei A. Bath. 1865. 8. 104 Stn.

/Bremisches Jahrbuch./ Herausgegeben von der /Abtheilung des
Künstlervereins für Bremische Geschichte und Alterthümer/. Zweiter
Band. Erste Hälfte. Mit einem Holzschnitt und zwei Steindrucktafeln.
Bremen, Verlag von C. Ed. Müller. 1865. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Die erste Abtheilung des Werks: „Denkmale
der Geschichte und Kunst der freien Hansestadt Bremen.“ Von H.
A. Müller. -- Philipp Cäsar. Ein Lebensbild aus der Bremischen
Kirchengeschichte. Von J. M. Kohlmann. -- Ueber Heergewette und
Niftelgerade nach Bremischem Rechte. Von Dr. A. H. Post. Nebst
Urkunden-Anhang. -- Beiträge zur Geschichte des Rathskellers in
Bremen. Von J. G. Kohl. -- Zur Geschichte der Ritter Deutschen Ordens.
Mit einem Holzschnitte und drei Tafeln. 1. Die Fahrt der Bremer und
Lübecker nach Accon und die Stiftung des Deutschen Ordens. Von D. R.
Ehmbk. 2. Die Deutschherren-Commende zu Bremen. Von H. A. Schumacher.
3. Die Ueberreste der Bremischen Komthureigebäude. Von S. Loschen. --
Ein Bremischer Garten im vorigen Jahrhundert. Mitgetheilt von Dr. Fr.
Buchenau.



Nachrichten.


Literatur.


Neu erschienene Werke.

    1) /Roggenwolf und Roggenhund./ Beitrag zur germanischen
    Sittenkunde von /Wilhelm Mannhardt/. Danzig, Verlag von
    Constantin Ziemssen. 1865. gr. 8. XII u. 51 Stn.

Nach den von A. Kuhn zu Tage geförderten Resultaten der vergleichenden
Sprachforschung, welche der Mythendeutung zuerst eine sichere,
schwerlich je zu erschütternde Basis errangen, lieſsen sich auf
dem Gebiete der Mythologie, namentlich der germanischen, neue
Entdeckungen von wesentlichem Belange kaum noch erwarten. Auch gieng
die Thätigkeit der Gelehrten dieses Fachs nun vorzüglich nur noch
darauf aus, die neu eingeschlagene Bahn weiter zu verfolgen und die
Richtigkeit der gefundenen Prinzipien durch deren Anwendung nach
den verschiedensten Seiten hin zu erproben. Konnte auf diesem Wege
die Wissenschaft zu wahrhaft neuem Erwerb zwar nicht gelangen, so
gewährten die angestellten Versuche doch willkommene Bestätigung
dafür, daſs Kuhn das lange vergebens gesuchte mot de l’énigme, den
rechten Schlüssel zum Räthsel der Mythenbildung gefunden habe.
Zugleich aber konnte nicht ausbleiben, daſs die Deutungssucht, der die
frühern Irrwege für immer abgeschnitten waren, von dem klar gemachten
neuen Terrain aus abermals auf unsichere Bahnen ausschweifte. Schon
Schwartz gab durch seine, übrigens so schätzbaren Arbeiten dazu
bedenklichen Anstoſs. Der drohenden Gefahr nun, daſs der Gewinn der
neuen Entdeckung durch zu leichtsinnige Ausbeutung desselben einen
Theil seines wissenschaftlichen Ansehens wieder einbüſsen möchte,
wird von Mannhardt ein kräftiger Damm entgegengesetzt dadurch, daſs
er auf den positiven Boden der Forschung, zu den noch flieſsenden
lebendigen Quellen der Mythenkunde zurückkehrt. Wie fleiſsig die
Sammlung der Volksüberlieferungen seit dem von Grimm gegebenen
mächtigen Anstoſse auch betrieben worden ist, so kann sich der Kundige
doch nicht verbergen, daſs sie, gegenüber den Anforderungen der
Wissenschaft, fortwährend als ungenügend sich erweise, in Betracht
sowohl der bedeutenden Lücken, welche sich immer noch zeigen, als
des unmethodischen Verfahrens, welches beim Sammeln, wie bei der
Zersplitterung der Kräfte unvermeidlich war, zu häufig Anwendung
fand. Beiden Mängeln will M. abhelfen, indem er unter einheitlicher,
kundiger Leitung ein möglichst ausgedehntes Ländergebiet Ort bei Ort
absuchen und dabei stets nur eine bestimmte Ueberlieferungsgruppe nach
der andern an die Reihe kommen läſst. Mit den agrarischen Gebräuchen,
zunächst besonders den Erntesitten, hat er den Anfang gemacht, und als
die erste, zwar noch nicht vollkommen gereifte und daher nur als Probe
dargebotene, Frucht des Unternehmens haben wir die oben verzeichnete
Schrift zu begrüſsen. Die mit dem gründlichen methodischen Sammeln, wie
es von M. in’s Werk gesetzt ist, verbundenen Vortheile springen in die
Augen. Nicht die Mythenkunde allein wird dabei gewinnen, das Resultat
wird nicht einzig eine, vermöge der breiteren Grundlage zu erzielende
Festerlegung der Grundprinzipien dieser Wissenschaft sein: auch mancher
andere Zweig der Kulturgeschichte und Alterthumskunde wird durch jenes
Verfahren eine bisher ungeahnte Bereicherung erfahren. Davon zeugt
schon die vorliegende Schrift. Sie faſst von den zahllosen Gruppen
der volkstümlichen Ueberlieferungen nur die agrarischen Gebräuche
in’s Auge, greift aus diesen nur den Glauben an ein im Getreide
sich aufhaltendes dämonisches Wesen auf, erwählt aus den mancherlei
Gestalten, unter welchen dieses Wesen dem Volksglauben erscheint, zum
Gegenstande der Untersuchung nur Wolf und Hund, und doch, trotz dieser
Beschränkung des Gegenstandes und des Nichtabschlusses der Sammlung,
welche Fülle des Materials! Was bisher vorlag, hätte nur dürftige
Notizen an die Hand gegeben. Nicht allein aber läſst die Schrift den
Reichthum der noch zu hebenden Schätze ahnen: sie bürgt auch auf’s
neue für die Tüchtigkeit des Unternehmers. Sein warmes Interesse für
den Gegenstand beirrt ihn nicht in der Ausübung der besonnensten
Kritik, deren Resultaten auch der kälteste Zweifler nicht leicht
seine Beistimmung versagen wird. Auf den Inhalt der Schrift können
wir uns hier leider nur mit wenigen Worten einlassen. Weit verbreitet
ist der Glaube an ein dämonisches Wesen, welches im Getreide haust
und durch das vom Wind erregte Wogen desselben seine Gegenwart kund
gibt. Unzählige Redensarten (der Wolf geht durch’s Korn, sitzt im
Korn, u. a. m.) bezeugen diesen Glauben, an welchen da und dort der
Gebrauch sich knüpft, jenes Wesen, in manchen Gegenden Roggenwolf oder
Roggenhund genannt, in der letzten Garbe zu fangen. Auch auf diese
Garbe oder die Binderin derselben geht mitunter der Name Wolf über.
Was nun irgendwie an den Roggenwolf in Redensarten, Gebräuchen, Namen,
Sprüchen und abergläubischen Meinungen erinnert, wird von M. aus dem
reichen Schatze des Gesammelten mit den nöthigen Erläuterungen und
Combinationen vorgeführt. Nachdem er sodann den mythischen Gehalt des
Glaubens an einen Korndämon dargelegt hat, findet er schlieſslich
im Roggenwolf ein als Personification elementarer Naturgewalten
(zunächst ist natürlich an den Wind zu denken) zu deutendes Wesen der
germanischen Riesensage. Die Ansicht, daſs in den auf den Roggenwolf
bezüglichen Erntesitten eine Opferhandlung sich verstecke, weist er
zurück. Auch will er mit Recht nichts davon wissen, daſs in dem Wolfe
Wodans Thier oder gar der Gott selber zu suchen sei. So viel von dem
Inhalt der interessanten Schrift. Wir kommen auf das groſsartige
Sammelunternehmen des Verfassers, bei der Wichtigkeit desselben auch
für die Zwecke des german. Museums, noch einmal zurück. Ein solches
Unternehmen, welches einen Quellenschatz der germanischen Volkssage und
Volkssitte möglich machen und nicht allein auf alle Völker germanischen
Stammes sich erstrecken, sondern auch die Mitwirkung der slavischen und
romanischen Stämme in Anspruch nehmen will, übersteigt natürlich die
Arbeitskraft eines einzigen Mannes, auch wenn dieser auf die Leitung
und Verarbeitung der Sammlungen sich beschränkt und sein ganzes Leben
dieser einen Aufgabe widmet. Nur durch ausdauerndes Zusammenwirken
vieler energischer Kräfte lassen sich die Schwierigkeiten des
Unternehmens allmählich überwinden. Die Unterstützung der Sache
empfehlen wir um so mehr all denen, die sich derselben anzunehmen
vermögen, als das german. Museum selbst das von M. jetzt in Angriff
Genommene ursprünglich zu seinen Aufgaben zählte. Möge ihm gelingen,
was auszuführen das Museum bis jetzt auſser Stande war. Dem Anfange
wenigstens hat die Gunst der Umstände nicht durchaus gefehlt, indem die
k. Akademie der Wissenschaften zu Berlin die Sammlung der agrarischen
Gebräuche, womit das Unternehmen eröffnet worden ist, befürwortet und
der dabei anzuwendenden Methode zugestimmt hat, auch durch königliche
Munificenz für die Deckung der nächsten materiellen Bedürfnisse
Fürsorge getroffen ist. Ein Aufruf zur Beantwortung einer Reihe von
Fragen ist in 50,000 Exemplaren versandt worden, und zum Theil bereits
mit schätzbaren Erfolgen. Die dem Geschäft des Sammelns folgende
Arbeit soll in zwei Theile zerfallen, von welchen der erste ein
geographisch-ethnographisch, nach den einzelnen Landschaften geordnetes
Urkundenbuch, der andere eine sachlich geordnete Zusammenstellung des
Stoffes enthalten wird. Anschlieſsen soll sich ein Verzeichniſs aller
derjenigen, welche durch ihre Beiträge das Werk gefördert haben. Mögen
die Sagenfreunde sich beeifern, dieses Verzeichniſs einen möglich
gröſsten Umfang gewinnen zu lassen!

    2) Die Stedinger. Beitrag zur Geschichte der Weser-Marschen von H.
    A. Schumacher, Dr. jur. Bremen, 1865. Verlag von C. Ed. Müller. 8.
    248 Stn.

Eine gekrönte Preisschrift, die den vielfach behandelten Stoff nach
Inhalt und Form abzuschlieſsen scheint. In der ersten Abtheilung
würdigt der Verfasser die vorhandenen Quellen und die bisherigen
monographischen wie gelegentlichen Bearbeitungen des Gegenstandes,
indem er gleichzeitig seinen eigenen Standpunkt beiden gegenüber
feststellt. Der zweite Theil umgrenzt und beschreibt den Schauplatz
der Ereignisse, entwickelt aus den natürlichen und geschichtlichen
Vorlagen das Verhältniſs der benachbarten und in feindliche Berührung
gerathenden Mächte, während Theil III und IV: „Die Stedinger vor
ihrer Verketzerung und der Religionskrieg gegen die Stedinger“,
den Zusammenstoſs und die schlieſsliche tragische Lösung der Frage
berichten. Eine vierte Abtheilung verfolgt die Geschichte der
merkwürdigen Bauernrepublik nach deren Unterwerfung. Da der eigentliche
historische Ballast den zahlreichen, an das Ende des Buches gestellten
Noten überwiesen ist, bleibt die Erzählung gleichmäſsig und spannend,
die Darstellung so durchsichtig, daſs die die ganze Scenerie in
Bewegung setzenden Mächte klar zu Tage treten. Abgelöst von der
einzelnen Begebenheit erkennen wir die allgemeine Strömung der Zeit,
welcher die Stedinger in ihrer gesonderten Stellung früher oder später
jedenfalls hätten erliegen müssen, sowie die Schwächen ihrer eigenen
staatlichen Existenz, die sie im entscheidenden Augenblicke preisgaben.
Ein den Noten hinzugefügter Anhang nimmt einzelne Punkte der Erzählung
zu näherer kritischer Beleuchtung wieder auf. Zwei Karten erleichtern
das Verständniſs der oft sehr verwickelten Ortsbestimmungen.


Aufsätze in Zeitschriften.

    /Ausland/: Nr. 49. Cromlechs und Druiden-Steinkreise. (Aus dem
    Intellect. Obs.) -- Nr. 51. Alt- und neufriesische Sprachproben.
    (Franz Maurer.)

    /Biene/: Nr. 36. Beiträge zur böhmischen Pflanzensagenkunde.
    IV-VI. (Alfr. Waldau.) -- (1866): Nr. 1. Die Sage über den Ursprung
    der Hunnen und Ungarn. -- Beil.: Weihnachtsfeier im Erzgebirge
    des nordwestlichen Böhmen. (K. G. Meyer.) -- Sage vom Prinz
    Eugens-Brunnen bei Temeswar.

    /Kathol. Blätter aus Tirol/: Nr. 34. Die Namen der Wochentage.

    /(Berner) Bund/: Nr. 342. 343. Zur Geschichte der Entdeckung
    der keltischen Pfahlbauten. (Alb. Jahn.)

    /Daheim/: Nr. 14. Drei Tage aus dem Leben eines
    Pfahlbaudorfes. (Herm. Wagner.)

    /Europa/: Nr. 51. Gaukler und Schwarzkünstler im Alterthum.
    -- Nr. 52. Altfürstliche Geselligkeit. -- Der erste Maire von
    Straſsburg.

    /Illustr. Familienbuch/: V, 12, S. 411. Der Handel. Eine
    culturhistorische Skizze. (Hugo Schramm.)

    /Grenzboten/: Nr. 50, S. 928. Walther von der Vogelweide
    als mittelalterlicher und moderner Dichter. -- Nr. 51, S. 974.
    Weihnachten in Schleswig-Holstein. -- Nr. 52, S. 1001. Vertreibung
    und Aufnahme der Salzhurger Protestanten im J. 1732. -- (1866:) Nr.
    1, S. 23. Das historische Volkslied der Deutschen. (G. F.)

    /Hausblätter/: 24. Heft, S. 453. Holzlandsagen. VII. Das
    sechste und siebte Buch Mosis in Tautenhain. (Kurt Greſs.) --
    Nr. 469. Die tanzende Prozession oder die tanzenden Heiligen zu
    Echternach. (Fr. Grebel.) -- (1866:) 2. Heft, S. 117. Volkssagen,
    aus dem Munde des Volkes gesammelt. 7. Niefinke. (Fr. Schultheis.)

    /Der Katholik/: Novbr. Die Entwicklung der deutschen
    Geschichtschteibung von den ältesten Zeiten bis auf Carl den
    Groſsen.

    /Evangel. Kirchen-Zeitung/: 77, 5. (Novbr.) Der Dom des heil.
    Gral.

    /Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 654 f. Zu Pirkheimer’s
    Gedächtniſs. -- (1866:) Nr. 13 ff. Wissenschaftliche Vorträge in
    München. I. Prof. Thiersch: Ueber Luther’s Entwicklungsgang. -- Nr.
    34. Erklärung einer Runeninschrift einer bei Nordendorf gefundenen
    Spange. (K. Hofmann.)

    /Magazin f. d. Lit. d. Ausl./: Nr. 52. Zum heiligen Christ.
    Die Zwölften. (H. Beta.)

    /Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 15 (III), S. 245.
    Deutsche Geschichtsschreiber. I. Johannes von Müller. (Wilh.
    Hoffner.) -- S. 323. Zur Geschichte des deutschen Handwerks. I.
    (Ludw. Stahl.)

    /Deutsches Museum/: Nr. 50. Der Ritter Georg. (Hans Weininger.)

    /Frank Leslie’s Illustrated Newspaper/: Nr. 534. The virgin,
    an ancient Instrument of torture.

    /Novellenzeitung/: Nr. 50. Der wahrscheinliche Verfasser des
    Nibelungenliedes.

    /Schles. Provinzialblätter/: Nov., S. 672. Die evangelische
    Kirche in Schlesien, insbesondere die Verdienste der freiherrl.
    Familie v. Zedlitz-Neukirch um dieselbe. Aus geschichtlichen
    Quellen und Urkunden.

    /Recensionen u. Mittheil. über bild. Kunst/: Nr. 49. Die
    Tschager’sche Gemäldesammlung im Museum zu Innsbruck.

    /Recensionen und Mittheilungen über Theater und Musik/: Nr.
    49. Das Klavier. (Zur Geschichte desselben.) 1. Karl Nawratil. --
    Nr. 51. Ein Schauspiel mit Musik vom J. 1510. (Alf. Grenser.)

    /Berliner Revue/: 43, 9. Der Theatinerorden.

    /Revue gen. de l’architecture/ etc.: Nr. 1-2, S. 6. Cuve
    baptismale dans la cathédrale de Trèves. (Ruprich-Robert.)

    /Augsb. Sonntagsblatt/ (Beil. z. Postz.): Nr. 2. Zur
    Geschichte der Spielkarten.

    /Bremer Sonntagsblatt/: Nr. 52. Vom schwarzen Tode. Ein
    Beitrag zur bremischen Geschichte. (H. A. Schumacher.) -- Nr. 53.
    Geschichte und Geschichtschreibung. (Alex. Meyer.) -- (1866:) Nr.
    1. Neue hansische Geschichts-, Cultur- und Charakterbilder. I. Die
    Vitalienbrüder. (Heinr. Asmus.) -- Nr. 2. Historische Miscellen. 1.
    Ein Duell im 17. Jahrhundert. 2. Menschenopfer der Deutschen. 3.
    Vandalismus und die Vandalen. (Gottfr. Hermann)

    /Münch. Sonntagsblatt/: Nr. 51. Die Klöpfelsnächte.
    Kulturhistorische Skizze. (Dr. L. v. Hörmann.) -- Otto der Groſse
    an der Nordsee. -- Die Kirchenruine des Klosters Gnadenberg in der
    Oberpfalz. (Dr. J. Sigbart.) -- Nr. 53. St. Utto’s Stab im Kloster
    Metten. (Ders.) -- (1866:) Nr. 1. Der Sängerkrieg auf der Wartburg.
    -- Nr. 3. Kaiser Otto III. am Grabe des heil. Adalbert.

    /Ueber Land und Meer/: Nr. 12. Fraw Herae de vlughet.
    Weihnachtsbräuche. -- Nr. 14. Das Fizeln (Brauch am 28. Dez.)

    /Deutsche Vierteljahrs-Schrift/: Nr. 113, S. 219. Die
    Entwicklung und Reform des deutschen Paſswesens. (G. R. R. Häpe.)

    /Volksblatt für Stadt u. Land/: Nr. 94. Ein „edler Räuber“ des
    15. Jahrhunderts. -- Nr. 103. Gebhard von Marenholz.

    /Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg/: Nr. 51 f. Le
    roi te touche. (Paulus Cassel.)

    /Oesterreich. Wochenschrift/: Nr. 47. Die Entwicklung der
    deutschen Städteverfassungen im Mittelalter. -- Nr. 50. Die
    altniederländischen Messen in der k. k. Ambraser Sammlung zu Wien.
    (A. W. Ambros.) -- Ueber den neuesten Stand der Nibelungenfrage.
    (H. Lambel.)

    /Allgem. Zeitung/: Beil. Nr. 350. Der deutsche
    Geschichtsverein in Böhmen. -- Nr. 363. Aachener Stadtrechnungen
    aus dem 14. Jahrhundert. Karl’s IV. und Wenzel’s Königskrönungen.

    /Bayer. Zeitung/: Morgenbl. Nr. 344. Ein Beitrag zu den
    Alterthümern des Hauses Wittelsbach (der silberne, vergoldete
    Hammer, welchen Papst Julius III. im Jahre 1550 bei Eröffnung des
    Jubiläums gebrauchte). -- Nr. 349. Der Fund zu Gauting. (Franz
    Trautmann.) -- Nr. 356 ff. Das Vehmgericht in Westphalen. (A.
    Eisenhart.) -- (1866:) Nr. 2. Ein Schauspiel mit Musik vom Jahre
    1510. -- Nr. 6. Zur Frage der Vehmgerichte. (H Vocke.) -- 16 ff.
    Zur Culturgeschichte der Handwerksbräuche. (Franz Trautmann.)

    /Illustr. Zeitung/: Nr. 1173. Die Entdeckung römischer
    Alterthümer in der Nähe von Huddersfield in England. -- Schloſs
    Tirol bei Meran. -- Nr. 1175. Der Deutsche im französischen
    Sprichwort. -- Das Rathhaus in Brüssel. -- Nordische Schachfiguren
    des 12. Jahrhunderts.



Vermischte Nachrichten.


1) /Die Versteigerung der Kunst- und Antikensammlung/ des
verstorbenen Direktors Böhm in Wien ist am 18. Decbr. beendet
worden. Namentlich für kleine Holzschnitzwerke wurden enorme Preise
bezahlt. Figürchen von deutschen Meistern des Mittelalters kamen auf
500-1000 fl. Einen wirklich fabelhaften Preis erreichten zwei in Holz
geschnitzte Köpfe von Holbein (nach Andern aus der burgundischen
Schule), welche sammt Postament 5 Zoll hoch sind. Direktor Böhm hatte
beide Stücke vor vielen Jahren um 33 fl. in Wien gekauft. Es boten
darauf der Wiener Kunsthändler Posonyi, der mit einem Angebot von
5000 fl. begann, der Kunsthändler Kleemann aus Paris (für Baron James
Rothschild daselbst) und der Antiquitätenhändler Plach (für Baron
Anselm Rothschild in Wien), welche die Köpfe so in die Höhe trieben,
daſs sie endlich dem letztem für 11,800 fl. zugeschlagen wurden. -- Bei
derselben Versteigerung wurde für die kgl. Gemäldegallerie in Dresden
ein Bildchen, Christus am Kreuze darstellend, erstanden, welches, nur
8½ Zoll hoch und halb so breit, den Preis von 3000 Thlr. erzielte.
Es ist von Albrecht Dürer gemalt, trägt die Jahreszahl 1500 und soll
seinerzeit in der Sammlung des Kaisers Rudolf II. in Prag gewesen sein.

    (Aus Wiener Bl.)

2) Das Kunstinstitut von Gustav Schauer in Berlin hat die /Herausgabe
eines photographischen Albums Holbeinischer Schöpfungen/
unternommen. In dieses Album sind die Bildnisse Hans Holbein’s, Sigmund
Holbein’s, Jakob Fugger’s, Lienhard Wagner’s und des Kunz von der
Rosen, ein Flügel des Sebastian-Altars, der Brunnen des Lebens, der
Orgelflügel des Basler Münsters, die Madonna, das Leben des Morritt,
vier Blätter aus dem Todtentanz auf der Dolchscheide aufgenommen. Den
Text mit einer ausführlichen Biographie Hans Holbein’s hat Dr. Alfred
Woltmann geliefert, derselbe Kunstforscher, welcher seit längerer Zeit
mit einem gröſsern Werke über Holbein beschäftigt ist und daher das
Material zu solch einer Arbeit am vollständigsten beisammen hatte.
(Ill. Ztg.)

3) Der philosoph.-historischen Classe der kais. Akademie der
Wissenschaften in Wien wurde zur Aufnahme in ihre Schriften zugesandt:
„/Die Utraquisten in Böhmen/.“ Quellenmäſsig dargestellt von
Dr. Clemens Borowy. Der eigentlichen Abhandlung ist vorausgeschickt
eine Vorbemerkung, in welcher die Absicht des Verfassers bekannt
gegeben wird, im Verein mit dem böhmischen Landesarchivar, Professor
Gindely, die gesammten „Acten des katholischen und utraquistischen
Consistoriums“ im 16. und 17. Jahrhunderte nach den bisher vorhandenen
ungedruckten Quellen zu veröffentlichen. Die Mehrzahl dieser Quellen
ist in böhmischer, ein anderer Theil in deutscher, und ein dritter in
lateinischer Sprache verfaſst; die Originalien befinden sich in den
Archiven des Prager Erzbischofes, des Domcapitels, der k.k. böhmischen
Statthalterei, der Universität und anderen. Gegenstand der Abhandlung
selbst ist die Disciplin der Utraquisten, wie sie im Verlaufe des 16.
Jahrhunderts sich gestaltete.

4) Dem böhmischen Museum in /Prag/ hat der Stadtrath von Neuhaus
ein werthvolles /Geschenk mit elf lateinischen Folianten/
theologischen, naturwissenschaftlichen und lexikalischen Inhalts
gemacht, welche sämmtlich aus der ersten Periode der Buchdruckerkunst
stammen. Dabei ist noch ein Foliomanuscript aus dem Jahre 1466
befindlich, welches die Episteln des Apostels Paulus enthält. Sie sind
sämmtlich wohl erhalten und mit kunstreichen Initialen verziert.

    (Ill. Ztg.)

5) Der Alterthumsforscher Quiquerez in Delsberg (Délemont), Cantons
Bern, hat auf dem Felsen /bei Courroux die Reste eines keltischen
Dorfes/ mit vielen Bruchstücken von keltischen Töpferwaaren von
den ältesten Zeiten bis zur Einführung des Eisens, nebst mehreren
Werkzeugen aus Stein und aus Bronze entdeckt, welche vollkommen mit den
in den Pfahlbauten gefundenen übereinstimmen.

    (Mgbl. z. bayer. Ztg.)

6) Ueber die /Aufdeckung von vier keltischen Grabstätten bei
Teplitz/, südwestlich von der Strasse nach Lobositz zwischen
den Dörfern Ratsch und Woboschan gelegen, wird geschrieben: Diese
Gräber haben 4 Fuſs Länge und 2 Fuſs Breite und sind an den Wänden
mit je einer aufrechtstehenden Steinplatte von Gneis ausgesetzt,
ebenso mit einer Platte bedeckt. Jedes Grab enthält vier Urnen von
schwachgebranntem Thon, deren Inhalt aus verbrannten Knochenresten
besteht und theilweise auch einzelne Schmuckgegenstände aus Kupfer
aufweist; nur zwei der Urnen wurden unversehrt herausgehoben. Weit
zahlreicher ist das Vorkommen dicht aneinander stehender flacher
Schalen, höchstens 4 bis 5 Zoll hoch und 8 bis 10 Zoll im Durchmesser,
welche dicht unter der Dammerde in einer von kothigen Bestandtheilen
schwarzen Erdschichte ruhen und mit einer Decke von basaltischen
Gebilden versehen sind. Insofern die Knochensplitter auch Thieren
angehören, dürfte man es neben einer Begräbniſsstätte auch mit einem
Opferplatze zu thun haben. Fürst Clary, in dessen Besitz die Fundstücke
übergegangen sind, wird im kommenden Frühling geregelte Nachgrabungen
an der Stelle vornehmen lassen.

    (Ill. Ztg.)

7) Bei dem Graben eines Brunnens zu /Rudolphsheim/ bei Wien
wurden in einer Tiefe von 5 Klaftern /römische Grabstätten/ mit
Aschenurnen entdeckt.

    (Mgbl. z. B. Z.)

8) Bei dem Marktflecken /Frankenmarkt/ in Oberösterreich wurde
gelegentlich von Erdabgrabungen in der letzten Zeit ein vollkommen
wohlerhaltener /römischer Meilenstein gefunden/, welcher die
Aufschrift trägt: „Marcus Aurelius. -- Antoninus Pius.“ Der Stein ist
dem Landesmuseum in Linz zur Aufbewahrung übergeben worden.

    (Ill. Ztg.)

9) In /Regensburg/ soll bei Gelegenheit der Ausschlammung eines
Brunnens in der Kramgasse (im ehemaligen Judenquartier) ein sehr
interessanter /Münzfund gemacht/ worden sein, und zwar von
gröſsern und kleineren Gold- und Silberstücken aus dem 15., 16. und 17.
Jhdt., welche, wie vermuthet wird, im dreiſsigjährigen Kriege in den
Brunnen hinabgelassen wurden.

    (Frk. Kur.)

10) Die /protestantische Kirche zu Kloster-Grab/ in Böhmen,
welche 1618 auf Befehl des Prager Erzbischofs Lohelius niedergerissen
und wegen dieser Handlung, zugleich mit der Schlieſsung der Kirche
in Braunau, die nächste Veranlassung zum dreiſsigjährigen Kriege
wurde, ist vollständig zerstört. In einem der Stadtgemeinde gehörigen,
hinter dem Rathhause liegenden Obstgarten bemerkt man einen kleinen
viereckigen, etwas erhöhten Platz, und unmittelbar daneben einen noch
kleineren, in ähnlicher Weise erhöhten Fleck. Das sind die Stellen, auf
welchen sich einst das Kirchlein erhob. Der letzte Stein der Kirche
diente noch vor wenigen Jahren auf einer nahe gelegenen Kegelbahn zur
Unterlage der Kegel und ist jetzt ebenso verloren, wie schon 1855 alle
im Rathhause befindlichen, über die Erbauung und Zerstörung der Kirche
und die sich daran reihenden Ereignisse Auskunft gebenden Urkunden
beseitigt worden sind.

    (Korr.)

11) In /Pforzheim/ besteht seit langer Zeit der Gedanke, das
Andenken eines der berühmtesten Söhne dieser Stadt, /Johann
Reuchlin’s/, des Bahnbrechers moderner Bildung und Vorarbeiters
der Reformation, 1455 daselbst geboren, 1522 in Stuttgart gestorben,
durch /Errichtung eines Denkmals/ zu ehren. Dieses Projekt ist
neuerlichst von dem Medicinalrath Moppey wieder aufgenommen worden,
welcher zwölf populäre Vorlesungen halten wird, deren Ertrag zur
Gründung eines Reuchlin-Monuments bestimmt ist, indem er hofft, daſs
das Unternehmen einen Anstoſs zur Einsendung anderweitiger Beisteuern
geben werde.

    (Ill. Ztg.)



Inserate und Bekanntmachungen.


1) Im Verlage von E. Avenarius in Leipzig erscheint auch für das Jahr
1866:

    ~Literarisches Centralblatt für Deutschland~. Herausgegeben
    von Professor Dr. Friedr. Zarncke. Wöchentlich eine Nummer von
    12-16 zweispaltigen Quartseiten. Preis vierteljährlich 2 Thlr.

Das „Literarische Centralblatt“ ist gegenwärtig die einzige kritische
Zeitschrift, welche einen Gesammtüberblick über das ganze Gebiet
der wissenschaftlichen Thätigkeit Deutschlands gewährt und in fast
lückenloser Vollständigkeit die neuesten Erscheinungen auf den
verschiedenen Gebieten der Wissenschaft (selbst die Landkarten)
/gründlich/, /gewissenhaft/ und /schnell/ bespricht.

In jeder Nummer liefert es durchschnittlich über 20, jährlich also etwa
1200 Besprechungen.

Auſser diesen Besprechungen neuer Werke bringt es eine Angabe des
Inhalts aller wissenschaftlichen und der bedeutendsten belletristischen
Journale, der Universitäts- und Schulprogramme Deutschlands,
Oesterreichs und der Schweiz; die Vorlesungs-Verzeichnisse sämmtlicher
Universitäten und zwar noch vor Beginn des betreffenden Semesters;
eine umfängliche Bibliographie der wichtigern Werke der ausländischen
Literatur; eine Uebersicht aller, in andern Zeitschriften erschienenen
ausführlichern und wissenschaftlich werthvollen Recensionen; ein
Verzeichniſs der neu erschienenen antiquarischen Kataloge, sowie der
angekündigten Bücher-Auctionen; endlich gelehrte Anfragen und deren
Beantwortung, sowie Personal-Nachrichten. Am Schlusse des Jahres wird
ein vollständiges alphabetisches /Register/ beigegeben.

~Prospecte und Probenummern~ sind durch alle Buchhandlungen und
Postanstalten zu erhalten.

2) =Wichtige literarische Novität für alle Münzfreunde.=

Soeben erschien bei G. F. Groſsmann in Weiſsensee und ist durch alle
Buchhandlungen zu beziehen:

    Leitzmann, (Red. d. Num. Ztg), „~Wegweiser auf dem Gebiete der
    deutschen Münzkunde~“ II. Lieferung, umfassend das Münzwesen
    des Königreichs Sachsen, Groſsherzogthums Sachsen-Weimar, der
    Herzogthümer Sachsen, des Herzogthums Anhalt, der Fürstenthümer
    Schwarzburg, des Fürstenthums Reuſs, Herzogthums Braunschweig,
    Königreichs Hannover, Churfürstenthums und Groſsherzogthums Hessen
    und der Landgrafschaft Hessen-Homburg, der freien Reichsstädte
    Frankfurt a.M., Hamburg, Lübeck und Bremen, der Groſsherzogthümer
    Mecklenburg, des Groſsherzogthums Oldenburg, des Herzogthums
    Lauenburg und Herzogthums Holstein. 13 Bgn. 8. geh. Preis -- 27 Sgr.

Die erste Lieferung (Preis gleichfalls -- 27 Sgr.) umfasst das
Münzwesen des gesammten /Preuſsischen Staates/ und die im Druck
befindliche dritte Lieferung, womit dieses so äuſserst günstig
recensierte Werk des in numismatischen Kreisen bekannten Herrn
Verfassers wahrscheinlich schlieſst, wird das Münzwesen Oesterreichs
nebst den andern süddeutschen Staaten ausführlich behandeln.

3) Alle ~Münz-~ und ~Alterthumsfreunde, Münzforscher~ etc.
werden auf die in Weiſsensee (bei Erfurt) erscheinende

    Numismatische Zeitung,

herausgegeben von Leitzmann, aufmerksam gemacht.

Dieselbe hat soeben ihren /33. Jahrgang/ begonnen und steht als
/einziges/, in kürzeren Fristen erscheinendes Organ der Numismatik
da. Preis pro Jahrgang (26 Nummern, Inhaltsverzeichniſs und 4-6
Münztafeln) Thlr. 2. 15 Sgr.

Alle Postanstalten und Buchhandlungen nehmen Bestellungen an.

4) In ~J. A. Stein’s~ Buchhandlung (/Ad. Köllner/) in
~Nürnberg~ ist erschienen und durch /jede/ Buchhandlung zu
beziehen: Erbstein, H. A., Dr. jur., ~Der Münzfund von Trebitz bei
Wittenberg~. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Münzwesens im
12. u. 13. Jhdt. Nürnberg, 1866. 4. 9 Bogen und 4 Kupfertafeln mit 75
Abbildungen. Preis 2 Thlr.

5) ~Anfrage.~ Im Monat November 1827 wurde aus dem Nachlasse
des bekannten Geschichtsforschers /Thomas Ried zu Regensburg/
nachfolgend bezeichnetes Manuscript durch Auctionator Auernheimer
ersteigert. Es ergeht an alle Freunde der Geschichtsforschung hiemit
die Bitte, gefälligst Aufschluſs darüber zu geben, wo dies Werk sich
gegenwärtig befinden mag?

    „Bernclau, decani eccl. cath. Ratisb., tabulae stemmatographicae
    et genealogicae Landsassiarum veteris et junioris Palatinatus.
    Mnscript. fol.“

    Hauzenstein bei Regensburg.

    Hugo Graf v. Walderdorff.

☛ Der heutigen Nummer dieses Blattes ist ein Aufruf des Dr. W.
/Mannhardt/ zur Beantwortung von Fragen, die agrarischen Gebräuche,
namentlich die Erntesitten betr., beigelegt. Auf die in der
gegenwärtigen Beilage zum Anzeiger abgedruckte Besprechung der Schrift
„Roggenwolf und Roggenhund“ Bezug nehmend, ersuchen wir Alle, welche
Interesse für die Sache hegen, derselben nach Kräften sich annehmen zu
wollen. Insbesondere bitten wir darum die Herren Pfleger des Museums,
welche eine etwa erzielte Beantwortung der Fragen an unsere Adresse
(das german. Museum) gelangen lassen wollen. Zur sachdienlichen
Vertheilung stehen weitere Exemplare des Aufrufs zu Diensten. Auch über
einige Exemplare der besprochenen Schrift haben wir noch zu verfügen,
welche wir an diejenigen Herren Pfleger, die der Gegenstand /besonders/
interessiert, abzulassen bereit sind.


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                      1866.    Nº 2.    Februar.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



Der „fränkische Krieg“.

Mitgetheilt von Jos. /Baader/, kgl. Archivconservator, in Nürnberg.

(Fortsetzung.)


Kriegshandlung.

/Was gegen Velberg dem schloſs gehandlt ist/: Vnd alls das
kriegsvolck sambt dem geschütz von Dinckelspühel aus den negsten auf
Poxberg getzogen vnd dann das schloſs Velberg nit weit von dem wege
gelegen, ist gegen demselben schloſs nit mer gehanndlt dann das die
kriegsräte vff vorgeenden absagbrieff, der dem Wilhalm von Felberg
gen Velberg durch Herr Jorgen Truchsassen alls obersten veldthaubtman
zugeschickt, ir ettlich zu roſs doselbsthin gen Velberg geordent, dem
Wilhalm von Felberg seinen tayl abprechen, das zimer heraustragen,
verprennen vnd alle seine zugehörende güter vnd paurn zu gemains bunds
hannden annemen laſsen, das dann on alle verhinderung beschehen ist.

/Poxberg betreffend/: Nachmals alls der oberst veldthaubtman
sambt den kriegsräten vnd dem kriegsvolkh sambstags den 20. Juny gen
Pergershaim bey Mergethaim gelanngt, haben sy den herschreyer oder
parsifanndten mit einem trumetter gen Poxberg geschickt, daſselb
schloſs, so vff ein groſse meil wegs dauon gelegen, im namen Romischer
kayserlicher mayestat vnd gemainer stennde des löblichen bunds zu
Schwaben vnd zu derselben hannt vnd gewalt sambt allem dem, das zu
demselben schloſs gehört, erfordern laſsen.

Demselben parsifanndten oder heerschreyer ist vff kurtze rede durch
die innhaber deſselben schloſs, so allein von dem stettlein doselbst
in besetzung gewest, geanntwort, das sy inen nit getrauen, wider
die kayserliche mayestat noch die stennde des schwäbischen bunds das
haus Poxberg inzubehalten. Dhweil auch ire edleut, die Rosenberger,
denselben Poxberg vnd ire armleut verlaſsen, von inen gewichen,
deſsgleichen die lanndtsknecht vnd poxenmaister, so bey ynen zu
Poxberg in besetzung gewest, bey zwaintzig starckh, abgezogen, der
belegerung vnd der straich nit erwarten wollen, westen sy sich auch
nit zubeschützen vnd wolten sich der Romischen kayserlichen mayestat
vnd gemainen stennden des schwäbischen bunds zu vnterthanen in gnad
ergeben, das schloſs sambt aller zugehör v̈beranntworten mit der
vnterdenigen bitt, sy die vnterthanen vnd armen leut bey irer alten
freyhait vnd gerechtigkeit bleiben zulaſsen, vnd vor gewalt, auch iren
alten edleutten den Rosenbergern zubeschützen. Vnd haben alsbald auch
bey demselben parsifanndten dem obersten veldthaubtman vnd anndern
kriegsräten geschrieben, wie das nachvolgende schrifften antzaigt:

    Den wolgebornen gestrenngen vnd edln hern, hern Georgen Truchsäsen,
    freyhern zu Walburg &c., obersten veldthaubtman, vnd andern
    Romischer kayserlicher mayestat vnd des löblichen bunds zu Schwaben
    beuelhabere vnd kriegsräten, vnnsern gnedigen herrn:

Wolgebornen gestrenngen vnd edln, gnedig, günstig, lieb herrn!
Euer gnad vnd gunst alls Romischer kayserlicher mayestat, vnnsers
allergnedigisten herrn, vnd deſsgleichen des bunds im lannde zu
Schwaben, vnnser gnedigsten vnd gnedigen herrn, haubtleut &c. haben
vns alls heut durch euer gnaden vnd gunst gesanndten herolten vnd
beuelchhabern einen fürschlag vnd fordrung, das haus Poxberg sambt
der statt betreffend, laſsen fürtragen; vnnter anderm eur gnaden vnd
gunsten anstatt kayserlicher mayestat, vnnsers allergnedigisten
herrn, vnd des loblichen bunds zu Schwaben das haus vnd statt Poxberg
aufzugeben, gefordert vnd begert, oder des heerzugs ernnstlich
zugewarten &c. Dhweil wir nun alls arm verlaſsen leut einem solchen
v̈berzug vorzusteen beschwerlich befinden an leib, guet vnd eer gar
pfenntlich &c., so ist an eur gnad vnd gunst vnnser vnterdenigste
hochste vleisigste bitt, vnns alls arm leut gnediglich zubedencken,
doneben vffs vnterdenigst bittend, vnsern junckhern vnd iren beden
schwestern ire gült vnd zinns jerlichen volgen vnd gnediglich
zubetrachten, zum anndern vnns arm burger, auch all annder vnnser
junckhern zustendig, ire hintersäsen, verwannten, gaistlich vnd
weltlich leibs vnd guts zusichern, vnd dergleichen zum dritten vns alle
der von Rosenberg zu Poxberg armleut inner- vnd auſserhalb Poxberg bey
altem herkomen, geprauch vnd gewonheit gnediglich bleyben zulaſsen,
in gnedigsten schutz vnd schirm zubehalten, vnd [wollen vns] solchs
vff eur gnad vnd gunst auffordern vnd begern dermaſsen vnterdeniglich
ertzaigen vnd aller gepür halten, vnterdenigst bittend, vns pas,
dann wir arm leut reden, schreiben noch fürtragen mögen, gnediglich
zubetrachten, vns vnd vnser vnschuld zubehertzigen, vnd bitten euer
gnad vnd gunst vmb gnedig mit versicherter pettschafft beschribne
antwort. Datum Poxberg sambstags nach Metardi Anno &c. 1523.

    /Schultheis, burgermaister und rate
    zu  Poxberg./

Vff solche handlung vnd der von Poxberg schreiben haben die kriegsräte
am suntag ganz frü herr Rudolffen von Ehingen, Ritter, haubtmann,
Jacoben von Wernau vnd den zeugmaister Matern Herder mit hundert
pferden, auch einem zimlichen geschütz gen Poxberg geschickt vnd
daſselb haus ernstlich erfordern vnd einnemen laſsen, wie dann solchs
on allen widerstanndt v̈bergeben vnd zu des punds handen vnd gewalt
alsbald gestellt worden ist.

Vnd alls im selben schloſs Poxberg an treffenlichen geschütz, alls
quartonen, notschlangen, valckonetlin, zentner- vnd sunst hackenpüxen
in mercklicher antzal, datzu kugl, pulfer vnd annder munition,
auch wein, melb, getraid, flaisch, saltz vnd in allem dem, so in
ein besetzung gehört, aller vorrat gefunden, haben die kriegsräte
obgemelten suntag Albani geordent, das geschütz sambt seiner zugehör
von dem schloſs Poxberg an peſsere gewarsam zufüren vnd gemainem bundt
zu gueten zubehalten. Das ist beschehen vnd also denselben suntag vnd
montag biſs vff den mittag volbracht vnd das geschütz gen Bischoffshaim
gefürt.

Inuentarium des geschütz vnd vorrats, so zu Poxberg im schloſs erobert
vnd gefunden ist: Erstlich ein quarttaun, 36 cenntner schwer, scheuſst
eysen 36 pfundt; ein schlanngen steet doneben, vngeuerlich 26 zentner
schwer, scheuſst eysen 6 pfundt; ein stainpüxen vff einem stockh,
ungeuerlich zwaintzig zentner schwer; zwey valckonet, ains vff 4
zentner schwer; ein quarttaun vff einem schirmer, vngeuerlich vff 30
zentner schwer; ein schlanngen, vngeuerlich 18 Zentner schwer; im
hintern thurn ein schlenglein, mit 4 redern; item mer ein schlenglein
in der were zu einem groſsen stuckh, wigt 2½ zentner; item 8 eiseren
hacken; item 4 scharpfetin, wigt eins 1 zentner; item in der groſsen
stuben 20 neue hacken vnd neu eingefaſst, zu halben zentnern; item 4
alt gefaſst hacken; item 2 alt vngefaſst hacken; vornen im hoff ein
pockh; im hintern thurm zuoberst ein toppelhacken, mer 3 hacken, item
mer 2 hacken; item in der werh, zum stockh genannt, ein centnerhacken,
item mer vier halb centnerhacken, item mer 2 halb centnerhacken,
item zwo eysen feuerpüxen; item im püxenhaus 1 centnerhacken, item
zehen eysere hacken; item vff dem casten ein centnerhacken, item zway
scharpfetin, wigt ains ain centner, item 2 halb centnerhacken; vnten
bey dem hintern keller 3 halb centnerhacken; item in der hintern
gefengknus bey 22 centner pulffers vngeuerlich item 3 centner pley;
item in einer keskamer in einem sackh ein centner pulffers; item
mer in einem gewelb, do zwen stockh inn gestanden, in vier casten
bey 40 malter melbs, item 23 scheuben saltz, item 13 feurgabel mit
feuerwerckh; item 24 feuerhäfen; 161 quartaunenkugel, eisen; item 365
schlangenkugel, eisen, zweyer gattung; item 132 valckonetkugel, plei;
item 121 scharpfetinkugel, plei; mer zwo alt hackenpüxen; item zwo
eisere schrauben, domit man prucken aufschraubt.

Vnd alls sich aber die kriegsräte besorgeten, wie dann ettliche
kuntschafften in das veltleger komen sindt, das sich pfaltzgraf Ludwig,
churfürst &c., sollte erhebt vnd vorhaben, mit Poxberg alls noch seinem
lehen vnd aigenthum vnterhaspel zumachen, das daſselb schloſs vermög
der bundsräte beuelh vnd instruction nit verprennt vnd zerbrochen
wurde, haben darumb die kriegsräte mit ausprennung vnd zerreiſsung
derselben pasteien vnd schloſs Poxberg desto serer geeylt vnd nit souil
zeit genomen, das das getraid, melb vnd wein, das, wie vorgemelt, in
mercklicher antzal verhannden was, auſs dem schloſs alles gebracht
werden mögen, sunder den armen leuten vſs dem stettlein vnd den dorfern
erlaubt, das melb vnd getraid zu irem nutz herauszutragen, vnd nit
lanng darnach durch die püxenmaistere das schloſs mit pulffer, holtz
vnd stro spicken, antzünden vnd verprennen laſsen, dobey dann Herr
Jorg Truchsas, veldthaubtman, sambt andern kriegsräten gehalten vnd
zugesehen haben. Mittler weyl diser geschichten ist das heer zu roſs
vnd fues sambt der artolerey vor Lauda[A] im veld still gelegen vnd hat
vff volenndung diser hanndlung gewarttet.

Es haben auch nachmals gemaine bundtsstennde das schloſs Poxberg mit
aller seiner zugehör vnd nutzung, auch mit allerlay beschwerden, alls
dann noch vil Rosenberger vnd ir Schwestern an bemeltem schloſs alls
vnschuldig personen tail gehabt vnd darvff vnd seiner zugehör verweist
vnd noch vnendtricht gewest &c., phaltzgrafe Ludwigen churfürsten vmb
fünfftausent gulden verkaufft, zugestellt vnd vberantwort, sunderlich
auch in ansehung, das gedachter pfaltzgraf Ludwig, churfürst,
sambt andern pfaltzgrauen, seiner gnaden gebrudere, diser zeit
bundsuerwanndte fürsten worden sindt.

/Wachbach vnd Aschhausen betreffendt/: Nachmals am mittwoch
sanndt Johanns des taufers tag haben herr Jorg Truchsass vnd die
kriegsrete zwen veindtsbriefe, ainen gen Wachbach, vnd den andern
gen Aschhausen geschickt vnd alsbald verordnet den burgermaister von
V̈berlingen mit zweyen vendlin knechten, dieselben zway schloſser
Wachbach und Aschhausen zuerfordern, eintzunemen, auszuprennen vnd
alle derselben zugehorennde paurn vnd gütere zu gemains punds hannden
vnd gewalt zubringen, wie dann solchs on allen widerstanndt durch
gemelten burgermaister von V̈berlingen volbracht vnd ausgericht. Vnd
in denselben heusern ist weder von vorrat, geschütz noch annderm gar
nichts gefunden, sunder zuuor alles geflohent worden.

/Handlung gegen Balbach dem schloſs/: Desgleichen ist den
Donerstag nach Johanis Baptiste den achtzehenden tag des monats juny
vſs beuelch herr Georgen Truchsassen alls oberstem veldthaubtman vnd
der kriegsrete durch herr Wolffen Böhmer, meiner herrn eins erbern rats
zu Nürnberg haubtman, ein veindtsbriefe durch einen knaben vnd seinen
trummetter gen Balbach geschickt, die daſselb schlos erfordert, aber
niemandt dann etlich edlfrauen vnd junckfrauen mit cleinen kindlein
gefunden, die ob demselben veindtsbriefe seer erschrocken, sich
cleglich gestellt, mit antzaig, das sy sich diser gewaltigen handlung
nit versehen, vnd hetten zu Gott hoffnung, es solte vngerochen nit
bleiben. Aber kurtz vnd des andern tags darnach hat gemelter Böhmer
mit seinen vnd andern der stett reuttern daſselb schloſs Balbach
durch ettlich fuesknecht spicken, antzünden vnd ausprennen laſsen,
vnd deſselben zugehörende paurn vnd guetere zu gemains punds hannden
angenomen. Das ist alles vngeachtet das die Bairischen reuter darob
seer vnlustig vud vngestümb waren, vollenndet vnd ausgericht. In
demselben schloſs sindt zwen tayl gewest, den Sützeln zusteend, vnd
ein neugebaut haus im vorhof, das ist alles verprennt on einiche
verschonung. Wiewol die frauen vnd ander im schloſs sambt den
Bairischen reutern, so allda ir losament gehabt, alles getafel vnd
holtzwerckh vſs den stuben vnd gemachen des schloſs geprochen hetten,
ist doch daſselb schloſs mit holtz vnd stroh dermas gespickt gewest
vnd verordent, das ir fürnemen nit geholfen, sunnder alles in grundt
verprennt ist.

/Verennderung des legers/: Item freytags den neuntzehenden des
monats juny ist das kriegsvolckh vor Lauda aufgebrochen vnd getzogen
den negsten vff Grünsfeldt, vnd dieselben nacht sich bey Mos, ein dorf
vngeuerlich zwo meil wegs von Wirtzburg nidergethan vnd doselbst zwo
nacht stillgelegen.

/Den Reussenberg betreffendt/: Mittler zeit deſselben legers haben
herr Jörg Truchsas vnd die kriegsrete einen veindtsbrieffe vff das
schloſs Reuſsenberg dem Hanns Jorgen von Thüngen zugeschickt. Vnd es
ist auch die mainung gewest, das das kriegsvolckh solte für daſselbig
schloſs Reuſsenberg geruckt sein, aber vff bitt vnd bewilligen des
bischoffs zu Wirtzburg als einem bundsverwandten fürsten vergonnt,
das die Thüngischen paurn, zu dem Reuſsenberg gehorend, an demselben
schloſs den tayl, souil dem Hans Jorgen von Thüngen zugestannden,
selbst abprechen, das holtzwerckh heraustragen vnd verprennen. dagegen
soll denen andern von Thüngen vnd zuuorderst dem stifft Wirtzburg zu
guetem das kriegsvolckh nit weitter in das stifft Wirtzburg noch v̈ber
den Main gefürt werden.

Zu solchem abprechen ist von den kriegsräten verordent bey hundert
pferden darob zuhalten, damit obgemelten erpieten genueg bescheh. Vnter
denselben reutern sind auch etlich Nürmbergisch reuter von den erbern
bürgern gewest, neben andern in dem Wirtzburgischen glait doselbsthin
vnd widerumb zum hauffen gelangt, aber da ist, wie die gemain rede
gewest, gar leis ganngen vnd nit vil schadens beschehen, wiewol sich
zu diser handlung noch anderm fürnemen die freyen Francken irem pracht
nach mit nichten zum widerstandt vernemen haben laſsen. Es haben sich
auch die andern von Thüngen, so am Reuſsenberg tayl gehabt, gegen den
bundsstenden purgirt vnd verschriben wie hernach volgt:

Wir nachbenannten mit namen Eustachius, Caspar und Jorg von Thüngen,
gevettern, alls innhaber des schloſs Reuſsenbergs, bekennen offenlich
vnd thun kunth allermeniglich mit disem brief, alls gemeine stennde
des bunds zu Schwaben, vmb das Hanns Jörg von Thüngen, vnser vetter,
ire veint vnd widerwerttigen vnd offne achter in dem gemelten vnserm
schloſs enthalten haben soll, fürgenomen, darfürtzuziehen vnd dagegen
mit straf zuhanndln, vnd wir vns aber deshalben zu iren gnaden vnd
gunsten gefuegt vnd vff vnser entschuldigung erlanngt, das ir gnad
vnd gunst vns gnediglich zu der purgation gelaſsen, das wir demnach
iren gnaden vnd gunsten bey vnnsern gueten waren treuen zugesagt,
geredt vnd versprochen haben, vnd thun das hiemit wiſsentlich in craft
dits briefs, sobald ir gnad vnd gunst für daſselbig schloſs schicken
vnd ordnen, daſs inen daſselbig zu stund von vns soll geoffendt vnd
auffgetan werden, darjnnen mit des gedachten Hans Jörgen von Thüngen
tayl mit zerreiſsen, verprennen oder in annder wege, deſsgleichen mit
denen gütern, ime zugehörig, ires willens vnd gefallens zuhandln, das
auch dartzu wir, vnser erben vnd nachkomen, solanng die ailfjarig
ainigung des bunds zu Schwaben weret, mit der tat vnd auſserhalb
rechts wider gemaine stennde des bunnds vnd derselbigen zugehörigen
vnd verwandten nit sein, noch hanndln, noch die eegerürt zeit wider
sy oder die iren zum Reuſsenberg niemands enthalten, hausen, hofen,
etzen, trenncken oder darvſs einichen fürschub, wie der immer beschehen
möcht, thun sollen noch wöllen, alles bey vorgemelter vnnser zugesagten
treu, getreulich vnd vngeuerlich. Vnd des zu warem vrkunth hab ich
eegenannter Eustachius von Thüngen von mein selbs vnd der obberürten
Caspar vnd Jörgen von Thüngen, meiner zweyer vettern, bitt wegen mein
aigen insigel zu gezeugnus offenlich an disen brief gehangen. Vnd
dartzu haben wir all drey sambt vnd sunderlich mit vleis erpetten
den edln vnd vesten Bernharten von Thüngen, vnnsern lieben bruder
vnd vettern, das er sein aigen insigel, doch ime vnd seinen erben
on schaden, auch offenlich hieran gehangen hat geprechenhalb diser
zeit vnser obberürten Caspar vnd Jörgen von Thüngen aigen insigel.
Geben vnd geschehen zu Mergethaim vff freytag nach sandt Veits tag
nach Cristi vnsers lieben hern gepurt fünffzehenhundert vnd in dem
dreyvndzwaintzigisten jare.

/Das stettlein Aw[B] belangend/: So ist gegen dem stettlein
Au dermas gehanndlt, das durch den obersten veldthaubtman vnd die
verordennten kriegsräte ein veindtsbriefe doselbsthin gen Au geschickt
vnd daſselb stettlein, so zum halben tayl sambt einem schloſs dem Cuntz
von Rosenberg, vnd der annder halb tayl dem bischoff von Wirtzburg
zugestanden, zu hannden gemainer stennde des Schwäbischen bunds durch
etliche raisige, dartzu verordent, erfordert vnd alle rennt, zins
vnd gült, auch die paurn doselbsthin und dem Cuntz von Rosenberg
zugehorend, zu gemains bunds hannden vnd gewalt gebracht, vnd des Cuntz
von Rosenbergs hausfrauen, der dann ir widem darauff verweist gewest,
nit mer dann ir varnus, clainotter vnd claider gelaſsen vnd daſselb
halb stettlein Au vff ir vngehorsam vnd verwürckung dartzu vmb tausend
gulden gepranntschatzt worden.

/Gegen Waltmannshouen vnd Gnetza/: Item montags den
zwenundzwaintzigisten juny sind herr Jorg Truchsas, veldthaubtman,
vnd das kriegsvolckh fort vff Vffenhaim geruckt, doselbt den Eritag
stillgelegen, in derselben zeit zwen veindtsbrieff durch einen knaben
gen Waltmanshouen vnd Gnetza, bede Cuntzen von Rosenberg zugehörig,
geschickt vnd dieselben zway heuser sambt iren zugehörenden paurn vnd
nutzungen erfordern laſsen. Aber in denselben heusern ist niemandt
gefunden worden.

Vff solche handlung ist erstlich das schloſs Waltmanshouen, welchs dann
gar geraumbt vnd ausgeleret gewest, durch den obersten veldthaubtman
vnd andere haubtleute verprennt, die paurn auch in des bunds pflichten
angenomen, mit der aufflage, dhweil sich dieselben paurn hieuor wider
ir zusagen gegen herr Jorgen Truchsasen etwas vngepürlichs, vngehorsam
vnd strafbar gehalten haben, also das sy die paurn plünderns oder zum
wenigsten pranntschatzung wirdig gewest weren, das demnach die paurn
zu einer straf gemainlich vnd ein yeder sunderlich, sunder ainicher
were mit weiſsen steblein den negsten zu den bundsräten, so damals zu
Hasfurt gewest, sich stellen, antzaigen, doselbst weiters beschaids vnd
der gnade erwartten sollen.

Vnd alsbald ist auch durch Burkharten Marschalck von Pappenheim vnd
ettlich der stett reuter das schloſs Gnetza, so gleichermas wie
Waltmanshouen vnd etwas lustiger vnd vester gepaut gewest, verprennt
vnd alle zugehorende gueter vnd paurn zu gemains bunds banden genomen
vnd huldigen laſsen.

/Zug vff das gebirg/: Item mitwochs den 24. juny 1523 sindt die
kriegsrete mit dem kriegsvolckh aufgeprochen, iren wege an der Aisch
vff Windshaim, vff Lonerstatt vnd fortt vff Vorchhaim genomen, doselbst
zwen tag stillgelegen, das geschütz vnd anders gepeſsert, auch alles
geschos abschieſsen laſsen. In demselben schieſsen dann ettliche
püchsenmaister, so ire sachen nit in acht gehabt, von einem ladstecken
vnd einem veſslein pulfers schaden genomen.

Auch haben in derselben zeit die kriegsrete geratschlaget, welchen wege
sy am bequemsten vff das gepirg nemen möchten, vnd derhalb beschloſsen,
vff Ebermanstat vnd denselben grunt den negsten vff Streitberg die
wege antzunemen, alsdann v̈ber die staig vff Holfeldt zuuerrucken. --
Vnd alls solcher zug für Streitberg geschehen, ist es gleichwol von
wegen der höhe der staig doselbst mit dem groſsen geschütz vnd der meng
der wägen gar langsam zugangen, also das das rennfendlin, der vorzug,
der gewaltig hauf vnd der nachzug des raisigen zeugs sambt ettlichen
fuesknechten ein lange zeit vor Streitberg vff der hoh halten vnd vff
die wagen, auch das geschütz warten müſsen. Vnd an der andern seyten
des schloſs Streitberg ist das fuesvolkh mit dem geschütz vnd den wägen
die staig aufwärts getzogen, vnter denen sich ettlich fuesknecht,
so zum tayl vnter eins erbern rats zu Nürmberg vendlin gelegen vnd
in dem nachzug verordent waren, vnterstanden, Herr Cunrat Schotten,
damals haubtman vff Streitberg seine visch vnd vorhen vſs einem casten
zuheben vnd etlich pfaben zuschieſsen. Darob dann herr Cunrat vnlustig
vnd vnwillig vnd mit einer hackenpüxen vnter die knecht geschossen
vnd alsbald einen Nürnbergischen fuesknecht gefangen, von den andern
knechten, so nichts dartzu gethan, mit gewalt genomen vnd in das
schloſs gefürt, der mainung, denselben zuhencken, vnd alsbald in einem
stockh dermaſsen etlich stund ligen laſsen, das demselben knecht löcher
in die arm geriſsen, die ime nachmals vber ettlich lange zeit nit
gehailet sind.

Alls aber eins erbern rats diser statt haubtman, Wolff Böhmer, solche
gewaltat erfaren, hat er sich mit ettlichen Nürnbergischen haubtleuten,
fenndrichen vnd andern zu herr Jorgen Truchsasen vnd den kriegsräten
gefueget, dise gewaltat vnd den fridbruch angetzaiget. Dem ist annders
nit geholffen dann das Clas Seidensticker, profos, zu herr Cunraten
reitten vnd den knecht zu seinen handen nemen soll. Das ist beschehen.

/Truppach vnd Krügelstein die schlosser auf dem gebirg
betreffend/: Nachmals vnd nemlich mittwochs den ersten tag des
monats july haben herr Jorg Truchsäs alls oberster veldthaubtman vnd
die kriegsräte einen knaben mit zweien veinds brieuen gen Truppach,
das des Wolff Heinrich von Aufses gewest, vnd Krügelstain, so Jorg
Wolff von Gich zugestannden, geschickt, auch nachmals dieselben zway
schloſser, so dann gantz öde vnd verlaſsen, geraumbt gefunden worden,
sambt iren zugehörungen, alls paurn vnd ander nutzung, einnemen,
gemainem bundt huldigen vnd aide thun, darnach daſselbig schloſs
Truppach sambt den vorgepeuen im vorhof antzünden vnd verprennen
laſsen.

So ist herr Jörg Truchsas mit Wolffen Böhmer, Nürmbergischen haubtman,
vnd andern reutern von dem hauffen vff Krügelstain geruckt, daſselbig
schloſs durch etlich fuesknecht, so vor der zeit daselbsthin mit
etlichen püchsenmaistern vnd reutern geordent waren, mit einem
liechtzaun, so vmb das schloſs gemacht gewest, spicken vnd einen vesten
wolerpauten thurn, so oben im vmblauff acht schuch dickh war, mit
vier thunnen pulffers speysen vnd den lufft verdempfen vnd nachmals
antzünden laſsen, das in kurtzer zeit nach antzündung des schloſs
Krügelstain derselb vest thurm durch kraft des pulffers von grundt
erhebt vnd so gewalttig von seiner statt in den graben geworffen ward,
das es wunderparlich zusehen, nit vil erfaren, sunder vff disen zug
allererst gelernt ist.

Nach vollendung derselben taten ritten herr Jorg Truchsas sambt andern
widerumb dem veltleger zu, das hinter Thurnau geschlagen was, vnd
hetten daselbst ir nachtstall.

    (Schluſs folgt.)


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Städtchen an der Jaxt.]

[Fußnote B: Aub an der Gollach, 2½ Stunden von Ochsenfurt.]



Verkauf eines Fabrikzeichens aus den Jahren 1433 und 1478.

Mitgetheilt von /F. K. Fürsten zu Hohenlohe-Waldenburg/.


Graf Hugo von Walderdorff hatte die Güte, uns zwei
Original-Pergamenturkunden mitzutheilen folgenden Inhalts:

I. Urkunde von 1433, „des nehsten freitags nach gotsleichnamstage“
(12. Juni): Balbran (Walram) Zader, Hammermeister zu Weidenberg, in
einen Rechtsstreit gerathen mit Erhard Frank zu der Hargenloh und
dessen Brüdern um das /Eisenzeichen/, genannt der „Feuerhak“,
wobei beiden Theilen die Führung dieses Zeichens zuerkannt worden
war, verkauft nun zu Verhütung von Irrungen, welche sich aus dem
beiderseitigen Gebrauche dieses Zeichens ergeben könnten, seine
Berechtigung hieran an Albrecht Frank (Bruder des Erhard), dessen
Brüder und Erben.

Von den beiden, an Pergamentstreifen hängenden Siegeln (IV, C) von
grünem Wachs in ungefärbter Schale ist das erstere des Hanns Schütz zu
Trautenberg nur noch zur Hälfte vorhanden und ganz undeutlich, das des
Peter Groſs zu Zeilenreuth aber noch gut erhalten.

II. Urkunde von 1478, „am mittwochen vor letare in der heiligen vasten“
(25. Februar):

Sigmund Frank, Burger zu Aurbach, thut kund: sein Vater sel., Hans
Frank, und dessen Brüder hätten den Feuerhaken von ihrem Vater,
Ahnherrn und Urahnherrn ererbt, solchen in ihren /Siegeln/
gebraucht und hergebracht länger denn Menschen-Gedächtnis ist, auch
dabei den Feuerhaken auf die in ihren Hämmern geschmiedeten Erzeugnisse
geschlagen, und so sei „der Feuerhak“ zuletzt auf seinen Vater und auf
dessen Bruder, Albrecht Frank durch Erbschaft gelangt. Diese beiden
Brüder nun, beide mit „Hammerberg“ (Hammerwerken) versehen, hätten sich
dahin vereinigt, daſs Hans Frank und seine Erben auf den aus seinen
Eisenhämmern hervorgehenden Erzeugnissen das fragliche Zeichen auf
deren /Rücken/, sein Bruder Albrecht aber solches auf der /Bahn
der Schiene/ aufschlagen soll. Nachdem nun aber Sigmund Frank kein
Hammerwerk mehr besitzt und den Feuerhaken niemand billiger vergönnt,
als dem, dem er aus angeborener Erbschaft zusteht zu gebrauchen, so
verkauft er seine Berechtigungen zu diesem /Zeichen/ an seinen
1. Vetter Wilhelm Frank, Bürger zu Regensburg, und verspricht, den
Feuerhaken auf kein Eisen mehr aufschlagen zu lassen. Jedoch behält
er für sich und seine Erben das Recht vor, denselben Feuerhaken im
/Siegel/ oder /Petschaft/ auch ferner zu gebrauchen. Das
Siegel des Sigmund Frank ist abgerissen; die beiden anderen, an
Pergamentstreifen hängenden Siegel (IV, A, 2) von grünem Wachs in
ungefärbter Schale, des Hanns Zugenreuter zu Zugenreut und des Cunz
Slamersdorf zu Michelfeld, sind noch ziemlich gut erhalten, nur die
Legenden sind verwischt[A].

Diese beiden Urkunden liefern einen weiteren, interessanten Beitrag --
und zwar aus der bürgerlichen Sphäre -- zu der Frage über Entstehung
und Erwerbung der Wappen[B]. Denn, wenn es sich streng genommen im
vorliegenden Falle nicht um den Verkauf eines Wappens im eigentlichen
Sinne des Wortes handelt, sondern nur eines auch als Siegelbild
gebrauchten Fabrikzeichens[C], so ist die Analogie zwischen beiden
doch gewiſs nicht zu verkennen, und zwar um so mehr, als wir wirklich
später, z. B. in der ehemaligen Stiftskirche zu St. Emmeran in
Regensburg, als Wappen der Frank, wie hier abgebildet, einen rothen
Feuerhaken im von Silber und Blau schräg-links getheilten Schilde
finden[D].

[Illustration]

Es wäre sehr zu wünschen, daſs noch andere derartige Beispiele in
diesen Blättern mitgetheilt würden.


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Abschriften beider Urkunden befinden sich im Archive des
german. Museums.]

[Fußnote B: S. Anzeiger f. K. d. d. V., 1865, Nr. 1.]

[Fußnote C: Erinnert sehr an die Hausmarken.]

[Fußnote D: Als Helmschmuck zwei dergleichen Feuerhaken, schräg
gekreuzt.]



Zur Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahlbauten.


Da in neuerer Zeit über Entdeckung und erste Erkennung der Pfahlbauten
als solcher irrthümliche Ansichten zu verbreiten gesucht werden, so
findet sich die Zürcherische antiquarische Gesellschaft veranlaſst,
den Hergang der Sache einmal einfach und der Wahrheit gemäſs zur Kunde
des Publikums zu bringen, wobei jedem, was ihm gebührt, gegeben werden
soll.

Es war im Februar 1830, als zu Männedorf am Zürichsee eine einer
bestimmten Anzahl Bürger zuständige Habe tiefer gelegt ward,
um bequemeres Anlanden der Schiffe zu ermöglichen. Das dabei
herausgehobene Material ward auf einer benachbarten Wiese ausgebreitet
und erwies sich bald als Seeschlamm und Moder, in welchem verfaultes
Holz, Knochen und einzelne Kohlen, sowie eine Anzahl Steinbeile sich
befanden. Durch einen Anverwandten auf diese Steinbeile aufmerksam
gemacht, verfügte sich Herr Dr. /Ferdinand Keller/, Präsident
der antiquarischen Gesellschaft, an Ort und Stelle, um sowohl das
Gefundene in Empfang zu nehmen, als auch die Fundstelle einer genaueren
Untersuchung zu unterwerfen. Die Reste des Holzes und die Steinbeile,
die man damals noch für Abhäuteinstrumente hielt, der Geruch des Moders
und Anderes bestimmten Hrn. Dr. Keller zur Annahme: es habe hier,
am Rande des Sees, eine Art von Gerberei in der Urzeit gestanden,
und er theilte dies der Gesellschaft als das Ergebniſs wiederholter
Betrachtung des Ortes und der Fundgegenstände mit.

Von diesem Augenblicke an blieb seine unausgesetzte Aufmerksamkeit auf
diese Gegend des Sees gerichtet. Die gänzliche Lösung des Räthsels
erfolgte aber erst im Jahre 1854, weil damals in Folge des höchst
trocknen Winters der Seespiegel überaus tief stund. Herr Lehrer Aeppli
zu Obermeilen berichtete nämlich an das Präsidium der antiquarischen
Gesellschaft über das Zutagetreten von Gegenständen in dem vom Wasser
verlassenen Seebette, welche über den frühesten Zustand der Bewohner
dieser Gegend Aufschluſs zu geben geeignet seien. Da Herr Dr. Keller
abgehalten war, sich persönlich an Ort und Stelle zu begeben, so
veranlaſste er Herrn Prof. Escher von der Linth, als Geologen, und
Herrn Dr. Heinr. Meier, als Alterthumskenner, statt seiner sich nach
Meilen (das alte Mediolanum) zu verfügen. Ersterer hatte vor Allem
die Frage zu beantworten: ob die gefundenen Pfähle früher am Lande
gestanden hätten. Herr Prof. Escher sprach hierauf auf das Bestimmteste
aus, daſs die Pfähle den dortigen Terrainverhältnissen gemäſs gleich
von Anfang im See gestanden haben müſsten.

Von da an begab sich Herr Dr. Keller mehrere Male nach Meilen, und er
überzeugte sich, daſs dort im See auf den Pfählen einst Hütten stunden,
ähnlich den Fischerhütten, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in
der Limmat errichtet waren, jedoch mit dem Unterschiede, daſs erstere,
gemäſs der Art und Beschaffenheit der zwischen den Pfählen gefundenen
Geräthe, bewohnt, letztere jedoch nicht bewohnt waren, sondern nur zum
Fischfang gebraucht wurden.

Die von dieser Entdeckung in verschiedenen Zeitungen gegebenen
Berichte zündeten, und es kamen nun von verschiedenen Gegenden der
Schweiz, vom Westen und Osten, Anzeigen an die Gesellschaft, daſs
ähnliche Pfahlbauten in den Seen entdeckt worden seien. Die wichtigste
Entdeckung war unstreitig die im Bielersee, weil dort, in der Nähe von
Nidau, in einer Untiefe, Steinberg genannt, eine Menge von Pfählen zu
Tage traten, zwischen denen eine Masse von Thongeschirr, sowie Stein-
und Bronzegeräthe, wie schon früher, so auch jetzt wieder entdeckt
wurden. Herr Dr. Keller reiste bald nachher dahin, untersuchte mehrere
Wochen hindurch die Fundorte und vervollständigte dadurch seine Idee
von den Pfahlbauten, d. h. Niederlassungen in auf Pfählen im See
errichteten Hütten, die vor ihm Niemand ausgesprochen hatte, und die
damals noch viele Gegner und Bestreiter fand. Ja, er entschied sich
dahin, daſs in der Urzeit sich die Bevölkerung zum Theil bleibend auf
den Seen, wahrscheinlich zur Sicherung ihrer Personen und ihrer Habe,
angesiedelt gehabt.

Dies ist der Hergang der Sache, und es ergibt sich daraus, daſs vor
Herrn Dr. Keller Niemand eine Ahnung hatte, daſs diese Pfähle in den
Schweizerseen Böden und Hütten trugen, und daſs diese Gerüste, die er
Pfahlbauten benannte, von den Ureinwohnern bleibend bewohnt wurden.

/Zürich/, Januar 1866.

Im Namen der Zürcherischen antiquarischen Gesellschaft

    /Ludwig Ettmüller/.



Heidnische Gräber in Böhmen.


Zur Ergänzung der in Nr. 12 des „Anzeigers“ 1863 gebrachten kurzen
Notiz von der Auffindung eines Todtenfeldes zwischen den Dörfern
Nehasitz, Welmschloſs, Moraves und Wisotschan in der Nähe der königl.
Kreisstadt Saaz in Böhmen folgt nun die Darstellung der weiteren
Forschungen auf dieser interessanten Gräberstätte. Das Todtenfeld bei
Nehasitz hat bei 150 W. Klafter Länge 100 W. Kl. Breite. Unter der 1
W. Schuh mächtigen Ackerkrume liegt die Gräberschichte von wechselnder
Dicke 3-5 W. Schuh, darunter der natürliche Boden, rother Lehm. Die
Erde der Gräberschichte zeigt durchaus im trockenen Zustande ein
aschenartiges, graues Ansehen; die chemische Untersuchung ergab den
groſsen Gehalt derselben an kohlensaurem Kalk. Die Gräber sind theils
/Skelettgräber/, theils /Urnengräber/. In ersteren liegen
die wohlerhaltenen Skelette 3-5 W. Schuh tief unter der Oberfläche,
mit dem Kopfe nach Norden, theils mit dem Angesichte, theils mit dem
Rücken auf dem rothen Lehm auf. In zwei Fällen ruhte die Leiche auf
einer von unbehauenen Feldsteinen pflasterartig zusammengelegten
Steinlage; mehrere Gräber waren mit behauenen, platten, groſsen
Steinen umlegt. In der Nähe der Leiche befinden sich je drei Steine,
einer beim Kopf, und je einer an den Brustseiten; unter letzteren
befindet sich häufig eine 9 Zoll hohe, vierseitige, der Breiteachse
nach durchbohrte, aus Thon gebrannte Pyramide, (ganz ähnlich dem
in Wagner’s „Tempel und Pyramiden der Urbewohner auf dem rechten
Elbufer“, Taf. II, Fig. 28 abgebildeten Objekte). Die mitgegebenen
Grabgefäſse sind gröſstentheils zerdrückt; sie zeigen eine zierliche
Form, sind an der Innen- und Auſsenfläche schwarz, graphitartig
glänzend, schalen-, krug-, napfförmig. Beigaben von Metall finden
sich in dieser Schichte selten; häufiger kommen bei Nehasitz nur
Bronzenadeln mit einfachem Knopfe vor; sehr selten bronzene Armbänder;
Eisengegenstände finden sich nirgends, desto häufiger Mitgaben aus
Stein und Bein, Reibsteine zum Zermalmen des Getreides, nebst den
erwähnten Thonpyramiden, Thonwirtel, Aexte und starke Lanzenspitzen
ähnliche Stechinstrumente aus Hirschhorn, durchbohrte Pferde- und
Eberzähne, Pfriemen und Nadeln aus schwachen, zugespitzten Knochen,
Röhrchen aus gebranntem Thon. In den Urnengräbern sind die Urnen in
eine Steinumlegung beigesetzt und mit einem flachen Stein zugedeckt;
sie enthalten Asche, Knochenstückchen, selten Bronzeringe oder Nadeln;
ihre Form ist zumeist krugartig, am häufigsten mit einem Henkel,
sehr selten doppelgehenkelt, zuweilen auch ohne Henkel. In der über
den Skeletten und Urnen aufgehäuften aschenhaltigen Erde finden sich
Tausende Fragmente von thönernen Gefäſsen der verschiedensten Natur,
daneben zahlreiche Thierknochen (man könnte ganze Wagenladungen davon
wegfuhren), jedoch kein einziges ganzes Thierskelett. Die Untersuchung
des von mir an Ort und Stelle ausgehobenen Materials ergab folgende
Thiergattungen: Rind (Schenkelknochen eines ausgewachsenen Exemplars
kleiner Race und Stirnknochen mit ansitzendem Horn vom Kalbe), Pferd
(Zähne und Schulterblatt von sehr starken Exemplaren), Edelhirsch
(Gehörn und Rückenwirbel von groſsen, alten Thieren), Rehe (Gehörn,
Fuſsknochen und Wirbel von schwachen, jungen Thieren), Eber (einzelne
Zähne, vollständiges Gebiſs von ungeheuren Thieren). Letztere drei
Thiergattungen: Edelhirsch, Reh und Wildschweine, finden sich durchweg
in überwiegender Mehrzahl. Einzelne Knochen dieser Thiere sind halb
verbrannt; wahrscheinlich war die Gräberstätte bei Nehasitz zugleich
auch Opferstätte; jedenfalls fand das Volk, dem diese Gräber angehören,
neben den Früchten des Ackerbaues seine Hauptnahrung noch in den wilden
Thieren des Forstes. Ferner fand ich in den Nehasitzer, sowie in allen
ähnlichen Gräbern, die ich untersuchte, immer runde, kugelförmige
Steine von der Gröſse einer Nuſs bis zur Gröſse einer Faust. Obgleich
sich diese Steine immer nur als auf natürlichem Wege (durch Wasserlauf)
abgerundete Geschiebe herausstellen, so müssen sie doch, da sie sich
so häufig in den Gräbern, oft weit entfernt vom Fluſsbette der Bäche
finden, zu einem besonderen Zwecke mit Sorgfalt aufgelesen worden sein;
selbst eine runde, mehr als faustgroſse Kugel von Thoneisenstein fand
sich in einem Grabe. Somit stimmen meine Untersuchungen mit andern
in Böhmen aufgefundenen Gräber- und Opferstätten vollkommen überein.
Aber Nehasitz, sowie das 1 Wegstunde nördlich davon gelegene Moraves,
zeigen eine besondere Eigenthümlichkeit. Auch bei Moraves findet sich
eine ganz ähnliche, nur etwas gröſsere Gräberstätte; aber hier wie dort
liegt unter der eben beschriebenen eine /zweite Leichenschichte/.
Zwei bis drei Schuh tief in dem rothen Lehm finden sich nämlich
brunnenartige Gräber, 3 W. Schuh im Durchmesser, kreisrund; eines
von dem andern je 5-6 Schritte entfernt. Auch in dieser Schichte
finden sich Skelettgräber neben Urnengräbern, bei Nehasitz aber
Skelettgräber vorherrschend, bei Moraves Skelettgräber ausschlieſslich.
Diese tieferen Gräber laufen bei Moraves nach unten spitz zu, so daſs
die Beckenknochen der Leichen die tiefste Lage einnehmen; in den
Nehasitzer Gräbern befinden sich die Leichen in hockender Stellung. In
diesen Skelettgräbern fanden sich sehr viele Bronzeobjekte, Arm- und
Fuſsspangen, Fibeln, Doppelspiralen aus Bronzedraht von bekannter Form,
Bronzestängelchen, Ringe aus schwarzem Horn; auch einen Bronzedolch
will man gefunden haben. In der Nähe der Gräberstätte fand sich ferner
auf freiem Felde ein bronzenes, sichelartiges Instrument, (ähnlich dem
in Hallstadt gefundenen; Gaisberger, „die Gräber bei Hallstadt“, Taf.
VII, Fig. 6), ferner ein Bronzecelt von sehr primitiver Form. Aehnliche
Gräberstätten finden sich in der Nähe der eben genannten Orte noch in
Welmschloſs, Wisotschan, Horatitz, Schieſselitz; doch trifft man an
diesen Orten nur Gräber an, die der oberen Nehasitzer und Moraveser
Schichte analog sind, nie aber Gräber der tieferen Schichte. Auch in
diesen Gräberstätten finden sich Urnen, Thonpyramiden, Gefäſsfragmente,
Thierknochen, nie Bronzeobjekte. An den letztgenannten Orten überwiegen
zudem die Urnengräber.

Eine andere Bestattungsart traf ich am rechten Egerufer, ebenfalls
unweit der Stadt Saaz, bei dem Dorfe Pressern. In geringer Tiefe,
kaum 6-8 Zoll, stöſst man auf runde Lager reiner Asche, 1 W. Klafter
im Durchmesser, 3-4 Schuh tief, mit Gefäſsfragmenten, Holzkohlen und
Thierknochen angefüllt, eines von dem andern 10-15 Schritte entfernt.
Die Untersuchung solcher Aschenlager ergab eine wohlerhaltene,
krugartige, mit Asche angefüllte, einhenkelige Urne, in unmittelbarer
Nähe des Brandplatzes zwischen Steinen eingeschlichtet und mit einem
flachen Stein bedeckt; daneben Pfriemen von Bein, runde Kiesel, einen
Korb voll Gefäſsfragmente feinerer und roherer Gattung, Hirsch- und
Eberknochen. Auch in der Nähe des Schlosses Petersburg deckte ich im
Laufe des Sommers 1865 einen ähnlichen Brandplatz auf. Er hatte runde
Form, 1 W. Klaft. Durchmesser, 3 Schuh Tiefe. Als Fundobjekte ergaben
sich in groſser Menge Gefäſstrümmer, runde Kieselsteine, durchbohrte
Eberzähne, bestimmt, an einem Faden aufgereiht zu werden, einige
Fluſsmuscheln, ein ziemlich groſses, flaches Stück Rotheisenerz;
von Menschenknochen ein Kiefer und Schulterblattfragmente, endlich
zwei vollkommen erhaltene Gebisse von sehr starken Ebern. Weiter
führe ich als Fundorte heidnischer Gräberstätten längs des Laufes
des Egerflusses, in der Umgegend der Stadt Saaz noch an: Soběsak,
Straupitz, Libotschan, Bẽzdiek, Stẽknitz, endlich die Stadt Saaz
selbst, in deren Weichbilde heidnische Gräber häufig aufgedeckt
werden. So stieſs man im Laufe des Frühjahrs 1865 bei Erdgrabungen
behufs des Neubaues eines Hauses in der Prager Vorstadt auf Gräber
der spätheidnischen Periode. Die Leichen lagen 8 W. Schuh tief unter
dem Strassenpflaster mit dem Gesichte gegen die Erde gewendet, beim
Kopf und in der Brustgegend einzelne Basaltsteine. Im Verlaufe der
Grabungen traf man ein Grab, in dem die Leiche in sitzender Stellung
beerdigt war. Neben ihr standen 4 Thongefäſse, ein sehr zierlich
geformtes krugförmiges, ein flaches schalenförmiges und zwei kleine,
kaum einen Zoll im Durchmesser haltende napfförmige Gefäſse, alle sehr
wohl erhalten.

Die Gegend um die Stadt Saaz ist eine der schönsten und fruchtbarsten
Böhmens. Schon der älteste böhmische Chronist Kosmas († 1125) war von
dem Reichthum des Saazer Landes entzückt; er preist es als „pulcherrima
visu et utillima usu ac uberrima satis nec non abundantissima pratis
regio“. Hier war ehedem der stolzeste der slavischen Stämme in Böhmen,
der der Lučaner („superbissima gens, quibus et hodie a malo innatum est
superbire“, heiſst es von ihnen bei Kosmas) seſshaft; er führte diesen
Namen von den vielen Wiesen (slav. lučí), die seine Ansiedelungen
umgaben. Die Lučaner bildeten ein eigenes Fürstenthum, das aber
später seine Selbständigkeit an den Prager Herzog Neklan verlor, der
nach der Besiegung der Lučaner die Burg Draguš an der Eger erbaute.
Die Stadt Saaz selbst scheint aber erst in der zweiten Hälfte des 9.
Jahrhunderts aufgekommen zu sein; der Name kommt, wenn ich nicht irre,
das erste Mal zum Jahre 1004 bei Tietmar vor. Die zahlreichen hier
erwähnten Gräberstätten sprechen dafür, daſs die Saazer Gegend schon
frühzeitig sehr dicht bevölkert war; die Stadt Saaz selbst, sowie
die einzelnen Orte, in deren Nähe sich solche Gräberstätten finden,
entwickelten sich sicher aus diesen alten, slavischen Ansiedelungen,
und die Verschiedenheiten in der Bestattungsweise, bald vorwiegend
Skelettgräber, bald vorwiegend, bald ausschlieſslich Urnengräber,
mögen auf zeitlich getrennte Perioden hinweisen. Auffallend ist das
gänzliche Fehlen des Eisens in diesen Gräbern; es müſste demnach die
reine Bronzeperiode bei den Slaven Böhmens ziemlich weit heraufgerückt
werden. Ob nun die beiden Gräberschichten bei Nehasitz und Moraves
demselben Volke angehören, darüber dürfte die Untersuchung der Schädel
aus beiden Schichten wol noch einiges Licht verbreiten.

/Wien/, 31. December 1865.

    /Dr. Jul. Ernest Födisch./



Wizenicer Ausgrabungen im Jahre 1865.


In Nr. 11 des „Anzeigers f. Kunde d. d. Vorzeit“, 1864, Sp. 401 wurde
als Fundort von Hügelgräbern in Böhmen der Meierhof Wizenic (bei
Klattau) erwähnt. Im September 1865 wurden unweit des Meierhofes auf
der Flur /Hurka/ -- was Berg bedeutet; ehedem war diese Flur
Wald, nun ist sie Hutweide -- wieder mehrere Grabhügel geöffnet. Der
Fund ergab an Bronzegegenständen drei Nadeln von je 12 Zoll Länge und
zwei halbkreisförmige Armringe. Der interessanteste Theil des Fundes
aber wurde in einem allein, von den andern abseits stehenden, durch
seine Gröſse ausgezeichneten Hügel gemacht. Neben dem zerdrückten
Aschentopf, der noch einige Knochentheile (Kopf- und Rippenknochen)
enthielt, lag eine S förmig gebogene bronzene fibula, zwei Fragmente
von eisernen Gürtelschnallen mit noch deutlich erkennbarem Dornansatz,
Bruchstücke eines Eisendolches mit noch wohl erhaltenem Beschläge vom
unteren Ende der Scheide, Fragmente einer eckigen Schnalle und einer
mit einem zierlichen Knopf versehenen Scheibe von Eisen, endlich eine
durchbohrte, flache Bernsteinkoralle und zwei kleine Korallen von
gelbem Email mit blauen, perlartigen Ornamenten. Letztere Objekte
zeigen der Masse und Form nach die überraschendste Uebereinstimmung
mit ähnlichen, in egyptischen Mumiensärgen gefundenen Schmuckkorallen,
so daſs sie ohne Zweifel durch Handel aus dem Süden nach dem Norden
gebracht wurden.

/Wien/, 31. December 1865.

    /Dr. Jul. Ernest Födisch./



Papst Johann XXII. bevollmächtigt den Abt des Klosters St. Johann in
Stamps zur Schlichtung von Streitigkeiten.

Mitgetheilt von Dr. /C. Will/, Archivsekretär des german. Museums.


Johannes episcopus servus servorum dei Dilecto filio Abbati monasterii
sancti Johannis in Stamps Brixinensis dioecesis salutem et apostolicam
benedictionem. Conquesti sunt nobis prepositus, decanus et capitulum
ecclesie sancti Andree Frisingensis, quod Amphranarius de Inspruka
laicus Brixinensis dioecesis super quibusdam domibus et rebus aliis
iniuriatur eisdem, ideoque discretioni tue per apostolica scripta
mandamus, quatinus partibus convocatis audias causam et appellatione
remota debito fine decidas, faciens quod decreveris per censuram
ecclesiasticam firmiter observari. Testes autem, qui fuerint nominati,
sese gratia, odio vel timore subtraxerint censura simili appellatione
cessante compellas, veritati testimonium perhibere. Datum Avinione
kalendis Octobris pontificatus nostri anno septimo.

Das Original befindet sich im Besitz des germanischen Museums.



Zur Frage nach dem Verfasser des Reineke Vos.


Im Anschluſs an Haupt’s Zeitschrift IX, 374 ff. hat Leverkus
ebendaselbst XI, 374 f. die Hypothese Zarncke’s (die beiläufig
durch Barckhusen’s sonstige Schriftstellerei widerlegt wird), daſs
Barckhusen Verleger und Verfasser der Lübecker Ausgabe des Reineke
von 1498 sei, dadurch zu stützen gesucht, daſs in Vers 6168 „de abbes
van /Slukup/“ und 6712 „vele mesters van /Krummesse/“ auf
Ortschaften in der Nähe von Lübeck hingedeutet werde. Dasselbe
Argument, gegen welches wir unseren Theils Hoffmann’s Erklärung als
einzig berechtigte festhalten, findet sich bereits in Mantzel’s
Bützow’schen Ruhestunden 22 (1765), S. 49, mit folgenden Worten: „Es
bestärken mich (sc. über den plattdeutschen Character des R.) die
geographischen Stellen, von Slukup und Krumesse, welche Oerter nemlich
ohnweit Lübeck belegen, und deren letzteres, bloſs um des Reims willen,
angebracht.“

Mantzel erwähnt überdies, daſs der eigentliche Name des ersten Ortes,
nicht /Slukup/, sondern /Slutup/ sei. Schon das hätte die
ganze Annahme zurückzuweisen genügen sollen.

    /Schwerin./      /Fr. Latendorf./



Des Hanns Frey Schwieger.


„Frau kungund Wilhelm Rumels deß eltern seligen verlassene wittib
hat bekant, das sie fraw kungunden leonharten halbgewachssen eeliche
wirttin, vnnd Junckfraw katherina Iren töchtern zw rechter vrtat vnd
aigenschafft frey williglich auch endtlich vnwiderrufflich, In dem
allerbesten form vnd Rechten für allermenigklichs widertailen vnd
absprechen von hannden In ir baider gewalt vnnd hannden zu gleichem
tail auff vnd vbergeben hab alle Ire schlayr, paternoster, auch
ettliche perlin vnd perlin gesmuck, wie die genant oder gehaissen sein,
vnnd sich der gegen Ine entlich enttewssert vnd verzigen, Also das nu
füro ir yede mit Irm tail daran thun vnd lassen mag, wie vnd was sie
woll vngehindert von menigklich, vnd Insonnder von Annen Hannsen freyen
eelicher wirttin, irer tochter, vnd Iren erben, Dann sie derselben Irer
tochter vormals In solichen dingen mer vnd bessers gegeben hett, dann
der vorgenannten Irer tochter annen von den vorgemelten stücken zu irem
tail werden möcht. Vnnd nachdem sie der gedachten frawen kungunden
halbwächssin Irer tochter zwayhundert guldin heyratgelts entricht vnd
bezalt hat, Ob dann dieselbig Ir tochter In ir hab zu erben vermaint,
das sie dann solich 11 ^c f. einwerffen solt oder aber so lang
stillsten, biß der andern swester 11 ^c f. auch volgen vnd werden.
Testes Niclas Coler vnd Endres von watt. Actum 3 ^a sant Gregorien
abent In der vasten A^o lxxx viii.“ (11. März 1488.) -- Gerichtsbuch
Literarum 5, fol. 39 b. Stadtarchiv zu Nürnberg.

Die Ausstellerin dieses Briefs war eine Hallerin von Bamberg und
zufolge eines handschriftlichen Stammbaums der Rumel, in welchem sie
aber Anna heiſst, Tochter Georg Haller’s von Bamberg und Magdalena
Eisvoglin. Ihr Bruder Anton Haller war Bürger zu Nürnberg, Genannter
des gröſsern Raths und Richter zu Wöhrd. Diese Haller hatten mit
den patriziatischen Hallern nichts gemein als den Namen; sie waren
vielmehr ein Seitenzweig der Münzmeister, von denen Günther Münzmeister
zwischen 1418 und 1423 hier zu Rathe gieng, und führten deshalb auch
ganz dasselbe Wappen, das bei den Münzmeistern im Geschlechterbuch
von 1610 abgebildet und z. B. von Seite Anton Haller’s bei einem das
Haus S. 1 betreffenden Brief vom 1. Mai 1490 angehängt ist, wo er nebst
Berthold Deichsler als Genannter erscheint. In Roth’s Genanntenbuch ist
Anton Haller nicht zu finden. Seine Tochter Magdalena war Dr. Hartmann
Schedel’s zweite Frau. Der Mann der Kungund Rumelin war Wilhelm Rumel,
älterer Bruder Heinrich Rumel’s und der seit 1444 mit Hanns Pömer
verheirateten Brigitte Rumelin. Nach ihrer Eltern, Wilhelm Rumel’s
und Anna Tetzlin, Tod theilten die drei Geschwister am 13. Mai 1457
den Nachlaſs, wobei aber wol Hanns Pömer, der Brigitte Ehewirt, aber
von Seite der Bruder keine Frau namhaft gemacht wird. Die damals dem
Wilhelm Rumel zugefallene Eigenschaft eines Hauses in der Fröschau,
jetzt S. 166, verkauften die beiden Eheleute am 15. Sept. 1486 an
Daniel Ulmer. Der sich an diesem Hause, das noch den Kaufbrief besitzt,
hinziehende Hof, eigentlich eine Sackgasse mit überwölbtem Eingang,
heiſst mit nur geringer Entstellung des alten Namens der Rümeleinshof.
Wilhelm Rumel, der seinen Vettern, auch seinem Bruder Heinrich, der aus
seiner Ehe mit Cäcilia Meichſsnerin keine Nachkommen verlieſs, ihre
Anrechte auf Lonnerstatt abgekauft und dieses von der Krone Böhmen
zu Lehen rührende Besitzthum seinen Söhnen Wilhelm, Heinrich, Georg
und Joseph abgetreten hatte, welche daher am 26. Sept. 1480 von König
Wladislaus damit belehnt wurden, starb 1487. Zur Heirat seiner zweiten
Tochter Kungund mit Leonhard Halbwachsen oder Halbgewachsen, Conzen
Halbgewachsen’s Sohn, hatte der Rath für den 15. Jan. 1488 das Rathhaus
bewilligt. Er gehörte zu der reichen und geachteten Familie dieses
Namens, die einen bedeutenden Handel mit ausländischen süſsen Weinen
betrieb und ihr Geschäftshaus in S. 530 hatte, aber auch in andern
Theilen der Stadt, auf der Füll, in der Judengasse etc. vorübergehend
wohnhaft war. Die Gewährung des Rathhauses zur Hochzeitfeier verdankte
jedoch das Brautpaar nicht sowohl dem Reichthum des Bräutigams als
der Vornehmheit der Braut. Er findet sich noch 1493 als „Conrad
Halbgewachsen sel. Geschäfts und Kinder Vormund“ nebst Hanns Milla,
muſs aber in einem der nächsten Jahre gestorben sein, da seine Wittwe
schon am 9. Jan. 1497 als Jacob Sauerzapf’s Ehefrau erscheint und
gemeinschaftlich mit ihrer jüngern Schwester Katharina, damals auch
bereits Wittwe von Bartholomäus Knebel, den ihnen beiden gehörenden
Tafelhof an Endres, Georg und Peter die Hornunge, Gebrüder, um 340 fl.
verkaufte. Die „Sauerzäpfin“ ist auch auf beiden Tanzladzetteln von
1506 und 1508 (den ältesten, die, soviel man weiſs, auf die Gegenwart
gekommen sind) eingetragen, auf dem erstern mit ihrer Schwester
„Löffelhölzin“, auf dem andern auch mit ihrem Bruder Joseph. Die
Geschwister wohnten, wie man sieht, beisammen. Aus der ersten Ehe der
Kungund Rumelin scheinen keine Nachkommen entsprungen zu sein, wie
denn auch der Name der Halbgewachsen schon im Anfang des 16. Jahrh.
erlosch und sich zunächst nur an dem Hause S. 530 erhielt, welches z.
B. 1515 als „Haus zum Halbgewachsen genannt“ urkundlich vorkommt. Aus
der zweiten Ehe ist namentlich eine Tochter Ursula bekannt, welche im
Jan. 1523 den schon ziemlich bejahrten Wolf Pömer und, durch seinen im
Dec. erfolgten Tod Wittwe geworden, den Dr. Christoph Gugel heiratete.
-- Dem Geschick der jüngsten Rumelischen Tochter Katharina lieſse sich
vielleicht eine romantische Seite abgewinnen. Beim Tode ihrer Mutter,
die am Samstag 31. Mai 1488 noch einen Brief ausstellte, aber am
Montag 10. Nov. nächstfolgend selig, d. h. verstorben, genannt wird,
noch ledig, heiratete sie am 20 Jan. 1490 den reichen Bartholomäus
Knebel, der schon drei Frauen gehabt und nur mit der dritten, Anna
Hübnerin, eine Tochter, auch Anna genannt, erzeugt hatte, die schon
seit 1484 mit Wolf Haller, des bekannten Losungers Ruprecht Haller’s
Sohn, verheiratet war. Die vierte Ehe Knebel’s dauerte nur etwa ein
Vierteljahr, da schon am 10. April 1490 Wolf Haller in die durch seines
Schwähers Tod erledigte Gassenhauptmannsstelle eintrat. Die junge,
kinderlose Wittwe lernte in dieser Zeit ihres Wittwenstandes Thoma
Löffelholz, Wilhelm Löffelholz und der Barbara Hirsvoglin Sohn, kennen,
einen stattlichen Mann, der sich schon in der Welt und an den Höfen
der Fürsten umgesehen und versucht hatte, und von dessen abenteuerndem
Sinn man in Nürnberg Manches zu erzählen wuſste. Der Umgang beider
Leute, die für leere Liebeständelei zu alt und zu erfahren, aber für
ein solides, verständiges Eheband gerade noch jung genug waren, muſs so
vertraut geworden sein, daſs die Wittwe Katharina mit fester Zuversicht
der Heirat entgegensah, aber leider bemerkte, daſs Löffelholz zwar
zum Courtoisieren auf wilder Weidmannsbahn Lust gehabt hatte, aber
nicht zum ehrbaren Freien und Heiraten. Die durch ihn bloſsgestellte
Frau wandte sich daher klagend an das geistliche Gericht zu Bamberg
und erwirkte ein gesiegeltes Pergament, des Inhalts: er habe sie zu
nehmen, und halte er nicht binnen dreiſsig Tagen Hochzeit, so verfalle
er in den groſsen Bann. Das wirkte, und am 3. Juli 1503 wurde Katharina
Rumelin, Bartholomäus Knebel’s Wittwe, in St. Sebalds Kirche mit Thoma
Löffelholz ehelich eingeleitet (in den Ehestand geleitet, getraut,
nicht „eingeläutet“); aber unmittelbar nach der heiligen Handlung
verlieſs Löffelholz die Kirche, bestieg sein drauſsen bereits harrendes
Roſs und ritt von dannen, ohne das Beilager zu halten. So berichtet
Müllner in seinen Annalen. In dem Löffelholzischen Geschlechtsregister
bei Biedermann heiſst es, ein aus dieser Ehe entsprossener Sohn sei
in’s Kloster gegangen. Will in den Münzbelust. 2, 111, geht sogar noch
weiter und will wissen, er habe Thomas geheiſsen. Beweise und Belege
für diese Angaben fehlen durchaus. Gewiſs ist nur, daſs Löffelholz,
ungeachtet seiner Vermählung, mit seiner Frau nicht zusammenlebte.
Die Ordnung des Verhältnisses der beiden Eheleute geschah durch einen
Vertrag, in welchem ihr ein jährliches Auskommen gesichert war, wofür
Anton Kreſs und Wolf Löffelholz, ihre Schwäger, einstanden; und am 20.
März 1504 quittierte bereits Johann Kriegheimer, als Anwalt Frauen
Katharina, Thoman Löffelholz ehelicher Wirtin, über 100 fl. rh., die,
an vergangener Lichtmeſs fällig, er für sie durch die beiden genannten
ihre Schwäger von wegen Thoman Löffelholz, ihres ehelichen Hauswirths,
richtig empfangen habe. Sie fuhr fort, den Namen seiner ehelichen
Hausfrau zu führen; so z. B. als sie am 20. Dec. 1514 ihre Wiesen beim
Tafelhof auf der Fürreut, an der Pillenreuter Straſse, an den Metzger
Hanns Klein auf 10 Jahre um jährlich 14½ fl. und einen Kalbskopf
verlieſs u. s. w. Daſs auch in der „Gesellschaft“ ihre Stellung nicht
beeinträchtigt war, sieht man daraus, daſs auf den oben erwähnten
Tanzladzetteln ihr Name beide Male gleich hinter ihrer Schwester
eingetragen ist, einmal als „Löffelhölzin“, das andere Mal als „Thoma
Löffelhölzin“. Aus dem Jahre 1520, in welchem, wer nur konnte, die von
einer Seuche schwer heimgesuchte Stadt verlieſs, haben sich zwei aus
Hersbruck datierte und an Anton Tucher gerichtete Briefe von ihr, der
„Katharina Thoma Löffelhölzin“, erhalten, in welchen sie auch ihrer
zwei Töchter gedenkt. Diese konnten doch nur aus ihrer Verbindung mit
Thoma Löffelholz entsprungen sein; aber über ihre und der Katharina
selbst fernere Schicksale haben sich bis jetzt keine weiteren
Belege aufgefunden. Nur Das steht fest, daſs, ungeachtet in der
Löffelholzkapelle zu St. Sebald, wo sämmtliche Söhne und Töchter aus
Wilhelm Löffelholz beiden Ehen abgebildet und die Verheiratungen durch
die eingeschobenen Wappen angedeutet sind, das Rumelische Wappen fehlt,
sie unbestreitbar in rechtmäſsiger Ehe mit Thoma Löffelholz vermählt
war. Die zuletzt genannte Tochter Anna, gegen deren etwa auf die in
dem Brief bezeichneten Gegenstände zu machenden Ansprüche die Mutter
die beiden andern Schwestern sicher stellen will, war offenbar die
älteste der drei Schwestern. Sie war verheiratet mit Hanns Frey, Sohn
Erharts Freyen. Seines Vaters Bruder, Sebald Frey, der die Freyischen
Häuser am Markt, das eine, nördliche 1471 an Hanns Gartner, das andere,
südliche 1487 an Bernhard Walther, verkaufte, wird als Genannter und
als Kaufmann in den Dokumenten aus den drei letzten Jahrzehnten des 15.
Jahrh. oft gefunden. Die Freyen gehörten zu den ehrbaren und geachteten
Familien, die, ohne in den kleinen Rath gewählt zu werden, in den
groſsen Rath vorzugsweise eintraten und sich auch durch Verheiratungen
mit den rathsfähigen Geschlechtern verbanden. Eine Tochter Sebalds,
Katharina Freyin, hatte einen Tetzel zum Mann; Hanns Frey hatte Anna
Rumelin geheiratet. Er war ebenfalls Genannter, und einzelne Urkunden
lassen Betheiligung an Handelsgeschäften noch bis 1513 wahrnehmen; auch
besaſs er liegende Güter inner- und auſserhalb der Stadt. Für seine
geachtete Stellung gibt aber, von Anderm abgesehen, Das einen Beweis,
daſs er ebenfalls, wie seine beiden Schwägerinnen, den Tanzladzetteln
von 1506 und 1508 einverleibt ist, und zwar auf jenem zwischen Conz
Haller, dem wohlbekannten Pfänder und Verfasser des Geschlechterbuchs,
der das Haus S. 649 besaſs und bewohnte, und Sixt Oelhafen, auf dem
von 1508 abermals zwischen Conz Haller und der Pölckin (der mit Hanns
Polck verheirateten Tochter dieses Haller, Magdalena, die bei ihrem
Vater wohnte) und Seiz Pfinzing, langjährigem Baumeister und Vater
des Propstes Melchior Pfinzing, der am Eck der Wolfsgasse, jetzt S.
765, wohnte. Seine Liebhaberei zur Musik und Physik, wovon Neudörffer
und Doppelmayr berichten, hat den irrigen Wahn erzeugt, er sei ein
Handwerker gewesen, wogegen aber sein Name auf den Tanzladzetteln
entschieden Protest einlegt. Uebrigens scheint er durch die Hingabe
an diese, damals ziemlich brodlosen Künste sein Vermögen allgemach
aufgezehrt, oder auch sonst Verluste, erlitten zu haben, wie
seines Tochtermanns Worte: „der auch in der Welt gleich unmögliche
Widerwärtigkeiten erduldet hat“ zu erkennen geben. Von seiner Frau
kamen zwei Töchter zu ihren Jahren, deren ältere, Agnes, im J. 1494
Albrecht Dürer, die jüngere, Katharina, die 1498 noch unverheiratet
war, später Martin Zinner heiratete. Die Todesjahre der Anna Hanns
Freyin (1521) und ihres Ehemanns (1523) sind aus Dürer’s eigenen
Aufzeichnungen bekannt.

    /Nürnberg./      /Dr. Lochner/



Hans Schneider.


Auf Sp. 9 des „Anzeigers“ (1866) wurde ein handschriftlich
hinterlassenes, wahrscheinlich aber einem Druck ursprünglich
entnommenes Gedicht dieses fruchtbaren königlichen Sprechers
mitgetheilt, dabei aber vorübergehend nur einiger seiner weiteren
Produkte gedacht, von denen jedenfalls viele verloren gegangen sein
müssen. Ehe Schneider, ein Augsburger Meistersänger, für Kaiser und
Reich dichtete, ohne deshalb etwa in Maximilian’s Diensten gestanden
zu haben, nannte er sich Sprecher, d. h. Spruchsprecher, Herzog
Christoph’s von Bayern, und gab als solcher folgendes, jetzt nur noch
in sehr zerfetztem Zustande auf der Münchener Hofbibliothek befindliche
Gedicht in Druck (Sedezformat):

    Des durchleichtigẽ hochgeporn | fürsten vnd hern herczog Christofe
    | ls von pairn mör fart auf dz  aller | kurczest den rechten
    grund wie jn Maister hans schneider von Aug- | spurg
    seiner genaden sprecher hat | mügen erfinden.

o. O. u. J. (c. 1490). Vergl. Annalen II, S. 490.

Demnächst wäre zu nennen eine mir nicht näher bekannte Piece,
vermuthlich in W. v. Maltzahn’s Besitz:

Hye nach folget: wye der Romisch künig die fursten des heiligen reichs
zu Augspurg vnnd zu Nurmberg haben tag gelaist....

o. O. u. J. (1500). 8 Bl. 8. -- Hagen’s Bücherschatz Nr. 880.

Meine Nr. 1633 Repert. typ. gehört also nicht zum Jahre 1520, laut
Berichtigung Herrn v. Liliencron’s, der das Stück aus Val. Holl’s
Handschrift Bl. 92 kennt.

Einen ferneren Spruch citiert mein Repert. typ. Nr. 297:

Hie nach folget die küniglich | schlacht, wye der künig vnd das rych
dye Behem nit wyt von Regenspurg gesch | lagen haben. Das hath erfaren
vnnd zu eynem spruch gemacht, Hans schnyder | der künglichen maiestat
sprecher.

o. O. u. J. (1504). 4 Bl. 4. m. Titelholzschn. -- In Einsiedeln.

Endlich ein aus Butsch’s 28. Catalog, S. 53, verkauftes und seitdem
spurlos verschwundenes

Ein neues gedicht von dem Krieg. Augspurg, Hans Schönsperger.

o. J. (c. 1510). 6 Bl. 4. -- Repert. typ. Nr. 615.

    /Nürnberg./      /Emil Weller./



Gesprächspiele.

Zusatz.[A]


Französisch Karten-Spil.

o. O. u. J. (c. 1645). Folioblatt m. Kupfer (der Kaiser, der König von
Frankreich und Cardinal Richelieu spielen; ein französischer Rath,
Johan de Werdt, Gallas sehen zu). -- Früher in Antiquar Heerdegen’s
(Schreiber’s) Sammlung zu Nürnberg.

    /Künig in Franckreich./

    Ich gwin doch nichts, es geh wie es wil,
    Mein Cardinal Rotte mich zum Spil.

Teutsch- und Frantzösisch Scharwentzel-Spiel. o. O. u. J. (1675.) 4 Bl.
4. -- In Erlangen.

    /Teutscher./

    Komm Frantzmann, Mänchen komm! was kanstu für ein Spiel?

    /Frantzmann./

    Du Butter teutscher Muff, mehr als für dich zu viel.

Ein neues Ungarisches, Türckisches und Teutsches Labet-Spiel vom
jetzigen Kriege. 1686.

o. O. 4. Prosa. -- Wallishausser’s Antiqu. Katalog. II, S. 77.

Sinnreiches Piqueten-Spiel Mit Franckreich. Bei itztmahligem
Kriegführen Wieder Das Heyl. Römische Reich. 1689.

o. O. 2 Bl. 4. -- In München (Hofbibl.).

    WEm vom Piqueten Spiel die Wissenschafft gebricht,
    Dem wird es kürtzlich hier, nach seiner Art bericht etc.

A la Guerre oder Historisch Politisch Kriegerisches Billard Spiel der
streitenden Mächten in Teutschland.

o. O. u. J. (1758-61). Folioblatt m. Kupfer. -- Früher bei Antiquar
Heerdegen (Schreiber) in Nürnberg.

/Preuſsischer Husar./

    Bey Schweidnitz hatte sich mein Spiehl sehr gut gezeuget Allein bey
    Olmüz war vor diſsmal kein Gewinn etc.

    /Nürnberg./      /Emil Weller./


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Vergl. Anzeiger, 1862, Sp. 399.]



Zur Fischart-Literatur.


Herr Emil Weller hat in Nr. 6 des Anzeigers v. J. 1865 von dem
interessanten Funde, den er auf der Nürnberger Stadtbibliothek durch
Wiederauffindung des /Fischart/’schen „Aller Practick Groſsvatter“
gemacht hat, Nachricht gegeben. Die wiederentdeckte Ausgabe ist jedoch
zufolge des Titels nicht die erste. Ich kann nun diese Nachricht
insoweit vervollständigen, als ich, wenn auch nicht von einem ähnlichen
Glücksfunde berichten, doch wenigstens -- ich glaube, es geschieht dies
zum ersten Mal -- das Druckjahr einer früheren und muthmaſslich der
/ersten/ Ausgabe mittheilen kann. Dieselbe findet sich angezeigt
in der /Bibliotheca Thomasiana/ (ed. G. W. Panzer), Vol. III.
Norimb. 1769 8. pag. 106, Nr. 1596 mit folgenden, leider allzu kurzen
Worten:

„Aller Prakticken und Prognosticken Groſsvatter in Reimen, auf das Jahr
1569. 4. aliaque.“

Eine weitere Beschreibung oder Besprechung fehlt.

Wenn diese Satire wirklich von /Fischart/ herrührt -- und nach
Weller’s detaillierter Inhalts-Anzeige und mitgetheilten Proben a.
a. O. sprechen wenigstens keine Gründe /dagegen/ -- so gehört
diese Schrift zu seinen ersten schriftstellerischen Arbeiten, und die
Abfassungszeit fällt jedenfalls vor die der „Groſsmutter“.

Auſser der angeführten Quelle für die erste und Weller’s
Herbstmeſscatalog für 1573 für die zweite Ausgabe hat meines Wissens
bis jetzt von diesem Buche weder ein gleichzeitiges Bücherverzeichniſs,
noch einer der späteren, bis in die neueste Zeit herab erschienenen
antiquarischen oder Auctionscataloge, noch ein literarisches Handbuch
auch nur die geringste Andeutung gebracht. Auch Gödeke ist es unbekannt
geblieben. Da aber die Thomasius’sche Bibliothek s. Z. in Nürnberg
selbst zur Versteigerung gelangte (7. Januar bis 5. Juni 1770), so
möchte sich vielleicht die Mühe weiterer Nachforschung in der dortigen
Stadtbibliothek belohnen, als die Möglichkeit wol vorhanden, daſs bei
dieser Gelegenheit auch diese Ausgabe ihren Weg dahin gefunden hat.

    /Annweiler./      /J. Franck./



Der Lasterstein in Möſskirch.


Der Anzeiger gab im Jahrgang 1857 von dem Gebrauche Nachricht, wornach
verleumderischen Frauen zur Strafe und Abschreckung ein Stein, Klapper-
oder Lasterstein, um den Hals gehängt wurde, den sie unter Vorangehen
des Gerichtsboten, gewöhnlich an einem Wochen- oder Jahrmarkte, durch
die versammelte Menge zu tragen hatten. Jenen Beispielen aus dem
Elsaſs und Pommern füge ich ein anderes an, das ich der bekannten,
noch ungedruckten Zimmern’schen Chronik (Handschriften der fürstl.
Hofbibliothek zu Donaueschingen, Nr. 580) entnehme. Nach dieser bestand
in Möſskirch (Baden) für weibliche Personen, welche eines unzüchtigen
Lebenswandels beschuldigt wurden, die Strafe, daſs sie den Lasterstein
durch die Stadt zu tragen und diese darauf, wol in der Regel, für immer
zu verlassen hatten. Zum ersten Male kam diese Strafe in Anwendung
bei „einem gar hypschen medlin, hieſs Martha Kislingin“, welche durch
ihren Umgang mit einem jungen Geistlichen, Namens Hans Nopp, groſses
Aergerniſs gegeben hatte. Während der Verführer sich durch die Flucht
der verdienten Strafe entzog, „wardt das Martele ergriffen und der
obrigkait überantwurt. Das wardt der statt ewigclichen verwisen undt
mueste den Lasterstain dartzu tragen, welche straf domals ain anfang
nam zu Möſskirch, dann vormals kain solcher stain alda im brauch
gewesen, der hoffnung, es seyen hievor so fromme leut zu Möſskirch
gewesen. Also ist der lasterstain domals zu ainer straf den gailen
weibern zu Möſskirch in prauch kommen. Hernach über neunzehen iar,
nemlich anno 1546 mueste auch aine zu Möſskirch disen lasterstain für
die statt hinauſs tragen; die war gleichfalls der statt verwiesen.“

    /Donaueschingen./      /Dr.  Barack./



Die niederdeutsche Uebersetzung der Sprichwörter Agricola’s.


In meinem Werke über die Sprichwörter Agricola’s, (Schwerin, 1862),
dessen wesentlichen Inhalt ich bereits 1858 in dieser Zeitschrift,
Sp. 248 angekündigt, habe ich auſser J. Zacher nur zwei Männer zu
nennen gewuſst, die, gegenüber einer herrschenden Tradition, in den
niederdeutschen Sprichwörtern Agricola’s eine Uebersetzung vermutheten,
nämlich Bouterweck und Mohnike. Als dritter gesellt sich zu diesen
beiden Männern, freilich anscheinend auch ohne autoptische Kenntniſs
eines niederdeutschen Exemplars, K. T. Zumpt, der sich in Wachler’s
Philomathie II (Frankfurt a. M., 1820), S. 239 dahin ausspricht:
„Viele Ausgaben und /eine niederdeutsche Uebertragung/ beweisen,
daſs Agricola mit diesem Buche seinem Volke ein angenehmes Geschenk
gemacht hat.“ Die sonstigen Angaben Zumpt’s, die er seinem kurzen,
aber dankenswerthen Auszuge beigefügt, sind freilich mit Irrthümern
untermischt. Auch Weigand war der angezogene Aufsatz unzugänglich
gewesen, als er in der allgemeinen Kirchenzeitung 1841, Nr. 167, die
seltsame Tradition über Agricola’s niederdeutsche Schriftstellerei neu
zu stützen suchte.

    /Schwerin/, December 1865.

    /Friedrich Latendorf./



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                      1866.    Nº 2.    Februar.



Chronik des germanischen Museums.


Im Anschluſs an die in unserer letzten Chronik bezüglich der Erledigung
der Vorstandsfrage enthaltene Mittheilung haben wir unsern freundlichen
Lesern heute zunächst anzuzeigen, daſs der Antritt des mit dem Amte
eines I. Vorstandes unserer Anstalt betrauten Hrn. Professors /August
Essenwein/ bereits am 1. März erfolgen wird.

Es knüpft sich an den Eintritt des Genannten, der auf dem Gebiete
der Architektur schon Treffliches geleistet, für uns -- was vielen
unserer Gönner und Freunde angenehm sein wird, zu hören -- namentlich
auch die Hoffnung, die schon vielfach berührte und langersehnte
Wiederherstellung des allein noch darniederliegenden östlichen
Kreuzgangs demnächst in’s Werk gesetzt und damit die Restauration
unseres schönen Karthäuserklosters, das in einer an herrlichen Bauten
weniger reichen Stadt allein schon ein Anziehungspunkt für Viele sein
würde, ihrer Vollendung entgegengeführt zu sehen.

Mögen deshalb der freundlichen Gabe „zum Ausbau der Karthause“, die wir
am Schlüsse der neugezeichneten Beiträge diesmal aufzuführen haben,
in nächster Zeit recht viele weitere folgen, damit das mit Lust und
Freudigkeit begonnene Werk nicht wieder in’s Stocken gerathe, sondern
unablässig Stein an Stein sich füge, bis der Bau vollendet, der, ein
Denkmal deutscher Beharrlichkeit, bestimmt ist, eine Stätte zu werden,
an welcher die deutsche Vorzeit gleichsam verkörpert und greifbar den
lebenden und kommenden Geschlechtern sich zeigen soll, belehrend und
mahnend!

Von unsern Sammlungen sahen sich in letzter Zeit namentlich Münz- und
Siegelsammlung reichlich bedacht. Ein sehr interessanter Beitrag für
letztere wurde uns von Sr. Hoheit dem Herzoge von Anhalt zugewendet.

Auch zur Erwerbung der Erbstein’schen Modellsammlung sind, wie unten
ersichtlich, wieder Beiträge eingegangen.

Dem Antrage unseres Lokalausschusses, dem um das nationale Institut
in vielfacher Hinsicht sehr verdienten Hrn. Fabrikbesitzer
/Johannes Zeltner/, in seiner Eigenschaft als I. Vorstand
der zur Unterstützung des german. Museums s. Z. in’s Leben
getretenen Aktiengesellschaft, in den Auschussconferenzen Sitz
und Stimme einzuräumen, ist von den auswärtigen Mitgliedern des
Verwaltungsausschusses fast einhellig und freudigst zugestimmt worden.

Durch den Tod des Kustos der k. k. Hofbibliothek zu Wien, Dr. /Ferd.
Wolf/, hat unser Institut leider abermals einen herben Verlust
erlitten. Der Verstorbene war Mitglied des Gelehrtenausschusses unserer
Anstalt seit Januar 1859.

In Schriftentausch mit dem german. Museum ist neuerdings getreten
der /Verein für Geschichte der Stadt Berlin/, und die Zusage
unentgeltlicher Ueberlassung ihrer einschlägigen Verlagsartikel hat uns
weiter gegeben:

596. die Buchhandlung von /Böſsenecker/ in /Regensburg/.

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Friedberg/ (Bayern),
/Hammelburg/ (Bayern) und /Lausanne/.

Die im vergangenen Monate neubewilligten Geldbeiträge sind folgende:

Aus =öffentlichen= und =Vereins-Kassen=: Vom Magistrate zu
/Eggenfelden/ 10 fl. (einm.), vom Gemeinderathe zu /Endingen/ (Baden) 2
fl., von der Stadtgemeinde /Merkendorf/ (Bayern) 2 fl., vom Stadtrathe
zu /Pulsnitz/ 7 fl. (einm.), von der Stadtgemeinde /Reichenberg/ in
Böhmen 17 fl. 30 kr. (einm.), vom Stadtrathe zu /Stollberg/ (Sachsen)
3 fl. 30 kr. und vom Magistrate zu /Teterow/ (Mecklenburg-Schwerin)
3 fl. 30 kr., ferner vom städtischen Museum zu /Cleve/ 3 fl. 30 kr.,
vom Männergesangvereine und vom Sängerbunde zu Eger je 2 fl. 20 kr.
und vom Turnvereine daselbst 5 fl. 50 kr., von dem literarischen
Vereine „Stift“ zu /Höchst/ a. M. 3 fl. 30 kr., von den Chorherren zu
/Klosterneuburg/ 9 fl. 20 kr. (einm.), von der Bürgergesellschaft in
/Reutlingen/ 5 fl., von der Montagsgesellschaft in /Uettingen/ 30 kr.
(einm.)

Von =Privaten=: /Amberg/: Ludwig Hepp, k. Baubeamter, 1 fl. 12 kr.;
/Cilli/: Konrad Pasch, k. k. Gymnasiallehrer, 1 fl. 10 kr.; /Dachau/
(Bayern): Apotheker A. Falk 1 fl., E. v. Hellersberg, k. Landrichter, 1
fl., P. Kamm, k. Sektions-Rechnungsführer, 1 fl., K. Silner, k. Pfarrer
u. Distrikts-Schulinspektor, 1 fl.; /Eſslingen/: Hermann Deffner 2
fl., Freiherr Carl von Hermann 1 fl. 45 kr., Freiherr Eugen von Hügel,
Justizreferendar, in Tübingen 2 fl. 42 kr., Freiherr Constantin von
Neurath, stud. jur., in Tübingen 1 fl. 45 kr., Freifräulein Hermine
von Palm auf Schloſs Hohenkreuz 1 fl. (einm.), Freifräulein Julie
von Palm auf Schloſs Hohenkreuz 1 fl. (einm.), Freifräulein Marietta
von Palm auf Schloſs Hohenkreuz 1 fl. (einm.), Freiherr Rudolph von
Palm auf Schloſs Hohenkreuz 2 fl., Frau Gräfin Anna von Zeppelin in
Stuttgart 1 fl. 45 kr.; /Fürth/: Heinrich Grünewald, Lehramtsverweser
an der Gewerbschule, 1 fl. 30kr.; /Gehren/: Kaufmann Max Kolb 1 fl.
45 kr.; /Gieſsen/: Fabrikant J. Hanstein 1 fl., Professor Gerhard von
Zezschwitz 1 fl. 45 kr. (statt früher 1 fl.); /Kloster Heilsbronn/:
Conditor J. G. Schröppel 1 fl.; /Ingolstadt/: Dr. Godfried Wandner, k.
Bataillonsarzt, 1 fl. 45 kr.; /Klosterneuburg/: Hoch. Kanzleidirektor
Kostersitz 2 fl. 20 kr., J. Schönbrunner 2 fl. 20 kr.; /Krumbach/
(Bayern): Johann Braun, kgl. Notar, 1 fl. 45 kr.; /Leipzig/: M. Cavael
1 fl. 45 kr., Architekt Dr. Mothes 1 fl. 45 kr,; /Obermoschel/ (Pfalz):
Friedrich L. König, k. Notar, 1 fl.; /Ohrdruff/: Justizamtsaktuar
Grützmüller 1 fl., Realschullehrer Georg Heſs 35 kr., Dr. Krügelstein,
Rechtsanwalt u. Notar, 1 fl. 45 kr., Realschullehrer Dr. Slevogt 1
fl.; /Sonneberg/: Friedrich Bernhard Bischoff, Direktor der herzogl.
Schieferbrüche zu Lehesten, 1 fl. 30 kr., Hermann Dürr, Bürgermeister
zu Lehesten, 1 fl. 30 kr.; /Ulm/: L. Bantlin, Kaufmann, 1 fl., Dr.
August Handwerker, k. bayer. Regimentsarzt, in Neuulm, 1 fl., J.
Reinemann, Kaufmann, 1 fl., Chr. Stiefenhofer, Kaufmann, 1 fl. 30 kr.,
Strauſs u. Kohn, Kaufleute, 1 fl. 30 kr.; /Zeitz/: Dr. Feodor Bech,
Gymnasialoberlehrer, 1 fl. 10 kr. (einm.)

Zum /Ausbau der Karthause/ von Herrn Provisor /Meyerholz/ in
/Schlüchtern/ 3 fl. 30 kr.

Zur /Erwerbung der Erbstein’schen Modellsammlung/: von
Hrn. Friedrich v. /Klinggräff/ auf /Pinnow/ bei
/Neubrandenburg/ 5 fl., von Hrn. /Theodor Hoppe/ in
Gumpoldskirchen 57 kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir
hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


I. Für das Archiv.

=v. Heister=, General, in Naumburg a. d. Saale:

    3303. Urkunde des Ritters Liborius v. Bremen über die Vertreibung
    der Juden aus Wildeshausen. 1350. Pap. Abschr.

=Magistrat der Stadt Burg-Steinfurt=:

    3304. Erneuerung eines Gildebriefes für die Bäckerzunft in
    Steinfurt. 1755. Pgm.

=Reuter jun.=, Kartenfabrikant, in Nürnberg:

    3305. Kaufbrief für Endreſs Oertl zu Nürnberg über die Dreher’sche
    Behausung an der langen Brücke. 1558. Pap. Abschr.

    3306. Kaufbrief für Peter Zweidler zu Nürnberg über die Behausung
    in der breiten Gasse. 1588. Pap. Abschr.

    3307. Cessionsbrief f. Jacob Kraus zu Nürnberg über 300 fl. 1600.
    Pap. Orig.

    3308. Kaufbrief f. Hieronymus Dreher über seinen Theil an der
    Behausung oberhalb der Saubrücke zu Nürnberg. 1615. Pap. Abschr.

    3309. Kaufbrief für Balthasar Haffet über die Behausung an der
    ABC-Brücke zu Nürnberg. 1635. Pap. Abschr.

    3310. Quittung für Balthasar Hafeth über die von ihm abgelöste
    Eigenschaft von der Dreher’schen Behausung an der ABC-Brücke in
    Nürnberg. 1643. Pap.

    3311. Kaufabrede zwischen J. C. Dehne und Joh. Mich. Graſser über
    eine Behausung in der breiten Gasse zu Nürnberg. 1735. Pap.

    3312. Schuldverschreibung des Joh. Mich. Graſser in Nürnberg über
    500 fl. 1735. Pap.

    3313. Kaufbrief des J. C. Dehne etc. für Joh. Michael Graſser über
    die Behausung in der breiten Gasse zu Nürnberg. 1735. Pap.

    3314. Kaufbrief für J. W. Dörrbaum über die Behausung auf der
    ABC-Brücke zu Nürnberg. 1759. Pap.

    3315. Cessionsurkunde für Joh. Egydi Dörr zu Nürnberg über 450 fl.
    1763. Pap.

    3316. Zeugniſs des Feueramts zu Nürnberg f. Hanſs Michael Graſser.
    1763. Pap.

    3317. Adjudications-Bescheid des Stadtgerichts Nürnberg für Frau
    Helena Susanna Dörrin. 1772. Pap. 2 Expl.

    3318. Kaufabrede zwischen Helena Susanna Dörrin und Joh. Casp.
    Zwicknagel über die Behausung in der breiten Gasse zu Nürnberg.
    1774. Pap.

    3319. Kaufbrief der Helena Susannn Dörrin für Joh. Casp.
    Zwicknagel. 1775. Pap.

    3320. Kaufbrief der Maria Magdalena Dörrbaumin über ihre Behausung
    an der ABC-Brücke in Nürnberg. 1792. Pap.

=C. W. Neumann=, Oberlieutenant und Platzadjutant, in Regensburg:

    3321. Eine französische Assignate von 1792. Pap.

=Hermann Dürr=, Bürgermeister, in Lehesten:

    3322. Kaufbrief des Balthasar von Könitz für Jörg von Könitz. 1438.
    Pgm.


II. Für die Bibliothek.

=Dr. W. Mannhardt=, Privatdocent, in Danzig:

    18,903. Ders., Roggenwolf u. Roggenhund. Beitrag zur german.
    Sittenkunde 1865. 8.

=Al. Dominicus=, Direktor des Gymnasiums zu Coblenz:

    18,904. Ders., Geschichte des Coblenzer Gymnasiums; I. Th. 1862. 4.
    Progr.

    18,905. Schubach, de s. Patris Gregorii Nazianzeni carminibus; p.
    I. 1865. 4. Progr.

=Th. Stumpf=, Oberlehrer am Gymnasium zu Coblenz:

    18,906. Ders., die politischen Ideen des Nic. von Cues. 1865. 8.

=J. Hölscher=, Verlagshandlung, in Coblenz:

    18,907. Dominicus, Baldewin von Lützelburg, Erzbischof u. Kurfürst
    von Trier. 1862. 8.

=Julius Bettingen= in St. Wendel:

    18,908. Ders., Geschichte der Stadt und des Amtes St. Wendel. 1865.
    8.

=Se. Maj. König Georg V. von Hannover=:

    18,909. Bodemann, xylographische und typographische Incunabeln d.
    k. öffentl. Bibliothek zu Hannover. 1866. gr. 4.

=Dr. F. W. Bärensprung=, Hofbuchdrucker, in Schwerin:

    18,910. Morlot, d. graue Alterthum; übers, v. Bärensprung. 1865. 8.

    18,911. Judex, d. kleine Corpus doctrinae; hrsg. von Wiechmann.
    1865. 8.

=Dr. H. Becker= in Dortmund:

    18,912. Denaisius, de jure meri imperii in eos qui Spirae
    constituti, Judicii Cameralis corpore, vel albo continentur. 1601.
    4.

    18,913. Apologia meri imperii etc. 1601. 4.

    18,914. Denaisius, adsertio jurisdictionis camerae imperialis etc.
    1601. 4.

    18,915. Thülemar, tractatio de bulla aurea, argentea, plumbea et
    cerea etc. 1697. 2.

    18,916. Entdeckter jüdischer Baldober etc. 2. Aufl. 1758. 4.

    18,917. Carrach, rechtliche Urtheile und Gutachten in peinlichen
    Sachen. 1775. 2.

=Verein für die Geschichte der Stadt Berlin=:

18,918. Ders., Schriften etc.: I. Band, 1. Heft. 1865. 8.

=Dr. Otto Franklin=, Universitäts-Professor, in Greifswald:

18,919. Ders., Beiträge zur Geschichte der Reception des römischen
Rechts in Deutschland. 1863. 8.

=Provincial-Utrecht’sche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft=
in Utrecht:

    18,920. Dies., Verslag van het Verhandelde in de algemeene
    Vergadering etc., 1862-65. 8.

    18,921. Dies., Aanteekeningen van het Verhandelde in de
    Sectie-Vergaderingen etc., 1862-64. 8.

=Historisch Genootschap= in Utrecht:

    18,922. Dies., Kronijk etc. 20. Jaarg. 1864. 1865. 8.

    18,923. Dies., Wet. 8.

    18,924. Dies., Naamlijst der Boeken etc. 2. Uitg. 1865. 8.

=L. v. Ledebur=, Hauptmann a. D., Direktor der k. Kunstkammer, in
Berlin:

18,925. Ders., d. Propsteiwesen in d. Brandenburg. Sprengel. 8.

=P. Liehner=’sche Buchhandlung in Sigmaringen:

    18,926. Sammlung d. Gesetze u. Verordnungen f. d.
    Hohenzollern’schen Lande; neue Folge, I. Bds. 1. Hälfte. 1865. 8.

    18,927. Hohenzollern’scher Geschichts- und Geschäfts-Kalender. 8.

    18,928. Erinnerung an Sigmaringen u. s. Umgebung, qu. 8.

=Dr. Ludw. Baur=, groſsh. hess. Geheimerath und Archivdirektor, in
Darmstadt:

18,929. Ders., hessische Urkunden; 4. (letzter) Band. 1866. 8. 2 Exempl.

=G. A. v. d. Beeck=, k. Hauptmann a. D., in Neuwied:

    18,930. Die hundertjährige Jubelfeier der Pensions-Knabenanstalt
    der Brüdergemeine zu Neuwied. 1856. 8.

    18,931. Neinhaus, über d. Flora der Umgegend von Neuwied. 1865. 4.
    Progr.

=J. G. Cotta=’sche Buchhandlung in Stuttgart:

18,932. Deutsche Vierteljahrs-Schrift: 29. Jahrg., Jan.-März 1866. Nr.
113. 8.


=G. F. Groſsmann’s= Buchhandlung in Weiſsensee:

18,933. Leitzmann, Wegweiser auf dem Gebiete der deutschen Münzkunde;
2. Abth. 1866. 8.

=Meyer=’sche Hofbuchhandlung in Lemgo:

18,934. Brandes, Ausflug nach der Tatra, der Hegyallia u. d. ungar.
Erzgebirge. 1865. 8.

=Friedr. Hektor Graf Hundt=, k. b. Kämmerer und Ministerialrath,
in München:

18,935. Ders., Karl August Graf v. Seinsheim. 1865. 8. Sonderabdr.

=Theophil Rupp= in Reutlingen:

18,936. Ders., Fiölsvinnsmâl. 8. Sonderabzug.

=K. Friedrichs-Universität= in Halle:

    18,937. Jancke, Aristoteles doctrinae paedagogicae pater. 1866. 8.

    18,938. Schilling, de usu dicendi Ulrici de Zazikhoven. 1866. 8.

    18,939. Inclitae litterar. Universitati Vindobonensi sacra
    saecularia quinta agenti. 1865. 4.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:

    4983. Dreier der Stadt Hannover und Hamburger Zweischillingstück
    von 1720.

    4984. Halber Kreuzer von Schwäb. Hall v. 1712 und Hess. Heller von
    1757.

=Laurer=, Frauenkleidermacher, in Nürnberg:

    4985. Kurf. brandenburg. Silbermünze von 1565.

=Frau Minna Büchel=, geb. Meiſsner, in Dresden:

    4986. Sogen. Landsberger Pfennig v. 15. Jhdt.

    4987. Dose von vergoldetem Kupfer mit ciselierten Ornamenten, 18.
    Jhdt.

=Georg Brückner=, Privatier, in Kulmbach:

    4988. Viertelthaler Maximilian’s von Oesterreich, Groſsmeisters
    des deutschen Ordens zu Mergentheim, und ovaler Gnadenpfennig von
    Messing, 18. Jhdt.

=Magistrat zu Burg-Steinfurt=:

    4989. 4 Lackabdrücke städtischer Siegel und ein Siegelstock.

=G. von Bülow= in Lausanne:

    4990. 27 Lackabdrücke älterer und neuerer Siegelstöcke.

    4991. Abdruck eines Notariatsstempels vom 17. Jhdt.

=Se. Hoheit Leopold Herzog zu Anhalt=:

    4992. Siegel Markgraf Albrecht d. Bären, Gypsabg.

=Se. Durchl. Friedrich Karl, Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg=:

    4993. 3 Siegel der Welfenpartei zu Florenz und des M. A. de
    Abatibus, Gypsabg.

=P. Schmidt=, Assessor, in Kopenhagen:

    4994. 2 russ. Amulets von Messing.

=Jacob Kerschbaumer=, Privatier, in Berchtesgaden:

    4995. Porträt Dr. Martin Luther’s und der Katharina von Bora, zum
    Theil aus Schriftzügen zusammengesetzt, Kpfstch.

=Fr. Thorwart=, Kaufmann in Pforzheim, und =E. Oppermann=,
Kammerstenograph, in Dresden:

    4996. Kriegspulverhorn vom 17. Jhdt.

=E. Oppermann=, Kammerstenograph, in Dresden:

    4997. Silbermedaille der Stadt Hanau auf Kurfürst Wilhelm II.,
    1821.

    4998. 2 Bronze- und 4 Zinnmedaillen aus neuerer Zeit.

    4999. Nassauer Denkzeichen auf Eroberung des Kriegschiffes
    Christian VIII. bei Eckernförde, 1849.

=Horn von Wieseck=, Realschüler, in Gieſsen:

    5000. Ein in der Umgegend von Gieſsen aufgefundener Steinkeil.

=Dr. O. Buchner= in Gieſsen:

    5001. Ein Steinkeil, ebendaher.

    5002. 8 Lackabdrücke der alten Stadtsiegel von Alsfeld.

    5003. Wappen der Städte Karlsbad u. Königsberg in Preuſsen.

=J. Diernfellner’s= Universitätsbuchhandlung in Freiburg i. Br.:

    5004. 12 Freiburger Silbermünzen älterer und neuerer Zeit.

    5005. Gröſsere und kleinere Ansicht der Stadt Freiburg i. Br., von
    Greg. Sickinger gestochen; neuer Abdruck.

=F. Deuster= in Kitzingen:

    5006. 32 kleinere Silbermünzen vom 16. u. 17. Jhdt.

    5007. 8 zu Kitzingen gefundene Pfennige von Bamberg, Würzburg,
    Mainz u. s. w., aus der zweiten Hälfte des 14. Jhdts.

=G. A. Böckel=, Schlossermeister und Obrigkeitszunftdeputierter,
in Cassel:

    5008. 2 Medaillons von getriebenem Eisen mit dem Brustbilde
    Napoleon’s I. und einer Siegesgöttin auf dem Adler, gefertigt 1809
    durch den Schlosser C. Fr. Holland zu Wien.

=R. Ph. Schilling=, Privatgelehrter, in Riga:

    5009. Porträt des Augsburger Pfarrers Joh. C. Göbel, Photographie
    nach dem Kupferstich von L. Kilian.

=von Gemming=, Obristlieutenant, in Nürnberg:

    5010. Illustrierende Beilage aus dem 5. Jahresbericht des
    historischen Vereins im Rezatkreise; Steindruck.

=Sommer=, k. Bauinspektor, in Zeitz:

    5011. Photographie nach den drei Crucifixen von 1685 in der
    Michaeliskirche zu Zeitz.



Chronik der historischen Vereine.


/Památky archaeologicke a Mistopisné/. Vydované od
/archaeologického sboru Musea královstvi Českého/. K. VI. Zap a
Fr. J. Zoubek. Ročnik XII. Díl VI. Svazek 5. 6. 7. V Praze. 1865. 4.

/Verzeichniſs/ der Mitglieder der Gesellschaft, der
wissenschaftlichen Sectionen und Comitéen und der Beamten des
/Museums des Königr. Böhmen/ zur General-Versammlung am 3. Juni
1865. Prag, 1865. 8.

/Vortrag/ des Geschäftsleiters in der General-Versammlung der
Gesellschaft des Museums des Königreiches Böhmen am 3. Juni 1865. Prag,
1865. 8.

/Mittheilungen der/ k. k. /Central-Commission zur Erforschung
und Erhaltung der Baudenkmale/. Herausgegeben unter der Leitung
Seiner Excellenz des Präsidenten der k. k. Central-Commission Joseph
Alexander Freiherrn von Helfert. Redakteur: Anton Ritter v. Perger. --
10. Jahrg. November-December. Wien, 1865. 4.

Ueber einige Kirchen in Steiermark. Von Hanns Petschnig. (Mit 20
Holzschnitten.) -- Deckengewölbe der Kirchen St. Marein bei Seckau.
(Mit 1 Doppeltafel.) -- Ueber das Herkommen verschiedener Gemälde
in der k. k. Gemäldegallerie im Belvedere. Von A. R. v. Perger.
-- Die nordfranzösische Abtei- und Kathedralkirche. Von Dr. E.
Henszlmann. -- Besprechung: Ueber die Berichte und Mitteilungen des
Alterthums-Vereines zu Wien. -- Notiz: Die archäologische Ausstellung
in Preſsburg.

/Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung der Gewerke in München/.
Fünfzehnter Jahrgang. -- Zweites, drittes und viertes Heft. 1865. 2.

Historische Aufsätze: Die Malerei in ihrer Anwendung auf die Baukunst
nach Viollet-Le-Duc. Von A. Mecklenburg. -- Zur Geschichte des
Kunsthandwerkes in Frankreich. -- Die Austellung von kulturhistorischen
Gegenständen in München für das Jahr 1866.

/Badenia/ oder das badische Land und Volk. Eine Zeitschrift zur
Verbreitung der historisch-topographisch-statistischen Kenntniſs des
Groſsherzogthums. (Organ des /Vereins für badische Ortskunde/.)
Herausgegeben von Dr. Jos. Bader. Dritter Band. Zweites Heft (zweite
Hälfte) und drittes Heft. Heidelberg, Druck u. Verlag von A. Emmerling.
1865. 1866. 8.

Hofsgrund im Breisgau. Kurze Geschichte des Thales und Bergwerks. Von
Cameralpraktikant Trenkle. (Schluſs.) -- Burghart von Hohenfels, der
Minnesänger, seine Familie und Heimat. Von Dr. Bader. -- Mannheims
Vorgeschichte im keltisch-römisch-germanischen Zeitalter. Von Prof.
Fickler. -- Meine Heimatgaue. Eine historisch-ethno-topographische
Skizze. Von Dr. Bader. -- Wo lag der von Kaiser Valentinian befestigte
mons Pirus? Von Registrator Vetter. -- Ueber die Bevölkerungszunahme in
den bedeutenden Städten Badens. Von Trenkle.

/Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst/. Neue Folge.
Herausgegeben von dem /Vereine für Geschichte und Alterthumskunde zu
Frankfurt am Main/. Dritter Band. Mit Abbildungen. Frankfurt a. M.
1865. gr. 8.

Zur Urgeschichte des Rhein- und Mainlandes. Von Prof. Dr. J. Becker. --
Des Kanonicus Job Rohrbach am Bartholomäusstifte Frankfurter Chronik
vom J. 1494-1502. Zum erstenmale herausgegeben von G. E. Steitz,
Dr. der Theol. -- Die Straſsen der Frankenfurt. Von Dr. Friedr.
Scharff. Mit einer Karte. -- Das Recht der hohen Mark, mit besonderer
Berücksichtigung der angrenzenden Seulberg-Erlenbacher Mark. Von
dems. -- Beiträge zur Geschichte des Collegiatstifts Moxstadt aus
dem Frankfurter Stadtarchive von Dr. L. H. Euler. -- Angelegenheiten
der reformirten Gemeinden nach den Protocollen des lutherischen
Predigerministeriums. Mitgetheilt von Pfarrer Basse. -- Die Auflösung
des Groſsherzogthums Frankfurt. Ein geschichtlicher Rückblick auf die
beiden letzten Monate des Jahres 1813. Von Dr. W. F. C. Stricker.
-- Lorenz Heister, geb. im Jahr 1683 zu Frankfurt, gest. 1758 zu
Helmstädt. Von Dr. Eduard Heyden. -- Johann Michael von Loen, Göthe’s
Groſsoheim. Von dems.

/Mittheilungen/ an die Mitglieder des Vereins für Geschichte
und Alterthumskunde in Frankfurt a. M. II. Band. Nr. 4. April 1864.
Frankfurt a. M., 1864. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Römische Alterthümer aus Genf. Mitgetheilt
von Paul Gerson. -- Der Stadt Frankfurt am Main Adler. Ein Lobgedicht
aus dem 16. Jahrhundert, mitgetheilt von Ernst Kelchner. -- Kleine
Bemerkungen von Dr. Euler.

III. Band Nr. 1. April 1865. Vereinsangelegenheiten. -- Mitglieder des
Raths unter 30 Jahren. Von L. F. Finger. -- Verzeichniſs der Kosten
bei Erlangung einer bürgerlichen Fähndrichsstelle aus dem Jahre 1803.
Mitgetheilt von Dr. med. Stricker. -- Zwölf Urkunden, mitgeth. von Dr.
jur. Euler.

/Hennebergisches Urkundenbuch/. Im Namen des /Hennebergischen
alterthumsforschenden Vereins/ herausgegeben von Georg Brückner.
V. Theil. (I. Supplementband.) Meiningen. Verlag der Herzogl.
Hofbuchhandlung von Brückner u. Renner. 1866. 4. IV u. 292 Stn.

/Statuten des Thüringisch-Sächsischen Geschichts- und
Alterthums-Vereins zu Halle an der Saale/. Halle. 1865. 8. 15 Stn.

/Mittheilungen des Vereins für die Geschichte und Alterthumskunde
von Erfurt/. Erstes Heft. Mit 3 Tafeln in Farbendruck und 8
Steindruck-Tafeln. Erfurt, 1865. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Das Wappen und die Siegel der Stadt Erfurt,
von Karl Herrmann. -- Verzeichniſs der Abbildungen. -- Zusätze und
Berichtigungen.

XXXI. 2. /Quartalbericht des Vereins für meklenburgische Geschichte
und Alterthumskunde/. Schwerin, im Januar 1866. 8. 12 Stn.

/Zeitschrift des Architecten- und Ingenieur-Vereins für das
Königreich Hannover/. Redigirt von dem Vorstande des Vereins. Band
XI. Heft 4. (Jahrg. 1865.) Hannover. Schmorl u. v. Seefeld. 1865. 2.

/Beiträge zur vaterländischen Geschichte/. Herausgegeben von der
/historischen Gesellschaft in Basel/. Achter Band. Basel, H.
Georg’s Verlagsbuchhandlung. 1866. 8.

Vorbericht (Geschichte der Gesellschaft von 1836-1861, von J. W. Heſs).
-- Die Berührungen Basels mit den westfälischen Gerichten. Von Prof.
Andr. Heusler, Sohn. -- Die Begehren der Basler Bürgerausschüsse im
Jahre 1691. Von Dr. Karl Burckhardt. -- Streitigkeiten zwischen der
Gerberzunft in Basel und den Landgerbern im achtzehnten Jahrhundert.
Von H. Zehntner. -- Der Geschichtschreiber Johannes Müller in seinem
Briefwechsel mit Peter Ochs von Basel. 1775-1786. Von Dr. D. A.
Fechter. -- Mittheilungen aus den Basler Rathsbüchern aus den Zeiten
des dreiſsigjährigen Krieges. Von Prof. A. Heusler, Vater. -- Die
neuesten Forschungen über Hans Holbein des Jüngern Geburt, Leben und
Tod. Mitgetheilt von Ed. His-Heusler.

XLIV. /Neujahrsblatt für Basels Jugend/, herausgegeben von der
/Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen/. 1866.
4. Basels Eintritt in den Schweizerbund. 1501.

/Argovia/. Jahresschrift der /Historischen Gesellschaft
des Kantons Aargau/ durch E. L. Rochholz und K. Schröter. IV.
Band. Jahrgang 1864 und 1865. Aarau, Verlag von Heinrich Remigius
Sauerländer. 1866. 8.

Vorwort. -- Über die Entstehungszeit der Acta Murensia. Von Theodor
v. Liebenau. -- Vereins-Chronik. -- Der Stift Zurzach niedere
Gerichtsherrlichkeit in Kadelburg, vom J. 1451-1803. Nach 57 Urkunden
dargestellt von J. Huber. -- Die Hausthüre im Rechtsfrieden. Nach
altdeutschen Quellen von E. L. Rochholz. -- XXXIII Aargauer Öffnungen,
gesammelt und nach erbrechtlichem Inhalte bearbeitet von E. Welti.
-- Bilderreim über die böhmische Jesuitenaustreibung vom J. 1619.
Ein Beitrag zur Literatur der politischen Flugblätter, mitgetheilt
von E. L. Rochholz. -- Regesten des Archivs der Stadt Brugg. Von Dr.
Bäbler. -- Zwei Schwyzer Landesbefestigungs-Urkunden vom J. 1322.
Mitgetheilt von E. L. Rochholz. -- Wort- und Sachbestand. -- Orts- und
Personennamen-Register.

/Einundzwanzigster Jahresbericht über die Verrichtungen der
Antiquarischen Gesellschaft/ (der Gesellschaft für vaterländische
Alterthümer) /in Zürich/. Vom November 1864 bis December 1865.
Zürich, 1865. 4.

/Jahrbuch des historischen Vereins des Kantons Glarus/. Zweites
Heft. Zürich u. Glarus, Meyer u. Zeller. 1866. 8.

Protokolle des Vereins. -- Die versuchte Annexion St. Gallischer
Gebietstheile im Jahr 1814. -- Urkundensammlung zur Geschichte des
Kantons Glarus.

/Rätia/. /Mittheilungen der geschichtforschenden Gesellschaft
von Graubünden/. Herausgegeben vou Conradin v. Moor und Christian
Kind. III. Jahrgang. Cur, im Verlage der Antiquariatsbuchhandlung.
1864. 8.

Politische und militärische Correspondenzen aus dem Schwabenkriege.
Von Chr. Kind. (Schluſs.) -- Die Fuentan’schen Wirren. Von dems.
-- Relatione de Griggioni fatta dal segretario Padavino. Mitg. von
Victor Cérésole. -- Ein ladinisches Rügelied auf Oberst Gg. Jenatsch.
Mitgetheilt von Alf. v. Flugi. -- Beiträge zur Geschichte Graubündens.
Von Prof. Pet. Kaiser.

/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique/.
Trente-deuxième année. Tome V. IV. Série. 371. Livr. Octobre 1865.
Paris, 1865. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments
historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société
française d’archéologie pour la conservation et la description des
monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome
1., 31. Vol. de la Collection. Nr. 7. 8. Paris et Caen, 1865. 8.

Analyse architecturale de l’abbaye de St.-Étienne de Caen, par M.
Bouet. (Suite). Rapport verbal fait en août et octobre 1865 à la
Société française d’archéologie, par M. de Caumont. -- Lettre à M. de
Caumont sur une excursion en Périgord et en Quercy, par M. Jules de
Verneilh. (Suite.) -- Les tombes de l’abbaye de Fervagues par M. Ch.
Gomart. -- La Bonne-Mort. Peinture murale de l’église de Péronne, par
le même.

/Bulletin de la Société pour la Conservation des Monuments
historiques d’Alsace/. (Deuxième Livraison.) Paris et Strasbourg.
1865. gr. 8.

Procés-verbaux des Séances. -- Mémoires: Note sur une médaille
offerte à la ville de Strasbourg, pour sa collection historique, par
M. le doyen F. Sachs de Carlsruhe, par M. G. Klotz. -- Notice sur la
famille de Rosen, par M. Ernes Lehr. -- Un extrait de la Chronique
de Wissembourg, de Balthasar Boell, par M. L. Spach. -- Frédéric
II. et ses fils en Alsace, par M. P. Huot. -- Note sur deux anciens
monastères, vulgairement designés sous les noms de Frauenkirch et
de Thierkirch, par Jér. Ans. Siffer. -- Le château impérial des
Hohenstauffen à Obernai, par M. l’abbé Gyss. -- Donation de terres,
faite à l’abbaye de Marbach, par le comte Albert d’Éguisheim, par
M. L. Spach. -- Recherches archéologiques concernant la station de
Gramatum, par M. Coste, avec une carte lithographiée. -- Craufthal
(Claustriacum), par M. Louis Benoit. -- Rapport sur deux ouvrages de M.
le prof. Hanauer, par M. L. Spach. -- Notice sur quelques monuments
lapidaires d’origine païenne, conservés à Walbourg, par Jér. Ans.
Siffer.

/Kronijk van het Historisch Genootschap, gevestigd te Utrecht/.
Twintigste Jaargang, 1864. Vierde Serie. Vijfde Deel. Utrecht, Kemink
en Zoon. 1864. 8.

Angelegenheiten des Genootschaps. -- Stukken voor de geschiedenis der
jaren 1593 en 1594. -- De beroeming van Graaf Johan van Nassau tot
Stadhouder van Gelderland. -- Beschrijving van eenen togt naar de
Bovenlanden van Banjermassing enz., in het jaar 1790. -- Onderzoek naar
de wijze van bekostiging der voormalige fortificatiewerken der stad
Utrecht. Door Mr. J. W. L. Raven.

/Naamlijst der boeken/ van het Historisch Genootschap. Tweede
uitgave. 1865. Utrecht, Kemink en Zoon. 8. IV u. 124 Stn.

/Wet/ van het Historisch Genootschap. 8. 14 Stn.

/Verslag van het verhandelde in de algemeene vergadering van het
Provinciaal Utrechtsche Genootschap van Kunsten en Wetenschappen/,
gehouden den 27. Junij 1865. Utrecht, C. van der Post jr. 1865. 8.

/Aanteekeningen van het verhandelde in de Sectie-Vergaderingen/
van het Provinciaal Utrechtsche Genootschap van Kunsten en
Wetenschappen, ter gelegenheid van de algemeene vergadering, gehouden
in het jaar 1864. Utrecht, C. van der Post jr. 1864. 8.



Nachrichten.


Literatur.


Neu erschienene Werke.

    3) /Die römischen Inschriften in Dacien/. Gesammelt und
    bearbeitet von /Michael J. Ackner/, gestorben als ev. Pfarrer
    in Hamersdorf, k. Rath u. s. w. und /Friedrich Müller/,
    Gymnasialdirektor u. s. w. Herausgegeben mit Unterstützung der
    kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Wien, 1865.
    Verlag von Tendler u. Comp. (Carl Fromm). 8. 247 Stn.

In einem längeren Vorworte geben die gelehrten Verfasser Rechenschaft
über die durch mehrere Jahrhunderte sich ziehenden Bemühungen,
die bis jetzt aufgewandt wurden, den von ihnen behandelten Stoff
zusammenzutragen und zu erläutern, wie über die Bedingungen, unter
welchen ihre eigne Arbeit den früheren sich anschlieſst, welche
letztere, ohne für jene die Nothwendigkeit der selbständigen Prüfung
aufzuheben, die fast eben so groſse Schwierigkeit der Sichtung des bis
jetzt zu Tage geförderten wissenschaftlichen Materials hinzufügte. Ob
die vorliegende Arbeit den Schluſs der zahlreichen und gröſstentheils
veralteten Versuche bilde, darüber könnte endgültig natürlich nur
an Ort und Stelle entschieden werden. Soweit aber nach Analogien zu
schlieſsen erlaubt ist, hat die Schrift auf das Prädikat der Vollendung
in hohem Grade Anspruch. Ihre Zusammenstellung zeugt von einem Fleiſse,
der nur aus der Lust vollkommenen Verständnisses erklärbar wird, wie
wiederum vor Allem dieses die groſse Masse des vereinigten Materials
werthvoll macht. Von mehr als hundert Orten in Siebenbürgen, Serbien,
Bulgarien, Slavonien, der Walachei, Moldau, Militärgrenze, dem Banat
u. s. w. sind über tausend Inschriften zusammengetragen, durch
Anmerkungen erläutert und durch ausführliche Register zugänglich
gemacht. Die Ausstattung des Buches ist, wie sie für ein Werk, das
selbst Anspruch auf monumentalen Werth macht, sich ziemt.

    4) /Geschichte des Herzogs Rudolf IV. von Oesterreich/, von
    /Dr. Alfons Huber/, Professor der Geschichte in Innsbruck.
    Innsbruck, Wagner. 1865. 8. IX, 223 Stn.

Längst war es der Wunsch aller Freunde der Habsburger, es möchte Jemand
sich der nicht kleinen Mühe unterziehen, die Lichtfunken zu sammeln,
welche Rudolf’s IV. kurze, aber glanzreiche Bahn, einem Meteore gleich,
von Ungarn und Böhmen aus in Oesterreich und Tirol, ja bis Venedig,
aber nicht weniger in Schwaben, vorab in den Wiegenlanden seines
erlauchten Geschlechts, verbreitete.

Diese hochherzigen Erinnerungen an die Jugendzeit des Hauses Habsburg
leuchteten vom Frühlinge 1353 bis in den Sommer 1365, also ein Dutzend
Jahre hindurch, in der trüben Zeit, als das Haus Luxemburg-Böhmen mit
Kuttenbergs Silber sich auf ewig ein böhmisches Erbreich über ganz
Deutschland zu erkaufen hoffte.

Da Herzog Rudolf und seine Umgebung trotzdem, daſs er zu Wien die
Universität und Stephanskirche errichtete und in kühnem Heldengange
über den Krimlertauren zur Winterszeit Tirol erwarb, doch unsern
obern Landen eben so nahe stand, als Oesterreich, hätten wir recht
sehr gewünscht, daſs man dem Verfasser seiner Lebensgeschichte alle
nöthigen Mittel zur Hand gestellt hätte, die sehr zahlreichen Erlasse
Herzog Rudolf’s IV. in Schwaben, Burgund und Elsaſs zu sammeln, --
was ihm leider nicht ermöglicht wurde. Trotz dieses Mangels bleibt
diese Lebensgeschichte dennoch eine recht lobenswerthe Unternehmung;
denn was im Bereiche des Verfassers lag, wurde gesammelt und so
gut benützt, daſs es in Böhmen und Italien, in der Schweiz wie in
Frankreich zu reichen Nachträgen ermuntern wird. Zwei Monographieen
werden ganz besonders fördernd hier unterstützen: diejenige des
Johannes Schultheiſs, Kanzlers Rudolf’s IV., Bischofs von Gurk, Brixen
und endlich von Chur, mit vielen bisher unbekannten Daten; dann die
Geschichte der Königin Agnes, Base Herzog Rudolf’s IV., die (mit 400
Regesten und etwa hundert Urkunden) im Jahre 1866 erscheinen wird.

Herr Professor Huber äuſserte vor einigen Monaten noch, das Erscheinen
Rudolf’s IV. werde geraume Zeit auf sich warten lassen; ob nun Heinr.
v. Dieſsenhofen’s Chronik den früheren Entschluſs umänderte, wissen wir
nicht genau; doch entnahm er derselben zahlreiche Stellen.

Das Buch ruht auf 618 Regesten und acht beigelegten Urkunden.
Die Regesten, groſsentheils auf Lichnowsky hingewiesen, sind oft
etwas kurz ausgefallen und stehen unter dem Titel: Verzeichniſs
der Aufenthaltsorte. Drei sogen. Excuse: 1. Ueber die Beamteten,
Verzeichniſs mit der Zeitangabe, 2. Krone und sogen. Privilegien der
Herzoge von Oesterreich, 3. Genealogie der Herren v. Walsee, sind
beigegeben.

Die Abhandlung (S. 1-154) zerfällt in: Deutschlands Entwicklung,
Königthum und Fürstenthum; -- Rudolf’s IV. Jugendzeit und
Verehelichung; -- Rudolf’s IV. Regierung bis zum Bunde mit Ungarn.
-- Erwerbung Tyrols vorbereitet; -- Streitigkeiten mit Karl IV.; --
Aquilea und Friaul; -- Wiederausbruch des Zwistes mit dem Kaiser; --
Besitznahme Tyrols; -- Kampf mit Bayern um Tyrol; -- innere Verwaltung
seiner Lande; -- letzte Kämpfe in Italien; Rudolf’s IV. Lebensende
und Würdigung; -- also eilf Abschnitte, welchen wir eine Darstellung
Rudolfs in den früher so kriegerischen Gauen der Limath und Aare
beigefügt wünschen möchten, sowie auch, daſs das ausgezeichnet gut
geschriebene Buch den obern Landen einen eigenen Abschnitt gewidmet
hätte, der die Blume der ganzen Abhandlung bilden müſste.

    Dr. H. v. /Liebenau/.


Aufsätze in Zeitschriften.

/Biene/: Nr. 5. Geschichtliches über Dukaten. (J. v. H.)

/Das illustr. Buch der Welt/: Nr. 1. Bilder aus dem deutschen
Mittelalter. 11. König Wenzeslaus der Luxemburger. (Thaddäus Lau.)

/Chilianeum/: Nr. 1. Die Miſsbilligung der zweiten Ehe im
Mittelalter. Sittengeschichtliches aus dem 14. Jahrhundert. (Prof. Dr.
v. Hefele.)

/Dioskuren/ (Deutsche Kunstzeitung): Nr. 5. Die neueste Erwerbung
der königlichen Gemäldegallerie in Dresden (das in der Böhmischen
Auction erstandene Gemälde von Dürer). (Julius Hübner.)

/Erheiterungen/ (Beibl. z. Aschaffenb. Ztg.): Nr. 11-32.
Hexenprozesse aus der ehemaligen Cent vom Spessart und Bachgau, aus
aktenmäſsigen Urkunden gezogen. (Dr. Ludw. Herrmann.)

/Europa/: Nr. 4. Zur Geschichte des Holzschnitts. -- Nr. 6. Der
erste deutsche Künstler (Dürer). (Nach v. Zahn.)

/Grenzboten/: Nr. 3, S. 81. Hans Holbein’s d. J. neueste
Biographie. -- S. 94. Die Sprachvergleichung und die Boppstiftung. --
103. Schwimmkunst in alter Zeit.

/Der Hausfreund/: Nr. 3. Die Babenberger.

/Korrespondent/ v. u. f. D.: Nr. 77. Die ersten Zeitungen. -- Nr.
82. 84. Eheverlöbniſs der Magdalena Topplerin.

/Protestantische Monatsblätter/: Novbr. Die deutschen
Universitäten in ihrem geschichtlichen Verhältnisse zu den deutschen
Fürstenhäusern. (E. Curtius.)

/Baltische Monatsschrift/: 12, 5. (Nov.) Wallenstein. (E.
Herrmann.)

/Neue Freie Presse/: Nr. 522. Zur Geschichte der Rinderpest.

/Schles. Provinzialblätter/: Decbr. Andreas Gryphius auf den
Brettern. (Th. Oelsner.) -- Prolog zur Aufführung der „geliebten
Dornrose“ von Gryphius. (Dr. C. Grünhagen.) -- Bernhard von Kamenz,
Kanzler Herzogs Heinrich IV. von Breslau, später Bischof von Meissen.
Nach der Schilderung von Prof. Knothe auszugsweise mitgetheilt
von H. Palm. -- Nachträgliches zu dem Aufsatze „Einiges über die
Leiden und Krankheiten unserer Vorfahren.“ (R. Kärger.) -- Noch ein
Weihnachtsspiel (Herodesspiel) aus dem Eulengebirge. (F. Zeh.)

/Theolog. Quartalschrift/: 1. Heft, S. 3. Zur kirchlichen
Geschichte des XIV. Jahrhunderts. (Prof. Dr. Schwab.) -- S. 56. Zur
Geschichte der Aufhebung des Templerordens. Mit Benützung bisher
unbeachteter Bullen. (Prof. Dr. Hefele.)

/Revue des deux mondes/: 2. Lief., S. 504: L’histoire de la
philosophie et l’éclectitisme. (Paul Janet.)

/Bremer Sonntagsblatt/: Nr. 4 f. Sanct Cosmas und St. Damian. Zur
bremischen Reliquiengeschichte. (H. A. Schumacher.)

/Münch. Sonntagsblatt/: Nr. 5. Herzog Ludwig der Reiche von
Bayern. -- Nr. 6. Die Weiber von Weinsberg. -- Nr. 7. Aus einer alten
Ehehaftsordnung. (J. Baader.) -- Kaiser Heinrich II. in Verdun. --
Sagen aus Unterfranken.

/Ueber Land und Meer/: Nr. 17. Falken und Falknerei. (Otfr.
Mylius.)

/Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg/: Nr. 5. Ueber die
Entstehung der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg.

/Romberg’s Zeitschrift für prakt. Baukunst/: Hft. 10-12, S. 307.
Ueber die Entwicklung der christlichen Baukunst im Mittelalter. (M.
Rosenheyn.)

/Bayer. Zeitung/: Morgenbl. Nr. 25. Nordendorfer Runeninschrift.
(Kuhn.) -- Nr. 28 ff. Die Vehmgerichte in Westphalen. II. (A.
Eisenhart.) -- Nr. 42 f. Die Wittelsbachischen Fürstengrüfte in Simmern.

/Illustr. Zeitung/: Nr. 1177. Die Gerichtslaube des alten Berliner
Rathhauses. -- Der Mäusethurm bei Kruschwitz. -- Nr. 1179. Die Sage vom
Krötenring. -- Rubens’ Grab in der Kathedrale zu Antwerpen.

/Leipziger Zeitung/: Wissenschaftl. Beil. Nr. 3 u. 4. Kunst-,
Geschichts- und Industrie-Museen.



Vermischte Nachrichten.


12) In einer der letzten Sitzungen der philosophisch-historischen
Classe der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien kam u. A. durch
Prof. Dr. Franz Pfeiffer zur Vorlage: „/Forschung und Kritik auf
dem Gebiete des deutschen Alterthums./ II.“ Dieses zweite Heft
enthält vier Aufsätze, welche sämmtlich Denkmäler der altdeutschen
Sprachperiode behandeln. Das erste Stück enthält einen von Dr. A.
Reifferscheid in Rom gemachten Fund, einen /Bienensegen/ aus dem
10. Jahrhundert, den ersten in deutscher Sprache, den man aus alter
Zeit kennen gelernt hat. Gegenstand der zweiten Abhandlung bildet
eine im Sommer im Cistercienserkloster Tepl bei Marienbad aufgefundene
/Beicht- und Gebetformel/, die zwar aus einem anderen Codex längst
bekannt ist, von der Tepler Handschrift aber in einer vollständigern
und älteren Version dargeboten wird. Eine gleichfalls schon öfter
gedruckte, jetzt aber aus der verschollen gewesenen Handschrift zum
ersten Mal genau wiedergegebene Fuldaer /Beichtformel/ liefert Nr.
3. Die vierte Abhandlung beschäftigt sich mit dem durch G. Zappert 1858
veröffentlichten /Schlummerlied/, dessen angezweifelte Echtheit
durch äuſsere und innere Gründe dargethan wird.

13) Archivar Dr. Ennen zu /Köln/ hat im städtischen Archive
daselbst einige /Urkunden entdeckt/, welche für eine bis jetzt
noch im Unklaren gebliebene Partie der deutschen Kaisergeschichte
von der höchsten Wichtigkeit sind. Die Chronisten sind nämlich nicht
einig darüber, ob der König /Adolf von Nassau/ auf Betreiben des
Königs Wenzel von Böhmen oder des Erzbischofs Siegfried von Köln auf
den deutschen Königsthron erhoben worden sei. Urkunden, die diesen
Zweifel zu lösen in Stande wären, fehlten bis jetzt gänzlich. Dr. Ennen
hat nun drei Documente aufgefunden, welche jeden Zweifel in dieser
Angelegenheit beseitigen und diese Frage in entscheidender Weise lösen.
Dieselben liefern den klaren Beweis, daſs Erzbischof Siegfried es war,
welcher, um mit den Worten Adolf’s selbst zu sprechen, „den Grafen von
Nassau auf den deutschen Königsthron erhoben hat“. Das interessanteste
und wichtigste der Documente ist die umständliche Wahlcapitulation, in
welcher der Graf Adolf von Nassau am 26. April 1292 die Bedingungen
spezificiert, unter welchen Siegfried unternimmt, demselben die
deutsche Königskrone zu verschaffen.

    (Köln. Bll.)

14) In Nr. 1 des Anzeigers (Beilage), S. 38 wird ein angeblich zu
/Frankenmarkt/ in Oberösterreich ausgegrabener /römischer
Meilenstein/ erwähnt. Die theils ungenauen, theils unvollständigen
Daten sind folgendermassen zu berichtigen. Im Spätherbst 1865 wurde
in der Ortschaft Mösendorf in der Pfarre /Vecklamarkt/ ein
/römischer Meilenstein/ ausgegraben. Sockel 22″ hoch, 2′ breit;
Schaft 5′ 8″ hoch, oben schief abgebrochen -- dessen Umfang 6′ 1″. Die
Legende (14zeilig) ist sicher folgenden Inhaltes: „Kaiser Septimius
Severus [/trib. pot./ VIIII. IMP. XII. COS. II.] und dessen Söhne
Cäsar Aurelius Antoninus [gewöhnlich Caracalla -- TRIB. POT. IIII.]
und Pius (die unmittelbar folgende Stelle am Ende der achten und am
Anfange der neunten Zeile ist weggemeiſselt) haben die durch das
Alter verfallenen Meilensteine wiederhergestellt, als M. Juventius
Surus Proculus als Legat die Provinz verwaltete. 31,000 /Schritte
von Juvavum/.“ Die Jahresangabe der Würden der genannten Personen
weisen auf das Jahr 201; denn des Severus trib. pot. VIIII entspricht
den J. 201 und 202, Cos. II. aber nur mehr dem J. 201; damit stimmt
auch des Antoninus trib. pot. IIII. Dagegen ist des Severus IMP. XII.
offenbar ein Versehen des Steinmetzes, da diese Bezeichnung erst im
J. 207 zutreffen würde. Uebrigens findet sich nach einer Mittheilung
des vaterländischen Archäologen Herrn Gaisberger dieselbe falsche
Sigle XII statt XI auf 2 muthmaſslich durch dieselbe Hand bearbeiteten
Meilensteinen im Carolino-Augusteum in Salzburg. -- Besonderes
Interesse gewährt auch die Wegmeiſselung der Stelle, welche offenbar
den Namen des jüngeren Sohnes des Septimius Severus -- des Geta --
enthielt. „Er ward, schreibt Gaisberger (Linzer Zeitung Nr. 7, 11.
Januar 1866, wo er über diesen Stein berichtet), von dem eigenen
Bruder, dem obengenannten M. Aurelius Antoninus Pius in den Armen
ihrer gemeinschaftlichen Mutter Julia Domna im Februar 212 ermordet.
Auch durch den Brudermord war der glühende Haſs noch nicht gestillt;
alle Freunde und Angehörigen Geta’s muſsten sterben, und damit jede
Erinnerung an den gehaſsten Bruder entfernt werde, gab der Wütherich
den Befehl, an allen Denkmalen, auf denen der Name „Geta“ vorkäme,
diesen wegzutilgen. So findet man auf dem fraglichen Meilensteine
bestätigt, was die beglaubigte Geschichte überliefert.“

Interessant ist der Stein auch durch die Angabe des Namens des Ortes,
von dem die Zahlung der Schritte begann. -- Ob der fragliche Stein
ursprünglich am Fundort aufgestellt gewesen sei, ist freilich nicht
ausgemacht. Da aber der Sockel vorhanden, würde doch diese Frage
eher zu bejahen sein. Freilich hat diese Annahme ihre Schwierigkeit,
-- aber auch ein nicht gewöhnliches Interesse, indem hiedurch die
gewöhnliche Annahme der Richtung der Straſse von Juvavum nach
Lauriacum, wie auch in Betreff des Ortes Laciacum, bedeutend in ihrer
Sicherheit erschüttert wird, will man nicht etwa diesen Stein als
einer zweiten Verbindungstraſse angehörig gelten lassen. Mösendorf
liegt südwestlich von Vecklamarkt und zwischen den beiden uralten
Punkten Stauf (Stouphi) und Walchen (Walhen) und nordwestlich von
Seewalchen, dem angeblichen Laciacum. Am einfachsten scheint wol die
Lösung durch Annahme einer zweiten Verbindungsstraſse von Juvavum aus,
deren Richtung mehr nördlich an der heutigen Hauptstraſse, welche durch
Mösendorf führt, geht. (Vergleiche dagegen 13. Jahresbericht des Museum
Francisco-Carolinum in Linz, 1853, S. 28 ff.)

Schieſslich bemerke ich noch, daſs der besprochene Meilenstein von
den Besitzern des Fundortes um 20 fl. Oest. W. an die Marktgemeinde
Vecklamarkt überlassen wurde.

    /Lambach/, 16. Februar 1866.

    _P._ /Pius Schmieder/, Archivar.


15) In der Nähe des Ortes /Schleitheim/ bei Schaffhausen ist durch
regelmäſsige /Ausgrabungen/, welche der historisch-antiquarische
Verein anstellen lieſs, ein /Friedhof aus keltischer Zeit/ mit 45
Gräbern bloſsgelegt worden. Die Entfernung der Gräber von Nord nach
Süd beträgt 8-10′, die von West nach Ost ist bei den einzelnen sehr
verschieden. Alle Gräber sind ausgemauert. In einem derselben, welches
sehr groſs und breit war, fanden sich die Gebeine von vier Menschen
vor; in andern allerhand Gegenstände von Bronze oder Eisen, wie auch
Ueberreste von Holz und von Korallen. Letztere wurden nebst einer
kleinen Hohlkugel und einem Kreuzchen von Bronze in einem Kindergrabe
gefunden. Die andern Fundstücke bestanden aus: 4 Gürtelspitzen,
darunter zwei mit schönen Verzierungen, 13 Ohrringen, 6 Fingerringen,
sämmtlich von Bronze. Von Eisen waren: 3 Messer, 2 Schwerter und 2
Schnallen. Endlich fanden sich noch eine römische Kupfermünze, der
Fuſs eines Thongefäſses und ein Stück von einem Backstein vor. Alle
diese Gegenstände wurden dem antiquarischen Cabinet zu Schaffhausen zur
Aufbewahrung übergeben.

    (Ill. Ztg. u. a. Bll.)

16) Aehnlich wie bei Schleitheim werden bei /Bregenz
Ausgrabungen/ betrieben. Unter der Leitung des Fabrikbesitzers
Jenny aus Haard, lieferten die Nachforschungen der letzten Wochen
sehr befriedigende Ergebnisse. Kleinere Gegenstände, wie Urnen,
Lämpchen, Thränenfläschchen, Münzen u. dgl., wurden viele in den
geöffneten Gräbern gefunden. Bemerkenswerth sind: eine 5-6 Zoll lange
elfenbeinerne Nadel, ein runder metallener Spiegel und Glasurnen von
der beträchtlichen Höhe bis zu 2 Fuſs. Auf einem der Lämpchen befindet
sich der Name des Töpfers Strobilius, auf einem andern eine schön
gearbeitete Abbildung des Sonnengottes, auf seinem mit vier Rossen
bespannten Wagen durch die Lüfte sprengend. Hieraus, sowie aus dem
Namen Antonin, welcher einigen Münzen aufgeprägt ist, erkennt man mit
Sicherheit die Begräbnisstätte des alten Brigantium. (A. Z.) -- In
einer andern, der Ill. Ztg. zugegangenen Nachricht werden unter den
ausgegrabenen Gegenständen noch mit aufgezählt: Thönerne Urnen von 10
Zoll bis 3½ Fuſs Höhe, bronzene Fibulen, Eisengeräthe (Meiſsel oder
Lanzenspitzen etc.); eine kugelförmige Glaslampe mit Henkeln, u. dgl. m.

17) Bei /Jemelle/ in Belgien befindet sich ein Stück Land von
zwei und einer halben Hektare in Umfang, welches das /Todtenbett/
genannt und seit lange als ein Begräbniſsort aus der Zeit des ersten
Einfalls der Franken in das gallische Belgien betrachtet wird. Ein
archäologischer Forscher hat kürzlich an dieser Stelle eine Menge
Gräber nebst darin liegenden Skeletten bloſslegen lassen, wodurch obige
Vermuthung zur Gewiſsheit wird. Ferner wurden an Ort und Stelle eine
Framea, ein Säbel, Thongeschirre u. s. w. gefunden. Letztere fanden
sich stets zwischen den Knieen der Gerippe aufgestellt und waren leer.
Die Gesichter der Skelette sind regelmäſsig gegen Norden gewendet; die
Gräber befinden sich in einer Tiefe von 2½ Fuſs und immer eines vom
andern 4-5 Fuſs entfernt.

    (Ill. Ztg.)

18) Zu /Reudnitz/ bei Leipzig sind im Garten des Buchhändlers Abel
zwei /Steinbeile/ nebst dazu gehörigem /Schleifstein/ etwa 2
bis 3 Fuſs tief unter der Oberfläche im gewöhnlichen, nicht sumpfigen
Lehmboden gefunden worden. Diese Beile haben genau die Form unserer
heutigen kleinen Holzäxte, sind nach der Schneide zu stark geschliffen,
aber ohne Loch für den Stiel.

    (Dies.)

19) In dem Flusse /Lassnitz/ bei Leibnitz in Steiermark sind unlängst
an einer 1½ bis 2 Klafter tiefen Stelle verschiedene /Trümmer von
Steinen und Säulen entdeckt/ worden, die augenscheinlich einer längst
entschwundenen Zeit angehören. Die hierauf vorgenommenen Aushebungen
waren von überraschendem Erfolge gekrönt. Es kamen nämlich mehrere
theils glatte, theils gewundene Säulen, sämmtlich von Marmor und von
reicher, schöner Arbeit, ferner eine Marmorplatte, die nach ihrer
Form zu einem Altar gedient haben mochte, an’s Tageslicht. Ebenso
wurden gefunden: eine marmorne Nische, die augenscheinlich eine Statue
enthalten hatte, ein groſses Piedestal u. s. w. Sehr viele andere
Steine sieht man theils mehr, theils weniger von Schlamm bedeckt.
Es scheinen die Trümmer eines römischen Tempels zu sein, welcher in
den Fluſs sank, nachdem seine Grundfesten bei einer Ueberschwemmung
unterspült worden, wobei die Lossnitz, wie das Terrain zeigt, gänzlich
ihren Lauf änderte.

    (Dies.)

20) Die /Wiederherstellung der Liebfrauenkirche zu Arnstadt/ im
Schwarzburgischen ist nunmehr gesichert. Dieses schönste Ueberbleibsel
mittelalterlichen Kirchenbaus in Thüringen war mit der Zeit sehr
baufällig geworden. Das Gebäude selbst ist im reinsten gothischen, die
vier Thürme aber im romanischen Stil, in der Zeit von 1050 bis 1350
aufgeführt.

    (Eur.)

21) Beim Entfernen einer Kalktünche in der /Marienkirche/ zu
/Greifswald/ fand man an der Südseite über der Gruft der Familie
von Essen ein altes /Wandgemälde/, das laut der theilweise
erhaltenen Inschrift aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts herrührt.
Das Bild ist 20 Fuſs hoch und besteht aus vier Darstellungen in
zwei Abtheilungen; rechts ist Christi Gebet am Oelberg und Christi
Geiſselung, links die Kreuztragung und die Kreuzigung zu erblicken.

    (Eur.)

22) Die /Gemäldesammlung/ des im vorigen Herbst verstorbenen
Domdekans, Geheimrath Dr. v. /Hirscher/ in /Freiburg/ i.
Br., kommt daselbst zur /Versteigerung/. Der Katalog weist u. a.
folgende Meister auf: Martin de Vos, Hans Asper, van der Neer, Wynants,
Christ. Amberger, Breughel, Mich. Wohlgemuth, Holbein d. ä., Lucas
van Leyden, Hemskerk, Ruysdael, Paul Deschwanden, Joh. van Aken, Hans
Schäufelein, Hans Memling u. s. w.

    (Ill. Ztg.)



Inserate und Bekanntmachungen.


Anfrage.

6) Unter den mittelalterlichen lateinischen Grammatikern war bis in den
Anfang des 16. Jahrhunderts, besonders in Deutschland, sehr bekannt
und in vielen Handschriften, auch in alten Drucken verbreitet und mit
Commentaren versehen der sogenannte Florista, der in 1017 Versen die
lateinische Syntax bearbeitet hat. Sein wahrer Name war /Ludolfus
de Luckowe/ (auch de Luco; er selbst schreibt de Lucobe); er
bezeichnet sich als Deutschen und Hildesheimer mit den Worten: Gentem
Teutonicus qui dicitur esse Ludolfus Hildensenensis patriam (oder
Hildenshemensis). Im Commentar wird angegeben, er solle Hildesheimer
Canonicus gewesen sein. Nach meiner Entdeckung hat er seine flores
grammaticae geschrieben im Jahre 1317; dies ergibt sich nämlich, wenn
einer der Schluſsverse als Chronostichon genommen wird.

Ich wünschte daher zu wissen, ob wol sonst etwas über diesen Mann aus
der Hildesheimer Kirchengeschichte oder irgend welchen Quellen bekannt
ist, über seine Lebenszeit, Studien u. s. w., namentlich, ob er wohl in
Paris studiert hatte.

    Prof. /Haase/ zu Breslau.

7) Berichtigung. In voriger Nummer des Anzeigers ist auf Sp. 24, Z. 1
unter dem Holzschnitte von „Gengenbach’s Bundschuh“ zu lesen: R S F.


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                       1866.    Nº 3.    März.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



Der „fränkische Krieg“.

Mitgetheilt von /Jos. Baader/, kgl. Archivconservator, in Nürnberg.

(Schluſs.)


/Neuen- vnd Alten-Guttenberg die zway schloſser betreffend/: Am
suntag den fünfften july sind herr Jorg Truchsäs vnd die kriegsräte
sambt dem kriegsvolckh für Kulmach bey die zway schloſs Alten- vnd
Neuen-Guttenberg gelanngt, darfor denselben schloſsen, so vaſst lustig,
veſst vnd wol erpauen gewest, den Guttenbergern zusteendt, durch
etliche veintsbriefe absagen laſsen vnd furtter dieselben, wie sich
gepürt, erfordert. Aber alda ist niemandt dann etliche edle weiber
gefunden, die haben mit cläglichen geperden gnad begeret. denen ist zum
tayl gnad wilfart, aber nichts wenigers der widerwerttigen Guttenberger
teyl an denselben zweyen schloſsen abgeprochen, das zimmer verprennt
vnd nachmals der vest thurm, so im alten schloſs Guttenberg gewest,
desgleichen die pasteyen vnd gefengnus auch im neuen schloſs mit
pulffer gespickt vnd zersprenngt, das dann den taylen, so gesichert
sein sollten, auch mit erschellung des groſsen erpidems des pulffers
mercklich schaden zugefügt vnd ire heuser gar zerschüttet hat.

Item Eritags den sibennden july sindt die geordenten haubtleut vnd
kriegsrete vor den schloſsen Alten- vnd Newen-Guttenberg aufgebrochen,
dieselben nacht zwischen Guttenberg vnd Sparneckh gelegen vnd am
mittwoch den achten july für Sparneckh, Waltstain vnd Oprod, so alles
nahend beyainander, gelangt, doselbst etlich tage still gelegen.

/Gattendorff, ain schlos der Sparnecker vff dem gebirg/:
In derselben zeit ist von herr Jorgen vnd den kriegsräten gen
Gattendorff, so dem Gatt von Sparneckh zugestannden, geordent worden
zway vendlin knecht vnd bey hundert raisiger pferde, darunter die
Wirttenbergischen, ettlich Bairisch vnd ettlicher stett reuter sambt
den stradiotten gewest, daſselb schloſs eintzunemen vnd die thurn vnd
pasteyen zusprengen vnd das schloſs alsdann zuuerprennen. Das ist
deſselben mals durch die fuesknecht vnd ettlich püxenmaister volbracht
vnd wol ausgericht; aber daſselb schloſs ist gar ausgelert vnd niemand
darinn funden worden.

/Waltstain, ain schloſs der Sparnecker, darauff die gefanngen
gelegen, die selbst auskomen sindt durch hilff des almechtigen:/
Item deſselben tags ist durch Wolffen von Freyburg, einem edlman,
so von der statt Augspurg zu haubtmann geordent was, das schloſs
Waltstain, so des Wolffen, Cristoffen vnd Jorgen von Sparneckh,
gebrüdere, gewest, darauff die gefanngen gelegen vnd auskomen sind,
nemlich Johann Lucas N. Lampartter vnd Pamgartner[A], verprennt vnd
die gefengnus mit pulfer zersprenngt vnd zerriſsen. Daſselb schloſs ist
gar ein mordtgruben vnd nichts erpauen, an einem wilden ortt in einem
walde gelegen, vnd nichts darinn gewest.

/Das schlos Oprod der Sparnecker betreffend:/ Desgleichen, alls
hieuor in der vnainigkait, so die Sparnecker selbst zwischen inen
gehabt, das schloſs Oprod, so dem Sebastian von Sparneckh zugestanden,
ausgebrannt vnd ein seer vester thurn darinn steend bliben, ist
derselb thurn mit ettlichen thunen pulfers auch zersprenngt vnd in
grund zerprochen vnd eingeworffen.

/Weysdorff ain schloſs der Sparnecker betreffend./ Item alls
der oberst veldthaubtmann her Jorg Truchsas vnd die kriegsräte das
schloſs Weisdorff haben einnemen wöllen, ist doselbst des Sebastian
von Sparnecks weib verhart vnd eines kindes gelegen. Derhalb der
oberst veldthaubtman vnd kriegsräte vmb raumung deſselben schloſs nit
angehalten, ir verschont vnd derselben zeit gen Weisdorff dem schloſs
nichts handln wöllen, sunder zu irem abtzug ettlich personen mit
ettlichen hackenpüxen vnd pulfer in daſselb schloſs geordent, doselbst
zupleiben, biſs die frau ir kindtbett volennde. Alsdann sollen sy das
schloſs spicken vnd in grundt verprennen. Alls aber die kindlpetterin
den ernst gesehen vnd vermerckt, das sy ir kintbett nit helffen wöllen,
hat sy gesagt, so es doch sein mues, wolle sy es nit lennger aufhalten,
vnd alsbald das schlos geraumbt. Das ist von den beuelchhabern
verprennt und gar verderbt worden.

/Sparneckh das schlos betreffendt:/ So ist das schloſs Sparneckh,
daran vil Sparnecker, auch einer ein thumherr zu Regenspurg, tayl
haben, dermaſsen vor ausbrenung deſselben mit pulfer gesprenngt, das
drey vffeinander erpauene gewelb vom grundt erhebt vnd in den graben
geworffen sindt, auch ein groſse stainene kemeten, daran gepauen,
inmitten von einander geprochen vnd eingefallen. Darnach ist das
schloſs sambt den viehstellen vnd stadeln angezündt vnd verprennt
worden.

Alls aber die kriegsrete vff vleiſsig bitt einer hübschen jungen
wittib, so Hannsen von Sparneckh seligen zu derbe gehabt, der dann
diser vehd nit verwannl gewest, iren tail, ein gemach am schloſs,
so allein an einem ortt erpauen was, gern verschont, auch die paurn,
denselben tail zuretten, verordent gewest, so ist doch derselb
tayl, der Wittiben zusteend, von der groſsen hitz auch angangen vnd
verprannt. Derhalb sich die frau seer cleglich ertzaigt.

Zu solchem einnemen vorgeschribner der Sparnecker heuser sind alle
paurn vnd guetere durch den obersten veldthaubtman zu gemains bunds
hannden vnd gewalt angenomen, die all alsbald gehuldigt haben vnd mit
zinſsen vnd gülten beschriben sindt.

Darnach ist der oberst veldthaubtman vnd die kriegsrete mit dem
kriegsvolckh zu roſs vnd fues von dem gepirg getzogen vff den Gefres,
vff Bairreut, vff Weiſseno das closter, vnd dann fortt einen tag hieher
gen Nürnberg in die statt in einer lustigen, schönen, wolgeschickten
ordnung zu roſs vnd fues, sambt dem geschütz vnd allen wägen, wie
die vſs notturfft des hörs mitgefürt, eingetzogen, vnd des andern
tags darnach die fuesknecht gevrlaubt, vnd eerlich mit einem gulden
abgefertigt worden für den abzug.

Vnd alls solches hör, wie jtzt gemelt, vff freytag den 17. july hieher
gelanngt, sind nachmals am 21. july herr Jorg Truchsäs vnd der raisig
zeug ausgeprochen vnd ein yeder tayl seinen wege anhaims genomen.

/Das schlos Abtsberg belangend/: Alls aber vff den Hannenkamb vnd
vmb Nürnberg in der neh nachuermelte heuser, so zum tayl vor in des
bunds handen gewest, vngestraft bliben, haben darumb die bundsrete,
so derselben zeit zu Nürmberg versamelt waren, geordennt, das gegen
denselben heusern auch tatlich gehanndlt wurde. Vnd nemlich ist das
schloſs Abtsperg durch herr Jorgen Truchsasen vnd die Augspurgischen
reuter am abzug ausgeprennt.

/Das schloſs Vttenhouen belangend/: Desgleichen ist Vttenhofen, so
dem Cuntzen von Rosenberg zugestanden und mein gnediger Herr von Aistet
von des bundts wegen ingehabt, durch die Bairischen vnd Nürnbergischen
reuter am abzug verprennt.

/Das schlos Damershaim[B] betreffendt/: So haben auch herr
Jorg Truchsas, freyherr, vnd mit ime die Augspurgischen reuter das
schloſs Damershaim, so des Eukarius von Ottings verlaſsner wittib
zugestanden vnd vff dem Hannenkamb gelegen vnd diser vehduerwanndten
vntterschlaipff gewest ist, ausgeprannt.

/Das schloſs Berltshaim belangendt/: Item es solt auch zu der zeit
das schloſs Berltshaim ausgeprennt worden sein. Das ist aber von wegen
der frauen doselbst, so eins kindes gelegen, biſs vff vernern beschaidt
der bundtsrete vnterlaſsen vnd angestellt.

Alls aber dises bündtisch hör zertrennt vnd abgezogen, haben sich die
Sparnecker, desgleichen Jorg Wolff von Gich vnd ander widerumb zu iren
gütern gethan, die paurn bedroet vnd bedranngt, inen widerumb mit
raichung der gült vnd zinſs gewerttig zusein oder darob not zuleiden.
Derhalb sich dann ettlich aus sorgnus irer leyb vnd güter bewilligt vnd
iren edelleuten widerumb zugethan.

Wiewol nun dem zubegegnen gemaine bundsrete ein straiffende rott
auff das gepirg vnd anderstwo zustraiffen verordent, ist doch durch
dieselben nichts sunders auſsgericht, dann das dadurch die vogel
gescheucht vnd nichts wenigers vff abzug derselben straiffenden rott
widerumb zu iren guetern komen sindt.

Zu diesem gleichzeitigen Berichte bemerken wir, daſs Hanns Thomas seine
Fehde bis zum Jahre 1531 fortsetzte, wobei er noch viele Kaufleute
niederwarf, wegschleppte und schatzte. Um Johannis 1531 begab er sich
zu seinem vertrautesten Freund, zu dem Juden Salomon in Altenzedlitz,
dem er seinen Raub zuverkaufen pflegte. Aber dieser machte ihn trunken
und schoſs den in Schlaf gesunkenen Edelmann mit einem Faustrohr
durch’s Herz, worauf er ihm mit Hülfe eines andern Juden durch
Kolbenschläge den Kopf zerschmetterte. Seinen Leichnam schleppten sie
in einen Kornacker, wo er etliche Tage hernach von Hunden aufgefunden
wurde. In einem Winkel des Kirchhofes zu Altenzedlitz wurde er zur Erde
bestattet. Also endete Hanns Thomas von Absberg, einst der Schrecken
der Reichsstädte und ihrer Kaufleute.


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Dieser war aus Nürnberg. Nach seiner Erledigung gab er den
Kriegsherren daselbst über seine Gefangenschaft nachstehenden Bericht:

/Baumgartners gefengnus betreffendt, von welcher ime Gott
ausgeholffen./

Sagt erstlich, er sey am mitwoch vor Philippi vnd Jacobi Anno 1522 mit
Sanntwerffer, potten, v̈ber nacht zu Pleinsfelt gelegen vnd morgens
donerstags von dan herein ghen Nürmberg wollen reitten, vnd vngeverlich
ein halbe meil wegs von Schwabach, do weren vier reutter inn groe [grau
gekleidet] zu inen komen, hett einer gesagt: „Wohin ir reutter?“ hett
er ine geantwort: „des wegs do hinein“ mit mer wortten. Weren also
mit inen ein weyl getzogen, were ime einer inn zaum gefallen, gesagt,
er muſst gefanngen sein, also mit im vnd dem potten vf dy seitten in
das holtz geruckt. Hett einer zu ime gesagt: „Thue die Kappen herab,
laſs mich dich sehen, wie du sichst“ vnd gefragt: „Bistu nit ein
Paumgartner?“ mit mer wortten, vnd ine bezwungen, das er ime ein aidt
hett müſsen schweren, ob er von inen kom oder abgetrungen würde, das er
sich nichts desto weniger wollt stellen, wo sy ine hin manen wurden,
darnach gepunden vnd mit ime vnd dem potten hinwegkh zogen durch dy
holtzer. Hett zu zeitten ein dorff gesehen, kenn ir aber nit. Auch hab
er ein weiſs schloſs zu der linken handt gesehen, also den tag geritten
vnd vntter wegen bei einem pfaffen getrunken; lig das haus an einem
perglein, hab aber nit konnen merken, das der pfaff ir dheinen gekennth
hab. Weren also geritten bis 2 stund vor nachts, hetten sy inn einem
holtz vertzogen. Wer der ein knecht Veit genannt -- sey ein kurtz dickh
mendlein -- wegkh geritten, darnach vff einem paurnroſs geritten komen,
ein sackh mit habern darvff gefürth vnd ein laib prots. Auch ein pauer
hetten sy, Müllner genannt, mit ine, hett ein flaschen mit pier vnd
herte air tragen, hetten sy geſsen, auch den roſsen futter geben vfs
den krebsen, also geruet bey 2 stunden oder lennger, darnach aufgewest
alls dy nacht were anganngen. Vnd alls sy vſs dem holtz herauſs
gewennt, hett er wol ettliche liecht in den pauernheusern gesehen.

Weren also dieselben nacht für vnd für geritten vnd alls frü am
freytag, alls der tag were herganngen, weren sy durch ein dorff komen.
Sey vorn am endt des dorffs ein schmitten, hett der ein reutter
hefften laſsen, vnd für das dorff hinaus sey ein steine pruckh. Do
weren sy vberkomen, also geritten biſs nach mittag. Do wer der ein
knecht, so des glatz pferd geritten, in ein holtz von inen geritten,
hetten sy da verzogen biſs er wider komen wer; dann er wol vier stund
auſsgewest. Alls er wider komen wer, hett er ine aber kes, ayr, prot
vnd bier gepracht vnd gesagt, er hett nit heraus gedorfft; dann es
weren reutter doselbst hinkomen, vnd müſsen warten, biſs sy hinwegkh
wern geritten, hett aber nit konnen vernemen, wer sy gewest weren.
Aber also gerueth, darnach wider aufgewest, fortt geritten, vnd am
abent hetten sy den potten reitten laſsen, sy fortt zogen dieselben
nacht, auch den samstag für vnd für, das sy nichts hetten geſsen dann
prot, das sy mit in gefürth hetten, vnd den roſsen auch prot geben,
also das dy roſs alls müd weren gewest, das sy ein teil nider gesunken
waren, also das sy dieselben nacht zum tayl vff einer wisen bey einer
hecken beliben weren. Von dannen geritten biſs an suntag biſs wol
auff den tag, weren sy zu einem dorff komen, flies ein pach zwischen
zeunen durch, sey ein haus am ortt allein, weren sy einzogen, sey
gestallt gleich wie ein preuhaus, hab oben ein stuben; wer kein ofen
inn gewest. Vnd Ime anfennglich befolhen, er sollt sich hallten alls
wer er ir junckher, vnd sagt, das man das essen fürderlich zuricht.
Hetten sich aufgethan, vnd die weyll sy also gehartt hetten vff das
essen, do hett der wirtt gesagt: „Itzt kombt vnnser schulteis“. Do
hetten sy das harnisch verporgen vnd ein tayl annder rockh angethan,
vnd also geseſsen vnd bliben, seins achtens biſs nach vesperzeit. Do
weren sy wider aufgewest, durch den pach zogen, durch dy holtzer, vnnd
gegen dem abent inn einem holtz verzogen. Were Veit von inen geritten,
vnd darnach einer zu fues mit ime komen, hett ein kitll angehabt vnd
ein schweinspies tragen, flaschen mit pier vnd prot gebracht. Hett der
selbig im kittel zu ime, sager, gesagt: „Baltasar wann her? mir ist
laidt, das ir da seyt. Wollt, sy hetten einen anndern. Ich will ob euch
haltten, alls vil mir möglich ist.“ Weren nachvolgennt wider hinweg
ganngen, vnd alls es vinster worden were, do hetten sy ine geplendt
eingebracht, inn einem stall abgesetzt, vnd also geplenndt gefürth
biſs zu einer stiegen. Do hetten sy in abgefürth und darnach lanng
hinhintter. Do hett man ine in ein gewelb thun, weren oben ring. Hetten
sy im geweiſst vnd gesagt: „Da lernet man einem singen an.“ Sey seins
bedunckens ein haus, das vff einer hohe lige. Hett ein knecht sein
gewartt, auch ein weibspild ime ettliche mal zu eſsen bracht, vnd ein
knab auch. Hett der knecht gesagt, sy hetten stettigs hie men vff der
straſs, die inen wein vnd annders zufürten. Sey ob einem viertl Jars
doselbst gelegen. Es were auch Hanns Thoman vngeuerlich inn zehen tagen
selbst zu im komen, gesagt: „Lieber, wann kumbst her?“ oder „Was willt
hie thun?“ mit vil andern spottwortten.

Darnach sey Veittlein komen vnd des orts geplennt allein wider von
dan gefürth bey nacht, vnd alls er ine herdan hett gebracht, wider
aufgethan vnd gesagt: „Ich will dich zu vil leutten füren, aber laſs
nur mich reden“, vnd in also vngeuerlich vff 3 stund gefürth, wider
geplendt. Darnach, als sy hinzu weren komen, ine abgesetzt, dy roſs
angepunden, were der ein gaul ledig worden, daruon geloffen, hett er
gesagt: „Poxflaisch!“ kumbt der gaul ettwo zu einem paurn, so wirt
vns der teuffei bescheiſsen.“ Weren aber reutter aufgewest vnd den
gefanngen. Hett ine also aufwarts gefürth vnd einer geschriren, do sy
hinauf komen weren, alls solt es Behemisch sein, vnd seins achtens vber
2 prucken komen. Vnd wenn sy durch ein tor weren komen, so wer man dann
ein gute weil ganngen biſs zum andern biſs in ein stall. Do hett man
ine ein stiegen aufgefürth vnd darnach hin hintterwarts biſs zum thurn.
Wer einer inn einem schwartzen cleid mit einem kneblpartt [dagewesen].
Vnd alls er gesehen hett, das sy in inn den thurn wollen legen, hett er
sy gepetten ine heroben zulassen. Aber der im schwartzen claid hett im
den knebl zwischen die pain gethan vnd mit ime hinab gerumpelt. Solcher
thurn sey rund vnd vast stincket vnd ungeheuer. Hett erstlich sein ein
paurngesell gewartt, welchen er ye gepetten hett, ime oben das loch
offen zulaſsen, das er dann gethan hett. Wer eins ein groſser hundt
vber das loch komen, hinab geschmeckt. Derselbig hunt hett ein preit
messen halspanth angehabt. In welchem thurn er vast krankh worden wer.
Da sy solchs gehorth hetten, wer der knecht komen vnd ine herauszogen,
aber gesagt, er müſst zu nacht wider hinab, allein das er ein lufft
fieng. Hett er geantwort: „Hetst mich wol vor da niden gelaſsen, so
sturb ich vnd kom der martter ab.“ Es hett ime auch dy frau allerlay
eſsens geschickt vnd würtz. Man hett ine aber heroben gelaſsen biſs an
fünfften tag, Vnd alls es ein wenig peſser worden were. Hett es oben
im thurn noch ein poden gehabt, were er hinauf gestiegen. Vff welchem
thurn 2 püchsen gestannden weren, vnd darob ein clein stüblein, darinn
etlich rennzeug gewest weren. Hett auch zu den löchern herausgesehen
vnd v̈ber ein holtz gesehen alls ein statt. Weren die tach mit roten
ziegeln gedeckt. Wiſs aber nit, was gewest sey. Hett auch im thurn
gehorth die roſs eſsen, das futter schwingen vnd vil leuth darinn
webern [hin- und hergehen, sich beschäftigen]. Sey vier bis inn 6
Wochen da gelegen.

Nachuolgendt hab ine Hanns Thoman, der Veittlein vnd ein bub doselbst
vondann gefürth, hetten in vom thurn aber inn stall herab gefürth.
Wer er im heu gelegen; biſs sy das harnisch hetten angelegt, hett er
gesehen, das es ein zwifache stallung gewest, vnd deſsmals vil roſs do
gestannden, ine geplennt heraus gefürth vnd die knecht biſs vf mittag
geritten, hetten sy in einbracht, do er itzundt sey aufkomen, welchs
haus Waltstain genannt sey.

Item was die reutter, so ine gefürth haben, für person sind vnd für
roſs geritten haben, sagt er, einer hab ein praun starcken mutzen
[Pferd mit gestutztem Schweif] geritten. Derselb knecht hab sich Veit
Scharpf genennt. Mer ein knecht, Jorg genannt, hab ein weiſs roſs
gehabt, ein zimlich person. Mer ein clein alts knechtlein, wiſs seins
namens nit, hett ein roſs geritten, soll Bernhart Glatz gewest sein.
Mer ein gar junger knecht, hett ein weiſs schimellein geritten.]

[Fußnote B: Tagmersheim.]



Die Juden zu Naumburg an der Saale.

Mitgetheilt durch /Karl von Heister/.


Die Stellung der Juden zu Naumburg wich nicht von derjenigen ab, welche
Israel im Gesammtdeutschland einnahm. Durch Verkauf, Verleihung,
Verpfändung von Seiten der Kaiser, oft auch ohne nachweisbaren
Besitztitel, waren die Juden das Eigenthum der Landes- und weiter der
Territorialherren geworden. Kaiser und Reich wahrten das Oberrecht an
ihren Kammerknechten (servi camerae nostrae) und machten es geltend,
so weit die Macht des jedesmaligen Oberhauptes des Reiches auslangte;
also nur bei den kleineren Herrschaften. So bestätigte der so vielfach
miſsverstandene Artikel der goldenen Bulle die bisherigen Rechte in
Betreff der Zölle, Juden u. s. w. /nur/ der Krone Böhmen und den
Kurfürsten. Das kaiserliche Oberrecht gab sich durch Erheben einer
jährlichen und einer Krönungssteuer kund, ferner durch Ertheilen von
Privilegien und Schutzbriefen an jüdische Gemeinden und einzelne Juden,
durch Ernennung eines Oberrabbi (magnus magister), endlich durch
Verleihung des Rechtes, Juden aufzunehmen (jus recipiendi Judaeos),
welches nicht mit dem zusammenfiel, Juden zu halten. Ihrerseits
erkannten die Israeliten das kaiserliche Oberrecht sehr bereitwillig
an, um eine Berufungsstelle zu haben.

Die Juden steuerten ferner resp. an den Landes- oder an den
Territorialherrn, muſsten aber auch den Schulz der Stadt bezahlen, in
der sie sich niedergelassen hatten, nächstdem Miethe für Wohnungen,
Geld für zu leistende Dienste, namentlich militärische. Noch bis
in das 14. Jahrhundert wurden jene als Einwohner und Bürger (cives
et burgenses) aufgenommen, dann nur als Mitbürger (concives),
Schutzverwandte, Hintersassen, und noch am Ende des 17. Jahrhunderts
kauften die Juden zu Worms die Benennung „Leibangehörige“ ab. Höchst
eigenthümlich ist es, daſs Israel unzweifelhaft hörig war -- wie es
von /Ludwig dem Bayer/, /Karl/ IV. in entsetzender Weise
ausgesprochen worden ist --, und sich dennoch stets der Freizügigkeit
erfreut hat.

Im Laufe der Zeit wurden nun die Juden das Eigenthum der Mediatstädte,
und es bezog der Landesherr nicht mehr direkt eine Judensteuer, sondern
durch die Stadt.

       *       *       *       *       *

Die erste der Juden in Naumburg gedenkende Aufzeichnung[1] gehört dem
Jahre 1348 an. Jene zahlten an die Stadt 46 Schock Groschen, wonach
man, wenn dieses, wie wahrscheinlich, die Jahressteuer war, auf eine
zahlreiche jüdische Gemeinde zurückschlieſsen darf[2]. Hiefür spricht
auch, daſs in demselben Jahre des jüdischen Arztes /Jakob/ gedacht
wird[3].

Wenn die Juden aus Aragonien vertrieben wurden, weil man ihnen das
Ausbleiben des Regens Schuld gab, so läſst sich das Geschick des
unglücklichen Volkes ermessen, als es die furchtbarste Pest veranlaſst
haben sollte, die je Europa traf. Der schwarze Tod überschritt 1348
die Alpen und verheerte dann weithin bis Schweden und Kurland. In dem
genannten Jahre verfuhr man zuerst in Savoyen peinlich gegen die Juden
als Brunnenvergifter; dann sollten sie durch ein feines, aus Toledo
erhaltenes Gift die Luft verpestet haben. Als die Magistrate in der
Schweiz und am Oberrhein mit dem Verfahren zögerten, schritt das Volk
zur Selbstjustiz, und nun erstreckte sich ein gräſsliches Morden über
ganz Deutschland. Zu Tausenden wurden die Juden verbrannt, oder gaben
sich selbst den Tod in den Flammen; in den Städten, wo keine Juden
ansäſsig waren, brachte man die Todtengräber um, als die Urheber der
Seuche.

Diese entsetzliche Katastrophe gieng nicht bei Naumburg vorüber. Hier
war aber von Brunnen- oder Luftvergiftung nicht die Rede, sondern man
verbreitete, die Juden wollten die Stadt anzünden; weshalb der Rath am
27. Februar 1349 auf allen Thor- und Kirchthürmen wachen lieſs.[4] Es
heiſst: „Inmaſsen dann auch der Rhatt hernachmalſs ezliche getaufte
Juden laſsen brennen.“ Wir hören auch aus anderen Orten, daſs Juden,
die höchst wahrscheinlich gewaltsam zum Taufstein gebracht worden
waren, alsbald wiederum den Mosaism bekannten, sich selbst tödteten
(Konstanz), oder umgebracht wurden. Bestätigung der Verbrennung bietet
die Kämmereirechnung: „Item gaben wir dem Henker, der die getauften
Juden verbrannte, 15 Groschen, und für Säcke, und Stricke und anderes
Geräth 4 Groschen und als Trinkgeld der Knechte 3 Groschen, und gaben
wir den Knechten, welche dem Henker halfen, 6 Groschen“[5].

Wir werden in der Folge ersehen, daſs Synagoge, Schule Wohnhäuser vom
Rathe an die Juden vermiethet wurden, was durch eine Notiz aus dem
Jahre 1349 bestätigt scheint: „Der Rath gibt zu den Judenhäusern 8
Groschen“[6]. Allein, wollte man annehmen, es seien die Wohnungen der
unzweifelhaft vertriebenen Juden beschädigt und behufs anderweitiger
Vermiethung reparaturbedürftig geworden, so erscheint die Summe zu
gering.

Die Juden müssen sehr bald zurückgekehrt sein, da /Karl/ IV. im
Jahr 1350 die zu Naumburg (Zeitz, Querfurt, Halle) an /Friedrich den
Strengen/ von Sachsen verlieh. Der Kaiser, der zu Bautzen tagte,
wollte unzweifelhaft die Territorialherrn und die Städte strafen, weil
das Eigenthum des Reiches hingeopfert worden war.

Bereits im Jahre 1354 hatte sich das Verhältniſs wiederum geändert,
da der Rath 50 Schock Groschen von den Juden erhob, wovon aber 20 an
den Bischof abgegeben wurden, wonach also dieser, als Landesherr, der
eigentliche Eigenthümer der Juden war[7].

Demselben Jahre gehören die drei folgenden Regesten an[8]:

„Item /Heinrich von Salfeld/ (zahlte) anderthalb Schock Groschen
de stola Judeorum“.

„Zu dreien Malen (waren wir Bürgermeister) in Schönberg beim Bischofe,
in der Angelegenheit des /Jana von Mücheln/ (Muchele), des /Peters von
Weiſsenfels/ (Wissenfels) et de stola Judeorum“.

Zunächst muſs hervorgehoben werden, daſs es sich hier um drei
Naumburger Juden handelt. In Ermangelung von Familiennamen wurden die
Israeliten entweder nach dem Zeichen des Hauses genannt, in dem sie
wohnten, oder nach dem Orte, von dem aus sie zugezogen waren; daher die
/Breslauer/, /Bamberger/, /Zwickauer/ etc. Christliche Vornamen kommen,
wenn auch selten, doch mehrfach vor.

Stola kann aber unmöglich mit „Stolgebühren“ übersetzt werden, da die
Entrichtung nicht an den Parochus stattfand, sondern an die Stadt, und
zwischen dieser und dem Bischofe streitig war. Dann hat auch /Du Cange/
(1710) nicht eine einzige Anführung, daſs man den Namen eines Stückes
des Priesterornates der Gebühr für geistliche Handlungen beigelegt
habe[A]. Im Jahre 1322 verpflichteten sich die Juden zu Brandenburg
a. d. H., dem Leutpriester jährlich eine Summe zu zahlen pro suis
oblationibus et actionibus.[9] Da ist nicht die Rede von Stola, welches
Wort aber zu Naumburg unzweifelhaft eine /an der Synagogengemeinde/
haftende Steuer bezeichnete[10].

Daſs die Juden Pferdehandel trieben, dürfte ergeben:

„Item empfingen wir unter dem Rubro Juden (apud Judeos) 4 Schock
Groschen als Strafe wegen der Pferde des vorgenannten (?/Peter/) /von
Weiſsenfels/“[11].

Aus einer Notiz vom Jahre 1357 geht hervor, daſs die Juden auf lebendes
Pfand borgten, wie das mehrfach in Brandenburg und Meklenburg vorkommt:

„Item (hat der Rath) für einen bei den Juden wieder eingelösten Wallach
bezahlt u. s. w.“[12]. Hoffentlich half die Behörde einem Verarmten und
war nicht selbst in der Lage, solcherweise borgen zu müssen.

In demselben Jahre entrichteten die Juden am halbjährigen
Walburgistermine 4 Fertonen[13], und es wurden im Jahre 1361, ohne
Angabe des Termines, 2 Schock Groschen an die Stadt bezahlt[14].

Im Jahre 1369 war die Steuer auf 16 Schock Groschen gestiegen, die
in zwei halbjährigen Terminen (Walpurgis und Michaelis) gezahlt
wurden[15]. Wir lesen beim Jahre 1372, daſs demjenigen der drei Räthe,
welcher im Amt war („dem sitzenden Rath“), Lachs und Wein dargebracht
werden muſsten, und gab dieses Anlaſs zu einem Convivium, wozu die
„alten Herrn“ eingeladen wurden[16].

Die Notizen im Kämmereibuche vom Jahre 1380 geben mannigfachen
Aufschluſs über die Besteuerung der Juden.

„Von den Juden den am Feste des heil. Michael schuldigen Zins mit 8
Schock (Groschen) eingenommen“[17].

„Die Juden bewilligten den Herrn (vom Rathe) 6 Schock breiter
(Groschen)“[18]. Hier haben wir unzweifelhaft die petitio, bede, eine
erbetene auſserordentliche Steuer, wo die Bitte nicht abgeschlagen
werden durfte. Daher reversieren sich auch so oft die Machtgeber, in
einer bestimmten Reihe von Jahren keine petitio zu thun.

In dem angeführten Jahre wurden von einem Juden, Namens /Salomo/,
von der innehabenden Wohnung und von der zu Michaelis fälligen Steuer
ein Schock schmaler (Groschen) eingenommen[19]. Hier ergibt sich, daſs
die Juden nicht Hauseigenthümer waren, sondern bei der Stadt zur Miethe
wohnten; und ferner, daſs mit /Salomo/, als einem neuerdings
Zugezogenen, ein besonderer Schutz- und Steuer-Vertrag abgeschlossen
worden war.

Nach dem groſsen Brande von 1384 lieſs der Rath „dy huser vnd muren
in der Judengasse“ wieder aufbauen, und es wurde an „Jacof Juden eine
kemenaten“ gegeben[20]. Eine 167 Schritt lange und 3½-4 Schritt breite
Gasse Naumburgs führt noch heute den Namen „Judengasse“. Sie bildet ein
Knie und mündet nach beiden Seiten durch einen Thorweg. Es scheint,
daſs dieses Ghetto ursprünglich nur /einen/ zu verschlieſsenden
Ausgang hatte, womit die in Urkunden vorkommende Bezeichnung
/Sackwyt/ übereinstimmen würde, und daſs man einen zweiten Ausgang
abwechselnd zulieſs und schloſs. So heiſst es beim Jahre 1394. „Das
Thor vor der Judengasse ist dieses Jahr wieder gebrochen worden“[21].
Da unzweifelhaft Christen nicht in der Judengasse, die Israeliten aber
hier, wie an anderen Orten, dicht gedrängt wohnten, so muſs es am Ende
des 14. Jahrhunderts eine sehr zahlreiche Judengemeinde in Naumburg
gegeben haben.

    (Schluſs folgt.)


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Vergl. Du Cange, ed. Henschel, t. VI, 379. /Anm. d. Red./]

[Fußnote 1: /Quellen/: (A. N.) Annales Numburgenses, 2 Vol. Fol.
Ms. der Rathsbibliothek; von 1200 bis 1599. (1673.)

(N. R.) Naumburger Rathskammerei-Rechnungen; wie oben.

(M. N.) Memorabilia Numburgensia. w. o. (1641.) (mit späteren
Nachträgen.)

(C.) Copien aller gemeiner Stadt Naumburg privilegien, Wilkoren,
Erkauften Gerechtigkeiten und uerträgen u. s. w. w. o.

(O.) Originalien des Rathsarchivs zu Naumburg. w. o.]

[Fußnote 2: A. N. S. 24; N. R. I, S. 1 a: Item, Judei dederunt XLVI
hexagenas grossorum.]

[Fußnote 3: N. R. I, S. 5 b.]

[Fußnote 4: A. N. S. 24 b; N. R. I, S. 11 a: Item, feria sexta ante
Invocavit fecimus custodire in omnibus valvis propter metum Judeorum.]

[Fußnote 5: N. R. I, S. 13 b: Item, dedimus suspensori qui cremavit
baptizatos Judeos XV grossos et pro saccis et strengen (_Apparat zum
Verbrennen_) et aliis instrumentis IV grossos et dedimus servis qui
tulerunt suspensorem VI grossos. (_ferre aliquem, einem /helfen/,
ist nicht klassisch._)]

[Fußnote 6: N. R. I, S. 13 b: ad domos Judeorum VIII grossos
(dedimus).]

[Fußnote 7: A. N. S. 25 b; N. R. I, S. 18 a.]

[Fußnote 8: N. R. I, S. 17 b; 18 b; 21 b.]

[Fußnote 9: A. F. Riedel, cod. diplom. Brandenb. I, Bd. 9, S. 19, Nr.
26.]

[Fußnote 10: Mehrfach (Du Cange) für pallium gebraucht, und bezahlte
man das letztere bereits im 10. Jahrhunderte zu Rom.]

[Fußnote 11: N. R. I, S. 18 a (1354).]

[Fußnote 12: N. R. I, S. 21 b. Item pro uno canterio redimendo apud
Judeos etc.]

[Fußnote 13: N. H. I, S. 29 a. Das Wort geht sicher nicht zurück auf
fertum, ferctum (Cato), einen Opferkuchen. Aus dem deutschen Vierding
-- Farthing, Ferthing, Ferto, Fertum, Ferdonum Fierto, Firto u. s. w.
Es kommen goldene Fertonen vor, welches dem vorliegenden Falle eher
entspricht als Viertel-Mark oder Denar. Vielleicht hierher Freiton, ein
Eid, den die Münzmeister des Grafen von Poitou ablegten. -- Du Cange,
ed. Henschel, III, 241.]

[Fußnote 14: N. R. I, S. 39 a; 44. -- A. N. S. 52.]

[Fußnote 15: N. R. I, S. 69 a.]

[Fußnote 16: N. R. I, S. 103; 109. -- A. N. S. 53 b.]

[Fußnote 17: N. R. I, S. 164 b. Dasselbe 165 a.]

[Fußnote 18: N. R. I, S. 166 b. Judei concesserunt dominis VI sex.
latorum. Die Bedeutung blieb unermittelt; es kann von den sogenannten
Dickpfennigen nicht die Rede sein und dürfte latus das so oft
stipulierte „/swere/“ Münze sein. (In der Mark Brandenburg kommen
Silberpfennige mit hochaufgetriebenem Rande vor, ferner Münzen von
„breitem Gepräge.“)]

[Fußnote 19: N. R. I, S. 165 a: A Judeo dicto Salomon de habitatione
quam inhabitat -- de censu suo debito Mich. 1 sexagenam precisorum.
Auch hier gibt der Wortlaut schmal keinen Sinn, und es steht vielleicht
praecisus unserem /präcisiert/ näher: /festgesetzt/, /landesüblich/ --
eine stete Klausel der Verträge.]

[Fußnote 20: N. R. I, S. 188 f.; 190 a. -- A. N. S. 55 b. Von caminus,
dem Stubenherd, Kemnotte, Kemnate (Wohnung.) Im J. 1525 lieſs der Rath
zu Saalfeld die Keynodt eines Mönchsklosters untersuchen. Struve,
Archiv II, S. 58.]

[Fußnote 21: N. R. I, S. 289. -- A. N. S. 64.]



Literärische Forschungen.

Von Subrektor /Franck/ zu Annweiler.


III. /Der deutsche Michel; Nachtrag. -- Sprichwörter aus Ph. Andr.
Bvrgoldensis discvrsus historici. 1669./

Zu meiner Mittheilung über den obigen Ausdruck in Nr. 3 des Anzeigers
für 1865 füge ich einen Nachtrag. Das dort (Sp. 104) erwähnte und
mir seitdem aus der Speierer Lyceal-Bibliothek zugegangene Buch des
/Burgoldensis/ bringt zwar einige bisher unbekannte Data zur
Persönlichkeit des mit dem Beinamen „Deutscher Michel“ beehrten
Pfälzers /Hans Michael Obertraut/; eine Erklärung aber des
Ausdruckes, d. h. auf welchen bestimmten Anlaſs die /Entstehung/
desselben (er erscheint, so weit bekannt, zuerst gedruckt in /Seb.
Franck’s/ Sprichw. 1541, I. Bl. 24 b[A] zurückzuführen sei, wird
auch durch dieses Buch nicht geboten. Dasselbe führt den Titel:
/Phil. Andreae Bvrgoldensis/ discvrsvs jvridico-politico-historici
ad instrum. pac. Osnabrvgo-Monasteriensis... Freistad. 1669. II Partes.
4 (erste Ausg. ibid. 1668. 8) und die betreffende Stelle lautet (S.
91-92):

„Tillius... explicatis porrò inter Hannoveram et Neapolin ad montem
raparum (/Newstatt am Rübenberg/ quae olim ab Erico Brunsvicens.
duci /Landestrost/ dicta, postea /Landesverderb/ audiit)
copiis ad Lanam fluuium Danicum exercitum ann. 1625 d. 2. Nou.
profligauit, caesis Friderico Altēburgensi et celeberrimo Duce
/Joāne Michaële Obertrautio/, qui ob decus Germanicae militiae
/Michael Germanicus/ (/Der Teutsche Michael/) dictus fuit.
Hic Obertrautius cum septimâ vice in Hungariam tenderet et vnus ex
amicis valedicentibus ipsum interrogaret: Was er sie ziehe, das er
wieder so einen gefährlichen zug thue? ob er nicht genug versucht habe?
er solle nur zusehen das er nicht einmahl gar auſsbliebe; masculè ac
heroicè respondit: Ich bleibe nicht auſs oder wil ein Schelm seyn,
Cūque alter regereret: Setzet auch dazu: ob Gott wil; iterum respondit:
Ich weis mein Gott lasset mich nicht zu einem Schelmen werden. Milites
quos sub signis habuit, monuit: Nicht ehe los zubrennē biſs sie ihren
Widersachern das Schwartz vnd weiſs in Augen vnterscheiden könten.
Quum illum jam semianimem Tillius in rheda interrogaret, quare tā
infelici casui se subjecisset? vicēque ejus doleret; nihil reposuit,
quàm hoc: Herr General Tilli diſs sein vnglücks blumen, vnd in solchē
Garten pflückt man keine andere. Huic tamen strenuo Duci statua
monumenti perennis loco est erecta in viâ publica, quâ Neostadio
Hannoveram itur.“ -- Und vorher S. 75: „Non silenda hic est laus
/Obertrautii/, cognomento /Michaelis Germanici/, Nobilis
Palatinatus inferioris, qui acerrimè cum Hispanis conflixit, vt fraeno
potius quàm calcaribus opus habuerit.“

       *       *       *       *       *

Uebrigens enthält in anderer Art dieses zu s. Z. sehr angesehene
Werk des /Burgoldensis/, obgleich lateinisch abgefaſst, eine
nicht unbeträchtliche Anzahl von /deutschen/ in die juridischen
Abhandlungen, die „Praetensiones et Controversiae illustres“
eingestreuten Denksprüchen berühmter Männer in der Weise Zincgref’s,
von volkstümlichen Ausdrücken, Inschriften, Reimen, Strophen und
Volksliedern u. dergl., so wie von /historischen/ Sprichwörtern,
-- alles dies um so beachtenswerther, als die Bezüge zum Theil der
Lebenszeit des Verfassers angehören. Nebenbei werden auch kürzere oder
längere Stellen aus /Brant’s/ „des alten Doctors“ Narrenschiff,
/Rollenhagen’s/ Froschmevseler, /Olearius’/ persianischer
Reisebeschreibung und /Zincgref’s/ Apophthegmen angeführt.
Folgendes ist eine kleine Auslese des ihm Eigenthümlichen (2. Ausgabe
1669).

1. Verissimum est Germanorum nostrorum prouerbium: Es ist kein kling
die schärffer schiert Dan so ein /Pfaff/ allmechtig wird. I, 4.

2. Es ist so Weit dieser örter mit dem Verflûchten interim Kommen
das man Hund und Kazen darnach genant, und uff Bretspielen gespilt,
geflucht und gesungen:

    Selig ist der Mann,
    Der Gott vertrawen kann,
    Vnd Williget nicht in’s interim
    /Dan es hat ein Schalck hinter ihm./    I, 27.

Vergl. die Literatur der Interims-Lieder bei /Gödeke/ I, 269 und
/Weller/, Ann. I, 317; II, 351.

... Das Buch ward Interim genañt, vnd mit schreiben von allerley
Gelehrten, auch Getichten, Gemälden und Gesängen, dermassen so
wunderbarlich verspott vnd verlacht, das wohl gantze Bücher davon
möchten geschriben werden. /Seb. Franck/, Chronica. Ulm, 1565.
Fol. III, 284 b.

3. Verum est illud Germanorum nostrorum: Das ein Kluger Mann sey Wie
eyn Zeiger in der Vhr, dessen Anschläge man nicht ehe mercket, biſs sie
geschlagen. I, 29.

4. Hodie hi rythmi apud Germanos circumferuntur:

    Der Maur, die Mez, vnd die schöne Magd,
        Die Drey haben dem Keyser den Danz versagt.

    quod alias ita effertur:

    Ni Metz ni Mauritz ni Mauritania ni Magd,
        Ni mors, quid multis? fueram per singula felix. I, 35.

    5. Die Regenten haben ins gemein Zwey Narren bey Hoff, einen, den
    sie vexiren, den andern, der sie vexiret. I, 37.

    6. De tragicis suppliciis quibus Grumbachius et socii affecti sunt,
    sequentes rythmi compositi:

    Grumbach, Bruck, Stein, gevierteilt seyn
    Baumgartner geköpft auch Brandenstein,
    Beyer vnd Tausendschon gehangen:
    O teurer Fürst wie bistu gefangen,
    Vntrew wird gestrafft offenbahr,
    Kein toller Hund lauft sieben Jahr.    I, 50.

    /Pistorius/ thes. paroem. 1716. X, 975. Die Literatur
    der Grumbach-Lieder bei /Weller/, Ann. I, 68-69 und bei
    /Gödeke/, Grundr. I, 272.

    7. De bello bohemico illud est: /Er hat sich mit Dinten
    angehoben, vnd ist mit Rubriken vollführet./ I, 65.

    /8. Das heisset vff gut Böhmisch fenestriren./

    Refert etiam autor epitom. belli bohemici: Secretarium illum (Phil.
    Fabritium), in Dominos ita decidentem, è vestigio surrexisse, atque
    importuni istius casus molestiam humiliter atque modestè fuisse
    deprecatum. I, 66.

(Schluſs folgt.)


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Mittheilung der Redaction. Vergl. Grimm, Wbch. II, 1046.
Eine weitere Gewähr für das J. 1569 ist /Joh. Irenaei/ Lob vnd vnschuldt
der Ehefrauwen. Franckf. a. M. 1569. Fol. Bl. 31 b und Bl. 32 b.]



Der deutsche Michel.


Unter Hinweisung auf Grimm’s Wörterb. hat die Redaction des Anzeigers,
1865, Sp. 103 als ältesten Beleg dieser sprichwörtlichen Redensart das
wegwerfende Urtheil S. Franck’s über die Frauen (Sprichw. 1541, I,
24b) allegiert: „/In nöthigen sachen könden sie weniger, dann der
teutsch Michel, da ist ein man theurer dann 1000 weiber/.“ Da auch
Sanders s. v. Michel keinen älteren Beleg bietet, wird es gestattet
und am Orte sein, aus demselben Werke Franck’s eine Stelle in ihrem
vollen Zusammenhange zu wiederholen, die noch augenscheinlicher, als
die obige, die allgemeine Verbreitung des Ausdrucks um 1540 darthut und
zugleich seine Bedeutung anschaulich entwickelt. S. Franck, Sprichw.
II, 49a: Cescon habitas.

Du bist von Dütticheym, da die dannzapffen wachsen.

Ein grober albbawer.

Ein grobs höltzlin. Es were guͦt sevtrög auſs jhm zu hawen.

Duͦ bist auſs dem Schlauraffenland.

49b. Cescos ist ain stat Pamphilie, da so grobe leut woneten, wie inn
Teutschland die Bintzger kroͤpffeten baurn, daſs dauon ein Sprichwort
entstuͦnd: Du bist ein mann von Cescos, wie mans auff der Alb hat,
gleich wie man spricht: Es ist ein stat wie Heubach, da frassen die
wolff den schultheiſs auff dem marckt, Wolt ein̄ groben dölpel vnd
fantasten damit anzeygen. Wir brauchen die oberzelten, Item, Ein grober
Algewer bauer, Ein blinder Schwab etc. Ein rechter dummer Jan, /Der
teutsch Michel/, Ein teutscher Baccalaureus.

Die von W. Wackernagel in Pfeiffer’s Germ. IV, 131 (vgl. V, 354 u.)
gegebenen Belege kann ich zur Zeit nicht vergleichen, darf aber aus
Grimm’s Wörterb. folgern, daſs Wackernagel keine älteren Beispiele
beigebracht hat.

    /Schwerin/, 3. Febr.  1866.

    /Friedr. Latendorf./



Die Wachstafeln der Salzsieder zu Schwäbisch-Hall.

Mitgetheilt von Professor W. /Wattenbach/ in Heidelberg.


Christian Ernst Hanſselmann bemerkt in seinem 1768 erschienenen
„Beweiſs, wie weit der Römer Macht in den mit verschiedenen teutschen
Völkern geführten Kriegen, auch in die nunmehrige Ost-Fränkische,
sonderlich Hohenlohische, Lande eingedrungen,“ auf S. 49 bei
Gelegenheit aufgefundener römischer „Schreibnadeln“:

„Dieser Gebrauch, auf Wachs zu schreiben, ist an einigen Orten bis
auf unsere Zeiten gekommen: Dann so halten sich die Salzsieder in
der löblichen Reichsstadt Schwäbisch Hall bis diese Stunde noch
ihre ordentliche Wachsbücher, mit denen darzu gehörigen stählernen
Schreibgriffeln, die sie zu der Zeit gebrauchen, wenn das Flos- oder
Haalholz aus dem durch gedachte Stadt flieſsenden Kocher gezogen wird.
Auf dieses Haalholz ist ein gewiſses Maal gehauen, woran die Sieder
erkennen, welchem von denen Interessenten solches Stück Holz zugehöre;
Und dieses notiren sie hernach in ihre Wachsbücher zu denen allda schon
ins Wachs eingeschriebenen Namen der Interessenten. Sobald aber die
Austheilung des Holzes vorbey, so löschen sie, mit dem obern Theil
des Schreibgriffels, das Aufnotirte im Wachs aus, und glätten hierauf
das Wachs wiederum, mit solchem obern Theil des Griffels“ (folgt die
Abbildung des Griffels).

„Dasjenige Wachsbuch, welches mir zur Betrachtung zu Händen gekommen,
ist aus 6 Blättern von Holz in klein Folio bestanden, die um den Ranft
herum eine hölzerne Einfassung gehabt, zwischen welcher zu beyden
Seiten das Wachs eingegossen, anbey ganz glatt gewesen. Diese hölzerne,
mit Wachs überzogene Blätter waren, auf dem Rucken, aneinander, gleich
denen Blättern eines ordentlichen Buchs, angefügt, und konnten,
vermittelst eines Gewerbs von Möſsing, auf- und zugemacht werden.“

Diese Beschreibung veranlaſste im J. 1794, als F. D. Gräter von
Schwäbisch-Hall aus die Zeitschrift „Bragur“ redigierte, eine Anfrage,
ob jene Tafeln noch vorhanden wären, worauf Gräter (Bragur 3, 524)
antwortete, „daſs sie nicht blos vorhanden, sondern auch, wie ehehin,
im Gebrauche sind, und wahrscheinlich so lange, als die Einrichtung des
hiesigen Salzwesens fortwährt, im Gebrauche bleiben werden.“

Diese Nachrichten sind in die diplomatischen Lehrbücher übergegangen;
nirgends aber fand sich bis jetzt eine Auskunft darüber, wie lange
jener Gebrauch sich erhalten habe; ob er vielleicht noch bestehe.
Um so erfreulicher war es mir, als bei der Philologen-Versammlung
des vorigen Jahres Herr Oberpräceptor Megnin aus Schwäbisch-Hall mir
mittheilte, daſs der dortige Fränkische Alterthumsverein dergleichen
Tafeln erworben habe, und die Zusendung derselben sowie genauere
Nachrichten in Aussicht stelle. Für beides habe ich seitdem zu danken.
Die Tafeln haben auf einigen Blättern stark gelitten; andere aber sind
unversehrt. Sie entsprechen der Beschreibung Hanſselmanns; aber auf der
obersten Seite, die natürlich, wie die letzte, glatt und frei von Wachs
ist, steht die Jahreszahl 1796; es scheint also damals eine gänzliche
oder theilweise Erneuung stattgefunden zu haben. Zu bemerken ist, da
dergleichen Bücher ja nicht selten, und gerade in neuerer Zeit oft
beschrieben sind, nur noch der Umstand, daſs zur Schonung des Wachses
die einzelnen Seiten durch Buckeln von Messing von einander entfernt
gehalten werden. Das Holz wurde, wie Herr Megnin mir mittheilt, von den
Siedern in den benachbarten Waldungen gekauft und mit ihren Zeichen
versehen; war es dann auf dem Kocher an die Stadt gekommen, so wurde
es von zwei dazu angestellten Schreibern neben den Namen der Sieder,
welche alphabetisch geordnet auf den Tafeln stehen, eingetragen nach
Blöcken, Stücken und Fächern; 7 Blöcke machten ein Fach aus, 60 Blöcke
ein Stück.

Diese Sitte hat sich etwa bis zum Jahr 1818 oder 1819 dort erhalten. Es
wäre zu wünschen, daſs auch aus dem sächsischen Halle Auskunft gegeben
würde über das Schicksal der „hällischen Lehentafel“, welche Johann
Peter von Ludewig 1731 in seiner Vita Justiniani, p. 236 beschrieben
und zu p. 185 hat abbilden lassen. Die 12 Tafeln dieses Buches hatten
eine Quertheilung der Seiten, welche sich bei denen von Schwäbisch-Hall
nicht findet.

Erhalten hat sich der Gebrauch solcher Tafeln bis auf die Gegenwart, so
viel bis jetzt bekannt geworden ist, nur auf dem Fischmarkt zu Rouen.
Da hat ihn Édélestand Du Méril in seiner Abhandlung: De l’usage non
interrompu jusqu’à nos jours des tablettes en cire (Études sur quelques
points d’Archéologie et d’histoire littéraire, Paris et Leipz. 1862, p.
85-142) nachgewiesen und eine Abbildung hinzugefügt.



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                       1866.    Nº 3.    März.



Chronik des germanischen Museums.


In unserem heutigen Berichte haben wir den freundlichen Lesern,
soweit solchen nicht als Mitgliedern des Gelehrten-, resp. des
Verwaltungsausschusses, oder als Pflegern des german. Nationalmuseums
der Amtsantritt des neuen I. Vorstandes, Prof. August /Essenwein/,
durch Circularschreiben desselben bereits zur Kenntniſs gebracht wurde,
unter Bezugnahme auf die letzten beiden Chroniken unserer Anstalt
zunächst die Mittheilung zu machen, daſs der Genannte bereits am 1.
März als I. Vorstand des german. Nationalmuseums verpflichtet worden
ist und mit diesem Tage seine Funktionen angetreten hat.

Möge die allseitige Theilnahme und Unterstützung, mit deren Hülfe
es dem verdienstvollen Gründer unserer Anstalt, Freiherrn von und
zu Aufseſs, gelang, das german. Museum als ein der Vorzeit des
Gesammtvaterlandes gewidmetes Institut in’s Leben zu rufen und zu
befestigen, unserer nationalen Anstalt nach wie vor fördernd zur Seite
stehen; möge sie in immer höherem Maſse unseren Bestrebungen sich
zuwenden, die nur darauf gerichtet sein können, das an der Urstätte
deutschen Bürgerthums als Eigenthum der deutschen Nation erstandene,
bisher glücklich durchgeführte Werk dieser seiner Eigenschaft immer
entsprechender, des nationalen Charakters, den es vor allen ähnlichen
Anstalten des Vaterlands voraus hat, immer würdiger zu gestalten!

Besonders erfreulich und ermuthigend ist es für uns, unsere Gönner und
Freunde am Beginne einer neuen Periode, -- denn eine solche, und wir
wünschen von Herzen eine recht glückliche, ist mit der Erledigung der
lange verhandelten Vorstandsfrage für das nationale Werk angebrochen,
-- nicht nur mit Wünschen, sondern auch mit mehrfachen angenehmen
Nachrichten begrüſsen zu können.

Da haben wir denn zunächst zu melden, daſs Se. Kgl. Hoheit der
/Groſsherzog/ von /Mecklenburg-Strelitz/ nach huldvollster
Entgegennahme der neuesten Publikationen unserer Anstalt allergnädigst
geruhete, dem germ. Museum auf weitere 3 Jahre eine jährliche
Unterstützung von 50 Thlr. zuzusichern.

Hieran haben wir die weitere, höchst angenehme Mittheilung zu knüpfen,
daſs die durch Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen uns
erwachsene Schuld sich abermals um 200 fl. gemindert hat, indem Seitens
des Stadtrathes zu /Leipzig/ auf zwei bei der Aktiengesellschaft
zur Unterstützung des german. Museums s. Z. hinterlegte Capitalien
von je 100 fl. zu nurgedachtem Zwecke in geneigtester Weise Verzicht
geleistet wurde. Gerade bez. dieser Angelegenheit, die wir der
Betheiligung unserer Gönner und Freunde zu wiederholten Malen auf’s
wärmste empfohlen haben, und die wir allen Patrioten hiermit von neuem
an’s Herz legen, wird in unseren nächsten Chroniken, wie wir schon
jetzt andeuten dürfen, noch sehr Erfreuliches zu berichten sein.

Auch unser neulich im Hinblick auf die nun in Angriff zu nehmenden
Restaurationsarbeiten an den beiden Kreuzgängen, von denen der eine
neu aufzuführen, der andere noch zu verglasen ist, in diesem Blatte
vertrauensvoll ausgesprochener Wunsch hat bereits freundliches
Gehör gefunden. Der in letzter Augustchronik angeführten Sendung von
Butzenscheiben ist jetzt eine ähnliche Beisteuer aus Schw. Gmünd
gefolgt, von wo unser dortiger Pfleger, Hr. J. /Erhard/, uns
jüngsthin eine gröſsere Partie sog. Bortenscheiben hat zugehen lassen.

Den Sammlungen unseres Institutes, und zwar sämmtlichen Abtheilungen
derselben, ist, abgesehen von den neuerdings eingegangenen Geschenken,
manches Neue und Interessante auch dadurch zugeführt worden, daſs
denselben mit dem Eintritte Prof. /Essenwein’s/ das von diesem
bisher Gesammelte als Depositum einverleibt wurde. Insbesondere ist
dadurch die bisher nur sehr schwache Sammlung von geometrischen und
perspectivischen Ansichten, Grundrissen u. s. w. deutscher Baudenkmale
um einige tausend Blätter, die noch nicht vorhanden waren, vermehrt
worden.

Neue Vertretung ihrer Interessen fand unsere Anstalt durch Errichtung
einer Pflegschaft in /Reichenberg/ in Böhmen.

An neuen Geldbeiträgen brachte der vergangene Monat noch folgende:

Aus =Vereins-Kassen=: Von der Liedertafel zu /Göttingen/ 3 fl
30 kr., von dem Lese-Verein in /Kl. Heilsbronn/ 1 fl. 12 kr., von
der Gesellschaft Fortschritt in /Stetten/ (Hohenz.-Hech.) 2 fl.,
von der Burschenschaft Germania in /Tübingen/ 10 fl., und von der
Studentengesellschaft Schottlandia daselbst 5 fl. (einm.)

Von =Privaten=: /Aachen/: Dr. Reumont 2 fl.; /Amorbach/
(Bayern): Hirsch, Pfarrer in Schneeberg, 30 kr. (einm.), Kühlmann,
k. Rentbeamter, 30 kr. (einm.), Schott, Intendant, 1 fl. (einm.),
Schwarzmann, Apotheker, 30 kr. (einm.), Sopp, Studienlehrer, 30 kr.
(einm.); /Duisburg/: Dr. O. Lange 1 fl. 10 kr.; /Eſslingen/:
Benno Freiherr von Herman-Wain auf Wain 10 fl. (einm.); /Hamm/:
Karl Hobrecker, Fabrikbesitzer und Kaufmann, 1 fl. 45 kr.;
/Hechingen/: Sigmund Mayer 3 fl. 53 kr. (einm.); /Murau/:
Alex. Setznagl, Abt zu St. Lambrecht in Steiermark, 11 fl. 40 kr.;
/Nürnberg/: J. Rau, Kaufmann, 1 fl.; /Pesth/: Karl Morawetz,
Beamter der Assicurazioni generali, 1 fl. 10 kr.; /Pöſsneck/
(Sachsen-Meiningen): Chr. Fr. Bernhardt, Kaufmann, 1 fl., F. Büttner,
Kaufmann, 1 fl., O. Diesel, Kaufmann, 1 fl., Joh. Christ. Eberlein,
Kaufmann und Fabrikbesitzer, 1 fl., E. Mittelhäuser, Commerzienrath,
1 fl. 45 kr., Franz und Ernst Schmidt, Kaufleute, 1 fl. (einm.),
Theod. Seige, Kaufmann, 1 fl. 45 kr. (einm.), H. Trautmann, Kaufmann,
1 fl. 45 kr. (einm.); /Saatz/: Jos. Nic. Melzer 1 fl. 10 kr.;
/Sulzbach/: Sigm. S. Arnstein, Fabrikbesitzer und Kaufmann, 1 fl.
45 kr., Karl Schorn, pens. k. Lieutenant, 1 fl.; /Ulm/: J. Greger,
Hauptmann vom k. 12. Infanterie-Regiment König Otto, in Neu-Ulm 1 fl.,
A. J. Maier, Kaufmann, 1 fl. 45 kr. (einm.).

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir
hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


I. Für das Archiv.

=Eine Ungenannte=, durch Vermittlung des Pflegers Sauer in
Regensburg:

    3323. Kaufbrief der Anna Catharina Panierin für Georg Christoph
    Dummer. 1734. Pgm.

    3324. Kaufbrief der Vormünder der Elis. Cath. Dummer für Joh.
    Panier. 1742. Pgm.

    3325. Kaufbrief des Joh. Georg und Joh. Christoph v. Röthen für
    Joh. Georg Biedermann. 1744. Pgm.

    3326. Kaufbrief des Joh. Wilh. Panier für Joh. Georg Klostermeyer.
    1753. Pgm.

    3327. Gantbrief über das Eigen des G. Heinr. Lucz für Joh. Georg
    Klostermeyer. 1772. Pgm.

    3328. Kaufbrief des Umgeldamts für J. G. Klostermeyer. 1782. Pgm.

    3329. Kaufbrief der Kinder des J. G. Klostermeyer für ihre Mutter
    Dorothea Magdalena. 1783. Pgm.

    3330. Kaufbrief der Dorothea Magdalena Klostermeyerin für ihren
    Sohn Balth. Gottlieb Klostermeyer. 1790. Pgm.

    3331. Kaufbrief des Mathias Martin für Joh. Wilhelm Grunert. 1801.
    Pgm.

=Anton Emmert= in Riva:

    3332. Wappenbrief des Johann Werndle für Casper und Anthoni
    Francescy auf Soll, Gerichts Kurtätsch. 1669. Pap. Abschr.

=Dr. C. Will=, Archivsekretär des german. Museums:

    3333. Auszug aus dem Salbuch derer Rosenhardt gen. Glockengieſser
    von Glockenhoffen. 17 alte Urkunden-Abschriften 1471-1585. Pap.

=Sigmund Mayer= aus Hechingen:

    3334. Urtheil des Landgerichts Ravensburg in einem Streit zwischen
    der Gräfin Johanna Sabina zu Achstetten und Joh. Christoph Grafen
    zu Zeyl. 1699. Pap.

=August Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

    3335. Akten in der Streitsache des Hans Schiſsler, Bürgers
    zu Steinbach, gegen den Rath daselbst, das strittige Holz am
    Clopffen-Gut betr. 1581. Pap.


II. Für die Bibliothek.

=J. G. Böſsenecker=, Verlagshandl., in Regensburg:

    18,940. Wackenreiter, d. Erstürmung von Regensburg am 23. April
    1809. 1865. 8.

=Historische Commission bei der k. Akademie der Wissenschaften= in
München:

    18,941. v. Liliencron, die historischen Volkslieder der Deutschen
    vom 13. bis 16. Jahrhundert. 1865. 8.

=Dr. J. V. Zingerle=, Professor, in Innsbruck:

    18,942. Archiv für Geschichte und Alterthumskunde Tirols, redig. u.
    hrsg. v. Durig, Huber, Ladurner, Schönherr u. Zingerle; II. Jhrg.,
    3. u. 4. Heft. 1865. 8.

=Antiquarische Gesellschaft= in Zürich:

    18,943. Dies., Mittheilungen etc., Bd. XV, Heft 5. 1865. 4.

    18,944. Dies., 21. Jahresbericht, 1864-65. 4.

=Oudheidkundige Kring van het Land van Waes= in St. Nikolaas:

    18,945. Ders., Annalen etc.; II. Deel, 2. Aflev. 1865. 8.

=Georg Widter=, k. k. Postdirektor, in Vicenza:

    18,946. Dar klóane Catechismo vor de Síben Kaméün. 1842. 8.

    18,947. Hohenauer, d. Stadt Friesach. 1847. 8.

    18,948. Vonend, d. Herrschaften des vormaligen Hochstiftes Bamberg
    in Oberkärnthen. 1858. 8.

    18,949. Albèri, l’Italia uscente l’anno 1860. 1861. 8.

    18,950. La verità sugli uomini e sulle cose del regno d’Italia.
    1862. 8.

    18,951. Lioy, le abitazioni lacustri della età della pietra nel
    Vincentino. 1865. 8.

=Dr. C. L. Grotefend=, Archivrath, in Hannover:

    18,952. Ders., Epigraphisches. V. 1866. 8.

=G. Schönfeld’s= Buchhandl. (C. A. Werner) in Dresden:

    18,953. N. Anzeiger f. Bibliographie etc.; Jhrg. 1865. 7-12. Hft. 8.

=J. N. Enders=, Buchhandlung, in Neutitschein:

    18,954. Die Biene; 15. Jhrg., 1865, Nr. 19-36. 8.

=Redaktion der kathol. Blätter aus Tirol= in Innsbruck:

    18,955. Kathol. Blätter aus Tirol; 1865, Nr. 17-36. 8.

=L. A. Zellner= in Wien:

    18,956. Blätter für Theater etc., hg. v. Zellner; 1865, Nr. 50-98.
    2.

=Société Française d’archéologie= in Paris:

    18,957. Dies., bulletin monumental; 31. vol., nr. 4-8. 1865. 8.

=Alwin Rudel= in Dresden:

    18,958. Central-Blatt f. d. d. Papier-Fabrikation; 1865, Nr. 9-24.
    4.

=Stahel=’sche Buch- und Kunsthandlung in Würzburg:

    18,959. Chilianeum; 7. Bd., 1.-12. Heft. 1865. 8.

=Dr. Hermann Stolp= in Berlin:

    18,960. Deutsche Gemeinde-Zeitung, hg. v. Stolp; 1865, Nr. 26-52. 4.

=J. Engelhorn=, Verlagshandl., in Stuttgart:

    18,961. Gewerbehalle etc.; 1865, Lief. 7-12. 4.

=Redaktion des literar. Handweisers= in Münster:

    18,962. Literar. Handweiser etc.; 1865, Nr. 36-40. 8.

=Wallishauser=’sche Buchhandl. (Jos. Klemm) in Wien:

    18,963. Jagd-Zeitung; 8. Jhrg., Nr. 13-24. 1865. 8.

=Redaktion der Heidelberger Jahrbücher= in Heidelberg:

    18,964. Heidelb. Jahrbücher d. Literatur; 1865, Mai-December. 8.

=Redaktion der allgem. Literatur-Zeitung= in Wien:

    18,965. Allgem. Literatur-Zeitung; 1865, Nr. 27-52. 4.

=K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der
Baudenkmale= in Wien:

    18,966. Dies., Mittheilungen; 10. Jhrg. Mai-Dec. 1865. 4.

=Redaktion der altpreuſs. Monatsschrift= in Königsberg:

    18,967. Altpreuſs. Monatsschrift; 2. Jahrg., 6. H. 1865. 8.

=K. J. Schröer=, Direktor der evangel. Schulen zu Wien:

    18,968. Monatl. Mittheilungen etc.; 1865, Nr. 7-10. 4.

=Du Mont-Schauberg=’sche Buchhandlung in Köln:

    18,969. Organ f. christl. Kunst; 1865, Nr. 14-24. 4.

=Th. Ölsner= in Breslau:

    18,970. Schles. Provinzialblätter; 4. Jahrg., Juli-Dec. 1865. 8.

=Müller von der Werra= in Leipzig:

    18,971. Die neue Sängerhalle; 1865, Nr. 27-52. 4.

=Kais. Akademie der Wissenschaften= in Wien:

    18,972. Dies., Anzeiger; Jahrg. 1865, Nr. I-XXIX. 8.

=Dr. L. Lang= in München:

    18,973. Münchener Sonntagsblatt; 1865, Nr. 26-52. 4.

=Redaktion des Volksblattes= in Quedlinburg:

    18,974. Volksblatt für Stadt und Land; 1865, Nr. 52-104. 4.

=Redaktion des Wochenblattes der Johanniter-Ordens-Balley
Brandenburg= in Berlin:

    18,975. Wochenblatt etc.; 1865, Nr. 26-52. 4.

=Polytechnischer Verein= in Würzburg:

    18,976. Ders., Wochenschrift; 1865, Nr. 22-52. 8.

=Redaktion der Zeitschrift f. preuſsische Geschichte und
Landeskunde= in Berlin:

    18,977. Zeitschrift für preuſs. Geschichte etc.: II. Jhrg., 7.-11.
    Heft. 1865. 8.

=Allgemeine deutsche Verlags-Anstalt (Sigismund Wolff)= in Berlin:

    18,978. Romberg’s Zeitschrift f. prakt. Baukunst; Jhrg. 1865, H.
    4-12. 2.

=Ebner & Seubert=, Verlagshandl., in Stuttgart:

    18,979. Müller, die Künstler aller Zeiten und Völker; fortgesetzt
    und beendigt von Klunzinger u. Seubert. III. Bd. 1864. 8.

=K. Preusker=, Rentamtmann, in Groſsenhain:

    18,980. Ders., die Stadt-Bibliothek in Groſsenhain: 6. Aufl. 1864.
    8.

=F. K. Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg=, Durchlaucht, in Kupferzell:

    18,981. Ders., sphragistisches Album; Heft 2-4. 1865. qu. 2.

=Dr. A. Reichensperger=, Appellationsgerichtsrath, in Köln:

    18,982. Fundatio domus Theutonicae prope Saraepontem, an. 1227. 1
    Bl. gr. 2.

=H. Laupp=’sche Buchhandlung in Tübingen:

    18,983. Theol. Quartalschrift; 47. Jhg. 4. H. u. 48. Jhg., 1. H.
    1866. 8.

=Redaktion der numismatischen Zeitung= in Weiſsensee:

    18,984. Numismatische Zeitung; 32. Jhrg., Nr. 12-26. 1865. 4.

=Architekten- und Ingenieur-Verein= in Hannover:

    18,985. Ders., Zeitschrift; Bd. XI, 4. 1865. 4.

=Verein f. d. Geschichte und Alterthumskunde von Erfurt= in Erfurt:

    18,986. Ders., Mittheilungen etc.; I. Hft. 1865. 8.

=Historische Gesellschaft= in Basel:

    18,987. Dies., Beiträge zur vaterländ. Geschichte; 8. Bd. 1866. 8.

=Thüringisch-sächsischer Geschichts- u. Alterthums-Verein= in
Halle a.S.:

    18,988. Ders., Statuten. 1865. 8.

=Friesch Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde= im
Leeuwarden:

    18,989. Dies., de vrije Fries; 11. Deel. (n. R. V, 1). 1865. 8.

    18,990. Dies., 37. Verslag der Handelingen etc. 1864-65. 8.

=Kaiserliche Universität= zu Dorpat:

    18,991-19,009. 19 akadem. Schriften vermischten Inhalts. 1864-65.
    4. u. 8.

=Société pour la conservation des monuments historiques d’Alsace=
in Straſsburg:

    19,010. Dies., Bulletin etc. III. sér., t. III, livr. 2. 1865. 8.

=Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen= in
Basel:

    19,011. Dies., XLIV. Neujahrblatt f. Basels Jugend. 1866. 4.

=Geschichtforschende Gesellschaft von Graubünden= in Chur:

    19,012. Dies., Rätia etc.; 3. Jahrg. 1865. 8.

=Historischer Verein des Kantons Glarus= in Glarus:

    19,013. Ders., Jahrbuch etc.; 2. Heft. 1866. 8.

=Hennebergischer alterthumsforschender Verein= in Meiningen:

    19,014. Brückner, henneberg. Urkundenbuch; V. Theil. 1866. 4.

=Historischer Verein der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont= in
Corbach:

    19,015. Ders., Beiträge etc., Bd. 1, 3. 1865. 8.

=Dr. L. Curtze= in Corbach:

    19,016. Ders. u. v. Rheins, Geschichte und Beschreibung der Kirche
    St. Kilian zu Corbach. 1843. 8.

    19,017. Ders., Volksüberlieferungen aus d. Fürstenthum Waldeck.
    1860. 8.

    19,018. Stieglitz, Erinnerungen an Charlotte. 1863. 8.

=Ad. Emmerling=, Verlagsbuchhandl., in Heidelberg:

    19,019. Badenia, hrsg. v. Bader, III. Bd., Heft II, 2 und III.
    Heft. 1865-66. 8.

=Dr. H. A. Erbstein=, Conservator der Kunst- und
Alterthumssammlungen des german. Museums:

    19,020. Ders., der Münzfund v. Trebitz bei Wittenberg. 1865. 4.

=K. Albertus-Universität= zu Königsberg i. Pr.:

    19,021. Ellendt, de Hagenoa, Alsatiae inferioris civitate Palatina.
    1865. 8.

    19,022. Wach, de transferenda ad firmarium advocatione. 1865. 8.

    19,023-58. 36 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts.
    1865. 4. u. 8.

=Robert Friese=, Verlagsbuchhandl., in Leipzig:

    19,059. v. Mildenstein, Chronik der Stadt Leisnig. 1857. 8.

=J. Diernfellner=, Universitätsbuchh., in Freiburg i. Br.:

    19,060. Bader, d. alteinheimische Adel des Breisgaus. 1838. 8.

    19,061. Schreiber, d. Schützengesellschaften zu Freiburg i. Br.
    1846. 8.

    19,062. Rösch, Beschreibung der Brunnen-Leitung zu Freiburg i. Br.
    (1848.) 8.

    19,063. (v. Röder), Zug des Marschalls Tallard durch das
    Dreisamthal. 1848. 8.

    19,064. Beiträge zur Geschichte der Stadt Freiburg und des
    Breisgaues. 1849, 51 u. 56. 8.

    19,065. Rösch, d. Straſsenanlagen und Zollrechte der Städte
    Freiburg und Villingen. 1853. 8.

    19,066. Ders., d. Rathsbesatzungen der Stadt Freiburg. 1854. 8.

    19,067. Ders., Wiehre u. Adelhausen. 1855. 8.

    19,068. Schreiber, d. Schlacht bei Freiburg im J. 1644. 1857. 8.

    19,069. Das Judenspiel zu Endingen. 1858. 8.

    19,070. Jäger, eine Wanderung durch Freiburg. 1859. 8.

    19,071. Schreiber, Mordversuche gegen Albrecht VI. v. Oesterreich
    im J. 1448. 1860. 8.

    19,072. Die bürgerl. Beurbarungs-Gesellschaft zu Freiburg i. Br.
    1860. 8.

    19,073. Jäger, Freiburgs gemeinnützige Vereine der Gegenwart. 1861.
    8.

    19,074. Schreiber, d. Minnesänger an den Fürstenhöfen im Breisgau.
    1862. 8.

    19,075. Ders., die Abtei Thennenbach und die Ludwigskirche zu
    Freiburg. 1863. 8.

    19,076. Ders., vor 50 Jahren in Freiburg. 1864. 8.

    19,077. Ders., d. Nothjahr 1816. 1865. 8.

    19,078. Mandat des Raths zu Freiburg. 17. Jhdt. 2.

=Dr. Herm. Frohberger=, Professor, in Grimma:

    19,079. Ders., zwei Reden etc. 1866. 8.

=Dr. Heinr. Siegel=, Professor, in Wien:

    19,080. Ders., die Gefahr vor Gericht und im Rechtsgang. 1866. 8.

=Hahn=’sche Hofbuchhandlung in Hannover:

    19,081. v. Malortie, Beiträge zur Geschichte des
    Braunschw.-Lüneburg. Hauses und Hofes: 5. Heft. 1866. 8.

    19,082. v. Bar, das Beweisurtheil des german. Processes. 1866. 8.

=F. A. Brockhaus=, Verlagsbuchhandl., in Leipzig:

    19,083. Trömel, Schiller-Bibliothek. 1865. 8.

=Verein zur Ausbildung der Gewerke in München:=

    19,084. Ders., Zeitschrift etc.; 15. Jhrg., 2.-4. Heft. 1865. 4.

=Historische Gesellschaft des Kantons Aargau= in Aarau:

    19,085. Dies., Argovia; IV. Bd., Jhrg. 1864 u. 65. 1866. 8.

=Verein für Geschichte und Alterthumskunde= zu Frankfurt a. M.:

    19,086. Ders., Archiv etc., neue Folge, 3. Bd. 1865. 8.

    19,087. Ders., Mittheilungen etc., Bd. II, 4 u. III, 1. 1864-65. 8.

    19,088. Ders., Neujahrs-Blatt; 1864 u. 65. 4.

    19,089. Batton, örtliche Beschreibung der Stadt Frankfurt a. M.; 3.
    Heft. 1864. 8.

=Zoologische Gesellschaft= in Frankfurt a. M.:

    19,090. Dies., der zoologische Garten; Jahrg. 1865, Nr. 7-12. 8.

=Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde= in Gieſsen:

    19,091. Amtlicher Bericht über die 39. Versammlung deutscher
    Naturforscher und Aerzte in Gieſsen im Sept. 1864. 1865. 4.

=Universität= zu Gieſsen:

    19,092. Dies., index librorum quibus bibliotheca academica
    Gissensis aucta est anno 1856-64. 4.

    19,093. Bogišic, über die Ursachen der Niederlagen des deutschen
    Heeres im hussitischen Kriege. 1862. 8.

    19,094-111. 18 weitere akadem. Schriften vermischten Inhalts.
    1861-65. 4. u. 8.

=Stadtarchiv= zu Braunschweig:

    19,112. Hänselmann, Nachrichten über das Stadtarchiv zu
    Braunschweig. 1863. 4.

    19,113. Knoch, histor. Notizen über Helmstädts Merkwürdigkeiten.
    1863. 4.

    19,114. Schiller, Ueberblick der mittelalterl. Architektur
    Braunschweigs. 1863. 4.

    19,115. Bethmann, Herzog August der Jüngere, der Gründer der
    Wolfenbüttler Bibliothek. 1863. 8.

    19,116. Brandes, Braunschweigs Dom mit seinen alten und neuen
    Wandgemälden. 1863. 8.

=Dr. Moriz Wieſsner=, Regierungsrath im k. Ministerium des Innern,
in Dresden:

    19,117. Ders., die Akademie der bildenden Künste zu Dresden. 1864.
    4.

=Ed. Manger=, k. Kreissekretär, in Siegen:

    19,118. Ders., die Siegen’schen Orte Wilnsdorf, Wilgersdorf und
    Rödgen in alter Zeit. 1865. 8. Sonderabdr.

=Dr. Ludw. Herrmann= in Aschaffenburg:

    19,119. Erheiterungen; Jhrg. 1866, Nr. 11-15, 17-20, 22, 23, 31 u.
    32. 4.

=G. Grote=’sche Verlagsbuchhandlung in Berlin:

    19,120. Essellen, die Hohenburg bei Herringen a. d. Lippe u. d.
    Grabstätte auf ders. 1861. 8. Sonderabdr.

    19,121. Gruchot, preuſsisches Erbrecht etc. Bd. I, 1. 2. 1865. 8.

=G. Braun=’sche Hofbuchhandlung in Karlsruhe:

    19,122. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, hg. v. Mone;
    19. Bd. 1. II. 1866. 8.

=J. N. Enders=, Professor, in Neutitschein:

    19,123. Ders., kurze Anleitung zur Obstbaumzucht; 2. Aufl. 1866. 8.

=Verein für meklenburg. Geschichte und Alterthumskunde= in
Schwerin:

    19,124. Ders., Quartalbericht; XXXI, 2. 1866. 8.

=Museum des Königreiches Böhmen= in Prag:

    19,125. Dass., Památky archaeol. a mistopisne; R. XII, Dilu VI,
    5-7. 1865. 4.

    19,126. Verzeichniſs der Mitglieder der Gesellschaft etc. 1865. 8.

    19,127. Vortrag des Geschäftsleiters in der General-Versammlung
    etc. 1865. 8.

=K. Württemberg. Ministerium des Innern= in Stuttgart:

    19,128. Staats-Anzeiger für Württemberg a. d. J. 1865. 4.

=Historische Commission bei der k. Akademie der Wissenschaften= in
München:

    19,129. Geschichte der Wissenschaften in Deutschland; Bd. 3. u. 4.
    1865. 8.

=K. v. Gemming=, Oberstlieutenant, in Nürnberg:

    19,130. Köhler, histor. Münz-Belustigung; 19.-22. Th. 1747-50. 4.

=Groſsherzogl. herzogl. sächs. Gesammt-Universität Jena:=

    19,131. Bechstein, zum Spiel von den zehn Jungfrauen. 1866. 8.

    19,132-40. 9 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts.
    1865-66. 8.

=Otto Wigand=, Verlagsbuchhandlung, in Leipzig:

    19,141. Bergé, d. Sagen u. Lieder des Tscherkessen-Volks. 1866. 8.

=J. C. Hofrichter=, Notar, in Windischgraz:

    19,142. Ansichten aus der Steiermark; Heft 38. qu. 4.

    19,143. Jahresbericht der k. k. Ober-Realschule zu Klagenfurt.
    IX.-XIII. 1861-65. 4.

    19,144. Schaller, die Bedeutung des ager publicus in der röm.
    Geschichte. 1865. 8. Progr.

    19,145. Hirsch, über Diptychen, Necrologien, Martyrologien etc.
    1865. 4. Progr.

    19,146. Pleteršnik, d. Vergleiche im Homer und in den serbischen
    Volksliedern. 1865. 4. Progr.

=Rudolph Gärtner=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

    19,147. Lange, Grundriſs der Geschichte der deutschen Literatur; 3.
    Aufl. 1859. 8.

=Dr. Adolph Friedr. Riedel=, geh. Archivrath, in Berlin:

    19,148. Ders., Geschichte des preuſs. Königshauses; 2 Bde. 1861. 8.

=Gerstenberg=’sche Buchhandl. in Hildesheim:

    19,149. Lüntzel, die Annahme des evangel. Glaubensbekenntnisses,
    von Seiten der Stadt Hildesheim. 1842. 8.

=Wilh. Grothe=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

    19,150. Grothe, Schildhorn und Teufelssee. Märk. Sage. 2. A. 8.

=Grubenmann=’sche Buchhandl. in Chur:

    19,151. Fels, Bilder u. Scenen aus deutsch. Landen; 1. Th. 1858. 8.

=Hahn=’sche Hofbuchhandl. in Hannover:

    19,152. Leunis, Schul-Naturgeschichte; II. Th. 1866. 8.

    19,153. Ders., Synopsis der drei Naturreiche; Th. II, 2, 1. 1866. 8.

=Verein für Naturkunde im Herzogthum Nassau= in Wiesbaden:

    19,154. Ders., Jahrbücher etc.; 17. u. 18. Heft. 1862-63. 8.

=Bergischer Geschichtsverein= in Elberfeld:

    19,155. Ders., Zeitschrift etc.; II. Bd., 2. Hälfte. 1865. 8.

=Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen= zu Prag:

    19,156. Ders., Mittheilungen etc. Jahrg. III, 4.-6. u. IV, 1.-3. H.
    1865. 8.

    19,157. Ders., 3. Jahresbericht; 1864-65. 1865. 8.

    19,158. Ders., Beiträge etc.; Abth. I, Anh. zu Bd. II u. Abth. III,
    Bd. I. 1863, 65. 4. 8.

=Conrad Weychardt=, Buchhandlung, in Eſslingen:

    19,159. Pfaff, württembergische Wein-Chronik. 1865. 8.

=Verein für Erdkunde= etc. in Darmstadt:

    19,160. Ders., Notizblatt; III. Folge, 4. Heft (Nr. 37-48). 1865. 8.

=Museums-Verein= in Bregenz:

    19,161. Ders., 8. Rechenschaftsbericht, 1865; 1865. 4.

=Eine Ungenannte= in Regensburg:

    19,162. Luther, geystliche lieder; 2 Thle., 1570. 8.

    19,163. Hondorff, Promptuarium Exemplorum. 1580. 2.

    19,164. Hondorff, Calendarium Sanctorum et Historiarum. 1579. 2.

    19,165. Concordia. Christl. wiederholete einmütige Bekentnüs
    nachbenanter Churfürsten, Fürsten u. Stende Augspurgischer
    Confession. 1580. 2.

    19,166. Faustus, Anatomia statutae Danielis. 1580. 4.

    19,167. Nigrinus, papistische Inquisition vnd gulden Flüs der Röm.
    Kirchen. 1582. 2.

    19,168. Nachenmoser, Prognosticon theologicum. 1588. 2.

    19,169. Heylbrunner, vncatholisch Pabstumb. 1607. 2.

    19,170. Biblia, deudsch. D. Mart. Luther. 1610. 2.

    19,171. Phaedri fabularum libri V. etc., ed. Walchius. 1712. 8.

=Müller=, Advokaten-Wittwe, in Regensburg:

    19,172. Lotter u. Seutter, Atlas. gr. 2.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:

    5012. Silbermünze des Herz. Christian von Schlesien, 1665.

=Dr. Delp=, Stabsauditor, in Worms:

    5013. Bruchstück einer bei Aufgrabung eines Kellers zu Worms
    gefundenen Steinsculptur mit Relieffiguren mehrerer Löwen.

=W. Bieswanger=, Stadtschreiber, in Sulzbach:

    5014. 2 bronzene Unterarmringe, ausgegraben im Amt Sulzbach.

    5015. 18 kleinere Silbermünzen verschiedenen Alters und Gepräges, 1
    byzantin. Kupfermünze und 1 Messingjeton von 1587.

    5016. Lackabdrücke der 3 Sulzbacher Stadtsiegel von 1566 und des
    neueren.

=G. St. Rykena= in Norden:

    5017. 33 Homannische Landkarten.

=G. Brückner=, Privatier, in Kulmbach:

    5018. Wallfahrtszeichen des Klosters Weingarten, 18. Jhdt.

=Eisenbarth=, Gemälderestaurateur, in Würzburg:

    5019. 2 Bruchstücke alter Eisengeräthe.

=Hugo Graf von Walderndorff=, k. k. Kämmerer, in Hauzenstein:

    5020. Aderlaſstabelle mit einem Holzschnitt von M. Ostendorfer,
    1555.

=Heimburg=, Notar, in Pfeddersheim:

    5021. Siegelstock des Gerichts zu Hillesheim, 1524.

=Dr. C. Will=, Archivsekretär am german. Museum:

    5022. 37 Blätter aus einem botan. Werk des 17. Jhdt.

=Ein Ungenannter= in Nürnberg:

    5023. Silberne Medaille mit Peter und Paul von 1536.



Chronik der historischen Vereine.


/Handelingen en Mededeelingen van de Maatschappij der Nederlandsche
Letterkunde te Leiden/, over het Jaar 1865. Leiden, E. J. Brill.
1865. 8.

Gesellschaftsangelegenheiten. -- Bijdrage tot de Critiek van Ferguut,
door Dr. W. Bisschop. -- Proeve van eene studie over de Natuur der
verschillende Spraakgeluiden, door Prof. T. Roorda. -- Verslag van een
onuitgegeven HS. van Anthonis de Roovere, door Dr. W. N. du Rieu. -- De
Leidsche Medicinae Doctor Conradus Zumbach de Koesvelt, door Mr. J. T.
Bodel Nijenhuis. -- Nederlanders, en personen die later met Nederland
in betrekking stonden, Studenten te Heidelberg en te Genève, sedert
het begin der Kerkhervorming, door Prof. de Waal. -- De dood van Elias
Beekmann, door J. H. van Dale.

/Levensberigten der afgestorvene Medeleden van de Maatschappij der
Nederlandsche Letterkunde./ Bijlage tot de Handelingen van 1865.
Leiden, E. J. Brill. 1865. 8. 226 Stn.

/De Vrije Fries./ /Mengelingen/, uitgegeven door het
/Friesch Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde/. Elfde
Deel. Nieuwe Reeks, Vijfde Deel. Erste Stuk. Te Leeuwarden, bij G. T.
N. Suringar. 1865. 8.

Friesland in 1815. Historische Bijzonderheden omtrent de deelneming der
Friezen aan de Volkswapening en de Krijgsbedrijven bij Quatrebras en
Waterloo; door W. Eckhoff. -- Aanteekeningen en Bijlagen.

/Zeven-en-dertigste Verslag der Handelingen/ van het Friesch
Genootschap over het Jaar 1864/65. 8.

/Annalen van den Oudheidskundigen Kring van het Land van Waes./
Tweede Deel. Tweede Ablevering. December. 1865. St. Nikolaas. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Découvertes Gallo-Romaines faites au
Steenwerk à Belcele. -- Mengelingen, om als dokumenten te dienen, tot
het opstellen eener allgemeene Geschiedenis van het Land van Waes, door
H. Raepsaet. -- Oud vlaamsche leenen, gelegen binnen den Lande van
Waes. (Vervolg.) Door A. de Maere-Limnander. -- Mélanges. -- Chapelle
votive et statuette de Notre-Dame de Lorette à Voorhout sous Kemseke.
-- Un jugement au XVIe siècle en matière d’injures.

/L’Investigateur./ /Journal de l’Institut historique/
Trente-deuxième année. Tome V. IV. Série. 372. Livr. Novembre. 1865.
373. Livr. Déc. 1865. Paris, 1865. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments
historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société
française d’archéologie pour la conservation et la description des
monmnents nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2,
32. Vol. de la Collection. Nr. 1. Paris et Caen, 1866. 8.

Deux excursions archéologiques dans le canton de Mézidon, aux environs
des deux stations du chemin de fer situées dans ce canton; par M. de
Caumont. -- Notice sur un cachet sigillaire, dit cachet d’oculiste,
trouvé à St.-Aubin-sur-Gaillon, par M. Paul Baudry. -- Cartulaire
de l’église d’Autun, publié par M. de Charmasse. -- Compte-rendu
de quelques découvertes archéologiques dans le département de la
Loire-Inférieure, par M. Charles Marionneau. -- Rapport de M. de
Caumont sur un mémoire adressé à la Société française d’archéologie par
M. Veuillot, sur le monastère de Ganagobie (Basses-Alpes). -- Mélanges
d’archéologie. -- Chronique.

/Antiquarisch-historischer Verein für Nahe und Hunsrücken. Sechster
Bericht./ Kreuznach, Anfangs Juni 1865. 1 Bgn. in Fol.

/Vierter Bericht über die Sammlung des Vereins./ Kreuznach, im
December 1862. 1 Bl. in 4.

/Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins./ Im Auftrage
des Vereins herausgegeben von Prof. Dr. K. W. Bouterwek und Dr. W.
Crecelius. Zweiter Band, zweite Hälfte. Bonn, 1865. 8.

Beiträge zur Geschichte Elberfelds. 6. Burg Seeldunk. 7. Zur Geschichte
der Schützengilde. 8. Eine Anleihe im Jahre 1815. Von Dr. W. Harleſs.
-- Die Huldigung der Rheinlande zu Aachen am 15. Mai 1815. Von dems.
-- Beiträge zur Geschichte Barmens. 1. Das erste Vorkommen des Namens
Barmen in einem Werdener Heberegister. Von Dr. W. Crecelius. 2. Graf
Ludwig von Ravensberg verkauft den Hof Barmen an Graf Heinrich von
Berg. Von dems. 3. Auszug aus der Beienburger Amtsrechnung von 1593.
Von dems. 4. Barmen im Jahre 1641. Von dems. 5. Das Haus Rauenthal.
Von F. W. Oligschläger u. A. Caron. -- Der falsche Friedrich, genannt
Tile Kolup. Von Dr. A. Petry. -- Ueber einige im XVI. Jahrhundert in
Wesel gedruckte Schriften. Von Pastor J. G. Sardemann. -- Pest in Köln
und dem Erzstifte im Sommer und Herbst 1490. Von Dr. W. Harleſs. --
Mitgliederverzeichniſs.

/Beiträge zur Geschichte der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont./
Im Namen des Vereins herausgegeben von Dr. L. Curtze. Ersten Bandes
Schluſsheft. Arolsen, 1865. 8.

Studien zur ältesten Geschichte von Waldeck und Pyrmont. Von C.
Beck. (Forts.) -- Mittheilungen aus der Mengeringhäuser Chronik. --
Geschichte der im Jahre 1669 der Republik Venedig unter Anführung des
Grafen Josias zu Waldeck und Pyrmont zur Verteidigung der Stadt Candia
zugeführten Braunschweig-Lüneburger Truppen. Von Forstrath Waldeck.
-- Dr. Fr. Kreusler, Geh. Hofrath, Leibarzt und Oberlandphysikus.
Von W--r. -- Notizen aus der Zeit des 30jährigen Krieges, zur
Veranschaulichung der Zustände, Drangsale und Sitten. Entnommen aus dem
Rhoder Kirchenbuche. Von Superintendent Schotte. -- Stiftungen, Legate,
Vermächtnisse etc. -- Das alte Schloſs zu Pyrmont. Aus Klettenberg. --
Briefe des Prof. Chr. Rauch in seine Heimath. -- Der Kirchthurmbau zu
N. Wildungen 1488/89. -- Waldeckische Helden. Eine Skizze von W. K. --
Dr. Georg Landau. Von Pastor Rocholl. -- Alterthumsfunde.

/Göttingische gelehrte Anzeigen./ Unter der Aufsicht der
/Königl. Gesellschaft der Wissenschaften/. 1865. Erster und
zweiter Band. Göttingen. 1865. 8. 2080 Stn., nebst Register von 18 Stn.

/Nachrichten von der K. Gesellschaft der Wissenschaften und der
Georg-Augusts-Universität/ aus dem Jahre 1865. Göttingen, 1865. 8.
566 Stn.

/Neues Lausitzisches Magazin./ Im Auftrag der /Oberlausitzischen
Gesellschaft der Wissenschaften/ herausgegeben von Dr. Titus Wilde.
Zweiundvierzigster Band. Görlitz. 1865. 8.

Erste Hälfte: Die Geschichte der Oberlausitz von den ältesten Zeiten
bis zum Jahre 1815, für Schule und Haus bearbeitet von Dr. Joh. August
Ernst Köhler. Eine gekrönte Preisschrift. 282 Stn.

Zweite Hälfte: Die ältesten Besitzer von Pulsnitz. Von Dr. Hermann
Knothe. -- Ein Beitrag zur Sammlung des Volksthümlichen im temescher
Banat. Von Gustav Zeynek. -- Berichte über die wöchentlichen
wissenschaftlichen Abendversammlungen. -- Zur sechshundertjährigen
Säkularfeier Dante’s. Von Dr. Theod. Paur. -- Bericht über die
300jährige Jubelfeier des Gymnasium Augustum in Görlitz. -- Nachrichten
aus der Gesellschaft.

/Zeitschrift des Statistischen Bureaus des Königlich Sächsischen
Ministeriums des Innern./ Eilfter Jahrgang. 1865. Dresden. 4. 156
Stn.

/Neujahrsblatt, den Mitgliedern des Vereins für Geschichte und
Alterthumskunde zu Frankfurt am Main/ dargebracht im Januar 1864.
Frankfurt am Main. 1864. -- Johann David Passavant. Ein Lebensbild von
Dr. Adolph Cornill. Erste Abtheilung, nebst Passavant’s Mittheilungen
über seine Familie. (Mit dem Porträt Pansavant’s und einer Abbildung
der Burg Passavant.) Frankfurt am Main. 1864. 4. 78 Stn.

Neujahrsblatt,... dargebracht im Januar 1865. Frankfurt am Main. 1865.
-- Johann David Passavant. Zweite Abtheilung. Frankfurt am Main. 1865.
4. 112 Stn.

/Oertliche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main/, von Johann
Georg Batton. Aus dessen Nachlasse herausgegeben von dem Vereine für
Geschichte und Alterthumskunde zu Frankfurt a. M. durch den zeitigen
Director desselben Dr. jur. L. H. Euler. Drittes Heft, die Beschreibung
der Altstadt und zwar des südlichen und westlichen Theils der Oberstadt
enthaltend. Frankfurt a. M. Verlag des Vereins. 1864. 8. VI u. 352 Stn.

/Notizblatt des Vereins für Erdkunde und verwandte Wissenschaften zu
Darmstadt/ und des /mittelrheinischen geologischen Vereins/.
Nebst Mittheilungen aus der Groſsh. Hessischen Centralstelle für
die Landesstatistik. Herausgegeben von L. Ewald. Des Notizblatts
des Vereins für Erdkunde III. Folge, IV. Heft. Nr. 37-48. Mit 1
lithographierten Tafel. Darmstadt, 1865. Hofbuchhandlung von G.
Jonghaus. 8.

/Achter Rechenschaftsbericht des Ausschusses des Vorarlberger
Museums-Vereins in Bregenz/, gelegt am 16. September, im achten
Jahre seines Bestehens, vor der dazu berufenen Generalversammlung am
17. September 1865. Bregenz, 1865. 8.

Ansprache und Rechenschaftsbericht. -- Das Vorarlberger Landeswappen.
-- Die Brakteaten vom Funde zu Klaus unweit Rankweil, von Dr. Jos.
Bergmann, mit 1 Abbildung. -- Römische terra sigillata Geschirre, von
Dr. S. Jenny, mit 2 Abbildungen. -- Ueber einen befestigten Hügel bei
Mauren in Lichtenstein, ein vermuthlich keltisches Werk, von J. S.
Douglaſs, mit 2 Abbildungen. -- Aus „den Regesten zur Landesgeschichte“
Fasc. VIII, No. 162. Verordnung gegen die Nachtschwärmerei vom 27. März
1710. -- Fernere Mittheilung über die Heidenburg bei Gaevis von J. S.
Douglaſs. -- Vereinsangelegenheiten.

/Mittheilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in
Böhmen./ III. Jahrgang. Redigiert von A. Schmalfuſs. Nr. IV-VI.
Prag. 1865. gr. 8.

Episoden aus der deutschen und böhmischen Geschichte. A. König Karl’s
IV. Ordnung der Nachfolge im Reiche. 1376. Von Prof. Dr. Höfler. --
Die Weihnachtsspiele im Erz- und Mittelgebirge. Von Joseph Stocklöw.
-- Aus dem Böhmerwalde: 1. Volksfeste. 2. Deutsche Sprachalterthümer
im Dialekte des Böhmerwaldes. -- Zur Geschichte der Industrie in
Oberleutensdorf. Von Dr. L. Schlesinger. -- Der Bauer und die
Bergleute. Ein Sing- und Fastnachtsspiel aus dem nördlichen Böhmen.
Mitgetheilt durch Al. Wilh. Stellzig. -- Ueber zwei literarische
Funde des sechzehnten Jahrhunderts in Bergreichenstein. Von Victor
Hansgirg. -- Die Denkmale zu Mühlhausen am Neckar. (Mit 2 Abbildungen.)
Von Bernhard Grueber. -- II. Skizzen aus dem Böhmerwalde: 2. Am
Moldau-Ursprung. (Forts. aus dem II. Jahrg.) -- Miscellen: Der Mai des
Jahres 1639 in Kommotau. Ueber die Abstammung der deutschen Bevölkerung
Böhmens. Sammlung von Weisthümern Oesterreichs. Ein Beitrag zur
Geschichte von Reichenberg. Prager Stadtordnung vom Jahre 1606. Zur
Geschichte der Stadt Teplitz. -- Vereinsangelegenheiten.

IV. Jahrg. Nr. I-III. Redigiert von A. Schmalfuſs und C. Höfler. Ueber
die Sprachalterthümer des Böhmerwaldes. Von J. Peters. -- Sittenbilder
böhmischer Dorfbewohner. Von A. Jäger. -- Böhmens Betheiligung am
Welthandel. Von C. Höfler. -- Jakaubek von Wřesowitz. Von Dr.
Hallwich. -- Böhmische Dorfindustrie. Von A. Jäger. -- Böhmen und die
älteste Buchdruckerkunst. -- Skizzen aus dem Böhmerwalde. 3. Prachatiz.
-- Uralte Sympathiemittel aus Böhmen. Von Dr. J. V. Grohmann. -- Joseph
Sebastian Grüner. (Biographie.) Von Bernhard Grueber. -- Miscellen:
Aus den Sitten und Sagen des Egerlandes, von H. Gradl. K. Matthias
verleiht der Stadt Böhmisch-Wiesenthal ein Stadtwappen; mitgetheilt
von Dr. A. C. Tobias. Ursprung der böhmischen Krönungssteuer;
mitg. von J. V. Göhlert. Sagen aus Hirschberg; mitg. von E. C. --
Vereinsangelegenheiten.

/Beiträge zur Geschichte Böhmens./ Herausgegeben von dems. Verein.
Abtheilung I. Quellensammlung. Anhang zum II. Bande. Chronik des
Heinrich Truchseſs von Dieſsenhoven. 1342-1362. Prag. 1865. gr. 4.

/Mittheilungen der Kaiserlich-Königlichen Mährisch-Schlesischen
Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde
in Brünn./ Interim. Hauptredakteur: Heinr. C. Weeber. 1865.
Verlegt von der etc. Gesellschaft etc. 52 Bogen Hauptblatt, 4 Bogen
auſserordentliche Beilage nebst einer Brochure über die Wiener
Markthalle, dem Programme für die allgemeine Ausstellung im Mai 1866 in
Wien, und 13 Bogen des Notizenblattes der hist.-statist. Section der
etc. Gesellschaft. Brünn, 1865. 4.

Notizen-Blatt (redigirt von Christian d’Elvert), Nr. 1-12: Zur
Geschichte der Landwirtschaft in Mähren und österr. Schlesien. III.
Zur Geschichte der Fischerei, insbesondere der Teichwirthschaft.
(d’Elvert.) -- Die Filialkirche St. Laurenzi zu Rakschitz in Mähren.
(M. Trapp.) -- Die Stellung der neu Nobilitirten in Olmütz. -- Die
ständischen Landmesser in Mähren. -- Markgraf Jodok alleiniger
Herr Mährens. -- Zur Geschichte des Sanitätswesens in Mähren. --
Das Augustiner-Kloster St. Thomas in Brünn mit Rückblicken auf die
andern Augustiner-Eremiten-Klöster in Mähren. (d’Elvert.) -- Patent
der ungrischen Rebellen, nach Mähren erlassen 1703. -- Verhauung der
Landesgränze gegen die ungrischen Rebellen 1705. -- Requisitionen
von der Herrschaft Dürnholz u. a. für die zum Entsatze von Wien
durchziehenden polnischen Auxiliarvölker 1683. -- Zur m.-schl.
Adelsgeschichte. IV. Die Grafen von Chorinsky. V. Die Barthodegsky von
Barthodeg. -- VI. Die Freiherren Hauspersky von Fanal. (d’Elvert.)
-- Der unterirdische Gang und die Sachsen-Denkmale zu Rossiežka,
Brünner Kreises in Mähren. Beschrieben von Moriz Trapp. -- Zur
Geschichte des Gemeindewesens in Mähren und Oesterr.-Schlesien. II. Die
Municipal-Städte und deren Verhältnisse zu ihren Schutzobrigkeiten.
Die unterthänigen Städte und Marktflecken. (d’Elvert.) -- Das älteste
Geld. Eine archäologisch-numismatische Studie von F. S. Kupido. -- Die
Bruderschaften, der Clerus und die geistliche Fortificationssteuer
in Mähren 1776. (d’Elvert.) -- Ueber Literaten und Meistersänger in
Mähren. (Ders.) -- Beschreibung der Thätigkeit Tycho Brahe’s auf der
Sternwarte Benatek. -- Die alte Holz-Monstranz der Kirche zu Speitsch
in Mähren. (Moriz Trapp.) -- Aufnahme des Czobor, Tochinsky und
Ledensky in die mährische Landmannschaft 1590. -- Das alte Feldausmaſs
in Schlesien. (Brandl.) -- Zur Geschichte des Herzogtums und der
Stadt Jägerndorf. -- Die Aufhebung der marianischen Congregationen.
-- Der mährische Landtag 1790. -- Die ältesten Bewohner Mährens. Eine
archäologische Studie von Dr. F. S. Kupido. -- Die groſse Linde in
Bisenz. -- Die St. Margarethen-Kirche zu Tapanow nächst Rybnik bei
Mährisch-Kromau. (Moriz Trapp.)



Nachrichten.


Literatur.


Neu erschienene Werke.

    5) /Geschichte der Wiener Universität im ersten Jahrhundert
    ihres Bestehens./ Festschrift zu ihrer fünfhundertjährigen
    Gründungsfeier von /Joseph Aschbach/, Professor an der k. k.
    Universität und w. Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften
    in Wien. Mit fünf Tafeln und einem Plane. Wien. Verlag der k. k.
    Universität. 1865. 8. XVI, 638 Stn.

Die Geschichte der deutschen Universitäten gehört ohne Zweifel zu
den allerwichtigsten Momenten der deutschen Geschichte überhaupt,
da ja die deutsche Wissenschaft eine Grundsäule der Macht unserer
Nation zu allen Zeiten gewesen ist. Diese Bedeutung der Geschichte
der Universitäten als Pflanzstätten geistiger Bildung und der Werth
der Geschichte der Wissenschaften ist in unseren Tagen mehr als
je zum Bewuſstsein gekommen und die groſsen Leistungen auf diesen
Gebieten sind manniglich bekannt. Woran es noch fehlt, das sind
umfassende und gründlich gearbeitete Specialforschungen über den
gröſsten Theil der noch vorhandenen und der nicht mehr bestehenden
Universitäten. Dieses Bedürfniſs zeigt sich am offenkundigsten bei
dem Anblick des vorliegenden Werkes, das, von Meisterhand geschaffen,
als ein treffliches Muster für alle Arbeiten ähnlicher Art dasteht.
Auſserordentlich reich und mannigfach ist der Inhalt, die Ausführung
voll des wahrhaft historischen Geistes, die Darstellung einfach und
durchscheinend.

Die Wiener Hochschule gehörte schon frühzeitig zu den angesehensten
nicht nur in Deutschland, sondern sie rivalisierte mit den geistigen
Metropolen in Paris und Bologna. Wie diese, so gehörte auch sie nicht
einer Nation, sondern sie war Eigenthum der Wissenschaft, deren
Zwecken sie allein diente. Waren doch die Wissenschaften überhaupt nur
Selbstzweck; Mittel zu anderen Dingen, die auſserhalb derselben lagen,
wurden sie erst später!

Unser Werk bietet also einen auſserordentlich werthvollen Beitrag zu
der Kulturgeschichte im Allgemeinen, zugleich aber erschöpft es die
Quellen des für die Kenntniſs der Wiener Universität Erreichbaren im
ersten Jahrhundert ihres Bestehens. Das erste Buch hat ihre Gründung
und Anfänge zum Gegenstand, 1365-1400. Hier wird dann die Rudolfinische
und die Albertinische Stiftung genau erörtert. Dann folgt die
Organisation der Universität im Allgemeinen und dieser schlieſst sich
die Behandlung der verschiedenen Facultäten an. Die Chronik ist sehr
reich an interessanten Details und erreicht besonders vom Jahre 1396
an eine groſse Vollständigkeit, da von diesem Jahre auch die Acten
der theologischen Fakultät beginnen, während in der früheren Zeit
lediglich die Akten der artistischen Fakultät als Quelle dienten. Die
57 Biographieen von Lehrern der Universität sind eine wahre Fundgrube
von Material für eine deutsche Gelehrtengeschichte. Die ausführlichsten
Biographieen und von ganz besonderem Interesse sind diejenigen des
Heinrich Langenstein von Hessen, des Johann Peuerbach, des Thomas
Ebendorfer von Haselbach und des Johannes Müller von Königsberg in
Franken.

Sehr ausführliche Register über Personen und Sachen vervollständigen
das Werk und erleichtern den Gebrauch desselben. Die beigegebenen
Holzschnitte der Siegel sind sehr gut ausgeführt.

    6) /Emmenthaler Alterthümer und Sagen/. Von /Alb. Jahn/,
    Kanzlist und Bibliothekar beim eidgen. Departement des Innern,
    Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften. Bern, Verlag von Huber u.
    Comp. 1865. 8. 71 Stn. Mit 5 lithograph. Tafeln.

Es ist überraschend, wie reichhaltige Ergebnisse auch auf einem Boden,
der scheinbar ohne alle Voraussetzung ist, sich der Forschung bieten,
wenn sie mit den Augen des Kenners nur Umschau zu halten beginnt. Ein
einziges, bisher wenn auch nicht unbekanntes, doch unter ganz anderen
Rücksichten beachtetes Alpenthal öffnet sich wie ein lehrreiches Buch
und führt auf einem der interessantesten Gebiete der Wissenschaft
Belege zu, die an diesem Orte wie ganz neue Daten erscheinen. Die
beiden ersten Abhandlungen besprechen zwei alte Kriegsbauten, die
namenlose Erdburg in der Jägerlehnweide und den Münnenberg bei
Lützelflüh, die dritte einen wahrscheinlichen ehemaligen Opferplatz,
jetzt Barhegen genannt. Der Gegenstand der vierten Untersuchung, eine
räthselhafte Ruine im Kurzeneigraben, erweist sich als muthmaſslicher
Sitz einer Gemeinschaft in Zurückgezogenheit lebender Druiden, wie die
sogen. Prestenlöcher auf Hinterarm, die ihre Besprechung im fünften
Abschnitte finden, als Unterbauten für alte Celtenwohnungen. Eine
antiquarisch-topographische Uebersicht des ganzen Emmenthales reiht
an jene Hauptdenkmäler noch eine nicht geringe Anzahl solcher, die an
sich von geringerer Bedeutung, oder als zerstreute Bruchstücke den
ehemaligen Zusammenhang nur von fern errathen lassen. Die Mehrzahl der
anfangs besprochenen Gegenstände fällt in die vorgeschichtliche Zeit
und bildet gewissermaſsen die Mitte zwischen den See- und den späteren
Gräberfunden, oder deckt jene geheimniſsvollen Zeitalter von einer
Seite auf, von welcher sie bis jetzt nur selten zugänglich geworden.
Bei der reichen Ausbeute, welche schon ein so engbegrenzter Landestheil
gewährt, bleibt es kaum zweifelhaft, daſs auch andere, noch nicht
untersuchte Gegenden der Schweiz für die Forschung gleich ergiebig sich
zeigen werden, und wir können zu dem regen Eifer, der im verwandten
Nachbarlande die ununterbrochene Fortsetzung der Arbeit verbürgt, nur
auch uns Glück wünschen.

    7) /Mittelalterliches Hausbuch/. Bilderhandschrift des 15.
    Jahrhunderts mit vollständigem Text und facsimilirten Abbildungen.
    Herausgegeben vom /Germanischen Museum/. Leipzig. F. A.
    Brockhaus. 1866. Fol.

    8) /Kulturgeschichtliche Briefe/ (über ein mittelalterliches
    Hausbuch des 15. Jahrh. aus der fürstlich Waldburg-Wolfegg’schen
    Sammlung) nebst Anhang (Auszug aus Grünenberg’s Wappenbuche) von R.
    v. /Retberg/, Ehrenmitgliede der histor. Vereine von Ober- und
    Niederbayern u. s. w. Leipzig, Verlag von Rudolph Weigel. 1865. 8.
    340 Stn.

Die merkwürdige Bilderhandschrift, auf welche die beiden oben
genannten, unabhängig neben einander stehenden Veröffentlichungen
sich beziehen, war bereits im J. 1854 vom Oberstudienrath Haſsler
zu Ulm der öffentlichen Aufmerksamkeit zugeführt und fand seitdem
wiederholte, zum Theil so eingehende Besprechungen (s. u. a. Naumanns
Archiv VI, L. 1), daſs wir bei einem groſsen Theile des gelehrten
Publikums Bekanntschaft mit derselben voraussetzen können. Für Leser,
welchen jene Mittheilungen entgangen sein sollten, lassen wir eine
kurze Beschreibung folgen. Das Original der Handschrift, nach dem darin
wiederholt vorkommenden Wappen zu schlieſsen, ursprünglich im Besitz
der Familie Goldast zu Konstanz, gegenwärtig des Fürsten Friedrich
von Waldburg-Wolfegg-Waldsee befindlich, gehört der 2. Hälfte des 15.
Jahrhunderts an und besteht aus 66 Pergamentblättern in Fol., auf
welchen 59 Seiten mit Bildern, 43 mit Schrift versehen, die übrigen,
ohne Zweifel für weitere gelegentliche Ausführung, leer gelassen
sind. Der Inhalt besteht, wie von Retberg ihn charakterisiert, aus
allerlei Gegenständen, wie sie dem Besitzer eines Hauses oder auch
namentlich einer Burg wichtig oder ergötzlich scheinen mochten, woher
auch das Buch, dem selbst der Titel fehlt, in der angeführten Weise
gewiſs am passendsten benannt worden ist. Wir haben da Bemerkungen
zur Gedächtniſskunst, Haus- und Heilmittel, Beiträge zum Münz-, Berg-
und Hüttenwesen, eine Büchsenmeisterei u. a. Weit wichtiger aber als
der Text sind die davon zum Theil ganz unabhängigen Abbildungen,
welche, zwar von ungleichen Händen herrührend, doch der Mehrzahl nach
nicht nur von trefflicher Künstlerschaft zeugen, sondern namentlich,
was das Buch zu einer wahren Fundgrube der Wissenschaft macht,
von den verschiedensten, in jener Zeit sonst kaum zur Darstellung
gelangten Gebieten des Lebens mannigfaltige Bilder in unmittelbarster
Naturwahrheit und mit sprechendstem Humor vor die Anschauung führen.
Insbesondere ist es eine Reihenfolge der Planeten, welche zur
Bezeichnung des je von ihnen auf das Thun und Leiden der Menschen
ausgeübten Einflusses ein buntes Gemenge von Scenen in sinniger
Zusammenstellung unter sich vereinigen. In mittelalterliche Tracht
und Waffen gekleidet, sehen wir die heidnischen Repräsentanten
derselben, von den Thierkreiszeichen begleitet, hoch zu Roſs über
den von ihnen beherrschten Theil der lebendigen Welt dahinziehen. So
entfaltet sich unter dem Planeten Saturn das alte Gerichtswesen in
verschiedenen Stadien seines Verlaufes und Grades, von dem in einen
Block geschlossenen Diebe bis zu dem in Begleitung von Richter und
Henker zum Galgen geführten Verbrecher, woran das Leben der armen und
unehrlichen Leute, von der blinden, am Krückstock einherschleichenden
Bettlerin bis zum mühsam arbeitenden Landmann und dem Abdecker, in
innerlichem Zusammenhange sich schlieſst. Der als Junker gekleidete
Jupiter beherrscht die glänzendere Seite der bürgerlichen Gesellschaft,
in welcher zwar der arme Bauer dem Wucherer gegenüber noch vor Gericht
geschleppt wird, doch auch der Gelehrte ein ruhiges Plätzchen zum
Studium und der endlichen besseren Austheilung der gemeinsamen Rechte
findet, während drauſsen mit Jagd, Falkenbeize und Bolzenschieſsen
sich einstweilen diejenigen vergnügen, die in glücklichem Besitze
sind. Mars verbreitet unter sich Scenen des Schreckens und der Noth.
Raubritter überfallen ein Dorf, brennen und plündern; Diebe bestehlen
den Wechsler, ein Mörder tödtet sogar den Pilger. Der Sonnengott
eröffnet mit seinem erwärmenden Strahle das Leben von innen und nach
auſsen. Wie Früchte des Herzens, füllen Gebete der Andächtigen die
offenstehende Kapelle, flieſsen Almosen in die Hand des Bettlers. Musik
erhöht in unmittelbarer Nachbarschaft den Genuſs der Tafelfreuden und
den Verkehr liebender Paare. Ringer und Wettkämpfer mancherlei Art
beleben im Mittelgrunde das offene Feld, während die Stadt mit ihren
beengenden Mauern und Thürmen hinter den Hügeln der Ferne zurücktritt.
Das Liebeleben, von neuem mit Spiel, Musik und Schmauserei verbunden,
entfaltet sich unter dem Banner der Venus in allen Arten und Graden
seines Genusses. Unter Merkur, dem Beschützer von Kunst und Gewerbe,
sehen wir einen Maler vor der Staffelei, einen Orgelbauer mit dem
Stimmen seines Instrumentes beschäftigt, einen Uhrmacher, der die
Polhöhe sucht, einen Schulmeister, der eben die Verantwortung seines
Berufes executierend zur Würde des Richteramts erhebt; ferner im
Vordergrund einen bildschnitzenden Gesellen, der eine Figur der
Eva auf den Block gespannt hat, während neben ihm das meisterliche
Ehepaar an reichbedeckter Tafel die Früchte des Fleiſses genieſst;
einen alten Goldschmied, der unter gewaltiger Brille einen Becher
zur Vollendung führt, während seine bejahrte Ehehälfte neben ihm in
beſster Eintracht den Blasbalg zieht. Luna vereinigt unter ihrem
Scheine, was des reellen oder ideellen Zwielichtes sich freut: Gaukler
und Quacksalber, Vogelfänger, Fischer und Jäger, Badende, bewaffnete
Boten u. s. w. Auſserdem haben wir, und zwar meistens in Darstellungen
von doppelter oder vierfacher Blattgröſse, unabhängige Kriegs-
und Jagdbilder, Beschäftigungen und Vergnügungen des Landlebens,
Gegenstände aus dem Bereiche der Gewerke, der Belagerungskunst u. s.
w. -- Wie aus gemachten Anfängen ersichtlich, waren die Abbildungen,
frei und leicht mit der Feder hingeworfene Skizzen, ursprünglich für
die Ausmalung bestimmt, zu deren Durchführung es jedoch glücklicher
Weise nicht gekommen ist; denn ohne Zweifel würde durch sie gerade
der feinste Geist des Künstlers verdeckt worden sein, der uns nicht
nur verräth, unter welchen Formen, sondern auch in welchem Sinne,
mit welchen geheimen Prozessen des Bewuſstseins sich die Entwicklung
jener wichtigen Uebergangsperiode vollzog. -- Welche Wichtigkeit
dieses Werk für die Geschichte der Trachten, der Sitten, Gebräuche und
aller anderen Beziehungen haben muſs, die man gewöhnlich unter dem
Begriff der Kulturgeschichte vereinigt, darf nur angedeutet werden.
Zugleich hat dasselbe aber auch für die Kunstgeschichte Interesse,
indem mit groſser Wahrscheinlichkeit dargethan ist, daſs die Mehrzahl
der Zeichnungen von dem bedeutenden schwäbischen Maler Bartholomäus
Zeitblom herrührt und, indem sie ergänzend zu den Kupferstichen
desselben hinzutreten, ihn von einer bisher nicht in Betracht gezogenen
Seite darstellen. -- Das germanische Museum hat sich begnügt, die
Handschrift in möglichst treuer Nachbildung wiederzugeben; die
Zeichnungen in Kupferstich, und zwar, soweit sie künstlerischen Werth
besitzen, in originalgroſsen Facsimiles, soweit das nicht der Fall, wie
bei den dargestellten Maschinen, Kriegswerkzeugen u. s. w., in genauen
Verkleinerungen. Der in alterthümlicher Schrift und unter Einhaltung
der Seitenzahl abgedruckte Text ist mit einem erklärenden Glossar
versehen. Für die bildlichen Darstellungen tritt das zweite Werk
ergänzend hinzu, welches dieses mit einer fortlaufenden Beschreibung
versieht und davon ausgehend die kulturgeschichtlichen Verhältnisse der
in Rede stehenden Zeit einer allgemeineren Betrachtung unterwirft.


Aufsätze in Zeitschriften.

    /The Art-Journal:/ Nr. L, S. 46 ff. Ancient brooches and dress
    fastenings. In three chapters. With illustrations by the author.

    (F. W. Fairholt.) -- S. 57. Glass: its manufacture and examples.
    Part II. Saxon, arabic, persian, and early venetian glass. (William
    Chaffers.)

    /Ausland:/ Nr. 6. Die Urbevölkerung der britischen Inseln.
    -- Nr. 10. Ein ortskundlicher Streifzug durch die Urkantone der
    Schweiz.

    /Biene:/ Nr. 6 ff. Die Buchdruckerkunst in ihrer
    welthistorischen Bedeutung von den Tagen der Erfindung bis zur
    Gegenwart. In kurzen Umrissen geschildert.

    /Das illustr. Buch der Welt:/ Nr. 5. Bilder aus dem deutschen
    Mittelalter. 12. Der deutsche Ritter. (Thaddäus Lau.)

    /Chilianeum:/ Nr. 3. 4. Kleine Beiträge zur Culturgeschichte
    der Grafschaft Wertheim. (Dr. Alex. Kaufmann.)

    /Daheim:/ Nr. 22. Der Münster von Freiburg. -- Nr. 23.
    Die Kinderkreuzzüge im Mittelalter. (Dr. Wald.) -- Nr. 25. Die
    Arzneimittel vor fast 200 Jahren.

    /Europa:/ Nr. 9. Das Deutschthum in Böhmen. -- Ostern und
    Pfingsten in Natur und Haus.

    /Familien-Journal:/ Nr. 9. (639): Die Monstranz in der Kirche
    zu Zizelitz. Böhmische Volkssage. (Ernst. Halma.) -- Nr. 11. (641.)
    Das Täubchen von Amsterdam. Charakterbild (Otto von Tschocher)

    /Grenzboten:/ Nr. 10, S. 385. Alte Fastnachtspiele. Vortrag am
    7. Febr. 1866 im Leipziger Professorenverein. (Prof. Eckstein.)

    /Hausblätter:/ 4. Heft, S. 305. Volkssagen. 8. 9. (Fr.
    Schultheis.) -- 5. Heft, S. 396 u. 6. H., S 459. Sagen aus dem
    Spessart. 8-14. (Adalbert v. Herrlein.) -- S. 474. Ueber den
    Gebrauch der Ringe, Brautringe, Brautkränze. (Fr. Grebel.)

    /Der Hausfreund:/ Nr. 11. Ein Besuch Karl’s XII. in Dresden.
    Historische Skizze. (Ferd. Pflug.)

    /Protest. Kirchenzeitung f. d. evang. Deutschland:/ Nr. 4.
    Wahrheit und Dichtung in den ältesten Papstbriefen. Vortrag. (P.
    Hinschius.)

    /Korrespondent v. u. f. D.:/ Nr. 99. Allerheiligen
    (Klosterruinen im Schwarzwald). -- Nr. 114 ff. Die Walkyren.
    Vortrag. (W. Hertz.)

    /Deutsche Kunst-Zeitung/ (Dioskuren): Nr. 8. Ueber die
    nationale Herkunft der Steinmetzfamilie Arler, genannt „Prager
    Jungherrn.“

    /Magazin f. d. Literatur des Ausl.:/ Nr. 7. Deutsche Einflüsse
    auf das polnische Volksthum. I. Bis zur Reformation. -- Nr. 10. Die
    Pfahlbauten des Garda-Sees. (Franz Maurer.)

    /Protestantische Monatsblätter für innere Geschichte:/ Decbr.
    1865. Die anabaptistischen Tendenzen in ihrer Bedeutung für das
    Verständniſs der Reformationszeit. (Fr. Nippold.)

    /Illustr. deutsche Monatshefte:/ Nr. 18 (114), S. 640.
    Frauenlob. (J. Bamberger.)

    /Schles. Provinzialblätter:/ Jan. u. Febr. Beiträge zur
    Kultur-Geschichte Oberschlesiens. Aus Hippel’s handschriftlichem
    Nachlasse. (Dr. Th. Bach.) -- Schlesisches Gerümpel und Gerölle
    (Aberglaube, Sitten und Bräuche). (H. Strusche.) -- Die Begründung
    der kaufmännischen Corporation und die Reichskramer-Societät
    zu Breslau. Mit der Stiftungsurkunde. (Jul. Neugebauer.) --
    Oeffentliche Aufzüge und Hahnenkämpfe in Schlesien. (R. S.) --
    Rechtspflege der Vorzeit. (Beydelt.) -- Eine Teufelssage aus dem
    Trebnitzer Gebirge. (A. T.) -- Helden- und Loblied etc., gesungen
    in Reich-Hennersdorf z. Z. des bair. Erbfolgekrieges. (Lehrer
    Menzel.) Beitrag zur Geschichte der Begründung der Steindruckerei
    in Schlesien. Von C. Krone. -- Das ehemalige Postwesen Schlesiens.
    Von A. Weltzel. -- Ein Beitrag zu den Ringwällen, Steinwällen
    und Heidenkirchhöfen in Schlesien. Von Robert Schlich. -- Zur
    Geschichte der Stadt Krenzburg O./S. -- Die Belagerungen von
    Schweidnitz in d. J. 1757 u. 58, in einer mundartlichen poetischen
    Schilderung. Mitgetheilt von Oberlehrer H. Palm.

    /Bremer Sonntagsblatt:/ Nr. 7. Ueber historische Sagen und
    Anekdoten. (Georg Heinrich.) -- Nr. 9. Neue hansische Geschichts-
    etc. Bilder. II. Kaiser Karl IV. in Lübeck. (Heinr. Asmus.)

    /Volksblatt f. Stadt u. Land:/ Nr. 9. Der Zigeunerkönig.
    (Pfarrer Baist.) -- Nr. 11. Ueber Luther’s Auffassung der
    Empfängniſs Mariä.

    /Wochenblatt der Joh.-Ord.-Balley Brandenburg:/ Nr. 8 f. Das
    Bisthum Schleswig, von der Entstehung desselben im Jahre 943 bis
    zur Ernennung des ersten lutherischen Bischofs im Jahre 1541.

    /Allgem. Zeitung:/ Beil. Nr. 60. Germanistische Funde in
    Italien. (Dr. Franz Pfeiffer.) -- Nr. 64. Eine Spur vom Grabe
    Karl’s des Groſsen.

    /Bayer. Zeitung:/ Morgenbl. Nr. 49 f. Ein bayerisches
    Grafenschloſs zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts. -- Nr. 52.
    Kunstwerke aus dem Mittelalter. -- Nr. 60 ff. Zur Charakteristik
    oberbayer. und verwandter Dialect-Poesie. (Fr. v. Kobell.) -- Nr.
    67. Woher kommt „Schnadahüpfln“? (A. Birlinger.) -- Nr. 73. Die
    Klosterkirche Gnadenberg bei Neumarkt in der Oberpfalz.

    /Illustr. Zeitung:/ Nr. 1183. Die Krämerbrücke in Erfurt.



Vermischte Nachrichten.


~Die archäologische Ausstellung in Paris im Jahre 1867.~

23) Bekanntlich wird mit der groſsen Industrieausstellung in Paris
im Jahre 1867 auch eine internationale archäologische Ausstellung
verbunden und ist eine Gallerie des Ausstellungsgebäudes dafür
reserviert, wo sie unter dem Titel „Histoire du travail“ figurieren
wird. Die französische Commission, bestehend aus den Herren Graf
von Nieuwerkerke, Graf von Laborde, von Longpérier, de Sommerord,
Lartet, Alphons von Rothschild und Alfred Darcel, hat nun das Programm
veröffentlicht und ein Circular an die Besitzer erlassen, welche
Objekte haben, die zur Ausstellung kommen sollen. Wir finden uns
rücksichtlich des Programms zu einigen Bemerkungen veranlaſst.

Ein Passus heiſst: „Jede Nation wird über einen bestimmten Antheil der
Gallerie verfügen, um hier die Gegenstände aufzustellen, welche sich
auf die Industrie ihrer Gegend beziehen. Die Gegenstände werden hier
so aufgestellt, daſs sie die verschiedenen Epochen der Geschichte der
Arbeit erkennen lassen.“

Wir können uns nun durchaus nicht damit einverstanden erklären, daſs in
einer Ausstellung, die bestimmt ist, die künstlerische und gewerbliche
Thätigkeit der gesammten Menschheit von den ältesten Zeiten an vor
Augen zu führen, die fast zufällige heutige Staateneintheilung zu
Grunde gelegt wird, und daſs der Raum dafür nach dem Raum bemessen
wird, den die heutige Industrie jener Länder einnimmt. Zudem werden
durch diese Eintheilung zusammengehörige Gruppen getrennt und weniger
Zusammengehöriges vereinigt. Welche Industrie hat heute Aegypten?
Wie klein soll also der Raum für die in der Geschichte der Menschheit
so unendlich wichtige ägyptische Kunst ausfallen? Welche Rolle spielt
Griechenland unter den Industriestaaten? Welcher Raum wird also nach
diesem Maſsstab der vollendeten Kunstblüthe Griechenlands zugewiesen?
Welche Nation wird uns die Kultur des assyrischen und babylonischen
Reiches, die Kultur der Phönizier vor Augen führen? Wie wird die über
alle Welttheile zerstreute Kunst und Gewerbthätigkeit der Römer in
allen verschiedenen Abtheilungen zerstreut sein? Stehen sich nicht
bei aller nationalen Verschiedenheit die Werke des Mittelalters der
Franzosen, Engländer und Deutschen, selbst der Italiener näher, als sie
den römischen Werken stehen, die zufällig in diesen Ländern gefunden
wurden?

Ist es gerechtfertigt, die Erzeugnisse Deutschlands gerade in die drei
Gruppen Oesterreich, Preuſsen und das übrige Deutschland zu trennen?
Wäre es nicht, wenn eine Untertheilung statt haben soll, natürlich, den
alten Gaugrenzen zu folgen, die Theilung nach den verschiedenartigen
Schulen vorzunehmen, von Oesterreich und Preuſsen die den übrigen
deutschen Schulen verwandten Gegenstände diesen anzuschlieſsen, die
Kunst des ehemals mächtigen Polenreiches nicht unter drei jetzt
bestehende Länder zu trennen.

Eine archäologische Ausstellung soll nicht Spielerei sein; sie soll der
Wissenschaft nützen, sie soll die Kunstforschung fördern. Das kann nur
durch ein dem Ganzen zu Grunde liegendes, groſses, gemeinsames System
geschehen, das auf wissenschaftliche Grundlage basiert ist, und das uns
gestattet, die verwandten und zusammengehörigen Objekte, welche die
Zeit weit auseinander geworfen hat, hier neben einander stellen und
mit einander vergleichen zu können. Eine solche Ausstellung muſs eine
anschauliche Uebersicht über die Entwickelung der ganzen menschlichen
Kultur geben. Nur dann hat sie Werth.

Nur dann aber auch ist sie der Kosten werth, die dafür verausgabt
werden. Wer muſs diese Kosten tragen? Der einzelne Aussteller kann
das nicht; es ist also Sache der Regierungen. Da sind nun diejenigen
sicher übel daran, die etwa kolossale Objekte aus groſser Ferne
zu transportieren haben. Wird das Interesse, welches sie an der
Ausstellung haben, diese Kosten aufwägen? Ich glaube kaum. Ist es
etwa gerechtfertigt, wenn blos das neben einander stehen soll, was
zu Hause auch nebeneinander steht, es nach Paris zu senden? Ist es
gerechtfertigt, die kostbarsten Objekte aus den Museen, aus den
Kirchen, aus dem Leben nach Paris zu schaffen, wenn sie doch nicht
neben die verwandten Objekte gestellt werden und so der Wissenschaft
wirklich nützlich sind?

Unserer Anschauung nach müſste eine internationale Commission aus
hervorragenden Gelehrten zusammengesetzt werden, welche die Auswahl
aus den allerorts zerstreuten Objekten trifft, welche einen groſsen
Gesammtplan entwirft und die Ausstellung so anordnet, daſs sie in
/einer/ Serie den Entwickelungsgang der ganzen Kultur verfolgen
läſst. Darin liegt für die Wissenschaft wie für das Publikum ein
Gewinn, der wohl werth ist, daſs die einzelnen Regierungen in einem
der Gröſse und dem Reichthum der Länder angemessenen Theile die Kosten
tragen.

Wird eine derartige Einheit nicht in die Sache gebracht, so wird
die Ausstellung eine lückenhafte, verfehlte Spielerei sein. Man
wird freilich Manches beisammen sehen können, was man sonst nur an
verschiedenen Orten sieht; allein es wird sich die Frage stellen
lassen, ob die Regierungen es Befürworten sollen, daſs man ohne
wissenschaftlichen Zweck blos dahin arbeiten solle, daſs eine Anzahl
Reisende, die sonst in’s Land kämen, fern bleiben, da sie ihre Neugier
in Paris befriedigen können.

    A. E.

24) Einige höchst interessante /Alterthümer/, welche in der Gegend
von /Merseburg/ schon vor längerer Zeit gefunden, bisher in
Privatbesitz waren, jetzt aber durch das Antiquitätengeschäft von
/Zschiesche/ und /Köder/ in /Leipzig/ erworben worden sind, dürften,
nun zugänglich gemacht und zum Verkaufe ausgestellt, wohl geeignet
sein, die Aufmerksamkeit der Sammler und Kenner auf sich zu ziehen.
Nach einer älteren schriftlichen Aufzeichnung wurden sämmtliche noch
zu besprechende Stücke bei dem Dorfe /Leuna/, 1/2 Stunde südlich von
Merseburg, beim Ausgraben von grobem Kies, in einer Tiefe von 5-6 Fuſs
gefunden. Gedachtem Berichte nach stieſs man zunächst auf das Skelett
eines nach ärztlichem Urtheile ungefähr 30 Jahre alten Menschen, wovon
aber gegenwärtig nur noch ein Stück der obern Hirnschale and ein
solches des Unterkiefers vorhanden ist, indem schon beim Ausgraben
der gröſste Theil desselben zu Grunde gieng. In geringer Entfernung
soll das Skelett mit 6 Gefäſsen umstellt gewesen sein, die, mit Kies
angefüllt, mehrere Gerätschaften enthielten. Drei dieser Gefäſse
sind Urnen von gebranntem Thon, wie sie häufig in jener Gegend an
Begräbniſsplätzen gefunden werden, wenn auch von ungemein zierlicher
Arbeit und nicht gewöhnlicher Gestalt, die eine 8″ hoch und 3½″ im
stärksten Durchmesser, die andere 5½″ hoch und 3¼″ im Durchmesser,
die dritte 5¾″ hoch und 6½″ im Durchmesser. Das vierte Gefäſs ist
eine sogenannte etrurische Schale von höchst gefälliger Form, schöner
rother Farbe mit Verzierungen und von hellem Klange, 4¾″ in der
Höhe und 9″ im obern Durchmesser. Die interessantesten Stücke aber
sind zwei starke /Glasschalen/, von welchen die eine 5½″ oberen
Durchmesser und 3½″ Höhe, die andere 9″ Durchmesser und 4″ Höhe hat,
beide durchsichtig und opalisiert. Im Innern sind diese Schalen ganz
glatt, auf der äuſsern Fläche aber verziert, und zwar ist auf der
kleineren Schale die Scene eingeschnitten, wie Aktäon die Artemis
im Bade überrascht und, von dieser in einen Hirsch verwandelt, von
seinen eignen Hunden angefallen wird. Die beiden Namen ΑΡΤΕΜΙΣ und
ΑΚΤΑΙΩΝ sind in die Masse einpunktiert. So unvollkommen auch das
Eingeschnittene erscheint, so erhält es doch, vom Innern der Schale aus
betrachtet, Rundung und gefällige Formen. Die gröſsere Schale zeigt nur
eingegrabene Verzierungen. Unter den Geräthschaften befindet sich ein
trefflich erhaltenes bronzenes Sieb nebst gleich groſsem Kessel, die
zusammengehört zu haben scheinen. Auch ein defectes hölzernes Gefäſs
mit Metallbeschläge, zu dem noch zwei einzelne Reifenstücke gehören,
läſst sich in Zusammenhang mit letztgedachten Gegenständen bringen.
Da der Boden des Fundorts aus grobem Kies bestand und bei gehörigem
Abfluſs des Wassers von der schiefen Oberfläche immer trocken erhalten
wurde, ist sowohl die Erhaltung eines Restes des hölzernen Gefäſses als
auch des Skelettes erklärlich. Nächstdem befinden sich noch unter den
Geräthen 2 silberne Sporen mit kurzem, geradem Stachel (ungarisch) und
2 angeblich silberne Pfeilspitzen, eine kleine silberne Zange, mehrere
Spangen, eine Gürtelschnalle und metallene Ringe. Gehören auch die
gefundenen Gegenstände augenfällig verschiedenen Zeiten und Völkern an,
so ist doch ein Auffinden derselben an einem und demselben Orte deshalb
noch nicht zu bezweifeln, auch die Identität der Stücke verbürgt. Sehr
zu bedauern wäre es, wenn diese seltsame Ausbeute vaterländischen
Bodens deutschen Landen entführt und in die Fremde wandern sollte.
Möchten Museen, denen Mittel zur Seite stehen, die Dinge prüfen und zu
erhalten suchen.

25) Die treffliche /Sammlung norddeutscher/ und insbesondere in

/Pommern gefundener Alterthümer/ in Stein und Bronze, welche der
im vergangenen Herbste zu Greifswald verstorbene Dr. Friedrich v.
/Hagenow/ während eines Zeitraumes von mehr denn 40 Jahren mit
Eifer und Glück zusammengebracht hat, ist in ihrer Gesammtheit dem
Vaterlande und deutscher Wissenschaft erhalten worden. Es hat nämlich
das junge /Provinzialmuseum/ zu /Stralsund/ diese Sammlung um
den Preis von c. 1600 Thalern angekauft, im Vertrauen, durch Freunde
heimischer Alterthumskunde den in drei Raten abzuführenden Kaufpreis
sich geboten zu sehen. Die gehoffte Hülfe wird dem anerkennenswerthen
und mit Freuden zu begrüſsenden Unternehmen auch sicher nicht
ausbleiben. Schon sind von Privaten Beiträge von 100, 30, 10 Thlr. u.
s. w. geleistet worden. Der literar.-gesellige Verein zu Stralsund
(auch an der Förderung des german. Nationalmuseums zu Nürnberg in sehr
löblicher Weise betheiligt) hat die Summe von 100 Thlr. bewilligt,
und weitere und noch gröſsere Beiträge stehen von den Landständen und
von der Stadt Stralsund zu hoffen, die dem jungen, durch Erwerbung
der Hagenow’schen Sammlung so schnell zu Bedeutung gelangten
Provinzialmuseum im oberen Stockwerke ihres stattlichen Rathhauses ein
mit groſser Liberalität ausgestattetes Asyl geboten hat.

26) Die fortgesetzten /Nachgrabungen auf dem Leichenfelde von
Schleitheim/ bei Schaffhausen haben schon mehr als 100 Gräber
bloſsgelegt, und noch wird kaum die Hälfte dieses Begräbniſsplatzes
aufgedeckt sein. An den gemachten Fundstücken läſst sich der Einfluſs
der römischen Kultur nicht verkennen. Daſs dieselben aber nicht das
Werk römischer Hände sind, beweist die Art der Bestattung der Todten
und die Menge hausräthlicher Gegenstände, welche auf ein anderes Volk
als die Römer hindeuten. Hinwieder enthalten diese Todtenkammern so
viel Produkte einer vorgeschrittenen Kunstfertigkeit, daſs sie auch
den Alemannen nicht zugeschrieben werden können. Es ist also wol
anzunehmen, daſs diese Gräber, welche in das 4. oder 3. Jahrhundert vor
Chr. gehören, ein Werk keltischer Ansiedler sind.

    (Ill. Ztg.)

27) Im Hannover’schen Amte /Osten/, in dem zwischen Minstedt und
dem rechten Osteufer belegenen Moore ist eine sehr alte /Pfahlbrücke
entdeckt/ worden, deren Spuren bis auf eine Länge von 2500 Schritt
verfolgt wurden. Mit Beginn der günstigeren Jahreszeit sollen genauere
Nachforschungen angestellt werden.

    (Dies.)

28) Auſserhalb der Nikolauskapelle der Münsterkirche in /Aachen/,
nahe der aufgefundenen Apsis, ist in einer Tiefe von fast 9 Zoll ein
/Deckstein eines ehemaligen Kanals gefunden/ worden, welcher 14
Zoll hoch, 7½ Zoll dick und im Durchschnitt 18 Zoll dick ist und in
Schriftzügen des Mittelalters die Inschrift trägt:

    IN H(o)C SEP(ulchro sunt)
        TUMUL(ata) OS(s)A
        CA(r)OL(i) (M)AGNI
    DEO IN AET(e)R(n)O
          GRAN(i)S.

Bei weitern Nachgrabungen in der Allerseelenkapelle des Münsters ist
man auch auf /Mauerwerk aus der Zeit der Karolinger/ gestoſsen,
und man hegt die auf historische Momente ältester Zeit gestützte
Vermuthung, daſs sich die Gruft Karl’s des Groſsen hier befunden habe.

    (Versch. Bll.)

29) Die /Burgruine Habsburg/ im Canton /Aargau/, welche in
letzter Zeit dem Verfall sehr entgegengegangen ist, soll auf Kosten
der Kantonsregierung =repariert= werden. Es ist zu diesem Zwecke
bereits eine Summe ausgesetzt.

    (Ill. Ztg.)

30) Das für die /Restauration des St. Stephansdomes in Wien/
eingesetzte Dombaucomité hat beschlossen, im laufenden Jahre die
Restauration des hohen Thurmes zum Abschluſs zu bringen, den Bau einer
neuen Sakristei in Angriff zu nehmen und die Wiederherstellung des
Innern des linksseitigen Chors zu vollenden.

    (Dies.)

31) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien am 21. Februar
überreichte Regierungsrath Dr. Joseph Diemer als Fortsetzung seiner
„Beiträge zur ältern deutschen Sprache und Literatur“ eine /neue
Ausgabe des Liedes von den Wundern Christi/. Dasselbe wurde im Jahre
1065 bei Gelegenheit einer groſsen Pilgerfahrt nach Jerusalem, an der
über 7000 Menschen Theil nahmen, von Ezzo, Scholasticus in Bamberg,
verfaſst und gehört zu den ältesten und schönsten Dichtungen des
Mittelalters. Es befindet sich nur in der vom Herausgeber entdeckten
Vorauer Handschrift XI aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, aber
leider nicht mehr in seiner ursprünglichen Gestalt, sondern durch
den spätern Bearbeiter oder Schreiber mehrfach verändert. Das Lied,
wenigstens dem Sinn und Inhalte nach, in seiner ursprünglichen Gestalt
wiederherzustellen, ist der Zweck der vorgelegten Ausgabe.

32) Kaum gibt es einen Namen in der deutschen Kunstgeschichte, der die
Forscher so vielfach beschäftigt und so oft irre geführt hat, als der
des /Van der Weyden/. Kannte man früher nur einen Roger van der
Weyden, der die Kreuzabnahme in Berlin von 1488 gemalt, und nach van
Mander 1529 gestorben war, so kam darauf der Roger von Brügge als Roger
van der Weyden der Aeltere zu Tage, und jener erste und einzige erhielt
den Beinamen „der Jüngere.“ Durch andauerndes Forschen und Vergleichen
ist es gelungen, eine namhafte Zahl von Gemälden als Arbeiten des
ältern Roger festzustellen, durch die er als einer der bedeutendsten
Meister der altflandrischen Schule dasteht. Als die herrlichsten
Werke seiner Hand wurden verschiedene Tafeln in den kgl. Sammlungen
zu München und Berlin anerkannt; zu diesen kamen dann später noch die
„Sacramente“ in Antwerpen und das „Jüngste Gericht“ in Beaune, aus
welchem seine Urheberschaft des „Danziger Bildes“ klar zu Tage trat. --
Gehen auch in diesen Dingen die Meinungen noch etwas auseinander, so
ist doch eine Uebereinstimmung nicht unglaublich, da überall Momente
der Verständigung vorliegen. Aber eine groſse Schwierigkeit bietet
die Kreuzabnahme des s. g. jüngern Roger. Zunächst ist zu bemerken,
daſs derselbe seine Existenz einer als irrig dargethanen Nachricht
van Mander’s verdankt. Roger’s Sohn hieſs Peter, dessen Sohn Goswin,
und erst dessen Sohn wieder Roger; und dieser jüngere Roger, weit
entfernt 1529 zu sterben, war noch gegen 1540 in voller künstlerischer
Thätigkeit, die er erst 1528 begonnen. (S. die archivalischen
Untersuchungen bei Chev. Leon de Burbure, documens biographiques etc.
Bruxelles, 1865.)

Nun ist die Kreuzabnahme in Berlin, die, mit 1488 bezeichnet, dem
jüngern Roger zugeschrieben wird, eine Copie, deren Original einst in
einer Marien-Kirche auſserhalb der Stadt Löwen war, und in so hohem
Grade das Wohlgefallen der Statthalterin der Niederlande, Maria von
Ungarn, Schwester Carl’s V., erregte, daſs sie nicht ruhte, bis sie
es in ihren Besitz bekam (um 1530). Durch sie ist es nach Spanien
gekommen und durch eine Copie von M. Coxcie ersetzt worden. Jetzt aber
ist das Bild zweimal in Spanien, einmal im kgl. Museo, das andere Mal
in der Sacristei der Laurentius-Kirche des Escorial, ohne daſs man mit
Sicherheit zu sagen weiſs, welches das Original sei? Noch weniger ist
sicher gestellt, wann und durch wen es gemalt worden?

Sehr vieles spricht für Roger; und doch sind Formen in dem Bilde, die
mit ihrer Fülle und Rundung auf eine spätere Zeit weisen, als die
Roger’s, der 1465 aus dem Leben geschieden. Nun tritt ein neuer Umstand
hinzu, der -- wie dunkel er noch ist -- doch einiges Licht verspricht.
In der Kirche S. Domenico zu Neapel, in der Capella del Crocifisso (d.
i. des Crucifixes, das einst mit Thomas von Aquino gesprochen hat) ist
eine Kreuzabnahme, die man dort dem neapolitanischen Maler Zingaro
zuschreibt, die ich aber sogleich als deutsche Arbeit und bei näherer
Betrachtung unter Anwendung von Kerzenlicht, da der Ort sehr dunkel
ist, als ein Werk Roger’s oder eines seiner Zeitgenossen erkannte.
Ungeachtet der Verschiedenheit des Formates ist die Composition in
allen Motiven (soweit ich sie verfolgen konnte) dieselbe, wie die
obengenannten in Madrid und Berlin; aber Zeichnung und Technik scheinen
mir älter zu sein. Daſs Roger in Italien war (um 1450) ist vielfältig
sicher gestellt. Sollte das Bild in Neapel mit seinem Aufenthalt in
Italien in Verbindung stehen?

Soviel vorläufig, um zu weitern Nachforschungen zu reizen.

    /München/, 15. März 1866.

    /Dr. Ernst Förster./



Inserate und Bekanntmachungen.


8) In dem Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1866, S. 24,
findet sich die noch unerklärte Inschrift auf einem Tische aus dem
15. Jahrh. Der Einsender derselben hält solche für einen /Zauber- und
Segenspruch/. Der Unterzeichnete glaubt darüber andere Auskunft geben
zu können. Auf der hiesigen Stadtbibliothek findet sich ein solcher
Tisch mit der Bezeichnung der ehemaligen lüneburgischen Münzen: Mark,
Schilling und Pfennig in den allbekannten Abkürzungen. Dieser Tisch
diente einem Rechnungsbeamten, der mit Kreide die eingehenden oder
auszugebenden Summen neben diesen Zeichen bemerkte und darnach in seine
Rechnung eintrug. Ein solcher Tisch war offenbar auch der im Museum zu
Freising befindliche; nur ist die Bezeichnung etwas anderer Art. Das M
bedeutet tausend, das C hundert, X zehn, das folgende Zeichen [*Pfund]
die Einheiten nach Pfunden. Die folgenden Zeichen, wahrscheinlich
die Bezeichnung der Unterabtheilung (in Norddeutschland Schillinge
[ß] und Pfennige [Denare ₰]) wird ein der älteren Münzverhältnisse
Bayerns Kundiger darnach leicht enträthseln. Das X und V sind offenbar
die Zahlzeichen zehn und fünf. An jeder Seite des Tisches hatte ein
Rechnungsführer seinen Platz und die Reihe der Zeichen zu seiner linken
Hand. Daher die doppelte Reihe.

    /Lüneburg./            /Dr. Volger/,
                      Director der Realschule des Johanneums.

9) Das /Minutoli/’sche Institut für Kunst und Gewerbe wird um
Mitte April d. J., wie im Jahre 1857, in den Räumen des königl.
Schlosses zu Liegnitz eine groſse Ausstellung seiner sämmtlichen
Muster-Sammlungen veranstalten.

10) =Die altpreuſsische Monatsschrift=

zur Spiegelung des provinziellen Lebens in Literatur, Kunst,
Wissenschaft und Industrie herausgegeben von

=R. Reicke= und =E. Wichert=

erscheint in jährlich 8 Heften zu je 6 Bogen gr. 8. und bietet
ihren Lesern in reicher Abwechselung: ~Belletristisches~,
~Abhandlungen~ aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst,
~Kritiken~ und ~Referate~, überall mit besonderer Beziehung
auf Altpreuſsen, sei es, daſs die Verfasser daselbst heimisch, sei es,
daſs die behandelten Gegenstände dem provinziellen Leben der Gegenwart
oder Vergangenheit entnommen sind, endlich ~Mittheilungen~ von
mehr als gewöhnlichem Tagesinteresse, ~Correspondenzen~ aus den
gröſsern Städten, ~Universitäts-~ und ~Schul-Chronik~ und
~Bibliographie~.

Der Jahrgang kostet zwei Thaler, einzelne Hefte 10 Sgr.

/Inserate/ werden die Petit-Zeile mit 2½ Sgr. berechnet.

Bestellungen auf die /Altpreuſsische Monatsschrift/, deren dritter
/Jahrgang/ mit dem Mitte Februar 1866 erscheinenden ersten
Heft beginnt, nehmen alle Buchhandlungen und die kgl. preuſsischen
Postanstalten an. Durch den Buchhandel, wie durch die Expedition
(Brodbänkenstraſse Nr. 1) sind auch noch complette Exemplare des ersten
und zweiten Jahrgangs zu beziehen.

    Königsberg i. Pr., 1866.

    ~Druck und Verlag von Albert Rosbach.~
    Den Commissions-Debit besorgt die
    ~J. C. Hinrichs~’sche  Buchhandlung in /Leipzig/.


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                       1866.    Nº 4.    April.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



Die Krönungsinsignien des Mittelalters.

Nach Dr. F. /Bock’s/ Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches
deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen

von A. /Essenwein/.


Unsere deutsche Literatur ist nicht eben arm an guten und interessanten
Werken, und doch dürften sich darunter wenige finden, die gerade für
alle die Kreise, welche das germanische Museum repräsentiert, mehr
und gleichmäſsigeres Interesse finden, als das groſse Prachtwerk des
Canonicus Dr. F. Bock, Mitgliedes unseres Gelehrtenauschusses. Ist ja
sein Inhalt so enge verwachsen mit der Geschichte des deutschen Volkes
und behandelt er doch gerade die sprechendsten Zeugen oder Zeichen
deutscher Herrlichkeit! Aber nicht blos für den Patrioten, nicht
blos für den Forscher auf dem Gebiete der Geschichte, auch für die
Kunstforschung ist das Werk ein hochwichtiges, da es derselben neue
und höchst werthvolle Materialien zuführt. Es ist für den Künstler
von höchster Wichtigkeit, denn wie oft bildet der Maler den deutschen
Kaiser ab! welche Fülle von Ornamenten findet der Goldschmied, der
Seidenwirker, der Sticker in den Tafeln des Werkes! So allseitig auch
das Interesse daran sein mag, so Wenige werden leider in der Lage sein,
das Werk selbst zu sehen, da es zu jenen theuern Prachtwerken gehört,
die nur Wenigen zugänglich sind. Wir glauben daher eine Pflicht zu
erfüllen, wenn wir die Leser des Anzeigers nicht blos obenhin damit
bekannt machen und von dessen Existenz einige Worte sprechen, sondern
näher auf den Inhalt selbst eingehen, da wir aus dem angeführten
Grund eben die Leser nicht auf das Werk selbst verweisen können.
Wenn wir daher die vorliegende Besprechung nicht in die Beilage des
Anzeigers unter die literarischen Notizen stellen, so mag der Umfang
derselben, die Wichtigkeit des Gegenstandes, und die Unzugänglichkeit
des Originalwerkes dies rechtfertigen. So ist es uns auch möglich, in
der Reihenfolge der zu behandelnden Gegenstände einigermaſsen von der
durch das Entstehen des Werkes selbst bedingten zufälligen Reihenfolge
abzuweichen.

Das Werk behandelt nicht blos die eigentlichen deutschen
Reichskleinodien, sondern auch alle formverwandten Parallelen, d. h.
so zu sagen alles, was von königlichen Insignien aus dem Mittelalter
heute noch erhalten und bekannt ist; wir finden darin eine Serie
von Goldschmiedearbeiten, die ihren Ausgangspunkt noch unter den
altgermanischen Stämmen nimmt und durch das ganze Mittelalter sich bis
in’s 17. Jahrh. verfolgen läſst; wir finden alle Entwicklungsphasen
vertreten, welche die Form der Krone durchgemacht hat. Wir finden
Reichsäpfel, Scepter und Schwerter vertreten; wir finden eine
prachtvolle Serie von Pluvialen, Dalmatiken, Alben und Tunicellen, die
fürstlichen Personen gedient haben, so daſs auch hier sich interessante
kunstgeschichtliche Parallelen aufstellen lassen. Auſserdem finden
wir aber auch den ganzen Apparat, der in der Krönungskirche bei
der feierlichen Gelegenheit einer Krönung gebraucht wurde, und die
Behandlung der Feierlichkeit selbst.

Wir zerlegen daher den Aufsatz in drei Theile, in deren erstem wir das
besprechen, was sich auf die Krönung der Kaiser bezieht, im zweiten
werden wir die einzelnen Theile des Krönungsornates in Besprechung
ziehen, im dritten aber die kunstgeschichtliche Bedeutung der
einzelnen Parallelen und den Entwickelungsgang der Formen der einzelnen
Zeichen königlicher Machtvollkommenheit zu zeigen versuchen. Wir hoffen
so unserem gelehrten Freunde und Mitarbeiter des Museums gerecht zu
werden wie dem Interesse der Wissenschaft.


I.

Die Einleitung des Bock’schen Buches beschäftigt sich mit der Krönung,
und zwar vorzugsweise mit der Art und Weise, wie und in welcher
Reihenfolge die einzelnen Stücke angelegt wurden. Bekanntlich wurden
die Reichskleinodien zu Nürnberg in einer Truhe aufbewahrt, die jetzt
im germanischen Museum steht, ehemals aber in der heil. Geistkirche
oben am Gewölbe hieng. Von Nürnberg aus wurden die Kleinodien zu jeder
Krönung in die Krönungstadt (Rom, Aachen, später Frankfurt) gebracht,
und zwar durch Abgesandte des Rathes. Es existieren noch Berichte der
mit dieser Sendung beauftragten Rathsherren. Der Verfasser concentriert
seine Bemerkungen zunächst auf die zu Aachen 1520 stattgefundene
Krönung Karl’s V. Wir bemerken, daſs sich im königlichen Archiv zu
Nürnberg ein Bericht von den damals mit der Mission der Ueberbringung
der Kleinodien betrauten Nürnbergern befindet[A]. Am 22. October
hatte die feierliche Einholung des Königs stattgefunden, am folgenden
Tage versammelten sich die drei geistlichen Kurfürsten mit ihrer
Klerisei in der Nicolaikapelle des Domes, wo der König mit glanzvoller
Umgebung in fürstlichen Gewändern mit goldenem Oberkleide erschien.
Der Erzbischof von Köln beräucherte ihn, worauf er das Kreuz und
Evangelienbuch küſste und, von den drei Erzbischöfen und vom Clerus
geleitet, in die Kirche eingeführt wurde, während der Chor die Antiphon
anstimmte: Ecce ego mittam angelum meum. Vor dem Altar lieſs sich der
König auf goldenem Teppich nieder, worauf der Erzbischof von Köln,
der die Krönung vollzog, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten
begann. Von den Erzbischöfen zu Mainz und Trier wurde Karl sodann zur
Sella aurea geführt. Darauf begann die Krönungsmesse, wobei der Chor
den Introitus vom Feste Epiphanias anstimmte: Ecce advenit dominator
dominus. Die Epistel begann mit den Worten: Surge illuminare Jerusalem.
Während der König sich sodann wieder vor den Stufen des Altars
niedergelassen hatte und der ganze Clerus kniete, sang man die Liturgie
aller Heiligen; darauf legte der Consecrator, angethan mit der Mitra
und dem Stabe in der Hand, dem Coronandus die üblichen Fragen vor,
nach deren Beantwortung er sich an die versammelten Fürsten wandte:
Vultis tali principi et rectori vos subjicere ipsiusque regnum firmare
fide Stabilire atque jussionibus illius obtemperare juxta Apostolum:
Omnis anima potestatibus sublimioribus subdita sit sive regi tanquam
praecellenti...? Nach dreimaligem „fiat“ wendete sich der Abt von Prüm
an das Volk, dem er die Frage deutsch vorlegte. Abermals kniete Karl
am Altar nieder und der Erzbischof sprach eine längere Segnung, worauf
er Handschuhe und Ring ablegte und Karln salbte, der hierauf von den
Erzbischöfen von Mainz und Trier in die Sakristei geleitet wurde, wo
die Kapläne die gesalbten Körpertheile abtrockneten. Die Gewänder, die
der Gesalbte bis dahin getragen, wurden nun abgelegt und fielen dem
Krönungsstifte zu. Da Karl aber mit den vom Nürnberger Rathe gesendeten
Gewändern (Sant Keysser Karl’s claidung) in der Sakristei bekleidet
werden sollte, entstand eine Verwirrung, da man die Reihenfolge der
Anlegung nicht genau kannte und auch befürchtete, die Kleider möchten
Schaden leiden. Karl wurde daher mit andern analogen, dem Münster
gehörigen Pontificalien bekleidet. Nach dem Ritus hätten zuerst die
seidenen Strümpfe und Schuhe, sodann das seidene Humerale angelegt
werden sollen, hierauf die dunkle tunica talaris, den priesterlichen
Talaren entsprechend, die, nach Bock, mit einem Gürtel geschürzt
wurden. (Wir glauben hier bemerken zu müssen, daſs das Gewand so
zugeschnitten war, daſs eine Schürzung nicht nothwendig war, daſs es
aber auch nur eine gröſste Länge von 4′ 7½″ hat, daſs also, da es bis
zu den Füſsen reichen sollte, die Schürzung bei groſsen Personen nicht
nothwendig war.) Darüber hätte nun von der Nürnberger Krongesandtschaft
und den Hofkaplänen die kaiserliche Albe gelegt werden sollen, statt
der Karl „mit einer schlechten weiſsen Alm“ bekleidet wurde. Diese Albe
ist sehr lang, muſste also auch bei den gröſsten Personen mit einem
Gürtel aufgeschürzt werden. Darauf war die groſse, breite kaiserliche
Stola anzulegen, die, da sie 18′ lang ist, mehrfältig zusammengelegt
und geschürzt werden muſste, was bei ihrer groſsen Breite immer
gewisse Schwierigkeiten machte. Unter den von Nürnberg mitgebrachten
Kleidungsstücken befand sich auch die sogenannte „Adlerdalmatika“,
die indessen nicht blos hier nicht gebraucht wurde, sondern die wohl
überhaupt von jeher ein Profangewand war, zu dem auch die nun verloren
gegangene Gugel gehörte, und das etwa gebraucht wurde, wenn sich der
Kaiser im Festzuge aus dem Palaste zur Krönungskirche begab. Eine
wirkliche Dalmatika jedoch, die sich noch zu St. Peter in Rom befindet,
stand zur Krönung in Beziehung, indem sie der zu krönende Kaiser trug,
wenn er in der Krönungsmesse das Evangelium sang.

An den Altar zurückgekehrt, empfieng Karl vom Krönenden das aus der
Scheide gezogene Schwert, das sodann in die Scheide gelassen und dem
Coronandus umgegürtet wurde. Hierauf wurde ihm ein Ring an den Finger
gesteckt, der jedoch, obwohl bei jeder Krönung nothwendig, nicht zu
den Kleinodien gehörte, bei denen schon im Beginn des 15. Jahrh. sich
keine Ringe mehr befunden zu haben scheinen. Unmittelbar nachher dürfte
der zu Krönende die Handschuhe angezogen haben. Die damals noch bei den
Kleinodien befindlichen zwei romanischen Armspangen mit Darstellungen
der Geburt Christi und der Opferung in Email wurden damals schon nicht
mehr gebraucht und an ihrer Stelle dem Coronandus die Insignien des
goldnen Flieſses umgehängt. Zugleich damit wurde demselben der Mantel
angelegt, der nach dem Ritus erst später hätte gegeben werden sollen,
wenn er bereits Scepter und Reichsapfel hatte, die von den Assistenten
dem Consecrator übergeben wurden, der nun das Scepter in die Rechte,
den Reichsapfel in die Linke des zu Krönenden legte, wobei er das
vorgeschriebene Gebet verrichtete.

Sodann nahmen die drei Erzbischöfe die goldene Krone und setzten sie
dem neuen König unter vorgeschriebenen Gebeten auf, der nun zum Altar
schritt und auf das Evangelium den Eid ablegte. Hierauf begab sich der
König, geführt von den Erzbischöfen, über eine Wendeltreppe auf die
Empore des karolingischen Octogons, wo der König vom marmornen Stuhle
Karl’s d. Gr. Besitz nahm. Der Erzbischof von Mainz sprach nun Worte
der Begrüſsung an den Neugekrönten, worauf Propst und Canoniker des
Krönungsstiftes nahten und nach vollzogener Begrüſsung den König in
die Reihe der Canoniker aufnahmen, wobei er den vorgeschriebenen Eid
leistete, worauf er Einigen den Ritterschlag ertheilte. Nach Noppius
stand es frei, ob der König dies mit dem Schwerte „derer von Nürnberg,
so etwas schwer sei“, oder mit dem Karl’s d. Gr. von Aachen thun wolle.
Der Chor sang das Te Deum. Nachdem sich der König sodann wieder in
die Kirche zum Altar begeben hatte, wurde das Meſsopfer fortgesetzt.
Ein Canoniker des Stiftes sang das Evangelium der Epiphania: Cum
natus esset Jesus in Bethlehem Juda. Nachdem der Chor den Gesang des
Symbolums beendet hatte, wurde die Sequenz Reges Tharsis angestimmt.
Der König legte nun das Schwert ab, überreichte es dem Erzmarschall,
den Reichsapfel dem Pfalzgrafen bei Rhein; das Scepter in der Rechten
haltend, trat er sodann zum Altar und brachte ein Geldstück zum Opfer,
hierauf schritten die Kurfürsten und Canoniker des Krönungsstiftes zum
Opfer und wurde ihnen vom Celebrans das Sacrum zum Kusse gereicht. Beim
Agnus Dei kniete der Bischof von Lüttich am Altar nieder und empfieng
das osculum pacis; derselbe nahm sodann das Sacrum und reichte es dem
Bischof von Mainz, der es dem König zur Verehrung darbot. Nach der
Communion des Celebrans empfieng der König solche an den Stufen des
Altars.

Nach der letzten Collecte begab sich der Erzbischof in die Sakristei,
während der König, vor dem Altar sitzend, abermals Mehreren den
Ritterschlag ertheilte, und die drei Kurfürsten die Pontificalien mit
dem kurfürstlichen Purpur vertauschten. Auf einer eigens dazu erbauten
Brücke, die mit Tuch belegt war, begab sich sodann der König mit dem
Gefolge im Zuge unmittelbar zum Rathhaussaale, wo das Krönungsmahl
statthatte.

Das Ceremoniale stimmt, wie wir hier nebenbei bemerken wollen, im
Wesentlichen mit dem anderer Königskrönungen überein, so mit dem der
polnischen Krönungen, das wir in unserm Buche „Die mittelalterlichen
Kunstdenkmale der Stadt Krakau“ angeführt haben.

In einem Theile des Anhanges führt nun Bock noch einige kostbare
Prachtstücke auf, die zum Schmucke des Altares der Krönungskirche
dienten. An der Spitze das Frontale zur Bekleidung der Altarmensa,
aus Gold getrieben, das nicht mehr im Ganzen besteht, dessen einzelne
Theile aber noch sämmtlich erhalten sind. In der Mitte ist die Majestas
Domini, daneben St. Michael, Patron Deutschlands, und die heilige
Jungfrau. Die Symbole der Evangelisten umgeben den Mitteltheil, darum
zehn Scenen aus dem Leiden Christi vom Einzuge in Jerusalem bis zur
Auferstehung.

Noch erhalten sind die zwei kostbaren Reliquienschreine, von denen
einer die Gebeine Karl’s d. Gr. umschlieſst, die hinter der Mensa
des Hochaltares erhöht aufgestellt wurden. Sie finden ausführliche
Beschreibung, wie auch der Ambo Heinrich’s II. und der Kronleuchter
Friedrich Barbarossa’s, das Kreuz Lothar’s, das Evangelienbuch
Heinrich’s II., eine Kleinodientruhe, von Richard von Cornwallis
herrührend, ein Aquamanile in Gestalt eines Bacchuskopfes, 2 silberne
Meſskännchen in Gestalt von Engeln, das Weihwassergefäſs aus Elfenbein
Otto’s III., endlich die beiden Reliquiarien in Form eines Brustbildes
uud eines Armes, in denen das Cranium und der Armknochen Karl d. Gr.
aufbewahrt werden. Auf dem Kopfe dieses Brustbildes ruht die Corona
argentea.

Ein anderer Abschnitt des Anhanges beschäftigt sich mit den zu
den deutschen Reichskleinodien gehörigen Reichsreliquien und der
von 1425-1523 jährlich stattfindenden öffentlichen Vorzeigung der
Kleinodien und Reliquien, die zu Nürnberg am zweiten Freitag nach
Ostern geschah und als Festum de lancea et clavis domini in Deutschland
und Italien gefeiert wurde, ein Festtag, der sich bis auf den heutigen
Tag erhalten hat.

    (Schluſs folgt.)


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Abgedruckt mit einem zweiten Berichte über den Einritt
des Kaisers in Aachen, der sich handschriftlich in der Bibliothek des
germanischen Museums befindet, von Dr. Cornel. Will, Archivsekretär des
german. Museums, im Chilianeum IV, 334 ff. Dieser Abdruck hat neben
Hartmannus Maurus der Darstellung Bock’s zu Grunde gelegen. Ein Bericht
des Ritters Ludwig von Eyb über Maximilan’s Krönung zu Aachen 1486,
mitgetheilt von Jos. Baader, bietet nach mancher Seite hin gröſsere
Anschaulichkeit (Annalen des histor. Vereins f. den Niederrhein, XV.
Heft. 1864).]



Die Juden zu Naumburg an der Saale.

Mitgetheilt durch /Karl von Heister/.

(Fortsetzung.)


Im J. 1402 verehrten die Juden dem Rathe eine Lamprete. Es muſs aber in
jener Zeit ein groſser Fisch diesen Namen geführt oder das /eine/
nur die Art bezeichnet haben, weil es heiſst: „mit den guten Freunden
verzehrt Woche Exaudi.“[22]

Das Ereigniſs blieb unermittelt, durch welches in anderthalb Decennien
eine ungemeine Verminderung der Juden zu Naumburg stattfand, und ist
eine partielle Vertreibung am wahrscheinlichsten.

Im J. 1410 fand ein Vergleich der drei Räthe mit der Judenschaft
statt -- mit /allen dreien/, weil sonst das, was der regierende
(sitzende) Rath beschlossen hatte, von dem folgenden über den Haufen
geworfen werden konnte. Ein solches Abwechseln, welches die Freiheit
schützen und das Parteigetreibe unschädlich machen sollte, fand sich in
vielen Städten, z. B. in Mühlhausen.

Zu dem Vertrage waren „vnsern mit Rathmanne vnnd geschworene kumpane“
gezogen worden, unter denen einige Edelleute. Die Zahl der Juden wurde
auf 22 festgesetzt, und war dieses die im Hause C wohnende Familie[22b]
des Rabbi /Abraham/. Verringerte sich diese, so konnte jene durch
Zuziehende voll gemacht werden. Die Juden gelobten, jährlich 40 gute
rheinische Gulden schwerer Münze, in zwei Terminen (Michaelis und
Walpurgis) zu zahlen, und zwar für Synagoge, Schule und ein Wohnhaus,
„sampt dem minderen flecke, das ist in dem sagkvit“.

Sollten aber mehr Juden in die Stadt kommen, als oben festgesetzt,
stets nur mit Wissen des sitzenden Rathes, so ist die Besteuerung
dieselbe, als die der angesessenen Juden, und blieb es gleich, ob jene
dauernd, oder nur zeitweise weilten. Man wollte den Angesessenen das
Vertrauen schenken, die Steuer von den Zugezogenen einzuziehen und
auf das Rathhaus zu bringen. Ein abziehender Jude muſste zuvor die
rückständige (vorsessen) Steuer entrichten. Verminderte sich die obige
Zahl der Juden ohne Wiedervollmachung, so sollten die vorhandenen
dennoch die ganze Steuerquote aufbringen. Die Schule sammt dem Vorhause
wurde den Juden erblich übergeben; sie waren aber von der Entrichtung
des Wachgeldes frei und brauchten für die innehabenden Grundstücke
keine „Thormtage“ zu thun. Sollte jene Schule abbrennen, so wollte
sie der Rath wieder aufbauen; kam aber das Feuer durch die Juden aus,
so waren diese, nach ihrem feierlichen Gelöbnisse, zum Wiederbaue
verpflichtet.

Am Schlusse heiſst es (im heutigen Deutsch): „Auch haben wir
obengenannte drei Räthe von Naumburg den vorerwähnten Juden und ihren
Erben gelobt und geloben ihnen mittelst dieses Briefes, daſs wir sie
vertheidigen, beschützen und beschirmen wollen, mit Ausnahme (gegen)
unseres Herrn (des Bischofs), und ihnen zu allen Rechten verhelfen,
gleich unseren Mitbürgern, so wir auf das Beste können und mögen, ohne
Arglist.“

Beide Theile schworen sich das Halten des Vertrages zu, der am
Sonnabend nach St. Veronika abgeschlossen worden ist. Es ist
bemerkenswerth, daſs von einem Eigenthumsrechte des Bischofs an den
Juden keine Rede ist[23].

In demselben Jahre 1410 wurde zu Naumburg ein Jude getauft, was sich
im J. 1411 mehrfach wiederholte. Von den früheren Glaubensgenossen des
Convertiten heiſst es: „wie noch gehabt eine sondirliche geſslein, die
Judengasse genannt“[24].

Im J. 1442 finden wir wenigstens die Juden genannt; Kaiser
/Friedrich/ III. machte den Versuch, aus dem obersächsischen
Kreise das Opfergeld von Israel zu erlangen, und da werden namentlich
die Juden zu Naumburg, Querfurt u. s. w. erwähnt.

Im J. 1446 traten bischöfliche Beamte mit dem Rathe von Naumburg wegen
des von den Juden getriebenen Wuchers zusammen. Die Namhaftmachung
ist nicht ohne Interesse: Der gestrenge /Hans von Selfchicz/, der
Hauptmann /Gerhard/, der Rath /Hans von Nixte/, der geschworene Richter
zu Naumburg /Nikolaus von Höndorff/; ferner, mit Vollmacht (volborte)
der drei Räthe: die Burgermeister /Hans von Glogau/ und /Thomas
Hildebrand/, der Kämmerer /Konrad/, der Schützenmeister /Paulick/ etc.;
dann von den Juden: /Leser/, /Meyer/, /Muschel/, /Jakob/, /Gatheus/,
/Abraham/ und /Yusche/.

Die Räthe hatten erkannt, daſs die Stadt schwer gelitten habe und
leider durch den von den Juden getriebenen Wucher, auch in anderer
Weise. Die Bitte um Abhülfe war dem Bischof /Peter/ vorgetragen und von
diesem eine Teyding befohlen worden. Fortan durfte von Bürgern, ihren
Frauen und Kindern wöchentlich vom Gulden oder Schock nur zwei Pfennige
Zins genommen werden (eyne halli. guldin adir eynen ort). Es wurde
untersagt, Zins zum Kapital zu schlagen (folgin hyndir sich zu rechin),
vor Ablauf eines Jahres von einem Naumburger Bürger Zahlung zu fordern;
fürchtete aber der Jude, daſs das Pfand nicht mehr Kapital (houbit
-- Hauptgut) und Zins (wuchir) decke, so muſste er die Sache vor den
bischöflichen Richter und den sitzenden Rath bringen.

Es sollte Geld auf Schein oder Pfand von den Juden, Jüdinnen,
Angehörigen nicht an Bürger, Bürgerinnen, Bürgerskinder geliehen
werden, die unter Vormundschaft standen, und zwar bei Verlust des
Betrages. Der Erlaſs wurde jedes Jahr in der Kirche veröffentlicht,
auch ein Verzeichniſs der unter Vormundschaft Stehenden dem Vorstande
der Juden zu weiterer Verbreitung mitgetheilt. Wer sich von den
letzteren dem Vorstehenden nicht fügte, der sollte nicht in Naumburg
aufgenommen oder daselbst geduldet werden[25].

In den Jahren 1478 und 1479 hatten Juden Häuser, was die Erklärung wohl
darin findet, daſs solche durch den Bischof /Dieterich/ auf 4
Jahre zugetheilt worden waren, also in der Georgen-Freiheit lagen.

Wir geben wörtlich die folgende Notiz (im heutigen Deutsch[26]:
„/Dieterich von Erdmannsdorff/ bringt an Ihren Gnaden (den
Bischof) ein Credenz-Schreiben, an Rath wegen /Meyer’s/ des
Juden. Zu Nacht darauf er auch diese (diesen) gefangen, seine Güther
verzeichnet und theils beigelegt worden.“

Beim J. 1489 heiſst es, „/Kunz Berold’s/ Haus ist gekauft und
daraus Judenhäuser gebaut worden. Andere Wohnungen der Israeliten
wurden, ebenso die Synagoge, ausgebessert[27]. Von diesen gemietheten
Baulichkeiten zahlten die Juden 1491 jährlich 40 Gulden an den
Rath[28].“

Am Montage nach Vocem jucunditatis 1494 erlieſs Bischof /Johannes/
III. einen Brief, wo einleitend das fürstliche Streben hervorgehoben
wird, den Unterthanen zu nützen, Schaden von ihnen zu wenden. Rath,
Räthe, Handwerker, Kassenmeister hätten mannichfache Klagen gegen die
Juden erhoben, gegen diese Feinde des Kreuzes Christi, Lästerer seiner
werthen Mutter, Verspotter des christlichen Glaubens. In Betracht der
starken Vermehrung und des den Einwohnern zugefügten Schadens will
der Bischof die Juden „vrlauben“ und aus allen Gebieten und Gerichten
ziehen lassen, womit sich Dechant, Senior und Domkapitel einverstanden
erklärt haben. Jener verpflichtete sich und seine Nachkommen (sic)
auf ewige Zeiten, keine Juden aufzunehmen oder wissentlich zu dulden,
welchen Handel diese trieben. Geschähe solches in benachbarten
Gebieten, so soll doch kein Israelit des Handels wegen in Naumburg,
in die Vorstädte oder in die Freiheit eingelassen werden. Treibt ein
solcher mit den Unterthanen Geschäfte, so soll ihm Rechtsbeistand
versagt werden.

Obgleich die Synagoge früher dem Stifte zuständig war, will sie
dennoch der Bischof der Stadt zu gemeinem Nutzen überlassen. Dagegen
hat sich der Rath durch besondere Verschreibung zu verpflichten,
anstatt der bedeutenden (?) Einnahmen, die der Bischof von den Juden
gezogen, jährlich 60 rheinische Gulden in halbjährigen Terminen zu
zahlen. Dieser Zins kann aber von der Stadt mit 1200 vollwichtigen
und landesüblichen (lantwerigen) rheinischen Gulden abgezahlt werden,
bei vierteljähriger Kündigung, an die Kammer zu Zeitz. Schlieſslich
bekennen Prälaten und Domkapitel ihre Zustimmung, und sind die groſsen
Siegel des Bischofs und des Stiftes der Urkunde angehängt[29].

Die Synagoge wurde im J. 1496 abgerissen und heiſst es beim J. 1498:
„Diſs Jahr ist das Judengeld Ihrer Fürstlichen Gnaden Kammer zum ersten
mahl als 60 fl. gegeben worden“[30].

Die obige rückkäufliche Zinszahlung erfolgte durch vier Jahrhunderte
mit jährlich 52½ Thaler, und hatte man die Herstammung längst
vergessen. Im J. 1812 verzichtete die Stiftsregierung auf die Rente,
wogegen die Stadt den Leibzoll fallen lieſs, den sie von den die
Naumburger Messe besuchenden Juden erhob[31].


FUSSNOTEN:

[Fußnote 22: A. N., S. 129; M. N., S. 1b.]

[Fußnote 22b: familia, wie im Alterthum, einschlieſslich
Seitenverwandte und Dienstboten.]

[Fußnote 23: C., S. 45 f. Vgl. unten Urkunde A.]

[Fußnote 24: A. N., S. 142; M. N., S. 1 b; N. R., S. 113.]

[Fußnote 25: O., Nr. 26. Vgl. unten Urkunde B.]

[Fußnote 26: M. N., S. 11 b.]

[Fußnote 27: A. N., S. 195, 197 b; N. B. 364; 559; M. N., S. 14 a.]

[Fußnote 28: A. N., S. 195; N. R., S. 559.]

[Fußnote 29: C., S. 49; A. N., S. 140. Vgl. unten Urkunde C.]

[Fußnote 30: M. N., S. 15 b.]

[Fußnote 31: Kämmerei-Sachen. Act. XVII, 1, S. 77 f.]



Anhang.

Drei bisher ungedruckte Urkunden.

=A. 1410.= Judenn was die ethwann vor gerechtkeyt jn der stade
gehabt.

Joh. Hermann Schleif Claus Matstede Bürgermeister, hanns Hiltebrant
Vrise Gibüthe, kammerer, andrer vnsern mit Rathmanne vnnd geschworne
kumpanne, hanns Posenhayn, hanns von Grbyg, Cunrat vonn Hondorff,
Albrecht von Vitzthumm, hanns Schwabesdorff, heinnrich thann, hanns
kimschewitz, Nicol Werker inn dem erstenn Rathe, hanns Rogehansing,
Johannes Matsfeder, Burgemeister Otto Simeke, Nickol von Kircke
Chammrer, Andrer vnnssrer Mitrathmannen vnnd geschworene kumpane zu
andren Rath, Heinicke vonn Ogrer, krestian von Igener, Bürgermeister,
Conrad hillebrannt Hans Brauhopf Chammerer, andere vnsere mitrathmanne
vnnd geschworene kumpane zum dritt. Rathe der Stadt Naumburgk bekennen
offentlichenn jnn dissenn briue, vnnd thunn kunt allenn denenn die jnn
sehenn oder hoernn lesenn, das wir vns mit Vorrathe vnnd mit gütl.
wyllen vnd wissenn dryer Rethe vnd aller der die vnssre vorgenanntenn
Stadt bürgerrecht habenn, gentzlichenn vnd eintrechtiglichenn
vereiniget habenn mit vnssrenn Judenn dy do wonhaft vnnd behauset sein
in vnnsre stade Naumburgk, idoch so sollen der Juden die in der zal
gehoren zween vnd zwantzigk seien, Nemlich Meister abraham vonn haus
C mit jren (?) kinndern vnd allenn jrenn erbenn, Vnd wo sie ire zal
volkomlich nicht habenn, so sollen sie ire zal vol machenn, wann sie
das ann andrenn Judenn gehabenn mugen, ane argelist.

Dorumb sie vnns gelobet haben vnnd geloben samptlichenn jnn diesen
briue vnns alle Jhar vonn der sinagogenn, vonn der Schule, in den
furdern hause, das ist in dem Sagkwit, sollenn vnnd wollenn gebenn,
zu geschos vnd zu zinssenn vierzigk guthe Rheinische guldenn schwer
gemünzt, ann gelte darprenge vnd gebd.[A] sein, jeglicher gulden
zu (unleserlich), jn dem Jhar halb auff Sannct Michahelistags negst
zukünftiges, das andere halbteyl auf Sannct Walpurgentags negst noch
volgennt, Vnnd also sollen sie alle jhar jerlichenn, dieweil die
obgenanntenn Jüdenn mit irenn rechtenn erbenn, besessen vnd behauset
sein inn vnnsre Stad Naumburgk, -- Were auch das obgenannter Jüdenn
einer wegk ginge oder züge, so sollen die Hierbliebenenn in der
Stade mehrere wiedernehmenn zu hülffe das ire zall vol sei, ann denn
ehegenannthenn schosse vnnd zinnsse, also ihrer vorgenhannt haben
die wegk zügen, -- Die Jüdenn sollenn dann desselbigen gleichen es
genissenn als die vorgenanntenn Jüden genossenn habenn.

Kommen aber mehr Jüden vber die vorgenannte zal jnn vnnssre Stadt,
zu rastenn oder zu wohnenn, die sollenn thun nah jre manzzall
ooprennder[B] Stadt mit wissen des raths, der zu den gezeiten ist,
mit geschosse vnnd mit zinnse gleicher wis als die ehegenannthenn
ersteren Jüdenn thunn vnnd gethann habenn.

Des sollen wir den vorgenannthenn Jüden glauben, die dahie gebhorenn
seint oder werden gebhorenn, das vnns denn zinns vnd geschoss vonn
denn vbeirleychen Jüden getrülichen insammelenn, nehmenn, vnd brengenn
auf vnser Rathhaws mit jrem geldt auf die vorgenantenn tagezite, als
sich vonn rechte gebürt, -- Noch ist mehr gered vnnd gelobbt vonn denn
vorgenannthen Jüden, die da inn dem obgenannten gelde stehen, ob irgend
einer wegkzihenn oder geenn wolde, der sol des eher denn zins vnd
geschos abelegen, den er des Jhars vorsessenn hat, ooprenn (?) seine
genossenn denselben, denn sollenn wir vnd wollenn inn nicht hindernn,
sondre wyr wollen inn zihenn lassen, wo hinn er wyl, ane ansprach
vnd alleini hindernus vnnd ane gefherdt. -- -- Were es auch das die
ehegenannthenn Jüdenn eins zyts wegk zügen oder kgaten, oder das sie
ann der zal minder würde, so sollenn doch die andrenn, die hier seinn
vnnd bleibenn, vnnd ihre wie viel der ist, das vorgenannte geschoss vnd
zinsse zumal genntzlich leisten vnd bezalenn auf die vorgenannthenn
tagezyten ane allerley widerspruch hindernus vnd gefherde, -- Alss
haben wir den obgenannthenn Jüden, Jüd(innen) vnd irenn rechtenn
erbenn, die schule vorerbt vnd gelassenn zu einem rechtenn erbe, mit
dem Vorhowse das dahin gehoert, mit sampt dem hinderteyl das inn sayk
trit, vnd sollen umb der vorgenanntenn jerlichen zinsse vnd gulde, frei
vnd loss seinn, Wachegelds -- -- -- -- Thormtage keines mehr vonn der
vorgenannthenn schule vnd haeuser zu thün vnnd zu geben,

Were es auch das die obgenannte schule abeginge wegen (feuer) oder
Brandis noth, da got vor sei, so sollenn vnd wollen wir die schule
selber wider bauenn vnd machen nach ire macht vnd vermügen,

Kehme aber ein feuer oder ein brant aus vonn denn Jüdenn, so habenn
vnns die Jüdenn geredt vnnd gelobtt, gereden vnnd geloben, semptlich
inn disem briue, das sie sollenn vnnd wollenn, haus vnnd Schuel wider
bauen, als es vor gewessenn ist, so sie beste mügt, mit jre selbst kost
vnnd geld,

Auch habenn wir obgenannthe drei Rethe zu Naumburgk, denn vorgenannthe
Jüdenn vnnd irenn erbenn gelobtt vnnd gelobenn wir inn diesenn briue,
das wir sie wollen vorteidingen vorschützen vnd beschirmen, sonder[C]
vor vnssern herrn, zu allenn iren rechten gleicher weis, als vnsser
mitbürger, so wir aufs best konnen oder mügen, ane allerlei argelist,

Alle disse vorgeschriebene redestück vnnd Artikel dis briues, gelobenn
wir vorgenannthe rathsgeschworene, den mehr genanntenn Jüden vund sie
vnns wider gleicher weise ganntz stethe vnnd oner benachlichung[D] zu
haltenn, ane alle gefherde vnnd argelist -- Vnnd habenn das zu vrkunde
vnnd einem warenn bekentnus wissentlichenn vnnssrer stade Naumburgk
gross Insigel ann disenn offnenn brief gehanngenn Der gegeben ist nah
gottes gottes gebürt virzehennhundert Jhare, danach in dem zehenndem
Jhare am negstenn Sonnabend nach S. Veronikstage.

Copieen aller gemeiner stadt Naumburg privilegien Wilkoren Erkauftenn
Gerechtigkeiten vnnd vortregen etc. 1540.

Bibliothek des Magistrats zu Naumburg. Manuskripte. (Fol. 45 f.)

Das Vorstehende ist eine Abschrift in der Sprache des 16. Jahrhunderts.

    (Schluſs folgt.)


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: gebende.]

[Fußnote B:? -- ooprennder Stadt, d. i. opren (opfern, offere) der
St. -- Vergleiche: „Opferpfennig, tributum, quod Judae olim solvere
tenebantur Imperatori.“ Scherz. --    /D. Red./]

[Fußnote C: Mit Ausnahme, ausgenommen.]

[Fußnote D: Etwa: unerweglichen?    /D. Red./]



Zur Miniaturmalerei des 14. Jahrhunderts.

Von Dr. A. /von Eye/.

(Hierzu eine Beilage.)


Bekannt ist das Miſsverhältniſs, in welchem, im Gegensatze zur
neueren Zeit und in Bezug auf die Wissenschaft, im Mittelalter
Kunst und Künstler zu einander stehen. Auf der einen Seite, aus
Bürger-Gildenbüchern und anderen Urkunden entnommen, zahlreiche Namen
ohne eine einzige Leistung, welche mit Sicherheit diesem oder jenem
zuzuschreiben wäre; auf der anderen noch mehr Werke, von denen wir
kaum genau wissen, in welche Gegend sie zu versetzen sind. Im groſsen
Ganzen der mittelalterlichen Kunst die tiefste Innerlichkeit, reinster
Erguſs des verborgenen Seelenlebens, vollkommenste Verkörperung des
allgemeinen Zeitgeistes im anschmiegenden Wesen der Persönlichkeit
und doch wieder zur Erklärung all der so geheimniſsvollen wie
bedeutsamen Erscheinungen nichts als den Geist der Zeit im Allgemeinen,
kaum irgendwo die Kenntniſs engerer Verhältnisse, die damals die
künstlerische Entwicklung fördern und richten halfen. Weniger glücklich
als die Geschichte unserer Literatur, die längst begonnen hat,
dem Verhältnisse des Dichters zum Dichtwerke die feinsten Reflexe
abzugewinnen und diese zur Beleuchtung beider, wie ihrer Epoche,
zu verstärken, muſs sich die ältere Kunstgeschichte mit wenigen
Ausnahmen noch darauf beschränken, Stoff zusammenzutragen, dem Gebiet
der Forschung die äuſseren Grenzen zu bestimmen und oberflächliche
Eintheilungen zu machen.

Daſs diesem Sachverhalte gegenüber auch der kleinste Beitrag der
Specialforschung nicht zurückzuweisen ist, dürfte einleuchtend sein.
Auch auf das Gebiet der Miniaturmalerei sich zu begeben, hat jene
gewiſs das Recht, seitdem erwiesen ist, daſs die groſse Epoche der
van Eyk kaum etwas Anderes als letztere zum Ausgangspunkte gehabt. --
Schon im ersten Bande des Anzeigers gaben wir über einen Augsburger
Miniaturmaler v. J. 1487 Bericht, dem wir hier nachträglich anfügen,
daſs der dort noch Joh. Gutlinger entzifferte Name, mit mehr
Wahrscheinlichkeit /Giltlinger/ zu lesen ist, welche Lesung durch
die Schrift selbst nicht ausgeschlossen wird, so daſs der Maler einer
auch sonst in Augsburg vorkommenden Künstlerfamilie sich einreiht.
Diesmal weisen wir auf zwei benannte Miniaturmaler aus dem 14.
Jahrhundert, von deren Hand sich Arbeiten ebenfalls in der Sammlung des
germanischen Museums befinden.

[Illustration]

Nicht nur den Namen, sondern auch das Bild des Einen finden wir auf dem
Groſsfolioblatte eines Plenariums, welches das Officium der heil. Agnes
enthält. Auf dem mittleren Stabe des verzierten Initials M, mit welchem
dasselbe beginnt, hat der Schreiber die Heilige selbst und daneben sich
in anbetender Stellung dargestellt. Ein von seinen zusammengelegten
Händen ausgehendes fliegendes Band nennt ihn: /frater mathyas minor
dictus stamler/. -- Da die beiliegende Durchzeichnung das Bild
nur in schwarzen Umrissen wiedergibt, die Farbe aber einen um so
wesentlicheren Bestandtheil desselben bildet, je mehr der ornamentale
Charakter darin vorherrscht, lassen wir eine kurze Beschreibung
desselben folgen.

In den zu ziemlich breiten Feldern erweiterten Grundstrichen des
groſsen Buchstaben ist der mittlere Raum zur Aufnahme einer Verzierung
von Gold herausgenommen, während eine Randleiste von der Dicke der
schmaleren Linien übrig bleibt, die, wie letztere, mit über Eck
gestellten Farben roth und blau coloriert ist. Abwechselnde kleine,
goldene Schilde und schwarze Ringe nebst einem Spiele von weiſs
aufgesetzten Lichtern beleben diese Farbenzusammenstellung, in
welcher, was nicht unbemerkt zu lassen sein dürfte, wir genau dieselbe
wiederfinden, die bis zum Ausgang des Mittelalters bei Bemalung
des ornamentalen Theiles plastischer Kunstwerke vorherrschend in
Anwendung gebracht wurde. Die im Innern ausgeschiedenen Felder sind
mit Beibehaltung einer heraldischen Stellung der Farben roth und
grün getheilt; die darauf angebrachten Ornamente aus abenteuerlichen
Thier- und Blattformen zusammengesetzt. Der Raum innerhalb des
geschlossenen Initials, der, in vier Felder geschieden, ganz mit
geschupptem und in Schneckenwindungen sich an einander schlieſsendem
Riemenwerk ausgefüllt ist, bietet auf den abwechselnd roth und violett
tingierten Flächen den Platz für vier Medaillons, von welchen eines
eine rothe Rose, zwei goldene Bestiarien aufweisen und deren viertes
dem anbetenden Franziskanerbruder die Stelle eingeräumt hat. Vier
ähnliche, an der Auſsenseite des Buchstabens angebrachte Medaillons
ergänzen dessen Rundung zu einem Quadrat, während zur Füllung der übrig
bleibenden Lücken das Riemenwerk des inneren Raumes hervorgenommen
worden, das indeſs hier seine Gestalt mannigfach wandelt oder zu
Schreiberzügen sich löst. -- Die heil. Agnes, vor dem mittleren Stabe
des Initials dargestellt, trägt ein blaſsrothes Kleid unter hochrothem,
hermelingefüttertem Mantel, eine goldene Krone auf hellgelbem Haare
und das Lamm in einer Art Nimbus auf dem linken Arme, während sie
die Rechte mit vorgestrecktem Zeigefinger zu dem Betenden neigt.
Der Heiligenschein ist, ohne Zweifel, um nicht Gold neben Gold zu
stellen, purpurfarben gehalten und trägt eingezeichnete Ornamente.
Der verehrende Künstler ist mit dem aschfarbenen Gewande und dem
Knotenstrick seines Ordens angethan. Ob die auffallende Erscheinung,
daſs das Ornament des Hintergrundes, welches an die Umrisse der Figur
der Heiligen überall genau sich anschlieſst, von der seinigen rund
umher durch eine weiſse Zwischenfläche geschieden ist, eine Bedeutung
habe, ob vielleicht, wenn der klösterliche Zeichner dieser Verzierung
die Bedeutung des alten Goldgrundes und des himmlischen Glanzes
beilegte, der durch die vornehme heraldische Theilung seiner Felder
etwa noch erhöht erscheinen sollte, derselbe demüthig sich einstweilen
davon als ausgeschlossen betrachtet zu wissen wünschte, wollen wir
dahingestellt sein lassen.

Die Schrift des ganzen Blattes umgiebt eine schmale Leiste, in Bezug
auf welche wir unserer Abbildung nur anfügen, daſs in ihr die oben
angegebenen Grundfarben abwechselnd sich wiederholen, wie daſs ihre
vier Ecken durch gröſsere, mit Bestiarien ausgestattete Medaillons, die
Seiten durch kleinere Rosetten unterbrochen sind.

Neben dem besprochenen liegen zwei andere Blätter, von welchen das
eine, mit dem Officium des heil. Johannes des Evangelisten angefüllt,
durch den Inhalt, wie durch ganz gleiche Schrift und groſse Ähnlichkeit
der bildlichen Darstellung als demselben Werke entnommen sich ausweist.
Das andere Blatt scheint zwar von anderer Hand geschrieben, zeigt
jedoch in seiner ornamentalen Ausstattung, einem groſsen Initial-A
und einer reicheren Randleiste, so viel Verwandtschaft mit dem
beschriebenen, daſs wir kaum an einen anderen Verfertiger denken können.

Was nun die Künstlerschaft des letzteren betrifft, die wir nachzuweisen
hoffen, obwohl wir denselben anfangs nur als Schreiber eingeführt
haben, so ist zunächst festzuhalten, daſs sie allerdings sich nur
aus der Schreibekunst entwickelt hat, daſs der Bruder Matthias vom
Schrift- zum Figurenzeichner fortgeschritten ist -- eine Wahrnehmung,
welche zwar in der älteren Kunst als ganz allgemeine sich wiederholt,
die aber um so mehr Bedeutung gewinnt, je klarer aus dem einzelnen
Falle hervorgeht, wie -- im Gegensatze zur Neuzeit, welche die in
Jedermanns Gebrauch befindliche Fertigkeit kaum noch als Handwerk
gelten läſst -- in jenen Zeiten der beginnenden Entwicklung die seltene
und geheimniſsvolle Kunst des Schreibens nicht nur bereits den Boden
gewährte, auf welchem auch die bildende Kunst, mit der Zeichensprache
des Ornaments und des Symbols beginnend, sich weiter entfaltete,
sondern auch einem reizbaren Gemüthe den Anstoſs zu geben vermochte,
der es durch die verschiedenen Stadien des vermittelnden Verständnisses
zur letzten Abfindung mit der Welt des Geistes und Heiles, soweit sie
im Bereich der Kunst beschlossen liegen, antreibt. -- Daſs in unserem
Falle Zeichner und Schreiber in derselben Person vereinigt waren, geht
unzweifelhaft aus dem vorliegenden Documente selbst hervor. An einigen
Stellen bedeckt die Schrift die Malerei; an anderen ist diese über
jene hinweggeführt, und beide zeugen von solcher Gleichzeitigkeit,
daſs darin kaum das Wechseln des Platzes Raum finden würde. Der
unmittelbare Uebergang von dem gemalten Initial zur vergoldeten und
reich mit Zügen ausgestatteten Schrift, welche in unserer Abbildung
durch Schraffierung angedeutet ist, dürfte in dieser Beziehung einen
weiteren Anhaltspunkt bieten. -- Aber der Schreiber trug unbewuſst ein
künstlerisches Talent in sich; die Schriftzüge gestalten sich unter
seiner Hand unwillkürlich zu Kunstwerken. Aus dem einfachsten Elemente
seiner Verzierung, den Linien, Ranken und Riemen, gestalten sich ohne
Ende Figuren mannigfaltigster Art, abenteuerliche und natürliche Wesen,
die, wenn auch ganz auf dem Boden der Ueberlieferung erwachsen, doch
so viel eigenthümliche Erfindung und individuelles Leben offenbaren,
daſs sie eine Schätzung auch auſserhalb des allgemeinen, durch die
Zeit gebotenen Maſses zulassen. -- Andrerseits stehen dem Künstler
zur Umreiſsung seiner Figuren auch kaum mehr als Schreiberzüge zu
Gebote. Zwar sind diese im Originale gewandter und mit mehr Feinheit
durchgeführt, als wir sie in unserem Versuche des Ueberdrucks haben
wiedergeben können, doch entbehren sie fast überall des nöthigen
Formenverständnisses, das ja auch von der strengsten Handhabung des
Stiles nicht ausgeschlossen ist. Wenn gleichwohl der klösterliche
Zeichner den Bedingungen des Stils, der eben zu seiner Zeit in
deutschen Landen die schönste Ausbildung gewonnen, in edler Haltung der
Figuren, sanftem Schwunge der Falten und allen den anderen bekannten
Merkmalen vollkommen entspricht, wenn er sogar trotz der mangelhaften
Zeichnung in den Umrissen im Ganzen seinen Gestalten wohlgebildete
Verhältnisse, seinen Gewandungen, trotz mangelnder Durchführung der
einzelnen Motive, eine künstlerische Anordnung zu geben weiſs, so sind
diese Vorzüge aber als Ausfluſs seiner begabten Naturanlage zu schätzen.

Charakteristischer noch, als die von uns wiedergegebene Abbildung,
ist die figürliche Darstellung auf dem zweiten angeführten Blatte.
Wir sehen da innerhalb eines dreitheiligen, mit phantastisch
geschmückten Giebeln überdachten Gebäudes zunächst den Evangelisten
Johannes nackt im Kübel mit siedendem Oele stehen, die Hand segnend
über den ihm vorgehaltenen vergifteten Kelch erhebend, aus welchem
die Schlange hervorschlüpft. In der zweiten, der Hauptabteilung,
sitzt Christus thronend, und vor ihm der Jünger, als der besonders
geliebte, das Haupt in seinen Schooſs legend. In der dritten steht
der gealterte Evangelist im priesterlichen Gewande, aus dem selbst
bereiteten Grabe zum Herrn betend, der oberhalb des abgeschlossenen
Hintergrundes mit den übrigen Aposteln erscheint. Eine aus mehrfachen
Friesverzierungen zusammengesetzte Basis schlieſst das Gebäude nach
unten ab. Eine ähnliche Bandleiste, wie auf dem mitgetheilten Blatte,
Medaillons mit denselben Bestiarien u. s. w. umgeben die Schrift, die,
wie bemerkt, das Pergamentblatt demselben Werke zuweiset, dem auch
das andere entnommen. Wollten wir aber wegen einiger vorkommenden
Abweichungen die Zeichnung einer anderen Hand, etwa einem zweiten
kunstsinnigen Klosterbruder zuschreiben, so träte bei der vorwiegenden
Uebereinstimmung statt der Individualität eines einzelnen Mannes die
eines Klosters hervor, die nach damaligen Verhältnissen ja nicht
weniger bestimmt sich auszuprägen vermochte, und die wir, da vom Bruder
Matthias Stammler schwerlich etwas Weiteres wird in Erfahrung gebracht
werden, wenn nicht einmal ein altes Todtenregister den Ort anzeigen
wird, wo er gelebt und frei von Ehrgeiz seine Kunst geübt hat, zu
unserm Zweck uns wohl gefallen lassen können.

Auch in der letztgenannten, ziemlich umfangreichen Darstellung
sind die Figuren von zarter Auffassung, edler Haltung und sinniger
Zusammenstellung. Die Gewandung trägt, obwohl sie hier weniger zur
Geltung kommt, den anmuthenden Charakter der Epoche; die ornamentale
Ausstattung zeugt von origineller Erfindung. -- Das Initial des
dritten Blattes trägt auf der linken Seite eine weibliche, auf der
rechten eine männliche gekrönte Schlange, beide grün schattiert auf
goldenem und blauem Grunde, mit übereck gestellten Farben. Die innere
Füllung, wie die Ränder, sind genau behandelt, wie bei dem Initial
M, mit Wiederholung der Medaillons, ohne figürliche Darstellung. Der
interessanteste Theil dieses bemalten Blattes ist aber die äuſsere
Bandverzierung, in welcher die Leiste selbst aus halben, mit Blau und
Roth abwechselnden Linien zusammen gesetzt ist und einen ganzen Wald
eigenthümlich behandelten Laubwerks von sich abzweigt, das wiederum von
einer Schaar jener seltsamen, mit bestimmtem Charakter versehenen und
doch für den sprachlichen Ausdruck kaum faſsbaren Phantasiewesen belebt
ist.

Was die Technik unseres Künstlers betrifft, möge dessen
Eigenthümlichkeit sich nur in einer einzigen Person oder in der
enggeschlossenen Gesammtheit eines Klosters concentrieren, so ist
dieselbe noch sehr einfach. Alle Zeichnung ist mit schwarzen Linien
umrissen, der innere Raum mit einem gleichmäſsigen Farbtone ausgefüllt
und der Schatten, meistens im Anschluſs an die Umrisse, mit einem
dunkleren Tone nachgetragen. Auch das angewandte Glanzgold ist noch
schwarz umzogen, und mit der Feder hineingezeichnet. Bei den häufig
vorkommenden Medaillons und Rosetten macht sich indeſs bereits
das Bestreben bemerkbar, in denselben Tiefen und Höhen plastisch
hervorzuheben: Bemerkt dürfte noch werden, daſs die damals blühende
Wappenmalerei unserm Künstler ersichtlich mit als Schule diente. Nicht
nur an den beschriebenen Hintergründen, noch mehr fällt dieses auf am
erwähnten Hermelinbesatz des Mantels der Heiligen, der ebenfalls ganz
in Weise der Heraldik behandelt ist.

Der zweite Name, der hier mitzutheilen, findet sich auf dem ersten,
leider vereinzelten Pergamentblatte einer städtischen Wahlordnung,
das auf der Vorderseite, über dem Beginn der Schrift, in goldenem,
fast die ganze Breite des Kleinfolioblattes einnehmendem Initial-E
als bildliche Füllung das jüngste Gericht darstellt -- ohne Zweifel
in Beziehung auf den folgenden Inhalt des Schriftstückes. Der groſse
Buchstabe ist, wie gesagt, einfach mit Glanzgold belegt; der innere
Grund, zur Bezeichnung des Himmels, blau; der äuſsere roth, ziemlich
kunstlos mit gelben Ranken und blauen Blumen überzogen. In der Mitte,
auf dreifachem Regenbogen, thront Christus als Weltrichter, nur mit
goldgesäumtem Purpurmantel bekleidet, die Wundenmale zeigend, während
zwei rothe Schwerter von seinem Munde ausgehen. In den beiden oberen
Ecken blasen zwei Engel aus Wolken heraus die Posaune; unten öffnen
sich zwei steinerne Sarkophage, aus deren jedem zwei lebendige Leiber
sich erheben. Auf den zur Seite liegenden Deckplatten hat der Maler
seinen Namen: /Linhart Frater/ und die Jahreszahl 1322 angebracht.

Die Kunst des Letzteren steht, wenn sie der Epoche nach auch schon
vorangeschritten ist, doch der des Bruders Matthias nach. Während
dieser noch mit Form und Vortrag ringt, im geistigen Bemühen die
Darstellung bereichert und zu edlem Stile erhebt, ist Bruder Linhart
mit jenen beiden fertig und sucht bereits das äuſsere Aussehen
auf Kosten des inneren Gehaltes auszubeuten. Er hat eine Schule
durchgemacht und, überzeugt von der Wirksamkeit dessen, was er dort
gelernt, enthält er sich, irgendwo die Probe zu machen, vergnügt sich
vielmehr, von seiner eigenen Erfindung hinzuzuthun, und verfällt
bereits in ein entschieden naturalistisches Streben. Wir würden das
Blatt, wenn es keine Jahreszahl trüge und diese durch die Schrift
durchaus bestätigt würde, in eine spätere Zeit versetzen. Es zeigt
aber, daſs von der Miniaturmalerei im Verhältniſs zur Wand- und
Tafelmalerei gilt, was etwa von der Goldschmiedekunst im Verhältniſs
zur Architektur: die kleineren Künste eilten in Aus- und Ueberbildung
der Formen und theilweise selbst der Technik den gröſseren voraus.
-- Auf dem in Rede stehenden Blatte ist in den nackten Theilen ein
kräftiger Lokalton als Unterlage gegeben; die Muskulatur ist mit
einem bräunlichen Schattentone conventionell eingezeichnet; das Licht
weiſs, mit feiner Schraffirung und berechneter Strichlage aufgesetzt.
An der Figur Christi ist bereits entschieden die Wirkung des Reflexes
vom rothen Mantel mit in’s Auge gefaſst; Alles aber handwerksmäſsig
behandelt. Die Falten des Mantels weisen zwar im Allgemeinen noch
den geschmeidigen Fluſs auf, der im 14. Jahrhundert die Draperie
charakterisirt, aber manche wulstige Lage drängt sich mit ein, die,
um einen Schritt weiter geführt, den knitterigen Bruch der folgenden
Periode an’s Licht stellt. Das Interessanteste an dieser ganzen Malerei
ist jedenfalls, daſs sie die Phase ihrer Entwicklung an einen so genau
bestimmten Zeitpunkt knüpft und dadurch zum Anhaltspunkt für andere
wird.



/Literärische Forschungen./

Von Subrektor /Franck/ zu Annweiler.

(Schluſs.)


9. Discessus /Friderici Henrici/ Auriaci Principis, a fratre
Mauritio (qui munitionem Mondorfii supra Colonia medio Rheno
excitarat, quae a forma clericalis galeri /Pfaffenmüz/ dicta) cum
firma equitum manu et Anglis aliquot equitibus Vnioni subsidio missus,
postquam dominari Spinolam et Palatinus Weterauiaeque nullo impediente
potiri videt, taedio verum cum Batauis suis in Belgium revertit (1620)
ansamque prouerbio dedit: /Er gehet durch wie ein Holländer/. I,
75.

Vergl. /Imm. Weberi/ specimen Paroem. historic. Gissae 1718. 4. S.
5-16.

Ita famosa illa vnio... austro blandientium persuasionum grauida cum
equabus Hispaniae ventos vanitatis peperit.

    Der vnirten Trew ging gantz verlorn
    Kroch endlich in ein Jägerhorn:
    Der Jäger blies sie in den Wind
    Das macht das man sie nicht mehr find.  I, 75.

Vergl. /Weller/ Ann. I, S. 125-126.

10. Fama est hoc tempore [1619-1621] Hispanos aureis et argenteis
hastis pugnasse cum Vnionum exercitu in Palatinatu, pluraque tam auro
quàm ferro administrata esse: Vnde tum prouerbium ortum: /Hispanicos
dublones/ (_Dublonen_) /facere duplices nebulones/. I, 75.

11. /Das dich der Limbach schlage./

Paulo ante hanc pugnam (ad Lanam fluvium ann. 1625) Tillius Nienburgum
quoque obsidere tentarat, vbi autem infelicem successum habuit;
fortiter illam vrbem defendente strenuo gubernatore /Limbachio/...
cujusque virtus etiam apud hostes admirationem habuit. Nam recedentes
Nienburgo Caesariani, maledicentes alicui familiari hoc dicterio sunt
vsi: /Das dich der Limbach schlage/. I, 92.

12. Post proelium Lutteranam [1626] Daniae Rex cum magna suorum parte
Lutterâ vsque Stadam profugere coactus fuit, indèque vulgatum dicterium
ortum:

    /Von Lutter bis hin nach Stade,
    War das nicht eine braue retirade?/ I, 95.

Vgl. /Imm. Weberi/ spec. a. a. O. S. 21-22.

13. Fama est Wallensteinium Consuli Stralsundensi, quem datâ securitate
in castra euocauit, pro imperio iniunxisse, vt urbem dederet, se enim
non prius recessurum, donec voti (er wolte Stralsund sich bemeystern,
wē es auch mit ketten an den Himmel geschlossen were) compos
esset redditus. Ad quae quum Consul mascula verba reponeret, jurasse
Fridlandum: Er Wolte, so bald er Stralsund gewonnen, ihn im Thor
vffhencken lassen: Consulemque appositè regessisse: /Er solte nicht
ehe Hering ruffen, bis er ihn beim Schwantz hette/. I, 98.

14. In obsidione Noviomagēsi Hispani milites è muris feles
suspendebant, addito hoc dicterio: /Alſs dese Katten sollen konnen
spinnen, Sall Graf Mauriz Nimwegen Winnen/. Quae conuiciandi libido
illis malè cessit vrbe Mauritio Nassouio expugnata. I, 98.

15. Inter Gustaui Adolphi anno 1630. Imperium petentis tribunos fuere
/Achatius Tod/ et /Maximilian Teuffel/, unde: /Der König
were mit Teuffel vnd Todt in Teutschland/. I, 108.

16. De vrbe Ingolstadio totius Bavariae munitissimo propognaculo
Maximilian. Bauariae Dux dicere solitus est:

    /München sol mich ernehren:/
    /Zu Ingolstat wil ich mich wehren./

Vergl. /Pistorius/ a. a. O. VI, 545.

17. Ingolstadii in excelsa turri ad D. Mariae reponitur aliquod
tormentum quod die Feige appellant. Quum autem rex Sueciae in
tricennali bello propugnaculum hoc tentaret, globus tormento isto
emissus, ipsum, cui iusidebat, prostravit equum, Vnde prouerbium adhuc
in Bavaria frequens, ipsemet aliquoties Ingolstadij audiui: /Zu
Ingolstat weiset man einem die Feige/. I, 121.

Vergl. /Pistorius/ a. a. O., I, 65.

18. Constantiam suam Landgrauius /Wilhelmus Hassiae/ [in foedere
Heilbrunnensi] illustrem reddidit cuso peculiari nummo hac inscriptione:

    Lieber Land vnd Leute verlohren
    Als einen falschen Eyd geschworen. I, 131.

19. Tempore Wilhelmi II. quum quidam pinnam arboris nauticae (des
Prinzen Flagge) inuerteret ac ima summis mutaret, ortum est prouerbium
in Belgio minore latum: /Die Holänder hengen den Prinzen bey den
Füssen auff/. Quod dictum tamen licentiam exlegem redolet. I, 254.

20. Regula non ficta nequam Moguntia dicta I, 282.

Der üble Ruf der Mainzer (vgl. /Maſsmann/, Eraclius, 431)
geht durch das ganze Mittelalter. Schon /Fredegar/ (cap. 87)
sagt vom Zuge Sigebert’s III. nach Thüringen i. J. 640, wo er von
Rudolf geschlagen wurde: Magaezenses in hoc proelio non fuerunt
/fideles/. Alle Verräther des karolingischen Sagenkreises
(Genelun, Duolo, Reimund u. a.) sind von Mainz gebürtig, nicht minder
/Pilatus/. Daſs die Brücke bei Mainz im Rhein versunken sei, das
sei, sagt die /Kaiserchronik/ im Eingange, gekommen „von der Sünde

    daz die megenzaere
    nie neheinen ir hêrren
    mit ganzen triuwen wonten mite:
    /noch halten si den alten site/.“

Nach Crusius schwäb. Chronik (von Moser; Frankf. 1733, fol. I, S. 601,
b) gab um 1156 der mainzische Erzbischof Arnold denen, welche ihn
vor einem baldigen Aufruhre seiner Bürger warnten, zur Antwort: „Die
Mayntzischen Hunde sind nur gewohnt zu bellen aber nicht zu beiſsen“,
und /Hutten/ sagt 1519 im Vadiscus (ed. Münch I, 167): „Es ist ein
alt Sprichwort: Maintz von anbeginne schalckhafftig“.

Vergl. auch Wartburgkrieg, Nîthart, Ottocar etc. /Imm. Weberi/
Spec. prov. hist. (Paroem. I., Moguntia ab antiquo nequam: Mayntz
ist ein Schalck voll alter List, S. 1-11) Gissae, 1716. 4.;
/Pistorius/ a. a. O., VI, 434; /Guden/, Codex diplom. I,
117; /Leibnitz/, Script. rer. Brunsvic. II, 1137; Hessische
Denkwürdigk. II, 393; Rhein. Antiqu. (1739. 8), 395.

21. Nobilis quidam Germanus interrogatus: Ecquando Germani pacem sint
habituri perpetuam? egregiè respondit: /Wan alle Vhren im Römischen
Reich Zugleich eins schlagen werden/. I, 308.

22. Militum solenne carmen est: /Vnfried in aller Welt: so gelten die
Soldaten das meiste Gelt/. I, 312.

23.

    Seit die Ritterschafft Thurnieren vermeidt,
    Vnd die Priesterschafft im Harnisch reit,
    Vnd Weltliche Mönche Geistliche Pfarr regiren,
    So müssen Wir Land vnd Leut verlieren.
    Et alius dicit: quicquid agit mundus, Monachus
    vult esse secundus. I, 342.

„Es ist kein spil gantz (nach dem Sprichwort) es sey dañ ein Münch oder
Pfaff darbey“ versichert /Seb. Franck/ im Weltbuch 1533. Fol.
CXXVIII, b.

24. Fratres ordinis Teutonici hodie in suis Commendis luxum et otium ut
plurium sequntur. Vnde rythmi:

    Kleider aus Kleider an,
    Eſsen, trincken, schlaffen gahn,
    Ist die arbeit so die Teutschen Herren han. I, 349.

So schon bei /Seb. Franck/ Zeytbuch vnd Geschychtbibel. Ssraſsb.
1531. Fol. III, CXCI, b, und kurz vorher: „Wer ein schön Weib hat, wa
Teutsch Herren sind, ein Metzen korn, vnd ein Hinderthür, der hat ein
jar daran zu essen.“ CXC, b.

„Bey den Teutsch Herren geht die Armut auff Bantoffeln vnd tregt
Sperber auff den händen. Ebendas. CXC, b. -- Vgl. auch /Pistorius/
a. a. O. X, 1029.“

25. Rythmi, quamuis non adeò venusti, rei veritatem tamen exprimentes,
quos de rusticorum querela /Weinheimi/ in Palatinatu legi, hi sunt:

    Der Kaiser wil haben sein Trew vnd Pflicht:
    Der Pastor will haben sein frey Quit;
    Der Edelman spricht ich bin frey;
    Der Jud treibt seine wucherey;
    Der Soldat spricht ich gebe nichts;
    Der Bettelmann spricht ich hab nichts;
    Da spricht der Baur, das muſs Gott walten,
    Muſs ich diese alle erhalten,
    So geb ich mich gedultig darein,
    Vnd wollens also zufriden sein. I, 419.

26. Spinolano-Hispani /Euangelium quintum/ de Cruce et afflictione
adeò acerbe praedicarunt, vt Palatinatus, hortus ille Germaniae, breui
ad sterilitatem fuerit redactus. I, 436.

27. Anno 1462. Cal. Jul. /Friedericus Victoriosus/ (vulgo der böse
Fritz) felicissime hostes fudit am Frohnholtz bey Seckenheym zwischen
Heidelberg vnd Manheim. Zur gedechtnis dieses Siegs seyn diese alte
Teutsche reymen:

    Als ein a mit einem i geziert,
    Vier Huefeisen werden formirt,
    Ein Axt vnd der Apostel zahl,
    Geschah die Schlacht am Neckarthal:
    Do fienge ein iunger Pfältzer
    Ein Bader, ein Laeger und ein Sältzer. I, 441.

28. Ferendum esse Politici consulunt, quod mutari non potest: Man
müsse dem weiter seinen lauff lassen, /vnd gedencken wie die Bürger
zu Calis/ [Calais?], welche das Donnern, wetter-leuchten, vnd
Platz-regen in Gottes nahmen geschehen lassen. II, 22.

„Mər lossən·s gä^{~}h, sâ^{~}g·n d· Leinsweil·r.“ -- /Leinsweiler/
ist ein kleines Dorf in der Nähe von Annweiler. Daselbst soll einmal
ein von der Würde seines Amtes tief durchdrungener Schulze bei einer
kleinen Reise, welche er im Begriffe war anzutreten, den Büttel
beauftragt haben, dem Gemeinderathe zu verkünden: „Wenn es während
seiner Abwesenheit regnen wolle, so sollten sie es gehen lassen.“
Seitdem müssen sie die Begrüſsung dulden: Mər lossən·s gä^{~}h,
sâ^{~}g·n d· Leinsweil·r.

29. Commune est publicissimum prouerbium: /Ein ieder Fürst ist
Kayser in seinem Lande/. Idem me olim docuit D. Conringius in
praelectionibus ad Lampadium. II, 46.

Vergl. /Huld. Eyben/, dissert. de orig. brocard. Ein jeder
ist Kaiser in seinem Land. 1661. 4. /Hillebrand/, deutsche
Rechtsprichwörter, 1858. Nr. 363. /Graf/ und /Dietherr/,
deutsche Rechtssprichw. 1864. S. 487.

30. Germanorum prouerbium et vulgaris versiculus jam Ludouici Bauari
aetate fuit:

    Curia Romana
    Non pascit ovem sine lanâ. II, 75.

31. /Das Cammergericht das Jammergericht./ II, 208.

32. Vulgatum est veriverbium: /Vbel gesprochen ist wol appellirt/.
Ni hoc salutare remedium iura indulsissent, Deus bone! quantis
iniquitatibus, et grauaminibus inferendis fenestra tum in inferioribus
iudiciis aperta fuisset. II, 224.

33.

    Da Demuth weint vnd Hochmut lacht,
    Da ward der Schweitzer Bund gemacht.

Rythmi quos Bernensi armamentario inscriptos legi. II, 237.

Vergl. M. /Stettler/, Annales. Bern, 1627. Fol. I, 29, b.
/Kirchhofer/, schweizer. Sprichw. Zürich, 1824. S. 113.

34. Potentissimus pagus est /Bernensis/, qui ingruente vi
externa, accenso in proximo ad Bernam monte igne, intra spatium 14.
horarum 400000 hominum colligere potest. Vnde apud Bernenses prouerbio
circumfertur: /Berna et Bernenses tantum possunt, quantum Mediolanum
et Mediolanenses/. II, 237.

35. De rege Bohemiae Electorum excellentissimo vulgati rythmi sunt:

    Ich bin der Chürfürsten Oberman,
    Wen man nicht wol eins werden kan,
    Wem ich dan gebe die Stimme mein,
    Das der allein mus Kaiser sein. II, 323.

Vergl. /Pistornis/ a. a. O.: „Böhmen ist der Churfürsten
Obermann.“ I, 365.

36. Wilhelmus iunior Brunsvic. Dux duos habuit filios... /Henrico/
sorte Brunswicensis siue Guelpherbytana, /Erico/ Goettingensis
Ditiones obvenere. Ericus, quum sorte ipsi obtigisset illa portio
(referente Letzneri) fertur hunc rhythmum protulisse: /Das Land
Zwischen Diester und Leine: Das ist es das ich meine./ III, 123.

Vergl. /Pistorius/ a. a. O. VII, 652. A. v. /Colenfeld/,
Zwischen Deister und Leine, im illustr. Familien-Journal 1864, Nr. 46.

37. Henrici Senioris filius /Henricus Junior/ dux Bellicosus ann.
1519. cum Joāne Episcopo Hildesiensi bellum gessit. Joannes ille, à
Caesare Carolo V. proscriptus, in contemptum Imperialis Banni dixisse
fertur: /Acht hin, Acht her, Acht vnd Aber Acht sein Sechszehen./
Excutio banni à Caesare commissa est ducibus Brunsvicensibus Henrico
atque Erico, qui Episcopum in tantas redegerunt angustias, vt ipsi
praeter Vrbem Hildesheim, Peina, Steuerwalt et Marienburg nihil
manserit reliquum: In hoc bello aliquoties arx Peinensis frustra fuit a
Ducibus expugnata, vnde rythmi:

    Peine Ward gemacht so veste,
    Das die Eule blieb im neste. III, 123-124.

Vergl. /Anzeiger/ 1834, 21.



Die schöne Maria.


Die Geschichte mit den Wunderzeichen der schönen Maria zu Regensburg
hat 1519 einiges Aufsehen gemacht. Ihr zu Ehren sollte eine neue Kirche
gebaut werden, die jetzige protestantische Neu-Pfarr-Kirche, deren
Entwurf Michael Ostndorffer[A] im Voraus auf einer noch jetzt im
Nationalmuseum zu München aufbewahrten und zu neuen Abzügen verwandten
Holztafel sorgfältig ausführte. Alte und neue Exemplare besitzt
Herr Graf Hugo von Walderdorff, welcher die Güte hatte, vorstehende
Notizen zu meiner Kenntniſs zu bringen. Die „Contrafactur der Kirchen
zu Regensburg... 1610“ (Ex. in Erlangen und im german. Museum) kann
nicht, wie es geschehen, als spätere Ausgabe bezeichnet werden. Auch
der Text ist ein anderer, in Prosa und offenbar 1610 erst hinzugefügt,
obgleich der Schnitt selbst von Ostndorffer herzurühren scheint. Von
dieser „Contrafactur“ gibt es drei Ausgaben; die eine von Passavant
beschriebene hat den Druckfehler 1516, statt 1519. Den Text druckte
Hormayr im Taschenbuch 1843, S. 176, ab. Auch diese Holztafel besitzt
das Nationalmuseum, und wurden neuere Abzüge davon angefertigt.

Des Naglers Hier. Ell Lied von der schönen Maria kenne ich blos aus
einem undatierten Nachdruck, Folioblatt mit Holzschnitt-Randeinfassung
ohne Bildniſs, welcher die offenbar getreue Orthographie zu meiner
Nr. 1205 (Repert. typogr.) geliefert; und den ich vor zwei Jahren bei
Hrn. Antiquar Butsch in Augsburg gesehen. Derselbe erschien 1610-1619,
wahrscheinlich zum hundertjährigen Gedächtniſs. Graf von Walderdorff
hat einen nach 1747 besorgten Abdruck des Liedes, Folioblatt mit
Kupfer, oft gesehen und selbst in Besitz. Auf diesem Blatte erscheint
unter dem Regensburger Stadtwappen, den Schlüsseln, der heil.
Cassianus; die Andacht zur schönen Maria wurde aber erst nach 1747
in der Cassianskirche erneuert. Der Orignaldruck von 1519 ist bisher
nirgends zum Vorschein gekommen, also wahrscheinlich verloren.

Zu den beiden 1519 entstandenen Gedichten, Nr. 1303 und Nr. 1304
meines Repert. typogr. wäre nichts zu bemerken, als daſs auf beiden
Titeln dieselben Distichen stehen und daſs Nr. 1303 sich auch in der
Regensburger Kreisbibliothek befindet.

Das letzte Gedicht von 1522 ist noch heute in vielen Exemplaren
verbreitet, weil in jenem Jahre das Interesse an der Sache erkaltet,
nicht mehr viele Leser erweckte, der Verbrauch daher schwächer geworden
war. Ich habe es vielfach gesehen; unter Anderem existiert es im
german. Museum, in München, Berlin, bei Hrn. v. Walderdorff u. s. w.
Die Wunderzeichen, wie sie das Gedicht erzählt, gehen von Montag nach
Sebastiani 1521 bis Mittwoch nach Annuntiationis 1522. Vergl. Panzer’s
deutsche Annalen Nr. 1551. Laut der vorhandenen Kirchenrechnung hat es
Paul Kohl gedruckt.

In das Jahr 1519 schlägt ein der Regensburger Kreisbibliothek gehöriges
Folioblatt mit einer Copie der Dürer’schen Maria (mit dem Jesuskinde
auf einem Halbmond stehend) und 40 lateinische Distichen und 12
Hexametern, kein Regensburger Druck, mit dem Titel:

Ad formosam Virginem Mariam | Rastisponae in area Judaeorum expulsorum
gratiose residen | tem et Grandibus miraculis coruscantem | Jacobi
Locher Philomusi | elegia votiva.

Ein Jahrhundert später wird das von Gumpelzhaimer beschriebene Bild der
schönen Maria, ein Folioblatt mit Kupfer, entstanden sein, welches den
Titel führt: „Gründliche Nachricht von der schönen Maria in Regenspurg
u. s. w.“ Demselben sind mit alten Typen Titel und Distichen der Nr.
1303 vorangedruckt.

Ein Kupferstich mit 4 Zeilen erklärenden Textes und der Ueberschrift:
„Wahre Abbildung der so genañten Regenspurgischen Capelle zur schönen
Maria“ in Hochquart, aus dem vorigen Jahrhundert, ist im Besitz des
Grafen von Walderdorff.

Am häufigsten gedruckt wurde das Prosabüchlein, meine Nummern 1339 und
1340, dessen Original-Manuscript Herr v. Walderdorff besitzt. Verfasser
war der 9 Jahre später zum Feuertod verurtheilte Dr. Balthasar Hubmör.
Zu den von mir beschriebenen zwei Ausgaben kommen noch zwei andere
hinzu, die ich hier zum Schluſs aufführen will:

In disem biechlin sind begriffen, die | wunderbarlichen zaichen
beschen zu Regenspurg zu der | schönen Maria der muetter gottes.
| (Holzschnitt) | Regenspurg. /Am Schlusse/: Ist allhye | zu
Regenspurg gewest, auff montag nach Michaelis. Lob sey got, | vnd der
schönen Marie.

o. J. (1520). 12 Bl. 4. (letztes leer). Die 4. Titelzeile im
Holzschnitt. -- Im Besitz des Hrn. Grafen Hugo von Walderdorff.

In dysem buchlein seindt begrif | fen die wunderbarlichen zaychen,
beschehen zu Regen- | purg zu der schönen Maria der mutter gottes. |
(Holzschnitt) | Regenspurg.

o. J. (1520). 48 Bl. 4. -- In Regensburg (wo nur 11 Bl. vorhanden).

Meine Nr. 1339 ist demnach nicht in Regensburg.

    /Emil Weller./


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Wenn Passavant T. III, p. 304 und 315, das Blatt
dem Altdorfer zuschreibt, so ist dies ein Märchen, das auf einer
Tintenfälschung des Monogramms bei dem Exemplar der Albertinischen
Sammlung in Wien beruht, wo indeſs das Ostndorffer’sche Zeichen trotz
der Correctur noch deutlich erkennbar ist.]



Wann kamen die Wörter „Soldat“ und „Princessin“ in den deutschen
Sprachgebrauch?


Ich weiſs zwar nicht, ob das Wort „Soldat“ nicht schon früher in der
deutschen Sprache eingebürgert war; aber mir begegnete es in der
Bedeutung, wie es etwa jetzt verstanden wird, zum ersten Male im Jahre
1551. Damals wurde das spanische Kriegsvolk, das bisher in Schweinfurt
gelegen, nach Windsheim verlegt. Der dortige Rath ersuchte die Stadt
Nürnberg, ihm Jemand zu schicken, der der spanischen Sprache kundig
wäre, wo möglich, den Michel Stresenreuter. Darauf antwortete Nürnberg
unterm 7. März, Stresenreuter sei nie in der Stadt Nürnberg Diener,
wohl aber „vnser Soldaten einer“ gewesen. Vor zwei Jahren habe er
seinen Abschied genommen, und jetzt halte er sich in der Gegend von
Weiſsenburg auf. Dagegen könne man Windsheim den Hanns Kleindienst
überlassen, der auch der spanischen Sprache kundig und mit dem
Kriegsvolk und seinen Obersten wohl bekannt sei.

Dasselbe dürfte mit dem Worte „Princessin“ der Fall sein. Es ist mir
nie vorgekommen, daſs die Töchter deutscher Fürsten vor der Mitte des
16. Jahrhunderts mit diesem Worte bezeichnet wurden. Zum ersten Male
fand ich es in einem Schreiben des Raths zu Nürnberg an seinen Syndicus
Dr. Christoph Gugel, der im März 1550 wegen Erwerbung des Schlosses
Hartenstein an den churfürstlichen Hof zu Heidelberg abgesendet worden
und den Auftrag erhalten, behufs Beschleunigung dieses Geschäftes die
„Princessin“ mit 500 oder 1000 fl. zu verehren.

„Soldat“[A] und „Princessin“ haben sich meiner Ansicht nach unter Carl
V. und Ferdinand I. aus dem Spanischen in’s Deutsche eingebürgert, --
jedoch Alles salvo meliori.

    /Nürnberg./        /Baader./


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Vgl. Du Cange, glossarium etc., ed. Henschel, tom. VI, p.
288b.]



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                      1866.    Nº 4.    April.



Chronik des germanischen Museums.


Zu unserer innigsten Freude sind wir auch diesmal in der angenehmen
Lage, unsern Monatsbericht mit einer Reihe der erfreulichsten
Nachrichten zu eröffnen.

Selbst jenseits der dermaligen Grenzen unseres Vaterlandes, an die
wir uns übrigens mit unseren der Erforschung und Veranschaulichung
/germanischer/ Vorzeit, /germanischer/ Sitte und Gebräuche
gewidmeten Sammlungen und Arbeiten unserer Anstalt ohnehin nicht
binden können, der Unterstützung gewürdigt zu werden, ist für unser
nationales Werk gewiſs ein höchst ehrenvolles Zeugniſs. Es wird
deshalb allen unsern Gönnern und Freunden in hohem Grade erfreulich
sein, heute zunächst zu hören, daſs der von des höchstseligen Königs
der Belgier, Königs Leopold’s I. Majestät dem germanischen Museum als
Schriftenabonnement seit Jahren gewährte Zuschuſs von jährlich 50
Franken, von dessen königlichem Nachfolger, /König Leopold’s/ II.
Majestät unserm Institute auch für die Zukunft in huldvollster Weise
belassen worden ist.

Nächstdem haben wir unserer neulichen Mittheilung bez. der vom
Stadtrathe zu Leipzig zum Zwecke des Ankaufes der freiherrl. v.
Aufseſsischen Sammlungen uns gewordenen reichen Beihülfe heute die
angenehme Nachricht folgen zu lassen, daſs zu eben gedachtem Zwecke
auch von /Dresden/ aus, der /Geburtsstätte des germanischen
Museums/ -- denn dort gelangte am 17. August 1852 in der unter
Vorsitz Seiner Majestät des jetzt regierenden Königs Johann von Sachsen
tagenden Versammlung deutscher Geschichts- und Alterthumsforscher, die
von Seite des Freiherrn Hans v. u. z. Aufseſs Jahre lang unablässig
verfolgte Idee der Gründung eines deutschen Nationalmuseums zu ihrer
Verwirklichung -- ein gleicher Beitrag uns zugeflossen ist, indem
der Rath genannter kgl. Residenz- und Hauptstadt, in erfreulichstem
Einverständnisse mit dem Collegium der dasigen Stadtverordneten,
zur Minderung der unserer Anstalt durch den Ankauf jener Sammlungen
erwachsenen Schuld die Summe von /200/ fl. in wohlgeneigtester
Weise und unter der ermuthigenden Zusage uns zur Verfügung gestellt
hat, auch in Zukunft gern jede Gelegenheit ergreifen zu wollen, die
patriotischen Zwecke unserer Anstalt nach Kräften fördern zu helfen.

Möge das von den Städten /Dresden/, /Leipzig/ und
/Heilbronn/, die zum Ankaufe der freiherrl. v. Aufseſsischen
Sammlungen zusammen die Summe von /500/ fl. beisteuerten, gegebene
Beispiel patriotischer Liberalität und deutschen Gemeinsinnes Seitens
anderer Gemeindevertretungen des Vaterlandes durch recht vielfache
Nachahmung die verdiente, die gebührende Anerkennung finden, dann wird
die Schuld, deren Minderung eine Sache der Pietät für uns und deren
Abtragung eine Ehrensache für die deutsche Nation ist, bald gänzlich
ihre gewünschte Bereinigung gefunden haben.

Und wie von Dresdens Rath und Bürgerschaft in vorgedachter Beziehung
uns treffliche Unterstützung geworden ist, so hat in dieser lieben
Stadt auch eine andere, in diesem Blatte schon mehrfach zur Sprache
gekommene Angelegenheit neuerdings wieder anerkennenswertheste
Förderung gefunden, nämlich die von unserm 1. Sekretär, Dr.
/Erbstein/, der nationalen Anstalt zugedachte unentgeltliche
Ueberweisung der von ihm s. Z. dahier erstandenen Sammlung von Modellen
ehemals reichsstädtisch nürnbergischer Kriegswerkszeuge. Wie wir sehr
dankbar erkennen, ist dem Ankaufe dieser in mehrfacher Beziehung
interessanten Collection zum ehrenden Gedächtniſs des verstorbenen,
durch seine kunsthistorischen Sammlungen in weiten Kreisen bekannten
und auch um unser nationales Institut verdienten kgl. preuſs.
Generalmajors /Freiherrn Carl Rolas du Rosey/ von dessen Tochter
Freifräulein /Clara Rolas du Rosey/ in Dresden der Betrag von
/110/ fl. gewidmet worden. Möge die neue, reiche Förderung, die
hiemit einem zur Ausschmückung unseres nationalen Werkes begonnenen
Unternehmen sich zugewendet, demselben noch weitere Betheiligung
zuführen und somit die Hoffnung und der Wunsch, die Seitens des
Deponenten jener Sammlung an deren Uebertragung in die Hallen unseres
Nationalmuseums geknüpft wurden, in vollstem Maſse sich verwirklichen.

Bezüglich einer andern sehr erfreulichen Nachricht, die vom
Vorsitzenden des unseren freundlichen Lesern bereits rühmlichst
bekannten Mannheimer Hülfsvereins unseres Institutes, dem um unsere
Anstalt schon hochverdienten und mit seltenem Glücke für uns wirkenden
Herrn Prof. Dr. C. B. A. /Fickler/, uns neuerdings geworden ist,
behalten wir uns vor, unseren Gönnern und Freunden in unserm nächsten
Monatsberichte Mittheilung zu machen.

Von unseren Sammlungen hatten sich im letzten Monate hervorragender
Zugänge die /Bibliothek/ und das /Antiquarium/ zu erfreuen. Ersterer
giengen als Geschenk Sr. Excellenz des Herrn Generallieutenants
Freiherrn /Seutter v. Lötzen/, Gouverneurs der deutschen Bundesfestung
Rastatt, eine bedeutende Anzahl ihr noch fehlender Schriften zu;
letzteres wurde auf Vermittlung des Herrn Rittmeisters v. /Humbert/
in Aschersleben vom dortigen Hrn. Buchbindermeister Dahle mit einer
Anzahl wohlerhaltener, bei dem Dorfe Frohse in Anhalt gefundener Urnen
beschenkt.

Tiefbetrübt hat uns die Nachricht von dem am 18. März d. J. erfolgten
Tode des kgl. pr. Archivrathes Dr. /Lacomblet/ in Düsseldorf, um
so mehr, als der Verstorbene, seit Januar 1859 Mitglied unseres
Gelehrtenausschusses, an der Förderung unseres nationalen Institutes in
wesentlicher Weise Antheil genommen hat.

In Schriftentausch mit uns ist neuerdings getreten:

der /naturwissenschaftliche Verein für Steiermark zu Graz/.

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Waldenburg/ in Sachsen und
zu /Krumbach/ in Bayern.

An neuen Geldbeiträgen brachte der vergangene Monat noch folgende:

Aus =öffentlichen= und =Vereins-Kassen=: Vom Magistrate zu
/Kissingen/ 5 fl.; ferner vom Gewerbevereine zu /Kirchheim/
a. T. 1 fl. 45 kr., und als Reinertrag einer vom Herrn Stadtverordneten
G. L. Göldner, Pfleger unseres Institutes für /Laucha/ (Preuſsen),
veranstalteten Abendunterhaltung 15 fl.

Von =Privaten=: /Elbogen/: R. Aichhorn, pens. k. k.
Postoffizial, 1 fl. 10 kr., Franz Heisinger, Professor, 2 fl. 20 kr.,
Ferdinand Schwaab, k. k. Steuereinnehmer, 1 fl. 10 kr., Dr. jur.
Heinr. Stradal 2 fl. 20 kr., Job. Tuzina, Professor, 1 fl. 10 kr.;
/Freiberg:/ Robert Friedrich Hirt, Fabrikbesitzer, 1 fl. 45
kr.; /Freudenstadt/ (Württemberg): Dr. med. Wiedersheim 1 fl.;
/Germersheim:/ Stadtvikar Heman 1 fl., Kitzing, k. Major, 1 fl. 45
kr., Pfarrer Maurer in Bellheim 1 fl. 45 kr., Bezirksarzt Dr. Schmauſs
1 fl. 45 kr.; /Kissingen:/ J. Bergmann, Kaufmann, 1 fl., Dr. K.
Boxberger, prakt. Arzt, 1 fl., Ph. Heuſslein Freiherr von Euſsenheim
3 fl., Oberstaatsanwalt Wagner in Lörrach, 2 fl.; /Mindelheim/
(Bayern): v. Ammon, k. Landrichter, 1 fl., Karl Rosenberg, k. Notar, 1
fl.; /Naila:/ Friedrich Borger, Fabrikant, 1 fl. 12 kr., Ludwig
Borger, Fabrikant, 1 fl 12 kr., Phil. Dittmar, Hammergutsbesitzer, in
Oberklingensporn 1 fl. 12 kr., Eichenmüller, k. Landgerichts-Assessor,
1 fl. 10 kr., Gustav Lintl, k. Bezirks-Amtmann, 1 fl. 12 kr., Pinkas
Skutsch, Notar, 1 fl. 12 kr., Sondermann, k. Landrichter, 1 fl. 10 kr.,
Ottm. Thiroff, Kaufmann, in Culmitz, 1 fl. 12 kr.; /Nürnberg:/
Gg. Möſsel, Akademiker, 1 fl, K. Gilbert Wheeler, Consul d. V. St. v.
Nordamerika, 1 fl.; /Osnabrück:/ Dr. phil. Esch 1 fl. lO kr.;
/Pesth:/ Friedr. Kirchhof, Gastwirth, 1 fl. 10 kr., Joh. Temple,
Ingenieur und Strecken-Chef der k. k. privil. Staatsbahn-Gesellschaft
in Waitzen, 1 fl. 10 kr.; /Ulm:/ Rechts-Consulent Dietrich 1 fl.,
Jos. Steiner, Fabrikant in Laupheim, 1 fl.; /Waldmohr/ (Pfalz):
Friedr. Butenschön, k. Gerichtsschreiber, 1 fl., Friedr. Cuny, k.
Notar, 1 fl. 45 kr., Jakob Eberhard, k. Gerichtsvollzieher, 1 fl.,
Karl Kampf, kgl. Landrichter, 1 fl., Eduard Ney, Reviergehilfe, 1
fl., Ritter, Rechts-Candidat, in Hochspeyer 1 fl., Friedr. Scherer,
Bürgermeister, 1 fl., Christian Schlemmer, Gastwirth, 1 fl.;
/Zwenkau/ (Sachsen): C. B. Schaarschmidt, Commissär zu Rittergut
Imnitz und Kötzchbar 3 fl. 30 kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir
hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


I. Für das Archiv.

=Dr. Mooren=, Pastor, in Wachtendonk:

    3336. Akten über die Einführung der Augsburger Confession in
    Dortmund. Anfang des 17. Jahrhunderts. Pap.

=J. Liebermann=, Restaurateur, in Nürnberg:

    3337. Copie eines Schreibens des Markgrafen Georg Albrecht von
    Brandenburg an den Bischof von Bamberg, eine Zehentsache der Imhof
    zu Nürnberg betr. 1661. Pap.


II. Für die Bibliothek.

=Anton Kutschera= in Weitz (Steiermark):

    19,173. Ders., Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; 3 Bogen. 8.

=Anton Emmert= in Riva:

    19,174. Il Commercio di Riva antico e moderno. 1844. 8.

=Antiquarisch-historischer Verein für Nahe und Hunsrücken= in
Kreuznach:

    19,175. Ders., sechster Bericht. 1865. 2. Nebst: Vierter Bericht
    über die Sammlung des Vereins. 1861. 4.

=J. J. Trost=, k. k. akadem. Rath, Professor und Bibliothekar, in
Wien:

    19,176. Ders., Proportionslehre, mit einem Kanon der Längen-,
    Breiten-, und Profilmaase aller Theile des menschlichen Körpers.
    1866. 4.

=Jos. Ant. Finsterlin=, Buchhandl., in München:

    19,177. Bayerischer National Kalender f. d. J. 1865, 1866. 4.

=Schweighauser=’sche Verlagsbandl. in Basel:

    19,178. Stockmeyer u. Reber, Beiträge zur Basler
    Buchdruckergeschichte. 1840. 4.

=Franckh=’sche Verlagshandlung in Stuttgart:

    19,179. Hagen, zur politischen Geschichte Deutschlands. 1842. 8.

    19,180. Ders., Fragen der Zeit. 2 Bde. 1845. 8.

    19,181. Scherr, allgem. Geschichte der Literatur; 2. Aufl. 1861. 8.

    19,182. Flegler u. Rückert, allgem. Weltgeschichte. 8.

=Franzen & Grosse=, Buchhandl., in Stendal:

    19,183. Götze, Geschichte des Gymnasiums zu Stendal. 1865. 8.

=Ed. Schmid=, Pfarrer, in Pfiffelbach b. Apolda:

    19,184. Bote des Gustav-Adolf-Vereins aus Thüringen. 18. Jhrg.
    1865. 8.

=Dr. Wilh. Stricker= in Frankfurt a. M.:

    19,185. Ders., d. deutsch-wälsche Sprachgrenze in der Schweiz und
    Italien vor 300 Jahren. 8.

    19,186. Ders., zwei ungedruckte Briefe Göthe’s. 8.

=Comité der Tiedge-Stiftung= in Dresden:

    19,187. Ders., Mittheilung über die Tiedge-Stiftung. 1865. 4.

=K. Gesellschaft der Wissenschaften= in Göttingen:

    19,188. Dies., Göttingische gelehrte Anzeigen; 1865, Bd. I. u. II.
    1865. 8.

    19,189. Dies., Nachrichten von der k. Gesellschaft der
    Wissenschaften und d. Georg-Augusts-Universität aus d. J. 1865. 8.

=Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde= in Leiden:

    19,190. Dies., Handelingen en Mededeelingen. 1865. 8.

    19,191. Dies., Levensberichten der afgestorvene Medeleden; 1865. 8.

=Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften= in Görlitz:

    19,192. Dies., neues Lausitzisches Magazin; 42. Bd. 1865. 8.

    19,193. Dies., dem Herrn Karl Wilh. Dornick etc. 1865. 4.

    19,194. Dies., dem Rector u. Lehrer-Collegium des Gymnasiums zu
    Görlitz. 1865. gr. 2.

=Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und
Landeskunde= in Brünn:

    19,195. Dies., Mittheilungen etc. 1865. 4.

=Statistisches Bureau des k. sächs. Ministeriums des Innern= in
Dresden:

    19,196. Dass., Zeitschrift etc., 11. Jhrg. 1865. 4.

=K. Universität= zu Greifswald:

    19,197. Dies., index scholarum etc. 1866. 4.

    19,198. Dies., Verzeichniſs der Vorlesungen etc. 1866. 4.

=Dr. Heinr. Schreiber=, Professor, in Freiburg:

    19,199. Ders., der deutsche Bauernkrieg; 3 Thle. 1863-66. 8.

    19,200. Ders., zur Geschichte der Baukunst u. Baumeister in
    Freiburg. 1866. 8.

=Dr. Fr. v. Kobell=, Universitäts-Professor, in München:

    19,201. Ders., zur Charakteristik oberbayerischer und verwandter
    Dialect-Poesie. 1866. 8.

=Dr. K. Back=, geh. Regierungsrath, in Altenburg:

    19,202. Ders., fliegende Blätter; XXIII-XXVII. 8.

    19,203. Xenophontis gnomologiae etc. 1558. kl. 8.

=Dr. H. C. von der Gabelentz=, w. geh. Rath u. Staatsminister a.
D., in Altenburg:

    19,204. Ders., die ausgestorbenen Adelsfamilien des Osterlandes. 8.
    Sonderabdr.

=Geschichts- u. Alterthumsforschende Gesellschaft des Osterlandes=
in Altenburg:

    19,205. Dies., Mittheilungen etc. VI, 3. u. 4. Heft. 1865. 8.

=Société des bibliothèques oommunales du Haut-Rhin= in Colmar:

    19,206. Dies., II. séance de la 2de. année; I. séance de la 3me.
    année. 1865. 1866. 8.

=Dr. v. Falkenstein=, k. sächs. Staatsminister, Excellenz, in
Dresden:

    19,207. Archiv für die sächs. Geschichte, herausg. v. K. v. Weber.
    4. Band. 1865. 8.

=K. b. Akademie der Wissenschaften= in München:

    19,208. Dies., Sitzungsberichte; 1865, II. Heft 3 u. 4. 1865. 8.

=Dr. A. Birlinger= in München:

    19,209. Ders., alemannisches Büchlein von guter Speise. (1865.) 8.
    Sonderabzug.

=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

    19,210. Ders., das Princip d. Vorkragung u. d. verschied.
    Anwendungen u. Formen in d. mittelalterl. Baukunst. 1861. 4.
    Sonderabdr.

    19,211. Ders., d. innere Ausschmückung der Kirche Groſs-St.-Martin
    in Köln. 1866. 8.

    19,212. Sulzer, Octavius L. L. Trophimvs V̅I̅ vir sibi et secvndae
    vxori etc. 1861. 8. Sonderabdr.

    19,213. Didron, société d’Arundel pour la propagation des oeuvres
    d’art. 4.

=Museum Francisco-Carolinum= in Linz:

    19,214. Dass., 25. Bericht etc. 1865. 8.

=Dr. H. K. Brandes=, Gymnasial-Professor u. Rektor, in Lemgo:

    19,215. Ders., d. Heiligen u. d. Teufel mit Himmel u. Hölle in den
    geogr. Namen. 1866. 4. Progr.

=Dr. Sachse=, Oberlehrer, in Berlin:

    19,216. Ders., über Johannes den Täufer im Mittelalter. 1866. 8.

=Aug. Hopfer=, Buchhandl., in Burg:

    19,217. Frick, e. Hof-Pfalz-Grafen-Diplom Joh. Rists. 1866. 4.
    Progr.

=H. J. Kämmel=, Direktor u. Professor des Gymnasiums u. der
Realschule in Zittau:

    19,218. Michael, de sequentia mediae aetatis Dies irae, dies illa
    dissertatio. 1866. 4. Progr.

    19,219. Brösing, Nachrichten üb. d. allgem. Stadtschule in Zittau.
    1866. 8. Progr.

=Chr. Winter=, Verlagshandlung, in Frankfurt a/M.:

    19,220. Simrock, d. deutschen Volksbücher; 12. Bd. 1865. 8.

=Constantin Ziemſsen=, Verlagshandl., in Danzig:

    19,221. Mannhardt, Roggenwolf u. Roggenhund; 2. verm. Aufl. 1866. 8.

=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:

    19,222. Hinrichs’ fünfjähriger Bücher-Catalog; III. Bd. 1866. 8.

=Historisch-antiquar. Verein des Kantons Schaffhausen= in
Schaffhausen:

    19,223. Ders., Beiträge zur vaterländ. Geschichte; II. H. 1866. 8.

=Naturwissenschaftlicher Verein für Steiermark= in Graz:

    19,224. Ders., Mittheilungen; I.-III. Heft. 1863-65. 8.

=Magyar Tudományos Akadémia= in Pest:

    19,225. Hunfalvy, a magyar birodalom természeti viszonyainak
    leirása; III. köt. 1865. 8.

=Verlag der Frauenzeitung= in Stuttgart:

    19,226. Kirchenschmuck etc.; XIX. Bd. 1. Heft. 8.

=Wilh. Hertz=, Verlagshandl., in Berlin:

    19,227. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter;
    2. Aufl. 1866. 8.

=Historischer Verein für das wirtembergische Franken= in Weinsberg:

    19,228. Ders., Zeitschrift; VII. 1. 1865. 8.

=K. Universitäts-Bibliothek= zu Göttingen:

    19,229. Die Accessionen der k. Universitäts-Bibliothek in
    Göttingen, 1854 u. 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63 u. 64. 8.

=Dr. L. A. Warnkönig=, geh. Hofrath, in Stuttgart:

    19,230. Séances et travaux de l’académie des sciences morales et
    politiques; 23. et 24. année, t. 67-74. 1864-65. 8.

    19,231. Messager des sciences historiques etc. de Belgique; année
    1864. 8.

    19,232. Zeitschrift f. exakte Philosophie, herausg. v. Allihn u.
    Ziller; Bd. I, 1. 8.

    19,233. Alberdingk Thijm, une fête populaire en Allemagne;
    répresentation du mystère de la passion à Oberammergau. 1860. 8.

    19,234. Die Kirchenfrage in d. württemb. Kammer. 1861. 8.

    19,235. v. Ketteler, soll die Kirche allein rechtlos sein. 2. Aufl.
    1861. 8.

    19,236. Alberdingk Thijm, les fils ainés de l’église. 1861. 8.

    19,237. Die alten und die neuen Stände. 1862. 8.

    19,238. Alberdingk Thijm, Vazon, évêque de Liége, et son temps.
    1862. 8.

    19,239. Bormans, traduction romane d’une homélie et d’une épître de
    St. Grégoire-Le-Grand. 1862. 8.

    19,240. Boyer, le Champ du mensonge, an 833. 1862. 8.

    19,241. Lhoest, le progres au dix-neuvième siecle. 1862. 8.

    19,242. Friedberg, d. Miſsbrauch der geistl. Amtsgewalt. 1863. 8.
    Sonderabdr.

    19,243. Alvin et Chauvin, expositions dex travaux graphiques et
    plastiques exécutés dans les écoles de Bavière, de France et du
    royaume de Wurtemberg. 1863. 8.

    19,244. v. Keller, altdeutsche Handschriften; 1. 2. 1864. 8.

    19,245. Des abus du régime parlamentaire. 2. ed. 1864. 8.

    19,246. Gratama, oratio de juris naturalis hac nostra aetate
    studio. 8.

    19,247. Wauters, sur la carte de la Gaule sous le proconsulat de
    César. 8.

=Direktion des Gymnasiums= in Donaueschingen:

    19,248. Programm des gr. Gymnasiums in Donaueschingen. 1865. 8.

    19,249. Rapp, d. Helvetier im J. 58 v. Chr. 1865. 8.

=Verein für Landeskunde von Nieder-Oesterreich= in Wien:

    19,250. Ders., Blätter etc. 1865, I. Jhrg. Nr. 1.-6. 8.

=Freiherr v. Seutter=, Generallieutenant, Gouverneur der deutschen
Bundesfestung Rastatt:

    19,251. Publication der Röm. Key. May. zwischen der Oberkeit und
    den Kirchendienern Augsp. Conf. in der Stadt Augsburg. 1586. 4.

    19,252. Müller, Augspurgische Händel so sich daselbsten wegen der
    Religion... zugetragen. 1586. 4.

    19,253. Müller, Send- und Trostbrieff an seine liebe Landtsleut
    etc. 1583. 4.

    19,254. Der Herren Pfleger vnd Geheimen Räth des h. Reichsstatt
    Augspurg warhaffter gegenbericht etc. 1587. 4.

    19,255. Gegründte christl. Antwort der jetzig. Evangel. Predicanten
    in d. Statt Augspurg etc. 1586. 4.

    19,256. Frick, templum parochiae Ulmensium, Ulmisches Münster etc.
    1731. 4.

    19,257. Schelhorn, kurtze Reformations-Historie d. k. fr.
    Reichs-Stadt Memmingen. 1730. 8.

    19,258. Georgii, Nachricht v. d. Stadt u. d. Marggrafthum Ansbach.
    1732. 4.

    19,259. Riccius, zuverläſsiger Entwurff v. d. landsäſsigen Adel in
    Deutschland. 1735. 4.

    19,260. Stieber, histor. u. topogr. Nachricht v. d. Fürstenthum
    Brandenburg-Onolzbach. 1761. 8.

    19,261. Loy, geist- und weltliche Geschichte der des h. röm. Reichs
    freyen Stadt Leutkirch. 1786. 8.

    19,262. Fischer, statist. u. topogr. Beschreibung des Burggraftums
    Nürnberg u. d. G. etc. 2 Thle. 1787. 8.

    19,263. Leben u. Charaktere berühmter und edler im J. 1790
    verstorbener Männer. 1792. 8.

    19,264. Will, Geschichte u. Beschreibung d. Nürnb. Landstadt
    Altdorf. 1796. 8.

    19,265. Briefe über Ansbach. 1797. 8.

    19,266. Burger, histor.-statist.-topogr. Beschreibung des Dorfes
    Überkingen. 1809. 8.

    19,267. Mayer, des Hieron. Osorius Abhandlung über den Adel im
    Staate. 1828. 8.

    19,268. Fleischner, d. Reiche-Versammlung zu Augsburg etc. 1830. 8.

    19,269. Höck, Geschichte u. Beschreibung der Stadt Baiersdorf und
    der Ruine Scharfeneck. 1834. 8.

    19,270. Grüneisen u. Mauch. Ulm’s Kunstleben im Mittelalter. 1840.
    8.

    19,271. Pfaff, württembergisches Heldenbuch. 1840. 8.

    19,272. Sugenheim, Baierns Kirchen- und Volks-Zustände im 16.
    Jahrhundert. 1842. 8.

    19,273. Heinzen, d. preuſsische Büreaukratie. 1845. 8.

    19,274. Püttmann, Prometheus; I. u. II. 1846. 8.

    19,275. v. Bose, Handbuch d. Geographie, Statistik u. Topographie
    d. Königr. Sachsen. 1847. 8.

    19,276. Eiselein, Geschichte u. Beschreibung der Stadt Konstanz.
    1851. 8.

    19,277. Keim, die Reformation der Reichsstadt Ulm. 1851. 8.

    19,278. Geschichte u. Denkwürdigkeiten d. Stadt Schongau. 1852. 8.

    19,279. Deecke, lübische Geschichten u. Sagen. 1852. 8.

    19,280. Haas, d. Rangau, seine Grafen etc. 1853. 8.

    19,281. de Haxthausen, les forces militaires de la Russie. 1853. 8.

    19,282. Marck, H. Haas’s abenbergische Phantasieen etc. 1853. 8.

    19,283. Steitz, wie beweisen die Jesuiten d. Nothwendigkeit d.
    Ohrenbeichte. 4. Aufl. 1853. 8.

    19,284. Römer-Büchner, die Entwickelung der Stadtverfassung und der
    Bürgervereine der Stadt Frankfurt a. M. 1855. 8.

    19,285. Galle, Katechismus der elektr. Telegraphie. 1855. 8.

    19,286. Die Lage der Protestanten in d. Österreich. Monarchie einst
    und jetzt. 1855. 8.

    19,287. Politisches Rundgemälde od. kl. Chronik d. J. 1854. 1855. 8.

    19,288. Quellen und Erörterungen d. bayer. u. deutschen Geschichte.
    1. Bnd. 1856. 8.

    19,289. Märcker, d. Stamm-Mütter d. deutschen
    Herrscher-Geschlechter v. Geblüte der Hohenzollern. 1856. 4.

    19,290. Ordnung der Feierlichkeiten bei der am 20. Sept. 1856 zu
    Berlin stattfindenden Vermählung I. K. H. Luise Marie Elisabeth
    Prinzessin von Preuſsen etc. 2.

    19,291. Voigt, Hermann von Salza etc. 1856. 8.

    19,292. Moſsdorff, Programm der höhern Töchterschule in Karlsruhe.
    1857. 8.

    19,293. Schick, Führer durch Bad Homburg. 2. Aufl. 1857. 8.

    19,924. Lochner, die Einwohnerzahl der ehemal. Reichsstadt
    Nürnberg. 1857. 8.

    19,295. Roth v. Schreckenstein, Herr Walther v. Geroldseck. 1857. 8.

    19,296. Euler, des Canonicus Baldemar v. Peterweil Beschreibung der
    kais. Stadt Frankfurt a. M. 1858. 8.

    19,297. Die Despoten als Revolutionäre. 1859. 8.

    19,298. Der Oberfeldherr des deutschen Bundes. 1859. 8.

    19,299. Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst; 1. u. 2. Bd.
    1860-62. 8.

    19,300. Des intérêts Européens en Italie. 1860. 8.

    19,301. Mittheilungen an d. Mitglieder des Vereins für Geschichte
    und Alterthumskunde in Frankfurt a. M.; I, 2-4. 1858-60. 8.

    19,302. Necesssité d’une place forte fédérale pour la défense de la
    Suisse. 1860. 8.

    19,303. Das Breslauer Rendezvous. 1860. 8.

    19,304. Flugblätter des deutschen Nationalvereins; III. 1861. 8.

    19,305. Garnier, Tagebuch a. d. Belagerung von Gaëta. 1861. 8.

    19,306. Das preuſsische Heer. 3. Aufl. 1861. 8.

    19,307. Kärcher, die Straferkenntniſs; II. Bd., 2. u. 3. Abth.
    1861-62. 8.

    19,308. Kein preuſsisches Kleindeutschland! 1861. 8.

    19,309. Maier, d. Kampf zwischen der deutschen Fremden-Legion u.
    den Garibaldianern. 1861. 8.

    19,310. Der wahre deutsche National-Verein. 1861. 8.

    19,311. Die Überlegenheit der französ. Waffen etc. 1861. 8.

    19,312. Was uns nicht retten kann. 1861. 8.

    19,313. Andeutung für Hebung der Pferdezucht. 1862. 8.

    19,314. Aresin, der Besitz Venetiens. 1862. 8.

    19,315. Gockel, die Gelehrtenschule gegenüber den Forderungen der
    Zeit. 1862. 8.

    19,316. Über Heerbildung. 1862. 8.

    19,317. Kelchner, drei Frankfurter Schützenfeste. 1862. 8.

    19,318. Groſsherzogl. Lyceum zu Rastatt; 1862-64. 8. Progr.

    19,319. Oesterreichs und Preuſsens Mediatisierung. 1862. 8.

    19,320. Schlegel, die neuere Romantik etc. I. u. II, 1. 2. 1862-64.
    8.

    19,321. Rom und die legitimen Fürsten Italiens. 1862. 8.

    19,322. v. Varchmin, die Völkerschlacht bei Leipzig. 1862. 8.

    19,323. Verhandlungen der 17. Jahresversammlung des badischen
    Hauptvereins der evangel. Gustav-Adolf-Stiftung. 1861. 8. 2 Ex.

    19,324. Böhringer, über die Wolken des Aristophanes. 1863. 8.

    19,325. Deutscher Bundes-Militär-Almanach. 1863. 8.

    19,326. Hauser, Studien zu einer wissensch. Syntax der lateinischen
    Sprache; I. Th. 1864. 8.

    19,327. v. Andlaw, d. badischen Wirren. 1865. 8.

    19,328. Cöllen, Reisen und Dichtungen; 1865. 8.

    19,329. Ditz, Geschichte der Vereinödung im Hochstift Kempten.
    1865. 8.

    19,330. 29. u. 30. combinirter Jahres-Bericht des histor.
    Kreis-Vereins im Regierungsbezirk v. Schwaben u. Neuburg. 1865. 8.

    19,331. Seldner, Lüttich, die zweite burgundische Dynastie und die
    Markgrafen Karl und Markus v. Baden, 1455-68. 1865. 8.

    19,332. Die neue Aera in Baden. 1866. 8.

    19,333. Fürer’sches Stammbuch; 1739-41. Hs. qu. 8.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Dr. K. Back=, geh. Regierungsrath, in Altenburg:

    5024. 4 Porträts in Kupferstich und Steindruck.

    5025. 4 Landschaften in Stahlstich und Steindruck.

    5026. Kupferner Fingerring mit kabbalistischen Inschriften.

    5027. Gypsabguſs einer Medaille auf Friedrich II. von Preuſsen, von
    Loos.

=Magistrat= der Stadt Reichenberg:

    5028. Lackabdruck des Magistratssiegels der Stadt Reichenberg.

=G. H. Flinzberg=, Seifensieder, in Koburg:

    5029. Bleimedaille auf Grundsteinlegung der Kirche zu Morizburg,
    1661.

=Lutz=, Hafnermeister, in Nürnberg:

    5030. Ausgegrab. Hufeisen und Steigbügel.

    5031. Bruchstücke einer verzierten Fuſsplatte und einer Steinfigur
    vom 18. Jahrh.

=Jos. Proron=, Pfarrer, in Neutitschein:

    5032. Acht Abdrücke in Gyps und Siegellack von Siegeln der Stadt
    Neutitschein des Bisthums Olmütz u. s. w.

=Orth=, Kaufmann und Magistratsrath, in Nürnberg:

    5033. Silbermünze der Abtei St. Gallen von 1774.

=Dr. A. Heidenschreider=, prakt. Arzt, in Herrieden:

    5034. Tabelle Über Morbilität, Mortalität und Meteorologie, von
    demselben. Farbendruck.

=Hammer=, Oekonom, in Heroldsberg:

    5035. Abbildung verschiedener Geschütze, Kupferstich von 1618.



Chronik der historischen Vereine.


/Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und
Erhaltung der Baudenkmale./ Herausgegeben unter der Leitung Seiner
Excellenz des Präsidenten der k. k. Central-Commission Joseph Alexander
Freiherrn von Helfert. Redakteur: Anton Ritter v. Perger. -- 11. Jahrg.
Januar-Februar. Wien, 1866. 4.

Die Holzkirchen im Bisthume Szathmár. I. Historischer Theil. Von
Bischof Dr. Fr. Haas. (Mit 3 Holzschnitten.) II. Architektonische
Bemerkungen. Von Franz Schulcz. (Mit 1 Tafel und 25 Holzschnitten.) --
Notizen zur älteren Baugeschichte der Stiftskirche und des Klosters
zu Lambach. Von Pius Schmieder. (Mit 12 Holzschnitten.) -- Das
goldene Psalterium der k. k. Hofbibliothek. Von Jos. Haupt. (Mit 3
Holzschnitten.) -- Kleinere Beiträge: Das Rathhaus in Bremen. Von H.
A. Müller. (Mit 1 Holzschnitt.) -- Die Madonna Hans Holbein’s d. J.
in der Gallerie zu Dresden. Von Dr. v. Hoffinger. -- Die vollendete
Restauration des Verduner Altars zu Klosterneuburg. -- Besprechungen.
-- Correspondenzen: Lambach. Grabfund zu Wolfirsch, Bezirksamt
Datschitz in Mähren. -- Aus Tyrol.

/Blätter für Landeskunde von Nieder-Oesterreich./ Herausgegeben
vom /Vereine für Landeskunde von Nieder-Oesterreich in Wien/. I.
Jahrg. 1865. Nr. 1-6. Wien. 8.

Sitten, Bräuche und Meinungen des Volkes in Nieder-Oesterreich.
Gesammelt und mitgetheilt von Johann Wurth. -- Die Bevölkerung von
Wien. Von G. A. Schimmer. -- Zur Baugeschichte des Rathhauses der Stadt
Wien. (K. Weiſs.) -- Proben eines Wörterbuches der österreichischen
Volkssprache von Hugo Mareta. -- Kleinere Mittheilungen. --
Vereinsnachrichten.

/Fünfundzwanzigster Bericht über das Museum Francisco-Carolinum./
Nebst der zwanzigsten Lieferung der /Beiträge zur Landeskunde von
Oesterreich ob der Ens/. Linz, 1865. 8.

Jahresbericht. -- Bertholt Preuhaven, der berühmte
Deutschordens-Comthur, ein Oberösterreicher aus Steyr. Von Jodok Stülz.
-- Archäologische Nachlese. Von Joseph Gaisberger. II. 1. Fundorte
im Kreise Ried, von Süden nach Norden. -- Museal-Notizen. Von A. F.
Ritter von Schwabenau. I. Münzen der Stadt Linz. II. Denkmünze aus der
Zeit der Bauernunruhen in Oesterreich ob der Ens. III. Die Familie der
Grafen Waffenberg, dem Lande Oesterreich ob der Ens angehörig. -- IV.
Die im Museum Francisco-Carolinum vorhandenen oberösterreichischen
Taiding- und Statutar-Bücher.

/Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu
München./ 1865. II. Heft III. IV. München, 1865. 8.

Miscellen aus den Handschriften der Münchener Hof- und
Staats-Bibliothek: I. Eine Encyclica aus dem 9. Jahrhundert. II. Ein
Tractat über das heilige Land und den dritten Kreuzzug. (Thomas.) --
Ein alemannisches Büchlein von guter Speise. (Birlinger.) -- Ueber
einen französischen Text zur Geschichte der Herzogin Jakobäa. (C.
Hofmann.) -- Altfranzösische Pastourelle aus der Berner Handschrift Nr.
389. (Ders.)

/Zeitschrift des Historischen Vereins für das wirtembergische
Franken./ Siebenten Bandes erstes Heft. 1865. Mit zwei Lithografien.
Weinsberg. 8.

Die älteren Verbindungen des württemb. Frankens mit dem
Württembergischen Fürstenhause. Von H. Bauer. -- Lichtel und die Herren
von Lihenthal. Von dems. -- Das Gaunerwesen in den 1570ger Jahren. Von
D. Mayer. -- Das Rittergut Bodenhof. Von H. Bauer. Fränkische Herren
bei König Rudolf in Oesterreich. Von dems. -- Die Zehen. Von dems. --
Tilly in Franken. Von D. Mayer. -- Der Hohenstaufen und die Schenken
von Limburg. Von H. Bauer. -- Gemeiner Stadt Weinsberg Privilegienbuch
angeblich von a. 1468. Von dems. -- Ein Duzend Urkunden-Auszüge. Von
dems. -- Die Möckmühler Centordnung von 1729, mit geschichtlichen
Bemerkungen über ihre Entstehung; v. Pfarrer Knödler. -- Curiosum
(Teufelsverschreibung). -- Kleinodien d. deutschen Ritterordens.
-- Die Klosterkirche zu Frauenthal; v. H. Bauer. -- Die Krypta in
Regenbach, nach Dr. Bunz. Mit einer Lithographie. -- Die Wappensammlung
im ehemaligen Ritterstifte Comburg v. R.-C. Mejer. -- Die Burg
von Weinsberg v. H. B. Mit Lithografie. -- Beiträge zur Kunde der
Vorzeit des Oberamtsbezirks Neckarsulm. Von O.-A.-Richter Ganzhorn.
-- Ein Reihengrab bei Gundelsheim. Von dems. -- Statistisches,
Topographisches, Bücheranzeigen u. s. w.

Kirchenschmuck. /Ein Archiv für kirchliche Kunstschöpfungen und
christliche Alterthumskunde./ Herausgegeben unter der Leitung des
/christlichen Kunstvereins der Diöcese Rottenburg/. Redigirt von
Pfarrer Laib und Dekan Dr. Schwarz. XIX. Band, erste Hälfte. Zehnter
Jahrgang. 1866. Erstes Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8.

Der Martinus-Teppich im hohen Chor des Doms zu Mainz. -- Zur Geschichte
des Mantels. -- Entdeckte Wandmalerei in der Stiftskirche St. Peter und
Paul zu Weiſsenburg. -- Die St. Paulskirche in Aachen. -- Zur Sprache
und Sitte der Kirche. 1. Das Kirchbrot. 2. Vom Bartuche. 3. Brote und
Brätzeln auf den Gräbern. -- Ausbau des Kölner Doms.

/Mittheilungen der Geschichts- und Alterthumsforschenden Gesellschaft
des Osterlandes./ Sechster Band. 3. u. 4. Heft. Altenburg, 1865. 8.

Jahresbericht. -- Einige Nachrichten über das Marien-Magdalenen-Kloster
in Altenburg. Von Dr. H. C. von der Gabelentz. -- Die ausgestorbenen
Adelsfamilien des Osterlandes. Von dems. -- Mittheilungen über den
Anfang und Fortgang der Reformation in Altenburg. II. Abtheilung. Von
Dr. J. Löbe. -- Miscellen: a. Die Familie der Proprio. b. Ueber eine
Urkunde der Burggrafen von Starkenberg, die Stiftung einer Messe in
der Kirche zu Oberlödla betr. 1398. c. Ueber die lingua rustica u. die
lingua patria in der Urkunde Bischof Udo’s I. zu Naumburg, vom J. 1140,
die Gründung der Parochie Altkirchen betr. d. Ueber einige seltene
Bracteaten aus einem Münzfunde bei Rehmsdorf (mit 1 Tafel Abbildungen).

/Beiträge zur vaterländischen Geschichte./ Herausgegeben vom
/historisch-antiquarischen Verein des Kantons Schaffhausen/.
Zweites Heft. 1866. 8. Verlag der Hurter’schen Buchhandlung.

Vorwort. -- Urkundliche Darstellung des Leibeigenschaftwesens im
Gebiete des jetzigen Kantons Schaffhausen. (H. W. Harder). -- Die
Reliquien des Klosters Allerheiligen. (Diak. J. J. Schenkel.) -- Die
Kirche unserer l. Frauen auf Neunkirch. -- Joh. v. Müllers Reise
in die Schweiz zum Zweck einer Vereinigung der schweizerischen
Eidgenossenschaft mit dem deutschen Fürstenbund im Sommer 1787.

/Séances et travaux de l’Académie des sciences morales et
politiques/ (Institut Impérial de France). Compte rendu par M. Ch.
Vergé sous la direction de M. Mignet. 1864 et 1865. 23e et 24e Année.
Quatrième et cinquième Série. Paris, 1864 et 1865. 8.

/Bulletin du Comité Flamand de France./ Tome IV. Nr. 1. Janvier,
Février et Mars. 1866. Lilie et Dunkerque, 1865. 8.

Extrait des procès-verbaux, par l’abbé D. Carnel. -- Couvent des
Pères Capucins, à Bourbourg. -- Réception de Mgr. l’Evèque d’Ypres, à
Bergues, par l’abbé de Laroière.



Nachrichten.


Literatur.


Neu erschienene Werke.

9) /Ueber Diptychen, Necrologien, Martyrologien und
Verbrüderungsbücher im Mittelalter/ mit besonderer Rücksicht auf die
Kronländer Oesterreichs. Von /Karl Hirsch/. Programm des k. k.
Gymnasiums in Graz. 1865. 39 Stn. 4.

Dieses Schriftchen behandelt eine Klasse historischer Quellen, deren
ganze Bedeutung erst in neuerer Zeit gewürdigt worden ist. Während
man denselben früher meist nur ein räumlich beschränktes Interesse
abzugewinnen wuſste, hat die fortgeschrittene Wissenschaft auch von den
spärlichsten Aufzeichnungen aus Zeiten, die an schriftlichen Denkmälern
so arm sind, nützlichen Gebrauch zu machen gelernt. Es ist daher als
ein verdienstvolles Unternehmen zu betrachten, daſs der Verfasser der
vorliegenden Arbeit die Natur und den Werth der in der Aufschrift
genannten geschichtlichen Quellen beleuchtete und so gewissermaſsen
einen Commentar zu den Publikationen der bezeichneten Denkmäler gab.

Die in gedrängter Kürze gemachten Bemerkungen über die Diptychen
orientieren recht gut über das Wesen und die Bedeutung dieser
Aufzeichnungen, die eigentlich rein kirchlicher Natur waren, indem sie
ursprünglich dazu dienten, den Christen ihre Brüder zum Einschluſs ins
Gebet zu empfehlen; später wurden nur die Namen hoher geistlicher oder
weltlicher Würdenträger in die Diptychen aufgenommen.

Was der Verfasser über die Necrologien sagt, läſst uns sowohl ihre
ehemals practische Seite als auch ihren Werth als Geschichtsquellen
erkennen. Vorzüglich wird hervorgehoben, daſs die Todtenbücher nicht
nur vielfache, zum Theil höchst wichtige Personalnotizen über die
verzeichneten Personen und deren Geschlechter, sondern zuweilen
auch historische Nachrichten anderer Art enthalten. Wie z. B. das
Klosterneuburger Todtenbuch über die Leithaschlacht im J. 1146
Mittheilungen gibt.

Auch das historische Interesse der Verbrüderungsbücher findet
seine rechte Würdigung. Reichen ja doch dieselben bis in’s neunte
Jahrhundert zurück, und die zahlreichen Namen derjenigen, welche in die
Confraternitäten aufgenommen wurden, leisten zur Vervollständigung der
Genealogien solchen Familien die besten Dienste. Und wer sollte den
Nutzen nicht einsehen, der für die Sprachforschung aus der Verzeichnung
von vielen tausend Vor- und Zunamen erwächst, die im Laufe der
Jahrhunderte so vielfache Wandlungen erfahren!

10) /Die Sammlungen des k. k. Münz- und Antiken-Kabinets/ von
/Ed. v. Sacken/ und /Friedr. Kenner/; mit einer Tafel. Wien,
1866. VII u. 495 Stn. gr. 8.

Die beiden Custoden des Wiener Münz- und Antiken-Kabinets, denen wir
schon manche schöne Veröffentlichung über österreichische Alterthümer
und Denkmäler verdanken, haben sich ein neues groſses Verdienst
durch vorliegendes Werk erworben, indem sie ihr weltberühmtes Museum
genau und ausführlich beschrieben. Wir bedauern hier nur eine kurze
Andeutung von dem reichhaltigen Buche geben zu können. Zuerst steht als
Einleitung eine „Geschichte der Entstehung des Kabinets“, welche bis
in die Mitte des 16. Jahrh. hinaufreicht. Dann folgt die Beschreibung
des Museums, wobei „die wissenschaftliche Folge der Monumente mit
der gegenwärtigen Anordnung vermittelt wurde“. Zuerst stehen „die
antiken Skulpturwerke in Stein“, dreihundert Denkmäler der classischen
Sculptur; dann 245 inschriftliche Denkmäler von hoher Wichtigkeit für
die römische Zeit. Die Verfasser haben die lateinische Paraphrase
untergesetzt. Wir erlauben uns einige kleine Bemerkungen: S. 59, Nr.
14 heiſst PATR: patrono, nicht patri, da von libertis die Rede ist.
S. 61, Nr. 22 ist Musa cognomen. S. 66, Nr. 84 lese ich Orcitilia.
Ist in der Marmortafel Nr. 153, Zeile 3 ein Strichpunkt (;)? ich
zweifele. S. 75, Nr. 195 wird LIB mit liberto zu geben sein. S. 91,
Nr. 228 wird die Erklärung Betulio, die schon 1855 in der Zeitschrift
für die Alterthumswissenschaft gegeben wurde, richtiger sein, wenn
schon die Verf. bei der frühern Deutung Betulo verblieben. S. 93 ist
Valenti als Dativ zu nehmen, wie die folgenden Worte zeigen. Bei Nr.
239, wo der verstorbene Hefner Cluentius liest, war anzugeben, ob der
Punkt, den die Verfasser zwischen C. L setzen, auf dem Stein steht
u. s. w. Hierauf folgen die „Inschriften auf Bronzetafeln“, dann
„Kararische Monumente“: griechische, römische, barbarische Thongefässe
in groſser Zahl, mit genauer Beschreibung der Bildwerke, nur wenige
mit Töpfernamen (welche meist bei Frochner fehlen). Geringer ist die
Anzahl der „Bildwerke aus Terracotta“: Reliefs, Büsten, Figuren,
Thonlampen, ebenfalls mit nur wenigen Namen (wie vorhin). Die Sammlung
antiker Bronze nimmt unter den Museen in Europa eine hervorragende
Stellung ein; auf die Beschreibung, welche die Verfasser hier geben,
machen wir die Kunstfreunde aufmerksam, ebenso auf die weiter folgenden
„toreutischen Arbeiten in Gold und Silber, classischer und barbarischer
Technik“. „Von der Münzsammlung konnte bei ihrer auſserordentlichen
Reichhaltigkeit nur eine berichtliche Uebersicht der ganzen und eine
eingehende Besprechung der als Repräsentanten zur Schau ausgelegten
Exemplare gegeben werden.“ Der griechischen Münzen sind 26,926 Stück,
darunter 507 in Gold, 9381 in Silber, römische 34,875, darunter 2689
in Gold, 15,520 in Silber, der mittleren und neueren 40,249, davon
6013 in Gold, 25,780 in Silber; 512 kleine Medaillen in Gold, 2431 in
Silber, neuere Thaler und Gulden 10,230 Stück, Medaillen in Gold 2526,
in Silber 8084, endlich 4144 orientalische (davon 544 in Gold, 1583 in
Silber) und zuletzt noch falsche Münzen 3780 Stück. Weiter wird die
Sammlung „antiker geschnittener Steine“ von keiner andern übertroffen:
hier sind die gröſsten Cameen, die man kennt, kostbare Werke, mit
vollendeter Kunst, keine ohne Werth, wie die schöne und klare
Beschreibung zeigt, kostbare Glassachen. Dann noch „Kunstwerke der
Renaissance-Periode und der Neuzeit“, viele davon Nachbildungen antiker
Denkmäler, namentlich geschnittener Steine, Porträts aus alter und
neuer Zeit; wenige kirchliche Darstellungen. Endlich im Anhang einige
asiatische, meist indische Gegenstände. Beigegeben ist ein Verzeichniſs
der Fundorte. Die Tafel enthält fremdartige Schriftzeichen. Dies der
Inhalt des verdienstvollen Werkes; wir wünschen, daſs über alle Museen
eine so schöne, genaue und lehrreiche Beschreibung verfaſst werde, wie
die beiden Wiener Gelehrten zu ihrer Ehre und zu unserm Dank hier uns
vorlegten.

    K.


Aufsätze in Zeitschriften.

/Ausland:/ Nr. 11. Nilssons Erwiederung auf Prof. Worsaaes
Bedenken gegen seine Ansicht über das Bronzealter. -- Nr. 13. Ueber das
Alter der Hufeisen. (Chamb. Journ.)

/Biene:/ Nr. 9. Essen und Trinken im deutschen Sprichworte. (J. H.
Schwicker.) -- Der Jungfernsprung. Sage aus dem Kuhländchen. (Johann
von Hradisch.)

/Das illustr. Buch der Welt:/ Nr. 6, S. 162 ff. Die goldene Aue.

/Grenzboten:/ Nr. 12, S. 441. Aus der Geschichte der deutschen
Hochschulen: 1. Die Universität des Mittelalters. -- Nr. 13, S. 481. 2.
Die neue Zeit im Aufgang. (Mor. Busch.)

/Jahrbücher für deutsche Theologie:/ 11. Bd., 1. Hft. Ueber die
Götter und den Gottesglauben der alten Deutschen nach Tacitus Germania.

/Dresdner Journal:/ Nr. 62. Regiomontan. (Auszug aus einem
Vortrage von Dr. Alex. Ziegler.)

/Sächs. Kirchen- und Schulblatt:/ Nr. 12. Die Nikolaikirche von
Dippoldiswalde.

/Protest. Kirchenzeitung f. d. evang. Deutschland:/ Nr. 5-9. Der
30jährige Krieg und der westfäl. Friede. (Vortrag von Trauttwein von
Belle.)

/Korrespondent v. u. f. D.:/ Nr. 164 f. Deutsche Berge und Burgen.
X. Hohenlandsberg. -- Nr. 165 f. Aventin. (Vortrag von Kluckhohn.)

/Deutsche Kunst-Zeitung/ (Dioskuren): Nr. 10. Etwas über die
Künstlerfamilie der van der Weiden. (Ernst Förster.)

/Magazin f. d. Literatur des Ausl.:/ Nr 14. Zur Lorelei-Sage.

/Deutsches Museum:/ Nr. 13. Die Ahnherren des deutschen Dramas
(Hans Sachs, Jak. Ayrer, Andr. Gryphius). (Rudolf Rost.)

/Sonntags-Blatt/ (von Spielhagen): Nr. 11. Hans Holbein; Skizze.
(M. Bernstein.)

/Bremer Sonntagsblatt:/ Nr. 11 f. Schicksale eines gefallenen
Königs (der Bär in Geschichte und Volksmeinung). (Karl Aug. Mayer.)
-- Nr. 12. Das karolingische Psalterium des ehemaligen Schatzes der
bremischen Kathedrale. (H. A. Schumacher.)

/Münch. Sonntagsblatt:/ Nr. 11. Sagen aus Unterfranken. -- Nr. 12.
Deutsche Ostergebräuche. (Dr. L. v. Hörmann.) -- Nr. 14. Gutenberg und
die Buchdruckerkunst.

/Ueber Land und Meer:/ Nr. 26. Der Kindlifresserbrunnen und das
Eiertüpfen am Ostertag in Bern.

/Oesterr. Vierteljahresschrift für kathol. Theologie:/ 5. Jhrg.,
1. Hft. Das Colloquium des Cochläus mit Luther zu Worms auf dem
Reichstage 1521.

/Allgem. Zeitung:/ Beil. Nr. 81. Kunstgeschichtliches aus Tirol.
(W. Lübke.) -- Nr. 89 f. Fragmente aus dem Bodensee. -- Nr. 93. 96. Aus
dem siebenbürgischen Sachsenland. Skizzen. (W. Hausmann.) -- Nr. 96 f.
Deutsche Wörterbücher.

/Bayer. Zeitung:/ Morgenbl. Nr. 96. Einige historische Notizen
über das Wildbad bei Haſsfurt a. M. (Dr. Ditterich.)

/Illustr. Zeitung:/ Nr. 1186. Die Anfänge der Druckkunst. -- Nr.
1187. Christus am Kreuz. Gemälde von Albrecht Dürer. (Jul. Hübner.) --
Der Dom zu Worms.

/Mecklenburg. Zeitung:/ Nr. 34. Pfahlbau von Vimfow. (Wiechmann.)



Vermischte Nachrichten.


33) In /Ingolstadt/ hat sich unter dem Vorsitze des Rechtsrathes
Fr. Ostermaier und des Stadtpfarrers Dr. Paulhuber ein /historischer
Verein gebildet/, und zwar zur Sammlung von Urkunden und Denkmälern,
zur Erforschung der Sprache, der Sitten, des Rechts, der Wirthschaft,
Kunst und Wissenschaft, um die theils in Nebel gehüllte, theils
verschwundene Geschichte dieser merkwürdigen Stadt und Umgegend wieder
aufzuhellen und in erneuter Gestalt Allen zur Anschauung zu bringen.

    (Mgbl. z. Bayr. Ztg.)

34) Dem auſserordentlichen Prof. Dr. phil. E. L. /Dümmler/ in
Halle hat die königl. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen
für seine „/Geschichte des ostfränkischen Reichs/“ den dritten
der durch die Wedekind’sche Preisstiftung für deutsche Geschichte
ausgesetzten, von 10 zu 10 Jahren zu vergebenden /Preis ertheilt/.

    (Ill. Ztg.)

35) Ein /altes böhmisches Manuscript/ hat Prof. M. Kolař; im
Rathhauskeller zu /Tabor aufgefunden/. Dasselbe stammt aus den
hussitischen Zeiten, und sein vorzüglichster Werth besteht darin, daſs
es 17 Pergamentblätter mit einem böhmischen Gedicht enthält, welches
sich mit dem Leben der Böhmen beschäftigt. Nach dem Ausspruch des
Direktors K. J. Erben soll dieses Gedicht um das Jahr 1330 entstanden
sein und sich durch alterthümliche Sprachformen auszeichnen.

    (Dies.)

36) Ed. His-Heusler in Basel hat /zwei Sendschreiben des Baseler
Rathes/ vom 19. November 1545 /entdeckt/, welche über den Sohn
des Malers Hans /Holbein/ d. J., von dem bisher nichts weiter
bekannt war, Kunde geben. Er hieſs Philipp und war von seinem Vater
zu Paris bei dem Goldschmied Jacob David, Bürger von Basel, in die
Lehre gethan worden. Nach Ablauf der Lehrzeit will ihn sein Meister
nicht entlassen und läſst ihn vom „Herrn Lütenant zu Pariſs“ in Recht
nehmen; da nimmt sich der Rath von Basel des „guten frommen Jungen“ an.
An einer Stelle wird als Philipp’s Vormund Frantz Schmid sein Bruder
genannt, woraus hervorgeht, daſs Hans Holbein eine Wittwe geheirathet.
Auch ist in den Schriftstücken von Philipp’s Vater „wylandt Hansen
Holbein seligen“ die Rede, wodurch für die in England gemachte
Entdeckung seines Todesjahres (1543) ein neuer Beweis der Richtigkeit
gegeben ist.

    (Zeitschr. f. bild. Kunst.)

37) /Sieben Passionsbilder von Hans Holbein/ dem ältern, die
Haupttheile eines groſsen Altarbilderwerks, das er gegen 1500 für
das Dominicanerkloster in Frankfurt a. M. gemalt hatte, sind durch
das Städel’sche Kunstinstitut daselbst von dem Hofrath Schäfer in
Darmstadt, in dessen Besitz sie gelangt waren, wieder /für Frankfurt
erworben/ worden, nachdem sie der Stadt für eine längere Zeit
verloren gewesen waren.

    (Ill. Ztg.)

38) In der kleinen romanischen Kirche zu /Sluze/ bei Tongern
(Prov. Limburg) sind in Folge von Restaurationsarbeiten /Wandgemälde
zum Vorschein gekommen/. Man hat fünf durch eine Decoration von
Laubwerk verbundene Rundbilder bloſsgelegt, von denen das mittlere
und gröſsere das Gotteslamm darstellt. Die Medaillons auf den Seiten
stellen die Madonna in zwei verschiedenen Positionen dar, während
die kleineren Zwischenbilder Engelfiguren zu enthalten scheinen. Das
Kolorit wird als klar und wohlgefällig gerühmt und soll ebenso wie die
Zeichnung auf einen tüchtigen Künstler hinweisen.

    (Zeitschr. f. bild. Kunst.)

39) Am /Magdalensberge/ in Kärnten hat der Besitzer der
Gradischniggrube daselbst Nachforschungen an einer Stelle vornehmen
lassen, welche seit lange als eine /Fundstätte römischer
Alterthümer/ bekannt ist. Leider ist nicht mit der gehörigen
Sachkenntniſs dabei vorgegangen worden. Es wurde ein kleines, schön
gemaltes Zimmer bloſsgelegt, in welchem sich kaminartige Oeffnungen
befanden, wo Flaschen von Glas und Thon mit Asche gefüllt standen.
Diese letztern sind von dem Unternehmer, vermuthlich in der Hoffnung,
darin Schätze zu finden, zerschlagen worden. Sehr interessant ist eine
daselbst vorgefundene 1½ Zoll groſse weibliche Figur aus Bein, welche
dargestellt ist, wie sie sich verzweifelnd die Haare zerrauft; darüber
war eine Glasglocke gedeckt, die man ebenfalls schonungslos zerschlug.
Auch einen Grabstein förderte man zu Tage, dessen Inschrift den Tod
zweier Reiter, Veteranen der VIII. Legion unter Kaiser Augustus,
meldet. Auſserdem wurden eine Lanzenspitze, eine kleine Pfanne, Nägel,
Münzen und eine thönerne Fratze aufgefunden.

    (Ill. Ztg.)

40) Dem k. /Welfenmuseum/ in /Hannover/ ist ein /alter
Kahn/ von dem Herrn Weſs (?) zu Holthusen /geschenkt/
worden, welchen derselbe im vorigen Jahre aus dem Fluſsbette der Ems
hatte ausgraben lassen. Der Kahn besteht aus einem Eichenstamme,
welcher vermittelst Feuer und Axt recht gut ausgehöhlt, ungefähr 16
Fuſs lang, fast 5 Fuſs breit, vorn spitz, hinten aber abgerundet
ist. Die Beschaffenheit des Holzes sowie die Arbeit deuten auf ein
beträchtliches Alter.

    (Dies.)

41) Die Cantonsregierung zu Aarau hat beschlossen, die /Ruine der
Burg zu Baden/, welche auf die Ermordung Kaiser Albrecht’s II.
niederblickte, /restaurieren/ zu lassen, doch so, daſs das Bauwerk
verbleibt, wie es jetzt ist, und nur vor noch weiterem Verfall
geschützt wird.

    (Europa.)

42) In /Köln/ werden neben dem Dom auch andere /Kirchenbauten/,
meist Renovierungen, von Bedeutung betrieben. Die St. Peterskirche
ist vollständig malerisch decoriert worden, die Minoritenkirche ist
in ornamentaler Ausschmückung der Vollendung nahe, und St. Maria
vom Capitol wird, nachdem die bauliche Herstellung beinahe fertig
ist, ebenfalls malerisch ausgeschmückt; die Ausmalung des Chors ist
fast vollendet. Auch für St. Martin ist eine malerische Verzierung
projectiert.

    (Ill. Ztg.)



Inserate und Bekanntmachungen.


11) =Anfrage und Bitte.= Findet sich in irgend einer öffentlichen
oder Privat-Bibliothek Deutschlands (die zu Breslau, von welcher dies
bereits bekannt ist, ausgenommen) eine /Handschrift des Froissart/?

Gefällige Antworten hierauf wolle man an das germanische Museum
richten, welches diese Veranlassung ergreift, um hiemit an die
verehrl. Vorstände öffentlicher wie Privat-Bibliotheken im Interesse
der Wissenschaft die ganz ergebenste Bitte zu richten, ihm zu
möglichster Vervollständigung seines Handschriften-Repertoriums
die /Verzeichnisse/ aller unter ihrer Aufsicht befindlichen
/Manuscripte deutsch-geschichtlichen Inhalts/ in Abschrift oder
zur Abschriftnahme geneigtest mittheilen zu wollen.

12) ~=Grosse Münzauction in Nürnberg!=~

Im Laufe der nächsten Monate (Juni) soll die bedeutende /Sammlung an
Münzen und Medaillen/ des jüngst verstorbenen kgl. Advocaten /Dr.
jur. Knoll/ zu /Nürnberg/ zur Versteigerung gelangen. Langjähriger,
unermüdlicher Eifer des Verstorbenen, der keine der in Folge
seiner Stellung und seines Domicils sich ihm vielseitig bietenden
Gelegenheiten, seltene Stücke seiner Sammlung zuzuführen, unbenützt
vorübergehen lieſs, brachte das Kabinet zu einer solchen Höhe und
Bedeutung, daſs ihm ein sehr günstiger Ruf zur Seite steht. Das
jetzt in Druck gegebene, von den DDr. jur. /Erbstein/ sorgfältig
ausgearbeitete, umfangreiche Verzeichniſs faſst die Sammlung in ca.
/4000 Nummern/ zusammen und zeigt eine Reichhaltigkeit an /Thalern/,
/Goldstücken/ und /Medaillen/, wie sie nur selten getroffen werden
wird. Es finden sich in der Sammlung /Seltenheiten ersten Ranges/;
auch zeichnet sich dieselbe in Folge fast durchgängig guter Erhaltung
der einzelnen Stücke vortheilhaft aus. Da die Sammlung /universell/
angelegt war, so wird jedem Sammler Gelegenheit geboten sein, Lücken
auszufüllen und seine Collectionen in dieser oder jener Beziehung zu
vervollständigen. -- Verhältnisse halber kann die Zeit zwischen Ausgabe
des Katalogs und der Versteigerung selbst nur /eine kurze/ sein;
deshalb werden alle diejenigen, die einen Katalog zu haben wünschen,
schon jetzt durch _J. A. Stein’s_ /Buchhandlung/ in /Nürnberg/ auf die
Auction aufmerksam gemacht und gebeten, =schon jetzt die Bestellung
des Katalogs= an dieselbe ergehen zu lassen, damit sofort nach
Erscheinen desselben die Versendung bewerkstelligt werden könne. Da die
Auflage des gut ausgestatteten, systematisch angelegten Katalogs eine
nur geringe werden soll, so dürfte ein baldiges Verschreiben desselben
den Herren Numismatikern nur anzurathen sein. Nach Beendigung der
Auction wird eine Preisliste gedruckt. Man bezieht den Katalog =durch
jede Buchhandlung= von J. A. Stein’s Buchhandlung in Nürnberg unter der
Bezeichnung:

    =DDr. Erbstein, die Knoll’sche Münzsammlung.=

13) ~=Die altpreuſsische Monatsschrift=~

    zur Spiegelung des provinziellen Lebens in Literatur, Kunst,
           Wissenschaft und Industrie herausgegeben von

                   =R. Reicke= und =E. Wichert=

erscheint in jährlich 8 Heften zu je 6 Bogen gr. 8. und bietet
ihren Lesern in reicher Abwechselung: ~Belletristisches~,
~Abhandlungen~ aus allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst,
~Kritiken~ und ~Referate~, überall mit besonderer Beziehung
auf Altpreuſsen, sei es, daſs die Verfasser daselbst heimisch, sei es,
daſs die behandelten Gegenstände dem provinziellen Leben der Gegenwart
oder Vergangenheit entnommen sind, endlich ~Mittheilungen~ von
mehr als gewöhnlichem Tagesinteresse, ~Correspondenzen~ aus den
gröſsern Städten, ~Universitäts-~ und ~Schul-Chronik~ und
~Bibliographie~.

Der Jahrgang kostet zwei Thaler, einzelne Hefte 10 Sgr.

/Inserate/ werden die Petit-Zeile mit 2½ Sgr. berechnet.

Bestellungen auf die /Altpreuſsische Monatsschrift/, deren dritter
/Jahrgang/ mit dem Mitte Februar 1866 erscheinenden ersten
Heft beginnt, nehmen alle Buchhandlungen und die kgl. preuſsischen
Postanstalten an. Durch den Buchhandel, wie durch die Expedition
(Brodbänkenstraſse Nr. 1) sind auch noch complette Exemplare des ersten
und zweiten Jahrgangs zu beziehen.

    Königsberg i. Pr., 1866.

    ~Druck und Verlag von Albert Rosbach.~

    Den Commissions-Debit besorgt die
    ~J. C. Hinrichs~’sche Buchhandlung in /Leipzig/.


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                        1866.    Nº 5.    Mai.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



Die Krönungsinsignien des Mittelalters.

Nach Dr. F. /Bock’s/ Werk: Die Kleinodien des heil. röm. Reiches
deutscher Nation und ihre formverwandten Parallelen

von A. /Essenwein/.

(Schluſs.)


II.

Betrachten wir nun die Kleinodienstücke selbst, die zum kaiserlichen
Ornate gehörten, so sind es sowohl stoffliche, als metallische. Wir
fassen zuerst die stofflichen ins Auge, nämlich die Tunica, Alba und
Pluviale, denen sich das Humerale, die Strümpfe, Schuhe und Handschuhe
anschlieſsen. Das Humerale ist verloren gegangen; von Schuhen und
Handschuhen, die früher in mehrfacher Zahl vorhanden waren, findet
sich nur noch je ein Paar. An diese Stücke schlieſsen sich noch die
Stola und mehrere Cingula. Bekanntlich schreibt die Volksüberlieferung
den Ursprung der Gewänder, sowie der metallischen Kleinodien dem
Wiedererwecker des römischen Kaiserthums, Karl d. Gr. zu. Die
vorhandenen Gewandstücke entstammen jedoch dem Kunstfleiſse der Araber
in Sicilien, wo sie am Schlusse des 12. Jahrhunderts angefertigt wurden
und ursprünglich nicht die Bestimmung hatten, für das deutsche Reich zu
dienen.

Die tunica talaris ist ein Gewand von dunkelviolettem Seidenstoff, dem
dunkelsten Ton des Purpurs, der zugleich der kostbarste und theuerste
war. Am unteren Rande ist er mit rothem Zendal besetzt und darauf ein
goldenes Ornament gestickt. Ebenso am Rande der vorn enganschlieſsenden
Aermel, wo die Stickerei mit Perlen besetzt ist und ein Rand kleiner
Emailplättchen den Aermel umsäumt.

Der Schnitt ist derart, daſs das Gewand um die Taille verhältniſsmäſsig
eng ist, von da aber nach unten sich schräg bedeutend erweitert. Eine
einfache Goldborte umgibt den engen Halsausschnitt.

Die Alba besteht aus einem glatten, schweren, weiſsen Seidenstoff,
der etwa im 16. Jahrhundert auf den älteren, gleichfalls weiſsen,
ungemusterten, glatten Seidenstoff aufgenäht wurde. Sie ist am unteren
Rande mit einem breiten Saume von lichtviolettem Purpur versehen,
der in 3 Reihen über einander sich stets wiederholend, je 2 einander
zugewendete Greife zeigt. Maurische und lateinische Inschrift desselben
Inhaltes sagen, daſs Wilhelm II. von Sicilien im Jahre 1181 die
Gewänder in Palermo hat anfertigen lassen.

Der Halsausschnitt ist rings um mit breiter Verzierung versehen,
die, in Gold und Perlen auf rothen Grund gestickt, dem Rationale der
Bischöfe entspricht.

Die Aermel haben am weiten Oberarme einen gestickten Streifen und auf
violettem Grunde eine Reihe von sich wiederholenden phantastischen
Thieren. Am Vorderarme sind die Aermel eng und gleichfalls mit einem
gestickten Saume versehen.

Zu diesen beiden Gewändern gehört ein drittes, der eigentliche
Kaisermantel, der sich gleichfalls als Arbeit arabischer Sticker
zu erkennen gibt. Der Grundstoff ist rother Zendal, der genau dem
entspricht, welcher die Säume der tunicella bildet. Derselbe zeigt
in trefflicher Stilisierung, symmetrisch angeordnet, je eine Hälfte
des Mantels füllend, auf jeder Seite einer Palme einen Löwen, der
ein Kameel zu Boden geworfen hat. Den Rand füllt eine maurische
Inschrift aus, die besagt, daſs der Mantel zu Palermo im Jahre 523
der Hegíra (also im Jahre 1133) angefertigt wurde. Die Gewänder
wurden von Heinrich VI., als er das Erbe seiner Gemahlin Constanze,
Sicilien, antrat (1195), mit einer groſsen Zahl anderer Kostbarkeiten
nach Deutschland gebracht und gelangten wahrscheinlich zu den
Reichskleinodien, als Friedrich II. bei dem Verluste von Vittoria
auch die älteren Kleinodien verlor. Der Zeit Heinrich’s VI. gehören
die Handschuhe an, die, obwohl gleichfalls saracenische Arbeit, sich
doch durch den Adler in der inneren Handfläche als für Deutschland
gearbeitet zu erkennen geben. Dem Schlusse des 13. Jahrhunderts
gehört die Stola an und wird von Bock als norditalienisch betrachtet;
die Schuhe und Strümpfe dagegen entstammen wiederum dem maurischen
Sicilien. Von Gürteln sind noch 2 vorhanden: ein breiter, gröſserer,
der, dem Schlusse des 12. Jahrhunderts angehörend, aus einer breiten
Goldborte besteht, die einzelne Thiergestalten als Musterung zeigt,
während die Ränder die lateinische Inschrift enthalten: CRISTVS
RIEHGNAT CRISTVS INQPARAT DEVS. Derselbe könnte als Träger des
Schwertes betrachtet werden, während der zweite, schmale, aus blauem
Seidenstoff mit Filigranverzierungen besetzt, den Murr nicht gekannt
und abgebildet hat, zur Schürzung der Alba gedient haben dürfte.

Unter den metallischen Kleinodien ist zunächst die Krone zu nennen,
die gleichfalls nicht in die Tage Karl’s d. Gr. hinaufreicht, sondern
von Bock als italienische Arbeit vom Schlusse des 11. und Beginn des
12. Jahrhunderts betrachtet wird. Sie besteht aus 3 Theilen: einem
Streifen, der aus 8, oben halbrunden Schildchen zusammengesetzt ist,
von denen 4 reich mit Edelsteinen bedeckt sind, 4 aber Emailbilder
zeigen: 1. die Majestas Domini, 2. König Ezechias und den Propheten
Jesaias, 3. David, 4. Salomo. Als selbständiger 2. Theil ist das reich
mit Edelsteinen besetzte Kreuz zu betrachten, als 3. der Bügel mit der
Inschrift: CHVONRADVS · DEI GRATIA ROMANORV̄ IMPERATOR AVG., den Bock
Conrad III. zuschreibt. Wir brauchen im Uebrigen dem Verfasser nicht
auf das Gebiet der Hypothesen über die Geschichte dieser Krone zu
folgen.

Der Reichsapfel, aus glatten Goldblechen bestehend, wird durch einen
horizontalen Streifen in 2 Halbkugeln getrennt, während 2 breitere
Streifen, mit Filigran und Steinen besetzt, die Kugel senkrecht in 4
Theile zerlegen. Auf der Spitze steht das mit Filigran und Edelsteinen
geschmückte Kreuz. Bock hält denselben für sicilische Arbeit des 12.
Jahrhunderts.

Das Scepter gehört dem 14. Jahrhundert an und wird von Bock Karln IV.
zugeschrieben.

Noch befinden sich zwei weitere einfache Reichsäpfel und ein zweites
Scepter bei den Kleinodien, das wohl ehedem als Aspergill gedient hat.

Von den vorhandenen drei Schwertern stellt sich das eine, das als St.
Karl’s Schwert bezeichnet ist, durch seine künstlerische Ausstattung
als zu den stofflichen Ornatstücken gehörig heraus und läſst sich
in den Schluſs des 12. Jahrhunderts und nach Sicilien versetzen. Die
Scheide, der Haupttheil des Schwertes, ist von oben nach unten durch
eine Anzahl über Eck gestellter, quadrierter, emaillierter Metallbleche
besetzt, zwischen denen in den Ecken ein Filigrangrund angelegt ist.
Perlenschnüre umfassen die Quadrate. Den unteren Abschluſs bildet ein
halbrund geschlossenes Emailplättchen, den oberen ein Streifen. Das
oberste der quadrierten Emailbleche enthält den deutschen Reichsadler;
das Schwert weist also selbst darauf hin, daſs es für deutschen
Gebrauch bestimmt ist (falls nicht das Plättchen erst des neueren
Gebrauches wegen noch im Beginn des 13. Jahrhunderts zugefügt wurde),
und auf Heinrich VI. oder Friedrich II. als diejenigen, für welche es
in Sicilien angefertigt wurde. Der Griff des Schwertes stimmt mit der
Scheide überein; nur der obere Knauf entstammt der Zeit Karl’s IV.
und zeigt auf 3 Eckschildern einerseits den Adler, andrerseits den
böhmischen Löwen. Das Schwert ist das Ceremonienschwert, womit der
Ritterschlag vollzogen wurde.

Das zweite Schwert des „/heil. Mauritius/“ hat eine metallene
Scheide, die mit einer Anzahl getriebener Königsfiguren geschmückt
ist, zwischen denen einzelne Emailplättchen angebracht sind; die
Parierstange hat dieselbe Inschrift, wie der kaiserliche Gürtel; der
Knopf trägt die Umschrift: Benedictus Dominus Deus qui docet manus.
Zwei herzförmige Schilde am Knauf zeigen den kaiserlichen Adler, sowie
die Hälfte desselben combiniert mit den drei schreitenden Löwen, dem
Abzeichen der alten Erblande des Herzogthums Schwaben.

Das dritte Schwert endlich, das früher nicht zu Nürnberg aufbewahrt
wurde, sondern dem Schatze zu Aachen angehörte, ist das Karln d.
Gr. zugehörige, ihm von Harun-al-Raschid übersandte, ein Werk
orientalischer Kunst, von Bock als persisch bezeichnet, wenn er auch
den Ursprung bei der nicht vollkommenen Kenntniſs orientalischer
Kunstwerke fraglich lassen will.

Das früher ebenfalls zu Aachen aufbewahrte Evangelienbuch ist
karolingisch, so daſs der Richtigkeit der Tradition, die dasselbe
im Grabe des groſsen Kaisers gefunden sein läſst, kein Bedenken im
Wege steht; der Einband ist spät gothisch. Eine Kapsel, gefüllt mit
Erde, die mit dem Blute des Märtyrers Stephan getränkt sein soll, an
der Hauptseite vollkommen mit gefaſsten, ungeschliffenen Edelsteinen
besetzt, an den Seiten aber mit getriebenen Metallblechen, stammt
noch aus vorkarolingischer Zeit. Die übrigen Reichsreliquien sind im
Werke nur verzeichnet, ohne abgebildet und beschrieben zu sein, da
Bock denselben ein eigenes Buch zu widmen beabsichtigt; dagegen sind
nach Delsenbach’s mangelhaften Zeichnungen die verloren gegangenen
beiden Armspangen und die Sporen nebst den schon erwähnten, nicht mehr
vorhandenen Schuhen, Handschuhen und Gürteln dargestellt.


III.

Hat schon das Bock’sche Werk dadurch eine hervorragende Bedeutung,
daſs es zum ersten Male mit wirklich archäologischem Verständniſs
Abbildungen im groſsen Maſsstabe, soweit es thunlich in Naturgröſse,
der kostbaren Kleinodienstücke gibt, so besteht ein weiteres, sehr
groſses Verdienst darin, in eben solcher Weise fast alle noch
vorhandenen Krönungspontifikalien anderer Völker, sowie die sonst
zerstreuten Kaiserreliquien gesammelt und so Vergleiche geboten zu
haben, die das Werk auch für die Geschichte der Formentwickelung
wichtig machen.

Wir können hier dieselben nur reihenweise in ihrer Zusammengehörigkeit
betrachten und fassen auch hier wieder zunächst die stofflichen,
sodann die metallischen Objekte in’s Auge. Unter den stofflichen
tritt uns zunächst ein Kaisermantel entgegen, der zu Metz aufbewahrt
wird. Er ist mit 4 groſsen Adlern auf rothem Grund bestickt und hat
die meiste Aehnlichkeit mit dem Kaisermantel, vielleicht um ein
Geringes älter, obwohl die Meinungen gerade über dieses Gewand weit
auseinander gehen, das durch die Gelehrten als persisch betrachtet und
in die karolingische Zeit versetzt wurde. Höchstes Interesse erregen
3 Mäntel aus Bamberg, die der Zeit Heinrich’s zugehörten, von denen
der erste mit einer höchst interessanten Darstellung des gestirnten
Himmels versehen ist, in der die einzelnen hervorragenden Sternbilder
charakteristisch abgebildet und mit Inschriften versehen sind. Eine
Inschrift: O Decus Europae Caesar Henrice beare, Augeat imperium tibi
Rex qui regnat in aevum, gibt genaue Kunde über die Zeitstellung; eine
zweite Inschrift sagt: Descriptio totius orbis. Fax Ismaeli qui hoc
ordinavit; bezieht sich also auf Ismael, Herzog von Apulien, † 1020 zu
Bamberg.

Eine noch in ursprünglicher Gestalt erhaltene Casula zeigt auf
violettem Purpurstoff, in Kreise eingeschlossen, wiederholt einen
kaiserlichen Reiter, einen Falken auf der Rechten, ein Scepter in der
linken Hand haltend, der über seine Feinde wegreitet und von reichem
Ornament umgeben ist. Nach Bock stammt die Casel frühestens aus der
Mitte des 12. Jahrhunderts. Er vermuthet, daſs dieselbe ehemals einem
Profanzwecke diente und erst später die geschlossene jetzige Gestalt
erhielt. Ein drittes abgebildetes Gewand dagegen hatte ohne Zweifel
ursprünglich kirchliche Bestimmung, obwohl dasselbe den Kaisermänteln
zugezählt wird. Es umfasst in einer Anzahl kleiner Kreise Darstellungen
aus der heiligen Geschichte, in der Hauptdarstellung den Herrn in
seiner Herrlichkeit, von der Höhe ausgehend, in die Strahlen der Sonne
und des Mondes gekleidet. Egredietur Dominus de loco sancto suo, veniet
ut salvet (populum suum). Diese kostbare Casula entstammt der zweiten
Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Dem 11. gehört jedoch der ungarische Krönungsmantel an, der, von
der Hand der heiligen Gisela herrührend, als Casula für die Kirche
zu Stuhlweiſsenburg gefertigt wurde und mit höchst interessanten
symbolischen Darstellungen versehen ist. In der Kirche zu Martinsberg
bei Raab befindet sich noch die in Naturgröſse gezeichnete Vorlage,
nach der die königliche Stickerin ihre Arbeit anfertigte, die in
früheren Zeiten gleichfalls als der Mantel selbst betrachtet worden
war und so mannigfache Verwirrung unter älteren Gelehrten hervorgerufen
hatte. Ein interessanter Kaisermantel ist der Otto’s IV. im Museum zu
Braunschweig, mit einer Anzahl Löwen und Sterne und Halbmonde bestickt,
in die sich an den vorderen Rändern knieende Engel mit Rauchfässern
mischen, während vier einköpfige Adler eine mittlere Theilung auf dem
Rücken bilden; auch ihn schreibt Bock sicilianischen Stickern zu.

Der jüngste unter den Mänteln ist die in Aachen aufbewahrte Cappa
Leonis, die, der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. angehörig, von Bock als
Geschenk des Königs Richard von Cornwallis betrachtet wird.

Den Mänteln schlieſst sich noch eine tunica an, die, Heinrich II.
zugeschrieben und aus seinen Tagen stammend, freilich im Schnitte
bedeutend modificiert, sich im königl. Nationalmuseum zu München
befindet und mit Stickereien versehen ist.

Für die Geschichte der Stickerei ist also eine wesentliche
Bereicherung im Bock’schen Werke gegeben. Nicht minder aber auch für
die Geschichte der Weberei bietet das Werk interesssante Beiträge,
indem Zeit und Herkunft einer Anzahl von Stoffen genau bestimmt sind,
die, in Naturgröſse abgebildet, wieder zur Vergleichung anderer die
bestimmtesten Anhaltspunkte gewähren. So sind etwa 12 verschiedene
Stoffmuster theils in Holzschnitt, theils in Farbendruck naturgroſs
gegeben.

Noch wichtiger erscheint das Werk für die Geschichte der
Goldschmiedekunst. Da führt es uns eine Anzahl jener Kronen vor, die
den vorkarolingischen Zeiten angehören; es zeigt die zu Guarazzo
gefundenen Kronen des Recesvinthus und Svintilianus. Die Krone
des Agilulf (gegen 600) wurde leider 1804 zu Paris gestohlen und
vernichtet; die Krone der Theodolinde zu Monza dürfte aus der Zeit
dieser Fürstin herrühren. Sodann folgt die eiserne Krone der Lombardei,
die nach Bock ein griechisches Kunstwerk aus dem 9. Jahrhunderte ist
und ursprunglich keine Königskrone war, wobei es Bock freiläſst, ob
sie, wie andere Kronen, ehemals eine Votivkrone oder ein Armband
gewesen, nachdem sich in Petersburg zwei mit der eisernen Krone
fast identische Armbänder befinden. Die Krone ist bekanntlich nicht
von Eisen, wird auch vor dem 13. Jahrhundert gar nicht als eiserne
bezeichnet und hat ihren Namen von einem eisernen Ringe im Innern, der
die einzelnen goldenen Theile zusammenhält und der Tradition nach aus
einem Nagel vom Kreuze Christi gefertigt sein soll. Die eine der zu
München aufbewahrten Kronen, die aus Bamberg stammen, schreibt Bock
der heiligen Kunigunde zu, deren Cranium sie Jahrhunderte lang bedeckt
hatte. Dieselbe ist mit einer zweiten Krone heutzutage verbunden, die
in der chronologischen Reihenfolge einen spätern Platz einzunehmen
hat. Eine Krone griechischen Ursprunges, mit der deutschen Kaiserkrone
in der Hauptform verwandt, ist die des Constantin Monomachos, von der
sich in dem Museum zu Pesth Bruchstücke befinden, zwischen 1042 und
1050 entstanden, vielleicht ein Geschenk an einen ungarischen oder
serbischen König.

Die ungarische Krone besteht aus zwei wesentlich verschiedenen
Bestandteilen; der erste ist der Stirnreif, mit den an der Vorderseite
befindlichen zackenartigen Aufsätzen, in dem durch angebrachte Bilder
die Geschichte des Reifs illustriert wird, und der sich demgemäſs
als Geschenk des Kaisers Michael um 1075 an Geisa, Herzog und später
König von Ungarn, erweist. In der Krone befindet sich ein kreuzförmig
das Haupt überspannender, breiter Doppelbügel, der nach Bock aus den
Zeiten des heiligen Stephan herrühren könnte, dem die Tradition die
ganze Krone zuschreibt; sie stammt somit aus dem Jahre 1000, wo Papst
Silvester II. diesem König eine Krone sendete.

Hier fügt sich nun die deutsche Kaiserkrone in die Serie ein, die
ehemals ebenfalls oben einen flachen, kreuzförmigen Bügel hatte, wie
noch die Ansätze an den einzelnen Theilen erkennen lassen, an deren
Stelle nun nur der eine schmale, hohe Bügel Kaiser Konrad’s getreten
ist.

Höchst einfach sind zwei Kronen, die König Bela von Ungarn und seine
Gemahlin mit in’s Grab genommen haben. Sie sind offenbar blos zu diesem
Zwecke angefertigt und bestehen aus einem Stirnreif mit 4 Kreuzen.[A]

Den Arbeiten der deutschen Reichskleinodien, wie sie am
Ceremonienschwerte, an den Handschuhen u. s. w. sich zeigen, ist
die Arbeit an der Krone der Constanze zu Palermo, die aus dem Grab
erhoben wurde, anzufügen. Sie besteht aus einem Häubchen, das mit
einem Stirnreife und ebenfalls mit gekreuzten Bügeln besetzt ist. Der
Grund des Häubchens zeigt ganz die gleiche Arbeit, wie der Grund der
Schwertscheide, und die Emails gleichen wieder genau jenen.

Arbeit eines abendländischen Künstlers vom Beginne des 13. Jahrhunderts
ist die Krone Philipp’s des Guten von Namur, auch als Krone Balduin’s
von Jerusalem bezeichnet, die stets eine Reliquienkrone gewesen zu sein
scheint.

Die deutsche Königskrone in Aachen, die corona argentea, die jetzt
auf dem Haupte Karl’s d. Gr. ruht, ist eine Lilienkrone von sehr
eleganter, schöner Form mit einem Bügel, der über das Haupt von
vorn nach rückwärts reicht. Sie gehört der zweiten Hälfte des 13.
Jahrhunderts an, also der Zeit des Interregnums und dürfte von Richard
von Cornwallis herrühren. Der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehört
die Lilienkrone an, die jetzt mit der Krone der heiligen Kunigunde
verbunden ist; der Mitte des 14. Jahrhunderts die schwerfällige, mit
gewaltigen Edelsteinen besetzte Krone Böhmens, die unter Karl IV.
angefertigt wurde; dem Schlusse des 14. eine äuſserst elegante Krone,
die in einem Grabe auf der Margaretheninsel in Pesth gefunden wurde
und einer Königin aus der Regierungsperiode der Anjou’s zugehören
dürfte. Die jüngsten dieser Kronen dürften die eine sein, die, in
München aufbewahrt, gleichfalls der heiligen Kunigunde zugeschrieben
wird, die aber auf der Grenzscheide des 14. und 15. Jahrhunderts steht,
und die Krone der Margaretha zu York, Gemahlin Karl’s des Kühnen.

Auſser den Kronen sind andere Goldschmiedearbeiten aus sehr alter
Periode abgebildet, ein Kreuz des Kaisers Justinian in St. Peter zu
Rom, eine Anzahl Kreuze von Votivkronen zu Guarazzo, das Kreuz des
Agilulf, das des Adoloald, des Berengar, das der Theodolinde. Die
Waffenstücke Theodorich’s und Childerichs (jetzt in Troyes und Paris),
der Kamm der Theodolinde, der höchst interessante, mit Filigran
bedeckte ungarische Scepter, der Scepter im Schatze zu Aachen sind
kostbare Werke, die über die Goldschmiedekunst ihrer Zeit überraschende
Aufschlüsse geben. Nicht minderes Interesse gewährt der Helm des
heil. Wenzeslaus und das Schwert des heil. Stephan, das Kreuz des
Kaisers Lothar, die Kreuze zu Gran, die schon erwähnten Kostbarkeiten
aus Aachen, der im Stile der Renaissance gearbeitete Scepter und
Reichsapfel Böhmens, mehrere weitere Schwerter und verschiedene
Reliquiarien, sodann der Fächer der Theodolinde, das Weihwasserbecken
zu Mailand u. s. w.

Besonderes Augenmerk möchten wir noch auf einige Kleinodientruhen
werfen, die abgebildet sind und dem 13. Jahrh. angehören, so die
zu Aachen, die mit einer Anzahl emaillierter Medaillons besetzt
sind, welche sich auf rothgefärbtem Holze aufgelegt fanden. Sie
war von Richard von Cornwallis hergestellt; ihr ganz ähnlich ist
die Casette des St. Louis, die jetzt sich im Musée des Souverains
zu Paris befindet, jedoch geringere Ausdehnung hat, als die groſse
Kleinodienkiste. Aehnliche emaillierte Medaillons befinden sich im
Museum zu Pesth, die wol ehemals einer ungarischen Kleinodienkiste
angehörten.

Auch eine Anzahl interessanter Lederkapseln für verschiedene Kronen,
sind abgebildet, von denen die älteste die sein dürfte, welche ehemals
Schwedens Krone umschloſs und sich nun im Besitze des Senators Culemann
in Hannover befindet. Höchst interessant sind die Büchsen, die Karl IV.
für die deutsche und für die böhmische Krone hatte anfertigen lassen;
ferner die Kapsel für die Brautkrone der Margarethe von York zu Aachen;
die Kapsel für die Krone Philipps von Namur, dem 13. Jahrh. angehörig,
hat wieder Verwandtschaft mit den Kleinodientruhen; sie ist mit
glattem, ungefärbtem Leder überzogen, auf dem emaillierte Medaillons
befestigt und metallene Nägel mit runden Köpfen zur Verzierung
eingeschlagen sind.

Wir können zum Schlusse dieser Beschreibung die Klage nicht
unterdrücken, daſs das Werk, seinem kostbaren Inhalte angemessen, so
theuer ist, daſs es kaum zugänglich wird; sprechen jedoch die Hoffnung
aus, daſs unser gelehrter Freund bemüht sein werde, den Inhalt auf
anderem Wege zum Gemeingut zu machen, wozu ihm mit Vergnügen diese
Blätter zur Verfügung gestellt würden.


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Bock vergiſst hier anzugeben, welchem Bela die Leiche
angehörte, ob Bela I. (1061-63), Bela II. (1131-41), Bela III.
(1174-96). Dem IV. dürfte sie wohl schwerlich zugehört haben, der
1235-70 regierte.]



Die Juden zu Naumburg an der Saale.

Mitgetheilt durch /Karl von Heister/.

(Schluſs.)


=B. 1446.=

Nach Cristi geburt Tusent vier hundert jn dem Sechss vnde vierzigsten
Jar Am Fritage nach Judica habin geteydinget Die Gestrengen hans von
solschicz houbitman Gerhard selbueldige Rath hans vom Vixte auch
gesworene Nicklaus von hoendorff Richter zu Nuemborg alle amptlute
vnsers gnedigen hern von Nuemborg alzo mit volborte dryer Reihe vnde
der gantzen gemeyne wegin der Stad zu Nuemborg uff eyn nemlich do
Borgermeistr. waren hans von Glogow vnde Thomas hyldebrand Camerer
Conrad schutzemeistr. pauluck von der hardt vnde andere die medt
gesworne Ratheskumpan vnde von wegin der Jodisscheyt wonhafftig
daselbst uff die andere sythe. Nemlich der Jod leser meyger muschel
Jacob gatheus abraham vnde yusche die Itztzinne Joden zu Nuemborg
sint adir jn zukunfftigen getziten hir sin werdin alzo von gebrechins
vnde vorhabin der Jodin wuchirrs halbin vnde andir gebrechin mer da
vone die Rethe erkanten, das die Stad Nuemborg ser beswert wart unde
vordir seier beswert mochte wordin sie vnde sulche beswerunge si vordir
bracht habin an vnsern gnedigen hern herren peter itzunt Bischoff zu
Neuemborg das dann vordir syne gnade vorwilt vnde tzu gegebin had
das die Joden inzukunfftigen gezyten fort mer so haldin sullin alzo
hirnach geschriebin stehit Nemlichin das sie eynem iglichin burger
burgeryn adir Burgers kynder sie sint cluch adir fryledig dy sich
selbst vermelden eynen gulden adir eyn schoch nicht hocher lihen sullin
dann eyne wochin umb zwene phennynge eyne halli. guldin adir eynen ort
alzo noch folgin hynder sich zu rechin addir an vorschriebunge noch
uff phandt vnde sulle auch nymant der eyn Burger zu Nuemborg ist vnder
eyme jar zu keyner rechenunge drynge es were dann sache das er tzwifel
hedte daz solche syne gute adir phande solich houbit gut vnde wuchir
nicht getragen konndte, das sal der Jod brengen an unsers gnedigen hern
von Nuemborg Richter vnde an eynen sitzenden Rath die sullen erkenne
ob ome (_ihm_) rechins adir clagens not sie werdit darnach sich der
Jod richtin vnde haldin sal Vortmer sulle die Joden noch die Jodynn
noch die oren (_Ihrigen_) kheynem burger burgeryn adir burgers kynder
die do vormunden habin keyn gelt lihen addir uff phandt noch ane phand
bie vorlysinnige (_Verlust_) des geldes daz die one (_ihnen_) geleihin
habin hynder one vormunden Ouch wullin die Rethe uff das das dy Joden
wissin sullin wem sie ihr gelt lyhen werdin ob er vormunden habe adir
nicht solchin vorlass (_Erlass_) alle jar vorkundigen lassin In der
kirchin daz sich eyn Jederman dornach wisse zu richtin ob ymand zwyfel
hedte das vormund er were das der syn adir dy syne gelt Juden Jodin
nemen worde daz deme Rathe kunt thun die es dann von die der Joden
obirsten eyme vorkundigen sullin der ok dann den andern Jodyn von der
vorkundige sal sich dy Joden darnach lassin zu richtin vnde zu haldin
also ob yn komt vnde geschrieben stehet wordin ouch die Joden icht
vnbilliches vor addir hir nach vorkouffin vornemen daryn sal unsers
gnedigen hern von Nuemborg Richter mit deme Rathe macht zu Sprechen
habe dornach sich dy Joden richtin vnde haldin sullin. Sulchir eynunge
sal eyn ichlicher Jode der do vort mere zu Nuemborg eyn Jode sin wil
unde da wonen stetiklich (_unleserlich_) -- -- haldin solchir daz nicht
thun wolde vnde darzu nicht gehindin sullin vnde wullin wir zu Nuemborg
nicht lyden noch uffnemen czu bekenntnisze sulchir beteydingunge habe
ich obgenanter nicklaus von hoendorff myn Ingesiegel budene an diesse
gedele gehangen.

An der äuſsern Seite der Urkunde steht: Der Juden brieff wo so es mit
dem Wucher zu nemen halden sollen.

Späterer Zusatz: Hinfurdt die Juden vom fl. oder Schock nur wöchentlich
ihn 2 ₰ nehmende. 1446.

Originalien des Magistrats-Archivs zu Naumburg _Nr. 26_.

Das Copialbuch von 1540 enthält den Vermerk (Fol. 49): Eyn versiegelter
Brief, wie der Juden vbermessiger wucher halb, die Bürger beschwerrt,
ferner das sie vnmündigen kindern gelts gelihen, Das es durch vnssers
g. h. ampleuthe vorhandelt, das sie christen vom gulden eine Woche
nicht mehr den zween pfennige habenn nehmenn thuenn, und kindernn, so
nicht vormunder gehabt, nichts leyhen thuen, anno 1446. Welcher brief
als unnottigk nicht ist asservirt sondern bei die andrenn Juden Brieue
gebundenn wordenn, alda er zu findenn.


=C. 1494.= Wie die Jüdenn mit sechsszigk gülden widerkawflicher
zinsse mit zwölfhundert florenn abezulossenn wider aus der Stadt gawfft
wordenn.

Wir Johanns von Gots gnadenn Bischof zu Naumburgk, für vnns vnnd
unssre nachkommen mogen Allen disses briues ansichtigen bekennen:
Nach deme wir uns aus pflicht aufgelegter wurdenn, fürstlicher
wirck schuldigk erkennen, auch alle zeyt geneigedt seinn, vnnssre
underthanenn nütz, vnnd disses vnnssres vormögens zu trachten, vnnd
disse von zukünftige verderbliche schadenn vnnd vngedryung, durch
ziemliche vnnd bequemliche Mittel, wo wir können, zuvorschonen --
Sein wir durch die ersamenn, vnnssre lieben getreuvenn Rath, Rethe,
Hantwerge Ckassenmeister vnnd ganntze Gemeine vnsser Stadt Naumburgk
mit manchfeldigen Clagen angesucht vnnd bericht -- Wir darinn vonn
denn Juden, des Crützes Christi feindenn, seiner werdenn muttre
lesterer, untz hir vonn vnnseren vorthuren zuliegenn vnnd vnns daselbst
enthaldenn, sich teglich mehren, darinn vnnd iren Beywohnern mergliche
verderbliche schadenn vnnd abzüge zugefugt wurdenn -- -- Vnnd darauf
angeruffenn hochlichen angezogen, vnnd demütiglichen gebethenn, solche
Unbeschwerung gnediglich zu hertzen zu nehmenn, vnnd obberürten
Unnrath helfkenn zuvorkommen -- -- Als geben wir zuforderst gote
vnnd seiner werden muttre Marien ehre vnd lob -- Durch die Vnnssren
obgenannt vorderbliche zu hertzen genohmenn vnndt angesehenn, Vor vnns
Alle vnnssre Nachkhomenn, mit Zulassung vnnd bewyllegung der wirdigenn
vnnd achtbaren vnnssrer lieben andaechtigen Techant, Senior vnnd des
ckantzenn Capittels vnnssrer kirchen zu Naumburgk, bemelten Rath,
Rethen, Hantwerge, Ckassenmeisterenn, vnnd gantzer Gemeine aus gnedigen
wyllenn zugesagt, vnnd vorsychert, zusagenn vnnd vorsychernn In kund
mit kraft dis briues, das Wir die Judeschafft itzo zur Naumburgk zur
zeitendung ires gleits vnnd vorschreibung, so sie von vnns habenn,
vrlauben, die vonn dann aus all vnssrenn gebythenn vnnd gerichten
daselbstenn ziehenn lassenn -- Wir vnnd vnnssre nachkommen auch zu
ewigen gezeitenn keinenn mehr, was handels der sich noethe, dahinn
setzenn, nehmenn, noch habenn, wissentlich leidenn oder duldenn wollen
-- Vnnd ob jn umbligendenn stedten, dorffernn oder vaden (?) ausserhalb
vnnsser gebit vnnd obrikeyte zukunftigk vonn anndrenn herschafftenn
Judenn gehaltenn würdenn, dennselben bei vns noch vnssren nachkommenn,
jnn gedachter vnssrer stade noch vorstedten, auch auf der freyheit
keines handels, wie der wehre, sol vorstadt oder zugelassen werden,
vnnd jnn kraft disser vnssrer vorschreibung verbothenn sein, -- Vnnd
ob sie darüber mit Jmandes handeltenn, sol darinn durch vnsser gericht
in keiner weyse geholfenn werden, -- Sie sollenn vnnd mogenn auch
die gemelte Rath vnnd Gemeine zu Naumburgk aufgedacte zeit der Juden
abscheides, die Judenn schul daselbst, wiewol inenn die jnn vnssrenn
nahmenn fürmalls aus kraft vnsser obrikeyt zustenndigk gewesenn ist, zu
gemeiner stade Nützung nehmenn, dorann wir vnns und vnnssre nachkommenn
auch in kraft ditzs briues vorfryhenn, vnnd wollenn die ewiglichenn
bei gedachtenn Rathe vnnd gemeine lassenn Vnnd dieweyl wir obgenanter
bischof Johans vnnd vnssere vorfahrenn einenn merglichen nütz von der
Jüdheit zu Naumburgk jerlichenn jnn vnnssre Ckammer fallent gehabt,
habenn sich die gedachtenn Rath, Rethe, hantwerge, Ckassenmeister und
gantze gemeine vnnsrer stadt Naumburgk vmb solche vnnssre erzeigte
gnade, vor sich jre nachkommen, bewylligtt, vorheischung, vnd sich
gegen[A] vnns vorschriebenn jerlichen sechszigk Reinische guldenn[B]
zins halb auff Walpurgis vnd halb uff Sanct Michaheli, was sie
aber wider zu sich mit Zwölfhündert volwichtigenn und lantwerigenn
Reinischenn guld. kauffenn mügen, wenn jnen das denkt[C]. Doch das
sie vnns solchen widerkauf ein vierteil Jhares vor kundigen vor einem
zinstage mit jrem briue, vnnd dornach auf demselben zinstagk vnns
oder vnssren nachkhomenn genannte zwolf hündert Reinische gulden,
volwichtiges lantweriges gelts, alhie zu Zeitz jn vnnsre kammer mit
allen vorsessen zinnssenn vberreichen vnnd bezaln trewlich vnnd ane
alle gefherde. -- Das zu vrkunde haben wir obgedachter Bischoff
Johannes vnnssre grost jnnsigel aufs ennde dis briues wissenlich
henngen. Vnd wir hier nach geschriebener Güntherus von Bünaw Techant,
Andreas von Konritz Senior vnd das gantze Capittel der Thumskirchenn
zu Naumburgk bekennenn vor vnns vnnd alle vnssre nachkomenn, das wir
zu obberürte vrlaube der Judenn, vonn vnssrenn gnedigenn herrn von
Naumburgk obgenant, vnd vortrage derhalbenn mit dem Rathe geschehen,
wir vorberürt vnsere günst vnnd bewylligung gethan habenn auch des zu
bekenntnus und ferner vrkund vnnssres grosses insigel aufs ende dis
briues lassenn brengen. Da gegeben ist nach Christi vnnssres hernn
geburth vierzehn hundert und darnach im vier vnnd nüntzigsten Jhare am
Montage nach Vocem Jncundatis.

Copien aller etc. Fol. 49.


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Von derselben Hand am Rande: NB. Juden Zins.]

[Fußnote B: Von einer spätern Hand nochmals am Rande wiederholt.]

[Fußnote C: Von späterer Hand: Mit 1200 Reinisch gulden abzuleg. wan
der Rath will.]



„Die ersten Büchsenschützen, die an der Wange abschossen.“


Aus der Mittheilung im vorigen Jahrgang des Anzeigers f. K. d.
d. Vorzeit, Nr. 12, Sp. 469 geht hervor, daſs über die alten
Handfeuerwaffen und deren Handhabung hier und da noch manche Irrthümer
herrschen. Eine nähere Beleuchtung und Berichtigung des dort Gesagten
dürfte daher vielleicht nicht ganz überflüssig sein.

Im Eingange heiſst es daselbst: „Im J. 1517 wurde das Steinfeuerschloſs
zu Nürnberg erfunden. Bis dahin wurden die Büchsen, indem man sie auf
ein gabelförmiges Gestell legte, vermittelst einer Lunte abgeschossen.
Jene Erfindung verlieh ihnen eine viel gröſsere Treffsicherheit; denn
man fieng jetzt an, sie an der Wange abzuschieſsen, was das Zielen sehr
erleichterte.“ Hierin sind drei Punkte, deren Richtigkeit bestritten
werden muſs, nämlich 1) daſs die Erfindung des Radschlosses im J. 1517
geschehen, 2) daſs man bis dahin die Handbüchsen auf Gabelgestellen
und nur mit der -- in der rechten oder linken Hand gehaltenen -- Lunte
abgefeuert, und 3) daſs man erst nachher angefangen, sie an der Wange
abzuschieſsen.

Den ersten Punkt anlangend, so weist Mehreres darauf hin, daſs das
/Radschloſs/ schon im ersten Jahrzehend des 16. Jahrhunderts
existiert hat. Vor Allem ist hier eine Stelle im /Theurdank/ zu
nennen, der bekanntlich 1517 zum ersten Male und zwar zu Nürnberg im
Druck erschien. Sie lautet, nach der Frankfurter Ausgabe von 1589, Bl.
49b, folgendermaſsen:

    Denn zu den Zeiten war die Sitt
    Bein Büchsen trug man Zündstrick mit,
    Mit eim Feureisen, Schwam und Stein
    Hielt man Feur bei Geschütz insgemein,
    Die schädlich Feurschloſs noch nit waren
    Wie jetzt gemein in selben Jahren.

Unter den /Feuerschlössern/ können nur die Radschlösser verstanden
sein; denn 1. wurden im 16. Jahrh. nur diese so genannt, nicht aber
die /Luntenschlösser/; 2. wurde es überhaupt erst nach Erfindung des
Radschlosses üblich, den Mechanismus zum Abfeuern „Schloſs“ zu nennen
(wahrscheinlich von den daran befindlichen Schnellfedern), wenigstens
ist kein Beispiel bekannt, daſs der dem Radschloſs vorangegangene
federnlose /Luntenhahn/, oder /Drache/ (/Serpentin/) Schloſs genannt
worden wäre; 3. konnte vom Luntenhahn nicht gesagt werden, daſs er
zur Zeit des Tyrocinimus Maximilans’s I. noch nicht vorhanden gewesen
sei, weil derselbe um’s J. 1480 in Deutschland und den angrenzenden
Ländern schon viel in Gebrauch war; 4) spricht auch die Bezeichnung
„schädlich“ dafür, daſs das Radschloſs gemeint ist; denn von diesem
und keinem andern wissen wir, daſs es geraume Zeit für die öffentliche
Sicherheit gefährdend gehalten und deshalb das Tragen der damit
versehenen Büchsen, die man anfangs /selbstzündende/ oder auch blos
/zündende/, später, zumal die Pistolen, /Zündbüchsen/ nannte (Hortleder
I, 1943), wiederholt verboten wurde, wie z. B. noch 1533 in Oesterreich
(Buchholz, Ferdinand I., VIII, 50. Anm.). Ein solches Verbot gibt es
nun auch schon aus dem J. 1506; denn die Gesetze der in diesem Jahre
zu /Geislingen/ errichteten Schieſshütte bestimmen, daſs niemand
einer „selbstzündenden Büchse“ sich bedienen solle (Jäger, Geschichte
d. schwäb. Städtewesens, I, 422). Das Alter des Radschlosses würde
hiernach also mindestens bis 1506 zurückgehen. Daſs es noch bis vor
1501 zurückgeht, läſst die Zeichnung einer Handbüchse von diesem
Jahre schlieſsen, wovon weiter unten ausführlicher die Rede sein
wird. Im Uebrigen ist bekannt, daſs nur die Chronik eines ungenannten
Nürnbergers die Angabe enthält, das Radschloſs sei 1517 in Nürnberg
erfunden, während andere Quellen, die Doppelmaier benutzte, blos sagen,
in diesem Jahre habe man in Nürnberg und gleichzeitig auch in Augsburg
die Radschlösser gemacht (v. Stetten, Kunst- etc. Gesch. v. Augsburg I,
201), was vielleicht so zu verstehen ist, daſs solche damals zuerst als
stehender Handelsartikel von besondern Handwerkern, die unter dem Namen
/Feuerschloſsmacher/ vorkommen, verfertigt wurden.

Gegen den zweiten Punkt, daſs man bis zur Erfindung des Radschlosses
die Handbüchsen auf Gabelgestellen abgefeuert, ist geltend zu machen,
daſs sich bis jetzt, so viel man weiſs, in den Schriften des 14. und
15. Jhdts. nicht das Geringste gefunden hat, was diese Behauptung
bestätigte, wohl aber Mehreres, woraus hervorgeht, daſs man die Büchsen
in der Regel frei auf der Hand, ohne sie auf eine Gabel oder andere
Stütze aufzulegen, abgeschossen hat. Dahin gehört für die älteste
Zeit eine Abbildung in einem Feuerwerkbuche der Münchener Bibliothek
(C. g. Nr. 600, Bl. 10), dessen Entstehung aus verschiedenen innern
und äuſsern Gründen zwischen 1360 und 1380 gesetzt werden muſs. Diese
stellt einen Mann mit einer Handbüchse dar, die damals noch aus
einer kurzen Röhre mit einem darin steckenden eisernen Stiel bestand,
und die er an letzterem mit der linken Hand schief nach vorn in die
Höhe gerichtet hält, während er sie mit der rechten vermittelst eines
langen, unten einen Knopf, oben einen seitwärts gewendeten Zacken
habenden Feuereisens, wie es scheint, durch Inbrandsetzen einer aus
der Mündung heraushangenden Zündschnur abfeuert. Um besser zielen und
treffen zu können, als es auf diese Art möglich war, nahm der Schütze,
wenn es die Umstände erlaubten, die Büchse in beide Hände, hielt
sie frei vor sich hin und lieſs sie, nachdem er darüber visiert und
sie je nach der Entfernung des Ziels mit dem hintern Ende mehr oder
weniger gesenkt und ihr dadurch den erforderlichen Erhöhungswinkel
gegeben hatte, durch einen Gehülfen abfeuern. Dies Verfahren wird
in einer Anweisung zum Schieſsen mit dem „gefaſsten“ (d. h. auf
einem graden, mit der Hand zu umspannenden, Stab genannten, Holze
befestigten) Handrohr, umständlich beschrieben, die in einem die
Jahrzahl 1457 am Ende tragenden Kriegsbuch der Wiener Bibliothek (Nr.
221, 2952/Ph.4°202′ §. 38) sich befindet und leicht die einzige sein
möchte, die uns aus der ältern Zeit bis zum 17. Jhdt. herab erhalten
ist. Auf den Schieſsständen der Schützengesellschaften war im Anfange
des 16. Jhdts. nicht nur jede Unterstützung der angeschlagenen Büchse,
sondern selbst das Ansetzen des Kolbens an die Schulter untersagt.
So heiſst es z. B. in einem 1501 von Bürgermeistern und Rath der
Stadt /Kölln/ erlassenen Einladungsschreiben zu einem groſsen
Festschieſsen, wovon ein gedrucktes Exemplar mit dem über der Schrift
zwischen einer Armbrust und einer Handbüchse stehenden ausgemalten
Stadtwappen in der städtischen Bibliothek zu Köln aufbewahrt wird: „Es
sall auch eyn yecklicher schieſsen vffrecht mit fryem schwebenden Armen
vnd affgesneden wammes ermell aen schnore vnd reme und auch aen scherm
oder rauchpanne vnd also dat dye bosse dye assel nyet enroert vnd
sunderlich vff yede bossen nyet me dan eyn slecht abesyen vnd hynden
eyn lochelyn oder vffen schrentzelyn haben vnd sall geyn schutze zwey
Klotz ader Kogelen ader gefedert Klotz schieſsen;“ wer dawider verfährt
geht sein Schieſszeug verlustig. Man könnte nun denken, daſs man im
Kriege und auf der Jagd die Büchsen auf Gabeln abgeschossen. Wenn
das der Fall gewesen wäre, hätte man sicher auch die letzteren neben
den Büchsen in den Zeughäusern und Rüstkammern vorräthig gehalten,
und sie müſsten dann nothwendig in den Inventarien des Kriegs- und
Jagdzeugs, deren wir mehrere sehr vollständige aus dem 15. Jhdt., und
darunter auch eins von dem 1462 in Nürnberg vorhandenen Kriegsmaterial,
besitzen, mitverzeichnet stehen. Wir finden jedoch nirgends eine Spur
davon, selbst nicht für die Hakenbüchsen die wegen ihres Gewichts
und Rückstoſses nur aufgelegt abgeschossen werden konnten. Erst
gegen Ende des 15. Jhdts., als man anfieng, der Handrohre von mehr
als dreilöthigem Kaliber auch im Feldkriege sich zu bedienen, kamen
für die grössern derselben, die von drei Mann gehandhabt wurden,
tragbare, dreibeinige Schrägen in Gebrauch (nach Beninga hatte 1501
Graf /Edsard von Ostfriesland/ deren 1000 Stück in der Schlacht
bei /Dam/ gegen die Gröninger), und für die kleineren, nur einen
Mann erfordernden, erst im dritten Jahrzehend des 16. Jhdts. die
Gabelstützen, die, soviel man weiſs, zuerst im J. 1521 von den Spaniern
in Italien bei ihren langen Musketen geführt wurden.

Zur Widerlegung des dritten Punkts, daſs man erst nach der Erfindung
des Radschlosses angefangen, an der Wange abzuschieſsen, bedarf es
nur der Hinweisung auf den /Lunten/hahn, der diese Art des
Abschieſsens, wodurch bis dahin die Armbrust dem Feuerrohr in der
Treffsicherheit beträchtlich überlegen gewesen war, zuerst ermöglichte.
Derselbe bestand nur aus einer, an der rechten Seite des Schaftes
hinter dem Zündloch auf einem Zapfen angebrachten Winkelhebel, dessen
stehender Arm einen flachgelegenen, in eine Klemme mit Schieber
auslaufenden Bügel bildete, und dessen liegender in der Mitte einen
treppenförmigen Absatz hatte, wodurch seine hintere Hälfte einige Zoll
tief unter den Schaft zu liegen kam. Wurde nun der liegende Arm, der
durch ein quer über seinen mittleren vertikalen Theil gelegtes Blech
gegen Verbiegen geschützt war, durch Heranziehen seiner hintern Hälfte
an den Schaft gehoben, so senkte sich der stehende Arm mit dem in die
Klemme gesteckten Stück Schwamm, Zunder oder Zachen (Lunte) auf die
Zündpfanne herab. Wenn jener hierauf losgelassen wurde, gieng dieser
sogleich wieder in die Höhe, weil ersterer viel länger und schwerer
war. Die Zeit der Erfindung des Luntenhahns ist nicht näher bekannt,
doch scheint er schon vor der Mitte des 15. Jhdts. vorhanden gewesen
zu sein. Von dem, was sich dafür anführen läſst, sei hier nur der
Bericht eines Augenzeugen von der Schlacht bei /St. Jakob an der
Birs/ 1444 (Säkularschrift der hist. Gesellschaft zu Basel, 1844)
erwähnt, worin es (S. 21) heiſst, ein Büchsenmeister und fünf andere
Männer seien den Berg herabgekommen „mit angezündten geladen Büchsen
vnd zunder vnd gespannen armbrosten.“ Die älteste Abbildung einer
Luntenhahnbüchse, die dem Schreiber dieses zu Gesicht gekommen, ist in
einem Feuerwerkbuche vom J. 1473 der Münchener Bibliothek befindlich
(C. g. Nr. 599 Bl. 10). Der vorbeschriebene Mechanismus erscheint
hier aber, wie die ganze Waffe, schon so sorgfältig, ja zierlich
gearbeitet, daſs sich nicht annehmen läſst, er sei nur erst kurz vorher
aufgekommen, zumal wir die damit versehenen Büchsen wenige Jahre später
fast in allen Ländern Europas verbreitet finden, wenigstens Zeichnungen
von solchen, da sie selbst keinen besondern Namen führten, auſser
vielleicht allein in Holland, wo sie knipbussen heiſsen (Annal. rer.
in Holl. etc. gest. beim J. 1481, in Mathaei analec. I, 398 und J. a
Leydis etc. ebendas. S. 726 beim J. 1477).

Der Luntenhahn darf nicht verwechselt werden mit dem spätern
/Lunten-/ oder /Schwammschloſs/. Dies unterschied sich von
jenem dadurch, daſs der Hahn vor dem Zündloch stand, also zurückschlug
und durch einen künstlicheren, gröſstentheils im Schaft liegenden
Mechanismus in Bewegung gesetzt ward. Da nun der Hahn des Radschlosses
im wesentlichen dieselbe Einrichtung hatte, und das Schwammschloss
wegen seiner gröſsern Einfachheit und Sicherheit nach der Mitte des
16. Jhdts. das Radschloſs bei den zum Kriegsgebrauch bestimmten
Handfeuerwaffen, mit Ausnahme der Pistolen und Reiter-Arkebusen, fast
ganz verdrängte, so ist anzunehmen, daſs es spätern Ursprungs war als
dieses und ihm seine Entstehung verdankte. Es findet sich aber schon
an der Büchse, die auf dem früher erwähnten Einladungsschreiben der
Stadt Köln vom J. 1501 abgebildet ist, ein rückwärtsschlagender Hahn,
der, wie man aus seinem beträchtlichen Hervorragen über das von der
linken Seite gezeichnete Rohr und aus dem Mangel des Steines zwischen
seinen Lippen schlieſsen muſs, einem Luntenschloſs angehört. Hieraus
folgt denn für die Erfindung des Radschlosses, daſs dieselbe noch vor
1501 fällt. Viel weiter zurück dürfte sie aber auch nicht fallen;
denn in einem Feuerwerkbuche der Heidelberger Bibliothek (Nr. 126 des
Wilken’schen Katalogs der von Rom zurückgekehrten Handschriften),
welches 1496 von dem pfälzischen Büchsenmeister /Phil. Mönch/
verfaſst ist, sind die Handbüchsen noch mit dem Luntenhahn ganz ebenso
wie in dem Manuscript vom J. 1473 abgebildet. An der Büchse auf dem
Einladungsschreiben der Stadt Köln sieht man auch bereits die das
Zielen erleichternde Abschrägung auf der linken Seite des Kolbens,
die sogen. Backe, ein sicheres Zeichen also, daſs man 1501 an der
Wange anschlug. Nicht den geringsten Zweifel aber darüber, daſs man
auch schon früher die Luntenhahnbüchse so anschlug, läſst endlich die
Abbildung eines zielenden Schützen, die sich in dem illustrierten
Inventar befindet, welches Kaiser /Max/ I. im J. 1492 durch
seinen obersten Zeugmeister /Barthol. Freysleben/ von allem
in den österr. Erblanden vorhandenen Geschütz aufnehmen lieſs, und
wovon ein Exemplar in der Wiener (C. Max. Nr. 10,824) und eins in der
Münchener Bibliothek (C. icon. Nr. 222) vorhanden ist. Der Mann hält
hier das Rohr mit der ausgestreckten Linken ungefähr in der Mitte, mit
der Rechten hinter dem Zündloch gefaſst und den sehr langen, wenig
zurückgebogenen Kolben gegen die rechte Schulter gestemmt.

Allein die alten Büchsen stieſsen, wie man sich denken kann, nicht
wenig, und die herumsprühenden Funken des reichlich auf die Pfanne
geschütteten Pulvers versengten trotz des hinter dem Zündloch
befestigten Schirms von Leder oder anderem Material, dessen man sich
dagegen bediente, den Schützen oft arg genug. Daher kam es denn, daſs
viele beim Feuergeben die Wange nicht am Kolben lieſsen, sondern den
Kopf abwandten. Besonders scheinen die Söldner diese das Treffen sehr
beeinträchtigende Gewohnheit gehabt zu haben, die sie auch nach der
Erfindung des Rad- und Schwammschlosses nicht ablegten, wie daraus
hervorgeht, daſs noch in der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. selbst
von Reichs wegen darauf bezügliche Bestimmungen erlassen wurden.
So schreibt z. B. die 1570 auf dem Reichstage zu /Speier/
gegebene Fuſsknechtbestallung vor: die Büchsenschützen „sollen auch
monatlich geübt und ihnen am Backen anzuschlagen und abzuschieſsen
eingebunden werden.“ Hiernach wird nun wohl kein Zweifel mehr sein,
wie man es zu verstehen hat, wenn die 1519 zum Bundesheere wider den
Herzog /Ulrich von Württemberg/ von der Stadt Nürnberg gestellten
150 Büchsenschützen als solche bezeichnet werden, die an der Wange
abschieſsen konnten. Herzog Ulrich hatte übrigens Sorge getragen,
daſs es seiner Mannschaft nicht an gleicher Uebung fehlte. Schon am
5. Aug. 1517 hatte er Befehl ergehen lassen, daſs die Büchsenschützen
aller Aemter sich bereit halten sollten, in’s Feld zu rücken. Jeder
sollte dabei, so viel möglich, eine Zielbüchse mit einem Schloſs haben
und auch mit Steckzundeln und Anderm darzu gehörig verfaſst sein, auf
daſs, wenn es zum Ernst käme, ein jeder mit am Backen angeschlagener
Büchse desto gewisser schieſse, das sie mit guter Geschicklichkeit wohl
thun und zuwege bringen mögen, damit der Schaden durch das ungewisse
Schieſsen, da man nicht anschlage, verhütet bleibe. (v. Heyd, Ulrich,
Herz. v. W. I, 510).

    Coblenz, im März 1866.

    /Toll/, Artilleriemajor a. D.



[Illustration: Albertus mit dem Zopfe.]


Albertus mit dem Zopfe auf einem Glasgemälde zu St. Erhard in der
Breitenau in Steiermark.

(Mit einer Abbildung.)


Albertus III. von Oesterreich (reg. 1365-1395) trägt den Beinamen
„mit dem Zopfe“. Diesen Beinamen verdankt er dem Umstande, daſs er
eine ritterliche Gesellschaft (Orden) vom Zopf gestiftet hatte. Die
eigentliche Bedeutung dieses Zopfes wird verschiedenartig angegeben.
Nach einer Version soll eine schöne Dame sich ihren Zopf, oder wol
einen Theil ihres Haares abgeschnitten und ihm gegeben haben; nach
einer andern Version soll er selbst sich sein Haar zu einem Zopfe
wachsen lassen und geflochten haben; nach einer dritten Version soll er
seiner Gemahlin, als er aus dem gelobten Lande heimkam und sie im Bade
antraf, ehe sie sich dessen versehen, den Zopf abgeschnitten haben.

Albert vermählte sich 1366 mit Elisabeth, Tochter Kaiser Karl’s IV.,
die 1373 ohne Kinder starb; er vermählte sich daher 1375 mit Beatrix,
Tochter des Burggrafen von Nürnberg. 1377 unternahm der Herzog eine
Preuſsenfahrt, wo er sich die Ritterwürde erwarb. Mit diesem Zuge und
dem erhaltenen Ritterschlage dürfte die Stiftung der Zopfgesellschaft
in einigem Zusammenhange stehen. Die Satzungen dieser Gesellschaft
sind unsers Wissens bis jetzt nicht bekannt geworden. Die älteste
Kunde davon scheint Georg von Ehingen gegeben zu haben, der erzählt,
daſs sein 1407 gestorbener Groſsvater Burkhard von Ehingen dieser
Gesellschaft angehört und sie nach Schwaben gebracht habe; daher
er Burkhard mit dem Zopfe hieſs. Andere ältere Quellen sind nicht
bekannt; doch befinden sich in einem Codex der k. k. Hofbibliothek
zu Wien (des Rationale divinorum officiorum des Durandus), den der
Herzog schreiben und illuminieren lieſs, zwei Porträte des Herzogs, auf
denen er mit einem um den Hals gewundenen Zopfe erscheint. Birk, der
diesen Codex und speziell die Bildnisse in dem I. Bande der Berichte
und Mittheilungen des Alterthumsvereins[A] zu Wien beschrieben hat,
glaubt daher, daſs die später vorhandenen Bildnisse, auf denen er mit
einem und mit zwei Zöpfen im Nacken erscheint, nur auf den Namen hin
entstanden seien. Es ist daher von hohem Interesse für die Geschichte
der habsburgischen Regentenfamilie, daſs sich noch ein gleichzeitiges
Denkmal erhalten hat, auf dem der Herzog in anderer Weise dargestellt
ist. Es befindet sich nämlich in der Kirche St. Erhard in der Breitenau
in Steiermark eine Serie von Glasgemälden des 14. Jahrh. in einem
Fenster, das ganz vom Hochaltar bedeckt und so den Blicken vollständig
entzogen ist.

Durch den ehemaligen Landesarchäologen von Steiermark, Herrn Carl
Haas, auf dieses Fenster aufmerksam gemacht, hat Verfasser die
sämmtlichen Darstellungen desselben durchgepaust, um sie einem Werke
über mittelalterliche Glasgemälde einzuverleiben. Nachdem schon
einige Blätter lithographiert sind, und somit das Werk selbst bald
an die Oeffentlichkeit treten wird, so sei hier des Fensters nicht
weiter erwähnt und nur mitgetheilt, daſs sich auf dem untersten
Felde rechts der Herzog als Donator mit seinen beiden Gemahlinnen
hat abbilden lassen. Diese Darstellung, die wir beifolgend in 1/3
der Naturgröſse nachgebildet haben, zeigt den Herzog knieend,
hinter ihm die beiden Gemahlinnen, gleichfalls knieend. Der Herzog
erscheint mit dem Panzerhemde bekleidet, das an den Beinen sichtbar
wird; darüber erscheint eine Rüstung, die wir wohl bereits als eine
eiserne betrachten dürfen. Der Lendner hat eine etwas abweichende
Form und erinnert bereits an das Heroldenkleid, wie er auch die
Wappenfarben zeigt. Auſser dem groſsen Gürtel ist der Lendner noch
um die Mitte mit einem kleinen Gürtel zusammengehalten. Auf der
Brust ist an dem Panzer unter dem Lendner der Dolch, das Schwert
und der Helm mit Ketten befestigt. Auf dem Haupte trägt der Herzog
die Stahlhaube mit der Halsbrünne; der Stechhelm erscheint auf der
Schulter. Derselbe hat die rothweise Helmdecke; als Helmkleinod
erscheint jedoch nicht der österreichische Pfauenbusch, sondern ein
gelber Adler mit zwei blauen Flügen. Eine Fahne im Arm des Herzogs
ist roth und weiſs gestreift; auch sind die zwei untern Zipfel
abgeschnitten, während der oberste fliegt. Die Tracht ist eine etwas
fortgeschrittene, doch noch vollständig dem 14. Jahrh. entsprechend.
Als besondere Eigenthümlichkeit erscheint eine Metallbüchse, in
die wol der Zopf gefaſst ist, auf dem Rücken der Herzogs, und wir
können daraus nur schlieſsen, daſs der Zopf entweder am Haupte
selbst wuchs, oder wenigstens am Hinterhaupte befestigt war und
herabhieng. Die zwei knieenden Frauen zeigen vollständig die Tracht
des 14. Jahrh.: die enganliegenden, halb auf die Hand reichenden
Aermel, die gefältelte Haube; die hintere erscheint mit dem Gürtel.
Der Hermelinmantel bezeichnet die Damen als Fürstinnen, ebenso die
auf der Haube befestigte Krone. Zwei Wappenschilde, der eine mit
dem doppelgeschwänzten Löwen, der andere schwarz und weiſs geviert,
bezeichnen die Damen als die Böhmin und Hohenzollerin.

Eine Inschrift am oberen Bande des Bildes sagt: Albertus dux austrie
et stirie et carinthie et ceter. et uxores ejus. Die rückwärtige der
beiden Frauen hat auf der Darstellung gleichfalls einen Zopf, der
jedoch ohne Kapsel, aber mit langen flatternden Bändern erscheint und
sicherlich, da er ebenfalls abnorm ist, zu dem Zopfe des Gemahles in
einem Bezuge steht.

Die Frage, ob wir Porträte hier vor uns haben, möchten wir um so mehr
verneinen, als die Figuren im Verhältniſs zu der einfachen Technik
der älteren Glasmalerei sehr klein sind und nur durch wenige starke
Linien der Gesichtsausdruck gegeben ist. Das Bild erscheint jedoch sehr
geeignet, auf die Zopfgesellschaft und die Frage, ob und wie Albrecht
wirklich einen Zopf trug, ein neues Licht zu werfen. Es sind uns
übrigens in Steiermark noch zwei andere Monumente bekannt geworden, die
Licht darüber zu verbreiten scheinen, und die wir später zu besprechen
hoffen, nämlich ein zweites Glasgemälde, das ein anderes Mitglied der
Zopfgesellschaft in gleicher Weise darstellt, und eine derartige Kapsel
aus Silber mit Vergoldung, die zur Umhüllung eines Zopfes diente.

    /Essenwein./


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Bildnisse österreichischer Herzoge des 14. Jahrhunderts
und ihrer Gemahlinnen, zum ersten Male herausgegeben von Ernst Birk, S.
95 ff.]



Der Niemand.


Eine der ältesten lustigen Figuren unserer Vorzeit, und wahrscheinlich
eine Tradition des vorchristlichen Alterthums, ist der Niemand, dem
man Alles in die Schuhe schiebt, der alle häuslichen Fatalitäten
angerichtet haben, an jedem persönlichen Miſsgeschick schuld
sein soll. Diesem armen Helden widerfuhr von jeher die Ehre, in
Reim und Versen, nie in Prosa, verherrlicht zu werden, und seine
Groſsthaten wurden nicht blos dem gröſseren Publikum, sondern auch der
kleinen Familienwelt nach Gebühr in Holzschnitt wie in Kupferstich
vorgezeichnet. Schon um das Jahr 1510 dichtete ein gewisser Jörg Schan,
Scherer zu Straſsburg:

    Niemanis hais ich, was iederman tut das zucht man mich

ein groſses Folioblatt mit coloriertem Holzschnitt und 130
dreispaltigen Verszeilen, an deren Schlusse genannt ist: „Albrecht
buchdrucker zu Memmingen“, einer unserer ältesten deutschen Buchdrucker
und der erste in Memmingen, Albrecht Kunne von Duderstadt. Der Anfang
dieses in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek befindlichen
seltenen, wahrscheinlich einzigen Blattes lautet:

    Menger redt vonn  mir Vnnd gesach mich doch nie
    Er besech mich recht yetz stand ich hie
    Ich bin der, den man Niemants nennet
    Das huſsgesind mich wol erkennet
    Wann mit mir beschierment sy sich.

Einen andern Bilderbogen sah ich vor zwei Jahren bei dem bekannten
Antiquar Butsch in Augsburg. Er rührt von einem dortigen Holzschneider
her, der ungefähr von 1577 bis 1596 arbeitete, und der mit seinen
Kollegen jener Zeit tausende von ähnlichen zur Belehrung des
bilderlustigen Volkes ausgehen lieſs. Die 40 Verszeilen, welche den
Inhalt bilden, haben die Ueberschrift:

    Der Niemandts so bin ich genandt,
    Mägdten und Knechten wol bekandt.

und fahren gleich so fort:

    Vnd auch den mutwilligen Kinden,
      Die mich allzeit wissen zu finden,
    Was für vnrath von jn geschicht,
      Was man verwarlost vnd zerbricht,
    Das muſs ich alles haben gethan etc.

Als Adresse steht angegeben: Zu Augspurg, bey Bartholme Käppeler,
Brieffmaler, im kleinen Sachssen geſslin.

Ein Gedicht von Heinrich Göttingi wurde in Casp. Dornavii Amphitheatrum
sapientiae socraticae joco-seriae (Hannover, 1619) wieder abgedruckt:

Niemandt: Wie fast Jedermann an ihm wil Ritter werden. Allen
Hauſsherren vnd Frawen, so stets mit Gesinde vmbgehen .. kurtzweilig zu
lesen, vnd in Deutsche Reimen verfasset. Erfurt, 1585. 8. mit Holzschn.
-- Ein Exemplar in der Berliner kön. Bibliothek.

Aus der Zeit von 1620 bis 1650 kenne ich drei undatierte Kupferblätter,
das erste mit 30 Verszeilen auf der Erlanger Universitätbibliothek:

    Der Niemantz so bin ich genant,
    In der gantzen Wellt seher woll bekantt,

mit folgendem Anfang:

    Niemand so bin ich genanntt
        Maygtten vnd Knechtten woll bekantt etc.

Das zweite ehemals auf dem Antiquar Heerdegen’schen Lager zu Nürnberg,
einen Mann mit einer Laterne und mit Vorlegeschloſs am Munde
vorstellend und also anfangend:

    Wo ist doch der Niemand nicht.
    Ueberall ist er anzutreffen
    Jedermann der will Ihm Aeffen
    Und mann weiſs nicht was geschicht
    Thut es doch der Niemand nicht etc.

Das dritte im german. Museum mit 32 Verszeilen:

    Allamodischer Niemandt.

beginnt wie folgt:

    Ich bin ie ein vnschuldig Mann,
      Noch thut man mich stets ligen an,
    So man thut sehen in eim Hauſs,
      Ein Mangel, ein fehl, ein vnd auſs,
    Der Niemandt sagt man hats gethon etc.

Auch die neuere Zeit hat ihren, und zwar einen politischen Niemand, von
welchem die Nürnberger Stadtbibliothek ein Exemplar besitzt:

Der unschuldige Niemand, dieser ist der Urheber des französischen
Krieges. -- Gedruckt in Frankfurth 1794.

Dieses zwei Quartblätter einnehmende Gedicht schlieſst mit folgenden
Zeilen:

    Auf den Niemand will man schieben,
      Was geschieht in dieser Welt.
    Was nur böse Leute ausüben,
      Hat der Niemand angestellt.
    Alles will man mir zuschreiben,
      Der ich Keinen je betrübt;
    Jeder will an mir sich reiben,
      Da man alle Schuld mir giebt.
    Ich muſs unterdeſs allein
      Der unschuldig Niemand seyn.

    /Nürnberg./      /Emil Weller./



Spruch vom schönen Brunnen zu Nürnberg.


Die meisten unserer Leser werden gewiſs schon von diesem Brunnen
gehört, oder eine Abbildung desselben gesehen haben. Er steht auf
dem Hauptmarkt, der katholischen Pfarrkirche z. U. L. Frau schräg
gegenüber, und ist eine der schönsten Zierden der alten Reichsstadt.
Erbaut wurde er, wie neuere Forschungen dargethan, in den Jahren
1385-1396 durch Meister Heinrich den Palier. Er besteht aus einer
60 Schuh hohen, reich durchbrochenen und mit Bildwerken gezierten
Spitzsäule, die auf achteckiger Grundfläche und in zwei verjüngten
Aufsätzen sich erbaut und in eine Spitze von Knospen und Blumen
ausläuft. An den Strebpfeilern und zwischen ihren reichgezierten
Spitzbogengiebeln stehen in edler Haltung gar viele Standbilder, und
zwar an der untersten Stufe die sieben Kurfürsten und neun Helden aus
der christlichen, jüdischen und heidnischen Zeit, nämlich Gottfried
von Bouillon, Klodwig von Frankreich und Karl der Groſse, dann
Judas Makkabäus, Josua und David, schlieſslich Cäsar, Alexander der
Groſse und Hektor von Troja[A]. Auf der zweiten Stufe sind unter
Spitzbogenwölbungen Moses und die sieben Propheten angebracht. Auſser
diesen Statuen befinden sich am Brunnen auch noch andere Bilder,
namentlich Menschen- und Thierköpfe. Diese und die Standbilder wurden
schon zur Zeit ihrer Aufstellung reich vergoldet und bemalt[B] und
mögen in ihrer Farbenpracht einen herrlichen Anblick geboten haben.
Jetzt sind nur noch schwache Spuren der Vergoldung sichtbar. Viele der
alten Standbilder waren vor 40 Jahren dem Verfall nahe; sie wurden 1824
von kunstverständiger Hand restauriert, oder durch neue ersetzt.

Der Brunnen ist von einem künstlichen, achteckigen eisernen Gitterwerk
eingefaſst. Es wurde 1587 von Meister Paul Köhn verfertigt und erregt
auch jetzt noch die Bewunderung der Vorübergehenden.

In einer alten Chronik aus dem 15. Jahrh. findet sich ein Reimspruch
über den schönen Brunnen, den wir hier folgen lassen:

    /Vom Schönprunnen zu Nürnberg:/

    Im marckt zu Nürmberg stett ein prun;
    Als weit als leuchten mag die sun,
    Findt man deſsgleichen nit von stain,
    Wie dann die weisen werckleuth main.
    Wer drey die frumsten beiden will schauen,
    Der findt sie an den prun gehauen,
    Und auch die frumsten Juden drey.
    Sucht man, so findt man auch darbey
    Drey die allerfrumsten Christen:
    Wer hoch zu Gott im Himel will nisten,
    Der leb als künig Eckhardt[C] von Franckreich,
    Hertzog Gottfrid von Belgier[D] ist im gleich,
    Der groſs kaiser Carl, dem Gott das schwert gesant,
    Das sint drey die frumsten christen genant.
    Die frumsten Juden drey in der alten ehe[E],
    Kunig Davit und Herzog Josue
    Und Judas Machabeus der dritt,
    Die haben sich vor der höll befridt.
    Kaiser Julius[F] der heid recht urteil fand,
    Traianus[G] sein richter die haut abschand,
    Hector von Troia der dritt frumst Heid ist,
    Als man uns in der wibel list.
    Das seind neun die allerfrumsten persan,
    Die sihet man an dem prunnen stan,
    Und auch die sieben curfürsten darbei.
    Und ander possenbilder frey,
    Daran sihet man das es war sey.

    /Nürnberg./      /Jos. Baader./


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Vergl. Anzeiger, 1854, Nr. 6 u. 7. /D. Red./]

[Fußnote B: Vgl. Anzeiger, 1854, Nr. 7, Sp. 164 f. /D. Red./]

[Fußnote C: Klodwig.]

[Fußnote D: Bouillon.]

[Fußnote E: Bund.]

[Fußnote F: Julius Cäsar.]

[Fußnote G: Wird hier mit Alexander dem Groſsen verwechselt.]



Die Kreuzigung Christi und der beiden Schächer, ein Holzschnitzwerk in
der Michaeliskirche zu Zeitz.


Die Michaeliskirche zu Zeitz besitzt in dem über der Sakristei
befindlichen Bibliothekzimmer ein Holzschnitzwerk, welches der
Beachtung der Künstlerwelt in hohem Grade empfohlen zu werden verdient.
Dasselbe stellt die Kreuzigung Christi und der beiden Schächer links
und rechts von Christus vor, und besteht in einem durch kräftige
Glieder und postamentartige Vorsprünge belebten Untersatz von ungefähr
4 Fuſs Breite, auf den Postamenten nachgeahmte Erd- oder Felsenpartieen
und auf diesen die drei Kreuze in rohen, wild geästelten Baumformen,
die letzteren gegen drei Fuſs hoch.

Auf die Ausarbeitung ist in jeder Hinsicht der gröſste Fleiſs
von echter Künstlerhand verwendet; wenn dies schon von dem schön
gegliederten Unterbau mit zierlichen Verkröpfungen, von Christo mehr
als von den Verbrechern gilt, und von der Natürlichkeit des mit
Gras bewachsenen Felsens, sowie von der ungezwungenen Form der zu
Kreuzen hergerichteten und auf der Ueberblattung zusammengenagelten
Baumstämmen, so gilt dieses vornehmlich von den drei menschlichen
Figuren. Die Richtigkeit und Wahrheit der Zeichnung in den Gliedern,
des Muskelwesens bei der durch die Annagelung und Aufhängung
nothwendigerweise sich darstellenden Verrenkung, wobei sich die
Aeuſserung des dabei empfundenen Schmerzes so herrlich ausdrückt, ist
unvergleichlich schön und des Studiums wohl werth. Christus in ruhiger
Ergebung, im Gebet zu Gott und um Vergebung der Sünden der Welt den
himmlischen Vater anrufend; der jugendliche Schächer, Christo zur
Rechten, in buſsfertiger Reue, ringend mittels des gefesselten Körpers
und stöhnend um Vergebung flehend; der ältere, bärtige Schächer,
Christo zur Linken, im Contraste hiergegen, zwar auch ringend, jedoch
nur um sich von seiner Fesselung zu befreien, gesenkten Hauptes, mit
mürrischem, verstocktem Gesicht vor sich hin starrend.

Die Figuren sind aus besonderem Holzstücke geschnitzt und mittelst
kräftig gekuppten Nägeln befestigt. Jedenfalls war das Ganze
ursprünglich unangestrichen, wie jeder Künstler verfahren würde;
doch scheint in /späterer/ Zeit eine dem Stoff entsprechende
Malerei beliebt gewesen zu sein, von welcher im Lauf der Jahre viel
verblichen ist. Es wäre gut, wenn die ganze Farbe verschwunden wäre,
um die der feinen Zeichnung hinderliche Dicke des Anstrichs, zumal bei
Figuren in solch kleinem Maſsstabe, wieder zu entfernen; jedoch sind
noch Stellen damit versehen und kleine Fleckchen ersichtlich, welche
einer photographischen Abbildung nicht ohne Nachtheil sind. Nichts
desto weniger lohnt die letztere und ist von dem geschickten hiesigen
Photographen /Wiegand/ sehr gelungen ausgeführt worden.

Was nun den Namen des Verfertigers anlangt, so steht zwar auf dem mit
Oelfarbe angestrichenen Postamente;

    „Johann Opfermann -- Anno 1685.“

Doch will mir hieraus nicht unbedingt hervorgehen, daſs dieses der Name
des Anfertigers und 1685 die Zeit der Entstehung sei. Indem dieses mit
weiſser Oelfarbe auf grauem Oelfarbengrund nicht gerade künstlerisch
geschehen und gleichzeitig etwas prahlend für den Beschauer nach
vorn gerichtet ist, will mir umsomehr aus der Vorzüglichkeit der
Arbeit an dem Kunstwerk der Schluſs verzeihlich erscheinen, daſs das
Schnitzwerk vielleicht fast 200 Jahre früher, nämlich in der Zeit vom
Jahr 1470-1540 gefertigt sein möchte[A]. Auch ist mir von einem Johann
Opfermann, Anno 1685 als Bildhauer wirkend, nichts bekannt; möglich
auch, daſs es der Geber war, oder der Anstreicher.

Schlieſslich bemerke ich noch zur Vervollständigung dieses Berichtes,
daſs auf einem flatternden Zettel über Christi Haupt das INRI zu lesen,
und am Fuſse des Mittelkreuzes ein kleiner, zierlicher Todtenkopf auf
zwei Knochen liegend und mit einer Schlange, welche sich durch die
Augenhöhlen windet, angebracht ist.

    /Zeitz/.      /Gustav Sommer/.


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Nach der Photographie zu schlieſsen, fällt die Zeit
der Entstehung des Bildwerkes mit der darauf angegebenen Jahreszahl
zusammen. /Anm. d. Red./]



Alter Spruch.


Eiselein sagt, unter Berufung auf Geiler von Keisersberg, in seinen
„Sprichwörtern und Sinnreden“, S. 604: „Es ist ein Sprichwort: Wer
nicht trinken kann, der soll ins Bad gan; wer nicht beten, uf das
Mer; wer nicht schlafen, in die Predig; (das viert’ gehört uf den
Rollwagen)“. „Dieses vierte“ fügt Eiselein bei, „ist wahrscheinlich das
oben S. 41, Z. 16 angeführte Sprüchlein mit einer geringen Wendung.“
Ohne dieses zu wiederholen, folge hier der ganze Spruch in Original und
Uebersetzung, wie ihn eine Hand des 15. Jahrhunderts auf die innere
Seite eines Bücherdeckels geschrieben hat. Es geht daraus hervor,
daſs unter dem „vierten“ etwas Anderes gemeint ist, als was Eiselein
vermuthet.

    Qui dormire nequit sermoni intersit itemque
      Balnea nudus amet bibere qui nequeat
    Sit caput et tonsus foede tentiginis expers
      Non orare valens nauiget atque mare
    Hys quicumque cupit dictis obnoxius esse
      Crede mihi acquiret quatuor ista statim.

    Magst nit schlaffen die predig her
      Kanscht nit betten far uff dem mer
    Magst nit trincken gang in das bad
      Fücht dich nit an schyr das har ab.
    Welcher der vier puncten kumpt nach
      Dem werden sy, im sey nit gach.

    /Donaueschingen/.      /Dr. Barack/.



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                        1866.    Nº 5.    Mai.



Chronik des germanischen Museums.


    /Nürnberg/, den 15. Mai 1866.

Einer von Mannheim uns gewordenen sehr erfreulichen Botschaft konnte in
unserer letzten Chronik vorläufig nur mit dem Bemerken gedacht werden,
daſs Näheres bezüglich derselben in unserem nächsten Berichte zur
Mittheilung kommen solle. Dies ist nun Folgendes.

Seitens des zur Förderung unseres nationalen Institutes in /Mannheim/
bestehenden /Hülfsvereines/, dem wir zu wiederholten Malen reiche
Zuwendungen bereits zu danken hatten, sind aus den Ergebnissen
mehrerer mit der XXIV. Philologenversammlung in Beziehung stehender
Vorträge Heidelberger Gelehrten 225 fl. 54 kr. unter der Bestimmung
uns übersandt worden, daſs aus dieser Summe zunächst die Anschaffung
eines vollständigen Exemplars der Photographieen aus dem germanischen
Museum (Preis 48 Thlr.) bewerkstelligt, der hiernach verbleibende
Betrag aber, wie der Erlös, der nach erfolgter Ausstellung der
gedachten Photographieen im Mannheimer Kunstvereine aus dem Verkaufe
derselben erzielt werden wird, zur Förderung des weiteren Ausbaues
der Karthause oder in anderer, unserer Wahl überlassener Weise zur
Ausschmückung des german. Nationalmuseums verwendet werden solle.
Mit innigstem Danke gegen die Stifter dieser reichen Gabe haben wir
dieselbe hiernach den Fonds für den in Aussicht genommenen, in letzter
Zeit mehrfach zur Sprache gebrachten Bau in der Weise überwiesen,
daſs aus den vom Mannheimer Hülfsvereine uns gebotenen Mitteln
die Kosten der Herstellung zweier Kreuzgangfenster, deren früher
genannte Stifter leider zu streichen waren, und die Verglasung dieser
als /Stiftungen des Mannheimer Hülfsvereines/ und der /Leiter der
XXIV. Philologenversammlung zu Heidelberg/ zu bezeichnenden Fenster
bestritten werden, etwaige Erübrigungen aber zur Minderung der unserem
Institute durch Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen
erwachsenen Schuld verwendet werden sollen. Möge das einmüthige Wirken
unserer Mannheimer Freunde fort und fort von so trefflichen Erfolgen
begleitet, zugleich aber auch die hier gedachte neue Bethätigung des
alten Wortes „Durch Einheit stark“ anderwärts Veranlassung werden, zu
ähnlichen der Förderung unseres nationalen Werkes gewidmeten Vereinen
zusammenzutreten, wie solche zu Mannheim und Berlin zu Nutz und Frommen
unseres Institutes schon seit Jahren bestehen!

Dieser Mittheilung haben wir nun zunächst die Nachricht von einer
weiteren, mit freudigstem Danke zu begrüſsenden Stiftung folgen
zu lassen, die uns äuſserst willkommen sein muſs. Von Herrn
Landgerichtsassessor /Ludwig von Cuny in Cöln/, der früher
schon als Pfleger unseres Institutes für Cleve der Förderung unserer
Bestrebungen in anerkennenswerthester Weise sich angenommen und als
solcher die höchst dankenswerthe Zusage uns gemacht hatte, da, wo das
german. Museum der Vernichtung oder der Verschleppung in’s Ausland
preisgegebene alte Manuscripte, Kunstwerke oder sonstige Denkmäler
deutscher Vorzeit zu retten, Gelegenheit finden sollte, demselben
im Nothfalle mit Geldmitteln zur Seite stehen zu wollen, sind uns
auf die Mittheilung hin, daſs 3 groſse, starke, schön geschriebene
und wohl erhaltene Pergamentcodices mit 90 fl. der Vernichtung durch
die Hand des Goldschlägers sich entziehen lassen würden, zum Ankaufe
gedachter Codices (s. das Geschenkverzeichniſs der Bibliothek 19,388
ff.), wie zur Erwerbung anderer, in obengedachter Weise gefährdeter
vaterländischer Kunstwerke und Alterthümer 250 Thlr. zur Verfügung
gestellt worden. Es werden der Zeugen deutscher Vorzeit, der
Anhaltspunkte für die Beurtheilung des Lebens und Wirkens unserer
Vorväter täglich weniger; Unkenntniſs vernichtet, fremdes Geld entführt
der deutschen Wissenschaft alljährlich bedeutendes und leider nur zu
oft gerade das werthvollste Material. Wer da retten will, muſs also
bald dazuthun, und deshalb können wir die gedachte hochherzige, echtem
Patriotismus und edler Pietät entsprungene Schenkung nicht ohne den
lebhaften Wunsch in unsere Annalen eintragen, daſs auch Andere je nach
Kräften in ähnlicher Weise uns helfend zur Seite treten und uns in die
ersehnte Lage versetzen wollen, für Erhaltung vaterländischer Denkmäler
und Kunstwerke in /der/ Weise eintreten zu können, wie es einer
Anstalt würdig, die bestimmt ist, all den verschiedenen Bestrebungen
auf den Gebieten vaterländischer Geschichts- und Alterthumskunde ein
Einigungs-, ein Mittelpunkt zu werden.

Ehrend haben wir auch die Uneigennützigkeit des Hrn. /Enderlein/,
Hofbesitzers zu Rochsfeld bei Haideck, hervorzuheben, der dem Museum
erlaubte, behufs Aufdeckung heidnischer Grabhügel, über welche später
weiter Bericht gegeben werden soll, in umfangreicher Weise sein Feld
aufzugraben.

Fast gleichzeitig mit dem Eingange obiger Stiftungen wurden wir durch
die Botschaft erfreut, daſs aus /pfälzischen Kreisfonds/ unserem
Institute auch für 1865/66 ein Beitrag von 100 fl. bewilligt worden ist.

Und all diesen erfreulichen Mittheilungen sind wir so glücklich, auf
Grund der Einläufe der letzten Tage heute weiter noch die höchst
angenehme und äuſserst willkommene Nachricht folgen zu lassen, daſs
auf gnädigsten Befehl /Ihrer Hoheit der verwittweten Frau Herzogin
von Anhalt-Bernburg/ zum Zwecke des /Ausbaues unserer Karthause/ ein
Beitrag von /20 Thlrn. Gold/ uns übersendet worden ist, daſs ferner
/Seine Durchlaucht der Fürst Leopold zur Lippe/ gnädigst geruhete, als
eine auſserordentliche Beihülfe zu eben diesem Zwecke die Summe von
50 fl. uns zustellen zu lassen, und schlieſslich, daſs zur Minderung
der durch /Erwerbung der freiherrl. v. Aufseſsischen Sammlungen/
unserer Anstalt erwachsenen Schuld auf freundliche Vermittlung des
Hrn. Christian Ritter d’/Elvert/, k. k. Oberfinanzraths und Mitgliedes
unseres Gelehrtenausschusses zu Brünn, von der dortigen k. k. m.
/schl. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und
Landeskunde/ 20 fl. ö. W. und von der /historisch-statistischen
Sektion dieser Gesellschaft/ 10 fl. ö. W. uns zugekommen sind.

Von unseren Sammlungen sah sich in letzter Zeit mit besonders
zahlreichen Zugängen vor Allem die /numismatische/ Abtheilung bedacht.
Namentlich war eine als Geschenk des Hrn. /Kaufmann Paul Kahle in
Berlin/ durch eines unserer dortigen Gelehrtenausschussmitglieder, Hrn.
Geh. Rechnungsrath /Schlickeysen/, hierher gelangte Sammlung von 66
/Silber- und 63 Kupfermünzen deutscher Münzstätten/ aus der Zeit vor
1650 uns in hohem Grade willkommen, da sie viele Lücken beseitigte.

Die Stiftungsverwaltung des protest. Kirchenvermögens zu Nürnberg
überlieſs dem Museum 2 groſse Teppiche aus dem 15. Jahrh., wovon einer
ein ornamentales Muster, der zweite 2 Heiligenfiguren, den leidenden
Erlöser und die heil. Katharina, zeigt; von Hrn. Hofrath Prof. /F.
C. Mayer/ dahier wurden einige gepreſste Silberplatten überlassen,
die, etwas beschädigt, bei einer Restauration des Sebaldusschreines
entbehrlich geworden waren und die eine höchst interessante Parallele
zu dem in ganz gleicher Weise ausgestatteten Reichskleinodienkasten in
den Sammlungen des german. Museums bilden.

Ingleichen hatte sich die Bibliothek in den unter Nr. 19,394
als Geschenke des Hrn. Geh. Hofraths Dr. /F. Ried/ in Jena
verzeichneten Bänden eines sehr schätzbaren Zuganges zu erfreuen.

Durch den im März erfolgten, uns erst jetzt bekannt gewordenen Tod
des k. pr. Geh. Ober-Justizrathes /Th. Odebrecht/ zu Berlin
hat unser Institut leider abermals ein altes und um die Förderung
seiner Bestrebungen in vielfacher Beziehung verdientes Mitglied des
Gelehrtenausschusses verloren. Als mehrjähriger Vorsitzender unseres
Berliner Hülfsvereines, durch rege eigene Betheiligung an dessen
Vorträgen u. s. w. hat der Verlebte in unseren Mauern das dankbarste
Andenken sich gesichert.

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Stollberg/ in Sachsen,
/Weilburg/ in Nassau und /Eggenfelden/ in Bayern.

An neuen Geldbeiträgen sind auſser den oben bereits genannten noch
folgende zu verzeichnen:

Aus =Vereinskassen=: Von dem Turnvereine zu /Baumholder/ (Oldenb.
Birkenfeld) 2 fl., von dem Turnvereine der Stadt /Birkenfeld/ 1 fl.,
von dem lateinischen Kränzchen zu /Erfurt/ 2 fl. 7¾ kr. (einm.), vom
histor. Vereine in /Erlangen/ 2 fl., von der Studentenverbindung
Uttenruthia daselbst 15 fl. und von der Sängergesellschaft Eintracht in
/Mergentheim/ 3 fl.

Von =Privaten=: /Auenheim/ (Baden): Pfarrer H. Förster 3 fl. 25
kr. (einm.), Professor Schuhmacher in Rheinbischofsheim 1 fl.;
/Birkenfeld/: Akademiker K. W. Eisel 1 fl., H. Schwab, Tischler aus
Altenbamberg, 1 fl.; /Eger/: Dr. philos. Franz Kirschner, Stadtarchivar
1 fl. 45 kr.; /Frankfurt a. M./: A. Beeg 5 fl.; /Freystadt/ (Bayern)
Benefiziat Max Betz 1 fl.; /Forchheim/: Pfarrer Imhof in Reuth 1
fl. (einm.); /Freudenstadt/: C. Haug, Flaschner, 1 fl., Werkmeister
S. Wälde 1 fl.; /Fürstenfeldbruck/ (Bayern): Dr. Aug. Berger, k.
Bezirksarzt, 1 fl., Eduard Friedrich, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Michael
von Gäſsler, k. Rentbeamter, 1 fl., Dr. v. Hinsberg, k. Bataillonsarzt,
1 fl., Franz Seraph. Paur, k. Bezirksamtmann, 1 fl., Maurermeister
Sappl 1 fl., Privatier C. Trappentreu 1 fl., Kaufmann Peter Trappentreu
1 fl.; /Fürth/: Bronzefabrikant J. Brandeis 1 fl.; /Germersheim/:
Pfarrer Maurer in Bellheim 1 fl. 45 kr., Stadt-Vikar Hemann 1 fl.,
Major Kitzing 1 fl. 45 kr., Dr. Schmauſs, k. Bezirksarzt, 1 fl. 45
kr.; /Gratz/: Professor Ant. Winkler 2 fl. (einm.); /Hofheim/: Kaplan
Bernh. Schebler in Hofheim, 1 fl.; /Karlsruhe/: Architekt Federle 2
fl.; /Mergentheim/: Oberpräzeptor Kolb 1 fl.; /Naila/: Dr. Flügel,
k. Bezirksarzt I. Klasse, 1 fl. 12 kr., Dr. Klinger, k. Bade-Arzt,
in Steben, 1 fl. 12 kr., Johannes Will in Räumles 1 fl. 12 kr.;
/Nürnberg:/ Privatier Amm 1 fl. 45 kr., Gottfried Eckart, Privatier,
1 fl. 30 kr., Christ. Kaufmann, quiesc. Magistrats-Kanzlist, 1 fl.,
Mündler, Professor am Realgymnasium, 1 fl., Julius Neidhardt, Kaufmann,
1 fl., Heinrich Ruff, Holzhändler, 2 fl., Georg Schwarz, Privatier,
1 fl. 30 kr., Heinrich Stramer, k. Bezirksgerichtsrath, 1 fl.;
/Pleinfeld:/ Karl Goſsner, Pfarrer in Pfraunfeld, 1 fl., Franz Anton
Hutter, Pfarrer in Stopfenheim, 1 fl.; /Wolfenbüttel:/ Obergerichtsrath
Zimmermann 1 fl. 45 kr.; /Zürich:/ Ingenieur Alfons von Baur 2 fl. 20
kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir
hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


I. Für das Archiv.

=Landaur=, Naturalienhändler, in Frankfurt a. M.:

    3338. Sühnbrief des Bisch. Nicolaus v. Bremen für Ghise den Clüuer.
    1446. Perg.

    3339. Stiftung eines Jahrgedächtnisses durch Erpe van Weyge. 1465.
    Perg.

=Jos. Würdinger=, Hauptmann u. Vorstand des Alterthumsvereins, in
München:

    3340. Fragment einer kirchenrechtlichen Schrift auf Pergament,
    gröſstentheils unlesbar. 14. Jahrh.

    3341. Copie einer Bestätigung von Privilegien durch Kaiser
    Ferdinand II. 1623. Pap.

=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:

    3342. Schuldschein des Schmids Franzen Sohn Jaspar für die
    Kirchenknechte zu Lochburn. 1535. Perg.


II. Für die Bibliothek.

=Karl Klein=, Gymnasial-Professor, in Mainz:

    19,334. Ders., das Groſsherzogthum Hessen. 1866. 8.

    19,335. Hattemer, aus dem Leben der Kinder in Hellas und in Rom.
    1865. 4. Progr.

=Georg Ludw. von Maurer=, Staats- u. Reichsrath, in München:

    19,336. Ders., Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland; II.
    Bd. 1866. 8.

=Hahn=’sche Hofbuchhandlung in Hannover:

    19,337. Monumenta Germaniae historica, ed. Pertz: Script. tom. XIX.
    1866. 2.

=K. preuſs. Akademie der Wissenschaften= in Berlin:

    19,338. Dies., philol. u. histor. Abhandlungen aus d. Jahre 1864.
    1865. 4.

=H. Krause=, Direktor der gr. Stadtschule, in Rostock:

    19,339. Ders., kurze hochd. Sprachlehre; 3. Aufl. 1866. 8.

    19,340. Ders., groſse Stadtschule zu Rostock. 1866. 4.

=J. Franck=, Subrektor, in Annweiler:

    19,341. Geschäfts-Bericht der Direction der pfälzischen Ludwigsbahn
    f. d. Verwaltungsjahr 1864-1865. 1865. 4.

    19,342. Geschäfts-Bericht der Direction der pfälzischen
    Maximiliansbahn f. d. Verwaltungsj. 1864-1865. 1865. 4.

    19,343. Geschäfts-Bericht d. Direktion d. k. b. pfälz.
    Neustadt-Dürkheimer Bahn für das Verwaltungsjahr 1862/63 bis
    1864/65. 1866. 4.

=Platzer=, k. Landrichter, in Sulzbach:

    19,344. Vieh-Artzney-Büechl. Pap.-Hs. 18. Jhdt. 4.

=Dr. Lucanus= in Halberstadt:

    19,345. Nachrichten über den Kunst-Verein in Halberstadt; 15. Heft.
    1865. 8.

=Dr. O. Buchner=, Reallehrer, in Gieſsen:

    19,346. Wiegand, Gutachten über eine andere Organisation d.
    Gymnasiums zu Worms. 1865. 4.

    19,347. Hainebach, über d. hannöverischen orthograph. Regeln etc.
    1866. 4. Progr.

=C. W. Neumann=, k. b. Oberlieutenant u. Platzadjutant, in
Regensburg:

    19,348. Wackenreiter, d. Erstürmung von Regensburg am 23. April
    1809. Nachtrag. 1865. 8.

    19,349. Mettenleiter, Philomele, Taschenbuch auf das Jahr 1866. I.
    Jahrg. 1866. 16.

=J. G. Cotta=’sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart:

    19,350. Deutsche Vierteljahrs-Schrift; 29. Jahrg., April-Juni 1866.
    Nr. 114. 8.

=C. Gruner=, k. w. Oberjustiz-Revisor, in Ulm:

    19,351. Ders., Kepler’s wahrer Geburtsort. 8.

=Dr. K. H. Funkhänel=, Hofrath u. Gymnas.-Dir., in Eisenach:

    19,352. Witzschel, Sitten u. Gebräuche aus der Umgegend v.
    Eisenach. 1866. 4. Progr.

=Historischer Verein f. Unterfranken u. Aschaffenburg= in Würzburg:

    19,353. Ders., Archiv etc.; Bd. XIX, 1. 1866. 8.

=Société d’histoire et d’archéologie de Genève:=

    19,354. Dies., mémoires et documents; t. XVI, 1. 1866. 8.

=Dr. J. E. Wocel=, k. k. Universitäts-Professor, in Prag:

    19,355. Ders., Pravěk země České; I. 1866. 8.

    19,356. Ders., über den Zug der Kelten nach Italien u. zum
    hercynischen Walde. 1865. 8.

=Aug. Recknagel=, Buchhandlung, in Nürnberg:

    19,357. Chifletius, breviarium historicum inclyti ordinis velleris
    aurei. 1652. 4.

    19,358. Faber, familia augusta Lucemburgensis. 1722. 4.

    19,359. Heraeus, inscriptiones et symbola varii argumenti. 1734. 4.

    19,360. Catalogus bibliothecae Fenizerianae. 1736. 4.

    19,361. Ollmützer monathliche Auszüge; III, 4-6 u. IV, 1-3. 1748. 8.

    19,362. Calmetii refutatio systematis genealogici a M. Hergott
    compositi. 1748. 4.

    19,363. Praktischer Beytrag zu der Lehre von den Austrägen der
    löbl. Reichs-Städte. 1775. 4.

    19,364. Urkundliche Bemerkungen über d. neuesten Bewegungen d.
    durchl. Churhauses Pfalzbayern. 1791. 8.

    19,365. v. Murr, über d. fabelhafte sog. heil. Ampulle oder
    Salböl-Fläschchen in Reims. 1801. 8.

    19,366-83 18 weitere Schriften vermischten Inhalts a. d. J.
    1718-1804. 2., 4. u. 8.

=Direktion des Gymnasiums= in Hildesheim:

    19,384. Kolbe, de leonis in sacris Aegyptiorum et Babyloniorum
    signo. 1866. 4. Progr.

=Gesellschaft für südslavische Geschichte u. Alterthümer= in Agram:

    19,385. Dies., Arkiv, Knj. VIII. 1865. 8.

=Rudolf Temple= in Pest:

    19,386. Ders., Topographie der Herzogthümer Auschwitz u. Zator.
    1865. 8. Sonderabdr.

=Direktion der k. Hof- u. Staatsbibliothek= in München:

    19,387. Catalogus codicum manu scriptorum bibliothecae regiae
    Monacensis; tom. I, p. 2 et 3. 1866. 8.

=Ludwig von Cuny=, Landgerichtsassessor, in Köln:

    19,388. Antiphonarium für alle Sonn- u. Festtage. Pgm.-Hs. v. 187
    Blttrn. 13. Jahrh. 2. Mit Musiknoten.

    19,389. Ordinale fratrum ordinis beate Marie de monte Carmeli.
    Pgm.-Hs. v. 122 Blttrn. 15. Jahrh. 4. Mit e. Calendarium.

    19,390. Officium ad communicandum infirmam; benedictio ramorum
    etc.; Pgm.-Hs. v. 47 Blttrn. 14. Jhdt. 4.

=A. Jugler=, Stadtsekretär, in Hannover:

    19,391. Königl. Groſs-Brittannisch- u. Churf. Braunschw.-Lüneb.
    Staats-Kalender a. d. J. 1793. 8.

    19,392. Justus, dat Bödekerlied. 3. Uplage. 1864. 8.

=Dr. Richard Mauke=, Kollaborator u. Instituts-Direktor, in
Schleiz:

    19,393. Ders., Geschichte u. Statistik der Landeskirchen Reuſs ä.
    u. j. Linie. 1866. 8. Sonderabdr.

=Dr. F. Ried=, geh. Hofrath u. Professor, in Jena:

    19,394. Chronik der Stadt Schwäbisch-Hall. Pap.-Hs. 17. Jhdt. 2.

    19,395. Das Plenarium oder Ewāgely buoch. 1514. 2.

    19,396. Schrot, Wappenbuch des Heil. Röm. Reichs etc. 1581. 2.

=Karl Preusker=, emerit. Rentamtmann, in Groſsenhain:

    19,397. Urkunde der Preusker-Stiftung. 1866. 8.

=Histor. Verein für Niederbayern= in Landshut:

    19,398. Ders., Verhandlungen; XI. Bd. 3. u. 4. Hft. 1866. 8.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=von Humbert=, Rittmeister, in Halberstadt:

    5036. 6 bronzene Siegelstempel verschiedener Gilden aus Stendal vom
    17.-18. Jhdt.

    5037. Bruchstücke eines Sporns vom 17. Jhdt.

    5038. Eine bei Aschersleben gefundene Pfeilspitze von Knochen.

=von Hartwig=, Major z. D., in Halberstadt:

    5039. Gypsabguſs des ältesten Stadtsiegels von Halberstadt und 10
    Lackabdrücke von älteren Siegelstöcken.

=Dahle=, Buchbindermeister, in Aschersleben:

    5040. 5 Thonkrüge nebst Resten von Bronze- und Eisengeräthen,
    ausgegraben bei Frohse unweit Aschersleben.

=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:

    5041. Heidelberger Silbermünze von 1591.

    5042. Bayrischer Groschen von 1660.

=Bromm=, Assessor, in Gieſsen:

    5043. Sechs königliche Bracteaten vom 13. Jhdt.

=J. Brandeis jun.=, in Fürth:

    5044. Drei Pergamentblätter in gr. Fol. mit gemalten Initialen.

=J. Franck=, Subrektor, in Annweiler:

    5045. Messer von Feuerstein aus dem Fund am Treitelsberge.

=Dr. A. Erbstein=, Conservator der Alterthumssammlungen am german.
Museum:

    5046. Abdruck des Siegels von Joh. Joach. Joner, gen. Ruepli.

=Platzer=, kgl. Landrichter, in Sulzbach:

    5047. Thaler Joh. Albrechts von Mecklenburg, von 1549.

    5048. 4 kleinere Silbermünzen vom 17. u. 18. Jhdt.

    5049. Goldgulden Kaiser Friedrichs III.

=Ungenannter:=

    5050. 5 mit Reliefs verzierte Fuſsplatten vom 14. Jhdt. und eine
    Zusammenstellung kleinerer ohne Muster.

=Frau Brandeis= in Fürth:

    5051. Thalerförm. Medaille, sogen. Wiedertäuferthaler, v. 16. Jhdt.

    5052. Kursächs. Thaler v. J. 1600.

=Nieſsen=, Vikar, in Unkel:

    5053. 5 bei Honnef a. Rh. gefundene römische Kupfermünzen und 1
    Messingjeton v. 1793.

=v. Gemming=, Oberstlieutenant, in Nürnberg:

    5054. Model von gebranntem Thon mit Darstellung des Saturn. 17.
    Jhdt.

=L. Britzelmayr= in Günzburg:

    5055. Sächs. Thaler von 1608.

=Kracker=, Gastwirth, in Nürnberg:

    5056. Kupferjeton mit Schrift v. 1567.

=Ludw. v. Cuny=, Landger.-Assessor, in Köln:

    5057. Lackabdruck eines Ruppiner Zunftsiegels.

=A. Jugler=, Stadtsekretär, in Hannover:

    5058. 42 Lackabdrücke von städtischen und Kirchensiegeln.

=Solger=, Baurath, in Nürnberg:

    5059. Goth. verziertes Weihwasserbecken von Stein.

=Dr. William Bell= in London:

    5060. 2 Exemplare der Medaille auf Eröffnung der deutschen
    Turnhalle in London, 1865.

=Dr. Rich. Mauke=, Kollaborator u. Instituts-Direktor, in Schleiz:

    5061. 4 Spielkarten vom 18. Jhdt.

=Th. Berner=, Droguist, in Schleiz:

    5062. Kupferjeton auf den Harzer Bergbau.

=Hörnlein=, Drechslermeister, in Nürnberg:

    5063. 10 Bamberger und Pfälzer Pfennige vom 15. Jhdt.

    5064. Breiter Groschen Graf Eberhards von Königstein, von 1519.

=Wich=, Juwelier u. Goldarbeiter, in Nürnberg:

    5065. Engelgroschen Johann Friedrichs II. von Sachsen und kleine
    Silbermünze von Basel.

=Dr. Georgens=, Direktor d. Levanakindergartens, zu Nürnberg:

    5066. Ofenmodell von gebranntem Thon mit Reliefverzierungen, 16.
    Jhdt.

    5067. Verzierter Steigbügel vom 17. Jhdt.

    5068. Weiſs- und blauglasierte Schüssel von Steingut, 18. Jhdt.

=Paul Kahle=, Kaufmann, in Berlin:

    5069. 66 ältere Silbermünzen verschiedenen Gepräges.

    5070. 63 Kupfermünzen und Zeichen.

=Würdinger=, Hauptmann u. Vorstand des Alterthumsvereines zu
München:

    5071. Gypsabguſs einer steinernen Guſsform zu Bronzepfeilen.

=Peter Bier=, Bierbrauergeselle, in Birkenfeld:

    5072. Eine aus der Moselbrücke bei Trier gezogene Kupfermünze des
    Kaisers Nerva.

=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:

    5073. Messingjeton vom 16. Jhdt. und 43 neuere Siegel.

    5074. Wappen der Stadt Birkenfeld, Holzschnitt vom 16. Jhdt.

=K. W. Eisel=, Akademiker, in Birkenfeld:

    5075. 3 Bleistiftzeichnungen nach Wappen am Thurm der
    Simultankirche zu Birkenfeld und einer alten Ansicht von
    Burgbirkenfeld.

=Hugo Graf von Walderdorff=, k. k. Kämmerer, zu Schloſs
Hauzenstein:

    5076. Freisinger Sedisvakanzmedaille in Silber, 1788.

    5077. Regensburger Sedisvakanzthaler, v. 1787.

    5078. Gulden des Grafen Jos. Nicolaus v. Windischgräz, v. 1771.

    5079. Bleiabguſs der Medaille auf Joh. Phil. Frhrn. v. Walderdorff.

    5080. 4 Gypsabgüsse und 2 Photographieen nach Medaillen des 16. u.
    17. Jhdts.

    5081. 4 Wallfahrtszeichen der „schönen Maria“ zu Regensburg.

    5082. Stammbaum der Grafen v. Walderdorff, Druck.

    5083. 3 Porträts aus der Familie der R.-Grafen v. Walderdorff, in
    Kupferstich.

=Hubrich=, Oberförster, in Ellingen:

    5084. 2 unter dem Erdreich gefundene Hufeisen.

=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, Prof. u. Inspektor des k.
Kupferstichkabinets, in München:

    5085. 2 Spielkarten mit Orakelsprüchen, vom 18. Jhdt.

=Elsner=, Buchdruckereibesitzer, in Wolgast:

    5086. Bruchstück einer am Strande der Ostsee gefundenen verzierten
    Graburne.

    5087. 1 Stralsunder Witte, 1 Wismarsches Zweischillingsstück u. 1
    dän. Vierschillingsstück.

    5088. Erinnerungsblatt an das 4. Säcularfest der Buchdruckerkunst
    in der Elsner’schen Buchdruckerei zu Wolgast.

    5089. Ansichten von Wolgast, Steindr. v. F. Elsner.

    5090. Karte des Jahdebusens, Holzschn. v. C. Elsner, nach der
    Peutinger’schen Karte.

    5091. Ein Stück Bernstein und ein Büschel Wolle von Merinoschafen
    zu Ranzin.

=Hammer=, Oekonom, in Heroldsberg:

    5092. 2 halbe Schillinge des Burggrafenthums und der Stadt Nürnberg
    vom 15. Jhdt., aus dem Funde von Oberschellenbach.



Chronik der historischen Vereine.


/Verhandlungen und Mittheilungen der juristischen Gesellschaft in
Laibach./ II. Band, 13. u. 14. Heft. Redigirt vom ersten Secretär,
Bürgermeister Dr. E. H. Costa. Laibach, 1866. 8.

/Verhandlungen des historischen Vereins für Niederbayern./ XI.
Band. 3. u. 4. Heft. Landshut, 1866. 8.

Frauenhofer’s Leben und Wirken. Von Sigmund Merz. -- Beiträge zur
Rechtsgeschichte von A. Kalcher. -- Beiträge zur Geschichte des
Chorherren-Stiftes St. Nikola bei Passau. -- Beiträge zur Geschichte
der Pfarrei Eching, im k. Bezirksamte Landshut. Mitgetheilt von Dr.
Wiedemann. -- Hans Mayr’s Lobspruch der Stadt Landshut. Mitgetheilt von
Joseph Maria Wagner.

/Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und
Aschaffenburg./ Neunzehnter Band. Erstes Heft. Würzburg, 1866. 8.

Geschichte des Schlosses und Amtes Bodenlauben und seiner Besitzer.
Von Dr. Carl Boxberger. -- Ueber den Grad der Zuverläſsigkeit der
Weisthümer, nebst zweien dahin einschlagenden Weisthümern. Von Dr.
Kittel. -- Kleine Beiträge zur Geschichts- und Sagenforschung des
Frankenlandes. Von Dr. A. Kaufmann. -- Beitrag zur Geschichte der
Wallfahrtskirche und ehemaligen Beguinenklause auf dem Kirchberge bei
Volkach. Mitgetheilt von Dr. N. Reininger. -- Die älteren Verhältnisse
der Stadt Lohr. Von Dr. Fried. Stein.

/Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart./ LXXXI. Hans
Jakob Breunings von Buchenbach Relation über seine Sendung nach England
im Jahr 1595. Mitgetheilt von August Schloſsberger. Stuttgart, 1865. 8.

LXXXII. LXXXIII. Paul Fleming’s deutsche Gedichte. Herausgegeben von J.
M. Lappenberg. I. II. Stuttgart. 1865. 8.

LXXXIV. Gallus Oheim’s Chronik von Reichenau. Herausgegeben von Dr. K.
A. Barack. Stuttgart. 1866. 8.

/Mittheilungen des königlich Sächsischen Vereins für Erforschung
und Erhaltung vaterländischer Geschichts- und Kunst-Denkmale./
Vierzehntes Heft. Mit 3 lithographierten Abbildungen. Dresden, 1865. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Urkunde über das Arno-Kreuz bei Klaffenbach
vom 15. Juni 1863. (Im Auszuge.) -- Martin Römer. Ein biographischer
Beitrag zur sächsischen Culturgeschichte. Von Dr. E. Herzog. -- Das
Kloster Buch in seinem Ursprunge, Wachsthume und Glanze. Von Cantor
Hingst. -- Beschreibung der drei lithographirten Abbildungen (Kanzel,
Monstranz u. Monstranzkapsel).

/Philologische und historische Abhandlungen der Königlichen Akademie
der Wissenschaften zu Berlin./ Aus dem Jahre 1864. Berlin, 1865. 4.

Der Dreiſsigste. Von Homeyer.

/Nachrichten über den Kunst-Verein und über die Kunstausstellungen
in Halberstadt/, in den Jahren 1864 u. 1865. Fünfzehntes Heft.
Halberstadt, am 30. December 1865. 8.

/Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein
und Lauenburg/, herausgegeben von der /S. H. L. Gesellschaft für
vaterländiche Geschichte/. Band VIII; Heft 3. Kiel, 1866. 8.

Die Prediger der schleswig’schen Generalsuperintendentur von 1848-1865.
Von Dr. Friedrich Volbehr.

Angeheftet: /Sechsundzwanzigster Bericht/ derselben Gesellschaft.
Erstattet von dem Vorstande im J. 1865. Kiel, 1865. 8.

Bericht des Vorstandes. -- Die Cultur der Bronze-Zeit Nord- und
Mittel-Europas. -- Chemisch-antiquarische Studien, von Dr. F.
Wibel. -- Münzfunde in Schleswig. Von H. Handelmann. -- Ein bisher
unbekannter Witten der Stadt Hannover. Beschrieben vom Pastor Masch. --
Verzeichniſs der Vermehrungen des Museums vaterländischer Alterthümer
zu Kiel.

/Mémoires et documents publiés par la Société d’Histoire et
d’Archéologie de Genève./ T. XVI. Livraison 1. Genève et Paris.
1866. 8.

Conjectures historiques sur les homélies prêchées par Avitus, évêque
de Vienne, dans le diocèse de Genève et dans le monastère d’Agaune, en
Valais, par M. A. Rilliet-de Candolle. -- Genève. Monnaies inédites
et imitations italiennes fabriquées à Pomponesco, Bozzolo, Dezana,
Passerano et Messerano, par M. A. Morel-Fatio. -- Restitution d’un
manuscrit du VI^{me} siècle, mi-parti entre Paris et Genève, contenant
des lettres et des sermons de saint Augustin, par M. H. Bordier. -- Les
Régestes du Vatican relatifs au diocèse de Genève, suivis de quelques
épîtres pontificales inédites. -- Notice sur Fréd. Soret. -- Bractéates
genevoises. Note de M. A. Morel-Fatio. -- Note relative au Mémoire sur
le Homélies d’Avitus. -- Personnel de la société, etc.

/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique./
Trente-troisième année. Tome VI. IV. Série. 374. Livr. Janvier 1866.
375. Livr. Février 1866. Paris. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments
historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société
française d’archéologie pour la conservation et la description des
monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2.
32. Vol. de la Collection. Nr. 2. Paris et Caen, 1866. 8.

Courte visite à Drévant (Cher), en 1865, par M. de Caumont. --
Notice sur la mitre épiscopale, par M. l’abbé Barraud. -- Sépultures
gallo-romaines découvertes dans le Grand-Jardin de Lisieux, par M. A.
Pannier. -- Chapelle de St. Valérie dans la cathédrale de Limoges,
par M. l’abbé Abbellot. -- Découverte de monnaies romaines à St.
Aubin-du-Perron (Manche), par M. Quenault. -- Chronique.

/Graf- en Gedenkschriften der Provincie Oost-Vlaenderen./
Uitgegeven door een Middencomiteit [/Comité central de publication
des inscriptions funéraires et monumentales de la Flandre
orientale/]. 42. Aflevering: Gent, Recolletten-Kerk. II. -- 43.
Aflevering: Gent, Recolletten-Kerk. III. -- 44. Aflevering: Gent, Sinte
Michielskerk. XI. -- Gand, 1865. 2.



Nachrichten.


Literatur.


Neu erschienene Werke.

    11) /Hessische Urkunden/; aus dem groſsherzogl. hessischen
    Haus- und Staatsarchiv zum ersten Male herausgegeben von /Ludwig
    Baur/. Vierter Band. Darmstadt, 1866. 282 Stn. 8.

Der verdienstvolle Verfasser hat mit diesem vierten Bande sein
hochwichtiges Werk abgeschlossen. Es wurde begonnen im J. 1846 und
hatte ursprünglich nur die Bestimmung, die noch nicht veröffentlichten
Urkunden, die sich im reichen Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt
finden, bis zum J. 1399 bekannt zu machen. Dies geschah in den
ersten zwei Bänden, von denen der erste Band 1372 Urkunden über die
älteren Provinzen Starkenburg und Oberhessen, der zweite Band in
zwei Abtheilungen 927 Urkunden aus Rheinhessen bis zum J. 1325, der
dritte Band vorerst die übrigen Urkunden Rheinhessens (im Ganzen 1511)
bis zum J. 1399, sowie einen Nachtrag von 67 Urkunden zu den drei
Provinzen gibt. Der vorliegende vierte Band dehnte die Zeit weiter
aus; er enthält die Urkunden des ganzen Landes aus dem vierzehnten
Jahrhundert, an der Zahl 278. Sie sind meistens in deutscher Sprache,
während die früheren Bände fast nur lateinische enthalten. In diesem
Bande sind die Urkunden der drei Provinzen nicht geschieden, wie
in den früheren. Ueberhaupt hätten wir für Rheinhessen eine andere
Einrichtung gewünscht: man hätte die Urkunden nach den früheren
Territorien scheiden sollen; also z. B. Mainzer, Wormser, Pfälzer u.
s. w. Urkunden, je nachdem sie in diese ehemaligen Gebiete gehören.
Es wären dann freilich in Rheinhessen über dreiſsig Abtheilungen
entstanden, wiewohl von manchen Orten und Landschaften nur wenige
Urkunden sich vorfinden; viele sind z. B. über Oppenheim, Mainz, Worms
u. s. w. vorhanden. Wir freuen uns übrigens sehr, daſs dies schöne und
inhaltsreiche Werk nach 20 Jahren vollendet ist. Nun fehlt nur noch das
Register über die vier Bände, das umfangreich zu werden verspricht. Der
Verfasser hat einen neuen Beweis gegeben, wie unermüdlich er arbeitet,
um die frühere Geschichte des Landes zu erhellen; wir sind ihm dadurch
zu groſsem Danke verpflichtet.

    K.

    12) /Volksthümliches aus Oesterreichisch-Schlesien/, gesammelt
    und herausgegeben von /Anton Peter/. I. Kinderlieder und
    Kinderspiele, Volkslieder und Volksschauspiele, Sprichworte.
    Troppau, 1865. Im Selbstverlage des Herausgebers. 8. XIV u. 458 Stn.

Erst vor kurzer Zeit, bei Besprechung der Mannhardt’schen, inzwischen
in zweiter Auflage erschienenen Monographie über einen in die deutsche
Mythologie und Sittenkunde einschlagenden Gegenstand, fanden wir
Gelegenheit, auf die Wichtigkeit des sorgfältigen Einsammelns der noch
lebend sich vorfindenden volksthümlichen Ueberlieferungen, zugleich
aber auch darauf hinzuweisen, daſs ein groſser Theil der bisherigen
Arbeiten in dieser Richtung den wissenschaftlichen Anforderungen
keineswegs volle Genüge leiste. Der obigen Sammlung jedoch dürfen
wir das Zeugniſs nicht versagen, daſs sie, sowohl rücksichtlich der
Behandlung und Anordnung, als der Reichhaltigkeit des gesammelten
Materials, den bessern Erscheinungen dieser Art sich würdig anreiht.
Das ganze Werk soll drei Bände umfassen, von welchen der noch
rückständige zweite zur Aufnahme der Sagen, Märchen, Bräuche und
Aberglauben, und der dritte für literargeschichtliche, sachliche
und sprachliche Erläuterungen (namentlich Lautlehre und Wörterbuch)
bestimmt ist. Dieser letzte Band wird zu einer eingehendem Besprechung
voraussichtlich mehr Anlaſs bieten, als der vorliegende erste; wir
beschränken uns daher für diesen auf eine nähere Angabe seines Inhalts.
Die Abtheilungen „Kinderlieder“ und „Volkslieder“ umfassen jede wieder
mehrere Unterabtheilungen. Unter die erstgenannte Abtheilung sind
z. B. begriffen: Wiegenlieder, Kindergebete, Sprechübungen, Verkehr
mit der Natur, Neckreime, Räthsel etc. Dieser Abschnitt zählt im
Ganzen (ungerechnet die den „Kinderspielen“ beigesellten Spiel- und
Abzählreime) 423 Nummern. Reich vertreten sind auch die Volkslieder,
welche unter die Ueberschriften: Balladen, Liebes-, Jäger-, Hirten-
und Soldatenlieder, u. a. vertheilt sind. Die Zahl derselben beträgt
193, darunter mehrere in der Mundart. Der Herausgeber hat sich bei
jedem einzelnen persönlich überzeugt, daſs es wirklich im Munde
des österreichisch-schlesischen Volkes lebt. Dürftiger ist die
Sammlung der Sprichworte und Redensarten, die jedoch mit geringen
Ausnahmen originell, d. i. mundartlich gefaſst sind. Die Sammlung der
Volksschauspiele wird eröffnet durch ein gröſseres Weihnachtsspiel, aus
Obergrund stammend: „Die Erschaffung der Welt sammt der Menschwerdung
Jesu Christi“, woran sich noch drei kleinere „Christkindelspiele“
reihen. Der Herausgeber glaubt, daſs der Text des ersteren der
Hauptsache nach mindestens in’s 16. Jahrhundert zurückreiche.


Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 17. Ueber eine alte Weltkarte in der
Markusbibliothek zu Venedig. -- Die Wenden der Niderlausitz. (Franz
Maurer.)

/Daheim/: Nr. 30. Luther in der russischen Legende.

/Grenzboten/: Nr. 18. Die Stellung der Römer in den Staaten der
Völkerwanderung. -- Nr. 19 f. Deutsche Studenten in alter Zeit.

/Hausblätter/: 8. Heft. Sagen aus dem Spessart. 15-17. (Adalb. v.
Herrlein.)

/Sächs. Kirchen- und Schulblatt/: Nr. 17 f. Ein eigenhändiger,
ungedruckter Brief des Dr. Justus Jonas. (J. K. Seidemann.) -- Nr. 18.
Die Sage von Luther’s Widerruf seiner Abendmahlslehre.

/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 15-18. Zur Geschichte und
Charakteristik der evangelischen Kirche in Rheinland und Westfalen.

/Korrespondent/ v. u. f. D.: Nr. 188 ff. Aus dem Aischgrund. --
Nr. 206. 208. Zur Sage von der weiſsen Frau. -- Nr. 210. Der deutsche
Michel. -- Nr. 214. Die älteste Erwähnung eines deutschen Parlaments.
-- Nr. 221. Eine Reminiszenz an das Kloster Himmelkron.

/Deutsche Kunst-Zeitung/: Nr. 13. Ueber die gegenwärtige
Restaurirungsweise mittelalterlicher Bauwerke. (Karl Köhler.)

/Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 20 (116), S. 143. Ein
deutscher Bischof des 11. Jahrhunderts. (Rudolf Usinger.)

/Deutsches Museum/: Nr. 14 f. Die Entwicklungsgeschichte des
Schweizreisens. (Eduard Osenbrüggen).

/Novellenzeitung/: Nr. 16 f. Die Wahrheit über den Blaubart,
französischen Marschall und Waffengefährten der Jungfrau von Orleans.

/Schles. Provinzialblätter/: März. Nachrichten von dem ehemaligen
Franziskanerkloster (jetzt Gymnasium) zu Gleiwitz. (Franz Idzikowski.)

/Münchener Sonntagsblätter/: Nr. 15. Maximilian I., Churfürst von
Bayern.

/Ueber Land und Meer/: Nr. 29. Das Münster von Freiburg. -- Nr.
31. Die Ruinen der Abtei Allerheiligen im badischen Schwarzwald. -- Der
erste Mai. Das Walpurgisspiel.

/Zeitschrift für bildende Kunst/: 5. Heft. Albrecht Dürer in
Venedig. (G. F. Waagen.)

/Allgem. Zeitung/: Beil. Nr. 102 ff. Der Judenmord zu Deggendorf
(1337). (Ludw. Steub.) -- Nr. 117. Keplers wahrer Geburtsort.

/Bayer. Zeitung/: Morgenbl. Nr. 100 f. Zum Passionsspiel in
Thiersee in Tyrol. -- Nr. 104. Ueber neuentdeckte Pfahlbauten im Lago
di Fimon bei Vicenza. -- Nr. 117 ff. Die Walküren. Ein Vortrag. (Dr.
Wilh. Hertz.) -- Nr. 127. Christoph Leuttner, ein bisher unbekannter
Compositeur Bayerns. (Sighart.)

/Illustr. Zeitung:/ Nr. 1189. Die Festung Spielberg bei Brünn. --
Nr. 1191. Altdeutsche Frühlingsfeier.

/Leipziger Zeitung:/ Wiss. Beil. Nr. 27 ff. Ernst der Fromme,
Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg.

/Weimarische Zeitung:/ Nr. 103. Slawische Ortsnamen in der
Umgegend von Jena. (Notiz.)



Vermischte Nachrichten.


~Entdeckung eines merkwürdigen Grabes aus der Stein- und
Bronzeperiode.~

43) Der Mittheilung meines verehrten Freundes Dr. J. G. Burman-Becker
in Kopenhagen verdanke ich einen Bericht über die Entdeckung eines sehr
merkwürdigen Grabes aus der Stein- und Bronzeperiode, den ich als eine
antiquarische Neuigkeit aus dem vorrömischen Norden mich beeile, den
Freunden und Forschern der grauen Vorzeit zur Erwägung vorzulegen. Der
Bericht lautet:

„Nachdem man hier in Dänemark in dem Spätjahr 1865 und im Winter 1866
bei Markarbeiten in verschiedenen Provinzen, auf verschiedenen Stellen,
beim Schleifen von Grabhügeln, Grabkammern von groſsen Steinen entdeckt
hat, welche von verschiedener Gröſse waren, und worin man Ueberbleibsel
von menschlichen Körpern, nebst steinernen und bronzenen Gerätschaften
antraf, hat man im Anfang Januar bei dem Dorfe /Enslev/, nicht
weit von dem Städtchen Grenaae im nördlichen Jütland, eine Entdeckung
gemacht, die nach meiner Ansicht von groſsem Interesse ist.

Man schleifte einen Grabhügel von 200 Fuſs Umfang und 16 Fuſs Höhe und
fand in einer Tiefe von 2 Fuſs ein Skelett, bei dem ein thönerner Topf
stand. Dieses Skelett lag auf einem groſsen Steine, der einen schmalen
Gang deckte, und dieser Gang führte zu einer groſsen Grabkammer, welche
12 Fuſs lang, 6 Fuſs breit und 3 Fuſs hoch war. Zehn groſse Steine
bildeten die Wände, und drei groſse, ebene Steine die Bedeckung. Die
Kammer enthielt viel Erde und eine Masse von menschlichen Gebeinen,
worunter zwanzig Köpfe; zwischen dieser Masse fanden sich zwei
ausgezeichnete Dolche oder Messer von /Feuerstein/, eine Perle
und zwei unbekannte Gerätschaften von /Knochen/, nebst sieben
Perlen von /Bernstein/. Aber oben auf dieser ganzen Masse lag ein
Skelett in ausgestreckter Stellung von Osten nach Westen. Der Kopf lag
im Westen, dabei /bronzene/ Ueberbleibsel einer groſsen Nadel und
eine Perle von gewickeltem /Golddrahte/. Es könnte beim ersten
Anblick scheinen, als ob dies ein Begräbniſs sei aus dem Steinalter,
welches im späteren Bronzealter noch benutzt wurde; aber hat man, um
den oben Aufliegenden zu beerdigen, die groſse Masse Erde wegschaffen
und die ungeheuren Decksteine aufheben können? Denn in der Grabkammer
ist kaum Platz genug gewesen, um, von der Seite eindringend, den
oben Aufliegenden auf der unten liegenden Masse von zwanzig Leichen
aufzuheben und zu placieren. Sind aber die einundzwanzig Leichen hier
auf einmal begraben, und ist erst dann die Kammer mit den ungeheuer
schweren Steinen gedeckt worden, so müssen wir schlieſsen, daſs manche
groſse steinerne Grabkammern jünger sind, ale man bisher in Dänemark
geglaubt, und dem späteren bronzeführenden Volke zugeschrieben werden
müssen.“

    /Leiden/, 17. April 1866.      L. J. F. /Janssen/.

44) In /Gera/, wo man 1852 gelegentlich von Erdarbeiten neben der
Jahn’schen Maschinenbauanstalt auf eine heidnische Begräbniſsstätte
mit Urnen, Bronzegegenständen u. s. w. stieſs, sind gegenwärtig beim
Ausgraben in der Bahnhofstraſse, westlich vom Jahn’schen Etablissement,
wieder in groſser Anzahl /Urnen/ nebst mehren /bronzenen
Gegenständen ausgegraben/ worden. Augenscheinlich hat man hiemit
die westliche Grenze dieses uralten Begräbniſsplatzes aufgefunden. Im
nächsten Herbste sollen auf dem dazwischen liegenden Feldgrundstücke
systematische Nachforschungen angestellt werden.

    (Ill. Ztg.)

45) Unweit /Lilkeberg/ in Jütland wurden beim Umgraben einiger
Hügel mehre /interessante Alterthümer gefunden/. Dieselben
bestanden aus einem langen, dünnen, goldenen Drahte, der offenbar als
Fingerzierde gebraucht worden war; ferner aus zwei Spieſsen, vier
Ahlen, drei Messern, einer Nadel, einer Zange, einer Pfeilspitze und
einer Schraube; alles von Bronze. Diese Gegenstände befanden sich auf
dem Boden einer Gruft nebst einigen irdenen Urnen, die man jedoch nicht
unbeschädigt zu Tage zu fördern vermochte.

    (Dies.)

46) Bei /Pest/ sind unterhalb der alten Schiffbrücke durch die
Baggermaschine einige /interessante Alterthümer/ aus der Donau zu
Tage gefördert worden, die da wol 1500-2000 Jahre geruht haben mögen.
Zwei dieser Gegenstände sind derartig petrificiert und mit Kiessteinen
versetzt, daſs sich nur in dem einen an der frei gebliebenen,
zweischneidigen Spitze ein Dolch von 10 Zoll Länge erkennen läſst,
während die Eigenschaft des gröſsern Gegenstandes nicht anzugeben
ist. Der dritte dieser Funde ist ein kurzes Römerschwert; ist der
Griff gleich petrificiert, so erscheint doch die Klinge wohlerhalten.
Sämmtliche Gegenstände sind an das Pester Museum abgegeben worden.

    (Dies.)

47) Auf dem Rittergute /Woynowo/, in der Nähe von Bromberg, fand
man beim Trockenlegen eines Teiches 4 Fuſs unter der Erde einen gut
erhaltenen /Humpen/ aus Zink. Derselbe wiegt 6½ Pfd., ist 14 Zoll
hoch und miſst 2½ Quart. Eingekratzt ist darauf ein Wappen, anscheinend
vom deutschen Ritterorden. Das Wappen enthält nämlich zwei sich
kreuzende Schwerter und ein Kreuz. An dem Henkel befindet sich rechts
der polnische Adler, links das Bromberger Stadtwappen.

    (Dies.)

48) Bei der Vornahme von Erdarbeiten in der /Hees/, eine halbe
Stunde von Xanten im Kleve’schen gelegen, stieſs man auf groſse,
steinharte /Thonröhren/ von etwa 3/4 Fuſs Durchmesser. Da der
Fundort sich nicht sehr weit von dem ehemaligen Römerlager befindet,
so lassen diese Röhren auf groſse unterirdische Wasserleitungen
schlieſsen, welche in jener Zeit bestanden haben müssen.

    (Dies.)

49) Von verschiedenen Seiten wird von der /Auffindung alter
Münzen/ berichtet. In /Templin/, Provinz Brandenburg, ist
am 11. März in einem Hofgarten ein irdener Topf mit kleinen, sehr
alten Silbermünzen verschiedener Gröſse, die zusammen etwa 1½ Pfd.
im Gewichte haben, ausgegraben worden. Einige Tage darauf wurden an
derselben Stelle noch zwei Hände voll von denselben Münzsorten in
der Erde gefunden. Laut Meldung belgischer Blätter hat ein Landmann
zu /Jemelle/ eine Anzahl kleiner Bronzemünzen aus der Zeit
Konstantins I. ausgegraben, und zu /Septfontaines/, einem Dorfe im
Luxemburgischen, fand ein Hofbesitzer beim Einreiſsen einer Scheuer 700
Stück kleiner Silbermünzen, die meist in der Zeit Philipp’s des Schönen
geprägt sind; doch finden sich auch einige von Ludwig dem Heiligen
und Philipp dem Kühnen, eine einzige von Karl von Anjou, König von
Sicilien, und ein Groschen der Stadt Dortrecht vor.

    (Dies.)

50) Aus dem /Museum Francisco-Carolinum/ in Linz sind folgende
Gegenstände /entwendet/ worden: das Gebetbuch des Erzherzogs
Mathias von Oesterreich von 1588, und zwei gemalte Wappenbücher aus
dem 16. und 17. Jahrhundert, unter diesen das Stammbuch des Philipp
Waltinger, sodann die Verlassenschaftsabhandlung der Gemahlin des
Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, Tochter Kaiser Leopold’s, mit
Randbemerkungen des Kurfürsten, und die Genealogie des Hauses Bayern
und der bayerischen Geschlechter, mit Wappenabbildungen von Freimann
von Randegg etc. Wie groſs die Zahl der entwendeten Autographen ist,
läſst sich nicht bestimmen. Sicher ist nur, daſs ein Autograph Kaiser
Leopold’s und ein solches des berühmten Naturforschers Schiffermüller,
geboren zu Hellmansödt, vermiſst werden.

    (Mgbl. z. Bayr. Ztg.)

51) /Eines der schönsten Werke Rembrandt’s/: „Lasset die Kindlein
zu mir kommen,“ welches die Perle der kleinen Bildergallerie des Grafen
Schönborn-Buchheim in Wien bildete, ist von dem Besitzer für 53,000
Thlr. an den Gruben- und Fabrikbesitzer Suermont in Aachen verkauft
worden. Das Bild, für welches ein so auſserordentlich hoher Preis
gezahlt wurde, ist nur 4 Fuſs groſs; es wird der Bildergallerie in der
stattlichen Villa des reichen Industriellen einverleibt.

    (Ill. Ztg.)

52) Das /Opitz-Denkmal/, welches in /Bunzlau/ aufgestellt
werden soll, ist vom Bildhauer Michaelis in Breslau im Modell
vollendet. Dasselbe besteht aus einem schlanken, vierseitigen Postament
mit vorspringenden Ecken. Die Büste des Dichters ist nach einem
Titelkupfer in einem seiner Werke modelliert.

    (Dies.)

53) König Ludwig II. und König Ludwig I. von Bayern haben der
Marktsgemeinde /Vohburg/ zur Erwerbung und Erhaltung des
/alterthümlichen Thurmes/ am untern Thore daselbst, der im
Mittelalter als Vertheidigungsthurm diente und im Jahre 1435 von
Herzog Albrecht III., vermählt mit Agnes Bernauer, bewohnt wurde, seit
mehr als 100 Jahren jedoch sich im Privatbesitz befindet, je 1000 fl.
zugewandt.

    (Korr.)

54) Nach dem Vorbilde der groſsen periodischen Urkundensammlungen,
welche diesseits und jenseits der Alpen für die Erschlieſsung der
archivalischen Schätze sorgen, erscheint seit dem Anfange dieses
Jahres in Venedig eine Zeitschrift, welche sich die /Herausgabe von
Documenten für die Geschichte, die Alterthums- und die Münzkunde/
zur Aufgabe stellt. Sie führt den Titel: „Raccolta Veneta. Collezione
di documenti relativi alla storia, all’ archeologia, alla numismatica.
Venezia nel stabilimento Antonelli.“ Das erste Heft ist von Niccolo
Barrozzi als Redacteur gezeichnet. Die „Raccolta“ wird in drei Heften
jährlich herauskommen und ihr Material namentlich aus den reichen
Schätzen der venetianischen Archive schöpfen.

    (Ill. Ztg.)

55) Die kgl. preuſs. Akademie der Wissenschaften zu Berlin hatte am 3.
Juli 1862 die /Bearbeitung der Regesten der Päpste von Innocenz/
III. /bis mit Benedict/ XI. /als Preisaufgabe/ gestellt.
Nachdem innerhalb drei Jahre keine Bearbeitung dieser Aufgabe
eingegangen war, ist dieselbe Preisaufgabe mit verdoppeltem Preise
(200 Dukaten) wiederholt worden. Die ausschlieſsende Frist für die
Einsendung der dieser Aufgabe gewidmeten Schriften ist der 1. März
1868.


~Der Nutzen des germanischen Museums für die kunstindustrielle
Thätigkeit unserer Zeit.~

Die Alterthumswissenschaft den Schöpfungen auf dem Gebiete der
Kunst und Industrie unserer Tage nützlich zu machen, ist nicht nur
eine sogenannte zeitgemäſse Idee; es ist nicht nur im Interesse der
heutigen Schöpfungen, es liegt im Interesse der Wissenschaft selbst,
in engen Verband mit der Kunstthätigkeit der Zeit zu treten. Selbst
bei fleiſsigem Beschauen der uns von der Vorzeit überlieferten Objekte
prägt sich nur ein flüchtiges Bild ein, das eben, weil es nicht
eingehend, manchmal sogar geeignet ist, eine verkehrte Anschauung zu
wecken und zu nähren. Je mehr man also Veranlassung hat, in das Wesen
der Dinge einzudringen, desto eingehender wird man sie auch studieren.
Nun liegt aber gerade in der Wiederanwendung der Prinzipien und
Formen der dringendste Grund, sich genau damit bekannt zu machen. Der
schaffende Künstler, der in einem gewissen Gebiete arbeiten will, wird
sicher tief eindringen, da er in den eigenen Schöpfungen den Maſsstab
für die Frage findet, ob er auch Alles, ob er auch jede Einzelheit
der zu studierenden Gegenstände genau und richtig erfaſst hat. Eine
solche Controle für die eigene richtige Auffassung hat der Gelehrte
nicht. Es muſs also auch im Interesse der Wissenschaft liegen, wenn
sie mit dem praktischen Leben in Verbindung gesetzt wird. Deshalb hat
auch das germanische Museum von jeher mit Vorliebe darauf gesehen,
solche Verbindungen herzustellen, die auf der andern Seite sicher der
heutigen Kunst und Gewerbsthätigkeit in so auſserordentlicher Weise
förderlich sind. Wir brauchen hier nicht auf die groſsen Anstrengungen
hinzuweisen, die allenthalben in Frankreich und England gemacht werden;
wir brauchen nicht daran zu erinnern, daſs das South-Kensington Museum
in London und das neue k. k. Museum für Kunst und Industrie in Wien
eigens dem Zweck gewidmet sind, das, was die Vorzeit uns werthvolles
hinterlassen hat, der Gegenwart dienstbar zu machen, sowohl zu direkter
Nachahmung, als auch zu Studien im Allgemeinen.

Solcher Objekte, die theils zum Studium in allgemein bildender
Richtung den Industriellen dienen, theils direkte Nachbildung finden
können, besitzt das germ. Museum in Original und Nachbildung eine
groſse Zahl; noch reicher ist aber das Material, welches Bibliothek
und Kupferstichsammlung des Museums bieten, und es könnte manchem
Gewerbevereine, wie manchem einzelnen Gewerbetreibenden damit gedient
sein. Das Museum könnte aber, wenn sich mehrere Gewerbevereine fest
mit ihm verbänden, in dieser Hinsicht noch weit mehr thun. Wir
glauben daher hier auch die Antwort des Museums auf eine Anfrage
des Gewerbevereins zu Fürth dem Publikum, wie den übrigen Kunst-
und Gewerbevereinen Deutschlands bekannt geben zu sollen, und es
würde uns sehr freuen, wenn sich durch Verwirklichung des in dieser
Antwort Ausgesprochenen das Museum in der Lage sähe, der heutigen
Gewerbsthätigkeit so groſsen und wesentlichen Nutzen zu bringen.


/An den löblichen Gewerbeverein in Fürth./

Die verehrliche Zuschrift vom 17. April 1866 hat dem germanischen
Museum von den Bemühungen des löblichen Vereins Kenntniſs gegeben,
eine der Hauptaufgaben der Industrie unserer Zeit ins Auge fassen und
die Erzeugnisse des Handwerks durch die Kunst veredeln zu wollen.
Derartige Bestrebungen, die in England und Frankreich so gute Früchte
getragen haben, werden auch bei uns nicht ohne Wirkung sein. Der Verein
hat aber auch die richtige Basis für derartige Bestrebungen erkannt,
indem auch in Frankreich und England die Museen, welche die Schätze der
Kunst- und Gewerbsthätigkeit der Vorzeit umfassen, die Basis für alle
derartige Studien waren.

Sind es nun schon in den französischen Museen neben den Werken der
Antike vorzugsweise /deutsche/ Erzeugnisse des Mittelalters
und der Renaissance, welche dem Studium geboten werden, so ist
mit Recht vorauszusetzen, daſs deutsche Museen auf diesem Gebiete
noch weit reichhaltigeres Material bieten müssen. Es war also
ein sehr angemessener und nachahmenswerther Schritt des Fürther
Gewerbevereins, das germanische Museum in dieser Richtung um seine
Mitwirkung anzugehen. Das Museum besitzt in seiner Bibliothek kostbare
Prachtwerke, die einzelnen Vereinen ganz unzugänglich sind, und hat
in seiner Kupferstich- und Zeichnungssammlung eine solche Menge von
Einzelblättern, daſs es in der That jedem Gewerbeverein viel Material
liefern kann.

Das Museum übersendet daher gegen gefällige Empfangsbestätigung dem
löblichen Vereine beifolgend einige Werke und Einzelblätter, die, ohne
alles System gewählt, die Reichhaltigkeit der Sammlungen illustrieren
sollen.

Was die in der verehrlichen Zuschrift angedeutete fortgesetzte
Verbindung betrifft, so durfte solche dem Vereine jedenfalls förderlich
sein. Der gröſste Nutzen für alle Theile würde jedoch dann entstehen,
wenn ebenso, wie der Verein zu Fürth, eine Anzahl anderer Vereine
mit dem Museum sich verbände und jeder Verein einen angemessenen
Beitrag von vielleicht 50-100 fl. jährlich leistete. Das Museum würde
alle diese Beitrage /ganz ausschlieſslich/ auf Anschaffung von
kostbaren und theuern Kupferwerken und Einzelblättern, vorzugsweise
Photographieen und nicht veröffentlichte Handzeichnungen, verwenden
und diese bei allen Vereinen circulieren lassen. Würden sich auf diese
Weise etwa 20 Vereine betheiligen, so könnte es das Museum übernehmen,
jeden Verein fortwährend mit einer bestimmten Menge von Material zu
versehen, das alle 4 Wochen regelmäſsig wechselte. Das Museum könnte
auch in den Wintermonaten, wo seine Sammlungen weniger besucht sind,
einzelne Objekte aus diesen Sammlungen oder ganze Serien einzelnen
Vereinen zur Ausstellung auf je 4 Wochen zustellen, wobei allerdings
das Museum nur solche Gegenstände senden könnte, für die durch den
Transport kein Schaden zu befürchten ist, oder die durch die Vereine,
im Falle sie Schaden leiden würden, eben wieder leicht ersetzt werden
könnten, wie Gypsabgüsse u. s. w.

Wir hoffen, dem löblichen Vereine hier in seinen Anschauungen begegnet
zu sein, und würden uns sehr freuen, wenn es dem Vereine gefiele, in
Verbindung mit einer Anzahl anderer Vereine ein derartiges Abkommen mit
dem Museum zu treffen.

    /Nürnberg/, den 12. Mai 1866.

    Hochachtungsvollst
    Der I. Vorst. d. germ. Museums
    A. /Essenwein/.
    Dr. J. R. /Erbstein/,
    I. Sekretär.


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                       1866.    Nº 6.    Juni.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



Über einige mittelalterliche Elfenbeinschnitzwerke und besonders über
ein Spiegelgehäuse im Cistercienser-Stifte Reun in Steiermark.

Von /A. Essenwein/.


Die Kunst der Elfenbeinschneiderei des Mittelalters hat uns zahlreiche
kleine Werke hinterlassen und bietet uns so einen vollkommenen
Ueberblick über ihren Entwicklungsgang. Da die Werke klein sind und
sehr leicht in Gypsabguſs reproduciert werden können, so ist es auch
möglich, eine gröſsere Anzahl zum Vergleichen neben einander zu legen.
So hat die Arundel Society in London eine Serie von etwa 200 Stück in
vortrefflichen Gypsabgüssen in Umlauf gesetzt, die alle Perioden vom 2.
bis 17. Jahrh. umfassen.

Das germanische Museum besitzt auch eine ziemlich reiche Sammlung von
solchen Gypsabgüssen neben einigen guten und werthvollen Originalen.
Als charakteristisches Merkmal ergibt sich, wenn eine derartige Serie
zusammengestellt ist, daſs der Betrieb dieser Elfenbeinschnitzerei ein
ziemlich handwerklicher war, daſs eine einmal festgestellte Composition
nicht blos unendlich variiert, sondern daſs sie auch vielfältig
direkt copiert wurde. Es ist dies der Fall sowohl bei religiösen, als
bei profanen Gegenständen. Von den älteren Werken erscheint jedes
einzelne selbständiger, vielleicht aber auch nur, weil sie seltener
sind. Von einer Darstellung wenigstens, der „/Tod Mariä/“, nach
einer byzantinischen Composition, sind uns mehrere, fast identische
Werke bekannt. So befindet sich eines im Museum zu Darmstadt, das im
german. Museum durch einen Gypsabguſs vertreten ist; ein zweites in
Kloster-Neuburg bei Wien, das gleichfalls durch einen Abguſs im Museum
vorhanden ist. Letzteres ist auch publiciert in den Mittheilungen der
k. k. Central-Commission für Baudenkmale, VII. Jahrg., S. 142. Ein
drittes Exemplar befindet sich im Musée Clugny zu Paris. Wir behalten
uns vor, anknüpfend an jene Publikation der k. k. Central-Commission,
auf diesen Gegenstand speciell zurückzukommen, und erinnern hier nur
daran, daſs auch die byzantinische Kunst häufig Wiederholungen eines
und desselben Gegenstandes zeigt, daſs also bei dem Einflusse der
von Osten her auf die abendländische Kunst stattgefunden, nicht blos
manche Motive, sondern auch die Anschauung herübergekommen ist, die
zu einer handwerksmäſsigen, oft und oft wiederholten Copie einer und
derselben Composition führte. Am auffallendsten tritt diese sich stets
gleichbleibende und oft wiederholende Composition in den Werken des 14.
Jahrh. auf. Manche Motive erhalten sich vom Schlusse des 13. bis in die
Mitte des 15. Jahrh. und es ist häufig sehr schwer, einem Werke eine
genaue Zeitstellung anzuweisen. Die Anbetung der heil. drei Könige,
eine auf Diptychen und einzelnen Täfelchen so oft und oft wiederholte
Darstellung, zeigt in deutschen und französischen Werken, die fast
zwei Jahrhunderte umfassen, genau dieselben Figuren, oft in gröſserer
oder geringerer Feinheit, aber stets im selben Kostüme, in derselben
Stellung und Haltung. Es ist nicht das Zeitkostüm, wie es sich in
den Gemälden findet; es sind stets dieselben nach einem Originale
gearbeiteten Figuren. Im Allgemeinen -- es gibt jedoch auch hier
Ausnahmen -- zeigt sodann die gröſsere oder geringere Feinheit, das
gröſsere oder geringere Gefühl und Bewuſstsein auf die ältere, oder auf
die jüngere Zeit, wo ein schon bekanntes Original gedankenlos von den
Gesellen der Kunst reproduciert wurde.

Deshalb sind wir auch nicht so leicht geneigt, ein uns
entgegentretendes rohes Werk so geradezu als Falsificat anzusehen, wie
dies z. B. der sehr gelehrte französische Forscher Didron thut, der die
Hälfte der vorhandenen Elfenbeinsculpturen, oft, wie es scheint, aus
bloſser Laune, als Falsa erklärt hat. Sobald die Serie der Gypsabgüsse
des Museums erst mehr completiert sein wird, hoffen wir von diesem
Gesichtspunkte aus mancherlei höchst interessante Parallelen finden zu
können.

Wir wollen hier jedoch das Gebiet der religiösen Darstellungen
nicht näher berühren und auf das Profane übergehen, wo uns dieselbe
Erscheinung entgegentritt. Fast alle die vielen Elfenbeintäfelchen
(Schreibtäfelchen), Spiegelgehäuse, Kästchen, Kämme u. A. von der
zweiten Hälfte des 13. bis zum Schlusse des 15. Jahrh. lassen sich
auf wenige Grundmotive zurückführen. Wir übergehen hier die gewissen,
theils viereckigen, theils sechseckigen italienischen Kästchen,
die stets ein sich zugewendetes Paar derselben Figuren tausendfach
wiederholen, an den Ecken blos mit anderen Figuren geschmückt sind,
an den Deckeln die nackten geflügelten Menschenfiguren zeigen und
aus verschiedenfarbigem Holz eingelegte Einfassungen haben. Uns
selbst sind mindestens 30 derartige Kästchen zu Gesicht gekommen. Wir
heben eine Gruppe zweier Figuren hervor, die in verschiedenartigen
Situationen neben einander stehen. So befindet sich in der fürstl.
wallerstein’schen Sammlung zu Maihingen ein vom germanischen Museum in
Gypsabguſs veröffentlichtes Täfelchen (abgebildet bei Eye u. Falke,
Kunst und Leben der Vorzeit), das auf beiden Seiten geschnitzt ist; es
zeigt einerseits unter einem Baum knieend einen Mann und eine Frau, auf
dem Baum Amor, eine geflügelte Jünglingsgestalt mit einer Krone auf dem
Haupte, zwei Pfeile auf die unten Knieenden versendend. Der Herr hat
einen Falken auf der Hand. Auf der andern Seite des Täfelchens sind
die beiden Figuren stehend; der Herr setzt der Dame einen Stirnreif
auf. Ein Täfelchen genau von derselben Gröſse, das jetzt im Original
im germanischen Museum sich befindet, zeigt gerade dieselben Figuren
zu Pferde reitend, auf die Jagd ausziehend; wie die beiden früheren
Darstellungen ihre Parallelen in einigen Täfelchen des Louvre und des
Musée Clugny zu Paris finden, so auch das gegenwärtige, das daselbst
mehrmals vorhanden ist, wobei jedoch das des germanischen Museums alle
diese in Paris vorhandenen an Feinheit und Zartheit übertrifft, ohne
daſs ihm jedoch eine gewisse Härte abzusprechen ist.

Dieselbe Darstellung befindet sich auch auf einem Diptychon, das im
Gypsabguſs im germanischen Museum vorhanden ist und dessen zweites
Täfelchen dieselben Figuren, Schach spielend, zeigt. Auch einen Hasen
jagend finden sich ähnliche Figuren. Die Schachscene findet sich wieder
auf einem Spiegelgehäuse im Besitze des Prof. v. Hefner-Alteneck in
München und einem zweiten in der Serie der Arundel Society; ebenso
wiederholt die Reiterscene in dieser Serie.

Andere Spiegelgehäuse derselben Serie zeigen die Erstürmung einer
Minneburg. Sie haben gleichfalls ähnliche Figuren; eines gehört der
Sammlung von A. Fountaine an, ein anderes dem Kensington Museum in
London. Auf einer Büchse im Museum zu Boulogne, deren in vier Felder
getheilter Deckel gleichfalls unter den Gypsabgüssen der Arundel
Society sich befindet, ist ebenfalls diese Minneburg abgebildet.
Ein sehr schönes Exemplar eines Spiegelgehäuses mit einer Minneburg
befindet sich im Museum zu Darmstadt (abgebildet in den Denkmälern
der Kunst von Voit, Caspar, Guhl, Lübke). Hier führen die Damen ihre
Ritter über eine Treppe in die Burg, auf deren Zinnen bereits mehrere
Figuren zu sehen sind. Eine andere Scene zeigt die Minneburg auf dem
Spiegelgehäuse der wallerstein’schen Sammlung zu Maihingen, das durch
das german. Museum in Gypsabguſs vervielfältigt ist. Hier steht oben
auf den Zinnen der Burg Amor, mit dem Bogen Pfeile versendend; es
ist fast dieselbe Figur, wie auf dem früher genannten Täfelchen zu
Maihingen. Hinter den Zinnen stehen Damen, die Rosen auf die Angreifer
herunterwerfen. Ein Theil der Angreifer hat schon die Mauern erstiegen
und liebkost die Damen, die sich ergeben haben. Einer der Angreifer
schieſst Rosen aus der Armbrust; ein anderer ist stehend auf dem
Sattel seines Pferdes zu sehen, von wo aus er eine der Damen, die
an einer Luke steht, liebkost; ebenso hat ein anderer Herr an der
entgegengesetzten Seite bereits eine der Damen umschlungen, die eine
Luke besetzt hält. Aus dem Thore sprengen zwei Damen zu Pferde gegen
zwei Ritter, die mit eingelegter Lanze ihnen entgegenreiten. Die Lanzen
haben statt der Spitzen Rosen und eine der Damen hat statt derselben
einen Zweig mit drei Rosen. Die Ritter haben Rosen auf ihren Schilden;
zu beiden Seiten sitzen Jünglinge auf Bäumen und blasen zum Sturm.
Einem derselben reicht eine Dame von der Zinne aus einen Kranz; der
zweite wird von einer andern Dame mit Rosen beworfen.

[Illustration]

In vielen Zügen mit dieser Darstellung verwandt, jedoch wieder
wesentlich davon verschieden, ist der Schmuck eines Spiegelgehäuses,
das gegenwärtig im Cistercienser-Stifte Reun in Steiermark sich
befindet und vom steiermärkischen Verein zur Förderung der
Kunstindustrie in Gypsabguſs verbreitet worden ist. Es sind dieselben
Personen in anderer Handlung. Es zeigt sich die Breitseite eines
viereckigen Baues; in der Mitte das mit dem Fallgatter verwahrte
Thor, neben dem zu beiden Seiten halbrunde Vorbauten angebracht
sind. Zu oberst auf den Zinnen steht der Liebesgott, gekrönt, mit
ausgebreiteten Flügeln, dem auf dem kleinen Täfelchen zu Maihingen
vollkommen gleichend. Er hält einen Speer gesenkt in der Rechten, auf
der linken Faust sitzt ein Falke. Er nimmt nicht Theil am Kampfe und
erscheint gleichsam als Herr und Gebieter, der die Vertheidigung der
Burg leitet. Zur Rechten ein liebendes Paar; zur Linken ein verwundeter
Krieger, umgesunken in den Armen einer Dame, die ihn pflegt. Aus dem
Thore stürmen zwei Ritter hervor, und hier gilt es nicht einen zarten
Kampf mit Rosen, sondern mit geschwungenem Schwert holt einer der
von auſsen anstürmenden Ritter gegen einen der inneren aus, der den
Hieb zu parieren scheint. Der zweite hinter demselben hat den Speer
eingelegt, und ein zweiter, der den Speer auf der Schulter trägt, kommt
auch hinter dem äuſsern Ritter hergeritten. Beide Kämpfende, sowie
die mit den Speeren, tragen den geschlossenen Helm auf dem Kopfe. Auf
den Decken der Pferde, wie auf den Schilden, haben jedoch beide das
gleiche Zeichen, -- Rosen. Ein Kämpfer mit einer Eisenhaube dagegen
hat eine Rose als Pfeil auf der gespannten Armbrust liegen, um sie
gegen die Burg zu entsenden. Hinter ihm steht eine mit Rosen beladene
Schleudermaschine. Wie die Burg des vorhin angeführten Spiegelgehäuses,
so hat auch die gegenwärtige zwei halbrunde, thurmartige Vorbauten
neben dem Thore, die niedriger sind, als der Hauptbau. Auf der Spitze
der einen steht ein kosendes Paar und eine einzelne Jungfrau, die
einen Stirnreif hält, der etwa dem Armbrustschützen zugedacht sein
könnte. In einer groſsen Spitzbogenöffnung dieses Vorbaues ist wieder
ein kosendes Paar zu sehen. Unmittelbar über der Pforte befindet sich
ein viereckiges Fenster, aus dem zwei Damen heraussehen, von denen die
vordere aus einem Korbe Rosen über die aus dem Thore hervorbrechenden
Ritter wirft, die zweite aber einen Stirnreif einem jungen Manne
reicht, der auf der Platte des zweiten Vorbaus steht. Eine Dame
auf der Platte dieses Vorbaues hilft einem auf einer Strickleiter
emporklimmenden, noch ganz gewappneten Ritter (nur den Helm hat er
abgelegt) in die Höhe, während ein zweiter eben unten die Strickleiter
befestigt; die Pferde beider stehen ledig unten. Den Abschluſs zur
Seite bietet ein ganz ungewappneter Bogenschütze auf einem Baume.
Da der gespannte Bogen in seinen Händen keinen Pfeil erkennen läſst,
so ist anzunehmen, daſs er ebenfalls eine Rose versende. Im Ganzen
befinden sich demnach auf dem Schnitzwerk 22 Personen und 4 Pferde.
Die Composition ist lebendig und selbst was wir heute malerisch
nennen; doch ist der Sache und der Deutlichkeit des Ausdrucks so weit
Rechnung getragen, daſs sich der Maſsstab der Burg nicht nach dem
der Menschenfiguren richtet, sondern die Burg eben nur als Andeutung
erscheint; ebenso sind die Bäume mehr ornamentale Andeutungen, als
Bäume selbst. Die Bewegung der Figuren entspricht vollkommen dem 14.
Jahrhundert.

In Bezug auf das Kostüm scheint uns keine andere Bemerkung nöthig,
als daſs hieraus wieder zu ersehen ist, daſs Schild und Helm nur
unmittelbar beim Kampf selbst benützt wurden; daſs die noch immer
in Eisen gekleideten Krieger, welche nicht unmittelbar kämpfen,
den Helm abgelegt haben; daſs sie endlich bei der Geliebten ohne
jedes Kampfgewand erscheinen. Hinsichtlich der sehr interessanten
Schleudermaschine können wir nur auf Viollet-le-Duc’s Artikel „Engin“
in seinem Dictionnaire de l’architecture française verweisen.

Wenn in dem Spiegelgehäuse aus Maihingen lediglich der Kampf zwischen
Herren und Damen geführt wird und mit der Ergebung der Damen endet, so
erscheint hier als neues Motiv noch der Kampf der Ritter unter sich um
die Minne eingefügt, ein Kampf, der nicht mit Rosen, sondern mit Speer
und Schwert ausgefochten wird.



Die Ausgabe der Sprichwörter Agricola’s v. J. 1548.


Unter diesem Titel hat J. Franck, ein vorbedeutungsvoller, schöner
Name für einen Sammler deutscher Sprichwörter, in dieser Zeitschrift,
1865, Sp. 388 ff., überaus schätzbare Mittheilungen über Agricola’s
Sprichwörter veröffentlicht, deren thatsächlicher Inhalt eines
aufrichtigen Dankes gewiſs ist. Nur geht der Verfasser von der
irrthümlichen Voraussetzung aus, daſs er zuerst einer herrschenden
Meinung gegenüber den wahren Charakter jener späteren Sammlung
dargethan, und kommt andererseits, was noch bedenklicher ist, auf Grund
unzureichender oder miſsverstandener Angaben zu der sicher falschen
Schluſsfolgerung, es müſsten zwei Ausgaben der 500 Sprichwörter
Agricola’s vom Jahre 1548 nebeneinander existieren.

Der Berichtigung dieser beiden Irrthümer bestimmen wir die
nachfolgenden Zeilen und verbinden damit zugleich die Beseitigung
einer oder der anderen kleinen Ungenauigkeit in dem gedachten Artikel.
Wir hoffen damit dem geehrten Verfasser selbst und der gemeinsamen
Sache einen Dienst zu thun; ihm also zunächst sei das Nachstehende zur
vorurtheilslosen und strengen Prüfung anheimgegeben.

I. Es ist /keineswegs/ „bis jetzt allgemein angenommen, daſs die
500 Sprichwörter Agricola’s eine nur verkürzte Ausgabe, eine epitome
der früheren“ von 750 (749) sei. Ebensowenig ist zu beweisen, daſs die
bisherigen Paroemiographen die fragliche Ausgabe „nicht selbst gesehen
haben.“

Ich vermag blos unter unseren Zeitgenossen -- denn der Lebende hat
Recht -- bereits drei namhaft zu machen, die auf Grund autoptischer
Kenntniſs von der fraglichen Ausgabe, wenigstens im Vorbeigehen,
gehandelt haben: Zacher, C. Schulze und, den ich als dritten, wo es
sich um Thatsachen handelt, unbedenklich hinzufügen darf, ich selber.

/Zacher/ hat die Ausgabe mit Nr. 17 bezeichnet, d. h., wie aus
der Vorrede seines Werkes ersichtlich ist, er hat die Ausgabe in der
Meusebach’schen Bibliothek vorgefunden und nach Autopsie beschrieben.

C. /Schulze/ bezeichnet die Ausgabe in einer Uebersicht
sämmtlicher Ausgaben von A’s Sprichwörtern als den dritten Theil dieser
seiner schriftstellerischen Thätigkeit (Herrig’s Archiv, 1862, S. 154)
und rechtfertigt diese Bezeichnung gegen einen übereilten Angriff von
meiner Seite, ebend. 1863, S. 115.

Ich selber habe in der gedachten Zeitschrift, 1862, S. 475, und in
meiner Schrift über Agricola’s Sprichwörter (Schwerin, 1862), S. 53,
mit wenigen Worten, aber für meinen damaligen Zweck ausreichend, von
diesem Werk A’s. gesprochen.

Franck hat demnach nicht das Recht, von einem allgemeinen Irrthum zu
reden, während er allerdings mehr wie jeder andere dazu beigetragen
hat, den wahren Charakter dieser späteren Sammlung in’s Licht zu
stellen. Die Schätzbarkeit dieser seiner Mittheilungen ist aber gerade
der Grund, weshalb wir auch leichtere Versehen berücksichtigen.

II. Sp. 390 das Sprichw. von S. Rochus, Nr. 168, steht Bl. 74a; Spalte
391, Spr. Nr. 290 und 301, stehen Bl. 135a und 138b. An der ersten
Stelle hat allerdings auch die Ausg. von 1548 den Druckfehler 235;
während doch der ganze Text nur 188 gezeichnete Blätter enthält. Die
Ueberschrift „von Halb Rittern, vnnd geflicktem Adel“ geht nicht auf
Spr. 393-411, sondern blos auf Nr. 393, die aus dem Renner entlehnte
Fabel von dem Maulthier, das sein Geschlecht verleugnet; die nächsten
Sprüche schon haben mit der echten oder vermeinten Geschlechtsehre
nichts mehr zu schaffen. Im Uebrigen füge man diese unsere Stelle zu
den von K. Janicke gegebenen Nachweisungen hinzu; s. seinen Artikel:
Die Fabeln und Erzählungen im Renner des Hugo von Trimberg, in
Herrig’s. Archiv, 1862, S. 162.

Sp. 392 rühmt Franck an Agricola, daſs diese seine Sammlung wirklich,
wie der Titel verheiſse, /newe/ Sprichwörter bringe. Nur die
Nummern 8, 54, 167, 169 und 218 (l. 288) fänden sich, wie er nach
wiederholter Vergleichung wahrgenommen, bereits in der älteren
Sammlung. Die wiederholte Vergleichung Franck’s ist aber nicht im
Stande gewesen, /alle/ Aehnlichkeiten und Gleichheiten ausfindig
zu machen. Es lassen sich nämlich, ohne daſs wir unsererseits
Vollständigkeit verbürgen können oder wollen, noch folgende Nummern
hinzufügen.

    1548. Nr. 42. Wer viel redet, der leuget gerne. = 1529. Nr. 211.

    1548. Nr. 92. Du hast ain starcken Rucken. Er kann xx.xxx person
    die hohe stiege hinauff tragē. = 1529. Nr. 199. Er ist starck ym
    rucken. In der Erklärung: Wenn man nu einen hoeflich verreterey
    zeyhen will, so sagt man, Er hat einen starcken rucken, er kan ein
    man, funffzehen, zwentzig auff ein mal die stiegen hynauff tragen,
    das ist, Verraten.

    1548. Nr. 149. Er spart der warhait. = 1529. Nr. 423.

    1548. Nr. 161. Er wird den Ringken an der Thür lassen. = 1529. Nr.
    274.

    1548. Nr. 183. Was du mir flüchest oder wünschest, das bestehe dein
    aignen Hals. = 1529. Nr. 489. Was du mir fluchst, das bestehe dein
    halſs.

Begreiflicherweise gilt dieselbe Zählung von jeder späteren Ausgabe der
749 oder 750 Sprichwörter des Agricola. Die erste, die in runder Zahl
von 750 Sprüchen redet, ist die von Franck angezogene von 1534.

Noch erheblicher ist endlich

III. der Irrthum Franck’s hinsichtlich der verschiedenen Ausgaben
der 500 Sprichwörter von 1548. Was er als sichere Gründe für diese
Vermuthung hinstellt, hat sich mir bei nähererer Prüfung insgesammt als
hinfällig erwiesen; ich wünsche und hoffe geradezu, für den folgenden
Nachweis seine ausdrückliche Zustimmung zu finden.

Francke stützt sich darauf:

    a) Nopitsch und Zacher reden von einer Ausgabe „ohne Vorrede
    und Register.“ Der erstere biete auſserdem in seiner
    diplomatisch-treuen Titelangabe eine abweichende Zeilen-Abtheilung.

    b) Buchholzer, ein theologischer Gegner Agricola’s, behauptet
    ihm gegenüber, gewissermassen, um Agricola’s Antinomismus durch
    seine eigenen Worte zu widerlegen, er habe in seinen Sprichwörtern
    von 1548 deutlich gesagt, daſs „gute Werke nöthig seyn zu der
    Seligkeit.“ Franck hat einen derartigen Ausspruch bei Agricola
    nicht finden können.

Am leichtesten läſst sich das äuſsere Argument zurückweisen. Die ganze
Abweichung bei Nopitsch geht darauf hinaus, daſs er in den Worten
/durch/ J. Agr. E. die Präposition als eigene Zeile zu bezeichnen
versäumt hat. Wenn aber Nopitsch und Zacher davon reden, daſs die
Ausgabe ohne Vorrede 188 Bll. enthalte, so würde ich das, auch ohne
Einsicht meines eigenen Exemplars, dahin verstanden haben: ungerechnet
der Vorstücke sind es 188 Bll. im Ganzen. Um aber ganz sicher zu gehen,
wandte ich mich nach Berlin, wo das von Zacher benutzte Exemplar
sich befindet, und erhielt unter dem 22. Jan. von Herrn Dr. Schrader
folgende freundliche Erwiederung meiner Anfrage, die jede weitere
Erörterung abschneidet: „Ihre Vermuthung über die Agricola-Ausgabe von
1548 ist die richtige. Es sind 20 Blätter Vorstücke, signirt ~Aa~, ~Bb~
und ~A~. Dann folgen, mit der Signatur ~B~ beginnend, die foliirten
Blätter 1-188.“

Hinsichtlich des inneren Grundes ist einzuräumen, daſs Agricola wie
in der früheren Sammlung, so auch hier das Princip der Rechtfertigung
durch den Glauben auf das nachdrücklichste betont hat, und sein
Antinomismus nicht selten hervortritt; man sehe z. B. Bl. 102 a die
Gerechtigkait, die vor Gott gildt, ist nicht auſs dem Gesetze, Sondern
on das Gesetze, offenbaret, auſs glauben ff.

Gleichwohl findet sich eine Stelle, die eine Auffassung wie die von
Buchholzer sehr nahe legt, und nur bei strenger Vergegenwärtigung
der Persönlichkeit Agricola’s ist man vor Miſsständniſs geschützt.
Agricola selbst wird auch hier eventuell den Geist seiner Worte gegen
ihren Buchstaben vertreten haben. In Spr. 9. /Es gehört auff alle
Fragen nicht antwort/ bemerkt Agricola einleitend: auf Narrenfragen
sei keine Antwort erforderlich, wohl aber auf Fragen über Gott und
sein Wesen. Er unterscheidet dann in Gott den geoffenbarten und den
verborgenen Willen und sagt hinsichtlich des ersteren:

„In diesem geoffenbarten willen, sollen wir beharren, dann inn den ist
gefaſst der rechte Gottesdienst, ins wort vnd in die Sacrament, da
hat die seele vnnd das hertz aines menschen frid, inn aller fahr vnd
not, vnd (Bl. 23a) waiſs, wa es trost vnd hilffe suͦchen vnd finden
sol. Nämlich bey Gott, durch Christum. Zum anderen, so soll man auch
den leib, das leben, handel vnd wandel, mässig, züchtig, auffrichtig,
/in allen guͦten wercken/ regiern vnnd halten, anderen leütten
zum dienst, zuͦ rhaten, und zuͦ helffen. Hiernach soll man fragen, vnd
on vnderlaſs diſs leeren, vermanen, vnd alle welt, die darnach fragt,
berichten vnd beantworten. Dann hiedurch wirt verantwortet, alles was
not ist zur säligkait.“

Ich sollte meinen, Buchholzer könnte diese Stelle mit seiner obigen
Aeuſserung recht gut im Sinne gehabt haben. Ob er sie recht verstanden,
ist eine andere Frage, die uns auſserhalb des eigentlich literarischen
oder philologischen Bodens stellt. Genug, daſs von keiner Seite ein
Grund vorliegt, für die Sprichwörter von 1548, d. h. für die 500
/neuen/ Sprüche, eine doppelte Ausgabe anzunehmen.

            Si quid novisti rectius istis,
    Candidus imperti; si non, his utere mecum.

    /Schwerin/, im Februar 1866.

    /Friedr. Latendorf./


_Nachschrift._ Zur Vervollständigung des obigen Beweises ist vielleicht
einem oder dem andern Leser ein Verzeichniſs von Irrthümern Agricola’s
nicht unwillkommen, die sicherlich in allen Exemplaren des fraglichen
Druckes wiederkehren; auch sind sie gewissermassen ein Zeugniſs für
die schriftstellerische Naivetät des 16. Jahrhunderts. Ein ähnliches
Verzeichniſs für die ältere Sammlung habe ich in meinem Buch über
Agricola’s Sprichwörter, 1862, S. 79, zusammengestellt. Auſser dem
Druckfehler /thierern/ für /thieren/ in Nr. 158, s. Franck im
Anz. 1865, Sp. 391 nenne ich:

Spr. 1. Bl. 5a wird von einem weisen Mann „Melicerla in der Insel
Melita“ erzählt, er habe zwei Truhen für empfangene und vertheilte
Wohlthaten geführt, deren erste immer leer geblieben sei. Im Alterthum
ist dies von Simonides überliefert worden; siehe Agricola’s Sammlung,
Spr. 202 und mein Buch über Agricola, S. 18.

Spr. 2. Bl. 9b. bittet Minerva den Jupiter, den „bey der Bosen haut
Cyrce“ (l. Kalypso) weilenden Ulysses zu befreien.

Spr. 2. Bl. 11b nimmt Dionysius dem Aesculap den goldenen Bart, da sein
Vater Jupiter (l. Apollo) bartlos sei.

Spr 153. Bl. 64b nennt Agricola den Creon den Eidam (Aydem) des
Oedipus; er konnte ihn doch nur Oheim oder Schwager nennen.

Spr. 191. Bl. 83b es ist gefarlich, bey den herren am Tische sitzen,
wie dann Cambysis Küniges zu Persien, und des grossen Alexanders
historien zeügen mit Clito, Parmenione, vnd /Collophone/ (l.
Philotas oder einen andern passenden Namen).

Spr. 252. Bl. 115a wird Marius unter den Zeitgenossen des Octavian
aufgeführt.



Eine neue Flugschrift über den englischen Schweiſs des Jahres 1529.

Mitgetheilt von Dr. H. /Häser/ zu Breslau.


Herr Dr. /Davidson/ der Aeltere, praktischer Arzt hierselbst,
ein bewährter Freund der Geschichte der Medicin, war vor Kurzem so
glücklich, auf der hiesigen kgl. Bibliothek ein bis jetzt völlig
unbekanntes, gleichzeitiges Dokument über die Schweiſsseuche des Jahres
1529 zu entdecken, und so gütig, es mir Behufs der Veröffentlichung
mitzutheilen. Die letztere wird um so mehr gerechtfertigt sein, als das
Original, wie es scheint, von der gröſsten Seltenheit ist. Wenigstens
haben weder /Gruner/, der für seine groſse Monographie über 20,000
Schriften nachschlug, noch ich selbst bei der Herausgabe des durch
eigene Nachträge vermehrten /Gruner/’schen Werkes (Scriptores de
sudore anglico superstites collegit Christ. Gottfr. /Gruner/; post
mortem auctoris adornavit et edidit Henricus Haeser. Jenae, 1847. 8.)
von der Existenz desselben eine Ahnung gehabt.

Von Interesse ist, daſs die Schrift selbst nicht Original, sondern
Uebersetzung eines andern anonymen in niederdeutscher Sprache
gedruckten („excussus“) „Regiments“ ist, welche sich vielleicht
noch auf einer norddeutschen Bibliothek vorfindet. Die lateinische
Uebersetzung besteht aus drei Blättern in Quart, ohne Angabe des
Druckortes. Aus der Dedication an zwei Geistliche in Würzburg und
Mellerstadt läſst sich vermuthen, daſs sie in Franken, und, da der
Uebersetzer, /Bartholomaeus Zehner/, auf dem Titel „optimae
indolis adolescens“ genannt wird, also wahrscheinlich Student der
Medicin war (auſserdem auch das Wohlwollen seiner Gönner gegen „omnes
bonos et studiosos“ hervorhebt), daſs sie zu Würzburg gedruckt wurde.
Aus dem Datum der Vorrede (nonis Sept. 1529) ergibt sich, daſs das
Schriftchen erschien, während die Seuche in Norddeutschland allgemein
verbreitet war, und kurz vorher, ehe sie in Süddeutschland auftrat.
(Frankfurt 11. Sept. -- Franken Ende Sept.)

Neues bietet die ihrem Zwecke gemäſs wesentlich therapeutische Schrift
nicht; sie huldigt selbst noch dem im ferneren Verlaufe der Seuche
als nachtheilig erkannten 24stündigen Schwitzen. Im Uebrigen sind die
ertheilten Vorschriften durchaus zweckmäſsig; erfreulich ist namentlich
die Warnung vor den Rathschlägen von „Ungelehrten“ und „allerhand
Aerzten.“

       *       *       *       *       *


    REGIMEN MORBI ISTIUS

nuper exorti, qui per sudorem exitium affert, in salutem omnium &
sanitatem Christifidelium, ex vernacula lingua latinitati donatum per
optimae indolis adolescentem.

    Bartolomeum Zehner.

    Anno Millesimo Quingentesimo vicesimonono Nonis Septembris.
    DIGNISSIMIS CHRISTI SACERDOTIBUS Andreae Fabro Canonico
    Haugensis ecclesiae Herbipolis, & Chiliano Ruperti Mellerstattino.
    Dominis suis & Maecenatibus obseruandis

    Bartolomeus Zehner.

Nuper peruenerat in manus meas libellus quidam, continens remedia
& regimen, quod dicunt, contra illam nouam pestem, quae ex sudore
inferre praesentissimum homini exitium, dicitur, hic quia vernacula
lingua inferioris Germaniae excussus erat, non poterat apte dono
mitti hominibus superioris Germaniae, quia ferè parum aut nihil in
eo intellexissent nostrates. Transtuli ergo in latinam linguam, non
tamen in hoc vt publice ederetur, sed vt vno & altero descripto gratum
facerem amicis nostris. Quod cum vidisset alter atque item alter apud
me, non destiterunt precibus me cogere & minis quousque me vicissent vt
tandem publice assentirem aeditioni. Quare optimi Maecenates colendi
sui domini, si qua vtilitas in rem illinc publicam manare posset, volo
vobis acceptum ferendam esse, qui omnes bonos & studiosos amore et
officijs amplecti et vobis deuincere numquam cessatis.

                        Valete.
    OMNIBUS PIIS ET CHRISTI FIDELIBUS SALUS ET GRA-
                    tia à Domino deo.

Non dubium est, noui hoc morbi genus immissum à deo optimo Maximo in
vindictam & vltionem negligentiae & contemptus praeceptorum & salutaris
verbi sui, sicut & olim varia genera eandem ob caussam exorta sunt,
& afflicturum varijs quoquè pestibus comminatus sit, quia fallere
non potest deus. Deut. 28. Leui. 26. Istud apparet manifestissime,
quia abundanter & copiose verbum nobis reddidit suum nostris turpibus
aliquandiu absconditum & subductum propter peccata nostra, nec tamen
quisquam est, heu, qui accipiat vel tribuat cum virtute. Euangelizantes
annuntiare debentes pacem, nescio quomodo permisceant coelum terre
omnia peruertentes qui aedificare deberent in concionibus agentes
magis histriones quam veri verbi praecones. Auditores autem quem
fructum referunt? acceptis zizanijs non gignunt certe ficus vel
vuas, nam vtcunque isti protracti sunt forte in odium vel cleri vel
potestatis vel proximi jamsatis ante illis iniquiores, porrò insaniunt
& saevire gestiunt in eos amplius: Ita salutare dei verbum, fit nobis
offendiculum & petra scandali, quo nostra vita adiuuari debuerat.
Verbum enim in medium positum poenitentiam primum agere praecipit
omnibus, & vt à suis peccatis quisque conuertatur, primum trabem
de oculo suo nequam amoueat & deinde fratrem benigne adiuuet, non
persequatur & grassetur in eum, quod Abangelici fecerunt.

Quare mirum non est, cum omnes declinemus, nemo sit qui faciat bonum
vsque ad vnum etiam, imò cum non solum in vetera peccata relabamur, sed
etiam praua mens nostra quotidie peior fiat inquirendo assidue fraudes,
voluptates astutias, malas artes technas quibus irritatur deus, mirum,
inquam, ergo non est & iustum deum nouas quotidie pestes iacere,
ferreas parare virgas, quibus nos ad frugem compellere vult, bonitate
& longanimitate sua nimis quam satis diu nunc abutentes. Qui vero
pij & nondum obdurati corde sunt, metuentes iram diuinam, placarique
eam satagentes, ne in ea corripiantur arguti in furore, redeant in
viam, poeniteat peccatorum primumque ex toto corde auertantur à vijs
suis pessimis, reuertentes ad veram viam quae Christus est, per quem
apud patrem misericordiarum non minorem gratiam obtinebimus imò
abundatiorem quam filius ille prodigus Lucam 15. modo eandem humilitate
& confessione testemur indignitatem nostram.

Qui autem corriperentur sudante isto morbo. Ante omnia dedant se
primum deo voluntatem eius in se patientissime ferant, obsecrantes,
vt quicquid sibi intulerit mali, ipse qui author sit omnis boni, in
bonum vertat, spemque suam ita in deum erigat & confirmet, vt certum
habeat, Deum qui affligat corpus nunc suum, maiori misericordia anima
subuenturum suae, Cum sciamus, ipsum corripere quos diligit.

Mente ita confirmata, quia omnis cura sui subreiecta sit in deum,
obseruemus nihilominus nos ipsos regimine subsquenti.

Sciendum est ergo, variam esse inuasionem huius morbi. Quidam enim
primo corripiuntur turbatione aliqua, quidam trepidatione & commotione,
quidam vero frigida concussione quatiuntur.

Alij autem calida turbatione cum sudore & angustijs, qui & ipsi tremore
commouentur.

Alij occupantur ab hoc morbo in somno, vt sudare postea euigilantes
incipiant.

Alij quoque, rarius autem istud, nimio labore fatigati, & alij
calidioribus poculis grauati contrahunt istum sibi morbum.

Vtcunque sit initium morbi, remedium eius idem est. Qui tenetur illo
si decumbit in lecto, ne surgat, sed contineat se in eo, foveaturque
quam calidissime quod fieri possit. Innoxium tamen esset si statim
ex vuo lecto in alterum transiret ab initio, non postea, ne vllus
cum apprehendat aer, qui praesentissimum ex hoc morbo infirmis parit
exitium. Qui ex via, stans & gradiens hoc malo inuaderetur (_sic_),
quantum possunt ad lectum properare debent, nee vestes exuant, sed ita
simul cum vestibus decumbant, soluere tamen possunt vestes propter
respirationem. Lectus vero sit amplus et spaciosus, propter timorem
furoris qui accidere solet ex vehementia doloris. Si vero haberi
non potest, in solo sternatur, vt commodius retineantur aegroti
furere incipientes, & conseruentur ne aliquid aeris illos contingat.
Contineantur ergo 24. horis in lectis cooperti stragulis, summa cura
semper habita ne afflentur aere. Moderato tamen calore, ne vel ille aut
frigus redundent, temperatus enim plurimum proderit. A lateribus tamen
stragula onerari potest ne quicquam aeris ad aegrotum irrumpat, quando
forte moueret se de latere in latus.

Nullum ergo membrum in viginti quatuor horis nudetur, vnicum caput
appareat, totum reliquum corpus diligentissime à vento preseruetur.
Sudor autem à facie bene potest abstergi aegrotantis, calefactis
modo id fiat sudarijs. Praterea si angustiaretur nimium aegrotus
propter spiritum posset aliquantulum laxari circa gutturem stragula:
conseruentur saltem perpetuo calore scapulae, inferioraque membra ne
aliquo frigore corripiantur.

Insuper, diligentia sit, ne aegrotum dormire permittant qui curam eius
susceperunt praescripto temporis spatio. Nam ex somno feruor ille
colligeret se in caput, & duplex periculum pareret.

Potus quoque porrigatur hoc morbo male habenti, qui neque frigidior nec
sit calidior, sed temperatus. Cereuisia scilicet leuior, vel eiusmodi.
Bibat autem ex vase angusti oris, ne sibi ipsi damnum det auidius
ingurgitando, melius tamen esset abstinere prorsus à potu. Quando
autem fieri hoc non potest, parcius quoad potest bibat. Ad haec vti
possunt ad confortandum conseruatiuis rosarum, saccaro candido, & alijs
pectus confortantibus. Caueat autem quisque ne se temere indoctis &
quibuslibet medicis credat. Quia maior pars sine vlla medicinarum cura
conualescit.

Sudor plerunque durat infirmis illis per duodecim horas, postea ex
ingenti aestu maximum cruciatum sentiunt, tum autem diligentius
conseruandi sunt ab omni afflatu aeris, item à somno arcendi.

In hac angustia, refici possunt, odoramentis suauibis vt naribus eorum
adhibeatur pauniculus in aquam lauendularum vel rosarum tinctus.
Poterunt & innoxie aquis illis circa tempora, & frontem refrigerari,
panniculo tamen non nimium madido, sed bene expresso.

Quamuis plerunque hoc regimine, mediante gratia dei, subuentum sit
multis, Cuius auxilio si certo confidimus & aliis subueniri potest,
tamen post horas viginti quatuor expletas nondum cesset diligentia,
sed tunc sollicite attendant & prouideant, vt aegro porrigantur sub
stragulas calefacti panniculi, quibus abstergat sudorem. Deinde quoque
interulam similiter calefactam quam & ipsam sub stragulis induere
debet, tum demum leuetur ex lecto & quam mox circumdetur vestibus
suis, ponaturque ad ignem camini qui non sit vltra mensuram extructus.
Exindeque cibus ei praebeatur modicus si postulat, non autem qui
frigidus sit. Et hoc cito reficiat se modicum. Lectus vero vertatur, &
cooperiatur nouis & tepidis linteaminibus, nec multo post reponatur in
eum infirmus, quietique parum indulgere permittatur.

Porrò, cum iam post viginti quatuor horas periculum cesset, consultum
tamen nihilominus est aegro, vt post aliquot dies vel biduum aut
triduum se ipsum custodiat à frigoribus, totumque corpus calidum
conseruet, sudoremque qui forte proueniret, quam mundissime semper
abstergat, & istud praecipue tempore mutationis lunae.

Praegnantes, aliquod continuis diebus ita regant se, vel partu
proxime vel in ipso partu, tantisper, dum sentiant redijsse sanitatem
pristinam. Omnes abstineant à frigidis potibus, donec vires suas bene
& integre collegeriat, praesertim fugientes in hac peste, quicquid
frigidum fuerit. Istis omnibus tamen praevalet diuina misericordia quae
jugiter cum contritione peccatorum est nobis exoranda. Nam frustra
nunqam imploratur, si vera fide interpelletur.

Quare exhortationes & promissiones diuinae diligenter seligendae sunt
ex sacris literis, indoctis, vulgatiora ista ex Psal. 4. Cum inuocarem.
Psal. 130. De profundis & 30 consimilesque alios, ex quibus aegrotis
spes in deum fulciri, et fidutia roborari debet, vt in omnibus discant,
tam in prosperis quam in aduersis, se & sua omnia deo committere,
proculdubio, benignum patrem experturi. Ita voluntati diuinae
commedetur aegrotus.

       Gratias agant singuli pro sua gratia Deo cui
      sit benedictio, claritas, laus, honor & gloria
              in secula seculorum. Amen.



Regenspurgischer gsundttrunckh.


    Frisch auf Torschen Sohn du Caualier,
    Disen Trunckh den bring ich dir,
    Aufs Römischen Khaysers noth,
    Vnnd all seiner Officiren Todt,
    Aufs Churfürsten von Bayrn verderben,
    Auf der Jesuiter vnd aller pfaffen sterben,
    Aufs Churfürsten von Sachsen khranckheit,
    Vnd aller Schwedischen Soldaten gsundtheit.

              /Der Segen darauf./

    Wie ich die Vers bey mir bedacht,
    So hats ein rechter Raup gemacht,
    Deme auch der Modus nit bewist,
    Was Reimen und censiren ist,
    Der Teuffell woll ihm seinen Trunckh
    Gsegnen et semper et pro nunc,
    Damit er endtlich eben[A] das,
    Was andere mehr auſs disem glas
    Gesoffen haben schon vill Jahr,
    Er khert doch auch in dise schaar,
    Die nunmehr dort im winckhell sizt,
    Allwo man ohne ein offen schwizt,
    Mit einem wort das auf sein gloſs
    Der Trunckh ihm selbst das herz abstoſss.
                                Vale:/:

Dieser /Regenspurgische Gsundttrunckh/ scheint auf ein Glas
eingraviert gewesen zu sein; der /Segen darauf/ wurde dann von
einem späteren Besitzer oder Besichtiger des Glases gedichtet. Ob das
Glas wol noch vorhanden ist?

Der Spruch befindet sich in einem Manuscript in 8. des säkularisierten
Klosters Sanct Veit an der Rott in Bayern; die Bibliothek dieses
Klosters war merkwürdiger Weise bis vor wenigen Jahren in demselben
verblieben, wo sie um eine unbedeutende Summe an einen Händler verkauft
wurde, und, wie es scheint, nun in alle Welt zerstob. Einsender hat
wenigstens dies Buch von einem auſserbayerischen Antiquar bezogen.

Gedachtes Manuscript ist vom Jahre 1656; der Spruch wurde jedoch von
späterer Hand an einer leeren Stelle eingeschrieben.

Titel: „Libellus Pulchras Tragicomoedias continens, summo labore,
summaque industriâ loca recreationis â me supra infrascripto
conscriptus H/H H.“

Wer dieser infrascriptus ist, kann nicht ersehen werden, denn der
Schluſs des Buches lautet nur:

„Finem huic imposui libello 2. die Augusti Anno 1656.“ „Compactus
fuit iste libellus 3. die decembris Anni millesimi sexcentesimi,
quinquagesimi sexti pro quo compingendo dedi viginti duos crucigeros et
duos nummos.“ (Gepreſster Hornband mit Spangen.)

Die zehn lateinischen Tragödien und Dramen, gröſstentheils von
Jesuiten, die genannt sind, gedichtet, füllen 1072 Octavseiten aus und
wurden in den Jahren 1643-1653 zu Salzburg, Hall u. s. w. aufgeführt.
-- Die ersten und letzten Blätter enthalten einige halb deutsche, halb
lateinische Studentenlieder; auch sind hie und da an leeren Stellen
lateinische Gedichte eingeschrieben.

    H.--ff.


FUSSNOTE:

[Fußnote A: /eben/ -- d. h. ebene, hat hier wol die Bedeutung von:
ausgleiche oder sühne.]



Unglückstage.


Gibt es doch auch jetzt noch Leute genug, denen bestimmte Tage des
Jahres als Unglückstage gelten, an welchen sie nichts Wichtiges
unternehmen wollen. Wir dürfen es deshalb unsern Altvordern so hoch
nicht anrechnen, wenn sie auch ihre Unglückstage hatten. Ein alter
Kalender aus der ersten Hälfte des 15. Jahrh. zählt sie auf, um, wie
der Kalendermann ganz naiv sagt, „der erben war zu nemen“, d. h. die
Nachkommen vor Schaden zu warnen. Es sind folgende:

Das sind pos verworffen tag, so in dem jar komen; an den sol man weder
lassen, keuffen nach verkeuffen, nach vmb kein weip werben, und auch
keinerley sach treiben nach tun in den nachgescriben tagen, dy an dem
moneten komen; vnd darvmb ist notturfftig der erben war zunemen: Der
erst ist das ein gend iar, der dritt tag nach lichtmesse[1], der drit
nach sant matheis tag[2], der erst tag des merczen, der virt tag nach
vnser frawen tag jm merczen[3], der zehende tag jm apprilen, der
virt tag vor geory[4], der drit tag im meyen, der sibent tag, so der
mey aus get[5], der newnt tag vor iohanis baptiste[6], der drit tag
vor margarete[7], der negst tag nach margarete[8], an sant marien
magdalenen tag[9], der erst tag im augsten[10], der drit tag nach
augustini[11], der sechst tag vor vnser frauen tag zu herbst[12], an
sant mathes tag[13]), der fünfft tag nach michaelis[14], der sechst
tag vor martini[15], der drit tag nach katherine[16], der ander
tag vor nicolay[17], der ander tag vor sant thomas tag nechst vor
weyennachten[18].

    /Nürnberg/.      /Baader/.


FUSSNOTEN:

[Fußnote 1: 5. Februar.]

[Fußnote 2: 27. Februar.]

[Fußnote 3: 29. März.]

[Fußnote 4: 19. April.]

[Fußnote 5: 25. Mai.]

[Fußnote 6: 15. Juni.]

[Fußnote 7: 10. Juli.]

[Fußnote 8: 14. Juli.]

[Fußnote 9: 22. Juli.]

[Fußnote 10: August.]

[Fußnote 11: 31. August.]

[Fußnote 12: 2. September.]

[Fußnote 13: 21. September.]

[Fußnote 14: 4. October.]

[Fußnote 15: 5. November.]

[Fußnote 16: 28. November.]

[Fußnote 17: 4. December.]

[Fußnote 18: 19. December.]



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                       1866.    Nº 6.    Juni.



Chronik des germanischen Museums.


    /Nürnberg/, den 15. Juni 1866.

Die freundlichen Leser dieser Blätter werden sich erinnern, daſs
das german. Nationalmuseum, um die verschiedenen Vorschüsse, die es
während der ersten Jahre seines Bestehens, namentlich zum Zwecke
der Restauration der in ruinösem Zustande übernommenen weitläufigen
Gebäude des Karthäuserklosters und zur Bestreitung sonstiger
unumgänglicher Einrichtungskosten aufzunehmen genöthigt war, in
ein einziges, geschlossenes Passivkapital zu verwandeln und diesem
eine geregelte Tilgung zu sichern, im Jahre 1861 bei dem Bankhause
/Joseph von Hirsch in München/ ein Anlehen von 65,000 fl.
negoziierte. (Vgl. das Programm am Schlusse der Nr. 10 des VIII.
Jahrganges dieser Zeitschrift.) Dieses „/Bauanlehen/“ fand zwar
recht erfreuliche Theilnahme, indem eine ansehnliche Zahl (68 Stück)
der von dem genannten, die fragliche Angelegenheit in liberaler und
anerkennenswerthester Weise behandelnden Bankhause ausgegebenen
4%igen Partialobligationen (zu 500 fl.) von Gönnern und Freunden des
german. Museums übernommen wurde (vgl. die Bekanntmachungen in Nr.
12 d. Bl. von 1861); gleichwohl verblieb noch immer ein bedeutender
Rest von unbegebenen Aktien. Verhandlungen mit der kgl. Bank dahier,
bei welcher, wie wir bei diesem Anlasse dankbarst anzuerkennen haben,
unser nationales Institut mit seinen Anliegen stets die geneigteste
Berücksichtigung fand, führten dann schlieſslich dahin, daſs die kgl.
Bank jenen Aktienrest im Nennwerthe von 31,000 fl. als interimistische
Deckung für ein altes Hypothekkapitalguthaben von 13,000 fl. und
für ein neues dem german. Museum gemachtes Vorlehen von 17,000 fl.
unter der Bedingung pfandweise übernahm, daſs eine, ihr zur Sicherung
des früheren, damals bis auf 19,000 fl. bereits herabgeschmolzenen
Anlehens von 50,000 fl. vom Gründer unserer Anstalt, Freiherrn v.
u. z. Aufseſs bestellte, und auf seine Güter Freyenfels, Weyer und
Neidenstein hypothekarisch eingetragene Bürgschaft von 25,000 fl.
auch ferner noch bestehen bleibe, was denn auch Seitens des Freiherrn
v. Aufseſs dem german. Museum sehr bereitwillig zugestanden wurde.
So anerkennenswerth nun dieses weitere Eintreten des Genannten für
seine Schöpfung war, eben so freudig haben wir, eingedenk der groſsen
Opfer, die Frhr. v. Aufseſs dem german. Museum in jeglicher Richtung
schon gebracht, wie eingedenk namentlich des Umstandes, daſs derselbe
mit ca. 60,000 fl. (Kaufschillingsrest für seine Sammlungen), die
vorläufig nur mit 2% verzinst werden, /noch/ Gläubiger unserer
Anstalt ist, die uns jüngst gewordene Kunde zu begrüſsen, /daſs die
kgl. Bank/, nachdem die fragliche Schuld des german. Museums im
Laufe der Jahre durch Ausloosung und Rückkauf mehrerer der deponierten
Aktien nicht unwesentlich sich gemindert hat, /die auf des Frhrn. v.
u. z. Aufseſs Güter eingetragene Caution von 25,000 fl. nunmehr hat
löschen lassen/. Wir verbinden mit dieser angenehmen Mittheilung den
Wunsch und die angelegentliche Bitte, daſs Gönner und Freunde unseres
nationalen Werkes durch Uebernahme weiterer, je auf 500 fl. lautender
4% Partialobligationen des hier in Rede stehenden Bauanlehens, wie
solches in vergangenem Jahre wieder Seitens der Herren /Oskar
Benckiser/ in /Pforzheim/ und Hofrath /Dr. Dietz/ dahier
geschah, uns in den Stand setzen möchten, von den bei der königl. Bank
deponierten Papieren mehr und mehr einzulösen. Prospekte mehrerwähnten
Anlehens, das im Wege jährlicher Ausloosung zur Rückzahlung kommt,
stehen auf Verlangen gratis und franko zu Diensten.

Nächst dieser dem Credite unserer Nationalanstalt sehr günstigen
Entschlieſsung hiesiger kgl. Bank haben wir heute zunächst eines
Beschlusses des Gemeinderathes der k. k. /Reichshaupt- und
Residenzstadt Wien/ vom 14. Mai zu gedenken, dem wir auch für das J.
1866 einen Beitrag von 100 fl. ö. W. zu verdanken haben, und der, ohne
unser Zuthun gefaſst, aufs Neue Zeugniſs ablegt für die fortdauernd
rege Theilnahme und geneigte Würdigung, deren sich die Bestrebungen
unseres nationalen Institutes in der Kaiserstadt zu erfreuen haben.

Auch hat, wie wir dankbarst hier hervorheben, die /Gemeindevertretung
der Stadt Nördlingen/, die an der Förderung unseres nationalen
Werkes seit Jahren schon regen Antheil nimmt, den uns bisher gewährten
jährlichen Beitrag von 6 auf 10 fl. erhöht, ein Vorgang, den wir der
Nachahmung von Seiten anderer Gemeindeverwaltungen des deutschen
Vaterlandes hiermit recht warm empfohlen haben möchten.

Die wissenschaftlichen Arbeiten unserer Anstalt, insbesondere
das, Gelehrten wie Künstlern schon recht nutzbringend gewordene
Bilderrepertorium, erfuhren eine sehr wesentliche Förderung dadurch,
daſs die k. k. /Centralcommission für Erforschung und Erhaltung der
Baudenkmale in Wien Separatabdrücke sämmtlicher in den Jahrgängen
V-X ihrer Publicationen benutzten Holzstöcke/ uns zugehen lieſs,
so daſs, da Separatabdrücke der in den ersten Bänden enthaltenen
Abbildungen uns von anderer Seite schon früher zugekommen, nunmehr
der ganze Illustrationenapparat jener umfassenden und gediegenen
Publicationen unserem Repertorium einverleibt werden kann. Möchten
Herausgeber anderer, der vaterländischen Geschichte gewidmeten
illustrierten Werke und Zeitschriften diesem Beispiele recht einmüthig
folgen! Es würde dann über alles in dieser Beziehung Erscheinende hier
eine treffliche Uebersicht zu gewinnen sein.

Die Uebergabe des Seitens hiesigen Magistrats mit Genehmigung der
kgl. Regierung unter Eigenthumsvorbehalt zur Aufstellung in unseren
Sammlungen uns überwiesenen /freih. v. Kreſsischen Münzcabinets/,
dessen wir bereits in unserer vorjährigen Decemberchronik zu
gedenken hatten, ist nunmehr erfolgt und hat, wie erwartet, unserem
numismatischen Materiale einen bedeutenden, sehr werthvollen Zuwachs
gebracht. Es bietet dieses Cabinet, das ausschlieſslich auf Nürnberg
und dessen ehemalige Zugehörungen sich beschränkt, hier aber bis zum
Ende des vorigen Jahrhunderts herauf eine seltene, dem Imhof (Sammlung
eines Nürnbergischen Münz-Cabinets, 2 Bde., Nürnberg, 1780 und 82)
ziemlich nahe kommende Vollständigkeit aufzuweisen hat, namentlich an
/Originalmedaillen des 16. Jahrh./ eine ganz treffliche Folge.

Mit Dank haben wir, was unsere Münzsammlung weiter betrifft, hier
auch zu erwähnen, daſs von einem zu /Furth a. W./ kürzlich zu
Tage gekommenen /Funde bayerischer und bischöflich regensburgischer
Pfennige/ aus der ersten Hälfte des 14. Jahrh. durch unseren
dortigen Pfleger, Herrn /Notar J. Kohn/, geschenkweise alsbald
eine Partie uns übermittelt wurde. Möchte anderwärts bei derartigen
Vorkommnissen ebenso freundlich unserer gedacht werden, um so mehr
als, namentlich was die Münzverhältnisse des Mittelalters betrifft,
die Wissenschaft der sorgfältigsten Registrierung und Untersuchung
vorkommender Funde noch sehr dringend bedarf.

Ein sehr wesentliches Verdienst um unsere Anstalt hat sich neuerdings
weiter Hr. /Georg Widter/, k. k. /Postdirektor/, in /Vicenza/ erworben
durch geschenkweise Ueberlassung einer eigenhändig, mit groſsem
Fleiſse angelegten Sammlung interessanter Materialien zur Geschichte
und Topographie der Provinz Vicenza, sowie auch werthvoller Notizen
über die alten Reste des deutschen Elementes, insbesondere über das
Vorkommen deutscher Orts- und Personennamen daselbst vornehmlich in
den dieser Provinz angehörigen bekannten „Sieben Gemeinden“; und
in ähnlicher Weise hat durch Anfertigung und Ueberlassung eines
Verzeichnisses der im städtischen Archive zu Sulzbach vorhandenen
Pergamenturkunden und einer Abschrift dortiger Bürgerspital-Ordnung
vom 15. Jahrh. unser Pfleger für /Sulzbach/, Hr. /Stadtschreiber Wilh.
Bieswanger/, uns zu besonderem Danke verpflichtet.

Um die Sammlungen des Museums auch minder Bemittelten zugänglich zu
machen und insbesondere dem Arbeiterstande Gelegenheit zu geben,
dort manches Nützliche zu lernen, wurde im Einvernehmen mit dem
Lokalausschusse unserer Anstalt beschlossen, diese Sammlungen vorläufig
bis auf Weiteres an den Sonntagsnachmittagen von 2-4 Uhr zu ermäſsigtem
Eintrittsgelde von 6 kr. (statt 24 kr.) zu öffnen. Es wurde mit dieser
Maſsregel am Sonntage nach Pfingsten der Anfang gemacht. Am Nachmittage
dieses Sonntags besuchten 116, am Nachmittage des folgenden 103
Personen unser Museum.

Neue Pflegschaften wurden errichtet zu /Dahn/ und /Freystadt/ in
Bayern, zu Bad /Bertrich/ in Rheinpreuſsen, zu /Hall/ in Tirol und zu
/Weitz/ in Steiermark.

An neuen Geldbeiträgen sind, auſser den oben bereits genannten, während
des vergangenen Monats noch folgende gezeichnet worden:

Aus =öffentlichen und Vereinskassen=: Von der Stadtgemeinde /Neunburg/
v. W. 1 fl. 12 kr. und von der Stadt /Weida/ 1 fl. 45 kr., ferner vom
Vereine zur Beförderung des Gemeindewohls in /Eutin/ 8 fl. 45 kr., vom
Stenographen-Vereine in Landshut 2 fl. und vom theologischen Seminar zu
/Schönthal/ 5 fl. (einm.)

Von =Privaten=: /Bärn/ (Mähren): Hans Lichtblau,
Freigutsbesitzer 2 fl. 20 kr. (einm.); /Braunschweig/: Kaufmann
Adolph Schmidt 3 fl. 30 kr.; /Cöln/: Erzbischof Paulus,
Excellenz, 8 fl. 45 kr.; /Dachau/ (Bayern): Joseph Eberl,
Notariatsbuchhalter, 1 fl., Andreas Gradinger, Notariatsconcipient, 1
fl., Ludwig Wunderlich, Rentamtsoberschreiber, 1 fl.; /Detmold/:
Dr. jur. Gisbert Rosen, Geheimer Justizrath, 1 fl. 10 kr., Rechtsanwalt
Wilhelm Runnenberg 1 fl. 45 kr.; /Dresden/: Karl von Schleinitz
1 fl. 45 kr.; /Ebingen/: Stadtpfleger G. F. Daser 1 fl. 28
kr. (einm.); /Eutin/: Collaborator J. Kürschner 1 fl. 45 kr.,
Obergerichtsrath Lentz 1 fl. 45 kr. /Fürth/: Lehrer Höchstetter
1 fl.; /Gera/: Obergerichtsadvokat Seifarth 1 fl. 45 Kr.;
/Landshut/: Dr. Michael Fertig, k. Studienrektor, 1 fl. 30 kr.,
Professor Georg Zeiſs 3 fl.; /Mitau/: Oberlehrer H. Diederichs
1 fl. 45 kr.; /Neunburg/ v. W.: Apotheker Andreas Bachmeier 1
fl. 12 kr., Heinrich Filberich, kgl. Staatsanwalt, 1 fl. 12 kr.,
Advokat L. Kleiter 1 fl. 12 kr., Franz Xaver Kornmüller, kgl.
Bezirks-Ger.-Assessor, 1 fl. 12 kr., Handelsmann J. A. Kröner 1 fl.
12 kr., Handelsmann K. Pfaffinger, 1 fl. 12 kr., Gutsbesitzer Ludwig
Quinant 1 fl.; /Nördlingen:/ Benedikt Conrad, Kaminkehrermeister,
Inhaber des Verdienst-Ordens der k. bayer. und württemb. Krone, 1
fl. (statt früher 48 kr.); /Nürnberg:/ Kassier Baumann 1 fl.
30 kr., Kaufmann Philipp Blumröder 2 fl., Friedrich Karl Crämer,
Kaufmann u. Fabrikbesitzer, 3 fl., Dr. med. Ed. Ebermayer 1 fl. 12
kr., Fabrikbesitzer J. Karpf 1 fl., Kaufmann Ludwig Vetter 3 fl.;
/Prag:/ Ingenieur Schmidt 2 fl. (einm.); /Rockenhausen/
(Pfalz): Carl Freiherr von Gienanth, Eisenhüttenwerksbesitzer in
Hochstein 3 fl. 30 kr.; /Schwerin:/ Revisor F. Faull 1 fl. 45
kr., Dr. R. Schultze 1 fl. 45 kr.; /Schwimmbach:/ Theod. Friedr.
Studtrucker, Pfarrer, 1 fl. 12 kr.; /Stuttgart:/ Mechanikus Georg
Seeger 1 fl. (einm.); /Sulzbach:/ Georg Paulus, Bäckermeister
u. Realitätenbesitzer, 1 fl.; /Ulm:/ M. Dauner, Glasermeister
und Stadtrath, 1 fl. 45 Kr., Handlungsgehilfe Sigmund Mayer 1 fl.;
/Vicenza:/ Joh. Jakob Heinrich Ritter von Hohenthurn, k. k.
Hofrath und Landesgerichts-Präsident i. P., 3 fl.; /Wolgast:/
Buchdruckereibesitzer Elsner 1 fl. 45 kr.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir
hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


I. Für das Archiv.

=Wilhelm Bieswanger=, Stadtschreiber, in Sulzbach:

    3343. Regesten von den im städtischen Archiv zu Sulzbach
    vorhandenen 299 Pergamenturkunden von 1305 bis 1797. Pap.

    3344. Abschrift der Ordnung für das Bürgerspital zu Sulzbach. Ende
    des 15. Jahrh. Pap.

=Erffurth=, Fabrikant, in Coburg:

    3345. Neun Decrete und Diplome für den Hofapotheker Donauer in
    Coburg. 1805 bis 1850. Pap.

=Friedrich Bleicher=, Kaufmann, in Nürnberg:

    3346. Fünf Urkunden und mehrere Aktenstücke, das Gamersfelderische
    Haus zu Nürnberg, der Wage gegenüber, betreffend; 1537 bis 1700.
    Pap.


II. Für die Bibliothek.

=Juristische Gesellschaft= in Laibach:

    19,399. Dies., Verhandlungen u. Mittheilungen; Bd. II, 11. u. 14.
    H. 8.

=Siebenbürgischer Museumsverein= in Klausenburg:

    19,400. Ders., Evkönyvei; III. Bd. 2. Heft. 1866. 4.

=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, k. b. Prof. u. Conservator, und
Friedr. Petri, k. b. Baurath, in München:

    19,401. Dies., Ornamentik f. Kunst u. Gewerbe; Taf. 1-6. 1866. 4.

=K. sächs. Verein für Erforschung u. Erhaltung vaterländischer
Geschichts- u. Kunst-Denkmale= in Dresden:

    19,402. Ders., Mittheilungen; 14. Heft. 1865. 8.

=Redaktion der altpreuſsischen Monatsschrift= in Königsberg:

    19,403. Dies., altpreuſs. Monatsschrift; II. Jhrg. 7. u. 8. Heft
    und III. Jhg. 1. Heft. 1865. 1866. 8.

=Schleswig-Holstein-Lauenburg. Gesellschaft für vaterländ.
Geschichte= in Kiel:

    19,404. Dies., Jahrbücher; Bd. VIII, 3. 1866. Nebst d. 26. Bericht.
    1865. 8.

=Comité central de publications des inscriptions funéraires etc.=
in Gent:

    19,405. Dass., Graf- en Gedenkschriften der Provincie
    Oost-Vlaenderen; 42.-44. Aflev. 1865. 4.

=Ferd. Enke=, Verlagshandl., in Erlangen:

    19,406. v. Maurer, Geschichte der Dorfverfassung in Deutschland; I.
    u. II. Theil; 1865-66. 8.

=Allgem. deutsche Verlags-Anstalt (Sigism. Wolff)= in Berlin:

    19,407. Romberg’s Zeitschrift für prakt. Baukunst; Jhrg. 1866, II.
    1-3. 4.

=Vandenhoeck & Ruprecht=, Verlagshandl., in Göttingen:

    19,408. Müldener, bibliotheca historica; Jhrg. XIII, 2. 1865. 8.

=Rudolph Weigel=, Verlagshandl., in Leipzig:

    19,409. Ders., Kunstlager-Catalog; Abth. 25, 27, 29, 31-34.
    1853-66. 8.

    19,410. Archiv f. d. zeichnenden Künste; Jhrg. 6-11. 1860-65. 8.

    19,411. Weigel, die Werke der Maler in ihren Handzeichnungen. 1865.
    8.

=J. N. Enders=, Verlagshandl., in Neutitschein:

    19,412. Enders, die Buchdruckerkunst in ihrer welthistor.
    Bedeutung. 1866. 8.

    19,413. Ders., über Reichenbach’s Hypothesen zur Kenntniſs der
    Meteoriten. 1866. 8.

=Dr. Eduard Löwenthal= in Berlin:

    19,414. Der Cogitant, hg. v. E. Löwenthal; Nr. 1-6. 1866. 8.

=Société des bibliothèques communales du Haut-Rhin= in Colmar:

    19,415. Dies., III. année, 2. séance. 1866. 8.

=Dr. Tr. Märcker=, geh. Archivrath und k. Hausarchivar, in Berlin:

    19,416. Ders., Sophia von Rosenberg, geb. Markgräfin von
    Brandenburg. 1864. 8

    19,417. Ders., der Fall des kurbrandenb. Oberst-Kämmerers Grafen
    Hieron. Schlick. 1866. 8. Sonderabdr.

=K. pr. Friedrich-Wilhelms-Universität= in Berlin:

    19,418. Rudorff, Festrede etc. 1865. 4.

    19,419. Boehm, quemadmodum ab Ottone I. ad Heinrici IV. inita ipsum
    imperium unitatem nationis Germanicae affecerit ejusque artes,
    litteras commercium adauxerit; part. I. 1865. 8.

    19,420. Dove, de Sardinia insula etc. 1866. 8.

    19,421. Fischer, de Ernesti comitis de Mansfeld apologiis et de
    „Actis Mansfeldicis“. 1865. 8.

    19,422. Hille, de continuatore Prosperi A. 641. Havniensi. 1866. 8.

    19,423. Lindner, da concilio Mantuano. 1865. 8.

    19,424-31. 8 weitere akademische Schriften vermischten Inhalts.
    1865-66. 4. u. 8.

=J. W. Steffen=, Bürgermeistereisekretär, in Birkenfeld:

    19,432. Geschichtliche Nachrichten u. Sage von der Kirche zu
    Oberstein. 8.

    19,433. Geschichte der protestantischen Kirche zu Birkenfeld. 8.
    (Titel fehlt.)

=Alexander Gibsone=, Privatier, in Nürnberg:

    19,434. Herrtwich, thüringische Heimathskunde. 8.

    19,435. Beschreibung vom St. Blasius Dom zu Braunschweig. 6. Ausg.
    1850. 8.

    19,436. Schadeberg, Skizzen über den Kulturzustand des
    Regierungsbezirks Merseburg; 1.-4. Abth. 1852-58. 8.

    19,437. Die Grenzboten; Jhrg. 1855-59. 8. (Defekt.)

=Dr. G. Mehnert=, Gymnasiallehrer, in Dresden:

    19,438. Ders., Luther’s und Zwingli’s Streit über d.
    Abendmahls-Dogma. 1858. 8. Propr.

=Heinr. Mor. Neubert=, Bürgermeister, in Dresden:

    19,439. Ders., Vortrag an d. Stadtraths-Collegium zu Dresden über
    die Rechtsverhältnisse der dasigen alten Elbbrücke. 1857. 8.

=Dr. Friedr. Polle= in Dresden:

    19,440. Ders., de artis vocabulis quibusdam Lucretianis. 1866. 8.

=G. Braun=’sche Hofbuchhandlung in Karlsruhe:

    19,441. Mone, Zeitschrift f. d. Geschichte des Oberrheins; Bd. XIX,
    2. 1866. 8.

=Historisch-statistischer Verein= in Frankfurt a. O.:

    19,442. Ders., Mittheilungen; 5. Heft. 1865. 8.

=Verein für Landeskunde von Nieder-Oesterreich= in Wien:

    19,443. Ders, Blätter f. Landeskunde von Nieder-Oesterreich; Jahrg.
    1865, Nr. 7-18. 8.

=Industrie- und Gewerbe-Verein= in Fürth:

    19,444. Ders., Statuten; 4. Aufl. 1861. 4.

    19,445. Fronmüller, Rede etc. 1866. 4.

=Kurländische Gesellschaft für Literatur u. Kunst= in Mitau:

    19,446. Dies., Sitzungs-Berichte etc. 1865. 8.

=Verein für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben= zu Ulm:

    19,447. Ders., Verhandlungen etc.; XVII. Veröffentl. 1866. 4.

=Direktion des Gymnasiums= in Emden:

    19,448. Abicht, römische Blätter. 1866. 4. Progr.

=H. A. Pierer=, Verlagshandlung, in Altenburg:

    19,449. Pasch, zur Kritik d. Geschichte d. Kaisers Tiberius. 1866.
    8.

=J. C. Hofrichter=, Notar, in Windisch-Graz:

    19,450. Ansichten aus d. Steiermark; Heft 41-43. qn. 4.

    19,451. Kutschera, Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; 1.-3. H.
    1865. 8.

=Historischer Verein im Regierungsbezirke Schwaben und Neuburg= in
Augsburg:

    19,452. Ders., 31. Jahres-Bericht f. d. J. 1865. 1866. 8.

=Verein für das Museum schlesischer Alterthümer= in Breslau:

    19,453. Ders., vierter Bericht. 1866. 4.

=Schlesinger=’sche Buch- und Musikhandl. in Berlin:

    19,454. Firmenich, Germaniens Völkerstimmen; Bd. III, 10-12.
    1864-66. 8.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=F. C. Mayer=, herzogl. sächs. Hofrath, Professor an der
Kunstschule zu Nürnberg:

    5093. 9 Bruchstücke vom Silberbeschlage des Sebaldusgrabes zu
    Nürnberg und 2 Gypsabgüsse von solchen.

=Stiftungsverwaltung des Protestant. Kirchenvermögens= zu Nürnberg:

    5094. 2 Teppiche in Wollenweberei vom 15. Jhdt.

=J. Winzer=, Reallehrer, zu Coburg:

    5095. 3 Silber- und 3 Kupfermünzen vom 17. und 18. Jhdt.

=F. Beyer= in Flensburg:

    5096. Eine Flinte mit Bajonet, Säbel, Tornister, Patrontasche,
    Brodbeutel, Feldflasche, ein Czakostern, eine Tabakspfeife und vier
    Kugeln, sämmtlich von den Wahlstätten auf den Düppeler Schanzen und
    bei Oeversee.

=Th. Rogge=, Oberamts-Ger.-Canzlist, in Rostock:

    5097. 11 Bleiabgüsse Mecklenburger Münzen und Medaillen nebst 3
    Kupfermünzen.

=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

    5098. Thürklopfer mit verzierter Unterlage, 15. Jhdt.

    5099. Gypsabguſs eines Pokals von Elfenbein mit reicher figürlicher
    Ausstattung, vom 17. Jhdt., im Nationalmuseum zu München.

    5100. Gypsabguſs eines geschnitzten Jagdbechers vom 17. Jhdt.,
    ebendas.

=Engelhardt=, Privatier, in Nürnberg:

    5101. Gravierte Elfenbeinplatte mit Darstellung eines Musquetiers.

=Dr. J. H. v. Hefner-Alteneck=, Professor, Inspektor des kgl.
Kupferstichkabinets zu München:

    5102. Figur eines geharnischten Heiligen, Holzstatue vom 15. Jhdt.

=Joh. Zeltner=, Fabrikbesitzer, in Nürnberg:

    5103. 2 Flügel einer Predella, Oelgemälde mit Darstellung des
    Martyriums der 11,000 Jungfrauen, 15. Jhdt.

=Burger=, Stadtpfarrer und geistl. Rath, in Nürnberg:

    5104. 4 Chorstuhlwangen u. 6 gemusterte Fuſsbodenplatten v. 15.
    Jhdt.

=Ascan Conrad= in Charlottenhütte:

    5105. Eine in den Marmorbrüchen des Untersberges gefundene römische
    Kupfermünze.

=J. Kohn=, kgl. Notar, in Furth a. W.:

    5106. 18 bayer. Silberpfennige.

=C. H. Zeh=’sche Buch- und Kunsthandlung in Nürnberg:

    5107. „Nürnbergs alte Kaiserburg von der Südseite“, Tondruck, von
    J. Geiſsler.

=Magistrat der Stadt Nürnberg:=

    5108. Goth. verziertes Thürschloſs nebst Thürring und Unterlage.

=K. k. Centralcommission zur Erforschung und Erhaltung der
Baudenkmale= in Wien:

    5109. Separatabdrücke der im V. bis X. Jahrgange der
    Veröffentlichungen der Commission benutzten Holzstöcke.



Chronik der historischen Vereine.


/Az Erdélyi Muzeum-Egylet Évkönyvei/ (des siebenbürgischen
Museums-Vereins Jahrbücher). Harmadík Kötet. Második Füzet.
Szerkesztette Brassai Sámuel. Két rajzláblával. Kolozsvárt
(Klausenburg), 1866. 4.

/Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erforschung und
Erhaltung der Baudenkmale./ Herausgegeben unter der Leitung Seiner
Excellenz des Präsidenten der k. k. Central-Commission Joseph Alexander
Freiherrn von Belfert. Redakteur: Anton Ritter v. Perger. -- 11. Jahrg.
März-April. Wien, 1866. 4.

Die Alterthümer von Osztrópataka. Von Dr. E. Henszelmann. (Mit
drei Holzschnitten und zwei Tafeln.) -- Reisebericht über die
mittelalterlichen Kirchen in Kärnten. Von Hanns Petschnig. (Mit
dreizehn Holzschnitten.) -- Das Wappen der Stadt Wien. Von Dr. Karl
Lind. (Mit neunzehn Holzschnitten und einem Farbendruck.) -- König
David und der Gott Wuotan. Von Joseph Haupt. (Mit einem Holzschnitt.)
-- Ueber die Grabdenkmale österreichischer Regenten. -- Die Junkherren
zu Prag. Von Bernhard Grueber. -- Der Grabstein von drei deutschen
Ordensrittern. -- Besprechungen. Correspondenzen. -- Notizen: Römische
Inschriftsteine in Riva. -- Der Ofen im Hoforatorium der Domkirche
zu Grätz. (Mit einem Holzschnitt.) -- Die neuesten Funde auf dem
Leibnitzerfelde in Steiermark.

/Blätter für Landeskunde von Nieder-Oesterreich./ Herausgegeben
vom /Vereine für Landeskunde von Nieder-Oesterreich in Wien/. I.
Jahrg. 1865. Nr. 7-18. Wien. 8.

Die Karthause Aggsbach. Von Ferdinand von Hellwald. -- Sitten,
Bräuche und Meinungen des Volkes in Nieder-Oesterreich. Gesammelt und
mitgetheilt von Johann Wurth. II. Liebe, Hochzeit und Ehe. III. Tod und
Begräbnis, Seelen und Geister. -- Privat-Archive in Nieder-Oesterreich.
-- Eidsymbolik. -- Purkersdorf zur Zeit Maria Theresiens. Aus einer
handschriftlichen Chronik von Carl Kurz. -- Fragen zur Förderung der
Ortskunde. -- Der Weinbau in Nieder-Oesterreich vor 200 Jahren. Von
Franz Weigert. -- Daten zur Culturgeschichte von Nieder-Oesterreich.
-- Land und Leute in Nieder-Oesterreich und die Methode, ihre
Eigentümlichkeiten zu erforschen. Von V. Streffleur. -- Kreuzenstein
(U. M. B.). Untersucht und bearbeitet von Friedrich und Ferdinand
von Hellwald. -- Ueber die römischen Alterthümer in Petronell. Von
Karl Landsteiner. -- Ueber die Stellung der Städte Krems und Stein in
der Handelsgeschichte Oesterreichs. Von Dr. Karl Haselbach. -- Die
Freibriefe der Städte Krems und Stein im Kremser Stadtarchive. Von
Felix Eberle. -- Ueber die Bauformen in ihrer zeitlichen Entwicklung.
Von Friedrich Schmidt, Dombaumeister. -- Kleinere Mittheilungen. --
Vereinsangelegenheiten.

/Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu
München./ 1866. I. Heft. I. II. München. 1866. 8.

/Collectaneen-Blatt für die Geschichte Bayerns/, insbesondere
für die Geschichte der Stadt Neuburg a. d. D. und der ehemaligen
Grafschaft Graisbach, bearbeitet von Mitgliedern des /historischen
Filial-Vereines in Neuburg/. Einunddreiſsigster Jahrgang, 1865.
Neuburg, 1866. 8.

Die Pfalzgrafen am Rhein in chronologischer Uebersicht. -- Die
Gieſskunst in Neuburg a/D. Zur Kunstgeschichte im ehemaligen
Herzogthume Neuburg. -- Ein interessanter Wappenschild in Neuburg.
-- Auszüge aus einem Tagebuche der Pfarrei St. Peter aus dem XVII.
Jahrhunderte. -- Dr. M. Leonhard Mayr, Stadtpfarrer zu St. Peter
in Neuburg an der Donau (geb. 1590). -- Monographien: Tagmersheim.
Rohrbach. -- Nekrologe. -- Treffen bei Neuburg den 27. Juni 1800. --
Jahresbericht.

/Einunddreiſsigster Jahres-Bericht des historischen Kreisvereins
im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg/ für das Jahr 1865.
Augsburg, 1866. 8.

/Vereinsangelegenheiten./ -- Beiträge zur Geschichte der
Markgrafschaft Burgau (Fortsetzung), von Dr. P. Luitpold Brunner.

/Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und
Oberschwaben./ Siebenzehnte Veröffentlichung. Der gröſsern Hefte
elfte Folge. Mit 6 Steindrucktafeln. Ulm, 1866. 4.

Die Pfahlbaufunde des Ueberlinger Sees in der Staatssammlung
vaterländischer Alterthümer zu Stuttgart, beschrieben und erläutert von
Oberstudienrath Dr. K. D. Haſsler.

/Vierter Bericht des Vereins für das Museum schlesischer
Alterthümer./ Mit 2 Bildtafeln. Breslau, 1866. 4.

Kupferner Krug des Bartholomeus von Rosenberg, von 1595. (Mit einer
Abbildung.) -- Ueber den gegenwärtigen Stand der Ermittelungen auf dem
Gebiet des schlesischen Heidenthums. Von Dr. Rudolf Drescher. Erster
Theil: Zur Kenntniſs der Fundstätten von heidnischen Alterthümern in
Schlesien. Mit einer Tafel Abbildungen. -- Vereinsangelegenheiten.

/Mittheilungen des Historisch-Statistischen Vereins zu Frankfurt a.
O./ Fünftes Heft. 1865. Geschichte der Stadt Frankfurt an der Oder
von Eduard Philippi. Mit einem lithographierten Stadtplan von 1706.
Frankfurt a. O. 1865. 8. 128 Stn.

/Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen./ Auf Veranstaltung der
/Antiquarischen Gesellschaft in Zürich/ bearbeitet von /Hermann
Wartmann/, Dr. phil. in St. Gallen. Theil II. Jahr 840-920. Zürich.
In Commission bei S. Höhr. 1866. 4. 492 Stn.

/Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte./ Herausgegeben vom
/historischen Verein in St. Gallen/. V. u. VI. St. Gallen, Verlag
von Scheitlin u. Zollikofer. 1866. 8.

Johannes Kesslers Sabbata. Chronik der Jahre 1523-1539. Herausgegeben
von Dr. Ernst Götzinger. Erster Theil. 1523-1525. 388 Stn.

/Joachim Vadiani Vita/ per /Joannem Kesslerum/ conscripta.
E codice autographo. Historicis helveticis d. d. d. historicorum
et amatorum historiae sangallensium coetus nonis septembribus anno
MDCCCLXV. Typis Zollikoferi. 1865. 4. 14 Stn.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments
historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société
française d’archéologie pour la conservation et la description des
monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2.
32. Vol. de la Collection. Nr. 3. Paris et Caen, 1866. 8.

Trois jours à travers champs, par M. Charles Vasseur. -- Essai sur
les origines et les développements du Christianisme dans les Gaules;
par M. Tailliar. -- Ruines gallo-romaines et restes d’un edifice
carlovingien dans l’est de l’ancien Maine; par L. Charles. Chronik.

/Sitzungsberichte der gelehrten estnischen Gesellschaft zu
Dorpat./ 1865. Dorpat. 8. (Mit Abbildungen vorgelegter Alterthümer.)
46 Stn.

/Der Codex Zamoscianus/ enthaltend Capitel I-XXIII, 8. der
Origines Livoniae. Beschrieben und in seinen Varianten dargestellt von
/C. Schirren/. Mit zwei lithographierten Schrifttafeln. Dorpat.
1865. 4. 69 Stn. (Der kurlandischen Gesellschaft für Literatur und
Kunst zu Mitau zur Mitfeier ihres 50jährigen Bestehens dargebracht von
der gelehrten estnischen Gesellschaft zu Dorpat und dem Verfasser.)



Nachrichten.


Literatur.


Neu erschienene Werke.

    13) /Xylographische und typographische Incunabeln der königlichen
    öffentlichen Bibliothek zu Hannover./ Beschrieben von
    /Eduard Bodemann/, königl. Rath und Secretär der königl.
    öffentlichen Bibliothek zu Hannover. Mit 41 Platten typographischer
    Nachbildungen der Holzschnitte und Typenarten und 16 Platten
    mit den Wasserzeichen des Papiers. Hannover, 1866. Hahn’sche
    Hof-Buchhandlung. 2. 130 Stn.

So lange eine wissenschaftliche Disciplin im Entstehen ist und
es sich noch darum handelt, Material herbeizuschaffen, muſs eine
Betrachtung desselben auch nach zufälliger räumlicher Ansammlung um
so mehr gerechtfertigt erscheinen, je reicher die letztere ist und
je mehr Seltenheiten sie enthält. Die vorliegende Schrift bespricht
246 Druckwerke aus dem Zeitraume bis 1500, und zwar mehr oder weniger
ausführlich, je nachdem der Verfasser auf die bibliographischen Werke
von Hain, Panzer, Ebert u. s. w. Bezug nehmen konnte, oder daran zu
berichtigen und hinzuzufügen hatte. Das letztere ist in nicht geringem
Maſse geschehen und namentlich die Abhandlungen über die zu Hannover
befindlichen Ausgaben der hauptsächlichsten xylographischen Incunabeln,
der /Biblia pauperum/, des /Speculum hum. salvationis/ und
der /Ars moriendi/ sind zu ziemlich umfangreichen Abhandlungen
angewachsen. Die Anordnung des Stoffes ist die chronologische unter
Zusammenstellung der Druckwerke, welche ohne Angabe des Ortes und
der Zeit sind. Ein angefügtes Register der besprochenen Bücher nach
alphabetischer Ordnung der Druckorte genügt dem Bedürfnisse nach
dieser Richtung. Als wesentlicher Bestandteil der Veröffentlichung
sind die in reichem Maſse gegebenen facsimilierten Nachbildungen von
Druck- und Holzschnittproben hervorzuheben -- nach einer Bemerkung im
Vorwort nicht auf dem bisher zu Gebote stehenden xylographischen oder
lithographischen, sondern auf typographischem Wege hergestellt, --
denn die genaueste Beschreibung muſs Manches unerörtert lassen, was
der in gutem Facsimile gebotene Augenschein an’s Licht stellt und der
Vergleichung bereit legt; -- wie in unserm Falle die mitgetheilten
Proben es auſser allem Zweifel setzen, daſs das Alter der frühen
Holzplattendrucke bisher viel zu hoch angenommen ist und über die Mitte
des 15. Jahrhunderts wenig und selten hinausgeht. Die bisher nur in der
Kupferstichkunde in Anwendung gebrachte Betrachtung der Papierzeichen
auch auf dem in Rede stehenden Gebiete einzuführen, ist gewiſs ein
glücklicher Gedanke. -- Eine folgende Beschreibung der Handschriften
auf der genannten Bibliothek ist in nahe Aussicht gestellt und würde,
in gleicher Weise durchgeführt, hochwillkommen gehalten werden müssen.

    14) /Ornamentik für Kunst und Gewerbe nach Originalien im königl.
    bayer. Kupferstich-Kabinet zu München/, von /Dr. J. H. v.
    Hefner-Alteneck/ und /Friedrich Petri/. Lief. 1. München,
    1866. In Commission der M. Rieger’schen Univers.-Buchhandlung (G.
    Himmer). Selbstverlag der Herausgeber.

Die praktische Richtung unserer Zeit strebt darnach, Alles zum
Gemeingute zu machen. Das Kunstgewerbe, ein eigentlich ganz neuer
Begriff, wird von allen Seiten geschult und gemeistert, und so bedarf
es der Lehrmittel, die in so reichem Maſse in den Museen schlummern.
Der Alterthums- und Kunstforscher soll das Material sichten und ordnen;
da er aber nicht in Original alles vor sich auf seinem Studiertisch
haben kann, so bedarf er einer Vermittlung; es muſs ihm ebenso
recht zugänglich gemacht werden, wie dem schaffenden Künstler und
Gewerbsmann, der nicht stets geschwind in ein Museum laufen kann, um
sich Motive zu holen. Da hat denn die Photographie die groſse Aufgabe
erhalten, zu vermitteln und das in Copie zum Gemeingut zu machen, was
in Original nur wenige besitzen können. Diesem Streben hat nun auch das
königl. Kupferstichkabinet in München sein Recht werden lassen, und der
Vorstand desselben, dessen werthvolle Publicationen längst ein Stolz
und eine Zierde der archäologischen Literatur Deutschlands sind, Prof.
v. Hefner-Alteneck, hat im Verein mit Baurath Petri unter dem Titel
„/Ornamentik für Kunst und Gewerbe/“ begonnen, die ornamentalen
Kupferstiche des 15. und 16. Jahrh. aus dem königl. Kupferstichkabinet
in trefflichen Photographieen zu veröffentlichen.

Bereits liegt das erste Heft vor, das 6 Blätter umfaſst, die nach
Stichen von Heinrich Aldegrever (+ 1562), Peter Flötner (+ 1546),
Israel von Mekenen (1480-1500), der Maître au dé (1512-1570), Joh.
Theod. de Bry, (+ 1623), Augustino Venetiano de Musi (geb. 1490)
aufgenommen sind und die spätere Gothik, sowie die Renaissance
repräsentieren. Die Auswahl ist so getroffen, daſs den mannigfachsten
Bedürfnissen Rechnung getragen ist; die Ausführung der Photographieen
so vortrefflich, daſs sie für das Studium die Originalblätter
vollkommen ersetzen. Wir hoffen, bald durch die Herausgabe des zweiten
Heftes erfreut zu werden.

    E.


Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland:/ Nr. 18. Neue Aufschlüsse über die Bronzezeit
Mittel- und Nordeuropas.

/Das illustr. Buch der Welt:/ Nr. 7, S. 193. Freiburg im
Uechtland. -- S. 194. Bilder aus Tyrol. 1. Landeck.

/Daheim:/ Nr. 34. Das Koller König Gustav Adolph’s im Zeughause zu
Wien. (Georg Hiltl.)

/Erheiterungen am häusl. Herd:/ 5. Heft, S. 187. Die Prinzessin
von Ahlden. -- S. 191. Schultheiſs Wengi von Solothurn und die
Glaubensspaltung. -- S. 192. Die Kirche im ehemaligen Kloster Lorch und
die Hohenstaufen-Gräber. -- S. 199. Die heiligen drei Könige im Elsaſs.

/Europa:/ Nr. 21. Böhmische Getreidesagen.

/Familien-Journal:/ Nr. 22 (652). Die Fürstengrüfte in München.

/Grenzboten:/ Nr. 22. Deutsche Studenten in alter Zeit: 3. Der
fahrende Schüler. Der Hosen- und Saufteufel. Der älteste Trinkcomment.

/Hausblätter:/ 10. Heft, S. 315 u. 11. H., S. 390. Holzlandsagen.
VIII-XII. (Kurt Greſs.)

/Hausfreund:/ Nr. 30. Spielkarten und Spiele. -- Die Kathedrale zu
Freiburg.

/Korrespondent/ v. u. f. D.: Nr. 248. 250. Bayerische
Städtebilder. Dinkelsbühl. - Nr. 252. Regesten der fränkischen
Bisthümer.

/Magazin für d. Literatur des Ausl.:/ Nr. 19. Das čechische
Puppenspiel von Dr. Faust. (Dr. Richard Andree.)

/Schles. Provinzialblätter:/ April. Geschichte der Breslauer
bürgerlichen Schieſsplätze. (Jul. Neugebauer.)

/Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg:/ Nr. 20.
21. Bilder aus Lauenburg.

/Allgem. Zeitung:/ Beil. Nr. 147. Die Ulfilas-Fragmente zu Turin.
(Const. Tischendorf.)

/Bayer. Zeitung:/ Morgenbl. Nr. 136ff. Aventin. Ein Vortrag. (A.
Kluckhohn.) -- Nr. 141 ff. Die Plackerei, in einem Zeitbilde aus dem
Anfang des XIV. Jahrhunderts. -- Nr. 145. Der todte oder steinerne
Mann. Eine Volkssage. -- Nr. 152 f. Heinrich von Schwaben. Eine
deutsche Kaisersage. (Wilh. Hertz.) -- Stiefel, Sporn und Schwert
vertrunken (1448). -- Nr. 154 ff. Stephaning.



Vermischte Nachrichten.


56) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der
kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien vom 11. April wurde
u. a. vorgelegt: von Dr. Franz Stark eine /Abhandlung über die
Kosenamen der Germanen/, und zwar die erste Abtheilung derselben:
die verkürzten Namen. In dieser Abhandlung ist zum ersten Male die
Sonderung der mannigfaltigen Formen, in welchen die germanischen
Kosenamen auftreten, durchgeführt, auf Grund eines vieljährigen
Sammelns von Eigennamen aus vielen Tausenden von Urkunden und
zahlreichen andern Geschichtsquellen, insbesondere einer gleichfalls
zum ersten Male unternommenen Zusammenstellung jener Kosenamen, denen
die vollen zweigliedrigen Formen, auf historischem Wege gefunden,
mit Sicherheit gegenübergestellt werden können. Zum ersten Male wird
hier auch der verschiedene Bildungsprozeſs, dem die germanischen
Kosenamen den Formenreichthum verdanken, auf der bemerkten sichern
Grundlage auch sicher nachgewiesen. -- In derselben Sitzung legte
Dr. Beda Dudík eine Abhandlung „/Handschriften der fürstlich
Dietrichstein’schen Bibliothek zu Nikolsburg/ in Mähren“ vor, worin
er zuerst eine generelle Uebersicht der Handschriften nach Sprachen
gibt und sodann 101 Codices umständlich beschreibt. Von diesen gehören
18 der böhmischen, 34 der lateinischen und 49 der deutschen Sprache
an. Aus der Classe der böhmischen Handschriften haben einen hohen
linguistischen Werth die Bibeltexte des 15. Jahrhunderts, einen
dogmatisch-historischen Hussens und seiner Anhänger Schriften. Aus
den lateinischen Handschriften sind besonders jene hervorzuheben,
welche die Synodalbeschlüsse der Prager und Olmützer Kirche betreffen
und zum Theil bis jetzt unbekannt gewesen sind. Unter den deutschen
Handschriften haben für den Philologen und Literaturhistoriker die
verschiedenen Sammlungen deutscher Gedichte des 13. u. 14. Jahrhunderts
hohen Werth, für den Juristen die verschiedenen Exemplare des
Schwabenspiegels und des sächsischen Rechtes, und für den Historiker
die Gesandtschafts-Relationen vom Jahre 1595, die Chroniken, namentlich
über Maximilian’s I. Zeiten, amtliche Gutachten und Institutionen des
16. Jahrhunderts u. s. w.

57) Graf Clemens von Schönborn-Wiesentheid hat den /Verkauf
der Gemäldegallerie zu Pommersfelden/ bei Bamberg nunmehr der
Montmorillon’schen Kunsthandlung und Auctionsanstalt in München
übertragen. Die Gallerie, deren Verkauf en bloc bis Ende Juni
vorbehalten wird, soll im September zu Pommersfelden zur öffentlichen
Versteigerung im Einzelnen gebracht werden. Der Tag der Versteigerung
selbst wird mit der Ausgabe des Catalogs bekannt gegeben, welcher
letztere, in deutscher und französischer Sprache abgefaſst, auch die
Auctionsbedingungen enthält.

58) Vom /Heidelberger/ Magistrat ist kürzlich, um die /Gründung
eines städtischen Kunst- und Alterthumsmuseums/ zu erleichtern,
die Aufforderung ergangen, pfälzische Kunstgegenstände der Stadt zum
Verkauf zu übermitteln oder geschenkweise zuzuführen. Der Freskomaler
Götzenberg entsprach bereits dem Rufe seiner Vaterstadt, indem er ihr
nebst anderen Kunstsachen 30 Cartons seiner Wandgemälde schenkte.

    (Europa.)

59) Professor Höfler in Prag hat in einer Privatbibliothek eine
beträchtliche Anzahl von /Originalbriefen österreichischer Generale
aus Wallensteins Zeit entdeckt/, welche interessante Aufschlüsse
über die Vorgänge vor der Katastrophe in Eger geben.

    (Augsb. Postztg.)

60) Im /Zwickauer Rathsarchiv/ ist /ein Buch von alten
Wachstafeln gefunden/ worden, die noch bis zum Jahre 1470 im
Gebrauch gewesen zu sein scheinen. Die Schrift besagt nur Oertliches
und Unbedeutendes.

    (Ill. Ztg.)

61) In einem Garten zu /Marburg in Steiermark/ wurden in einem
irdenen Topfe 3000 Stück /Brakteaten gefunden/, welche dem 12.
Jahrhundert angehören dürften. Die meisten derselben stammen aus Chur
(Steinbock) und Aquileja. Von Buchstaben sind fast nur R und V zu
bemerken.

    (Dies.)

62) Der durch seine ethnographischen Werke bekannte Schriftsteller
Kanitz in Wien hat vor Kurzem in /Serbien neue archäologische
Entdeckungen/ gemacht. Er hatte sich nämlich nach der ehemaligen
römischen Hauptstadt Ober-Mösiens, Viminacium -- das heutige Kosteletz
am Einfluſs der Mlava in die Donau -- begeben, wo er nicht nur ein
im Grundriſs ganz wohlerhaltenes Castell und Forum, sondern auch die
Grundmauern einer Stadt von so groſser Ausdehnung wie fast nirgends an
der Donau vorfand. In seiner Anwesenheit wurde ein riesiger Sarkophag
ausgegraben; ein zweiter zeigte einen Skulpturenschmuck von solcher
Schönheit, daſs er jedem berühmten Alterthumsmuseum zur Zierde
gereichen würde. Auſserdem hat F. Kanitz dort Copien verschiedener
Basreliefs, Figuren, Inschriften und gestempelter Ziegelplatten
angefertigt. Letztere tragen die Signatur der Legio septima Claudia,
deren Standquartier Viminacium unter Nero und Trajan war.

    (Dies.)

63) Bei /Brüx/ in Böhmen sind in der jüngsten Zeit einige
interessante /Funde aus der Steinzeit/ gemacht worden. Schon
im Sommer des Jahres 1864 fand man bei der Grundgrabung für ein
Maschinenhaus auf einem der Felder am östlichen Ende der Stadt in
einer Tiefe von 3 Ellen mehrere Todtenurnen, bei denen sich auch ein
menschliches Gerippe von ungewöhnlicher Gröſse befunden haben soll.
Leider sind die Gefäſse sämmtlich zerschlagen worden, und auch von dem
Skelett kam nichts zur Ansicht; dagegen wurden unversehrt abgeliefert
ein Steinhammer und ein Steinkeil. Ersterer war von der Gröſse und
Gestalt, wie sie gegenwärtig die Maurer führen. In der Mitte ist der
Hammer durchbohrt zur Einführung des Stiels; das Gestein ist Serpentin.
Auch der Steinkeil ist von demselben Material und ganz gut erhalten.
Beide Gegenstände kommen in die Sammlung des Grafen Czernin. In diesem
Jahre, ganz vor Kurzem, entdeckten Arbeiter beim Schachten zu einem
Hopfengarten in der Tiefe von 3 Fuſs am südlichen Ende der Stadt
einen Kranz von weiſsen Kieselsteinen, die bei einem Durchmesser von
3 Fuſs im Kreise herumgeschichtet waren. In der Mitte dieses Kreises
lag ein Häuflein kleiner Steine mit anderer Erde als in der Umgebung
und darunter eine Steinaxt nebst Knochenresten, welche sogleich
zerfielen. Diese Axt besteht aus Grünstein und ist bedeutend gröſser
als der Steinhammer, 22 Centimeter lang, 9 Centimeter breit, an dem
einen Ende stumpf, am andern keilartig zugeschärft; die Schärfe steht
mit der Richtung des Stils in einer Linie wie bei unsern Hacken. Die
Oeffnung für den Stiel ist nicht genau in der Mitte und miſst 2,_{8}
Centimeter. Der Eigenthümer des Grundes, auf welchem der Fund gemacht
wurde, hat letzteren der Realschule in Brüx zum Geschenk übergeben.
Bei Gelegenheit dieser Ausgrabungen wird darauf hingewiesen, daſs
die dortige Umgegend wol viele Pfahlbauten bergen könne, da der alte
Kummernersee, der seit 1854 trocken gelegt ist, sich bis unter
Brüx nach Rudelsdorf erstreckte und die ganze Gegend überhaupt sehr
wasserreich ist.

    (Dies.)

64) In der Gegend von /Plaben/ an der Maltsch, Bezirk Budweis,
wurden mehrere /heidnische Gräber entdeckt/ und durch sogleich
eingeleitete Nachgrabungen bereits einige Urnen und Opferschalen zu
Tage gefördert. Die Ausgrabungsarbeiten werden fortgesetzt und dürften
ein bedeutendes Ergebniſs liefern, da sich gegen 35 solcher Grabhügel
in dortiger Gegend befinden.

    (Dies.)

65) Im Garten des /Laibacher Bürgerspitals/ ist man bei Anlegung
von Baumpflanzungen auf /römische Grabstätten/ gestoſsen. Es
fanden sich mehrere Särge aus groſsen römischen Ziegeln vor, die leider
von den Arbeitern zerstört worden sind, ferner Grablampen, Aschenurnen,
Thränengefäſse aus Thon und eine erzene Münze. Man schlieſst in
Folge dieser neuen Fundstätte auf eine sehr weite Ausdehnung des
Begräbniſsplatzes der alten Emona.

    (Dies.)

66) Zu /Andernach/, Regierungsbezirk Koblenz, ist beim Ausgraben
von Bimsstein auf dem St. Martinsberge in einem aus einem Steinblock
gearbeiteten Sarge das vollständige /Gerippe eines aus der Römerzeit
stammenden Körpers/ von 6 Fuſs Länge gefunden worden.

    (Dies.)

67) An dem /südlichen Thurme der Domkirche zu Lübeck/ werden
/Restaurationsarbeiten/ vorgenommen. Derselbe neigt sich
bekanntlich, gleich dem schiefen Thurme zu Pisa, bedeutend nach
der einen Seite, und es soll dem Kolosse seine aufrechte Stellung
wiedergegeben werden. Am 8. Mai ist es bereits gelungen, von der über
400 Fuſs hohen Spitze des Thurmes den aus Kupfer getriebenen Hahn nebst
Kugel herabzunehmen.

    (Dies.)

68) In /Konstanz/ soll an der Stelle, wo seit einigen Jahren
ein einfacher Denkstein den Ort bezeichnet, an welchem /Huſs/
den Feuertod erlitt, zu seinem Andenken ein groſses /Monument/
erstehen.

    (Dies.)



Inserate und Bekanntmachungen.


14) Der Gefertigte hat wiederholte Studien über die Kunstdenkmale
der ehemaligen Krönungsstadt des Königreiches Polen gemacht. Einige
derselben wurden da und dort in Zeitschriften veröffentlicht.
Das ganze reiche Material seiner Studien hat er jedoch in einem
Buche niedergelegt, das den Titel führt: /Die mittelalterlichen
Kunstdenkmale der Stadt Krakau/.

Das Buch enthält 30 Druckbogen Text mit 106 Holzschnitten, 80 Tafeln in
Kupferstich und Lithographie. Es wird vorläufig nicht in den Buchhandel
kommen, doch können Bibliotheken sowie Kunstfreunde, die sich dafür
interessieren, dasselbe gegen direkte Bestellung beim Verfasser per
Post zugesendet erhalten. Der Preis wird mit 16 Thaler pr. C. berechnet.

Das Werk enthält neben einer kurzen Uebersicht über die
Geschichte Krakau’s zunächst eine Abhandlung über die ehemalige
Gesammtphysiognomie der Stadt und ihre Befestigung, dann über
sämmtliche noch bestehende und bereits zerstörte Kirchen der
Stadt, woran sich eine Abhandlung über die der Stadt eigentümliche
Kirchenbauschule und ihr Verhältniſs zu anderen gleichzeitigen
Kirchenbauten knüpft. Die in den Kirchen noch vorhandenen Altäre,
Taufsteine, Weihwasserbehälter, Grabmäler u. A. werden ebenso wie die
Glasgemälde in dieser Abtheilung betrachtet. Die folgende Abtheilung
enthält die bürgerliche Baukunst, wo zunächst das Königsschloſs,
sodann das Rathhaus, die Tuchhalle und das noch wohl erhaltene
mittelalterliche Universitätsgebäude betrachtet werden. Daran schlieſst
sich eine Abhandlung über die reichen Schätze aus dem Gebiete der
Goldschmiedekunst und Paramentik, die Krakau noch bietet, sowie über
die Objekte der Kleinkunst überhaupt.

Eine Anzahl Beilagen enthält die Namen der Könige von Polen, der
Bischöfe von Krakau, Handwerkerordnungen, Urkunden über Verleihungen
des Stadtrechtes, das Cermoniel der Königskrönung, sodann Abhandlungen
über die Anfänge der Buchdruckerkunst in Krakau, über das polnische
Münzwesen u. s. w.

Die Tafeln bieten neben dem kunsthistorischen Material eine reiche
Fundgrube echt künstlerischer Motive sowohl für Architekten als auch
für verschiedene Kunstgewerbe, wie auch der Text die technische Seite
neben der künstlerischen berücksichtigt.

Die Haupttendenz der ganzen Studie geht dahin, das Verhältniſs
der Krakauer Kunst zu der Kunst der übrigen Länder, vorzugsweise
Deutschlands, darzulegen, die Einflüsse zu untersuchen, unter denen
diese Kunst sich entwickelt hat, und nachzuweisen, daſs auch hier die
Kunst das getreue Spiegelbild der Kulturzustände ist.

    /Nürnberg/, Mai 1866.

    A. /Essenwein/,
    I. Vorstand des german. Museums.



Inhalt des vierten Heftes der zwölf Serien „Photographieen aus dem
germanischen Museum“.


Serie I.

    1) Emaillierter Speisekelch. 14. Jhdt. In den fürstl.
    Wallerstein’schen Sammlungen zu Maihingen.

    2) Pokal von getriebenem Silber; 16. Jhdt. Im Besitz der
    Schützengesellschaft in Nürnberg.

    3) Derselbe Pokal. (Andere Ansicht.)


Serie II.

    1) Geschnitztes Kästchen. 16. Jhdt.

    2) Kleiner Schrank mit geschnitzten Thüren. 16. Jhdt.

    3) Geschnitzte Stubenthür. 16. Jhdt.


Serie III.

    1) Futteral mit gothisch ornamentiertem Lederüberzug. 15. Jhdt.

    2) Uhr mit Verzierungen in Vergoldung und durchbrochenem Maſswerk.
    16. Jhdt.

    3) Waschgefäſs von Messing, in Gestalt einer Eichel. 16. Jhdt.


Serie IV.

    1) Romanischer Leuchter von Bronze. In den fürstl.
    Wallerstein’schen Sammlungen zu Maihingen.

    2) Durchbrochener Thürbeschlag von Eisen. 15. Jhdt.

    3) Gothisch verzierter Thürklopfer. In München.


Serie V.

    1) Verzierter Krug von Steingut. 16. Jhdt. (2 Ansichten.)

    2) Reichverzierter Glaspokal mit dem Löffelholz’schen Wappen über
    dem Deckel. 17. Jhdt. Im Besitz des Frhrn. von Löffelholz zu
    Wallerstein.

    3) Der Deckel desselben Pokals, in vergröſserter Aufnahme.


Serie VI.

    1) Handtuch mit eingewirkten blauen Ornamenten. 14. Jhdt.

    2) Dasselbe Handtuch (andere Hälfte).

    3) Stickerei mit dem Alliancewappen der Haller und Baumgärtner. 17.
    Jhdt.


Serie VII.

    1) Bucheinband von gepreſstem Leder mit dem Wappen der Löffelholz.
    15. Jhdt. Im Besitz des Frhrn. von Löffelholz zu Wallerstein.

    2) Rückseite desselben Einbandes.

    3) Rückseite des Futterals aus Serie III.


Serie VIII.

    1) Fünf romanische Kapitäle von der Wartburg.

    2) Die Geburt Christi und die Anbetung der heil. drei Könige,
    Elfenbeinreliefs vom 14. Jhdt. Originalgröſse.

    3) Zweikampf des Albrecht Dürer mit Lazarus Spengler in Beisein
    Kaiser Maximilians I.; Relief aus Schiefer, 1522. Zu München.


Serie IX.

    1) Wappen der Nützel in Renaissanceeinfassung; Pergamentmalerei.

    2) Bleirelief mit Verzierungen in Form eines Frieses. 16. Jhdt.

    3) Verschiedene Ornamente von gebranntem Thon. 16.-17. Jhdt.


Serie X.

    1) Goldnes Kleinod Friedrich’s von der Pfalz; Pathenpfennig für
    Joh. Paul Poigele von 1604; Medaille von 1547 auf die Schlacht
    bei Mühlberg mit den Brustbildern Karl’s V. und Ferdinand’s I.;
    Schauthaler Kr. Ferdinand’s I. von 1541.

    2) Medaillen auf Georg Hermann von 1529, auf Julius Echter von
    Mespelbrunn, Bischof von Würzburg, auf Georg Friedrich, Markgrafen
    von Brandenburg, 16. Jhdt., und Wappen der Familie Stark (Rückseite
    einer Medaille auf Jacob Stark) von 1614.

    3) Münzsiegel König Friedrich’s III. 15. Jhdt.


Serie XI.

    1) Miniaturmalerei von Johannes Giltlinger, 1487.

    2) Bruchstück einer Kreuzabnahme, Federzeichnung aus der Schule der
    van Eyck.

    3) Zwei männliche Kostümfiguren, Tuschzeichnung in der Weise Hans
    Holbein’s d. J.


Serie XII.

    1) Fuſs eines emaillierten Ciboriums. 14. Jhdt. In den fürstl.
    Wallerstein’schen Sammlungen zu Maihingen.

    2) Erstürmung einer Minneburg, Spiegelkapsel von Elfenbein. 14.
    Jhdt.; ebendas.

    3) Schachfiguren von Hirschhorn. 14. Jhdt. In den fürstl.
    Wallerstein’schen Sammlungen in Maihingen.



Die geehrten Herren Pfleger des german. Museums


werden ersucht, soviel in ihren Kräften steht, zur Verbreitung des
photographischen Unternehmens, dessen erste Folge mit dem oben
verzeichneten vierten Hefte geschlossen ist, beizutragen. Das Museum
hat deshalb eine Zusammenstellung aller einzelnen Blätter, nach den
Materien geordnet, veranstaltet und darin bemerkt, daſs jedes Blatt
auch einzeln zu haben ist. Dieses Verzeichniſs wird in den nächsten
Tagen zur Versendung kommen; doch werden gerne denjenigen Herren
Pflegern, welche glauben, durch Vorzeigung dieser Photographieen für
das Unternehmen wirken zu können, auf Bestellung einzelne Blätter zur
Ansicht und Vorzeigung zugesendet.


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                       1866.    Nº 7.    Juli.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



[Illustration: SPHRAGISTISCHE APHORISMEN]

von

F.-K. Fürsten zu /Hohenlohe Waldenburg/.


C. P. Lepsius hatte angefangen in den „neuen Mittheilungen des
Thüringisch-Sächsischen Vereins“ für 1842[A] unter dieser Aufschrift
eine Reihe von Abbildungen merkwürdiger Siegel mit erklärendem Text
mitzutheilen, um, wie er sagte, „auf das vielseitige Interesse der
Siegel für die Kunstgeschichte, sowie für die Alterthumskunde im
Allgemeinen durch einzelne Beispiele aufmerksam zu machen.“

Mit Recht warf er in der Einleitung die Frage auf: „Wie mag es
kommen, daſs bei dem so allgemeinen Interesse unserer Zeit an
geschichtlichen und antiquarischen Forschungen, sowie an den
Denkmalen mittelalterlicher Kunst und Lebensweise von allen dahin
abzweckenden Studien gerade eins der anziehendsten und fruchtbarsten,
die Siegelkunde, so sehr vernachlässigt worden ist, daſs wir uns nach
einem, dem Standpunkte wissenschaftlicher Kunstbildung unserer Zeit
entsprechenden, das Ganze der Sphragistik umfassenden Werke vergebens
umsehen?“

Ganz treffend bezeichnet er sodann den vielseitigen Werth der
Sphragistik mit den Worten: „Die Siegelkunde darf nicht blos als
historisch-diplomatische Hülfswissenschaft aufgefaſst werden.
Wenigstens ebensoviel gewährt dieselbe in kunstgeschichtlicher,
sowie in vielfachen antiquarischen Beziehungen. Besondern Werth
für die Kunstgeschichte gewinnen die Siegel dadurch, daſs sie, in
synchronistischer Zusammenstellung und chronologischer Folge, uns den
Gang und die Richtung der Kunst- und Geschmacksbildung in allen ihren
Stadien und Uebergängen bezeichnen und gleichsam beurkunden.[B]...

Nicht geringere Belehrung gewähren die Siegel über den Wechsel der
/Zustände/ und /Formen/ des /öffentlichen/ und /Privatlebens/, sowie
im /Costüm/ der verschiedenen Stände, im Ornat der Könige, Fürsten und
höheren Geistlichen, in /Rüstungen/ und /Waffen/ aller Art etc. Selbst
für das Studium der mittelalterlichen /Bauarten/ ist aus den, auf den
Siegeln vorkommenden Darstellungen von Kirchen, Portalen, Baldachinen,
Tabernakeln und architektonischen Verzierungen Manches zu entnehmen,
sowie auch von manchen längst untergegangenen Bauwerken, von denen sich
sonst keine Abbildungen erhalten haben, deren ehemalige Gestaltung und
Bauart aus alten Siegeln zu erkennen und nachzuweisen ist....

Nicht minder ergiebig erweisen sich die Siegel zur Bereicherung und
Erläuterung der christlichen /Kunstsymbolik/ und /Ikonographie/,
insonderheit in den häufigen Darstellungen der Heiligen in den Siegeln
der Stifter und Klöster, sowie überhaupt die Siegel mit der /Legende/
und /Sage/ vielfach in Berührung treten. Am meisten wird durch die
Siegel die Geschichte des /Wappenwesens/ aufgehellt; es gibt keine
älteren Ueberreste von wirklichen (heraldischen) Geschlechtswappen...
Um den Wechsel der /Schriftzeichen/ auf Denkmalen (Künstlerschrift,
abweichend von der Urkunden- und Bücherschrift) chronologisch und
landschaftlich vergleichend zu verfolgen, gewähren ebenfalls die
Siegel die sicherste Anleitung, weil wir hier nicht, wie bei andern
Schriftdenkmalen der Vorzeit, über den Zeitpunkt der Verfertigung in
Ungewiſsheit sind.“

Obgleich seitdem wieder ein Vierteljahrhundert verflossen ist,
obgleich der Werth der Siegelkunde mehr und mehr zur Geltung gelangt,
und dieselbe den ihr gebührenden Platz unter den historischen
Hülfswissenschaften bereits eingenommen hat, obgleich die Zahl ihrer
Verehrer stets im Zunehmen begriffen ist,[C] und in der neueren Zeit
sehr schätzbare Arbeiten auf diesem Gebiete geliefert worden sind,
so haben wir doch auch heute noch den Mangel eines „/das Ganze der
Sphragistik umfassenden Werkes/“ mit Lepsius zu beklagen.

Ein solches Werk ist aber, nach den Anforderungen, welche die
wissenschaftliche Kritik bei dem gegenwärtigen Stande der historischen
Forschungen im Allgemeinen an dasselbe zu stellen berechtigt ist,
auch noch kaum zu erwarten. Denn, wie Melly -- der die Siegel die
/Regulatoren/ und /Stützpunkte/ der /Kunstgeschichte/ nennt -- bemerkt,
„muſs die Siegelkunde, damit sie fruchtbringend werde, vorerst in ihrem
Material ergänzt und es müssen die einzelnen Siegel-Gattungen erst
allseitig erforscht werden“[D].

Vorerst handelt es sich daher immer noch hauptsächlich um
sphragistische Monographieen, wobei die Ansicht Melly’s möglichst
festzuhalten ist, daſs dieselben „im Einverständniſs mit allen
Gleichgesinnten“ zu bearbeiten sind, damit durch Vertheilung der Arbeit
und Gleichmäſsigkeit der Methode der wissenschaftliche Gesammtbau
/schneller/, /sicherer/ und /harmonischer/ hergestellt werden könne.

Hiezu ist aber vor Allem die Aufstellung eines sphragistischen Systems
-- sowohl zur /Eintheilung/ der Siegel, als wie zu deren sicherer
Bezeichnung -- durchaus nothwendig.

Der Mangel eines solchen und einer bestimmten sphragistischen
Terminologie ist längst von vielen Seiten beklagt worden.

In Ermangelung eines andern brauchbaren, umfassenden und bereits
allgemein angenommenen, erlauben wir uns, das von uns aufgestellte und
seit zehn Jahren[E] erprobte sphragistische System allen Freunden der
/Siegelkunde/ hier aufs neue vorzulegen und zu empfehlen. Von dessen
allgemeiner Annahme verspricht sich auch u. A. unser gelehrter Freund,
Freiherr von Schreckenstein, in seiner trefflichen Abhandlung: „Wie
soll man Urkunden ediren?“ -- namentlich wegen seiner /Bündigkeit/ und
/Kürze/, -- einen nicht unbedeutenden Nutzen.


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: VI. Band, 3. Heft, S. 84-115.]

[Fußnote B: Hier verweist Lepsius auf die bekannten Werke von Kugler
und ihren sphragistischen Theil.]

[Fußnote C: Es kommt glücklicher Weise jetzt doch selten mehr vor,
daſs die Begriffe Siegel und Siegel-Stempel, Siegel und Wappen,
Siegel-Bild und Wappen-Bild, Siegel-Feld und Wappen-Feld -- selbst von
Männern vom Fache -- miteinander verwechselt werden. Bezeichnete doch
Tucelius sogar das kleine /Reichsbanner/ (parvum vexillum nach
Ducange) Fig. 7 des Titelblattes seiner Electa jur. publ. cur. als:
„/Sigillum Ulrici comit. Würtenberg./“

Viele, wenn sie sich auch die Mühe geben, diese /ganz
verschiedenen/ Begriffe gehörig zu trennen, sind aber heute noch
der Meinung, ein Siegel /ohne/ Wappen hätte eigentlich gar keinen
besonderen Werth, und manche Gelehrte halten es immer noch unter ihrer
Würde, den Siegeln eine besondere Beachtung zu schenken, und betrachten
die Sphragistik beinahe wie eine Art von Spielerei. Eine immer noch
/sehr/ empfindliche Folge der früheren Miſsachtung der Siegel
ist die Schwierigkeit der Auffindung derselben in gröſseren Archiven;
ein Verzeichniſs der Siegel findet sich bis jetzt, leider! beinahe in
keinem derselben. Möchte doch allenthalben darauf Bedacht genommen
werden!]

[Fußnote D: S. dessen Beiträge zur Siegelkunde des Mittelalters.
Wien, 1846.]

[Fußnote E: S. Correspondenzblatt von 1857, Nr. 11, S. 109-111.]



Sphragistisches System

/zur Eintheilung und Bezeichnung der Siegel nach ihren Bildern/.


          I.        { A. mit /einzelnen/ Schriftzeichen, (Chiffres
    Schrift-Siegel: {      mit und ohne Kronen.)
                    { B. mit /ganzer/ Schrift.

        II.         { A. /ohne/ Namen des Inhabers, (Phantasie-
   Bild-Siegel[A]:  {        Siegel.)
                    { B. /mit/ Namen des Inhabers.

                    {                    { 1. Kopf, Brustbild oder
                    {                    {      Kniestück.
                    {                    {                 { a. stehend.
                    { A. /ohne/ Wappen,  { 2. ganze Figur, { b. sitzend.
                    {                    {                 { c. knieend.
        III.        {                    { 3. zu Pferd.
    Porträt-Siegel: {
                    {                    { 1. Kopf, Brustbild oder
                    {                    {      Kniestück.
                    {                    {                 { a. stehend.
                    { A. /mit/ Wappen,   { 2. ganze Figur, { b. sitzend.
                    {                    {                 { c. knieend.
                    {                    { 3. zu Pferd.

                    { A. nur mit Wappen- { 1. im Siegelfelde.
                    {     /Bildern/ { 2. in einem Schilde.
         IV.        { B. nur mit Wappen-/Helmen/ { 1. im Siegelfelde.
    Wappen-Siegel:  {    oder /Helmschmuck/      { 2. in einem Schilde.
                    { C. mit /vollständigen/ Wappen (d. h.
                    {      Schild mit Helm oder Krone).

Ein solches System muſs /umfassend/ und doch dabei /möglichst
einfach/ sein. Beiden Anforderungen entspricht unser sphragistisches
System.

Dasselbe umfaſst alle nur erdenkbaren Gattungen von Siegeln, und alle
lassen sich, meist mit Leichtigkeit[B], nach demselben eintheilen und
bestimmen.

Der Reihenfolge der vier /Haupt-Gattungen/ ist so ziemlich die
chronologische Ordnung der Einführung der verschiedenen Siegelgattungen
zu Grunde gelegt. Die Schrift-Siegel und die Bild-Siegel waren die
ältesten Gattungen[C]; dann kamen die Porträt-Siegel[D] und zuletzt
erst die Wappen-Siegel[E].

Es ist bekanntlich in mehrfacher Hinsicht höchst wichtig, wird aber
leider nur zu oft versäumt, -- Exempla sunt odiosa! -- die Siegel
mittelalterlicher Urkunden diplomatisch genau abzubilden und richtig zu
beschreiben. Wenn aber auch Abbildungen davon mitgetheilt werden, was,
wo möglich, (wenn auch nur in leichten Conturen) geschehen sollte, ist
es doch wünschenswerth, auch über /Stoff/ und /Farbe/ der
Siegel und ihre /Befestigungsart/ Nachricht zu erhalten.

Viele der bisher gebrauchten Bezeichnungen der Siegel sind nun aber
nicht nur /unlogisch/ und /unrichtig/; sondern auch viel zu
/unbestimmt/, und somit die Ursache häufiger Miſsverständnisse.

Es ist doch gewiſs /unlogisch/, die Siegel das eine Mal nach ihrer
/äuſseren Form/ (Herz-, Schild-, Spitz-Siegel etc.), oder sogar
nach der /Fassung/ der Stempel (Ring-Siegel), oder nach ihrem
/Bilde/ (Helm-Siegel) zu benennen, das andere Mal nach ihren
/Inhabern/, und zwar in den verschiedensten Beziehungen zu deren
Geschlecht und Stand (Damen-, geistliche, Majestäts-Siegel), zu der Art
ihrer Darstellung (Reiter-, Fuſs- und Thron-Siegel), und sogar zu der
dem Siegel-Bilde zu Grunde liegenden Absicht (Votiv-Siegel).

/Unrichtig/ sind doch gewiſs die Bezeichnungen Majestäts- und
Thron-Siegel, wenn sie, wie so häufig, von /solchen/ gebraucht
werden, wo von einer Majestät des Inhabers und einem Thron im
Entferntesten nicht die Rede ist.

Wie kann man von einem Votiv-Siegel sprechen!

Ganz /unbestimmt/ sind die Bezeichnungen Herz-, Schild- und
Spitz-Siegel, da sie für ganz verschiedene Formen gebraucht werden.
„Herz-Siegel“ sollte man doch nur diejenigen nennen, welche die im
Leben gebräuchliche Herzform haben, während diese Bezeichnung auch von
denjenigen dreieckigen Siegeln gebraucht wird, deren beide obere Ecken
abgerundet sind.

Die Benennung „Spitz-Siegel“, welche man häufig den dreieckigen Siegeln
gibt, könnte man eben so gut auf die parabolischen Siegel anwenden, die
man zuweilen „zweispitzige“ nennt.

Was soll man unter „Schild-Siegel“ für eine Form verstehen, da es
Schilde von so verschiedenen Formen gegeben hat?

Man versteht gewöhnlich unter „Reiter-Siegeln“ alle diejenigen, auf
welchen ein /Ritter zu Pferd/ dargestellt ist. Diese Bezeichnung
ist aber gleichfalls unrichtig, da sie Gleichartiges trennt und
Verschiedenartiges zusammenwirft.

Denn das „Porträt-Siegel“ einer Dame zu Pferd kann man doch nicht
wohl als „Reiter-Siegel“ bezeichnen, obgleich es doch auch unter die
„Porträt-Siegel“ (/ohne/ oder /mit/ Wappen) zu Pferd gehört.

Auch wird man das Siegel IV, A, 2 der Herzogin Elisabeth von Bayern aus
dem Ende des 14. Jahrh., mit der Legende: S. elisabet. von. cleve.
vnd. von. der. marchk. phalantzgrevyn. vnd. hertzogin. in. baieren.
nicht als /Reiter-Siegel/ bezeichnen wollen, weil ihr Gemahl in
Turnierrüstung zu Pferd darauf abgebildet ist[F].

Eben so wenig kann man von „Reiter-Siegeln“ der Städte sprechen, auf
welchen -- wie z. B. auf den Siegeln von Schwerin, Gieſsen, Wolfhagen,
Marburg, Grevenstein u. A., -- der Lehensherr zu Pferd abgebildet ist
(was auf dem Schweriner Siegel durch die Legende: ✠ dux. henricus. et.
sigillum. civitatis. zwerin. noch ausdrücklich angegeben wird). Diese
Art von Städte-Siegeln gehört nun unter die „/Bild-Siegel/“ und
sicher /nicht/ unter die Porträt-Siegel.

So lieſsen sich noch viele Beispiele unrichtiger Bezeichnung der Siegel
anführen.

Daſs die äuſsere Form (die Contur) der Siegel oder gar die Fassung
der Stempel viel zu untergeordnete Momente sind, als daſs darauf eine
Classifikation derselben gebaut werden könnte, versteht sich von selbst.

Aber auch eine Eintheilung der Siegel nach /ihren Inhabern/ -- welche
häufig angewendet wird -- ist bei Aufstellung eines /allgemeinen
sphragistischen Systems/ nicht zu empfehlen. Denn hier handelt es sich
hauptsächlich um die /Siegel als solche/, und weniger um ihre Inhaber.

Eine /systematische Eintheilung der Siegel nach ihren Bildern/, wenn
dieselbe den an sie zu stellenden Anforderungen vollkommen entspricht,
d. h. wenn sie /einfach/, /umfassend/ und /logisch/ geordnet ist,
wird aber auch für jede andere Eintheilung der Siegel die sicherste
Grundlage bilden.

„/Der Zweck des Sammlers wird immer den Hauptgrund der Eintheilung/
(einer Siegel-Sammlung) bilden“, sagt Melly (a. a. O.).

Je /allgemeiner/ daher der Zweck ist, um so /allgemeiner/ muſs auch das
System gehalten sein.

Bezeichnet man dagegen die zu beschreibenden Siegel mit den wenigen
(römischen und arabischen) Ziffern und den paar (groſsen und kleinen)
Buchstaben unseres Systems, mit Angabe ihrer äuſseren Form, z. B.:

[Illustration][G]

und fügt nur einige Worte über Farbe, Stoff und Befestigungsart hinzu
-- wobei man die weitaus zahlreichsten mittelalterlichen Siegel, die
von /runder/ Form, von /ungefärbtem/ Wachs und mittelst
/Pergamentstreifen angehängten/, als die Regel annimmt, und
/diese/ Eigenschaften ein für alle Mal (als selbstverständlich)
mit Stillschweigen übergeht[H] -- so sind die Siegel auf eine /ganz
einfache/ und /leichte/ Weise -- so zu sagen stenographisch --
und gewiſs /deutlicher/ und /bestimmter/ bezeichnet, als wie
durch die weitläufigsten Beschreibungen nach der bisherigen unklaren
und unbestimmten Terminologie.

Wenn z. B. bei sechs Siegeln durch nachstehende kurze Bezeichnungen:

Nr. 1. [Illustration] Siegel I. A. von Blei an hänfenen Schnüren.

Nr. 2. [Illustration] Siegel II. B. an ledernen Riemen.

Nr. 3. Siegel III. A. 2. b. impress.

Nr. 4. [Illustration] Siegel III. B. 2 a von rother Malta an
grünseidenen Bändern.

Nr. 5. [Illustration] Siegel IV. B. 1 grün.

Nr. 6. [Illustration] Siegel IV. C. roth, an grünseidenen Fäden.

ganz sicher angegeben ist, daſs Nr. 1 eine viereckige, mit hänfenen
Schnüren angehängte Blei-Bulle ist, auf welcher sich nur einzelne
Buchstaben befinden; Nr. 2 ein dreieckiges, an ledernen Riemchen
hängendes Bild-Siegel von ungefärbtem Wachs, mit dem Namen des
Sieglers; Nr. 3 ein rundes, der Urkunde aufgedrücktes Siegel von
ungefärbtem Wachs, mit dem /Porträt/ des Sieglers in ganzer Figur,
sitzend und /ohne/ Wappen; Nr. 4 ein parabolisches Siegel von
rother Malta, an grünseidenen Bändern hängend, mit dem Porträt seines
Inhabers in ganzer Figur, stehend und /mit/ dem Wappen; Nr. 5 ein
herzförmiges Siegel, von grauem Wachs an Pergamentstreifen hängend, mit
dem Wappenhelme im Siegelfelde; endlich Nr. 6 ein fünfeckiges Siegel,
von rothem Wachs, an grünseidenen Fäden, mit dem vollständigen Wappen
des Sieglers, so wird man doch gewiſs zugeben müssen, daſs unsere
Methode vor der bisherigen Bezeichnung der Siegel -- als kürzer und
bestimmter zugleich -- den Vorzug verdient.

Jeder Forscher wird sofort daraus erkennen, ob ein Siegel für
/seinen/ speciellen Zweck einen besonderen Werth hat; in welchem
Falle er doch jedenfalls, /um sicher zu gehen/, das Original
selbst, oder wenigstens einen guten Gypsabguſs davon einsehen muſs.

Unter dem Titel: „Sphragistische Aphorismen“ beabsichtigen wir
in diesen Blättern eine Reihe von /Abbildungen/, besonders
interessanter mittelalterlicher Siegelstempel und Siegel[I] (unter
fortlaufenden Nummern) mit kurzen Bemerkungen mitzutheilen nebst
verschiedenen /Notizen/[J] aus dem Gebiete mittelalterlicher
/Siegelkunde/.

Wir hoffen, damit manchen Lesern einen Dienst zu erweisen und sie
dadurch zu veranlassen, an die gegebenen Beispiele anknüpfend, auch
/ihre/ Erfahrungen zu veröffentlichen.

So manche noch bestehende sphragistische, heraldische und andere
Zweifel könnten auf diese Weise ihre endliche Aufklärung finden.

Den zu besprechenden Siegeln werden wir ihre Bezeichnung nach unserem
sphragistischen System beisetzen, in der Hoffnung, demselben, wenn es
sich praktisch erweisen sollte, nach und nach allgemeinere Geltung
zu verschaffen. Endlich erlauben wir uns, an alle Freunde der
mittelalterlichen Siegelkunde, die dringende Bitte zu richten, unser
System ihrer Kritik zu unterwerfen, und zu dessen Vervollkommung --
welcher es sicher bedürftig, aber gewiss auch fähig ist -- beizutragen.


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Unter die Bild-Siegel gehören alle jene, welche
weder das Porträt noch das Wappen ihres Inhabers enthalten; also
namentlich alle Siegel mit Heiligen- und mit symbolischen Bildern, mit
architektonischen, historischen und anderen Darstellungen, und mit
Devisen.]

[Fußnote B: Bei älteren Siegeln erheischt es allerdings zuweilen
gründliche Forschungen, um mit Sicherheit bestimmen zu können, ob ein
/Siegel-Bild/ nicht ein wirkliches „Wappen-Bild“ war, da so viele
Wappen gar nicht mehr bekannt, und manche verändert oder wenigstens bis
zur Unkenntlichkeit travestiert worden sind.

Auch bei mittelalterlichen /Städte-Siegeln/ hält es mitunter
ziemlich schwer, zu bestimmen, ob ein auf denselben vorkommendes Wappen
das eigentliche Stadtwappen ist, wenn dasselbe nicht gerade, was aber
häufig der Fall, ein /redendes/ ist.

Auf dem Siegel IV, A, 1 der Reichsstadt Dinkelsbühl von 1448 steht der
Reichsadler auf drei mit Dinkel bewachsenen Hügeln. Die Reichsstadt
Biberach führt auf ihrem Siegel IV; A, 2 mit der Jahreszahl 1533 rechts
den Reichsadler links einen gekrönten Biber.

Die ursprünglichen /Herrschafts-Wappen/ wurden zuweilen später
eigentliche /Stadt-Wappen/. So behielt z. B. die Stadt Bräunlingen
den habsburgischen Löwen von 1317 auch unter fürstenbergischer und
später unter badischer Oberhoheit in ihrem Siegel bei; wogegen die
Stadt Geisingen seit 1489 neben dem Löwen ihrer früheren Herren, der
Dynasten von Wartenberg, auch noch das fürstenbergische Wappen im
Siegel führte.]

[Fußnote C: Erst in neuerer Zeit wurden wieder in Pompeji
Siegelstempel ausgegraben, welche nur den Namen ihres Inhabers tragen.

/Bild-Siegel/ kommen zwar gleichfalls schon in den ältesten Zeiten
vor; allein, da die /Schrift-Siegel/ auch zugleich die einfachsten
sind, so haben wir mit /diesen/ den Anfang gemacht. --]

[Fußnote D: Das wichtigste Bild auf einem Siegel ist das Porträt
/seines Inhabers/. Sobald daher /dieses/ darauf erscheint, gleichviel
ob /mit/ oder /ohne Wappen/ oder andern Gegenständen, so gehört
dasselbe unter die „Porträt-Siegel“.

Auf den „Porträt-Siegeln“ sollte aber immer der Name des Inhabers
ausdrücklich angegeben sein, um den Charakter des Bildes als „Porträt
des Sieglers selbst“ ganz sicher festzustellen. Wenn der Stempel eines
„Porträt-Siegels“ nach dem Tode seines ursprünglichen Besitzers von
einem Dritten wieder zum Siegeln gebraucht wird, so sind die damit
gefertigten Siegel keine „Porträt-Siegel“ mehr, sondern „Wappen-“, oder
bloſse „/Bild-Siegel/“, jenachdem sie das /Wappen/ des neuen
Sieglers enthalten, oder nicht.]

[Fußnote E: Nach dem Porträt des Inhabers steht an Bedeutung zunächst
dessen Wappen. Wo also Ersteres fehlt, bestimmt das Letztere die
Gattung des Siegels, wenn dasselbe auch, neben allen möglichen anderen
Darstellungen, zuweilen anscheinend nur einen untergeordneten Platz
einnimmt.]

[Fußnote F: Wir theilen nicht die Ansicht des Fragestellers im
Correspondenzblatt von 1865, Nr. 5, S. 34, daſs man es hier mit dem
/Porträt/ der Sieglerin zu thun habe.]

[Fußnote G: Wozu die Zeichen für den Druck in der entsprechenden
Gröſse leicht gegossen werden können.]

[Fußnote H: Also, wenn es z. B. heiſst: Siegel II. B; Siegel III.
B. 3; Siegel IV. A. 1, so ist -- neben der übrigen Bezeichnung dieser
Siegel -- zugleich auch angezeigt, daſs alle drei Siegel von /runder/
Form, in /ungefärbtem/ Wachs und mittelst /Pergamentstreifen/ an die
Urkunde /angehängt/ sind.]

[Fußnote I: Vorzügliche Gypsabgabgüsse derselben sind durch Herrn
Hofmaler Roſshirt in Oehringen billigst zu beziehen.]

[Fußnote J: Auch diese /unter sich/ -- zur leichteren
Bezeichnung -- mit fortlaufenden Nummern.]



Ausgrabungen bei Rochsfeld.

Von Dr. A. von Eye.


Vom Fuſse des Schloſsberges, an der nordwestlichen Grenze der
Oberpfalz, erstreckt sich ein ziemlich umfangreiches Plateau nach
Süden, welches nach geringer Senkung jenseits des Dorfes Rochsfeld von
mäſsigen Höhenzügen wieder aufgenommen wird, aber bei der geradlinigen
Richtung der letzteren sowie des davor liegenden Thales eine weite
Rundsicht gewährt und in seiner Bestimmung als eine der gröſsten in
Süddeutschland bekannten heidnischen Begräbniſsstätten wohl nicht
auſser Zusammenhang mit seiner hervorragenden Lage steht.

Der gröſste Theil des Plateau ist gegenwärtig zu Ackerland verwendet;
die darauf befindlichen Grabstätten sind geebnet und geben nur noch
durch einzelne Ueberreste ihren ehemaligen Bestand zu erkennen.
Ein anderer Theil ist von einem niedrigen Tannenwäldchen besetzt,
das unversehrte, aber schwer zu untersuchende Grabhügel birgt.
Das interessanteste Stück des Feldes war bis dahin von einer
Eichenpflanzung eingenommen, aus welcher zwei noch übrige Stämme von
10 bis 12 Fuſs Umfang das lange Ungestörtsein des Platzes bezeugen. An
der östlichen Seite desselben flieſst ein eisenhaltiger Quell, der,
jetzt zum Zweck der Viehtränke in einen Brunnentrog aufgefangen, früher
einen kleinen Teich gebildet hat. Den Quell noch umfassend, liegt
ebendaselbst eine Umwallung von unregelmäſsiger dreieckiger Form und
212 Schritt Umfang, allem Anschein nach ein ehemaliger Lagerplatz. Den
übrigen Raum nehmen in ziemlich weiten, aber unregelmäſsigen Abständen
neun Grabhügel von etwa 80 Schritt Umfang und fünf bis sechs Fuſs Höhe
ein.

Früher gemachte zufällige Funde lieſsen vermuthen, daſs das Innere
dieser beträchtlichen Aufwürfe noch manches interessante Zeugniſs
ihrer Entstehungszeit beschlieſse, und im April dieses Jahres benützte
das germanische Museum die Gelegenheit, systematische Nachgrabungen
anzustellen. -- Ein sofort in den gröſsten Hügel angebrachter
Querschnitt von 11 Schritt Länge zeigte an, daſs die hier beigesetzten
Urnen auf einen ziemlich engen Raum der Mitte beschränkt waren,
weshalb diese bei den andern Hügeln sogleich von oben herab aufgesucht
werden konnten. Unmittelbar unter der Rasendecke zeigten sich einige
Topfscherben vom 16. Jahrhundert, welche bei Anpflanzung der Eichen
hineingelangt sein mochten. Bei zunehmender Tiefe mehrten sich die
vorkommenden Kohlen. Etwa 5 Fuſs unter der Hügelhöhe, in gleicher
Linie mit dem ebenen Boden trat das Urnenlager zu Tage. Das deckende
Erdreich aber, ein nasser, äuſserst schwer zu bewältigender Lehm, durch
welchen die stecken gebliebenen Wurzeln einer ausgerodeten Eiche sich
wie lange Gallertfäden zogen, hatte das Lager zu einer kaum 5 Zoll
dicken Aschenschicht zusammengedrückt, in welcher Urnenscherben und
Deckplatten dicht durcheinander lagen. Das von oben durchsickernde
Wasser hatte in dieser Schicht sich gehalten und seine auflösende Kraft
der Art walten lassen, daſs auch nicht der geringste Rest metallener
Mitgaben verschont geblieben. Nur die feuchte und zähe Masse der Asche
zeigte hie und da die rostfarbenen Bilder zergangener Eisengeräthe
aus ziemlich vorgeschrittener Kulturepoche. Die Scherben waren so
durchweicht, daſs sie beim Auffinden leicht mit dem Messer geschnitten
werden konnten, übrigens von feiner, schwärzlich gebrannter Masse,
mit geringem Zusatz von Kieselerde. Ein Theil zeigte, bisweilen an
der inneren und äuſseren Seite, bisweilen nur an der letzteren, eine
Decke von so schöner, rother Farbe und so gleichmäſsiger Dicke des
Auftrags, daſs ersichtlich darin nicht allein die Wirkung des Feuers,
sondern auch das Vorhandensein eines Ueberzuges, wahrscheinlich
von Eisenerde, zu erkennen war. Die Urnen, nach den vorhandenen
Bruchstücken zu schlieſsen, von ausgezeichneter Form, waren auf der
Scheibe gedreht, doch ohne weiteren Zierrath. Die Deckplatten bestanden
aus flachgespaltenen Steinen oder gelblichen, wahrscheinlich nur an der
Sonne getrockneten Thonscheiben.

Das Einzige, was von Metallsachen aus diesem Hügel kam, war eine
oberhalb der Urnen gelegene, vermuthlich beim Aufwerfen verloren
gegangene, bronzene Messerschale mit abgerosteter Eisenklinge. Sie
ist klein und zierlich, wie alle Metallgeräthe jener Periode, in Form
den unsrigen verwandt, scharf profiliert und mit Querstreifen und
eingeritzten Winkellinien verziert. Bemerkenswerth war das häufige
Vorkommen von rohem Eisenerz in diesem Hügel, das, in gröſseren oder
kleineren Stücken den Urnen beigefügt, offenbar gleichzeitig mit diesen
und ohne Zweifel als Kostbarkeit niedergelegt war.

In einem südlicher gelegenen Hügel fehlten die Deckplatten auf den
Urnen; doch kamen Holztafeln vor, deren Verwitterungsgrad die gröſste
Aehnlichkeit mit dem der bei Oberflacht in Schwaben ausgegrabenen
Todtenbäume zeigte. Der Gröſse nach zu urtheilen, stammen sie nicht
von hölzernen Geräthen, sondern von Umfassungswänden her, oder hatten
die Stelle der deckenden Steine zu vertreten. In einem dritten, schon
früher beim Pflügen bloſsgelegten Aufwurfe war eine Umfassungsmauer
von lose aneinander gereihten, ziemlich groſsen Feldsteinen aufgedeckt
worden, deren Mangel an anderen Stellen darzuthun scheint, daſs wir uns
bei der Bestattungsart jener Zeit keinen allgemein und ausschlieſslich
in Anwendung gebrachten Gebrauch zu denken haben, sondern, daſs bei
aller herrschenden Sitte dem einzelnen Belieben noch Manches überlassen
war. -- In allen Fällen übrigens waren, wie bemerkt, die Urnen auf den
unberührten Boden niedergesetzt und darüber die Hügel aufgeschüttet
worden.

Auch eine vierte zur Untersuchung gezogene Grabstätte bewies, daſs
hier die gleiche Bodenbeschaffenheit überall dieselbe Wirkung
hervorgebracht, und daſs auf eine Bereicherung der Sammlungen durch
interessante Fundstücke nicht zu rechnen sei. Selbst Bronzegeräthe
hatten in der Aschenschicht soweit sich aufgelöst, daſs nur eine Spur
von Grünspan geblieben war. Ein einziges, kleines, aus freier Hand
geformtes Thongefäſs ward unversehrt zu Tage gefördert. Da aber die bis
dahin vorgenommenen Nachgrabungen zur allgemeinen Charakterisierung der
Begräbniſsstelle genugsam schienen, wurde bei der auſserordentlichen
Schwierigkeit der Arbeit auf weitere Nachsuchungen verzichtet.



Zur Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahlbauten.[A]


    Nunquam sera veritas.

Zu Anfang der vierziger Jahre wurde der Unterzeichnete, bei Gelegenheit
einer Nachgrabung auf der sogen. Kaninchen-Insel im Bieler See,
benachrichtigt, man habe in diesem See, in der Bucht von Mörigen
(Mörigen-Eggen), an einer Stelle, wo viele Pfähle im Seegrunde
steckten, ein Thongefäſs herausgefischt. Als Referent im J. 1843 sich
an Ort und Stelle begab, erblickte er zu seinem groſsen Erstaunen eine
Menge uralter, aus dem Seegrunde hervorragender, jedoch tief unter
dem Wasserspiegel stehender Pfähle, und erhob daselbst vermittelst
eines Fischergarns fünf massive Ringe von schlecht gebranntem Thon,
welche in ihrer Höhlung mit Kohlen und Thonscherbchen angefüllt waren
und vom Referenten sofort als keltische Töpferarbeit erkannt wurden.
Mehrere Jahre hindurch fortgesetzte Untersuchungen von Seiten des
nun verstorbenen, in Nidau am Bieler See wohnhaft gewesenen Herrn
Amtsnotar Emanuel Müller, welchen Referent im J. 1847 auf die so
merkwürdige Lokalität aufmerksam gemacht hatte, förderten nach und
nach eine Masse keltischer, meist fragmentarischer Töpferwaare, zum
Theil von sehr groſsen Dimensionen, mehrere Thonringe erwähnter
Art, aber auch metallene Gegenstände, wie halb geschlossene, reich
ciselierte Bronzeringe und ein damasciertes, eisernes Schwert, an das
Tageslicht, von welchen Fundstücken Hr. Müller Proben mit Angabe des
Fundortes an die antiquarische Gesellschaft in Zürich einsandte. (S. V.
Bericht über die Verrichtungen dieser Gesellschaft, vom 1. Juli 1848
bis 1. Juli 1849, S. 4.). Während aber Hr. Müller über den Ursprung
und die Bedeutung dieses Pfahlwerks im Unklaren war, hatte Referent
dasselbe von Anfang an als keltische Pfahlbauansiedlung erkannt,
und er ermangelte nicht, diese Ansicht in seiner 1850 erschienenen
antiquarisch-topographischen Beschreibung des Cantons Bern mit den
Worten zu präcisieren (S. 33): „In der Bucht des Bieler Sees zwischen
Gerolfingen und Mörigen, im sogenannten Mörigen-Eggen, steht, eine gute
Strecke auſserhalb des Seeufers bei letzterm Dorfe, /ein uraltes
Pfahlwerk von der Substruction einer bedeutenden Ansiedlung/ aus
einer Zeit, wo der Wasserspiegel des Sees noch nicht die jetzige
normale Höhe erreicht hatte.“ Zugleich wurde die dort vorfindliche
Töpferwaare als keltische bezeichnet. Damit war der erste keltische
Pfahlbau im Bieler See und in den Schweizer Seen überhaupt, wiewohl
tief unter dem Wasserspiegel stehend, seinem Ursprung und seiner
Bedeutung nach constatiert, wie denn auch Referent die Uebereinstimmung
des im J. 1856 entdeckten Pfahlbaus am untern Ende des tiefer gelegten
Moosseedorf-Sees mit dem Mörigen-Pfahlbau sofort herausfand. (Siehe
noch über die Priorität der Entdeckung des Mörigen-Pfahlbaues „Chronik
des Cantons Bern“, S. 568, und „Pfahlbau-Alterthümer von Moosseedorf“,
S. 9, sowie über den oben berührten Umstand des erhöhten Wasserspiegels
ebendas., S. 36, und Dr. Keller’s I. Bericht über die keltischen
Pfahlbauten in den Schweizerseen, S. 87.)

Nach Feststellung dieser ersten keltischen Wasseransiedlung konnte die
wahre Natur eines zweiten, bei Nidau im Bieler See befindlichen, unter
dem Namen des Nidau-Steinberges längst bekannten, aber irrigerweise
wegen des dortigen Vorkommens von römischen Ziegeln für römisch
gehaltenen Pfahlwerks nicht mehr lange verborgen bleiben, wiewohl
selbst noch Referent mit Hrn. Em. Müller jenen Irrthum theilte.
Je zuverlässiger aber, selbst nach der falschen Ursprungs- und
Zweckbestimmung dieses Pfahlwerks, dasselbe als Unterlage eines Baues
galt, der zu einer Zeit, wo der Wasserspiegel niedriger gestanden,
errichtet worden sei (s. Canton Bern, S. 35), desto fester muſste
es nach Maſsgabe der Funde stehen: das Pfahlwerk bei Mörigen habe,
unter gleichen Verhältnissen des Seestandes, schon in keltischer Zeit
Wohnungen getragen. Auch war es der richtige Rückschluſs von diesem
Punkte auf den Nidau-Steinberg, der die Erkenntniſs seiner wahren Natur
zur Folge hatte.

Das Verdienst der diesfälligen Entdeckung kommt Herrn Oberst Friedrich
Schwab in Biel zu, welcher, durch die bei Mörigen erhobenen keltischen
Fundstücke aufmerksam gemacht, im J. 1852 mit den Nachforschungen
im Nidau-Steinberg begann und damit diese Schatzkammer keltischer
Alterthümer eröffnete. Vergl. Blösch „Geschichte der Stadt Biel“ 1.
Thl., Anmerk. zu S. 8, wo Hr. Oberst Schwab den keltischen Ursprung des
Nidau-Steinberg-Pfahlbaus aus der Uebereinstimmung der gemachten Funde
mit den bei Mörigen entdeckten Alterthümern herleitet, und in demselben
Werke die Erklärungen zum Situationsplan Nr. 34 und 40.

Es erfolgte sodann im J. 1854 Seitens des Herrn Dr. Ferdinand Keller,
Präsidenten der antiquarischen Gesellschaft in Zürich, die Entdeckung
des trocken gelegten Pfahlbaus bei Meilen am Züricher See, deren
Ergebnisse sammt denen der verwandten frühern Forschungen der Genannte
in seinem I. Pfahlbauten-Bericht mit groſser Umsicht verwerthet,
und dadurch einen mächtigen Impuls zu allen den in der Schweiz und
nachgerade auch im Ausland angestellten Untersuchungen über diese
merkwürdigen Reste vorhistorischer Kultur Europas gegeben hat.

So viel mit Bezug auf diesen /Anzeiger/, Jahrg. 1866, Nr. 2, Sp.
50 ff.; vergl. übrigens den „Bund“ Jahrg. 1865, Nr. 342 u. 343.

    /Bern/, 9. Juni 1866.

    /Dr. Albert Jahn./


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Wir sind besonders veranlaſst worden, auch diesen Artikel
im Anzeiger abdrucken zu lassen. /D. Red./]



Eine Bemerkung zu dem bekannten Wappenschilde des Landgrafen Conrad von
Thüringen (+ 1241) in der St. Elisabethen-Kirche zu Marburg.

Vom Fürsten F.-K. zu /Hohenlohe-Waldenburg/.


J. H. von Hefner-Alteneck bemerkt in seinen „Trachten des christlichen
Mittelalters“ I, S. 100, zu diesem auf Taf. 80 abgebildeten Schilde:
„Da das kleine Schildchen des Deutschherrenordens unten rund ist, kann
man annehmen, daſs es wohl erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts darauf
gemalt wurde.“

A. L. J. Michelsen in seiner Abhandlung über „die ältesten
Wappenschilde der Landgrafen von Thüringen“ widerspricht dieser Ansicht
und glaubt, den einzigen Grund für diese Form darin zu finden, daſs
es an Raum gefehlt habe, indem „das Nebenschildchen, ganz zugespitzt,
in den Rand des Wappenschildes hineingereicht hätte“. Er beruft sich
dabei auf C. v. Mayer’s herald. A.B.C.-Buch, S. 73, jedoch mit Unrecht,
da auch in diesem Werke, S. 89, die Ansicht v. Hefner-Alteneck’s,
daſs diese Schildform erst aus dem Ende des 14. Jahrhunderts stamme,
ausdrücklich getheilt wird.

Dagegen erlaube ich mir, auf ein Siegel Emichs von Hohenlohe-Brauneck,
Canonicus und Archidiacons zu Würzburg (1293-1340), an einer Urkunde
von 1311, aufmerksam zu machen, abgebildet bei J. Albrecht „die
hohenlohischen Siegel des Mittelalters“, Taf. VII, Nr. 102. Dieses
Siegel liefert den urkundlichen Beweis, daſs jeden Falls schon zu
Anfang des 14. Jahrhunderts die unten abgerundeten Schilde in Gebrauch
waren[A]. Vielleicht werden sich auch noch Beispiele aus dem 13.
Jahrhundert finden lassen.

Sollte etwa diese Form zuerst bei Wappen /geistlicher/ Personen
und Corporationen gebraucht worden sein, als /heraldischer/ Schild
im Gegensatz zu dem wirklichen (Kampf-)Schilde?


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Ein neuer Beweis, daſs man sich vor all zu engen
Zeitbestimmungen für Kunstformen jeder Art hüten muſs.]



Anweisung zum Pulvermachen aus dem 14. Jahrhundert.

Mitgetheilt von Dr. /Kerler/, Universitätsbibliothekar, in
Erlangen.


Auf dem ersten Blatt eines Cod. membr. saec. XIV. des Archivs der Stadt
Rothenburg a. d. T. -- mit der Signatur „Burger- und Meister-Roll“
-- findet sich folgendes höchst merkwürdige, den Schriftzügen nach
zu schlieſsen etwa in den siebenziger oder achtziger Jahren des 14.
Jahrhunderts aufgezeichnete Rezept zur Bereitung von Schieſspulver:

Man sol salpeter nemen und sol in legen in einen eysnein loͤffel und
sol in setzen uber ein feur und sol in brennen und sol in alz heiz
machen daz er glwͤe alz ein eysen. und sol auch huͤten, daz kain
gluͤwender Kol dor in kum und sol ye in ein phunt salpeterz ye ein
klein vierdung schwefelz werfen und sol in denne uz giezzen in ein
beckin und sol dez selben salpeterz ein phunt nemen und sol nemen ein
vierduog eins phundez lindein kolen und sol nemen zwey lot schwefelz
und sol daz ein wenig feuhten und sol ez under einander stozzen alz
klein daz man den swefel niht gesehen moge sunder. und sol ez danne
derren und sol daz pulver denne tun in ein stein buͤhschen daz sy drey
vinger ler ste und daz ez hert in der buͤhsen vff ein ander gestozzen
sey und sol dann nemen einen buͤchein klocz der hert sey dreyer zwerh
vinger lang und sol den hert schlahen für daz pulver und nem denn ein
wenig gruͦmatz und den stein do für in di bühsen legen und sol den
zwicken mitten in di buͤhsen mit keideln umb und umb daz er sich niht
geruͤren möge.



Verzeichniſs der Ausgaben für den Bau einer Kapelle im Stifte Reun in
Steiermark, aus dem Jahre 1409.


Das Stift Reun wurde vom Markgrafen Leopold dem Starken von Steiermark
gegründet und mit Mönchen aus dem Kloster Ebrach in Franken
besetzt, 1129. Es ist gegenwärtig dieses Stift das älteste des
ganzen Cisterzienser-Ordens. -- Was die Gebäude betrifft, so zeigen
dieselben einen ziemlich einheitlichen Charakter aus den zwei letzten
Jahrhunderten, bis auf einige Spuren aus älteren Bauperioden, und
bilden mit Einschluſs des Oekonomiegebäudes zwei groſse, abgeschlossene
Theile. In seiner früheren Anlage jedoch, wie aus den noch vorhandenen
schriftlichen Aufzeichnungen zu ersehen ist, bestand das Stift,
auſser der alten, romanischen Kirche und dem Conventgebäude, noch aus
mehreren für sich bestehenden Gebäuden, mit eigenen Kapellen, theils
romanischen, theils gothischen Styles, die in der Folgezeit entweder
umgebaut und ihrem ursprünglichen Zwecke entfremdet, oder auch gänzlich
abgebrochen wurden.

So ist von der Capella St. Crucis in domo abbatis, die unter Abt
Angelus[A], am St. Markustage 1406 begonnen und zu Simon und Juda 1409
vollendet und geweiht worden war, nichts mehr zu sehen. Die Chronik des
Stiftes enthält jedoch ein interessantes Verzeichniſs der beim Baue
dieser Kapelle und ihrer inneren Ausstattung verwendeten Ausgaben,
welches in diesem Blatte Raum finden möge.

                                                 _______________________
                                                     [*Pfund]   ß     ₰
    Primo. Lapicidis, muratoribus et eorum famulis || 122    |  5  |  9
    Item, frangentibus lapides et pro magnis       ||        |     |
        lapidibus                                  ||  30    | --  |  4
    Item.  Carpentariis diversis                   ||  14½   | --  | 50
    Item. Magistro Johanni Greis Carpentarie  de   ||        |     |
      capella et aliis laboribus                   ||   9    |  5  | --
    It. Wenzeslao horologiste, de Cruce, stellis,  ||        |     |
      et litere M[B] in campanili                  ||   5    | --  | 60
    It. Eidem de Cancello, de feris et diversis    ||        |     |
      laboraliis, quia per totum annum             ||  15    | --  | 60
    It.  Martino Seratori, de tecto plumbeo        ||   3    |  3  | 29
    It. Diversis aliis fabris                      ||   1    |  3  |  7
    It. Friderico organiste (werck maister) de     ||        |     |
      aliquibus tabulis fusis ad tectum            ||   1    | --  | --
    It. Pro ferro empto, et diversis ferramentis   ||        |     |
      et pro clavis                                ||  21    |  7  | 23
    It. de sedilibus, pulpitis, manstranciis       ||        |     |
      ligneis                                      ||   4    |  7  | 10
    It. Nicolao pictori de imaginibus sculptis     ||   9    | --  | --
    It. pro duabus campanis                        ||  12    |  4  | --
               et pro nolis                        ||  --    | --  | 80
    It. pro vitro ad fenestras                     ||  15    | --  | 66
    It. pro ferro ad retia fenestrarum             ||   6    | --  | 33
    It. pro plumbo ad campanile, ad fenestras seu  ||        |     |
       vitra, ad organum                           ||  13    |  3  |  8
    It. pro stanno ad eadem                        ||   3    |  4  | 20
    It. pictori Johanni pro precio de vitris       ||  20    | --  | --
        et famulis ejus pro bibalibus              ||   1    | --  | --
    It. pro necessariis ad picturas, porro pro auro||        |     |
        foliato ad tabulas altarium, ad capitalia, ||        |     |
        sedilia, et campanile et organum           ||  12    | --  | 44
    It. Pro coloribus, bitumine, vernisio, crida   ||        |     |
        (creta)                                    ||   4    |  4  | 70
    It. Johanni pictori, de tabulis altarium  pro  ||        |     |
        precio                                     ||   6    |  4  | --
    It. de testudine, slosstain, capitellis,       ||        |     |
        sedilibus, pulpitis, pro precio            ||   9    |  6  | 20
    It. Eidem  de Cruce, litera, stellis           ||        |     |
        deauratisin campanile                      ||  --    | 17  | --
    It. de pictura organorum                       ||  --    |  9  | 10
    It. Illuminatori  de imagine B. Virg. et tabula||        |     |
        scripta                                    ||  --    |  5  | 15
    Item pro ornatibus, et oruamentis et pallis ad ||        |     |
            Capellam                               ||        |     |
      Primo. pro zendal serico, gulden porten et   ||        |     |
            filo serico                            ||  19    |  6  | 12
         pro humeralibus et stolis                 ||   5    | --  | 30
         pro lineo panno colorato, rubeo, blanco,  ||        |     |
            et nigro                               ||   8    |  3  | 16
        pro panno lineo albo                       ||   9    | --  |  7
              et pro palla                         ||  --    |  5  | --
        pro twino albo et colorato                 ||   1    | --  | 20
        Sartori Ruedil pro laboribus ornamentorum  ||        |     |
          et pallarum                              ||   4    | --  | --
        Aurifabro töldel pro duabus ampullis       ||        |     |
          argenteis incluso argento                ||  14    | --  | 48
        Ekhardo Zingieſser pro candelabris,        ||        |     |
          ampullis scutellis staneis               ||  --    | 14  | 12
    Item. Pro necessariis ad organa, bitumine,     ||        |     |
      pellibus et ferramentis                      ||  --    | 17  | --
    Item. Magistro Friderico organiste             ||  16    | --  | --
    Item. Henrico  socio ejus, pro bibalibus,  et  ||        |     |
      eciam de libris ligandis                     ||   1    | --  | --
    Nebstdem erhielt Friedrich, Bischof von Seckau,||        |     |
      der die Kapelle consecrierte, und seine      ||        |     |
      Begleitung zusammen circa 44 fl.             ||        |     |
                                                 -----------------------
    Es beträgt somit die Summe  aller Ausgaben:    ||  fl.   |Schl.|
              iiij C [*Pfund] Liiij [*Pfund] v ß = || 454    |  5  | --

    /Graz./      _P._ /Ulr. Greiner./


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Angelus (Manse), aus Meiſsen gebürtig, der 20. Abt von
Reun, wurde 1399 am 7. Juni in Gegenwart von Petrus, Abt von Ebrach,
und Konrad, Abt von Morimond, gewählt. -- 1415 begab er sich im
Auftrage des Herzogs Ernst des Eisernen zum allgemeinen Concilium zu
Constanz, wirkte darauf als Visitator zur Hebung der Ordenszucht in
vielen Klöstern Oesterreichs und der angrenzenden Provinzen, verfaſste
mehrere Schriften, wie das Nekrologium mit einem Verzeichniſs der Aebte
und der bis dahin gestifteten Anniversarien u. dgl., und starb nach
einem vielseitig thätigen Leben im Jahre 1424.]

[Fußnote B: Der Buchstabe _M_ in gothischer Majuskelschrift mit den
eingeschriebenen Buchstaben _aria_ (Maria) bildete seit dem Ende des
14. Jahrh. das Conventwappen, nebst dem Bildnisse der heil. Jungfrau.]



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                       1866.    Nº 7.    Juli.



Chronik des germanischen Museums.


    /Nürnberg/, den 15. Juli 1866.

Inter arma silent Musae. So hat auch der traurige Bruderkrieg, der
Deutschlands Fluren zerstampft und seine Söhne mordet, nicht spurlos
an unserer Anstalt vorübergehen können. Gesammtdeutschland gewidmet,
Eigenthum des ganzen deutschen Volkes und somit Repräsentant seiner
Einheit, fühlt unser Institut jeden Sieg, auf welcher Seite er auch
erfochten werde, als eine Niederlage, und nur die Hoffnung kann uns
Trost geben, daſs ein fester, dauernder Friede wohl bald wieder das
deutsche Volk vereinige, daſs der Krieg den Patriotismus wecke und
läutere. Der traurige Bruderkrieg muſs ein Ende nehmen; dann wird
das Museum, das weder Parlament noch Bundestag, weder Zoll- noch
National-Verein, sondern der /einmüthige/, /freie/ Wille
des deutschen Volkes und sämmtlicher Fürsten geschaffen, wieder aufs
neue Zeugniſs geben, daſs /ein/ Vaterland alle Stämme umfaſst.
Sein Wahlspruch ist und soll ewig bleiben: /Durch Einheit stark./
Ueber jeder Partei stehend, rechnet das Museum darauf, daſs jeder
Deutsche soviel in seinen Kräften steht thun werde, um ihm über die
Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, die in den Zeitereignissen begründet
sind, um es ihm zu ermöglichen, für bessere Tage sich zu erhalten. Möge
doch wenigstens Ein und der Andere im Donner der Kanonen auch an das
deutsche Nationalinstitut denken! -- Wir sagen „möge“; und doch ist’s
nicht blos /unser/ Wunsch -- nein, mit Freude und Stolz, soweit
die trübe Zeit dies zuläſst, können wir sagen, daſs dies Viele mit uns
fühlen, daſs uns in der letzten Zeit manche Zuschrift zugegangen ist,
die diesen Gedanken ausspricht, daſs Mancher aufs neue versprochen hat,
im Leid wie in der Freude festzuhalten an unserer Nationalsache. Haben
wir auch in diesem Monate nicht Vieles zu melden, so ist doch eine um
so schwerer wiegende Thatsache zu verzeichnen, die beweist, daſs nicht
Alle im Drange der Ereignisse uns vergessen haben. Herr Professor
/von Scheurl/ in /Erlangen/, der Vertreter der altberühmten
Nürnberger Patrizierfamilie, hat im Museum eine Stiftung seiner Familie
errichtet, indem er nicht blos das gesammte, höchst interessante
Familienarchiv unter Eigenthumsvorbehalt im Museum deponierte,
sondern auch eine groſse Anzahl seltener Bücher, die in unserer
Bibliothek ebenso eine gesonderte Reihe bilden werden, wie die deutsche
Parlamentsbibliothek und die Wilhelmische Bibliothek. Das höchste
Interesse aber erweckt eine davon getrennt zu haltende ganze Bibliothek
aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh.: die noch ganz intakt bewahrte
Bibliothek des berühmten Nürnberger Rechtsgelehrten und Staatsmannes
Dr. Christoph Scheurl († 1542), die nicht blos eine groſse Zahl höchst
werthvoller, uns bis jetzt fehlender Incunabeln enthält, sondern auch
noch ganz die alte, von der heutigen verschiedenen Aufstellungsweise
einer Bibliothek zeigt. Es wird Veranstaltung getroffen werden, daſs
diese Bibliothek so aufgestellt wird, daſs auch das Publikum den
Genuſs hat, eine intakte Bibliothek des 16. Jahrh. zu sehen. Eine
Anzahl sehr werthvoller Porträts und sonstiger Familienbilder aus
dem 15.-17. Jahrh., Kupferstiche, Holzschnitte, Holzstöcke u. s.
w. vervollständigen diese groſsartige Familienstiftung. Unter den
Urkunden des Familienarchivs befinden sich eine ziemliche Anzahl
älterer und selbst einige nicht unbedeutende Kaiserurkunden; unter den
Akten aber Manches von höchstem Interesse; so eine Zahl eigenhändiger
Briefe von Martin Luther, Melanchthon, Hieronymus Paumgärtner etc.,
dann der Briefwechsel des Dr. Chr. Scheurl mit Herzog Georg von
Sachsen und Bischof Johann von Trient, eine Reihe von Briefen anderer
fürstlicher Personen, der Städte Weiſsenburg, Passau etc. an Dr.
Christoph Scheurl. Die Uebertragung in’s Museum hat eben begonnen; ein
Ueberblick der reichen Stiftung läſst sich erst dann gewinnen, wenn das
ganze Material geordnet im Museum liegt; allein so viel kann man schon
jetzt sagen, daſs diese v. Scheurl’sche Familienstiftung mit zu den
groſsartigsten Förderungen gehört, die das Museum seit Langem erhalten
hat.

Möchte dies Beispiel gerade jetzt recht viele Nachahmung finden!

Eine andere sehr dankenswerthe Förderung ist von Seite des hiesigen
Kaufmanns Herrn Ph. /Lobenhofer/ zu Theil geworden, der eine
interessante, lebensgroſse, bemalte Marienstatue aus dem Beginn des 15.
Jahrh., unter Eigenthumsvorbehalt, im Museum deponiert hat.

Wie das Museum seine Hauptaufgabe in der wissenschaftlichen Thätigkeit
sucht, so muſs es sich auch freuen, wenn der Name seiner Beamten über
ihre eigentliche amtliche Aufgabe hinaus Anerkennung findet. Mit Stolz
blickt es daher auf eine Anzahl Gelehrte, die jetzt da und dort im
weiten deutschen Vaterlande ehrenvolle Posten bekleiden, und die einst
ihre Thätigkeit im german. Museum begonnen. So mischt sich auch jetzt
ein gerechter Stolz in das Bedauern, abermals einen tüchtigen Beamten
aus dem Museum scheiden zu sehen, indem unser Archivconservator, Herr
Dr. C. /Will/ als fürstl. Thurn und Taxis’scher Archivar nach
Regensburg berufen wurde. Auch in anderer Weise wurde bisher der
Thätigkeit mancher Beamten des Museums Anerkennung gezollt. So wurden
z. B. die Herren Gebrüder DDr. /Erbstein/ wiederholt ersucht,
gröſsere numismatische Sammlungen zu ordnen und zu verzeichnen. Ein
ähnliches Ersuchen wurde jüngst an diese Herren in Betreff der im
Nachlasse des zu München verstorbenen, in numismatischen Kreisen
allbekannten Herrn Obersten Ritter von /Schultheſs-Rechberg/
befindlichen Münzsammlung gestellt und ihnen von Seite des Museums der
zur Vorbereitung dieser Arbeit, mit der namentlich die Fortführung
und Vollendung des vom Verstorbenen herausgegebenen „Thalerkabinets“
verbunden sein wird, nöthige Urlaub gewährt, wozu sich das Museum um
so mehr verpflichtet fühlte, als ihm ein Betrag von einhundert Gulden
aus jenem Nachlasse zugewiesen worden. An sonstigen Beiträgen wurden im
Laufe des Monats neu gezeichnet:

Aus =Vereinskassen=: Vom Gesangvereine zu /Lauf/ (Bayern): 3
fl. (einm.)

Von =Privaten=: /Basel/: Gymnasiallehrer Ludwig Sieber 2 fl.
20 kr. (statt früher 1 fl. 10 kr.); /Berchtesgaden/ (Bayern):
Ignaz Frhr. v. Barth, kgl. Landrichter, 1 fl., Jos. Dietz, k.
Rentbeamter, 1 fl., Baubeamter Haindl 1 fl., Kaufmann J. Kerschbaumer
1 fl., Privatier Michael Kirchmayr 1 fl. 45 kr., Dr. Kimmerle, prakt.
Arzt, 1 fl., Hauptsalzamtskassier Ostler 1 fl., Apotheker Pirngruber
1 fl., Ludwig von Savoye, k. Notar, 1 fl. 45 kr., Oskar Scheidemandel,
Aufschläger, 1 fl., Jakob Schwarzenbeck, Posthalters-Sohn, 1 fl.,
Hauptsalzamtscontroleur Weidmann 1 fl., Ritter von Weishaupt, k.
Ober-Berg- und Salinenrath, 1 fl. 45 kr.; /Callenberg/ (Kgr.
Sachsen): Pfarrer Anaker in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Fabrikant Victor
Falke in Hohenstein 1 fl. 45 kr., Kaufmann Ewald Frey in Hohenstein
1 fl. 45 kr. (einm.), Kaufmann Karl Heise in Hohenstein-Ernstthal 1
fl. 45 kr., Kaufmann Ferdinand Jacobi in Hohenstein 1 fl. 45 kr.,
Lic. Moriz Meurer, Pfarrer, 1 fl. 45 kr.; /Calw/ (Württemberg):
Dr. med. Ad. Günzler in Liebenzell 30 kr., P. Haaga, Distriktsarzt in
Herrenalb 30 kr., Dr. C. Müller, Oberamtsarzt, 1 fl.; /Eſslingen:/
Caroline Gräfin von Beroldingen, geb. Gräfin von Larisch-Mönich,
Staatsministerin, Excellenz, in Stuttgart, 6 fl., Mathilde Freifräulein
von Buttlar 1 fl., Max Freiherr von Soden, stud. jur., in München,
1 fl. 45 kr., Wilhelm Graf von Taubenheim, stud. jur., in Tübingen,
2 fl.; /Freiburg/ i. Br.: Professor Schreiber 10 fl. (einm.);
/Furth/ a. W. (Bayern): Erhard Bauer, k. Hauptzollamtsverwalter,
1 fl., Stadtschreiber Raim, Bauer 1 fl., Bernhard Frhr. v. Hirschberg,
Güterexpeditor, 1 fl., Dr. phil. Schlimmbach 1 fl.; /Gussenstadt/:
Pfarrer G. Steinbeis 1 fl.; Lauf: Kaufmann J. G. Barth 1 fl. (einm.);
/Nürnberg/: Dr. Heinrich Kleemann, Apotheker, 1 fl. 45 kr.;
/Ostheim/ v. d. R. (Sachsen-Weimar): Diaconus Ackermann 1 fl.,
Rektor L. Andrä 1 fl., Justiz-Amtmann Karl Briegleb 1 fl., Dr. med.
Glock 1 fl. 45 kr., Amtsphysikus Dr. Keſsler 1 fl., Amtsaktuar
Ottomar Kind 1 fl.; /Staffelstein/ (Bayern): Kunstmühlenbesitzer
A. Eichenmüller 1 fl. (einm.), Bezirksamtmann Falco 1 fl.,
Rechtspraktikant Finzel 1 fl. (einm.), Dr. Hepp, k. Bezirksarzt, 1 fl.
(einm.), Künell, geistl. Rath, Dechant und Stadtpfarrer, 1 fl., Notar
Maltz 1 fl. (einm.), Michael Reuder, k. Bez.-Amts-Assessor, 1 fl.
(einm.), Apotheker Rigel 1 fl. (einm.) Rechtspraktikant, Schmitt 1 fl.
(einm.), Gallus Silbermann, Fabrikbesitzer, in Hausen 2 fl. (einm.)

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir
hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


I. Für das Archiv.

=Beyschlag=, Pfarrer, in Freimersheim:

    3347. Ein Trauerlied auf Elias Hainzelmann, sammt Begleitbrief aus
    dem Jahre 1695. Pap.

=C. J. Gabriel=, Buchhalter, in Winzingen:

    3348. Pachtvertrag von 1815. Pap.


II. Für die Bibliothek.

=Dr. Friedr. Münscher=, Gymnasialdirektor, in Marburg:

    19,455. Zilch, über Philodemus und Hyperides. 1866. 4. Prgr.

=K. rhein. Friedrich-Wilhelms-Universität= in Bonn:

    19,456. Dies., index scholarum etc. 1865 u. 1865-66. 4.

    19,457. Catalogi chirographorum in bibliotheca acad. Bonnensi
    servatorum fasc. VI, p. I. 1865. 4.

    19,458. de Bruenneck, de auctoritatis qua Prussiae ordines sub
    ordinis Teutonici imperio utebantur initio et incremento. 1865. 8.

    19,459. Hennes, de fide, quae Bonizonis libro ad amicum tribuenda
    sit. 1865. 8.

    19,460. Hoelscher, de Irmini dei natura Germanorumque nominis
    origine. 1865. 8.

    19,461. Krueger, Bonizonis liber ad amicum, num ea fide dignus sit,
    quam illi recentiores scriptores tribuere solent. 1865. 8.

    19,462. Loening, de pace domestica. 1865. 8.

    19,463. Varrentrapp, commentationis de Christiano archiepiscopo
    Moguntino spec. I. 1865. 8.

    19,464-19,506. 43 weitere akadem. Schriften vermischten Inhalts.
    1865. 4. u. 8.

=Dr. Georgens=, Direktor des Levanakindergartens in Nürnberg:

    19,507. Luther, ain Sermon von dem neüwen Testament. 1520. 4.

    19,508. Bodenstayn von Carolstat, Missiue von der allerhochsten
    tugent gelassenhait. 4.

    19,509. Schopff, ein christl. Gottselige Predigt Von rechter
    heiligung des Sabbaths. 1593. 4.

    19,510. Rab, christliche Revocation Predigt. 1601. 4.

=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

    19,511. Ders., die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt
    Krakau. 1866. 4.

=Job. Phil. Raw=’sche Buchh. (C. A. Braun) in Nürnberg:

    19,512. Detzer, evangel. Concordienbuch; 3. Aufl. 1847. 8.

    19,513. v. Soden, Karl V. in Nürnberg. 1858. 8.

=Dr. J. K. Haſskarl= in Cleve:

    19,514. Ders., die Familie der Commelinaceae. 8. Sonderabdr.

=Conrad Noever= in Gladbach:

    19,515. Ders., zur Geschichte M.-Gladbachs. 1866. 8.

=Direktion der Maximilians-Heilungs-Anstalt für arme Augenkranke=
in Nürnberg:

    19,516. Dies., 52. Jahres-Bericht etc. 1866. 4.

=K. Universität Tübingen:=

    19,517. Systematisch-alphabetischer Hauptkatalog der k.
    Universitätsbibliothek zu Tübingen; A., F., G., K. Nebst
    Zuwachsverzeichniſs 1850-53 u. I-VIII, XI u. XII. 1853-65. 4.

    19,518. Tübinger Universitätsschriften a. d. J. 1865. 1866. 4.

    19,519. Nädelin, d. erste Periode der Entwicklungsgeschichte der
    deutschen Centralgewalt. 1865. 8.

    19,520-40. 21 Dissertationen vermischten Inhalts. 1865. 4. u. 8.

=Histor. Filial-Verein= in Neuburg a. D.:

    19,541. Ders., Collektaneen-Blatt etc. 31. Jhrg. 1865. 1866. 8.

=J. Zitzlsperger=, Professor an der k. Landwirthschafts- u.
Gewerbeschule in Amberg:

    19,542. Ders., Beiträge zu einer Handwerks- und Gewerbsgeschichte
    Ambergs. (Schluſs.) 1865. 4. Progr.

=Ein Ungenannter= in Braunschweig:

    19,543. Eines E. Raths der Stadt Braunschweig Fewer-Ordnung. 1647.
    4.

    19,544. Dero Stadt Braunschweig Kleider-Ordnung. 1650. 4.

    19,545. Eines E. Rathes dero Stadt Braunschweig Edict, die an statt
    derer Hochzeiten, zugelassene Abend-Gastereyen nicht mehr des
    Sontags, sondern Montags zuhalten. 1661. 4.

    19,546. Eines E. Rathes dero Stadt Braunschweig Kind-Tauff-Ordnung
    1669. 4.

    19,547. Auf Landes-Fürstl. gn. Befehl E. E. Raths der Stadt
    Braunschweig publicirte Kleider-Ordnung. 1705. 4.

    19,548. Eines E. Rathes der Stadt Braunschweig Edict wegen
    Abschaffung der Bänder. 1662. 4.

=J. A. Stein’s= Buchhandl. (A. Köllner) in Nürnberg:

    19,549. Solger, Klinschor; e. Gedicht. 1864. 8.

=J. Metzner=, Kaplan, in Nürnberg:

    19,550. Volumen Justiniani solertissime reuolutum. 1527. 4.

=K. bayer. Akademie der Wissenschaften= in München:

    19,551. Dies., Sitzungsberichte; 1866, I, II. 1 u. 2. 8.

=Dr. med. Hermann Hartmann= in Lintorf:

    19,552. Norbert, Lebensbeschreibung Bischof Benno’s II., übersetzt
    von Hartmann. 1866. 8.

=J. F. G. Lodtmann=, Pastor, in Osnabrück:

    19,553. Ders., Genealogie der Möser’schen Familie. 1866. 8.

=August Recknagel=, Buchhandlung, in Nürnberg:

    19,554. Supremae pietatis monumenta divis manibus domini Josephi
    etc. consecrata. 1711. 2.

    19,555. Ausführliche Nachricht von dem Röm.-Catholischen
    Jubel-Jahr. 1725. 8.

    19,556. Das merckwürdige Wienn; Jan.--Martius. 1727. 4.

    19,557. Schulzius, historia medicinae etc. 1728. 4.

    19,558. Vera delineatio atque descriptio globi imperialis. 1730. 2.

    19,559. Zweyte Zusammenkunfft von der kurtzen doch zulänglichen
    Nachricht von dem Saltzburgischen Emigrations-Geschäffte. 1732. 8.

    19,560. Duellius, Fridericus pulcher Austriacus. 1733. 4.

    19,561. Ders., lucubratio epistolaris etc. 1733. 4.

    19,562. Ders., epistola ad Dom. Coelestinum L’Orefice etc. 2.

    19,563. Recensio tomi prodromi chronici Gotwicensis. 4.

    19,564. Ausführliche Nachricht von d. prächtigen Leich-Begängniſs
    Eugenii von Savoyen. 1736. 2.

    19,565. Spitz, jura viduarum clericorum et professorum. 1737. 4.

    19,566. Bellaminte, mémoire de Frid. Henri comte de Seckendorff.
    1739. 8.

    19,567. Ungrund der von der Reichs-Stadt Nürnberg über Bislohe sich
    angemaſsten landesherrlichen Obrigkeit. 2.

    19,568. Link, commentatio de concepto renovatae ordinationis
    cameralis. 1754. 4.

    19,569. Prioralo, Lebensgeschichte Albrechts von Waldstein. 1769. 8.

    19,570. Ratzenberger’s geheime Geschichte von den Chur- und
    Sächsischen Höfen etc. 1774. 8.

    19,571. Pfeiffer, der Reichscavalier auf seinem
    reichsohnmittelbaren Gebiete. 1787. 8.

    19,572. de Peschwitz, de jure et privilegiis nobilium. 1740. 8.

    19,573. Darstellung des Nürnberg. unbestreitbaren Eigenthums- und
    Besitzes der in d. Bayern-Landshutischen Erbfolgekrieg acquirirten
    Ländereien. 1791. 4.

    19,574. Kurze Ausführung des den Herrn Grafen Joh. Ludw. Vollrath
    und Friedr. Ludw. v. Löwenstein-Wertheim zuständigen Erbrechts.
    1791. 2.

    19,575-19,585. 11 weitere Schriften vermischten Inhalts. 1730-1796.
    2. 4. u. 8.

=Verwaltungsrath der Wedekind’schen Preisstiftung= in Göttingen:

    19,586. Henricus de Hervordia, liber de rebus memoriabilioribus,
    ed. Potthast. 1859. 4.

=Bernh. Tauchnitz=, Verlagshandlung, in Leipzig:

    19,587. Rudelbach, Reformation, Lutherthum und Union. 1839. 8.

    19,588. Friedberg, d. Recht d. Eheschlieſsung. 1865. 8.

    19,589. v. Weber, Anna, Churfürstin zu Sachsen. 1865. 8.

=Georg Widter=, k. k. Postdirektor, in Vicenza:

    19,590. Ders., Materialien zur Geschichte und Beschreibung der
    Provinz Vicenza. 1866. 2. Hs.

=Historischer Verein= in St. Gallen:

    19,591. Ders., Mittheilungen zur vaterländischen Geschichte; V u.
    VI. 1866. 8.

    19,592. Keſslerus, Joachimi Vadiani vita. 1865. 4.

=Dr. Herm. Wartmann= in St. Gallen:

    19,593. Ders., Urkundenbuch der Abtei St. Gallen; II. Thl. 1866. 4.

=Gelehrte estnische Gesellschaft= in Dorpat:

    19,594. Dies., Sitzungsberichte; 1865. 8.

    19,595. Schirren, der Codex Zamoscianus. 1865. 4.

=Hermann Böhlau=, Verlagsbuchhandl., in Weimar:

    19,596. Zeitschrift f. Rechtsgeschichte; Bd. V, 2. 1866. 8.

=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:

    19,597. Hinrichs’ fünfjähriger Bücher-Catalog; III. Bd. 1861-65.
    1866. 8.

=Bernhard Schlicke=, Verlagshandl., in Leipzig:

    19,598. Strack, Missionsgeschichte der Deutschen. 1860. 8.

    19,599. Bogdanowitsch, Geschichte des Krieges 1814 in Frankreich;
    aus dem Russ. v. Baumgarten. I. Bd. 1866. 8.

=A. Essenwein=, I. Vorstand des german. Museums:

    19,600. Ders., über d. Prinzip der Fortbildung auf dem Gebiete des
    Gewerbes. 4. Sonderabdr.

=Dr. Martius=, prakt. Arzt, in Nürnberg:

    19,601. Beschreibung derer Thaler des gräflich. und fürstlichen
    Hauses Mansfeld. 1758. 4.

    19,602. Hentze, Versuch über die ältere Geschichte des fränk.
    Kreises; 1. Stck. 1788. 8.

    19,603. Palm, Versuch einer Handbibliothek der ökonomischen
    Litteratur. 1790. 8.

    19,604. Blank, Musiv-Gemählde oder mosaische Kunstarbeiten in d.
    hochfürstl. Kunst-Cabinette zu Würzburg. 1796. 8.

    19,605. v. Spaun’s politisches Testament; hg. v. Eisenmann. 1831. 8.

=Naturwissenschaftlicher Verein= in Carlsruhe:

    19,606. Ders., Verhandlungen; 1. u. 2. Heft. 1864 u. 66. 4.

=J. F. G. Lodtmann=, Pastor, in Osnabrück:

    19,607. Norbert, Lebensbeschreibung Bischof Benno’s II. zu
    Osnabrück; übers. v. Hartmann. 1866. 8.

=Louis de Baecker= in Bergues (Frankreich):

    19,608. Ders., observations sur le traité des écritures cunéiformes
    de Mr. le comte de Gobineau. 1866. 8.

=Dr. Wilhelm Wackernagel=, Universitäts-Professor, in Basel:

    19,609. Ders., sechs Bruchstücke einer Nibelungenhandschrift aus
    der mittelalterlichen Sammlung zu Basel. 1866. 4.

=J. Ludwig Schmid’s= Verlagshandlung in Nürnberg:

    19,610. Hutzelmann, Tabelle der bayerischen u. deutschen
    Geschichte. 1866. 8.

    19,611. Hopf, bayerische Geschichte in Zeittafeln. 1865. 8.

=A. D. Geisler=, Verlagsbuchhandl., in Bremen:

    19,612. Schäfer, Grundriſs der Geschichte der deutschen Literatur;
    10. Aufl. 1866. 8.

=Ferdinand Enke=, Verlagsbuchhandlung, in Erlangen:

    19,613. Strauch, über Ursprung und Natur der Regalien. 1865. 8.

=Direktion der groſsen Stadtschule= zu Rostock:

    19,614. Mahnius, elementorum artis historicae partic. I. 1833. 4.

    19,615. Mahn, Beiträge zur Geschichte des alten wendischen
    Rostocks. 1854. 4.

    19,616. Bachmann, kleine Beiträge zur Geschichte der Rostocker
    Stadtschule. 1865. 4.

    19,617-19,652. 36 weitere Programme der groſsen Stadtschule zu
    Rostock. 1829-66. 4.

=K. bayr. Akademie der Wissenschaften= in München:

    19,653. Dies., Abhandlungen der philol.-philos. Classe; X, 3. u.
    XI, 1. 1866. 4.

    19,654. Schlagintweit, die Gottesurtheile der Indier. 1866. 4.

=Friesch Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde= in
Leeuwarden:

    19,655. Dies., de vrije Fries; XI. Deel, n. R. V, 2. 1865. 8.

=Altmärkischer Verein für vaterländ. Geschichte u. Industrie= in
Salzwedel:

    19,656. Ders., 15. Jahresbericht. 1865. 8.

=César Daly=, Architekt, in Paris:

    19,657. Révue générale de l’architecture; 23. vol., no. 9-10. 1866.
    4.

=C. H. Beck=’sche Verlagsbuchhandlung in Nördlingen:

    19,658. Kluckhohn, Ludwig d. Reiche, Herzog v. Bayern. 1865. 8.

    19,659. Schletterer, übersichtl. Darstellung d. Geschichte der
    kirchl. Dichtung. 1866. 8.

=Buchner=’sche Buchhandlung in Bamberg:

    19,660. Heinisch u. Ludwig, kurze Geschichte d. deutschen
    Literatur; I. u. II. Thl. 1857. 8.

=Ferd. Dümmler’s= Verlagsbuchhandlung in Berlin:

    19,661. Richter, d. weströmische Reich. 1865. 8.

=Heinrichshofen=’sche Buchhandlung in Magdeburg:

    19,662. Möller, Paul Gerhardt’s Ehrengedächtniſs in
    Grafenhaynichen. 1844. 8.

    19,663. Müller, Deutschlands Wiedergeburt. 1865. 8.

=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:

    19,664. Handbuch der Geographie und Statistik; Bd. II, 1. Nachtr.
    u. Bd. III, 9. Lief. 1866. 8.

=Hinstorff=’sche Hofbuchhandlung in Wismar:

    19,665. Reuter, sämmtliche Werke; 1. 2. 7-10. Bd. 1865-66. 8.

=Heinr. Carl Huch’s= Buchhandlung in Quedlinburg:

    19,666. Zwei Hexenprozesse a. d. J. 1688. 1863. 8.

=Otto Janke’s= Verlagsbuchhandlung in Berlin:

    19,667. Hesekiel, Lux et Umbra; 3 Bde. 1861. 8.

    19,668. v. Stifft, Culturstudien; 2 Bde. 1865. 8.

    19,669. v. Maltitz, altadelige Haus- u. Familiengeschichten; I.
    Abth., 1-4. Bd., II. Abth. 1-4. Bd. 1865-66. 8.

=G. C. E. Meyer sen.= Verlagsbuchhandl. in Braunschweig:

    19,670. Beste, Luther’s Kinderzucht. 1846. 8.

=Constantin Niese=, Verlagsbuchhandlung, in Saalfeld:

    19,671. Wagner’s Chronik der Stadt Saalfeld, fortgesezt v. Grobe;
    9. Heft. 1866. 8.

=G. Reichardt’s= Verlagshandlung in Eisleben:

    19,672. Scharfe, d. Regierungsbezirk Merseburg. 1841. 8.

    19,673. Läncher, Geschichte der gräfl. Häuser und der Grafschaften
    Wernigerode, Stolberg, Roſsla, Hohenstein. 1844. 8.

    19,674. Cunz, Dr. Luther’s Denkmal in seinen Liedern. 1846. 8.

=J. Ricker=’sche Buchhandlung in Gieſsen:

    19,675. Schmitthenner’s kurzes deutsches Wörterbuch; 3. Auflage, 9.
    Lief. 1866. 8.

=Heinrich Schindler=, Verlagshandlung, in Berlin:

    19,676. Die Himmelsstürmer oder die St. Georgsbrüder. 1858. 8.

    19,677. Reusch, die nordischen Göttersagen. 1865. 8.

=Schmorl & von Seefeld=, Verlagsbuchhandl., in Hannover:

    19,678. Riefkohl, die Insel Norderney. 1861. 8.

    19,679. v. Warnstedt, die Oldenburger und Brandenburger
    Erbansprüche auf die Herzogtümer Schleswig-Holstein. 1865. 8.

=J. Schorner=’sche Buchhandlung in Straubing:

    19,680. Dobler, nenia, manibus Tillii dicata. 1845. 8.

    19,681. Mörtl, Lieder u. Sagen. 1846. 8.

    19,682. Gistel, die südwestbayerische Schweiz. 1857. 8.

    19,683. Dobler, über den Einfluſs des Genius der alten Literatur
    auf d. Entwicklungsgang d. deutschen Literatur. 1864. 8.

=Fr. Steudel=, Verlagsbuchhandlung, in Stade:

    19,684. Schlüter, Sammlung sämmtlicher in d. Herzogth. Bremen u.
    Verden in Beziehung auf d. Meierrecht erlassenen Gesetze etc. 1861.
    8.

=Eduard Trewendt=, Verlagshandlung, in Breslau:

    19,685. Groſs-Hoffinger, die Donau vom Ursprung bis in das schwarze
    Meer. 1846. 8.

    19,686. Eberhard, die religiösen Ideen nach ihrer geschichtlichen
    Entwickelung in der Bibel. 1846. 8.

    19,687. Versuch einer Geschichte des vormaligen frstl.
    Cisterzienser-Stiftes Heinrichau. 1846. 8.

    19,688. Wattenbach, die slawische Liturgie in Böhmen und die
    altruſsische Legende v. heil. Wenzel. 1857. 8. Sonderabdr.

    19,689. Röpell, über die Verbreitung des Magdeburger Stadtrechts im
    Gebiete des alten polnischen Reichs. 1857. 8. Sonderabdr.

    19,690. Uschner, der Froschmäusekrieg. 1860. 8.

    19,691. v. Holtei, schlesische Gedichte. 1861. 8.

    19,692. Krug, Geschichte der preuſs. Staatsschulden. 1861. 8.

=Velhagen und Klasing=, Verlagshandl., in Bielefeld:

    19,693. Niemeyer, deutsche Dichtungen zur deutschen Geschichte.
    1844. 8.

    19,694. Catechismus Romanus, ed. Buse; tom. I. u. II. 1859. 8.

    19,695. Concilii Tridentini canones et decreta, ed. Smets. 1859. 8.

    19,696. Lange, verm. Schriften; n. Folge, 1-3. Bd. 1860-64. 8.

=Weidmann=’sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig:

    19,697. Bertran von Marseille, la vie de Ste. Enimie, hg. v. Sachs.
    1857. 8.

    19,698. Martin, Grammatik und Glossar zu der Nibelunge Not. 1865. 8.

=J. Gabriel=, Buchhalter, in Winzingen:

    19,699. Müller, Blicke in das Labyrinth der Zukunft. 1848. 8.

    19,700. Leyser, zum sechsten Mai. 1 Bl. 4.

=Friedr. Hektor Graf von Hundt=, k. Ministerialrath, in München:

    19,701. Ders., Fund römischer Denare bei Niederaschau. 1866. 8.
    Sonderabdr.

=Anton Kutschera= in Weitz:

    19,702. Ders., Geschichte der Vorzeit aus Denkmalen; IV. 8.

=A. Emmerling=, Verlagsbuchhandlung, in Heidelberg:

    19,703. Alphabetisches Ortsverzeichniſs des Groſsherzogth. Baden.
    1866. 4.

=Aug. Hildebrand=, Verlagshandlung, in Schwerin:

    19,704. Resultate aus G. v. Lehestens: Der Adel Mecklenburgs seit
    1755. 1864. 8.

=J. J. Lentner=’sche Buchhandlung in München:

    19,705. Schlett, d. Römer in München. 1830. 8.

    19,706. Schmeller, über d. Studium der altdeutschen Sprache und
    ihrer Denkmäler. 1827. 8.

    19,707. v. Wendt, Abhandlungen u. Rechtsfälle zur Erläuterung des
    gem. bayer. u. sächs. Civilrechts u. Civilprozesses. 1836. 8.

    19,708. Fick, Lehrbuch d. allgem. Geschichte; 3 Bde. 1843 u. 44. 8.

    19,709. v. Chantal, Leben und Wirken des heil. Franz v. Sales,
    1842. 8.

    19,710. Von der Reinhaltung u. Reinigung der heil. Geräthe u.
    Gewänder. 1860. 8.

    19,711. Lechner, Leben der Heiligen aus d. Orden der Kapuziner; 3
    Bde. 1863-65. 8.

    19,712. Sattler, Geschichte der Marianischen Congregationen in
    Bayern. 1864. 8.

=W. J. Peiser=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

    19,713. Pierson, Leitfaden der preuſs. Geschichte. 1865. 8.

=Alvin Prausnitz=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

    19,714. Ritter, Philipp Melanchthon. 1860. 8.

    19,715. Neomarchicus, ut’n Hangbuttenstrukh. 1862. 8.

=A. Sacco’s= Nachfolger, Verlagshandlung, in Berlin:

    19,716. Döring, poet. Sagenkreis auf histor. Grunde. 1846. 8.

=Schlesinger=’sche Buchhandlung in Berlin:

    19,717. Wörterbuch der in der Instrumental- und Vokal-Musik
    vorkommenden Ausdrücke. 8.

=A. W. Unzer=, Verlagshandlung, in Königsberg:

    19,718. Rosenkranz, d. Verdienst d. Deutschen um die Philosophie
    der Geschichte. 1835. 8.

=Eduard Zernin=, Verlagshandlung, in Darmstadt:

    19,719. Bopp, Beiträge zum Verständnisse der vier mittelrhein.
    Landrechte; 2. Thl. 1857. 8.

=A. Blanchet= in Lausanne:

    19,720. Ders., notices sur quelques monnaies inédites de l’évêché
    de Sion. 1864. 4.

=G. v. Bülow= in Lausanne:

    19,721. Blanchet, Lausanne dès les temps anciens. 1864. 8.

=Louis Pröbster=, Kaufmann, in Nürnberg:

    19,722. de Pufendorf, de rebus a Carolo Gustavo Sueciae rege gestis
    commentariorum libri VII. 1729. 2.

=Dr. H. Wuttke=, Universitäts-Professor, in Leipzig:

    19,723. Ders., die deutschen Zeitschriften und die Entstehung der
    öffentl. Meinung. 1866. 8.

    19,724. Brevis introductio in historiam rerum Germanicarum
    literariam. 1727. 4.

    19,725. v. Kamper, Geschichte der Niederlande; I. Bd. 1831. 8.

    19,726. Eichstadius, de praecipuis quibusdam Ernestinae prosapiae
    in Saxonia principibus. I. 1844. 4.

    19,727. Eichstadius, memorabilia academiae Jenensis; IV. 1848. 4.

    19,728-19,741. 15 weitere Schriften vermischten Inhalts a. d. J.
    1815-64. 4. u. 8.

=Alfred Oehmigke=, Verlagshandlung, in Neu-Ruppin:

    19,742. Smidt, Heinrich van Zütphen. 8.

=Hammer=, Oekonom, in Heroldsberg:

    19,743. Vogt, catalogus hist.-crit. librorum rariorum. 1793. 8.

=Geschichts- u. alterthumsforschende Gesellschaft des Osterlandes=
in Altenburg:

    19,744. Dies., Mittheilungen; Bd. VI, 3. u. 4. Heft. 1865. 8.

=Fr. Wagner=’sche Buchhandlung in Freiburg i. Br:

    19,745. Buſs, die Methodologie des Kirchenrechts. 1842. 8.

    19,746. Söltl, Attila, Trauerspiel. 1865. 8.

=Universität= zu Straſsburg:

    19,747. Collection générale des dissertations de la faculté de
    médecine de Strasbourg; année 1865, tome 36-38. 1866. 4.

=Redaktion der Heidelberger Jahrbücher= in Heidelberg:

    19,748. Heidelberger Jahrbücher der Literatur; Jhg. 56, 4; 57, 3 u.
    59, 4. 1863, 64, 66. 8.

=Herder=’sche Verlagshandlung in Freiburg i. Br.:

    19,749. Sammlung historischer Bildnisse; I-IV. 1857-64. 8.

    19,750. Floſs, Leonis P. VIII. privilegium de investituris Ottoni
    I. imp. concessum. 1858. 8.

    19,751. Scharpff, die Entstehung des Kirchenstaates. 1860. 8.

    19,752. v. Wänker, aus der deutschen Geschichte der zwei letzten
    hundert Jahre. 1861. 8.

    19,753. Schwäbische Volkslieder. 1864. 8.

    19,754. Rieſs, d. selige Petrus Canisius aus der Gesellschaft Jesu.
    1865. 8.

=Ph. Krüll=’sche Universitäts-Buchhandlung in Landshut:

    19,755. Permaneder, Handbuch des gemeingiltigen katholischen
    Kirchenrechtes; 3. Aufl. 1856. 8.

    19,756. Kirnberger, Handbuch für den röm. Choralgesang. 1858. 8.

=Dr. Joh. v. Hoffinger=, k. k. Ministerialsekretär, in Wien:

    19,757. Derselbe, das fürstl. u. gräfl. Haus Dietrichstein. 1866.
    8. Sonderabdr.

=Dr. J. K. Haſskarl= in Cleve:

    19,758. Ders., über die Commelinaceen. 8. Sonderabdr.

=Dr. C. B. A. Fickler=, Professor, in Mannheim:

    19,759. Ders., Beiträge zur Geschichte der ehemaligen
    Benedictiner-Abtei Alpirsbach. 1866. 8.

    19,760. Tunner, Album von Maria-Zell. 2.

=Oudheidskundige Kring van het Land van Waes= in St. Nikolaas:

    19,761. Ders., buitengewone Uitgaven; Nr. 4. 1866. 8.

=Steiermärkischer Verein zur Förderung der Kunst-Industrie= in
Graz:

    19,762. Ders., Katalog der zweiten Ausstellung kunstgewerblicher
    Erzeugnisse. (1866.) 8.

=Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen= in
Basel:

    19,763. Dies., Geschichte; 89. Jahr, 1865. 1866. 8.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Götz=, Administrator, in Regensburg:

    5110. Männl. und weibl. Kopf, Oelgemälde vom 18. Jhdt. aus dem
    Schottenkloster zu Regensburg.

=G. von Bülow= in Lausanne:

    5111. Plan der Stadt Lausanne, Steindruck.

=Fr. Baader=, Conditor, in Krumbach:

    5112. Verschiedene Reste von irdenen und bronzenen Geschirren und
    Eisengeräthen aus einem Grabfunde bei Krumbach.

=Anton Peter=, Schriftsetzer, in Nürnberg:

    5113. Silbermünze des Grafen Sigismund von Tirol.

=Chr. Heſs=, Maschinenmeister, in Nürnberg:

    5114. Böhm. Silbermünze von 1660.

=A. Jungfer= in Berlin:

    5115. Sammlung von 310 Falschmünzerprodukten u. a. Münzen.

=Arn. Geiger= in Isny:

    5116. Siegelstock der Weber zu Isny, 1603.

=K. Ehemann=, Rothgerbermeister, in Nürnberg:

    5117. Flasche von weiſsem Glase mit eingebrannten gemalten Wappen,
    17. Jhdt.

    5118. 2 Krüge mit Zinndeckeln, 18. Jhdt.

    5119. Schildpattdose mit gepreſstem Deckel, 17. Jhdt.

=Bürgermeisteramt= zu Oggersheim:

    5120. Lackabdruck des älteren Stadtsiegels von Oggersheim.

=Dr. C. B. A. Fickler=, Professor, in Mannheim:

    5121. 6 photograph. Aufnahmen von und aus dem Kloster Alpirsbach.

=L. Pröbster=, Kaufmann, in Nürnberg:

    5122. 142 Darstellungen aus Puffendorfs Geschichte Carl Gustavs,
    Königs von Schweden, in Kupferstich von P. Lombart u. A.

    5123. 14 Abbildungen aus anderen älteren Druckwerken.

=J. Höfler=, Vikar, in Eschenfelden:

    5124. Eiserner Kirchenschlüssel mit anhangender Kette, 14. Jhdt.

    5125. 2 bei Breitenstein ausgegrabene Bronzesicheln.

=H. Dworzak=, Gutsbesitzer, in Aistersheim:

    5126. 8 Blätter älterer Papierproben mit Wasserzeichen.

=Fr. Knapp=, Kaufmann, in Nürnberg:

    5127. Nürnberger Fünfkreuzerstück von 1611 und Tiroler Dreier von
    1642.

=E. Schnell=, fstl. hohenzoller’scher Archivar, in Sigmaringen:

    5128. 6 Abdrücke der älteren Stadtsiegel von Sigmaringen.

=A. Gibsone=, Privatier, in Nürnberg:

    5129. Die Passion von Th. Galle nach J. Stradamus.

    5130. 5 Blätter Kupferstiche und Radierungen vom 16. und 17. Jhdt.

=Port=, Kaufmann, in Nürnberg:

    5131. Steyermärk. halber Batzen von 1626.

=E. P. Thieſs=, Kaufmann, in Nürnberg:

    5132. Zweikreuzerstück Ludwig’s VIII. von Hessen-Darmstadt.

=A. Schabet=, fstl. Waldenburg. Archivar, in Wurzach:

    5133. 300 ältere und neuere Lackabdrücke von Siegeln.



Chronik der historischen Vereine.


/Abhandlungen der philosophisch-philologischen Classe der königlich
bayerischen Akademie der Wissenschaften./ Zehnten Bandes dritte
Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der XXXIX. Band. München,
1866. Verlag der k. Akademie, in Kommission bei G. Franz. 4.

Eilften Bandes erste Abtheilung. In der Reihe der Denkschriften der
XLII. Band.

Zur Erkenntniſslehre von Ibn Sina und Albertus Magnus. Von B. Haneberg.
(Die übrigen Abhandlungen haben zur deutschen Vorzeit keine Beziehung.)

/Sitzungsberichte der königl. bayer. Akademie der Wissenschaften zu
München./ 1866. I. Heft. III. München. 1866. 8.

/Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung der Gewerke in München./
Sechzehnter Jahrgang. -- Erstes und zweites Heft. 1866. 2.

Die Originalentwürfe deutscher Meister für die Prachtrüstungen der
Könige von Frankreich. -- Der Ceremonienhammer des Papstes Julius
III. -- Was heiſst Kunst? Aus den Entretiens sur l’architecture von
Viollet-Le-Duc. Uebersetzt von A. Mecklenburg.

/Kirchenschmuck. Ein Archiv für kirchliche Kunstschöpfungen und
christliche Alterthumskunde./ Herausgegeben unter der Leitung des
/christlichen Kunstvereins der Diöcese Rottenburg/. Redigirt von
Pfarrer Laib und Dekan Dr. Schwarz. XIX. Band, zweite Hälfte. Zehnter
Jahrgang. 1866. Zweites Vierteljahrsheft. Stuttgart. 8.

Kunst und Handwerk. (Friedr. Schneider.) -- Ein Gang durch 80 Kirchen.
II. -- Alte Reliefstickereien aus der Kuratiekirche von Neuseſs bei
Mergentheim. -- Die Kirchenthüren des Mittelalters. -- Kirchliche
Alterthümer im Norden. -- Die Thierfabeln in liturgischen Büchern.
-- Restauration der Klosterkirche St. Zeno bei Reichenhall. --
Zweischiffige Kirchen. -- Die altehrwürdige Abteikirche zu Solesme. --
Kirche zu Marienhafe.

/Fünfzehnter Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für
vaterländische Geschichte und Industrie./ Abtheilung für Geschichte.
Herausgegeben von Th. Fr. Zechlin. Salzwedel, 1865. 8.

Die Geschlechter v. Metzdorf und v. Ballenstedt in der Altmark,
von G. A. von Mülverstedt. -- Altmärkische Sagen. (Krüger.) --
Geschichtliche Nachrichten über die königliche Burg zu Salzwedel.
(Danneil.) -- Beitrag zur Geschichte des altmärkischen Consistoriums
der Reformationszeit. (Bartsch.) -- Die Dorfkirchen romanischen Stiles
in der Altmark, vorzugsweise des Verden’schen Theils. (Schmidt.) -- Die
Grabsteine in und bei der Klosterkirche zu Neuendorf, Kr. Gardelegen.
(Ad. M. Hildebrandt.) -- Jedem das Seine (betr. die erste Aufstellung
gesonderter Stein-, Bronze- und Eisenperioden). (Danneil.) -- Die in
der Altmark vorzeiten gewesenen Amtshauptmannschaften und ihre Inhaber,
vom Archivrath G. A. v. Mülverstedt. -- Verfolgung von Raubmördern,
1615. (Ders.) -- Vereinsangelegenheiten.

/Geschichte der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und
Gemeinnützigen in Basel./ Neunundachtzigstes Jahr. 1865. Basel.
Schweighauser’sche Buchdruckerei. 1866. 8. 272 Stn.

/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique/ de France.
Trente-troisième année. Tome VI. IV. Série. 376. Livr. Mars 1866. 377.
Livraison, Avril 1866. Paris, 1866. 8.

/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments
historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société
française d’archéologie pour la conservation et la description des
monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2.
32. Vol. de la Collection. Nr. 4. Paris et Caen, 1866. 8.

Note sur la mitre épiscopale, par M. l’abbé Barraud. (Suite.) St.
Vincent-de-Pertignas, département de la Gironde; étude historique
et archéologique par M. Léo Drouyn. -- Rapport sur des découvertes
récentes faites dans le département de Maine-et-Loire, par M.
Godard-Faultrier. -- Mélanges d’archéologie. -- Chronique.

/Buitengewoone Uitgaven van den Oudheikundigen Kring van het Land van
Waas./ Nr. 4.

Het Land van Waas, door Adolf Siret. Eerste Aflevering. St. Nikolaas,
1866. 8.

/De Vrije Fries./ Mengelingen, nitgegeven door het /Friesch
Genootschap van Geschied-, Oudheid- en Taalkunde/. Elfde Deel.
Nieuwe Reeks Vijfde Deel. Tweede Stuk. Te Leeuwarden bij G. T. N.
Suringar. 1865. 8.

De Friesche Kerk te Rome, door Dr. J. H. Halbertsma. -- Mededeeling
omtrent den oorsprong en de beteekenis van de benaming het Moordjaar,
voor het 63e levensjaar, door Mr. W. W. Buma. -- De Statuten en
Privilegien van het Schuttersgild te Franeker; door Mr. J. Telting. --
Hoe een Fries, in het jaar 1564, om de hand van Koningin Elisabeth van
Engeland vrijt, door Mr. J. Dirks. -- Noch iets over de Grafzerk te
Rinsumageest van 1341, door Dr. L. J. F. Janssen.



Nachrichten.


Literatur.


Neu erschienene Werke.

    15) /Die mittelalterlichen Kunstdenkmale der Stadt Krakau/
    von A. /Essenwein/. Nürnberg, 1866. Im Selbstverlage des
    Verfassers, gr. 4. 186 u. XLIII Stn. Mit 80 Tafeln Abbildungen und
    vielen in den Text gedruckten Holzschnitten.

Längst war es bekannt, daſs die alte polnische Königsstadt Krakau
reiche und wesentliche Ergänzungen für die deutsche historische
Kunst in sich berge. Die Entlegenheit des Ortes, sowie die geringe
Kenntniſs der dort herrschenden Sprache bei uns, welche einerseits
dem Forscher selten gestatten, die Denkmäler selbst in Augenschein
zu nehmen, andrerseits, sie aus den zahlreichen Veröffentlichungen
der einheimischen Gelehrten näher kennen zu lernen, verhinderten,
daſs die Kunstgeschichte Krakau’s mehr als bruchstückweise bei uns
bekannt wurde. Das Einzelne, was darüber zu uns gelangte, war aber
stets geeignet, unser Interesse in hohem Grade wach zu rufen und das
Bedürfniſs einer zusammenhängenden Kenntniſs zu verstärken. Durch
wiederholten Aufenthalt in der Stadt unterstützt, gab der Verfasser
bereits früher im „Organ für christliche Kunst“, in der „Gewerbehalle“
und der französischen Zeitschrift „L’Illustration“ eingehendere
Mittheilungen; im vorliegenden Werke erhalten wir aber ein so
umfassendes und abgerundetes Bild des Ganzen, daſs die groſse Bedeutung
dieses vorgeschobenen Postens für die Kunstgeschichte, so weit sie in
der That diese und nicht blos lokales Interesse betrifft, als erschöpft
und für uns vollständig gewonnen betrachtet werden kann. -- In der
Einleitung wird zunächst das Verhältniſs des Buches zu den bisherigen,
vorzugsweise den heimischen Bearbeitungen desselben Stoffes, namentlich
dem rein geschichtlichen oder einseitig patriotischen Standpunkte
gegenüber, die streng wissenschaftliche Behandlung und der allgemein
kunstgeschichtliche Gesichtspunkt festgestellt, sowie eine kurze
Uebersicht und Würdigung der vorzugsweise benützten Literatur gegeben.
Ein gemessener Abriſs der Geschichte Krakaus sondiert den Boden vor
Allem in Bezug auf Entwicklung kulturgeschichtlicher Verhältnisse und
die Bedingungen, welche eine Entfaltung der Kunst begleiten muſsten.
Eine vom Plan der Stadt und Wiedergabe mehrerer älterer Abbildungen
unterstützte Darstellung der allgemeinen Ansicht Krakau’s in früherer
Zeit, sowie der Anlage und Befestigung der Stadt, des Schloſsberges
Wawel und der Vorstadt Casimir bildet den Uebergang zum speciell
kunsthistorischen Theil, in welchem die Besprechung der Kirchen und
unter diesen wieder die des alten Krönungsdomes auf der Burg den ersten
Platz einnimmt. Die Domkirche, das Nationalheiligthum Polens und
bezeichnend vom Verfasser das Spiegelbild des polnischen Königthums
und seiner Geschichte genannt, reicht im Unterbau noch seines heutigen
Bestandes bis in den Ausgang des elften oder den Anfang des zwölften
Jahrhunderts zurück, zeigt aber in seiner Hauptmasse die Formen des
entwickelten gothischen Stiles, die freilich durch zahlreiche spätere
Zuthaten und den Thurmaufsatz aus der Renaissance- und selbst Zopfzeit
für den Gesammteindruck sehr alteriert werden. Die ausgesprochene
Anlage einer Krönungskirche jedoch, sowie die zahlreichen, in der
inneren Ausstattung enthaltenen Kunstdenkmälmr ersetzen für das
Interesse des Forschers, was dem Bauwerke an einheitlichem Stile
abgeht; eine gründliche Erörterung seiner Einzelheiten entschädigt in
der Beschreibung für den Abbruch des Eindruckes, den die Wirklichkeit
vorzugsweise durch die Ungunst geschichtlicher Ereignisse erlitten
hat. Die nach Verhältniſs mehr oder weniger eingehende Besprechung
von 64 anderen Kirchen nebst der alten Synagoge auf dem Casimir
gewährt einen Gesammteindruck, welcher der historischen Bedeutung
der Stadt vollkommen entsprechend ist und dem in einer eigenen
Abtheilung des Werkes, einer allgemeinen Uebersicht des Charakters der
Kirchenbaukunst Krakau’s, die wissenschaftliche Seite abgewonnen wird.
Die bürgerliche Baukunst und an der Spitze derselben der königliche
Palast auf der Burg, die Rathhäuser der Stadt und selbständigen
Vorstädte, die Universität und viele andere Bauten, selbst Straſsen,
Wege, Brücken, Wasserleitungen und Brunnen nicht ausgenommen, bilden
eine entsprechende Parallele. Der fünfte Haupttheil des Werkes, die
Kleinkünste, wie Goldschmiedearbeiten, Paramente, Handschriften u.
s. w. betreffend, hat trotz der mannigfaltigen Verheerungen, welche
über die Stadt und ihre groſsen wie kleineren Denkmale ergangen
sind, doch noch ein reiches Material zu behandeln, dessen allseitige
Erörterung wiederum des Belehrenden viel bietet. Eine Reihenfolge von
21, gröſstentheils urkundlichen Beilagen gewährt manchen Beitrag, der
zur Aufklärung älterer Kunst- und Kulturzustände überhaupt, namentlich
auch in Bezug auf Deutschland von groſsem Belang ist. Dahin gehört
vornehmlich ein Verzeichniſs der ältesten Buchdrucker und Verleger
Krakau’s, die Statute der Maurer, Goldschmiede, Maler und ihrer
Zunftverwandten, das Ceremoniale der Königskrönung u. a.

Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die Abbildungen, welche
auch ohne die zahlreichen, in den Text eingestreuten Holzschnitte mehr
als ein Drittheil im Umfange des ganzen Werkes einnehmen. Groſsentheils
von der kundigen Hand des Verfassers selbst gezeichnet, sind sie,
dem jedesmal dargestellten Gegenstand angepaſst, in Stahlstich oder
Steindruck, und zwar letzterer in Ueberdruck, Kreidemanier oder
Gravierung ausgeführt. In umfangreicheren Holzschnitten gegeben sind
die malerischen Ansichten des Domes und der Marienkirche auf dem
Ringe; ebenso ausgeführt mannigfache architektonische und ornamentale
Einzelnheiten, namentlich die unter der Rubrik der Kleinkünste zur
Abbildung gebrachten Gegenstände: mehrere reichverzierte Kelche,
Reliquienbehälter u. dgl. Die Tafeln geben vorzugsweise Grund- und
Aufrisse, Construktionen und Details der technischen Anlagen, aber auch
die erwähnten älteren wie neueren Prospekte, unter denen eine Reihe
nebeneinander gestellter, mannigfaltig construierter Mauerthürme ein
besonderes Interesse gewährt. Auch plastische Denkmäler sind in dieser
Abtheilnng vorgeführt; eine wahre Musterarbeit ist die wiedergegebene
Mittelgruppe des Hochaltares der Marienkirche von Veit Stoſs. Durch
alle Mannigfaltigkeit der zur Besprechung gebrachten Gegenstände
und die Vielseitigkeit ihrer Behandlung zieht sich ungeschwächt der
Eindruck, daſs wir uns auf heimischem Gebiete der Forschung befinden
und in den Denkmalen Krakau’s in der That auch ein bedeutendes Stück
deutscher Kunst betrachten. In überraschender Weise wird uns vor Augen
geführt, mit welcher Intensivität schon im Mittelalter das germanische
Element jene slavischen Grenzbezirke durchdrungen hatte, und indem wir
sehen, welche Eroberungen in durchaus friedlicher Weise auf dem Gebiete
der Kultur längst gemacht waren, bevor die politische Geschichte
nachfolgte, wird über das erschreckende Bild, das diese in ihrem
Vorgehen zur Ausführung gebracht, wenigstens ein Hauch der Versöhnung
verbreitet.


Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 27. Alter und Erfinder der Feuerspritzen.

/Oberlausitzer Dorfzeitung/: Nr. 19-21. Beiträge zur Geschichte
der Weberei in der südlichen Oberlausitz. (G. Korschelt.)

/Erheiterungen am häusl. Herd/: 6. Heft, S. 235. Das wilde Heer
oder Nachtgejaid.

/Illustr. Familien-Journal/: Nr. 25 (655). Ein Stück deutscher
Geschichte (die Ruinen der Ebernburg).

/Grenzboten/: Nr. 24, S. 417. Deutsche Studenten in alter Zeit. 4.
Das akademische Leben nach dem dreiſsigjährigen Kriege. (Mor. Busch.)

/Hausblätter/: 12. Heft, S. 458; 13. H., S. 58. Holzland-Sagen.
XIII-XV. (Kurt Greſs.)

/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 37-44. Der Uebertritt des
Erbprinzen Friedrich, nachmal. Landgrafen Friedrich II. von Hessen aus
der evangelischen zur römisch-katholischen Kirche. -- Die Gemeinde zu
Gablonz, ihre seitherige Geschichte und jetzige Noth.

/Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 295. Bayerische Städtebilder:
Passau.

/Deutsche Kunstzeitung/ (Dioskuren): Nr. 23 ff. Die Holbeinische
Madonna und ihre Ausleger. Ein Beitrag zur Kritik der heutigen
Kunstforschung und ihrer patentirten Vertreter. -- Nr. 26 ff. Die
Gothik und ihre Bedeutung für die Wiedergewinnung eines nationalen
Baustils.

/Protest. Monatsblätter f. innere Zeitgesch./: Apr. Die Stillen
im Lande. Zur inneren Geschichte des religiösen Lebens seit dem
Reformations-Zeitalter. 1. Thomas a Kempis u. Gerh. Tersteegen.

/Deutsches Museum/: Nr. 25. Zur Geschichte des Elsaſs. (Dr. J.
Duborc.) -- Nr. 26. Die Epochen der Handelsgeschichte. (Herm. Bischof.)
-- Der Plan zur Sammlung eines Quellenschatzes german. Volkssage und
Volkssitte. (Hans Prutz.)

/Revue des deux mondes/: 1. Juin, 3. Livr. p. 537. La Thuringe.
Voyage à travers l’Allemagne du passé et du présent. (Henri Blaze de
Bury.)

/Sonntagsblatt/, hrsg. von Spielhagen: Nr. 22. Zur Geschichte der
Frauenkleidung und Frauentoilette. 1. Der Reifrock. (W. Angerstein.)

/Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg/: Nr. 27.
Der heilige Vincenz von Paula.

/Bayer. Zeitung/: Mgbl. Nr. 162. Aus dem oberfränkischen
Sagenkreise. Die weiſse Frau und Kloster Himmelkron. -- Nr. 165 ff. Zur
Geschichte der Universität Ingolgtadt am Ausgang des 15. Jahrhunderts.
(Aug. Kluckhohn.) -- Nr. 170 f. Zwei Beiträge zur Familiengeschichte
der Freiherren Schertel von Burtenbach. (C. W. Neumann.) -- Nr. 172
ff. Wie man im pfalz-neuburgischen Hause Lauingen Hochzeit hielt.
Culturgeschichtliches Bild. (Dr. A. Birlinger.) -- Nr. 180 und 181.
Georg Wilhelm von Brandenburg und eine Kartenschlägerin. -- Nr. 187 und
188. Redensart: Auf ihn, er ist von Ulm! (Dr. Birlinger.) -- Nr. 193.
Eine Kepler-Anekdote.

/Leipziger Zeitung/: Wissensch.-Beilage. Nr. 43 ff. Zur Geschichte
der nordfranzös. Dichtkunst im 12. Jahrh. -- Nr. 49. und 50. Die
Faustsage.



Vermischte Nachrichten.


69) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kais.
Akademie der Wissenschaften in Wien vom 13. Juni wurden von Dr.
Beda Dudik „/Statuten der Prager Metropolitankirche/ vom Jahre
1350“ vorgelegt. Diese bis jetzt unbekannt gebliebenen Statuten sind
von nicht geringer Wichtigkeit, was schon daraus hervorleuchtet,
daſs sie einen wesentlichen Beitrag liefern zur Geschichte der
Erhöhung des Prager Bisthums zu einem Erzbisthum. Genommen wurden
sie aus der einzigen bis jetzt bekannten Pergamenthandschrift vom
Jahre 1403, welche in Nikolsburg liegt. -- In der Sitzung vom 20.
Juni wurde der Jahresbericht über die Thätigkeit der Commission zur
/Herausgabe österreichischer Weisthümer/ erstattet. Auch im
abgelaufenen Jahre hatte das Unternehmen einer lebhaften Theilnahme und
Unterstützung sich zu erfreuen. Die Zahl der Orte Niederösterreichs,
von welchen bereits Urkunden vorlagen, ist um 60 vermehrt worden. Auch
Oberösterreich hat verschiedene Beiträge geliefert, namentlich der
Verwaltungsausschuss des Museum Francisco-Carolinum in Linz Anzeige
von den dort aufbewahrten Schätzen gemacht. Vornehmlich hiedurch
ist das Vorhandensein von Taidingen aus 28 Orten zur Kenntniſs der
Commission gekommen. In Salzburg waren es vorzüglich die Sendungen des
Landesauschusses, ferner die von Pfeiffer im S. Petersarchiv und in
der Centralregistratur vorgenommene Nachlese, endlich die begonnene
Ausbeute des im k. k. geheimen Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrten
salzburgischen Kammerbuches Nr. 4, wodurch die schon vorhandenen
Taidinge einen Zuwachs aus 19 Orten erhalten haben. Von der Ausbeute
aus Tirol und Voralberg, welche fast ausschlieſslich den Bemühungen
Pfeiffer’s zu verdanken ist, war schon in einer früheren Mittheilung
die Rede. Auch von andern Seiten fehlte es an tirolischen Beiträgen
nicht, so daſs die Commission binnen kurzer Zeit in den Besitz
einer Sammlung von Taidingen aus 39 Orten gelangte. Auſserdem hat
Prof. Zingerle, mit der planmäſsigen Durchforschung der Archive und
Gemeindetruhen beauftragt, bereits Taidinge aus nicht weniger als 24
Orten in sichere Aussicht gestellt. Für Steiermark hat die Ausbeute des
Joanneum-Archivs in Gräz bis jetzt Taidinge von zwei Orten ergeben.

70) Der Graf von Mayencourt, ehemaliger Pair von Frankreich, gedenkt
verschiedene /Korrespondenzen und Dokumente herauszugeben/, die
er in den Archiven Stockholms, Wiens und Venedigs gefunden hat und
die sich sämmtlich auf den /30jährigen Krieg/, sowie /den
westphälischen Frieden/ beziehen. Nach einer Schilderung der Lage
Deutschlands und der nordischen Mächte seit dem 16. Jhdt. folgen
Briefschaften und sonstige Manuscripte von Wallenstein, Gustav Adolf,
Oxenstjerne, Grotius, Trautmannsdorf, Contarini u. A. Die meisten
dieser Urkunden sind bisher unediert.

    (Europa.)

71) In mantuanischen Archiven sind durch den französischen
Schriftsteller Armand Bachet /Briefe von Peter Paul Rubens/, sowie
Dokumente in Bezug auf denselben gefunden worden, welche über seinen
italienischen Aufenthalt beim Herzoge Gonzaga und über seine spanische
Reise, in des Genannten Auftrag unternommen, ein helles Licht
verbreiten und auch allgemein die damaligen Zustände illustrieren.

    (Dies.)

72) Der Alterthumsverein zu Mannheim hat eine interessante
Erwerbung in einem /Steinbilde/ gemacht, das zu /Ladenburg/, dem
alten Lupodunum, ausgegraben worden ist und somit eines der ersten
Denkmale der Römerherrschaft auf dem rechten Ufer des Mittelrheins
gewesen sein dürfte. Es ist ein ungefähr 2 Meter langes und eben
so hohes Standbild, aus buntem Sandstein ziemlich roh gearbeitet,
das einen Reiter in Imperatorentracht, mit kurzer Tunica, bloſsen
Beinen und Kriegerhalbstiefeln darstellt, der über einen am Boden
liegenden Mann hinsprengt, dessen Hände und Füſse in Flossen
ausgehen. Der Reiter ist oben einigermaſsen verstümmelt. Das Bild
mag wol über einem Gelübdenstein angebracht gewesen sein. Aehnliche
Darstellungen befinden sich im Antiquarium in Mannheim und zu Speier,
deren Zusammengehörigkeit sich nicht in Abrede stellen läſst.
Mit Berücksichtigung einer von Eckhel veröffentlichten Münze ist
anzunehmen, daſs das Steinbild den Kaiser Domitian darstellt, wie er im
Kriege mit den Chatten den Rhein überschreitet, als „Rhenidomitor“, wie
Martial ihn nennt.

    (Ill. Ztg.)

73) Die in kunsthistorischer Beziehung höchst interessante
byzantinische /Kirche zu Heimersheim/ im Aarthal (Regier.-Bez.
Coblenz) hat eine neue Zierde durch zwei groſse /gemalte Fenster/
erhalten, welche der Domglasmaler Peter Graſs in Köln auf Anordnung des
Regierungs-Präsidenten Grafen von Waldbott-Bassenheim in stilistischer
Uebereinstimmung mit den noch vorhandenen, der Zerstörung durch Turenne
im 17. Jahrhundert entgangenen alten Resten angefertigt hat, wodurch
dem Gotteshause ein ebenso gediegener, als künstlerisch gelungener
Schmuck verliehen ward. Der Bau prangt wieder in ursprünglicher
Schönheit und Reinheit der Formen, nachdem er nach den Plänen des
verstorbenen Bauraths Zwirner unter Leitung des Bauraths Stüler und des
Baumeisters Uhrich stilgetreu hergestellt und ausgeschmückt worden ist.

    (Dies.)

74) Unter die Arbeiten für /die innere Ausstattung des Kölner
Doms/, die kürzlich in Angriff genommen worden sind, gehört auch
die Errichtung eines neuen Altars an der Ostseite des südlichen
Querschiffes. Daselbst wird ein reicher Altarschrein, der früher in
der Kirche St. Maria zu den Staffeln in Köln stand, seinen Platz
finden. Das Innere desselben, ein Schnitzwerk mit vielen vergoldeten
und gefärbten Figuren, wird von Doppelflügeln umschlossen, welche
in Gemälden Darstellungen aus dem Leben der h. Maria, sowie aus den
Legenden des h. Agilolphus, des 23. Bischofs von Köln, und des h. Anno
enthalten. Der Meister ist wahrscheinlich ein Zeitgenosse des Barthal
de Bruge und einer der Letzten, welche der eigentlich kölnischen
Schultradition folgten.

    (Dies.)

75) Die altehrwürdige /Reinoldus-Kirche zu Dortmund/ mit ihrem
mächtigen Chor war der /Restauration/ sehr bedürftig. Am Aeuſsern
waren die feinern Theile ihrer Streben, das Blattwerk, die Baldachine,
die Gesimse und die Gliederungen theilweise bis zur Unkenntlichkeit vom
Wetter verwüstet worden. Die Herstellung hat kürzlich begonnen, und es
soll ein beträchtliches Kapital für diesen Zweck flüssig gemacht worden
sein. Falls der Gröſse desselben die architektonische künstlerische
Behandlung entspricht, wird die Reinolduskirche wieder einen prächtigen
Anblick gewähren.

    (Dies.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                      1866.    Nº 8.    August.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



Sphragistische Aphorismen.

Von F.-K. Fürsten zu /Hohenlohe Waldenburg/.


I.

[Illustration]

Von diesem in /mehrfacher/ Beziehung höchst interessanten
Siegelstempel (III, B, 3) ist bis jetzt kein Originalabguſs bekannt.
Es befinden sich aber zwei Exemplare desselben in dem fürstlich
Hohenlohe-Neuenstein’schen Kunst- und Raritäten-Cabinet, zur Zeit in
Kirchberg a. d. J., das eine in Kupfer, das andere in Silber; beide ½
Centimètre dick und hinten glatt. Beide Stempel sind ganz gleich, nur
scheint ersterer etwas schärfer gestochen zu sein.

Ueber die Literatur dieses Siegelstempels siehe J. Albrecht, die
hohenlohischen Siegel des Mittelalters, Nr. 6.

Was diesem /Siegelstempel/ ein ganz besonderes Interesse verleiht,
ist die darauf angebrachte Jahreszahl, schon an und für sich und noch
ganz besonders wegen der /arabischen/ Ziffern.

Andere /Siegel/ mit Jahreszahlen aus dem 13. Jahrh. sind bis
jetzt keine bekannt. Erst einige sechzig Jahre später finden wir ein
Siegel des Klosters Hornbach in der Pfalz mit der Jahreszahl 1300,
aber mit /römischen/ Ziffern (gothische Majuskel). Das zweite
mit /arabischen/ Ziffern ist das Siegel der Stadt Trostberg von
1320[A].

Es wäre höchst interessant, wenn noch andere derartige Siegel,
namentlich aus der Zeit vor 1400, beigebracht werden könnten.

Was die arabischen Ziffern betrifft, so glaubt Mauch[B] „den Grund,
aus welchem dieses historisch wie technisch interessante Siegel allen
anderen in Deutschland vorgekommenen bezüglich der darauf befindlichen
arabischen Ziffern um ein volles Jahrhundert voraus ist, und insofern
hier vereinzelt dasteht, nur in dem Umstande suchen zu müssen, daſs
sich Gottfried von Hohenlohe mehrentheils am kaiserlichen Hoflager
und mit demselben viel in /Italien/ aufhielt, wo mit dem in den
Verkehrsverhältnissen mehr und mehr fühlbar gewordenen Bedürfniſs der
Erweiterung der Rechenkunst die arabischen Ziffern bereits mit dem 13.
Jahrh., ungefähr um dieselbe Zeit allgemeinere Verbreitung gefunden
haben, um welche Gottfried von Hohenlohe mit der Würde eines „comes
romaniole“ beliehen worden ist. Auf diesen Vorgang deutet namentlich
die Jahreszahl 1235.“

Nach dem neuen Lehrgebäude der Diplomatik sind die arabischen Ziffern
in Europa seit der ersten Hälfte des 13. Jahrh. in Gebrauch. Die
dort angeführten ältesten Beispiele sind von 1233 aus England, von
1245 aus Italien[C] und von 1268 aus Deutschland. „Wälschland fieng
eher als Deutschland an, sich dieser Zahlzeichen zu bedienen.“ (S.
II. Buch, 4. Hauptst., §. 115.) Auf einem Grabstein eines Grafen von
Katzenellenbogen, im Schloſsgarten zu Bieberich, soll sich nach v.
Hefner-Alteneck (Trachten des christl. Mittelalt., I. Taf. 27) die
Jahreszahl 1299 in arabischen Ziffern eingehauen befinden. Ob aber
dieselbe gleichzeitig ist, wird schwer nachzuweisen sein.

Was aber die /letzte/ Ziffer auf unserem Siegel betrifft, so
bemerkt Mauch, daſs dieses die einzige Ziffer 5 sei, die ihm von dieser
Form bekannt geworden; sie habe „das Ansehen eines, statt nach rechts,
nach links stehenden Dreiers.“

Wir halten letzteres Zahlzeichen wirklich für einen Dreier, welchen
der Siegelschneider aus Versehen /verkehrt/ geschnitten hat[D].
Gerade weil die arabischen Ziffern damals noch so selten gebraucht
wurden, ist dieser Verstoſs um so leichter erklärlich[E].

Gottfried kommt bis jetzt /vor/ 1235 als Graf von Romaniola
urkundlich nicht vor; allein sein Bruder Conrad erscheint schon 1230 in
einer Urkunde als comes Romaniole (s. v. Stälin, wirt. Gesch, II, 556).
Es ist aber doch wohl anzunehmen, daſs beide Brüder zu gleicher Zeit
mit dieser Grafschaft belehnt wurden.

Diese Annahme wird durch unsere Erklärung der Jahreszahl auf dem
vorliegenden Siegelstempel bestärkt.

Es sind früher hie und da Zweifel gegen die Echtheit dieses
Siegel/stempels/ erhoben worden, weil bis jetzt kein älterer
Abdruck desselben bekannt ist, weil das Wort Sigillum in der Legende
fehlt und namentlich auch wegen der Jahreszahl. Die ersteren beiden
Einwände sind ohne Bedeutung. Daſs wir kein Originalsiegel kennen,
kann Zufall sein. Die Bezeichnung „Sigillum“ kommt schon zu Ende des
12. Jahrh. auf einzelnen Siegeln vor, während sie auf anderen zuweilen
noch bis in die Mitte des 14. Jahrh. fehlt. Was aber die Jahreszahl
betrifft, so glauben wir, daſs gerade diese -- nach obiger Erklärung --
einen Beweis /für/ die Echtheit des Stempels liefert. Bei einer
Fälschung würde man gewiſs um so mehr Sorgfalt auf diese, damals noch
so wenig gebräuchliche Zeitbestimmung verwendet, sicher keine ganz
/unbekannten/ Ziffern gebraucht, verkehrt stehende nicht geduldet
und auch für Anbringung der Jahreszahl keinen ganz ungewöhnlichen
Platz[F] gewählt haben.

Mittelalterliche Siegelstempel, namentlich aus dem 13. und 14. Jahrh.,
sind sehr selten; denn nur wenige sind ihrer vorschriftsmäſsigen
Zerstörung nach dem Tode ihres Inhabers entgangen. Sie sind daher schon
an und für sich für die Alterthumskunde sehr werthvoll. Wir theilen
deshalb hier gleich noch einen zweiten mit.


II.

Der gütigen Mittheilung des Herrn Pastors B. Ragotzky in Triglitz
verdanken wir einen Abdruck dieses höchst interessanten Siegelstempels
III, B, 2, a. (Abbild, s. nächste Spalte.)

Derselbe befindet sich in der Sammlung der Antiquitäts-Akademie
zu Stockholm nebst mehreren anderen, wahrscheinlich auch aus
Süddeutschland stammenden Stempeln. Er besteht aus einer dünnen, mit
einer kleinen Oese versehenen Metallplatte. Das Wappen auf diesem
Siegel ist /sehr/ merkwürdig. Um die Mitte des 13. Jahrh. ist
uns dieser sog. „/Eisenhut-Schnitt/“ noch nie vorgekommen. Nach
unserer Theorie von dem heraldischen Pelzwerk müssen wir diesen Schild
auch als einen Schild von Kürsch blasonnieren; er ist aber, statt quer
-- wie gewöhnlich -- der Länge nach getheilt.

[Illustration]

Ueber die Person seines ursprünglichen Inhabers theilt uns Herr
Reichsarchivsrath J. G. Brand zu München folgende Notizen gefälligst
mit.

In Mon. Boic. VIII, p. 504 kommt aus einem Schäftlarner Cod. trad.
ein D(ominus) Wernherus Chrezelin vor, welcher der Schlichtung eines
Streites als Zeuge beiwohnte, welche stattfand „anno 1253 in castro
Landeshutte in capite Jeiunii fra. VI.“ und „in conspectu Ludewici
Ducis“ confirmiert wurde.

In einer Kl. Fürstenfelder Urkunde vom 16. März 1273 (M. B., IX, 102),
in welcher Lodwicus D. g. Comes Palatinus Rheni, dux Bawarie, seinen
Consens dazu gibt, daſs Ulricus Holermus einen Hof in Holenpach und
einen andern in Gallenbach an das Kloster Fürstenfeld resigniert,
erscheinen unter den Zeugen ... Wernherus et Eberhardus dicti
Graetzel.. Albertus dictus Chrezil.... Auſser diesen zwei Fällen ist
sonst, bis jetzt, kein /Wernher Krätzel/ bekannt[G]; es handelt
sich wol in beiden von ein und derselben Person.

In der Nähe des Herzogs Ludwig hat sich demnach Wernher Krätzel
wiederholt befunden. Daſs derselbe aber herzoglicher Marschall war, ist
bis jetzt unbekannt gewesen; in dem Verzeichnisse der Marschälle der
bayerischen Herzoge von 1204-1292, im fünften Bande der „Quellen und
Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte“, ist er nicht
aufgeführt. Unser Siegel liefert aber wol den urkundlichen Beweis, daſs
unser Wernher dieses Amt, wenn auch vielleicht nur ganz kurze Zeit,
bekleidete.

/Porträt-Siegel/ kommen im 13. u. 14. Jahrh. bei weltlichen Herren
vom /niedern/ Adel nie vor, auſser von Ministerialen[H]. Bei
den Frauen ist es zweifelhaft. Wir lassen hier einen weiteren, höchst
interessanten Beitrag zu dieser Gattung von Siegeln folgen.


III.

[Illustration]

Dieses interessante Siegel III, B, 2, a des Ritters Friedrich von
Mekevise hängt an zwei Urkunden von 1259 und 1261[I] im groſsherzogl.
Staatsarchive zu Darmstadt.

In der Urkunde nennt er sich Fridericus Miles dictus Mekevise frater
censualis[J] domus hospitalis beati Johannis Baptiste hierosolomital:
in Masmach (sollte heiſsen Mosbach).

Geheimerath Baur schreibt uns über die Familie des Sieglers: „Die von
Winden und von Meckfisch (sonach wäre das Wappen ein redendes) gehören
nach einer Urkunde von 1346 unbezweifelt zu /einer/ Familie, zu
der Familie Meckfisch von Winden. Ein Ort dieses Namens liegt zwischen
Berg- und Rheinzabern, südlich von Landau, und dies möchte das rechte
sein.“

Ob Wurdtwein Meyenfisch, welcher im J. 1453 einen Bauhof an Pfalzgraf
Friedrich I. verkaufte[K], derselben Familie angehörte, ist uns nicht
bekannt.

Die Legende konnte bisher nicht entziffert werden.

Auf dem jüngeren Siegel fehlt sie leider ganz und auch auf dem älteren
ist sie, wie unsere Abbildung zeigt, nur noch stellenweise erhalten.
Die Buchstaben scheinen zum Theil (?) verkehrt zu stehen.

Unser gelehrter Freund Lisch ist mit uns der Ansicht, daſs die Legende
aus zwei verschiedenen getrennten, aber vielleicht gleichlautenden
Theilen besteht. Wir finden beide den Beweis darin, daſs zu Häupten und
zu Füſsen des Ritters das gleiche Kreuz steht, und nach demselben beide
Male die Buchstaben CT (das T stünde allerdings oben verkehrt).

Vielleicht löst ein glücklicher Fund eines noch ganz erhaltenen
Exemplars dieses Räthsel später noch auf.

Für die Kostümkunde ist auch dieses Siegel, wie das vorhergehende, sehr
interessant, gerade durch die groſse Verschiedenheit beider.


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Weitere Siegel mit Jahreszahlen aus dem 14. und 15.
Jahrh. sind im Anzeiger für 1859, Nr. 7 u. 10, und 1860, Nr. 1
angegeben.]

[Fußnote B: „Ueber den Gebrauch arabischer Ziffern und die
Veränderungen derselben,“ im Anzeiger für 1861, Nr. 2-7. S. auch
H. Otte, Kurzer Abriſs einer kirchlichen Kunst-Archäologie des
Mittelalters, in den neuen Mittheilungen des thüringisch-sächsischen
Vereins, Bd. VI, Heft 4, S. 3 und Taf. III.]

[Fußnote C: Viele privatrechtliche Urkunden der sicilianischen
Archive aus dem 13. Jahrh. sollen ganz in arabischer Sprache abgefaſst
sein.]

[Fußnote D: Solche Fälle kommen auf mittelalterlichen Siegeln nicht
selten vor. Z. B. auf dem ältesten hohenlohischen [*Illustration]
Siegel IV, A, 1 Conrad’s von 1207, abgebildet bei J. Albrecht, Taf.
I, 1; auf dem [*Illustration] Siegel IV, A, 1 Walter’s von Vatz von
1216; auf den beiden [*Illustration] Siegeln IV, A, 1, Heinrich Flans’
von Orlamünde von 1311 -- mit dem monogrammatisch zusammengezogenen
Wappen der Grafen von Orlamünde (s. v. Ledebur, Archiv f. deutsche
Adels-Gesch., II, S. 220) und Friedrich’s von Krusenburg (wol auch
aus dem 14. Jahrh.); wahrscheinlich eben so auf unserer folgenden
Nr. 3; endlich auf dem Siegel IV, C der Kaiserin Eleonore, Gemahlin
Friedrich’s III., von 1460, zu welchem Sava bemerkt, daſs bei der
Composition und Ausführung dieses prachtvollen Siegels, welche
von bedeutender Kunststufe zeugen, die /verkehrten/ S noch um so
auffallender seien. (Die Siegel der österreichischen Fürstinnen im
Mittelaller, I,_{I, 30,} und unsere mittelalterl. Frauen-Siegel, Nr.
58). Auch auf Münzen begegnen wir solchen fehlerhaften Umschriften;
siehe in Dr. H. A. Erbstein’s Münzfund von Trebitz die Münze des
Landgrafen Hermann von Thüringen (1192-1215), Nr. 86, wo S. 67 in
Betreff der „auf Mittelalter-Münzen so oft erscheinenden incorrecten
oder oft ganz entstellten Umschriften“ auf Grote’s Münzstudien IV, I,
559 verwiesen ist.]

[Fußnote E: Man würde bei Alterthums-Forschungen sicher der Wahrheit
öfter näher kommen, wenn man -- bis zum urkundlichen Beweise des
Gegentheils -- der /einfachsten/ Auslegung den Vorzug einräumen
wollte. Denn Schreib- und Druckfehler, im weitesten Sinne des Worts,
sind vor Jahrhunderten gerade so gut vorgekommen, wie heut zu Tage.]

[Fußnote F: Gewöhnlich wurde die Jahreszahl am Schlusse der Legende
angebracht.]

[Fußnote G: Nach Brand kommen die Krätzel in der Gegend am Inn schon
seit 1190 als Zeugen in den Urkunden der Klöster Attel, Altenhohenau,
Rott und Seeon vor.

Auch auf ihren übrigen Siegeln seit 1361 führen sie dasselbe Wappen,
wie der Marschall Wernher.]

[Fußnote H: S. K. v. Sava: /Die Siegel der Landes-Erbämter des
Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns./ Wien, 1861, und Dr. L.
Freiherr v. Ledebur: Archiv für deutsche Adels-Gesch., II, Berlin,
1865, „/Reitersiegel des niedern Adels/“, S. 154 ff. Ferner
gehören hieher: zwei verschiedene Siegel III, A, 3 des Reichsmarschalls
Anselm von Justingen von 1216 und 1223; zwei verschiedene Siegel III,
B, 3 Conrads von Ehrenfels, Marschalls des Hochstifts Regensburg, und
die Siegel III, B, 3 des Marschalls Conrad von Sunchingen von 1266
und des Schultheiſsen Hermann von Mainz von 1272. Das Siegel III,
B, 3 Friedrichs Tunb (Thumb) von Neuenburg von 1294 gehört wol auch
hieher. Die Thumben rangierten im Mittelalter mit den /höheren/
Ministerialen und im 15. Jahrh. hielt man sie für gleichen Stammes
mit den Schenken von Winterstetten. Die Verschiedenheit des Wappens
wäre durchaus kein Hinderniſs. Bekanntlich werden sie 1507 zu herzogl.
württemb. Erbmarschällen ernannt. Sollte sich diese Ernennung etwa auch
auf ein früheres Verhältniſs beziehen? --]

[Fußnote I: S. Scriba Regest. I, 41 u. 42.]

[Fußnote J: „Frater censualis“ bezeichnet /hier/ wol den mit der
Verwaltung des Census (der Steuern und Abgaben) betrauten Ordensbruder.
Daſs derselbe ein Ministeriale war, geht aus diesem Porträt-Siegel
hervor. Nach Ducange wurden im Mittelalter auch diejenigen „censuales“
genannt, welche in Kirchen oder Klöstern, indem sie ihr Haupt auf den
Altar legten, dem Heiligen oder Patron der Kirche sich zu irgend einer
Leistung freiwillig erboten.]

[Fußnote K: Widder, Geogr.-histor. Beschreibung der churf. Pfalz am
Rhein, Th. II, S. 279.]


Notizen.

1) An einer Urkunde Arnold’s, Domprobsts zu Trier und Probsts zu St.
Marien in Erfurt, vom J. 1241, hat derselbe /zwei/ Siegel angehängt,
und zwar das Siegel II, A der Probstei Erfurt mit der Mutter Gottes
und dem Jesuskinde auf dem Schooſse und der Legende: Ego mater pulchre
dilectionis, und das [*Illustration] Siegel III, A, 2, a mit der
Legende: ✠ ARNOLDVS · D~E~I · ~G~RACIA · ~M~AIOR · TR~E~V~E~R~E~NSIS ·
PR~E~POSITVS · ~E~T · ARC~H~ID · (iaconus).

Gewiſs ein /äuſserst/ seltener Fall!

2) Im Mittelalter wurde nicht selten, wenn aus irgend einer Ursache ein
neuer Siegelstempel nöthig war, blos in den alten irgend eine Figur
hineingraviert, welche wir nach Analogie der /heraldischen/, aber im
Gegensatz zu denselben, sphragistische Beizeichen nennen. Ein solches
sphragistisches Beizeichen in Form eines Kleeblatts (aber mit spitzigen
Blättern) sehen wir auf dem Siegel II, B, mit Thor und Thürmen, der
Stadt Cassel, und mit der Legende sigillum · burgensivm · de · cassele
· aus dem 13. oder 14. Jahrh., während Originalsiegel desselben
Stempels ohne dieses Beizeichen bekannt sind.

3) Die Angabe (s. Lippische Regesten, I, S. 238 zu Nr. 370): „Daſs
zu den Farben der Siegelschnüre früher /vorzugsweise/ Roth und
Gelb gebraucht wurde,“ ist, sowie die Berufung auf Heineccius,
nicht richtig. „Coloris porro non minor fuit varietas in sericeis
appendiculis“, sagt Letzterer.

4) Die Angabe W. v. Hodenberg’s[L], daſs die Wappen-Siegel IV, C mit
Schild und Helm erst seit der Mitte des 14. Jahrh. und nur in /runder/
Form und mit /schräg/ gestelltem Schilde vorkommen, ist falsch. Wir
finden solche bereits seit den 40er Jahren des 13. Jahrhunderts und
auch von dreieckiger Form und mit gerad gestellten Schilden.

5) Das interessante /Doppel-Siegel/, Avers III, B, 3, Revers IV,
C, des Grafen Albert von Orlamünde an der Stiftungsurkunde des
Klosters Reinbeck von 1224 prid. id. Norb. in Kopenhagen ist leider
so defect, daſs man weder die Legende, noch die ganz eigentümliche
Zusammenstellung des /Schildes/, /Helmes/, /Banners/ und /Schwertes/
(?) auf dem Revers deutlich erkennen kann. Sollte sich irgendwo
noch ein anderes, besser erhaltenes, oder wenigstens das von 1224
ergänzendes Exemplar vorfinden, so würden wir für dessen Mittheilung
äuſserst dankbar sein. Im Falle andere Siegel mit ähnlichen
heraldischen Zusammenstellungen bekannt wären, bitten wir gleichfalls
um Nachricht.

6) Sind keine /gekrönten/ Helme auf Siegeln (auſser denen der
Herzoge von Oesterreich, welche den gekrönten Helm, als Königssöhne,
bekanntlich seit 1286 führten) /vor/ dem Jahre 1353 bekannt?

7) Gab es Siegel von Bürgern /vor/ dem Jahre 1290?

[Fußnote L: Calenberg. Urkunden-Buch V. Mariensee, S. 10, Note 11.]



Beiträge zur schweizerischen Kunstgeschichte.

Mitgetheilt durch Ed. /His-Heuſsler/, Mitglied der Direction der
Kunstsammlung zu Basel.


I.

Contract, betreffend die Ausführung eines Altarwerkes, zwischen dem
Magdalenen-Kloster an den Steinen zu Basel und dem Maler Hans Herbst.
(Klosterarchiv Mar. Magd. Nr. 795.)

Anno xv^{c} achtzechen jor vff fritag noch sant Annentag der
groſsmutter cristi hand wir priorin suppriorin und schaffnerin zu sant
marien magdalenen an den steinen prediger ordens verdingt ze fassen
die taffel vff sant marien magdalenen altar in vnser kilchen dem
bescheidenen meister Hans Herbst in mossen hie noch stodt dem ist also:

Item des ersten sol Meister Hans Herbst dz werck vff dz best vn̄
kostlichest fassen nämlich den tabernackel gantz vergulden brunieren
vnd von dem besten gold, vnd sollen die holkölen bluw sin, desglichen
die bild im tabernackel mit ir kleidung alle verguldet, och die
pfiler, vnd söllent die holkelen bluw sin.

Item in der tafel wz von kleidung ist sol als vergult sin vnd sant
marien magdalenen tuch mit bruniertem gold, dz lib farw sin sol mit lib
farw, dz ander verguldet.

Item die gespreng alle verguldet und bruniert, item die landschafft in
der tafel verguldet oder versilbret vnd glasiert, dornoch es sich den̄
erhöischt.

Item die neben siten inwendig der tafel vnd der bogen inwendig
verguldet vnd listen alle verguldet.

Item die vj stuck flach geschnitten sol alle husung vergult vnd
versilbret sin vnd die feldung versilbret vnd bruniert wie man dz wil
haben.

Item was hor ist matt mit dem besten gold, item die listen an den
flüglen gulden und die kelen blow, item dz paviment versilbret, mit
farben Rot, blow oder grün.

Item vff die zwey flügel vſswendig söllent dise fier stück nemlich
als maria magdn^a gon marsilien gefaren vnd in die wüsti gangen ist
die andren zwey stück figuren der mirackel als die so by dem verding
gewesen sind angeben worden vff dz allercöstlichest und artlichest
gemolt werden, desglichen zwey helgen vff die zwey blind flügel und
dieselb feld mus mit hymel vnd landschafft vnd die listen vßwendig der
tafel aber verguldet.

Item an dem brett so vnden für den fuſs wirt gestossen vnsers lieben
heren begrebnis mit vnser lieben frowen sant marien magdalenen und
andren parsonen dorzu gehörent artlich vnd vff dz hüpschest gemolt
werden.

Item dis werek ist verdingt worden vm nüntzig gulden nemlich für
jeden gulden ein pfhund fünff schilling vnd sol man dem meister ein
erlich trinckgelt geben, doch dz sölich trinckgelt fünff gulden nit
vbertreffen sy.

Item der meister sol och kein gelt empfachen bis die tafel halber
gemolt ist, dann sol man im geben achtzechen oder zwentzig gulden vnd
dornoch je ein gulden zwey dry oder fier noch dem man haben mag bis dz
werck bezalt wirt.

och ist beret dz der gedocht meister vns priorin obgemelt mit der
bezalung nit vberylen sol und diß alles ist beret vnd vffgeschriben
worden in der besten form im bywesen der Erwirdigen geistlichen vatter
bernhardus rentz leßmeister der helgen geschrifft vnser lieber getrüwer
bichtvatter, her Casper vnd her Jheronimo brulinger gebrüder bed
capplanen der hochen stifft basel vnser lieben heren vnd gut göner des
alles zu worem vrkund sind diser zedlen zwey glich an den wortten vnd
mit disem ziechen abgerissen vnd jedem teil einer geben vff tag vnd jor
wie vorstadt.

Folgen die Empfangsbescheinigungen für die a conto Zahlungen, und auf
einem besondern Blatt befindet sich die Generalquittung im Betrag von
95 fl.

Der Maler Hans Herbst war von Straſsburg gebürtig, wurde 1492 in die
Malerzunft zu Basel aufgenommen, machte 1512 den Feldzug nach Pavia mit
und soll nach der Reformation den Pinsel niedergelegt haben, um nicht
ferner „dem Götzendienst behülflich zu sein.“ -- Dies muſs sich indeſs
nur auf das Malen von Kirchenbildern bezogen haben, denn man begegnet
seinem Namen in den Rathsrechnungen bis in die vierziger Jahre des 16.
Jhdts.; meistens sind es Arbeiten decorativer Art. Daſs er mit Holbein
befreundet gewesen, beweist der Umstand, daſs dieser bald nach seiner
Ankunft in Basel 1516 sein Bild malte, welches, mit dieser Jahreszahl
versehen, noch jetzt in England vorhanden ist. Bilder von ihm sind
nicht auf unsere Zeit gekommen, oder, wenn dies der Fall, nicht unter
seinem Namen. Sein Sohn war der berühmte Baseler Typograph Oporinus.



Eine Darstellung des Erzvaters Adam.

~Beitrag zur Ikonographie des Mittelalters.~


Die Ikonographie des Mittelalters im Abendlande stimmt mit der des
Morgenlandes fast vollkommen überein. Es liegt darin der Beweis,
daſs die Ursprünge derselben in’s hohe Alterthum hinaufgehen, wo
noch die Kirche ihre Einheit bewahrt hatte. Es liegt aber auch --
unserer Meinung nach -- der Beweis darin, daſs wir uns die Kultur des
Abendlandes und des Morgenlandes nicht so isoliert denken dürfen,
als dies gewöhnlich geschieht. Wir behalten uns vor, auf diesen
Punkt demnächst im Anzeiger zurückzukommen und die „/byzantinische
Frage/“ zu besprechen. Jetzt haben wir nur zu sagen, daſs
bei der Gleichmäſsigkeit des Bildercyklus sich sehr häufig eine
unerklärte, seltene Darstellung der abendländisch-christlichen Kunst
aus byzantinischen Parallelen erklären läſst. Der gleiche Fall ist
umgekehrt.

So befindet sich auch auf der Dalmatica St. Leonis III. im Schatze
der Peterskirche zu Rom, die bei den Kaiserkrönungen in Anwendung
kam, auf der Vorderseite eine Darstellung der Majestas Domini, d.
h. des Herrn in seiner Herrlichkeit, umgeben von den himmlischen
Heerschaaren. Das Gewand ist byzantinischen Ursprunges. Die Darstellung
ist fast identisch wiederholt auf einem byzantinischen Tafelgemälde
im christlichen Museum des Vatikans. Auf beiden Darstellungen ist die
ganze himmlische Hierarchie in ihren verschiedenen Chören der Engel
und Heiligen von einem Kreise umschlossen. In beiden Ecken unterhalb
des Kreises befinden sich zwei zur Darstellung in Bezug stehende
Figuren. Einerseits ist der Erzvater Abraham sitzend angebracht, wie
er die Seelen der Seligen im Schooſse hält. Auf dem Tafelgemälde des
Vatikans ist der Name beigeschrieben. Dieselbe Darstellung ist im
Abendlande auch vom 12.-14. Jahrh. häufig vorgekommen und würde also
auch erklärlich sein, wenn die Inschrift nicht dabei stünde. Die
Figur auf der andern Seite ist weniger leicht zu erklären. Es ist ein
bärtiger, nackter Mann mit einem Lendenschurze, der ein Kreuz trägt.
Da hier eine Inschrift nicht gegeben ist, die Darstellung auch zu
den seltneren zu gehören scheint, so glaubte Dr. F. Bock in seiner
Abhandlung über das fragliche Gewand auf S. 95-110 seines Prachtwerkes:
„/Die Kleinodien des heiligen römischen Reiches deutscher Nation/“
zwei Erklärungen dieser Figur zulassen zu sollen. Er erklärte sie
einerseits als den Erzvater Adam, den die Legende in direkte Beziehung
zum Kreuze Christi stellte, und der sonach mit Recht das Kreuz tragen
konnte. Andererseits, meinte er, könne der reuige Schächer gemeint
sein, dem der Herr am Kreuze zurief: „Heute noch wirst du mit mir im
Paradiese sein.“ Es schien uns unwahrscheinlich, daſs diese letztere
Figur in direkte Parallele mit Abraham gesetzt worden, und wir haben
daher beim Entwurfe der Ausstattung der Kirche Groſs-St. Martin in
Köln, der wir eine ähnliche Darstellung zu geben hatten, diese Figur
als Adam angenommen[A]. Wenn wir damals nicht auf A. Dürer’s groſse
Passion hingewiesen haben, wo auf dem Blatte, das Christum darstellt,
wie er die Höllenpforte sprengt und die Gerechten des alten Bundes
befreit, Adam gleichfalls mit dem Kreuze erscheint, so liegt der Grund
darin, daſs uns Dürer als eine zu späte Quelle erschien, um daraus eine
byzantinische Figur des 12.-13. Jahrh. erklären zu können.

Wir haben jedoch seit dem in der Sammlung von Miniaturen des Freiherrn
v. Bibra dahier eine Initiale gefunden, die dem Schlusse des 13. oder
der ersten Hälfte des 14. Jahrh. angehört. In derselben ist gleichfalls
die Erlösung der Gerechten des alten Bundes aus der Gewalt der Hölle
dargestellt. Da erscheint in erster Linie Adam mit dem Kreuze genau
in derselben Weise wie auf den beiden byzantinischen Darstellungen.
Wir glauben somit vollständig berechtigt zu sein, in den Figuren nur
ausschlieſslich Adam zu erkennen und die Annahme, als könne der reuige
Schächer damit gemeint sein, zurückzuweisen.

    /Nürnberg./    /A. Essenwein./


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Vgl. unser Schriftchen: Die innere Ausstattung der Kirche
Groſs-St. Martin in Köln (Köln, 1866. Verlag des Kirchenvorstandes),
Seite 29.]



Herzog Wilhelm von Bayern sucht Reliquien für die St. Michaelskirche zu
München.


Als Herzog Wilhelm der Fromme seine groſsartigen Bauten zu München und
Schleiſsheim ausführen lieſs, suchte er nach Reliquien von Heiligen,
um sie in den von ihm erbauten Kirchen und Kapellen aufzubewahren.
Der gelehrte und geschichtskundige Stiftsdekan von Spalt, Wolfgang
Agricola (Bäuerlein) schickte ihm deren mehrere. Er hatte sie in
den säcularisierten brandenburgischen und nürnbergischen Klöstern
und Kirchen aufgefunden. Auch zeigte er dem Herzog an, daſs im
deutschen Haus zu Nürnberg noch sehr kostbare Reliquien verwahrt
werden, die im J. 1552 vor dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg
und seinen mordbrennerischen Schaaren aus dem von Kaiser Ludwig dem
Bayern gestifteten Frauenkloster Pillenreuth[A] dorthin geflüchtet
worden. Auf diese Nachricht wendete sich der Herzog an seinen Vetter,
den erwählten König von Polen und Administrator des Deutschordens,
Erzherzog Maximilian, den er ersuchte, ihm jene Pillenreuther Reliquien
für die Michaelskirche zu München zu überlassen. Er schrieb demselben
folgenden Brief:

„Freundtlicher lieber Herr vnd Vetter! Eur Königlich Wirde khan Ich aus
sonnderm zu derselben hohen Vertrauen zuberichten nit vnderlassen, das
Ich vor ettlich Jaren ein Kirchen zu Lob vnd Ehr des Allerhöchsten,
auch dem heiligen Ertzenngl Michaeli als Patrono, daneben auch ein
Capellen, so zu diser Kirchen gehörig, angefanngen zepawen, welche mit
der Hilff Gottes sollen bald zu guetem Ennd khomen. So hab Ich auch
vergannges Jar in mein Haus, so Ich mir zu meiner intention zunegst bey
St. Michels Kirchen gepawt, auch zwo Capellen gericht, vnd bin Willens,
noch diß Jar, wills Gott, ein annders cleins Kirchlein auf einem
schlechten Guetl vnd Mayrhoff[B] aufzerichten. Der Allmechtig welle
sein Segen darzue geben. Dieweil aber dergleichen geistliche Gepew,
wie Eür Königlich Wirde wol wissen, vor allem auch mit dem Schatz der
lieben Heyligen reliquien sollen versehen vnd geziert werden, vnd
zu obbemelter Anzal der Kirchen vnd Capelln nit weniger gehörn vnd
vonnöten. Ich aber mit dergleichen zu Geniegen nit versehen, vnd aber
daneben in glaubwürdige Erfahrung khomen, wie das zu Nürmberg in Eür
Königlichen Wirde vnd des löblichen ordens Teutschen Haus ettliche
reliquien, so vil Jar daselbs verlegen vnd in einem Gewelb vnd Zimer
verspert sein, vnd also niemanndt zu Nutzen khomen, vnd das auch Eur
Königlichen Wirde Lanndcomenthur der Palley Frannckhen vnd Comenthur zu
Ellingen darumb wissen, wie auch die Schlissl darzue haben solle, also
ist an Eur Königlich Wirde mein ganntz diennstlichs vnd hochvleissigs
Bitten, Sy wellen den lieben Heyligen zu Ehrn, fürnemblich aber Gott
selbs zu Lob, vnd mir alls derselben getreuen vnd diennstwilligen
Vettern zu sonndern grossen Gonnsten, mir solliche reliquien, plos
on alle zier, neben gebürlichen Testimonien guetwülig zuesteen vnd
volgen lassen, vnd die gemelte Gottesheuser damit Königlich begaben
vnd haussteurn. Die will Ich alsdann nit allein Eur Königlichen Würde
zu Ehrn vnd Rhuemb nach meinem Vermuegen vnd zu meinem vorhabenden
intent ziern, sonnder solches nach meinem bessten Vermügen verdienen,
innsonnderheit aber die Sachen dahin richten, damit Eur Königlichen
Würde vnd der Irigen yeder Zeit bey disen Gottsheusern mit schuldigem
Gebett vnd Fürbitt zu Derselben Wolfahrt vnd Aufnemen kheins Wegs
vergessen, sonnder Derselben tanquam benefactores zum treulichisten
gedacht werde. Bitte derhalben Eur Königlich Würde nochmals, Sy
wellen gemelten Iren Commenthur deshalben eheist gnedigisten Bevelch
zuekhomen lassen, vnd thue mich Derselben zu angenemen wol gefelligen
gegendiennste ganntz diennstlich vnd vleissig beuelhen. Datum Dachaw
den xiij (13.) February Anno &c. 1595.

    Eur Königlichen /Würde/
    ganntz getreuer vnd dienstwilligister Vetter
    /Wilhelm/.“

Maximilian gab Befehl, dem Herzog Wilhelm die gewünschten Reliquien
auszuliefern. Agricola besorgte ihre Ablieferung nach München. Die
deutschorden’schen Beamten wurden von dem Herzog mit seinem Bildniſs
und andern Verehrungen bedacht, und Agricola zur Kirchweihe und andern
Festlichkeiten wiederholt nach München eingeladen[C].

    /Nürnberg/.    /J. Baader/.


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Dieses Kloster wurde damals vom Markgrafen eingeäschert
und zerstört. Die Klosterfrauen fanden im Klarakloster zu Nürnberg
Aufnahme und Verpflegung. Hier blieben sie bis zu ihrem Tode. Die
letzte Pillenreuther Conventualin, Elisabetha Netzenhöferin, starb am
29. September 1596. Ein Jahr vor ihrem Tode schickte sie dem Herzog
eine werthvolle Reliquie vom heil. Andreas. Uebrigens hatte derselbe
auch schon im Jahre 1585 mehrere Reliquien, und darunter ein Stück von
der Säule, an der Christus gegeiselt worden, die Kaiser Ludwig dem
von ihm gegründeten Kloster Pillenreuth geschenkt, aus den Händen der
Pillenreuther Conventualinnen erhalten.]

[Fußnote B: Schleiſsheim.]

[Fußnote C: Einmal erhielt Agricola für übersendete Reliquien 200
Goldgulden. Schon der Groſsmutter des Herzogs, der Wittwe Wilhelms des
Standhaften, hatte Agricola im Jahre 1572 mehrere Reliquien übersendet.
Dieselbe dankte ihm unterm 24. October. Indem sie ihrem Briefe 4
Ducaten „nit zu ainer verglaichung (Bezahlung), sondern allein zu ainem
angedencken“ beilegte, versprach sie „berürt heylthumb (Reliquien) die
zeit vnnsers lebens in billichen Eeren zuhalten vnd zubehalten.“]



Alte Dramen.


So viel auch Gottsched und Gödeke zur literarischen Sammlung des
Theaters bis Ende des siebzehnten Jahrhunderts gethan, so war doch noch
genug übrig, um mir zu gestatten, allein bis zum Jahre 1600 dem durch
jene Männer gesammelten Vorrath noch 37 fernere Stücke hinzuzufügen (s.
Annalen, II, S. 246-51, 289-91) und weitere Kunde von mancher Piece der
folgenden Zeit zu geben. Indeſs ist die Kenntniſs von der Literatur
jener Epoche noch nicht erschöpft: während eines einzigen Jahres wurden
mir 20, den Literatoren völlig unbekannte Dramen aus wenig benutzten
Bibliotheken bekannt, wovon drei aus dem 16. Jahrh. Sie mögen in
chronologischer Reihe hier folgen:

1. Ein newe Comedia, auß dem achtzehenden Cap. Matthei, vom König, der
von seynen knechten rechenschafft haben wolt. Gemachet durch /Adam
Prellen/ von der Weysenstad.

o. O. u. J. (c. 1550). 8. -- Bibl. der Maatschappij van Nederlandsche
Letterkunde te Leiden, II, p. 329.

2. Ein Teutsch spil von dem edlen Ritter Ponto, wie er mit dem
Haydnischen Ritter vmb Gottes wort gekempfft vnd den sieg erhalten
hat, schon, lustig vnnd lieblich zu lesen. Zugericht durch /Heinrich
Hoffott/ Rechenmayster und burger zu Nürnberg. Gedruck (_so!_) zu
Nürnberg durch Valentin Neuber. Am Ende: Gedrückt zu Nürnberg durch
Valentin Neuber.

o. J. (1551). 6⅜ Bog. 8. mit 2 Holzschn. Widmung an Joh. Derrer,
Rechenmeister zu Nürnberg, dat. 26. Febr. 1551. Zehn Akte und 20
redende Personen. -- In Nürnberg (Stadtbibl.)

3. Ein Dialogus oder Gespreche von dem absterben Friderici Staphyli,
Spielweiſs gemacht, zu ehren Herren D. Rudolff Clencken, darin̄ sein
gedruckter bericht von Staphyli abschied nach notturfft widerleget
wirdt, Durch Sophoniam Peregrinatorem de Quiete, Schulmeistern zu
Haslach. Lustig und kurtzweillig zu lesen. M.D.LXIIII. Am Ende:
Gedruckt zu Rotstock, bey Gabriel Danner von Znaim in der praiten
Gassen.

5⅞ Bog. 8. m. Titelholzschn. Der Herold der Titelrückseite auf letztem
Blatte wiederholt. Redende Personen: Frid. Staphilus. Die Clerisey zu
Ingolstad. D. Rudolff Clenck. Eines Lutherischen Christliche Seel. Der
gute Engel. Ein böser Geyst. Lucifer. Der falsche Engel. 8 Akte. Prosa.
Verfasser und Drucker natürlich fingiert. -- In Nürnberg (Stadtbibl.),
wo 2 Exempl.

4. Ein kurzweilig Spiel von dem zu Nürnberg im Prediger Closter
gefangenen Crocodill. 1604.

o. O. Nürnberg. 8. -- Nürnberger Auktionskatalog (v. Hagens) vom 14.
Juni 1786. Nr. 3638.

Abschrift in Nürnberg (Stadtbibl.).

5. /Saurius/, Abraham, Ein erschröckliche Tragödie von
erbärmlichem Vndergang vnnd Verderben Sodomae und übriger vmbliegender
Stätt. Vlm 1612.

    8. -- Stargardt, Cat. 68, S. 27.

6. Lutherus Augustus, drama. Der Hocherleuchtende Augspurgische Luther,
und sein Augspurgischer Reichs Tag,.. in Reinteutsche Alexandrinische
Reim Art vnd ernstes Schaw Spiel gesetzet, vnd auff instehendes
Evangelisches Jubel Jahr gerichtet, vnd zugerichtet von /M. Mart.
Rinckart/, in Patr. Ileb. Archidiacono. Leipzig, 1630. 4.[A].

7. Bethulia oder veste Burg der vnüberwindlichen Kirchen Gottes,
bedrenget vnd betrübet von Holoferne, Endtlich aber durch Gottes
sonderbare Gnade befreyet von der großmächtigen Heldin vnd Frawen
Judith, in ein Drama Comico-tragicum nach jetzt gewöhnlicher
vngebundener Teutscher Art verfasset, vnd im Gräfflichen Mansfeldischen
Gymnasio zu Eißleben agiret. Leipzig, Gottfried Groſs. 1633. 8.

8. Eine sehr lustige vnd anmuhtige Hirten Comoedia, so Myrtilla genant,
von der gelehrten Italianischen Comoediantin, Frawen Isabella Andreini
in jhrer Sprache beschrieben, an jetzo verteutscht. 1634. 8.

9. Friede Erlangtes Teutschland In einem Schauspiel auffgeführet vnd
beschrieben Von /Johan Henrich Hadewig/. Hannover, Gedruckt durch
Georg Friederich Grimm, In Verlegung Johan Jansons von Br. M DC Lj.

9 Bogen. 8. Widmung des Verfassers, Pastors in Lübekke, an Königin
Christine von Schweden, dat. Lübekke am 13. Sept. anno 1650. Elf
Aufzüge mit 39 Personen. Das Stück beginnt erst auf 30. Seite, vorher
Jamben, Sonnette, Alexandriner u. s. w. -- In Nürnberg (Kirchenbibl.)

10. Hoch-Fürstliche Sommer-Lust, Von dem.. Herrn FRANTZ ERDTMANN,
Hertzoge zu Sachsen, Engern und Westphalen, etc. In gegenwart etlicher
Hoch-Fürstlichen Persohnen, Vermittelst eines Ballets und Feurwercks,
zu Grünaw den 24. Augusti dieses 1664sten Jahres, Erfreulich
vollenzogen. In der Fürstl. Niedersachschen Druckerey zu Grünaw,
Druckts Paul Hunholtz.

o. J. (1664). 5 Bog. 4. -- In Nürnberg (Stadtbibl.).

11. Schau-Platz der Eitelkeit, worauff der geehrt-, gelährt-, bethört-,
beschwert- und bekehrte Salomo auß Heiliger Schrifft, der heutigen Welt
Hoch nützlich vorgestellt wird. 1667.

o. O. 8. -- Krauſser’s in Nürnberg 103. Antiquariats-Verzeichniſs, Nr.
689.

12. Kurtzer Entwurff, Eines anmuthigen Kinder-Ballets, Welches Durch
LX. Junge Knaben Theils mit Multer-Pferden, ihres Alters von IV.
biß in X. auch XII. Jahren. In Der Freyen Käyserl. Reichs-Stadt
Nürnberg, repraesentirt und vorgestellet wird. Sampt Einem kurtzen
Schäfer-Gespräch Und andern lustigen Musicalischen Kurtzweiln
angeordnet, Von Einem Des Durchleuchtigst. Ertzhauses Oesterreich Weyl.
zehenjährigen Bedienten. J. M. L. Anno MC.LXIIX. (_so!_) Am Ende:
Nürnberg, zu finden bey /Jacob Lang/, /Musico/.

Titelblatt, Querfoliokupferblatt, 22 gez. S. 4. Prosa und Gedicht. --
In Nürnberg (Stadtbibl.).

13. Liebes-Triumph Ballet, Bey höchst-erfreulicher Heimführung, Der
Durchlauchtigsten Fürstin Frauen AVGVSTA MARIA, Margräfin zu Baden. In
der Hochfürstlichen Residentz Carolsburg durch Anwesende Hochfürstlich.
Gräffl. und Adeliche Personen vorgestellt. Durlach, Gedruckt bey Johann
Salomon Haken, An. 1670.

10 Bl. 4. -- In Stuttgart.

14. Der Ehr- und Tugendliebende Philaret.. in einem Mischspiele
auff öffentlicher Schaubühn zu Jena vorgestellet, Jena, Joh. Ludwig
Neuenhahn. 1673. 8.

15. /Weißenbach/, Joh. Casp., Der Vnsterbliche GOTT in dem
sterblichen Leib eines schwachen Menschen und dann die sterbliche
Menschheit mit der unsterbligkeit Gottes vereinet und clarificiert.
Beyde auff offentlicher Trawr- und Frewdiger Schaw-Püny vorgestellt in
Zug Anno 1678. Gedruckt bei C. Rooſs.

o. J. (Zug, 1678). 4. -- In Aarau.

16. /Weißenbach/, Joh. Casp., Newe Lieder auß der Tragödie
intitulirt: Der vnsterbliche GOTT in dem sterblichen Leib eines
schwachen Menschen.. Baden im Ergew, Baldinger 1678.

4. -- In Aarau.

17. Tragico-Comoedia oder: das beneidete, doch unverhinderte
Ehren-Glück Des frommen und lieben Jacobs-Sohns JOSEPHS.. von Georg
Scheurern, Inspectore der Agenten. und /Joachim Müllner/,
Inventore & Autore Materiae. wie auch /Johann Fischer/,
Hochfürstl. Brandenb. Onolzbachischen Hof-Musico, als Componisten
der Musicalischen Sing-Arien. Nürnberg, gedruckt bey Christian Sigm.
Froberg. 1685.

24 gez. S. 8. Drei Handlungen mit 50 redenden Personen. -- In Nürnberg
(Stadtbibl.).

18. Musicalisches Lustspiel, am 45. Geburtstage Fridericae Amaliae,
Herzoginn zu Holstein-Gottorf, oder dem 11. April 1693 vorgestellet.
Schleswig, 1693.

4. Verfaſst und componirt von /Joh. Philipp Förtsch/. -- Schröder,
Lexikon d. hamburg. Schriftsteller, II, S. 332.

19. Neu-angestellte Herbst-Freude, wegen der glücklichen Wiederkunfft
der Hertzogin Marien Elisabeth in Römhild. 1696.

4. -- Bibl. Bachov. 1. Goth. 1737. p. 316.

20. Die Unglückliche Liebe Des Tapfern JASONS, In einem Sing-Spiel, Auf
dem Hoch-Fürstl. Würtembergischen Schau-Platz vorgestellet. 1698.

o. O. 8 Bl. u. 85 gez. S. 8. -- In Stuttgart.

    /Nürnberg./    /E. Weller./


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Die ohne Quellenangabe genannten Schriften sind den alten
Meſskatalogen entnommen.]



Altdeutscher Spruch.


    Ain junger Ritter aun muͦt -- ain alter jud aun guͦt
    ain pfaff aun kunst -- ain acker aun dunst
    ain jung wîb aun lieb -- ain jarmarkt aun dieb
    ain schûr aun mûs -- ain alter böltz aun lûs
    ain bock aun ain bart -- das ist wider naturlich art.

(Aus einem Bamberger Codex als Schluſs einer Ars memorandi.)

    /München./

    /Birlinger./



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                      1866.    Nº 8.    August.



Chronik des germanischen Museums.


    /Nürnberg/, 15. August 1866.

Die politischen Ereignisse der jüngst verflossenen Zeiten, deren wir
schon in voriger Chronik gedachten, haben zur Besetzung Nürnbergs
durch eine preuſsische Armee unter Oberbefehl Sr. königl. Hoheit
des Groſsherzogs /Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin/
geführt. Die nationale Bedeutung unserer Anstalt und die allgemeine
Theilnahme aller deutschen Bruderstämme hat sich auch bei diesem
Anlasse auf’s glänzendste bewährt. Se. königl. Hoheit, schon seit
Jahren wohlwollender Förderer der Anstalt, geruhten, dieselbe aufs
eingehendste zu besichtigen und verweilten nebst Gefolge 2½ Stunden
in den Räumen der Karthause, um sich von dem Fortgang und der weitern
Entwicklung der Anstalt zu überzeugen; und wir können es mit Stolz
herausheben, daſs Se. königl. Hoheit in Folge dieses Besuches die
erfreuliche Mittheilung dem I. Vorstande zu machen geruhten, daſs
Höchstihr Jahresbeitrag, der bisher stets nur auf eine Reihe von Jahren
zugesichert war, nunmehr als ständiger, immerwährender zu betrachten
sei. Nicht leicht hätte irgend eine Zusage dem Museum erfreulicher sein
können, da gerade die Befestigung der Anstalt von der Befestigung der
gröſseren, sicher eingehenden Beiträge direkt abhängig ist.

Die hohe Freude, welche das Museum über diese werthvolle und wichtige
Zusage empfindet, wird noch gesteigert durch das weitere Versprechen
Sr. königl. Hoheit, die Kupferstichsammlung des Museums durch die
Doubletten der groſsh. Kupferstichsammlung bereichern zu wollen. Wie
das hohe Beispiel des Höchstkommandierenden der Occupationsarmee
anregend auf die Offiziere und die Mannschaft gewirkt hat, so hatte
sich das Museum auch eines sehr bedeutenden Besuches von Offizieren und
Soldaten zu erfreuen, so daſs die lebhafte Bewegung in unsern Hallen
einen angenehmen Contrast bildete zu dem in der Zeit vorher fast auf
Null gesunkenen Fremdenbesuche. Mancher langjährige auswärtige Freund
und Förderer des Museums wurde so durch den Gang des Krieges in’s
Museum geführt, mancher neue Freund gewonnen.

Die in Folge des Waffenstillstandes wiederhergestellte Verbindung mit
allen Theilen Deutschlands hat auch die eine kurze Zeit in Stocken
gerathene Correspondenz wieder belebt.

Auch die leider in der Expedition des Anzeigers eingetretenen Störungen
können nun ausgeglichen werden; ebenso wird unser 12. Jahresbericht für
1865 demnächst zur Versendung gelangen.

An neuen Beiträgen wurden im Laufe des Monates folgende gezeichnet:

Aus =Vereinskassen=: Vom Landkapitel Haigerloch 4 fl.

Von =Privaten=: /Berlin/: Univ.-Professor Dr. Ferd. Piper
7 fl. (einm.); /Darmstadt/: Ferdinand Bender, stud. phil. 1
fl.; /Sigmaringen/: Religionslehrer Bantle, z. Z. Kaplan in
Langensenlingen, 1 fl., Adlerwirth Götz in Langensenlingen 1 fl.;
/Stuttgart/: Finanzrath Blessing 1 fl.

Während des letzten Monats giengen unsern Sammlungen auſserdem, wie wir
hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


I. Für das Archiv.

=Prof. A. Flegler=, Archivvorstand des german. Museums:

    3349. Kaufbrief des Lienhardt Purckholtzer, Metzgers und Bürgers zu
    München, für Michael Stertz ebendas. über ein halb Pfund Pfennige
    Ewiggelds. 1496. Pgm.

=Dr. Herzog= in Zwickau:

    3350. Stiftung von 4 rhein. Guld. Zinsen von fl. 100 Kapital an
    das Karthäuserkloster zu Nürnberg durch den Zwickauer Meſspriester
    Heinrich von Grumbach. 1513. Pgm.


II. Für die Bibliothek.

=Société des bibliothèques communales du Haut-Rhin= in Colmar:

    19,764. Dies., III. année, 3. séance; 1866. 8.

=Stiller=’sche Hofbuchhandlung in Schwerin:

    19,765. Lübker, d. Fall des Heidenthums. 1856. 8.

    19,766. Kliefoth, über das Verhältniſs der Landesherren als Inhaber
    der Kirchgenwalt zu ihren Kirchenbehörden. 1861. 8.

    19,767. Neander’s deutsche Sprichwörter, hsg. v. Latendorf. 1864. 8.

    19,768. Hobein, Buch der Hymnen. 1864. 8.

=P. Liehner=’sche Buchhandlung in Sigmaringen:

    19,769. Staiger, d. schwäb. Donauthal mit d. Molkenkuranstalt
    Beuron. 2. Ausg. 1866. 8.

=Carl Heymann’s= Verlag (A. E. Wagner) in Berlin:

    19,770. Förster, statist.-topogr.-histor. Uebersicht d. preuſs.
    Staats. 8.

    19,771. Dürer, einiger Unterricht v. d. Befestigung d. Städte,
    Schlösser und Flecken. 8.

    19,772. Wagener, Jahr- und Tagebuch der wichtigsten Entdeckungen,
    Erfindungen und Stiftungen u. d. denkwürdigsten Weltbegebenheiten
    seit Christus; Th. I. u. II, 1. 2. 1824-28. 8.

    19,773. Fischer u. Streit, histor. u. geogr. Atlas von Europa; 2.
    Aufl., Bd. I u. II, 1. 2. mit 82 Karten. 1836 u. 37. 8.

    19,774. Kugler, Beschreibung der Kunst-Schätze von Berlin und
    Potsdam; 1. u. 2. Thl. 1838. 8.

    19,775. Bielitz, Darstellung der Rechte des preuſs. Fiskus. 1839. 8.

    19,776. Ders., Darstellung der Rechtsverhältnisse des Adels in
    Preuſsen. 1840. 8.

    19,777. Schröter, Lehrbuch d. allgemeinen Landrechts; 3 Bde.
    1840-43. 8.

    19,778. Genealog.-diplomat. Jahrbuch für den preuſs. Staat; I. II,
    1841 u. 43. 8.

    19,779. Riesel, Ausflüge und Ferienreisen in d. märkische Heimath;
    I-V. 1865. 8.

=Fr. Vieweg & Sohn=, Verlagsbuchh., in Braunschweig:

    19,780. Sell, d. Recuperatio der Römer. 1837. 8.

    19,781. Jahrbücher für histor. und dogmatische Bearbeitung des röm.
    Rechts, hsg. v. K. u. W. Sell. 3 Bde. 1841-44. 8.

    19,782. Hermes, d. Entdeckung von America durch die Isländer im 10.
    u. 11. Jhdt. 1844. 8.

    19,783. v. d. Pfordten, Votum über die Erbfolge in
    Schleswig-Holstein; 2. Aufl. 1865. 8.

=G. B. Leopold=, Universitätsbuchh., in Rostock:

    19,784. Türk, geschichtl. Studien; I, 1. u. 2. 1841-43. 8.

    19,785. Hanmann, Warnemünde, dessen Seebad etc. 1843. 8.

    19,786. v. Both, urkundl. Nachrichten über die in Mecklenburg
    vorhandenen Stipendien. 1842. 4.

=Anton Emmert= in Riva:

    19,787. Legge del 5 Marzo 1862 sull’ ordinamento degli affari
    comunali etc. 1866. 8.

    19,788. Legge comunale pel Tirolo etc. 8.

=K. b. Akademie der Wissenschaften= in München:

    19,789. Dies., Sitzungsberichte etc. 1866, I, H. 3. 1866. 8.

=G. Braun=’sche Hofbuchhandlung in Karlsruhe:

    19,790. Zeitschrift f. d. Geschichte des Oberrheins, hg. v. Mone;
    Bd. 19, 3. H. 1866. 8.

=Job. Jak. Dietzel=, Pfarrer, in Nürnberg:

    19,791. Das Wolffgesang. 4.

    19,792. Klieber, ein schön rayen lied der 118. Psalm, etc. kl. 8.

    19,793. Der lxiij. Psalm etc. Der. x. Psalm etc. kl. 8.

    19,794. Heyden, der Lxxx. Psalm zu singen und zu betten etc. 8.

    19,795. Ders., die einsetzung vnd brauch des heyligen Abentmals
    etc. 1544. 8.

    19,796. Ders., ein Lobgesang von der Aufferstehung Christi. 8.

    19,797. Ders., der XCI. Psalm gesangs weis. 8.

    19,798. Frisch, ein Schnee-Predigt. 1661. 8.

    19,799. Schwartz, christl. Betraurung... Herrn Jobst Ludw. von
    Steinberg auf Boden etc. 1678. 4.

    19,800. Schwarz, Casp. Neumanni delectus precum etc. 1746. 8.

    19,801. Abschrifft eines Briefes, den Gott selbst geschrieben etc.
    1720. 1 Bl. 2.

    19,802. Strauſs, ein new wūderbarlich Beychtpuchlin etc. 1523. 4.

    19,803. Heshusius, von Eheuerlöbnissen, und verbotenen Gradibus.
    1583. 4.

    19,804. (Stör), der Ehelich standt von Got mit gebenedeyung
    auffgesetzt. 4. (Defect.)

=Herder=’sche Verlagshandlung in Freiburg:

    19,805. Janssen, Frankfurts Reichscorrespondenz; Bd. II, 1. 1866. 8.

=August Demmin= in Paris:

    19,806. Ders., catalogue de la collection céramique de M. Aug.
    Demmin. 1866. 8.

=A. Bube=, Archivrath, in Gotha:

    19,807. Ders., Romanzen und Balladen. 3. Aufl. 1866. 8.

=J. G. Cotta=’sche Verlagshandlung in Stuttgart:

    19,808. Deutsche Vierteljahrs-Schrift; 29. Jhrg., Juli-Sept. 1866.
    Nr. 115. 8.

=Groſsherzogl. herzogl. sächs. Universität= in Jena:

    19,809. Dies., index scholarum hib. 1866-67. 4.

    19,810. Dies., Vorlesungen, 1866-67. 8.

    19,811. Kay, über den Antagonismus zwischen Opium und Belladonna.
    1866. 8.

    19,812. Lothholz, über Aetiologie des Heotyphus. 1866. 8.

    19,813. Sikora, Beobachtungen über Stimmbandlähmung. 1866. 8.

    19,814. Vidal, de abscessibus per congestum. 1866. 8.

=P. Liehner=’sche Buchhandlung in Sigmaringen:

    19,815. Sammlung der Gesetze und Verordnungen f. d.
    Hohenzollern’schen Lande; n. F., Bd. I, 2. 1866. 8.

=Eugen Schnell=, Archivar, in Sigmaringen:

    19,816. Ders., geschichtliche Bilder und Erzälungen. 1866. 8.

=v. Olfers=, k. pr. geh. Rath und Generaldirektor der k. Museen,
Exc., zu Berlin:

    19,817. Das Model eines athenischen Fünfreihenschiffs, Pentere, aus
    der Zeit Alexanders d. Gr. im k. Museum zu Berlin. 1866. 2.

=Dr. Ferdin. Piper=, Universitätsprofessor, in Berlin:

    19,818. Ders., vergleichender Kalender f. d. J. 1862, 1863, 1864.
    11.-13. Jahrg. 8.

=Königl. Akademie= in Münster:

    19,819. Atorf, de Marco Aurel. Probo Romanor. imp. 1866. 8.

    19,820. Becker, imperator L. Domitius Aurelianus restitutor orbis.
    1866. 8.

    19,821. Deuſsen, de Polycrate Samiorum tyranno. 1866. 8.

    19,822. Krichel, de Ulrici Hutteni studiis politicis. 1866. 8.

    19,823. Scharfe, de Evagorae Salaminorum reguli vita ac rebus
    gestis. 1866. 8.

    19,824. Schluenkes, de Tacito Tiberii rerum auctore. 1866. 8.

    19,825. Schoenborn, de causa et lite decumana inter Thuringos et
    archiepiscopos Moguntinos. 1866. 8.

=A. Klindworth=’s Verlagsbuchhandlung in Hannover:

    19,826. Klopp, Leibniz’ Vorschlag einer französ. Expedition nach
    Aegypten. 1864. 8.

=Königl. Universität= in Greifswald:

    19,827. Dies., index scholarum, 1866-67. 4.

    19,828. Dies., Verzeichniſs der Vorlesungen, 1866-67. 4.

=G. Schönfeld=’s Buchhandlung (C. A. Werner) in Dresden:

    19,829. Neuer Anzeiger f. Bibliographie etc.; Jhrg. 1866, 1-6. H. 8.

=J. N. Enders=, Buchhandlung, in Neutitschein:

    19,830. Die Biene; 16. Jhrg., 1866, Nr. 1-18. 4.

=Redaktion der kathol. Blätter aus Tirol= in Innsbruck:

    19,831. Katholische Blätter aus Tirol; 1866, Nr. 1-18. 8.

=Comité Flamand de France= in Dünkirchen:

    19,832. Dass., bulletin; tom. IV. nr. 1 et 2., Janv.-Juin. 1866. 8.

=Société Française d’archéologie= in Paris:

    19,833. Dies., bulletin monumental; 32. vol., nr. 1-4. 1866. 8.

=Alwin Rudel= in Dresden:

    19,834. Central-Blatt für deutsche Papier-Fabrikation; 1866, Nr.
    1-12. 4.

=Stahel=’sche Buch- und Kunsthandlung in Würzburg:

    19,835. Chilianeum; 8. Bd., 1-12. Heft. 1866. 8.

=Dr. Hermann Stolp= in Berlin:

    19,836. Deutsche Gemeinde-Zeitung, hg. v. Stolp; 1866, Nr. 1-25. 4.

=J. Engelhorn=, Verlagshandlung, in Stuttgart:

    19,837. Gewerbehalle etc.; Jhg. 1866, Lief. 1-6. 4.

=Redaktion des literar. Handweisers= in Münster:

    19,838. Literarischer Handweiser etc.; Jhg. 1866, Nr. 41-46. 8.

=Wallishauser=’sche Buchhandlung (Jos. Klemm) in Wien:

    19,839. Jagd-Zeitung; 9. Jhg,, Nr. 1-12. 1866. 8.

=Redaktion der Heidelberger Jahrbücher= in Heidelberg:

    19,840. Heidelberger Jahrbücher der Literatur; Jhg. 1866,
    Januar-April. 8.

=Verlag der Frauenzeitung= in Stuttgart:

    19,841. Kirchenschmuck etc.; XIX. Bd., 2. Hlfte. 1866. 8.

=Institut historique= in Paris:

    19,842. Dass., l’investigateur; 33 année, Janv.-Juin. 1866. 8.

=Redaktion der allgemein. Literatur-Zeitung= in Wien:

    19,843. Allgem. Literatur-Zeitung; Jahrg. 1866, Nr. 1-20. 4.

=K. k. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der
Baudenkmale= in Wien:

    19,844. Dies., Mittheilungen; 11. Jahrg., Jan.-April. 1866. 4.

=Redaktion der altpreuſs. Monatsschrift= in Königsberg:

    19,845. Altpreuſsische Monatsschrift; 3 Jhg., 1. u. 2. Heft. 1866.
    8.

=Du Mont-Schauberg=’sche Buchhandlung in Köln:

    19,846. Organ für christl. Kunst; 16. Jhg., 1866, Nr. 1-12. 4.

=Th. Oelsner= in Breslau:

    19,847. Schlesische Provinzialblätter, hg. v. Oelsner, neue Folge,
    5. Jhrg., Jan.-April. 1866. 8.

=H. Laupp=’sche Buchhandlung in Tübingen:

    19,848. Theologische Quartalschrift, hg. von v. Kühn etc.; 48.
    Jhg., 1. u. 2. Quartalheft. 1866. 8.

=Müller von der Werra= in Leipzig:

    19,849. Die neue Sängerhalle, hg. v. Müller v. d. Werra; 5. Jhg.,
    1866, Nr. 1-26. 4.

=Dr. L. Lang= in München:

    19,850. Münchener Sonntagsblatt; Jhg. 1866, Nr. 1-15. 4.

=Verein zur Ausbildung der Gewerke= in München:

    19,851. Ders., Zeitschrift; 16. Jhrg., 1. bis 3. Heft. 1866. 2.

=Redaktion des Volksblattes für Stadt und Land= in Quedlinburg:

    19,852. Volksblatt etc., Jhg. 1866, Nr. 1-52. 4.

=Redaktion des Wochenblattes der Johanniter-Ordens-Balley
Brandenburg= in Berlin:

    19,853. Wochenblatt etc., Jhg. 1866, Nr. 1-32. 4.

=Polytechnischer Verein= in Würzburg:

    19,854. Ders., Wochenschrift; Jhg. 1866, Nr. 1-18. 8.

=Redaktion der Zeitschrift f. preuſs. Geschichte u. Landeskunde=
in Berlin:

    19,855. Zeitschrift f. preuſs. Geschichte u. Landeskunde; 3. Jhg.,
    1.-5. Heft. 1866. 8.

=Allgem. deutsche Verlags-Anstalt (Sigism. Wolff)= in Berlin:

    19,856. Romberg’s Zeitschrift für prakt. Baukunst; Jhg. 1866, Heft
    1-3. 2.

=Ign. Franz Keiblinger=, Stiftskapitular, in Melk:

    19,857. Heller, hat Karl V. wortbrüchig an dem Landgrafen Philipp
    v. Hessen gehandelt, als er ihn zu Halle gefangen nahm? 1866. 4.
    Progr.

=K. Studienrektorat= in Erlangen:

    19,858. Soergel, de Tiberio et Gaio Gracchis commentationis
    particula III. 1856 (corrig. 1866.) 4. Progr.

=Dr. Petersen=, Realitätenbesitzer, in Berum:

    19,859. Wenckebach, jus Theelachticum redivivum. 1759. 4.

=G. P. Aderholz’= Buchhandl. (G. Porsch) in Breslau:

    19,860. Krawutzky, Zählung und Ordnung der heil. Sacramente der
    kathol. Kirche. 1865. 8.

    19,861. Marks, Geschichte des kathol. Schullehrer-Seminars zu
    Breslau. 1865. 8.

=Gebr. Carl u. Nikolaus Benziger=, Buchh., zu Einsiedeln:

    19,862. Register oder Verzeichnisse zu Bd. I bis und mit XX des
    Geschichtsfreundes. 1865. 8.

=Buchhandlung des Waisenhauses= in Halle:

    19,863. Lambert, die Entwicklung der deutschen Städte-Verfassungen
    im Mittelalter; 2 Bde. 1865. 8.

    19,864. Lucä, über Schiller’s Wilhelm Tell. 1865. 8.

    19,865. Opel, Wallenstein im Stift Halberstadt, 1625-26. 1866. 8.

    19,866. Schade, altdeutsches Wörterbuch. 1866. 8.

    19,867. Tschischwitz, Nachklänge germanischer Mythe in den Werken
    Shakspeare’s. 1865. 8.

=Kgl. Geh. Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker)= in Berlin:

    19,868. Bäſsler, Auswahl altchristl. Lieder v. 2. bis 15. Jahrh.
    1858. 8.

    19,869. Carlyle, Geschichte Friedrich’s von Preuſsen, deutsch von
    Neuburg; 4 Bde. 1858-66. 8.

    19,870. Cassel, der Grâl und sein Name. 1865. 8.

    19,871. Fürstenthal, d. allgemeine Gerichtsordnung für die preuſs.
    Staaten. 1857. 8.

    19,872. Hahn, Hans Joachim von Zieten; 3. Aufl. 1858. 8.

    19,873. v. Strampff, Dr. Martin Luther: Ueber die Ehe. 1857. 8.

    19,874. Preuſsens altes Recht an Schleswig-Holstein. 1865. 8.

    19,875. Witzleben, Prinz Friedrich Josias von Coburg-Saalfeld etc.
    3 Theile. 1859. 8. Mit Karten und Plänen, gr. 2.

=N. G. Elwert=’sche Universitäts-Buchhandlung in Marburg:

    19,876. Dietrich, Frau und Dame. Ein sprachgeschichtl. Vortrag.
    1864. 8.

    19,877. Dietrich, de cruce Ruthwellensi. 1865. 4.

    19,878. Wagner, Geschichte der Stadt Allendorf an der Werra und der
    Saline Sooden. 1865. 8.

=Verlag von Ernst & Korn= (Gropius’sche Buch- und Kunsthandlung)
in Berlin:

    19,879. Ahlburg, die Klosterkirche zu Riddagshausen. 1857. 2.

    19,880. v. Quast, Denkmale der Baukunst in Preuſsen; 3. u. 4. Heft,
    gr. 2.

    19,881. Biographieen berühmter Baumeister und Bildhauer; I. Bd. 2.
    Ausg. 1862. 8.

=Ferdin. Förstemann’s= Verlagshandl. in Nordhausen:

    19,882. Förstemann, d. gräfl. Stolbergische Bibliothek zu
    Wernigerode. 1866. 8.

    19,883. Rüstow, Geschichte der Infanterie; 2 Bde., 2. Ausg. 1864. 8.

    19,884. Walther, d. Literatur des gemeinen, ordentlichen
    Civil-Processes und seine Bearbeiter. 1865. 8.

=Theobald Grieben=, Verlagsbuchh., in Berlin:

    19,885. Löffler, das Pferd. Zucht, Pflege, Veredelung u.
    Geschichte. 4 Bde. 1866. 8.

=Hahn=’sche Hofbuchhandlung in Hannover:

    19,886. Kohlrausch, d. deutsche Geschichte; 15. Aufl. 1866. 8.

    19,887. Leunis, Nomenclator zoologicus. 1866. 8.

    19,888. Meiſsner u. Shepard, Untersuchungen über das Entstehen der
    Hippursäure im thierischen Organismus. 1866. 8.

=J. G. Heuser=’sche Buchhandlung in Neuwied:

    19,889. Harder, die Entstehung und Ausbreitung des Christenthums in
    den ersten drei Jahrhunderten; 2 Thle. 1865-66. 8.

    19,890. Kühn, Entwicklungsgeschichte der Freimaurerei. 1864. 8.

    19,891. Ullersperger, d. Herz-Bräune; historisch, pathologisch und
    therapeutisch. 1865. 8.

    19,892. Ders., der Hirnnervenschlag. 1864. 8.

=C. Hingst=, Verlagsbuchhandl., in Stralsund:

    19,893. Brix, Skizzen aus dem nördl. Eismeere. 1866. 8.

=G. W. Körner=, Verlagshandl., in Erfurt:

    19,894. Zwingli’s Lehrbüchlein, wie man die Knaben christlich
    unterweisen und erziehen soll; hg. v. Fulda. 1844. 8.

    19,895. Körner, die Stadt Erfurt. 1848. 8.

    19,896. Davin, die Sprache der Deutschen nach ihrer Geschichte etc.
    1864. 8.

=W. Langewiesche’s= Verlagshandl. in Barmen:

    19,897. Sauer, die Wupper in Liedern und Sagen. 1866. 8.

    19,898. Müller, das Duell im Lichte christlich-germanischer
    Bildung. 1858. 8.

=Heinr. Müller=, Verlagshandl., in Berlin:

    19,899. Brunnemann, Michel Servetus. 1865. 4.

=Constantin Niese=, Buchhandl., in Saalfeld:

    19,900. Wagner’s Chronik der Stadt Saalfeld, fortges. von Grobe;
    10. Heft. 1866. 8.

=C. W. Offenhauer=, Verlagshandl., in Eilenburg:

    19,901. Vörckel, Martin Rinkart, ein evangel. Lebensbild. 1857. 8.

=G. Rahn=, Verlagshandl., in Berlin:

    19,902. Rahn, die Berliner Königsstadt u. deren vier Kirchen. 2.
    Aufl. 1857. 8.

=Fr. Regensberg=, Verlagshandl., in Münster:

    19,903. Hüppe, Lieder u. Sprüche der Minnesinger. 1844. 8.

    19,904. Winiewski, systemat. Verzeichniſs der in den Programmen der
    preuſs. Gymnasien und Progymnasien 1825-41 enthaltenen Abhandlungen
    etc. 1844. 4.

    19,905. Perger, annalium Iburgensium fragmenta. 1857. 8.

    19,906. Deycks, carminum epicorum germanicorum Nederlandicorum
    saec. XIII et XIV fragmenta. 1859. 4.

=J. Riecker=’sche Buchhandl. in Gieſsen:

    19,907. Follen, Tristans Eltern. 1857. 8.

    19,908. Sandhaas, fränkisches eheliches Güterrecht. 1866. 8.

    =Carl Rümpler=, Verlagshandlung, in Hannover:

    19,909. Scheler, Aufzeichnungen eines Amsterdamer Bürgers über
    Swedenborg. 1858. 8.

    19,910. Delius, Boto, Graf von Stolberg, Ahnherr der Fürsten
    Europas. 1860. 8.

    19,911. Merkel, die ostfriesische Insel Borhum. 1860. 8.

    19,912. Crestien von Troies, li romans dou chevalier au lyon; hg.
    v. Holland. 1862. 8.

    19,913. Baudissin, Philippine Welser, histor. Roman; 3 Bde. 1864. 8.

    19,914. Gödeke, Every-man, Homulus und Hekastus. 1865. 8.

    19,915. Polko, alte Herren, die Vorläufer Bach’s. 1865. 8.

    19,916. Möller, Geschichte Schleswig-Holsteins; 2 Bde. 1865. 8.

=Joh. Jac. Scheel=, Verlagshandl., in Kassel:

    19,917. Klemme, das Leben Johann Calvin’s. 1864. 8.

=Gustav Schlawitz=, Verlagsbuchhandl., in Berlin:

    19,918. Hengstenberg, das Duell und die christl. Kirche. 1856. 8.

    19,919. Büchsel, Erinnerungen an den Markgrafen Johann von Küstrin.
    1856. 8.

    19,920. Rocholl, Beiträge zu einer Geschichte deutscher Theosophie.
    1856. 8.

    19,921. Lämmer, die vortridentinisch-katholische Theologie des
    Reformations-Zeitalters. 1858. 8.

    19,922. Dreher, Leben, Lieder und Liederpflege der Augusta Maria,
    Markgräfin von Baden-Durlach. 1858. 8.

    19,923. Rocholl, das Leben Philipp Nicolai’s. 1860. 8.

    19,924. Becker, das edle sächsische Fürsten-Kleeblatt. 1860. 8.

    19,925. Becker, Dr. Martin Luther, der deutsche Mann. 1861. 8.

    19,926. Preuſs, das Concil von Trident. 1862. 8.

=Schulze=’sche Buchhandlung in Oldenburg:

    19927. Strackerjan, Geschichte der Buchdruckerei im Herzogthum
    Oldenburg und der Herrschaft Jever. 1840. 8.

    19,928. Runde, deutsches eheliches Güterrecht. 1841. 8.

    19,929. Archiv für die Praxis des gesammten im Groſsherzogthum
    Oldenburg geltenden Rechts, hg. v. Groſskopff, Ruhstrat und v.
    Steun: 5 Bde. 1843-55. 8.

    19,930. Kohli, Handbuch einer histor.-geogr.-statist. Beschreibung
    dea Herzogth. Oldenburg etc. Th. I u. II, 1. 2. 1844. 8.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Weiſs=, Archivar, in Klagenfurt:

    5134. 73 Lackabdrücke von älteren und neueren Siegelstöcken.

=Adolf Bube=, Archivrath, in Gotha:

    5135. Porträt des Herrn Geschenkgebers, Stahlstich von Weger.

=A. Demmin= in Paris:

    5136. 2 Photographieen von Majoliken nach v. d. Meer.

=A. Neuhauser=, Besitzer der Glasmalerei zu Innsbruck:

    5137. 26 Blätter Photographieen zu dem Werke: Les vitreaux Bourges
    etc.

=Ein Ungenannter= in Nürnberg:

    5138. Groschen der Herzoge Friedrich, Albert und Johann von Sachsen.

=Dr. E. Freiherr von Bibra= in Nürnberg:

    5139. Bruchstück eines römischen Glases mit eingesprengten Batzen
    und zwei Brandpfeile aus dem 15. Jahrh.

=Chr. Flinzberg=, Seifensieder, in Coburg:

    5140. Karte des Rückzugs der fränk. Rhein- und Mosel-Armee unter
    Moreau; nebst Text.

=Ferd. Bender=, stud. philol., in Darmstadt:

    5141. 15 Lack- und Papierabdrücke von älteren u. neueren Siegeln.



Chronik der historischen Vereine.


/Bulletin monumental ou collection de mémoires sur les monuments
historiques de France/, publié sous les auspices de la /Société
française d’archéologie pour la conservation et la description des
monuments nationaux/, et dirigé par M. de Caumont. 4. Série, Tome 2.
32. Vol. de la Collection. Nr. 5. Paris et Caen, 1866. 8.

Mémoire sur des découvertes d’antiquités romaines faites à Valentine
(Haute-Garonne); par M. Morel. -- Notice sur le camp de Cinais
(Indre-et-Loire); par M. de Cougny. -- Essai sur les origines et le
développements du Christianisme dans les Gaules, par M. Tailliar.

/Bulletin du Comité Flamand de France./ Tome IV. Nr. 2. Avril, Mai
et Juin 1866. Lille et Dunkerque, 1866. 8.

Extrait des procès-verbaux. -- Transmission de la châtellerie de
Bourbourg, par le marquis de Godefroy Ménilglaise. -- Note sur la
communication précédente, par E. de Coussemaker. -- Etablissement des
jésuites anglais à St-Omer et à Watten, par le R. P. Possez.



Nachrichten.


Literatur.


Neu erschienene Werke.

    16) /Die Prämonstratenser des zwölften Jahrhunderts und ihre
    Bedeutung für das nordöstliche Deutschland./ Ein Beitrag zur
    Geschichte der Christianisirung und Germanisirung des Wendenlandes.
    Von /Franz Winter/, Prediger zu Schönebeck a. d. E. Berlin,
    1865. E. Schweigger’sche Hofbuchhandlung. 8. 386 Stn.

Der scheinbar weitabliegende Gegenstand, den vorliegendes Werk
behandelt, gewinnt ein näheres Interesse dadurch, daſs die erzählte
Geschichte um eine hervorragende Persönlichkeit wie um einen
Mittelpunkt sich bewegt und darin zwei der bedeutendsten Factoren
im Bildungsprozesse des Mittelalters, niedersächsische Nüchternheit
und fränkische Erregtheit, in der Nähe zu einer dauernden Schöpfung
zusammentreten, wie sie die letztere allein in der Ferne vergeblich
zu verwirklichen suchte. Statt mit den übrigen Heeren des westlichen
Europas jenseits des Meeres nach dem Morgenlande zu ziehen, hielten
die sächsischen Fürsten es für gleich verdienstlich, einen Kreuzzug
gegen die östlich von der Elbe wohnenden Slaven zu unternehmen,
ihr Land mit dem Reiche zu vereinigen und so einen neuen Boden für
Verbreitung des Christenthums herzustellen. Diese Aufgabe war der
materiellen Seite nach gerade hinreichend gefördert, als ein günstiges
Geschick im heil. Norbert, dem Erzbischofe von Magdeburg und Stifter
des Prämonstratenserordens, einem wahren Charakterkopfe des zwölften
Jahrhunderts, den Mann auf den Platz stellte, der vollkommen im Stande
war, den geistigen Theil der Arbeit zu übernehmen. Der Orden, dem er in
jenen Ländern eine eigentliche Heimat bereitet hat, und in welchem sein
Sinn wie in ungeschwächter Verkörperung ein Jahrhundert lang fortlebte,
führte das Werk zu Ende. In anziehendem, einheitlichem Bilde bringt der
Verfasser uns diese inhaltreiche Geschichte vor Augen, indem er nach
historischem Rückblicke den Ordensstifter, die Ordensschüler und deren
Gönner, die dreizehn Klöster, sowie endlich die Organisation und den
Verfall des Ordens bespricht. Umfangreiche angehängte Excurse erläutern
die Thatsachen näher; eine dritte Abtheilung behandelt die Quellen.

    E.

    17) /Aus der musikalischen Vergangenheit bayrischer Städte.
    Musikgeschichte der Stadt Regensburg./ Aus Archivalien und
    sonstigen Quellen bearbeitet von Dr. /Dom. Mettenleiter/.
    Regensburg, Verlag von J. Georg Bössenecker. 1866. 8. 287 Stn.

Der Verfasser des vorliegenden Buches wurde, wie das Vorwort bemerkt,
vor mehreren Jahren von hoher Seite beauftragt, die Bearbeitung einer
Musikgeschichte Bayerns zu unternehmen. Die groſse Zersplitterung
des historischen Stoffes stellte die Nothwendigkeit heraus, die
Zusammenstellung des Ganzen durch eine möglichst ausführliche
Spezialgeschichte der einzelnen gröſseren Städte einzuleiten. Die
Musikgeschichte der Stadt Regensburg liegt als erster Erfolg der
bezüglichen Arbeiten vor und bietet sogleich so reiche Ergebnisse der
Forschung, daſs, wir möchten sagen, damit für die Musikgeschichte
Deutschlands noch mehr gethan ist, als für die Bayerns. Denn während
die letztere örtliche Zufälligkeiten, die in jedem Orte von neuem
aufzusuchen sind, nie ganz wird übergehen können, müſste es für die
erstere vorzugsweise von Werth sein, das Gemeinsame in den endlos
sich wiederholenden ähnlichen Erscheinungen an das Licht zu stellen.
Dieses wird aber in der reichen Musikgeschichte der Stadt Regensburg
grade für die älteste Zeit und für die spätere wenigstens von einer
Seite gleichsam typisch vorgebildet. Mit Besprechung der musikalischen
Schriften des Priors Wilhelm zu St. Emmeram, des Regensburger Mönches
Otker, des Bischofs Albertus Magnus u. a. kann der Verfasser bis
in das elfte, zwölfte und dreizehnte Jahrhundert zurückgehen. Was
Aventin und Keppler für die Theorie der Musik geleistet, knüpft sich
ebenfalls an Regensburg. Manche andere bedeutende Namen auf diesem oder
praktischem Gebiete werden uns im Zusammenhange vorgeführt: was in
der Kirche, Schule und im bürgerlichen Leben zur Pflege der genannten
Kunst geschehen, erfahren wir mit ausführlichen Belegen. Die Schrift
zeugt überall von vollständiger Sachkenntniſs und gewissenhaftestem
Fleiſse. Nicht unbemerkt können wir lassen, daſs an einer Stelle uns
die befremdende Klage begegnet, daſs dem Forscher das betreffende
urkundliche Material vorenthalten worden. -- Eine Musikgeschichte der
Stadt Amberg und der oberpfälzischen Klöster ist in nächste Aussicht
gestellt.

    18) /Das graue Alterthum. Eine Einleitung in das Studium der
    Vorzeit/ von A. /Morlot/. Aus dem Französischen übersetzt
    von Dr. F. Bärensprung. Schwerin, 1865. Druck und Verlag der
    Bärensprung’schen Hofbuchdruckerei. 8. 52 Stn.

Die erste Ausgabe der vorliegenden Abhandlung erschien in französischer
Sprache bereits 1861, die zweite im folgenden Jahre. Eine italienische
Uebersetzung trat 1863 an’s Licht und gleich darauf zwei englische
zu Washington und London. Die gegenwärtige deutsche ist nach der
dritten Bearbeitung des Originals unternommen und vom Verfasser selbst
durchgesehen. Mit Recht bezeichnet der Uebersetzer die Schrift als so
reichhaltig und anziehend, daſs sie verdient, auch bei uns weiteren
Kreisen zugeführt zu werden. Sie enthält nicht, was man aus der
Fassung des Titels zu schlieſsen versucht sein könnte, eine Uebersicht
der bisherigen Ergebnisse dieses weitschichtigen Vorspieles unserer
Alterthumskunde, sondern stellt, an der Hand der Entwicklung des
Studiums selbst, die groſsen Fragen des letzteren fest und umschreibt
mit weiten Zügen das zu behandelnde Gebiet, um sogleich zur genaueren
Betrachtung eines bestimmten Punktes überzugehen, die vom Verfasser
selbst durchgeführte, für die Bestimmung der Perioden der Vorzeit
so auſserordentlich wichtige Untersuchung über den Durchstich des
Schuttkegels der Tiniere, eines bei Villeneuve in den Genfersee sich
ergieſsenden Wildbaches. Die aus dieser Untersuchung gewonnenen,
mit eben so groſsem Scharfsinn wie musterhafter Unparteilichkeit
entwickelten Anschauungen müssen wir dem wiſsbegierigen Leser aus
dem kleinen Werke selbst zu entnehmen überlassen. Wir bemerken nur
noch, daſs der Uebersetzer dasselbe mit mancher schätzbaren Anmerkung
bereichert hat.

    19) /Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch an der
    Bergstraſse./ Von /Val. Al. Franz Falk/. Mainz, Verlag von
    J. A. Giani. 1866. 8. VIII u. 218 Stn.

Die Geschichte des berühmten Klosters Lorsch ist trotz des
reichhaltig angehäuften Materials bis jetzt nur sehr unvollständig
behandelt worden. Georg Helwich’s schon im Jahre 1631 erschienene
Antiquitates Laurishaimenses und Vogel’s Brevis et compendiosa
relatio de fundatione, consecratione, incremento et decremento
coenobii Laurissensis, welche in die Sammlung von Freher-Struve
im Jahre 1717 aufgenommen wurde, konnten dem wissenschaftlichen
Standpunkte der Gegenwart nicht mehr genügen, und Konrad Dahls
historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums
Lorsch u. s. w., 1812, ein übrigens sehr dankenswerthes Werk,
behält mehr nur die Erläuterung der Gebietsverhältnisse und der
kirchlichen Einrichtungen des Oberrheingaus im Auge. Es war daher ein
verdienstliches Unternehmen des Herrn Falk, die Geschichte des Klosters
Lorsch, seine äuſseren Schicksale, wie seine innere Entwickelung, in
gegenseitigem und fortlaufendem Zusammenhang darzustellen.

Der Ort, an welchem das spätere Lorsch gegründet wurde, war ohne
Zweifel schon den Römern bekannt, und selbst Förstemann wagt nicht
den Namen Laurissa mit Bestimmtheit auf eine deutsche Wurzel
zurückzuführen. Auch haben gottesdienstliche Einrichtungen, wie aus der
Stiftungsurkunde selbst hervorzugehen scheint, ohne Zweifel schon vor
der Gründung des eigentlichen Klosters daselbst bestanden. Diese setzt
der Verfasser in das Jahr 764 und bleibt damit der seit Jahrhunderten
herkömmlichen Annahme getreu. Gleichwohl scheint diese unrichtig zu
sein, insofern der in der Stiftungsurkunde angenommene 12. Juli (sub
die IIII Id. Julii) des zwölften Jahres der Regierung Pipin’s als Tag
der Gründung festgehalten werden soll. Da sich nämlich aus Heinr.
Hahn’s gediegenen Forschungen in seinen Jahrbüchern des fränkischen
Reichs herausstellt, daſs die Thronbesteigung Pipin’s zwischen den 23.
September 751 und 23. Sept. 752 zu setzen ist und allem Vermuthen nach
im Jänner des letzteren Jahres stattgefunden hat, so muſs das zwölfte
Regierungsjahr Pipin’s von 763-764, und kann nicht von 764 auf 765
laufen. Nur wenn Pipin erst nach dem 12. Juli 752 die königliche Weihe
erhalten haben sollte, was die geringere Wahrscheinlichkeit für sich
hat, könnte der 12. Juli des zwölften Jahres in das Jahr 764 fallen.
Wir würden daher immerhin die Feststellung Tolner’s vorziehen, welcher
den 12. Juli 763 annimmt, obschon die Berechnung, auf welche er sich
stützt, nicht genau ist. Wie bei den Chronisten des Mittelalters
aus der einfachen Zusammenfügung der Zahlen 752 und 12 das Jahr 764
hervorgehen konnte, würde sich leicht klar machen lassen, wenn der Raum
es gestattete.

Der Verfasser erzählt die Versetzung der Gebeine des heiligen
Nazarius nach Lorsch, die Wirksamkeit der ersten Aebte, und den hohen
Aufschwung, welchen das Kloster unter den Karolingern nahm. Er erörtert
die wissenschaftliche Thätigkeit der Lorscher Mönche, die, wenn sie
auch derjenigen von Fulda und St. Gallen nicht gleichkam, doch immerhin
sehr Bedeutendes geleistet hat. Die Wichtigkeit, welche Lorsch auf
diese Weise erlangt hatte, dauerte auch unter den Ottonen fort; mehrere
Glieder der sächsischen Kaiserfamilie nahmen dort vorübergehend ihren
Aufenthalt; Bruno, Bruder Otto’s des Groſsen und später Erzbischof
von Köln, war eine Zeit lang Abt des Klosters. Die Vermehrung des
Vermögens durch liegende Gründe und ansehnliche Gebiete mit ihren
Höfen und Dorfschaften gab den Aebten von Lorsch zugleich die Stellung
weltlicher Fürsten; sie hatten eine verhältniſsmäſsige Kriegsmacht
auszurüsten, die namentlich in den Zeiten der salischen Kaiser mehrfach
genannt wird. In diese Periode fällt offenbar auch die höchste Blüthe
des Klosters, die sich bis in die Zeit der Kreuzzüge erhielt. Diese
beförderten zwar das klösterliche Leben, indem sie viele neue Bildungen
von thatkräftigerem und heftigerem Charakter in das Leben riefen,
erschütterten aber gerade dadurch die alten Congregationen, wo diese
nicht im Stande waren, durch strenge Zucht und geordnete Verwaltung
dem einreiſsenden Verderben Widerstand zu leisten. Dieses letztere
Loos traf auch das Kloster Lorsch. Unter Konrad, dem letzten Abte aus
dem Orden der Benediktiner (von 1214-1226), nahmen die Unordnungen
dermaſsen überhand, daſs derselbe abgesetzt, das Kloster selber aber
dem Erzbischof von Mainz zuerst zur Reform, später aber zu vollem
Eigenthum übergeben wurde. Anfänglich suchten die Cistercienser sich
in Lorsch anzusiedeln, konnten sich aber eben so wenig als die alten
Benediktiner daselbst behaupten. Nach langem inneren Hader räumte
der Erzbischof Siegfried III. unter vorausgegangener Gutheiſsung
des Papstes Innocenz IV. das Kloster im Jahre 1248 dem Orden der
Prämonstratenser ein, wogegen dieser auf den Besitz des weltlichen
Fürstenthums und aller damit verbundenen Rechte verzichten muſste.
Als späterhin der Erzbischof Dietrich II. von Mainz ein Bündniſs mit
dem Kurfürsten Friedrich dem Siegreichen eingieng und demselben zur
Deckung der Kriegskosten mehrere Gebiete als Pfandschaft übergab, kam
Lorsch sammt dem gröſseren Theile der Bergstraſse unter pfälzische
Herrschaft. Es befand sich noch immer unausgelöst in dieser Lage, als
Friedrich III. nach dem Religionsgespräche von 1560 die Reformation,
und zwar in calvinistischer Form, in allen seinen Landen ernstlich und
folgerichtig durchzuführen begann. Das Kloster Lorsch, schon vorher in
Ausübung seiner Befugnisse übermäſsig beschränkt, wurde aufgehoben. Die
Städte der Bergstraſse blieben in dem Besitze der Pfalz und zugleich
in der calvinistischen Lehre, bis im Anfange des dreiſsigjährigen
Krieges und nach den ersten Siegen Tilly’s im südlichen Deutschland
das Erzbisthum Mainz an die Wiedererwerbung der schon halb verlorenen
Landschaften dachte. Im Jahre 1623 wurde Lorsch sammt den verpfändeten
Orten der Bergstraſse mit Hülfe spanischer Truppen von Mainz in Besitz
genommen und zugleich die römisch-katholische Lehre unter den dortigen
Einwohnern von neuem eingeführt. Erst durch den Reichsreceſs von 1803
kam Lorsch an den Landgrafen oder späteren Groſsherzog von Hessen.

Dies ist der Inhalt der vorliegenden Schrift. An die Erzählung
schlieſsen sich mehrere aus einem Würzburger und Frankfurter Codex
herausgegebene Anecdota, die Aufzählung der Lorscher Aebte und Pröbste,
das Verzeichniſs der von dem Verfasser benutzten Literatur, und endlich
eine lange Reihe von 162 Anmerkungen, welche die vorausgeschickte
Darstellung der Thatsachen vielfach erläutern und beglaubigen.

    A. F.

    20) /Das weströmische Reich, besonders unter den Kaisern Gratian,
    Valentinian II. und Maximus/ (375-388), von Dr. /Heinrich
    Richter/. Berlin, Ferd. Dümmler’s Verlagsbuchhandlung. 1865. 8.
    VIII, 697 Stn.

Alle Diejenigen, welche sich mit dem Studium der imperatorischen Zeit
beschäftigt haben oder beschäftigen, wissen zur Genüge, daſs der in dem
Titel bezeichnete Zeitabschnitt zu den wichtigsten und folgereichsten
der römischen und beziehungsweise europäischen Geschichte gehört. Das
Heidenthum ist äuſserlich besiegt, aber innerlich noch keineswegs
überwunden; die christliche Kirche ist zum Glaubensbekenntnisse des
Staates geworden, befindet sich aber mit der arianischen Partei und
anderen religiösen Sekten noch im heftigsten Kampfe; die Kaiser selbst
werden vielfach in diese Streitigkeiten verwickelt. Alle Kräfte des
Reiches sind übermäſsig angespannt; die gesammte Staatsmaschine, das
Militärsystem, das Beamtenthum haben keine nationalen Wurzeln mehr und
werden den Gefühlen der Masse zusehends entfremdet. Auf diesem, von
Parteileidenschaften, amtlichen Willkürstreichen, gesetzlichen und
ungesetzlichen Plackereien erschütterten Boden erscheinen plötzlich
die Germanen in geschlossener Volkskraft, werfen die römischen Heere
siegreich vor sich nieder und beginnen nun auf römischem Boden selbst
den Kampf mit dem Kaiserthum, bis dieses ihren nachhaltigen Angriffen
erliegt. Wir stehen an der Schwelle der Völkerwanderung, welche die
Elemente neuer Staatsordnungen ausstreut und in langer Gährung die
Bildungen des Mittelalters vorbereitet.

Lange Zeit begnügte man sich, die Thatsachen, welche sich in den
Jahren 375 bis 388 zusammendrängen, aus den nächsten Ursachen und den
unmittelbarsten Beweggründen zu erklären. Selbst Tillemonts groſses
Werk, das durch die Reichhaltigkeit des gesammelten Stoffes und
die Gewissenhaftigkeit der Forschung ganz unentbehrlich geblieben
ist, reichte nicht sehr weit über diesen Gesichtspunkt hinaus, und
erst Montesquieu und Gibbon haben durch tieferes Eindringen auf die
von Langem her angebahnten Wirkungen und auf den Zusammenhang der
verborgenen Fäden in der Entwickelung aufmerksam gemacht. Gleichwohl
blieb noch Vieles zu thun übrig. Man fieng allmählich an einzusehen,
daſs das römische Reich nicht sowohl an der physischen Abschwächung
und grundverdorbenen Jämmerlichkeit der Menschen zu Grunde gieng, wie
man gewöhnlich anzunehmen pflegte, als vielmehr an einer sittlichen
Erhebung der Volksmassen, die von innen heraus erfolgte, und an
welcher das unhaltbar gewordene bureaukratische System des Cäsarismus
vollständig scheiterte. In den früheren kirchengeschichtlichen
Werken war die Geschichte der Dogmen und religiösen Gemeinschaften,
losgerissen aus aller staatlichen Entwickelung, behandelt und
zusammengestellt: und so bewegte man sich durch ein verworrenes
Feld scheinbar öder und unwirthbarer Begriffe. Die fortschreitende
Erweiterung unserer geschichtlichen Anschauungen hat uns indessen zur
Einsicht gelangen lassen, daſs das Verständniſs vieler kirchlichen
Dogmen die Kenntniſs der Kämpfe zwischen den kirchlichen Parteien
und religiösen Sekten voraussetzt, und daſs diese selbst wieder mit
allen Zuständen der Gesellschaft auf das engste zusammenhangen.
Endlich wurde die Zernichtung des römischen Reiches durch die Germanen
meist als ein lediglich durch äuſseren Anstoſs und mit äuſserlichen
Mitteln herbeigeführtes Ereigniſs dargestellt, während ein gründliches
Eindringen in die Organisation desselben uns die verschiedenen Stufen
nachweist, auf welchen der Geist der germanischen Volksstämme sich
heranbildete, um zuerst zu entscheidendem Einflusse und endlich zur
wirklichen Herrschaft zu gelangen.

Aus der sorgsamen Erwägung aller dieser Momente ist die Eintheilung
und Gestaltung des vorliegenden Buches hervorgegangen. Der Verfasser
hat seinen Stoff in drei Bücher zerlegt, von denen das erste von
der christlichen Kirche und den Germanen im römischen Reiche, das
zweite von Kaiser Gratian insbesondere, das dritte von den Kaisern
Valentinian II. und Maximus handelt. Er führt uns in dem ersten Buche
zunächst in die Zeiten Diokletians, erläutert in anziehender Weise aus
der Persönlichkeit und militärischen Bildung dieses Kaisers dessen
Stellung zu Staat und Kirche und bahnt sich so den Weg zu den groſsen
politischen und geistigen Kämpfen der constantinischen Periode.
Hieran schlieſst sich eine Schilderung des kirchlichen Lebens, das
Eingreifen der donatistischen und arianischen Streitigkeiten. Aus den
persönlichen und kirchlich-reaktionären Cabalen, die sich an den Höfen
der drei Söhne Constantin’s des Groſsen entspannen, entwickelten sich
Julian’s vergebliche Reformversuche. Ehe der Verfasser von diesen zu
den Thaten des kräftigen Kaisers Valentinianus übergeht, behandelt
er noch in einzelnen vortrefflichen Abschnitten die Entwickelung des
Mönchthums, die wachsenden Feindseligkeiten der Germanen, den römischen
Kolonat, die Colonisation der Germanen auf römischen Boden und die
damit zusammenhängenden Militärdienste. Mit psychologischer Feinheit
hat er in dem zweiten Buch, welches den eigentlichen Kern seines
Vorwurfes bildet, das Auftreten Gratian’s aus dem Zusammentreffen
seiner Anlagen und ihrer Ausbildung mit den allgemeinen Verhältnissen
der Zeit erläutert. Die übermäſsige Strenge der kirchlichen Gesetze
führte zu dem heftigen Aufruhre der afrikanischen Donatisten und
Circumcellionen, welche zwar gebändigt, aber nicht zernichtet werden
konnten, während sich in Italien selber still und geräuschlos die
ersten Ansätze des römischen Primates bildeten. Bei dieser Gelegenheit
erweist der Verfasser in geschickter Weise aus den Verwickelungen und
staatlichen Zuständen der Zeit die leichte und natürliche Verbindung
weltlicher Gerichtsbarkeit und Verwaltung mit der Immunität der
Bischöfe. Mit Ausführlichkeit werden sodann die Schicksale des älteren
Theodosius, die Stellung des Kaisers Valens in Constantinopel, die
Aufnahme der Westgothen auf römischem Gebiete, Gratian’s Kämpfe mit
den Alamanen, die Schlacht von Hadrianopel und das Auftreten des neuen
Mitkaisers Theodosius bis zum gewaltsamen Tode Gratian’s geschildert.
Das dritte Buch führt die in dem bisherigen Verlaufe der Begebenheiten
angeknüpften Fäden bis zu dem Tode des Maximus fort und rundet den
Gesammtinhalt zu einem harmonischen Ganzen ab.

Die Verflechtung der kirchlichen Ereignisse und gesellschaftlichen
Zustände in den Gang der allgemeinen Geschichte und die richtige
Würdigung des germanischen Einflusses im Innern des römischen Staates
bilden den eigenthümlichen Vorzug des Buches. Denkweise, Sitten und
innere Triebfedern werden uns nahe gelegt; wir fühlen uns mitten in
das Getreibe einer sonst fremdartigen Zeit versetzt. Bei gründlicher
Behandlung ist die Darstellung flieſsend, anregend und belebt. Die
erläuternden Anmerkungen sind, nach Büchern abgetheilt, dem Schlusse
des Werkes beigefügt.

    A. F.


Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 29. Ein Spaziergang nach den Pfahlbauten bei
Robenhausen.

/Das illustr. Buch d. Welt/: Nr. 8, S. 225. Schloſs Rheinsberg.
Histor. Skizze. (Thaddäus Lau.)

/Der Katholik/: Juni. Nachrichten über die berühmteren Theologen
von 1620-30. -- Ob und inwieweit es in der mittelalterlichen Scholastik
ideales, begriffliches und causales Erkennen gibt.

/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 45 ff. Zur Geschichte und
Charakteristik der evangel. Kirche in Rheinland und Westfalen.
(Schluſs.)

/Evang. Kirchen-Zeitung/: Juni. Die Liturgien der alten Kirche.

/Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 396. Ueber die Faustsage.
(Dr. Gräſse im Dr. J., nach Dr. Kühne in Zerbst.) -- Nr. 409. Das
burggräfliche Schloſs zu Nürnberg.

/Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 22, S. 387. Unsere Urväter.
(M. J. Schleiden.) -- S. 443. Dietrich von Bern an der Basilika San
Zeno zu Verona. (W. v. Metzerich.)

/Deutsche Vierteljahrs-Schrift/: Nr. 115. Glauben und Wissen
in der Geschichte. (Dr. Faber.) -- Die Geschichtschreibung der
Civilisation. (Dr. Dühring.)

/Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg/: Nr. 31.
Schloſs Gitschin in Böhmen. (Geisheim.)

/Allgem. Zeitung/: Beil. 216. 217. Ein deutscher Reformator im
zwölften Jahrhundert. (Dr. Jos. Bach.)

/Bayer. Zeitung/: Mgbl. Nr. 194. Kleine Beiträge zur
Wittelsbachischen Hausgeschichte. Pfalzgraf Otto VI. von Wittelsbach
bei der Veroneser Klause 1155. (C. Th. Heigel.) -- Nr. 197 f. Zur
Lebensgeschichte des Bildschnitzers Veit Stoſs. -- Nr. 203 f. Christian
von Schweden in Paris, 1656. -- Nr. 207 ff. Das Friedensmahl und andere
Festlichkeiten bei dem Friedens-Executions-Congreſs in Nürnberg im
Jahre 1649 und 1650. -- Nr. 211. Aus alten Chroniken (ein Kirchendieb;
über das Vortanzen). -- Nr. 217 ff. Ueber Schmuck und Kleiderluxus der
Deutschen. Kulturgeschichtliche Skizze. (Venanz Müller.) -- Nr. 218 f.
Der letzte Hafner zu Marbach.



Vermischte Nachrichten.


76) Unter dem in nächster Zeit in Nürnberg zur Versteigerung kommenden
Nachlasse des bekannten Architekten C. A. /von Heideloff/ befindet sich
ein merkwürdiges Stammbuch, auf das Liebhaber und Autographensammler
gewiſs mit Recht schon im Voraus aufmerksam gemacht werden dürfen.
Dasselbe ist vom Jahr 1605 an bis über die Mitte des Jahrhunderts
hinaus geführt, besteht aus einem Queroctavbande von 339 Blättern und
ward von einem Andreas Setzinger angelegt, der, wie aus dem Buche
selbst hervorgeht, in Regensburg seine Studien begann und in Straſsburg
vollendete, dann, wahrscheinlich einer Gesandtschaft beigefügt, sich
längere Zeit in den Niederlanden aufhielt, Frankreich und England
bereiste, und überall eifrig bemüht war, aus seiner vornehmen Umgebung
Namen in sein Buch eintragen zu lassen. Deutsche Fürsten jener Zeit
finden sich nicht selten eingeschrieben, so /Ludwig Friedrich Herzog
zu Württemberg/, /Adolf Friedrich/ und /Johann Albrecht/, /Herzoge zu
Mecklenburg/, /Johann Christian Herzog zu Schlesien/, die /Markgrafen
Christian/ und /Albrecht von Brandenburg/, /Friedrich Ulrich Herzog
zu Braunschweig/, u. a. Die interessanteste Handschrift ohne Zweifel
rührt vom Befreier der Niederlande, Prinzen /Moriz von Oranien/, der
im Jahre 1608 mit dem Zusatze: „/Je maintiendray/“ sich eingezeichnet
hat. Auch sein nicht minder berühmter Bruder und Nachfolger /Heinrich/
und /Louise von Colligny/, verwittwete /Fürstin von Oranien/, haben
ihre Namen und Denkverse eingeschrieben. Vom Jahre 1608 auch ist der
Eintrag /Roberts/, des letzten /Grafen von Essex/, der nicht weniger
bezeichnend seinem Namen den Spruch: „/Virtutis comes invidia/“
beigefügt hat. Diesem schlieſsen sich die Lords /Spencer/, /Winwood/ u.
a. an. Sehr zahlreich ist der deutsche hohe, zum Theil reichsständische
Adel vertreten. Die bedeutendsten Namen aus der österreichischen
Gegenreformation, wie die /Khevenhüller/, /Räcknitz/, /Herberstein/,
/Dietrichstein/, /Stubenberg/, /Gäller/, /Praunfalk/ u. s. w.,
kehren fast sämmtlich mehrmals wieder. Von andern sind hervorzuheben
die Grafen von /Stollberg-Werningerode/, /Isenburg-Büdingen/,
/Löwenstein-Wertheim/ und manche mehr. Der gewöhnliche Zierrath
solcher Stammbücher: gemalte Wappen, Costüme, Darstellungen aus dem
Studentenleben, Allegorieen u. dgl. ist auch hier in reichem Maſse
vorhanden.

77) Die /Versteigerung der Drugulin’schen Sammlung von Kupferstichen
und Radierungen in London/, welche vom 11. bis 22. Juni dauerte, war
in Folge der eingetretenen Kriegsereignisse fast ohne alle Betheiligung
von festländischer Seite geblieben, was besonders bei den Werken der
niederländischen Radierer einen bedeutenden Ausfall verursachte.
Trotzdem wurden u. a. folgende Preise erzielt: St. Georg, von einem
unbekannten Meister um 1450, 50 Pfd. St. 10 Sh.; St. Christoph, von
einem andern Stecher aus gleicher Zeit, 18 Pfd. 18 Sh.; von den
Dürer’schen Stichen: Adam und Eva 15 Pfd. 10 Sh., die Passionsfolge 17
Pfd., Maria mit dem Affen 9 Pfd., Eustachius 33 Pfd., die Melancholie
9 Pfd., der Spaziergang 8 Pfd., Ritter, Tod und Teufel 30 Pfd., das
Wappen mit dem Todtenkopfe 10 Pfd. 2 Sh. 6 P. Die Stiche nach A. v. Dyk
blieben trotz ihrer Schönheit weit hinter den gewohnten Preisen zurück.
Die Blätter von dem Meister E. S. von 1466 brachten: die Madonna unter
dem Baldachin 41 Pfd., St. Michael 10 Pfd., St. Marcus 5 Pfd. 17 Sh.
6 P., der Buchstabe r 15 Pfd. 5 Sh.; das reiche Hollarwerk erzielte
circa 320 Pfd.; die Preise der neuen Blätter des Israel von Mecken
variierten zwischen 5 Pfd. 5 Sh. und 9 Pfd. Den ganzen achten Tag nahm
das treffliche Rembrandtwerk in Anspruch und erreichte ungeachtet der
niedrigen Preise 607 Pfd. Der Gesammterlös betrug 3652 Pfd.

    (Ill. Z.)

78) In /Unter-Lunkhofen/, einem aargauischen Dorfe am rechten Ufer
der Reuſs, ist durch die historische Gesellschaft des Kantons Aargau
der /gröſste/ von 46 gezählten /Grabhügeln/, die im dortigen
Bergwalde Bärhau liegen, im Laufe des Monats Juli /abgedeckt/
worden. Derselbe miſst in seinem mittlern Durchmesser 60 Fuſs, in
seinem untersten 90 Fuſs, ist von zweierlei Umfangs- und Strebemauern,
übereinander liegend und jede gegen 6 Fuſs breit, eingewandet und in
seinem Centrum auf 15 Fuſs Tiefe mit einer Grundlage von ähnlichen
wilden Steinklötzen und Geschiebmassen ausgerüstet. Unter diesen
erst beginnt der natürliche Waldboden, alles Uebrige ist künstlich
aufgetragen. Auf 10 Fuſs Tiefe wurden zehnerlei verschiedene
Flächen sowohl der Leichenverbrennung als auch der Leichenbeerdigung
durchstochen oder abgedeckt. Daraus ergibt sich unwiderleglich, daſs
hier die Beerdigung und die Verbrennung gleichzeitig und nebeneinander
im Brauche gewesen sind. Das hier bestattete Volk ist ein vorrömisches,
zu welchem trotz seiner mannigfachen, durch den Handel bezogenen
Luxusartikel noch nicht eine einzige römische Münze gekommen war.
Die metallenen Schmuckgegenstände sind, auſser wenigem Eisen, Bronze
von theilweise auſserordentlich feiner Guſshaut und sehr edler Form.
Ein feines, roth und grün gewürfeltes Gewandstück einer vornehmen
Frauenleiche hat sich durch die Oxydation des dabei gelegenen Erzes
ganz unversehrt erhalten. An zierlichem Haarschmuck, an Arm- oder
Gelenkringen aus Erz, Ohrgehängen, Bronzeperlen und Gewandnadeln wurden
werthvolle Fundstücke erhoben. Fingerringe von Bernstein, rothes,
sechsfach facettiertes Glas setzen nicht minder in Verwunderung, als
die Früchte von wilden und veredelten Birnen, Kirschen u. s. w., die
durch die luftdicht schlieſsende Schutterde des Hügels sich noch in
verhältniſsmäſsiger Frische vorfanden, obschon sie zum Theil in einer
Tiefe von acht und mehr Schuh lagen. Die osteologische Beschaffenheit
der Schädel und Gerippe, sowie ihre verschiedenartige Bestattungsweise
deutet auf eine zweifache Rasse von Unterjochten und Herrschenden. Die
noch dieses Jahr erscheinende „Argovia“, das Jahrbuch der historischen
Gesellschaft, wird umfassenden Bericht hierüber erstatten und die
Situationspläne mittheilen.

    (Dies.)

79) Der fürstlich fürstenbergische Hofbibliothekar Dr. Barack in
Donaueschingen hat ein /Bruchstück der verloren gegangenen deutschen
Originalchronik des Chronisten Wigand von Marburg/ in der dortigen
Bibliothek /aufgefunden/. Diese Chronik war bisher nur in einer
lateinischen Uebersetzung bekannt, welche auch in den „Scriptores rerum
Prussicarum“, herausgegeben von Theodor Hirsch, Max Töppen und Ernst
Strehlke, eine gediegene Bearbeitung gefunden hat. Das Bruchstück
umfaſst zwei Pergamentblätter in Quart, die zum Einband eines älteren
Buches verwendet waren, im Ganzen 134 Verse, deren Inhalt in den
Kapiteln 34, 35, 36 (Anfang) und 38 der in den Scriptores abgedruckten
lateinischen Uebersetzung der Chronik wiedergegeben ist. Dr. Barack
wird seinen Fund veröffentlichen.

    (Ill. Ztg.)



Inserate und Bekanntmachungen.


Jahresconferenz des germanischen Museums.

Die diesjährige ~Conferenz des Gelehrten- und des
Verwaltungsausschusses, wie auch der Pfleger des germanischen
Museums~ wird dahier

    =am 1. October d. J.=

und an den nächstfolgenden Tagen abgehalten werden.

    /Nürnberg/, 15. August 1866.
                               =Der Vorstand des germanischen Museums.=


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                     1866.    Nº 9.    September.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



Ordnung des Dompropsts Kilian von Bibra, des Dechants Mertein von der
Kere und des Domkapitels zu Würzburg für die Stadt Karlstadt.

Mitgetheilt von Dr. C. /Will/.


Wir Kilian von Bibra in geistlichen rechten Doctor, Thumprobst Mertein
von der kere Techant vnd das Capitel des Thumestiffts zu Wirtzpurg.
Als in kurtz vergangener Zeit, etweuil Irsals geprechen vnd Zwittrecht
In vnser Stat karelstat zwischen vnsern lieben, getrewen, dem Rathe
vnd gemeyns mannen doselbst erwachssen vnd auferstanden sind derhalben
vnnsere vorfarn vnd auch wir vmb guter dinge, frids eynigkeit vnd
gemeyns nutzs, willen vermelter vnser Stat zum offtern male gehandelt
ordenunge vnd satzung des Regiments zwischen Rate vnd gemeynde gemacht
vnd letzst bey dem Erwirdigen Herrn Ludwigen vom Weyers seiligen
vnnserm Thumtechant, vmb gemeynes nutze vnd eynigkeit willen gemeiner
vnser Stat zwen Rethe einen Innern vnd einen eussern Rathe mitsampt
einer ordenunge wie sie regiren vnd sich gein einander halten solten
nach laut vnd Inhalt zweier besigilter brif die wir denselben zweyen
Rethen vnter vnnserm des Capitels anhangenden Insigele gleichs lauts
geben gehabt die in Irem besluſs vnter anderm In sich gehalten
haben, das vns vnd vnsern nachkomen am Capitel als Iren rechten
herren darInn vorbehalten gewesen dieselben ordenunge vnd satzung zu
meren zu myndern zu bessern gantz ab zuthun vnd newe zu machen etc.
Wan aber solich vnser vnd vnser vorfarn ordenunge vnd satzung auch
schrifftlich, vnd müntlich gutlich vnterrichtung zwischen den vnnsern
obgemelt, noch biſshere nicht vast fruchtbar gewesen oder zu gemeynem
nutze vermelter vnser Stat fride vnd enigkeit gedynet hat, Sunder
dieselben zwen Rethe sind ye mere, vnd mere zu widderwillen komen Also
das Ir clage zu mermalen fur vns In ein Capitel erschollen ist vnnd
gelanget hat, die vns dermassen zu hertzen gangen bewegt vnd vrsache
gegeben handt, das wir derhalben die Erwirdigen vnd wirdigen Herrn
Mertein Thumtechant, vnd Balthasar von der kere geuettern Heinrichen
vom Lichtenstein vnd Jorgen von Seckendorff Rinhofen genant vnnsere
mittumherrn zu Ine gein karelstat gefertiget vnd geschickt haben,
dieselben zwen Rethe In Iren geprechen vnd hendeln geineinander nach
aller notturft zuuerhoren. vnd die stucke aufzuzeichen vnd wie sie
dieselben durch gute mittel nicht vertragen möchten an ein Capitel
zubringen vnd gelangen zu lassen. vnd nachdem aber die obgemelten
gesanten vnserer herrn vnd frunde beyde Rethe in bey wesen vnser
Amptleuthe zu karelstat gnugksamlich geineinander verhört auch Ire
geprechen, clage vnd antwort schrifftlichen verzeichent, vnd der mittel
dodurch sie In Irem Regiment nach laut vorgemelter verschreibung vnd
annder vntterrichtung Ine von vns vnd den vnnsern gescheen In fride vnd
eynigkeit zu pleiben nicht finden möchten wan sie von beyden Rethen
denselben geschickten vnseren herrn vnd frunden souil zuerkennen
geben haben, das Ir Regiment bey einander nicht besteen Auch für die
Herschafft vnd gemeyner Stat, die lenge nicht nutze oder fruchtpar
sey vnd daruff bitlichen begert das wir sie beiderseit Irer pflicht
von Rats wegen getan ledig sagen vnd ein newerung des Rats ordnen vnd
machen wollen das aber die vergemelten vnser herre der Techandt vnd
andere vnnsere mittumherrn nit haben annemen wollen, Sonder solich Ire
geprechen vnd zwittrecht mitsampt Irer bethe das mañ sie vrlauben vnd
des Rats pflicht ledig sagen solle an ein Capitel zubringen Als sie
vns dañ in einem mechtigen Capitel gnugsamliche relacion dauon getan
haben. Wan wir aber in semlichen gebrechen zwittrechten vnd fürbringen
beider Rethe nicht brufen oder befinden, das einicher teyle noch zur
zeit sich vergriffen oder in eyniche weis gehandelt habe das Ime zu
verweisen stee oder in vneren nachredlichen sey Sonder allein das ein
argkwenigkeit haſs vnd widerwille zwischen dem Innern vnd ewssern Rathe
swebe vnd entsprungen sey der sich wo der nicht verkomen würde, von
tage zu tage eüffen meren vnd in einen mercklichen schaden vnd vnrathe
der Herschafft vnd gemelter Stat komen vnd wachssen mochte. Nu wir aber
auſs gantzem vnnserm gemute vnd willen So ferre wir konnen vnd mogen
geneigt vnd geflissen sind fride Süne vnd einigkeit zu machen vnd wes
den vnnsern zu nutze vnd fromen komen vnd an Irem zunemen eren vnd
guts erspriſslichen sein solte zu furderen wider willen vnfride vnd
argkwenigkeit zustillen vnd abzuschneiden. Vnd demnach domit die vnsern
zu karelstat derselben Irer zwittrecht vnd vneynigkeit icht zu grosserm
vnrathe oder verdurplickeit Irer narunge fallen Sunder gemeinen nütze
vnser vnd der Stat auch Ir selbst dester statlicher gesuchen vnd
gefurdern mogen. vnd zu gutem gedeihen pracht werden, vnd das wir
vnd vnnser nachkomen vns hinfure gegetrewer dinsthilff vnd beistands
so es die notturfft erfordert dester vollkomener zu Ine versehen vnd
vertrosten Auch wir sie wider vmb dester fruchtbarlicher mit gnaden
versehen schutzen schirmen vnd verteydigen mogen das alles vnd mere
dapffer sachen die vns darzu bewegen angesehen Bekennen wir mit diser
schrifft fur vns vnd alle vnnsere nachkomen am Cappitel vnd thun kunt
allermeniglich das wir mit guter vorbetrachtung vnd zeitlichem vorrathe
den wir hirInn gehabt Im aller besten vf das die gemelt vnnser Stat
zu besser ordenung vnd regirunge auch gemeiner Stat vnd Inwoner Ere
lobe vnd nutze dester groſslicher geprufet vnd gesucht werden moge.
Vnd sunderlich merern vnwillen schaden vnd vnrathe So vns vnseren
nachkomen vnd der gemelten vnser Stat auſs obgedachtem Irem wider
willen erwachssen sein mochte zu verkomen vns vnd den mergedachten
vnsern Bürgern vnd vnterthanen zu karlstat Rathe vnd Gemeinde zu nutze
vnd zugute haben wir die vorgemelten ordenunge vnd satzunge bey dem
vom Weyers gemacht, vnd gegeben getodt, vnd abe gethan Totten vnd thun
die wissentlichen abe In crafft dits brifs vnd vnnser oberkeit die
wir do haben vnd geben Ine diese hienachgeschriebene newe ordenunge
satzung vnd regirunge die wir auch also vestiglich gestrengklichen vnd
vnuerprochenlichen von einem igklichen vnnsern burgern vnd Inwonern zu
karelstat er sey Im Rathe oder in der gemeinde gehalten haben wollen
vnd der bey seinen pflichten vns verwant getrewlichen volge zuthun.

Item vnd nemlichen zum ersten also Setzen ordenen vnd wollen wir das
Nu hinfuro doselbst zu karelstat nicht merer dann ein einiger Rathe
von zwölf personen sein soll, die wir auch itzunt vff Ir bethlichs vnd
gesynnen als sie wie vorgemelt ist vrlaub gefordert han yedoch nit vmb
miſshandelung Auch nymant zu smehe oder zu vneren von newem darein
gewelet gesetzt, vnd genomen Nemlichen Wolff Plessen Cuntz durren
Endres Grünnigk, Contzen Altman Gilgen hoffstetter Clausen Greiffen
Peter Schonhart, Hansen Hiltprant, Peter krugk Clausen Ecken Hannsen
Scheffer vnd Peter Schrautenbach die alle vnd Ir igklicher besunder
einen Rathe von newen globt vnd geswörn haben.

Item vnd ob es sich hinfuro begebe das einer oder merer auſs den
genanten zwolffern von tods wegen oder sunst vmb mercklicher vrsache
willen auſs dem Rathe abgingen wie das geschicht das got beuolhen sey
So sollen vns vnd vnnsern nachkomen am Capitel die andern Im Rathe vier
oder sechs tugliche persone auſs der gemeynde verzeichent schicken als
von alter herkomen ist auſs den selben, oder andern wir vns vorbehalten
die abgegangen personen Im Rathe wider zuerfollen die dann auch globen
vnd sweren sollen In massen die andern Im Rathe gethan haben.

Item dieselben zwolff Im Rathe sollen also Jerlich vnd ein ydes Jare
besunder allewegen vf des heiligen Creutzs tage Exaltacionis genant, In
beywesen vnnsers Schultheissen den wir ye zu zeitten do haben werden,
Zwen auſs Ine zu Burgermeistern welen vnd machen vnd dieselben die also
Jerlich zu Burgermeistern gesetzt gewelet vnd gemacht werden Auch ein
igklicher der In den Rath genomen Wirdet Sollen vnnserm Schultheissen
den wir do haben an vnser Stat vnd von gemeiner Stat wegen nach
Inhalt des eyds daruber begriffen globen vnd sweren der herschafft
vnd Statsachen Ingemein vnd besunder nach Irem besten vermogen vnd
verstentniſs zu Rathen zu handeln vnd auſszurichten.

Item auch die Burgermeistere vmb alles vnd igklichs Ir einnemen vnd
auſsgeben gros vnd klein nicht auſsgenomen getrewlichen rechnunge
thun vnd so Ir Jarzeit vergeet, vf obgemelten des heiligen Creutzstag
mit derselben Irer rechnung geschickt sein yedoch das sie vns das
zeitlichen vor verkünden mit Irem brife oder kuntlichen boten ob wir
vf vermelten Tage die vnsern auch zu Irer rechnung schicken wolten,
Wo wir aber ander vnser anligenden sachenhalb vf genanten tage zu
solcher rechnunge nicht geschicken mochten, das sie dann Irre rechnunge
verzihen auch Irs Ampts nicht ledig sein sollen, biſs vf einen andern
tage den wir Ine ernennen vnd die vnsern dobej gehaben mogen von Irem
einnemen vnd auſsgeben rechnunge zu horen zu der sie also geschickt
sein das sie derselben Irer rechnunge drew Register gleichs lauts
machen lassen sollen vns der eins dem Rathe von gemeiner Stat wegen das
annder vberantwurtten vnd das drit fur sich behalten.

Item wir setzen ordnen vnd wollen auch das nü hinfure In gemelter
vnnser Stat karelstat auſs der gemeynde vier virteillmaister gesetzt,
gemacht, vnd sein sollen Als wir die dann auch itzunt gesetzt gemacht,
vnd furgenomen haben mit namen Betzen Mergentheim Im Höenecker
virteil Hannsen Eisengart Im Rotensteiger virteil Wilhelmen Schmidt
Im Multhurner virteil vnd Clausen Renckner Im Rotenhurner virteil,
die Itzgemelten vnd andere Ire nachkommen sollen hinfure mitsampt
vnnserm Schultheissen den wir itzunt oder hinfure do habenn werden zu
allen vnd igklichen rechnungen aller Amptleuthe der Burgermeistere
Bethsetzer Gotshauſsmeister Pruderschafft Maister Spitalvberseher etc.
Auch zu andern grossen vnd dapffern sachen die Herschafft vnd gemeiner
Stat betreffendt als einen Hernzugk einen kostlichen Bawe der Stat,
Oder so einer mit gedinge In die bethe doselbst komen oder eindingen
oder so der herschafft vnd gemeiner Stat vehde zustunde ein ordenunge
der were zu machen, oder die letze zu bestellen Oder so man ein Summ
gelts fur die Stat aufbringen solte, das doch anders nit dann wie
hernachgeschrieben steet sein soll Oder der gleichen sachen Ratslagen
solle allewegen von einem Rate darzu gefordert werden vnd dabey sein
vnd wes solcher hendel, notturfft ist an ein gemeinde zu pringen oder
gelangen zu lassen das sollen die virteil Maister vf beuelhe vnnsers
Schultheissen vnd eins Rats mit einer gemeinde ein yder nach seinem
beuelhe an sein virteil darInn er gesessen ist getreulichen anpringen
werben vnd Ir meynunge empfahen vnd dann wider In einem Rathe In bey
wesen vnnsers Schultheissen eroffnen vnd dann dieselben Sache mitsampt
Schultheiſsen vnd einem Rathe nach dem besten helffen Ratstagen nach
nütze vnd notturfft der herschafft vnd gemeiner Stat helffen handeln.
Aber sunst on beuelhe vnnsers Schultheissen vnd eins Rats kein Gemeinde
zu Sammen verpotten in keineweiſs ongeuerde.

Item wir setzen ordenen vnd wollen auch das hinfure weder Rathe oder
virteilmeister In gemein oder besunder kein ewige gelt leipgedinge,
oder auch sünsten kein Summ gelts weder vil oder wenig bei Iren eyden
vnd pflichten vns verwant, fur die gemelten vnser Stat, verkauffen
entlehen, oder auſspringen sollen on sunderlichen vnnsern des Capitels
küntlichen willen wissen vnd erleubung Sunder ob Ine einiche Summ gelts
oder leipgeding die Sie itzunt von Gemeiner Stat wegen Jars zugeben
schuldig sind abstürbe vns das bey denselben Iren pflichten zuuerkunden
vnd nit zu verhalten.

Item Es sollen auch weder vnser Schultheis oder die Im Rathe In die
bethe nymant lassen eindingen oder auch kein Summ gelts von nymandt
entlehen darumb sie ymandt dester gleicher der beth halb wolten sitzen
lassen on sunderliches wissen vnd willen der virteilmeistere in
keinerweise ongeuerde.

Item Wir setzen ordenen vnd wollen auch das hinfure weder die
Burgermeistere oder ein Rathe on besonder laube wissen vnd willen
vnnsers Schultheissen keinen Rathe halten oder machen sollen Es wer
dann das er nicht verhanden oder nit anheim vnd die sache so dapffer
were die herschafft oder die Stat betreffe, das es die notturfft
eruordert So sollen sie vnnsern Amptman zu karelburg, oder vnnsern
kellner zu karelstat wu der einer verbanden were dorzu vordem.

Item Sie sollen auch nymant der vnsren weder in Stat noch auſs
vnserm Ampte karelburg oder auch sunst nymant allein auſsgenomen
der Stat dienere als thorwartten thurn leuthe wechter Schroter etc.
weder zustraffe oder zu gefengknus annemen weder heymlich noch
offenlich on willen vnd wissen vnnsers Schultheissen oder ander vnnser
Amptleüth Sunder wie vnd welcher maſsen sich ymandt verhandelt der zu
Straffe gefengknus oder verhefftigung angenomen werden soll Es sey
zugestrengem oder fruntlichem Rechten oder sunst vmb straffe willen
das sol alles mit laübe vnd wissen vnnsers Schultheiſsen, oder ander
vnnser Amptleuthe doselbst gescheen, die dann an vnnser Stat aller
vnd igklicher gefengknus oder beheltnus In der Stat vnd vff dem Slos
karelburg mechtig sein sollen rechts vnd gerichts zu verhelffen, darzu
Ine auch die gesworn Statbuttel, So sie darumb angesücht wurden bey
Iren eyden vnd pflichten beholffen sein sollen Es were dann das der
vermelten vnnser Schultheis oder der andern vnnser Amptleuth keiner
verhanden vnd der Handel also gestalt were das es die notturfft
eruordert. So haben die Burgermeistere vnd ein Rathe gut macht einen
igklichen Inüerhefftüng vnd gefengknus an zunemen biſs an vnnser
Amptleuth ongeuerde.

Item Wir setzen ordnen vnd wollen auch das ein Rathe hinfure in
beywesen vnnsers Schultheissen die andern Ampt als bethsetzer
Gotshauſsmaister Bruderschaftmeister Spitalvberseher also ordnen vnd
bestellen sollen, das allewegen vnd ein ydes Jare besonder einer
auſs dem Rathe, vnd darzu einer auſs der Gemeinde, oder von den
virteilmeistern zu der Ampt einem genomen werden sollen, vnd welche
also auſs dem Rathe des ersten zu den Ampten gewelet werden, der sol
yder zwey Jare vf das male daran pleiben vnd die die auſs der Gemeynde
oder von den virteilmeistern darzu gegeben werden sollen yder das
erstmale Ein Jare daran sein, Aber hernach welche zu gemelten Ampten
gewelet werden Es sey Im Rathe oder auſs der gemeinde der sol yder ye
zwey Jare an der Ampte einem sein vnd pleiben, vnd darnach einander an
sein Stat genomen, Auſsgenomen die bethsetzer sollen Jerlich veranndert
werden Vnd dieselben Amptleuthe alle sollen mit Irer rechenschafft vf
obgemelten tag, gleich wie die Burgermeistere geschickt sein dieselben
Ire rechnung vor den die wir von Capitels wegen darzuschicken ob sie
dobey sein wollen vor dem Schultheissen Rathe vnd virteil Maistern zu
thun Vnd so dann solche rechenschafft der Burger Maistere Bethsetzer
Gotshauſsmaister alle vnd igkliche wie vorgemelt ist gethan vnd
gescheen vnd die gegen Register vberantwort sind, Alsdann wollen wir
verfügen, das zwen von Rats wegen vnd zwen virteilmeistere daruber
gegeben werden solich rechenschafft In einem monat dem nesten nach
yder rechnunge getrewlichen mit allem vleis zu vbersehen deſsgleichen
wir vns zuthun auch vorbehalten werden dann die Rechnung alle vnd
yde besundere recht vnd aufrichtig funden So soll mann einer yden
rechnunge des also Ireñ Receſss mit verzaichnus der namen die die
rechnung besehen haben schreiben wurden aber etliche Artikel es were Im
einnemen oder auſsgeben dor Inn gemerckt daran die besichtiger zweifel
hetten vnd nit gnügig weren, die sollen aufgezeichent werden, von
denselben besichtigern, vnd dieselben Amptleuthe die es betrifft vor
den die wir daruber schicken vnd ordenen Auch vor dem Schultheissen
Rathe vnd virteill Maistern, zurede setzen mogen sie dann dieselben
Artikel genugksamlich verantwortten wol vnd gut So sol man In Iren
Recesſs schreiben wie vorgeschrieben steet. Mogen sie aber der nicht
verantwurten, oder gnügklich vnterrichtung thun, So wollen wir vns
furter darInn auch vorbehalten haben gegen denselben die es betrifft
nach einem billichen zu handeln.

Item wir setzen ordnen vnd wollen auch nachdem hievor das vngelt zu
karelstat, einzubringen den Burgermeistern beuolhen ist etc. dasselbig
vngelt sol nü hinfure abermals Jerlich den Burgermeistern dermassen wie
vor beuolhen vnd deſshalben sunderlich In Iren eydt gepünden werden
dasselbig vngelt mitsampt einem igklichen vnserm kellner getreulich,
einzuuordern ein zunemen vnd damit getrewlichen vnd ongeuerlich vmb
zugeen Auch vnnsern halben teyle dauon an allen abbruche vnd abgangk
vnnserm kellner zu karelstat zubehendigen vnd vberantwurtten an alles
geuerde.

Item wir setzen ordnen vnd wollen auch das hinfure also gehalten haben
welche persone Sie sind auſs dem Rate oder auſs der Gemeinde In der
Stat sachen vnd hendeln zu botschafft geschickt werden Sind sie zu
pferde So sollen die Bürgermeistere Ir ydem zu tag vnd zur nacht vf ein
pferdt ein ort eins guldin Sind sie aber zu fuſs ye einen tag vnd nacht
dreissigk pfenning vnd auch nit mere zu zerung geben.

Item Es sol auch Ein Rathe mitsampt vnnserm Schultheissen hinfure alle
cleyne Ampte der Stat als visirer thorwarttern Thurenleuthe wachter
kornmesser Schrotter vnterkauffer Statputel etc. vnd dergleichen nach
Irem besten gut bedüncken der Herschafft vnd der gemeinen Statnütze
vnd fromen darInn brufen vnd ansehen bestellen Setzen vnd entsetzen
vnuerhindert der virteilmeister vnd gemeinde doch also das dieselben
Amptleuth alle vnd Ir yder besunder vnnserm Schultheissen an vnnser
Stat als offt es notturfft ist globen vnd sweren sollen vnnsern vnd der
Stat schaden zu warnen Fromen vnd bestes zu werben Auch vns oder vnsern
Amptleuthen an vnnser Stat, vnd dem Rathe gehorsam zu sein vnnser
Herschafft vnd oberkeit noch Irem besten vermögen hellfen zu hanthaben
ongeuerde.

Item Wir setzen ordenen vnd wollen auch Als die vnnsern zu karelstat
durch vnterrichtigunge der wirdigen vnnser lieben herrn vnd
mittumherrn herrn Johannsen Grewssings vnd herrn Jorgen von Gichs mit
den Bethsetzern einen anfangk furgenomen haben das man Jerlich die
bethsetzer einen auſs dem Rathe vnd einen auſs der Gemeinde welen
vnd machen sol alsdann hieuor auch dauon gemelt ist vnd die bethe vf
vier zile Im Jare einzupringen vnd zu bezalen derselbig anfangk als
wir von den vnnsern selbs bericht werden für gemeyne Statnutze vnd
gut sey dobey sol es auch hinfure vnuerruckt pleiben. Aber mit der
bethe vnd die bethe einzupringen vf das nu hinfure alle lessigkeit
vnd versewmnus die hinterstelligen bethe auch die zukunfftigen bethe
eins yden Jars einzupringen der Stat schaden verkomen vnd durch die
Bethemeistere die bethe ein zuuordern auch durch einen yden die zu
geben dester meher vnd besser vleis angekert werde sol es also gehalten
werden. Das hinfure die gesworn vnterkauffere vber den wein gesatzt
bey gesworn eyden den bethemeistern zu versteen vnd verzeichnet geben
sollen wieuil weins ein igklicher verkaufft vnd wie er den verkaufft
hab, So sollen die Schroter auch bey Iren gesworn eyden nymant kein
verkaufften wein auſschroten, er habe Ine dann zu uoran ein zeichen
von den Bethmeistern bracht So sollen die Bethmeistere keinem kein
zeichen geben Er hab Ine dann zuuor anglobt sich mit Ine vmb die beth
zuuertragen vnd von dem geloſsten gelt auszurichten. Deſsgleichen sol
auch keiner keinen wein zu zapffen auſs schencken er hab den das ein
zeichen vnd dem Bethmeistere globt, wie obgemelt ist vnd also ein yder
er sei Reiche oder Arme verpflicht vnd geschickt sein Sein Stewre
vnd bethe vf die vier zile die als obsteet furgenomen sind, an alles
verzihen auſszurichten vnd zubezalen. So sollen die Bethmeister die
Ihenen die also sewmigk sein wurden mit vleis vmb bezalung der bethe
ersuchen lassen vnd auch alsdann an vnser Stat vnd von vnnsern wegen
macht haben den oder dieselben die dorüber aber sewmigk wurden die Stat
zu verbieten vnd sie auſs zutreiben die auch also von stundan auſsgeen
vnd nicht wider einkomen sollen. Sie haben dann zuuoran Ir stewr vnd
bethe bezaltt vnd welcher oder welche aber den also die Stat verpoten
were wider zu Karelstat ein geen würden Ehr vnd sie die Bethe vnd
Stewr bezalt hetten den oder dieselben Sol vnser Schultheis vnd die
Burgermeistere zu hefften vnd gefengknus nemen vnd also gefengklichen
halten biſs vf vnser vnd vnser nachkommen ferner gescheffte vnd die
Burgermeistere sollen sich auch den Bethmeistern In Ir Ampt nicht
slahen, Ine darein nicht tragen noch ymands frist geben.

Item vnd domit auch die Bethmeistere dester mere fleis furwenden die
bethe einzupringen Setzen vnd wollen wir wue sich vff ein oder mere
zile erfunde das einer oder mere Ir Stewr nicht bezalt hetten, vnd
die Bethmeister bey brechten das sie gein dem oder denselben den
obgedachten vleis die Stewr von denselben einzufordern vnd einzubringen
nit angekeret vnd dieselben auſsgetrieben, das die Bethmeister
dieselben Beth selbst bezalen sollen.

Item Wir behalten auch hirInnen vns vnd allen vnnsern Nachkomen am
Capitel vor dise vnsere satzung vnd ordenunge zu meren zu myndern gantz
auffzuheben vnd ein newe zu machen als offt vnd dicke das die notturfft
eruordert, vnd vns gut sein bedüncken wirdet. Geben vnd versigilt
vnter vnnserm des Cappitels anhangendem Insiegel Am dinstage nach der
heiligen dreier konige tag Nach cristi vnnsers lieben herren gepurt
Tausent vierhundert vnd In dem zweyvndachtzigisten Jaren.

       *       *       *       *       *

Die vorstehende Ordnung habe ich einer gleichzeitigen wohlerhaltenen
Copie entnommen. Dieselbe ist auf Pergament geschrieben und füllt 8½
Seiten in folio. Auf der ersten Seite, welche als Umschlag dient, steht
von offenbar neuerer, die ältren Schriftzüge nachahmender Hand: XXVII
Kilian von Bibra 1482. Das letzte Blatt ist unbeschrieben; das Ganze
mit rothseidner Cordel geheftet.

Die Handschrift befindet sich gegenwärtig im Besitze des Freiherrn
Ernst von Bibra in Nürnberg.



Vorläufer der Lokomotive im 17. Jahrhunderte.


Wenn wir unsere neuesten groſsen Erfindungen in’s Auge fassen, so
finden wir für viele derselben die Vorstufen lange vorbereitet. So auch
für das Eisenbahnwesen. Eines der wesentlichsten Elemente desselben,
der Wagen, der die Triebkraft in sich selbst führt, ist eine Erfindung
des 17. Jahrh., wenn auch damals nichts anderes als eine mechanische
Spielerei damit bezweckt war. Der groſsartigste derartige Wagen war der
von Johann Kautsch (geb. 1595) anno 1649 zu Nürnberg gebaute[A] der
auf 4 Rädern fuhr. Auf den rückwärtigen ruhte ein groſser Kasten, in
dem sich ein Räderwerk befand, das durch einige, gleichfalls in diesem
Kasten befindliche und somit den Blicken verborgene Menschen getrieben
wurde. Oben saſs der Erfinder und leitete den Wagen, dessen vorderes
Ende in einen Drachen auslief, der die Augen verdrehte, und, wenn das
Volk den Weg versperrte, Wasser ausspie. Ein Paar am Wagen angebrachter
Engel hatten bewegliche Arme und bliesen die Posaune. 1650 kaufte Karl
Gustav von Schweden diesen Wagen um 500 Thlr. und sendete ihn nach
Stockholm. Später verfertigte derselbe Künstler einen ähnlichen Wagen
als Triumphwagen für den König von Dänemark, nachdem er schon vorher
Stühle für Podagristen in gröſserer Zahl gefertigt hatte, worin sitzend
sich dieselben durch Kraft der Arme im Zimmer hin- und herbewegen
konnten.

Aehnlich diesen Stühlen fertigte der gelähmte Uhrmacher Stephan
Farfler[B] zu Nürnberg (geb. 1633, † 1689) Kunstwägen mit 3 und 4
Rädern, die durch Kurbeln getrieben wurden, welche ein in einem Kasten
vor dem Fahrenden befindliches Räderwerk bewegten, das das eine oder
die beiden Vorderräder trieb. Es ist fast genau dasselbe Fuhrwerk,
wie die Draisine, die bei Eisenbahnen gebraucht wird. Nur ist, da es
sich hier darum handelte, auf gewöhnlichem Boden zu fahren, der ganze
Apparat nichts anderes, als eine Verlegung der eigent-Thätigkeit der
Beine in die Arme. Die Arme müssen den Körper fortbewegen, müssen
aber nicht blos die beim Gehen aufwendete Kraft zur Fortbewegung
des Körpers allein, sondern auch noch zur Fortbewegung des Wagens
liefern, müssen auſserdem noch all die Kraft aufwenden, die durch
Reibung und Widerstand des Räderwerks in der Maschine erfordert
wird. Uebrigens bleibt der Bau solcher Wägen stets eine interessante
mechanische Spielerei, ähnlich andern, die in der ihrer Erfindungsgabe
und Kunstfertigkeit wegen berühmten Stadt Nürnberg damals gefertigt
wurden[C].

Fertigte man in der Stadt des Witzes mechanische Spielelereien,
so wird es natürlich erscheinen, daſs man in Holland, dem Lande
der Windmühlen und der Segelschiffe, darauf ausgieng, den Wind als
bewegende Kraft zu benützen, also die thierische Triebkraft durch eine
Naturkraft zu ersetzen. Man baute daselbst die Windwägen, von denen
der alte Merian[D] bei Betrachtung von /Scheveningen/ schreibt:
Scheveringen, ein Dorff nahend dem Haag gelegen, allda die Wind-Wägen
gewisen werden, deren sich Printz Moritz von Oranien biſsweilen
gebraucht hat, wann er neben deſs Meers Gestade spatzieren fahren
wolte. Und haben in einem solcher Wägen 28 Männer sitzen, und innerhalb
zwo Stunden vierzehen Holländische Meilen, nemlich von Scheveringen,
bis nach Pettem, mit solcher Geschwindigkeit fahren können, daſs die
vorüber raisende sie nicht haben kennen, oder ein Pferd ihnen lang
gleich lauffen können. Der Erfinder dieser Wägen ist der vornehme und
berühmte Mathematicus Simon Steevinus gewesen.

Ob ein derartiger Wagen sich erhalten hat, konnten wir nicht in
Erfahrung bringen, auch waren uns bis jetzt keine Abbildungen zu
Gesicht gekommen. Im Nachlasse des bekannten Heideloff fand sich jedoch
ein interessantes Stammbuch eines Andreas Setzinger, in das eine groſse
Zahl hervorragender Personen, darunter auch Moriz von Oranien, ihre
Namen eingezeichnet haben, und das mit dem Besitzer groſse Reisen
machte und so mit ihm auch Holland sah[E]. Wie alle diese Stammbücher
durch Malereien ausgestattet sind, so finden sich auch in diesem viele
für die Kulturgeschichte, speciell für die Kostümgeschichte jener Zeit
wichtige Malereien. Darunter kommt auch auf einem Blatte die Abbildung
eines solchen, wie ein Schiff mit Segeln versehenen Windwagens vor,
den wir seines Interesses wegen nachstehend in Gröſse des Originals
abgebildet haben. Zwar sind auf denselben nicht 28, sondern (mit dem
Steuermann) nur 6 Figuren gezeichnet. Ein offner Kasten mit hoher
Rückwand, um die dem Windanfalle ausgesetzte Oberfläche zu mehren, ruht
auf vier Rädern mit sehr breiten Felgen (um nicht in den Dünensand
einzuschneiden). In der Mitte erhebt sich ein Mastbaum, an dem eine
Raa angebracht ist, die ein groſses geschwelltes Segel trägt. Vorn
ist ein Bugspriet, das gleichfalls mit einem Segel versehen ist. Eine
Vorrichtung zum Lenken des Wagens muſste am vorderen Ende angebracht
sein. Die Zeichnung zeigt nur eine der Handhaben, ähnlich der des
Steuerruders, in der Hand des Lenkers. Wohl um die Schnelligkeit
anzuzeigen, ist ein Windspiel in vollem Lauf hinter dem Wagen
angebracht.

[Illustration]

    /Nürnberg./    /A. Essenwein./


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Doppelmayr’s Historische Nachricht von den Nürnbergischen
Mathematicis und Künstlern etc. Nürnberg, 1730, S. 300, mit Abbildung.]

[Fußnote B: Daselbst, S. 302, mit Abbildung zweier solcher Wägen,
von denen der vierrädrige noch im Original in der Stadtbibliothek zu
Nürnberg erhalten ist.]

[Fußnote C: Hautsch, dessen Sohn und Andere fertigten mancherlei
groſse Schaustücke mit vielen beweglichen Figuren, ähnlich den an
den groſsen Uhren des späteren Mittelalters vorkommenden beweglichen
Figuren, s. Doppelmayr an verschiedenen Orten.]

[Fußnote D: M. Zeiller’s Topographia Germaniae Inferioris daſs ist
Beschreibung und Abbildung der Vornehmsten Stätten Vöstungen und
Öhrter so wohl in grund als in Prospect, in den XVII Niederländischen
Provintien liegend etc. Frankfurt bei Caspar Merian. Ausgabe von 1659,
S. 150.]

[Fußnote E: Vgl. die Beilage zur vorigen Nummer des Anzeigers,
vermischte Nachrichten, Nr. 76.]



Zur Literatur des Seelentrostes.


Eine eingehende Kenntniſs dieses anziehenden Erbauungsbuches des
ausgehenden Mittelalters verdankt die vaterländische Wissenschaft
zunächst Franz Pfeiffer, der in den 3 ersten Bänden der Frommann’schen
Mundarten reichhaltige Auszüge aus demselben veröffentlicht und durch
ein nachfolgendes Wörterverzeichniſs erläutert hat. Diese Publication
ist Eduard Bodemann unbekannt oder unzugänglich gewesen, der neuerdings
in dem Prachtwerk „Xylographische und Typographische Incunabeln der
königlichen öffentlichen Bibliothek zu Hannover. Hannover, 1866,“ Nr.
88, S. 68, 69 über den Seelentrost gehandelt hat.

Ich gestatte mir demnach seine Darstellung aus Pfeiffer’s Worten a. a.
O. und anderem mir zugänglich gewordenen Materiale theils zu ergänzen,
theils zu berichtigen, unter der ausdrücklichen Voraussetzung, daſs
Kenner und Freunde der einschlagenden Literatur gegen die Mängel und
Lücken meiner Darstellung dieselbe kritische Pflicht erfüllen werden.

    I. An /Handschriften/ des Seelentrostes verzeichnet Bodemann,
    zum Theil nach Geffcken’s Bilderkatechismus:

    a) hochdeutsche: 1. die Gieſsener vom Jahre 1460. Cod. Nr. 850.

    Hinzuzufügen ist 2. die /Hamburger/, welche Geffcken S. 45 für
    die älteste der ihm bekannt gewordenen Hss. ansieht.

    b) niederdeutsche:

    1. die Oldenburger vom Jahre 1407,

    2. eine Hamburger niederdeutsche (da Geffcken eine solche Hs. nicht
    erwähnt, so vermuthe ich bis zum näheren Nachweis eine Verwechslung
    mit der unter a. verzeichneten hd. Hamburger Hsch.),

    3. und 4. zwei Wolfenbüttler Hsch., deren eine cod. Helmstad. 418
    die 10 Gebote, die andere cod. Helmstad. 255 die 7 Sacramente
    behandelt (unsre Zweifel gegen die letzte Angabe s. unter III),

    5. eine Hs. vom Jahre 1473 auf der Königl. Bibliothek zu Hannover.

    Als 6. füge man das Bruchstück einer Wolfenb. Hs. hinzu, nach
    der Bruns zum Schluſs seiner rom. Gedd. 1798 die Erzählung von
    Alexander dem Groſsen abgedruckt hat. Der Abschnitt bildet das
    Ende des /groſsen/ Seelentrostes.

    c) Die von Pfeiffer in d. Mundarten I, 174 erwähnten 3 cölnischen
    oder niederrheinischen Hsch. sind auch bei Geffcken S. 111
    verzeichnet, dessen Nachträge Bodemann wird übersehen haben. Wenn
    aber Geffcken für die ehemalige Tuchersche Hs. die Vermuthung
    äuſsert „jetzt wohl in Neuburg“, so diene zur Widerlegung derselben
    die Notiz im Anzeiger 1833, S. 107 „nun Eigenthum der Gesellschaft
    zur Erhaltung deutscher Denkmäler zu Nürnberg.“ Die jetzige
    Redaction des Anzeigers hat vielleicht die Güte, die frühere Angabe
    auch für die Gegenwart zu bestätigen.

    II. Ueber die Drucke äuſsert Bodemann: „Das Buch ist in
    verschiedenen Dialekten, in denselben Jahren, an verschiedenen
    Orten: Augsburg, Utrecht, Haarlem, Zwoll, Cöln etc. 1478-1489
    gedruckt.“

    Diese Zeitbestimmung ist nach beiden Seiten zu eng. Vor 1478
    erschien eine Ausg. /Colon. I. Coilhoff 1474/. 4. Das einzige
    bekannte Exemplar derselben befindet sich im britt. Museum und ist
    aus dem Antiquariat von Asher in Berlin erworben, s. Asher catal.
    de livres rares et curieux LVIII, S. 211, Nr. 3306. Die Ausgabe
    umfaſst den /groſsen und kleinen/ Seelentrost. Der Katalog
    nennt weiter mit besonderer Auszeichnung „das gulden ave Maria“.
    Damit vgl. man die Beschreibung des 2., nun als Coilhoff’sche
    Ausgabe bekannten Hannover’schen Exemplars von 1489 bei Bodemann.

    Nach 1489 kann ich noch 2 Drucke nennen:

    Zwoll. P. van Os. 1491 Fol. (ein Exemplar in Oldenburg laut briefl.
    Mittheilung des Herrn Dr. Merzdorf, s. Ebert, bibliogr. Lexic. Nr.
    23133).

    Cöln. S. Kruffter 1523 oder 1529. Die erste Zahl bei Geffcken, S.
    48, die zweite ib. S. 110.

    III. Von besonderer Wichtigkeit ist die Frage, welche von den
    Hss., welche von den Drucken den groſsen Seelentrost, d. h. die
    Erläuterung der 10 Gebote allein, welche den kleinen Seelentrost
    zugleich mitumfaſst.

    /Schwerin./             /Latendorf./



Beiträge zur schweizerischen Kunstgeschichte.

Mitgetheilt von /Ed. His-Heusler/, Mitglied der Direction der
Kunstsammlung zu Basel.


II.

In der Morizkapelle zu Nürnberg befinden sich unter Nr. 121 und 138
zwei Gemälde: Mariä Tempelgang und Vermählung, welche im Kataloge
irrthümlicher Weise dem Hans Burgkmair zugeschrieben sind, während sich
dieselben sogleich als zu einer Folge aus dem Leben der Maria gehörend
zu erkennen geben, wovon sechs Darstellungen in der Gallerie zu Basel
aufbewahrt werden, welche, wie jetzt mit Sicherheit festgestellt
ist, von dem Maler /Hans Fries/ aus Freiburg in der Schweiz
herrühren. Nicht nur stimmen Gröſse, Format, Styl, Colorit und andere
untrügliche Merkmale auf das Unzweifelhafteste überein, sondern auch
die architektonische Einfassung der Darstellungen ist genau dieselbe.
Auf dem Bilde der Geburt Mariä in der Baseler Folge findet sich
das vollständige Monogramm des Künstlers, und ein dabei liegender
Bernerbatzen weist auf das schweizerische Vaterland desselben. Auf den
beiden Gemälden in Nürnberg fand ich dagegen H B und die Jahreszahl
1512, entdeckte aber mit geringer Mühe, daſs das B aus einem früheren
F umgestaltet war, und zwar auf eine Weise, die nichts weniger als
täuschend ist. -- Es ist um so unbegreiflicher, wie man Bilder, welche
mit den deutlichen Buchstaben H F bezeichnet waren, so ohne Umstände
als Burgkmair taufen konnte, als doch auch die Malerei mit derjenigen
dieses Künstlers gar keine Verwandschaft zeigt[A]. -- Daſs man ihnen
den rechten Namen nicht geben konnte, hat freilich darin seinen Grund,
daſs derselbe Jahrhunderte lang verschollen war; mir ist es gelungen,
den Namen Hans Fries vor vier Jahren wieder für die Nachwelt zu retten.
Was ich über diesen Maler damals in Erfahrung bringen konnte, findet
sich im IV. Bande von Nagler’s Monogrammisten unter Nr. 148. Seither
entdeckte ich in Freiburg noch vier andere Gemälde von ihm, welche
theilweise mit seinem ausgeschriebenen Namen bezeichnet sind, wie auch
das im Aufsatz erwähnte Gemälde im Franziskanerkloster daselbst. Die
willkürliche Bemerkung Nagler’s, daſs Fries zu den Malern gehöre, die
aus Bescheidenheit ihre Bilder nicht mit Namenszeichen versahen, ist
also ganz unrichtig, so wie sich dieser fleiſsige Kunstlexikograph
auch sonst noch manche Verstümmlungen meiner ihm anvertrauten Notizen
zu Schulden kommen lieſs. Auch in Colmar fanden sich Spuren von der
Thätigkeit des Freiburger Malers, indem der frühere Archivar Hugot im
Archiv des Capitels von St. Martin die Bestellung einer Altartafel
aufgefunden hatte, welche dasselbe dem Maler Hans Fries zu malen
auftrug. Als ich mir das betreffende Dokument wollte mittheilen lassen,
war Hugot bereits krank und starb bald darauf. Sein Nachfolger, dem ich
die Mittheilung verdankte, konnte es seither nicht wieder auffinden.


FUSSNOTE:

[Fußnote A: Wer den Gang der Nürnberger Kunstkennerschaft vom
Beginn dieses Jahrhunderts genauer in Erfahrung gebracht, wird sich
über solches Unternehmen nicht wundern. Der Katalog der Morizkapelle
stammt aus einer Zeit, in welcher das Selbstbewuſstsein die Stirn
sehr hoch trug, das Urtheil aber noch in den Windeln lag. Trotz aller
Berichtigungen, die von Waagen’s Schriften bis zu diesem Aufsatze dafür
gegeben worden, behält er die alte Form bei -- etwa weil der Prunk
berühmter Namen vortheilhafter erscheint, als innere Wahrheit und
wissenschaftlicher Gehalt?    /Anm. d. Red./]



Zur Legende und Sage.

Von Dr. A. /Birlinger/ in München.


1) Das Verdorren oder Grünen und Aufleben menschlicher Glieder
am lebenden, wie am todten Körper betonen die Legenden gern. Ich
erinnere an die frische Zunge des hl. Johannes Nepomucenus. Sogar
Kleidungsstücke der betreffenden, Gutes vollbracht habenden Hand, des
Fuſses bleiben unversehrt, wenn das Glied längst vermodert. Als die
Schweden das Grab des Marchthalischen wohlthätigen Abtes Jacob Heſs
der Plünderung wegen aufdeckten, war der Handschuh der rechten Hand
vollkommen frisch und unversehrt, als ob er erst von gestern, während
alles Andere verwest schien. Ein Zeichen, daſs die rechte Hand die war,
welche den Armen so viel gab. Siehe mein Volksth. I, S. 432.

In der schwäbischen kurzen Oswaldlegende, Münchener cgm. 257 f. 77a,
Sp. 2, steht: „dô kuſst der biscof sîn rechte hand und sprach: gesegnet
sei die hand; die sol nimêr erfûlen. -- Dâ dieselb recht hand belaib
alsô /frysch/ und noch /huͤut des tages ist behalten/.“

Daſs Hände und Füſse des Frevlers an „/Hailtümern/“ u. s. w.
festgebannt werden, ist ein alle deutschen Lande durchziehender
Sagenzug. Schon im alten Testament: „dô begund Oza sein hand zu kleben
und /verdarp/ py der archen, als Got das über jn gepot“ cgm. 206
f. 152b.

2) Der Zauberer Simon büſste für seinen Frevel: er fiel von der Luft
herab und wurde augenblicklich zu /Asche/, „dâ wurden zehant vier
stain hingesezt zuͦ wortzaichen, daz die apostel hetten gesigen.“ cgm.
257 f. 61a, Sp. 2.

3) Lügen in heiligen Sachen straft die heil. Sage streng. In der
St. Barbaralegende, cgm. 257 f. 5a, heiſst es: „Der vatter zôch ûſs
zorn ain Schwert und wolt sy ertoͤten, dô ruͦft sie zuͦ got: zuͦ
hande taet sich uff ain staine und emphieng sy. dô sie kam an ainen
berg; der vatter ylt jr nâch und verschet ainen hirten. dô sprach
er, er wiste ir nit. ein ander hirt der zaiget sy mit ainem vinger;
desselben hirten schauffe wurden ze hant /hoͤwschrecken/, die
noch huͤt dis tags fliegent by dem grab Sant Barbaren.“ In heute noch
umlaufenden Volksüberlieferungen werden böse Hirten, so andern die
Früchte abhüteten, damit gestraft, daſs ihre Schafe Raben, Bienen
etc. werden, die immer am Orte des Frevels schwirren. „Eine halbe
meil von Racheln grab ist ain veld, und dâ Christus daselb ging, da
säet ein paur /zisern/. dâ sprach Christus zuͦ ihm: son, was
säest du dâ? sprach der paur lugenhäftiglîch: hêrr, ich säe stain. dâ
sprach Christus: sô sein auch stain. zuͦ stund was der sam verchert
in stainein /zisern/: der vint man noch heut zu tage vil in
demselben acker.“ cgm. 335 f. 56a. Sagen und Märchen von diesem Inhalte
gibt es ebenfalls unzählige, wo freilich anstatt Christus, des alten
Gottes-Stellvertreters, gewöhnliche Persönlichkeiten auftreten.

4) Das Entspringen von Brunnen auf des Heiligen Wort oder Stoſs mit
dem Stabe u. s. w. ist ein beliebter Zug der Legende. Doch habe ich
von keinem heiligen Manne oder Weibe mehr Ueberlieferungen gefunden,
als von /St. Ulrich/. Der /St. Uorlisbrunnen/ ist im alten
Augsburger Bisthum kein Ende. Vgl. mein schwäb. Augsb. Wb., S. 468. Im
Volksthüml. I, S. 408 habe ich eine groſse Zahl Beispiele beigebracht.
Am östlichen Stadtwalde von Mindelheim ist das /Ulrichswasser/.
Vgl. A. /Runge/, Quellcult, S. 7. Der cgm. 257 f. 10b hat zwei
Beispiele: „dô kam im zuͦ herzôg Haymo; dô litten sie groſsen durst.
dô stieſs St. /Joſs/ sînen stecken in die erden und batt got;
dâ floſs ûſs ain groſser brunn. dâ hûwet och sant /Joſs/ zway
bethûser und fuͦr gen Rome.“ Ferner f. 13b, Sp. 2, steht von /St.
Thomas/: „dô hieſs der küng ysiniu blecher glüwen und in doruff gân
mit blôſsen füeſsen. zuͦ hand ersprang ein brunn under sînen füeſsen
und verlaſst die ysniu blecher.“

(Schluſs folgt.)



Die Wachstafeln von Schwäbisch-Hall.


Meine Mittheilung über diesen Gegenstand im Anzeiger 1866, Nr. 3, Sp.
95 f. hat mir eine freundliche Zuschrift des Herrn Prof. J. Zahn,
Archivars am Joanneum zu Graz, eingetragen, wonach von den zwei noch
vor zwei Jahren in Schwäbisch-Hall befindlichen Exemplaren das eine in
seinen Besitz gekommen ist. Es scheint das von Hanſselmann beschriebene
zu sein, da es auf der vordern leeren Seite die Jahreszahl 1744 trägt;
auſserdem ist noch die Jahreszahl 1799 leichthin eingeritzt. Auch hier
werden die Blätter durch Eisenbuckeln auseinander gehalten. Drei Seiten
sind ausgeschabt, zwei theilweise ausgebrochen, fünf vollkommen mit
den Namen u. s. w. erhalten. Beigegeben ist, was diesem Exemplar einen
besonderen Werth verleiht, das Markenbuch der Eigenthümer.

    /Heidelberg.      W. Wattenbach./



(Mit einer Beilage.)


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. Sebald’sche Buchdruckerei.



         BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                     1866.    Nº 9.    September.



Chronik des germanischen Museums.


    /Nürnberg/, 15. September 1866.

In der Chronik des vorigen Monats hatten wir Gelegenheit, der thätigen
Förderung Sr. königl. Hoheit des Groſsherzogs /Friedrich Franz von
Mecklenburg-Schwerin/ Erwähnung zu thun, und unsere heutige Chronik
haben wir abermals mit der Nachricht zu eröffnen, daſs Se. kgl. Hoheit,
um Höchstsein Interesse an unserer Anstalt zu bezeugen, bei seiner
Rückkunft von einem Ausfluge in die Heimat dem Museum werthvolle
Geschenke persönlich mitgebracht hat, die unten, bei den neuen Zugängen
der Bibliothek und Kunstsammlung sich verzeichnet finden.

Der Krieg hat nun allenthalben ein Ende gefunden, und wir dürfen uns
wol der frohen Hoffnung hingeben, daſs der Friede ein dauernder sei.
Nachdem die politischen Bande gesprengt sind, welche die Glieder
des alten deutschen Reiches bisher noch zusammenhielten, hat das
germanische Museum eine erhöhte nationale Bedeutung erhalten: nach
Vertheilung des Bundeseigenthums ist es das einzige Eigenthum des
gesammten deutschen Volkes.

Es ist aber auch ein geistiges Einheitsband, das Alle freiwillig und
selbsthätig um sich geknüpft haben; es ist ein Institut deutscher
Wissenschaft, ein Band, das durch keine äuſsere Gewalt gesprengt werden
kann.

Mögen darum Alle sich fest und enge an dasselbe anschlieſsen. Mögen
insbesondere die jetzt politisch ganz von Deutschland getrennten Stämme
daran festhalten. Der I. Vorstand kann es sich in dieser Rücksicht
nicht versagen, eine Stelle eines aus Oesterreich an ihn gelangten
Briefes hervorzuheben, worin ein alter Freund des Museums sein treues
Festhalten an demselben versichert, indem er sagt: „Die Kultur
Oesterreichs ist wesentlich eine deutsche Kultur. Diese gilt es weiter
zu entwickeln; und wenn wir auch politisch aus Deutschland geschieden
sind, so müssen wir jedes Band um so fester halten, das uns geistig in
Wissenschaft und Kunst an Deutschland fesselt. Eine Isolierung auf dem
Gebiete der Wissenschaft bedeutete das Ende der deutschen Kultur und
damit das Ende der Kultur in Oesterreich überhaupt.“

Wir freuen uns solcher Gesinnung, die recht bald für das Museum
ihre Früchte bringen muſs, und wünschen, daſs jetzt allenthalben
der Sinn für dies nationale Band sich recht lebhaft entwickeln
möge; denn jetzt gilt es, manche Wunde zu heilen, die der Krieg dem
Institute geschlagen. Man sorgt allenthalben für Kriegsbeschädigte
und Verwundete; mögen Patrioten auch für das kriegsbeschädigte
Nationalinstitut eintreten!

Möge der Patriotismus, der nun kein anderes greifbares Objekt mehr
hat, desto eifriger sich unserer Sache annehmen! Das Museum pflegt die
Geschichte des deutschen Volkes und der deutschen Kultur. Nur der Blick
in die Geschichte, der Blick in die Vergangenheit kann Vieles erklären,
was scheinbar befremdend in der Gegenwart sich kundgibt; nur er kann
uns lehren, wirksam an der Gestaltung der Zukunft mitzuarbeiten.

Möge die deutsche Tagespresse insbesondere jetzt nach Kräften dahin
wirken, daſs Zweck und Bedeutung des germanischen Museums dem Volke
stets mehr und mehr nahe gelegt werden.

Unser Gelehrtenauschuſs hat durch den Tod des geh. Hofrathes und
Professors /Dr. L. A. Warnkönig/ zu Stuttgart, sowie des kais.
russ. Staatsrathes und Professors Dr. F. K. H. /Kruse/ in Leipzig
zwei langjährige Mitglieder verloren.

Unter den Förderungen, die das Museum in jüngster Zeit erfahren,
steht die Deponierung eines prachtvollen geschnitzten Altarschreines
obenan, der künftig die Stelle des Hochaltars in der zur Kunsthalle
eingerichteten Karthäuserkirche einnehmen soll. Derselbe, Eigenthum
der protestantischen Kirche zu Hersbruck, gehört zu den schönsten und
kostbarsten Schnitzwerken des Mittelalters und wird daher in diesen
Blättern noch eine eingehendere Besprechung erfahren.

Soeben, bei Schluſs des Blattes, geht uns noch die erfreuliche
Nachricht zu, daſs die Oberamtscorporation des Saulgaues (Württemberg)
ihren seither geleisteten Jahresbeitrag von 25 fl. auf weitere drei
Jahre zugesichert hat.

Den Buchhandlungen, die unsere Bibliothek durch Ueberlassung von
Freiexemplaren ihrer einschlägigen Verlagsartikel unterstützen, ist
neuerdings beigetreten:

    597. /Goltermann u. Pincus/, Kunst-, Musik- und
    Papierhandlung, in Schwerin.

An neuen Beiträgen wurden während der letzten vier Wochen folgende
gezeichnet:

Aus =Vereinskassen=: Vom Gesangverein in /Weiſskirchen/
(Mähren) 1 fl. 10 kr. (einm.).

Von =Privaten=: /Büdingen/: Leopold von Deines,
Domänenpächter, in Salinenhof 1 fl., Ulrich, fürstlicher Forstmeister,
1 fl.; /Buxtehude/ (Hannover): Pastor Rakenius 1 fl. 45 kr.;
/Darkemen/ (Preuſsen): Auguste Käswurm, geb. Ammon, 52½ kr.
(einm.); /Cöln/: Appell.-Ger.-Rath von Hagens 1 fl. 45 kr.
(einm.); /Frankfurt a. M./: Dr. Gustav Schneider 5 fl. 30 kr.
(einm.); /Grevesmühlen/ (Mecklenburg-Schwerin): Dr. med. Dreyer
1 fl. 45 kr.; /Höchstadt a. A./: Bezirksamts-Assessor Hauer 1
fl., kgl. Rentbeamter Heſs 1 fl., Jakob Keſsler, k. Gerichtsschreiber,
1 fl. (einm.), Dechant u. Stadtpfarrer Schneyer 1 fl., Franz Paul
Tettenhammer, k. Bezirksamtmann, 1 fl., Apotheker F. Voigt 1 fl.,
Otto Ziegler, k. Notar, 2 fl.; /Lausanne/: Pastor Häuser
in Vevey 4 fl. 40 kr. (einm.), Roller 2 fl. 20 kr. (einm.), Dr.
Schickedantz in Vevey 4 fl. 40 kr. (einm.), Direktor Sillig in Vevey
9 fl. 20 kr. (einm.), Graf Vitzthum in Vevey 4 fl. 40 kr. (einm.);
/Ludwigsburg/: Freiherr von Hornstein, Major, 3 fl. 30 kr.;
München: Studienlehrer Dr. Lang 2 fl. 30 kr. (einm.); /Nürnberg/:
Ludwig Adalbert von Hornthal, k. Stadtgerichtsassessor, 4 fl., Kaufmann
Louis Pröbster 1 fl.; /Pommelsbrunn/ (Bayern): Johann Bernhard
Ulherr, Hopfenhändler, Oekonom u. Landrath, in Altensittenbach
1 fl., Veit Wild, Hopfenhändler u. Oekonom, in Altensittenbach
1 fl.; /Schwerin/: Generalarzt Dr. Störzel 1 fl. 45 kr.;
/Staffelstein/ (Bayern): Friedrich Freiherr von Dungern in
Oberau 5 fl., Ernst Albert Eisfeld, Rittergutsbesitzer in Obbach und
Vierzehnheiligen 2 fl., Forst- u. Domänenverwalter Hofmann in Banz 1
fl. (einm.); /Weiſskirchen/ (Mähren): Johann Prohal, k. k. Notar,
1 fl. 10 kr. (einm.), Max Wolf, Fabrikgesellschafter, 1 fl. 10 kr.
(einm.); /Zeitz/: Zimmermeister G. Schulze 1 fl. 45 kr.

Auſserdem giengen unsern Sammlungen während des letzten Monats, wie wir
hiemit dankend bestätigen, folgende Geschenke zu:


I. Für das Archiv.

=Biel=, Partikulier, in Norden:

    3351. Consens der fürstl. ostfries. Oberrent-Cammer zur
    Veräuſserung von Gütern. 1734. Pap. Orig.

=Back=, Geh. Regier.-Rath, in Altenburg:

    3352. Receſs der herzl. Sächs. Regierung zwischen den alten und
    neuen Müllern an der Rauda im Amt Eisenberg wegen Veränderung der
    Mühlgänge. 1613. Pap. Abschr.

    3353. Zeugniſs der Gerichtsschöffen Caspar Harding zu Wettin für
    Georg Gehricke. 1712. Perg.


II. Für die Bibliothek.

=Schulze=’sche Buchhandlung in Celle:

    19,931. Heimbürger, Ernst der Bekenner, Herzog von Braunschweig und
    Lüneburg. 1839. 8.

    19,932. v. Hammerstein, Aristipp in Hamburg u. Altona. 1840. 8.

    19,933. Hof- und Staatshandbuch für d. Königr. Hannover auf d. J.
    1853. 8.

    19,934. Heimbürger, Wilhelm d. Jüngere, Herzog von
    Braunschweig-Lüneburg. 1857. 8.

    19,935. Schulze, Sammlung der Wasserbaugesetze f. d. Königr.
    Hannover. 1859. 8.

    19,936. Armbrust u. Oetting, Adreſs- u. Handbuch der Stadt Celle.
    1861. 8.

    19,937. Diestelmann, d. Katechismus-Angelegenheit in d.
    evang.-luther. Landeskirche Hannovers. 3. Aufl. 1862. 8.

    19,938. Diestelmann, offenes Sendschreiben an Herrn Pastor Dr.
    Münkel etc. 1862. 8.

    19,939. Augustanus, d. Synodal-Verfassung der Hannover’schen
    Landeskirche. 1863. 8.

    19,940. Actenstücke, betreffend die Wahl des Candidaten Habenicht
    etc. 1863. 8.

    19,941. Hannoverscher Biercomment. 1864. 8.

    19,942. Ueber den ersten Theil des Göthe’schen Faust. 1864. 8.

    19,943. Mensching, d. deutsche Handelsrecht; 2. Aufl. 1864. 8.

    19,944. Marcard, Beiträge zur Gefängniſskunde. 1864. 8.

    19,945. Martin, d. Umfang des landesrichterl. Prüfungsrechts
    hinsichtlich d. Entstehens gültiger Gesetze etc. 1865. 8.

    19,946. Schwarz, d. Criminalproceſs Franz Müller. 1865. 8.

    19,947. Leipziger Biercomment. 1865. 8.

    19,948. Firmen-Buch f. d. Königr. Hannover. 1865. 8.

    19,949. Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Freih. Friedr. v. d.
    Trenck. 1866. 8.

    19,950. Lebensbeschreibung des Pandurenoberst Freih. Franz v. d.
    Trenck. 1866. 8.

    19,951. Meyersburg, Gutachten über den Entwurf erster Lesung einer
    allgemein. deutschen Civilproceſsordnung. 1866. 8.

    19,952. Allgem. Geschäfts-Anzeiger zum Adreſs- u. Handbuch der
    Stadt Celle. 1866. 8.

=Stahel=’sche Buch- u. Kunsthandlung in Würzburg:

    19,953. Himmelstein, Reihenfolge der Bischöfe von Würzburg. 1843. 8.

    19,954. Stöckl, d. speculative Lehre vom Menschen u. ihre
    Geschichte; 2 Bde. 1858 u. 1859. 8.

    19,955. Kehrein, älterneuhochdeutsches Wörterbuch. 1865. 8.

=Carl Schünemann’s= Verlag in Bremen:

    19,956. Schäfer, histor. Bericht v. d. Buchdruckerkunst. 1840. 8.

    19,957. Handels- und Schifffahrts-Verträge der freien Hansestädte.
    1842. 4.

    19,958. Schäfer, Handbuch der Geschichte der deutschen Literatur; 2
    Theile. 1842-44. 8.

    19,959. Gildemeister, Beiträge zu dem Bremischen Magazin. 1842. 8.

    19,960. Kottmeier, die Darstellung des Heiligen durch die Kunst.
    1857. 8.

=Stiller=’sche Hofbuchhandlung (Herm. Schmidt) in Rostock:

    19,961. Babst, allerhand schnaksche Saken tum Tiedverdriew. 1843.
    8.

    19,962. Buchka, de pignore nominis. 1843. 8.

    19,963. Buchka, d. Lehre vom Einfluſs des Processes auf das
    materielle Rechtsverhältniſs; 2 Thle. 1846 u. 47. 8.

    19,964. Wilbrandt, Hildibraht u. Hadhubraht. 1846. 8.

    19,965. Roth, mecklenburgisches Lehenrecht. 1858. 8.

    19,966. Weinholtz, Entwurf d. Bibliothekswirthschaftslehre. 1862. 8.

=C. Tappen=, Verlagshandlung, in Sigmaringen:

    19,967. Egler, d. Curort Imnau u. d. Stadt Haigerloch. 8.

=Friedrich Tempsky=, Verlagshandlung, in Prag:

    19,968. Šafařík, über den Ursprung u. die Heimath des
    Glagolitismus. 1858. 4.

    19,969. Max Büdinger und die Königinhofer Geschwister. 1859. 8.

    19,970. v. Helfert, die österreichische Volksschule; I. und III.
    Bd. 1860 u. 61. 8.

    19,971. Tomek, Geschichte des Österreich. Kaiserstaates, übers. von
    Kraus; 2. Aufl. 1860. 8.

    19,972. Frind, d. Kirchengeschichte Böhmens; 2 Bde. 1864-66. 8.

    19,973. Thurnwald, Lehrbuch der mittelhochd. Sprache. 1864. 8.

    19,974. Šafařík’s Geschichte des serbischen Schriftthums, hg. v.
    Jireček. 1865. 8.

=C. Troschel=, Verlagshandlung, in Trier:

    19,975. Bärsch, einige Nachrichten über den Steinring bei
    Otzenhausen etc. 1839. 8.

    19,976. Neumann, Stimmen der alten Dichter Ausonius u. Venantius
    Fortunatus v. d. Mosel. 1846. 8.

=Friedr. Wagner=, Verlagshandlung, in Braunschweig:

    19,977. Berkhan, Beiträge zur Geschichte der Psychiatrie; 1. Heft.
    1863. 8.

=Christian Winter=, Verlagsbuchhandlung, in Frankfurt a/M.:

    19,978. Simrock, d. deutsche Räthsel-Buch; 2. Aufl. 8.

    19,979. Simon, d. Geschichte des reichsständischen Hauses Ysenburg
    u. Büdingen; 2. u. 3. Bd. 1865. 8.

=Friedrich Franz Groſsherzog von Mecklenburg-Schwerin=, Königliche
Hoheit:

    19,980. Stüler, Prosch und Willebrand, das Schloſs zu Schwerin; I.
    Abth. 1866. Imp. 2.

    19,981. Die Schloſs-Kirche zu Schwerin u. ihre Einweihung. 1855. 2.

    19,982. Lisch, Peter Vischer’s Epitaphium auf die Herzogin Helena
    von Meklenburg im Dome zu Schwerin. 1862. 8.

=J. C. Hinrichs=’sche Buchhandlung in Leipzig:

    19,983. Hinrichs’ fünfjähriger Bücher-Catalog; III. Bd., 3.
    Lieferung. 1866. 8.

=Meyer=’sche Hofbuchhandlung in Lemgo:

    19,984. Lutheri colloquia, meditationes, consolationes etc; ed.
    Bindseil, tom. III. 1866. 8.

=F. W. Neumann-Hartmann=’sche Buchhandlung in Elbing:

    19,985. Die Ereignisse in Schleswig-Holstein; 2. Aufl. 8.

    19,986. Härtel, Gespräch in der Familie Schwerduth über die
    Entstehung des Schaltjahrs. 1863. 8.

    19,987. Wernik, Elbinger Wanderbuch. 8.

    19,988. Kreyſsig, über d. sittliche u. volksthüml. Berechtigung des
    Shakespeare-Cultus. 1864. 8.

    19,989. Beiträge zum Verständniſs der Mennoniten-Frage. 1864. 8.

=L. Schwann=’sche Verlagsbuchhandlung in Neuſs:

    19,990. Geschichte der Familie Schenk von Nydeggen. 1860. 8.

    19,991. Becker, Geschichte der Stadt Rade vorm Wald. 1864. 8.

=J. Wiesike=, Verlagshandlung, in Brandenburg a/H.

    19,992. Täglichsbeck, Beiträge zur Geschichte des Turnwesens. 1845.
    4.

    19,993. Jansen, d. Idee des Fortschrittes in der
    Universalgeschichte. 1863. 8.

    19,994. Krummacher, Calvin’s Beziehungen zu Deutschland. 1864. 8.

    19,995. Lieder des deutschen Adels. 1865. 8.

=Friedrich Karl Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg=, Durchlaucht, in
Kupferzell:

    19,996. Ders., sphragistisches Album; II. Heft. qu. 2.

=Dr. E. A. Th. Laspeyres=, Ober-Appellations-Rath, in Halle:

    19,997. Ders., chronicon Slavicum, quod vulgo dicitur parochi
    Suselensis. 1866. 8.

=Dr. A. Namur=, Professor u. Bibliothekar, in Luxemburg:

    19,998. Ders., catalogue descriptif et explicatif des éditions
    incunables de la bibliothèque de l’athénée grandducal de
    Luxembourg. 1863. 8.

=Zoologische Gesellschaft= in Frankfurt a/M.:

    19,999. Dies., d. zoologische Garten; VII. Jhg., 1866, Nr. 1-6. 8.

=Universität= zu Kiel:

    20,000. Dies., Schriften a. d. J. 1865. Bd. XII. 1866. 4.

=Königl. Studienrektorat= zu Münnerstadt:

    20,001. Dass., Jahresbericht etc. 1865-66. 4.

=Schleswig-Holstein-Lauenburgische Gesellschaft f. vaterländ.
Geschichte= in Kiel:

    20,002. Dies., Jahrbucher etc.: Bd. IX, Heft 1. 1866. 8.

=Kais. Akademie der Wissenschaften= in Wien:

    20,003. Dies., Sitzungsberichte; philos.-histor. Cl., Bd. 49, 3.
    50, 1-4. 51, 1 u. Reg. zu Bd. 41-50. 1865-66. 8.

    20,004. Denkschriften; philos.-histor. Cl., 14. Bd. 1865. 4.

    20,005. Archiv für Österreich. Geschichte; Bd. 34, 1 und 2. 35, 1.
    1865. 8.

    20,006. Fontes rerum Austriacarum; II. Abth. 24. Bd. 1865. 8.

    20,007. Almanach; 15. Jahrgang. 1865. 8.

=K. sächs. Verein für Erforschung und Erhaltung vaterländischer
Geschichts- u. Kunst-Denkmale= in Dresden:

    20,008. Ders., Mittheilungen; 15. u. 16. Heft. 1866. 8.

=Histor. Verein für das Groſsherzogthum Hessen= in Darmstadt:

    20,009. Ders., Archiv etc.; Bd. XI, 2. Heft. 1866. 8. 2 Ex.

    20,010. Wagner, die Wüstungen im Groſsherz. Hessen; Prov.
    Rheinhessen. 1865. 8. 2 Ex.

=Goltermann & Pincus=, Kunst- u. Musikhandl., in Schwerin:

    20,011-23. 13 neuere musikal. Verlagswerke. 2.

=J. Franck=, Subrektor, in Annweiler:

    20,024. Jahresbericht über die k. latein. Schule etc. zu Annweiler.
    1865-66. 4.

=Dr. Otto Franklin=, Univers.-Professor, in Greifswald:

    20,025. Ders., Albrecht Achilles und die Nürnberger, 1449-1453.
    1866. 8.

=Karl Umlauff=, k. k. Kreisgerichtsrath, in Weiſskirchen:

    20,026. Ders., Dichtungen. 1865. 8.

    20,027. Mittheilungen des Neutitscheiner landwirthschaftl.
    Vereines; 1865. 8.

    20,028. Füger von Rechtborn, Beiträge zur Reform des gerichtl.
    Verfahrens in dem österreich. Kaiserstaate. 1859. 8.

=Dr. K. Back=, geh. Regierungsrath, in Altenburg:

    20,029. Ders., fliegende Blätter; XV. 8.

=G. W. Niemeyer=, Verlagshandl. in Hamburg:

    20,030. Neuester Führer durch Hamburg, Altona etc. 2. Aufl. 8.


III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

=Dr. Herzog= in Zwickau:

    5142. Original-Wachssiegel der Stadt Zwickau von 1300.

=Magistrat der Stadt Nürnberg:=

    5143. Leidender Christus, von Heiligen und Stiftern verehrt,
    Steinsculplur von 1476.

=Fr. Grobe=, Kaufmann, in Schonungen:

    5144. 2 Cassenbillets des Kurfürstenthums Sachsen von 1772.

=F. Bender=, stud. phil., in Darmstadt:

    5145. 18 Lack- und Papierabdrücke von älteren und neueren Siegeln.

=Büttner=, Direktor, in Halle:

    5146. Groſse schwedische Kupfermünze von K. Gustav Adolf.

    5147. Ahnenprobe der Frau Juliane Florine von Veitheim, † 1724.
    Kupferst. Neuer Abdruck.

=Friedrich Franz Groſsherzog von Mecklenburg-Schwerin=, Königliche
Hoheit:

    5148. Photograph. Abbildung der ehernen Denktafel auf die Herzogin
    Helena, Gemahlin Heinrich’s d. Friedf. von Mecklenburg, von Peter
    Vischer; im Dome zu Schwerin.

    5149. „Stammtafel des groſsherzogl. Hauses Mecklenburg-Schwerin,
    mit Angabe der Begrabniſsstätten und der Bilder der hochf.
    Personen.“ Verfaſst von Dr. G. C. F. Lisch. Druck.

=Goltermann & Pincus=, Kunst- und Musikalien-Handlung, in Schwerin:

    5150. Porträt des Componisten Fr. von Flotow, Steindruck.



Chronik der historischen Vereine.


/Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften./
Philosophisch-historische Classe. XLIX. Band, Heft III -- L. Band, Heft
IV. Wien, 1865. 8.

Die höchste Gerichtsbarkeit des deutschen Königs und Reiches im XV.
Jahrhundert. (Tomaschek.) -- Die groſse Synode von Tribur, dargestellt
mit Benützung von Wiener, Münchener und Salzburger Handschriften.
(Phillips.) -- Bericht über die Thätigkeit der Commission für
Herausgabe der lat. Kirchenväter. (Vahlen.) -- Darlegung mehrerer
bisherigen Systeme für Anordnung von Sammlungen mittelalterlicher und
moderner Münzen und Medaillen und Begründung eines wissenschaftlichen
Systems von Kaiser Karl dem Groſsen bis auf unsere Tage. (Bergmann.)
-- Bericht der Weisthümer-Commission. (Siegel.) -- Verzeichniſs der
älteren Handschriften lateinischer Kirchenväter in den Bibliotheken der
Schweiz. (Halm.) -- Beiträge zur Geschichte des Magdeburgerrechtes.
(Bischoff.) -- Eine Geographie aus dem dreizehnten Jahrhundert.
(Zingerle.) -- Zu Pleier’s Garel. (Ders.) -- Angelegenheiten der
Akademie.

/Register/ zu den Bänden 41 bis 50 der Sitzungsberichte der
philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften. V. Wien, 1866, 8.

/Sitzungsberichte./ LI. Band, Heft I. Jahrgang 1865. -- October:
Die Gefahr vor Gericht und im Rechtsgang. (Siegel.)

/Archiv für Kunde österreichischer Geschichts-Quellen./
Herausgegeben von der zur Pflege vaterländischer Geschichte
aufgestellten /Commission der kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften/. Vierunddreiſsigster Band. Erste und zweite Hälfte.
Wien, 1865. 8.

Die Stellung der Erzbischöfe und des Erzstiftes von Salzburg zu Kirche
und Reich unter Kaiser Friedrich I. bis zum Frieden von Venedig (1177).
Nach den Quellen dargestellt von Wilh. Schmidt. -- Die Finanzlage
in den deutschen österreichischen Erbländern im Jahre 1761. Nach
handschriftlichen Quellen von Karl Oberleitner. -- Deutsche Geschichts-
und Rechtsquellen aus Oberungarn, von Dr. Franz Xaver Krones. --
Römerdenkmale zu Töplitz bei Warasdin in Croatien, von Dr. Karlmann
Tangl. -- Lehenverzeichnisse des Benedictinerstiftes St. Paul in
Kärnten aus dem XV. Jahrhunderte. Mitgetheilt von Beda Schroll. -- Die
Correspondenz der Stadt Breslau mit Karl IV. in den Jahren 1347-1355.
Mitgetheilt von Dr. C. Grünhagen. -- Berichtigungen und Ergänzungen
zu dem in den Fontes Rerum Austriacarum: Diplomata et Acta, Vol. XXI
abgedruckten Necrologium des ehemaligen Augustiner-Chorherren-Stiftes
St. Pölten, von Dr. Franz Stark.

Fünfunddreiſsigster Band. Erste Hälfte: Geschichte der Wiener
Marktordnungen. Vom sechzehnten Jahrhundert an bis zu Ende des
achtzehnten. Aus Urkunden entwickelt von Alexander Gigl.

/Fontes rerum Austriacarum./ Oesterreichische Geschichts-Quellen.
Herausgegeben von der /historischen Commission der kaiserlichen
Akademie der Wissenschaften in Wien/. Zweite Abtheilung.
Diplomataria et acta. XXIV. Band. Diplomatarium Portusnaonense.
Series documentorum ad historiam Portusnaonis spectantium quo tempore
(1276-1514) domus Austriacae imperio paruit hinc inde lectorum cura et
opera Josephi Valentinelli. Quaedam praemittuntur annorum 1029-1274.
Wien, 1865. 8. VIII u. 482 Stn.

/Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften./
Philosophisch-historische Classe. Vierzehnter Band. Wien, 1865. 4.

Die Bildung der Ortsnamen aus Personennamen im Slavischen. (Miklosich.)
-- Ueber Raoul de Houdenc und insbesondere seinen Roman Meraugis de
Portlesguez. (Ferd. Wolf.) -- Die Verba impersonalia im Slavischen.
(Miklosich.) -- Darlegung mehrerer bisheriger Systeme für Anordnung
von Sammlungen mittelalterlicher und moderner Münzen und Medaillen und
Begründung eines wissenschaftlichen Systems von Kaiser Karl dem Groſsen
bis auf unsere Tage. (Bergmann.)

/Almanach/ der k. k. Akademie der Wissenschaften. Fünfzehnter
Jahrgang. Wien, 1865. 8. 296 Stn.

/Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte/,
herausgegeben von dem /historischen Vereine von und für
Oberbayern/. Sechsundzwanzigster Band. Zweites und drittes Heft.
München, 1865-1866. 8.

Einige Beiträge zur Geschichte des Pfarrdorfes Bogenhausen bei München,
gesammelt von dem dermaligen Pfarrer M. Lampart. -- Geschichte des
königlich bayerischen Landgerichtes Traunstein und seiner weltlichen
wie kirchlichen Bestandteile. Gesammelt von J. Jos. Wagner. --
Rechnungsbuch des oberen Vicedomamtes Herzog Ludwig’s des Strengen,
1291-1294. Mitgetheilt von Freiherrn Edmund Oefele. -- Medaillen auf
ausgezeichnete und berühmte Bayern, mit biographisch-historischen
Notizen von J. Beierlein. Fünfte Lieferung. Mit einer Tafel
Abbildungen. -- Zur Lebensgeschichte des Grafen Rasso von Andechs. Von
Dr. Friedr. Kunstmann.

Siebenundzwanzigster /Jahresbericht/ desselben Vereines. Für das
Jahr 1864. Erstattet in der Plenarversammlung am 1. Juli 1865 durch den
ersten Vorstand Friedrich Hektor Grafen Hundt. München, 1865. 8.

/Zeitschrift des Vereins zur Ausbildung der Gewerke in München./
Sechzehnter Jahrgang. -- Drittes Heft. 1866. 2.

Was heiſst Styl? Aus den Entretiens sur l’architecture von
Viollet-Le-Duc. Uebersetzt von A. Mecklenburg. -- Aus dem germanischen
Museum zu Nürnberg.

/Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde./
Herausgegeben aus den Schriften des /historischen Vereins für das
Groſsherzogthum Hessen/ von Dr. Walther. Eilfter Band. Zweites Heft.
(Mit 9 Tafeln.) Darmstadt, 1866. 8.

Die Gränzen der Grafschaft Malstatt. (Assenheim.) Von Assessor a. D.
Emmerich. -- Miscellen zur Geschichte von Rodheim v. d. H. Von dems.
-- Beiträge zur Wappenkunde des rheinhessischen Land- und Stadtadels
im 13., 14. und 15. Jahrhundert. Von Hofgerichtsadv. W. Franck. (Mit
155 Abbildungen auf 9 Tafeln.) -- Die kirchlichen Reunionsversuche des
Bischofs Christoph Rojas von Spinola an den protestantischen Höfen
Deutschlands und die Landgräfin Elisabethe Dorothea von Hessen. Von
Garnisonsmitprediger Dr. Krätzinger. -- Landgraf Philipp von Hessen
genannt „der Dritte“, oder auch von „Butzbach“. Von Dr. Walther. --
Fürstliche Besuche in Friedberg. Von Archivdir. Dr. Baur. -- Eine
eigentümliche Stiftung. Von Rentamtmann Fabricius. -- Ein Vertrag
wegen der Herstellung der Brücken, Heegen, Landwehren und Schlägen,
auf den Verkehrswegen in der oberen Wetterau, vom Jahr 1476. Von dems.
-- Eroberung des Schlosses Otzberg, 1647. Von Dr. Baur. -- Der „todte
Mann“ bei Auerbach. Von dems. -- Bibliothek eines Geistlichen im 16.
Jahrhundert. Von dems. -- Culturgeschichtliche Notizen über Osthofen.
Von W. Franck. -- Beschreibung verschiedener, in der Gemarkung von
Nierstein kürzlich ausgegrabener alterthümlicher Gegenstände. Von
Districtseinn. Heſs. -- Das Recht der Gemeinde Altkelsterbach im Walde
der freien Stadt Frankfurt und die hiermit zusammenhängenden Gebräuche.
Von Gerichtsacc. Eberh. Schödler. -- Ausgrabungen in der Nähe von
Gieſsen. Von Dr. Walther. -- Zur Geschichte der Stadtgeistlichen in
Darmstadt. Von dems.

/Mittheilungen des Königlich Sächsischen Vereins für Erforschung und
Erhaltung vaterländischer Geschichts- und Kunst-Denkmale./ Dresden,
1866. 8.

Fünfzehntes Heft: Geschichte der Bergstadt Geyer. Nach archivalischen
Quellen dargestellt von Dr. Johannes Falke.

Sechzehntes Heft: Vereinsangelegenheiten. -- Bericht über die
Versammlung des Gesammtvereins zu Halberstadt vom 17. bis 22. Sept.
1865, von Dr. Johannes Falke. -- Das älteste uns bekannte Schloſs
in Dresden. Von Hofmarschall H. Freiherrn von Friesen. -- Christoph
Bernhard, kurfürstl. sächs. Kapellmeister und Präceptor der Prinzen
Johann Georg (IV.) und Friedrich August (I.) von Sachsen. Von M.
Fürstenau. -- Ueber die Bilder Albrecht Dürer’s auf der königl.
Gemäldegalerie zu Dresden. Von Prof. Dr. I. Hübner. -- Beitrag zur
sächsischen Münzgeschichte. 1444-1461. Von Dr. Johannes Falke. --
Geschichtliche Mittheilungen aus Gersdorf’s Codex diplomaticus
Saxoniae Regiae. Von Gymnasialrector a. D. Dr. Karl August Rüdiger. --
Beschreibung der beigegebenen Abbildungen (Flügelaltar aus der Kirche
zu Groſsschirma, 15. Jahrh., und die Hälfte eines Antipendiums, 13.
Jahrh.), deren Originale sich im Museum des Vereins befinden. Von
Inspector G. Büttner.

/Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein
und Lauenburg/, herausgegeben von der /S. H. L. Gesellschaft für
vaterländiche Geschichte/. Band IX.; Heft 1. Kiel, 1866. 8.

Kiel im dreizehnten Jahrhundert. Von Prof. Wilh. Junghans. -- Beitrag
zur Kunde von Kiel im XV. und XVI. Jahrhundert. Von Prof. Dr. K.
Weinhold. -- Die Personennamen des Kieler Stadtbuchs von 1264-1288.
Von dems. -- Beitrag zu den Ditmarscher Volksliedern auf die Schlacht
bei Hemmingstedt, von Dr. L. Weiland. -- Kleine Mitteilungen
(Volksthümliches) von Dr. Handelmann. -- Kleine Notizen aus
diplomatischen Aktenstücken, von dems. -- Miscellen: 1. Sigmunds von
Herberstein Reise durch Holstein und Schleswig. 2. J. M. Lappenberg. 3.
Ein alter Trinkkrug. -- Literatur.

/Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande./
Heft XXXVII. Mit 8 lithographirten Tafeln und mehreren in den Text
eingedruckten Holzschnitten. Bonn, A. Marcus. 1864. 8.

Die römischen Flotten bei Bonn und Boulogne, die Pfahlbrücken des
Julius Cäsar bei Bonn und Neuwied, von Prof. Ritter. -- Ueber den
Wohnsitz der Veleda, von Prof. Fiedler. -- Heisterbach, von Dr.
Harleſs. -- Burg Rosenau, von dems. -- Schallgefäſse. Mittheilung
der Hrn. Prof. Wieseler, Major v. Cohausen und Baumeister Peters. --
Zur Topographie der Stadt Cöln in der Römerzeit, von Geh. Archivrath
Lacomblet und Stadtbaumeister Raschdorff. -- Die römische Niederlassung
bei Neuwied und ihre Denkmäler. Von den Proff. Ritschl, Wieseler und
Overbeck. -- Minervenstatuette von Wels, von Prof. Overbeck. -- Die
Aemter auf der Ara Fulviana, von Prof. Henzen. -- Inschriften aus Trier
und Umgebung, von Prof. Hübner. -- Eine noch unbekannte Silbermünze aus
der Zeit der Bürgerkriege Roms, von Ed. Rapp. -- Krone und Kronbehälter
-- wahrscheinlich der beiden ersten lateinischen Kaiser flandrischen
Hauses -- im Dome zu Namur, von Prof aus’m Weerth. -- Litteratur. --
Miscellen.

Heft XXXVIII. Mit 2 lithographirten Tafeln und mehreren in den Text
eingedruckten Holzschnitten. 1865. Der Tuffstein, als Baumaterial
der Römer am Rhein. Von Geh. Rath Dr. v. Dechen. -- Die älteren
Bischofskataloge von Trier, Von Dr. F. X. Kraus in Trier. -- Der
Fund von Pyrmont. Von Director Rud. Ludwig in Darmstadt. -- Die
römische Niederlassung bei Neuwied und ihre Denkmäler: Reste eines
Cohortenzeichens. Von den Proff. C. S. Grotefend und K. B. Stark.
-- Neue Altarinschrift des Jupiter und des Hercules Saxanus aus dem
Brohlthal nebst Nachträgen zu dem Bonner Winckelmannsprogramm von 1862.
Von Prof. Freudenberg. -- Abkürzungen auf rheinischen Inschriften.
Von Prof. J. Becker. -- Die Reliquien Albert’s des Grossen in der St.
Andreaskirche in Köln. Von J. J. Merlo. -- Die Legende „Dein eyn“ an
dem Karlshorne zu Aachen. Von P. St. Käntzeler. -- Litteratur. --
Miscellen. -- Chronik des Vereins.

Doppelheft XXXIX und XL. Mit 8 Tafeln und mehreren in den Text
eingedruckten Holzschnitten. 1866. Zu den römischen Alterthümern
von Trier. Von Prof. E. Hübner. -- Die römische Niederlassung bei
Neuwied und ihre Denkmäler: Zur Geschichte der Römerstätte bei
Niederbiber. Von Prof. J. Becker. -- Das Römerlager auf der linken
und rechten Rheinseite im Thale von Neuwied. Von Prof. Ritter. --
Decimus Brutus und die Camilli von Aventicum. Von Prof. J. Zündel.
-- Oppidum Batavorum? Von Prof. Herm. Müller. -- Das Capitol, die
Marienkirche und der alte Dom zu Köln. Von Prof. Düntzer. -- Das
Labarum und der Sonnencultus. Von Dr. E. Rapp. -- Mithrasbild im K.
Museum vaterländischer Alterthümer zu Bonn. Von Dr. W. Brambach. --
Neue antiquarische Mittheilungen aus dem Regierungsbezirke Düsseldorf.
Von Prof. J. Schneider. -- Neue epigraphische Analekten. Von Prof. Dr.
Freudenberg. -- Neue Inschriften aus dem Jülicher Lande. Von Dr. Jos.
Kamp. -- Noch einmal das Cohortenzeichen von Neuwied. Von Archivrath
Dr. Grotefend. -- Ausgrabung der Ueberreste eines römischen Gebäudes
bei Zatzenhausen, in der Nähe von Canstatt in Württemberg, im Herbst
1862. Von Architekt Eduard Paulus. -- Die Grafschaft Hülchrath in
ihren Beziehungen zur Vogtei der Domkirche und des Domstifts in Cöln,
von v. Haeften. -- Römische Villa bei Manderscheid in der Eifel. Von
Prof. E. aus’m Weerth. -- Carl des Grossen ehemals und jetzt in Aachen
befindliche Reliquien und Reliquiare. Von dems. -- Litteratur. --
Miscellen. -- Chronik des Vereins.

/Register oder Verzeichnisse/ zu Band I. bis und mit XX. des
/Geschichtsfreundes/. Bearbeitet von Joseph Leopold Brandstetter,
Arzt in Beromünster. (Herausgegeben vom /historischen Vereine der
fünf Orte/.) Einsiedeln, New-York und Cincinnati, 1865. Druck und
Verlag von Gebr. Karl und Nicolaus Benziger 8.

/L’Investigateur. Journal de l’Institut historique de France./
Trente-troisième Année. Tome VI. IV. Série. 378. Livraison. -- Mai
1866. 379. Livraison. -- Juin 1866. Paris, 1866. 8.

Cours et arrêts d’amours, mémoire de M. J. Barbier.



Nachrichten.



Literatur.


Neu erschienene Werke.

    21) /Deutsches Heldenbuch./ Zweiter Theil. Alpharts Tod,
    Dietrichs Flucht, Rabenschlacht, herausgegeben von /Ernst
    Martin/. Berlin, Weidmann’sche Buchhandlung. 1866. 8. LX u. 338
    Stn.

Das Bedürfniſs einer /kritischen/ Ausgabe des Heldenbuchs werden
wol auch die treuesten Anhänger v. d. Hagens gefühlt haben, und wir
glauben, der Anfang dazu hätte kaum besser gemacht werden können,
als mit den von E. Martin in dem vorliegenden zweiten Theile (der
erste soll später erscheinen und „Biterolf und Dietleib“ von Jänicke,
„Laurin und Waleram“ aus den Vorarbeiten des Dr. Fr. Roth enthalten)
herausgegebenen Stücken, bei denen die Kritik noch so viel, ja fast
alles zu thun hatte. Wenn auch einzelnes bei fortgesetzter Forschung
sich anders gestalten wird: im Groſsen und Ganzen aber werden die
Resultate sich behaupten, zu denen Herr Martin durch seine in der
Einleitung geführten umfassenden Untersuchungen gelangt ist.

Was nun „Alpharts Tod“ betrifft, so weisen die
Spracheigenthümlichkeiten der einzigen, nun auch nicht mehr
zugänglichen Handschrift auf die Gegend des Mittelrheins, etwa
zwischen Straſsburg und Mainz (S. X); doch kann das Gedicht nicht
dort, sondern wahrscheinlich in Franken (XXVII) um’s Jahr 1200 (XXV)
entstanden sein, und zwar auf dieselbe Weise wie der Nibelunge Noth
und die Kudrun (XXII). Von den erhaltenen ersten 305 Strophen werden
vom Herausgeber nicht weniger als 152 als spätere Interpolationen
bezeichnet und die Gründe für die Ausscheidung jeder dieser Strophen
in der Einleitung angegeben. Der Cäsurreim bildet unter den Kriterien
der Unechtheit eine groſse Rolle, und auf’s neue wird bestätigt, daſs
er nur einer späteren, schlechtern Periode der Volkspoesie angehört, da
die Interpolationen ihrem Inhalte nach zu den Gedichten der späteren
Zeit, ganz besonders zum Rosengarten, stimmen (XXIX). Das gleiche ist
der Fall mit der Fortsetzung von Alpharts Tod (Str. 306-467), nur daſs
diese von einem andern Verfasser herzurühren scheint, als die Zusätze
(XXII).

Zu andern Resultaten führte die Untersuchung über die zwei in vier
Handschriften immer zusammen überlieferten Gedichten Dietrichs Flucht
und Rabenschlacht. Beide rühren wol von demselben Dichter her, der
sich D. Fl. 8000 selbst als Heinrich der Vogelaere nennt. Für einen
Theil der Rabenschlacht muſs er schon eine Grundlage, wol ein im
gleichen Metrum gedichtetes Lied, vorgefunden haben, das er aber nicht
nur gröſstentheils umarbeitete, sondern auch durch eigene, an Zahl
gewiſs weit überwiegende Strophen vermehrte (XLIV). Nicht so verhält
es sich aber mit dem Haupttheile von Dietrichs Flucht: da läſst sich
keineswegs ein älteres Gedicht als Grundlage nachweisen, vielmehr
schöpfte der Dichter wol nur aus der Volkssage, die gerade über die
Flucht Dietrich’s ziemlich ausführlich gewesen zu sein scheint (XLIX).
Auch die Zeit, in welcher die Flucht gedichtet wurde, ist nun genauer,
als bisher geschehen war, bestimmt worden, nämlich 1285-90 (LII ff.).
-- Die beigegebenen Anmerkungen hätten vielleicht etwas reichhaltiger
ausfallen dürfen; doch darüber wollen wir nicht rechten. Lieber keine
Anmerkungen, als solche (wie wir ihnen heutzutage gar oft begegnen),
die das Selbstverständliche erklären und das Dunkle ruhig bei Seite
liegen lassen. Mit einem ausführlichen Namensverzeichnisse schlieſst
das Buch, dem die Weidmann’sche Buchhandlung eine recht schöne
Ausstattung gegeben hat. L.

    22) /Lebensbeschreibung Bischof Benno’s II. zu Osnabrück vom Abt
    Norbert zu Iburg und eine von Domprobst Wiho, nachherigem Bischofe
    zu Osnabrück, im Interesse der kaiserlichen Partei gegen den Papst
    Gregor VII. gerichtete Flugschrift/, aus dem Lateinischen
    übersetzt und mit einer Vorrede und Anmerkungen versehen von
    /Hermann Hartmann/, Dr. med. zu Lintorf. Osnabrück, Druck und
    Verlag von J. G. Kisling. 1866. 8. 119 Stn.

Gewiſs hätte ländliche Muſse nicht besser verwendet werden können,
als in Zurückführung eines Lebensbildes, dessen fast gleichzeitige
Beschreibung als wichtiges historisches Zeugniſs längst anerkannt ist,
das zugleich durch die hervorragende Stellung und den ausgezeichneten
Charakter seines Trägers Anspruch auf das Interesse weitester Kreise
besitzt. -- Bischof Benno II. stand bekanntlich in dem groſsen
Streite zwischen Papst und Kaiser am Ausgange des 11. Jahrhunderts
auf Seite des letzteren. Man könnte sagen, daſs er, weniger klug
oder ehrlicher als die meisten seiner Zeit- und Standesgenossen, die
nächsten Erfordernisse jener Epoche nicht verstanden habe. Aber der
Grund, auf den er seine Ueberzeugung pflanzt, und die von auſsen
wie von innen genommenen Hebel, durch welche er jener Vorschub
leistet, geben über den geistig-sittlichen Gehalt der Zeit, auch wo
er dieser selbst nicht zum Bewuſstsein gekommen, so bedeutungsvolle
Aufschlüsse, daſs die Geschichte des einen Mannes zum Spiegelbilde
des ganzen Geschichtsabschnittes wird. Einen besondern Reiz erhält
die Erzählung unter der Hand des genannten Biographen, der, ein
Schüler und Freund des Bischofs, sodann zweiter Abt des von Benno
zu Iburg gestifteten Benedictinerklosters, obwohl Parteigenosse und
hoher Verehrer seines Patrons, doch keineswegs blind für dessen
Schwächen ist, aber in den Gesichtspunkten, aus welchen er sie zu
entschuldigen sucht, wieder höchst charakteristische Merkmale für
seine Zeit bietet. Der Uebersetzer leitet durch einen geschichtlichen
Ueberblick das Verständniſs auch des Laien ein und unterstützt dasselbe
durch fortgesetzte Anmerkungen. -- Die angehängte Streitschrift des
gelehrten Propstes Wiho hängt mit dem Leben Benno’s aufs engste
zusammen, ist sogar durch diesen und den Erzbischof Liemar von Bremen
veranlaſst. Ihre historische Bedeutung als die einer Quellenschrift ist
ebenfalls schon früher gewürdigt. Die mit vollem Recht hier angefügte
Uebersetzung darf ein Interesse auch auſserhalb des Bereiches der
Wissenschaft beanspruchen, indem sie zeigt, nach welchem Maſsstabe man
in jener frühen Zeit Polemik trieb.

    23) /Ueber Arbalo und das Winterlager des Tiberius am Flusse
    Julia./ Vom /Freiherrn/ H. v. Z. Paderborn, Ferdinand
    Schöningh, 1865. 8. 48 Stn.

Die Oertlichkeiten, auf welche die Versuche der Römer, vom Nordwesten
her in die deutschen Gaue einzudringen, und mehr noch die dabei
erlittenen Niederlagen spielten, sind so häufig zum Gegenstande
monographischer Untersuchung gemacht, daſs eine ziemlich umfangreiche
Literatur daraus erwachsen ist. Interessanter fast, als die
topographischen und historischen Ergebnisse, ist die Art und Weise,
wie diese Untersuchungen von den /Monumentis Paderborn./ aus
dem Ende des 17. Jahrh. bis zu /Essellen/, /von Ledebur/,
/Giefers/ und anderen Forschern unserer Zeit sich von einem
phantastischen Localpatriotismus bis zur wirklichen wissenschaftlichen
Kritik erheben. Auf dem Standpunkt der letzteren hält auch die oben
genannte kleine Schrift sich und zwar mehr vermöge der Einfachheit,
als der Künstlichkeit ihrer Schluſsfolgerungen, die in den meisten
früheren Werken eher unseren Verdacht, als unsere Bewunderung erregt.
Der Verfasser versetzt den Ort Arbalo an den Einfluſs der Erpe in die
Diemel, das Winterlager des Tiberius an die Stelle der alten Eresburg.
Die Gründe, worauf er diese Ansichten stützt, sowie die Folgerungen,
die er daraus ableitet, überlassen wir dem Leser im Buche selber
nachzusehen. Eine willkommene Zugabe würde eine übersichtliche Karte
gewesen sein.


Aufsätze in Zeitschriften.

/Das Ausland/: Nr. 31. Die Taubstummeninstitute und ihre
Geschichte. -- Sammlerwuth in alter und neuer Zeit. (Louis
Lungershausen.) -- Die Artillerie bis zum siebenjährigen Kriege
(Franz Maurer. Mit Benutzung einer Arbeit des Generals von Tempelhof
vom Jahre 1797.) -- Zur Geschichte der farbigen Edelsteine. (Aus den
Times.) -- Nr. 32 f. Sir John Lubbock über den gegenwärtigen Stand der
Archäologie. -- Nr. 35. Heer (in Zürich) über die Pflanzenwelt der
Pfahlbauten.

/Das illustr. Buch d. Welt/: Nr. 10, S. 311. Die Alraunwurzel.
(Hugo Schramm.)

/Chilianeum/: 11. Heft, S. 422. Die Deutschhauskirche in Würzburg.

/Illustr. Familien-Journal/: Nr. 34 (664) f. Die Kleidertrachten.
(Wilhelm Andreä.) -- Marburg. -- Nr. 36 (666). Deutsche Inschriften an
Haus und Geräth. -- Nr. 37 (667) ff. Die Marienburg.

/Hausblätter/: 16. Heft. Volkssagen. 10-13. (Fr. Schultheis.)

/Allgemeine Kirchenzeitung/: Nr. 58. Die Prädestinationslehre
Husens und der Husiten. (L. Krummel.)

/Korrespondent v. u. f. D./: Nr. 457 ff. Die Weiſse Frau. -- Nr.
466 u. 468. Fürstliche Geselligkeit in älterer Zeit.

/Magazin für die Liter. d. Ausl./: Nr. 33. Johann Agricola. Ein
literarisches Säculargedächtniſs. (Friedr. Hasenow.) -- Nr. 34.

    Historische Volkslieder der Deutschen. -- Nr. 35. Die statistische
    Bedeutung der Volkssprache, als Kennzeichen der Nationalität.
    (Richard Böckh.)

    /Illustr. deutsche Monatshefte/: Nr. 24 (120). Das Wappen der
    niederländischen Schuhflicker. (Hans Weininger.) -- Spottpoesie und
    Caricatur im Mittelalter. (Wilh. Krühne.)

    /Deutsches Museum/: Nr. 33. Ein deutsches Schlummerlied aus
    dem 10. Jahrhundert. (Alb. Richter.) -- Nr. 34 f. Die historischen
    Volkslieder der Deutschen. (Hans Prutz.)

    /Schles. Provinzialblätter/: Juni, S. 358. Hünengräber bei
    Groſs-Strehlitz. (Th. Oelsner.) -- Juli, S. 409. Zwei schlesische
    Christkindelspiele. (Dr. Rud. Drescher.) -- S. 427. Das Grabmal
    des letzten Herzogs von Oppeln. (F. R. Hoffmann.) -- S. 428.
    Schlesische Sprüchwörter, Redensarten und Ausdrücke. (H. Strusche.)

    /Hallisches Tageblatt/: Nr. 169. Ein altes Hallorenlied.
    (Opel.)

    /Volksblatt f. Stadt und Land/: Nr. 59 f. Beiträge zum
    Conservativismus in der deutschen Sprache.

    /Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg/: Nr. 35
    f. Georg von Behr (geb. 1591).

    /Zeitschrift für bild. Kunst/: Nr. 18, S. 198. Holbein und
    Quentin Messys in Longford Castle. (Alfr. Weltmann.)

    /Zeitschrift f. prakt. Baukunst/: Hft. 4-6, Sp. 99. Worin
    besteht das Eigenthümliche im Bau des Ordenshauses Marienburg in
    Preuſsen? (Max Rosenheyn.) -- Sp. 139. Die Basiliken am Harz.
    -- Sp. 151. Der Dom von Marienwerder. -- Sp. 157. Bauliche
    Erinnerungen an Münster, Paderhorn und Soest.

    /Allgem. Zeitung/: Beil. Nr. 241 ff. Die Ausstellung
    historischer Porträte in London. Sommer 1866. (Gottfr. Kinkel.)

    /Bayer. Zeitung/: Morgbl. Nr. 229. Eine historische Ohrfeige.
    -- Nr. 231 ff. Das Lauinger Passionsspiel. (A. Birlinger.) --
    Schreiberwitze und Schreibervolk (nach alten Handschriften.)
    -- Nr. 236. Historische Miscellen (ein Duell im 15. Jahrh.;
    Herzog Wilhelm’s V. Projekt, in München den Sitz eines Bisthums
    zu errichten; Friedrich III. als Kinderfreund zu Nürnberg). --
    Nr. 238. Die Verbindung des Rheins und der Donau, beabsichtigt
    im J. 1656. (J. Baader.) -- Nr. 241. Das Kloster Lorch und das
    Erbbegräbniſs der Hohenstaufen.

    /Leipz. Zeitung/: Wissenschaftl. Beil. Nr. 65. Zur Geschichte
    der Glasmalerei.



Vermischte Nachrichten.


80) Ueber die /am Dome zu Köln/ stattgefundenen /Nachgrabungen
nach römischen Ueberresten/ ertheilt ein eingehender Artikel von H.
Düntzer Auskunft. Das älteste römische Gebäude, von welchem sich Spuren
finden, ist jedenfalls durch Feuer zerstört worden. Mehrere noch im
Boden stehende Pfeilerstücke sind nahe an demselben abgebrochen und
zeugen von der Wirkung des Feuers. Man hat in diesen Räumen auch ein
tiefgehendes, rundes Loch entdeckt, das einer Cisterne angehört zu
haben scheint; daselbst wurden manche Reste des römischen Alterthums,
z. B. ein Theil einer Marmorbekleidung, gefunden. Nach der Zerstörung
dieser ältern Anlage hat man über den Schutt derselben einen ganz
neuen Boden gelegt, worauf dann das zu Tag liegende Bassin, das nur
ein frigidarium gewesen sein kann, gesetzt wird. Diese zweite Anlage
zeigt gleichfalls römisches Material und römische Bauart; es kann
jedoch nicht entschieden behauptet werden, daſs sie nicht schon in
die älteste fränkische Zeit hineinreiche. Die im Schutte gefundenen
römischen Münzen gehen bis auf Kaiser Valens herab. Auch sonst wurden
mancherlei Antiquitäten, als: Nadeln, Ringe, Sonden, Griffel u. s. w.,
ausgegraben. Das Allerwichtigste ist jedoch ein in der Nähe des Bassins
gefundener Stein mit einer Inschrift, die nach den unzweifelhaft
sich ergebenden Ergänzungen also lautet: „(Mer)curio August(ales)
imperatoris Titi Caesari(s Augusti) templum a fundament(is et mace)riem
in circumitu et aedificiis.“ Der Schluſs, der den Bau des Tempels aus
eigenen Mitteln bezeichnet haben mag, fehlt. Die Inschrift scheint auf
Pfeilern, wol über dem Eingang des Tempels, gestanden zu haben. Ganz in
der Nähe fand man das Reliefbild eines Gottes, vielleicht des Merkur,
das gleichfalls am Eingang angebracht gewesen sein mag. Mit fast
unzweifelhafter Gewiſsheit hat sich hieraus die Thatsache ergeben, daſs
unter Kaiser Titus in dieser Gegend ein von den Augustales, einer halb
priesterlichen Behörde, geweihter Tempel des Merkur mit Nebengebäuden
und einer anschlieſsenden Mauer gestanden. Die weitere Verfolgung
der Grundmauern des mittelalterlichen Gebäudes hat das merkwürdige
Ergebniſs geliefert, daſs dieselben sich bis unter den Domchor
hinziehen. Auch der in diesem Frühjahre entdeckte römische Thurm, in
welchen im Jahre 1247 eine Thür gebrochen ward, ist nun untersucht und
bis zum Boden ausgeleert worden, der sich etwa 6 Fuſs unter der Sohle
der Trankgasse fand, wogegen der kürzlich aufgefundene nächstgelegene
Römerthurm der Sohle ziemlich gleich liegt. Jener Thurm ergibt sich als
Halbthurm. In dem ganz mit Bauschutt ausgefüllten untern Theile fanden
sich auch mehrere Thierreste, eine Menge römischer Thonscherben, einige
kleinere Krüge und eine Münze Hadrians.

    (Ill. Ztg.)

81) Bei einer Restauration der Dominikaner-Klosterkirche zu
/Aarhuus/ stieſs man kürzlich unter dem Fuſsboden auf einen
Grundstein von 3½ Ellen Länge, welcher, nachdem er herausgenommen
worden war, eine /Runeninschrift/ zeigte. Die Alterthumskundigen
sind mit der Deutung der Schrift beschäftigt.

    (Korr.)

82) Der /Rathhausumbau in Danzig/ hat dieser alten Seestadt ein
prächtiges Denkmal bester gothischer Baukunst zurückgegeben, das
in seiner jetzigen Vollendung dem Kunst- und Bauverständigen einen
angenehmen An- und Einblick gewahrt. Diese Verschönerung hat die
Stadt dem Eifer des Oberbürgermeisters v. Winter zu danken, der bei
seinem Amtsantritt das Bauwerk in einem verwahrlosten Zustande, durch
planlose Bedürfniſsbauten vielfach entstellt, vorfand. Nun treten
überall die ursprünglichen Verhältnisse und Formen rein und schön
hervor; eine nicht geringe Anzahl trefflicher Kunstwerke, namentlich
Holzschnitzereien, seither in der Stadt zerstreut, haben in den Räumen
des Rathhauses zweckmäſsige Verwendung in würdiger Umgebung gefunden,
und Decken und Wandgemälde strahlen wieder in neuer Frische.

    (Ill. Ztg.)

83) Die beiden /Thürme/ des /Regensburger Domes/ wurden
diesen Sommer, unaufgehalten vom Kriege, bis zu den Helmen vollendet.
Am Ludwigstage fanden die üblichen Hammerschläge auf die ersten Steine
des südlichen Thurmhelmes statt, und das ganze Werk dürfte im Jahre
1868 bis zu den Kreuzblumen gediehen sein.

    (Morgenbl. z. bayr. Z.)

84) Zwanzig der schönsten /Rembrandt’schen Radierungen/ aus dem
Kupferstichkabinet des britischen Museums in London werden von Bell und
Daldy daselbst /photographisch aufgenommen/ und vervielfältigt
und sind hierauf von Cundall und Fleming, gleichfalls in London, zu
beziehen. Es befinden sich sehr berühmte Blätter darunter, als: die
drei Bäume, Ephraim Bonus, ein St. Hieronymus, die Auferweckung des
Lazarus, die Kreuzesabnahme, die Erscheinung der Engel vor Schafhirten,
das Hundertguldenstück u. s. w. Ein beschreibender und erläuternder
Text wird beigegeben.

    (Ill. Ztg.)

85) Unter einer vom Buchhändler /Stargardt/ in Berlin vor Kurzem
erworbenen Autographensammlung befinden sich einzelne, die im Handel
höchst selten vorkommen; z. B. ein eigenhändiger Brief von /Georg
Rüxner/, gen. Hierosalem Ewalde, Reichsherold im 16. Jahrh., dem
berühmten Herausgeber des Turnierbuches, „von wegen meines svagers
Hannsen Cyseus von Schönaich“; ein eigenhändiges, sehr wichtiges
Schreiben von /Joachim Friedrich/, Markgrafen zu Brandenburg, an
den Fürsten zu Anhalt, betreffend den theologischen Streit über
die Concordienfrage; eigenhändige Briefe der Theologen /Grynaeus/,
/Zwingli/ (Bruchstück), /Heshusius/ (von Samland), /Melanchthon/,
/Ochsenfort/, der Kriegshelden /Aldringer/, /Leslie/, /Dietr. v.
Werder/, /Kosciuszko/ etc.

86) Nach einer gütigen Miltheilung des Herrn Dr. E. /Schlüter/,
Obergerichtsrathes a. D., zu Stade befinden sich unter den actis
archivalibus der kgl. Landdrostei daselbst folgende /Manuscripte
deutschgeschichtlichen Inhalts/:

    1. Vita et obitus beati Willehadi, Archiepiscopi Bremensis; item
    vita Sct. Gregorii, Episcopi Trajectensis.

    2. J. Ottonis catalogus omnium Episcoporum et Archiepiscoporum
    Bremensium 1580, contin. a Kelpio usque ad A. 1648.

    3. Die s. g. bremische Anscharius-Chronik, T. I. (enthält die
    Chronik von Herbert Schene und Gerd Rynersberch de A. 782-1547).

    Tom. II: eine Chronik von 1547-1563 die /Hardenberg’schen
    Streitigkeiten/ enthaltend (incerti auctoris). /Pratje/,
    die Herzogthümer Bremen und Verden, Bd. VI, S. 23 ff., meint, daſs
    /Simon Bock/ der Verfasser sei, während der Autor des 1779
    zu Bremen erschienenen Buchs: „Dr. Hardenberg’s im Dom zu Bremen
    geführten Lehramts“ dies bestreitet und den /Bürgermeister
    Kenkel/ als Verfasser bezeichnet.

    4. J. Renner, Bremische Chronik, Th. I, von 782-1547; desgl. Th.
    II, von 1511-1583.

    5. Protocollbuch des Provincialcapitels des Benedictiner-Ordens
    (Bursfelder Union) für die Diöcesen Magdeburg, Bremen und Kamin,
    1467-1526.

    6. Das s. g. rothe Buch der bremischen Unterstifter St. Anscharii
    et Wilhadi.

    7. Jo. Rhodii registrum jurium ecclesiae Bremensis und ejusdem
    registrum bonorum castri Vorde, citra et ultra Ostam.

    8. J. Renner, Leben des Erzbischofs Johann Rhode etc.

    9. Des Rectors Roth Sammlungen zur Geschichte der Markgrafschaft
    Stade und zur Geschichte der Herzogthümer Bremen und Verden, Th. 1
    u. 2; item fernere Collectaneen desselben.

    10. (Kelp) Varia historiam Bremensem et Verdensem illustrantia.

    11. Breviarium rerum Bremae, Hamburgi et Rostochii gestarum (ad T.
    II. operum Krantzii).

    12. Chronica ecclesiae Rosenfeldensis seu Hasselfeldensis et
    Catalogus Abbatum et Archiabbatum Hasselfeldensium.

    13. Dieselbe Chronica mit späteren Zusätzen.

    14. Ein altes Manuscript über die älteren Bischöfe zu Verden
    (776-1558).

    15. Chronicon Verdense (776-1551).

    16. Verden’sche Chronik (776-1623).

    17. Excerptum Chronici Verdensis (a Pastore Rabe).

    18. Elardi v. d. Hude Chronicon Episcoporum Verdensium contin. a
    Kelpio usque ad A. 1648.

    19. Heinonis a Mandelsloh und Andreas de Mandelsloh, Memoriale
    ecclesiae Verdensis.

    20. Eine geschriebene alte Chronik von Hamburg (800-1552). (Nebst
    einem Gedichte vom Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen, 1568.)

    21. /Tratziger’s/ Hamburgische Chronik.

    22. Bericht, wie weit das Land Wursten vor der Eroberung dem
    Erzstifte und wie weit es hernach demselben incorporirt worden;
    (geht bis A. 1663).

    23. De Castro Delmenhorst ao. 1220 ab Archiepiscopo Bremensi
    aedificato.

    24. /Kelp/, Collectanea von der Grafschaft Hoya.

    25. Auszug einiger Nachrichten von der Grafschaft Hoya, Auctore J.
    K(elp).

    26. Hadelographia, Beschreibung der Landschaft Hadeln von H.
    /Sittmann/, 1680; angebunden Wittmunder und Esensche Chronika
    sive Genealogia Frisica Hyeronimi Grestii.

    27. Nachrichten und Urkunden über das ehemals zur bischöflich
    Verdenschen Kirche gehörige Kloster Scharmbeck (zuerst Steinbeck,
    dann Marienbeck genannt).



Inserate und Bekanntmachungen.


Die Herren Pränumeranten und Gratisempfänger des Anzeigers werden
hiemit ergebenst benachrichtigt, daſs von nun an nur die direkt
bei der Post bestellten Exemplare per Post, alle übrigen aber auf
/Buchhändlerweg/ expediert werden.

    /Nürnberg/, 1. September 1866.        =Das germanische Museum.=

       *       *       *       *       *

15) Zu kaufen oder auf kurze Zeit zu leihen gesucht wird von dem Werke:
Lepage, les communes de la Meurthe der 2. Theil des ersten Bandes, S.
352 ff. Gefällige Offerten an die Redaktion des Anzeigers.

16) Ich würde mich auſserordentlich verpflichtet fühlen, wollte
mir Jemand etwas Authentisches über das /Lützelburg/’sche
Freiherren-Diplom zukommen lassen, -- wie ich überhaupt alle auf meine
Familie bezüglichen Urkunden etc., welche mir, wenn auch lediglich
zur Einsichtnahme, dargeboten werden, stets in hohem Grade willkommen
heiſse.

    /Eichstätt/, im September 1866.

    /Wilhelm Freiherr v. Lützelburg./


Verantwortliche Redaction: Dr. G. K. /Frommann/. Dr. A. v. /Eye/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.


U. E. /Sebald/’sche Buchdruckerei.



                               ANZEIGER
                   FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

                   Neue Folge. Dreizehnter Jahrgang.

                            [Illustration]

    /Nürnberg./ Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate
    erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der
    neuesten Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen
    _Deutschlands_ incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuſs oder
    2 Thlr. preuſs.

    Für _Frankreich_ abonniert man in Straſsburg bei C. F. Schmidt, in
    Paris bei der deutschen Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11.
    rue de Lille, oder bei dem Postamt in Karlsruhe; für _England_ bei
    Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;
    für _Nordamerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

    Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des
    Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.
    Anstalt des Museums, F. A. /Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

    Inserate, welche mit den Zwecken des Anzeigers und dessen
    wissenschaftlichem Gebiete in Verbindung stehen, werden aufgenommen
    und der Raum einer Columnenzeile mit 7 kr. oder 2 Sgr. berechnet.

                    ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

                     1866.    Nº 10.    October.



Wissenschaftliche Mittheilungen.



Kaiser Albrecht I. und Herzog Friedrich der Schöne von Oesterreich
belagern die Veste Fürstenberg in der Baar.


Vergleich zwischen dem Grafen Heinrich von Fürstenberg, seinen Brüdern
und Vettern einerseits und K. Albrecht I. und seinen Söhnen anderseits,
die Städte Bräunlingen und Löffingen und die Burg Kürnberg betreffend.

    /1305, Mai 30, vor Fürstenberg./

Allen den, die disen gegenwirtigen brief ansehent oder hoͤrent, kvͤnde
ich graue Hainrich von Fürstenberg, daz dvͤ mishelli, dvͤ entzwischent
| minem herren Albrehte von gotez gnaden dem Roͤmschen künge, ainem
mêrer dez riches, vnd herzogen Fridrice sinem svne ainhalb vnd mir
andert | halben gewesen ist, verslihtet vnd gerihtet ist, als hie
nach geschriben stât. Von erst han ich graue Hainrich, für mich vnd
mine bruͦdere, minem herren | herzogen Fridriche, an siner vnd siner
bruͦder stat, gegeben allez daz reht, daz wir haben in der stat ze
Brülingen, ez si an luͤten oder an guͦte ald an gerihten, vnd sont svͤ
mir vnd minen bruͦdern darvmbe geben drithalbhvndert march loͤtiges
silbers Schafhuser gewihtez, die svͤ mir vergwisset habent ze gebenne
ze vsgender naͤsten phingstwͦchen. Ich hab ovch, für mich vnd mine
bruͦdere, minem herren dem Roͤmschen kvͤnge vnd herzogen Fridrich sinem
svne ze besserunge vfgeben, vnser grâschaft vnd die burg ze Kvͤrenburg
vnd die stat ze Loͤffingen, vnd han daz ze lehen enphangen von dem
vorgenanden herzogen Fridriche vnd sinen bruͦdern. Ich verzihe mich
ovch, für mich vnd mine bruͦdere, allez dez schaden, So mir vnd minen
bruͦdern geschehen ist, von minem herren dem kvͤnge vnd von herzogen
Fridriche sinem svne, oder von iren dienern. Sich verzihet ovch graue
Cuͦnrat von Fürstenberg min veter, korherre ze Kostenze, allez dez
schaden, so ime geschehen ist, an der stat ze Loͤffingen ald anderswa,
von denen von Stofeln oder von anderen dez kvͤngez oder dez herzogen
dienern. Dar nach, vmbe mine vnd miner veteren lüte, grauen Cuͦnratz
vnd grauen Gebhartz sinez bruͦders, die ze Brülingen burger worden
sint, die wir herbraht haben, svͤ sin aigen- oder lehen- oder vogtlüte,
ist also gered, went svͤ ze Brülingen bliben vnd da sitzen, dez enson
wir vnd vͤnsere veterren, die vorgenanden, in niht enweren vnd sont svͤ
dar vmbe niht beswêren, wer aber, daz svͤ da niht beliben vnd sitzen
woltin, so son wir vnd vͤnsere vetern, die vorgeschribene, die selben
lvͤte haben vnd besitzen, als ovch vor. Wer och daz ieman miner oder
miner veterren, der vorgenanden grafen, lüte oder vͤnserre dienere lüte
ze Brülingen bliben vnt sitzen woltin, svͤ sin fri oder vogtlüte, so
ensol mich vnd mine bruͦdere vnd mine veterren, die vorgenanden, der
vorgeschriben herzog Fridrich vnd sine bruͦdere niht enirren an dien
guͤtern so dieselben lüte hant; wir mugen svͤ niessen reht vnd redelich
in allem dem rehte, avn alle geuerde, als ovch vͤnsere vordem dvͤ
selben guͤter hant genossen. Ez ist ovch also gered, daz der vorgenande
vͤnser herre der kvͤnig vnd herzog Fridrich vnd sine bruͦdere hinnanhin
enhainen man, der der min vnd miner bruͦdere, oder miner vetern,
aigen ist, enphahen son ze burger ze Brülingen; wer aber, daz dehaine
vͤnser vogtman oder fri ist burger wrde ze Brülingen, die mugent der
vorgenande herzog Fridrich vnd sine bruͦder wol enphahen, also ob svͤ
da sezhaft went sin vnd da beliben. Vnd dieselben gnade, die mir vnd
minen bruͦdern vnd minen vetern hat getan vͤnser herre der kvͤnig vnd
der herzog Fridrich und sine bruͦdere, vmbe die aigen lüte oder die
frien all die vogtlvͤte, die haut svͤ ovch getan dien von Bluͦmenberg,
dien von Blvͦmenegge, dien von Kvͤrnegge, dien von Almshouen,
Huge von Riffenberg, hern Fresselin, dien von Aitlingen, Hainriche
dem Schulthaissen von Vilingen, Cuͦnrat von Hvͤfingen, Johanse von
Gepzenstayn, vnd dien die vf dem berge sitzent ze Fürstenberg. Aber
vmbe die edeln lvͤte ist also gered, went svͤ oder ir dehainer burger
werden ze Brülingen, dez ensol ich vnd mine bruͦdere oder mine vetern
in niht enweren, ovch ensol in der kvͤng oder der herzog Fridrich
niht enweren, ob svͤ dannan varn woltin. Vnd daz diz, allez daz da
vorgeschriben stât, war si und staͤte blibe, so hab ich, für mich vnd
mine bruͦdere, disen brief besigelt mit minem vnd minez vetern grauen
Cuͦnratz yngesigeln. Ich graue Cuͦnrat von Fürstenberg, korherre ze
Kostenze, vergihe an dem gegenwͥrtigen briefe, daz allez daz da
vorgeschriben stât geschenhen ist mit miner vnd minez bruͦders grauen
Gebhartz, des vorgenanden, wissende, gunst vnd willen, vnd verzih mich
allez dez schaden, so mir geschehen ist an der stat ze Loͤffingen ald
anderswa, als da vorgeschriben stat. Vnd ze ainem vrkünde derselben
dinge, so henk ich min yngesigel an disen brief zvᵒ minez vetern
ynsigel, dez vorgenanden grauen Hainrichs. Diz beschach vnd dirre brief
wart gegeben in dem gesesse vor Fürstenberg, do man zalte von gotez
gebvͤrte drüzehenhvndert jar vnd darnach in dem fvͤnften jare an dem
svnnentage nach der hailigen vffart vͤnsers herren.

Das Siegel des Grafen Heinrich nur als Fragment erhalten. Doch ist
deutlich ersichtlich, daſs es das gleiche Siegel, welches in des
Fürsten Friedrich Karl zu Hohenlohe Sphrag. Album des deutsch. hohen
Adels, Beil. C zu Fürstenberg Nr. 4, abgebildet ist, ein s. g.
Reitersiegel (nach dem Hohenlohe’schen Systeme III, B, 3). Von der
Umschrift ist noch lesbar.. ~DE .. STENB’G~. Das Wappen auf dem
Schilde und der Pferdedecke ist deutlich zu erkennen. Das Siegel des
Grafen Conrad ist ziemlich gut erhalten. In einem dreieckigen Schilde
das bekannte Wappen (nach dem Hohenlohe’schen Systeme, IV, A, 2).
Umschrift: ✠ ~S’. a. CON. DE. FIVRSTENB’G. CAN. CONSTANT.~

Die vorstehende Urkunde scheint mir in mehr als nur in einer Hinsicht
der Veröffentlichung würdig zu sein. Daſs Herzog Friedrich der
Schöne die Stadt Bräunlingen am 30. Mai 1305 vom Grafen Heinrich von
Fürstenberg um 250 M. S. käuflich erwarb, wissen wir aus (Kreutter)
Geschichte der k. k. vorderösterr. Staaten, 2, 43 und, hieraus, aus
Stälin, Wirt. Gesch., 3, 109. Dagegen war es, meines Wissens, bisher
noch nicht bekannt, daſs die Veräuſserung Bräunlingens die Folge
einer Fehde und eines, von K. Albrecht und seinem genannten Sohne
Friedrich persönlich unternommenen Kriegszugs gewesen ist. Die Urkunde
gewährt aber auch ein rechtsgeschichtliches Interesse als Beitrag zur
Kenntniſsnahme einer die Landherren des 13. und 14. Jahrh. gar sehr
berührenden Frage, nämlich des Anschlusses ihrer Unterthanen in die
Städte, und des hiermit engverbundenen Ausbürger- und Pfahlbürgerthums
(cives non residentes). Das Original der Urkunde befindet sich im
Generallandesarchive zu Carlsruhe und wurde mir von dort, zum Behufe
meiner Studien zur fürstenbergischen Hausgeschichte, in freundlicher
Bereitwilligkeit mitgetheilt. Der hier gegebene Abdruck ist ganz genau.
Schwankungen in der Schreibart wurden beibehalten. Die wenigen, niemals
zweifelhaften Abkürzungen sind aufgelöst[A].

Ich hege keinen Zweifel darüber, daſs diese „in dem gesesse vor
Fürstenberg“, also bei der Belagerung (vergl. Ziemann s. v. Gesesze)
ausgestellte Urkunde in Gegenwart K. Albrecht’s und wol auch seines
Sohnes Friedrich ausgefertigt worden ist, und glaube sogar jene kleine,
zierliche Schrift, welche den Sekretär K. Albrecht’s auszeichnet,
und das in Albrecht’s Kanzlei übliche, feine Pergament zu erkennen.
Bei Mone, Zeitschrift 14, 174 ist ein ähnliches Beispiel vom 9. Aug.
1303 gegeben, daſs nämlich eine Urkunde, welche die Herren Conrad und
Engelhart von Weinsberg dem Könige ausstellten, von dessen Sekretär
geschrieben wurde. Fernerhin paſst die Urkunde in K. Albrecht’s
Itinerar, soweit wir dasselbe kennen. Derselbe war am 17. und 19. Mai
in Eſslingen, am 22. Mai in Rotweil und am 31. Mai in der Nahe von
(apud), oder in Schaffhausen. Die Nachweisungen in Böhmer’s Regg.
Imp. Nr 505, 507 u. 633. Veste Fürstenberg ist höchstens 6 Stunden
von Schaffhausen entfernt. Was den Herzog Friedrich betrifft, so war
derselbe am 29. Juni 1305 in Ulm (Böhmer, Add., II, S. 501). Weitere
Urkunden Friedrich’s aus dem Jahre 1305 sind nicht bekannt. Graf
Heinrich (II.) von Fürstenberg ist ein Sohn des Grafen Friedrich und
der Adelheid von Wolfach. Seine in der Urkunde erwähnten, aber nicht
namentlich angeführten Brüder sind: Conrad, in der Folge Domdekan
zu Straſsburg, † 1346, und Friedrich, Johanniter in Villingen. Der
Chorherr zu Constanz, Graf Conrad zu Fürstenberg, und dessen Bruder
Graf Gebhart sind Oheime des Grafen Heinrich II., Brüder seines Vaters
Friedrich. Beide gehörten dem geistlichen Stande an. Conrad war
zugleich auch Pfarrherr (Rector ecclesiae) in Villingen und urkundet
als solcher schon im J. 1303 (Origg. mit Siegeln im F. Fürstenb.
Arch.); Gebhart war Chorherr zu Constanz und, nach dem Tode Conrads
(† 1314), ebenfalls Pfarrherr zu Villingen. Welche Gerechtsame diesen
beiden Grafen in Löffingen zustanden, ist nicht näher ermittelt. Die
Burg Kürnburg oder Kürnberg -- jetzt der Kürnberger Hof -- lag nahe
bei Löffingen, unweit der Straſse von Donaueschingen nach Freiburg
i. Br. Die Linie Fürstenberg-Haslach, welche bis zum J. 1326 die
Stadt Villingen besaſs, war bei diesem Streite mit K. Albrecht nicht
betheiligt. Die Gerechtsame des Hauses Fürstenberg in Bräunlingen
dürften auf Zäringen’schen Ursprung zurückführbar sein. Bräunlingen
blieb, einige Verpfändungen abgerechnet, bis zur Auflösung des
deutschen Reiches eine vorderösterreichische Stadt und führte als
solche auch den habsburgischen Löwen im Wappen.

Wahrscheinlich wollte Graf Heinrich von Fürstenberg eine ernstliche
Fehde mit dem Reichsoberhaupte vermeiden. Doch scheint auſser Zweifel
zu sein, daſs K. Albrecht und Herzog Friedrich sich vor Fürstenberg
gelagert hatten, und daſs hier, im Lager, ein Vergleich zu Stande kam.
Fürstenberg war indessen zu jener Zeit nicht nur eine Burg, sondern
auch ein befestigtes Städtchen, dessen bereits in der bekannten Urkunde
K. Rudolf’s, aus dem Lager zu Marchegg, 1278 Aug. 19, Böhmer, Reg. Rud.
458, Erwähnung geschieht.

    /Donaueschingen/, im August 1866.

    /Dr. Freih. Roth v. Schreckenstein/,
      F. F. Archivar.


FUSSNOTE:

[Fußnote A: In Ermangelung entsprechender Typen haben wir bei diesem,
sonst getreu an das vorliegende Manuscript sich anschlieſsenden
Abdrucke die Buchstaben v und u mit übergeschriebenen i (vͥ, uͥ)
durch vͤ und ü, ebenso a und o mit darüberstehendem v durch av, ov
wiedergeben müssen. /Die Redaktion./]



Die Sprichwörtersammlung des Friedrich Peters.

Von Subrektor J. /Franck/ zu Annweiler.


Eine der werthvollsten und zugleich wenigst bekannten
Sprichwörtersammlungen, deren Niederschrift noch in das 16. Jahrh.
fällt, ist diejenige des Friedrich Peters. Ich gebe in Nachstehendem
eine eingehende Beschreibung derselben nach einem vollständigen
Exemplare, das sich in der Bibliothek des Zweibrückener Gymnasiums[A]
befindet.

Der Teutschen | (_Schmale Zierleiste_) | /=W=Eiſsheit// | Das
ist: | /Auſserlesene kurtze/ sinnreiche/ | lehrhaffte vnd sittige
Spruͤche vnd Sprich-/ | woͤrter in schoͤnen Reimen oder schlecht
ohne Reim/ | von allerley Geistlichem vnd Weltlichem Wesen | vnd Handel
des gantzen Menschlichen Lebens/ wie | man sie im gemeinen Brauch hat/
oder in | gelehrter Leut Buͤchern | findet. | Lustig und nuͤtzlich
zu lesen. /Allen Weisen vnd Teutschen/ | zu Ehren in Druck
gegeben. | Durch | /M. Fridericum Petri Seniorem vnd/ Pastorem zu
Braunschweich. | Hamburg/ | /Gedruckt bey/ /Philipp von Ohr/ |
Im Jahr Christi./ | M.D.C.V.

8. -- Drei Theile mit Haupttitel für ersten und zweiten Theil, aber
alle Theile durchlaufender Signatur. Rückseite des ersten Titels
leer, letzte Seite bedruckt. 16 Bl. Vorstücke, Titelbl. mitgezählt,
509 Bl. Text, dazu 3 weiſse Bl. Alle Blätter unbeziffert. Signatur:
(?)ij -- (?)~v~,):(--):(~v~, ~A-Zv~, ~Aa-Zzv~, ~Aaa~-Sss 5. Die volle
Seite, Ueberschriften und Custoden ungerechnet, zählt 37, seltener 36
Zeilen (z. B. Bl. ~Dd~^a und ~Gggv~iij^a). Gesperrte Zeilen, auch das
Druckjahr roth. Der erste Buchstabe der zweiten Zeile in schwarzer,
der zweite in rother Zeichnung. Titel, mit Ausnahme des Namens des
Verfassers und seines Amtes, durchaus in deutschen Lettern. Ohne
Randglossen. Bl. (?)ij^a-(?)viij^b: Vorrede (Dedication) „Den Gestren-
| gen/... Junckhern/ Cord vnd Hildbrand | Gebruͤdern von Salder/
Gluͤck | vnnd Heil“, unterzeichnet „M. Friderich Peters“. (Vign.)
Bl.):(^a --):(^b: „Vorrede“ (Citate aus Luther’s Schriften, dem
Sylvula sententiarum und Matthesius vita Luth.), am Schluſs: Vignette.
Bl.):(ij^a-):(~v~iij^b: „Vorrede“ (Dedication) DEn Edlen/ |... Fraw-
| en/ Frawen Ilsen/ Fritzen von der Schulen- | burg... gebornen von
Salder etc. meinen ... Gefat- | terinnen“, datiert: „Dreſsden den 3.
Sept. | Anno 1604. || Polycarpus Leiser D.“ (Druckerzeichen). Bl.
~A^a~-~H~iij^b: „Der Teutschen Weiſsheit | Das Erste Theil/ | Von |
/Gott// /Christo// | Glauben/ Gebet/ Ketzerei/ | Trost vnd Hoffnung im
Creutz/ | Suͤnd/ Todt/ Leben und Selig- | keit/ etc.“ Schluſs: „Ende
deſs Ersten Theils. | Dem Vater der Barmherzigkeit/ | Sey Lob vnd
Preiſs in Ewigkeit. || Das“ (als Custos). Bl. ~H~iiij^a: Das ander
Theil/ | Von /=G=uten Wer/- | cken/ Laster vnd Vn- | tugend/ Lohn
vnd Straffe/ auch | von allerley handeln und faͤllen deſs | gantzen
Menschlichen Le- | bens. | (_Vignette_). Gedruckt zu Hamburg/ durch |
Philip von Ohr/ Im Jahr | 1604.

Bl. ~H~iiij^b-~Pppv~iij^b: Text. Bl. Qqq^a-Qqqiij^b: „Bericht/ wo
man in einem je- | den Mond seiner Gesundtheit | pflegen sol“. Bl.
Qqqiiij^a|_{b}: „Ein Teutscher Calender/ oder Cisio janus/ | da eine
jede Silbe einen Tag be- | deutet“. Bl. Qqq~v~^a-Rrr2^b: „Folgt der
rechte gantze stetswerende | Calender/ Auch die Guͤlden Zahl den |
newen Mon zu finden“. Bl. Rrr3^a-~Rrr~iiij^a: „Ein ander Teutscher
Calender/ da ein | jedes /Wort/ einen Tag be- | deutet“. Schluſs des
zweiten Theils: „Steffen/ Johan haben Thomam Bischoff gemacht. || Das“
(als Custos). Bl. ~Rrr~iiij^b: /Das dritte Theil/. | Ist des alten
Adams Sprach/ nemlich der | Tyrannen/ Hurer/ Diebe/ Tellerlecker/
Seuffer/ | Geitziger/ Spoͤtter/ Spieler/ Epicureer/ Trieger/ Kar-
| ger/ Filtze/ Faulentzer vnd dergleichen vnebene Rede/ | damit
Christlicher Stende vnd /Personen/ gespottet/ | Suͤnd vnd Schand
bementelt/ auch Tu- | gend vnd Erbarkeit ver- | lacht wird“. Bl.
~Rrr~iiij^b-Sss4^a: Text. Bl. Sss^b (unter einer Zierleiste) -- bis
Sss5^a: „APPENDIX“. (Vign. des Bl. (?)~v~iij^b). Bl. Sss5^b-Sss6^a:
„ERRATA“. (Vign.). Schluſsschrift (Bl. Sss6^b): (_Zierleiste_) |
/Hãmburg// | Gedruckt durch Philipp von | Ohr/ Im Jahr/ | 1605. |
(_Druckerzeichen._)

Als Columnen-Ueberschriften stehen: Bl. (?)ij^b-):(~v~iij^b
beiderseits: „Vorrede“ (mit Ausnahme von Bl. (?)ij^a und Bl.):(ij^a,
wo sie fehlen); Bl. ~A^b~ bis ~H~iij^a: „Der Teutschen Weiſsheit...
Das Erste Theil“ (mit Ausnahme von Bl. ~A^a~, wo sie fehlt und
Bl. ~H~iij^b, wo blos steht: Der Teutschen Weiſsheit); Bl.
~H~iiij^b-~Rrr~iiij^a: „Der Teutschen Weiſsheit... Das Ander Theil“;
Bl. ~Rrr~iiij^b-S~ſſ~4^a: „Der Teutschen Weiſsheit ... Das dritte
Theil“; Bl. S~ſſ~4^b-Sss5^a: „APPENDIX“. und Bl. Sss5^b-Sss6^a:
„ERRATA“. Irrthümlich ist im zweiten Theile gesetzt (Bl. Jiij^a) „Das
Erste Theil“. Die drei Signaturen Rrr, Rrr2 und Rrr3 sind römische und
~Rrr~iiij ungewöhnlich groſs gedruckt. Auf Bl. ~S~iiij^a steht im Texte
unrichtig als Ueberschrift „~D~“.

In der Vorrede erklärt sich Peters u. A. sehr verständig über den
/Unterschied/ zwischen Sprüchen und Sprichwörtern, indem er sagt (Bl.
(?)ij^b-(?)iij^a): „Es ist aber vnter Spruͤchen und Sprichwoͤrtern
ein solcher vnterschied/ das die Spruͤche nur also zu verstehen sind/
wie der klare deutliche Buchstab lautet/ vnnd kein ferner nachdencken
geben: Als wenn man sagt:

    Alte Freunde sind die besten.
    Auff hoͤren sagen gar nicht baw/
      Auff blosse wort mit nichten traw.

Die Sprichwoͤrter aber/ die man eigentlich also nennet/ haben eine
solche art/ das sie erstlich nach dem buchstab recht vnd war sind/ vnd
darnach verbluͤmbter weise weiter auſssehen/ Vrsach und Anleitung geben
schaͤrffer nachzusinnen auff etwas mehr/ das darunter verstanden vnd
damit gemeinet wird: Als wenn man spricht:

    Alte Hunde sind boͤſs bendig zumachen/
    Wenn fleucht die Taub zu weit ins Feld/
          Zuletzt der Habicht sie behelt.

Denn das ist war/ wie die Wort lauten/ vnd deutet aber vber dz
verdeckter weise auff ein anders/ welchs damit wird zuverstehen
gegeben/ nemlich/ daſs man alte Schelcke nicht wol koͤnne from machen/
Item/ das eine Jungfraw/ die sich viel auſsgehens befleisset/ oder sich
zu weit verthut/ koͤnne leicht vmb jhr Ehre gebracht werden/ oder sonst
in Schaden gerahten“.

/Wiederholungen/ von Sprichwörtern rechtfertigt der Verfasser
in folgender Ausführung (Bl. (?)iiij^a|_{b}): „Vnd ob wol aller
muͤglicheit nach ein jedes nur ein mal gesetzt/ vnd nicht anderswo
widerholet wird/ so find sichs doch/ das zuweilen ein Spruch oder
Sprichwort in vngleichen Worten jetzt so/ denn anders lautet/ vnd daher
offt einen andern Verstand gewinnet/ oder das eine mal ohne Reim/
das ander mal artig in Reims weiſs auſsgesprochen wird/ welches auch
macht/ das wol zu zeiten etwas hernach gesetzt ist/ da jemand meinen
moͤcht/ es were solchs bereit zuvor gesagt: Wer aber acht darauff gibt/
vnd eins gegen das ander helt/ der sihet leichtlich/ das es entweder
mehrerley vngleiche Spruͤche sind/ oder Beides die schlechte Rede
vnd der Reim lustig zu lesen vnd lehrhafftig ist/ vnd demnach nicht
vnbillich ein jedes an seinem Ort gesetzt ist: Als wenn man spricht:

    Trinck Wein/ beschert dir Gott Wein.
                    Item
    Trinck Wein/ so  beschert dir Gott Wein.

Da lest sichs wol ansehen/ als wens nur einerley Rede sey/ weil es
fast einerley Wort vnd Buchstaben sind/ vnd gleichwol wenn mans recht
erwiegt/ so findt sichs/ das es zweyerley vnterschaiden Spruͤche seyen/
vnd zweyerley Meinung geben...“

Was endlich die /Eintheilung/ seiner Sammlung anbelangt, so spricht
er sich hierüber folgendermaſsen aus (Bl. (?)~v~^b-(?)~vj~^b): „Es
sind aber die Spruͤche in drey hauffen vnterscheiden vnd abgetheilet.
Im ersten Theil sind die verzeichnet/ welche von rechter warer
Gottseligkeit/ von Gott vnd seinem Wort/ von Christo/ vom Glauben/
Gebet/ Ketzerey/ Creutz/ Trost vnd Hoffnung in Truͤbsal/ Suͤnd/ Todt/
leben vnd ewiger Seligkeit berichten vnd lehren.

Im andern Theil sind auffgeschrieben aller Stende Lection/ Tugend
vnd gute Wercke/ Laster vnd Vntugend/ Sold vnd Lohn/ einem jeden zur
Lehr/ Bericht/ Erinnerung/ Vermanung vnd Besserung/ auch allen from̄en
auffrichtigen Biderleuten Mans vnd Frawspersonen zu lob vnd ehren...
Auch find man daselbst vielfeltige Erinnerung von allerley Weltlichem
Wesen/ Handeln vnd Fellen des gantzen Menschlichen Lebens/ auch zu
weilen gemeine Naturkuͤndige Spruͤche/ oder sonst schlechte einfeltige
Rede/ darin man doch auch sihet/ eine feine Weiſsheit vnser lieben
Teutschen/ vnd sittige Lehr/ oder je gemeinen Bericht von der Welt
Lauff vnd Wandel...

Das dritte Theil ist des alten Adams sprach/ nemlich solche Rede/
da man Christlicher ehrlicher Stende vnd Personen spottet/ oder sie
lestert/ Suͤnd vnd Boſsheit bementelt/ oder schertz damit treibt/
vnd dagegen Tugend vnd Erbarkeit verlachet: von welchen nur etliche
wenige sind hieher gesetzt/ auff das man der Jugend das Gottlose wesen
der argen boͤsen Welt etwas fuͤrbilde vnd verhasset mache/ vnd sie
dafuͤr verwarne/ vnd dagegen zur Tugend vnd Gottseligkeit anhalte: wie
gleichfalls die Propheten/ Item Salomon in seinen Spruͤchen vnd S.
Paulus in seinen Episteln auch zuweilen vnebene Spruͤche vnd Spottwort
der Weltkinder einfuͤhren“. --

Die vorliegende Sammlung gehört zu den werthvollsten und
reichhaltigsten der ganzen Literatur. Sie enthält nicht nur die meisten
in jener Zeit umlaufenden prosaischen und gereimten Sprichwörter,
sondern auch eine überraschend groſse Zahl seltener, sonst nicht
gelesener Mittheilungen aus älteren, zum Theil unbekannten Quellen.
Darunter finden sich alte und uralte echte Sprichwörter in hoch-
und niederdeutscher Mundart, sprichwörtliche Reime, ungewöhnliche
Bauern- und Wetterregeln, Vergleichungen, Spottreime, Scherz-
und Schimpfworte, Weid- und Wahlsprüche etc. und ganz besonders
eine hübsche Anzahl Priameln, die bekanntlich jeder Sammlung zur
Zierde, einer älteren aber, wie diese, zu doppeltem Lobe gereichen.
Das Werk ist aber auch unter allen, welche bis zum J. 1863, wo
/Wander/ seine umfassende Sammlung zu edieren begann, gedruckt
worden sind, das reichhaltigste Sprichwörterbuch. Während die zwei
Collectionen /Agricola’s/[B] (1529-1592) nur 1249, die
/Klugreden/ (1548 ff.) 1320, die Sammlung /Franck’s/ (1541)
c. 7000, die /Zincgref-Weidner’sche/ (1624-1655) 7721, die von
/Körte/ (2. Ausg.) 9020, von /Eiselein/ (1840) 12,000, von
/Simrock/ (1846) 12,396 Sprichwörter verzeichnen und endlich
die /Lehman’sche/ (1640-62) -- unter allen diesen die, jedoch
nur vermittelst einer überwuchernden Zahl lateinischer Moralsätze,
geschichtlicher Anekdoten und gedehnter Aussprüche über Gegenstände
der Religion und des Staates, copioseste: 22,922 Sprichwörter und
/sprichwörtliche Redensarten/ zählt[C] -- umfaſst die unserige
/ohne/ diese letzteren, welche Peters verschmähte, auf Grund einer
sorgfältigen Zählung (welche mich -- sit venia dicto -- eine Woche
in Anspruch nahm) in Summa 21,643 Sprichwörter (/Gödeke/ im Gr.
I, 113 schätzte ihre Zahl ziemlich richtig auf 20,000). Von diesen
fallen auf den ersten Theil 2,216, auf den zweiten 19,120 und auf den
dritten 307. Die Sammlung würde aber noch weit reicher geworden sein
und wol um die Hälfte sich vermehrt haben, hätte sich der Verfasser
entschlieſsen können, auch die sprichwörtlichen Redensarten, die
„Metaphoricae Phrases oder verbluͤmte Wort“ in die eigentlichen Sprüche
und Sprichwörter aufzunehmen. Er spricht sich hierüber (Vorrede, Bl.
(?)iij^a|_{b}) in folgenden Worten aus:

„Weil denn hie volstendige gemeine Lehrspruͤche vnnd Sprichwoͤrter
verzeichnet/ als sind auſs derselbigen Vrsach nicht mit hinan gehengt
solche Rede/ die keinen volkommen Sinn oder Verstand geben/ oder die
nur auff ein eintzeln Person gehen/ vnd nicht in gemein hin auff alle
oder auf viele geredt werden: als wenn man sagt: /Aus der Lungen
reden: das muſs versaltzen: Den Baum auff beiden Achseln tragen: hinter
dem Berge halten: Mit halber Ehr darvon kommen: Vnter einer vngekehrten
Bank finden:/ Vnd dergleichen vnzehlig viel mehr. Auch nit folgender
Art reden/ da man spricht; /Das Fewr gehet jhm aus: das Liecht brent
jhm auff die Finger: Er ersoffe nicht/ das Wasser gienge jhm denn vber
den Galgen: Er hat einen Hasen im Busem... Er ist kleinlaut/ die Pferde
sind jhm genommen: Er muſs braten/ solt er auch den ledigen Spieſs
braten: Er schleifft/ aber nicht ohne Wasser: Er wil sehen/ was da
fleucht/ nicht was da kreucht: Man muſs jhn beym Rocke halten/ nicht
bey den Worten.../ Item: /Er bestehet/ wie Butter an der Sonnen:
Er gehet drumb her/ wie die Katze vmb einen heissen Brei: Er helt/ wie
ein zubrochen Armbrust: Er stehet auff seinen Worten/ wie der Peltz
auff seinen Ermeln: Er stehet/ wie der Hahn bey den Paucken.../ etc.
Denn diese vnd dergleichen alle sind nur Metaphoricae Phrases oder
verbluͤmte Wort/ nicht gemeine volstendige morales oder proverbiales
sententiae/ oder lehrhaffte Spruͤche/ sind auch derwegen hie gar
ausgelassen/ wie sie denn auch vnter die Spruͤche oder Sprichwoͤrter
nicht moͤgen gezehlet werden“.

    (Schluſs folgt.)


FUSSNOTEN:

[Fußnote A: Die Bibliothek zu Zweibrücken zeichnet sich eben so
sehr durch den Reichthum an seltenen Druckwerken aus, als durch ihre
musterhafte Ordnung und die Liberalität ihrer Verwaltung (z. Z.
Gymnasial-Professor /Fr. Butters/), welche es ermöglicht, von
ihren Schätzen den ausgedehntesten und dankenswerthesten Gebrauch zu
machen. Der Werth und Nutzen dieser von Herzog Johann I. († 1604)
gegründeten, von seinen Nachfolgern mit Liebe gepflegten und von
Karl I. durch die birkenfeldische (1762) vermehrten Büchersammlung
beruht nicht sowohl in einer übergroſsen Bändezahl (c. 8000), als
in den zahlreichen und wichtigen Quellenschriften älterer Zeit
und ganz besonders in denen aus allen Theilen der Literatur des
Reformations-Zeitalters, welche, trotz der vielfachen Verluste in
Kriegszeiten, in dieser Anzahl nur in wenigen, gröſseren Bibliotheken
sich vereinigt finden möchten. Es finden sich hier /Luther’s/
sämmtliche Werke in drei verschiedenen Ausgaben: Jena, Wittenberg
und Altenburg (dabei ein Pracht-Exemplar und wahrscheinlich
churfürstlich-sächsisches Geschenk der zweibändigen Bibel von 1543 mit
128 Bildern in Gold und Farben von L. Cranach, aus dem Besitze des
„Carolus Comes Pal. Rheni 1584“), die meisten Dichter (H. Sachs), die
Satiriker (Fischart) und Pasquillisten (Hutten) des 16. und 17. Jahrh.,
die Exegesen und Postillen (Mathesius) der damaligen Zeit, ebenso die
bedeutendsten Geschichtswerke (Seb. Franck) u. s. w. Ein groſser Theil
dieser Werke, in gleichzeitigen, noch jetzt prächtigen Einbänden, war
meist Privateigenthum der zweibrückischen Herzoge, gieng allmählich
durch Donation an die Gymnasial-Bibliothek über, und in nicht wenigen
findet sich deren Namen eigenhändig eingezeichnet. Nach einer
gefälligen Mittheilung des dermaligen Bibliothekars wurde der gröſste
und werthvollste Theil der Bücherschätze zweimal durch die Nachbarn,
welche sich rühmen „de marcher à la tête de la civilisation“ ruiniert
oder geraubt: zuerst 1677, wo sie fast die ganze Sammlung nach Rheims
schafften (der dortige Erzbischof war Louvois’ Bruder) und zum zweiten
Mal in den Revolutionskriegen 1795-96.]

[Fußnote B: Ich benutze diese Gelegenheit, um dem verehrten Verfasser
des Aufsatzes: „Die Ausgabe der Sprichwörter Agricola’s vom J. 1548“
(Nr. 6, Sp. 207-210 des laufenden Jahrg. d. Anz.) Herrn /Fr.
Latendorf/ zu Schwerin, dem rüstigen Vorarbeiter auf dem Felde des
deutschen Sprichworts und scharfsinnigen Commentator Agricola’s, zwei
Worte zu senden. Meine Annahme einer /doppelten/ und verschiedenen
Ausgabe der 500 Sprichwörter Agricola’s (vergl. Anzeiger, 1865, Sp.
388 ff.) war eine irrige, wie mich seitdem, zugleich veranlaſst durch
eine briefliche Nachricht /Ottow’s/ zu Landeshut, nochmalige
Untersuchung und Prüfung des fraglichen Druckes überzeugend gelehrt
haben. Indem ich mich zu dem Irrthum gern bekenne (/Cic./ Phil.
XII, 2), bringe ich dieses Ergebniſs, das in allen Theilen mit
Latendorf’s kritischer Schluſsfolge übereinstimmt, hiermit (nach
Wunsch) zu seiner wie aller derer offenen Kenntniſs, denen gleich ihm
die Sprichwörterkunde, dieser eben so wichtige wie interessante Zweig
der deutschen Philologie, nicht gleichgültig ist. -- Eine anderweitige,
schon früher von Latendorf (Anzeiger 1856, Sp. 322) zweifelnd
aufgeworfene -- und bei diesem Anlaſs zu erledigende Frage -- betreffs
eines schon vor 1541 erschienenen Druckes der Sprichwörter des /Seb.
Franck/, beantwortet s